ÖSTERREICH-UNGARNS LETZTER KRIEG 1914-1918

HERAUSGEGEBEN VOM ÖSTERREICHISCHEN BUNDESMINISTERIUM FÜR HEERESWESEN UND VOM KRIEGSARCHIV

ERSTER BAND

DAS KRIEGSJAHR 1914

VOM KRIEGSAUSBRUCH BIS ZUM AUSGANG DER SCHLACHT BEI LIMANOWA-ŁAPANÓW

UNTER DER LEITUNG VON EDMUND GLAISE-HORSTENAU

BEARBEITET VON

EDUARD CZEGKA, MAXIMILIAN HOEN, RUDOLF KISZLING, VIKTOR MEDUNA-RIEDBURG, EDUARD STEINITZ, ERNST WISSHAUPT UND GEORG ZÖBL

ZWEITE AUFLAGE

MIT 27 BEILAGEN UND 56 SKIZZEN

/

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, Vorbehalten

Copyright 1930 by Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen in Wien

Einbandzeichnung von Rudolf Junk in Wien

Druck von Paul Kaltschmid in Wien

ZUM GELEITE

DAS WERK, dessen erster Band hiemit in die Hände des Lesers gelangt, wird den Anteil der alten österreichisch-ungarischen Wehrmacht im Weltkrieg 1914—1918 zu schildern haben. Es wird trachten, seiner Aufgabe streng sachlich, ohne Überschwenglichkeit, ohne Beschönigung, ohne Verdunkelung dessen, was geschah, und auch ohne Gehässigkeit gerecht zu werden. Solcherart vor allem berufen, tendenziös geschichtlicher und militärwissenschaftlicher Erkenntnis zu dienen, wird es dennoch oder — besser gesagt — eben deshalb gleichzeitig zu einem letzten Denkmal des gigantischen Heldenkampfes, den Österreich-Ungarns Wehrmacht mehr als vier Jahre hindurch ausgefochten hat, bis sie, noch überall auf Feindesboden, einem unerbittlichen Geschick zum Opfer fiel.

Wenn just wir Deutschösterreicher uns an diese Epopöe heranwagen, so hat dies vor allem seine Ursache darin, daß das Kriegsarchiv in Wien den militärischen Nachlaß des Habsburgerreiches zu verwalten hat. Dieser wissenschaftlichen Berufung gesellen sich jedoch auch ethische Impulse bei. Wir Deutschösterreicher haben uns — mit verschwindenden Ausnahmen — durch Jahrhunderte dem alten Reiche verbunden gefühlt wie kein zweites seiner Völker. Und wir sind auch noch im Weltkrieg, das dürfen wir bei aller Bescheidenheit und ohne Schmälerung anderer, gewiß hervorragender Leistungen sagen, an Entschlossenheit und Opfermut von niemand übertroffen worden. Mag der Abschluß dieser geschichtlichen Vergangenheit auch noch so tragisch gewesen sein, er kann uns nicht daran hindern, ihrer mit Stolz zu gedenken. Wohl bäumt sich unsere Generation noch gegen das unverdiente Schicksal auf, das sie zu Allerseelen 1918 ereilte. Spätere Geschlechter aber werden mit tiefer Ergriffenheit der Väter und Urväter gedenken, die anno 1914 voll hehrer Entsagung die große Prüfung auf sich genommen haben und vier Jahre nachher, um Tausende ihrer Besten beraubt, mit zerfetzten Fahnen und unbedankt, jedoch mit dem nie erlöschenden Ruhme, heimatlichen Boden vor Feindestritt bewahrt zu haben, in das eng und arm gewordene Vaterhaus zurückgekehrt sind.

Das junge österreichische Bundesheer hat in würdiger Selbstbesinnung die Pflicht auf sich genommen, das wissenschaftliche und moralische Erbe des deutschen Soldaten Altösterreichs zu hüten und zu wahren. Es war lediglich eine Erfüllung dieser Pflicht, wenn ich mich als Bundesminister für Heereswesen um das Werden des vorliegenden, mit Zustimmung des Bundeskanzlers Dr. Ignaz Seipel begonnenen Werkes nach Kräften annahm und wenn die Heeresverwaltung mitarbeitet und gemeinsam mit unserm Kriegsarchiv die Herausgabe besorgt. Diese wäre freilich unmöglich gewesen ohne die außergewöhnliche Förderung, die unser Plan innerhalb und außerhalb der Grenzen unseres Landes gefunden hat. Es war wahrhaft erhebend zu sehen, wie sich in diesen Zeiten bitterer wirtschaftlicher Not Tausende von Vorbestellern fanden, deren Opfermut die finanziellen Grundlagen zur Schaffung des Werkes sicherte. Ihrer sei an dieser Stelle in besonderer Dankbarkeit gedacht.

Wohl wissen wir, daß die Taten derer, die in den Jahren 1914—1918 an den österreichisch-ungarischen Fronten zu Lande, zu Wasser und in der Luft gekämpft, gelitten, Jugend, Kraft und Leben geopfert haben, eine ganze Bücherei zu füllen vermöchten. Der Rahmen des vorliegenden Werkes mußte selbstverständlich überaus eng gesteckt werden. Aber er soll doch hinreichen, dem Mitkämpfer den Kreuzweg in Erinnerung zu rufen, den ihn das Schicksal bis zum Golgatha des Niederbruches gehen hieß, und den Söhnen und Enkeln in groben, herben Umrissen ein Bild dessen zu geben, was ihre Altvorderen geleistet und erduldet haben. Mögen die Jungen aus dem Beispiele der Alten Mut schöpfen auf dem Wege mühseliger Arbeit, den sie mit Gottes Hilfe ihr neues, kleines Vaterland aufwärts führen sollen!

Wien, Weihnachten 1929

CARL VAUGOIN

Vizekanzler und Bundesminister für Heereswesen

VORWORT DER SCHRIFTLEITUNG

ZWECK UND ZIEL dieses Werkes werden durch das Geleitwort des Bundesministers für Heereswesen gekennzeichnet. Der Held der Tragödie, die vor dem Auge des Lesers entrollt wird, ist die zugleich mit dem alten Reiche in Trümmer gesunkene Wehrmacht ÖsterreichUngarns. Die Bühne, auf der sich diese Tragödie abspielt, sind die Schlachtfelder in Galizien und Polen, in Serbien und Albanien, am Isonzo, in Tirol und in Venetien. Mit dieser Feststellung ist auch der Stoff des Werkes gegenüber dem Organisationsgeschichtlichen, Politischen, Wirtschaftlichen und Sozialen abgegrenzt. Diese Gebiete sollen nur in dem Ausmaße gestreift werden, als es zum Verständnis des militärischen Geschehens, zumal des militärischen Zusammenbruches, unvermeidlich ist. Auf der eigentlichen Kriegführung wird das Schwergewicht der Darstellung liegen. Daneben soll aber doch auch der Kampf formen gedacht sein, ihrer durch die Kriegssęhauplatze bedingten Eigenart und der Wandlungen, denen sie durch die Einführung neuer Kampfmittel und durch Organisationsänderungen unterworfen waren. Und nicht zuletzt wollen die Verfasser, soweit es nur geht, dem Mahnruf gehorchen, der dem Kriegsgeschichtsschreiber auch in der Epoche des Materialkrieges immer wieder aus dem Schlachtenlärm entgegenhallt: über der Maschine des handelnden, siegenden, leidenden und sterbenden Kämpfers nicht zu vergessen.

Die Bearbeitung dieser bei aller Beschränkung noch genug umfangreichen Stoffgebiete wird, wie gleichfalls das Geleitwort des Heeresministers auseinandersetzt, durch das Gebot mit dem Raume zu sparen, in empfindlich enge Grenzen gezwängt. Die Darstellung der Gefechtshandlungen muß im allgemeinen bei der Division Halt machen, wenn auch mitunter Ausnahmen zugelassen sind. Die Nachteile, die daraus erwachsen, liegen auf der Hand. Sie sind allerdings auch von einem Vorteil begleitet. Da die Archive der einstmals feindlichen Armeen noch nicht zugänglich sind, sehen sich die Verfasser des vorliegenden Werkes vielfach allein auf die Literatur dieser Armeen angewiesen. Sie versagt in den Einzelheiten der Kampfführung fast noch überall, reicht aber immerhin aus, die Entschlüsse und Maßnahmen bis zum Korps oder zur Division einigermaßen aufzuhellen. Da auch auf österreichisch-ungarischer Seite nicht wesentlich über diesen Rahmen hinausgegangen wird, ist der Gesamtdarstellung eine gewisse Einheitlichkeit gesichert.

Von selbst versteht sich, daß die Hauptaufgabe des Werkes darin besteht, die Geschehnisse festzustellen und in geschichtlicher Treue wiederzugeben. Die wissenschaftliche Verantwortung liiefür tragen vor allem die im Vorworte genannten Verfasser; neben ihnen nur noch die Schriftleitung. Werturteile zu fällen wird im allgemeinen Sache des Lesers sein müssen, so er den Wunsch darnach hegt. Völlig läßt sich freilich bei aller Enthaltsamkeit die Kritik nicht aus der Darstellung bannen. Oft enthält auch schon die Art, wie Ereignisse angeführt werden, ein gewisses Maß von unvermeidlicher Kritik. Immer aber werden Verfasser und Schriftleitung in solchen Fällen dem Respekte Rechnung tragen, den jeder Entschluß, jede Tat eines Führers verdient, der unter der Augenblickseinwirkung großer, oft quälend ungewisser Eindrücke zu handeln hatte, und der zumal auch den Leistungen des Kämpfers auf dem Schlachtfelde entgegenzubringen ist, der unter furchtbarster Nervenanspannung den höchsten Einsatz, den des Lebens, wagen mußte.

In der Form wird sich „Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914-1918“ an die Beispiele halten, die das Kriegsarchiv in seinen früheren Werken gegeben hat. Wie in diesen soll dem Leser auch hier das fertige Ergebnis kriegsgeschichtlicher Forscherarbeit in zusammenhängender, geschlossener Darstellung geboten werden. Besondere Urkundenanhänge werden durch die Knappheit des Raumes verboten. Aus dem gleichen Grunde hieß es auf das Zitieren von im Kriegsarchiv aufbewahrten Akten zu verzichten, da sonst die Fußnoten den Text erdrücken würden. Ebenso war in der Anführung der benützten Literatur von Haus aus eine gewisse Beschränkung geboten. Übersichtskarten und Skizzen, die in reicher Zahl beigeschlossen sind, sollen dem Leser das Studium des Textes erleichtern. Gewisse Verschiedenheiten in den Ortsbezeichnungen sind auf die Mangelhaftigkeit der im Kriege erzeugten Karten zurückzuführen. Von Nachteil ist beim ersten Band der Mangel an statistischen Angaben, für die es in den Akten über diese Zeit keine ausreichenden Grundlagen gibt. Diesem Mangel soll in den folgenden Bänden abgeholfen werden.

Die Ereignisse zur See werden in einem Sonderbande dargestellt werden, der Ende 1930 fertig vorliegen wird.

Die Schriftleitung zum vorliegenden ersten Band über den Landkrieg hatten der Unterzeichnete und der Oberstaatsarchivar Gstbsobstlt. a.D. Kiszling inne. Ihnen standen zuerst Hofrat Oberst a. D. H ö d 1 und nachher Hofrat d. R. Oberst a. D. E h n 1 zur Seite. Das Einleitungskapitel „Rüstung zum großen Waffengang“ wurde vom Obstlt. Kiszling (Kriegsvorbereitungen und Mobilisierung), vom Unterzeichneten (Die Wehrmacht von 1914) und vom Major des Bundesheeres Dr. C z e g k a (Kriegsgliederung) bearbeitet. Der „Sommerfeldzug 1914 gegen Rußland“ hat den Obstlt. K i s z 1 i n g, der „Herbstfeldzug 1914 gegen Rußland“ den Hptm. des Bundesheeres Wisshaupt zum Verfasser. Die Schilderung des Balkankrieges übernahm der frühere Direktor des Kriegsarchivs, FML. a. D. H o e n, der dabei Studien des Gstbsobstlt. d.R.Mayern und für den Augustfeldzug auch eine ungedruckte Arbeit des Staatsarchivars Mjr. a. D. Dr. S t ö l l e r benützen konnte. In die Darstellung der Dezemberereignisse teilten sich GM. d. R. S t e i n i t z (Ereignisse in den Karpathen), Oberstaatsarchivar Gstbsobstlt. a.D. M e d u n a-R i e d b u r g (Schlacht bei Limanowa-Łapanów) und Hptm. Wi s s h au p t (Ereignisse nördlich von der Weichsel). Den Rückblick auf die Ereignisse, die sich von Mitte Sep' tember bis zum Ausklang von Limanowa-Łapanów abspielten, verfaßte der Unterzeichnete. Das Personen- und Truppenverzeichnis wurde vom Hofrat d. R. S ac ke n angelegt. Um die Herstellung der Beilagen und Skizzen bemühte sich Obst. des Bundesheeres Z ö b 1. Durch Übersetzung vermittelten GM. d.R. Spannocchi und Mjr. a. D. P i b 1 die Kenntnis russischer, Gstbsobstlt. a. D. Perčevič jene serbischer Werke. Die das Eisen-bahnwesenbetreffendenFragenbearbeiteteGen.d.R.Ing. Ratzenhofer. Die einzelnen Abschnitte wurden jeweils nach Möglichkeit den Armeeführern, deren Wirken sie behandeln, sowie maßgebenden Persönlichkeiten ihrer Umgebung vorgelegt. In den künftigen Bänden soll dieser Kreis beträchtlich erweitert werden. Wo es nicht möglich war, die Mitteilungen und Bemerkungen dieser Persönlichkeiten im Texte zu verwerten, wurden sie in wichtigeren Fällen in der Anmerkung angeführt. Für die überaus wertvolle Mitarbeit sei an dieser Stelle gedankt. Gleicher Dank gebührt dem Generalobersten d. R. S a r k o t i ć- L o v ć e n und dem Gen. d. R. Ing. Ratzenhofer, sowie dem Direktor des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Generalstaatsarchivar Dr. Bittner, für das große Entgegenkommen, das sie durch Durchsicht und Überprüfung des Textes bewiesen haben. Der Herausgabe des Bandes widmeten sich in verdienstvollster Weise der Leiter der Sektion I des Bundesministeriums für Iieeres-wesen, Gen. S c h i e b e 1, der Leiter des Verlages, Obst. des Bundesheeres Schubert, und — als bewährter druck- und verlagstechnischer Beirat der frühere Direktor der Staatsdruckerei, Hofrat G r ü n d i g.

Wien, Weihnachten 1929

Der Direktor des Österreichischen Kriegsarchivs GLAISE-HORSTENAU

VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE

Der rasche Absatz des ersten Bandes führt schon nach Jahresfrist zur Veranstaltung einer zweiten Auflage. In dieser sind Richtigstellungen und Ergänzungen, die aus dem Leserkreise angeregt wurden, soweit wie möglich verarbeitet. Erfreulicherweise waren tiefer greifende, das Wesen der Gesamtdarstellung berührende Änderungen nicht nötig.

An der Herstellung der Neuauflage hatte neben der Schriftleitung und den Verfassern der einzelnen Abschnitte der Oberst des Bundesheeres Zöbl maßgebenden Anteil.

Wien, Weihnachten 1930

Der Direktor des Österreichischen Kriegsarchivs GLAISE-HORSTENAU

INHALTSVERZEICHNIS

Seite

Zum Geleite.....................V

Vorwort der    Schriftleitung.................VII

Vorwort zur    zweiten Auflage................X

Rüstung zum großen Waffengang

Vorbereitungen im Frieden...........

3

3

10

15

15

18

26

26

37

47

58

62


Maßnahmen für die einzelnen Kriegsfälle......

Operations- und Aufmarschpläne........

Mobilisierung und Aufmarsch 1914.........

Das Kräfteaufgebot gegen Serbien und Montenegro .    .    .

Die russische Kriegsgefahr und die allgemeine Mobilisierung

Die Wehrmacht von 1914............

Aufbau und Schulung............

Österreich-Ungarns Völker in Waffen.......

Der österreichisch-ungarische Offizier.......

Das Armeeoberkommando.........

Kriegsgliederung...............

Der Augustfeldzug 1914 gegen Serbien und Montenegro

Vorgeschichte der österreichisch-ungarischen    Offensive........91

Der österreichisch-ungarische Aufmarsch für den Kriegsfall Balkan ...    91

Die Heeresleitung und das Problem des Zweifrontenkrieges.....93

Die Kriegsvorbereitungen der beiden serbischen Königreiche.....97

Serbiens Kriegsrüstung...............97

Montenegro..................101

Die Angriffsbefehle an die 5. und 6. Armee.........102

Gegenmaßnahmen der Feinde.............109

Die Kämpfe bis zum 20. August........................110

Der Übergang der 5. Armee über die Drina (12. bis 15. August) .... 110

Die Offensive gegen die Montenegriner (14. bis 17. August)......119

Untergang der „Zenta“..............120

Die Schlacht am Jadar (16. bis 19. August)..........121

Der Ausklang der östcrreichisch-ungarischen    Augustoffensive......134

Der Rückzug der 5. Armee und Meinungsstreit wegen Sabac (20. u. 21. August) 134

Die Gefechte bei Višegrad und Priboj (20. und 21. August)......139

Die letzten Kämpfe bei Sabac (21. bis 24. August)........141

Die Säuberung der Herzegowina (18. August bis 2. September).....145

Ergebnisse und Folgerungen................146

Der Sommerfeldzug 1914 gegen Rußland

Seile

\uim.u>die und Grenzgefechte...............155

Einleitende Maßnahmen des k. u. k. Armeeoberkommandos......155

Versammlung des öst.-ung. Nordheeres...........162

Bereitstellung und Fernaufklärung...........162

Die letzten Entschlüsse vor Beginn der großen Kämpfe.....168

Kriegsvorbereitungen, Aufmarsch und Angriffsplan des russischen Heeres 173

Der Nordstoß des österreichisch-ungarischen Heeres.........178

Der Sieg bei Kraśnik (23. bis 25. August)...........178

Die Maßnahmen der beiderseitigen Führung in den Tagen der Schlacht

bei Kraśnik................186

Einleitung der Schlacht bei Komarów '26. August;........189

Beginn der Schlacht vor Lublin (26. bis 28. August)........192

Fortführung der Schlacht bei Komarów (Kämpfe bei Zamość und Tomaszów,

27. und 28. August;...............197

Die Schlacht bei Złoczów...............204

Anordnungen für die Abwehr im Osten.........204

Die Begegnungskämpfe am 26. und 27. August........210

Schlußfolgerungen der Feldherren.............219

Die öst.-ung. Offensive auf dem Höhepunkt...........224

Die    Einkreisung    der    Russen bei Komarów (29. und 30. August)    ....    224

Die    Kulmination    der    Angriffe Dankls gegen Lublin und    die    Einnahme    von

Krasnostaw (30. August bis 1. September).........231

Der    Sieg bei Komarów (31. August bis 2. September).......234

Die    Schlacht an    der    Gniła Lipa (29. und 30. August).......242

Die Preisgabe von Lemberg.............249

Verlegung des Schwergewichtes der öst.-ung. Operationen gegen Lemberg (Die

erste Septemberwoche)................259

Beginn der russischen Gegenoffensive bei Lublin.........259

Mitte und Ostflügel der österreichisch-ungarischen Front um den 3. September 262

Die gleichzeitigen Maßnahmen der Russen.........264

Dankls Gegenwehr vor Lublin (4. bis 6. September)........265

Die Schlacht bei Rawa Ruska—Lemberg (6. bis 11. September)......269

Das Eingreifen der Armee Auffenberg (3. bis 7. September).....269

Der Südmarsch der k. u. k. 4. Armee...........269

Das Aufschwenken der 4. Armee bei Rawa Ruska (6. September) .    . 274

Die Rückendeckung durch die Erzherzogsgruppe.......277

Vom Flankenstoß zum Stirnkampf...........280

Der Angriff der 2. und 3. Armee über die Wereszyca (8. und 9. September) 284

Das Abwehrringen bei Rawa Ruska...........290

Das Zurückweichen der 1. Armee südlich von Lublin (1. bis 9. September , 294

Die Feldzugsentscheidung (10. und 11. September).........299

Feldherrenentschlüsse ................299

Allgemeiner österreichisch-ungarischer Angriff gegen Lemberg .... 302

Abbruch der Schlacht.................308

Der Rückzug an den San..............313

Seite

Der erste Feldzug Österreich-Ungarns gegen Rußland im Lichte der heutigen

Geschichtskenntnis.................321

Der österreichisch-ungarische Aufmarsch.........321

Der Angriffsplan Conrads.............324

Das Problem des Flankenschutzes gegen Osten.......326

Die Begrenzung des Nordstoßes............328

Für und wider die Schlacht bei Rawa Ruska—Lemberg.....330

Der Stoß auf Siedlec...............332

Das Ergebnis des Feldzuges.............335

Der Herbstfeldzug 1914 gegen Rußland

Die Feldzugspläne bei Freund und Feind............341

Vorbereitungen für den ersten gemeinsamen Feldzug der Verbündeten .    . 341

Fortführung des öst.-ung. Rückzuges nach Westgalizien und in die

Karpathen ................341

Die Bereitstellung für die neuen Kämpfe.........345

Einfall der Russen in Oberungarn...........348

Conrads Absichten um den 28. September.........349

Die Entstehung der „russischen Dampfwalze“.........351

Der Vormarsch der Verbündeten an die San-Weichselstrecke.......356

Die Monatswende September-Oktober 1914..........356

Die Bewegungen der Russen bis zum 2. Oktober.......359

Das Vordringen des Nordflügels der Verbündeten........361

Die Kämpfe bei Opatów und Klimontów (4. und 5. Oktober).    .    .    .    363

Die Kämpfe im San- und Weichselwinkel (6. bis 8. Oktober)    .    .    .    366

Die Operationen der 4. und der 3. Armee (4. bis 8. Oktober)    .    .    .    370

Der Karpathenübergang der 2. Armee (2. bis 7. Oktober)......373

Die Wiedereroberung des Uzsokpasses..........373

Die erste Belagerung und der Entsatz von Przemyśl.........378

Einschließung und Berennung der Festung durch die Russen.....378

Siegreiche Abwehr des gewaltsamen Angriffes derRussen(5. — 7.Oktober) 381 Anordnungen für den Entsatz    von    Przemyśl (7. und 8. Oktober)    ....    383

Rückzug der Russen von    der    Westfront der Festung......384

Das    Vordringen der 4. Armee    auf    Jaroslau (8. bis 11. Oktober)    ....    386

Der Entsatz der Festung Przemyśl durch die 3. Armee (8. bis 12. Oktober) 390 Das Vordringen der 2. Armee über Chyrów und gegen Stary Sambor (8. bis

10. Oktober) .................393

Die Vertreibung der Russen bei Turka..........394

Die Säuberung der Waldkarpathen (1. bis 10. Oktober).......395

Die 1. Armee zwischen dem 7. und 10. Oktober.........397

Die erste Phase der Schlacht bei Przemyśl und Chyrów (10. bis 23. Oktober) .    . 399

Die Kämpfe vom 10. bis 12. Oktober............399

Das Vorbrechen der 2. Armee bei Chyrów und Turka.....401

Halt südlich von Przemyśl und am San.........406

Die Entschlüsse der öst.-ung. Heeresleitung um den 12.    Oktober .... 408

Maßnahmen der Russen..............411

Seile

Fortführung des Angriffes südlich von Przemyśl bis zum Eingreifen des

k. u. k. III. Korps................413

Der Gegenangriff der russischen 8. Armee..........417

Vordringen der Gruppe GM. Hof mann auf Stryj.......424

Vergeblicher Vorstoß über den San............425

Entschluß zur Entsendung der 1. Armee über die Wcichsel.....430

Das Festlaufen des Angriffes der 3. und der 2. Armee (18. bis 22. Oktober) 435

Nachgeben des rechten Flügels am Karpathenrande......438

Der erste Vorstoß der Russen über den San (18. bis 23. Oktober) .    .    .    440

Die Schlacht bei Iwangorod (22. bis 26. Oktober)..........450

Der Angriff Dankls gegen die russische 4. Armee........450

Das Eingreifen der russischen 9. Armee und die Kämpfe am 23. und

24. Oktober................458

Das Ringen um die Entscheidung (25. bis 26. Oktober).......464

Der Rückzug der k.u.k. 1. Armee............467

Die zweite Phase der Schlacht bei Przemyśl und Chyrów (23. Oktober bis 2. November) ....................471

Das Ringen der 2. Armee zwischen dem 23. und 27. Oktober.....471

Entlastungsstöße beiderseits von Przemyśl (23. bis 28. Oktober) .... 476 Fortdauer der Kämpfe am unteren San (23. bis 26. Oktober) .... 479 Neuerliches Vordringen der 2. Armee (23. Oktober bis 2. November) .    .    .    480

Der Karpathenübereane der Armeegruppe Pflanzer-Baltin (22. Oktober bis

6. November).................483

Der zweite Vorstoß der Russen über den San (29. Oktober bis 2. November) 487

Die große Neugruppierung der Verbündeten...........489

Rückzug der 1. Armee von Iwangorod bis an die Opatówka (27.bis 31. Oktober) 489 Das Treffen an der Opatówka und der Entschluß zum allgemeinen Rückzug

(31. Oktober bis 2. November)............497

Der Aufbau der neuen Schlachtfront bei Krakau und Czenstochau .    .    .    501

Preisgabe der Walstatt von Przemyśl und Chyrów (3. und 4. November) 503 Der Rückzug gegen Krakau und die Verlegung der 2. Armee nach PreußischSchlesien .............................    506

Der Vormarsch der Russen...............514

Bereitstellung des öst.-ung. Nordheeres zur neuen Schlacht.....517

Die Schlachten bei Krakau und Czenstochau...........522

Der Beginn der Kämpfe (16. und 17. November)........522

Die Vorgänge auf russischer Seite...........528

Der Fortgang der Schlachten zwischen dem 18. und 20. November .    .    .    529

Vordringen der 3. Russenarmee gegen den Dunajec (16. bis 24. November) 536 Entscheidungskämpfe der k. u. k. 4. Armee nördlich von Krakau (21. bis

24. November).................540

Vergebliches Ringen der 4. Armee um den Sieg (22. bis 24. November) 543 Der Ausgang der Schlacht bei der 1. Armee (21. bis 25. November) .    .    .    546

Die Umfassungskämpfe bei der 2. Armee zwischen dem 21. und 28. November 549 Der allmähliche Abbruch der Schlacht bei Krakau und Conrads neuer Operationsplan (24. bis 30. November)...........553

Die ersten großen Kämpfe in den Karpathen...........563

Seite

Die Doppelaufgabe der k. u. k. 3. Armee...........563

Rückzug der 3. Armee auf die Karpathenpässe    (10. bis 19. November) .    . 568

Erwägungen beim 3. Armeekmdo............571

Der Russenangriff nördlich von Homonna (19. bis 22. November) .    .    .    574

Der Flankenstoß des öst.-ung. IX. Korps...........577

Der Hauptansturm Brussilows in den Beskiden (22. November bis 2. Dezember) 580 Der öst.-ung. Gegenangriff bei Homonna (24. bis 28. November) .    .    582

Der Verlust des Duklapasses (24. bis 28.    November)......584

Der russische Vorstoß auf Bartfeld (28. November bis 2. Dezember) 588 Die Armeegruppe Pflanzer um die Wende November-Dezember 1914 .    .    593

Die nächsten großen Entschlüsse.............595

Der Kriegsrat von Siedlec.............595

Die Begegnung zu Breslau.............598

Der Herbstfeldzug 1914 gegen Serbien und Montenegro

Die Schlacht an der Drina (6. September bis 4. Oktober)........603

Der Operationsplan des FZM. Potiorek...........603

Der serbische Operationsplan..............605

Der Einfall der Serben in Syrmien.............607

Beginn der Schlacht an der Drina.............609

Das Vordringen der 6. Armee gegen Krupanj (8. bis 13. September) . 609

Die letzten Kämpfe in Syrmien............615

Fortsetzung der Schlacht an der Drina (14. bis 16. September).....617

Flankenangriff des Komb. Korps FML. Krauss (16. bis 20.    September) .    . 621

Die Zurücknahme der k. u. k. 6. Armee (17. und 18. September) .... 625

Das Ringen um die Jagodnja (19. bis 22. September).......628

Abflauen des Kampfes bei der 6. Armee (23. und 24. September' .... 633 Einbruch der Serben und Montenegriner in Südostbosnien (23. bis 28. September) ...................635

Das Erlahmen des Angriffes der 5. Armee..........638

Angriffe des VIII. Korps lind Verstärkung des Komb. Korps (23. bis

28. September)..................638

Totlaufen des Angriffes der 5. Armee (29. September    bis 4. Oktober; 641

Kämpfe in der Südflanke der 6. Armee...........643

Verstärkung der öst.-ung. Truppen bei Vlasenica (29. September bis

4. Oktober)................643

Wiedereroberung der Olovocr Waldbahn (4. bis 10.    Oktober) .    .    . 645

Operationspause (11. bis 17. Oktober)............648

Die Schlacht auf der Romanja planina (18. bis 30. Oktober1}.......65 t

Die Eroberung der Hochfläche (18. bis 21. Oktober).......65 L

Verfolgung bis an die Drina (22. bis 30. Oktober)........655

Kämpfe mit den Montenegrinern (19. bis 30. Oktober).......656

Die Offensive gegen Valjcvo (24. Oktober bis 15. November).......658

Angriffsvorbereitungen................658

Seite

Beendigung der Macvakämpfc und serbischer Durchbruchsvcrsuch auf dem

Cíiičcvo ^24. bis 31. Oktober..............    661

Angriffe der öst.-ung. Fliigelgruppcn ^ 1. bis 5. November'i.....663

Der Sieg an der Drina (6. bis 9. November)..........665

\ erfolgungskämpfc ^10. bis 12. November ..........671

Die Hinnahme von Valjevo (13. bis 15. November'........675

Die Schlacht an der Kolubara und am Ljig (16. bis 28. November).....679

Schwierigkeiten beim Flußübergang der k. u. k. Balkanstrcitkräftc (16. bis

18. November)....................679

Allmähliches Aufhellen der Lage ^ 19. bis 22. November)......687

Einbrüche in die serbische Heeresmitte (23. bis 26. November).....695

Das Ringen der 6. Armee um den Sieg (26. bis 28. November) .... 699

Der Rückschlag (29. November bis 15. Dezember)..........707

Der Rückzug der Serben...............707

Verhängnisvolle Entschlüsse...............709

Beabsichtigte Erholungspause.............709

Der Nordostmarsch der 5. Armee gegen Belgrad.......711

Versäumte Rast bei der 6. Armee.........../13

Der serbische Plan zum Gcgenschlag............715

Die Schlacht bei Arangjelovac..............716

Entscheidungskämpfe am 3. und 4. Dezember........716

Rückzug des XVI. Korps hinte.' die Kolubara (^5. bis 7. Dezember) . 722 Der Entschluß zum Abbrechen der Schlacht bei Arangjelovac (8. und

9. Dezember,..................    732

Das Aufgeben der Kolubaralinie............738

Rückzug des XV. und des XVI. Korps hinter die Save (10. bis 13. Dezember^ 739

Die Räumung von Belgrad (12. bis 15. Dezember........742

Rückblick und Ausklang................. 748

Der Feldzug von Limanowa-Łapanów

Die Ereignisse nördlich der Weichsel.............765

Eingreifen der Armee Böhm-Ermolli in die Kämpfe südlich von Łódź

(29. November bis 14. Dezember)...........765

Die Begebenheiten bei der Armee Dankl.........773

Die Schlacht bei Limanowa-Łapanów..............774

Beginn und Krisis (1. bis 10. Dezember^...........774

Das Einsetzen der Angriffsgruppe der 4. Armee. Vorgänge bei der

Armee Boroević...............^74

Flankenangriff gegen den Südflügel der Armee Dimitriew (3. bis 6. Dezember) .................778

Der Höhepunkt der Schlacht (7. bis 10. Dezember)......785

Offensive der k. u. k. 3. Armee (6. bis 10. Dezember).......795

Befehle zum Eingreifen der Armee Boroević........795

Przemyśl seit der zweiten Einschließung.........797

Beginn der Offensive der Armee Boroević.........798

Seite

Vorgänge bei der Armeegruppe Pflanzer-Baltin    vom    4.    bis    12. Dezember    .    804

Die Entscheidung (11. bis 13. Dezember)...........805

Der Damm gegen die Russenflut..............813

Rückblick auf die Ereignisse im Nordosten seit    Mitte    September    1914    .    .    813

Personenverzeichnis.................819

Verzeichnis der öst.-ung. Truppenverbände..........827

Verzeichnis der Deutschen Truppenverbände    .........834

BEILAGEN- UND SKIZZENVERZEICHNIS

Karte 1: 750.000 des nordöstlichen Kriegsschauplatzes.....

Beilage 1

Karte 1: 750.000 des südöstlichen Kriegsschauplatzes.....

•>1

2

Eisenbahnkarte Österreich-Ungarns zu Kriegsbeginn mit der Leistungsfähigkeit der Strecken, ausgedrückt nach Zugslänge und Zugsanzahl im Tage

n

3

Die mobilen Landstreitkräfte und ihre geplante Verwendung . .

n

4

Eisenbahn-Aufmarschlinien für die Kriegsfälle Rußland und Balkan

5)

5

Schematische Aufmarschgruppierung, Kriegsgliederung und Stärke der öst.-ung. Streitkräfte bei Kriegsbeginn 1914..........

6

Aufmarsch der gegnerischen Heere auf der Balkanhalbinsel Mitte August 1914

n

7

Lage auf dem südöstlichen Kriegsschauplatz am 19. August 1914 abends

»

8

Lage am 22. August...............

>>

9

Die Schlacht bei Złoczów.............

10

Lage am 1. September 6^ abends...........

>)

11

Lage in Ostgalizien um Mitternacht vom 5. auf 6. September . . .

12

Lage am 11. September abends............

13

Lage am 30. September 1914 abends...........

>)

14

Kriegsgliederung anfangs Oktober 1914.........

>)

15

Der Entsatz von Przemyśl.............

>>

16

Lage am 10. Oktober 1914 abends...........

17

Die Schlacht bei Iwangorod. Lage am 26. Oktober 1914 nachmittags abends .................

und

V

18

Lage am 5. November 1914 abends...........

19

Lage am 15. November 1914 abends..........

>>

20

Gruppierung am 5. September 1914...........

»

21

(Nebenskizze: Das Kampfgelände des XV. und des XVI. Korps^

Ereignisse von Mitte September bis Anfang Oktober 1914 . . . .

))

22

(Nebenskizze: Das Kampfgelände in Syrmien)

Die Schlacht an der Kolubara und am Ljig........

23

Die Schlacht bei Arangjelovac............

24

(Nebenskizze: Die Räumung von Belgrad)

Gruppierung der beiderseitigen Streitkräfte zur Retablierung Ende tember 1914........... . .

Sep-

25

Lage in Polen am 29. November 1914..........

V

26

Offensive der und der 4. Armee bis zum 20. Dezember 1914.    .    .    Beilage 27

Nebenskizze: Schematische Darstellung des Kräfteeinsatzes zur Schlacht bei Limanowa-Lapanów)

Fernaufklärung ..................Skizze 1

Der russische Aufmarsch; Zusammensetzung der Armeen......„    2

Der Sieg bei Kraśnik................    .    „    3

Einleitungskämpfe bei der Armee Auffenberg..........„    4

Der Vorstoß Dankls gegen Lublin (26. bis 28. August).......„    5

Die Kämpfe der k. u. k. 4. Armee bei Zamość und Tomaszów.....„    6

Lage in Ostgalizien am 28. August abends..........,,    7

Die Einkreisung bei Komarów..............„    8

Schlacht an der Gniła Lipa...............„    9

Lage am 2. September abends..............„10

Die Kämpfe südlich Lublin vom 2. bis 6. September.......»11

Die Ereignisse zwischen Bug und Wieprz vom 2. bis 6. September    ...    „12

Allgemeine Lage am 7. September abends...........»13

Die Schlacht bei Rawa Ruska—Lemberg...........„14

Kämpfe der 1. Armee am 9. und 10. September.........„15

Der Rückzug der 4. Armee (10. bis 14. September)........„16

Lage in Galizien am 16. September 1914...........»17

Operationsplan für den Oktoberfeldzug 1914.........,,    18

Der russische Aufmarsch an der mittleren Weichsel im Oktober 1914 .    .    „19

Kämpfe im San—Weichselwinkel. Lage am 8. Oktober 1914 abends .    .    „20

Die Belagerung der Festung Przemyśl. Lage am 6. Oktober 1914 ....    »21

Kämpfe bei Chyrów und Stary Sambor. Lage am 12. Oktober    1914 abends    .    „    22

Die Kämpfe am San. Lage am 14. Oktober    1914    abends......»23

Die Kämpfe bei Chyrów und Stary Sambor.    Lage    am    15. Oktober 1914 .    .    „24

Der Vormarsch der Gruppe Hofmann auf Stryj und Brussilows Gegenmaßnahmen (8. bis 20. Oktober 1914)...........»25

Kämpfe bei Przemyśl, Chyrów und Stary Sambor. Lage am 20. Oktober 1914    „    26

Die Kämpfe am San. Lage am 22. Oktober 1914 abends......„27

Die russische Umfassung am Südflügel der 2. Armee. Lage am 25. Oktober 1914..................»28

Die Kämpfe am San. Lage am 26. Oktober 1914 abends......„29

Die Verlegung der Armee Dankl nach Polen. Lage am 18. Oktober    1914    .    „    30

Die Bereitstellung der 1. Armee für den Vorstoß auf Iwangorod. Lage am

21. Oktober 1914 abends..............»31

Die Schlacht bei Iwangorod. Lage am 26. Oktober 1914.......„32

Das Eingreifen der Armeegruppe Pflanzer-Baltin im Oktober    1914    ...    »33

Das Vordringen der 2. Armee vom 28. Oktober bis 2. November    1914 .    .    „34

Der Rückzug der 1. Armee an die Opatówka. Lage am    30.    Oktober    1914

abends..................■    »35

Lage bei Krakau vom 16. bis 18. November 1914.........»36

Lage der 2. Armee am 21. November 1914 abends........»37

Lage der 4. und der 1. Armee am 22. November 1914.......„38

Lage in Westgalizien am 19. November 1914..........»39

Lage der deutschen 9. Armee am 22. November 1914.........40

Beilagen- und Skizzenverzeichnis

XIX

Lage der 2. Armee am 26. November 1914.....

Lage bei Krakau am 27. November 1914.....

42

Lage in den Karpathen am 25. November 1914 . . .

43

Lage in den Karpathen am 2. Dezember 1914 abends . .

44

Lage am östlichen Kriegsschauplatz am 1. Dezember 1914 . .

45

Flankenstoß der 6. Armee in der Drinaschlacht . .

46

Beiderseitige Lage am 11. September 1914 abends vor

Abbruch

der serbi-

sehen Offensive in Syrmien.......

47

Lage der 5. Armee anfangs Oktober 1914 ....

48

Schlacht auf der Romanja planina......

49

Angriff der 5. Armee auf die Bodenwellen südlich von

50

Ende der Schlacht an der Drina......

51

Offensive gegen Valjevo ........

52

Neue Stellung der Serben am 17. November . . .

53

Kämpfe bei Bełchatów.........

54

Lage der 4. Armee am Abend des 6. und 9. Dezember

55

Lage der Armeegruppe Pflanzer-Baltin am 4. Dezember

1914 .

56

VERZEICHNIS DER ABKÜRZUNGEN

AOK. = Armeeoberkommando Baon. = Bataillon bh. = bosnisch-herzegowinisch BHD. = Bosnien, Herzegowina, Dalmatien BOK. = Oberkommando der Balkanstreitkräfte

DOHL. = Deutsche Oberste Heeresleitung DonD.I (II), DrinD., MorD., SumD., TimD. = Donau- (Drina-, Morava-, Sumadia-, Timok-) Division I. (II.) Aufgebotes DR., HR., UR. = Dragoner-, Husaren-, Ulanenregiment FABrig. = Feldartilleriebrigade FHR. (FHD.) = Feldhaubitzregiment (-division)

FJB. = Feldjägerbataillon FKR. = Feldkanonenregiment finn. = finnisch

Genkmdo. = Generalkommando (deutsch) GID. = Gardeinfanteriedivision (deutsch, russisch)

GKD. = Gardekavalleriedivision (deutsch, russisch)

GRIBrig. = Gardereserveinfanteriebrigade (deutsch)    .

GbBrig. = Gebirgsbrigade Gen. = General

GFM. = Generalfeldmarschall (deutsch) GLt. = Generalleutnant (deutsch, russ.) GdA. = General der Artillerie (deutsch, russisch)

GrenD. = Grenadierdivision (russisch) GrenKorps = Grenadierkorps (russisch) HHR. = Honvédhusarenregiment HIBrig. = Honvédinfanteriebrigade HID. = Honvédinfanteriedivision IBrig. = Infanteriebrigade

ID. = Infanteriedivision IR. (HIR., LstlR., GIRV = Infanterie-(Ilonved-, Landsturm-, Gardeinfanterie-) regiment kauk. = kaukasisch KBrig. = Kavalleriebrigade KD. = Kavalleriedivision KJR. = Kaiserjägerregiment KombD. = kombinierte Division (serb.) Komb. KD. = kombinierte Kavalleriedivision

Kmdo. = Kommando KosD. = Kosakendivision KSchBrig. (KSchR.) = Kaiserschützenbrigade (-regiment)

Kub. = Kuban

LstEtBrig. = Landsturmetappenbrigade LstlBrig. = Landsturminfanteriebrigade LstlD. = Landsturminfanteriedivision LstTerrBrig. = Landsturmterritorialbrigade

LD. = Landwehrdivision (deutsch)

LKorps = Landwehrkorps (deutsch) MaBrig. = Marschbrigade öst.-ung. = österreichisch-ungarisch rt. SchR.= reitendes Schützenregiment RIBrig. = Reserveinfaruteriebrigade (deutsch)

RD. = Reservedivision (deutsch, russisch)

SchBrig. = Schützenbrigade

SchD. =-■ Schützendivision (öst., russ.^

Schwd. = Schwadron

sFHD. = schwere Feldhaubitzdivision

sib. = sibirisch

SOK. = Serbisches Oberkommando Stawka = Russische Oberste Heeresleitung Transb. = Transbaikal turk. = turkestanisch


Weitere Abkürzungen siehe Seite 62.

Bei Truppen sind im Texte die 1918 gültigen Bezeichnungen angewendet, zum Beispiel Schützen, Kaiserschützen, reitende Schützen, Honvéd und nicht k. k. Landwehrinfanterie, Landesschützen, Landwehrulanen, k. u. Landwehrinfanterie.

RÜSTUNG ZUM GROSZEN WAFFENGANG

1


Vorbereitungen im Frieden

Hiezu Beilagen 1 bis 5

Maßnahmenfür die einzelnen Kriegsfälle

Von den Mächten, die Österreich-Ungarn umgaben, waren Rußland und seine beiden Balkanschützlinge Serbien und Montenegro mindestens seit einem Jahrfünft Gegner mit offenem Visier. Aber der österreichischungarische Generalstab durfte sich bei seinen Erwägungen nicht auf diese beiden Kriegsfälle beschränken. Es gab außer den genannten Nachbarn noch zwei bedenkliche Fragezeichen im Konzept: Italien, das seit 1882 dem Dreibund angehörte, dessen Verhalten aber — zum mindesten seit der Jahrhundertwende — genug Anlaß zu Mißtrauen bot, und Rumänien, das 1883 ein seither mehrmals erneuertes Militärabkommen mit Österreich-Ungarn abgeschlossen hatte1), jedoch seit dem Balkankrieg 1912/13 gleichfalls verstimmt zur Seite getreten war. GdI. Freih. v. Conrad hatte im Dezember 1912 in Bukarest noch selbst Vereinbarungen für ein Mitgehen Rumäniens gegen Rußland getroffen2). Er rechnete aber seit dem Sommer 1913 mit dieser Hilfe nur mehr sehr bedingt. Noch weniger hoffte er auf die Erfüllung der Abmachungen, die im Winter darauf zwischen den Mittelmächten und Italien3) über den Einsatz von drei Korps und zwei Kavalleriedivisionen im Elsaß zustande gekommen waren. Inmitten haßerfüllter, landhungriger Feinde und unverläßlicher Freunde blieb der Donaumonarchie nur ein wirklich verläßlicher Bundesgenosse übrig — Deutschland, das in gleicher Weise lediglich mit der Waffenbrüderschaft Österreich-Ungarns rechnen durfte. Es war eine genug schwierige Lage, die es erklärlich macht, daß GdI. Conrad als voraussichtlicher Feldherr seit 1907 immer wieder den verzweifelten Gedanken erwog, den Ring der Widersacher in einem günstig erscheinenden Augenblick wenigstens nach einer Richtung zu sprengen und so der drohenden

x) Vgl. vor allem P ř i b r a m, Die politischen Geheimverträge Österreich-Ungarns 1879—1914 (Wien 1920), I, 128 ff.

2)    Conrad, Aus meiner Dienstzeit 1906—1918 (Wien 1921—1925), II, 363 ff.

3)    Ebenda, III, 85 ff.

Einkreisung zuvorzukommen; doch setzte solchen Plänen die unbedingte Friedensliebe des Kaisers Franz Joseph I., des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand und der verantwortlichen Staatsmänner stets ein unüberwindliches Hindernis entgegen.

So schwere Gewitterwolken über dem politischen Horizont der Donaumonarchie hingen, so konnte der österreichisch-ungarische Generalstab doch nicht daran denken, seine technischen Vorbereitungen gegen einen gleichzeitigen Angriff aus drei Richtungen, von Rußland, vom Balkan und von Italien her, zu treffen. Hier mußte die Diplomatie helfen, mochte Conrad auch sonst dem Erfolge ihres Wirkens einiges Mißtrauen entgegenbringen. Immerhin aber hatten die Krisen von 1908/9 und 1912/13 klar geoffenbart, daß, ob von den großen Mächten nun Rußland oder Italien gegen Österreich-Ungarn auf den Plan trat, sich Serbien gewiß den Feinden des Habsburgerreiches zugesellen werde. Daraus ergab sich die Forderung, die Vorbereitungen für die Kriegsfälle R und I — so lautete die im k. u. k. Generalstab übliche Abkürzung — stets auch durch Vorsorgen gegen den Balkan, für einen Kriegsfall B, begleiten zu lassen. Seit dem Frieden von Bukarest (1913) wurde überdies für jeden der beiden Fälle auch der Anschluß Rumäniens an Rußland oder die beiden serbischen Königreiche in Rechnung gestellt1). Im Rahmen der vorliegenden Darstellung sind nur die Maßnahmen für die Kriegsfälle R und B einer näheren Betrachtung zu unterziehen, da nur sie in die Tat umgesetzt wurden. Der Aufmarsch unserer Streitkräfte gegen Italien vollzog sich im Jahre 1915 in wesentlich geänderter, in Friedenszeit nicht vorgesehener Lage. Auch gegenüber Rumänien konnten sich die Kriegsvorbereitungen nur auf eine Sicherheitsbesatzung in Siebenbürgen beschränken, wie sie für dieses Grerizland im Kriegsfall R unter allen Umständen vorgesehen war.

Gdl. Conrad stimmte seit dem Jahre 1909 mit dem deutschen Chef des Generalstabes GO. v. Moltke darin überein, daß bei einem Zweifrontenkrieg Deutschland zuerst die Masse seines Heeres gegen den Feind im Westen zu führen habe. Moltke hoffte, diesen in möglichst kurzer Zeit, etwa binnen sechs Wochen vom Operationsbeginn an, besiegen zu können2). Dann sollten starke Teile des deutschen Heeres nach Osten geworfen werden. Bis dahin mußte Österreich-Ungarn — gegebenenfalls zusammen mit Rumänien — die Hauptlast des erwarteten russischen

Die große Politik der europäischen Kabinette 1871—1914, XXXV (Berlin 1926), 317 ff.

2) Conrad, I, 383, 387.

Stoßes auf sich nehmen1). Das zu Anbeginn an ihre Seite tretende deutsche Ostheer war zunächst auf 12 bis 14 Divisionen angesetzt, denen man als erste Verstärkung 5 Infanteriedivisionen zweiter Linie zudachte.

Diese Vereinbarungen zwischen den Verbündeten bedingten, daß im Kriegsfälle R die Hauptmasse des österreichisch-ungarischen Heeres, das heißt eigentlich jeder sonstwo entbehrliche Mann, gegen Rußland angesetzt werde. Nun war es aber — bei aller durch die Erfahrungen aus den Krisen 1908/9 und 1912/13 bedingten Unwahrscheinlichkeit — doch nicht ausgeschlossen, daß Rußland bei einem Kriege Österreich-Ungarns gegen Serbien wenigstens für eine Zeitlang abseits blieb oder bleiben mußte und so dem Habsburgerreich Gelegenheit zur Entfaltung größerer Kräfte gegen den südöstlichen Bedränger bot. Inwieweit es möglich war, solche Lagen auszunützen, hing in hervorragendem Maße von der Gestaltung und der Leistungsfähigkeit des Bahnnetzes ab.

Schon in den Feldzügen 1859, 1864 und 1866 hatten die österreichischen Eisenbahnen der Kriegführung wertvolle Dienste geleistet. Seit 1865 gab es ein Eisenbahnbureau des Generalstabes2). Bevor das Kriegsleistungsgesetz (1912) in Geltung trat, waren die gesetzlichen Grundlagen für ein Zusammenarbeiten des Generalstabes mit den sehr mannigfaltigen Bahnbehörden sowohl für die Friedens- wie für die Kriegszeit noch recht wankend. Zudem war es selbstverständlich gewesen, daß sich der Ausbau des Bahnnetzes nicht nach den Kriegsbedürfnissen, sondern nach den Forderungen des friedlichen Personen- und Lastverkehres richtete und daß sich die Vertretungskörper nur äußerst selten bereit fanden, große Beträge für rein strategische Bahnen aufzuwenden. Nicht zum geringsten spielte hier — man denke an die Verbindung Dalmatiens mit dem Reich und an den vielgenannten Annaberger Anschluß zwischen Preußisch-Schlesien und Ungarn — die politische und wirtschaftliche Rivalität der beiden Staatsgebiete hinein. So kam es, daß im Jahre 1914 nach Deutschland und der Schweiz 54 Schienenstränge, nach Italien 5, nach Rußland und Rumänien nur je 4, nach Serbien gar nur 1 Schienenstrang

*) Schriftliche Vereinbarungen zwischen GdI. Conrad und dem Chef des rumänischen Generalstabes, General Alexander Averescu, 30. November 1912 (Conrad, II, 363 ff). Diesen zufolge hatte im Kriegsfall R die rumänische Armee mit 4 Korps im Raume Birlat-Foc$ani-Tecuciu, mit 1 Korps bei Roman, mit 3 bis 4 Reservedivisionen bei Buzeu und mit 1 Reservedivision in der Dobrudscha aufzumarschieren.

2) S a u r a u und Meister-Keutnersheim, Unsere Eisenbahnen im Weltkriege (Wien 1924), 8f; auch Meister, Geschichte des Eisenbahnbureaus (Mitteilungen aus dem Eisenbahn- und Schiffahrtswesen im Weltkriege, Wien 1918, September- und Oktoberheft).

die Grenze überquerten und daß es zur 500 km langen Küste Hochkroatiens und Dalmatiens überhaupt keinen Vollbahnanschluß gab.

Von diesen gegebenen Verhältnissen ausgehend, waren die militärischen Bahnbehörden bestrebt, eine möglichst rasche und reibungslose Durchführung der durch die Mobilisierung und den Aufmarsch bedingten Bahnbewegung zu erzielen. Sie wurden in diesem Bestreben von dem k. k. Eisenbahnministerium in Wien und dem k. u. Handelsministerium in Budapest stets verständnisvoll unterstützt. Der Gedanke, daß es auch während des Krieges zu großen Bahnbewegungen kommen werde, trat gegenüber den Mobilisierungsvorbereitungen wohl in den Hintergrund. Die Militärbahnbehörden haben sich aber auch in diese Aufgabe rasch hineingefunden.

Bis zur Jahrhundertwende galten die Kriegsvorbereitungen des Generalstabes in überwiegendem Ausmaße dem Kriege gegen Rußland. Wichtige strategische Linien, ohne die später die Karpathenverteidigung fast unmöglich geworden wäre, verdankten dem zähen Drängen des damaligen Chefs des Generalstabes F2M. Freih. v. Beck ihre Entstehung. Sein Nachfolger GdI. Conrad wendete sein Augenmerk auch Italien zu. Nach Südungarn liefen verhältnismäßig zahlreiche Bahnstränge. Dagegen scheiterte an dem Widerstande Ungarns auch nach den trüben Erfahrungen aus den beiden Balkankrisen alles Bemühen, die Bahnverbindungen nach BHD. auf das unbedingt Nötige zu verbessern. Der Vergleich mit Rußland, das, von französischem Gelde unterstützt, an den Ausbau seines Bahnnetzes die machtvollsten Anstrengungen setzte, springt sowohl bei einem Blick auf Bosnien wie auf Galizien in die Augen. Zumal im Südosten Österreich-Ungarns wirkte die ungünstige Bahnlage auch auf die Führung des Feldzuges entscheidend zurück.

Die verschiedenen Möglichkeiten, die sich beim Auftreten Serbiens und Rußlands für die Kriegführung des Donaureiches ergeben konnten, veranlaßten den Generalstab, ein System von Alternativaufmärschen zu ersinnen1). Er zerlegte das 1100 Bataillone starke Feldheer für die Aufmarschbewegung in drei große Massen. Die erste dieser Massen, die er ,,A-Staffel“ nannte, war die mächtigste, sie bestand aus insgesamt 281? Infanterie- und 10 Kavalleriedivisionen, zu denen noch 21 Landsturminfanterie- und Marschbrigaden traten2). Sie war unter allen Um-

Kiszling, Österreich-Ungarns Kriegsvorbereitungen (Militärwissenschaftliche und Technische Mitteilungen, Wien 1922, 273 ff).

2j I., II., III., V., VI., X., XI., XII. und XIV. Korps samt der 13., 22., 43.,

44., 45. und 46. SchD. und der 37., 38., 39. und 41. HID. sowie sämtliche Kavallerie-

Die Aufmarschvarianten

ständen gegen Rußland bestimmt und sollte grundsätzlich von Haus aus nach Galizien geführt werden. Festzuhalten ist, daß diese erste große Heeresmasse die in den galizischen Aufmarschraum gehenden Eisenbahnen bis zum 18. Mobilisierungstage!) voll in Anspruch nahm.

7


Die zweite Heeresmasse, die der Mobilisierungsplan vorsah, bestand,, als „Minimalgruppe Balkan“ zusammengefaßt, aus Heereskörpern in der Stärke von 8 Infanteriedivisionen und 7 Landsturminfanterie- und Marschbrigaden2). Sie hatte auf alle Fälle gegenüber den südslawischen Königreichen aufzumarschieren und war so bemessen, daß sie diese mit einiger Verläßlichkeit in Schach halten konnte.

Eine dritte Heeresmasse, die „B-Staffel“, umfaßte alle übrigen Heereskörper. Sie hatte, wenn in einem Balkankonflikt Rußland ruhig blieb, verstärkt durch zwei Kavalleriedivisionen der ,,A-Staffel“, gleichzeitig mit der „Minimalgruppe Balkan“ an die Grenzen Serbiens zu rollen und so dieser solche Verstärkungen zuzuführen, daß der Feind entscheidend aufs Haupt geschlagen werden konnte. Trat das Zarenreich hingegen sofort auf den Plan, so war die „B-Staffel“ grundsätzlich für Galizien bestimmt. Nur konnte sie in diesem Falle mit der Masse erst nach dem 18. Mobilisierungstage auf die Bahn gesetzt werden, da vorher das Netz dem Transport der „A-Staffel“ zu dienen hatte. Die der „B-Staffel“ zugedachte Stärke belief sich auf 12 Infanteriedivisionen,

1 Kavalleriedivision und 6 Landsturminfanterie- und Marschbrigaden3).

Neben den drei Aufmarschstaffeln war noch eine kleine, aus der 10. ID. und der 95.LstIBrig. bestehende „Reserve des AOK.“ vorgesehen, die im Kriegsfall B in ihren böhmischen Garnisonen stehen zu bleiben, im Kriegsfall R aber mit der „B-Staffel“ nach Galizien zu rollen hatte.

Aus diesen Aufstellungen ergibt sich, daß für den Kriegsfall B — bei alleinigem Auftreten Serbiens und Montenegros gegen die Mon-

divisionen mit Ausnahme der 10. KD. und schließlich die in den betreffenden Korpsbezirken bodenständigen Landsturm- und Marschformationen.

1)    Der Mobilisierungsbefehl hatte jeweils ein bestimmtes Datum als „ersten Mobilisierungstag“ festzusetzen, auf dem das ganze Mobilisierungsprogramm aufgebaut war.

2)    Sarajevoer XV. und Ragusaer XVI. Korps (BHD.), Agramer XIII. Korps mit 42. HID. („Domobranzen“) und 13. MaBrig., 20. HID., k. k. 36., k. u. 104., 107. und 109. LstlBrig., 4 Honvédmarschregimenter (für die zwei HID.), schließlich die Besatzungen der Festung Peterwardein und der festen Plätze in BHD.

3)    Zusammensetzung der „B-Staffel“: IV., VII., VIII., IX. Korps, 21. und 26. SchD., 23. und 40. HID., 10. KD., k. k. 95. und k. u. 102. LstlBrig. nebst den zu-

S    Rüstung    zum    großen    Waffengang

archie — 20 Infanterie- und 3 Kavalleriedivisionen, sowie eine Anzahl von Landsturm- und Marschverbänden, also mehr als ein Drittel des Gesamtheeres zum Kampfe bestimmt war. Griff auch Rußland ein, dann waren der Südfront nur 8 Infanteriedivisionen mit Nebenformationen zugedacht, während die Nordfront mit 4OV2 Infanterie- und

11 Kavalleriedivisionen an den Feind rücken sollte.

Einen schwierigen Fall bildete in diesen Kombinationen die für nicht unwahrscheinlich erachtete Möglichkeit, daß sich Rußland bei einem Zusammenstoß zwischen Österreich-Ungarn und Serbien anfangs unklar verhielt, sich aber noch während der Mobilisierung offen gegen das Habsburgerreich stellte. Dabei konnte es geschehen, daß die dritte der genannten Heeresmassen schon nach Südosten rollte und von dort nach Norden umgelenkt werden mußte. War diese „B-Staffel“ einmal an der Save in den Kampf getreten, dann war es sicherlich nicht mehr leicht, sie vor der Erzielung eines eindrucksvollen Erfolges gegen Serbien wieder aus der Schlachtfront herauszulösen. Bei einer solchen Einwirkung hätte sich die Kriegführung im Norden geraume Zeit mit den Kräften der ,,A-Staffel“ allein behelfen müssen. GdI. Conrad trug sich dennoch mit dem Plane, auch in diesem Falle die Offensive zu ergreifen, wenn das deutsche Ostheer ebenso verfuhr.

Schließlich war noch für jeden Korpsbezirk eine selbständige Mobilmachung vorbereitet, durch die man entweder das betreffende Gebiet in Kriegszustand versetzen oder das bei einer teilweisen Mobilisierung aufgestellte Feldheer nach Belieben verstärken konnte.

Der Flotte fiel im Kriege die Aufgabe zu, gestützt auf die Kriegshäfen Pola und Cattaro, sowie auf die wohl von der Natur begnadete, sonst aber noch unbefestigte Flottenstation Sebenico, vor allem die Küste und damit auch die Flanke des Landheeres und dessen etwaige Seeverbindungen zu schützen. Eine offensive Verwendung war nur für den Fall in Aussicht genommen, als Italien an die Seite der Mittelmächte trat. Eine solche Möglichkeit, die aber in der k. u. k. Kriegsmarine wenig Glauben fand, lag der Marinekonvention zugrunde, die zwischen den Dreibundmächten am 1. November 1913 abgeschlossen worden war. Darnach hätte sich im Falle eines Krieges gegen Frankreich oder gegen gehörigen Marschformationen. Die Auswahl der Heereskörper war derart getroffen, daß durch ihren Abtransport die Grenzen gegen Rußland, Rumänien und Italien nicht entblößt wurden, das heißt, daß die an den Grenzen dieser Staaten stehenden Heeresverbände im Kriegsfälle B (Balkan) an Ort und Stelle blieben. Außerdem war Bedacht darauf genommen, daß bei einem teilweisen Aufgebot eine annähernd gleiche Zahl österreichischer und ungarischer Truppen ins Feld rückten.

Frankreich und Großbritannien die österreichisch-ungarische und die italienische Kriegsflotte sowie die jeweilig im Mittelmeer befindliche deutsche Kreuzerdivision unter dem Oberbefehl des k. u. k. Admirals Haus im Seeraume Tarent—Augusta—Messina zu sammeln gehabt, um sich sogleich gegen den einen oder den anderen der im Mittelmeer anzutreffenden Gegner zu wenden. Blieb Italien abseits — wie es dann wirklich geschah — so war die k. u. k. Flotte infolge ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit gegenüber den feindlichen Mittelmeergeschwadern grundsätzlich zur Defensive verurteilt, zu der auch die Erwägung nötigte, daß aus dem nicht mitwirkenden Freunde über Nacht ein die Küste bedrohender Feind werden konnte.

Zusammenfassend darf man wohl sagen, daß der österreichisch-ungarische Generalstab bei seinen Kriegsvorbereitungen bestrebt war, sich des Vorteils der „inneren Linie“ im weitesten Maße zu bedienen und daß seine Aufmarschmaßnahmen an Gedankenreichtum und Gelenkigkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Man erinnere sich nur der schweren Bedenken, die der russische Generalstab dem Wunsche des Zaren Nikolaus II., nur gegen Österreich-Ungarn zu mobilisieren, entgegensetzte, welche Bedenken schließlich den Sieg über jegliche politische Mäßigung davontrugen, wenn es eine solche überhaupt noch gab1). Und man erinnere sich, daß Deutschland trotz seiner unvergleichlich besseren Bahnlage seit dem Frühjahr 1914 überhaupt nur mehr eine einzige Aufmarschlösung vorbereitet hatte, und wie GO. Moltke durch den vorübergehend aufgeworfenen Wunsch Kaiser Wilhelms II., die Hauptkräfte nicht, wie vorgesehen, gegen Frankreich, sondern gegen Rußland anzusetzen, in größte Bestürzung geriet2). Wohl ist es nicht zu verhehlen, daß auch ein so beweglich ausgedachtes System wie das österreichischungarische vor Überraschungen doch nicht gefeit war. Mag sich der menschliche Geist noch so abmühen, allen möglichen Fällen die Parade zu bieten — der Gewalthaber Krieg wird ihn immer wieder durch unvorhergesehene Ereignisse übertrumpfen wollen. Diese Erfahrung mußte, wie noch zu erörtern sein wird, auch der k. u. k. Generalstab machen. Doch bleibt es dabei, daß er mit seinen Mobilisierungs- und Aufmarschvorbereitungen den Schwierigkeiten seines im Dreiviertelkreis bedrohten Vaterlandes so weit als möglich gerecht geworden ist, und daß er in der Elastizität und in der Anpassungsfähigkeit seiner Vorsorgen von keinem anderen Generalstab übertroffen wurde.

x) Dobrorolski, Mobilmachung der russischen Armee 1914 (Berlin 1922).

2) Moltke, Erinnerungen, Briefe, Dokumente 1877—1916 (Stuttgart 1922), 19.

Operations- und A 11 f m a r s c h p 1 ä n c

Füi den Fall, daß der Krieg zunächst auf die Donaumonarchie und die beiden südslawischen Königreiche beschränkt blieb, galt es vor allem, Serbien möglichst rasch zu Boden zu werfen und dadurch gegen indessen etwa neu auftauchende Feinde die Handlungsfreiheit zurückzugewinnen. Die Art und Weise, wie man Serbien fassen wollte, war durch verschiedene Erwägungen entscheidend beeinflußt.

Im allgemeinen lag es für eine Offensive wohl am nächsten, die alte Hecresstraße durch das Moravatal einzuschlagen, die seit vielen Jahrhunderten so und so oft von Norden gegen Süden und in umgekehrter Richtung beschritten worden war. Auch die Mittelmächte sollten schließlich, allerdings erst im Jahre 1915, diesen historischen Spuren folgen. Für den Beginn des Krieges mit all seinen politischen und militärischen Unklarheiten lagen jedoch wesentlich andere Verhältnisse vor. Jegliche strategische Erwägung ging ganz naturgemäß von dem Gedanken aus, jedenfalls Bosnien und die Verbindung zur Küste zu sichern, also jene Gebiete, nach denen sich das Begehren des Feindes vor allem richtete. Es war möglich, daß man diese Aufgabe durch einen überlegenen Angriff gegen die serbische Armee bewältigen konnte. Aber Bindungen auf anderen Kriegsschauplätzen konnten auch dazu nötigen, sie in der reinen Abwehr zu lösen. Eine solche Abwehr, die die langgestreckte Front von Cattaro bis zum Eisernen Tor zu sichern hatte, war zumal durch die ungünstigen Querverbindungen hinter der Front außerordentlich erschwert. Die verhältnismäßig besten Verteidigungsmöglichkeiten waren noch am linken Flügel durch die Stromlinien der Save und Donau gegeben. Schon die Drina, der Grenzfluß Bosniens, konnte hingegen kaum mehr als ernsthaftes Hindernis in Betracht kommen. So ergab sich ganz von selbst (auch andere geopolitische Gründe sprachen dafür), daß sich das Schwergewicht einer ausgesprochenen Abwehr nach Bosnien, und zwar in die Stellungen an der mittleren und unteren Drina verlegte.

Diese Erkenntnis war nicht nur für den Aufmarsch der „Minimalgruppe Balkan“ richtungweisend, sondern sie lenkte auch in Gemeinschaft mit der nicht weniger maßgebenden Eisenbahnlage die Aufmarschbewegung der ,,B-Staffel“. Denn diese ,,B-Staffel“ war der ,,Minimalgruppe“ für die Zeit des Aufmarsches kein sicherer Kampfgenosse; Rußlands Stirnrunzeln konnte sie jeden Augenblick von der unteren Save an den Dniester abberufen. Das will sagen, daß der Aufmarsch der ,,B-Staffel“ jenes Verteidigungskonzept nicht stören durfte, das für die

Truppen der „Minimalgruppe“ galt. Mochten daher Teile der „B-Staffel“ zur Verstärkung der „Minimalgruppe“ für Bosnien bestimmt sein, andere Teile — Banater Gruppe genannt — auch an der Donau abwärts von Belgrad zusammengezogen werden — die Hauptmasse jener Staffel war nach den Erwägungen des k. u. k. Generalstabes ganz von selbst nach Syrmien, an die untere Save gewiesen. Aus solcher Gruppierung konnte sie, wenn es Rußlands Haltung gebot, leicht „Kehrt-Euch“ zur Fahrt nach Norden machen, ohne daß dadurch das Gerüst der Abwehr, das die „Minimalgruppe“ so oder so bildete, ins Wanken kam.

Durch diese Gewichtsverteilung im Aufmarsch, die es der Heeresleitung ermöglichen sollte, sich im Südosten während der Aufmarschbewegung jeden Augenblick für die reine Verteidigung zu entscheiden und dadurch die „B-Staffel“ wieder freizumachen, war auch der Angriffsplan in mehrfacher Hinsicht vorgezeichnet. Das Ziel des Angriffes konnte fürs erste nicht das Moravatal, sondern nur Nordwestserbien sein. Die Aufgabe, diesen Angriff durchzuführen, fiel zu Beginn der an der unteren Drina aufmarschierenden 5. Armee und dem westlich von Šabac stehenden rechten Flügel der 2. Armee zu. Gelang dieser Auftakt, dann war auch dem linken Flügel der 2. Armee der Weg über die breite Strombarriere der untersten Save aufgeriegelt und es konnte überdies die Banater Gruppe nach Syrmien herübergezogen werden, die bis dahin die Aufgabe hatte, die Serben einen österreichisch-ungarischen Vorstoß ins Moravatal erwarten zu lassen. Von der ursprünglich im Südosten Bosniens aufmarschierenden 6. Armee sollten möglichst starke Teile zur Entscheidung gegen Serbien herangezogen werden, während schwächere Kräfte, gestützt auf die Festungen, gegenüber den Montenegrinern zunächst in der Verteidigung zu verharren hatten. Allerdings konnte infolge der geringen Aufmarschkraft der bosnischen Bahnen die 6. Armee erst eine Woche nach der 5. Armee wirksam werden, aus welchem Grunde auch das Ausmaß ihrer Mitwirkung am Einleitungsfeldzug gegen Serbien nicht im voraus festgesetzt war.

Der Vorstoß nach Nordwestserbien hatte in erster Linie das Kolu-baratal und die durch dieses führende Bahn zu gewinnen. Man nahm die westöstliche Angriffsrichtung bewußt in Kauf, obgleich sie von den wenigen, dürftigen Verkehrsadern Nordwestserbiens senkrecht durchschnitten wurde, denn man mußte stets mit dem Abziehen der „B-Staffel“ rechnen. Trat diese Notwendigkeit ein, dann blieben die beiden anderen Armeen der „Minimalgruppe“ doch in einer Lage zurück, in der sie das besonders bedrohte Bosnien unmittelbar, Syrmien und Ungarn aber zurNot mittelbar zu decken vermochten. Die Kolubara war als erster Abschnitt gedacht in der seit dem Sommer 1913 gehegten Hoffnung, daß sich bis dahin Bulgarien zum Eintritt in den Krieg gegen das verhaßte Serbien entschieden haben werde1), womit nicht nur das Schicksal Serbiens, sondern auch das Montenegros besiegelt gewesen wäre.

Der Kriegsplan des Generalstabes gegen Rußland und die durch ihn bedingten Vorbereitungen wurzelten in den Abmachungen, die GdI. Conrad und GO. Moltke seit dem 1. Jänner 1909 in Briefen und zeitweiligen Besprechungen festgelegt hatten. Beide stimmten in der Annahme überein, daß Rußland mit zwei Armeen (etwa 16 bis 20 Divisionen) an der Ost- und Südgrenze Ostpreußens aufmarschieren und angreifen, die Masse seines Heeres jedoch gegen Österreich-Ungarn ansetzen werde. Im Winter 1913 14 vermutete der k. u. k. Generalstab, daß der Feind mit einer starken Kraft (bis zum 20. russischen Mobilisierungstag etwa 4 Kavallerie- und 14 Infanteriedivisionen, bis zum 30. Tag 24 Infanteriedivisionen) zwischen Weichsel und Bug, dann mit je einer Armee bei Rowno (2 Kavallerie- und zuerst 7, dann 12 Infanteriedivisionen) und bei Proskurow (5 Kavallerie- und anfangs 10, später 16 Infanteriedivisionen) aufzutreten beabsichtige. Zwischen Dniester und Pruth erwartete man nur schwächere Kräfte (1 bis 2 Kavallerie- und 4, nachher 8 Infanteriedivisionen). Das Gesamtaufgebot Rußlands gegen die Donaumonarchie wurde daher bis zum 20. Mobilisierungstag auf 12 bis 13 Kavallerie- und 35 Infanteriedivisionen, bis zum 30. auf 60 Infanteriedivisionen geschätzt. Um wieviel sich der russische Aufmarsch durch die zahlreichen Probemobilisierungen und sonstige Maßnahmen, die noch vor der offiziellen Mobilmachung getroffen werden mochten, gegen die eben ausgeführte Annahme beschleunigt haben konnte, ließ sich nicht Vorhersagen. Daß der Feind das Land westlich der Weichsel vor Aufnahme der Feindseligkeiten räumen werde, galt als gewiß.

Den Plan, wie der Krieg gegen Rußland zu führen sei, hatte GdI. Conrad in den Grundzügen schon im Jahre 1909 entworfen, ohne späterhin wesentlich davon abzuweichen. Ob er dabei an alte Vorbilder anknüpfte, wissen wir nicht. In der Tat hatte schon FM. Freih. v. Heß während der Krise 1854/55 die Absicht, einen Kampf gegen Rußland durch einen Vorstoß aus Ostgalizien gegen Norden einzuleiten2) und auch

FM. Erzherzog Albrecht war bei den Verhandlungen, die er 1882 mit den Deutschen pflegen ließ, von dem gleichen Grundgedanken ausgegangen. GdI. Conrad hatte Ähnliches im Sinne. Er gedachte seinen aus der 4. und 1. Armee bestehenden und früher schlagbereit gemachten linken Flügel zunächst zwischen Bug und mittlerer Weichsel nordwärts anzusetzen, um sich so von der Umfassung durch die dort aufmarschierenden russischen Kräfte zu befreien. Nachher sollten diese beiden Armeen nach Osten aufschwenken, um gemeinsam mit den inzwischen gleichfalls kampfbereit gewordenen zwei Armeen des rechten Flügels, der 2. und 3., die bei Proskurow und Rowno versammelten russischen Heeresteile zu schlagen. Falls dies gelang, konnte versucht werden, die Hauptmasse des russischen Südheeres gegen das Schwarze Meer oder auf Kiew abzudrängen, wozu es zunächst wichtig war, die durch das Sumpfgebiet des Polesie führenden Nord-Süd-Verbindungen zu durchschneiden !).

Die Ausführung dieses Planes heischte eine entsprechende Mitwirkung des deutschen Ostheeres. Nur wenn die bis an den Narew, die mittlere Weichsel und die Nordgrenze Galiziens vorgeschobenen russischen Streitkräfte gleichzeitig von Süd und Nord, das ist von Galizien und Ostpreußen her in die Zange genommen wurden, war die geplante Operation einigermaßen erfolgversprechend. Die Hauptkraft des deutschen Ostheeres mußte daher nach der Auffassung Conrads zur Unterstützung des zwischen Bug und Weichsel angesetzten k. u. k. linken Flügels über den Narew in der allgemeinen Richtung auf Siedlec2) vorstoßen. Diese voraussichtlich mit unterlegenen Kräften durchzuführende deutsche Offensive hätte sicherlich große Schwierigkeiten zu überwinden gehabt. GdI. Conrad glaubte nichtsdestoweniger, von GO. Moltke wiederholt mündliche und schriftliche Zusicherungen des gewünschten Sinnes erhalten zu haben. Jedenfalls konnte er sich auf eine Note stützen, die wohl schon am 19. März 1909 geschrieben, deren Inhalt aber bis zum Kriegsausbruch niemals förmlich widerrufen worden ist. In diesem Schreiben sagte der deutsche Chef des Generalstabes:

„Dennoch werde ich nicht zögern, den Angriff zu machen, um die gleichzeitige österreichische Offensive zu unterstützen. Eure Exzellenz können sich auf diese Zusage, die reiflich überlegt ist, wohl verlassen. Bedingung dabei ist, daß die Bewegungen der Verbündeten gleichzeitig angesetzt und unbedingt durchgeführt werden.

Sollte die Ausführung der Absichten einem der Verbündeten durch den Feind unmöglich gemacht werden, so ist schnellste gegenseitige Benachrichtigung unbedingt geboten, da die Sicherheit des einzelnen ganz vom Zusammenwirken beider abhängt 3).“

*) K i s z 1 i n g, Feldmarschall Conrads Kriegsplan gegen Rußland (Militärwissenschaftliche und Technische Mitteilungen, Wien 1925, 469 ff).

2) Wurde auch öfter „Siedlce“ genannt. — 3) Conrad, I, 404.

GdI. Conrad zog mit der bestimmten Überzeugung ins Feld, daß diese Verabredung noch in Geltung stehe. Daß, wie sich dann zeigte, die deutsche Heeresleitung anders dachte, sollte zu den schwersten Enttäuschungen gehören, die er im Kriege erlitt.

Dem vorstehend entwickelten Kriegsplane gemäß wurde im Winter 1913 14 der Aufmarsch der A- und der B-Staffel gegen Rußland so vorbereitet, daß die Infanteriespitzen der vier dahin bestimmten Armeen — von rechts nach links 2., 3., 4. und 1. —die Linie Buczacz—Zborów— Złoczów Żółkiew-Sieniawa—Sanmündung zu erreichen gehabt hätten. Bei Krakau war die Zusammenziehung einer aus mehreren Landsturminfanteriebrigaden und aus Reiterei gebildeten Gruppe in Aussicht genommen. Kavalleriedivisionen und Alarmtruppen sollten auf einen Tagmarsch gegen die durch Gendarmerie, Finanzwache und „Landsturmassistenzen“ unmittelbar gesicherte Grenze vorgeschoben werden.

Gegen diesen verhältnismäßig weit ausladenden Aufmarsch mußten sich jedoch von dem Augenblicke an Bedenken einstellen, da die Mitwirkung Rumäniens an einem Kriege gegen Rußland immer fraglicher wurde, also vom Sommer 1913 an, als Rumänien in dem Eintreten Österreich-Ungarns für das geschlagene Bulgarien einen feindseligen Akt erblickte. Schon um diese Zeit wurde in den Wiener Generalstabsbureaus eine etwaige Rückverlegung des ganzen Aufmarsches R in die San-Dniesterlinie durchgearbeitet, wodurch der im geltenden Versammlungselaborat noch stark ausgesetzte Ostflügel des Heeres einer beim Ausfall Rumäniens drohenden russischen Umklammerung entzogen werden konnte. Im Frühjahr 1914 verfaßte GdI. Conrad, um die geordnete Versammlung seiner Nordarmeen besorgt, über das gleiche Problem eine ausführliche Studie. Als wenige Monate später der Fürstenmord in Sarajevo die Wahrscheinlichkeit eines Krieges gegen Serbien und die Möglichkeit eines Eingreifens Rußlands auslöste, gab GdI. Conrad am 1. Juli den Befehl, die Bereitstellung im Nordosten sogleich im Sinne seiner Studie umzuarbeiten. Die Maßnahmen des Eisenbahnbureaus des Generalstabes gestatteten dies ohne Erschwernis, so daß die vom Chef des Generalstabes befohlenen Abänderungen bis zur tatsächlichen Mobilisierung ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden konnten.

Für den Aufmarsch gegen Südosten waren vier, für den in Galizien sieben „Aufmarschlinien“ bestimmt. Unter solch einer Aufmarschlinie war nicht eine einzelne Eisenbahnstrecke, sondern ein System von Schienenwegen zu verstehen, durch das von den verschiedenen Einladestationen aus bis zu den Bestimmungsorten in gleichen Zeilen gleichgroße „Transportquanten“ hindurchgeleitet werden konnten.

Die Eisenbahnbewegung

Drei für den Kriegsfall B bestimmte Linien (I B bis IIIB) entsprangen in Prag, Theresienstadt und Budapest und mündeten an der Save-Donaulinie. Die 4., in der Beilage 5 blau eingezeichnete Linie sollte in allen Kriegsfällen den aus der ganzen Monarchie mit Ausnahme der Alpenländer stammenden Streitkräften in BHD. den Bedarf an Mann und Gerät zuführen. Die theoretische Leistungsfähigkeit dieser Aufmarschbahnen für den Kriegsfall B betrug 135 Züge täglich. Bei Abrechnung von 23 sogenannten „Fakultativzügen“, deren Belag und Betrieb man für unvorhergesehene Fälle offen ließ, war die tatsächliche Leistung am 3. Mobilisierungstag 31, am 4., 5. und 6. Tage 42, 52 und 73 und einschließlich von sieben Postzügen für Einzelreisende und kleine Transporte vom 7. Tage an 112 Militärzüge.

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Die sieben Linien (I R bis VII R), auf denen die Armeen nach Galizien gebracht werden sollten, überspannten alle Korpsbereiche mit Ausnahme derjenigen, die zur „Minimalgruppe Balkan“ gehörten (Kroatien-Slawonien, BHD.). Bestimmend für ihre Leistungsfähigkeit war die der Gebirgsbahnen in den Karpathen. Nach dem Einlaufen der Transporte in dem reicheren Bahnnetz Galiziens verzweigten sich die Aufmarschlinien wieder und gaben der Führung das Mittel zu Änderungen an die Hand.

Die tägliche theoretische Leistungsfähigkeit betrug zusammen 165 hundertachsige Zugspaare. Rechnet man auf jeder Strecke ein Sechstel an „Fakultativzügen“ ab, so stellte sich die tatsächliche Leistungsfähigkeit aller sieben Linien auf 140 Militärzüge täglich (davon auf jeder Linie ein bis zwei, zusammen acht Postzüge). Da die für die Kriegstransporte nötige Menge von Maschinen und Betriebspersonal am 3. Mobilisierungstage, an dem die Kriegsfahrordnung förmlich in Kraft trat, noch nicht vollzählig zur Stelle war, konnten an diesem Tage nur 40 Transportzüge rollen, deren Zahl auf 55, 66, 92 anwuchs, bis am 7. Tage die Volleistung von 132 Zügen erreicht war.

Schließlich war, um den Aufmarsch zu beschleunigen, für die 19. ID. (Pilsen) der Seetransport von Triest nach Metkovic vorgesehen, wobei diese Division aber nicht gleich zu Beginn der Transportbewegung von Pilsen abzurollen hatte. Die 95. LstlBrig. (Prag) hätte der 19. ID. voraussichtlich auf dem gleichen Weg folgen sollen.

Bei reibungsloser Mobilisierung und glattem Bahnbetriebe konnten im Südosten im reinen Kriegsfall B die Kampftruppen am 16. Mobilisierungstage die Operationsbereitschaft erlangen, die „Minimalgruppe Balkan“ allein um vier Tage früher. Im Nordosten konnten die Kampftruppen des linken Flügels (4. und 1. Armee) bis zum 23., die des rechten (2. und 3. Armee) bis zum 27. Mobilisierungstage eingetroffen sein.

Mobilisierung und Aufmarsch 1914

Hiezu Beilage 6

Das Kräfteaufgebot gegen Serbien und Montenegro

Am 28. Juni 1914 wurden zu Sarajevo der Thronfolger ÖsterreichUngarns Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin, die Herzogin

Sophie von Hohenberg, ermordet. Da mannigfache Fäden von den Mördern nach dem Königreich Serbien hinüberführten, stellte die Wiener Regierung am 23. Juli an dieses eine Reihe von Forderungen, die binnen 4S Stunden zu beantworten waren3). Als die Antwort Belgrads auf diese befristete Note unbefriedigend ausfiel, entschloß sich die Donaumonarchie, den für ihren Bestand so gefährlichen kleinen Nachbar mit den Waffen zum Einlenken zu zwingen. Von entscheidender Bedeutung war von Anbeginn das Verhalten Rußlands. Wien wußte, daß in den letzten Balkankrisen Serbien stets nur deshalb immer wieder eingelenkt hatte, weil ihm Rußland seine Hilfe nicht in Aussicht zu stellen vermochte. Die Tatsache, daß Belgrad nun den Fehdehandschuh aufgriff, und verschiedene Nachrichten aus Petersburg mußten nunmehr zur Vorsicht mahnen. Der k. u. k. Generalstab hatte sicherlich Anlaß genug zu erwägen, ob die Not der Stunde nicht sofort gebot, Serbien links liegen zu lassen und gleich möglichst starke Kräfte gegen das Zarenreich aufzubieten. Aber politische Rücksichten sprachen gegen ein solches Verfahren. Die Verantwortung, die das Habsburgerreich durch das moralisch gewiß vollauf berechtigte Vorgehen gegen Serbien auf sich genommen hatte, war ohnehin schon schwer genug. Wenn es sich nun ohne weiteres Besinnen gegen Rußland gewandt hätte, so wäre dadurch diese Verantwortung noch gesteigert worden. Auch war nicht zu vergessen, daß die Bündnisverträge Österreich-Ungarns nur für einen Verteidigungskrieg galten und namentlich den beiden südlichen Bundesgenossen Italien und Rumänien keine Handhabe geboten werden durfte, sich der Erfüllung der Bundespflichten unter Berufung auf den Buchstaben zu entziehen. Forderte doch auch Deutschland von seinem Verbündeten, daß er alles vermied, was ihn zum Angreifer stempeln konnte! So kam es, daß die Donaumonarchie nur gegen Serbien mobilisierte, und daß fünf Tage lang alle Kriegsmaßnahmen lediglich gegen diesen Gegner gerichtet waren, also jeder Spitze gegen das von Stunde zu Stunde bedrohlicher werdende Rußland entbehrten.

Der Befehl zur Teilmobilisierung gegen die Balkanstaaten, den Kaiser Franz Joseph am 25. Juli abends Unterzeichnete, rief die Truppen der „Minimalgruppe Balkan“ und der um die l.KD. und 11. HKD. verstärkten ,,B-Staffel“ unter die Waffen, so daß das gesamte Aufgebot 7 Korps mit zusammen 20 Infanteriedivisionen, 3 Kavalleriedivisionen und 6 Landsturminfanteriebrigaden sowie den zugehörigen Marschformationen und Besatzungstruppen zählte. Um noch über einen Kräftezuschuß verfügen zu können, ließ die Heeresleitung überdies das Grazer III. Korps mobilisieren. Es sollte zur Hand sein, um bei der Feldarmee Lücken auszufüllen, die durch etwaige politische Schwierigkeiten in Böhmen entstehen mochten, konnte aber auch als Flankenschutz dem unverläßlichen Italien gegenüber dienen oder aber — der Bahnlage wegen freilich erst nach dem 14. Mobilisierungstage — den Balkanarmeen nachgesandt werden.

Durch diese teilweise Mobilisierung wurden zu Land auf Kriegsfuß gestellt: 3 Armee- und 8 Korpskommandos mit zusammen 23 Infanteriedivisionen, 3 Kavalleriedivisionen, 8 Landsturminfanteriebrigaden,

6    Marschbrigaden und 8 Honvédmarschregimentern. Vier der Infanteriedivisionen waren für den Gebirgskrieg ausgerüstet und zählten insgesamt 14 Gebirgsbrigaden. Als erster Alarmtag1) galt für die aufgebotenen Heereskörper der 27., als erster Mobilisierungstag der 28. Juli.

Zur See wurde das noch von den Sommerübungen her in Kriegsausrüstung befindliche Geschwader mit zwei Schlachtschiff-, einer Kreuzerdivision und einer Torpedobootsflottille mit zusammen 6 Schlachtschiffen,

7    Kreuzern, 9 Torpedofahrzeugen und 12 Torpedobooten der operativen Flotte, dann eine Anzahl von Depot-, Hilfs- und Trainschiffen mobilisiert. Die zu diesem Geschwader gehörige 2. Schiffsdivision (3 Schlachtschiffe, 1 Rapidkreuzer, 4 Torpedofahrzeuge und 4 Torpedoboote) erhielt am 26. Juli den Auftrag zum Zusammenwirken mit den Landstreitkräften in Süddalmatien, wozu sie dem 6. Armeekmdo. unterstellt wurde.

Auf der Donau wurde die Donauflottille mit 6 Monitoren, 4 Patrouillenbooten und den nötigen Trainschiffen auch auf Kriegsstand versetzt. Sie war zunächst an die Befehle des 2. Armeekmdos. gewiesen.

Zum Kommandanten aller mobilisierten, gegen Serbien und Montenegro bestimmten „Balkanstreitkräfte“ wurde der Armeeinspektor GdI. Erzherzog Friedrich ernannt, dem GdI. Conrad als Chef des Generalstabes zur Seite trat. Das Kommando beabsichtigte, sein Hauptquartier in Kamenitz (Kamenica) bei Peterwardein aufzuschlagen. Daß die beiden, schon damals für den Oberbefehl über die gesamten Feldarmeen in Aus*) Bei der Alarmierung erfolgte die Grenzsicherung durch Truppen auf Friedensstand und durch „Landsturm-Gendarmerie-Assistenzen“; den Bahnschutz übernahmen Landsturm-Eisenbahnsicherungsabteilungen. Überdies war mit der Alarmierung eine Reihe weiterer, die Durchführung der Mobilisierung und des Aufmarsches sichernder und vorbereitender Maßnahmen verbunden.

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I 2. AuQ.

Rüstung zum großen Waffengang

sicht genommenen Persönlichkeiten sich zunächst völlig in der Richtung Südost festlegten, zeigt, wie sehr man mindestens in jenen ersten 48 Stunden nach dem Bruch mit Belgrad doch damit rechnete, den Krieg gegen. Serbien noch ohne unmittelbare Bedrohung durch Rußland führen zu können.

Die russische Kriegsgefahr und die allgemeine Mobilisierung Österreich-Ungarn hatte am 25. Juli zwei Fünftel seiner Wehrmacht aufgeboten; es war dies ausschließlich in der Absicht geschehen, den Bedränger im Südosten so rasch und so nachdrücklich als möglich von den Fersen abzuschütteln. Jede Herausforderung anderer Mächte lag der Donaumonarchie im ureigensten Interesse fern. Daher blieben die galizischen Regimenter in vollster Ruhe in ihren Quartieren und auch die Korps gegen Italien und Rumänien wurden angewiesen, alles zu vermeiden, was irgendwie zur Beunruhigung dieser Nachbarstaaten hätte beitragen können. Sogar gegenüber Montenegro wurde größte Zurückhaltung geübt, obwohl es seine feindselige Haltung unverhüllt zur Schau trug. Alle militärischen Maßnahmen des Habsburgerreiches waren auf die Lokalisierung des Krieges gegen Serbien abgestimmt.

Aber Rußland, das schon am 24. Juli verkünden ließ, einem Konflikte auf dem Balkan nicht gleichgültig gegenüberstehen zu können, bot dessenungeachtet in wachsendem Ausmaße Anlaß zur Sorge. Bereits am 25. Juli erfuhr man in Wien, daß die russischen Militärbezirke Warschau, Kiew, Odessa, Moskau und wahrscheinlich auch Kasan Befehl zur Vorbereitung der Mobilisierung erhalten hätten. Andere Meldungen wußten über vorzeitige „Ausmusterungen“ aus den Junkerschulen, über die Einberufung von vier Reservejahrgängen in den Bezirken Kiew, Odessa und Moskau zu berichten. Bedrängten Gemütes sprach GdI. Conrad daher am 28. Juli, dem Tage der Kriegserklärung an Serbien, gegenüber dem Minister des Äußern Leopold Gf. Berchtold den Wunsch aus, Klarheit über das Verhalten Rußlands zu gewinnen. Denn wenn Rußland marschierte, dann war es höchste Zeit, sich über die weitere Verwendung der „B-Staffel“ schlüssig zu werden.

Am 29. Juli abends traf vom k. u. k. Militärattache in Petersburg Hauptmann Franz Prinz Hohenlohe die Meldung ein, Rußland habe unter Hinweis auf das für einen Krieg gegen das kleine Serbien viel zu große Machtaufgebot Österreich-Ungarns die Mobilisierung der vier an das Donaureich angrenzenden Militärbezirke angeordnet. Die tatsächlich festgestellten Maßnahmen des Zarenreiches schienen aber den Rah-

Die allgemeine Mobilisierung

men einer solchen Teilmobilisierung noch zu überschreiten. Man stand nun in Wien schon unter dem Eindruck einer kaum mehr abwendbaren russischen Kriegsgefahr. Wann diese eintreten werde, konnte man freilich noch nicht verläßlich abschätzen, denn gerade in diesen Tagen, am 29. und 30. Juli, lief zwischen dem Deutschen Kaiser und dem Zaren ein Depeschenwechsel, der vielleicht doch noch zur „Lokalisierung“ des Balkankonfliktes führen mochte. Auch hatte Berchtold nicht versäumt, den Russen in der Frage der an Serbien gestellten Forderungen gewisse beruhigende Auskünfte zu erteilen. Deutschland, noch immer auf den ehrlichen Friedenswillen Rußlands und der Welt vertrauend, ließ in diesen achtundvierzig Stunden gleichfalls kein Mittel unversucht, einen Krieg zwischen den Großmächten zu verhindern. Der deutsche Reichskanzler teilte am 30.Juli seinem Wiener Botschafter Heinrich v.Tschirschky und Bögendorff mit, daß Deutschland zwar bereit sei, seine Bündnispflicht zu erfüllen, es aber ablehnen müsse, sich von Wien „leichtfertig und ohne Bedachtnahme auf die deutschen Ratschläge in den Weltbrand hineinziehen zu lassen“1). Die Absendung dieser Depesche wurde durch die Nachricht hervorgerufen, daß der Ballhausplatz bereits alle Beziehungen zu Petersburg abgebrochen habe. Da sich dies als Irrtum erwies, gab Tschirschky die deutsche Warnung in ihrem Wortlaut an den Grafen Berchtold nicht weiter2). Darüber, daß Deutschland in dieser Stunde jeden Schein einer Herausforderung Rußlands vermieden wissen wollte, konnte dennoch kein Zweifel herrschen. In diesem Sinne stand denn auch während der Audienz, die GdI. Conrad am 30. Juli nachmittags gemeinsam mit dem Grafen Berchtold und dem Kriegsminister FZM. Ritt. v. Krobatin bei dem eben aus Ischl zurückgekehrten Kaiser hatte, die Fortführung der gegen Serbien eingeleiteten Aktion im Brennpunkt der Berichterstattung; war doch zu dieser Stunde der Chef des Generalstabes selbst auch noch keineswegs voll davon überzeugt, daß Rußland trotz seiner drohenden Haltung wirklich schon gesonnen war, ungesäumt auf den Plan zu treten3). Allerdings konnte ihn diese Auffassung nicht hindern, dem Kaiser gegenüber auf die bedrängte Lage hinzuweisen, die ein längeres Aufschieben der allgemeinen Mobilisierung unter Umständen herbeiführen müsse. Von Franz Joseph in diesem Zu*) Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914. Neue, durchgesehene Auflage (Berlin 1927), II, 43 f.

19


2 Vgl. Montgelas, Botschafter von Tschirschky im Juli 1914 (Die Kriegsschuldfrage, Berlin 1928, VI. Jhrg., 725 ff).

3) Gespräch mit Berchtold, Conrad, IV, 148.

sammenhange befragt, wann spätestens, wenn man nicht allzu sehr in die Nachhand kommen wolle, die ganze Armee aufgerufen werden müßte, erwiderte Conrad: „Besser morgen, äußerstenfalls wäre aber am 1. August noch Zeit1)."

Diese Zeitangaben fußten auf Unterredungen, die am 29. und 30. Juli GdI. Conrad und Obst. Metzger mit dem Chef des Feldtransportwesens Obst. Johann Straub gehabt hatten und die der Möglichkeit galten, daß Rußland schon jetzt Österreich-Ungarn zum Aufgebot der ganzen Wehrmacht nötigen könnte. Bei der Erörterung dieses im Frieden nicht vorbereiteten Falles eines gleichzeitigen Aufmarsches der „Minimalgruppe Balkan“ samt der „B-Staffel“ gegen Serbien und der „A-Staffel“ gegen Rußland erklärte Obst. Straub, die Verantwortung auf sich zu nehmen; nur dürfe, wenn die allgemeine Mobilmachung am letzten Juli oder spätestens am 1. August befohlen werde, der erste R-Mobilisierungstag nicht früher als auf den 4. August festgesetzt werden, damit die Militärbahnbehörden und die Bahnverwaltungen Zeit gewännen, sich entsprechend umzustellen-). Der R-Alarm war dementsprechend für den 2. August anzuberaumen.

Aus diesen Erwägungen mochte sich der eben erwähnte Ausspruch Conrads gegenüber seinem Kaiser, die allgemeine Mobilisierung sei spätestens am 1. August zu verfügen, hergeleitet haben. Bei dieser Audienz wurde auch der Entschluß gefaßt, den Krieg gegen Serbien zunächst mit den hiefür bereits mobilisierten Truppen durchzuführen und die übrigen Teile des Heeres (die „A-Staffel“) mit dem 4. August als ersten Mobilisierungstag gegen Rußland aufzurufen.

Hatte das Wiener Kabinett schon bisher keinen Ausweg aus der Krise gesehen, der nicht einem offenkundigen Rückzug des Habsburgerreiches gleichgekommen wäre, so begann nun auch Deutschland mit einem Male ob der Haltung Rußlands höchst unruhig zu werden. Zumal der deutsche Generalstab drängte plötzlich den öst.-ung., keine kostbare Zeit zu verlieren, sondern die äußerst bedrohlichen Maßnahmen Rußlands mit

1    Conrad, IV. 151.

2    Die für den Betrieb der R-Aufmarschlinien vorgesehenen Maschinen und Betriebspersonen standen in großer Zahl im Dienste des seit fünf Tagen rollenden Balkanaufmarsches. Zumal in Ungarn waren Hunderte von Lokomotiven und Tausende von Betriebsbediensteten, die für den R-Aufmrsch notwendig waren, zur Betriebsverdichtung an die südlichen Strecken verlegt worden. In kleinerem Ausmaße war es in Österreich nicht anders. Diese Lokomotiven und Betriebsbediensteten mußten für die Bahnbewegung nach Galizien erst ersetzt, dazu die Lokomotiv- und Personal-dirigierung neu bearbeitet werden.

entsprechenden Gegenmaßnahmen zu beantworten1'). Hierauf depeschierte Conrad am 31. Juli um 8h früh an Moltke:

„Auf Grund Allerhöchster Entscheidung ist Entschluß: Krieg gegen Serbien durchzuführen, Rest der Armee mobilisieren und in Galizien versammeln. Erster Mobilisierungstag 4. August. Mobilisierungsbefehl ergeht heute 31. Juli. Erbitte Bekanntgabe dortseitigen ersten Mobilisierungstages“ 2).

In der Tat Unterzeichnete am 31. Juli mittags Kaiser Franz Joseph den Befehl zur allgemeinen Mobilisierung der noch nicht aufgerufenen Teile der Kriegsmacht zu Land und zur See, wobei aus den schon berührten Gründen der 2. August als erster „Alarmtag“ und der 4. als erster „Mobilisierungstag“ bestimmt wurde. Anschließend daran hatte der Aufmarsch der jetzt mobilisierten Teile des Heeres in Galizien zu erfolgen, ohne daß dadurch die weitere Versammlung der Kräfte gegen Serbien unterbrochen werde. Auch in Berlin, wo man um die Mittagsstunde erfahren hatte, daß Rußland am Abend zuvor die Aufrüstung seines ganzen Heeres verfügt habe, hielt man jetzt mit seinen Kriegsvorbereitungen nicht länger zurück. In der vierten Nachmittagsstunde sprach der Deutsche Kaiser den Zustand der „drohenden Kriegsgefahr“ aus, Tags darauf ließ er mobilmachen, wobei schon der 2. August als erster „Mobilisierungstag" zu gelten hatte.

Nachdem so der Krieg gegen Rußland im Laufe des 31. Juli schon fast zur sicheren Tatsache geworden war, verfolgte der Berliner Generalstab nicht ohne ernste Sorge, daß der Bundesgenosse, wie man aus Conrads Depesche vom frühen Morgen ersehen konnte, trotzdem noch etwa zwei Fünftel der ganzen Heeresmacht auf den zum Nebenkriegsschauplatz gewordenen Balkan weiterrollen ließ. Um 5h nachm. wurde Obstlt. Bienerth zum Deutschen Kaiser gerufen, der ihm nach einer längeren Auseinandersetzung über die weltpolitische Lage dringendst nahe legte, ÖsterreichUngarn möge sich doch ja mit allen verfügbaren Kräften gegen Rußland

L) Botschafter Gf. Szögyeny an das k. u. k. Ministerium des Äußern, Berlin, 30. Juli, 7h40 nachm., über eine Unterredung zwischen dem GO. Moltke und dem öst.-ung. Militärattache Obstlt. Freih. v. Bienerth. — Österr. Aktenwerk, VIII, 913. — Ferner Moltke an Conrad (Telegramm, eingetroffen am 31. Juli, 7h45 vorm. — Conrad, IV, 152.

2) Diplomatische Aktenstücke zur Vorgeschichte des Krieges 1914. Ergänzungen und Nachträge (Wien 1919), III, 99; G o o s s, 307; Österr. Aktenwerk, VIII, 942; hier überall als Mitteilung Berchtolds an Szögyeny wiedergegeben, ebenso bei Conrad, IV, 156. Das Original der Depesche liegt nicht mehr vor.

wenden und Serbien vorerst links liegen lassen4). Kurz darauf ließ Wilhelm II. an seinen kaiserlichen Bundesgenossen einen Mahnruf ähnlichen Inhalts abgehen, der um 9hl5 nachm. in die Hände des GdI. Conrad gelangte-).

Diese Erinnerungen aus Berlin hatten sicherlich Anteil daran, wenn der k. u. k. Chef des Generalstabes in zwei Beratungen, die er noch in der darauffolgenden Nacht mit den maßgebenden Persönlichkeiten der Heeresleitung abhielt, nun doch ein Umlenken des größeren Teils der in der ,,B-Staffel“ vereinigten Truppen nach Norden zur Erwägung stellte. Hiezu beantragte Obst. Metzger, die Heereskörper der „B-Staffel“, die in der Mobilisierung um sieben Tage vorausschritten, vor der „A-Staffel“ nach Galizien zu schieben. Wohl wären die Nordostschwenkung der aus der Linie Leitmeritz—Prag—Budapest—Temesvár gegen Süden rollenden Transporte sowie die neuerliche Einladung der an der Save und an der Donau schon eingelangten Teile möglich gewesen. Nach zwei Tagen aber wären die dichten Zugsketten auf die noch nicht mit allen Betriebsmitteln versehenen Karpathenbahnen gekommen, deren geringe Leistung schon vom 2. August an durch den „R-Alarmtransport“ voll ausgenützt war. Verkehrsstockungen, Zerreißungen der Verbände und in der Folge eine empfindliche Verspätung der Versammlung aller Kräfte gegen Rußland wären die unvermeidliche Folge gewesen. Deshalb lehnte der Feldeisenbahnchef die Verantwortung für eine solche Maßregel mit aller Entschiedenheit ab, was diesen Plan zu Falle brachte.

Andere Möglichkeiten ergaben sich bei dem Gedanken, die schon fahrenden Teile der „B-Staffel“5) auf der Bahnfahrt aufzuhalten und entweder wieder in die Mobilisierungsstationen zurückzuleiten oder gruppenweise zu sammeln, um sie aus diesen Zufallsorten hinter der „A-Staffel“ nach Galizien abzusenden. Gegen die Rücksendung der schon aus der Heimat abgereisten Truppen sprachen vor allem politische und moralische Bedenken, zumal gegenüber den aus Böhmen stammenden

Regimentern. Ein Aufhalten der rollenden Heereskörper war aber deshalb nicht sonderlich verlockend, weil nach den Berechnungen der Militärbahnbehörden die Truppen der „B-Staffel“ nicht um einen Tag später in Galizien einlangten, wenn man sie nach dem Südosten weiterfahren und dort in pferde- und hilfsmittelreicher Gegend ihre Mobilisierung vollenden ließ. Dabei konnte die Anwesenheit starker Kräfte an der SaveDonaulinie auch noch den Vorteil mit sich bringen, daß sie die Serben zu Maßnahmen verleitete, die der späteren Kriegführung der Balkanstreitkräfte zugute kommen mochten.

