ÖSTERREICH-UNGARNS LETZTER KRIEG 1914-1918

HERAUSGEGEBEN VOM ÖSTERREICHISCHEN BUNDESMINISTERIUM FÜR HEERESWESEN UND VOM KRIEGSARCHIV

ERSTER BAND

DAS KRIEGSJAHR 1914

VOM KRIEGSAUSBRUCH BIS ZUM AUSGANG DER SCHLACHT BEI LIMANOWA-ŁAPANÓW

UNTER DER LEITUNG VON EDMUND GLAISE-HORSTENAU

BEARBEITET VON

EDUARD CZEGKA, MAXIMILIAN HOEN, RUDOLF KISZLING, VIKTOR MEDUNA-RIEDBURG, EDUARD STEINITZ, ERNST WISSHAUPT UND GEORG ZÖBL

ZWEITE AUFLAGE

MIT 27 BEILAGEN UND 56 SKIZZEN

/

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, Vorbehalten

Copyright 1930 by Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen in Wien

Einbandzeichnung von Rudolf Junk in Wien

Druck von Paul Kaltschmid in Wien

ZUM GELEITE

DAS WERK, dessen erster Band hiemit in die Hände des Lesers gelangt, wird den Anteil der alten österreichisch-ungarischen Wehrmacht im Weltkrieg 1914—1918 zu schildern haben. Es wird trachten, seiner Aufgabe streng sachlich, ohne Überschwenglichkeit, ohne Beschönigung, ohne Verdunkelung dessen, was geschah, und auch ohne Gehässigkeit gerecht zu werden. Solcherart vor allem berufen, tendenziös geschichtlicher und militärwissenschaftlicher Erkenntnis zu dienen, wird es dennoch oder — besser gesagt — eben deshalb gleichzeitig zu einem letzten Denkmal des gigantischen Heldenkampfes, den Österreich-Ungarns Wehrmacht mehr als vier Jahre hindurch ausgefochten hat, bis sie, noch überall auf Feindesboden, einem unerbittlichen Geschick zum Opfer fiel.

Wenn just wir Deutschösterreicher uns an diese Epopöe heranwagen, so hat dies vor allem seine Ursache darin, daß das Kriegsarchiv in Wien den militärischen Nachlaß des Habsburgerreiches zu verwalten hat. Dieser wissenschaftlichen Berufung gesellen sich jedoch auch ethische Impulse bei. Wir Deutschösterreicher haben uns — mit verschwindenden Ausnahmen — durch Jahrhunderte dem alten Reiche verbunden gefühlt wie kein zweites seiner Völker. Und wir sind auch noch im Weltkrieg, das dürfen wir bei aller Bescheidenheit und ohne Schmälerung anderer, gewiß hervorragender Leistungen sagen, an Entschlossenheit und Opfermut von niemand übertroffen worden. Mag der Abschluß dieser geschichtlichen Vergangenheit auch noch so tragisch gewesen sein, er kann uns nicht daran hindern, ihrer mit Stolz zu gedenken. Wohl bäumt sich unsere Generation noch gegen das unverdiente Schicksal auf, das sie zu Allerseelen 1918 ereilte. Spätere Geschlechter aber werden mit tiefer Ergriffenheit der Väter und Urväter gedenken, die anno 1914 voll hehrer Entsagung die große Prüfung auf sich genommen haben und vier Jahre nachher, um Tausende ihrer Besten beraubt, mit zerfetzten Fahnen und unbedankt, jedoch mit dem nie erlöschenden Ruhme, heimatlichen Boden vor Feindestritt bewahrt zu haben, in das eng und arm gewordene Vaterhaus zurückgekehrt sind.

Das junge österreichische Bundesheer hat in würdiger Selbstbesinnung die Pflicht auf sich genommen, das wissenschaftliche und moralische Erbe des deutschen Soldaten Altösterreichs zu hüten und zu wahren. Es war lediglich eine Erfüllung dieser Pflicht, wenn ich mich als Bundesminister für Heereswesen um das Werden des vorliegenden, mit Zustimmung des Bundeskanzlers Dr. Ignaz Seipel begonnenen Werkes nach Kräften annahm und wenn die Heeresverwaltung mitarbeitet und gemeinsam mit unserm Kriegsarchiv die Herausgabe besorgt. Diese wäre freilich unmöglich gewesen ohne die außergewöhnliche Förderung, die unser Plan innerhalb und außerhalb der Grenzen unseres Landes gefunden hat. Es war wahrhaft erhebend zu sehen, wie sich in diesen Zeiten bitterer wirtschaftlicher Not Tausende von Vorbestellern fanden, deren Opfermut die finanziellen Grundlagen zur Schaffung des Werkes sicherte. Ihrer sei an dieser Stelle in besonderer Dankbarkeit gedacht.

Wohl wissen wir, daß die Taten derer, die in den Jahren 1914—1918 an den österreichisch-ungarischen Fronten zu Lande, zu Wasser und in der Luft gekämpft, gelitten, Jugend, Kraft und Leben geopfert haben, eine ganze Bücherei zu füllen vermöchten. Der Rahmen des vorliegenden Werkes mußte selbstverständlich überaus eng gesteckt werden. Aber er soll doch hinreichen, dem Mitkämpfer den Kreuzweg in Erinnerung zu rufen, den ihn das Schicksal bis zum Golgatha des Niederbruches gehen hieß, und den Söhnen und Enkeln in groben, herben Umrissen ein Bild dessen zu geben, was ihre Altvorderen geleistet und erduldet haben. Mögen die Jungen aus dem Beispiele der Alten Mut schöpfen auf dem Wege mühseliger Arbeit, den sie mit Gottes Hilfe ihr neues, kleines Vaterland aufwärts führen sollen!

Wien, Weihnachten 1929

CARL VAUGOIN

Vizekanzler und Bundesminister für Heereswesen

VORWORT DER SCHRIFTLEITUNG

ZWECK UND ZIEL dieses Werkes werden durch das Geleitwort des Bundesministers für Heereswesen gekennzeichnet. Der Held der Tragödie, die vor dem Auge des Lesers entrollt wird, ist die zugleich mit dem alten Reiche in Trümmer gesunkene Wehrmacht ÖsterreichUngarns. Die Bühne, auf der sich diese Tragödie abspielt, sind die Schlachtfelder in Galizien und Polen, in Serbien und Albanien, am Isonzo, in Tirol und in Venetien. Mit dieser Feststellung ist auch der Stoff des Werkes gegenüber dem Organisationsgeschichtlichen, Politischen, Wirtschaftlichen und Sozialen abgegrenzt. Diese Gebiete sollen nur in dem Ausmaße gestreift werden, als es zum Verständnis des militärischen Geschehens, zumal des militärischen Zusammenbruches, unvermeidlich ist. Auf der eigentlichen Kriegführung wird das Schwergewicht der Darstellung liegen. Daneben soll aber doch auch der Kampf formen gedacht sein, ihrer durch die Kriegssęhauplatze bedingten Eigenart und der Wandlungen, denen sie durch die Einführung neuer Kampfmittel und durch Organisationsänderungen unterworfen waren. Und nicht zuletzt wollen die Verfasser, soweit es nur geht, dem Mahnruf gehorchen, der dem Kriegsgeschichtsschreiber auch in der Epoche des Materialkrieges immer wieder aus dem Schlachtenlärm entgegenhallt: über der Maschine des handelnden, siegenden, leidenden und sterbenden Kämpfers nicht zu vergessen.

Die Bearbeitung dieser bei aller Beschränkung noch genug umfangreichen Stoffgebiete wird, wie gleichfalls das Geleitwort des Heeresministers auseinandersetzt, durch das Gebot mit dem Raume zu sparen, in empfindlich enge Grenzen gezwängt. Die Darstellung der Gefechtshandlungen muß im allgemeinen bei der Division Halt machen, wenn auch mitunter Ausnahmen zugelassen sind. Die Nachteile, die daraus erwachsen, liegen auf der Hand. Sie sind allerdings auch von einem Vorteil begleitet. Da die Archive der einstmals feindlichen Armeen noch nicht zugänglich sind, sehen sich die Verfasser des vorliegenden Werkes vielfach allein auf die Literatur dieser Armeen angewiesen. Sie versagt in den Einzelheiten der Kampfführung fast noch überall, reicht aber immerhin aus, die Entschlüsse und Maßnahmen bis zum Korps oder zur Division einigermaßen aufzuhellen. Da auch auf österreichisch-ungarischer Seite nicht wesentlich über diesen Rahmen hinausgegangen wird, ist der Gesamtdarstellung eine gewisse Einheitlichkeit gesichert.

Von selbst versteht sich, daß die Hauptaufgabe des Werkes darin besteht, die Geschehnisse festzustellen und in geschichtlicher Treue wiederzugeben. Die wissenschaftliche Verantwortung liiefür tragen vor allem die im Vorworte genannten Verfasser; neben ihnen nur noch die Schriftleitung. Werturteile zu fällen wird im allgemeinen Sache des Lesers sein müssen, so er den Wunsch darnach hegt. Völlig läßt sich freilich bei aller Enthaltsamkeit die Kritik nicht aus der Darstellung bannen. Oft enthält auch schon die Art, wie Ereignisse angeführt werden, ein gewisses Maß von unvermeidlicher Kritik. Immer aber werden Verfasser und Schriftleitung in solchen Fällen dem Respekte Rechnung tragen, den jeder Entschluß, jede Tat eines Führers verdient, der unter der Augenblickseinwirkung großer, oft quälend ungewisser Eindrücke zu handeln hatte, und der zumal auch den Leistungen des Kämpfers auf dem Schlachtfelde entgegenzubringen ist, der unter furchtbarster Nervenanspannung den höchsten Einsatz, den des Lebens, wagen mußte.

In der Form wird sich „Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914-1918“ an die Beispiele halten, die das Kriegsarchiv in seinen früheren Werken gegeben hat. Wie in diesen soll dem Leser auch hier das fertige Ergebnis kriegsgeschichtlicher Forscherarbeit in zusammenhängender, geschlossener Darstellung geboten werden. Besondere Urkundenanhänge werden durch die Knappheit des Raumes verboten. Aus dem gleichen Grunde hieß es auf das Zitieren von im Kriegsarchiv aufbewahrten Akten zu verzichten, da sonst die Fußnoten den Text erdrücken würden. Ebenso war in der Anführung der benützten Literatur von Haus aus eine gewisse Beschränkung geboten. Übersichtskarten und Skizzen, die in reicher Zahl beigeschlossen sind, sollen dem Leser das Studium des Textes erleichtern. Gewisse Verschiedenheiten in den Ortsbezeichnungen sind auf die Mangelhaftigkeit der im Kriege erzeugten Karten zurückzuführen. Von Nachteil ist beim ersten Band der Mangel an statistischen Angaben, für die es in den Akten über diese Zeit keine ausreichenden Grundlagen gibt. Diesem Mangel soll in den folgenden Bänden abgeholfen werden.

Die Ereignisse zur See werden in einem Sonderbande dargestellt werden, der Ende 1930 fertig vorliegen wird.

Die Schriftleitung zum vorliegenden ersten Band über den Landkrieg hatten der Unterzeichnete und der Oberstaatsarchivar Gstbsobstlt. a.D. Kiszling inne. Ihnen standen zuerst Hofrat Oberst a. D. H ö d 1 und nachher Hofrat d. R. Oberst a. D. E h n 1 zur Seite. Das Einleitungskapitel „Rüstung zum großen Waffengang“ wurde vom Obstlt. Kiszling (Kriegsvorbereitungen und Mobilisierung), vom Unterzeichneten (Die Wehrmacht von 1914) und vom Major des Bundesheeres Dr. C z e g k a (Kriegsgliederung) bearbeitet. Der „Sommerfeldzug 1914 gegen Rußland“ hat den Obstlt. K i s z 1 i n g, der „Herbstfeldzug 1914 gegen Rußland“ den Hptm. des Bundesheeres Wisshaupt zum Verfasser. Die Schilderung des Balkankrieges übernahm der frühere Direktor des Kriegsarchivs, FML. a. D. H o e n, der dabei Studien des Gstbsobstlt. d.R.Mayern und für den Augustfeldzug auch eine ungedruckte Arbeit des Staatsarchivars Mjr. a. D. Dr. S t ö l l e r benützen konnte. In die Darstellung der Dezemberereignisse teilten sich GM. d. R. S t e i n i t z (Ereignisse in den Karpathen), Oberstaatsarchivar Gstbsobstlt. a.D. M e d u n a-R i e d b u r g (Schlacht bei Limanowa-Łapanów) und Hptm. Wi s s h au p t (Ereignisse nördlich von der Weichsel). Den Rückblick auf die Ereignisse, die sich von Mitte Sep' tember bis zum Ausklang von Limanowa-Łapanów abspielten, verfaßte der Unterzeichnete. Das Personen- und Truppenverzeichnis wurde vom Hofrat d. R. S ac ke n angelegt. Um die Herstellung der Beilagen und Skizzen bemühte sich Obst. des Bundesheeres Z ö b 1. Durch Übersetzung vermittelten GM. d.R. Spannocchi und Mjr. a. D. P i b 1 die Kenntnis russischer, Gstbsobstlt. a. D. Perčevič jene serbischer Werke. Die das Eisen-bahnwesenbetreffendenFragenbearbeiteteGen.d.R.Ing. Ratzenhofer. Die einzelnen Abschnitte wurden jeweils nach Möglichkeit den Armeeführern, deren Wirken sie behandeln, sowie maßgebenden Persönlichkeiten ihrer Umgebung vorgelegt. In den künftigen Bänden soll dieser Kreis beträchtlich erweitert werden. Wo es nicht möglich war, die Mitteilungen und Bemerkungen dieser Persönlichkeiten im Texte zu verwerten, wurden sie in wichtigeren Fällen in der Anmerkung angeführt. Für die überaus wertvolle Mitarbeit sei an dieser Stelle gedankt. Gleicher Dank gebührt dem Generalobersten d. R. S a r k o t i ć- L o v ć e n und dem Gen. d. R. Ing. Ratzenhofer, sowie dem Direktor des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Generalstaatsarchivar Dr. Bittner, für das große Entgegenkommen, das sie durch Durchsicht und Überprüfung des Textes bewiesen haben. Der Herausgabe des Bandes widmeten sich in verdienstvollster Weise der Leiter der Sektion I des Bundesministeriums für Iieeres-wesen, Gen. S c h i e b e 1, der Leiter des Verlages, Obst. des Bundesheeres Schubert, und — als bewährter druck- und verlagstechnischer Beirat der frühere Direktor der Staatsdruckerei, Hofrat G r ü n d i g.

Wien, Weihnachten 1929

Der Direktor des Österreichischen Kriegsarchivs GLAISE-HORSTENAU

VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE

Der rasche Absatz des ersten Bandes führt schon nach Jahresfrist zur Veranstaltung einer zweiten Auflage. In dieser sind Richtigstellungen und Ergänzungen, die aus dem Leserkreise angeregt wurden, soweit wie möglich verarbeitet. Erfreulicherweise waren tiefer greifende, das Wesen der Gesamtdarstellung berührende Änderungen nicht nötig.

An der Herstellung der Neuauflage hatte neben der Schriftleitung und den Verfassern der einzelnen Abschnitte der Oberst des Bundesheeres Zöbl maßgebenden Anteil.

Wien, Weihnachten 1930

Der Direktor des Österreichischen Kriegsarchivs GLAISE-HORSTENAU

INHALTSVERZEICHNIS

Seite

Zum Geleite.....................V

Vorwort der    Schriftleitung.................VII

Vorwort zur    zweiten Auflage................X

Rüstung zum großen Waffengang

Vorbereitungen im Frieden...........

3

3

10

15

15

18

26

26

37

47

58

62


Maßnahmen für die einzelnen Kriegsfälle......

Operations- und Aufmarschpläne........

Mobilisierung und Aufmarsch 1914.........

Das Kräfteaufgebot gegen Serbien und Montenegro .    .    .

Die russische Kriegsgefahr und die allgemeine Mobilisierung

Die Wehrmacht von 1914............

Aufbau und Schulung............

Österreich-Ungarns Völker in Waffen.......

Der österreichisch-ungarische Offizier.......

Das Armeeoberkommando.........

Kriegsgliederung...............

Der Augustfeldzug 1914 gegen Serbien und Montenegro

Vorgeschichte der österreichisch-ungarischen    Offensive........91

Der österreichisch-ungarische Aufmarsch für den Kriegsfall Balkan ...    91

Die Heeresleitung und das Problem des Zweifrontenkrieges.....93

Die Kriegsvorbereitungen der beiden serbischen Königreiche.....97

Serbiens Kriegsrüstung...............97

Montenegro..................101

Die Angriffsbefehle an die 5. und 6. Armee.........102

Gegenmaßnahmen der Feinde.............109

Die Kämpfe bis zum 20. August........................110

Der Übergang der 5. Armee über die Drina (12. bis 15. August) .... 110

Die Offensive gegen die Montenegriner (14. bis 17. August)......119

Untergang der „Zenta“..............120

Die Schlacht am Jadar (16. bis 19. August)..........121

Der Ausklang der östcrreichisch-ungarischen    Augustoffensive......134

Der Rückzug der 5. Armee und Meinungsstreit wegen Sabac (20. u. 21. August) 134

Die Gefechte bei Višegrad und Priboj (20. und 21. August)......139

Die letzten Kämpfe bei Sabac (21. bis 24. August)........141

Die Säuberung der Herzegowina (18. August bis 2. September).....145

Ergebnisse und Folgerungen................146

Der Sommerfeldzug 1914 gegen Rußland

Seile

\uim.u>die und Grenzgefechte...............155

Einleitende Maßnahmen des k.u.k. Armeeoberkommandos......155

Versammlung des öst.-ung. Nordheeres...........162

Bereitstellung und Fernaufklärung...........162

Die letzten Entschlüsse vor Beginn der großen Kämpfe.....168

Kriegsvorbereitungen, Aufmarsch und Angriffsplan des russischen Heeres 173

Der Nordstoß des österreichisch-ungarischen Heeres.........178

Der Sieg bei Kraśnik (23. bis 25. August)...........178

Die Maßnahmen der beiderseitigen Führung in den Tagen der Schlacht

bei Kraśnik................186

Einleitung der Schlacht bei Komarów '26. August;........189

Beginn der Schlacht vor Lublin (26. bis 28. August)........192

Fortführung der Schlacht bei Komarów (Kämpfe bei Zamość und Tomaszów,

27. und 28. August;...............197

Die Schlacht bei Złoczów...............204

Anordnungen für die Abwehr im Osten.........204

Die Begegnungskämpfe am 26. und 27. August........210

Schlußfolgerungen der Feldherren.............219

Die öst.-ung. Offensive auf dem Höhepunkt...........224

Die    Einkreisung    der    Russen bei Komarów (29. und 30. August)    ....    224

Die    Kulmination    der    Angriffe Dankls gegen Lublin und    die    Einnahme    von

Krasnostaw (30. August bis 1. September).........231

Der    Sieg bei Komarów (31. August bis 2. September).......234

Die    Schlacht an    der    Gniła Lipa (29. und 30. August).......242

Die Preisgabe von Lemberg.............249

Verlegung des Schwergewichtes der öst.-ung. Operationen gegen Lemberg (Die

erste Septemberwoche)................259

Beginn der russischen Gegenoffensive bei Lublin.........259

Mitte und Ostflügel der österreichisch-ungarischen Front um den 3. September 262

Die gleichzeitigen Maßnahmen der Russen.........264

Dankls Gegenwehr vor Lublin (4. bis 6. September)........265

Die Schlacht bei Rawa Ruska—Lemberg (6. bis 11. September)......269

Das Eingreifen der Armee Auffenberg (3. bis 7. September).....269

Der Südmarsch der k.u.k. 4. Armee...........269

Das Aufschwenken der 4. Armee bei Rawa Ruska (6. September) .    . 274

Die Rückendeckung durch die Erzherzogsgruppe.......277

Vom Flankenstoß zum Stirnkampf...........280

Der Angriff der 2. und 3. Armee über die Wereszyca (8. und 9. September) 284

Das Abwehrringen bei Rawa Ruska...........290

Das Zurückweichen der 1. Armee südlich von Lublin (1. bis 9. September , 294

Die Feldzugsentscheidung (10. und 11. September).........299

Feldherrenentschlüsse ................299

Allgemeiner österreichisch-ungarischer Angriff gegen Lemberg .... 302

Abbruch der Schlacht.................308

Der Rückzug an den San..............313

Seite

Der erste Feldzug Österreich-Ungarns gegen Rußland im Lichte der heutigen

Geschichtskenntnis.................321

Der österreichisch-ungarische Aufmarsch.........321

Der Angriffsplan Conrads.............324

Das Problem des Flankenschutzes gegen Osten.......326

Die Begrenzung des Nordstoßes............328

Für und wider die Schlacht bei Rawa Ruska—Lemberg.....330

Der Stoß auf Siedlec...............332

Das Ergebnis des Feldzuges.............335

Der Herbstfeldzug 1914 gegen Rußland

Die Feldzugspläne bei Freund und Feind............341

Vorbereitungen für den ersten gemeinsamen Feldzug der Verbündeten .    . 341

Fortführung des öst.-ung. Rückzuges nach Westgalizien und in die

Karpathen ................341

Die Bereitstellung für die neuen Kämpfe.........345

Einfall der Russen in Oberungarn...........348

Conrads Absichten um den 28. September.........349

Die Entstehung der „russischen Dampfwalze“.........351

Der Vormarsch der Verbündeten an die San-Weichselstrecke.......356

Die Monatswende September-Oktober 1914..........356

Die Bewegungen der Russen bis zum 2. Oktober.......359

Das Vordringen des Nordflügels der Verbündeten........361

Die Kämpfe bei Opatów und Klimontów (4. und 5. Oktober).    .    .    .    363

Die Kämpfe im San- und Weichselwinkel (6. bis 8. Oktober)    .    .    .    366

Die Operationen der 4. und der 3. Armee (4. bis 8. Oktober)    .    .    .    370

Der Karpathenübergang der 2. Armee (2. bis 7. Oktober)......373

Die Wiedereroberung des Uzsokpasses..........373

Die erste Belagerung und der Entsatz von Przemyśl.........378

Einschließung und Berennung der Festung durch die Russen.....378

Siegreiche Abwehr des gewaltsamen Angriffes derRussen(5. — 7.Oktober) 381 Anordnungen für den Entsatz    von    Przemyśl (7. und 8. Oktober)    ....    383

Rückzug der Russen von    der    Westfront der Festung......384

Das    Vordringen der 4. Armee    auf    Jaroslau (8. bis 11. Oktober)    ....    386

Der Entsatz der Festung Przemyśl durch die 3. Armee (8. bis 12. Oktober) 390 Das Vordringen der 2. Armee über Chyrów und gegen Stary Sambor (8. bis

10. Oktober) .................393

Die Vertreibung der Russen bei Turka..........394

Die Säuberung der Waldkarpathen (1. bis 10. Oktober).......395

Die 1. Armee zwischen dem 7. und 10. Oktober.........397

Die erste Phase der Schlacht bei Przemyśl und Chyrów (10. bis 23. Oktober) .    . 399

