ÖSTERREICH-UNGARNS LETZTER KRIEG 1914-1918

HERAUSGEGEBEN VOM ÖSTERREICHISCHEN BUNDESMINISTERIUM FÜR HEERESWESEN UND VOM KRIEGSARCHIV

DRITTER BAND

DAS KRIEGSJAHR 1915

ZWEITER TEIL

VON DER EINNAHME VON BREST-LITOWSK BIS ZUR JAHRESWENDE

UNTER DER LEITUNG VON EDMUND GLAISE-HORSTENAU

BEARBEITET VON

JOSEF BRAUNER, RUDOLF KISZLING, FRANZ MÜHLHOFER, ERNST WISSHAUPT UND GEORG ZÖBL

MIT 32 BEILAGEN UND 20 SKIZZEN

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, Vorbehalten

Copyright 1930 by Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen in Wien

Einbandzeichnung von Rudolf Junk in Wien

Druck von Paul Kaltschmid in Wien

VORWORT ZUM DRITTEN BANDE

Nicht ganz nach Jahresfrist folgt dem zweiten Bande des Werkes „Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914—1918“ hiemit der dritte, der — wieder in einen Text- und einen Kartenband gegliedert — die Ereignisse der letzten vier Monate des Kriegsjahres 1915 behandelt.

Der Band hält sich in Stoffgliederung und Aufbau an das Beispiel seiner Vorgänger. Wie in diesen sind auch die Kriegshandlungen der Verbündeten nur so weit dargestellt, als es zum Verständnis der eigenen gebraucht wird. Die Kämpfe der dritten und der vierten Isonzoschlacht sind, weil es sich hier um die ersten, für die spätere Kriegführung besonders charakteristischen Materialschlachten handelt, etwas eingehender geschildert, als dies sonst die Begrenztheit des Raumes erlaubt. Die dem Kartenbande beigegebenen Rundbilder der Isonzofront und der Karsthochfläche von Doberdö sollen den Text ergänzen.

Die Schriftleitung lag wieder in den Händen des Unterfertigten und des Leiters der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Kriegsarchivs, Oberstaatsarchivar Obst. a. D. K i s z 1 i n g, denen abermals Hofrat Obst. a. D. Ehnl zur Seite stand.

Die einzelnen Abschnitte wurden von den folgenden Mitarbeitern verfaßt:

„Die Kriegslage der Mittelmächte zu Ende August“: Text vom Unterfertigten, Kriegsgliederung von den Offizieren des Bundesheeres Hptm. Wisshaupt (Russischer Kriegsschauplatz), Obstlt. Mühlhofer (Balkan) und Obstlt. B r au n e r (Südwestfront);

„Der Feldzug von Rowno“: vom Hptm. Wisshaupt, rückschauende Betrachtung vom Obst. K i s z 1 i n g;

„Die Eroberung von Serbien“: vom Obstlt. M ü hl h o f e r, ebenfalls mit angeschlossenen Betrachtungen aus der Feder des Obst. K i s z 1 i n g;

„Die Herbstschlachten an der italienischen Front“: vom Obstlt. Brauner; die in diesem Abschnitte die Verteidigung Tirols betreffenden

Teile vom Obst. K i s z 1 i n g, der sich hiebei auf eine Studie des GM. d. R. Julius Lustig-Prean stützen durfte;

„Der Spätherbst an der russischen Front“: vom Hptm. Wisshaupt;

„Der Ausklang des Kriegsjahres 1915“: vom Obst. K i s z 1 i n g gemeinsam mit Obst. Z ö b 1 (Italien) und Obstlt. Mühlhofer (Balkan).

Das Personen- und Truppenkörperverzeichnis ist wieder durch den Hofrat d. R. Sacken zusammengestellt worden. Als Vermittler fremdsprachiger Kriegsliteratur wirkten wie früher GM. d. R. Spannocchi (russisch, italienisch und englisch) und Mjr. d. R.Pibl (russisch), ferner für das serbische Generalstabswerk der Wir kl. Amtsrat Obstlt. a. D. Martinec mit. Als Bearbeiter eisenbahntechnischer Fragen betätigte sich in gewohnter Weise Gen. d. R. Ing. Ratzenhofer. Besonderer Dank gebührt abermals dem immer größer werdenden Kreise von Führern des alten Heeres, die die Güte hatten, einzelne Abschnitte vor der Drucklegung zu überprüfen und zu ergänzen, ferner dem GO. d. R. Sarkotic-Lovcen, dem Gen.Ratzenhofer und dem Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Generalstaatsarchivar Univ.-Prof. Dr. B i 11 n e r, die sich um diesen Band wie um die früheren durch Überprüfung des ganzen Textes verdient gemacht haben. Nutzbringend wie immer erwies sich die Zusammenarbeit mit dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien und mit dem Reichsarchiv in Potsdam.

Nach wie vor ist es für die Schriftleitung eine besondere Pflicht, der unverdrossenen Förderung unseres Werkes durch den Herrn Bundesminister für Heereswesen, Bundeskanzler a. D. Vaugoin, in Verehrung zu gedenken. Desgleichen sei abermals das große Verdienst hervorgehoben, das dem Leiter der Sektion I des Heeresministeriums, GdI. Schiebel, sowie dem Leiter des Verlages, GM. d. R. S ch u b e r t, bei der Fortführung des Werkes in wirtschaftlich schwierigster Zeit zugesprochen werden muß.

Wien, im Sommer 1932

Der Direktor des Österreichischen Kriegsarchivs Dr. h. c. GLAISE-HORSTENAU

INHALTSVERZEICHNIS

Seite

Vorwort zum Dritten Bande...........................    V

Verzeichnis der Abkürzungen................XV

Pläne und Kräfteaufgebot für den Herbst 1915

Die Kriegslage der Mittelmächte zu Ende August..........3

Der Plan einer neuen Offensive gegen Serbien und der Abschluß des Bündnisses mit Bulgarien...............3

Die militärischen Maßnahmen gegen Rußland.........11

Kriegsgliederung der an den öst.-ung. Fronten fechtenden verbündeten und feindlichen Armeen in den Herbstkämpfen 1915..........15

Der Feldzug von Rowno

Die Offensive des öst.-ung. Heeres in Wolhynien und Ostgalizien.....51

Bereitstellung der unter der k. u. k. Heeresleitung stehenden Armeen ...    51

Die allgemeine Lage bei den Russen...........54

Der Vormarsch bis an den Styr und an die Strypa (26. bis 31. August) .    .    56

Die Kämpfe der k. u. k. 1. Armee bei Zaturcy........56

Die Schlachten bei Gołogóry und an der Złota Lipa......57

Die Eroberung von Łuck..............59

Die Verfolgung in Ostgalizien............66

Die Schlacht bei Złoczów und an der Strypa (29. August bis 1. September) 68 Das Vordringen gegen Rowno, gegen Dubno und an den Sereth ....    74

Das Ringen an der Putiłowka (1. bis 6. September)......74

Weiteres Vordringen in Ostgalizien (2. bis 6. September).....85

Die Schlacht bei Podkamień.............89

Die Kämpfe des k. u. k. XII. Korps im Rahmen des deutschen Ostheeres (27. August bis 7. September).........93

Die Gegenangriffe des russischen Südwestheeres..........97

Die Schlacht am Sereth (6. bis 12. September).........97

Russischer Durchbruch bei Trembowla..........97

Eingreifen der 2. Armee in die Schlacht am Sereth......101

Weiteres Vordringen der Russen gegen das Korps Marschall und gegen

den linken Flügel der 7. Armee..........104

Festlaufen des Angriffs der 2. Armee und zunehmende Gefährdung der

Südarmee.................107

Seite

Das Ringen um die Entscheidung in Wolhynien (7. bis 13. September) .    .    111

Das    Vordringen bis an den    Stubiel    und    bis    Dubno......111

Die    Schlacht am Stubiel..............115

Entschluß Conrads zum Einstellen der Offensive.......119

Der letzte Angriff des Korps    FML. Martiny........120

Fortsetzung des russischen Angriffs    in Ostgalizien    (12.    bis    17. September) . 122

Die Kämpfe bei Zaleszczyki    und bei Nw. Aleksiniec.....122

Der Russenangriff gegen die    Strypa..........126

Der Umschwung der Lage in    Ostgalizien.........129

Brussilows Gegenoffensive auf Łuck (13. bis 24. September).....133

Der Durchbruch der Russen bei Derażno.........133

Die    Maßnahmen zur Entlastung    der    k.    u.    k. 4.    Armee.....141

Der    Kampf um Łuck...............142

Neue russische Vorstöße an der Ikwa und bei Nw. Aleksiniec (19. bis

23. September)...............146

Die zweite Offensive gegen Rowno..............153

Der Flankenstoß der Gruppe Gerok (23. bis 28. September).....153

Räumung von Łuck durch die Russen..........155

Das Verebben des Bewegungsfeldzuges...........160

Die Ereignisse nördlich des Polesie (8. bis 27. September) ....    160

Beziehen der Dauerstellung südlich vom Pripiatj (29. September bis

2. Oktober'................162

Die Abwehr neuer Russenanstürme (2. bis 15. Oktober)......166

Rückschauende Betrachtungen....................175

Die Eroberung Serbiens

Der Stromübergang der Heeresgruppe Mackensen..........187

Das Werden des Operationsplanes.............187

Die Gegenmaßnahmen im feindlichen Lager..........193

Die militärische Lage in Serbien und Montenegro zu Anfang Oktober    196

Die letzten Vorbereitungen für den Donau- und Saveübergang (29. September bis 5. Oktober)..............198

Die Vorbereitungen    bei der    k. u. k. 3. Armee........200

Die Bezwingung der Grenzströme    (5. bis 11. Oktober).......202

Der Übergang in die Mačva (6. Oktober).........202

Der Übergang des XIX. Korps über die Save (6. bis 8. Oktober) .    .    204

Die Eroberung von    Belgrad    (6. bis 11. Oktober).......205

Der Donauübergang    der deutschen 11. Armee (6. bis 12. Oktober) .    . 215

Kämpfe bei Višegrad, Bijeljina, Jarak und Progar (7. bis 11. Oktober)    217

Die Kämpfe der Hauptkraft der 3. Armee um den Austritt aus der Stromschleife von Belgrad (12. bis 17. Oktober).........219

Das Vordringen der Armee Gallwitz beiderseits der Morava (13. bis

17. Oktober)..................225

Das Eingreifen der Bulgaren (14. bis 17. Oktober)........227

Lage und Führerentschlüsse bei Freund und Feind Mitte Oktober .    .    .    228

Selte

Der Vorstoß gegen Mittelserbien (18. Oktober bis 6. November)......231

Vordringen der 3. und der 11. Armee bis auf den Kosmaj und bis an die

Jasenica (18. bis 22. Oktober).............231

Die Kämpfe der Bulgaren vom 18. bis zum 22. Oktober......239

Maßnahmen der serbischen Heeresleitung und des Generals Sarrail bis zum

22. Oktober..................240

Der erste Einkreisungsversuch (23. Oktober bis 6. November).....241

Der Plan Mackensens...............241

Vordringen der 62. ID. östlich von Visegrad (23. bis 28. Oktober)    .    243

Die Kämpfe der 3. Armee bei Arangjelovac (23. bis 25. Oktober) .    .    244

Verfolgung der Serben durch das Rudnikgebirge bis zum 28. Oktober 249 Das Vordringen der Armee Gallwitz und der beiden bulgarischen Armeen

vom 23. bis zum 28. Oktober...........256

Die Schlacht bei Kragujevac (29. Oktober bis 1. November) .... 259 Entschluß der serbischen Heeresleitung zum Rückzug (31. Oktober, . 265

Der zweite Einkreisungsversuch (2. bis 6. November).......266

Das Vordringen der Verbündeten bis an die beiden Moravaflüsse    .    .    266

Die Räumung des Moravaschrankens durch die Serben.....273

Von den beiden Moravaflüssen bis an die Albanerberge (6. November bis anfangs Dezember)..................281

Die Verfolgung durch dasKopaonik- und Jastrebacgebirge (6. bis 24.November)    281

Führerentschlüsse bei den Verbündeten und bei den Serben .    .    .    .281

Die Kämpfe um die Talengen südlich der Morava (6. bis 11. November) 282

Die Ereignisse in Mazedonien bis zum 11. November......288

Meinungsverschiedenheiten zwischen Teschen und Pleß.....289

Das Kesseltreiben der Verbündeten gegen das Amselfeld (Kosovo polje)

(12. bis 24. November)....................... 293

Die Lage des serbischen Heeres am 11. November......293

Weiteres Vordringen der Heeresgruppe Mackensen im Gebirge (11. bis

18.    November)...............295

Kämpfe in Mazedonien vom 12. bis zum 16. November.....303

Vormarsch der Verbündeten bis an die Linie Uvac—Nova varoš—

Sjenica und bis an die Eingangspforten ins Amselfeld (17. bis

19.    November)...............304

Neuerliche Vereinbarungen zwischen Conrad und Falkenhayn und

wachsende Mißhelligkeiten (18. bis 23. November).....310

Die Schlacht auf dem Amselfelde (19. bis 24. November)......316

Putniks Plan für den Durchbruch nach Süden........316

Vordringen der Armeen Kövess und Gallwitz bis Novipazar und bis

vor Mitrovica (19. bis 22. November).........317

Durchbruchsversuch der Serben südöstlich von Priština und Entschluß

zum Rückzug an die Adria (19. bis 24. November) .... 321

Der Vorstoß nach Plevlje (30. November bis 2. Dezember)......326

Der Entschluß zum Angriff auf den Lovcen und zum Einbruch in

Montenegro................328

Der Niederbruch der serbischen Armee und ihr Rückzug an die Adria .    . 332

Die Führungsfragen im Herbstfeldzug 1915 gegen Serbien.......337

Die Herbstschlachten an der italienischen Front

Seile

Neuen Kämpfen entgegen.................345

Die Absichten der italienischen Heeresleitung zu Anfang September 1915 . 345

Die Einrichtung der öst.-ung. Isonzofront..........346

Kämpfer und Kampffeld..............349

Die Waffen der Verteidigung............355

Die wirtschaftliche Versorgung der Isonzofront.......359

Die Einrichtung der Alpenfront..............361

Der Kampf gegen den Alpenwinter...........366

Die Gebirgskämpfe im Frühherbst 1915 (Anfang September bis Mitte Oktober) . 368

Vergebliche Angriffe der Italiener bei Tolmein und Flitsch.....368

Die Kämpfe auf dem Karnischen Kamm...........374

Die Eroberung des Findenigkofls...........374

Neugliederung der Armeegruppe Rohr und mißglückte Angriffsunternehmen .................376

Die Verteidigung Tirols im Frühherbst 1915..........379

Die zweite Dolomitenoffensivc der Italiener........379

Die Kämpfe vor Vielgereuth.............381

Vorfeldunternehmen im Raume westlich der Etsch......383

Die dritte Isonzoschlacht (18. Oktober bis 4. November)........384

Der Operationsplan Cadornas für die Herbstoffensive.......384

Der Auftakt zum Großkampf am Isonzo...........388

Die siebzigstündige artilleristische Vorbereitung und die Kampfereignisse während dieser Zeit (18. bis 21. Oktober)......391

Die Abwehrkämpfe zwischen Flitsch und Plava (21. bis einschließlich

24. Oktober)..................394

Das Ringen auf der Karsthochfläche (21. bis einschließlich 27. Oktober) .    . 400

Die Kämpfe am 21. und 22. Oktober...........400

Die Schlachtkrise auf dem Mt. S. Michele (23. und 24. Oktober) .    .    .    410

Die dreitägige Kampfpause auf dem Karst (25. bis einschließlich

27. Oktober)................416

Die Vorbereitungen zum Angriff auf Görz..........417

Fortsetzung der italienischen Durchbruchsversuche bei Tolmein und bei

Plava (25. bis 29. Oktober)..............419

Das zweite Aufflammen der Schlacht (28. bis 30. Oktober)......423

Die beiderseitige Lage zu Beginn der neuen Kämpfe......423

Das Ringen vor Görz und die Begleitkämpfe bei Plava (28. bis

30. Oktober)................425

Der Kampf um den Mt. S. Michele in den letzten Oktobertagen (28.

bis 30. Oktober)...............429

Beurteilung der Lage und Ablösungspläne beim 5. Armeekommando

zu Ende Oktober...............435

Höhepunkt und Krise der dritten Isonzoschlacht (1. bis 4. November) .    . 437

Neuerliche Durchbruchsversuche bei Plava.........437

Die Durchbruchsversuche auf der Hochfläche von Doberdö anfangs

November (31. Oktober bis einschließlich 2. November) .    .    .    440

Selte

Höhe und Abklang des Ringens vor Görz (1. bis 4. November) .    .    444

Das Ausklingen der dritten Isonzoschlacht auf dem Karst (3. und

4. November)................449

Die Gebirgskämpfe im Spätherbst 1915 (Mitte Oktober bis Ende November) .    . 452

Die Ereignisse an der Kärntner Front............452

Allgemeiner Angriff auf Tirol (18. Oktober bis 21. November;. .... 454 Die    dritte Dolomitenoffensive (18. Oktober bis Ende November    .    .    456

Die vierte Isonzoschlacht (10. November bis 14. Dezember).......458

Entschlüsse der italienischen Heeresleitung..........458

Angriffsplan und Bereitstellung der italienischen Kräfte.....461

Die k. u. k. 5. Armee in Erwartung neuer Angriffe......464

Die Ereignisse während der Kampfpause vom 5. bis zum 9. November 467 Der allgemeine Angriff im ersten Abschnitt der Schlacht (10. bis 15. November) ...................469

Der Hauptangriff der italienischen 2. Armee auf Görz (10. bis 13. November) .................469

Die Nebenangriffe des italienischen II. Korps bei Plava (10. bis

12. November,...............473

Die Abwehr der italienischen Angriffe an der Karstfront am 10. und

11. November................474

Die italienischen Durchbruchsversuche zur doppelten Umfassung des

Mt. S. Michele (12. bis 15. November).........477

Die    Maßnahmen zur Stützung der öst.-ung. Isonzofront.....481

Das Auseinanderbrechen der Schlacht in mächtige Einzelkämpfe bei Görz

und    auf der Karsthochfläche (18. November bis 1. Dezember)    .    .    .    484

Entschluß und Plan der italienischen Führung für die weitere Fortführung des Kampfes am Isonzo..........484

Die planmäßige Zerstörung der Stadt Görz durch Artillerie und

Fliegerangriffe...............485

Die italienischen Durchbruchsversuche bei Oslavija und auf der Podgora (18. bis 24. November)............487

Der    Abschluß der Kämpfe bei Plava (18. bis 30. November)    .    .    .    490

Die    Zangenangriffe des XI. und des XIII. Korps der Italiener    gegen

den Mt. S. Michele (18. bis 26. November)........492

Das letzte Ringen um den Erfolg (26. November bis Anfang Dezember) . 499 Die Angriffe der Italiener am oberen Isonzo (26. November bis

1. Dezember)................499

Das Scheitern der italienischen Durchbruchsversuche gegen den Görzer

Brückenkopf (25. bis 29. November).........503

Die letzten vergeblichen Anstürme der Italiener auf dem Karst (27.

bis 30. November)...............506

Das Ausklingen der italienischen Herbstoffensive und die Neugruppierung der k. u. k. Streitkräfte am Isonzo (2. bis 15. Dezember) .................508

Die    Herbstkämpfe am Isonzo als Materialschlacht......512

Cadomas Heerführung und das Ergebnis der Herbstschlachten im Südwesten ...................516

Der Spätherbst 1915 an der russischen Front

Seite

Die Kämpfe im Polesie (16. Oktober bis 14. November)........523

Die allgemeine Lage an der Ostfront um die Mitte des Monats Oktober 1915..................523

Die Schlacht bei Czartorijsk (16. Oktober bis 14. November).....529

Russischer Durchbruch (16. bis 18. Oktober)........529

Die Einleitung des Gegenangriffes (19. bis 27. Oktober).....533

Verdrängen der Russen aus dem Styrbogen (28. Oktober bis 14. November) 537

Die Kämpfe bei Baranowicze (20. bis 22. Oktober)........543

Die Kämpfe in Ostgalizien (Ende Oktober bis Mitte November)......546

Die Gefechte bei Nowo Aleksiniec—Łopuszno (21. Oktober bis 3. November) 546

Der Vorstoß der Russen gegen das V. Korps........546

Die Gegenangriffe der Gruppen Kosak und Rozwadowski bei Łopuszno

und bei Panasówka..............54S

Russische Vorstöße an der Strypa und an der Ikwa (31. Oktober bis 11. November) ...................552

Die öst.-ung. Ostfront von Mitte November bis in die zweite Hälfte

Dezember..................555

Neue Angriffspläne der Russen..............559

Der Ausklang des Kriegsjahres 1915

Die letzten Ereignisse auf dem Balkan.............565

Der Vierbund und die Orientarmee der Entente.........565

Der Rückzug Sarrails nach Saloniki und die Räumung der Dardanellen

durch die Entente..............568

Das Jahresende auf dem Westbalkan............570

Conrads weitere Entschlüsse gegen Montenegro.......570

Kämpfe und Truppenverschiebungen an der montenegrinischen Grenze 571

Hilfeleistungen der Entente zugunsten der Serben......577

Die Pläne bei Freund und Feind zu Ende 1915...........580

Die Kriegspläne der Entente für das Jahr 1916 ......... 580

Die Kriegslage in der ersten Hälfte Dezember........580

Der zweite Kriegsrat von Chantilly...........582

Alexejews Befehl zum Angriff an der bukowinisch-ostgalizischen Front 584

Die Auseinandersetzungen im Lager der Mittelmächte.......585

Conrads Absichten gegenüber Italien..........585

Falkenhayns Entschluß zum Angriff auf Verdun .    .....594

Entschluß Conrads zum Angriff gegen Montenegro und Albanien .    . 596

Der persönliche Zwist zwischen Conrad und Falkenhayn .... 604

Personenverzeichnis...................609

Verzeichnis der öst.-ung. Truppenverbände............615

Verzeichnis der deutschen Truppenverbände...........620

Verzeichnis der bulgarischen Truppenverbände...........621

Ergänzungen und Berichtigungen zu den ersten drei Bänden......623

BEILAGEN- UND SKIZZENVERZEICHNIS

Lage auf dem Balkankriegsschauplatz Ende August 1915......Beilage 1

Lage und Verteilung der Kräfte am 1. September 1915......„    2

Die Offensive der Verbündeten im Osten von Ende August bis Ende September 1915...................3

Die Offensive in Wolhynien und in Galizien vom 27. August bis 2. September    1915.....................„    4

Die    Schlacht    am Sereth    vom    9. bis    12. September 1915.......„    5

Der Gegenangriff Brussilows in Wolhynien. Ereignisse vom 15. bis 18. September    1915..................„    6

Die    Lage in    Wolhynien    am    20. September    1915........„    7

Die zweite Offensive der Verbündeten gegen Rowno vom 23. bis 30. September 1915....................8

Die Lage auf dem Balkankricgsschauplatz anfangs Oktober 1915. Aufmarsch

bei Freund und Feind und Operationsplan Mackensens.....„    9

Laufbild der Eisenbahn-Truppentransporte von Ende Juli bis Mitte Dezember 1915. Transportstraßen der Bewegungen im September 1915 .    „    10

Stromübergang der Heeresgruppe Mackensen. Lage der 3. und der 11. Armee am 11. und am 17. Oktober 1915 (Nebenskizze: Die Eroberung

von Belgrad)....................11

Lage auf dem Balkankriegsschauplatz in der Nacht auf den 14. Oktober 1915

beim Eingreifen der Bulgaren............„    12

Allgemeine Lage auf dem Balkankriegsschauplatz am 17. und am 22. Oktober 1915....................13

Lage der 3. und der 11. Armee am 22. und am 29. Oktober 1915    ...    „    14

Lage auf dem Balkankriegsschauplatz am 29. Oktober 1915.....„    15

Vormarsch der 3. und der 11. Armee vom 30. Oktober bis 22. November 1915    „    16

Lage auf dem Balkankriegsschauplatz am 11. November 1915.....,,    17

Lage auf dem Balkankriegsschauplatz am 22. November 1915.....„    18

Lage der Heeresgruppe Mackensen und der Truppen in BHD. am 28. November 1915....................19

Die italienischen Angriffe am oberen Isonzo vom 9. bis 19. September 1915    „    20

Lage an der Kärntner Front Mitte Oktober 1915........„    21

Lage am 18. Oktober 1915. Beginn der dritten Isonzoschlacht ....    „    22

Die Stellungen und die wichtigsten technischen Einrichtungen des Kampfraumes am Isonzo Mitte Oktober 1915...........23

Lage an der Isonzofront am 28. Oktober 1915.........„    24

Die Lage beim Abschluß der dritten Isonzoschlacht am 4. November 1915    „    25

Rundbildaufnahme der Karsthochfläche...........„    26 a

Rundbildaufnahme der Isonzofront............,,    26 b

Lage am 10. November 1915 bei Beginn der vierten Isonzoschlacht .    .    .    Beilage

Lage der k. u. k. Streitkräfte am Isonzo nach dem Abschluß der Herbstkämpfe Mitte Dezember 1915.............„

Lage in Wolhynien und in Ostgalizien am 15. Oktober 1915.....„

Lage und Verteilung der Kräfte im Osten am 24. Dezember 1915 (Nebenskizze: Lage der Mittelmächte um die Jahreswende    1915/1916)    .    .    „

Lage auf dem Balkan am 24. Dezember 1915.........„

Die Lage bei Łuck am 29. August 1915 abends........Skizze

Der 7. und der 8. September während der Schlacht am Sereth ...    „

Das Eingreifen der 2. Armee in die Schlacht am Sereth (8. und 9. September)    „

Die Lage in Wolhynien am 8. und 9. September........„

Die Lage in Wolhynien vom 10. bis 13. September........

Russischer Vorstoß gegen die Strypa (12. bis 15. September).....„

Kämpfe bei Nw. Aleksiniec (13. bis 19. September)........„

Die Vorrückung des k. u. k. XII. Korps (28. August bis 30.    September) .    .    „

Die Lage auf dem Karst am 7. September 1915.........„

Das Ortlergebiet..................„

Lage auf der Karsthochfläche am 23. Oktober 1915 abends.....„

Lage bei Görz und bei Plava am 3. November 1915.......„

Die dritte Dolomitenoffensive vom 18. Oktober bis 21. November 1915 .    .    „

Die italienischen Durchbruchs- und Umfassungsversuche auf dem Karst vom

12. bis 15. November 1915..............

Die italienischen Durchbruchsversuche bei Görz und die Begleitangriffe bei

Plava vom 18. bis 24. November 1915..........„

Die italienischen Durchbruchsversuche bei Oslavija Ende    November 1915    .    „

Die letzten Angriffe der Italiener auf dem Karst vom 27.    bis 30. November    „

Schlacht bei Czartorijsk vom 17. bis 19. Oktober 1915.......„

Schlacht bei Czartorijsk vom 20. Oktober bis 14. November 1915    ...    „

Kämpfe bei Baranowicze am 20. und 21. Oktober 1915.......

Kämpfe bei Nw. Aleksiniec—Łopuszno vom 21. Oktober bis 3. November 1915    „

VERZEICHNIS DER ABKÜRZUNGEN

AOK. = Armeeoberkommando Baon. = Bataillon bh. = bosnisch-herzegowinisch BHD. = Bosnien, Herzegowina, Dalmatien Bt. = Batterie Det. = Detachement DionsKav. = Divisionskavallerie DOHL. = Deutsche Oberste Heeresleitung DonD.I (II)) DrinD., MorD., ŠumD., TimD. = Donau- (Drina-, Morava-, Sumadia-, Timok-) Division I. (II.) Aufgebotes DR., HR., UR. = Dragoner-, Husaren-, Ulanenregiment F = Feld

FABrig. = Feldartilleriebrigade FHR., FHD. = Feldhaubitzregiment (-division) finn. = finnisch FJB. = Feldjägerbataillon FKR., FKD. = Feldkanonenregiment (-division)

FlakBt., -Zug = Fliegerabwehrkanonenbatterie (-zug)

FliegKomp. (-Abtlg.) = Fliegerkompagnie (-abteilung)

Frw = Freiwilligen

FsAR., FsABaon., FsAKomp. = Festungsartillerieregiment (-bataillon, -kompagnie)

FsIBaon. = Festungsinfanteriebataillon GbAR. = Gebirgsartillerieregiment GbBrig. = Gebirgsbrigade GbSchR. = Gebirgsschützenregiment GdA., GdI., GdK. = General der Artillerie, Infanterie, Kavallerie Gen. = General

GendBaon. (-Schwd.) = Gendarmeriebataillon (-schwadron)

GFM. = Generalfeldmarschall (deutsch) GID., GKD., GKosD. = Gardéinfanterie-(-kavallerie-, -kosaken-) division (deutsch, russ.)

GLt. = Generalleutnant (deutsch, russ.) GrzJKomp. = Grenzjägerkompagnie H ■ Honvéd HaBrig. = Halbbrigade Hb = Haubitze

HHR. = Honvédhusarenregiment HID., HIBrig., HIR. = Honvédinfanterie-division (-brigádě, -regiment)

ID., IBrig. = Infanteriedivision (-brigade) IR., IBaon. = Infanterieregiment (-bataillon) kauk. = kaukasisch KavKorps = Kavalleriekorps KavSchR., KavSchD. = Kavallerieschützenregiment (-division)

KD., KBrig. = Kavalleriedivision (-brigade) KJR. = Regiment der Tiroler Kaiserjäger Kmdo. = Kommando Kn = Kanone

KombD. = kombinierte Division (serb.) KombKD. = kombinierte Kavalleriedivision KosD., KosBrig. = Kosakendivision (-brigade)

KSchBrig., KSchR. = Kaiserschützenbrigade (-regiment)

Kub. = Kuban Lst = Landsturm

LstArbAbtlg., LstArtAbtlg., LstSAbtlg. = Landsturmarbeiter- (-Artillerie-, -Sappeur-) abteilung LstEtBrig., LstEtR., LstEtBaon. = Landsturmetappenbrigade (-regiment, -bataillon)

LstHusBrig., LstHusR., LstHusD. = Landsturmhusarenbrigade (-regiment, -division)

LstTerrBrig. = Landsturmterritorialbrigade MaR., MaBaon., MaKomp., MaSchwd., MaBt. = Marschregiment (-bataillon, -kompagnie, -schwadron, -batterie) MG., MGAbtlg. = Maschinengewehr (-abteilung)

Ms = Mörser


MW., MWAbtlg. = Minenwerfer (-abteilung)

Pß. = Pionierbataillon R = Reserve

RD. = Reservedivision (deutsch, russ.) RdfBaon., RdfKomp. = Radfahrcrbatail-lon (-kompagnie)

RIBrig., RIR. = Reserveinfanteriebrigade (-regiment) (öst., deutsch) rt. AD. = reitende Artilleriedivision rt. DSchD. = reitende Dalmatiner Schützendivision

rt. SchR. = reitendes Schützenregiment rt. TKSchD. = reitende Tiroler Kaiserschützendivision

RwBrig. = Reichswehrbrigade (russ.)

SB. = Sappeurbataillon SchD., SchBrig. = Schützendivision (-brigade) (öst., russ.)

SchR., SchBaon. = Schützenregiment (-bataillon)

Schwd. = Schwadron sFHD. = schwere Feldhaubitzdivision sHbBt. = schwere Haubitzbatterie sib. = sibirisch

Stawka = Russische Oberste Heeresleitung StSchBaon., StSchAbtlg. = Standschützenbataillon (-abteilung)

TFKnBt. = Tiroler Feldkanonenbatterie TLstBaon. = Tiroler Landsturmbataillon


Bei den Truppen sind die 1918 gültigen Bezeichnungen angewendet.

PLÄNE UND KRÄFTEAUFGEBOT FÜR DEN HERBST 1915

Die Kriegslage der Mittelmächte zu Ende August

Hiezu Beilagen 1, 2 und 3

Der Plan einer neuen Offensive gegen Serbien und der Abschluß des Bündnisses mit Bulgarien

Wie während des großen Siegeszuges der Verbündeten gegen Rußland im Sommer 1915 die Rückendeckung gegenüber dem neuen italienischen Feinde geschaffen wurde, ist am Schlüsse des II. Bandes geschildert worden. In zwei blutigen Isonzoschlachten und zahlreichen Gebirgs-kämpfen hatten die Verteidiger dem um ein Mehrfaches überlegenen, frisch aufgerüsteten Angreifer ein entschiedenes Halt geboten.

In Frankreich, wo eben noch bei Arras und La Bassée die Alliierten vergeblich die feste Mauer der Deutschen zu durchbrechen versucht hatten, waren am 7. Juli zu Chantilly unter dem Vorsitze des Kriegsministers Millerand die Militärbevollmächtigten Großbritanniens, Italiens, Rußlands, Belgiens und Serbiens zu einer Beratung darüber zusammengetreten, wie den hart bedrängten Russen Entlastung gebracht werden könnte1). Das erste Ergebnis war bescheiden genug. Es kam in der Folge im Ypernbogen, in den Argonnen, in den Vogesen zu zahlreichen Gefechtshandlungen kleineren und größeren Umfanges, bei denen jedoch nicht nur die Alliierten als Angreifer auf traten. Denn auch die Deutschen gingen bald da, bald dort zu Gegenstößen über, die mindestens den einen Erfolg hatten, den Feind nicht zur Ruhe kommen zu lassen.

Hinter dem Schauplatze dieser zum Teil nur örtlichen Kämpfe stiegen aber für den begreiflicherweise sorgenvollen Blick des deutschen Generalstabschefs, GdI. Erich v. Falkenhayn, außerordentlich düstere Gewitterwolken auf. Während die DOHL. eine Division nach der anderen auf den russischen Kriegsschauplatz abgezogen hatte, setzte Marschall Kitchener, Englands Kriegsminister, Staffel um Staffel seiner neuaufge-stellten Armee ans französische Land. Sie bestand wieder aus Freiwilligen, da das britische Kabinett noch nicht den Mut aufgebracht hatte, die all-

i) Kuhl, Der Weltkrieg 1914/18 (Berlin 1929), I, 268 ££.

gemeine Wehrpflicht einzuführen. Aber die Regierungsbill vom 7. Juli bereitete doch immerhin die allgemeine Arbeitspflicht vor, von der zur Wehrpflicht nur mehr ein Schritt war. Außerdem riefen Briten und Franzosen aus ihren Dominions und Kolonien Hunderttausende von Farbigen zum Kampfe gegen die Deutschen auf.

So verschob sich das Streiterverhältnis an der französischen Front immer mehr. Im Mai waren dort noch 1,900.000 Deutsche gegen 2,450.000 Entente Streiter gestanden; im Juli fochten nur mehr über 1,800.000 Deutsche gegen 2,830.000 feindliche Kämpfer. Als der September ins Land zog, konnte für den deutschen Generalstab kein Zweifel mehr bestehen, daß der Feind dieses Kräfteübermaß, mit dem auch die technische Ausrüstung seiner Heere Hand in Hand ging, zu einem neuen, die Entscheidung anstrebenden Schlag ausnützen werde. In der Tat waren auf Joffres Geheiß fast 70 Divisionen im Begriffe, in zwei gewaltigen Schlachthaufen aufzumarschieren, von denen der eine in Flandern nördlich von Arras, der andere in der Champagne östlich von Rheims zum Angriff schreiten sollten. Der Druck dieser beiden mächtigen Zangenarme sollte den nach Südwesten vor springen den Bogen der deutschen Front zermalmen.

Die in Frankreich drohenden Gefahren hatten Falkenhayn, je tiefer es in den Sommer ging, immer größere Sorge bereitet. Sie ließen ihn aber nicht davor zurückschrecken, neben der Fortführung des russischen Feldzuges noch andere, vom westlichen Kriegsschauplatz weit wegführende Pläne zu verfolgen, die ihn seit der Jahreswende immer wieder beschäftigt hatten: nun mochte es doch möglich werden, den Landweg nach Konstantinopel und nach den bedrohten Dardanellen zu öffnen!

Den Türken war es zwar geglückt, den Ende April angesetzten Landungsversuch der britisch-französischen Truppen in vielwöchigen schweren Kämpfen zu vereiteln; nur auf der äußersten Südspitze der Halbinsel Gallipoli hatte sich der Eindringling auf einem engen Stück Bodens zu behaupten vermocht. Der Siegeszug der Mittelmächte in Galizien hatte überdies die Gefahr zerstreut, die das im Frühjahr von den Russen bei Odessa zusammengezogene Expeditionskorps für Konstantinopel bedeutet hätte; dieses Korps mußte in rasch folgenden Staffeln auf die Schlachtfelder des russischen Südwestheeres geworfen werden. In weiterer Folge sollte auch der zweite große Landungsversuch der Ententestreitkräfte, der am 6. August einsetzte und zur dreiwöchigen Schlacht bei Anaforta führte, zu einem vollen Abwehrerfolg der vom preußischen GdK. und türkischen Marschall Liman von Sanders befehligten Ottomanen ausreifen. Trotzdem blieb die Lage an den Dardanellen auch weiterhin kritisch genug. Nach wie vor war es besonders der Mangel an Kriegsmitteln, der zu größter Sorge Anlaß bot, und dem, die Möglichkeit des Antransportes vorausgesetzt, nur die Mittelmächte abhelfen konnten.

Im November 1914 hatte Falkenhayn zwischen Mitteleuropa und Konstantinopel eine gesicherte Landverbindung für Schießbedarf und Kriegsgeräte dadurch zu gewinnen gehofft, daß er die Nordostecke Serbiens zu besetzen gedachte (Bd. I, S. 710). Da Bulgarien Kriegstransporte durchließ, wäre damit der Zweck erreicht gewesen. Zugleich wäre auch die Landverbindung Saloniki—Prahovo—untere Donau unterbunden worden, deren sich die Entente unter stillschweigender Billigung Rumäniens mitunter für Materialtransporte nach Rußland bediente. Auch nach der Räumung Serbiens durch die Armeen des FZM. Potiorek hielt der deutsche Generalstabschef eine Zeitlang noch an diesem Gedanken fest, während GO. Freih. v. Conrad damals sofort die Meinung vertrat, die Verbindung mit Bulgarien und der Türkei sei ausschließlich durch die Niederwerfung Serbiens anzustreben.

Im April wurden dann wirklich Pläne zu einem neuen Angriff gegen Serbien entworfen, deren Ausführung aber nicht nur von einer Mitwirkung der Bulgaren, sondern auch von der 100.000 türkischer Streiter abhängig gemacht ward. Das Ausbleiben der türkischen Mithilfe, bedingt durch den ersten Landungsversuch der Ententetruppen an den Dardanellen, ließ jedoch die Absicht zunächst wieder zurückstellen, deren Ausführung auch durch das Zögern Bulgariens, den Bruch mit Italien und die Kriegslage in Nordosten mehr als fraglich geworden war.

In den folgenden Wochen, während der Stoßkeil der Verbündeten gegen Lemberg vordrang, trat die Hoffnung stärker in den Vordergrund, von Rumänien, das sich bisher hartnäckig geweigert hatte, die Erlaubnis zur Durchfuhr von Kriegsmitteln nach der Türkei zu erlangen. In Deutschland erblickte man selbst in der Abtretung der südlichen Bukowina an Rumänien keinen zu großen Preis, um dieses Ziel zu erreichen. Wie es scheint1), gelang es der Reichsleitung sogar, für einen solchen Gedanken den ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tisza zu gewinnen, der wohl jede Abtretung ungarischen Bodens entschieden ablehnte, aber Zugeständnissen auf Kosten Österreichs nicht ganz abhold war. Auch der geschäftige Erzberger war in Wien und Budapest in solchem

!) Burián, Drei Jahre aus der Zeit meiner Amtsführung im Kriege (Berlin 1923), 54 ff.; Tisza, Briefe 1914—1918, I (Berlin 1928), 250 ff.; E r z b e r g e r, Erlebnisse im Weltkrieg (Stuttgart 1920), 104 ff.

Sinne tätig. Der Außenminister Baron Burián vertrat jedoch die Auffassung, daß Gebietsabtretungen an Rumänien nur dann in Frage kommen konnten, wenn sich dieses zu tätigem Mitgehen an der Seite der Mittelmächte entschloß. Er stellte denn auch in den Tagen nach der Wiedereroberung von Lemberg an den rumänischen Ministerpräsidenten Jonel Bratianu ein auf einen Monat befristetes Anbot solchen Inhalts. Bratianu lehnte jedoch die MunitionsdurchfuLr neuerlich ab und ließ die anderen Anbote Buriáns unbeantwortet. Er hatte in denselben Wochen auch die Zustimmung der Alliierten zu den hochgespannten Forderungen erhalten, von deren Erfüllung er, vorerst wohl um Zeit zu gewinnen, den Anschluß Rumäniens an die Entente abhängig gemacht hatte; nur sollte er sich dafür verpflichten, binnen fünf Wochen in den Krieg einzutreten. Aber Bratianu hielt den Augenblick noch nicht für gekommen, sich schon für eine der Parteien zu entscheiden1).

Dafür hatte vier Wochen nach Gorlice Bulgarien zu erkennen gegeben, daß es die Stunde herankommen sehe, sich an die Seite der Mittelmächte zu stellen. Wie nicht anders zu erwarten war, wollte es diesen Schritt auch jetzt noch nicht ohne weitgehende Sicherungen und Bürgschaften tim. Sein Begehren richtete sich nicht nur auf den Besitz Mazedoniens bis zur Enge von Kačanik hinauf2), sondern auch des serbischen Bodens östlich der unteren Morawa und der zwischen ihren beiden Quellflüssen aufsteigenden Wasserscheide. Traten Rumänien oder Griechenland an die Seite der Entente, so sollte Bulgarien auch noch die Landstriche erhalten, die ihm diese beiden Staaten im Friedensschluß von Bukarest (1913) abgenommen hatten. Der gesamte alte und der neuerworbene Besitzstand wäre den Bulgaren durch die Mittelmächte in einem auf 15 Jahre erstreckten Bündnisverträge zu verbürgen, ein bei den vielfachen Konfliktstoffen auf dem Balkan besonders weitgehender Wunsch. Schließlich machte Bulgarien sein Auftreten gegen die Entente noch davon abhängig, daß ihm die Türkei schon vorher Adrianopel und einen Bodenstreifen längs der Maritza überließ. Die Verhandlungen zwischen Sofia und Konstantinopel hatten unter deutscher Mitwirkung bereits begonnen.

Falkenhayn, der die Gewinnung Bulgariens seit jeher mit besonderem Nachdrucke betrieben hatte, langte mit beiden Händen zu. Die durch ein Eingreifen Bulgariens gesicherte Offensive gegen Serbien sollte nicht nur die Türken aus schwerer Not befreien, sondern die Welt auch einem Ziele näher bringen, dessen Erreichung die Generalstäbe vom Sommerfeldzug in Rußland vergeblich erhofft hatten. Weder die Wiedereroberung Lembergs noch die Einnahme von Warschau und Brest-Litowsk waren imstande gewesen, den Kriegswillen des Zarenreiches zu brechen. Vielleicht mochte Petersburg dann einlenken, wenn es durch einen siegreichen Krieg der Mittelmächte auf dem Balkan dortselbst neuerlich an Geltung verloren hatte und die Hoffnung auf eine baldige Öffnung des Seeweges zu den Alliierten ebenso in nebelhafte Fernen schwinden sah wie den Sehnsuchtstraum, das Doppelkreuz der russisch-orthodoxen Kirche auf der Hagia Sophia aufpflanzen zu können1).

GO. Conrad stand, sosehr er die Bedeutung der Dardanellenfrage einzuschätzen wußte, der neuen Wendung der Dinge mit geteilten Gefühlen gegenüber. Vor allem empfand er aus dem Blickfelde der öst.-ung. Kriegführung die Nötigung, gegenüber Serbien durch einen neuen Feldzug reinen Tisch zu schaffen, nicht für übermäßig dringend. So schwer die politischen und militärischen Folgen der Katastrophe von Arangjelovac, Dezember 1914, sonst ins Gewicht gefallen sein mochten (Bd. I, S. 762) — die Offensive des FZM. Potiorek hatte doch auch der serbischen Armee das Rückgrat gebrochen. Ohne einen Fuß auf den Boden Österreich-Ungams gesetzt zu haben und auch sonst von mannigfacher Unbill heimgesucht, lag das serbische Heer samt seinem montenegrinischen Kampfgenossen seit Monaten untätig und taub gegen alle Mahnungen der Alliierten, zumal auch Rußlands, in seiner Heimat und an deren Grenzen. Dieses Verhalten hatte es der k. u. k. Heeresleitung seit Jahresbeginn ermöglicht, von den Balkanstreitkräften Division um Division nach den anderen Kriegsschauplätzen zu entführen. Der Karpathenkrieg wurde zu einem nicht unerheblichen Teile aus diesem Sammelbecken gespeist, den Italienern konnten gleich zu Beginn zwei der besten Korps (XV. und XVI.) entgegengeworfen werden und im Laufe der folgenden Monate noch weitere Heereskörper. Auch der Sommerkrieg gegen Rußland zog in Augenblicken der Spannung Vorteile aus der Lage an

*) Falkenhayn, Die Oberste Heeresleitung in ihren wichtigsten Entscheidungen (Berlin 1929), 136. Über die Zugeständnisse der Entente an Rußland in der Frage Konstantinopels vgl. vor allem A d a m o w, Die Europäischen Mächte und die Türkei während des Weltkrieges (deutsche Ausgabe, Dresden 1930), I, 138 ff-, II, 83 ff.

der serbischen Grenze. Die drei deutschen Divisionen, die nach dem Auftreten Italiens als Ersatz für die beiden „bosnischen“ Korps nach dem Südosten entsendet worden waren, konnten alsbald wieder gegen Rußland eingesetzt werden; nur ein Bataillon blieb zur Täuschung des Feindes zurück und hatte seine Helme fleißig in allen möglichen Teilen des Grenzgebietes zu zeigen. Ende Juli war die Save-Donaufront von mobilen Truppen fast ganz entblößt, und auch Ende August hatte der Befehlshaber der k. u. k. Balkanstreitkräfte, GdK. v. Tersztyánszky, hinter dem dünnen Schleier der Strombewachung nur zwei eben erst aus den Flußsicherungen gebildete mobile Landsturmbrigaden, die überdies zu Befestigungsarbeiten auf einem weiten Raum verstreut waren. Nicht besser sah es im Bereiche des kommandierenden Generals in BHD., GdI. v. Sarkotić, aus, der eben im Begriffe war, aus seinen 40.000 Milizleuten einige für den Feldkrieg geeignete Verbände herauszuschälen.

Daß die Serben diesen Maßnahmen tatenlos zusahen, konnte dem öst.-ung. Generalstabschef begreiflicherweise nicht unwillkommen sein. Er erblickte in diesem Verhalten sogar die Möglichkeit, mit dem Savekönigreich zu einer politischen Verständigung zu gelangen, und kam noch in den Tagen, in denen an die Unterzeichnung des Bündnisses mit Bulgarien geschritten wurde, darauf zurück, ohne daß sich sein Wunsch erfüllen ließ. So kostete es ihn denn zeitweilig einige Überwindung, dem ungestümen Drängen seines reichsdeutschen Kollegen Gefolgschaft zu leisten, das heißt zuzustimmen, daß man über den bis auf weiteres lahmgelegten Feind herfalle, indes im Nordosten Lemberg noch ganz nahe hinter der Front lag, und indes es am Isonzo wie ein Wunder anmutete, daß der der Armee Boroevic drei- und vierfach überlegene Feind noch keine ins Herz des Reiches führende Bresche zu schlagen vermocht hatte. Auf jeden Fall war, wenn es zu dem vor allem durch Falkenhayn betriebenen Balkanunternehmen kam, an die Durchführung des Gegenstoßes gegen Italien, den Conrad nach wie vor für besonders wichtig hielt, im Jahre 1915 nicht mehr zu denken.

Diesen militärischen Erwägungen gesellte sich beim öst.-ung. Generalstabschef in der Erinnerung an Bulgariens Politik während der letzten Balkanwirren noch ein starkes Mißtrauen gegenüber dem neuen Bundesgenossen bei. Ein 15jähriges Bündnis lehnte er entschieden ab. Ebenso sprach er sich gegen die Abtretung Ostserbiens an Bulgarien aus, weil er durch ein solches Zugeständnis die Lebensfähigkeit des übrigbleibenden Serbiens in Frage gestellt und auch wichtige Interessen des Donaureiches berührt wähnte. Mit besonderem Unbehagen glaubte Conrad überdies wahrnehmen zu müssen, daß Deutschland nun auch in den für Österreich-Ungarn so bedeutsamen Balkanfragen die Führung ganz an sich zu reißen im Begriff sei — dies, obgleich die Gewinnung Bulgariens eigentlich den Schlußpunkt einer Politik bildete, die das Wiener Kabinett seit 1908 gegenüber den von Berlin verfochtenen Auffassungen vertreten hatte1). Ein niederschmetternder Beweis hiefür bot sich ihm gleich bei den ersten Verhandlungen mit Falkenhayn und dem Ende Juli in Pleß erschienenen bulgarischen Militärbevollmächtigten Obst. Gantschef f. Dieser machte sofort das militärische Einschreiten Bulgariens davon abhängig, daß den Oberbefehl über die gegen Serbien aufgebotenen verbündeten Streitkräfte ein deutscher General erhalte. Für Conrad war es eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß dieser Posten einem öst.-ung. Heerführer zukam, aber er mußte der Berufung des GFM. v. Mackensen zustimmen. Einen Monat später, knapp vor Unterzeichnung der Verträge, trat der Vertreter Bulgariens mit der weiteren Forderung hervor, die Militärkonvention habe ausdrücklich zu sagen, daß Mackensen an die Weisungen der deutschen (also nicht der öst.-ung.) Heeresleitung gehalten sei2). Da Conrad eine solche neuerliche Zurücksetzung Österreich-Ungarns für unannehmbar erklärte, verfiel man durch Vermittlung des GM. Cramon auf den Ausweg, die Angelegenheit in der Militärkonvention überhaupt unerwähnt zu lassen, indes eine geheime Abmachung zwischen Teschen und Pleß festsetzte, daß die Weisungen für Mackensen gemeinsam zu beschließen, aber durch die öst.-ung. Heeresleitung auszugeben seien3). Bei Conrad ließen diese Erlebnisse eine tiefe Verstimmung zurück, die vor allem auf die Beziehungen zum deutschen Kollegen abfärben sollte.

x) Vgl. darüber zahlreiche Aktenstücke bei B i 11 n e r und Uebersberger, Österreich-Ungams Außenpolitik von der Bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914 (Wien 1930).

2)    Cramon, Unser österreichisch-ungarischer Bundesgenosse im Weltkriege (2. Aufl., Berlin 1922), 31 ff.

3)    „Damit schien“, schreibt Cramon, „der heikle Punkt fürs erste bereinigt. Aber schon nach wenigen Tagen gab es neue Schwierigkeiten, als Conrad in einem Schreiben an Falkenhayn den Wunsch aussprach, daß Mackensen schon den ersten Befehl durch das Armeeoberkommando Teschen zu erhalten hätte. Falkenhayn erwiderte, daß Mackensen die erste Anweisung unbedingt durch die deutsche Oberste Heeresleitung zu bekommen hätte, weil Mackensen deutscher Offizier wäre; wäre er österreichischer, so hätte nach Anschauung Falkenhayns zu einer solchen Befehlsgebung nur das k. u. k. Oberkommando ein Recht. Conrad stimmte schließlich zu, und Falkenhayn teilte am

18. September nach Tcschen mit, daß zwei Tage zuvor die Anweisung Mackensens durch den Deutschen Kaiser persönlich erfolgt wäre, ,wie dies nach deutscher Auffassung unerläßlich war1.“

Inzwischen hatte es aber auch die Entente nicht an Versuchen fehlen lassen, Bulgarien noch in elfter Stunde zu sich herüberzuziehen. Selbstverständlich hätte dies nur auf Kosten Serbiens geschehen können, in dessen Händen sich das von Bulgarien begehrte Mazedonien befand. „Doch wehrte sich die serbische Regierung gegen ein solches Ansinnen so lange als möglich mit allen Kräften. Eher werde sie, ließ sie den Alliierten sagen, ganz Serbien Österreich übergeben, als ein so schmähliches Opfer darzubringen. Um das Königreich in letzter Stunde doch noch zum Einlenken zu bringen, sicherten am 17. August die Gesandten der Großmächte in Nisch den Serben feierlich zu, daß man ihnen als Entgelt für das mazedonische Opfer Bosnien, die Herzegowina, Süddalmatien, Syrmien und die Bácska zukommen lassen werde. Rußland, England und Frankreich erklärten gegen den Willen Italiens zudem noch, daß man auch den Anschluß der Kroaten an Serbien fördern werde, wenn es deren Wunsch sei1).“ Wohl oder übel hatte sich die Skupschtina schon Mitte August entschließen müssen, in geheimer Sitzung grundsätzlich in die Abtretung mazedonischen Gebietes an Bulgarien einzuwilligen, wenn dieses dadurch für den Anschluß an die Entente gewonnen werden könnte.

Aber Bulgarien hörte weder mehr auf diese Verlockungen noch auf die Mahnungen Rußlands, die slawisch-orthodoxe Blutsgemeinschaft nicht zu zerreißen. Es schloß am 6. September 1915 mit den Mittelmächten ab. Einem diplomatischen Hauptvertrag, der ein nicht für 15, sondern nur für fünf Jahre geltendes Verteidigungsbündnis zum Inhalt hatte, waren ein geheimes Zusatzabkommen und eine Militärkonvention angeschlossen. In dem Zusatzabkommen sicherten die Mittelmächte den Bulgaren alle serbischen, für den Fall eines Krieges mit Rumänien oder Griechenland auch alle rumänischen und griechischen Gebiete zu, die sie gefordert hatten. Auch Ostserbien befand sich darunter. Die deutsche Reichsleitung hatte diesem Wunsche in dem Augenblicke, da er ausgesprochen worden war, zugestimmt, und Burián fügte sich, damit auch den Auffassungen seines Freundes Tisza entgegenkommend, der sich wohl gegen die Einverleibung größerer serbischer Gebiete durch Österreich-Ungarn aussprach, im übrigen aber jede Verkleinerung Serbiens nachdrücklich befürwortete, weil er, im Gegensätze zu Conrad, ein möglichst eingeengtes, wenig lebensfähiges Serbien für die erstrebenswerte Zukunftslösung hielt. Außerdem wurde den Bulgaren ein Darlehen von 200 Millionen Francs in vier Monatsraten zugesichert.

1) Glaise-Horstenau, Die Katastrophe — Die Zertrümmerung ÖsterreichUngarns und das Werden der Nachfolgestaaten (Wien 1929), 48 f.

Die Militärkonvention verpflichtete Österreich-Ungarn und Deutschland, je sechs Divisionen, Bulgarien, deren vier, von denen jede jedoch organisationsgemäß drei Brigaden stark war, gegen Serbien anzusetzen; der Zweck dieses Kräfteaufgebotes war, „die serbische Armee zu schlagen“, wo man sie fand, und „baldmöglichst die Verbindung über Land zwischen Ungarn und Bulgarien zu öffnen und zu sichern“. Eine weitere bulgarische Division sollte aus Südbulgarien geradewegs in Mazedonien einfallen. Bulgarien hatte fünf Tage nach Unterzeichnung der Verträge mobilzumachen und dreißig Tage später, fünf Tage nach den Verbündeten, gegen Serbien vorzugehen. Es verpflichtete sich, gegenüber Rumänien und Griechenland die Neutralität zu wahren, wenn diese beiden Länder neutral blieben; dafür hatten die beiden Mittelmächte jeden Staat, der Bulgarien angreifen mochte, als ihren Feind zu behandeln. Weitere Punkte galten der Mitwirkung Deutschlands an der Sicherung Bulgariens gegen die Küsten des Schwarzen und des Ägäischen Meeres sowie einer etwaigen Mitwirkung türkischer Truppen an den Kriegshandlungen, an denen Bulgarien teilnahm.

Am gleichen 6. September wurde das Abkommen zwischen Sofia und Konstantinopel geschlossen, das den Bulgaren Adrianopel und den gewünschten Landerwerb an der Maritza einbrachte.

Die militärischen Maßnahmen gegen Rußland

Während die Mittelmächte das Eisen mit Bulgarien schmiedeten, hatten ihre Heere die Russen an den Westrand der Pripjatjsümpfe zurückgetrieben. Am 17. August war Kowno, am 26. Brest-Litowsk gefallen. Für Falkenhayn hatte der Ostkrieg im allgemeinen das gehalten, was er ihm versprochen. Die russischen Millionenarmeen waren ins Mark getroffen, hatten unerhörte Menschenverluste und Einbußen an Gerät (Bd. II, S. 729) erlitten, waren weit gegen das Innere ihres Reiches zurückgedrängt und allem Anschein nach auch der Fähigkeit zu größeren Angriffshandlungen mindestens auf längere Zeit verlustig geworden. Mehr hatte sich der Leiter der deutschen Kriegführung nicht erwartet. Es war, aus seinem Blickfeld gesehen, nur folgerichtig gewesen, wenn er schon am 3. August Conrad mitgeteilt hatte, daß er den Angriffsfeldzug als beendet ansehen werde, sobald die Linie Brest-Litowsk—Grodno erreicht sei (Bd. II, S. 667). Schon rief der Balkan zu neuen Taten!

Der öst.-ung. Generalstabschef lehnte diesen Gedanken zunächst nicht ab. Allerdings erhoffte er sich damals noch, daß es bis zum Erreichen der von Falkenhayn bezeichneten Linie noch gelingen werde, durch weit ausholende Umfassungen einen tiefer greifenden Erfolg zu erringen. Diese Hoffnung gab Conrad erst eine Woche später auf (Bd. II, S. 668). Sofort hatte er freilich die Sorge um Lemberg geltend gemacht, das nur zwei Tagmärsche von den Russenstellungen entfernt lag. Diese Sorge bildete denn auch keinen geringen Anstoß zur Verwirklichung der Pläne, die in der nächsten Zeit den regen Geist des öst.-ung. Führers befaßten. War es schon nicht mehr möglich, den Russen diesseits von Brest-Litowsk eine entscheidende Niederlage beizubringen, vermochten sie sich schon in diesem Raume immer wieder dem Drucke der Verbündeten zu entziehen, so sollte doch die nunmehr eintretende Trennung der russischen Massen ausgenützt werden, indem der südliche Teil der feindlichen Armeen von Kowel her in der offenen, kaum geschützten Flanke gefaßt und gegen Südosten abgedrängt wurde. Damit vermochte man auch am besten der Entlastung Lembergs zu dienen, wobei die gleichzeitigen Angriffsabsichten des GdK. v. Böhm-Ermolli (Bd. II, S. 702) nur zu begrüßen waren.

Es ist bereits geschildert worden (Bd. II, S. 701 ff.), daß Falkenhayn den Plänen seines öst.-ung. Kollegen zunächst mancherlei Bedenken entgegensetzte, aber schließlich, am 18. August, doch einwilligte. In denselben Tagen setzten GFM. v. Hindenburg und GM. Ludendorff ihren Willen durch, den nördlich des Polesie weichenden russischen Massen über Wilna und Minsk die Flanke abzugewinnen. Allerdings konnte der deutsche Generalstabschef dem Vorschlag Conrads nicht willfahren, den Armeen Hindenburgs Kräfte aus dem Raume von Brest-Litowsk zuzuweisen. Diese seien, — schrieb er am 26. August — „ohne zunächst den Griff an des Feindes Gurgel zu lockern“, an die untere Donau zu senden.

Zwei Tage später, am 28. August, erteilte Falkenhayn für den deutschen Teil der Heeresfront gegen Rußland die neuen Weisungen. Der Heeresgruppe Hindenburg wurde vorgeschrieben, die von ihr nördlich vom oberen Narew und östlich vom mittleren Njemen eingeleiteten Operationen bis zur größtmöglichen Schädigung des Feindes durchzuführen. Gleichzeitig wurde dem Generalfeldmarschall bereits der Ausbau einer Dauerstellung empfohlen, die sich von der Mündung der Narewka in den Narew bis zur Ostsee, zum Rigaischen Meerbusen oder bis Libau erstrecken sollte. Auch wurde ihm bedeutet, daß in nicht ferner Zeit die Notwendigkeit eintreten könne, zehn bis zwölf Divisionen für andere Kriegsschauplätze herauszuziehen.

Die Heeresgruppen Mackensen und Prinz Leopold von Bayern sollten nach den oben erwähnten Weisungen der DOHL. mit der Masse ihren Vormarsch nach Osten im Sumpfgebiet östlich der Linie Ratno—Kobrin— Szereszowo einstellen und nur mit kleineren gemischten Verbänden auf allen Straßen am Feinde bleiben. Von der Mündung der Ucherka in den Bug bis zum Zusammenfluß der Narewka mit dem Narew sollte eine Dauerstellung ausgebaut werden x).

Inzwischen war durch die Einnahme von Kowel am 24. August (Bd. II, S. 706) auch die Ausgangsanlage für den von Conrad geplanten Angriff gegen das russische Südheer geschaffen worden. Die Zeit schien umsomehr zu drängen, als mancherlei Anzeichen auf einen Abmarsch der bisher östlich von Wladimir-Wołyński verbliebenen Russen hindeuteten. Die k.u.k. Heeresleitung erteilte am 25. August ihren Armeen voller Zuversicht den Befehl, den Angriff am 27. mit den zur Stelle befindlichen Kräften zu beginnen. Der zunächst durch die 1. Armee des FZM. v. Puhallo gebildete Nordflügel hatte von Kowel und Władimir-Wo-łyński auf Łuck vorzudringen, um den hinter dem oberen Bug und der Złota Lipa stehenden Feind von Norden her zu überflügeln. Gleichzeitig war der Russe in Ostgalizien durch die inneren Flügel der 2. und der Südarmee auf den Höhen südlich der Bahn Krasne—Brody zu durchbrechen und aus Ostgalizien zu vertreiben. Das äußerste Ziel sollte der Zbrucz und die Linie Ostróg—Łuniniec sein.

Gleichzeitig hieß es, den Abtransport von sechs Divisionen nach dem Balkankriegsschauplatz im Sinne der vor dem Abschluß stehenden Militärkonvention mit Bulgarien (S. 11) vorzubereiten. Dazu standen die Kräfte zur Verfügung, die sich eben aus der Heeresgruppe Mackensen auslösten. Nach den am 28. August bestehenden Absichten der Heeresleitung sollte das VIII. Korps mit der 37. HID. und der 106. LstlD. aus dem Verbände der 4. Armee ausscheiden und sich bei Iwangorod zum Abrollen nach dem Südosten bereitstellen. Das XVII. Korps (11. ID. und 41. HID.) sowie die 1. und die 3. polnische Brigade waren nach Cholm gewiesen, wo sie am 3. September eintreffen konnten, um entweder in der Richtung auf Kowel bei der 1. Armee eingesetzt zu werden oder — ohne die Polen — die Bahn zur Fahrt auf den Balkankriegsschauplatz zu besteigen. Das VI. Korps schied, durch den GFM. Mackensen mit besonderer Anerkennung bedacht, aus den Reihen der Bugarmee und hatte

x) Falkenhayn, Heeresleitung, 113ff.; Cramon, 25f.; Kuhl, 242ff.; Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen 1914—1918 (Berlin 1919 und 1920), 129; Foerster, Graf Schlieffen und der Weltkrieg (2. Aufl., Berlin 1925), I, 61 ff.; Kritik des Weltkrieges, Von einem Generalstäbler (Leipzig 1920), 149 ff.

sich hinter dem XVII. nach Cholm in Marsch zu setzen. Schon in den nächsten Tagen traten aber in den Absichten der Heeresleitung einige 'Änderungen ein. Die 37. HID. sollte bei der 7. Armee die innerösterreichische 6. ID. ablösen, die zur Verteidigung ihrer engeren Heimat an den Isonz;o abgehen sollte. Ebenso wurde die 106. LstlD. für den italienischen Kriegsschauplatz bestimmt. Dafür sollten zwei balkangewohnte, besonders ausgerüstete Divisionen, die 57. und die 59., vom Isonzo nach Syrmien verschoben werden. Das XVII. Korps wurde mit der 41. HID. nach Lublin, mit der 11. ID. nach Rawa Ruska gewiesen; in den zweitgenannten Raum hatten auch die zwei Divisionen des VI. Korps zu gelangen. Alle vier Divisionen waren für den Balkan bestimmt. Das Schicksal wollte es jedoch anders.

* 3

*

„So wuchs“, schreibt Hermann Stegemann1), „der Feldzug, der dem Conradschen Gedanken eines Durchbruchs bei Gorlice entsprungen war, in den letzten Tagen des August 1915 zu neuer operativer Gestaltung und zu wahrhaft tragischer Höhe. Er griff von dem brennenden Brest-Litowsk wieder nach den Flügeln aus und brachte alle deutschen und öst.-ung. Kräfte in Bewegung. Er erfüllte die zu unendlicher Weite gestreckte kriegerische Bühne von der Mündung der Düna bis zur Quelle des Bug mit einer Reihe strategisch verketteter Schlachten, vermied aber im letzten Augenblick mit Bedacht die lockende Tiefe des Raumes, in der einst Napoleons Stern über dem brennenden Moskau untergegangen war.“

Gleichzeitig schickte sich der Krieg aber auch an, dahin zurückzukehren, von wo er ausgegangen war: auf die Balkanhalbinsel. Die Mittelmächte hatten auf dem blutigen Schachbrett des Weltringens durch die Gewinnung Bulgariens einen neuen, bedeutsamen Zug vorbereitet. Es war die große Frage, ob und wie weit es der Entente gelingen werde, einen entsprechend wirksamen Gegenzug zu führen. Das Feld, von dem dieser ausgehen konnte, war wohl schon offenkundig: Saloniki und das Land am unteren Vardar, also griechischer Boden. Deutschland tat alles, die Stellung des deutschfreundlichen, an der Neutralität festhaltenden Königs Konstantin zu stützen. Aber die Entente hatte sich in Venizelos keinen weniger bedeutsamen Bundesgenossen gesichert. Die Schicksalhaftigkeit des Raumes, wo einst die berühmte Via Egnatia aus der thessalischen Ebene ins Gebirge abschwenkte, begann sich im Hintergründe alles Weltgeschehens bereits abzuzeichnen.

x) Stegemann, Geschichte des Krieges, III (Stuttgart 1919), 363.

KRIEGSGLIEDERUNG

der an den öst.-ung. Fronten fechtenden verbündeten und feindlichen Armeen in den Herbstkämpfen 1915

Vorbemerkung

Diesen Zusammenstellungen wurden als Stichtage zugrunde gelegt: für den nordöstlichen Kriegsschauplatz der 1. September, für den Balkan der 6., für die Südwestfront der 15. Oktober und für die Flotte der 30. September 1915.

A. Russischer Kriegsschauplatz

HEERESGRUPPE ERZHERZOG JOSEPH FERDINAND Kmdt.: GdI. ERZHERZOG JOSEPH FERDINAND

Gstbsdief: Obst. Ritt. v. Paić

4. ARMEE

Kmdt.: GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand

Gstbsdief: Obst. Ritt. v. Paić

4. KD.: GM. Berndt1)

18. KBrig.: Obst. Weisz v. Sdileussenburg, DR. 9 (4), UR. 1 (4)

21. KBrig.-. GM. Gf. Marenzi, DR. 15 (4), UR. 13 (4)

KavSchD. 4 rt. AD. 11 (3)

640 Feuergewehre, 1640 Reiter, 9 Gesdi.

7. KD.: GM. Ritt. v. Micewski

11. KBrig.: GM. v. Mold, DR. 10 (6), UR. 2 (6)

20. KBrig.: GM. v. Le Gay, DR. 12 (5), UR. 3 (5)

KavSdiR. 7

rt. AD. 1 (4)    .

850 Feuergewehre, 2750 Reiter, 16 Gesdi.

XIV. KORPS!)

31 Baone., 7 Sdiwd., 23 Bt., 5 techn. Komp./ 20.049 Feuergewehre, 553 Reiter, 92 Gesch.

Kmdt.: GdI. Roth

Gstbschef: Obst. Göttlicher

2.    ID.: FML. Edl. v. Sellner

3.    IBrig.-. GM. Klein, IR. 40 (3), bh. 4    (2), FJB. 4

4.    IBrig.: GM. Prusenowsky, IR. 89 (3), 90 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. rt. SdiR. 3,    1. Sdiwd.    LstHusD.    5

2.    FABrig.: Obst. Edl. v. Rosenzweig,    FKR. 29    (4),    I.    Dion.    FHR. 10 (2)

4.    Komp. SB. 10 ,

6433 Feuergewehre, 165 Reiter, 23 Gesch.

3.    ID.: FML. Edl. v. Horsetzky

5.    IBrig.: GM. Richard Müller, IR. 59 (3), 21 (2)2)

15. IBrig.: Obst. v. Vitorelli, IR. 14 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. rt. SchR. 6

3.    FABrig.: Obst. Edl. v. Zwiedinek, FKR. 42 (5), II. Dion. FHR. 14 (2),

1. u. 2. Bt. sFHD. 14

1.    Komp. SB. 14

6257 Feuergewehre, 119 Reiter, 45 Gesch.

21. SdiD.3): GM. Podhajský

41.    SchBrig.: GM. Keki, SchR. 6 (3), 7 (2)

42.    SchBrig.: Obst. Hansmann, SchR. 8 (2), 28 (3) k. k. LstlBaon. 54

DionsKav.: 1. u. RSchwd. DR. 14

21. FABrig.: Obst. Vollgruber, FKR. 23 (4), FKD. 21 (2), FHD. 21 (2)

2.    Komp. SB. 1

7359 Feuergewehre, 269 Reiter, 24 Gesch.

Korpsunmittelbar: 3. Komp. PB. 3, 1. Komp. PB. 9

X. KORPS

22 Baone., 7 Schwd., 20 Bt., 1 techn. Komp.,- 17.443 Feuergewehre, 600 Reiter, 98 Gesch.

Kmdt.: FML. Martiny

Gstbschef: GM. v. Kralowetz

24. ID.: GM. Urbar z

47. IBrig.: GM. Ritt. v. Unschuld, IR. 9 (2), 45 (2)

48. IBrig.: Obst. Korzer, IR. 10 [2^), 77 (2)

SchR. 30 (2)4)

DionsKav.: RSchwd. UR. 6, 3. u. 4. Sdiwd. rt. SchR. 3, 3. Schwd. LstHusD. 5

24. FABrig.: Obst. Uherek, FKR. 30 (5), 3. u. 4. Bt. FHR. 10, 1. u. 2. Bt. sFHD. 10 8140 Feuergewehre, 336 Reiter, 47 Gesch.

62. ID.: GM. Tunk

121. IBrig.: Obst.    Edl. v. Merten, SchR. 16 (3),    k. k. LstlR. 13 (3)

123. IBrig.: GM.    Schaible, IBaone. IV/8, IV/49,    komb. FJR. 1/?,)5)

DionsKav.: RSchwd. DR. 11, RSchwd. UR. 13

62. FABrig.: Obst. Honig, III. Dion. FKR. 2 (2), II. Dion. FKR. 20 (3),

9 cm KnDion. III Budapest (2)

2. Komp. SB. 2

9303 Feuergewehre, 140 Reiter, 35 Gesch.

Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 3,- 1. u. 2. Bt. sFHD. 6 6), sHbBt. 41 6), 42,- 124 Reiter, 16 Gesch.

x) Das XIV. und    das X. Korps bilden mit dem    KavKorps GM. Berndt    bis    zum

7. September die Gruppe    GdI. Roth. — 2) Von der 10.    ID. — 3) Ab 2. September    dem

IX. Korps unterstellt. —    4) Von der 26. SchD. — 5) Zusammengesetzt aus dem    FJB. 31,

dem bh. FJB. 1 und deren Marschformationen. — 6) Vom VI. Korps.

IX. KORPS

21    Baone., 6 Schwd., 23 Bt., 3 techn. Komp.,- 17.200 Feuergewehre, 837 Reiter, 101 Gesdi.

Kmdt.: FML. K r á Í i č e k

Gstbsdief: Obst. v. Krammer 10. ID.1): FML. Edl.    v. Mecenseffy

19.    IBrig.: GM.    v. Iwański, IR. 62 (3), 82 (3) 2)

20.    IBrig.: GM.    Reymann, IR. 18 (2),    98 (2), FJB.    2,    12

DionsKav.: 8. Schwd. HR. 2, 5. u. 6.    Schwd. rt.    SchR. 2

10. FABrig.: Obst. Blaha, FKR. 25 (7), I. Dion. FHR. 9 (2)

4.    Komp. SB. 9

9700 Feuergewehre, 477 Reiter, 45 Gesch.

26. SchD.: FML. Lischka

51.    SchBrig.: Obst. Ritt. v. Zygadiowicz, SchR. 11 (2), 12    (2)

52.    SchBrig.: Obst. Sdiolze, SchR. 9 (2), 10 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. rt. SchR. 2

26. FABrig.: GM. v. Heimeridi, FKR. 26 (4), FKD. 26 (2), FHD. 26 (2)

5.    Komp. SB. 9

7500 Feuergewehre, 239 Reiter, 38 Gesch.

Korpsunmittelbar: RSdiwd. DR. 1 ,• 1. u. 2. Bt. sFHD. 9, sHbBt. 4, 123), 203), 46/

4. Komp. PB. 4,- 121 Reiter, 18 Gesch.

Armeeunmittelbar: 4. Komp. SB. 8, 5. Komp. SB. 10, 2 LstSAbtlgn.,-    1.    Komp.    PB.    2,

1. Komp. PB. 3, 5. Komp. PB. 5, 5. Komp. PB.    9,    1.    Komp.    PB.    10,-

FliegKomp. 10, 13

Summe der 4. Armee: 76V2 Baone., 58 Schwd., 73 Bt., IS techn. Komp.,

2 FliegKomp.,- 56.182 Feuergewehre, 6380 Reiter, 316 Gesch.

1. ARMEE

Kmdt.: FZM. v. Puhalio

Gstbsdief: GM. Edl. v. Kochanowski 13. SchD.: GM. v. Székely

25.    SchBrig.: Obst. Richter, SchR. 1 (2), 24 (2)

26.    SchBrig.: GM. Riml, SchR. 14 (2), 25 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. rt. SchR. 5

13.    FABrig.: Obst. Schulhof, FKR. 4 (5), FKD. 13 (2), FHD. 13 (2)

6.    Komp. SB. 11

8054 Feuergewehre, 260 Reiter, 54 Gesch.

KORPS SZURMAY

22    Baone., 6 Schwd., 19 Bt„ 41/2 techn. Komp.,- 18.000 Feuergewehre, 358 Reiter, 69 Gesdi.

Kmdt.: FML. Szurmay

Gstbsdief: Mjr. Röder

7. ID.: GM. Blasius v. Dáni

14.    IBrig.: GM. Baumgartner, IR. 38 (2), 68 (3), FJB. 21

71. IBrig.: Obst. Plivelic, IR. 37 (2), 79 (3)

DionsKav.: LstHusD. 10 (3)

FABrig.: Obst. Scheudier, FKR. 38 (6), III. Dion. FHR. 13 (2), sHbBt. 19

1. Komp. SB. 13

9800 Feuergewehre, 200 Reiter, 34 Gesch.

40. HID.: FML. Plank

79.    HIBrig.: Obst. Lengerer, HIR. 29 (3), 30 (3)

80.    HIBrig.: GM. Háber, HIR. 6 (2), 19 (3)

!) Am 1. September Armeereserve, vom 2. September an dem Gdl. Roth unterstellt. —

2) IR. 62 und 82 vom XII. Korps. — 3j Vom VI. Korps.

DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. HR. 8

40. FABrig.: GM. v. Hellebronth, HFKR. 1 (4), I. Dion. FKR. 12 (2)

5. Komp. SB. 13

8200 Feuergewehre, 100 Reiter, 23 Gesdi.

Korpsunmittelbar: 2. Sdiwd. LstHusD. 5,- RBt. FKR. 35, Maßt. FKR. 36, komb. Maßt.

HFKR. 5, sHbBt. 6,- 6. Komp. SB. 1, 1. Komp. SB. 8,- Y2 2. Komp. PB. 3,58 Reiter, 12 Gesch.

I.    KORPS

28 Baone., 4 Sdiwd., 22 Bt., 2^2 techn. Komp.,- 19.480 Feuergewehre, 320 Reiter, 96 Gesch. Kmdt.: GdK. Karí Freih, v. Kirchbach

Gstbschef: Obst. Demus

9. ID.: FML. Edl. v. Schenk

17.    IBrig.: GM. Ritt. v. Mossig, IR. 91 (3), 102 (2^)

18.    IBrig.: Obst. v. Loefen, IR. 11 (2), 73 (2i/2)

DionsKav.: 5. Sdiwd. DR. 14, RSchwd. UR. 12

9. FABrig.: Obst. Baumann, FKR. 24 (5), 10. Bt. FKR. 20, I. Dion. FHR. 8 (2) 5000 Feuergewehre, 200 Reiter, 26 Gesch.

46. SchD.: GM. v. Czapp

91. SchBrig.: GM. v. Urbański, SchR. 31 (3), 32 (3)

92. SchBrig.: GM. Haas, SchR. 13 (4), 15 (4) k. k. LstlR. 11 (2), 12 (2)

DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. rt. SchR. 4

46. FABrig.: Obst. Exner, FKR. 2 (4), FKD. 46 (3), Türkei FHD. I (3), sFHD. 1 (2), sHbBt. 5, 12 cm KnBt. 11

3. Komp. SB. 1, 3. Komp. SB. 9,- !/22. Komp. PB. 3 14.480 Feuergewehre, 120 Reiter, 70 Gesch.

II.    KORPS

10 Baone., 3 Schwd., 11 Bt., 3 techn. Komp.,- 10.000 Feuergewehre, 350 Reiter, 56 Gesch.

Kmdt.}: GdI. Johann Freih. v. Kirchbach Gstbsdief: Obst. Gf. Szeptycki

25. ID.: GM. Poleschensky

49.    IBrig.: GM. Edl. v. Severus, IR. 84 (4), FJB. 10, 17, 25

50,    IBrig.: Obst. Hassenteufel, IR. 4 (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Sdiwd. rt. SchR. 5

25. FABrig.: Obst. Edl. v. Filz, FKR. 6 (5), II. Dion. FHR. 2 (2)

5. Komp. SB. 2

10.000 Feuergewehre, 300 Reiter, 42 Gesch.

Korpsunmittelbar: RSchwd. HR. 1,- Türkei FHD. II (2), sFHD. 2 (2),- 1. Komp. SB. 2,

4. Komp. PB. 2,- 50 Reiter, 14 Gesdi.

Armeeunmittelbar: FliegKomp. 7

Summe der 1. Armee: 69 Baone., 15 Sdiwd., 61 Bt., 11 techn. Komp., 1 FliegKomp.,* 55.534 Feuergewehre, 1288 Reiter, 275 Gesch.

HEERESGRUPPENRESERVE GRUPPE SMEKAL

45. SchD.: FML. Smekal

89.    SchBrig.: Obst. Barwik, SchR. 18 (3), 33 (2)

90.    SchBrig.: Obst. Herzmansky, SchR. 17 (3), 34 (3)

DionsKav.: RSchwd. DR. 9, 1. u. 2. Schwd. rt. SchR. 3

45. FABrig.: Obst. Primavesi, FKR. 41 (6), FKD. 45 (2), FHD. 45 (2)

5. Komp. SB. 14

7665 Feuergewehre, 308 Reiter, 43 Gesch.

4. ID.: FML. Schmidt Edl. v. Fussina

7.    IBrig.: Obst. Ritt. v. Steinitz, IR. 99    (3),    IBaon. IV/3

8.    IBrig.: GM. Ritt. v. Jemrich, IR. 8 (2),    49    (2)

DionsKav.: 1. u. 2. Sdiwd. rt. SdiR. 5

4. FABrig.: Obst. Machaczek, FKR. 5 (5), I. Dion. FHR. 2 (2)

6. Komp. SB. 2

7200 Feuergewehre, 200 Reiter, 32 Gesdi.

Summe der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand: 164^2 Baone., 78 Sdiwd., 151 Bt., 31 tedin. Komp., 3 FliegKomp./ 126.581 Feuergewehre, 8176 Reiter,

666 Gesch.

2. ARMEE

Kmdt.: GdK. y. Böhm^Ermoiii

Gstbsdief: GM. Dr. Bardolff

XVIII. KORPS

34*/2 Baone., 33Sdiwd., 30Bt., 3 techn.Komp.,- 26.906 Feuergewehre, 3585 Reiter, 123 Gesdi.

Kmdt.: FML. Czibulka

Gstbschef: Obst. Edl. v. Lunzer

31.    ID.: FML. Freih. v. Lötgendorf

61.    IBrig.:    GM.    v. Felix,    IR. 32    (3),    69 (2y2)

62.    IBrig.:    Obst.    Heisegg,    IR. 44    (3),    bh. 3 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Sdiwd. HR. 8

31.    FABrig.: Obst. Sdiirza, FKR. 10 (5), 1., 2. u. 6, Bt. FHR. 4

4. Komp. SB. 4

9225 Feuergewehre, 320 Reiter, 30 Gesdi.

32.    ID.: GM. Ritt. v. Willerding

63.    IBrig.:    GM.    Edl. v. Obauer,    IR.    23 (3), 70 (3)

64.    IBrig.:    GM.    Grallert,    IR. 6 (3), 86 (2i/->)

IR. 41 (3) i)

DionsKav.: 3. u. 4. Sdiwd. HR. 8

32.    FABrig.: GM. Kreyčy, FKR. 11 (5), FKD. 43 (2), 4. Bt. FKR. 31, II. Dion.

FHR. 4 (2)

3. Komp. SB. 4;,- 5. Komp. PB. 10 10.830 Feuergewehre, 318 Reiter, 46 Gesch. k. k. 1. LstlBrig.: Obst. Brauner k. k. LstlR. 1 (2), 2 (2), 22 {lý>)

RSchwd. DR. 7

8. Bt. FKR. 16, 8. Bt. FKR. 31, 6. Bt. FKR. 42, FHD. U (2)

5031 Feuergewehre, 59 Reiter, 21 Gesch. k. u. 1. LstHusBrig.: Obst. Csécsi*Nagy LstHusR.. 1 (4), 2 (4)

Fußabtlg.

7. Bt. FKR. 16

500 Feuergewehre, 760 Reiter, 6 Gesch.

1. KD.2): GM. Chev. de Ruiz

6.    KBrig.: GM. v. Mouillard, HR. 7 (4), 14 (6)

7.    KBrig.: Obst. Edl. v. Pollet, HR. 4 (6), 12 (4)

KavSchR. 1 (6), 1. RSdiwd. HR. 5

rt. AD. 7 (4)

1320 Feuergewehre, 2128 Reiter, 12 Gesch.

Korpsunmittelbar: sHbBt. 40, 44,- 8 Gesdi.

IV. KORPS

24 Baone., 5 Schwd., 12 Bt., 3 tedin. Komp.,- 20.200 Feuergewehre, 550 Reiter, 59 Gesch. Kmdt.: FML. Schmidt v. Georgenegg

Gstbschef: Obst. Edl. v. Merizzi

27. ID.: FML. Kosak

53.    IBrig.: Obst. Lederer, IR. 25 (3), 34 (3), FJB. 29

54.    IBrig.: Obst. v. Watterich, IR. 67 (3), 85 (2)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. HR. 15

27. FABrig.: Obst. Steinhäuser, FKR. 16 (5), II. Dion. FHR. 6 (2)

2. Komp. SB. 8

11.900 Feuergewehre, 205 Reiter, 34 Gesch.

51. HID.: FML. v. Kornhaber

200.    HIBrig.: GM. Tanárky, HIR. 301 (3), 802 (3)

201.    HIBrig.: Obst. Sirdiich, HIR. 300 (3), 305 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. RScfawd. HHR. 4

8. Bt. FKR. 25, S. Bt. FKR. 35, 6. u. 7. Bt. HFKR. 1

4. Komp. SB. 3

8300 Feuergewehre, 250 Reiter, 21 Gesch.

Korpsunmittelbar: 3. Schwd. HHR. 8,- sFHbBt. 39,- 5. Komp. PB. 4,- 95 Reiter, 4 Gesch.

XIX. KORPS

13 Baone., 3 Schwd., 9 Bt., 2 techn. Komp.,- 11.000 Feuergewehre, 300 Reiter, 36 Gesch. Kmdt.: FML.    T r o 11 m a n    n

Gstbschef: Obst. G ü n s t e

29. ID.: GM. Kroupa

57.    IBrig.: GM. WöIIner, IR. 42 (3), 92 (3)

58.    IBrig.: Obst. Langendorf, IR. 74 (3), 94 (4)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt. SchR. 2

7. FABrig.: GM. Soppe, FKR. 27 (5), 5. Bt. FKR. 21, II. Dion. FHR. 9 (2)

6. Komp. SB. 8

1L.000 Feuergewehre, 250 Reiter, 32    Gesch.

Korpsunmittelbar:    komb.    Schwd. HR. 2,• 4.    Bt. sFHD. 4/    3. Komp. PB. 9,- 50 Reiter,

4 Gesch.

V. KORPS

49 Baone., 11 Schwd., 33 Bt., 4 techn. Komp.,- 36.800 Feuergewehre, 870 Reiter, 160 Gesch.

Kmdt.: FML. Gogli a

Gstbschef: Obst. Freih. v. Catineili

33.    ID.: FML. Hordt

65.    IBrig.: GM. Freih. v. Dürfeld, IR. 19 (4), 26 (3)

66.    IBrig.: GM. Mihaijevic, IR. 12 (3), 83 (Ś4^)    '

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. HR. 5

33. FABrig.: Obst. Kaufmann, FKR. 15 (5), II. Dion. FHR. 5 (2)

5. Komp. SB. 5

9000 Feuergewehre, 160 Reiter, 37 Gesch.

34.    ID.: GM. Ritt. v. Birkenhain

67.    IBrig.: GM. v. Lauingen, IR. 29 (3), 101 (3)

68.    IBrig.: Obst. Pfister, IR. 33 (8), FJB. 23, 28

DionsKav.: 4. u. 5. Schwd. HR. 12, 2. RScfawd. HR. 3, 3. Schwd. LstHusD. 8

III. Dion. FKR. 3 (2), I. Dion. FKR. 19 (2), II. Dion. FHR. 7 (2)

4. Komp. SB. 7

7700 Feuergewehre, 320 Reiter, 32 Gesch.

14. ID.: FML. v. Csicserics

27. IBrig.: GM. Horváth, IR. 71 (3), 72 (3), FJB. 11

28. IBrig.: Obst. Alfred v. Zeidler, IR. 48 (3), 76 (3), FJB. 19 DionsKav.: 1. u. 2. Sdiwd. HR. 5

1Í-. FABrig.: Obst. v. Ripper, FKR. 14 (5), I. Dion. FHR. 5 (2)

2. Komp. SB. 9

10.600 Feuergewehre, 160 Reiter, 34 Gesch.

43. SchD.: GM. Ritt. v. Jordan-Rozwadowski

59. IBrig.: Obst. Kosel, IR. 24 (3), SdiR. 20 (2i/a)')

86. SchBrig.: Obst. Meisel, SchR. 22 (2^), 36 (2^)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. rt. SchR. 1

43. FABrig.: Obst. Michalek, FKR. 31 (4), FHD. 43 (2)

5. Komp. SB. 6

9500 Feuergewehre, 150 Reiter, 29 Gesch.

Korpsunmittelbar: RSchwd. HR. 11,- sFHD. 4 (3), 5 (2), 8 (2),- 80 Reiter, 28 Gesch.

Armeeunmittelbar: RSdiwd. HR. 14,- sKnBt. 6, sHbBt. 13, 28, 30.5 cm MsBt. 8, 12, 15,

16, 17/ 4. Komp. PB. 3, 5. Komp. PB. 4,- FliegKomp. B, 14/ 50 Reiter,

14 Gesch.

Summe der 2. Armee: 12072 Baone., 53 Schwd., 92 Bt., 14 tedin. Komp.,

2 FliegKomp./ 94.906 Feuergewehre, 5355 Reiter, 392 Gesch.

DEUTSCHE SÜD ARMEE

Kmdt.: bayr. GdI. Gf. v. Bothmer

Gstbschef: bayr. Obstlt. Hemmer

KORPS MARSCHALL

32 Baone., 5 Schwd., 27^2 Bt., 4 tedin. Komp./ 28.600 Feuergewehre, 500 Reiter, 118 Gesch. Kmdt.: preuß. GdK. Freih. Marsch all

Gstbschef: preuß. Obst. v. D o m m e s

38. HID.: FML. v. Csanády

75.    HIBrig.: Obst. Gombos, HIR. 21 (3), 22 (3)

76.    HIBrig.: Obst. Bernatsky, HIR. 23 (3), 24 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HR. 2

38. FABrig.: Obst. Werz, 7. Bt. FKR. 23, 6. Bt. FKR. 26, 3—5. Bt. FKR. 34, HFKR. 5 (4), 6. Bt. FHR. 12, sHbBt. 50

5.    Komp. SB. 4

8900 Feuergewehre, 200 Reiter, 49 Gesch.

19. ID.: FML. Richard Mayer

37. IBrig.: Obst. Augustin, IR. 35 (1V0)-- 75 (3), FJB. 5

38. IBrig.: GM. Steiger, bh. IR. 1 (3), FJB. 6, 22, SchR. 29 (11/2)

DionsKav.: 4. u. 6. Schwd. DR. 14

19. FABrig.: Obst. Regnier, FKR. 22 (5), 8. Bt. FKR. 40, II. Dion. GbAR. 8 (2)

6.    Komp. SB. 9

10.500 Feuergewehre, 200 Reiter, 31 Gesch.

Preuß. 3i GID.: GM. v. Lindequist

9 Baone., 1 Sdiwd., 8Bt„ 1 techn. Komp./ 9200 Feuergewehre, 100 Reiter, 38 Gesch.

Korpsunmittelbar: 1. Komp. PB. 7

1) IR. 41 bei der 32. ID.

ÖST.-UNG. KORPS HOFMANN

27 Baone., 3Schwd., 15 Bt., 3y2 techn. Komp.,- 19.097 Feuergewehre, 160 Reiter, 59 Gesch. Kmdt.: FML. Hof mann Gstbschef: Obst. Gf. Lamezan

55. ID.: GM. Fleischmann

129.    IBrig.: Obst. Matasić, komb. HMaR. 1 (3), komb. HMaR. (3), SchBaon.

Mjr. Bondy, frw. Ukrainer Baon. I (zwei Komp.)

130.    IBrig.: GM. Witoszyński, SchR. 35 (8), komb. k. u. k. MaR. Mjr. Birthe (3),

frw. Ukrainer Baon. II (zwei Komp.)

5. Bt. FKR. 28, 4. Bt. rt. AD. 5, 6. u. 7. Bt. HFKR. 2 (2), 6. Bt. FHR. 6, 2. HbBt.

GbAR. 2 8300 Feuergewehre, 25 Gesch.

Komb. IBrig.: Obst. Edl. v. Bolzano

IR. 81 (3), 88 (3i/2), frw. Ukrainer Abtlg.

7. Bt. FKR. 8, 9. Bt. FKR. 20, sHbBt. 16 5800 Feuergewehre, 11 Gesdi.

131. IBrig.: GM. Blum

FJB. 32, SchR. 19 (3), komb. HMaR. 19 (3)

7. Bt. FKR. 31, 7. Bt. FKR. 33, 3. HbBt. GbAR. 14 4997 Feuergewehre, 11 Gesch.

Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 8, KavDet. Rtm. Farkas (2),- 5. Bt. FHR. 6, sHbBt.

36, 38,- í/ž !• Komp. SB. 11, 3. Komp. SB. 12,- 2. Komp. PB. 4, 3, Komp. PB. 7/ 210 Reiter, 12 Gesdi.

Armeeunmittelbar:

48. RD.: GLt. v. Oppeln-Bronikowski

10 Baone., 1 Schwd., 9 Bt., 2 mittlere, 3 leichte MWAbtlgn., 1 techn. Komp., 1 FliegAbtlg.

8 öst.5ung. LstSAbtlgn.

7500 Feuergewehre, 100 Reiter, 34 Gesch., 26 MW.

Summe der deutschen Sudarmee: 69 Baone., 9 Sdiwd., 51V2 Bt., 5 MWAbtign., I6V2 tedin. Komp., 1 FliegAbtlg./ 55.197 Feuergewefxre, 760 Reiter, 211 Gesch.,

26 MW.

7. ARMEE

Kmdt.: GdK. Freih. v. Pflanzer=Baitin

Gstbsdief: Obst. Ritt. v. Zeynek

XIII. KORPS

31 Baone., 5 Schwd., 18 Bt., 4 techn. Komp.,- 24.960 Feuergewehre, 509 Reiter, 76 Gesch. Kmdt.: GdI. Freih. v. Rhemen

Gstbsdief: Obst. Csoban

36. ID.: FML. Franz Ritt. v. Schreitter

72. IBrig.: GM. Edl. v. Luxardo, IR. 13 (2) 1), 16 (3), 52 (3), 53 (3), 93 (3) 1)

9. IBrig.: Obst. Trimmei, IR. 13 (2)!), 78 (3), k. u. LstEtBaon. IV/14 DionsKav.: RSchwd. HR. 2, 1. u. 2. Schwd. HHR. 10

36. FABrig.: Obst. Joseph Edl. v. Müller, FKR. 39 (4), HMaBt. 2, 3. u. 4. Bt.

FHR. 13, 2. Bt. sFHD. 11, sHbBt. 35, 37

2. Komp. SB. 13

14.964 Feuergewehre, 309 Reiter, 37 Gesch.

15. ID.: GM. Stracker

80. IBrig.: Obst. Leide, IR. 5 (3), k. u. LstEtBaone. IV/23, IV/32 IR. 65 (3), MaBaon. HIR. 11 IR. 60 (4)

DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. HR. 15

15. FABrig.: Obst. Latka, FKR. 17 (5), I. Dion. FHR. 6 (2)

5. Komp. SB. 11

9996 Feuergewehre, 200 Reiter, 39 Gesdi.

Korpsunmittelbar: 5. Komp. PB. 3, 4. Komp. PB. 15

GRUPPE (KORPS) HENRIQUEZ

10^2 Baone., 22 Sdiwd., 14^2 Bt., 3V4 tedin. Komp.,- 12.100 Feuergewehre, 1960 Reiter,

69 Gesch.

Kmdt.: FML. Ritt. v. Henriquez

Gstbsdief: Obstlt. Stromfeld

8. KD.: FML. Edl. v. Lehmann

13. KBrig.: Obst. v. Fluck, DR. 7 (4), UR. 8 (4)

15. KBrig.: Obst. Edl. v. Dokonal, DR. 2 (4), UR. 11 (4),- ^ MaBaon. SdiR. 5

1. u. 2. Schwd. UR. 4, RSdiwd. DR. 5 KavScfaD. 8

I.,    4. u. 5. Bt. FKR. 3

400 Feuergewehre, 1800 Reiter, 17 Gesdi.

30. ID.: FML. Kaiser

LstlBrig.: Obstlt. Békési, IR. 17 (2^)»), k. u. LstEtBaone. IV/20, IV/22, 1/23 FJB. 18, 27, SchR. 5 (2) 2)

DionsKav.: 3. u. 4. Sdiwd. rt. SdiR. 1

30. FABrig.: FML. Ströhr, FKR. 9 (ö),^. Bt. FKR. 3, 3. u. 4. Bt. FKR. 28,1. Dion.

FHR. 1, 12 cm KnBt. 19 V4 1- Komp. SB. 12

II,700    Feuergewehre, 160 Reiter, 52 Gesdi.

Korpsunmittelbar: 3U 1. Komp, SB. 12, ErsZug SB. 12,- 2. Komp. PB. 7, 2. Komp. PB. 9

GRUPPE (KORPS) BENIGNI

30 Baone., 1 RdfKomp., 53 Sdiwd., 30^2 Bt., 2 tedin. Komp./ 24.800 Feuergewehre,

7680 Reiter, 124 Gesdi.

Kmdt.: FML, Ritt, v, Benigni

Gstbschef: Obstlt. Max Freih. v. Pitreich

6. KD.3): GM. Edl. v. Schwer

5. KBrig.: GM. Leiter, DR. 8 (3), 11 (4), UR. 7 (4),. IBaone. II/l, 1/7, Det. Russ

10. IBrig.: GM. Adalbert v. Kaltenborn, IR. 1 (2), 7 (2)/ DR. 6 (5)

3. KD. (Gruppe): FML. Ritt. v. Brudermann

17. KBrig.: GM. Freih. v. Schnehen, DR. 3 (4), HR. 11 (4), KavSdiD. 3,- FJB. I, 14

10. KBrig.: Obst. Ritt. v. Szivó, UR. 4 (5), HR. 1 (4),- LstlBaon. 17

14. KBrig.: Obst. Gf. Alberti4)    .

FABrig. 5): rt. AD. 2 (3), 10 (3), 2. Bt. FKR. 3, 3. Bt. FKR. 19, 1. u. 2. Bt. FKR. 28, HMaBt. 2, 1. Bt. FHR. 3, 1/2 4. HbBt. GbAR. 12, 1. Bt. sFHD. 13

10.500 Feuergewehre, 5000 Reiter, 70 Gesch.

!) Von der 6. ID. — 2) Von der 22. SAD. — 3) Dem Gruppenkmdo. FML. Brudermann unterstellt. — 4) Die Truppen im Korpsbereich aufgeteilt. — 5) Im Wege des Gruppen® kmdos. FML, Brudermann dem Korpsartilleriechef GM. v, Elmar unterstellt.