Auf Grund dieser Erwägungen entschied man sich dafür, die Divisionen und selbständigen Brigaden der ,,B-Staffel“, die noch nicht die Aufmarschbewegung angetreten hatten x), sowie die zur Verfügung des AOK. gehaltenen Truppen — III. Korps, 10. ID., k. u. k. 95. LstlBrig. — in den Ausrüstungsorten festzuhalten und gemäß dem Aufmarschplan R direkt nach Galizien zu schieben. Die schon gegen Süden in Bewegung befindlichen Heereskörper der ,,B-Staffel“ hatten aber die Versammlung in Syrmien und im Banat fortzusetzen, von wo aus sie nach Galizien transportiert werden sollten und nach den vorliegenden Berechnungen nicht später einzulangen brauchten, als wenn sie direkt aus den Ausrüstungsorten nach dem Norden gelenkt worden wären.

War diese letzte Erwägung für den Generalstabschef bei seinen Entschlüssen auch entscheidend, so lassen seine Aufzeichnungen doch gewisse Zweifel, ob er von der Bedeutungslosigkeit, die nach den aufmarschtechnischen Aufstellungen der Umweg der ,,B-Staffel“ über Syrmien für die Vollendung des R-Aufmarsches haben mochte, völlig überzeugt war2).

Wenn Conrad trotzdem die geschilderte Lösung gewählt hatte, so mochten in erster Linie die Vorstellungen des Eisenbahnchefs für ihn maßgebend gewesen sein. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, daß noch eine zweite Erwägung am Werden des Entschlusses mitgewirkt hat. Daß Conrad noch am 30. Juli die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen betrachtet hatte, Rußland werde mit der Hilfeleistung für Serbien noch zögern, ist schon gesagt worden (S. 20). Er hatte an diesem Tage auch

Es waren dies: 19. ID., 26. SchD., 20. HID., 11. HKD., 36. und 102. LstlBrig.,

4., 7. und 9. MaBrig. — Die im R-Falle als Alarmdivision bestimmte, jetzt bereits zum größten Teil gegen den Balkan abgerollte 1. KD. wurde gebremst und samt den Teilen, die im Banat bereits eingetroffen waren, noch nach der Friedensfahrordnung nach Galizien geführt, da alle Kavalleriedivisionen möglichst rasch an die russische Grenze gelangen sollten, um dort dem mit Bestimmtheit erwarteten, dann aber ausgebliebenen Einbruch russischer Reitermassen entgegentreten zu können.

2) Conrad, IV, 137 und 159.

\om K.iiser für die Heeresleitung noch die Erlaubnis erbeten, zunächst auf den serbischen Kriegsschauplatz abzugehen. Seither war wohl die allgemeine Mobilmachung Rußlands bekanntgeworden, eine genug eindrucksvolle Warnung. Trotzdem scheint der öst.-ung. Generalstabschef es noch immer nicht für ganz unmöglich gehalten zu haben, daß ihm Verzögerungen in der Mobilisierung und beim Aufmarsch Rußlands die Gnadenfrist gewährten, unter Zuziehung von entsprechend starken Heereskörpern der 2. Armee, die erst vom 18. August an die Züge zur Fahrt nach Galizien besteigen konnte, über die Serben mit überlegenen Kräften noch einen eindrucksvollen Anfangserfolg und damit zugleich einen politischen Vorteil zu erringen (S. 93), der auch von den leitenden Staatsmännern im Hinblick auf Rumänien und Bulgarien immer wieder dringend gefordert wurde. Leise Hoffnungen solcherart haben dem GdI. Conrad sicherlich den Entschluß erleichtert, die ,,B-Staffel“ in dem geschilderten Ausmaße weiterrollen zu lassen. Sie bieten wohl auch die Erklärung für die später zur Sprache kommende auffallende Tatsache, daß das AOK. noch bis in die Nacht auf den 6. August zögerte, dem FZM. Potiorek als nunmehrigen Oberbefehlshaber gegen Serbien und Montenegro den Eintritt des großen R-Falles und damit das bevorstehende Abgehen der 2. Armee aus Syrmien nach Galizien wissen zu lassen (S. 97).

Es wurde demnach, da man keinen Zeitverlust für den Aufmarsch im Norden besorgte, der Balkanaufmarsch ohne Rücksicht auf Rußland durchgeführt.

Sollte — was Conrad erst später erfuhr — das Ausbleiben der Italiener in den Vogesen eine Schwächung des deutschen Ostheeres im Gefolge haben, so fiel durch das Verhalten Rumäniens für die österreichischungarischen Streitkräfte in Galizien die Flügelanlehnung an eine in der Moldau aufmarschierende rumänische Armee weg. Um so mehr mußten daher alle irgendwie zusammenraffbaren Kräfte nach Galizien gebracht werden. Die Versicherung des Königs von Italien, eine den Bündnispflichten entsprechende, „herzlich freundschaftliche Haltung“ einzunehmen, und die Tatsache, daß die rumänische Mobilisierung in der Moldau nicht weniger gegen Rußland als gegen Österreich-Ungarn gerichtet sein konnte, boten Conrad immerhin die Möglichkeit, sich im Südwesten auf die Ausrüstung und Besetzung der Tiroler und Kärntner Grenzsperren zu beschränken und die für Siebenbürgen bestimmte Sicherheitsbesatzung1) ungesäumt nach Galizien zu werfen.

'-j Diese Sicherheitsbesatzung bestand aus der k. k. 1., 40. und k. u. 103. LstfBrig., 12. MaBrig. und HMaR. 9 und 10; ihr oblag im Falle eines Einbruches der Rumänen

Die Kriegserklärungen

Der Kommandant der nunmehr vollständig mobilisierten Flotte, Admiral Haus, wurde am 1. August vom Armeeoberkommandanten mit der „selbständigen Durchführung der Operationen zur See im Sinne des von den Souveränen der Dreibundmächte genehmigten Marineübereinkommens“ beauftragt. Da die weitere Haltung Italiens an diesem Tage noch nicht klar war, wurde beigefügt, daß die Flotte, falls das apenni-nische Königreich seinen Bündnispflichten nicht nachkommen sollte, sich nur auf „die Verteidigung der Adria“ zu beschränken habe. Das schon bei der teilweisen Mobilisierung angeordnete Zusammenwirken der im Golf von Cattaro befindlichen Seestreitkräfte mit den Truppen der 6. Armee blieb aufrecht. Am 2. August wurden die Befugnisse der Flotte durch die Ermächtigung zur Unterbindung der Zufuhr von Kriegsmaterial nach Serbien und zu den sonstigen Feinden (Montenegro war damals noch neutral) noch erweitert.

Durch diese Beschlüsse war auf der Seite Österreich-Ungarns der Auftakt zum großen Waffengange vorgezeichnet. Schon in den nächsten Tagen ging der Vorhang vor der von Kriegslärm erfüllten Weltbühne ganz empor. Am 1. August erklärte Deutschland an Rußland, am 3. an Frankreich, am 4. an Belgien den Krieg. Der Einmarsch des deutschen Heeres in Belgien rief England auf den Plan, das am 4. August abends mit Deutschland brach. Am 5. erklärte Montenegro an die Donaumonarchie und diese an Rußland den Krieg. Am 6. folgte die Kriegserklärung Serbiens an das Deutsche Reich, am 8. die Deutschlands an Montenegro, am 12. die Frankreichs und Englands an Österreich-Ungarn. Am 23. August brach Japan die Beziehungen zu Deutschland ab. Am 27. schloß Österreich-Ungarns Kriegserklärung an Belgien vorläufig den Reigen. Das System der Bündnisse und Ententen hatte sich im Lager der Feinde Deutschlands und Österreich-Ungarns voll ausgewirkt. Dagegen wurde den Mittelmächten in den ersten Augusttagen die Hoffnung, daß sich die Vertragsgenossen Italien und Rumänien doch noch anschließen könnten, für die nächste Zeit vollends geraubt. Ebenso wollte Bulgarien bei allem Haß gegen Serbien noch abwarten, nach welcher Seite hin sich die Waagschale des Erfolges in den ersten Schlachten senken werde. Nur die Türkei neigte von Anbeginn zu den Mittelmächten, mit denen sie schon in den ersten Augusttagen Militärkonventionen abschloß. Aber auch sie sollte noch drei Monate verstreichen lassen, ehe sie tätig in den Kampf eingriff.

die Verzögerung des feindlichen Vormarsches von den Grenzpässen an bis zur Maros, hinter der die von den anderen Fronten herangeführten Truppen aufmarschieren sollten.

Rüstung zum großen Waťfcngang

So zogen die Heere der mitteleuropäischen Kaiserreiche vorerst allein gegen den Bund zweier Weltmächte, zweier Großmächte und dreier Kleinstaaten ins Feld.

Die Wehrmacht von 1914

Aufbau.und Schulung

Die Kornfelder wogten goldgelb, die Sommersonne brannte heiß auf die Lande nieder, als der Bauer seinen Hof, der Arbeiter seine Maschine, der Handwerker, der Kaufmann, der Lehrer, der Beamte die Stätte seines Alltags verließ, um auf Geheiß des Kaisers zu den Fahnen zu eilen. Der mehrtägige Aufschub der Einrückung, der für den Nordosten verfügt worden war, wurde von unzähligen Wehrpflichtigen nicht beachtet; sie stellten sich noch vor dem ersten Mobilisierungstage bei ihren Ersatzkörpern. In den meisten Ausrüstungsorten trafen viel, viel mehr Leute ein, als man errechnet hatte. Es mangelte an Unterkünften, an Uniformen, an Gewehren, sogar an Nahrung. Alle Kasernhöfe, Gassen, Plätze waren vollgepfropft. Allenthalben lagerten, zwischen Hunderten von Pferden und Fuhrwerken, unzählige Aufgebotene unter freiem Himmel. Erst der Abmarsch der Feldregimenter schuf den so ersehnten Platz.

Der Auszug der Truppen aus der Heimat wurde überall zu einer erhebenden Feier, die für den Augenblick die Tränen der um ihr Teuerstes zitternden Mütter, Frauen und Kinder vergessen ließ. Wo immer Transporte auf der Bahnfahrt in ihren geschmückten Waggons vorüberkamen, wurden sie, unbekümmert darum, wes Stammes und welcher Zunge die Vorbeiziehenden waren, umjubelt und mit Liebesgaben überhäuft. Die Regimenter machten einen prächtigen Eindruck. Peinliche Vorfälle, wie man sie während der letzten Balkanwirren mit tschechischen Reservisten erlebt hatte, blieben völlig aus. Mit stolzer Entschlossenheit, der gegenüber Kleinmut und Schwarzseherei zum Schweigen verurteilt waren, rückten im Süden und im Norden die Armeen an den Feind heran, bestiegen die zur Flagge geholten Matrosen die Schiffskolosse. Noch einmal, so schien es, sollte der österreichischeste aller Dichter recht behalten:

Die Gott als Slaw’ und Magyaren schuf,

Sie streiten um Worte nicht hämisch,

Sie folgen, ob deutsch auch der Feldherrnruf,

Denn: Vorwärts! ist ung’risch und böhmisch ...    .

Der Heeresausbau seit 1867    27

Nun unterschied sich freilich die Armee, die jetzt, 1100 Bataillone, li/o Millionen Streiter stark, zum letzten Kampf auszog, von Grund auf von jener, der Franz Grillparzer seinen Spruch zugerufen hatte. Das Heer der langdienenden Soldaten, an dessen Spitze FM. Graf Radetzky seine Siege gegen die Piemontesen erfochten hatte, war einem Volksheer oder — um einen für Österreich-Ungarn besser passenden Ausdruck zu gebrauchen — einem Völkerheer gewichen, dessen Wurzeln in die große Heeresreform nach Königgrätz zurückreichten. Damals, 1867 bis 1870, in den Jahren der dualistischen Umgestaltung des Reiches, des Überganges zum Parlamentarismus, des Aufstrebens der Nationalitäten, wurde das Heer der allgemeinen Wehrpflicht auf einem staatlichen Unterbau aufgerichtet, der mit den Fundamenten der meisten anderen großen Heere kaum mehr recht zu vergleichen war1).

Schon kostete es Mühe, Ungarn im Ausgleich 1867 überhaupt zur Anerkennung einer einheitlichen Armee zu bewegen. Man konnte ihm dieses Zugeständnis nur dadurch abkaufen, daß man gleichzeitig der Aufstellung einer besonderen Nationalmiliz, der ungarischen „Iionved“, zustimmte. Folgerichtig mußten — aus Gründen der „Parität“ — sich auch die „im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“ dazu bequemen, eine österreichische „Landwehr“ ins Leben zu rufen. Gab es auf diese Weise drei getrennte Heeresorganisationen, von denen mindestens die Honvéd als Sondereinrichtung gelten wollte, so sah sich das gemeinsame Heer überdies an drei Parlamente gewiesen, den österreichischen Reichsrat, den ungarischen Reichstag und die beiden getrennt beschickten „Delegationen“, und es hatte vor jeder dieser Körperschaften ein besonderer Ressortminister die militärischen Angelegenheiten zu ver->

*) Es ist selbstverständlich unmöglich, hier eine Bibliographie zur Geschichte der Wehrmacht Österreich-Ungarns im Zeitraum 1867—1914 zu geben. Neben den Gesetzen, Dienstvorschriften und Verordnungsblättern kommen vor allem in Betracht: Anger, Illustrierte Geschichte der k. k. österreichischen Armee (2. Aufl.,Wien 1898 bis 1900); Danzer, Unter den Fahnen (Wien 1889); Wrede (und Seme k), Geschichte der k. u. k. Wehrmacht (Wien 1898—1903); Kriegsarchiv, Sechzig Jahre Wehrmacht 1848—1908 (Wien 1908); Der Oberste Kriegsherr und sein Stab (Wien 1908); [Kerchnawe], Die Vorgeschichte von 1866 und 19?? (Wien 1909); Die Wehrmacht der Monarchie (Beilage zur Zeitschrift Reise und Sport, Wien, Juni 1914). — Über die Organisation unterrichten die Werke von Glückmann, Hugo S c h m i d, Waldschütz. Aus der wechselnden Perspektive des Einzelnen behandeln den in Betracht kommenden Zeitabschnitt militärischer Entwicklung die Denkwürdigkeiten von Auffenberg-Komarów (1920), Conrad (von diesem auch „Mein Anfang“, Berlin 1925), Födransperg (1894), Mollináry (1905', W a 11-mann-Maelcamp-Beaulieu (1903—1905), Went v. Römö (1904 .

Rüstung zum großen Waffengang

treten; je ein Landesverteidigungsminister vor den beiden Staatsparlamenten und der gemeinsame Reichskriegsminister vor den Delegationen.

2S


Die Organisatoren des neuen Volksheeres, FM. Erzherzog Albrecht, der Sieger von Custoza, FML. Freih. v. John, FML. Freih. v. Kuhn und die Obersten Horst und Ritt. v. Beck, waren wohl von der Vorahnung großer politischer Schwierigkeiten erfüllt, wenn sie sich bei den Reorganisationsarbeiten nach 1866 vor allem bestrebten, der Armee einen möglichst breiten Rahmen zu sichern. Dieses Gerüst mußte im wesentlichen bis zum Weltkrieg ausreichen. Das gemeinsame Heer zählte im Jahre 1914 an Infanteriebataillonen sogar weniger als nach Abschluß der Heeresreform 40 Jahre vorher. Auch die Korpseinteilung, die FM. Erzherzog Albrecht und FZM. Beck, dieser schon als Chef des Generalstabes, der Wehrmacht in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts gaben, erfuhr später eine einzige Änderung durch die Aufstellung eines XVI. Korpskommandos in Ragusa. Der Zuwachs an Mannschaftsgestellung blieb in diesem langen Zeitraum weit hinter der Bevölkerungszunahme zurück. Das jährliche Rekrutenkontingent des Heeres betrug 1870 bei 36 Millionen Einwohnern rund 100.000 Mann, 1910 bei 50 Millionen unter Zuzählung der Landwehr- und Honvédrekruten nur 126.000 Köpfe. Erst das Wehrgesetz von 1912, das gleichzeitig die zweijährige an die Stelle der dreijährigen Dienstzeit setzte, verhieß einige Besserung, war jedoch in dem Augenblick, da man es beschloß, auch schon unzureichend. Kurz vorher hatte man die vierten Bataillone der Infanterieregimenter in Instruktionsabteilungen herabmindern müssen, um so für die Aufstellung von Maschinengewehrabteilungen, von neuen Batterien u. dgl. die nötige Mannschaft zu gewinnen. Von einer dem Geist der allgemeinen Dienstpflicht entsprechenden Heranziehung der Bevölkerung konnte unter solchen Umständen natürlich nicht die Rede sein. Auch die Einrichtung der „Ersatzreserve“, in der jährlich rund 80.000 Mann durch acht Wochen einer flüchtigen Ausbildung unterzogen wurden, vermochte keine nennenswerte Besserung zu bringen. Als sich die Armee im Sommer 1914 auf Kriegsfuß setzte, bestanden die Kompagnien zu einem Viertel bis einem Fünftel aus „präsent“ dienenden Leuten; alles andere waren Reservisten, Ersatzreservisten und auch 32jährige Landsturmmänner, die man sofort einzog, indes die Masse der 20jährigen, allerdings nur für kurze Zeit, daheimbleiben durfte. Einzelne Regimentsbezirke, die zu Kriegsbeginn 5000 bis 8000 Streiter ins Feld gestellt hatten, sandten ihren Truppenteilen in den darauffolgenden Jahren 60.000, ja sogar über 100.000 Mann als Ersatz nach. Gewiß dachte niemand

Die politischen Wirren    29

daran, gleich zu Anfang diese ganzen Massen in die Front einzustellen. Aber die Zahl der Zurückbleibenden überwog doch die der Ausrückenden in einem ganz unnatürlichen Verhältnis.

Das mühsame Tempo des Heeresausbaues hatte seine Ursache in den finanziellen Schwierigkeiten, mit denen Österreich-Ungarn trotz eines erheblichen wirtschaftlichen Aufschwunges aller seiner Teile kämpfte, aber noch mehr in den politischen Wirren, von denen das Reich in steigendem Maße heimgesucht wurde. In den Ländern diesseits der Leitha gab es in den ersten Jahrzehnten auch einige deutsche Gruppen, die sich dem Ausbau der Wehrmacht aus verschiedenerlei Gründen entgegenstellten. Die große Presse des liberalen Bürgertums nahm gegen Heeresforderungen fast durchwegs eine ablehnende Haltung ein. Doch bot sich den Regierungen immer die Möglichkeit, irgendeine Mehrheit zusammenzuraffen, mit der sie die nötigsten Heereserfordernisse durchdrückten. Viel schwerer fiel das Verhalten Ungarns ins Gewicht. Der „avitische“ Selbständigkeitsdrang der magyarischen Herrenklasse und der Wunsch, in einem gesonderten ungarischen Heere ein Machtwerkzeug zur Sicherung der magyarischen Vorherrschaft gegenüber den im Karpathenrund wohnenden „Nationalitäten“ zu besitzen, ließ die ungarischen Volksvertretungen seit den Tagen Koloman Tiszas zielbewußt auf die Teilung der gemeinsamen Armee hinarbeiten; Unklarheiten in der Abfassung des Ausgleiches von 1867 kamen ihnen bei diesen Bestrebungen zu”Hilfe. Die Krone, sonst gegenüber ungarischen Wünschen ziemlich nachgiebig, widersetzte sich, bestärkt durch Erzherzog Albrecht und Beck, später durch Franz Ferdinand und Conrad, jenen Teilungsplänen aufs zäheste. In ergreifenden Worten tat der Kaiser 1903 im Armeebefehl von Chłopy den Willen kund, seine „Rechte und Befugnisse“ und die Einheitlichkeit des Heeres nicht antasten zu lassen. Diese Kundgebung goß Öl ins Feuer der ungarischen Begehrlichkeit. Erst dem Grafen Stephan Tisza gelang es 1910 nach einer durch Jahre sich hinziehenden Krise den Frieden einigermaßen wiederherzustellen, wobei es freilich nicht ohne manches nationale Zugeständnis an die Magyaren abging.

Während, wie sich der Kriegsminister GdI. Freih. v. Schönaich ausdrückte, das gemeinsame Heer beinahe zu „verdorren“ drohte, erwuchs wenigstens in der Ausgestaltung der beiden Landwehren der Gesamtrüstung des Heeres eine ansehnliche Kraftvermehrung. Ursprünglich Miliztruppen ohne eigene Artillerie und ohne technische Verbände, streiften sie dieses Kleid schon vor der Jahrhundertwende ab. Der Anstoß zu dieser Entwicklung kam von Ungarn, das der Honvéd bereitwilligst gab, was es dem gemeinsamen Heere vorenthielt. Wohl oder übel mußte nun auch Österreich, da einseitige Zuwendungen an das Heer gesetzlich unmöglich waren, seine wehrpolitische Fürsorge der k. k. Landwehr angedeihen lassen. Die Friedensstände der Landwehr- und Honvédkompagnien wuchsen von Jahr zu Jahr und näherten sich zuletzt schon beträchtlich denen des Heeres. Auf manchen Gebieten der Bewaffnung und Ausrüstung wurde dieses im Jahrzehnt vor dem Kriege sogar durch die beiden Landwehren überflügelt. So erhielt die österreichische Landwehr in den Gebirgstruppen ein Elitekorps, wie es kaum eine zweite Militärmacht besaß. Auch die Gliederung in Heereskörper bis zur Division hinauf wurde durchgeführt. Im Gegensatz zur Landwehr blieb die Honvéd im Frieden außerhalb der Korpsverbände. Zuletzt bekamen Landwehr und Honvéd auch eigene Artillerie. Als ebenbürtige Kampfgenossen traten ihre Regimenter bei Kriegsausbruch an die Seite der Heerestruppen gleicher Bodenständigkeit. Es war eine verdiente Anerkennung vollbrachter Leistungen, daß im April 1917 auf Vorschlag des k. k. Ministers für Landesverteidigung GdI. Freih. v. Georgi die österreichischen Landwehrtruppen in „Schützen“ umbenannt wurden, indes für die ungarische Landwehr dieser nicht mehr entsprechende Ausdruck auch im deutschen Amtsgebrauche der Bezeichnung „Honvéd“ zu weichen hatte6).

Das Aufrücken der Landwehren aus der zweiten in die erste Linie hatte freilich zur Folge, daß Österreich-Ungarns Wehrmacht keine eigentliche „zweite Linie“ mehr besaß. Sinngemäß hätten die k. k. und die k. u. Landsturminfanteriebrigaden, deren Aufstellung auf Grund des Wehrgesetzes von 1888 vorgesehen war, jene Rolle zu übernehmen gehabt. Doch wurden auch diese, aus Männern von 32 bis 42 Lebensjahren gebildeten Milizverbände schon bei der Mobilisierung in die erste Linie eingestellt. Sie entbehrten anfangs naturgemäß des festen Gefüges, doch wußten sich später einige von ihnen — wie die deutschösterreichische 1. LstlBrig. und die 106. LstlD. — einen ehrenvollen Platz in der Gliederung des Feldheeres zu erringen. Die Aufgaben der dritten Linie übernahmen Landsturmterritorial-, etappen- und verwandte Formationen. In seinem Antrag vom 24. Dezember 1913 7) schlug GdI. Conrad vor, gleich anderen Militärmächten den Überschuß an ausgebildeten Reservisten, der sich nach dem neuen Wehrgesetz in den nächsten Jahren ergeben mußte, im Kriegsfall in besondere Reservetruppen (Regimenter, Brigaden, Divisionen) zusammenzuziehen. Der Krieg kam der Ausführung dieses Planes zuvor.

Ähnlich wie dem Ausbau des Gerüstes waren die politischen und finanziellen Schwierigkeiten auch dem Fortschreiten auf dem Gebiete der Bewaffnung und Ausrüstung vielfach im Wege gestanden. Nach jahrelangem Zögern erhielt die Artillerie während der Krise 1908 09 moderne Feldkanonen. Dagegen waren die Feldhaubitzen, mit denen sie in den Kampf zog, schon stark veraltet und auch die Gebirgskanonen ließen zu wünschen übrig8). Ebenso machte sich das Fehlen mittlerer Flachbahngeschütze empfindlich fühlbar. Dagegen besaß die Armee in dem 30.5 cm-Mörser, den auf Anregung Conrads Kriegsminister GdI. Ritt. v. Auffenberg im Jahre 1912 ohne Befragung der Volksvertretungen eingeführt hatte, ein Wundergeschütz, das auch dem Bundesgenossen auf seinem Wege durch die belgischen und französischen Festungsketten ein wertvoller Helfer werden sollte9). Dieses Guthaben an artilleristischer Rüstung konnte aber über die ungünstige Sollseite nicht hinwegtäuschen. Die öst.-ung. Artillerie zählte bei Kriegsausbruch 2154 leichte und 112 mittlere Feldgeschütze, 296 leichte Gebirgsgeschütze, 206 mittlere und 72 schwere Festungsgeschütze mobiler Verwendung10). Sie blieb mit diesen Zahlen beträchtlich hinter denen der anderen Heere zurück — absolut und relativ; es rückte zum Beispiel die öst.-ung. Infanteriedivision mit 18 bis 30 Rohren weniger ins Feld als die gleichen Heereskörper anderer Großmächte. Auf solche Weise war es der k. u. k. Artillerie nicht leicht gemacht, ihren historischen, zuletzt noch bei Königgrätz eindrucksvoll vermehrten Ruhm auch in den Anfangsschlachten des Weltkrieges zu behaupten.

Rüstung zum großen Waffengang

Sehr dürftig war auch die Ausrüstung der Infanterie mit dem an sich vorzüglichen tragbaren Maschinengewehr, was aber insofern nicht so sehr ins Gewicht fiel, als die Gegner kaum besser daran waren. Das Bataillon marschierte meist nur mit zwei, in Ausnahmsfällen mit vier Stücken dieser wirksamen Waffe ins erste Gefecht. Außerdem führte jede Kavalleriedivision vier Maschinengewehre mit sich. Sehr knapp stand es mit den Vorräten an Kleingewehren. Auch die Beschlagnahme fremder Modelle, die an österreichische und ungarische Fabriken zur Erzeugung vergeben waren, schützte die im September 1914 zur Karpathenverteidigung herangeholten Landstürmer nicht davor, mit Einzelladern, alten Werndlgewehren, beteilt zu werden. Daß sie und manche ihrer Leidensgenossen statt mit „hechtgrauen“ mit dunklen Friedensuniformen vorlieb nehmen oder gar sich mit schwarz-gelben Armbinden begnügen mußten, ließ sich, mochte man auch anderwärts ähnlich verfahren haben, kaum mehr rechtfertigen. Infanteriemunition führte das Heer reichlich mit. Dagegen herrschte an Artillerieschießbedarf, zumal für Steilfeuer, schon nach der ersten Kriegswoche würgender Mangel, der die höchste Anspannung der sich erst allmählich anpassenden Kriegsindustrie erforderte.

Bessere Kriegsbereitschaft war den technischen Truppen vergönnt, die —zum großen Teil noch als „Einheitspioniere“ ausgebildet — der Zahl nach für den dringendsten Bedarf hinreichten, an Ausrüstung entsprachen, an Ausbildung und Geschicklichkeit von keiner Schwesterwaffe anderer Militärmächte übertroffen wurden. Nachrichtenmittel wurden wohl gleich in sehr reichem Ausmaße begehrt, aber die geschickte Handhabung, die ihnen die jungen Telegraphentruppen angedeihen ließen, halfen fürs erste über den Mangel hinweg. Viel Arbeit bekamen während der Hin- und Rückmärsche der ersten Kriegsmonate auch die verschiedenen Eisenbahnformationen. Luftfahr- und Autotruppen befanden sich noch in einem embryonalen Zustand, der die spätere Ausgestaltung kaum ahnen ließ. Der zum Teil von der Truppe aufgestellte, zum Teil in den schwachen Friedensrahmen der Traindivisionen eingebaute Troß war eher viel zu groß als zu klein. Er führte anfänglich neben den im Lande aufgebotenen, von kleinen, genügsamen Pferden geführten „Panjewagen“ Galiziens noch eine Menge schwerer Fuhrwerke mit sich, deren manches noch unter Radetzky Dienst getan hatte. Wurden diese auch sehr bald ganz von den Panjewagen verdrängt, so taten sie und die gewaltige Masse an Troß, die man zu Kriegsbeginn mitführte, der Beweglichkeit starken Abbruch. Tausende von Wagen und Pferden blieben neben der

Die Ausbildung

Straße liegen und mußten auf Rückzügen dem Feinde überlassen werden. Sehr gut bewährten sich auf dem Balkankriegsschauplatz und später gegen Italien die jeder Schwierigkeit des Gebirges gewachsenen Tragtiere.

33


Der Sanitätsdienst war im Frieden eifrig vorbereitet worden. Die Vorsorgen haben im allgemeinen die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllt, wenn auch die Organisation in einzelnen Fällen besonders starken Anforderungen nicht gewachsen war; namentlich Chirurgen mangelten zu Kriegsbeginn. Außerordentliches Verdienst sollte sich die medizinische Wissenschaft gleich nach den ersten Kriegswochen bei der Bekämpfung der Cholera und anderer Kriegsseuchen erwerben. Nicht vergessen seien die Leistungen, deren sich das Rote Kreuz und die beiden geistlichen Ritterorden, der souveräne Malteser- und der deutsche Ritterorden, im Kriegssanitätsdienst rühmen durften. Im militärärztlichen Offizierskorps rissen schon die ersten Schlachten manche empfindliche Lücke.

Die Verpflegsvorräte, die dem Feldheer anfangs nachgeführt wurden, ließen an Fülle nichts zu wünschen übrig. Trotzdem blieb es der Truppe nicht erspart, schon auf dem Vormarsch Hunger zu leiden, da ihr der Mundbedarf sehr oft nicht zu folgen vermochte und die Geschicklichkeit fehlte, die Mittel des Landes auszunützen. Es war bei Kriegsbeginn ohne weiteres denkbar, daß eine Abteilung neben einem Felde reifer Kartoffeln hungerte. Hinten häuften sich aber die Massen später schwer entbehrten Verpflegsgutes und wurden nicht selten vergeudet. Kam es zum Rückzug, dann mußten die Vorräte samt den Fuhrwerken dem Feinde geopfert oder, damit sie dieser nicht erhielt, vernichtet werden. Dieses Schöpfen aus dem Vollen, das auch auf andere Gebiete des materiellen Dienstes Übergriff, zeitigte bei den im Frieden von einem großen, weitverzweigten Verwaltungsapparat zu strengster Sparsamkeit verhaltenen Truppen, Anstalten und Befehlsstellen die Rückwirkung, daß das Wort „Geld spielt keine Rolle“ zum Leitsatz alles Tuns wurde. Es dauerte Monate, ehe diese Devise aus den Köpfen verschwand und das gewohnte Darben wieder unbestritten in seine Rechte trat.

Die Ausbildung, mit der die Wehrmacht in den Krieg geführt wurde, fußte auf durchaus‘neuzeitlichen Grundsätzen. Bei der Infanterie hatte im letzten Jahrzehnt die individuelle Schulung den Drill auf das für die Erhaltung der Manneszucht unbedingt nötige Ausmaß zurückgedrängt. Conrad hatte ihr mit seiner „Gefechtsausbildung der Infanterie“ 2) einen Wegweiser an die Hand gegeben, der der Entschlußfreiheit des Kämpfers die weitesten Grenzen zog. Die Reglements waren in der Ära Conrads

i) 6. Aufl., Wien 1917.

I 2. Aufl.    3

so sehr in diesem Sinne gehalten, daß der Erzherzog-Thronfolger, um die Disziplin besorgt, unruhig zu werden begann. Neben der Ausbildung im Gelände beherrschte die Schulung im Schießen den Unterrichtsplan. Dem Zusammenwirken von Infanterie und Artillerie wurde in der Theorie und bei den Übungen zweifellos zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, die Bedeutung der Artillerie als Wegbereiterin des eigenen Infanterieangriffes und als Schirmerin in der Abwehr wohl unterschätzt. Die Reiterei war vorzüglich beritten und im Dienst zu Pferde hervorragend ausgebildet. Aber der konservative Sinn vieler höherer Führer wehrte sich gegen das Streben jüngerer Kräfte, Ausrüstung und Gefechtsschulung den ganz anders gearteten Forderungen der neuen Zeit anzupassen. Die Beharrlichkeit dieser Waffe ging so weit, daß man sie in der farbenfrohen Pracht ihrer Friedensuniformen, in blauen Waffenröcken und roten Hosen, an den Feind reiten ließ.

Unter den Kampfformen wurde bei der Ausbildung dem „Angriff um jeden Preis“ der Vorzug gewährt. Dies galt ebenso für die theoretische Schulung, wie für das Kriegsspiel und die Übungen im Gelände. Keine Armee der Welt ist darin weiter gegangen. Die abstoßende Wirkung moderner Feuerwaffen und die Stärke des verschanzten Gefechtsfeldes wurde — wie übrigens bei allen Armeen mit Ausnahme der kriegserfahrenen — viel zu wenig in Rechnung gestellt. Dieser Grundzug der Friedensausbildung kostete dem Heere in den Einleitungsschlachten viel wertvolles Blut. Die Infanterie stürmte wie auf dem Manöverfelde, ohne die Wirkung der eigenen Artillerie abzuwarten, auf den Feind los. Es dauerte geraume Zeit, bis die Truppen und vor allem die Führung aus den blutigen Erfahrungen die entsprechende Nutzanwendung zogen. Bei jenen war dann allerdings in einzelnen Fällen auch eine gewisse Angriffsmüdigkeit die Folge.

Den Höhepunkt der Friedensschulung hatten alljährlich die Manöver gebildet. GdI. Conrad hatte 1907 zum erstenmal volle „Freizügigkeit“ eingeführt und dadurch für den Verlauf der Übungen eine Kriegsmäßigkeit erzielt, die für alle Militärmächte beispielgebend wurde. Selbst unermüdlich am Werk, abgehärtet, genügsam, ein ausdauernder Fußgeher, Bergsteiger und Reiter, stellte er auch an die Truppe, um sie auf den Ernstfall vorzubereiten, außergewöhnlich große Anforderungen, derentwegen schließlich der Erzherzog-Thronfolger grollend meinte, daß es nicht nötig sei, die Soldaten „schon im Frieden das Sterben zu lehren“1).

!) Vgl. Glaise-Horstenau, Franz Ferdinand (Neue österreichische Biographie 1815—1918, Wien 1926, III, 29).

Dieses Manöversystem wies gewiß ganz bedeutende Vorzüge auf; allerdings fehlte es auch nicht an Auswüchsen, die zu Kriegsbeginn zu einer schädlichen Überspannung der Leistungen und zu einer allzugroßen Angriffshast führten. Unübertrefflich und unübertroffen war die Ausbildung des Heeres, zumal der in erster Linie hiefür bestimmten Teile, im Ge-birgskrieg. Hierin blühte der Armee wie keiner zweiten ein Ruhm, der sie lange überdauern wird.

Die Generalität und der Generalstab waren überdies jährlich durch breit angelegte Kriegsspiele und mehrwöchige Übungsreisen geschult worden, wobei freilich die Führung auf dem Schlachtfelde meist eingehender zur Darstellung gelangte als das strategische Manöver im unermeßlichen Raume des modernen Kriegstheaters. Diese Seite der Führerausbildung spiegelte sich auch in der sehr reichen öst.-ung. Militärliteratur wider, die eine ganze Reihe äußerst wertvoller taktischer Schriften, aber fast keine über die Probleme der höchsten Kriegführung aufwies. Auch am grünen Tisch triumphierte der Angriff bedingungslos über die Abwehr. Die Möglichkeit eines italienischen Krieges regte immer wieder dazu an, neben der weit ausholenden Umfassung auch den Durchbruch in die Erörterungen einzubeziehen. Sehr große Aufmerksamkeit wrandte man in den letzten Jahren vor dem Kriege dank dem persönlichen Einflüsse des Generalstabschefs dem materiellen Dienste zu. Die Errichtung eines eigenen Etappenbureaus des Generalstabes und die Abhaltung großer Etappenkriegsspiele kennzeichneten diesen Kurs. Daß er eingeschlagen wurde, hat sich im Kriege ohne Zweifel sehr gelohnt.

In den Offizieren des Generalstabes standen der Generalität emsige, im operativen Dienst und in der Generalstabstechnik wohl vorgeschulte Gehilfen zur Seite. Der Generalstab ging aus der Kriegsschule hervor, in die jeder junge Offizier nach einer allerdings recht kurz bemessenen Truppendienstzeit auf Grund von Prüfungen gelangen konnte. Zum Stabsoffizier des Generalstabes mußte überdies eine Majors-, die sogenannte „Erzengelprüfung“, abgelegt werden, zu der sich auch Truppenhauptleute melden konnten. Die Auswahl der Generalstabsoffiziere wurde fast nie durch Herkunft und Namen der Bewerber beeinflußt. Möglichst oft sollte der Generalstäbler — Ausnahmen ließen sich nicht vermeiden — für kürzere oder längere Zeit zur Truppe zurückkehren. Auch in dieser Hinsicht ging Conrad mit gutem Beispiel voran, indem er in den ersten Jahren seines Wirkens als Generalstabschef bei Manövern des öfteren Heereskörper führte.

Im Kriege teilte sich im Sinne der Vorschriften der Generalstabschef vom Korps aufwärts mit dem Kommandanten in der Verantwortung. Diese Bestimmung sowie die durch Friedenorganisation und Ausbildung bedingte Geschlossenheit des Stabes führten dazu, daß es nach preußischdeutschem Muster neben der hierarchischen Stufenleiter der Führer noch eine gesonderte der Stabschefs gab. Daraus erwuchsen für die Einheitlichkeit der Führung mitunter Nachteile. Auch kam es sicherlich vor, daß ein General die Zügel ganz seinem Generalstabschef überließ. Im allgemeinen ist aber zu sagen, daß in der österreichisch-ungarischen Wehrmacht der Stabschef gegenüber seinem Befehlshaber und seinem Heeresteile lange nicht die Stellung innehatte, wie etwa sein Amtskollege in der deutschen Armee, wo er die wichtigsten Verfügungen ,,im Aufträge“, das hieß in Wirklichkeit vielfach auf eigene Verantwortung, gegen spätere Zustimmung des Führers treffen konnte.

Die überwiegende Mehrzahl der Generalstabsoffiziere, die im Kriege mit der Truppe arbeiteten, vermochte sich deren unumschränktes Vertrauen zu erwerben. Dem Korps als solchem brachte die Truppe aus der Friedenszeit her wenig Sympathien entgegen. Sie warf ihm Truppenfremdheit, Kastengeist und anderes vor und übte an seinem Tun und Lassen strengste Kritik. Die größere oder geringere Berechtigung dieser Urteile nachzuprüfen, ginge über den Rahmen dieses kurzen Überblicks hinaus. Der deutsche GO. v. Seeckt, der im Kriege jahrelang öst.-ung. Generalstabsoffiziere unter sich hatte, scheint jedenfalls günstigere Eindrücke empfangen zu haben; denn er bedauert, daß der Betätigung des k. u. k. Generalstabes und damit auch seines Chefs, sehr ,,zum Schaden der Sache“, so „schematisch-enge Grenzen“ gezogen gewesen seien, und knüpft daran ein für das Korps gewiß ehrendes Urteil11). Sicherlich wäre es zweckmäßig gewesen, die Generalstabsoffiziere, als es klar wurde, daß der Krieg länger dauern werde, planmäßig zur Frontdienstleistung einzuberufen. In vielen Fällen sprach die in allen Dienstzweigen eingetretene Verfachlichung dagegen. Auch soll vermerkt sein, daß die Zahl vor dem Feinde gebliebener Generalstabsoffiziere, wenn man die Eigenart des Dienstes in Betracht zieht, nicht als gering bezeichnet werden kann und daß auch die Verlustziffer der zur Truppe eingerückten ehemaligen Generalstabsoffiziere keineswegs hinter der ihrer sonstigen Waffenkameraden zurückblieb.

Neben dem Generalstab gab es noch einen Artilleriestab, einen Genie-

Der Soldat des Völkerheeres

stab und — für den wirtschaftlichen Dienst — das aus Offizieren hervorgegangene Beamtenkorps der Militärintendanz. Diese Stäbe hatten in Gemeinschaft mit zahlreichen Hilfsorganen und fachmännischen Kräften das große Räderwerk des Heeresapparates im Gange zu erhalten. Ver-fachlichung und Arbeitsteilung beherrschten auch hier sehr bald die Szene. Diese ökonomische Erscheinung sowie die Nötigung, dem von Monat zu Monat schwerer drückenden Mangel an Personal und Material durch Schaffung von Überwachungs- und Verteilungsorganen Rechnung zu tragen, führte allmählich zu einem bedenklichen Anwachsen der Verwaltungsmaschine, deren Größe die Truppe verstimmte und gewiß auch moralische Nachteile im Gefolge hatte.

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Österreich-Ungarns Völker in Waffen

Die elf oder zwölf Nationen des Habsburgerreiches hatten dem Berufsheer vergangener Jahrhunderte Soldaten gestellt, an deren Eigenschaften es wahrlich nicht lag, wenn in der Geschichte jenes Heeres Zeiträume glänzender Erfolge immer wieder durch solche schweren Mißgeschickes abgelöst wurden. Gerüst, Führung und Geist dieses Heeres waren zweifellos deutschen Ursprungs1). Dies hinderte aber nicht, daß in der deutsch geschulten und deutsch geführten Armee ungarische Husaren, kroatische und „walachische“ Grenzer, böhmische Bombardiere, polnische Ulanen unangetastet in ihrer nationalen Eigenart fortbestehen konnten. Als Ganzes jedoch sog die Berufsarmee die Söhne aller unterschiedlichen Völker so vollkommen auf, daß sich aus der Vielheit der Einzelerscheinungen nichtsdestoweniger ein ausgesprochen österreichischer, „schwarzgelber“ Soldatentypus ergab. Die Heimat dieses österreichischen Soldaten war das Regiment, in dessen Reihen er, jahrelang durch die gleichen Offiziere geführt, den besten Teil seines Lebens verbrachte und ein-, zwei- und dreimal das halbe oder das ganze habsburgische Kaiserreich nach den verschiedensten Richtungen der Windrose durchzog. Von Familie und Volk fast völlig getrennt, dienten die Soldaten ihre Dienstzeit unter den kaiserlichen Fahnen in richtiger Landsknechtart ab, in Genügsamkeit und unter Entbehrungen, gewiß aber auch nicht ohne verlockende Romantik.

Der Keimboden für eine solche Heeresform ging durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und der kurzen, zuerst dreijährigen

x) Vgl. Glaise-Horstenau, Altösterreichs Heer in der deutschen Geschichte (Österreichische Wehrzeitung, Jhrg. 1924, Folgen 19, 24, 25, 27, 30).

und zuletzt zweijährigen Dienstzeit zum größten Teile verloren. Der stete Wechsel der Mannschaft führte nun zu einer immer engeren Verknüpfung der Truppen mit den Gebieten und Volksstämmen, aus denen sie ergänzt wurden. In den Achtzigerjahren wurde überdies der glatteren Mobilisierung wegen die „territoriale Dislokation“ eingeführt. Diese von Franz Ferdinand später immer wieder vergeblich bekämpfte Neuerung bereitete der für die Bildung des Regimentsgeistes so wichtigen Freizügigkeit vielfach ein Ende, nötigte dafür aber im Hinblick auf die zum Teil sehr schlechten Standorte zu um so häufigerem Offizierswechsel. Die tiefe Wandlung, die solcherart eingetreten war, zeigte sich sehr bald sinnfällig in der Sprachenfrage. Indes in der alten Berufsarmee dank der langen Dienstzeit so ziemlich jeder Mann schlecht und recht sein Armeedeutsch erlernte und auch die Schöpfer des Völkerheeres noch mindestens die Erlernung der deutschen Sprache für alle Unteroffiziere vorsahen, gab es zuletzt viele Regimenter, bei deren Kompagnien, Schwadronen, Batterien außer den achtzig Kommandoworten kaum mehr ein deutscher Laut zu hören war. Diese Erscheinung war ein äußerliches Merkmal des Prozesses, den das Heer mitgemacht hatte und dessen Folgen um so deutlicher zutage treten mußten, je mehr — bei der auf Kriegsfuß gesetzten Armee — die Zahl der dem bürgerlichen Leben entrissenen Reservisten und Landsturmmänner die doch noch ein wenig an den alten Typus gemahnenden „präsent dienenden“ Soldaten überragte.

Der Soldatennachwuchs, den die Völker stellten, war bis in die letzte Stunde durchaus brauchbar. Die Hauptmasse entstammte in dem größtenteils noch agrarischen Reiche dem Landvolke. Bauern, die entweder, wie in den Gebirgsgegenden, dem schwer zugänglichen Boden seine Frucht in zähem Kampfe mit der Natur und den Elementen abringen mußten oder, wie in den Ebenen an der Donau und im böhmischen Becken, in Wohlstand, jedoch ohne Verweichlichung aufwuchsen, waren berufen, gute, leistungsfähige Soldaten zu werden. Allerdings gab es auch Gegenden, deren Armut, wie in den Karstwüsten des Südostens und in den karpathischen Waldbergen, so groß war, daß die Jugend in Hunger und bitterster Not heranwuchs; aber die märchenhafte Genügsamkeit, die ihr dadurch anerzogen wurde, kam nicht selten doch der soldatischen Brauchbarkeit zugute. Ebenso traf in Österreich wie anderwärts die Annahme, daß der aus den Fabriken kommende Arbeiter und der Großstädter dem Landmanne als Soldat unbedingt nachstehen müsse, nicht zu. Eine glänzende Wiederlegung erbrachten, um ein Beispiel anzuführen, die Deutschböhmen, indem sie dem k. u. k. Heere Regimenter stellten, die an soldáti-

scher Tüchtigkeit nur selten erreicht, nie aber übertroffen wurden. Was da etwa dem vom Webstuhl oder aus der Glashütte geholten Arbeiter an Körperkräften abgehen mochte, das ersetzte er durch seine hohe Intelligenz und seine moralische Zähigkeit. Wurde bei ihm die im Verlaufe des Krieges überall erlöschende Begeisterung zuverlässig durch das gebieterische Muß abgelöst, so ermangelten die weniger kultivierten und geistig weniger regsamen Völkerschaften des Ostens meist dieses wichtigen Impulses in mehr oder minder großem Ausmaße und es war dann ganz besonders Sache der Führer, zumal des Leutnants und des Hauptmanns, durch persönliche Einwirkung diese Mängel wettzumachen. Nicht zu unterschätzen war bei allen Völkern der Einfluß, den religiöses Fühlen beim Ertragen der Kriegsnöte ausübte. Der Feldpriester, der unerschrocken und furchtlos dem Krieger in Not und Tod zur Seite stand, spielte eine bedeutsame Rolle1).

Zu untersuchen, wie die nationalen Wirren der letzten Jahrzehnte auf das Gefüge des österreichisch-ungarischen Völkerheeres zurückgewirkt hatten, ist selbstverständlich von großerWichtigkeitfür dessen Beurteilung. Die Organisatoren des Heeres der allgemeinen Wehrpflicht hatten diesem Problem die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Mußte den Ungarn in der Honvéd eine spezifisch nationale Truppe gewährt werden, so wurde für das gemeinsame Heer und die österreichische Landwehr doch eine Verfassung durchgesetzt, durch die zerstörende Einflüsse nationalen Ursprungs möglichst ausgeschaltet werden sollten. Schon Generalissimus Erzherzog Karl hatte in einem der ersten Artikel seines unvergleichlichen Dienstreglements bestimmt, daß dem Kriegsmann aus Religion und Nation keinerlei Anfechtungen erwachsen dürfen. Dieser Geist sollte auch dem Völkerheer der allgemeinen Wehrpflicht erhalten bleiben. Ausdrücklich bestimmten die Vorschriften, daß es jedem Soldaten möglich sein müsse, mit seinen Vorgesetzten bis zum Kompagnieführer in seiner Muttersprache zu verkehren. Auch die deutsche Kommandosprache, in der die reglementär festgesetzten Bewegungen und Griffe angeordnet wurden, und die deutsche Dienstsprache, die für den mündlichen und schrift-

J) Daß sich die Militärgeistlichkeit der Bedeutung dieser Rolle bewußt war, beweisen die verhältnismäßig großen Verluste dieser Standesgruppe. Winkler stellt in seiner „Berufsstatistik der Kriegstoten der österreichisch-ungarischen Monarchie“ (Wien 1919, Seite 9) fest, daß unter 20 Berufsmilitärgeistlichen einer auf der Walstatt geblieben ist. Mit Recht schließt er, man werde „diesem Stande die Anerkennung für seine Opferfreudigkeit nicht versagen dürfen“. Die Heldentafel im Wiener Stephansdom enthält die Namen von 51 vor dem Feinde gebliebenen Militärgeistlichen.

liehen Verkehr der Befehlsstellen im Gebrauche war, konnten keine politische Angelegenheit, sondern nur eine Sache des technischen Betriebes sein. Als solche wurden sie im allgemeinen auch von den Völkern und dem Großteil ihrer Führer anerkannt, solange man vermied, den Grundsatz in auffälliger Weise zu durchbrechen 1).

In der Tat erwuchs die Abneigung, mit der alle maßgebenden Führer des Heeres von Erzherzog Albrecht bis Franz Ferdinand und Conrad den magyarischen Teilungsbestrebungen begegneten, nicht nur der bestimmten Auffassung, daß die gemeinsame, einheitliche Armee das wichtigste und letzte Bollwerk der Großmachtstellung des Reiches darstelle, sondern auch der berechtigten Sorge, durch offenkundige Bevorzugung einer Nation die Begehrlichkeit aller anderen herauszufordern. Schon die Einführung der Zweistaatlichkeit hatte in dieser Hinsicht bedenklich gewirkt. Die Tschechen erhoben für die Länder der Wenzelskrone Anspruch auf ähnliche historische Rechte, wie man sie Ungarn zuerkannt hatte, und die Südslawen und Rumänen sahen sich mit Bitterkeit jenen Magyaren auf Gnade und Ungnade überantwortet, gegen die sie anno 1848 als treue Anhänger des Kaisers gekämpft und geblutet hatten. Wie anderswo so waren diese Völker auch in der Armeeführung noch immer eher geneigt, eine zentralistische Leitung gelten zu lassen, als eine solche, die sich auf der Bevorzugung zweier Nationen auf bauen wollte. Dessenungeachtet war, wie hier schon angedeutet wurde, die Krone im Verlaufe der letzten Jahrzehnte genötigt, an dem klug ausgedachten Gebäude der Heereseinheit in nationaler Beziehung manches Steinchen zu lockern. Der magyarischen Sprache wurde ein weiteres Gebrauchsfeld eingeräumt, in der Heranbildung des Offiziersnachwuchses den ungarischen Sonderwünschen stärker Rechnung getragen. Es waren Zugeständnisse, die sich nur infolge des frühen Kriegsausbruches nicht mehr in ihrer ganzen Schwere auszuwirken vermochten.

Erheblich geringer war der Einfluß der sonstigen nationalen Wirren vorläufig noch auf die Heerespolitik gewesen. Man kann füglich sagen, daß bis gegen die Jahrhundertwende das Heer diesen nationalen Kämpfen ziemlich entrückt blieb. Wohl hatte der übrigens auch in national einheitlichen Armeen geübte Brauch, zur Verhinderung oder Unterdrückung von Unruhen wenn möglich landfremde Truppen heranzuziehen, vielfach die Klage ausgelöst, daß man mit Hilfe des Heeres die Nationen gegeneinander ausspiele. Die Volkstümlichkeit litt darunter, wie das doch

x) Für die ungarische Honvéd war die ungarische, für die kroatisch-slawonische Honvéd-(Domobranzen-)division die kroatische Dienstsprache vorgeschrieben.

nur seine Pflicht erfüllende Offizierskorps zur Zeit der sogenannten „Badeni-Krawalle“12) selbst in den deutschen Provinzstädten bitter zu fühlen bekam. Trotzdem wäre es Unrecht, aus solchen Vorfällen eine etwaige „Politisierung“ der Armee zu folgern. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten bereitete sich ein zunächst noch wenig fühlbarer, aber doch zu Nachdenklichkeit stimmender Wandel vor. Er ging zweifellos von den tschechischen „Nationalsozialisten“2) aus; als Vorspiel können die viel erörterten „Zde-Affären“ gelten, die durch die Streitfrage hervorgerufen waren, ob bei den wehrgesetzlich vorgesehenen Kontrollversamm-lungen der Nichtaktiven der Namensaufruf mit „Hier“ oder dem tschechischen „Zde“ zu beantworten sei. Bald gewannen die Jungtschechen Eingang in die Kasernen der heimischen Regimenter, wobei sie neben der nationalen eine fast noch heftigere antimilitaristisch-pazifistische Propaganda trieben. Die ersten Früchte zeigten sich, wie erinnerlich, schon bei der Teilmobilmachung 1912/13; Reservisten der böhmischen IR. 18 und 36 und des DR. 8 meuterten während des Bahntransportes. Bedenkt man, daß damals die slowenische und kroatische Jugend zu einem beträchtlichen Teile schon von der Gedankenwelt Masaryks und seiner Gesinnungsgenossen angezogen war, so läßt sich wohl schließen, daß auch die südslawischen Regimenter allmählich Gefahr liefen, vom tschechischen Beispiele nicht unberührt zu bleiben. Die verschiedenen irredentistischen Bewegungen, die italienische, rumänische, ruthenische, taten das Ihrige, auch die anderen Völker und deren unter den Waffen stehenden Söhne in gleichem Sinne zu bearbeiten. Nicht ohne Nötigung führte GdI. Conrad unter den Gründen, die ihn für einen Vorbeugungskrieg eintreten ließen, auch den an, daß die Armee national vorläufig noch durchaus verläßlich sei, daß man aber nicht sagen könne, wie lange dieser Zustand noch anhalten werde.

Weniger kritisch als die nationale Frage wurde in militärischen Kreisen das soziale Problem genommen. Da sich von den in Betracht kommenden sozialistischen Parteien die tschechische und die polnische frühzeitig dem nationalen Kampfe in die Arme geworfen hatten und die Sozialisten anderer Nationen ihrer Stärke nach kaum zählten, war nur die deutsche Sozialdemokratie als selbständige Bewegung in Rechnung zu stellen. Sie bekämpfte zwar — damals noch eifrige Verfechterin des

Milizgedankens im Sinne von Jaurěs „Nouvelle arrnee“ — grundsätzlich die Einrichtung des Kaderheeres und donnerte dann wohl in offener Sitzung gegen den „Moloch Militarismus“ los. Hinter den Kulissen aber wurde im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege die Armee doch auch mehr oder minder in den stillschweigenden Waffenstillstand einbezogen, den die Sozialdemokratie mit dem Staate und der Bureauki'atie geschlossen hatte. Hiezu kam noch, daß es zwischen der durch das Brünner Programm (1899) gekennzeichneten Einstellung der Sozialisten zum österreichischen Problem und dem im Offizierskorps noch immer vorherrschenden Großösterreichertum Luegerscher Färbung an Berührungsflächen nicht fehlte. Im Sommer 1914 unterschied sich die Einstellung der Sozialdemokratie zum Kriege durch nichts von der aller anderen deutschen Parteien. Wenn es noch eines Druckes auf die sozialistischen Führer bedurft hätte, so wäre er von der Masse der deutschösterreichischen Arbeiterschaft ausgeübt worden. Die Feststellung, daß es gegen das „ultrareaktionäre“ Zarentum gehe, diente wohl nur zu Beruhigung der Gewissen. Wie anderwärts hatte auch in Österreich-Ungarn zu Kriegsbeginn eine Sozialistenfrage bis auf weiteres zu bestehen aufgehört. Der vaterländische Gedanke hatte über den internationalen gesiegt. Nur eine kleine Gruppe Radikaler blieb abseits1).

Aber auch das nationale Problem schien, für den Augenblick wenigstens, von der Bildfläche verschwunden zu sein. Die Erinnerung an den Eindruck, den die Armee in dieser Hinsicht im August 1914 hervorrief, darf durch spätere Erfahrungen nicht verdunkelt werden2). Mochte es auch die Staatsgewalt dem einzelnen unmöglich machen, entgegengesetzte Auffassungen frei zu äußern — die Tatsache ist doch kaum zu widerlegen, daß sich damals noch der größte Teil der habsburgischen Völkerschaften hinter die schwer gefährdete Staatsgemeinschaft stellte und demgemäß auch ihre Söhne im Waffenrock opferwillig in den Kampf zogen. Dabei mag zum Verständnis der Sache sicherlich zu bedenken sein, daß die Einstellung der einzelnen Nationen zu den durch den Krieg aufgeworfenen Problemen mitunter weit auseinander ging. Die Deutschen Österreichs kämpften Schulter an Schulter mit den Söhnen aus dem Reiche um die Existenz der vor allem von ihnen geschaffenen Großmacht.

x) B r ü g e 1, Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie, V (Wien 1925), 176 ff; Friedrich Adler, Vor dem Ausnahmegericht (Jena 1923), 44 ff.

2) Glaise-Horstenau, Die Katastrophe.— Die Zertrümmerung ÖsterreichUngarns und das Werden der Nachfolgestaaten (Wien 1929), 23 ff; Derselbe, Altösterreichs Nationen im Weltkrieg (Monatsschrift „Neues Reich“, 7. Jhrg., 125 ff).

Die Magyaren verteidigten gegen Serbien ihre Verbindung mit dem Meere, gegen Rußland ihre engere Heimat und ihre Machtgeltung gegenüber den anderen Nationen der Donaumonarchie. Die Kroaten gehorchten, alle jugoslawischen Anwandlungen von sich weisend, in überlieferter Treue dem Rufe des Kaisers und Königs, und Slowenen und Slowaken folgten ihrem Beispiel, wobei sich freilich alle drei die Zuerkennung größerer politischer Selbständigkeit als Lohn für kriegerische Leistungen erhofften. Die Polen Galiziens erblickten — mit Ausnahme gewisser russenfreundlicher Fraktionen — in einem Siege über Rußland die entscheidende Vorbedingung für die Wiedervereinigung ihrer in drei Teile zerrissenen Nation. Schon diese Völker bildeten zusammengenommen eine starke Mehrheit in der habsburgischen Völkerfamilie. Die slawischen Stämme, die sich unter ihnen befanden, beschwerte für die Stunde sogar der sorgenvolle Gedanke noch nicht, daß sie an der Seite der Deutschen gegen slawische Brüder fechten sollten. So sehr waren ihre Ideale und Zukunftshoffnungen noch mit denen der habsburgischen Staatsgemeinschaft verknüpft.

Am frühesten von allen slawischen Nationen Österreich-Ungarns wurden die Tschechen von der Besorgnis bedrückt, in dem eben ausgebrochenen Kriege einer fremden, ihren besonderen Daseinswünschen sogar feindlichen Sache dienen zu müssen. Aber auch unter ihnen rechnete zu Kriegsbeginn mit Ausnahme von einer dünnen intellektuellen Schichte niemand mit der Zerstörung des Staates, der wohl noch nicht die erwünschten politischen Freiheiten, dafür aber reiches kulturelles und wirtschaftliches Gedeihen bot. Bei den Ukrainern Ostgaliziens, den Serben Südungarns, Syrmiens und Bosniens und den Italienern der Küstenlande und Welschtirols ließ der Irredentismus vom Frieden her mehr oder minder zahlreiche, über die Grenze laufende Fäden im geheimen fortbestehen. Zumal in Ostgalizien litt die Armee zu Kriegsbeginn darunter, wenn auch die an sich vollauf begreifliche Erregung der Truppen die Dinge erheblich schwärzer sah, als sie es waren. Allerdings gab es bei den Ukrainern auch eine regsame schwarzgelbe Partei, die — gleich den Polen — ihren guten Willen durch Aufstellung einer ukrainischen Legion beweisen wollte.

Dieser kurze, flüchtige Ausblick auf die Stellung der Völker zum Staate in der Stunde der Not zeigt gewiß, daß für das habsburgische Völkerreich der Krieg ein noch gefährlicheres Wagnis gewesen ist als für national einheitliche Mächte. Aber der Versuch, das Kräfteverhältnis zwischen den zum Staate Stehenden und den ihm von Anbeginn Abgeneigten durch eine Zahl darzustellen, führt doch zu einem anderen Ergebnis, als man im Hinblick auf die spätere Entwicklung glauben möchte. Sonst gleiche seelische Einstellung vorausgesetzt, könnte man sagen, daß von vier Männern, die 1914 in den Krieg zogen, höchstens einer aus politischen Gründen nicht gesonnen war, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers gewesen ist1). Erst mit zunehmender Kriegsdauer änderte sich dieses Verhältnis und kehrte sich schließlich, allerdings erst in den letzten Kriegswochen, ganz ins Gegenteil um.

Es mag nun, nach Andeutung der wichtigsten Merkmale, die für die Beurteilung des Soldaten der österreichisch-ungarischen Wehrmacht maßgebend waren, noch verlockend sein, die Nationen des Reiches auf Grund ihrer Kriegstüchtigkeit in eine Art Rangordnung einzureihen. Oberst Dr. h. c. Georg Veith 2), der so tragisch ums Leben gekommene feinsinnige Gelehrte und tapfere Soldat hat in einer dem Kriegsarchiv hinterlassenen Handschrift einen solchen Versuch gewagt und ist dabei zum Ergebnis gelangt, daß, nach soldatischer Tüchtigkeit gemessen, die Deutschen, die Südslawen und die Magyaren in die erste Reihe zu stellen wären. Was die Deutschen und die Magyaren anlangt, so gibt auch die Statistik dieser Reihung recht3). In deutschösterreichischen Landen entfielen auf 1000 Bewohner 29, in magyarischen oder von Magyaren und Deutschen gemeinsam bewohnten Gegenden 28 Weltkriegstote. Auf einer die Verlustdichte anzeigenden „Blutkarte“ ziehen über die Alpen, die böhmisch-mährischen Randgebirge und die ungarische Ebene die dunkelsten Streifen hin. In Österreich beklagten je 1000 Bewohner Deutsch-

x) Von je 100 Soldaten des k. u. k. Heeres waren 25 deutscher, 23 magyarischer, 13 tschechischer, 4 slowakischer, 8 polnischer, 8 ukrainischer, 2 slowenischer, 9 kroatischserbischer, 7 rumänischer, 1 italienischer Stammeszugehörigkeit. — Winkler, Der Anteil der nichtdeutschen Volksstämme an der österr.-ung. Wehrmacht (Wien 1919), lf.

2; Oberst Georg Veith, geb. 1875 zu Černowitz (Černovice) bei Pilgram in Böhmen, seit 1895 öst.-ung. Artillerieoffizier, schuf sich vor allem als Cäsar-Forscher wissenschaftlichen Ruf, erwarb sich aber auch auf anderen Gebieten (Erdbeben-, Münzen-, Schlangenkunde, Musikkritik) vielfach Verdienste und zeichnete sich im Weltkrieg als Soldat hervorragend aus. Er wurde am 9. September 1925 auf einer Forschungsreise bei Zela (Zilé) in Kleinasien von zwei Hirten ermordet. Seine bedeutendsten Arbeiten sind: Geschichte der Feldzüge C. Julius Cäsars (Wien 1906), Cäsar (2. Aufl., Leipzig 1922), Der Feldzug von Dyrrhachium zwischen Cäsar und Pompejus (Wien 1920). Der Feldzug in Albanien (in Schwarte, Der große Krieg 1914—1918, V, 511 ff). Vgl. Nischer, Georg Veith (Jahresbericht für Altertumswissenschaft, Bd. 210 B, 77ff).

3) Winkler, Die Totenverluste der österr.-ung. Monarchie nach Nationalitäten (Wien 1919), 4 ff.

mährens über 44 Tote, ebensoviele Kärntner 37, Deutschböhmen 34, Vorarlberger, Tiroler, Salzburger, Steirer 34 bis 30, Oberösterreicher 27, Niederösterreicher 22 gefallene Helden1). Ohne Überhebung darf der Deutschösterreicher den Ruhm geltend machen, daß er den Staat, den vor allem er gründen und tragen half, bis zuletzt mit dem Aufgebot der äußersten Kräfte verteidigt hat und daß er in seiner Kampfentschlossenheit und in seinen Opfern allen anderen Völkern der Monarchie vorausgegangen und gewiß auch gegenüber den Brüdern im Deutschen Reiche nicht zurückgeblieben ist.

Seltsamerweise scheint die Statistik gegenüber den Leistungen der Südslawen zu versagen, zumal gegenüber denen der Kroaten, die unter 1000 Volksgenossen höchstens 20 Tote zu beklagen haben und deren Blutkarte nur im Norden und im Süden des Landes dunklere Flecken aufweist. Diese Erscheinung leitet sich aus der Tatsache ab, daß sich die Statistik nicht auf die Ausgehobenen, sondern auf die Gesamteinwohnerschaft bezieht. Denn darüber kann wohl kein Zweifel sein, daß gerade die Kroaten fast bis zum Schlüsse des Weltkrieges dem Kaiser und König unübertreffliche, noch in den Grenzerüberlieferungen aufgewachsene Soldaten gesendet haben.

An die Kroaten schlossen in der nach Kriegstüchtigkeit aufgestellten Reihung sicherlich die Slowenen Innerösterreichs und die Slowaken Oberungarns an. Aber auch die Serben stellten, jedenfalls in der ersten Kriegszeit und später wieder gegen Italien, voll ihren Mann, wobei just der Kampf zwischen den Stammesgenossen beiderseits der Drina nicht selten mit größter Erbitterung geführt wurde. In einigem Abstand folgten die Polen Galiziens, deren Schwung unzweifelhaft durch die unmittelbare Gefahr der Russeninvasion etwas gelähmt wurde; dabei ist es zweckmäßig, zwischen den rein polnischen Regimentern des Westens und den mit Ruthenen gemischten Mittelgaliziens zu unterscheiden. Sehr schwer lastet von Haus aus die Heimsuchung Ostgaliziens durch Rußland auf den dort bodenständigen Truppen, wozu noch kam, daß auch sie selbst in nicht immer glücklich geführten Grenzkämpfen hart mitgenommen wurden.

x) Die trotz der hervorragenden Leistungen niederösterreichischer Regimenter geringere Totenquote dieses Landes erklärt sich zum Teil aus der geringeren Tauglichkeitsziffer der Großstadtbevölkerung Wiens, nicht zuletzt aber auch daraus, daß ein verhältnismäßig großer Prozentsatz dieser Bevölkerung vermöge ihrer beruflichen Eignung in Kriegsverwendung kam, die der eigentlichen Gefahrenzone mehr oder minder entrückt war.

Die Tschechen hatten sich in der alten Berufsarmee des Rufes besonderer soldatischer Verwendbarkeit erfreut; gewisse Sonderwaffen und Dienstzweige waren fast ausschließlich ihre Domäne1). Im Weltkrieg wurde das sicherlich anders. Dabei mochte die antimilitaristische Werbearbeit vielleicht noch früher ihre Wirkung geäußert haben, als die politisch-nationale. Trotzdem verlief nicht bloß der Ausmarsch der tschechischen Regimenter diesmal völlig reibungslos, sondern sie hielten sich auch in den ersten Kämpfen mit geringen Ausnahmen gut. Die 28er aus Prag wußten sich im Rahmen der 3. ID. neben den berühmtesten alpenländischen Truppen sehr wohl zu behaupten; ihr Beneschauer Schwesterregiment Nr. 102 war eines der ersten, dessen Taten der amtliche Heeresbericht hervorhob. Selbst den nach der ersten Drinaoffensive dem Standrecht unterworfenen tschechischen Bataillonen der 21. SchD. läßt das serbische Generalstabswerk nachträglich Rechtfertigung in bemerkenswertem Ausmaße angedeihen. Erst nachdem sich die Reihen der Berufsoffiziere und der altgedienten Mannschaft gelichtet hatten und frisch ausgehobener Ersatz in die Lücken getreten war, ließ sich ein offenkundiger Abstieg feststellen, der aber auch nicht bei allen tschechischen Regimentern gleich steil war. Die „Blutkarte“ verrät, daß auch in rein tschechischen Gebieten Böhmens auf 1000 Einwohner noch immer über 22 Kriegstote entfallen. Es hat also noch genug Tschechen gegeben, die im Kampfe gegen die Entente ihr Leben ließen.

Wenig Elan zeigten beim Ruf zu den Waffen die Rumänen Siebenbürgens. Alsbald sahen sich die rumänischen Kämpfer des XII. Korps gleich den ostgalizischen in die harten Kämpfe östlich von Lemberg verstrickt, deren Eindrücke nicht geeignet waren, das Selbstvertrauen des einfachen Soldaten zu heben. Dennoch sollte es im weiteren Kriegsverlauf gelingen, vorwiegend aus siebenbürgischen Rumänen bestehende Regimenter zu schönen Erfolgen mitzureißen. Die Verlustquote stellt sich für den Durchschnitt aller vier Kriegsjahre auf 23 °/00.

Von den österreichischen Italienern hatten die Welschtiroler zu Kriegsbeginn Anteil am Ruhme ihrer Kaiserjägerregimenter; der Krieg gegen Italien sollte dann freilich nötigen, sie in gesonderten Abteilungen zusammenzuziehen und im Norden zu belassen. Bei ihnen blieben 19 von 1000 auf dem Schlachtfelde, bei den Volksgenossen aus dem Görzischen 15, bei den Istrianern gar kaum 6. Das Ergebnis der Statistik entsprach hier durchaus der kriegerischen Leistungsfähigkeit.

1 H o e n, Österreich-Ungarns Wehrmacht (Schwarte, Der große Krieg 1914 bis 1918, V, lff).    ,

Selbstverständlich hat diese Kennzeichnung der einzelnen Kontingente nur bedingten Wert. Regimenter und Heereskörper sind ebensowenig wie der einzelne Mensch Maschinen, auf die eine bestimmte Beanspruchung immer in gleicher Weise wirkt. Bei vielen Truppen schwankte die Leistungsfähigkeit innerhalb kurzer Frist zwischen erstaunlichen Gegensätzen hin und her. Einzelnen Nationen lag der Angriff ungleich besser als die Verteidigung, andere entsprachen bei geschlossener Kampfführung gut, versagten aber in dem Augenblicke, da der Mann mehr oder minder auf sich gestellt war. Die einen unterlagen leichter überraschenden Eindrücken und Paniken, die anderen waren durch nichts aus der Ruhe und Fassung zu bringen. Die einen waren gegen Verluste außerordentlich empfindlich, die anderen ertrugen die schwersten Einbußen, ohne ihren Halt zu verlieren. Erscheinungen dieser Art konnte man bei allen Heeren beobachten; überall, auch bei den national völlig einheitlichen, spielte die landsmannschaftliche Eigenart der Truppe eine wichtige Rolle. Nirgends aber war die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen so groß und nirgends wurde die Führung aller Grade von ihr so schwer belastet wie in der buntscheckigen Wehrmacht Österreich-Ungarns. Demgemäß fielen auch dem Führer, dem Offizier wie dem Unteroffizier, im Rahmen dieses Heeres besonders bedeutsame Pflichten zu.

Der österreichisch-ungarische Offizier

Auch das Offizierskorps des habsburgischen Heeres hatte nach König-grätz tief einschneidende Wandlungen erfahren1). Seine innere Schichtung wurde binnen wenigen Jahren von Grund auf verändert. Auf der einen Seite wurde der von der ,,Pike“ auf dienende, das heißt aus dem Mannschaftsstande hervorgegangene Offizier auf den Aussterbeetat gesetzt. Auf der anderen Seite drängte die Abschaffung der „Inhaberrechte“ und verwandter Einrichtungen die aristokratischen Elemente, denen nun in anderen Berufen unvergleichlich rascheres Fortkommen winkte, fast ganz aus der Armee hinaus. In den Besitz der Offiziersstellen teilten sich nun die Abkömmlinge der Offiziers- und Beamten-

x) Außer den in Fußnote 1, S. 27 angeführten Veröffentlichungen vgl. noch: Ri eg er, Kriegersitte (Wien 1891); Auffahrt, Inhalt und Form. Das Buch vom Offizier (Wien 1910); Bigot de St. Quentin, Schriften, Neubearbeitung von Kerchnawe, 2 Bde. (Wien 1911); Gerard, The Austrian officer at work and at play (London 1913), deutsche Bearbeitung von Waldschütz (Braunschweig 1916); schließlich Auffenberg, Aus Österreichs Teilnahme am Weltkrieg (Berlin 1920), 57 ff.    .

familien mit den Söhnen des Kleinbürgertums und vereinzelt sogar proletarischer Kreise. Da die Gesetze und Vorschriften eine andere Bevorzugung als in der Wahl des Garnisonsortes kaum zuließen, konnte sich, wie die Führerliste im Weltkrieg beweist, jeder in freiem Wettbewerb durch den Generalstab zu den höchsten Posten emporarbeiten. Aristokraten gab es in nennenswerter Zahl nur bei einzelnen Kavallerieregimentern, womit nicht gesagt werden soll, daß sich der Mann aus dem Volke seinesgleichen stets williger unterstellt habe als einem aus anderer Umwelt kommenden Vorgesetzten. Eher war das Gegenteil der Fall.

Die Anforderungen, die man an die Vorbildung des Offiziersnachwuchses stellte, wurden in der richtigen Erkenntnis, daß auch der schlichte Mann in seinem Autoritätsgefühl meistenteils zwischen einem gebildeten und einem ungebildeten Führer sehr wohl zu unterscheiden wußte, von Jahr zu Jahr gesteigert. Knapp vor Kriegsausbruch war man nahe daran, der Masse der Offiziersanwärter nach voller Mittelschulbildung gründliche fachliche Unterweisung in einer Militärakademie angedeihen zu lassen. In den Kadettenschulen, Militärrealschulen, Akademien besaß Österreich-Ungarn zahlreiche militärische Internate, in denen der Offiziersanwärter frühzeitig dem politischen Getriebe des Zivilschulwesens entrückt sein sollte. Als rangälterer Oberleutnant mußte der Offizier, wenn er nicht die Generalstabslaufbahn eingeschlagen hatte, die Korpsoffiziersschule besuchen und auch bei seinem weiteren Aufstiege galt es, zahlreiche Prüfungen und Besichtigungen mitzumachen. An geistiger Regsamkeit und ideellen Interessen übertraf der österreichisch-ungarische Offizier den Durchschnitt der meisten anderen Heere. Hervorragende Vertreter der Wissenschaften und des Kunstlebens aller Nationen des Donaureiches hatten zu Zeiten den Offiziersrock getragen oder trugen ihn noch1). Auch wo geistige oder künstlerische Bestrebungen nur Zeitvertreib waren, erreichten sie mitunter eine bemerkenswerte Höhe. Keinen geringen Anteil daran hatten die Anregungen, die das Wanderleben durch ein Reich voll wunderbarer landschaftlicher, volk-licher und kultureller Gegensätze bot, sowie die kleine weltferne Garnison, die nicht selten zum Selbststudium antrieb. Freilich bestand in diesen Exilen für manchen auch die Gefahr geistiger und moralischer Verkümmerung. Schwer lastete, zumal bei der Infanterie, der Kleindienst auf den jüngeren Offizieren; dies vor allem deshalb, weil es immer

1) Vgl. u. a. Hesshaimer, Der Offizier als Kulturfaktor (Österr. Wehrzeitung, 30. November 1928); Derselbe, Österreichs Offiziere in Kunst und Literatur (Mil. wissenschaftl. Mitt., Wien, Jhrg. 1929, 95 ff).

mehr an jenen alten Berufsunteroffizieren gebrach, die früher ein so wichtiges Glied in der militärischen Hierarchie gebildet hatten. Bei vielen Kompagnien gab es vor dem Kriege nur mehr einen einzigen Berufsunteroffizier, der aber durch den recht vielfältigen Verwaltungsdienst in der Kanzlei festgehalten wurde, so daß bei der Ausbildung und Führung der Mannschaft der Leutnant auch die Dienste des Feldwebels verrichten mußte. Kein leeres Wort ist es, wenn man sagt, daß dem Offizier in der Enge seiner Lebensverhältnisse die sprichwörtlich gewordene österreichische Kameradschaft vielfach Stab und Stütze bot. Der Verkehr der Offiziere untereinander erhielt durch die dem Hochadel entlehnte, sehr verbreitete, vielfach zu weitgehende Anwendung des kameradschaftlichen „Du“ eine besondere, anderen Armeen ungewohnte Note.

Die Lebenshaltung des österreichisch-ungarischen Offiziers war schlicht genug. Seine kargen Bezüge gestatteten nur die allernotwendigsten Repräsentationen. Die in der Armee seit altersher übliche Wendung, daß jemand „Schulden wie ein Stabsoffizier“ habe, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Verhältnisse. Sogar in den paar feudalen Reiterregimentern gab es schon Offiziere, die nur von ihrer „Gage“ lebten und lediglich aus dem Pferdeverkauf, der einzigen dem Offizier erlaubten geschäftlichen Betätigung, einen bescheidenen Zuschuß bezogen. Diese finanzielle Abhängigkeit hatte den großen Nachteil im Gefolge, auf die Verantwortungsfreudigkeit zu drücken, auf deren Weckung man auch sonst nicht gerade besonders bedacht war. Nicht zum mindesten fehlte hier das Beispiel, das einst die in voller sozialer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit dienenden Söhne der großen Familien ihren weniger glücklichen Kameraden zu bieten vermocht hatten.

Durch Übernahme der alten Formen war man bemüht gewesen, das frühere feste Gefüge des Offizierskorps trotz der sozialen Umschichtung, die es im Laufe der Jahrzehnte erfahren hatte, in den möglichen Grenzen zu erhalten. Dieses Ziel wurde im allgemeinen erreicht. Sicherlich ist nicht zu leugnen, daß der Offiziersberuf auch in Österreich-Ungarn gesellschaftliche Vorteile mit sich brachte, deren die Offiziere selbst erst so recht gewahr wurden, nachdem man sie ihnen geraubt hatte. Doch war wohl kaum angebracht, in Ansehung des Offizierskorps von einem „k. u. k. Militarismus“ zu sprechen. Zwar war unter Maria Theresia und Joseph II. den Offizieren der Hofzutritt zugestanden und honoris causa der Rang des ersten Standes im Staate verliehen worden. In Wirklichkeit nahm aber unter den Berufsständen die Bureaukratie bis

I 2. Aufl.

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zum Schlüsse die führende Stellung im staatlichen Leben einx). Dies trat gerade in den letzten Jahrzehnten wieder um so deutlicher hervor, als eben nur mehr wenig Angehörige des Offizierskorps auf die Ehrenvorzüge einer hochadeligen Geburt pochen konnten. Standesvorrechte wie die, daß es dem bürgerlichen Offizier leichter gemacht war, in die Reihen des übrigens stark entwerteten Briefadels einzutreten, oder daß bei Hof zu bestimmten Anlässen der goldbetreßte Diplomatenfrack hinter dem Rock eines Reserveleutnants zurückstehen mußte, änderten daran ebensowenig wie das persönliche Verhältnis, das überlieferungsgemäß zwischen dem Kaiser und der Wehrmacht bestand.

Die Armee hatte der Dynastie im Jahre 1848/49 Thron und Reich gerettet. Franz Joseph empfand von frühester Jugend an vor allem als Soldat13). Sein Ehrgeiz, sich auch als Feldherr zu betätigen, war allerdings seit Solferino erloschen. Neidlos überließ er ein Menschenalter hindurch dem FM. Erzherzog Albrecht die Ausbildung und taktische Leitung des Heeres. Albrechts Erbe übernahm FZM. Beck und nach ihm, durch Conrad beraten, GdK. Erzherzog Franz Ferdinand, der — seinem kaiserlichen Oheim an eigentlicher militärischer Begabung wohl überlegen — ein Jahr vor seinem Tode mit der besonders machtvollen Stelle eines Generalinspektors der gesamten bewaffneten Macht bekleidet wurde. Der Monarch selbst wandte, seit 1859 und 1866 im tiefsten Herzen nur mehr wenig dem Glücke seiner Waffen vertrauend, sein Hauptaugenmerk der Bewahrung des Heeres vor politischen Einflüssen und der Erhaltung des überlieferten soldatischen Geistes zu. Daneben legte er, der beste Kenner aller militärischen Vorschriften, auch weiterhin großes Gewicht auf die Form. Äußerlich tat sich des Kaisers Einstellung zum Soldatenberuf dadurch kund, daß ihn die Öffentlichkeit nie anders als in Offiziersuniform zu sehen bekam, die er mit einer von keinem Armeeangehörigen übertroffenen, schlichten Vornehmheit trug.

Das Offizierskorps fühlte sich in Anlehnung an die Ideenwelt der Feudalzeit dem Obersten Kriegsherrn persönlich verbunden und es war gewiß oft genug keine Lesebuchlegende, wenn — auch im Weltkriege noch — berichtet wurde, daß dieser oder jener Träger des Offiziersportepees vor dem Feinde seine Seele mit einem letzten Treuwort für den Kaiser und König ausgehaucht habe. Die Vorstellung von einem persönlichen Vasallenverhältnis zum Herrscher gab dem Offizierskorps keinen geringen Rückhalt in der Abwehr gegen Anfeindungen von auswärts, sie half auch mit, die Politik von der Armee fernzuhalten. Der Kaiser nahm die Vasallentreue seiner Offiziere als eine Selbstverständlichkeit hin, über die er bei keiner Gelegenheit einen Zweifel bestehen ließ und die ihn auch der Verpflichtung überhob, für seine Volkstümlichkeit in der Wehrmacht etwa noch ein übriges zu tun. Versuche der Armee, im staatlichen Leben irgendwie aus den durch die Vorschriften gezogenen Schranken herauszutreten, hätte er mit der vollen Strenge zurückgewiesen, mit der er auch sonst die Wahrung der Ressortgrenzen zu hüten wußte. Die Armee hatte nach seinem Willen — das erfuhr sehr deutlich jeder, der dagegen verstieß — die „große Schweigerin“ zu sein, die nur dann das Wort ergreifen durfte, wenn es ihr durch den Obersten Kriegsherrn ausdrücklich für einen ganz besonderen Fall erteilt worden war.

Erheblich wurde die gesellschaftliche Stellung des österreichischungarischen Offiziers durch die nationale Frage beeinflußt. Eine verläßliche Statistik über die nationale Zusammensetzung des Berufsoffizierskorps gibt es nicht. „Heimatszuständigkeit“ oder Umgangssprache bieten keinen ausreichenden Maßstab. Aber man irrt kaum mit der Behauptung, daß noch um die Jahrhundertwende von 100 Offizieren an die 75 deutschen Stammes gewesen sind. Noch stand damals in ihren Reihen auch eine erkleckliche Zahl von Männern, die selbst oder deren unmittelbare Vorfahren aus dem „Reiche“ zugewandert waren und denen der Dichter der „Schwarzgelben Reitergeschichten“, Karl Baron Torresani, mit Recht eine besonders fanatische Liebe zum österreichischen Adoptivvaterlande nachrühmt. Sie blieben, seit Bismarck das neue Preußen-Deutschland aufgerichtet hatte, vollkommen aus und an ihre Stelle traten nach der Jahrhundertwende in zunehmendem Ausmaße Offiziere magyarischer, slawischer und rumänischer Zunge. Es gab bereits Ulanenregimenter, in denen nur mehr polnisch, Husarenregimenter, in denen nur ungarisch, Schützenregimenter, in denen schon sehr viel tschechisch gesprochen wurde. Dennoch blieb das vorherrschende

Element im gemeinsamen Heere und in der k. k. Landwehr noch immer der deutschösterreichische Offizier. Dieser fühlte aber — mit geringen Ausnahmen — entsprechend der Eigenart seiner Stellung nicht national deutsch, sondern anational, altösterreichisch, schwarzgelb, wie außer ihm von seinen Volksgenossen nur mehr ein ganz geringer Teil der Aristokratie und der Bureaukratie, und er durfte, unbekümmert um manchen Vorwurf aus dem Lager des eigenen Volkes, nur so und nicht anders fühlen, wenn er das Ferment der Wehrmacht bleiben wollte, das er noch immer war. Als Apostel eines Österreichertums, das man außerhalb seiner Reihen kaum mehr kannte, verbrachte er sein Leben zumeist fern von der Heimat, inmitten einer anderssprachigen und andersdenkenden Gesellschaft, die ihn als Fremdling, als Eindringling, zeitweilig sogar als Feind betrachtete. Dessenungeachtet redete er alsbald, wenn man ihm Zeit ließ — mitunter wurde er schon früher wieder verschickt — schlecht und recht in der Sprache seiner Mannschaft und des Landes, in das ihn sein Soldatenschicksal verweht hatte, und blieb auch dann national duldsam, wenn ihm dies von seiner bürgerlichen Umgebung nicht mit Gleichem vergolten wurde. Drei Jahrhunderte hindurch — man darf hier schon fast an „Wallensteins Lager“ denken — wirkte sich seine Fähigkeit aus, Söhne anderer Nationen bis zur Preisgabe ihrer Sonderart in seine eigene Ideen- und Gefühlswelt hineinzuziehen. Die im „Militär-Schematismus“ so zahlreich vorkommenden fremdsprachigen Namen mit deutschen, an den Kriegerberuf anklingenden Adelsprädikaten können als sprechender Beweis dafür angeführt werden. Unter den vielen Abarten, die sich in der gemeinsamen Offiziersfamilie zusammenfanden, sei des besonders charakteristischen kroatischen Grenzeroffiziers gedacht, der bis in den Weltkrieg hinein der Armee so manchen ihrer glänzendsten Führer gestellt hat. Gegen Schluß ging dann wohl die Anpassung anderer Nationen an den vor allem vom Deutschösterreicher getragenen Offizierstypus schon schwerer vor sich. Auch wurde in dem einen oder anderen Regiment schon mehr als nötig politisiert. Aber die alte, kulturgeschichtlich bemerkenswerte Wesensart beherrschte das österreichische, nunmehr österreichisch-ungarische Offizierskorps wohl auch dann noch, als der Oberste Kriegsherr das letztemal an dessen bewährte Treue und erprobten Opfersinn appellierte.

Die Anpassungsfähigkeit des k. u. k. Offiziers zeigte sich nicht zum geringsten in seinem Verhältnisse zur Mannschaft. Die seelische und kulturelle Mannigfaltigkeit der Völker erforderte eine nicht minder stark abgestufte Behandlung im Soldatenleben. Im allgemeinen ist festzustellen,.

daß sich das Offizierskorps, von trefflichen Vorschriften angeleitet, dieser schwierigen Aufgabe mit erstaunlichem Geschick unterzog und daß das Vertrauensverhältnis zwischen Offizier und Mann starken Proben standhielt. Das Bestreben, die Seele des Mannes zu gewinnen, überwog zweifellos die sicherlich gegebene Verlockung, ihn mit den Machtmitteln der Organisation zu beherrschen. Gewiß hat die unvergleichliche Machtfülle, die der Krieg dem Offizier aller Grade in die Hand gab, einen oder den anderen Träger verleitet, davon mehr Gebrauch zu machen, als es im Interesse der Sache und aller Beteiligten erwünscht war. Erfahrungen solcher Art führten an der Schwelle des vierten Kriegsjahres zur Abschaffung gewisser entehrender Strafen, was aber bald teilweise widerrufen werden mußte. Eine Untersuchung nach dem Kriege, die den Mißbrauch der in die Hand des Offiziers gelegten Machtbefugnisse betraf, hat nur ein sehr dürftiges Ergebnis gezeitigt14). Unter den Vorwürfen, die sonst gegen das Offizierskorps erhoben wurden, sei noch der angemerkt, daß es sich in Zeiten materieller Not nicht immer der den Soldaten auf gezwungenen Enthaltsamkeit befleißigt habe. Es sei zugegeben, daß sich einzelne Befehlsstellen der Wichtigkeit dieser Frage nicht so rasch bewußt wurden wie beispielsweise in der Front der deutschen Armee. Die weitaus überwiegende Zahl der Offiziere hat aber auch in dieser

Beziehung Freud und Leid mit der Mannschaft geteilt, in deren Reihen sie lebte. Den betrüblichen Erscheinungen, die niemand wegleugnen wird, standen in erdrückend größerem Ausmaße Beispiele treuester Kameradschaft zwischen Offizier und Mann gegenüber.

Schwierigkeiten, die keinem Volksheer erspart blieben, ergaben sich aus dem großen Altersunterschied, der zeitweilig zwischen blutjungen Offizieren und bejahrten, aus angesehener bürgerlicher Stellung gerissenen Reservemännern bestand. Nur großer Takt konnte diese Kluft überbrücken. Ebenso sollte es nach längerer Kriegsdauer auf die altgedienten Unteroffiziere sehr verstimmend wirken, wenn sie immer wieder sehen mußten, wie der junge „Notmaturant“ jenes Offiziersportepee im Handumdrehen erringen konnte, das ihnen trotz hervorragender Leistungen vor dem Feinde und trotz goldener Tapferkeitsmedaille immer wieder versagt blieb. Dennoch währte es in Österreich-Ungarn wie anderwärts geraume Zeit, bis man sich zu einigermaßen abhelfenden Verfügungen entschloß x).

Das schwierigste Problem bildete auch in den Beziehungen zwischen Offizier und Mann die Sprachenfrage. Wurde im Frieden das Möglichste getan, dieses Problems Herr zu werden, so kam es im Kriege immer häufiger vor, daß sich sogar der Zugskommandant mit seinen oft sehr bunt zusammengewürfelten Leuten nicht mehr verständigen konnte. Solche Offiziere hatten es in Stunden der Gefahr überaus schwer, ihren Einfluß auf den Mann zu behaupten. Das persönliche Beispiel konnte Wunder wirken, es war unentbehrlich; aber auch des von der Mannschaft aufgefaßten rechten Wortes im rechten Augenblick konnte die Führung nicht entraten. Wo allerdings beide Voraussetzungen vorhanden waren, die persönliche Einwirkung und das persönliche Beispiel, dort vermochte der Kommandant fast bis zum Schluß auch mit einer politisch, kulturell und seelisch „schwierigen“ Truppe hervorstechende Erfolge zu erzielen. Damit soll freilich nicht gesagt werden, daß die Heeresleitung in besonders wichtigen Räumen der Walstatt nicht doch lieber eine deutsche, eine kroatische, eine ungarische Division wußte. Jene Beispiele sollen nur zeigen, welch bedeutsame Stellung der Offizier im österreichisch-unga-

Es ist nur bedingt richtig, wenn die hohe Scheidewand, die organisatorisch zwischen Offizier und Mann aufgerichtet war, später nicht selten als Erbstück des Feudalismus betrachtet wurde. Im alten, von feudalen Elementen beherrschten Offizierskorps konnte es der verdiente Unteroffizier bis zum Stabsoffizier und selbst zum General bringen. Erst die liberale Aera nach 1866 hat mit solchen Möglichkeiten aufgeräumt.

rischen Völkerheere einzunehmen hatte und wie groß daher sein Anteil an dem Wunder des mehr als vierjährigen Abwehrkampfes war.

An die Seite des Berufsoffiziers trat am Tage der Mobilisierung neben zahlreichen Offizieren aus dem Pensionsstande, deren mancher alsbald besonderen Glanz an seinen Namen knüpfte, der Kamerad aus der „Reserve“. Die nationale, kulturelle und soziale Mannigfaltigkeit des Völkerreiches tat sich selbstverständlich auch in der im Reserveoffizierskorps vertretenen Intelligenz sehr stark kund. Ein Korpsgeist, wie ihn die reichsdeutschen Reserveoffiziere in so ausgeprägtem Maße besaßen, war den österreichisch-ungarischen nicht eigen. Versuche, ihn zu schaffen, die knapp vor dem Kriege aufgenommen wurden, hätten angesichts der nationalen Spaltung sicherlich nur einen begrenzten Kreis erfaßt. Demgemäß waren auch militärische Eignung und Vorbildung sehr verschieden, wozu noch kam, daß bei den Friedenswaffenübungen dem Reserveoffizier fälschlich meist nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt worden war. Erstaunlich rasch fanden sich, den Söhnen anderer Nationen im Durchschnitt an Bildung, innerer Kultur und Ethos zweifellos überlegen, die Reserveoffiziere deutschen Stammes im Kriege in ihren neuen, schwierigen Pflichtenkreis hinein. Sie wußten dem Berufsoffizier ihrer Dienstsphäre sehr rasch das Handwerksmäßige abzuschauen, traten mit ihm in der Zugs-, Kompagnie-, ja selbst Bataillonsführung bald in starken Wettbewerb, erreichten ihn oft, übertrafen ihn mitunter. Nicht wenige Kameraden anderer Stammeszugehörigkeit strebten den deutschösterreichischen Reserveoffizieren mit Erfolg nach.

Die ersten Schlachten rissen in das Berufsoffizierskorps tiefe Lücken; die Besten wurden hinweggemäht. Ein Teil der älteren, vielfach überalterten Stabsoffiziere war den Anforderungen des Bewegungskrieges nicht mehr gewachsen und ging in die Heimat ab. All diese Ausfälle wurden durch rasche Beförderung jüngerer aktiver Offiziere gedeckt, die man dadurch zugleich für die vielfach ungünstige Vorrückung zur Friedenszeit entschädigen wollte. Dieser Brauch wurde fast bis zum Kriegsende geübt. Die Militärschulen waren bald nicht mehr imstande, den großen Abgang an „Aktiven“ in den unteren Dienstgraden zu ersetzen. Der Berufsoffizier verschwand immer mehr aus dem Bereiche des Zugsund Kompagniekommandos. Dafür zählte manches Infanterieregiment an die fünfzehn bis zwanzig Stabsoffiziere, von denen ein großer Teil an der Front keine Verwendung fand und vielfach auch nicht finden konnte. Die Reserveoffiziere reihten grundsätzlich, ohne Rücksicht auf Dienstalter, hinter den Berufsoffizieren gleichen Dienstgrades. Viele von ihnen blieben „Subalternoffiziere“; erst 1916 wurde ihnen der Aufstieg zum Hauptmann, der zum Major höchst selten, eröffnet. Jeden Tag mußten sie erleben, daß ihnen ein an Lebensjahren viel jüngerer Berufsoffizier vorgesetzt wurde, der es zudem nicht immer verstand, im Rahmen der Vorschriften dem oftmals sehr erheblichen Altersunterschied und der bürgerlichen Stellung des Kameraden aus der Reserve geziemend Rechnung zu tragen. Das kritische Urteil des Reserveoffiziers wandte sich auch gegen die zahlreichen Berufsoffiziere, die bei den Stäben, in der Etappe und im Hinterland eingeteilt waren und dort in vielen Fällen auch eingeteilt werden mußten, weil die in Frage kommenden Posten ein systematisch erworbenes, durch keine Kriegserfahrung ersetzbares Berufswissen forderten. So entstanden Verstimmungen, die sich, zumal nach dem Zusammenbruch, wie es übrigens ähnlich nach unglücklichen Kriegen immer geschah, in leidenschaftlicher, erbitterter Weise Luft machten. Zum anderen darf aber doch auch hier auf die zahlreichen Lebensfreundschaften verwiesen werden, die im Schützengraben zwischen den Kameraden des Aktiv- und des Reservestandes geschlossen worden sind, und auf den Stolz, mit dem unzählige Reserveoffiziere in treuer Gemeinschaft mit den einstigen „Aktiven“ in Regiments- und Kameradschaftsvereinigungen des gemeinsam Erlebten und Erlittenen gedenken. Dieses schwierige Problem ist im alten öst.-ung. Heer gewiß nicht schlechter gelöst worden als anderswo.

Über die Blutverluste der aktiven Offiziere liegen mehrere Statistiken vor, die zu verschiedenen, aber immer genug vielsagenden Ergebnissen gelangen. Der Wiener Statistiker Dr. Wilhelm Winkler stellt in einer seiner wertvollen Studien!) über die ersten Kriegsjahre fest, daß die Berufsoffiziere mit 119.8 °/00 Toten unter allen Berufen an vorderster Stelle stünden. Diese hohe Zahl erkläre sich wohl vor allem daraus, daß aus dem Berufsstande der aktiven Offiziere eben alle Angehörigen mobilisiert worden seien. Aber auch bei Berücksichtigung dieses Umstandes bleibe die Totenquote der Berufsoffiziere eine besondere Erscheinung. „Sie besagt nicht weniger, als daß schon innerhalb der ersten beiden Kriegsjahre fast ein Achtel der in den Krieg getretenen Berufsoffiziere den Tod gefunden hat. Diese Tatsache beweist, daß das österreichische Berufsoffizierskorps, wie zu erwarten stand, auch in diesem Kriege in hervonagender Weise seine Pflicht erfüllt hat.“ GM. Kerchnawe gelangt in einer dienstlich verfaßten Studie zu dem Ergebnis, daß die Berufsoffiziere im ganzen Krieg 31.3 °/0, die Reserveoffiziere 16.5°/0> die Be-

Winkler, Statistik nach Berufen, 4 ff.

rufsunteroffiziere 12.5 °/0 an Toten verloren hätten15). Von den ehemaligen Zöglingen der Theresianischen Militärakademie zu Wiener Neustadt, der berühmtesten Pflanzstätte des k. u. k. Offizierskorps, standen im Weltkriege, bis zum Feldmarschall hinauf, etwa 3000 am Feinde. Von ihnen ist beiläufig jeder fünfte auf der Walstatt geblieben, von den jüngsten Jahrgängen sogar jeder dritte2). Gibt es erschütterndere Zeugnisse für den Geist, der dieses schlichte, bescheidene Offizierskorps beseelte ?

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Dies war, in groben Umrissen gezeichnet, das Völkerheer, das Österreich-Ungarn im Sommer 1914 ins Feld sandte. Daß einem so gewaltigen Körper auch Schwächen, kleine und große Schwächen anhafteten, ist gewiß. Wo Millionen von Einzelwesen in einer riesigen Organisation z;u-sammenströmten, wo so viele in der Unvollkommenheit alles Menschlichen begründete Gegensätze aufeinanderprallten, wo solch unerhörte Machtfülle, solch niederdrückende Verantwortung, solche übermenschlich schwere Gehorsamspflichten in stetem Gegen- und Wechselspiel wirksam waren und wo schließlich, alles übertönend, jeder einzelne täglich und stündlich um den größten Einsatz, den des eigenen Lebens, zu würfeln hatte — wie wäre es da anders möglich gewesen! Ein künftiges Geschlecht wird diesen Dingen sachlicher gegenüberstehen als das unsrige, das noch Leidtragender des Zeitenjammers gewesen ist, und es wird diese großartige Menschenschöpfung, die österreichisch-ungarische Wehrmacht von 1914, mit scheuem Staunen betrachten. Denn sie war ein gewaltiger Bau von feinst durchdachter Gliederung, von seltsamsten, mitunter — wenn man will — bizarren Formen, aber auch von einer angesichts des brüchigen Untergrundes verblüffenden Festigkeit, die seinen Baumeistern vom großen Friedländer an bis in die jüngsten Tage herauf zu höchster Ehre gereichte und auch in den vier Jahren des Weltringens noch den stärksten Stürmen standhielt, bis die Revolution das alte, wohl schon wankend gewordene Gemäuer von innen heraus zum Einsturz brachte.

Mit stolzem Kraftbewußtsein und der edlen Überzeugung, sich einer guten Sache zu weihen, zog dieses Heer im August 1914, in Nord und Süd von kriegsgewohnten Feinden empfangen, seiner ersten, schweren Feuerprobe entgegen.

Das Armeeoberkommando

Der Oberbefehl über die Feldarmeen wäre im Jahrfünft vor 1914, da sich der auch oft von Verkühlungen heimgesuchte Kaiser schon zu alt fühlte, dem Erzherzog-Thronfolger zugefallen. Nunmehr, nach dessen Tod, wurde am 31. Juli 1914 GdI. Erzherzog Friedrich, Enkel des Erzherzogs Karl und Neffe des Erzherzogs Albrecht, zum Armeeoberkommandanten ernannt. Die Leitung der Operationen fiel, wie dies auch früher vorgesehen war, in erster Linie dem Chef des Generalstabes zu. Obwohl selbst militärisch leidenschaftlich interessiert und von hohem Pflichtsinn erfüllt, beschränkte sich der erzherzogliche Oberbefehlshaber darauf, im Rahmen des AOK. dem Generalstabschef alles abzunehmen, was diesen bei der Bewältigung seiner schweren Aufgaben stören konnte. Hieher gehörte auch die Repräsentation nach außen, vor allem gegenüber der Truppe, bei der Erzherzog Friedrich gern und viel weilte, indessen GdI. Conrad als Generalstabschef nur dreimal Muße zu einem Frontbesuche fand. Nicht selten fiel dem Erzherzog auch die Aufgabe zu, zwischen Generalstabschef und dritten Stellen zu vermitteln; hierin sollte er sich namentlich gegenüber dem deutschen Bundesgenossen bewähren. So oft in den zweieinhalb Jahren der Zusammenarbeit von irgendwo gegen Gen. Conrad Sturm gelaufen wurde — immer bewahrte der ritterliche Prinz dem stolzen, selbstbewußten Chef des Generalstabes seine Treue. So fällt bei den Erfolgen, die sich an den Namen Conrad knüpfen, gewiß auch auf die Persönlichkeit des schlichten, bescheidenen Oberbefehlshabers ein wohlgemessenes Teil.

Der Machtbereich des AOK. erstreckte sich auf die Feldarmee, die Kriegsmarine und die jeweils nach Bedarf abgegrenzten „Kriegsgebiete“. Die Angelegenheiten der eigentlichen Kriegführung sowie die großen Richtlinien organisatorischer, militärtechnischer und militärpolitischer Natur wurden nach den Weisungen des Generalstabschefs in der Operationsabteilung (Obst. Metzger) bearbeitet. Für die Personalien war die Detailabteilung (Obst. v. Kaltenborn), später Präsidialabteilung benannt, maßgebend. Der offensive und defensive Kundschaftsdienst wurde von der Nachrichtenabteilung (Obst. v. Hranilovič; geleitet, die in Wien als Zweigstelle das Evidenzbureau des Generalstabes zurückließ. Diese drei Abteilungen waren in der ersten Kriegszeit im „Operierenden Oberkommando“ zusammengefaßt, dem für die wirtschaftlichen und administrativen Angelegenheiten das „Etappenoberkommando“ (GM. Kanik) zur Seite stand. Die beiden Begriffe fielen, als im Frühjahr 1916 die zweitgenannte Organisation in eine den anderen Abteilungen gleichgeordnete „Quartiermeisterabteilung“ (Obst. Anton Höfer) umgewandelt wurde und an die Stelle des Etappenoberkommandanten der „Generalquartiermeister“ (GM. Kaltenborn) trat. Außerdem gehörten, unmittelbar oder im Wege einer Abteilung an den Chef des Generalstabes gewiesen, zum AOK. noch die Chefs des Feldtransport-(später Feldeisenbahn-)wesens (Obst. Johann Straub), des Feldtelegraphenwesens (Obst. Schamschula) und verschiedener anderer Dienstzweige sowie eine Delegation des k. u. k. Ministeriums des Äußern und Vertretungen beider Regierungen. Der Armeeoberkommandant hatte einen eigenen Stab. Dem AOK. unmittelbar unterstellt war das Kriegspressequartier, das unter der Leitung des Obst. Ritt. v. Hoen eine Reihe zum Teil namhafter Journalisten und Künstler in sich vereinigte *).