Die Kämpfe vom 10. bis 12. Oktober............399

Das Vorbrechen der 2. Armee bei Chyrów und Turka.....401

Halt südlich von Przemyśl und am San.........406

Die Entschlüsse der öst.-ung. Heeresleitung um den 12.    Oktober .... 408

Maßnahmen der Russen..............411

Seile

Fortführung des Angriffes südlich von Przemyśl bis zum Eingreifen des

k. u. k. III. Korps................413

Der Gegenangriff der russischen 8. Armee..........417

Vordringen der Gruppe GM. Hof mann auf Stryj.......424

Vergeblicher Vorstoß über den San............425

Entschluß zur Entsendung der 1. Armee über die Wcichsel.....430

Das Festlaufen des Angriffes der 3. und der 2. Armee (18. bis 22. Oktober) 435

Nachgeben des rechten Flügels am Karpathenrande......438

Der erste Vorstoß der Russen über den San (18. bis 23. Oktober) .    .    .    440

Die Schlacht bei Iwangorod (22. bis 26. Oktober)..........450

Der Angriff Dankls gegen die russische 4. Armee........450

Das Eingreifen der russischen 9. Armee und die Kämpfe am 23. und

24. Oktober................458

Das Ringen um die Entscheidung (25. bis 26. Oktober).......464

Der Rückzug der k.u.k. 1. Armee............467

Die zweite Phase der Schlacht bei Przemyśl und Chyrów (23. Oktober bis 2. November) ....................471

Das Ringen der 2. Armee zwischen dem 23. und 27. Oktober.....471

Entlastungsstöße beiderseits von Przemyśl (23. bis 28. Oktober) .... 476 Fortdauer der Kämpfe am unteren San (23. bis 26. Oktober) .... 479 Neuerliches Vordringen der 2. Armee (23. Oktober bis 2. November) .    .    .    480

Der Karpathenübereane der Armeegruppe Pflanzer-Baltin (22. Oktober bis

6. November).................483

Der zweite Vorstoß der Russen über den San (29. Oktober bis 2. November) 487

Die große Neugruppierung der Verbündeten...........489

Rückzug der 1. Armee von Iwangorod bis an die Opatówka (27.bis 31. Oktober) 489 Das Treffen an der Opatówka und der Entschluß zum allgemeinen Rückzug

(31. Oktober bis 2. November)............497

Der Aufbau der neuen Schlachtfront bei Krakau und Czenstochau .    .    .    501

Preisgabe der Walstatt von Przemyśl und Chyrów (3. und 4. November) 503 Der Rückzug gegen Krakau und die Verlegung der 2. Armee nach PreußischSchlesien .............................    506

Der Vormarsch der Russen...............514

Bereitstellung des öst.-ung. Nordheeres zur neuen Schlacht.....517

Die Schlachten bei Krakau und Czenstochau...........522

Der Beginn der Kämpfe (16. und 17. November)........522

Die Vorgänge auf russischer Seite...........528

Der Fortgang der Schlachten zwischen dem 18. und 20. November .    .    .    529

Vordringen der 3. Russenarmee gegen den Dunajec (16. bis 24. November) 536 Entscheidungskämpfe der k.u.k. 4. Armee nördlich von Krakau (21. bis

24. November).................540

Vergebliches Ringen der 4. Armee um den Sieg (22. bis 24. November) 543 Der Ausgang der Schlacht bei der 1. Armee (21. bis 25. November) .    .    .    546

Die Umfassungskämpfe bei der 2. Armee zwischen dem 21. und 28. November 549 Der allmähliche Abbruch der Schlacht bei Krakau und Conrads neuer Operationsplan (24. bis 30. November)...........553

Die ersten großen Kämpfe in den Karpathen...........563

Seite

Die Doppelaufgabe der k.u.k. 3. Armee...........563

Rückzug der 3. Armee auf die Karpathenpässe    (10. bis 19. November) .    . 568

Erwägungen beim 3. Armeekmdo............571

Der Russenangriff nördlich von Homonna (19. bis 22. November) .    .    .    574

Der Flankenstoß des öst.-ung. IX. Korps...........577

Der Hauptansturm Brussilows in den Beskiden (22. November bis 2. Dezember) 580 Der öst.-ung. Gegenangriff bei Homonna (24. bis 28. November) .    .    582

Der Verlust des Duklapasses (24. bis 28.    November)......584

Der russische Vorstoß auf Bartfeld (28. November bis 2. Dezember) 588 Die Armeegruppe Pflanzer um die Wende November-Dezember 1914 .    .    593

Die nächsten großen Entschlüsse.............595

Der Kriegsrat von Siedlec.............595

Die Begegnung zu Breslau.............598

Der Herbstfeldzug 1914 gegen Serbien und Montenegro

Die Schlacht an der Drina (6. September bis 4. Oktober)........603

Der Operationsplan des FZM. Potiorek...........603

Der serbische Operationsplan..............605

Der Einfall der Serben in Syrmien.............607

Beginn der Schlacht an der Drina.............609

Das Vordringen der 6. Armee gegen Krupanj (8. bis 13. September) . 609

Die letzten Kämpfe in Syrmien............615

Fortsetzung der Schlacht an der Drina (14. bis 16. September).....617

Flankenangriff des Komb. Korps FML. Krauss (16. bis 20.    September) .    . 621

Die Zurücknahme der k. u. k. 6. Armee (17. und 18. September) .... 625

Das Ringen um die Jagodnja (19. bis 22. September).......628

Abflauen des Kampfes bei der 6. Armee (23. und 24. September' .... 633 Einbruch der Serben und Montenegriner in Südostbosnien (23. bis 28. September) ...................635

Das Erlahmen des Angriffes der 5. Armee..........638

Angriffe des VIII. Korps lind Verstärkung des Komb. Korps (23. bis

28. September)..................638

Totlaufen des Angriffes der 5. Armee (29. September    bis 4. Oktober; 641

Kämpfe in der Südflanke der 6. Armee...........643

Verstärkung der öst.-ung. Truppen bei Vlasenica (29. September bis

4. Oktober)................643

Wiedereroberung der Olovocr Waldbahn (4. bis 10.    Oktober) .    .    . 645

Operationspause (11. bis 17. Oktober)............648

Die Schlacht auf der Romanja planina (18. bis 30. Oktober1}.......65 t

Die Eroberung der Hochfläche (18. bis 21. Oktober).......65 L

Verfolgung bis an die Drina (22. bis 30. Oktober)........655

Kämpfe mit den Montenegrinern (19. bis 30. Oktober).......656

Die Offensive gegen Valjcvo (24. Oktober bis 15. November).......658

Angriffsvorbereitungen................658

Seite

Beendigung der Macvakämpfc und serbischer Durchbruchsvcrsuch auf dem

Cíiičcvo ^24. bis 31. Oktober..............    661

Angriffe der öst.-ung. Fliigelgruppcn ^ 1. bis 5. November'i.....663

Der Sieg an der Drina (6. bis 9. November)..........665

\ erfolgungskämpfc ^10. bis 12. November ..........671

Die Hinnahme von Valjevo (13. bis 15. November'........675

Die Schlacht an der Kolubara und am Ljig (16. bis 28. November).....679

Schwierigkeiten beim Flußübergang der k.u.k. Balkanstrcitkräftc (16. bis

18. November)....................679

Allmähliches Aufhellen der Lage ^ 19. bis 22. November)......687

Einbrüche in die serbische Heeresmitte (23. bis 26. November).....695

Das Ringen der 6. Armee um den Sieg (26. bis 28. November) .... 699

Der Rückschlag (29. November bis 15. Dezember)..........707

Der Rückzug der Serben...............707

Verhängnisvolle Entschlüsse...............709

Beabsichtigte Erholungspause.............709

Der Nordostmarsch der 5. Armee gegen Belgrad.......711

Versäumte Rast bei der 6. Armee.........../13

Der serbische Plan zum Gcgenschlag............715

Die Schlacht bei Arangjelovac..............716

Entscheidungskämpfe am 3. und 4. Dezember........716

Rückzug des XVI. Korps hinte.' die Kolubara (^5. bis 7. Dezember) . 722 Der Entschluß zum Abbrechen der Schlacht bei Arangjelovac (8. und

9. Dezember,..................    732

Das Aufgeben der Kolubaralinie............738

Rückzug des XV. und des XVI. Korps hinter die Save (10. bis 13. Dezember^ 739

Die Räumung von Belgrad (12. bis 15. Dezember........742

Rückblick und Ausklang................. 748

Der Feldzug von Limanowa-Łapanów

Die Ereignisse nördlich der Weichsel.............765

Eingreifen der Armee Böhm-Ermolli in die Kämpfe südlich von Łódź

(29. November bis 14. Dezember)...........765

Die Begebenheiten bei der Armee Dankl.........773

Die Schlacht bei Limanowa-Łapanów..............774

Beginn und Krisis (1. bis 10. Dezember^...........774

Das Einsetzen der Angriffsgruppe der 4. Armee. Vorgänge bei der

Armee Boroević...............^74

Flankenangriff gegen den Südflügel der Armee Dimitriew (3. bis 6. Dezember) .................778

Der Höhepunkt der Schlacht (7. bis 10. Dezember)......785

Offensive der k.u.k. 3. Armee (6. bis 10. Dezember).......795

Befehle zum Eingreifen der Armee Boroević........795

Przemyśl seit der zweiten Einschließung.........797

Beginn der Offensive der Armee Boroević.........798

Seite

Vorgänge bei der Armeegruppe Pflanzer-Baltin    vom    4.    bis    12. Dezember    .    804

Die Entscheidung (11. bis 13. Dezember)...........805

Der Damm gegen die Russenflut..............813

Rückblick auf die Ereignisse im Nordosten seit    Mitte    September    1914    .    .    813

Personenverzeichnis.................819

Verzeichnis der öst.-ung. Truppenverbände..........827

Verzeichnis der Deutschen Truppenverbände    .........834

BEILAGEN- UND SKIZZENVERZEICHNIS

Karte 1: 750.000 des nordöstlichen Kriegsschauplatzes.....

Beilage 1

Karte 1: 750.000 des südöstlichen Kriegsschauplatzes.....

•>1

2

Eisenbahnkarte Österreich-Ungarns zu Kriegsbeginn mit der Leistungsfähigkeit der Strecken, ausgedrückt nach Zugslänge und Zugsanzahl im Tage

n

3

Die mobilen Landstreitkräfte und ihre geplante Verwendung . .

n

4

Eisenbahn-Aufmarschlinien für die Kriegsfälle Rußland und Balkan

5)

5

Schematische Aufmarschgruppierung, Kriegsgliederung und Stärke der öst.-ung. Streitkräfte bei Kriegsbeginn 1914..........

6

Aufmarsch der gegnerischen Heere auf der Balkanhalbinsel Mitte August 1914

n

7

Lage auf dem südöstlichen Kriegsschauplatz am 19. August 1914 abends

»

8

Lage am 22. August...............

>>

9

Die Schlacht bei Złoczów.............

10

Lage am 1. September 6^ abends...........

>)

11

Lage in Ostgalizien um Mitternacht vom 5. auf 6. September . . .

12

Lage am 11. September abends............

13

Lage am 30. September 1914 abends...........

>)

14

Kriegsgliederung anfangs Oktober 1914.........

>)

15

Der Entsatz von Przemyśl.............

>>

16

Lage am 10. Oktober 1914 abends...........

17

Die Schlacht bei Iwangorod. Lage am 26. Oktober 1914 nachmittags abends .................

und

V

18

Lage am 5. November 1914 abends...........

19

Lage am 15. November 1914 abends..........

>>

20

Gruppierung am 5. September 1914...........

»

21

(Nebenskizze: Das Kampfgelände des XV. und des XVI. Korps^

Ereignisse von Mitte September bis Anfang Oktober 1914 . . . .

))

22

(Nebenskizze: Das Kampfgelände in Syrmien)

Die Schlacht an der Kolubara und am Ljig........

23

Die Schlacht bei Arangjelovac............

24

(Nebenskizze: Die Räumung von Belgrad)

Gruppierung der beiderseitigen Streitkräfte zur Retablierung Ende tember 1914........... . .

Sep-

25

Lage in Polen am 29. November 1914..........

V

26

Offensive der und der 4. Armee bis zum 20. Dezember 1914.    .    .    Beilage 27

Nebenskizze: Schematische Darstellung des Kräfteeinsatzes zur Schlacht bei Limanowa-Lapanów)

Fernaufklärung ..................Skizze 1

Der russische Aufmarsch; Zusammensetzung der Armeen......„    2

Der Sieg bei Kraśnik................    .    „    3

Einleitungskämpfe bei der Armee Auffenberg..........„    4

Der Vorstoß Dankls gegen Lublin (26. bis 28. August).......„    5

Die Kämpfe der k.u.k. 4. Armee bei Zamość und Tomaszów.....„    6

Lage in Ostgalizien am 28. August abends..........,,    7

Die Einkreisung bei Komarów..............„    8

Schlacht an der Gniła Lipa...............„    9

Lage am 2. September abends..............„10

Die Kämpfe südlich Lublin vom 2. bis 6. September.......»11

Die Ereignisse zwischen Bug und Wieprz vom 2. bis 6. September    ...    „12

Allgemeine Lage am 7. September abends...........»13

Die Schlacht bei Rawa Ruska—Lemberg...........„14

Kämpfe der 1. Armee am 9. und 10. September.........„15

Der Rückzug der 4. Armee (10. bis 14. September)........„16

Lage in Galizien am 16. September 1914...........»17

Operationsplan für den Oktoberfeldzug 1914.........,,    18

Der russische Aufmarsch an der mittleren Weichsel im Oktober 1914 .    .    „19

Kämpfe im San—Weichselwinkel. Lage am 8. Oktober 1914 abends .    .    „20

Die Belagerung der Festung Przemyśl. Lage am 6. Oktober 1914 ....    »21

Kämpfe bei Chyrów und Stary Sambor. Lage am 12. Oktober    1914 abends    .    „    22

Die Kämpfe am San. Lage am 14. Oktober    1914    abends......»23

Die Kämpfe bei Chyrów und Stary Sambor.    Lage    am    15. Oktober 1914 .    .    „24

Der Vormarsch der Gruppe Hofmann auf Stryj und Brussilows Gegenmaßnahmen (8. bis 20. Oktober 1914)...........»25

Kämpfe bei Przemyśl, Chyrów und Stary Sambor. Lage am 20. Oktober 1914    „    26

Die Kämpfe am San. Lage am 22. Oktober 1914 abends......„27

Die russische Umfassung am Südflügel der 2. Armee. Lage am 25. Oktober 1914..................»28

Die Kämpfe am San. Lage am 26. Oktober 1914 abends......„29

Die Verlegung der Armee Dankl nach Polen. Lage am 18. Oktober    1914    .    „    30

Die Bereitstellung der 1. Armee für den Vorstoß auf Iwangorod. Lage am

21. Oktober 1914 abends..............»31

Die Schlacht bei Iwangorod. Lage am 26. Oktober 1914.......„32

Das Eingreifen der Armeegruppe Pflanzer-Baltin im Oktober    1914    ...    »33

Das Vordringen der 2. Armee vom 28. Oktober bis 2. November    1914 .    .    „34

Der Rückzug der 1. Armee an die Opatówka. Lage am    30.    Oktober    1914

abends..................■    »35

Lage bei Krakau vom 16. bis 18. November 1914.........»36

Lage der 2. Armee am 21. November 1914 abends........»37

Lage der 4. und der 1. Armee am 22. November 1914.......„38

Lage in Westgalizien am 19. November 1914..........»39

Lage der deutschen 9. Armee am 22. November 1914.........40

Beilagen- und Skizzenverzeichnis

XIX

Lage der 2. Armee am 26. November 1914.....

Lage bei Krakau am 27. November 1914.....

42

Lage in den Karpathen am 25. November 1914 . . .

43

Lage in den Karpathen am 2. Dezember 1914 abends . .

44

Lage am östlichen Kriegsschauplatz am 1. Dezember 1914 . .

45

Flankenstoß der 6. Armee in der Drinaschlacht . .

46

Beiderseitige Lage am 11. September 1914 abends vor

Abbruch

der serbi-

sehen Offensive in Syrmien.......

47

Lage der 5. Armee anfangs Oktober 1914 ....

48

Schlacht auf der Romanja planina......

49

Angriff der 5. Armee auf die Bodenwellen südlich von

50

Ende der Schlacht an der Drina......

51

Offensive gegen Valjevo ........

52

Neue Stellung der Serben am 17. November . . .

53

Kämpfe bei Bełchatów.........

54

Lage der 4. Armee am Abend des 6. und 9. Dezember

55

Lage der Armeegruppe Pflanzer-Baltin am 4. Dezember

1914 .

56

VERZEICHNIS DER ABKÜRZUNGEN

AOK. = Armeeoberkommando Baon. = Bataillon bh. = bosnisch-herzegowinisch BHD. = Bosnien, Herzegowina, Dalmatien BOK. = Oberkommando der Balkanstreitkräfte

DOHL. = Deutsche Oberste Heeresleitung DonD.I (II), DrinD., MorD., SumD., TimD. = Donau- (Drina-, Morava-, Sumadia-, Timok-) Division I. (II.) Aufgebotes DR., HR., UR. = Dragoner-, Husaren-, Ulanenregiment FABrig. = Feldartilleriebrigade FHR. (FHD.) = Feldhaubitzregiment (-division)

FJB. = Feldjägerbataillon FKR. = Feldkanonenregiment finn. = finnisch

Genkmdo. = Generalkommando (deutsch) GID. = Gardeinfanteriedivision (deutsch, russisch)

GKD. = Gardekavalleriedivision (deutsch, russisch)

GRIBrig. = Gardereserveinfanteriebrigade (deutsch)    .

GbBrig. = Gebirgsbrigade Gen. = General

GFM. = Generalfeldmarschall (deutsch) GLt. = Generalleutnant (deutsch, russ.) GdA. = General der Artillerie (deutsch, russisch)

GrenD. = Grenadierdivision (russisch) GrenKorps = Grenadierkorps (russisch) HHR. = Honvédhusarenregiment HIBrig. = Honvédinfanteriebrigade HID. = Honvédinfanteriedivision IBrig. = Infanteriebrigade

ID. = Infanteriedivision IR. (HIR., LstlR., GIRV = Infanterie-(Ilonved-, Landsturm-, Gardeinfanterie-) regiment kauk. = kaukasisch KBrig. = Kavalleriebrigade KD. = Kavalleriedivision KJR. = Kaiserjägerregiment KombD. = kombinierte Division (serb.) Komb. KD. = kombinierte Kavalleriedivision

Kmdo. = Kommando KosD. = Kosakendivision KSchBrig. (KSchR.) = Kaiserschützenbrigade (-regiment)

Kub. = Kuban

LstEtBrig. = Landsturmetappenbrigade LstlBrig. = Landsturminfanteriebrigade LstlD. = Landsturminfanteriedivision LstTerrBrig. = Landsturmterritorialbrigade

LD. = Landwehrdivision (deutsch)

LKorps = Landwehrkorps (deutsch) MaBrig. = Marschbrigade öst.-ung. = österreichisch-ungarisch rt. SchR.= reitendes Schützenregiment RIBrig. = Reserveinfaruteriebrigade (deutsch)

RD. = Reservedivision (deutsch, russisch)

SchBrig. = Schützenbrigade

SchD. =-■ Schützendivision (öst., russ.^

Schwd. = Schwadron

sFHD. = schwere Feldhaubitzdivision

sib. = sibirisch

SOK. = Serbisches Oberkommando Stawka = Russische Oberste Heeresleitung Transb. = Transbaikal turk. = turkestanisch


Weitere Abkürzungen siehe Seite 62.

Bei Truppen sind im Texte die 1918 gültigen Bezeichnungen angewendet, zum Beispiel Schützen, Kaiserschützen, reitende Schützen, Honvéd und nicht k. k. Landwehrinfanterie, Landesschützen, Landwehrulanen, k. u. Landwehrinfanterie.

RÜSTUNG ZUM GROSZEN WAFFENGANG

1


Vorbereitungen im Frieden

Hiezu Beilagen 1 bis 5

Maßnahmenfür die einzelnen Kriegsfälle

Von den Mächten, die Österreich-Ungarn umgaben, waren Rußland und seine beiden Balkanschützlinge Serbien und Montenegro mindestens seit einem Jahrfünft Gegner mit offenem Visier. Aber der österreichischungarische Generalstab durfte sich bei seinen Erwägungen nicht auf diese beiden Kriegsfälle beschränken. Es gab außer den genannten Nachbarn noch zwei bedenkliche Fragezeichen im Konzept: Italien, das seit 1882 dem Dreibund angehörte, dessen Verhalten aber — zum mindesten seit der Jahrhundertwende — genug Anlaß zu Mißtrauen bot, und Rumänien, das 1883 ein seither mehrmals erneuertes Militärabkommen mit Österreich-Ungarn abgeschlossen hatte1), jedoch seit dem Balkankrieg 1912/13 gleichfalls verstimmt zur Seite getreten war. GdI. Freih. v. Conrad hatte im Dezember 1912 in Bukarest noch selbst Vereinbarungen für ein Mitgehen Rumäniens gegen Rußland getroffen2). Er rechnete aber seit dem Sommer 1913 mit dieser Hilfe nur mehr sehr bedingt. Noch weniger hoffte er auf die Erfüllung der Abmachungen, die im Winter darauf zwischen den Mittelmächten und Italien3) über den Einsatz von drei Korps und zwei Kavalleriedivisionen im Elsaß zustande gekommen waren. Inmitten haßerfüllter, landhungriger Feinde und unverläßlicher Freunde blieb der Donaumonarchie nur ein wirklich verläßlicher Bundesgenosse übrig — Deutschland, das in gleicher Weise lediglich mit der Waffenbrüderschaft Österreich-Ungarns rechnen durfte. Es war eine genug schwierige Lage, die es erklärlich macht, daß GdI. Conrad als voraussichtlicher Feldherr seit 1907 immer wieder den verzweifelten Gedanken erwog, den Ring der Widersacher in einem günstig erscheinenden Augenblick wenigstens nach einer Richtung zu sprengen und so der drohenden

x) Vgl. vor allem P ř i b r a m, Die politischen Geheimverträge Österreich-Ungarns 1879—1914 (Wien 1920), I, 128 ff.

2)    Conrad, Aus meiner Dienstzeit 1906—1918 (Wien 1921—1925), II, 363 ff.

3)    Ebenda, III, 85 ff.

Einkreisung zuvorzukommen; doch setzte solchen Plänen die unbedingte Friedensliebe des Kaisers FJI, des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand und der verantwortlichen Staatsmänner stets ein unüberwindliches Hindernis entgegen.