6. ID.: FML. Fürst Schönburg

IBrig.: Obst. Franz Kuhn, IR. 54 (4), IBaon. 1V/97 6), FJB. 8, 13

16. IBrig.: Obst. Freih. v. Testa, bh. IR. 2 (2), !/2 IBaon. 1/97 !),    FJB.    7,    9

11.    IBrig.: GM. v. Stöhr, IBaone. IV/96, 1/2 1/971), FJB. 16,- DR. 8    (2),    KavSdiD. 6,

HKavSdiD. 5

12.    IBrig.: Obst. Rudolf Müller2)

IR. 66 (3)3)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. DR. 5

(i. FABrig.4): Obst. v. Dobner, rt. AD. 4 (3), 6 (4), 6. Bt. FKR. 5, 6. Bt. FKR. 10,

4. u. 6. Bt. FKR. 19, I. Dion. FHR. 3 (2), 12 cm KnBt. 26, I. Bt. sFHD. 11, 1/2 2. Bt. sFHD. 13, i/2 15 cm MsBt. 5

12.000 Feuergewehre, 480 Reiter, 53 Gesdi.

5. HKD.: FML. Freih. v. Apór

19. HKBrig.: Obst. v. Jóny, HHR. I (4), 8 (4)

23. HKBrig.: Obst. Gf. Lubieński, HHR. 6 (4), 7 (4),- RdfKomp. 1 700 Feuergewehre, 2200 Reiter

5. ID.: FML. Edl. v. Habermann5)

Korpsunmittelbar: HIR. 307 (2) 6),- !/2 30.5 cm MsBt. 14,- 4. Komp. SB. 12,- 4. Komp. PB. 9,1600 Feuergewehre, 1 Gesdi.

XI. KORPS

32 Baone., 81/* Schwd., 221/o Bt., 2 techn. Komp., 2 FliegKomp.,- 26.800 Feuergewehre,

840 Reiter, 106 Gesdi.

Kmdt.: GdK. Edi. v. Korda

Gstbschef: Obst. Edl. v. T rauttweiller

42. HID.: FML. Liposćak

202. HIBrig.: Obst. Sávoly, HIR. 306 (3), 307 (1), k. u. LstEtBaon. 1/32,- 3. Sdiwd. LstHusD. 3,- 7. Bt. FKR. 13, 6. Bt. FKR. 16, HMaBt. 5, 5. Bt. FHR. 4,

5. Bt. FHR. 10, V2 sHbBt. 12, Y2 15 cm MsBt. 5

83.    HIBrig.: GM. Bekić, HIR. 25 (3), 26 (3)

84.    HIBrig.: Obst. v. Petkovic, HIR. 27 (3), 28 (3) rum. FrwAbtlg. (drei Komp.)

DionsKav.: ?>., 4. u. 5. Schwd. HHR. 10 FKR. 37 (6), I. Dion. FHR. 13 (2)

17.900 Feuergewehre, 380 Reiter, 57 Gesdi.

2. Brig. d. Poin.    Legion: Obst. Küttner

6 Baone., 2    Sdiwd., 1 Bt.,- zugewiesen:    öst.-ung. 9 cm KnBt.    1,    3

2100 Feuergewehre, 160 Reiter, 16 Gesdi.

Brig. Obstlt. Papp

GendBaone. 1, 2, 3, 5, k. u. LstEtBaone. IV/5, IV/16, V/17 ruth. u. rum. FrwAbtlgn. (drei Komp.)

LstHusD. 3    (2), !/2 Sdiwd. LstHusD. 9,    1 GendSdiwd.

5. Bt. FKR.    18, 9. Bt. FKR. 34, komb.    Bt., 9 cm KnBt. 2,    4,    5,    1/2 2. sHbBt. 13,

V2 30.5 cm MsBt. 14 6800 Feuergewehre, 300 Reiter, 33 Gesdi.

Korpsunmittelbar: 2. Komp. SB. 11, 3. Komp. SB. 13,- FliegKomp. 1, 11 ’) Von der 36. ID.

2)    Die Truppen im Korpsbereich aufgeteilt.

3)    Von der 15. ID.

4)    Im Wege des 6. IDKmdos. dem Korpsartilleriedief unterstellt.

5)    Die Truppen beim XIII. Korps und beim Korps Benigni.

6)    Von der 202. HIBrig.

Armeeunmittelbar:

10. KD.1): GM. Gf. Herberstein

4. KBrig.: Obst. v. Horthy, HR. 10 (6), 13 (4)

8. KBrig.: GM. Viktor v. Bauer, HR. 9 (4), UR. 12 (3)

KavSdiD. 10

1100 Feuergewehre, 2700 Reiter

Summe der 7. Armee: IO6V2 Baone., 1 RdfKomp., 105V2 Schwd., 85V2 Bt.,

111 '4 techn. Komp., 2 FliegKomp./ 89.760 Feuergewehre, 13.689 Reiter, 375 Gesch.

HEERESRESERVE

VI. KORPS

26 Baone., 6 Schwd., 16 Bt., 3 techn. Komp.,- 16.000 Feuergewehre, 670 Reiter, 75 Gesch.

Kmdt.: FML. v. Arz

Gstbschef: Obst. Joseph Huber

12. ID.: FML. Kestřanek

23.    IBrig.: Obst. Latinek, IR. 56 (3), 100 (2)

24.    IBrig.: GM. v. Puchalski, IR. 3 (2), 20 (2), 57 (2)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt. SchR. 4

12. FABrig.: Obst. Riedl, FKR. 1 (6), II. Dion. FHR. 1 (2)

5. Komp. SB. 1

7900 Feuergewehre, 250 Reiter, 40 Gesch.

39. HID.: FML. v. Hadfy

77. HIBrig.: GM. v. Molnár, HIR. 9 (3), 11 (3)

78. HIBrig.: Obst. Daubner, HIR. 10 (3), 16 (3)

IR. 63 (3)2)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HR. 15, RSchwd. HR. 12

39. FABrig.: Obst. Loidin, FKR. 18 (4), HFKR. 3 (4)

3. Komp. SB. 5, 1 LstSAbtlg.

8100 Feuergewehre, 340 Reiter, 35 Gesch.

Korpsunmittelbar: RSchwd. HR. 6,- I LstSAbtlg.,- 80 Reiter

VIII. KORPS

40 Baone., 15 Schwd., 33^2 Bt., 6 techn.Komp./ 20.700 Feuergewehre, 1270 Reiter, 123 Gesch. Kmdt.: FZM. v. Scheuchenstuel

Gstbschef: Obst. Sündermann

37. HID.: GM. Tabajdi

73. HIBrig.: Obst. v. Pillepić, HIR. 13 (2), 18 (3)

74. HIBrig.: GM. Hunké, HIR. 14 (3), 15 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. HR. 5

37. FABrig.: Obst. Wondre, FKR. 13 (4), HFKR. 4 (4)

4. Komp. SB. 5

7000 Feuergewehre, 180 Reiter, 32 Gesch.

106. LstlD.: FML. Kl etter

60. IBrig.: Obst. de Brunfaut, IR. 30 (3), 80 (2), FJB. 24 k. k. 110. LstlBrig.: GM. Maag, k. k. LstlR. 31 (3), 32 (3)

Gruppe Obst. Freisinger: k. k. LstlR. 6 (3), 25 (2)

DionsKav.: RSchwd. DR. 6, 10, 12, UR. 1

106. FABrig.: Obst. Edl. v. Portenschlag, FKR. 32 (6), FKD. 106 (2), II. Dion. FHR. 11 (2), 9 cm KnDion. I, II Budapest, 9 cm KnDion. Wien, 15 cm KnBt. 7

2. Komp. SB. 4/ 1. Komp. PB. 4

10,100 Feuergewehre, 480 Reiter, 62 Gesch.

Poln. Legion (1. u. 3. Brig.): FML. v. Durski

12 Baone., 3 Schwd., Sljo, Bt., 2 techn. Komp.,- 3600 Feuergewehre, 300 Reiter,

12 Gesch.

Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 4, 7, 13, 1,, 2. u. 3. Schwd. rt. TKSchD.,- 15 cm KnBt. 7,

3. u. 4. Bt. sHbD. 9, 12 cm HbBt. 20, 27, 15 cm HbBt. 45,- 4-, Komp. PB. 4,310 Reiter, 17 Gesch.

XVII. KORPS

26V2 Baone., 5 Schwd., 20 Bt., 2 techn. Komp.,- 17.100 Feuergewehre, 350 Reiter, 108 Gesch.

•    Kmdt.: GdI. Křitek

Gstbschef: Obst. Edl. v. L e r c h

11. ID.: GM. Gr ubić

21.    IBrig.: Obst. Lewandowski, IR. 15 (4), 55 (4)

22.    IBrig.: Obst. Gustav Fischer, IR. 58 (3), 95 DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. rt. SdbR. 1

11. FABrig.: Obst. Scholz, FKR. 33 (7), I. Dion. FHR. 11 (2)

4. Komp. SB. 11

10.100 Feuergewehre, 150 Reiter, 47 Gesch.

41. HID.: GM. Schams chula

40. HIBrig.: Obst. Sdhnetzer, HIR. 12 (3), 32 (3)

82. HIBrig.: Obst. Ritt. v. Sypniewski, HIR. 20 (3), 31 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. HHR. 4

41.    FABrig.: Obst. Capp, FKR. 12 (5), HFKR. 7 (4)

7000 Feuergewehre, 150 Reiter, 53 Gesch.

Korpsunmittelbar: RSchwd. DR. 15,- 15 cm HbBt. 2, 25/ 2, Komp. PB. 10/ 50 Reiter,

8 Gesch.

Summe der Heeresreserve: 92^2 Baone., 26 Schwd., 69!/2 Bt., 11 techn. Komp./

53.800 Feuergewehre, 2290 Reiter, 306 Gesch.

Festung s» und Brückenkopfbesatzungen

Krakau Kmdt.: FML. Kuk Gstbschef: Obstlt. Edl. v. Haller k. k. LstBaone. 36, 80, k. k. LstMaBaone. 5, 6, 8, 1U LstMaBaon. 10,- 3 mob. KnBt.,

30 FsAKomp., 22 FsAMaKomp., 37 LstArtAbtlgn.,- 3 LstSAbtlgn.,-4000 Feuergewehre, 12 mob. Gesch.

Brückenkopf Przemyśl Kmdt.: GM. Stowasser 3U k. u. LstEtBaon. 234, y2 k. u. LstEtBaon. 502,- 3 LstArtAbtlgn.,- 835 Feuergewehre

Brückenkopf Iwangorod Kmdt.: FML. Ritt. v. Gołogórski 1 FsAMaKomp., 15 LstArtAbtlgn.

J) Trifft mit den ersten Staffeln in Cholm im Bereich des XVII. Korps ein und wird von dort nach Kowel zur Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand beordert.

IM VERBÄNDE DES DEUTSCHEN OSTHEERES

Bei der deutschen 9. Armee

2. KD. *)': GM. Ritt. v. Ursyn»Pruszyński

3. KBrig.: GM. Freih. v. Abele, HR. 6 (6), 16 (6)

16. KBrig.: Obst. Edl. v. Karapancsa, HR. 3 (6), UR. 5 (6)

KavSchD. 2 (6) rt. AD. 5 (3)

600 Feuergewehre, 2400 Reiter, 12 Gesch.

9. KD.1): GdK. Freih. v. Hauer

1. KBrig.: GM. Ostermuth, DR. 4 (5), 13 (5)

9. KBrig.: Obst. Freih. v. Sessler, DR. 1 (5), UR. 6 (6)

KavSdiR. 9 (S) rt. AD. 9 (3)    .

900 Feuergewehre, 2100 Reiter, 12 Gesdi.

Bei der Armee Woyrsch

XII. KORPS

36 Baone., 6 Schwd., 21 Bt., 3 techn. Komp./ 27.149 Feuergewehre, 820 Reiter, 108 Gesch.

Kmdt.: GdI. v. Kövess

Gstbschef: Obst. Freih. Zeidler^Daublebsky v. Sterneck 35. ID.: FML. v. Podhoránszky

69.    IBrig.:    Obst. Simaček, IR. 50 (6)

70.    IBrig.:    GM. Edl. v. Salmon, IR. 51    (7)

DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. HR. 2

35. FABrig.: GM. Grösdil, FKR. 35 (6), II. Dion. FHR. 12 (2)

7427 Feuergewehre, 300 Reiter, 48 Gesch.

16. ID.: GM. Rudolf Krau ss

31.    IBrig.:    FML. v. Dobler, IR. 2 (4), RIR.    2    (3)2)

32.    IBrig.:    GM. Kosdiatzky, IR. 31 (3),    64    (3)

32. RIBrig.: Obst. Živanovic, RIR. 31 (3), 64 (4) 2)

DionsKav.: 3., 4. u. 7. Schwd. HR. 2

16. FABrig.: Obst. Paul, FKR. 36 (5), I. Dion. FHR. 12 (2)

16.900 Feuergewehre, 470 Reiter, 36 Gesdi.

Korpsunmittelbar: k. k. LstlR. 51 (3)/ 2. Sdiwd. LstHusD. 7,- sFHD. 12 (3), 12 cm KnBt. 12, löcmHbBt.3, 47, ł/2 3.MaKomp. FsABaon.9,- 5.u.6. Komp. SB. 12,- 2.Komp. PB. 2,- FliegKomp. 5,- 2822 Feuergewehre, 92 Reiter, 24 Gesch.

Bei der deutschen Bugarmee

11. HKD.J): FML. Gf. B i s s i n g e n

22. HKBrig.: GM. Czitó, HHR. 2 (4), 3 (4)

24. HKBrig.: Obst. Hegedüs, HHR. 5 (4), 9 (4)

HKavSchD. 11 (3) rt. HAD. 1

600 Feuergewehre, 1219 Reiter, 14 Gesch.

Summe der öst.=ung. und der dem AOK. unterstellten deutschen Streitkräfte auf dem russischen Kriegsschauplätze:

(Anfangs September 1915)

598!/2 Baone., 1 RdfKomp., 338*/2 Sdiwd., 483 Bt., 5 MWAbtign., 53 FsAKomp., 45 LstArtAbtign., S93U techn. Komp., 8 FliegKomp.,-454.328 Feuergewehre, 36.809 Reiter, 2108 Gesch., 26 MW.

x) Für die Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand bestimmt.

2) Aus nicht aufgeteilten MaBaonen. gebildet.

Verstärkungen, die vom 20. September an von der Bugarmee zum Nordflugei der öst.»ung. Heeresfront abgingen

Deutsche 5. KD.: GLt. v. Heydebreck

1 Baon., 24 Sdiwd., 3 Bt., J tedin. Komp.,- 900 Feuergewehre, 2100 Reiter, 12 Gesdu

DEUTSCHES XXIV. RESERVEKORPS

21 Baone., 3 Sdiwd., 25 Bt., 2 MWAbtlgn., 2 techn. Komp.,- etwa 14.000 Feuergewehre, 180 Reiter, 140 Gesch., 8 MW,

Kmdt.: württemb. GdI. v. Gerok

Gstbsdief: preuß. Mjr. v. Klewitz

1. ID.: GLt. v. Conta

12 Baone., 1 Sdiwd., J4 Bt., 2 MWAbtlgn., 1 tedin. Komp.,- etwa 8000 Feuer» gewehre, 60 Reiter, 78 Gesdi., 8 MW.

22. ID.: GLt. Dieffenbach

9 Baone., 2 Sdiwd., Jl Bt., 1 tedin. Komp.,- etwa 6000 Feuergewehre, 120 Reiter, 62 Gesdi.

DIE RUSSISCHE SÜDWESTFRONT1)

Kmdt.: GdA. IWANOW

Gstbsdief: Gen. S a w i t s c h

8. ARMEE

Kmdt.: GdK. Brussilow

XXXIX. Korps (102., 105. RD.), 4. SdiD., XII. Korps (12., 19. ID.), VIII. Korps (14., 15. ID.), XVII. Korps (3., 35. ID.), VII. Korps (13., 34. ID.), 1 RwBrig.,-KavKorps Weljassew (3. OrenburgKosD., 3. DonKosD. [?], 11. KD.), Kav= Korps Rerberg (7. KD., 2. selbst. DonKosBrig. 2) )

Summe der 8. Armee: IIV2 ID., 3 bis 41/« KD.

Vorübergehend von der Westfront (3. Armee) unterstellt:

IV. KavKorps Gillensdimidt (2,, 3. [?] GKosD., 3. kauk. KosD., 2. komb. KosD.,

3. [?], 16. KD., 3. DonKosD. [?], 77. RD.), Teile des XXXI. Korps (Gros der 83. RD.), 1 RwBrig.

11. ARMEE

Kmdt.: GdI. Schtsdierbatschew

VI. Korps (4., 16. ID.), XVIII. Korps (23., 37. ID.), XXII. Korps (1., 3. finn. SdiD.),

1 RwBrig., TransAmurKosBrig., Kub.KosD.

Summe der 11. Armee: 6V2 ID*r IV2 KD.

!) Abgaben der Südwestfront im Juli und August an die Nordwest front: XXVIII. Korps (3. SdiD., 60. RD.), V. kauk. Korps (2., 4. finn. SchD.), 58., 65., 69., 78. RD., 120 Komp.,- 1 KD. (3. DonKosD.?).

2) Wird im November für die neuzubildende 7. Armee abgegeben.

9. ARMEE

Kmdt.: GdI. Letschitzki

XI. Korps (11., 32. ID.), XXX. Korps i) (2. SchD., 71., 80. RD.), XXXIII. Korps (l.,2.TransAmurD., 1., 2,Kub.PlastunBrig., 74.RD.), 82.RD. i), XXXII. Korps (101., 103. RD.), 3 bis 4 RwBrig.,- II. KavKorps Nadhitschewanski Chan (9., 12. KD,, kauk. KD.), III. KavKorps Keller (1. DonKosD., 10. KD.), komb. KD., komb. KBrig., TerekKosD.

Summe der 9. Armee: 12 bis 14 ID., 7^2 KD.

Reserve der Sudwestfront: 125. RD.J)

Gesamtstand2): 31 bis 32 Infanterie«, 11 bis 12^2 Kavalleriedivisionen/ rund

400.000 Feuergewehre.

Verstärkungen im November XXIV. Korps (-48., 49. ID.) von der 3. Armee für die 8. Armee, kauk. V. Korps (2., 4.

finn. ScfiD.), II. Korps (26., 43. ID.) von der 10. Armee, XVI. Korps (41.,

47. ID.) von der k Armee, I KosBrig. von der Westfront für die neuzubildende 7. Armee.

* 7

*

B. Bai kan-Kriegsschauplatz

HEERESGRUPPE MACKENSEN Kmdt.: preuß. GFM. v. MACKENSEN

Gstbschef: preuß. GM. v. Seeckt

ÖST.-UNG. 3. ARMEE

Kmdt.: GdI. v. Kövess

Gstbsdief: GM. Konopicky

62. ID.: FML. Edl. v. Kaiser    .

Mob.FsBrig.(Rogatica): Obst.v.Dominie, FsIB.3,4, GrzJKomp. 8, k.k. LstlBaon. 15, k. u. LstEtBaone. 1/4, III/7, IV/19,- y4 2. Schwd. LstHusD. 4,- 6. Bt. FKR. 17,

2. u. 4. KnBt. GbAR. 12, 9 cm KnBt. 9

9. LstEtBrig. (Srebrenica): Obst. Edl. v. Spindler, V4 GrzJKomp. 2, k. u. LstEt= Baone. II/4, III/5, IV/26, 1/30, II1/315—7 cm LandungsGesdi.

2. Komp. PB. 15 Gruppe GM. Streith3)

Abschnitt Zvornik: Obst. Edl. v. Hausser, V4 GrzJKomp. 1, k. u. LstEtBaone. II

u. III/6, IV/17, 1/25,- V4 2. Schwd. LstHusD. 4,- 6. Bt. FKR. 13 Abschnitt Bijeijina: GM.    Streith, 3/4 GrzJKomp.    1,    k. u. LstEtBaone.    IV/4,    11/20,

1/28, 1/31,- V* 2.    Schwd. LstHusD. 4,-    6.    Bt. FKR. 13,    7.    Bt.    FKR.    21,

2V2—15 cm MsBt.

6. Komp. PB. 2, 3. Komp. PB. 4 15.909 Feuergewehre, 131 Reiter, 29 Gesch.

Gruppe FML. v. Sorsich

LstEtBrig.: Obst. v. ybl, k. u. LstEtBaone. 1/2, 1/6, 1/19, 11/25, IV/29,- V2 L Schwd.

LstHusD. 4,- mob. 9 cm KnBt. 2, 8 LstEtBrig.: GM. Schiess, k. u. LstEtBaone. IV/2, III u. IV/3, II/5, II/7, 11/19, 1/28,-V4 1. Schwd. LstHusD, 4,- 9 cm KnBt. 1, 3, 4, 5 k. u. LstEtBaon. IV/27,-    3. Schwd. LstHusD.    1/    1.    Komp. PB.    5

8644 Feuergewehre, 265    Reiter, 24 Gesch.

XIX. KORPS

32 Baone., 2V4 Sdiwd., 29 Bt., 12 tedin. Komp.,- 32.309 Feuergewehre, 242 Reiter, 110 Gesdi.

Kmdt.: FML. Tr oll mann Gstbsdief: Obst. Günste

53. ID.: GM. v. Pongrácz

17. GbBrig.: Obst. Karpellus, k. u. LstlR. 19 (3), k. k. LstlBaone. 44, 76,- 1/4 2. Sdiwd.

LstHusD. 4,- 6. Bt. FKR. 18, 8. Bt. FKR. 34 k. k. 20. LstGbBrig.: Obst. v.Farkas,bh.FJB. 2, IX.MaBaon.SchR. 23, k.k.LstlR.23(2), k. k. LstlBaon. 46,- V4 2. Schwd. LsiHusD. 4,- 2. KnBt, GbAR. 11, 3. KnBt. GbAR. 10

k.k. 21. LstGbBrig.: Obst. Hugo Fischer v. See, bh. FJB. 3, k. k. LstlR. 27 (3), k. k. LstlBaon. 75,- V4 2. Sdiwd. LstHusD. 1,- 1. u. 5. KnBt. GbAR. 12 Divisionsunmittelbar: 3U 2. Sdiwd. LstHusD. 1/ 6. Bt.    FKR. 15,    10. u. 11. Bt. FKR.    19,

7. Bt. FHR. 13, 3. HbBt. GbAR. 12, 3.    Bt. sFHD. 6,-    MaKomp.    SB.    13

17.768 Feuergewehre, 157 Reiter, 40 Gesch. k.    k.    205. LstlBrig.: GM. v. Reinöhl, k. k. LstlR. 409 (3),    410    (3),- V4 3,    Sdiwd.

DR. 14,. 1. u. 2. Bt. China FKD. I, 1. HbBt. GbAR. 9, 1. HbBt. GbAR. 13 4109 Feuergewehre, 37 Reiter, 16 Gesch. k. k. 206. LstlBrig.: Obst. v. Szabó, IV/SchR. 37, MaBaon. k. k. LstlR. 7, k. k. LstlBaon. 35, I u. Il/k. u. LstEtR. 29,- V4 1. Schwd. LstHusD. 2,- 7. Bt. FKR. 14,

7. Bt. FKR. 36, 2. HbBt. GbAR. 9,- 8. Komp. SB. 8 4971 Feuergewehre, 23 Reiter, 12 Gesch.

LstlBrig. GM. Karl Schwarz: k. u. LstlBaone. 1/3, II1/5, II u. III/6, I u. III/12,-

5. Bt. HFKR. 2, 6. Bt. HFKR. 8,- 7. Komp. SB. 8 5461 Feuergewehre, 25 Reiter, 8 Gesdi.

Korpsunmittelbar: 12 cm KnBt. 3,20,15 cm KnBt. 8, 3. Bt. sHD. 8,3. Bt. sHbD. 13, sHbBt. 49,

24 cm MsBt. 3, 30.5 cm MsBt. 20,- 4., 5. u. 6. Komp. PB. 5, 3., 4. u.

5. Komp. PB. 8, 4. Komp. PB. 9, 1. u. 3. Komp. PB. 15,- 34 Gesch.

DEUTSCHES XXII. RESERVEKORPS

35 Baone., 6 Schwd., 42 Bt., 8 MWAbtlgn., 6 techn. Komp., 1 FliegAbtlg.,-28.662 Feuergewehre, 572 Reiter, 196 Gesdi., 16 MW.

Kmdt.: preuß. GdK. Eugen v. Falkenhayn Gstbsdief: württemb. Mjr. W ö 11 w a r t h

43.    RD.: GM. v. Runckel

13 Baone., 1 Sdiwd,, 9 Bt., 1 techn. Komp.,- 11.132 Feuergewehre, 132 Reiter,

36 Gesdi.

44.    RD.: GLt. v D orrer

13    Baone., 1 Sdiwd., 9 Bt.,    1 tedin.    Komp,,-    9809 Feuergewehre, 123 Reiter,

30 Gesch.

26. (1. kgl. württemb.) ID.: GLt. Wilhelm Herzog v. Urach

9 Baone., 4 Sdiwd., 12 Bt.,    2 techn.    Komp.,-    7721 Feuergewehre, 317 Reiter,

84 Gesdi.

Korpsunmittelbar: 3 schwere deutsche Bt., 8 MWAbtlgn., 2 techn. Komp., 1 FliegAbtlg.,-zugewiesen: öst.-ung.    selbst. KnD., 1. HbBt. GbAR. 4, 12 cm KnBt. 6,

15 cm sHbBt. 47, 48,    4—15 cm    Ms., 24    cm MsBt. 5, 30.5 cm MsBt. 17,

46 Gesch., 16 MW.

VIII. KORPS

31 Baone., 33/i Sdiwd., 43 Bt., 11 techn. Komp.35.557 Feuergewehre, 590 Reiter, 142 Gesch.

Kmdt.: FZM. v. Scheuchenstuel Gstbschef: Obst. Sündermann

57. ID.: FML. Heinrich Go i ginger

2. GbBrig.: Obst. Panzenböck, IBaone. III/8,11/70,11/76,11/101, V/bh. 4,- V4 1. Sdiwd. rt. DSchD,,- 4. u. 5. KnBt. GbAR. 5

6. GbBrig.: Obst.v.Hellcbronth, IBaone. 1/6,111/38,IV/42, IV/50, IV/81/ 1/2I.Sdiwd. rt.DSdiD.,- 3. KnBt. GbAR. 4, 5. KnBt. GbAR. 7 Divisionsunmittelbar: 3. Sdiwd. LstHusD. 4,- 7. u. 8. Bt. FKR. 38, 1. u. 2. HbBt. GbAR. 13/

7. Komp. SB. 6 18.360 Feuergewehre, 246 Reiter, 32 Gesdi.

59. ID.: FML. Snjaric

9. GbBrig.: GM. Edl. v. Hrozný, IBaone. IV/12, II1/49, 111/74, IV/84, IV/87,-1/4 1. Sdiwd. UR. 12/ 2. KnBt. GbAR. 7, 1. KnBt. GbAR. 11 18. GbBrig.: GM. Skvor, IBaone. 111/31, 11/60, FJB. 3, 15, 26/ V4 1. Sdiwd. rt. DSdiD.,- 6. KnBt. GbAR. 4, 6. KnBt. GbAR. 6 Divisionsunmittelbar: 6. Sdiwd. HHR. 10,- 6. u. 7. Bt. FKR. 24, 1. u. 2. HbBt. GbAR. 5,

1 LstSAbtlg.

12.700 Feuergewehre, 245 Reiter, 32 Gesdi. k. u. LstlBrig. GM. v. Haustein: k. u. LstlR. 1 (3), 4 (2),- V4 Sdiwd. LstHusD. 1/

5. Bt. HFKR. 6, 8. Bt. FHR. 4,. 7. Komp. SB. 4, 1 LstSAbtlg.

4269 Feuergewehre, 25 Reiter, 8 Gesdi. k. u. LstlBrig. GM. Mrázek8): k. u. LstlR. 32 (3), k. u. LstIBaone. IV/4, 111/8, IV/30,. 1/2 B. Sdiwd. DR. 14,. 5. u. 8. Bt. FKR. 19, 4. Bt. rt. AD. 1 5228 Feuergewehre, 74 Reiter, 8 Gesdi.

Korpsunmittelbar: 10 cm KnBt. 1, 2, 12 cm KnBt. 8, 21, 15 cm KnBt. 1, 1—15 cm Kn. M. 15, 18 cm KnBt. 7, 8, 9, 15 cm HbBt. 2, 3, 5, 46, 1. u. 2. Bt. sHbD. 6, 30.5 cm MsBt. 1, 5, 11, 12, 14, 15/ 1., 3. u. 5. Komp. PB. 2,

1., 3. u. 4. Komp. PB. 10,- 62 Gesdi.

Armeeunmittelbar: komb. KavR. Obst. v. Bolla (6)9),- FliegKomp. 5, 9, 15

Summe der 3. Armee: 130i/2 Baone., 14i/2 Sdiwd., 127 Bt., 8 MWAbtlgn.,

33 techn. Komp., 4 FliegKomp.,- 121.081 Feuergewehre, 1800 Reiter, 501 Gesch.,

16 MW.

Festungsbesatzungen 10)

374 Baone., y2 Sdiwd., 182 Gesdi., 3 FußartAbtlgn., 8 LstArtAbtlgn., 2 LstSAbtlgn.

Peterwardein

3 Baone., V4 Sdiwd., 128 Gesdi., 3 FußartAbtlgn., 8 LstArtAbtlgn., 1 LstSAbtlg. Kmdt.: GM. Grzywinski

Brückenkopf Titel*Slankamen, Felsö*Aradi

1 Komp., 1/4 Sdiwd., 4 Gesdi., 1 LstSAbtlg.

Kmdt.: Obst. Franz

DEUTSCHE 11. ARMEE

Kmdt.: GdA. v. Gaiiwitz

Gstbsdief: Obst. Marquard

DEUTSCHES III. KORPS

21 Baone., 6 Schwd., 36i/2 Bt./ 16.660 Feuergewehre, 560 Reiter, 156 Gesch. Kmdt.: GdI. v. Lochow

Gstbsdief: Mjr. W e t z e 11

6. ID.: GM. Herhudt v. Rohden

9 Baone., 3 Sdiwd., 15 Bt.,- 7000 Feuergewehre, 280 Reiter, 60 Gesch.

25. RD. : GM. v. Jarotzky

9 Baone, 3 Sdiwd., 15 Bt. ,• 7260 Feuergewehre, 280 Reiter, 72 Gesdi. Korpsunmittelbar: 3 Baone., Bt., 2 FlakZüge,- 2400 Feuergewehre, 24 Gesdi.

DEUTSCHES IV. RESERVEKORPS

27 Baone., 6 Sdiwd., 37 Bt.,- 27.385 Feuergewehre, 699 Reiter, 145 Gesdi. Kmdt.: GLt. v. Winckier

Gstbsdief: Mjr. Brüggemann

11. bayr. ID.: GLt. Ritt. v. Kneußl

9 Baone., 2 Sdiwd., 14 Bt.,- 9598 Feuergewehre, 200 Reiter, 56 Gesdi.

105. ID.: GM. von der Esch

9 Baone., 2 Sdiwd., 13 Bt.,- 9249 Feuergewehre, 267 Reiter, 52 Gesdi.

107. ID.: württemb. GM. v. Moser

9 Baone., 2 Sdiwd., 8 Bt.,- 8538 Feuergewehre, 232 Reiter, 32 Gesdi. Korpsunmittelbar: 2 Bt., 1 FlakZug,- 5 Gesdi.

DEUTSCHES X. RESERVEKORPS

IS Baone., 4 Sdiwd., 41 ^ Bt.,- 18.000 Feuergewehre, 400 Reiter, 160 Gesdi.

Kmdt.: GLt. K o s c h

Gstbsdief: Obstlt. K u n d t

103. ID.: GM. v. Estorff

9 Baone., 2 Sdiwd., 15 Bt./ 9000 Feuergewehre, 200 Reiter, 60 Gesdi.

101. ID.: GLt. v. Kraewel

9 Baone., 2 Sdiwd., 14 Bt.,- 9000 Feuergewehre, 200 Reiter, 56 Gesdi.

Korpsunmittelbar: 12^2 Bt.,- 44 Gesdi.

Armeeunmittelbar:

Öst.-ung. Gruppe FML. F ü 1 ö p p, 6V2 LstlBaone, lU Sdiwd., 6 Bt.

Summe der deutschen 11. Armee: 72V2 Baone., I6V4 Sdiwd., 121 Bt.2)/ 66.946 Feuergewehre, 1701 Reiter, 483 Gesch.

BULGARISCHE 1. ARMEE

Kmdt.: GLt. K. Bojadjieff

Gstbsdief: Obstlt. Asmanoff bulg. 6.    ID.:    Obst.    P o p o f f, 24 Baone., 4 Sdiwd.,    16    Bt.

bulg. 8.    ID.:    GM.    Mitoff, 24 Baone., 16 Bt.

bulg. 9.    ID.:    GM.    Neresoff, 24 Baone., 12    Bt.

bulg. 1.    ID.:    GM.    Draganoff, 21 Baone., 8    Sdiwd.,    12 Bt.

Gruppe Obst. S t o i k o f f (von der bulg. 2. Armee), 8 Baone., 8 Sdiwd. (bulg. 1. KBrig.) Summe der bulg. 1. Armee3): 104 Baone., 20 Schwd., 56 Bt.

Summe der Heeresgruppe Mackensen: 3101/4 Baone., 51V2 Sdiwd., 305 Bt., 8 MWAbtign., 33 tedin. Komp., 4 FiiegKomp.,- rund 300.000 Feuergewehre, 4780 Reiter, 1200 Gesch., 16 MW,

Verstärkungen

Dem k. u. k. 3. Armeekmdo. wurden im Verlaufe der Operationen unterstellt:

10. GbBrig.: GM. v. Droffa, IBaone. I/iS, 1/62, 1/90, 11/92, Ill/bh. 1,- V4 I. Sdiwd.

LstHusD. 2, 7. Bt. FKR. 14, 7. Bt. FKR. 36, 2. HbBt. GbAR. 9,- 8. Komp. SB. 8

6J26 Feuergewehre, 21 Reiter, 14 Gesdi. ')

Deutsches Aipenkorps: bayr. GLt. Krafft v. D e 1 1 m e n s i n g e n Bayr. JägerBrig. Nr. 1: GM. Ritt. v. Tutschek JägerBrig Nr. 2: GM. v. Below

13 Baone., 1 Sdiwd., 9 Bt.2), 3 MWAbtlgn., 1 techn. Komp.,- 12,200 Feuer= gewehre, 95 Reiter, 36 Gesch., 18 MW.

TRUPPEN IN DALMATIEN, BOSNIEN UND DER HERZEGOWINA3)

Kmdt.: GdI. v. Sarkotić

Gstbschef: Obst. M i n n i c h

Küstenschutz 4)

7 Baone., 6 Bt.

Kmdt.: FML. Freih. v. Wucherer Rayon Sebenico 5): Kontreadmiral Zaccaria Abschnitte Zara, Sebenico und Spalato 6)

Rayon Mostar5): GM. Haala Abschnitte Makarska, Slano und Metkovic 6)

Festungsbesatzungen 28^2 Baone., 34 mob. Bt., 60 FsAKomp., 3 techn. Komp.

Bocche di Cattaro 9Ví Baone., 71/« mob. Bt., 30 FsAKomp., 1 techn. Komp,

Kmdt.: FML. Edl. v. Weber7)

Gstbschef: Mjr. S c h u p p i ch

T r e b i n j e

LVi Baone., 11 mob. Bt., 8 FsAKomp., lU techn. Komp.

Kmdt.: FML. Rudolf Braun

B i 1 e ć a

31/2 Baone., 5 mob. Bt., 6 FsAKomp., V4 techn. Komp.

Kmdt.: GM. Anton A n d r i a n

Verteidigungsbezirk Avtovac 83/4 Baone., ÍV2 mob. Bt., 1 FsAKomp., V4 techn. Komp.

Kmdt.: Obst. Waňek

K a 1 i n o v i k 3U Baon., 1 mob. Bt., 1 FsAKomp., V4 techn. Komp.

Kmdt.: Mjr. Anto sch

M o s t a r (mit Grad und Stolac)

2 Baone., 2i/2 mob. Bt., 5 FsAKomp., V4 techn. Komp.

Kmdt.: FML. Mau dry

Sarajevo

5 Baone,, 3 mob. Bt., 9 FsAKomp., 3U techn. Komp.

Kmdt.: FML. v. Rollinger

Brückenkopf Brčko

1 Komp., 6 stab. Gesch.

Kmdt.: Obst. Hroch

Drinasicherung !)

63/4 Baone., 2^ Bt.

Abschnitt Foča: GM. Vukadinovic, 43/.t Baone., IV2 Bt.

Abschnitt Goražde: GM. v. Vuchetich, 2 Baone., 1 Bt.

In Aufstellung

Gruppe Obst. v. Zhuber, k. k. LstlBaone. 22, 59, 83, k. k. LstMaBaon. 6, k. u. Lst11 EtBaon. 1/17

Summe der dem kommandierenden General in BHD. unterstellten Truppen: 47^2 Baone. (hievon nur 113/4 mob. Baone.), 36V2 mob. Bt., 60 FsAKomp.,

3 techn. Komp.; 51.714 Feuergewehre, 148 mob. Gesch.

*

DAS BULGARISCHE HEER2)

Kmdt. der gesamten Streitkräfte: Gen. ZEKOFF Gstbsdief: GM. ZoStoff

BULGARISCHE 2. ARMEE

Kmdt.: GM. Todoroff

Gstbschef: Obstlt. Russe ff bulg.    3.    ID.:    GM.    R i b a r o f f, 24 Baone,, 12 Bt,

bulg.    7,    ID.:    Obst.    W a s s i 1 j e f f, 16 Baone., 8 Schwd. (bulg.    2.    KBrig.), 12 Bt.

Summe der bulg. 2. Armee: 40 Baone,, 8 Schwd,,    32    Bt,

Summe der verbündeten Streitkräfte auf dem Balkankriegsschaupiatz

(Mitte Oktober 1915)

493 Baone., 66V2 Schwd., 483^2 Bt., 8 MWAbtlgn.,- 492.000 Feuern gewehre, 9480 Reiter, 1717 Gesch., 16 MW.,- davon für den Angriff gegen Serbien: 397 Baone., 59^2 Schwd., 373^2 Bt,, 8 MWAbtlgn,

*

!) Die Sicherungstruppen von Megjegja bis zur Drinamündung waren dem 3. Armeekmdo. unterstellt,

2) Es standen von der 210 Baone., 44 Schwd., 198 Bt, mit rund 240.000 Feuergewehren, 5700 Reitern und 934 Gesch. starken bulgarischen Armee:

an der serbischen Ostfront (einschließlich der bei der Heeresgruppe Madienser. ein* geteilten J. Armee): 144 Baone., 28 Sdiwd., 8S Bt. an der griechischen Grenze: 2. u. 10. ID. an der rumänischen Grenze: 4. u. 5. ID. als Heeresreserve: 11. ID.

DAS SERBISCHE HEER

Kmdt. der gesamten Streitkräfte: PRINZREGENT ALEXANDER Chef des Stabes: Woiwode Putnik An der West- und Nordfront

1.    Armee: Kmdt. Woiwode 2ivojin Misić

LIžicer Gruppe,- SokolBrig.,- DonD. II,- DrinD. II,- MorD. II,- 58 Baone., 4 Sdiwd.,

112 Gesdi.

Belgrader Verteidigung: Kmdt. Gen. Ź i v k o v i ć,- 20 Baone., 2 Sdiwd., 75 Gesdi.x)

3. Armee: Kmdt. Gen. Jurisić^Sturm

BraničevoDct.,- DonD. I,- DrinD I,- KrajinaDet.,- 53 Baone., 7 Sdiwd., 155 Gesdi. Der Heeresleitung unmittelbar unterstellt: TimD. II,- 12 Baone., 2 Schwd., 20 Gesdi.

Summe der serbischen Streitkräfte an der West- und Nordfront: 143 Baone-,

15 Sdiwd., 362 Gesdi.

An der Ostfront (serbisdi^buigarischen Grenze) TimokArmeegruppe: Kmdt. Gen. Gojkovic

Negotiner Gruppe,- KombD.,- SumD. II,- Truppen dritten Aufgebotes in Festungen und zur Sicherung,■ 42 Baone., 4 Sdiwd., 88 Gesdi.

2.    Armee: Kmdt. Woiwode Stepanovic

Tumbagruppe,- MorD. I,- TimD. I,- SumD. I,- KD.,- 591/2 Baone., 21 Sdiwd., J50 Gesdi.

Summe der serbischen Streitkräfte an der serbisdi-bulgarisdhen Grenze: IOIV2 Baone., 25 Sdiwd., 238 Gesdi.

In den neuen Gebieten (Mazedonien)

Kmdt.: Gen. Popo vic Gegen Bulgarien: 31 Baone., 54 Gesdi.

Gegen Albanien: Prizren*, Podrim= und Odiridagruppe,- 13 Baone., 24 Gesch.

Summe der Truppen in den neuen Gebieten: 44 Baone., 78 Gesdi.

Gesamtsumme der serbisdien Streitkräfte2): 288*/2 Baone., 40 Sdiwd., 678 Gesdi.

*

DAS MONTENEGRINISCHE HEER

Kmdt. der gesamten Streitkräfte: KÖNIG NIKOLA Chef des Stabes: Obst. Pesić

Lovčengruppe: Kmdt. Fürst Petro vić,- J2Y2 Baone., i2 Gesch.

Herzegowinische Gruppe: Kmdt. Woiwode P e t r o v i ć, 2. u. 3. Div.,- J5 Baone.,

19 Gesch.

Sandžakgruppe: Kmdt. Gen. Vukotic,- J., 2. u. 3. SandžakDiv., KolašinBrig.,-40 Baone.,- 54 Gesch.

AltserbiscLe Gruppe: Kmdt. Gen. Vesovic,- 15x/4 Baone., 20 Gesdi,

Summe der montenegrinischen Streitkräfte 3): 823/* Baone., 134 Gesdi.

* *

*

‘) Die Infanterie bestand aus Verbänden dritten Aufgebotes,- unter den 75 Gesch. befanden sich 11 mittleren und 8 großen Kalibers. — 2) Am 5. Oktober 1915. — 3) Mit Ende September.

C. Italienischer Kriegsschauplatz

KOMMANDO DER SÜDWESTFRONT

Kmdt.: GO. ERZHERZOG EUGEN Gstbschef: FML. Alfred Krauss

A. TIROL

61 ł/s Baone.12), 1 RdfBaon., 51 StSchAbtlgn.2), 54 selbst. MGAbtlgn.3), 4 Sdiwd., 58V2 F- u. sdiw. Bt., 42 FsAKomp., 1 Panzerzug, 12 techn. Komp.,

2 FliegKomp.,- 91.400 Feuergewehre, 810 Reiter, 770 Gesdi.4)

Landesverteidigungskommando in Tirol Kmdt.: GdK. Dan kl

Gstbschef: GM. Pichler

Rayon I (Ortier), 53. HaBrig.: Obst. Abendorf

RBaon. 1/29, StSchAbtlgn. Prad, Schlanders, Stilfs, Taufers, 1 MGAbtlg.

1/4 3. MaSchwd. rt.TKSchD.

TFKnBt. 1

Speiren Nauders und Gomagoi: 2 Det. KSchR. II, 111/ 2. RKomp. FsABaon. 4,

2 Det. FsABaon. 7,- 19 Gesch. 5)

2777 Feuergewehre, 61 Reiter, 23 Gesdi.

Rayon II (Tonale), 88. KSchBrig.: GM. v. Eckhardt

KSchR. I (3), StSchAbtlgn. Bludenz, Cles, Innsbruck III, Malé, Ulten, EStSch. 6),

3 MGAbtlgn.

V4 3. MaSchwd. rt.TKSchD., FußSchwd. rt.TKSchD.

TFKnBt. 2, 5. KnBt. GbAR. 8, V2 30.5 cm MsBt. 19, 2—47 mm MarineKn. Sperren Tonale—Pejo: 1 Det. KSchR. 11/ 1. u. 2. Komp. FsABaon. 7,- 30 Gesch. 5540 Feuergewehre, 29 Reiter, 39 Gesch.

J) Hievon 30 Lst., ®R= und MaBaone.

2)    Ursprünglich StSchBaone. Da sie keine Ergänzungen erhielten, schmolzen manche bis zu Abteilungen unter Kompagniestärke zusammen.

3)    Außer den organisationsgemäßen MGAbtlgn. der Inft.= und SchBaone. waren 54 selbst. MGAbtlgn. vorhanden, darunter vom Deutschen Alpenkorps 10 GbMGAbtlgn. zu 4 MG., einige FsMGAbtlgn., größtenteils jedoch improvisierte, zumeist nichtmobile MGAbtlgn. verschiedenster Systeme, wie italienische, russische, griechische, holländische und MaximMG. Die deutschen 10 MGAbtlgn. gingen am 20. Oktober ab und wurden durch 10 halb so starke öst.=ung. MGAbtlgn. ersetzt.

4)    In den Geschützsummen sind alle im betreffenden Bereiche vorhandenen Geschütze, einschließlich der Festungsgeschütze, der zugewiesenen und aller sonstigen Geschütze in ortsfester Verwendung enthalten. Von den 770 Gesch. in Tirol waren 215 mobil, 555 in stabiler Aufstellung.

5)    Die Artillerie der Werke und Befestigungen bestand aus Geschützen der M. 61 bis M. 05 von 6 bis 15 cm Kaliber.

6)    Einheimische StSchAbtlgn. aus den betreffenden Grenzräumen.

Rayon III (Südtirol), 91. ID.: FML. v. Koennen = Horak

a) Abschnitt Judicarien 50. HaBrig.: Obst. Spiegel

KJStreifkomp. 1, 4, 1 KSchKomp., k. k. LstlBaone. 163, L70, StSchAbtlgn. Bezau, Klausen, EStSch., 4 MGAbtlgn.

1. KnBt. GbAR. 8, 1/2 J. HbBt. GbAR. 14 V4 1. Komp. SB. 9

Sperrengruppe Lardaro: I Det. KSchR. II,- 3. u. 4. Komp. FsABaon. 7,- 35 Gesch.

b) Abschnitt Riva Festungs= und Absdinittskmdt.: GM. Schiesser RBaone. 111/29, 1/37, BesatzungsBaon. Riva, StSchAbtlgn. Bozen, Lana, Sarntal, EStSch., 6 MGAbtlgn.

1/2 1. HbBt. GbAR. 14, 1/2 9 cm KnBt.

V2 I • Komp. SB. 9

Befestigungen im Raume Riva: 1. u. 3. RKomp. FsABaon. 1, 2. u. 3. F=, 3. u.

4. RKomp. FsABaon. 4,- 66 Gesch.

8. ID.: FML. v. Fabini

c)    Abschnitt Rovereto

181. IBrig.: GM. Georgi

RBaone. II u. 111/37, StSchAbtlgn. Brixen, Landeck, Meran III, EStSch., 5 MGAbtlgn. 4—9 cm KnBt., V2 7 cm M. 75 mob. GbKnBt. 1, ^ impr. 15 cm MsBt.

1U 3. Komp. SB. 14

Etschtalsperre: 1 LstGendAssistenzkomp./ 7. u. 17. Komp. FsABaon. 4,- 39 Gesch.

d)    Abschnitt Folgaria ISO. IBrig.: GM. Edl. v. Verdross

III bis V/KSctR. II, V/KSchR. III, 1 RdfBaon., TLstBaon. II, k. k. LstlBaone. 160, 164, 168, StSchAbtlgn. Glurns, Gries, Imst, Kitzbühel, Kufstein, Reutte 1, EStSch., 7 MGAbtlgn.

7. Bt. FKR. 19, 5. Bt. FKR. 40, 1. KnBt. GbAR. 2, 1/2 2. HbBt. GbAR. 14,

3. Bt. sFHD. 3, V2 15 cm MsBt., V2 30.5 cm MsBt. 9, !/2 30.5 cm MsBt. 19 BrigPionAbt. 180

e)    Abschnitt Lavarone Gruppe Obst. Ritt. v. Ellison

KJStreifkomp. 2, RBaon. 11/29, TLstBaon. I, V2 k. k. LstlBaon. 161, freiw. oö.

SchR. (2), StSchAbtlgn. Meran I, Schwaz, Sterzing, EStSch., 2 MGAbtlgn.

5. Bt. FKR. 2, 7. Bt. FKR. 22, 3. Bt. FHD. 45, 3. KnBt. GbAR. 9, 15 cm HbBr. 24 !), 15 cm mob. MsBt. 1, 30.5 cm MsBt. 2 2)

Sperren Lavarone—Folgaria: 7 Det. KSchR. I,- 4 Komp. FsABaon.    6,-    42    Gesch.

Divisionsunmittelbar: 8. Komp. SB. 14,- 6. Komp. PB. 8

f) Abschnitt Val Sugana

52. HaBrig.: Obst. Edl. v. Kreschel

I u.    II/KSchR. II, k. k. LstlBaone. 169, 171, StSchAbtlgn.    Kaltem,    Meran    II,

Rattenberg, Reute II, Zillertal, EStSch., 4 MGAbtlgn.

1/i 2. MaSchwd. rt. SchR. 6

V2 9 cm mob. KnBt. 2, 1. u. 4. KnBt. GbAR. 9, 2. KnBt. u. ^ 2. HbBt. GbAR. 14, V2 7 cm M. 75 mob. GbKnBt. 1, V2 10 cm deutsche Fuß(Kn)Bt. 104 V13 3. Komp. SB. 8, V4 1- Komp. SB. 9, ý* 3. Komp. SB. 14 Sperren Tenna und Colle delle bene: 2. F= und 2. RKomp. FsABaon. 1,- 22 Gesch. Dem Rayon III unmittelbar unterstellt: X. MaBaon. IR. 14,- V2 2. MaSchwd. rt. SchR. 6,2—47 mm MarineKn.,- Panzerzug Schober,- FliegKomp. 7, 17 Rund 39.900 Feuergewehre, 220 Reiter, 270 Gesch.

XIV. KORPS

28V2 Baone., 6470 StSch., 23/4 Sdiwd., 28 Bt., 1% FsAKomp., 6!/2 techn. Komp.,-rund 34.300 Feuergewehre, 500 Reiter, 200 Gesdh.

Kmdt.: GdL Roth

Gstbsdief: Obstlt. Ritt. v. Langer

Rayon IV, 90. ID.: FML. Edl. v. Scholz

55.    GbBrig. (Fleimstal): Obst. Spielvogel

KJStreifkomp. 3, RBaon. IV/37, 2 Det. KSdiR. III, k. k. LstlBaon. 166, k. k. LstMaBaon. 23, StSdiAbtlgn. Auer, Feldkirdb, Rankweil, EStSdi., 1 Gend= Assistenzkomp., 5 MGAbtlgn.

1/i 4. MaSdiwd. rt.TKSdiD.

7.    Bt. FKR. 41, 1—9 cm KnBt.

9.    Komp. SB. 14

Sperre Paneveggio: 1 Der. KSdiR. III,- 1. Komp. FsABaon. 1,- 18 Gesdi.

179. IBrig. (Fassatal): Obst. Edl. v. Schiessler

k. k. LstlBaone. 38, 39, StSdiAbtlgn. Dornbirn, Nauders, Kastelruth, EStSch.,

1    GendAssistenzkomp., 4 MGAbtlgn.

V4 2. MaSdiwd. rt. SchR. 6

8.    Bt. FKR. 20, 6. Bt. FKR. 22, 8. Bt. FKR. 42, TFKnBt. 3, 2. KnBt. GbAR. 9,

V4 24 cm MsBt. 12

1 Det. 3. Komp. SB. 8,- BrigPionAbtlg. 179

Sperre Moena: StSdhAbtlg. Welschnofen,- 1 Det. FsABaon. 1,- 6 Gesdi.

58. GbBrig. (Pordoi): Obst. v. Borotha

KJR. 4 (3), StSdiAbtlgn. Bregenz, Gröden, EStSdi., 1 MGAbtlg.

3. KnBt. GbAR. 8

10.    Komp. SB. 14 Divisionsunmittelbar: 3h 4. MaSdiwd. rt.TKSdiD.

Rund 12.200 Feuergewehre, 200 Reiter, 58 Gesch.

Rayon V, Komb. Division Pustertal: FML. Ludwig Goiginger 96. IBrig. (Abteital): Obst. Vonbank

KJR. 1 (3), 3 (3), k. k. LstlBaone. 162, 167, StSdiAbtlgn. Enneberg, Lienz, Passeier,

2    Alpine Det., 8 MGAbtlgn.

V4 3. MaSdiwd. rt. TKSdiD.

6. Bt. FKR. 8, 6. Bt. FKR. 40, TFKnBt. 4, 2. Bt. FHR. 14, 4. KnBt. GbAR. 2,

6. KnBt. GbAR. 8, 3. KnBt. GbAR. 14, 1. HbBt. GbAR. 8, 1/4 24 cm MsBt. 12, 1/2 deutsche Fuß(sHb)Bt. 102

2. Komp. SB. 14

Sperren Budienstein und Tre Sassi: 2 Det. KSdiR. III/ 1 komb. Komp. FsABaon. 1/

14 Gesch.

56.    GbBrig. (Innichen): GM. Englertx)

KJR. 2 (3), KSdiR. III (3), X. MaBaon. IR. 59, k. k. LstlBaon. 165, k. k. LstMa-Baone. 24, 29, StSdiAbtlgn. Innsbruck I, II, Sillian, Silz, Welsberg, 1 Alpines Det., 3 MGAbtlgn.

RSdiwd. DR. 6, 1/4 3. MaSdiwd. rt.TKSdiD.

8. Bt. FKR. 36, 8. u. 9. Bt. FKR. 41, 1. u. 5. Bt. FHR. 14, 2. KnBt. GbAR. 2,

4. KnBt. GbAR. 8, 6. KnBt. GbAR. 11, 2. HbBt. GbAR. 8, 1/2 24 cm MsBt. 12, 1/2 30.5 cm MsBt. 9, 3—47 mm MarineKn., V2 10 cm deutsche Fuß(Kn)Bt. lOi, V2 deutsche Fuß(sHb)Bt. 102

6. Komp. SB. 6, 7. Komp. SB. 14

Sperren Plätzwiese, Landro, Sexten: 3 Det. KSchR. III,- 2 Komp. FsABaon. 1,

2 Komp. FsABaon. 4,- 37 Gesch.

Divisionsunmittelbar: 1/KSdiR. III

Sperre Franzensfeste: 1 Besatzungskomp.,• 1. MaKomp. FsABaon. 4,- 10 Gesch. Rund 22.150 Feuergewehre, 300 Reiter, 140 Gesch.

Dem Landesverteidigungskmdo. unmittelbar unterstellt: I/KJR. 2, KJStreifkomp. 5, 6,-FKR. -11 (6) i)

980 Feuergewehre, 3G Gesch.

Festung Trient

Kmdt.: FML. ßdl. v. Guseck

BesatzungsKomp. 1 bis II, EStSch., 11 MGAbtlgn.

2 F= u. 1 MaKomp. FsABaon. I, 1 F* u. 1 MaKomp. FsABaon. 4, 4 RKomp. FsABaon. 5 3/4 komb. Komp. SB. 8, 14

7900 Feuergewehre, 24 mob. und 215 stab. Gesdi.

*

B. KÄRNTEN

40Vž Baone., 6 FrwSchBaone., 51/4 Scfiwd., 58V2 und sdiw. Bt., 14 FsAKomp.,

2 Panzerziige, 6 tedin. Komp., 1 FliegKomp.,- rund 40,900 Feuer gewehre, 572 Reiter, 319 Gesdi.

ARMEEGRUPPE GdK. ROHR

Kmdt.: GdK. Rohr

Gstbsdief: FML. Scott i Abschnitt I, 48. ID.: FML. Gabriel

Gruppe Obst. Fässer: IBaon. III/18, FJB. 30, X. MaBaon. IR. 7, k. k. LstlBaon. 43, II/Kärntner FrwSchR.,- V4 2. Sdiwd. HR. 9,- 1. u. 2. KnBt. GbAR. 4

11.    GbBrig.: GM. Ławrowski, IBaone. 1/10, IV/20, 1/21, IV/77, III/bh. 3,-

Ví 2. Sdiwd. HR. 9,- 1. u. 2. KnBt. GbAR. 10

12.    GbBrig.: Obst. Prinz Schwarzenberg, IBaone. 1/3, 11/57, 1/93, 11/100, III/bh. 2,-

V4 1. Schwd. UR. 5,- 5. KnBt. GbAR. 11, 4. u. 5. KnBt. GbAR. 13 DionsKav.: % 2. Sdiwd. HR. 9

48. FABrig.: Obst. v. Smekal, FKR. 40 (4), 5. Bt. FHR. 5,1., 2. u. 5. KnBt. GbAR. 6,

2. HbBt. GbAR. 1, 2. HbBt. GbAR. 6

7. Komp. SB. 2 Vom Armeegruppenkmdo- zugewiesen:

15 cm HbBt. 1, 15 cm MsBt. 3, 6, 7, 6—9 cm Kn., 6—47 mm MarineKn.,-3/4 5. Komp. PB. 7 15.350 Feuergewehre, 161 Reiter, 99 Gesdi.

Abschnitt II, 94, ID.: FML. Kuczera

Unterabschnitt West: Obstlt. v. Gautsch, k. k. LstlBaone. 40, 41, 150, 151, 153 Unterabschnitt Ost: Obstlt. Fritsdi, X. MaKomp. FJB. 8, 9, LstMaBaon. 10, Jung= schützenBaon., Salzburger FrwSchBaon.

DionsKav.: 1. MaSchwd. DR. 4

6. u. 7. Bt. FKR. 9, 3., 4. u. 5. Bt.    FKR.    20, 7.    Bt. FHR.    7,    5. Bt.    FHR.    9,

1. u. 2. KnBt. GbAR. 5

6. Komp. PB. 3 Vom Armeegruppenkmdo. zugewiesen:

V2 10.4 cm KnBt. J, 1—15 cm MarineKn., 2—9 cm Kn.,- V4 5. Komp. PB. 7 4852 Feuergewehre, 145 Reiter, 4S Gesdi.

Abschnitt III, 92. ID.: GM. Fernengel

57. GbBrig.: GM. Freih. v. Henneberg, IR.    27 (4),    FJB. 20

59. GbBrig.: Obst. Edl. v. Dietrich,    IBaone. 11/37,    111/57, I/HIR.    13,    Kärntner

FrwSdiR. (3)

DionsKav.: 3. MaScŁwd. DR. 4, RSdiwd. HR. 16

7. Bt. FKR. 42, 5. (Kn.) Bt. FHD. 22, 3. (Kn.) Bt. FHD. 44, 6. Bt. FHR. 5,

6. Bt. TürkeiHR , 5. u. 6. KnBt. GbAR. 2, 2. KnBt. GbAR. 8, 1. HbBt. GbAR. U

7. Komp. SB. 3 Vom Armeegruppenkmdo. zugewiesen:

V2 10.4 cm KnBt. 1, 12 cm KnBt. 13, 1—15 cm MarineKn., V2 15 cm HbBt. 3, 15 cm HbBt. 11, 3t, i/2 15 cm MsBt. 4, 30.5 cm MsBt. 18, 20—9 cm Kn., 2—47 mm MarineKn.

Sperre Malborgeth: Det. GbSdiR. 1,- 8. Komp. FsABaon. 2, 1. Komp. FsABaon. 4,

6. Komp. FsABaon. 8,- 16 Gesdi.

Sperre Raibl—Predil: Det. GbSdiR. 1/ 5. Komp. FsABaon 3, 1/2 I. RKomp. FsABaon. 4,15 Gesdi.

12.336 Feuergewehre, 166 Reiter, 103 Gesdi.

Abschnitt IV, 44. SchD.: GM. Nemeczek

44. SchBrig.: Obst. Majewski, GbSdiR. 1 (3), 2 (3)

87. SchBrig.: GM. Jellenchidi, SdiR. 2 (3), 21 (3)

DionsKav.: RSdiwd. DR. 10

44. FABrig.: Obst. Edl. v. Ellenberger, 1. Bt. FKR. 40, 4. Bt. TürkeiHR., 1. bis

5. KnBt. GbAR. 3, 1. u. 2. HbBt. GbAR. 3

7. Komp. SB. 7 Vom Armeegruppenkmdo. zugewiesen:

1/2 15 cm HbBt. 3, 1/2 15 cm MsBt. 4, 24 cm MsBt. 2, 1/2 24 cm MsBt. 7, 8-9 cm Kn., 2—37 mm MarineKn., 2—47 mm MarineKn.,- 3. Komp. SB. II Sperre Flitsch: Det. GbSdiR. 2,- i/o 1- RKomp. FsABaon. 4,- 11 Gesdi.

8360 Feuergewehre, 100 Reiter, 69 Gesch.

Armeeunmittelbar: 30.5 cm MsBt. 1 >),- Panzerzüge IX u. X,- FliegKomp. 16

*

C. KÜSTENLAND

I3OV2 Baone.2), 5 FrwSch.* und RdfAbtign., 20 Schwd., 142V2 F* schw. Bt.,

20 FsAKomp.3), 2 Panzerzüge, 22 techn. Komp., 4 FliegKomp./

120.300 Feuergewehre, 1576 Reiter, 610 Gesch.

5. ARMEE

Kmdt.: GdI. v. Boroevic

Gstbsdief: FML. v. le Beau

Abschnitt I, XV. KORPS

25 Baone., 2i/2 Sdiwd., 271/2 Bt., 4 tedin. Komp.,- 26.800 Feuergewehre, 384 Reiter,

119 Gesch.

Kmdt.: FML. v. Stöger^Steiner

Gstbsdief: Obst. Theodor Edl. v. Körner 50. ID.: GM. Tunk (ab 6. November GM. G e ř a b e k)

3. GbBrig.: GM. Geřabek, IBaone. 11/18, IV/30, IV/37,111/46, IV/80, V* 1- Sdiwd.

UR. 5,- 3. KnBt. GbAR. 2, 2. KnBt. GbAR. 13 15. GbBrig.: GM. Edl. v. Wieden, IBaone. IV/33, 11/34, 1/61, 11/66, 1/91, 1/4 1. MaSdiwd. DR. 5,- 3. KnBt. GbAR. 5, 3. KnBt. GbAR. 13 I k GbBrig.: Obst. Edl. v. Hausser (ab 15. November Obst. Edl. v. Conrad), IBaone. 11/45, 11/72, 1/98, V/bh. 3, XI. MaBaon. IR. 28,- 1/2 2. Sdiwd. rt. DSdiD.

x) Erst vom 18. Oktober an verwendbar.

2)    Hievon 30 LstlBaone.

3)    Zur Bedienung der Marine= und schweren Batterien.

DionsKav.: % MaSchwd. rt.TKSchD.

50. FABrig.: Obst. Rath, 3. u. 4. Bt. HFKR. 6, I. u. 2. HbBt. GbAR. 7 1 LstSAbtlg.

15.800 Feuergewehre, 214 Reiter, 60 Gesch.

1. ID.: FML. Schmidt Edl. v. Fussina

7.    GbBrig.:    GM. Ströher, IBaone. 11/5, IV/25, 111/85, III/8G,    V/bh.    2,- 14/4    1-    Schwd.

UR.    12,- 6. KnBt. GbAR. 3, 4. KnBt. GbAR. 10

8.    GbBrig.:    GM. Wossala, IBaone. 1V/24, II1/35, IV/53, IV/58, V/bh. 1/ V41-    Schwd.

UR.    12,. 4. KnBt. GbAR. 11, 1. KnBt. GbAR. 14

DionsKav.: V2 MaSchwd. rt.TKSchD.

I.    FABrig.: Obstlt. Karl Schmidt, 7. u. 8. Bt. FKR. 39, I. HbBt. GbAR. 1, 2. HbBt.

GbAR. 11

4. Komp. SB. 13

II.000    Feuergewehre, 170 Reiter, 54 Gesch.

Korpsunmittelbar: 1. u. 2. Bt. sFHD. 15,- 2. Komp. PB. 8 Vom Armeekmdo. zugewiesen:

3 Bt. FKD. 21 1), 2. Bt. FHD. 22 2), 2. u. 3. Bt. TürkeiHD. 5, 1. HbBt. GbAR. 2,

15 cm HbBt. 14, 15 cm MsBt. 1, 2, i/2 15 cm MsBt. 4, 30.5 cm MsBt. 10, 12—9 cm Kn., 4—7 cm GbKn. M. 99, 2—37 mm MarineKn.,- 2. Komp. SB. G

Abschnitt II, XVI. KORPS

26 Baone., 3 Schwd., 44 Bt., 1 Panzerzug, 6 techn. Komp., 3 FliegKomp., 1 BallonAbtlg.,-

25.500 Feuergewehre, 130 Reiter, 151 Gesch.

Kindt.: FZM. Wurm

Gstbschef: Obst. Graf

18. ID.: GM. Stracker

1. GbBrig.: GM. Novak v. Arienti (ab 6. November Obst. Teuš), IBaone. 1/1, IV/4, 1/51, 1/63, 1/102,- 1/4 1. Schwd. UR. 5,- 5. KnBt. GbAR. 4, 3. KnBt. GbAR. 7

J3. GbBrig.: GM. Gf. Berchtoid, IR. 22(3), IBaone. 111/64, III/bh. 4,- 1/4 1- Schwd.

UR. 5,- 4. u. 6. KnBt. GbAR. 7 DionsKav.: !/2 2. Schwd. DR. 143)

18. FABrig.: Obst. Secuilić, 1. u. 2. Bt. HFKR. 6, 5. u. 6. Bt. FHR. 7

6.    Komp. SB. 13

9800 Feuergewehre, 60 Reiter, 71 Gesch.

58. ID.: GM. Erwin Zeidler

4.    GbBrig.: Obst. Lercher (ab 21. Oktober Obst. Adalbert v. Dáni), IBaone. 11/52,

111/69, SchR. 37 (3),- V4 1. Schwd. rt. DSchD.

5.    GbBrig.: GM. Nöhring, IBaone. I u.V/22, SdiR.23 (3),- 1/i 2. Schwd. rt. DSchD.

60. IBrig.: Obst. de Brunfaut, IR. 30 (3), 80 (3)

DionsKav.: V2 -• Schwd. DR. 143)

58. FABrig.: Obstlt. Grund, 8. Bt. FKR. 3, 5. u. 6. Bt. FKR. 23, 3. Bt. FKD. 13,

3. Bt. FKD. 26, 3. Bt. FKD. 43, 5. Bt. FHR. 4, 5. Bt. FHR. 8

7.    Komp. SB. 9

15.700 Feuergewehre, 70 Reiter, 80 Gesch.

Korpsunmittelbar: */2 10.4 cm KnBt. 16, 1. u. 2. Bt. sFHD. 16,- 4. Komp. PB. 7 Vom Armeekmdo. zugewiesen:

FrwRdfBaon. Graz,- 6. Bt. FKR. 4, 6. Bt. FKR. 12, 7. Bt. FKR. 17, 7. Bt. FKR. 20, 1. u. 2. Bt. FKD. 44, 1. Bt. TürkeiHD. 5, 10.4 cm KnBt. 1, 12 cm belg. KnBt. 1, 1—12 cm MarineKn., 1—15 cm MarineKn., B. Bt. sFHD. 14, 15 cm HbBt. 18, 24 *), 26, 43, 24 cm MsBt. 1, 30.5 cm MsBt. 7,

13, 1—7 cm autom. FlakBt., 20—9 cm Kn., 8—7 cm GbKn. M. 99,

7. Komp. SB. 1, 8. Komp. SB. 3, 3. Komp. SB. 6,- Panzerzug II,- Flieg= Komp. 2, 4. u. 8, BallonKomp. 1

Armeeunmittelbar:

61. ID-1): FML. Winkler

10. GbBrig.: GM. v. Droffa, IBaone. 1/48, 1/62, 1/90, 11/92, III/bh. 1,- lU 1. Sdiwd. UR. 12

k. u. 16. LstGbBrig.: GM. Breit (ab 22. Okt. Obst. Fiebidi=Ripke), k. u. LstlR. 17 (3), 29 (2),- 1/4 1. Schwd. rt. DSchD.

DionsKav.: 6. Schwd. HR. 9 2)

61. FABrig.3): Obst. v. Dobner, 6. Bt. FKR. 20, 8. u. 9. Bt. FKR. 21, 6. Bt. FKR. 28,

6. Bt. FKR. 31, 7. Bt. FKR. 37, 6. Bt. FKR. 39, 1., 2. u. 3. Bt. TürkeiFHR. 1 LstSAbtlg.

9700 Feuergewehre, 71 Reiter, 40 Gesch.

Abschnitt III a, VII. KORPS

37 Baone., 2 Sdiwd., 43V2 Bt., 7 techn. Komp., 1 FliegKomp., 1 Ballon Abtlg.,-

28.700 Feuergewehre, 197 Reiter, 174 Gesch.

Kmdt.: GdK. Erzherzog Joseph Gstbsdief: Obstlt. Eisner-Bubna

20. HID.: GM. v. Lukachich

39. HIBrig.: Obst. Stadler, HIR. 3 (3), 4 (3)

81. HIBrig.: Obst. v. Weeber (ab 30. Okt. Obst. Sárkány), HIR. J (3), 17 (3) DionsKav.: ^ RSdiwd. HR. 3

20. FABrig.: Obstlt. Mostbödi, HFKR. 8 (5), I. Div. FKR. 20 (2)

6.    Komp. SB. 14

7700 Feuergewehre, 67 Reiter, 70 Gesdi.

17.    ID.: FML. Edl. v. Gelb

33.    IBrig.: Obst. v. Sóos,    IR. 39    (4)«), 61    (3), FJB.    24

34.    IBrig.: Obst. Boleslav    Wolf,    IR. 43 (4), 46 (3)

DionsKav.:    RSchwd. HR. 3

17. FABrig.: Obst. Czapp, FKR. 21 (6), I. Div. FHR. 7 (2)

5. Komp. SB. 7

12.900 Feuergewehre, 50 Reiter, 46 Gesdi.

106. LstlD.: FML. Kl etter

110.    LstlBrig.: GM. Maag (ab 14. Nov. Obst. Mietzl), k. k. LstlR. 31 (3), 32 (3)

111.    LstlBrig.: Obst. Göttlicher, k. k. LstlR. 6 (3), 25 (2)

DionsKav.: RSdiwd. UR.    1

106. FABrig.: Obst. Edl.    v. Portenschlag,    FKR. 32    (6), FKD. 106 (2), II. Div.

FHR. 11 (2), 15 cm KnBt. 7, 5 bespannte 9 cm KnBt.

1. Komp. SB. 6,- 1. Komp. PB. 4 8100 Feuergewehre, 80 Reiter, 50 Gesdi.

Korpsunmittelbar: 1. u. 2. Bt. sFHD. 7

Vom Armeekmdo. zugewiesen:

7.    Bt. FKR. 7, 1. Bt. FHD. 22 s), 10.4 cm KnBt. 15 6), 12 cm KnBt. 14, 4. Bt.

sFHD. 2, 2. Bt. sFHD. 3, 2—15 cm MarineKn., 24 cm MsBt. 6, % 30 5 cm MsBt. 3, 30.5 cm MsBt. 4, 13 cm bayr. KnBt. 106, 1—8 cm autom. FlakBt., 10—9 cm Kn., 4—7 cm GbKn. M. 99, 2—47 mm MarineKn.,-

1. Komp. SB. J, 3. u. 4. Komp. SB. 2,- FliegKomp. 12, BallonAbtlg. J3

') Armeereserve im Raume Schönpass. Die 10. GbBrig. ging mit Bahntransport am

18.    und J9. Oktober von Prvacina—Reifenberg zur 3. Armee nach Serbien ab.

2)    Bei der Kavalleriegruppe Reifnitz.

3)    Dem XVI. Korps vorübergehend unterstellt.

4)    IV/39 traf aus Kärnten erst am 23. Oktober ein.

5)    Vom III. Korps.

6)    Vom XV. Korps.

Abschnitt lil b, III. KORPS

29 Baone., 2 Sdiwd., 241/2 Bt., I Pjnzerzug, 4 techn. Komp./ 22.550 Feuergewehre,

128 Reiter, 112 Gesch.

Kmdt.: FML. Ritt. v. Krautwald

Gstbsdief: Obstlt. Freih v. Karg

28. ID.: FML. Schneider Edl. v. Manns-Au

55.    IBrig.: Obst. Pilar, IR. 9G (3), MaBaon. 17 !)

56.    IBrig.: GM. Hugo Schmid, IR. 17 (4), 87 (3)

DionsKav.: RSchwd. DR. 3, UR. 5

28. FABrig.: GM. Kratky, FKR. 8 (5), II. Div. FHR. 3 (2)

4.    Komp. SB. 1 i-

8850 Feuergewehre, 84 Reiter, 64 Gesdi.

22. ScfiD. 2): GM. Schön

43. SchBrig.: Obst. Edl. v. Merten, SchR. 3 (3), 26 (3)

DionsKav.: RSdiwd. DR. 12 3)

22. FABrig.: Obst. Gärtner, FKR. 7 (4), FKD. 22 (2)

5.    Komp. SB. 3

5000 Feuergewehre, 64 Reiter, 14 Gesch. k. u. 19. LstGbBrig.: Obst. D r e n n i g (ab 14. Nov. Obst. v.Szabó),k.u.LstlBaone. 111/1, 11/3, 1/4, 1/6, II/J2, IV/19 4900 Feuergewehre

187. IBrig.: Kontreadmiral Freih. v. Koudelka, k. k. LstlBaone. 37, 42, 152, 157, k. k. LstMaBaon. 30, SeeBaon. 4, y2 FrwRdfKomp.

3800 Feuergewehre Korpsunmittelbar: 1. u. 4. Bt. sFHD. 3 Vom Armeekmdo. zugewiesen:

5. Bt. FKR. 7, 5. Bt. FKR. 26, 7. Bt. FKR. 32, 12 cm KnBt. 15, 1-12 cm MarineKn., 2—15 cm MarineKn., 4. Bt. sFHD. 14, 15 cm HbBt.30, 24 cm MsBt. 7, ^2 20.5 cm MsBt. 3, 10 cm deutsche Fuß(Kn)Bt. 14, 12—9 cm Kn., 2—7 cm GbKn. M. 99, 1—47 mm MarineKn., 1—7 cm autom. FlakBt.,-

4. Komp. SB. 1, 5. Komp. SB. 8,- Panzerzug V,- BallonKomp. 1

Abschnitt IV (Küstenabschnitt Triest)

2^2 Baone., 4 Schwd., 2 Bt.,- 4200 Feuergewehre, 540 Reiter, 10 Gesdi.

Kmdt.: GM. Alexander Ritt. v. Wasserthal Kavalíeriegruppe: I. DivKmdo. HR. 7, 1. u. 2. Sdiwd. HR. 7 4), RSdiwd. DR. 12, komb. MaSchwd. DR. 4, 5, 15, i/s FrwSchBaon. Triest, 2 Küstensicherungs-Abtlgn., FinanzwachKomp., Eisenbahnsidierungen Stadtkmdo. Triest: k k. LstlBaon. 154, 1/2 SeeBaon., LstWadh= und PolizeiBaon. Triest Gruppe Obst. Vogelhuber: x/2 FrwSchBaon. Triest, 9 KüstensidherungsAbtlgn., Gend.- und Finanzwachposten, 1 EisenbahnsicherungsKomp. Absdinittsartilierie: 1% 9 cm KnBt., 2—47 mm MarineKn.

Abschnitt V (Küstenabschnitt Fiume)

1 Baon., 1 Schwd., 1 Bt.,- 2850 Feuergewehre, 126 Reiter, 4 Gesdi.

Kmdt.: GM. v. Ištvanovič

k. k. LstlBaon. 155,- 1 FrwSchKomp., 3 KüstensicherungsAbtlgn., Gend-, Finanzwach= und Grenzpolizeiposten/ 4. Schwd. HHR. 45),- 1—9 cm KnBt. Armeeunmittelbar:

KavGruppe Reifnitz 6): 2. Schwd. DR. J 4, 6. Schwd. HR. 9, RSchwd. HR. 10, 3. Sdiwd. HHR. 4

x) Kombiniert aus den MaBaonen. IR. 17 u. 97 der aufgelösten 185. IBrig. — 2) Die

22. SdiD. war Armeereserve im Raume Selo. — 3) Im Abschnitt IV. — 4) Vom VII. Korps. — 5) Von der 20. HID. — 6) Wurde Ende Oktober aufgelöst.

BEREICH DES KRIEGSHAFENS POLA

15 Baone., 1 Sdiwd., 2 mob. Bat, 41 FsAKomp., 1 techn. Komp.,- rund 15.700 Feuer* gewehre, 80 Reiter, 610 Gesch.

Kmdt.: Vizeadmiral Ritt. v. Chmelaři Gstbschef: Obst. Funk

I. Sicherheitsbesatzung

II u. IV/SchR. 5, k. k. LstlR. 5 (3), 26(4), k. u. LstEtBaone. IV/8, 11/27, V/29, SeeBaone. 1—3 RSchwd. DR. 4

RKnBt. FKR. 6, 6. Bt. FKR. 14

4. Komp. SB. 6,- 4 FsBallonAbtlgn.

4. FsABrig.: GM. Hlavaček, 17 F*, 10 R=, 10 MaKomp. FsAR. 4, 2 Komp. FsABaon. 3

II. Küstenabschnitte Rovigno und Albona

Je 4 KüstensicherungsAbtlgn. zu J00 Mann und mehrere GendPosten, Finanz* und Kabelwachen

III. Insel Lussin

l IDet., 1 MarineLstAbtlg., 4. F* u. 4. RKomp. FsAR. í

Summe der Streitkräfte auf dem italienischen Kriegsschauplätze

(Mitte Oktober 1915)

245 IBaone., 62 FrwSchBaone. u. ^Abtlgn., 30 Schwd., 256 mob. Bt., 117 FsAKomp., 41 techn.Komp., 7 FliegKomp.,- rund 268.300 Feuer^ gewehre, 3000 Reiter, 2310 Gesch.

Während der 3. Isonzoschlacht im Bereiche der5.Armee eingelangte Verstärkungen

a)    Aus Kärnten am 25. Oktober bei Ranziano1): IBaone. 111/18, 11/37, IV/77

am 3. November bei Podmelec: IBaone. 111/57, III/bh. 2

b)    Aus Tirol am 25. Oktober bei Ranziano1):    RBaon.    IR.    29,    I/KJR.    2,    II/KSchR. II

c)    Vom russischen Kriegsschauplatz vom 27. Oktober an im Wippachtal:

6. ID.: FML. Fürst Schönburg

11.    IBrig.: GM. Walter Ritt. v. Schreitter, IR. 17 (2i/2),    FJBaone.    7, 8, 9

12.    IBrig.: Obst. Rudolf Müller, IR. 7 (3), bh. 2 (2)

6. FABrig.: Obst. Edl. v. Steiner, FKR. 9 (5), I. Div. FHR. 3 (2)

5. Komp. SB. 8

d)    Aus Syrmien am 21. Oktober bei Triest:

k. k. 206. LstlBrig. 2): Obst. v. S z a b ó, IV u. V/SchR. 37, k. k. LstlBaon. 35, k. k. LstMaBaon. 7, k. u. LstEtBaone. I u. 11/29

e)    Aus Pola am 29. Oktober nach Selo, später zum XV. Korps: k.    k.    LstlR.    26    (3)

Zusammen 27 Baone., 1 Schwd., 5 Bt.

!) Die am 25. Oktober bei Ranziano eingetroffenen 5i/2 Baone. wurden unter dem Kmdo. des Obst. Konstantin Ritt. v. Wasserthal als Armeereserve vereinigt. Die Tiroler Baone. traten nicht in den Kampf und wurden nach dem Eintreffen der 6. ID. dem Landes* verteidigungskmdo. Tirol zurüdtgestellt.

2) Mitte November wurde der Brigadeverband aufgelassen,• die beiden Baone. des SchR. 37 traten zur 28. ID., die beiden ung. EtBaone. formierten das neue III. Baon. des LstlR. 29 der k. u. 16. GbBrig. Das LstMaBaon. 7 und das LstlBaon. 35 wurden zur Standes* ergänzung auf die Truppen der 106. LstlD. aufgeteilt. Der Brigadier übernahm das Kommando der k. u. 19. GbBrig.

Während der 4. Isonzoschlacht im Bereiche der 5. Armee eingelangte Verstärkungen

a)    Aus Kärnten am 15. November: IBaone. IV u. V/27

b)    Aus Tirol am 23. November (vorübergehend bis 16. Dezember): k. k. LstlBaone. 165,

169, RBaon. II1/37

c)    Vom russischen Kriegsschauplätze

am 21. November:

9. ID.: FML. Edl. v. Schenk

17.    IBrig.: GM. Ritt. v. Mossig, IR. 91 (3), 102 (2)

18.    IBrig.: Obst. Wokoun, IR. 11 (3), 73 (4)

DionsKav.: RSchwd. UR. 12

9. FABrig.: Obst. Baumann, FKR. 24 (4), I. Div. FHR. 8 (2)

5. Komp. SB. 2 am 26. November:

9. IBrig.: Obst. T r i m m e 1, IR. 54 (4), 93 (2)

d)    3 techn. Komp.

Zusammen: 23 Baone., 1 Schwd., 6 Bt., 4 techn. Komp.

*

DAS ITALIENISCHE HEER

Oberkmdt.: KÖNIG VIKTOR EMANUEL III.

Chef des Gstbs.: GLt. conte Cadorna1)

1. ARMEE (Trienter Front)

Kmdt.: GLt. B r u s a t i

III. Korps: 5. ID., 6. ID., 1 Alpini* und 1 BersaglieriR., mehrere GrenzfmanzBaone., 1 FrwMotorradBaon.

V. Korps: 9. ID.2), 34. ID., 35. ID., 1 Alpinigruppe, I BersaglieriR., mehrere selbst.

Bersaglieri® und KüstenfinanzBaone.

Armeeunmittelbar:

15. ID., Brig. Mantua,- mehrere sBt.

Summe: 6y2 verstärkte ID./ etwa 114 Baone., 16 Schwd., 70 Bt.

4. ARMEE (Cadore)

Kmdt.: GLt. Nicolis di Robilant

IX. Korps: J. ID., 17. ID., 18. ID., 3 AlpiniBaone., 1 BersaglieriR.,- mehrere sBt.

I. Korps: 2. ID., 10. ID.3), J Alpini», 1 BersaglieriBaon.,- mehrere sBt. Armeeunmittelbar:

1 GrenzfinanzBaon.,- mehrere sBt.

Summe: 5 verstärkte ID./ etwa 74 Baone., 10 Sdiwd., 73 Bt.

KARNISCHE GRUPPE (ZONA CARNIA)

Kmdt.: GLt. L e q u i o

XII. Korps: 24. ID., 26. ID.,- mehrere FinanzBaone./ sBt.

Summe: 2 verstärkte ID.,- 37 Baone., 6 Sdiwd., 49 Bt.

!) Bevollmächtigter Vertreter des Königs.

2)    Das IDKmdo. ging mit je 1 Brig. der 5. und 35. ID. Ende Oktober an die Isonzofront ab.

3)    Wurde Ende Oktober in den Bereich der 2. Armee verlegt.

2. ARMEE (am oberen und mittleren Isonzo)

Kmdt.: GLt. F r u g o n i

IV. Korps: 7. ID., 8. ID., 38. ID., verstärkte BersaglieriDiv. mit der Brig. Aosta, Alpini» gruppen A und B, mehrere selbst. Bersaglieri* und BersaglieriRdfBaone. VIII. Korps: 27. ID., V°    (Brig.    Messina), mehrere BersaglieriBaone.

II. Korps: 3. ID., 4. ID., 32. ID.

VI. Korps: 11. ID., 12. ID., mehrere BersaglieriRdfBaone., 1 GrenzfmanzBaon. Armeeunmittelbar:

V2 13. ID. (Brig. Sardegna),- mehrere BersaglieriRdfBaone.

Summe: 111/2 ID., 2 Alpinigruppen, 10 bis 12 selbst. Baone.,■ 163 Baone., etwa

24 Schwd., 164 Bt.

3. ARMEE ( am unteren Isonzo)

Kmdt.: GLt. duca di Aosta

XIV. Korps: 28. ID., 29. ID., 30. ID., V2 23. ID., mehrere BersaglieriBaone.

X.    Korps: 19. ID., 20. ID., mehrere Bersaglieri= und BersaglieriRdfBaone.

VII. Korps: 14. ID. verstärkt durch J IR., Spezialkolonne (6 Baone.), 16. ID., Brig. Trapani Armeeunmittelbar: Brig. Caltanisetta, Brig. Padova

Summe: 9y2 Div.,■ 125 Baone., 20 Schwd., 136 Bt.

Reserven der italienischen Heeresleitung

XI.    Korps: 21. ID., 22. ID.

XIII. Korps: 25. ID., 31. ID.

KavKorps2): 4 KD.

Summe: 4 ID., 4 KD.,- 49 Baone., 4 BersaglieriRdfBaone., 92 Schwd., 50 Bt.

Für die Herbstoffensive standen daher Mitte Oktober 1915 am Isonzo der k. u. k. 5. Armee und der 44. SchD. gegenüber: 338 Baone., 343 Bt. 3)

Während der Herbstkämpfe an den Isonzo herangeführte italienische

V erstärkungen

Ende Oktober bis Anfang November: 9. ID. von der 1. Armee, 10. ID. von der 4. Armee Mitte November: Brig. Novara (V2 35. ID.) von der 1. Armee

Gesamtstärke der Mitte Oktober 1915 gegen die öst.-ung. Südwestfront angesetzten italienischen Streitkräfte: 35 ID., 1 Bersa^ glieriDiv., 3 selbst. Brig., 2 AlpiniBrig., mehrere Alpinigruppen, 4 KD.,- rund 566 Baone., 170 Schwd., 500 Bt.

* *

*

!) In Lybien, im Dodekanes und in Albanien standen rund 65 Baone., 6 Schwd. und eine Anzahl von Feld= und Gebirgsbatterien des Heeres.

2)    Beiderseits des Tagliamento und im Küstensicherungsdienste.

3)    KavKorps. nicht mitgerechnet.

D. Außer Bereich der drei Kriegsschauplätze TRUPPEN IN SIEBENBÜRGEN

70. HID.!): GM. G o 1 d b a c li

207. HIBrig.: Obst. Andreas Berger, HIR. 312 (3), 313 (3)

208. HIBrig.: Obst. v. Csicsery, HIR. 314 (3), 315 (3)

DionsKav.: HHD. 70 (2)

7. Bt. FKR. 35, 9 cm KnBt. V70 bis 7/70/ G. Bt. FHR. IG, I—12 cm KnBt. M. Gl 3 BergwerksBaone. 2)

9600 Feuergewehre, 300 Reiter, 42 Gesch.

Die befestigte Donauiinie Kmdt.: FZM. Benda

Brückenkopf Krems Kmdt.: GM. Hauninger k. k. LstBaone. 25, 83, LstWachBaon. II,- 1 FsAKomp., 3 LstArtAbtlgn.

J 400 Feuergewehre

Brückenkopf Tulln Kmdt.: GM K r a s e 1 k. k. LstBaone. 63, 82, 84,- 1 FsAKomp., 2 LstArtAbtlgn.

1500 Feuergewehre

Brückenkopf Wien Kmdt.: FML. Fath

k. k. 3. LstTerrBrig.: GM. Freih. v. Hartlieb, k. k. LstBaone. 21, 22, 23, 64, 65, 92, 93, LstWachBaone. I, 111, 11/39,- 5 FsAKomp., 8 LstArtAbtlgn.

6000 Feuergewehre

Brückenkopf Preßburg Kmdt.: GM. Ritt. v. B o 1 b e r i t z, k.    k.    8.    LstTerrBrig.:    GM. Ritt. v. Grasern, k. k. LstBaone.    59,    61,-    1    FsAKomp.,

2 LstArtAbtlgn.

1300 Feuergewehre

Festung (Brückenkopf) Komorn Kmdt.: FML. Meister k. k. LstBaone. 50, 55, 56, k. u. LstEtBaon. 508,- 4 FsAKomp., 3 LstArtAbtlgn.

2000 Feuergewehre

Brückenkopf Budapest Kmdt.: FML. v. L i 1 i e n h o f f • k.    k.    11.    LstTerrBrig.:    GM. v. Grimm, k. k. LstBaone. 85, 90,    91,    94,    95,    k.    u.    Lst15

EtBaon.    1/7,- 3 FsAKomp., 9 LstArtAbtlgn.

4000 Feuergewehre

Summe der Streitkräfte außerhalb der drei Kriegsschauplätze

(Mitte September)

43 Baone., 2 Schwd., 10 Bt., 15 FsAKomp., 27 LstArtAbtlgn.,-25.800 Feuergewehre, 300 Reiter, 42 mob. Gesch.

* *

*

E. Die operative Flotte

mit Ende September 1915

Fiottenkommandant Admirai Haus

1.    Geschwader

Kmdt.: Vizeadmiraí N j e g o v a n

1.    Division. Kmdt.: der Kommandant des 1. Geschwaders

»Viribus unitis«, »Tegetthoff«, »Prinz Eugen«, »Szent Istvan« (je 20.300 t)

2.    Division. Kmdt.: Vizeadmiral W i 11 e n i k

»Erzherzog Franz Ferdinand«, »Zrinyi«, »Radetzky« (je 14.500 t)

2.    Geschwader Kmdt.: Vizeadmiral Löfler

3.    Division. Kmdt.: der Kommandant des 2. Geschwaders

»Erzherzog Karl«, »Erzherzog Friedrich«, »Erzherzog Ferdinand Max« (je 10.600 t)

4.    Division. Kmdt.: Kontreadmiral Seidensacher

»Habsburg«, »Ärpad«, »Babenberg« (je 8300 t)

Kreuzerflottiiie Kmdt.: Vizeadmiral Fiedler

1. Kreuzerdivision. Kmdt.: der Kommandant der Kreuzerflottille

»Sankt Georg«    (7300 t), »Kaiser Karl VI.« (6300 t), »Novara«,    »Saida« (je    3500    t),

»Aspern« (2400 t), »Szigetvar« (2300 t)

1.    Torpedoflottille. Führerschiff »Helgoland« (3500 t), Kmdt.: LsdiKapt. S e i t z,

12 Torpedofahrzeuge und 9 Torpedoboote

2.    Torpedoflottille. Führerschiff »Admiral Spaun« (3500 t), Kmdt.: LschKapt.

v. Millenkovich, 7 Torpedofahrzeuge und J8 Torpedoboote

Unterseebootflottiiie

11 Unterseeboote Verteidigung von Küstenabschnitten

5.    Division. Kmdt.: Kontreadmiral Hansa, »Monarch«, »Wien«, »Budapest« (je 5600 t)

2. Kreuzerdivision. Kmdt.: LsdiKapt. Grund, »Kaiserin und Königin Maria Theresia«

(5200    t), »Kaiser Franz Joseph I.« (4000 t), »Panther«    (1530 t)

Ferner das    Seeverteidigungskmdo. von Pola, die Seebezirkskmdos.    von    Triest,

Sebenico und Castelnuovo mit einer Anzahl von Spezialschiffen, 7 Torpedofahrzeugen und 38 Torpedobooten.

’ Donauflottiiie])

Kmdt : LsdiKapt. L u c i c h

a) In der Donau

1.    Monitordivision. »Temes«, »Enns«, »Bodrog«, »Maros«, Patrouillenboote »i« und »f«,

Minenräumer »Balaton«

2.    Monitordivision. »Sava«, »Inn«, »Körös«, »Leitha«, Patrouillenboote »k« und »h«,

Minenräumer »Vag«

Armierte Dampfergruppe. »Almos«, »Helena«, »Samson«

Motorbootsabteilung. 9 Motorboote,- Flußminenabteilung; Train

b) In der Save Savemonitorgruppe. »Szamos«, arm. Dampfer >Una«, 1 Motorboot

DER FELDZUG VON ROWNO

ui

4


Die Offensive des öst.-ung. Heeres in Wolhynien und Ostgalizien

Bereitstellung der unter der k.u.k. Heeresleitung stehenden Armeen Hiezu Beilagen 2, 3 und 4

Nachdem der Aufmarsch des X. (24. und 62. ID.) und des IX. Korps (10. ID. und 26. SchD.) zwischen der Ługa und der Turya beendet war und das XIV.Korps (3. ID. und 21.SchD.) Kowel erreicht hatte, schwenkte FZM. Puhallo am 25. August mit seinem Nordflügel zur Umfassung der

8. Russenarmee gegen Südosten ein (Bd. II, S. 706 f.). Da man die russische Front bisher nur bis zur Luga von Infanterie besetzt wähnte, hatte das X. Korps den Hauptschlag in der Richtung auf Lokaczy zu führen, das IX. Korps auf Torczyn vorzustoßen und bereit zu sein, über Zaturcy in einen Kampf des X. einzugreifen. Die 4. KD. sollte entlang der von Kowel nach Łuck führenden Straße in gleicher Höhe mit dem IX. Korps vorrücken, das XIV. Korps hinter der 4. KD. derart folgen, daß es mit seinen Anfängen am 28. den Stochod überschreiten konnte. Die längs der Ługa aufwärts von Zimno und längs des Bug bis zur Ratamündung stehenden Truppen, das Korps FML. Szurmay (40. HID. und 7. ID.), das

1.    Korps (9. ID. und 46. SchD.) und das II. Korps (25. ID.), hatten sich vom Nordflügel aus dem Angriff anzuschließen. Als Armeereserve war einstweilen die hinter dem X. Korps nachrückende 13. SchD. bestimmt.

An der oberen Złota Lipa stellte GdK. Böhm-Ermolli, der schon seit längerem mit der Vorbereitung des Angriffes auf dem Südflügel der

2.    Armee beschäftigt war, dem drei Divisionen starken V. Korps (14., 34. und 33. ID.) noch die 43. SchD. (drei Regimenter) als Reserve zur Verfügung und verstärkte dessen Artillerie. Insgesamt verfügte FML. Goglia in einer Front von 20 km Breite über 44.000 Feuergewehre und 182 Geschütze. Sein Korps hatte zunächst den Talrand westlich der Złoczówka zu gewinnen. Der linke Armeeflügel, das Korps FML. Czibulka (31. ID.,

1. LstlBrig., l.KD., verstärkt durch ein Regiment der 43. SchD., 1. Lst-HusBrig.), sollte gemeinsam mit dem II. Korps der 1. Armee vorgehen, falls dieses Raum gewann. Im übrigen hatte sich die Armeemitte (XIX. Korps mit der 29. ID., IV. Korps mit der 51. HID., XVIII. Korps mit der 27. und 32. ID.) dem Angriff des Korps Goglia anzuschließen.

Das Ziel für die Verfolgung durch die 2. Armee war die Ikwa bis Werba. GdI. Graf Bothmer, der Befehlshaber der Südarmee, hatte das auf seinem Nordflügel stehende Korps GdK. Freih. Marschall für den entscheidenden Angriff bestimmt. Und zwar sollte dessen 3. GID., GM. v. Lindequist, verstärkt durch Teile der 19. ID., der 48. RD. und der 38. HID., die russische Front unterhalb von Dunajów bei Buszcze in der Richtung auf Zborów durchstoßen. Gleichzeitig hatten die Masse der 48. RD. und das Korps FML. Hofmann (55. ID., 131. IBrig., Brigade Obst. Edl. v. Bolzano) über die Złota Lipa bei Zawałów anzugreifen.

Bei der 7. Armee verfügte GdK. Freih. v. Pflanzer-Baltin, daß das XIII. Korps (36. ID., Masse der 15. ID.), das er durch die halbe 5. ID. (9. IBrig.) vom Korps FML. Ritt. v. Henriquez (5. und 30. ID., 8. KD.), durch das IR. 16 von der Armeereserve sowie durch vier Batterien verstärkte, am 27. August gleichzeitig mit der Südarmee über die untere Złota Lipa und aus den Dniesterschlingen von Koropiec und von Koś-mierzyn anzugreifen habe. Gelang das Unternehmen auf dem linken Armeeflügel, dann wollte Pflanzer-Baltin die noch am Dniester stehenden Russen in doppelseitigem Angriff fassen, indem er am 29. auch mit dem Korps FML. Ritt. v. Benigni (6. ID., 3., 5. und 6. KD.) aus dem Brückenkopf von Sińków nach Norden vorstieß. Dazu sollte die 10. IBrig. der

5. ID. in der Front des Korps Henriquez durch dessen Reserve, die 8. KD., abgelöst und zusammen mit dem Rest der Armeereserve, dem IR. 66, bei dem Korps Benigni eingesetzt werden.