Von oben mit vollster Handlungsfreiheit ausgestattet, nahm Conrad auch gegenüber seiner Umgebung in den Fragen der großen Kriegführung die Last des Entschlusses völlig auf sich. Die Männer, die sein Vertrauen genossen, durften ihm zwar freimütig ihre Auffassungen und Bedenken äußern, aber die Entscheidung behielt er sich vor. Für jene war wohl auch seine Autorität zu unbestritten, als daß sie es je gewagt hätten, ihm ihren Rat aufzudrängen. So entsprangen alle großen Entschlüsse, die in den ersten Kriegsjahren im AOK. gefaßt wurden, im Grunde genommen allein dem regen, alle Probleme umfassenden Geiste des „Chefs“2). Als Befehlseinheiten des AOK. galten beim Ausbruch der Kämpfe die Armeen 1 bis 4, die Armeegruppe GdI. Kummer und das 6. Armeekmdo., FZM. Potiorek, dem auch die im Südosten verbleibende 5. Armee unterstellt wurde, außerdem die Kriegsflotte, der aber, abgesehen von den an die Weisungen des FZM. Potiorek gebundenen Seestreitkräften in den Bocche di Cattaro, weitgehende Selbständigkeit eingeräumt war3).

Zu den wesentlichsten Vorbedingungen eines erfolgreichen Wirkens zählte GdI. Conrad die strengste Wahrung der dem AOK. übertragenen, sehr machtvollen Befugnisse und das Fernhalten aller die Entschlußfreiheit störenden äußeren Einflüsse. Dieses Bestreben kam auch in der Zusammenarbeit mit den Zentralstellen deutlich zum Ausdruck. Immer wieder fand der Chef der Militärkanzlei des Kaisers und Königs, GdI. Freih. v. Bolfras, Anlaß, sich über die „lakonische“ Kürze der an den Obersten Kriegsherrn gerichteten Meldungen zu beklagen; auch sei, was der Kaiser erfahre, trotz Telephon und Telegraph nicht selten schon um 36 Stunden überholt4). Wohl trat später der Generalstabschef in seinen Privatbriefen an Bolfras mehr aus sich heraus. Auch bürgerte sich im Laufe der Zeit die Übung ein, daß der erzherzogliche Oberbefehlshaber, der Generalstabschef oder der bis Juli 1915 dem AOK. als Ordonnanz-

J) Karl Hans Strobl, K.P.Q., Erinnerungen aus dem Kriegspressequartier (Reichenberg 1928).

2)    Glaise-Horstenau, FM. Conrad (Neues Wiener Tagblatt vom 11. November 1924).

3)    Vgl. S. 24.

4)    Conrad, IV, 645 ff.

Offizier zugeteilte neue Thronfolger, Obst. Erzherzog Karl Franz Joseph, von Fall zu Fall in Schönbrunn zur Berichterstattung erschienen. Nichtsdestoweniger wurde auch weiterhin, zumal in Wochen des Mißgeschickes., der Wissensdurst der Allerhöchsten Stelle nicht selten nur sehr unvollständig befriedigt.

Noch zugeknöpfter verhielt sich das AOK. gegenüber dem Ministerium des Äußern, den beiden Staatsregierungen und selbst gegenüber dem Kriegsministerium16). Der Generalstabschef war hiebei vor allem von der Sorge geleitet, daß die Geheimhaltung operativer Maßnahmen leiden könnte; aber nicht minder glaubte er, sich durch solche Zurückhaltung unerbetene Ratschläge und Einwirkungen am besten vom Leibe zu halten. Daß dies trotzdem nicht immer gelang, wird sich bei der Schilderung des serbischen Feldzuges und der Karpathenkämpfe erweisen. Übrigens haben auch die politischen Stellen das AOK. nicht durch allzu große Mitteilsamkeit verwöhnt. Die Zusammenarbeit der Heeresleitung mit den Heimatbehörden ließ ebenso zu wünschen übrig wie die der beiden Regierungen untereinander.

Für das Zusammenwirken der Bundesgenossen hatte es im Frieden keinerlei andere Vorsorge gegeben als die gegenseitige Zuteilung von Militärbevollmächtigten. Die Vertretung der deutschen Heeresleitung beim k. u. k. AOK. fiel bei Kriegsausbruch dem vielgenannten Kriegshistoriker und Militärschriftsteller GLt. Freih. v. Freytag-Loringhoven zu, der im Jänner 1915 durch den GM. v. Cramon abgelöst wurde17). Zum Delegierten des öst.-ung. AOK. im deutschen Großen Hauptquartier wurde der FML. Graf Stürgkh bestellt18), an dessen Stelle im Frühjahr 1915 der GM. Ritt. v. Klepsch-Kloth trat. Der Verkehr der beiden Generalstabschefs wickelte sich in den ersten Kriegsmonaten teils durch mehr oder minder regen Schriftenwechsel, teils mittels des Drahtes direkt zwischen ihnen ab; erst GM. Cramon gelangte als Verbindungsoffizier zu größerer und bald sehr maßgebender Geltung. Die erste persönliche Zusammenkunft der leitenden Männer beider Hauptquartiere fand anfangs Dezember 1914 statt. Sehr eng gestaltete sich gleich nach den ersten Kriegswochen die Verbindung zwischen dem AOK. und den deutschen Führern im Osten. Daß diese Zusammenarbeit nicht schon in den Einleitungsfeldzügen zur Schaffung eines gemeinsamen Oberbefehls für den russischen Kriegsschauplatz führte, ist sicherlich trotz der Gründe, die ihr entgegenstanden, als Versäumnis zu bezeichnen. Sehr bald wurde auch von verschiedenen Seiten der Gedanke aufgeworfen, für alle Kriegstheater einen gemeinsamen Bundesfeldherrn zu bestellen. Die Berufung eines solchen Oberfeldherrn wäre sicherlich von Vorteil gewesen. Nichtsdestoweniger hat der Krieg erwiesen, daß die Schaffung einer solchen Stelle pur dann wirklich erfolgversprechend war, wenn es gleichzeitig gelang, auch die politischen und wirtschaftlichen Kräfte der Bundesgenossen in einer für alle Beteiligten maßgebenden Spitzenorganisation zusammenzufassen. Es ist nicht zu leugnen, daß im Laufe des Krieges die Parlamentsherrschaften des Westens gegenüber den Monarchien der Mitte bei der Lösung dieses schwierigen Problems — wie auch bei der Zusammenfassung der inneren Kräfte — einen nicht unerheblichen Vorsprung zu erringen gewußt hatten19). Allerdings war es auch bei ihnen nicht ohne hohes, blutiges Lehrgeld abgegangen.

Kriegsgliederung

Vorbemerkung

Die Gliederung läßt in der Zusammensetzung der Armeen auch den geplanten Aufmarsch gegen Rußland ersehen. Da dieser jedoch infolge der vorangegangenen Mobilisierung gegen Serbien nicht gleich so wie beabsichtigt durchgeführt werden konnte, ferner bis zum vollständigen Eintreffen aller Heereskörper die Operationen längst schon begonnen und Verschiebungen von einer Armee zur anderen stattgefunden hatten, wurde von der Wiedergabe der Stärke der Armeen abgesehen und nur jene der Korps und selbständigen Divisionen ausgewiesen; die Stärke der kleineren Verbände ist aus der Gliederung ohnehin gleich ersichtlich. Sowohl für den Balkan- wie für den nördlichen Kriegsschauplatz wurde die Summe der verwendeten Kräfte zum Ausdruck gebracht.

In der am Schlüsse ausgewiesenen Gesamtsumme des militärischen Machtaufgebotes der Monarchie wurden die Marschkompagnien der Feldjägerbaone. (in Baone. umgerechnet) einbezogen; jedoch wurde im Gegensatz zu früheren Werken, welche die Pionierzüge der Kavallerieregimenter als 1/4 Schwadronen gesondert behandelten und dadurch in der Gesamtsumme eine größere Anzahl Schwadronen herausbrachten, dieser Vorgang nicht beibehalten, da ja tatsächlich durch diese Abteilungen keine größere Einheitenzahl an Schwadronen zustande kam.

Eingeklammerte Ziffern neben der Regimentsnummer bedeuten bei der Infanterie die Zahl der Bataillone, bei der Kavallerie die Zahl der Schwadronen und bei der Artillerie die Zahl der Batterien.

Eine Festungsartilleriekompagnie entspricht bei mobiler Verwendung (als schwere Angriffsartillerie) einer Batterie.

Außer den im allgemeinen „Verzeichnis der Abkürzungen“ angeführten Abkürzungen werden hier noch folgende verwendet:

BkschKomp.= Brückenschutzkompagnie    LstSapAbt. = Landstnrmsappeurabteilung

Det. = Detachement    MaR., MaBaon., MaKomp. = Marschregi-

FsAR., FsAB. = Festungsartillerieregiment,    ment, -baon., -komp.

-bataillon    MG., MG A. = Maschinengewehr,    -abteilg.

GbAR. = Gebirgsartillerieregiment    Ms. = Mörser

GbSchR. = Gebirgsschützenregiment    RdfKomp. = Radfahrerkompagnie

GrJgKomp. = Grenzjägerkompagnie    PB. = Pionierbataillon

Hb. = Haubitze    RKnBt. = Reservekanonenbatterie

HFKR. = Honvédfeldkanonenregiment    RSchwd. = Reservcschwadron

HMaR. = Honvédmarschregiment    rt. AD. = reitende Artilleriedivision

KJR. = Kaiserjägerregiment    rt. DSch. = reitende Dalmatiner Schützen

KSchR. = Kaiserschützcnregimsnt    rt. TKSch. — reitende Tiroler Kaiser-

Kn. = Kanone    schützen

LstArtAbt.= Landsturmartillerieabteilung SB. = Sappeurbataillon LstHD. = Landsturmhusarendivision    SchR. = Schützcnregiment

ARMEEOBERKOMMANDO

Armeeoberkommandant: GdI. ERZHERZOG FRIEDRICH Chef des Generaistabes für die gesamte bewaffnete Madit: GdI. Franz Freih. Conrad v. Hötzendorf

Stellvertreter: GM. Franz Ritt. Höf er v. Felds turm Chef der Operationsabteilung: Obst. Joseph Metzger Etappenoberkommandant: GM. Franz Kanik

Zur Verfügung des AOK., bezw. von diesem den Armeen zugewiesen: 1 Brückenbaon. (4 Komp.), 3 Flußminenzüge, 28 Eisenbahnkomp., 15 Fliegerkomp. Den Bewadiungs» und Sicherheitsdienst beim AOK. versah das IBaon 111/73.

Von der deutschen Obersten Heeresleitung zur Verfügung gestellt: MilitärluftsdiifF>Liegnitz«.

A. Balkanstreitkräfte

Oberkommandant: FZM. Oskar POTIOREK20)

Gstbschef: GM. Eduard Böltz

5. ARMEE

Kmdt.: GdI. Liborius Ritt. v. Frank

Gstbschef: GM. Maximilian Csicserics v. Bacsány

VIII. KORPS <Prag>

26 Baone., 5 Schwd., 17 Bt. (98 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdK. Artur Freih. Giesi v. Gieslingen Gstbschef: Obst. Ludwig Sündermann

9. ID. (Prag): FML. Viktor v. Scheuchenstuel

17.    IBrig. : GM. Franz Daniel, IR. 91 (3), 102 (3)

18.    IBrig.: GM. Joseph Mayrhofer v. Grünbühel, IR.11 (4), 73 (3, mit4MGA.), II/1R. 28

DionsKav.: 2. u. 5. Schwd. DR. 14

9. FABrig.: GM. Rudolf Laube, FKR. 24 (5), I. Dion. FHR. 8 (2)

21. SdiD. (Prag): FML. Artur Przyborski

41.    SdiBrig.: GM. Othmar Panesdi, SdiR 6 (3),    7 (3)

42.    SchBrig.: GM. Alois Podhajský, SAR. 8 (3),    28 (3)

DionsKav. : 1. u. 3. Schwd. DR. 14

21. FABrig.: Obst. Karl Hinke, FKR. 23 (4), FKD. 21 (2), FHD. 21 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. DR. 14,- sFHD. 8(2),- 4. u. 6. Komp. SB. 8/ 5. Komp. PB. 8

XIII. KORPS (Agram)

33 Baone., 6 Schwd., ‘20 Bt. (114 Gesch.), 3 techn. Konip.

Kmdt.: GdI. Adolf Freih. v. Rhemen zu Barensfeld

Gstbschef: Obst. Alfred v. Zeidler

36. ID. (Agram): FML. Claudius C z i b u 1 k a-

71. IBrig.: GM. Johann Gf. Salis*Seewis, IR. 37 (1),    79    (4)

7*2. IBrig.: GM. Heinrich Haustein v. Haustenau, IR.    16    (4),    53 (3),    IV/IR. 96,

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HHR. 10

36. FABrig: GM. Karl Hess, FKR. 39 (5), II. Dion. FHR. 13 (2)

42. HID. (Agram): FML. Stephan v. Sarkotić

S3. HIBrig.: GM. Nikolaus Ištvanovic v. Ivanska. HIR.    25 (3),    26    (3)

84. HIBrig. : GM. Daniel Kolak, HIR. 27 (3), 28 (3)

DionKav.: o. u. 4, Schwd. HHR. 10

42.    FABrig.: Obst. Friedrich Neumann, FKR. 37 (4), HFKR.    6 (4)

13.    IBrig.    (Esseg):    GM. Karl Stracker, IR. 52 (3), 78 (4), 5. u. 6.    Schwd.    HHR.    10,

5. KnBt. GbAR. 13, I. Dion. FHR. 13 (2)

Korpsunmittelbar: sFHD. 13 (2),- 1. u. 3. Komp. SB. 13/ 4. Komp. PB. 9

Dem Armeekmdo. unterstellt

11. GbBrig. (Turla): GM. Marzell Lawrowski, IBaone. 1/10, IV/20, 1/21, 11/60, IV/77, III/bh. 3, GrJgKomp. 1 ,• 2. Schwd. HR. 9/ 1. u. 2. KnBt. GbAR. 10 k. u.    104.    LstlBrig.    (Agram): GM. Theodor Bekič, LstlR. 25 (3), 26    (3), 27    (3),    28    (3),-

RSchwd. HR. 10) RKnBt. 38. [Dazu anfangs September    die LstHD.    10    (3)]

13. MaBrig. (Agram):    GM. Adalbert Letovsky *), MaBaone IR. 52, 78, MaR. 26

(MaBaone IR. 16, 37, 53, 792),- RSchwd. UR. 12 MaFormationen der 42. HID: HMaR. 11 (MaBaone 25, 26, 43), HMaR. 12 (MaBaone

27, 28, 44)

GbAR. 12 (6),- 1. bis 4. Komp. PB. 8, 3. Komp. PB. 9 3)

6. ARMEE

Kmdt.: FZM. Oskar Potiorek

Gstbsdief: GM. Eduard B o 11 z

XV. KORPS <Sarajevo>

221/2 Baone., 1 Schwd., 12 Bt. (50 Gesch.), 4 techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Michael Edl. v. Appel

Gstbschef: Obst. Michael M i h a 1 j e v i é

1. ID. (Sarajevo): FML. Stephan Bogat v. Kostanjevac

7. GbBrig.: GM. Otto Sertić, IBaone II/5, IV/25, 11/34, 11/66, 11/85, III/86, GrJgKomp. 3; 1 Zug 1. Schwd. UR. 12,. 3. u. 4. KnBt. GbAR. 10

9.    GbBrig.: Obst. Joseph Hrozný Edl. v. Bojemil, IBaone IV/12, 111/49, 111/74,

IV/84, IV/87, 1 Zug 1. Schwd. UR. 12,- 1. KnBt. GbAR. 11 Dionsunmittelbar: 1. u. 2. HbBt. GbAR. 11 48. ID. (Sarajevo): FML. Johann Ritt. Eisler v. Eisenhort

10.    GbBrig.: Obst. Heinrich Edl. v. Droffa, IBaone 1/48, 1/62, 1/90, 11/92, III/bh. 1,

GrJgKomp. 1/1 Zug 1. Schwd. UR. 12/ 3. u. 4. KnBt. GbAR. 6

12. GbBrig.: GM. Franz Kaiser Edl. v. Maasfeld, IBaone 1/3, 11/ 45, 11/57, 1/93, 11/100, III/bh. 2,. 1 Zug 1. Schwd. UR. 5/ 1. u. 2. KnBt. GbAR. 6 Dionsunmittelbar: 1. u. 2. HbBt. GbAR. 6 Korpsunmittelbar: 5. KnBt. FKR. 37,- 4. u. 5. Komp. SB. 13,- 3. Komp. PB. 4, 4. Komp. PB. 7

*) Übernahm eine kombinierte Brig. / die 13. MaBrig. gelangte als geschlossene Einheit nicht zur Verwendung, sondern wurde aufgeteilt.

2)    Blieb anfänglich in Otočac zurück.

3)    Vom Oberkmdo. der Balkanstreitkräfte wurde dann noch die anfangs September eintreffende LstHD. 8 (3) zugewiesen.

XVI. KORPS (Ragusa)

331/2 Baone., 2 Schwd., 14 Bt. (56 Gesch.), 2 techn. Komp.

Kmdt.: FZM. Wenzel Wurm

Gstbschef: Obst. Paul v. L o e f e n

18. ID. (Mostar): FML. Ignaz Trollmann

4.    GbBrig.: Obst. Theodor Konopicky, IBaone 11/52, 111/69, SchR. 37 (3)/ 1 Zug

1. Schwd. rt. DSch./ l.KnBt. GbAR. 13

5.    GbBrig.: Obst. Maximilian Nöhring, IBaone 1/22, 111/31, SchR. 23 (2), MaBaon

IR. 22 (mit 1 MGA),- 1 Zug 2. Schwd. rt. DSch.,- Dalmatiner GbKnDion. (2)

6.    GbBrig.: GM. Heinrich Goiginger, IBaone 1/6, IV/37, 111/38, IV/50, IV/81/

1 Zug 1. Schwd. rt. DSch.,- 3. u. 4. KnBt. GbAR. 4 8. GbBrig.: GM. Felix Andrian, IBaone IV/24,111/35, IV/53, IV/58, GrJgKomp. 4/ 1 Zug 1. Schwd. UR. 12/ o. u. 4. KnBt. GbAR. 11 Dionsunmittelbar: 1 Zug 2. Schwd. rt. DSch./ 1.    u.    2. HbBt. GbAR.    7

1.    GbBrig.: GM. Guido Novak v. Arienti, IBaone 1/1,    IV/4, 1/51, 1/63,    1/102 ,•    1    Zug

1. Schwd. UR. 5/ 2. KnBt. GbAR. 7

2.    GbBrig.: GM. Theodor Gabriel, IBaone III/8, 111/64, 11/70, 111/76, 11/101, Grjg.-

Komp. 6/ 1 Zug 1. Schwd. rt. DSch.,- 3. u. 4. KnBt. GbAR. 13

13,    GbBrig.: Obst. Anton Gf. Berchtold Freih. von    u.    zu Ungerschütz,    Frätting    und

Püllötz, IR. 22 (3), IBaon III/bh. i,    1    Zug 1. Schwd. UR. b,    3. u.

4. KnBt. GbAR. 7 Korpsunmittelbar: 6. Komp. SB. 13,- 4. Komp. PB. 4

Dem Armeekmdo. unterstellt

3.    GbBrig. (Nevesinje): GM. Heinrich Pongrácz de Szent=Miklós et Ovár, IBaone 11/18,

IV/30, IV/42, II1/46, IV/80, GrJgKomp. 5, 1 Zug 1. SAwd. UR. 5,.

1. u. 2. KnBt. GbAR. 4

47. ID. (Castelnuovo): FML. Friedrich Novak

5 Baone., V* Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

14. GbBrig.: Obst. Martin Verkljan, IBaone IV/33, 1/61, 11/72, 1/91, 1/98,1 Zug 1. Schwd. rt. DSch./ 2. KnBt. GbAR. 13 Dionsunmittelbar: 1. u. 2. HbBt. GbAR. 13

40. HID. (Budapest): FML. Joseph Braun

12 Baone., 2 Schwd., 8 Bt. (44 Gesch.)

79. HIBrig.: GM. Koloman Tabajdi, HIR. 29 (3), 30 (3)

80. HIBrig.: Obst. Johann Háber, HIR. 6 (3), 19 (3 mit 4 MGA)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. HR. 8

40. FABrig.: FML. Ernst Kárász, I. Dion. FKR. 12 (2),    HFKR.    1    (4), l.KnBt.

GbAR. 7, 2. KnBt. GbAR. 11 k. u.    109. LstlBrig. (Budapest) : GM. Johann Czeisberger, LstlR. 17 (3), 29    (3),- RKnBt. 39

MaFormationen der 40. HID.: HMaR. 1 (MaBaone 29, 30, 33),    HMaR.    2    (MaBaone 6,

19 1) 34)

k. k. LstlR. 23 (2), bh. RBaon IV2), 44 MaKomp. des Heeres 3)/ 2 Züge 2. Schwd. rt. DSch.

!) Mit 6 Komp.

2)    Die bh. RBaone I bis III wurden als Militärarbeiterabteilungen im Innern der Monarchie verwendet.

3)    Jene aus dem I., X., XI. Korpsbereiche waren nicht verfügbar.

2. ARMEE!) und Rayon Banat Kmdt.: GdK. Eduard v. Böhm=Ermolii

Gstbschef: GM. Artur Edl. v. Mecenseffy

IV. KORPS (Budapest) 21)

26 Baone., 5 Schwd., 16 Bt. (92 Gesch.), B techn. Komp.

Kmdt.: GdK. Karl Tersztyánszky v. Nádas

Gstbschef: Obst. Adalbert Dáni v. Gyarmata

31.    ID. (Budapest) 22): FML. Erzherzog Joseph

61.    IBrig.: GM. Aurel v. le Beau, IR. 82 (4), 69 (3)

62.    IBrig.: GM. Blasius Dáni v. Gyarmata, IR. 44 (4), bh. 3 (2)23)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HR. 8

31.    FABrig.: GM. Adalbert v. Felix, FKR. 10 (5), I. Dion. FHR. 4 (2)

32.    ID. (Budapest) 24) j FML. Andreas Fail = Griessler

63.    IBrig.: GM. Eugen v. Podhoránszky, IR. 23 (4), 70 (3)

64.    IBrig.: GM. Gustav Mallász, IR. 6 (3), 86 (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. HR. 8

32.    FABrig.: Obst. August Kreyčy, FKR. 11 (5), II. Dion. FHR. 4 (2) Korpsunmittelbar25): RSchwd. HR. 8/ sFHD. 4(2),- 4. u. 5 Komp. SB. 4/ 5. Komp. PB. 4

VII. KORPS <Temesvár)26)

2S Baone., 5 Schwd., 13 Bt. (SO Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Otto Meixner v. Zweienstamm Gstbschef: Obst. Joseph Ritt. Schilhawsky v. Bahnbrück 17. ID. (Großwardein)27): FML. Johann Ritt. v. Henriquez

33.    IBrig.: GM. Alexander Barbini, IR. 39 (4), 101 (3), IBaon. 11/37

34.    IBrig.: GM. Franz Resch, IR. 33 (3), 46 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HR. 7

17. FABrig.: Obst. Dominik Żagar, FKR. 19 (4), I. Dion. FHR. 7 (2)

34. ID. (Temesvár) s) : FML. Joseph Ritt. Krautwald v. Annau

67.    IBrig.: GM. Wilhelm v. Lauingen, IR. 61 (3), 96 (3)

68.    IBrig.: GM. Ludwig Edl. v. Rössler, IR. 29 (4), 43 (4)

DionsKav.: 4. u. 5. Schwd. HR. 12

34. FABrig.: GM. Heinrich Marx, FKR. 21 (4), II. Dion. FHR 7 (2) Korpsunmittelbar28): RSchwd. HR. 7,- sFHD. 7 (2),- 4. u. 5. Komp. SB. 7/ 5. Komp PB. 7

IX. KORPS (Leitmeritz)29)

13 Baone., 3 Schwd., 9 Bt. (50 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Lothar Edl. v. Hortstein

Gstbschef: Obst. August Martinek

29. ID. (Theresienstadt): FML. Alfred Gf. Zedtwitz

57.    IBrig.: GM. Joseph Schön, IR. 42 (3), 92 (3)

58.    IBrig.: GM. Joseph Poleschensky, IR. 74 (3), 94    (4)

5


DionsKav.: 3. u. 4. Sdíwd. rt. SchR. 2

29. FABrig.: GM. Eduard Zanantoni, FKR. 27 (5), lI.Dion. FHR. 9 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. DR. 1 / sFHD 9 (2) •),- 5. u. 6. Komp. SB. 92)/ 5. Komp. PB. 9

Dem Armeekmdo. unterstellt

23. HID. (Szegedin)3): FML. Heinrich Daempf

12 Baone., 2 Sdiwd., 6 Bt. (36 Gesch.)

45.    HIBrig.: GM. Rudolf Seide, HIR. 2 (3), 5 (3)

46.    HIBrig.: FML. Lehel Festi, HIR. 7 (3), 8 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HHR. 4

23. FABrig.: Obst. Alfred Unschuld, FKR. 20 (3), HFKR. 2 (3)

MaFormationen der 23. HID.: HMaR. 3 (MaBaone 2, 5, 35), HMaR. 4 (MaBaone 7,

8, 36)

V2 7. ID. (Esseg): FML. Kasimir Freih. v. Lütgendorf

10 Baone., 1 Sdiwd., 5 Bt. (30 Gesch.), 1 techn. Komp.

14. IBrig.: Obst. Emil Baumgartner, IR. 38 (3), 68 (4), FJB. 21, MaR. 25 (MaBaone IR. 38, 68, MaKomp. FJB. 21)

DionsKav.: 6. Sdiwd. HR. 9

7.    FABrig.: Obst. Wilhelm Soppe, FKR. 38 (5)/ — 1. Komp. SB. 13

10. KD. (Budapest)4): FML. Viktor Mayr

21 Sdiwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

4. KBrig.: GM. Gustav Loserth, HR. 10 (6), 13 (6)

8.    KBrig.: Obst. Viktor Bauer v. Bauernthal, HR. 9 (4), UR. 12 (5) rt. AD. 4 (3)

4. MaBrig (Budapest)5): GM. Martin v. Radičevié

7.    MaBrig. (Temesvár)6): GM. Friedrich Kermpotich, MaR. 13 (MaBaone IR. 33, 39,

46, 101), MaR. 14 (MaBaone IR. 29, 43, 61, 96),- RSchwd. HR. 4t)

8.    MaBrig (Prag): GM. Ludwig Ritt. Sdireitter v. Schwarzenfeld, MaR. 15 (MaBaone

IR. 35, 75, 88, MaKomp. FJB. 6, 22), MaR. 16 (MaBaone IR. 11, 73, 91, 102),- RSchwd. DR. 7

1. bis 4. und 9. bis 12. Komp FsAR. 6/ 1. u. 2. Komp. FsAR.    1 8),    3. u.    4. Komp.

FsAB. IO9),- 1. u. 2. Komp. PB. 4,-    1. bis    5. Komp. PB. ö30«),-    1. u.    2. Komp.

PB. 9 11), 1. bis 3. Komp. PB. bh. 15

RAYON BANAT FJB.    23 u. 28 (samt MaKomp.), Ill/k. u. LstlR.    8,- 5.    KnBt. FKR.    19 u.    21

k. u.    107. LstlBrig. (Großwardein) : GM. Joseph    Breit,    LstlR. 3 (3),    4 (3),    12 (3), 32 (3),

RSchwd. HR. 3,. RKnBt. 34 [Dazu noch anfangs September die LstHD. 2 (3)]

Armeeunmittelbar: 1. bis 3. Komp. PB. 7

Sicherheitsbesatzungen

Festung Peterwardein k. u. LstlR. 1 (3), 6 (3),- 1. u. 2. MaKomp. FsAR. 6, 6 LstArt.- und 3 LstSapAbtgen. Dazu anfangs September noch die LstHD. 1 (3)

Festung Sarajevo

k. u. LstlR. 19 (3), i/2 Ill/k. u. LstlR. 2,- 1. Feld*, Res.« u. MaKomp. FsAB. 2,

5 LstArtAbtgen.,- 3. Komp. SB. 7

Festung M o s t a r

k. u. LstlR. 30 (21/2)/ 3. Feld-, Res.* u. MaKomp. FsAB. 2, 2 LstArtAbtgen.,- 1 Zug

2. Komp. SB. 7

Festung T r e b i n j e

k. k. LstlR. 9 (2),- 2. Feld-, Res.* u. MaKomp. FsAB. 2, 3 LstArtAbtgen.,- V22. Komp. SB. 7

Festung B i 1 e ć a

k. k. LstlR.9 (2),-4. Feld*, Res.* u. MaKomp. FsAB. 2, 2 LstArtAbtgen. /1 Zug 2. Komp. SB. 7

Kriegshafen C a 11 a r o k. k. LstlR. 37 (2), k. u. LstlR. 2 (2),- RKnBt. 19, 30 Komp. (samt Res.* u. MaKomp.) des FsAR. 5/ 1. Komp. SB. 7

Feste K a 1 i n o v i k V2 HI/k. u. LstlR. 2/ FsA. u. SapDet. aus Sarajevo

Fort Grad 1 Komp. Ill/k. u. LstlR. 30,- FsADet.

Fort St. N i c o 1 ó Det. k. k. LstlR. 23/ ADet. der Kriegsmarine

Kastell S t o 1 a c

1 Komp. Ill/k. u. LstlR. 30,- FsADet.

Kriegshafen Pola

k. k. 112. LstlBrig. (Pola): GM. Joseph Szentgyörgyi, LstlR. 5 (3), 26 (4),- RSchwd. DR. 4,-RKnBt 6

SdiR. 5 (3),- 36 Komp. (samt Res.* u. MaKomp.) des FsAR. 4, 3. u. 4. Komp.

FsAB. 8, 1. u. 2. Komp. FsAB. 10/ 1., 2., 3. u. 4. Komp. SB. 6 Triest: k. k. LstlR. 27 (3)

Fiume: IV/HIR. 19, IV/k. u. LstlR. 19

Summe der Baikanstreitkräfte

A) Feldheer (5., 6. und 2. Armee)

319 V2 Baone., 60 Schwd., 142 Bt. (744 Gesch.), 42 techn. Komp., 12 FsAKomp., 486 MG.

Nach Abgang der 2. Armee 239^2 Baone., 37 Schwd., 101 Bt. (516 Gesch.), 29 techn. Komp., 8 FsAKomp., 342 MG.

B) Sicherheitsbesatzungen (einschließlich Küstenschutz)

36 Baone., 4 Schwd., 2 Bt. (12 Gesch.), 7 techn. Komp., 84 FsAKomp., 6 MG.

Summe

275 V2 Baone.1), 41 Schwd., 103 Bt. (528 Gesch.), 36 techn. Komp.,

92 FsAKomp., 348 MG.

J) Einschließlich von 44 MaKomp. der IRegter. und 2 von FJB.

Donauflottiííe!)

Kmdt.: FregKapt. Friedrich Grund

a) In der Donau

1.    Monitorgruppe : »Temes« (Führerschiff der Flottille), »Bodrog«, Patrouillenboote »b« und »f«

2.    Monitorgruppe: »Szamos«, »Körös«, Patrouillenboot »c«

Train: Privatschiff »Kulpa« (Spitalschiff), Privatdampfer »Achilles« und »Banhans« als Remorqueure, Privatfahrzeuge »Andor« und zwei Warenboote als Minenräumer,- weiter noch zwei Motorboote, zwei Schlepps und drei Warenboote

Patrouillenbootstation in Pancsova: Patrouillenboote »d« und »g«

b) In der Save

Monitor »Maros« und »Leitha«, Patrouillenboot »h«

Train: Privatdampfer »Traisen« als Spitalschiff, »Traun« als Remorqueur, ein Warenboot

B. Gliederung der für den nördlichen Kriegs^ sdiauplatz bestimmten Streitkräfte

1. ARMEE

Kmdt.: GdK. Viktor Dank!

Gstbschef: GM. Alfred Kochanowski Edl. v. Korwinau

I. KORPS <Krakau>

29 Baone., 5 Sdiwd., 17 Bt. (98 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdK. Karl Freih. v. Kirchbach auf Lauterbach

Gstbschef: Obst. Ferdinand Demus 5. ID. (Olmütz): FML. Karl Scott i

9.    IBrig.: GM. Gustav Smekal, IR. 54 (4), 93 (3)

10.    IBrig.: GM. Richard Kutschera, IR. 1 (3), 13 (4)

DionsKav.: 1. u. 2. Sdiwd. rt. SchR. 4

5. FABrig.: Obst. Alexander Ritt. v. Truszkowski, FKR. 3 (5), I. Dion, FHR. 1 (2)

46. SdiD. (Krakau) : FML. Karl N a s t o p i 1

91.    SchBrig.: GM. August Urbański v. Ostrymiecz, SchR. 16 (3), 31 (3), 32 (3)

92.    SchBrig.: GM. Adam Brandner Edl. v. Wolfszahn, SchR. 13 (3), 15 (3) DionsKav.: 5, u. 6, Sdiwd. rt. SchR. 4

46. FABrig.: Obst. Heinrich v. Naumann, FKR. 2 (4), FKD. 46 (2), FHD. 46 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. DR. 11 ,• sFHD. 1 (2),- 4. u. 6. Komp. SB. 1,- 2, Komp. PB. 10

V. KORPS (Preßburg)

42 Baone., 7 Schwd., 25 Bt. (146 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: FZM. Paul Pu hallo v. Brlog

Gstbschef: Obst. Hermann S a 11 a g a r

14. ID. (Preßburg): FML. Hugo Martiny

27. IBrig.: GM. Georg Schariczer v. Rény, IR. 71 (4), 72 (3), FJB. 11

28. IBrig.: GM. Rudolf Ritt. v. Willerding, IR. 48 (3), 76 (3), FJB. 19 DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HR. 5

14. FABrig.: GM. Heinrich Ströhr, FKR. 14 (5), I.Dion. FHR. 5 (2)

Die Donauflottille war anfänglich dem 2., nach dessen Abtransport nach Galizien dem 5. Armeekmdo. unterstellt. — Von der Flotte war die in Castelnuovo befindliche

2. Schiffsdivision (drei Schlachtschiffe, ein Kreuzer, vier Torpedofahrzeuge und vier Torpedoboote) anfänglich dem 6. Armeekmdo. zugewiesen (Vgl. auch S. 81).

33. ID. (Komorn): FML. Karl Edl. v. Rebracha

65.    IBrig.: GM. Konrad v. Essler, IR. 19 (4), 26 (4)

66.    IBrig.: GM. Joseph Lieb, IR. 12 (3), 83 (4)

DionsKav. : 3. u. 4. Schwd. HR. 5

38. FABrig.: Obst. Eduard Kaufmann, FKR. 15 (5), II. Dion. FHR. 5 (2)

37. HID. (Preßburg): FML. Adrian W i e b e r

73.    HIBrig.: Obst. Paul v. Nagy, HIR. 13 (3), 18 (3)

74.    HIBrig.: GM. Franz Cvrček, HIR. 14 (3), 15 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. HR. 5

37. FABrig.: Obst. Karl Wondre, FKR. 13 (5), HFKR. 4 (4)

Korpsunmittelbar: RSchwd. HR. 9,- sFHD. 5 (2),- 4. u. 5. Komp. SB. 5/ 4. Komp. PB. 10

X. KORPS (Przemyśl)

39 Baone., 7 Schwd., 24 Bt. (140 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmcit.: GdI. Hugo Meixner v. Zweienstamm Gstbschef: Obst. Gottlieb Kralowetz v. Hohenrecht

2.    ID. (Jaroslau): FML. Anton L i p o š ć a k

3.    IBrig.: GM. Eugen Pöschmann, IR. 40 (4), bh. IR. 4 (2 Baone u. 1 JgKomp., 3 MGA),

FJB. 4

4.    IBrig.: GM. Heinrich Trichtel, IR. 89 (4), 90 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. rt. SchR. 3

2. FABrig.: Obst. Julius Kramař, FKR. 29 (5), I. Dion. FHR. 10 (2)

24. ID. (Przemyśl): FML. Andreas P i 11 i k v. Rudan u. P o r i a

47.    IBrig.: GM. Felix Ritt. Unschuld v. Melasfeld, IR. 9    (4),    45 (3)

48.    IBrig.: Obst. Walter Ritt. Schreitter v. Schwarzenfeld,    IR.    10 (3),    77    (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt.SchR. 3

24. FABrig.: GM. Karl Seyferth Edl. v. Uhlen, FKR. 30 (5), II. Dion. FHR. 10 (2)

45. ScfiD.    (Przemyśl): FML. Stephan L j u b i č i c

89.    SchBrig.: GM. Emst Ritt. Hörmann v. Wüllerstorf    u. Urbair,    SchR.    18 (3),

33 (3)

90.    SchBrig.: GM. Johann Edl. v. Sauerwein, SchR. 17 (3), 34 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. rt.SchR. 3

45. FABrig.: Obst. Adolf Eschelmüller, FKR. 28 (4), FKD. 45 (2), FHD. 45 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 3,- sFHD. 10 (2),- 4. u. 5. Komp. SB. 10/ 3. Komp. PB. 10

Dem Armeekmdo. unterstellt

12. ID. (Krakau): FML. Paul Kestřanek

16 Baone., 2 Schwd., 7 Bt. (42 Gesch.), 2 techn. Komp.

23.    IBrig.:    GM.    Miecislaus Edl. v. Zaleski, IR. 3 (2), 56 (4),    100    (3)

24.    IBrig. '•    GM.    Godwin v. Lilienhoff* Adelstein, IR. 20 (3), 57 (3),    FJB. 5

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt.SchR. 4

12.    FABrig.: GM. Thaddäus Ritt. Jordan*Rozwadowski v.    Groß=Rozwadow,

FKR. 1 (5), II. Dion. FHR. 1 (2)

5.    Komp. SB. 1/ 1. Komp. PB. 10

3.    KD. (Wien): FML. Adolf Ritt. v. Brudermann

24 Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

10.    KBrig.: Obst. Friedrich Freih. v. Cnobloch, DR. 3    (6),    UR. 7    (6)

17.    KBrig.: GM. Stanislaus Ritt. v. Ursyn=Pruszyński,    UR. 4 (6),    HR.    1    (6)

rt. AD. 2 (3)

9. KD. (Lemberg): FML. Leopold Freih. v. Hauer

24 Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

1. KBrig.:    GM.    Maximilian Freih. v. Schnehen, DR. 4 (6), 13    (6)

9. KBrig.:    GM.    Sigmund Ritt. v. Micewski, DR. 1 (6), UR. 6    (6)

rt. AD. 9 (3)

k. k. 1. LstlBrig. (Wien): Obst. Adolf Brauner, LstlR. 1 (2), 2 (4)/ RSdiwd. DR. 6,-RKnBt. 42

k. k. 36. LstlBrig. (Leitmeritz): Obst. Karl Maulik, LstlR. 11 (4), 12 (4), 30 (4),- RSchwd. DR. 13,. RKnBt. 27

k. u. 101. LstlBrig. (Budapest): GM. Konrad Siegler v. Eberswald, LstlR. 18 (3), 20 (3), 31 (3), RSchwd. HR. 14,. RKnBt. 16 k. k. 110, LstlBrig. (Krakau): FML. Wenzel Tertain, LstlR. 16 (3), 32 (3)/ RSchwd.

UR. 1/ 2-12 cm KnBt. (=13. u. 14. Komp. FsAR. 2) i)

1. MaBrig, (Krakau): Obst. Wilhelm Bańkowski, MaR. 1 (MaBaone IR. 3, 20, 56, 57, 100, MaKomp. FJB. 5), MaR. 2 (MaBaone. IR. 1,13, 54, 93),- RSchwd. UR. 2

5. MaBrig. (Preßburg): Obst. Joseph Blum, MaR. 9 (MaBaone IR. 48, 71, 72, 76, MaKomp.

FJB. 11, 19), MaR. 10 (MaBaone IR. 12, 19, 26, 83),- RSchwd. HR. 11/ HMaR. 7 (MaBaone 13, 18, 39), HMaR. 8 (MaBaone 14, 15, 40)

10. MaBrig. (Przemyśl): GM. Friedrich Freih. Padcenj v. Kilstätten, MaR. 19 (MaBaone IR. 40, 89, 90, bh. 42), MaKomp. FJB. 4), MaR. 20 (MaBaone IR. 9, 10, 45, 77)/ RSchwd. UR. 6 Polnische Legion (3),- GbAR. 8 (6),- 2. u. 3. Komp. SB. 9,- 2. u. 3. Komp. PB. 3, 2. Komp.

PB. 73). (Mit 7. September wurden vom AOK. noch die LstHDionen 5, 7 und 9 (9) unterstellt).

Armeegruppe GdI. Hermann Kövess v. Kövesshaza

Gstbschef: Obstlt. Gottlieb Wejmelka vom 8. bis 25. August,- dann :

2. ARMEE

Kmdt.: GdK. Eduard v. Böhm^Brmoiii

Gstbschef: GM. Artur Edl. v. Mecenseffy

XII. KORPS <Hermannstadt)

38 Baone., 6 (7) Schwd., 25 Bt (146 Gesch.), 3 (4) techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Hermann Kövess v. Kövesshaza Gstbschef: Obstlt. Egon Freih. Zeidler-Daublebsky v. Sterneck 16. ID. (Hermannstadt): FML. Franz Pauker t

31.    IBrig.:    GM.    Ernst Dieterich, IR. 2    (4), 82    (4)

32.    IBrig.:    GM.    Anton Goldbach,    IR.    31    (3),    64    (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. HR. 2

16. FABrig.: GM. Konstanz Dobler v. Friedburg, FKR. 36 (5), I. Dion. FHR. 12 (2)

35. ID. (Klausenburg) : FML. Viktor Njegovan

69.    IBrig.:    GM.    Franz Hauninger,    IR.    50    (3),    51    (3)

70.    IBrig.:    GM.    Wenzel Bauriedl,    IR.    62    (3),    63    (3)

DionsKav.: 5.4) u. 6. Sdiwd. HR. 2

35. FABrig.: Oberst Alfred Gröschl, FKR. 35 (5), II. Dion. FHR. 12 (2)

38. HID. (Klausenburg): FML. Johann Freih. Karg v. Bebenburg

75.    HIBrig.: GM. Karl Lippner v. Nagyszentmiklós, HIR. 21 (3), 22 (3)

76.    HIBrig.: Obst. Adalbert Benke v. Tardoskedd, HIR. 23 (3), 24 (3)

DionsKav,: 1. u. 2, Schwd. HR. 2

38. FABrig.: Obst. Emanuel Werz, FKR. 34 (5), HFKR. 5 (4)

Korpsunmittelbar: RSchwd. HR. 2/ sFHD. 12 (2)/ 4.4), 5. u, 6. Komp. SB. 12 ,-2. Komp. PB. 2

J) Aus der Festung Krakau.

2)    Nur 2 Komp.

3)    Wurde am 29. August unterstellt; gehörte ursprünglich zu den Balkanstreitkräften (Rayon Banat).

4)    Blieb anfänglich in Siebenbürgen zurück.

III. KORPS (Graz)

4r> Bnone., 7 Sdiwd., 24 Bt. (140 Gesdi.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Emil Colerus v. Geldern

Gstbschef: Obst. Richard Müller

6. ID. (Graz): F.ML. Karl Gelb Edl. v. S i e g e s s t e r n

11.    IBrig.:    GM.    Ludwig v. Fabini, IR.    7 (i), bh.    2 (3)

12.    IBrig.:    GM.    Felizian Krasel, IR. 17 (1), FJB.    S, 9

DionsKav.: 5. u. G. Schwd. DR. 5

G. FABrig.: Obst. Karl Kratky, FKR. 9 (5), I. Dion. FHR. 3 (2)

2S. ID. (Laibach): FML. Rudolf K r á 1 i č e k

55. IBrig.:    GM.    Alfred Edl. v. Hinke,    IR. S7 (3), 97 (I), FJB. 20

nfi. IBrig.:    GM.    Johann Fernengel, IR.    27 (4), 47    (!•), FJB. 7

DionsKav. : 1. u. 3. Schwd. DR. 5

28. FABrig.: GM. Wilhelm Elmar, FKR. S (ó), II. Dion. FHR. 3 (2)

22. SdiD. (Graz): FML. Heinrich Ritt. v. Krauss = Elislago

43.    SchBrig.: GM. Joseph Nemeczek, SchR. 3 (3), 26 (3)

44.    SchBrig.: GM. Ignaz Schmidt Edl. v. Fussina, GbSchR. 1 (5 mit 3 MGA),

2 !) (t mit 2 MGA)

DionsKav.: 2. u. 4. Schwd. DR. 5

22. FABrig.: Obst. Michael Gärtner, FKR. 7 (4), FKD. 22 (2), FHD. 22 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 5,- sFHD. 3 (2),- 4. u. 5. Komp. SB. 3/ 5. Komp. PB. 3

Dem Armeekmdo. (Armeegruppenkmdo.) unterstellt

11. ID. (Lemberg): FML. Alois Pokorny

16 Baone., 3 Sdiwd., 7 Bt. (42 Gesch.), 1 tedin. Komp.

21.    IBrig.: GM. Milan Grubić, IR. 15 (4), 55 (4)

22.    IBrig.: GM. Alexander Ritt. Wasserthal v. Zuccari, IR 58 (3), 95 (4), FJB. 32 DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. rt. SchR. 1

11. FABrig.: GM. Rudolf Dieterich, FKR 33 (5), I. Dion. FHR. 11 (2)

4. Komp. SB. 11

43. SchD. (Czernowitz): FML. Albert Schmidt v. Georgenegg 16 Baone., 2 Schwd., 9 Bt. (54 Gesch.), 1 techn. Komp.

59. IBrig.: GM. Ernst Horsetzky Edl. v. Hornthal, IR. 24 (3), 41 (4)

86. SchBrig.: GM. Moritz Jesser, SchR. 20 (3), 22 (3), 36 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. rt. SÁR. 1

43. FABrig.: FML. Ferdinand Goglia, FKR. 31 (5), FKDicn. 43 (2), FHDion.

43 (2),- — 6. Komp. SB. 11

20. HID. (Großwardein): FML. Friedrich v. Csanády

12 Baone., 2 Sdiwd., 7 Bt. (42 Gesch.)

39. HIBrig.: GM. Koloman Patzák, HIR. 3 (3), 4 (3)

81. HIBrig.: GM. Eugen Perneczky, HIR. 1 (3), 17 (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Sdiwd. HHR. 4

20. FABrig.: GM. Stephan Schneeberger, I.Dion. FKR. 20 (2), HFKR. 8 (5)

1. KD. (Temesvár): GM. Artur Freih. Peteani v. Steinberg

20 Sdiwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

G. KBrig.: GM. Samuel Freih. Apór de AI=Tórja, HR. 7 (4), 14 (6)

7. KBrig.: GM. Johann Schilling, HR. 4 (G), 12 (4) rt. AD. 7 (3)

5. HKD. (Budapest): FML. Ernst v. F r o r c i c h

1 Komp., 24 Sdiwd., 1 Bt. Gesch.)

19. HKBrig. : GM. Ferdinand Gf. v. Bissingen u. Nippenburg, HHR. 1 (6), 8 (6)

23.    HKBrig.: Obst. Colbert Zedi v. Deybadi Freih. v. Hart und Sulz, HHR. 6 (6), 7 (6) 1 Bt. rt. AD. 6/ — HRdfKomp. 1

L) Die Gebirgs=Schützenregimenter Nr. 1 und 2 hatten vor ihrer Umbenennung die Bezeichnung Landwehr»Infanterieregiment Nr. 4, bezw. 27.

8. KD. (Stanislau) : FML. Georg Edl. v. Lehmann

24 Schwd., 2 Bt. (8 Gesch.)

13.    KBrig.:    GM. Otto Berndt, DR. 7 (ß), UR. 8 (6)

15.    KBrig.:    GM. Heinrich Freih.    v. Gablenz^Eskeles, DR.    2    (G),    UR.    11    (6)

rt. AD. 6 (2)

k. k. 35. LstlBrig. (Czernowitz): GM. Arnold Münzei, LstlR. 22 (3), 36 (3), MaBaone IR. 24, 4-1 ,. RSchwd. DR. 9, UR. 8,. RKnBt. 31 k. k. 40. LstlBrig. (Brünn): Obst. Joseph Kroupa, LstlR. 14 (3), 24 (4), RKnBt. 3.o k. u. 102. LstlBrig. (Szegedin): GM. Eduard Plank, LstlR. 5 (3), 7 (3), 8 (2),- RSdiwd.

HR. 4 (von der 7. MaBrig)/ RKnBt. 11 k. u. 103. LstlBrig. (Klausenburg): GM. Emil Hennel, LstlR. 21 (3), 22 (3), 23 (3), 24(3),-RSchwd. HR. 16,- RKnBt.    36

k, k. 105.    LstlBrig.    (Graz): Obst. Emil    Stramlitsch, LstlR. 3    (4),    4    (3),-    RSchwd. DR. 3/

RKnBt. 18

12. MaBrig. (Hermannstadt): GM. Kornelius Blaiin, MaR. 23 (MaBaone IR. 50, 51, 62, 63), MaR. 21- (MaBaone IR. 2, 31, 64, 82), RSchwd. HR. 5 MaFormationen der 20. HID.: HMaR. 13 (MaBaone 1, 17, 45), HMaR. 15 (MaBaone

3, 4, 47)

MaFormationen der 38. HID.: HMaR. 9 (MaBaone 21, 22, 41), HMaR. 10 (MaBaone

23, 24, 42)

GbAR. 14 (6),- Í. u. 2. Komp. SB. 8,- 4. Komp. PB. 3 (Ab September noch 5. Komp. PB. 5)

Dazu kommen vom Balkankriegsschauplatz:

(Gliederung all dieser Verbände Seite 66 und 67)

VIL KORPS <Temesvár>

Kmdt.: GdI. Otto Meixner v. Zweienstamm (das Kmdo. trifft am 27. August ein)

17. ID. (Großwardein): die letzten Staffeln treffen am 31. August ein

34. ID. (Temesvár): die letzten Staffeln treffen am 31. August ein Korpsunmittelbare und Trains: die letzten Staffeln treffen am 2. September ein

IV. KORPS (Budapest)

Kmdt.: GdK. Karl Tersztyánszky v. Nádas

(das Kmdo. trifft am 2. September ein)

31.    ID. (Budapest) : die letzten Staffeln treffen am 8. September ein

32.    ID. (Budapest): die letzten Staffeln treffen am 8. September ein Korpsunmittelbare und Trains: die letzten Staffeln treffen am 9. September ein

7. MaBrig. (Temesvár): trifft vom 2. bis 5. September ein

3. ARMEE

Kmdt.: GdK. Rudoif Ritt. v. Brudermann

Gstbschef.: GM. Rudolf Pfeffer

XI. KORPS (Lemberg)

28 Baone., 5 Schwd., 9 Bt. (50 Gesch.), 2 techn. Komp.

Kmdt.: GdK. Desiderius Kolossváry de Kolosvár Gstbschef: Obst. Franz Ri ml 30. ID. (Lemberg): FML. Julius Kaiser

60. IBrig.: GM. Oswald Kunesch, IR. 30 (3), 80 (3), FJB. 24. 30

85. SchBrig.: Obst. Georg Komma, SchR. 19 (3), 35 (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt. SchR. 1

30. FABrig.: Obst. Franz Edl. v. Portenschlag-Ledermayr, FKR. 32 (4), II. Dion. FHR. 11 (2)

k. k. 93. LstlBrig. (Lemberg): GM. Artur Kaltneker, LstlR. 19 (4)!), 35 (4)/ RSchwd. UR. 4, RKBt. 32

11. MaBrig. (Lemberg): GM. Alois Fürst Schönburg=Hartenstein, MaR. 21 (MaBaone IR. 15, 55, 68, 95), MaR. 22 (MaBaone IR. 30, 80, MaKomp. FJB. 30), RSchwd. UR. 7

Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 13,- sFHD. 11 (2),- 5. Komp. SB. 11/ 5. Komp, PB. 10

XIV. KORPS (Innsbruck)

52 Baone., 8 Schwd., 30 Bt. (160 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt,: GdI, Erzherzog Joseph Ferdinand Gstbschef: Obst. Joseph Ritt. v. P a i ć

3.    ID. (Linz): FML. Joseph Roth

5. IBrig.: GM. Joseph Schneider    Edl. v.    Manns=A.u,    IR. 28 (3), 59 (4)

15.    IBrig.:    GM.    Theodor Stipek,    IR. 14    (4),    KJR. 2    (4)

DionsKav.: 1, u. 2. Schwd. rt. SchR. 6

3. FABrig.: GM. Edmund Edl. v. Sellner, FKR. 42 (5), II, Dion, FHR, 14 (2 mit GbHb.)

S. ID, (Bozen): FML. Johann Freih. v. Kirchbach auf Lauterbach

16.    IBrig.:    GM.    Emil Herzberg,    FJB. 1,    13,    14, 16,    18

96. IBrig.:    GM.    Richard Mayer,    KJR. 3    (3),    4 (3)

121.    IBrig.: GM. Adolf Brunswik v. Korompa, KJR. 1 (3), FJB. 27 DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt.SchR. 6

S. FABrig.: Obst. Karl Petersilka, FKR. 4t (5), I. Dion. FHR. 14 (2)

44. SdiD. (Innsbruck) : FML. Heinrich Tschurtschenthaler v, Helmheim S7. SchBrig.: GM. Franz Ritt. v. Ržiha, SchR. 2 (3), 21 (3)

122.    SchBrig.: GM. Ludwig Goiginger, KScfaR. I (6 mit 4 MGA)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. rt.SchR. 6

44. FABrig,: Obst. Eugen Brunswik v, Korompa, FKR, 40 (4), FKD, 44 (2), FHD. 44 (2)

88. KSchBrig. (Bozen): GM. Karl Georgi, KSchR. II (5 mit 3 MGA), III (5 mit 4 MGA)

1. u. 3. Schwd. rt. TKSch.

GbHbDionen der GbAR. 8, 10 u. 14 (6)

Korpsunmittelbar: sFHD. 14 (2),- 5. u. 6. Komp. SB, 14,- 4. Komp. PB. 2

Dem Armeekmdo. unterstellt

41. HID. (Budapest): FML. Johann Nikić

12 Baone., 2 Schwd., 7 Bt. (42 Gesch.)

40.    HIBrig.: Obst. Adalbert Tanárky, HIR. 12 (3), 32 (3)

82. HIBrig.: GM. Rudolf Schamschula, HIR. 20 (3), 31 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. HHR. 4

41.    FABrig.: Obst. Adolf Bauzher, II. Dion. FKR. 12 (3), HFKR. 7 (4)

23, HID. (Szegedin): FML. Heinrich Daempf

(von der 2. Armee,- letzte Staffel trifft am 27. August vom Balkankriegsschauplatz ein)

4.    KD. (Lemberg): GM. Edmund Ritt. v. Zaremba

24 Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

18. KBrig.: GM. Eugen Chev. Ruiz de Roxas, DR. 9 (6), UR. 13 (6)

21. KBrig.: Obst. Alois Ritt. Klepsch=Kloth v. Roden, DR. 15 (6), UR. 1 (6) rt. AD. 11 (3)

2. KD. (Preßburg): FML. Emil Ritt. v. Ziegler

23 Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

3. KBrig.: GM. Albert Freih. Abele von und zu Lilienberg, HR. 6 (6), HR. 16 (6)

16. KBrig,: GM, Erich Freih. v. Diller, HR. 3 (6), UR. 5 (5) rt. AD. 5 (3)

11. HKD. (Debreczin): GM. Julias Freih. Nagy v. Töbör31Ethe 1 Komp., 24 Sdiwd., 3 Bt. (12 Gesdi.)

22. HKBrig.:    GM. Karl Czitó, HHR. 2 (6), 3 (6)

24.    HKBrig.:    Obst. Ladislaus Jóny de Jamnik, HHR.    5 (6),    9    (6)

rt.HAD. 1 (8), — HRdfKomp. 2

k. u. 97. LstlBrig. (Kasdiau): GM. Alfred Weeber, LstlR. 9 (3), 10 (3), 11 (3), 16 (3), RKnBt. 33

k. k. 108. LstlBrig. (Innsbruck): GM. Gustav Székely de Doba, LstlR. II (3), 21 (3)/

2. Sdiwd. rt.TKSdi.,- RKnBt. 41

3.    MaBrig. (Graz):    GM. Wilhelm Nicki Edl. v. Oppavár,    MaR.    5    (MaBaone    IR.    27,

47, 87,    97, MaKomp. FJB. 7, 20), MaR. G (MaBaone    IR. 7,    17,    MaKomp.

FJB. 8, 9, 32),. RSdiwd. DR. 5

14. MaBrig. (Innsbruck): GM. Rudolf Freih. v. Dürfeld, MaR. 27 (MaBaone IR. 14,28,

59, KJR. 2), MaR. 28 (MaBaone KJR. 1, 3, 4, MaKomp. FJB. 1, 13, 14,

16, 18, 27),. RSdiwd. DR. 2 MaFormationen der 41. HID.: HMaR. 14 (MaBaone 20, 31, 46), HMaR. 16 (MaBaone

12, 32, 48)

4.    MaBrig. (Budapest) *) : GM. Martin v. Radičevic, MaR. 7 (MaBaone IR. 32, 44, 69,

bh. 8, MaKomp. FJB. 24), MaR. 8 (MaBaone IR. 6, 23, 70, 86), RSdiwd. HR. 13

MaFormationen der 23. HID.: werden am 28. August unterstellt

5.    KnBt. der GbAR. 6, 11 u. 12 (3),- 1., 2. u. 3. Komp. SB. 12,- 2. Komp. PB. 932)

4. ARMEE

Kmdt.: GdI. Moritz Ritt. v. Auffenberg

Gstbsdief : GM. Rudolf K r a u s s

VI. KORPS <Kasdiau>

39 Baone., 7 Schwd., 2 Í Bt. (1Í0 Gesdi.), 3 tcdin. Komp.

Kmdt.: GdI. S vetorar Boroević v. Bojna

Gstbsdief: Obst. Joseph Huber

15. ID. \Miskolcr): FML. Friedridi Freih. W o d n i a n s k y v. W i I d c n f e 1 d

29.    IBrig. :    Obst.    Dr. jur. Karl Bardolff, IR. 5    (3),    G6 (3)

30.    IBrig.:    Obst.    Joseph Mark, IR. 60 (3), 65    (4)

DionsKav.: 5. u. G. Schwd. HR. 15

15. FABrig.: Obst. Ernst Edl. v. Terboglaw, FKR. 17 (5), I. Dion. FHR. 6 (2)

27. ID. (Kasdiau): FML. Friedridi Ritt. Gerstenberger v. Reichsegg u. Gers t»

53. IBrig6:    GM.    Adolf Urbar;, IR. 25 (3), 34    (3),    FJB. 29

51. IBrig.:    Obst.    Adolf Sterz Edl. v. Ponteguerra,    IR. 67    (t), 85 (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Sdiwd. HR. 15

21. FABrig.: Obst. Karl Niemilowicz, FKR. 16 (5), II. Dion. FHR. 6 (2)

39. HID. (Kasdiau): FML. Emmerich Hadfy

77.    HIBrig. :    GM.    Desiderius Molnár v. Pcterfalva, HIR. 9    (3), 11 (3)

78.    HIBrig.:    GM.    Joseph Foglár, HIR. 10 (3), 16 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Sdiwd. HR. 15

39. FABrig.: Obst. Joseph Reisinger, FKR. 18 (5), HFKR. 3 (3) Korpsunmittelbar: RSdiwd. HR. 12,- sFHD. 6 (2), 5. u. 6. Komp. SB. 6/ 3. Komp. PB. 2

IX. KORPS (Leitmeritz) ])

30 Baone., 5 Schwd., 17 Bt. (98 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Lothar Edl. v. Hortstein

Gstbschef: Obst. August Martinek

10. ID. (Josefstadt): FML. Theodor Hordt

19.    IBrig.: Obst. Artur Iwański v. Iwanina, IR. 3G (i), 98 (3), FJB. 2

20.    IBrig.: GM. Hugo Reymann, IR. 18 (3), 21 (3), FJB. 12 DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. rt. SchR. 2

10. FABrig.: Obst. August Blaha, FKR. 25 (5), I. Dion. FHR. 9 (2)

4.    Komp. SB. 9

26. SthD. (Leitmeritz): FML. Johann v. F r i e d e 1

51.    SchBrig.:    GM.    Viktor Seidler, SchR. 11 (3), 12 (3),    30 (3)

52.    SchBrig.:    GM.    Otto Gössmann, SdiR. 9 (3), 10 (3)

DionsKav. : 1. u. 2. Sdiwd. rt. SchR. 2

26. FABrig. : Obst. Oskar v. Heimerich, FKR. 26 (4), FKD. 26 (2), FHD. 26 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. DR. 1/ sFHD. 9 (2)/ 5. Komp. SB. 9/ 5. Komp. PB. 9

XVII. KORPS 2)

30V2 Baone., 4 Sdiwd., 7 Bt. (í2 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdK. Karl Gf. Huyn

Gstbschef: Obst. Theodor Edl. v. Lerch

19. ID. (Pilsen): FML. Karl Lukas

37.    IBrig.: GM. Ernst Kletter, IR. 35 (3), 75 (4), SdiR. 29 (3)

38.    IBrig.: GM. Heinrich Teisinger, IR. 88 (4), FJB. 6, 22 DionsKav.: 4. u. 6. Schwd. DR. 14

19. FABrig.: Obst. Johann Regnier, FKR. 22 (5), II. Dion. FHR. 8 (2)

5.    Komp. SB. 8

2, MaBrig. (Wien): GM. Gregor Miščevic, MaR. 3 (MaBaone IR. 8, 49, 81, MaKomp.

FJB. 17, 25, bh. 1), MaR. 4 (MaBaone IR. 4, 84, 99, bh. 1 i), MaKomp. FJB. 10, 31),- RSchwd. DR. 15

9. MaBrig. (Leitmeritz):    Obst. Friedrich Watterich v. Watterichsburg, MaR. 17

(MaBaone IR. 18, 21, 36, 9S, MaKomp. FJB. 2, 12), MaR. 18 (MaBaone IR. 42, 74, 92, 9i), RSchwd. DR. 8 Korpsunmittelbar: 6. Komp. SB. 9 2),- l.Komp. PB. 9 3)

Dem Armeckmdo, unterstellt

6. KD. (Jaroslau): FML. Oskar W ittmann

24 Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

5. KBrig.: GM. Otto Sdiwer Edl. v. Schwertenegg, DR. 6 (6), 8 (6)

14. KBrig.: Obst. Anton Leiter, DR. 11 (6), HR. 11 (6) rt. AD. 10 (3)

10. KD. (Budapest): FML. Viktor Mayr

(die letzten Staffeln treffen am 25. August vom Balkankriegsschauplatz ein. Gliede* rung Seite 67)

6. MaBrig. (Kasdiau): FML. Hugo Kuczera, MaR. 11 (MaBaone IR. 25, 34, 67, 85, MaKomp. FJB. 29), MaR. 12 (MaBaone IR. 5, 60, 65, 66)/ RSchwd. HR. 6,-HMaR. 5 (MaBaone 9, 11, 37), HMaR. 6 (MaBaone 10, 16, 38)

GbAR. 3 (6),. 1. u. 2. Komp. SB. 14,- l.Komp. PB. 2, l.Komp. PB. 3

Armeegruppe GdK. Heinrich Ritt. Kummer v. Faikenfehd

Gstbschef: Obst. Karl Göttlicher 45 Baone., 27 Schwd.,    25 Bt. (106 Gesch.),    4 tedin. Komp.

7. KD. (Krakau): FML. Ignaz    Edl.    v. Korda

11.    KBrig.: Obst. Oskar    Mold Edl. v. Mollheim, DR. 10 (6), UR.    2    (6)

20.    KBrig.: GM. Albert    Ritt.    Le Gay v. Lierfels,    DR. 12 (6), UR. 3 (6)

rt. AD. 1 (3)

1 RdfBaon (je 1 Komp. der FJB. II, 20, 24, 29) k. k.    95. LstlD. (Prag)4) : GM. Artur v. RichardsRostoczil

LstlBrig.: Obst. Franz Pfeifer Edl. v. Lindenrode, LstlR. 6 (4), 7    (3),    8    (4)

LstlBrig.: Obst. Karl Piasecki, LstlR. 28 (4), 29 (4)

RSchwd. DR. 10

RKnBt. 22, 1. u. 2. HBt. GbAR. 3, 4—9 cm KnBt. (=FKR. 95) k. k. 106. LstlD (Olmütz)4): GM. Carl Czapp

LstlBrig.: GM. Karl Wojtěchowský Edl.    v. Broddenritt,    LstlR. 13 (4), 15 (3), 31 (3)

LstlBrig.: Obst. Augustin    v. Rochel, LstlR. 25 (3), 38    (3)

RSchwd. DR. 12

RKnBt. 29, 1. u. 2. HbBt. GbAR. 4, 4—9 cm KnBt. (= FKR. 106) k. u.    100. LstlBrig. (Preßburg): GM. Georg Mihálcsics v. Stolácz, LstlR.    13    (3),    14 (8)/

15 (3)5),. RSchwd. HR. 15,- RKnBt. 13, 4-9 cm KnBt. (= FKR. 100)

Der Armeegruppe unterstellt 1. GbABrigKmdo.: Obst. Adolf    Aust, 15 cm    HbBt. 25, 26,    276)

1. bis    3. Komp. SB. 2, 3. Komp.    SB. 1

J) Mit 2 Komp.

2)    Kam mit dem IX. Korpskmdo. vom Balkankriegsschauplatz.

3)    War zuerst bei der 2. Armee auf dem Balkankriegsschauplatz.

4)    Aus der LstlBrig. gleicher Nummer gebildet. Jedes LstlR. erhielt in der Festung Krakau 2 MGA zugewiesen.

5)    Dazu kamen 4 MGA aus der Festung Krakau.

6)    Aus der Festung Krakau (=10., 11. u. 12. Komp. FsAR. 2),

Dcutsdics Lanclwchrkorps: GdI. Rcmus v. Woyrsdi

3 t Baone., 12 Schwd., 12 Bt. (72 Gesch.)

3. LD.: GLt. Freih. v. König •4. LD.: GLt. v. W e g e r e r

Sicherheitsbesatzungen Festung Krakau

Kmdt.: FML. Karl K u k

k. k. 95. LstlBrig. (LstlD.): bei der Armeegruppe Kummer

k. k. 110. LstlBrig.: bei der 1. Armee

k. k. LstlR. 10 (4),- 31 Komp. (samt Res.* u. MaKomp.) der FsAR. 1, 2 u. des FsAB. 5/

1. u. 2. Komp. SB. 1, 1. bis 3. Komp. SB. 4./ 25 LstArtAbtgen., hievon 12—9 cm KnBt. bei der Armeegruppe Kummer/ 2 LstSapAbtgen.

[Dazu noch anfangs September LstHD. 3 (3)]

Festung Przemyśl Kmdt.: FML. Hermann v, Kusmanek k. u. 97. LstlBrig.: bei der 3. Armee

k. k. 111. LstlBrig. (Przemyśl) : GM. Karl Waitzendorfer, LstlR. 17 (3), 18 (3), 33 (4),-RSchwd. UR. 11/ RKnBt. 30

40 Komp. (samt Res.=- u. MaKomp.) der FsAR. 3,6 u. der FsABaone 3, 5/ 40 LstArtAbtgen./

1. bis 3. Komp. SB. 3, 1. u. 2. Komp. SB. 5, 1. u. 2. Komp. SB. 10

Feldmäßige Befestigungen von Lemberg Kmdt. : GM. Friedrich Gostischa k. k. LstlR. 19 (2)1)/ 1. u. 2. Komp. FsAB. 9,- 4 LstArtAbtgen./ 1. u. 2. Komp. SB. 11, 1 LstSapAbt.

Feldmäßig befestigte Brückenköpfe J a r o s 1 a u

k. k. LstlR. 34 (2), 11 BkschKomp. ,• 11. Komp. FsAR. 3, 4 LstArtAbtgen./ 3. Komp. SB. 10

Sieniawa

k. k. LstlR. 34 (1), 4 BkschKomp./ 9. u. 10. Komp. FsAR. 3, 2 LstArtAbtgen./ 3. Komp. SB. '>, 1 LstSapAbt.

Mikołajów

k. k. LstlR. 19 (2) >), 3 BkschKomp./ 12. Komp. FsAR. 3, 4. Komp. FsAB. 9, 1 LstArtAbt./

4. Komp. SB. 14    '

Halicz

k. k. LstlR. 20 (3), 2 BkschKomp./ 3. Komp. FsAB. 9, 4 LstArtAbtgen. / 3. Komp. SB. 11, 1 LstSapAbt.

N i ż n i ó w

k. k. LstlR. 20 (1), 2 BkschKomp./ 1 LstArtAbtg.    .

Auf Koniuszki=Siemanowskie, Nisko, Radymno, Żurawno, Zydaczów, Martinów str.

entfielen je 1 BkschKomp., auf Zaleszczyki 4 BkschKomp. und 1 LstArtAbt.

>) Aus dem Verbände der k. k. 93. LstlBrig.

Summe der Streitkräfte auf dem nördlichen Kriegsschauplätze

A) Feldheer

798V2 Baone., 6 RdfKomp., 377 Schwd., 379 Bt. (2076 Gesch.), 65 tedin. Komp.,

5 FsAKomp., 1234 MG.

B) Sicherheitsbesatzungen

21 Baone., 7 Sdhwd., 1 Bt. (6 Gesch.), 18 techn. Komp., 83 FsAKomp.

Summe

819V2 Baone., 6 RdfKomp., 384 Schwd., 380 Bt. (2082 Gesch.), 83 techn. Komp.,

88 FsAKomp., 1234 MG.

Deutsches Landwehrkorps Woyrsch:

34 Baone., 12 Schwd., 12 Bt. (72 Gesdh.)

C. Außer Bereich der beiden Kriegsschauplätze

Kärntner Sperren: 6 Detadiements der GbSchR. 1 u. 2,- 1. Feld* und RKomp. FsAB. 4

Tiroler Sperren: k. k. LstlR. I (3), 13 Detadiements der KSdhR. I, II, III; 34 Komp.

(samt Res.» und MaKomp.) der FsABaone 1, 4, 5, 6, 7,- 1. Komp. SB. 9,

3. Komp. SB. 8, 3. Komp. SB. 14 Munitionsfabriken und =lager am Steinfeld (Niederösterreich): Ill/k. k. LstlR. 1 Wien: IBaon 1/99/ Budapest: 5. u. 6. MaKomp. FsAR. 6/ K o m o r n : 3. u. 4. MaKomp. FsAR. 6

D. Der deutschen Obersten Heeresleitung für den westlichen Kriegsschauplatz zur Verfügung gestellt

5. u. 6. Komp. FsAR. 2 (=3, u. 4. — 30.5 cm MsBt.), 1. u. 2. Komp. FsAB. 8 (=7. u.

8. — 30.5 cm MsBt.)

Gesamtsumme des militärischen Machtaufgebotes der österreichisch-ungarischen Monarchie:

1094^2 Baone., 6 RdfKomp., 425 J) Schwd., 483 Feld* und GbBt. mit 2610 Gesch., 224 FsAKomp., 155 techn. und 15 Fiieger-Komp., 1582 MG.

■) Einschließlidi der zehn k. u. LstHDionen, die erst anfangs September marschbereit waren und bei den k. u. LstBrig. Einteilung finden sollten.

Bemerkungen und Daten über die Gesamtstärke der öst.-ung. Streitkräfte bei Kriegsbeginn

Zur Mobilisierung wurden folgende Geburtsjahrgänge cinbcrufcn:

1.    Geburtsjahrgang 1S93 (Rekruten und Ersatzreservisten, 21 jährig, noch nicht ausgcbildet',

2.    von den zur Zeit aktiv dienenden Jahrgängen 1890 bis 1S92 (Alter 22 bis

24 Jahre die Beurlaubten und Ersatzreservisten,

3.    die Jahrgänge 1882 bis 18S9 (Reserve und Ersatzreserve des Heeres und beider Landwehren, Alter 25 bis 32 Jahre),

4.    die Jahrgänge 1S72 bis 1881 (gedienter Landsturm, Alter 33 bis 42 Jahre).

Infolge dieser Mobilisierungscinberufungen rückten einschließlich von zirka

66.000 für die Armee in Anspruch genommenen freiwilligen und landsturmpflichtigen Arbeitern rund 2-9 Millionen Männer aus ihrem Zivilverhältnis zur aktiven Militär-^Lar.Jsturm-)Dienstleistung ein.

Der Friedensstand der Armee betrug rund 36.000 Gagisten und 414.000 Mann, zusammen 450.000 Personen; der durch diese Einrückungen erreichte Kriegsstand zählte rund 90.000 Gagisten und 3,260.000 Mann, zusammen

3,350.000 Mann (samt allen Hinterlandsformationen und der oben unter 1. angeführten, nicht ausgebildeten Mannschaft).

Die in der Kriegsgliederung ausgewiesenen Einheitenzahlen ergeben:

109 Í1 2 Baone. fdas Baon. zu rund 1000 Mann gerechnet)..........1,094.500    Mann

G Rdfkomp. ('zu 132 Mann)..................................792    «

4_5 Schwd. (zu 180 Mann)......................................76.500    «

4b3 Bt. (durchschnittlich zu 196 Mann gerechnet)..................94.668    «

22 5- FsAKomp. (durchschnittlich zu 258 Mann gerechnet)..........57.792    «

155 techn. Komp. (durchschnittlich zu 2G0 Mann    gerechnet)    ....    40.300    «

15 FliegerKomp. (zu 106 Mann)................................1.590    «

MG.-Mannschaften............................30.192    «

Summe    .    .    1,396.334    Mann

ferner: 88 LstArtAbtgen. (zu 202 Mann)..........................17.776    «

8 LstSap Abtgen. ( « 205    «    )..........................1.640    «

28 BkschKomp. ( « 250    » )..........................5.500    «

Endsumme    .    .    1,421.250    Mann

In dieser Zahl sind wohl Fahrmannschaften der Geschütze und technischen Abteilungen sowie Tragtierführer der MGA, nicht aber Train-, Verpflegs-, Sanitätsmannschaften, Munitions- und sonstige Kolonnen, Stabs-, Verbindungstruppen, Mil.-Arbeiter-Abteilungen usw. inbegriffen. Der Verpflegsstand der Armee im Felde kann mit 1,800.000 bis 2,000.000 Mann veranschlagt werden.

Damit auf Grund all dieser Angaben der Kampfwert der österreichischungarischen Streitermassen nicht überschätzt werde — die immerhin erheblichen Zahlen können leicht zu unrichtigen Schlüssen verleiten —, sei noch hervorgehoben, daß sich unter den 1094i/2 Baonen 401 Einheiten der Marsch- und Landsturmbrigaden falso mehr als ein Drittel;, unter den 425 Schwd. 72 Res.- u. LstSchwd., unter den 483 Bt. 32 Res.- u. LstBt. befanden.

E. Kriegsgliederung der operativen Flotte

am 4. August 1914

Kommandant der gesamten Streitkräfte: Flottenkommandant Admiraí Anton Haus

(auf S. M. S. »Viribus unitis«)

1.    Geschwader

Kmdt.: Vizeadmiral Maximilian Njegovan

1.    Division. Kmdt.: der Kommandant des 1. Geschwaders

»Viribus unitis«, »Tegetthoff«, »Prinz Eugen« (je 20.300 t)

2.    Division. Kmdt.: Kontreadmiral Anton W i 11 e n i k

»Erzherzog Franz Ferdinand«, »Radetzky«, »Zriny« (je 14,500 t)

2.    Geschwader

Kmdt.t Kontreadmiral Franz Löfler

3.    Division. Kmdt.: der Kommandant des 2. Geschwaders

»Erzherzog Karl«, »Erzherzog Friedrich«, »Erzherzog Ferdinand Max« (je 10.600 t)

4.    Division. Kmdt,: Kontreadmiral Karl Seidensacher

»Habsburg«, »Ärpad«, »Babenberg« (je 8300 t)

Kreuzerflottiiie Kmdt.: Vizeadmiral Paul Fiedler

1. Kreuzerdivision. Kmdt.: der Kommandant der Kreuzerflottille

»Sankt Georg« (7300 t), »Kaiser Karl VI.« (6300 t), »Helgoland« (3500 t), »Aspern« (2400 t), »Szigetvar« und »Zenta« (je 2300 t)

1.    Torpedofíottiííe. Führerschiff »Saida« (3500 t) Kmdt.: FregKapt. Heinrich S e i t z,

12 Torpedofahrzeuge und 9 Torpedoboote

2.    Torpedoflottille. Führerschiff »Admiral Spaun« (3500 t) Kmdt.: FregKapt. Benno

v. M i 11 e n k o v i c h, 6 Torpedofahrzeuge und 18 Torpedoboote Torpedodepotschiffe: »Gäa« und Dampfer »IV«

Train der operativen Flotte Führerschiff: »Cyclop«, 6 Fahrzeuge der Kriegsmarine und 12 gemietete Zivildampfer

Verteidigung von Küstenabschnitten

5.    Division. Kmdt.: Kontreadmiral Richard Ritt. v. Barry

»Monarch«, »Wien«, »Budapest« (je 5600 t)

2. Kreuzerdivision. »Kaiser Franz Joseph I.« (4000 t), »Panther« (1530 t)

Ferner das Seeverteidigungsbezirkskommando von Pola, die Seebezirkskommandos von Triest, Sebenico und Castelnuovo mit einer Anzahl von Spezialschiffen, 2 Torpedo* fahrzeugen, 28 Torpedobooten und 6 Unterseebooten,

Donauflottille (siehe Seite 69)

Kmdt.: FregKapt. Friedrich Grund

Gesamtübersicht des Personals:

Siabs    Mannschaft:

Kriegsstand.................... 1974    33307

Hiezu der Landsturm (Seewehr) der    Kriegsmarine ...    —    3328

Summe des    verfügbaren Personals.......... 1974    36735

Summe der    Erfordernisse    zur See.......... 1250    27888

Summe der    Erfordernisse    zu Land.......... 724    4991

Überschuß ....    —    3856

I 2. Aufl.    6

Reichsbefestig u ng In Galizien

Die galizischen Befestigungen bestanden aus den Lagerfestungen Krakau und Przemyśl, der behelfsmäßigen Befestigung von Lemberg, den feldmäßigen Brückenschutzanlagen an den San- und Dniesterübergängen und einigen Steinwachhäusern bei bedeutenden Bahnbrücken und Tunnels zur örtlichen Sicherung dieser Kunstbauten.

Lagerf cstung Krakau. Aufgabe: Sperrung der wichtigen, im Weichseltale führenden Verkehrslinien, die zwischen Reichsgrenze und Nordfuß der westlichen Karpathen zusammengedrängt sind. Gürtellinie 57 km Umfang, 16 Hauptwerke, davon 10 mit Panzer, 14 Zwischen-(Vor-)werke, darunter 7 mit Panzer. Geschlossenes Noyau, verstärkt durch Haupt- und Zwischenwerke als zweite Widerstandslinie, 24 km Umfang. Armierung etwa 800 Geschütze, Sicherungsbesatzung zwei Landsturminfanteriebrigaden mit 25 Bataillonen.

Lagerfestung Przemyśl. Aufgabe: Sperrung der Hauptbahn Lemberg— Krakau, Erschwerung des Zutrittes zu den günstigen Karpathenübergängen westlich des Uzsokpasses. Przemyśl litt sehr unter dem Umstand, daß die von Jaroslau und Chyrów heranführenden Bahnen sehr rasch von einem von Osten anrückenden Feinde unter Feuer genommen werden konnten. Die von der Heeresverwaltung oft angestrebte Santal-Bahn, die vor östlichen Angriffen gesichert von Westen her den Platz erreicht hätte, war nie bewilligt worden. Gürtellinie 45 km Umfang, 17 Hauptwerke, davon

5 mit Panzer, 19 Zwischen-(Vor-)werke, darunter 7 mit Panzer. Geschlossenes Noyau von 15 km Umfang. Armierung 956 Geschütze, hievon in der mobilen und schweren Geschützreserve 180; Sicherheitsbesatzung zwei Landsturminfanteriebrigaden mit 22 Bataillonen.

Die Werke von Krakau und Przemyśl stammten aus verschiedenen Bauperioden und waren je nach den Anschauungen der Bauzeit, gemäß der damals zu erwartenden feindlichen Geschützwirkung im permanenten Stile angelegt worden. Die Mehrzahl der Forts wurde in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaut. Sie waren geschlossene Werke mit hohem Aufzug, Ziegelmauerwerk und Geschützen auf offenem Wall zwischen Erdtraversen. Allmählich waren die Gürtelbefestigungsanlagen in Krakau, ringsum außer im Osten, in Przemyśl vor allem an der Nord-und Ostfront zum Teil durch Umbau zu Panzerhauptwerken aus Beton mit Geschützen unter Drehpanzer, dann durch Einschiebung von Panzerzwischen- und Vorwerken modernisiert und verstärkt worden. Viele Geschütze der Sicherheitsarmierung standen demnach in den Werken noch auf offenem Wall. In den Panzerwerken bildeten 15 cm-Haubitzen und 15 cm-Mörser unter Drehkuppeln, gelenkt aus gepanzerten Beobachtungsständen, die Fernkampfartillerie. Für nähere Distanzen und in den Zwischen- und Vorwerken standen 8 cm-Schnellfcuerkanonen unter Drehpanzer.

Höchster Wert war auf die Erzielung der „Sturmfreiheit“ gelegt worden, die den Erfolg eines überraschenden oder gewaltsamen Angriffes unmöglich machen und den Feind zwingen sollte, zur Niederringung eines Gürtelabschnittes Belagerungsmaterial heranzubringen.

Erst wenn sich die Angriffsrichtung des Feindes ausgesprochen hatte, sollte die mobile und schwere Geschützreserve, die aus 12 und 15 cm-Kanonen M. 80, 15 cm-Haubitzen M. 99, dann aus 12 und 15 cm-gußeisernen Kanonen M. 61 und 15 cm-Mörsern M. 80, schließlich aus 9 cm-Feldkanonen M. 75/96 bestand, in den Intervallen der Angriffsfront eingesetzt werden. Zur Bestückung größerer Teile des Gürtels oder gar der ganzen Front reichte sie nicht aus. Die Werksartillerie bestand meistens aus modernen Panzer- und Traditorengeschützen. Soweit Geschütze noch auf offenem Wall standen, waren es 9 cm-Feldkanonen M. 75/96.

Die Befestigungen von Lemberg wurden als Erdwerke erstmals 1887 gebaut, sodann im Krisenjahr 1912 verbessert und erweitert. Der Stadt war ein Gürtel von Erdwerken mit Mauereinbauten vorgelegt; Umfang etwa 48 km. Armierung nur

2S Geschütze; im Bedarfsfalle sollte die Feldarmee die Bestückung der Befestigungsanlage vermehren.

Die Befestigungen der San-Dniesterlinie, deren erste Anlage in die Mitte der 80er Jahre, zum Teil in das Jahr 1854 fällt, sollten im Vereine mit Teilen der Feldarmee und der Festung Przemyśl ein Vordringen der Russen von Norden und Nordosten über diese Flußschranken verhindern. Hiezu waren die permanenten Brücken durch feldmäßige Werke örtlicher Bedeutung gesichert. Einzelne dieser Verteidigungsanlagen waren am Nordostufer so ausgedehnt, daß sie auch eigenen Flußüberschreitungen als Offensivbrückenköpfe dienen konnten. Solche Brückenköpfe waren: Sieniawa, Jaroslau, Mikołajów, Halicz und Niżniów. Die Stärke ihrer Sicherheitsbesatzung ist der Kriegsgliederung S. 78 zu entnehmen. Einschließlich der dort angeführten mobilen Batterien betrug die Armierung 70, 94, 58, 44 und 4 Geschütze, fast durchwegs alte Feldkanonen M. 75/96. Bei Nisko, Radymno, Koniuszki-Siemanowski, Zydaczów, Żurawno, Martinów Str. und Zaleszczyki waren einfache Brückenschanzen hergestellt mit je einer Besatzung von 1 bis 4 Brückenschutzkompagnien.

Die Zahl der verteidigungsfähigen Wachhäuser in Galizien betrug 24 mit je einer durchschnittlich 25 Mann starken Besatzung.

Allen galizischen Befestigungen fehlte ein einheitliches System in Anlage und Bauausführung. In den teilweise unvollendeten und veralteten Lagerfestungen Krakau und Przemyśl waren mit relativ bescheidenen Mitteln taktisch richtig angelegte und fortifikatorisch und artilleristisch vorzüglich durchgebildete Werke hoher Widerstandskraft vorhanden. Die fortifikatorische Widerstandskraft von Lemberg und der Befestigungen am San-Dniester dagegen war sehr gering.

In den Grenzlanden gegen Serbien und Montenegro

Die im äußersten Süden der Monarchie angelegten Befestigungen bezweckten, die Grenze des Okkupationsgebietes gegen Einfälle der sehr rasch operationsbereiten Montenegriner und gegen eventuelle feindliche Landungen in Süddalmatien zu schützen. Weiter sollten sie im Vereine mit den Truppen der Garnisonen das Niederhalten der zu Aufständen neigenden Bevölkerung sowie die Durchführung der infolge exterritorialer Ergänzung der Truppen und ganz unzulänglicher Verkehrsmittel (Schmalspurbahn) fast drei Wochen dauernden Mobilisierung gewährleisten. Schließlich hatten sie auch den Aufmarsch der an der Drina sich gegen Serbien bereitstellenden Armeen in der südlichen Flanke zu sichern. Hiezu wurde im südlichen

Teil der Herzegowina im Anschluß an die befestigten Bocche di Cattaro ein kordonartiges System von Festungen, befestigten Depotplätzen, Wachhäusern und Defensions-kasernen angelegt, dessen Kernpunkte die Gürtelfestungen Trebinje und B i 1 e ć a (Bilek'' mit 25, bezw. 23 km Umfang bildeten. Außerdem wurde den beiden Hauptstädten Sarajevo und M o s t a r ein Kranz von Werken (20, bezw. 22 km Umfang) vorgelcgt. Mit dem Bau der Befestigungen wurde unmittelbar nach dem Okkupationsfeldzuge (1S7S, 79) begonnen. Mit Rücksicht auf die den voraussichtlichen Feinden damals zur Verfügung gestandenen geringen artilleristischen Angriffsmittel wurden die Werke als nur gebirgsgeschützsichere, freistehende Steinmauerbauten errichtet. Zur Armierung wurden daher auch keine schwereren als 10 cm-Geschütze verwendet.

C a 11 a r o war nach Pola der zweite Kriegshafen der Kriegsmarine. In der vielgewundenen Bucht fanden Kriegsschiffe vor Unbilden der See und dem Feuer einer feindlichen Flotte vortrefflichen Schutz. Die enge Hafeneinfahrt konnte rasch gesperrt und durch die hier vorhandenen Küstenpanzerforts leicht verteidigt werden. Sehr ungünstig war es jedoch um die Ostfront der Anlage bestellt, weil die Reichsgrenze hier am halben Hang des in Montenegro liegenden, das ganze Gebiet überhöhenden Berges Lovčen (1759 m) verlief, der volle Einsicht in die östlichen Hafenbuchten und die Möglichkeit zur Beschießung der hier befindlichen Schiffe sowie der in und nächst Cattaro liegenden Kasernen und Depots bot. Das nördlich von Cattaro sich ausbreitende Hochplateau der Krivošije war durch gebirgsgeschützsichere Befestigungen beschirmt und gehörte zum Verteidigungsrayon von Cattaro. Der hiedurch gebildete Manövrierraum fing die aus dem Grahovobecken heranführenden montenegrinischen Anmarschwege auf und ermöglichte ein Zusammenwirken mit der Festung Trebinje.

Der neuzeitliche Ausbau der Heere der beiden benachbarten südslawischen Königreiche und besonders deren Ausrüstung mit schwerer Artillerie, die nach der ersten Balkankrise eingesetzt hatten, waren Ursache, daß Armeeinspektor FZM. Potiorek Ende 1911 die Ausgestaltung und Modernisierung der herzegowinischen und dalmatinischen Befestigungen anregte. Sie betrafen die Verlegung aller noch in Cattaro befindlichen Marine- und Heeresetablissements nach Teodo und Castelnuovo und die Erbauung einiger, auch schwerem Geschütz trotzender Panzerwerke in Cattaro, Trebinje, Bileća und Gacko. Hiedurch sollten die aus den montenegrinischen Sammelräumen Grahovo und Niksić nach Süden (Cattaro), Westen (Trebinje und Bileća) und Nordwesten (Gacko) führenden Einbruchswege gesperrt sowie der für das Heranbringen von Teilen des XV. (Sarajevoer) Korps wichtige Raum von Kalinovik gesichert werden. Die übrigen kleinen Befestigungen, die entweder von der Grenze zu weit entfernt lagen (N e v e s i n j e), oder jene, denen bisher rein örtlich-taktische Bedeutung zukam, diese aber verloren hatten, weil jetzt auch der Feind mit seinem schwerfälliger gewordenen Troß an die Hauptverkehrslinien gewiesen war, sollten allmählich aufgelassen werden.

Die durch Cattaro, Trebinje, Bileća, Gacko und Kalinovik gebildete Kette von Befestigungen, denen in dieser wasserarmen Gegend auch als Schutz der Wasserspender Bedeutung zukam, wurde längs der Ostgrenze von Bosnien nicht fortgesetzt. Nur bei V i š e g r a d wurde zur Sperrung der von Užice heranführenden Vorrückungslinie mit dem Bau eines Turmhaubitzwerkes begonnen.

Bei Ausbruch des Weltkrieges waren die wenigsten der geplanten Erweiterungsund Modernisierungsbauten fertiggestellt. Dennoch haben die dalmatinisch-herzego-winischen Befestigungen während des Krieges der an sie gestellten Anforderung — Vereitelung montenegrinischer Einbrüche — vollkommen entsprochen.

Von den in Kroatien, Slawonien und Südungarn noch aus der Zeit der Türkenkriege stammenden Festungen wurde nur Peter wardein (Petrovaradin) beibehalten und bildete das Kernwerk eines Brückenkopfes, der im Mobilisierungsfalle mit feldmäßigen Mitteln ausgeführt werden sollte. Teile dieser Gürtelbefestigung sind schon im Krisenjahr 1912/13 ausgebaut worden.

Die Befestigungen in Tirol, Kärnten und im Küstenland

werden im II. Bande bei Schilderung des Ausbruches des italienischen Krieges besprochen werden.

Grundlagen der Bahnleistungen im Kriege Hiezu Beilage 3

Friedensorga n i sation des Vo11 bahnnetzes Österreich:    Ungarn:

k. k. Eisenbahnministerium,    k.    u.    Handelsminister,

k. k. Staatsbahnen mit 16 Direktionen,    k.    u.    Staatsbahnen    mit    12    Betriebs

leitungen,

Privatbahnen, deren Linien in beiden Gebieten lagen (Südbahn und Kaschau-Oderberger Bahn) kleine Privatbahnen,    |    kleine    Privatbahnen,

Annexionsgebiet:

k. u. k. gemeinsamer Finanzminister, schmalspurige bosnische Landesbahnen.

Bahngeographisches

Die Donau durchschnitt die Monarchie auf 1000 km Länge und war in beiden Reichshälften je siebenmal für Bahnen überbrückt. Drei Längengebirge zwangen die Bahnen der Monarchie auf wenige günstigere Übergangspunkte: a) Die 200 km breiten, nach Osten sich erweiternden und 500 km langen Alpen wurden nur von vier durchlaufenden Schienenwegen überschritten, und zwar über den Brenner, die Tauern, den Semmering- und den Neumarkter Sattel, b) Der die Alpen südöstlich fortsetzende, anfänglich 70 km, später 240 km breite und 600 km lange und wasserarme Karst, der wesentlich dazu beitrug, daß die Vollbahn die Nordadria nur an drei Stellen (Triest, Pola, Fiume) erreichte, wogegen 500 km Küste ohne Vollbahnanschluß blieben, c) Die Ungarn im Zweidrittelkreis umschließenden, stellenweise 100 km breiten und 1300 km langen Karpathen, wclche gegen Galizien nur siebenmal und gegen Rumänien nur viermal von Bahnen überquert wurden.

Haupt Verkehrsrichtungen

Von Österreich-Ungarn führten 52 Schienenstränge nach Deutschland, 2 in die Schweiz. Über die bedrohten, viermal so langen anderen Grenzen in Summe nur 14, und zwar 5 nach Italien, 4 nach Rußland, 4 nach Rumänien und 1 nach Serbien. Die 1300 km lange Grenze zwischen Österreich und Ungarn wurde trotz gemeinsamen Zollgebietes nur von 20 Bahnlinien überschritten. Geländeschwierigkeiten, wirtschaftliche und politische Hemmungen ließen Dutzende von Flügeln beiderseits der Zwischen-grenzc als Sackbahnen enden. Auf dem einheitlichen, um den Mittelpunkt Budapest unter Bevorzugung aller Radialverbindungen entwickelten Netz Ungarns wurde der Betrieb zentralistisch geführt. Der stärkste Verkehr fand beiderseits der Donau nach Wien, durchs Waagtal und über den Jablunkapaß ins preußisch-schlesische Kohlenrevier, in nördlicher Richtung zu den Eisenwerken von Salgo-Tarján und durchs Marostal zu den Kohlengruben von Petrosény statt.

Dieses zentralisierte ungarische Bahnnetz wurde an zwei Seiten von Österreich umschlossen, dessen Grundform und politische Gestaltung einen einheitlichen Verkehr und Betrieb ausschloß. Die Nordbahnstrecke Wien—Prerau—Oderberg—Krakau war eine der verkehrsreichsten Hauptbahnen Mitteleuropas. Sie bildete mit der Fortsetzung nach Lemberg das Rückgrat der Verbindungen gegen Rußland, führte aber hart an der Grenze zum linken Flügel des Aufmarschraumes. Sehr stark war auch der Verkehr auf der Westbahn Wien—Salzburg, auf der Südbahn Wien—Triest und auf den zwei Linien beiderseits der Donau nach Budapest. Alle anderen Strecken hatten, je weiter sie nach Osten und Süden lagen, geringeren, auch nur spärlichen Flügelstrecken-, oft bloß Tagesverkehr.

Das Schmalspurnetz des Annexionsgebietes bildete ein Verkehrsgebiet für sich.

Technisches

A.    Vollbahnen (Spurweite 1.435 m) :    .

Es bestanden 45.800 Betriebskilometer, davon 8482 km doppelgelcisig. Ein Betriebskilometer kam auf 15 km2 und 1122 Einwohner.

11.967 Lokomotiven dienten als Zugkraft für in Summe 32.642 Personen- und 265.864 Güterwagen.

Der Personalstand belief sich in Österreich auf 140.015 Angestellte, samt Arbeitern auf 284.574 Gesamtpersonal; in Ungarn auf 78.951 Angestellte, samt Arbeitern auf 157.496 Gesamtpersonal.

B.    Schmalspurbahnen (Spurweiten 100, 90, 80, 76 und 75 cm):

Es bestanden 2516 Betriebskilometer, meist unzusammenhängend, nur von lokaler Wichtigkeit. Von Bedeutung und ansehnlicher Leistungsfähigkeit war nur das zusammenhängende, von zwei Zahnradstrecken (Komarpaß, 750 m, und Ivanpaß, 967 m) unterteilte Netz der bosnischen Landesbahnen mit 1395 Betriebskilometern und 8000 meist vierachsigen Wagen. Es hing nur in Bosnisch-Brod mit der Vollbahn zusammen und erreichte die Adria bei Metkovic, Gravosa und Zelenika in den Bocche di Cattaro.

Militäreisenbahnbehörden im Kriege

Chef des Feldtransportwesens zuerst Wien, dann beim Armeeoberkommando,

Zentraleisenbahn- und Dampfschifftransportleitung in Wien mit

Zentralwagendirigierung und Zentrallokomotivdirigierung (einige Offiziere des Eisenbahnbureaus, über 300 Bahnbeamte),

Feldtransportleitungen

mit

Kriegsfilialwagendirigierungen bei den Bahndirektionen des Kriegsgebietes.


die Eisenbahnlinienkommandos mit

Kriegsfilialwagendirigierungen bei den Bahndirektionen der Heimat.

Militär eise u bahntechnisches

Es gab Kriegsfahrordnungen für 313 militärisch wichtige Strecken mit 31.200 km Betriebslänge und 3846 Stationen. (Durchschnittliches Stationsintervall 7.5 km.)

Die Kriegsfahrordnungen sahen das Maximum der im Durchzugsverkehr nach den baulichen Anlagen der Bahn möglichen, gleichmäßig fahrenden Zugspaare vor. Auf zweigeleisigen und eingeleisigen Flachlandsbahnen wurden mit Grundgeschwindigkeiten von 30 bis 35 km kaum 20 Stundenkilometer Reisegeschwindigkeit erreicht. Auf billig gebauten und Gebirgsstrecken sank die Reisegeschwindigkeit auf 16, auch 12 km und darunter.

Die militärische Leistungsfähigkeit ist das Maximum der in einem Tag in beiden Richtungen im Durchzugsverkehr (ohne Ein- oder Ausladung) nach der baulichen Anlage theoretisch durchleitbaren Züge unter der Voraussetzung, daß genügend Personal und Maschinen vorhanden sind. Sie wird durch die Tageszugszahl and Zugslänge (oder das Zugsgewicht) ausgedrückt. Sie vermindert sich in der Praxis im Durchzugsverkehr durch das Postzugspaar und ein Sechstel aller Züge als Fakultativzüge für Regiefahrten der Bahn und unvorhergesehene Fälle, so daß einer Leistungsfähigkeit von 15 Zügen 12, von 30 Zügen 24, von 60 Zügen 48 reine Transportzüge zukommen. (Praktische Leistungsfähigkeit.) Starke Ein- und Ausladungen drosseln bei dürftigen Stationseinrichtungen die Gesamtleistung.

Die Länge der vorhandenen Kreuzungsgeleise bestimmt die Länge der Militärzüge. Es gab Strecken mit 100-, 70-, 50-achsigem Verkehr und auch solche mit kürzeren Zügen.    .

An Militärzugstypen gab es: 100-, 70- und 50-achsige Züge mit 49, bezw. 34 und 24 Transportwagen und einem Bruttogewicht von 500, bezw. 350 und 250 Tonnen.

Fassungsraum der Wagen (normal)

Klassenwagen: 24 Offiziere und Beamte,

Gedeckter Güterwagen: 36 bis 40 Mann oder 6 Pferde (Tragtiere) und 3 Mann oder unverladene Güter bis zu 10 Tonnen.

Offener Güterwagen: 2 Feldgeschütze oder 2 Trainfuhrwerke (ausgerüstet) oder

6 bis 10 zerlegte Landesfuhren oder unvcrladene Güter bis zu 10 Tonnen.

34.451 Einrichtungen für Mannschaftswagen und 50.000 für Pferdetransport wurden der Truppengarnisonicrung gemäß bercitgchaltcn.

Als Kriegskohlenvorräte waren, auf die Heizhäuser verteilt, in Summe 3,000.000 Tonnen Normalkohle ^ausreichend für einen acht wöchigen Vollverkehr) gelagert.

Es gab bei Kriegsbeginn 101 Bahnhofkommanden, 101 Verköstigungsstationen und 122 Krankcnhaltstationen mit 11.824 Betten. 52 organisierte Sanitätszüge boten Ln 1332 Wagen 10.782 Patienten Raum und Versorgung während der Fahrt.

Zur Sicherung der Bahnen vor Anschlägen gab es bei Kunstbauten im Grenzgebiet befestigte Wachhäuser. Jederzeit konnten aus dem Präsenzstande des Heeres in wenigen Stunden Wachen im Gesamtstand von 10.000 Mann zu 852 Objekten aufziehen. Nach Aufbietung des Landsturmes hatten sie von Landsturmeisenbahnsicherungsabteilungen im Gesamtstand von 83.000 Mann abgelöst zu werden, die an allen wichtigen Linien nicht nur die Objekte, sondern auch die offene Strecke durch Patrouillen sicherten.

Zur raschcn Zerstörung strategisch bedeutungsvoller Objekte gab es 309 Minenanlagen, zu deren Füllung 137.158 kg Sprengstoffe nötig gewesen wären.

An Wiederherstellungsmaterial lagen Werkzeuggarnituren und viele Bahnbrückenprovisorien von Spannweiten verschiedener Länge bereit. Bei den Bahnerhaltungssektionen waren in Summe 11.000 Mann Landsturmarbeiterabteilungen vorgesehen, zu denen noch 28 Baukompagnien (7000 Mann) samt der Ausrüstung des Eisenbahnregiments hinzukamen.

DER AUGUSTFELDZUG 1914 GEGEN SERBIEN UND MONTENEGRO

Vorgeschichte der österreichisch-ungarischen Offensive

Der österreichisch-ungarische Aufmarsch für den Kriegsfall Balkan

Der österreichisch-ungarische Generalstab hatte den Aufmarsch auf dem Balkan für den Fall, daß nicht gleichzeitig Rußland oder Italien auf den Plan trat, in folgender Gruppierung vorbereitet, die mit gewissen Änderungen (siehe S. 96 ff sowie Beilage 2 und 7) im August 1914 auch angenommen wurde:

Die 6. Armee (XV. und XVI. Korps mit 6 Infanteriedivisionen samt den zugehörigen Marschformationen und 1 Landsturminfanteriebrigade) sammelt ihre Hauptkräfte in zwei Gruppen bei Sarajevo und Mostar, indes die 47. ID. im Raume von Cattaro zu verbleiben hat.

Die 5. Armee (VIII. und XIII. Korps mit 4y2 Infanteriedivisionen, 1 Gebirgs-, 1 Landsturminfanterie- und 2 Marschbrigaden sowie 2 Honvéd-marschregimentern) wird westlich des Save-Drina-Winkels bis einschließlich Zvornik zusammengezogen.