So schwere Gewitterwolken über dem politischen Horizont der Donaumonarchie hingen, so konnte der österreichisch-ungarische Generalstab doch nicht daran denken, seine technischen Vorbereitungen gegen einen gleichzeitigen Angriff aus drei Richtungen, von Rußland, vom Balkan und von Italien her, zu treffen. Hier mußte die Diplomatie helfen, mochte Conrad auch sonst dem Erfolge ihres Wirkens einiges Mißtrauen entgegenbringen. Immerhin aber hatten die Krisen von 1908/9 und 1912/13 klar geoffenbart, daß, ob von den großen Mächten nun Rußland oder Italien gegen Österreich-Ungarn auf den Plan trat, sich Serbien gewiß den Feinden des Habsburgerreiches zugesellen werde. Daraus ergab sich die Forderung, die Vorbereitungen für die Kriegsfälle R und I — so lautete die im k.u.k. Generalstab übliche Abkürzung — stets auch durch Vorsorgen gegen den Balkan, für einen Kriegsfall B, begleiten zu lassen. Seit dem Frieden von Bukarest (1913) wurde überdies für jeden der beiden Fälle auch der Anschluß Rumäniens an Rußland oder die beiden serbischen Königreiche in Rechnung gestellt1). Im Rahmen der vorliegenden Darstellung sind nur die Maßnahmen für die Kriegsfälle R und B einer näheren Betrachtung zu unterziehen, da nur sie in die Tat umgesetzt wurden. Der Aufmarsch unserer Streitkräfte gegen Italien vollzog sich im Jahre 1915 in wesentlich geänderter, in Friedenszeit nicht vorgesehener Lage. Auch gegenüber Rumänien konnten sich die Kriegsvorbereitungen nur auf eine Sicherheitsbesatzung in Siebenbürgen beschränken, wie sie für dieses Grerizland im Kriegsfall R unter allen Umständen vorgesehen war.

Gdl. Conrad stimmte seit dem Jahre 1909 mit dem deutschen Chef des Generalstabes GO. v. Moltke darin überein, daß bei einem Zweifrontenkrieg Deutschland zuerst die Masse seines Heeres gegen den Feind im Westen zu führen habe. Moltke hoffte, diesen in möglichst kurzer Zeit, etwa binnen sechs Wochen vom Operationsbeginn an, besiegen zu können2). Dann sollten starke Teile des deutschen Heeres nach Osten geworfen werden. Bis dahin mußte Österreich-Ungarn — gegebenenfalls zusammen mit Rumänien — die Hauptlast des erwarteten russischen

Die große Politik der europäischen Kabinette 1871—1914, XXXV (Berlin 1926), 317 ff.

2) Conrad, I, 383, 387.

Stoßes auf sich nehmen1). Das zu Anbeginn an ihre Seite tretende deutsche Ostheer war zunächst auf 12 bis 14 Divisionen angesetzt, denen man als erste Verstärkung 5 Infanteriedivisionen zweiter Linie zudachte.

Diese Vereinbarungen zwischen den Verbündeten bedingten, daß im Kriegsfälle R die Hauptmasse des österreichisch-ungarischen Heeres, das heißt eigentlich jeder sonstwo entbehrliche Mann, gegen Rußland angesetzt werde. Nun war es aber — bei aller durch die Erfahrungen aus den Krisen 1908/9 und 1912/13 bedingten Unwahrscheinlichkeit — doch nicht ausgeschlossen, daß Rußland bei einem Kriege Österreich-Ungarns gegen Serbien wenigstens für eine Zeitlang abseits blieb oder bleiben mußte und so dem Habsburgerreich Gelegenheit zur Entfaltung größerer Kräfte gegen den südöstlichen Bedränger bot. Inwieweit es möglich war, solche Lagen auszunützen, hing in hervorragendem Maße von der Gestaltung und der Leistungsfähigkeit des Bahnnetzes ab.

Schon in den Feldzügen 1859, 1864 und 1866 hatten die österreichischen Eisenbahnen der Kriegführung wertvolle Dienste geleistet. Seit 1865 gab es ein Eisenbahnbureau des Generalstabes2). Bevor das Kriegsleistungsgesetz (1912) in Geltung trat, waren die gesetzlichen Grundlagen für ein Zusammenarbeiten des Generalstabes mit den sehr mannigfaltigen Bahnbehörden sowohl für die Friedens- wie für die Kriegszeit noch recht wankend. Zudem war es selbstverständlich gewesen, daß sich der Ausbau des Bahnnetzes nicht nach den Kriegsbedürfnissen, sondern nach den Forderungen des friedlichen Personen- und Lastverkehres richtete und daß sich die Vertretungskörper nur äußerst selten bereit fanden, große Beträge für rein strategische Bahnen aufzuwenden. Nicht zum geringsten spielte hier — man denke an die Verbindung Dalmatiens mit dem Reich und an den vielgenannten Annaberger Anschluß zwischen Preußisch-Schlesien und Ungarn — die politische und wirtschaftliche Rivalität der beiden Staatsgebiete hinein. So kam es, daß im Jahre 1914 nach Deutschland und der Schweiz 54 Schienenstränge, nach Italien 5, nach Rußland und Rumänien nur je 4, nach Serbien gar nur 1 Schienenstrang

*) Schriftliche Vereinbarungen zwischen GdI. Conrad und dem Chef des rumänischen Generalstabes, General Alexander Averescu, 30. November 1912 (Conrad, II, 363 ff). Diesen zufolge hatte im Kriegsfall R die rumänische Armee mit 4 Korps im Raume Birlat-Foc$ani-Tecuciu, mit 1 Korps bei Roman, mit 3 bis 4 Reservedivisionen bei Buzeu und mit 1 Reservedivision in der Dobrudscha aufzumarschieren.

2) S a u r a u und Meister-Keutnersheim, Unsere Eisenbahnen im Weltkriege (Wien 1924), 8f; auch Meister, Geschichte des Eisenbahnbureaus (Mitteilungen aus dem Eisenbahn- und Schiffahrtswesen im Weltkriege, Wien 1918, September- und Oktoberheft).

die Grenze überquerten und daß es zur 500 km langen Küste Hochkroatiens und Dalmatiens überhaupt keinen Vollbahnanschluß gab.

Von diesen gegebenen Verhältnissen ausgehend, waren die militärischen Bahnbehörden bestrebt, eine möglichst rasche und reibungslose Durchführung der durch die Mobilisierung und den Aufmarsch bedingten Bahnbewegung zu erzielen. Sie wurden in diesem Bestreben von dem k. k. Eisenbahnministerium in Wien und dem k. u. Handelsministerium in Budapest stets verständnisvoll unterstützt. Der Gedanke, daß es auch während des Krieges zu großen Bahnbewegungen kommen werde, trat gegenüber den Mobilisierungsvorbereitungen wohl in den Hintergrund. Die Militärbahnbehörden haben sich aber auch in diese Aufgabe rasch hineingefunden.

Bis zur Jahrhundertwende galten die Kriegsvorbereitungen des Generalstabes in überwiegendem Ausmaße dem Kriege gegen Rußland. Wichtige strategische Linien, ohne die später die Karpathenverteidigung fast unmöglich geworden wäre, verdankten dem zähen Drängen des damaligen Chefs des Generalstabes F2M. Freih. v. Beck ihre Entstehung. Sein Nachfolger GdI. Conrad wendete sein Augenmerk auch Italien zu. Nach Südungarn liefen verhältnismäßig zahlreiche Bahnstränge. Dagegen scheiterte an dem Widerstande Ungarns auch nach den trüben Erfahrungen aus den beiden Balkankrisen alles Bemühen, die Bahnverbindungen nach BHD. auf das unbedingt Nötige zu verbessern. Der Vergleich mit Rußland, das, von französischem Gelde unterstützt, an den Ausbau seines Bahnnetzes die machtvollsten Anstrengungen setzte, springt sowohl bei einem Blick auf Bosnien wie auf Galizien in die Augen. Zumal im Südosten Österreich-Ungarns wirkte die ungünstige Bahnlage auch auf die Führung des Feldzuges entscheidend zurück.

Die verschiedenen Möglichkeiten, die sich beim Auftreten Serbiens und Rußlands für die Kriegführung des Donaureiches ergeben konnten, veranlaßten den Generalstab, ein System von Alternativaufmärschen zu ersinnen1). Er zerlegte das 1100 Bataillone starke Feldheer für die Aufmarschbewegung in drei große Massen. Die erste dieser Massen, die er ,,A-Staffel“ nannte, war die mächtigste, sie bestand aus insgesamt 281? Infanterie- und 10 Kavalleriedivisionen, zu denen noch 21 Landsturminfanterie- und Marschbrigaden traten2). Sie war unter allen Um-

Kiszling, Österreich-Ungarns Kriegsvorbereitungen (Militärwissenschaftliche und Technische Mitteilungen, Wien 1922, 273 ff).

2j I., II., III., V., VI., X., XI., XII. und XIV. Korps samt der 13., 22., 43.,

44., 45. und 46. SchD. und der 37., 38., 39. und 41. HID. sowie sämtliche Kavallerie-

Die Aufmarschvarianten

ständen gegen Rußland bestimmt und sollte grundsätzlich von Haus aus nach Galizien geführt werden. Festzuhalten ist, daß diese erste große Heeresmasse die in den galizischen Aufmarschraum gehenden Eisenbahnen bis zum 18. Mobilisierungstage!) voll in Anspruch nahm.

7


Die zweite Heeresmasse, die der Mobilisierungsplan vorsah, bestand,, als „Minimalgruppe Balkan“ zusammengefaßt, aus Heereskörpern in der Stärke von 8 Infanteriedivisionen und 7 Landsturminfanterie- und Marschbrigaden2). Sie hatte auf alle Fälle gegenüber den südslawischen Königreichen aufzumarschieren und war so bemessen, daß sie diese mit einiger Verläßlichkeit in Schach halten konnte.

Eine dritte Heeresmasse, die „B-Staffel“, umfaßte alle übrigen Heereskörper. Sie hatte, wenn in einem Balkankonflikt Rußland ruhig blieb, verstärkt durch zwei Kavalleriedivisionen der ,,A-Staffel“, gleichzeitig mit der „Minimalgruppe Balkan“ an die Grenzen Serbiens zu rollen und so dieser solche Verstärkungen zuzuführen, daß der Feind entscheidend aufs Haupt geschlagen werden konnte. Trat das Zarenreich hingegen sofort auf den Plan, so war die „B-Staffel“ grundsätzlich für Galizien bestimmt. Nur konnte sie in diesem Falle mit der Masse erst nach dem 18. Mobilisierungstage auf die Bahn gesetzt werden, da vorher das Netz dem Transport der „A-Staffel“ zu dienen hatte. Die der „B-Staffel“ zugedachte Stärke belief sich auf 12 Infanteriedivisionen,

1 Kavalleriedivision und 6 Landsturminfanterie- und Marschbrigaden3).

Neben den drei Aufmarschstaffeln war noch eine kleine, aus der 10. ID. und der 95.LstIBrig. bestehende „Reserve des AOK.“ vorgesehen, die im Kriegsfall B in ihren böhmischen Garnisonen stehen zu bleiben, im Kriegsfall R aber mit der „B-Staffel“ nach Galizien zu rollen hatte.

Aus diesen Aufstellungen ergibt sich, daß für den Kriegsfall B — bei alleinigem Auftreten Serbiens und Montenegros gegen die Mon-

divisionen mit Ausnahme der 10. KD. und schließlich die in den betreffenden Korpsbezirken bodenständigen Landsturm- und Marschformationen.

1)    Der Mobilisierungsbefehl hatte jeweils ein bestimmtes Datum als „ersten Mobilisierungstag“ festzusetzen, auf dem das ganze Mobilisierungsprogramm aufgebaut war.

2)    Sarajevoer XV. und Ragusaer XVI. Korps (BHD.), Agramer XIII. Korps mit 42. HID. („Domobranzen“) und 13. MaBrig., 20. HID., k. k. 36., k. u. 104., 107. und 109. LstlBrig., 4 Honvédmarschregimenter (für die zwei HID.), schließlich die Besatzungen der Festung Peterwardein und der festen Plätze in BHD.

3)    Zusammensetzung der „B-Staffel“: IV., VII., VIII., IX. Korps, 21. und 26. SchD., 23. und 40. HID., 10. KD., k. k. 95. und k. u. 102. LstlBrig. nebst den zu-

S    Rüstung    zum    großen    Waffengang

archie — 20 Infanterie- und 3 Kavalleriedivisionen, sowie eine Anzahl von Landsturm- und Marschverbänden, also mehr als ein Drittel des Gesamtheeres zum Kampfe bestimmt war. Griff auch Rußland ein, dann waren der Südfront nur 8 Infanteriedivisionen mit Nebenformationen zugedacht, während die Nordfront mit 4OV2 Infanterie- und

11 Kavalleriedivisionen an den Feind rücken sollte.

Einen schwierigen Fall bildete in diesen Kombinationen die für nicht unwahrscheinlich erachtete Möglichkeit, daß sich Rußland bei einem Zusammenstoß zwischen Österreich-Ungarn und Serbien anfangs unklar verhielt, sich aber noch während der Mobilisierung offen gegen das Habsburgerreich stellte. Dabei konnte es geschehen, daß die dritte der genannten Heeresmassen schon nach Südosten rollte und von dort nach Norden umgelenkt werden mußte. War diese „B-Staffel“ einmal an der Save in den Kampf getreten, dann war es sicherlich nicht mehr leicht, sie vor der Erzielung eines eindrucksvollen Erfolges gegen Serbien wieder aus der Schlachtfront herauszulösen. Bei einer solchen Einwirkung hätte sich die Kriegführung im Norden geraume Zeit mit den Kräften der ,,A-Staffel“ allein behelfen müssen. GdI. Conrad trug sich dennoch mit dem Plane, auch in diesem Falle die Offensive zu ergreifen, wenn das deutsche Ostheer ebenso verfuhr.

Schließlich war noch für jeden Korpsbezirk eine selbständige Mobilmachung vorbereitet, durch die man entweder das betreffende Gebiet in Kriegszustand versetzen oder das bei einer teilweisen Mobilisierung aufgestellte Feldheer nach Belieben verstärken konnte.

Der Flotte fiel im Kriege die Aufgabe zu, gestützt auf die Kriegshäfen Pola und Cattaro, sowie auf die wohl von der Natur begnadete, sonst aber noch unbefestigte Flottenstation Sebenico, vor allem die Küste und damit auch die Flanke des Landheeres und dessen etwaige Seeverbindungen zu schützen. Eine offensive Verwendung war nur für den Fall in Aussicht genommen, als Italien an die Seite der Mittelmächte trat. Eine solche Möglichkeit, die aber in der k.u.k. Kriegsmarine wenig Glauben fand, lag der Marinekonvention zugrunde, die zwischen den Dreibundmächten am 1. November 1913 abgeschlossen worden war. Darnach hätte sich im Falle eines Krieges gegen Frankreich oder gegen gehörigen Marschformationen. Die Auswahl der Heereskörper war derart getroffen, daß durch ihren Abtransport die Grenzen gegen Rußland, Rumänien und Italien nicht entblößt wurden, das heißt, daß die an den Grenzen dieser Staaten stehenden Heeresverbände im Kriegsfälle B (Balkan) an Ort und Stelle blieben. Außerdem war Bedacht darauf genommen, daß bei einem teilweisen Aufgebot eine annähernd gleiche Zahl österreichischer und ungarischer Truppen ins Feld rückten.

Frankreich und Großbritannien die österreichisch-ungarische und die italienische Kriegsflotte sowie die jeweilig im Mittelmeer befindliche deutsche Kreuzerdivision unter dem Oberbefehl des k.u.k. Admirals Haus im Seeraume Tarent—Augusta—Messina zu sammeln gehabt, um sich sogleich gegen den einen oder den anderen der im Mittelmeer anzutreffenden Gegner zu wenden. Blieb Italien abseits — wie es dann wirklich geschah — so war die k.u.k. Flotte infolge ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit gegenüber den feindlichen Mittelmeergeschwadern grundsätzlich zur Defensive verurteilt, zu der auch die Erwägung nötigte, daß aus dem nicht mitwirkenden Freunde über Nacht ein die Küste bedrohender Feind werden konnte.

Zusammenfassend darf man wohl sagen, daß der österreichisch-ungarische Generalstab bei seinen Kriegsvorbereitungen bestrebt war, sich des Vorteils der „inneren Linie“ im weitesten Maße zu bedienen und daß seine Aufmarschmaßnahmen an Gedankenreichtum und Gelenkigkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Man erinnere sich nur der schweren Bedenken, die der russische Generalstab dem Wunsche des Zaren Nikolaus II., nur gegen Österreich-Ungarn zu mobilisieren, entgegensetzte, welche Bedenken schließlich den Sieg über jegliche politische Mäßigung davontrugen, wenn es eine solche überhaupt noch gab1). Und man erinnere sich, daß Deutschland trotz seiner unvergleichlich besseren Bahnlage seit dem Frühjahr 1914 überhaupt nur mehr eine einzige Aufmarschlösung vorbereitet hatte, und wie GO. Moltke durch den vorübergehend aufgeworfenen Wunsch Kaiser Wilhelms II., die Hauptkräfte nicht, wie vorgesehen, gegen Frankreich, sondern gegen Rußland anzusetzen, in größte Bestürzung geriet2). Wohl ist es nicht zu verhehlen, daß auch ein so beweglich ausgedachtes System wie das österreichischungarische vor Überraschungen doch nicht gefeit war. Mag sich der menschliche Geist noch so abmühen, allen möglichen Fällen die Parade zu bieten — der Gewalthaber Krieg wird ihn immer wieder durch unvorhergesehene Ereignisse übertrumpfen wollen. Diese Erfahrung mußte, wie noch zu erörtern sein wird, auch der k.u.k. Generalstab machen. Doch bleibt es dabei, daß er mit seinen Mobilisierungs- und Aufmarschvorbereitungen den Schwierigkeiten seines im Dreiviertelkreis bedrohten Vaterlandes so weit als möglich gerecht geworden ist, und daß er in der Elastizität und in der Anpassungsfähigkeit seiner Vorsorgen von keinem anderen Generalstab übertroffen wurde.

x) Dobrorolski, Mobilmachung der russischen Armee 1914 (Berlin 1922).

2) Moltke, Erinnerungen, Briefe, Dokumente 1877—1916 (Stuttgart 1922), 19.

Operations- und A 11 f m a r s c h p 1 ä n c

Füi den Fall, daß der Krieg zunächst auf die Donaumonarchie und die beiden südslawischen Königreiche beschränkt blieb, galt es vor allem, Serbien möglichst rasch zu Boden zu werfen und dadurch gegen indessen etwa neu auftauchende Feinde die Handlungsfreiheit zurückzugewinnen. Die Art und Weise, wie man Serbien fassen wollte, war durch verschiedene Erwägungen entscheidend beeinflußt.

Im allgemeinen lag es für eine Offensive wohl am nächsten, die alte Hecresstraße durch das Moravatal einzuschlagen, die seit vielen Jahrhunderten so und so oft von Norden gegen Süden und in umgekehrter Richtung beschritten worden war. Auch die Mittelmächte sollten schließlich, allerdings erst im Jahre 1915, diesen historischen Spuren folgen. Für den Beginn des Krieges mit all seinen politischen und militärischen Unklarheiten lagen jedoch wesentlich andere Verhältnisse vor. Jegliche strategische Erwägung ging ganz naturgemäß von dem Gedanken aus, jedenfalls Bosnien und die Verbindung zur Küste zu sichern, also jene Gebiete, nach denen sich das Begehren des Feindes vor allem richtete. Es war möglich, daß man diese Aufgabe durch einen überlegenen Angriff gegen die serbische Armee bewältigen konnte. Aber Bindungen auf anderen Kriegsschauplätzen konnten auch dazu nötigen, sie in der reinen Abwehr zu lösen. Eine solche Abwehr, die die langgestreckte Front von Cattaro bis zum Eisernen Tor zu sichern hatte, war zumal durch die ungünstigen Querverbindungen hinter der Front außerordentlich erschwert. Die verhältnismäßig besten Verteidigungsmöglichkeiten waren noch am linken Flügel durch die Stromlinien der Save und Donau gegeben. Schon die Drina, der Grenzfluß Bosniens, konnte hingegen kaum mehr als ernsthaftes Hindernis in Betracht kommen. So ergab sich ganz von selbst (auch andere geopolitische Gründe sprachen dafür), daß sich das Schwergewicht einer ausgesprochenen Abwehr nach Bosnien, und zwar in die Stellungen an der mittleren und unteren Drina verlegte.

Diese Erkenntnis war nicht nur für den Aufmarsch der „Minimalgruppe Balkan“ richtungweisend, sondern sie lenkte auch in Gemeinschaft mit der nicht weniger maßgebenden Eisenbahnlage die Aufmarschbewegung der ,,B-Staffel“. Denn diese ,,B-Staffel“ war der ,,Minimalgruppe“ für die Zeit des Aufmarsches kein sicherer Kampfgenosse; Rußlands Stirnrunzeln konnte sie jeden Augenblick von der unteren Save an den Dniester abberufen. Das will sagen, daß der Aufmarsch der ,,B-Staffel“ jenes Verteidigungskonzept nicht stören durfte, das für die

Truppen der „Minimalgruppe“ galt. Mochten daher Teile der „B-Staffel“ zur Verstärkung der „Minimalgruppe“ für Bosnien bestimmt sein, andere Teile — Banater Gruppe genannt — auch an der Donau abwärts von Belgrad zusammengezogen werden — die Hauptmasse jener Staffel war nach den Erwägungen des k.u.k. Generalstabes ganz von selbst nach Syrmien, an die untere Save gewiesen. Aus solcher Gruppierung konnte sie, wenn es Rußlands Haltung gebot, leicht „Kehrt-Euch“ zur Fahrt nach Norden machen, ohne daß dadurch das Gerüst der Abwehr, das die „Minimalgruppe“ so oder so bildete, ins Wanken kam.

Durch diese Gewichtsverteilung im Aufmarsch, die es der Heeresleitung ermöglichen sollte, sich im Südosten während der Aufmarschbewegung jeden Augenblick für die reine Verteidigung zu entscheiden und dadurch die „B-Staffel“ wieder freizumachen, war auch der Angriffsplan in mehrfacher Hinsicht vorgezeichnet. Das Ziel des Angriffes konnte fürs erste nicht das Moravatal, sondern nur Nordwestserbien sein. Die Aufgabe, diesen Angriff durchzuführen, fiel zu Beginn der an der unteren Drina aufmarschierenden 5. Armee und dem westlich von Šabac stehenden rechten Flügel der 2. Armee zu. Gelang dieser Auftakt, dann war auch dem linken Flügel der 2. Armee der Weg über die breite Strombarriere der untersten Save aufgeriegelt und es konnte überdies die Banater Gruppe nach Syrmien herübergezogen werden, die bis dahin die Aufgabe hatte, die Serben einen österreichisch-ungarischen Vorstoß ins Moravatal erwarten zu lassen. Von der ursprünglich im Südosten Bosniens aufmarschierenden 6. Armee sollten möglichst starke Teile zur Entscheidung gegen Serbien herangezogen werden, während schwächere Kräfte, gestützt auf die Festungen, gegenüber den Montenegrinern zunächst in der Verteidigung zu verharren hatten. Allerdings konnte infolge der geringen Aufmarschkraft der bosnischen Bahnen die 6. Armee erst eine Woche nach der 5. Armee wirksam werden, aus welchem Grunde auch das Ausmaß ihrer Mitwirkung am Einleitungsfeldzug gegen Serbien nicht im voraus festgesetzt war.