Da an der ganzen Front in Ostgalizien seit längerem Ruhe herrschte, konnten alle Vorbereitungen für den Angriff ungestört durchgeführt werden. Die Munitionskolonnen waren wieder aufgefüllt, die XII. Marschbataillone der Landwehr und die XIII. des Heeres, die Mitte August eingelangt waren, bei den Armeen eingereiht, so daß ihre Divisionen wieder einen Gefechtsstand von 8000 bis 10.000 Gewehren hatten. Alles in allem verfügte GO. Conrad zur Durchführung seiner Absichten über 3 81/2 Infanterie- und 8Vs Kavalleriedivisionen, während Iwanow nach den Berechnungen der k. u. k. Heeresleitung eine Streitmacht von 29 Infanterie- und 14 Kavalleriedivisionen besaß. Die Russen waren demnach an Infanterieverbänden nahezu um ein Drittel schwächer. Ein entscheidendes Übergewicht besaß FZM. Puhallo auf seinem Nordflügel. Hier waren zu Beginn der Offensive 9 Infanteriedivisionen und 1 Kavalleriedivision zur Verfügung, während in der über 50 km breiten Lücke in der russischen Front zwischen der Luga und Rożiszcze vorläufig nur 2 Infanterie- und

4 Kavalleriedivisionen angenommen wurden. Weiter nördlich bis zum

Pripiatj befand sich anscheinend nur das 2 Divisionen starke russische

IV. KavKorps, so daß man auch in der Nordflanke einstweilen keine Gefahren zu befürchten hatte. Ebenso standen die 2. und die Südarmee mit 15i/2 Infanterie- und 11/2 Kavallericdivisionen gegen 9 bis 13 russische Infanterie- und 1 bis 2 Kavalleriedivisionen recht günstig. Erst gegenüber der 7. Armee verschob sich das Stärkeverhältnis augenscheinlich zugunsten der Russen — es standen 8 öst.-ung. Infanterie- und

5 Reiterdivisionen gegen 8 bis 9 Infanterie- und 6 bis 8 Reiterdivisionen. Eine Erschwernis für die jetzt kommende Offensive lag in der Eigentümlichkeit des Geländes, auf welchem die öst.-ung. Heeresleitung den Schlag gegen die russische Südwestfront führen mußte. Von der galizisch-podolischen Bodenwelle streben nach Süden die tief eingeschnittenen Zuflüsse des Dniester: die Złota Lipa, die Strypa, der Sereth und der Zbrucz, die den Russen eine Reihe vortrefflicher paralleler Widerstandslinien boten — eine von der anderen nicht viel mehr als einen Tagemarsch entfernt. Im Norden waren der Bug, das versumpfte Quellgebiet der Luga, der Turya und des Stochod sowie die versumpften flachen Täler des Styr und des Horyń mit ihren Nebenflüssen Sierna, Polonka, Putilowka und Stubiel Heeresbewegungen sehr hinderlich. Auch lagen die Nachschub Verhältnisse für die k. u. k. Armeen recht ungünstig. Die Russen hatten auf ihrem Rückzug alle Bahnen zerstört. Ende August war die Bahnlinie von Radom über Lublin, Cholm gegen Kowel noch immer durch die gesprengte Weichselbrücke bei Iwangorod unterbrochen. Dieser lebenswichtige Schienenstrang konnte nur auf der erst im Kriege erbauten und minderleistungsfähigen Strecke von Rozwadów über Kraśnik erreicht werden. Hinter dem entscheidenden linken Heeresflügel war die Bahn einstweilen nur von Lublin bis Cholm in Betrieb. Von Beiz bis Wladimir-Wołyński führte nur eine Feldbahn. Die 1. Armee litt unter der Länge ihrer über fast 150 km ausgedehnten Etappenlinie. Die Vollbahnen über Rawa Ruska und über Lemberg waren wohl schon bis nahe hinter dem rechten Heeresflügel benützbar, aber an zahlreichen Stellen erst notdürftig wiederhergestellt; Hunderte von „Langsamfahrsignalen“ und großer Mangel an Betriebswasser erschwerten den geregelten Verkehr. Dagegen stand den Russen das großzügig ausgebaute, strategische Bahnnetz der Linien Kiew—Samy, Kiew—Rowno und Odessa— Tarnopol mit der wertvollen Querverbindung Brody—Rowno—Sarny zur Verfügung, auf der sie nach Wolhynien Verstärkungen heranziehen konnten. Die Möglichkeit eines großen Erfolges schien aber gegeben zu sein, wenn der umfassende linke Flügel im Angriff rasch vorwärts kam.

Die allgemeine Lage bei den Russen

In den Tagen, da die in Wolhynien sich häufenden öst.-ung. Kräfte die russische Südwestfront mit Umfassung bedrohten, war die Aufmerksamkeit der Stawka ganz auf den Nordflügel des Heeres gerichtet. Der Vormarsch der Deutschen in Litauen und in Kurland erweckte seit langem in Petersburg ernste Besorgnisse für die Sicherheit der Hauptstadt1). Als Kowno gefallen war (17. August) und Hindenburg die deutsche 10. Armee nördlich vom Bobr von Augustów auf Grodno, über den Njemen und in der Richtung auf Wilna angreifen ließ, wandte die Stawka alles auf, um die Flanke der im Rückzug von Brest-Litowsk auf die Linie Pińsk—Słonin befindlichen Zentrumsarmeen zu schützen. Sie zog Verstärkungen an die bedrohte Stelle. Ende August löste sie die 12. und die 13. Armee auf; deren Kräfte wurden teils mit der bei Riga in Versammlung begriffenen neuen 12. Armee verschmolzen, teils mit dem Gardekorps bei Wilna eingesetzt2). In der Nacht auf den 31. August trat auch die schon seit Ende Juli geplante Teilung der Nordwestfront in Kraft. GdI. Rußki übernahm den Oberbefehl über die nunmehr aus der 12., 5.,

10. und 6. (Petersburger Reservearmee) neugebildete Heeresgruppe Nord, die übrigen Armeen der bisherigen Nordwestfront, die 1., 2., 4. und 3., wurden als Heeresgruppe West unter Gen. Alexejew zusammengefaßt (Bd. II, S. 717).

Was die Südwestfront betraf, so hatte die Stawka dem Gen. Iwanow schon am 22. Juni, dem Tage der Einnahme von Lemberg, befohlen, die Südwestarmeen allmählich an die Grenzen des Kiewer Militärbezirkes zurückzunehmen (Bd. II, S. 554). Dabei sollte aber immer wieder Front gemacht werden, um den Vormarsch des Gegners aufzuhalten. Diese Aufgabe wurde dem Gen. Iwanow durch das Gebiet erheblich erleichtert, auf dem seine Armeen zu operieren hatten. In geschickter Anpassung an das Gelände ließ Gen. Sawitsch, der Stabschef der Südwestfront, eine Reihe von Stellungen ausbauen, deren westlichste hinter dem oberen Bug, der Olszanica und der Złota Lipa verlief.

Hier standen nun Ende August am Bug das XII., das VIII., das

XVII. und das VII. Armee- sowie das KavKorps Rerberg (insgesamt 8V2 Infanterie- und 4 Kavalleriedivisionen) der 8. Armee, GdK. Brussilow. Gegen Süden quer über die galizisch-podolische Bodenwelle

Paléologue, La Russie des tsars (Paris 1921), I, 389 ff.; K n o x, With the Russian Army 1914—1917 (New York 1921), 329ff.

-) Dani low (Daniloff), Rußland im Weltkriege 1914—1915 (deutsche Ausgabe, Jena 1925), 537 f.

zwischen den Eisenbahnen Brody—Lemberg und Tarnopol—Rohatyn folgte die aus dem VI., dem XVIII. und dem XXII. Armeekorps (insgesamt 6V2 Infanterie-und l1/« Kavalleriedivisionen) bestehende 11. Armee, GdI. Schtscherbatschew. Noch weiter südlich schlossen an der unteren Złota Lipa, am Dniester und an der Ostgrenze der Bukowina das XI., das XXX., das XXXIII., das XXXII. Armee- sowie das II. und das

III. KavKorps (insgesamt 13 Infanterie- und 7V2 Kavalleriedivisionen) der 9. Armee, GdI. Letschitzki, an.

Der lange Stillstand der Operationen auf diesem Teil der Gesamtfront gestattete den russischen Armeeführern, den in den vergangenen schweren Kämpfen erschütterten Truppen die so nötige Ruhe zu gönnen. Iwanow zog aus dem Innern Rußlands alle greifbaren Ersatztruppen heran. Es konnten dadurch die Gefechtsstände der Divisionen, die teilweise schon auf 4000 Streiter und darunter zusammengeschmolzen waren, wieder auf 7000 Mann gebracht werden. Die Ersatzmannschaften waren jedoch wenig ausgebildet, sie hatten keine Gewehre, es fehlte an Offizieren und Unteroffizieren sowie vor allem an Artilleriemunition1). Ein Teil der Geschütze mußte deshalb aus der Front gezogen werden. Nicht weniger als 11 Divisionen hatte Iwanow im Verlaufe des Sommers an die Nordwestfront abgeben müssen. Zuletzt waren Mitte Juli 2 Divisionen (die 58. und 78. RD.) als Besatzung für Nowogeorgiewsk und anfangs August neben 120 Kompagnien noch 6 ganze Infanteriedivisionen wegen der Bedrohung von Wilna und Riga nach Norden abgegangen. Alles in allem verfügte Iwanow Ende August nur mehr über 31 Infanterie- und

12 Kavalleriedivisionen.

Dazu hatte um diese Zeit der Rückzug der bisherigen 13. Armee von Kowel und Włodawa ernste Besorgnisse wegen des Nordflügels erweckt. Iwanow befahl dem Gen. Brussilow, seinen rechten Flügel von Poryck bis Łuck zu strecken und die von Rożiszcze nach Sarny und Aleksandrya (Eisenbahnstation nördlich von Rowno) führenden Straßen zu sichern, wie die Reiterei des Gen. Gillenschmidt (IV. KavKorps) sie gegen Kamień Kaszyrskij und Ratno decken sollte. Brussilow, dem der Aufmarsch beträchtlicher gegnerischer Kräfte zwischen Władimir-Wołyński und Kowel nicht verborgen geblieben war, ließ durch seine vier Kavalleriedivisionen hinter dem obersten Stochod sowie zwischen Kisielin und Poryck eine Schutzflanke bilden; er zog auch aus seiner Armeemitte das XII. Korps nach Torczyn und Swiniuchy heran, empfahl aber den

x) Paléologue, I, 372ff.; Mémoires du General Broussilov, Guerre 1914—1918 (in französischer Sprache, Paris 1929), 142 f.

sofortigen Rückzug. Demgegenüber war Iwanow für das Standhalten in den guten Stellungen hinter dem oberen Bug und verhieß für den Flankenschutz das XXXIX. Korps, das er aus zwei Reichswehrdivisionen der

11. und der 9. Armee zu bilden gedachte1).

Ehe diese sehr wenig kampfkräftigen Verbände in Łuck eingelangt waren, hatte FZM. Puhallo mit seinem linken Flügel schon die neue Offensive begonnen.

Der Vormarsch bis an den Styr und an die Strypa

(26. bis 31. August)

Hiezu Beilage 4 sowie Skizze 1

Die Kämpfe der k. u. k. 1. Armee bei Zaturcy

Durch das Quellgebiet der Ługa, Turya und des Stochod, auf Stegen über Sumpf land, durch dichte Waldungen und dazwischenliegende schmale Landrücken strebten die Stoßgruppen der 1. Armee am 26. August gegen Südosten. Das X. Korps gelangte am Nachmittag unter heftigen Kämpfen mit russischer Kavallerie bis in die Gegend von Chorostów, das IX. Korps war im Vorgehen auf Makowiczy und suchte die Stochodübergänge bei Kisielin zu gewinnen. Das XIV.Korps, durch die vorangegangenen Märsche ermüdet, ging bis Lubitów vor. Die vorausgeeilte 4. KD. hatte keinen Feind vor sich und gelangte bis Hołoby. Hinter dem nach Südosten einschwenkenden Armeeflügel hatte die nachrückende 7. KD. Lubomi und die Gruppe FML. Smekal (4. ID. und 45. SchD.) Cholm erreicht.

Nach den bis zum Vormittag vorliegenden Nachrichten gewann FZM. Puhallo den Eindruck, daß die vor dem linken Armeeflügel stehenden Russen im Begriffe seien, an den Styrabschnitt von Łuck zurückzugehen, in welcher Auffassung er noch durch die Nachricht bestärkt wurde, daß die bisher hinter dem Lugaabschnitt von Poryck gestandene 12. ID. des

XII. Russenkorps nach Torczyn marschiere. Puhallo befahl seinem Nordflügel, über die für den 26. gegebenen Ziele noch ein Stück hinauszugehen. Das X. und das IX. Korps sollten am 27. um 6h früh die Linie Biskupiczy—Wojmica—Kisielin—Stochod überschreiten; sie erhielten die Angriffsrichtung auf Szelwów—Torczyn—Ulaniki. Das Korps Szurmay hatte gemeinsam mit der 24. ID. des X. Korps den noch nördlich von Biskupiczy befindlichen Feind anzugreifen und mit der 9. ID. des I. Korps die Linie Steniatyn—Szelwów zu gewinnen. Das XIV. Korps (21. SchD., x) Broussilov, 152f.

3. ID. und die überdies unterstellte 2. ID.) sollte noch am 26. mit seinen Anfängen Holoby und am nächstfolgenden Tag die Gegend südöstlich von Perespa erreichen. Die 4. KD. hatte die nördliche Armeeflanke zu decken, die 13. SchD. wie bisher dem rechten Flügel des X. Korps zu folgen. Insgesamt waren somit 11 Infanteriedivisionen und 1 Kavalleriedivision zum umfassenden Angriff in einem Raum, angesetzt, in dem der Feind — soweit man wußte — nur über erheblich schwächere Kräfte, 2 Infanterie- (die 12. und die 19. ID. des XII. Korps) und 3 bis 4 Kavalleriedivisionen, verfügte.

Das Korps FML. Szurmay überschritt noch in der Dunkelheit des 26. zwischen Markostaw und Żytanie die Luga, vertrieb die auf dem rechten Ufer eingegrabenen russischen Nachhuten und konnte bis zum Abend des 27. die Gegend zwischen Poryck—Szelwów gewinnen. Rechts vom Korps Szurmay schloß sich am 27. früh die 9. ID. des I. Korps dem Vorgehen an und kam bis zum Abend nahe an Steniatyn—Poryck heran. Hier und zwischen Poryck und Szelwów leistete der Feind in durchlaufenden Stellungen neuen Widerstand. Das X. Korps erreichte, über Lokaczy— Wojmica vordringend, an diesem Tage nach harten Kämpfen mit russischer Reiterei die Gegend nördlich von Szelwów und östlich von Zaturc)^. Vor der Front des IX. Korps hatte der Feind in der Nacht Kisielin und die dortigen Stochodübergänge aufgegeben. Am 27. früh schwenkte die

10. ID. gegen Zaturcy ein, während die 26. SchD. unter zahlreichen Scharmützeln mit russischer Reiterei in der Richtung auf Chorochorin vorging. Hier kam das IX. Korps vor eingegrabenen russischen Vortruppen, die die Zugänge in die Niederung des Siernabaches verteidigten, zum Stehen. Ein kritischer Augenblick trat am Nachmittag ein, als die bei Torczyn zurückgehaltene russische 12. ID. gegen die Mitte des IX. Korps zum Gegenangriff vorbrach. In wechselvollem, bis zum Einbruch der Dunkelheit währendem Kampfe wurde der Vorstoß der Russen von der

26. SchD. abgeschlagen und bei Chorochorin weiterer Fortschritt erzielt.

Links vom IX. Korps hatte inzwischen das XIV. mit der 21. SchD. die Gegend von Perespa, mit der 3. ID. den Stochod und mit der von Kowel nachgezogenen 2. ID. Holoby erreicht. Die 4. KD. war, nach Nordosten vorrückend und ohne auf nennenswerten feindlichen Widerstand zu stoßen, bei und abwärts von Rożiszcze schon an den Styr gelangt.

Die Schlachten bei Gologóry und an der Zlota Lipa

Am 27. August, an dem Tage, da der von Wladimir-Wolynski— Kowel nach Südosten eingeschwenkte Nordflügel der 1. Armee bereits tief in die Flanke der noch immer am oberen Bug verbliebenen Masse der

8. Russenarmee vordrang, waren auch die Armeen Böhm-Ermolli, Bothmer und Pflanzer zum Angriff geschritten.

Bei der 2. Armee eröffneten um 8h früh die Geschütze des V. Korps >(14., 34., 33. ID., 43. SchD.) das Wirkungsschießen gegen die russischen Gräben von Ciemierzyńce bis Gołogóry. Nach einstündiger Artillerieschlacht brachen zuerst die Regimenter der auf dem rechten Flügel eingesetzten 14. ID. über die Złota Lipa vor. Sie drangen um Mittag oberhalb von Dunajów in die Stellungen des VI. Russenkorps ein. Unter schweren Verlusten überschritt unterdessen auch die links benachbarte 34. ID. die Złota Lipa und erstürmte die Waldhöhen südöstlich von Gołogóry. Am Nachmittag unternahmen die Russen gegen die 14. und die 34. ID. Gegenangriffe; trotzdem erzielten diese beiden Divisionen nach Einsatz der halben 43. SchD. weitere Fortschritte; nur der Nordflügel der 34. ID. wurde wieder an die Złota Lipa zurückgedrängt. Gegen die 33. ID., deren rechter Flügel sich dem Vorgehen der 34. ID. angeschlossen hatte, brach am Abend ein russischer Angriff aus Gołogóry vor. Da ging das IR. 26 zum Angriff über und eroberte nach schwerem, bis spät in die Nacht andauerndem Ringen den Ort. Bei der 34. und der 14. ID. herrschte um diese Zeit lebhafter Feuerkampf, doch führte der Russe von den rechtsufrigen Höhen der östlichen Złota Lipa keine Gegenstöße mehr.

Über 2000 Gefangene wurden im Verlaufe des Tages eingebracht; die eigenen Truppen hatten in opfervollem Angriff etwa 4500 Streiter verloren.

Auch bei der Südarmee erzielte der Angriff am 27. August erfreulichen Raumgewinn. Auf ihrem Nordflügel durchbrach die aus der 3. GID. und aus Truppen der 48. RD., der 38. HID. und der 19. ID. bestehende Angriffsgruppe des Korps Marschall im Verlaufe des Vormittags bei Buszcze (unterhalb von Dunajów) die zäh verteidigten Stellungen des XVIII. Russenkorps und warf am Nachmittag feindliche Reserven, die zum Gegenangriff schritten, auf Pomorzany zurück. Unterdessen überschritten auf rasch errichteten Brücken die Regimenter der 48. RD. und der 55. ID. des Korps Hofmann gegen Mittag bei Zawałów die Złota Lipa und nahmen, von der Artillerie kräftig unterstützt, die auf dem Ostufer angelegten Verschanzungen des russischen XI. Korps. Der linke Flügel der Brigade Obst. Bolzano schloß sich gegen Abend dem Vorgehen an. Die Russen führten auch auf diesem Teil der Angriffsfront bis spät in die Dunkelheit blutige Gegenangriffe, die abgewiesen wurden. Die Südarmee hatte an diesem Tage über 2000 Gefangene eingebracht.

Vordringen der Verbündeten über die Zlota Lipa

Bei der Armee Pflanzer-Baltin leiteten Ablenkungsmanöver des Korps Henriquez am 27. August im Morgengrauen den Angriff ein. Vom

59


XIII. Korps drang die Mitte der 15. ID. bei Kośmierzyn in die russischen Stellungen ein, der linke Flügel blieb vor Koropiec liegen. Der aus dem Raume östlich von Uście Zielone angesetzte Hauptschlag der verstärkten 36. ID. konnte erst um 10hvorm. beginnen. Starker Nebel hemmte die Artillerievorbereitung. Nach hartem Kampf erstritt sich diese Division an der von Uście Zielone nach Monasterzyska führenden Straße den Übergang über die Złota Lipa. Sie eroberte am Nachmittag die Höhen hart östlich des Flusses und schuf sich einen etwa 10 km breiten und 2 km tiefen Brückenkopf. Gegenstöße des angegriffenen XXX. Russenkorps wurden am Abend und im Dunkel der Nacht abgeschlagen und etwa 800 Gefangene eingebracht. Bei der 15.ID. mußte jedoch die bei Koś-mierzyn in die feindliche Stellung eingedrungene Gruppe wegen russischen Flankenfeuers in die Ausgangsstellung zurückgenommen werden. Am 28. sollte der Angriff des Nordflügels des Korps GdI. Freih. v. Rhemen weitergeführt werden. Die Südarmee und das V. Korps hatten den jetzt an mehreren Punkten aus seinen Verschanzungen an der Złota Lipa vertriebenen Feind völlig zu durchstoßen.

Auf dem Nordflügel der ganzen Angriffsfront wollte FZM. Puhallo an diesem Tage mit dem Korps Szurmay und dem X. Korps den umfassenden Angriff in der Richtung auf Swiniuchy—Torczyn fortsetzen. Das IX. Korps hatte das Ostufer der Sierna zu gewinnen, das XIV. Korps auf Rożiszcze vorzugehen.

Die Eroberung von Łuck

Angesichts der Flankenbedrohung von Norden sowie der wuchtigen Schläge des Gegners an der Zlota Lipa hatte sich Gen. Iwanow am

27. August abends entschlossen, seine ganze Front zurückzunehmen, und zwar die 8. Armee hinter die Łuck deckende Siema, dann auf die Wasserscheide zwischen Bug und Styr in die Linie Torczyn—Swiniuchy— Stojanów—Radziechów—Toporów, den Nordflügel der durchbrochenen

11. Armee auf die bastionsartig vorspringenden Höhen von Biały Kamień und östlich von Złoczów, den linken Flügel der 11. und den rechten der

9. Armee hinter die Strypa1).

x) Nesnamow A., Strategische Skizzen (in russischer Sprache, Moskau 1922).

IV.Teil, 105f.5 Zajontschkows'kij, Die Periode des Bewegungskrieges 1914 und 1915 auf dem russisch-europäischen Kriegsschauplätze (in russischer Sprache, Moskau 1929), 370.

Bei der großen Gefahr, überflügelt zu werden, trat Gen. Brussilow noch in der Nacht auf den 28. August den Rückmarsch an und gab vor dem Südflügel der k. u. k. 1. Armee das rechte Bugufer auf. Die am Morgen dieses Tages beim II. Korps über Sokal, beim I. Korps über Steniatyn und Poryck angesetzte Verfolgung kam, ohne auf Feind zu stoßen, bis über die Reichsgrenze und über Zawidowo hinaus. Das Korps Szurmay sowie das X. und das IX. Korps drückten wie bisher unter lebhaften Kämpfen schwächere russische Kräfte in südöstlicher Richtung zurück und standen am Abend vor den neuen feindlichen Stellungen beiderseits von Swiniuchy, bei Torczyn und an der Sierna bis Ulaniki. Auf dem linken Armeeflügel waren die Vortruppen des XIV. Korps am Vormittag in der Gegend westlich von Rożiszcze auf den Widerstand der

3. OrenburgKosD. gestoßen. GdI. Roth setzte die 3. ID. und die 21.SchD. zum Angriff an und zog die über Holoby heranmarschierende 2. ID. nach Perespa heran. Die 4. KD., die weiter nach Norden ausholte und keinen Feind vor sich hatte, überschritt im Verlaufe des Nachmittags auf einer Kriegsbrücke bei Sokul den Styr.

Die k.u.k. Heeresleitung hatte schon am 28. September früh den FZM. Puhallo darauf hingewiesen, daß für rasches Vorgehen auf Łuck und ausgiebige umfassende Wirkung des Angriffs das Überschreiten des Styr mit starkem linkem Flügel abwärts von Rożiszcze besonders wichtig sei. FZM. Puhallo befahl daraufhin dem XIV., dem IX. und dem X.Korps, möglichst rasch Łuck zu nehmen. Hiezu sollte das XIV. Korps mit zwei Divisionen auf dem östlichen und mit einer Division auf dem westlichen Styrufer Vordringen, das IX. Korps aber die Westfront von Łuck bedrohen. Als dann um Mittag dem AOK. bekannt wurde, daß das XIV. Korps den bei Rożiszcze auf dem Westufer des Styr noch haltenden Feind angreife, befahl es unmittelbar dem GdI. Roth, dem verlustreichen Stirnangriff auszuweichen und ebenso, wie die 4. KD., abwärts von Rożiszcze den Styr zu überschreiten. Unterdessen hatte der Feind aber Rożiszcze schon geräumt. Teile des IR. 59 stürmten den weichenden Russen über die brennende Brücke nach; andere Truppen der 3. ID. wurden auf Kähnen rasch auf das jenseitige Ufer geschafft. GdI. Roth wollte nunmehr noch am 28. die Masse der 3. ID. bei Rożiszcze auf das östliche Styrufer bringen, die 21. SchD. sollte dann sofort der 3. ID. nachgesendet werden; die

2. ID. hatte bei Czeben auf einer Kriegsbrücke den Fluß zu überschreiten. Die bereits auf dem Ostufer eingetroffene 4. KD. erhielt den Auftrag, den Uferwechsel der 2. ID. zu decken und gegen die von Łuck nach Osten führenden Straßen vorzudringen.

In Fortsetzung der Offensive griff die auf dem Südflügel der 1. Armee vorrückende 25. ID. am 29. August den bei Stojanów—Druszkopol haltenden Feind an. Sie setzte sich auch in Stojanów fest, drang aber schließlich nicht durch. Weiter nördlich brauchte das I. Korps in dem unwegsamen Wald- und Sumpfgelände den ganzen Tag, um an die feindlichen Stellungen von Gorochów heranzukommen. Beim Korps Szurmay warf die 7. ID. südlich von Swiniuchy die Russen aus ihren vordersten Gräben; die 40.HID. machte keine wesentlichen Fortschritte. Die erschöpften Divisionen des X. und des IX. Korps blieben stehen und meldeten schon am Morgen, daß die Stellungen vor ihrer Front stark besetzt seien. FZM. Puhallo wollte daher zunächst die auf den elenden Wegen abgebliebene Artillerie herankommen lassen und meldete der Heeresleitung, daß er erst am 30. die stark ausgebauten russischen Stellungen bei Swiniuchy und an der Sierna mit dem Korps Szurmay sowie dem X. und dem IX. Korps angreifen werde.

Mit dem Einsatz so starker Kräfte in der Mitte der 1. Armee schien aber der Heeresleitung das Gelingen des von ihr beabsichtigten Umfassungsmanövers in Frage gestellt. GO. Conrad drückte dem FZM. Puhallo telegraphisch seinen Unmut mit den Worten aus: „Das AOK. erwartet bindende Befehle an die Korpskommandos zum vollen Durchsetzen des eigenen Willens und zum sicheren Erreichen des großen Zweckes, der bei bedeutender eigener Übermacht sicher erreichbar ist, aber nur dann, wenn nicht starke Kräfte im frontalen Kampf nutzlos dort verbraucht werden, wo es der Feind wünscht. Durch ein ausgiebiges Umgreifen um seinen Nordflügsl muß dem Feinde das Halten der Ikwa-Styrlinie Dubno— Łuck unmöglich gemacht werden. Die 4. KD. hat so weit als möglich gegen Rowno vorzugehen und dort die Bahn zu zerstören.“

FZM. Puhallo befahl darauf am 29. nachmittags, daß das XIV. Korps, das mittlerweile mit allen drei Divisionen bei Rożiszcze und abwärts davon über den Styr gelangt war, unter Sicherung gegen Łuck den Raum östlich der Stadt beiderseits der nach Rowno führenden Straße zu gewinnen habe. Ferner beschloß er, das X. Korps aus der Front zu ziehen, um es bis zum 1. September über Rożiszcze dem XIV. Korps nachzusenden, weil er die Möglichkeit berücksichtigte, daß die Russen auf der Bahn Truppen über Rowno gegen das Korps Roth heranführen könnten. Hinter dem linken Armeeflügel hatten außerdem noch die über Kowel heranmarschierende 7. KD. und die Gruppe FML. Smekal über Rożiszcze oder über Łuck zu folgen. Diese Absichten meldete FZM. Puhallo, dessen Hauptquartier mittlerweile von Żółkiew nach Sokal verlegt worden war, am Abend nach Teschen und fügte seiner Meldung hinzu, daß er nach den früheren Befehlen beauftragt war, die Bugstellung zu umgehen, den Nordflügel der russischen Südwestfront zu schlagen und möglichst rasch Łuck zu nehmen. Als allgemeine Angriffsrichtung sei ihm Łuck gegeben worden. Abwärts von Rożiszcze hätten bereits das XIV. Korps und die 4. KD. den Styr überschritten, stärkere Kräfte seien hiezu nicht verfügbar gewesen, da sich der ganze in der befohlenen Richtung auf Łuck vorrückende Armeeflügel die erreichten Räume habe erkämpfen müssen. Das dem Styr zunächst befindliche IX. Korps könne nicht nach Norden abgezogen werden, da ihm starker Feind gegenüberstände, der gestern angegriffen habe. Die für die neue Aufgabe, Umgehung der Ikwa-Styr-linie, erforderliche Neugruppierung sei angeordnet, und es seien vom

1. September an 7 Infanterie- und 2 Kavalleriedivisionen zur Verwendung auf dem Ostufer des Styr verfügbar.

Auf diese Meldung ließ GO. Conrad, der dem raschen Vorgehen aller verfügbaren Kräfte auf dem nördlichen Heeresflügel für das Gelingen der Gesamtoperation entscheidende Bedeutung beimaß, dem FZM. Puhallo noch am 29. zu später Stunde mitteilen, daß das AOK. zwar dem Angriff der 1. Armee die allgemeine Richtung auf Łuck gegeben und den Vorrückungsraum des südlichen Armeeflügels durch die in rein östlicher Richtung verlaufende Linie Krystynopol—Werba begrenzt habe. Anstatt die Armeemitte gegen Łuck zu dirigieren, seien aber bis zum

29. früh von den zunächst verfügbaren 13 Divisionen nur 3 nördlich von Łuck, dagegen 10 gegen den befestigten und für den Angriff ungünstigen Styr-Ikwaabschnitt Łuck—Dubno angesetzt worden. Je mehr sich der Feind durch Rückzug der Umfassung zu entziehen versuche, umsomehr müsse die Heeresleitung auf das schon wiederholt betonte Ausgreifen in östlicher Richtung Wert legen, damit mit starker, links vorgeschobener Staffel stets entscheidend gegen den russischen Nordflügel eingegriffen und der russische Rückzug zur Katastrophe gestaltet werden könne. Räumten die Russen, wie zu erwarten sei, beim Ausgreifen des XIV. Korps gegen den Raum östlich von Łuck ihre Stellungen an der Sierna, so werde auch das IX. Korps unverzüglich abwärts von Łuck über den Styr ostwärts zu entsenden sein. Ehestes Heranfühlen an die Festung und ihre Abschließung auf beiden Flußufern müsse die Wahrnehmung ermöglichen, ob der Feind Łuck überhaupt halte und welche Kräfte der 1. Armee zur Wegnahme des Platzes bestimmt werden müßten. Gegen den Raum Werba—Dubno—Łuck seien beim weiteren Fortschreiten der Offensive höchstens sechs Divisionen anzusetzen.

Siegreiches Fortschreiten des XIV. Korps

Diesem Befehle gemäß wies FZM. Puhallo noch in der Nacht zum

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30. den FML. Králiček an, den Feind, wenn er von der Sierna zurückweiche, nur mit kleinen gemischten Abteilungen zu verfolgen, die Masse des IX. Korps aber nächst der Siernamündung zu versammeln, um mit ihr möglichst bald und nahe von Łuck den Styr zu überschreiten. An das II., das I. und an das Korps Szurmay erging der Befehl, den Feind anzugreifen, wenn er vor ihrer Front Kräfte wegzog.

Zwischen dem Styr und der nach Rowno führenden Bahn waren unterdessen die 3. ID. und die 21. SchD. unter der Führung des FML. Edl. v. Horsetzky beträchtlich vorwärts gedrungen. Sie standen am 29. abends in der Höhe von Żydyczyn, 10 km nördlich von Łuck. Hier und bei der Eisenbahnstation Kiwercy, in welcher Richtung die nachgezogene

2. ID. angesetzt war, warfen sich Kosaken und eben im Auswaggonieren begriffene Truppen den ermüdeten Kolonnen entgegen. Bis tief in die Nacht hinein fochten die drei Divisionen des GdI. Roth mit den sich verzweifelt wehrenden Russen ohne Entscheidung. Östlich von der Eisenbahnstation Kiwercy war schon am Mittag die über Trostieniec anmarschierende 4. KD. mit dem ihr von der 21. SchD. unterstellten SchR. 6 in geringer Entfernung an die Bahnlinie herangelangt. Ihre Artillerie feuerte gegen den Bahnhof von Kiwercy und brachte den Bahnverkehr zum Stillstand. Pioniere zerstörten den Schienenweg.

Am 30. August nahm der Kampf noch an Heftigkeit zu, da sich der Feind durch neuangelangte Truppen verstärkte. Aber alle Anstrengungen der Russen, das Vordringen des Gegners aufzuhalten, blieben vergeblich. Gedeckt durch die 4. KD., die Palcza besetzte, erstürmte die 2. ID. nach schwerem Ringen den Bahnhof von Kiwercy und drang bis zum Einbruch der Dunkelheit in die Gegend östlich der Ortschaft Kiwercy vor, während die 21. SchD. an Teremno und die 3. ID. nahe an die Nordfront von Łuck herangelangten. Als Beute wurden bis zu diesem Zeitpunkt an 2000 Mann, 6 Maschinengewehre, 5 Lokomotiven und 2 Eisenbahnzüge mit viel Kriegsmaterial gemeldet.

Während das XIV. Korps — wenn auch hart kämpfend — in siegreichem Fortschreiten war, verhielten sich die Armeemitte und auch der Südflügel der 1. Armee am 30. abwartend und beschränkten sich auf einen stehenden Feuerkampf. Der von der Heeresleitung veranlaßte Abmarsch des X. Korps nach Rożiszcze bedingte eine Neugliederung der schon zum Angriff bereitgestellten Kräfte der Armeemitte. Die 24. und die 62. ID. wurden durch die 10. ID. und die 13. SchD. abgelöst; die zuletzt genannte Division wurde dem Korps Szurmay unterstellt, so daß der Angriff auf diesem Teil der Front vom FZM. Puhallo auf den 31. verschoben wurde.

Die Lage ließ aber ein Hinausschieben des Angriffes nicht zu, sondern erforderte seine Fortsetzung schon am 30. August. Nach den Meldungen der Flieger, die bei dem klaren Wetter des 29. und des 30. August längere Heersäulen im Marsche von Łuck und von Beresteczko gegen Osten erkannt hatten, schien es, als ob der Feind infolge der Bedrohung von Norden her gerade im Begriffe sei, seine ganze Front vor der

1. Armee zurückzunehmen. Auch stand es jetzt außer jedem Zweifel, daß der Russe mit der Bahn Truppen über Rowno heranziehe, denn bei dem Korps Roth waren Gefangene eingebracht worden, die angaben, zum XXXIX. Korps (S. 56) zu gehören und geradewegs aus Ostgalizien zu kommen. GO. Conrad ließ daher den FZM. Puhallo am Nachmittag des 30. darauf hinweisen, daß ein möglichst weites Vorgehen eines unter dem Befehl des GM. Berndt aus der 4. und der 7. KD. gebildeten Kavalleriekorps entlang der über Klewań nach Rowno führenden Straße dringend geboten sei, und daß Abteilungen zur Zerstörung der Eisenbahnbrücken bei Polonno, bei Antonówka und bei Sarny entsendet werden sollten. Ferner hieß er den FZM. Puhallo unverzüglich melden, wie er seine starken im Raume Stojanów—Łuck stehenden Kräfte angesichts des Abzuges der Russen zu verwenden gedenke und ob er es noch für notwendig erachte, das zur Unterstützung des linken Armeeflügels entsandte X. Korps bis über Rożiszcze nordwärts ausbiegen zu lassen.

FZM. Puhallo meldete am Abend nach Teschen, daß der Feind vor dem II. und dem I. Korps, vor der Gruppe Szurmay und an der Sierna noch immer halte, das X. Korps müsse daher hinter der Front des IX. in den Raum von Rożiszcze dirigiert werden. Am 31. werde er wieder angreifen, und zwar mit der auf dem Nordflügel des Korps Szurmay nunmehr eingesetzten 13. SchD. auf Łuck; die rechts anschließende Front sollte an diesem Tage bis an den Leniewkabach und bis in die Linie Gubin—Skrykolów Vordringen, das IX. Korps den Feind mit kleinen Abteilungen verfolgen, wenn er von der Sierna zurückweiche. Die Masse dieses Korps wolle er nächst der Siernamündung versammeln, um mit ihr möglichst bald und nahe von Łuck den Styr zu überschreiten.

Um dieselbe Zeit, als diese Befehle des FZM. Puhallo ergingen, ordnete aber Brussilow den Rückzug hinter den Styr an. Als der Morgen des 31. August heraufstieg, hatten die Russen vor dem rechten Flügel und vor der Mitte der 1. Armee ihre Stellungen geräumt. Auf dem Nordflügel leisteten sie hingegen dem XIV. Korps noch verzweifelten Wider-

stand. Brussilow bemühte sich, Łuck zu retten. Er schickte dem Gen. Stelnitzki, der seinen Nordflügel befehligte, die zuletzt eingelangten Truppen des XXXIX. Korps mit der Eisenbahn über Klewań zu und hieß ihn den Gegner auf Rożiszcze und hinter den Styr zurückwerfen. Aber schon am 31. August vormittags erstürmte das IR. 59 den Bahnhof und das Barackenlager von Łuck*) und drang hierauf mit den anderen Truppen der 3. ID. in die noch zäh verteidigte Stadt ein16). Links von der 3. ID. drückten die 21. SchD. und die 2. ID. über die Straße Łuck—Poddubcy nach Süden vor und gewannen am Nachmittag die Höhen östlich der Festung. Da langten gerade die letzten Teile des XXXIX. Russenkorps auf dem Schlachtfelde ein und vertrieben die nach Palcza vorgesandten Abteilungen der 4. KD. Die Masse dieser Division, die über Olyka vorstoßen sollte, um die von Młynów nach Rowno führende Straße zu sperren, stand noch an der Bahnlinie östlich von Ki-wercy. GM. Berndt bog seine Front nach Osten um, wurde aber am Nachmittag von den von Klewań neuangekommenen russischen Kräften genötigt, ein Stück nach Norden zurückzugehen. Ein anderer russischer Angriff wurde gegen Abend von der 21. SchD. abgewehrt. Die 7. KD. (S. 61) war hinter der 4. KD. auf dem Ostufer des Styr eingelangt.

Die Verfolgungskolonnen des II., des I. und des Korps Szurmay waren inzwischen ohne Kampf bis zur Linie Skrykołów—Gubin, an die Leniewka und bis in die Gegend von Antonowka vorgedrungen. Das im Verlaufe des Vormittags über die untere Sierna angesetzte IX. Korps, das FZM. Puhallo auf die Nachricht vom Weichen der Russen angewiesen hatte, „im Verein mit dem XIV. Korps Łuck ehestens, wenn möglich heute noch zu nehmen“, langte mit der 26. SchD. — ohne noch auf Feind zu stoßen — um 5h nachm. vor der Westfront der Festung an; die 13. SchD. besetzte um dieselbe Zeit die schon geräumten Werke der Südfront. Der von Norden überflügelten Masse der 8. Russenarmee war es indessen gelungen, den schon seit Tagen vorbereiteten Rückzug hinter den Styr unter Mitnahme aller Waffen und allen Geräts durchzuführen. Trotzdem waren das Weichen des Feindes und die Preisgabe von Łuck als ein Erfolg anzusehen, der nicht ohne Einfluß auf den Gang der Ereignisse in Ostgalizien bleiben konnte.

Die Verfolgung in Ostgalizien

Von Norden her durch Umgehung bedroht, hatte sich Gen. Iwanow schon am 27. August gezwungen gesehen, den Rückzug vom oberen Bug und von der Złota Lipa anzuordnen (S. 59). Vor dem linken Flügel und vor der Mitte der 2. Armee waren die Russen bereits in den ersten Morgenstunden des 28. August in vollem Rückzuge. Das Korps FML. Czibulka, das XVIII. und das IV. Korps überschritten im Verlauf des Vormittags den oberen Bug und nahmen die Verfolgung der entronnenen Russen auf. Gleichzeitig trat das XIX. Korps den Vormarsch an. Vor dem V. Korps leistete der Feind am Morgen östlich von Gołogóry und hinter der östlichen Złota Lipa noch zähen Widerstand, dann löste er sich auch hier von seinen Bedrängern los.

Als nun Böhm-Ermolli vor seiner ganzen Front den Feind im Rückzug sah, wollte er ihn so weit wie möglich nach Osten scharf verfolgen, denn der Russe sollte keine Gelegenheit finden, sich auf der Wasserscheide zwischen Bug und Styr und auf den Höhen von Złoczów festzusetzen. Die Quellbäche des Sereth und des Styr waren die Ziele, die Böhm-Ermolli seinen Korps für den 29. gab; Brody und die Styrübergänge aufwärts von Beresteczko waren durch vorgeschobene Abteilungen noch an diesem Tage zu besetzen, auch Nw. Poczajew sollte wenn möglich erreicht werden. Ohne noch auf Feind zu stoßen, konnte die 2. Armee bis zum Abend die Gegend westlich von Złoczów und westlich von Biały Kamień, dann die Linie Adamy—Chołojów—Rożdżalow erreichen. Doch ergab sich bald, daß die Russen auf den Höhen hinter der Złoczówka, südlich von Biały Kamień, dann bei Ożydów, westlich von Toporów, Radziechów und Stojanów eine durchlaufende Stellung besetzt hatten.

Bei der Südarmee suchte GdI. Bothmer die am 27. August bei Buszcze durchbrochene russische Mitte vom Südflügel abzusprengen. Dazu befahl er seiner Stoßgruppe, dem Korps Marschall, die Fortsetzung des Angriffs über Pomorzany und Koniuchy in nordöstlicher Richtung auf Zborów. Um den Zusammenhang in der Front zu wahren, hatten die 19. ID., die Masse der 48. RD. und das Korps Hofmann ebenfalls scharf in nordöstlicher Richtung vorzugehen.

Am 28. August früh wichen die Russen vor der Front der Südarmee zurück. Während das Korps Marschall in der anbefohlenen Richtung verfolgte, rückten die Masse der 48. RD. und die 55. ID. des Korps Hofmann aus den von ihnen eroberten russischen Stellungen bei Zawałów gegen Kozowa und gegen Podhajce vor. Auf dem Südflügel des Korps

Rückzug der 11. und der 9. Russenarmee

Hofmann drangen die vordersten. Abteilungen der Brigade Obst. Bolzano und der 131. IBrig. in der zweiten Morgenstunde in die nur mehr von Patrouillen besetzten russischen Stützpunkte auf dem östlichen Ufer der Zlota Lipa ein. Nachdem diese beiden Brigaden die Złota Lipa teils durch-furtet, teils auf rasch gebauten Notstegen überschritten hatten, drängten sie ebenfalls den Russen auf Holhocze und auf Monasterzyska nach.

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Auf dem anschließenden Nordflügel des Korps Rhemen der k.u.k.

7. Armee hatte sich die angreifende russische 2. SchBrig. noch bei Anbruch des 28. eine blutige Abfuhr geholt, was das weitere Vorgehen der

36. ID. erleichterte. Als diese unter Kämpfen mit russischen Nachhuten um Mittag die von Niżniów nach Monasterzyska führende Eisenbahnlinie überschritt, räumten die Russen auch ihre Stellungen in der Dniester-schleife von Koropiec. Fünf Bataillone der 15. ID. schlossen sich dem Vorgehen der 36. ID. an.

Gegen Abend erreichten das Korps Rhemen und das Korps Hofmann sowie die Masse der 48. RD. den Koropiecbach, wo die Russen noch hielten. Auch das auf Zborów angesetzte Korps Marschall hatte inzwischen auf der Wasserscheide zwischen Złota Lipa und Strypa neuen Widerstand gefunden. Hier hatten die Russen in der Linie Ryków—Kozowa eine Zwischenstellung bezogen.

Bothmer befahl der ganzen Südarmee, Pflanzer-Baltin dem Korps Rhemen den Angriff auf diese neuen Stellungen der Russen; Schwerpunkt bei der Stoßgruppe des Korps Marschall auf Zborów, bei der 48. RD. über Kozowa, auf dem linken Flügel des Korps Hofmann über Podhajce, beim Korps Rhemen entlang der von Monasterzyska nach Buczacz führenden Eisenbahnlinie, Angriffsbeginn am 29. August um 3h früh. Ein nachhaltiger Widerstand des Feindes wurde indes nicht erwartet. Jenseits des Koropiecbaches brannten die Russen, wie Flieger meldeten, zahlreiche Ortschaften nieder. Dies ließ darauf schließen, daß sie ihren Rückzug alsbald fortsetzen würden. Die Korps Rhemen und Hofmann wurden daher beauftragt, nach dem Überschreiten des Koropiecbaches sofort bis an die Strypa vorzugehen. Wenn das Korps Rhemen über die Strypa weiter nach Osten vordrängte, dann wollte Pflanzer-Baltin auch mit dem Korps Benigni von Süden über den Dniester angreifen.

Tatsächlich setzten die Russen ihren Rückzug fort, nachdem sich noch in der Nacht auf den 29. die Stoßgruppe des Korps Marschall ihrer Stellungen zwischen Ryków und Kozowa teilweise bemächtigt hatte. Am 29. morgens gewann auf dem Nordflügel des Korps Rhemen die 36. ID. die noch von schwächeren feindlichen Kräften verteidigten Höhen südöstlich von Monasterzyska und erreichte nach unbedeutenden Plänkeleien mit feindlichen Nachhuten um Mittag den Baryszbach. Auch vor dem rechten Flügel des Korps Rhemen und vor dem linken Flügel des Korps Henriquez hatten die Russen in der Nacht ihre Stellungen in den Dniester-schlingen zwischen Koropiec- und Strypamündung geräumt. Die 15. ID. drängte am frühen Morgen dem zurückgehenden Feinde nach und warf ihn über die Strypa zurück. Rechts von der 15. ID. gelangte das DR. 2 der 8. KD., nachdem es bei Hubin denDniester übersetzt hatte, ebenfalls an die unterste Strypa heran. Auf dem Nordflügel des Korps Rhemen war die 36. ID. inzwischen vor Buczacz auf russische Abteilungen gestoßen, die anscheinend das Westufer unbedingt halten wollten.

Auf dem Südflügel der Armee Bothmer rückte das Korps Hofmann am 29. August in einem 35 km breiten, nach Nordosten verlaufenden Angriffsstreifen vom Koropiecbach den abziehenden Russen nach. Die 131. IBrig. nahm die Richtung über Monasterzyska auf Bobulińce, die Brigade Bolzano über Holhocze auf Wiśniowczyk, während die 55. ID. beiderseits der von Podhajce auf Sosnów führenden Straße vorrückte. Bald wurde erkannt, daß die Russen auf dem rechten Ufer der Strypa in zahlreichen wohlvorbereiteten Brückenkopfstellungen standen. FML. Hofmann wollte den Feind auf das jenseitige Ufer zurückwerfen und ließ sein Korps noch am 29. die russischen Stellungen angreifen. Die 131. IBrig. kam jedoch im starken feindlichen Geschützfeuer vor Bobulińce, die Brigade Bolzano vor Wiśniowczyk zum Stehen; auch die 55. ID. (verstärkte 129. IBrig.) blieb nach einem bis in die Nacht fortgesetzten Angriff unter schweren Verlusten vor Burkanów und vor Sosnów liegen. Weiter nördlich hielt der Rest der 55. ID. (Teile der 130. IBrig.) Verbindung zu den in breiter Front von der Bahn Rohatyn—Tarnopol bis südlich von Zborów angesetzten Hauptkräften der Stoßgruppe des Korps Marschall (3.GID. und 38. HID., verstärkt durch Teile der 48. RD. und der 19. ID.). Diese brach sich am 29. in fortschreitendem Angriff bis in die Gegend südwestlich von Zborów und bis an den westlichen Quellfluß der Strypa Bahn, wo sich der Russe ebenfalls zu neuer Schlacht gestellt hatte.

Die Schlacht hei Zloczóiv und an der Strypa (29. August bis 1. September)

Unterdessen war auch die Verfolgung bei der Armee Böhm-Ermolli am 28. abends vor neuen russischen Stellungen zum Stehen gekommen,

Schwere Kämpfe der Armee Böhm-Ermolli    69

die hinter der Złoczówka, dann auf den Höhen beiderseits von Biały Kamień, von da entlang den Niederungen von Sokolowka und von Toporów sowie im Umkreis südlich und westlich von Radziechów verliefen.

Drei Tage hatten die Regimenter der 2. Armee nun wieder mit dem tief eingegrabenen Feind zu ringen. Am 29. August griff das V. Korps, FML. Goglia, mit der 14. ID., mit Teilen der 43. SchD. und mit der 34. ID. die Höhen östlich von Złoczów wuchtig an; es machte jedoch keine entscheidenden Fortschritte. Auch die durch den Rest der 43. SchD. verstärkte 33. ID., die gemeinsam mit der Masse der 29. ID. des XIX.Korps, FML. Trollmann, die steil aufragenden Höhen südlich von Biały Kamień anging, drang in den bis tief in die Nacht weitergeführten Angriffsgefechten nicht durch. Der linke Flügel der 29. ID. nahm Ożydów und deckte dort den Angriff auf die wie eine Bastion vorspringenden Höhen von Biały Kamień und von Złoczów. Links vom XIX. Korps gewann das

IV. Korps, FML. Schmidt v. Georgenegg, gegen die feindliche Front Sokolowka—Toporów langsam Raum. Der Nordflügel des Korps FML. Czibulka, nunmehr XVIII. Korps benannt, arbeitete sich unterdessen über Chołojów, Suszno und südlich von Stojanów gegen die halbkreisförmig um Radziechów angelegten Stellungen des russischen XVII. Korps heran.

Am 30. August wollte GdK. Böhm-Ermolli auf der ganzen Front den Angriff weiterführen. Der feindliche Widerstand sollte gebrochen und der Russe dann bis in die Linie Zagórze—Podkamień—Radziwilow— Leszniów und an den Styr verfolgt werden. FML. Goglia entschloß sich jedoch, an diesem Tage seine Truppen, die seit dem Beginn der Offensive schon 5000 Streiter verloren hatten, ausruhen zu lassen. Am nächstfolgenden Morgen wollte er dann mit dem Schwergewicht auf dem linken Flügel, wo die 33. ID. in der Nacht auf den 30. Fortschritte erzielt hatte, wieder angreifen, um auf Sassów durchzubrechen. Dazu erbat er die Unterstützung durch die Artillerie der links anschließenden 29. Division. GdK. Böhm-Ermolli billigte das Hinausschieben des Angriffs.

Beim IV. Korps versuchte am 30. August die 51. HID., FML. v. Kornhaber, den Angriff vorerst über Sokolowka vorzutragen, um dann, nach Süden einschwenkend, gemeinsam mit dem linken Flügel der 29. ID. Olesko zu nehmen und den auf den Höhen von Biały Kamień vorspringenden Teil der russischen Front von Norden zu umfassen. Die Honvéd kam aber im schweren, bis tief in die Nacht weitergeführten Angriffsgefecht über Sokolowka nicht hinaus; sie hatte im offenen Gelände unter dem feindlichen Artilleriefeuer stark zu leiden. Auch das XVIII. Korps fand an diesem Tage um Radziechów zähen Widerstand. Es griff an der ganzen Front an, erzielte jedoch keine wesentlichen Fortschritte. In der Nacht auf den 31. August warf aber die über Chołojów angesetzte Budapester 32. ID. die Russen aus ihren Gräben auf den Höhen südwestlich von Radziechów, während sich auf dem Nordflügel des Korps Czibulka die 31. ID. und die Wiener 1. LstlBrig. südlich von Stojanów gegen schwächeren Feind Bahn zu brechen vermochten. Damit war der bei Radziechów gegen Westen vorspringende Südflügel der russischen 8. Armee eingedrückt. Auf einen weiteren Kampf um Radziechów ließ es Brussilow nicht mehr ankommen. Denn am 30. August abends hatte er wegen der Umgehung seines Nordflügels den Rückmarsch seiner Armeemitte angeordnet (S. 65). Nun gab er auch die Befehle für den Rückzug seines linken Flügels.

Am 31. August bei Tagesanbruch hatten die Russen gegenüber dem XVIII. Korps und dem Nordflügel des IV. Korps (27. ID.) bereits alle ihre Stellungen geräumt. Das XVIII. Korps und die 27. ID. setzten sofort zur Verfolgung an und erreichten am Abend den Styr zwischen Hryco-wola und Stanisławczyk. Vor der 51. HID. sowie vor dem XIX. und dem V. Korps leistete der Nordflügel der russischen 11. Armee um diese Zeit bei Sokolowka und bei Ożydów, dann auf den Höhen von Biały Kamień und von Złoczów noch zähen Widerstand. Die 51. HID. konnte in Fortsetzung des Angriffs trotz kräftiger Artillerieunterstützung über Sokolowka auf Olesko nur wenig Gelände gewinnen; ihre Verbände waren durch den lang andauernden Kampf bereits stark durcheinandergeraten und auch gelichtet. Beim V. Korps wurde in der Nacht auf den 31. von der 33. ID. ein russischer Gegenstoß abgewiesen. Am nächsten Tag um 3hl5 nachm. schritt die 33. ID. nach Artillerievorbereitung zum Angriff auf Sassów. Ihr schlossen sich rechts die 34. und links die 29. an. Jedoch erst in der Nacht auf den 1. September gelang es diesen Truppen — in erster Linie den nordböhmischen Infanterieregimentern 92 und 94 L) —, nach blutigem Streite die steilen Höhen von Biały Kamień und von Złoczów im Sturm zu nehmen.    .

In diesen Stellungen waren nur mehr feindliche Nachhuten zurückgeblieben. Denn inzwischen hatte das Korps Marschall der Südarmee die Russen nach hartem Kampfe bis über den östlichen Quellfluß der Strypa zurückgeworfen, Zborów genommen und die russische Armee Schtscherbatschew zum Rückzug gezwungen. Ungesäumtes Nachdrängen brachte die Verfolgung der 2. Armee am 1. September trotz des regnerischen Wetters und der schlechten Wege ein gutes Stück vorwärts. Das

*) Der Heimat Söhne im Weltkrieg, IR. 94 im Weltkriege (1927), 35Sff.

Vordringen bis Brody und bis vor Buczacz    71

V. und das XIX. Korps gelangten bis an die Graberka und bis in die Gegend von Jasienów. Das IV. Korps ging an der Bahn und nördlich davon gegen Brody vor; am Abend zog die 51. HID. in die von den Russen bereits geräumte Stadt ein. Nördlich von Brody näherte sich die 27.ID.der Reichsgrenze, hinter der russischeStellungenfestgestelltwurden. Auf dem linken Armeeflügel waren die Hauptkräfte des XVIII. Korps bei Leszniów den weichenden Russen bis über den Styr hinaus nachgerückt. Hier war der Feind anscheinend auf Radziwilow und hinter die Reichsgrenze zurückgegangen.

Hartnäckigen Widerstand hatte inzwischen der Nordflügel der russischen 9. Armee dem Korps Hofmann und dem Korps Rhemen entgegengesetzt. Am 30. August morgens ließ GdI. Rhemen die wohlvorbereiteten Stellungen der Russen am starken Abschnitt der Strypa erneut angreifen. Vergeblich mühte sich die 15. ID., den Fluß nahe der Mündung zu überschreiten. Unübersichtliches Waldgelände sowie die Enge der wenigen, von der russischen Artillerie stark beschossenen Übergänge machten das Vorgehen so schwierig, daß sich hier nur Teile des ungarischen IR. 60 über das tief eingeschnittene Tal bis dicht an die feindlichen Verschanzungen heranarbeiten konnten. Auch die aus Truppen der 72. und der 9. IBrig. bestehende Gruppe GM. Edl. v. Luxardo der 36. ID. und die nördlich anschließende 131. IBrig. des Korps Hofmann vermochten in gemeinsamem Angriff auf den südlich von Buczacz bis nördlich von Przewłoka reichenden russischen Brückenkopf kaum vorwärts zu kommen. Am Nachmittag warf Letschitzki Verstärkungen, die er eilends auf der Straße von Czortków auf Lastautos herangefahren hatte, bei Przewłoka auf das Westufer der Strypa und setzte sie zum Gegenangriff an. Der Feind wurde vom Nordflügel der 36. ID. mit Unterstützung der 131. IBrig., GM. Blum, zurückgeschlagen. Nun suchte GdI. Rhemen durch Einsatz seiner Reserve, des IR. 16, sein Korps vorwärts zu bringen. Nach hartem, bis tief in die Nacht währendem Ringen glückte es der Gruppe GM. Luxardo, bei Przewłoka in die feindlichen Linien einzudringen; weiter südlich, in den Brückenkopfstellungen von Buczacz, wehrte sich aber der Russe noch zähe.

Beim Korps Hofmann, dem ein für seine Stärke unverhältnismäßig breiter Frontraum zufiel, hatte sich am 30. August früh der rechte Flügel der Brigade Bolzano an dem Angriff der 131. IBrig. beteiligt, allerdings ohne Erfolg. Die 55. ID. sollte, in der linken Flanke durch den Rest der

130. IBrig. gedeckt, mit der verstärkten 129. IBrig. den weitausgedehnten Brückenkopf von Burkanów angreifen. Da ließ jedoch Gen. Schtscher-batschew am 30. früh seinen Südflügel gegen die 48. RD. und die 19. ID., die in weiter Front von der Bahn‘Kozowa—Tarnopol bis Glinna (südlich von Zborów) demonstrativ angesetzt waren, zum Gegenangriff vorbrechen. Der überraschende Gegenstoß gewann bedenklich Raum. Die überfallenen Truppen wichen unter beträchtlichen Verlusten und unter Zurücklassung gesprengter Geschütze (vier Batterien) aus dem west-ufrigen Vorland der Strypa auf Kozowa und in die Gegend nördlich davon zurück. Die 55. ID., die ebenfalls aus dem Brückenkopf von Bur-kanów angegriffen wurde, konnte hingegen ihre Stellungen behaupten; nur ihr linker Flügel mußte im Verlaufe des Tages vor feindlicher Umfassung zurückgenommen werden. Da ihr Führer, GM. Fleischmann, in der Nacht weitere Vorstöße der Russen erwartete, so empfand er die Lage als so ernst, daß er seine ganze Division nach Einbruch der Dunkelheit in eine nach Nordosten gerichtete Front zurückschwenken ließ.

Während dieser Rückschlag in der Mitte der Armee Bothmer erfolgte, befand sich auf ihrem Nordflügel das Korps Marschall im Quellgebiet der Strypa in schwerem, aber fortschreitendem Angriff (S. 68). GdK. Marschall schützte seine bedrohte Südflanke, indem er seine Korpsreserve, eine Brigade der 48. RD., von Norden über Glinna zum Gegenstoß ansetzte. Hiedurch sollten die gegen die Armeemitte vorgebrochenen Russen wieder zurückgeworfen werden. Der Feind wich aber diesem Angriff aus. Die 55. ID. besetzte im Verlaufe des 31. August ihre früheren Stellungen; auch die 48. RD. und die 19. ID. schoben ihre Linien wieder gegen die Strypa heran, doch gelangten die Truppen nur langsam vorwärts. Die feindliche Artillerie schoß kräftig, und die Russen hielten in den Brückenköpfen von Burkanów—Kupczyńce noch unerschütterlich stand.

GdK. Pflanzer-Baltin hatte für den 31. August dem Korps Rhemen die Fortsetzung des Angriffs mit starkem linkem Flügel befohlen. Schon in der Nacht ballte aber Letschitzki frische Kräfte bei Przewłoka zusammen und setzte sie zu einem neuen Gegenstoß an. Nach heftigem Ringen wurde um 10h vorm. der Nordflügel der Gruppe Luxardo sowie der anschließende Flügel des Korps Hofmann nach Westen zurückgedrängt. Da raffte FML.Ritt. v. Schreitter ein paar Bataillone der 36.ID. zusammen, warf sie dem vordringenden Feind von Süden in die Flanke und drückte ihn nach hartem Streite am Nachmittag wieder auf Przewłoka zurück. Bei den übrigen Verbänden des Korps Rhemen konnten am 31. keine Fortschritte erzielt werden. Ein neuerlicher Versuch der 15. ID., südlich von Jazłowiec über die Strypa zu gelangen, scheiterte an der zähen Abwehr der Russen.

Mißglücken des Flankenstoßes der 7. Armee

Um dem schwer ringenden XIII.Korps — es hatte seit dem 27. August an die 4400 Streiter eingebüßt — das Vorgehen zu erleichtern und die Russen zum Rückzug von der Strypa zu zwingen, ordnete nun PflanzerBaltin für den 1. September den schon länger geplanten Flankenstoß des beiderseits von der Serethmündung eingenisteten Korps FML. Benigni an. Der im Brückenkopf von Zaleszczyki stehende rechte Flügel des Korps FML. Henriquez, die 30. ID., sollte sich diesem Angriffe anschließen, sobald er sich geltend machte.

73


Aber der am 1. September um Mittag beiderseits von der Serethmündung angesetzte Flankenstoß Benignis (halbe 5. ID., ein Regiment der 15. ID., Masse der 6. ID., 6. und 3. KD. sowie 5. HKD.) konnte bis zum Abend nur bis zu den russischen Drahthindernissen geführt werden, so daß die bei Zaleszczyki angriffsbereite 30. ID. nicht zum Eingreifen kam. Auf dem Nordflügel des Korps Rhemen griff die 36. ID. an diesem Tage bei Przewłoka abermals an, erzielte jedoch keine Ergebnisse mehr, zumal auch die benachbarte 131. IBrig. nicht mehr vorgehen konnte. Die übrigen Truppen des XIII. Korps führten einen fruchtlosen Feuerkampf.

Die Russen behaupteten sich somit selbst noch am 1. September gegenüber dem Korps Hofmann und dem linken Flügel der Armee Pflanzer-Baltin an der Strypa. Mittlerweile hatte aber die auf ihrem Südflügel vom Korps Marschall bei Zborów an mehreren Stellen durchbrochene russische 11. Armee den Rückzug angetreten (S. 70). Das Korps Marschall stieß mit seinen Spitzen dem weichenden Feinde noch am 1. September bis westlich von Trościaniec, auf Olejów und bis westlich von Jezierna nach. Gen. Letschitzki sah sich dadurch von Norden her überflügelt. Diese Gefahr zwang ihn schließlich, die Strypa aufzugeben. In der Nacht trat er mit dem rechten Flügel seiner Armee den Rückzug an.

Damit waren Iwanows Süd westarmeen von der Sierna, auf der Wasserscheide zwischen Bug und Styr, von den Höhen östlich von Złoczów und von der Strypa zum Weichen gebracht. Dieser Erfolg war vornehmlich der Umgehung des russischen Nordflügels zu danken. Ein überwältigender Sieg, wie er der Übermacht auf dem Nordflügel entsprochen haben würde, war allerdings nicht errungen worden. Denn FZM. Puhallo hatte seine Streitkräfte, wie GO. Conrad grollend seinen nächsten Mitarbeitern gegenüber bemerkte, immer frontal gegen stark befestigte Stellungen angesetzt, statt um den Flügel herumzugreifen und so den Russen eine entscheidende Niederlage beizubringen. Dieses große Ziel hoffte nun aber die Heeresleitung durch den Vormarsch auf Rowno mit starkem Nordflügel zu erreichen.

Das Vordringen gegen Rowno, gegen Dubno und an den Sereth

Das Ringen an der Putilowka (1. bis 6. September)

Hiezu Beilage 4 sowie Skizzen 1 und 4

GO. Conrad hatte seinen Plan für den weiteren Vormarsch auf Rowno schon am 31. August nachmittags den Armeen mit folgenden Worten mitteilen lassen: „Die in Ostgalizien im Zuge befindlichen Operationen bezwecken nicht nur, Ostgalizien vom Feinde zu säubern, sondern auch, diesem einen tunlichst entscheidenden Schlag beizubringen. Während dabei die 2., Süd- und 7. Armee hauptsächlich auf ein frontales Vordringen angewiesen sind, ist die 4. und die 1. Armee in der Lage, durch Vereinigung starker Kräfte am Nordflügel und Vorstoßen derselben in östlicher Richtung (Rowno) einen entscheidenden Erfolg gegen den russischen Nordflügel zu erzielen und durch diesen alle südwärts davon befindlichen russischen Kräfte wirksam zu bedrohen. Die 1. und die 2. Armee werden es vermeiden müssen, starke Teile an die Ikwalinie heranzuführen, die

2. Armee wird zu trachten haben, diese über Kremieniec südlich zu umgehen. Die Wegnahme der Sperrforts bei Dubno fällt der 1. Armee zu. Da der Feind unter Ausnützung seiner Bahnen am leichtesten starke Kräfte um Rowno zu versammeln vermag, ist ehester Vorstoß auf Rowno geboten. In diesem Sinne sind die Armeen zu führen.“

Die Führung des nördlichen Heeresflügels wurde dem GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand übertragen, der nach dem Ausscheiden seiner letzten Truppen aus der Heeresgruppe Mackensen (S. 13) nachWładimir-Wolyński abgegangen war. Dort übernahm er am 31. August den Oberbefehl über den bisher vom FZM. Puhallo geführten Heeresteil. Aus diesem wurde nunmehr eine aus zwei Armeen bestehende Heeresgruppe gebildet: die

1. Armee, FZM. Puhallo — I., II. Korps und Korps Szurmay —, und die

4. Armee, deren Führung der Erzherzog beibehielt — IX., X., XIV. Korps, Gruppe FML. Smekal (4. ID. und 45. SchD.), 4. und 7. KD. In dem ersten, am 31. August abends ausgegebenen Heeresgruppenbefehl wurde GdI. Roth beauftragt, mit dem XIV. und dem X. Korps auf Rowno vorzustoßen. Die ihm gleichfalls unterstelltenbeidenKavalleriedivisionenwurden als KavKorps GM. Berndt vereinigt. Es sollte wenn möglich die Eisenbahnbrücke über den Styr bei Polonno, über den Horyń bei Aleksandrya und die Bahn bei Sarny zerstören. Das IX. Korps hatte mit der 26. SchD.

in der Staffel rechts von der Gruppe Roth zu folgen und die 10. ID. östlich von Łuck als Reserve auszuscheiden. Der von Kowel nachrückenden Gruppe FML. Smekal wurde befohlen, ihren Marsch über Rożiszcze fortzusetzen. Die 1. Armee hatte mit starkem linkem Flügel auf Dubno vorzugehen. Da man jedoch am 31. August abends noch nicht wußte, ob die Russen gegenüber der 1. Armee hinter dem Styr Widerstand leisten würden, sollte am Morgen des 1. September eine Division der Gruppe Roth zunächst entlang des östlichen Styrufers nach Süden vorstoßen, um mit der 26. und der 13. SchD., die in der Nähe von Łuck, aber außerhalb des feindlichen Wirkungsbereiches, den Fluß so bald als möglich zu überschreiten hatten, die Styrlinie von Norden aufzurollen.

Die Russen hatten inzwischen vor der ganzen Front der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand das Feld geräumt. Zwar hätte der linke Flügel der 8. Russenarmee nach einem Befehle des Gen. Iwanow in der vorbereiteten Stellung am Styr beiderseits von Beresteczko halten sollen1). Brussilow aber, der Łuck verloren und das XXXIX. Korps geschlagen wußte, verhehlte sich nicht, daß er bei einem Halt am Styr in Gefahr geriet, von Rowno abgeschnitten zu werden. Er räumte daher auch die vorbereiteten Stellungen am Styr und ließ in der Nacht zum 1. September seine ganze 8. Armee den weiteren Rückzug nach Osten antreten.

So kam es, daß das XIV. Korps am 1. September früh keinen Feind mehr vor sich hatte. Die Kolonnen des GdI. Roth rückten ungehindert bis in die Gegend südwestlich und nördlich von Chorlupy vor. Die 26.SchD., die mit großem Zeitverlust erst im Verlaufe des Nachmittags auf einer Kriegsbrücke bei Łuck über den Styr gegangen und vorübergehend dem GdI. Roth unterstellt worden war, erreichte bei dunkler Nacht Ostrożec, während die nachgezogene 13.SchD.bisKrupykam.HinterdemXIV.Korps biwakierten die 10. ID. als Armeereserve östlich von Łuck, das X. Korps (24. und 62. ID.) bei Kiwercy; die Gruppe FML. Smekal war im Anmarsch über Perespa.

Die 1. Armee gelangte ebenfalls, ohne einen Feind zu treffen, an den Styrabschnitt zwischen Werben und der Polonkamündung. Die Reiterei des GM. Berndt war auf Olyka vorgeschickt worden. Daß sie schon beiderseits von Pokaszczewo auf neuen Widerstand gestoßen war, wußte man am Abend beim Heeresgruppenkmdo. noch nicht. Man war der Auffassung, daß die Russen nach kampfloser Preisgabe ihrer starken Stellungen am Styr in vollem Rückzuge auf Rowno und auf Dubno

Broussilov, 154 f.; Korolkow, Strategische Übersicht über den Weltkrieg 1914—1918 (in russischer Sprache, Moskau 1923), 371.

seien. Der Befehl, den Erzherzog Joseph Ferdinand für den 2. September erteilte, enthielt für den GdI. Roth den Auftrag, durch rasches Vorgehen dem Feinde ein erneutes Festsetzen unmöglich zu machen und ihm den Rückzug auf Rowno zu verlegen. Das aus der 26. und der 21. SchD! neuzusammengesetzte IX. Korps hatte als Verbindung zwischen der entlang der Rownoer Eisenbahn vorrückenden Gruppe Roth und dem beiderseits der unteren Ikwa angesetzten linken Flügel der 1. Armee überUjezdcy und Pełża nach Südosten vorzugehen.

Brussilow hatte unterdessen die russische 8. Armee in aller Eile hinter die westlich von Rowno sich hinziehende Putilowka, in die Gegend zwischen Ujezdcy—Bol. Dorogostaj, dann quer auf das Bergland westlich von Dubno zwischen Młynów—Smordwa—östlich Wołkowyje und Kozin sowie auf den Ostteil des galizisch-podolischen Landrückens in die Linie Radziwiłow—Podkamień zurückgeführt. Er ließ sie hier eine neue Stellung beziehen und warf, wie es ihm Iwanow empfohlen hatte, seine ganze Reiterei, drei Divisionen, an den Horyń nach Derażno. Gleichzeitig verstärkte er das geschlagene XXXIX. Korps mit der 4. SchD. aus seiner Armeemitte1). Das VIII. Korps versammelte er im Dubnoer Bergland. Es war seine Absicht, den heranrückenden Gegner durch kurze Gegenstöße zurn Stehen zu bringen.

Sich solcher Absichten nicht versehend, setzten die Truppen der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand am 2. zuversichtlich den Vormarsch auf Rowno und auf Dubno fort. Noch während des Anmarsches des XIV. Korps gegen die Putilowka mehrten sich die Anzeichen, daß die Russen keineswegs in einem Zuge bis auf Rowno zurückgewichen waren. Es kamen Meldungen, daß das KavKorps Berndt schon am 1. abends zu beiden Seiten von Pokaszczewo Widerstand gefunden habe. GdI. Roth wollte den Feind, wenn er sich hinter der Putilowka wieder zur Schlacht stellen sollte, durch Vorstöße des XIV. Korps in der Front fesseln und mit dem nachrückenden X. Korps bis über Derażno ausholen, um in weiterer Folge Rowno von Norden und von Nordosten anzugreifen. Den Weg zu dieser weit ausgreifenden Umfassung sollte ihm das KavKorps Berndt öffnen, indem es sich rasch in den Besitz der Horyńtibergange bei Diuksin zu setzen hatte.

Das Kavalleriekorps war jedoch schon seit den Frühstunden vor Ołyka in einen heftigen Kampf verwickelt, so daß der Korpsführer seine Reiterei nicht mehr einfach nach Norden wegziehen konnte. Im Verlaufe des Vormittags kam das XIV. Korps von Westen heran und ging gegen

1) Broussilov, 154f.

Mittag zum Angriff über. FML. Edl. v. Sellner, der mit der 2. ID. beiderseits der nach. Klewań führenden Straße vorstieß, setzte sich am Nachmittag auf dem rechten Ufer der Putilowka fest. FML. Horsetzky erstürmte mit der 3. ID. die Höhen westlich von Olyka; mehrere hundert Russen mußten sich der Division ergeben. In der Zwischenzeit war auch das IX. Korps an der Putilowka auf einen abwehrbereiten Feind gestoßen. Die 26. SchD., FML. Lischka, bemühte sich vergeblich, die Höhen von Dolgoszeja zu gewinnen, um der links benachbarten 21. SchD. den Weg über den Fluß zu bahnen. Am Nachmittag wurde diese Division auf dem linken Flügel durch einen Gegenstoß bisher zurückgehaltener Kräfte des XII. Russenkorps nach wechselvollem Streit bei Zorniszcze geworfen. Der Rückschlag konnte gegen Abend zwar wettgemacht werden, nötigte aber zum Einsatz eines Teiles der Armeereserve, der halben 10. Division.

Mittlerweile war auch die Armee Puhallo, der, wie erwähnt, Dubno als nächstes Ziel gesetzt war, zwischen Koryto und Murawica an der unteren Ikwa sowie in dem hügeligen Gelände von Wołkowyje auf eine stark befestigte Stellung gestoßen, die noch am Abend mit Teilen des Korps Szurmay, des I. Korps und der 25. ID., allerdings ohne wesentlichen Erfolg, angegriffen wurde.

Nach den großen Hoffnungen, welche der Fall von Łuck und die Preisgabe der Styrlinie beim Heeresgruppenkmdo. erweckt hatten, bedeutete das Ergebnis des 2. September eine Enttäuschung. Der Feind, den man schon in vollem Rückmarsch auf Rowno und auf Dubno wähnte, hatte sich auf der ganzen Front in sehr vorteilhaften Positionen zur Schlacht gestellt. Dazu kamen aus der Nordflanke der 4. Armee böse Nachrichten. Das russische IV. KavKorps Gillenschmidt, das sich nach dem Falle von Kowel weit nach Norden in das Polesie zurückgezogen hatte, schien jetzt wieder nach Süden vorzugehen. In dem großen Waldgebiet zwischen Styr und Stochod tauchten zahlreiche Kosakenabteilungen auf. Auch waren feindliche Kräfte aller Waffen, die vermutlich mit der Bahn über Sarny heranbefördert worden waren, im Marsch von Stepan nach Żurawicze gemeldet. Erzherzog Joseph Ferdinand beauftragte noch am 2. September abends die in Kowel, Hołoby und in Łuck stehengebliebenen Sicherungsabteilungen des X. Korps mit dem Schutze der Nordflanke. Gleichzeitig wurde die 7. KD., die bei Zorniszcze kämpfte und von der deshalb bisher nur ein Regiment freigemacht werden konnte, angewiesen, nach 2ura-. wicze zu rücken, um den dort im Anmarsch gemeldeten Feind zu vertreiben.

Außerdem erteilte die Heeresleitung der 2. Armee den Befehl, die

1. KD. von ihrem linken Flügel am 3. September nach Łuck zu verschieben; Pflanzer-Baltin sollte die 10. KD. an die 4. Armee abgeben. Weiters stellte die Heeresleitung neben der 1. und der 3. polnischen Brig. noch drei weitere Kavalleriedivisionen, die 11. HKD. von der Bugarmee sowie die 2. und die 9. KD. aus dem Verbände der deutschen 9. Armee, für die Deckung der Nordflanke, die sich mit dem Fortschreiten des Angriffs auf Rowno immer weiter ausdehnen mußte, in Aussicht. Überdies konnte jetzt das gegen Serbien bestimmte XVII. Korps vorläufig bei Cholm belassen werden, da die Verhandlungen mit Bulgarien noch nicht zum Abschluß gebracht worden waren. GO. Conrad erwog sogar, das

VI. Korps, das nach Rawa Ruska gewiesen war, um gleichfalls an die untere Donau abzugehen, für den Entscheidungskampf zur Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand heranzuziehen. Doch hoffte er, daß die Überlegenheit auf dem nördlichen Heeresflügel auch ohne dieses Korps einen entscheidenden Erfolg bringen werde.

Für den 3. September hatte Erzherzog Joseph Ferdinand den weiteren Angriff mit dem Schwergewicht auf dem linken Flügel befohlen. Das X. Korps war unterdessen ohne Kampf bis in den Raum von Moszczanica gekommen, GM. Berndt mit der 4. KD. nach Cumań gelangt, wohin auch die 62. ID. eine kleine Abteilung vorgeschickt hatte. Nun sollten das X. Korps und die 4. KD. nördlich der Putilowka auf Derażno, Biczal und Postojno Vordringen, um dort den Horyń zu überschreiten. Beim XIV. Korps wurde FML. Horsetzky beauftragt, mit der 3. ID. und der ihm nunmehr unterstellten 10. den noch bei Olyka auf dem Westufer der Putilowka stehenden Feind zurückzuwerfen, während die 2. ID. durch einen Vorstoß nach Süden diesen Angriff zu unterstützen hatte. Das IX. Korps sollte ebenfalls angreifen.

Als GM. Berndt am 3. früh mit seinen Reitern von Cumań auf Derażno weiterziehen wollte, um dem nachkommenden X. Korps den Weg über den Horyń zu bahnen, traten ihm die Russen entgegen. Brussilow hatte nämlich inzwischen dem nördlich der Putilowka vorrückenden Gegner das KavKorps Rerberg (3. OrenburgKosD., 7. und 11. KD.) entgegengeworfen, während die russische 4. SchD. von Klewań her dem XXXIX. Korps zu Hilfe geeilt war. Mit einem Teil ihrer Truppen griff sie die bei und südlich von Moszczanica auf das Ostufer der Putilowka gelangte 2. ID. an, mit dem anderen machte sie gegen Cumań Front und beherrschte mit ihrem Geschützfeuer das jenseitige Ufer. Damit war die auf Derażno angesetzte 62. ID. von Süden her ernstlich bedroht. Teile dieser Division schwenkten von Karpilowka zur Unterstützung der südlich von Cumań fechtenden Abteilungen herüber, während der Rest auf dem nördlichen Putilowkaufer weiter vorging und die russischen Reiter von Cumań bis halben Wegs gegen Derażno zurückdrängte. Von Wolka Kotowskaja war unterdessen die 24. ID. bis in die Gegend von Karpilowka marschiert; ein Teil ihrer Streitkräfte wurde am Abend auf dem Südufer der Putilowka eingesetzt, wo Abteilungen der 62. ID. und der linke Flügel der

2. ID. von der russischen 4. SchD. angegriffen wurden.

Der rechte Flügel der 2. ID. stieß am 3. September nachmittags, wie befohlen, südwärts vor. Zwar wichen die Russen anfänglich zurück, dann fielen sie aber der nach Süden gewendeten Angriffsgruppe der 2. ID. von Osten her in Flanke und Rücken und drängten die Division unter schweren Verlusten auf das Westufer der Putilowka zurück.

In der Zwischenzeit unternahmen auf dem Südflügel des XIV. Korps die Gruppe FML. Horsetzky und auf dem Nordflügel des IX. Korps die durch die zweite Hälfte der 10. ID. verstärkte 21. SchD. Vorstöße, allerdings ohne Olyka erstürmen und die auf den Höhen östlich von Zorniszcze eingenisteten Russen über die Putilowka zurücktreiben zu können. Weiter südlich griff das XII. Russenkorps die 26. SchD. an, konnte aber von den Schützenregimentern 9 und 10 abgewiesen werden1).

Auch bei der 1. Armee war am 3. September heftig gekämpft worden. Puhallo hatte das Schwergewicht auf seinen Nordflügel (I. Korps und Korps Szurmay) verlegt, der im Anschluß an die 4. Armee beiderseits der unteren Ikwa vorgehen sollte. Der ganze breite Raum des Dubnoer Berglandes blieb dem schwachen II. Korps (9% Bataillone und 15 Batterien der 25. ID.) überlassen, das links in Verbindung mit dem I. Korps und rechts mit dem Nordflügel der 2. Armee so nahe wie möglich an Dubno herankommen sollte. GdI. Johann Freih. v. Kirchbach, der Führer des

II. Korps, ließ das Gros der 25. ID. entlang der Plaszewka und der Südhänge des Berglandes von Dubno in südöstlicher Richtung gegen Werba an der Ikwa vorrücken, wo es bessere Wege benützen konnte und an die Plaszewkabrücke der Eisenbahn Radziwilow—Rowno heranzukommen vermochte, auf der die Russen in dichtem Verkehr ihre hinter der Front aufgehäuften Vorräte abzuschieben trachteten. In den großen Zwischenraum zu der benachbarten 46. SchD. wurde nur eine schwache Verbindungskolonne entsendet2). Die Gefahren, die diese unvermeidliche Aus-

x) Wisshaupt, Die 52. Landwehrinfanteriebrigade im Weltkrieg 1914—1918 (Reichenberg 1928), 325 f.

2) Hoen, Waldstätten-Zipperer und Seifert, Die Deutschmeister (Wien 1928), 485.

breitung der 25. ID. in sich schloß, wurden durch heftige Gegenstöße der Russen noch vergrößert.

Während das Korps Szurmay sich am 3. russischer Angriffe erwehren mußte, die 9. ID. des I. Korps jedoch im Angriff gegen Młynów und die 46. SchD. gegen Smordwa Fortschritte erzielten, drang das russische VIII. Korps über Wołkowyje und nördlich davon in die weite, nur mit einem Bataillon bedachte Lücke zwischen dem I. und dem II. Korps vor. Die Russen stürzten sich schon im Morgengrauen auf den Nordflügel der 25. ID. und schlugen ihn nach erbittertem Handgemenge zurück1). Nun ermächtigte GdI. Johann Kirchbach die ganze 25. ID. zum Ausweichen nach Westen. Dadurch geriet aber die Südflanke der 4. Armee in große Gefahr. Rasch entschlossen warf GdK. Karl Freih. v. Kirchbach, der Führer des I. Korps, ein Regiment der heftig kämpfenden 46. SchD. und ein Bataillon von der Korpsreserve in den Raum nordöstlich von Demi-dowka und setzte diese Gruppe unter GM. Haas zum Gegenstoß nach Süden an. Überdies wurden auch das Schützenbataillon und die reitende Artillerie der eben an den Nordflügel der 4. Armee im Marsche befindlichen l.KD. (S. 78) nach Demidowka gesandt. Auf diese Weise konnten die in Flanke und Rücken der 46. SchD. vordringenden Russen von den Schützenregimentern 13 und 15 zurückgeschlagen werden. FZM. Puhallo sah sich jedoch durch den Rückschlag veranlaßt, das II. und das I. Korps vorübergehend dem einheitlichen Befehle des GdK. Karl Kirchbach zu unterstellen.

Beim AOK. in Teschen hatten wegen der russischen Gegenschläge vorerst keine besonderen Besorgnisse bestanden. In einem Ferngespräch mit Obst. Ritt. v. Paić, dem Generalstabschef des 4. Armeekmdos., wies GM. Metzger am 3. vormittags darauf hin, daß der Feind mit seinen

6 bis 6V2 Divisionen gegen 13, wenn man die Gruppe FML. Smekal mitzählte, sogar gegen 15 öst.-ung. Divisionen angreife. Die Lage sei daher nicht bedrohlich, es komme vor allem darauf an, daß der linke Flügel rasch vorwärts dringe.

Umsomehr enttäuschte in Teschen das Kampfergebnis des 3. September. Auf dem Nordflügel war nichts Entscheidendes erreicht worden, die 25. ID. hatte einen schweren Rückschlag erlitten. GO. Conrad machte in einem Heeresbefehl an das 4. Armeekmdo. seinem Unmut mit den Worten Luft: „Das AOK. [Teschen] hat für den Angriff gegen den Nordflügel der russischen Südwestfront die Versammlung möglichst starker Kräfte auf engemRaum veranlaßt, um Bedingungen für einenraschen, durchgreifenden

1) Das IR. 4 verlor bei diesem Kampfe über 1000 Mann.

Erfolg zu schaffen. Es gewärtigt vom 4. Armeekmdo., daß es durch entschiedene Einwirkung auf die Führung die Erreichung des Kampfzieles erzwingt und seinen Willen durchsetzt. Schwierige Kampfverhältnisse können bei der schwächer gehaltenen Front am südlichen Flügel der

1. Armee wohl eintreten, müssen aber durch standhafte Gefechtsführung der Unterführer und durch rücksichtsloses Vordringen der dem gegenüberstehenden Feind weit überlegenen 4. Armee wettgemacht und für die Größe des Erfolges ausgenützt werden.“

Diesem Vorwärtsdrängen standen allerdings große Hindernisse entgegen. Der Ausbau der zerstörten Brücken und der schlechten Wege, der Bahn über Kowel sowie der außerordentlich langen Etappenlinie, das alles kostete viel Zeit. Auch waren die Truppen durch Kämpfe und durch gewaltige Märsche übermüdet, ihre Versorgung mit Schießbedarf und mit Lebensmitteln wurde von Tag zu Tag schwieriger, zumal die Russen bei ihrem Rückzug Städte und Dörfer verbrannt, das Vieh fortgetrieben und die Ernte vernichtet hatten. Aber die Heeresleitung war der Überzeugung, daß sich die Aussichten des Erfolges bei einem Hinausschieben des Angriffes verringern mußten, da der Feind an seinen Nordflügel Verstärkungen heranziehen konnte. Die gleiche Auffassung machte sich das 4. Armeekmdo. zu eigen und befahl für den 4. September dem GdI. Roth die entschiedene Fortführung des Angriffs. Der feindliche Widerstand sollte endgültig gebrochen und vom X. Korps der Horyń erreicht werden.

Bei Sturm und Regen setzte FML. Martiny am 4. früh die nördlich der Putilowka stehenden Truppen der 62. und der 24. ID. unter GM. Tunk zum Angriff auf Derażno an. Die russische Artillerie schoß vom südlichen Flußufer in die Flanke der Angreifer herüber. Trotzdem drängten die Streitkräfte des GM. Tunk in zähen Waldkämpfen die durch Infanterie verstärkten Orenburgkosaken und die russische 7. KD. ein Stück gegen Derażno zurück. Am Nachmittag kam aber das Vorgehen zum Stehen. Die russische 4. SchD. stieß von neuem gegen die südlich der Putilowka unter GM. Urbarz verbliebenen Teile der 24. und der 62. ID. vor. Die Russen faßten vorübergehend bei Cumań auf dem nördlichen Flußufer Fuß und bedrohten damit die Flanke und den Rücken der auf Derażno angesetzten Angriffsgruppe.

Der für den 4. September früh bei den Gruppen FML. Horsetzky (3. ID. und eine Infanteriebrigade der 10. ID.) und FML. Edl. v. Mecen-seffy (21. SchD. und Masse der 10. ID.) gegen die südlich von Olyka noch auf dem Westufer der Putilowka stehenden Russen anbefohlene

Angriff wurde nach unwesentlichen Fortschritten eingestellt. Der Nachmittag brachte hier sowie an der ganzen Front der 1. Armee feindliche Gegenstöße, die ein wechselvolles Ringen auslösten. Die Russen hatten es vornehmlich auf die südlich der unteren Ikwa zwischen Bokujma und Demidowka fechtende 46. SchD. abgesehen, die sich aller russischen Stöße tapfer erwehrte. Überdies glückte es der 25. ID., die von GdK. Karl Kirchbach zu entschiedenem Vorgehen angewiesen worden war, durch einen Vorstoß der FJB. 10 und 17 bei Demidowka einen Brückenkopf zu schaffen und wieder gegen Wołkowyje ein Stück vorzugehen. Der gefährliche Einbruch des russischen VIII. Korps konnte somit eingedämmt werden.

Für die Fortführung des Vorstoßes auf Rowno war mittlerweile die dem Nordflügel unter gewaltigen Märschen nachgeführte Gruppe FML. Smekal vom Erzherzog Joseph Ferdinand nach Moszczanica beordert und deren 4. ID. dem GdI. Roth unterstellt worden. Der Plan des Erzherzogs ging jetzt dahin, mit dem Nordflügel vorerst die Russen hinter den Horyń zu werfen, um dann mit den Hauptkräften des X. Korps und mit der 4. ID. den entscheidenden Stoß zwischen Stubiel und Ustje in der Richtung auf Rowno zu führen. Das XIV. und das IX. Korps sowie die 1. Armee sollten sich dem fortschreitenden Angriff des linken Flügels erst nach und nach anschließen.

Angesichts der Bedrohung durch die 4. SchD. wies jedoch Obst. Göttlicher, der Generalstabschef des XIV. Korps, schon am 4. September nachmittags in einem Ferngespräch mit Obst. Paić darauf hin, daß das Vorgehen auf Derażno dem Angriffsflügel beträchtliche Kräfte zum Schutze der immer länger werdenden Südflanke entziehe. Das X. Korps werde daher den Stoß nach Osten bald nicht mehr weiterführen können. Unter diesen Umständen schlug GdI. Roth vor, mit den Hauptkräften des X. Korps und mit der 4. ID. sogleich über die Putilowka nach Süden anzugreifen, um die russische Front gewissermaßen schon entlang und westlich der Straße Cumań—Klewań aufzurollen. Demgegenüber war das Heeresgruppenkmdo. der Ansicht, daß man vorerst den Horyń bei Derażno gewinnen müsse, um dem X. Korps den Rücken verläßlich zu decken, wenn dessen Hauptkraft nach Süden einschwenke. Auch sollte das X. Korps, wenn es schon nicht ostwärts bis über Derażno zur Umgehung der Russen ausholen könnte, nicht westlich des Stubiel, sondern östlich an Klewań vorbei auf Rowno vorstoßen. Hier schien guter Erfolg zu winken. Nach den vorliegenden Nachrichten wurden in Rowno bisher keine starken russischen Kräfte vermutet, auch waren die Festungswerke veraltet. Grundbedingung des Gelingens war allerdings, daß das X. Korps rasch vorwärts kam, denn es konnten bereits russische Verstärkungen nach Rowno im Antransport sein.

Nun legte aber GdI. Roth nach einer Unterredung mit dem FML. Martiny dem Heeresgruppenkmdo. am Abend dar, in welcher Gefahr das X. Korps schwebe, wenn es zwischen der von Süden angreifenden russischen 4. SchD. und der von Norden anrückenden feindlichen Kavallerie den Stoß nach Osten fortsetzen würde. Auch müßte man den entscheidenden Angriff nach Süden hinausschieben, wenn man erst mit dem linken Flügel den Horyńabschnitt von Derażno gewinnen wolle. Die Lage lasse aber ein Hinausschieben des Angriffs nicht zu, sondern erfordere seine Durchführung schon am 5. September, denn die Gefahren in Flanke und Rücken des Angriffsflügels könnten mit jedem Tag größer werden *). Als GdI. Roth noch erklärte, daß man den Stoß nach Süden wagen dürfe, ohne den Feind vorher über den Horyń geworfen zu haben, entschloß sich das Heeresgruppenkmdo. am 4. September zu später Stunde, den Angriff über Cumań nach Süden gleich am nächsten Tag durchzuführen und stellte dem X.Korps die 4. ID. für das Unternehmen zur Verfügung.

Nach Artillerievorbereitung begann am 5. September um 2h nachm. beim X. Korps der Infanterieangriff. Die Gruppe GM. Urbarz drang westlich der Straße Cumań—Klewań unter beträchtlichen Verlusten in die vordersten russischen Linien ein, kam dann aber vor der feindlichen Hauptstellung zum Stehen und ging am Abend teilweise in ihre alten Gräben zurück. In der Mitte bei Cumań war die 4. ID. eingesetzt; sie konnte den 150 m breiten Fluß, den ein Gewitterregen in eine breite Schlammzone verwandelt hatte, im heftigen feindlichen Feuer nicht überschreiten. Rechts vom X. Korps brachte die 2. ID. auf ihrem linken Flügel bei Litwa Abteilungen auf das rechte Ufer der Putilowka. Nördlich der Putilowka drang der linke Flügel des X. Korps in Fortsetzung des Angriffs nach Osten bis in die Wälder westlich von Derażno vor, russische Angriffsversuche wurden dort abgewiesen. Entscheidendes war damit am Nordflügel wieder nicht erreicht worden.

Während das X. Korps noch immer bei Cumań um die Entscheidung rang, bedrohte das russische Reiterkorps Gillenschmidt, von Norden kommend, täglich mehr Flanke und Rücken des Angriffsflügels, auf dessen umfassende Wirkung der Operationsplan aufgebaut war.

Schon am 3. September war die 4. KD. bei Cumań aus der Front gezogen worden, um nördlich des X. Korps über den Horyń zu rücken.

!) Nach einem ungedruckten Manuskript des FML. v. Kralowetz, damaligen Generalstabschefs des X. Korps.

Diese Division fand aber das Sumpf- und Waldgebiet von Berestiany von der russischen 3.DonKosD. versperrt und kam in dem von vielen Wasseradern durchzogenen und von riesigen Wäldern bedeckten Gelände nicht durch. Links von ihr kämpfte um dieselbe Zeit die nach Żurawicze entsandte 7. KD. mit einem Feind, der aus dem Raume von Czernysz und von Kolki nach Süden vordrang. Andere feindliche Reiterabteilungen rückten entlang des Styr und des Stochod auf Sokul und auf Holoby vor. Es hatte den Anschein, daß der Russe durch das ganze weite Polesie einen Kavallerieschleier vorschob und auch Infanterie — nach einer Meldung der Bugarmee die 77. RD. — mit der Bahn von Iwanowo (östlich von Drogiczyn) über Sarny zum Einbruch in die Nordflanke der 4. Armee nach Süden entsandte.

Um dem Angriffsflügel die Flanke und den Rücken zu schützen, befahl Erzherzog Joseph Ferdinand am 4. September der 7. KD., die zwischen Styr und Horyń vordringenden Russen über den Kormin zu werfen und den Styrübergang bei Kolki in Besitz zu nehmen. Gleichzeitig wurde die eben von der 2. Armee in Kiwercy eingelangte 1. KD. beauftragt, zunächst nach Nawoz zu marschieren, um dann zwischen dem Styr und dem Stochod bis über die Bahn Kowel—Sarny vorzudringen und gegen Stobychwa, Kamień Kaszyrskij und Niewier (am Pripiatj) aufzuklären. Alle Styr- und Stochodübergänge, die nicht gehalten werden konnten und die Pripiatjübergänge von der Stochodmündung bis Niewier waren zu zerstören. Als Rückhalt der Reiterei hatten die in Kowel, Holoby und Rożiszcze stehenden Abteilungen der 45. SchD. zu dienen.

Am 5. September gelang es der 4. KD., die feindliche Reiterei aus Berestiany und aus Garajmowka zu vertreiben, die 7. KD. kämpfte im Raume südlich von Kolki mit stärkerem Feind aller Waffen, die 1. KD. nahm Nawoz und stand bei Janowka im Kampfe. Sehr beunruhigende Nachrichten kamen mittlerweile aus Kowel. Kosaken schwärmten gegen die Stadt, ein abgetrennter Zug der Brückenkopfbesatzung wurde unter schweren Verlusten von Woloszki bis über die Straße Kowel—Łuck zurückgeworfen. Unverzüglich wurde die aus dem Bereich des XVII. Korps in Macijow eingelangte 1. Polenbrigade in Eilmärschen nach Kowel beordert und die bei Janowka stehende Masse der 1. KD. beauftragt, über Mielnica gegen Flanke und Rücken der im Anmarsch über Uchowieck auf Kowel gemeldeten starken russischen Kavallerie vorzugehen. Diese Meldung stellte sich alsbald als übertrieben heraus. An die 1. KD. erging daher am 6. September der abändernde Befehl, gegen Mielnica vorläufig nur aufzuklären und unter Festhaltung der Stochodübergänge bei Janowka

Beabsichtigter Durchbruch zwischen Ikwa und Horyń

entlang des nördlichen Styrufers auf Kołki vorzugehen, um von dort her dem mit der 7. KD. kämpfenden Feind in Flanke und Rücken zu fallen.

85


Mit dem X. Korps wollte GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand unterdessen den Vorstoß über Cumań nach Süden fortsetzen, doch sah er sich am 6. genötigt, den überangestrengten Truppen einen Ruhetag zu gewähren, der vom FML. Martiny dringend empfohlen worden war. Um auf die Weiterführung des nun für den 7. September ins Auge gefaßten Angriffs einen unmittelbaren persönlichen Einfluß nehmen zu können, verlegte der Erzherzog noch am 6. sein Hauptquartier von Władimir-Wołyński nach Łuck. An der Putilowka und an der Front der 1. Armee herrschte an diesem Tage im wesentlichen Ruhe; am Kormin wurden von der

4. KD. russische Angriffsversuche abgewiesen.

FML. Martiny, dem nunmehr neben der 4., der 24. und der 62. ID. sowie der 45. SchD. auch noch das KavKorps Berndt unterstellt wurde, erhielt den Auftrag, in der Nacht zum 7. September zwischen Cumań und Moszczanica starke Kräfte zu dem für den nächstfolgenden Morgen geplanten Angriff auf Derewiane zusammenzuziehen. Das sumpfige Waldgelände und starker Regen verzögerten aber in der Dunkelheit die Bereitstellung der 24. ID. links neben der 4. ID. derart, daß der Angriff neuerlich um vierundzwanzig Stunden hinausgeschoben werden mußte.