Die 2. Armee (IV. und IX. Korps mit 6y2 Infanterie- und 1 Kavalleriedivision sowie 1 Landsturminfanterie- und 2 Marschbrigaden, ferner 4 Honvédmarschregimentern) marschiert mit der Hauptkraft in Syrmien, mit einer Infanteriedivision bei Groß-Becskerek (Nagybecskerek) und Titel auf; das selbständige VII. Korps (2 Infanterie- und 2 Kavalleriedivisionen, 2 Landsturminfanterie- und 1 Marschbrigade) mit der Masse zwischen Pancsova und Báziás und mit einer schwachen Gruppe bei Orsova.

Schließlich war für den Krieg gegen die beiden serbischen Staaten noch die „Indienststellung“ der ganzen Donauflottille und eines Teiles der Meerflotte vorgesehen.

Anders als in den übrigen Bereichen Österreich-Ungarns vollzog sich die Mobilisierung in Bosnien und der Herzegowina, wo schon unmittelbar nach dem Thronfolgermorde eine Art von Kriegszustand eingetreten war. Unruhen unter der zum überwiegenden Teile serbischen

Bevölkerung, Gegenaktionen der staatstreu gesinnten Katholiken und Mohammedaner erforderten vielfach die Beistellung von Militärassistenzen. Beunruhigung der Truppen, Sabotageakte und Störungen der Verkehrsmittel waren an der Tagesordnung. Der Landeschef und Armeeinspektor FZM. Potiorek, im Kriegsfall zum Kommandanten der 6. Armee bestimmt, traf jedoch zielbewußt vorbildliche Maßnahmen, welche es nicht zu der von den Serben vorbereiteten Erhebung ihrer Parteigänger kommen ließen sowie in späterer Folge die schwierige Mobilisierung und den Aufmarsch des XV. und XVI. Korps ohne irgend eine Störung möglich machten.

Um die Truppen im Kriegsfälle von Ordnungsdiensten im Lande und der Abwehr der zu gewärtigenden irregulären Banden an der Grenze möglichst zu entlasten und sie für die Feldoperationen freizumachen, wurde neben den Gendarmerieassistenzen und dem schon im Frieden zu militärischen Hilfsdiensten ausersehenen Veteranenkorps (etwa 1600 ausgediente Soldaten) aus gutgesinnten Elementen der wehrgesetzlich verhältnismäßig wenig zur Kriegsdienstleistung herangezogenen Bevölkerung ein Schutzkorps aufgestellt, das am 1. August bereits 11.000 Mann zählte und der Gendarmerie angegliedert wurde. So konnte beim Beginn der Mobilisierung die Lebensader beider Länder, eine eingeleisige, obendrein nur schmalspurige Eisenbahn, verläßlich geschützt, und der Grenzschutz verstärkt werden, für den sechs Grenzjägerkompagnien, dann Finanzwach- und Gendarmerieposten zur Verfügung standen. Als deren Rückhalt wurde an der unteren Drina, wo sich der Fluß in ein Gewirr von stellenweise durchfurtbaren, oft ihr Bett wechselnden Armen teilt, die 11. GbBrig. in der Grenzbewachung alsbald durch die 13. IBrig. des

XIII. Korps unterstützt. Im Mittellauf der Drina beschränkten sich die Übergangsmöglichkeiten über das tief eingeschnittene, häufig malerische Durchbrüche bildende, reißende Gewässer auf wenige Punkte, deren Bewachung im Abschnitt Višegrad—Goražde der 7. GbBrig., bei Foča der 8. GbBrig. zufiel. Weiter südlich beließ FZM. Potiorek am 30. Juli bloß die 3. GbBrig. in Nevesin je und die 14. in den Bocche als Rückhalt für den Grenzschutz und die Sperrbefestigungen Avtovac, Bileća, Tre-binje und Cattaro. Alle anderen Truppen sollten teils mit der Eisenbahn, teils mit Fußmarsch in der Linie Kalinovik—Sarajevo—Vareš versammelt und hier mit ihren auf der Schmalspurbahn Brod—Sarajevo aus der Monarchie anrollenden Ergänzungen vereinigt werden.

Derart stand die 6. Armee möglichst früh bereit, mit dem überwiegenden Teil ihrer Streitkräfte an jener großen Offensive gegen Serbien mitzuwirken, die im „Kriegsfälle Balkan (ohne Eingreifen Rußlands)“ die 5. Armee, GdI. v. Frank, von der unteren Drina südlich der Linie Rača—Koceljeva—Lajkovac gegenValjevo und nördlich anschließend die 2. Armee, GdK. v. Böhm-Ermolli, über die Save führen sollten.

FZM. Potiorek, dem vor allem die Sicherung von BHD., dagegen die Mitwirkung am entscheidenden Angriff gegen Serbien nur allgemein „mit tunlichst starken Teilen“ übertragen war, entschied sich trotz der Erwartung des baldigen Kriegszustandes mit Montenegro, die Verteidigung der Bocche der 14. GbBrig. und der Herzegowina der 3. GbBrig. zu überlassen, mit elf Gebirgsbrigaden des XV. und XVI. Korps jedoch gegen Uzice vorzustoßen und die in Sarajevo aufmarschierende 40. HID. womöglich als Reserve folgen zu lassen, wobei der stark gehaltene Südflügel des XVI. Korps über Plevlje ausholen sollte.

Diesen Plan hielt Potiorek aber für hinfällig, als am Nachmittag des 31. der Befehl zur allgemeinen Mobilisierung eintraf, und damit auch eine erhebliche Verminderung der Balkanstreitkräfte wahrscheinlich wurde. Als nun das Eisenbahnbureau des Generalstabes die unveränderte Abwickelung des Balkanaufmarsches mit den eingangs erwähnten starken Kräften bekanntgab (S. 21), mußte FZM. Potiorek nicht mit Unrecht annehmen, daß man vorerst mit Serbien abzurechnen gedachte, ehe man sich zu entscheidenden Schlägen gegen Rußland wandte, und daß es sonach bei den bisherigen Maßnahmen bleiben konnte. Als der Feldzeugmeister lang nach den Ereignissen erfuhr, daß dem nicht so gewesen war, hielt er mit seinem Bedauern ob der Verschwiegenheit des AOK. ihm gegenüber, die übrigens fast noch eine Woche währen sollte, nicht zurück.

Die Heeresleitung und das Problem des Zweifrontenkrieges

Mit der allgemeinen Mobilisierung in Rußland sank, rein militärisch betrachtet, der Balkan zum Nebenkriegsschauplatz herab. Wohl war GdI. Conrad bisher auch für diesen Fall, weil reine Abwehr bei der Länge der zu schützenden Grenze und der Unmöglichkeit rascher Truppenverschiebungen keineswegs gute Aussichten bot, stets für ein möglichst offensives Verhalten der „Minimalgruppe Balkan“ eingetreten, doch unter der Voraussetzung, daß die Diplomatie rechtzeitig Balkanstaaten als Verbündete gegen Serbien und Montenegro gewann, wodurch die serbischen Streitkräfte auch in anderen Räumen gebunden gewesen wären.

Das war bisher noch nicht geschehen. Man hatte vielmehr Bulgarien geraten, sich ruhig zu verhalten, um Rumänien vielleicht für den Dreibund zu retten oder doch zur Neutralität zu bewegen1). Dabei mochte der Ballhausplatz hoffen, die anschlußbereiten Bulgaren im gegebenen Augenblick rasch zur Entfaltung ihrer nach den Balkankriegen „nur eingerollten Fahnen“ bringen zu können. Diese Hoffnung verblaßte, als Griechenland am 27. Juli erklärte, daß es das Eingreifen Bulgariens im Sinne seines Bundesvertrages mit Serbien als casus foederis betrachten müßte “).

Angesichts dieser ungünstigen politischen Lage entschloß sich GdI. Conrad nach Verlautbarung der allgemeinen Mobilisierung, wie ein von seiner Hand stammender Befehlsentwurf vom 1. August lehrt, zu äußerstem Maßhalten; er gedachte, nebst dem 2. Armeekmdo. mit dem IV., VII. und IX. Korps und der zur 6. Armee bestimmten 40. HID. auch das

5. Armeekmdo. mit dem VIII. Korps nach Rußland abzuberufen. Die zuletzt transportfähigen, für Serbien bestimmten Kräfte (20. HID. samt ihrer Marschbrigade und die 36. LstlBrig. der „Minimalgruppe Balkan“), wurden ebenfalls für Rußland in Aussicht genommen. Der deutsche Militärattache in Wien konnte noch am 3. August diesen Entschluß nach Berlin melden.

Inzwischen schien aber Deutschlands Eintritt in den Krieg die Aussichten auf eine günstige Entwicklung auf dem Balkan zu eröffnen. Bulgarien, das am 28. Juli seine Neutralität kundgegeben hatte 3), schlug am

2. August sogar seinen Anschluß an den Dreibund vor und verzichtete auf den Rückerwerb der Dobrudscha, falls Rumänien sich auch dem Dreibund anschloß und bulgarischen Ansprüchen auf Mazedonien nicht entgegentrat4). Am 3. August teilte der rumänische Ministerpräsident Jonel Bratianu dem k. u. k. Gesandten Ottokar Grafen Czernin den Ministerratsbeschluß mit, auf den Richtgedanken des Bukarester Friedens zu verzichten und eine bulgarische Intervention in Serbien zuzulassen5). Griechenland wollte eine Verpflichtung zur Unterstützung Serbiens gegen Österreich-Ungarn nicht anerkennen, solange Bulgarien und die Türkei neutral blieben0). Letztere hatte am 2. eine Militärkonvention mit

1j Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 (Berlin, 2. Aufl. 1927),

II, 24, 33.

2, Ebenda, I, 214.

3) Ebenda, II, 49.

*j Deutsche Dokumente, III, 143; Conrad, IV, 171.

5)    Deutsche Dokumente, IV, 49; Conrad, IV, 173.

6)    Deutsche Dokumente, IV, 44; Conrad, IV, 172.

Deutschland abgeschlossen und die allgemeine Mobilisierung verfügt1). Man durfte hoffen, Griechenland durch die Türkei zu binden.

Angesichts der von Tag zu Tag ungünstiger werdenden allgemeinen politischen Lage der Mittelmächte bedurfte es aber wohl eines anspornenden ersten Erfolges gegen Serbien, um die Bulgaren mitzureißen und die Bedenken zu überwinden, die in Sofia noch immer wegen Rumäniens vorwalteten. Um der befristeten Note an Serbien das Überraschungsmoment zu sichern, hatte man jede militärische Vorbereitung zur Besetzung Belgrads sofort nach der Kriegserklärung unterlassen2). Der Besitz der Hauptstadt wäre ein wertvolles Faustpfand für allfällige Verhandlungen mit den anderen Mächten gewesen. Nunmehr verzehrte man sich am Ballhausplatz in Ungeduld nach einem Waffenerfolg, der infolge der durchwegs minderen Leistungsfähigkeit der Eisenbahnen in Südungarn und Bosnien selbstverständlich auf sich warten lassen mußte.

In politischer Hinsicht fiel überdies noch eine andere Erwägung ins Gewicht. Eine größere Schlappe gegen das kleine Serbien war zweifellos viel verhängnisvoller als ein Mißerfolg gegen das übermächtige Zarenreich; sie untergrub das Ansehen Österreich-Ungarns in den Augen aller Welt, insbesondere aber auf dem Balkan, wo man eines Erfolges zur Werbung von Bundesgenossen so sehr bedurfte.

All dies beeinflußte die Entschlüsse Conrads. Hatte er im Geiste vorübergehend schon auf jede Offensive gegen Serbien verzichtet, so gedachte er nun doch in der Sorge ob eines etwaigen, Bulgarien und andere Balkanstaaten abschreckenden Mißerfolges an Stelle der nach Norden abgehenden Streitkräfte das IV. Korps an der Save zu belassen.

Unterdessen waren an den Grenzen längst die ersten Schüsse gefallen. In der Nacht vom 28. auf den 29. Juli hatte serbische Infanterie in Belgrad einen stromaufwärts fahrenden Schleppschiffzug beschossen. Als Artillerie aus Semlin und die Donauflottille antworteten, sprengten die Serben ungesäumt ein Feld der großen Eisenbahnbrücke. Vom 29. an bekämpften Donauflottille und Landgeschütz Befestigungsarbeiten und militärische Anlagen im Bereiche der serbischen Hauptstadt. Am vielverzweigten Unterlauf der Drina kam es zu Scharmützeln. Bei Rogačica und Bajinabašta über die Drina vorgebrochene Banden wurden verjagt.

Bedeutsamer als diese verhältnismäßig untergeordneten Kampfhandlungen waren für die weitere Entwicklung die Vorstöße, die von

x) Deutsche Dokumente, III, 167.

2) Kiszling, Die praktische Undurchführbarkeit eines Handstreiches auf Belgrad (Die Kriegsschuldfrage, Jhrg. 1927, 3. Heft).

den Serben am 3. und 4. August gegen die Bahnstationen Uvac und Rudo sowie gegen Vardište unternommen wurden. Denn diese Grenzüberschreitungen bestärkten sowohl das 6. wie das 5. Armeekmdo. in der schon gehegten Auffassung, daß der Feind von Užice und aus dem Sandžak mit erheblichen Kräften — man sprach von dreieinhalb Divisionen—in Südostbosnien einzufallen plane. FZM. Potiorek beeilte sich, zur Sicherung des Aufmarsches seiner Armee bis zum 6. August mit Bahn und Auto die 9. GbBrig. nach Višegrad, die 2. nach Goražde zu entsenden.

Auch bei der Heeresleitung in Wien, die bisher den Aufmarsch der Serben und ihre zunächst defensiven Absichten durchaus zutreffend beurteilt hatte, verfehlten die Nachrichten aus Sarajevo ihren Eindruck nicht; dieser wurde noch durch Falschmeldungen verschiedenen Ursprungs gefestigt. Da gleichzeitig am 4. alle Meldungen die Gefahr einer serbischen Offensive nach Ungarn in den Hintergrund treten ließen, schien sich die Gelegenheit zu bieten, die an der unteren Drina aufmarschierenden Truppen in einen in Südostbosnien entbrannten Abwehrkampf flankierend eingreifen zu lassen und dadurch die Möglichkeiten eines Anfangserfolges beträchtlich zu steigern. Diese Erwägungen führten dazu, statt des IV. Korps, das an der zunächst ohnedies ausreichend geschützten Save-Donau-Grenze stand, das VIII. Korps, sohin die ganze 5. Armee bei den Balkanstreitkräften zu belassen, denen nun auch die 40. HID. nicht mehr weggenommen werden sollte. Es hatten demnach die 5. und die 6. Armee mit zusammen zehn Infanteriedivisionen, drei Landsturm-und zwei Marschbrigaden auf dem Balkanschauplatz zu verbleiben, was gegenüber der ursprünglich vorgesehenen Minimalgruppe von acht Infanteriedivisionen und sechs außer Divisionsverband stehenden Brigaden eine Verstärkung von anderthalb Infanteriedivisionen bedeutete.

Am selben 4. August traf in Wien der von FZM. Potiorek für seine

6. Armee verfaßte Operationsplan ein. Wie es den vom Feldzeugmeister schon am 30. Juli aufgestellten Grundgedanken entsprach, drückte dieser Operationsplan den bestimmten Willen aus, möglichst große Teile der Armee an der Niederwerfung Serbiens mitwirken zu lassen, die Deckung der Herzegowina aber nur schwachen Verbänden zu übertragen. Die Masse der 6. Armee sollte die obere Drina in der Richtung Užice in dem Augenblick überschreiten, da die 5. Armee von der unteren Drina aus Valjevo erreichte.

Diese Vorschläge fußten noch durchwegs auf der Vorstellung, daß das AOK. erst nach einem entscheidenden Schlage gegen Serbien den

Frontwechsel gegen Rußland vollziehen und daß bis dorthin außer der 5. auch noch die 2. Armee an dem Kampf auf dem Balkan mitwirken werde. Diese Vorstellung war aber durch den Eintritt des Kriegsfalles Rußland längst überholt. Dennoch schienen die Aussichten, die der Plan Potioreks im Hinblick auf die Möglichkeit eines Erfolges längs der Linie Sarajevo—Užice bot, dem grundsätzlich auf den Angriffsgedanken eingestellten AOK. aus politischen Gründen genug verlockend zu sein, um es zur Zustimmung zu veranlassen. So wurde noch am selben Tage ein im folgenden auszugsweise wiedergegebener Befehl endgültig abgefaßt und vom Armeeoberkommandanten GdI. Erzherzog Friedrich gutgeheißen:

„Der Eintritt der Monarchie mit Deutschland in den Krieg gegen Rußland und Frankreich erfordert den Abtransport der 2. Armee auf den nordöstlichen Kriegsschauplatz. Unter dem Befehl des 6. Armeekmdos. bleiben permanent auf dem Balkankriegsschauplatz : 6. Armee mit 40. HID., 5. Armee (XIII. und VIII. Korps). In deren Verband treten überdies in Syrmien halbe 7. ID., I. und III. Bataillon FsAR Nr. 6, Sicherheitsbesatzung Peterwardein, Donauflottille, technische Truppen, im Banat 107. LstlBrig. Mindestaufgabe der Balkanstreitkräfte ist, Einbrüche in das Gebiet der Monarchie abzuwehren. Ob Vorstoß der 5. Armee über untere Drina nach erlangter Operationsbereitschaft, das ist 12. August, durchgeführt wird oder Teile der 5. Armee westlich der Drina verwendet werden, um den feindlichen Vorstoß gegen Sarajevo sogleich in der Flanke zu fassen, bleibt dem Ermessen des 6. Armeekmdos. überlassen. Erfolgreicher Schlag gegen den serbischen Vorstoß wäre von größter Bedeutung. Abtransport 2. Armee gegen Rußland beginnt voraussichtlich 18. August. Bis dahin kann lokal beschränkte Mitwirkung der 2. Armee beim AOK. beantragt werden. Save-Donau-Überschiffung ist für die 2. Armee nicht geplant. Möglichkeit vorhanden, daß Bulgarien gegen Serbien eingreift. ..“

Die Kriegsvorbereitungen der beiden serbischen

Königreiche

Serbiens Kriegsrüstiing

Der Oberbefehlshaber der Serben, Thronfolger-Prinzregent Alexander, und sein Chef des Generalstabes, Woiwode Putnik, hatten bei der Bereitstellung der Streitkräfte keine Ursache, von dem schon 1908 festgesetzten Kriegsplane abzugehen, der bis zur Klärung der politischen und militärischen Lage verteidigungsweises Verhalten vorschrieb. Serbien verfügte über 6 Infanteriedivisionen I. Aufgebotes zu je 16 Bataillonen (16 MG.), 3 Schwadronen (4 MG.), 9 Batterien (36 Geschütze), 1 Pionierhalbbataillon, 1 Brückentrain und 1 Telegraphenabteilung; 1 Kavalleriedivision mit 16 Schwadronen (16 MG.) und 2 Batterien

I 2. Aufl.    7

Geschütze); 5 Infanteriedivisionen II. Aufgebotes zu je 12 Bataillonen (12 MG.l 4 Schwadronen (4 MG.), 6 Batterien (24 Geschütze) und gleicher technischer Ausstattung wie die Divisionen I. Aufgebotes, ferner über fünf 12cm-Kanonenbatterien, acht 12 cm-Maubitzbatterien und 12 Ge-birgsbatterien zu je 4 Geschützen, ferner eine 15 cm-Mörserbatterie zu 6 Geschützen als armeeunmittelbare Artillerie. Das III. Aufgebot bestand aus 15 Infanterieregimentern zu je 4 Bataillonen, etwa 12 Schwadronen und 30 altartigen Batterien zu je 6 Geschützen. Hiezu kamen 2 überzählige Infanterieregimenter und 18 Kaderregimenter (54 Bataillone) in Neuserbien, wo noch 7 Bataillone für 5 Kaderregimenter in Aufstellung begriffen waren, schließlich ein Marschbataillon für jedes Infanterieregiment und eine Reihe von Rekrutendepots. Wieviele Kräfte zur Sicherung gegen Bulgarien und als Besatzung Neuserbiens verwendet wurden, ist aus dem serbischen Generalstabswerk nicht zu entnehmen.

Das I. Aufgebot besaß feldgraue, das II. alte, blaue Uniformen, das

III. behielt seine landesübliche Tracht; es unterschied sich, entgegen den Genfer Abmachungen, weder durch eine Armbinde noch durch ein sonstiges Abzeichen von der Zivilbevölkerung, womit sich manche der „Kriegsgreuel“ erklären, die später sowohl den Serben wie den k.u.k. Truppen zur Last gelegt wurden.

Die Ausrüstung des Feldheeres war zwar einfach, doch vollkommen zweckentsprechend, die Bewaffnung wohl nicht einheitlich, teilweise veraltet, doch bei der Artillerie ausgezeichnet. Das I. und das II. Aufgebot waren durchwegs mit Schneider-Creuzot-Schnellfeuerkanonen, das III. mit Debange-Geschützen ausgestattet, die gut bedient und reichlich mit Munition versehen waren. Rußland und Frankreich hatten helfend eingegriffen, als die Finanzen des Staates mit dem Ausbau der Wehrmacht nicht Schritt zu halten vermochten. Die technische Ausrüstung und der Train standen nicht auf der Höhe, was beim Kriege im eigenen Lande mit seinen dürftigen Kommunikationen eher ein Vorteil war, denn der genügsame Serbe brauchte wenig; Weiber und Kinder leisteten vielfach Trägerdienste, versorgten die Verwundeten und halfen sogar im Kampfe mit. Für eine größere Offensive in gegnerisches Gebiet reichten die Vorsorgen allerdings nicht aus.

National einheitlich, ein Jahrzehnt hindurch für den Krieg gegen Österreich-Ungarn fanatisiert und durch die Erfolge in den beiden Balkankriegen gehoben, reich an Kriegserfahrung, gestützt auf die hervorragenden kriegerischen Anlagen der meist ländlichen Bevölkerung, war die serbische Armee ein außergewöhnlich gutes Kriegswerkzeug, das,

wie der Ministerpräsident Pasić dem Zaren versichern konnte, eine halbe Million Streiter, etwa 10o/o der Bevölkerung, dem Gegner entgegenzustellen erlaubte1).

Ihm zur Seite stand ein vorzüglicher Apparat irregulärer Kriegführung. Beherrscht von panslawistischen Ideen, arbeiteten Regierung, politische Vereine und vor allem das Offizierskorps an der „Befreiung der unterjochten Brüder“ in den benachbarten Ländern der österreichischungarischen Monarchie, wo sie vor allem bei der griechisch-orthodoxen Geistlichkeit und in den intellektuellen Kreisen Gefolgschaft fanden. Verwegene Offiziere organisierten mit Hilfe der politischen Vereine Banden, sogenannte Komita-Abteilungen. Diesen oblag die Führung des Kleinkrieges im Anschluß an die Armeen, die Entflammung von Aufständen beim Vorstoß in gegnerisches Gebiet, wozu sie sogar Vorräte an Mannlicher-Gewehren mitführten, und die Beunruhigung der gegnerischen Posten und Etappeneinrichtungen. Beim Einbruch des Gegners in das eigene Land war, nach Ablegung aller militärischen Abzeichen, rege Tätigkeit im Rücken des gegnerischen Heeres, namentlich an seinen Verbindungen und Aneiferung der zurückgebliebenen Bevölkerung zu gleichen Taten ihre Aufgabe. Sorgsam waren Wege geheimer Verständigung vorbereitet, sogenannte „Kanäle“, um der eigenen Armee Kundschaftsnachrichten, den auswärts befindlichen Parteigängern Weisungen und Waffen zukommen lassen zu können. Besondere Terrorgruppen hatten Attentate auf höhere Kommandos durchzuführen. Die Komitas gehörten durchwegs der „Schwarzen Hand“ an, die ja auch beim Fürstenmord in Sarajevo eine Hauptrolle gespielt hatte2).

Angesichts dieser Vorbereitungen konnte die serbische Heeresleitung den kommenden Ereignissen mit um so mehr Zuversicht entgegensehen, als für die anscheinend bevorstehende Defensive der Charakter des Landes sehr vorteilhaft war. Die bedrohten Grenzen waren durch Wasserläufe geschützt, hinter denen Truppen des III. Aufgebotes gleich beim Beginn der Mobilisierung die Sicherung übernahmen. Im Innern des Landes erhebt sich in der Richtung Südost—Nordwest eine Reihe mächtiger Gebirgsstöcke. Diesen sind gegen Norden parallele, an Höhe stets abnehmende Bergrücken vorgelagert, von denen ansehnliche Höhenzüge gegen die Save und Donau abzweigen. Fast zwei Drittel des Ope!) Charakteristik des serbischen Heeres 1914, in Schön, Sabac (Reichenberg

1928)

2) W i e s n e r, Die Schuld der serbischen Regierung am Mord von Sarajevo (Kriegsschuldfrage, Heft 4/1928, 307 ff).

rationsraumes sind von Wäldern mit dichtem Unterholz bedeckt. Die Unterläufe der Zuflüsse der Save und der Donau werden von Auen begleitet. Denkt man noch der ausgedehnten Obstkulturen, so kann man sagen, daß das ganze Land mehr oder weniger dicht mit Bäumen bestanden ist. Eine Ausnahme bilden bloß die breiten Mündungsebenen der Flüsse, namentlich die fruchtbare Mačva im Drina-Save-Winkel. Dort erschweren wiederum zahlreiche dichte Hecken und der Kukuruz, der außerordentlich üppig gedeiht und im Sommer selbst einen Reiter vollkommen verdeckt, die Übersicht.

Das Land ist schütter besiedelt. Demgemäß ist auch das fast ausnahmslos aus Naturwegen bestehende Verkehrsnetz außerordentlich weitmaschig. Als Straßen sind nur die Hauptwege in den Tälern sowie einige wichtige Übergänge anzusprechen; doch auch sie werden bei längerem Regen grundlos. Eisenbahnen waren in dem Raume, der für die nächsten Kriegsereignisse in Betracht kam, überhaupt nicht vorhanden.

Zieht man noch in Erwägung, daß namentlich im Sommer auf den oft verkarsteten Oberteilen der Berge Wassermangel herrscht, so muß man zum Schlüsse kommen, daß Serbien ein außerordentlich schwieriges Kriegsgebiet darstellt, das vom Angreifer besondere organisatorische und technische Vorbereitungen verlangt. Eigentlich kamen dazu nur im Gebirgskrieg ausgebildete und hiefür ausgerüstete Truppen in Betracht. An das mitteleuropäische Manövriergelände gewohnte Heereskörper mußten mit ihrer fahrbaren Artillerie und der schwerfälligen Trainausstattung auf schier unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen. Für den mit der Eigentümlichkeit des Landes vertrauten Verteidiger hingegen erwuchsen aus der Geländegestaltung nicht unwesentliche Vorteile. Dabei waren die neuen serbischen Karten erheblich besser als die des Angreifers.

In Erwartung des gegnerischen Hauptangriffes beiderseits Belgrad und in Ausnützung der Geländegestaltung für ein verteidigungsweises Verhalten ordnete die serbische Heeresleitung die Versammlung der Hauptkraft hinter der Linie Palanka—Arangjelovac—Lazarevac an, östlich die 1. Armee, 4 Infanteriedivisionen und 1 Kavalleriedivision, westlich die 2. Armee, 4 Infanteriedivisionen; 2 Infanteriedivisionen und die Kavallerie waren als Rückhalt des Grenzschutzes an die Donau vorgeschoben. Die Deckung Nordwestserbiens fiel der nur 2 Infanteriedivisionen zählenden 3. Armee zu, die eine Division als Reserve bei Valjevo zurückzuhalten, mit der anderen jedoch und mit Truppen III. Aufgebotes die Save von der Vukodraz-Mündung aufwärts und die untere

Drina bis oberhalb Ljubovija zu sichern hatte. Endlich kam die Sperrung der Einfallslinien aus Bosnien in das obere Moravatal der „Armeegruppe Užice“ zu, die mit der Užice-Brigade den Grenzabschnitt von Rogačica bis Mokragora, mit dem Lim-Detachement den anschließenden Raum bis zur Dreiländerecke nächst dem Metalkapaß sicherte und mit einer verstärkten Infanteriedivision bei Užice aufmarschierte.

Da viele Kader aus Altserbien als Besatzungen im neueroberten Mazedonien standen, diese Gebiete in die allgemeine Heeresorganisation noch nicht eingefügt waren, und endlich für die Transporte nur eine einzige Vollbahnlinie zur Verfügung stand, konnte der Aufmarsch trotz des schon am 25. Juli, 3h nachm., erlassenen Mobilisierungsbefehles erst zwischen dem 8. und 10. August vollendet werden. Dabei mußten einzelne Einheiten noch vor Erlangung voller Kriegsbereitschaft abbefördert und mit Ergänzungen, Ausrüstung, ja selbst Waffen erst später im Aufmarschraum ausgestattet werden.

Montenegro

Montenegros greiser König Nikola wäre, nicht zuletzt aus dynastischen Gründen, geneigt gewesen, seinem von den letzten Kämpfen stark erschöpften Lande einen neuen Krieg zu ersparen. Aber die Stimmung des von Emissären aus Belgrad bearbeiteten Volkes war stärker als er, was für Österreich-Ungarn keine Überraschung bildete. Um Zeit für den Aufmarsch seiner Streitkräfte zu gewinnen, ordnete er am 26. Juli den „verstärkten Grenzschutz“, am 28. die allgemeine Mobilisierung an. Am 1. August beschloß die montenegrinische Skupschtina einstimmig die Kriegserklärung an das Donaureich33). Die montenegrinische Armee konnte trotz der Kriegstüchtigkeit nach mitteleuropäischen Begriffen kaum als Miliz gewertet werden. Die nach dem Balkankriege in Angriff genommene Neuorganisation, 6 Divisionen zu 3 Brigaden, jede zu durchschnittlich 4 Bataillonen mit 600 bis 800 Mann, war noch nicht vollendet. Insgesamt mochten zu Kriegsbeginn nicht viel über 40.000 Mann unter Waffen getreten sein. Weiters zählte das Heer etwa 100 Feld- und ebensoviele Gebirgsgeschütze; dagegen waren Maschinengewehre nur spärlich vertreten. Die Bewaffnung stammte durchwegs aus Rußland, ein Teil der Geschütze aus Italien. Einheitliche Uniform wiesen nur die Instruktionsabteilungen auf, die Ausrüstung war dürftig, so daß von der montenegrinischen Armee keine großzügigen Operationen erwartet werden konnten. Immerhin besaß sie in Anbetracht des kriegerischen Geistes ihrer Soldaten und deren Vertrautheit mit dem überaus schwierigen Gelände — im ganzen montenegrinisch-herzegowinisch-dalmatinischen Grenzgebiet schwierigster Karst — hervorragende Eignung für den auf dem Balkan so charakteristischen Bandenkleinkrieg. Abgesehen von dem günstigere Verhältnisse aufweisenden neuerworbenen Teil des Sandžaks Novipazar öffnen sich nur wenige, meist schluchtartige Ausfallspforten aus dem Lande, das mit Gebirgsstöcken bedeckt ist, die bis in die Hochregion reichen. Nur die langgestreckte Duga-Depression bei Kazanci und die breite Senkung östlich Trebinje bieten eine größere Entwicklungsmöglichkeit. Das serbische Oberkommando forderte denn auch die Versammlung von zwei Dritteln der gesamten montenegrinischen Wehrmacht bei Plevlje, von wo die Offensive gegen Sarajevo ergriffen werden sollte1).

Der den Oberbefehl führende König ging jedoch auf dieses Ansinnen nicht ein, wobei ihn die Erwägung leitete, daß Bewegung und Versorgung eines so großen Heereskörpers mit der unzulänglichen Ausrüstung auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen müßten. Ihm war es wohl auch mehr um den Schutz seines Gebietes zu tun, ferner um eine rege Unternehmungstätigkeit gegen die Bocche, deren Hafen längst die montenegrinische Begehrlichkeit lockte. So versammelten sich im Sandžak nur etwa 6000 Mann, an der Westgrenze gegen die Herzegowina etwa 15.000 Mann und gegenüber der Bocche 8000 Mann, welches Aufgebot den Schlüsselpunkt des Landes, den Lovčen, deckte, der allerdings schon deshalb ungefährdet war, weil Italien sofort seine Neutralität von der Unantastbarkeit dieses Berges abhängig machte2). Der Rest der Wehrmacht war teils noch im Innern des Landes zurückgehalten, teils sicherte er die Grenzen gegen Albanien.

Die Angriffsbefehle an die 5. und 6. Armee

Der von der Heeresleitung am 4. August beschlossene Befehl, der dem FZM. Potiorek neben seinen bisherigen Ämtern eines Armeeführers

i; Großer Generalstab, Der große Krieg Serbiens zur Befreiung und Vereinigung der Serben, Kroaten und Slowenen (Beograd 1924), I, 31 ff, in serbischer Sprache. Künftig zitiert als: Serb. Gstb. W.

2) Österreichisch-ungarisches Rotbuch. Diplomatische Aktenstücke, betreffend die Beziehungen Österreich-Ungarns zu Italien in der Zeit vom

20. Juli 1914 bis zum 23. Mai 1915 (Wien 1915), 35.

und politischen Landeschefs auch die Oberleitung der Balkanstreitkräfte übertrug, wurde noch weitere vierundzwanzig Stunden zurückgehalten und erst am 6. August, 215 früh, nach der Kriegserklärung an Rußland, nach Sarajevo abtelegraphiert. Wenn der Feldzeugmeister in der neuen „schwierigen Situation“, vor die er sich gestellt sah, verantwortungsfreudig seine „weitgehende Selbständigkeit“ begrüßte, so hatten sich für ihn doch die Grundlagen aller bisherigen Entschlüsse verschoben. Dazu kamen just auf die Stunde Meldungen über ein Anhalten der serbischen Lim-Gruppe, so daß auch von der Feindseite her eine der Vorbedingungen seiner Pläne wegfallen mochte. Andererseits freilich bezeichnete der Befehl des AOK. die Behauptung vaterländischen Bodens durch die Balkanstreitkräfte als „Mindestaufgabe“ und an einer Stelle hieß es, daß ein „erfolgreicher Schlag gegen serbischen Vorstoß ...“ von größter Bedeutung wäre. Solche Worte blieben nicht ohne Wirkung auf den entschlußfreudigen Feldzeugmeister, der denn auch sofort in Aussicht nahm, „absolut offensiv“ zu verfahren.

Am Ende lud ja die Flankenstellung in Bosnien wirklich dazu ein, den Serben auch durch eine Offensive weniger starker Kräfte den Weg auf österreichisch-ungarischen Boden zu verleiden. Potiorek hatte bei einem Friedenskriegsspiel selbst einmal Gelegenheit gehabt, die Wirkung eines solchen Flankenstoßes darzutun. Allerdings hatte er damals hiezu im Gegensatz zu dem jetzt vorbereiteten getrennten Aufmarsch alle Kräfte an der unteren Drina versammelt. Solches zu verfügen, war vielleicht auch jetzt noch möglich, wenn man den Angriffsbeginn für die

5. Armee entsprechend hinausschob. Dazu vermochte sich aber der Feldzeugmeister im Hinblick auf den bevorstehenden Abtransport der 2.Armee nicht zu entschließen, deren befristeter Anwesenheit in seinen Plänen für die nächste Zeit eine besonders wichtige Rolle zukommen sollte.

Einen Tag nach dem Einlangen des grundlegenden Befehles der Heeresleitung, am 7. August, wurde es in Südbosnien und in der Herzegowina wieder lebhafter. Teile der serbischen Uzice-Gruppe bemächtigten sich der hochaufragenden Panos-Höhe nordöstlich von Višegrad. Das serbische Lim-Detachement rückte gegen Megjegja vor, bildete auf bosnischem Boden aus Stammesgenossen eine Komita-Abteilung und führte an der Lim-Mündung regen Kleinkrieg. Die Montenegriner setzten sich auf dem Grenzpaß südöstlich von Čajnice fest, nahmen Čelebic und rückten abends in den geräumten Küstenstreifen Dalmatiens südlich der Bocche ein. Am 8. wurde der schwache Grenzschutz auf dem Kozara-Sattel nordwestlich von Čajnice von Abteilungen der k. u. k. 2. GbBrig.

aufgenommen. In der Herzegowina fielen die Montenegriner gegen Avtovac und Trebinje ein und eröffneten vom Lovčen her Artilleriefeuer gegen den Kriegshafen Cattaro. Im Vorgelände von Goražde und Foča und entlang der herzegowinischen Grenze entwickelte sich der für den Balkan kennzeichnende Bandenkrieg, in welchem sich Grenzjäger, Gendarmen, Teile des Schutzkorps und auch kleine Ausfallsabteilungen der Grenzfestungen mit den Montenegrinern herumschlugen. Überall flüchteten die Mohammedaner, sogar aus montenegrinischem Gebiet.

Diese Nachrichten waren jedoch keineswegs geeignet, das Oberkmdo. der Balkanstreitkräfte zu beunruhigen. Am Abend zuvor hatte es die Befehle zur wechselseitigen Unterstützung der 3. GbBrig. und der Festungsbesatzungen Bileća, Trebinje und Mostar erteilt und damit den Grund zur mustergültigen Verteidigung der Herzegowina gegen die Crnagorzen gelegt. Ebenso war die Linie Foča -Višegrad mit Truppen schon so ausreichend bedacht, daß ein Vordringen des Feindes über sie hinaus nicht mehr befürchtet zu werden brauchte. In einem Sinne begrüßte FZM. Potiorek geradezu die Meldungen über das Wiederaufleben der Kämpfe in diesen Räumen. Konnten sie doch ein Anzeichen dafür sein, daß der Serbe gegen Südostbosnien nun doch vielleicht Ernsteres vorhatte und damit der 6. Armee die Möglichkeit zu einem eindrucksvollen Erfolg über eine verhältnismäßig starke, aber nicht überlegene feindliche Gruppe bot.

Diese Auslegung, der das AOK. am 9. August günstige Nachrichten über die Bündnisbereitschaft Bulgariens zugesellte, gab mit den Anstoß, wenn der Feldzeugmeister die Pläne, die er als Führer der

6. Armee gefaßt hatte, nunmehr unter geänderten Verhältnissen in seinen neuen Wirkungskreis als Oberbefehlshaber der Balkanstreitkräfte überführte: räumlich getrennter Angriff der beiden Armeen, wobei die 6. erst dann austreten sollte, bis die 5. nach fünf Tagen Vormarsch durch Feindesland von der Drina bis Valjevo gelangt war. Wohl fiel hiebei gegenüber den Voraussetzungen, unter denen dieser Entschluß ursprünglich gefaßt worden war, die tätige Mitwirkung der 2. Armee weg, deren Einladung nach Norden am 18. zu beginnen hatte. Aber ihre Anwesenheit mußte doch wenigstens, erwog das Oberkmdo. der Balkanstreitkräfte, so lange wirksam sein, als der vereinzelte Vorstoß der 5. Armee andauerte. Denn die Flankenstellung der 2. Armee gegenüber der unteren Drina mochte doch so weit abwehrend wirken, daß sich die Hauptkräfte der Serben aus ihrer Mittelstellung nicht über Valjevo hinaus in den Nordostwinkel des Landes wagten und sonach die k. u. k. 5. Armee zunächst nur auf die unterlegene eigentliche Drinasicherung stoßen werde. Drohte dann noch der Rückenangriff der 6. Armee, so war es immerhin denkbar, daß die serbische Armee in eine schwierige Lage geriet.

Die Heeresleitung in Wien stand dem Plan fürs erste nun doch zweifelnd gegenüber. Nach einem am 8. August abgesandten Telegramm betrachtete sie es als wichtigste Aufgabe, den „wahrscheinlichen serbisch-montenegrinischen Vorstoß von Užice, Sandžak, Gacko auf Sarajevo“ erfolgreich zurückzuschlagen. Der Feldzeugmeister erblickte in dieser Betonung Südostbosniens nicht zu Unrecht den „versteckten Rat“, die 5. Armee näher an die östlich von Sarajevo in der Abwehr angenommene 6. Armee heranzuziehen x); aber er hielt ein so vorsichtiges Verhalten im Augenblick weder für nötig noch für wünschenswert. Um Conrad zu beruhigen, antwortete er, daß die 6. Armee am 13. August mit starkem rechtem Flügel hinter dem Drina-Abschnitt Foča—Višegrad—Bajinabašta bereitstehen werde, um tags darauf die Vorrückung gegen Plevlje und Užice aufzunehmen. Diese Meldung war insoferne verwirrend, als die Heeresleitung aus ihr entnehmen zu dürfen glaubte, daß am 14. schon die ganze 6. Armee werde vorrücken können, indes dies nur für das in den Sandžak vorstoßende XVI. Korps galt, während das XV. nicht vor dem 18. August bei Višegrad versammelt sein konnte. Immerhin begann sich das AOK. mit der Offensive in weitgetrennten Gruppen und dem vorzeitigen Vorstoß der 5. Armee an der unteren Drina zu befreunden.

Daß es trotzdem nicht unbedenklich war, den ursprünglichen Plan unter geänderten Voraussetzungen aufzunehmen, zeigte der Meinungsaustausch, der gleichzeitig darüber einsetzte, wie sich die nördlich der Save-Donau-Linie versammelten öst.-ung. Streitkräfte zur Geltung zu bringen hätten. Es war doch klar, daß untätiges Verharren oder lediglich artilleristische Betätigung den Feind nur für sehr kurze Zeit in Atem halten konnte. Damit begann sich in den Führerentschlüssen die Zwiespältigkeit der Rolle fühlbar zu machen, die der 2. Armee zugedacht war.

Dem vom FZM. Potiorek geäußerten Wunsche, doch wenigstens die in Syrmien auf marschierenden Teile der zu den Balkanstreitkräften gehörenden 7. ID. bei Šabac und Kupinovo über die Save zu entsenden, widerriet der Führer der 2. Armee, GdK. v. Böhm-Ermolli, in der Sorge, dadurch in einen Kampf südlich des Flusses hineingezogen zu werden, und auch die Heeresleitung verkündete am 7. August sofort durch den Draht: „Übergang der 2. Armee und der 7. ID. ist ganz ausgeschlossen.“

*) Daß das AOK. tatsächlich dieser Auffassung war, bewies ein vom selben Tage datierter Brief Conrads (IV, 344), der am 11. August in Sarajevo eintraf.

Auch tags darauf stimmte sie einem demonstrativen Mitwirken der 2. Armee nur insoweit zu, als es ohne Flußübergang zu erreichen war. Nun empfand aber GdK. Böhm-Ermolli die Möglichkeit, daß die 5. Armee vor den Augen der untätig zusehenden 2. einen Mißerfolg erleiden könnte, selbst so drückend, daß er am 9. der Heeresleitung gegenüber neuerlich in kaum mißzuverstehender Weise die Frage aufwarf, wie weit bei der Unterstützung der 5. Armee gegangen werden dürfe. Darauf erfolgte die Erlaubnis zur Besetzung von Serbisch-Mitrovica und Šabac, wogegen weiter östlich nur Scheinmanöver ohne tatsächliche Flußbezwingung zu unternehmen waren. Der Mitteilung über das bevorstehende Eintreffen von vierzehn für Syrmien bestimmten Landsturm- und Marschbataillonen fügte das AOK. noch ausdrücklich bei, „daß die 2. Armee keinesfalls in die Ereignisse südlich der Save-Donau hineingerissen werden dürfe“.

Inzwischen hatte das Oberkmdo. der Balkanstreitkräfte am selben 9. August an die 5. Armee die Befehle zu der für den 12. angesetzten Offensive über die untere Drina erlassen. Der Feldzeugmeister rechnete fürs erste mit einem so schwachen feindlichen Widerstand, daß er den noch uneingeübten, landfremden Truppen des GdI. Frank zutraute, innerhalb von fünf Tagen nicht nur den Flußübergang zu erzwingen, sondern in dem vielfach recht schwierigen Gelände die 100 km lange Wegstrecke bis Valjevo zu durchmessen. Auch hielt er es für erlaubt, die 42. HID., die „Domobranzen“ des FML. v. Sarkotić, gleich zu Beginn von der 5. Armee gegen das zukünftige Kampffeld der 6. abschwenken zu lassen.

Der Aufmarsch der 5. Armee wurde durch drei Zugszusammenstöße, die sich zwischen dem 4. und 10. August ereignet hatten, erheblich gestört, so daß die Transporte bis zu zwanzig Stunden Verspätung erlitten und die planmäßige Reihenfolge verworfen wurde. Wegen Verzögerung der Operationsbereitschaft, zumal weil „vier Kriegsbrückenequipagen und die 21. SchD., besonders ihre Artillerie, nur mit Gewaltleistungen an die Drina gebracht werden könnten“, bat GdI. Frank schon in der Nacht zum 10. und am folgenden Morgen aufs neue eindringlich um Verschiebung des Flußüberganges auf den 14. August. Er fand jedoch mit dem Hinweis darauf, daß der Feind nicht stark sei und daher die Division entbehrt und ohne Überanstrengung nachgezogen werden könnte, kein Gehör.

Mittlerweile hatten sich am 10. August auch die Kolonnen des XVI. Korps der 6. Armee gegen die obere Drina in Bewegung gesetzt; südlich gegen Foča die Gruppe FML. Trollmann (18. ID.) mit der 6., der 4. und der 5. GbBrig.; nördlich gegen Goražde die Gruppe GM. Gabriel mit der 1. und der 13. GbBrig.

Über die Gruppierung der Serben blieb man im Unklaren. Das 2. Armeekmdo. war der Meinung, daß südlich der Donau und der Save zwei Divisionen (DonD.I und II), bei Valjevo die DrinD.I und II standen. Die serbische Hauptkraft wurde im Raume O'orenovac-Lazarevac-Ub angenommen. Beim AOK. in Wien dagegen herrschte über die Verteilung folgende Ansicht: Bei Uvac eine, bei Užice zwei, bei Valjevo eine, an der Save und Donau je eine Division; die feindliche Hauptkraft (vier bis fünf Divisionen) im Raume Arangjelovac-Mladenovac-Palanka. Ähnlich schwankten die Bilder, die sich das 5. und das 6. Armeekmdo. machten. Die Angriffslust der serbischen Užice-Gruppe schien jedenfalls erlahmt. Fliegeraufklärung ließ keinen Einblick in die Maßnahmen des Feindes zu. Das Lim-Detachement schloß zwar am 11. Višegrad auch im Südosten ein und die auf weitem Raume verteilte 7. GbBrig. mußte, während Teile der 9. die Drinastrecke bis Ustiprača hinauf und damit auch die wichtige Bahnbrücke Megjegja sicherten, sich mit der Behauptung des engeren Brückenkopfes begnügen. Im übrigen war es augenscheinlich, daß sich Serben wie Montenegriner vor Goražde und Foča mit den bisherigen Erfolgen zufriedengaben.

Da kam am 11. früh die Aufsehen erregende Meldung über ein Vorschieben der serbischen Hauptkräfte gegen die untere Drina und die Save-Donau. Sie war falsch, genügte aber, deutlich aufzuzeigen, daß die bevorstehende Operation ohne ernsthafte Mitwirkung der k. u. k. 2. Armee doch einigermaßen in der Luft hing. Hatte F2M. Potiorek in Erkenntnis dieser Schwäche schon am 9. dem GdI. Frank gleichzeitig mit dem Angriffsbefehle für die 5. Armee brieflich mitgeteilt:

„Unser Ziel ist dermalen nicht bleibender Raumgewinn. Wir brauchen aber einen baldigen gemeinsamen, entschiedenen Ersterfolg über die Serben . .

so mochte er aus nachstehendem, vom 9. datiertem, am 11. in Sarajevo eingelangtem Briefe Conrads nicht nur eine Mahnung, sondern auch eine Aufmunterung lesen:

„Lage gipfelt darin, daß wir auf dem Balkan jetzt unter keinen Umständen einen Echec erleiden dürfen und daß ein Erfolg jetzt von allergrößtem Wert wäre, weil er die noch zögernden Staaten Bulgarien und Rumänien voraussichtlich auf unsere Seite bringen würde, ein Ziel, das ich mit allen Mitteln anstrebe, dabei vor allem dahin wirke, daß Bulgarien je eher je besser einen kräftigen Stoß über Pirot und Zajčar gegen Kra-gujevac und Arangjelovac führe . . .“ 1).

!) Conrad, IV, 358. Dieses Schreiben traf gleichzeitig mit dem S. 105, Fußnote, angeführten Briefe Conrads ein.

Doch Potiorek blieb bei seinem Entschlüsse, wobei er annahm, daß die Wirkung der 2. Armee — die Bindung der an der Save-Donau befindlichen Streitkräfte — bis zum 20., vielleicht sogar bis zum 22. August anhalten werde.

Im einzelnen ordnete der Feldzeugmeister an, daß das XV. Korps sich bis zum 17. August damit zu begnügen habe, die mittlere Drina beiderseits von Višegrad zu behaupten und die 12. GbBrig. zur Verbindung mit der 5. Armee über Srebrenica gegen Bajinabašta zu verschieben. Das XVI. Korps möge zunächst das eigene Gebiet von Čajnice und Čelebic von den Crnagorzen säubern und in weiterer Folge am 17., mit dem Südflügel über Plevlje streifend, die Lim-Strecke Priboj— Rudo erreichen, um sich tags darauf mit dem linken Flügel dem Angriff des XV. Korps gegen Užice anschließen zu können. Unter dem Eindruck der Warnung Potioreks, ja nicht zu weit südwärts auszuholen, beschloß der Befehlshaber des XVI. Korps, die 5. GbBrig. noch vor dem Austreten von der südlichen der nördlichen Kolonne zuzuteilen (S. 106). Die 8. GbBrig. hatte zum Schutz der rechten Flanke über Plevlje und Prijepolje gegen Novavaroš vorzurücken. Außerdem sollte dem Treiben der Montenegriner in der Herzegowina ein Ziel gesetzt werden, indem GM. v. Pongrácz mit seiner 3. GbBrig. am 12. August von Nevesin je gegen das vom Feinde besonders bedrängte Avtovac auszuschwärmen hatte.

An diesem 12. rechtfertigte FZM. Potiorek noch einmal dem Chef des Generalstabes gegenüber im Vollbewußtsein seiner Verantwortung das „operativ gewagte Unternehmen“, die beiden Armeen getrennt ein sehr schwieriges Kampfgelände durchmessen zu lassen, mit dem ausdrücklichen Hinweis auf die Notwendigkeit, bald einen die Bulgaren mitreißenden Erfolg zu erringen und hiezu die Gnadenfrist auszunützen, die ihm durch die Anwesenheit der 2. Armee gewährt war, und während der von den an der Save-Donau gebundenen Serben „nichts Ernstliches zu befürchten“ sei.

Angesichts besonders günstiger Nachrichten aus Bulgarien hatte nun aber beim AOK. eine zuversichtlichere Stimmung Platz gegriffen. Als GdI. Frank, um seine Meinung befragt, die Überzeugung ausdrückte, bei Valjevo jedenfalls auf drei serbische Divisionen, später aber auf überlegene Kräfte zu stoßen, bedeutete ihm die Heeresleitung, daß die Offensive der 6. Armee umso wirksamer sein werde, je mehr Feinde die

5. auf sich zöge. Anschließend daran wurde dem Vorstoß der 6. Armee als Ziel gesteckt, „den Feind niederzuwerfen und durch Stoß ins Herz seines Landes am Einbruch in die Monarchie zu verhindern“. Der Feldzeugmeister hielt es für nötig, vor allzu großen Hoffnungen zu warnen. Er erwarte sich, betonte er, von der „zunächst nur bis Valjevo—Užice beabsichtigten Offensive“ bloß die Zertrümmerung der nächsten feindlichen Gruppen; dauernder Raumgewinn sei nur dann zu erhoffen, wenn Bulgarien spätestens am 15. mobilisiere. Aber selbst in einem solchen Falle würden am 20. oder 22. die Balkanstreitkräfte wesentlich anders gruppiert werden müssen.

Der Chef des Generalstabes übernahm nun am 14. August, als an der Drina schon das erste Blut geflossen war, durch Brief und Telegramm in aller Form die volle Verantwortung für die begonnene Offensive1).

Gegenmaßnahmen der Feinde

Zur Zeit des Beginnes der Offensive warteten die Serben noch in der Aufmarschgruppierung zu. Der vom Woiwoden Putnik am 6. verfaßte „gemeinsame Operationsplan“ hatte den serbisch-montenegrinischen Streitkräften wohl die Aufgabe gestellt, möglichst starke Kräfte Österreich-Ungarns auf sich zu ziehen und von der Hauptentscheidung auf dem russischen Kriegsschauplatz fernzuhalten, sah aber zunächst noch defensives Verhalten der serbischen Hauptkräfte vor. Der Armeegruppe Užice und zwei Dritteilen der montenegrinischen Streitkräfte wurde die gemeinsame Eroberung Sarajevos zum Ziel gesteckt. Der Rest der Montenegriner sollte die Landesgrenzen gegen das in der Herzegowina vermutete XVI. Korps verteidigen. Doch gelang es dem nach Cetinje entsandten Gen. Jankovic nicht, den Einklang in gewünschter Weise herzustellen. Am 8. vermutete man gegenüber Montenegro nur mehr untergeordnete Kräfte, das XVI. Korps an der oberen, das XV. Korps an der unteren Drina, zusammen 70.000 Streiter. Nördlich der Save errech-neten die Serben 90.000 und im Banat 50.000 Kämpfer. Angesichts solcher Überlegenheit hatten sich die l.und die 2. Armee in der Linie Adžbegovac— Lajkovac, die 3. auf der Höhe Jautina und bei Kamenica zur Verteidigung einzurichten, und auch die Armeegruppe Užice erhielt wieder Befehl, vorläufig die Front Bajinabašta—Vardište zu verteidigen, zumal ein Einvernehmen mit den Montenegrinern nicht zustande gekommen war2). Allerdings erhielt der Kommandant der 2. Armee am 9. August den Auftrag, Erkundungen „für den voraussichtlichen Save-Übergang westlich der Kolubara“ vorzunehmen, was vermuten läßt, daß dem SOK. schon die ersten, wenn auch unverbürgten Nachrichten über den beabsichtigten Abtransport der 2. Armee zugekommen waren.

i) Conrad, IV, 350, 370, 372, 384ff. — 2) Serb. Gstb. W., I, 31 f und 37.

Das zuwartende Verhalten der Serben fand erst ein Ende, als am 12. die k. u. k. 5. Armee mit rund 80.000 Streitbaren die Drina überschritt. Sie mußte den bisher nordwärts gerichteten Blick der Serben zunächst ganz auf sich ziehen — da die 6. Armee ja erst einige Tage später ihre Kolonnen kampfbereit aufrücken lassen konnte; sie zählte mit der erst aufmarschierenden 40. HID., aber ohne zehneinhalb Bataillone, die bis zum Eintreffen der Landsturmbesatzungen in den festen Plätzen Zurückbleiben mußten, etwa 60.000 Streiter.

Die Kämpfe bis zum 20. August

Hiezu Beilage 8

Der Übergang der 5. Armee über die Drina (12. bis 15. August)

Gegenüber dem Aufmarschraum der k. u. k. 5. Armee herrschte jenseits der Drina unheimliche Ruhe. Die Flieger kehrten von ihren Erkundungsflügen über diesem dicht bewachsenen, sehr unübersichtlichen Raume mit spärlichen Nachrichten zurück. Immerhin vermutete man, daß sich im Raume bis Valjevo drei Divisionen befänden, deren erster zäher Widerstand auf den feldmäßig befestigten Höhen von Lješnica und Loznica zu erwarten war. Angesichts solcher Möglichkeiten sah sich GdI. Frank, nachdem seine Bitte um kurzen Aufschub des Flußüberganges nicht erhört worden war, nun doch dazu veranlaßt, die 21. SchD. schon für den 12. heranzuziehen. Die zweitägigen, ziemlich großen Marschleistungen, die dabei von der zum großen Teil eben aus dem bürgerlichen Beruf geholten Mannschaft nach viertägiger Bahnfahrt zu bewältigen waren, bildeten eine wenig ermunternde Einleitung zu den bevorstehenden Kämpfen. Nachträgliche Kenntnis der Lage gibt dem FZM. Potiorek Recht, wenn er dem GdI. Frank geraten hatte, am ersten Kampftage auf diese Division zu verzichten; denn die tatsächliche Stärke des Feindes, der die 5. Armee am 12. August auf den Höhen jenseits der Drina empfing, betrug 6 Bataillone und 16 Geschütze.

Nach den Weisungen des 5. Armeekmdos. hatte das XIII. Korps die den Eintritt ins Jadartal sperrenden Höhen östlich von Loznica zu gewinnen und zu ihrer Sicherung die Boranja planina besetzen zu lassen, indes das VIII. Korps östlich von Bijeljina die Drina überschreiten und südwärts vorstoßen sollte. Eine aus Landsturm- und Marschbataillonen gebildete Brigade unter GM. Letovsky wurde zur Verbindung mit der 2. Armee gegen Sabac ausgesandt. Mitrovica, Sabac und die Zigeunerinseln oberhalb von Belgrad sollten zur Täuschung des Feindes besetzt werden. Die 42. HID. hatte gemäß dem Befehl Potioreks zur Verbindung mit der 6. Armee an beiden Drinaufern flußaufwärts zu rücken; sie war aber von GdI. Frank angewiesen worden, nötigenfalls auch in den Kampf der 5. Armee einzugreifen.

Die Absicht, die ganze 5. Armee am 12. August in breiter Front mit sechs Kolonnen gleichzeitig über die Drina zu führen, mußte aufgegeben werden, da das Brückengerät nicht rechtzeitig zur Hand war (S. 106). Auch sonst erfüllte der erste Operationstag nur zu geringem Teile das, was man von ihm erwartet hatte.

Am äußersten Südflügel der 5. Armee gelangte die Hauptkraft der 42. HID. bei Zvornik auf das Ostufer der Drina. Bei der Masse des XIII. Korps stand die 36. ID. nach zeitlich früh vorgenommener Über-schiffung, Abwehr zweier Gegenstöße und Brückenschlag gegen Mittag schon östlich des Flusses. Der Korpskommandant hielt aber mit einem Stirnangriff zurück. Er wollte, da seine eigene Artillerie in der baumreichen Flußebene noch kein Wirkungsfeld gefunden hatte und daher auf einer ziemlich zurückliegenden Höhe westlich der Drina verblieben war, die ihm ausdrücklich zugesagte Artillerieunterstützung des VIII. Korps abwarten; zudem traten Erschwernisse ein, weil die 13. IBrig. und die

11. GbBrig. oberhalb von Loznica die Drina wegen des hohen Wasserstandes nicht durchfurten konnten und daher gleichfalls auf den Übergang der 36. ID. angewiesen waren. Die von dieser Division ausgeschickten Nachrichtenabteilungen erfuhren blutige Abweisung, die zur Vorsicht mahnte und bei der dichten Bedeckung des Geländes wohl sogar zur Überschätzung des gegenüberstehenden Feindes führte.

Beim VIII. Korps vollzog sich schon die Bereitstellung unter erheblichen Reibungen. Die serbischen Grenzschutzposten und Komitas, die sich der über den Hauptarm der Drina auf eine Insel überschifften Vorhut der 9. ID. entgegenstellten, leisteten bis Mittag zähen Widerstand, so daß das Sabac-Detachement noch Zeit fand, zwei Bataillone samt Geschütz zur Verteidigung des östlichen Flußarmes zu entsenden. Obwohl der Hauptarm zu dieser Zeit schon überbrückt war, verzögerte sich das Vordringen der Kriegsbrückenequipagen an den Ostarm bis in die Nacht, da durch den dicht verwachsenen Wald eine 2 km lange Zufahrt ausgeschlagen werden mußte. Erst als am späten Nachmittag eine Furt gefunden wurde, konnten die Serben vom Ostufer vertrieben werden. Die

18. IBrig. deckte auf dem Ostufer den nächtlichen Brückenschlag, das

Gros der 9. ID. und die Brigade GM. Letovsky nächtigten noch auf der Insel, die durch den Anmarsch hart mitgenommene 21. SchD. noch westlich der Drina. Hier schoppte sich auch der Troß zu fast unentwirrbaren Massen, aus denen schon in den nächsten achtundvierzig Stunden kaum mehr die Verpflegung für die Truppen herausgeschält werden konnte.

Mehr Glück hatten die Scheinunternehmen der 2. Armee. Die Donauflottille hatte seit dem 11. gemeinsam mit der Landartillerie die Aufmerksamkeit der Serben auf die untere Save gelenkt. Am 12. früh überschiffte die Brigade GM. Blasius v. Dáni, von Artillerie gut unterstützt, bei Klenak die Save und nahm nach leichtem Kampf Šabac. Die Reserven des Šabac-Detachements, je zwei Bataillone südöstlich und westlich der Stadt, wagten keinen Gegenangriff und wichen südwärts zurück. Die Überschiffung von sechs Bataillonen der 29. ID. bei Mitrovica und Jarak fand keinen Widerstand34).

Das SOK. änderte abends die Weisungen, die es in der Erwartung eines Einbruches von Norden zu Mittag für den Vormarsch gegen die Save erteilt hatte, wieder ab und befahl dem Führer der 3. Armee, Gen. Jurišič-šturm, je ein Infanterieregiment mit drei Batterien der DrinD.I als Verstärkung nach Šabac und Loznica zu senden, die andere halbe DrinD.I aber noch bei Valjevo zu belassen. Die 2.Armee, in deren Verband das Obrenovac-Detachement trat, hatte die ŠumD.I überKocel-jeva zum Gegenangriff nach Šabac, zwei Divisionen nach Ub zu senden, wohin auch die Kavalleriedivision einrücken sollte. Dieser Gruppe war die Aufgabe zugedacht, entweder die Ostflanke des etwa von Šabac gegen Valjevo vorgehenden Feindes anzufallen oder bei Obrenovac übergehende Kräfte aufzufangen. Die 1. Armee hatte mit drei Divisionen an Stelle der 2. Armee westwärts zu rücken. Die DonD.I südlich von Belgrad wurde der 2. Armee unterstellt. Die Uzice-Gruppe hatte, um den Feind an der oberen Drina zu binden, ehestens mit ihrem Vorstoß gegen Višegrad zu beginnen.

Auch am 13. August wurde das Vorgehen der k. u. k. 5. Armee durch mehrfache Widrigkeiten gehemmt. Erst gegen Morgengrauen wurde die Brücke des VIII. Korps fertig. Dieses nahm aus Besorgnis vor Überraschungen in dem höchst unübersichtlichen Gebiet und in Erwartung kräftigen Widerstandes unmittelbar nach der Flußbezwingung auf den Höhen östlich von Lješnica, deren starke Befestigung ein Flieger gemeldet hatte, eine zeitraubende Gefechtsgruppierung an. Die erst gegen 2h nachm. begonnene Vorrückung wurde durch Wassergräben, Hecken und die im mannshohen Kukuruz immer wieder auftauchenden Komitas verzögert. Wassermangel wirkte bei der drückenden Hitze erschlaffend, und abends war von den todmüden, unzulänglich verpflegten Truppen erst der Fuß der Höhen bei Lješnica erreicht, die das VIII. Korps auf Befehl des 5. Armeekmdos. längst hätte ersteigen sollen, um „den hierauf beginnenden Angriff des XIII. Korps durch Artillerieflankenfeuer zu unterstützen“. Diese Regelung des Zusammenwirkens führte dazu, daß das angriffsbereite XIII.Korps den 13. zuwartend verbrachte. Die 42.HID. erreichte, mit der Hauptkraft auf dem östlichen Ufer vordringend, die Drinjacamündung.

Die 29. ID. der 2. Armee hatte südlich der Save nur zwei Bataillone in Mitrovica belassen. Dáni, dem drei Marschbataillone zukamen, ließ den Südrand von Šabac befestigen und trat unter Befehl des IX. Korps-kmdos., dem das 2. Armeekmdo. die Aufgabe stellte, „Šabac unter allen Umständen zu halten“. Als „Besatzung von Šabac“ nach dem Abgehen der 2. Armee hatte das 5. Armeekmdo. eine zehn Bataillone starke Landsturmgruppe unter GM. Letovsky bestimmt, die gleich allen nördlich der Save zurückbleibenden Truppen und der Donauflottille unter den einheitlichen Befehl des Kommandanten des 7. ID., FML. Frh. v. Lütgendorf, treten sollte. Dieser erhielt am 13. Befehl, sofort ein Infanterieregiment und drei Batterien der 7. ID. von Semlin nach Šabac zu senden, um dem Landsturm Letovskys einen festen Kern zu geben und ihn womöglich zum Eingreifen in den Kampf der 5. Armee zu befähigen.

Der Stillstand an der ganzen Front gab den von Valjevo anrückenden serbischen Verstärkungen Zeit, sich mit den Gruppen vor Šabac und Loznica zu vereinigen. Jene wurde von Gen. Jurišič-šturm angewiesen, am 14. Šabac wiederzuerobern. Seinem Antrag, mit der Hauptkraft der DrinD.I von Valjevo gegen Loznica abrücken zu dürfen, stimmte der Woiwode Putnik zu, da die Schwäche der Besatzung von Šabac, der dort vermißte Brückenschlag und die bloße Kanonade an der Stromlinie im Zusammenhang mit schon früher aufgetauchten Gerüchten über Kräfteverschiebungen gegen Rußland auf die mangelnde Angriffsabsicht der in Syrmien aufmarschierenden Kräfte hinwiesen. Zur Wiedereroberung von Šabac wurde daher die bis Draginje gelangte ŠumD.I als ausreichend erachtet.

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I 2. Aufl.

Am Morgen des 14. August warf wohl FML. v. Scheuchenstuel mit der 9. ID. das Lješnica-Detachement von den Höhen nordöstlich Lješnica; doch die 21. SchD. kam, durch Komitas arg belästigt, links von jener nur langsam den schwer ersteigbaren Hang der Cer planina hinauf. Gegen Mittag war eine Artilleriewirkung zugunsten des XIII. Korps wohl noch nicht möglich, doch befahl der zu GdI. Freih. v. Rhemen vorgefahrene Armeekommandant auf Grund persönlichen Augenscheines um llhvorm. den ungesäumten Angriff des XIII.Korps. Am rechten Flügel konnte die Artillerie vom Westufer aus der gegen die Höhen südöstlich Loznica angesetzten 11. GbBrig. den Weg bahnen. Der nicht so gut unterstützbaren 36. ID. und der ihr zu Hilfe eilenden 13. IBrig. leistete jedoch der serbische Nordflügel, kräftige Gegenstöße führend, zähesten Widerstand, der in verlustvollem Handgemenge erst abends gebrochen werden konnte. Die Serben wichen unter Einbuße einiger Geschütze gegen Jarebice zurück, wo sie von dem eben eingetroffenen Gros der DrinD.I aufgenommen wurden und unverzüglich an die Befestigung der neuen Stellung schritten.

Die serbische Sabac-Gruppe war indes vormittags von Osten und Süden zum Angriff auf Sabac vorgegangen und kam erst nahe vor dem Stadtrand zum Stehen. Zum Glück für den Verteidiger brachte die mit ihren Spitzen schon gegen Mittag südlich von Sabac eingetroffene ŠumD. I bloß zwei Bataillone und drei Batterien ins Gefecht, und es gelang dank dem sehr zweckmäßigen Eingreifen der von Westen angerückten Brigade GM. Letovsky, den Feind noch in Schach zu halten, wobei auch die Savemonitoren verdienstvoll mitwirkten.

Nebst der Ermüdung der Truppen durch den Gewaltmarsch hatte auch die Besorgnis um die Westflanke die SumD.I von dem beabsichtigten kräftigen, links umfassenden Eingreifen abgehalten. Vor Mitternacht befahl der Divisionär vorläufiges Festhalten der Höhen nächst Varna. Hieher nahmen die Serben auch die im Gefecht stehenden Truppen der 3. Armee zurück, die das Armeekmdo. schon dringend verlangt hatte.

Die Bedrängnis der Verteidiger von Sabac hatte die Befehlsstellen nördlich der Save alarmiert, Verstärkungen wurden in Bewegung gesetzt und das 2. Armeekmdo. verfügte endlich die Vereinigung der 29. ID. in Sabac, wo im Laufe des nächsten Tages auch die Gruppe der 7. ID. von Semlin her eintreffen konnte.

Die serbische Heeresleitung war am Vortag sowohl vom Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch als auch von Frankreich zu energischer

Offensive gedrängt worden1). Der Thronfolger antwortete ausweichend, daß der Vormarsch gegen den Feind bei Šabac—Loznica ohnedies bereits angeordnet worden sei, woraus sich vermutlich eine allgemeine Offensive entwickeln dürfte. Im gleichzeitigen Depeschen Wechsel zwischen der russischen und der serbischen Regierung machte letztere eine Offensive gegen Slavonien und Syrmien vom Eintreffen der zugesagten 1000 Meter Pontonbrückengerät abhängig, außerdem verwies sie auf den in einer Woche reifenden Vorstoß über Višegrad nach Bosnien. Auch die von Rußland zugesagten Gewehre wurden von den Serben mit Ungeduld erwartet, um 120.000 Mann aus den Lagern dem Gegner entgegenführen zu können.

Vielleicht mehr als dieses Drängen der Verbündeten trugen die Ereignisse bei Sabac, wo der Gegner nun eine Brücke geschlagen zu haben schien, dazu bei, daß das serbische Oberkmdo. dem Führer der 2. Armee um 7hnachm. befahl: „Versammeln Sie sogleich alle Ihre Truppen am Dobravabach, nehmen Sie Šabac2)!“ Auf Grund der nachts über die Ereignisse bei Loznica einlaufenden Meldungen kam Woiwode Putnik trotz übertriebener Meldungen über die Stärke des in der Mačva aufgetauchten Gegners jedoch zu dem richtigen Schluß, daß der Gegner mit seiner Hauptkraft durch das Jadartal nach Valjevo vorzustoßen beabsichtige, bei Šabac aber nur eine Nebenoperation plane und noch weiter flußabwärts nur demonstriere. Diese zutreffende Erkenntnis der gegnerischen Absichten zeitigte den Entschluß, die Hauptkraft gegen den über die Drina eingebrochenen Feind zu wenden. Hiezu wies ein am

15. August nach 3hfrüh ausgegebener, abändernder Befehl die 2. Armee an, nur die ŠumD.I Šabac angreifen oder doch diesen Manövrierpunkt durch Verteidigung der südlichen Höhen abriegeln zu lassen. Die KombD. und die MorD.I hingegen waren im Gewaltmarsch über Koceljeva derart vorzuführen, daß sie dem Gegner im Jadartale in die linke Flanke fallen konnten. Die Kavalleriedivision sollte die Verbindung zwischen beiden Gruppen hersteilen und die Mačva aufklären. Gen. Jurišič-šturm wurde beauftragt, dem Gegner frontal entgegenzutreten. Endlich wurde dem Kommandanten der 1. Armee, Gen. Petar Bojovic, die Nordfront unterstellt, als deren Reserve die MorD.II bei Ub Aufstellung zu nehmen hatte. Die TimD.I und II wurden als Reserve der Heeresleitung nach Valjevo beordert3).

1)    Serb. Gstb. W., I, 62.

2)    Ebenda, I, 76.

3)    Ebenda, I, 80.

Gemäß dem Wortlaut des der serbischen 2. Armee erteilten Befehles, aber nicht im Sinne des SOK., wurde die ŠumD.I am 15. August früh von den Höhen südlich Šabac hinter die Dobrava zurückgenommen, wo sie sich verschanzte.

Diese Zurückhaltung der Serben ermöglichte ihren Gegnern die Versammlung der in anstrengenden Märschen nach Šabac heraneilenden Verstärkungen und endlich auch den Brückenschlag, der am Vortag wegen Artilleriefeuer hatte aufgegeben werden müssen. GdI. v. Hortstein formierte aus der halben 7. ID. und der 29. ID. durch Zuteilung der Landsturm- und Marschbataillone des GM. Letovsky zwei Divisionen mit neuer Zusammensetzung.

Das 5. Armeekmdo. erwartete den Entscheidungskampf erst auf den Höhen westlich von Valjevo vor der von den Serben zur Verteidigung beiderseits Kamenica vorbereiteten Stellung. Man hoffte somit, am

15. August die von Šabac nach Krupanj führende Straße ohne wesentlichen Widerstand erreichen zu können. Die 11. GbBrig. und die 13. IBrig. sollten nach Krupanj, die 36. ID. nach Zavlaka, die 9. ID. nach Tekeriš gelangen, die 21. SchD. mit der Hauptkolonne über die Cer planina bis an die genannte Straße, mit der linken Kolonne nach Desić vorrücken. Nun mußte aber das XIII. Korps nach dem harten Kampf des Vortages die Verbände ordnen und auch Schießbedarf und Verpflegung heranziehen, was jedoch dadurch verzögert wurde, daß Komitas am Vorabend beim Troß Verwirrung hervorgerufen hatten. Der Vormarsch konnte erst nachmittags angetreten werden. Die 36. ID. vermochte sich infolge eines schweren Unwetters, das den Eintritt der Finsternis beschleunigte, nur bis an die Stellungen der serbischen 3. Armee heranzuschieben. Die beiden selbständigen Brigaden waren wegen späten Befehlsempfanges über die Abzweigung der Straße nach Krupanj nicht hinausgekommen 1). Indessen hatte aber der im Drinatal mit der 42. HID. gegen Ljubovija marschierende FML. Sarkotić erfahren, daß vor der Front des XV. Korps Ruhe herrschte, hingegen in Krupanj eine feindliche Abteilung — es waren die Komitas des in den Mord von Sarajevo verwickelten Mjr. Tankosić — stand. Er überließ nun dem GM. v. Ištvanovič mit zwei Bataillonen und zwei Batterien die Bekämpfung des serbischen Grenzschutzes bei Ljubovija, während er mit der Hauptkraft unter kleinen Scharmützeln bis zum 15. abends die Höhen südwestlich von Krupanj erreichte.

Bei der 9. ID. verzögerten kleine Gefechte gegen das Ljesnica-De-

i) Bewaffnete Zivilisten hatten den Befehlsüberbringer angefallen; Gewitter schloß den Telephongebrauch aus.

tachement, Brückeneinbrüche und ermattende Hitze den Vormarsch derart, daß die Vorhut spät nachts eine Stunde vor Tekeriš Halt machen mußte. Am schlechtesten war die bereits in den Vortagen schwer hergenommene 21. SchD. daran. Sie sandte drei Regimenter über die Cer planina, deren dichtbewaldeter, wasserloser Kamm die Kolonne zum Einzelabfallen zwang. Unter ständiger Belästigung durch die ortskundigen Komitas, und gegen Abend überrascht durch den Wolkenbruch, kam die Vorhut bis zum Einbruch der Dunkelheit nur bis auf 7 km an das Marschziel, die Šabacer Straße, heran. Eingedenk der am Vortag vom Korpskmdo. wegen Abbleibens von den zugewiesenen Zielen geforderten Rechtfertigung, ließ FML. Przyborski den Marsch fortsetzen. Erst vor Mitternacht ging die Kolonne, aufgelöst in einzelne Gruppen, zur Nachtruhe über. Bei der nördlichen Kolonne mußte ein Bataillon zum Schutz des großen Divisionstrains gegen Anschläge der Komitas und der Bevölkerung in dem unübersichtlichen, meist mit hohem Mais bestandenen Gelände verwendet werden. Die anderen beiden Bataillone stellten eigentlich nur eine Bedeckung der sieben Batterien dar. Immerhin erreichte die Kolonne unter Geplänkel mit Komitas mit der Spitze ihr Marschziel.

War die 5. Armee auch nicht so weit gekommen, als man erhofft hatte, so bestand kein Anlaß, ihre augenblickliche Lage ungünstig zu beurteilen. Der bei Jarebice festgestellten serbischen 3. Armee schien angesichts der beiderseitigen Überflügelung nichts übrig zu bleiben als der Rückzug auf die Hauptstellung. Daher wurden der k. u. k. 5. Armee für den 16. an der Straße Šabac—Osečina liegende Marschziele vorgeschrieben.

In der Erkenntnis der beim weiteren Vormarsch besonders dem Nordflügel der 5. Armee drohenden Gefahren hatte GdI. Frank aber sowohl beim FZM. Potiorek als auch beim AOK. die „weitgehende Teilnahme der 2. Armee bei der Offensive zur Niederwerfung Serbiens“ beantragt, da ihre schwachen Demonstrationen den Zweck, die Bindung des Feindes, nicht erfüllten. Tatsächlich hatte die über Aufforderung des FZM. Potiorek am 15. August erfolgte lebhafte Beschießung von Belgrad und Obrenovac die serbische Heeresleitung wohl veranlaßt, ihre Hauptreserve, dieTimD.I und II, auf dem Marsch nach Valjevo beiLazarevac wieder anzuhalten. Dem Gegenstoß ihrer 2. Armee ließ sie aber freie Bahn.

Die vom GdI. Frank am 15. nachmittags erstattete Meldung erweckte bei beiden Empfangsstellen große Nachdenklichkeit. Angesichts der scheinbar geringen Tätigkeit der serbischen Armeegruppe Užice, die tatsächlich hinter den deckenden Höhen östlich von Višegrad erst drei Regimenter vorsichtig gruppiert hatte und nur mit dem Lim-

Detachement von Rudo beiderseits des Lim flußabwärts vorgerückt war, beschloß FZM. Potiorek, der 5. Armee die Sorge um den Südflügel abzunehmen, und beauftragte den FML. Ritt. v. Eisler, der mit der 12. GbBrig. eben den Raum südöstlich von Srebrenica von Komitas säuberte, am 16. nach Ljubovija zur 5. Armee abzurücken. An die 2. Armee richtete der Feldzeugmeister die Aufforderung zu ungesäumtem, energischem Einsatz möglichst starker Kräfte bei Šabac und Kupinovo.

In einen schweren Zwiespalt sah sich das AOK. in Wien durch die Meldung des GdI. Frank versetzt. Dem bösen Eindruck, den ein Mißerfolg in aller Welt machen mußte, stand die Gefahr gegenüber, daß die 2. Armee in die Kämpfe hineingezogen und am rechtzeitigen Abgehen nach Galizien verhindert werden konnte. So entstand ein Kompromiß. Nachmittags wurde an das 2. Armeekmdo. telegraphiert, daß die 10. KD., die 23. HID. und das VII. Korps unter allen Umständen abzuschieben seien, was die stillschweigende Erlaubnis in sich zu schließen schien, die 29. ID. und das IV. Korps zur Entlastung der 5. Armee einzusetzen. Gegen Abend wurde dem GdK. Böhm-Ermolli noch aufgetragen, er möge ermessen, was mit Rücksicht auf die Abgangszeiten zur Unterstützung der

5. Armee geschehen könnte. Dabei wurde in einem Nachsatz freilich einschränkend vor allem auf die Möglichkeit artilleristischer Mitwirkung vom Nordufer der Save aus hingewiesen.

GdK. Böhm-Ermolli glaubte denn auch zunächst, mit dem für den

16. August angeordneten Vorstoß der 29. und der 7. ID. sowie mit der Besetzung der Zigeunerinsel durch Abteilungen der letzteren das unter den Umständen noch Verantwortbare getan zu haben. Die 62. IBrig. konnte beim Vorstoß aus Šabac deshalb nicht mehr mittun, weil sie am

16. abends bei Klenak zum Abtransport bereitzustehen hatte, zu dessen Einleitung die Masse des IV. Korps schon am 14. in den Raum südöstlich von Ruma zurückgegangen war.

Am Südflügel der 5. Armee wollte GdI. Frank die anrückende

12. GbBrig. mit der 11. und der 13. IBrig. zu einer 48. ID. unter FML. Eisler zusammenfassen, um sie über Pecka gegen Valjevo anzusetzen. Diese Richtung war für den Feind in der Tat so empfindlich, daß ihn schon das Auftreten der 42. HID. veranlaßt hatte, mangels anderer Kräfte trotz des unmittelbar bevorstehenden Waffenganges von Jarebice zweieinhalb Bataillone mit einer Gebirgsbatterie als Verstärkung der Komitas nach Krupanj zu werfen35).

Die Offensive gegen die Montenegriner (14. bis 17. August)

Das XVI. Korps hatte am 13. August zunächst die noch auf Friedensstand befindlichen Truppen der 2. GbBrig. auf dem Kozara-Sattel von der 1. GbBrig. ablösen und die 6. GbBrig. den Nordteil der Stellungen der 8. GbBrig. östlich Foča übernehmen lassen. Überschätzung der Montenegriner im regulären Kampf und infolgedessen die Absicht, das Anschließen der noch weit hinten befindlichen Teile der Kolonnen Gabriel und Trollmann abzuwarten, ließen den 14. mit der Bereitstellung in einer breiteren Gruppierung vergehen (S. 106).

Der montenegrinische Gen. Vojnic hatte je eine Brigade seiner Plevlje-Division nach Čajnice und Čelebic vorgeschoben, die Reserve um Boljanić im montenegrinischen Sandžakteil zurückgehalten. Dem am 15. in breiter Front angesetzten Angriff der Kolonne Gabriel gegen Čajnice (13. GbBrig. im Tale, 1. GbBrig. rechts, 2. GbBrig. links über die Höhen) leisteten die Montenegriner nur geringen Widerstand. Sie begnügten sich mit der Feuerabgabe auf große Distanz und wichen, wenn ihnen die Angreifer zu Leibe zu gehen drohten. Schwerer machten sie es der Kolonne Trollmann, deren linker Flügel, 6. GbBrig., übrigens mit außerordentlichen Geländeschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Čelebic schienen die Montenegriner standhaft verteidigen zu wollen. Ihre Gegenstöße vermochte die 8. GbBrig. nur mit Mühe abzuweisen. FZM. Wurm befahl deshalb, mit dem Angriff auf den Ort bis zum umfassenden Eingreifen der 6. GbBrig. zu warten.

Am 16. früh waren aber die Montenegriner aus dem in Brand gesteckten Orte verschwunden. Sie suchten der Kolonne Gabriel den Zugang zum Metalkasattel streitig zu machen. Die 13. und die 1. GbBrig. traten in den Kampf, in den schließlich auch die dem Südflügel nachgerückte 4. GbBrig. eingriff. Wieder waren es mehr die Geländeschwierigkeiten als die feindliche Gegenwehr, die die Entscheidung bis zum Nachmittag hinausschoben. Nun war auch dieser Teil des eigenen Gebietes vom Feind gesäubert, der sich vornehmlich durch Überfälle auf einzelne Leute und kleine Patrouillen sowie auf Trains unangenehm fühlbar gemacht hatte.

Am 17. wandten sich die 1. und die 4. GbBrig. des GM. Gabriel im Verein mit der 6. GbBrig. unter Leitung des FML. Trollmann gegen Boljanić, die 2. und die 13. GbBrig. gegen die den Montenegrinern zu Hilfe geeilten Teile des Lim-Detachements, die sich mit ihren Bundesgenossen nicht mehr zu vereinigen vermochten. Nach unbedeutenden Kämpfen auf dem Grenzkamm wurden beide feindlichen Gruppen zum Rückzug genötigt, die Montenegriner gegen Prijepolje, die Serben gegen den Lim. Sie ließen jedoch ihre Komitas zurück, die den Feldwachen zusetzten. Ein serbischer Anschlag auf die Drinabrücke bei Ustiprača scheiterte.

Während der Kämpfe war die Weisung des XVI. Korpskmdos. zur Linksschwenkung gegen den Lim eingelangt; nur die 8. GbBrig. hatte den Montenegrinern auf den Fersen zu bleiben. Sie gelangte, durch eine montenegrinische Nachhut beim Überschreiten einer tiefen Felsenschlucht lange Zeit aufgehalten, nicht weit über Čelebic hinaus, so daß die Plevlje-Division ihren Rückzug ohne störende gegnerische Einwirkung unauf-gehalten durchführen konnte.

Auch in der Herzegowina wurden dem Treiben der Montenegriner in den Grenzgebieten Schranken gesetzt. Die 3. GbBrig., GM. Pongrácz, warf östlich Avtovac die 7. und die 9. montenegrinische Brig. am 14. und

15. über die Grenze zurück und stieß am 17. dem inzwischen verstärkten Feinde erfolgreich in sein eigenes Gebiet nach, um nach diesem glücklichen Streifzuge nach Gacko zurückzukehren. Die Besatzung der Festung Bileća, deren Ostfront vom 15. an bombardiert wurde, machte sich in wechselvollen Kämpfen Luft, und GM. Snjarić, der am 12. das k. k. LstlR. 9 nach Trebinje gebracht hatte, vermochte im Vereine mit Teilen der 14. GbBrig. aus den Bocche den Grenzraum zwischen Bileća und Trebinje bis 17. August vom Feinde zu säubern.

Untergang der „Zenta“

Durch den Eintritt Montenegros in den Krieg fand auch die in den Bocche stationierte Flottenabteilung Gelegenheit zu kriegerischer Betätigung. Die Kreuzer „Kaiser Karl VI.“, „Szigetvár“ und „Zenta“ beschossen die montenegrinischen Befestigungen und zerstörten die Radiostation in Antivari. Um der Entente den Weg für Waffentransporte nach Montenegro freizumachen, erschien am 16. August die durch einige britische Einheiten verstärkte französische Mittelmeerflotte in den Gewässern von Antivari. Es gelang ihr, der „Zenta“ die Rückkehr in die Bocche zu verlegen. Die „Zenta“, bloß gegen Steilfeuer einigermaßen geschützt, stellte sich, kämpfte und sank, hundertfach getroffen, mit wehender Flagge unter. Nur 151 Mann retteten sich schwimmend an die montenegrinische Küste. Vergeblich versuchte die französische Flotte am 21. August und am 1. September, in die Bocche einzudringen.

Noch vor diesen Kämpfen war am 7. August das in Pola versammelte Gros der öst.-ung. Kriegsflotte mit südlichem Kurs ausgefahren, um gegebenenfalls die vom Feinde verfolgten deutschen Kreuzer „Breslau“ und „Goeben“ aufzunehmen. Als diese beiden Schiffe sich jedoch gegen Konstantinopel wandten, kehrte Admiral Haus mit seinen zwei Geschwadern am 8. wieder in den Hauptkriegshafen zurück. Der Einladung des deutschen Admiralstabes, mit der ganzen öst.-ung. Flotte ins Schwarze Meer vorzustoßen, mochte Haus im Hinblick auf die zwingende Notwendigkeit, angesichts der zweifelhaften Haltung Italiens der Monarchie ihr wichtigstes Werkzeug zur Küstenverteidigung zu erhalten, nicht Folge zu geben.

Die Schlacht am Jadar (16. bis 19. August)

Unter Überwindung großer Schwierigkeiten war die serbische KombD. am 15. August nach Tekeriš herangehastet. Nach der Weisung des Armeekommandanten, Gen. Štepanovič, hatte mindestens ein Regiment die Ruinenhöhen auf der Cer planina beiderseits A 706 zu nehmen, „weil von ihrem Besitz das Gelingen der Operation abhängt“. Es war tiefe Nacht, als die Vorhut Tekeriš erreichte. Lärm und Lichter der vom Cer-Rücken absteigenden 21. SchD. verrieten Feindesnähe. Trotz großer Ermüdung der Truppen überfielen nach und nach zwei serbische Regimenter die nächst der Straße lagernde, mangelhaft gesicherte Vorhut der böhmischen Division. Die Schützen wehrten sich bis in die Morgenstunden wacker gegen die doppelte serbische Übermacht, der in dem Wirrwarr des Nachtgefechtes Rückschläge nicht erspart blieben. Als jedoch am

16. August bei Tagesgrauen ein drittes serbisches Regiment und die feindliche Artillerie eingriffen, wurde die Vorhut der Schützen zersprengt; ein böser Auftakt zu der am 16. August an der ganzen Front der 5. Armee entbrennenden Schlacht.

Das Blatt wendete sich bei Tageslicht aber bald. Die Hauptkolonne der 21. SchD., voran das Egerländer SchR. 6, trat in den Kampf, und die 9. ID. brachte ihr die bisher entbehrte Artillerieunterstützung. Als das IR. 102 der 9. ID. vormittags gegen Tekeriš schneidig angriff, wich die erschöpfte KombD. der Serben vom Kampffeld. Ein Geschütz blieb auf diesem zurück. Der Versuch der vom Artilleriebrigadier Obst. Hinke geführten linken Kolonne der 21. SchD., in das Gefecht der Hauptkraft einzugreifen, war durch einen überraschenden Rücken- und Flankenangriff zweier Kavallerieregimenter vereitelt worden. Ein Bataillon wurde zersprengt, zwei Batterien gingen verloren. Der Rest der nördlichen Kolonne — ein Bataillon mit fünf Batterien — widerstand Teilen der serbischen Kavalleriedivision und einem Regiment der ŠumD.I bis zum Nachmittag, dann mußte wegen beiderseitiger Überflügelungsgefahr der Rückzug in den Raum von Lipolist angetreten werden.

Der Feind verfolgte nur mit einem Kavallerieregiment, da seine Hauptkraft vom Angriff der Šabacer Gruppe des GdI. Hortstein abgelenkt wurde. Die auf den Höhen von Mišar zurückgelassenen serbischen Posten hatten in dem unübersichtlichen Gelände die Besetzung dieser Stellung vorzutäuschen vermocht. Unter solchem Eindrücke entschloß sich GdI. Hortstein, die 7. ID. am Südrande von Šabac solange zurückzuhalten, bis die zur westlichen Umfassung angesetzte 29. ID. die feindliche Flanke anfiel. Vom nördlichen Saveufer sollten neun Batterien den Angriff unterstützen.

Die ŠumD.I hatte indessen auf die Meldung vom Anmarsch einer starken Kolonne gegen die linke Flanke um 8h früh den Vormarsch gegen Šabac eingestellt, nur ein Infanterieregiment und zwei Batterien nördlich Zablace belassen, die Masse aber in den Raum südlich von Varna zurückbefohlen, um sie dem neuen Gegner entgegenzustellen. So wurde der sich zu Mittag aussprechende Angriff des IX. Korps ein Luftstoß. Die Misar-Hönen wurden von der 7. ID. kampflos erstiegen, die 58. IBrig. erreichte von Westen her gleichfalls unangefochten Jevremovac, die rechte Kolonne der 29. ID. aber geriet nach dem Durchschreiten von Dobrić in überraschendes Flankenfeuer von fünf serbischen Kompagnien und sah sich auch vom Gros der Kavalleriedivision angefallen. Voll Angriffsdrang warfen sich die Truppen der 57. IBrig. dem Feind entgegen. Die jede Sicht vereitelnde Bodenbedeckung und die vielen Hecken verhinderten eine planmäßige Gefechtsleitung und führten sicherlich auch zur gegenseitigen Beschießung eigener Truppen. Die bald sehr großen Verluste ließen den gegenüberstehenden Feind überschätzen. Im Glauben, einen größeren Verband aller Waffen auf sich gezogen und damit den Zweck der Demonstration erreicht zu haben, erteilte der Divisionär FML. Graf Zedtwitz der 57. IBrig. gegen 5h nachm. den Befehl zum Rückzug nach Šabac, wobei die Erwägung mitspielte, daß die Abfahrt nahe bevorstand. Die zur Unterstützung bis an die Tiefenlinie von Varna vorgeprellte 58. IBrig. ging nachts zum Anschluß an die

7. ID. gegen Jevremovac zurück. Die 62. IBrig. war als Besetzung in Šabac verblieben.

Der Vorstoß aus Šabac blieb zwar ohne tiefgehenden Einfluß auf den Gang der großen Schlacht, wohl aber hatte er die nördliche Kolonne der 21. SchD. vor Vernichtung bewahrt.

Die k. u. k. 9. ID. vermochte weder den Erfolg gegen die KombD. auszunützen, die nach außerordentlich schweren Verlusten etwa 4 km weit zurückgewichen war, noch der serbischen 3. Armee bei Jarebice in die Nordflanke zu fallen, weil sie sich alsbald dem frontalen und südlich umfassenden Angriff der mittlerweile auf das Gefechtsfeld gelangten MorD.I ausgesetzt sah. Nach erbittertem Ringen, zumal am Südflügel, kam der Kampf bis abends zum Stehen.

Die 36. ID. des XIII. Korps konnte mit ihren Stirnangriffen gegen die von den beiden Drinadivisionen verteidigten Stellungen bei Jarebice nicht durchdringen. Erfolgreicher war der Kampf am Südflügel bei Krupanj. Im Verein mit der 13. IBrig. warf FML. Sarkotić die sich dort entgegenstellenden und tapfer bis zum Bajonettkampf ausharrenden Serben gegen Zavlaka zurück. Die 11. GbBrig. war nach sehr beschwerlichem, aber unbehelligtem Marsch über den Boranja-Rücken erst auf der Jagodnja westlich Krupanj eingetroffen. GM. Istvanovic säuberte die Gegend von Ljubovija von serbischem Grenzschutz und sicherte die dort eingetroffene 12. GbBrig. gegen Pecka.

Während hier eine erfolgversprechende Lage geschaffen wurde, machte sich auf der so wichtigen Cer planina die schwere Erschütterung der 21. SchD. unheilvoll geltend. Nach dem Rückzug der serbischen KombD. wurden auch die Schützen wegen nördlicher Flankenbedrohung auf die Ruinenhöhe zurückgenommen.Während GM. Panesch hier 20 Kompagnien verschiedener Regimenter sammelte, die mit 400 Schwerverwundeten belastet waren, begab sich FML. Przyborski, durch die aufregenden Kampfereignisse seelisch erschüttert, nach der Zersprengung der Vorhut zum 9. ID.- und zum VIII. Korpskmdo. Nach seiner düsteren Schilderung der Ereignisse meldete nachmittags auch GM. Panesch die Unmöglichkeit weiteren Verbleibens auf der Cer planina. Um wieder zu den seit dem 13. abgebliebenen Fahrküchen und zu Wasser zu kommen, werde er, „wenn nicht besondere Umstände eintreten, heute nach Petkovica (4 km südwestlich Lipolist) zurückmarschieren“. Das VIII. Korpskmdo. mußte mangels einer Telephonverbindung mit dem baldigen Antritt des Rückmarsches rechnen und verfügte um 5h nachm. die Sammlung der 21. SchD. bei Lipolist. Als nachts aber bekannt wurde, daß GM. Panesch noch auf der Ruinenhöhe stehe, wurde ihm der Befehl zugeschickt, dort zu bleiben. Gleichzeitig wurde seine Verstärkung und seine Versorgung durch die 9. ID. eingeleitet. Der Ordonnanzoffizier kam aber zu spät auf die Ruinenhöhe. GM. Panesch war um 4h früh auf Grund der ersten Weisung abgerückt. Die wichtige Höhe war feindlichem Zugriff preisgegeben.

Das 5. Armeekmdo. beabsichtigte in der Annahme, daß die so kräftigen Widerstand leistende serbische 3. Armee ihre Stellungen bei Jarebice dauernd zu halten gedächte, dem VIII.Korps und der 36.ID. für den 17. Retablierung zu gewähren, während FML. Sarkotić, dann die 11. GbBrig. und die 13.IBrig., von welchen beiden Brigaden aber Lagemeldungen fehlten, den Tag zu näherem Heranschieben gegen die feindliche Südflanke ausnützen sollten.

Die Bedrohung durch Sarkotić hatte indessen auf die Serben bereits einen bedeutenden Eindruck gemacht. Ihre Heeresleitung berief ein Kaderregiment und drei Batterien aus Kragujevac nach Valjevo, wo diese Gruppe mindestens erst in drei Tagen nach schwierigen Märschen durch wenig wegsames Gelände eintreffen konnte. Als dann der erbeutete, schon überholte Befehl des 5. Armeekmdos. zur Formierung der k.u.k. 48. ID. die Serben einen Vorstoß gegen Pecka erwarten ließ, wurde um 5h3° nachm. die sofortige beschleunigte Vorrückung der MorD.II von Ub über Valjevo verfügt. An ihre Stelle sollte bei Ub die TimD.I gelangen1). Gen. Jurišic-Sturm faßte aber den Entschluß, seine 3. Armee aus ihrer in beiden Flanken, von Süden her auch schon im Rücken bedrohten Stellung bei Jarebice zurückzunehmen. Während der Nacht trat sie den Rückzug an, um sich mit der DrinD.II auf den der Verteidigung günstigen Höhen beiderseits Zavlaka und mit der DrinD.I östlich Be-lacrkva festzusetzen.

Auch die Armeegruppe Užice war, um den Montenegrinern mittelbare Unterstützung zu bringen, am 16. nach tagelanger Vorbereitung zum Angriff gegen Višegrad geschritten2). Das trug dem XV. Korps einen Abwehrerfolg ein. Bei Staribrod wurde ein aufs Ostufer vorgeschobenes Bataillon von einem serbischen Regiment wohl verlustvoll geworfen, die rechtzeitig eintreffende 10. GbBrig. trieb den Feind aber wieder zurück und setzte sich auf dem Ostufer fest. Im kleinen Brückenkopf östlich von Višegrad wiesen die 7. und die 9. GbBrig. den konzentrischen Angriff zweier serbischer Regimenter kräftig ab. Das Lim-Detachement fühlte sich wegen des Rückzuges der Montenegriner in der Westflanke bedroht und beschränkte sich auf den vergeblichen Versuch,

*) Serb. Gstb. W., I, 135.

2) Ebenda, I, 102.

die Eisenbahnbrücke bei Megjegja durch Artilleriefeuer von den Höhen südöstlich der Lim-Mündung zu zerstören.

FZM. Potiorek begrüßte diese Ereignisse als Vorboten der erwünschten serbischen Offensive gegen Višegrad, ,,weil der Feind in schwierigstem Gelände erst nicht lange aufgesucht werden müsse“, und damit wenigstens bei der 6. Armee der heißbegehrte erste Erfolg scheinbar näher zu rücken schien. Die 40. HID. wurde gegen Višegrad in Marsch gesetzt, da bei der günstigen Lage des XVI. Korps (S. 119) eine Verstärkung des Südflügels nicht in Betracht kam. Dagegen verleitete die Sorge, die Serben könnten sich zwischen die 5. und 6. Armee einschieben, das BOK., den FML. Eisler mit der 12. GbBrig. vom Südflügel der 5. Armee wieder abzuberufen und zum Marsch die Drina aufwärts gegen Rogačica anzuweisen.

Bös klangen die Meldungen über den Unfall der 21. SchD. und die Ereignisse bei Šabac. An das AOK. ging abends die dringende Bitte Potioreks ab, die 2. Armee zur Unterstützung des bedrängten Nordflügels der 5. Armee anzu weisen. Dies sollte sich störend aus wirken. Denn inzwischen hatte GdK. Böhm-Ermolli, auch vom 5. Armeekmdo. um Hilfeleistung bestürmt, auf die Bitte des GdI. Hortstein um Verstärkung durch „mindestens eine Division“ das im Raum um Šimanovci auf die Einladung harrende IV. Korps nach Mitternacht alarmiert und gegen Šabac in Marsch gesetzt. Nur vier Bataillone verblieben im Savesicherungsdienst. Es konnte jedoch nicht zum Einsatz des IV. Korps aufmuntern, als nachts als Antwort auf die Bitte Potioreks in Peterwardein vom AOK. die Weisung einlief, zur Verschleierung des Abziehens der 2. Armee und zur Bindung des Feindes, „soweit dies bei unbedingter Einhaltung des befohlenen Abtransportes möglich“, fortgesetzt kräftigst zu demonstrieren. Angesichts dieser neuerlichen Mahnung, die Einladefrist nicht zu versäumen, wies GdK. Böhm-Ermolli am 17. um 4h früh den GdI. Hortstein an, Šabac unbedingt zu behaupten, indes GdK. v. Tersztyánszky das'IV. Korps nordöstlich von Klenak zu versammeln und über die Notwendigkeit seines Eingreifens vorerst Bericht zu erstatten hatte. Das 5. Armeekmdo. erklärte auf Befragen Böhm-Ermollis einen Vorstoß über Varna gegen Tekeriš als dringend erwünscht. Nichtsdestoweniger behielt sich das 2. Armeekmdo. in seiner um 8h30 früh ausgegebenen Disposition für den 17. und 18. August jedwede Offensivverwendung des IV. Korps ausdrücklich vor.

Die Entwicklung der Lage am 17. August bei Šabac sollte aber dem Zögern des 2.Armeekmdos. ein Ende bereiten. Die ŠumD.I griff nachmittags das an den nur flüchtig befestigten Stadtrand zurückgegangene IX. Korps scharf an. Die Kriegsbrücke wurde zerschossen und im zahlreichen Troß brach während des Bombardements eine arge Panik aus. Da der Kampf eine ungünstige Entwicklung zu nehmen schien, gab GdK. Böhm-Ermolli nach 2h nachm. dem GdK. Tersztyánszky den Befehl., ohne weitere Rücksicht auf die Abgangszeiten mit dem IV. Korps in den Kampf bei Sabac einzugreifen. Die dort schon fechtenden k. u. k. Truppen bereiteten indes der ŠumD.I eine schwere Niederlage, wobei schon vorausgefahrene Batterien des IV.Korps mitwirken konnten. Abends ging der Feind auf die Höhen südlich der Stadt zurück.

Am Nordflügel der k. u. k. 5. Armee ritten Teile der serbischen Kavalleriedivision in den Sammelraum der 21. SchD. hinein. In kleineren Gefechten wurden die feindlichen Reiter wohl wieder verjagt, die 21. SchD. blieb aber im Zustand regelloser Zersplitterung und großer Erschöpfung zurück.

Die 9. ID. stand seit frühem Morgen im Kampf gegen die namentlich den Südflügel bedrängende MorD.I. Die arg mitgenommene serbische KombD. vermochte zwar erst am späten Nachmittag gegen die Gefechtslinie vorzurücken, hatte jedoch schon vormittags ein bisher abgebliebenes Bataillon zur Besetzung der Ruinenhöhen beiderseits A 706 abgesandt1). Zwei Kompagnien der 9. ID., die auf die Nachricht vom Abmarsch des GM. Panesch hinauf befohlen wurden, kamen zu spät und mußten sich damit begnügen, durch Besetzung der westlichen Ruinenhöhe und des Hanges die linke Flanke der 9.ID. notdürftig zu sichern. Fortan blieb dies die Achillesferse der Stellung. In dem Maße, als sich die serbische KombD. an ihre Vortruppen an der Cer planina heranschob, mußte der Flankenschutz stärker bedacht werden; trotzdem konnte dieser nicht verhindern, daß alle Gefechtshandlungen des linken Flügels und der Mitte der 9. ID. unter Flankenfeuer von der Höhe litten. So kam schon vormittags ein Gegenstoß, den das größtenteils tschechische IR. 102 — wie das serbische Generalstabswerk besonders hervorhebt — ,,mit großem Elan“ gegen die MorD.I führte, im Flankenfeuer zum Stocken. Dagegen warf nachmittags der Südflügel der 9. ID., unterstützt von einem glänzend geführten Flanken- und Rückenangriff, den Oberst Budiner selbständig mit zwei Bataillonen des Warasdiner IR. 16 und drei Batterien unternahm, die MorD.I bis auf die Höhen südöstlich von Tekeriš zurück2).