Der Vorstoß nach Nordwestserbien hatte in erster Linie das Kolu-baratal und die durch dieses führende Bahn zu gewinnen. Man nahm die westöstliche Angriffsrichtung bewußt in Kauf, obgleich sie von den wenigen, dürftigen Verkehrsadern Nordwestserbiens senkrecht durchschnitten wurde, denn man mußte stets mit dem Abziehen der „B-Staffel“ rechnen. Trat diese Notwendigkeit ein, dann blieben die beiden anderen Armeen der „Minimalgruppe“ doch in einer Lage zurück, in der sie das besonders bedrohte Bosnien unmittelbar, Syrmien und Ungarn aber zurNot mittelbar zu decken vermochten. Die Kolubara war als erster Abschnitt gedacht in der seit dem Sommer 1913 gehegten Hoffnung, daß sich bis dahin Bulgarien zum Eintritt in den Krieg gegen das verhaßte Serbien entschieden haben werde1), womit nicht nur das Schicksal Serbiens, sondern auch das Montenegros besiegelt gewesen wäre.

Der Kriegsplan des Generalstabes gegen Rußland und die durch ihn bedingten Vorbereitungen wurzelten in den Abmachungen, die GdI. Conrad und GO. Moltke seit dem 1. Jänner 1909 in Briefen und zeitweiligen Besprechungen festgelegt hatten. Beide stimmten in der Annahme überein, daß Rußland mit zwei Armeen (etwa 16 bis 20 Divisionen) an der Ost- und Südgrenze Ostpreußens aufmarschieren und angreifen, die Masse seines Heeres jedoch gegen Österreich-Ungarn ansetzen werde. Im Winter 1913 14 vermutete der k.u.k. Generalstab, daß der Feind mit einer starken Kraft (bis zum 20. russischen Mobilisierungstag etwa 4 Kavallerie- und 14 Infanteriedivisionen, bis zum 30. Tag 24 Infanteriedivisionen) zwischen Weichsel und Bug, dann mit je einer Armee bei Rowno (2 Kavallerie- und zuerst 7, dann 12 Infanteriedivisionen) und bei Proskurow (5 Kavallerie- und anfangs 10, später 16 Infanteriedivisionen) aufzutreten beabsichtige. Zwischen Dniester und Pruth erwartete man nur schwächere Kräfte (1 bis 2 Kavallerie- und 4, nachher 8 Infanteriedivisionen). Das Gesamtaufgebot Rußlands gegen die Donaumonarchie wurde daher bis zum 20. Mobilisierungstag auf 12 bis 13 Kavallerie- und 35 Infanteriedivisionen, bis zum 30. auf 60 Infanteriedivisionen geschätzt. Um wieviel sich der russische Aufmarsch durch die zahlreichen Probemobilisierungen und sonstige Maßnahmen, die noch vor der offiziellen Mobilmachung getroffen werden mochten, gegen die eben ausgeführte Annahme beschleunigt haben konnte, ließ sich nicht Vorhersagen. Daß der Feind das Land westlich der Weichsel vor Aufnahme der Feindseligkeiten räumen werde, galt als gewiß.

Den Plan, wie der Krieg gegen Rußland zu führen sei, hatte GdI. Conrad in den Grundzügen schon im Jahre 1909 entworfen, ohne späterhin wesentlich davon abzuweichen. Ob er dabei an alte Vorbilder anknüpfte, wissen wir nicht. In der Tat hatte schon FM. Freih. v. Heß während der Krise 1854/55 die Absicht, einen Kampf gegen Rußland durch einen Vorstoß aus Ostgalizien gegen Norden einzuleiten2) und auch

FM. Erzherzog Albrecht war bei den Verhandlungen, die er 1882 mit den Deutschen pflegen ließ, von dem gleichen Grundgedanken ausgegangen. GdI. Conrad hatte Ähnliches im Sinne. Er gedachte seinen aus der 4. und 1. Armee bestehenden und früher schlagbereit gemachten linken Flügel zunächst zwischen Bug und mittlerer Weichsel nordwärts anzusetzen, um sich so von der Umfassung durch die dort aufmarschierenden russischen Kräfte zu befreien. Nachher sollten diese beiden Armeen nach Osten aufschwenken, um gemeinsam mit den inzwischen gleichfalls kampfbereit gewordenen zwei Armeen des rechten Flügels, der 2. und 3., die bei Proskurow und Rowno versammelten russischen Heeresteile zu schlagen. Falls dies gelang, konnte versucht werden, die Hauptmasse des russischen Südheeres gegen das Schwarze Meer oder auf Kiew abzudrängen, wozu es zunächst wichtig war, die durch das Sumpfgebiet des Polesie führenden Nord-Süd-Verbindungen zu durchschneiden !).

Die Ausführung dieses Planes heischte eine entsprechende Mitwirkung des deutschen Ostheeres. Nur wenn die bis an den Narew, die mittlere Weichsel und die Nordgrenze Galiziens vorgeschobenen russischen Streitkräfte gleichzeitig von Süd und Nord, das ist von Galizien und Ostpreußen her in die Zange genommen wurden, war die geplante Operation einigermaßen erfolgversprechend. Die Hauptkraft des deutschen Ostheeres mußte daher nach der Auffassung Conrads zur Unterstützung des zwischen Bug und Weichsel angesetzten k.u.k. linken Flügels über den Narew in der allgemeinen Richtung auf Siedlec2) vorstoßen. Diese voraussichtlich mit unterlegenen Kräften durchzuführende deutsche Offensive hätte sicherlich große Schwierigkeiten zu überwinden gehabt. GdI. Conrad glaubte nichtsdestoweniger, von GO. Moltke wiederholt mündliche und schriftliche Zusicherungen des gewünschten Sinnes erhalten zu haben. Jedenfalls konnte er sich auf eine Note stützen, die wohl schon am 19. März 1909 geschrieben, deren Inhalt aber bis zum Kriegsausbruch niemals förmlich widerrufen worden ist. In diesem Schreiben sagte der deutsche Chef des Generalstabes:

„Dennoch werde ich nicht zögern, den Angriff zu machen, um die gleichzeitige österreichische Offensive zu unterstützen. Eure Exzellenz können sich auf diese Zusage, die reiflich überlegt ist, wohl verlassen. Bedingung dabei ist, daß die Bewegungen der Verbündeten gleichzeitig angesetzt und unbedingt durchgeführt werden.

Sollte die Ausführung der Absichten einem der Verbündeten durch den Feind unmöglich gemacht werden, so ist schnellste gegenseitige Benachrichtigung unbedingt geboten, da die Sicherheit des einzelnen ganz vom Zusammenwirken beider abhängt 3).“

*) K i s z 1 i n g, Feldmarschall Conrads Kriegsplan gegen Rußland (Militärwissenschaftliche und Technische Mitteilungen, Wien 1925, 469 ff).

2) Wurde auch öfter „Siedlce“ genannt. — 3) Conrad, I, 404.

GdI. Conrad zog mit der bestimmten Überzeugung ins Feld, daß diese Verabredung noch in Geltung stehe. Daß, wie sich dann zeigte, die deutsche Heeresleitung anders dachte, sollte zu den schwersten Enttäuschungen gehören, die er im Kriege erlitt.

Dem vorstehend entwickelten Kriegsplane gemäß wurde im Winter 1913 14 der Aufmarsch der A- und der B-Staffel gegen Rußland so vorbereitet, daß die Infanteriespitzen der vier dahin bestimmten Armeen — von rechts nach links 2., 3., 4. und 1. —die Linie Buczacz—Zborów— Złoczów Żółkiew-Sieniawa—Sanmündung zu erreichen gehabt hätten. Bei Krakau war die Zusammenziehung einer aus mehreren Landsturminfanteriebrigaden und aus Reiterei gebildeten Gruppe in Aussicht genommen. Kavalleriedivisionen und Alarmtruppen sollten auf einen Tagmarsch gegen die durch Gendarmerie, Finanzwache und „Landsturmassistenzen“ unmittelbar gesicherte Grenze vorgeschoben werden.

Gegen diesen verhältnismäßig weit ausladenden Aufmarsch mußten sich jedoch von dem Augenblicke an Bedenken einstellen, da die Mitwirkung Rumäniens an einem Kriege gegen Rußland immer fraglicher wurde, also vom Sommer 1913 an, als Rumänien in dem Eintreten Österreich-Ungarns für das geschlagene Bulgarien einen feindseligen Akt erblickte. Schon um diese Zeit wurde in den Wiener Generalstabsbureaus eine etwaige Rückverlegung des ganzen Aufmarsches R in die San-Dniesterlinie durchgearbeitet, wodurch der im geltenden Versammlungselaborat noch stark ausgesetzte Ostflügel des Heeres einer beim Ausfall Rumäniens drohenden russischen Umklammerung entzogen werden konnte. Im Frühjahr 1914 verfaßte GdI. Conrad, um die geordnete Versammlung seiner Nordarmeen besorgt, über das gleiche Problem eine ausführliche Studie. Als wenige Monate später der Fürstenmord in Sarajevo die Wahrscheinlichkeit eines Krieges gegen Serbien und die Möglichkeit eines Eingreifens Rußlands auslöste, gab GdI. Conrad am 1. Juli den Befehl, die Bereitstellung im Nordosten sogleich im Sinne seiner Studie umzuarbeiten. Die Maßnahmen des Eisenbahnbureaus des Generalstabes gestatteten dies ohne Erschwernis, so daß die vom Chef des Generalstabes befohlenen Abänderungen bis zur tatsächlichen Mobilisierung ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden konnten.

Für den Aufmarsch gegen Südosten waren vier, für den in Galizien sieben „Aufmarschlinien“ bestimmt. Unter solch einer Aufmarschlinie war nicht eine einzelne Eisenbahnstrecke, sondern ein System von Schienenwegen zu verstehen, durch das von den verschiedenen Einladestationen aus bis zu den Bestimmungsorten in gleichen Zeilen gleichgroße „Transportquanten“ hindurchgeleitet werden konnten.

Die Eisenbahnbewegung

Drei für den Kriegsfall B bestimmte Linien (I B bis IIIB) entsprangen in Prag, Theresienstadt und Budapest und mündeten an der Save-Donaulinie. Die 4., in der Beilage 5 blau eingezeichnete Linie sollte in allen Kriegsfällen den aus der ganzen Monarchie mit Ausnahme der Alpenländer stammenden Streitkräften in BHD. den Bedarf an Mann und Gerät zuführen. Die theoretische Leistungsfähigkeit dieser Aufmarschbahnen für den Kriegsfall B betrug 135 Züge täglich. Bei Abrechnung von 23 sogenannten „Fakultativzügen“, deren Belag und Betrieb man für unvorhergesehene Fälle offen ließ, war die tatsächliche Leistung am 3. Mobilisierungstag 31, am 4., 5. und 6. Tage 42, 52 und 73 und einschließlich von sieben Postzügen für Einzelreisende und kleine Transporte vom 7. Tage an 112 Militärzüge.

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Die sieben Linien (I R bis VII R), auf denen die Armeen nach Galizien gebracht werden sollten, überspannten alle Korpsbereiche mit Ausnahme derjenigen, die zur „Minimalgruppe Balkan“ gehörten (Kroatien-Slawonien, BHD.). Bestimmend für ihre Leistungsfähigkeit war die der Gebirgsbahnen in den Karpathen. Nach dem Einlaufen der Transporte in dem reicheren Bahnnetz Galiziens verzweigten sich die Aufmarschlinien wieder und gaben der Führung das Mittel zu Änderungen an die Hand.

Die tägliche theoretische Leistungsfähigkeit betrug zusammen 165 hundertachsige Zugspaare. Rechnet man auf jeder Strecke ein Sechstel an „Fakultativzügen“ ab, so stellte sich die tatsächliche Leistungsfähigkeit aller sieben Linien auf 140 Militärzüge täglich (davon auf jeder Linie ein bis zwei, zusammen acht Postzüge). Da die für die Kriegstransporte nötige Menge von Maschinen und Betriebspersonal am 3. Mobilisierungstage, an dem die Kriegsfahrordnung förmlich in Kraft trat, noch nicht vollzählig zur Stelle war, konnten an diesem Tage nur 40 Transportzüge rollen, deren Zahl auf 55, 66, 92 anwuchs, bis am 7. Tage die Volleistung von 132 Zügen erreicht war.

Schließlich war, um den Aufmarsch zu beschleunigen, für die 19. ID. (Pilsen) der Seetransport von Triest nach Metkovic vorgesehen, wobei diese Division aber nicht gleich zu Beginn der Transportbewegung von Pilsen abzurollen hatte. Die 95. LstlBrig. (Prag) hätte der 19. ID. voraussichtlich auf dem gleichen Weg folgen sollen.

Bei reibungsloser Mobilisierung und glattem Bahnbetriebe konnten im Südosten im reinen Kriegsfall B die Kampftruppen am 16. Mobilisierungstage die Operationsbereitschaft erlangen, die „Minimalgruppe Balkan“ allein um vier Tage früher. Im Nordosten konnten die Kampftruppen des linken Flügels (4. und 1. Armee) bis zum 23., die des rechten (2. und 3. Armee) bis zum 27. Mobilisierungstage eingetroffen sein.

Mobilisierung und Aufmarsch 1914

Hiezu Beilage 6

Das Kräfteaufgebot gegen Serbien und Montenegro

Am 28. Juni 1914 wurden zu Sarajevo der Thronfolger ÖsterreichUngarns Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin, die Herzogin

Sophie von Hohenberg, ermordet. Da mannigfache Fäden von den Mördern nach dem Königreich Serbien hinüberführten, stellte die Wiener Regierung am 23. Juli an dieses eine Reihe von Forderungen, die binnen 4S Stunden zu beantworten waren3). Als die Antwort Belgrads auf diese befristete Note unbefriedigend ausfiel, entschloß sich die Donaumonarchie, den für ihren Bestand so gefährlichen kleinen Nachbar mit den Waffen zum Einlenken zu zwingen. Von entscheidender Bedeutung war von Anbeginn das Verhalten Rußlands. Wien wußte, daß in den letzten Balkankrisen Serbien stets nur deshalb immer wieder eingelenkt hatte, weil ihm Rußland seine Hilfe nicht in Aussicht zu stellen vermochte. Die Tatsache, daß Belgrad nun den Fehdehandschuh aufgriff, und verschiedene Nachrichten aus Petersburg mußten nunmehr zur Vorsicht mahnen. Der k.u.k. Generalstab hatte sicherlich Anlaß genug zu erwägen, ob die Not der Stunde nicht sofort gebot, Serbien links liegen zu lassen und gleich möglichst starke Kräfte gegen das Zarenreich aufzubieten. Aber politische Rücksichten sprachen gegen ein solches Verfahren. Die Verantwortung, die das Habsburgerreich durch das moralisch gewiß vollauf berechtigte Vorgehen gegen Serbien auf sich genommen hatte, war ohnehin schon schwer genug. Wenn es sich nun ohne weiteres Besinnen gegen Rußland gewandt hätte, so wäre dadurch diese Verantwortung noch gesteigert worden. Auch war nicht zu vergessen, daß die Bündnisverträge Österreich-Ungarns nur für einen Verteidigungskrieg galten und namentlich den beiden südlichen Bundesgenossen Italien und Rumänien keine Handhabe geboten werden durfte, sich der Erfüllung der Bundespflichten unter Berufung auf den Buchstaben zu entziehen. Forderte doch auch Deutschland von seinem Verbündeten, daß er alles vermied, was ihn zum Angreifer stempeln konnte! So kam es, daß die Donaumonarchie nur gegen Serbien mobilisierte, und daß fünf Tage lang alle Kriegsmaßnahmen lediglich gegen diesen Gegner gerichtet waren, also jeder Spitze gegen das von Stunde zu Stunde bedrohlicher werdende Rußland entbehrten.

Der Befehl zur Teilmobilisierung gegen die Balkanstaaten, den Kaiser Franz Joseph am 25. Juli abends Unterzeichnete, rief die Truppen der „Minimalgruppe Balkan“ und der um die l.KD. und 11. HKD. verstärkten ,,B-Staffel“ unter die Waffen, so daß das gesamte Aufgebot 7 Korps mit zusammen 20 Infanteriedivisionen, 3 Kavalleriedivisionen und 6 Landsturminfanteriebrigaden sowie den zugehörigen Marschformationen und Besatzungstruppen zählte. Um noch über einen Kräftezuschuß verfügen zu können, ließ die Heeresleitung überdies das Grazer III. Korps mobilisieren. Es sollte zur Hand sein, um bei der Feldarmee Lücken auszufüllen, die durch etwaige politische Schwierigkeiten in Böhmen entstehen mochten, konnte aber auch als Flankenschutz dem unverläßlichen Italien gegenüber dienen oder aber — der Bahnlage wegen freilich erst nach dem 14. Mobilisierungstage — den Balkanarmeen nachgesandt werden.

Durch diese teilweise Mobilisierung wurden zu Land auf Kriegsfuß gestellt: 3 Armee- und 8 Korpskommandos mit zusammen 23 Infanteriedivisionen, 3 Kavalleriedivisionen, 8 Landsturminfanteriebrigaden,

6    Marschbrigaden und 8 Honvédmarschregimentern. Vier der Infanteriedivisionen waren für den Gebirgskrieg ausgerüstet und zählten insgesamt 14 Gebirgsbrigaden. Als erster Alarmtag1) galt für die aufgebotenen Heereskörper der 27., als erster Mobilisierungstag der 28. Juli.

Zur See wurde das noch von den Sommerübungen her in Kriegsausrüstung befindliche Geschwader mit zwei Schlachtschiff-, einer Kreuzerdivision und einer Torpedobootsflottille mit zusammen 6 Schlachtschiffen,

7    Kreuzern, 9 Torpedofahrzeugen und 12 Torpedobooten der operativen Flotte, dann eine Anzahl von Depot-, Hilfs- und Trainschiffen mobilisiert. Die zu diesem Geschwader gehörige 2. Schiffsdivision (3 Schlachtschiffe, 1 Rapidkreuzer, 4 Torpedofahrzeuge und 4 Torpedoboote) erhielt am 26. Juli den Auftrag zum Zusammenwirken mit den Landstreitkräften in Süddalmatien, wozu sie dem 6. Armeekmdo. unterstellt wurde.

Auf der Donau wurde die Donauflottille mit 6 Monitoren, 4 Patrouillenbooten und den nötigen Trainschiffen auch auf Kriegsstand versetzt. Sie war zunächst an die Befehle des 2. Armeekmdos. gewiesen.

Zum Kommandanten aller mobilisierten, gegen Serbien und Montenegro bestimmten „Balkanstreitkräfte“ wurde der Armeeinspektor GdI. Erzherzog Friedrich ernannt, dem GdI. Conrad als Chef des Generalstabes zur Seite trat. Das Kommando beabsichtigte, sein Hauptquartier in Kamenitz (Kamenica) bei Peterwardein aufzuschlagen. Daß die beiden, schon damals für den Oberbefehl über die gesamten Feldarmeen in Aus*) Bei der Alarmierung erfolgte die Grenzsicherung durch Truppen auf Friedensstand und durch „Landsturm-Gendarmerie-Assistenzen“; den Bahnschutz übernahmen Landsturm-Eisenbahnsicherungsabteilungen. Überdies war mit der Alarmierung eine Reihe weiterer, die Durchführung der Mobilisierung und des Aufmarsches sichernder und vorbereitender Maßnahmen verbunden.

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I 2. AuQ.

Rüstung zum großen Waffengang

sicht genommenen Persönlichkeiten sich zunächst völlig in der Richtung Südost festlegten, zeigt, wie sehr man mindestens in jenen ersten 48 Stunden nach dem Bruch mit Belgrad doch damit rechnete, den Krieg gegen. Serbien noch ohne unmittelbare Bedrohung durch Rußland führen zu können.

Die russische Kriegsgefahr und die allgemeine Mobilisierung Österreich-Ungarn hatte am 25. Juli zwei Fünftel seiner Wehrmacht aufgeboten; es war dies ausschließlich in der Absicht geschehen, den Bedränger im Südosten so rasch und so nachdrücklich als möglich von den Fersen abzuschütteln. Jede Herausforderung anderer Mächte lag der Donaumonarchie im ureigensten Interesse fern. Daher blieben die galizischen Regimenter in vollster Ruhe in ihren Quartieren und auch die Korps gegen Italien und Rumänien wurden angewiesen, alles zu vermeiden, was irgendwie zur Beunruhigung dieser Nachbarstaaten hätte beitragen können. Sogar gegenüber Montenegro wurde größte Zurückhaltung geübt, obwohl es seine feindselige Haltung unverhüllt zur Schau trug. Alle militärischen Maßnahmen des Habsburgerreiches waren auf die Lokalisierung des Krieges gegen Serbien abgestimmt.

Aber Rußland, das schon am 24. Juli verkünden ließ, einem Konflikte auf dem Balkan nicht gleichgültig gegenüberstehen zu können, bot dessenungeachtet in wachsendem Ausmaße Anlaß zur Sorge. Bereits am 25. Juli erfuhr man in Wien, daß die russischen Militärbezirke Warschau, Kiew, Odessa, Moskau und wahrscheinlich auch Kasan Befehl zur Vorbereitung der Mobilisierung erhalten hätten. Andere Meldungen wußten über vorzeitige „Ausmusterungen“ aus den Junkerschulen, über die Einberufung von vier Reservejahrgängen in den Bezirken Kiew, Odessa und Moskau zu berichten. Bedrängten Gemütes sprach GdI. Conrad daher am 28. Juli, dem Tage der Kriegserklärung an Serbien, gegenüber dem Minister des Äußern Leopold Gf. Berchtold den Wunsch aus, Klarheit über das Verhalten Rußlands zu gewinnen. Denn wenn Rußland marschierte, dann war es höchste Zeit, sich über die weitere Verwendung der „B-Staffel“ schlüssig zu werden.