Weiteres Vordringen in Ostgalizien (2. bis 6. September)

Hiezu Beilage 4 sowie Skizze 3

Wahrend die Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand an der Putilowka und im Westen von Dubno in blutigem Streite lag, hatte die Offensive in Ostgalizien erfreuliche Fortschritte erzielt. Am 1. September drängten die Truppen der 2. Armee in verheißungsvoller Verfolgung des bei Złoczów geschlagenen Feindes an Zagórze heran und näherten sich bei Podkamień und Radziwilow der Reichsgrenze. Schon an diesem Tage gab GdK. Böhm-Ermolli gegen Mittag die Weisungen für einen Angriff auf die Ikwalinie aus. Dem Befehle der Heeresleitung vom 31. August entsprechend, sollte der Hauptstoß zur Umgehung dieses starken Abschnittes mit fünf Divisionen (V. Korps, verstärkt durch eine vom IV. Korps heranzuziehende Division) zwischen der Ikwa und dem obersten Horyń geführt werden. Das XIX., das IV. und das XVIII. Korps hatten sich behutsam an die Ikwa heranzuschieben, die 32. ID. des XVIII. Korps war als Armeereserve in Radziwilow in Aussicht genommen. Am 2. September sollte das V. Korps zunächst Zagórze und Podkamień, das XIX. Korps Suchowola (siehe Skizze 3), das IV. Korps die Slonówkaniederung, das XVIII. Korps die Gegend südlich von Chotyn gewinnen. Als an diesem Tage die Truppen der 2. Armee am Morgen den Vormarsch fortsetzten, wußte man beim Armeekmdo. noch nicht, in welcher Linie der Feind sich wieder zum nachhaltigen Widerstand stellen werde. Am Nachmittag stießen die Verfolger an den Teichen des Sereth bei Ratyszcze, westlich von Podkamień, beiderseits der Plaszewka in der Gegend von Karpilowka auf die neuen Stellungen, die der äußerste Nordflügel der russischen 11. und der Südflügel der 8. Armee bezogen hatten. Alle Korps der Armee Böhm-Ermolli entfalteten sich sofort zum Angriff.

Die Armee Bothmer überschritt am 2. September die tief eingeschnittenen Wasserläufe der Wosuszka und der Strypa, warf feindliche Nachhuten in den Serethgrund und schob ihre Vortruppen gegen Załośce und bis auf die Höhen von Nesterowce, Dołżanka, Nastasów und Dara-chów vor.

Rechts im Anschluß an das Korps Hofmann drängte das XIII. Korps der 7. Armee den weichenden Russen am 2. September bis in die Linie Mogielnica—Kossów—Jagielnica nach. Weiter südlich erreichte das Korps FML. Henriquez Tłuste und den Sereth gegenüber von Bilcze ohne Kampf. Das Korps Benigni setzte am Morgen den schon begonnenen Flankenangriff zu beiden Seiten der Serethmündung fort (S. 73). Auf dem linken Flügel erstürmte am Morgen das UR. 7 der aus Truppen der 3., der 5. und der

6. KD. sowie aus der 10. IBrig. der 5. ID. zusammengesetzten Gruppe des FML. Ritt. v. Brudermann die Höhe Miejska Gora; hingegen konnte auf dem östlichen Serethufer die wichtige Höhe Sloteria nicht genommen werden. Weiter rechts davon gelang es der Grazer 6. ID., FML. Fürst Schönburg, einige feindliche Grabenstücke zu erobern, die Vorrückung kam aber am Nachmittag zum Stehen. Die Russen führten gegen den gefährlichen Flankenangriff des Korps Benigni Gegenstöße, da sie, wie sich alsbald herausstellte, die Serethlinie unter allen Umständen halten wollten. Hier hatten die russische 11. Armee und der Nordflügel der

9. Armee bei Załośce, Tarnopol, Mikulince, Strusów, Trembowla, Budza-nów und bei Czortków brückenkopfartige Stellungen bezogen und auch das Zwischengelände am östlichen Ufer besetzt.

GdK. Pflanzer-Baltin ließ mit dem Nordflügel der 7. Armee schon am 3. September die starke Serethstellung angreifen. Er hoffte dabei, daß ihm FML. Benigni, der unter Einsatz aller seiner Kräfte auf Korolówka durchstoßen sollte, den Weg über den Fluß öffnen werde. Zur Unter-

Wechselvolles Ringen der k. u. k. 7. Armee

Stützung Benignis sollte am 3. der an den Sereth bei Bilcze gelangte rechte Flügel des Korps Henriquez auf dem östlichen Ufer nach Süden gegen die Höhe Sloteria vorstoßen; die anderen Teile des Korps Henriquez und das Korps Rhemen hatten über den Sereth bis zum Niezlawa-bach und bis zur Linie Kopyczyńce—Kobylowloki vorzudringen.

87


Tatsächlich konnten auf dem linken Flügel des XIII. Korps die Russen am 3. September von der 36. ID. nach hartem Kampf beiBudza-nów vom Westufer vertrieben werden; die 15. ID. kam aber vor dem stark befestigten Brückenkopf von Czortków zum Stehen. Das Korps Henriquez rückte mit der 8. KD. bei Szypowce dicht an den Sereth heran; bei Bilcze gelang es der 30. ID., mit einem Regiment auf dem jenseitigen Ufer Fuß zu fassen. Weiter flußabwärts vermochte aber die zur Unterstützung der schwer ringenden Gruppe FML. Brudermann befohlene, drei Bataillone starke Abteilung Obst. Rudolf Müller der 30. ID. unter dem starken russischen Geschützfeuer den Sereth nicht zu überschreiten. Auf dem rechten Flügel des Korps Benigni gewann unterdessen die 6. ID. um Mittag gegen Szuparka Raum, nachdem sie in der Nacht russische Gegenstöße standhaft abgewehrt hatte; die Gruppe Brudermann eroberte die hart umstrittene Höhe Sloteria und drang am Nachmittag mit Unterstützung der mittlerweile an ihren linken Flügel herangezogenen Abteilung Obst. Müller entlang des östlichen Serethufers ein Stück nach Norden vor. Das Korps Benigni führte aus diesen harten Kämpfen über 1400 Gefangene weg, erlitt aber selbst große Verluste und kam schließlich gegenüber neuen russischen Gegenstößen zum Stehen.

In Fortsetzung des Angriffes arbeitete sich am 4. morgens die 36. ID. mit ihrer Masse auf dem linken Flügel näher an die russischen Stellungen bei Budzanów heran. Doch nördlich von ihr stand die nur 4000 Feuergewehre zählende 131. IBrig. des Korps Hofmann unter GM. Blum in 10 km breiter Front noch westlich der Serethniederung. Von Janów drückten russische Kräfte gegen die so schwache Front der Brigade Blum und gegen Mogielnica vor. Um so dringender war die Sicherung der linken Flanke des XIII. Korps. Pflanzer-Baltin forderte daher gleichzeitiges Vorgehen der 131. IBrig. an den «Sereth. FML. Hofmann verstärkte hierauf die Brigade, und es gelang ihr mit Unterstützung des nordmährischen IR. 93, das die Nordflanke der 36. ID. deckte, bis zum

5. morgens die Russen wieder in den Brückenkopf von Janów zurückzudrängen.

Auf dem Südflügel des Korps Rhemen hatte sich inzwischen die

15. ID. vergeblich bemüht, die Russen aus dem Brückenkopf von Czort-ków zu vertreiben. Bei dem Korps Henriquez versuchten die Russen am

4. September durch Gegenstöße, die bei Bilcze übergegangenen Bataillone der 30. ID. über den Sereth zurückzudrängen. Der Feind wurde zwar mit Hilfe der Artillerie unter schweren Verlusten abgeschlagen, aber FML. Henriquez konnte keine weiteren Fortschritte erzielen. Er hatte seit Beginn der neuen Kämpfe über 1100 Streiter verloren.

Das Korps Benigni, das beauftragt war, unter Einsatz aller noch verfügbaren Kräfte nach Norden weiter vorzudringen, rang unrerdessen erbittert mit den Russen. Gen. Letschitzki raffte an diesem Teil der Front seine Kräfte zu neuen Gegenstößen zusammen, um ein weiteres Vordringen der 6. ID., das die Serethlinie aufzurollen drohte, zu verhindern. Am 4. schritten die Russen aber auch zwischen dem Pruth und dem Dniester, wo bisher im wesentlichen Ruhe geherrscht hatte, gegen das XI. Korps, GdK. Edl. v. Korda, vornehmlich gegen die bei Okna stehende 202. HIBrig., zu örtlichen Angriffen, deren demonstrative Art Pflanzer-Baltin allerdings alsbald erkannte. Was an Reserven freizumachen war, wurde daher zum schwer ringenden Korps Benigni beordert; aber es war nicht viel, zwei Honvédbataillone und die Schützendivision der zur 4. Armee abrollenden 10. KD. (S. 78). Auch die beim Korps Benigni befindliche Artillerie der 10. KD. wurde vorläufig dort in Stellung belassen. Dazu stellte die k. u. k. Heeresleitung das Eintreffen der zur Ablösung der 6. ID. bestimmten 37. HID. des VIII. Korps in Aussicht (S. 14).

Am 5. September fielen die Russen beim Korps Korda wieder in die Verteidigung zurück. Das Korps Benigni hatte sich bis zu diesem Tage aller russischen Gegenstöße in wechselvollen Kämpfen ehrenvoll erwehrt, nur der rechte Flügel der 6. ID. mußte in seine alten Stellungen in den Brückenkopf von Sińków zurückgenommen werden.

Auf dem linken Flügel der 7. Armee war indessen der Angriff ins Stocken gekommen. Es zeigte sich dort, daß die Divisionen in zu breiter Front gegen den Sereth angesetzt und ihre Truppen bereits zu ermüdet waren, um, wie dies Pflanzer-Baltin plante, die stark befestigten russischen Stellungen bei Budzanów und bei Bilcze ohne ausreichende Artillerieunterstützung durchbrechen *zu können. In dieser Erkenntnis entschloß sich der Armeeführer, vorläufig von einem weiteren Vorgehen abzusehen und die nächsten Tage zum Zusammenziehen entsprechender Streitkräfte vor den auserwählten Durchbruchspunkten auszunützen, zumal auch bei der Südarmee ein Stillstand eingetreten war.

GdI. Bothmer wollte nach den Kämpfen an der Strypa den Schwerpunkt des weiteren Vorgehens auf die Armeemitte verlegen. Sein Plan

ging dahin, mit drei Divisionen (55. ID., 3. GID. und 48. RD.) die Sereth-front südlich von Tarnopol zu durchbrechen. Da aber dazu sein bisheriger linker Angriffsflügel und das Korps Hofmann erst nach der Armeemitte zusammenschließen mußten und der Artillerieaufmarsch auf den schlechten Wegen bei Regenwetter sowie die nähere Erkundung der feindlichen Verschanzungen Zeit brauchte, setzte er den gewaltsamen Angriff erst auf den 7. September fest. Dagegen glaubte FML. Hofmann, wegen des günstigeren Angriffsgeländes den Angriff auf seinem rechten Flügel, wo er die Truppen schon zusammengefaßt hatte, gemeinsam mit dem Nordflügel des XIII. Korps sofort durchführen zu können. Eine gewisse Sorge sprach dabei mit, daß die Russen ihrerseits selbst das zumeist aus Landsturm zusammengesetzte Korps Hofmann anfallen könnten, das in einer Frontbreite von 37 km gegen den Sereth vorgerückt war. Aber FML. Hofmann vermochte beim Führer der Südarmee nicht die Zustimmung für seinen Vorschlag zu erwirken. Er mußte mit seinem Korps nach links zusammenschließen, um mit starkem linkem Flügel an dem geplanten Hauptstoß südlich von Tarnopol teilzunehmen.

Die Schlacht bei Podkamień Während GdI. Bothmer dieses Unternehmen sorgfältig vorbereitete, kämpfte die k. u. k. 2. Armee schon erbittert um die letzten russischen Stellungen auf der galizisch-podolischen Bodenwelle. Am 2. September nachmittags waren die Divisionen Böhm-Ermollis zum Angriff geschritten (S. 86), vermochten aber an diesem Tage nicht mehr über die feindlichen Vorpostenlinien hinauszukommen. Tags darauf, am 3., arbeitete sich das

V. Korps mit der 14., der 34. und der 33. ID. bis auf die nächsten Entfernungen an die feindlichen Hauptstellungen von Styberówka (Skizze 3) und von Podkamień heran. Die 29. ID. des XIX. Korps besetzte die Höhe Mogiła; das IV. Korps schob sich mit der 51. HID. gegen die Makutrahöhe und mit der 27. ID. gegen Radziwilow vor. Nördlich von Radziwiłow bog die Front scharf nach Osten um; hier waren die 32. und die 31. ID. des

XVIII. Korps in umfassendem Angriff auf Michałowka. Gegenüber der auf dem linken Flügel des XVIII. Korps eingesetzten Gruppe FML. Freih. v. Lütgendorf (1. LstlBrig. und 1. LstHusBrig., verstärkt durch ein Regiment der 31. ID.) räumten die Russen am Vormittag ihre Stellungen südlich von Kozin. Am Nachmittag mußte jedoch FML. Lütgendorf wegen des Vordringens der Russen gegen die benachbarte 25. ID. (S. 80) seinen Nordflügel in eine nach Norden gerichtete Front zurückbiegen, um sich gegen eine Umfassung zu schützen.

Auch an der übrigen Front der 2. Armee erfolgten im Verlaufe des

3. September und in der Nacht zum 4. heftige russische Gegenstöße, die aber abgewiesen wurden. In den andauernden Kämpfen und Märschen der letzten vier Tage hatten das IV., das XIX. und das V. Korps insgesamt 8000 Mann verloren; der Zustand der Truppen war nach den Meldungen der Regimentskommandanten zwar günstig, doch forderten Ruhr und Bauchtyphus, die in der feuchten Witterung und bei der durch schwierige Weg- und Nachschub Verhältnisse verursachten mangelhaften Verpflegung aufgetreten waren, manche Opfer. Auch klagten die Korps über den Mangel an Artilleriemunition, mit der sie gerade in den schweren Angriffskämpfen haushalten mußten. Dazu erfuhr das 2. Armeekmdo. am 3. September nachmittags, daß die Südarmee erst am 7. September zum Angriff antreten werde (S. 89). GdK. Böhm-Ermolli erachtete trotzdem die Lage für sehr erfolgversprechend. Die 2. Armee verfügte über 91/2 Divisionen Infanterie, denen — wie man zutreffend vermutete — nur etwa 5 russische Infanteriedivisionen gegenüberstanden, die zum Teil schon geschlagene Truppen sein mochten, und deren Gefechtsstände nicht höher als die eigenen waren. Neben dieser nahezu doppelten Übermacht an Infanterie mußte die Artillerie der 2. Armee, insgesamt 68 Feld- und

13 schwere und schwerste Batterien, ein weiteres entscheidendes Übergewicht über die Russen geben. Auch schienen die Ortschaften hinter der feindlichen Front bis zur Ikwa von Truppen frei zu sein. Flieger nahmen zwar im Verlaufe des Tages trotz trüben Wetters auf dem Ostufer der Ikwa und zwischen Ikwa und Horyń durchlaufende Stellungen wahr; Kremieniec, Goryńka und Wiszniewiec waren von Truppen belegt, aber nirgends von mehr als zwei Bataillonen. Diese günstige Lage wollte Böhm-Ermolli durch flottes Vorgehen ausnützen. Er befahl für den 4. die Fortsetzung des Angriffs, um den Feind zunächst hinter die Ikwa zu werfen und dann den schon geplanten entscheidenden Stoß in dem etwa 10 km breiten Raum zwischen Ikwa und Horyń in die Flanke des Kre-mieniecer Berglandes zu führen. Dazu wurde nunmehr außer dem aus vier Divisionen (14., 33., 34. und 43.) gebildeten V. Korps die bisher beim IV. Korps kämpfende 51. HID. bestimmt, das waren insgesamt 50.000 Feuergewehre und rund 180 Geschütze.

Nun konnten aber am 4. die sich zäh wehrenden Russen noch nicht gegen die Ikwa zurückgeschlagen werden. Beim V. Korps mußte FML. Goglia, der unter scharfer Zusammenfassung seiner Kräfte die feindlichen Stellungen zwischen dem Serethteiche bei Załośce und Podkamień durchbrechen sollte, vorerst die bisher als Reserve zurückbehaltene

Verzögerung im Angriff des V. und des IV. Korps    91

43. SchD. südlich von Styberówka in die Front einschieben und seine Artillerie umgruppieren, um dadurch die Vorbedingungen für den entscheidenden Angriff zu schaffen. Er verschob daher im Einverständnis mit dem Armeekommandanten den entscheidenden Angriff auf den

5. September.

Auch das XIX. und das IV. Korps waren am 4. September vor den feindlichen Stellungen liegengeblieben. FML. Schmidt-Georgenegg, der Kommandant des IV. Korps, hatte das XIX. Korps aufgefordert, die gegen die Makutrahöhe angesetzte 51. HID. zu unterstützen. FML. Trollmann lehnte ab, da auf dem linken Flügel der 29. ID. wegen des deckungslosen Geländes ein Angriff nicht erfolgversprechend zu sein schien. Er beabsichtigte, das Schwergewicht des weiteren Vordringens auf seinen rechten Flügel zu verlegen, wo er zusammen mit dem V. Korps vorgehen wollte.

Inzwischen rangen auf dem Südflügel des XVIII. Korps die 32. und die 31. ID. schwer, vermochten aber bei ihrem umfassenden Angriff auf Michalowka nicht weiter vorwärts zu kommen. Nördlich davon hatte der rechte Flügel der Gruppe FML. Lütgendorf einen russischen Vorstoß abgewehrt. Der linke Flügel wurde angewiesen, zur Unterstützung der nun wieder im Vorgehen befindlichen 25. ID. (S. 82) über die Plaszewka anzugreifen. Diesem Befehl vermochte zwar FML. Lütgendorf wegen der unzureichenden Kräfte, über die er verfügte, nicht Folge zu leisten; er hielt aber Verbindung mit der 25. ID. und sicherte die Nordflanke der 2. Armee an der Plaszewka (Beilage 4).

In der Nacht auf den 5. September herrschte an der Front der 2. Armee im wesentlichen Ruhe. Am nächsten Morgen sollte der entscheidende Stoß beim V. Korps einsetzen, dem sich die anderen Korps anzuschließen hatten. Allein das V. Korps hatte auch am 5. vormittags den Angriff noch nicht begonnen; es war ein trüber, regnerischer Tag, Nebel beeinträchtigte die Artillerietätigkeit, der Russe schien in seinen starken Stellungen noch nicht mürbe geworden zu sein. FML. Goglia sah daher auch diesen Tag noch für die Fortführung des Artillerieschießens und für das Heranarbeiten der Infanterie vor. Nicht anders war es beim IV. Korps, wo FML. Schmidt-Georgenegg erst die ihm zur Verfügung gestellte 30.5 cm-Mörserbatterie feuerbereit haben wollte, um die festungsartig ausgebaute Makutrahöhe mit Aussicht auf Erfolg angreifen zu können. So nützte man auch an den anderen Frontabschnitten der 2. Armee den 5. noch mit den Vorbereitungen für den entscheidenden Angriff aus.

Beim 2. Armeekmdo. hatte man unterdessen den Eindruck gewonnen, daß der Widerstand der Russen, die sich seit dem 4. September jedenfalls auffallend wenig angriffsfreudig zeigten, zu erlahmen beginne. GdK. Böhm-Ermolli gab seinem Unmut über das neuerliche Hinausschieben des Angriffs in einem am Vormittag erteilten Befehle scharfen Ausdruck und knüpfte die Erwartung daran, daß die russische Stellung „unbedingt bis längstens 6. September abends in einem entscheidenden Ausmaß durchbrochen sein werde“. Am Nachmittag schlug GdI. Bothmer der 2. Armee vor, erst am 7. September zusammen mit der Südarmee anzugreifen. Böhm-Ermolli hielt aber an dem für den 6. befohlenen Angriffe fest.

Nach kräftiger Artillerievorbereitung stürmten an diesem Tage vormittags die Divisionen der 2. Armee gegen den Feind. Die eng zusammengefaßten Truppen der 34. ID. durchbrachen um Mittag nördlich von Styberówka die russischen Stellungen, kurz darauf erstritt sich die 33.ID. Podkamień, die 29. ID. des XIX. Korps eroberte Nakwasza. Im Abschnitte nordöstlich von Radziwilow brach sich GM. Ritt. v. Willerding mit Truppen der 31. und der 32. ID., durch Mörserfeuer des IV. Korps kräftig unterstützt, schon um 10hvorm. beiderseits von Krupiec Bahn und erreichte um Mittag nach schwerem Ringen die Höhen von Micha-lowka. Nun wurde es auch der 27. ID. erleichtert, den im Norden schon überflügelten Russen den zäh verteidigten Ort Radziwilow zu entreißen. Unterdessen war die südlich von Styberówka vordringende 43. SchD. beauftragt worden, durch einen Vorstoß nach Süden den vor der 14.ID. noch haltenden Feind von Norden her aufzurollen. Aber bevor diese Umfassung wirksam wurde, räumten die Russen ihre Verschanzungen hinter den Serethteichen von Ratyszcze. Am Abend hielten sie nur noch die Makutrahöhe gegenüber der 51. HID. fest. Umsomehr bot ein Stoß der 29. ID. von Nakwasza her in die Flanke dieses Feindes Aussicht auf Erfolg. Doch bauten die Russen auch hier noch rechtzeitig ihre Front ab. Die 51. HID. bemächtigte sich um 2h früh der Makutrahöhe. In nächtlichen Nachstößen drangen die Spitzen des V. und des XIX. Korps, den weichenden Russen teilweise dichtauf folgend, bis in die Gegend von Zagórze und von Krutniew vor. Die 27. ID. des IV. Korps stand um diese Zeit südöstlich von Radziwilow, die 32. und die 31. ID. waren bis über Michalowka hinaus gelangt. Damit hatte Böhm-Ermolli den Südflügel der russischen 8. Armee zum drittenmal geworfen. Über 3000 Gefangene und 6 erbeutete Maschinengewehre wurden eingebracht. Die Wirkung dieses Erfolges blieb nicht aus. Im Einklang mit dem geschlagenen Südflügel der russischen 8. Armee ging deren Mitte zwischen Sitno und Młynów zurück.

Auf die russische Führung hatten die ungestümen Angriffe des Gegners ihren Eindruck nicht verfehlt. Brussilow bangte seit der unliebsamen Überraschung von Łuck auch um das Schicksal von Rowno. Er befürchtete, an der Putilowka nicht mehr lange ausharren zu können, und bat Iwanow dringend um frische Truppen1). Der Oberbefehlshaber der Südwestfront stellte alles, was er in den Rekrutendepots an schlechtausgerüsteten Ersatztruppen auftreiben konnte, bei den Armeen ein und unterrichtete den Höchstkommandierenden, Großfürst Nikolai Nikola-jewitsch, von der bedrohlichen Lage. Der umfassende Angriff des übermächtigen Gegners in Wolhynien trenne die 8. Armee endgültig von den nördlich des Pripiatj kämpfenden Heereskräften. Auch schilderte Iwanow der Stawka eindrucksvoll die Gefahren, die das zur Versorgung des russischen Heeres unentbehrliche Gebiet von Kiew bedrohten, falls seine Armeen an den Dniepr zurückgehen müßten 2). Aber dieser Hilferuf war zur Unzeit ergangen.

Die Kämpfe des k. u. k. XII. Korps im Rahmen des deutschen

Ostheeres (27. August bis 7. September)

Hiezu Beilage 3 sowie Skizze 8

Am 20. August hatte die Stawka Baranowiczi verlassen und sich nach Mohilew zurückbegeben müssen. Hier traf der Kriegsminister Poli-wanow aus Petersburg ein und überbrachte dem Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch ein Schreiben des Zaren. Darin eröffnete dieser seinem Oheim, daß er beschlossen habe, seinen lang gehegten Wunsch, sich persönlich an die Spitze des Heeres zu stellen, zu verwirklichen. Die Ereignisse im Kaukasus erforderten eine erfahrene und feste Hand, daher müsse der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch den Posten des Oberbefehlshabers der Kaukasusarmee und des Statthalters im Kaukasus übernehmen. Am 4. September langte Zar Nikolaus II. in Mohilew ein und übernahm den Oberbefehl. Der bisherige Generalstabschef Gen. Janusch-kiewitsch, der dem Großfürsten gleichfalls in den Kaukasus folgte, wurde durch den Gen.Alexejew ersetzt3).

x) Broussilov, 156; Zajontschkowskij, Der Bewegungskrieg 1914und 1915, 371.

2)    Nesnamow, IV, 125.

3)    Paléologue, I, 395 f. und 411; Lemke, 250 Tage in der zaristischen Stawka (in russischer Sprache, Leningrad 1920), 150 f.

Es war begreiflich, daß die neue Führung ihre Hauptaufmerksamkeit auf die Nordfront richtete. Dort verstärkte sich seit Ende August der Druck der deutschen Njemenarmee gegen den Dünaabschnitt Üxküll— Friedrichstadt. Vergebens suchte die russische 5. Armee den Angriff des GdI. Otto v. Below durch Vorstöße aus Jakobstadt und an der Swienta zum Stehen zu bringen. Ernste Sorgen flößte dem Gen. Alexejew auch das Vorgehen der deutschen 10. Armee ein. Sie drückte mit ihrem umfassenden linken Flügel trotz heftiger Gegenwehr der russischen 10. Armee beiderseits der Wilia vor und erreichte anfangs September mit dem rechten Flügel Orany. Alexejew sandte von der in der Heeresmitte stehenden Westfront Verstärkungen nach Wilna und suchte das Vordringen der Deutschen zwischen der Düna und dem Njemen in jenem natürlichen Tore zum Stehen zu bringen, das den Eingang zu den rückwärtigen Verbindungen des Moskowiterreiches bildete.

Aber auch die Lage der nunmehr von Gen. Ewert befehligten russischen Westfront ’syar keine beneidenswerte. Die deutsche 8. Armee eroberte am 4. September die Festung Grodno, die 12. Armee brach um dieselbe Zeit aus dem Bielowieser Urwald hervor; die Heeresgruppen Prinz Leopold (9. Armee und Armee GO. v. Woyrsch) und Mackensen (11. Armee und Bugarmee) drängten Ende August und anfangs September die russischen Westarmeen (1., 2., 4. und 3.) von der Narewka, Lesna sowie vom Muchawiecabschnitt an die Zelwianka, Jasiolda, über den Dniepr-Bugkanal sowie in die Landzunge zwischen Jasiolda und Pina zurück1). Die Offensiven Hindenburgs und Conrads sowie die Möglichkeit, die geschwächten Russenarmeen bis über Baranowiczi—Pinsk zurückdrängen zu können, hatten den GdI. Falkenhayn bestimmt, die Heeresgruppen Prinz Leopold und Mackensen über die im Befehl vom

28. August vorgesehenen Linien (S. 12) nach Osten hinausgehen zu lassen2). An diesen Operationen wirkte bei der Armee Woyrsch das k.u.k. XII. Korps, GdI. v. Kövess (16. und 35. ID.), mit. Die der deutschen 9. Armee zugeteilten beiden k. u. k. Kavalleriedivisionen, die 9. und die 2., wurden am 3. und 6. September aus der Front gezogen und rückten zur 4. Armee ab (S. 78).

Am 27. August drang die Armee Woyrsch unter leichten Gefechten in den Lesnabogen nordöstlich von Kamieniec-Litowskij ein und gelangte am 29. nachmittags nach mühevoller Verfolgung in die Gegend von Szereszowo—Sochopol. Hier verteidigte die Nordgruppe der russischen

x) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 217ff.

2) Mitteilung des Deutschen Reichsarchivs vom 7. Juli 1931; Foerster, II, 67.

Vordringen des Korps Kövess an die Jasiolda

3. Armee Hand in Hand mit der 4. Armee in geschickt ausgewählter Stellung hinter den Sümpfen der östlichen Lesna die Wege, auf denen ihre Kolonnen nordostwärts gegen Różany zurückeilten. Die 16. ID. entriß dem Feinde noch am 29. südlich von Szereszowo eine Höhe; links davon kam die 35. ID. dicht vor dem Orte an einem Sumpf zum Stehen. Das Landwehrkorps gewann im Norden bei Sochopol Raum.

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Am 30. August früh sollte die 16. ID. den Angriff über Szereszowo fortsetzen. Die Russen hatten aber wegen der Bedrohung von Norden her diesen Ort und den östlichen Lesnaabschnitt schon geräumt und wichen gegen die Jasiolda zurück. Als deutsche Flieger meldeten, daß sich endlose Kolonnen auf der Straße von Prużany gegen Różany—Slonim bewegten, wollte GO. Woyrsch möglichst rasch mit dem XII. Korps den Jasioldaübergang bei Koledicze gewinnen und mit der Landwehr über Smolenica den weichenden russischen Divisionen den Rückweg auf Różany abschneiden. Demgemäß setzte sich das Korps Kövess nach der Besitznahme von Szereszowo ohne Säumen in Bewegung und drang, rechts die

16. ID. und links die 35. ID., entlang der Straße Prużany—Koledicze gegen die Jasiolda vor. Dieser Vormarsch kostete viel Kraftanstrengung, da die zurückgehenden Russen wie immer alle Brücken hinter sich zerstört hatten und den Verfolgern von Abschnitt zu Abschnitt ihre Nachhuten entgegenstellten. Trotzdem erreichte Kövess schon am 31. August die Jasiolda.

Die 35. ID. sollte am 1. September den Fluß überschreiten; sie konnte aber bei Koledicze den Übergang nicht durchführen, da die Russen in diesem Abschnitt den Zugangsweg nach Różany mit äußerster Zähigkeit verteidigten. Da zog Kövess am 3. die 16. ID. nach rechts heraus, um über Sielec das linke Ufer zu gewinnen. Aber auch dort stand der Russe hinter der breit versumpften Niederung fest. Mühsam arbeiteten sich Teile der 16. ID. von Insel zu Insel auf das linke Ufer vor. Aber es gelang nicht, den Angriff in dem völlig versumpften Wald weiter vorzutragen. Die Russen führten Gegenstöße; auch konnten den arg bedrängten Vorhutbataillonen der Siebenbürger keine Verstärkungen nachgeschickt werden, weil der Feind die Übergangsstelle Tag und Nacht unter schwerem Feuer hielt.

Am 4. September erstürmte rechts vom XII. Korps das am Nordrande der Pripiatjsümpfe vorrückende Beskidenkorps der deutschen

11. Armee den Brückenkopf Kartuzskaja Bereza. Nördlich vom XII.Korps erzwang sich bis zum 5. die Landwehr den Austritt aus dem Sumpfgebiet bei und südöstlich von Nw. Dwor, noch weiter nördlich gewann die deutsche 9. Armee den Nordostausgang aus den Waldungen von Bielsk. Nun wichen die Russen auch vor dem Korps Kövess ein Stück von der Jasiolda zurück, bestrichen aber noch immer die Dammstraße von Sielec, die einzige Ausgangspforte nach Michalin, mit ihren Geschützen und Maschinengewehren. Erst am 8. September gab der Feind gegenüber dem Korps Kövess den Widerstand endgültig auf, als die deutschen Truppen der Armee Woyrsch schon auf Różany und an die Różanka vordrangen.

Die Bugarmee hatte am 29. August, mit der Masse von Westen und mit dem KavKorps GLt. v. Heydebreck (ll.HKD. und deutsche 5. KD.) von Süden her angreifend, Kobrin genommen. Gen. Lesch, der Führer der russischen 3. Armee, führte seinen Südflügel auf die verschanzte Linie Drogiczyn—Chomsk zurück. Am 6. September gelangten auch diese Befestigungen in den Besitz der Bugarmee. Nun sperrte Lesch die Pinsker Landzunge in einer neuen Stellung beiderseits Iwanowo. Südlich des Pripiatj deckte das ihm unterstellte IV. KavKorps Gillenschmidt die Straßen, die über Kamień Kaszyrskij und zwischen dem Stochod und dem Horyń nach Pinsk und nach Luniniec in den Rücken der russischen 3. Armee führten. Diesem Reiterkorps sandte Gen. Lesch auf Befehl der Stawka anfangs September mit der Bahn über Łuniniec—Sarny die 77. RD. des XXXI. Korps zu Hilfe, damit es den verlorenen Zusammenhang mit der Armee Brussilow herstelle und die hinteren Verbindungen des auf Rowno vordringenden Gegners belästige1). Das war aber auch alles, was Alexejew unter dem Drucke der deutschen Offensive zur Entlastung der

8. Russenarmee aufbieten konnte.

Nun hatte sich aber Iwanow in Anbetracht der bedrohlichen Lage in Wolhynien entschlossen, das XXX. Korps aus der Front herauszuziehen, um es aus Ostgalizien mit der Bahn an den Nordflügel der 8. Armee zu fahren. Er glaubte diese Schwächung auf seinem Südflügel wagen zu dürfen, weil am Sereth ein vorübergehender Stillstand der Operationen eingetreten war (S. 88). Diese Kampfpause gab ihm auch Zeit, bei der

11. und der 9. Armee Stoßgruppen zu bilden. Zu einer weitergehenden Gegenoperation fühlte sich Iwanow allerdings zu schwach. Doch hoffte er, durch Ausfälle aus den Brückenköpfen des Sereth die verzweifelt ringende 8. Armee zu entlasten.

x) Zajontschkowskij, Der Bewegungskrieg 1914 und 1915, 370.

Vorbrechen der Russen aus den Brückenköpfen am Sereth    97

Die Gegenangriffe des russischen Südwestheeres

Die Schlacht am Sereth (6. bis 12. September)

Hiezu Beilagen 4 und 5 sowie Skizzen 2 und 3

Russischer Durchbruch bei Tlrembowla

Während Schtscherbatschew und Letschitzki zu Gegenschlägen rüsteten, schob Bothmer die Truppen der Südarmee näher an den Sereth heran. Auf dem linken Flügel des Korps Marschall setzten sich am 5. September die 38. HID. gegenüber dem Brückenkopf von Zalośce, die 19. ID. vor jenem von Tarnopol fest. Im Anschluß daran erstritt sich die 48. RD. die Wälder von Bucniów. Unmittelbar hinter dieser Division stand die

3.GID., während sich das Korps Hofmann mit der 55. ID. und mit der

131. IBrig.—es waren insgesamt 14 schwache Bataillone und 8 Batterien in einer Frontbreite von 30 km — vor Mikulince, Strusów und vor Trembowla eingrub. Die Brigade Obst. Bolzano war von dem Südflügel auf den äußersten Nordflügel des Korps Hofmann verlegt worden, um am

7. September mit der Stoßgruppe des Korps Marschall (48. RD. und

3. GID.) südlich von Tarnopol durchzubrechen. An demselben Tage wolke auch Pflanzer-Baltin mit der Masse des XIII. Korps über Czortków und mit dem verstärkten linken Flügel des Korps Benigni längs des östlichen Serethufers nach Norden vorstoßen.

Nun konnte aber auch Iwanow mit seinem Gegenunternehmen beginnen. Am 6. erneuerte der Russe zwar nicht seine Bemühungen gegen das Korps Benigni. Doch schien der Feind nach den Aussagen der Gefangenen beträchtliche Kräfte, etwa 3 Infanterie-, 2 bis 3 Kavalleriedivisionen und ebenso viele Reichswehrbrigaden, zum Schutze der Dniester-flanke versammelt zu haben. Auch vor der Front des Korps Henriquez und weiter nördlich vor den Korps Rhemen und Hofmann waren feindliche Truppenansammlungen beobachtet worden. Russische Erkundungsstöße und zunehmendes Artilleriefeuer ließen Angriffe auf dem rechten Flügel der Armee Bothmer erwarten.

Am 6. September nachmittags stürzten sich plötzlich stärkere Abteilungen des russischen XI. Korps aus den Brückenköpfen in der Gegend von Trembowla gerade gegen den schwächsten Teil der Front, gegen die Mitte und den Südflügel des Korps Hofmann. Gedeckt durch

III    7

Kavallerie, die der Infanterie voranritt, drangen die Russen in die dürftig ausgebauten Stellungen der 55. ID. ein und konnten trotz Einsatzes der Korpsreserve nicht wieder geworfen werden.

Ein zweiter Erfolg war den Russen auf dem Nordflügel der 7. Armee bei Janów beschieden, wo sie durch einen Vorstoß nach Süden die dünnbesetzte Front zwischen der 131. IBrig. und der 36. ID. durchbrachen. GdI. Rhemen warf die Gruppe GM. Luxardo (Truppen der 15. und der

5. ID.) über Mogielnica den vordringenden Russen entgegen und brachte sie zum Stehen. Damit war die Lage auf dem linken Flügel des XIII. Korps wiederhergestellt, aber es mußte jetzt der beabsichtigte Angriff bei Czortków unterbleiben, da alle entbehrlichen Kräfte zur Abwehr der Russen bei Mogielnica gebraucht wurden. Hingegen beschloß PflanzerBaltin, den für den 7. September angeordneten Flankenstoß des Korps Benigni, das er mittlerweile durch Truppen des Korps Henriquez und der 202. HIBrig. — insgesamt fünf Bataillone — verstärkt hatte, durchführen zu lassen.

Auch GdI. Bothmer hatte seine Absicht, südlich von Tarnopol durchzubrechen, wegen der russischen Vorstöße gegen die 55. ID. nicht aufgegeben. Am 7. September morgens sollte am Südflügel des Korps Marschall angegriffen werden. Nun hatten aber Schtscherbatschew und Letschitzki, ermutigt durch den Erfolg bei Trembowla, für denselben Tag von neuem, diesmal dem XVIII. Korps aus dem Brückenköpfe von Tarnopol und dem XI. Korps auch bei Budzanów, den Angriff befohlen, der den beiden russischen Führern umsomehr geboten zu sein schien, als der Gegner mittlerweile die benachbarte 8. Russenarmee bei Podkamień und bei Radziwilow durchbrochen hatte (S. 92).

Schon in der Nacht zum 7. war es dem Feinde — es waren Truppen des XXII. Russenkorps — gelungen, an der Einbruchstelle bei der 55. ID. durchzustoßen, womit er der Brigade Bolzano in Flanke und Rücken kam. Diese Brigade sollte sich in wenigen Stunden dem beabsichtigten Vorgehen des Korps Marschall anschließen, war daher mehr zum Angriff als zur Abwehr bereit, als sie bei Morgengrauen plötzlich von den Russen überfallen wurde. Bolzanos Truppen (IR. 81 und 88) wurden zersprengt, so daß sie bis über Nastasów hinaus flüchteten. Die Russen führten zahlreiche Gefangene weg und eroberten acht deutsche Geschütze, die für den Angriff unmittelbar hinter der vordersten Linie bereitgestellt waren. Glücklicherweise verfolgten die Russen nicht eifrig, auch deckte das rasche Eingreifen von zwei Regimentern der 3. GID., die sich unter Obst. Leu von Norden dem Feinde entgegenwarfen, die auf

Durchbruch der Russen bei Trembowla

das höchste gefährdete Südflanke des Korps Marschall. Die Russen wurden liier wieder in die Abwehr gedrängt, die Geschütze zum Teil geborgen; bald schloß sich auch die neugeordnete Brigade Bolzano dem Vorgehen der Deutschen an.

99


Der Angriff des XVIII. Russenkorps aus dem Brückenkopf von Tarnopol war mittlerweile von der 48.RD.und von der 19. ID. abgeschlagen worden. Nicht so günstig endete aber die Abwehr gegen die weiteren russischen Vorstöße aus den Brückenköpfen von Trembowla. Hier wurde ■die 55. ID. am 7. September bei Tagesanbruch in der Flanke gefaßt, am Vormittag in der Front an mehreren Stellen durchbrochen, so daß sie am Nachmittag nach wechselvollem Streite bis auf die Höhen östlich der Strypa gegen Burkanów zurückweichen mußte. Die Russen stießen von Darachów nach Süden vor und sprengten die 131. IBrig. von dem Korps Hof mann ab. Unter harten Kämpfen schlug sich der von feindlicher Kavallerie in der Nordflanke und im Rücken gefaßte linke Flügel der Brigade Blum auf Dobropole durch, indes ihr rechter Flügel und die Gruppe GM. Luxardo des XIII. Korps am Nachmittag auf den Höhen von Mogielnica dem von Trembowla und von Janów her angreifenden russischen XI. Korps noch hartnäckigen Widerstand leisteten. Nun wurde aber gegen Abend der rechte Flügel der 36. ID. bei Budzanów vom Sereth zurückgeworfen, worauf FML. Schreitter seine ganze Division und die Reste der 131. IBrig. auf die Höhen von Kossów und südlich von Laskowce zurücknahm.

Auf dem rechten Flügel des Korps Benigni wurde am 7. früh die

6. ID. durch Tscherkessenabteilungen bestürmt. Doch die wackere Division wußte den Feind mit blutigen Köpfen abzuweisen. Um lh nachm. setzte die Gruppe FML. Brudermann (3. und 6. KD., verstärkt durch 8 Bataillone und 9 Batterien) nach wirksamer Beschießung der Russen durch die Artillerie längs des linken Serethufers zum anbefohlenen Flankenstoß an (S. 98). Der schwungvolle Angriff gewann rasch Boden, das tapfere schlesische IR. 1 erstürmte gemeinsam mit UR. 4, HR. 1 und DR. 11 die russische Stellung. Unterdessen schlossen sich auch Teile der 6. ID. dem Vorgehen an; über 3700 Gefangene und 7 Maschinengewehre wurden als Beute eingebracht1). Die Russen begannen bereits vor dem rechten Flügel des Korps Henriquez zu weichen, da faßte am Nachmittag ein Gegenstoß die Angriffsgruppe Benignis in der rechten Flanke. Vom

x) Dragoni, Vier Kaiserregimenter am 7. September 1915 (Öst. Wehrzeitung 1927, Folge 36); Adolph-Auffenberg, Kaiserinfanterie allen voran (Ebenda, Folge 39); Feldtagebuch des damaligen Kommandanten der 11. IBrig., GM. v. Stöhr.

rechten Flügel der 6. ID. griff die Artillerie durch flankierendes Feuer unterstützend ein. Abermals wichen die Russen; gegen Abend mußten jedoch die arg gelichteten Truppen des Korps Benigni in ihre Ausgangsstellungen zurückgenommen werden.

Damit war der glänzende Erfolg der Gruppe FML. Brudermann leider ohne Auswirkung geblieben. Für die Fortsetzung der operativ wirksamen Angriffe fehlten Benigni die nötigen Reserven. So stand jetzt zu erwarten, daß die Russen, gedeckt gegen den ‘Dniester, den bei Trembowla erzielten Durchbruch zu Flankenstößen ausnützen mochten, um den noch in den alten Stellungen haltenden Teil der Serethfront aufzurollen. GdK. Pflanzer-Baltin war daher vor allem darauf bedacht, seinen linken Flügel zu verstärken. Dazu standen ihm einstweilen nur die im Raume nördlich des Dniester befindlichen Ersatztruppen (Marschbataillone) und zwei Bataillone des Korps Henriquez zur Verfügung. Diese Truppen wurden in Kraftwagen an den linken Flügel des XIII. Korps herangebracht. Behauptete sich die 36. ID. nicht in der Front Czortków— Kossów—Laskowce, dann wollte GdK. Pflanzer-Baltin das ganze Korps Rhemen bis in die Linie Jagielnica—Przewłoka zurücknehmen. Mittlerweile mochte die von Iwangorod anrollende 37. HID. (S. 88) in Niżniów ausgeladen und nach Buczacz herangezogen sein, um von hier aus in nordöstlicher Richtung in Flanke und Rücken des Feindes vorzudringen, wenn dieserweiter gegen das Korps Hofmann anrennen sollte. Zur Deckung des Aufmarsches der 37. HID. hatten am 8. September die halbe 8. KD. vom Korps Henriquez und am 9. die 6. KD. vom Korps Benigni nach Buczacz zu rücken.

Dagegen wollte Bothmer schon am 8. September früh mit dem Front nach Süden abgebogenen rechten Flügel des Korps Marschall, der nunmehr aus den Resten der Brigade Bolzano, Teilen der 3.GID. und der 48. RD. zusammengesetzt war, über Nastasów angreifen, um durch Flankenbedrohung die über den Sereth vorgebrochenen Russen zum Rückzug zu zwingen. Als Pflanzer-Baltin, der tatenfrohe Führer der 7. Armee, von diesem Plane erfuhr, entschloß er sich sofort, ohne das Eintreffen der

37. HID. abzuwarten, auch den linken Flügel des XIII. Korps nach Norden vorstoßen zu lassen, um die Russen in die Zange zu nehmen.

Am 8. früh griffen auf dem rechten Flügel des Korps Marschall die Brigaden Leu und Bolzano, verstärkt durch ein Regiment der 38. HID., bei Nastasów an. Die Russen wurden ein Stück gegen den Sereth zurückgedrückt, mehr war nicht mehr zu erreichen. Die schwache 131. IBrig., die entlang der von Dobropole nach Darachów führenden Straße vor-

Schwierige Lage der Südarmee    101

dringen sollte, kam bei Chmielowka vor feindlichen Abteilungen, namentlich Reiterei, zum Stehen, deren Vorgehen sich am Nachmittag gegen Laskowce und auch gegen das Korps Hof mann bemerkbar machte. Die Lage blieb dadurch sehr schwierig, denn die auf dem linken Flügel des Korps Rhemen fechtenden Truppen hatten schon sehr gelitten, Zuversicht und Stimmung waren durch den schweren Rückschlag am 7. gesunken, und — wie die Dinge bei der 55. ID. lagen — konnte diese Division, die in ihrem Gefechtswert ebenfalls nur mehr gering einzuschätzen war, an der Strypa wohl kaum den Feind lange aufhalten. Damit war auch das noch gegenüber von Tarnopol standhaltende Korps Marschall, das selbst durch die Massierung starker russischer Kräfte schwer bedroht war, der Gefahr einer Umgehung von Süden ausgesetzt. Ungeduldig harrte GdI. Bothmer in dieser Bedrängnis auf eine Entlastung durch die 2. Armee.

Eingreifen der 2. Armee in die Schlacht am Sereth Hiezu Skizze 3

Am 7. September früh, gleich bei der Einleitung der Verfolgung auf Nw. Aleksiniec und gegen die Ikwa, hatte GdK. Böhm-Ermolli vom V. Korps die 14. ID., FML. v. Csicserics, über Gaje za Ruda südostwärts gegen Gontowa abgezweigt, um der auf dem Nordflügel der Südarmee stehenden 38. HID. den Übergang über den oberen Sereth zu öffnen. Als Böhm-Ermolli im Verlaufe dieses Tages von dem ungünstigen Stand der Sereth-schlacht vernahm, entschloß er sich, die 34. ID., GM. Ritt. v. Birkenhain, der 14. ID. nachzuschicken, um aus diesen beiden Divisionen unter FML. Csicserics eine Gruppe mit der Aufgabe zu bilden, möglichst rasch und tief über Iwanczany und Gniezdiczno auf Zbaraż in Flanke und Rücken der gegen die Südarmee vordringenden Russen vorzustoßen. Auch wurden vom Korps Marschall jene Teile der 38. HID. dem FML. Csicserics unterstellt, die hinter den weichenden Russen über Załośce auf Mszaniec vorgingen. Überdies hatte am 8. September vom IV. Korps noch die 51. HID. in Eilmärschen bis in die Gegend von Nw. Aleksiniec zu rücken und sich hier gleichfalls dem FML. Csicserics zur Verfügung zu stellen.

Der von Böhm-Ermolli beabsichtigte kühne Vorstoß auf Zbaraż hatte allerdings eine erhebliche Schwächung des V. Korps zur Folge. Aber den Plan, die Ikwalinie durch eine Umgehung von Süden her zu nehmen, gab Böhm-Ermolli trotzdem nicht auf. Nur konnte er jetzt nicht mehr, wie es seine ursprüngliche Absicht war, fünf Infanteriedivisionen zwischen dem Horyń und der oberen Ikwa zum entscheidenden Angriff ansetzen, sondern nur drei, die 43. SchD. und die 33. ID. des V. Korps sowie die schon als Armeereserve in Aussicht genommene 32. des XVIII. Korps (S. 85). Böhm-Ermolli hatte Eile, denn er wußte, daß er gegenüber den Russen noch immer auf der ganzen Front eine zahlenmäßige Überlegenheit besaß, aber es war zu besorgen, daß dieses günstige Kräfteverhältnis nicht mehr lange halten werde. Für den 8. September befahl der Armeeführer dem FML. Csicserics, auf Zbaraż vorzudringen, indes die anderen Korps den Angriff auf die Ikwalinie vorzubereiten hatten, der am 9. vom rechten Flügel aus beginnen sollte. Die zur Verstärkung des V. Korps bestimmte 32. ID. hatte baldigst nach Nw. Poczajew zu gelangen.

Als diese Befehle am Abend des 7. September durch Böhm-Ermolli erteilt wurden, hatten die Streitkräfte der 2. Armee in rastloser Verfolgung die Gegend von Gontowa, von Nw. Aleksiniec, östlich von Łopuszno, von Nw.Poczajew und beiderseits von Plaszewa erreicht. Vor der Gruppe Csicserics war der Feind zwischen Ihrowica und Swiniuchy am oberen Horyń, vor dem V. Korps bei Butyn und bei Rydoml erkundet worden. Vor dem XIX., dem IV. und dem XVIII. Korps, die ihre Vortruppen unter leichteren Kämpfen noch am 7. gegen die Ikwa vorgeschoben hatten, lagen die Russen jenseits vom Flusse tief eingegraben am Rande des Kremieniecer Berglandes.

Während im Verlaufe des 8. September die drei nördlichen Korps der 2. Armee bis nahe an die Ikwa herangingen und die auf dem diesseitigen Ufer noch verbliebenen feindlichen Abteilungen vertrieben, bereitete sich das V. Korps zum Angriff auf die starken russischen Stellungen zwischen der oberen Ikwa und dem Horyń vor. Ein am Vormittag ausgegebener Armeebefehl hatte dem FML. Csicserics angesichts der kritischen Lage bei der Südarmee noch einmal möglichst rasches Vorgehen auf Zbaraż ans Herz gelegt. Es stehe ihm nur die schon bei Gołogóry geschlagene 4. Russendivision gegenüber; er möge diesen Feind tatkräftig angreifen und im ersten Ansturm schlagen.

FML. Csicserics vermochte sich jedoch nicht zu entschließen, am

8. September schon anzugreifen. Einmal schien es ihm, daß sich der Feind zwischen Iwanczany und Swiniuchy bereits in befestigten Stellungen befand, gegen die er nicht anrennen wollte. Dann waren die Truppen, die er bei der Hand hatte, die 14. ID. und die 75. HIBrig., von den vorangegangenen Kämpfen und Märschen so ermattet, daß sie nicht sogleich antreten konnten. Eine Division, die 34. ID., war auf dem linken Flügel erst mit Teilen eingerückt und die 51. HID. war erst im Anmarsch auf

Nw. Aleksiniec. Ihr Eintreffen wollte Csicserics noch ab warten. Überdies regnete es am 8. September ununterbrochen, die schwere Artillerie blieb auf den aufgeweichten Straßen stecken, Nebel beeinträchtigte obendrein die Tätigkeit der bereits auf gefahrenen Batterien.

Groß war die Enttäuschung, als am Nachmittag das 2. Armeekmdo. aus einer Meldung des FML. Csicserics erfuhr, daß der Angriff auf Zbaraż noch nicht begonnen habe. GdI. Bothmer hatte inzwischen auch über das zögernde Vorgehen der Gruppe Csicserics geklagt. Sie habe es einstweilen nur mit geringen feindlichen Kräften zu tun, bei längerem Zuwarten könne der Russe aber seine Stellungen verstärken, frische Kräfte heranholen und in die Lücke zwischen den Korps Marschall und Rhemen (Skizze 2) hineinstoßen. Wenn jedoch die Gruppe Csicserics rasch Vordringen würde, dann müßte auch Tarnopol, das russische Ausfallstor am Sereth, fallen, und es könnten dann von dort Verstärkungen zu dem bedrohten Korps Hofmann geworfen werden. GdK. Böhm-Ermolli, der inzwischen seinen Sitz von Lemberg nach Brody verlegt hatte, stand unter dem Eindruck, daß das Unternehmen auf Zbaraż des kräftigen Zufassens entbehrte. Er übertrug dem Führer des XIX. Korps, FML. Trollmann, den Befehl über die Gruppe Csicserics mit dem Aufträge, am

9. September mit allergrößter Energie rücksichtslos auf Zbaraż durchzustoßen. FML. Csicserics bat am Abend seinen Armeekommandanten, den Angriff für den 10. September planmäßig vorbereiten zu dürfen. GdK. Böhm-Ermolli entschied, der Angriff sei imbedingt schon am 9. durchzuführen. Nun ließ FML. Csicserics die auf seinem linken Flügel eingerückte 34. ID. nach rechts ausdehnen, um mit den zusammengefaßten Kräften der 14. ID. von Ditkowce aus die feindliche Front durchbrechen zu lassen. Offenbar verlegte Csicserics wegen der örtlichen Kampfverhältnisse den Schwerpunkt auf den rechten Flügel, was für die Truppen ermüdende Nachtmärsche erforderte.

Am 9. morgens langte FML. Trollmann in Bukowica (^nördlich von Mszaniec) ein und übernahm die Führung des Unternehmens auf Zbaraż. Es war ein regnerischer Tag. Dicker Nebel hemmte abermals jede wirksame Artillerietätigkeit. Als sich am Nachmittag das Wetter etwas ausheiterte, ging FML. Trollmann mit drei Stoßgruppen zum Infanterieangriff über, vermochte jedoch nicht durchzudringen. Das VI. Russenkorps hatte unterdessen zwischen dem oberen Sereth und dem Horyń Aufstellung genommen. Hätte man den von Csicserics beabsichtigten planmäßigen Angriff mit eng zusammengefaßten Kräften erst am 10. durchführen lassen, so wäre vielleicht der Durchbruch auf Zbaraż gelungen.

FML. Goglia, der die Aufgabe hatte, die Ikwalinie von Süden aufzurollen, war unterdessen schon am Vormittag mit der 43. SchD. gegen Butyn, mit der 33. ID. über Rydoml — die 32. blieb zunächst Korpsreserve — zum Angriff gegen die starken russischen Stellungen zwischen der oberen Ikwa und dem Horyń geschritten. Unter schweren Verlusten nahmen die Angriffsdivisionen des V. Korps die russischen Vorstellungen und arbeiteten sich im Verlaufe des Tages an die Hauptwiderstandslinie heran. Mehr war bei dem zähen Widerstand der Russen auch beim XIX. Korps bis zum Abend nicht zu erzielen. Am nächsten Morgen sollten das XIX. und das V. Korps den Angriff fortsetzen. Falls der Feind geworfen wurde, war er zu verfolgen.

Weiteres Vordringen der Russen gegen das Korps Marschall und gegen den linken Flügel der 7. Armee

Obwohl der Angriff des Südflügels der 2. Armee am 9. September nicht durchgedrungen war, hatte dieser Tag der schwerringenden Südarmee Erleichterung der zweifellos kritischen Lage gebracht. Dies erklärt sich wohl daraus, daß die Russen zwischen dem Korps Marschall imd dem XIII. Korps einstweilen nicht weiter nach Westen zu stoßen wagten. Gen. Schtscherbatschew, der Führer der russischen 11. Armee, war augenscheinlich darauf bedacht, vor allem den östlich des oberen Sereth gegen seinen Rücken andringenden Gegner in Schach zu halten. Die gegen das Korps Hofmann vorgegangenen russischen Kräfte wichen am 9. September, allerdings auch durch einen neuen Vorstoß der 3. GID. bei Nastasów bedroht, wieder gegen den Sereth zurück, so daß die 55.ID. an diesem Tage ihre dünnen Linien auf den Höhen östlich der Strypa ein Stück vorschieben konnte.

Rechts vom Korps Hofmann waren unterdessen neue Kämpfe entflammt. Gen. Letschitzki, der Führer der russischen 9. Armee, suchte den linken Flügel der Armee Pflanzer-Baltin, der sich zwischen Biała, Kossów und Laskowce festgesetzt hatte, nach Süden zu drücken, augenscheinlich, um seine eigene rechte Flanke für einen Angriff über die Strypa freizumachen. Am 9. früh brachen aus Laskowce und aus Żwiniacz Abteilungen des russischen XI. Korps hervor und warfen den rechten Flügel der 36. ID. und kurz darauf auch den linken Flügel der 15. ID. unter empfindlichen Verlusten auf Kossów. Hier versuchten die durchbrochenen kroatischen Regimenter 53 und 16, die schon in den Kämpfen an der Strypa bei Przewłoka schwere Blutopfer gebracht hatten (S.71 f.), neuen Widerstand zu leisten. Aber die beiden angefallenen Divisionen mußten um Mittag vor den vorwärts stürmenden Russen in die Front Jagielnica—Dżuryn— Pilawa zurückgenommen werden. Zu der noch bei Chmielowka stehenden 131. IBrig. bestand keine Verbindung. Sie sah sich von den Russen rechts umgangen und wich über Dobropole gegen die Strypa. Zum Schutze der linken Flanke des XIII. Korps wurde die vom Korps Henriquez zur Deckung des Aufmarsches der anrollenden 37. HID. nach Buczacz herangezogene halbe 8. KD. herbeigeholt. Schon am Nachmittag schoben sich feindliche Kräfte von Kossów und aus der Gegend nordwestlich davon gegen Pilawa und gegen Dżuryn heran. Es drohte ein neuer Durchbruch, der das schon arg geschädigte Korps Rhemen von der Südarmee gegen den Dniester hin abdrängen konnte. Um dem vorzubeugen, ermächtigte Pflanzer-Baltin den Korpsführer, nötigenfalls in eine brückenkopfartige Stellung beiderseits von Buczacz und in die Front Jazłowiec—Koszylowce zurückzugehen. Mit Rücksicht auf den schon bedenklichen Zustand der Truppen — das XIII. Korps hatte seit der Überschreitung der Złota Lipa bereits 17.000 Mann, mehr als die Hälfte seines Bestandes, verloren —, der einen nachhaltigen Widerstand nicht mehr erwarten ließ, befahl GdI. Rhemen den Rückmarsch. Die 36. ID. nahm er nach Einbruch der Dunkelheit in den Brückenkopf von Buczacz zurück; links davon wurde die halbe 8. KD. in den Abschnitt von Bobulińce eingesetzt, noch weiter nördlich die 131. IBrig. bei Wiśniowczyk postiert, damit die Lücke zum Korps Hof mann nicht ohne Truppen blieb. Mit der Abwehr zwischen Pomorce und Jazlowiec wurde die vom Korps Benigni hinter das Korps Rhemen verschobene 6. KD. beauftragt. Im Anschluß daran nahm die 15. ID. bis Koszylowce Aufstellung, während FML. Henriquez die Masse der 8. KD. und den linken Flügel der durch die LstlBrig. Obstlt. Békésí verstärkten 30. ID. vom Dniester bis in die Gegend beiderseits von Tłuste zurückschwenken ließ. Diese Bewegungen konnten in der Nacht auf den

10. September ohne Störung durch den Feind ausgeführt werden.

Unterdessen hatte Gen. Schtscherbatschew, nachdem sein rechter Flügel gegen den ersten Ansturm des Gegners festen Stand bewahrt hatte, die Befehle zu einem Schlage gegen das Korps Marschall gegeben. Am

10. zu früher Morgenstunde wurde nach schwerem Geschützfeuer die

3.GID. bei Nastasów angefallen. Diese Division konnte, unterstützt durch die Artillerie, die in mehreren Linien anstürmenden finnischen Schützenregimenter des russischen XXII. Korps abschlagen. Auf dem linken Flügel des Korps Marschall aber drang das russische XVIII. Korps am Vormittag an der Straße nach Dołżanka und dann am Nachmittag auch weiter nördlich in die Stellungen der 19. ID. ein; diese konnte sich nur mit Mühe noch behaupten.

In ähnlicher Weise wie Schtscherbatschew das Korps Marschall aus dem Brückenkopf von Tarnopol frontal und zugleich über Nastasów in der Flanke angriff, versuchte Letschitzki nach dem Rückzug des XIII. Korps den nach Westen zurückgebogenen linken Flügel des Korps Henriquez an seiner Bruchstelle am Sereth durch einen doppelseitigen Angriff von Osten und von Norden her zu überwältigen. Bei gleichzeitigen Scheinangriffen gegen das Korps Benigni führte Letschitzki Verstärkungen über den Sereth und fiel am 10. September gegen Mittag die nunmehr vom GM. Jesser geführte 30. ID. *) in der Front und in der Flanke an. Bei Bilcze konnten die Russen abgewehrt werden, bei Szypowce zerschlugen sie aber die LstlBrig. Obstlt. Békési und zwangen das ganze Korps Henriquez, nachdem dessen Gegenangriff erfolglos geblieben war, zum Rückzug in das Vorfeld des Brückenkopfes von Zaleszczyki. Die 15. ID. nahm ihren rechten Flügel von Koszylowce nach Westen an die Strypamündung zurück. Die Lage gestaltete sich dadurch noch ernster. In dem fast 25 km breiten Dniesterabschnitt zwischen dem XIII. Korps und dem Korps Henriquez befand sich zur Zeit nur die halbe 8. KD. Ein russischer Vorstoß über den Dniester konnte für die Mitte der 7. Armee sehr ernste Folgen haben. GdK. Pflanzer-Baltin beorderte das IR. 7 vom Korps Benigni an den linken Flügel des Korps Henriquez heran. Außerdem ließ er das HIR. 15 der eben in Niżniów ausladenden 37. HID. nach Horodenka weiterfahren. Er hoffte mit dem Eintreffen von weiteren Verstärkungen, die ihm inzwischen die Heeresleitung in Aussicht gestellt hatte, bald einen völligen Umschwung herbeizuführen.

GO. Conrad war von den Hiobsbotschaften über die Rückschläge am Sereth sehr unangenehm berührt. Nach langwierigen Verhandlungen hatte er erst vor kurzem (am 6. September) in Pleß mit Falkenhayn und mit dem bulgarischen Obst. Gantscheff die Militärkonvention mit Bulgarien unterzeichnet, nach der Österreich-Ungarn und Deutschland mit je sechs Divisionen binnen 30 Tagen, Bulgarien mit mindestens vier Divisionen binnen 35 Tagen an den serbischen Grenzen operationsbereit stehen sollten (S. 11). Nun war es aber durch die krisenhaften Ereignisse in Ostgalizien fraglich geworden, ob die k. u. k. Heeresleitung den übernommenen Verpflichtungen werde nachkommen können. Allerdings erklärte sich Falkenhayn in einem Telegramm am 10. September damit ein*) Der bisherige Divisionär, FML. Kaiser, hatte an Stelle des GdI. Joh. Freih. v. Kirchbach das Kommando des II. Korps übernommen.

Einsatz des k. u. k. VI. Korps in Galizien    107

verstanden, daß öst.-ung. Kräfte, die zum Abtransport an die serbische Grenze bestimmt waren, in Ostgalizien eingesetzt werden. Er versprach, sie durch deutsche Truppen zu ersetzen1). Aber es waren doch bittere Worte, wenn der deutsche Generalstabschef in seiner Depesche weiters sagte: „Gewiß würde auch durch solche Verschiebungen der schon entstandene politische und militärische Schaden nicht beseitigt werden. Aber es könnte doch Schlimmerem vorgebeugt werden, was mir mit Rücksicht auf die Stimmung in der russischen Armee und in Rumänien von größter Wichtigkeit zu sein scheint.“

Unter dem Zwange dieser schwierigen Augenblickslage beschloß GO. Conrad noch am 10. September, das gegen Serbien bestimmte VI. Korps (12. ID., 39. HID.), dessen Abtransport am 11. von Rawa Ruska beginnen sollte, vorläufig zur Verstärkung der 7. Armee nach Halicz, Stanislau und Niżniów zu fahren, wo gerade die 37. HID. staffelweise einlangte. Damit war sowohl die Stützung des linken Flügels der 7. Armee gewährleistet als auch ein Stoß zur Wiedergewinnung der Serethlinie vorbereitet.

Festlaufen des Angriffs der 2. Armee und zunehmende Gefährdung

der Südarmee

Gegen das Korps Marschall waren seit dem 10. September früh besonders starke russische Angriffe im Gange, während der Stoß des XIX. Korps auf Zbaraż und des V. Korps zwischen dem Horyń und der Ikwa zu langen, schweren Kämpfen geführt hatte (S. 103 f.). Wann dabei eine Entscheidung zu erreichen sein werde, stand dahin. Vermochten sich die Truppen der 19. ID. so lange zu halten ? Nach den Nachrichten, die die k. u. k. Heeresleitung von der Südarmee hatte, schien dies höchst zweifelhaft. GO. Conrad ließ daher am 10. um Mittag in Brody anfragen, ob auf dem Südflügel der 2. Armee noch ein Erfolg zu erhoffen sei. Böhm-Ermolli sollte nötigenfalls den Angriff vorläufig einstellen und auf dem schnellsten Wege eine Division zum Korps Marschall entsenden, damit es den aus Tarnopol vorbrechenden Feind Zurückschlagen könne.

Der Führer der 2. Armee antwortete, daß er sich von dem Angriff des V. Korps selbst dann einen Erfolg verspreche, wenn der Feind auch weiterhin hartnäckig Widerstand leiste. FML. Trollmann habe seinen Divisionen die beherzte Fortsetzung des Angriffes befohlen. Das Armeekmdo. sei daher der Ansicht, daß das Auslaufen des Angriffs und das Festhalten an dem ursprünglichen Gedanken, die Entscheidung durch x) Falkenhayn, Heeresleitung, 127.

einen Vorstoß auf Zbaraż und zwischen Horyń und Ikwa zu suchen, besser wäre als das Verschieben einer Division zur Südarmee, was zweifellos wegen der schlechten Wege sehr viel Zeit brauchen würde.

Während der Kampf auf dem Südflügel der 2. Armee blutig weiterging, hatten die Russen am 10. September nachmittags den linken Flügel der 19.ID. von den Höhen bei Proniatyn zurückgeworfen (S. 105 f.). Gegen Abend empfing Böhm-Ermolli die Nachricht hierüber. Der öst.-ung. Verbindungsoffizier beim Kmdo. der Südarmee, Mjr. Say, teilte mit, daß die schwer bedrängte 19. ID. keine Reserven mehr habe. Eine Entlastung wäre nur zu erwarten, wenn das XIX. Korps noch am selben Tage durchdringen würde. Falls dies nicht möglich sei, müßte noch in der Nacht die 75. HIBrig. auf das westliche Serethufer geschickt werden, damit sie am 11. früh auf dem schwer bedrohten Nordflügel des Korps Marschall eingesetzt werden könne. Am Schlüsse dieses Telegramms ersuchte die Südarmee um rasche Nachricht, ob das XIX. Korps durchgedrungen sei.

Dies war aber nicht der Fall. Nach den Meldungen, die dem 2. Armeekmdo. am Abend Vorlagen, war das XIX. Korps infolge des zähen Widerstandes des russischen VI. Korps vor Ihrowica und Iwanczany festgelaufen; auf dem rechten Flügel Trollmanns hatte die 75. HIBrig. am Nachmittag sogar vor einem russischen Gegenstoß auf die Höhen südlich von Mszaniec weichen müssen. Diese Brigade schickte sich am Abend wieder zum Vorgehen an. Böhm-Ermolli entschloß sich daher, zunächst nur das HIR. 302 der 51. HID., das sich zur Zeit hinter dem XIX. Korps in Reserve befand, dem Korps Marschall zu Hilfe zu senden. Er hatte noch schwache Hoffnung, daß das V. Korps bei Rydoml eine Bresche schlagen werde. Dort waren die Regimenter der 33. ID. teilweise bis auf die nächsten Entfernungen an die starken russischen Stellungen herangekommen; FML. Goglia hatte für die Nacht den Sturm befohlen.

Allein ehe eine Entscheidung fiel, wurde die Verstrickung auf dem Nordflügel der Armee Bothmer immer größer. Noch in der Dunkelheit versuchten die Russen, den Keil, der bei Dołżanka in den Stellungen der 19. ID. saß, weiter nach Westen vorzutreiben. Am 11. September bei grauendem Morgen wurden die zermürbten Bataillone der 19. ID. neuerlich durchbrochen, die Russen drangen über Dołżanka hinaus. Auf die Nachricht davon ließ GdI. Bothmer nochmals Böhm-Ermolli dringend bitten, ihm die 75. HIBrig. zurückzustellen. Das Korps Marschall — so berichtete der öst.-ung. Verbindungsoffizier — werde sich jetzt vielleicht hinter die Strypa zurückziehen müssen, um „nicht zertrümmert und eingeschlossen“ zu werden. Würde nun aber die Südarmee zurückweichen müssen, dann wäre auch die Südflanke der 2. Armee auf das höchste bedroht.

Unter dem Eindruck dieser Nachricht befahl GdK. Böhm-Ermolli dem FML. Trollmann, die 75.HIBrig. freizumachen und an das Korps Marschall abzugeben. Der Angriff auf Zbaraż war auch nach der Rücksendung dieser Brigade fortzuführen. Dazu war aber das XIX. Korps, dessen Divisionen schon schwer geblutet hatten, nicht mehr befähigt. Desgleichen vermochten beim V. Korps die ermatteten Regimenter der 33. ID. nach fruchtlosen nächtlichen Sturmversuchen nicht mehr in die feindlichen Linien bei Rydoml einzudringen. FML. Goglia meldete gegen Mittag, daß man den Truppen Ruhe gönnen müsse, und daß nur ein Angriff mit ausreichender Unterstützung schwerer Batterien einen Erfolg bringen werde. GdK. Böhm-Ermolli ließ nun das V. und das XIX. Korps in die Abwehr fallen. Damit war der Gedanke aufgegeben, die Ikwalinie durch einen Stoß über Rydoml und gleichzeitig die Serethlinie durch einen Flankenangriff auf Zbaraż aufzurollen. Das Wichtigste war jetzt, der Südarmee auf dem rechten Serethufer, wo weitere Fortschritte der Russen die 2. Armee von Süden überflügeln konnten, unmittelbar Hilfe zu bringen. Hiezu hatte GdK. Böhm-Ermolli schon in der Nacht auf den 11. September von seinem Nordflügel, wo nichts mehr zu tun übrig blieb, als die Russen zu fesseln, Truppen freigemacht, um sie näher an seinen Südflügel heranzuziehen. Es waren dies vom XVIII. Korps die 62. IBrig. unter GM. v. Felix und vom IV. Korps die IR. 85 und 67 der 27. ID. sowie das IR. 74 der 29. ID. Als der Armeeführer dann am 11. um Mittag den Angriff beim V. und beim XIX. Korps einstellen mußte, beschloß er mit Zustimmung der Heeresleitung, neben der komb. Division GM. Kroupa (V2 27. ID. und V* 29. ID.) auch noch die 32. ID. des V. Korps, beide unter dem Befehl des Kommandanten des XVIII. Korps, FML. Czibulka, an den Nordflügel der Südarmee zu leiten. Das XVIII. Korps hatte mittlerweile FML. Lütgendorf zu führen.

Als diese Truppen am 11. September nachmittags nach Zalosce eilten, machten sich beim XIX. Korps gerade russische Erkundungsstöße fühlbar, die den Eindruck eines ernstlichen feindlichen Gegenangriffs erweckten. FML. Trollmann trat daher an seinen Armeekommandanten mit der Bitte heran, ihm die 32. ID. zu unterstellen. Er wolle am

12. September unter Mitwirkung dieser Division selbst wieder zum Angriff schreiten. FML. Trollmann erhielt daraufhin die vom XVIII. Korps heranrückende 62. IBrig. zugewiesen. Die 32. ID. blieb nebst der komb. ID. Kroupa zur Unterstützung des Korps Marschall bestimmt.

Allerdings war es diesem Korps am 11. unter Einsatz der letzten Reserven geglückt, den Ansturm der Russen bei Dołżanka zum Stehen zu bringen. Die 3.GID. hatte sich bisher gegen alle anbrandenden Angriffe bei Nastasów behauptet. So war es dem GdK. Marschall möglich gewesen, ein aus deutschen Truppen zusammengesetztes Infanterieregiment noch in der Nacht auf den 11. zur schwerringenden 19. ID. zu verschieben. Dieses Regiment brachte, unterstützt durch schwere Batterien und durch das von der 2. Armee herbeigeeilte HIR. 302, die bereits bis über Dołżanka vorgedrungenen Russen nach heftigem Kampf zum Weichen. Damit war aber keineswegs die Krise überwunden.

Bei Tarnopol verhielten sich die Russen am 12. September zwar zuwartend, doch gegen den nach Westen abgebogenen rechten Flügel des Korps Marschall setzten sie mehrere Male mit starken Kräften zu umfassendem Angriff an. Auch gegen den Nordflügel des Korps Hofmann waren sie im Vorgehen. Alle diese Angriffs versuche wurden durch überraschendes Artilleriefeuer schon im Keime erstickt. Aber es mußte dennoch besorgt werden, daß der Russe seine Vorstöße gegen das Korps Marschall fortsetzen und daß dann die 19. ID., deren Gefechtswert nur mehr gering einzuschätzen war, abermals zurückweichen werde. Je länger das Korps Marschall in seinen Stellungen verharrte, um so eher konnte es durch doppelseitigen Flankenangriff des XXII. und des XVIII. Russenkorps zermalmt werden.

In dieser Lage beschloß GdI. Bothmer noch am 12. vormittags, das Korps Marschall zum engeren Anschluß an das Korps Hofmann nach Westen zurückzunehmen. Doch durfte bei diesem Zurückweichen die Flanke der 2. Armee nicht bloßgelegt werden. Darum sollte Marschall auf den Höhen östlich der Tiefenlinie Horodyszcze—Jezierna wieder Front machen, indes sich das Korps Czibulka beiderseits von Nesterowce für einen Vorstoß entlang des westlichen Serethufers gegen Süden bereitzustellen hatte. Dadurch schien auch der Schutz der rechten Flanke der

2. Armee am besten gewährleistet.

Demgegenüber erwog GO. Conrad, das Korps Czibulka rechts vom Korps Marschall einzusetzen, damit es von hier in den beginnenden Kampf beim Korps Hofmann flankierend eingreife. Dieser Stoß versprach guten Erfolg. Aber Conrad mußte diesen Plan wieder fallenlassen, weil der linke Flügel des Korps Marschall augenscheinlich zu schwach war, um so lange Widerstand leisten zu können, bis der Vorstoß entlang der Strypa nach Süden ausgeführt war. Auch schienen die Russen jetzt gegen Załośce losgehen zu wollen.

Am 12. dehnten sich auf dem Südflügel der 2. Armee die russischen Erkundungsstöße, verbunden mit starkem Artilleriefeuer, von der Front Trollmanns bis nördlich vom Horyń aus. Am Morgen wurde der linke Flügel der 51. HID. eingedrückt und der östlich von Swiniuchy stehende Teil der 43. SchD. über den Horyń nach Norden geworfen. Reserven der zweitgenannten Division, die von jenseits des Horyń auf das Gefechtsfeld eilten, warfen am Nachmittag den Feind wieder aus Swiniuchy hinaus. Truppenverschiebungen hinter der feindlichen Front aus dem Kremieniecer Bergland nach Süden sowie Nachrichten über das Anrollen eines kaukasischen Korps gegen Tarnopol ließen keinen Zweifel darüber, daß dem rechten Flügel der 2. Armee sowie der Armee Bothmer neue, schwere Angriffe drohten.

Das Ringen um die Entscheidung in Wolhynien (7. bis 13. September)

Hiezu Beilage 4 sowie Skizzen 4 und 5

Das Vor dringen bis an den Stubiel und bis Dubno

In diesen Tagen der zunehmenden Spannung in Ostgalizien harrte das AOK. in Teschen mit um so größerer Ungeduld auf einen entscheidenden Erfolg in Wolhynien. Dort war das Vorwärtsdrängen der Heeresgruppe GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand schon seit acht Tagen an der Putilowka ins Stocken gekommen. Nun aber hatten die Russen in der Nacht zum 7. September infolge des Durchbruches der Armee Böhm-Ermolli bei Podkamień auch vor dem rechten Flügel der 1. Armee den Rückzug hinter die Ikwa angetreten (S. 92). Schon die ersten Nachrichten darüber veranlaßten die Heeresleitung am 7. mittags, dem Erzherzog Joseph Ferdinand besonders rasches Vorgehen auf dem Nordflügel nahezulegen. Sie nahm an, daß der Feind unter dem Schutze der starken Ikwafront Kräfte an die Putilowka verschieben werde, wo er anscheinend unbedingt halten wolle. Die 1. Armee sollte nicht im Stirnkampf an die Ikwalinie anrennen; die Schwerlinie des weiteren Angriffs war gegen Olyka und in den Raum nördlich der Straße Łuck—Dubno zu verlegen.

Erzherzog Joseph Ferdinand erteilte auf diese am 7. vormittags aus Teschen eingelangte Weisung dem FZM. Puhallo den Befehl, gegen Dubno und gegen die Ikwa nur schwächere Kräfte vorzuschieben, die hier den Feind binden sollten. Hinter dem linken Flügel der 1. Armee habe Puhallo zwei Infanteriedivisionen zu versammeln. Diese sollten dem Korps Szurmay größere Stoßkraft geben oder vielleicht noch weiter nördlich verwendet werden.

Auf dem Nordflügel der 4. Armee suchte der Armeeführer wie bisher die Entscheidung durch Umfassung. Am 8. September sollte das X. Korps (4., 24., 62. ID., 45. SchD.) von Cumań auf Klewań durchstoßen, um den noch an der Putilowka haltenden Feind von Norden aufzurollen; die 2. ID. des XIV. Korps hatte diesen Angriff mitzumachen. Die

3. ID. und das IX. Korps hatten russische Kräfteverschiebungen zu verhindern. Die 13. SchD., die zur Zeit hinter dem XIV. Korps stand, sollte am

8. nach Moszczanica hinter das X. Korps marschieren, während die 21. SchD. aus der Front des IX. Korps herauszulösen und nach Palcza zu verlegen war. Die Sicherung der linken Armeeflanke wurde am Kormin dem KavKorps Berndt, zwischen Styr und Stochod der 1. KD. zugedacht.

Demgegenüber wünschte die Heeresleitung, daß von den nördlich der Straße Łuck—Dubno stehenden zwölf Infanteriedivisionen schon am 8. September möglichst viele angriffen, da vom Erfolg des Nordflügels die Entscheidung an der ganzen russischen Südwestfront abhinge.

Am 8. September früh bereiteten an der Putilowka GdI. Roth und FML. Mariiny das wiederholt hinausgeschobene Vorgehen gegen das durch die 4. SchD. verstärkte XXXIX. Russenkorps (S. 85) durch Ar-tillsriefeuer vor. Nebel beeinträchtigte die Wirkung gegen die feindlichen Verschanzungen; Regen, der seit dem Vorabend unaufhörlich niederrieselte, hatte die Putilowkaniederung in einen breiten Sumpf verwandelt. Beim X. Korps brauchten die Regimenter der 24. und der 4. ID. den ganzen Tag, um sich aus ihren Ausgangsstellungen am Südufer der Putilowka gegen den Feind heranzuarbeiten. Die am linken Flügel des XIV. Korps längs der Eisenbahn angesetzte 2. ID. konnte unter dem starken russischen Abwehrfeuer den Fluß nicht überschreiten. Bei den Divisionen am rechten Flügel der 4. Armee und am linken der 1. Armee beschränkte sich die Gefechtstätigkeit lediglich auf den Feuerkampf. Am Südflügel Puhallos kamen die 46. SchD. und die 25. ID. in Fortsetzung der am Tage zuvor angetretenen Verfolgung (S. 92) ohne ernsteren Kampf zwischen Młynów und Werba bis dicht an die Ikwa heran. Schon am Vormittag langte beim 4. Armeekmdo. die überraschende Nachricht ein, daß Dubno vom Feinde preisgegeben sei und die Ikwabrücken bei der Stadt in Flammen stünden.    •

Erzherzog Joseph Ferdinand befahl nun dem FZM. Puhallo, im Abschnitt von Dubno nur die 25. ID. zu belassen, mit der 46. SchD. hin-

gegen auf das rechte Ikwaufer hinter den linken Armeeflügel zu rücken. Hier wollte sich FZM. Puhallo aus dem I. Korps und aus dem Korps Szurmay eine Stoßgruppe bilden, um mit einem planmäßig vorbereiteten Angriff am 10. die russische Front bei Uzyniec zu durchbrechen.

Mit zunehmender Spannung sah indessen die Heeresleitung einer Entscheidung entgegen. Als diese auszubleiben schien, ließ GO. Conrad am 8. gegen Abend das 4. Armeekmdo. grollend wissen: „Es waren 14 Divisionen, die das AOK. gegen bis 6 russische Divisionen auf dem Nordflügel angesetzt hatte. Diese Überlegenheit war mit den Gefahren einer Verdünnung der ostgalizischen Front geschaffen worden, die nunmehr von russischer Übermacht angegriffen wird.“ Noch einmal betonte Teschen, daß von einem raschen, durchschlagenden Erfolg der 4. und der 1. Armee die Entscheidung abhänge.

GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand befahl dem FML. Martiny und dem GdI. Roth die kraftvolle Fortführung des Angriffs. Er unterstellte die 13. SchD. dem X. Korps; den FZM. Puhallo wies er an, die Versammlung seiner Stoßgruppe nicht erst abzuwarten, sondern mit allen schon nördlich der Ikwa befindlichen Kräften am 9. September anzugreifen. Auch das IX. Korps hatte diesen Angriff mitzumachen.

Unterdessen waren auf dem Nordflügel südlich von Cumań die 4. und die 24. ID. bei Einbruch der Dunkelheit in die feindlichen Stellungen eingedrungen. Die Nacht und die Erschöpfung der Truppen machten aber ein weiteres Vorgehen einstweilen unmöglich. Als der 9. September tagte, konnte festgestellt werden, daß die Russen vor den auf dem südlichen Putilowkaufer stehenden Teilen der 62. ID., vor der Front der 24. und der 4. ID. und dann auch vor dem Nordflügel des XIV. Korps in der Nacht zurückgegangen waren. Bald folgten Meldungen, daß der Feind auch seine Stellungen vor dem IX. Korps und vor dem Korps Szurmay geräumt habe. Das war die ganze Front an der Putilowka und nördlich der Ikwa, wo Brussilows Nordflügel seit dem 2. September standgehalten hatte. Die k.u.k. Truppen drängten dem weichenden Feinde ostwärts nach. Südlich der Putilowka ballten sich dabei die 24., die 4., die 2., die 3. und die 21. Division dicht zusammen. Das AOK. in Teschen legte hingegen dem Vorgehen mit starkem, weit nach Norden ausholendem linkem Flügel entscheidende Bedeutung bei. Es nahm an, daß der Russe am Stubielbach, in dem letzten Verteidigungsabschnitt vor Rowno, neuen Widerstand leisten werde, warnte vor einem verlustreichen frontalen Anrennen an diese schon von Natur aus starken Kampfstellungen und legte dem 4. Armeekmdo. ans Herz, diesen Abschnitt sogleich im

Norden zu umgehen, ehe sich die Russen vor Rowno neuerlich festsetzen konnten.

In diesem Sinne wollte nun Erzherzog Joseph Ferdinand mit den in der Heeresgruppenmitte vorgehenden Korps, dem IX. und dem XIV., die Russen zunächst bis an den Stubiel verfolgen und, wenn sie dort tatsächlich wieder ernstlichen Widerstand leisten sollten, nur fesseln, mit dem auf fünf Divisionen (4., 24., 62., 45. und 13.) verstärkten X. Korps aber unterhalb der Stubielmündung über den Horyń gehen, um dann nach Süden auf Rowno vorzustoßen. Das KavKorps Berndt sollte die Flanke jenseits des Horyń decken und die Bahnlinie Rowno—Samy zerstören. Die Armee Puhallo hatte, wie bereits befohlen, das Schwergewicht des Angriffes auf ihren linken Flügel zu verlegen und das russische Frontstück zwischen Stubiel und Ikwa zu durchbrechen.

Dieser am 9. September vom 4. Armeekmdo. entworfene Angriffsplan, der im Sinne der ursprünglichen Absichten (S. 76) wieder die bis über den Horyń ausgreifende Umgehung des russischen Nordflügels in einem allerdings außerordentlich ungünstigen Gelände und dazu auch eine Überflügelung der Stubiel- und Ikwalinie ins Auge faßte, mutete freilich den schon seit vielen Wochen im Kampf oder auf dem Marsche befindlichen, mangelhaft versorgten Truppen neuerlich große Anstrengungen zu. Viele Regimenter, zumal die des X. Korps, wiesen bereits breite Lücken auf. Die Etappenlinie zum linken Flügel hatte sich auf 200 km gestreckt. Der Nachschub mußte noch immer von Cholm her auf schlechten Wegen zumeist mit leichten Pferdefuhrwerken durchgeführt werden; die Eisenbahn von Süden über Sokal war erst zwei Stationen weit, bis Ulwowek, in Betrieb und die von Władimir-Wołyński nach vorne gelegte Feldbahn hatte Łuck noch nicht erreicht. Aber so nötig die Einschaltung einer Kampfpause gewesen wäre, so schien jetzt rasches Zugreifen geboten, da die Russen stärkere Heereskörper an ihren Nordflügel heranführen konnten. Einstweilen deckten nur Kavallerieverbände die Nordflanke von Rowno, die 3. DonKosD. gegenüber dem KavKorps Berndt am Kormin und die 3. OrenburgKosD. gegenüber der auf Derażno angesetzten 62. ID. auf dem westlichen Horyńufer. In verheißungsvoller Verfolgung drängten die Truppen der 4. Armee noch am 9. September bis an den Stubiel vorwärts. Hier stießen das X., das XIV. und das IX. Korps, wie erwartet, bis aufwärts von Zarieck auf eine durchlaufende russische Stellung, während das Korps Szurmay und die

9. ID. des I. Korps zwischen Moszków und Iwanie auf den Feind trafen. Auf dem Südflügel der 1. Armee besetzten Truppen der 25. ID. die

schon tags vorher von den Russen gesprengten Sperrforts von Dubno und hißten die schwarzgelbe Fahne auf der alten Zitadelle. Der Feind stand hier auf dem jenseitigen Ufer der Ikwa, nur bei Straklow hielt er noch einen Brückenkopf besetzt.

Die Schlacht am Stubiel

Am 10. September früh entspannen sich auf beiden Flügeln der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand harte Kämpfe. Nachdem die 24. ID. die Sicherung im Abschnitt von Derewiane bis zur Stubielmündung übernommen hatte, setzte FML. Martiny die 62. ID., verstärkt durch ein Regiment der nach Cumań dirigierten 13. SchD., nördlich der Puti-łowka gegen Derażno, rechts davon die 45. SchD. gegen Diuksin zum Angriff an. Unter großen Mühsalen kämpfte sich die 62. ID. auf dem sumpfigen, dicht bewaldeten Gelände von Derażno gegen den Horyń vor, während die 45. SchD. auf dem eingeschränkten Raume der Horyň-schleife von Diuksin keine Fortschritte erzielte. Das XIV.Korps (2., 3. ID., 21. SchD.) und das IX. Korps (10. ID. und 26. SchD.) schoben sich am

10. näher an den Stubiel heran und erkundeten die auf dem anderen Ufer angelegten russischen Stellungen.

FZM. Puhallo wollte an diesem Tage das Korps Szurmay mit starkem rechtem Flügel auch bis an den Stubiel vorstoßen lassen; das I. Korps hatte den an der Straße Dubno—Rowno stehenden Feind anzugreifen, während die 25. ID. bei Dubno und südlich davon die Ikwa überschreiten sollte. Nun konnte aber die 25. ID. ihre schwierige Aufgabe nicht durchführen. Bei Straklow sperrten die Russen durch einen starken Brückenkopf auf dem Westufer die Übergangsstelle. Südlich und nördlich von Dubno bildete das durch breite Sumpfstreifen begleitete Gewässer der Ikwa große, seenartige Tümpel, so daß hier nur bei den Brückenstellen der Stadt, die aber von der russischen Artillerie stark beschossen wurden1), ein Übergang denkbar war. In solcher Lage beschloß FZM. Puhallo vorerst, zwischen Zarieck und der Ikwa an der Straße Dubno—Rowno den Durchbruch versuchen zu lassen. Dort hatten sich im Laufe des 10. die Masse des I. Korps (9. ID.) und das Korps Szurmay unter lebhaften Kämpfen um die Vorpostsnlinie an die starken feindlichen Hauptstellungen herangeschoben.

Indes forderte die Heeresleitung am 10. wegen der zunehmenden Gefährdung der Lage in Ostgalizien (S. 104ff.) zweimal imLaufe desTages

*) Hoen, Waldstätten-Zipperer und Seifert, Die Deutschmeister, 509f.

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von der 4. und von der 1. Armee den „ungesäumten entscheidenden An^ griff“. Allein FML. Martiny konnte auch am 11. September in Anbetracht der begreiflichen Erschöpfung der Truppen den Stoß über Derażno—Diuksin vorläufig nicht weiterführen. Die tags vorher bei Derażno zurückgedrängten Orenburgkosaken hatten auf dem Westufer des Horyń bei Biczal und bei Postojno eine Flankenstellung bezogen, in die russische Infanterieverstärkungen einrückten, so daß sich die 62. ID. von Norden her stark bedroht fühlte. Dies um so mehr, als die 4. KD., die aus dem Sumpfgebiet von Berestiany an den Horyń vorgehen sollte, um die Armeeflanke zu decken, keinen Vorstoß unternahm, da sie von Teilen des russischen Reiterkorps Weljassew festgehalten wurde. Nun hatte sich aber am 8. September die 7. KD. der wichtigen Styrübergänge von Kolki und von Kulikowice, die 1. KD. des Stochodüberganges von Kaszowka bemächtigt. Die letztere drang hierauf im Verein mit der von Kowel zwischen der Turya und dem Stochod vorgehenden 1. Polenbrig. unter lebhaften Gefechten mit russischen Reiterabteilungen auf Czartorijsk, Okonsk, Hulewicze und auf Czeremoszno vor. Die ll.HKD. und die 2. KD., von der deutschen Front nördlich des Pripiatj nach Ratno heranbefohlen, waren unter der Führung des FML. Gf. Bissingen im Begriffe, die Turya zu überschreiten und in den Mündungswinkel des Stochod einzudringen.

Während sich diese zur Deckung der Nordflanke entsandten Kavalleriekörper mit dem russischen Reiterkorps Gillenschmidt herumschlugen, übernahm am 11. September die 7. KD. an Stelle der 4. die Sicherung am Kormin bei Garajmowka, damit die zuletzt genannte Kavalleriedivision links neben der 62. ID. zusammenschließen könne. Die

13. SchD. wurde zur Verstärkung des Angriffsflügels zwischen der 62.ID. und der 24. ID. in die Front eingeschoben. Das 4. Armeekmdo. drängte zum Übergang über den Horyń. Die 13. SchD. sollte noch in der Nacht auf den 12. September südlich von Derażno diesen Fluß überschreiten und im Morgengrauen die Höhen nordöstlich von Diuksin gewinnen. Hinter den linken Flügel des X. Korps wurde die 4. ID. gewiesen und an deren Stelle die bei Olyka in Reserve stehende 21. SchD. nach Cumań gezogen.

Während solcherart für den 12. September der Vorstoß über den Horyń beiderseits von Derażno vorbereitet wurde, kämpfte die gegen die Flußschleife von Diuksin angesetzte 45. SchD. ohne Erfolg weiter. Ein Vorgehen über den breit versumpften Stubielgrund gegen die schon mit Drahthindernissen versehenen russischen Stellungen schien ohne kräftige Artillerievorbereitung aussichtslos. Auch hatten das XIV. Korps die 2. ID. und das IX. Korps die 26. SchD. in der kommenden Nacht als Armeereserve aus der Front zu ziehen.

Auf dem Nordflügel der Armee Puhallo wurde am 11. September der Angriff, abgesehen von Kämpfen um russische Vorstellungen, nicht fortgesetzt. Das Korps Szurmay und das I. Korps bereiteten durch Artilleriefeuer für den 12. den Entscheidungskampf vor.

Inzwischen erfuhr die Heeresleitung aus aufgefangenen russischen Funksprüchen, daß das russische XXX. Korps (71., 80. RD.) von Husia-tyn mit der Bahn zur 8. Armee gefahren werde (S. 96). Am 13. oder am 14. September sollte der Abtransport beendet sein. Aus einem anderen Funkspruch erhielt man Kenntnis, daß das russische 8. Armeekmdo. von Rowno nach Osten zurückverlegt wurde. Ferner lagen von der Bugarmee Nachrichten über russische Truppeneinladungen bei Pinsk vor. Es war möglich, daß auch diese Verstärkungen mit der Bahn nach Rowno entsandt würden. GO. Conrad glaubte aber noch immer, angesichts der großen Überlegenheit auf dem Nordflügel hoffen zu dürfen, daß der Vorstoß auf Rowno noch vor vollzogener Versammlung des russischen XXX. Korps gelingen werde. Er ließ sofort den Erzherzog Joseph Ferdinand von den russischen Truppen Verschiebungen unterrichten und wies ihn am 11. September nachmittags in einem Telegramm abermals nachdrücklichst auf die Dringlichkeit eines entscheidenden Erfolges hin. Dementsprechend forderte auch der am Abend ausgegebene Armeebefehl des Erzherzogs Joseph Ferdinand von der 1. Armee und vom X. Korps, daß der Angriff „unter persönlicher Einflußnahme aller Kommandanten mit größter Raschheit und Energie“ weitergeführt werde.

Aber auch der 12. September brachte wiederum lange, schwere Kämpfe. Allerdings gelang es der 45. SchD., nachdem sie einen russischen Vorstoß im Handgemenge zurückgewiesen hatte, in der Landenge von Diuksin das zäh verteidigte Ugliszcze zu nehmen. Von der 13. SchD. übersetzte das tapfere niederösterreichische SchR. 24 im Morgengrauen den Horyń südlich von Derażno, faßte trotz erbitterten Widerstandes und heftigen Flanken- und Rückenfeuers in der Landenge nordwestlich von Diuksin festen Fuß, wurde dann aber vom Feinde im Horyńhals aufgehalten. Die Hauptkraft der 13. SchD. sollte folgen; doch in Anbetracht des schmalen Raumes und wegen des feindlichen Feuers, das die Übergangsstelle beherrschte, konnte dem Vorhutregiment nur das SchR. 1 nachgesendet werden. Links von der 13. SchD. hatte die 62. ID. einen nächtlichen Vorstoß der Russen auf Derażno abgewiesen. Diese Division sollte sich am 12., unterstützt durch die 4. KD., der Horyńtibergange bei

Biczal und bei Postojno bemächtigen, griff jedoch wegen der Stärke des feindlichen Artilleriefeuers und der Ermüdung der Truppen nicht an. Das KavKorps Berndt, das angewiesen war, gegen Flanke und Rücken des vor dem X. Korps stehenden Feindes einzuwirken, hatte sich mühsam durch den Sumpf von Berestiany durchgewunden, stieß dann aber mit der 4. KD. bei Kol. Perelysianka auf stärkeren Feind. Auch gegenüber der 7. KD. hatte sich der Russe bei Garajmowka und weiter nördlich verstärkt.

FML. Martiny, der Kommandant des X. Korps, der schon am Morgen vom Erzherzog Joseph Ferdinand angewiesen worden war, durch Einsatz aller seiner Kräfte die eigene Überlegenheit zur Geltung zu bringen, beschloß nun, die 4. ID. zwischen der 62. ID. und dem KavKorps Berndt in die Front einzuschieben, um mit ihr noch am 12. über Postojno an den Horyń durchzustoßen. FML. Schmidt Edl. v. Fus-sina konnte aber mit der 4. ID. — sie zählte nur 4500 Feuergewehre — nach einem sehr anstrengenden Marsche erst spät am Abend in die Front einrücken, so daß er sich entschließen mußte, den Angriff auf den nächstfolgenden Tag, den 13., zu verschieben.

Auf dem Nordflügel der 1. Armee sollte am 12. September früh die aus der 46. SchD. und der 40. HID. gebildete Stoßgruppe, rechts von der 9. ID. und links von der 7. ID. gedeckt, die Mitte des russischen Frontstückes zwischen Zarieck und Dubno durchbrechen. Gleichzeitig mit diesem Angriff hatte sich das nunmehr von FML. Kaiser befehligte

II. Korps (25. ID.) den Übergang über die Ikwa zu erzwingen. Es gelang auch am Morgen dem tapferen niederösterreichischen FJB. 10, auf den Ikwainseln von Dubno und auf dem Ostufer Fuß zu fassen, während die links benachbarte 9. ID. bis an die Straße Dubno—Rowno vordrückte. Allein der Hauptangriff der 46. SchD. und der 40. HID. konnte gegenüber den starken russischen Stellungen im Stirnkampfe keine nennenswerten Ergebnisse erzielen.

Erzherzog Joseph Ferdinand beeilte sich mm, vor dem Eingreifen der angekündigten russischen Verstärkungen doch noch die Schlachtentscheidung zu erzwingen. Noch am 12. vormittags wies er die aus der Front des IX. Korps gezogene 26. SchD. zur Fortführung des Angriffs zur 1. Armee, stellte die nach Cumań unterwegs befindliche 21. SchD. dem FML. Martiny zur Verfügung und nahm auch noch die vomXIV. Korps freigemachte 2. ID. zur Verstärkung des Nordflügels in Aussicht. Vielleicht ließ sich mit dem Einsatz dieser Reserven im letzten Augenblick das ersehnte Ziel, Rowno, erreichen.