1) Serb. Gstb. W., I, 144. Vgl. auch Pavlovic, Die Schlacht am Jadar (serbisch), Belgrad 1924.

2; Serb. Gstb. W., 1,147.

Beim XIII. Korps sah GdI. Rhemen auf Vorstellung des Führers der 36. ID., daß die Truppen dringendst der bewilligten Rast bedürften, von einem Nachstoßen im Jadartal hinter der serbischen 3. Armee ab. Die

11. GbBrig. erreichte die Höhen nördlich Krupanj. Die 42. HID. vertrieb serbische Vortruppen, schob sich aber auch nur auf Respektdistanz an die DrinD.I heran, da sie gezwungen war, ihre Verbände und den Nachschub zu ordnen. Dagegen griff die gegen Stave angesetzte 13. IBrig. den serbischen Südflügel umfassend an. Die mit erbitterter Wut kämpfenden Kroaten drangen in die serbischen Gräben ein, mußten sie aber wieder infolge herbeigeeilter Verstärkungen des Feindes preisgeben. Ein zweiter Angriff nahm den gleichen Verlauf; denn die Ruhe an den anderen Frontabschnitten ermöglichte der serbischen 3. Armee den Einsatz ihrer Reserven am Südflügel zur Abwehr des gefährlichen Angriffes.

Am äußersten rechten Flügel der 5. Armee kehrte FML. Eisler mit der 12. GbBrig. aus dem Raume nordöstlich von Ljubovija nach Einlangen des vom FZM. Potiorek direkt zugesandten Befehls wieder gegen Rogačica um. Allein gelassen, konnte die schwache Gruppe GM. Istvano-vic den serbischen Grenzschutz nicht über seine starken Verteidigungsstellungen südwestlich von Pecka zurückdrücken. Vergeblich erbat GdI. Frank den Widerruf des Befehles an die 12. GbBrig. Die Lage am Südflügel der 5. Armee hatte sich damit wesentlich verschlechtert.

Die serbische Heeresleitung wähnte, die von der geradezu legendär gewordenen öst.-ung. 48. ID. drohende Gefahr durch das Anrücken der MorD.II fürs erste gebannt zu haben. Sie zog die TimD.I nach Draginje in der Absicht, durch sie den Nordflügel der 2. Armee, bei dem zweifellos die Entscheidung lag, zu verstärken oder in der Flanke zu schützen. Statt der TimD.I gelangte die TimD.II nach Ub.

Das k. u. k. AOK. erhielt am 17. August während der Fahrt nach Przemyśl die Meldung des GdK. Böhm-Ermolli, daß er das IV. Korps zur Unterstützung der bei Šabac fechtenden k. u. k. Truppen aufgeboten habe. Noch wäre es der Heeresleitung möglich gewesen, diese Weisung zu widerrufen; aber Nachrichten über eine heftige Beschießung von Šabac durch die Serben bewogen den Chef des Generalstabes ,,schweren Herzens“, in den Einsatz des IV. Korps einzuwilligen *).

Damit war den Wünschen des FZM. Potiorek wenigstens teilweise entsprochen. Auf seine Aufforderung, auch bei Kupinovo mit starken Teilen überzugehen, vermochte GdK. Böhm-Ermolli aus Mangel an Kräften freilich nicht einzugehen, bei Šabac aber konnte GdK. Tersztyánszky i) Conrad, IV, 413.

für den 18. August eine Kraftgruppe von 35 Bataillonen und 26 Batterien zum Entlastungsstoß zugunsten der 5. Armee bereitstellen, zu denen noch zehneinhalb Landsturm- und Marschbataillone des GM. Letovsky als Besatzung von Šabac traten. Allerdings mußten die „frischen“ Truppen des IV.Korps nahezu 36 Stunden marschieren, bis sie am 18. August früh den Kampf aufnehmen konnten.

In GdI. Frank erweckte der in Aussicht stehende Entlastungsstoß die Hoffnung, seine Armee werde am 18. ihren Angriff den Jadar aufwärts fortsetzen können. Da der Angriffsbefehl aber mitteilte, es sei „noch unbekannt, ob auf eine Mitwirkung der Gruppe Hortstein zu rechnen sein werde“, meldete GdK. Freih. v. Giesl, daß das VIII. Korps zur Fortführung des Angriffes unfähig sei, da auf die 21. SchD. vorläufig überhaupt nicht zu rechnen war, und die aus drei Richtungen bedrohte 9. ID. sich ohnehin nur mühsam behaupten konnte. Wenn auch nicht ohne Sorge um die Verbindung zwischen den beiden Korps, ordnete das

5. Armeekmdo. nunmehr an, daß nur das XIII. Korps anzugreifen habe. Ging der Armeeführer hiebei wohl von dem Gedanken aus, damit der

9. ID. Erleichterung zu schaffen, so steht doch zur Erwägung, ob durch diesen Angriffsbefehl an GdI. Rhemen nicht die letzte Gelegenheit, in einer vorteilhaften Verteidigungsstellung mindestens die Herstellung eines verläßlichen Einklangs mit dem IV.Korps abzuwarten, unbenützt geblieben ist.

Die Ereignisse bei der 5. Armee traten nun um so mehr in den Vordergrund, als die serbische Armeegruppe Užice ihren Angriff gegen das XV. Korps am 17. wieder eingestellt hatte. Die 10. GbBrig. warf im Gegenstoß den Feind gegen die Grenzhöhen östlich Staribrod zurück, sonst brachte der Tag bei Višegrad nur Kanonaden. Das Lim-Detachement verschanzte sich wegen Bedrohung durch das XVI. Korps (S. 120) auf den Höhen nordöstlich Rudo. Da von der 40. HID. nur eine Brigade westlich Višegrad, der Rest sehr ermüdet erst bei Rogatica eingetroffen war, erbat GdI. Appel den Aufschub des für den 18. vorgesehenen Angriffs des XV. Korps auf den 20., um nach planmäßiger Bereitstellung mit ausgeruhten Truppen links umfassend angreifen zu können. FZM. Potiorek stimmte zu, da ja das XVI. Korps nicht vor dem 19. am Lim eintreffen konnte.

Die Kämpfe am 18. August sind nach drei Brennpunkten zu betrachten: Zavlaka, Tekeriš und Šabac.

Beim XIII. Korps fiel die 13. IBrig., GM. Stracker, den serbischen Südflügel bei Morgengrauen nochmals an. Ein überlegener Flankenangriff und die Rückenbedrohung durch die im Raum nordöstlich von Pecka

eintreffende MorD.II zwangen sie aber am Vormittag zum Rückzug auf die Höhen südöstlich von Krupanj. Wegen der nunmehr offenen Südflanke sollte die 42. HID. ihren schon sorgfältig vorbereiteten Angriff erst im Einklang mit dem Nordflügel des Korps führen. Die nach Schilderung des serbischen Generalstabswerkes „trotz überlegenem Artilleriefeuer in flottem Schwung“ *) angreifende 11. GbBrig. und der Südflügel der 36. ID. kamen aber durch die infolge näherer Stellungen überlegene serbische Artillerie bei Zavlaka zum Stehen. Nördlich des Dorfes zertrümmerte der starke linke Flügel der 36. ID. abends wohl den Nordflügel der DrinD.II; dann aber mußten auf Befehl des Armeekmdos. zur Abwehr möglicher Flankenbedrohung starke Reserven bereitgestellt werden, denn zum VIII. Korps klaffte eine Lücke von 10 km!

Nördlich von Tekeriš hatten bis Mittag etwa eineinhalb Bataillone der 9. ID. die Höhe A 706 erstiegen, während die dorthin befohlenen zwei Regimenter der serbischen KombD. 3 km südöstlich davon erschöpft liegen geblieben waren, aber Vorstöße von A 706 abwehrten. Nachmittags wurde die unter konzentrischem Artilleriefeuer stehende 9. ID. von der verstärkten KombD. und der MorD.I in die Zange genommen. Während drei Regimenter die Front festhielten, suchten je drei Regimenter über die Cer-Hänge und südlich über Badanja zu umfassen. Der Erschöpfung der Nordgruppe, überaus vorsichtigem Vorgehen der von Jarebice her wieder Gefahren witternden Südgruppe und einem gegen Abend niedergehenden Unwetter dankte es der Verteidiger, daß er sich noch zur Not behaupten konnte. Am 19. vor Tagesgrauen sollte jedoch die weit vorspringende Mitte in die Sehne des umfaßten Frontbogens zurückgehen. FML. Scheuchenstuel hoffte, daß ihn dann das IV. Korps und das XIII. Korps aus seiner drückenden Lage befreien würden. Auch winkte eine Entlastung des Nordflügels durch die wieder vorgehende 21. SchD., die am 18. im Raum Prnjavor einige Ruhe genoß, da die serbische Kavalleriedivision wegen der Kämpfe südlich Šabac von ihr abgelassen hatte.

Selbstverständlich war der Blick des Führers der 5. Armee sehnsüchtig nach der Save hin gerichtet, von wo GdK. Tersztyánszky Hilfe bringen sollte. Sein schon für 5h früh geplanter Ausfall erfuhr indes infolge Verspätung des nächtlichen Uferwechsels und wegen einer Beschädigung der Brücke durch feindliches Artilleriefeuer in der Früh eine unwillkommene Verzögerung. Erst etwas vor 8h konnte der Angriff aus Šabac heraus losbrechen. Von den auf dem Nordufer aufgefahrenen Batterien gut unterstützt, durchbrach in der Mitte Erzherzog Joseph mit

i) Serb. Gstb. W., I, 174.

I 2. Aufl.    9

der erst siebeneinhalb Bataillone zählenden 31. ID. die ŠumD.I. Deren Führer befahl um 9h vorm. den Rückzug über die Tiefenlinie Ml. Vranjska— Varna. Die serbische Kavalleriedivision übernahm den westlichen Flankenschutz. Die große Ermüdung des IV. Korps verhinderte sofortigen Nachstoß, zumal die 32. ID., an Infanterie zunächst nur etwa ein Regiment stark, die Misar-Höhen erst gegen Mittag endgültig erreichte. Unter dem Eindruck des nicht allzu schwer erkämpften Erfolges meldete GdK. Tersztyanszky seinem Armeekmdo. den „vollen Rückzug des Feindes“ und die Absicht, den Angriff gegen vermeintliche Nachhuten bis an den Dobravabach vorzutragen. Erfreut über solch günstige Botschaft, ordnete nun auch GdI. Frank für den 19. an, daß sich seine Korps vom linken Flügel an der Vorrückung Tersztyánszkys anzuschließen hätten. Durch den zweimaligen Nachtmarsch erschöpft, blieb aber das IV. Korps am Nachmittag nach nur mäßigem Raumgewinn todmüde liegen. Noch ohne Kenntnis hievon, mahnte das 2. Armeekmdo., die Truppen für neue Kämpfe leistungsfähig zu erhalten; denn Flieger hatten beiDraginje frische serbische Kräfte — die TimD.I — gesichtet. GdK. Tersztyanszky beschied sich nun, hauptsächlich wohl wegen der Ermüdung des IV. Korps, mit dem Erreichen der Linie Mišar (32. ID.) — Ml. Vranjska (31. ID.)—nördlich Varna (29. ID.) — Dobrić (Korpsreserve). Der Riegel, den die ŠumD.I der Gruppe GdK. Tersztyanszky vorgeschoben hatte, war völlig unversehrt.

Die Meldung über den „vollen Rückzug des Feindes“ vor dem IV. Korps eröffnete für FZM. Potiorek neue Möglichkeiten. Bei seiner

6. Armee war es am 18. zu keinen größeren Kampfhandlungen gekommen. Das XV. Korps schob die 79. HIBrig. an den Nordflügel zur

10. GbBrig., das Gros der 40. HID. nach Višegrad. Die Anschluß suchende

12. GbBrig. hatte nordwestlich Rogačica den Nordflügel der Užice-Brigade zurückgeworfen. Beim XVI. Korps erreichten sechs Gebirgsbrigaden den Raum südwestlich Rudo, die 8. GbBrig. näherte sich Plevlje und wurde am nächsten Tag in dem Ort, in dem bis 1908 öst.-ung. Truppen in Garnison gelegen waren, von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt.

Das Hauptquartier in Przemyśl verfolgte das Zögern der 6. Armee angesichts der Bedrängnis der 5. Armee mit wachsender Ungeduld. FZM. Potiorek ließ sich aber durch die Mahnungen des AOK. nicht bestimmen, die 6. Armee vor vollzogener Versammlung zum Angriff zu befehlen. Nach am 19. vormittags „für den 20. und 21.“ ausgegebenen Direktiven sollte GdK. Tersztyanszky sich dem gegen Valjevo fortzuführenden Angriff der 5. Armee in der Richtung gegen Ub anschließen. Die 2. Armee wurde um eindrucksvolle Demonstrationen bei Semlin und

Pancsova gebeten. Von der 6. Armee hatte am 20. das XV. Korps bei Višegrad über die Drina, das XVI. bei Rudo nordostwärts über den Lim zu gehen, so daß die Armee am 21. an der Grenze zum Vorstoß gegen Užice bereit sein würde. Gelang es, die südlich Šabac eingesetzten drei Divisionen der 2. Armee über den 22. August noch einige Tage mitzureißen, so konnte vielleicht auf die für jene Frist in Aussicht genommene, nach dem Abgehen der 2. Armee auch vom FZM. Potiorek als notwendig angesehene Umgruppierung verzichtet und auf eine tiefer greifende, Bulgarien endlich auf den Plan rufende Entscheidung gerechnet werden.

Während der Feldzeugmeister seine Hoffnungen auf das Wirken der beiden Heeresflügel setzte, erblickte die feindliche Heeresleitung nach wie vor in dem von der k. u. k. 9. ID. mühsam behaupteten Raum von Tekeriš den Schlüsselpunkt der Schlachthandlung. Da das Ausbleiben einer kräftigen Verfolgung der ŠumD.I die serbische Heeresleitung die Stärke der aus Šabac ausgefallenen Kräfte unterschätzen ließ, erschien es ihr als Hauptsache, daß ihre 2. Armee endlich das Übergewicht errang. Dazu wurde dieser am 18. auch die TimD.I zugewiesen. Die vermeintliche Bedrohung des Südflügels durch die noch immer erwartete k. u. k. 48. ID. hielt Putnik durch die nordöstlich von Pecka noch zurückgehaltene MorD.II beschworen und die bei Višegrad und Rudo gemeldete öst.-ung. Kräftegruppe durch die Armeegruppe Užice für ausreichend abgeriegelt.

Der Kommandant der serbischen 2. Armee wies die TimD.I mit einem Nachtmarsch an die Straße nördlich Rumska, um allenfalls auch den von Šabac her drohenden Gefahren begegnen zu können. Deshalb fiel die KombD. am 19. August den Nordflügel der k. u. k. 9. ID. schon vor Morgengrauen an. Nach wechselvollem Kampf mußte die Ruinenhöhe westlich A706 nach 5h früh den Serben endgültig überlassen werden. Trotz Artillerierückenfeuer vom Cer-Rücken her klammerte sich die 9. ID. aber auch weiterhin zäh an den blutgedüngten Boden.

Die Hoffnung auf rechtzeitige Entlastung durch das IV. Korps mußte jedoch bei der 5. Armee verblassen, als der von GdK. Tersztyánszky für den 19. ausgegebene Angriffsbefehl zeigte, daß seine Gruppe die am Vortag verkündeten Ziele noch keineswegs erreicht hatte. Nun sollte Tersztyánszky direkt in der Richtung Tekeriš eingreifen.

Das IV. Korps stieß am 19. vormittags auf die gut verschanzte ŠumD.I. Die 31. ID. stürmte zuerst mit Elan, schien aber dann so sehr ins Wanken zu kommen, daß ihr Führer, FML. Erzherzog Joseph, gegen

llhden Rückzug    beschloß. Die Mitteilung hierüber    verleitete    die 32.    ID.,

die schon unter    dem Eindruck eines kleinen Rückschlages    stand,    aus

Besorgnis, in der dichten Bodenbedeckung abgedrängt zu werden, zum Weichen. In Wirklichkeit war die Division des Erzherzogs, ohne daß sie es recht erkannt hatte, in die Hauptstellung der ŠumD.I eingebrochen. Deren Führer, Gen. Hadzić, mußte, aller Reserven entblößt, angesichts der gleichzeitig im Westen wirksam werdenden Überflügelung durch die k. u. k. 29. ID. knapp vor Mittag trotz des bestimmten Befehles, sich „unbedingt und auch mit größten Opfern1)“ zu halten, den Rückzug hinter den Dobravabach anbefehlen. Auch die serbische KD. mußte, bedroht durch die 29. ID. von Norden, durch die Vortruppen der 21. SchD. von Westen her, auf    die Höhen nördlich von Rumska    zurückgehen, wo sie

durch Infanterie    der TimD.I gestützt wurde.

Inzwischen hatte GdK. Tersztyanszky, um dem IV. Korps vorwärts zu helfen, die 29. ID. scharf ostwärts gegen die Straße südlich von Varna einschwenken lassen, die um 2h nachm. überschritten werden konnte. Hiebei gelangte die Division kampflos vor die Front der 31., die nachmittags die aufgenommene Verfolgung bald wieder eingestellt hatte, da sie besorgte, in das Flankenfeuer der 29. ID. zu geraten. Da es dringend geboten war, die Schlachtordnung zu entwirren, verschob der Korpsführer die Fortsetzung des Angriffes auf den nächsten Morgen.

Kam hier die dichte Bodenbedeckung vor allem den Serben zustatten, so sollte am gleichen Tage eine Wegstunde südwestlich die sich wieder aufraffende 21. SchD. daraus Nutzen ziehen, indem die serbische Kavalleriedivision die vom FML. Przyborski nachmittags bei Desić gesammelte Nordgruppe erheblich überschätzen ließ und dadurch zur Vorsicht mahnte. Während die Gruppe Przyborskis ihre Geschütze auch gegen die Ruinenhöhe spielen ließ, war GM. Panesch mit viereinhalb Bataillonen zur unmittelbaren Unterstützung der 9. ID. wieder den CerRücken hinaufgeklommen. Einem am Vorabend vorausgesandten Egerländer Halbbataillon gelang es schon vor Mittag, dem Feinde auf den Höhen Halt zu gebieten. Dafür brach am Südflügel der 9. ID. das Verhängnis herein. Nach beispiellosem Widerstand wurde er von der MorD.I geworfen. Nun blieb der ganzen Division nur mehr der Rückzug. Der Troß war glücklicherweise schon früher abgeschoben worden. Unter heldenmütiger Aufopferung mehrerer Batterien löste sich die ausgeblutete Infanterie rasch vom Feinde ab. Der gleichfalls erschöpfte Nordflügel der serbischen KombD. wurde durch die Gruppe GM. Panesch

i) Serb. Gstb. W., I, 214.

bis zum Abend in Schach gehalten; auch fühlte sich der Feind durch FML. Przyborski bedroht, der in Unkenntnis des Rückzuges der 9. ID. vorne blieb in der Absicht, am 20. Anschluß an das IV. Korps zu suchen.

Das serbische 2. Armeekmdo. vermochte aus den müden Truppen nicht mehr die geforderte „rücksichtslose Verfolgung“ herauszupressen. Der Südflügel der KombD. mußte, da die Höhenkolonne abblieb, im Lješnicatal bremsen; ebenso kam die über die südlichen Begleithöhen nachfühlende MorD.I nur langsam vorwärts. Die TimD.I, die an den Südflügel der 2. Armee gewiesen war, um dort in die Kämpfe bei Zavlaka einzugreifen, strebte — zum Glück für das k. u. k. XIII. Korps — dem Nordflügel der 3. Armee zu und blieb, nachdem sie in 24 Stunden 50 km zurückgelegt hatte, östlich Badanja erschöpft liegen.

Mit dem Rückzug des k. u. k. VIII. Korps waren auch für das XIII. Korps die Würfel gefallen. An seinem Nordflügel hatte FML. Czibulka schon früh neun Batterien der 36. ID. gegen die MorD.I nordwärts gewendet, um so dem VIII. Korps nach Möglichkeit die vom Armeekmdo. geforderte Unterstützung zu bringen. Natürlich entbehrte die Division diese Batterien bei ihrem Angriff, der bei Zavlaka ins Stocken kam. Nicht einmal die Wegnahme des Ostteiles des Dorfes gelang, wodurch die geplante verdeckte Verschiebung der vorübergehend aus der Front gezogenen 11. GbBrig. unmöglich wurde. Als sich die Vortruppen der 21. SchD. auf dem Cer-Rücken fühlbar machten, und das 5. Armeekmdo. mittags mitteilte, daß sich die Lage bei der 9. ID. gebessert habe, war die 36. ID. froh, die Masse ihrer Batterien wieder zur Unterstützung des eigenen Angriffes verwenden zu können und den Flankenschutz gegen Badanja einem Bataillon und zwei Batterien überlassen zu dürfen. Das

XIII.Korpskmdo. erhielt indes schon um 2M5 nachm. die Aufforderung des Armeekmdos., zur Entlastung des VIII. Korps mit aller Kraft nordwärts anzugreifen. Die Zurüstung hatte kaum begonnen, als das Armeekmdo. mitteilte, das VIII. Korps werde, wenn es ohne Unterstützung bleibe, bis auf die Höhen von Lješnica weichen, in welchem Falle das XIII. auf die Höhen östlich von Loznica zu rücken habe. GdI. Rhemen ließ sich, da der Rückzug des VIII. Korps ja nur bedingt mitgeteilt wurde, in seinen Angriffsvorbereitungen noch immer nicht beirren — bis um 4h nachm. der bestimmte Befehl zum Rückzug auf die Höhen westlich von Jarebice— Krupanj eintraf. Die 36. ID. und die 11. GbBrig. gingen schon abends zurück. Nur nördlich von Zavlaka verzögerte sich das Loslösen durch einen örtlichen Gegenangriff der Serben bis Mitternacht. FML. Sarkotić, an dessen zurückgenommenen Südflügel sich nachmittags — noch immer

in der Besorgnis vor der ominösen 48. ID.— nur Vortruppen der MorD.II recht vorsichtig herangeschoben hatten, konnte infolge späten Befehlsempfanges mit der 13. IBrig. und der 42. HID. erst gegen 3h3° früh aufbrechen.

Inzwischen hatte der Feldzeugmeister, um die Behauptung der

5. Armee am Ostufer der Drina doch noch zu ermöglichen, verschiedene Maßnahmen eingeleitet. Die 12. GbBrig. sollte wieder nach Ljubovija zurückkehren, die 109. LstlBrig. über Vlasenica heranrücken, der Angriff über Šabac durch die in den nächsten Tagen bei Peterwardein eintreffende 8. MaBrig. und sonstige entbehrliche Truppen vorwärtsgetragen werden. Aber diese Verstärkungen waren nicht nur unzureichend, sie wären auch zu spät dazu gekommen, das Schlachtenglück an der unteren Drina zu wenden. Auf die dringende Vorstellung des GdK. Giesl, daß es nicht ratsam sei, das abgekämpfte und erschöpfte VIII. Korps östlich der Drina zu belassen, ordnete GdI. Frank noch am 19., so sehr Heeresleitung und BOK. ein Ausharren gewünscht hätten, den Rückzug hinter den Fluß an. Auch GdK. Tersztyanszky wurde vom 5. Armeekmdo. aufgefordert, serbischen Boden zu räumen. Das VIII. Korps eilte noch am Abend den Brücken bei Lješnica und Bijeljina zu.

Der Ausklang der österreichisch-ungarischen Augustoffensive

Der Rückzug der 5. Armee und Meinungsstreit wegen Šabac

(20. und 21. August)

Auch das AOK. in Przemyśl hatte, als ihm gegen Abend der Draht die ersten Nachrichten über den Rückzug des VIII. Korps überbrachte, für den Fall, als die 5. Armee hinter die Drina weichen müsse, die Räumung von Šabac befohlen. Zugleich wurde die 6. Armee angewiesen, nach Möglichkeit wohl noch einen eng begrenzten Gegenstoß zu führen, aber ja kein weiter ausgreifendes Unternehmen gegen einen überlegenen Feind zu wagen; denn die Balkanstreitkräfte hätten nunmehr zu ihrer ursprünglichen Aufgabe zurückzukehren, die ihnen vorschrieb, „feindliche Einbrüche auf unser Gebiet zu verwehren !)“. Allerdings ließ hiebei GdI. Conrad den nicht durch militärische, sondern durch politische Er

wägungen eingegebenen Wunsch mitklingen, den erlittenen Mißerfolg durch Behauptung serbischen Bodens etwas zu verschleiern.

Dieser Wunsch klang in der Seele des Feldzeugmeisters verständnisvoll wider. Noch einige Stunden vorher hatte Potiorek selbst gehofft, daß es gelingen werde, die 5. Armee noch östlich der Drina aufzuhalten. Demgemäß befahl der Oberbefehlshaber der Balkanstreitkräfte dem IV. Korps, seinen Entlastungsstoß bei Šabac des anderen Morgens fortzuführen. Die

6. Armee sollte sich beeilen, der serbischen Uzice-Gruppe durch einen kurzen Schlag die Tür zu weisen, dann aber über die Romanja planina heranrücken, um in engerem Anschluß die 5. Armee zu neuen Taten mitzureißen.

Aber schon um Mitternacht zum 20. zerstörte eine telephonische Meldung des Generalstabschefs der 5. Armee, GM. v. Csicserics, die Hoffnung des Feldzeugmeisters auf eine Behauptung des östlichen Drina-ufers; gleichzeitig meldete GM. Csicserics die Rückzugsweisung an das IV. Korps. Potiorek stimmte ohneweiters zu, daß GdK. Tersztyánszky seine nach dem Rückzug der 5. Armee gefährdeten Stellungen räume, jedoch mit der einen Abänderung, daß Šabac als Flankenposten gegenüber der 5. Armee und als Ausfallstor zu behaupten sei.

Das Telephongespräch des GM. Csicserics hatte dem FZM. Potiorek eröffnet, daß auch das 5. Armeekmdo. an GdK. Tersztyánszky Befehle gab. Um da die mögliche „Quelle von Konfusionen“ zu verschütten, wurde dem 5. Armeekmdo. verboten, diesem Brauch weiter zu huldigen und auch dem 2. Armeekmdo., das am 20. nach Norden abging, die unmittelbare Unterstellung Tersztyánszkys mitgeteilt. In dem Befehl an letzteres war diese Verfügung versehentlich nicht abtelegraphiert worden, so daß die beabsichtigte Klärung der Befehlsverhältnisse erst recht nicht zustande kam. Hauptsächlich wurde sie aber dadurch verzögert, daß das 5. Armeekmdo. am 20. zeitlich früh — über den Kopf des Feldzeugmeisters hinweg — zur Regelung der Befehlslage nach Abgehen des 2. Armeekmdos. den unmittelbaren Drahtverkehr mit dem AOK. aufgenommen hatte. Als hiebei der Referent des AOK. — noch ohne Kenntnis der Verfügungen Potioreks — telephonisch die Unterstellung der Gruppe Tersztyánszky unter das 5. Armeekmdo. als Selbstverständlichkeit erklärte und auch einen schriftlichen Befehl in bestimmte Aussicht stellte, wurde dem GdK. Tersztyánszky der Rückzug über die Save und die Absendung der Brigade Letovsky zur 5. Armee befohlen. Dem AOK. war inzwischen im Wege ungreifbarer telephonischer Mitteilungen der längst überholte Befehl des BOK. zur Fortsetzung der Offensive des

GdK. Tersztyánszky zugekommen, welcher Befehl auf Grund der Nachrichten von der 5. Armee Mißbilligung erregte. Telephonisch und schriftlich erging an FZM. Potiorek sowie an das 2. und das 5. Armeekmdo. die Weisung zur Einstellung des zwecklosen Vorstoßes der Gruppe Tersztvánszky; diese habe über die Save zurückzugehen und sich „voll und ganz“ der 5. Armee zu unterstellen. Nach Eintreffen des Antwort-telegrammes des FZM. Potiorek, dessen Fassung allerdings nicht zu entnehmen war, daß Sabac gehalten werden sollte, nahm der Chef des Generalstabes die vom BOK. bereits getroffene Befehlsregelung hin1). FZM. Potiorek verbot nachmittags dem 5. Armeekmdo. weiteren direkten Verkehr mit dem AOK., der zu all der Verwirrung geführt hatte.

Auf den GdK. Tersztyánszky prasselten also in rascher Folge mehrere, einander widersprechende Befehle nieder. Kaum hatte er in der Nacht zum 20. die Anordnungen für den Rückzug und die Räumung von Sabac getroffen, so lief der Befehl des BOK. zur Fortsetzung der Offensive ein. Der Rückmarsch wurde um 4h vorm. des 20. widerrufen, der Beginn der Vorrückung gegen den Feind für 7h vorm. befohlen. Eine halbe Stunde vor dem Aufbruch lief der Rückmarschbefehl Potioreks ein. Wurde die Vorrückung nun auch eiligst gestoppt, so war es dennoch unvermeidlich, daß Vortruppen in den Kampf traten. Bald darauf, um 7hir' vorm., meldete sich das 5. Armeekmdo. mit dem Auftrag, hinter die Save zurückzugehen, so daß — im Gegensatz zu den Anordnungen des BOK. — Sabac also zu räumen gewesen wäre. Da das von GdK. Tersztyánszky um Entscheidung angerufene 2. Armeekmdo. nun die direkte Unterstellung der Gruppe unter das BOK. mitteilte, wies das IV. Korpskmdo. die 31. und die 32. ID. zum Rückzug aufs Nordufer, die 29. ID. und die Brigade Letovsky zur Behauptung eines bei Sabac erst zu schaffenden Brückenkopfes an. Scheinmanöver der Serben, die westlich Belgrad einen bevorstehenden Saveübergang vortäuschten, veranlaßten GdK. Böhm-Ermolli, dem IV. Korps die Beschleunigung seines Rückzuges und die Verschiebung in den Raum 25 km östlich von Sabac nahezulegen. Gleichzeitig teilte er dem IV. Korpskmdo. mit, daß es im Sinne einer eben vom AOK. eingelangten Verständigung nun doch an die Befehle des 5. Armeekmdos. gewiesen sei, was aber wieder die Freigabe von Sabac bedingte. GdK. Tersztyánszky wies darauf das IV. Korps, um den auf ihn eindringenden Wünschen möglichst gerecht zu werden, in den Raum um Subotište, sandte, wie es GdI. Frank befohlen hatte, die Brigade Letovsky zur 5. Armee und beließ die 29. ID. südlich von Sabac trotz der Bedenken, die der Divisionär FML. Graf Zedtwitz angesichts der zum Schutz der Brücke weit vorgelcgten, ausgedehnten und noch nicht befestigten Verteidigungslinie und der Unübersichtlichkeit des Geländes vorbrachte. Das BOK., dem die äußerste Ungunst der Verteidigungsverhältnisse schon vormittags nicht verschwiegen worden war, sollte entscheiden, ob es bei der Behauptung des Brückenkopfes zu bleiben habe.

In der Besorgnis, die Serben könnten den gegen die 5. Armee geführten Gegenstoß auch über die Drina fortsetzen, hatte FZM. Potiorek am 19. um 9h vorm. das AOK. nochmals um Freigabe aller Teile der 2. Armee für eine schleunige Offensive, an der auch die 6. Armee teilnehmen sollte, bestürmt. Kurz darauf langte aber erst die Ablehnung der Heeresleitung auf die am Vortag gestellte Bitte gleichen Sinnes ein. Diese Ablehnung war schon dadurch sichtbar gegeben, daß die 10. KD. und die 23. HID. seit zwei Tagen nach Galizien abrollten.

Vernichtete schon dieser Bescheid die Hoffnung auf einen baldigen Gegenschlag, und mußte man froh sein, wenn die notwendige Vereinigung der 6. und 5. Armee zu gemeinsamem Kampfe endlich gelang, so mußte die Antwort auf den früh an das AOK. gerichteten Hilferuf den Feldzeugmeister noch tiefer treffen, denn sie enthielt die Eröffnung, daß auch das IV. Korps und die 29. ID. bei der überragenden Bedeutung der im Norden angestrebten Entscheidung nur vorübergehend im Süden verbleiben könnten1). Diese sehr unwillkommene Eröffnung hätte für das Aufgeben von Šabac gesprochen. Um sich aber die Möglichkeit offen zu halten, den Feind, falls er der 5. Armee scharf nachdrängte oder südlich an ihr vorbei gegen Sarajevo vorstieß, von der Save her in der Flanke anzufallen, entschied FZM. Potiorek, der Besitz von Šabac sei wichtig und das IV. Korps bei Klenak bereitzuhalten.

Da die Loslösung vom Feind leicht erfolgt war und die Serben auch der 5. Armee nicht hart auf den Fersen geblieben waren, rechnete GdK. Tersztyanszky aber so wenig mit einem neuerlichen Einsatz des IV. Korps über die Save, daß er den Befehl zum Marsch gegen Subotište nicht abänderte. Er hielt sich hiebei an den nochmals geäußerten Wunsch des nach Norden abreisenden GdK. Böhm-Ermolli, die Gruppe möglichst bald für den Abtransport freizumachen.

Die abgekämpfte ŠumD.I hatte die Morgenkämpfe als scharfe Rekognoszierungen aufgefaßt und nachmittags die vom abziehenden IV. Korps hoch aufgewirbelten Staubwolken dem Anmarsch feindlicher Verstärkungen zugeschrieben. Daher wurde zugewartet. Nachts traf die von Ub herangeholte TimD.II nach einem Gewaltmarsch von 60 km westlich der ŠumD.I ein, allerdings erst mit halber Streiterzahl, weil gerade die Umbewaffnung mit russischen Gewehren im Gang war. Die falsche Auslegung der Staubwolken veranlaßte den Woiwoden Putnik nachmittags, die bis Jarebice gelangte TimD.I von der 2. Armee an die Straße östlich Tekeriš abzuziehen.

Ein Regiment dieser Division hatte sich am 20. mit der nun auch der 2. Armee unterstellten Kavalleriedivision gegen den unbenachrich-tigten Nordflügel der 5. Armee, die Gruppe FML. Przyborski, gewendet. Ihre drei Bataillone und fünf Batterien erwehrten sich bis Mittag der von drei Seiten einstürmenden Bedränger so wacker, daß sie vom Feind für eine volle Division gehalten wurden36). Nach Bekanntwerden des Rückzuges der 5. Armee führte FML. Przyborski die isolierte Gruppe, von den erschöpften serbischen Reitern nur auf Respektdistanz bis an die Bahn verfolgt, bis Mitternacht in guter Ordnung über die Brücke bei Bijeljina auf bosnischen Boden.

Den Rückzug des Gros der 5. Armee vermochten die Serben am 20. nicht zu stören. Die 9. ID. hielt sich die KombD. durch ein leichtes Nachhutgefecht auf den Höhen östlich von Lješnica gut vom Leibe und wechselte, nur von Artillerieweitfeuer bedacht, westlich des Ortes bis 6h nachm. das Ufer. Beim XIII. Korps deckte die Nordgruppe auf den Höhen östlich von Lješnica von Mittag an das Herankommen des Südflügels. Durch den abfließenden Train, nicht aber auch vom Feind behindert, traf die 42. HID. erst spät abends östlich von Loznica ein, während die 13. IBrig. zum Schutz der Südflanke auf den Gucevo-Rücken aufgestiegen war.

Trotz allen Drängens des SOK. waren die Serben auch dem XIII.Korps nur langsam gefolgt. Die über den Höhenkamm südlich des Lješnica-baches angesetzte MorD.I war auf Weisung des serbischen 2. Armeekmdos., aber zum Mißvergnügen Putniks, südwärts in das Jadartal abgestiegen und gelangte so vor die gute Verteidigungsstellung der 36. ID., gegen deren offene Nordflanke sie früher gezielt hatte. Die müde TimD.I konnte erst abends von Jarebice den Rückmarsch antreten. Die spät auf gebrochene 3. Armee hatte die Fühlung mit dem Gegner verloren. Die DrinD.II und I kamen nur bis auf die Höhen östlich Jarebice, die MorD.II bis Krupanj vorwärts.

Der nach Ablösung durch die 42. HID. um Mitternacht fortgesetzte Rückzug der 36. ID. und der 11. GbBrig. erfuhr am 21. früh bald böse Stockungen, weil die durch den abermaligen Nachtmarsch ermüdeten Truppen sofort hinter der Übergangsstelle zu Boden sanken. Es war fast Mittag, ehe die beiden Heereskörper vollständig auf bosnischem Boden angelangt waren. Unterdessen stand die 42. HID. seit 9h vorm. mit der MorD.I im Kampfe. Die schon westlich der Drina aufgefahrene Artillerie konnte den braven „Domobranzen“ nicht viel helfen. Nichtsdestoweniger verteidigten diese, obwohl die Brücke schon frei war, in soldatischer Kameradschaft auch nachmittags „jede Fußbreite des Bodens mit größter Zähigkeit“, um sie auch der 13. IBrig., von der Nachrichten fehlten, offen zu halten. Erst als bekannt wurde, daß diese Brigade durch eine aufgefundene Furt bei Kozluk schon aufs Westufer gegangen war, trat auch FML. Sarkotić, gedeckt durch einen Feuervorhang der Batterien des XIII. Korps, den Rückzug an, nach dessen Vollendung um 7h abends die Brücke abgebrochen wurde.

Die Gruppe GM. Ištvanovič vereinigte sich am 21. bei Ljubovija mit der 12. GbBrig., die auf Befehl des BOK. in diesem Raume zu verbleiben hatte, um den beschlossenen Anmarsch der 6. Armee gegen Vla-senica zu decken.

Die 5. Armee war nach zehntägigem erbittertem und opferreichem Kampfe in ihre Ausgangsstellungen zurückgekehrt.

Die Gefechte bei Višegrad und Priboj (20. und 21. August)

Inzwischen hatte endlich auch die 6. Armee zu dem sehnsüchtig erwarteten Schlag gegen die serbische Užice-Gruppe ausholen können, den die aus fast allen Teilen des Reiches stammenden, mit der Eigenart des Kriegstheaters wohlvertrautenTruppen mit prachtvollem Elan und großem Geschick zu führen wußten.

GdI. Appel hatte das XV. Korps nördlich und nordwestlich des nunmehr von Teilen der 40. HID. besetzten Platzes Višegrad aufmarschieren lassen. Um Višegrad als Drehpunkt hatte die Masse des Korps — die aus der 7. und 9. GbBrig. bestehende 1. ID.1) sowie die 10. GbBrig. — und die

x) Bei der 1. ID. befand sich auch das am 12. eingetroffene „Skutari-Detache-ment“, ein Bataillon des k. u. k. IR. 87, dem das deutsche „Marine-Infanterie-Detache-ment“ in etwa Kompagniestärke zugeteilt war.

am Nordflügel eingesetzte 79. HIBrig. durch Aufschwenken in östlicher und südöstlicher Richtung den Feind über die Grenze zurückzuwerfen. Der am 20. angesetzte Angriff stieß auf zähen, durch das steile, unwegsame Gelände verstärkten Widerstand. Besonders die Höhe Panoš wurde von denSerben hartnäckig gegen die 1. ID. verteidigt, die im schwierigen Gelände ihre Artillerie nicht zur vollen Geltung bringen konnte. Daß sie schließlich gegen 4h30 nachm. im Handgemenge genommen wurde, war nicht zuletzt dem todesmutigen Zugriff der beiden selbständigen Bataillone der niederösterr. IR. 49 und 84 zu danken37). Zu gleicher Zeit gewann der äußerste Nordflügel den Vk. Stolac. Die 10. GbBrig. und die 79. HIBrig. kämpften abends schon vor den Grenzhöhen westlich Zaovine. Obwohl schon zum Abmarsch gegen Vlasenica befohlen, bat GdI. Appel, den Angriff am 21. fortsetzen zu dürfen. Es wurde ihm bewilligt. Der Feind wich jedoch schon in der Nacht gegen die Höhen westlich von Kremna, so daß die Grenzhöhen nach leichter Vertreibung schwächerer Nachhuten bis Mittag besetzt werden konnten.

Vor dem bei Rudo zum Flußübergang bereitgestellten XVI. Korps war das Lim-Detachement am 20. früh ostwärts abgezogen. Nur die

6. GbBrig. mußte an diesem Tage südlich von Uvac eine feindliche Nachhut verjagen, sonst konnte das tief eingeschnittene Flußtal ohne den erwarteten Widerstand übersetzt werden. Die 18. ID. (6. und 4. GbBrig.) gelangte auf die Höhen bei Priboj und Uvac, GM. Gabriel mit drei Brigaden (13., 1., 2.) auf jene nordöstlich von Rudo. Die 5. GbBrig. hatte FZM. Wurm in Rudo noch als Korpsreserve zurückgehalten.

Der Feind hatte sich auf den Höhen östlich der Straße Priboj— Bjelobrdo wieder gestellt und auf zwölf Bataillone verstärkt. Am 21. wurde er hier beiderseits umfassend angegriffen, wobei die am Nordflügel eingesetzte 5. GbBrig. über Bjelobrdo ausholte. Die besonderen Geländeschwierigkeiten ließen es am 21. nicht mehr zu entscheidendem Kampfe kommen. Dennoch hatte sich das Korpskmdo. verleiten lassen, den bevorstehenden Rückzug des Feindes zu melden. Am 22. August bei Morgengrauen wurde der Angriff fortgesetzt, als um 6h früh beim FZM. Wurm der Befehl zum Abmarsch auf die Romanja planina einlangte und weitergegeben wurde. Auf Grund einer Meldung des GM. Konopicky über die günstige Gefechtslage bei der 4. GbBrig. ließ jedoch der Korpskommandant den Angriff auslaufen. An beiden Flügeln gefaßt, ging das serbische Lim-Detachement, die Vereinigung mit der ŠumD.II suchend, gegen die Zlatibor planina zurück. Die österreichisch-ungarischen Truppen stellten die Verfolgung am Nachmittag ein.

Im einstigen österreichisch-ungarischen Sandžak war unterdessen die

8. GbBrig. von Plevlje in flottem Zug bis Nova varoš vorgedrungen, ohne daß es der montenegrinische Gen. Vojnic, dessen Streiter sich mit Ausnahme von 2000 Mann verlaufen hatten, verhindern konnte. Der serbische Kommandant von Novipazar hatte in aller Eile 1000 Mann bewaffnet und samt einer im Türkenkrieg erbeuteten Krupp-Batterie nach Sjenica vorgeschoben. Der König von Montenegro setzte auf Drängen der serbischen Militärmission zwei Brigaden nach dem Sandžak in Marsch.

Die Bestürzung des Feindes war unbegründet, da die k. u. k. 6. Armee am 23. August nordwärts abrückte. Nach gewaltigen Marschleistungen gelangte drei Tage später das XV. Korps bis Vlasenica, das XVI. bis Sokolac. Die 7. und die 9. GbBrig. hatten wieder die Sicherung der oberen Drina bei Višegrad, die 8. jene bei Goražde und Foča zu beziehen.

Die letzten Kämpfe bei Šabac (21. bis 24. August)

Während die 5. Armee am Abend des 21. die letzten Drinabrücken hinter sich abgebrochen hatte, war das Kapitel der Irrungen und Wirrungen bei Sabac noch nicht abgeschlossen.

Da der Feind der 5. Armee nicht scharf nachgedrängt hatte und ihre nicht sonderlich ungünstige Verfassung nach einigen Tagen der Ruhe, die sich durch das Abwarten der in den Raum um Vlasenica gewiesenen

6. Armee von selbst ergaben, neue Schlagfertigkeit erhoffen ließ, befaßte sich das BOK. bald mit neuen Offensivplänen, bei deren Verwirklichung noch die Anwesenheit der drei Divisionen der 2. Armee ausgenützt werden sollte. Deren abermaliges Vorbrechen über die Save wurde durch den Besitz von Sabac erleichtert. Der Besitz eines Brückenkopfes konnte aber auch nützlich sein, wenn der Feind in Verfolgung der 5. Armee nach Bosnien einfiel. Deshalb war GdK. Tersztyánszky angewiesen worden, Sabac zu behaupten und das IV. Korps bei Klenak bereitzuhalten.

Die von der 29. ID. am Morgen des 21. bezogene brückenkopfartige, noch unbefestigte Stellung hatte einen Umfang von 15 km, da zum Schutz der Brücke auf die Höhen südlich der Stadt vorgegangen werden mußte. Dabei waren die Verhältnisse für die Gefechtsführung so ungünstig, daß

FML. Graf Zedtwitz, dessen Vorstellungen gegen die Behauptung der Stadt durch bloß eine Division am Vortag bei GdK. Tersztyánszky kein Gehör gefunden hatten, um 7h vorm. dem FZM. Potiorek direkt die Unhaltbarkeit der erst flüchtigst befestigten, eingesehenen, ausschußlosen Brückenkopflinie mit dem Beifügen meldete, nachmittags wäre die letzte Frist, zu der die Division vor der Verstrickung mit überlegenen Kräften über die Save zurückgenommen werden könnte. Kaum erfuhr GdK. Tersztyánszky diese Umgehung seiner Person, als er in jähem Temperamentsausbruche das Kmdo. der 29. ID. ihrem Artilleriebrigadier GM. Zanantoni mit der strikten Weisung übertrug: „Šabac muß um jeden Preis gehalten werden!“38)

Gegen Mittag eröffneten die Serben tatsächlich den Angriff gegen Šabac. Der Führer der 1. Armee, Gen. Bojovic, hatte die ŠumD.I östlich, die eben erst eingetroffene halbe TimD.II westlich der Varnaer Straße eingesetzt und feuerte die Angreifer südwestlich Šabac persönlich an. Als der Verteidiger hier nachmittags in Bedrängnis geriet, befahl GM. Zanantoni drei Bataillone seiner Reserve zum Gegenangriff. Der mit prächtiger Schneid geführte Stoß traf die Anschlußflügel der ŠumD.I und TimD.II nach 5h nachm. so überraschend, daß sie bis über Varna zurückgingen. Noch bevor bei der dichten Geländebedeckung dieser Erfolg erkannt war, hatte jedoch GM. Zanantoni vor 7h nachm. dem IV. Korpskmdo. gemeldet: „Feind bombardiert seit 2h nachm. Šabac. Brücke noch intakt. Stehe im Kampf mit wenigstens einer Division. Weitere feindliche Kräfte im Anmarsch. Halte noch vordere Linie.“ Diese ziemlich ernst klingende Meldung veranlaßte den GdK. Tersztyánszky, die Räumung von Šabac anzuordnen, um so die 29. ID. als Kampfkraft zu erhalten.

Indessen war die Westfront des Brückenkopfes, der die östlich von Šabac auf dem Nordufer aufgefahrenen Batterien nicht helfen konnten, nachmittags gegen den Stadtrand zurückgegangen. Vom Einsatz der noch verbliebenen eineinhalb Bataillone der Divisionsreserve war ein Wiederherstellen der Lage kaum zu erhoffen. Daher nahm GM. Zanantoni auch seine Südfront an den Stadtrand zurück. Nun erst erlangte er volle Kenntnis vom Erfolg des Gegenstoßes, der sogar die TimD.II zu beträchtlichem Zurückgehen veranlaßt hatte. Darauf bat er, falls der um llh eingelangte Räumungsbefehl nicht wegen operativer Gründe, sondern nur auf seine Abendmeldung hin erteilt worden wäre, Šabac noch halten zu dürfen und den Zeitpunkt der Räumung ihm zu überlassen.

Vor Mitternacht langte mit diesem Antrag beim IV. Korpskmdo. aber auch die Antwort des FZM. Potiorek auf den noch von FML. Zedtwitz erstatteten Räumungsvorschlag ein: „Wenn Feind nicht sehr überlegen, Kampf südlich Šabac mit ganzer Kraft aufnehmen!“ Wie um anzueifern, teilte der Feldzeugmeister gleichzeitig die eben von der 6. Armee bei Višegrad errungenen Erfolge mit.

GdK. Tersztyánszky wurde durch diese Weisung vor eine schwere Entscheidung gestellt. Soweit sich aus den bisherigen Meldungen erkennen ließ, war der Feind dem ganzen IV. Korps keineswegs sehr überlegen. Andererseits sollte dieses so bald als möglich nach Norden abgehen. Auch mochte die Meldung, daß die 5. Armee im Begriffe sei, den Rückzug über die Drina zu beenden, nicht gerade zu einem isolierten Vorstoß nach Serbien einladen. Dennoch brachte es GdK. Tersztyánszky nicht über sich, mit dem Šabacer Unternehmen kurzer Hand Schluß zu machen. Er gab dem GM. Zanantoni die gewünschte Entschlußfreiheit zurück, ließ die Artillerie der 31. ID. mit Nachtmarsch in den Raum südlich von Klenak vorausfahren und befahl die Infanterie der Division für den 22. früh in den Raum nordöstlich dieses Ortes, indes die 32. ID. zur Savesicherung abwärts von Šabac in ihrer Kantonierung verblieb. Die auf die Zigeunerinsel bei Belgrad geworfenen Bataillone der 7. ID. hatten die Insel zu räumen.

Am Morgen des 22. August besetzte die 29. ID. wieder die Brückenkopfstellung. Die Serben vor Šabac, deren Kommando Gen. Aračič von dem am Vortag verwundeten Armeekommandanten übernommen hatte, gingen äußerst vorsichtig vor, um die Stadt auf dem diesseitigen Ufer zunächst vollständig einzuschließen und die schwere Artillerie einzubauen. Erst gegen Mittag flammte ein ernster Kampf an der Varnaer Straße auf und die Serben überschütteten die Stadt mit Granaten.

Westlich der erwähnten Straße drückte die durch drei neu herangekommene Bataillone verstärkte TimD.II den Verteidiger abermals an den Südwestrand der Stadt. Als ein östlich der Straße von eineinhalb Bataillonen geführter Gegenangriff den Feind zurückdrängte, wich die TimD.II nach dem Ausbau der zugeteilten schweren Batterien wieder auf die Höhen nordöstlich Dobrić. Durch die Kämpfe des Tages hatte sich die Einschließung von Sabac und der Aufmarsch der serbischen schweren Batterien verzögert. Im Bereich der ŠumD.I sollten sie erst nachts ln Stellung gebracht werden. Die vereinigte Divisionsreiterei war hingegen nordwestlich von Šabac bis nahe an die Save vorgekommen.

Hatte sich für den Verteidiger auch die gleiche Lage wie am Vorabend ergeben, so wurde die Südfront jetzt doch nicht zurückgezogen und der Rückzug, der dem Kmdo. der 29. ID. ja noch immer freistand, nicht beschlossen. Da GM. Zanantoni die 31. ID. zum Eingreifen bereit wußte, befahl er vielmehr um 7h nachm.: „Es ist Ehrensache der Division, Šabac auch weiterhin zu halten.“

Zur gleichen Zeit alarmierte GdK. Tersztyanszky auf die Nachricht von neuerlicher Bedrängnis der 29. ID. das IV. Korps, um es nun doch mit einem abermaligen Nachtmarsch über die Save zu führen. Das Buda-pester Korps sollte den Deutschböhmen die Zeit zur Einrichtung des Brückenkopfes erkämpfen helfen oder sie doch aus ihrer schwierigen Lage „heraushauen“. Nun war aber diese Lage am Abend gar nicht mehr schwierig gewesen. Der Kampf flaute ganz ab. Unglücklicherweise traf jedoch die Meldung darüber den Führer des IV. Korps nicht mehr in seinem alten Standort, sondern erst am 23. früh in Klenak, zu einer Stunde, in der das Korps bereits im Begriffe war, das Ufer zu wechseln.

Nach dem Plan des IV. Korpskmdos. sollten zur Aufrollung des serbischen linken Flügels am 23. aus dem Raum westlich von Šabac die 31. ID. ehestens südwärts angreifen und die nachfolgende 32. ID. ihr rechts gestaffelt in der Richtung gegen Südwesten nachfolgen.

Diesem Plan stand die serbische Absicht gegenüber, den 23. zur Einschließung und zu scharfen Erkundungen zu verwenden und am 24. bei Morgengrauen die Stadt nach heftigem Bombardement zu stürmen, wobei der Hauptangriff gegen die Westfront des Brückenkopfes geführt und die Besatzung durch Wegnahme der Brücke abgeschnitten werden sollte.

Der Einsatz des IV. Korps erfolgte nicht nach dem Wunsche seines Führers. Infolge mangelhafter Befehlsübermittlung und zum Teil auch wegen der zwei Stunden währenden Öffnung der Kriegsbrücke für die Monitoren verzögerte sich der Flußübergang. Über die Angriffsrichtung unzulänglich unterrichtet, stellte Erzherzog Joseph die 31. ID. nordwestlich von Šabac bis 9hvorm. mit südwestlicher, dann bis llhvorm. mit nordwestlicher Front auf. Schon schob sich zu dieser Zeit die 32. ID. in die 31. hinein. Nunmehr vom Kommandanten der 57. IBrig., GM. Schön, auf die Fehlaufstellung aufmerksam gemacht, ergriff der Erzherzog in der Irrmeinung, daß die Verbindung zu dem in Klenak verbliebenen Korpskmdo. abgerissen sei, den Befehl über beide Divisionen und führte sie an den Südrand der Stadt, wobei die 32. ID. nicht rechts, sondern

links der 31., also östlich der Varnaer Straße, aufmarschierte. GdK. Tersztyanszky nahm die ihm sehr unwillkommene Abänderung schließlich hin, um nicht neue Verzögerungen herbeizuführen, und verfügte die Bereitstellung von sechs Bataillonen als Korpsreserve auswärts des Westflügels und die Mitwirkung der 29. ID. Als der Angriff des IV. Korps gegen 3h nachm. endlich losbrach, schlossen sich seinem Ostflügel sechs deutschböhmische Bataillone an. Ihnen allein waren gegenüber der ŠumD.I einige Erfolge beschieden. Dagegen gerieten die enggeballten Massen der beiden ungarischen Divisionen in frontalem Angriff rittlings der Varnaer Straße in ein verheerendes Kreuzfeuer der nun vollzähligen, noch durch die halbe ŠumD.I verstärkten TimD.II Die Verluste häuften sich. Gegen 5h nachm. wurde die 31. ID. von einer Panik erfaßt, die bald darauf auch die 32. ergriff. Beide fluteten nach Šabac zurück. Da bei der Ermüdung des IV. Korps durch den zweimaligen Nachtmarsch auch das Eingreifen der nur langsam vorgekommenen Korpsreserve keinen raschen Umschwung versprach, verfügte GdK. Tersztyanszky um 7h nachm. in Šabac mündlich die Räumung des heißumstrittenen Platzes, die während der zwei letzten Nächte sicherlich unter günstigeren Verhältnissen möglich gewesen wäre. Die 29. ID. und die Monitoren hatten den nächtlichen Uferwechsel des IV. Korps zu decken.

Die Serben waren von dem schweren Kampf gleichfalls so hergenommen, daß sie den geplanten Sturm unterließen und bloß Artilleriefeuer gegen die Stadt und die Brücke unterhielten. Zum Glück für die 29. ID., die den Rückzug erst am 24. um 5h vorm. beginnen konnte, verfeuerten die im leichten Morgennebel die Brücke suchenden serbischen Batterien nur Granaten. Diese schlugen beiderseits der Brücke so dicht ein, daß die hoch aufsteigenden Wassersäulen auf die Truppen niederfielen. Ein Treffer in die Brücke blieb dem Feinde diesmal aber bis zu ihrem Abbruch — gegen 8h45 vorm.— versagt. Indessen verschwendeten die Serben viel Artilleriemunition gegen die leeren Gräben am Stadtrande. Erst gegen 9h3° vorm. erreichten serbische Patrouillen, gegen Mittag größere Abteilungen die arg zerschossene Stadt, worauf sich über die Save hinweg ein Artilleriezweikampf entspann.

Die Säuberung der Herzegowina (18. August bis 2. September)

Die wackeren Verteidiger der Herzegowina sollten am spätesten zu einiger Waffenruhe kommen. Als die 14. GbBrig. am 18. August von den Bocche aus nordwärts über die montenegrinische Grenze vorstieß, aber nicht durchdrang, und als die Bedrängnis der Grenzfestung Bileća wuchs, trug FZM. Potiorek am 19. der bei Avtovac Grenzwacht haltenden 3. GbBrig. den Entsatz der Festung auf. GM. Pongrácz mußte jedoch vorerst mit den in der Dugafurche einbruchsbereiten Montenegrinern abrechnen. Am 23. wurden diese nach 14stündigem Kampf bei Kazanci geworfen und am 14. bis Krstac verfolgt. Nun war der Feind hier genügend eingeschüchtert, so daß gegen Bileća abmarschiert werden konnte. Im Verein mit dem am 30. entgegengerückten Gros der Festungsbesatzung schlug GM. Pongrácz die Belagerer in einem dreitägigen, vom 31. August bis 2. September währenden zähen Ringen aus dem Felde. Gleichzeitig zur Bindung des Feindes aus Trebinje in östlicher Richtung und aus den Bocche nordwärts geführte Ausfälle vertrieben die Montenegriner aus dem Raum um Grahovo. Die Crnagorzen waren für die nächste Zeit aller Unternehmungslust beraubt.

Ergebnisse und Folgerungen

Die Erfolge der bisher siegreich kämpfenden 6. Armee hatten den Mißerfolg am Jadar und den ungünstigen Ausgang der Kämpfe bei Sabac nicht beeinflussen können. FZM. Potiorek war deshalb zu ehebaldigster neuerlicher Aufnahme der Offensive mit nunmehr zusammengehaltener Kraft entschlossen. Das Streben des AOK., den südlichen Kriegsschauplatz zugunsten der Hauptentscheidung zu vernachlässigen, hatte im Ministerium des Äußeren aus politischen Gründen, beim mächtigen ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tisza wegen der leicht möglichen Gefährdung ungarischen Gebietes einen gewissen Gegensatz zum GdI. Conrad ausgelöst.

Im Zusammenhang damit wurde das Streben Potioreks unterstützt, sich ein höheres Maß von Selbständigkeit zu sichern und so wenigstens in dieser Richtung eine klare Lage zu schaffen. Die Möglichkeit hiezu sollte sich bald ergeben.

Vom AOK. mit Nachrichten sehr kurz gehalten, hatte der Chef der Militärkanzlei des Kaisers und Königs, GdI. Freih. v. Bolfras, schon am 14. August die Weisung erwirkt, daß dem Monarchen wichtige Mitteilungen des BOK. nicht mehr auf dem Umwege über die Heeresleitung, sondern direkt zu telegraphieren seien Vier Tage später wurde die tägliche Berichterstattung des FZM. Potiorek an die Militärkanzlei verfügt. Kurz darauf, am 20., ergaben sich aus dem unmittelbaren Verkehr des 5. Armeekmdos. mit dem AOK. die schon geschilderten Unzukömmlichkeiten. In seinem Tagesbericht an den Kaiser wies FZM. Potiorek auf diese Schwierigkeiten und ihre üblen Folgen hin. Diese Bemerkung erzielte ebenso wie das Drängen auf Belassung der bereits eingesetzten Teile der 2. Armee seine Wirkung. Am 21. ließ der Kaiser dem AOK. depeschieren: „Da Ich es für notwendig erachte, die auf dem Balkan kämpfenden Streitkräfte einem Kommando zu unterstellen, so verfüge Ich, daß FZM. Potiorek selbständig das Oberkommando über alle gegen Serbien und Montenegro kämpfenden Armeekörper zu führen hat, deren Verminderung Mir keineswegs zweckmäßig erscheint.“

GdI. Conrad empfand diese Weisung als einen „Keulenschlag“; insbesondere erblickte er im letzten Nebensatz einen schweren Eingriff in die Rechte des AOK., wenngleich dies offenbar nicht so gemeint war, da GdI. Bolfras gleichzeitig, am 22., an FZM. Potiorek schrieb, nicht zu wissen, „ob und wie darauf reagiert“ werden würde. Tatsächlich erhob der Armeeoberkommandant GdI. Erzherzog Friedrich sofort Beschwerde beim Kaiser, der am 23. das AOK. seines vollsten Vertrauens versicherte und die Absicht, in die Befehlsbefugnisse der Heeresleitung einzugreifen, weit von sich wies. Nun ordnete das AOK. am 24., noch ohne den Ausgang des Kampfes bei Šabac zu kennen, bei gleichzeitigem Tadel ob des neuerlichen Einsatzes die ungesäumte Bereitstellung des IV.Korps zum Abtransporte an. Durch diesen Befehl wollte der Chef des Generalstabes den in Wien entgegenwirkenden Kräften den Wind aus den Segeln nehmen und den greisen Monarchen der Last folgenschwerster Entschlüsse entheben1).

Die Mahnung des Kaisers äußerte aber doch darin ihre Wirkung, daß von einem Abrollen der 29. ID. nicht mehr die Rede war und der Plan, auch das VIII. Korps zur Entscheidung im Norden heranzuziehen, begraben wurde. Damit war der Sorge des Monarchen wegen der Behauptung der Donau-Save-Linie doch einigermaßen Rechnung getragen. Es konnten nun auch der Minister des Äußern und der ungarische Ministerpräsident Stephan Graf Tisza zufriedengestellt sein, die in den letzten Tagen in diesen Angelegenheiten besonders Sturm gelaufen waren 2).

Dem FZM. Potiorek brachte die endgültige Abberufung des IV. Korps eine große Enttäuschung. Sie wurde aber aufgewogen durch den Einleitungssatz des Befehles: „Die Operationen zur Erfüllung der Euer Exzellenz

1)    Conrad, IV, 465 f, 485, 501.

2)    Ebenda, IV, 475, 498; Tisza, Briefe, I, 56 ff.

gestellten Aufgaben bleiben Ihnen überlassen.“ Damit war die ersehnte Selbständigkeit erreicht, die er zu erneuter Offensive ausnützen wollte. Den Entgang des IV. Korps mußte er eben durch noch größere Kraftökonomie für Nebenzwecke wettzumachen trachten.

Die erste Feuerprobe des öst.-ung. Heeres im Weltkriege hatte von Anbeginn unter den aus dem Zweifrontenkriege erwachsenen, zwiespältigen militärischen und politischen Verhältnissen zu leiden. Selbstverständlichen strategischen Axiomen standen Wünsche der äußeren Politik und die durch die Örtlichkeit bedingten Abwehrschwierigkeiten gegenüber, die in gleicher Weise zur Offensive einluden und damit dem äußersten Maßhalten im Kräfteaufgebot entgegen wirkten. Eine besondere Versuchung, Impulsen solcher Art nachzugeben, lag in der demonstrativen Anwesenheit der 2. Armee, da es in der Tat für alle Befehlsstellen bis zum AOK. hinauf eine schwere Zumutung war, eine starke Armee als Zuseher auf Kanonenschußweite vom Entscheidungskampf einer anderen zurückzuhalten.

Sein besonderes Gepräge erhielt der Augustfeldzug gegen Serbien dadurch, daß FZM. Potiorek die 6. Armee in weiter Trennung von der 5. gegen den Feind anzusetzen beschloß. Dieser Entschluß wurde noch zu einer Zeit gefaßt, da der Feldzeugmeister über den „Frontwechsel“ gegen Rußland noch nichts wußte und er daher annehmen durfte, daß im Norden Serbiens neben der 5. auch die 2. Armee gegen die feindlichen Hauptkräfte vorgehen werde. Damals ließen Nachrichten über einen isolierten Vorstoß serbischer Abteilungen gegen Südostbosnien für die östlich von Sarajevo aufmarschierende 6. Armee einen eindrucksvollen Anfangserfolg erhoffen, wie er auch der Heeresleitung und dem Ballhausplatz erwünscht war. Aber der Entschluß, die 6. Armee von Südostbosnien aus in den Kampf zu werfen, blieb auch dann aufrecht, als der große „Frontwechsel“ und damit das baldige Abgehen der 2. Armee offenkundig geworden war, und als gleichzeitig auch die Hoffnung auf den serbischen Vorstoß gegen Südostbosnien und Sarajevo zu erblassen begann. Nur wandelte sich jetzt die Absicht, den Feind im Gegenangriff zu empfangen, in den Plan, ihm auf der Linie Višegrad—Užice entgegenzugehen. Dabei waren dem Feldzeugmeister die schweren Nachteile, die einer solchen Kriegshandlung anhafteten, ebenso klar, wie die Erkenntnis bei ihm feststand, daß die Operation nur beschränkte Reichweite haben und mit der Umkehr in eine neue Grundstellung enden werde. Er nahm das „Wagnis“, wie er den geplanten Vorstoß selbst nannte, trotzdem auf sich, weil er die demonstrative Anwesenheit der 2. Armee zur Erringung des von der Politik so dringend gewünschten Anfangserfolges so viel als möglich ausnützen wollte.

Neben der räumlichen Trennung durch ausgedehntes, unwirtliches Gelände, das Berechnungen über ein späteres Zusammenwirken der beiden Armeen äußerst erschwerte, fiel noch ins Gewicht, daß die 6. Armee erst sechs Tage nach der 5. voll versammelt sein konnte. Nichtsdestoweniger glaubte das BOK. die Gefahr, daß die zwischen Valjevo und Kragujevac zusammengezogenen serbischen Hauptkräfte durch ein frühes Losbrechen der 5. Armee zu einem unerwünschten Vorstoß in die Nordwestecke Serbiens herausgefordert werden könnten, im Gegensatz zu den Generalen Frank und Böhm-Ermolli durch die drohende Anwesenheit der 2. Armee einigermaßen gebannt. Diese Hoffnung täuschte jedoch. Die serbische Führung warf zwischen dem 12. und 19. August den 65 Bataillonen, llVs Schwadronen und 37 Batterien der k. u. k. 5. Armee allmählich 90 Bataillone, 30 Schwadronen und jedenfalls über 50 Batterien entgegen, von denen allerdings ein Fünftel (die TimD.I) nicht mehr in den Kampf trat. Da von der 21. SchD. nach dem für sie so verhängnisvollen 16. August nur mehr Bruchteile zur Wirkung kamen, die sich hauptsächlich mit serbischer Reiterei herumzuschlagen hatten, wurde die Schlachtenentscheidung in den darauffolgenden drei Tagen nur von vier öst.-ung. Divisionen (9., 36., 42. ID., 13. IBrig., 11. GbBrig.) mit zusammen 52 Bataillonen, 91/2 Schwadronen und 30 Batterien gegen fünf serbische Divisionen mit 74 Bataillonen, 11 Schwadronen und 42 Batterien ausgefochten. Die Serben erkämpften ihren Sieg über die 5. Armee sonach unter dem Kräfteverhältnis 3 :2. Sie verdankten ihren Erfolg dem mit Unerbittlichkeit verfolgten Gedanken, den Nordflügel der 5. Armee einzudrücken, wo nach dem Rückzug der 21. SchD. mangels jeglicher Armeereserve die 9. ID. mit ihren 13 Bataillonen, 2 Schwadronen und 58 Geschützen mehr als zwei Tage hindurch in völliger Abtrennung gegen zweieinhalb serbische Divisionen mit zusammen 36 Bataillonen, 4 Schwadronen und 48 Geschützen, also gegen eine fast dreifache Infanterieübermacht kämpfte, der gegenüber infolge der konzentrischen Wirkung der serbischen Batterien auch die geringe Mehrheit an Geschützen nicht mehr in die Waagschale fiel. Glücklicherweise zogen die zum Teil selbst eingeschüchterten Serben nicht auch noch aus der Lücke Nutzen, die sich im Verlaufe der Jadar -schlacht zwischen dem VIII. und dem XIII. Korps ergeben hatte und die von dem zweitgenannten nur mühsam bewacht werden konnte.

Als Demonstration wäre das Eingreifen von Teilen der 2. Armee zweifellos wirksamer gewesen, wenn es, wie auch FZM. Potiorek vorschlug, weiter östlich, womöglich über die Donau hinweg, erfolgt wäre. Eine Demonstration mehr flußaufwärts mußte die Serben eher in den Nordwestwinkel des Landes hineinlocken, statt sie von ihm und damit auch von der Nordflanke der 5. Armee fernzuhalten. Dennoch glaubte das AOK. aus Rücksicht auf den Abtransport nur einem Vorstoß bei Šabac zustimmen zu dürfen, und ließ sich auch diesen nur allmählich abringen, indem es zuerst lediglich die heldenmütige 29. ID. vorsandte und dann zwei Tage darauf, als das Schicksal der bei Tekeriš fechtenden 9. ID. schon so gut wie entschieden war, den Einsatz des IV. Korps genehmigte. Immerhin hat die Besorgnis der Serben vor der 2. Armee zur Bindung von drei feindlichen Divisionen mit zusammen 46 Bataillonen geführt1), deren größerer Teil sich sonst gegen die öst.-ung. 5. Armee hätte wenden können.

Der unternommene Versuch, Šabac auch nach dem Rückzug der

5. Armee zu halten, gehört zu den schmerzlichsten Episoden des Feldzuges. Er lenkt den rückschauenden Kritiker noch einmal auf die Schattenseiten der Rolle hin, die der 2. Armee im Rahmen des Gesamtaufmarsches zugefallen war und die auf dem Balkan noch nachwirkte, als die Masse dieser Armee schon gegen Norden fuhr.

Daß andererseits erhebliche Teile der 6. Armee, aus dem Raum Sarajevo über Ljubovija an den Südflügel der 5. Armee rechtzeitig herangeführt, in den Verlauf der Schlacht sehr wirksam, wenn nicht entscheidend, hätten eingreifen können, wird sich umso weniger bestreiten lassen, als feststeht, daß die serbische Heeresleitung dieser Richtung die besorgteste Aufmerksamkeit widmete.

Die 5. Armee war bereits auf bosnischen Boden zurückgekehrt, als endlich die 6. Armee am 20. August — wegen der Aufmarschschwierigkeiten noch um zwei Tage später als ursprünglich geplant —zum Schlag gegen die Serben auszuholen vermochte. Vorher hatte wohl das XVI. Korps schon den Montenegrinern eine schwere Schlappe zugefügt, die aber das serbische Hauptquartier kalt gelassen hatte. Ebensowenig waren die Serben durch den Aufmarsch der 6. Armee gegen die Užice-Gruppe zu einer die k. u. k. 5. Armee entlastenden Maßnahme genötigt worden. Das äußerst schwierige Gelände beiderseits der Linie Višegrad—Užice erlaubte es dem Woiwoden Putnik, die Abriegelung der k. u. k. 6. Armee den 31 Bataillonen und 60, nach anderen Quellen 90 Geschützen der Užice-Gruppe zu überlassen.

x) Es waren dies die verstärkten Donaudivisionert I und II und das Obrenovac-Detachement.

Die k. u. k. 6. Armee zerschlug dann wohl, dem Feind an Fußvolk um ein Drittel, an Geschützen doppelt überlegen, den ihr von den Serben entgegengestellten Riegel, doch war es ihr im Hinblick auf die Wendung bei der 5. Armee versagt, die Früchte des Erfolges zu pflücken. Schon hatten das XV. und das XVI. Korps der Walstatt an der oberen Drina und am Lim den Rücken gekehrt, als sich endlich das serbische Oberkommando bereit fand, der Bedrängnis der Užice-Gruppe durch Entsendung der TimD.I nach Valjevo Rechnung zu tragen.

FM. Conrad faßt in seinen Denkwürdigkeiten sein Urteil über die Augustoffensive der Balkanstreitkräfte in die Worte zusammen: „Die ganze Offensive war durch den breiten Ansatz der Kräfte in zwei getrennten, nahezu gleich starken Gruppen, durch das spätere Angehen der vor schwierigen GebirgsVerhältnissen stehenden Südgruppe (6. Armee), hauptsächlich aber durch das Versagen der 21. SchD. zum Scheitern gekommen. Es ist unzulässig, dieses Scheitern auf den angeblich verspäteten Einsatz des IV. Korps zu schieben. Auf dieses Korps durfte eben überhaupt nicht gerechnet werden1).“

Gegen diese Feststellung läßt sich grundsätzlich nichts einwenden. Allerdings gebietet objektive Betrachtung, beizufügen, daß sich die oberste Heeresleitung mit dem Kommando der Balkanstreitkräfte in der Verantwortlichkeit zu teilen hat. Das AOK. hat — nach vorübergehendem Schwanken in den allerersten Augusttagen — sowohl den Angriffsabsichten Potioreks im allgemeinen zugestimmt als auch am 14. August telegraphisch und brieflich die Verantwortung für die ganze Anlage der Offensive in aller Form übernommen. Eine Einschränkung ergibt sich höchstens daraus, daß GdI. Conrad aus Potioreks Meldung vom 8. August herausgelesen haben mochte, am 14. August werde die ganze 6. Armee angriffsbereit sein, indes dies nur für deren Südflügel galt. Wenn hingegen der Generalstabschef am 5. September an GdI. Bolfras schrieb, daß dem Feldzeugmeister bedeutet worden sei, bei der nun bevorstehenden Operation „alle Kräfte an einer Stelle“ einzusetzen, also „nicht so wie bei

!) Conrad, IV, 441. Über die 21. SchD. wurde unmittelbar nach den Kämpfen das Standrecht verhängt. Die Aufhebung erfolgte anfangs September auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers. Die in der ersten Aufwallung verfügte Maßnahme schoß sicherlich übers Ziel. Am wenigsten wäre es gerechtfertigt, das Mißgeschick der Division — wie es auch zuweilen geschah — nationalen Ursachen zuzuschreiben. Dies geht schon daraus hervor, daß die aus den gleichen Gegenden ausgehobenen Bataillone der 9. ID. in denselben Tagen, in denen die Schützen vom Unglück verfolgt waren, Außerordentliches leisteten. Übrigens hatte die 21. SchD. auch das SchR. 6 in seinen Reihen, das treffliche Schwesterregiment des ruhmreichen Egerländer IR. 73.

der ersten, die in zwei getrennten Gruppen erfolgte“, so muß billigerweise dieser Satz auch als Selbstkritik der Heeresleitung aufgefaßt werden, da diese den getrennten Ansatz der beiden Balkanarmeen in voller Würdigung der von Potiorek vorgebrachten, vor allem politischen Gründe im vorhinein gutgeheißen hatte.

Der Feldzeugmeister hatte übrigens wesentlich früher, bereits am

19. August, also noch vor dem Losschlagen der 6. Armee, schon selbst diese Lehre aus den Ereignissen gezogen und zugleich den Entschluß gefaßt, den nächsten Vorstoß gegen Serbien mit zuerst in Nordostbosnien zusammengefaßten Kräften zu unternehmen, wie es später auch geschah.

Die Rolle, die im Augustfeldzug gegen Serbien der mittleren und unteren Führung zugefallen ist, und die Leistungen, die man von den Truppen verlangt hat, sind, soweit es der enggesteckte Rahmen erlaubte, bei der Schilderung der Geschehnisse angedeutet worden. Der Kampf in meist außerordentlich schwierigem, jede Einsicht verwehrendem Gelände gegen einen kriegstüchtigen und rücksichtslosen Feind stellte an die öst.-ung. Truppen körperlich und seelisch die höchsten Anforderungen. Viel blutiges Lehrgeld mußte gezahlt werden, und auch Massenschreck und verwandte Äußerungen psychischer Natur, zu Kriegsbeginn auf allen Schauplätzen zu Hause, empfingen durch die listenreiche Kampfweise eines im „kleinen Krieg“ unübertroffenen Verteidigers noch besondere Nahrung. Dennoch sind die Gesamtleistungen, wie nicht zuletzt das Urteil des Feindes beweist, heroisch zu nennen, woran auch mannigfaches Mißgeschick nichts zu ändern vermag. Der Größe dieser Leistungen entsprachen auch die Opfer an Blut und Leben. Die in die Kämpfe verwickelten Heeresteile verloren an Toten und Verwundeten etwa 600 Offiziere und 22.000 bis 23.000 Mann. Diesen Opfern stand auf serbischer Seite ein Verlust von 16.000 Mann gegenüber.

Die Abwehr der öst.-ung. Offensive hatte auch die Serben so sehr erschöpft, daß sie darauf verzichten mußten, die Früchte des Erfolges in rücksichtsloser Verfolgung zu pflücken. Aber die Räumung ihres Gebietes durch die Truppen einer Großmacht bot ihnen begreiflicherweise Anlaß genug, Siegesjubel anzustimmen, der namentlich auf die Bulgaren seine abschreckende Wirkung nicht verfehlte. Mit ihrem Gegenangriff hatten die Serben auch dem Drängen der Alliierten auf eine kurze Offensive einigermaßen Genüge getan. Sie durften sich nun einige Tage wohlverdienter Ruhe gewähren, während welcher ihren Führern die Befriedigung wurde, über die Verminderung der gegnerischen Streitkräfte um die ganze 2. Armee Gewißheit zu erlangen.

DER SOMMERFELDZUG 1914 GEGEN RUSZLAND

Aufmärsche und Grenzgefechte

Hiezu Beilagen 1, 6 und 9 sowie Skizze 1

Einleitende Maßnahmen des k. u. k. Armeeoberkommandos

Von der Stunde an, da das Eingreifen Rußlands zugunsten Serbiens nicht mehr bezweifelt werden konnte, war für GdI. Conrad auch der Entschluß festgestanden, die Entscheidung nunmehr im Nordosten zu suchen. Wohl sagte er sich, daß er mit seinen Armeen selbst dann, wenn er von dem zum Nebenschauplatz herabgesunkenen Balkan jeden irgendwie entbehrlichen Mann heranzog, gegenüber dem Zarenheer bald in der Minderheit sein werde (S. 22). Trotzdem blieb er als unentwegter Verfechter des Angriffsgedankens auch hier der einmal gefaßten Absicht treu, sein Heil in der Offensive zu suchen.

Allerdings sollte der Chef des Generalstabes, wie im vorigen Abschnitt (S. 96) näher ausgeführt wurde, sich bald genötigt sehen, gegen Serbien und Montenegro immerhin zwei Armeen mit zehn Infanteriedivisionen und fünf selbständigen Brigaden, das heißt um 211/« Bataillone und 84 Geschütze mehr als in der „Minimalgruppe Balkan“ vorgesehen war, zurücklassen zu müssen. Außerdem sollte sich als weiteres Übel des zu verschiedenen Zeiten ausgelösten Zweifrontenkrieges noch die Verzögerung beigesellen, die infolge der früher einsetzenden Bahnbewegung gegen Südosten der Beginn der Mobilisierung und des Aufmarsches gegen Rußland erlitt. Dieses gewann dadurch einen Vorsprung, der bittere Folgen zeitigen konnte. Wenn nichts Schwereres, so war zu besorgen, daß die überlegene russische Reiterei noch vor dem 6. August, an dem die öst.-ung. Mobilisierungstransporte erst zu rollen begannen, über die Grenze vorbrach. Um die Russen zu solchem Tun nicht noch herauszufordern, drang GdI. Conrad in das Außenministerium, die von diesem selbst dringend gewünschte Kriegserklärung an Rußland möglichst hinauszuschieben, welche in der Tat, trotz der Ungeduld Deutschlands, erst am

6. August erlassen wurde1).

In operativer Hinsicht sollte dem Vorsprung Rußlands durch die auch wegen der Haltung Rumäniens notwendig gewordene Rückverlegung des Aufmarsches hinter den Dniester und den San einigermaßen begegnet werden. Von den jenseits dieser Linie stehenden Kräften hatten die gegen die Grenze vorgeschobenen Deckungstruppen nach den im Frieden ausgearbeiteten „Alarminstruktionen“ den Aufmarsch gegen Störungen durch russische Kavallerie zu sichern. Das dahinter bei Czernowitz, Brzeżany und Lemberg in drei Gruppen mobilisierende XI. Korps war angewiesen, einem überlegenen Angriff kampflos gegen Ottynia, Martinów Str. am Dniester und Sambor auszuweichen.

Allen Besorgnissen zum Trotz ging der Aufmarsch in Galizien planmäßig, ohne Störung durch den Feind, vonstatten. Auch der befürchtete Einbruch russischer Reitermassen blieb aus. Wo untergeordnete feindliche Kräfte über die Grenze vorfühlten, wurden sie ohne Schwierigkeiten zurückgewiesen. Diese leicht errungenen Erfolge veranlaßten den Kommandanten des XI. Korps, GdK. v. Kolossváry, am 8. August zu dem Entschluß, Lemberg nicht nur bis zur Vollendung des Aufmarsches, sondern auch bis zum Herankommen der eigenen Armeen zu halten. Das AOK. verstand es sehr wohl, daß der Korpsführer den Krieg nicht mit der freiwilligen Räumung der durch Feldbefestigungen geschützten Landeshauptstadt beginnen wollte. Dennoch ließ es GdK. Kolossváry wissen, daß die planmäßige Durchführung des Aufmarsches die Hauptsache bleiben müsse. Feindliche Kavallerie sei vor den Ausladeorten abzuweisen, feindlichen Armeekörpern in den Aufmarschräumen Halt zu gebieten. Die Entscheidung, ob bei einem überlegenen russischen Angriff, gegebenenfalls mit Unterstützung des bei Sambor aufmarschierenden

XIV. Korps, Lemberg zu halten sein werde, behielt sich die Heeresleitung vor. Gegenüber untergeordneten Kräften sollte die Hauptstadt Galiziens jedenfalls behauptet werden.

Der als möglich in Rechnung gezogene frühzeitige Vorstoß russischer Armeekörper gegen Lemberg verwirklichte sich nicht. Das bedingte Eingehen des AOK. auf die Vorschläge des XI. Korps sollte dennoch der Auswirkung auf die ersten Kriegshandlungen nicht ganz entbehren.

!) Conrad, IV, 175; Wegerer, Die Widerlegung der Versailler Kriegsschuldthese (Berlin 1928), 199 ff. — Gegenüber den Westmächten zog es ÖsterreichUngarn im Hinblick auf die Lage in der Adria vor, sich den Krieg erklären zu lassen.

Neben der Durchführung des eigenen Aufmarsches lag dem Chef des Generalstabes vor allem die Zusammenarbeit mit dem deutschen Verbündeten im Sinne der vor dem Kriege getroffenen Abmachungen am Herzen. Am 3. August ließ ihm GO. Moltke die ersten Mitteilungen über die Aufstellung des deutschen Ostheeres, der vom GO. v. Prittwitz befehligten 8. Armee, zugehen; die Masse, viereinhalb Armeekorps, eine Kavalleriedivision und drei gemischte Landwehrbrigaden, marschierten bei und nördlich von Thorn, das aus zwei Divisionen bestehende schlesische Landwehrkorps des GdI. v. Woyrsch gegenüber von Kalisz und Czenstochau auf, fünf Reservedivisionen sollten am 12. folgen und je nach der Lage eingesetzt werden. Bedeutsam war, was Moltke über die den deutschen Oststreitkräften erteilte Weisung schrieb x):

„Dem Oberbefehlshaber ist befohlen, möglichst starke Kräfte der nördlichen und westlichen russischen Heeresgruppen zu binden, sie damit vom österreichischen Heere abzuziehen und diesem den ersten Kampf zu erleichtern.

Unternehmen die Russen eine frühzeitige Offensive nach Ostpreußen mit Kräften, die dem deutschen Ostheere stark überlegen sind, so wird dadurch ein Sieg des öst.-ung. Heeres erleichtert werden, um so mehr, je früher das öst.-ung. Heer den Vormarsch nach Rußland antritt.

Erfolgt eine solche frühzeitige und stark überlegene russische Offensive gegen Deutschland nördlich der Weichsel nicht, so wird der deutsche Oberbefehlshaber mit dem deutschen Ostheere nach Rußland hinein vorgehen in einer Richtung, welche dem österreichischen Heere die größte Erleichterung bringt....

Das gegenüber Kalisz—Czenstochau aufmarschierende deutsche Armeekorps wird in jedem Falle am 12. Mobilisierungstag den Vormarsch über Kalisz—Czenstochau auf Radom—Nowo-Aleksandrija antreten. Dem kommandierenden General dieses Armeekorps ist befohlen, unaufhaltsam nach Rußland vorzudringen und sich dem Vormarsch der österreichischen linken Armeegruppe an deren linkem Flügel anzuschließen. Mit der Annäherung an starke russische Kräfte wird der kommandierende General auf die Vereinigung seines Armeekorps und auf das taktische Zusammenwirken mit der linken österreichischen Armeegruppe Bedacht nehmen.

Das österreichische Heer kann somit auf eine tatkräftige Unterstützung seiner Offensive nach Rußland durch alle im Osten Deutschlands aufmarschierenden deutschen Streitkräfte mit Bestimmtheit rechnen. Der gemeinsame Erfolg wird um so größer sein, je früher und je unaufhaltsamer der Vormarsch nach Rußland hinein erfolgt . . .“

Conrad beeilte sich, noch am gleichen Tage eine analoge Benachrichtigung an Moltke abgehen zu lassen. Er rechnete damit, daß von den zunächst an die San—Dniesterlinie herangeführten 30^2 Infanterie-

*) Persönlicher Brief Moltkes an Conrad mit beigelegtem Dienstschreiben, Berlin, 2. August, und ebenso ausgestattete Antwort Conrads, Wien, 3. August; bei Conrad, IV, 318 ff. — Am Ende seines Antwortschreibens wünscht GdI. Conrad: „Möge es unseren in deutscher Treue verbündeten Armeen beschieden sein, aus diesem Riesenkampf erfolgreich hervorzugehen!“ divisionen der linke Flügel am 20., der rechte am 23. August vorrückungsbereit sein konnte. Nach dem Zufluß von weiteren 8 Infanteriedivisionen stand Ende August in Mittel- und Ostgalizien eine Heeresmacht von 38Vo Infanteriedivisionen, 2 Marschbrigaden, 8 Landsturminfanteriebrigaden und (vor der Front) 10 Kavalleriedivisionen mit zusammen 670 Bataillonen, 330 Schwadronen und ebensovielen Batterien zur Verfügung. Gelang die Versammlung der 30 Vs Divisionen ohne Störung durch den Feind, so sollte ehestens zur Offensive geschritten werden, deren Ziel auf jeden Fall war, die Armeen der russischen Südfront gegen Osten und Südosten abzudrängen. Wenn die Hauptkraft des Feindes von Osten kam, so hatte der linke Flügel des eigenen Heeres sofort — das ist am 20. August — in dieser Richtung einzuschwenken, um im Anschluß an den rechten alsbald in eine von Nord nach Süd verlaufende Front zu gelangen. Drohten starke feindliche Kräfte von Norden her, dann mußten sich die k.u.k. Armeen vorerst mit rechts gestaffeltem Vormarsch in dieser Richtung Luft schaffen; der linke Flügel sollte hiezu am 22. antreten, der rechte nach Gewinnung der vollen Schlagfertigkeit folgen. Der Schutz der Westflanke war auf jeden Fall der aus einer Kavalleriedivision, einem Radfahrbataillon und 44 Landsturmbataillonen samt Artillerie bestehenden Armeegruppe GdK. Kummer anvertraut, die am 17. August von Krakau aus nach dem von den Russen tatsächlich geräumten Südwestpolen vorzustoßen und in weiterer Folge aufwärts von Iwangorod die Weichsel zu überschreiten hatte.

Die Zusammenarbeit zwischen dieser Gruppe und dem Korps Woyrsch, das von Kalisz und Czenstochau aus über Radom auf Nowo-Aleksandrija vorrücken sollte, regelte sich von selbst. Was das Zusammenwirken der Hauptkräfte anbelangte, so drückte sich die eben eingelangte Mitteilung des deutschen Generalstabes keineswegs mehr so entschieden aus, wie es Conrad nach den Abmachungen der Friedenszeit erwartet hatte1). Auf Grund dieser Vereinbarungen rechnete Conrad bestimmt mit einer Offensive des deutschen Ostheeres „in der Richtung Siedlce“, also in den Rücken von Warschau. Diese Offensive war für den Generalstabschef ein wesentlicher Bestandteil des vor dem Kriege einvernehmlich aufgestellten Operationsplanes gegen Rußland; blieb sie aus, dann fehlte der eine der Hebel der „polnischen Zange“, in die

1j Vgl. S. 13 f und Conrad, I, 404; weiter Kiszling, Das deutsche Ostheer im Sommerfeldzug 1914 (Mil. wiss. Mitt., Wien 1924, 385 ff) sowie Reichsarchiv, Der Weltkrieg 1914—1918, II (Berlin 1925), 3 ff.

GdI. Conrad das russische Heer nehmen wollte. Einzig eine Verhinderung „durch den Feind“ rechtfertigte nach den Friedensabmachungen ein etwaiges Unterlassen des zugesagten Angriffes. Eine solche Verhinderung war aber nach Conrads Auffassung noch lange nicht gegeben.

Im Gegenteil hiezu verriet schon das am 3. August eingelangte Schreiben Moltkes geringen Glauben an die Operationsfreiheit des deutschen Ostheeres in der von Conrad gewünschten Richtung. Es verhieß eine Offensive nach Rußland hinein nur für den Fall, daß dieses nicht frühzeitig und mit stark überlegenen Kräften in Ostpreußen einbrach, und sprach auch nur ganz allgemein von einer Stoßrichtung, „welche dem österreichischen Heere die größte Erleichterung bringt“. GdI. Conrad gab sich aber mit einem so allgemeinen Versprechen nicht zufrieden. Er forderte ausdrücklich einen Vorstoß des deutschen Ostheeres in der im Frieden vereinbarten Richtung. Dieses Verlangen blieb in den nächsten drei Wochen das Um und Auf seiner Auseinandersetzungen mit dem deutschen Generalstabe und wurde es um so mehr, je klarer gegen Mitte August der Aufmarsch des Feindes und damit das Zusammenballen starker russischer Kräfte im Raume Warschau—Brest-Litowsk—Lublin zu erkennen war.

Nach dem Bilde, das sich der k. u. k. Chef des Generalstabes am 15. August über die Lage beim Feinde machte1), zog dieser drei große Kraftgruppen zusammen. Die nördlichste unter GdK. Rennenkampf bedrohte Ostpreußen von Osten her und wurde vom k. u. k. AOK. auf sechs bis sieben Korps geschätzt. Eine mittlere Gruppe, welche die fünf Korps des Moskauer Militärbezirkes und vielleicht noch die zwei Kasaner Korps umfaßte, sammelte sich um Brest-Litowsk und etwa auch gegen Cholm und Lublin hin; sie schien sich am Narew durch ein Korps, an der galizischen Grenze zwischen Weichsel und Bug durch zwei bis drei Korps (XIV., XIX. und vielleicht noch Teile des XIII.) zu sichern. Eine dritte, die südlichste Kraftgruppe, die offenbar aus den Truppen der Militärbezirke Kiew und Odessa und wohl noch einem kaukasischen Korps, also zusammen aus acht Korps bestand, reichte gegenüber der Ostgrenze Galiziens von Dubno bis an den Dniester oder Pruth und wurde rechts, bei Kowel, möglicherweise noch durch die zwei Kasaner Korps verstärkt. Diese dritte Gruppe bedeutete für das in Ostgalizien aufmarschierende öst.-ung. Heer eine gewaltige Flankenbedrohung, während sich die russische Mittelgruppe ebenso südwärts wie geradewegs nach Westen in den Rücken Deutschlands wenden konnte. Immerhin war

x) Conrad an Prittwitz, Wien, 15. August; Conrad, IV, 392 ff.

aber auch die Bedrohung von dieser Seite so stark, daß sie Conrad endgültig auf den Plan zurückkommen ließ, sich zunächst durch einen zwischen Bug und Weichsel geführten, jedenfalls bis Cholm und Lublin vorgetragenen Nordstoß jene Handlungsfreiheit zu sichern, die auch für erfolgreiche Abwehr der Gefahr von Osten geschaffen werden mußte.

Mit dieser schärferen Formung der Absichten wurde auch Conrads Wunsch nach entsprechender Mitwirkung des deutschen Ostheeres nur noch brennender. Hatte er am 3. August zu Moltke noch von einer Offensive der deutschen 8. Armee in der „allgemeinen Richtung Siedlce“ gesprochen, so erklärte er am 13.1), daß „wohl nur dann überhaupt an einen Erfolg zu denken ist, wenn auch diese deutschen Kräfte vereint mit unseren zwischen Bug und Weichsel schlagen“, und tags darauf telegraphierte er an das Kommando des deutschen Ostheeres zu Marienburg2), daß „raschestes Erreichen von Siedlce dringend geboten“ sei. Daß diese Forderungen sozusagen eine Steigerung seines am 3. August ausgesprochenen Wunsches bedeutet hätten, geht aus den Denkwürdigkeiten Conrads nicht hervor. Die DOHL. und GO. Prittwitz mochten sie immerhin in diesem Sinne auf gef aßt haben.

Beide, die DOHL. und das Kommando des deutschen Ostheeres, hatten sich bis zum 15. in Betreff der tatsächlich gefaßten Absichten in Schweigen gehüllt. Erst an diesem Tage brachte ein Drahtschreiben des bei GO. Prittwitz eingeteilten k. u. k. Hptm. v. Fleischmann eine für Conrad allerdings nicht sehr erfreuliche Aufklärung3). Eine drei Korps und vier Kavalleriedivisionen starke russische Armee unter Rennenkampf sei eben in Begriff, „von Kowno, Olita und südlich“ in Preußen einzubrechen; eine zweite habe, offenbar von Brest-Litowsk aus, zwei Korps und zwei Kavalleriedivisionen gegen den Narew vorgeschoben. Das deutsche Ostheer werde zunächst gegen Rennenkampf einen Schlag führen, „welcher in den nächsten Tagen erfolgen dürfte. Dann erst können Operationen in der Richtung Siedlce eingeleitet werden“.

Das war so ziemlich das Gegenteil dessen, was GdI. Conrad sich erhofft hatte. Er versprach sich von solch exzentrischem Vorgehen der

*) Conrad, IV, 208 ff. Aus diesem Schreiben erhellt, daß Conrad damals ein Zusammengehen des rumänischen Heeres mit den Mittelmächten für nicht ganz ausgeschlossen hielt. Die politischen Entwicklungsmöglichkeiten beschäftigten ihn in diesen noch unklaren Zeiten sehr stark, was auch aus seinem Briefwechsel entnommen werden kann. Aus Raumgründen wurde aber Abstand genommen, das fast täglich wechselnde Bild hier wiederzugeben.

2)    Ebenda, IV, 388.

3)    Ebenda, IV, 390.

deutschen 8. Armee nichts Ersprießliches und ließ am gleichen Abend ein längeres Schreiben nach Marienburg abgehen, um Prittwitz noch in elfter Stunde von der Notwendigkeit des Stoßes in den Rücken von Warschau zu überzeugen. Ob nun der Galizien von Osten her bedrohende Feind eine Fortführung des öst.-ung. Nordstoßes über Lublin hinaus erlaube oder nicht, auf jeden Fall müsse die Masse des deutschen Ostheeres, die Abwehr gegen Rennenkampf den „hinzutretenden Reservedivisionen und Landwehrdivisionen“ überlassend, aufs polnische Schlachtfeld herbeieilen. Sprach das Schreiben an GO. Prittwitz an einer Stelle noch von „der allgemeinen Richtung über Siedlec“, so fordert es an zwei anderen Stellen ganz entschieden ein Vordringen „über“ diesen vielgenannten Ort hinaus. Daß Conrad kühnen Ideenfluges in der Tat an ein Zusammenwirken auf der Walstatt dachte, erörtert er in seinen Denkwürdigkeiten !). Wohl hatte er im Frieden stets damit gerechnet, daß die deutsche Ostarmee 12 bis 14 Divisionen stark sein werde. Aber auch bei der nicht unerheblich geringeren Stärke, mit der Deutschland, wegen des Fernbleibens der Italiener von den Vogesen, im Osten in den Kampf trat, schien es ihm möglich, daß GO. Prittwitz drei Divisionen gegen Rennenkampf zurückließ, mit den anderen sechs und der Kavalleriedivision aber nach Südosten angriff.

Nun wußte Conrad, als er sich solchen Erwartungen hingab, freilich nicht, daß die ihm unbekannt gebliebene „Aufmarschweisung“, welche die deutsche 8. Armee von der DOHL. erhalten hatte 2), gegenüber seinen Wünschen noch zurückhaltender abgefaßt war als das Schreiben Moltkes vom 3. August. Zwar hatte der Oberbefehlshaber des deutschen Ostheeres dessen Operationen „nach freiem Ermessen zu leiten“, und es wurde ihm nahe gelegt, „übereinstimmendes Handeln mit dem österreichischen Heere anzustreben“. Aber im Grundtone der Aufmarschweisungen wurde „die schwierige Aufgabe ..., unsere [deutschen] östlichen Provinzen gegen einen russischen Einfall zu sichern“, gegenüber dem zweiten Auftrag, „auch die von Österreich beabsichtigte Offensive zu unterstützen“, eindrucksvoll herausgehoben. In nicht unerheblicher Abschwächung gegenüber dem Schreiben Moltkes vom 3. August erklärte die Aufmarschweisung einen Vorstoß nach Rußland hinein nur mehr für den wenig wahrscheinlichen Fall als zulässig, daß der Feind gegenüber Deutschland überhaupt defensiv blieb; für die Richtung des Vorstoßes hatte auch dann, ohne eine nähere Bindung, „die allgemeine Lage maß-

1)    Conrad, IV, 282 und 375 f.

2)    R e i c h s a r c h i v, II, 43 ff.

1 2. Aufl.    11

gebend“ zu sein. Auf den Herzenswunsch Conrads wies ganz schüchtern einzig die Bemerkung hin, daß selbst der Narew mit seinen Befestigungen der deutschen S. Armee, wenn überhaupt eine Offensive in südöstlicher Richtung möglich sei, „keine unüberwindlichen Hindernisse“ bieten dürfe. Weisungen solch gemäßigter Sprache, den weitgehenden Forderungen des Bundesgenossen entgegengehalten, boten dem ohnehin nicht sehr zuversichtlichen GO. Prittwitz Handhabe genug, sich zunächst der Behauptung Ostpreußens zu widmen, ohne die man deutscherseits auch den Vorstoß über den Narew als unausführbar erachtete.

Gleich dem Schreiben vom 15. blieb denn auch ein weiterer Brief, den GdI. Conrad zwei Tage später an Prittwitz abgehen ließ, ohne Erfolg. Die deutsche S. Armee hatte zu dieser Stunde bei Gumbinnen schon den Fehdehandschuh aufgenommen, der ihr von Rennenkampf zugeworfen worden war.

Am 16. August, in der zweiten Morgenstunde, hatten Erzherzog Friedrich und GdI. Conrad mit ihrem engeren Stabe Wien verlassen. Es war dem schlichten Denken des Armeeoberkommandanten und auch der jedem Aufsehen abholden Art des Generalstabschefs angepaßt, daß die Abreise in aller Stille vor sich ging. Nach mehr als 36stündiger Fahrt erreichte die Heeresleitung am 17. um 5h3° nachm. die Sanfeste Przemyśl, wo sie in den Baracken von Zasanie auf Stroh und bei Petroleumlicht ihr Lager aufschlug. Schicksalsschwere Nachrichten harrten ihrer: unten im Südosten wurde schon seit einigen Tagen erbittert gerungen und auch an der galizischen Grenze waren allenthalben längst die ersten Schüsse gefallen und junges Blut hatte die sommerliche Erde gerötet. Dazu die brennenden Fragen der politischen Gestaltung auf dem Balkan und die wahrlich kaum mehr wohlwollende Haltung Italiens!

Die Vorsehung hatte auf die Schultern derer, denen nun die Leitung des öst.-ung. Heeres zufiel, eine fast erdrückend schwere Last gelegt.

Versammlung des öst.-ung. Nordheeres

Bereitstellung und Fernaufklärung

Entgegen den ursprünglichen Besorgnissen vergingen auch seit Beginn der Eisenbahnbewegung noch einige Tage, ehe, um den 9. August, die ersten Reitergeschwader des Feindes zwischen dem Bug und der Bukowina nach Galizien vorfühlten. Der öst.-ung. Grenzschutz, Kaval-

lerie und Infanterie, wacker unterstützt von Gendarmen, Landstürmern und Finanzwache, schritt auf Geheiß der Heeresleitung ungesäumt an die Vertreibung des Eindringlings. Die Gegend am Zbrucz war schon am 13. gesäubert. Bei Zalośce wurde die russische 9. KD. am 11. nach zweitägigem Verweilen von der aus Tarnopol herbeieilenden 13. KBrig., GM. Berndt (8. KD.), zu fluchtartigem Rückzug gezwungen. Bei Brody nötigte die durch 4 Bataillone verstärkte 4. KD., GM. Ritt. v. Zaremba, die russische 11. am 15. zu schleunigem Verlassen von Galizien; das SchR. 35 stieß auf Radziwilów nach. Bei Sokal waren am 11. die russische

7. KD. und Teile der 17. ID. eingedrungen; nach drei Tagen stellte sich ihnen 10 km weiter südlich FML. Ritt. v. Ziegler mit seiner 2. KD. und zwei Infanteriebataillonen entgegen, worauf der Feind kampflos hinter die Grenze auswich. Mitte des Monats war die Säuberung Galiziens abgeschlossen.

Inzwischen hatte der Aufmarsch der k.u.k. Armeen schon starke Fortschritte gemacht. Seit 6. galt die Kriegsfahrordnung. Vom 9. an hatten die nach Nordosten führenden Bahnen mit voller Kraft gearbeitet. Nun trafen täglich 140 hundertachsige Züge mit etwa 7000 Wagen im Aufmarschraum ein. Den Rücklauf des Leermaterials mitinbegriffen, waren von Mitte August an über 800 „Hundertachser“ mit 400.000 Wagen in Bewegung; hintereinandergereiht hätten sie eine Geleislänge von 400 km bedeckt. Der fast reibungslose Verlauf dieser gigantischen Massenbewegung hob das Selbstgefühl der Armee und ihrer Führung und stärkte bei allen, die in dieser schweren Stunde zu Kaiser und Reich standen, das Vertrauen in die öffentlichen Gewalten1).