Am 29. Juli abends traf vom k.u.k. Militärattache in Petersburg Hauptmann Franz Prinz Hohenlohe die Meldung ein, Rußland habe unter Hinweis auf das für einen Krieg gegen das kleine Serbien viel zu große Machtaufgebot Österreich-Ungarns die Mobilisierung der vier an das Donaureich angrenzenden Militärbezirke angeordnet. Die tatsächlich festgestellten Maßnahmen des Zarenreiches schienen aber den Rah-

Die allgemeine Mobilisierung

men einer solchen Teilmobilisierung noch zu überschreiten. Man stand nun in Wien schon unter dem Eindruck einer kaum mehr abwendbaren russischen Kriegsgefahr. Wann diese eintreten werde, konnte man freilich noch nicht verläßlich abschätzen, denn gerade in diesen Tagen, am 29. und 30. Juli, lief zwischen dem Deutschen Kaiser und dem Zaren ein Depeschenwechsel, der vielleicht doch noch zur „Lokalisierung“ des Balkankonfliktes führen mochte. Auch hatte Berchtold nicht versäumt, den Russen in der Frage der an Serbien gestellten Forderungen gewisse beruhigende Auskünfte zu erteilen. Deutschland, noch immer auf den ehrlichen Friedenswillen Rußlands und der Welt vertrauend, ließ in diesen achtundvierzig Stunden gleichfalls kein Mittel unversucht, einen Krieg zwischen den Großmächten zu verhindern. Der deutsche Reichskanzler teilte am 30.Juli seinem Wiener Botschafter Heinrich v.Tschirschky und Bögendorff mit, daß Deutschland zwar bereit sei, seine Bündnispflicht zu erfüllen, es aber ablehnen müsse, sich von Wien „leichtfertig und ohne Bedachtnahme auf die deutschen Ratschläge in den Weltbrand hineinziehen zu lassen“1). Die Absendung dieser Depesche wurde durch die Nachricht hervorgerufen, daß der Ballhausplatz bereits alle Beziehungen zu Petersburg abgebrochen habe. Da sich dies als Irrtum erwies, gab Tschirschky die deutsche Warnung in ihrem Wortlaut an den Grafen Berchtold nicht weiter2). Darüber, daß Deutschland in dieser Stunde jeden Schein einer Herausforderung Rußlands vermieden wissen wollte, konnte dennoch kein Zweifel herrschen. In diesem Sinne stand denn auch während der Audienz, die GdI. Conrad am 30. Juli nachmittags gemeinsam mit dem Grafen Berchtold und dem Kriegsminister FZM. Ritt. v. Krobatin bei dem eben aus Ischl zurückgekehrten Kaiser hatte, die Fortführung der gegen Serbien eingeleiteten Aktion im Brennpunkt der Berichterstattung; war doch zu dieser Stunde der Chef des Generalstabes selbst auch noch keineswegs voll davon überzeugt, daß Rußland trotz seiner drohenden Haltung wirklich schon gesonnen war, ungesäumt auf den Plan zu treten3). Allerdings konnte ihn diese Auffassung nicht hindern, dem Kaiser gegenüber auf die bedrängte Lage hinzuweisen, die ein längeres Aufschieben der allgemeinen Mobilisierung unter Umständen herbeiführen müsse. Von FJIn diesem Zu*) Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914. Neue, durchgesehene Auflage (Berlin 1927), II, 43 f.

19


2 Vgl. Montgelas, Botschafter von Tschirschky im Juli 1914 (Die Kriegsschuldfrage, Berlin 1928, VI. Jhrg., 725 ff).

3) Gespräch mit Berchtold, Conrad, IV, 148.

sammenhange befragt, wann spätestens, wenn man nicht allzu sehr in die Nachhand kommen wolle, die ganze Armee aufgerufen werden müßte, erwiderte Conrad: „Besser morgen, äußerstenfalls wäre aber am 1. August noch Zeit1)."

Diese Zeitangaben fußten auf Unterredungen, die am 29. und 30. Juli GdI. Conrad und Obst. Metzger mit dem Chef des Feldtransportwesens Obst. Johann Straub gehabt hatten und die der Möglichkeit galten, daß Rußland schon jetzt Österreich-Ungarn zum Aufgebot der ganzen Wehrmacht nötigen könnte. Bei der Erörterung dieses im Frieden nicht vorbereiteten Falles eines gleichzeitigen Aufmarsches der „Minimalgruppe Balkan“ samt der „B-Staffel“ gegen Serbien und der „A-Staffel“ gegen Rußland erklärte Obst. Straub, die Verantwortung auf sich zu nehmen; nur dürfe, wenn die allgemeine Mobilmachung am letzten Juli oder spätestens am 1. August befohlen werde, der erste R-Mobilisierungstag nicht früher als auf den 4. August festgesetzt werden, damit die Militärbahnbehörden und die Bahnverwaltungen Zeit gewännen, sich entsprechend umzustellen-). Der R-Alarm war dementsprechend für den 2. August anzuberaumen.

Aus diesen Erwägungen mochte sich der eben erwähnte Ausspruch Conrads gegenüber seinem Kaiser, die allgemeine Mobilisierung sei spätestens am 1. August zu verfügen, hergeleitet haben. Bei dieser Audienz wurde auch der Entschluß gefaßt, den Krieg gegen Serbien zunächst mit den hiefür bereits mobilisierten Truppen durchzuführen und die übrigen Teile des Heeres (die „A-Staffel“) mit dem 4. August als ersten Mobilisierungstag gegen Rußland aufzurufen.

Hatte das Wiener Kabinett schon bisher keinen Ausweg aus der Krise gesehen, der nicht einem offenkundigen Rückzug des Habsburgerreiches gleichgekommen wäre, so begann nun auch Deutschland mit einem Male ob der Haltung Rußlands höchst unruhig zu werden. Zumal der deutsche Generalstab drängte plötzlich den öst.-ung., keine kostbare Zeit zu verlieren, sondern die äußerst bedrohlichen Maßnahmen Rußlands mit

1    Conrad, IV. 151.

2    Die für den Betrieb der R-Aufmarschlinien vorgesehenen Maschinen und Betriebspersonen standen in großer Zahl im Dienste des seit fünf Tagen rollenden Balkanaufmarsches. Zumal in Ungarn waren Hunderte von Lokomotiven und Tausende von Betriebsbediensteten, die für den R-Aufmrsch notwendig waren, zur Betriebsverdichtung an die südlichen Strecken verlegt worden. In kleinerem Ausmaße war es in Österreich nicht anders. Diese Lokomotiven und Betriebsbediensteten mußten für die Bahnbewegung nach Galizien erst ersetzt, dazu die Lokomotiv- und Personal-dirigierung neu bearbeitet werden.

entsprechenden Gegenmaßnahmen zu beantworten1'). Hierauf depeschierte Conrad am 31. Juli um 8h früh an Moltke:

„Auf Grund Allerhöchster Entscheidung ist Entschluß: Krieg gegen Serbien durchzuführen, Rest der Armee mobilisieren und in Galizien versammeln. Erster Mobilisierungstag 4. August. Mobilisierungsbefehl ergeht heute 31. Juli. Erbitte Bekanntgabe dortseitigen ersten Mobilisierungstages“ 2).

In der Tat Unterzeichnete am 31. Juli mittags Kaiser Franz Joseph den Befehl zur allgemeinen Mobilisierung der noch nicht aufgerufenen Teile der Kriegsmacht zu Land und zur See, wobei aus den schon berührten Gründen der 2. August als erster „Alarmtag“ und der 4. als erster „Mobilisierungstag“ bestimmt wurde. Anschließend daran hatte der Aufmarsch der jetzt mobilisierten Teile des Heeres in Galizien zu erfolgen, ohne daß dadurch die weitere Versammlung der Kräfte gegen Serbien unterbrochen werde. Auch in Berlin, wo man um die Mittagsstunde erfahren hatte, daß Rußland am Abend zuvor die Aufrüstung seines ganzen Heeres verfügt habe, hielt man jetzt mit seinen Kriegsvorbereitungen nicht länger zurück. In der vierten Nachmittagsstunde sprach der Deutsche Kaiser den Zustand der „drohenden Kriegsgefahr“ aus, Tags darauf ließ er mobilmachen, wobei schon der 2. August als erster „Mobilisierungstag" zu gelten hatte.

Nachdem so der Krieg gegen Rußland im Laufe des 31. Juli schon fast zur sicheren Tatsache geworden war, verfolgte der Berliner Generalstab nicht ohne ernste Sorge, daß der Bundesgenosse, wie man aus Conrads Depesche vom frühen Morgen ersehen konnte, trotzdem noch etwa zwei Fünftel der ganzen Heeresmacht auf den zum Nebenkriegsschauplatz gewordenen Balkan weiterrollen ließ. Um 5h nachm. wurde Obstlt. Bienerth zum Deutschen Kaiser gerufen, der ihm nach einer längeren Auseinandersetzung über die weltpolitische Lage dringendst nahe legte, ÖsterreichUngarn möge sich doch ja mit allen verfügbaren Kräften gegen Rußland

L) Botschafter Gf. Szögyeny an das k.u.k. Ministerium des Äußern, Berlin, 30. Juli, 7h40 nachm., über eine Unterredung zwischen dem GO. Moltke und dem öst.-ung. Militärattache Obstlt. Freih. v. Bienerth. — Österr. Aktenwerk, VIII, 913. — Ferner Moltke an Conrad (Telegramm, eingetroffen am 31. Juli, 7h45 vorm. — Conrad, IV, 152.

2) Diplomatische Aktenstücke zur Vorgeschichte des Krieges 1914. Ergänzungen und Nachträge (Wien 1919), III, 99; G o o s s, 307; Österr. Aktenwerk, VIII, 942; hier überall als Mitteilung Berchtolds an Szögyeny wiedergegeben, ebenso bei Conrad, IV, 156. Das Original der Depesche liegt nicht mehr vor.

wenden und Serbien vorerst links liegen lassen4). Kurz darauf ließ Wilhelm II. an seinen kaiserlichen Bundesgenossen einen Mahnruf ähnlichen Inhalts abgehen, der um 9hl5 nachm. in die Hände des GdI. Conrad gelangte-).

Diese Erinnerungen aus Berlin hatten sicherlich Anteil daran, wenn der k.u.k. Chef des Generalstabes in zwei Beratungen, die er noch in der darauffolgenden Nacht mit den maßgebenden Persönlichkeiten der Heeresleitung abhielt, nun doch ein Umlenken des größeren Teils der in der ,,B-Staffel“ vereinigten Truppen nach Norden zur Erwägung stellte. Hiezu beantragte Obst. Metzger, die Heereskörper der „B-Staffel“, die in der Mobilisierung um sieben Tage vorausschritten, vor der „A-Staffel“ nach Galizien zu schieben. Wohl wären die Nordostschwenkung der aus der Linie Leitmeritz—Prag—Budapest—Temesvár gegen Süden rollenden Transporte sowie die neuerliche Einladung der an der Save und an der Donau schon eingelangten Teile möglich gewesen. Nach zwei Tagen aber wären die dichten Zugsketten auf die noch nicht mit allen Betriebsmitteln versehenen Karpathenbahnen gekommen, deren geringe Leistung schon vom 2. August an durch den „R-Alarmtransport“ voll ausgenützt war. Verkehrsstockungen, Zerreißungen der Verbände und in der Folge eine empfindliche Verspätung der Versammlung aller Kräfte gegen Rußland wären die unvermeidliche Folge gewesen. Deshalb lehnte der Feldeisenbahnchef die Verantwortung für eine solche Maßregel mit aller Entschiedenheit ab, was diesen Plan zu Falle brachte.

Andere Möglichkeiten ergaben sich bei dem Gedanken, die schon fahrenden Teile der „B-Staffel“5) auf der Bahnfahrt aufzuhalten und entweder wieder in die Mobilisierungsstationen zurückzuleiten oder gruppenweise zu sammeln, um sie aus diesen Zufallsorten hinter der „A-Staffel“ nach Galizien abzusenden. Gegen die Rücksendung der schon aus der Heimat abgereisten Truppen sprachen vor allem politische und moralische Bedenken, zumal gegenüber den aus Böhmen stammenden

Regimentern. Ein Aufhalten der rollenden Heereskörper war aber deshalb nicht sonderlich verlockend, weil nach den Berechnungen der Militärbahnbehörden die Truppen der „B-Staffel“ nicht um einen Tag später in Galizien einlangten, wenn man sie nach dem Südosten weiterfahren und dort in pferde- und hilfsmittelreicher Gegend ihre Mobilisierung vollenden ließ. Dabei konnte die Anwesenheit starker Kräfte an der SaveDonaulinie auch noch den Vorteil mit sich bringen, daß sie die Serben zu Maßnahmen verleitete, die der späteren Kriegführung der Balkanstreitkräfte zugute kommen mochten.

Auf Grund dieser Erwägungen entschied man sich dafür, die Divisionen und selbständigen Brigaden der ,,B-Staffel“, die noch nicht die Aufmarschbewegung angetreten hatten x), sowie die zur Verfügung des AOK. gehaltenen Truppen — III. Korps, 10. ID., k. u. k. 95. LstlBrig. — in den Ausrüstungsorten festzuhalten und gemäß dem Aufmarschplan R direkt nach Galizien zu schieben. Die schon gegen Süden in Bewegung befindlichen Heereskörper der ,,B-Staffel“ hatten aber die Versammlung in Syrmien und im Banat fortzusetzen, von wo aus sie nach Galizien transportiert werden sollten und nach den vorliegenden Berechnungen nicht später einzulangen brauchten, als wenn sie direkt aus den Ausrüstungsorten nach dem Norden gelenkt worden wären.

War diese letzte Erwägung für den Generalstabschef bei seinen Entschlüssen auch entscheidend, so lassen seine Aufzeichnungen doch gewisse Zweifel, ob er von der Bedeutungslosigkeit, die nach den aufmarschtechnischen Aufstellungen der Umweg der ,,B-Staffel“ über Syrmien für die Vollendung des R-Aufmarsches haben mochte, völlig überzeugt war2).

Wenn Conrad trotzdem die geschilderte Lösung gewählt hatte, so mochten in erster Linie die Vorstellungen des Eisenbahnchefs für ihn maßgebend gewesen sein. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, daß noch eine zweite Erwägung am Werden des Entschlusses mitgewirkt hat. Daß Conrad noch am 30. Juli die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen betrachtet hatte, Rußland werde mit der Hilfeleistung für Serbien noch zögern, ist schon gesagt worden (S. 20). Er hatte an diesem Tage auch

Es waren dies: 19. ID., 26. SchD., 20. HID., 11. HKD., 36. und 102. LstlBrig.,

4., 7. und 9. MaBrig. — Die im R-Falle als Alarmdivision bestimmte, jetzt bereits zum größten Teil gegen den Balkan abgerollte 1. KD. wurde gebremst und samt den Teilen, die im Banat bereits eingetroffen waren, noch nach der Friedensfahrordnung nach Galizien geführt, da alle Kavalleriedivisionen möglichst rasch an die russische Grenze gelangen sollten, um dort dem mit Bestimmtheit erwarteten, dann aber ausgebliebenen Einbruch russischer Reitermassen entgegentreten zu können.

2) Conrad, IV, 137 und 159.

\om K.iiser für die Heeresleitung noch die Erlaubnis erbeten, zunächst auf den serbischen Kriegsschauplatz abzugehen. Seither war wohl die allgemeine Mobilmachung Rußlands bekanntgeworden, eine genug eindrucksvolle Warnung. Trotzdem scheint der öst.-ung. Generalstabschef es noch immer nicht für ganz unmöglich gehalten zu haben, daß ihm Verzögerungen in der Mobilisierung und beim Aufmarsch Rußlands die Gnadenfrist gewährten, unter Zuziehung von entsprechend starken Heereskörpern der 2. Armee, die erst vom 18. August an die Züge zur Fahrt nach Galizien besteigen konnte, über die Serben mit überlegenen Kräften noch einen eindrucksvollen Anfangserfolg und damit zugleich einen politischen Vorteil zu erringen (S. 93), der auch von den leitenden Staatsmännern im Hinblick auf Rumänien und Bulgarien immer wieder dringend gefordert wurde. Leise Hoffnungen solcherart haben dem GdI. Conrad sicherlich den Entschluß erleichtert, die ,,B-Staffel“ in dem geschilderten Ausmaße weiterrollen zu lassen. Sie bieten wohl auch die Erklärung für die später zur Sprache kommende auffallende Tatsache, daß das AOK. noch bis in die Nacht auf den 6. August zögerte, dem FZM. Potiorek als nunmehrigen Oberbefehlshaber gegen Serbien und Montenegro den Eintritt des großen R-Falles und damit das bevorstehende Abgehen der 2. Armee aus Syrmien nach Galizien wissen zu lassen (S. 97).

Es wurde demnach, da man keinen Zeitverlust für den Aufmarsch im Norden besorgte, der Balkanaufmarsch ohne Rücksicht auf Rußland durchgeführt.

Sollte — was Conrad erst später erfuhr — das Ausbleiben der Italiener in den Vogesen eine Schwächung des deutschen Ostheeres im Gefolge haben, so fiel durch das Verhalten Rumäniens für die österreichischungarischen Streitkräfte in Galizien die Flügelanlehnung an eine in der Moldau aufmarschierende rumänische Armee weg. Um so mehr mußten daher alle irgendwie zusammenraffbaren Kräfte nach Galizien gebracht werden. Die Versicherung des Königs von Italien, eine den Bündnispflichten entsprechende, „herzlich freundschaftliche Haltung“ einzunehmen, und die Tatsache, daß die rumänische Mobilisierung in der Moldau nicht weniger gegen Rußland als gegen Österreich-Ungarn gerichtet sein konnte, boten Conrad immerhin die Möglichkeit, sich im Südwesten auf die Ausrüstung und Besetzung der Tiroler und Kärntner Grenzsperren zu beschränken und die für Siebenbürgen bestimmte Sicherheitsbesatzung1) ungesäumt nach Galizien zu werfen.

'-j Diese Sicherheitsbesatzung bestand aus der k. k. 1., 40. und k. u. 103. LstfBrig., 12. MaBrig. und HMaR. 9 und 10; ihr oblag im Falle eines Einbruches der Rumänen

Die Kriegserklärungen

Der Kommandant der nunmehr vollständig mobilisierten Flotte, Admiral Haus, wurde am 1. August vom Armeeoberkommandanten mit der „selbständigen Durchführung der Operationen zur See im Sinne des von den Souveränen der Dreibundmächte genehmigten Marineübereinkommens“ beauftragt. Da die weitere Haltung Italiens an diesem Tage noch nicht klar war, wurde beigefügt, daß die Flotte, falls das apenni-nische Königreich seinen Bündnispflichten nicht nachkommen sollte, sich nur auf „die Verteidigung der Adria“ zu beschränken habe. Das schon bei der teilweisen Mobilisierung angeordnete Zusammenwirken der im Golf von Cattaro befindlichen Seestreitkräfte mit den Truppen der 6. Armee blieb aufrecht. Am 2. August wurden die Befugnisse der Flotte durch die Ermächtigung zur Unterbindung der Zufuhr von Kriegsmaterial nach Serbien und zu den sonstigen Feinden (Montenegro war damals noch neutral) noch erweitert.

Durch diese Beschlüsse war auf der Seite Österreich-Ungarns der Auftakt zum großen Waffengange vorgezeichnet. Schon in den nächsten Tagen ging der Vorhang vor der von Kriegslärm erfüllten Weltbühne ganz empor. Am 1. August erklärte Deutschland an Rußland, am 3. an Frankreich, am 4. an Belgien den Krieg. Der Einmarsch des deutschen Heeres in Belgien rief England auf den Plan, das am 4. August abends mit Deutschland brach. Am 5. erklärte Montenegro an die Donaumonarchie und diese an Rußland den Krieg. Am 6. folgte die Kriegserklärung Serbiens an das Deutsche Reich, am 8. die Deutschlands an Montenegro, am 12. die Frankreichs und Englands an Österreich-Ungarn. Am 23. August brach Japan die Beziehungen zu Deutschland ab. Am 27. schloß Österreich-Ungarns Kriegserklärung an Belgien vorläufig den Reigen. Das System der Bündnisse und Ententen hatte sich im Lager der Feinde Deutschlands und Österreich-Ungarns voll ausgewirkt. Dagegen wurde den Mittelmächten in den ersten Augusttagen die Hoffnung, daß sich die Vertragsgenossen Italien und Rumänien doch noch anschließen könnten, für die nächste Zeit vollends geraubt. Ebenso wollte Bulgarien bei allem Haß gegen Serbien noch abwarten, nach welcher Seite hin sich die Waagschale des Erfolges in den ersten Schlachten senken werde. Nur die Türkei neigte von Anbeginn zu den Mittelmächten, mit denen sie schon in den ersten Augusttagen Militärkonventionen abschloß. Aber auch sie sollte noch drei Monate verstreichen lassen, ehe sie tätig in den Kampf eingriff.

die Verzögerung des feindlichen Vormarsches von den Grenzpässen an bis zur Maros, hinter der die von den anderen Fronten herangeführten Truppen aufmarschieren sollten.

Rüstung zum großen Waťfcngang

So zogen die Heere der mitteleuropäischen Kaiserreiche vorerst allein gegen den Bund zweier Weltmächte, zweier Großmächte und dreier Kleinstaaten ins Feld.

Die Wehrmacht von 1914

Aufbau.und Schulung

Die Kornfelder wogten goldgelb, die Sommersonne brannte heiß auf die Lande nieder, als der Bauer seinen Hof, der Arbeiter seine Maschine, der Handwerker, der Kaufmann, der Lehrer, der Beamte die Stätte seines Alltags verließ, um auf Geheiß des Kaisers zu den Fahnen zu eilen. Der mehrtägige Aufschub der Einrückung, der für den Nordosten verfügt worden war, wurde von unzähligen Wehrpflichtigen nicht beachtet; sie stellten sich noch vor dem ersten Mobilisierungstage bei ihren Ersatzkörpern. In den meisten Ausrüstungsorten trafen viel, viel mehr Leute ein, als man errechnet hatte. Es mangelte an Unterkünften, an Uniformen, an Gewehren, sogar an Nahrung. Alle Kasernhöfe, Gassen, Plätze waren vollgepfropft. Allenthalben lagerten, zwischen Hunderten von Pferden und Fuhrwerken, unzählige Aufgebotene unter freiem Himmel. Erst der Abmarsch der Feldregimenter schuf den so ersehnten Platz.

Der Auszug der Truppen aus der Heimat wurde überall zu einer erhebenden Feier, die für den Augenblick die Tränen der um ihr Teuerstes zitternden Mütter, Frauen und Kinder vergessen ließ. Wo immer Transporte auf der Bahnfahrt in ihren geschmückten Waggons vorüberkamen, wurden sie, unbekümmert darum, wes Stammes und welcher Zunge die Vorbeiziehenden waren, umjubelt und mit Liebesgaben überhäuft. Die Regimenter machten einen prächtigen Eindruck. Peinliche Vorfälle, wie man sie während der letzten Balkanwirren mit tschechischen Reservisten erlebt hatte, blieben völlig aus. Mit stolzer Entschlossenheit, der gegenüber Kleinmut und Schwarzseherei zum Schweigen verurteilt waren, rückten im Süden und im Norden die Armeen an den Feind heran, bestiegen die zur Flagge geholten Matrosen die Schiffskolosse. Noch einmal, so schien es, sollte der österreichischeste aller Dichter recht behalten:

Die Gott als Slaw’ und Magyaren schuf,

Sie streiten um Worte nicht hämisch,

Sie folgen, ob deutsch auch der Feldherrnruf,

Denn: Vorwärts! ist ung’risch und böhmisch ...    .