Entschluß Conrads zum Einstellen der Offensive

Unterdessen sah sich die k. u. k. Heeresleitung am 12. September vor entscheidende Entschlüsse gestellt. GdI. Bothmer hatte ihr am Vormittag mitgeteilt, daß das schon äußerst bedrohte Korps Marschall auf gleiche Höhe mit dem Korps Hofmann, das die Russen anzugreifen begannen, zurückgenommen werden müsse. Gleichzeitig sah sich die Armee Böhm-Ermolli, die die Gruppe Czibulka zur Unterstützung der Südarmee auf das westliche Serethufer geschickt hatte, durch fortgesetzte feindliche Vorstöße auf ihrem rechten Flügel bedroht. Es schien, als ob die Russen von Kremieniec Verstärkungen dorthin sendeten und ein Korps aus dem Kaukasus nach Tarnopol im Anrollen wäre (S. 111). Die Heeresleitung hielt es für möglich, daß die Russen einen Durchbruch über Brze-żany und Załośce auf Lemberg planten. Dies mußte unter allen Umständen hintangehalten werden. Es wurde daher von Teschen aus verfügt, daß die 39. HID. des VI. Korps statt in Niżniów (S. 107) in Potutory und Brzeżany, also hinter der Südarmee, auszuladen sei. Auch wollte GO. Conrad Kräfte von der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand hinter die 2. Armee leiten. Bevor er aber eine so bedeutungsvolle Maßnahme verfügte, ließ er am Nachmittag beim Erzherzog Joseph Ferdinand und beim FZM. Puhallo anfragen, welche Aussichten für einen Erfolg bei der 4. und der 1. Armee noch bestünden.

Erzherzog Joseph Ferdinand antwortete am Abend, daß seine Heeresgruppe schwächeren Feind gegenüber habe. Es müsse jedoch der Erfolg erzwungen werden, ehe den Russen bedeutende Verstärkungen (XXX. Korps) zuflossen. Die Stärke der Stubielfront habe veranlaßt, die Entscheidung auf seinen beiden Flügeln zu suchen. Die Verhältnisse für die Fortsetzung des Angriffs seien trotz aller Schwierigkeiten noch günstig. Die Truppen seien ermüdet, man dürfe aber am 13. September bei der 13. und der 45. SchD. einen Raumgewinn bei Diuksin, bei der 62. \ind der 4. ID. einen solchen nordöstlich von Derażno erwarten. Die 21. SchD. folge dem Korps Martiny, um den Erfolg auszubauen.

Auch FZM. Puhallo wies auf die großen Schwierigkeiten des Angriffs und auf die Erschöpfung der Truppen hin. Er meinte, daß seine Kräfte für einen entscheidenden Erfolg nicht mehr ausreichen; doch könne bei Fortführung des Angriffs mit einem Zurückdrängen des Feindes über den Stubiel gerechnet werden.

Nach diesen Eröffnungen war von einem weiteren Vordringen auf Rowno kaum noch viel zu erwarten. GO. Conrad mußte sich schweren

Herzens entschließen, auf der ganzen Front in die Abwehr zurückzufallen; nur auf dem Nordflügel sollten die letzten Möglichkeiten noch ausgeschöpft werden. Der am Abend in Teschen ausgegebene Heeresbefehl lautete: „4. Armeekmdo. führt angesetzten Angriff am Nordflügel 4. Armee durch, setzt 26. und 2. Division am 13. über Młynów—Kozin in Marsch zur 2. Armee, stellt Angriff 1. Armee ein, welche sich stark einzurichten und Reserven zu bilden hat. Für 2., Süd- und 7. Armee beschränkt sich bis zum Einreihen der Ersätze und Einlangen der Verstärkungen die Aufgabe zunächst auf Festhalten der intensivst auszugestaltenden Kampflinie.“

Der Haltbefehl an die galizischen Armeen entsprach auch den Anschauungen Falkenhayns. Er schrieb am gleichen Tage an Conrad:

„Euer Exzellenz werden mit mir darüber einverstanden sein, daß der weiteren ungünstigen Entwicklung der Lage in Galizien Halt geboten werden muß, wenn nicht, abgesehen von den schweren unmittelbaren Schädigungen der k. u. k., aber auch der deutschen Truppen, die Gesamtlage ganz unheilvoll beeinflußt werden soll. Anzeichen dafür sind leider schon vorhanden. Abhilfe wird meiner Ansicht nach bei der Einbuße an Schlagkraft, die die Truppen schon erlitten haben, nur durch den Verzicht auf weitere Offensivversuche und entschlossenen Übergang zur Verteidigung in einer festen Stellung zu erhoffen sein, die sofort mit allen Mitteln auszubauen wäre.“

GO. Conrad konnte dem Verbündeten antworten, daß die Befehle zum Übergang zur Verteidigung bereits gegeben seien, und daß er nur noch den auf dem Nordflügel der 4. Armee angesetzten Angriff auslaufen lasse.

Der letzte Angriff des Korps FML. Martiny

FML. Martiny hatte für den 13. September der 4. ID. die Angriffsrichtung über Postojno, rechts davon der 62. ID. auf Biczal gegeben. Sobald der Feind dort geworfen wäre, hätte sich die 13. SchD. gemeinsam mit der 45. SchD. des Raumes von Diuksin auf dem östlichen Horyn-ufer zu bemächtigen. Die 21. SchD. sollte der 45. SchD. rechts gestaffelt folgen, um sich bei Susk festzusetzen. Um 5h früh sollte das Unternehmen beginnen, von dem allein noch eine Entscheidung erhofft wurde.

Da ließ aber Gen. Brussilow, der Führer der russischen 8. Armee, gerade zu dieser Zeit den linken Flügel seines XXXIX. Korps beiderseits von Klewań über den Stubiel vorbrechen. Dichter Nebel erleichterte den Russen das Überschreiten der Niederung, sie drangen an den inneren Flügeln des X. und des XIV. Korps an mehreren Stellen in die dünnen Linien der 24. und der 3. ID. ein. Dadurch sah sich Erzherzog Joseph Ferdinand genötigt, von Cumań die 21. SchD. und von Ołyka die 2. ID. an die Einbruchsstelle zurückzuführen. Ebenso wurden Teile der eben in Palcza von der 7. Armee eingelangten 10. KD. (S. 78) herangezogen. Diese Truppen griffen zusammen mit der 3. und der 24. ID. am Nachmittag die Russen an und warfen sie nach heißem Kampfe über den Stubiel zurück.

Auf dem Nordflügel des X. Korps waren unterdessen am Vormittag die 62. ID. bis nahe an Biczal und die 4. ID. bis über Postojno vorgedrungen. Rechts davon konnte die 45. SchD. bei Diuksin den Horyń nicht überschreiten; ebenso blieb die Vorhut der 13. SchD. (SchR. 24 und 1) durch feindliches Flanken- und Rückenfeuer in der Landenge von Derażno an die Stelle gefesselt. Nun sollte die 4. ID. von Postojno nach Südosten vorstoßen. Aber FML. Schmidt-Fussina zögerte mit dem Angriff, da seine Truppen ermattet waren und russische Verstärkungen in Anmarsch vom Horyń beobachtet wurden.

Erzherzog Joseph Ferdinand traf um diese Zeit alle Maßnahmen, die die Fortsetzung des Angriffs auf seinem Nordflügel nach kurzen Kampfpause ermöglichen sollten. Er ordnete das Einstellen des Ersatzes (XIV. Marschbataillone des k.u. k. Heeres, XIII. Marschbataillone der Landwehr) an; er bildete auch aus jenen Truppen der 45. SchD., die bisher als Brückenkopfbesatzungen von Kowel und Łuck verwendet worden waren (S. 77), im Raume westlich von Klewań eine Reserve. Dafür sollte die 21. SchD. wieder nach Cumań zurückgeführt werden, und schließlich stand bis zum 18. das Eintreffen der 9. KD. in Kowel zu erwarten (S. 94). Am Abend erhielt jedoch Erzherzog Joseph Ferdinand aus Teschen die ihn überraschende Weisung, daß das Unternehmen auf Rowno nicht mehr fortgesetzt werden könne. Er sollte mit seinem Nordflügel eine Verteidigungsstellung beziehen, die mit dem Mindestaufwand von Kräften gehalten werden könne. Am 14. September waren die 2. ID. und am nächstfolgenden Tage die 46. SchD. zur 2. Armee abzusenden. Eine weitere Infanteriedivision war freizumachen und bei Olyka zur Verfügung der Heeresleitung bereitzustellen. Denn die Lage bei der 2. Armee und weiter südlich — so unterrichtete die Heeresleitung den Erzherzog über die krisenhaften Ereignisse in Ostgalizien — sei äußerst bedrohlich geworden, man müsse daher alle entbehrlichen Kräfte dorthin leiten, um die russische Offensive auf Złoczów und auf Brzeżany aufzuhalten.

Fortsetzung des russischen Angriffs in Ostgaliziert

(12. bis 17. September)

Hiezu Beilage 3 sowie Skizzen 6 und 7

Die Kämpfe bei Zaleszczyki und bei Niv. Aleksiniec

Ein so weites Ziel hatte Gen. Iwanow allerdings nicht ins Auge gefaßt, aber es war ihm inzwischen doch klargeworden, welche Erfolge seine kurzen Gegenschläge am Sereth errungen hatten: neben Tausenden an Gefangenen, zahlreichen Beutegeschützen Anzeichen für die Erschütterung einzelner Divisionen des Gegners1). Schon der Erfolg bei Trembowla (S. 97 f.) gab ihm die Möglichkeit, seine Heeresreserve, das XXX. Korps, aus Ostgalizien nach Rowno zu fahren. Nun ließ er, ermutigt durch das Zurückweichen des Gegners vom Sereth, die 11. Armee und den rechten Flügel der 9. Armee zum allgemeinen Angriff übergehen, um seinen verzweifelt ringenden rechten Heeresflügel zu entlasten2).

Als Auftakt zu dieser neuen Schlacht in Ostgalizien bot Letschitzki, der Führer der russischen 9. Armee, sein XXXIII. Korps zu einem Schlage gegen Zaleszczyki auf. Es fiel am 12. September noch am Vormittag das im Vorfeld des Brückenkopfes postierte Korps Henriquez an. Während sich auf dem rechten Flügel die 30. ID., GM. Jesser, behaupten konnte, wurde die in der Mitte eingeschobene LstlBrig. Obstlt. Békési zurückgeworfen. Dieser Einbruch richtete große Verwirrung an. Die Russen stürzten sich auf den linken Flügel des Korps Henriquez. Die dort fechtenden Truppen (halbe 8. KD., verstärkt durch das IR. 7) wurden teilweise im Rücken gefaßt und wichen unter empfindlichen Verlusten bis über den Sereth zurück. Die Russen schienen gegen die Brücken, die nicht zerstört worden waren, nachzudrängen. Ein russischer Vorstoß über den Dniester konnte für die Mitte der 7. Armee sehr ernste Folgen haben. GdK. Pflanzer-Baltin, der gerade an der Front weilte, warf das in Horo-denka ausladende HIR. 15 der 37. HID. (S. 106) in den Kampf und zog alles, was er sonst noch an Reserven auftreiben konnte, die 6. KD. vom Südflügel des Korps Rhemen und die halbe 5. HKD. von seiner Armeereserve, an den gefährdeten Abschnitt heran. Während FML. Edl. v. Lehmann, der Kommandant der 8. KD., die ihm zufließenden Verstär-

J) Nach Nesnamow, IV, 127, sollen die 11. und die 9. Armee der Russen bis Mitte September etwa 36.000 Mann gefangengenommen, 34 Geschütze und 126 Maschinengewehre erbeutet haben.

2) Nesnamow, IV, 126.

kungen zur Deckung des Zwischenraumes bei Uścieczko auf dem Südufer des Dniester aufstellte, schritt auf dem anderen Ufer, aus dem Brückenkopf von Zaleszczyki, das SchR. 5 der 30. ID., unterstützt von Teilen des HIR. 15, zum Gegenstoß. Nach wechselvollem, bis tief in die Nacht andauerndem Kampfe gelang es, die gegen die bloßgelegte Flanke der 30. ID. vordringenden Russen zurückzuwerfen. Am nächsten Morgen aber, am 13., wurde die 30. ID. auf ihrem rechten Flügel zerschlagen und hinter die Wälle des Brückenkopfes von Zaleszczyki zurückgeworfen. Glücklicherweise konnte den nachdrängenden Russen durch das zusammengefaßte Feuer aller Geschütze Halt geboten werden, so daß sich die schon stark durcheinandergeratenen Truppen im Brückenkopf zu neuer Abwehr einrichten konnten.

Das Korps Henriquez hatte seit dem 1. September über 7000 Mann verloren. Zu seiner Verstärkung bestimmte GdK. Pflanzer-Baltin ein Regiment der gerade mit ihren ersten Staffeln in Niżniów einlangenden 12. ID.; auch das Korps Benigni sollte weitere Kräfte abgeben. Doch hatte auch dieses Korps schon genug schwere Blutopfer gebracht — an 5000 Mann — und stand dauernd in Erwartung russischer Angriffe. Hingegen herrschte bei dem noch 30.000 Feuergewehre starken XI. Korps, GdK. Korda, im wesentlichen Ruhe. So wollte Pflanzer-Baltin von diesem Korps zur Stützung seiner bedrohten Armeemitte ein Regiment der 202. HIBrig. mit der Bahn nach Zaleszczyki fahren. Indes nahm Letschitzki in den nächsten Tagen gegenüber dem Korps Henriquez eine zu wartende Haltung ein und ließ nunmehr sein rechtes Flügelkorps, das XI., im Einklang mit der russischen 11. Armee gegen den auf dem östlichen Strypa-ufer stehenden Gegner losgehen.

Gen. Schtscherbatschew, der Kommandant der russischen 11. Armee, hatte schon am 12. September die Befehle zur Wiederaufnahme des Angriffs gegen die Südarmee und gegen den rechten Flügel der 2. Armee gegeben. Er wollte sich augenscheinlich am 13. früh mit seinem XXII. und XVIII. Korps auf das Korps Marschall stürzen, während das VI. Korps und das ihm vorübergehend unterstellte VII. Korps der 8. Armee auf Załośce und Łopuszno vorzustoßen hatten, um den an der Ikwa stehenden Gegner in der Flanke zu bedrohen.

Nun hatte sich aber das Korps Marschall noch am 12. abends unter dem Schutze der Dunkelheit der schweren Gefährdung durch einen Rückzug auf die Höhen östlich der Tiefenlinie Kupczyńce—Jezierna entzogen (S. 110). Links davon hatte die Gruppe FML.Czibulka (32. ID. und Division GM. Kroupa) beiderseits von Nesterowce schon Aufstellung genommen.

Dieses Ausweichen war Schtscherbatschew anscheinend ganz unerwartet gekommen. Er folgte am 13. mit seinem XXII. Korps dem Korps Marschall nur sehr vorsichtig gegen die Strypa und erschien mit der Vorhut des XVIII. Korps, entlang des östlichen Serethufers gegen Nordwesten vortastend, erst abends vor der Gruppe Czibulka.

Um so heftiger tobte tagsüber der Kampf auf dem Südflügel der 2. Armee. Bei Morgengrauen setzte auf der ganzen Front des Korps Trollmann der russische Angriff ein. Die Preßburger 14. ID. wurde auf ihren beiden Flügeln nach tapferer Gegenwehr eingedrückt. Nur das in der Mitte fechtende FJB. 11 klemmte sich bei Ditkowce so lange fest, bis die durch den russischen Vorstoß in Verwirrung gebrachten Nachbarregimenter wieder ein Stück vorgehen konnten1). Es war diesem kaltblütigen Ausharren nicht zuletzt zu danken, wenn dem Feinde ein Eindringen in die Geschützstellungen verwehrt wurde. Die 34. ID., durch einen stark überlegenen Angriff auf dem rechten Flügel über Gontowa zurückgeworfen, suchte sich in wechselvollem Gefechte auf dem linken Flügel zu behaupten, mußte aber schließlich auf der ganzen Front weichen, da die links benachbarte 51. HID. dem anstürmenden Feinde bis in die Gegend südöstlich von Nw. Aleksiniec Raum gab. Als die Lage besonders düster aussah, schritten das IR. 101 und das bh. IR. 3 unter GM. Felix zum Gegenangriff und setzten sich wieder auf den Höhen von Gontowa fest.

So endete das heiße Ringen beim XIX. Korps nur mit einem geringen Raumverlust. Von einem schweren Mißgeschick war aber inzwischen das V. Korps betroffen worden. Schon am 12. September abends richtete sich gegen die zwischen Swiniuchy und Rydoml aufgestellte 43.SchD. heftiges Geschützfeuer; ihm folgten in der Nacht Infanterieangriffe, die teilweise bis in die schütteren Linien der Czernowitzer Schützendivision führten. Am 13. frühmorgens durchbrachen nachrückende russische Kolonnen im dichten Nebel den linken Flügel der 43. SchD., rollten in dem von Racheln durchzogenen und mit Obstgärten bedeckten Gelände die nördlich anschließende 33. ID. von Süden auf und zerschlugen gleichzeitig ihren linken Flügel. Die Verwirrung war gewaltig. Die abgeschnittene Besatzung von Rydoml (IR. 26) wurde nach mutvollem Widerstand von den Russen überwältigt. Die beiden Divisionäre sowie der Korpskommandant hatten zu spät annähernd Richtiges über das unerwartet tiefe Eindringen der Russen erfahren, so daß sie mit ihren vom Kampfplatz

*) Mitteilung des damaligen Kommandanten des FJB. 11, GM. Handel-Mazzetti, an das Kriegsarchiv, Dezember 1930.

ziemlich entfernten geringen Reserven die Lage nicht mehr meistern konnten. In der neunten Vormittagsstunde wichen die stark vermischten Truppen des V. Korps gegen Westen: die Trümmer der 33. ID. auf Ro-stoki, die 43. SchD. in die Gegend nördlich von Nw. Aleksiniec.

Hier sollte neuer Widerstand geleistet werden. Der Russe folgte wie gewöhnlich nur zögernd. Dennoch hielten die beiden Divisionäre des V. Korps im Hinblick auf den Zustand ihrer schwer geschädigten Regimenter einen Rückzug bis in die in Aussicht genommene hintere Verteidigungslinie auf den Höhen von Łopuszno und beiderseits von Wolica für wünschenswert, in welchem Sinne auch FML. Goglia das 2. Armeekmdo. um die Zustimmung bat. GdK. Böhm-Ermolli entschied jedoch, daß das V. Korps mit dem Aufgebot seiner letzten Kräfte standhalten müsse, um nicht die Flanke des XIX. und des IV. Korps zu entblößen. Am Nachmittag ordnete er für den 14. das Vorgehen des V. Korps in die alten Stellungen bei Rydoml an. Nun aber hatte sich der Russe schon bei Borszczewka in der bloßgelegten Flanke des IV. Korps auf dem Nordufer der Ikwa festgesetzt und drückte auf Rostoki und auf Go-ryńka Bol. vor. Auf die Nachricht darüber schickte FML. Schmidt-Georgenegg von der Reserve des IV. Korps zwei Bataillone des nordböhmischen IR. 94 von Nw. Poczajew den bei Borszczewka verzweifelt ringenden Sicherungen der 27. und der 29. ID. zu Hilfe. Die schwer heimgesuchten Truppen des V. Korps hatten aber nicht mehr standzuhalten vermocht und wichen gegen Abend bis auf die Höhen beiderseits von Łopuszno und von Wolica, wo sie, trotz Erschöpfung an den neuen Stellungen arbeitend, die Nacht auf den 14. September verbrachten.

GdK. Böhm-Ermolli hatte unterdessen schon am 13. um Mittag, als er das Mißgeschick des V. Korps in seinem ganzen Umfange erkannte, die Heeresleitung über den Ernst der Lage unterrichtet; er erbat sich von ihr die Rückgabe der zur Südarmee entsandten Division GM. Kroupa. Diese Division wolle er beim XIX. Korps umfassend wider den gegen Łopuszno vordringenden Feind einsetzen, während ihm die Reserven des IV. Korps im Norden über Łosiatyn in die Flanke fallen sollten. Dorthin gedachte Böhm-Ermolli auch die von der 1. Armee unterwegs befindliche 26. SchD. (S. 120) in Eilmärschen heranzuführen. Allerdings war zu besorgen, daß dann der Feind in den nunmehr der 32. ID. allein zugewiesenen Zwischenraum zwischen der 2. Armee und der Südarmee auf Załośce Vordringen werde. Böhm-Ermolli ließ daher bei Bothmer anfragen, ob die Südarmee nicht wieder gegen den Sereth vorgehen könne. GdI. Bothmer antwortete, daß er sich jetzt vor allem befestigen und die

Ersätze heranziehen müsse; immerhin versprach er zur Entlastung des schwer ringenden Südflügels der 2. Armee anzugreifen, falls die Russen selbst mit ihrem Angriff zögern sollten.

Der Russenangriff gegen die Strypa

Dies trat aber nicht ein. Gen. Schtscherbatschew hatte für den 14.September alle seine Korps zu neuem Angriff aufgeboten; seinem Vorgehen schloß sich der rechte Flügel der Armee Letschitzki an. Glücklicherweise kam der dem Korps Goglia bei Łopuszno zugedachte Schlag nicht zur vollen Wirkung. Auch gelang es, die Lücke zwischen der 33. ID. und dem IV. Korps südlich von Łosiatyn durch die buntgemischten Truppen der 27. und der 29. ID. zu füllen und den Feind bei Borszczewka auf das Südufer der Ikwa zurückzuwerfen. Das VII. Russenkorps wagte nun vorläufig nicht mehr, im Raume von Łopuszno gegen das V. Korps ernsthaft vorzustoßen.

Weiter südlich hämmerten am 14. früh die Batterien des VI. Russenkorps mit verstärkter Heftigkeit auf die Stellungen des k. u. k. XIX. Korps los; doch kamen auch bei Gontowa und bei Ditkowce die feindlichen Angriffe zunächst nicht zur Entwicklung. Das Korps Trollmann hatte seinen linken Flügel (51. HID.) auf Nw. Aleksiniec zurückgebogen und nach Norden gestreckt, um wieder Anschluß an die 43. SchD. zu finden. Damit war bei der 2. Armee im Laufe des 14. September eine vorübergehende Entspannung der Lage eingetreten. Auch waren bis zum Mittag die von der Südarmee zurückgestellten zwei Regimenter der komb. Division GM. Kroupa, allerdings stark ermüdet, in Załośce eingelangt. Böhm-Ermolli wollte unter Mitwirkung dieser Division am 15. über Gontowa angreifen, um die bedrängte Südarmee zu entlasten.

Schtscherbatschew stieß wohl, als er am 14. September vormittags nach starkem Artilleriefeuer sein XXII. Korps gegen Kupczyńce vorbrechen ließ, bei der 3. GID. und bei der 48. RD. des Korps Marschall wie an den früheren Tagen auf eine feste Mauer. Bei der 19. ID. begnügte sich der Feind mit schwerem Geschützfeuer. Dagegen führte ein Angriff des russischen XVIII. Korps zu einem Einbruch an den inneren Flügeln der 32. ID. und der 38. HID. Zum Glück ging der Russe wieder nur sehr zögernd vor und konnte am Nachmittag im Gegenangriff von der Gruppe Czibulka zurückgewiesen werden.

Um so bedrohlicher gestalteten sich die Ereignisse beim Korps Hofmann. Hier durchbrachen Abteilungen des russischen XI. Korps am Vor-

Kritische Lage in Ostgalizien

mittag die dünnen Linien der 55. ID. bei Burkanów und drangen im Nachstoß auf das Westufer der Strypa vor. Die daraus erwachsende Rückenbedrohung der auf dem Ostufer noch haltenden Truppen veran-laßte FML. Hofmann, sein ganzes Korps zurückzunehmen. Dieser neuerliche Rückschlag erweckte begreiflicherweise ernste Besorgnisse wegen der Kampfkraft der im Verbände der Armee Bothmer kämpfenden k.u.k. Truppen. In einem Telegramm ließ der Befehlshaber der Südarmee am Abend die k. u. k. Heeresleitung die betrübliche Tatsache wissen, daß die von der 2. Armee zurückgekehrte 75.HIBrig. nur mehr 400 Gewehre stark sei; von der 19.ID., die zum größten Teil aus Tschechen bestand, hätten sich in den Kämpfen vor Tarnopol eine große Zahl von Soldaten und von Reserveoffizieren dem Feinde ergeben1). Bei der 55. ID. war durch den Vorstoß der Russen auf Burkanów eine Panik ausgebrochen. Die Lage wurde für so ernst gehalten, daß ein Rückzug an die Złota Lipa vorübergehend erwogen wurde.

127


Auch das 7. Armeekmdo. fühlte sich durch das Zurückweichen des Korps Hofmann in der linken Flanke schwer bedroht. Zwischen der auf dem linken Flügel des Korps Rhemen im Brückenkopf von Buczacz eingelangten 37. HID. (S. 107) und dem Korps Hofmann klaffte eine breite, nur durch ein Marschbataillon bewachte Lücke. Auf die alarmierenden Nachrichten über den Durchbruch der Russen bei Burkanów ließ GdK. Pflanzer am Nachmittag die eben von Niżniów nach Buczacz heranrückenden vordersten Truppen der 12. ID. zum Schutze der linken Flanke auf dem westlichen Strypaufer bereitstellen. Die noch ausladenden Staffeln der 12. ID. sollten ebenfalls an den Nordflügel des XIII. Korps gezogen werden. Ferner ging an die Heeresleitung die telegraphische Bitte, die zum Teil schon bei Brzeżany ausladende 39. HID. schleunigst zur Stützung der Front an den Südflügel des Korps Hofmann zu weisen, da ein Durchbruch der Russen gegen Podhajce für den linken Flügel der 7. Armee sehr ernste Folgen haben könnte.

Alle diese Hiobsbotschaften vermochten indessen den entscheidenden Willen der Heeresleitung, die Russen in Ostgalizien wieder in Fesseln zu legen, nicht wankend zu machen. GdI. Falkenhayn war am 14. September früh mit Obst. Tappen in Teschen eingetroffen underöffnete dem GO. Conrad, daß es das beste wäre, wenn man das zermürbte öst.-ung. Heer in feste Stellungen an die Złota Lipa und von dort in die kürzeste Linie über Władimir-Wołyński zur deutschen Heeresfront nördlich des Pripiatj zurücknehmen würde. Ein solcher großer Rückzug, der die bis-

r) Die 19. ID. büßte in den Kämpfen bei Dołżanka über 6500 Streiter ein.

herigen Erfolge den Russen wieder preisgab, konnte aber auf die Stimmung der k. u. k. Trappen sowie auf die Haltung Rumäniens und der Neutralen von schädlichster Wirkung sein. Conrad wollte daher den Kampf an der Strypa und an der Ikwa weiterführen. Er regte an, das XVII. Korps *) anstatt nach Syrmien nach Ostgalizien zu leiten, um es in jener Richtung einzusetzen, wo die Russen die Entscheidung suchten. Dafür sollten Kräfte der Bugarmee gegen Serbien freigemacht werden. Diese Armee hatte inzwischen den Feind auf Pinsk und über den Oginskikanal zurückgedrängt, sie konnte mit schwächeren Kräften den Westrand der Rokitnosümpfe sperren, um ein späteres Vorgehen der Russen zu verhindern. Die Hauptsache sei — so meinte der Generalstabschef des öst.-ung. Heeres —, daß die Offensive Hindenburgs in Litauen mit allem Nachdruck weitergeführt werde. Dort hielt die deutsche 10. Armee die Russen bei Wilna umklammert, starke deutsche Kavallerie war tief in die russische Front zwischen Wilna und Dünaburg eingedrungen und hatte die Bahn Lida—Polock bei Wileika erreicht. Damit waren die großen rückwärtigen Verbindungslinien der russischen Heeresmitte ernstlich bedroht. Conrad erhoffte sich augenscheinlich von der deutschen Offensive im Norden auch eine Entlastung im Süden. Er glaubte übrigens, daß die Russen ihre Angriffe in Ostgalizien nicht mehr weiter ausdehnen würden, und vertraute bestimmt darauf, daß mit dem Eingreifen des XVII. Korps und der schon zur Stützung der Front in Ostgalizien entsandten vier Divisionen (37. HID., 12. ID., 39. HID. und 26. SchD.), denen jetzt noch zwei Divisionen, die 2. ID. und die 46. SchD. (S. 121), vom Nordflügel folgen sollten, dem Feind ein Halt geboten werde. Dies umsomehr, als nach den Berechnungen des AOK. den 40 öst.-ung. Infanterie- und liy2 Kavalleriedivisionen mit insgesamt 280.000, nach der soeben erfolgenden Einstellung der Ersätze — XIV. (XIII.) Marschbataillone — 400.000 Mann, etwa 30 russische Infanterie- und 14 Kavalleriedivisionen mit einem Gesamtstande von höchstens 360.000 Mann gegenüberstanden.

Mochte sich nun auch GdI. Falkenhayn keineswegs allzu vielen Hoffnungen hingeben, daß die Offensive Hindenburgs noch eine große Entscheidung bringen werde, so erklärte er sich doch nach den Eröffnungen Conrads mit dem Verbleiben des öst.-ung. Heeres in seinen gegenwärtigen Kampfstellungen und auch mit der Entsendung des XVII. Korps nach Ostgalizien einverstanden. Denn es schien ihm im Hinblick auf die zu-

ł) Das XVII. Korpskmdo. und die 11. ID. standen zur Zeit in Cholm, von der in Lublin befindlichen 41. HID. waren bereits sechs Transportzüge über Rożwadów, Dębica gegen Budapest abgerollt.

nehmende Spannung im Westen, wo ein großer Angriff der Allliierten in der Champagne und im Artois drohte, ein baldiger Abschluß des Feldzuges im Osten dringend geboten zu sein.

Noch am 14. September vormittags befahl die k. u. k. Heeresleitung, die 41. HID. mit der Bahn über Rożwadów, Lemberg nach Krasne hinter die 2. Armee zu leiten, von deren Schlachtfeld gerade Nachrichten über einen neuen Angriff der Russen eingelangt waren. Die 11. ID. hatte einstweilen von Cholm nach Rawa Ruska zu marschieren. Als dann am Abend von der Südarmee alarmierende Meldungen einlangten (S. 127), wurde für die 41. HID. die Gegend von Dunajów—Pomorzany als Ausladeraum festgesetzt.

Der Umschwung der Lage in Ostgalizien

Unterdessen hatte die düstere Augenblickslage beim Korps Hofmann noch am Tage der Teschener Besprechung eine Erleichterung erfahren. GdI. Bothmer hatte schon am 13. September vom Korps Marschall die Brigade Obst. Bolzano und die halbe 48. RD. freigemacht. Von diesen Truppen langte das IR. 88 der Brigade Bolzano nach starkem Marsch am

14. vormittags gerade im kritischesten Augenblick an der Durchbruchsstelle der 55. ID. bei Burkanów ein. Es gelang diesem größtenteils tschechischen Regiment unter der Führung des Obstlt. Wächter, die zurückflutende 129. IBrig. aufzuhalten und die auf das Westufer der Strypa vordringenden Russen zum Stehen zu bringen.

Für den 15. September beschloß GdI. Bothmer, die Gruppe Czibulka (38. HID. und die durch je ein Regiment der 51. HID. und der 27. ID. verstärkte 32. ID.) entlang des westlichen Serethufers angreifen zu lassen, um den drohenden russischen Durchbruch auf Zalośce zu verhindern. Einen ähnlichen Entschluß faßte GdK. Pflanzer. Durch die Bedrohung seiner linken Flanke zur tätigsten Unterstützung des Korps Hofmann angespornt, erteilte der Führer der 7. Armee noch am 14. abends dem GdI. Rhemen den Befehl, mit allen verfügbaren Kräften aus dem Brückenkopf von Buczacz flankierend in den Kampf bei Burkanów einzugreifen.

Dieser Stoß wurde mit der 37. HID. und mit Teilen der 36. ID. — insgesamt 15 Bataillonen und 8 Batterien unter GM. Tabajdi — am 15. September früh von Zielona her auf Dobropole angesetzt. Die Masse der

36. ID. deckte im Brückenkopf von Buczacz gegen Osten, die ausNiżniów eingelangten ersten Staffeln der 12. ID. — vier Bataillone unter Obstlt. Albrecht — begleiteten auf Wunsch der Heeresleitung das Unternehmen

entlang des westlichen Strypaufers und gingen gegen die Flanke des über den Fluß gelangten Feindes vor. Die noch ausladenden Truppen der

12. ID. wurden, wie sie eben einlangten, in Eilmärschen herangezogen und teils auf dem linken, teils auf dem rechten Strypaufer eingesetzt.

Unter harten Kämpfen gewann die Gruppe Tabajdi im Verlaufe des 15. gegen Dobropole Raum. Hier schienen die Russen, um ihre Durchbruchskolonne zu schützen, unter allen Umständen halten zu wollen. In der rechten Flanke der Angriffsgruope, in der Gegend südwestlich von Laskowce und vor dem Brückenkopf von Buczacz, zeigten sich stärkere feindliche Kräfte und drohten selbst mit einem Angriff. Pflanzer wollte sich nun mit der Gruppe Tabajdi unter Mitwirkung der auf dem Westufer der Strypa vorgehenden Kräfte der 12. ID. noch des Raumes um Dobropole und der Babahöhe bemächtigen, um dann, in seiner Nordflanke gesichert, den vor Buczacz befindlichen Feind von Norden anzufallen. Indes konnte Tabajdi am 16., nachdem er auf seinem rechten Flügel einen russischen Vorstoß im Gegenangriff abgewehrt hatte1), gegen Dobropole keine weiteren Fortschritte erzielen. Ebenso vermochten die auf dem Westufer der Strypa fechtenden Teile der 12. ID. bei Sapowa nicht über den Fluß zu gelangen. Links von den Truppen der 7. Armee hielten die 131. IBrig., die Brigade Obst. Bolzano und die 129. IBrig. den über Burkanów hinausgelangten Feind — es waren anscheinend nur schwächere Kräfte — umklammert. Hinter dem Korps Marschall waren die ersten Staffeln der 39. HID. in Podhajce eingetroffen. Pflanzer-Baltin ließ nun den Angriff einstellen, da die Gefahr eines russischen Durchbruches beim Korps Hofmann als abgewehrt gelten konnte.

An den anderen Frontabschnitten der Südarmee hatte sich die Lage gleichfalls erheblich gebessert. Vergebens hatte sich das russische XXII. Korps am 15. September noch einmal bemüht, die Front der 3.GID. längs der Eisenbahn Tarnopol—Brzeżany zu durchstoßen. An demselben Tage brachen die 32. ID. und die 38. HID. gemeinsam aus der Front Nesterowce—Jezierna gegen Südosten vor und gewamien in hartem Ringen mit dem russischen XVIII. Korps Boden. Über 1000 Gefangene wurden eingebracht. Tags darauf brannte der Kampf an der ganzen Front der Südarmee nur mehr als Artillerieschlacht weiter. Die russische Infanterie blieb erschöpft in ihren Gräben liegen.

Auf dem Südflügel der 2. Armee war noch am 14. September abends die Schlacht wieder aufgeflammt. Das VI. Russenkorps versuchte zwischen

x) Obst. Rudolf Pillepić v. Lippahora des HIR. 11 erwarb sich hiebei als Kommandant der 73. HIBrig. das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

Horyń und Sereth an zahlreichen Stellen anzugreifen, wurde aber durch das Feuer der 14. und der 34. ID. in seinen Gräben niedergehalten. Zwischen der 51. HID. und der 43. SchD. drang der Russe in eine Lücke ein, die in der Nacht durch zwei Bataillone der Division GM. Kroupa geschlossen werden mußte.

Am 15. September machten neu entbrennende Kämpfe, die sich bis auf die Ikwafront ausdehnten, die Ausführung der Absicht Böhm-Ermollis, die Division Kroupa beim XIX. Korps und die Reserven des IV. Korps bei Borszczewka zum Zangenangriff gegen das auf Łopuszno vorgedrungene russische VII. Korps anzusetzen, zunichte. Besonders heftig wurde an diesem Tage bei der 34. ID. gerungen. Nach erbittertem Handgemenge verlor am Nachmittag das bh. IR. 3, das sich tapfer und kaltblütig wehrte, Gontowa und die Höhe nördlich dieses Ortes. Eine Stunde später wurde der eingebrochene Feind nach starker Artilleriebeschießung wieder vertrieben. Dann drang der Russe in der Nacht im Überfall noch einmal bis auf die Höhe von Gontowa vor, mußte aber am 16. September morgens vor dem IR. 85 wieder weichen.

Gleichzeitig mit den Anstürmen bei Gontowa versuchten die Russen bei Nw. Aleksiniec gegen die 51. HID. loszugehen. Hier und an der Front des V. Korps konnte der Feind durch Geschützfeuer in seinen Ausgangsstellungen festgehalten werden. Auf dem rechten Flügel des IV. Korps wurden von der 27. ID. am 15. früh neuerliche russische Übergangsversuche bei Borszczewka abgewehrt. Auf dem linken Flügel brachen Teile des russischen XVII. Korps im Morgengrauen aus dem Kremie-niecer Bergland gegen die dünnen Linien der 29. ID. vor. Trotz der geringen Gefechtsstärke und des breiten Abschnittes dieser Division war den Russen nur ein bescheidener Erfolg beschieden. Sie drängten das vom

XVIII. Korps tags zuvor dem IV. Korps zugesandte LstlR. 2 bei Dunajew ein Stück nach Westen zurück, wurden dann aber bis zum Abend durch zwei rasch herangeführte Bataillone zum Rückzug genötigt.

Auch gegen das XVIII. Korps, das ebenfalls nur aus geringen Kräften (Masse der 1. LstlBrig., 1. LstHusBrig., halbe 31. ID.) zusammengesetzt war, machte sich am 15. September heftiges Artilleriefeuer, verbunden mit örtlichen Vorstößen der Russen, einigermaßen fühlbar. Es waren schwere Tage, in denen die schon sehr erholungsbedürftigen Regimenter der 2. Armee durch die bald da und bald dort entbrennenden Kämpfe um jede Ruhe gebracht wurden. Immer wieder feuerte Böhm-Ermolli Führer und Truppen zum Ausharren an, wobei er ihnen verheißungsvoll das Herannahen von namhaften Verstärkungen und das baldige Einreihen des Ersatzes in Aussicht stellte. Alle Regimenter, namentlich die des V. und des XIX. Korps, waren zur Schlacke ausgebrannt. Die Divisionen zählten nur noch 5000 Feuergewehre, insgesamt hatte die 2. Armee seit dem 27. August etwa 45.000 Streiter verloren.

Am 16. September flauten an der Front der 2. Armee die Kämpfe ab. Von der 1. Armee waren an diesem Tage die 26. SchD. hinter dem linken Flügel des IV. Korps und die Masse der 46. SchD. in Kozin eingelangt. Im Raume von Zalośce standen, zur Zeit 15.000 Mann Ersatz; überdies hatte die Ausladung der 11. ID. in Pomorzany begonnen. GdK. Böhm-Ermolli sah jetzt den Zeitpunkt für einen Schlag gegen das russische VII. Korps gekommen, den er schon für den kommenden Tag ins Auge faßte. Dazu zog er noch am 16. die 26. SchD. nach Łosiatyn heran und unterstellte sie dem Kommandanten der 29. ID., FML. Kosak. Das Ziel des bevorstehenden Angriffs sollte sein, den Raum von Rostoki auf dem rechten Ikwaufer zu gewinnen. Damit faßte man das gegen Łopuszno vorgebrochene VII. Russenkorps in der Flanke, zwang es vielleicht zum Rückzug auf Rydoml und auf Swiniuchy und brachte den Südflügel der 2. Armee zur Ikwafront in eine günstigere Aufstellung.

Bei den Russen hatte Gen. Iwanow am 16. in Anbetracht des zähen Widerstandes des Gegners den gegen die Strypa angesetzten Truppen der 9. und der 11. Armee den Befehl zum Rückzug in ihre früheren Positionen am Sereth erteilt. Er durfte dabei mit Befriedigung darauf hinweisen, daß nun die 8. Armee entlastet und der Zweck der kurzen Offensive in Ostgalizien erfüllt sei. Als Bothmer und Pflanzer von diesen Bewegungen am 17. vormittags Kenntnis erlangten, ließen sie sofort Verfolgungsabteilungen dem Feinde folgen, die unter Plänkeleien bis an den Dzurynbach und in die Linie Pilawa—Chmielowka—Nastasów vordrangen. Das Korps Hofmann besetzte wieder seine früheren Brückenkopfstellungen östlich der Strypa; das VI. Korpskmdo., FML. v. Arz, das schon am 15. in Buczacz eingelangt war, übernahm den Befehl über den Nordflügel der 7. Armee (durch das IR. 63 verstärkte 12. ID.,

37. HID. und halbe 8. KD.).

Bei der k. u. k. 2. Armee war in der Früh des 17. September nach kurzer Feuervorbereitung die 52. SchBrig. der 26. SchD. gemeinsam mit Truppen der 27. und der 29. ID. von Norden zum Angriff auf Rostoki geschritten. Von Westen schlossen sich Teile der 33. ID., die ebenfalls dem FML. Kosak unterstellt worden waren, dem Vorgehen an. In hartem Ringen wurden bis zum Abend russische Vorstellungen und der Ort Rostoki genommen.

Diesem Unternehmen blieb aber die Fortsetzung versagt. Schon am 17. September nachmittags erhielt Böhm-Ermolli aus Teschen den Befehl, von weiteren Angriffen abzusehen. Die 2. Armee hatte in Anbetracht der in Wolhynien entstandenen Lage die 26. SchD. und die 46. SchD. ehebaldigst wieder an die 1. Armee abzugeben. Ebenso mußte die k.u.k. Heeresleitung darauf verzichten, die Offensive gegen den Sereth wieder aufzunehmen. Pflanzer und Bothmer wurden zur selben Stunde wie Böhm-Ermolli angewiesen, den zurückgehenden Feind nur mit schwächeren Abteilungen zu verfolgen und sich in den Stellungen an der Strypa zur Abwehr einzurichten.

Brussilows Gegenoffensive auf Łuck (13. bis 24. September)

Hiezu Beilagen 3, 6 und 7 sowie Skizzen 5, 6 und 7

Der Durchbruch der Russen bei Derazno

Schon am 12. September, an demselben Tage, an dem die Masse des XXX. Russenkorps (71., 80. RD.) bei Rowno ausgeladen worden war (S. 122), schrieb Brussilow an Iwanow: „Gegenüber der 8.Armee standen 22 feindliche Divisionen, jetzt hat der Feind nur mehr 14 Divisionen dort. Dies bedeutet, daß wir annähernd gleich stark sind und daß wir vor uns Österreicher haben, die wir schon öfters besiegten. Ich bin der Meinung, daß wir schon genügend weit zurückgegangen sind, bald werden wir uns umgruppiert und unsere Stände aufgefüllt haben, worauf wir sie [die Österreicher] neuerlich schlagen werden1).“

Brussilow hielt es wohl für nötig, die Aussichten seines Planes, den linken Flügel des Gegners zu umfassen und auf Łuck wieder vorzudringen (S. 96), so günstig wie möglich zu schildern, da sich Iwanow — wie immer in der damaligen Lage — sehr bestimmt gegen weitgehende Offensivunternehmen aussprach. Erst nachdem Brussilow in wiederholten Ferngesprächen mit dem Oberkmdo. der Südwestfront versichert hatte, daß er nur einen kurzen Vorstoß unternehmen werde, um die Lage seines Nordflügels bessern zu können, gewährte ihm IwanowHandlungsfreiheit2).

Inzwischen war es dem russischen XXXIX. Korps am 13. September früh gelungen, bei Klewań auf dem Westufer des Stubiel in die Stellungen

*) N e s n a m o w, IV, 127.

2) Broussilov, 156 ff.

der 3. und der 24. ID. einzudringen (S. 121). Brussilow befahl nun dem genannten Korps, ^en Erfolg auszunützen. Gleichzeitig wies er das

VIII. Korps an, gemeinsam mit dem linken Flügel des XII. Korps in der Front Dubno—Zarieck anzugreifen; auch das XVII. Korps hatte an der Ikwa örtliche Vorstöße zu unternehmen. Das XXX. Korps sollte indes den Nordflügel des Gegners schlagen. Dazu ließ Brussilow dieses Korps in aller Eile hinter dem vier Divisionen starken Reiterkorps Weljassew auf dem linken Horyńufer südlich von Stepan aufmarschieren. Denn schon waren die durch Infanterie verstärkten Kosaken des Gen. Weljassew durch die 62. ID. und die 4. ID. des Korps Martiny auf Biczal und über Postojno an den Horyń zurückgedrängt worden. Am 13. nachmittags trafen die vordersten Truppen des XXX. Russenkorps auf dem Kampfplatz ein. Die 4. ID. mußte Postojno wieder räumen und meldete am Abend dem FML. Martiny den Anmarsch starker russischer Verstärkungen vom Horyń her (S. 121).

Während die 4. und die 62. ID. schon gegen die neuangekommenen Truppen des XXX. Russenkorps fochten, ließ Erzherzog Joseph Ferdinand zu später Stunde den FML. Martiny anweisen, im Anschluß an die Stu-biellinie eine Verteidigungsstellung zu beziehen (S. 121). Zwei Divisionen, eine sofort und die andere später, sollte das X. Korps dem Armeekmdo. wieder zur Verfügung stellen. FML. Martiny entschloß sich fürs erste, die 4. ID. von Postojno in die Gegend westlich von Derażno zurückzunehmen, obgleich gerade gegen diese Division frische russische Kräfte im Anmarsch gemeldet waren. Dadurch wurde die linke Flanke der 62. ID. preisgegeben; doch konnte sich diese Division in der Nacht ohne ernsten Zwischenfall etwas näher an Derażno zurückziehen. Zur gleichen Zeit sah sich auch der rechte Flügel des KavKorps Berndt nach sehr heftigen Kämpfen genötigt, von Lipno an den Kormin zurückzugehen.

Der 14. September verlief auf dem Nordflügel der 4. Armee zunächst ruhig. Die Russen schoben sich im Verlaufe des Vormittags nur sehr vorsichtig gegen Derażno und gegen den Kormin heran. Um Mittag befahl GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand dem FML. Martiny, eine Stellung zu wählen, in der „auch mit schwachen Kräften gegen eine Übermacht gehalten und einer Umfassung vorgebeugt werden konnte“. Das war nun freilich in einem ganz unübersichtlichen Wald- und Sumpfgelände eine schwer zu lösende Aufgabe. Es blieb nichts anderes übrig, als mit der schon arg geschwächten 62. ID. auf dem welligen Gelände knapp östlich und nördlich von Derażno Aufstellung zu nehmen, wenn die Flanke der in den Horyńschleifen von Diuksin und in dem Winkel zwischen

Putilowka und Stubiel fechtenden Truppen (25. SchBrig. der 13. SchD., die Masse der 45. SchD., 24. ID.) nicht entblößt werden sollte. Die neue Front wies zwischen der 62. ID., die nördlich von Derażno ihren rechtwinklig zurückgebogenen Nordflügel an einen für unwegsam gehaltenen Sumpf anlehnte, und dem KavKorps Berndt, das hinter dem Kormin stand, eine fast 10 km breite Lücke auf. Noch im Laufe des 14. hatten sich die Russen der 62. ID. genähert; sie begannen alsbald, allerdings ohne Erfolg, anzugreifen. Gleichzeitig schien der Feind gegen die Lücke im Vorgehen zu sein. FML. Martiny sandte auf Bitte des GM. Tunk seine Korpsreserve, die 26. SchBrig., dorthin. Es war zu dieser Zeit nach den Aussagen der Gefangenen und anderen Nachrichten vom KavKorps Berndt schon soviel wie sicher, daß das XXX. Russenkorps und die Kavallerie des Gen. Weljassew gegen Derażno und gegen den Kormin angesetzt waren. Da sich aber der Russe am 14. September auch an der dünn besetzten Stubielfront sehr tätig zeigte, wagte das 4. Armeekmdo. nicht, seine Armeereserven, die es sich aus der 10. KD. und aus Teilen der 45. und der 21. SchD. bei Olyka und bei Derewiane gebildet hatte, auf den Nordflügel zu leiten. Auch hielt es der Erzherzog für geboten, das Gros der 4. ID. von Derażno an den rechten Flügel des X. Korps heranzuziehen. Einmal deshalb, weil er hinter der zum größten Teil aus Ruthenen zusammengesetzten 24. ID. eine Reserve zur Hand haben wollte, und dann aus dem Grunde, weil ihn die Heeresleitung angewiesen hatte, alle entbehrlichen Kräfte zu anderer Verwendung freizumachen. So glaubte der Armeekommandant, daß er der bereits nach Süden in Marsch gesetzten

2. ID. auch noch die 21. SchD., die zum Teil noch bei Klewan in der vordersten Linie stand, werde nachsenden müssen.

Bei der 1. Armee griff am 14. September der Russe im Abschnitt der 9. ID. des I. Korps und der 40.HID. des Korps Szurmay an, wurde aber im Gegenangriff abgewiesen.

Während der Feind am nächsten Tag, dem 15., durch starkes Geschützfeuer und durch örtlich gebundene kleinere Ausfälle die ganze Front von Dubno bis Diuksin in Atem hielt, brach das Unglück über den Nordflügel der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand herein. Das russische XXX. Korps fiel am Morgen die 62. ID. bei Derażno mit der 71. RD. von Osten, mit der 80. RD. von Norden her an. Zugleich stieß auch das Reiterkorps Weljassew gegen den Kormin vor, wurde aber von dem schon sehr geschwächten KavKorps Berndt abgewiesen. Jedoch am Vormittag drang der Feind an einer durchwatbaren Stelle in die Sumpflücke zwischen der 4. KD. und der 62. ID. ein, worauf die dort stehende

26. SchBrig. nach Süden wich. Der Feind schwenkte nun gegen die Flanke und gegen den Rücken der 62. ID. ein.

Auf die Kunde von dem Zurückweichen der 26. SchBrig. schob der Armeekommandant das Gros der 4. ID., das er tags zuvor von Derażno weggezogen hatte, eilends wieder an den linken Flügel des X. Korps. Nachrichten vom KavKorps Berndt, das mit dem rechten Flügel der 4. KD. bei Boguslawka stand, meldeten das Vorgehen russischer Kräfte auf Brod Kładki. Ein Teil der Truppen der 4. ID. wurde daher am Nachmittag in der Richtung gegen Berestiany geleitet, dann aber wieder südwärts der hart bedrängten 62. ID. zu Hilfe geschickt.

Diese Division wehrte tagsüber die mit überlegenen Kräften unternommenen Angriffe der Russen bei Derażno mit großer Tapferkeit ab und suchte durch Gegenstöße auf ihrem zurückgebogenen linken Flügel die gegen Flanke und Rücken vordringenden Russen zurückzu treiben *). Aber die Gefahr, eingekreist zu werden, zwang GM. Tunk, die 62. ID. bei einbrechender Nacht in eine Front südwestlich von Derażno zurückzunehmen. Unterdessen traf schon FML. Martiny mit Zustimmung des Erzherzogs Joseph Ferdinand seine Dispositionen für einen Rückzug des X. Korps an die Straße Klewań—Cumań—Karpilowka. Die auf dem linken Flügel fechtenden Truppen (62. ID., 26. SchBrig., 4. ID.) hatten sich erst nach Mitternacht zurückzuziehen, um den Verteidigern der Landenge von Diuksin (Masse der 45. und der 13. SchD.) den ungestörten Abmarsch in der Nordflanke zu sichern. Es gelang den ermatteten Truppen, diesen sehr schwierigen Rückmarsch in leidlicher Ordnung zu bewerkstelligen. Die Russen scheuten eine Verfolgung bei Dunkelheit. Auch das KavKorps Berndt, das vom Kormin in die neue Front Silno—Żurawicze— Kołki zurückzugehen hatte, wurde über Nacht vom Feinde wenig belästigt. Die 10. KD. wurde von Ołyka nach Karpilowka verschoben.

Das 4. Armeekmdo. hoffte am Morgen des 16. September, daß sich das X. Korps in den neuen Linien zur Verteidigung werde einrichten können. Anscheinend vereinigte der Feind die Hauptkraft des XXX. Korps in der Gegend von Boguslawka, um von hier aus über Silno zur weiteren Umfassung vorzugehen. Erzherzog Joseph Ferdinand gab daher dem FML. Martiny am Vormittag die Weisung, eine Infanteriebrigade der 4. ID. an den rechten Flügel des KavKorps Berndt zu entsenden. Gleichzeitig meldete er der Heeresleitung nach Teschen seine weiteren Absichten. Er wollte zur Abwehr der feindlichen Umfassung seinen linken

x) Obst. Eduard Edl. v. Merten, Kommandant der 121. IBrig., erwarb sich in den Kämpfen um Derażno das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

Flügel mit zwei Infanteriedivisionen — 21. und 45. SchD.—des Zentrums verstärken, erbat sich jedoch wegen der andauernden Bedrohung der Stubielfront die zur 2. Armee unterwegs befindliche 2.ID. (S.121) zurück. Diese Division war von der Heeresleitung schon in der Nacht zum 16. auf die erste Nachricht von dem schweren Rückschlag auf dem linken Flügel des X. Korps in Bokujma angehalten worden. Sie wurde nun dem Erzherzog wieder zur Verfügung gestellt. Freilich sprach sich die Heeresleitung in einem Telegramm am Vormittag sehr bestimmt dafür aus, möglichst starke Kräfte außerhalb vom linken Flügel zu einem Gegenschlage zu versammeln, da mit einem bloßen Verstärken der Front nördlich der Putilowka ein Umschwung der Lage nicht bewirkt werden könne.

Der Plan des Erzherzogs Joseph Ferdinand war nun, die 21. und die 45. SchD. bis zum 17. September hinter den rechten Flügel des KavKorps Berndt in den Raum westlich von Silno zu verschieben, um den Feind mit diesen beiden Divisionen und mit den nördlich der Putilowka zwischen Karpilowka und Cumań stehenden Truppen des X. Korps (10. KD. und 13. SchD. mit zugeteilter halber 4. ID.) anzugreifen. Das KavKorps Berndt, gegen dessen linken Flügel ein Regiment der 3. polnischen Brigade (S. 78) und die im Sicherungsdienst am unteren Stochod von der ll.HKD. freigemachte 2. KD. (S. 78) in Anmarsch waren, sollte sich diesem Vorgehen anschließen. Die 2. ID. hatte in Eilmärschen von Bokujma nach Olyka zu rücken. Hielten sich der Südflügel und die Mitte der 4. Armee am Stubiel, so gedachte Erzherzog Joseph Ferdinand auch diese Division auf den Nordflügel heranzuziehen.

Diese Absichten konnten nun freilich nicht mehr verwirklicht werden. Einmal waren die Truppen so übermüdet, daß sie während des Marsches zusammenbrachen. FML. Martiny mußte daher melden, daß man die anbefohlenen Linksverschiebungen erst in zwei Tagen beenden könne1). Dann hatten die Russen schon am 16. September früh die am unteren Stubiel stehende 24. ID. angegriffen und ihren linken Flügel durchbrochen. So sah sich das 4. Armeekmdo. noch am Vormittag genötigt, die 45. SchD. und die halbe 21. SchD., die eben an die Putilowka zurückmarschierten, wieder auf dem Südflügel des X. Korps einzusetzen, um den Feind, der die östlich der Straße Klewań—Cumań eingenistete 62. ID. in der Flanke schwer bedrohte, über den Stubiel zurückzuwerfen. Allein die unter dem Befehl des FML. Smekal zum Gegenangriff befohlenen Truppen rückten so langsam vor, daß die Russen die 24. ID. nach wechselvollen Kämpfen

*) Kralowetz, Das k. u. k. X. Korps im Herbstfeldzug 1915 in Wolhynien (Manuskript, Kriegsarchiv).    .

westwärts drängten. Am Abend standen die Masse der 45. SchD. und Teile der 24. und der 21. Division weit hinter dem rechten Flügel der 62., halben Weges zwischen dem Stubiel und der Putilowka. In der Nacht auf den 17. September verharrte die rechts umgangene 62. ID. in ihrer nach Norden und nach Osten gerichteten Aufstellung bei Cumań. FML. Smekal stellte inzwischen seine buntgemischten Truppen — Teile der

45., 21., 24. Division — beiderseits der nach Klewań führenden Eisenbahn in breiter Front auf, mit der Absicht, am 17. früh südlich der aufs höchste gefährdeten 62. ID. ostwärts zum Gegenangriff vorzubrechen. Doch ehe der Angriff begann, wurde die 62. ID. im Morgengrauen dieses Tages von den aus dem Winkel zwischen der Putilowka und dem Stubiel vordringenden Kräften des russischen XXXIX. Korps angefallen, in der Mitte durchstoßen und zugleich in der offenen Südflanke und im Rücken gefaßt. Die Trümmer der Division mußten nach tapferem Widerstand an die Putilowka weichen. Die sich eben zum Gegenangriff anschickende Gruppe FML. Smekal blieb nun vor den jetzt auch gegen ihre Front heranrückenden Russen stehen.

Auf die Nachricht von dem schweren Mißgeschick der 62. ID. ermächtigte Erzherzog Joseph Ferdinand um 6h30 früh den FML. Martiny, sein Korps an die Putilowka zurückzunehmen, weil es keine Reserven mehr hatte, um die Lage wiederherzustellen. Rechts im Anschluß daran hatten das XIV. Korps (halbe 21. SchD. und 3. ID.) auf den Höhen von Olyka und noch weiter rechts das IX. Korps (10. ID.), das seinen rechten Flügel am Stubiel zu belassen hatte, eine neue Stellung zu beziehen.

Indes war aber auch über den Nordflügel der 4. Armee Unheil hereingebrochen. Noch am 16. September waren das Reiterkorps Gillenschmidt und das XXX. Korps über den Kormin und durch das Ausfallstor zwischen dem Kormin und der Putilowka westwärts vorgerückt. Das KavKorps Berndt, das mit etwa 2600 Feuergewehren und 9 Geschützen eine Front von 13 km verteidigen mußte, wurde am Abend bei Żurawicze heftig angegriffen und am nächsten Morgen an mehreren Stellen durchstoßen. Der Feind setzte bei diesem Kampfe dem nach Silno entsendeten IR. 8 nicht unbeträchtlich zu. Weiter südlich ging um dieselbe Zeit der auf dem linken Flügel des X. Korps eingesetzten 10. KD. Karpilowka verloren. Als dies geschah, wurde gerade die 13. SchD. mit der ihr zugeteilten halben 4. ID. aus der Front Karpilowka—Cumań gegen Westen zum Anschluß an die gegen die Putilowka im Rückzug weichende 62. ID. zurückgenommen. FML. Martiny suchte den gegen seine Nordflanke vordringenden Feind abzuwehren, indem er die gerade von Moszczanica auf seinen linken Flügel unterwegs befindliche halbe 21. SchD. gemeinsam mit Truppen der 13. SchD. und der 4. ID. in der Richtung auf Karpi-łowka zum Gegenangriff ansetzte. Doch die brüchig gewordene Front konnte dadurch nicht wiederhergestellt, sondern nur eine Aufnahmstellung im Anschluß an die 62. ID. bei Moszczanica bezogen werden. Auch das in breiter Front nördlich von Karpilowka bis Kolki fechtende KavKorps Berndt vermochte dem Drucke der Russen nicht mehr zu widerstehen. Es wich gegen Westen. Und nicht genug daran: die zwischen Styr und Stochod sichernde l.KD., die vor wenigen Tagen bis in den Styrbogen von Czartorijsk und auf Okonsk vorgedrungen war, drückten Angriffe des russischen Reiterkorps Gillenschmidt wieder auf die Linie Kolki—Kaszowka zurück. Teile der von Mielnica zum Korps Berndt anrückenden 2. KD. mußten daher als Verstärkung zur l.KD. geschickt werden. Eine Brigade der in der Gegend von Pełża eingelangten 2. ID. wurde vom 4. Armeekmdo. nach Kotow hinter das X. Korps befohlen. Aber es war nicht mehr zu erhoffen, daß diese schwachen Verstärkungen noch rechtzeitig den Nordflügel vor Umfassung bewahren würden.

Das Weichen der weitausgedehnten Heereskavallerie veranlaßte den FML. Martiny schon am Vormittag, seinem Armeekommandanten zu melden, daß sich das X. Korps auf dem linken Flügel nicht mehr lange werde behaupten können; er habe keine Reserven mehr, um der feindlichen Umgehung entgegenzutreten, die Truppen seien vollständig erschöpft *■), und ihr Kampfwert sei nur mehr gering einzuschätzen. Er habe die Überzeugung, daß man an einen starken Abschnitt zurückgehen müsse, wenn sich die Lage wieder bessern solle. Auf diese sehr ernste Meldung hielt es Erzherzog Joseph Ferdinand für unabwendbar, die 4. Armee an den Styr und den linken Flügel der 1. Armee an die Ikwa zurückzunehmen. Nur schweren Herzens stimmte die Heeresleitung einem so weiten Absetzen der 4. Armee wegen des damit verbundenen Rückzuges der 1. Armee an die Ikwa zu. Am Nachmittag gab das Heeresgruppenkmdo. die Rückzugsbefehle.

Darnach hatten von der 1. Armee die Mitte (I. Korps mit der 9. ID.) und der linke Flügel (Korps Szurmay mit der 40. HID. und 7. ID.) hinter der Ikwa von Dubno bis Torgowica, der rechte Flügel der 4. Armee (IX. Korps mit der 10. ID., verstärkt durch die halbe 2. ID.) entlang des

!) Was FML. Schmidt-Fussina, der Kommandant der 4. ID., über den Zustand der Regimenter seiner Division meldete, galt beim X. Korps auch für alle anderen. Die Truppen waren von den außerordentlichen Anstrengungen so ermattet, daß sie im Gefechte oder auf Posten einschliefen und auf dem Marsche todmüde zusammenbrachen.

westlichen Styrufers bis zur Polonkamündung eine Stellung zu beziehen. Das aus der 3. ID., der halben 21. SchD., der halben 2. ID., der 24. ID. und der 45. SchD. zusammengesetzte XIV. Korps wurde als Besatzung des Brückenkopfes von Łuck bestimmt. Nördlich davon hatte von Żydy-czyn bis unterhalb von Rożiszcze das nunmehr drei Divisionen starke X. Korps (62. ID., 13. SchD. und 4. ID.) mit der zugeteilten 10. KD. wieder auf dem Westufer des Styr Aufstellung zu nehmen. Noch weiter flußabwärts bis Sokul sollte das KavKorps GM. Gf. Herberstein1) (4.KD.,

7. KD., verstärkt durch die halbe 2. KD. und ein Polenregiment) sichern, während das aus der 1., der 9., der 11. und der halben 2. KD. sowie der

1. und der halben 3. polnischen Brig. neugebildete KavKorps Hauer die Deckung in der Landenge zwischen Styr und Stochod und weiter nördlich am Stochod bis Łubieszów zu übernehmen hatte. Links davon rückte die deutsche 5. KD. in dem Stochodabschnitt bis zur Einmündung in den Pripiatj in die Front.

Dieser Rückzug wurde noch am 17. September mit Einbruch der Dunkelheit angetreten. Nur Nachhuten blieben bis zum nächsten Morgen an der Putilowka zurück, um den Feind aufzuhalten. Daß dies geschah, merkten die Russen anfänglich nicht und drängten nicht nach. Als sie es am nächsten Morgen innewurden, ließ Brussilow einen stärkeren Kavalleriekörper dem entronnenen Gegner folgen und rasch auf Łuck losgehen, um die wichtige Stadt mit ihren Depots im Handstreich zu nehmen. Die Truppen der 4. Armee, die in der Nacht einen Vorsprung gewonnen hatten, langten unterdessen nach beispiellosen Eilmärschen am Styr an. Während das XIV. Korps im Osten von Łuck auf dem rechten Ufer des Styr Stellungen bezog, erschien aber auch schon gegen 5h nachm. die russische Reiterei, von Poddubcy kommend, im Vorfeld des Brückenkopfes und beschoß die durch die Straßen und über die Brücken von Łuck drängenden Fuhrwerksmassen. Die Verwirrung in der Stadt wäre noch größer geworden, wenn nicht Truppen der 21. SchD. dem Feind rasch entgegengetreten wären und ihn zum Rückzug gezwungen hätten.

Von diesem Zwischenfall abgesehen, konnten die neuen Stellungen der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand ohne Kampf bezogen werden. Aber die vorangegangenen Kämpfe und der Rückmarsch waren für die Truppen sehr anstrengend gewiesen, sie waren erschöpft und der Ruhe sehr bedürftig; auch waren die Verbände zusammengeschmolzen. Von den Divisionen, die am meisten gelitten hatten, zählte die 62. ID.

*) Bisheriges KavKorps Berndt. GM. Berndt übernahm den Posten eines Generalstabschefs der 4. Armee.

3600, die 4. ID. 3700, die 13. SchD. 6000 Feuergewehre, die Gefechtsstärke der 24. ID. und der 45. SchD. war nicht höher; auch die Reihen der 7. und der 9. KD. waren arg gelichtet. Viele Pferde verendeten vor Erschöpfung. Alles in allem hatte die 4. Armee seit dem Beginn des Vormarsches auf Rowno an die 50.000 Streiter eingebüßt.

Die Maßnahmen zur Entlastung der k. u. k. 4. Armee

GO. Conrad war durch diesen unglücklichen Ausgang der harten, verlustreichen Kämpfe vor Rowno empfindlich getroffen.

Nun hatte aber gerade am 16. September die Bugarmee die Stadt Pinsk erobert und den Feind über die Jasiolda und den Oginskikanal in die Sümpfe des Pripiatj zurückgedrängt. Dies ließ GO. Conrad sofort den Plan fassen, der 4. Armee durch einen Flankenstoß aus dem Polesie zu helfen. Am 17. September unterrichtete er Falkenhayn vom Emst der Lage auf seinem Nordflügel und bat ihn, alle entbehrlichen Kräfte der Bugarmee südwärts über Łubiaż auf Kolki in die Flanke der gegen die

4. Armee vordringenden Russen zu führen. GdI. Falkenhayn antwortete noch an demselben Tage, daß von der Bugarmee am 19. September zwei Infanteriedivisionen nach Süden in Marsch gesetzt werden könnten. Er knüpfte jedoch daran die Bedingung, daß die deutschen Verstärkungen, die Heereskavallerie im Polesie — die KavKorps Herberstein und Hauer und die deutsche 5. KD. — sowie die 4. Armee einem deutschen Führer, dem GdI. v. Linsingen, unterstellt würden. Unter dem Zwange der schwierigen Augenblickslage verständigte sich GO. Conrad mit dem Verbündeten schließlich dahin, daß mit 20. September aus den von der Bugarmee abzugebenden Kräften — der 1. und der 22. ID. unter dem Befehl des Kommandanten des XXIV. RKorps, GdI. v. Gerok, und der 5. KD. — sowie aus den bisherigen Truppen der 4. Armee und den beiden Kavalleriekorps im Polesie eine an den Oberbefehl des Erzherzogs Friedrich gewiesene Heeresgruppe GdI. Linsingen gebildet werde.

Gleichzeitig entschloß sich Conrad, da die Gefahr in Ostgalizien durch den Rückzug der Russen an den Sereth und durch den Abwehrerfolg der 2. Armee (S. 132) beseitigt schien, seine Heeresreserve, das

XVII. Korps, näher an den Nordflügel heranzuziehen. Die gerade gegen Rawa Ruska marschierende 11.ID. hatte mit dem XVII.Korpskmdo. nach Władimir-Wołyński zu rücken, während die 41. HID., deren erste Staffeln bereits bei Pomorzany eingelangt waren, nach Kamionka-Strumilowa und von dort im Fußmarsch über Radziechów nach Gorochów geleitet wurde. Die 1. und die 2. Armee sollten mit 19. September als Heeresgruppe GdK. Böhm-Ermolli vereinigt werden. Dieser fiel die Verteidigung der Ikwalinie zu.

Da erhob aber GM. Ludendorff, Chef des Stabes der Heeresgruppe Hindenburg, in einem Telegramm vom 18. September gegen die Entsendung von deutschen Kräften auf den nördlichen Flügel der öst.-ung. Front Einspruch. Der Angriff der deutschen 10. Armee, die mit ihrem verstärkten linken Flügel zur Umfassung auf Minsk ausholte, schritt gerade günstig vorwärts; Wilna stand vor dem Falle. Doch schien die Stawka schon Gegenmaßnahmen gegen die deutsche Umfassung getroffen zu haben. Sie versammelte starke Reserven bei Dünaburg und führte von den Armeen der Mitte Verstärkungen nach Molodieczno. Dadurch kam die deutsche Kavallerie an der Wilia in eine üble Lage. Daher hielt es Hindenburg begreiflicherweise für dringend geboten, daß die Bugarmee nördlich des Pripiatj mit allen ihren Kräften die Richtung nach Nordosten nehme, um die Zange gegen die über Wilna umfaßte russische Heeresmitte auch von Süden her anzusetzen.

Diese Einwendungen konnten allerdings an den einmal gefaßten Entschlüssen nichts ändern. GdI. Falkenhayn war mit Conrad eines Sinnes, daß dem weiteren Vordringen der Russen in Wolhynien mit Rücksicht auf die Front an der Ikwa und in Ostgalizien unter allen Umständen Einhalt geboten werden mußte. Am 19. September wurde dem GdI. Linsingen auf Grund einer zwischen Falkenhayn und Conrad vereinbarten Weisung vom FM. Erzherzog Friedrich kurz befohlen, er habe das weitere Vordringen des Nordflügels der russischen Kräfte südlich des Pripiatj zu verhindern.

Der Kampf um Łuck

GdI. Linsingen hatte indessen schon am 18. September abends seine ersten Verfügungen getroffen. Er ließ das 4. Armeekmdo., das seinen Sitz von Łuck nach Wladimir-Wołyński verlegt hatte, anweisen, starke Kräfte auf dem Nordflügel zu neuer Offensive zu versammeln. Die

ll.HKD. und links von ihr die deutsche 5. KD. sollten in die Gegend von Maniewicze vorgehen und dort die Styrübergänge sichern. Einen Tag später, am 19. abends, erhielt Erzherzog Joseph Ferdinand von Linsingen einen zweiten Befehl, worin es hieß, daß die 4. Armee drei Infanteriedivisionen hinter ihrem linken Flügel als Heeresgruppenreserve bereitzustellen habe. Die KavKorps Herberstein und Hauer sollten die Styrübergänge sperren. „Die von Norden heranrückenden deutschen

Kräfte, die beiden Kavalleriekorps sowie die aus der Front der 4. Armee herauszuziehenden drei Infanteriedivisionen werden zu einem Stoße gegen die feindliche rechte Flanke angesetzt werden.“

Erzherzog Joseph Ferdinand war unterdessen schon eifrig bedacht gewesen, die Ordnung unter seinen Truppen wiederherzustellen sowie Reserven zu bilden; er hatte die Truppen der 4. ID. auf dem Nordflügel des X. Korps wieder vereinigt, hatte die halbe 21. SchD. und die 10. KD. aus der Front gezogen und beide nördlich der Sierna versammelt. Das war aber zunächst auch alles, was er freimachen konnte. Teile der 2. ID. und der 21. SchD., die er noch als Reserve in Aussicht genommen hatte, mußten beim XIV. Korps zum Bau der Brückenkopfstellungen von Łuck zurückbehalten werden. Die von Osten heranrückenden Russen waren der neuen Widerstandslinie der 4. Armee schon nahe gekommen. Nach einer Meldung des GdI. Roth schien der Feind an der von Poddubcy nach Łuck führenden Straße das XIV. Korps angreifen zu wollen. Angesichts dieser Bedrohung kamen dem 4. Armeekmdo. begreiflicherweise Bedenken, die Front zu schwächen. Der Erzherzog berichtete noch am 19. abends dem GdI. Linsingen über die schwierige Lage und wandte sich gleichzeitig nach Teschen mit der Bitte, ihm das XVII. Korps zu unterstellen, da es sonst nicht möglich wäre, gemäß den Weisungen des GdI. Linsingen eine Stoßgruppe von drei Infanteriedivisionen auf dejn Nordflügel der 4. Armee zu bilden.

Indes hatte Brussilow schon die 4. SchD. des russischen XXXIX. Korps zum Sturme auf den Brückenkopf von Łuck vorgeschickt1). Am 19. September abends begann sie den Angriff. Ihr ungestümer Vorstoß richtete sich hauptsächlich gegen die beiderseits der Straße von Klewań aufgestellte halbe 21. SchD., erfaßte aber auch die nördlich anschließende halbe 2. ID. und den linken Flügel der 3. ID. In verlustreichem, stellenweise bis zum Handgemenge führendem Kampfe schlugen die SchR. 6 und 7, das salzburgisch-oberösterreichische IR. 59 und die rasch herbeigeeilte Reserve des XIV. Korps, das SchR. 34, den feindlichen Ansturm ab.

Nach diesem Mißerfolg blieb die russische 4. SchD. am 20. September vor dem Brückenkopf liegen. Nachrichten, die dem 4. Armeekmdo. Vorlagen, ergaben, daß nun die Masse der 8. Russenarmee, das XXXIX. Korps, dahinter das XXX. Korps gegen Łuck, die Masse des XII. Korps gegen den Südflügel der 4. Armee und das Reiterkorps Weljassew gegen den Styr bei Rożiszcze heranrückten, während das Reiterkorps Gillenschmidt, verstärkt durch drei Infanterieregimenter, den Raum zwischen Styr und x) Broussilov, 157.

Stochod deckte. Am 20. September abends begannen die Russen eine scharfe Kanonade gegen den Brückenkopf von Łuck; ihr folgten in der Nacht auf den 21. neue, diesmal allerdings schwächliche Erkundungsstöße der russischen 4. SchD., die vom XIV. Korps glatt abgewiesen wurden. Auch an den beiden nächsten Tagen beschoß die russische Artillerie die Brückenkopfstellungen, feindliche Infanterie schob sich näher an die Südostfront heran. Zur selben Zeit entwickelten sich auf dem Südflügel des

IX. Korps Kämpfe. Hier schienen die Russen im Styr-Ikwawinkel einen Übergang zu beabsichtigen.

Erzherzog Joseph Ferdinand hatte inzwischen schon am 19. und neuerlich am 20. September Führer und Truppen von dem Herannahen deutscher Verstärkungen unterrichtet und sie zum Ausharren angefeuert. Am 21. langten das XVII. Korpskmdo. und die 11. ID. zur Verfügung der 4. Armee in Wladimir-Wołyński ein. Die Verwendung der nach Goro-chów unterwegs befindlichen 41. HID. hatte sich die Heeresleitung noch ausdrücklich Vorbehalten. Die Absicht des Erzherzogs war es nun, die

11. ID., die 13. SchD. des X. Korps und die 21. SchD., deren eine Brigade noch dem XIV. Korps zugeteilt war, bis zum 24. September abends hinter seinem linken Armeeflügel zu versammeln. In der Nacht auf den 23. sollten diese Truppenverschiebungen beginnen.

Bei den Russen hatte Brussilow inzwischen sein XXX. Korps an den Styr herangeführt. Dieses Korps sollte rechts vom XXXIX. Korps den Fluß überschreiten, um den Brückenkopf von Łuck, den die 4. SchD. nach den bisherigen Erfahrungen nicht mehr in der Front anzugreifen wagte, durch Umfassung zu nehmen. Gen. Stelnitzki, der Führer des russischen XXXIX. Korps, wollte aber in gleicher Weise wie sein Nachbar an der Zurückeroberung von Łuck Anteil haben und befahl daher die 4. SchD. noch einmal zum Angriff1).

Am 22. September um 9h30 abends erfolgte nach einer heftigen Kanonade ein ungestümer Angriff gegen das k. u. k. XIV. Korps. Die am linken Flügel stehende 24. ID., die ihr Mißgeschick am Stubiel (S. 137) noch nicht überwunden hatte, wurde in der Mitte und dann auf dem rechten Flügel durchbrochen. Die in Verwirrung gebrachten Truppen dieser Division zogen sich bis an den Styr und über die Brücke von Wyszków zurück. Auf die Kunde davon ließ Erzherzog Joseph Ferdinand kurz entschlossen die schon an den Nordflügel abrückende 13. SchD. für alle Fälle halten. Er unterstellte die 10. KD. zum Schutze des bedrohten rechten Flügels der 62. ID. dem FML. Martiny und wollte die halbe

!) Broussilov, 157f.; Korolkow, Strategische Übersicht, 371.

21.SchD., die sich zur Zeit noch hinter der Sierna befand, als Verstärkung auf dem Nordflügel des XIV. Korps einsetzen. Diese Brigade sollte bei Żydyczyn auf das rechte Styrufer übergehen. Allein die dort sichernde 62. ID. hatte die Brücke von Żydyczyn vorzeitig abgebrochen, so daß die auf dem anderen Ufer noch zurückgebliebenen Reste der 24. ID. nach ehrenvollem Widerstand von den Russen überwältigt wurden. Nun aber drangen die Russen durch den entblößten Raum bei Żydyczyn in der Mitte des XIV. Korps ein und nötigten die dort fechtenden Truppen der

45. SchD. und der 2. ID. zum Rückzug. GdI. Roth, der schon alles, was er an Reserven besaß — es waren nur fünf Kompagnien der 45. SchD. —, in den verzehrenden Kampf geworfen hatte, unterrichtete den Erzherzog Joseph Ferdinand über den Ernst der Lage und erbat sich von ihm die Ermächtigung, gegebenenfalls den Brückenkopf räumen zu dürfen. Als sich die Russen um 3hfrüh dem Nordrande von Łuck näherten, gab GdI.Roth den Rückzugsbefehl. Nur der hartnäckige Widerstand, den die an den Nordrand der Stadt zurückgedrückten Abteilungen dem Feinde leisteten, ermöglichte den Batterien und den bunt durcheinandergeworfenen Truppen der 45., der 2. und der 21. Division den schwierigen Abmarsch durch die Straßen von Łuck und den Übergang über die Brücken.

Gleich am 23. September früh gelangten russische Kräfte über die Brücke von Wyszków, die von der zurückflutenden 24. ID. nicht abgebrannt worden war, und an anderen Stellen auf das Westufer des Styr. Obgleich die in diesem Abschnitt vorgeschobenen Truppen der 21. SchD. und der 62. ID. anfänglich ein Vorgehen der Russen behinderten, wichen andere Truppenteile auf Zaborol. Die 3. ID., die sich auf dem rechten Flügel des XIV. Korps in der Nacht tapfer behauptet hatte, konnte unterdessen den Übergang ohne Störung durch den Feind oberhalb von Łuck bewerkstelligen und eine neue Stellung auf dem linken Ufer beziehen. Aber auf die Nachricht von dem Übergang der Russen unterhalb der Stadt sowie in Anbetracht der wenig erfreulichen Verfassung der 45. und der 24. Division, die die schwierige Lage dieses Armeeteiles so recht erkennen ließ1), hielt es das 4. Armeekmdo. für unvermeidbar, das ganze XIV. Korps nachmittags in eine bogenförmige Stellung zurückzunehmen, die von Polonnaja-Gorka über Zaborol verlief und dort an den zurückgebogenen rechten Flügel des X. Korps anschloß.

Auf die Hiobspost von diesem neuerlichen Rückschlag richtete die Heeresleitung sehr dringende Mahnungen an die 4. Armee, auszuhalten,

a) Zajontschkowskij, Der Bewegungskrieg 1914 und 1915, 371, gibt die Zahl der vom russischen XXX. Korps eingebrachten Gefangenen mit 12.000 Mann an.

da sonst die Ikwalinie überflügelt werde. Auch sah sie sich schon am

23.    September früh veranlaßt, die 41. HID. zum Abmarsch von Gorochów nach Czaruków anzuweisen. Erzherzog Joseph Ferdinand erbat sich die Unterstellung dieser Division; außerdem ließ er die an den Nordflügel unterwegs befindliche 11. ID. bei Zaturcy anhalten. Denn seine Absicht war jetzt, diese beiden Divisionen sowie die bei Ulaniki verbliebene

13. SchD. unter Mitwirkung der 3. ID. zu einem konzentrischen Gegenangriff wider den aus Łuck hervorbrechenden Feind zu verwenden. Mit diesem Plan war aber GdI. Linsingen keineswegs einverstanden. Er war der Meinung, daß der Russe keinen entscheidenden Schlag über Łuck führen w'erde und an dieser Stelle der Einsatz von vier Infanteriedivisionen daher nicht nötig sei. Auch war für ihn vor allem der Wunsch maßgebend, den rechtzeitigen Abmarsch der Verstärkungen an den Nordflügel für den kommenden Flankenstoß durchzuführen. Als Linsingens Befehl, die beiden Divisionen des XVII. Korps wohl an die Durchbruchstelle heranzuführen, aber nur im äußersten Notfall einzusetzen, in der Nacht zum 24. eintraf, war der Erzherzog bereits selbst zu diesem Entschlüsse gelangt.

Der Oberbefehlshaber der neuen Heeresgruppe sollte sich in seinem Urteil über die Lage nicht täuschen. Ein starker Angriff der Russen aus Łuck heraus erfolgte tatsächlich nicht. Zwar versuchte der Feind am

24.    früh, entlang der nach Sierniki führenden Straße gegen die 62. ID. vorzustoßen. Gegenüber dem XIV. Korps nahm er aber im Laufe dieses Tages eine beobachtende Haltung ein. Er schien Verstärkungen abzuwarten und blieb mit den Hauptkräften in den erkämpften Stellungen auf dem Ostufer des Styr stehen. Erzherzog Joseph Ferdinand ließ nun die für den Flankenstoß bestimmten Truppen mit Ausnahme der noch bei Ulaniki zurückbleibenden 13. SchD. nach Norden abrücken.

Neue russische Vorstöße an der Ikwa und bei Niv. Aleksiniec Hiezu Beilage 7 sowie Skizzen 6 und 7 (19. bis 23. September)

An der Front der 7. und der Südarmee hatte seit dem 18. September im wesentlichen Ruhe geherrscht. Die Russen waren wieder an den Sereth ausgewichen und hatten dort ihre früheren Brückenkopfstellungen bezogen. Die Kampftätigkeit beschränkte sich auf Aufklärungsgefechte der weit in das Zwischengelände vorgeschobenen Sicherungstruppen. GdK. Pflanzer-Baltin und GdI. Bothmer nutzten die Zeit, um Ordnung in den Verbänden und Reserven zu schaffen und die Stellungen ausbauen zu lassen.

Südlich des Dniester zog Pflanzer hinter dem Korps Henriquez (6. KD., 30. ID.), das seine Linien wieder in das Vorfeld des Brücken-/ kopfes von Zaleszczyki vorgeschoben hatte, eine aus der 5. HKD., der

8. KD. sowie aus einem Regiment der 202. HIBrig. gebildete Armeereserve zusammen. Auf dem östlichen Strypaufer, links vom XIII. Korps (15. und 36. ID.), übernahm das VI. Korps, FML. Arz, mit der 37. HID. und mit der von der Südarmee wieder zur Verfügung gestellten 39. HID. den Abschnitt zwischen Wiśniowczyk und Buczacz. Die 12. ID. wurde bei Buczacz in Reserve gestellt. Das beiderseits der Serethmündung stehende Korps Benigni bestand nunmehr aus der 5. und der 6. ID. und aus der

3. KD., während das XI. Korps Korda wie bisher aus der 42. HID., der halben 202. HIBrig., der 2. polnischen Brig. und aus der Brigade Obstlt. Papp zusammengesetzt war.

Auf dem rechten Flügel der Südarmee hatte das Korps Hofmann nach dem Rückzuge der Russen an den Sereth zwischen Burkanów und Kupczyńce seine früheren Brückenkopfstellungen besetzt und alle seine Truppen (55. ID. verstärkt durch die 131. IBrig. und die Brigade Obst. Bolzano) wieder vereinigt. Das Korps Marschall (3. GID., 48. RD., 19. ID., 38. HID.) mit der zugeteilten 32. ID. stand wie bisher östlich der Niederung Kupczynce—Jezierna und in der Gegend südöstlich von Nesterowce bis zum Sereth. Die dem Korps Marschall noch zugeteilten Regimenter der 51. HID. (HIR. 302) und der 27. ID. (IR. 67) wurden zur

2. Armee abgegeben.

Bei dieser Armee waren einige wesentliche Veränderungen eingetreten. Am 19. September abends machte Böhm-Ermolli die 26. SchD. bei Rostoki frei, um sie mit der hinter seinem Nordflügel eingelangten 46. SchD. zur 1. Armee zurückzusenden, die ihm unterstellt worden war (S. 142). FML. Trollmann, der Kommandant des XIX. Korps, war samt seinem Stabe auf den Balkankriegsschauplatz zur 3. Armee abberufen worden. Die 14. und die 34. ID. sowie die 51. HID. des bisherigen

XIX. Korps wurden dem FML. Schmidt-Georgenegg, Kommandanten des IV. Korps, unterstellt. FML. Kosak übernahm den Befehl über das bisherige IV. Korps, aus dem nunmehr die nach ihm benannte, aus der

27. und der 29. ID. bestehende Gruppe gebildet wurde. Zu ihr traten auch jene Teile der beiden Divisionen zurück, die zunächst als Division GM. Kroupa im Verbände des Korps Czibulka an den linken Flügel der Südarmee, dann aber wieder hinter den rechten Flügel der 2. Armee entsendet worden waren (S. 109 und 126). Teile der 27. ID. wurden als Armeereserve bei Nw. Poczajew bestimmt, während die 29. ID., deren

Kommando GM.Kroupa wieder übernahm,zwischen dem V.Korps(33.ID., 43. SchD.) und dem XVIII. Korps (halbe 31. ID., Masse der 1. LstlBrig., 1. LstHusBrig.) an der Ikwa eingesetzt blieb. Ferner wurde auf dem Südflügel der 2. Armee die 34. ID., die bei Gontowa schwere Verluste erlitten hatte, abgelöst und als Armeereserve hinter das neugebildete IV. Korps nach Załośce zurückgenommen. Die ihr zugeteilte halbe 31. ID. (Brigade GM. Felix) trat zum XVIII. Korps zurück, dessen Kommando an Stelle des FML. Lütgendorf wieder FML. Czibulka übernahm.

Während dieser Truppen Verschiebungen versuchte Gen. Brussilow, im Zusammenhang mit seinem Vorstoß auf Łuck den Gegner durch örtlich gebundene Ausfälle an der Ikwa zu fesseln und ihn an der Entsendung von Truppen an den Nordflügel zu hindern. Am 19. September früh stieß er mit Teilen seines XVII. Korps aus dem Kremieniecer Bergland über den Fluß. Oberhalb von Dunajew wurde das IR. 42 der 29. ID. zurückgedrängt, links davon das dieser Division zugeteilte LstlR. 2 von Süden aufgerollt. Der Einbruch erfaßte ein Frontstück von 8 km und erreichte eine Tiefe von 31/2 km; doch leisteten die anschließenden Truppen der 29. und der 27. ID. der feindlichen Übermacht so lange mutvollen Widerstand, bis Unterstützungen (IR. 75 und 25) heran waren. In gemeinsamem Gegenstoß wurden die Russen über die Ikwa zurückgetrieben. In der Hand der deutschböhmischen*) 29. ID. blieben 800 Gefangene. Ein gleichzeitiger Einbruch bei Sapanow in die dünnen Linien des

XVIII. Korps konnte ebenfalls durch einen Gegenangriff der Reserven wettgemacht werden. Bald darauf, in der Nacht auf den 21. September, wurde die auf dem Nordflügel des V. Korps eingesetzte 33. ID. von Truppen des VII. Russenkorps überraschend angefallen und unter empfindlichen Verlusten auf Łopuszno zurückgedrängt. Dieser örtliche Rückschlag legte in der Flanke der Gruppe Kosak das Ikwaknie bei Rostoki wieder frei.

Auch bei der 1. Armee hatten sich seit dem 19. September Kämpfe entwickelt. Auf dem linken Flügel des II. Korps versuchten die Russen, allerdings ohne jeden Erfolg, die Sicherungen der 25. ID. von den Ikwa-inseln bei Dubno zu vertreiben. Gegenüber dem I. Korps (Teile der

46. SchD. und 9. ID.) und dem Korps Szurmay (40. HID. und 7. ID.) besetzten die vom oberen Stubiel vorgehenden russischen Kräfte das Nordufer der Ikwa und schienen bei Torgowica sowie weiter abwärts auf dem rechten Flügel des IX. Korps die Flußlinie überschreiten zu wollen. Bulgarien hatte mit der Mobilmachung gegen Serbien begonnen, daher Das Infanterieregiment 94 im Weltkrieg, 386 f.

rechnete GO. Conrad damit, daß der Russe seine Angriffe bald auf die ganze Front ausdehnen werde, und mahnte am 22. September seine Armeen neuerlich zu eifrigstem Ausbau der Stellungen.

In der Tat ging Brussilow, unmittelbar nachdem er Łuck erobert hatte, an der Ikwa zu ernsten Angriffen über. Sein Plan ging vielleicht dahin, die Ikwafront durch einen Vorstoß von Norden über Mlynow— Chorupan und durch einen Angriff von Süden bei Rostoki aus den Angeln zu heben.

Am 23. September früh brach zuerst das VII. Russenkorps gegen die 33. ID. des V. Korps bei Łopuszno und auch gegen den rechten Flügel der Gruppe Kosak bei Borszczewka vor. Während der Feind in die tapfer verteidigten Stellungen der 29. ID. auf dem linken Ufer der Ikwa nicht einzudringen vermochte, drohte er, in mehreren Reihen anstürmend, die 33. ID. bei Łopuszno zu durchbrechen. Auf die Nachricht von der schweren Bedrängnis dieser Division stellte GdK. Böhm-Ermolli seine Armeereserve, Teile der 27. ID., bei Nw. Poczajew dem FML. Kosak und die 34.ID. bei Załośce dem FML. Goglia mit dem Aufträge zur Verfügung, die auf Łopuszno vorgebrochenen Russen durch einen doppelseitigen Gegenangriff entscheidend zu schlagen. Außerdem wurde die Masse der zur 1. Armee unterwegs befindlichen 26. SchD. wieder hinter das XVIII. Korps verschoben, da hier die Russen anscheinend ebenfalls angreifen wollten. FML. Kosak überschritt am Nachmittag mit zwei Regimentern der 27. ID. (IR. 65 und 85) bei Łosiatyn die Ikwa und ging zum Gegenangriff auf Rostoki über. Dieser Stoß traf den Feind so hart in der Flanke, daß er seinen Angriff gegen die 33. ID. aufgeben mußte, bevor die von Załośce in Eile herangezogene k.u.k. 34. ID. eingreifen konnte.

Am 24. September bei Morgengrauen versuchten aber Kräfte des russischen VIII. Korps gegenüber dem Nordflügel der 25. ID. bei Dubno den Fluß zu überschreiten. Die auf einer Ikwainsel eingenisteten Sicherungen des Wiener IR. 4 wurden von der feindlichen Übermacht zum Teil vertrieben. Als die Russen über die in Brand gesteckte Brücke auf das andere Ufer Vordringen wollten, gingen die Deutschmeister zum Gegenangriff über. Dieser Gegenstoß aus der Brückenenge heraus zwang den Feind zum Rückzug1). Zur gleichen Zeit drohte aber abwärts von Dubno ein Durchbruch. Hier gelang es dem angreifenden russischen VIII. Korps, im Schutze des Morgennebels nach tapferer Gegenwehr in die südlich der versumpften Flußniederung auf dem Höhenrand von

1) Hoen, Waldstätten-Zipperer und Seifert, Die Deutschmeister, 516 ff.

Chorupan erst im Bau befindlichen Stellungen der 9. ID. einzudringen. Doch brachte das äußerst wirksame Flankenfeuer, das eine Batterie der sFHD. 2 der benachbarten 25. ID. auf den Höhen westlich von Dubno abgab, das Vorgehen der Russen alsbald zum Stillstand1). Auch hatte FZM. Puhallo schon mit russischen Angriffen gerechnet und tags zuvor die 51. SchBrig. der 26. SchD. in die Gegend südwestlich von Dubno herangezogen. Diese Brigade wurde am Nachmittag gemeinsam mit Truppen der 9. ID. zum Gegenangriff auf Chorupan angesetzt. Der Gegenstoß hatte vollen Erfolg. Die Russen mußten das Südufer der Ikwa auf geben und ließen rund 1500 Mann als Gefangene in den Händen der Sieger zurück.

Örtliche Vorstöße des russischen XII. Korps, die sich gegen das Korps Szurmay und auch gegen das benachbarte IX. Korps der 4. Armee richteten, waren inzwischen ebenfalls abgeschlagen worden. Damit war am Abend des 24. September der Angriff der Armee Brussilow an der Ikwa verebbt. Dagegen hatte Gen. Schtscherbatschew noch am selben Tage auf dem rechten Flügel der russischen 11. Armee das VI. Korps gegen Nw. Aleksiniec vorbrechen lassen. Dieser Ausfall erfolgte plötzlich und bei dichtem Morgennebel gegen die 51. HID., deren erholungsbedürftige Truppen anscheinend nicht entsprechend gesichert waren. So gelang es den Russen, diese Division auf ihrem Nordflügel zu durchbrechen und aufzurollen. Drei ihrer Regimenter wurden im Rücken gefaßt und gerieten zum großen Teil in Gefangenschaft. Wieder wurden bei diesem Stellungskampfe die geringen örtlichen Reserven in das Unheil mit hineingerissen. Zudem verirrte sich auch die unzweckmäßig auf gestellte Divisionsreserve in dem nebelumhangenen welligen Gelände und konnte daher die verzweifelte Lage nicht mehr retten. Die zerschlagene 51. HID. mußte Nw. Aleksiniec aufgeben und mit ihren Trümmern — es waren etwa noch 1000 Streiter — westwärts gegen Zagórze weichen. Die bedächtig vorgehenden Russen stießen über Nw. Aleksiniec nicht kräftig nach; doch kam auch die am Nachmittag vom FML.Schmidt-Georgenegg zum Gegenangriff angesetzte Korpsreserve bald zum Stehen.

FML. Goglia, der inzwischen in der Mitte des V. Korps die von Załośce eingelangte 34. ID. zwischen der 43. SchD. und der 33. ID. eingeschoben hatte, sollte ursprünglich am 24. September in Fortsetzung des von FML. Kosak bereits begonnenen Vorstoßes (S. 149) die Linie Rostoki—Goryńka Bol. gewinnen, um die tiefe Flanke der Gruppe Kosak

*) Das selbständige Artillerieregiment des Bundesheeres begeht in der Erinnerung an diesen Kampf seinen Regimentsgedenktag.

südlich der Ikwa zu sichern. Auf die Nachricht von dem schweren Rückschlag bei der 51. HID. ließ jedoch GdK. Böhm-Ermolli dieses Unternehmen einstellen und trug dem FML. Goglia auf, eine Infanteriebrigade der 33. ID. nach Zagórze zu entsenden. Dort hatte auch die 43. SchD. auf ihrem rechten Flügel dem Feinde Raum gegeben.

Inzwischen eilten auch von Süden her ansehnliche Verstärkungen heran. Schon am 23. September, als die Russen das V. Korps bei Rostoki angriffen, war GdK. Böhm-Ermolli an die Heeresleitung mit der Bitte herangetreten, ihm die 32. ID., die noch dem Korps Marschall zugeteilt war, zurückzugeben. Diese Division wurde hierauf von der Heeresleitung am 24. vormittags wegen der sehr bedrohlichen Lage auf dem Südflügel der 2. Armee von Nesterowce nach Załośce beordert. Bei Nw. Aleksiniec und auf dem rechten Flügel des IV. Korps bei der 14. ID. kam der Kampf am Abend zum Stillstand.

Am nächsten Tag, dem 25., ging FML. Schmidt-Georgenegg, dem der Befehl über die auf seinem Nordflügel eingelangten Truppen (32. ID. und halbe 33. ID.) übertragen wurde, auf Weisung des GdK. Böhm-Ermolli zum Gegenangriff über, der nach hartem, mühseligem Kampfe zur Wiedereinnahme des größten Teiles der verlorenen Stellungen bei Nw. Aleksiniec führte und 700 Gefangene einbrachte. Neuerliche russische Vorstöße, die sich im Verlaufe des Tages bei Gontowa und bei Mszaniec gegen die 14. ID. richteten, wurden abgewiesen.

Dieser Abwehrerfolg behob die größten Sorgen wegen einer Umgehung der Ikwafront. Aber noch immer schien die Angriffskraft der Russen nicht gebrochen; starkes Geschützfeuer, das sich gegen Ende des Monats September auch auf den Nordflügel der Südarmee ausdehnte, ließ mit der Wiederaufnahme der feindlichen Vorstöße auf Nw. Aleksiniec rechnen. Angesichts dieser andauernden Bedrohung zog GdK. Böhm-Ermolli am 27. die Masse der 26. SchD., die sich zurZeit hinter dem XVIII. Korps befand, nach Zagórze heran. Außerdem ließ die Heeresleitung die 37.HID., die mittlerweile auf dem Südflügel des VI. Korps bei Buczacz von der

12. ID. (S. 132) abgelöst worden war, mit der Bahn nach Brody fahren, um sich dort eine Heeresreserve für die Ikwafront zu bilden.