Am rechten Flügel der aufmarschierenden Streitkräfte, bei Stanislau und Stryj, sammelte GdI. v. Kövess die zunächst aus 2 Korps, dem XII. und III., bestehende Hauptkraft seiner Armeegruppe. Die in diesem Bereich gegen die Grenze vorgeschobenen 2V2 Infanteriedivisionen, die 11. ID., die 43. SchD. und die 35. LstlBrig. sowie 3 Kavalleriedivisionen., die 1. KD., die 5.HKD. und die 8. KD., traten gleichfalls unter seinen Befehl. Die 3. Armee, GdK. Rudolf Ritt. v. Brudermann, marschierte in zwei Gruppen auf, einer stärkeren bei Sambor, die bis zum 20. August aus dem XIV. Korps, der 41. HID., der 88.KSchBrig. und der 108. LstlBrig. bestehen sollte, und einer schwächeren, dem nur mehr die 30. ID., die 11. MaBrig. und die 93. LstlBrig. umfassenden XI. Korps, das nach wie vor Lemberg deckte. Gegen die Grenze hatte die Armee die 4. KD.,

!) Ratzenhofer, Das Kriegseisenbahnwesen (Mil. wiss. Mitt., Wien 1927, 433 ff und 692 ff, sowie 1928, 56 ff und 149 ff).

die 24. HKBrig. der erst für den 24. August erwarteten 11. HKD.und die

2. KD. vorgeschoben. Links von Brudermann, um Przemyśl und Jaroslau, zog GdI. Ritt. v. Auffenberg die Masse seiner 4. Armee, das VI. und

II. Korps mit je 3 Divisionen und die 19. ID., zusammen; die 10. ID. und die 6. KD. standen nordöstlich der Hauptkraft im Sicherungsdienst. Zwischen Sieniawa und Łańcut formte GdK. Dankl, gedeckt durch die

9. und 3. KD., das X., V. und I. Korps nebst verschiedenen kleineren Verbänden zur 1. Armee. Weitere Divisionen sollten nach dem 20. den Armeen zufließen, vor allem dem rechten Flügel, wo aus der Armeegruppe Kövess durch den Einsatz der vom Balkan herangeführten Korps VII und IV die 2.Armee, GdK. v. Böhm-Ermolli, zu bilden beschlossen war.

Die um Krakau zusammengezogene Armeegruppe GdK. Ritt. v. Kummer hatte zwei ihrer drei Landsturminfanteriebrigaden, die 95. und die 106., durch Zuweisung von mobilen Batterien und Maschinengewehren der Festung zu je einer Division ausgestaltet. Die gleichfalls zu ihr gehörende 7. KD., FML. Edl. v. Korda, befand sich schon seit dem 6. August auf russischem Boden und sollte befehlsgemäß bis längstens zum 19. die Weichselstrecke Annopol—Iwangorod erreichen. Sie war gleich nach Beginn der Vorrückung auf eine stärkere gemischte Abteilung des Feindes (14. KD., 2. SchBrig. und Grenzwachtruppen) gestoßen, die sich aber erst bei Kielce zu ernsterem Widerstand aufraffte. Unterdessen hatte am

13. auch die Hauptkraft Kummers die Grenze überschritten und am 16. in der Linie Nowe Brzesko—Miechów die Fühlung mit dem tags zuvor von Czenstochau und Kalisz gegen Przedbórz und Piotrków aufgebrochenen deutschen Landwehrkorps, GdI. v. Woyrsch, aufgenommen. Sie sollte ungesäumt ihrer Reiterei an die Weichsel folgen.

Eine Woche bevor die in Mittel- und Ostgalizien aufmarschierende Masse des Heeres vorrückungsbereit sein konnte, hatte im Sinne eines vom AOK. schon am 11. erlassenen Befehles auch östlich der Weichsel die strategische Fernaufklärung eingesetzt. Von den in der Kriegsgliederung ausgewiesenen 42 Flugzeugen war nur ein begrenzter Teil verwendungsfähig. Daher rief das AOK. noch einmal im Geiste alter Überlieferungen die Reiterei vor die Front1). Mochte es den großen Kavalleriekörpern vielleicht auch nicht gelingen, die ihnen angewiesene Linie Mohilew—Łuck—Kowel—Lublin (Skizze 1) zu erreichen, so sollten sie doch wenigstens bis an die russischen Infanteriespitzen herankommen, wobei im besonderen die an der äußersten Rechten manövrierenden Divisionen den am Dniester vermuteten Südflügel der Russen festzustellen hatten.

i; Pitreich, Lemberg 1914 (Wien 1929), 20 f.

Am 15. früh ritt die Kavallerie allenthalben los. Mit selbstverständlichem Elan jagten die Patrouillen und Nachrichtendetachements in den sarmatischen Sommermorgen hinein; in prachtvoller Geschlossenheit folgten die großen Geschwader. Überall hefteten sich an sie auch einige Infanteriebataillone, stets bereit, der geringen Feuerkraft der Schwesterwaffe nötigenfalls Nachdruck zu verleihen. Aber schon die Ergebnisse der ersten 48 Stunden bewiesen dem AOK., daß es unmöglich war, die weitgesteckten Ziele aufrechtzuerhalten. Die von GdI. Kövess über den Zbrucz entsandten Divisionen stießen knapp jenseits der Grenze auf einen zu ernstem Widerstand entschlossenen Feind. Wohl gelang es der am weitesten südlich vorgehenden 1. KD., am 17. abends in Kamieniec-Podolski einzudringen. Dagegen mühte sich am selben Tage die durch eine Brigade der 8. KD. verstärkte 5.HKD. vergebens, im Fußgefecht und auch durch Attacken zu Pferd die 2. KosD. und die ihr zugeteilte schwache Infanterie aus den drahtumzäunten Verschanzungen von Go-rodok zu werfen. Zu Tode ermattet in Satanów lagernd, wurde sie in der Nacht darauf noch die Beute einer Panik, bei der der Divisionär

- FML. v. Froreich ums Leben kam39). Nördlich von ihr sollte bei Zbaraż die 8. KD., FML. Ritt. v. Lehmann, vor der russischen 10. KD. und einem dieser beigegebenen Infanterieregiment nach mehrtägigen Scharmützeln das Feld räumen müssen. Vor der 3. Armee war die 4. KD., GM. Zaremba, schon am 16. genötigt gewesen, bei Radziwiłów wieder umzukehren, da sie in der Front von zwei feindlichen Divisionen, der 11. KD. und der 11. ID., gedrückt und bei Zalośce von der dort eingebrochenen russischen 9. KD. in ihrem Rückzug bedroht wurde. Im Gegensatz hiezu vermochte weiter westlich die 24. HKBrig. verhältnismäßig weit vorzudringen. Sie gelangte, nachdem sie am 15. bei Stojanów mit der tags zuvor von der 2. KD. abgeschüttelten feindlichen Gruppe handgemein gewesen war, am 17. bis Szklin. Dagegen war die links von ihr angesetzte

2. KD. am 16. bei Wladimir-Wołyński auf unüberwindbaren Widerstand gestoßen. Da ihr gleichzeitig die über Rawa Ruska in Galizien eindringende komb. KD. der Russen den Rücken abzugewinnen drohte, hieß es auch für sie, schleunigst umzukehren. Ebenso vermochte die von der 4. Armee vorgesandte 6. KD., FML. Wittmann, trotz Verstärkung durch zwei Bataillone IR. 4 und die 17er Feldjäger nicht durchzudringen. In den wechselvollen Kämpfen bei Narol fand am 15. August Obst. Freih. v. Holz-

i) Daß FML. Froreich, wie es hieß, durch Selbstmord endete, ist nicht erwiesen. Siehe auch Ungar. Kriegsarchiv, A világháború 1914—1918, I (Budapest 1928), 135, und Dragoni im „Neuen Wiener Tagblatt“ vom 12. Mai 1929.

hausen in der Schützenkette seiner Deutschmeister den Heldentod*). Von den der 1. Armee voranreitenden Divisionen kam die 9., FML. Freih. v. Hauer, in den ersten Tagen auf der Straße Biłgoraj—Frampol ungehindert vorwärts, während die 3. KD., FML. Adolf Ritt. v. Brudermann, und das ihr beigegebene hannakische IR. 54 schon am 16. vor Kraśnik durch einen stark überlegenen Feind (13. KD., GKBrig., 18. ID. des XIV. Armeekorps) in mehrtägige erbitterte Kämpfe verwickelt wurden.

Noch waren diese Ergebnisse beim AOK. nicht völlig bekannt, als hier, nach der Ankunft in Przemyśl (17. August), der Entschluß reifte, die Aufgaben der Reiterei des rechten Flügels und der Mitte beträchtlich einzuschränken. Es genügte, wenn die unmittelbare Grenzzone erkundet wurde. Nur zwischen Bug und Weichsel, im Angriffsraum der 4. und

I.    Armee, und selbstverständlich auch für die Armeegruppe Kummer blieben die ursprünglichen Aufklärungsziele in Geltung. Gleichzeitig warnte die Heeresleitung davor, allzuviel Infanterie und Artillerie in die Grenzkämpfe hineinziehen zu lassen. Hatte doch das XI. Korps bis dahin fast die Hälfte seiner Bataillone der Reiterei folgen lassen!

Gemäß diesen Weisungen rief GdI. Kövess die inzwischen über Ka-mieniec-Podolski hinausgestoßene 1. KD. wieder hinter den Zbrucz zurück40), wo sie zunächst bei Czortków Aufstellung nahm. Nordwestlich davon sammelten sich an der Strypa, gestützt durch drei Bataillone der

II.    ID., die kampffähigen Abteilungen der hart mitgenommenen 5. HKD., während die 8. KD. wieder bei Tarnopol zusammengezogen wurde.

Im Bereiche der 3. Armee ergab sich vor allem die Aufgabe, die über die offene Grenze nach Galizien übergetretenen russischen Kavalleriekörper zurückzuweisen, denen sich bei Zalośce neben den schon genannten noch die 10. KD. samt Infanterie zugesellt hatte. Zwischen dieser und der k. u. k. 4. KD. kam es am 21. August bei Jaroslawice nördlich von Zborów zu einem der wenigen wirklichen Reiterkämpfe des Weltkrieges. Blieb auch das Handgemenge an sich unentschieden, so endete der Tag für die öst.-ung. Reiterei und die ihr beigegebenen Schützen in Anbetracht der schweren Verluste an Mannschaft und Geschützen doch unglücklich. Die zur Mitwirkung herangeholten Teile der 11. ID. und der 8. KD. kamen zu spät, dieses Geschick abzuwenden; immerhin wurde der Russe in diesem Raume bis zum Anrücken seiner Infanteriemassen in die Schranken gewiesen1).

Glücklicher als dieses Manöver verlief die Einkreisung der russischen komb. KD., die zuerst bei Żółkiew den Weg nach Lemberg durch die 30. ID. versperrt fand, dann bei Kamionka-Strumilowa im Gefecht mit dem Troß der 24. HKBrig. einen ihrer Brigadiere, Gen. Wannowski, verlor, überdies von Westen her durch Abteilungen der 30. ID. bedroht wurde und sich schließlich nur unter großen Verlusten gegenüber der von Norden kommenden k. u. k. 2. KD. bei Turynka durchschlagen konnte2).

Von den Kavalleriedivisionen des linken Flügels ritt die 6. am 22. August in Zamość ein, das sie allerdings tags darauf vor anrückender Übermacht wieder räumen mußte. Die 9. KD. kam am 18. auf 15 km über Turobin hinaus, wurde aber Tags darauf genötigt, auf Frampol am Nordrand der abseits der wenigen Wege ungangbaren Tanewniederung zurückzuweichen, wo sie sich gemeinsam mit dem oberungarischen IR. 72 am 20. und 21. gegen heftig angreifende russische Reiterei behauptete. Die

3. KD. ging nach vergeblichem Bemühen, bei Kraśnik durchzudringen, an den Nordrand der Tanewniederung zurück. Von da aus kurz vor Antritt des allgemeinen Vormarsches ins Weichselgelände entsendet, stieß sie am 22. bei Gościeradów auf durch starke Artillerie gestützte feindliche Infanterie, der sie unter beträchtlichen Verlusten Raum geben mußte.

Westlich der Weichsel war inzwischen die 7. KD. am 16. von Kielce nach Opatów gerufen worden, wo sie Tags darauf von GdI. Kummer den Auftrag erhielt, Nachrichten über das Erscheinen stärkerer feindlicher Kräfte an der großen Straße Iwangorod—Radom—Szydłowiec zu überprüfen. Die 7. KD. konnte aus dem Raume nordwestlich von Opatów sehr bald die Haltlosigkeit dieser Gerüchte feststellen. Gleichzeitig vermochte sie zu melden, daß die russische 14. KD., die ihr bei Kielce den Weg verstellt hatte, über Ostrowiec in der Richtung Sandomierz abgezogen war. Die 7. KD. blieb nun links auswärts und erreichte am 22. Iłża. Am selben Tage gewann die Armeegruppe Kummer in breiter

*) Lauer, Das Reitergefecht bei Jarosfawice—Woiczkowce, Wehrzeitung Nr. 39 und 41/1924. — Zaremba, Feststellung hiezu, Wehrzeitung Nr. 44/1924. — V i d a 1 e, Das Reitergefecht bei Jarosławice (Der Schweizer Kavallerist, Hefte 8, 9, 10 von 1929). — Hoen -Waldstätten, Die letzte Reiterschlacht der Weltgeschichte (Jarosiawice 1914) (Wien 1929).— In diesem Reitertreffen hatte das k. u. k. Dragonerregiment Nr. 15 besonders wacker gefochten. Sein Nachfolgetruppenkörper im österr. Bundesheer, die Burgenländische Dragonerschwadron Nr. 1, feiert dieses Gefecht als Gedenktag.

2) Danilow (Daniloff), Rußland im Weltkriege 1914—1915 (deutsche Ausgabe, Jena 1925), 175 ff. — Ungar. Kriegsarchiv, I, 155.

Front die Räume um Staszów—Raków und Kielce, indes Woyrsch, im Norden von feindlicher Reiterei umschwärmt, zunächst Radom zustrebte. Die Hoffnung, daß sich den verbündeten Truppen auf dem Marsche durchs Weichselland patriotische Polen zum Kampfe gegen den Zaren stellen würden, hatte sich nicht erfüllt!

Die letzten Entschlüsse vor Beginn der großen Käm-pfs

Das Ergebnis der Fernaufklärung durch die Kavallerie war mit Rücksicht auf die Stärke der russischen Heereskörper, an welche die Reiterdivisionen anrennen mußten, weit hinter den Opfern zurückgeblieben, welche die prächtige Waffe, vornehmlich für den Kampf zu Pferd und mit dem Säbel erzogen, dargebracht hatte. Durch die großen Strapazen, die außerordentlich empfindlichen Verluste und infolge der durch einen unpraktischen, übermäßig bepackten Sattel erzeugten „Drücke“ wurde eine Reihe von Divisionen für mehrere Tage verwendungsunfähig1). Auch sonst mußte die Heeresleitung ihr Urteil über die Lage beim Feinde auf sehr wankende Grundlagen aufbauen. Verhältnismäßig klar sah man westlich der Weichsel. Flieger, die von der Sanmündung weichselabwärts aufgeklärt hatten, erhärteten die Meldungen Kummers, daß der Russe dieses Gebiet geräumt habe. Zwischen der Weichsel und dem Bug wurde bis zum 22. zweifelsfrei die Anwesenheit von 5 Armeekorps im Raume Turobin—Krasnostaw—Cholm—Lublin festgestellt, deren Masse zum Vormarsch in südöstlicher Richtung zu rüsten schien. Die vergleichsweise verläßlichen Mitteilungen über diese Truppenansammlungen bestärkten GdI. Conrad in seinem Entschluß, den Feldzug jedenfalls durch einen Nordstoß des linken Heeresflügels einzuleiten. Die feindliche Kraftgruppe im Raume Cholm—Lublin, hinter der gegen Warschau und Brest-Litowsk zweifellos weitere Kräfte aufmarschierten, konnte ebenso das k. u. k. Nordheer durch eine rechts ausholende Umfassung von seinen nach Westen gehenden Hauptverbindungen abschneiden, wie sie über die mittlere Weichsel in der Richtung auf Posen vorzurücken vermochte. Damit waren die Vorbedingungen gegeben, die Conrad schon im Frieden den Angriff zwischen Weichsel und Bug hatten erwägen lassen.

Beträchtliche Schwierigkeiten bei der Ausführung des Planes ergaben sich freilich von Anbeginn aus der Unklarheit, die über die Absichten des Feindes im weiten Bogen zwischen dem Dniester und dem Bug herrschten. Man hatte um den 18. von zwei Armeekorps im „kleinen

Festungsdreieck“ Rowno—Dubno—Łuck, von erheblichen feindlichen Kräften schwer feststellbarer Stärke zwischen Kremieniec und Proskurow, von zwei weiteren, gegen die Bukowina und Rumänien sichernden Korps gewußt. Vergebens drängte Conrad in den darauf folgenden Tagen immer wieder auf Nachrichten über die Vorgänge hinter der Bugstrecke Krylów—Hrubieszów, von wo aus der Nordstoß am unmittelbarsten in die Flanke gefaßt werden konnte, vergeblich wandte sich sein forschender Blick immer wieder gegen die offene Grenze zwischen Sokal und Tarnopol. Nur östlich des Zbrucz schien sich (und das war erfreulich genug) das Geheimnis des russischen Aufmarsches etwas zu lüften. Mit offenkundiger Befriedigung, bei der freilich der Wunsch leicht der Vater des Gedankens werden konnte, bemerkte der Generalstabschef am 20. früh zum Obersten Metzger, daß für eine von Osten gegen Lemberg gerichtete Offensive ein Anzeichen fehle1). Verschiedene Nachrichten wußten von großen Eisenbahnbewegungen aus Podolien nach Wolhynien zu berichten. Am 21. vorm. traf eine allerdings vom 19. stammende Meldung des GdI. Kövess ein, daß seiner Auffassung nach „südlich der Bahn Proskurow—Zmerinka erhebliche russische Kräfte in der nächsten Zeit nicht zur Verwendung“ (siehe Skizze 1) kommen würden 2). In denselben Stunden unternahm der Linienschiffsleutnant Banfield mit seinem Flugzeug eine weite Streifung nach Podolien hinein. Auch er vermochte keine nennenswerten Kräfte festzustellen. Die russischen Massen, die sich in Wirklichkeit dort befanden, waren offenkundig in sehr glücklicher Verteilung und wohl meist bei Nacht marschiert, während sie sich bei Tag in den Wäldern und Ortschaften gedeckt haben mochten. Das AOK. hingegen erblickte in den übereinstimmenden Mitteilungen eine Bestätigung für seine Auffassung; am 21. nachmittags ließ es dem GdI. Kövess die beruhigende Mitteilung zukommen, daß sich zwischen dem Dniester und der Linie Tarnopol—Proskurow anscheinend „keine namhaften feindlichen Kräfte“ befänden3).

Schien schon diese Gestaltung im Osten den von Conrad gehegten Gedanken, mit möglichst starken Kräften nach Norden zu stoßen, noch mehr zu rechtfertigen, so erhielt er am selben 21. durch eine Nachricht

1)    Conrad, IV, 433.

2)    Ebenda, IV, 447.

3)    An der Erkundung der Verhältnisse in Podolien nahm auch die vom Gendarmerie-Obstlt. Fischer geleitete Nebenkundschaftsstelle Czernowitz verdienstvollen Anteil. Unter ihren zahlreichen Meldungen enthielt aber erst eine am 24. erstattete einen Hinweis darauf, daß sich die russische 8. Armee zwischen Woloczysk und Nowosielica versammle. Damals war die Offensive nach Norden längst angetreten.

vom deutschen Ostheer weitere Nahrung. Zwar hatte seinerzeit die Mitteilung, daß sich das deutsche Ostheer gegen Rennenkampf wende, Conrad in seinem Entschluß anzugreifen nicht wankend gemacht. Die öst.-ung. Armee mußte eben dann nur um so mehr die Masse der östlich der Weichsel aufmarschierenden russischen Kräfte auf sich ziehen. Nun aber traf am 21. um 3h nachm. im Hauptquartier Przemyśl eine Depesche des Hptms. Fleischmann ein, in der gemeldet wurde, daß die deutsche

8. Armee die mit Erfolg eingeleitete Schlacht bei Gumbinnen wegen eines russischen Einbruches vom Narew her abbrechen müsse; sie werde gegen die untere Weichsel weichen und von hier aus wider die neu aufgetauchte feindliche Südgruppe, die russische 2. Armee, vorgehen. Diese Nachricht war gewiß nicht erfreulich. Immerhin wähnte jetzt Conrad das deutsche Ostheer dort zu haben, wo er es von Anbeginn haben wollte. Aus der Absicht des GO. Prittwitz, sich nun gegen die russische Südgruppe zu wenden, schien der ersehnte Stoß in der Richtung Siedlec heranzureifen. Darin lag für GdI. Conrad ein neuer Impuls, nun auch selbst schleunigst anzugreifen.

Noch andere Gründe kamen hinzu. Es war nicht unmöglich, daß der Feind mit der Angriffsbewegung früher begann und die Gelegenheit benützte, seine noch in weitem Bogen auseinandergezogenen Heersäulen im Vormarsch etwaige Lücken schließen zu lassen. Auch dies sollte soweit als möglich durch rasches Zugreifen verhindert werden. Nicht wenig ins Gewicht fielen Überlegungen taktischer Natur. Die schon erwähnte, ungangbare Tanewniederung wird im Norden von einer in der Linie Narol—Frampol—Annopol aufsteigenden Bodenwelle begrenzt, die, wollte man nicht den Erfolg der Offensive von Haus aus aufs Spiel setzen, noch vor dem Feinde, also ungesäumt erreicht werden mußte.

GdI. Conrad hatte denn auch schon mit dem Heeresbefehl vom 18. August, lh nachm., das Aufschwenken der 4. und 1. Armee in eine die Vorrückung vorbereitende Front verfügt, die von Níemirów über Cieszanów auf den Höhen nördlich von Tarnogród und von da aus am Südufer des Tanew und des unteren San zu verlaufen hatte. Die 4. Armee sollte solcherart östlich von Tarnogród etwas zurückhängen, um sowohl gegen Nord wie gegen Nordost und Ost vorgehen zu können. Die neue Frontlinie war am 21. zu erreichen. Gleichzeitig wurde die 3. Armee angewiesen, die Samborer Gruppe ehestens nach Lemberg nachzuziehen und dieses zur Deckung von Flanke und Rücken der linken Armeen gegen einen feindlichen Angriff zu halten. Weiter im Südosten sollte sich die Gruppe Kövess bei Jezupol—Halicz und bei Żurawno—Żydaczów an den

Dniester vorschieben; dazwischen hatten die vom 22. an ausladenden ersten Balkantruppen, VII. Korps und die 20. HID., aufzumarschieren. Von den vorgeschobenen Divisionen hatten im Falle stärkerer Bedrängnis durch die Russen die bei Brzeżany stehende 11. ID. an die 3. Armee, die 43. SchD. und die 35. LstlBrig. an den Ostflügel der Armeegruppe Kövess anzuschließen.

Trug diese Gruppierung des rechten Heeresflügels noch stark der Möglichkeit eines mächtigeren russischen Angriffes auf Ostgalizien Rechnung, so wandelte sich in den nächsten achtundvierzig Stunden in diesem Belange die Auffassung des Hauptquartiers so sehr, daß GdI. Conrad in seiner Disposition vom 20. 8h nachm. an einleitender Stelle verkünden konnte: „Allgemeine Offensive aller Armeen in nördlicher Richtung beabsichtigt.“ Demgemäß wurde GdI. Kövess angewiesen, am darauffolgenden Morgen den Dniester zu überschreiten und seine Korps in den Raum zwischen Lemberg und Przemyślany zu führen. Nur der Armeegruppen-kmdt. selbst hatte bis zu dem für den 25. vorgesehenen Eintreffen des GdK. Böhm-Ermolli in Stanislau zu verbleiben.

Die gleiche Zuversicht, unbekümmert um den Osten die Masse seiner Divisionen gegen Norden ansetzen zu können, atmet der Befehl, den das AOK. am 21. um 8h nachm. erließ. Die 4. und 1. Armee hatten sich mittlerweile in der für diesen Tag befohlenen Linie bereitgestellt. Die großen Marschleistungen, die teilweise von den mit noch nicht marschgeübten Reservisten aufgefüllten Truppenkörpern gefordert werden mußten!), veranlaßten die Heeresleitung, durch die Zurückhaltung des Feindes ermutigt, den beiden Armeen für den 22. August Rast zu gewähren. Dagegen sollte sich die 3. Armee an diesem Tage in die Front Kulików— Żółkiew—Magierów, d. i. näher an den östlichen Flügel Auffenbergs heranschieben, so daß die Aufgabe, Lemberg gegen Osten zu decken, zum wesentlichen Teil der in den Raum südöstlich der Hauptstadt gewiesenen Armeegruppe Kövess zuzufallen gehabt hätte.

Da trafen bald nach Ausgabe dieser Weisungen in Przemyśl Nachrichten über den Einbruch starker russischer Infanterie- und Kavalleriekolonnen bei Husiatyn ein und ähnliche Botschaften kamen dann auch aus den Gegenden von Tarnopol und Brody. Wenn auch bisher nur von insgesamt 4 oder 5 Divisionen die Rede war, so gewann damit doch die Frage des Flankenschutzes im Vergleich zur Auffassung, der sich noch kurz zuvor das AOK. hingegeben hatte, erheblich an Bedeutung. Aller*) Auffenberg-Komarów, Aus Österreich-Ungarns Teilnahme am Weltkriege (Berlin und Wien 1920), 132.

dings konnte auch die nun zur Tatsache gewordene Bedrohung von Osten her den GdI. Conrad nicht für einen Augenblick von dem einmal gefaßten Plane des Nordstoßes abbringen. Die am 22. August, 3h nachm., ausgegebene Heeresdisposition blieb dabei, daß eine „allgemeine Offensive der 1., 4., 3. und von Teilen der 2. Armee beabsichtigt“ sei. Die Hauptträger dieses Angriffes hatten die zwei erstgenannten Armeen zu sein, denen (von links nach rechts angeführt) die Erreichung der schon öfter genannten Linie Annopol—Frampol—Narol aufgetragen wurde, wobei der

1. Armee noch die Gewinnung und Behauptung des von Annopol bis Frampol ziehenden Höhenrandes besonders eingeschärft war. Die Gruppe Kummer wurde gleichzeitig angewiesen, raschestens an die Weichselstrecke Annopol—Józefów vorzustoßen und über galizisches Gebiet die Verbindung mit der 1. Armee herzustellen. „Der Grundgedanke war, mit den Gruppen Kummer und Woyrsch, der 1. Armee und der 4. Armee den zwischen Weichsel und Bug noch in der Versammlung vermuteten Feind anzugreifen !).“

Nicht unwesentlich beeinflußte der russische Einbruch im Osten die Weisungen an den rechten Flügel. Zwar sollte die 3. Armee nach wie vor die Front Magierów—Żółkiew—Kulików beziehen, doch wurde ihr auch das östlich von Lemberg erwartete III. Korps der Gruppe Kövess unterstellt, so daß sie zur Abwehr von über Brody, Radziechów und Sokal vordringenden feindlichen Kräften verläßlich zur Hand war, aber auch jederzeit ganz oder teilweise der 4. Armee nachgezogen werden konnte. Völlig dem Osten hatte ihre Aufmerksamkeit die nur mehr aus dom XII. Korps, der 11. ID. und drei geschwächten Reiterdivisionen bestehende Gruppe Kövess zuzuwenden. Sie hatte den Vormarsch des „auf Tarnopol und im Raume südlich davon vordringenden Feindes zu verzögern“ und „gegen den von Ost vorgehenden Feind dann einen kräftigen Schlag zu führen, wenn er an die Linie Dunajów—Krasne vorgehen sollte.“ Ein Vorbrechen über diese Linien hinaus lag „nicht in den Intentionen des AOK.“.

Die 43. SchD. und die vom Balkan anrollenden Kräfte wurden angewiesen, östlich und nördlich von Stanislau am Dniester unter Benützung feldmäßiger Brückenköpfe vorläufig eine Flankenstellung mit der Front nach Norden zu beziehen. Die Bewachung des Grenzraumes zwischen Dniester und Pruth blieb lediglich der 35. LstlBrig. überlassen.

In dieser für den 23. angeordneten Schlachtordnung trat die Wehrmacht Österreich-Ungarns in den ersten großen Kampf gegen den ge

i) Conrad, IV, 474.

waltigen Feind. Einige Tage zuvor hatte auch dieser, allerdings vom entgegengesetzten Flügel aus, die Offensive aufgenommen. Eine Begegnungsschlacht allergrößten Stiles nahm ihren Anfang.

Kriegsvorbereitungen, Aufmarsch und Angriffsplan des russischen Heeres

Hiezu Beilage 9 und Skizze 2

Zar Nikolaus II. hatte, als er nach längerem Zögern, bedrängt von seinem Außenminister und seinem Generalstabschef, am 30. Juli mittags seine endgültige Zustimmung zur allgemeinen Mobilmachung gab, in Europa und im Kaukasus 30 Armeekorps mit 59 aktiven Infanteriedivisionen, 12 Schützenbrigaden und 31 Reservedivisionen, dann 23 Kavalleriedivisionen und 4 selbständige Kavalleriebrigaden und noch etwa 12 Kosakendivisionen zweiten Aufgebots1), zusammen 96 Infanterie- und 37 Kavalleriedivisionen mit etwa 2,700.000 Mann, dazu an Reichswehrtruppen (Landsturm), Festungsbesatzungen und Ersatztruppen noch etwa 900.000 Mann auf geboten. Dieser gewaltigen Macht sollten sich überdies, wegen der Entfernung allerdings erst nach einiger Frist, die aus 2 turkestani-schen und 5 V2 sibirischen Armeekorps bestehenden asiatischen Truppen zugesellen. Das Gesamtaufgebot betrug 1830 Bataillone, 1250 Schwadronen und 6720 Geschütze — zusammen 5 Millionen Streiter.

Das russische Heer hatte sich, unterstützt durch den französischen Verbündeten, nach dem mandschurischen Krieg und der ihm folgenden Revolution verhältnismäßig sehr rasch erholt. Wenn auch das große Rüstungsprogramm von 1913 noch eine fünf Jahre dauernde Reformperiode vorsah 2), so war das Zarenheer doch auch schon im Jahre 1914

x) Eine russische Infanteriedivision zählte 16 Bataillone, 6 Schwadronen und 48 Geschütze; von der Korps- und Armeeartillerie entfielen auf jede Division überdies 10 meist schwere Geschütze. Die russische Infanteriedivision war daher einer öst.-ung. Division nicht unerheblich überlegen. Eine russische Reservedivision war gleich stark wie eine aktive, aber ohne Zuwachs an Korps- und Armeeartillerie, eine Schützenbrigade halb so stark. Eine russische Kavalleriedivision zählte ebensoviele Schwadronen, Maschinengewehre und Geschütze wie in Österreich-Ungarn.

2) F r a n t z, Rußlands Eintritt in den Weltkrieg (Berlin 1924), 24 ff. Laut Walentinow, Das militärische Übereinkommen Rußlands mit den ausländischen Mächten vor dem Kriege 1914—1918 (in Wojenno istoritscheski sbornik, Moskau 1919, Heft 2, 112), hatte im Jahre 1911 der damalige russische Generalstabschef General Schilinski seinem französischen Kollegen eröffnet, daß die russische Heeresorganisation schon Ende 1916 beendet sein werde.

nicht nur der Zahl, sondern auch dem inneren Werte nach ein wahrhaft achtunggebietendes Kriegswerkzeug. Die Führung hatte meist bis zum Kompagniekommandanten herab noch den Feldzug im fernen Osten mitgemacht. Die Truppe war in der kriegsmäßigen Ausbildung, zumal in der geschickten Ausnützung des Geländes gegenüber der modernen Feuerwaffe, dem Gegner gewiß überlegen. Trotz der mannigfaltigen nationalen Zusammensetzung erhielt das Heer durch den echten Russen, den „Muschik“, sein Gepräge. Der Muschik war ein guter, zäher, ausdauernder, genügsamer Soldat; er zeigte ein hohes Maß von Opferwilligkeit, das freilich weniger moralischen Impulsen, als einer seit Jahrhunderten gezüchteten Unterwerfung unter fremden Willen und echt russischem Fatalismus entsprang. Dieser Fatalismus reichte auch bis in die höchste Führung hinauf; ihn bei den Befehlshabern aller Grade zu bekämpfen, betrachtete der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, der an Stelle des Zaren mit Gen. Januschkiewitsch als Generalstabschef und mit Gen. Danilow als erstem Quartiermeister zur Seite die Oberleitung über alle Feldarmeen übernommen hatte, als eine seiner wichtigsten Aufgaben.

Schon am 6. August hatte die russische Heeresleitung, „Stawka“ genannt, von ihren Kundschaftern sichere Nachricht darüber erhalten, daß die deutschen Truppen in Pommern, Posen und Schlesien nach dem Westen gerufen waren und Deutschland somit seine Hauptkraft nach dieser Richtung ansetzte. Damit konnte von den zwei durch den Generalstab vorbereiteten Aufmarschlösungen G (Germania) und A (Austria) die zweitgenannte in Geltung treten. Für beide Fälle war die Teilung der Feldarmee in zwei Heere vorgesehen, ein Nordwestheer unter dem früheren Generalstabschef Gen. Schilinski, das jedenfalls aus der 1. und

2.    Armee, und ein Südwestheer unter Gen. Iwanow, das stets aus der 5.,

3.    und 8. Armee zu bestehen gehabt hätte. Die starke 4. Armee war im Kriegsfälle G dem Nordwestheer anzuschließen, sonst der Südwestfront. War die Räumung des Landes westlich der Weichsel unter allen Umständen beschlossene Sache, so sollte, wenn ein Angriff der deutschen Hauptkräfte drohte, überdies östlich von Warschau gegen Brest-Litowsk hin ein beträchtlicher Gebietsstreifen freigegeben werden und die Armeen hätten dann gegenüber beiden Gegnern, wenn geboten sogar nach dem Vorbilde von 1812, das Herankommen der asiatischen Truppen in Abwehr erwarten sollen, ehe sie zum Gegenschlag ausholten.

Für den Eintritt des Kriegsfalles A hatte Frankreich seit Jahren den nachdrücklichen Wunsch erhoben, daß sich Rußland mit der Hauptmasse seines Heeres nicht zuerst gegen Österreich-Ungarn, sondern sofort gegen Deutschland wende. Der russische Generalstab hielt zwar von der Widerstandskraft des ,,bunt zusammengesetzten Heeres“ der Donaumonarchie nicht viel, er wagte es aber doch nicht, an diesem glattwegs vorbeizumarschieren, ehe er ihm einen genügend wirksamen Schlag versetzt hatte. Ja, er kam im Ernstfälle sogar der im Jahre 1912 gegenüber Frankreich übernommenen Verpflichtung, an der deutschen Front doch mindestens 800.000 Mann zu verwenden, keineswegs nach, da er von seinen Streitkräften fürs erste gegen Ostpreußen schließlich nur 34 Infanteriedivisionen, gegen Galizien aber 46V2 ins Treffen schickte.

Diese beiden Heere sollten sich nach den Plänen der russischen Leitung wie zwei Hände, die sich zur Faust ballen wollen, um die Bastionen von Ostpreußen und Ostgalizien legen. Erst wenn diese Bastionen

— oder doch wenigstens die südliche der beiden — eingerissen waren, sollte dem französischen Sehnen entsprochen und über Warschau der Vormarsch ins Herz Deutschlands angetreten werden. Je eine Flügelarmee, die 7. und die 6., waren einerseits zur Deckung der Küste des Schwarzen Meeres und gegen Rumänien, andererseits zur Sicherung von Petersburg und Finnland ausgeschieden. Die Zusammenkunft des Zaren mit dem Rumänenkönig, die kurz vor Kriegsausbruch veranstaltet worden war, hatte aber den Russen jedenfalls so viel Beruhigung gewährt, daß sie nun das VIII. Korps aus Odessa sofort an die galizische Front zu werfen wagten. Um den durch die ersten Kriegsmaßnahmen doch stark enttäuschten Franzosen guten Willen zu beweisen und mit dem festen Entschluß, nach Niederwerfung der beiden Bastionen wirklich auf Deutschland loszustürzen, ordnete der Großfürst-Generalissimus überdies schon zwischen dem 7. und 10. August die Aufstellung zweier Armeen um Warschau an, einer 9., die aus dem XVIII., dem Gardekorps und bald auch dem finnischen XXII. Korps der 6. Armee zu bestehen hatte, und einer 10., der das III. sib., das I. turk. und das II. kauk. Korps zugedacht waren. Von diesen 6 Korps sollten 4 gegen den Raum Thorn—Posen, 2 gegen Posen—Breslau vorgehen. Gegebenenfalls konnte ihnen auch das nach Iwangorod gewiesene III. kauk. Korps als Flankendeckung zugewiesen werden 1).

Die beiden Frontbefehlshaber — Schilinski gegen Ostpreußen und Iwanow gegen Galizien — waren organisationsgemäß mit großer Selbständigkeit ausgestattet, der gegenüber sich die Stawka mitunter außer*) Zichowitsch, Strategische Studie über den Weltkrieg 1914—1918, I. Teil. In russischer Sprache (Moskau 1922), 42 f und 50 f; im Zuge dieser Aufstellungen mußte die 4. Armee ein Korps an die 1. abgeben.

ordentlich schwer durchzusetzen vermochte. Die außerhalb der beiden Befehlsbereiche stehenden oder erst anfahrenden Heereskörper boten sich nicht selten als das einzige Mittel, den Willen der höchsten Führung an den Fronten zur Geltung zu bringen.

Die Lösung der Aufgabe gegen Ostpreußen bereitete der russischen Heeresleitung im Hinblick auf die zahlenmäßige Überlegenheit anfangs wenig Sorge. GdK. Schilinski hatte am 17. August mit der 1. Armee vom Niemen her, zwei Tage später mit der 2. vom Narew aus den Vormarsch anzutreten. Schwieriger schien die Lage im Süden zu sein, wo sich zwischen Weichsel und Dniester die vier Armeen Iwanows in weitem Bogen um Galizien legten. Wohl waren dank den von Frankreich geliehenen Summen, die letzte zu 2V2 Milliarden Franken im Jahre 1913., die Aufmarschverhältnisse gegen Österreich-Ungarn zu Kriegsbeginn schon weitaus gebessert1). Die Leistungsfähigkeit der im Grenzraume Iwangorod—Nowosielica einmündenden Bahnen betrug nach Ansicht des öst.-ung. Generalstabes täglich 260 Zugspaare gegenüber den 153, mit denen Österreich-Ungarn in der gleichen Zeit für seinen Aufmarschraum rechnen durfte. Aber das entscheidende Übergewicht der Zahl konnte infolge der Entfernungen erst allmählich voll in Wirkung treten. Außerdem wurde den Russen die ihnen verborgen gebliebene Zurückverlegung des öst.-ung. Aufmarsches an den San und Dniester zu einer unangenehmen Überraschung; denn sie hatten gehofft, drei von den vier gegnerischen Armeen in der weit vorgeschobenen Front Nisko—Brody— Zalośce—Kopyczyńce schon im Aufmarsch fassen zu können2).

Auf eine strategische Aufklärung in des Wortes eigentlicher Bedeutung hatte Iwanow, offenbar aus geringem Vertrauen auf den Erfolg, trotz der zur Verfügung stehenden gewaltigen Reitermassen verzichtet; das Vorfühlen russischer Divisionen nach Galizien war eher eine Ver-schleierungs- als eine Erkundungsmaßnahme gewesen. Iwanows wichtigste Nachrichtenquelle bestand in einem engmaschigen Konfidentennetz, das sich, nicht zuletzt dank der russophilen Werbearbeit unter den stammverwandten Ruthenen (Ukrainern), über ganz Ost- und Mittelgalizien bis in die Beskiden hinein erstreckte und in seiner Mannigfaltig*) Eisenbahnbureau des k. u. k. Generalstabes. Mitteilungen' über Eisenbahnen in Rußland, April 1914. — Suchomlinow, Erinnerungen (Berlin 1924), 240 ff. — Ratzenhofer, Rußlands Aufmarschkraft gegen Österreich-Ungarn (Wehrzeitung 1928, Folge 15;. — Derselbe, Österreich-Ungarns und Rußlands Aufmarschkraft, ein Prüfstein des Willens zum Angriffskrieg (Kriegsschuldfrage, Heft 5, 1928).

2) Danilo w, 223.

keit den öst.-ung. Armeen anfangs manche schwere Ungelegenheit bereitete1). Nichtsdestoweniger war in der Beurteilung der gegnerischen Lage die Unsicherheit bei der russischen Führung kaum geringer als bei der österreichisch-ungarischen. Sie wirkte, sehr zum Mißbehagen des Großfürsten-Generalissimus, auf den klugen, aber methodischen und zaudernden Oberbefehlshaber der Südwestfront besonders zurück. Immer wieder sah sich der Großfürst genötigt, den General zur ehesten Aufnahme des Vormarsches anzuspornen. Erst am 18. August ließ sich Iwanow bei einer Besprechung zu Rowno die Zustimmung zum ungesäumten Ausschreiten seines linken Flügels durch die Weiterleitung des anrollenden III. kauk. Korps zu seiner 4. Armee erkaufen.

Der große Plan des russischen Generalstabes ging darauf hinaus, die in Ostgalizien aufmarschierenden gegnerischen Streitkräfte durch umfassenden Angriff vernichtend zu schlagen und ihren Rückzug in westlicher Richtung auf Krakau und ein Ausweichen nach Süden hinter den Dniester zu verhindern. Der mit der Leitung des Kampfes gegen Österreich-Ungarn beauftragte Gen. Iwanow wies hiezu die um Lublin aufmarschierende, zunächst 9V2 Infanterie- und 41/2 Kavalleriedivisionen starke 4. Armee unter Gen. Baron Salza an, über den San unter allmählicher Heranziehung von Verstärkungen in den Raum Dębica—Rzeszów vorzudringen und dem gegnerischen Heere den Rückzug nach Krakau abzuschneiden. Die 13 Infanterie- und 5 Kavalleriedivisionen zählende 5. Armee des Gen. Plehwe sollte vor allem den Raum Cieszanów—Rawa Ruska—Magierów nordwestlich von Lemberg gewinnen, um von hier aus bei Przemyśl oder Lemberg in die Kämpfe einer der beiden Nachbararmeen einzugreifen oder zwischen diesen beiden Städten durchzustoßen. Die von Rußki befehligte 3. Armee, 13 Infanterie- und 5 Kavalleriedivisionen stark, erhielt den Auftrag, vom „kleinen Festungsdreieck“ aus Lemberg zu nehmen, indes die aus 11 Infanterie- und 4 Kavalleriedivisionen zusammengesetzte 8. Armee unter Brussilow zwischen Lemberg und dem Dniester, mit zum Flankenschutz zurückgebogenem Südflügel, durchdringen sollte. Die Seitendeckung zwischen Dniester und Pruth war einer besonderen Abteilung der 7. Armee zugedacht, wurde aber schließlich fürs erste von einer Brigade der 12. ID. Brussilows, der Vorläuferin des „Dniesterdetachements“, besorgt2).

J) Auffenberg, Höhe und Niedergang, 281. — Metzger,' Der Krieg 1914 gegen Rußland (Schwarte, V, 31).

2) Zajontschkowskij, Strategische Studie über den Weltkrieg 1914—1918, VI. Teil. In russischer Sprache (Moskau 1923), 51 ff. — D a n i 1 o w, 230 f. — Z i c h O' witsch, 10 ff.

1 2. Aufl.    12

Es war in erster Linie dem Betreiben des Großfürsten-Generalissimus zuzuschreiben, wenn Iwanow sich entschloß, die 8. Armee schon am 18., die rechts von ihr aufmarschierende 3. am 19. austreten zu lassen, ohne daß das III. kauk. und das XXIV. Korps abgewartet wurden. Solcherart hatte am 22. August die 8. Armee mit den Korps VII, XII und VIII schon den Zbrucz zwischen Woloczysk und Husiatyn überschritten, während das die südliche Flanke deckende XXIV. Korps noch bei Kamieniec-Podolski zurückgeblieben war. Die 3. Armee kam am selben Tage zwischen Zbaraż und dem oberen Bug an die Reichsgrenze heran. Die nur zum Teil versammelte 5. Armee hatte ihre vorderen Staffeln bis an die Linie Krasnostaw—Wladimir-Wolynski vorgeschoben, die noch unvollständigere 4. Armee *) an die Linie Józefów—Bychawa. Beide Armeen sollten nichtsdestoweniger ihre Vorrückung in südwestlicher Richtung schon am 23. aufnehmen. Ihren Operationen konnte, mochte die russische Heeresleitung denken, der Vorsprung des linken Flügels unter Umständen zustatten kommen, da er geeignet war, die Aufmerksamkeit des Gegners gegen Osten abzuziehen. Der entschiedene Wille Conrads, vor allem nach Norden hin Luft zu schaffen, und die Zurückhaltung, die er, wenigstens im Anfang, seiner Flügeldeckung, der Armeegruppe Kövess, auferlegt hatte, ließen diese Hoffnung zunächst unerfüllt bleiben. Da die Gegner am Westflügel einander in engerer Mensur gegenüberstanden, kam es hier, zwischen Bug und Weichsel, zum ersten großen Zusammenstoß.

Der Nordstoß des österreichisch-ungarischen Heeres

Der Sieg bei Kraśnik (23. bis 25. August)

Hiezu Skizze 3 und Beilage 9

Während am 23. früh der linke Flügel der Russen auf ostgalizi-schem Boden Raum gewann, trat auch der rechte den Vormarsch an. Die 5. Armee, Gen. Plehwe, erreichte an diesem Tage die Linie Izbica— Hrubieszów—Władimir-Wolyński, wo sie am 24. das Herankommen weiterer Transporte abzuwarten gedachte. Demgemäß konnte Auffen-bergs 4. Armee ihren Vormarsch durch die Wald-, Sand- und Sumpf-

lj Von drei dieser Armee zugewiesenen Reservedivisionen wie auch von der UralKosD. war am 23. noch kein Mann zur Stelle. (Eintreffübersicht in La grande guerre. Relation de l’etat-major russe [Paris 1926], 22.) zone am oberen Tanew reibungslos vollführen und am 23. abends die ihr zugewiesenen Lager hinter der Linie Narol—Tereszpol beziehen. Abgeblieben waren noch das XVII. Korps, das um Radymno und Jaroslau aus der 19. ID. und den MaBrig.2 und 9 neu gebildet wurde, und die

26. SchD., deren Masse eben erst in den Aufmarschraum einrollte. Die aus Syrmien kommende 23. HID., die ebenfalls der 4. Armee zugedacht war, wurde nach der Ausladung in Sądowa-Wisznia der 3. Armee nachgesandt.

Der Führer der russischen 4. Armee, Gen. Salza, wies seine Korps, das XIV., XVI. und die Grenadiere, für den 23. August an, in breiter Front bis an die Linie Zaklików—Janów—Frampol vorzubrechen. Die durch die GKBrig. verstärkte 13. KD. hatte längs des östlichen Weichselufers, die

S.DonKosD. links vom Grenadierkorps gegen Flanke und Rücken des Gegners auszuholen. Die noch westlich der Weichsel verbliebene 14. KD. wurde gegen Sandomierz und Baranów vorgesandt.

Da am gleichen Tage auch die k. u. k. 1. Armee das Gelände nördlich der Tanewregion gewinnen wollte, um von dort aus „durch kräftiges Vordringen mit dem westlichen Armeeflügel gegen Norden ein erfolgreiches Einschwenken der Armee gegen Osten anzubahnen“, mußte es im Gelände südlich von Kraśnik zu einem Zusammenstoß der beiden westlichen Flügelarmeen kommen.

Die Reiterei Dankls hatte schon in den letzten Tagen in diesem Raume an Russen neben der 13. KD. und der GKBrig. auch die 18. ID. des russ. XIV. Korps festgestellt. Die Durchquerung der 15 bis 30 km breiten Tanewniederung erheischte entsprechende Vorbereitungen, die an dem zum „Aufschließen“ bestimmten 22. August getroffen werden konnten. Um der Armee das Heraustreten aus den Engwegen zu sichern, wurden gemischte Abteilungen der 12. ID. an den Höhenrand vorgetrieben. Die Vortruppen der Korps erhielten den Auftrag, darüber hinaus der Linie Goraj—Polichna—Gościeradów—Annopol zuzustreben und sich dort festzusetzen. Von den Kavalleriedivisionen war die 9. vor den rechten, die 3. vor den linken Flügel gewiesen. Unmittelbar westlich der Weichsel hatte, um zugleich den Einbau einer für die Armeegruppe Kummer bestimmten Kriegsbrücke bei Zawichost zu decken, die von Krakau auf Weichselkähnen flußabwärts herangeführte 110. LstlBrig. bis Lasocin vorzustoßen. Zwei andere, mit Bahn herangeführte Landsturminfanteriebrigaden, die

1. und die 36., konnten am 26. im Mündungswinkel des Sanflusses zur Hand sein.

Am 23. August zu früher Stunde brachen die Kolonnen der 1. Armee auf, um zuverlässig noch am selben Tage ihre weitgesteckten Ziele zu erreichen. Unter der sengenden Glut der Hochsommersonne arbeiteten sich die Truppen Dankls auf den tiefsandigen, oft auch versumpften Wegen vorwärts. Gegen 9h vorm. traten die ersten Abteilungen des I. Korps, GdK. Karl Freih. v. Kirchbach, die 5. und die 46. ID., nördlich von Zaklików gegen die von Kraśnik anrückende russische 18. ID. in den Kampf. Durch frisches Zufassen sicherten sie den nachfolgenden Marschsäulen den Aufstieg aus der Niederung und die Entfaltung zum Angriff. In harten, bis zum Abend währenden Kämpfen warfen die westgalizischen, schlesischen und mährischen Regimenter Kirchbachs den Feind über Gościeradów gegen Norden zurück. In die Niederlage sahen sich nachmittags auch die westlich von Gościeradów stehende russische 13. KD. und die ihr angeschlossenen Schützenregimenter hineingerissen. Sie hatten noch am Vormittag der k.u.k. 3. KD. ein für diese wenig glückliches Treffen geliefert, waren aber nach Mittag von Annopol her durch den mit seiner 12. ID. und der 1. MaBrig. dorthin vorgerückten FML. Kest-řanek angefallen und zum Rückzug gezwungen worden1).

Von dem in der Mitte der 1. Armee vorgehenden V. Korps, FZM. v. Puhallo, nahm GM. v. Schariczer mit dem IR. 76 und zwei Batterien schon bei Morgengrauen die Höhe südlich von Polichna in Besitz. Um die Mittagsstunde rannten überlegene Teile der feindlichen 45. ID. (XIV.Korps) dawider vergeblich Sturm. Bald darauf schritt das IR. 76 zum Gegenstoß und entriß dem zu beträchtlicher Stärke angewachsenen Feinde in heldenhaften, aber auch sehr verlustreichen Angriffen die Ortschaft Polichna. Links davon warf das um lh nachm. angelangte Detachement GM. v. Willerding die Russen, wobei sich das FJB. 11 besonders hervortat2). Andere Teile der 14. ID., FML. Martiny, wirkten an der Krönung des Erfolges mit. Die Hauptkraft des Korps, die 33. ID. und die 37.HID., konnte rechts der 14. kampflos ihre Lager beziehen. Gleiches war dem k. u. k. X. Korps, GdI. Hugo v. Meixner, vergönnt. Dieses nächtigte ohne Berührung mit dem Feind, aber nach einem beschwerlichen Marsche, bei dem manche Truppe 30 km zurückzulegen hatte, auf den Höhen nordwestlich und östlich von Frampol. Die 9. KD., die südlich des Porbaches

x) Mjr. Oskar H o f m a n n des FKR. 1 führte bei Gościeradów aus eigenem Entschluß eine Batteriedivision gegen Flanke und Rücken des Feindes vor; er wurde hiefür mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens belohnt.

2) GM. Schariczer, GM. Willerding und Obst. Boeriu, der Kmdt. des IR. 76, wurden für ihr Verhalten bei Polichna mit dem Ritterkreuz des MilitärMaria Theresien-Ordens ausgezeichnet. — Die neuösterreichischen Nachfolgetruppenkörper des IR. 76 und des FJB. 11, das Burgenländische FJB. 1 und das Burgenländische FJB. zu Rad Nr. 1, begehen den Tag von Polichna als Truppengedenktag.

schwache feindliche Infanterie mit Reiterei gemeldet hatte, bezog, von zehntägiger aufreibender Aufklärungstätigkeit ermattet, in Frampol Erholungsquartiere.    •

- Der mit Ungestüm vorgetragene Angriff des linken Flügels der

1. Armee hatte in vielverheißender Weise den Kampf zwischen der Weichsel und dem Bug eingeleitet. GdK. Dankl hieß, in der Absicht, den Feind nach Osten abzudrängen, das I. Korps für den 24. den Angriff westlich an Kraśnik vorüber fortzuführen, indes der linke Flügel und die Mitte des V. Korps näher an diese Stadt herangehen sollten. Der Rest des V. und das X. hatten sich in der erreichten Linie bereitzuhalten, um gegebenenfalls auf Befehl des Armeekmdos. gegen den Por-bach vorbrechen zu können.

Der Plan, den Feind von links her zu umfassen, entsprach den Wünschen der Heeresleitung. Die Armeegruppe Kummer, die am 23. auf einen schwachen Tagmarsch an Opatów herangekommen war, wurde vom AOK. aufgefordert, ehestens mit möglichst starken Kräften die Weichsel bei Sandomierz und Annopol zu überschreiten und solcherart den Stoßflügel Dankls zu verstärken. Als das AOK. außerdem durch Flieger Nachricht über den Anmarsch zweier russischer Korps, es waren dies das XVI. und die Grenadiere, gegen den Porbach erhielt, erwog es, auch noch Teile des am linken Flügel der 4. Armee angesetzten II. Korps in den Kampf der 1. Armee einzusetzen, was in Anbetracht der gleichfalls bekanntgewordenen Zurückhaltung der russischen 5. Armee wohl zulässig gewesen wäre, angesichts des günstigen weiteren Verlaufes der Schlacht dann aber doch nicht verfügt wurde.

Bei den Russen wich das geschlagene XIV. Korps am 23. abends auf die Höhen westlich von Kraśnik zurück. Die Masse des XVI. und das Grenadierkorps waren nicht über den Porbach hinausgegangen; nur Vorhuten standen südlich davon. Die 3.DonKosD. streifte nordöstlich von Tereszpol. Unter dem ersten Eindruck des Mißerfolges und auf die Meldung vom Anmarsch dreier gegnerischer Kolonnen über Biłgoraj nach Norden — offenbar des k. u. k. X. Korps, vielleicht auch des II.— war Salza gesonnen, mit der ganzen Armee südlich der Wyżnica und des Porbaches in die Abwehr zu fallen, wozu er dem hart mitgenommenen XIV. Korps eine Brigade des XVI. überwies. Doch unterließ es General Salza schließlich, den tags zuvor an das XVI. Korps und die Grenadiere erlassenen Befehl zum Erreichen von Janów und Frampol zurückzunehmen. Dies scheint durch eine wohl noch in Unkenntnis der Ereignisse vom 23.erteilte Weisung Iwanows veranlaßt worden zu sein, die in Erweiterung früherer Aufträge der 4. Armee ausdrücklich die Besetzung der Sanlinie von der Flußmündung bis Jaroslau vorgezeichnet hatte41).

Das XVI. Korps und die Grenadiere stießen am 24. August früh, dem zweiten Tag der Schlacht bei Kraśnik, auf unser V. und X. Korps. Vom zurückgehaltenen X. Korps hatte die bei Goraj beiderseits der Ładaniederung stehende 24. ID. heftige Anstürme der Grenadiere abzuwehren, indes links von ihr die 2. ID., FML. Lipoščak, sich die 41. ID. des XVI. Korps durch schneidige Gegenangriffe vom Leibe hielt. Als sich die Russen nachmittags gefahrdrohend in die Lücke zwischen den beiden Divisionen einschoben, eilte die 9. KD. herbei, um den Feind im Kampf zu Fuß zu werfen. Die Entscheidung brachte der rechte Flügel des X. Korps, die 45. SchD., FML. Ljubicić, die östlich der Lada die Grenadiere umfassend anging, wobei sie von der bei Tereszpol stehenden 4. ID. der 4. Armee artilleristisch trefflich unterstützt wurde. Für die Russen gab es nun kein Halten mehr; sie ließen zahlreiche Gefangene und 19 Geschütze in den Händen des Angreifers.

Die 37. HID. focht in Anlehnung an die 2. ID. in erfolgreicher Abwehr gegen Teile des russ. XVI. Korps. Der linke Flügel des V. Korps, die 33. und die 14. ID., traf beim Einschwenken gegen Kraśnik auf die inneren Flügel des XVI. und des XIV. Korps der Russen. In heftigem, wechselvollem Ringen, bei dem namentlich die 33. ID., FML. Edler v. Re-bracha, Raum zu gewinnen vermochte, wurden dem Feinde die Höhen am Südwest- und Südrand von Kraśnik entrissen.

Das I. Korps, an dessen Befehle nun auch wieder die tags zuvor armeeunmittelbar gewesene Gruppe Kestřanek gewiesen war, verwandte den Vormittag zu sorgfältiger Bereitstellung. Die 46. SchD., FML. Nastopil, wirkte westlich und südwestlich von Kraśnik an den Erfolgen des V. Korps mit. Die 5. ID., FML. Scotti, warf das XIV. Korps des Feindes über die Wyżnica zurück und erreichte, sich dem gegen Nordwesten weichenden Feinde an die Fersen heftend, mit den Vortruppen abends den Raum um Urzędów.

Die Gruppe Kestřanek blieb gegenüber den beiden anderen Divisionen des Korps in der Staffel links. Weiter westlich, im Weichseltal, fühlte die 3. KD. aus der Gegend von Józefów vor. Nachrichten über Bewegungen in diesem Raume kamen dem russischen Armeeführer um Mittag zu. Sie machten auf den schon durch die Ereignisse vom 23. stark bedrückten Gen. Salza einen solchen Eindruck, daß er seine Armee zum Rückzug in die Linie Wilkołaz—Bychawa—Krzczonów anwies1). Zuletzt blieben aber die Russen an diesem Abend doch noch weiter südlich stehen. Der rechte Flügel der k. u. k. 1. Armee war durch die Kämpfe zu stark ermüdet, um bei einbrechender Dunkelheit die Verfolgung noch über den Porbach hinaustragen zu können. Der linke Flügel war schon einige Stunden früher vom Armeekmdo. auf die jedenfalls übertriebene Nachricht, daß von Opole her stärkere Feindkräfte im Anmarsch seien, mit Ausnahme der bis Urzędów gelangten Olmützer Division zum Anhalten südlich der Wyżnica befohlen worden, damit er vor unliebsamen Überraschungen bewahrt bleibe. Auf solche Weise für den Augenblick nicht mehr bedrängt, konnte sich selbst das stark mitgenommene XIV. Korps mit scharf gegen Wilkołaz zurückgebogenem rechten Flügel noch auf den Höhen östlich von Kraśnik halten, während das XVI. bei Batórz, das Grenadierkorps nördlich des Por bei Turobin nächtigte.

Die Nachrichten vom Schlachtfeld bei Kraśnik waren darnach angetan, auch die übergeordneten russischen Befehlsstellen in schwere Unruhe zu versetzen. Fiel doch der Mißerfolg, den hier die Russen erlitten, just in jenen Raum, von wo aus das Zarenheer durch den Vorstoß über den San dem Gegner den tödlichen Schlag versetzen wollte! Und nun mußte man noch dessen froh sein, wenn man sich überhaupt hielt! Gen. Iwanow betrieb als Oberbefehlshaber der Südwestfront den eiligsten Antransport der 80. RD. nach Lublin 2) und auch die Stawka raffte sich zu schwerwiegenden Entschlüssen auf. Sie vermutete den rechten Flügel des nach Norden stoßenden öst.-ung. Heeres an der Straße Tomaszów—Zamość und wies die bis zur Linie Izbica—Hrubieszów gelangte 5. Armee an, nunmehr ausgesprochen die Richtung Südwest zu nehmen und den Gegner in Flanke und Rücken zu fassen. Das rechte Flügelkorps der Armee, das XXV., hatte am Wieprz schnurstracks nach Westen aufzuschwenken, eine Brigade hievon auf Bitte Salzas direkt nach Lublin zu marschieren3). Gen. Salza sollte sich bis zum Eingreifen der 5. Armee unbedingt noch auf den Höhen von Goraj halten. Der General hoffte, diese Aufgabe so lösen zu können, daß sein rechter Flügel, das XIV. Korps, dem hier besonders stark drängenden Gegner nachgebend, die Linie Bełżyce—Wilkołaz beziehen, sein linker aber neuerlich über den Porbach südwärts angreifen sollte. Als Drehpunkt dieses schwierigen Manövers, das bei Truppe und Führung erhebliche Lenkbarkeit voraussetzte, hatte

1)    La grande guerre, 140 ff.

2)    Zicho witsch, 144.

3)    La grande guerre, 142 f. — D a n i 1 o w, 234 f.

die 45. ID. bei Wilkołaz zu wirken, während der verstärkten 13. KD. der Schutz der Nord westflanke zufiel.

GdK. Dankl rief für den 25. August seinen linken Flügel zu neuerlicher Umfassung des Gegners auf, indes der rechte wieder stehenzubleiben hatte. Das I. Korps sollte hiezu um 8h vorm. von Urzędów aus gegen Wilkołaz vorbrechen. Die Besorgnisse wegen einer Störung von Opole her zerstreuten sich. Nichtsdestoweniger sollte die Gruppe Kestřanek wieder als Flankenschutz zurückgehalten werden, wobei sie gleichzeitig einen bei Józefów geplanten Weichselübergang der bis zur Ka-miennamündung vorgezogenen 110. LstlBrig. zu decken gehabt hätte.

Das I. Korps brach wegen Übermüdung der Truppen erst gegen 10h vorm. auf. FML. Kestřanek, dem die ungarische 101. LstlBrig. nachgesendet worden war, eilte mit seinen Regimentern, ehe sie der verspätet einlangende Befehl der Armee erreichte, weiter links über die Wyżnica hinweg. Der linke Flügel Dankls scheint gerade in das Umgruppierungsmanöver Salzas hineingestoßen zu sein. Die Russen, einmal in Bewegung, räumten das Schlachtfeld und zogen auch ihren östlich von Kraśnik stehenden linken Flügel mit, der sich nicht mehr zu dem ihm übertragenen Angriff auf Goraj aufzuraffen vermochte. In den ersten Nachmittagsstunden konnte für die k. u. k. 1. Armee kein Zweifel mehr bestehen: der Feind befand sich in vollem Rückzuge gegen Lublin. Als zur selben Zeit die Patrouillen des X. Korps gegen den Porbach vorgingen, sahen sie auf dem Gefechtsfeld des Vortages Massen russischer Gewehre und Ausrüstungsgegenstände vor sich verstreut liegen. So hatte der Kampf am 24. sogar die Elitetruppe der Grenadiere zu erschüttern vermocht!

In der dreitägigen Schlacht bei Kraśnik waren auf öst.-ung. Seite 144 Bataillone, 71 Schwadronen und 354 Geschütze, bei den Russen 104 Bataillone, 100 Schwadronen und 350 Geschütze angesetzt. Die blutigen Verluste waren auf beiden Seiten sehr schwer und ließen die Opfer ahnen, die der Krieg weiterhin fordern mochte. Der Russe verlor überdies 6000 Mann an Gefangenen und 28 Geschütze. Das öst.-ung. Heer hatte den Feldzug durch einen verheißungsvollen Erfolg eingeleitet, der dem siegreichen Armeeführer GdK. Dankl eines der ersten im Weltkrieg verliehenen Kommandeurkreuze des Theresienordens eintrug.

Die strategische Bedeutung des Erfolges bei Kraśnik liegt in der Tatsache, daß es Conrad gelungen war, in dem für Österreichs Heer äußerst bedrohlichen, für Deutschland als Aufmarschraum gefährlichen Weichsel-Bugabschnitt die Initiative an sich zu reißen, hiedurch zunächst das Gesetz des Handelns zu diktieren — was sogleich in den tiefgreifenden Entschlußänderungen zum Ausdruck kam, mit denen die Stawka schon am zweiten Schlachttage ihre Folgerungen zu ziehen begonnen hatte. Sie war zunächst genötigt gewesen, die 5. Armee zum Einschwenken gegen Westen zu befehlen, womit der k. u. k. 4. Armee die willkommene Gelegenheit zum Flankenangriff und zu einem eindrucksvollen Schlachtenerfolg geboten werden sollte. Womöglich noch schwerer fiel ins Gewicht, daß durch Kraśnik die Auflösung jener gewaltigen Masse eingeleitet worden war, die der Großfürst-Generalissimus um Warschau zum Vorstoß gegen Deutschland zu sammeln begonnen hatte. Noch am 23. war er, wohl auf den Hilferuf der bedrängten Franzosen hin, fest entschlossen, die Versammlung der 10. Armee nicht abzuwarten, sondern die 9. ehestens nach Deutschland aufbrechen zu lassen, wobei das nach Iwangorod rollende III. kauk. Korps über Kielce zu folgen gehabt hätte 42). Bereits 48 Stunden später sah er sich gezwungen, das Spitzenkorps der 9. Armee, das XVIII., gegen den rechten Flügel der von Dankl in der empfindlichsten Richtung hart bedrängten 4. Armee abzudrehen. Damit war der Plan eines ungesäumten Vormarsches der Warschauer Gruppe gegen Deutschland mehr oder minder zurückgestellt. Beinahe hätte Kraśnik in der Ausstrahlung seiner Wirkung selbst den in Ostgalizien kämpfenden k. u. k. Streitkräften Entlastung gebracht; denn die Russen erwogen in der Bedrängnis sogar, das XXIV. Korps vom äußersten linken auf den äußersten rechten Flügel zu verschieben und ebenso das rechte Flügelkorps der 3. Armee der 5. zu überweisen. Diese Maßnahmen blieben jedoch unausgeführt.

AnStelle des Gen. Salza wurde am 25. August derGen.Ewert an die Spitze der 4. Armee gerufen. Man warf Salza vor, das große Waldgebiet am Tanew mangelhaft aufgeklärt, für die Verbindung der einzelnen Befehlseinheiten und für die Anlehnung an die Weichsel schlecht vorgesorgt und dadurch die Niederlage verschuldet zu haben. In Wirklichkeit ist der Mißerfolg doch vor allem dadurch verursacht worden, daß die nach Westen weit vorgestreckte 4. Armee am spätesten operationsbereit werden konnte, aber in dem Bestreben, die Einkreisung des öst.-ung. Heeres möglichst rasch und zielsicher einzuleiten, unfertig, wie sie war, zum Angriff vorgetrieben worden ist. Die Gefahr einer solchen Einschnürung hatte der Sieg bei Kraśnik nunmehr bis auf weiteres gebannt, ganz abgesehen von der mächtigen Stärkung des Selbstbewußtseins, das hiedurch den gesamten öst.-ung. Truppen dieses Kampfgebietes offensichtlich erwuchs.

Die Maßnahmen der beiderseitigen Führung in den Ziagen der Schlacht bei Kraśnik

Hiezu Beilage 9

Während das Hauptquartier in Przemyśl die Nachrichten vom Schlachtfelde bei Kraśnik gehobenen Sinnes entgegennehmen durfte, zog im Osten Galiziens ein schweres Unwetter herauf. Die russische 3. und

8. Armee waren gegenüber den schrittweise weichenden Sicherungstruppen in zielsicherem Fortschreiten gegen Lemberg begriffen. Zwar war man über die tatsächliche Überlegenheit dieses Gegners beim AOK. noch einige Tage hindurch im unklaren. Wenn GdI. Conrad in seinen Denkwürdigkeiten schreibt, man habe in Przemyśl bis zum 24. August nachmittags die Stärke des im Raume nordöstlich und östlich von Lemberg eingebrochenen Gegners auf 10 Divisionen geschätzt, so konnte er nach der Aktenlage wohl nur die Gesamtheit der ihm gemeldeten Infanterie- und Kavalleriedivisionen des Feindes meinen1). Nichtsdestoweniger rückte auch ein Auftreten solcher noch nicht erdrückender Kräfte das Problem des Flankenschutzes von Stunde zu Stunde dringender in den Vordergrund; dies um so mehr, als jeder Schritt, den die Stoßarmeen nach Norden taten, die Verbindung zwischen ihnen und den Deckungstruppen von Lemberg lockerte. In der Disposition vom 22. hatte Conrad den Schutz Ostgaliziens neben den erst allmählich einlangenden Kräften der 2. Armee der nunmehr aus dem XII. Korps, der 11. ID., der 43. SchD. und drei Reiterdivisionen bestehenden Armeegruppe Kövess übertragen. Da zum großen Ingrimm Conrads die Ereignisse bei Šabac erhebliche Teile der

2. Armee länger festhielten, als es erwünscht war, ergab sich für das AOK. in den nächsten achtundvierzig Stunden die zwingende Notwendigkeit, für die unmittelbare Sicherung der galizischen Hauptstadt anders zu sorgen, als es bisher geplant war. Die außerordentlich schwierige Aufgabe, Flanke und Rücken der Angriffsarmeen gegen die östlich von Lemberg drohenden Gefahren zu decken, wurde nun in die Hände des die 3. Armee befehligenden GdK. Brudermann gelegt, dem hiezu das

XI.    und III. Korps und vom 23. abends an auch „vorübergehend“ das

XII.    Korps samt 11. ID. und die 8. KD. der Gruppe Kövess zur Ver-

*) Conrad, IV, 505; durch diese aus der Aktendurchsicht sich ergebende Erläuterung der Zahl 10 widerlegt sich auch der Vorwurf bei Pfeffer, „Zum 10. Jahrestage der Schlachten von Złoczów und Przemyślany, 26. bis 30. August 1914“ (Wien 1924), 42, wonach das AOK. es unterlassen habe, dem 3. Armeekmdo. die eigene bessere Kenntnis der Feindlage weiterzugeben. Vgl. S. 209.

fügung gestellt wurden. Außerdem erging an das für den 25. in Stanislau erwartete 2. Armeekmdo. die Weisung, mit den dort eintreffenden Kräften „den vom Zbrucz her erfolgenden Vorstoß zurückzuschlagen“ und so „Flanke und Rücken der Gesamtarmee zu schützen“1). Und gegen Schluß dieser am 24. abends an die Armeen erlassenen „Direktiven“ hieß es dann sogar, daß es nach erfolgreicher Führung des Nordstoßes notwendig werden könnte, „die 2., 3. und 4. Armee zu einem Vorgehen in östlicher Richtung einzusetzen“. Aber vorerst sollte doch alles, w^as gegenüber Osten geschah, ausschließlich dem alle Führerentschlüsse beherrschenden Gedanken des Nordstoßes dienen, einem Gedanken, der Conrad just in dieser Stunde neuen Erfolg verhieß, als, wie Hptm. Fleischmann meldete, der neue Befehlshaber des deutschen Ostheeres, GO. Paul v. Beneckendorff und v. Hindenburg, im Begriffe war, seine Armee gegen die russische 2. Armee, also in der „Richtung Siedlec“ anzusetzen. In diesem Sinne legte das AOK. seinen beiden östlichen Flügelarmeen auch noch am 24. um 5h3° nachm. ans Herz, die Möglichkeit eines späteren Nordmarsches nicht aus dem Auge zu lassen, und die 3. Armee mußte schon jetzt ihren bisherigen linken Flügel, die aus der 3., 8. ID. und 41. HID. bestehende Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand, an die Angriffsarmeen abgeben.

Von diesen Armeen wurde am 24., 9h abends, die 1. angewiesen, ihre Vorrückung gegen Lublin fortzuführen, wrobei ihr rechter Flügel über Biskupice vorzugehen, der linke aber unter Deckung gegen Iwangorod wie bisher die Umfassung des Feindes anzustreben hatte. Dem rechten Flügel der 4. Armee wurde, bei „starker Sicherung gegen Ost“, die Huczwa als Leitlinie angegeben. Erzherzog Joseph Ferdinand hatte „im Staffel rechts... auf Hrubieszów anzuschließen und sich ostwärts gegen den Bug zu sichern“. Der sich bei Ostrowiec der Eisenbahnlinie Sandomierz— Końsk nähernden Gruppe Kummer wurde aufgetragen, die Weichsel bei Zawichost zu überschreiten und dann in den Verband der 1. Armee zu treten, indes das deutsche Landwehrkorps südlich von Radom in der Richtung auf Iwangorod die Flankendeckung übernehmen sollte.

Die Anordnungen des AOK. legten das Schwergewicht der Operationen noch immer auf die 1. Armee und in deren Bereich auf den an die Weichsel angelehnten linken Flügel. Dies entsprach durchaus dem Grundgedanken des Feldzuges, die Russen gegen das Polesie abzudrängen. Die der Erzherzoggruppe aufgetragene Sicherung gegen Osten trug wieder der Lage hinter dem rechten Flügel der zur Stoßtruppe gehörenden 4. Armee Rechnung, wo die Rücksicht auf die Ereignisse östlich von Lemberg doch hemmend wirken konnte. Aber die durch den Eindruck des Sieges von Kraśnik beim Feinde hervorgerufenen Anordnungen, die Rechtsschwenkung der russischen 5. Armee, die damit Auffenberg die Flanke bot, und die starke frontale Stützung der russischen 4. Armee durch das XVIII. Korps, die alsbald die Tapferen Dankls zu fühlen bekamen, sollten in den nächsten Tagen bei den k. u. k. Armeen zu einem der Heeresleitung halb aufgezwungenen Wechsel der Gewichtsverhältnisse führen, der freilich fürs erste von einer neuen glänzenden Waffentat, dem Siege von Komarów, gekrönt werden durfte.

GdK. Dankl hatte in Ewert einen zielbewußten Gegenspieler erhalten. In voller Erkenntnis der Gefahren, die seinem Westflügel drohten, warf der neue Befehlshaber der russischen 4. Armee alle verfügbaren Kräfte, eine Brigade der 46. ID., die eintreffenden Teile der 80. RD. und auch die Spitzenbrigade des der Armee zugewiesenen XVIII. Korps in den Raum um Wąwolnicą. Während die Masse der Armee Ewerts in der südwestlich gerichteten Front Bełżyce—Borzechów—Bychawa— Turobin den Gegner auf sich zu ziehen hatte, sollte die um Wąwolnicą versammelte, noch durch die 13. KD. verstärkte Kraftgruppe einen entscheidenden Entlastungsstoß südwärts in die offene Flanke des Bedrängers führen. Die Ausführung dieses Flankenstoßes mußte jedoch auf sich warten lassen, da wegen der mißlichen Bahnverhältnisse das von Warschau nach Iwangorod fahrende XVIII. Korps frühestens erst am 27. abends auf das Schlachtfeld gelangen konnte.

Um so bedeutsamer war für die 4. Armee die Entlastung, die der Nachbar, die 5. Armee des Gen. Plehwe, bringen sollte. Schon am 23. hatte Iwanow dieser Armee befohlen, bei gleichzeitiger Abwehr der um Tomaszów und Zamość gemeldeten gegnerischen Streitkräfte der öst.-ung. 1. Armee in Flanke und Rücken zu fallen. Hiezu sollte sie, leicht südwestlich gewendet, am 25. die Linie Zamość—Tyszowce—Sokal erreichen. Am 24. schärfte das Kommando der Südwestfront Plehwe aufs neue ein, „mit versammelten Armeekorps den Angriff gegen die Flanke und den Rücken des die 4. Armee bedrängenden Gegners zu führen“1), dabei aber auch die Sicherung gegen Rawa Ruska nicht außer acht zu lassen und über Kamionka-Strumilowa die Verbindung mit dem Nordflügel Rußkis herzustellen.

Über den Gegner nur dürftig, zum Teil falsch unterrichtet, rechnete Gen. Plehwe, einer der angesehensten russischen Führer, für die nächste

i) Zichowitsch, 46.

Zeit nicht auf eine Begegnung mit stärkeren von Süden vorrückenden öst.-ung. Kräften. In der Tat gelangten seine Korps am 25. kampflos in die ihnen zugewiesenen Räume (Skizze 4). Das XXV. Korps war auf der Höhe von Zamość beiderseits des Wieprz gegen Westen aufgeschwenkt, solcherart trotz der Ermüdung bereit, der im engen Anschluß stehenden 4. Armee flankierend zu Hilfe zu kommen. Im Hinblick auf den Kampf, der hier am 26. entbrennen mußte, sollte die Mitte der 5. Armee, XIX. und V. Korps, gegen den Raum Tomaszów—Łaszczów zusammenschließen, um von da aus kräftig gegen Süden vorzustoßen. Das links auswärts manövrierende XVII. Korps hatte von Sokal aus je nach Bedarf westlich oder östlich des Bug die Operationen der Armee zu sichern. Die l.Don-KosD. war in die Lücke zwischen dem XXV. Korps und der Armeemitte, die 7. KD. in die Ostflanke des XVII. Korps gewiesen; die von den Kämpfen bei Turynka her arg zersauste komb. KD. wurde hinter die Front genommen1).    *

Einleitung der Schlacht bei Komarów (26. August)

Hiezu Skizze 4

GdI. Auffenberg war unterdessen bestrebt, seine Armee, die bei Einrechnung der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand noch einen Raum von 100 km Breite und 60 km Tiefe einnahm, enger zusammenzuziehen. Er begnügte sich am 25. August, sein aus dem VI., IX. und II. Korps bestehendes erstes Treffen bis Chodywance, Tomaszów und an den oberen Wieprz vorzuschieben, während die Erzherzoggruppe nach Żółkiew und Magierów gelangte. Die bei Auffenberg während dieses Vormarsches eingelangten Nachrichten ließen den Feind irrtümlicherweise schon am

24. abends mit seiner Hauptmasse in der von ihm erst tags darauf erreichten Linie Zamość—Komarów—Tyszowce annehmen. Das k. u. k.

4. Armeekmdo. rechnete daher schon für den 25., spätestens aber für den 26. mit dem Beginn einer großen Schlacht. Doch bezogen die Korps Auffenbergs am 25. schließlich ohne Störung durch die Russen die Näch-tigungsorte, und auch das Bild, das sich das Armeekmdo. über den Feind machte, hatte sich bis zu dieser Stunde einigermaßen verschoben. Es schien nun, daß in den Raum Tarnawatka—Rzeczyca lediglich drei russische Divisionen vorgeschoben waren, indessen die Hauptkräfte der

A) Zichowitsch, 151. — La grande guerre, 149, 153.

feindlichen 5. Armee noch bis Krasnostaw, Hrubieszów und Cholm gestaffelt sein mochten. Diese Auffassung veranlaßte den Führer der k. u. k. 4. Armee zu raschem Zugreifen, das übrigens auch das AOK. im Hinblick auf das Zusammenwirken mit der siegreich vordringenden 1. Armee wünschte. So stellte das 4. Armeekmdo. den ursprünglichen Plan, den 26. noch zum Aufschließen zu verwenden, gegenüber dem Entschlüsse zurück, aus der weitzerstreuten Gruppierung des Feindes Nutzen zu ziehen und sein vorderes Treffen anzugreifen, ehe die Masse der Armee Plehwes versammelt war. Hiezu hatte das II. Korps auf Zamość, das IX. Korps auf Jatutów, das VI. Korps auf Tyszowce loszugehen. Dem II. Korps wurde enge Zusammenarbeit mit dem X. Korps der 1. Armee aufgetragen, während das VI. Korps zu tief gestaffelter Marschordnung verhalten ward, um feindliche Angriffe aus der Richtung Krylów abwehren oder selbst zur Umfassung rechts ausgreifen zu können. Den beiden Kavalleriedivisionen der Armee, der 6. und der vom südlichen Kriegstheater eingelangten 10., fiel unter Befehl des älteren Divisionärs FML. Wittmann die Erkundung der Bugstrecke Sokal—Hrubieszów zu. Dem linken Flügel der Erzherzoggruppe war bereits nachmittags die Leitlinie Magierów—Uhnów vorgezeichnet worden; diese Linie wurde nun bis Tyszowce verlängert. Vom XVII.Korps sollte die 19.ID. nach Lubaczów gelangen; die beiden Marschbrigaden hatten um einen Tagmarsch weiter südlich abzubleiben43).

Die auf beiden Seiten getroffenen Anordnungen mußten am 26. August folgerichtig auch zwischen der Huczwa und dem Wieprz zur Begegnungsschlacht führen. Östlich der Straße Zamość—Tomaszów stieß das nach vorwärts aufmarschierende russische XIX. Korps um Mittag mit seiner Hauptkraft auf der Bodenwelle von Tarnawatka auf die 39. HID., den linken Flügel des enggeschlossen in den Kampf ziehenden k. u. k.VI. Korps.

Die Honvéds rückten dem Feind temperamentvoll an den Leib, errangen auch einigen Erfolg, mußten aber zuletzt auf die Höhen knapp nördlich von Tomaszów weichen, wo sie bei der Korpsreserve Rückhalt fanden. Rechts von ihr warf die 27. ID. schwächeren Feind in das Quellgebiet der Huczwa zurück, indes die 15. ID. fast ohne Kampf den Raum südlich Łaszczów erreichen konnte.

Westlich der Reichsstraße strebte dem Raume beiderseits von Zamość ein geschlossener Block von vier Divisionen — 10. des IX. Korps und 25., 13. und 4. des II. Korps — zu, dem sich auf Aufforderung durch die 4. ID. noch die Flankendeckung der 1. Armee, die 45. SchD., anschloß. Diesen meist in außerordentlich beschwerlichem Marsche nordwärts rückenden Heereskörpern trat das russische XXV. Korps mit der

3.GrenD. bei Zamość entgegen, während eine halbe 46.ID. südlich, die 70. RD. nördlich des Porbaches dem Ostflügel der 4. Armee bei Turobin zu Hilfe eilen sollte1). Die Grenadiere prallten in den Wäldern südwestlich von Zamość auf die niederösterreichischen und südmährischen Regimenter der 13. und 25. ID. und mußten, am Ostflügel von Teilen der 10. ID. gefaßt, nach erbittertem Ringen unter die Mauern von Zamość zurückweichen 2). Das gleiche Schicksal wurde durch die 4. ID. und die 45. SchD. südlich des Por der halben 46. ID. der Russen bereitet, die hinter der Łabuńka Schutz suchen mußte.

Am rechten Flügel der k. u. k. 4. Armee stießen bei Posadów die Reiter FML. Wittmanns auf zwei von einigen Kosakensotnien begleitete russische Infanterieregimenter, die das von Waręż westwärts auf Łaszczów losmarschierende V. Korps in der Südflanke deckten. Das Kavalleriekorps sandte die Hälfte seiner Schwadronen zu Fuß in den Kampf und zwang so den Feind zur Entwicklung. Eine Entscheidung unterblieb. Die beiden Kavalleriedivisionen, bei denen Munitionsmangel eingetreten war, gingen abends auf Uhnów zurück.

Die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand erhielt bald nach dem Aufbruch Kunde von einem angeblichen Vormarsch des russischen XVII.Korps sowie auch von der über Radziechów vordringenden rechten Flügeldivision der russischen 3. Armee. Das Marschziel der gemeldeten Heereskörper schien Mosty Wielkie zu sein. Der Erzherzog ließ daraufhin seine Divisionen näher gegen diesen Ort hin zusammenrücken. Es kam jedoch zu

!) Die andere halbe 46. ID. war zur Verstärkung der 4. Armee nach Lublin gezogen werden. (Siehe S. 183.)

2) K i s z 1 i n g, Das Waldgefecht bei Kąty. Besprochen in dem Aufsatz: Der Angriff im Waldkampf (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jahrg. 1928, 822 ff).

keinen Kämpfen, da das feindliche XVII. Korps bei Sokal Rasttag hielt, der Nordflügel der russischen 3. Armee aber die Richtung Kamionka-Strumiłowa einschlug.

Beginn der Schlacht vor Lublin (26. bis 28. August)

Hiezu Skizze 5

Links der k. u. k. 4. Armee hatten die nach den Kämpfen der letzten 72 Stunden eines ruhigeren Tages bedürftigen Truppen Daniels den 26. im großen dazu benützt, gegen die nördlich von Kraśnik stark zurückgebogene Front des Feindes vorzufühlen. Am Ostflügel schob sich das X. Korps tagsüber vorsichtig an den Porbach heran, wo am Abend Teile der 2. ID. und der 37. HID. die südlich der Niederung gebliebenen russischen Nachhuten zurückwarfen. Den gegenüberstehenden russischen Grenadieren, deren Artillerie sich außerordentlich wachsam erwies, winkte durch das Heranrücken der 70. RD. des XXV. russ. Korps bei Turobin eine wertvolle Stützung. Am linken Flügel des k. u. k. V. Korps hatte die am östlichen Bystrzycaufer vorgehende 14. ID. bei Rudnik ein wechselvolles Abendgefecht zu bestehen, in das auch die rechte Brigade der 46. SchD. eingriff, dem jedoch der Einbruch der Dunkelheit, ohne daß es zu einer Entscheidung gekommen wäre, ein Ende bereitete. Das südlich von Wilkołaz beiderseits der Kraśniker Straße lagernde I. Korps sah sich durch den Gefechtslärm rechts und links um die Ruhe gebracht, deren es so bedürftig war und die ihm auch das Armeekmdo. für diesen Tag zugedacht hatte. Die am Westflügel vorgehende Gruppe Kestřanek schwenkte kämpfend über Chodel gegen den nordwestlich von Borzechów eingegrabenen rechten Flügel des russischen XIV. Korps ein, verschob aber den Angriff im Hinblick auf die vorgerückte Tageszeit und da die zunächst stehende 5. ID. wegen Ermüdung der Truppe nicht mitwirken zu können erklärte, auf den nächsten Morgen. Die 3. KD. kam stark abgehetzt auf die Höhen nördlich von Chodel.

Vergebens harrte das Armeekmdo. des Stromüberganges der 110. LstlBrig. bei Józefów; es wußte noch nicht, daß diese Brigade tags vorher vor der auf dem Nordufer der Kamienna eingenisteten Artillerie der russischen 14. KD. in ziemlicher Unordnung auf Lasocin zurückgewichen war. Glücklicherweise war die Armeegruppe Kummer schon nahe genug, um das Übel wettzumachen, das aus dieser Panik etwa hätte entstehen können. Kummers Landsturmtruppen hatten am 25. abends unter Aufgebot all ihrer Kräfte den Raum Sobótka—Opatów—Ostrowiec erreicht. Die 7. KD. war am 23. westlich von Iłża von der durch Infanterie verstärkten russischen 14. KD. hinter die Kamienna zurückgedrückt worden, kehrte aber dann, verstärkt durch eine Brigade der 106. LstlD., wieder in den Raum von Iłża zurück.

Die Armeegruppe wollte am 26. rasten, wurde aber noch in der vorangehenden Nacht durch das Mißgeschick der 110. LstlBrig. aufgeschreckt. Die 100. LstlBrig., die als Vorhut Kummers schon am 26. bei Zawichost hätte Ufer wechseln sollen, eilte aus eigenem Entschluß in den Raum nördlich von Lasocin. Die 95. und Teile der 106. LstlD. wurden vom Armeegruppenkommandanten zu einem Nachtmarsche dahin befohlen. Glücklicherweise fühlte sich die russische 14. KD. nunmehr durch ihren alten Gegner, die k. u. k. 7. KD., von Iłża her so bedroht, daß sie die Kamiennamündung verließ. So konnte GdI. Kummer seinen Bataillonen am 27. den ersehnten Rasttag gewähren.

Das k. u. k. AOK. teilte in seinem am 26. erlassenen Befehl mit, daß für die Gruppe Kummer und die 1. und 4. Armee die Direktiven vom 24. weiter in Geltung zu bleiben hätten. GdK. Dankl war am selben Tage zur Überzeugung gelangt, daß sich der Feind in vollem Rückzuge -auf Lublin befände. Demgemäß sollten sich am 27. zur Wiederaufnahme des Kampfes bereitstellen: die Gruppe FML. Kestřanek nördlich von Borzechów und das I. und V. Korps beiderseits der Bystrzyca in der Weise, daß das noch immer vorgeschobene I. Korps seine Stellung zu halten, das V. Korps aber bis Bychawa vorzudringen hatte. Aus dieser Bereitstellung konnten dann die Gruppe Kestřanek und die 3. KD. nach links vorwärts gestaffelt gegen Osten einschwenken, während das I. und das V. Korps von Süden her vorstürmen sollten. Die Armeegruppe Kummer sollte sobald als möglich nördlich der Gruppe Kestřanek in die Schlacht eingreifen. Das X. Korps hatte zunächst die Bodenwelle nördlich des Porbaches zu gewinnen, außerdem aber auf besonderen Befehl des AOK. bereit zu sein, am Flügel der 4. Armee einzugreifen, für welche Aufgabe jedenfalls die 45. SchD. ausersehen war.

Am 27. früh entbrannte an der ganzen Front der 1. Armee neuerlich die Schlacht. Vom X. Korps, das zunächst den Ort Żółkiewka gewinnen wollte, um von dort je nach der Lage gegen Lublin oder Krasnostaw wirksam werden zu können, geriet die Vorhut der 24. ID. am Vormittag nächst Nowa-Wies in Bedrängnis, da sie von der frischen 70. RD. der Russen aus nordöstlicher Richtung angefallen wurde. Umständliche Befehl-I 2. Aufl.    13 gebung bei der 24. ID. machte es fürs erste unmöglich, den am Nordufer vereinzelt fechtenden Bataillonen Unterstützung zuzuführen. Zu allem Überfluß wurde rechts der 24. ID. auch die nördlich des Porbaches vorgehende linke Kolonne der 45. SchD., die 90. SchBrig., von Teilen der 70. RD. über die Niederung zurückgeworfen. Schon rief GdI. Meixner die

9. KD. und die 10. MaBrig. aus ihren Lagern bei Góraj aufs Gefechtsfeld, als um 2h30 nachm. der Feind ganz plötzlich den Kampf abbrach und gegen Nordosten davoneilte. Dieser Umschwung war, wie noch zu zeigen sein wird, durch die endgültige Niederlage des russischen XXV. Korps bei Zamość herbeigeführt worden. Nun konnte auch die 2. ID., vor der der Russe gleichfalls kampflos aus den Wäldern nördlich von Turobin abzog, ohne Schwierigkeiten den Übergang bewirken. Sie wurde hier angehalten, damit sie sich von der 24.nicht zu weit entferne. Bei der 45. SchD. hatte sich die rechts des Wieprz bis an die Łabuńka gelangte 89. Brigade durch übertriebene Nachrichten über die Vorgänge nördlich des Porbaches zur Rückkehr auf Deszkowice verleiten lassen, wo nun wieder die ganze Division dem X. Korpskmdo. zur Verfügung stand.

In der Mitte der Armee führte die eigentlich nur als Vorrückung in eine Bereitschaftsstellung gedachte Bewegung zu einer heftigen Schlacht, da die Russen noch südlich von Bychawa stehengeblieben waren. Beim V. Korps warfen sich die beiden Flügeldivisionen in schneidigem Anlauf auf den Feind und trieben ihn, von der verständnisvoll eingreifenden Mitteldivision und der rechten Brigade der 46. SchD. an den Flügeln unterstützt, nach Norden zurück. Beim I. Korps erstürmte die Masse der 46. SchD., ohne erst die Wirkung der Artillerie abzuwarten, den Ort Sobieszczany, und auch die 5. ID. gewann Kłodnica, traf aber schon bei Borzechów auf eine stark besetzte Stellung.

Der wuchtige Ansturm des V. Korps und der 46. SchD. nötigte schließlich nach 2h nachm. das russische XVI. Korps, nachdcm es sich stundenlang tapfer gewehrt hatte, zu einem teilweise fluchtartigen Rückzug, wodurch die inneren Flügel der Nachbarkorps entblößt wurden. Diese Wendung hatte, zusammen mit der Niederlage des XXV. Korps, zu dem gemeinsam mit der 70. RD. angetretenen Rückzug der Grenadiere vom Porbach beigetragen. Dagegen zeigte das durch die früheren Kämpfe gewiß hart mitgenommene XIV. Korps der Russen bei Borzechów und südlich Bełżyce noch erstaunliche Widerstandskraft. Die Gruppe Kestřanek holte sich hier, obgleich ihr die 101. LstlBrig. durch eine über Chodel ausholende Umfassung Entlastung bringen sollte, blutige Köpfe und mußte in die Ausgangsstellung zurück, wo ihr der Russe dadurch, daß er nicht nachstieß, am 28. die zur Erholung und Ordnung der stark durcheinandergeratenen Verbände unbedingt nötige Muße gewährte.

Wichtig war es, endlich Einblick gegen Iwangorod zu gewinnen. Die

3. KD. konnte wegen Übermüdung von Mann und Pferd, zumal bei ihrer Artillerie, dieser Aufgabe nur höchst unvollständig genügen. Nichtsdestoweniger bestand beim Armeekmdo. der Eindruck, daß von Iwangorod her keine Gefahr drohe und auch die bei Wąwolnicą festgestellten Truppen — in Wirklichkeit schon die vordersten Abteilungen der sich hier bildenden Gegenstoßgruppe — nur als sich sammelnde Teile des geschlagenen Feindes zu betrachten seien. Da außerdem der Ostflügel der Armee Ewerts offenkundig den Rückzug angetreten hatte, ihre Mitte aber neuerlich entscheidend geschlagen war, stellte sich dem GdK. Dankl die Vertreibung des feindlichen Westflügels aus seiner stark verschanzten Stellung im Raume Duża und Bełżyce als nächste Aufgabe dar. Dankl, der am 27. sein Hauptquartier in Kraśnik im Kasino des 9. Donkosakenregiments aufgeschlagen hatte1), gedachte, den Widerstand der Russen nicht durch einen Stirnangriff zu brechen, sondern indem er das V. Korps von Osten her gegen Duża, die Gruppe Kummer von Westen über Opole zur Umfassung ansetzen wollte. Das X. Korps hatte selbst vorgeschlagen, daß man ihm seine Vorrückungsrichtung Krasnostaw belasse. Die doppelte Pflicht, zu einem Eingreifen rechts bei der 4. Armee oder links beim V. Korps bereit zu sein, lastete nicht eben leicht auf den Schultern des Korpsführers.

Auf russischer Seite entschied der Befehlshaber der 4. Armee, als er am 27. nachmittags die Kunde der schweren Niederlage seines XVI. Korps erhielt, fürs erste, daß das Korps seine verlorene Stellung zurückzuerobern habe. Mit zunehmender Erkenntnis der Größe des Mißerfolges nahm Ewert diesen Befehl jedoch wieder zurück. Die drei in der Front befindlichen Korps sollten sich südlich der Linie Bełżyce—Duża—Chmiel zur Abwehr einrichten und dort das Eingreifen der hinter den rechten Flügel heranfahrenden Truppen abwarten2).

Am 28. zu früher Morgenstunde fand die 46. SchD. das Gefechtsfeld zwischen der Bystrzyca und der großen Straße nach Lublin frei. Vom GdK. Kirchbach zur Gewinnung der Höhe unmittelbar südlich von Duża aufgerufen, stürmte sie vorwärts, um schließlich durch ein Einschwenken gegen Nordwesten der 5. ID. bei ihren schwierigen Angriffen gegen die Höhe nordöstlich von Kłodnica zu Hilfe zu kommen. Das russische XIV. Korps blieb nichtsdestoweniger fest.

!) Pastor, Viktor Dankl (Freiburg 1916), 15.

2) La grande guerre, 161.

Die 14. ID. Puhallos war der 46. als Flankenschutz gefolgt, die beiden anderen Divisionen des V. Korps gewannen, die 33. über die 37. hinausgeschoben, die Gegend nördlich und östlich von Bychawa. Der Feind wich auf Jabłonna. Das X. Korps gelangte, von dem näher an Krasnostaw zurückgewichenen XXV. Korps des Feindes unbelästigt, bis in die Linie Staw—Żółkiewka. Unrichtige Nachrichten über schwere Kämpfe der 45. SchD. und des linken Flügels der 4. Armee an der Łabuńka ver-anlaßten das Korpskmdo. zu einer vorübergehenden Entsendung der

9. KD. und der 10. MaBrig. gegen Deszkowice. Während die Reiterei auf Ansuchen der 4. ID. des II. Korps noch gegen die Łabuńka aufklärte, rückte die 10. MaBrig. auf einem längeren, die Mannschaften sehr ermüdenden Umwege wieder zum Korps ein, wodurch die Streitkräfte Hugo v. Meixners wieder versammelt waren.

Die sechstägigen glanzvollen Kämpfe der 1. Armee hatten die Truppe begreiflicherweise erschöpft. Viele Regimenter, zumal die des I. und V. Korps, hatten bereits so hohe Verluste erlitten, daß die Einreihung der ersten Marschbataillone notwendig geworden war. Der Nachschub mußte auf schlechten Straßen zunächst mit leichtem Pferdefuhrwerk durchgeführt werden, denn eine Nachschubbahn, bei dem großen Materialbedarf des neuzeitlichen Kampfes fast unentbehrlich, fehlte, und die von Rozwadów im Vorbau befindliche Feldbahn hatte die rasch vorstürmende Armeefront noch nicht erreicht. Es war für die Armee höchste Zeit, eine kurze Pause einzuschalten. GdK. Dankl befahl daher am 28. abends der Armee Halt und ordnete alle jene Maßnahmen an, die in kürzester Zeit die planmäßige Fortführung des Angriffes ermöglichen sollten. Hiezu gehörte auch der Einsatz der Armeegruppe Kummer, von der am 28. die 95.LstID. als erste Truppe bei Józefów die Weichsel überschritten hatte und der bis 30. früh die übrigen Armeekörper folgten (siehe S. 231), schließlich das Heranführen der zwei Landsturminfanteriebrigaden Nr. 1 und 36 aus dem Sanwinkel hinter das I. Korps. Nur das

X. Korps hatte auf Betreiben des 4. Armeekmdos. und auch nach dem Wunsche seines Kommandanten mit den Hauptkräften weiter gegen Krasnostaw vorzudringen, eine Division aber zur Verbindung mit dem V. nach Krzczonów abzweigen zu lassen. So notwendig die durch das

1. Armeekmdo. verfügte Einschaltung der Kampfpause war, die die Truppen am 29. genossen, so sehr sollte sie angesichts der Verstärkungen, die der Feind in Erkenntnis der Bedeutung dieses Raumes heranführte, für große Teile der 1. Armee den Verzicht auf weiteres Vordringen bedeuten, was auch den ganzen Feldzugsverlauf beeinflußte.

Fortführung der Schlacht bei Komarów

(Kämpfe bei Zamość und Tomaszów, 27. und 28. August)

Hiezu Skizze 6

Inzwischen war in das Vordringen der k. u. k. 4. Armee verheißungsvoller Schwung gekommen. Bis zum 26. August abends hatte GdI. Auffen-berg den Eindruck gewonnen, daß dem VI. Korps starker Feind gegenüberstehe, der noch weitere Kräfte von Cholm1) und Hrubieszów heranzog. Dagegen erwartete er von dem geschlagenen XXV. Korps der Russen nicht mehr viel Widerstandskraft. Demnach mutete der Armeekommandant dem links durch die 45. SchD. der 1. Armee gesicherten, rechts durch Teile der 10. ID. verstärkten II. Korps sehr wohl die Kraft zu, mit dem Feind bei Zamość fertig zu werden. Die bei Tarnawatka festgebissenen Russen gedachte Auffenberg einzukreisen, ehe die heranziehenden Verstärkungen Hilfe bringen konnten. In der Front von der 39. HID. festgehalten, sollte das russische XIX. Korps im Westen und Nordwesten von der 26. SchD. und den bei Zamość entbehrlichen Teilen der 10. ID., im Osten von den zwei Heeresdivisionen des VI. Korps in die Enge getrieben werden. Einigermaßen schwierig gestaltete sich die Frage des Schutzes der rechten Armeeflanke, den bisher die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand innegehabt hatte. Die Ereignisse östlich von Lemberg hatten am 26. nachmittags das AOK. veranlaßt, die Erzherzogsgruppe wieder der 3. Armee zu unterstellen und zum Abmarsch in den Raum Żółkiew-Lemberg anzuweisen. GdI. Auffenberg übertrug daher den Schutz der Ostflanke dem VI. Korps und dem Kavalleriekorps Wittmann, wozu jenem möglichst rasch die über Rawa Ruska heranfahrende 6. MaBrig. zugeführt werden sollte. Der dem FML. Wittmann erteilte Auftrag war ziemlich umfangreich: Sicherung nach Osten, Streifzug der Masse um die bei Posadów festgestellte russische Infanteriestellung herum und über Tyszowce in den Rücken des einzukreisenden Feindes sowie Aufklärung über Grabowiec hinaus. Zur Stützung der Sicherungsmaßnahmen am Ostflügel wurde die 19. ID. des XVII. Korps vom Armeekmdo. in die Gegend von Bełżec befohlen.

Der feindliche Armeeführer Plehwe kam dem großen Einkreisungsplane Auffenbergs in seinen Weisungen für den 27. bemerkenswert entgegen. Das XXV. Korps, das auf besonderen Befehl des GroßfürstenGeneralissimus die Verbindung zwischen der 4. und der 5. Armee im

1) Damals übliche ukrainische Bezeichnung; polnisch: Chelm.

Raume Mościska (22 km südwestlich Krasnostaw)—Zamość aufrechtzuerhalten hatte, wurde trotz der am Vortag erlittenen schweren Schlappe und der starken Verwerfung seines linken Flügels neuerlich zum Angriff befohlen, im übrigen aber seinem Schicksal überlassen. Die Hauptanstrengungen der Armee sollten der Zertrümmerung der bei Tomaszów aufgetretenen öst.-ung. Kräfte gelten, wozu das XIX. Korps aus nördlicher Richtung, das V. aber von Osten her vorbrechen sollten. Hinter dem linken Flügel des V. hatte das XVII. aus der Gegend von Sokal—Krylów in Eilmärschen Jarczów zu gewinnen, womit das Zusammenballen dreier Korps zwischen Tomaszów und Uhnów in die Wege geleitet war, während das XXV. Korps nordwestlich davon auf mehr als einen Tagmarsch entfernt vereinzelt zu kämpfen hatte1).

Der 27. August, als zweiter Tag der Schlacht bei Komarów, begann für die k. u. k. 4. Armee mit einem unglücklichen Ereignis. Eine Kosakenabteilung mit Maschinengewehren überfiel bei Tagesanbruch die nördlich von Uhnów ungesichert in enger Nächtigung zusammengepferchte 10. KD. und rief bei den Husarenregimentern, die später bei Limanowa und anderwärts Beweise hervorragender Tüchtigkeit geben sollten, eine Panik hervor, die sie bis Rawa Ruska zurücktrieb. Die durch den Gefechtslärm aufgescheuchte 6. KD. warf sich dem Feinde sofort entgegen, mußte jedoch bis gegen Żurawce Raum geben.

Vom VI. Korps rückte die 15. ID. am Ostflügel über die oberste Huczwa bis in den Raum nordwestlich von Łaszczów, als sie, das Kavalleriekorps Wittmann in der Flanke wähnend, von Südosten her von Abteilungen des russischen V. Korps angefallen wurde. Sie schwenkte ab, warf sich sofort dem Feind entgegen, drängte ihn über Łaszczów zurück und bezog dann bei Pukarzów, die versumpfte Huczwaniederung im Rücken, ein durch die übermüdeten Truppen nur mangelhaft gesichertes Biwak.