Der Heeresausbau seit 1867    27

Nun unterschied sich freilich die Armee, die jetzt, 1100 Bataillone, li/o Millionen Streiter stark, zum letzten Kampf auszog, von Grund auf von jener, der Franz Grillparzer seinen Spruch zugerufen hatte. Das Heer der langdienenden Soldaten, an dessen Spitze FM. Graf Radetzky seine Siege gegen die Piemontesen erfochten hatte, war einem Volksheer oder — um einen für Österreich-Ungarn besser passenden Ausdruck zu gebrauchen — einem Völkerheer gewichen, dessen Wurzeln in die große Heeresreform nach Königgrätz zurückreichten. Damals, 1867 bis 1870, in den Jahren der dualistischen Umgestaltung des Reiches, des Überganges zum Parlamentarismus, des Aufstrebens der Nationalitäten, wurde das Heer der allgemeinen Wehrpflicht auf einem staatlichen Unterbau aufgerichtet, der mit den Fundamenten der meisten anderen großen Heere kaum mehr recht zu vergleichen war1).

Schon kostete es Mühe, Ungarn im Ausgleich 1867 überhaupt zur Anerkennung einer einheitlichen Armee zu bewegen. Man konnte ihm dieses Zugeständnis nur dadurch abkaufen, daß man gleichzeitig der Aufstellung einer besonderen Nationalmiliz, der ungarischen „Iionved“, zustimmte. Folgerichtig mußten — aus Gründen der „Parität“ — sich auch die „im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“ dazu bequemen, eine österreichische „Landwehr“ ins Leben zu rufen. Gab es auf diese Weise drei getrennte Heeresorganisationen, von denen mindestens die Honvéd als Sondereinrichtung gelten wollte, so sah sich das gemeinsame Heer überdies an drei Parlamente gewiesen, den österreichischen Reichsrat, den ungarischen Reichstag und die beiden getrennt beschickten „Delegationen“, und es hatte vor jeder dieser Körperschaften ein besonderer Ressortminister die militärischen Angelegenheiten zu ver->

*) Es ist selbstverständlich unmöglich, hier eine Bibliographie zur Geschichte der Wehrmacht Österreich-Ungarns im Zeitraum 1867—1914 zu geben. Neben den Gesetzen, Dienstvorschriften und Verordnungsblättern kommen vor allem in Betracht: Anger, Illustrierte Geschichte der k. k. österreichischen Armee (2. Aufl.,Wien 1898 bis 1900); Danzer, Unter den Fahnen (Wien 1889); Wrede (und Seme k), Geschichte der k.u.k. Wehrmacht (Wien 1898—1903); Kriegsarchiv, Sechzig Jahre Wehrmacht 1848—1908 (Wien 1908); Der Oberste Kriegsherr und sein Stab (Wien 1908); [Kerchnawe], Die Vorgeschichte von 1866 und 19?? (Wien 1909); Die Wehrmacht der Monarchie (Beilage zur Zeitschrift Reise und Sport, Wien, Juni 1914). — Über die Organisation unterrichten die Werke von Glückmann, Hugo S c h m i d, Waldschütz. Aus der wechselnden Perspektive des Einzelnen behandeln den in Betracht kommenden Zeitabschnitt militärischer Entwicklung die Denkwürdigkeiten von Auffenberg-Komarów (1920), Conrad (von diesem auch „Mein Anfang“, Berlin 1925), Födransperg (1894), Mollináry (1905', W a 11-mann-Maelcamp-Beaulieu (1903—1905), Went v. Römö (1904 .

Rüstung zum großen Waffengang

treten; je ein Landesverteidigungsminister vor den beiden Staatsparlamenten und der gemeinsame Reichskriegsminister vor den Delegationen.

2S


Die Organisatoren des neuen Volksheeres, FM. Erzherzog Albrecht, der Sieger von Custoza, FML. Freih. v. John, FML. Freih. v. Kuhn und die Obersten Horst und Ritt. v. Beck, waren wohl von der Vorahnung großer politischer Schwierigkeiten erfüllt, wenn sie sich bei den Reorganisationsarbeiten nach 1866 vor allem bestrebten, der Armee einen möglichst breiten Rahmen zu sichern. Dieses Gerüst mußte im wesentlichen bis zum Weltkrieg ausreichen. Das gemeinsame Heer zählte im Jahre 1914 an Infanteriebataillonen sogar weniger als nach Abschluß der Heeresreform 40 Jahre vorher. Auch die Korpseinteilung, die FM. Erzherzog Albrecht und FZM. Beck, dieser schon als Chef des Generalstabes, der Wehrmacht in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts gaben, erfuhr später eine einzige Änderung durch die Aufstellung eines XVI. Korpskommandos in Ragusa. Der Zuwachs an Mannschaftsgestellung blieb in diesem langen Zeitraum weit hinter der Bevölkerungszunahme zurück. Das jährliche Rekrutenkontingent des Heeres betrug 1870 bei 36 Millionen Einwohnern rund 100.000 Mann, 1910 bei 50 Millionen unter Zuzählung der Landwehr- und Honvédrekruten nur 126.000 Köpfe. Erst das Wehrgesetz von 1912, das gleichzeitig die zweijährige an die Stelle der dreijährigen Dienstzeit setzte, verhieß einige Besserung, war jedoch in dem Augenblick, da man es beschloß, auch schon unzureichend. Kurz vorher hatte man die vierten Bataillone der Infanterieregimenter in Instruktionsabteilungen herabmindern müssen, um so für die Aufstellung von Maschinengewehrabteilungen, von neuen Batterien u. dgl. die nötige Mannschaft zu gewinnen. Von einer dem Geist der allgemeinen Dienstpflicht entsprechenden Heranziehung der Bevölkerung konnte unter solchen Umständen natürlich nicht die Rede sein. Auch die Einrichtung der „Ersatzreserve“, in der jährlich rund 80.000 Mann durch acht Wochen einer flüchtigen Ausbildung unterzogen wurden, vermochte keine nennenswerte Besserung zu bringen. Als sich die Armee im Sommer 1914 auf Kriegsfuß setzte, bestanden die Kompagnien zu einem Viertel bis einem Fünftel aus „präsent“ dienenden Leuten; alles andere waren Reservisten, Ersatzreservisten und auch 32jährige Landsturmmänner, die man sofort einzog, indes die Masse der 20jährigen, allerdings nur für kurze Zeit, daheimbleiben durfte. Einzelne Regimentsbezirke, die zu Kriegsbeginn 5000 bis 8000 Streiter ins Feld gestellt hatten, sandten ihren Truppenteilen in den darauffolgenden Jahren 60.000, ja sogar über 100.000 Mann als Ersatz nach. Gewiß dachte niemand

Die politischen Wirren    29

daran, gleich zu Anfang diese ganzen Massen in die Front einzustellen. Aber die Zahl der Zurückbleibenden überwog doch die der Ausrückenden in einem ganz unnatürlichen Verhältnis.

Das mühsame Tempo des Heeresausbaues hatte seine Ursache in den finanziellen Schwierigkeiten, mit denen Österreich-Ungarn trotz eines erheblichen wirtschaftlichen Aufschwunges aller seiner Teile kämpfte, aber noch mehr in den politischen Wirren, von denen das Reich in steigendem Maße heimgesucht wurde. In den Ländern diesseits der Leitha gab es in den ersten Jahrzehnten auch einige deutsche Gruppen, die sich dem Ausbau der Wehrmacht aus verschiedenerlei Gründen entgegenstellten. Die große Presse des liberalen Bürgertums nahm gegen Heeresforderungen fast durchwegs eine ablehnende Haltung ein. Doch bot sich den Regierungen immer die Möglichkeit, irgendeine Mehrheit zusammenzuraffen, mit der sie die nötigsten Heereserfordernisse durchdrückten. Viel schwerer fiel das Verhalten Ungarns ins Gewicht. Der „avitische“ Selbständigkeitsdrang der magyarischen Herrenklasse und der Wunsch, in einem gesonderten ungarischen Heere ein Machtwerkzeug zur Sicherung der magyarischen Vorherrschaft gegenüber den im Karpathenrund wohnenden „Nationalitäten“ zu besitzen, ließ die ungarischen Volksvertretungen seit den Tagen Koloman Tiszas zielbewußt auf die Teilung der gemeinsamen Armee hinarbeiten; Unklarheiten in der Abfassung des Ausgleiches von 1867 kamen ihnen bei diesen Bestrebungen zu”Hilfe. Die Krone, sonst gegenüber ungarischen Wünschen ziemlich nachgiebig, widersetzte sich, bestärkt durch Erzherzog Albrecht und Beck, später durch Franz Ferdinand und Conrad, jenen Teilungsplänen aufs zäheste. In ergreifenden Worten tat der Kaiser 1903 im Armeebefehl von Chłopy den Willen kund, seine „Rechte und Befugnisse“ und die Einheitlichkeit des Heeres nicht antasten zu lassen. Diese Kundgebung goß Öl ins Feuer der ungarischen Begehrlichkeit. Erst dem Grafen Stephan Tisza gelang es 1910 nach einer durch Jahre sich hinziehenden Krise den Frieden einigermaßen wiederherzustellen, wobei es freilich nicht ohne manches nationale Zugeständnis an die Magyaren abging.

Während, wie sich der Kriegsminister GdI. Freih. v. Schönaich ausdrückte, das gemeinsame Heer beinahe zu „verdorren“ drohte, erwuchs wenigstens in der Ausgestaltung der beiden Landwehren der Gesamtrüstung des Heeres eine ansehnliche Kraftvermehrung. Ursprünglich Miliztruppen ohne eigene Artillerie und ohne technische Verbände, streiften sie dieses Kleid schon vor der Jahrhundertwende ab. Der Anstoß zu dieser Entwicklung kam von Ungarn, das der Honvéd bereitwilligst gab, was es dem gemeinsamen Heere vorenthielt. Wohl oder übel mußte nun auch Österreich, da einseitige Zuwendungen an das Heer gesetzlich unmöglich waren, seine wehrpolitische Fürsorge der k. k. Landwehr angedeihen lassen. Die Friedensstände der Landwehr- und Honvédkompagnien wuchsen von Jahr zu Jahr und näherten sich zuletzt schon beträchtlich denen des Heeres. Auf manchen Gebieten der Bewaffnung und Ausrüstung wurde dieses im Jahrzehnt vor dem Kriege sogar durch die beiden Landwehren überflügelt. So erhielt die österreichische Landwehr in den Gebirgstruppen ein Elitekorps, wie es kaum eine zweite Militärmacht besaß. Auch die Gliederung in Heereskörper bis zur Division hinauf wurde durchgeführt. Im Gegensatz zur Landwehr blieb die Honvéd im Frieden außerhalb der Korpsverbände. Zuletzt bekamen Landwehr und Honvéd auch eigene Artillerie. Als ebenbürtige Kampfgenossen traten ihre Regimenter bei Kriegsausbruch an die Seite der Heerestruppen gleicher Bodenständigkeit. Es war eine verdiente Anerkennung vollbrachter Leistungen, daß im April 1917 auf Vorschlag des k. k. Ministers für Landesverteidigung GdI. Freih. v. Georgi die österreichischen Landwehrtruppen in „Schützen“ umbenannt wurden, indes für die ungarische Landwehr dieser nicht mehr entsprechende Ausdruck auch im deutschen Amtsgebrauche der Bezeichnung „Honvéd“ zu weichen hatte6).

Das Aufrücken der Landwehren aus der zweiten in die erste Linie hatte freilich zur Folge, daß Österreich-Ungarns Wehrmacht keine eigentliche „zweite Linie“ mehr besaß. Sinngemäß hätten die k. k. und die k. u. Landsturminfanteriebrigaden, deren Aufstellung auf Grund des Wehrgesetzes von 1888 vorgesehen war, jene Rolle zu übernehmen gehabt. Doch wurden auch diese, aus Männern von 32 bis 42 Lebensjahren gebildeten Milizverbände schon bei der Mobilisierung in die erste Linie eingestellt. Sie entbehrten anfangs naturgemäß des festen Gefüges, doch wußten sich später einige von ihnen — wie die deutschösterreichische 1. LstlBrig. und die 106. LstlD. — einen ehrenvollen Platz in der Gliederung des Feldheeres zu erringen. Die Aufgaben der dritten Linie übernahmen Landsturmterritorial-, etappen- und verwandte Formationen. In seinem Antrag vom 24. Dezember 1913 7) schlug GdI. Conrad vor, gleich anderen Militärmächten den Überschuß an ausgebildeten Reservisten, der sich nach dem neuen Wehrgesetz in den nächsten Jahren ergeben mußte, im Kriegsfall in besondere Reservetruppen (Regimenter, Brigaden, Divisionen) zusammenzuziehen. Der Krieg kam der Ausführung dieses Planes zuvor.

Ähnlich wie dem Ausbau des Gerüstes waren die politischen und finanziellen Schwierigkeiten auch dem Fortschreiten auf dem Gebiete der Bewaffnung und Ausrüstung vielfach im Wege gestanden. Nach jahrelangem Zögern erhielt die Artillerie während der Krise 1908 09 moderne Feldkanonen. Dagegen waren die Feldhaubitzen, mit denen sie in den Kampf zog, schon stark veraltet und auch die Gebirgskanonen ließen zu wünschen übrig8). Ebenso machte sich das Fehlen mittlerer Flachbahngeschütze empfindlich fühlbar. Dagegen besaß die Armee in dem 30.5 cm-Mörser, den auf Anregung Conrads Kriegsminister GdI. Ritt. v. Auffenberg im Jahre 1912 ohne Befragung der Volksvertretungen eingeführt hatte, ein Wundergeschütz, das auch dem Bundesgenossen auf seinem Wege durch die belgischen und französischen Festungsketten ein wertvoller Helfer werden sollte9). Dieses Guthaben an artilleristischer Rüstung konnte aber über die ungünstige Sollseite nicht hinwegtäuschen. Die öst.-ung. Artillerie zählte bei Kriegsausbruch 2154 leichte und 112 mittlere Feldgeschütze, 296 leichte Gebirgsgeschütze, 206 mittlere und 72 schwere Festungsgeschütze mobiler Verwendung10). Sie blieb mit diesen Zahlen beträchtlich hinter denen der anderen Heere zurück — absolut und relativ; es rückte zum Beispiel die öst.-ung. Infanteriedivision mit 18 bis 30 Rohren weniger ins Feld als die gleichen Heereskörper anderer Großmächte. Auf solche Weise war es der k.u.k. Artillerie nicht leicht gemacht, ihren historischen, zuletzt noch bei Königgrätz eindrucksvoll vermehrten Ruhm auch in den Anfangsschlachten des Weltkrieges zu behaupten.

Rüstung zum großen Waffengang

Sehr dürftig war auch die Ausrüstung der Infanterie mit dem an sich vorzüglichen tragbaren Maschinengewehr, was aber insofern nicht so sehr ins Gewicht fiel, als die Gegner kaum besser daran waren. Das Bataillon marschierte meist nur mit zwei, in Ausnahmsfällen mit vier Stücken dieser wirksamen Waffe ins erste Gefecht. Außerdem führte jede Kavalleriedivision vier Maschinengewehre mit sich. Sehr knapp stand es mit den Vorräten an Kleingewehren. Auch die Beschlagnahme fremder Modelle, die an österreichische und ungarische Fabriken zur Erzeugung vergeben waren, schützte die im September 1914 zur Karpathenverteidigung herangeholten Landstürmer nicht davor, mit Einzelladern, alten Werndlgewehren, beteilt zu werden. Daß sie und manche ihrer Leidensgenossen statt mit „hechtgrauen“ mit dunklen Friedensuniformen vorlieb nehmen oder gar sich mit schwarz-gelben Armbinden begnügen mußten, ließ sich, mochte man auch anderwärts ähnlich verfahren haben, kaum mehr rechtfertigen. Infanteriemunition führte das Heer reichlich mit. Dagegen herrschte an Artillerieschießbedarf, zumal für Steilfeuer, schon nach der ersten Kriegswoche würgender Mangel, der die höchste Anspannung der sich erst allmählich anpassenden Kriegsindustrie erforderte.

Bessere Kriegsbereitschaft war den technischen Truppen vergönnt, die —zum großen Teil noch als „Einheitspioniere“ ausgebildet — der Zahl nach für den dringendsten Bedarf hinreichten, an Ausrüstung entsprachen, an Ausbildung und Geschicklichkeit von keiner Schwesterwaffe anderer Militärmächte übertroffen wurden. Nachrichtenmittel wurden wohl gleich in sehr reichem Ausmaße begehrt, aber die geschickte Handhabung, die ihnen die jungen Telegraphentruppen angedeihen ließen, halfen fürs erste über den Mangel hinweg. Viel Arbeit bekamen während der Hin- und Rückmärsche der ersten Kriegsmonate auch die verschiedenen Eisenbahnformationen. Luftfahr- und Autotruppen befanden sich noch in einem embryonalen Zustand, der die spätere Ausgestaltung kaum ahnen ließ. Der zum Teil von der Truppe aufgestellte, zum Teil in den schwachen Friedensrahmen der Traindivisionen eingebaute Troß war eher viel zu groß als zu klein. Er führte anfänglich neben den im Lande aufgebotenen, von kleinen, genügsamen Pferden geführten „Panjewagen“ Galiziens noch eine Menge schwerer Fuhrwerke mit sich, deren manches noch unter Radetzky Dienst getan hatte. Wurden diese auch sehr bald ganz von den Panjewagen verdrängt, so taten sie und die gewaltige Masse an Troß, die man zu Kriegsbeginn mitführte, der Beweglichkeit starken Abbruch. Tausende von Wagen und Pferden blieben neben der

Die Ausbildung

Straße liegen und mußten auf Rückzügen dem Feinde überlassen werden. Sehr gut bewährten sich auf dem Balkankriegsschauplatz und später gegen Italien die jeder Schwierigkeit des Gebirges gewachsenen Tragtiere.

33


Der Sanitätsdienst war im Frieden eifrig vorbereitet worden. Die Vorsorgen haben im allgemeinen die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllt, wenn auch die Organisation in einzelnen Fällen besonders starken Anforderungen nicht gewachsen war; namentlich Chirurgen mangelten zu Kriegsbeginn. Außerordentliches Verdienst sollte sich die medizinische Wissenschaft gleich nach den ersten Kriegswochen bei der Bekämpfung der Cholera und anderer Kriegsseuchen erwerben. Nicht vergessen seien die Leistungen, deren sich das Rote Kreuz und die beiden geistlichen Ritterorden, der souveräne Malteser- und der deutsche Ritterorden, im Kriegssanitätsdienst rühmen durften. Im militärärztlichen Offizierskorps rissen schon die ersten Schlachten manche empfindliche Lücke.

Die Verpflegsvorräte, die dem Feldheer anfangs nachgeführt wurden, ließen an Fülle nichts zu wünschen übrig. Trotzdem blieb es der Truppe nicht erspart, schon auf dem Vormarsch Hunger zu leiden, da ihr der Mundbedarf sehr oft nicht zu folgen vermochte und die Geschicklichkeit fehlte, die Mittel des Landes auszunützen. Es war bei Kriegsbeginn ohne weiteres denkbar, daß eine Abteilung neben einem Felde reifer Kartoffeln hungerte. Hinten häuften sich aber die Massen später schwer entbehrten Verpflegsgutes und wurden nicht selten vergeudet. Kam es zum Rückzug, dann mußten die Vorräte samt den Fuhrwerken dem Feinde geopfert oder, damit sie dieser nicht erhielt, vernichtet werden. Dieses Schöpfen aus dem Vollen, das auch auf andere Gebiete des materiellen Dienstes Übergriff, zeitigte bei den im Frieden von einem großen, weitverzweigten Verwaltungsapparat zu strengster Sparsamkeit verhaltenen Truppen, Anstalten und Befehlsstellen die Rückwirkung, daß das Wort „Geld spielt keine Rolle“ zum Leitsatz alles Tuns wurde. Es dauerte Monate, ehe diese Devise aus den Köpfen verschwand und das gewohnte Darben wieder unbestritten in seine Rechte trat.

Die Ausbildung, mit der die Wehrmacht in den Krieg geführt wurde, fußte auf durchaus‘neuzeitlichen Grundsätzen. Bei der Infanterie hatte im letzten Jahrzehnt die individuelle Schulung den Drill auf das für die Erhaltung der Manneszucht unbedingt nötige Ausmaß zurückgedrängt. Conrad hatte ihr mit seiner „Gefechtsausbildung der Infanterie“ 2) einen Wegweiser an die Hand gegeben, der der Entschlußfreiheit des Kämpfers die weitesten Grenzen zog. Die Reglements waren in der Ära Conrads

i) 6. Aufl., Wien 1917.

I 2. Aufl.    3

so sehr in diesem Sinne gehalten, daß der Erzherzog-Thronfolger, um die Disziplin besorgt, unruhig zu werden begann. Neben der Ausbildung im Gelände beherrschte die Schulung im Schießen den Unterrichtsplan. Dem Zusammenwirken von Infanterie und Artillerie wurde in der Theorie und bei den Übungen zweifellos zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, die Bedeutung der Artillerie als Wegbereiterin des eigenen Infanterieangriffes und als Schirmerin in der Abwehr wohl unterschätzt. Die Reiterei war vorzüglich beritten und im Dienst zu Pferde hervorragend ausgebildet. Aber der konservative Sinn vieler höherer Führer wehrte sich gegen das Streben jüngerer Kräfte, Ausrüstung und Gefechtsschulung den ganz anders gearteten Forderungen der neuen Zeit anzupassen. Die Beharrlichkeit dieser Waffe ging so weit, daß man sie in der farbenfrohen Pracht ihrer Friedensuniformen, in blauen Waffenröcken und roten Hosen, an den Feind reiten ließ.

Unter den Kampfformen wurde bei der Ausbildung dem „Angriff um jeden Preis“ der Vorzug gewährt. Dies galt ebenso für die theoretische Schulung, wie für das Kriegsspiel und die Übungen im Gelände. Keine Armee der Welt ist darin weiter gegangen. Die abstoßende Wirkung moderner Feuerwaffen und die Stärke des verschanzten Gefechtsfeldes wurde — wie übrigens bei allen Armeen mit Ausnahme der kriegserfahrenen — viel zu wenig in Rechnung gestellt. Dieser Grundzug der Friedensausbildung kostete dem Heere in den Einleitungsschlachten viel wertvolles Blut. Die Infanterie stürmte wie auf dem Manöverfelde, ohne die Wirkung der eigenen Artillerie abzuwarten, auf den Feind los. Es dauerte geraume Zeit, bis die Truppen und vor allem die Führung aus den blutigen Erfahrungen die entsprechende Nutzanwendung zogen. Bei jenen war dann allerdings in einzelnen Fällen auch eine gewisse Angriffsmüdigkeit die Folge.

Den Höhepunkt der Friedensschulung hatten alljährlich die Manöver gebildet. GdI. Conrad hatte 1907 zum erstenmal volle „Freizügigkeit“ eingeführt und dadurch für den Verlauf der Übungen eine Kriegsmäßigkeit erzielt, die für alle Militärmächte beispielgebend wurde. Selbst unermüdlich am Werk, abgehärtet, genügsam, ein ausdauernder Fußgeher, Bergsteiger und Reiter, stellte er auch an die Truppe, um sie auf den Ernstfall vorzubereiten, außergewöhnlich große Anforderungen, derentwegen schließlich der Erzherzog-Thronfolger grollend meinte, daß es nicht nötig sei, die Soldaten „schon im Frieden das Sterben zu lehren“1).