Die Russen beschränkten sich jedoch hier auf kleinere Angriffsunternehmungen, die nicht durchdrangen. Dagegen holte ihr VI. Korps, wie erwartet, am 28. früh noch einmal zu einem Schlage bei Nw. Aleksiniec aus. Auch diesmal gelang es den Russen, nach kurzem, aber heftigem Artilleriefeuer in die Stellungen des Gegners einzudringen. Im Gegenangriff sollten die auf dem Nordflügel des öst.-ung. IV. Korps befindliehen Kräfte (51. HID., 32. ID. und halbe 33. ID.) die verlorenen Gräben zurückgewinnen. Der Stoß hatte aber keinen Erfolg aufzuweisen. Dem FML. Schmidt-Georgenegg blieb daher nichts anderes übrig, als auf die Zurückeroberung von Nw. Aleksiniec zu verzichten. Er wollte nunmehr eine Linie knapp westlich des Ortes halten. Mit dieser Absicht war GdK. Böhm-Ermolli einverstanden. Die lang andauernden Kämpfe auf dem Südflügel der 2. Armee hatten zu einer bedenklichen Vermischung der Truppen des V. und des IV. Korps geführt. Es sollten jetzt vor allem die Verbände wieder geordnet und die 51. HID., deren Ablösung schon äußerst dringend geworden war, aus der Front als Armeereserve nach Załośce gezogen werden.

In Anbetracht der immer wieder eintretenden Teilrückschläge hatte GdK. Böhm-Ermolli inzwischen bei den betroffenen Divisionen (14., 33.,

34., 51.) Erhebungen pflegen lassen. In den eingehenden Berichten wurden die Leistungen dieser Truppen als vorzüglich bezeichnet. Sie hatten, wie auch die Regimenter aller anderen Divisionen der 2. Armee, in drei Durchbruchsschlachten, bei Gologory, Złoczów und bei Podkamień, ge-fochten und standen dann wieder seit dem 9. September fast ununterbrochen im aufreibenden Ringen. Die beklemmende Tatsache, daß selbst örtlich begrenzte Einbrüche zur Aufgabe benachbarter, oft nicht einmal ernstlich angegriffener Frontteile geführt hatten, wurde vor allem den Mängeln des damaligen Verteidigungsverfahrens zugeschrieben. In der vordersten Linie war fast die ganze Kampfkraft eingesetzt. War der Feind dort eingedrungen, so konnte er von der Einbruchsstelle aus fast hemmungslos den rechts und links angrenzenden Frontteilen in den Rücken kommen, da die schwachen, knapp hinter dem ersten Graben aufgestellten örtlichen Reserven einfach hinweggeschwemmt wurden oder v/egen fehlender Bewegungsfreiheit von Haus aus nur zur frontalen Wirkung kamen. Dazu riß nicht selten gerade in den allerkritischesten Augenblicken die Drahtverbindung zwischen den höheren Befehlsstellen und den Truppen. Auf diese Weise gelangte die Führung oftmals zu spät in Kenntnis der wirklichen Lage, so daß der feindliche Einbruch vielfach großen Umfang annahm, ehe die Hauptreserve in wirksamer Richtung zum Gegenangriff angesetzt werden konnte. Allein neben den Übelständen des Verteidigungsverfahrens waren die Ursachen der Rückschläge auch bei der niederen Gefechtsführung und in der mangelhaften Ausbildung des Ersatzes zu suchen. Und abgesehen davon war die Kampfkraft der Truppen naturgemäß schon herabgemindert. Namentlich bei den Regimentern mit unzuverlässigem Ersatz begann in den Tagen außerordentlicher Anstrengungen der Wille zur äußersten Pflichterfüllung und Kraftanspannung nachzulassen.

Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Truppen mußten aber auch weiterhin hochgespannt bleiben. Denn gerade in den letzten Septembertagen gab die Heeresleitung neue Anordnungen über den Stellungsbau aus. Entsprechend den bisherigen Erfahrungen im Westen sollten nach allgemeinen Weisungen der Heeresleitung drei hintereinanderliegende Linien mit Zwischenstellungen und Riegeln zur Eindämmung allfälliger Einbrüche des Feindes angelegt werden. Der Ausbau der Stellungen und der unablässige Sicherungsdienst rieben die Kräfte der ersten Linie auf; mangels von Reserven konnte eine Ablösung kaum erfolgen. Aber auch alle hinter der ersten Linie befindlichen Truppen der Kampffront waren in unausgesetzter Tätigkeit. Sie wurden zum Bau der zweiten und der dritten Linie herangezogen, sie mußten Verbindungs-, Zu- und Abgangswege schaffen oder wurden in Gewaltmärschen bald hierhin, bald dorthin gezogen, wo eben neue Kämpfe entbrannten.

Die zweite Offensive gegen Rowno

Der Flankenstoß der Gruppe Gerok (23. bis 28. September)

Hiezu Beilagen 7 und 8

Während die 2. Armee unter solchen großen Mühsalen auch in der zweiten Schlacht bei Nw. Aleksiniec ihre Walstatt bis auf geringen Geländeverlust ehrenvoll behauptete, war auf dem Nordflügel ein völliger Umschwung der Lage zugunsten der 4. Armee eingetreten. Den Auftakt dazu hatte die Heereskavallerie im Polesie bereits vor dem Rückschlag von Łuck gegeben.

Schon am 19. September hatte die deutsche 5. KD. beiLubieszów den Stochod überschritten, um gegen den Styr vorzugehen (S. 142). Als die deutschen Reiter bei Zeleznica auf Widerstand stießen, den sie nicht zu brechen vermochten, ersuchte GLt. Heydebreck die 11. HKD., die noch hinter dem Stochod stand, um Unterstützung. Diese Division konnte erst am nächsten Tag, dem 20., über den Fluß gelangen, da sie die Übergänge zerstört hatte. Am gleichen Tage mittags wurde auch GdK. Hauer durch den Erzherzog Joseph Ferdinand beauftragt, mit seinem Kavalleriekorps (11. HKD., 9., 1. und halbe 2. KD., 1. und halbe 3. polnische Brig.) an den Styr vorzudringen, um dem über den Pripiatjübergang Łubiaż anmarschierenden deutschen XXIV. RKorps, GdI. Gerok (1. und 22. ID.), den Weg in die Flanke der russischen 8. Armee zu öffnen (S. 141).

GdK. Hauer schickte seine Streitkräfte in Staffeln vom linken Flügel gegen den Styr vor. Es kam zu zahlreichen Kämpfen mit dem russischen Reiterkorps Gillenschmidt (2. komb. KosD., 3.GKosD., 16. KD., 3.kauk. KosD., Teile der 77. RD.), das auf seinem Nordflügel durch die 83. RD. der russischen 3. Armee verstärkt worden war und sich auch dort in der Höhe von Żeleznica gegenüber der deutschen 5. KD. behauptete. Die öst.-ung. Kavalleriedivisionen und die polnischen Legionäre drängten indes den schwächer gehaltenen Südflügel des russischen Reiterkorps zurück.

Am 23. September, an welchem Tage Łuck in russische Hände fiel (S. 145), erreichte die ll.HKD. bereits die Linie Jeziercy—Galuzia und schob ihre Vortruppen gegen den Styr vor. Die Polnische Legion vertrieb bis zu diesem Tage die Russen aus Trojanowka und aus Maniewicze, während die 9. KD. bei Okonsk und bei Jabłonka auf Gegenwehr stieß.

Hinter diesem Kavallerieschleier rückte das Korps Gerok über die Stochodbrücke von Rudka—Czerwiszcze heran. Am 24., knapp vor der Ankunft der deutschen Spitzenbrigade, gelang es der 9. KD., die Russen aus dem Raum von Okonsk—Jabłonka gegen Osten zu drängen. Die

1. KD., verstärkt durch die halbe 2., war inzwischen aus der Landenge zwischen Stochod und Styr vorgebrochen, hatte russische Reiterei aus Borowicy und aus Kopyli vertrieben und griff am 25. den Brückenkopf von Kołki an, .der noch am Abend von der herbeigeeilten Spitzenbrigade der ostpreußischen 1. ID. erstürmt wurde.

Damit waren für Linsingens Flankenstoß die Vorbedingungen geschaffen. Es sollte am 26. September das XXIV. RKorps unter dem Befehl des Kommandanten der deutschen 1. ID., GLt. v. Conta, den Styr bei Kołki überschreiten, indes sich das XVII. Korps, GdI. Křitek (11. ID., 41. HID. und die zugeteilte 13. SchD.), das mittlerweile an den linken Flügel der 4. Armee herangezogen worden war (S. 146), an Stelle des KavKorps Herberstein bei Borowicy, Sokul und bei Kol. Czeben für den Vormarsch bereitzustellen hatte. Am nächstfolgenden Tag (27. September) sollten die Korps Conta und Křitek unter dem Oberbefehl des GdI. Gerok aus der Linie Kolki—Sokul—Kol. Czeben gegen den Nordflügel des gegenüber der 4. Armee stehenden Feindes zum Angriff schreiten. Dabei hatte der rechte Flügel der aus den beiden zuletzt genannten Korps sowie aus der Heereskavallerie neugebildeten Gruppe Gerok die Richtung auf Rowno zu nehmen. Die nunmehr aus dem X., dem XIV.

und dem IX. Korps zusammengesetzte 4. Armee sollte sich vom linken Flügel aus allmählich dem Vorgehen der Gruppe Gerok anschließen, dem Feind aber sofort über den Styr ostwärts nachstoßen, falls er zurückging. Das KavKorps Hauer und das ihm auf dem linken Styrufer nachzusendende KavKorps Herberstein (halbe 2., 4. und 7. KD., verstärkt durch zwei Regimenter der Polnischen Legion) hatten die linke Flanke der Gruppe Gerok zu decken. Dazu erhielt GdK. Hauer den Auftrag, über den Styr zwischen Kolki und Mulczycy zu gehen, um dann links im Anschluß an das XXIV. RKorps gegen die Bahn Rowno— Samy vorzudringen. Die 11. HKD. wurde mit ihrer Hauptkraft an den Südflügel der deutschen 5. KD. in Marsch gesetzt und dem GLt. Heyde-breck unterstellt. Dieser war beauftragt, mit seinen beiden Kavalleriedivisionen die Russen aus dem Raume östlich von Jeziercy—Żeleznica und aus dem Mündungswinkel zwischen Styr und Pripiatj zu vertreiben.

Auf die Meldung von diesen Absichten des GdI. Linsingen wurden in Teschen vom GM. Metzger Bedenken gegen die Mitwirkung der 4. Armee an dem bevorstehenden Angriff erhoben; denn eine wesentliche Entspannung der Lage war schon seit dem 24. September bei der 4. Armee eingetreten, die schon so dringend Rast und Ruhe brauchte. Es schien, daß die Russen den von der 4. Armee anfangs erwarteten Vorstoß aus Łuck heraus aufgegeben hatten und sich am Styr verteidigen wollten. War es unter diesen Umständen nicht besser, sich ebenfalls auf das Halten der Styrlinie zu beschränken? Allein, an dem einmal gefaßten Entschlüsse konnten diese Erwägungen nichts mehr ändern; schon deshalb, weil GO. Conrad nach dem, was vorangegangen war, neue Rückschläge bei der 4. Armee befürchtete und zu deren vollen Entlastung den Flankenstoß der Gruppe Gerok für geboten hielt. Dies umsomehr, als sich gegenüber der 4. Armee noch immer die Hauptkräfte der 8.Russenarmee (Masse des XII., ferner XXXIX. und XXX. Korps) befanden, während gegenüber dem KavKorps Herberstein und dem anrückenden XXIV. RKorps nur verhältnismäßig schwache Kräfte (das Reiterkorps Weljassew) standen. Hier schien also begründete Hoffnung auf guten Erfolg zu bestehen; vielleicht gelang es sogar, doch noch Rowno zu nehmen.

Räumung von Łuck durch die Russen

Nun hatte aber Gen. Brussilow am 25. September von dem Reiterkorps Gillenschmidt und von seinen Fliegern bereits sichere Kunde über den Anmarsch deutscher Truppen nach Kolki erhalten1), deren Stärke

*) Broussilov, 158f£.5 Zäjontschkowskij, Der Bewegungskrieg, 372.

auf zwei bis drei Infanteriedivisionen geschätzt wurde. Trotz dieser Gefahr, die den russischen Nordflügel bedrohte, wollte Brussilow Łuck und die Styrlinie nicht wieder aufgeben. Er wies sofort das XXX. Korps, verstärkt durch die 4. SchD. und die 7. KD., nach Kołki und nahm überdies eine Infanteriedivision aus der Armeemitte als Reserve in den Raum von Klewań—Ołyka zurück. Aber sein Oberbefehlshaber, Gen. Iwanow, den er von seinen Maßnahmen rasch in Kenntnis gesetzt hatte, telegraphierte ihm am Abend, er solle unter dem Schutze der Nacht in die Linie Berestiany—Ołyka—Młynów zurückgehen, um nicht von Rowno abgeschnitten zu werden. Das verstärkte XXX. Korps sei in Eilmärschen nach Garajmowka und nördlich davon in die Wälder am Kormin zu senden, um von dort aus dem Gegner beim Marsche von Kołki auf Rowno überraschend in die Eianke zu fallen. Brussilow erhob Einwendungen gegen dieses Manöver. Er könne den weiten Rückzug bis an die Putilowka nicht über Nacht bewerkstelligen und müsse starke Nachhuten mit Artillerie am Styr zurücklassen, um den ungestörten Abmarsch zu sichern. Auch würde den Deutschen der Aufmarsch des XXX. Korps am Kormin nicht lange verborgen bleiben, und überhaupt könnten sich dort in dem Wald- und Sumpfgelände die Truppen nur schwer entwickeln. Daher wolle er doch lieber am Styr stehenbleiben und dort die Schlacht annehmen. Allein Iwanow beharrte auf seinen Entschlüssen und befahl die rasche Durchführung seiner Anordnungen.

Während sich die Russen in der Nacht auf den 26. vom Gegner lösten, war Erzherzog Joseph Ferdinand mit der Vorbereitung des bevorstehenden Angriffes beschäftigt. Um die Ordnung unter seinen Verbänden wiederherzustellen, ließ er die halbe 21. SchD. und die halbe

2. ID. aus der Front des XIV. Korps nehmen und mit den Resten ihrer Divisionen, die 21. SchD. auf dem rechten Flügel des X. Korps, die 2. ID. auf dem linken Flügel des IX. Korps, vereinen. Daß der Feind über Nacht bei Łuck das Westufer des Styr geräumt hatte, überdies auch vor den anderen Frontabschnitten der 4. Armee und vor dem linken Flügel der 1. Armee abgezogen war, wurde erst am 26. früh erkannt. Der Erzherzog befahl nun seinen Truppen sofort, über den Styr zu gehen. Den schwierigen Übergang vermochten sie aber erst am Nachmittag zu beginnen, da die Überschiffung und der Bau der Brücken viel Zeit erforderten. Am Abend war das IX. Korps (10. und 2. ID.) bei Borzemiecund bei Jałowiczy über den Fluß gelangt. Die 45. SchD. des XIV. Korps rückte ungehindert durch Łuck hindurch und in die früheren Brückenkopfstellungen ein; unterhalb der Stadt überschritten die 62. und die 4. ID. des

X. Korps den Fluß. An der ganzen Front der 4. Armee ging die Fühlung mit dem Feinde, der sich anscheinend an die Putilowka zurückzog, verloren.

Bei der Gruppe Gerok rückte das XVII. Korps (13. SchD., 11. ID. und 41. HID.) am 26. September an Stelle des KavKorps Herberstein in den Styrabschnitt Kol. Czeben—Borowicy ein und bereitete sich zum Übergang vor. Das XXIV. RKorps nahm an diesem Tage Kołki in Besitz und faßte dort mit einer Brigade der 1. ID. auf dem Südufer festen Fuß; links davon schob die 22. ID., von Okonsk kommend, ihre Linien nahe an den Fluß heran. Hier blieb die Lage zunächst ungeklärt. Es schien jedoch, daß die Russen das vor der Gruppe Gerok festgestellte Reiterkorps Weljassew durch Kräfte verstärkten, die vor der Front der

4. Armee freigeworden waren. Am 27. September hatte die Gruppe Gerok mit aller Kraft südostwärts vorzustoßen. Die 4. Armee sollte den Vormarsch nach Osten fortsetzen, Nachhuten, die ihr den Weg verlegten, waren zurückzuwerfen und der Feind planmäßig und mit zusammengefaßter Kraft anzugreifen, falls er sich an der Putiłowka zu ernstem Widerstand stellen sollte.

Ein Stoß der 1. Armee von Süden her bot vielleicht die Möglichkeit, die Russen vor Rowno in die Zange zu nehmen. GdI. Linsingen trat daher noch am 26. an die k. u. k. Heeresleitung mit der Bitte heran, ihm die 1. Armee zu unterstellen oder ihr aufzutragen, daß sie sich vom linken Flügel aus dem Angriff der 4. Armee anschließen und mit starkem, rechts gestaffeltem rechtem Flügel entlang der Straße Dubno—Rowno vorgehen möge. GO. Conrad lehnte zwar die Unterstellung der 1. Armee unter deutschen Oberbefehl ab; doch wies er sie sofort im Wege des Heeres-gruppenkmdos. Böhm-Ermolli in dem Sinne an, wie es GdI. Linsingen vorgeschlagen hatte. Allerdings empfahl GdK. Böhm-Ermolli dem FZM. Puhallo, den Feind sofort, besonders mit dem zu verstärkenden rechten Flügel, anzufassen, um zu verhindern, daß er Kräfte nach Norden abziehe. Auf diese Weisung antwortete FZM. Puhallo, daß er die 46. SchD., die sich zur Zeit hinter dem Korps Szurmay in der zweiten Linie befand, an seinen rechten Flügel heranziehen werde. Doch schien ihm ein Angriff von Dubno über die versumpfte Ikwaniederung erst möglich zu sein, bis er mit seinem linken Flügel unterhalb der Stadt auf das nördliche Flußufer vorgedrungen wäre. Zur Unterstützung der Heeresgruppe Linsingen werde die 1. Armee aber das Möglichste beitragen.

Das Korps Szurmay (40. HID. und 7. ID.) hatte inzwischen bei Tor-gowica und bei Młynów die Ikwa überschritten. Den Vormarsch fortsetzend, kam das Korps am 27. September mit seinem linken Flügel bis über die Straße Dubno—Łuck hinaus. Vor dem I. und dem II. Korps hielten die Russen jedoch hinter der Ikwa die bisherigen Linien.

Bei der 4. Armee wurden in der Nacht auf den 27. September alle Kräfte auf das rechte Styrufer gezogen. Die 62. und die 24. ID., die am meisten gelitten hatten, kamen für einen weiteren Angriff nicht in Frage und wurden bei Łuck als Armeereserve zurückbehalten. Die erstgenannte wurde anfangs Oktober aufgelöst; ihre Truppen gelangten zum Großteil zur 1. Armee. Der Vormarsch der Masse der 4. Armee gegen die Putilowka erfolgte ohne Kampf. Vom IX. Korps kam die 10. ID. am 27. September bis Ujezdcy und vertrieb dort russische Reiterabteilungen. Das XIV. Korps (3. ID. und 45. SchD.) erreichte ohne Zwischenfall den Raum südlich von Romanow, links davon gelangte das X. Korps (21. SchD. und

4. ID.) auf gleiche Höhe.

Gegenüber der Gruppe Gerok waren die Russen in der Nacht zurückgewichen. DasX VII. Korps ging unbehindert bei Kol. Czeben (13. SchD.), bei Sokul (41. HID.) und bei Borowcy (11. ID.) über den Styr und rückte noch am 27. September bis in die Linie Sikiriczy—Trostieniec vor. Das XXIV. RKorps fand in den Wäldern südlich von Kolki heftigen Widerstand, konnte aber mit der 1. ID. bis Żurawicze, mit der 22. ID. bis in die Gegend westlich von Czernysz Vordringen. Das russische Reiterkorps Weljassew schien aus diesem Raume ostwärts hinter den Kormin abgezogen zu sein. Das Kmdo. des russischen XXX. Korps war nach einem aufgefangenen Funkspruch von Derażno nach Bol. Stydynie, die russische 7. KD. nach Ml.Mick verlegt worden. Dies ließ vermuten, daß die Russen vor der Front der 4. Armee freigewordene Kräfte nordwärts zogen, und daß sie die Absicht hatten, mit der durch Infanterie verstärkten Heereskavallerie dem XXIV. RKorps in die Flanke zu fallen. GdI. Linsingen berichtete über diese noch im Verlaufe des 27. September gewonnene Auffassung nach Teschen, eine Umfassung westlich des Horyń sei wegen des schleunigen Rückzuges der Russen nicht mehr möglich. Dem Angriffsflügel müsse jetzt die Richtung nach Osten und Nordosten gegeben werden, um den Feind zunächst über den Horyń abzudrängen. Das Ziel der Vorrückung sei Rowno. „Ob dieses Ziel durch unaufhaltsames Vorgehen der Gruppe Gerok und der Kavallerie über den Horyń gegen die Bahn Rowno—Sarny verfolgt werden kann oder ob noch westlich des Horyń eine Umgruppierung nötig ist, können erst die nächsten Ereignisse sagen.“

Dieser veränderten Lage entsprechend, wurden vom Heeresgruppenkmdo. Linsingen die Befehle für den 28. gegeben. Die 4. Armee sollte sich an die Putilowka heranschieben. Stellte sich dort der Feind zu ernstem Widerstand, so war er erst anzugreifen, bis alle Korps der 4. Armee und auch der linke Flügel der 1. Armee auf gleiche Höhe heran waren. Ging er aber zurück, so war ihm sofort auf das östliche Flußufer zu folgen. Von der Gruppe Gerok hatten das XVII. Korps über Karpilowka und Silno, das XXIV. RKorps über Berestiany und Garajmowka vorzugehen. Das KavKorps Herberstein (2., 4., 7. KD. und halbe 3. poln.Brig.), das sich zur Zeit bei Rażnicze—Kopyli befand, erhielt den Auftrag, bei Kolki über den Styr zu gehen und dann links vom XXIV. RKorps in nordöstlicher Richtung vorzustoßen, um dem KavKorps Hauer den Weg über den Styr zu öffnen.

Hauers Streiter (1., 9. KD., 1. polnische Brig.) hatten inzwischen nach fünftägigen Kämpfen den Feind vollends aus den Moordörfern und Sumpfwäldern des Styrbogens von Czartorijsk vertrieben und das Westufer nördlich von Czartorijsk bis Mulczycy besetzt. Noch weiter nördlich war das KavKorps Heydebreck bis in die Gegend von Kuchocka Wola und an den Wiesioluchaabschnitt vorgedrungen. Doch schienen die Russen aus der Front nördlich des Pripiatj die ganze 77. RD. mit der Bahn über Sarny herangezogen und nach Rafalowka gewiesen zu haben.

Mit begreiflicher Spannung sah man beim Heeresgruppenkmdo. Linsingen den weiteren Nachrichten entgegen. Am 28. drückten das Korps Szurmay der 1. Armee und die 4. Armee die vor ihrer Front stehenden russischen Sicherungen nach Osten zurück, sahen sich dann aber nach kurzer Vorrückung stark befestigten Stellungen gegenüber, die sich von Młynów über Dorogostaj und Koryto bis Pełża hinzogen und dann über die Höhen westlich von Olyka sowie entlang der Putilowka bis nördlich von Moszczanica verliefen. Von da verschleierte das durch Infanterie verstärkte Reiterkorps Weljassew beiderseits von Karpilowka und am Kormin den Aufmarsch des XXX. Russenkorps. Die Gruppe Gerok stieß am 28. gegen diesen Feind vor. Das XVII. Korps, das die 11. ID. in die zweite Linie genommen hatte, vertrieb mit der 13. SchD. schwächeren Feind aus Moszczanica, während die 41. HID. bei Silno den russischen Kavallerieschleier durchstieß und noch am 28. den Ort Boguslawka erstürmte. Die 1. ID. des XXIV. RKorps drängte bis auf die Sandhöhen von Berestiany vor, die 22. ID. bemächtigte sich der Ortschaft Czernysz, traf dann aber vor Garajmowka auf starken Widerstand. Links davon bis zum Styr rückte am Abend das über Kołki nachgezogene KavKorps Herberstein mit zwei Kavalleriedivisionen in die Front ein.

GdI. Linsingen rechnete nach aufgefangenen russischen Funksprüchen und anderen Meldungen im Verlauf des 28. in steigendem Maße damit, daß sich die Russen am Kormin und auch weiter nördlich im Styrabschnitt von Rafalowka verstärkten. Dadurch wurde es erwünscht, stärkere Kräfte bei Kolki anzusammeln, von wo man sie beim XXIV. RKorps einsetzen oder auch dem KavKorps Hauer rasch zuführen konnte. Die 11. ID., die sich zur Zeit bei Silno befand, erhielt daher noch am 28. den Befehl, als Heeresgruppenreserve nach Kolki zu rücken. Ob sich die Absicht, die Russen über den Horyń zu werfen, noch erreichen ließ, war zur Zeit nicht zu übersehen. GdI. Linsingen setzte daher für den 29. beschränkte Ziele. GLt. Conta wurde angewiesen, mit seinen beiden Infanteriedivisionen und mit dem KavKorps Herberstein, das ihm unterstellt wurde, die noch westlich vom Kormin stehenden russischen Kräfte zu vertreiben; den Vormarsch gegen den Horyń sollte er einstweilen nicht fortsetzen. Desgleichen hatte das XVII. Korps erst im Einklang mit der 4. Armee weiter vorzugehen, die am 29. die russischen Linien an der Putilowka angreifen, dann aber ebenfalls vorläufig stehenbleiben sollte.

Das Verebben des Bewegungsfeldzuges Hiezu Beilagen 3 und 8 sowie Skizze 8

Die Ereignisse nördlich des Polesie (8. bis 27. September)

An der Heeresfront nördlich vom Pripiatj hatte das Vorgehen der Heeresgruppen Hindenburg und Prinz Leopold von Bayern die Russen in der zweiten und dritten Septemberwoche weit nach Osten zurückgedrängt. Am 18. September fiel Wilna. Unter heftigen Kämpfen gelangte bis zum 25. die 10. Armee bis in die Gegend westlich von Smorgon, die

12. bis an die Bieriezina (östlich von Lida), die 9. Armee und die Armee Woyrsch bis an die Szczara.

Das k. u. k. XII. Korps hatte bei diesem Vormarsch wiederum ein gutes Stück Arbeit geleistet. Nachdem die Russen von der Jasiolda abgezogen waren, hasteten am 8. September die 16. und dahinter die 35. ID. in einer einzigen Kolonne auf der von Truppen und flüchtendem Volk überfüllten, durch Regen in einen Morast verwandelten Dammstraße über Michalin vorwärts, um in den Kampf des um diese Zeit schon an der Różanka schwerringenden Landwehrkorps einzugreifen. Nach aufreibendem Marsche rückte am 9. die 16. ID. ohne Geschütze in die Kampf-linie ein und eroberte auf den Sandhügeln westlich von Kosowo in zweitägigem hartem Ringen einige Stützpunkte. Die zu Anfang offene rechte Flanke der 16. Division wurde durch das Beskidenkorps gesichert, das nach der Einnahme von Kartuszkaja Bereza mit der deutschen 47. RD. auf Kosowo (nordöstlich von Michalin) vorstieß und am 11. den Feind vertrieb. Am 12. September warfen die Russen bei Kosowo Verstärkungen in den Kampf und bedrängten die 16. ID. auf das schärfste. Unterdessen machte sich im Norden der Druck des Landwehr- und im Süden der des Beskidenkorps fühlbar. Die Russen räumten daher in der Nacht auf den

13. den Różanka- und Zelwiankaabschnitt und wichen auf Slonim zurück. Sie zündeten abermals Gehöfte und Dörfer an, zerstörten alle Brücken und retteten Geschütz und Troß durch den geschickten Widerstand ihrer Nachhuten. Auf schlechten WTegen südlich der großen Straße Różany— Slonim verfolgte das k.u.k. XII. Korps und erreichte schon am 14. nach übermenschlichen Anstrengungen die von Wäldern und von Sümpfen umgebene westliche Szczara. Hinter diesem starken Hindernis stellten sich die Russen neuerlich zum Kampfe. Die deutschen Flieger erspähten hinter den feindlichen Befestigungen Truppenzüge, die sich über Barano-wiczi bewegten. Woyrsch befahl seinen Korps den raschen Vorstoß gegen diesen wichtigen Bahnknotenpunkt.

Demgemäß wollte Kövess, obwohl der Nachschub schon im argen lag, am 15. mit der 35. ID. bei Szylowicze die Szczara überschreiten. Das gelang aber trotz dreitägiger Anstrengungen nicht. Immer wieder zerstörten die russischen Geschütze die Brücke, die die öst.-ung. Pioniere über den versumpften Fluß geschlagen hatten; auch konnte die Infanterie wegen des feindlichen Feuers nicht in Pontons übersetzt werden. Nur bei Slonim erzwang sich das Landwehrkorps am 17. früh den Übergang. Als sich die Russen auf die übergegangenen deutschen Bataillone stürzten, spornte Woyrsch das XII. Korps zum raschen Vorgehen an. In der Tat faßten in der Nacht auf den 18. Truppen der 35. ID. auf dem linken Ufer Fuß. Um diese Zeit waren die Russen schon aus ihren Befestigungen beiderseits von Slonim verschwunden. Das Korps Kövess folgte dem entwichenen Feinde entlang der Straße nach Baranowiczi. Ein Befehl der DOHL. trieb alles zur Eile an, um die Entscheidung zu beeinflussen, die sich in diesen Tagen bei Wilna vorzubereiten schien (S. 142). Die Russen suchten zwar Baranowiczi zuerst an der Luchozwa und dann an der Mu-szanka zu decken. Doch schon am 19. überschritt das XII.Korps kämpfend die Luchozwa. Am 21. und am 22. brach sich die 16. ID. bis in die Gegend südlich von Nowaja Mysz Bahn, und in der Nacht zum 23. ging das Landwehrkorps über den Unterlauf der Muszanka. Nun gaben die Russen iii    ii den Widerstand auf. Das XII. Korps stieß dem Feinde ungesäumt nach und erreichte am 23. nachmittags die wichtige Bahnkreuzung Baranowiczi, wo ein Jahr lang die Stawka in Eisenbahnwaggons gewohnt hatte. In den nächstfolgenden Tagen warfen die 16. und die 35. ID. gemeinsam mit den benachbarten deutschen Truppen die letzten russischen Nachhuten über die östliche Szczara zurück.

Damit war die Aufgabe der Heeresgruppe Prinz Leopold von Bayern beendet. Neun Divisionen waren schon Ende August und anfangs September von ihr und von der Heeresgruppe Mackensen teils für den Westen, teils für den geplanten Angriff auf Serbien abgegeben worden. Auch GFM. Mackensen selbst hatte sich am 19. nach Temesvár begeben, um den Oberbefehl der gegen Serbien aufgebotenen Truppen zu übernehmen. Die bisherige Heeresgruppe Mackensen war aufgelöst worden. Am 20. September wurde GdI. Kövess zum Kommandanten der in Südungarn gegenüber von Belgrad aufmarschierenden neuen 3. Armee ernannt. An seiner Stelle übernahm am 28. September FML. Henriquez den Befehl über das XII. Korps. Am 25. September erließ die DOHL. den Befehl zum endgültigen Einstellen der Vorrückung. Die Bugarmee und die Heeresgruppe Prinz Leopold hatten in der Linie Pinsk—Baranowiczi bis zur Bieriezina eine Dauerstellung zu beziehen. Hindenburg sollte sich links davon bis Riga ausdehnen. Der große Angriff der Franzosen in der Champagne war längst im Gange, und die von Falkenhayn schon wiederholt angekündigte Truppenabgabe von der 12. und der 8. Armee für den Westen mußte endlich beginnen. Am 27. September kam auch GFM. Hindenburg zur Überzeugung, daß das glänzend aufgebaute, aber zuletzt doch versandende Manöver von Wilna zu beenden sei. Der Feind stand vor der deutschen 10. Armee mit so starken Kräften, daß es nicht gelang, ihn über Smorgon weiter zurückzudrücken. Die Heeresgruppe Hindenburg bezog daher in der Linie Bieriezinamündung—Naroczsee, dann westlich von Dünaburg, bei Mi tau und westlich von Riga ihre Dauerstellung !).

Beziehen der Dauerstellung südlich vom Pripiatj (29. September bis 2. Oktober)

Als GO. Conrad Nachricht hatte, daß die Heeresgruppe Hindenburg die Offensive auf Minsk in den Rücken der nördlich des Polesie befindlichen russischen Heeresmasse einstellen mußte, war ihm die letzte Hoff-

x) Kuhl, 248 f.; Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, zweiter Teil, 227 f.; Ludendorff, 131 f.

nung auf einen großen, entscheidenden Erfolg geschwunden. Auf seinem Nordflügel in Wolhynien war es zwar inzwischen mit deutscher Hilfe noch einmal gelungen, den Vormarsch auf Rowno wieder aufzunehmen. Die Russen hatten aber die Gefahr, die ihrem Nordflügel durch Lin-singens Flankenstoß drohte, rechtzeitig erkannt und augenscheinlich Vorkehrungen dagegen getroffen. War jetzt die Operation noch erfolgversprechend? Die Truppen der 1. und vor allem der 4. Armee waren am Ende ihrer Kraft und zu weiteren Anstrengungen nicht mehr befähigt. An der Ikwa und in Ostgalizien fochten die öst.-ung. Armeen schon seit drei Wochen in der Verteidigung. Auf diesem Teil der Front reichten Kräfte und Munition ebenfalls nicht aus, um den Angriff mit Aussicht auf Erfolg wieder in Gang zu bringen1). In solcher Lage entschloß sich die k. u. k. Heeresleitung, auch auf dem Nordflügel vorläufig zur Verteidigung überzugehen. Sie befahl am 29. September dem GdK. Böhm-Ermolli, den Angriff am linken Flügel der 1. Armee einzustellen. Gleichzeitig ließ GO. Conrad den GdI. Linsingen wissen, daß die 4. Armee, um ihr große Verluste zu ersparen, an der Putilowka zur Abwehr übergehen möge, dies zum mindesten ,,so lange, bis Klärung der Lage am Nordflügel (Gruppe Gerok) erkennen läßt, ob dort Fortsetzung des Angriffs dauernd Erfolg verspricht“. Daraufhin gab GdI. Linsingen der Armee die Weisung, eine Stellung am Westufer der Putilowka zu beziehen, falls der ihr

*) Nach einer in Teschen verfaßten Zusammenstellung waren von dem Kampfstande des öst.-ung. Nordheeres, der für den 1. September mit etwa 480.000 Mann angegeben wird, bis Ende September über 200.000 Streiter abgegangen. Zu deren Ersatz wurden 120.000 Mann der Marschbataillone (XIV. des Heeres und der Honvéd, XIII. der öst. Landwehr) eingereiht.

Im einzelnen stellen sich die Verluste für diese Zeit des Herbstfeldzuges folgend:

tot

verwundet

krank

vermißt

zusammen

4. Armee: Offiziere

60

216

449

362

1.087

Mann

2.050

9.494

7.292

30.454

49.290

1. Armee: Offiziere

76

249

312

239

876

Mann

2.671

8.730

5.686

13.367

30.454

2. Armee: Offiziere

101

325

601

470

1.497

Mann

5.347

21.166

11.325

29.549

67.387

Südarmee: Offiziere

86

312

218

284

900

Mann

2.891

14.577

3.703

17.968

39.139

7. Armee: Offiziere

61

203

502

260

1.026

Mann

2.612

9.517

10.774

16.327

39.230

Summe:    15.955    64.789    40.862    109.280    230.886

Von den Vermißten sind nach den Berichten der Russen an 100.000 Mann in Kriegsgefangenschaft geraten.

gegenüberstehende Feind nicht am selben Tage, dem 29., seine Stellungen räume. Dies war aber nicht der Fall. Der Angriff der 4. Armee fand, soweit er noch durchgeführt wurde, zähen Widerstand und wurde im Sinne der Weisungen der Heeresleitung denn auch bald eingestellt.

Am Kormin kam es inzwischen zu erheblichen Kämpfen. Dort hatte Brussilow sein XXX. Korps mit dem Reiterkorps Weljassew vereinigt und ging am 29. früh zum Gegenangriff über. Die auf Karpilowka angesetzte russische Kolonne wurde von der Wiener 13. SchD., die ebenfalls Karpilowka angreifen wollte, zum Stehen gebracht. Nachdem GdI. Křitek seine Korpsreserve eingesetzt hatte, wurde dem Feinde Karpilowka entrissen und die Verbindung mit der rechts benachbarten 4. ID. sichergestellt, die ihre Linien bis auf das Westufer der Putilowka südlich von Moszczanica vorgeschoben hatte. Eine andere Kolonne des russischen XXX. Korps, die gegen Boguslawka vorstieß, wurde von Teilen der

41. HID. in die Abwehr gedrängt. Der Angriff der Russen kam daher in dem versumpften Waldgelände nicht recht zur Reife. Allmählich begann der Kampf beim XVII. Korps zu verebben; nur auf dem Nordflügel der Gruppe Gerok ging er noch weiter. Das XXIV. RKorps drängte im Abschnitt von Czernysz die Russen vollends über den Kormin zurück; links davon vermochte sich das KavKorps Herberstein teilweise im Gegenangriff gegen vereinzelte feindliche Stöße zu behaupten. An 3000 Gefangene waren die Beute dieser Kämpfe. Gegenüber den KavKorps Hauer und Heydebreck hatte sich der Feind bei Rafalowka hinter dem Styr und am Wiesioluchabach verstärkt.

So war Ende September an der Putilowka und am Kormin eine fast geradlinige Front entstanden, an der sich Freund und Feind mit gebundener Klinge gegenüberlagen. Nun bedeutete Falkenhayn, der sich mit dem deutschen Hauptquartier wieder nach Méziěres begeben hatte, in einem Telegramm an Conrad, daß für das Korps Gerok und die 5. KD. gleich leistungsfähige öst.-ung. Truppen an die deutsche Front nördlich vom Pripiatj abgegeben werden müßten, falls eine Wiederaufnahme des Angriffs südlich dieses Flusses „in einigen Tagen mit sehr guten Aussichten auf Erfolg“ nicht möglich wäre. Weiters eröffnete der deutsche Generalstabschef: „durch die Abgabe von vier bis fünf Divisionen mehr als ursprünglich vorgesehen für das serbische Unternehmen sind natürlich schon Schwierigkeiten erwachsen. Andrerseits ist es für die allgemeine Lage im Osten sehr erwünscht, dort eine den Russen unangenehme Druckstelle zu behalten.“

Diese Druckstelle wünschte Falkenhayn in Ostgalizien, offenbar um die Russen dort in den kommenden Tagen von einem Durchmarsch durch Rumänien abzuhalten und insbesondere den Rumänen während des Angriffes auf Serbien die Lust zu nehmen, den Bulgaren in den Rücken zu fallen. Aber die Kräfte der Truppen waren erschöpft, die vergangenen schweren Kämpfe hatten den öst.-ung. Armeen in den letzten sechs Wochen insgesamt fast eine Viertelmillion Streiter gekostet. GO. Conrad mußte am

1. Oktober seinem deutschen Kollegen antworten: „Die Fortsetzung der Offensive in Wolhynien und Ostgalizien kann erst nach ausgiebiger Auffüllung der durch die Septemberkämpfe im Stande stark reduzierten Truppen, also keinesfalls vor der zweiten Hälfte Oktober, in Aussicht genommen werden. Ein Hinausgehen über die Linie Sarny—Rowno—galizische Ostgrenze ist auch dann nicht geplant; auch kann die gewünschte Druckstelle nur aufrecht erhalten werden, wenn das Korps Gerok und die 5. KD. auf dem Nordflügel der öst.-ung. Heeresfront verbleiben.“ Dann wies Conrad darauf hin, daß die Russen, durch die Abgaben starker deutscher Kräfte nach Serbien und nach dem Westen entlastet, nunmehr an die wolhynisch-galizische Front Truppen zu verschieben vermöchten, um entweder durch einen Angriff aus der Linie Rowno—Dubno—Tarnopol das öst.-ung. Heer von der deutschen Front zu trennen oder durch einen Schlag in Ostgalizien und in der Bukowina die Rumänen mitzureißen. Um einen russischen Angriff verläßlich abzuwehren, ehe man selbst wieder zur Offensive übergehen und dadurch die deutsche Front nördlich vom Pripiatj entlasten könne, habe er seinen Armeen den Auftrag zum Ausbau einer Dauerstellung und zum Ausscheiden von starken Reserven gegeben.

Falkenhayn hielt jedoch einen erst in der zweiten Hälfte Oktober zu beginnenden Angriff nicht mehr für aussichtsreich, weil die Russen dann schon Verstärkungen herangezogen haben mochten; auch bezweifelte er, daß im Spätherbst in Wolhynien noch große Kriegshandlungen durchführbar wären. So empfahl er am 2. Oktober Conrad, auf alle weiteren Offensivunternehmen zugunsten „einer mit allen Mitteln auszubauenden Dauerstellung“ zu verzichten. Gleichzeitig regte er nochmals an, das Korps Gerok, die deutsche 5. KD. und auch das in Südtirol stehende Alpenkorps durch öst.-ung. Truppen zu ersetzen.

GO. Conrad antwortete noch am selben Tage, daß er schon am

30. September an der ganzen wolhynisch-galizischen Front den Ausbau von Dauerstellungen befohlen habe. „Wie sich die Lage nach Auffüllen der k. u. k. Truppen in der zweiten Hälfte Oktober gestalten wird und ob dann noch ein Angriff möglich ist, wird sich erst Mitte Oktober feststellen lassen.“ Im übrigen versprach jetzt Conrad sein möglichstes zu tim, um den Ausfall des Korps Gerok und der 5. KD. durch öst.-ung. Truppen zu decken. Noch am 2. wurde die bei Radziwilow stehende Heeresreserve, die 37. HID., angewiesen, an den Nordflügel der 4. Armee zu rücken, um die 3. ID. abzulösen. Diese sollte dann die 17. ID. am Isonzo frcimachen, die man Mitte Oktober mit einer zweiten Infanteriedivision und mit der 10. KD. aus Wolhynien an die deutsche Front nördlich vom Pripiatj abzugeben gedachte. Wie sich zeigen wird, wurden aber diese Absichten durch die Russen durchkreuzt.

Die Abwehr neuer Russenanstürme (2. bis 15. Oktober)

Hiezu Beilagen 3, 4 und 8 sowie Skizzen 6 und 7

Gegen Ende September fühlte man sich im russischen Hauptquartier von dem furchtbaren Drucke erlöst, der seit den Tagen von Gorlice die Armeen des Zaren in endlosen Kämpfen um Hunderte von Kilometern zurückgedrängt hatte. Alexejew war es gelungen, den deutschen Vorstoß auf Minsk mit Verstärkungen aus der Heeresmitte aufzufangen. Auch aus Frankreich kamen gute Nachrichten; die großen Materialangriffe der Alliierten im Artois und in der Champagne schienen sich günstig anzuschicken. Der Zar hoffte jetzt, die Deutschen, die durch die Bedrohung ihrer Westfront anscheinend gezwungen waren, von den Russen abzulassen, aus Litauen und aus Kurland zu vertreiben. Im Zusammenhang mit diesem Gegenschlag zwischen Dünaburg und Minsk sollte Iwanow seine Vorstöße gegen das öst.-ung. Heer wieder aufnehmen. Iwanow befürchtete aber, daß mit Hilfe deutscher Truppen alsbald ein neuer Angriff gegen seine Front losbrechen werde, da sich der Gegner in Wolhynien und an der Strypa verstärkt habe.

Demgegenüber legte Alexejew am 29. September seine Ansichten in einem Heeresbefehl dahin fest, daß zur Zeit gegen die galizische Front keine ernsten Offensivhandlungen des Gegners zu befürchten seien. Alle Truppenverschiebungen gälten dort nur der Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes zwischen den kämpfenden Parteien. Einzig und allein gegen den Nordflügel der 8. Armee, den man auch im Hauptquartier für gefährdet halte, ziehe der Gegner eine Stoßgruppe zusammen. Iwanow möge daher die noch verfügbare 125. RD. aus dem Raume von Proskurow— Staro Konstantynów an den Nordflügel leiten. Die 3. Armee der Westfront wurde angewiesen, ihre Truppen südlich vom Pripiatj zu verstärken und dann ihren linken Flügel gemeinsam mit der 8. Armee zum Angriff vorgehen zu lassen1).

Diese Weisungen der Stawka waren für Iwanow der Anlaß, noch am

29. allen seinen Armeen abermals die Aufgabe zu stellen, durch kurze Ausfälle den Gegner zu schwächen und in der Abwehr festzuhalten. Als Auftakt zu diesen neuen Unternehmungen brach Gillenschmidt am 2. Oktober aus dem Brückenkopf bei Rafalowka hervor, um Hauer, der sich im Styrbogen von Czartorijsk festgesetzt hatte, aus der Flanke der Armee Brussilow zu verdrängen. Die beiden Kavalleriedivisionen (l.und 9.) und die polnischen Legionäre vermochten den Vorstoß nicht abzufangen und wichen am 3. bis über die Linie Nowosiełki Galuzia zurück. Um die weitere Ausbreitung der Russen in der Flanke des XXIV. RKorps zu verhindern, stellte GdI. Gerok noch am selben Tage die Hauptkraft der vom XVII. Korps nach Kołki herangezogenen 11. ID. dem Feinde an der Okonka entgegen. Überdies ließ Linsingen, der den Ansturm der Russen gegen das Korps Hauer schon erwartet hatte (S. 150), den linken Flügel der 4. Armee bis Karpilowka ausdehnen und schob die dort freigemachte

13. SchD. an Stelle der deutschen 1. ID. in den Frontabschnitt von Berestiany ein. Conta, der die 1. ID. so rasch als möglich bei Kołki zu versammeln hatte, erhielt den Auftrag, mit dieser Division und mit der 11. ID. den im Styrbogen von Czartorijsk vordringenden Feind in der Flanke anzugreifen und ihn über den Styr zurückzutreiben. Sobald die Stoßgruppe Contas Raum gewann, sollte Hauer mit seinem Reiterkorps nach links zusammenschließen und über Galuzia die- Russen von Norden her fassen. Der Beginn des Gegenangriffes war für den 5. früh festgesetzt.

Zu dieser Stunde verschleierten die am rechten Flügel der Gruppe Gerok stehenden Truppen, das aus der 41. HID. und der 13. SchD. neu zusammengesetzte XVII. Korps, die deutsche 22. ID. und die Reiterdivisionen Herbersteins, durch Geschützfeuer und durch die Tätigkeit ihrer Patrouillen den Angriff Contas. Von Kołki aus wurden auf beiden Ufern des Styr zwei Regimenter der 11. ID. auf Kulikowice angesetzt, bis zu welchem Orte Brussilow seinen Nordflügel gestreckt hatte. Um 10h abends drangen die beiden Regimenter in die Ortschaft ein und schufen sich auf dem rechten Ufer einen Brückenkopf. Gegen den linken Flügel des KavKorps Herberstein unternahmen die Russen zur selben Zeit Entlastungsangriffe, die von der 2. KD. mit Aufopferung abgewiesen wurden. Jenseits vom Styr drangen die Truppen des XXIV. RKorps, rechts die

x) Lemke, 64; Nesnamow, IV, 128.

deutsche 1. ID. und links die Hauptkraft der 11. ID., kampflos durch das Wald- und Sumpfgebiet der Okonka vor. Am Nachmittag fanden sie in der Front Nowosielki—Lisowo so entschiedenen Widerstand, daß die Fortführung des Kampfes auf den kommenden Tag aufgeschoben werden mußte. Linsingen hatte das mittlerweile mit dem linken Flügel bis in die Gegend von Karasin zurückgewichene Korps Hauer wissen lassen, daß sein weites Nachgeben vor dem russischen Vorstoß nicht nötig gewesen sei; ihm wurde nochmals befohlen, durch kraftvolles Vorgehen links von der 11. ID. über Galuzia zur Einkreisung des Feindes beizutragen.

Am 6. waren wie am Vortage Fesselungsangriffe des XVII. Korps und des KavKorps Herberstein am Kormin im Gange. Nördlich vom Styr wurde Nowosielki von einer Brigade der deutschen 1. ID. genommen und in scharfem Nachdrängen der Waldrand westlich von Czartorijsk erreicht. Die andere Brigade der deutschen 1. ID. stand im Kampfe gegen einen Feind in verschanzter Stellung bei Bielgow, die Hauptkraft der 11. ID. hatte ihren Angriff von Nordosten her gegen die Höhen östlich von Lisowo und gegen russische Stellungen angesetzt, die sich über die Bahn bis in die Gegend von Wolczeck erstreckten. Das KavKorps Hauer schloß gegen Galuzia und Sierchowo zusammen.

Tags darauf, am 7., schwenkte die deutsche 1. ID. unter Sicherung gegen Czartorijsk aus der Gegend östlich von Bielgow nach Norden ein und gelangte unter harten Waldkämpfen bis über den W’eg Czartorijsk— Lisowo hinaus. Die Masse der 11. ID. ging entlang der Bahn gegen einen auf den Sandhöhen westlich von Miedwieże eingegrabenen Feind vor, das KavKorps Hauer griff mit den Fußabteilungen der 1. KD. und mit Artillerie bei Wolczeck in den Kampf der 11. ID. unterstützend ein und vertrieb schwächere feindliche Kräfte aus Galuzia und Sierchowo.

Am 8. setzte Conta, unbekümmert darum, daß die Russen seinen Rücken von Czartorijsk her bedrohten, den Stoß nach Norden erfolgreich fort und warf den Feind von den Höhen bei Miedwieże hinab. Die Hoffnung aber, daß das Korps Hauer den auf Rafalowka weichenden Russen den Weg abschneiden werde, blieb unerfüllt, da die 9. KD. im Raume östlich von Kostiuchnowka durch russischen Widerstand gehemmt wurde. Die deutsche 1. ID. ging noch am 8. mit ihren Vortruppen im Flußbogen von Czartorijsk und weiter nördlich bis an den Styr heran, Teile der 11. ID. wandten sich gegen Kolodia. Es bedurfte aber in dem ungeheuren Wald- und Sumpfgebiet noch viertägiger Anstrengungen, bis die Truppen der 11. ID. und das auf dem Nordflügel durch die ll.HKD. verstärkte KavKorps Hauer die vorgesehene Linie Kolodia—Jeziercy erreichten.

Weiter nördlich hatte sich GLt. Heydebreck mit der deutschen 5.KD. nach Abwehr russischer Gegenstöße an den Wiesioluchaabschnittherangearbeitet und stand dort im Anschluß an Hauer starkem Feinde gegenüber.

Während die Heereskavallerie Linsingens und das XXIV. RKorps mit dem Südflügel der russischen 3. Armee kämpften, entfesselte Brussilow an der ganzen wolhynischen Front eine neue Schlacht. Am 7. Oktober früh traten die Reiterei des Gen. Weljassew und das XXX. Korps am Korminbach zum Angriff an. Bei Czernysz wies die deutsche 22. ID. alle Vorstöße ab; auch das von ihr durch zwei Bataillone verstärkte KavKorps Herberstein (4., 2. und 7. KD.) vermochte dem Feinde südlich von Kulikowice standzuhalten. Kritisch gestaltete sich die Lage bei Karpilowka, wo die Russen zwischen dem XVII. und dem X. Korps eine Bresche schlugen. Die 41. HID. wurde auf dem rechten Flügel aus ihren Stellungen geworfen, die südlich im Anschluß fechtende 21. SchD. mußte nach zähem Kampfe Karpilowka aufgeben und westwärts weichen. Die Generale Martiny und Křitek riefen ihre Korpsreserven heran, doch konnte der am Nachmittag angesetzte Gegenstoß in dem Sumpfland nur wenig Raum gewinnen.

Nicht minder schwer machten es die Russen um dieselbe Zeit der 4. Armee an der Putilowka. Hier sollte das XXXIX. Russenkorps an der von Rowno nach Łuck führenden Eisenbahn und an der großen Straße Olyka—Pokaszczewo den Gegner durchbrechen. Durch einen Panzerzug gedeckt, bemühten sich die Russen im Abschnitt der 4. ID., über die Putilowka zu kommen, gerieten aber in ein derart heftiges Artilleriefeuer, daß sie sich nach verlustreichem Kampfe zurückziehen mußten. Weiter südlich drangen sie in den ersten Morgenstunden allerdings in die Gräben der 3. ID. ein; ehe der Abend sank waren aber die heißumstrittenen Stellungen westlich von Olyka durch die Division Horsetzky im Sturm zurückgenommen.

An den inneren Flügeln der 4. und der 1. Armee waren die Höhen von Ujezdcy das Ziel der Vorstöße des russischen XII. Korps. Die 10. ID. und die rechts von ihr eingesetzte 4. IBrig. der 2. ID. vermochten sich unter verschiedenen Schwankungen zu behaupten, dagegen wurde die 7. ID. auf ihrem Nordflügel im Morgennebel aus den Waldungen von Koryto geworfen. Erzherzog Joseph Ferdinand, der in diesem Raume schon einen Stoß der Russen erwartet hatte, zögerte nicht, die hinter dem

IX. Korps bereitgestellte 3. IBrig. der 2. ID. dem FML. Králiček zuzusenden, während Puhallo die hinter dem Korps Szurmay stehende halbe 46. SchD. zum Gegenstoß heranzog. Bevor diese Verstärkungen eingriffen, war es schon den örtlichen Reserven der 7. ID. geglückt, den Feind ein gutes Stück zurückzudrängen1).

Hinter dem IX. Korps hatte das 4. Armeekmdo. am Morgen die nach Chorlupy zur Ablösung der 3. ID. bestimmte 37. HID. anhalten lassen, iim sie nötigenfalls bei Koryto in den Kampf zu werfen. Als dies am Nachmittag nicht mehr nötig erschien, entschloß sich das 4. Armeekmdo., die 37. HID. an den bedrohten Nordflügel des X. Korps zu entsenden, wohin es schon am Morgen die 10. KD. gewiesen hatte.

Am 8. Oktober machten sich am Kormin und an der Putilowka neuerliche Stöße der Russen fühlbar, die überall abgeschlagen wurden. Bei Koryto konnten die alten Stellungen der 7. ID. mit Hilfe der herangezogenen Reserven, Teilen der 2. ID. und der 46. SchD., zurückerobert werden. Dem Feinde wurden bei diesen Kämpfen schwere Verluste zugefügt und über 4000 Gefangene abgenommen. Karpilowka blieb allerdings im Besitze der Russen. Martiny erhielt zwar auf seine Bitte vom 4. Armeekmdo. die halbe 10. KD. mit der Schützendivision und überdies die ganze 37. HID. überwiesen, um diesen Ort zurückzuerobern. Im gemeinsamen Gegenangriff mit der 21. SchD. und mit den Reserven des XVII. Korps konnte aber die Honvéd den Feind nicht völlig aus dem Einbruchsraum von Karpilowka vertreiben. Immer wieder schlug der Russe zurück. Nach viertägigem, fruchtlosem Ringen mußte Linsingen wohl oder übel dem Vorschläge Martinys zustimmen, von weiteren Angriffen vorläufig abzusehen.

Gleichzeitig mit den Stürmen am Kormin und an der Putilowka holte Brussilow an der oberen Ikwa zu einem Schlage gegen den Nordr flügel der Armee Böhm-Ermolli aus. Am 7. zeitlich früh drang die Stoßgruppe des russischen XVII. Korps bei Sapanow in die Stellungen der 31. ID. ein. Reserven des Korps Czibulka wurden unter der Führung des FML. Lütgendorf von Nordwesten her zum Gegenstoß angesetzt. Sie füllten die Bresche, vermochten aber bis zum Abend nicht, die Russen, die sich am Ostrand von Sapanow eingenistet hatten, über die Ikwa zu treiben. In der Nacht und am nächsten Tag, dem 8., wurden neuerliche Stöße der Russen gegen das XVIII. Korps und gegen die Gruppe Kosak abgeschlagen, indes gelang es noch immer nicht, Sapanow dem

x) An diesen Abwehrkämpfen hatte das Wiener FJB. 21 hervorragenden Anteil. Sein Kommandant, Major Joseph Baumann, erhielt für diese Waffentat und für die Führung des IR. 37 in der 10. Isonzoschlacht als Obstlt. das Ritterkreuz des MilitärMaria Theresien-Ordens. Das Wiener FJB. zu Rad Nr. 2 des österreichischen Bundesheeres feiert den 7. Oktober als Gedenktag.

Feinde völlig zu entreißen. Die Artillerie konnte der gut aufgestellten russischen Batterien nicht Herr werden, die Angriffstruppen der 31. ID. und der 1.LstlBrig. hatten schon schwere Verluste erlitten. FML.Czibulka mußte deshalb auf eine Anfrage Böhm-Ermollis am 10. melden, daß der Angriff auf Sapanow auch nach Einsatz eines ihm mittlerweile zugewiesenen Regiments der 29. ID. keinen Erfolg verspreche, wenn man Lütgendorf nicht bald schwere Batterien und der 31. ID. den nötigen Ersatz zuführe.

Den Vorstößen Brussilows hatte sich am 7. Schtscherbatschew angeschlossen. Sein Hauptangriff richtete sich gegen den Nordflügel des Korps Marschall. Während an der Front von der Ikwa bis Mszaniec die Stellungen der 2. Armee nur von der feindlichen Artillerie beschossen wurden, überschritten die Russen östlich von Nesterowce den Sereth-grund. Die hier zusammengefaßten Kräfte des russischen XVIII. Korps warfen die 38. HID. nach schwerem Kampf aus ihren Stellungen zurück. Da ein russischer Durchbruch zwischen der 2. und der Südarmee drohte, holte Bothmer vier Bataillone seiner Reserve, der 3.GID., von Jezierna heran. Überdies setzte Böhm-Ermolli auf Bothmers Bitte von der 26. SchD., die im zweiten Treffen in der Gegend von Zagórze stand, am 8. eine Brigade nach Załośce in Marsch.

Inzwischen drängten die von Jezierna herbeigeeilten vier Gardebataillone die Russen an den Sereth zurück. Schtscherbatschew erneuerte am 8. mit verstärkten Kräften den Stoß gegen den Nordflügel des Korps Marschall. Gegen die anschließenden Abschnitte der 19. ID. und der 48. RD. schien sich gleichfalls ein Angriff vorzubereiten. Überdies wurde auch das Korps Hofmann bei Burkanów dreimal, allerdings ohne Erfolg, angefallen. GdI. Bothmer, der aus diesem Grunde die Masse der3.GID. bei Plotycza belassen mußte, wandte sich in dieser gespannten Lage wiederum an Böhm-Ermolli und regte an, die ganze 26. SchD. über Nesterowce flankierend eingreifen zu lassen, was sich aber nicht mehr als nötig erweisen sollte. Alle weiteren Angriffe des XVIII. Russenkorps links vom Sereth scheiterten an dem Widerstand der 38. HID. und der ihr zugeführten deutschen Verstärkungen; das russischeXXII. Korps wagte gegen den rechten Flügel Marschalls (19. ID. und 48. RD.) nicht ernstlich vorzugehen; das Korps Hofmann vermochte sich, abgesehen von einem vorübergehenden Rückschlag am rechten Flügel, zu behaupten.

Die russische 9. Armee, Gen. Letschitzki, eröffnete den neuen Kampf mit einem Vorstoß des III. KavKorps und des XXXII. Korps zwischen dem Pruth und dem Dniester. Schon in den ersten Oktobertagen schoben sich feindliche Reiterabteilungen gegen die Ostgruppe Pflanzer-Baltins heran. Überläufer sagten aus, daß ein allgemeiner Angriff alsbald beginnen werde; Flieger erspähten hinter dem faltigen Waldgelände von Toporoutz frische russische Bataillone. Es lagen auch Nachrichten vor, daß das XXIV. Korps der Russen gegenüber der Ostgruppe der 7. Armee zusammengezogen werde. GdK.Pflanzer stellte alle verfügbaren Reserven, die 202. HIBrig., die 8. KD. und die 5.HKD., für Korda bereit.

Am 7. zeitlich früh brach der schon erwartete Sturm der Russen gegen das XI. Korps los, zuerst gegen die Landstürmer Papps und dann gegen die Kroaten der Gruppe Liposćak. Doch die Truppen hielten stand. Am Nachmittag wurde ein neuerlicher Angriff bei Onuth von der wackeren

42. HID. im Handgemenge zurückgeschlagen.

Während an der Front Kordas ein schwerer Kampf tobte, machten sich in den Abschnitten der Korps Benigni, Hadfy (bisheriges Korps Henriquez), Rhemen und Arz nur vereinzelte Stöße der Russen geltend. Insbesondere schien der Feind gegen den Abschnitt von Buczacz nur Scheinangriffe zu führen, da er von hier die 2. SchD. und vermutlich auch Teile der 32. ID. abgezogen hatte. Immerhin ließ Pflanzer in Anbetracht der ungeklärten Lage das IR. 63, das er ursprünglich von Buczacz zum Korps Korda entsenden wollte, hinter dem XIII. Korps stehen.

Am 8. erneuerten die Russen ihre kurzdauernden Anstrengungen zwischen Pruth und Dniester nicht mehr. Dagegen richteten sie in der Nacht neue Erkundungsstöße gegen die Korps Benigni und Hadfy. Überdies ereignete sich am 8. beim XIII. Korps der seltsame Fall, daß feindliche Kavallerie südlich der Bahn Buczacz—Czortków gegen die durch ein mehrreihiges Drahthindernis gesicherte Stellung der 36. ID. anritt. Die verwegenen russischen Reiter wurden schon durch Geschützfeuer zur Umkehr gezwungen. In dem nördlichen Abschnitt des VI. Korps begann sich zur gleichen Zeit feindliche Infanterie unter andauernder Artillerieunterstützung gegen die 39. HID. heranzuschieben. Da dem XI. Korps auch am 9. kein weiterer Angriff drohte, entschloß sich Pflanzer, die von Kissileu nach Zastawna entsandte 5. HKD. zunächst nach Horodenka heranzuziehen.

Nördlich vom Brückenköpfe bei Buczacz entspann sich am 9. morgens ein schwerer Kampf. Hier holte Letschitzki wie im September mit dem XI. Korps zu einem Stoß aus und suchte, links gedeckt durch das II. KavKorps, den Gegner vom Westufer der Strypa zu vertreiben. Der Hauptangriff der Russen richtete sich gegen Arz. Die wackeren Truppen hielten stand. Doch nach zweitägigem Kampfe erlag die jetzt vom GM. Blasius v. Dáni befehligte 39. HID. am 11. früh einem ungestümen Anprall dreier russischer Regimenter und glitt bei Wiśniowczyk über die Strypa zurück x). Das HIR. 9 wurde so gut wie aufgerieben. Arz setzte seine Korpsreserve, das IR. 57, von Süden her zum Gegenstoß in der Richtung gegen die Flanke der scharf nachdrängenden Russen ein. Das Regiment konnte jedoch keinen Raum gewinnen. Auf die Kunde von diesem Mißgeschick warf Pflanzer zwei Bataillone des IR. 63 von Buczacz her an die bedrohte Stelle; auch zog er noch am 11. abends die Schützendivision der 5. HKD. auf Lastautos von Horodenka zum VI. Korps heran, indes die Honvéd-reiter angewiesen wurden, ihren Marsch zum XIII. Korps fortzusetzen, da sich auch gegen die 15. ID. russische Vorstöße geltend machten. Ferner verfügte GdK. Pflanzer, immer auf die Bildung von Reserven bedacht, wo Gefahr drohte, daß das HIR. 306 rasch vom XI. Korps nach Buczacz gefahren werde. Dem FML. Arz befahl er für den 12., mit der 39. HID., der 24. IBrig. der 12. ID. und den zugewiesenen Teilen des IR. 63 sowie mit den Schützen der 5. HKD. aus der Front südlich von Burkanów— Zielona mit dem Schwergewichte rechts auf Dobropole den Feind anzugreifen und die Höhen östlich der Strypa festzuhalten. GdI. Rhemen sollte mit der 23. IBrig. der 12. ID. und mit dem XIII. Korps (36. und 15. ID.) durch einen Stoß nach Osten den vor dem Brückenkopf von Buczacz stehenden Feind fesseln und eine Flankenbedrohung des Korps Arz verhindern.

Die Ereignisse am 12. nahmen einen wechselvollen Verlauf. Beim VI. Korps bemühte sich die zusammengeschmolzene 39. HID. mit dem IR. 57 unter schweren Verlusten vergeblich, den zähen Feind aus den verlorenen Stellungen von Wiśniowczyk zu vertreiben. Die 24. IBrig., die den Stoß auf Dobropole führte, traf dort auf den Feind, von dem sie nachmittags angegriffen wurde. Auf dem Nordflügel des XIII. Korps kam die 23. IBrig. vor einer russischen Stellung bei Pilawa zum Stehen. Als sich die Russen hier verstärkten und den Südflügel des Korps Arz bedrängten, gingen auch Teile der 23. IBrig. in die Ausgangsstellungen zurück. Die 36. ID. rückte beiderseits der nach Czortków führenden Eisenbahn ein Stück gegen Osten vor und blieb dann vor einer durchlaufenden russischen Stellung liegen. Gegen die 15.ID. rittenim Vorgelände der Strypa feindliche Reiterabteilungen heran. Sie wurden abgeschlagen, worauf die 15. ID. ein Regiment gegen den Dzurynbach vorschob. Rechts im Anschluß daran überschritt eine Brigade der 6. KD. bei Czernelica den Dniester.

x) Arz, Zur Geschichte des Großen Krieges 1914—1918 (Wien 1924), 96.

Am 13. sollte der Angriff des XIII. und des VI. Korps fortgesetzt werden. Schon am Morgen stellte sich jedoch ein neuer Rückschlag ein. Das Regiment der 15. ID., das gegen den Dzurynbach vorgedrungen war, mußte vor einem russischen Gegenstoß zurückweichen. Feindliche Kavallerie, die dieser Bewegung folgte, wurde zurückgewiesen. Als sich aber im Verlaufe des Tages das Vorgehen russischer Infanterie aussprach, beschloß GdI. Rhemen mit Zustimmung des Armeekommandanten, das

XIII. Korps, das von der russischen Artillerie heftig beschossen wurde, in die Hauptstellungen zurückzunehmen. Dieses Absetzen vom Feinde mußte selbstverständlich auf die rechts benachbarte Brigade der 6. KD. zurückwirken; diese zog sich hinter den Dniester zurück.

Beim VI. Korps stand am 13. zunächst der Kampf. Dem Rückzug der 39. HID. auf das Westufer der Strypa hatte sich am 11. auch der äußerste Südflügel des Korps Hofmann angeschlossen. Bothmer warf daraufhin drei Bataillone der 3.GID. unter Obst. Leu an die bedrohte Stelle. Am 13. vormittags setzte dieser zum Gegenstoß an und warf die Russen oberhalb von Burkanów über den Fluß zurück. Tags darauf überschritten die drei Gardebataillone die Strypa und faßten im südlichsten Abschnitt des Korps Hofmann in der alten Stellung Fuß.

Auf dem linken Flügel des VI. Korps wirkte die schon arg hergenommene 39. HID. an diesem Angriff mit, konnte sich aber südlich von Wiśniowczyk trotz kräftiger Unterstützung durch die Artillerie eines linksufrigen Stützpunktes der Russen nicht bemächtigen. Wiederholt traten die Unverdrossenen zum Sturme an, ohne etwas ausrichten zu können. Am 15. wurde der Gegenangriff eingestellt, weil die Wiedergewinnung des Ostufers die schweren Blutopfer nicht gerechtfertigt hätte.

Übrigens hatte GO. Conrad jetzt seine Absicht, die Offensive wieder zu ergreifen, fallen gelassen, wenn er dies überhaupt noch ernstlich geplant hatte. Am 6. Oktober war der Angriff auf Serbien ins Rollen gekommen. Es mußte damit gerechnet werden, daß der Russe nochmals zu einem Gegenschlage ausholen werde, um seinem von einer Katastrophe bedrohten Schützling in zwölfter Stunde zu helfen. Dies umsomehr, als verschiedenen Nachrichten zufolge Iwanow seinen Nordflügel am Styr verstärkte. Auch schien die Kriegslust der Rumänen zu wachsen, und man durfte daher nicht alle Kräfte ausspielen.

In dieser gespannten Lage ließ die k. u. k. Heeresleitung in der Nacht auf den 14. die Armeen wissen, daß vorerst sicheres Halten der Dauerstellung das Wichtigste sei. „Hiezu müssen Ausbau und Widerstandskraft dieser Stellung mit Anspannung aller erlangbaren Kräfte und Mittel auf ein Höchstmaß gebracht werden, welches das verläßliche Abweisen auch überlegener feindlicher Angriffe sicherstellt.“ Auch wies die Heeresleitung eindringlich auf die Notwendigkeit hin, Menschenverluste möglichst zu vermeiden. Nach dem Einreihen des Oktoberersatzes (XV. Marschbataillone des Heeres und der Honvéd, XIV. Marschbataillone der öst. Landwehr) sollten starke Heeresreserven aus der Front ausgeschieden werden.

Rückschauende Betrachtungen

Die Offensive, die das öst.-ung. Nordheer in den letzten Augusttagen und in der ersten Septemberhälfte des Jahres 1915 gegen das russische Südwestheer führte, verfolgte das Ziel, die Armeen Iwanows von den anderen zwei Heeresgruppen endgültig abzutrennen und hiebei die wichtige Rochadebahn Rowno—Luniniec zu durchschneiden. Weiters sollte die russische Südwestfront entscheidend geschlagen und hiedurch auch eine vollständige Säuberung Ostgaliziens erzielt werden (S. 13). Da zur selben Zeit auch das deutsche Ostheer nördlich vom Pripiatj die Russen durch eine Umfassung über Wilna zu schlagen und bis hinter eine zur Dauerstellung geeignete Frontlinie zurückzuwerfen suchte, sollte nach Erreichen der südlich und nördlich vom Polesie angestrebten Ziele gegen Rußland jene strategische Rückenfreiheit gewonnen werden, die es den Mittelmächten ermöglichte, sich mit starken Kräften gegen die anderen Feinde zu wenden. Mit der Besitznahme von Rowno noch vor Eintritt der schlechten Jahreszeit wollte GO. Conrad aber auch Herr eines Ausfallstores gegen die Ukraine werden, um nötigenfalls später, falls Rußland unterdessen nicht beigab, einen entscheidenden Stoß in der Richtung gegen Kiew oder gegen Odessa führen zu können.

Den Auftakt zu der mit starkem und vorgenommenem Nordflügel angesetzten Umfassungsoperation bildete die am 24. August erfolgte Besitznahme von Kowel (Bd. II, S. 706). Aus der Front Kowel—Wladimir-Wolyński war dann mit der Schwerlinie über Łuck gegen Rowno vorzugehen. Der zur Umfassung bestimmte Nordflügel wurde hiebei aus Korps gebildet, die aus der westlich von Brest-Litowsk sich verengenden Front herausgelöst und in langen, sehr ermüdenden Fußmärschen herangeführt worden waren. Der Plan der k. u. k. Heeresleitung ging nun dahin, den Nordflügel der russischen Südwestfront, wo immer er sich stellte, durch ein weit nach Osten ausgreifendes Manöver einzukreisen. Diesen großen, einfachen Gedanken hatte das AOK. in seinen ersten richtunggebenden Befehlen allerdings bloß angedeutet und das Operationsziel Rowno sowie den Einkreisungsgedanken nicht ausdrücklich hervorgehoben. Denn die erste Aufgabe, die es dem FZM. Puhallo stellte, war nur: „Durch eine Offensive allgemeine Direktion Łuck den rechten Flügel der russischen Südwestfront zu schlagen und die Trennung der russischen Armee endgültig zu bewirken... Die stark ausgebaute russische Front zu umgehen, den linken angreifenden Flügel der 1. Armee möglichst stark zu machen. Die Offensive derart vorzubereiten, daß mit Beginn der Angriffsbewegung die Vorrückung unaufhaltsam bis in den Raum um Łuck fortgesetzt werden kann.“ Der Chef des Generalstabes beabsichtigte offenbar, seine Armeen mit kurzem Zügel zu führen. Die Folge davon aber war, daß über den Kräfteansatz und die Durchführung des Angriffes das AOK. und die den Nordflügel des Heeres führenden Befehlsstellen nicht immer der gleichen Meinung waren (S. 61 und Bd. II, S. 704 ff.). Darin und in dem manchmal zu einem nicht gerade glücklichen Zeitpunkt erfolgten Eingreifen des AOK. sind in operativer Hinsicht die Ursachen des Fehlschlages zu suchen, wobei in zwei Fällen, einmal vor Łuck und dann namentlich vor Rowno, die Auswirkung entscheidende Bedeutung hatte.

Schon bei der Kräftegruppierung zum Vormarsch aus der Linie Kowel—Władimir-Wolyński gingen die Ansichten zwischen Teschen und dem 1. Armeekmdo. auseinander (Bd. II, S. 704). Während FZM. Puhallo das X. Korps, das vor Antritt der Offensive mehr als eine Woche am Bug verhältnismäßig Ruhe genossen hatte, an den Schwenkungsflügel nach Kowel hinausschieben wollte, verfügte GO. Conrad ausdrücklich, daß das erst anrückende XIV. Korps, von dem die 3. (Linzer) ID. seit dem Durchbruche bei Gorlice—Tarnów bis zum Eintreffen in Kowel bereits 640 km zurückgelegt hatte, dort einzuteilen sei (Bd. II, S. 705). Auch forderte er, daß die Armeereserve, Gruppe FML. Smekal, dem XIV. Korps zu folgen habe, während Puhallo diese hinter der Mitte der aus dem

XIV., IX. und X. Korps bestehenden Umfassungsgruppe hatte nachziehen wollen. Der Chef des Generalstabes wünschte eben im Gegensätze zum

1. Armeekmdo. die Verlegung des Schwergewichtes ganz auf den äußersten Schwenkungsflügel. Als dann aber die 1. Armee zur Offensive antrat, lag der Schwerpunkt doch mehr in der Mitte zwischen Swinarin und Poryck, aus welcher Front die sieben Divisionen der Generale Králiček, Martiny und Szurmay gegen den Abschnitt Ulaniki—Swiniuchy vorzustoßen hatten, während das Korps Roth, gefolgt von der Gruppe Smekal, verhältnismäßig weitab von Kowel auf Rożiszcze rücken sollte (siehe Beilage 4 und S. 56). Der Grund für diese Anordnung war, daß nach den bis zum 26. August in Sokal eingelangten Nachrichten die festgefügte russische Front nur bis zur südlichen Ługa reichte, weiter nördlich aber zutreffenderweise nur Kavallerie angenommen wurde (S. 57). Das Übergreifen des Umfassungsflügels durfte daher noch immer als ausreichend erachtet werden, um die durch Puhallo seiner Armee gestellte Aufgabe: „den feindlichen Nordflügel zu umfassen und dadurch den Rückzug der noch in der Bugfront stehenden russischen Kräfte zu einem vernichtenden zu gestalten“, zu erfüllen.

Am 28. August, an dem die Mitte der 1. Armee kämpfend die Sierna und das XIV. Korps fast ohne Gegenwirkung Rożiszcze erreichten, hatte der Russe in Ostgalizien vor den Angriffen der 2. und der Südarmee die Buglinie preisgegeben. Das 1. Armeekmdo. erachtete daher die vom AOK. befohlene Umfassung der russischen Südwestfront bereits als geglückt und wollte jetzt im Sinne des erhaltenen Auftrages den russischen Nordflügel „schlagen“. Hiezu sollte wieder die Alitte der Armee wie bisher den Hauptangriff in südöstlicher Richtung führen, wobei man hoffte, die Russen von Łuck und vom Styr abdrängen zu können. Das XIV. Korps hatte zur weiteren Umgehung des russischen Nordflügels den Styr bei Rożiszcze zu überschreiten und Łuck, wo nur schwache russische Kräfte vermutet wurden, rasch in Besitz zu nehmen. Ein Vorschlag des FML. Roth, das XIV. Korps den Styr weiter flußabwärts bei Sokul oder Nawoz überschreiten zu lassen, was ein auch von Teschen gewünschtes noch weiteres Ausgreifen ermöglicht hätte, wurde von Puhallo wegen des damit verbundenen etwa dreitägigen Zeitverlustes nicht gebilligt.

Tatsächlich stießen die drei Mittelkorps, IX., X. und Szurmay, schon am 28. in der Front Siernabach—Torczyn—Swiniuchy auf neue russische Stellungen, die Puhallo sofort angreifen ließ. Dies stand allerdings nicht in vollem Einklang mit einer am 28. früh erlassenen Weisung der Heeresleitung, die das Überschreiten des Styr mit starkem linkem Flügel und das weitere Ausgreifen des IX. Korps gegen Osten hin forderte (S. 60). Den Styrübergang des XIV. Korps hatte FZM. Puhallo bereits befohlen, das weitere Ausgreifen des IX. Korps war jedoch nur teilweise möglich, weil es schon an der Sierna im Kampfe stand. Puhallo ging eben darauf aus, den schon angefaßten russischen Nordflügel durch wuchtigen Angriff zu zertrümmern. Die Heeresleitung wieder wollte durch eine weitausholende Umfassung gegen Flanke und Rücken des rechten Flügels Iwanows wirken.

Trotz dem erhaltenen Befehle wollte das 1. Armeekmdo. den Angriff der Korps IX, X und Szurmay am 29. fortsetzen lassen, mußte ihn III    12

jedoch wegen des Abbleibens der Artillerie, wegen der Ermüdung der Truppen und wegen der Vorbereitungen, die bei der anscheinend recht starken Besetzung der russischen Stellungen nötig erschienen, auf den

30.    verschieben (S. 61). Auf die hierüber durch Puhallo erstattete Meldung griff nun die Heeresleitung am 29. mittags nachdrücklichst ein. Sie bezeichnete den beabsichtigten Angriff der Hauptkraft der 1. Armee als geradewegs zum Vorteile des Feindes, weil die zur Umfassung bestimmten Kräfte frontal gebunden würden, und wiederholte ihren Auftrag: „möglichst starke Kräfte über den Styr abwärts Łuck unverzüglich ostwärts vorgehen zu lassen“. Nun zog Puhallo das X. Korps aus der Front, um es dem XIV. über den Styr nachzusenden. Wegen der nunmehr notwendig gewordenen Neugliederung der verbliebenen Frontgruppe wurde der Angriff an der Sierna auf den 31. August verschoben (S. 63). Doch an diesem Tage stießen die Divisionen Králičeks und Szurmays schon ins Leere. Durch die Bedrohung durch das k. u. k. XIV. Korps von Norden her war Brussilow veranlaßt worden, seine Armee den schon vorbereiteten Rückzug noch während der Nacht antreten zu lassen. Ohne sonderliche Einbußen erreichten die Russen das östliche Styrufer. So war es denn weder geglückt, den Nordflügel der russischen Südwestfront entscheidend zu schlagen, noch ihn einzukreisen. Lediglich ein frontaler Raumgewinn blieb als Erfolg.

Das nur teilweise befriedigende Ergebnis der vom 27. bis zum

31.    August währenden Kampfhandlungen ist wohl zunächst in dem nicht völligen Eingehen des 1. Armeekmdos. auf die Absichten der Heeresleitung zu suchen. Vielleicht hat das AOK. seinen Plan, der auf Einkreisung der russischen 8. Armee von Norden her abzielte, doch nicht scharf genug zum Ausdruck gebracht oder dessen Ausführung nicht entschieden genug verfolgt. Zweifellos hätte es aber den Angriff der 2. und der Südarmee nicht für denselben Zeitpunkt wie jenen der 1. Armee festsetzen sollen. In Ostgalizien war ohnehin nur ein frontales Fortschreiten zu erhoffen. Der frühzeitig hervorgerufene Rückzug der Russen von der Złota Lipa an die Strypa verringerte aber die Flankenwirkung von Norden und allenfalls auch durch die 7. Armee von Süden her.

Das Eingreifen der Heeresleitung am 29., das die Verschiebung des X. Korps hervorrief, kann aber nicht als glücklich bezeichnet werden. Strategische Umfassungen sind stets nur dann wirksam, wenn sie aus der Tiefe des Raumes angesetzt werden. Der Versuch, mit dem X. Korps aus der Front zu einer Flanke und Rücken des Feindes bedrohenden Umfassung zu gelangen, konnte bei den schon locker gewordenen Russen

niemals gelingen. Hätte die 1. Armee ihren Angriff an der Sierna, wie geplant, am 30. durchführen dürfen, so wäre sie bei ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit (7 öst.-ung. Infanteriedivisionen gegen 2 Infanterie- und 3 Reiterdivisionen der Russen) höchstwahrscheinlich durchgedrungen, und der Feind hätte sich nur unter dem auflösenden Drucke einer scharfen Gefechtsverfolgung hinter den Styr zurückziehen können.

War bei Łuck bei frühzeitig eingeleiteter, kraftvoll und einheitlich durchgeführter Umfassung eine Einkreisung des russischen Nordflügels durchaus möglich gewesen, so darf dies vor Rowno, wie die Verhältnisse sich dort entwickelt hatten, bezweifelt werden. Das überraschende Vorbrechen des XIV. Korps bei Rożiszcze über den Styr hatte Iwanows Aufmerksamkeit entscheidend auf den Raum gelenkt, aus dem seiner Heeresfront auch weiterhin Gefahren drohen konnten. Er zog daher, ein vorübergehendes Stillhalten der öst.-ung. Angriffsfront vor dem Sereth geschickt ausnützend, ungefähr vom 8. September an das hier fechtende XXX. Korps gegen seinen Nordflügel (S. 96).

Unterdessen hatte die neugebildete Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand an der Putilowka gegen die sehr geschickt und aktiv geführte russische 8. Armee schwer kämpfen müssen, ehe ihr der Schlachtenerfolg zufiel. Denn gleich nach dem Rückzug vom Styr hatte Brussilow seine ganze Reiterei und die oft bewährte 4. SchD. nach Norden hinausgeschoben, um gegen neuerliche Überflügelung gefeit zu sein (S. 76). Dies war für den Erzherzog, der den Auftrag hatte, die Entscheidung wieder durch eine nach Osten weit ausgreifende Umfassung zu suchen, Anlaß genug, dem schon am 4. September gegen Derażno entsandten X. Korps (62. und

24. ID.) tags darauf noch die 4. ID. und am 8. die 45. SchD. folgen zu lassen (S. 81 ff. und 112). Da unterdessen die Armee Böhm-Ermolli über Podkamień und die Armee Puhallo bis Dubno vorgedrungen waren, nahm Brussilow, nachdem er durch kraftvolle Gegenstöße vier Tage Zeit gewonnen hatte, endlich am 9. seine durch beiderseitige Umfassung bedrohte Front in die letzte starke Widerstandslinie vor Rowno, an den Stubiel, zurück.

Wieder wurde die k. u. k. 4. Armee angewiesen, das ihr schon so nahe Kampfziel durch Umfassung von Norden her zu nehmen (S. 113 f.). Hiezu wurde nun auch die 13. SchD., die bisher hinter der Armeemitte gestanden war, nach Derażno hinausgeschoben und hiemit die Frontgruppe neuerlich geschwächt. Doch die auf dem Nordflügel fechtenden fünf Infanteriedivisionen samt dem KavKorps Bemdt vermochten nicht, sich aus den Horyńschlingen ins Freie hinauszuarbeiten. Durch die schwierigen Kämpfe waren die Truppen ermüdet und in ihren Gefechtsständen arg geschwächt. Auch hatte seit dem 3. September abends anhaltender Regen das tiefliegende Gebiet nördlich der Reichsstraße Łuck—Rowno in einen Sumpf verwandelt, der alle Truppenbewegungen außerordentlich erschwerte. Dazu umschwärmten russische Reiter scharen von den Sumpfwäldern des Polesie her die Umfassungsgruppe, verhinderten jede Aufklärungstätigkeit und verschleierten eine geschickte Gegenmaßnahme der russischen Führung. An der Stubielfront aber sah sich die k. u. k. 4. Armee einem sehr rührigen Feind gegenüber zum Stillhalten verurteilt.

Da brach am 13. abends hinter dem russischen Kavallerieschleier das mit der Bahn verschobene XXX. Korps von Nordosten her gegen den Umfassungsflügel der 4. Armee los, der jetzt die Rolle einer Abwehrflanke übernehmen mußte. Obwohl die am linken Flügel des Korps Martiny fechtende 4. ID. mit Teilen des XXX. Russenkorps in heftige Kämpfe verstrickt war, wurde gerade sie in der Nacht zum 14. herausgezogen, um den durch feindliche Anstürme an der Stubielfront schwankend gewordenen Südflügel des X. Korps zu stützen (S. 135). Das russische XXX. Korps konnte daher nördlich von Derażno gegen die sehr ermüdeten Kämpfer des jetzt noch geschwächten Nordflügels um so leichter Raum gewinnen. Heeresreserven, die einen Umschwung hätten rasch herbeiführen können, waren im Augenblicke nicht zur Hand, denn das XVII. Korps stand damals mit je einer Division in Cholm und in Lublin. Da jetzt auch die Südarmee schwer bedrängt wurde, befahl Conrad am 14. September die Einstellung des Angriffes, der wegen der fortgesetzten Russenangriffe auf dem Nordflügel schon tags darauf der Rückzug an den Styr folgte. So wurde durch den russischen Gegenstoß, der — da das Abrollen des XXX. Korps seit Tagen bekannt war (S. 117) — nicht einmal eine sonderliche Überraschung bedeuten konnte, der k. u. k. 4. Armee der zum Greifen nahe Erfolg, die Gewinnung von Rowno, noch im letzten Augenblick aus den Händen gewunden.

Hätte die öst.-ung. Führung, statt eine Division nach der anderen aus der Front nach Norden in das wenig gangbare, versumpfte und von schwer überschreitbaren Flußläufen durchzogene Gelände hinauszuschieben, wo die Kämpfe sehr zeitraubend wurden und auch die Artillerie nicht recht zur Geltung kommen konnte, mit zusammengehaltener Kraft längs der Straße auf Rowno vorstoßen lassen, so wäre wahrscheinlich die Putilowkalinie rascher gefallen. Auch hätte das schon mehrfach geschlagene, aus Landsturmtruppen gebildete XXXIX. Korps kaum mehr die Kraft besessen, am Stubiel einem wuchtigen Massenangriff standzuhalten. Es darf auch bezweifelt werden, ob es die Russen dann auf eine Verteidigung der veralteten Werke von Rowno hätten ankommen lassen. So wären bei anderem Kräfteansatz die Festung und mit ihr das Kampfziel des Feldzuges den öst.-ung. Truppen wahrscheinlich in die Hände gefallen, ehe das russische Gegenmanöver wirksam geworden wäre.

Der Führung der russischen Südwestfront muß gerechterweise zugebilligt werden, daß sie es, ohne Verstärkungen zu erhalten, in sehr geschickter Weise verstanden hat, mit ihren rund 500 Bataillonen den Angriff des anfänglich (ohne VI., XVII. Korps und 37. HID.) allerdings nur 460 Bataillone starken, aber auf dem entscheidenden Nordflügel überlegenen (S. 52) und besser gruppierten öst.-ung. Heeres erfolgreich abzuwehren!). Das Abziehen des XXX. Korps von der 9. Armee muß um so höher gewertet werden, als diese trotzdem im gleichen Augenblicke wider die Südarmee zum Gegenschlag ausholte. Dieser wurde gegen den schwächsten Frontteil der Armee Bothmer, gegen das weit auseinandergezogene, zum Großteil aus Landsturm- und Marschbataillonen zusammengesetzte Korps Hofmann, geführt und hatte so nachhaltige Wirkung, daß das AOK. den Einsatz von drei bisher für die Offensive gegen Serbien bestimmten Divisionen (37.HID., VI. Korps mit 39. HID. und 12. ID.) beschloß. Heute darf man in Kenntnis der russischen Absichten die Notwendigkeit dieser Maßnahme bezweifeln, weil die Russen gar nicht an ein weitreichendes Unternehmen über Buczacz und Podhajce gegen Westen hin dachten (S. 121 f.) und erfahrungsgemäß in der Ausnützung von Durchbruchserfolgen sehr bedächtig waren.

Da zur Abwehr der russischen Gegenoffensive über Łuck am 20. September auch die letzte öst.-ung. Heeresreserve, das XVII. Korps, eingesetzt werden mußte (S. 141), waren alle vier vom öst.-ung. Nordheer für den Angriff auf Serbien bestimmten Divisionen verausgabt. Die wenig glücklichen Kämpfe hatten den k.u.k. Truppen aber auch die ungewöhnlich hohe Einbuße von etwa 230.000 Mann eingetragen. Schließlich mußte, damit weiteres Unheil verhütet wurde, noch deutsche Waffenhilfe erbeten werden. Dieser verhältnismäßig geringe Kraftzuschuß (zwei Infanteriedivisionen und eine Kavalleriedivision) stellte dann, allerdings schon durch den Anmarsch die russische Nordflanke schwer bedrohend, die Lage verhältnismäßig leicht wieder her.

Das öst.-üng. Heer hat die ihm im „Feldzug von Rowno“ gesteckten

x) Nach Einsatz der fünf Divisionen Heeresreserven hielten sich die beiden Streiteraufgebote, 517V2 öst.-ung. und deutsche gegen etwa 512 russische Bataillone, ungefähr die Waage. Zu jenen kamen dann noch die 21 Bataillone des deutschen XXIV. RKorps.

Angriffsziele nur zum geringen Teile erreicht. In Ostgalizien wurde die Front von der Złota Lipa und vom oberen Bug bis an die Strypa und bis an die Reichsgrenze bei Załośce vor verlegt, in Wolhynien bis an den Styr Raum gewonnen. Die wichtige Rochadebahn Rowno—Luniniec blieb aber unversehrt in den Händen der Russen, und es war auch sonst nicht geglückt, den Armeen Iwanows einen entscheidenden Schlag zuzufügen. Die Russen hatten vielmehr in den Kämpfen eine überraschend große Schlagkraft und Manövrierfähigkeit gezeigt, die man teilweise wohl auch der Kommandoübernahme durch den Zaren (S. 93) und ihrer Rückwirkung auf den Muschik zuschreiben durfte, und die jedenfalls auch weiterhin zur Vorsicht mahnten.

Der unbefriedigende Ausgang der „schwarzgelben Offensive“ — wie sie damals genannt wurde — entbehrte auch nicht politischer Folgen. Die Rückschläge in Wolhynien und in Ostgalizien hatten die k. u. k. Heeresleitung genötigt, zur Wiederherstellung und Sicherung der Lage auf vier der sechs Divisionen zu greifen, die im Sinne des Vertrages vom

6. September (S. 11) für den gemeinsamen Angriff auf Serbien bestimmt waren. Falkenhayn stellte zwar Ersatz durch annähernd gleich starke deutsche Kräfte. Aber die Geltung Österreich-Ungarns erlitt in den Augen des neuen bulgarischen Verbündeten abermals einen Stoß, und in gleichem Ausmaße stieg der deutsche Einfluß, wuchs aber auch die Abhängigkeit der öst.-ung. Kriegführung von der des mächtigeren, über eine stärkere und einheitlichere Armee verfügenden deutschen Bundesgenossen. Es setzte damit die Entwicklung ein, die FML. Hoen als eine Folge der nach 1866 eingetretenen Abschnürung des Habsburgerreiches mit den Worten kennzeichnet: „Was der Wehrmacht seit der Wendung des politischen Geschickes [nach Königgrätz] an Zufluß aus den anderen deutschen Gauen zur Erhaltung ihrer besonderen Eigenart abging, mußte jetzt eben der Bundesbruder mit geschlossenen Abteilungen ersetzen1).“ Auf die Begleiterscheinungen dieses geschichtlichen Vorganges und seine politischen und persönlichen Folgen wird in anderem Zusammenhange noch zurückzukommen sein.

Dabei konnte, wie ohne Beschönigung zu betonen ist, die überwiegende Mehrzahl der am Feldzug von Rowno beteiligten öst.-ung. Streitkräfte trotz seines schwerer Enttäuschungen nicht entbehrenden Verlaufes auf ehrenvolle, teilweise hervorragende Leistungen zurückblicken. Dies gilt nicht zuletzt für die Kämpfer der 1. und der 4. Armee. Ansatz und Entwicklung des Umfassungsmanövers hatten es bei der 4. Armee mit

x) Schwarte, Der große Krieg 1914—1918, V (Leipzig 1922), 15£.

sich gebracht, daß gerade die Divisionen, denen eine entscheidende Rolle zufiel und die auch dabei wieder die größten Marsch- und Kampfleistungen zu vollbringen hatten, von Gorlice bis Władimir-Wołyński in vier Monaten unter steten Gefechten einen mehrere hundert Kilometer betragenden Weg zurückzulegen gehabt hatten; diese Heereskörper waren begreiflicherweise stark ermüdet und mit oft bis unter die Hälfte gesunkenen Gefechtsständen auf der neuen Walstatt angelangt, auf der sie abermals zu den schwierigsten Aufgaben berufen sein sollten17). Wie sehr zudem schlechtes Wetter, elende Wege und mangelhafter Nachschub den Verlauf des Manövers gehemmt haben, ist in der Darstellung gesagt worden (S. 114).

Der zu gleicher Zeit unternommene Vorstoß Hindenburgs über Wilna hatte zwar einen glatteren Verlauf genommen als das öst.-ung. Vorgehen gegen Rowno; Rückschläge wie der am Horyń waren ihm erspart geblieben. Doch hatten auch hier „ungewöhnliche Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Truppen“ sowie die „sich verschlimmernden Nachschubsschwierigkeiten“ und die „rechtzeitigen Gegenmaßregeln“ der Russen das völlige Ausreifen des kühnen Planes vereitelt18). „Wir sind zu spät gekommen, wir ermatten“, sagt Hindenburg in seinen Lebenserinnerungen 19) im Zusammenhalte mit dem am 27. September gefaßten Entschlüsse, das Manöver von Wilna als beendet zu betrachten.

Mit dem Mißlingen des Stoßes auf Rowno und mit dem vorzeitigen Verebben der deutschen Offensive auf Minsk waren die Heere der Mittelmächte um einen großen Erfolg gekommen, dessen Wirkung, da die Probe aufs Exempel ausblieb, kaum abzuschätzen ist20). Der tatsächliche Verlauf der Ereignisse läßt allerdings einen Kritiker des großen Krieges21) die Frage aufwerfen, ob es nicht überhaupt zweckmäßig gewesen wäre, sich mit der Ende August erreichten Linie zu begnügen. Sicherlich spricht, wenn man von der besonderen Lage bei Lemberg (Bd.II, S. 668) absieht, in nachträglicher Erkenntnis militärisch, politisch und wirtschaftlich mancherlei für diese Auffassung. Wenn nichts sonst, so hätten sich die Verbündeten und zumal Österreich-Ungarn wertvolle Kräfte erspart, die auf anderen Kriegsschauplätzen mit Erfolg zu verwenden gewesen wären. Andrerseits erinnert GdI. Kuhl1) nicht zu Unrecht daran, „daß der bekannte englische Militärkritiker Repington uns den entgegengesetzten Vorwurf machte“, und daß man nach Mitteilungen des russischen Gen. Gurko während des deutschen Vorstoßes über Wilna schon an die Abbeförderung der Kunstschätze, Archive und Geldvorräte aus Petersburg gedacht hatte. Im Kriege entscheidet eben nicht das Argument am grünen Tische, sondern der Erfolg, der für die theoretische Betrachtung mitunter ein recht parteiischer Richter ist.

Immerhin hatten die Heere der beiden verbündeten Kaisermächte bis zum Verebben der großen Offensive zu Anfang Oktober eine strategisch günstige Linie erreicht, die vom Rigaischen Meerbusen zum Teil längs der Düna bis vor Dünaburg und dann von Norden nach Süden geradlinig bis Czernowitz verlief. Die Länge dieser Front von über 1300 km kennzeichnet allein schon, welch ungeheuer großes Gebiet im Sommer 1915 erobert worden war, das nun durch eine Dauerstellung gegen neue Anstürme der Moskowiter geschützt und nach Möglichkeit auch der durch Englands Hungerkrieg schwer bedrängten Wirtschaft der Mittelmächte nutzbar gemacht werden sollte.

' i) K u h 1, I, 262.