Weiter westlich gelang es der 27. ID. wohl, in der Flanke des russischen XIX. Korps Rachanie zu nehmen. Dagegen glückte auf den anderen Teilen des Schlachtfeldes das gegen diesen feindlichen Heereskörper angesetzte Manöver Auffenbergs nur unvollständig. Die 39. HID. vermochte,, von den Kämpfen des Vortages sehr ermattet, nur wenig Raum zu gewinnen. Die 26. SchD. konnte nach unzureichender Nachtruhe erst verspätet aus ihren Quartieren aufbrechen und nur mit Teilen in den Kampf eingreifen. Die halbe 10. ID. wurde auf ihrem Südmarsche in den Rücken des Feindes in der offenen Flanke so heftig von russischem Artillerie-

1J La grande guerre, 159. — Zichowitsch, 153.

feuer gefaßt, daß sie eiligst zurückweichen mußte. Einen wirklich bedeutsamen Erfolg brachte der Angriff am linken Flügel der 4. Armee. Das verstärkte II. Korps entriß dem XXV. Russenkorps Zamość und die Höhen westlich davon, ehe die von Turobin aus einem —wie erinnerlich — für sie günstig sich anlassenden Gefechte abberufene 70. RD. helfend eingreifen konnte. Auch eine Unterstützung durch das XIX. Korps, das vom XXV. zum Flankenstoß gegen die Zamość angreifenden Österreicher aufgefordert worden war, blieb aus, weil der das Ansuchen überbringende Radfahrer in Gefangenschaft geriet. Plehwe nahm sein hart geprüftes XXV. Korps hinter die Wojsławka zurück, wo es noch zur Not die von Krasnostaw nach Lublin und Cholm führenden Verbindungen decken konnte.

Beim 4. Armeekmdo. waren am Vormittag Nachrichten über den Anmarsch bedeutender russischer Kräfte von Hrubieszów auf Tyszowce eingelangt, auch vermutete man eine starke Kolonne im Vorgehen von Sokal gegen Beiz. Gleichzeitig trafen die ersten Mitteilungen über das Mißgeschick der 10. KD. ein. Die Gefährdung des Ostflügels der Armee war damit erheblich geworden. Zum Glück hatte das AOK. sich zur selben Stunde in Betreff der Erzherzogsgruppe eines anderen besonnen, indem etwas günstigere Nachrichten aus der Gegend östlich von Lemberg doch die Rückverweisung der Gruppe an die 4. Armee erlaubten. Wohl hatte der Erzherzog schon den Südmarsch eingeleitet, doch die Abänderung der Befehle kostete Zeit, so daß den durch die Hin- und Hermärsche im Sand und Sumpf der Bugniederung sehr ermüdeten Truppen am 27. vormittags Ruhe gegönnt werden konnte. Nachmittags traten sie die Vorrückung in eine Bereitstellung südlich der Solokija an, aus der sie am 28. früh — freilich mit einem Tage Zeitverlust — zum Angriff in nördlicher Richtung übergehen sollten.

Bot solcherart schon die Erzherzogsgruppe entsprechende Gewähr für eine ausreichende Sicherung der Ostflanke, so tat GdI. Auffenberg, als er nachmittags den vollen Umfang des über die 10. KD. gekommenen Mißgeschickes erfuhr, ein übriges, indem er den Vormarsch der 19. ID. nach Bełżec beschleunigte. Diese konnte hier in der Tat noch am Abend die 6. KD. durch zwei Jägerbataillone und Artillerie stützen. Auch Teile der herangeführten 6. MaBrig. vermochten zwischen Rawa Ruska und Bełżec dem Feinde entgegengestellt zu werden.

Auf diese Weise war die Gefahr eines russischen Durchbruches in der Richtung Bełżec—Narol wohl als gebannt zu betrachten. Freilich war es nicht gelungen, durch den dichten russischen Kavallerieschleier

Einblick in den Aufmarsch der Russen jenseits der Linie Korczmin— Łaszczów zu gewinnen. Trotz dieser bedrückenden Unklarheit hatte GdI. Auffenberg bereits mittags die wesentlichsten Entschlüsse für die Fortführung des Angriffes gefaßt. Darnach sollten die 15. und 27. ID. des VI. Korps, die hiezu etwas zurückgebogen werden mußten, in der Linie Rzeczyca -Rachanie den Stoß des XVII. und V. Korps der Russen entschlossen auffangen. Sobald der Feind festgebissen war, hatte ihm die Erzherzogsgruppe beiderseits von Beiz von Süden her in die offene Flanke zu fallen. Der linke Flügel des VI. Korps sowie das IX. und das II. wurden angewiesen, unterdessen den Ort Komarów und die Łabuńka zu gewinnen.

Auf russischer Seite hielt Gen. Plehwe an der Absicht fest, dem bedrängten Nachbarn Entlastung zu bringen, obgleich er, wie er bedrückten Herzens klagte, über die Ereignisse bei der 4. Armee völlig im unklaren gelassen wurde. Das XXV. Korps sollte daher, unbekümmert um seine wenig erfreuliche Verfassung, wieder angreifen, und zwar vor allem gegen den auf die Grenadiere drückenden rechten Flügel der k. u. k.

1. Armee, wobei natürlich die Straße von Zamość nach Krasnostaw verläßlich gesperrt^ bleiben mußte. Für die notdürftige Deckung der beängstigend breit gewordenen Lücke zwischen dem XXV. und dem XIX. Korps sollte Gen. Jakowljew, der Befehlshaber des XVII. Korps, mit Teilen seiner Truppenmacht sorgen. Die Masse dieses Korps wurde angewiesen, gemeinsam mit dem V. und dem XIX. unter der Oberleitung Jakowljews den Gegner nach Südwesten zu werfen.

Auch der 28. August als dritter Schlachttag ließ sich zunächst für die Armee Auffenbergs recht ungünstig an. Die nördlich der obersten Huczwa stehende 15. ID. brach trotz starker Ermüdung der Truppe bald nach Mitternacht auf, um in die ihr zugewiesenen Stellungen bei Rzeczyca zurückzugehen. Sie wurde auf dem Marsche über die durch den Huczwasumpf führende Dammstraße vom russischen V. Korps überfallen, das sich nachtsüber auf die Lauer gelegt hatte. Die völlig überraschten Truppen wehrten sich zum Teil heldenmütig, zum Teil wurden sie das Opfer starker Verwirrung. Die Russen geben an, 4000 Mann gefangen und 20 Geschütze erbeutet zu haben1). Kaum weniger Offiziere und Mann mögen auf die blutigen Verluste entfallen sein. Der Divisionär, FML. Freih. v. Wodniansky, gab sich aus Verzweiflung selbst den Tod. Der Rest der Division zog sich nach Westen zurück und alarmierte die

27. ID., die sich rasch beiderseits Rachanie gegen Osten und Südosten ins Gefecht warf und den Feind in hartem Ringen aufhielt. GdI. Boroević Zichowitsch, 155.

rief kurz entschlossen die im Sinne des Armeebefehls schon gegen Komarów vorrückende 39. HID. zurück und stellte sie für alle Fälle hinter dem Nordflügel der 27. auf. Die 15. ID. sammelte der Korpsführer bei Tomaszów, wo er sie, unterstützt von dem bisherigen Armee-Etappenkommandanten FML. Edl. v. Schenk, der vorübergehend das Kommando über die verwaiste Division übernahm, wieder angriffsfähig machte.

Aber auch links des VI. Korps war das Waffenglück der k. u. k.

4. Armee nicht sonderlich hold. Nicht zum geringsten infolge der Erkrankung des Korpskommandanten GdI. Hortstein kam das IX. Korps nicht zu einheitlichem Ansetzen. Bei einer Brigade der 26. SchD. war in der Nacht eine Panik ausgebrochen, wodurch ihr Eingreifen als rechte Kolonne erheblich verzögert wurde. Die linke Kolonne ging nachmittags von Westen her gegen Komarów vor, erlitt jedoch nach einigen Erfolgen einen Rückschlag. Sie wurde von Teilen der 10. ID. aufgenommen, die zu Anfang, durch die Erfahrungen des Vortages verschreckt, den gefährlichen Flankenstoß gegen Komarów mitzumachen zögerte, schließlich aber kampflos die Höhen östlich von Zamość beziehen konnte. Denn das russische XXV. Korps hatte sich zu neuerlichem Vorstoßen gegen das bei Zamość verbliebene II. Korps doch zu schwach gefühlt und war bis südlich von Izbica zurückgewichen, wo es beiderseits der Zamośćer Straße eine an den Wieprz und die Wolica angelehnte Stellung bezog.

Die Nachrichten, die bis zum Mittag über die Vorgänge beim VI.Korps einliefen, ließen das Armeekmdo. die schwierige Lage dieses Heeresteiles so recht erkennen. Übermächtiger Druck nötigte GdI. Boroević, die 27. ID. auf die Höhen knapp nordöstlich von Tomaszów zurückzunehmen. Bald kamen auch Hiobsbotschaften über die 3. Armee, die sich nach schweren, an den Nerven der Truppe rüttelnden Kämpfen auf dem Rückzuge von der Zlota Lipa zur Gniła Lipa befand und im Einklang mit dieser Bewegung auch ihren Nordflügel drei Tagmärsche hinter der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand gegen Lemberg zurückbiegen mußte. Selbstverständlich vergrößerte sich diese gefährliche Lücke mit jedem Schritt, den der Erzherzog nach den Weisungen des

4. Armeekmdos. nordwärts tat. Dabei schien sich ein größerer Körper russischer Reiterei drohend in den Zwischenraum einschieben zu wollen. In seiner Sorge um Lemberg und den Rücken der 4. Armee wollte GdI. Conrad die Erzherzogsgruppe neuerlich kehrtmachen lassen und der 3. Armee zu einem Entlastungsstoß gegen den Lemberg bedrängenden Feind überweisen. Da legte nun aber GdI. Auffenberg entschiedenste Verwahrung ein. Das Abziehen der Gruppe mußte ihn um den trotz der augenblicklich recht schwierigen Lage winkenden Sieg bringen, ohne daß sie der 3. Armee rechtzeitig zu Hilfe kommen konnte. Das AOK., welches am 26. um 10h nachts noch verkündet hatte, daß vom Erfolg des rechten Heeresflügels die Feldzugsentscheidung abhinge (S. 213), ließ sich überzeugen, ordnete das Verbleiben der Erzherzogsgruppe bei Auffenberg an und behalf sich, indem es bei Magierów aus der 10. KD., der 4. KD. und der ll.HKD. der 3. Armee ein durch drei Bataillone der 6. MaBrig. verstärktes Kavalleriekorps und bei Żółkiew aus den letzten Reserven (23.HID. und 97. LstlBrig.) eine stärkere Infanteriegruppe zusammenraffte.

Unterdessen hatte das 4. Armeekmdo. dem schwer ringenden VI.Korps noch die bisher dem XVII. angeschlossenen zwei Marschbrigaden, die

2. und die 9., zur Flügelstützung zugesprochen. Da diese aber erst spät abends in Bełżec eintreffen konnten, hatte Boroević schon selbst die Divisionsreserve der 39. HID., den Rest der 6. MaBrig. und die zwei Jägerbataillone der 19.ID. am rechten Flügel der 27. ID. zu einer zehn Bataillone starken Gruppe vereinigt, die den Feind durch Gegenstoß abschütteln sollte. Die Russen folgten aber nur zögernd, denn schon begann sich das Eingreifen des k. u. k. XVII. Korps und der Erzherzoggruppe in der südlichen Flanke des russischen XVII. Korps fühlbar zu machen.

Der Auftakt hiezu war durch die 19. ID. des XVII. Korps gegeben worden. Ihr Führer, FML. Lukas, hatte die bei Żurawce eingelangte Division auf eigene Faust dem Kanonendonner beim VI. Korps nachgeführt und warf bei Jarczów in einem bis in die Abendstunden währenden hitzigen Kampfe den linken Flügel des feindlichen V. und die Spitzendivision des XVII. Korps zurück.

Mittlerweile hatte rechts der 19. ID. die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand mit ihren alpenländischen Kerntruppen die entscheidende Wendung herbeizuführen begonnen. In klarer Erkenntnis der Lage hatte der Erzherzog seine Truppen schon ab 3hfrüh über die Solokija passieren lassen und den Übergang ohne Störung durch den Feind zu bewerkstelligen vermocht. Nachdem den marschmüden Truppen die nötigste Rast gegönnt worden war, schritt die Gruppe zum Angriff. Der linke Flügel, FML. Johann Freih. v. Kirchbach, mit zwei Brigaden der 8. ID. und mit der 41. HID., stürzte sich von Uhnów aus in nördlicher und nordwestlicher Richtung in die Flanke des schlecht gesicherten, daher völlig überraschten russischen XVII. Korps. Die Honvéds gingen allzu hitzig, ohne die Wirkung der Artillerie abzuwarten, vor und kamen ins Stocken. Da griff die 121. IBrig. in den Kampf ein. Das 1. Regiment der TirolerKaiserjäger,zum ersten Male seine Kräfte mit dem Feinde messend, verjagte die Russen aus dem Walde südlich von Tarnoczyn und erbeutete 16 feldmäßig eingebaute Geschütze der russischen 35. Division. Als der Abend herabsank, erschallte, aus tausend Tiroler Kehlen gesungen, das Kaiserlied durch das wolhynische Gehölz44). Weniger glücklich waren im Anschluß rechts bei aller Todesverachtung die Kaiserjäger vom 3. und 4. Regiment (96. IBrig.), die einen besser vorbereiteten Feind gegen sich hatten und sich angesichts des mächtigen russischen Geschützfeuers zunächst mit der Besetzung des nördlichen Sołokijaufers begnügen mußten.

Den Ausschlag zu geben hatte die durch die 16. IBrig.45) der 8. ID. verstärkte 3. ID., FML. Roth, die bei Beiz über die Solokija gegangen war. FML. Roth schwenkte, da er den Raum vor der Front vom Feinde frei fand, halb links gegen Wasylów ein. Seine prächtigen Truppen, unter ihnen die Oberösterreicher des IR. 14, die Salzburger und Innviertler des IR. 59, die Kaiser jäger vom 2. Regiment, stellten die letzte der nach Westen strebenden Divisionen Jakowljews in raschem Ansturm und schlugen sie in Trümmer46). Außer zahlreichen Gefangenen blieben 40 Geschütze in ihren Händen. Entscheidend geschlagen flüchtete das russische XVII. Korps nach Norden zurück. Gen. Plehwe mußte alle Hoffnungen begraben, die er auf den Massenstoß der von Jakowljew befehligten Armeegruppe gesetzt hatte.

GdI. Auffenberg hatte trotz der trüben Nachrichten, die vormittags auf ihn eingestürmt waren, den Sieg des Erzherzogs Joseph Ferdinand nicht abgewartet, sondern schon vorher den Entschluß gefaßt, den Grundgedanken der Schlacht, die bis zur Einkreisung gesteigerte doppelte Umfassung des Feindes, zielbewußt weiter zu verfolgen. Am 28. um 8h abends wurden die hiezu nötigen Anordnungen getroffen. Dem russischen XXV. Korps hatten nur mehr die 4. ID. und die nötigsten Teile der 13. SchD. in der Verfolgung gegen Krasnostaw an den Fersen zu bleiben; beim 1. Armeekmdo. war die Mitwirkung des X. Korps zu erbitten. Die Masse des II. Korps wurde angewiesen, bei Zamość rechtsum zu machen und gegen Cześniki vorzudringen. Südlich davon sollte das IX. Korps gleichfalls ostwärts über Komarów gegen Tyszowce angreifen.

Das VI. und XVII. Korps hatten in ihren Räumen den Angriff fortzuführen, die Erzherzogsgruppe rechts zu weiterer Umfassung auszuholen.

Die 4. Armee schickte sich an, dem Feinde einen eindrucksvollen Erfolg abzuringen. Die brennende Frage des Augenblickes war nur, wie weit es der zur gleichen Zeit östlich von Lemberg wütende Kampf erlauben mochte, im Norden die verheißungsvoll winkenden Früchte des Sieges auch wirklich zu pflücken.

Die Schlacht bei Złoczów

Anordnungen für die Abwehr im Osten Hiezu Beilagen 9 und 10

Bald nach dem Einbruch in Ostgalizien hatten die Russen erkannt, daß der Gegner hier schwächer war, als sie nach den Friedensnachrichten angenommen hatten. Dies, dann die Unklarheit über die Aufmarschfront der gegnerischen Hauptkräfte und schließlich das unablässige Drängen Frankreichs auf baldigen Vormarsch gegen Berlin1), dem nach russischer Auffassung ohne vorangehende Niederwerfung der öst.-ung. Armee nicht Folge geleistet werden konnte, boten für den Großfürsten-Generalissi-mus Veranlassung genug, am 22., 23. und dann wieder am 24. August der Südwestfront nahezulegen, die Vorrückung der 3. und der 8. Armee ,,mit wachsender Schnelligkeit durchzuführen“2). Die Nachrichten vom Schlachtfeld bei Kraśnik ließen die Erfüllung dieses Wunsches nur noch dringender erscheinen.Nichtsdestoweniger sah sich Gen.Rußki, der Führer der 3. Armee, genötigt, seinen stark ermüdeten Truppen am 25. in der Linie Radziechów— Sassów—Zborów einen Rasttag zu gewähren. Da Brussilows 8. Armee diesem Beispiele nicht folgte, gelangte sie am selben Tage bis Wybudów und an den Koropiecbach, somit in gleiche Höhe mit der 3. Armee.

Unterdessen hatte sich bei Kraśnik die Niederlage der russischen

4. Armee vollendet und die 5. Armee war angewiesen worden, dem westlichen Nachbarn über Zamość und Tomaszów zu Hilfe zu eilen. Behielt die 3. Armee ihre bisherige Vorrückungsrichtung Lemberg bei, so blieb der von der Reiterei und der 69. RD. nur notdürftig verschleierte, 50 bis 60 km breite Zwischenraum zwischen den beiden Flügeln nicht nur trotz

*) Paléologue, I, 99 f.

2) Zicho witsch, 54 ff.

des konzentrischen Vormarsches offen, sondern er mußte sich noch vergrößern. Rußki wurde daher am 25. vorbereitet, daß er seine Hauptkräfte nördlich um Lemberg herum in den Raum Mosty Wielkie—Kurowice zu verschieben haben werde. Dafür sollte Brussilow unter entsprechender Sicherung an der Flußstrecke Niżniów—Mikołajów geradewegs zwischen Lemberg und dem Dniester durchstoßen. Dieses Konzept wurde jedoch in den nächsten Tagen durch den Gegner gestört.

Gemäß den Weisungen des k. u. k. AOK. hatte GdK. Brudermann bis zum 23. allen Anlaß gehabt, sich auf einen möglichst bald einsetzenden Nordmarsch einzurichten1), als ihm an diesem Tage die Leitung der Abwehr gegen Osten übertragen worden war (S. 186 und 206). Die damals eingetroffenen Nachrichten über den Feind wußten zu berichten, daß zwei Infanteriedivisionen mit starker Reiterei über Brody sowie eine Infanterie- und eine Kavalleriedivision von Tarnopol her im Anmarsch seien. Angesichts dieser verhältnismäßig geringen Kräfte glaubte Brudermann noch immer das XI. Korps seine Versammlung nördlich von Lemberg beenden lassen zu sollen, damit es rechts vom Erzherzog Joseph Ferdinand den Nordmarsch antreten könne. Gegen Osten mochte man mit dem III. Korps und der Gruppe Kövess auslangen. Jenes wurde bis Przemyślany—Gliniany vorgeschoben, um zu einem rechts stark gehaltenen Vorstoß über die Höhen zwischen dem Pełtew und der Linie Bobrka—Przemyślany—Pluhów bereit zu sein. Von der Armeegruppe Kövess erreichte das XII. Korps am 23. August mit seinen Heeresdivisionen, die in drei Tagen etwa 90 km zurückgelegt hatten, stark ermüdet Firlejów und Strzeliska Nowe, wo ihnen ein Rasttag bewilligt wurde. Die 11. ID. wich von Zborów gegen Dunajów zurück. Die 38. HID. des XII. Korps, deren Reste bei Jezupol ausluden, wurde durch GdI. Kövess für den 24. zum Vormarsche auf Monasterzyska und Podhajce angewiesen, in welcher Gegend die 1. KD. und die 5. HKD. von der russischen 2. komb. KD. heftig bedrängt wurden.

Bei Czernowitz war seit früh morgens ein größeres Gefecht im Gange. Das russische Dniesterdetachement war östlich von Czernowitz auf die 35. LstlBrig., GM. Münzel, gestoßen. Die von Zaleszczyki herbeigeeilte 43. SchD., FML. v. Schmidt, griff bei Toporoutz flankierend ein. Bis zum 23. abends war dem AOK. wohl nur ein rüstiges Fortschreiten des Angriffes bekannt geworden, aber die Meldungen berechtigten zu guten Hoffnungen, die nicht getäuscht wurden. Der Feind mußte die Bukowina wieder räumen.

x) Rechtfertigungsschrift des GdK. Brudermann, 16. Dezember 1915.

Sonst hatten sich bis zum 23. abends die Nachrichten über den Feind so weit verdichtet, daß man beim 3. Armeekmdo. eine durch Infanterie verstärkte russische Kavalleriedivision bei Radziechów, das russische XI. Korps bei Brody, starke Reiterei, anscheinend die 9. und die 10. KD., südlich und westlich von Zalośce, eine Infanteriedivision und die 12.KD. östlich von Tarnopol, schließlich zwischen Tarnopol und Czort-ków gleichfalls starke Reitergeschwader mit Infanterie wußte. Diese feindlichen Kräfte konnten bis zum 25. den Oberlauf des Bug und die Złota Lipa erreichen. Dadurch hätten sie aber schon die gegen Norden gerichteten Operationen der 4. und der 1. Armee in Flanke und Rücken schwer gefährdet. Da bis zu diesem Tage die 3. Armee sich aber bereits vollständig versammelt haben konnte, trug das AOK. dem GdK. Brudermann am 23. abends auf, „gegen den über Brody und Tarnopol eingebrochenen Feind — sofern er den Vormarsch fortsetzt — einen entscheidenden Schlag zu führen, für welchen dem 3. Armeekmdo. auch noch vorübergehend das XII. Korps, die dem XII. Korpskmdo. unterstellte

11.    ID. und die 8. KD. zur Verfügung gestellt werden“. Wie sehr das AOK. zu diesem Zeitpunkte die Abwehr gegen Osten nur als vorübergehende Episode zu betrachten geneigt war, sagte dem Führer der 3.Armee der Zusatz, „daß die 3. Armee in der Folge berufen sein wird, die Offensive in nördlicher Richtung gegen die Linie Kamionka-Strumiłowa— Rawa Ruska aufzunehmen“. Auch wurde nochmals bestimmt, daß der Oststoß, wie dies am Vortage schon dem GdI. Kövess aufgetragen worden war, nicht über Dunajów—Krasne hinauszuführen sei.

Die Heeresleitung schätzte gewiß, mochte ihr auch noch die Vorstellung von der kurzen Dauer der Schlachthandlungen früherer Kriege vorschweben, die Schwierigkeiten der dem GdK. Brudermann übertragenen Aufgabe nicht gering ein. Namentlich wurde sie von der Sorge um die Flanken der 3. Armee beherrscht. Der Schutz der Südflanke sollte durch die 2. Armee besorgt werden, deren Kommando in der Nacht zum 25. in Stanislau erwartet wurde. Am Tage nach seiner Ankunft konnte GdK. v. Böhm-Ermolli über zwei Kavalleriedivisionen (5. und 1.), zwei Honvédinfanteriedivisionen (38. und 20.), die 40. LstlBrig. und Teile der

12.    MaBrig. verfügen. Zu ihnen kam noch die 43. SchD., die den Auftrag erhielt, nach endgültiger Abschüttelung des „Dniesterdetachements“ die Sicherung südlich des Dniester der 35. LstlBrig. zu überlassen, selbst aber über Zaleszczyki und Buczacz gegen Brzeżany den Russen in Flanke und Rücken zu fallen.

Am 26. konnten zu diesen Truppen vielleicht auch schon Teile des heranrollenden VII. Korps treten, das sich bei Żurawno, Żydaczów und Chodorów zu versammeln hatte. Schwer lastete nach wie vor die Fesselung des IV. Korps bei Šabac auf der Seele des Generalstabschefs. In einem umfangreichen Schriftenwechsel mühte er sich, die Einflüsse, die in Wien und Budapest einer weiteren Schwächung der Balkanfront entgegenarbeiteten, möglichst auszuschalten1).

Am Nordflügel hatte das AOK. der 3. Armee wohl die zur 4. entsendete Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand weggenommen. Immerhin konnte es am 25. August GdK. Brudermann verständigen, daß dafür bei Kulików nördlich von Lemberg die 44. SchD. samt der 88. KSchBrig. zur Hand sein werden.

Taktisch stellte sich GdI. Conrad die Lösung der Aufgabe Brudermanns so vor, daß ,,dem feindlichen, von Brody und Tarnopol her zu gewärtigenden Angriff, sobald er die Linie Krasne—Dunajów passieren würde, durch einen kurzen Vorstoß von etwa sechs bis sieben im Höhenterrain südlich Unterwalden, westlich der Gniła Lipa, bereitzustellenden Divisionen zu begegnen2)“ sein werde. In diesem Sinne verfügte das AOK. am 24. nachmittags den Aufmarsch des XII. Korps, des III. Korps und der „verfügbaren Teile des XI. Korps“ auf den Höhen westlich der Linie Firlejów—Przemyślany—Gliniany. Von hier aus sollte ein Stoß eng zusammengefaßter Kräfte möglichst frühzeitig das Netz zerreißen, das der Feind offenbar über Ostgalizien zu werfen gedachte.

GdK. Brudermann hatte schon am 24. um 2h nachm. die Bereitstellung des XII. und des III. Korps westlich der Linie Dunajów—Krasne angeordnet; die Korps hatten am 25. abends in den ihnen zugewiesenen Räumen zu sein. Für den Augenblick konnte er sich nach den vorliegenden Nachrichten dem Feind gegenüber noch überlegen fühlen. Aber es war kaum zu verkennen, daß es der über den weit ausladenden ostgalizischen Grenzbogen einbrechende Russe bei den bisher erkundeten Kräften nicht bewenden lassen werde. Daraus ergab sich auch für GdK. Brudermann der brennende Wunsch, dem Feind noch eine Niederlage zuzufügen, ehe dieser mit seiner Übermacht zur Stelle sein konnte. Dies war aber nach Auffassung des Führers der 3. Armee3) höchstens bis zum 26. zu erhoffen. Wurde diese Frist versäumt, dann mußte man mit einem erheblich verstärkten Feind rechnen, dessen Flügel gefahrdrohend über die zusammengeballte 3. Armee hinausragen mochten.

1)    Conrad, IV, 518, 549.

2)    Ebenda, IV, 516.

3)    Rechtfertigungsschrift des GdK. Brudermann.

Diese Besorgnisse ließen bei GdK. Brudermann vor allem das Bedenken laut werden, ob es zweckmäßig sei, den Feind auf jeden Fall hinter der vom AOK. vorgezeichneten Linie zu erwarten. Sein Generalstabschef GM. Pfeffer erbat am 25. telephonisch vom GdI. Conrad die Erlaubnis, über Krasne—Dunajów bis Złoczów vorzustoßen, wenn dadurch die bisher in diesen Räumen gemeldeten, offenbar vorgeprellten zwei bis drei Divisionen des Feindes noch in der Vereinzelung geschlagen werden konnten47). Conrad erteilte nach kurzem Zögern seine Zustimmung. Dabei hatten sich freilich schon in einem tags zuvor zwischen Conrad und GM. Pfeffer geführten Ferngespräch auch Meinungsunterschiede über die taktische Lösung der dem GdK. Brudermann übertragenen Aufgabe gezeigt. Im Gegensatz zu Conrad, der im Grunde genommen an einen Durchbruch dachte, glaubte das 3. Armeekmdo., der gewiß gegebenen Flankenbedrohung eher durch Umfassungsbewegungen Herr werden zu können. Dazu sollte das III. Korps aus dem Höhengelände von Gołogóry mit starkem rechtem Flügel auf Złoczów vorstoßen, das XII. Korps samt der 11. ID., im Süden durch die 8. KD. gesichert, über Remizowce zu einer noch weiteren Umfassung ausholen, das aus der 30. ID., der 11. MaBrig. und der 93. LstlBrig. bestehende XI. Korps aber aus der Gegend nordöstlich von Lemberg zunächst den nördlich der Bahn Krasne—Brody vorgehenden Feind zurückweisen, um dann in den Kampf des III. Korps flankierend einzugreifen. Abgesehen davon, daß der von Conrad gewünschte Einsatz erheblicherer Teile des XI. Korps südlich von Krasne den zur Hälfte noch wenig marschfähigen, zur anderen Hälfte durch die Grenzkämpfe ermüdeten Truppen unmittelbar vor der Schlacht allzu große Leistungen zugemutet hätte, glaubte Brudermann auch im Hinblick auf die Bedrohung von Nordosten her zuerst Schulterfreiheit nördlich der Pełtew-niederung schaffen zu müssen. Der Chef des Generalstabes vermochte sich diesen Erwägungen auch nicht zu verschließen und stimmte der Be-lassung von Teilen des XI. Korps in dem vom 3. Armeekmdo. gewünschten Raume zu48). Über die mehr oder minder enge Bereitstellung des

III. und des XII. Korps blieb jedoch, wie aus den späteren Darstellungen Conrads und Pfeffers zu schließen ist, unbewußt eine Auffassungsver-

schiedenheit bestehen, die nach dem Kriege den Gegenstand eines heftigen publizistischen Meinungsaustausches bildete1).

Unterdessen hatte am 25. abends nach zum Teil erheblichen Marschleistungen das XII. Korps die Gegend östlich von Janczyn und Przemyślany, das III. Korps den Raum um Gołogóry und Bortków, das XI. Korps Dziedziłów nördlich des Jaryczowskikanals erreicht. Bis zu dieser Stunde waren das AOK. und das 3. Armeekmdo. in der Beurteilung des Feindes zu der übereinstimmenden Auffassung gelangt, daß fünf bis sechs Infanterie- und etwa vier Kavalleriedivisionen die Grenze zwischen Sokal und Tarnopol überschritten hatten, wovon die Masse über Złoczów und Tarnopol vordrang2). Weitere starke Kräfte waren in zahlreichen Kolonnen zwischen Trembowla und dem Dniester im VorrückengegenWesten, wobei sie sich schon bedenklich der Złota Lipa unterhalb von Brzeżany zu nähern schienen. Mehrere Meldungen wiesen auf tiefe Staffelung der russischen Heersäulen hin.

Dieses Bild über die vorteilhafte Lage bei den Russen, das allerdings deren wirklicher Frontstärke in keiner Weise gerecht wurde, mußte das

3. Armeekmdo. in dem Streben noch bestärken, die zunächst erreichbaren Marschsäulen des Feindes, also die bei Złoczów, anzufallen, ehe die Russen ihre Kolonnen zu überlegener Machtäußerung aufschließen lassen konnten. GdK. Brudermann glaubte sogar die großen Nachteile einer nicht völlig durchgeführten Versammlung der eigenen Streitkräfte und die starke Ermüdung, die bei einem Teile der Heereskörper nach langen Märschen oder aufreibenden Grenzgefechten bestand, in Kauf nehmen zu müssen, und befahl kurz entschlossen seinen Korps, am 26. über die Linie Dunajów—Gliniany hinauszustoßen. Das XII. Korps sollte den Raum südlich von Remizowce, das III. die Höhen südwestlich von Złoczów, das XI. die Bugstrecke zwischen Krasne und Busk gewinnen. Der Schutz der Südflanke im Raum um Brzeżany fiel der dorthin zurückgewichenen 11. ID. in Gemeinschaft mit der 8. KD. zu, der sich bald auch die zunächst auf Przemyślany zurückgenommene 4. KD. beigesellen sollte. Bei Kamionka-Strumilowa, in der Nordflanke der 3. Armee, hatten die ll.HKD. und das IR. 80 der 30. ID. wie am Vortage russische Übergangsversuche abzuwehren. Im engeren Bereich von Lemberg sollten, vorerst noch an die Befehle des AOK. gewiesen, die schon genannten Schützen!) In der Wiedergabe des diesen Gegenstand behandelnden Ferngespräches weichen Conrad, IV, 516 ££ und Pfeffer, 36 f, sehr wesentlich voneinander ab. Amtliche Niederschriften liegen nicht vor.

2) Siehe hiezu die Fußnote S. 186.

I 2. Aufl.

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regimenter des Innsbrucker Korpsbereiches zuverlässige Wacht halten. Inzwischen war am 25. August um 9h vorm. GdK. v. Böhm-Ermolli aus Syrmien in Stanislau eingetroffen, um aus den I-Iänden des GdI. Kövess das Kommando über den äußersten Südflügel der gegen Rußland kämpfenden k. u. k. Streitkräfte zu übernehmen. Allerdings war er zunächst ein Armeeführer fast ohne Armee, da von den nach der ursprünglichen Kriegsgliederung ihm zugedachten Heereskörpern das III. und XII. Korps zur

3. Armee gestoßen waren, das VII. erst anrollte und das IV. noch bei Šabac im Kampfe stand.

Von den spärlichen Truppen, die augenblicklich zur Hand waren, stießen am Tage der Ankunft Böhm-Ermollis die Hauptkräfte der 38. HID. noch im Sinne der Weisungen des Armeegruppenkmdos. Kövess bei Mo-nasterzyska auf Teile des russischen XXIV. Korps und wurden zugleich mit der k. u. k. 1. KD. geworfen. Diese wich gegen Mariampol, die Honvéd zog sich in den Brückenkopf von Niżniów zurück, wo sich auch, von Tłumacz her, die 40. LstlBrig. einfand. Die dezimierte 5. HKD. wich nach einem neuerlichen Treffen bei Podhajce auf Halicz. Im Bewußtsein erfüllter Pflicht konnte in denselben Stunden die 43. SchD. nach wohlverrichteter Arbeit von Czernowitz gegen Zaleszczyki streben, den weiteren Schutz der von den Russen geräumten Bukowina befehlsgemäß der 35. LstlBrig. überlassend.    •

Die Gefechte bei Monasterzyska und Podhajce festigten beim GdK. Böhm-Ermolli die Absicht, sich nicht zu einer Zersplitterung der Kräfte verleiten zu lassen, sondern erst in Tätigkeit zu treten, sobald eine genügend starke Truppenmacht zur Stelle war. In dieser Auffassung traf sich Böhm-Ermolli mit dem Chef des Generalstabes, den die Einzelkämpfe nördlich von Niżniów gleichfalls mit Mißbehagen erfüllt hatten. So konnte der 26. August im Bereiche der noch sehr schütteren 2. Armee ohne größere Kampfhandlungen verlaufen. Umso ereignisreicher wurde dieser Tag für die weiter nördlich fechtende k. u. k. 3. Armee.

Die B e ge gnungs kämpfe am 26. und 27. August

Ein klarer, warmer Sommertag rief am 26. August früh, während bei Kraśnik die Russen der k. u. k. 1. Armee die Walstatt überließen und während Auffenbergs Truppen bei Zamość und Tomaszów zum erstenmal in schweren Kämpfen mit dem Feinde ihre Klingen kreuzten, auch östlich von Lemberg die gegeneinander losrückenden Heere zu blutiger Ernte auf. Beim III. Korps herrschte der Eindruck vor, daß man es an diesem Tage überhaupt noch nicht mit ernster zu nehmendem Feinde zu tun haben werde. Die innerösterreichischen Regimenter der 28. und der

6. ID. brachen voll Ungeduld schon um 7h morgens, eine Stunde früher als befohlen, über die Niederungen von Bortków und Gołogóry vor. Die 28. ID., FML. Králiček, warf im flachgewellten, mitunter versumpften Gelände nördlich der Lemberger Straße im ersten Ansturme die Vortruppen des russischen XI. Korps und stieß bis zur Bahn und bis Lackie Wk. vor, wo ihr dann freilich der merkbar verstärkte Feind den Weg nach Złoczów verlegte. Im waldigen, zerrissenen und schwer gangbaren Hügelland südlich der Straße gelangte die Grazer 6.ID.,FML. v.Gelb,in wechselvollen Waldkämpfen, bei denen die Artillerie kaum zu Worte kam, auf gleiche Höhe mit den Regimentern Králičeks, mit denen sie dann das Schicksal teilte, von russischer Übermacht festgebannt zu werden.

Zum Unglück des ganzen Korps war inzwischen dessen dritte Division, die 22. SchD., FML. Ritt. v. Krauss-Elislago, stark abgeblieben. Verspäteter Befehlsempfang in dem weiter westlich gelegenen Nächtigungs-raum und Verzögerungen auf dem Vormarsch ließen sie zu Mittag noch nicht an der Złota Lipa angelangt sein. Der Feind machte sich dieses Abbleiben zunutze und stürzte sich in die offene Südflanke der Division Gelb, die sich tapfer und kaltblütig wehrte, aber nach schweren Blutopfern die durch den russischen Stoß getroffenen Truppen doch auf Gołogóry zurücknehmen mußte. Inzwischen hatte am frühen Nachmittag auch die 22. SchD. die Złota Lipa übersetzt und sich auf den Feind geworfen. Als der mit unzureichender Artillerieunterstützung nicht einheitlich geführte Angriff trotz glänzendster Haltung der Truppen nicht den gewünschten Erfolg brachte, faßte der den ersten Gefechtseindrücken stark unterliegende Divisionär den unglücklichen Entschluß, die Division hinter die Złota Lipa zurückzunehmen. Zu allem Überfluß kam es während des Rückmarsches im Dunkel der Nacht zu Verwirrungen beim Divisionsstab und einzelnen Truppen, so daß ein großer Teil der im gefährlichsten Augenblick führerlos gewordenen Division bis gegen Przemyślany zurückwich. Nur einzelne Teile des Nordflügels klammerten sich südwestlich von Gołogóry fest und folgten der sich bei Przemyślany sammelnden Hauptkraft erst am 27. früh. Weder das Korpskmdo. noch die 6. ID. wurden von diesem weiten Sprung nach hinten rechtzeitig verständigt.

Unterdessen hatte der Korpskommandant GdI. v. Colerus um 4hl5 nachm. auch der 6. ID. in Anbetracht der schwierigen isolierten Lage den Befehl zum Rückzug nach Gołogóry erteilt. Die 28. sollte nur ihren rechten Flügel entsprechend zurückbiegen. Der 22. SchD. wurde in Unkenntnis der tatsächlichen Begebenheiten ein Entlastungsstoß zugunsten der 6. ID. aufgetragen; wenn dieser nicht gelang, hatte sich die Division doch jedenfalls südlich von Gologóry zu behaupten. Als sich jedoch während des Rückzuges der 6. ID. zwischen ihr und der 28. feindliche Kräfte einschoben, wich auch diese hinter die Olszanica und noch ein Stück darüber hinaus zurück. Mit stolzem Kraftbewußtsein hatten sich frühmorgens die alpenländischen Regimenter auf den Feind geworfen. Ungebrochen zwar, aber mit klaffenden Lücken und vieler ihrer Besten beraubt, fanden sie sich abends wieder in den Stellungen, die sie bei Tagesanbruch siegesgemut verlassen hatten49).

Kaum glücklicher als das III. Korps hatte unterdessen das XII. gefochten. GdI. Kövess, der nach dem Eintreffen Böhm-Ermollis das Korpskmdo. wieder übernommen hatte, setzte zunächst, da bloß untergeordneter Feind gemeldet war, nur die 16. ID. zum Angriff gegen Re-mizowce an, während die aus den zehntägigen Grenzkämpfen zurückgekehrte 11. ID. im Verein mit der 8. KD. die Flanke bei Narajów zu decken und die 35. dahinter sich als Reserve für beide bereitzuhalten hatte. Die 16. ID., FML. Paukert, stieß auf der Höhe Orne mit der vordersten der drei Divisionen des russischen X. Korps zusammen. Etwas zurückgedrängt, gelang es ihr immerhin, östlich der Złota Lipa festen Fuß zu behalten. Unterdessen war bald nach dem Aufbruch dem GdI. Kövess eine Meldung über die unglücklichen Gefechte zugekommen, die tags zuvor bei Monasterzyska und Podhajce stattgefunden hatten. Um seine Südflanke besorgt, setzte GdI. Kövess die 35. ID. gegen Narajów an, von wo sie jedoch der über diese Maßnahme ungehaltene Armeekommandant auf das Schlachtfeld von Dunajów rief. Eben trat, schon erheblich nach Mittag, die Vorhut der von dem Umwege ermüdeten Division aus dem Walde östlich von Dunajów heraus, als bei der Hauptkraft eine Panik ausbrach, bei der auch der Divisionär FML. Njegovan schwer verletzt wurde. Die Truppen mußten an denWestrand desWaldes zurückgenommen werden. Die 11. ID., FML. Pokorny, schlug durch Vorstoß der 22. IBrig. starke russische Reiterei zurück, die von Brzeżany her vorgerückt war.

Am Südflügel des Korps wich die 8. KD. vor der Reiterei Brussilows gegen Rohatyn, wobei ihr der Feind nicht unbeträchtlich zusetzte.

Der Kommandant des XI. Korps erhielt schon in den ersten Vormittagsstunden Kunde von dem durch die Russen nun doch erzwungenen

Rückzug der ll.HKD. von Kamionka-Strumilowa und das Vorfühlen russischer Kräfte bei diesem Orte und bei Derewlany. Die zu Hilfe gerufene 44. SchD. konnte bloß ein Regiment zur Aufnahme der vom Bug verdrängten Kräfte nach Żółtańce vorschieben, da ihre Hauptkraft durch das AOK. in den Raum östlich von Lemberg gewiesen war. GdK. Ko-lossváry entschied sich daher, die Masse der 30. ID zur Deckung der schon bedenklich gefährdeten linken Armeeflanke gegen Norden aufschwenken zu lassen, während ihre Vorhut nach Busk gelangte. Unterdessen kamen die 11. MaBrig. und die 93. LstlBrig., die zu einer Division unter dem Befehl des GM. Fürsten v. Schönburg-Hartenstein zusammengefaßt waren, kampflos bis an die Peltewstrecke westlich von Krasne.

Schon die ersten Nachrichten über Rückschläge bei der 3. Armee hatten das AOK. nicht nur veranlaßt, seine aus der 44. SchD. und der 88.KSchBrig. bestehende Reserve durch Lemberg nach Winniki zu führen, sondern auch den Erzherzog Joseph Ferdinand mit seinen drei Divisionen wieder GdK. Brudermann zur Verfügung zu stellen. Als GdI. Conrad spät abends das Mißgeschick der 3. Armee in seinem ganzen Umfange erkannte, schrieb er es vor allem dem zu, daß GdK. Brudermann zu viel Truppen nördlich der Lemberger Straße angesetzt und die Schlachtordnung im Hügelgelände südlich der Straße zu wenig fest zusammengefaßt habe. Nichtsdestoweniger sollte der Angriff am 27. wiederholt werden, da —wie das AOK. am 26. abends das 3. Armeekmdo. wissen ließ — ,,von dem Gelingen des Vorstoßes auf Złoczów... die Entscheidung auf dem östlichen Kriegsschauplatz“ abhinge. GdK. Brudermann hatte die Befehle für die Wiederaufnahme der Schlacht schon zwei Stunden früher, um 8h abends, erteilt. Darnach sollte das

III. Korps unter Heranziehung möglichst starker Teile der in der Niederung stehenden 28. ID. auf den Höhen von Gołogóry den Feind stehenden Fußes erwarten, während das XL im Norden über Biały Kamień, das durch die 88. KSchBrig. verstärkte XII. Korps im Süden umfassend anzugreifen hatte. Die Sicherung der eigenen rechten Flanke wurde bei Dunajów und Narajów der 11. ID. und der mittlerweile herangeführten

4. KD., bei Strzeliska Nowe der 105. LstlBrig., bei Borynicze der 108. zugedacht, ohne daß für diese Heereskörper ein einheitliches Kommando vorgesehen war. Die Armeegruppe Erzherzog Joseph Ferdinand hatte GdK. Brudermann zum Teil beim III., zum Teil beim XII. Korps einsetzen wollen. Das AOK. ordnete dem gegenüber an, daß der Erzherzog zuerst bei Mosty Wielkie den ihn dort vermutlich störenden Feind abweise, dann aber auf Kamionka-Strumilowa vorstoße und so am besten den

Nordflügel der 3. Armee und den Zwischenraum zwischen dieser und der 4. Armee decke (siehe S. 201).

In der Nacht verdüsterte sich beim 3. Armeekmdo. das Bild, das man sich über den Zustand des III. Korps gemacht hatte. Nachrichten über die Auflösung ganzer Regimenter wie des Triester IR. 97, das in der Tat erst am 29. in Lemberg gesammelt werden konnte, und ähnliche Alarmmeldungen lassen es verständlich erscheinen, daß das Armeekmdo. unter ihrem Eindrücke am 27. um 8h früh der Heeresleitung den Rückzug der ganzen Armee vorschlug. Conrad befahl daraufhin, die Korps in die Linie Mikołajów—Lemberg—Żółkiew zurückzunehmen und gedachte, die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand bei Żółkiew mit der Front nach Nordosten anschließen zu lassen. GdK. Böhm-Ermolli wurde gleichzeitig angewiesen, seine Armee südlich des Dniester im Raume Zydaczów—Żurawno—Stryj bereitzustellen, um „entweder ein feindliches Vorgehen südlich des Dniester abzuweisen oder über den Dniester vorzugehen“. Die letzten Reserven des AOK., die aus dem Banat anrollende und eben die letzten Staffeln ausladende 23. HID. und die 97. LstlBrig., wurden als Verfügungstruppen der 3. Armee in den Raum nördlich von Lemberg geschoben.

Wie sehr diese krisenhaften Ereignisse den Generalstabschef bedrückten, beweist, daß er zum erstenmal ernsthaft erwog, die 4. Armee in ihrem erfolgreichen Fortschreiten gegen Norden aufzuhalten und zu einem die 3. Armee entlastenden Vorstoß nach Osten oder Südosten bereitzustellen1). Aber zu solch tiefgreifenden Maßnahmen kam es dann doch noch nicht. Denn alsbald stellte sich heraus, daß das III. Korps gar nicht vom Feinde bedrängt wurde, und es hatte auch den Anschein, als würden die Russen das XI. Korps überhaupt nicht angreifen. Das AOK. hob daher um Mittag auf Antrag des GdK. Brudermann den Rückzugsbefehl auf und unterstellte, wie schon oben mitgeteilt wurde, den Erzherzog Joseph Ferdinand aufs neue der 4. Armee (siehe S. 202).

Die Truppe war glücklicherweise von den mehrfachen Entschlußänderungen nicht berührt worden, da sich die betreffenden Befehle noch nicht durchgesetzt hatten. Für sie blieb es immer im wesentlichen beim Angriffsbefehl vom 26. abends. Zur Stärkung des III. Korps wurde die 44. SchD. mit Teilen der 88. KSchBrig. nach Kurowice nachgezogen. Auch die ursprünglich dem Südflügel zugedachte 108. LstlBrig. und die eben anrollende 3. MaBrig. sollten dahin folgen, ohne daß sie freilich zur Schlacht zurechtkommen konnten.

Auf die Russen hatte in der Tat der ungestüme Angriff des III. Korps seinen nachhaltigen Eindruck nicht verfehlt. Das IX. und der Südflügel des XI. Korps hielten peinlich betroffen an und folgten am Morgen nach dem ersten Schlachttag, um vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein, nur sehr behutsam. Entschiedener setzten die beiden Flügel der Armee Rußkis die Vorrückung fort und Brussilow konnte überdies, dem Wunsche seines nördlichen Nachbarn willfahrend, von seiner in der Front durch keinen nennenswerten Gegner gehemmten Armee das am Nordflügel manövrierende VII. Korps samt der 12. KD. gegen Dunajów in die Flanke der öst.-ung. 3. Armee entsenden. Die beiden Mittelkorps marschierten indessen nach Westen weiter und am Südflügel schwenkte das XXIV. Korps gegen Niżniów und Halicz ein.

Solcherart ist es zu verstehen, daß am 27. August der Kampf am Nordflügel der Schlachtfront begann. Da die Masse der 30. ID. im Flankenschutz gegen Norden gefesselt war, fiel die Ausführung des dem

XI.Korps aufgetragenen Flankenstoßes der Hauptsache nach der komb.ID. Schönburg zu. Nicht befähigt, mit ihren drei Batterien den Angriff artilleristisch vorzubereiten, rückte sie gegen den auf der flachen Welle östlich von Krasne stehenden Feind vor, der die ungelenken Landstürmer der 93. Brig. ganz nahe an sich herankommen ließ, um sie plötzlich mit einem vernichtenden Feuerhagel zu bedecken. Die Brigade flutete unter schweren Verlusten zurück und riß auch die nicht sonderlich widerstandsfähige

11. MaBrig. mit, wobei acht Geschütze stehengelassen wurden. Mittlerweile hatte ein Zangenangriff aus nördlicher und östlicher Richtung auch die 30. ID. zum Weichen gezwungen, worauf GdK. Kolossváry um lh3° nachm. sein stark durcheinander geratenes Korps auf die schmale Welle zwischen dem Jaryczowskikanal und dem Peltew zurücknahm, um es hier mit der Front gegen Norden aufzustellen. Der weit überlegene Feind, fünf Divisionen des russischen XI. und XXI. Korps, folgte nicht nach. Dennoch richtete bei der komb. ID. um Mitternacht ein falscher Alarm große Verwirrung an.

Die Ereignisse bei Krasne hatten neuerlich bewiesen, daß Landsturm- und Marschbrigaden mit ihrer zu Kriegsbeginn noch sehr geringen Ausbildung, ihrer ganz unzureichenden Artillerie und ohne Maschinengewehre für den Bewegungskrieg in der Regel nicht verwendbar waren und dem Feinde selbst dann, wenn an ihrer Spitze Männer von den soldatischen Eigenschaften des Kommandanten der komb. ID. standen, nur zu leicht Gelegenheit zu billigen Triumphen bieten konnten.

Das südlich des XI. fechtende III. Korps litt am 27. offensichtlich

noch unter der Enttäuschung und den schweren Opfern, die ihm der Vortag eingetragen hatte. Die 28. ID. hatte vom Korpskommandanten den Befehl erhalten, sich an die Olszanica heranzuschieben. Ihr Zögern hatte dem Feinde ermöglicht, den Südflügel des XI. Korps umfassend anzufallen. Als dieser das Feld räumte, wich auch die 28. ID. bis westlich von Gliniany zurück. Die Hauptkräfte des Korps folgten diesem Beispiel, ehe eine vom 3. Armeekmdo. selbst eingeleitete Umfassungsbewegung der 22. SchD. wirksam zu werden vermocht hatte. Ohne in ernsthafte Kämpfe verwickelt worden zu sein, hatte das Korps bis zum Abend über Gliniany und Łahodów hinaus und gegen Przemyślany Raum gegeben. So sehr hatten die bitteren Kampfeindrücke des Vortages bei diesen glänzenden Regimentern auf Führer und Truppe eingewirkt.

Das XII. Korps war nicht in der Lage gewesen, dem schwer getroffenen nördlichen Nachbarn Entlastung zu bringen. GdI. Kövess hatte der nördlich von Dunajów gegen Osten fechtenden 16. ID. eine Brigade der 35. und die aus dem Eisenbahnzug direkt aufs Gefechtfeld geworfenen Kaiserschützen zugeschoben, um sie zu einem Stirnangriff gegen die Höhe Orne zu befähigen. Im Anschluß südlich hatte die 11. ID. mit der zweiten Brigade der 35. umfassend einzugreifen. Der Vorstoß schien gegen Pomorzany hin stellenweise Boden zu gewinnen, als hier der Südflügel des russischen X. und das VII. Korps der Armee Brussilows einschwenkten, sich auf die 11. ID. stürzten und sie warfen. Der Korpsführer befahl daraufhin seine Truppen hinter die Złota Lipa zurück, welchem Befehl sein Nordflügel ohne sein Wissen schon infolge der Entblößung durch das III. Korps mit einem Rückzug auf Wypyski zuvorgekommen war1).

So war es der k. u. k. 3. Armee am 26. und 27. August nicht gelungen, den die Hauptstadt Galiziens und die Verbindungen des linken Heeresflügels von Osten her so schwer bedrohenden russischen Stoß aufzufangen. Der vereinzelte, der Geschlossenheit ermangelnde Angriff des III. Korps am ersten Schlachttag, der überdies mitten in die Front der gegnerischen 3. Armee hineingeführt wurde, hatte den Vormarsch der über Złoczów vordringenden Russen wohl ein wenig gehemmt, jedoch der Kerntruppe der k. u. k. 3. Armee schwere Opfer gekostet. Das Korps kam am zweiten Schlachttag fast nicht mehr zur Geltung. Als die

*) Trotz des schließlichen Mißerfolges haben die Kaiserschützen, damals noch „Landesschützen“, den Tag ihrer Feuertaufe mit Recht als besonderen Ehrentag in ihre an Ruhmesblättern reiche Weltkriegsgeschichte eingetragen. Ihr Nachfolgetruppenkörper im österreichischen Bundesheer, das Tiroler FJB. zu Rad Nr. 6, feiert den 27. August als Bataillonsgedenktag.

Führung an diesem Tage das Schwergewicht des Kampfes auf die beiden Armeeflügel verlegte, durchkreuzte der Russe die Pläne des GdK. Brudermann, indem er dank seiner Übermacht dessen Umfassungsgruppen selbst zu umfassen vermochte. Denn die durch das VII. Korps Brussi-lows verstärkte Armee Rußkis konnte den 115 Bataillonen, 91 Schwadronen und 376 Geschützen Brudermanns 292 Bataillone, 162 Schwadronen und 720 Rohre, also eine mehr als doppelt so starke Streitermasse entgegenstellen — eine Überlegenheit an Mann und Gerät, welche die Schwierigkeit der der k. u. k. 3. Armee und ihrem Befehlshaber übertragenen Aufgabe in vollem Ausmaße erkennen läßt.

Angesichts dieser Stärke des Feindes, den das 3. Armeekmdo. nun zutreffend auf zehneinhalb Infanterie- und mehrere Kavalleriedivisionen schätzte, hielt es GdK. Brudermann für unvermeidbar, nun auch seinen von der Umfassung noch immer besonders stark bedrohten linken Flügel sowie die Armeemitte hinter die Gniła Lipa zurückzunehmen. Darnach hatte im Laufe des 28. die Armee eine bogenförmige Stellung zu beziehen, die nördlich von Rohatyn begann, über Firlejów, Przemyślany, Gaje bis Zydatycze verlief und dort an die feldmäßige Befestigung von Lemberg anschloß (Skizze 9). Den rechten Flügel hatte, südlich von Firlejów durch die 105. LstlBrig., die 4. und die 8. KD. gesichert, das

XII. Korps samt der 11. ID. und der 88. KSchBrig. zu bilden, das III. Korps von Przemyślany bis Gaje die Mitte, das XI. den nördlichen Armeeflügel.

Auf dem Rückmarsch in die bezeichnete Linie mußten sich Teile des III. Korps die Russen im Gegenstoß vom Leibe halten; reichsdeutsche Offiziere, die, von Przemyśl kommend, das Korps an diesem Tage sahen, sprachen sich voll Anerkennung über die Haltung der innerösterreichischen Regimenter aus1). Südlich von diesen stieß beijanczyn russische Reiterei in den Troß der 11. ID. hinein. Sonst vollzog sich der Marsch fast ohne Störung durch den Feind und auch ohne Reibung.

Noch am 28. vormittags schob GdK. Brudermann zur besseren Sicherung Lembergs die bis Winniki gelangte 44. SchD. zwischen das III. und das XI. Korps mit der Front nach Norden ein. Die 108. LstlBrig. folgte bis Gaje. Die 23. HID. und die ihr angegliederte 97. LstlBrig. wurde um Jaśniska nordwestlich von Lemberg als Armeereserve versammelt. Die

ll.HKD. sollte am Südwestrand der Hauptstadt nach den heftigen Kämpfen der letzten Tage kurzer Ruhe pflegen.

In solcher Schlachtordnung hoffte GdK. Brudermann, dem vom

*) Conrad, IV, 562. — Freytag-Loringhoven, Menschen und Dinge, wie ich sie in meinem Leben sah (Berlin 1923), 229.

AOK. erteilten Befehle, „bis zum Äußersten Widerstand zu leisten“, soweit als möglich gerecht zu werden.

Der Verlauf der Kämpfe bei der 3. Armee hatte naturgemäß auch auf das Schicksal der erst aufmarschierenden 2. Armee zurückgewirkt. War Conrad am 26. noch durchaus einverstanden, daß GdK. Böhm-Ermolli erst nach Versammlung entsprechend großer Streitkräfte losbrach, so mußte er tags darauf dem 2. Armeekmdo. doch nahelegen, alles aufzubieten, um „den südlich Brzeżany vordringenden Feind aufzuhalten oder zurückzuschlagen, vor allem aber ein Eingreifen desselben gegen die Südflanke der 3. Armee zu verhindern“. Für denselben Tag war selbstverständlich an eine solche Einwirkung, so nützlich sie dem

XII. Korps gewesen wäre, nicht mehr zu denken. Immerhin mußte sich Böhm-Ermolli beeilen, der 3. Armee doch wenigstens binnen achtundvierzig Stunden Hilfe zu bringen, sollte sie nicht aufs neue überflügelt werden. Er entschloß sich daher, alle erlangbaren Truppen bis zum 28. mittags in eine von den Höhen nordöstlich Halicz bis Rohatyn reichende, links stark gehaltene Flankenstellung vorzuführen, aus der heraus den Weisungen des AOK. entsprochen werden konnte.

Die Nachrichten über den Feind ergaben, daß dieser, aus Infanterie und Reiterei bestehend, in zahlreichen Marschsäulen über die Zlota Lipa gegen Westen strebte. Über seine Stärke war die längste Zeit hindurch kein verläßliches Bild zu gewinnen. Auch die Nahaufklärung der über den Dniester hinausrückenden Truppen sowie der bei Rohatyn stehenden und nun der 2. Armee unterstellten 8. KD. versagte. Endlich, am

28. nachmittags, vermochten Flieger die von Brzeżany über Podwysokie und von Podhajce in geradewegs westlicher Richtung vorgehenden Spitzendivisionen der feindlichen Korps (es waren dies Nr. XII und VIII) zu melden. Nun ließ GdK. Böhm-Ermolli seine Kräfte in zwei Gruppen aufmarschieren. Die eine, unter GdI. Otto v. Meixner, hatte sich bei Rohatyn am westlichen Talhang zum Angriff ostwärts bereitzustellen; sie konnte mit der 20. HID., der 12. MaBrig. und den zum Teil schon bei Rohatyn ausladenden ersten Staffeln des VII. Korps am 29. früh dreieinhalb Divisionen stark sein. Die zweite Gruppe hatte FML. Freih. v. Karg hinter den Erdwällen des Haliczer Brückenkopfes bereitzustellen. Da seine von Niżniów anrückende 38. HID. infolge Ermüdung am 28. wenig über Mariampol hinausgekommen war, stellte er diese mit der nun auf der Bahn herangeführten 43. SchD. sowie mit Teilen der Brückenkopfbesatzung zu einer Stoßgruppe zusammen, die flankierend in den Kampf bei Rohatyn eingreifen sollte.

Schlußfolgerungen der Feldherren Hiezu Skizze 7

Das Schicksal der 3. Armee hatte sich dem öst.-ung. Generalstabschef bleiern auf die Seele gelegt. Einen Brief, den er am 27. dem Generaladjutanten des Kaisers schrieb, leitete er mit den Worten ein, daß er diese Zeilen ,,im schwersten Momente“ seines Lebens niederlege. „Was mich selbst anbelangt,“ heißt es gegen Schluß dieses Schreibens, „so habe ich in meinem Innern abgeschlossen“1). Die Ereignisse bei der 3. Armee konnten in der Tat schon in den nächsten Tagen entscheidend auf das Geschick des hoffnungsvoll vorwärts schreitenden Nordflügels zurückwirken und diesem den Erfolg, der schon ziemlich nahe zu winken schien, in elfter Stunde entreißen. Wie sehr ein solcher Umschwung schon am

27. früh, als die Lage bei der 3. Armee besonders düster aussah, zu befürchten gewesen war, hat sich in der damals zum erstenmal schärfer gefaßten Absicht Conrads gezeigt (S. 214), die 4. Armee zu bremsen und im Raume Zamość—Łaszczów—Tomaszów derart bereitzustellen, „daß sie entweder durch einen Vorstoß nach Ost oder Südost die 3. Armee zu unterstützen“ vermochte. Auch das vorübergehende Abziehen der in einer für Auffenberg besonders wirksamen Richtung angesetzten Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand hatte dargetan, wie nahe das AOK. in jenen trüben Stunden schon daran war, im Hinblick auf die kritischen Ereignisse bei Brudermann der 4. Armee in den Arm zu fallen.

Als sich dann jedoch noch am selben Vormittage die Lage bei der

3. Armee wieder rosiger zeigte, kam der Generalstabschef noch einmal auf den Grundgedanken des bisherigen Manövers zurück. Er ließ seinen Armeeführern um 2h nachm. durch den Draht mitteilen, daß der Kampf in den folgenden Tagen unter Heranziehung aller Kräfte ohne Rücksicht auf „lokale Rückschläge“ fortzusetzen sei. Erzherzog Joseph Ferdinand wurde wieder der 4. Armee zurückgegeben, damit er dort an der Entscheidung ausschlaggebend mitwirke. Auch der neuerliche Rückschlag, der bei der 3. Armee am zweiten Schlachttage eingetreten war, brachte Conrad von dem Entschlüsse, nun die Dinge am Nordflügel ausreifen zu lassen, nicht mehr ab. Nach den beim AOK. eingelangten Meldungen standen der 1. Armee óy* russische Divisionen (4. Armee mit dem XIV.,

XVI. und Grenadierkorps), der 4. etwa 7 Divisionen (XIX., XXV. und ein drittes Korps, dazu die 70. RD.) gegenüber. Darnach war kein über!) Conrad, IV, 551 ff.

mäßiger Optimismus nötig, zwischen Bug und Weichsel noch einen Erfolg zu erhoffen.

Dementsprechend hatten auch die Weisungen des AOK. an die Armeen des linken Flügels gelautet; aber es ist doch zu erkennen, daß sie Conrad nicht mehr in der ihn noch einige Tage zuvor erfüllenden Hoffnung erteilte, den Feind an der Nordfront in ausholender Umfassung von links aufzurollen. Die gespannte Lage in Ostgalizien ließ nach Auffassung des Generalstabschefs die Ausführung solch stolzer Pläne nicht mehr zu. Wohl konnte er aus dem Eingreifen der 2. Armee manches in dieser Richtung erhoffen. Überdies verfügte das AOK. am 28., daß Brudermann auf den Höhen südlich von Żółkiew eine aus der 23. HID., der 97. LstlBrig. und dem Gros der (inzwischen vom 3. Armeekmdo. schon in die Front genommenen) 44.SchD. bestehenden Flankenstoßgruppe zusammenziehe, während zwei Kavalleriedivisionen (S. 202) die Lücke nordwärts zu verschleiern hatten. Aber diese Aushilfen ließen Conrad trotzdem nicht mehr über die einmal gewonnene Überzeugung hinwegkommen, daß es bald notwendig sein werde, Kräfte der Nordgruppe des Heeres auf die Walstatt bei Lemberg zu rufen. Es hieß damit, sich im Norden zu bescheiden und — in Anlehnung an früher erwogene Möglichkeiten — mit der Gewinnung der Linie Cholm—Lublin zu begnügen, welche Aufgabe nach der augenblicklichen Lage den Generalen Auffenberg und Dankl offenkundig noch zugemutet werden konnte.

Die Überzeugung, daß der Nordstoß doch nur mehr eine Episode sein könne, ließ den k. u. k. Chef des Generalstabes sicherlich die Nachteile leichter in Kauf nehmen, die das ungestüme Vorwärtsstreben Auffenbergs im Hinblick auf den Nordflügel der 3. Armee zweifellos mit sich brachte und die nur durch einen besonders eindrucksvollen Sieg Auffenbergs aufgehoben werden konnten. Auch mochte er sich eher mit jener Kräfteverschiebung abfinden, die dadurch eingetreten war, daß die

4. Armee rechts den Erzherzog Joseph Ferdinand ganz an sich zog und für ihren linken Flankenschutz das X. Korps der 1. Armee in Anspruch nahm. Allerdings vermochte Dankl für diesen Ausfall an Kräften die Gruppe Kummer und später auch die preußische Landwehr heranzuziehen. Nichtsdestoweniger war es unleugbar, daß sich das Schwergewicht des Angriffes an der Nordfront von der 1. auf die 4. Armee verschoben hatte — entgegen dem Grundplan der Operation, dessen Gelingen unzweifelhaft einen starken linken Flügel voraussetzte.

Daß gleichzeitig der hochbeschwingte Gedanke, die 3. und womöglich sogar Teile der 2. Armee zu den ersten Entscheidungskämpfen

zwischen Weichsel und Bug nach Norden nachzuziehen, zurücktreten mußte, versteht sich von selbst. Diese offenkundig sich vollziehende Abkehr von dem den ersten Kämpfen zugrundeliegenden Operationsplan wurde dem GdI. Conrad gewiß durch das Verhalten der deutschen 8. Armee erleichtert, so sehr er dieses bedauerte. Zwar depeschierte er noch am

28. an GO. Moltke: „Es ist für uns dringend erwünscht, daß ehestens deutsche Kräfte die Gegend von Siedlce erreichen ...“ Und am 29. und 30. wiederholte er, zum Teil unter dem Eindruck von Nachrichten über einen unmittelbar bevorstehenden Vorstoß stärkerer russischer Kräfte aus Warschau gegen Westen, diesen Mahnruf, wobei er in der zweiten Depesche im Hinblick auf die Siegesnachrichten aus Ostpreußen, Belgien und Nordfrankreich die Mahnung beifügte: „Außerdem vermute ich ja, daß nunmehr deutscherseits der Krieg gegen Rußland in großem Stil einsetzen wird“1). Aber tags zuvor hatte Hptm. Fleischmann seiner Siegesmeldung über Tannenberg beigefügt, daß sich Hindenburg nun gegen die von Nordosten her vordringende Armee Rennenkampf wenden werde. Da klang die Versicherung, daß nach Erledigung dieses Feindes bestimmt die „Offensive über den Narew gegen Ostrow-Siedlce“ folgen werde, nicht mehr allzu verheißungsvoll. Immer mehr setzte sich in GdI. Conrad die-Meinung fest, daß dem deutschen Ostheer doch vor allem die Behauptung Ostpreußens übertragen war und daß es daher mit dem Händereichen der beiden Verbündeten im Rücken von Warschau bis auf weiteres sein Bewenden haben werde.    *

Waren die Entschlußwandlungen auf öst.-ung. Seite durch die Ereignisse am Ostflügel bestimmt worden, so fielen für die weiteren Pläne des russischen Feldherrn vor allem die Vorgänge am Westflügel in die Waagschale. Hier war es noch immer das Vordringen Dankls, das bei den russischen Befehlsstellen den nachhaltigsten Eindruck hervorrief. Wohl hatte der neue Führer der russischen 4. Armee Anstalten getroffen, hinter seinem rechten Flügel eine Stoßgruppe aufzubauen, deren Kern das in Iwangorod ausladende XVIII. Korps zu bilden hatte. Trotzdem hielt Gen. Ewert die Lage seiner Armee am 28. schon für so kritisch, daß er bei Iwanow Weisungen für den Fall eines unvermeidlichen Rückzuges hinter den Wieprz erbat. Dieser antwortete, daß den Hauptkräften der Armee die Deckung der über die Bugstrecke Drogiczyn (35 km nordöstlich Siedlec) — Brest-Litowsk, dem XVIII. Korps aber die Sperrung der nach Warschau und Siedlec führenden Straßen zufallen würde2).

1)    Conrad, IV, 578.

2)    La grande guerre, 166.

Die Besorgnisse um das Schicksal der 4. Armee wurden durch Nachrichten über den Weichselübergang Kummers und den Vormarsch der preußischen Landwehr gegen Iwangorod noch erhöht. Da zudem die Kämpfe der über den Narew in Ostpreußen eingebrochenen 2. Armee einen unglücklichen Verlauf nahmen, entschloß sich der Großfürst-Generalissimus, den Plan ungesäumten Austretens von Warschau gegen Westen zurückzustellen und auch die beiden anderen Korps der Warschauer 9. Armee an der gefährdetsten Stelle der Front, bei der 4. Armee, in den Kampf zu werfen. Die eben in Warschau ausladende Garde wurde nach Iwangorod dirigiert, das von Petersburg über Łupków anrollende XXII. Korps sollte nach Lublin fahren. Außerdem wurde der Transport des III. kauk. Korps und der Reservedivisionen 80, 82 und 83, die gleichfalls der 4. Armee zugedacht waren, möglichst beschleunigt. Den Befehl über die Garde und das XVIII. Korps sowie die Abteilungen westlich von Iwangorod übertrug man am 30. August dem Führer der 9. Armee, Gen. Letschitzki, dem zunächst die Aufgabe zufiel, die Front im empfindlichsten Abschnitt verläßlich zu halten1).

Gegenüber dem Schicksal der 4. Armee scheint das der 5. der Stawka weniger Sorge bereitet zu haben. Dies erklärt sich zum Teil wohl daraus, daß Gen. Plehwe in seinem Hauptquartier Cholm die Lage seiner Armee die Tage über keineswegs für kritisch hielt und zumal am 28. nachmittags sich sogar einer siegesfreudigen Stimmung hingab, die sich auch auf Iwanow in Rowno übertrug. Man hoffte, durch den massierten Einsatz dreier Korps am nächsten Tage den Kampf bei Tomaszów erfolgreich zu beenden, und frohlockte schon, dann diese Armeekorps anderwärts verwenden zu können. Iwanow wünschte sogar im vorhinein, daß sich die 5. Armee bei verläßlicher Sperrung der nach Brest-Litowsk führenden Straßen gegen ihren linken Flügel hin dem Gegner möglichst fühlbar mache, um diesen zu hindern, daß er Kräfte gegen Lemberg und die Nordflanke Rußkis entsende.

Aber schon in den nächsten Stunden wandte sich das Blatt. Es kamen Nachrichten über die Niederlage, die Erzherzog Joseph Ferdinand dem

XVII. Korps beigebracht hatte, und über neues Mißgeschick der russischen 4. Armee. Aber Plehwe war auch jetzt noch keineswegs gesonnen, die Flinte ins Korn zu werfen. Mochten auch seine verfrühten Siegeshoffnungen zunichte sein, so sollte die 5. Armee doch wenigstens die Front halten. Um dies zu erreichen, befahl der Armeebefehlshaber seinen rechten Flügel, das XXV. Korps, ohne Rücksicht auf dessen Zustand zu

1) Zichowitsch, 58.

einem neuerlichen Angriff auf Zamość, der die Aufmerksamkeit des Gegners vom linken Flügel abziehen sollte. Dabei auf Unterstützung durch die 4. Armee zu rechnen, war natürlich undenkbar. Immerhin hoffte Plehwe, daß die 3. Armee durch einen entschlossenen Angriff oder wenigstens durch Kavallerieunternehmungen seinen Ostflügel entlasten werde1). Eine dementsprechende Anregung fiel bei Gen. Iwanow auf fruchtbaren Boden.

Die 3. Armee hatte am 28. nach einem behutsamen Marsche die Linie Kamionka-Strumilowa—Gliniany—Przemyślany—Brzuchowice erreicht. Die Vorhuten der beiden linken Korps traten im Berglande südlich der Złoczówer Heerstraße noch nachmittags in Gefechtsberührung mit dem Gegner. Die Marschkolonnen waren tief gegliedert, die Kämpfe der letzten Tage hatten in der Truppe gewaltige Lücken gerissen und ihren Schießbedarf aufgezehrt. Gen. Rußki erbat daher zwei bis drei Tage Rast. Wohl noch ohne Kenntnis des bei den Korps Plehwes eingetretenen schweren Mißgeschicks entschied der Oberbefehlshaber der Südwestfront, daß die Armee rasten möge, aber spätestens am 31. früh wieder aufzubrechen habe, und zwar im Hinblick auf die Meldung von feindlichen Truppenverschiebungen von Lemberg gegen Norden nicht mehr in westlicher, sondern — wie schon früher vorgesehen — in mehr nordwestlicher Richtung. Die 8. Armee, die mit zwei Korps an der Narajowka und je einem vor Halicz und in der Dniestersicherung bis zur Reichsgrenze hinab stand, hatte im Einklang mit dieser Direktionsänderung vorzugehen.

Großfürst Nikolai Nikolajewitsch versagte jedoch, vielleicht schon auf Grund von Meldungen Plehwes über die Katastrophe beim XVII.Korps, den Weisungen Iwanows seine Zustimmung. So wie Lublin für den öst.-ung. Westflügel, so war Lemberg für den russischen Ostflügel zum Schlüsselpunkt geworden. Der Großfürst befahl daher der 3. Armee, ihre Zeit nicht durch Rechtsverschiebungen zu vergeuden, sondern den vor ihr stehenden Gegner ,,an der Gurgel“ zu fassen und konzentrisch auf die Hauptstadt Galiziens loszugehen, während die 8. Armee wie früher mit der Mitte über Rohatyn gegen Westen vorzudringen hatte 2). Der Höchstkommandierende war überzeugt, durch diese von Iwanow nur widerstrebend befolgten Anordnungen auch auf beste Weise seinem rechten Flügel und zumal der bei Komarów verzweifelt ringenden Armee Plehwes zu Hilfe zu kommen, und er sollte sich in seiner Erwartung nicht täuschen.

*) Zichowitsch, 156 f.

2) Ebenda, 165. — La grande guerre, 170 ff.

Aus diesen beiderseits gefaßten Entschlüssen entspann sich der zweite Akt des blutigen Dramas auf dem galizisch-polnischen Kriegstheater: das Erlahmen der Angriffskraft Dankls gegenüber der von Stunde zu Stunde wachsenden feindlichen Übermacht, die Vollendung des Sieges bei Komarów und der neue schwere Rückschlag bei Lemberg. '

Die öst.-ung. Offensive auf dem Höhepunkt

Die Einkreisung der Russen bei Komarów (29. und 30. August)

Hiezu Skizze 8

Der Angriffsbefehl, den GdI. Auffenberg am 28. August abends zur Einkreisung des zwischen Komarów und Łaszczów zusammengedrängten Feindes erteilt hatte, mutete den beiden Flügeln der k. u. k. 4. Armee kühne Manöver zu. Die rechte Umfassungsgruppe, Erzherzog Joseph Ferdinand, mußte, auch wenn es ihr gelang, der russischen 5. Armee die Flanke abzugewinnen, mit einer Rückenbedrohung durch den Nordflügel Rußkis rechnen, die immerhin schon nach zwei oder drei Tagen empfindlich fühlbar werden konnte. Noch schwieriger war sicherlich die Aufgabe, die dem zur Umfassung links aufgebotenen II. Korps, GdI. Blasius Schemua, zufiel; denn es mußte, einen allerdings wiederholt geschlagenen, aber erstaunlich zähen Feind vor sich, aus der bisher gegen Norden und Nordosten gerichteten Front gegen Osten und Südosten aufschwenken. Dies war nur unter ausgiebiger Sicherung in der bisherigen Frontrichtung möglich, wozu noch der Umstand kam, daß das russische XXV. Korps seinen Rückzug an den Waldrändern nördlich von Str. Zamość trefflich verschleiert hatte und man über seinen Verbleib ziemlich im unklaren war. Die Flieger wußten über eine große Lücke in der Russenfront zwischen der Łabuńka und dem Wieprz zu berichten, was Auffenberg den Entschluß erleichterte, die Masse des k. u. k. II. Korps gegen Osten abzuziehen; nur die 4. ID. und eine aus einem Regiment und zwei Batterien bestehende Abteilung der 13.SchD. sollte, in der bisherigen Marschrichtung verbleibend, gegen Krasnostaw angreifen. Auffenberg glaubte mit diesem Flankenschutz umsomehr auszukommen, als er ja hoffen durfte, daß sich auch das X. Korps der siegreich vordringenden 1. Armee durch einen Vorstoß auf Krasnostaw an der Sicherung seines Manövers beteiligen werde.

In großer Ungeduld sah das 4. Armeekmdo. am 29. früh dem Wiederaufflammen der Schlacht entgegen. Besorgte es einerseits auf Grund der Siegesnachricht des Erzherzogs Joseph Ferdinand, daß der Feind der Einkreisung durch schleunigen Rückzug entrinnen könnte, so ließen andererseits am Vormittage eintreffende Fliegermeldungen über ein von Krylów anmarschierendes russisches Korps nur umsomehr wünschen, daß auf dem Schlachtfeld rasch ganze Arbeit geleistet werde, ehe der Feind Verstärkungen heranzuziehen vermöchte. Tatsächlich scheinen die erwähnten Fliegerbeobachtungen aus Hin- und Hermärschen des vom Erzherzog am Vortage geschlagenen und nun wieder zum Angriff vorgeschickten russischen XVII. Korps entstanden zu sein1).

Doch wie dem auch sei: der Erzherzog hatte seine Truppen schon frühmorgens zu neuem Ansturm vorgeschickt. Der Widerstand des Feindes war sichtlich geringer. FML. Roth entriß mit seinen drei Brigaden der 61. RD. Hulcze, wobei er ihr 24 Kanonen abnahm. FML. Kirchbach stieß mit der 8. ID. und der 41. HID. nach lebhaften Kämpfen mit der russischen 35. ID. bis in den Raum zwischen Posadów und der Huczwa durch. Die 19. ID., FML. Lukas, warf den Feind nach sorgfältiger Artillerievorbereitung an den Oberlauf der Huczwa zurück. Gegenstöße, durch die sich der rechte Flügel des russischen XVII. Korps Luft schaffen wollte, brachen im Flankenfeuer der Honvéds und der 19. ID. zusammen.

Beim VI. Korps wurde eine von ungefähr gebildete rechte Flügelgruppe, die sich tags zuvor über die Front hinausgewagt hatte, frühmorgens von einem Überfall der Russen hart zugerichtet. Dafür drangen von 10hvorm. an die 27. ID. und die 39. HID. aus dem Raume Tomaszów—Tarnawatka in rüstigem Angriff nordostwärts vor. Sie warfen zuerst die Mitte des russischen V. Korps, wehrten dann einen Entlastungsangriff ab, den der Nordflügel dieses Korps unternahm, und erreichten, durch die MaBrig. Nr. 2 und 9 verstärkt, abends zwar nicht mehr die angestrebten Höhen südöstlich von Komarów, aber doch die Linie Rachanie— Dzierążnia, für die seit drei Tagen kämpfende Truppe wahrlich eine anerkennenswerte Leistung. Die erholungsbedürftige 15. ID. hatte den 29. über noch bei Tomaszów geruht.

Weniger Glück war dem IX. Korps beschieden. Dieses hatte, vom

II. in der Staffel links gefolgt, mit der 26. SchD. von Südwesten, mit der

ł) Das Armeekmdo. war überhaupt über die Feindlage am Ostflügel nicht zutreffend unterrichtet. Es vermutete vor dem Erzherzog Joseph Ferdinand das russische

V. Korps, vor Boroević das XIII., das sich in Wirklichkeit in Ostpreußen befand, und das XVII. erst im Anrücken.

I 2. Aufl.

15


10. ID. von Nordwesten gegen Komarów anzugreifen und wurde angesichts der Möglichkeit eines russischen Rückzuges vom Armeekmdo. zu beschleunigter Vorrückung angefeuert, so daß das etwas verspätete II. Korps über zwei Stunden weit abblieb. Das IX. Korps stieß auf die hartnäckige Abwehr des seit Tagen gut eingenisteten XIX. russischen, geriet auch in schweres Geschützfeuer, so daß die 26. SchD. bis zum Abend allen gewonnenen Boden östlich der großen Straße preisgeben mußte. Auch die

10. ID. hatte Raumverlust zu verzeichnen, den sie aber dank dem Eingreifen der 25. ID. des II. Korps wieder wettmachen konnte.

Der Kommandierende des II. Korps, GdI. Schemua, hatte den Befehl über die gegen Komarów ausgesandten Teile seines Korps, die

25. ID. und die Masse der 13. SchD., dem 25. IDKmdo., FML. Erzherzog Peter Ferdinand, überlassen, indes er selbst bei Zamość verblieb, um die zum Angriff gegen Izbica angesetzte 4. ID. und das nördlich von Zamość aufgestellte SchR. 25 nicht aus dem Auge zu verlieren.

Der Erzherzog brach, da ihm der Vormarschbefehl verspätet zugekommen war, erst um 10h vorm. in der Richtung Cześniki—Tyszowce auf. Seine südliche, aus den Hauptkräften der 25. ID. bestehende Kolonne stürmte, nachdem sie die wankenden Teile der 10. ID. vorgerissen hatte, nachmittags unter hervorragender Beteiligung des Regiments Deutschmeister den Ort Cześniki. Links von der 25. ID. hätte FML. Kreysa, nordwärts durch das SchR. 14 gesichert, mit der 25. SchBrig. und dem IR. 84 über Miączyn ausgreifen sollen, blieb aber zu nahe angeschlossen, so daß die schon zur Parallelverfolgung an die Huczwa aufgebotene, drei Bataillone starke Gruppenreserve Obst. Stöhr zur Rechtsschwenkung auf Dub angewiesen werden mußte. Starkes Abwehrfeuer der tödlich bedrohten Russen und der Einbruch der Dunkelheit nötigten die Masse der Gruppe Erzherzog Peter beiderseits von Cześniki, die Bataillone des Obst. Stöhr bei Miączyn in scharfer Gefechtsfühlung mit dem Feinde zu nächtigen. Die gegen Norden ausgeschiedenen zwei Schützenregimenter hatten tagsüber herumschwärmende russische Reiterei abgewiesen.

Von großer Bedeutung für die Fortführung des dem Erzherzog Peter Ferdinand übertragenen Umfassungsmanövers war die Klarstellung der Feindlage nördlich von Zamość und am Wieprz. Diese Aufgabe fiel im Bereiche der 4. Armee der 4. ID., FML. v. Stöger-Steiner, zu; aber GdI. Auffenberg sollte überdies zu Recht auf die Hilfsbereitschaft der benachbarten 1. Armee bauen, deren Führer trotz des der Masse seiner Divisionen gewährten Rasttages das am rechten Flügel fechtende X. Korps zum Angriff auf Krasnostaw befohlen hatte und auch die 9. KD. den

Zwecken der 4. Armee zur Verfügung stellte. Gelang es dem X. Korps, die Bahn Lublin—Cholm zu durchschneiden, so war damit auch der Schienenstrang abgeschnürt, auf dem die russische Heeresleitung am leichtesten Verstärkungen gegen den Ostflügel der 1. Armee heranbringen konnte.

Die 4. ID. fühlte sich während des ganzen 29. durch die Unklarheit über den Feind schwer gehemmt. Auch die von der 9. KD. eingebrachte Nachricht, daß in den Wäldern nördlich von Str. Zamość Feind unbekannter Stärke verschanzt sei, vermochte daran nichts ändern. Mit größter Behutsamkeit zog FML. Stöger-Steiner seine Truppen bis gegen Abend durch die versumpfte Niederung auf eine Bodenwelle nördlich des La-buńkabaches vor. Das Beispiel der 4. ID. übertrug sich auf die 45. SchD. des X. Korps. Wunschgemäß bereit, dem rechten Nachbarn beizuspringen, kam sie am 29. nur auf 5 km an Tarnogóra heran. Einen halben Tagmarsch nordwestlich von ihr nächtigte, nachdem sie feindliche Nachhuten bei Chlaniów (Skizze 5) geworfen hatte, die 24. ID. Die 2. ID. stellte weiter westlich kampflos die Verbindung mit dem V. Korps her, an dessen rechtem Flügel die 37. HID. mit Unterstützung der 33. ID. einen scharfen Vorstoß des Grenadierkorps bei Bychawa abzuwehren gehabt hatte1).

Dem 4. Armeekmdo., das von Oleszyce nach Narol verlegt worden war, hatte der 29. August wohl nicht alles gehalten, was es sich von ihm versprochen hatte, aber genug, um auf den errungenen Erfolgen weiterzubauen. Denn die beiden Zangenarme waren an die im Raume Komarów— Telatyn schon halb eingekreisten Russen angesetzt. Es bedurfte anscheinend nur mehr des schließenden Druckes, um den Feind zu zermalmen. GdI. Auffenberg befahl daher für den 30., daß die Armeemitte, das VI. Korps und der Südflügel des IX., im Hinblick auf die heißen Kämpfe der Vortage sich mit einem stehenden Gefecht zu begnügen, die beiden Flügel aber das Umfassungsmanöver planmäßig fortzusetzen hätten.

An diesem Tage hatte sich zunächst östlich des Wieprz, gegenüber dem linken Flügel der 4. Armee, das russische XXV. Korps noch einmal zu einem mit letzter Kraft durchgeführten Gegenangriff aufgerafft. Dieser traf die 4. ID. bei Str. Zamość in dem Augenblick, als GdI. Schemua sie just der in weit vorgeschobener Stellung ringenden Gruppe Erzherzog Peter nachsenden wollte. Es war nicht zuletzt einem kühnen und opfermutigen Flankenangriff des am linken Flügel fechtenden IR. Freih. v. Hess Nr. 49 zu danken, wenn die Division in hartem, verlustreichem Ringen,

*) Für dieses Gefecht erhielt GM. Paul Nagy, Kmdt. der 73. HIBrig., das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

aber ohne durch den Feind verfolgt zu werden, hinter die Łabuńka zurückweichen konnte1).

Erzherzog Peter hatte vormittags von GdI. Schemua die Mitteilung erhalten, daß die 4. ID. zu einem Umgehungsmarsch gegen Grabowiec angesetzt werde und auch die 9. KD. aufgefordert worden sei, den eben genannten Ort nördlich zu umreiten. Die Gruppe des Erzherzogs möge bis zum Auftreten dieser Divisionen in ihren Stellungen verharren. Inzwischen hatten aber die 25. und die 13. Division ihren Angriff schon wieder auf genommen 2), wobei die Gruppe Stöhr am äußersten Ostflügel vor Dub auf die frisch eingesetzte 5. DonKosD. und zwei vom russischen

V. Korps herangeführte Infanterieregimenter stieß. Ins Gewicht fallender Raumgewinn war den k.u.k. Truppen gegenüber dem verzweifeltenWider-stand des Feindes nicht mehr beschieden. Außerdem fühlte sich der Erzherzog durch das Auftreten russischer Abteilungen in seinem Rücken zunehmend bedroht. Da schuf die um 2h nachm. einlangende Nachricht, daß die 4. ID. nicht nachkommen werde, sondern bei Str. Zamość selbst heftig bedrängt sei, eine herbe Enttäuschung. Die 9. KD., die an Stelle des wieder zur Division herangezogenen SchR. 14 westlich von Miączyn ins Feuergefecht getreten war, bildete bei ihrer geringen Feuerkraft nur einen schwachen Ersatz. Auch von Süden her winkte der Gruppe Erzherzog Peter keine nennenswerte Entlastung. Das hier fechtende IX. Korps stand vielmehr seit frühem Morgen unter dem unzutreffenden, aber lähmenden Eindruck, daß der Russe bei ihm gegen Westen durchbrechen wolle. Die scharfe Abwehr, die ein Angriff der 10. ID. in den ersten Nachmittagsstunden bei den Russen fand, bestärkte das IX. Korpskmdo. in seiner Vorstellung. So forderte der Erzherzog vergebens Mitwirkung an der Offensive. Nun suchte er noch einmal Heil in seiner eigenen Kraft, indem er seine schon stark gelichteten Schwarmlinien zu einem letzten Ansturm aufriß. Erfolg war aber nur mehr der Gruppe Stöhr beschieden, welche die Höhe nordöstlich von Dub gewann. Sie mußte sich begnügen, von hier aus in die gegen Osten weichenden russischen Kolonnen mit Gewehrfeuer zu wirken, da die ihr von Haus aus zugesprochene Batterie

x) Das IR. 49 war durch den tapferen Vorstoß bei Tarzymiechy (6 km südwestlich von Tarnogóra) erheblich über die Front vorgeprellt und mußte in der Nacht zurückgenommen werden. Das Niederösterreichische IR. 6 des Bundesheeres, der Nachfolgetruppenkörper des k. u. k. IR. 49, begeht den 30. August als Regimentsgedenktag.

2) Zur Erinnerung an das ausgezeichnete Verhalten, dessen sich das k. u. k. FHR. 2' in diesem Kampfe rühmen durfte, begeht die Wiener Brigadeartillerieabteilung Nr. 2 des österreichischen Bundesheeres diesen Tag als Truppengedenktag. — Vgl. Österreichs Artillerie im Weltkriege 1914—1918, 1. Heft (Stockerau 1925), 46 ff.

nicht eingelangt war. Das Bild, das sich bei Dub vom Feinde bot, und Meldungen über den beginnenden Abzug einer russischen Division bewiesen immerhin, daß die Truppen des Erzherzogs Peter auch an diesem Tage das Möglichste geleistet hatten.

Beim VI. Korps brach der Nordflügel der 27. ID. aus eigenem Antrieb vor, um eine Höhe nördlich von Rachanie in Besitz zu nehmen; aber vernichtendes Artilleriefeuer trieb die Angreifer wieder in ihre Stellungen zurück. Nicht günstiger war zum Glück der Schlachtengott auch dem Feinde, dem russischen V. Korps, gesinnt, in dessen Reihen an Stelle der nach Norden abgetrennten Regimenter eine Brigade der 81. RD. getreten war. Es erschöpfte sich, hilfsbereit für die bei Komarów verzweifelt ringenden Kameraden einspringend, in fruchtlosen Vorstößen. In der stolzen Zuversicht, daß der Feind nun doch schon mürbe zu werden beginne, zog GdI. Boroević am Nachmittage die 15. ID. und sechs Marschbataillone hinter seinem Nordflügel zu einem für den nächsten Tag gegen Komarów anzusetzenden Entscheidungsstoß zusammen.

Erfreuliche Fortschritte hatte bis in den späten Nachmittag hinein wieder die Gruppe des Erzherzogs Joseph Ferdinand errungen. Die

19. ID. hatte den Feind über den Oberlauf der Huczwa zurückgetrieben. Der geringe Widerstand der Russen schien hier den Entschluß zu rechtfertigen, erhebliche Teile der Division samt Artillerie aus der Front zu ziehen und zum Abrücken hinter den Ostflügel zu befehligen. Die Kolonne FML. Kirchbach gewann, wenn auch mühsamer, Telatyn und das Huczwaknie südlich von Łaszczów. Die Kolonne des FML. Roth war wegen Übermüdung der Truppen und aus Sorge, in der Ostflanke durch feindliche Verstärkungen gehemmt zu werden, erst um 10hvorm. aufgebrochen. Sie stieß sehr bald auf den Feind und warf ihn über Poturzyn zurück. Die 2. und die 6. KD., denen der Flankenschutz und die Aufklärung gegen den Bug anvertraut war, griffen gegen Abend in den Kampf ein und setzten den fliehenden Russen des XVII. Korps durch Flankenfeuer und mit dem blanken Säbel zu. Allerdings sanken die Truppen des Erzherzogs Joseph Ferdinand bei einbrechender Dunkelheit todmüde und mit stark verminderter Angriffskraft auf die wolhy-nische Erde nieder. Drückend zumal wirkte auf sie das trotz aller Geschützverluste unvermindert heftige und außerordentlich zielsichere Artilleriefeuer der Russen, dem das Wirken der eigenen Batterien keineswegs gewachsen war.

War schon angesichts dieser Erscheinungen zu besorgen, daß der glänzende Schwung, der bisher die unvergleichlichen Regimenter des

Erzherzogs ausgezeichnet hatte, allmählich erlahmen werde, so stellte sich am Nachmittag noch ein recht störendes Ereignis ein. Flieger wollten eine feindliche Infanteriedivision auf dem Marsche über Mosty Wielkie gegen Westen, also gegen den Rücken der Erzherzogsgruppe, festgestellt haben. Dem 4. Armeekmdo. schien es genügend zu sein, wenn sich diesem Feind gegenüber den schon jenen Raum sichernden zwei Kavalleriedivisionen, der 10. und der 11., noch die 6. KD. und zwei Marschbataillone zugesellten, die den Befehl zu ungesäumtem Rückmarsch erhielten. Der Erzherzog fühlte aber die Gefahr unmittelbarer. Seinen Weisungen gemäß sollten außer der 6. KD. noch die 2. und überdies ein Regiment der 3. ID. und die aus der Front gezogenen Teile der 19. ID. zwischen Uhnów und Krystynopol die Solokija mit der Front gegen Süden sperren. Er entäußerte sich damit der letzten Reserven, die er noch hätte einsetzen können, um an der Huczwa ganze Arbeit zu leisten.

Allerdings fühlte sich der Feind auch durch die bisherigen Erfolge schon stark bedrängt. Im Hauptquartier Plehwes war der Optimismus, der dort noch achtundvierzig Stunden früher geherrscht hatte, einer durchaus ernsten Beurteilung der Lage gewichen. Am 30. nachmittags konnte kein Zweifel mehr bestehen, daß die Südgruppe der 5. Armee schwer ins Wanken geraten war. Dennoch erklärte Plehwe, standhalten zu wollen, wenn sich die 4. Armee behauptete, und wenn die 3. Armee die rechte Flügeldivision und vor allem starke Reiterei nach Norden abzweigen ließ. Nun traf aber noch die Nachricht über den Verlust von Krasnostaw ein, das das öst. X. Korps an diesemTage genommen hatte. Sie ließ den Befehlshaber der russischen 5. Armee nicht zu Unrecht einen Durchbruch zwischen ihm und Ewert befürchten und veranlaßte ihn, sein Hauptquartier eilends von Cholm nach Dorohusk am Bug zu verlegen1). Wieder wurde an das hart geprüfte XXV. Korps appelliert; es hatte, koste es, was es wolle, Krasnostaw zurückzugewinnen.

Bald kamen neue Hiobsposten von der Südgruppe, die zusehends Gefahr lief, eingekreist zu werden. Jetzt gab es für die 5. Armee keine halben Entschlüsse mehr. Plehwe entschied sich, die Schlacht abzubrechen. Sein linker Flügel sollte auf Wladimir-Wołyński weichen, wobei dem XVII. Korps Krylów, dem V. Hrubieszów und dem XIX. Grabowiec als Rückzugsrichtung zugedacht war. Das XXV. Korps als rechter Flügel hatte je nachdem, ob sein Angriff gelang oder nicht, bei Krasnostaw oder Cholm zu halten. Die neue Frontlinie sollte bis zum 2. September bezogen sein.    '

1 j Zichowitsch, 158 und 174. — La grande guerre, 180. — D a n i 1 o w, 236.

Die Kulmination der Angriffe Dankls gegen Lublin und die Einnahme von Krasnostaw

(30. August bis 1. September)    .

Hiezu Beilage 11 sowie Skizzen 5 und 8

Zu einer gleichgearteten doppelseitigen Umfassungsoperation wie bei der 4. Armee rief auch GdK. Dankl für denselben 30. August seine Truppen wieder auf, indem rechts das X. Korps unter Bedachtnahme auf den Einklang mit der 4. Armee den Angriff auf Lublin fortführen und links die Armeegruppe Kummer, gegen Iwangorod durch das Kavalleriekorps Brudermann — 3. und 7. KD.— gedeckt, den russischen Westflügel bei Bełżyce und Wąwolnicą werfen sollte.

Der Weichselübergang Kummers hatte mehrfache Verzögerungen erfahren. Infolgedessen schritten die Truppen vor völliger Versammlung am 30. früh zum Angriff. Entsprechend den Wünschen des Armee-kmdos. ging die schwächere Kolonne, die 100. LstlBrig., über das Dorf Chodel, die stärkere, die 95. LstlD., links davon über Opole vor. Die Vorhut der 95. Division, das Prager LstlR. 8, stieß schon nördlich Opole auf die Spitzen des russischen XVIII. Korps, das wohl zu spät gekommen war, um auftragsgemäß den Übergang Kummers bei Józefów zu stören, nun aber den anrückenden Landsturm mit einem Hagel von Artillerie-und Maschinengewehrgeschossen überschüttete. Von einer Panik ergriffen, flutete die 95. LstlD. alsbald auf die Höhen südlich von Opole zurück. Zur Not konnte der Feind durch die Divisionsartillerie, einige reitende Batterien des Kavalleriekorps und die westlich von Opole eingreifende Spitzenbrigade der 106. LstlD. aufgehalten werden. Die rechte Angriffskolonne der Armeegruppe, die 100. LstlBrig., vermochte sich nach wechselvollen Kämpfen dank der Anlehnung an die wohlverschanzte Gruppe Kestřanek auf der Höhe nördlich des Ortes Chodel zu behaupten.

Auch westlich der Weichsel wurde am 30. August wieder gefochten. Die vom Gen. Nowikow, dem späteren berühmten Reiterführer, äußerst rührig geführte russische 14. KD. bedrängte, um sie von Iwangorod fernzuhalten, die vom GdI. Kummer neuerlich an die Kamiennamündung vorgeholte 110. LstlBrig.; die zweite Brigade der den Weichselübergang vollziehenden 106. LstlD. eilte mit Artillerie herbei, um die lästige Reiterei Nowikows wieder zu vertreiben.

Für das 1. Armeekmdo. konnte nach den Ergebnissen des Tages kein Zweifel mehr bestehen, daß den Truppen Kummers mit ihren marschungewohnten, müden, mangelhaft ausgerüsteten alten Landstürmern, in deren Reihen nur die Regiments- und die Bataillonskmdos. und höchstens noch ein paar Adjutantenposten mit Berufsoffizieren besetzt waren, im allgemeinen größere Angriffshandlungen nicht zugemutet werden konnten. Der Armeeführer wies GdK. Kummer an, südlich des Chodelbaches zu verharren und die Zeit bis zum Eintreffen des Landwehrkorps Woyrsch, das sich dem 1. Armeekmdo. unterstellt hatte1), zur inneren Festigung der Truppe zu verwenden. Die preußische Landwehr sollte bei Solec und Józefów übergehen, wo die vorn marschierende 4. LD. bestenfalls am

2.    September einlangen konnte. Die Deckung der Übergangsstellen hatten am westlichen Weichselufer wieder die 110. LstlBrig. und die 20. KavBrig. der 7. KD. mit zwei reitenden Batterien zu besorgen.

Angesichts des Mißgeschickes am linken Flügel gewann der Erfolg, den am selben Tage das am weitesten rechts vorrückende X. Korps errang, an Bedeutung. Während die 45. SchD. vergeblich bemüht war, den durch schweres Geschützfeuer geschützten Ort Tarnogóra zu gewinnen, drang die 24. ID. unter lebhaften Kämpfen auf Kanonenschußweite an Krasnostaw heran und zwang den Feind zur Räumung der Stadt, deren westlicher Teil am ändern Morgen durch Truppen der Division besetzt wurde. Dadurch war die Bahn Lublin—Cholm, eine der wichtigsten Lebensadern des russischen Westflügels, aufs gefährlichste bedroht.

Auch Ewert bangte um das Schicksal seiner Armee. Um die Verbindung mit den Truppen Plehwes nicht zu verlieren, sandte er dem XXV. Korps die eben eingetroffene Hälfte der 82. RD. sowie Teile der

3.DonKosD.    zu Hilfe. Nicht minder stärkungsbedürftig schien die Front der 4. Armee ihrem Führer zu sein. Er hatte auch erwirkt, daß vom 29. an das III. kauk. Korps, das ursprünglich südlich von Iwangorod der preußischen Landwehr hätte entgegentreten sollen, zur unmittelbaren Stützung der 4. Armee bei Lublin und Trawniki ausladen sollte. Das XIV. Korps wurde überdies durch die 80., das XVI. durch die 83. RD. und vorübergehend auch durch die 1. GD. verstärkt. Durch diesen gewaltigen Kraftzuwachs änderten sich zwischen Wieprz und Weichsel in den nächsten Tagen die Stärkeverhältnisse sehr zuungunsten der k.u.k.

1. Armee.Während GdK.Dankl hier anfangs den 128 Bataillonen, 56 Sotnien

x) Diese Unterstellung erfolgte auf Grund der am 20. Dezember 1913 zwischen den beiden Generalstäben getroffenen Vereinbarung, wonach beim Zusammentreffen der verbündeten Streitkräfte im taktischen Bereiche des Gegners der jeweils rangälteste Kommandant die Befehlgebung zu übernehmen habe (Auskunft des deutschen Reichsarchivs).

und 450 Geschützen der Russen1) noch 152 Bataillone, 51 Schwadronen und 414 Rohre entgegenstellen konnte, geriet er von nun an täglich mehr in die Hinterhand, bis um den 5. September 225 Bataillone, 70 Schwadronen und 600 Geschütze der 1. Armee den 264 Bataillonen, 104 Sotnien und 918 Geschützen der Armeen Letschitzkis und Ewerts gegenüberstanden 2).

War GdK. Dankl genötigt, sich an seinem Westflügel in den nächsten Tagen Ruhe aufzuerlegen, so verschloß er sich doch nicht dem von der 4. ID. und ihren übergeordneten Befehlsstellen bis zum 4. Armeekmdo. hinauf vorgebrachten Drängen, seinen Ostflügel wieder am Flankenschutz Auffenbergs mitwirken zu lassen. Er befahl, daß das X. Korps mit ganzer Kraft gegen Krasnostaw anzugreifen und mit Teilen unmittelbar gegen Zamość einzuwirken habe. Das X. Korpskmdo. bestimmte für den zweiten Zweck die 45. SchD., die sich der Übergänge beiTarnogóra zu versichern hatte, um im Notfall der 4. ID. jenseits des Wieprz zu Hilfe eilen zu können. Andererseits sollte aber auch diese auf keinen Fall untätig bleiben, so daß das X. Korps, wie es längst das Streben seines Kommandierenden war, seine Hauptkräfte gegen Lublin einschwenken lassen konnte.

Am 31. morgens säuberte die 45. SchD. das westliche Wieprzufer bei Tarnogóra, ließ aber dem Feinde Zeit, die dortigen Brücken in Brand zu setzen, wodurch FML. Ljubicić von der geplanten Verfolgung abgehalten wurde. Erfreulicherweise konnte die 45. SchD. in den gleichen Stunden den Abzug des russischen XXV. Korps gegen Nordosten feststellen, so daß das k. u. k. X. Korps die 4. ID. ihrem Schicksal überlassen und mit der 24. ID. von Krasnostaw nach Łopiennik Russki, mit der 10. MaBrig. und der 2. ID. nach Izdebno Vordringen durfte, welche Räume abends fast kampflos erreicht wurden3). Die 45. SchD. nächtigte um Tarnogóra.