!) Vgl. Glaise-Horstenau, Franz Ferdinand (Neue österreichische Biographie 1815—1918, Wien 1926, III, 29).

Dieses Manöversystem wies gewiß ganz bedeutende Vorzüge auf; allerdings fehlte es auch nicht an Auswüchsen, die zu Kriegsbeginn zu einer schädlichen Überspannung der Leistungen und zu einer allzugroßen Angriffshast führten. Unübertrefflich und unübertroffen war die Ausbildung des Heeres, zumal der in erster Linie hiefür bestimmten Teile, im Ge-birgskrieg. Hierin blühte der Armee wie keiner zweiten ein Ruhm, der sie lange überdauern wird.

Die Generalität und der Generalstab waren überdies jährlich durch breit angelegte Kriegsspiele und mehrwöchige Übungsreisen geschult worden, wobei freilich die Führung auf dem Schlachtfelde meist eingehender zur Darstellung gelangte als das strategische Manöver im unermeßlichen Raume des modernen Kriegstheaters. Diese Seite der Führerausbildung spiegelte sich auch in der sehr reichen öst.-ung. Militärliteratur wider, die eine ganze Reihe äußerst wertvoller taktischer Schriften, aber fast keine über die Probleme der höchsten Kriegführung aufwies. Auch am grünen Tisch triumphierte der Angriff bedingungslos über die Abwehr. Die Möglichkeit eines italienischen Krieges regte immer wieder dazu an, neben der weit ausholenden Umfassung auch den Durchbruch in die Erörterungen einzubeziehen. Sehr große Aufmerksamkeit wrandte man in den letzten Jahren vor dem Kriege dank dem persönlichen Einflüsse des Generalstabschefs dem materiellen Dienste zu. Die Errichtung eines eigenen Etappenbureaus des Generalstabes und die Abhaltung großer Etappenkriegsspiele kennzeichneten diesen Kurs. Daß er eingeschlagen wurde, hat sich im Kriege ohne Zweifel sehr gelohnt.

In den Offizieren des Generalstabes standen der Generalität emsige, im operativen Dienst und in der Generalstabstechnik wohl vorgeschulte Gehilfen zur Seite. Der Generalstab ging aus der Kriegsschule hervor, in die jeder junge Offizier nach einer allerdings recht kurz bemessenen Truppendienstzeit auf Grund von Prüfungen gelangen konnte. Zum Stabsoffizier des Generalstabes mußte überdies eine Majors-, die sogenannte „Erzengelprüfung“, abgelegt werden, zu der sich auch Truppenhauptleute melden konnten. Die Auswahl der Generalstabsoffiziere wurde fast nie durch Herkunft und Namen der Bewerber beeinflußt. Möglichst oft sollte der Generalstäbler — Ausnahmen ließen sich nicht vermeiden — für kürzere oder längere Zeit zur Truppe zurückkehren. Auch in dieser Hinsicht ging Conrad mit gutem Beispiel voran, indem er in den ersten Jahren seines Wirkens als Generalstabschef bei Manövern des öfteren Heereskörper führte.

Im Kriege teilte sich im Sinne der Vorschriften der Generalstabschef vom Korps aufwärts mit dem Kommandanten in der Verantwortung. Diese Bestimmung sowie die durch Friedenorganisation und Ausbildung bedingte Geschlossenheit des Stabes führten dazu, daß es nach preußischdeutschem Muster neben der hierarchischen Stufenleiter der Führer noch eine gesonderte der Stabschefs gab. Daraus erwuchsen für die Einheitlichkeit der Führung mitunter Nachteile. Auch kam es sicherlich vor, daß ein General die Zügel ganz seinem Generalstabschef überließ. Im allgemeinen ist aber zu sagen, daß in der österreichisch-ungarischen Wehrmacht der Stabschef gegenüber seinem Befehlshaber und seinem Heeresteile lange nicht die Stellung innehatte, wie etwa sein Amtskollege in der deutschen Armee, wo er die wichtigsten Verfügungen ,,im Aufträge“, das hieß in Wirklichkeit vielfach auf eigene Verantwortung, gegen spätere Zustimmung des Führers treffen konnte.

Die überwiegende Mehrzahl der Generalstabsoffiziere, die im Kriege mit der Truppe arbeiteten, vermochte sich deren unumschränktes Vertrauen zu erwerben. Dem Korps als solchem brachte die Truppe aus der Friedenszeit her wenig Sympathien entgegen. Sie warf ihm Truppenfremdheit, Kastengeist und anderes vor und übte an seinem Tun und Lassen strengste Kritik. Die größere oder geringere Berechtigung dieser Urteile nachzuprüfen, ginge über den Rahmen dieses kurzen Überblicks hinaus. Der deutsche GO. v. Seeckt, der im Kriege jahrelang öst.-ung. Generalstabsoffiziere unter sich hatte, scheint jedenfalls günstigere Eindrücke empfangen zu haben; denn er bedauert, daß der Betätigung des k.u.k. Generalstabes und damit auch seines Chefs, sehr ,,zum Schaden der Sache“, so „schematisch-enge Grenzen“ gezogen gewesen seien, und knüpft daran ein für das Korps gewiß ehrendes Urteil11). Sicherlich wäre es zweckmäßig gewesen, die Generalstabsoffiziere, als es klar wurde, daß der Krieg länger dauern werde, planmäßig zur Frontdienstleistung einzuberufen. In vielen Fällen sprach die in allen Dienstzweigen eingetretene Verfachlichung dagegen. Auch soll vermerkt sein, daß die Zahl vor dem Feinde gebliebener Generalstabsoffiziere, wenn man die Eigenart des Dienstes in Betracht zieht, nicht als gering bezeichnet werden kann und daß auch die Verlustziffer der zur Truppe eingerückten ehemaligen Generalstabsoffiziere keineswegs hinter der ihrer sonstigen Waffenkameraden zurückblieb.

Neben dem Generalstab gab es noch einen Artilleriestab, einen Genie-

Der Soldat des Völkerheeres

stab und — für den wirtschaftlichen Dienst — das aus Offizieren hervorgegangene Beamtenkorps der Militärintendanz. Diese Stäbe hatten in Gemeinschaft mit zahlreichen Hilfsorganen und fachmännischen Kräften das große Räderwerk des Heeresapparates im Gange zu erhalten. Ver-fachlichung und Arbeitsteilung beherrschten auch hier sehr bald die Szene. Diese ökonomische Erscheinung sowie die Nötigung, dem von Monat zu Monat schwerer drückenden Mangel an Personal und Material durch Schaffung von Überwachungs- und Verteilungsorganen Rechnung zu tragen, führte allmählich zu einem bedenklichen Anwachsen der Verwaltungsmaschine, deren Größe die Truppe verstimmte und gewiß auch moralische Nachteile im Gefolge hatte.

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Österreich-Ungarns Völker in Waffen

Die elf oder zwölf Nationen des Habsburgerreiches hatten dem Berufsheer vergangener Jahrhunderte Soldaten gestellt, an deren Eigenschaften es wahrlich nicht lag, wenn in der Geschichte jenes Heeres Zeiträume glänzender Erfolge immer wieder durch solche schweren Mißgeschickes abgelöst wurden. Gerüst, Führung und Geist dieses Heeres waren zweifellos deutschen Ursprungs1). Dies hinderte aber nicht, daß in der deutsch geschulten und deutsch geführten Armee ungarische Husaren, kroatische und „walachische“ Grenzer, böhmische Bombardiere, polnische Ulanen unangetastet in ihrer nationalen Eigenart fortbestehen konnten. Als Ganzes jedoch sog die Berufsarmee die Söhne aller unterschiedlichen Völker so vollkommen auf, daß sich aus der Vielheit der Einzelerscheinungen nichtsdestoweniger ein ausgesprochen österreichischer, „schwarzgelber“ Soldatentypus ergab. Die Heimat dieses österreichischen Soldaten war das Regiment, in dessen Reihen er, jahrelang durch die gleichen Offiziere geführt, den besten Teil seines Lebens verbrachte und ein-, zwei- und dreimal das halbe oder das ganze habsburgische Kaiserreich nach den verschiedensten Richtungen der Windrose durchzog. Von Familie und Volk fast völlig getrennt, dienten die Soldaten ihre Dienstzeit unter den kaiserlichen Fahnen in richtiger Landsknechtart ab, in Genügsamkeit und unter Entbehrungen, gewiß aber auch nicht ohne verlockende Romantik.

Der Keimboden für eine solche Heeresform ging durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und der kurzen, zuerst dreijährigen

x) Vgl. Glaise-Horstenau, Altösterreichs Heer in der deutschen Geschichte (Österreichische Wehrzeitung, Jhrg. 1924, Folgen 19, 24, 25, 27, 30).

und zuletzt zweijährigen Dienstzeit zum größten Teile verloren. Der stete Wechsel der Mannschaft führte nun zu einer immer engeren Verknüpfung der Truppen mit den Gebieten und Volksstämmen, aus denen sie ergänzt wurden. In den Achtzigerjahren wurde überdies der glatteren Mobilisierung wegen die „territoriale Dislokation“ eingeführt. Diese von Franz Ferdinand später immer wieder vergeblich bekämpfte Neuerung bereitete der für die Bildung des Regimentsgeistes so wichtigen Freizügigkeit vielfach ein Ende, nötigte dafür aber im Hinblick auf die zum Teil sehr schlechten Standorte zu um so häufigerem Offizierswechsel. Die tiefe Wandlung, die solcherart eingetreten war, zeigte sich sehr bald sinnfällig in der Sprachenfrage. Indes in der alten Berufsarmee dank der langen Dienstzeit so ziemlich jeder Mann schlecht und recht sein Armeedeutsch erlernte und auch die Schöpfer des Völkerheeres noch mindestens die Erlernung der deutschen Sprache für alle Unteroffiziere vorsahen, gab es zuletzt viele Regimenter, bei deren Kompagnien, Schwadronen, Batterien außer den achtzig Kommandoworten kaum mehr ein deutscher Laut zu hören war. Diese Erscheinung war ein äußerliches Merkmal des Prozesses, den das Heer mitgemacht hatte und dessen Folgen um so deutlicher zutage treten mußten, je mehr — bei der auf Kriegsfuß gesetzten Armee — die Zahl der dem bürgerlichen Leben entrissenen Reservisten und Landsturmmänner die doch noch ein wenig an den alten Typus gemahnenden „präsent dienenden“ Soldaten überragte.

Der Soldatennachwuchs, den die Völker stellten, war bis in die letzte Stunde durchaus brauchbar. Die Hauptmasse entstammte in dem größtenteils noch agrarischen Reiche dem Landvolke. Bauern, die entweder, wie in den Gebirgsgegenden, dem schwer zugänglichen Boden seine Frucht in zähem Kampfe mit der Natur und den Elementen abringen mußten oder, wie in den Ebenen an der Donau und im böhmischen Becken, in Wohlstand, jedoch ohne Verweichlichung aufwuchsen, waren berufen, gute, leistungsfähige Soldaten zu werden. Allerdings gab es auch Gegenden, deren Armut, wie in den Karstwüsten des Südostens und in den karpathischen Waldbergen, so groß war, daß die Jugend in Hunger und bitterster Not heranwuchs; aber die märchenhafte Genügsamkeit, die ihr dadurch anerzogen wurde, kam nicht selten doch der soldatischen Brauchbarkeit zugute. Ebenso traf in Österreich wie anderwärts die Annahme, daß der aus den Fabriken kommende Arbeiter und der Großstädter dem Landmanne als Soldat unbedingt nachstehen müsse, nicht zu. Eine glänzende Wiederlegung erbrachten, um ein Beispiel anzuführen, die Deutschböhmen, indem sie dem k.u.k. Heere Regimenter stellten, die an soldáti-

scher Tüchtigkeit nur selten erreicht, nie aber übertroffen wurden. Was da etwa dem vom Webstuhl oder aus der Glashütte geholten Arbeiter an Körperkräften abgehen mochte, das ersetzte er durch seine hohe Intelligenz und seine moralische Zähigkeit. Wurde bei ihm die im Verlaufe des Krieges überall erlöschende Begeisterung zuverlässig durch das gebieterische Muß abgelöst, so ermangelten die weniger kultivierten und geistig weniger regsamen Völkerschaften des Ostens meist dieses wichtigen Impulses in mehr oder minder großem Ausmaße und es war dann ganz besonders Sache der Führer, zumal des Leutnants und des Hauptmanns, durch persönliche Einwirkung diese Mängel wettzumachen. Nicht zu unterschätzen war bei allen Völkern der Einfluß, den religiöses Fühlen beim Ertragen der Kriegsnöte ausübte. Der Feldpriester, der unerschrocken und furchtlos dem Krieger in Not und Tod zur Seite stand, spielte eine bedeutsame Rolle1).

Zu untersuchen, wie die nationalen Wirren der letzten Jahrzehnte auf das Gefüge des österreichisch-ungarischen Völkerheeres zurückgewirkt hatten, ist selbstverständlich von großerWichtigkeitfür dessen Beurteilung. Die Organisatoren des Heeres der allgemeinen Wehrpflicht hatten diesem Problem die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Mußte den Ungarn in der Honvéd eine spezifisch nationale Truppe gewährt werden, so wurde für das gemeinsame Heer und die österreichische Landwehr doch eine Verfassung durchgesetzt, durch die zerstörende Einflüsse nationalen Ursprungs möglichst ausgeschaltet werden sollten. Schon Generalissimus Erzherzog Karl hatte in einem der ersten Artikel seines unvergleichlichen Dienstreglements bestimmt, daß dem Kriegsmann aus Religion und Nation keinerlei Anfechtungen erwachsen dürfen. Dieser Geist sollte auch dem Völkerheer der allgemeinen Wehrpflicht erhalten bleiben. Ausdrücklich bestimmten die Vorschriften, daß es jedem Soldaten möglich sein müsse, mit seinen Vorgesetzten bis zum Kompagnieführer in seiner Muttersprache zu verkehren. Auch die deutsche Kommandosprache, in der die reglementär festgesetzten Bewegungen und Griffe angeordnet wurden, und die deutsche Dienstsprache, die für den mündlichen und schrift-

J) Daß sich die Militärgeistlichkeit der Bedeutung dieser Rolle bewußt war, beweisen die verhältnismäßig großen Verluste dieser Standesgruppe. Winkler stellt in seiner „Berufsstatistik der Kriegstoten der österreichisch-ungarischen Monarchie“ (Wien 1919, Seite 9) fest, daß unter 20 Berufsmilitärgeistlichen einer auf der Walstatt geblieben ist. Mit Recht schließt er, man werde „diesem Stande die Anerkennung für seine Opferfreudigkeit nicht versagen dürfen“. Die Heldentafel im Wiener Stephansdom enthält die Namen von 51 vor dem Feinde gebliebenen Militärgeistlichen.

liehen Verkehr der Befehlsstellen im Gebrauche war, konnten keine politische Angelegenheit, sondern nur eine Sache des technischen Betriebes sein. Als solche wurden sie im allgemeinen auch von den Völkern und dem Großteil ihrer Führer anerkannt, solange man vermied, den Grundsatz in auffälliger Weise zu durchbrechen 1).

In der Tat erwuchs die Abneigung, mit der alle maßgebenden Führer des Heeres von Erzherzog Albrecht bis Franz Ferdinand und Conrad den magyarischen Teilungsbestrebungen begegneten, nicht nur der bestimmten Auffassung, daß die gemeinsame, einheitliche Armee das wichtigste und letzte Bollwerk der Großmachtstellung des Reiches darstelle, sondern auch der berechtigten Sorge, durch offenkundige Bevorzugung einer Nation die Begehrlichkeit aller anderen herauszufordern. Schon die Einführung der Zweistaatlichkeit hatte in dieser Hinsicht bedenklich gewirkt. Die Tschechen erhoben für die Länder der Wenzelskrone Anspruch auf ähnliche historische Rechte, wie man sie Ungarn zuerkannt hatte, und die Südslawen und Rumänen sahen sich mit Bitterkeit jenen Magyaren auf Gnade und Ungnade überantwortet, gegen die sie anno 1848 als treue Anhänger des Kaisers gekämpft und geblutet hatten. Wie anderswo so waren diese Völker auch in der Armeeführung noch immer eher geneigt, eine zentralistische Leitung gelten zu lassen, als eine solche, die sich auf der Bevorzugung zweier Nationen auf bauen wollte. Dessenungeachtet war, wie hier schon angedeutet wurde, die Krone im Verlaufe der letzten Jahrzehnte genötigt, an dem klug ausgedachten Gebäude der Heereseinheit in nationaler Beziehung manches Steinchen zu lockern. Der magyarischen Sprache wurde ein weiteres Gebrauchsfeld eingeräumt, in der Heranbildung des Offiziersnachwuchses den ungarischen Sonderwünschen stärker Rechnung getragen. Es waren Zugeständnisse, die sich nur infolge des frühen Kriegsausbruches nicht mehr in ihrer ganzen Schwere auszuwirken vermochten.

Erheblich geringer war der Einfluß der sonstigen nationalen Wirren vorläufig noch auf die Heerespolitik gewesen. Man kann füglich sagen, daß bis gegen die Jahrhundertwende das Heer diesen nationalen Kämpfen ziemlich entrückt blieb. Wohl hatte der übrigens auch in national einheitlichen Armeen geübte Brauch, zur Verhinderung oder Unterdrückung von Unruhen wenn möglich landfremde Truppen heranzuziehen, vielfach die Klage ausgelöst, daß man mit Hilfe des Heeres die Nationen gegeneinander ausspiele. Die Volkstümlichkeit litt darunter, wie das doch

x) Für die ungarische Honvéd war die ungarische, für die kroatisch-slawonische Honvéd-(Domobranzen-)division die kroatische Dienstsprache vorgeschrieben.

nur seine Pflicht erfüllende Offizierskorps zur Zeit der sogenannten „Badeni-Krawalle“12) selbst in den deutschen Provinzstädten bitter zu fühlen bekam. Trotzdem wäre es Unrecht, aus solchen Vorfällen eine etwaige „Politisierung“ der Armee zu folgern. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten bereitete sich ein zunächst noch wenig fühlbarer, aber doch zu Nachdenklichkeit stimmender Wandel vor. Er ging zweifellos von den tschechischen „Nationalsozialisten“2) aus; als Vorspiel können die viel erörterten „Zde-Affären“ gelten, die durch die Streitfrage hervorgerufen waren, ob bei den wehrgesetzlich vorgesehenen Kontrollversamm-lungen der Nichtaktiven der Namensaufruf mit „Hier“ oder dem tschechischen „Zde“ zu beantworten sei. Bald gewannen die Jungtschechen Eingang in die Kasernen der heimischen Regimenter, wobei sie neben der nationalen eine fast noch heftigere antimilitaristisch-pazifistische Propaganda trieben. Die ersten Früchte zeigten sich, wie erinnerlich, schon bei der Teilmobilmachung 1912/13; Reservisten der böhmischen IR. 18 und 36 und des DR. 8 meuterten während des Bahntransportes. Bedenkt man, daß damals die slowenische und kroatische Jugend zu einem beträchtlichen Teile schon von der Gedankenwelt Masaryks und seiner Gesinnungsgenossen angezogen war, so läßt sich wohl schließen, daß auch die südslawischen Regimenter allmählich Gefahr liefen, vom tschechischen Beispiele nicht unberührt zu bleiben. Die verschiedenen irredentistischen Bewegungen, die italienische, rumänische, ruthenische, taten das Ihrige, auch die anderen Völker und deren unter den Waffen stehenden Söhne in gleichem Sinne zu bearbeiten. Nicht ohne Nötigung führte GdI. Conrad unter den Gründen, die ihn für einen Vorbeugungskrieg eintreten ließen, auch den an, daß die Armee national vorläufig noch durchaus verläßlich sei, daß man aber nicht sagen könne, wie lange dieser Zustand noch anhalten werde.

Weniger kritisch als die nationale Frage wurde in militärischen Kreisen das soziale Problem genommen. Da sich von den in Betracht kommenden sozialistischen Parteien die tschechische und die polnische frühzeitig dem nationalen Kampfe in die Arme geworfen hatten und die Sozialisten anderer Nationen ihrer Stärke nach kaum zählten, war nur die deutsche Sozialdemokratie als selbständige Bewegung in Rechnung zu stellen. Sie bekämpfte zwar — damals noch eifrige Verfechterin des

Milizgedankens im Sinne von Jaurěs „Nouvelle arrnee“ — grundsätzlich die Einrichtung des Kaderheeres und donnerte dann wohl in offener Sitzung gegen den „Moloch Militarismus“ los. Hinter den Kulissen aber wurde im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege die Armee doch auch mehr oder minder in den stillschweigenden Waffenstillstand einbezogen, den die Sozialdemokratie mit dem Staate und der Bureauki'atie geschlossen hatte. Hiezu kam noch, daß es zwischen der durch das Brünner Programm (1899) gekennzeichneten Einstellung der Sozialisten zum österreichischen Problem und dem im Offizierskorps noch immer vorherrschenden Großösterreichertum Luegerscher Färbung an Berührungsflächen nicht fehlte. Im Sommer 1914 unterschied sich die Einstellung der Sozialdemokratie zum Kriege durch nichts von der aller anderen deutschen Parteien. Wenn es noch eines Druckes auf die sozialistischen Führer bedurft hätte, so wäre er von der Masse der deutschösterreichischen Arbeiterschaft ausgeübt worden. Die Feststellung, daß es gegen das „ultrareaktionäre“ Zarentum gehe, diente wohl nur zu Beruhigung der Gewissen. Wie anderwärts hatte auch in Österreich-Ungarn zu Kriegsbeginn eine Sozialistenfrage bis auf weiteres zu bestehen aufgehört. Der vaterländische Gedanke hatte über den internationalen gesiegt. Nur eine kleine Gruppe Radikaler blieb abseits1).

Aber auch das nationale Problem schien, für den Augenblick wenigstens, von der Bildfläche verschwunden zu sein. Die Erinnerung an den Eindruck, den die Armee in dieser Hinsicht im August 1914 hervorrief, darf durch spätere Erfahrungen nicht verdunkelt werden2). Mochte es auch die Staatsgewalt dem einzelnen unmöglich machen, entgegengesetzte Auffassungen frei zu äußern — die Tatsache ist doch kaum zu widerlegen, daß sich damals noch der größte Teil der habsburgischen Völkerschaften hinter die schwer gefährdete Staatsgemeinschaft stellte und demgemäß auch ihre Söhne im Waffenrock opferwillig in den Kampf zogen. Dabei mag zum Verständnis der Sache sicherlich zu bedenken sein, daß die Einstellung der einzelnen Nationen zu den durch den Krieg aufgeworfenen Problemen mitunter weit auseinander ging. Die Deutschen Österreichs kämpften Schulter an Schulter mit den Söhnen aus dem Reiche um die Existenz der vor allem von ihnen geschaffenen Großmacht.

x) B r ü g e 1, Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie, V (Wien 1925), 176 ff; Friedrich Adler, Vor dem Ausnahmegericht (Jena 1923), 44 ff.