DIE EROBERUNG SERBIENS

Der Stromübergang der Heeresgruppe Mackensen

Das Werden des Operationsplanes

Hiezu Beilagen 1 und 9 sowie Beilage 2 des I. Bandes

Schon FZM. Potiorek hatte nach dem unglücklichen Ausgang des Herbstfeldzuges gegen die Serben im Dezember 1914 seinem Nachfolger im Kommando der Balkanstreitkräfte gesagt: „Wenn Sie Serbien nochmals anzugreifen haben, tun Sie es nur bei Belgrad1).“ Aber auch GdI. Falkenhayn eröffnete in einem am 21. März 1915 an GdI. Conrad gerichteten Vorschlag zur Offensive gegen Serbien, daß ihm als Vorstoßrichtung für die aus öst.-ung. und deutschen Divisionen zusammengesetzte Hauptkraft ein Übergang über die Donau abwärts von Belgrad als zweckmäßig erscheine. Im April waren die Erörterungen über die Niederwerfung Serbiens zur Öffnung des Landweges nach der Türkei so weit fortgeschritten, daß das 5. Armeekmdo. in Neusatz zur Vorlage eines Operationsplanes aufgefordert werden konnte. In dem an das AOK. übersendeten Entwurf wurde, unabhängig von Falkenhayns Anregung, gleichfalls der Hauptangriff von Südungarn über die Stromschranken hinweg vorgeschlagen (Bd.II, S. 308). Im einzelnen wurde beantragt, je ein Korps der etwa 120 Bataillone starken Hauptkraft die Save bei Kupinovo und Ostružnica und die Donau bei Pancsova und Kevevára überschreiten zu lassen, indes bei Orsova nur eine schwache Gruppe den Übergang versuchen sollte. Dies lief auf das Vordringen je einer Armee ins Kolubara-und ins Moravatal hinaus, durch deren Zangenwirkung die nicht unmittelbar angegriffene Hauptstadt Serbiens zu Fall gebracht werden sollte. Zwei Divisionen mit Gebirgsausrüstung waren von Višegrad über čačak anzusetzen. Die sechs Divisionen der Bulgaren sollten nach den Vorschlägen des 5. Armeekmdos. im Nordwesten ihres Landes, südlich davon die 100.000 Türken bei Caribrod aufmarschieren. Im konzentrischen Zusammenwirken aller Verbündeten, deren Stärke mit 390 Feldbataillonen bemessen wurde, sollte dann gegen das auf 230 Bataillone geschätzte Serbenheer der Raum Kragujevac—Kraljevo—Kruševac gewonnen werden. Als Hauptbedingung für das Gelingen des Überganges, des Angriffes

!) Krauss, Die Ursachen unserer Niederlage (3. Aufl., München 1923), 165.

über das starke Hindernis, bezeichnete das 5. Armeekmdo. eine überwältigende Übermacht (auch an Artillerie) und reiches Überschiffungs-material.

Dieser Operationsplan sollte jedoch zunächst nicht ausgeführt werden können, weil wegen des italienischen Krieges die 5. Armee mit sechs Divisionen an den Isonzo geworfen werden mußte (Bd. II, S. 408). Der zurückbleibenden Armeegruppe GdK. Tersztyánszky konnte in Berücksichtigung ihrer sehr geringen Stärke nur mehr die Aufgabe gestellt werden: ,,1. Verhinderung des Überganges der Serben über die Donau und Save und der Vorrückung derselben gegen Budapest; 2. einem eventuellen Einbruch der Serben in Bosnien entgegenzutreten, soweit dies ohne Gefährdung der ersten Aufgabe möglich ist.“ Die schon geschilderte Untätigkeit der Serben überhob Tersztyánszky der Nötigung, die Durchführbarkeit seines Auftrages zu erweisen, was um so schwerer gewesen wäre, als er im Sommer die drei deutschen Divisionen 101, 105 und 103 nach dem Nordosten (Bd. II, S. 468, 607), die k.u.k. 61. und die 59. ID. sowie die 19. LstGbBrig. an die Isonzofront (Bd. II, S. 743, 749 f.) absenden mußte.

Trotz der Schwierigkeit der dem GdK. Tersztyánszky gestellten Verteidigungsaufgabe bat dieser tatfreudige Führer bereits am 1. Juni das AOK., „Vorbereitungen für eine eventuelle Offensive gegen Serbien schon jetzt einleiten zu dürfen, um die hier [in Südungarn] zur Verfügung stehende Zeit und Kraft auszunützen“. Conrad wies hierauf eine Woche später das Armeegruppenkmdo. in Neusatz an, Zeit und Kraft „für die Besserung der Verteidigungsverhältnisse und die Festhaltung des eigenen Gebietes“ auszunützen, und gestattete „lediglich jene Maßnahmen zu treffen, welche in unauffälliger Weise dafür bürgen, daß eintretenden Falles über alle jene Verhältnisse Klarheit herrscht, welche für die Einleitung einer Offensive bestimmend werden“.

Nun setzte neben der Ausgestaltung der Befestigungen im Grenzraume an der Donau, Save und Drina eine rege Erkundungstätigkeit ein, an der sich auch der von der DOHL. dem Armeegruppenkmdo. zugeteilte deutsche Generalstabsoberstleutnant Hentsch beteiligte. Als Mitte August sich die Kampfhandlungen auf dem russischen Kriegsschauplätze dem Abschlüsse näherten, glaubte GdK. Tersztyánszky mit dem Freiwerden stärkerer Kräfte für den Balkan rechnen zu dürfen. Er legte dem AOK. einen Operationsentwurf für die vollständige Niederwerfung Serbiens vor, der sich vielfach an den Plan des 5. Armeekmdos. anlehnte.

Tersztyánszky ging von der zutreffenden Annahme aus, daß die aus der 2. und der 3. Armee bestehende Hauptkraft der Serben bei Belgrad und südlich davon, eine starke gemischte Abteilung in der Donauschlinge südlich von Orsova, die 1. Armee im Save-Drinawinkel und die 4. zwischen Višegrad und Užice stünden. Auch er sprach sich dafür aus, den Hauptschlag über Belgrad—Kragujevac auf Niš zu führen, wozu die etwa 18 Divisionen starke Streitmacht, gleichfalls in zwei Armeen gegliedert, die beiden Grenzströme von Norden her überschreiten sollte. Auf Grund eingehender Erkundungen sollte die „Belgrader Armee“ die serbische Hauptstadt jedoch geradewegs beiderseits der Donau angehen. Der „Moravaarmee“ waren zur Stromüberschreitung für eine Division Semendria, für die Masse der außerordentlich günstige Abschnitt bei Ram zugedacht. Zur Unterstützung der Hauptangriffsgruppe sollten die in Syrmien stehenden Savesicherungen bei Klenak und Jarak, die Stromwachen an der unteren Drina bei Bijeljina demonstrieren und bei günstiger Entwicklung der Hauptkampfhandlungen bei den genannten Orten in die Macva einbrechen. Für die aus den noch vorhandenen besten Landsturmtruppen Bosniens neugebildete 53. ID. war ein Vorstoß über Višegrad gegen Užice ins Auge gefaßt. Ob auf eine Mitwirkung der Bulgaren und der Türken zu rechnen sei, entzog sich damals noch der Beurteilung des Armeegruppenkmdos.; gegebenenfalls hätten zwei bis drei für den Gebirgskrieg ausgerüstete öst.-ung. Divisionen dem neuen Verbündeten über Orsova die Hand zu reichen gehabt. Allgemeine Gesichtspunkte über Wahl der Aufmarschräume, Reihenfolge des Antransportes der heranrollenden Waffengattungen sowie genaue Aufstellungsorte der auf 54 Batterien bezifferten schweren Artillerie der beiden Angriffsarmeen ergänzten die eingehende Studie, die in Teschen — wie in Pleß die Berichte des Obstlt. Hentsch — die Grundlagen für weitere Vorbereitungen bildeten.

Einen Tag nach dem Abschluß des Vertrages mit Bulgarien, am

7. September, wurde GdK. Tersztyánszky von dem geplanten Aufmarsch der gegen Serbien bestimmten Truppen in Kenntnis gesetzt. Darnach sollten außer der schon anrollenden deutschen 101.ID. noch die 11. bayr., die 103. und die 105. ID. sowie das Kommando des X. RKorps in das Banat verlegt werden. Sie bildeten den Grundstock der mindestens noch durch zwei Divisionen auszubauenden deutschen 11. Armee, als deren Führer GdA. v. Gallwitz in Aussicht genommen war. Nach Syrmien sollten aus Nordosten das k.u.k. VI. Korps (12. ID. und 39. HID.) und das XVII. Korps (21. SchD. und 41. HID.), von der Isonzofront die 57. und die 59. ID. unter dem VIII. Korpskmdo. gelangen (S. 14). Für Nordostbosnien war geplant, die 53. ID., die 205. LstlBrig., die anfangs August in Syrmien neuaufgestellte 206. LstlBrig. und die Drinasicherungsgruppe GM. Streith zum XIX. Korps zusammenzufassen. Alle angeführten öst.-ung. Truppen sollten die k. u. k. 3. Armee bilden, deren Befehl GdK. Tersztyánszky — mit Obst. Adalbert v. Dáni als Generalstabschef — zu führen hatte.

Am 18. September nahm GFM. Mackensen als Oberbefehlshaber der gegen Serbien aufgebotenen deutschen, öst.-ung. und bulgarischen Streitkräfte aus den Händen des Deutschen Kaisers die vom 15. datierten grundlegenden Anweisungen entgegen1). Der gemeinsam mit der k.u.k. Heeresleitung ausgearbeitete Feldzugsplan forderte im wesentlichen konzentrischen Vormarsch von Norden und Osten. Die 3. und die 11. Armee hatten den Stromübergang zu vollziehen, die 3. mit den Hauptkräften bei Belgrad, mit Teilen weiter westlich bei Kupinovo, die 11. mit den Hauptkräften bei Ram, mit Teilen bei Semendria unter gleichzeitigen Scheinbewegungen bei Orsova2). Das Zusammenwirken der einzelnen Armeen war so gedacht, daß die 3. unter Sicherung ihrer rechten Flanke gegen die Kolubara auf Kragujevac, die 11. im Tal der Morava, die bulgarische 1. Armee mit der Hauptkraft auf Niš vorrücken sollten, indes die der bulgarischen Heeresleitung unmittelbar unterstehende 2. Armee durch einen Vorstoß ins Vardartal dem Feinde den Rückzug nach Süden zu verlegen und seine einzige in die Außenwelt führende Bahn, die nach Saloniki, zu unterbinden hatte. Auf einen gleichzeitigen Druck starker und vollwertiger Kräfte von Ostbosnien her verzichtete die DOHL., weil sie den dorthin führenden Schmalspurbahnen keine ausreichende Leistungsfähigkeit beimaß. So fiel die unter Umständen so aussichtsreiche Flankenwirkung nahezu ganz aus.

Über die Unterstellung Mackensens hieß es in den Weisungen zunächst: „Abänderungen und Ergänzungen dieser Direktive, die von den drei Obersten Heeresleitungen gemeinsam beschlossen werden müssen, werden dem GFM. v. Mackensen durch das k. u. k. AOK. übermittelt werden.“ Dann aber folgte als Erläuterung: „Im übrigen bleibt das AOK. der Heeresgruppe [Mackensen] wie die zu ihr gehörigen deutschen Truppen natürlich der DOHL. unmittelbar unterstellt. Anweisungen des k.u.k. AOK. [Teschen], die sich auf territoriale und administrative Maßnahmen beziehen, ist aber Folge zu leisten, solange und soweit die Heeresgruppe auf ungarischem Boden sich befindet.“ Diese Verfügung

x) Vgl. S. 9, Fußnote 3.

2) Foerster, 174 f.

widersprach dem Buchstaben nach zweifellos den vertragsmäßigen Abmachungen. in denen ausdrücklich die formale Unterstellung Mackensens unter die k.u.k. Heeresleitung vorgesehen war1). Sie wirft auf die Beziehungen der beiden Hauptquartiere und ihrer einander schwer mißtrauenden Chefs ein charakteristisches Streiflicht.

Am 20. September traf GFM. Mackensen, nachdem er sich auf der Durchfahrt in Teschen kurz auf gehalten hatte, in Temesvár ein. Das Heeresgruppenkmdo. nahm zunächst Einfluß auf den Aufmarsch der beiden in Südungarn sich versammelnden Armeen. Bei der 3. konnte dieser nicht nach dem ursprünglichen Plane geschehen, da infolge der Rückschläge auf dem russischen Kriegsschauplatz das k. u. k. VI. und das XVII. Korps dort festgehalten wurden (S. 107 und 128). Den Ausfall deckte die deutsche Heeresleitung durch vier Divisionen, von denen drei (XXII. RKorps mit der 43. RD., 44. RD. und 26. ID.) der 3. Armee zugewiesen wurden. Die uneingeschränkte Unterordnung erfolgte aber erst nach Austragung einer Meinungsverschiedenheit, da Mackensen anfänglich dieses Korps unmittelbar an seine Befehle gebunden wissen wollte. Da GdK. Tersztyánszky aus soldatischen Gründen gegen Belgrad öst.-ung. Truppen ansetzen wollte, versammelte er das k.u.k. VIII. Korps (57. und 59. ID.) bei Semlin, weshalb das XXII. RKorps in den Raum westlich davon herangeführt wurde. Um die 3. Armee, über deren zahlreiche Landsturmtruppen Obstlt. Hentsch seiner Heeresleitung gemeldet hatte, daß sie nicht die erforderliche Angriffskraft besäßen, möglichst stark zu machen, ließ Mackensen das k. u. k. XIX. Korps statt in Nordostbosnien gleichfalls in Syrmien aufmarschieren, wozu er zu den schon an Ort und Stelle befindlichen drei Landsturmbrigaden (205., 206. LstlBrig. und Brigade GM. Schwarz) auch noch — wie es scheint, infolge eines Mißverständnisses — die 53. ID. von Višegrad heranzog. Der Landeschef von Bosnien, GdI. Sarkotić, sah diese Division nur ungern seinen Bereich verlassen, weil er doch noch mit der Möglichkeit eines Serbeneinfalles rechnete. Er ging daran, als Ersatz für die abgezogene Division eine neue 62. zu bilden (S. 158), die aber infolge ihrer Zusammensetzung aus minder leistungsfähigen Truppen für eine offensive Verwendung in dem sehr schwierigen, verkarsteten Gebirgsgelände nicht in Frage kommen konnte.

Der Aufmarsch der deutschen 11. Armee vollzog sich reibungslos. Außer den schon genannten Divisionen traten noch die Kommandos des IV. R- und des III. Armeekorps sowie die 107. ID., die 6. ID. und die

25. RD. hinzu. Diese Armee zählte somit sieben Divisionen; eine achte

*) Vgl. S. 9, Text und Fußnote 3.

war ausgefallen, da sie durch die im Westen einsetzende französischenglische Offensive festgehalten blieb1).

Von den Landsturmtruppen, die bisher die Grenze schützten und den Aufmarsch verschleierten, traten die Gruppe FML.Fülöpp zur 11. Armee, die vor Belgrad befindlichen Brigaden GM. Mrázek und GM. v. Haustein zum k. u. k. VIII.Korps, indes die zwischen Šabac und der Drinamündung stehende divisionsstarke Gruppe FML. v. Sorsich, dann die Drinasiche-rungsgruppe GM. Streith und die 62. ID. direkt dem 3. Armeekmdo. unterordnet wurden. Von den weiter südlich im Befehlsbereich des GdI. Sarkotić stehenden Grenzschutztruppen erwartete man, daß sie die Montenegriner in Schach halten würden. Fünf aus dem Hinterlande zugeschobene Landsturmbataillone, später als Gruppe Oberst v. Zhuber zusammengefaßt, sollten nebst den Festungen den Grenzschutztruppen als Rückhalt dienen.

Außer der am 21. September erlassenen Aufmarschanweisung erhielt das 3. Armeekmdo. aus Temesvár zunächst keine Befehle operativen Inhaltes; auf eine von Teschen gestellte Anfrage mußte es seine selbstgewählten Übergangspunkte melden: die am Zusammenflusse der Donau und der Save liegende, aus den Türkenkriegen her bekannte alte Feste Kalimegdan, die Zigeunerinsel knapp westlich von Belgrad, Boljevci, Jarak, dann an der Drina Bijeljina, Slap und Višegrad. Doch nicht mehr GdK. Tersztyánszky sollte die 3. Armee zum Siege führen. Ein Meinungsstreit, der wegen Heranziehung von Zivilarbeitern für Heereszwecke mit dem seinem Hauptquartier beigegebenen ungarischen Regierungskommissär entstanden war, hatte sich derart zugespitzt, daß der allmächtige ungarische Ministerpräsident Graf Tisza die Kabinettsfrage stellte. So sehr sich Conrad für den Armeeführer einsetzte, fiel die Entscheidung der Krone gegen diesen. Zum Nachfolger wurde der bisherige Kommandant des XII. Korps, GdI. v. Kövess, bestimmt (S. 162), dem GM. Konopicky als Generalstabschef zur Seite trat. Kövess traf am 26. September nach der Abreise seines Vorgängers, Konopicky am 28. in Neusatz ein, während Obst. Dáni noch bis 13. Oktober beim Armeekmdo. verblieb.

In diese Zeit emsiger Vorbereitung fiel auch eine von Falkenhayn angeregte Scheinunternehmung, die vornehmlich von Artillerie und Fliegern am 18. und 19. September an verschiedenen Frontstrecken ausgeführt wurde. Hatte sie den Beginn des Feldzuges vorzutäuschen, so sollte dann das Ausbleiben des Angriffes die Serben einschläfern. Doch die Wirkung war gering. Nach allem, was man über den Feind in

x) Gallwitz, Meine Führertätigkeit im Weltkrieg 1914/16 (Berlin 1929), 379.

Erfahrung bringen konnte, schien sein Vertrauen in die Stärke der Stromhindernisse so groß zu sein, daß er auf Kosten der Save-Donaufront Truppen nach Zaječar verschob (KombD. und TimD.I) und überdies zur Aufstellung einer neuen Armee Albanien entblößte, um gegen Bulgarien zu sichern, dessen Kriegsvorbereitungen ihm also nicht entgangen sein konnten.

Die Gegenmaßnahmen im feindlichen Lager Serbien hatte sich im Angesichte der heraufziehenden Gefahr frühzeitig an die Alliierten um Hilfe gewendet. Diese Hilferufe kamen zu recht ungelegener Zeit. Zwar war die Aufmerksamkeit der Westmächte durch die empfindliche Niederlage, die Hamiltons Expeditionskorps eben bei Anaforta erlitten hatte (S. 4), aufs neue nach dem Balkan hingelenkt worden. Brennend erhob sich, von den einzelnen Verbündeten und auch in jedem ihrer Lager recht unterschiedlich beantwortet, die Frage, ob das Dardanellenunternehmen überhaupt fortzusetzen sei und, wenn ja, woher man im Hinblick auf den in Frankreich vorbereiteten Schlag (S. 4) die nötigen Verstärkungen zu nehmen hätte1). Grundsätzlich wurde anfangs September beschlossen, den Gen. Sarrail mit vier französischen Divisionen Verstärkung nach den Dardanellen zu entsenden; britische Kräfte sollten über Ägypten folgen. Joffre drang jedoch mit der Forderung durch, daß vorerst der Erfolg der Doppelschlacht in Frankreich abgewartet werden müsse. Diese brach am 20. September im Artois und in der Champagne los. Tags darauf verfügte Bulgarien die Mobilisierung seines Heeres. Mehr noch vielleicht als das augenblickliche Schicksal Serbiens lag den Westmächten die Verbindung, die von Saloniki über Skoplje und Prahovo nach Rußland führte und die durch ein Eingreifen Bulgariens auf der Seite der Mittelmächte unmittelbar bedroht war, am Herzen. Den Serben in absehbarer Zeit mit ausreichenden Kräften zu Hilfe zu kommen, war jedoch den Alliierten nicht möglich. Rußland war mit seiner Millionenarmee auf dem eigenen Kriegstheater gebunden. Eine Landung stärkerer Truppenteile an der bulgarischen Küste, wie sie der serbische Generalstab gern gesehen hätte 2), kam *) Vgl. darüber u.a. Churchill, Weltkrisis (in deutscher Sprache, Leipzig 1926), II, 456 ff.; Robertson, Soldaten und Staatsmänner 1914—1918 (in deutscher Sprache, Berlin 1927), 100 ff. und 321 ff.; Callwell, Die Tagebücher des Feldmarschalls Wilson (in deutscher Sprache, Stuttgart 1930), 133 ff.

2) Großer Generalstab, Der große Krieg Serbiens zur Befreiung und Vereinigung der Serben, Kroaten und Slowenen (Belgrad 1924), VIII, 291 f., in serbischer Sprache. Künftig zitiert als: Serb. Gstb.W.

nichi in Betracht. Der Zar konnte nur eine Flottendemonstration versprechen1). Ebenso erklärte sich Italien außerstande, für Serbien irgend etwas tun zu können, da der bevorstehende neue Angriff am Isonzo ohnehin die Anspannung aller Kräfte erfordere. Denn Cadorna war einer Entsendung von Truppen auf Nebenkriegsschauplätze grundsätzlich abgeneigt.

Im Gegensatz zu diesen Ablehnungen faßten die Westmächte wohl den Entschluß, sofort je eine französische und eine britische Division aus dem Dardanellenkorps herauszulösen und nach Saloniki zu überführen. Aber auch dieses Korps war zunächst nicht als unmittelbare Unterstützung der Serben gedacht; es sollte vielmehr, einem Wunsche des durch Neuwahlen wieder ans Ruder gelangten ententefreundlichen Venizelos entsprechend (S. 14), die Griechen mitreißen und in weiterer Folge auch die Rumänen zum Eingreifen an der Seite der Entente verlocken. Der rumänische Ministerpräsident Bratianu erwies sich jedoch noch immer wenig geneigt, diesen Verlockungen Folge zu leisten. Er stellte namentlich in militärischer Hinsicht außerordentlich hohe Gegenforderungen; so verlangte er unter anderem, daß auch Rußland mit mehreren hunderttausend Streitern eingreife2), mit welchem Wunsche bei der den Rumänen wohlbekannten Lage des Zarenreiches die Hoffnungen der Entente auf Bukarest begraben waren.

Günstiger schienen sich die Dinge anfangs für die Alliierten in Griechenland zu entwickeln. Die Haltung der Regierung Venizelos, die die bulgarische Mobilisierung ungesäumt mit der Aufrüstung ihres Heeres beantwortet hatte, schien Gewähr dafür zu bieten, daß sich das Land nach dem im letzten Balkankrieg mit Serbien abgeschlossenen Bündnisvertrag verhalten und daß es dem Savekönigreich ungesäumt 150.000 Streiter zu Hilfe senden werde. Es war für Venizelos keine Überraschung, als Frankreich am 2. Oktober in Athen den griechischen Behörden die Ankunft der ersten französischen Truppen in Saloniki bekanntgeben ließ3). Der Ministerpräsident legte zwar gegen die von der Entente verübte Neutralitätsverletzung förmliche Verwahrung ein, beeilte sich jedoch, am 4. Oktober der Kammer mitzuteilen, daß Griechenland seinen Bündnispflichten gegenüber Serbien nachkommen werde. Inzwischen hatte aber auch Deutschland seinen ganzen Einfluß in Athen aufgeboten. Der Deutsche Kaiser verbürgte sich gegenüber seinem Schwager Konstantin dafür, daß kein bulgarischer Soldat griechischen Boden betreten

x) P a 1 é o 1 o g u e, II, 85 f.

2)    Das Zaristische Rußland im Weltkriege, 145 ff. und 223 ff.

3)    Robertson, 322.

werde1). Venizelos wurde am 5. Oktober wieder verabschiedet. Die neue Regierung stellte die Verpflichtung, Serbien Hilfe zu bringen, in Abrede, weil sich das Bündnis nur auf einen Balkanzusammenstoß, nicht aber auf einen solchen mit einer Großmacht beziehe; Griechenland werde auch weiterhin neutral bleiben, die Neutralität aber gegenüber der Entente besonders wohlwollend handhaben, wie schon das stillschweigende Dulden der Landung in Saloniki beweise.

Der serbische Generalstab war, zumal seit Beginn der bulgarischen Mobilisierung, in höchstem Maße unruhig geworden. Er warf den Gedanken auf, den Bulgaren im Angriff zuvorzukommen und sie während ihrer Aufrüstung zu überfallen2), stieß mit diesem Plane aber auf den schärfsten Widerstand der Alliierten, namentlich auch Rußlands, das sich bis in die ersten Oktobertage hinein der Hoffnung hingab, das bulgarische Volk werde sich doch noch der völkischen, religiösen und historischen Bande besinnen, die es mit dem Zarenreiche verknüpften, und über den Kopf des Königs und der Regierung hinweg seine eigenen Wege gehen3). Gemäß den bestimmten Wünschen der alliierten Groß’ machte wurden die serbischen Posten an der bulgarischen Grenze bei Androhung der Todesstrafe verhalten, jede Herausforderung der Bulgaren unbedingt zu unterlassen. Gleichzeitig wurde Sofia noch einmal unter stärksten Druck gesetzt — selbstverständlich vergebens. Schließlich forderten am 4. Oktober in einer auf 24 Stunden befristeten Note die Entente-Großmächte von Bulgarien ungesäumten Bruch mit Deutschland, Einstellung der Rüstungen und Abschub aller im Lande aufgetauchten deutschen Offiziere. Bulgarien lehnte ab; die Ententegesandten verlangten ihre Pässe. Der Zar Ferdinand und das Kabinett Radoslawoff hatten sich stärker erwiesen als die gewiß recht machtvolle russenfreundliche Partei in Bulgarien, auf die die Alliierten so große Hoffnungen gesetzt hatten.

Das Fernbleiben Rußlands, Rumäniens, Griechenlands und Italiens veranlaßte nun die Westmächte zu dem Entschlüsse, stärkere Kräfte nach Saloniki zu senden. Wohl dauerte im Artois und in der Champagne der am 20. September aufgenommene Kampf, der zum erstenmal in

x) K u h 1, Weltkrieg, I, 286.

2)    Mit ähnlichen Gedankengängen beschäftigte sich auch Gen. Sarrail, der zu ihrer Ausführung die französisch-englische Orientarmee allein vier Korps stark haben wollte. N é d e f f, Les opérations en Macédoine. L’epopee de Doiran 1915—1918 (Sofia 1927), 10.

3)    Serb. Gstb. W., VIII, 284 ff.; Paléologue, II, 77 ff.; Das Zaristische Rußland im Weltkriege, 223 ff.; G r a s s e t, La Tragédie des Dardanelles (Paris 1931), 229ff.

besonders deutlicher Weise den Charakter der „Materialschlacht“ trug, noch in wechselnder Heftigkeit fort. Aber den Anfangserfolgen, die die gewaltig überlegenen Angreifer zu erringen vermocht hatten, war keinerlei Entscheidung gefolgt. Die Abwehrmauer der Deutschen wies vorübergehend nicht ungefährliche Breschen auf, stand aber in ihrer Gesamtheit unerschütterlich fest. So war es nun Joffre selbst, der sich vor Mitte Oktober nach London begab, um dort den letzten Widerstand der Engländer gegen eine Erweiterung des Saloniki-Unternehmens zu überwinden. Der Entschluß, bei Saloniki nunmehr unter dem Befehl des französischen Gen. Sarrail allgemach 150.000 Mann zusammenzuziehen, wurde den Machthabern nicht wenig durch die wachsende Erkenntnis erleichtert, daß man schließlich doch Gallipoli werde räumen müssen. Für die Serben hatte diese Botschaft im Augenblick allerdings keinen besonderen Wert. Sie standen seit Tagen in schwerer Schlacht, die über das nächste Schicksal des Landes entscheiden sollte, ehe es der Entente gelingen konnte, irgendeine Hilfe zu senden.

Die militärische Lage in Serbien und Montenegro zu Anfang Oktober

Unterdessen hatten die Serben im Laufe des Monats September erhebliche Teile ihres Heeres an die Ostfront verschoben (S. 193). Um die Monatswende stand in Nordwestserbien, an der Drina und an der Save, die aus der Užicegruppe, der Sokolbrigade, der DonD.II, der DrinD.II und der MorD.II zusammengesetzte 1. Armee unter dem Woiwoden Misić. Im Abschnitt von Belgrad verfügte Gen. Živkovič zwischen Ostruž-nica und Grocka in einer Front von 50 km nur über 20 Bataillone dritten Aufgebotes und über 75 Geschütze1). Von Grocka donauabwärts bis Prahovo waren etwa 24 Bataillone (Braničevo- und Krajinadetachement) der 3. Armee, Gen. Jurišič-šturm, in weitgespannter Postenkette verteilt, während zwei Divisionen (DonD.I und DrinD.I) bei Semendria—Palanka an der Pforte des Moravatales versammelt waren. Bei Knjaževac, Zaječar und Negotin stand die unter Gen. Gojkovic neugebildete Timokarmee-gruppe (Negotiner Gruppe, KombD., ŠumD.II und Truppen des dritten Aufgebots). Die bei Niš, Pirot, Vlasotince und Vran je aufmarschierten Streitkräfte (Tumbagruppe, MorD.I, TimD.I, ŠumD.I, KD., Vlasina-gruppe) bildeten die vom Woiwoden Stepanovic geführte 2. Armee. Bei Egri-Palanka, im Bregalnica- und im Vardartal schützten 31 Bataillone

i) Serb. Gstb.W., IX, 66.

unter dem Gen. Popovic die Ostgrenze Mazedoniens; 13 Bataillone hielten den Nordosten Albaniens zwischen Prizren und Tirana besetzt. Die Tim-D.II stand zur Verfügung der Heeresleitung bei Vk. Sopot an der Bahn südlich von Belgrad.

Die Montenegriner waren in drei Gruppen (Lovcen-, Herzegowina-und Sandžakgruppe) an der Grenze von der Küste bis zum Lim aufgestellt. Eine vierte Gruppe befand sich Ende Juni in Nordalbanien.

Schon seit Juli bemühten sich die Serben, wenigstens die an der oberen Drina stehenden Montenegriner unter ihren unmittelbaren Befehl zu bekommen. König Nikola lehnte die wiederholten Vorschläge mit dem Himveis auf die ungünstige Stimmung seiner Truppen ab. Auch Drohungen halfen nichts, so daß man auf serbischer Seite den Herrscher der Schwarzen Berge schon des Einverständnisses mit Österreich-Ungarn bezichtigte. Allerdings lauteten die Nachrichten, die im September über die moralische Verfassung der Montenegriner beim serbischen Generalstab einlangten, außerordentlich ungünstig. So begnügte man sich schließlich mit der unmittelbaren Unterstellung der südlich von Višegrad stehenden montenegrinischen Brigade unter serbisches Kommando1).

Die Unklarheit der Lage und die schon geschilderten Einflüsse der Entente hatten schließlich dazu geführt, daß die serbischen Streitkräfte in zwei ziemlich gleich starke Teile zerfielen, deren einer das Land im Norden und Nordwesten, der andere gegen Osten zu verteidigen hatte. Was den Gegner anlangte, so rechnete die serbische Heeresleitung an der Drina nur mit einem Angriff von etwa vier Landsturmbrigaden, in Syrmien mit dem Auftreten von vier durch deutsche Hilfstruppen verstärkten Divisionen. Aus diesem Raum erwartete sie, am Saveabschnitt Obrenovac— Šabac, den Hauptangriff, den Woiwode Mišič mit seiner 1. Armee zurückzuschlagen hatte. An der Donau befürchtete der serbische Generalstab zunächst kein größeres gegnerisches Unternehmen. Der Aufmarsch großer Truppenmassen gegenüber der Moravapforte war seinen Fliegern bis anfangs Oktober fast verborgen geblieben. Um so schmerzlicher war die Überraschung, als am 5. Oktober der Donner der einsetzenden Artillerieschlacht doch den Beginn einer Donaubezwingung durch die Gegner verkündete.

Das kleine Savekönigreich stand vor einem der schwersten Abschnitte seiner Geschichte, lediglich die versprochene Hilfe seiner Verbündeten gab ihm Hoffnung zum unausbleiblichen Waffengange.

x) Die montenegrinische Armee zählte Ende September 50.000 Mann und 134 Geschütze.

Die letzten Vorbereitungen für den Donau-und Saveübergang (29. September bis 5. Oktober)

Hiezu Beilagen 9 und 10

Am 29. September erhielten die Armeen Kövess und Gallwitz vom Heeresgruppenkmdo. Mackensen die Befehle für den Übergang. Die deutsche 11. Armee hatte „sich zunächst in den Besitz der Donau zwischen Semendria und Báziás zu setzen und nach Gewinnung des Südufers unter Sicherung der Übergangsstellen und der rückwärtigen Verbindungen sogleich den Vormarsch beiderseits der Morava gegen die Linie Palanka—Zabari—Petrovac anzutreten“. In Übereinstimmung mit den Bewegungen der 11. Armee, hieß es in dem Heeresbefehle Mackensens dann weiter, werde die an der serbisch-bulgarischen Grenze aufmarschierende bulgarische 1. Armee mit vier Divisionen gegen die Linie Paraćin—Niš vorgehen. Die k.u.k. 3. Armee hatte „sich zunächst in den Besitz der Bergstellung südlich und südöstlich von Belgrad zu setzen“. Hiezu sollte sie „nach gründlicher artilleristischer Vorbereitung durch gemeinsamen Angriff ihrer Hauptkräfte (VIII. Korps und XXII. RKorps, fünf Divisionen) die Donau überwinden und die ungefähre Linie ... Kneže-vac—... Avala—... Ritopek gewinnen“. Gleich nach dem Einrücken in diese Linie sollte die Armee Kövess in das südlich davon gelegene Bergland vorgehen und möglichst bald den Abschnitt Arangjelovac—Kovačevac erreichen, um starke serbische Kräfte auf sich zu ziehen und so den entscheidenden Vorstoß der 11. Armee zur vollen Wirkung kommen zu lassen. Überdies erhielt GdI. Kövess den Auftrag, das k. u. k. XIX. Korps, dessen 53. ID. allerdings erst im Anrollen war, mit den Hauptkräften bei Kupinovo, mit einer schwächeren Gruppe bei Boljevci über die Save zu setzen und dann westlich der Kolubara zunächst nach Süden vorbrechen zu lassen, um die dort befindlichen serbischen Kräfte zu binden und deren Eingreifen gegen die rechte Flanke der 3. Armee zu verhindern. Später sollte das XIX. Korps je nach dem Verhalten des Feindes, etwa über Lazarevac auf Arangjelovac, an den rechten Flügel der 3. Armee herangezogen werden. Mackensen wies auch darauf hin, das k. u. k. AOK. werde möglichst starke Kräfte der an der Drina in Bosnien stehenden Truppen zu einem Vorstoß über Višegrad auf Užice ansetzen und diese Operation mit dem Vorgehen der 3. Armee in Einklang bringen. Diese Truppen, die 62. ID., FML. v. Kaiser, und die ihr anfänglich unterstellte Gruppe GM. Streith, ließ die Heeresleitung, um

Unklarheiten zu beseitigen, am 29. gleichfalls unter den Befehl des GdI. Kövess treten. Schließlich war der Bau von Kriegsbrücken bei Belgrad, über die Zigeunerinsel, bei Boljevci und bei Kupinovo vorzubereiten. Als Zeitpunkt für den Beginn der Kriegshandlung faßte Mackensen den 5. oder 6. Oktober ins Auge.    #

Unterdessen näherte sich auch die Versammlung der k.u.k. 3. und der deutschen 11. Armee der Vollendung. Der Eisenbahnaufmarsch hatte allerdings nicht programmgemäß abgewickelt werden können; wegen der geänderten Entschlüsse über die Verwendung der 12., der 37., der 39. und der 41. Division war er vielfachen Veränderungen unterworfen worden. Auch war die Leistungsfähigkeit der zu beiden Seiten der Donau befindlichen Bahnen verschieden. Der Aufmarschraum der 3. Armee war verhältnismäßig gut ausgestattet; jener der 11. konnte südlich von Temes-vár zum Teil nur auf wenig leistungsfähigen Bahnen erreicht werden (Bd. I, Beilage 3). Trotzdem kam man zu einer Tagesdurchschnittsleistung von 37 Zügen, und in 32 Tagen wurden 1181 Hundertachser ans Ziel gebracht. Das war die doppelte Traňsportmasse bei halber Tagesintensität in der vierfachen Zeit wie beim Aufmarsch für den Durchbruch bei Gorlice (Bd. II, S. 316).

Während der nunmehr mit größtem Eifer betriebenen Vorbereitungen ergaben sich anfangs Oktober verschiedene Schwierigkeiten, die eine Verschiebung des Überganges um eine kurze Zeit erwünscht erscheinen ließen. Die 11. Armee bat um mehr Übergangsmittel als vorhanden waren. Auch mußte die Absicht, das XIX. Korps einen Tag vor den Hauptkräften der 3. Armee angreifen zu lassen, fallengelassen werden, da die ersten Staffeln der 53. ID. erst am 4. Oktober abends Ruma erreichen konnten. Überdies meldete GdI. Sarkotić an diesem Tage, daß die Verbände der 62. ID. zum Angreifen noch nicht befähigt seien, und schlug vor, den Vorstoß gegen Užice erst durchzuführen, wenn sich die Hauptkraft der 3. Armee dem oberen Tal der Westlichen Morava nähere.

Unterdessen waren auf dem Wege über die Verbindungsoffiziere aus Bulgarien Meldungen eingelangt, die zu besagen wußten, daß die bulgarische Mobilisierung wahrscheinlich etwas längere Zeit beanspruchen werde, als im Vertrage vorgesehen war. Trotzdem verbot sich den Streitkräften der Mittelmächte ein späteres Austreten. Jeder Tag, den man früher losbrach, war für die Sicherheit der Türkei wertvoller Gewinn. Auch Klima und Wetter trieben zur Eile an. Man mußte mit dem Ausbruch der herbstlichen „Kossava“-Stürme rechnen, die selbst den Bestand schwerer Schleppschiffbrücken auf der Donau gefährden konnten.

Zu Anfang Oktober verdichteten sich überdies die Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Landung britischer und französischer Truppen bei Saloniki zur Gewißheit (S. 196). Schon am 24. hatten die Gesandten Englands und Rußlands dem bulgarischen Ministerpräsidenten mit dieser Entsendung gedroht1). Am gleichen Tage hatte König Konstantin die Aufrüstung seines Heeres verfügt, und es war in den folgenden zwei Wochen bei allem Bemühen der Deutschen, Griechenland in der Neutralität zu halten, doch noch nicht ausgeschlossen, daß sich dieses gegen Bulgarien wenden mochte. Erst die Entlassung des Ministerpräsidenten Venizelos bot beruhigende Aufklärung.

Am 4. Oktober bestimmte Mackensen, daß die Offensive am 6. aufzunehmen sei. An diesem Tage sollten die Truppen an der Drina und bei Jarak vorbrechen und die bei den einzelnen Armeen vorgesehenen Scheinangriffe einsetzen. Für den 7. Oktober wurde der Übergang der 3. Armee — XIX. Korps, XXII. RKorps und VIII. Korps — und des

X. RKorps der 11. Armee befohlen. Das IV. RKorps sollte am nächsten Tage, das III. Armeekorps frühestens zu gleicher Frist folgen.

Ein gewaltiges Aufgebot stellte sich in diesen Tagen zum Überfall auf Serbien bereit. Die Heeresgruppe Mackensen und die bulgarische

2. Armee zählten zusammen 350 Bataillone und 1400 Geschütze, denen die Serben nur 275 Bataillone und 654 Rohre entgegenzusetzen vermochten. An der Save-Donaufront und an der Drina im besonderen sollten sich 143 Bataillone und 362 Geschütze der Serben mit 202 Bataillonen (darunter allerdings 85 vom Landsturm) und 990 Geschützen der verbündeten Mittelmächte messen. In Belgrad selbst verfügten die Serben nur über 20 Landsturmbataillone und 75 Kanonen gegen 66 Bataillone und 273 Geschütze (darunter 108 schwere) der Armee Kövess. Es war unleugbar ein ungleicher Kampf, auf den es Serbien nunmehr ankommen ließ.

Die Vorbereitungen bei der k. u. k. 3. Armee

Entsprechend den am 29. September erlassenen Befehlen Mackensens konnten am 30. vom 3. Armeekmdo. die noch unter Leitung des Obersten Dáni ausgearbeiteten Einzelanordnungen für den Übergang ausgegeben werden. Darnach hatten das VIII. Korps (57. und 59. ID., Landsturminfanteriebrigaden GM. Haustein und GM. Mrázek) östlich von Semlin die

x) Das Zaristische Rußland im Weltkriege, 154; die beiden Gesandten, Bax-Ironside und Sawiński, sprachen schon damals von 150.000 Ententestreitern, die für den Balkan bestimmt seien. Vgl. S. 10.

Donau, das deutsche XXII. RKorps (43. und 44. RD.) die Save über die Kleine und Große Zigeunerinsel zu überschreiten. Nach dem Erreichen des Südufers hatten die beiden Korps die Linie Zarkovo—Dedinje—Vk. Vracar zu gewinnen und sodann bis auf die Höhe Petrovo brdo, auf jene südlich von Jajince und südöstlich vom Slancebach vorzurücken, in welcher Linie ein Brückenkopf geschaffen werden sollte. Als Grenze zwischen den beiden Armeekörpern war die von Belgrad zur Höhe Avala führende Straße bestimmt. Die Brigade Mrázek vom VIII. Korps hatte östlich von Semlin die Donau zu sichern und die ersten Kämpfe auf dem serbischen Ufer durch Feuer zu unterstützen; dann sollte sie auf Dampffähren nach Belgrad überschifft werden. Die dritte, dem XXII. RKorps zugeteilte Division, die deutsche 26., hatte als Armeereserve in den Raum westlich von Semlin zu gelangen und bei Ostružnica einen Angriff vorzutäuschen. Am ersten Kampftag, am 5.Oktober, sollte das Einschießen der Artillerie, am Nachmittag des zweiten Tages das Wirkungsschießen stattfinden. In der folgenden Nacht waren die Übergangsstellen unter leichtem Artilleriefeuer zu halten. Gleichzeitig sollte die Donauflottille das Fahrwasser von Minen säubern. Am dritten Tag um 2hl0 früh war das Artilleriefeuer auf das höchste zu steigern, und es sollten unter seinem Schutze die ersten Überschiffungsstaffeln um 3h auf dem serbischen Ufer landen. Jedes Korps hatte sobald als möglich eine Kriegsbrücke zu schlagen, das VIII. Korps bei Belgrad stromabwärts der zerstörten Eisenbahnbrücke, das XXII. RKorps über die Große Zigeunerinsel.

Dem k. u. k. XIX. Korps wurde im Sinne der Weisungen der Heeresgruppe Mackensen befohlen, einen Tag vor dem Übergang bei Belgrad mit seinen Hauptkräften bei Kupinovo und mit einer schwächeren Gruppe bei Boljevci die Save zu überschreiten. Den Übergang sollte die in der oberen Save befindliche Monitorengruppe unterstützen. Gleichzeitig hatte die Gruppe FML. Sorsich bei Jarak, jene des GM. Streith in der Gegend von Bijeljina und die Masse der 62. ID. nächst Visegrad in Serbien einzubrechen, um möglichst starke feindliche Kräfte auf sich zu ziehen. Die weitere Bewegung dieser Heereskörper war mit dem Fortschreiten der Hauptkraft der 3. Armee in Einklang zu bringen und ihre Vereinigung bei Užice beabsichtigt.

Für die Stromübergänge wurden vom 3. Armeekmdo. zugewiesen: Dem VIII. Korps (außer seinen 4 technischen Kompagnien und 3 Kriegsbrückenequipagen) unter Obst. Mischek 4 Sappeur- und 6 Pionierkompagnien, 11 Kriegsbrückenequipagen mit 2 Zeugsreserven sowie die bei Semlin bereitgestellten Überschiffungsmittel (60 Zillen, 14 Plätten, 13 Motorboote und 16 Dampffähren).

Das deutsche XXII. RKorps hatte den nördlichen Donauarm mit eigenen Mitteln zu übersetzen; 65 Pontonteile wurden ihm. vom VIII. Korps zur Verfügung gestellt, mit denen der Südarm der Save überbrückt werden sollte.

Das XIX. Korps erhielt (außer seinen 3 technischen Kompagnien) für den Übergang bei Boljevci 4 Pionierkompagnien, 14 Kriegsbrückenequipagen und 30 Pontonteile, für jenen bei Kupinovo unter Obstlt. Hamböck 5 Pionierkompagnien, 16 Kriegsbrückenequipagen mit 1 Zeugsreserve und 35 Pontonteile, während der Gruppe FML. Sorsich 1 Pionierkompagnie mit 3 Kriegsbrückenequipagen, der Gruppe GM. Streith 2 Pionierkompagnien und 6 Kriegsbrückenequipagen, endlich der 62. ID. 1 Pionierkompagnie und 4 Brückenequipagen zugeführt wurden.

Eifrigst wurde an den letzten Vorbereitungen für den Übergang gearbeitet. Die Divisionen des VIII. Korps sollten wegen Fliegersicht erst im letzten Augenblick an die Übergangsstellen vorgeschoben werden. FZM. v. Scheuchenstuel entschloß sich, die Überschiffung der Save bei Semlin mit der 59. ID. aus der zuströmenden Donau und von ihrem Ostufer aus zu beginnen und seine zweite Division, die 57., von Alt-Banovce aus auf Dampffähren folgen zu lassen. GdK. v. Falkenhayn, der Kommandant des XXII. RKorps, stellte in den ersten Oktobertagen unauffällig die 43. ID. bei Surčin, die 44. RD. bei Karlovčič—Deč und die 26. ID. bei Prhovo bereit. Zu gleicher Zeit versammelte FML. Trollmann hinter der die Save sichernden 206. LstlBrig. die Brigade GM. Schwarz bei Subotište—Ogar und zog die 205. LstlBrig. nach Ašanja heran. Für die noch aus Bosnien unterwegs befindliche 53. ID. wurde der Raum von Ogar—Platicevo—Tovarnik für den Aufmarsch bestimmt. FML. Sorsich stand bereits am 2. Oktober mit der Masse seiner Gruppe (Landsturmetappenbrigaden Obst. Ybl und GM. Schiess) bei Šasinci und Hrtkovci aufgeschlossen; bis zur Drinamündung sicherten vier Landsturmbataillone.

Allerdings ließen jetzt verschiedene Schwierigkeiten die Verschiebung der Operation um eine kurze Zeit erwünscht erscheinen; doch Mackensen setzte am 4. Oktober endgültig fest, daß das Einschießen am folgenden Tage zu beginnen habe. Der Übergang sollte demnach am 7. Oktober durchgeführt werden.

Die Bezwingung der Grenzströme

(5. bis 11. Oktober)

Hiezu Beilage 11

Der Übergang in die Macva (6. Oktober)

Am 6. Oktober nachmittags steigerte sich das tags zuvor aufgenommene Geschützfeuer gegen die serbischen Uferstellungen zu gewaltiger

Wucht. „Von Orsova bis Višegrad lief der Donner der deutschen und österreichischen Geschütze. Am gewaltigsten donnerte die Artillerieschlacht bei Semendria und Belgrad, wo die Serben die stärksten Burgen hatten; aber auch bei Tekija gegenüber von Orsova, bei Ram, Obrenovac und Šabac lag schweres Feuer auf den serbischen Uferwerken. Alle Kaliber vom Gebirgsgeschütz bis zum 42cm-Mörser waren vertreten und schleuderten ihre Geschosse auf die alten Ringmauern Belgrads und Semendrias sowie auf die modernen Grabenanlagen und Betonwehren der serbischen Uferfesten. Die Mauern sanken, Semendria geriet in Brand, Belgrads Vorstädte fielen in Schutt, Schützengräben und Betonkeller füllten sich mit Leichen. Doch der Serbe wich trotz der grauenvollen Wirkung dieser unerhörten artilleristischen Gewalt nicht aus den Trümmern, sondern deckte sich in den Bauwerken der erhöhten Südufer der beiden Ströme, in den Kukuruzfeldern der Niederungen und den toten Winkeln des Berglandes und erwartete den Anlauf des Feindes. Er erwiderte das feindliche Feuer nach Kräften, hielt den Wasserspiegel und die flachen Nordufer der Donau, der Save und der Drina unter scharfer Aufsicht und machte sich bereit, seine dünnen Linien beizeiten zurückzunehmen und den übersetzenden Feind mit rasch geballten Kräften an der entscheidenden Stelle in den Strom zurückzuschleudern *).“

Schon am 6. früh hatte der Vorstoß der österreichischen und ungarischen Landsturmtruppen in die von der DonD.II (1. Armee) gedeckte Mačva begonnen. Die Gruppe GM. Streith stieß östlich von Megjaši (nordöstlich von Bijeljina) nur auf schwache serbische Flußsicherungen, die nur geringen Widerstand leisteten; doch war es nicht leicht, in dem dichten Gestrüpp der von zahlreichen Wasseradern durchzogenen Drinaauen vorwärts zu kommen. Die wenig marschgeübten Landstürmer gelangten nicht über den östlichen Flußarm hinaus. Sie mußten sich gegen Abend überdies serbischer Gegenstöße von Badovinci her erwehren. GM. Streith zog daher aus dem Abschnitt von Zvornik, wo die serbischen Sicherungsabteilungen vor dem Artilleriefeuer auf die rechten Talhöhen zurückgewichen waren, zwei 'Bataillone zur Übergangsstelle heran. Diese Unterstützungen konnten jedoch erst nach zwei Tagen eintreffen. Währenddessen verstärkten sich die Serben bei Badovinci durch eine Abteilung der DonD.II und hielten die Gruppe Streith an der Drina fest.

Der Gruppe FML. Sorsich gelang es am 6. Oktober, bei Jarak im feindlichen Feuer die Save zu übersetzen und bis an die Dammstraße Drenovac—Mitrovica vorzudrinpen. Die Landsturmbataillone schufen sich

O

dort einen Brückenkopf und hielten den von Šabac her zu Hilfe geeilten Abteilungen der DonD.II stand. Die in der oberen Save befindlichen Kriegsfahrzeuge, der Monitor Szamos und der armierte Dampfer Una, die bei diesem Kampfe mitgewirkt hatten, gerieten am 6. nachmittags bei ihrer Talfahrt zum XIX. Korps in das Feuer der bei Šabac aufgestellten serbischen Artillerie, wobei die Szamos beschädigt wurde22).

Am gleichen Tage hätte auch die bei Visegrad sich sammelnde Gruppe FML. Kaiser vorstoßen sollen. Es waren aber weder die Truppen noch der aus Wolhynien anrollende Stab der dort aufgelösten 62. ID. (S. 158) zur Stelle. Die geringe Kampfkraft der dem FML. Kaiser zugedachten Bataillone ließ es überhaupt bedenklich erscheinen, das Unternehmen in seiner Vereinzelung durchzuführen. Das 3. Armeekmdo. glaubte jedoch, auch von der Heeresleitung in diesem Sinne beeinflußt, auf den Vorstoß gegen Užice nicht verzichten zu können. So wurde der Übergang bei Visegrad für den 7. in Aussicht genommen.

Der Übergang des XIX. Korps über die Save (6. bis 8. Oktober)

Am 6. war die Masse des k. u. k. XIX. Korps zwischen Progar und Boljevci dicht an das Nordufer der Save herangerückt. Entgegen dem ausdrücklichen Befehle hatte FML. Trollmann als Übersetzstelle seiner rechten Gruppe (17. GbBrig. und LstlBrig. GM. Schwarz, beide unter dem Kommandanten der 53.ID., GM. v.Pongrácz) nichtKupinovo, sondern Progar gewählt. Hier konnte wohl der Angriff gegen die Saveschlinge umfassend geführt werden, dafür war aber die Gangbarkeit des serbischen Ufergeländes durch Sumpf stark beschränkt. Als linke Gruppe sollte die 205. LstlBrig., GM. v. Reinöhl, gleichzeitig bei Boljevci übersetzen. Die erst heranrückenden Landsturmgebirgsbrigaden 20 und 21 waren als Korpsreserve bei Ašanja zu sammeln. Der nächtliche Anmarsch der Truppen zu den Übergangsstellen wurde durch ein Gewitter sehr erschwert. Gegen Mitternacht traf die Monitorgruppe bei Progar ein. Szamos steuerte zwar nur mit den Maschinen, seine Havarie hinderte ihn aber nicht, bei der Beschießung der feindlichen Uferstellungen kräftig mitzuwirken. Wegen Verspätung einer Abteilung stießen die ersten Staffeln der Gruppe GM. Pongrácz am 7. erst gegen 4h früh ab. Dann aber machte der Übergang gute Fortschritte; schon um 7h stand die ganze

x) Wulff, Österreich-Ungarns Donauflottille in den Kriegsjahren 1914—1916 (Wien 1918), 117.

17.    GbBrig. auf dem Südufer. Die zuerst gelandeten Truppen waren inzwischen in der Saveschlinge bis knapp an Krtinska vorgedrungen, blieben aber hier gegenüber den im Ort eingenisteten Serben im Sumpfe liegen. Teile der Brigade Schwarz wurden der 17. GbBrig. nachgezogen, um den Angriff weiter vorzutragen. Allein die Serben behaupteten sich bei Krtinska trotz andauernder Artilleriebeschießung.

Gegenüber von Boljevci landeten schon um 3hl° früh die ersten Truppen der 205. LstlBrig. auf dem Südufer. Sie drangen bis an den Nordrand von Zabrež vor. Hiebei wurde die Brigade Reinöhl immer heftiger von der serbischen Artillerie aufs Korn genommen. Bis zum Nachmittag gelang es zwar, alle Bataillone und auch die Artillerie der Brigade zu übersetzen, aber die von Obrenovac herbeigeholte DrinD.II hielt den Angreifer schließlich doch in der Saveschlinge von Zabrež fest. Immerhin konnte am 7. abends bei Boljevci und in der Nacht auf den

8.    bei Progar eine Brücke über die Save geschlagen werden.

Die Eroberung von Belgrad (6. bis 11. Oktober)

Bei der Hauptkraft der 3. Armee traf die Infanterie des XXII. R-Korps am 6. abends wegen des weiten, anstrengenden Anmarsches zum Teil stark ermüdet bei ihren Einschiffungsstellen gegenüber der Westfront von Belgrad ein. Die links aufmarschierte 43. RD. sollte über die beiden Zigeunerinseln hinwegsetzen, die 44. mit Teilen über die Westhälfte der Großen Zigeunerinsel, mit ihrer Masse stromaufwärts davon das serbische Ufer gewinnen.

Beim VIII. Korps rückte die 59.ID., FML. Snjarić, am 6. von Indjija nach Alt-Banovce, wo sie auf Dampffähren eingeschifft und oberhalb von Semlin auf das linke Donauufer gebracht wurde. Nach Einbruch der Dunkelheit marschierten die Truppen an die Überschiffungsstellen, die

18.    GbBrig. in den Uferraum beim Finanzwachhaus Neu-Borča, die

9.    GbBrig. mit der Masse auf die Reiherinsel. Zwei Bataillone, das III. des IR. 74 und das IV. des IR. 84, wurden in Semlin bereitgestellt. Die Division sollte auf dem Belgrader Donauufer am Fuße der alten Stadtfeste Kalimegdan und weiter abwärts landen. Da südlich der Kožara-insel versenkte Schiffe das Ufer verlegten, ergaben sich zwei Landungsstellen. Die in Semlin bereitgestellte Gruppe sollte am 7. um 2hl0 früh, das Bataillon 111/74 südlich und das Bataillon IV/84 nördlich der Großen

Kriegsinsel, zum serbischen Ufer fahren und beim Nebojseturm oberhalb der versenkten Schiffe landen. Vom Südostrand der Reiherinsel hatte das IV. Bataillon des IR. 87 um 2h45 früh unterhalb der versenkten Schiffe das Südufer zu gewinnen. Die nach dem Übergang freigewordenen Pontons sollten das III. Bataillon des IR. 49 von der Kožarainsel an die obere und den Rest der 59. ID. an die untere Landungsstelle als zweite Übersetzstaffel überschiffen. Die 57. ID. lag seit dem 6. früh im Raum von Neu-Banovce. Die 6. GbBrig. sollte am 7. früh in Alt-Banovce auf Dampf fahren eingeschifft werden und den Befehl zur Talfahrt abwarten, die 2. GbBrig. vorläufig zur Einschiffung bereitstehen. Die LstlBrig. Haustein hatte zunächst als Korpsreserve in Semlin zu verbleiben.

Die Säuberung des Donau-Savewinkels von Minen wurde durch die Flottille im Verein mit der Flußminenabteilung, Pioniermotorbooten und Scheinwerfern erst unmittelbar vor dem Übergang bewerkstelligt.

Die Gunst des Geländes war ausgesprochen auf Seite der Serben, da das flache, meist eingesehene linke Ufer der Ströme vom rechten beträchtlich überhöht wurde. Dieses Übel erschwerte dem Angreifer schon den Artillerieaufmarsch. Im Bereiche des k. u. k. VIII. Korps bot rechts der Donau nur die von Surčin bis Semlin verlaufende Bodenstufe der schweren Artillerie Gelegenheit zu verdeckter Aufstellung. Auf dem linken Donauufer mußten sich die Batterien vielfach hinter den Ortschaften verbergen. Dem Korps standen insgesamt 70 schwere und mehr als 90 leichte Geschütze zur Verfügung1). Das rechts benachbarte deutsche XXII. RKorps wurde bei seinem Vorgehen von 32 schweren und 170 leichten Geschützen unterstützt.

Von den dem Gen. Zivkovic unterstehenden 20 Bataillonen und 75 Geschützen standen zwischen Mirijevo und dem Finanzwachhaus Jarac 6 Bataillone und 26 Rohre2). Selbstverständlich riefen die Serben bald nach dem Übergang der Verbündeten auch alle entbehrlichen Bataillone aus den Nachbarabschnitten des Belgrader Verteidigungsbezirkes herbei. Einen starken Tagmarsch hinter der Front stand bei Vk. Sopot die Tim-D.II als Reserve der Heeresleitung eingreifbereit.

Am 7. Oktober um 2h30 früh eröffnete die Artillerie des Angreifers gegen die Landungsstellen schwerstes Feuer. Zehn Minuten darauf wurde das Ziel verlegt. Scheinwerfer gossen ihr Licht über das weitere Ufer-

x) (R o d i ć), Die Eroberung von Belgrad 1915 (7. Heft der Österreichisch-ungarischen Kriegsberichte, Wien 1917, 17ff.).

2) Serb. Gstb. W., IX, 66 ff.; Obst. Lazarevic in der Belgrader „Vřeme", 9. Oktober 1931.

gelände. Kurz darauf sollte die erste Staffel der mit Truppen vollbesetzten Pontons auf serbischem Boden anlegen.

Es fiel lcichter Regen. Nach und nach verstummte das Feuer der Geschütze, und außer dem rastlosen, magisch wirkenden Spiel der Scheinwerfer herrschte hüben und drüben unheimliche Ruhe. Die in Belgrad wütenden Brände spiegelten sich auf den Stromflächen und die immer stärker auflodernden Flammen beleuchteten das den Kalimegdan umfließende Wasser fast taghell. Lange harrten die Beobachter vergebens auf die verabredeten Lichtsignale der zu landenden Truppen. Endlich nach 4h tauchte im hellerleuchteten Donauarm südlich der Großen Kriegsinsel eine lange Pontonkette auf, die langsam dem serbischen Ufer unterhalb der Feste zuruderte. Unmittelbar nachher wurden die in ihren Fahrzeugen dichtgedrängten und wehrlosen Angreifer auch noch von feindlichen Lichtkegeln erfaßt und, vollkommen ins Helle gebracht, mit überwältigendem Feuer überschüttet, an dem auch englische Marinegeschütze und französische 15cm-Kanonen Anteil hatten. Einige Dreiteiler versanken samt ihrer Besatzung im Strom, andere trieben führerlos stromab.

Es war das Bataillon 111/74, das ungeachtet des Feuerregens unentwegt und zielsicher seinen Landungsstellen zusteuerte.

Sein tapferer Führer, Obstlt. Méttelét, dessen Fahrzeug regen- und sturmgepeitscht als erstes anlegte, führte die bis über die Knie im Wasser watende Mannschaft im heftigsten feindlichen Feuer sofort zum Sturm gegen den Bahndamm vor. Nach wütendem Handgemenge, an dem auf serbischer Seite auch syrmische Freiwillige teilhatten, vermochte sich das Bataillon an der Bahnlinie festzusetzen1).

Mühsamer ging die Überschiffung des Bataillons IV/84 vonstatten, von dem nur einige Züge das serbische Ufer erreichten, während der Rest abgetrieben wurde.

Die Serben richteten unterdessen ihre ganze Aufmerksamkeit auf die von den Scheinwerfern beleuchtete Gruppe des Obsdt. Méttelét. Diesen Augenblick ausnützend, fuhren die unermüdlichen Pioniere2) das vom Obstlt. Peter befehligte Bataillon IV/87 unbemerkt unter dem Lichtkegel dem serbischen Ufer zu. Die gelandeten schwachen Kräfte der

9. GbBrig. überwältigten rasch die an den Uferrand vorgeschobenen

x) Obstlt. Anatol Méttelét erhielt für diese Tat das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

2) Die Pionierbataillone Nr. 1, 3, 4, 5 und 6 des österreichischen Bundesheeres begehen in der Erinnerung an den Donauübergang bei Belgrad am 7. Oktober ihren Gedenktag.

serbischen Besatzungen und setzten sich vor dem steilen Eisenbahndamm zu Füßen des Kalimegdan fest. Unterdessen konnten auch von den bei Neu-Borča bereitgestellten Truppen der 18. GbBrig. zwei Bataillone ohne besondere Schwierigkeiten übersetzt werden. Dann mußten freilich alle weiteren Übergangsversuche eingestellt werden. Mehr als zwei Drittel der Pontons waren gesunken, zerschossen oder abgetrieben worden.

Westlich von Belgrad gelang es dem deutschen XXII. RKorps, unter dem Schutz von Artillerie und der am nördlichen Savedamm verteilten Minenwerfer und Maschinengewehre noch vor Morgengrauen ein Bataillon auf das Südufer beim Finanzwachhaus Jarac und zehn Kompagnien auf die Große Zigeunerinsel überzusetzen. Dann machten, wie beim VIII. Korps, der aufsteigende Morgen und die großen Verluste jede weitere Überschiffung unmöglich. Erst am frühen Nachmittag gelang es zwei deutschen Kompagnien, die Kleine Zigeunerinsel zu gewinnen, die durch einen Damm mit dem ungarischen Ufer verbunden war. Auf der Großen Insel drangen die gelandeten Truppen, unterstützt von den Monitoren, in erbitterten Nahkämpfen bis zu den über den südlichen Savearm führenden zwei Stegen vor1).

Nicht minder schwer rangen tagsüber die am Nordrand von Belgrad gelandeten 14 öst.-ung. Kompagnien. Gen. Zivkovic, der Verteidiger Belgrads, bot alle seine Reserven auf2) und versuchte, den Angreifer in den Strom zu werfen. Die Artillerie des VIII. Korps konnte bei diesem Kampfe nicht unterstützend eingreifen, lagen doch die beiden Gegner am Eisenbahndamm einander ganz nahe gegenüber; auch gelang es nicht, durch Lichtsignale mit der gelandeten Infanterie die Verbindung aufzunehmen. Derart vereinsamt, klammerten sich die Vorhutkompagnien der k. u. k. 59. ID. an die Uferböschung fest. Schon am Vormittag gebrach es an Schießbedarf, und in den Schützenketten hatten die serbischen Geschosse breite Lücken gerissen. Am frühen Nachmittag standen kaum mehr als 2500 Streiter in einer 4000 Schritt langen Linie einem überlegenen Feinde gegenüber. In dieser äußerst bedenklichen Lage brachten die Donaumonitoren die erste Hilfe. Sie kreuzten seit der dritten Nachmittagsstunde in zwei Gruppen zu zwei und drei Schiffen hinter der Großen Kriegsinsel und bekämpften mit ihrer Artillerie die serbischen schweren Batterien auf dem Kalimegdan und auf dem Vk. Vračar. Die Flottille hatte vollen Erfolg, da sie als Zielscheibe das Feuer der

x) Regenaue r, Der Übergang über Donau und Save im Oktober 1915 (Deutscher Offiziersbund, Berlin, Jhrg. 1925, 1102).

2) Serb. Gstb. W., IX, 66 ff.

feindlichen Geschütze von der arg bedrängten Infanterie auf sich zog und dadurch deren Ausharren ermöglichte. Erst als die feindlichen Batterien mit Einbruch der Dunkelheit ihr Feuer einstellten, verließen die teilweise schwer beschädigten Monitoren die Walstatt1).

Gen. Zivkovic hatte in seiner gefährdeten Lage schon am Vormittag um Zusendung der TimD.II gebeten; die Heeresleitung willfahrte seinem Wunsche. Die ersten Bataillone der Division traten noch vor Einbruch der Dunkelheit in den Kampf. Sie trafen die Verteidiger der Hauptstadt schon in einer ziemlich-bedenklichen Verfassung an. Noch über Mittag hinaus war man ziemlich zuversichtlich gewesen. Da hatte das Eingreifen der öst.-ung. Monitoren die Wendung zum Schlimmen gebracht2). Gen. Zivkovic wurde aus der Front bestürmt, die stark erschütterte Truppe nicht länger dem verheerenden Front- und Flankenfeuer auszusetzen, sondern hinter die Stadt zurückzunehmen. Der General lehnte dies ab, erbat aber von der Heeresleitung neben der TimD.II eine weitere Division und außerdem schwere Artillerie. Die Heeresleitung hielt jedoch die Lage bei Belgrad noch nicht für so kritisch und befahl daher am 8. früh, nach Einlangen der ganzen Timokdivision den Feind im Gegenangriff zu werfen. Ihre Zuversicht sollte sich jedoch als Täuschung erweisen.

Unter dem Schutze der Nacht konnten die Verbündeten die Über-schiffung ihrer Truppen fortsetzen. Beim k. u. k. VIII. Korps brachten die nie versagenden Pioniere in zahlreichen Fahrten fast die ganze Infanterie der 9. GbBrig. auf serbischen Boden. Ferner konnten auch weitere Teile der 18. GbBrig. aufs Südufer geworfen werden, so daß am Morgen des 8. etwa 27 öst.-ung. Kompagnien am Nordrand von Belgrad standen. Die Serben waren nicht mehr imstande, diese Streitmacht in die Donau zurückzuwerfen; doch verhinderte ihre Artillerie neuerlich die Fortsetzung des Übergangs. Wieder mußten die öst.-ung. Truppen den ganzen Tag über in schwerem Feuer ausharren. An einen Sturm auf die Stadt war nicht zu denken, da die Artillerie den serbischen Stellungen hinter dem Eisenbahndamm nicht beizukommen vermochte.

Während sich die Bataillone der infolge einer Verwundung des FML. Šnjarič durch GM. v. Hrozný geführten k. u. k. 59. ID. am Bahndamm vor dem verzweifelt kämpfenden Feind behaupteten, griff die deutsche 44. RD. schon am Morgen des 8. auf dem Südufer der Save an und rollte im Laufe des Tages die serbischen Stellungen südlich der

1)    Wulff, 103ff.

2)    Obst. Lazarevic in der „Vreme“.

Großen Zigeunerinsel auf. Dadurch wurde der Kampf auf der Insel wesentlich erleichtert. Gegen Mittag fiel der westliche und am Nachmittag der östliche der beiden zum serbischen Ufer führenden Stege unversehrt in die Hand der deutschen Truppen. Die deutsche 44. RD. setzte hierauf den Angriff gegen Belgrad von Westen her fort und nahm abends noch die Nordhänge des Banovoberges.

Bei den am Nordrande von Belgrad fechtenden k. u. k. Truppen war es inzwischen dem Obstlt. Peter am Nachmittag gelungen, durch Lichtsignale mit der Donauflottille Verbindung aufzunehmen. Die Monitoren Leitha und Körös zerstörten durch das Feuer ihrer Flachbahngeschütze die von den Serben knapp südlich vom Eisenbahndamm besetzten Häuser1). Nun führte Obstlt. Peter die buntgemischten Abteilungen seines Abschnittes zum Sturme vor. Dieser kühne Vorstoß riß alle anschließenden Truppen mit2). In erbittertem Häuserkampfe drangen die Bataillone der 59. ID. in den östlich des Kalimegdan bergwärts führenden Stadtteil von Belgrad ein und riegelten die Straßen ab.

Als es Nacht wurde, verstummte überall das Feuer der serbischen Geschütze. Unermüdlich wanderten wieder die Pontons und Fähren, von den Pionieren gerudert, über die beiden Ströme und brachten den Rest der Infanterie der 59. ID. und auch der beiden deutschen Reservedivisionen — bis auf Teile der 43. — ans serbische Ufer. Damit war das große Werk vollbracht: der Übergang bei Belgrad war geglückt! Die Serben hatten nach zweitägigem tapferem Ringen ihre Uferstellungen preisgeben müssen.

Nun sah Gen. Zivkovic die letzte Möglichkeit geschwunden, die Stadt noch länger zu halten. Am 9. bald nach Mitternacht rief er seine hart mitgenommenen Bataillone in die Linie Vk. Vračar—Žarkovo—2e-leznik—Ostružnica zurück, die in der zehnten Vormittagsstunde besetzt wurde. Die TimD.II war am linken Flügel in den Kampf getreten.

Schon im Morgengrauen dieses dritten Schlachttages war ein Bataillon der 43. RD. kampflos in den südlichen Teil von Belgrad eingedrungen; es hatte den Konak, die Residenz der serbischen Könige, besetzt. Zur gleichen Zeit waren Abteilungen der k. u. k. 59. ID. den Kalimegdan hinangestiegen. Seit 6h früh wehte auf dem aus der Türkenzeit stammenden Gemäuer, wie schon öfter in der Geschichte, die altehrwürdige schwarzgelbe Fahne.

1)    Wulff, 104.

2)    Obstlt. Franz Peter, der Kommandant des Baons. IV/87, wurde für diese Waffentat mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet.

Eine Abteilung des Obstlt. Peter stellte die Verbindung zu den Deutschen beim Konak her. Im Laufe des Vormittags gewannen die 44. und die 43. RD. die Linie Banovo brdo—Topčider; die 9. GbBrig. der 59. ID. rückte durch die menschenleeren Straßen von Belgrad und erreichte gegen Mittag den Südrand der Stadt. Hier fanden die öst.-ung. Truppen Anschluß an das deutsche XXII. RKorps. Links von der 9. GbBrig. bemächtigte sich zur gleichen Zeit die 18. GbBrig., GM. Škvor, nach leichten Kämpfen mit serbischen Nachhuten der Südostausgänge der serbischen Hauptstadt. Belgrad war erobert.

Gen. Zivkovic holte am Nachmittag mit derTimD.II über Žarkovo zu einem Gegenschlag aus. Er faßte die auf die Banovohöhe gelangten deutschen Truppen in der Flanke, wurde aber von zwei Regimentern der 44. RD. zurückgeschlagen. Nun drang die 43. RD. über Topčider gegen die Dedinjehöhe vor, wo sich die Serben trotz der grauenvollen Wirkung des deutschen Artilleriefeuers zu behaupten vermochten. Auf dem linken Flügel des VIII. Korps wurde am Nachmittag ein Bataillon der 18. GbBrig. eilends auf die von den Serben offenbar voreilig geräumte Höhe Vk. Vračar vorgeschoben, um diesen Rücken noch vor einer von Südosten anrückenden feindlichen Gruppe zu besetzen. Dies gelang auch. Es kam aber am Abend noch zu wechselvollen Kämpfen, da sich die Serben des preisgegebenen Stützpunktes wieder bemächtigen wollten. Schließlich konnte sich die linke Flügelgruppe der 18. GbBrig., unterstützt vom flankierenden Feuer zweier Monitoren und der am nördlichen Donauufer sichernden LstlBrig. Mrázek, am Westrande des Höhenrückens behaupten.

Während die Masse des XXII. RKorps und die beiden Brigaden der k.u.k. 59.ID. im Verlaufe des 9. Belgrad und die Linie Banovo brdo—Topčider—Vk. Vračar gewannen, schafften Pontons und Dampffähren neue Verstärkungen über die Donau und die Save. Die 6. GbBrig. der 57. ID. war schon am Morgen von Alt-Banovce nach Belgrad überschifft worden, ihr folgte die 2. GbBrig.; in der Nacht auf den 10. rückte die vom FML. Heinrich Goiginger geführte 57. ID. links von der 59. ID. in die Front ein; die LstlBrig. Haustein kam als Korpsreserve nach Belgrad. Nun galt es, die Serben in das Hügelland südlich und südöstlich der Stadt weiter zurückzudrängen, um den Donauweg zur

11. Armee zu öffnen. Daß man dabei auf den hartnäckigsten Widerstand stoßen werde, mußte bestimmt erwartet werden, da die Flieger bereits neue befestigte Stellungen in den Bergen und zerklüfteten Tälern südlich von Belgrad entdeckt hatten. So entschloß sich GdI. Kövess, erst die

Save und die Donau überbrücken zu lassen und schweres Geschütz heranzuziehen, ehe er den Angriff weiterführte.

Ganz im Sinne dieser Absichten erhielt die 3. Armee in der Nacht auf den 10. Oktober vom GFM. Mackensen die Weisung, den bisherigen Erfolg ohne Übereilung auszugestalten und nach gründlicher Artillerievorbereitung den Angriff in der eingeschlagenen Richtung fortzusetzen. Planmäßiges Vorgehen und nachhaltiger Druck werde am ehesten den Donauweg für die Zufuhr des so dringend nötigen Brückengeräts zur

11. Armee freimachen. Das XIX. Korps sollte zunächst den ihm gegenüberstehenden Feind durch festes Anfassen fesseln, der Schutz der rechten Flanke der 3. Armee werde ihm erst später zufallen. Die deutsche

26. ID. hatte als Armeereserve am 10. nach Semlin und Surčinzu rücken.

Vor dem XXII. RKorps hielt der Feind am 10. früh noch immer die Dedinjehöhe, deren Besatzung durch Einstellung von zwei neu-herangeführten Haubitzbatterien verstärkt worden war. Der deutsche Korpskommandant, GdK. v. Falkenhayn, wollte den Angriff erst am 11. vormittags nach planmäßigem Artillerieschießen fortsetzen. Die Kriegsbrücke über den nördlichen Savearm war wohl inzwischen fertig geworden, sie mußte aber für schweres Geschütz verstärkt werden. Nun räumten die Serben schon am 10. vormittags unter der Wirkung der deutschen Feldgeschütze die Dedinjehöhe. Die beiden Divisionen des XXII. RKorps stießen sofort nach und erreichten bis zum Abend die Linie Zarkovo—Banjica. Durch diesen Erfolg wurde auch die links benachbarte 9. GbBrig. ein Stück vorgerissen. Auch die 18. GbBrig. konnte, sich nicht damit begnügen, das Eintreffen der schweren Artillerie abzuwarten und griff noch bei Einbruch der Dunkelheit den vor ihrer Front auf die Höhe Zeleno brdo zurückgewichenen Feind an.

Vor der 57. ID. standen die Serben am 10. auf dem Vk. Vračar-rücken noch fest. Da aber vom nördlichen Donauufer und durch die Monitoren eine flankierende Artilleriewirkung zu erwarten war, glaubte FZM. Scheuchenstuel seinen linken Flügel weiter vorschieben zu können und gab der 57. ID. die südöstlich des Slancebaches aufragenden Höhen als Ziel. Die Serben kamen aber diesen Absichten zuvor, indem sie den nördlich der Höhe Vk. Vračar an die Donau angelehnten linken Flügel der 6. GbBrig. angriffen. Obwohl die feindliche Artillerie diesen Vorstoß wirksam unterstützte, kam der Angriff um Mittag zum Stehen und endigte schließlich mit einem Rückzug auf Lipar, wobei die zurückweichenden Serben wieder unter dem Flankenfeuer der Monitoren erhebliche Verluste erlitten. Am Nachmittag räumte die 6. GbBrig. mit dem noch auf dem Vk. Vracarrücken eingenisteten Feinde auf und erstürmte seine gut ausgebauten Befestigungen.

Gen. Zivkovic hatte sich noch im Laufe des Tages entschlossen, seine Truppen auf die Höhen beiderseits des Slancebaches—A 279 (Ekme-kluk)—Höhen bei Jajince—Petlovobrdo—Zeleznik—Ostružnica abzusetzen; diese neue Stellung sollte am 11. früh bezogen sein. Von der Heeres-: leitung forderte der General neuerliche Verstärkungen. ,,Es ist daher“, meldet er in beweglichen Worten, „unbedingt nötig, sofort eine ganze Division hieher zu senden, damit geringeren Aushilfen oder mit dem Einsatz von Truppenteilen nichts gedient ist. Schon ist es unmöglich, ein Regiment der Front als Reserve auszuscheiden, da sonst die vordere Linie allzu schütter würde. Einige Regimenter sind auf die Hälfte, sogar auf ein Drittel ihres Standes gesunken. .. Man darf nicht vergessen, daß fünf Tage ohne Unterlaß heiß gekämpft und die heimatliche Scholle Schritt für Schritt verteidigt worden ist; all dies im Bereiche der deutschen schweren Geschütze und der österreichischen Monitoren, deren verheerendes Feuer die Nerven von Offizier und Mann bis zur Unerträglichkeit erschütterte. Daher möge man mir glauben, daß unbedingt eine ganze Division zur Unterstützung herangeführt werden muß. Unsere Truppen haben an den Orten, an denen sie nicht dem verheerenden Feuer der deutschen Batterien ausgesetzt waren, mit Erfolg Angriffe abgewehrt und auch gegen überlegene Feinde tatkräftig Gegenstöße geführt. .

Dieser Hilferuf des Gen. Zivkovic verhallte nicht erfolglos. Als in der Nacht auf den 11. sein rechter Flügel in die neuen Stellungen einrückte, wurde er dort von zwei herangerückten Regimentern aus den Verbänden der 2. Armee aufgenommen.

Der Führer des k. u. k. VIII. Korps, FZM. Scheuchenstuel, befahl für den 11. Oktober der 57. ID., vorerst auf Lipar und dann auf die Höhen südlich vom Slancebach vorzustoßen, erhielt aber vom 3. Armeekmdo. die ausdrückliche Weisung, diesen Tag noch zur Vorbereitung des weiteren Angriffes auszunützen. Indes setzten die Serben in der Nacht auf den 11. ihre Front vor dem VIII. Korps ab. FML. Goiginger drängte am nächsten Morgen mit der 57. ID. dem weichenden Feinde auf die Höhen nordwestlich des Slancebaches nach. Auf die Nachricht davon entschloß sich FZM. Scheuchenstuel, auch die 59. ID. vorrücken zu lassen. Diese Division sollte die Höhe A279 (Ekmekluk) nehmen und unter Aufrechterhaltung des Anschlusses an das XXII. RKorps mit ihrem rechten

i) Serb. Gstb. W., IX, 149.

Flügel den Drehpunkt für das beabsichtigte Aufschwenken des bisher nach Osten gewandten VIII. Korps gegen Südosten bilden.

Am schwenkenden Nordflügel des VIII. Korps wurde noch am 11. ziemlich viel Raum gewonnen. Die 2. GbBrig., Obst. Panzenböck, erreichte unter schwächerem serbischem Artilleriefeuer die Höhen beiderseits des unteren Slancebaches, die vom Obst. v. Hellebronth geführte 6. GbBrig. die Osthänge des Ekmekluk. Diese Höhe wurde vom linken Flügel der 59. ID. schon am frühen Nachmittag kampflos erstiegen; der rechte Flügel dieser Division schob sich an die von den Serben besetzte Strazarahöhe heran und wartete das Eingreifen des benachbarten deutschen XXII. R-Korps ab. Dieses stand zwischen Banjica und nördlich von Zeleznik. Um den Druck hier allenfalls verstärken zu können, wurde die über die Save nachgezogene 26. ID. dem GdK. Falkenhayn unterstellt.

Mit der bis zum 11. Oktober abends erkämpften Höhenlinie hatte die Hauptkraft der Armee Kövess jene brückenkopfartige Stellung gewonnen, die den sicheren Besitz von Belgrad gewährleistete und gleichzeitig auch die Stromschleife gegen Süden abriegelte. Die Opfer an Blut und Leben hielten sich bei den an der Eroberung Belgrads beteiligten Heereskörpern dank der trefflichen Vorbereitung und dem vorzüglichen Zusammenwirken von Infanterie, Artillerie, Pionieren und Donaumonitoren in erträglichen Grenzen. Am meisten hatte die 59. ID. gelitten; sie meldete bis zum 9. Oktober einen Abgang von mehr als 1000 Streitern, gleich viel, wie das ganze XXII. RKorps verloren hatte. Über die zweifellos sehr beträchtlichen Verluste des Feindes liegen keine zahlenmäßigen Angaben vor. Seine Einbuße an Gefangenen betrug über 1700 Mann. Dazu ließ der Serbe 22 Geschütze und zahlreiches Kriegsgerät in den Händen des Angreifers.

Daß die Serben sowohl der Zahl ihrer Streiter wie ihrer Ausrüstung nach hinter ihren Gegnern weit zurückstanden, ist nicht in Abrede zu stellen. Die Schwäche des Feindes aufzuspüren und auszunützen, gehört schließlich zur Aufgabe der Führung jeglichen Grades. Die Überlegenheit an Artillerie, die Geschütze der wackeren Donauflottille mitinbegriffen, wurde denn auch von den Verbündeten von Anbeginn gründlich ausgenützt. Sie konnte aber nicht hindern, daß zumal die ersten Infanteriestaffeln des k. u. k. VIII. Korps fast vierundzwanzig Stunden lang zweifellos in ziemlich drückender Minderheit fochten, dies gegen einen Feind, der vor dem vollen Einsatz seiner körperlichen und moralischen Kräfte nicht zurückschreckte. Erst vom 9. Oktober an hatten sich die Verhältnisse für den Angreifer stündlich gebessert; nun konnte auch die infante-ristische Überlegenheit zur Geltung gebracht werden. Der Erfolg blieb denn auch nicht aus. Zusammenfassend darf wohl gesagt werden, daß die Geschichtschreibung diese Strombezwingung nach Vorbereitung und Durchführung den schönsten Beispielen solcher Unternehmungen zuzählen wird. Der öst.-ung. Wehrmacht im besonderen, die ihr Lieblingslied vom „Prinz Eugenius, dem edlen Ritter“ seit Jahresfrist nicht nur an die Ruhmestat dieses großen Heerführers, sondern auch an das Mißgeschick der ersten serbischen Feldzüge im Weltkriege erinnerte, wurde die Wiedergewinnung von „Stadt und Festung Beigerad“ zur ersehnten Genugtuung für unverdient erlittene Schicksalsunbill.

Der Donauübergang der deutschen ll.Arm.ee (6. bis 12. Oktober)

Während die 3. Armee Belgrad eroberte, erzwang sich die Armee GdA. Gallwitz zwischen Ram und Semendria den Übergang.

Am 6. Oktober begannen bei Orsova die befohlenen Scheinbewegungen der Gruppe des FML. Fülöpp unter lebhaftem Artillerie- und Infanteriefeuer. Bei Palánk setzten zur gleichen Zeit Patrouillenboote die ersten Infanteriekräfte des deutschen X. RKorps auf das serbische Ufer über. Am nächsten Tag überschiffte die Masse dieses Korps, ohne auf ernsten Widerstand zu stoßen, beiderseits von Ram die Donau und besetzte bis zum Abend das Orljakmassiv als Brückenkopf und Ausgangsstellung für den weiteren Angriff. Dem auf der Temesinsel zum Übergang am 8. bereitgestellten IV. RKorps gelang es noch am 7., schwache Kräfte zu überschiffen, die von den Serben am Nordfuße der Höhe Kostolac festgehalten wurden. Das III. Korps bereitete an diesem Tage den schwierigen Übergang bei dem befestigten Semendria noch durch Artilleriefeuer vor1).

Am 8. Oktober erweiterte das X. RKorps seine Brückenkopf Stellung bei Ram. Dem IV. RKorps glückte es, die gesamte Infanterie auf das Südufer zu bringen und unter heftigen Kämpfen auf der Höhe Kostolac festen Fuß zu fassen. Inzwischen schickte sich das III. Korps an, am 9. früh die Donau zu überschreiten. Ihm standen hiezu neben deutschem Brückengerät 4 öst.-ung. Kriegsbrückenequipagen, 100 Donauzillen, 6 Motorboote, 50 öst.-ung. Pontonteile und 1 Dampfer mit 6 Schleppkähnen zur Verfügung. Die Truppen wurden nördlich der Semendrianer Insel

*) Jochim, Der Feldzug in Serbien (Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 335ff.); Gallwitz, 379ff.

unter dem Schutze der dort eingenisteten Infanterie, Maschinengewehre und Gebirgsbatterien eingebootet. Die Pioniere, deren Pontons um die Südwestspitze der Semendrianer Insel angesetzt waren, hatten gegen die reißende Strömung des durch starke Niederschläge angeschwollenen Stromes besonders schwer anzukämpfen. Nur acht Pontons mit 150 Mann der 25.RD. konnten flußaufwärts von Semendria bis zum serbischen Ufer durchdringen. Die übrigen wurden abgetrieben und landeten unter dem Feuer der serbischen Batterien an der Nordseite der Insel. Die deutsche 6. ID., die an der Nordspitze der Insel vorbei stromabwärts übersetzt wurde, war mehr vom Glücke begünstigt. Sie gelangte ohne besondere Schwierigkeiten an das andere Ufer, vertrieb die schwachen Sicherungsabteilungen und nahm Kulic. GdI. v. Lochow, der Befehlshaber des

III. Korps, zog nun die 25. RD. zur Landungsstelle der 6. ID. heran und ließ sie westwärts gegen Semendria einschwenken. In der Nacht gelang es, die kleinen, westlich von Semendria gelandeten Abteilungen, die sich tagsüber hart am Südufer behauptet hatten, zurückzuholen. Die Mitte und der linke Flügel der deutschen 11. Armee waren inzwischen trotz wachsenden Widerstandes der Serben weiter südwärts vorgedrungen. Am 9. abends erreichte das IV. RKorps die Linie Dubravica— Petka—Klenovnik; das X. RKorps focht um diese Zeit im Raume Kliče-vac—Zatonje.

Am 10. Oktober gewann das III. Korps zwischen der Jezava und Morava langsam Raum nach Süden. Das IV. RKorps drang kämpfend bis Batovac—Bradarci vor, während das X. RKorps die Anatemahöhe erstürmte und die Linie Kličevac—Höhen nördlich Popovac erreichte. Auf dem äußersten linken Flügel der 11. Armee räumte der Serbe wegen des heftigen Artilleriefeuers der Gruppe Fülöpp seine Uferstellungen gegenüber Orsova, hielt aber die Höhenränder noch besetzt. Am rechten Flügel der 11. Armee erzwang sich die 25. RD. des III. Korps am 11. den Übergang über die Jezava, nahm die von den Serben tapfer verteidigte alte Festung Semendria und drang dann weiter nach Westen und Süden vor. Die 6. ID. warf den Feind am 11. in hartem Ringen über Lipe zurück und erreichte am 12. mit dem linken Flügel die Morava in der Höhe von Brežani. Vom IV. RKorps drang die 11. bayr. ID. schon am 11. in diesen Ort ein. Hier steigerten sich die Kämpfe am 12. aufs äußerste, da sich auch die Einwohner an dem Widerstand leidenschaftlich beteiligten. Die 105. ID. stieß beim Vorgehen eine Wegstunde nördlich von Požarevac gleichfalls auf zähesten Widerstand, der auch am 12. noch nicht gebrochen werden konnte. Die nachgezogene 107. ID. eroberte die feindlichen Stellungen bei Bubušinac. Das X. RKorps erreichte am

12. nach Kämpfen die von Pozarevac nach Popovac führende Straße.

Schon am 8. Oktober hatte sich die serbische Heeresleitung entschließen müssen, die 3. Armee durch die seit 6. bei der Timokarmee-gruppe im Raume Knjaževac stehende Heeresreserve der Ostfront, die ŠumD.I, zu verstärken. Sie sollte am linken Flügel vor Semendria eingesetzt werden, um die Ostflanke und den Rücken der Belgrader Verteidigungsgruppe zu sichern. Außerdem wurde aus sechs Kompagnien und den Schwadronen der ŠumD. I und der DrinD.I eine neue Kampfgruppe (Kavalleriebrigade) gebildet und ebenfalls vor Semendria in die Front eingeschoben.

Kämpfe bei Višegrad, Bijeljina, Jarak und Progar (7. bis 11. Oktober)

Während die 11. Armee und der Ostflügel der 3. Armee in hartem Kampfe südlich der Donau Boden gewannen, war den öst.-ung. Streitkräften an der Drina und mittleren Save kein Erfolg beschieden. Bei der 62. ID. hatte der vom FML. Kaiser für den 7. Oktober geplante Drina-übergang auf den 8. verschoben werden müssen (S. 204). Die ersten Überschiffungsstaffeln gelangten glücklich auf das serbische Ufer, dann wurde aber der weitere Übergang wegen des feindlichen Feuers unmöglich. FML. Kaiser, der sehr richtig die Aussichtslosigkeit des Unternehmens erkannte, ließ die gelandeten Landstürmer noch im Morgennebel wieder auf das linke Ufer zurücknehmen, was allerdings nur unter sehr schweren Einbußen gelang.

Nach diesem Mißerfolg entschloß sich der Führer der noch immer nicht voll versammelten 62. ID., von weiteren Unternehmen vorläufig abzusehen. Es fehlte an schwerer Artillerie, um die gut ausgebauten serbischen Uferstellungen mit Erfolg bekämpfen zu können, auch war eine verstärkte Zuweisung von Brückengerät nötig. In Unkenntnis der üblen Verfassung dieser Division befahl zwar das 3. Armeekmdo., den Drinaübergang ehestens zu erneuern, da die Lage ein Hinausschieben des Angriffs nicht zulasse, mußte dann aber dem FML. Kaiser doch den notwendigen Aufschub bewilligen.

Die Gruppe GM. Streith, die im Raume von Megjaši den östlichen Drinaarm trotz plötzlich einsetzenden Hochwassers an zwei Stellen überbrückt hatte, konnte sich am 7. und am 8. Oktober neuerlicher serbischer Vorstöße aus Badovinci glücklich erwehren (S. 203). Der Versuch, den gewonnenen Brückenkopf zu erweitern, blieb aber nach geringem Erfolg stecken. Am 9. wurden die auf dem rechten Flügel über die Drina gelangten schwachen Landsturmabteilungen von den herbeieilenden Truppen der DonD.II wieder an den Fluß zurückgedrängt und nahezu aufgerieben. Auf dem linken Flügel der Gruppe Streith arbeiteten sich indessen zwei Bataillone ein Stück gegen Crnobarski salaš heran. Aber auch diese Kampfgruppe wurde am 10. von den Serben angefallen und mußte sich mit den erreichten Stellungen begnügen. Zu gleicher Zeit (8. und 9. Oktober) wurde auch die Gruppe FML. Sorsich von Abteilungen der DonD.II angegriffen. Sie hielt sich aber in dem von ihr bei Jarak auf dem rechten Ufer der Save geschaffenen Brückenkopf trotz Überschwemmung und ungenügender Versorgung.

Beim XIX.Korps sollten am 8.Oktober GM. Reinöhl mit der 205.LstlBrig. und GM. Pongrácz mit der 17. GbBrig. und der LstlBrig. Schwarz die Linie Obrenovac—Skela gewinnen und dadurch die Brücken bei Boljevci und bei Progar sichern. Weder über Zabrež noch über Krtinska drang der Angriff durch. Wenn auch die DrinD.II dem k. u. k. XIX.Korps nur verhältnismäßig schwache Kräfte entgegenstellen konnte, so boten doch die beiden genannten Ortschaften Gelegenheit zu hartnäckigem Widerstand, wobei auch in der Saveschlinge gegenüber von Progar ausgedehnte Sümpfe die Verteidigung unterstützten. Obendrein überschwemmten die plötzlich eingetretenen Regengüsse das Anland der Save und gefährdeten die Brücken. Auf dem Westflügel der Kampfgruppe GM. Pongrácz konnte die LstlBrig. Schwarz im Sumpfe nicht vorwärts kommen. Der Ostflügel fand günstigere Angriffsverhältnisse. Dort faßte GM. Pongrácz am 9. seine Kräfte zu einem neuerlichen Vorstoß zusammen. Die Brigade Reinöhl hatte inzwischen südlich von Boljevci unter dem wachsenden Gegendruck der Serben so schwer gelitten, daß sie von der neuangekommenen 21. LstGbBrig. abgelöst werden mußte. Am 10. ließ FML. Trollmann auf Drängen des 3. Armeekmdos. den Angriff fortsetzen. Die wackere 21. LstGbBrig., Obst. Hugo Fischer v. See, erstürmte den Bahnhof von Zabrež, konnte aber den Serben den Ort nicht entreißen. Ebenso brachten die ermüdenden und opferreichen Versuche des GM. Pongrácz, aus der Saveschlinge von Progar hervorzubrechen, gegen Krtinska hin nur geringen Raumgewinn. Am 11. Oktober nötigte das steigende Hochwasser das XIX. Korps fast zu völliger Untätigkeit.

Aber schon am 12. Oktober entspannen sich beim XIX. Korps neue, erbitterte Kämpfe. Die 21. LstGbBrig. schritt am frühen Nachmittag zum Sturm auf Zabrež, wurde aber zurückgeschlagen. Durch den Sumpf der

Saveschleife von Progar drangen Truppen der 20. LstGbBrig. in die serbischen Schanzen nordwestlich von Krtinska ein; zur gleichen Zeit arbeiteten sich zwei Bataillone der Brigade GM. Schwarz von Nordosten an den Ort heran. Nun wollte FML. Trollmann den Angriff auf Krtinska fortführen lassen, das 3. Armeekmdo. stimmte aber dieser Absicht nicht zu. Es gedachte vielmehr Kräfte nach Belgrad abzuziehen; das XIX. Korps sollte sich daher mit dem erkämpften Boden begnügen.

Die vor Krtinska haltenden Landsturmbataillone wurden in der Nacht, auf den 13. und am folgenden Morgen von den letzten Reserven der DrinD.II angegriffen. Sie brachten zwar den feindlichen Ansturm zum Stehen, ihre Verluste waren aber so bedeutend, daß sie in die Ausgangsstellungen vom 12. Oktober zurückgenommen werden mußten. Der Feind, der auch gegen die 21. LstGbBrig. vorstieß, schien sich nicht unerheblich verstärkt zu haben.

Die Kämpfe der Hauptkraft der 3. Armee um den Austritt aus der Strom schleife von Belgrad

(12. bis 17. Oktober)

Hiezu Beilage 11

Das Hochwasser, das den Angriff des XIX. Korps zum Stillstand brachte, wirkte schon hemmend genug; nun erwuchs den hilfsbedürftigen Serben noch in der Kossava ein sehr erwünschter Bundesgenosse. Sie steigerte sich zum Orkan und gefährdete die Verbindung der bei Belgrad kämpfenden Heereskörper der Mittelmächte mit dem Nordufer. Von der Großen Zigeunerinsel war zwar am 10. Oktober neben der unversehrt gewonnenen Floßbrücke eine Pontonbrücke geschlagen worden. Am 14. sollte auch über den Nordarm eine zweite Kriegsbrücke gebaut werden. Doch der Sturm machte den Verkehr auf den Brücken zeitweilig unmöglich, so daß die Zufuhr über die Save und über die Donau nur mehr durch Dampffähren aufrecht erhalten werden konnte. Trotzdem errang die Hauptstoßgruppe der 3. Armee neue Erfolge. Die dem XXII. RKorps über die Save nachgezogene deutsche 26. ID. nahm am 12. in den späten Nachmittagsstunden Železník, die 44. RD. bemächtigte sich der Höhe Petlovo brdo, die 43. RD. drang bis in den Nordteil von Jajince vor.

Dem Angriffe der deutschen Truppen schloß sich auch der rechte Flügel des k. u. k. VIII. Korps an, wo die 9. GbBrig. nach heftigen Kämpfen ihre vordere Linie bis in die Ortsmitte von Vk. Mokrilug vortrug. Hierauf rückte die 18. GbBrig. vom Ekmekluk ein Stück gegen Südosten vor. Die 57. ID. wurde von der serbischen Artillerie auf dem Nordhang der südlichen Begleithöhen des Slancetales festgehalten. Ein Mitwirken der Donauflottille, durch deren Feuer die südlich des Slance fechtenden Bataillone des Gen.Zivkovic hätten in der Flanke gefaßt werden können, war noch nicht möglich, da das Hochwasser und die Kossava die Säuberung der Fahrrinnen von den Minen verzögert hatten. Aus demselben Grunde konnte auch Mackensens Befehl, Schlepper von Pancsova zur

11. Armee nachDunadombó durchzubringen, noch nicht ausgeführt werden.

Für den 13. Oktober beabsichtigte GdK. Falkenhayn, der Führer des XXII. RKorps, den Angriff nur mit der 43. RD. fortzuführen; sie hatte östlich des Topčiderskabaches nach Süden vorzubrechen. Im Einklänge damit sollte beim VIII. Korps die 59. ID. die Höhe 1 km östlich von Kumodraž angreifen und die 57. ID. die serbische Front südlich des Slancebaches durchstoßen. Nachdem nach ruhig verlaufener Nacht erkundet worden war, daß die Serben ihren Westflügel von der deutschen Front abgesetzt hatten, rückten am 13., entgegen der ursprünglichen Absicht, vom XXII. RKorps die 26. ID. bis vor Ostružnica und auf die Höhen südlich von Zeleznik, anschließend daran die 44. und die 43. RD. mit ihren Vortruppen bis in die Höhe von Resnik vor. Auf den Flöhen nördlich von Pečani, Sremčica und von Rušanj stellte sich die TimD.II wieder zum Kampfe.