Am 1. September setzte GdI. Hugo Meixner den Angriff in der Richtung Lublin fort. Seine Truppen warfen in den Vormittagsstunden Teile der russischen 82. RD. und anderer Heeresverbände, nahmen ihnen 1400 Gefangene ab und kamen bis in die Linie Fajsławice—Częstoborowice. Die 37. HID. am rechten Flügel des V. Korps schloß sich ihnen an, schwenkte aus der bisher gegen Nordosten gerichteten Front gegen Norden

x) Hier ist die 70. RD. des XXV. Korps mitgerechnet.

2) Bei der k. u. k. 1. Armee sind die Marschbataillone, die am 5. September fast überall schon in ihre Regimenter eingereiht waren, und die zur 4. Armee übergetretene 9. KD. nicht mehr mitgerechnet. Bei den Russen ist die 70. RD. abgezogen.

3)    Nach einem ungedruckten Manuskripte des FML. v. K r a 1 o w e t z, damaligen Generalstabschefs des X. Korps, das auch weiterhin benützt wird.

ein und erzwang sich unter heftigen Kämpfen den Weg bis zur Tiefenlinie südlich von Chmiel. Plötzlich tauchten in der rechten Flanke des X. Korps eben bei Trawniki ausgeladene feindliche Kräfte auf. Eine Brigade der 24. ID. eilte ihnen entgegen und trieb sie bis zum Abend hinter die Eisenbahn zurück. Die hochauflodernden Flammen des in Brand geschossenen Bahnhofes beleuchteten nachts das Siegesfeld des k. u. k. X. Korps.

Die 45. SchD. war angewiesen gewesen, im Rücken des Korps nach Krasnostaw nachzustoßen. Sie verwandte viel Zeit zu Sicherungsmaßnahmen und kam auch an diesem Tage nicht viel über Tarnogóra hinaus, indes es dem russischen XXV. Korps möglich war, die schwachen Abteilungen, welche die 24. ID. in Krasnostaw gelassen hatte, auf die Höhen westlich der Stadt zurückzutreiben.

Der Erfolg beim X. Korps bewog GdK. Dankl, für den nächsten Tag nun auch das V. Korps, das durch die 36. LstlBrig. verstärkt worden war, zum Angriff aufzubieten. Gleichzeitig sollte die 3. KD. vom linken zum rechten Flügel reiten und die preußische 4. LD. bei Solec Ufer zu wechseln beginnen. Aber auch Gen. Iwanow sah nicht untätig zu. Er schickte sich an, einen großen, von frischen Kräften durchzuführenden Gegenangriff mit einem Vorstoß zur Freimachung der Bahnlinie Cholm—Lublin einzuleiten.

Der Sieg bei Komarów (31. August bis 2. September)

Hiezu Beilage 11 und Skizze 8

Inzwischen waren auf dem Schlachtfelde von Komarów und an der Huczwa die Ereignisse zur Reife gediehen. Plehwe begann hier den Rückzug einzuleiten. Die große Frage war, wie es ihm gelingen werde, seine Truppen aus dem Feuerkranz, in den sie geraten waren, herauszuführen. Der gegnerische Armeeführer setzte alles daran, die russische 5. Armee zu vernichten. Er wies für den 31. August das VI. und das IX. Korps sowie die Gruppe Erzherzog Peter an, von Süd, West und Nord in zusammengefaßtem Ansturm den bei Komarów eingekeilten russischen Massen den Todesstoß zu versetzen. Gleichzeitig hatte am rechten Flügel Erzherzog Joseph Ferdinand von Osten her den Russen den Weg zu verlegen und durch seine Reiterei nach Zerstörung der Bugbrücken bei Krylów und Hrubieszów dem flüchtenden Feinde den Rest zu geben.

Die Bedrohung durch die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand rief das russische XVII. Korps zu rücksichtsloser und tätigster Abwehr auf den Plan. Es fiel noch am 30. nach Einbruch der Dunkelheit die Truppen des FML. Kirchbach an, die sich des Feindes erst bis Mitternacht erwehren konnten. Drei Stunden später stürzten sich die Russen auf den linken Flügel der 3. ID. und drängten ihn um 4 km zurück. Glücklicherweise waren die schon zum Abmarsch an die Solokija bereiten Zweier Kaiserjäger noch zur Hand; sie brachten das Gefecht zum Stehen und es konnte nun FML. Roth auch auf die in der ersten Bestürzung beim FML. Kirchbach erbetene Unterstützung verzichten. Doch erwies sich das feindliche, durch die 2. Brigade der 81. RD. verstärkte XVII. Korps auch den Tag über so widerstandsfähig, daß die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand ihre Front, abgesehen von der Einnahme Łaszczóws durch die 41. HID., nicht nennenswert weiter vorzuschieben vermochte. Erfreulich war für die Gruppe, daß sich die Meldungen über eine starke Bedrohung von Mosty Wielkie her als Tatarennachrichten erwiesen und die paar Sotnien mit Geschützen, die südlich der Solokija herumschwirrten, durch die dort eintreffenden Teile der 2. und der 6. KD. leicht abgewiesen werden konnten. Der Erzherzog rief daher auch die gegen Bełz entsendeten Bataillone und Batterien der 19. ID. hinter die 8. zurück. Die Deckung gegen Süden übernahmen unter Führung des FML. Wittmann die zwei Kavalleriedivisionen und die bei Uhnów versammelten Teile der 6. MaBrig., zu denen am nächsten Tag noch zwei mit Bahn herankommende Honvédmarschregimenter treten sollten. Die an der Huczwa verbliebene 38. IBrig. der 19. ID. durfte es im Hinblick auf den vor ihr sich hinziehenden versumpften Talgrund wagen, sich nach links zum

VI. Korps zu verschieben.

Während der Kampf östlich der Huczwa solcherart ohne Entscheidung geblieben war, steigerte sich das blutige Ringen um Komarów, das zum Schlüsselpunkt der Schlacht geworden war, zu dramatischer Höhe. Auf russischer Seite fiel hier dem V. Korps die Aufgabe zu, die Walstatt so lange zu behaupten, bis sich das hart bedrängte XIX. Korps mit dem Aufgebote seiner letzten Kräfte aus der tödlichen Umklammerung im Norden und Nordwesten befreit und durchgeschlagen hatte.

GdI. Boroević tat von Süden her sein Möglichstes, diesen Plan des Feindes zu durchkreuzen. Sein linker Flügel, die durch sechs Marschbataillone verstärkte 15. ID., rang sich, fortgerissen durch das persönliche Beispiel höherer Führer!), in wechselvollen Kämpfen durch das walddurchsetzte Gelände bis auf die Höhe südlich von Komarów vor,

x) Einer von diesen, der Kmdt. der 29. IBrig., Gstobst. Dr. Bardolff, führte seine Truppen hoch zu Roß zum Sturme; er wurde für seinen Anteil am Erfolg des

VI. Korps mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet.

die am Nachmittage genommen wurde; die Russen ergaben sich scharenweise oder retteten sich in wilder Flucht gegen Nord und Ost.

Beim IX. Korps hatten, durch die Erfahrungen der letzten Tage herabgestimmt, die beiden Divisionäre erklärt, den Angriff nur nach gründlicher Artillerievorbereitung und nur im engsten Anschluß an die Nachbarkorps wagen zu können. Es wurde fast Mittag, ehe das Korps auftrat, und schon nach zwei weiteren Stunden sah sich die am Nordflügel kämpfende 10. ID. durch Nachrichten über eine Rückbewegung beim Erzherzog Peter zur Rückkehr in die Ausgangsstellung veranlaßt. Diese Nachrichten trafen zu.

Der Erzherzog hatte schon am 30. nachmittags durch das Zurückweichen der 4. ID. hinter die Łabuńka und die mit der Front gegen Norden geführten Kämpfe der 9. KD. bei Miączyn unsicher zu werden begonnen. Als am darauffolgenden Morgen die 13. und die 25. ID. unter dem Aufgebot ihrer letzten Kräfte abermals zum Angriff schritten, wurden sie von einem furchtbaren Geschützfeuer empfangen, das sie sehr bald wieder zu Boden zwang. Heftige Gegenstöße des alles auf eine Karte setzenden Feindes folgten auf dem Fuße. Noch glaubte aber der Erzherzog trotz der unsicheren Lage in Flanke und Rücken und der Untätigkeit des IX. Korps wenigstens die unter schweren Blutopfern gewonnene Kampflinie behaupten und in ihr die vom VI. Korps erhoffte Entscheidung abwarten zu können, als um 10h vorm. Schreckensbotschaften aus dem Kampfraum der 9. KD. auch diesen Entschluß rettungslos ins Wanken brachten. Diese Division, die für den 31. mehrere, nicht leicht lösbare Aufgaben erhalten hatte, war von Szopinek um 2h früh zum Marsche über Miączyn gegen Werbkowice aufgebrochen. Die Reiterregimenter waren nach mehreren Stunden ermüdenden Nachtmarsches nicht weit über Miączyn hinausgekommen, als ihnen feindliche Kavallerie

— offenbar Donkosaken — lästig zu werden begann. Die Division saß zum Feuergefecht ab und führte dieses unter mehrfachem Frontwechsel. Bald langten auch Meldungen über den Anmarsch mehrerer Infanteriebataillone aus der Richtung Grabowiec ein, die sich gegen die linke Flanke der abgesessenen Reiter zu bewegen schienen. Für seine Verbindung fürchtend, ordnete der Divisionär, FML. Hauer, den Rückzug auf die Höhen westlich von Cześniki an, von denen aus er seine Hauptaufgabe, die Truppen Erzherzog Peters gegen Norden zu decken, am verläßlichsten zu lösen hoffte. Die Meldung über das Zurückweichen Hauers sowie die andauernde Unklarheit über das russische XXV. Korps, dessen Rückzug gegen Norden die 4.ID., im Gegensatz zur 45. SchD., selbst erst am Abend gewahr werden sollte, bedrückten den Erzherzog so schwer, daß er ein längeres Verweilen seiner Gruppe in der weit gegen Osten vorgeschobenen Lage nicht mehr verantworten zu können glaubte. Er hielt es für unvermeidlich, seine beiden Divisionen in die Linie Łabuńki—Zamość zurückzunehmen und so der Gefahr vermeintlicher Einkreisung zu entziehen.

Zur selben Zeit stand das Armeekmdo. in Narol auf Grund der eingelaufenen Nachrichten unter dem bestimmten und im allgemeinen zutreffenden Eindruck, daß der Feind um Komarów bereits den Rückzug gegen Osten und Nordosten angetreten habe. Voll Zuversicht befahl es um llh vorm. den drei dort fechtenden Korps VI, IX und II, „den Angriff Direktion Tyszowce allseits aufzunehmen“.

Beim VI. Korps vermochte wohl der rechte Flügel gegenüber dem zäh standhaltenden russischen V. nicht nennenswert Boden zu gewinnen. Dafür arbeitete sich die 15. ID. bei sinkender Abendsonne bis zum Südrand von Komarów vor. Unterdessen waren endlich auch die Truppen des IX. Korps aus ihren Stellungen losgebrochen. In lebhaften Kämpfen entwanden sie den schon wankenden Russen die Höhen westlich von Komarów. Im Morgengrauen des 1. September reichten sie der schon in den Ort eingedrungenen 15. ID. die Hand.

Unterdessen hatte in den Vormittagsstunden des letzten August das Armeekmdo. vom AOK. Mitteilungen über einen neuen schweren Rückschlag bei der 3. Armee erhalten. Diese werde am 1. September an die Linie Mikołajów—Lemberg, später äußerstenfalls sogar an die Wereszyca zurückzunehmen sein. Die so entstandene Lage erheische von der 4. Armee eine durchgreifende Entscheidung binnen 24, längstens 48 Stunden.

Das Armeekmdo. glaubte zu dieser Zeit den Ostflügel noch in flüssigem Vorgehen östlich der Huczwa und ahnte vor allem noch nichts von der schwerwiegenden Wendung bei der Gruppe Erzherzog Peter Ferdinand. Seine Berichte nach Przemyśl klangen durchaus zuversichtlich. Zumal der Chef der Operationsabteilung der 4. Armee, der temperamentvolle Obst. v. Soós, tat ein übriges, indem er der nach seiner augenblicklichen Kenntnis der Lage berechtigten Hoffnung Ausdruck lieh, daß die russische 5. Armee der „vollständigen Auflösung“ entgegengehe, die eigenen Truppen in glänzender Verfassung seien und auch Rückenangriffe vertrügen; die siegreiche 4. Armee werde möglicherweise schon am folgenden Tage vier Divisionen zur Unterstützung der 3. Armee freimachen können1).

*) Conrad, IV, 593 f. — GdI. v. Soós teilte dem Kriegsarchiv mit, daß er die vorerwähnte Telephonmeldung an das AOK. damals auch deshalb für nötig hielt, um

Diese Hoffnungen wurden gewiß nicht unerheblich herabgemindert, als um 3h nachm. im Hauptquartier von Narol die ersten Mitteilungen über das Zurückschwenken der Gruppe Erzherzog Peter Ferdinand einlangten. Da gleichzeitig auch kaum ein Zweifel bestehen konnte, daß den Erzherzog falsche oder doch außerordentlich übertriebene Nachrichten zu seinem unglücklichen Entschluß verleitet hatten, wurde der Armeeführer von begreiflichem Ingrimm erfüllt: der so nahe große Erfolg drohte empfindlich geschmälert zu werden. Unwillig befahl Auffenberg den beiden Divisionen, die Stellungen bei Dub ungesäumt wiederzugewinnen. Die südlich von Grabowiec gemeldeten Infanteriebataillone sollte die 9. KD. vertreiben, die Sorge des Erzherzogs ob des russischen XXV. Korps durch einen Nordstoß der 4. ID. und der (übrigens nicht in den Bereich der 4. Armee gehörenden) 45. SchD. verscheucht werden. Alle diese Weisungen kamen jedoch wenigstens an diesem Tage nicht mehr zur Durchführung. Den todmatt in ihren neuen Stellungen einlangenden Truppen des Erzherzogs Peter Ferdinand konnte weder dessen eigenes Wollen noch ein Befehl des Armeekmdos. eine ungesäumte Umkehr zumuten. Der Feind hingegen, wider den die 9. KD. aufgeboten war, erwies sich als Phantom. Auch die 4. ID. vermochte endlich einwandfrei festzustellen, daß die Russen vom XXV. Korps längst freiwillig nach Norden gewichen waren!

In den Siegesbecher, den das Schicksal dem Führer der 4. Armee in den letzten Augusttagen dargeboten hatte, waren sonach bittere Wermuttropfen der Enttäuschung geträufelt. Aber GdI. Auffenberg zeigte sich dessenungeachtet noch keineswegs gesonnen, mit einem Erfolg geringerer Abmessung vorlieb zu nehmen. War schon die Einkreisung bei Komarów nicht geglückt, so sollte die Armee Plehwes doch wenigstens in scharf östlicher Richtung abgedrängt und damit auch die Stellung der Dankl gegenüberstehenden russischen Kräfte unhaltbar gemacht werden. Noch war der k. u. k. 4. Armee vom AOK. der 1. September für dieses Werk als Frist gewährt. Diese auszunützen, ordnete der Armeekommandant für seine Armee einen allgemeinen Angriff gegen Ost an, wobei die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand zunächst als Drehpunkt stehen bleiben sollte. Das II. Korps hatte auch die 4. ID. auf dem Ostmarsch in der Richtung Dub mitzunehmen.

die dort infolge des ungünstigen Kampfverlaufes östlich Lemberg hervorgerufene gedrückte Stimmung zu verscheuchen. Mit seiner beim AOK. übrigens auch nicht wortgetreu verzeichneten Äußerung über die Unempfindlichkeit gegen Rückenangriffe hatte er die Operationsführung durch das 4. Armeekmdo. im Auge gehabt.

Der feindliche Armeeführer Plehwe mußte sich sagen, daß durch den Verlust von Komarów das Schicksal der Schlacht besiegelt worden war. Da jedoch der gewaltige Troß anscheinend das Feld noch nicht geräumt hatte, mußte das XVII. Korps zur Deckung des weiteren Rückzuges seine Stellungen auch noch am 1. September behaupten. Unterdessen wich das V. Korps auf Tyszowce und besetzte auf Kanonenschußweite vor diesem Ort einen Brückenkopf. Das XIX., von der Gruppe des Erzherzogs Peter Ferdinand freigegeben, bezog auf seinem Rückzuge gegen Grabowiec eine Zwischenstellung auf den Höhen nördlich von Dub.

Östlich der Huczwa vermochten die Russen ihren Rückzug um so mehr zu verschleiern, als die Truppen des Erzherzogs Joseph Ferdinand zum Stehenbleiben verhalten wurden und einzelne, von der Truppe aus eigenem unternommene Vorstöße zur Klärung der Feindlage nicht beitragen konnten. Als endlich nachmittags die Lockerung des russischen Widerstandes zu einem allgemeinen Angriff einlud, kam vom AOK. die Nachricht, daß Flieger nun doch den Anmarsch stärkerer feindlicher Abteilungen gegen den Rücken des Erzherzogs beobachtet hätten und demgemäß zur Sicherung der Gruppe Joseph Ferdinand gegen Süden außer der 2. und der 6. KD. noch „entsprechende Kräfte des XIV. Korps“ anzusetzen seien. Diese Meldung erwies sich, wie die 6. KD. alsbald feststellen konnte, abermals als weit übertrieben, so daß der Erzherzog nicht, wie ursprünglich geplant, die ganze 19. ID., sondern nur eine Brigade gegen die Solokija entsandte. Der Angriff der Armeegruppe gegen Norden wurde wegen der vorgeschrittenen Tageszeit und der Übermüdung der Truppen dennoch auf den nächsten Morgen verschoben.

Westlich der Huczwa hefteten sich am selben Tage die k.u.k. Divisionen scharf dem weichenden Feinde an die Fersen. Vom VI. Korps gewann der Nordflügel, 15.ID. und 39.HID., trotz Erschöpfung unter leichteren Kämpfen die Gegend von Czartowczyk. Nachmittags folgten die 27. ID. und die in der Front verbliebenen Teile der 19. auf die Höhen nordwestlich von Łaszczów nach. Das IX. Korps entriß, rittlings der Straße Komarów—Tyszowce vordringend, dem Feinde Zubowice und bestand nachmittags östlich davon ein lebhaftes Verfolgungsgefecht. Teile der 10. ID. schwenkten nordwärts gegen die bei Dub stehende russische Nachhut ein. GdI. Schemua kam, in der linken Flanke durch die 9. KD. gedeckt, mit seinen drei ostwärts marschierenden Divisionskolonnen nur bis auf die Bodenwelle Cześniki und Dub und mit einer Seitenhut bis Miączyn, ohne daß er das feindliche XIX. Korps zu stören vermochte. Der Russe erwies sich, wie ja auch später in ähnlichen kritischen Lagen, als Meister des

Rückzuges. In der Nacht zum 2. September löste Plehwe seine letzten Nachhuten vom Gegner ab. In starken Nachtmärschen rückte das XIX. Korps nach Grabowiec, das V. nach Hrubieszów, das XVII. in den Raum unmittelbar südwestlich von Wladimir-Wolynski. Durch dieses exzentrische Zurückführen der Korps wurde es unmöglich, die Armee Plehwes nochmals umfassend anzugreifen. Als die Regimenter des Erzherzogs Joseph Ferdinand im Morgengrauen des 2. September den Feind überfallen wollten, fanden sie dessen Stellungen leer. Die gleiche Erfahrung machten die westlich der Huczwa zusammengeballten Heereskörper der 4. Armee.

Damit war die siebentägige Schlacht bei Komarów abgeklungen. Die k. u. k. 4. Armee hatte den 152 Bataillonen, 150 Schwadronen und 600 Geschützen Plehwes eine nicht allzu sehr ins Gewicht fallende Übermacht von 194 Bataillonen, 102 Schwadronen und 610 Rohren entgegenzustellen vermocht50). Auffenbergs Streben war es von Anbeginn gewesen, durch Aufschwenken beider Flügel den Feind einzukreisen. Von dem eisernen Wollen erfüllt, dieses große Ziel zu verwirklichen, nahm er auch die Nachteile des Aufreißens weiter Zwischenräume in der Heeresfront und des allmählichen Zusammenballens seiner Kräfte auf engem Raum in Kauf. Gelang es, den Feind auf die geplante Art tödlich (zu treffen, dann waren jene Nachteile bedeutungslos.

Di& Hauptlast des Manövers hatten neben den oberungarisch-slowakischen Regimentern des VI. Korps, denen unter der rücksichtslos tatkräftigen Führung des späteren Isonzosiegers die schwere Aufgabe des „Festhaltens“ zufiel, vor allem deutschösterreichische Kerntruppen zu tragen, die in den Reihen des alpenländischen XIV. und des niederösterreichisch-mährischen II. Korps fochten. Die große Sache befand sich sonach in guten Händen. Wenn es diesen Einkreisungskolonnen trotzdem nicht vergönnt war zu halten, was man sich von ihnen versprochen hatte, so lag dies sicherlich zuletzt an den Tapferen, die eine Woche und mehr ununterbrochen unter Entbehrungen und Mühsalen aller Art marschiert waren und gekämpft hatten, und von denen Tausende in der wolhynischen Erde zur letzten Ruhe gebettet werden mußten.

Wenn der Ostflügel am 31. August, dem eigentlichen Schicksalstag der Schlacht, die angestrebte Umfassung nicht durchzuführen vermochte, so erklärt sich dies vor allem daraus, daß die Truppe an der Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit angelangt war. Aber auch die wirkliche oder vermeintliche Gefährdung im Rücken der Gruppe Joseph Ferdinand wirkte maßgebend mit. Sie beschwerte die Entschlußkraft der in den Wechselfällen des Krieges noch nicht genug erfahrenen Führung aller Grade und verursachte die Abtrennung von Truppen, zumal von Kavallerieabteilungen, die auf dem Schauplatz der Entscheidung bitter entbehrt wurden. So konnte das russische XVII. Armeekorps, wenn es auf seinem eiligen Rückzug über den Bug unversehrte Brücken vorfand, dies wohl nicht zuletzt dem Glücksfall verdanken, daß die 2. KD. an derSolokija streifen mußte, statt sich der ihr ursprünglich übertragenen Brückenzerstörung widmen zu können.

Noch einschneidender als die Ereignisse an diesem Flügel der Schlachtfront wirkte das Zurückschwenken der Gruppe Erzherzog Peter Ferdinand am gleichen Schlachttage. Vereitelte das Abbleiben des Ostflügels schon das große „Cannae“, das sich Auffenberg erträumt hatte, so lag doch bei Komarów ein kleineres „Cannae“ zum Greifen nahe; denn wäre die Gruppe Erzherzog Peter nur stehen geblieben, bis der Ansturm der 15. ID. und des IX. Korps den Feind an Komarów angepreßt hatte, wäre dem XIX. Russenkorps eine Katastrophe bereitet worden. Da ließ der dortige Führer unter dem Eindruck falscher Alarmnachrichten den Damm, den er aufgerichtet hatte, um dem russischen XIX. Korps den Rückweg zu versperren, in zwölfter Stunde selbst wieder abtragen; so wurde es auch diesen Teilen der feindlichen Armee möglich, erschüttert und aus tausend Wunden blutend, aber zuletzt fast unbedrängt die Walstatt zu verlassen, auf der Freund und Feind mit so viel Tapferkeit und Todesverachtung um die Palme des Sieges gerungen hatten.

Die Göttin des Kriegsglückes hatte solcherart der k. u. k. 4. Armee ihre Gunst nicht in der erhofften Fülle geschenkt. Der kühne Versuch, die russische 5. Armee völlig einzukreisen, war mißglückt. Aber Armeekommandant und Stab standen doch zur Überzeugung, daß der weichende Feind entscheidend geschlagen worden war, und die Heeresleitung machte sich die gleiche Auffassung zu eigen. Während am 2. September früh die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand der Gegend östlich von Tyszowce, das IX. und das II. Korps der Huczwastrecke nördlich dieses Ortes und das XVII. und das VI. Korps den Sammelräumen bei Łaszczów zustrebten, trafen im-Hauptquartier Auffenbergs Weisungen aus Przemyśl ein, durch die die siegreiche 4. Armee zu neuen Taten aufgerufen wurde.

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Die Schlacht an der Gniła Lipa s29. und 30. August51»

Hiezu Skizze 9

Während GdK. Dankl auf einen Tagmarsch vor Lublin hielt und Auffenberg dem Kriegsglück nach mannigfachen Wechselfällen einen sicherlich namhaften und eindrucksvollen Erfolg abgerungen hatte, war dem Ostflügel des gegen Rußland fechtenden k.u.k. Heeres an der Gniła Lipa neues, bitteres Mißgeschick widerfahren.

Bei der russischen 3. Armee hatte sich am 29. August, dem ersten Tage der neuen Schlacht, der Befehl des Großfürsten-Generalissimus, nicht zu rasten, sondern ungesäumt konzentrisch auf Lemberg loszustürmen, erst allmählich durchgesetzt, so daß schließlich nur der Südflügel stärker in Tätigkeit treten sollte. Demgemäß war dem öst.-ung. Nordflügel tagsüber eine gewisse Bewegungsfreiheit gegönnt, die er im Hinblick auf die Ermüdung und geringe Marschfähigkeit bedeutender Truppenteile allerdings nicht voll auszunützen vermochte. Zur äußersten Linken zog das Kavalleriekorps seine Kräfte, die 10. und die 11. KD. sowie vier Marschbataillone der 6. MaBrig., gegen Żółkiew hin zusammen. Südlich davon gelangte die vorerst aus der 23. HID. und der 97. LstlBrig. bestehende Gruppe FML. Daempf nur bis knapp westlich von Kulików. Die Hoffnung des AOK., aus dieser Richtung schon am 29. gegen den feindlichen Nordflügel einen Druck ausüben zu können, blieb daher unerfüllt. Dagegen konnte das XI. Korps angesichts der Untätigkeit des Feindes auf den ihm befohlenen Rückzug hinter den feldmäßigen Gürtel von Lemberg verzichten und bei Żydatycze eine Bereitstellung gegen Ost und Nordost beziehen.

Die Abwehrkraft des III. und des XII. Korps hatte durch die Aufteilung der Kaiserschützenbrigade auf die ganze Front einen Zuwachs erfahren. Beim III. war überdies die Marschbrigade aufgelöst und auf die Regimenter aufgeteilt worden. Der Feind wirkte gegen die beiden Korps zunächst durch Entfaltung eines gewaltigen, trefflich geleiteten Artilleriefeuers, das die öst.-ung. Truppen um so schwerer traf, als diese nur notdürftig eingegraben waren und ihre Batterien teilweise, wie beim XII. Korps, infolge noch unzureichender Organisation des Nachschubes und auch infolge des tags zuvor erlittenen Verlustes von Munitionskolonnen schon zu Beginn der Schlacht an Schießbedarf Mangel hatten. Den ungleich geführten Artilleriekampf begleitete der Feind zeitweilig durch Erkundungsvorstöße, die beim Verteidiger nicht selten den Eindruck stärkerer Angriffe hervorriefen.

Das III. Korps wurde zeitlich früh bei Przemyślany durch solch einen Erkundungsvorstoß beunruhigt. Die dort stehende 22. SchD. begehrte dringend Verstärkungen. Ähnliches begab sich knapp südlich von ihr bei der 16. ID. des XII. Korps. War diese jedoch bald in der Lage, dem nördlichen Nachbar sogar zwei Kaiserschützenbataillone zur Verfügung zu stellen, so sah sich das 3. Armeekmdo. durch die Hilferufe des III. Korps doch stark beunruhigt. Es wies der 22. SchD. sofort die bisher dem Südflügel der Armee zugedachte 108. LstlBrig. zu, lenkte die ersten Transportstaffeln der eben einlangenden, ursprünglich für die Gruppe FML. Daempf bestimmten 14. MaBrig. bis Gaje und nahm überdies den Einsatz einer Brigade der 44. SchD. beim III. Korps in Aussicht. Glücklicherweise wurde schließlich die 22. SchD. doch aus eigener Kraft mit dem Feinde fertig, und auch auf die ihm zugesagte Brigade der 44. SchD. konnte GdI. Colerus um so eher verzichten, als diese Division am Nachmittage aus eigenem zum Angriff geschritten war und damit auch der Entlastung des III. Korps einen wertvollen Dienst geleistet hatte.

Am Südflügel des XII. Korps war es der 11. ID. in den ersten Vormittagsstunden gelungen, einige russische Batterien und dann auch die russische 10. KD. zur Umkehr zu zwingen. Bald aber wußten Flieger eine lange Feindkolonne im Anmarsch von Brzeżany gegen Janczyn zu melden. Es war das VII. Korps Brussilows, der im Gegensatz zu Rußki seine Truppen ohne Aufenthalt vorwärtstrieb. Die an das k. u. k. XII. Korps anschließende 105. LstlBrig. konnte bei aller Wachsamkeit nicht verhindern, daß sich die nördlichste Gruppe der russischen 8. Armee bei Firlejów westlich der Gniła Lipa festsetzte. Das Beispiel der südlichen Nachbarn rief auch die zunächst befindlichen Abteilungen der Armee Rußkis aus ihren Deckungen. Gegen Abend brach der Feind an den inneren Flügeln der 11. und der 35. ID. mit Übermacht ein. Die vom russischen Ansturm betroffenen Truppenteile konnten, obgleich ihr Gefüge durch die Erlebnisse der letzten Tage unleugbar gelitten hatte, durch die persönlich einschreitenden Führer zu neuerlichem Frontmachen veranlaßt werden. Einige dieser Führer standen allerdings selbst schon unter dem Eindruck einer unvermeidlichen Katastrophe. So wich der Kommandant der 88. KSchBrig., nachdem er den größten Teil seines Stabes in den Kampf geworfen und eingebüßt hatte, mit den von ungefähr um sich versammelten Abteilungen unterschiedlicher Verbände bis südlich von šwirz. Ähnlich verfuhr der Artilleriebrigadier der 11. ID. mit einigen Batterien, die er, um ihre Rettung besorgt, bis Bobrka zurückführte und so die Abwehrkraft seiner Division für den 30. August nicht unerheblich schwächte. Auch sonst fanden sich am Morgen dieses Tages Hunderte von Versprengten bei Strzeliska Nowe ein.

Das 3. Armeekmdo. war durch die Meldungen über das Anrücken des russischen VII. Korps stark alarmiert worden. Die zum erstenmal ins Gefecht tretende 105. LstlBrig. konnte dem neuen Feind kaum ein Gegengewicht bieten. Andere Reserven waren nicht mehr zur Stelle. Entlastung vermochte nur mehr ein möglichst rasches Eingreifen des bei Rohatyn sich sammelnden VII. Korps der Armee Böhm-Ermolli zu bringen. Dringende Forderungen dieses Sinnes erreichten um die Mittagsstunde das AOK. und das Kmdo. der 2. Armee.

Der Befehl Böhm-Ermollis, sich südlich von Rohatyn mit der Front gegen Osten bereitzustellen, war erst nach Ausgabe des Korpsbefehles zum VII. Korpskmdo. gelangt. Dieses hatte am Abend zuvor, da es sich bisnun aus der Richtung von Bursztyn viel stärker als aus der von Brzeżany bedroht fühlte, die einlangenden Truppen zwischen Rohatyn und Podmichalowce in eine gegen Südosten gerichtete Front gewiesen und auch die Ausladung wieder weiter zurückverlegt. Nunmehr sollte am Vormittag allmählich die vom Armeekmdo. gewünschte Front gegen Osten angenommen werden. Da kam zu Mittag der durch die Alarmrufe des 3. Armeekmdos. ausgelöste Befehl Böhm-Ermollis, wonach die 34. ID., die 20. HID. und die 12. MaBrig. sofort gegen Norden bereitzustellen waren, um eine Umgehung der 3. Armee durch die im Waldgebiet nördlich von Rohatyn vordringenden Russen zu verhindern.

Von dieser Gruppe vermochte jedoch nur die 34. ID., FML. Ritt. v. Krautwald, den zugewiesenen Raum zu gewinnen. Die beiden anderen Verbände wurden, ehe sie die Nordverschiebung beginnen konnten, gegen lh30 nachm. von Osten her durch das russische XII. Korps angefallen und zurückgedrückt. Am Südflügel der dem FML. v. Csanády unterstehenden Gruppe, die auch von einer Panik heimgesucht wurde, griffen Teile der 17. ID. die Spitzenregimenter des russischen VIII. Korps an, das nach mehrfachen Schwankungen das Gefechtsfeld behauptete.

Glücklicher focht die Gruppe FML. Freih. v. Karg, die das Armeekmdo. in der Meinung, daß sich das VII. Korps bereits im Kampf befinde, gegen Mittag zum Angriff nördlich von Bolszowce aufgerufen hatte. Die 38. HID. rechts, die zur Hand befindlichen neun Bataillone der 43. SchD. links vorführend, warf FML. Karg bei Żelibory divisionsstarke Abteilungen des russischen VIII. Korps zurück. Weiter südöstlich begnügte sich das russische XXIV. Korps mit der Beobachtung der Dniesterbrücken-köpfe, wobei es freilich in Halicz durch Tatarennachrichten zu vorübergehender Beunruhigung kam. GdK. Böhm-Ermolli ließ der Sicherheit halber die Brücke bei Mariampol abbrechen und zog die 103. LstlBrig. von Stanislau nach Halicz vor.

Trotz örtlicher Erfolge waren die Ergebnisse vom 29. August für die Russen, besonders wenn sie der gleichzeitigen Bedrängnis der 5. Armee bei Komarów gedachten, nicht allzu zufriedenstellend gewesen. Nunmehr sollten am 30. die beiden östlichen Armeen, die Iwanow zweckmäßigerweise dem Befehl Rußkis unterstellte, ganze Arbeit leisten. Dabei kam der Oberbefehlshaber der Südwestfront im Hinblick auf die Lage Plehwes wieder auf den schon früher gehegten Plan zurück, den Nordflügel der 3. Armee nun doch gegen Mosty Wielkie hin zu strecken. Das XXI. Korps sollte sich in den Raum nordwestlich von Kamionka-Stru-milowa verschieben, das XI. in dessen bisherigen Abschnitt einrücken, ein aus der 11. und der 9. KD. bestehendes Reitergeschwader in die Gegend westlich von Mosty Wielkie abgehen. Angesichts dieses Streckungsmanövers bei der 3. Armee fiel die Aufgabe, den gegnerischen Widerstand an der Gniła Lipa zu brechen, ganz von selbst vor allem der russischen 8. Armee zu. Brussilow, der den Gegner bei Rohatyn zutreffend auf drei bis vier Divisionen schätzte, überließ es seinem VIII. Korps auch weiterhin, die Gruppe Karg zu binden, indes das XII. und das

VII. Korps den am Vortag begonnenen Durchbruch der öst.-ung. Stellungen vollenden sollten. Der Südflügel der 3. Armee wurde aufgefordert, hiebei tatkräftig mitzuwirken. Der Sicherung der Dniesterflanke glaubten die Russen nicht zu Unrecht am besten dadurch zu dienen, daß sie das östlich von Czernowitz stehende Dniesterdetachement durch die 71. RD. verstärkten und dieser Gruppe die Einnahme der bukowinischen Hauptstadt (übertrugen x).

Hatte das k. u. k. AOK. für den 29. noch schwache Hoffnungen auf eine wenn auch mit verhältnismäßig geringen Kräften durchgeführte doppelte Umfassung des gegen die Gniła Lipa anrennenden Feindes gehegt, so war für den 30. von den nördlich und nordöstlich Lembergs angesetzten Gruppen bei ihrer nicht allzu großen Manövrierfähigkeit und der Ausdehnung des feindlichen Flügels kaum mehr viel zu erwarten. Um so bedeutungsvoller konnte das Eingreifen der 2. Armee am Süd-

*) La grande guerre, 178. — Zichowitsch, 168.

flügel der 3. werden, worüber denn auch weder das AOK. noch das

3. Armeekmdo. den GdK. Böhm-Ermolli in Zweifel ließen.

Allerdings litt die Dispositionsfähigkeit des 2. Armeekmdos. nach wie vor unter der schlechten Verbindung mit seinen Untergruppen. In ziemlicher Unkenntnis der Lage ließ GdK. Böhm-Ermolli für den 30. August die am 29. nachmittags geltenden Befehle in Kraft. Dem Kommandanten des VII. Korps, der sich beim Einlangen der betreffenden Weisungen im Bereiche der 34. ID. befand, ging es in der Kenntnis über die Vorgänge bei den anderen Teilen seines Korps nicht besser als dem Armeeführer. Er beschloß, die Gruppe Csanády am nächsten Morgen persönlich anzuweisen. Die 34. ID. sollte zur gleichen Stunde zum Angriff gegen Norden ansetzen. Ursprünglich war angesichts der östlich Rohatyn drohenden Gefahren geplant, für diese Aufgabe nur sieben Bataillone zu verwenden. Schließlich stieß aber am 30. früh fast die ganze Division nordwärts vor, wobei es ihr gelang, russische Reiterei und eine südlich von Firlejów neu aufgetretene Infanteriebrigade des russischen XII. Korps über Ruda zurückzudrängen.

Inzwischen hatte der Korpskommandant bei seiner Südgruppe Umschau gehalten. Er traf die 20. HID. und die 12. MaBrig. in stark gelockerter Verfassung, so daß dem Befehle, erneut vorzugehen, nur Teile nachkommen konnten. Den Angriff führte daher vornehmlich die 17.ID., FML. Ritt. v. Henriquez, durch, die, rechts von der 8., links von der 4. KD. gedeckt, anfänglich Erfolge erzielte, dann aber vor einem übermächtigen Gegenstoß des Feindes auf die Höhen östlich von Knihynicze weichen mußte. Zu allem Ungemach brach nachmittags bei einer Brigade der 20. HID. infolge eines Nervenzusammenbruches, den der Brigadier erlitt, eine Panik aus. Die gegen Westen zurückflutende Brigade konnte nur mit Mühe aufgehalten und nicht mehr in den Kampf geführt werden. Tief betroffen überließ der Korpskommandant der 34. ID. die bisherige Aufgabe, indes er seine Südgruppe hinter die Teichlinie des Świrzbaches zurückgehen hieß. Nur die 17. ID. verharrte, als sie sich vom Feinde nicht bedrängt sah, in einem Freilager östlich des Baches.

Das VII. Korps war mit seinem Mißgeschick nicht allein geblieben. Auch die durch Teile der 103. LstlBrig. verstärkte Gruppe Karg teilte ihr Schicksal. Ihre aus vier ungarischen Landsturmbataillonen und nur zwei Geschützen bestehende rechte Seitenhut wurde bei Hnilcze gestellt und auf Halicz zurückgeworfen, die als linke Kolonne vorgehende 43. SchD. durch das bei Rohatyn nicht ausreichend gefesselte russische VIII. Korps von Westen her gefaßt, so daß FML. Karg seine ganze Gruppe nach

Halicz zurücknehmen mußte. Teile der 43. Division waren dabei sogar auf das Südufer des Dniester übergetreten. Nach russischen Quellen blieben 31 Geschütze in Feindeshand1).

Unterdessen war GdK. Böhm-Ermolli in begreiflicher Ungeduld nach Knihynicze vorgeeilt. Am Spätnachmittag hier eingetroffen, konnte er nur mehr das Mißlingen seines ihm durch die Ereignisse zu vorzeitiger Ausführung aufgenötigten Angriffsplanes feststellen. Nichtsdestoweniger befahl er vom Schlachtfelde aus den Gruppen Meixner und Karg die Wiederholung des Angriffes für den Fall, als der Feind Anstalten traf, gegen den Südflügel Brudermanns abzuschwenken. Die zur selben Zeit bei der k. u. k. 3. Armee eingetretene Wendung überhob die Truppen Böhm-Ermollis der Probe aufs Exempel, die ihnen wahrlich genug schwer geworden wäre.

Im Bereiche der k. u. k. 3. Armee hatte nördlich der Straße Lemberg—Złoczów die Seitenverschiebung Rußkis dem zweiten Schlachttage sein Gepräge verliehen. Ganz im Norden, halben Weges zwischen Ka-mionka-Strumiłowa und Żółkiew, kreuzten Abteilungen der k.u.k. 10. KD. mit der russischen 11. die Klingen. Südlich von ihnen sammelte sich die ll.HKD. bei Kulików. Es war den beiden Reiterdivisionen allerdings nicht vergönnt gewesen, die Armee Auffenbergs der schweren Sorge zu überheben, die das Auftreten feindlicher Kräfte in diesem Raume bei ihr hervorgerufen hatte. Die Gruppe FML. Daempf stieß nachmittags bei Żóltańce auf Seitenkolonnen des im Nordmarsche befindlichen russischen XXI. Korps und führte gegen sie ein stehendes Gefecht. Von dem zwischen der Eisenbahn und der Straße Lemberg—Żóltańce vorrückenden k. u. k.

XI. Korps traf die 60. IBrig. im Walde südlich von Jaryczów-Nowy auf die gleichfalls zur Deckung des Seitenmarsches ausgeschiedene russische

11. ID. und warf sie, von den übrigen Kräften der 30. ID. unterstützt, gegen Osten zurück, wobei die Russen vier Geschütze einbüßten.

Ähnlich störte am Nordflügel des III.Korps die 44.SchD. aus eigenem Antriebe das russische XI. Korps bei einer Rechtsverschiebung durch einen nachmittags unternommenen Angriff, wobei die südlich anschließenden Heereskörper artilleristisch mitwirken konnten. Als die wieder entschlossen fechtenden Truppen des III. Korps, die Seitenbewegung des Feindes erkennend, Gleiches tun wollten, winkte der noch stark unter den Eindrücken der letzten Ereignisse stehende Korpsführer ab. Solcherart sollte es an diesem Tage nur der 22. SchD. beschieden sein, in schärfere Kämpfe verwickelt zu werden. Dies geschah noch früh am Vor-

x) Zichowitsch, 169.

mittage, knapp nachdem die Division die am 29. ihr zur Verfügung gestellten zwei Kaiserschützenbataillone der südlich anschließenden, durch feindliche Truppenansammlungen stark bedrohten 16.ID. zurückgegeben hatte. Der Russe griff die 22. SchD. offenbar mit dem Ziele an, dadurch die Aufmerksamkeit von der Umgruppierung des Nordflügels abzuziehen. Es kam in Przemyślany zu wilden Straßenkämpfen, nach deren Verlauf der Ort in der Hand des Feindes blieb. Ein ähnlicher Vorstoß der Russen gegen die 6. ID. wurde von dieser stehenden Fußes zurückgewiesen.

Inzwischen zog sich über dem weiter südlich aufgestellten XII.Korps ein schweres Unwetter zusammen. Mit verstärkter Heftigkeit hämmerten seit frühem Morgen die Batterien des VII. und des X. Russenkorps auf die Stellungen bei Meryszczów ein. Hinter dieser Feuerwand zog der Feind seine Angriffsmassen zusammen, die er gegen 10h vorm. losbrechen ließ. Die Sturmkolonnen des russischen VII.Korps durchstießen die ohnehin schon schütter gewordene Front der 35. und der fast ohne Artillerie fechtenden 11. ID. bei und südlich von Brzuchowice. Gegenstöße der spärlichen Reserven erzielten keinen bleibenden Erfolg. Die Rückbewegung griff bald auch auf den vom russischen X. Korps bestürmten Südflügel der 16. ID. über. Der Kommandant des XII. Korps, GdI. Kövess, versuchte die weichenden Truppen auf A437 südöstlich von Świrz zu sammeln und den Einbruch des Feindes hier durch gleichzeitige Anlehnung an die beiden noch stehenden äußersten Korpsflügel abzuriegeln. Aber rascher als die seelisch stark hergenommenen und vermengten eigenen Abteilungen war die russische 10. KD. zur Stelle. Sie rief durch ihre weit vorgezogenen Batterien beim Gegner eine Panik hervor, in die auch der in der vordersten Gefechtslinie haltende Stab des kommandierenden Generals verwickeltwurde.Hastig und regellos strömten Truppe undTroß zwischen den Kolonnen flüchtender Einwohner, die hier wie überall in Ostgalizien alle Straßen bedeckten, teils gegen Bobrka,teils über Romanów gegen Lemberg.

Südlich von der Durchbruchstelle wichen die 105. LstlBrig. und die noch in der Front verbliebenen Teile der 11. ID. auf die Höhen östlich von Strzeliska Nowe. Die 34. ID., die so vergeblich von Ruda aus den Anschluß an das XII. Korps suchte, zog sich, nachdem auch bei ihr zwei Regimenter Opfer eines Massenschrecks geworden waren, auf Podkamień zurück. Rechts davon hatte die 4. KD. schon Stellung genommen.

Nun mußte aus der Katastrophe des XII. Korps auch das III. seine Schlußfolgerungen ziehen. Eben wollte GdI. Colerus die Front um den Pivot Kurowice zurückschwenken lassen — da trafen vom Armeekmdo. Weisungen für eine viel weiter reichende Rückbewegung ein.

So war auch die zweite Schlacht in Ostgalizien für die öst.-ung. Armee unglücklich ausgegangen. Gegen Ende des Ringens hatten in den Reihen der 2. und der 3. Armee insgesamt 282 Bataillone, 133 Schwadronen und 718 Geschütze mit 336 Bataillonen, 264 Schwadronen und 1214 Geschützen der zwei russischen Armeen ihre Kraft gemessen52). Bei der Infanterie war die Überlegenheit an Zahl nicht übermäßig groß gewesen; allerdings zählten Brudermann und Böhm-Ermolli 107 schwach gefügte Marsch- und Landsturmbataillone in ihren Reihen. Erdrückend hatte das Übergewicht, von 500 Geschützen gewirkt; es gab den Ausschlag.

Die Preisgabe von Lemberg Hiezu Beilage 11 sowie Skizze 10

Die Hiobsposten über das Mißgeschick des XII.Korps trafen in Lemberg am 30. August gegen 5h nachm. ein. Kurz darauf bestätigte sich auch der Fehlschlag des dem VII. Korps übertragenen Flankenstoßes. Um 6h abends erteilte das 3. Armeekmdo., das in GM. v. Boog einen neuen Generalstabschef erhalten hatte, dem XII. Korps und der 105. LstlBrig. den Befehl, an den Biały potok unterhalb von Bobrka zurückzugehen. Das III. Korps sollte sich zunächst damit begnügen, seinen Südflügel gegen Bobrka zurückzuschwenken. Aber schon nach einer Stunde wurden diese Weisungen dahin ergänzt, daß auch der linke Armeeflügel, falls er durch den Feind gedrängt würde, mit Ausnahme der Gruppe Daempf, die ihren Angriff fortzusetzen hatte, seine bisherigen Stellungen abzubrechen und in die Höhe von Lemberg zu weichen habe.

GdI. Conrad wurde, so wenig er sich ob der Lage im Osten unberechtigtem Optimismus hingab, durch die Nachrichten von der 3. Armee aufs tiefste getroffen. Wohl war der von ihm schon seit einigen Tagen stärker erwogene Plan, den russischen Druck in Ostgalizien durch Heranführen von Teilen der 4. Armee in die Flanke des lästigen Feindes abzuschütteln, auch nach der neuen unglücklichen Wendung noch ausführbar. Aber zuerst mußte die 4. Armee bei Komarów ihr Werk vollenden, wozu sie mindestens noch den 31. August, wahrscheinlich jedoch auch den 1. September brauchte. Um bis dahin die 3. Armee nicht einem neuerlichen Schlag auszusetzen, verabredete der Chef des Generalstabes mit

GdK. Brudermann, die Front der Armee in die kürzere und zunächst weniger gefährdete Linie Mikołajów—Lemberg zurückzuziehen. Dabei näherte sich Conrad innerlich sogar schon dem Gedanken an einen noch weiter reichenden Rückzug bis hinter die Wereszyca1). Wenn er sich auch die Entscheidung darüber bis zum 31. Vorbehalten wollte, so galten seine Vorsorgen doch schon der Besetzung von Aufnahmsstellungen, vor allem der wichtigeren Übergänge über die an langen Sumpfengen reiche Niederung. So war die Gruppe Meixner, die zunächst hinter die Cho-dorówer Teiche zu weichen hatte, zur Sicherung von Komárno ausersehen, während alle anderen Teile der 2. Armee unter Behauptung von Halicz durch die 40. LstlBrig., aber unter Preisgabe von Niżniów und Czernowitz, in den Raum östlich von Stryj zurückzunehmen waren.

Das 3. Armeekmdo. schloß den ereignisreichen 30. August mit der Ausgabe der für den Rückzug in die Linie Mikołajów Lemberg nötigen Befehle ab. In den ersten zwei Septembertagen hatten sich das XII. und das III. Korps zwischen Dörnfeld und der Südfront von Lemberg, die

44. SchD. hinter den Ostwerken, die Truppen des XI. Korps hinter den Nordostwällen der Stadt zu sammeln, indes die Gruppe Daempf bei Kulików und Żółkiew die Nordflanke decken sollte. Zugleich erflossen auch schon vorbereitende Weisungen für eine Fortsetzung des Rückzuges hinter die Wereszyca.

Der 31. August brachte allerdings wieder etwas Helle in das düstere Bild der Lage. Die Verfassung der Ostarmeen und zumal die der 3. war, wie auch die vom AOK. an die Front entsandten Generalstabsoffiziere durch Augenschein bestätigen konnten, doch erheblich besser, als es auf den ersten Blick ausgesehen hatte. Das vorsichtige Nachfühlen des Feindes, mit dem nur noch die Gruppe Daempf auf einen schwachen Tagmarsch östlich von Żółkiew in schärferer Gefechtsfühlung stand, erleichterte den Divisionen einen geordneten Rückzug. Das XI. Korps konnte in zufriedenstellender Haltung seinen Gürtelabschnitt besetzen. Die 44. SchD. und die beiden Heeresdivisionen des III. Korps waren fest in der Hand ihrer Führer; ihre Nachhuten hielten sich noch in den alten Stellungen die hier etwas lebhafteren Russen vom Leibe. Nur die 22. SchD. des Grazer Korps litt noch etwas unter den Nachwehen der letzten Tage. Am meisten gelockert war jedoch das XII. Korps. Kleine Gruppen dieses Korps landeten im Bereiche der 2. Armee; erhebliche Teile wurden in Lemberg gesammelt, dort neu ausgerüstet und mit Bahn in den dem Korps zugedachten Erholungsraum westlich von Lubień Wk. abbefördert. Eine

starke Gruppe aller Regimenter, bei der sich auch der Korpskmdt. befand, traf befehlsgemäß bei Bobrka ein, um hier in einer Nachhutstellung das Abfließen des gewaltigen Trosses zu decken und schwächere Vorstöße des Feindes abzuwehren. Von der 2. Armee gelangten die Divisionen des VII. Korps hinter die Chodorówer Teiche, die anderen Verbände auf das südliche Dniesterufer.

Mit begreiflicher Ungeduld harrte das AOK. der Dinge bei der

4. Armee. Von der Raschheit, mit der sie entsprechende Kräfte kehrtmachen lassen konnte, hing es ab, ob der Rückzug der 3. Armee wirklich bis an dieWereszyca fortgesetzt werden mußte und damit auch, ob Lemberg behauptet werden konnte oder nicht. Da kam endlich um 2h nachm. die zuversichtliche Meldung des Obersten Soós (S. 237), nach der eine volle Auflösung der Auffenberg gegenüberstehenden russischen Kräfte im Bereiche des Möglichen lag. Bei solchen Zukunftsaussichten war vielleicht am Ende der zwar nicht militärisch, wohl aber politisch nachteilige Verlust Lembergs doch vermeidbar. Am dringendsten erschien es in diesem Zusammenhang, ein Ausgreifen des Feindes nördlich der Hauptstadt zu verhindern. Zwar gewann das 3. Armeekmdo. eher den Eindruck, daß der Russe hier ausgesprochen nordwärts — also in den Rücken Auffenbergs — marschiere. Dennoch wurde dem FML. Daempf, unter dessen Befehl nun auch die 10. und die 11. KD. traten, nachdrücklich eingeschärft, ein etwaiges Vordringen der ihm gegenüberstehenden russischen Streitkräfte in nordwestlicher und westlicher Richtung zu verhindern. Die unmittelbare Verteidigung Lembergs blieb dem XI. Korps und der

44. SchD. überlassen. Südlich der Stadt hatte sich das durch die 88. KSchBrig. verstärkte III. Korps zum Gegenangriff wider einen die Hauptstadt bedrängenden Feind bereitzustellen. Solcherart schien für deren Schicksal einigermaßen vorgesorgt zu sein.

An die DOHL. richtete GdI. Conrad einen sehr ernsten telegraphischen Bericht, in welchem er die Zusendung von mindestens zwei Korps in der Richtung über Przemyśl erbat1). Tatsächlich befand sich zu dieser Zeit schon eine solche Streitkraft samt einer Kavalleriedivision auf der Fahrt von Frankreich nach dem Osten. Obgleich der Oberbefehlshaber des deutschen Ostheeres auf diesen Kraftzuwachs verzichtete, rollten die zwei Korps nach Ostpreußen weiter, wo sie erst nach der Schlacht bei Tannenberg eingetroffen sind.

*) Conrad, IV, 607 f. - -Reichsarchiv, I, 608. — Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen 1914- 1918 (Berlin 1919,, 45.

Wie am 31. August, so bewahrte der Feind in Ostgalizien auch am

1. September auffallende Zurückhaltung (Beilage 11). Bei der Gruppe Daempf dauerte der Kampf ohne Entscheidung, aber auch ohne ungünstige Wendung in den bisherigen Räumen fort. Das 3. Armeekmdo., das sich am Vortage nach Gródek begeben hatte, kehrte nach Lemberg zurück, um die Leitung der Abwehr selbst in die Hand zu nehmen. Es war allerdings dringend zu wünschen, daß die Russen dem XI. und dem

III.Korps, von diesem namentlich der 22.SchD., noch etwas Ruhe gönnten. Weitei südlich hatte GdI. Kövess 4500 Mann seines Korps bis Dörnfeld gebracht. Da ihnen eine Mitwirkung an etwaigen Kämpfen zur Behauptung Lembergs in den nächsten Tagen nicht zugemutet werden konnte, wurde ihnen die Fortsetzung des Rückmarsches in Erholungsquartiere bei Lubień Wk. und Komárno aufgetragen, wobei die 4. KD. und die 105. LstlBrig., beide in besserer Verfassung, die Bewegung zu verschleiern hatten. Von der 2. Armee gelangte das VII. Korps samt der

20. HID. und der 8. KD. beiderseits des Dniesters in den Raum von Mikołajów. Die übrigen Heereskörper waren zwischen Stryj und Sta-nislau gestaffelt. Die 35. LstlBrig. hatte sich von Czernowitz westwärts gezogen und die Verteidigung der Bukowina befehlsgemäß den Gendarmeriemilizen des Obstlt. Fischer überlassen. Das IV. Korps begann bei Sambor und Chyrów auszuladen, zwei weitere Brigaden, die 102. LstlBrig. und die 7. MaBrig., rollten über Munkács nach Stryj an1).

Im Falle der Feind Lemberg angriff, hatte sich das VII. Korps bereitzuhalten, entweder gegen die 3. Armee flankierend einzugreifen oder, wenn die Russen hiezu Zeit ließen, die vom XII. Korps hinter-lassene Lücke zu füllen.

Nun spannte freilich, was die Frage der Behauptung Lembergs anbetraf, die 4. Armee das AOK. am 1. September noch einmal für lange, bange Stunden auf die Folter. Der tags zuvor angekündigte große Erfolg schien wieder auf sich warten zu lassen. Wenn er am Ende ganz ausblieb, sah Conrad keine andere Lösung als die, die Armeen sofort hinter den San zurückzuführen2). Da fiel endlich um 9h30 abends das erlösende Wort aus Narol: der Feind befand sich in vollem Rückzuge.

Die gefahrdrohende Lücke, die während der Schlacht bei Komarów zwischen der 4. und der 1. Armee entstanden war, ließ das AOK. zunächst erwägen, das vom Balkan heranrollende IV. Korps in diesen Raum zu werfen. Die übermäßige Beanspruchung der Bahnen im Schlachtbereich verhinderte die Ausführung dieser Absicht (Mitteilung der damals in der Operationsabteilung des AOK. als Hauptleute eingeteilten Generalmajore Kless und Brantner .

- / Conrad, IV. 606. — Frevtag-Loringhoven, 225.

Nun schritt der Chef des Generalstabes an die Verwirklichung eines Entschlusses, der den höchstbeschwingten und kühnsten des Weltkrieges zuzuzählen ist. Die siegreiche Armee Auffenberg sollte gegen den geschlagenen Feind nur die allernötigsten Kräfte, zwei Infanteriedivisionen östlich sowie eine Infanterie- und eine Kavalleriedivision westlich der Huczwa zurücklassen. Die Masse der 4. Armee jedoch hatte kehrtzumachen und bis zum 3. September mit den Hauptkräften an der Linie Uhnów—Bełżec so bereitzustehen, „daß sie zur Degagierung der 3. Armee in der Richtung Lemberg zum Angriff vorgehen oder, falls die 3. Armee zum Rückzug gezwungen war, in den Raum Jaroslau—Leżajsk x) marschieren“ konnte. Mit diesem Befehle, dem in den nächsten Tagen weitere Durchführungsweisungen folgen sollten, lenkte der rege, nimmermüde Geist des Generalstabschefs die Kriegshandlungen in neue Bahnen. Daß er dabei von den beiden Lösungen, zu denen die 4. Armee bereit zu sein hatte, der von ihm zuerst angeführten, nördlich von Lemberg in den Kampf einzugreifen, gegenüber der zweiten entschieden den Vorzug gab, war bei der Zähigkeit, mit der er den Erfolg erstrebte, fast selbstverständlich. Aber auch das im Frieden den Verbündeten gegebene Versprechen, dem deutschen Westheere auf die Dauer von sechs bis sieben Wochen Rückenfreiheit zu sichern, spielte in die Erwägungen der öst.-ung. Heeresleitung hinein. Die Erfüllung dieses Versprechens war durch die Fortführung des Kampfes im Raume von Lemberg viel besser gewährleistet als durch den ungesäumten Rückzug hinter den San.

Das Schicksal Lembergs allerdings sollte besiegelt sein, ehe die

4. Armee dazukam, ihr Schwert in die Waagschale zu werfen. Den Anstoß hiezu gab in der Nacht zum 2. September ein Zufallsereignis nördlich von Lemberg. Hier hatte sich noch bis zum Abend die Gruppe Daempf erfolgreich gegen einen offenbar überlegenen Feind behauptet. Da brach in der Dunkelheit bei der ungarischen 97. LstlBrig. eine Panik aus, die sich bald auch auf die 23. HID. übertrug und unter den üblichen Erscheinungen, wie gegenseitiges Anschießen, Auflösung der Ordnung usw. zum nächtlichen Rückzug beider Heeresteile gegen Lemberg führte. Nur mit Mühe konnten sie am anderen Morgen vor den Toren der Stadt aufgehalten, gesammelt und durch die ersten eben eingetroffenen Bataillone der 4. MaBrig. auf genommen werden. In der gleichen Nacht wich, südlich von Żółkiew durch die Russen überfallen, die 11. HKD. in einem Zuge bis Janów. Da außerdem Meldungen über das Vorbrechen einer starken russi-

*) Orte am San.

sehen Kolonne in das Waldgebiet nordwestlich von Lemberg eintrafen, war der Abwehrplan der 3. Armee im Norden zusammengebrochen.

Nicht wesentlich besser stand es im Süden, da das VII. Korps meldete, die vom XII. zurückgelassene Lücke nicht vor dem 3. September ausfüllen zu können und auch dies nur, wenn der Feind nicht drücke. Zu alldem sagte sich GdK. Brudermann, daß die 4. Armee nicht vor Ablauf von sechs Tagen wirksam werden könne. Während dieser verhältnismäßig langen Spanne Zeit die örtlich nur durch Erdwälle geschützte Hauptstadt Galiziens mit immerhin sehr ruhebedürftigen Truppen behaupten zu können, schien dem Armeeführer ein Beginnen zu sein, das sehr leicht zum schwersten Übel der ohnehin hart geprüften Armee ausschlagen konnte. So schlug denn GdK. Brudermann am 2. vormittags dem AOK. vor, seine Armee „hinter die Wereszyca (mit starken Kräften am nördlichen Flügel) zu führen, dort ihre Widerstandskraft erneut zu stählen, um dann bei der Hauptentscheidung wieder mit ihr als entsprechendem Faktor rechnen zu können“.

Nach kurzer Überlegung, wenn auch „schweren Herzens“, stimmte das AOK. eine Stunde später der Preisgabe Lembergs und dem Rückzüge der 3. Armee hinter die Wereszyca zu. Seine Kenntnis über die Lage und die Absichten der feindlichen Ostarmeen ließ viel zu wünschen übrig. Zumal darüber, ob die russische 3. Armee den nach Süden gerufenen Korps Auffenbergs im Angriffe begegnen oder bloß in einer Abwehrstellung auf den Höhen bei Żółkiew entgegentreten würde, ließ sich aus den Nachrichten nur ein schwankendes Urteil gewinnen. Gewiß war es nach der Anschauung Conrads wahrscheinlicher, daß der Feind die Teichlinie der Wereszyca zu umgehen versuchen werde, statt an sie frontal anzurennen. Wie sich die Dinge in Wirklichkeit auch gestalten mochten — soweit die 3. Armee in Frage kam, so mochte selbst die Meldung Brudermanns, daß die 3. Armee sich nach zwei oder drei Tagen Kampf noch weiter werde zurückziehen müssen, im Hauptquartier nicht allzu entmutigend zu wirken. Umso entscheidender konnten sich in einem solchen Falle Auffenberg und zugleich von Süden her die 2. Armee zur Geltung bringen1).

Entsprechend diesen Erwägungen stellte Conrad der 4. Armee am 3. September in Aussicht, daß sie voraussichtlich von Bełżec—Uhnów in geradeaus südlicher Richtung, also auf Nieinirów und Magierów, werde vorzustoßen haben; allerdings könne ein weiteres Zurückweichen der

3. Armee auch eine mehr südwestlich gehaltene Richtung erfordern.

Die 2. Armee glaubte das AOK. nicht so weit abgetrennt im Osten stehen lassen zu dürfen. Sie wurde vielmehr angewiesen, ihre Kräfte weiter westlich im Raume Drohobycz—Komárno zusammenzuziehen und hier sowohl das Karpathenvorland gegen Osten zu sperren wie auch für einen Flankenstoß zugunsten der 3. Armee bereit zu sein. Hielt diese nicht an der Wereszyca, sondern erst weiter westlich, dann sollte auch die

2. Armee ihre Versammlung gegen Sambor zurückverlegen, von wo aus sie gegebenenfalls mit dem inzwischen schon einlangenden IV. Korps westlich der großen Sumpfzone „Wielkie Błoto“ gegen Rudki vorstoßen konnte.

Mit der Räumung Lembergs durch die k. u. k. Truppen, deren letzte der Stadt am 2. September nachmittags den Rücken gekehrt hatten, trat der erste große Feldzug im Nordosten in seine zweite, nun die Entscheidung bringende Phase ein.

Wenn die zur Fortführung des Kampfes verfügte Neugruppierung der öst.-ung. Streitkräfte bis zur Stunde fast ohne Störung durch den Feind vollzogen werden konnte, so hatte dies nicht zuletzt seine Ursache darin, daß es geraume Zeit dauerte, ehe die Russen sich des an der Gniła Lipa errungenen Erfolges bewußt wurden. Als sich die Armeen Brussilows und Rußkis am 31. August früh aus den am Vortage erkämpften Stellungen erhoben, taten sie es in der sicheren Erwartung neuer schwerer Zusammenstöße mit dem Verstärkungen unbekannter Größe heranführenden Gegner. In der Tat berichten die russischen Befehlsstellen jener Zeit über harte Kämpfe, die das VII. und das XII. Korps Brussilows am 31. zu bestehen gehabt hatten1). Es konnte sich hier auf öst.-ung. Seite wohl nur um den Widerstand beherzter Nachhuten gehandelt haben. Jedenfalls kamen die genannten russischen Korps am Abend nicht über den Świrzbach hinaus, während das VIII. Korps Brussilows noch südöstlich von Rohatyn und das XXIV. vor Halicz abblieben. Tags darauf erreichten die Korps des ersten Treffens die von Bobrka nach Süden führende Tiefenlinie.

Von der russischen 3. Armee fühlten am 31. August das X. und das

IX. Korps südlich, das XI. nördlich der großen Straße sehr behutsam gegen Lemberg vor, wobei es zu den schon erwähnten Nachhutkämpfen mit dem k. u. k. III. Korps kam. Am 1. September schoben sich die Russen bis in die Höhe von Jaryczów-Nowy und Gaje vor. Im Nordosten von Lemberg waren zwei Divisionen des russischen XXI. Korps gegen Mosty Wielkie und Turynka entsandt. Die dritte Division dieses Korps war jener Feind, den sich die öst.-ung. Gruppe Daempf auf den Höhen östlich

1) La grande guerre, 183.

von Żółkiew so lange vom Leibe hielt, bis die Verwirrung in der Nacht auf den 2. dem Widerstand ein jähes Ende bereitete.

Inzwischen war den Russen allmählich aufgedämmert, welchen Erfolg sie in den letzten Augusttagen östlich von Lemberg errungen hatten; neben vielen Tausenden von Gefangenen zählten die beiden Ostarmeen 114 Beutegeschütze — sichere Zeichen für die schwere Erschütterung, von der der Gegner heimgesucht worden war. Die Stawka war solcher Freudenbotschaft aber auch in hohem Maße bedürftig. Denn es waren fast nur Unglücksnachrichten gewesen, die sie in den letzten Tagen ereilt hatten (siehe Skizze 10): die niederschmetternde Hiobspost über den Untergang der 2. Armee bei Tannenberg, die Meldungen über die Einnahme von Krasnostaw durch das k. u. k. X. Korps, aus denen die fortdauernde schwere Bedrohung Lublins herauszulesen war, die Flucht Plehwes und seine Berichte, die über die größte Gefährdung der 5. Armee keinen Zweifel übrig lassen konnten. Dazu kamen die fortdauernden Hilferufe der Alliierten im Westen, Hilferufe, die dem großen Deutschenhasser Nikolai Nikolajewitsch just in dieser Stunde besonders schwer aufs Herz fielen, da er abermals Maßnahmen treffen mußte, die die Erfüllung der französischen Wünsche noch mehr als bisher binauszuschieben schienen. Denn hatte Dankls unausgesetzter Druck auf Lublin vor einigen Tagen den Einsatz der als Vorhut für den Westmarsch gedachten 9. Armee bei Iwangorod nötig gemacht, so zwang jetzt das Unglück von Tannenberg, neben dem zuerst für Ewert bestimmten XXII. Korps der Petersburger Armee noch die gleichfalls schon für den Westmarsch ausersehene ganze 10. Armee (III. sib., I. turk., II. kauk. Korps) auf der Fahrt nach Warschau gegen den unteren Narew abzulenken. An den zwei Fronten mit allen Kräften gebunden, sah der Generalissimus das einzige Mittel, seine Versprechungen Frankreich gegenüber in absehbarer Zeit zu erfüllen, nur mehr in einem vollen Sieg über ÖsterreichUngarn. In diesem Sinne wies er Iwanow, der seinen Standort von Rowno nach Luków verlegen mußte, am 31. August an, sofort, „koste es was es wolle“, die allgemeine Offensive an der ganzen Südwestfront zu ergreifen1). W'elch große Bedeutung das Gelingen dieses Generalangriffes für die ganze weitere Kriegführung hatte, mochte Iwanow aus einer ihm zugekommenen Erläuterung erkennen. Im Zusammenhang mit der infolge Tannenberg erwogenen Räumung Polens bis Bjelostok und Brest-Litowsk ließ der Großfürst den Oberbefehlshaber seines Südwestheeres wissen, „daß man im Falle der absoluten Unmöglichkeit in den nächsten

1J La grande guerre, 184 ff. — Z i c h o w i t s c h, 56.

Tagen gegen die Österreicher einen entscheidenden Erfolg zu erringen, den Armeen im Südwesten einen weitreichenden Rückzug werde vorschreiben müssen“.

Wie sehr der Großfürst auch nach Ausgabe des neuen Angriffsbefehles an Iwanow noch mit der Möglichkeit eines allgemeinen Rückzuges rechnete, zeigte sich bei den Besprechungen, die er am 2. September in Bjelostok mit dem Oberbefehlshaber der Nordwestfront, Gen. Schilinski, über die nach Tannenberg notwendig gewordenen Maßnahmen abhielt. Es wurde als Glücksfall bezeichnet, wenn sich die Armeen der Nordwestfront an der Njemen-Bobr-Narew-Linie so lange halten könnten, bis es möglich wäre, die 4. und 9. Armee im Anschluß an die schon weichende

5. in den Raum Siedlec—Łuków—Włodawa zurückzunehmen. Erst der Abmarsch des deutschen Ostheeres gegen Rennenkampf ließ die Russen wieder aufatmen, wozu noch die Meldungen über die Gewinnung von Lemberg und Halicz kamen. Nun konnte nicht nur der Generalsturm gegen Österreich-Ungarn losbrechen, sondern auch der Aufbau neuer Heere gegenüber Ostpreußen und um Warschau in Angriff genommen werden 1).

Den Wünschen des Großfürsten hätte es hiebei allem Anschein nach am besten entsprochen, wenn Iwanow seine Armeen, so wie sie standen, zum konzentrischen Vormarsch gegen das öst.-ung. Nordheer aufgerufen hätte. Dies ist schon aus seinen Anordnungen nach der Schlacht bei Złoczów herauszulesen. Ein solcher konzentrischer Vormarsch, der den Gegner nach Möglichkeit auch von seinen Verbindungen gegen Westen abschnitt, verhieß dem Generalissimus den größten Erfolg. Im Gegensatz hiezu glaubte der Befehlshaber der Südwestfront, wie sich gleichfalls schon am 28. August gezeigt hatte, den allgemeinen Angriff nicht ansetzen zu können, ohne seinem nach wie vor hart bedrängten rechten Flügel auch aus Ostgalizien unmittelbare Entlastung zuzuführen. Schon die damals verfügte Streckung der 3. Armee gegen Norden hin sollte diesem Zwecke dienen. Die späteren Nachrichten über die Ereignisse bei Tomaszów und Krasnostaw ließen den Gen. Iwanow jene Notwendigkeit noch stärker empfinden. Er verfügte am 1. September (siehe Beilage 11), daß dem in den Raum nordöstlich von Żółkiew entsandten XXI. Korps nun auch das XI. und überdies das der 8. Armee gehörige XII. zu folgen habe, welch letztgenanntes allerdings erst um den 5. nördlich von Lemberg eintreffen konnte. Drei Korps, das IX., X. und VII.,hatten sich gegen Lemberg vorzuarbeiten und dieses am 4. September anzugreifen. Der nur mehr aus dem VIII. und dem XXIV. Korps

!) La grande guerre, 197 ff. — Z i c h o w i t s c h, 58 ff.

I 2. Aufl.    17

bestehenden S. Armee blieb der Flankenschutz gegen Mikołajów und den Dniester überlassen.

Als dann schließlich im Laufe des 2. die Niederlage Plehwes offenkundig wurde, ging Iwanow noch weiter; er war bereit, zunächst auf die Besitznahme Lembergs zu verzichten, um dadurch weitere Kräfte zur Unterstützung seines rechten Flügels freizubekommen. „In der jetzigen Minute,“ erörterte er seinen Unterführern, „hängt das Schicksal der ersten Feldzugsperiode nicht von unseren Operationen gegen Lemberg und den Dniester ab, sondern vom Ausgange der Schlacht bei Lublin, Cholm und Hrubieszów. Jedes freigemachte Korps, das in diesen Raum herangezogen werden kann, vergrößert unsere Erfolgsmöglichkeiten. Selbst die Gewinnung Lembergs macht einen Mißerfolg im Norden nicht wett. Es ergibt sich eine schwere Lage. Diese zwingt uns sogar, auf Lemberg zu verzichten.“

Bei solcher Enthaltsamkeit glaubte Iwanow, die ganze 3. Armee in den Raum östlich von Rawa Ruska abziehen zu dürfen, indes die 8. Armee die Sicherung in der Linie Rawa Ruska—Żółkiew und die Deckung gegen Lemberg und den Dniester übernehmen sollte1). Erfolgten schon diese Anordnungen mit dem Gedanken, die stürmischen Bedränger von Lublin, Krasnostaw und Cholm durch eine konzentrische Offensive der 9., 4., 5. und 3. Armee abzuschütteln, so gelangte Iwanows Plan zur vollen Reife, als kurz nach dem Erlassen der betreffenden Befehle die Meldung eintraf, daß die 42. ID. des IX. Korps Lemberg bei Morgendämmerung vom Gegner frei gefunden habe. Wohl versuchte der Großfürst-Oberfeldherr, als er dieses Ereignis einige Stunden später erfuhr, Iwanow zur Abgabe einiger Korps an die ostpreußische Front zu bewegen. Der Kommandierende der Südwestfront beharrte jedoch auf der Meinung, daß zuerst auch der linke Flügel des öst.-ung. Heeres erledigt werden müsse. Diesem Ziele hatte ein allgemeiner Angriff der eben genannten vier Armeen (der 9., 4., 5. und 3.) gegen die Linie Józefów—Biłgoraj— Jaroslau zu dienen, wobei der Angriff gegen Biłgoraj—Jaroslau bei entsprechender Sicherung gegen Przemyśl der im Raum nördlich von Lemberg manövrierenden 3. Armee zugewiesen wurde, indes die drei anderen Armeen den Gegner ober- und unterhalb der Sanmündung über die Weichsel gegen Westen zurückzudrängen hatten. Die 8. Armee sollte die ganze Operation gegen Süden decken, hiezu sich am Dniester festsetzen, wo ihr nun der Gegner auch den Brückenkopf von Halicz überlassen hatte, und die Karpathenübergänge südöstlich von Drohobycz sowie den Raum um Lemberg bewachen.

1/ Z i c h o w i t s c h, 181.

Verlegung des Schwergewichtes der öst.-ung. Operationen gegen Lemberg

(Die erste Septemberwoche)

Beginn der russischen Gegenoffensive bei Lublin Hiezu Skizzen 10 und 11

Bei der k.u.k. 1. Armee hatte sich am 2. September früh der nordwestlich von Krasnostaw stehende rechte Flügel angeschickt, den Stoß auf Lublin fortzuführen. Das X. Korps griff aus der Front Fajsławice— Krzczonów beiderseits der nach Lublin ziehenden großen Straße an; die durch Abteilungen der 33. ID. verstärkte 37. HID. hatte sich gegen die Höhen von Chmiel dem Angriff anzuschließen. Aber auch die Russen gegenüber hatten nicht erst auf Iwanows Befehl zur allgemeinen Offensive gewartet. Die Lage war hier so bedrohlich geworden, daß Ewert gleichfalls schon am 2. September den Führer der Grenadiere, Gen. Mrozowski, aus dem Raum südlich von Biskupice mit zum Teil schon eingesetzten, zum Teil eben ausgeladenen Truppen — einer Brigade des III. kauk.Korps, der 2. GrenD., der Masse der l.GID. und vermutlich auch der 82. RD., zusammen einer Streitmacht von über 60 Bataillonen — zum Gegenangriff vorschickte.

Der wuchtige russische Stoß traf zunächst den gegen Trawniki vordringenden rechten Flügel der 24. ID., die sich bald auch durch feindliche bei Łopiennik Russki auf das westliche Wieprzufer übergegangene Abteilungen im Rücken bedroht sah. Auch die 2. ID. wurde von den Russen hart gefaßt. Wohl brachten ihr ihre Reserven und das Eingreifen der

37. HID. so viel Entlastung, daß sie noch zum Angriff schreiten konnte. Aber ein russischer Gegenstoß gegen ihre Westflanke nötigte sie sehr bald zur Preisgabe ihres geringen Raumgewinnes. Da die von Tarnogóra heranbeorderte 45. SchD. noch nicht zur Stelle war, nahm GdI. Hugo v. Meixner seine von den elftägigen Kämpfen stark ermüdeten Truppen auf Łopiennik Russki und Izdebno zurück, hoffend, daß es ihm am nächsten Tage mit Hilfe der Schützen gelingen werde, neuerlich anzugreifen.

Das 1. Armeekmdo. stimmte zwar zu, doch ließ es, da es auf Grund verschiedener Nachrichten den Feind südlich von Biskupice nur auf eine Reservedivision schätzte und dessen Stellungen hier für die verhältnismäßig schwächsten vor der ganzen Armeefront hielt, das X. und V. Korps wissen, daß die Entscheidung nach wie vor in diesem Raume am ehesten zu erkämpfen sein werde. Die in Gewaltmärschen vom linken zum rechten Armeeflügel verschobene 3.KD. wurde dem X. Korpskmdo. zum Flankenschutz gegen Osten unterstellt.

Das V. Korpskmdo. ging sofort verständnisvoll auf die Anregungen des Armeeführers ein. Es beließ in der bisherigen Stellung der 14. ID. nur die 27. Brig., in jener der 33. ID. gar bloß drei Bataillone, um am rechten Flügel bei der 37. HID. insgesamt 32 Bataillone und 18 Batterien zum Angriff gegen Piaski zusammenzuziehen. Aber der Nachtmarsch ermüdete die Truppen und strömender Regen durchweichte den Boden des Angriffsgeländes. Die westungarischen Regimenter des FZM. Puhallo wurden von den inneren Flügeln des russischen XVI. Korps und der Grenadiere in starken, dicht besetzten Stellungen empfangen und blieben vor ihnen liegen.

Gegen das X. Korps setzte die russische Gruppe Mrozowski am

3. September ihre Vorrückung fort. Als die ersten grünbraunen Angriffswellen in den Wald westlich Łopiennik Russki eindrangen, wurden sie von der 24. ID. und der 10. MaBrig. wieder hinausgeworfen. Unter dem Eindrücke dieses erfolgverheißenden Anfanges und in der Erwartung einer raumgreifenden Vorbewegung seines linken Nachbarn setzte GdI. Meixner um 9h45 vorm. sein ganzes Korps zur Verfolgung in der Richtung auf Piaski an. Doch die 10. MaBrig. kam schon mittags infolge eines russischen Flankenstoßes ins Wanken und wich zurück. Die 24. ID. wurde durch neue feindliche Truppen bald wieder zur Abwehr genötigt; die 2. ID. blickte besorgt in die von der 3. KD. nur unvollkommen gesperrte Lücke zwischen V. und X. Korps, gegen die auch bald russische Schützenlinien vorrückten, und blieb überhaupt stehen. Nur der am Vorabend bei Łopiennik Russki eingelangten 45. SchD., die zwischen Wieprz undLubliner Chaussee vorrückte, war ein bescheidener Raumgewinn beschert. Um der stockenden Angriffsbewegung neuen Impuls zu verleihen, wollte das X. Korpskmdo. auch die bei Krasnostaw belassene Rückensicherung der

45. SchD. (SchR. Nr. 18 und zwei Batterien) heranziehen, obwohl die angestrebte Verbindung mit dem vom II. Korps zurückgelassenen, angeblich von Zamość auf Krasnostaw dirigierten Detachement Obst. Herzmansky der 4. ID. (IR. Nr. 99 und eine Batterie) noch nicht hergestellt war. Da traf gegen Mittag beim X. Korpskmdo. die hochbedeutsame Meldung der bei Krasnostaw verbliebenen Schützen ein, daß gegen die am Vortag von den Russen wieder geräumte Stadt von Norden her eine feindliche Division anrücke. Bald darauf drückten neue russische Angriffe die 45. SchD.

und die 24. ID. nach Łopiennik Russki zurück. Die 2. ID. hingegen vermochte ihre Stellungen zu behaupten. Die 10. MaBrig. kam als Reserve hinter die Korpsmitte.

GdI. v. Meixner entsprach einer Anregung des Armeekmdos., als er im Hinblick auf schwere Flanken- und Rückenbedrohung für den 4. September sein Korps in die Linie Gorzków—Izdebno zurückbefahl. Das Armeekmdo. stand nunmehr unter dem Eindruck eines überlegenen russischen Angriffes, der von Lublin aus in südöstlicher Richtung geführt zu werden schien. Diesem Angriff mit den ermüdeten und zusammengeschmolzenen Regimentern offensiv entgegenzutreten, war zunächst aussichtslos. Wohl aber mußten das V. und das X. Korps alles daran setzen, den Feind „um jeden Preis“ aufzuhalten. Deshalb hatte auch die 3. KD., der der Schutz der Ostflanke zugedacht war, so lange in der Lücke zwischen den beiden Korps zu bleiben, bis sie durch die 36. LstlBrig. des V. Korps abgelöst war. Allerdings erhöhte sich dadurch die Besorgnis um die Ostflanke um so mehr, als auch das bei Krasnostaw erwartete Detachement Obst. Herzmansky nicht einlangte. Dieses war vom II. Korps in den Raum östlich von Zamość nachgezogen worden und konnte, auf Betreiben des 1. Armeekmdos. zurückgesandt, erst am 4. September vormittags nach ermüdendem Nachtmarsche den Wieprz südlich von Tarnogóra gewinnen.

Um Kräfte zu binden, hatten die Russen am 2. September auch gegen den Westflügel der Armee Dankls einen Vorstoß unternommen, zu dem der über den Chodelbach vorspringende Stellungsteil der Gruppe Kummer einlud. Sie holten sich bei der 100. LstlBrig. blutige Abfuhr53). Ermutigt durch diesen Abwehrerfolg, äußerte GdI. Kummer die Absicht, am anderen Tage zum allgemeinen Angriff überzugehen. GdK. Dankl winkte aber ab, da er den Übergang des Landwehrkorps Wovrsch nicht durch einen etwaigen Rückschlag gefährdet wissen wollte. Tatsächlich zwang der Russe schon in der Nacht die beiden ungarischen Landsturminfanteriebrigaden Nr. 100 und 101 doch zur Räumung der über den Chodelbach vorspringenden Stellung. Schon vorher war die preußische Landwehr angewiesen worden, nicht bei Solec, sondern weiter südlich, bei Józefów überzugehen. Gedeckt durch die Gruppe FML.Tertain (110. LstlBrig. und 20. KBrig.) gewann die preußisch-schlesische 4. LD. am 3., die 3. LD. am 4. September das östliche Weichselufer.

Mitte und Ostflügel der österreichisch -ungarischen Front um den 3.September

Zum Zurückschwenken des rechten Flügels war die 1. Armee auch durch die Lage genötigt gewesen, mit der vom 3. September an östlich des Wieprz gerechnet werden mußte. Dort hatte Auffenberg die Masse seiner Armee in den letzten vierundzwanzig Stunden um 180 Grad gewendet. Er stand am Abend des eben genannten Tages mit dem IX., VI. und XVII. Korps Front gegen Süden, in der Linie Tomaszów—Korczmin versammelt, um gemäß dem Befehl der Heeresleitung in der Richtung Niemirów—Magierów, vielleicht auch etwas weiter südwestlich, gegen die Flanke eines die 3.Armee verfolgendenFeindes vorzustoßen. FML.Kuczera wehrte mit neun Marschbataillonen an der Solokija den Russen den Einblick. Im Rücken der 4. Armee wurde die schließlich aus vier Infanterie-und zwei Kavalleriedivisionen bestehende Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand belassen — XIV. Korps mit 3. und 8. ID., II. mit 4. ID. und 13. SchD., 2. und 9. KD.—die am 2. September nachmittags angewiesen worden war, die geschlagene russische 5. Armee zu verfolgen und über den Bug zu werfen und in weiterer Folge den Rücken der 4. Armee sowie die Ostflanke der 1. zu decken. Da der Feind laut den Meldungen der gegen Krylów auf klärenden 2. KD. am 3. September in diesem Raume bereits über den Bug zurückgegangen war, konnte der Erzherzog seinen Korps in ihren Lagern beiderseits der Huczwa für vierundzwanzig Stunden eine ihnen so nötige Atempause gönnen. Dafür kamen Nachrichten über den Anmarsch je einer feindlichen Division südlich von Hrubieszów und bei Grabowiec. Der Erzherzog gedachte, die zwei gemeldeten Divisionen der Reihe nach — zuerst die östliche, dann die westliche—zurückzuschlagen.

Für die weitere Operation Auffenbergs war entscheidend, wo und in welcher Verfassung die k. u. k. 3. Armee zum Stehen kam. Die Meldungen, die am 3. September bei der Heeresleitung in Przemyśl einlangten, lauteten wesentlich ermutigender als an den Vortagen. Selbst das am härtesten mitgenommene XII. Korps mochte „immerhin befähigt“ sein, „einigen Widerstand zu leisten“1). Alle Truppen der Armee überschritten die Wereszyca nach Westen, ohne durch den Feind irgendwie gestört zu werden. In gleicher Weise konnte die 2. Armee dem Raume Sambor—Drohobycz zustreben, aus dem sie, wenn die 3. Armee nicht weiter gegen Westen wich, zum Teil über die unterste Wereszyca, zum Teil beiderseits der Straße Mikołajów—Lemberg vorstoßen sollte. Nur

im Dniestergebiet stand man mit dem Feinde noch in engerer Fühlung. Im Lemberger Bereich war diese fast ganz verloren gegangen1). Auch über die Stärke der im Karpathenvorlande vordringenden Russen vermochte man kein annähernd verläßliches Bild zu gewinnen. Immerhin hielt Conrad am 3. September und auch noch am 4. vormittags einen russischen Durchbruch an der Jaworówer Straße für möglich. Er war damit einverstanden, daß die 3. Armee am 4. September zwischen Gródek und Jaworów eine im großen gegen Nordosten gerichtete Front bezog und schärfte ihr noch ein, den linken Flügel möglichst stark zu halten. Ebenso legte er Wert darauf, daß das VII. Korps der 2. Armee möglichst rasch bei Komárno an den Südflügel des XII. Korps anschließe und so die Behauptung der Wereszyca gegen einen hier nachdrängenden Feind gewährleiste 2). Dabei sollten allerdings das XII. und das VII. Korps jederzeit bereit sein, die Offensive über die Wereszyca hinweg zu ergreifen.

Durch das Zurückweichen der Armeen gegen Westen war die Karpathenfront bloßgelegt worden. Um sie zu schützen, sperrte das mit ihrer Sicherung betraute Militärkommando Lemberg, rückverlegtnachMunkacs, die Gebirgsübergänge durch Heeresmarschbataillone und zwei ungarische Landsturmetappenbrigaden. Die auf dem Rückmarsch von Czernowitz am

4. September in Delatyn einlangende 35.LstIBrig. stellte sich für einen Stoß gegen die im Vormarsch auf Stanislau gemeldeten russischen Kräfte bereit. Der Gendarmerieobstlt. Fischer organisierte mit Hilfe seiner wackeren Gendarmen in der mittleren und südlichen Bukowina die Landesverteidigung.

Während so die öst.-ung. Heeresleitung eine neue Schlachtordnung aufbaute, war die Aufmarschbewegung der k. u. k. Wehrmacht im Verebben begriffen. Der Friedensverkehr war in der Heimat zum Teil wohl schon am 18. August, fast ganz aber am 31. wieder aufgenommen worden. Die Transporte waren nichtsdestoweniger in unverminderter Dichte weitergerollt. Die Lücke, die durch das Abbleiben der 29. ID. und das vorübergehende Zurückhalten des IV. Korps an der Save im einheitlichen Fluß der Massentransporte entstanden war, wurde zum Nachschub der noch verwendungsbereiten Marsch- und Landsturmtruppen, von Munitionskolonnen, Korpsverpflegsmagazinen und Feldspitälern verwendet; es war dies die sogenannte „C-Staffel“. Ende August hatten sich die Magazine der Heimat an Schießbedarf bis auf kaum mehr als ein Dutzend Munitionszüge entblößt; Grund genug, die Nacherzeugung aufs eifrigste zu betreiben. An Mannschaftsersatz standen, vorn 1. September an, 200 „zweite“ Marschbataillone von Heer und Honvéd und die „ersten“ Marschbataillone der österr. Landwehr fahrbereit. Sie sollten sich ohne Atempause den noch rollenden Transporten anschließen.

Besondere Reibungen brachte in den Bahnverkehr bis weit in die Heimat zurück die anfangs teilweise überstürzte Räumung Ostgaliziens mit all ihren Folgen: Verlust von etwa 100 Lokomotiven und 15.000 Wagen, Ansturm der Flüchtlinge, Verstopfung

*) P i t r e i c h, 91.

2) Conrad, IV, 632, 637.

der Bahnhöfe mit Bergungsgütem, Rückverlegung der Ausladung, Verlegung der zum Verlassen ihrer ostgalizischen Standorte genötigten Feldeisenbahnbehörden. Dazu trat die überwältigende Aufgabe des Verwundetenabtransportes, deren Größe und Umfang niemand vorausgesehen hatte; so mußten im ersten Monatsdrittel September täglich bis zu 22.000 Verwundete zurückgebracht werden. Die mächtige Überlastung der Bahnen, die solcherart in weitem Umkreis um die Armeen eintrat, bekam das von der Heeresleitung mit Sehnsucht erwartete IV. Korps bei seinem Anrollen vom Südosten zu fühlen. Es wurde am 4. und 5. September 30 Stunden und länger bei Mezölaborcz aufgehalten. Den unter der Gewalt der Ereignisse entstandenen Knäuel im Verkehrswesen zu lösen, gehörte zu den schwierigsten Pflichten, die im Laufe des Weltkrieges an die militärischen und zivilen Eisenbahnbehörden des Donaureiches herantraten. Es konnte ohne vorübergehende Drosselung des Nachschubes nicht abgehen.

Die gleichzeitigen Maßnahmen der Russen

Als das öst.-ung. AOK. am 3. September nachmittags und abends die eben angeführten Maßnahmen zur Formung einer neuen Schlachtordnung westlich und nordwestlich von Lemberg traf, konnte es nicht ahnen, daß in den gleichen Stunden der Oberbefehlshaber der russischen Südwestfront, Gen. Iwanow, im Sinne der in den letzten Tagen gefaßten Entschlüsse Weisungen erließ, die nichts Geringeres bedeuteten als die Absicht, die öst.-ung. 2. und 3. Armee buchstäblich links liegen zu lassen und alle Kraft zur Niederwerfung des öst.-ung. Westflügels zusammenzuraffen. Demzufolge wurde der Befehlshaber der 9. Armee, Gen. Let-schitzki, dem vom 4. September an außer den am westlichen Weichselufer befindlichen Truppen noch das XVIII. und das XIV. Korps und die Gardeschützenbrigade unterstellt wurden, beauftragt, den Gegner im Raume zwischen Weichsel und Bystrzyca in südwestlicher Richtung auf Józefów zurückzuwerfen. Die jetzt aus dem XVI. Korps, der Garde, den Grenadieren und dem III. kauk. Korps bestehende 4. Armee, Gen. Ewert, hatte unter Ausnützung der in den letzten Tagen errungenen Erfolge zwischen Bychawa und dem oberen Porbach auf Kraśnik vorzudringen. Die 5. Armee wurde angewiesen, an der Linie Krasnostaw— Hrubieszów ihren Rückzug einzustellen, umzukehren und links der

4. Armee die Linie Turobin—Krasnobród zu gewinnen. Der Angriffsbeginn war bei den drei Armeen für den 4. September angesetzt. Die 3. Armee, deren linker Flügel, IX., X. und XII. Korps, am 3. September um Lemberg hielt, indes sich der rechte Flügel, XXI. und XI. Korps, gegen Mosty Wielkie nordwärts schob, bekam den Befehl, die den Truppen Plehwes gegenüberstehenden gegnerischen Streitkräfte von Südosten her anzufallen und zu schlagen. Dazu hatte, bei noch weiterem Ausgreifen des rechten Flügels, die Armee am 5. die Linie Waręż—Bełz—Dobrosin— Janów, am 6. Uhnów und Rawa Ruska, am 7. Tomaszów und Niemirów zu gewinnen. Gegenüber der 3. und der 2. Armee des Gegners beließen die Russen bloß ihre 8., von deren drei Korps das VIII. Mikołajów zu nehmen, das VII. gegen die Wereszyca zu sichern, das XXIV. von Halicz gegen Mikołajów nachzurücken hatte1). Da sich die zur Sicherung des Karpathenvorlandes bestimmten Kräfte des Gen. Arjutinow, Teile der

12. ID. und die 71. RD., erst bei Sadagóra in der Bukowina sammelten, wurden zwei Kosakendivisionen unter Gen. Pawlow in der Gegend von Halicz auf das Südufer des Dniester gesetzt, um Strvj zu nehmen und gegen die Pässe vorzufühlen.

Dankls Gegenwehr vor Lublin (4. bis 6. September

Hiezu Skizzen 11 und 12

Entsprechend dem russischen Angriffsbefehl entbrannte zunächst der Kampf am Westflügel der in weitem Bogen von der Weichsel bis in die Karpathen gespannten Schlachtfront, um erst allmählich gegen Südosten überzugreifen. Als am 4. September die Russen gegen die k. u. k. 1.Armee neuerlich Sturm zu laufen begannen, hatte sich diese mit 13 Infanteriedivisionen, 2 Kavalleriedivisionen und 5 selbständigen Landsturmbrigaden gegen zweieinhalb russische Armeen mit zusammen 22 Infanterie- und 6^/2 Kavalleriedivisionen zu behaupten, da sich den Truppen Letschitzkis und Ewerts auch die zwei rechten Korps Plehwes anschlossen.

Am westlichen Weichselufer fühlte das Reiterkorps Nowikow— 14. und 8. KD., i'o?5. RD. und Teile der 18.ID. —gegen die untere Kamienna und die dort stehende, durch die preuß. 18. LIBrig. verstärkte Gruppe FML. Tertain vor. Am Chodelbach drängte das russische XVIII. Korps die letzten gegnerischen Posten auf das Südufer zurück. Weiter östlich veranlaßten heftige, wenn auch erfolglose Angriffe des russischen XIV. gegen das k. u. k. I. Korps ein näheres Herannehmen der k. k. 1. LstlBrig. Jenseits der Bystrzyca hatte sich das Korps Puhallo der überlegenen Angriffe des russischen XVI. Korps und von Teilen der Garde und der Grenadiere zu erwehren, was dank der Zersplitterung des feindlichen Angriffes und dem verständnisvollen Zusammenwirken der eigenen

La grande guerre, 250. — Z i c h o w i t s c h. 186 und 191.

Abteilungen gelang J). Die 36. LstlBrig. wurde an Stelle der zum X. Korps abrückenden 3. KD. am rechten Flügel Puhallos eingesetzt.

Gegenüber dem rechten Armeeflügel Dankls war den Russen das am 4. zeitlich früh einsetzende Zurückschwenken des X. Korps in die Linie Gorzków—Izdebno nicht entgangen. Sie stürmten mit Verfolgungsabteilungen nach, brachten nicht rechtzeitig abmarschierte Troßteile der

45. SchD. in Unordnung und erschwerten auch der Division das Einrücken in die neue Stellung erheblich, wobei offenbar auch Teile des südlich von Krasnostaw über den Wieprz greifenden XXV. Korps der

5. Armee mitwirkten2). Dagegen konnten sich die 24. und die 2. ID. ohne Störung durch den Feind zu neuem Widerstand stellen.

Nunmehr schickte aber um lh nachm. Gen. Ewert die Gruppe Mrozowski zum entscheidenden Stoß gegen die noch unfertigen Linien des k. u. k. X. Korps vor. Links von Mrozowski griff das XXV. Korps Plehwes ein, während das XIX. zur Vorrückung gegen Zamość angewiesen war. Die 2. ID., die die 10. MaBrig. zum Schutze der noch ungesicherten linken Flanke hinausschob, und die 24.ID. vermochten sich zu behaupten. Dagegen begann die 45. SchD. schon unter der zermürbenden Wirkung der russischen Artillerie abzubröckeln, woran auch das Eingreifen der von Wirkowice herangekommenen Gruppe Obst. Herzmansky nichts mehr zu ändern vermochte. Da sich auch das dem X. Korpskmdo. seit den Morgenstunden bekannte Ausgreifen des russischen XXV. Korps immer stärker fühlbar machte, sah sich GdI. Meixner gegen 5h nachm. veranlaßt, unter Sicherung gegen Osten durch das Detachement Herzmansky und durch die 3. KD. die Loslösung seines ganzen Korps einzuleiten.

Der Rückschlag beim X. Korps zerstörte die weiteren Pläne des

1. Armeekmdos., das bisher die Hoffnung nicht aufgegeben hatte, nach Eintreffen des deutschen Landwehrkorps und der angeforderten schweren Artillerie zum entscheidenden Angriff auf Lublin schreiten zu können. Im einzelnen war die Ablösung der 12. ID. und der 101. LstlBrig. durch das Landwehrkorps geplant gewesen, worauf die freigewordenen Truppen dem X. Korps hätten zugeführt werden sollen. Die Hiobsbotschaft vom Rückzuge des X. Korps veranlaßte Dankl aber nunmehr, sein rechtes

Mjr. v. Klempa des k. u. k. IR. 26, der aus eigenem Entschluß ein ihm nicht unterstehendes Reservebataillon zum Gegenangriff vorführte und dadurch die Lage des V. Korps in entscheidender Weise festigte, erhielt für diese Tat das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

-j Oblt. Freudenseher des SchR. 34 betätigte sich hiebei mit seiner Maschinengewehrabteilung besonders erfolgreich, indem er schwer verwundet im Kampfe ausharrte. Er wurde hiefür mit dem Theresienkreuz ausgezeichnet.

Flügelkorps hinter den Por zurückzubefehlen, um es vor weiteren Erschütterungen zu bewahren. Der Ostflügel Puhallos mußte entsprechend abgebogen werden, während die übrige Armeefront ihre bisherige Stellung halten sollte. Dankl gab sich übrigens keiner Täuschung darüber hin, daß bald auch die Zurücknahme des Westflügels seiner Armee werde erfolgen müssen. Da er seine weitere Aufgabe darin sah, möglichst starke Feindkräfte auf sich zu ziehen, um sie vom Vorgehen in der Richtung Tomaszów abzuhalten, wollte er nur schrittweise Raum geben. Zur Erleichterung seiner Lage erbat er sich die Heranführung der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand gegen Zamość. Allerdings konnte der Erzherzog am 5. September erst im Raume Tyszowce—Miączyn (Skizze 12) eintreffen und war dann, wenn nicht überhaupt der Feind einen Strich durch die Rechnung machte, noch immer 50 km entfernt. Das Landwehrkorps sollte sich westlich von Kraśnik hinter dem Stróżkabach aufstellen, um gegebenenfalls den Westflügel der Armee aufnehmen zu können. Der Troß wurde in den Raum südlich der Linie Annopol—Goraj abgeschoben, die Brücken bei Józefów wurden abgebrochen.

Am 5. September früh mußte das zurückgehende X. Korps zunächst noch beiderseits der Żółkiewka Front machen, um den Trains einen Vorsprung zu sichern. Auch die weitere Rückbewegung fand unter zahlreichen Scharmützeln mit russischen Jagdkommandos statt. Auf völlig aufgeweichten Wegen wurde bis Einbruch der Dunkelheit das Südufer des Porbaches erreicht. Am Ostflügel hatte das Detachement Obst. Herz-mansky noch bis in die Nacht hinein zu tun, den Por-Gorajecwinkel vom Feinde zu säubern. Die Hauptkräfte des russischen XXV. Korps folgten nur langsam und erreichten abends die Linie Bzowiec—Żółkiewka. Sehr ernst wurde die Lage für die k. u. k. 1. Armee dadurch, daß zur gleichen Stunde das XIX. Korps Plehwes kampflos bis Zamość gelangte, womit es sich zwischen ihr und der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand eingeschoben hatte.

Auch der rechte Flügel des V. Korps, der den Rückmarschbefehl erst bei Morgengrauen erhalten hatte, vermochte die ihm aufgetragene Bewegung anfänglich nicht ohne Behinderung durch den Feind zu vollziehen. Hatte doch die 33. ID. noch einige Stunden zuvor einen russischen Nachtangriff durch kraftvollen Gegenstoß abwehren müssen! Schließlich aber hielten die feindlichen Garde- und Grenadierregimenter bei Gielczew an, so daß der rechte Flügel Puhallos seine neuen Stellungen ordnungsgemäß beziehen konnte. Sehr mißlich war, daß die am Drehpunkt des V. Korps belassene 27. IBrig. am 5. September vormittags ihre Stellung westlich von Bychawa heftigen russischen Anstürmen überlassen mußte. Um das Übergreifen der rückgängigen Bewegung auf den Westflügel noch hintanzuhalten, befahl GdK. Dankl die Wiedergewinnung des verlorenen Bodens, was unter Einsatz der schon zu festem Gefüge gelangten nieder- und oberösterreichischen 1. LstlBrig., der vom V. Korpskmdo. als Korpsreserve zurückgehaltenen 28. IBrig. und von Teilen der 33. ID. am gleichen und am folgenden Tage in heißem Ringen gelang.

Beim I. Korps war die 12. ID. noch in der Nacht zum 5. einem russischen Ansturm durch einen vom Artilleriebrigadier GM. v. Jordan-Rozwadowski angeregten und beeinflußten Vorstoß zuvorgekommen, bei dem 1600 Russen gefangengenommen wurden1).

Alarmierende Nachrichten kamen am 5. September vom Westufer der Weichsel. Dort warf das Kavalleriekorps Nowikow die Gruppe FML. Tertain, die in einem Zuge bis Sandomierz wich. GdK. Dankl schob sofort eine in Eile zusammengeraffte Gruppe öst.-ung. und deutscher Bataillone an den Weichsel abschnitt Józefów, konnte sie aber, nachdem die geringe Stärke Nowikows erkannt worden war, wieder zu den Divisionen einrücken lassen.

Der nächtliche Vorstoß der k. u. k. 12. ID. hatte laut Aussage von Gefangenen bei den zwei Korps Letschitzkis so viel Unordnung hervorgerufen, daß sie auch am 6. September dem Befehl ihres Armeeführers zu neuerlichem Angriff noch nicht Folge zu leisten vermochten. Dafür griff der Kampf um die Stellungen bei Bychawa auf die ganze Front des V. Korps über und führte an dessen rechtem Flügel, bei der 36. LstlBrig., sogar zu einer vorübergehenden Krisis, die nur durch das entschlossene Eingreifen der 2. ID. gebannt werden konnte. Die Masse des

X. Korps, dessen Regimenter sehr ermüdet und vielfach bis auf ein Drittel der ursprünglichen Stärke zusammengeschmolzen waren, wurde vom russischen XXV. Korps glücklicherweise nicht gedrängt, so daß sie sich ungestört am südlichen Porufer einnisten konnte. Auch das russische XIX. Korps blieb bei Zam