Vor dem VIII. Korps hielt der Feind am 13. früh seine alten Stellungen, Links, im Anschluß an die 43. RD., setzte GM. Hrozný am Vormittag die 9. GbBrig. zum Stirnkampf gegen die Höhe östlich von Kumodraž an, während die 18. GbBrig. über Vk. Mokrilug womöglich flankierend vorgehen sollte. Obwohl alle verfügbaren Kräfte ausgespielt wurden, blieb das Ziel unerreicht; nur der Nordteil von Kumodraž konnte gegen Abend gewonnen werden. Von da verlief die Front über das Südende von Vk. Mokrilug und südlich vom Ekmekluk bis zum Anschluß an die 57. ID., die mit ihrer Artillerie den Angriff auf Kumodraž unterstützte und die starken Befestigungen des Feindes auf der Rückenlinie südlich des Slancebaches beschoß. Gegen diese Höhen richtete sich nachmittags das Feuer von zwölf schweren Batterien. In den Kampf griffen auch die im Donausicherungsdienst stehenden Teile der Brigade GM. Mrázek durch flankierendes Artilleriefeuer ein. Doch der Serbe wich trotz der grauenvollen Wirkung dieser Beschießung nicht aus seinen Stellungen. Die tapfer angehende 57. ID. mußte wieder zum Spaten greifen; nur auf dem Westteil der genannten Rückenlinie wurde eine Schanze genommen. Einer Fortführung des Angriffes bedurfte es indessen nicht mehr. Durch das

XXII. RKorps waren die Stellungen der Serben bei Vk. Mokrilug und nordöstlich davon überflügelt worden. Zivkovic nahm daher in der Nacht auf den 14. seine ganze Gruppe, die mittlerweile durch je ein Infanterieregiment der TimD.I und der MorD.I (2. Armee) verstärkt worden war, auf die Höhenlinie -<>294 und A337 südöstlich von Sremcica— Avala—Waldkuppen südöstlich von Leštani—Grocka zurück. Zur Stützung seines linken Flügels wurde die von Ub auf das Ostufer der Kolubara herangezogeneMorD.il (bisher bei der 1. Armee) beiMeljak versammelt1).

Die k.u.k. Heeresleitung hatte schon am 9. beim 3. Armeekmdo. angeregt, das XIX. Korps, das in dem überschwemmten Anland der Save gegen Obrenovac nicht vorwärts gekommen war, über Belgrad an den Ostflügel der 3. Armee heranzuziehen. Obwohl auch Mackensen bei einer Besprechung mit Kövess in Neusatz am 12. ganz im Sinne Conrads entschied, wurde diese Truppenverschiebung wegen der großen Verkehrsschwierigkeiten dem 3. Armeekmdo. lediglich zur Erwägung anheimgestellt. Sollte sich dieses, hieß es in den von Mackensen am 13. erteilten Weisungen, im Sinne der Anregung von oben entschließen, so müßten die vom XIX. Korps bisher erkämpften Übergänge trotzdem unbedingt festgehalten werden. Aufgabe des Korps bleibe auch weiterhin die Sicherung der rechten Armeeflanke. Falls der Feind die Drinalinie räume, so sollten alle westlich der Kolubara stehenden Kräfte sofort vorgehen. Die Gruppen Streith und Sorsich wären dann gegen Šabac zu vereinigen und hätten mit Teilen des XIX. Korps den Vormarsch in der Richtung Ub—Lazarevac fortzusetzen.

Noch am 13. Oktober erhielt das XIX. Korps durch den GdI. Kövess den Auftrag, nur die zum Festhalten des erkämpften Bodens nötigen Kräfte in den beiden Saveschlingen von Progar und Boljevci zurückzulassen, mit den anderen Truppen aber auf der Kriegsbrücke über die Zigeunerinsel an den Westflügel der 3. Armee heranzurücken. Der Feind sollte im Glauben gelassen werden, bei Skela und Zabrež starke Kräfte vor sich zu haben, weswegen auch die Verschiebung zu verschleiern war. Ferner wurden die Gruppen Streith und Sorsich sowie die westlich der Kolubara verbleibenden Kräfte des XIX. Korps im Sinne des erwähnten Heeresgruppenbefehles angewiesen, auf Ub—Lazarevac vorzustoßen, falls der Serbe die Drinafront räumte oder schwächte. Daß er dagegen den Übergang bei Visegrad weiter verteidigen würde, um Užice zu decken, mußte angenommen werden; die 62. ID. hatte jedes Abziehen der dort kämpfenden feindlichen Kräfte zu verhindern.

i) Serb. Gstb. W., X, 4.

Alle diese Maßnahmen trugen der Vorstellung Rechnung, daß auch der Feind Truppen aus Nordwestserbien abziehe, um die von Belgrad und von Semendria südwärts weichenden Armeen zu verstärken. Das XXII. RKorps und das VIII. Korps wurden daher erinnert, daß es sich darum handle, die Linie Arangjelovac—Kovačevac so bald wie möglich zu erreichen. Die über Belgrad anrückenden Truppen des XIX. Korps sollten hinter dem rechten Flügel der Hauptkraft nachfolgen und deren Flankenschutz in der Linie Obrenovac—Lazarevac übernehmen.

Trotz dieses drängenden Befehles und obwohl die Serben ihre Front in der Nacht auf den 14. Oktober vor dem ganzen Ostflügel der 3. Armee Zurücknahmen (S. 221), brachte dieser Tag keinen wesentlichen Raumgewinn. Die Kossava hatte sich noch nicht gelegt, der ganze Nachschub über die Save stockte; so blieb das XXII. RKorps stehen. Das VIII. Korps schob sich am Vormittag ein Stück nach Süden vor und klärte auf. Die Belgrader Armeegruppe hielt die Höhen südöstlich von Sremčica, die das umliegende Hügelland um 200 m überragende Kuppe der Avala sowie die Höhen zwischen Leštani und Grocka stark besetzt und suchte den Gegner durch Artilleriefeuer von ihren neuen Stellungen fernzuhalten. GdI. Kövess entschloß sich, den Hauptstoß mit drei Divisionen (44. und 43. RD. sowie 59. ID.) in der Richtung über den Petrov grob und über Vrčin zu führen. Er bestimmte die Linie Avalahöhe—Bahn östlich Ripanj als Grenze zwischen den Vorrückungsräumen des XXII. R- und des VIII. Korps und forderte gründliche artilleristische Vorbereitung des Angriffes auf den Avalaberg, der nötigenfalls auch von der 43. RD. im Sturm genommen werden sollte. Die deutsche 26. ID. stand für diesen Angriff noch nicht zur Verfügung, da sie bis zum Einlangen des XIX. Korps die rechte Flanke sichern mußte. Am linken Flügel des VIII. Korps sollte sich die 57. ID. zunächst nur an den Feind heranschieben.

Dieser Absicht stimmte das Heeresgruppenkmdo. zwar zu, forderte aber, daß eine Seitenabteilung längs der Donau auf Grocka vorstoße, um den Wasserweg zur 11. Armee zu öffnen. Denn die Armee Gallwitz hatte noch immer keine sichere Brückenverbindung mit dem Nordufer, da die Serben die Donau zwischen Semendria und Belgrad nach wie vor beherrschten. Das bei Pancsova angesammelte Brückenmaterial konnte daher nicht herangeführt, der Nachschub zur 11. Armee wegen des Kos-savasturmes nur mittels dreier kleiner Dampffähren kaum zureichend durchgeführt werden1). Mit zunehmender Spannung blickte das Heeresgruppenkmdo. nach dem linken Flügel der 3. Armee.

a) Schwärt c, Der deutsche Landkrieg, II, 344f.; Rcgenaucr, 1103.

Am 15. Oktober schritt Kövess zum Angriff gegen die Avalalinie. Die Kossava war noch immer nicht abgeflaut. Sie peitschte die Donau zu so hohen Wellen, daß die Monitoren nicht in den Kampf am Ostflügel der 3. Armee eingreifen konnten. Auch der Verkehr über die Save war am 15. fast vollkommen unterbunden; die Kriegsbrücken waren überflutet und die Fähren bedroht. Dadurch wurde der Uferwechsel der mittlerweile vom XIX. Korps bei Surčin eingelangten Gruppe GM. Reinöhl (20. LstGb- und 205. LstlBrig.) einstweilen unmöglich.

Trotz dieser ungeheuren Schwierigkeiten war aber die Stimmung der Truppen und der Führer zuversichtlich. Am 14. hatte man die Nachricht erhalten, daß die Bulgaren zum Angriff übergegangen waren. Daher konnte die serbische Nordfront nur mehr von den noch westlich der Kolubara stehenden Truppen Zuzug erhalten. Gegen diese Gefahr schützte die 26. ID. bei Zeleznik die Angriffsfront, auf deren rechtem Flügel die 44. RD. am 15. vorgeschobene serbische Kräfte über die Höhen beiRušanj in leichten Kämpfen zurück drückte; die 43. RD. gewann noch am Vormittag Pinosava. Mühsame Angriffsarbeit wurde unterdessen durch die Infanterie der k. u. k. 59. ID. verrichtet. Die schweren Batterien des VIII. Korps konnten gegen die Avalahöhe nicht rechtzeitig in Stellung gebracht werden, weil der anhaltende Regen alle Wege tief aufgeweicht hatte; für einen Teil der Artillerie mußte der zeitraubende Umweg über Belgrad in Kauf genommen werden. Obwohl die schweren Geschütze am

15.    nicht mehr zur Wirkung kamen, rang sich dennoch die 9. GbBrig. bis zum Nachmittag unter dem serbischen Flankenfeuer an den Nordfuß des Avalaberges und an den Südrand von Beli Potok heran; die 18. GbBrig. konnte erst bei Einbruch der Dunkelheit auf gleiche Höhe vorgehen. Am

16.    im Morgengrauen wollte GM. Hrozný die Avalastellung stürmen.

Bei der 57. ID. sollte am 15. die 2. GbBrig. auf dem Ostflügel die Höhe lV2km südwestlich von Ritopek nehmen und gegen Grocka aufklären. Die 6. GbBrig. hatte zur Verbindung mit der 59. ID. zunächst nur ein Bataillon vorzusenden. Als die 2. GbBrig. bei Ritopek nur schwachen Widerstand fand, entschloß sich FML. Goiginger, den Angriff bis auf die Höhe -cj>- 300 (nördlich von Zaklopača) fortzuführen und in den Raum, der sie von der 59. ID. trennte, die ganze 6. GbBrig. einzuschieben. Da diese Brigade jedoch erst am Abend Leštani erreichte, mußte sich die in der linken Flanke ungeschützte 2. GbBrig. mit dem erzielten Bodengewinn begnügen.

Als die Armee Kövess am 15. mit dem Angriff auf die Avalalinie begonnen hatte, hoffte Gen. Zivkovic noch, den Gegner auf Belgrad zurückwerfen zu können. Der Angreifer sollte durch einen Stoß der MorD. II, die bereits an den linken Flügel der Belgrader Verteidigungsgruppe herangezogen worden war (S. 221), über Železnik in der Westflanke gefaßt und gleichzeitig von der TimD.IIund den anderen Truppen in der Front bedrängt werden1). Allein dieser Plan ließ sich nicht verwirklichen. Einmal hatte sich das deutsche XXII. RKorps am 15. von den serbischen Hauptstellungen noch ferngehalten, und dann erhielt Zivkovic in der Nacht auf den 16. den Befehl, die MorD.II wegen der Lage an der bulgarischen Front sofort zur Timokarmeegruppe nach Niš zu entsenden. Tags darauf brach das deutsche XXII. RKorps zum Angriff vor. Die 44. RD. erstürmte die bewaldete Höhe des Petrov grob, während die 43. RD. an der Westflanke der Avala nach Süden vordrückte. Dieser Raumgewinn kam auch der weitgedehnten 26. ID. zustatten. Der vor ihr stehende Feind zog südwärts ab, und die Division rückte ihm bis über Sremčica und auf die Höhen nordöstlich von Pećani nach. Hinter dem rechten Flügel des XXII. RKorps folgte die Gruppe GM. Reinöhl, die mit dem Abflauen der Kossava am 15. früh auf das südliche Saveufer herangezogen worden war. Ferner wurde die im Donausicherungsdienst freigewordene Brigade GM. Mrázek bei Belgrad überschifft und die Brigade GM. Haustein hinter das VIII. Korps geschoben; solcherart war Sorge getragen, beim Austritt aus der Save- und Donauschleife beide Flügel der Angriffsfront verlängern zu können. Der Ostflügel konnte übrigens schon in allernächster Zeit mit der Unterstützung der Flottille rechnen, deren eine Monitorendivision bereits vor Pancsova lag.

Auf dem rechten Flügel des VIII. Korps setzte GM. Hrozný am 16. die 59. ID. erst am Vormittag zum Sturm auf den Avalaberg an, da die Artillerie zu ihrer Vernichtungsarbeit gegenüber der starken Stellung der Serben noch einige Zeit benötigte. Nach hartem Ringen entriß die 9.GbBrig. am Nachmittag dem Feinde eine Vorkuppe und den Rücken südöstlich von Beli Potok. Dagegen konnte weiter links die 18. GbBrig. wegen Flanken-und Rückenfeuers über den Nordostausgang von Zuce nicht hinauskommen. Nun bemühte sich die 9. GbBrig., unterstützt durch den Rest der Divisionsreserve, die Südkuppe der Avala zu nehmen; dies gelang jedoch nicht, da die zugewiesene schwere Mörserbatterie wegen zahlreicher Blindgänger im aufgeweichten Boden nicht die erhoffte Wirkung erzielt hatte.

Aber der Verlust des Petrov grob sowie der starke Druck der 43. RD. westlich an der Avala vorbei zwang die Serben, auch diese Höhenstellung und die östlich anschließende Front in der Nacht zu räumen. Am 17. Ok

i) Serb. Gstb.W., XI, 45 ff.

tober erreichten in der Verfolgung des geschlagenen Feindes die 26. ID. Vk. Mostanica, die 44. RD. die Höhen -<>- 294 und A337 und die 43. RD. die Eisenbahnstation Ripanj. Das VIII. Korps folgte den Serben erst während der Dämmerung über den Avalaberg und über die Höhenlinie hinaus, die sich nördlich von Zaklopača hinzieht. Eine entlang der Donau über Grocka entsendete Aufklärungsschwadron fand den Weg südöstlich des Ortes noch versperrt. Das 3. Armeekmdo., das um Mittag die Verfolgung befahl, nahm wohl an, daß sich der Feind erst an der Ralja zu abermaligem Widerstand stellen werde. Doch wurden noch im Verlaufe des Tages zwischen Grocka und Ripanj neue Stellungen aufgeklärt, an denen die Serben eifrig schanzten. Da man diese Front stark besetzt wähnte, wurden die ermüdeten Divisionen mit Einbruch der Dämmerung angehalten, um einen nächtlichen Kampf zu vermeiden.

Mit demErreichen der gewonnenen Linien hatte sich die Armee Kövess den Austritt aus der großen Stromschleife südlich von Belgrad erzwungen. Die Serben hatten in diesem siebentägigen erbitterten Ringen um das bastionsartig gegen die Donau und die Save vorspringende Bergland wohl zum Gegenstoß wider die offene gegnerische Westflanke angesetzt (S. 224), mußten aber in letzter Stunde infolge der Bedrängnis an ihrer Ostfront darauf verzichten. In zäher Verteidigung hatten die serbischen Truppen vor der 3. Armee große blutige Verluste erlitten und zahlreiche Gefangene eingebüßt; aber auch der Sieger hatte keinen geringen Tribut leisten müssen. So verzeichnete das k.u.k. VIII. Korps 658 Tote und 6299 Verwundete, das XXII. RKorps 524 Tote und 2320 Verwundete.

Das Vordringen der Armee Gallwitz beiderseits der

Morava (13. bis 17. Oktober)

Die Armee Gallwitz war bisher südlich von Semendria und von Požarevac in verlustreiche Kämpfe verwickelt worden (S. 215), bei denen die Nachschubsorgen eine besonders hemmende Rolle spielten. Noch ohne Brückenverbindung, konnte bei neuerdings heftig einsetzender Kossava das Übersetzen des umfangreichen, viele Pferde und Fahrzeuge, aber wenig Mannschaften zählenden Trosses und der Munitionskolonnen nur äußerst mühsam vor sich gehen. So waren unter anderem am 13. Oktober früh vom IV. RKorps einige schwere Batterien, alle Munitions- und Ver-pflegstrains, die Reitpferde aller Truppenführer sowie Teile der Artilleriebespannung noch auf dem Nordufer der Donau. Die Verbände der deutschen 11. Armee kämpften daher mit nur notdürftigst bespannter Artillerie und mit geringer Munition gegen einen überaus hartnäckigen Feind. GdA. Gallwitz erklärte sich also am 13. Oktober einverstanden, daß sein rechter Flügel, das III. Korps, das ihm aufgetragene Vorgehen auf schob; auch führte er die ermüdeten Truppen des IV. RKorps an diesem Tage nicht mehr über die Schanzen vor Požarevac, obwohl eine günstige taktische Lage erreicht war und die Stadt von den Serben bereits geräumt wurde. Auch vom deutschen Ostflügel setzte sich der Feind ab. Nur vor dem rechten Flügel hielt sich die von der bulgarischen Grenze herangeführte ŠumD.I hartnäckig, um nicht Flanke und Rücken der südlich von Belgrad kämpfenden Heeresabteilung preiszugeben. Obwohl das III. Korps wider diesen zähen Feind im unübersichtlichen Gelände bisher nur schrittweise vorzudringen vermocht hatte, wurden in den folgenden Tagen die Höhen südwestlich und südlich von Semendria erstürmt und die Serben bis auf die nördlichen Talhöhen der Ralja zurückgedrängt. Auch die Armeemitte, das IV. RKorps, stieß über Požarevac dem langsam weichenden Feinde gegen Süden nach. Vor dem X. RKorps räumten die Serben erst am 14. Oktober ihre Höhenstellungen auf der Lipovača, und am 16. wurden sie aus ihren Befestigungen südlich von Smoljinac vertrieben.

Am 17. Oktober aber wirkte sich die rückgängige Bewegung der Serben vor der 3. Armee auch vor dem rechten Flügel der Armee Gallwitz aus. Die ŠumD.I war im Abzüge auf die Höhen südlich der Ralja. Das III. Korps folgte bis an den Fluß; anschließend erreichte das IV. R-Korps eine Linie südlich von Požarevac und das X. RKorps, in der linken Flanke durch Seitenhuten gedeckt, nach hartnäckigem Kampfe die Gegend südlich von Makci.

Durch das Absetzen des rechten Flügels von der Donau und durch die jüngsten Fortschritte bei den anderen Teilen war die 11. Armee in eine einheitlich nach Süden gerichtete Linie gelangt; außerdem ermöglichte das Abflauen der Kossava nunmehr einen befriedigenden Nachschub. Damit waren endlich sowohl taktisch als auch technisch die Grundlagen für ein geschlossenes Vorgehen der ganzen Armee gegeben, und GdA. Gallwitz zögerte nicht, seine Streiter zum allgemeinen Angriff aufzurufen. Wie bedrohlich der deutsche Vorstoß beiderseits der Morava für die Gesamtlage der Serben war, zeigt der Entschluß ihrer Heeresleitung vom 13. Oktober, die Nordfront neuerdings auf Kosten der Ost-und Westfront zu stützen: die Kavalleriedivision der 2. Armee und ein Infanterieregiment der Uzicegruppe wurden nach Aleksandrovac (südlieh von Požarevac) befohlen und am 16. Oktober im Abschnitte der neugebildeten Kavalleriebrigade (S. 217) in die Front geschoben. Diese Schwächung der Ostfront kam aber wieder den Bulgaren zugute.

Das Eingreifen der Bulgaren (14. bis 17. Oktober)

Hiezu Beilagen 12 und 13

Am 11. Oktober führten die Bulgaren im Nordwestwinkel ihres Landes mit serbischen Sicherungstruppen einen Grenzzwischenfall herbei, um Grund zum Beginn der Feindseligkeiten zu haben, nachdem Serbien schon zwei Tage vorher die diplomatischen Beziehungen zu Bulgarien abgebrochen hatte. Die Regierung zu Sofia erklärte nunmehr, daß Bulgarien herausgefordert worden sei und sich im Kriegszustand mit Serbien befinde. Am 14. Oktober schritten daher die beiden bulgarischen Armeen zum Angriff. Die 1. Armee, GLt. Bojadjieff, die dem Oberbefehl Mackensens unterstellt war (S. 190), wurde angewiesen, mit der Masse der 6. ID. das befestigte Zaječar zu nehmen und mit einer Nebengruppe über Negotin vorzugehen, um durch Säuberung des Donauufers den Stromweg freizumachen. Die 8. und die 9. ID. sollten über Knjaževac auf Niš vorstoßen, während die 1. ID. zunächst das befestigte Pirot zu nehmen hatte, um dann im Einklänge mit der Hauptkraft der Armee zu manövrieren. Die bulgarische 2. Armee, Gen. Todoroff, die der bulgarischen Heeresleitung unterstellt blieb (S. 190), hatte in das Vardartal vorzustoßen, um die Bahnlinie nach Saloniki möglichst bald zu unterbrechen.

Während der ersten Kämpfe auf den hohen Grenzrücken der Stara und der Vidlic planina, wo der Südflügel der Timokarmeegruppe (Šum-D.II) und die serbische 2. Armee die Abwehr übernommen hatten, bemächtigte sich am 15. Oktober die Hauptkraft der bulgarischen 1. Armee der Übergänge südöstlich von Knjaževac (Sv. Nicolai -fr 1444) und südöstlich von Pirot, kam aber, durch Regen, Schnee und Nebel behindert, in den folgenden Tagen nur wenig vorwärts. Auch die nördliche Flügelbrigade der 1. Armee konnte den Hochwasser führenden Timok bei Negotin erst am 16. Oktober überschreiten und hatte noch am 20. den südlich dieses Ortes durch die Negotiner Gruppe geleisteten zähen Widerstand nicht zu überwinden vermocht, während die beiden anderen Brigaden der 6. ID. östlich der Feste Zaječar von der serbischen KombD. überhaupt noch auf bulgarischem Boden festgehalten blieben. Dagegen verzeichnete die 2. Armee im mazedonischen Grenzgebiete, das nur durch schwächere serbische Kräfte verteidigt wurde, bedeutenden Raumgewinn. Schon am 16. Oktober stießen die Bulgaren bis an das an der Grenze zwischen der 2. Armee und dem Kommandobereiche Neuserbiens gelegene und nur schwach besetzte Vranje durch, womit die Bahnverbindung nach Saloniki unterbrochen war1). Die 3. ID. besetzte bereits Kriva Palanka, während die 7. ID., die über das schwer gangbare Grenzgebirge in das Bregalnicatal gewiesen war, Carevo-selo erreichte und mit ihrer Masse über Pehcevo vordrang. Unterdessen hatte die Kavalleriedivision, die östlich von Kjustendil vereinigt imd bereitgestellt worden war, nach Carevo-selo nachzurücken und nach der Einnahme von Kočana durch die 7. ID. an den Vardar bis Veles vorzustoßen2).

Lage und Führerentschlüsse bei Freund und Feind

Mitte Oktober

So groß die Fortschritte der Verbündeten auf allen Teilen des Kriegsschauplatzes auch waren, so standen die Serben doch noch immer zwischen der 11. und der 3. Armee. Allerdings war es bei der gegenseitigen Annäherung dieser beiden Armeen trotz der Verseuchung der Donau durch Minen in der Nacht zum 15. geglückt, zwei armierte Dampfer und einen Minensucher nach Semendria durchzubringen. In der folgenden Nacht gelang wieder ein Transport, und am 17. wurde eine Schleppschiffbrücke zur 11. Armee gefahren. Allein solange der Donauweg nicht völlig geöffnet war, konnten weder den Bulgaren noch den Türken Munition und Waffen auf dem Wasserwege zugeführt werden, woran beide Bundesgenossen großen Mangel litten3). Auch war dadurch, daß der linke Flügel der 3. Armee in dem schwierigen Berggelände südlich von Belgrad unter hartnäckigen Kämpfen eine Rechtsschwenkung ausführen und sich dabei ausdehnen mußte, um entlang der Donau der 11. Armee die Hand reichen zu können, das k. u. k. VIII. Korps begreiflicherweise zurückgeblieben. Dies wirkte aber verzögernd auf den rechten Flügel der 11. Armee ein, weil sich dieser dauernd gegen den noch in seiner Flanke stehenden Feind (Belgrader Armeegruppe) zu schützen hatte. Überdies war auf dem äußersten linken Flügel der Donaufront eine Einwirkung der schwachen Gruppe FML. Fülöpp nicht zu erwarten, so daß sich Gallwitz beim weiteren Vorgehen auch noch gegen das zu Über-

F e y 1 e r, Les campagnes de Serbie 1914 et 1915 (Paris), 96.

2) Nédeff, 7.

8) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 347.

raschungen wie geschaffene Bergland im nordöstlichen Serbien hin sichern mußte, was weitere Kräfte verschlang. Da jedoch die Entente bei Saloniki täglich neue Kräfte ans Land warf und ein baldiges Eingreifen dieser Hilfstruppen an der serbischen Front doch noch nicht ausgeschlossen war, mußte auf Seite der Mittelmächte und ihrer Verbündeten eine möglichst rasche Entscheidung angestrebt werden.

Schon am 13. Oktober hatte GdI. Falkenhayn der k. u. k. Heeresleitung vorgeschlagen, die 3. Armee durch Truppen aus der italienischen Front zu verstärken. Drei Tage später bat auch GM. v. Seeckt, die Landsturmbrigaden 205, 206 und GM. Schwarz durch eine vollwertige Infanteriedivision zu ersetzen. Da auch bereits GM. Konopicky das Steckenbleiben des XIX. Korps auf die geringe Leistungsfähigkeit der Landsturmtruppen zurückgeführt hatte, fanden die Vorschläge des deutschen Bundesgenossen in Teschen vorbereiteten Boden. Am 17. verfügte die Heeresleitung den Austausch der 206. LstlBrig. durch die 10. GbBrig., die von der Isonzofront heranzuführen war. Weitere Kräfte von der italienischen Front abzugeben, lehnte GO. Conrad ab. Doch gedachte er die ursprünglich zur Ablösung der 17. ID. bestimmte 3. ID. (S. 166) für den Balkankriegsschauplatz zur Verfügung zu stellen. Da aber die Russen Mitte Oktober zu neuen Angriffen schritten, konnte auch diese Division einstweilen nicht freigemacht werden. So mußte sich Falkenhayn in der Befürchtung, das Vorgehen in Serbien könnte eine Verzögerung erleiden, selbst helfen und das bereits aus Tirol in die Vogesen rollende Alpenkorps zur Heeresgruppe Mackensen abdrehen.

Indessen wurde das serbische Hauptquartier zu Kragujevac von schweren Sorgen bedrückt. Schon am 13. Oktober, an dem zu jeder Stunde die Nachricht vom Vormarsche der Bulgaren einlangen konnte, mußte der greise Woiwode Putnik auf seine neuerlichen Hilferufe vom französischen Militärattache Obst. Fournier erfahren, daß Gen. Sarrail keineswegs gesonnen sei, seine eben gelandeten Truppen paketweise nach Norden zu führen, sondern daß er vorerst ihre Versammlung abwarten wolle. Denn es war sein Plan, die französisch-englische Armee erst nach gründlicher Vorbereitung in das weg- und hilfsmittelarme mazedonische Kampfgebiet gegen den Südflügel der Bulgaren vorzusenden. Den Serben hingegen wurde empfohlen, sich mit aller Kraft einer Vereinigung der Heeresmacht Mackensens mit jener der Bulgaren entgegenzustemmen1).

Tags darauf begann der Angriff der Bulgaren, der just auf seinem Südflügel rasch entscheidende Erfolge brachte. Die serbische Heeres-

x) F e y 1 e r, 89 £.

leitung sah sich deshalb gezwungen, ihre Ostfront zu verstärken. Vom westlichen Flügel der Belgrader Armeegruppe (S. 224) wurde die MorD.II am 16. Oktober zur Timokarmeegruppe befohlen und durch drei Bataillone der Sokolbrigade verstärkt. Das Krajinadetachement, bisher bei der 3. Armee, hatte nur schwache Kräfte (zwei Bataillone und eine halbe Batterie) an der Donau zu belassen und nach Verstärkung durchTeile der zur Auflösung bestimmten Negotiner Gruppe die Richtung von Te-kija zu decken, während deren andere Teile in den Verband einer neuen Knjaževacer Gruppe traten. Die Vlasinagruppe wurde durch ein Kavallerieregiment der 2. Armee und durch ein Infanterieregiment der 3. Armee auf Divisionsstärke gebracht; sie sollte als heeresunmittelbare „Südliche Morava-Gruppe“ den Raum bei Vranje vom Feinde säubern, um die durch die Bulgaren unterbrochene Bahnlinie nach Saloniki für die dort gelandeten Ententetruppen zu öffnen. Da diese jedoch noch nicht schlagfertig waren und voraussichtlich auch nicht mehr rechtzeitig im Kampfraume an der Donau eingreifen konnten, Mackensen dagegen bereits im Begriffe war, seine Hauptkräfte gegen Mittelserbien zusammenzuführen, mußte Woiwode Putnik rechtzeitig die Folgerungen aus dieser bedrohlichen Lage ziehen. Schon am 15. Oktober wies er die 3. Armee und die Belgrader Armeegruppe an, bei einem aufgezwungenen Rückzuge die Morava aufwärts und über Natalinci (20 km östlich von Arangjelovac) zurückzuweichen, indes sich die 1. Armee über die Kolubara auf Arangjelovac und auf Grn. Milanovac zurückzuziehen und die Westflanke der Hauptkräfte zu decken hätte. An geeigneten Abschnitten sei der Vormarsch des Gegners aufzuhalten, um Zeit für die englisch-französische Hilfe zu gewinnen. Die Užicegruppe hatte vor Višegrad auch weiterhin standzuhalten.

Im Sinne dieser Weisungen der serbischen Heeresleitung nahm Gen. Živkovič seine arg hergenommenen Truppen ln der Nacht auf den 17. aus der schon durchbrochenen Avalalinie (S. 224) auf die Höhen südlich von Vranic (fr-191), nördlich von Parcani und südöstlich von Vrčin (A290) zurück. Nun gab es auch für die in Nordwestserbien stehende

1. Armee kein längeres Ausharren mehr. Woiwode Misić rief die in der Mačva und bei Obrenovac haltenden Kräfte (DonD.II und DrinD.II) über die Kolubara mit der Absicht nach Lazarevac, sie dann dem von Belgrad südwärts vordringenden Gegner in die Flanke zu werfen. Zur Sicherung des Rückzuges sollten Nachhuten der DrinD.II an der Beljanica halten, während die Sokolbrigade zur Deckung der noch standhaltenden Užicegruppe vorläufig westlich von Valjevo zu verbleiben hatte.

Der Vorstoß gegen Mittelserbien

(18. Oktober bis 6. November)

H i e z u B e i 1 a g e n 13, 14, 15 u n d 16

Vordringen der 3. und der 11. Armee bis auf den Kosmaj und bis an die Jasenica (18. bis 22. Oktober)

Während die Hauptkraft Mackensens den zurückweichenden Serben nachdrängte, hatte sich auch FML. Sorsich entschlossen, bei Drenovac neuerlich anzugreifen, um den dort gewonnenen Brückenkopf zu erweitern (S. 218). Wegen der fortschreitenden Überschwemmung nahmen aber die technischen Vorbereitungen einen solchen Umfang an, daß der Angriff immer wieder hinausgeschoben werden mußte. Als die Gruppe Sorsich endlich am 17. vorstieß, fand sie nur mehr geringen Widerstand und rückte am 18. bis Pričinovič (5 km westlich von Drenovac). Die bei Badovinci stehende Gruppe GM. Streith mußte am 16. die Kriegsbrücke über die Drina wegen des Hochwassers abtragen, um sie weiter flußabwärts neu einzubauen. Dadurch wurde die von den Serben bisher vollkommen abgeriegelte Gruppe Streith erst am 18. flott. Im Sinne der vom Heeresgruppenkmdo. am 13. erteilten Weisungen (S. 221) vereinigten sich nun Sorsich und Streith am 19. vor Šabac und besetzten tags darauf kampflos den Ort. Mit den abziehenden Serben war jede Fühlung verlorengegangen. Das 3. Armeekmdo. forderte noch am 20. die Vorrückung „im verstärkten Tempo“ gegen Ub und die Entsendung einer stärkeren Abteilung aller Waffen gegen Valjevo. Der Weitermarsch konnte jedoch erst für den 22. in Aussicht genommen werden, denn die ursprünglich nur für den Etappendienst ausgerüsteten Truppen litten recht empfindlich unter den ungeheuren Schwierigkeiten des Nachschubes. Zwar sollte von Klenak-Šabac ein besser geregelter Nachschub eingerichtet werden, als er durch die Mačva möglich war. Doch die Vorsorgen dafür waren unzulänglich und die notwendigen Aushilfen brauchten viel Zeit. Überdies hatten die Gefechte bei Drenovac der Gruppe FML. Sorsich 760 Streiter an Toten und Verwundeten gekostet, 200 Mann waren gefangen worden. Die Gruppe GM. Streith hatte bei Badovinci 600 Kämpfer eingebüßt.

Ähnlich erging es dem XIX. Korps. Nachdem FML. Trollmann die 20.LstGbBrig. und die 205.LstlBrig. nachWesten hatte verschieben müssen (S. 223), standen die 53. ID., GM. Pongrácz (17. GbBrig. und LstlBrig. Schwarz), im Brückenkopf von Progar, die 21. LstGbBrig. in jenem von Boljevci. Die 206. LstlBrig. war aus dem Savesicherungsdienst von der

Gruppe Sorsich abgelöst worden, um an den Isonzo abbefördert zu werden. Die in den überschwemmten Saveschlingen haltenden Truppen waren durch Cholera, Ruhr und Malaria heimgesucht worden. Als man am 17. vormittags des Rückzuges der Serben gewahr wurde, traten die arg hergenommenen Landstürmer die Verfolgung an. Krtinska war geräumt, Skela und Obrenovac wurden von feindlichen Nachhuten noch gehalten. Die geringe Schlagkraft der Nebengruppen der Armee Kövess ließ befürchten, daß die aus der Macva und von den Drinahöhen entronnenen Serben das südwärts vordringende XXII. RKorps über Ub — Lazarevac in der Flanke angreifen könnten. Mackensen erteilte daher am 17. der 3. Armee die Weisung, die neuangekommene 10. GbBrig. mit der 20. LstGbBrig. zum Vormarsch zu vereinigen und auch die 17. GbBrig. über Belgrad sowie die 21. LstGbBrig. über Obrenovac zur Hauptkraft der 3. Armee heranzuziehen. Zur Sicherung der Saveübergänge bei Progar und bei Boljevci sollte nur mehr die Brigade GM. Schwarz verwendet werden.

Am 18. vermochte sich die 21. LstGbBrig. aus der Saveschlinge von Zabrež bis an den Nordrand von Obrenovac vorzuarbeiten. Die zur Deckung der rechten Flanke des XXII. RKorps über die Große Zigeunerinsel vorgezogene Gruppe GM. Reinöhl erreichte am Abend mit der

20. LstGbBrig. eine Höhe südlich von Obrenovac; die westlich davon über die Kolubara führende Brücke war verbrannt. Schwächerer Feind war über den Fluß südwärts abgezogen; doch fand ein Bataillon der 205. LstlBrig. die nur teilweise abgebrochene Eisenbahnbrücke westlich von Obrenovac noch besetzt. Der Ort fiel der 21. LstGbBrig. erst in der Nacht auf den 19. in die Hand.

Unterdessen waren das XXII. RKorps und das VIII. Korps vor den neuen Verteidigungslinien des Gen. Zivkovic angekommen (S. 230). Die deutsche 26. ID. warf am 18. schwächeren Feind über Bacevac zurück und stand am Abend im Angriffe gegen die Höhe südlich des Ortes. Zu ihrem Flankenschutz hatte die Division an der Straße östlich von Vranic Truppen zurücklassen müssen, weil am Nachmittag stärkere serbische Kräfte auf eine Höhe nordwestlich von Vranic vorgerückt waren. Diesem Feinde sollten nunmehr Teile des XIX. Korps entgegenrücken. Links von der 26. ID. nahmen die 44. und die 43. RD. feindliche Vorstellungen in der Gegend südlich von Ripanj.

Beim VIII. Korps wurde am 18. die Vorrückung durch serbisches Geschützfeuer sehr erschwert; ein Teil der eigenen Artillerie konnte auf den immer schlechter werdenden Wegen erst im Abenddunkel vorgezogen werden. Bis dahin hatten sich die 59. und die 57. ID. kämpfend an die feindlichen Hauptstellungen herangeschoben, die über die Höhen nördlich von Ralja über A 290 auf die Erhebungen nördlich von Begal-jica verliefen. Da der rechte Flügel der 11. Armee (S. 226) am 17. Oktober bereits bis an die Ralja vorgedrungen war, obwohl der Ostflügel der Belgrader Armeegruppe noch an der Donau bei Grocka stand, forderte das Heeresgruppenkmdo. den ehesten Zusammenschluß der inneren Flügel der beiden Armeen. Daher wurde am äußersten Ostflügel der 3. Armee die LstlBrig. Haustein eingesetzt. Sie sollte noch am 18. über Grocka hinausgelangen. Um ihr vorwärtszuhelfen, hatte der Westflügel der Armee Gallwitz den noch immer an der Donau haltenden Feind im Rücken zu fassen. Wirklich stieß die Brigade Haustein bei Grocka durch und bemächtigte sich am Nachmittag, vortrefflich unterstützt durch das Feuer der Monitoren, der Höhe südlich des Ortes. Eine Landsturmhusarenschwadron schlug sich zu einer vom deutschen III. Korps zur Aufnahme der Fühlung mit der 3. Armee entsandten Abteilung durch.

Am 19. gedachte FZM. Scheuchenstuel den Angriff auf die serbischen Hauptstellungen anzusetzen, wobei die Brigade Haustein in Ausnützung ihres Erfolges flankierend eingreifen sollte. Demgegenüber nahm GdI. Kövess den Hauptstoß erst für den 20. Oktober in Aussicht, da das XXII. RKorps die Vorbereitungen für einen planmäßigen Angriff nicht früher vollendet haben konnte. Doch blieb es dem VIII. Korps freigestellt, schon am 19. anzugreifen. Um dem XXII. RKorps größere Bewegungsfreiheit nach Süden zu ermöglichen, sollte zum Schutze der rechten Flanke nunmehr das ganze XIX. Korps herangezogen werden. FML. Trollmann hatte seine Hauptkraft an das XXII. RKorps anzulehnen und eine Nebengruppe auf die Straße über Stepojevac zu entsenden. Die 21. LstGbBrig. war ehestens auf das östliche Kolubaraufer zu ziehen, die Masse der Brigade Schwarz hatte nach Obrenovac zu rücken.

Am 19. erreichte GM. Pongrácz mit der Hauptkraft der 53. ID. (20. LstGbBrig. und 205. LstlBrig. der bisherigen Gruppe GM. Reinöhl) kampflos den Ort Vranic und trat dort mit dem rechten Flügel des XXII. RKorps, der 26. ID., in enge Fühlung. Auch die Mitte dieses Korps, die 44. RD., schob sich etwas näher an den Feind heran, während die

43. RD. stehenblieb. Trotzdem entschloß sich GM. Hrozný, der Führer der östlich anschließenden 59. ID., zur Wegnahme einer feindlichen Vorstellung auf Höhe -c>- 316, die die Straße nach Ralja sperrte. Der bereits in Fluß gekommene Angriff der 59. ID. mußte jedoch wegen des starken Feuers der serbischen Geschütze wieder gebremst werden. Erst am Nachmittag begannen die Serben unter der Wirkung der schweren Batterien des VIII. Korps zu wanken; gegen Abend nahm die Division die von ihr angegriffenen Stellungen. Obwohl dieser Vorstoß und gleichzeitige Fortschritte auf dem rechten Flügel der 11. Armee ein Vorgehen der 57. ID. erheischten, blieb FML. Goiginger bei seinem Entschluß, erst am 20. vorzurücken. Er rechnete damit, daß die ihm noch gegenüberstehenden Serben ihre starken Befestigungen alsbald räumen müßten, weil sie bereits von zwei Seiten überflügelt waren.

Die deutsche 11. Armee erzwang sich am 19. Oktober mit dem

III.    Korps den Übergang über die Ralja bei Kolari und kämpfte mit dem

IV.    und dem X. RKorps anschließend bereits in der Linie Poljana—Kula. Dadurch sah sich Zivkovic in der rechten Flanke bedroht und ging in der Nacht auf den 20. auf die Höhenlinie zurück, die sich südlich von Lisovič, Parcani, Ml. Požarevac und Umčari hinzieht.

Vor Mitternacht war beim GdI. Kövess, der am 18. sein Hauptquartier nach Belgrad vorverlegt hatte, ein Befehl des Heeresgruppen-kmdos. eingetroffen, der die 3. Armee zu schnellem Vormarsch anwies. Vor allem sollte der linke Flügel des VIII. Korps verstärkt und rasch vorgeführt werden, damit der rechte Flügel der 11. Armee nicht mehr gezwungen sei, größere Teile zur Sicherung der Flanke zurückzuhalten, wodurch das Vorgehen der Armee Gallwitz aufgehalten werde. Anzustreben sei, am 20. mit dem linken Flügel des VIII. Korps womöglich Umčari zu erreichen.

In ungesäumt aufgenommener Verfolgung stieß die deutsche 26.ID. noch am 20. Oktober die TimD. II bis über den Rücken südlich von Lisovic zurück, die 43. RD. vertrieb serbische Nachhuten aus Parcani und bemächtigte sich am Abend der Höhen südlich dieser Ortschaft, während die 44. RD. bis auf die Höhe westlich von Parcani vordrang. Dieser bedeutsame Raumgewinn veranlaßte den FML. Trollmann, die 53. ID. zur Beschleunigung des Vorgehens anzueifern. Ihre Vortruppen säuberten denn auch im Verlaufe des Tages den Raum bis zum Unterlauf der Beljanica, der von den Nachhuten der DrinD. II besetzt war. Die Hauptkraft der 53. ID. gelangte am 20. bis in die Gegend bei und östlich von Konatice, der Rest des XIX. Korps war aber noch weit abgeblieben. Alle Brücken über die Kolubara und über die Tamnava waren von den Serben abgebrochen worden. Die 21. LstGbBrig., die bei Obre-novac über die Kolubara ging, konnte daher ihre Versammlung bei der Übergangsstelle erst am Abend vollenden. Die Brigade Schwarz rückte bis Obrenovac nach; die 17.GbBrig., die über Belgrad undjakovo nachgezogen worden war (S. 232), nächtigte in Ostružnica. Ein Großteil der Artillerie des XIX. Korps stand noch auf dem Nordufer der Save.

Beim VIII. Korps überschritt am 20. Oktober die 59. ID. den vom Feinde geräumten Höhenrücken nördlich des Ortes Ralja; anschließend erreichte die 57.ID. nach kurzem, heftigem Kampfe mit serbischen Nachhuten schon am Morgen die Höhe A290 (5 km südöstlich von Vrčin). Durch den Feind nicht belästigt, konnten beide Divisionen im Laufe des Nachmittags bis an die obere Ralja vorgeführt werden; die Brigade Haustein gelangte bis Umčari. Da Gallwitz die zahlenmäßig gleich starke serbische 3. Armee nach erbitterten Kämpfen zu beiden Seiten der Morava bereits bis in die Linie Vk. Krsna—Azanja—Golobok—Aleksandro-vac—Orljevo zurückgeworfen hatte, hoffte das 3. Armeekmdo., auf den Höhen südlich der oberen Ralja auf keinen nachhaltigen Widerstand zu stoßen. Falls dies zutraf, sollte am 21. bis in die Linie Sibnica—Höhe -<í>- 313 nördlich des Kosmaj—Vlaška—Dubona vorgerückt werden.

In der Tat zog sich die Armeegruppe Zivkovic bis zum 21. morgens auf die vorbereitete Kosmajstellung zurück, die in derselben Linie verlief, die Kövess als Vorrückungsziel angegeben hatte. Die aus der Mačva und von Obrenovac zurückbefohlenen Teile der serbischen 1. Armee waren mittlerweile bereits hinter der unteren Turija (DrinD.II) und bei Lazarevac (DonD.II) eingelangt. Ihnen folgte, von Norden kommend, das zur Deckung der rechten Flanke des XXII. RKorps bestimmte k.u.k. XIX. Korps. Am 21. nachmittags erreichte die Hauptkraft der 53. ID. unter leichten Kämpfen das Südufer der Beljanica und schob ihre Vortruppen an die untere Turija heran. Hinter der Division Pongrácz folgten die 21. LstGbBrig. und die 17. GbBrig.; GM. Schwarz führte seine Brigade bei Obrenovac über die Kolubara. Dagegen konnte die am Abend in Semlin eingelangte 10. GbBrig. (S. 229) wegen der Kossava noch nicht überschifft werden; auch bereiteten die Südoststürme der schweren Artillerie des XIX. Korps beim Übergang über die Save langen Aufenthalt.

Das XXII. RKorps war tagsüber an die neuen feindlichen Stellungen auf den Höhen beiderseits von Sibnica herangekommen. Das VIII. Korps überschritt ungehindert die Niederung der Ralja und faßte mit der 59. ID. bis zum Abend südlich von Vk. Sopot im Vorgelände des Kosmaj festen Fuß. Die 57. ID. warf südlich der Ralja serbische Vortruppen unter leichten Kämpfen zurück. Die weitere Vorrückung kam jedoch im heftigen Artilleriefeuer, das dem Angreifer von den Hängen bei Vlaška entgegenschlug, zum Stehen. Schlüsselpunkt der serbischen Stellung vor dem linken Flügel des VIII. Korps war die Höhe knapp östlich von

Vlaška. Weiter östlich verlief die feindliche Linie bis zur Erhebung A281 mit einer vortrefflichen Vorstellung nördlich von Dubona, die noch nach eingebrochener Dunkelheit vom ungarischen LstlR. 1 der Brigade Haustein dem Feinde im Sturme entrissen wurde.

Wie seinerzeit die Avalalinie in der Avalahöhe, so hatte auch die neue serbische Front in dem 624 m hohen Kosmaj einen mächtigen Mittelpfeiler. Für den 22. Oktober befahl GdI. Kövess den Angriff auf die Kosmajstellung. Das XXII. RKorps hatte mit möglichst starkem rechtem Flügel von Sibnica gegen Venčani durchzustoßen, das XIX. Korps diesen Angriff mit seinen vorderen Brigaden in der Flanke zu decken und mit den sonst verfügbaren Kräften den rechten Flügel des XXII. RKorps zu unterstützen; das VIII. Korps sollte seinen Schwerpunkt möglichst auf den linken Flügel verlegen. Diese letzte Bestimmung trug dem Umstande Rechnung, daß sich serbische Reiterei zwischen der 3. und der

11. Armee einzuschieben schien.

In der rechten Flanke des XXII. RKorps drängte am 22. Oktober die Division Pongrácz Vortruppen der DrinD.II unter kleineren Gefechten vom nördlichen Turijaufer zurück und setzte sich auf den Höhen knapp südlich dieses Baches fest. Die anderen, schon sehr ruhebedürftigen Brigaden des XIX. Korps, die 21.LstGbBrig. und die 17. GbBrig. sowie die Brigade Schwarz, blieben an diesem Tage noch außerhalb des Kampfbereiches, denn sie gelangten über den Raum südlich von Vranic nicht hinaus. Die 10. GbBrig. stand noch bei der Übergangsstelle an der Donau. Die Lage des XIX. Korps war in jeder Beziehung mißlich. Indes die zwei vorderen mit dem Feinde bereits kämpfenden Brigaden nur 6270 Gewehre zählten, kamen die nachrückenden Truppen nur sehr langsam vorwärts, denn die Artillerie und der Troß blieben auf den durch das andauernde Unwetter grundlos gewordenen Wegen stecken. So erschien eine vielleicht notwendige Entfaltung größerer Kampfkraft bei der bestehenden Tiefengliederung in den nächsten Tagen unmöglich. Daher beantragte FML. Trollmann beim 3. Armeekmdo., die Vorrückung wenigstens einen Tag einzustellen, um sein Korps aufschließen lassen zu können. Von einem Stehenbleiben konnte aber keine Rede sein; der Antrag wurde abgewiesen.

Am 22. Oktober entriß das XXII.RKorps der TimD.II in erbitterten Kämpfen nicht nur ihre hartnäckig verteidigten Hauptstellungen, sondern gewann noch darüber hinaus beträchtlich Raum. Schon bald nach Mittag tobte der Kampf um Sibnica. Im Laufe des Nachmittags gelang es, den Erfolg auszubauen; abends verlief die deutsche Front zwischen Arapovac und dem Südhang der Kosmajhöhe. Durch diesen wuchtigen

Vorstoß verlor das deutsche Korps fast jeden Anschluß; um ihn wiederherzustellen, nahm die 59. ID. ihren rechten Flügel zwar ein Stück nach Süden vor, blieb aber dennoch fast 4 km hinter dem linken Flügel der

43. RD. zurück.

Der Masse des VIII. Korps setzte der Feind auf den Höhen östlich des Kosmaj bis Dubona noch heftigen Widerstand entgegen; die 57.ID. beschränkte sich daher am 22. tagsüber lediglich auf Artilleriekämpfe, obwohl die links benachbarte deutsche 25. RD. auf dem rechten Flügel der 11. Armee den Angriff schon bis Azanja vortrug und eine deutsche Seitenhut Selevac besetzte. Der vor der k. u. k. 57. ID. stehende Feind war dadurch in seiner rechten Flanke bedroht. Da auch das XXII. RKorps neuerlich im günstigen Fortschreiten war (S. 236), durfte das VIII. Korps wohl hoffen, daß ihm ein verlustreicher Infanterieangriff auf die starken feindlichen Höhenstellungen wieder erspart bleiben würde, obwohl dieses „Abwarten des Erfolges beim Nachbar“ vom 3. Armeekmdo. als ein „Fehler“ bezeichnet werden mußte.

Auf dem äußersten rechten Flügel der Armee Kövess war es mittlerweile dem FML. Kaiser bis zum 14. Oktober gelungen, die mobile Festungsbrigade Obst. v. Dominie westlich von Višegrad und die 9. LstEtBrig., Obst. Edl. v. Spindler, bei Rogatica zu versammeln. Damit standen ihm zu dem für den 17. geplanten Drinaübergang neun Bataillone zur Verfügung; doch konnten die der neuzusammengestellten 62. ID. zugewiesenen schweren Batterien bis zu diesem Tage nicht herangeführt werden, so daß sich FML. Kaiser trotz des Drängens des 3. Armeekmdos. entschließen mußte, den Flußübergang abermals hinauszuschieben. Am 20. war die am Vorabend eingelangte schwere Artillerie endlich feuerbereit. Aber der nunmehr für den 21. angeordnete Vorstoß über die Drina mußte wegen des Hochwassers neuerdings um einen Tag verschoben werden.

Die serbische Heeresleitung hatte inzwischen am 19. Oktober die Weisungen für den schon angekündigten Rückzug der an der oberen Drina stehenden Užicegruppe und für ihr Zusammenwirken mit der nach Valjevo zurückgerufenen Sokolbrigade erlassen; die Zugangswege über Valjevo und Užice nach čačak waren von diesen Truppen zu verteidigen. Zur Sicherung der Übergänge bei Višegrad verblieben nur schwache Kräfte der Užicegruppe und die ihr nunmehr unterstellte montenegrinische (Donjo Vasojevic-) Brigade.

Bei der Armee Gallwitz, die am 21. Oktober die serbischen Stellungen in der Linie Golobok—Aleksandrovac (S. 226) angreifen sollte, ging es an diesem Tage nicht vorwärts. Beim rechten Flügelkorps wurde die

25. RD. im Dorfe Selevac in erbitterte Straßen- und Häuserkämpfe verwickelt, an denen sich auch die Frauen beteiligten. Während die Mitte der Armee sich auf Erkundungen beschränkte, wurde der linke Flügel heftig angegriffen. Denn hier bemühte sich Gen. Jurišic-šturm, mit der von der Belgrader Armeegruppe eingetroffenen MorD.II, die ursprünglich für die Ostfront bestimmt war, den Ostflügel der 11. Armee zu werfen; doch vergebens. Am nächsten Tage, am 22., erstürmten die deutschen Regimenter die Stellungen der serbischen 3. Armee bei Golobok— Aleksandrovac—Orljevo. Das deutsche III. Korps drängte in scharfer Verfolgung nach und gewann abends schon die Höhen nördlich und nordöstlich von Palanka; die geschlagenen serbischen Truppen, die ŠumD.II und die Kavalleriedivision, wichen über die Jasenica zurück. Dadurch und auch durch das Vordringen des XXII. RKorps auf Sibnica (S. 236) wurde die Aufstellung der Belgrader Gruppe neuerlich beiderseits überflügelt. Für Zivkovic gab es daher auch in der KosmajStellung kein Halten mehr. Noch am 22. abends ordnete er den ungesäumten Rückzug seiner Gruppe an die Kubršnica an, während der Woiwode Misić, der Führer der 1. Serbenarmee, die Masse seiner Streitmacht (DrinD.II und DonD.II) in die vorbereiteten Stellungen bei Arangjelovac zurücknahm. Hier und an der Jasenica sollte dem andringenden Gegner wieder standgehalten werden. Die Zugangswege über Lazarevac nach Rudnik in den Rücken der neuen Front hatten Teile der 1. Armee zu sichern, während die noch bei Valjevo haltende Sokolbrigade erst nach „aufgezwungenem Rückzug“ nach Grn. Milanovac auszuweichen hatte.

Unterdessen flammten auch bei Visegrad die Kämpfe abermals auf.

Für die Serben überraschend, begann am 22. Oktober zeitlich früh der Vorstoß der k. u. k. 62. ID. über die hochangeschwollene Drina. Südlich von Visegrad gelang es der 9. LstEtBrig., zwei Bataillone ungefährdet zu überschiffen, dagegen erlitt die bei der zerstörten Straßenbrücke und weiter nördlich angesetzte Brigade Obst. Dominie schwere Verluste. Sie konnte bis 9hvorm. nur etwa 300 Mann übersetzen. Dann hob sich der Talnebel, und nun machte das heftige serbische Artilleriefeuer jedes weitere Überschiffen unmöglich. Im Verlaufe des Tages glückte es der

9. LstEtBrig. nach Abwehr mehrerer Gegenstöße, die südlich von Visegrad kämpfenden Montenegriner zurückzuwerfen. Gleich auf die Kunde von dem Zurückweichen der Montenegriner rief der Woiwode Misić alle noch auf den Drinahöhen kämpfenden Abteilungen der Užicegruppe gegen Užice zurück und befahl der montenegrinischen Brigade, auch die Verbindungen über Priboj—Nova varoš—Sjenica zu decken.

Die Kämpfe der Bulgaren vom 18. bis zum 22. Oktober

Auf dem Nordflügel der bulgarischen 1. Armee hatte sich die Lage der 6. ID. (S. 227) vor Zaječar wegen des nachhaltigen Widerstandes der Serben kaum verändert. Auch die Hauptkraft der Armee verzeichnete aus gleicher Ursache nur mäßigen Raumgewinn. Die 8. ID. konnte mit der Masse erst am 22. Oktober den angeschwollenen Timok nördlich von Knjaževac überschreiten, während ihr Südflügel nur bis vor die Stadt gelangte. Anschließend stand die 9. ID. östlich und südöstlich von Kamenka. Auf den Höhen östlich von Pirot kämpfte mittlerweile die 1. ID., von der eine Gruppe in der Richtung gegen Leskovac vorstieß.

Beachtenswertere Erfolge waren hingegen der bulgarischen 2. Armee beschieden. Bei ihr gelang es der 3. ID. am 18. Oktober, die serbischen Höhenstellungen westlich von Kriva Palanka zu nehmen, worauf sie gegen Kumanovo vordrang, das am 20. erreicht wurde. Am 22. Oktober stand die 3. ID. mit je einer Brigade bei Vranje und bei Skoplje, während ihre dritte Brigade gegen Bujanovac rückte, um von dort aus die Übergänge des Karadag zu sichern. Die 7. ID. erreichte nach äußerst mühsamen Märschen an diesem Tage Kumanovo. Die Kavalleriedivision hatte inzwischen schon am 19. Oktober Veles erreicht und die Verbindung mit einem Infanterieregiment der 7. ID. bei Strumica hergestellt, das mit Teilen in das Vardartal vorgedrungen war. Diese bulgarische Abteilung stieß am 22. Oktober bei Hudova auf die französische 156. ID., die Gen. Sarrail am 14. von Saloniki über Gjevgjeli vorgesandt hatte. Bei diesem Gefecht mißlang wohl der Versuch der Bulgaren, die den Franzosen als Nachschublinie dienende Bahn zu zerstören1). Aber auch die französische 156 ID. wagte wegen ihrer vereinzelten Lage noch nicht, durch das enge Vardartal weiter vorzustoßen. Zum ersten mahnte die zweifelhafte Haltung der griechischen Truppen zur Vorsicht, und dann war es der gleichfalls schon gelandeten englischen 10. ID. noch verboten, serbischen Boden zu betreten2).

Weniger günstig lagen die Kampfverhältnisse auf dem Nordflügel der Bulgaren bei Negotin. Die hier fechtende rechte Flügelbrigade der 1. Armee kam nicht vorwärts. Gen. Bojadjieff richtete nach Temesvár die Bitte, das Vorgehen der Gruppe Fülöpp bei Orsova möglichst zu beschleunigen. Da es auch im Interesse der 11. Armee lag, daß das unüber-

x) N é d e f f, 11.

2) L a r c h e r, La grande guerre dans les Balkans (Paris 1929), 84.

sichtliche Waldgebiet in ihrer offenen Ostflanke vom Feinde gesäubert wurde, ordnete das Heeresgruppenkmdo. zunächst die Verstärkung der Gruppe bei Orsova durch zwei Bataillone der 3.Armee an. FML.Fülöpp unternahm aber schon am 22. Oktober, ehe diese Verstärkung eingetroffen war, einen Übergangsversuch, der jedoch im serbischen Artilleriefeuer scheiterte, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil die rumänischen Scheinwerfer die Uferstellen beleuchteten und dadurch die Vorkehrungen der herangeführten deutschen schweren Artillerie verrieten1).

Maßnahmen der serbischen Heeresleitung und des Generals Sarrail bis zum 22. Oktober

Der bei Višegrad der Division Kaiser geglückte Drinaübergang verfehlte nicht, auf die serbische Heeresleitung nachhaltigen Eindruck zu machen. Sie forderte den montenegrinischen Waffenbruder auf, von den im Sandžak stehenden Truppen stärkere Verbände dem über die Drina vorstoßenden Gegner entgegenzuwerfen. Außerdem erbat sich der Woiwode Putnik eine weitere montenegrinische Brigade, um die Zugangswege vom oberen Tale der Westlichen Morava ins Becken von Novipazar zu sichern.

Zur gleichen Zeit wurden auch die in Mazedonien stehenden schwachen serbischen Kräfte durch die bulgarische 2. Armee arg bedrängt; desgleichen stand die Ostfront am Timok unter starkem gegnerischem Druck. Wegen all dieser mißlichen Umstände und wegen des Durchbruches der Deutschen auf Palanka (S. 238) sah sich Putnik gezwungen, den auf Arangjelovac—Svilajnac weichenden Nordarmeen am 22. Oktober vorbereitende Weisungen für einen etwaigen weiteren Rückzug zu geben. Hienach sollten die 3. Armee und die Armeegruppe Zivkovic, in deren Verband die ŠumD.II zu treten hatte, nötigenfalls in eine Stellung nördlich von Ćuprija—Jagodina—Kragujevac zurückgehen, während im Einklang damit die Masse der 1. Armee (DrinD.II und DonD.II) über Rudnik—Grn. Milanovac auf Kraljevo und die Užicegruppe mit der Sokolbrigade gegen čačak zurückzu weichen hatten2).

Zum Schutze der Landesmitte wollte also der Woiwode Putnik seine Hauptstreitkräfte in geschlossener Front den von Norden und Osten andringenden Feinden zur Schlacht stellen, um dem Hilfsheere der Westmächte noch eine letzte Frist zu erkämpfen, die es diesem ermöglichen

*) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 353.

2) Serb. Gstb. W., X, 248 f.

sollte, von Saloniki durch das Vardartal nach Niš und auf den Donaukriegsschauplatz zu gelangen und dort in letzter Stunde doch noch einen Umschwung der Lage herbeizuführen.

Doch auch Gen. Sarrail, der Führer der erst in Bildung begriffenen französisch-englischen „Orientarmee“, befand sich nach seiner am 12.Oktober in Saloniki erfolgten Ankunft in einer schwierigen Lage. Hatte er ursprünglich eine mit den Serben gemeinsam auszuführende Offensive gegen Sofia im Auge gehabt, so schrumpfte seine Aufgabe nach mehrfachen Abänderungen schließlich auf die „Sicherung der Verbindung zwischen Saloniki und Serbien gegen bulgarische Unternehmungen“1) zusammen. Wegen des raschen Vordringens der bulgarischen 2. Armee und des noch sehr geringen Truppenstandes der Orientarmee konnte Sarrail aber auch an die Ausführung dieses Auftrages nicht denken. Er begnügte sich, vorerst soweit als möglich im Vardartale vorzurücken, in der Absicht, die Serben durch örtliche Angriffe gegen die Bulgaren zu entlasten. Hiezu sollte die schon nördlich von Gjevgjeli stehende 156. ID. (S. 239) diesen Raum behaupten, indes die eben im Ausladen begriffene französische 57. ID. den Befehl erhielt, nach Krivolak vorzustoßen. Die englische 10. ID., die ihre Weisungen noch aus London erhielt, durfte zunächst nur wenig über Saloniki nach Norden vorrücken, um den Rücken der Franzosen zu decken.

Der erste E i n k r e i s u n g s ve r s u c h (23. Oktober bis 6. November)

Der Plan Mackensens

Am 22. Oktober hatten sich die Hauptkräfte der 3. und der 11. Armee jenem Abschnitte genähert, der am 29. September von Mackensen als erstes Angriffsziel bezeichnet worden war (S. 198 und Beilage 9). Der rechte Flügel der 3. Armee war auf Kanonenschußweite an Lazarevac herangekommen. Die Mitte stand auf einen Tagmarsch vor Arangjelovac und der linke Flügel 12 km vor Kovačevac. Die Armee Gallwitz kämpfte mit ihrem rechten Flügel sogar schon vor den Toren von Palanka, ihr linker etwa 10 km nördlich von Petrovac. Weitab von der gegen die genannten Orte vordringenden Hauptmacht Mackensens standen die mit den Truppen des GM. Streith vereinigte Gruppe Sorsich südöstlich von x) L a r c h e r, 84.

III    16

Šabac, die 62. ID. noch bei Višegrad. Im Südosten des Kriegstheaters mühte sich die bulgarische 1. Armee ab, die sich verzweifelt wehrenden Serben aus dem Timoktal und von Pirot zu verdrängen, indes die 2. Bulgarenarmee mit ihren Divisionen bereits Vranje, Kumanovo und Skoplje erreicht hatte; ihre Kavalleriedivision stand bei Veles. Die serbischen Nordarmeen nahm man im Hauptquartier Mackensens im abschnittsweisen Rückzug auf Kragujevac an. Die aus der Mačva und von Obreno-vac zurückgehenden Kräfte wurden im Raume Lazarevac—Lajkovac vermutet. Wie lange das serbische Ostheer noch vor den Bulgaren halten werde, stand dahin. Jedenfalls ließ die Umstellung der Serben im Dreiviertelkreis eine völlige Einkesselung möglich erscheinen, wenn alle Heeresteile der Verbündeten konzentrisch vorrückten. Eine sonderliche Störung dieses Manövers durch die von Saloniki vorrückenden Ententestreitkräfte

— den eingelaufenen Nachrichten zufolge eine englische und zwei französische Divisionen unter Gen. Sarrail — war zunächst noch nicht zu besorgen, da die Lage der 2. Bulgarenarmee zur Zeit derart günstig war, daß es möglich zu sein schien, die 7.ID. aus dem Kampfraume bei Kumanovo herauszuziehen, um sie entlang des Vardar gegen Süden zu wenden. Gegen einen wahrscheinlichen Vorstoß von Saloniki durch das Strumatal in der kürzesten Richtung auf Sofia sicherte sich die bulgarische Heeresleitung, indem sie die 2. ID. allmählich gegen das Strumatal verschob. Überdies war die im Raume um Sofia aus mazedonischen Flüchtlingen gebildete 11. ID. mit ihren ersten Staffeln bereits im Anrollen gegen Kjustendil.

GFM. Mackensen wollte sich denn auch diese große Erfolgsmöglichkeit nicht entgehen lassen. Am 22. abends befahl er den Generalen Kövess und Gallwitz: „Mit dem Ziel, die serbischen Hauptkräfte nach der Mitte des Landes zusammenzudrängen und dort entscheidend zu schlagen, setzen die Armeen ihren Vormarsch, wie folgt, fort: 3. Armee in die Linie Rudnik—Šatornja—Božurnija—Natalinci; 11. Armee in die Linie Sara-novo—Svila jnac—Subotica.“ Des weiteren wurde der 3. Armee auf getragen, „ihren rechten Flügel stark zu halten, um die Umfassung des Feindes von Westen, sei es nördlich oder bei Kragujevac, sei es im westlichen Moravatal, einzuleiten“. Das XIX.Korps sollte hiebei auch fernerhin die Flanke der 3. Armee decken und hiezu über Lazarevac—Moravci gegen Grn. Milanovac vorgehen, indes die westlich der Kolubara von Šabac auf Valjevo angesetzte Gruppe Sorsich dem Korps Trollmann als weitere Seitendeckung zu dienen hatte. Der 62. ID. verblieb die Aufgabe, von Višegrad auf Užice vorzustoßen. Die 11. Armee wieder sollte ihren linken

Flügel möglichst bald auf Ćuprija vorgehen lassen, um dem rechten Flügel der Bulgaren die Hand zu reichen. Da in der Donauschleife südlich von Orsova noch immer feindliche Abteilungen hielten, stellte Mackensen für den linken Flügel der 11. Armee neue, allerdings erst heranzuführende Kräfte in Aussicht. Die bulgarische 1. Armee wurde angewiesen, mit der Mitte (8. und 9. ID.) unentwegt gegen das Moravatal vorzudringen, um den vor Zaječar und Pirot fechtenden Divisionen (6. und 1. ID.) vorwärts zu helfen.

Die nächsten Kämpfe der Verbündeten wurden daher geführt, um sich den Eingang in das Becken der Westlichen Morava zu erzwingen, an dessen Rändern man einen entscheidenden Widerstand erwartete.

Vordringen der 62. ID. östlich von Visegrad (23. bis 28. Oktober)

Am 23. Oktober konnte zwar der bei Visegrad gewonnene Brückenkopf von der 62. ID. etwas erweitert und von den Pionieren eine Brücke über die hochangeschwollene Drina geschlagen werden. Auch vermochte FML. Kaiser am 25. ein Bataillon in das Tal des Rzaw bis Dobrunj vorzuschieben. Allein während sich die Serben von den Höhen östlich von Visegrad gegen Užice zurückzogen, erhielten die südlich der Stadt fechtenden Montenegriner die 1. Sandžakdivision als Verstärkung (S. 238). Wegen des dort sich fühlbar machenden kräftigeren Widerstandes beschloß FML. Kaiser, zur Sicherung des Vorstoßes auf Užice zunächst die 6 km südöstlich von Visegrad sich erhebende Suha gora (1128) zu nehmen und die Montenegriner aus seiner Flanke an den Lim zurückzutreiben. Auch dem kommandierenden General in BHD., GdI. Sarkotić, war die Gefahr nicht entgangen, die der 62. ID. von Süden her drohte. Er schlug deshalb am 24. dem k.u.k. AOK. einen Vorstoß der Gruppen GM. v. Vuchetich und Obst v. Zhuber von Goražde über die Drina hinweg gegen den Lim vor. Einen Mißerfolg dieser schwachen, ungenügend ausgerüsteten Kräfte besorgend, lehnte das AOK. den Antrag wohl ab, befahl aber, die Gruppe Obst. Zhuber zum unmittelbaren Flankenschutz der 62. ID. über Visegrad auf Uvac und Rudo anzusetzen. Demgegenüber machte GdI. Sarkotić geltend, daß vor allem der Feind von der Bahn Ustiprača—Visegrad vertrieben und die gesprengte Eisenbahnbrücke bei Megjegja hergestellt werden müsse, denn sonst könne der Nachschub für stärkere, über Vardište gegen Osten vorstoßende Kräfte nicht gesichert werden. So erwünscht dem GO. Conrad die Öffnung des Schienenweges bis Vardište auch war, beharrte er dennoch auf seinem Befehl, die Gruppe Obst. Zhuber zur Vertreibung der im Raume nördlich des Lim die Verbindungen der 62. ID. bedrohenden Montenegriner sogleich über Višegrad heranzuführen. Teilunternehmen an der Strecke Ustiprača—Megjegja durch die Gruppe Vuchetich oder durch andere Truppen sollten dem Landeschef Bosniens unbenommen bleiben.

Das Beharren des AOK. in der Frage der Verwendung der Gruppe Obst. Zhuber trug den mittlerweile eingetretenen Ereignissen Rechnung. Am 27. Oktober waren nämlich die Montenegriner zum Angriff gegen die Südflanke der 62. ID. übergegangen. Der Feind wurde jedoch abgeschlagen und die Suha gora von der 9. LstEtBrig. im Sturme genommen. In Fortsetzung des Gegenstoßes versuchte FML. Kaiser am 28., die Montenegriner gegen den Lim abzudrängen. Die linke Flanke wurde durch Grenzjäger vor Vardište gegen ein nördlich von Mokragora befindliches serbisches Infanterieregiment gedeckt. Der Angriff der 62. ID. stieß aber auf hartnäckigen Widerstand. Es gelang zwar unter heftigen, bis zum Morgen des 29. andauernden Kämpfen, südlich von Dobrunj Fortschritte zu erzielen, aber den Montenegrinern flössen von Foča Verstärkungen zu, und sie setzten sich auf den nächsten Höhen wieder fest.

Abgesehen von diesen zum Schutze der rechten Flanke notwendigen Unternehmungen, wurde die Division Kaiser auch durch das Stocken jeglichen Nachschubes bei Višegrad festgehalten. Die Trainfuhrwerke standen noch westlich der Drina, die so stark gestiegen war, daß die Brücke in der Nacht zum 28. abgebrochen werden mußte. Es konnte nur der allerdringendste Bedarf mittels eines Seilzuges über die Lücke in der steinernen Straßenbrücke nachgeschafft werden. Von einer regelmäßigen Verpflegung war daher keine Rede mehr. Dazu kam die schlechte Witterung. Auf den Bergen lag bereits Schnee, was die einer Winterausrüstung entbehrenden Landstürmer bitter empfanden.

Die Kämpfe der 3. Armee bei Arangjelovac (23. bis 25. Oktober)

Im Sinne der von Mackensen am 22. erteilten Weisungen (S. 242) wurden bei der k. u. k. 3. Armee die neuen Vorrückungsziele gegeben. Das VIII. Korps hatte mit dem linken Flügel entlang der Linie Vk.Krsna— Kusadak—Natalinci, das XXII. RKorps über Arangjelovac und beiderseits der von Progoreoci nach Rudnik führenden Straße vorzugehen, während das XIX. Korps westlich davon über Lazarevac und durch das

Ljigtal gegen Grn. Milanovac ausholen sollte. Das XXII. RKorps hatte seine Hauptkraft auf dem rechten Flügel zu halten und damit zu rechnen, daß es nach dem Erreichen der Linie Rudnik—Šatornja seine drei Divisionen über Rudnik gegen Grn. Milanovac zu führen haben werde. Den Vormarsch wollte GdI. Kövess so gestalten, daß alle drei Korps die Linie Banjani—Rudnik—Natalinci gleichzeitig erreichten; die Gruppe Sorsich sollte zur selben Zeit einen Tagmarsch über Valjevo hinausgelangt sein.

In Wirklichkeit konnten aber diese Absichten nicht durchgeführt werden. Das noch stark in die Tiefe gegliederte XIX. Korps (S. 236) mußte vorerst im Hinblick auf einen möglichen Flankenstoß der noch im Raume Lazarevac—Lajkovac vermuteten serbischen Kräfte (DrinD.II und DonD.II) zusammengeschlossen werden (S. 221). Die Division Pongrácz (205. Lsti- und 20. LstGbBrig.) verblieb daher am 23. auf den Höhen südlich der unteren Turija, die 17. GbBrig. in Borak; die 21. LstGbBrig. und die LstlBrig. GM. Schwarz marschierten südwärts in den Raum von Stepojevac. Das Abflauen der Kossava ermöglichte der 10. GbBrig. (S. 235) endlich den Übergang über die Donau und das Nachrücken bis Ostružnica. Über Ub wurde mit der Gruppe Sorsich, die am 23. nach überaus beschwerlichen Märschen auf den tief aufgeweichten Wegen ohne Troß die Gegend von Banjani erreichte, die Verbindung hergestellt. Die Aufklärer des XIX. Korps meldeten den Raum diesseits der Kolubara zwischen Lajkovac und Slovac vom Feinde frei.

Auch vor dem östlichen Armeeflügel, der am 23. mehr als 10 km nach Süden vorrückte, hatten die Serben die Nacht zum Abzüge benützt. Das XXII. RKorps gewann kampflos die Höhen bei Venčani und östlich davon, die 59. ID. des VIII. Korps die Gegend westlich von Megjulužje. Die 57. ID. warf am Morgen nach kurzem Kampfe schwache Nachhuten, erreichte weiter unangefochten Kovačevac und Vk. Krsna. Die LstlBrig. Haustein wurde als Korpsreserve auf einer Höhe südlich von Vlaška belassen, die LstlBrig. Mrázek als Armeereserve nach Gjurinac vorgezogen. Der große Raumgewinn der Hauptfront der 3. Armee am 23. hatte beim Stillstand des XIX. Korps eine bedeutende Rechtsschwenkung zur Folge gehabt. Für den 24. wurde dem XXII. RKorps und dem VIII. Korps die Linie Lazarevac—Arangjelovac—Ratari als Ziel gegeben, die Armeereserve nach Vk. Mladenovac gewiesen.

FML. Sorsich blieb am 24. mit seiner Gruppe stehen, um die abgebliebenen Trains herankommen zu lassen. Als er dann zum Vormarsch mit der Hauptkraft gegen Valjevo, mit einer schwächeren Kolonne über Ub angewiesen wurde, entschloß er sich, wegen der schlechten Wege nur mit einer nach Süden vorgeschobenen Seitenabteilung geradenwegs auf Valjevo zu marschieren, mit der Masse aber diesen Ort über Ub zu erreichen, wohin schon der Nachschub eingeleitet worden war. Dafür sprachen auch die Aufklärungsergebnisse, wonach die Serben Valjevo bereits am Vortage geräumt hatten.

Das XIX. Korps fand bei seiner Vorrückung am 24. das Vorgelände von Lazarevac vom Feinde frei und rückte mit der 20. LstGbBrig. entlang der Kolubara unangefochten noch eine Wegstunde darüber hinaus. Seltsamerweise konnte auch weiter südwärts mit den Serben keine Fühlung gewonnen werden. Dagegen stießen die auf dem linken Flügel Trollmanns vorrückenden Truppen, die 205. LstlBrig. und die 21. LstGbBrig.,. dann das XXII. RKorps sowie die 59. ID. des VIII. Korps allenthalben auf die westlich von Progoreoci und über die Höhen knapp nördlich von Arangjelovac verlaufenden neuen Stellungen, die der Woiwode Misić mit dem Kern der serbischen 1. Armee (DonD.II und DrinD.II) hatte besetzen lassen.

Die auf dem linkenFlügel desKorps Scheuchenstuelvorgehende57.ID. gelangte am 24. unter leichten Kämpfen bis in die ihr als Tagesziel vorgezeichnete Linie Maskar—Ratari. Über die südlichen Talhänge der Kubršnica kamen jedoch die Aufklärer nicht hinaus. Hinter dieser Front hielten bei Topola und bei Natalinci größere Trainparks der Serben, die von den Fliegern der k.u.k. 3. Armee erfolgreich bombardiert wurden. Auch wußten die Flieger über lebhaftes Schanzen auf den Höhen beiderseits von Arangjelovac zu melden. Grund genug für den Beschluß des 3. Armeekmdos., den gegenüberstehenden Feind anzugreifen, ehe er seine neuen Stellungen auszubauen vermochte, und über sie hinaus bis in die Linie Dudovica—Topola vorzustoßen. Allerdings stand diesen Führerwünschen die traurige Tatsache entgegen, daß der Nachschub mit dem unentwegten Vorgehen nicht mehr Schritt halten konnte. Die technischen Truppen und Militärarbeiterabteilungen waren infolge des vollkommenen Mangels an Schotter und sonstigem Baumaterial auch bei Einsatz aller ihrer Kräfte nicht imstande, auf den durch das Regenwetter und durch den großen Verkehr in einen immer trostloseren Zustand geratenen und breiartigen Kotstreifen gleichenden Wegen *) andauernde Verbesserungen zu erreichen; nach jeder neuen Fahrt von Lastautos oder Trainwagen war die letzte Arbeit wieder zunichte. Die Fuhrwerke aller Art versanken bis zu den Achsen im Schlamm, und der Pferdeverbrauch steigerte sich in

x) GdA. v. B e r e n d t, Der General von der Artillerie bei einem Armee-Oberkommando (Artilleristische Rundschau, Berlin, Jhrg. 1928, 203).

beängstigendem Maße. Ähnliche Schwierigkeiten behinderten auch den Vormarsch der anderen Heereskörper. Bei der 11. Armee brauchte die Artillerie für einen Kilometer durchschnittlich eine Stunde1).

Unter solchen Verhältnissen bat das XXII. RKorps am 24. das 3. Armeekmdo., eine kurze Kampfpause einzuschalten. Doch Kövess gab der vorgebrachten Bitte im Hinblick auf die Gesamtlage nicht statt. Übrigens hoffte man, die erheblichen Schwierigkeiten des Nachschubes bald überwinden zu können.

Das 3. Armee-Etappenkmdo. war bemüht, die Vorbedingungen hie-für zu schaffen. Wohl war die gesprengte Eisenbahnbrücke über die Save zwischen Semlin und Belgrad trotz eifrigster Herstellungsarbeiten noch für längere Zeit unbenützbar, dafür überspannten aber drei Kriegsbrücken bei Semlin, Zabrež und Semendria die Grenzströme. Freilich war der Verkehr auf ihnen oft durch Stürme gefährdet und täglich' durch Stunden ganz eingestellt, wenn die für die Dampferfahrten nötigen Durchlässe geöffnet werden mußten. Immerhin war es aber möglich, auf diesen Brücken — der Bau einer vierten über die Große Zigeunerinsel war geplant — und mittels Dampffähren den Nachschub auf das südliche Ufer der beiden Ströme zu bewerkstelligen. Für den Weitertransport bis möglichst nahe an die Front war bei dem unbeschreiblich schlechten Zustand der Straßen und Wege die rascheste Nutzbarmachung der bestehenden Schienenwege dringend notwendig. Für das XIX. Korps, das auf Zabrež basiert wurde, kam die Schmalspurbahn im Tal der Kolubara in Betracht, die mit überschifftem Material wieder benützbar gemacht werden sollte. Man hoffte, am 28. Oktober Lajkovac zu erreichen. Von dort wollte man durch eine Pferdefeldbahn bis 2. November die Verbindung mit Lazarevac herstellen.

Eine zweite Pferdefeldbahn sollte von Grocka her bei Vk. Mladeno-vac die Vollbahn Belgrad—Vk. Plana erreichen, die als Nachschublinie für das VIII. Korps gedacht war. Vorläufig ging der Betrieb mit dem wenigen erbeuteten Material und überschifften Lokomotiven und Wagen nur bis Ripanj, da dort die Strecke durch die Sprengung der hohen Viadukte südlich des Ortes auf lange Zeit unterbrochen war. Bisher war es nur gelungen, südlich der Lücke mit Pferdezug täglich 70 Tonnen weiterzubefördern. Um diese auf 320 Tonnen steigern zu können, sollte eine zerlegte Lokomotive im Straßentransport herangebracht werden, falls es nicht möglich war, eine solche von Semendria über Vk. Plana nach Vk. Mladenovac zu leiten. In der Richtung über Arangjelovac schien selbst

!) Gallwitz, 408.

bei Versagen der von Vk. Mladenovac dorthin führenden Schmalspurbahn die Aufrechterhaltung des Nachschubes durch Lastautos und Pferdetrains verbürgt, mit denen man sogar bis über die Linie Boljkovci— Rudnik—Lužnice auszukommen hoffte.

Der deutschen Nebenetappe wurde die Mitbenützung der Vollbahnstrecke eingeräumt, was für das XXII. RKorps eine Schlagweite von 30 km über Arangjelovac hinaus ergab.

So setzte die 3. Armee am 25. Oktober früh ihre Vorrückung fort. Die Gruppe Sorsich erreichte mit ihrer rechten Seitenabteilung Valjevo ohne Kampf; die Masse gelangte, durch Brückenzerstörungen vielfach aufgehalten, nicht über Ub hinaus. Die westlich der Kolubara aufklärenden Landsturmhusaren des XIX. Korps übersetzten östlich von Lajkovac auf einer notdürftig hergestellten Brücke den Fluß und drangen bis Zupanjac vor. Da auch der Raum südlich davon vom Feinde frei war, wurde die Brigade GM. Schwarz nach Županjac befohlen. Ungehindert konnten am Nachmittag Sicherungen noch weiter nach Süden vorgeschoben werden. Die 21. LstGbBrig. drängte nach schwerer Angriffsarbeit den Feind von den Höhen südöstlich von Lazarevac zurück. Im Anschluß ostwärts schob sich die 205. LstlBrig. in die Gefechtslinie ein. Die übrigen Truppen des XIX. Korps erreichten Vreoci. Auf dem rechten Flügel des XXII. RKorps stand tagsüber die deutsche 26. ID. in schwerem Kampfe um Höhenstellungen südlich von Progoreoci, die die nach Rudnik führende Straße beherrschten. In den Kampf der Württemberger griff am Abend die Artillerie der rechts benachbarten 205. LstlBrig. unterstützend ein. Die 44. RD. eroberte feindliche Verschanzungen östlich von Progoreoci, Die 43. RD. nahm Arangjelovac und erreichte die Höhen südlich der Stadt, wohin Mišič seinen rechten Flügel (DrinD.II) abgebogen hatte.

Während das XXII. RKorps am 25. um den Besitz der von der serbischen 1. Armee hartnäckig verteidigten Wald-und Kuppenstellungen von Progoreoci und von Arangjelovac sehr schwer zu kämpfen hatte, war das k. u. k. VIII. Korps im fließenden Vorgehen. Am 24. Oktober hatte der rechte Flügel der Armee Gallwitz den Jasenicaabschnitt bei Palanka überschritten und die auf dem linken Flügel der serbischen 3. Armee fechtende ŠumD.II gegen die Rača zurückgestoßen. Dadurch sah sich Zivkovic abermals überflügelt und wich in der Nacht auf den

25. von der Kubršnica auf Natalinci—Topola zurück. Vor der 59. ID. des k. u. k. VIII. Korps standen aber am nächsten Morgen noch serbische Nachhuten östlich von Arangjelovac. GM. Hrozný wartete das für 10h vorm. angesagte Vorgehen der benachbarten deutschen 43. RD. nicht ab.

Er griff schon früh den Feind an und vermochte mit seinen tapferen Truppen, unterstützt durch deutsche Artillerie, bis auf das Südufer der oberen Kubršnica vorzudringen. Die 57. ID., die mit dem bereits gegen die Rača vordringenden deutschen III. Korps Verbindung hielt, gelangte am 25. ohne wesentliche Kämpfe bis an den Nordostrand von Topola und bis auf die Höhen nördlich von Natalinci.

Der zurUmfassung der Serben bestimmte rechte Flügel der 3. Armee begann somit gegen den linken Flügel zurückzubleiben. Das Oberkmdo. Mackensen drängte auf ein schnelles Vorgehen des XXII. RKorps. GdI. Kövess befahl für den 26. Oktober die Fortführung des Angriffes an der ganzen Front mit starkem rechtem Flügel. Dem FML. Trollmann wurde bedeutet, daß die Verlegung des Schwergewichts auf seinen Westflügel so lange nötig sei, als aus dem Raume südlich und südwestlich von Laza-revac Gefahr drohe. Dort vermutete man also noch immer bedeutende Kräfte der serbischen 1. Armee.

Verfolgung der Serben durch das Rudnikgebirge bis zum 28. Oktober

Woiwode Misić hatte unterdessen die Sokolbrigade aus ihrer Aufstellung östlich von Valjevo auf den Rudnikpaß befohlen, um die Straße nach Grn. Milanovac zu decken. Seine übrigen Streitkräfte, die DrinD.II und die DonD.II, wollte er aus den Wäldern der südlich von Arangjelo-vac aufragenden Höhe Venčac (A 675) dem vorgeprellten linken Flügel der k. u. k. 3. Armee entgegenwerfen, um diesen zurückzuschlagen. Allein die Lage der ŠumD.II zwang Živkovič zu weiterem Rückzug in das Quellgebiet der Rača. Daher mußte auch Misić am 26. unter dem Schutze zäh haltender Nachhuten hinter die obere Jasenica an den Nordrand des Rudnikgebirges zurückweichen.

Beim GdI. Kövess war am 26. vormittags ein Heeresgruppenbefehl eingetroffen, der die 3. und die 11. Armee zur Fortsetzung der Verfolgung anwies. Nächstes Ziel für die 3. Armee war die Linie Vujanhöhe (südlich von Grn. Milanovac)—Cerovac (an der Straße Arangjelovac— Kragujevac), für die 11. Armee jene von Vojinovac—Brzan—östliche Talhöhen der Morava bis Drenovac A 277. Zum Schutze der rechten Heeresflanke hatte sich das XIX. Korps zu staffeln und über Ivanovci rechts hinter dem XXII. RKorps zu folgen. Zu gleichem Zwecke war die Gruppe Sorsich nach Valjevo zusammenzuziehen. Mochte auch noch so sehr schnelles Vorgehen der beiden äußeren Flügel anzustreben sein, um die

Einkesselung der Serben bei Kragujevac zu erreichen, so durfte deshalb doch nicht die Mitte zurückgehalten werden. Denn durch scharfes Nachdrängen sollte es dem Feinde unmöglich gemacht werden, in neuen Stellungen sich zu geordnetem Widerstand einzurichten.

Bei der Gruppe FML. Sorsich rückten am 26. Oktober die beiden vorderen Brigaden Obst. Franz (früher Obst. Ybl) und GM. Schiess an die Kolubara auf Lajkovac—Slovac vor. Die Gruppe Streith wurde mit der Hauptkraft über Ub nachgezogen, ein Teil unter Obst. v. Hausser erreichte die Gegend nördlich von Valjevo, das schon am 25. von Vortruppen besetzt worden war (S. 246). Auch beim XIX. Korps erreichten die Brigaden die ihnen allerdings schon am 25. gesteckten Marschziele kampflos. Am 26. abends stand die 53. ID. (LstlBrig. Schwarz, 20. und

21. LstGbBrig.) beiderseits der Straße bei Dudovica; dahinter folgten die übrigen Truppen, die 10. und die 17. GbBrig. sowie die 205. LstlBrig., in der zweiten Linie. Die schlecht versorgten Truppen waren durch den Vormarsch schon stark hergenommen. Das Auf schließen der immer wieder abreißenden Fuhrwerkskolonnen schien geboten zu sein. Teile der leichten Artillerie waren erst im Laufe des Tages mit übermüdeten Pferden eingerückt; von der schweren Artillerie kam die letzte Batterie nur bis Železník. FML. Trollmann bat das 3. Armeekmdo. für den 27. neuerlich um einen Rasttag. Da das XIX. Korps nach den Befehlen des Heeres-gruppenkmdos. (S. 249) ohnehin in das Staffelverhältnis gewiesen war, schien die Gewährung der Bitte möglich.

Auf dem rechten Flügel des XXII. RKorps hatte die 26. ID. schon nachts den Serben eine Höhe.entrissen. Früh überrannte diese Division eine feindliche Nachhut und erreichte am Nachmittag Kalanjevci. Von der

44. und der 43. RD. wurde der Feind ebenfalls in erbitterten Kämpfen geworfen; die beiden deutschen Divisionen gewannen die Linie nördlich von Trešnjevica.

Beim VIII. Korps bestand am 26. die Neigung, den linken Flügel als Drehpunkt zu verhalten, da mit der allgemeinen Vormarschrichtung auf Kragujevac der 3. Armee eine Linksschwenkung vorgeschrieben war. Die 59. ID. hatte die Höhen westlich von Topola zu nehmen, die 57. ID. nur mit dem rechten Flügel ein Stück vorzugehen. Zur Verstärkung des rechten Korpsflügels wurde vom FZM. Scheuchenstuel die gesamte verfügbare schwere Artillerie (eine Kanonen- und vier Haubitzbatterien) bei der 59. Division vereinigt. Unterstützt durch die Artillerie der 57. ID., drang der von seiner Verwundung genesene FML. Šnjaric mit seiner Division bis an den Südrand von Topola vor. Auch die östlich davon vorgehenden Nachrichtenabteilungen der 57. ID. gewannen Raum. Die Brigade Haustein rückte nach Zagorica, die Brigade Mrázek nach Beljevac.

Alle drei Korps der 3. Armee standen am 26. Oktober abends in gerader, gegen Süden gekehrter Frontlinie aneinandergereiht. Diese durch das langsame Vorgehen des XIX. Korps erreichte Lage bedeutete zwar eine Verbesserung der bisherigen Gruppierung; im Sinne der Weisungen Mackensens mußte nun aber weiter auf eine Linksschwenkung hingezielt werden. Die befohlene Rückwärtsstaffelung des Westflügels konnte sich aus der Einschaltung des erbetenen Rasttages (S. 250) für das XIX. Korps von selbst ergeben. Auf diese Gruppierung hätte aber das 3. Armeekmdo. kein besonderes Gewicht mehr gelegt, da nach den Aufklärungsergebnissen der rechte Flügel nicht mehr bedroht zu sein schien. Eine gewisse Sicherung bot ja ohnehin die rechts hinausgeschobene Gruppe Sorsich.

FML. Sorsich hatte nach dem ihm erst am 27. Oktober früh zugekommenen Armeebefehl seine Gruppe „zunächst nach Valjevo zusammenzuziehen“. Die Ausführung dieser Weisung war bereits angebahnt; die Brigaden Streith, Franz und Schiess erreichten am 27. ihre Marschziele ohne Störung. Das Detachement Obst. Hausser wurde bis in die Gegend nördlich von Bačevci vorgeschoben. Reiterpatrouillen fanden die Straße bis halben Weges nach Rogačica von den Serben frei und stießen auf der Straße nach Užice erst südlich von Ražana auf eine kleine feindliche Abteilung.

Die Tätigkeit des XIX. Korps beschränkte sich am 27. darauf, Sicherungstruppen vorzutreiben; erst auf dem Rajacriicken wurden serbische Linien beobachtet. Den übrigen Truppen der 3. Armee brachte der 27.Oktober beträchtlichen Raumgewinn. Das XXII. RKorps sollte besonders auf dem stark zu haltenden Westflügel schnelles Vorgehen anstreben, um die Umfassung eines im Raume von Kragujevac standhaltenden Feindes zu erreichen, doch durften andrerseits weder die Armeemitte noch der Ostflügel aufgehalten werden. Diesen Weisungen gemäß drang das XXII. R-Korps am 27. im Kampf mit Nachhuten im Nordwestteile des Rudnik-gebirges bis in die Linie Rudnik—Šatornja vor. Auf dem rechten Flügel des k. u. k. VIII. Korps kam die Vorrückung erst im Laufe des Vormittags in Fluß, obwohl die Serben aus ihren Stellungen südlich von Topola schon in der Nacht abgezogen waren. Die Kamenica war durch Hochwasser plötzlich unpassierbar geworden, was eine Verschiebung der 59. ID. westwärts gegen den Oberlauf des Flusses notwendig machte; Truppen des XXII. RKorps waren wieder im Nebel zu weit ostwärts geraten, so daß es zu einer argen Vermengung der Verbände kam. Die 59. ID.

gewann schließlich im Anschluß an die 43. RD. bis an den Nordrand des Rudnikgebirges Raum. Die 57. ID. rückte östlich von Topola über die hochangeschwollene Jasenica und setzte sich, fast ohne auf feindlichen Widerstand zu stoßen, auf den Höhen südlich der Niederung fest. Vor der Front des VIII. Korps standen die Serben in starken Stellungen beim Orte Vlakča und weiter östlich in einer Linie südlich der obersten Rača.

Am 27. Oktober früh, als Kövess seine Hauptstreitkräfte gegen das Rudnikgebirge in Bewegung setzte, hatte nach viertägiger Unterbrechung der Regen wieder kräftig eingesetzt. Sogar kleinere Wasserläufe waren zu nicht unbeträchtlichen Hindernissen geworden; auf den tief aufgeweichten Straßen blieben Geschütze, Munitions- und Verpflegswagen stecken. Das XXII. RKorps meldete, daß vor einem Weitermarsche über die Linie Rudnik—Šatornja die Troßkolonnen erst anschließen müßten, wozu voraussichtlich zwei Tage notwendig seien.

Demgegenüber hielt es das 3. Armeekmdo. trotz aller Schwierigkeiten für möglich, die Vorrückung fortzusetzen, denn es hoffte, daß bei gründlicher Ausnützung der Vorräte des Landes die schwierige Verpflegs-lage wie bisher erträglicher gemacht werden könnte. Allerdings war nicht zu erwarten, daß die auf dem rechten Armeeflügel kämpfenden Truppen im Rudnikgebirge vom Lande zu leben vermöchten. Bei allem Bestreben, die Verfolgung in Fluß zu halten, durfte daher der Bogen nicht überspannt werden, was in dem vom GdI. Kövess für den 28. ausgegebenen Armeebefehl deutlich zum Ausdruck kam. Darnach sollten die vorderen Brigaden des XIX. Korps den Raum Banjani—Slavkovica erreichen, die anderen Truppen anschließen. Das XXII. R- und das VIII. Korps hatten nach Möglichkeit dem Feind an den Fersen zu bleiben und durch Aufklärungsabteilungen scharfe Fühlung mit ihm zu halten. Die Gruppe Sorsich sollte am 28. bei Valjevo verharren und südwärts aufklären.

Diese Absichten konnten nur den Beifall des Heeresgruppenkmdos. finden, denn man hatte gerade erfahren, daß die serbische Nationalbank und das Reichsarchiv noch kurz vor Unterbrechung der Eisenbahn von Nis nach Saloniki gebracht worden seien und von dort nach Monastir geleitet werden sollten, wohin auch die serbische Regierung zu übersiedeln gedenke. Im Hafen von Saloniki seien am 21. Oktober sieben englische und französische Transportdampfer mit vielen Truppen eingetroffen. Das Anrollen von Truppenzügen gegen die serbische Grenze dauere an1). Unter solchen Umständen schien gerade jetzt eine rasche Entscheidung bei Kragujevac geboten zu sein. Alle Kräfte mußten diesem

*) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 357.

militärisch wichtigen Punkte zustreben. Um die überangestrengten Truppen anzuspornen, ließ GFM. Mackensen verlautbaren, daß die Vereinigung der 3. und der 11. Armee mit der ihm unterstehenden bulgarischen 1. Armee bereits vollzogen sei (S. 243); alle drei Armeen seien im besten Fortschreiten, die Donauflottille liege vor Orsova zum Vorbrechen über das Eiserne Tor bereit. Einer Anerkennung der Leistungen des k.u.k. VIII. Korps wurde die Erwartung weiterer Anspannung beigefügt; dem XXII. RKorps wurde eröffnet, daß ein zweitägiger Stillstand ausgeschlossen sei und die Nachschubschwierigkeiten überwunden werden müßten. Das XIX. Korps sollte, nach rechts hinten gestaffelt, auf Grn. Milanovac vorrücken. FML. Sorsich hatte mit seiner Hauptkraft von Valjevo über Kozjerići vorzugehen, um mit der 62. ID. im Raume östlich von Užice Verbindung zu gewinnen. Eine Seitenabteilung war auf čačak zu entsenden. Von der durch das 3. Armeekmdo. in Teschen für Verfolgungszwecke erbetenen Reiterei waren in Belgrad eben drei Schwadronen des DR. 5 eingelangt; hievon wurden eine über Lazarevac zum XIX. Korps, die beiden anderen zur Gruppe Sorsich gesandt. Zu dieser sollten noch weitere sechs in Aussicht gestellte Schwadronen, das kombinierte Kavallerieregiment Obst. v. Bolla, gelangen.

Im Sinne der vom 3. Armeekmdo. bereits ergangenen Weisungen ließ FML. Sorsich am 28. seine Gruppe noch bei Valjevo stehen, um die Vorteile zerstreuter Gruppierung in dem an Lebensmitteln armen Gebiete ausnützen zu können. Am Nachmittag erreichte ihn der Befehl zum Vormarsch gegen Užice und čačak. Mit Rücksicht auf die Gefahren eines vollkommenen Abreißens des Nachschubes und wohl auch in der Hoffnung, den Betrieb auf der Bahn Zabrež—Valjevo bald eröffnen zu können, sollte jedoch Sorsich zunächst nur alle Vorbereitungen für den Vormarsch treffen, so daß über Befehl ohne Verzug angetreten werden konnte.