2) Glaise-Horstenau, Die Katastrophe.— Die Zertrümmerung ÖsterreichUngarns und das Werden der Nachfolgestaaten (Wien 1929), 23 ff; Derselbe, Altösterreichs Nationen im Weltkrieg (Monatsschrift „Neues Reich“, 7. Jhrg., 125 ff).

Die Magyaren verteidigten gegen Serbien ihre Verbindung mit dem Meere, gegen Rußland ihre engere Heimat und ihre Machtgeltung gegenüber den anderen Nationen der Donaumonarchie. Die Kroaten gehorchten, alle jugoslawischen Anwandlungen von sich weisend, in überlieferter Treue dem Rufe des Kaisers und Königs, und Slowenen und Slowaken folgten ihrem Beispiel, wobei sich freilich alle drei die Zuerkennung größerer politischer Selbständigkeit als Lohn für kriegerische Leistungen erhofften. Die Polen Galiziens erblickten — mit Ausnahme gewisser russenfreundlicher Fraktionen — in einem Siege über Rußland die entscheidende Vorbedingung für die Wiedervereinigung ihrer in drei Teile zerrissenen Nation. Schon diese Völker bildeten zusammengenommen eine starke Mehrheit in der habsburgischen Völkerfamilie. Die slawischen Stämme, die sich unter ihnen befanden, beschwerte für die Stunde sogar der sorgenvolle Gedanke noch nicht, daß sie an der Seite der Deutschen gegen slawische Brüder fechten sollten. So sehr waren ihre Ideale und Zukunftshoffnungen noch mit denen der habsburgischen Staatsgemeinschaft verknüpft.

Am frühesten von allen slawischen Nationen Österreich-Ungarns wurden die Tschechen von der Besorgnis bedrückt, in dem eben ausgebrochenen Kriege einer fremden, ihren besonderen Daseinswünschen sogar feindlichen Sache dienen zu müssen. Aber auch unter ihnen rechnete zu Kriegsbeginn mit Ausnahme von einer dünnen intellektuellen Schichte niemand mit der Zerstörung des Staates, der wohl noch nicht die erwünschten politischen Freiheiten, dafür aber reiches kulturelles und wirtschaftliches Gedeihen bot. Bei den Ukrainern Ostgaliziens, den Serben Südungarns, Syrmiens und Bosniens und den Italienern der Küstenlande und Welschtirols ließ der Irredentismus vom Frieden her mehr oder minder zahlreiche, über die Grenze laufende Fäden im geheimen fortbestehen. Zumal in Ostgalizien litt die Armee zu Kriegsbeginn darunter, wenn auch die an sich vollauf begreifliche Erregung der Truppen die Dinge erheblich schwärzer sah, als sie es waren. Allerdings gab es bei den Ukrainern auch eine regsame schwarzgelbe Partei, die — gleich den Polen — ihren guten Willen durch Aufstellung einer ukrainischen Legion beweisen wollte.

Dieser kurze, flüchtige Ausblick auf die Stellung der Völker zum Staate in der Stunde der Not zeigt gewiß, daß für das habsburgische Völkerreich der Krieg ein noch gefährlicheres Wagnis gewesen ist als für national einheitliche Mächte. Aber der Versuch, das Kräfteverhältnis zwischen den zum Staate Stehenden und den ihm von Anbeginn Abgeneigten durch eine Zahl darzustellen, führt doch zu einem anderen Ergebnis, als man im Hinblick auf die spätere Entwicklung glauben möchte. Sonst gleiche seelische Einstellung vorausgesetzt, könnte man sagen, daß von vier Männern, die 1914 in den Krieg zogen, höchstens einer aus politischen Gründen nicht gesonnen war, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers gewesen ist1). Erst mit zunehmender Kriegsdauer änderte sich dieses Verhältnis und kehrte sich schließlich, allerdings erst in den letzten Kriegswochen, ganz ins Gegenteil um.

Es mag nun, nach Andeutung der wichtigsten Merkmale, die für die Beurteilung des Soldaten der österreichisch-ungarischen Wehrmacht maßgebend waren, noch verlockend sein, die Nationen des Reiches auf Grund ihrer Kriegstüchtigkeit in eine Art Rangordnung einzureihen. Oberst Dr. h. c. Georg Veith 2), der so tragisch ums Leben gekommene feinsinnige Gelehrte und tapfere Soldat hat in einer dem Kriegsarchiv hinterlassenen Handschrift einen solchen Versuch gewagt und ist dabei zum Ergebnis gelangt, daß, nach soldatischer Tüchtigkeit gemessen, die Deutschen, die Südslawen und die Magyaren in die erste Reihe zu stellen wären. Was die Deutschen und die Magyaren anlangt, so gibt auch die Statistik dieser Reihung recht3). In deutschösterreichischen Landen entfielen auf 1000 Bewohner 29, in magyarischen oder von Magyaren und Deutschen gemeinsam bewohnten Gegenden 28 Weltkriegstote. Auf einer die Verlustdichte anzeigenden „Blutkarte“ ziehen über die Alpen, die böhmisch-mährischen Randgebirge und die ungarische Ebene die dunkelsten Streifen hin. In Österreich beklagten je 1000 Bewohner Deutsch-

x) Von je 100 Soldaten des k.u.k. Heeres waren 25 deutscher, 23 magyarischer, 13 tschechischer, 4 slowakischer, 8 polnischer, 8 ukrainischer, 2 slowenischer, 9 kroatischserbischer, 7 rumänischer, 1 italienischer Stammeszugehörigkeit. — Winkler, Der Anteil der nichtdeutschen Volksstämme an der österr.-ung. Wehrmacht (Wien 1919), lf.

2; Oberst Georg Veith, geb. 1875 zu Černowitz (Černovice) bei Pilgram in Böhmen, seit 1895 öst.-ung. Artillerieoffizier, schuf sich vor allem als Cäsar-Forscher wissenschaftlichen Ruf, erwarb sich aber auch auf anderen Gebieten (Erdbeben-, Münzen-, Schlangenkunde, Musikkritik) vielfach Verdienste und zeichnete sich im Weltkrieg als Soldat hervorragend aus. Er wurde am 9. September 1925 auf einer Forschungsreise bei Zela (Zilé) in Kleinasien von zwei Hirten ermordet. Seine bedeutendsten Arbeiten sind: Geschichte der Feldzüge C. Julius Cäsars (Wien 1906), Cäsar (2. Aufl., Leipzig 1922), Der Feldzug von Dyrrhachium zwischen Cäsar und Pompejus (Wien 1920). Der Feldzug in Albanien (in Schwarte, Der große Krieg 1914—1918, V, 511 ff). Vgl. Nischer, Georg Veith (Jahresbericht für Altertumswissenschaft, Bd. 210 B, 77ff).

3) Winkler, Die Totenverluste der österr.-ung. Monarchie nach Nationalitäten (Wien 1919), 4 ff.

mährens über 44 Tote, ebensoviele Kärntner 37, Deutschböhmen 34, Vorarlberger, Tiroler, Salzburger, Steirer 34 bis 30, Oberösterreicher 27, Niederösterreicher 22 gefallene Helden1). Ohne Überhebung darf der Deutschösterreicher den Ruhm geltend machen, daß er den Staat, den vor allem er gründen und tragen half, bis zuletzt mit dem Aufgebot der äußersten Kräfte verteidigt hat und daß er in seiner Kampfentschlossenheit und in seinen Opfern allen anderen Völkern der Monarchie vorausgegangen und gewiß auch gegenüber den Brüdern im Deutschen Reiche nicht zurückgeblieben ist.

Seltsamerweise scheint die Statistik gegenüber den Leistungen der Südslawen zu versagen, zumal gegenüber denen der Kroaten, die unter 1000 Volksgenossen höchstens 20 Tote zu beklagen haben und deren Blutkarte nur im Norden und im Süden des Landes dunklere Flecken aufweist. Diese Erscheinung leitet sich aus der Tatsache ab, daß sich die Statistik nicht auf die Ausgehobenen, sondern auf die Gesamteinwohnerschaft bezieht. Denn darüber kann wohl kein Zweifel sein, daß gerade die Kroaten fast bis zum Schlüsse des Weltkrieges dem Kaiser und König unübertreffliche, noch in den Grenzerüberlieferungen aufgewachsene Soldaten gesendet haben.

An die Kroaten schlossen in der nach Kriegstüchtigkeit aufgestellten Reihung sicherlich die Slowenen Innerösterreichs und die Slowaken Oberungarns an. Aber auch die Serben stellten, jedenfalls in der ersten Kriegszeit und später wieder gegen Italien, voll ihren Mann, wobei just der Kampf zwischen den Stammesgenossen beiderseits der Drina nicht selten mit größter Erbitterung geführt wurde. In einigem Abstand folgten die Polen Galiziens, deren Schwung unzweifelhaft durch die unmittelbare Gefahr der Russeninvasion etwas gelähmt wurde; dabei ist es zweckmäßig, zwischen den rein polnischen Regimentern des Westens und den mit Ruthenen gemischten Mittelgaliziens zu unterscheiden. Sehr schwer lastet von Haus aus die Heimsuchung Ostgaliziens durch Rußland auf den dort bodenständigen Truppen, wozu noch kam, daß auch sie selbst in nicht immer glücklich geführten Grenzkämpfen hart mitgenommen wurden.

x) Die trotz der hervorragenden Leistungen niederösterreichischer Regimenter geringere Totenquote dieses Landes erklärt sich zum Teil aus der geringeren Tauglichkeitsziffer der Großstadtbevölkerung Wiens, nicht zuletzt aber auch daraus, daß ein verhältnismäßig großer Prozentsatz dieser Bevölkerung vermöge ihrer beruflichen Eignung in Kriegsverwendung kam, die der eigentlichen Gefahrenzone mehr oder minder entrückt war.

Die Tschechen hatten sich in der alten Berufsarmee des Rufes besonderer soldatischer Verwendbarkeit erfreut; gewisse Sonderwaffen und Dienstzweige waren fast ausschließlich ihre Domäne1). Im Weltkrieg wurde das sicherlich anders. Dabei mochte die antimilitaristische Werbearbeit vielleicht noch früher ihre Wirkung geäußert haben, als die politisch-nationale. Trotzdem verlief nicht bloß der Ausmarsch der tschechischen Regimenter diesmal völlig reibungslos, sondern sie hielten sich auch in den ersten Kämpfen mit geringen Ausnahmen gut. Die 28er aus Prag wußten sich im Rahmen der 3. ID. neben den berühmtesten alpenländischen Truppen sehr wohl zu behaupten; ihr Beneschauer Schwesterregiment Nr. 102 war eines der ersten, dessen Taten der amtliche Heeresbericht hervorhob. Selbst den nach der ersten Drinaoffensive dem Standrecht unterworfenen tschechischen Bataillonen der 21. SchD. läßt das serbische Generalstabswerk nachträglich Rechtfertigung in bemerkenswertem Ausmaße angedeihen. Erst nachdem sich die Reihen der Berufsoffiziere und der altgedienten Mannschaft gelichtet hatten und frisch ausgehobener Ersatz in die Lücken getreten war, ließ sich ein offenkundiger Abstieg feststellen, der aber auch nicht bei allen tschechischen Regimentern gleich steil war. Die „Blutkarte“ verrät, daß auch in rein tschechischen Gebieten Böhmens auf 1000 Einwohner noch immer über 22 Kriegstote entfallen. Es hat also noch genug Tschechen gegeben, die im Kampfe gegen die Entente ihr Leben ließen.

Wenig Elan zeigten beim Ruf zu den Waffen die Rumänen Siebenbürgens. Alsbald sahen sich die rumänischen Kämpfer des XII. Korps gleich den ostgalizischen in die harten Kämpfe östlich von Lemberg verstrickt, deren Eindrücke nicht geeignet waren, das Selbstvertrauen des einfachen Soldaten zu heben. Dennoch sollte es im weiteren Kriegsverlauf gelingen, vorwiegend aus siebenbürgischen Rumänen bestehende Regimenter zu schönen Erfolgen mitzureißen. Die Verlustquote stellt sich für den Durchschnitt aller vier Kriegsjahre auf 23 °/00.

Von den österreichischen Italienern hatten die Welschtiroler zu Kriegsbeginn Anteil am Ruhme ihrer Kaiserjägerregimenter; der Krieg gegen Italien sollte dann freilich nötigen, sie in gesonderten Abteilungen zusammenzuziehen und im Norden zu belassen. Bei ihnen blieben 19 von 1000 auf dem Schlachtfelde, bei den Volksgenossen aus dem Görzischen 15, bei den Istrianern gar kaum 6. Das Ergebnis der Statistik entsprach hier durchaus der kriegerischen Leistungsfähigkeit.

1 H o e n, Österreich-Ungarns Wehrmacht (Schwarte, Der große Krieg 1914 bis 1918, V, lff).    ,

Selbstverständlich hat diese Kennzeichnung der einzelnen Kontingente nur bedingten Wert. Regimenter und Heereskörper sind ebensowenig wie der einzelne Mensch Maschinen, auf die eine bestimmte Beanspruchung immer in gleicher Weise wirkt. Bei vielen Truppen schwankte die Leistungsfähigkeit innerhalb kurzer Frist zwischen erstaunlichen Gegensätzen hin und her. Einzelnen Nationen lag der Angriff ungleich besser als die Verteidigung, andere entsprachen bei geschlossener Kampfführung gut, versagten aber in dem Augenblicke, da der Mann mehr oder minder auf sich gestellt war. Die einen unterlagen leichter überraschenden Eindrücken und Paniken, die anderen waren durch nichts aus der Ruhe und Fassung zu bringen. Die einen waren gegen Verluste außerordentlich empfindlich, die anderen ertrugen die schwersten Einbußen, ohne ihren Halt zu verlieren. Erscheinungen dieser Art konnte man bei allen Heeren beobachten; überall, auch bei den national völlig einheitlichen, spielte die landsmannschaftliche Eigenart der Truppe eine wichtige Rolle. Nirgends aber war die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen so groß und nirgends wurde die Führung aller Grade von ihr so schwer belastet wie in der buntscheckigen Wehrmacht Österreich-Ungarns. Demgemäß fielen auch dem Führer, dem Offizier wie dem Unteroffizier, im Rahmen dieses Heeres besonders bedeutsame Pflichten zu.

Der österreichisch-ungarische Offizier

Auch das Offizierskorps des habsburgischen Heeres hatte nach König-grätz tief einschneidende Wandlungen erfahren1). Seine innere Schichtung wurde binnen wenigen Jahren von Grund auf verändert. Auf der einen Seite wurde der von der ,,Pike“ auf dienende, das heißt aus dem Mannschaftsstande hervorgegangene Offizier auf den Aussterbeetat gesetzt. Auf der anderen Seite drängte die Abschaffung der „Inhaberrechte“ und verwandter Einrichtungen die aristokratischen Elemente, denen nun in anderen Berufen unvergleichlich rascheres Fortkommen winkte, fast ganz aus der Armee hinaus. In den Besitz der Offiziersstellen teilten sich nun die Abkömmlinge der Offiziers- und Beamten-

x) Außer den in Fußnote 1, S. 27 angeführten Veröffentlichungen vgl. noch: Ri eg er, Kriegersitte (Wien 1891); Auffahrt, Inhalt und Form. Das Buch vom Offizier (Wien 1910); Bigot de St. Quentin, Schriften, Neubearbeitung von Kerchnawe, 2 Bde. (Wien 1911); Gerard, The Austrian officer at work and at play (London 1913), deutsche Bearbeitung von Waldschütz (Braunschweig 1916); schließlich Auffenberg, Aus Österreichs Teilnahme am Weltkrieg (Berlin 1920), 57 ff.    .

familien mit den Söhnen des Kleinbürgertums und vereinzelt sogar proletarischer Kreise. Da die Gesetze und Vorschriften eine andere Bevorzugung als in der Wahl des Garnisonsortes kaum zuließen, konnte sich, wie die Führerliste im Weltkrieg beweist, jeder in freiem Wettbewerb durch den Generalstab zu den höchsten Posten emporarbeiten. Aristokraten gab es in nennenswerter Zahl nur bei einzelnen Kavallerieregimentern, womit nicht gesagt werden soll, daß sich der Mann aus dem Volke seinesgleichen stets williger unterstellt habe als einem aus anderer Umwelt kommenden Vorgesetzten. Eher war das Gegenteil der Fall.

Die Anforderungen, die man an die Vorbildung des Offiziersnachwuchses stellte, wurden in der richtigen Erkenntnis, daß auch der schlichte Mann in seinem Autoritätsgefühl meistenteils zwischen einem gebildeten und einem ungebildeten Führer sehr wohl zu unterscheiden wußte, von Jahr zu Jahr gesteigert. Knapp vor Kriegsausbruch war man nahe daran, der Masse der Offiziersanwärter nach voller Mittelschulbildung gründliche fachliche Unterweisung in einer Militärakademie angedeihen zu lassen. In den Kadettenschulen, Militärrealschulen, Akademien besaß Österreich-Ungarn zahlreiche militärische Internate, in denen der Offiziersanwärter frühzeitig dem politischen Getriebe des Zivilschulwesens entrückt sein sollte. Als rangälterer Oberleutnant mußte der Offizier, wenn er nicht die Generalstabslaufbahn eingeschlagen hatte, die Korpsoffiziersschule besuchen und auch bei seinem weiteren Aufstiege galt es, zahlreiche Prüfungen und Besichtigungen mitzumachen. An geistiger Regsamkeit und ideellen Interessen übertraf der österreichisch-ungarische Offizier den Durchschnitt der meisten anderen Heere. Hervorragende Vertreter der Wissenschaften und des Kunstlebens aller Nationen des Donaureiches hatten zu Zeiten den Offiziersrock getragen oder trugen ihn noch1). Auch wo geistige oder künstlerische Bestrebungen nur Zeitvertreib waren, erreichten sie mitunter eine bemerkenswerte Höhe. Keinen geringen Anteil daran hatten die Anregungen, die das Wanderleben durch ein Reich voll wunderbarer landschaftlicher, volk-licher und kultureller Gegensätze bot, sowie die kleine weltferne Garnison, die nicht selten zum Selbststudium antrieb. Freilich bestand in diesen Exilen für manchen auch die Gefahr geistiger und moralischer Verkümmerung. Schwer lastete, zumal bei der Infanterie, der Kleindienst auf den jüngeren Offizieren; dies vor allem deshalb, weil es immer

1) Vgl. u. a. Hesshaimer, Der Offizier als Kulturfaktor (Österr. Wehrzeitung, 30. November 1928); Derselbe, Österreichs Offiziere in Kunst und Literatur (Mil. wissenschaftl. Mitt., Wien, Jhrg. 1929, 95 ff).

mehr an jenen alten Berufsunteroffizieren gebrach, die früher ein so wichtiges Glied in der militärischen Hierarchie gebildet hatten. Bei vielen Kompagnien gab es vor dem Kriege nur mehr einen einzigen Berufsunteroffizier, der aber durch den recht vielfältigen Verwaltungsdienst in der Kanzlei festgehalten wurde, so daß bei der Ausbildung und Führung der Mannschaft der Leutnant auch die Dienste des Feldwebels verrichten mußte. Kein leeres Wort ist es, wenn man sagt, daß dem Offizier in der Enge seiner Lebensverhältnisse die sprichwörtlich gewordene österreichische Kameradschaft vielfach Stab und Stütze bot. Der Verkehr der Offiziere untereinander erhielt durch die dem Hochadel entlehnte, sehr verbreitete, vielfach zu weitgehende Anwendung des kameradschaftlichen „Du“ eine besondere, anderen Armeen ungewohnte Note.

Die Lebenshaltung des österreichisch-ungarischen Offiziers war schlicht genug. Seine kargen Bezüge gestatteten nur die allernotwendigsten Repräsentationen. Die in der Armee seit altersher übliche Wendung, daß jemand „Schulden wie ein Stabsoffizier“ habe, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Verhältnisse. Sogar in den paar feudalen Reiterregimentern gab es schon Offiziere, die nur von ihrer „Gage“ lebten und lediglich aus dem Pferdeverkauf, der einzigen dem Offizier erlaubten geschäftlichen Betätigung, einen bescheidenen Zuschuß bezogen. Diese finanzielle Abhängigkeit hatte den großen Nachteil im Gefolge, auf die Verantwortungsfreudigkeit zu drücken, auf deren Weckung man auch sonst nicht gerade besonders bedacht war. Nicht zum mindesten fehlte hier das Beispiel, das einst die in voller sozialer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit dienenden Söhne der großen Familien ihren weniger glücklichen Kameraden zu bieten vermocht hatten.

Durch Übernahme der alten Formen war man bemüht gewesen, das frühere feste Gefüge des Offizierskorps trotz der sozialen Umschichtung, die es im Laufe der Jahrzehnte erfahren hatte, in den möglichen Grenzen zu erhalten. Dieses Ziel wurde im allgemeinen erreicht. Sicherlich ist nicht zu leugnen, daß der Offiziersberuf auch in Österreich-Ungarn gesellschaftliche Vorteile mit sich brachte, deren die Offiziere selbst erst so recht gewahr wurden, nachdem man sie ihnen geraubt hatte. Doch war wohl kaum angebracht, in Ansehung des Offizierskorps von einem „k.u.k. Militarismus“ zu sprechen. Zwar war unter Maria Theresia und Joseph II. den Offizieren der Hofzutritt zugestanden und honoris causa der Rang des ersten Standes im Staate verliehen worden. In Wirklichkeit nahm aber unter den Berufsständen die Bureaukratie bis

I 2. Aufl.

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zum Schlüsse die führende Stellung im staatlichen Leben einx). Dies trat gerade in den letzten Jahrzehnten wieder um so deutlicher hervor, als eben nur mehr wenig Angehörige des Offizierskorps auf die Ehrenvorzüge einer hochadeligen Geburt pochen konnten. Standesvorrechte wie die, daß es dem bürgerlichen Offizier leichter gemacht war, in die Reihen des übrigens stark entwerteten Briefadels einzutreten, oder daß bei Hof zu bestimmten Anlässen der goldbetreßte Diplomatenfrack hinter dem Rock eines Reserveleutnants zurückstehen mußte, änderten daran ebensowenig wie das persönliche Verhältnis, das überlieferungsgemäß zwischen dem Kaiser und der Wehrmacht bestand.

Die Armee hatte der Dynastie im Jahre 1848/49 Thron und Reich gerettet. Franz Joseph empfand von frühester Jugend an vor allem als Soldat13). Sein Ehrgeiz, sich auch als Feldherr zu betätigen, war allerdings seit Solferino erloschen. Neidlos überließ er ein Menschenalter hindurch dem FM. Erzherzog Albrecht die Ausbildung und taktische Leitung des Heeres. Albrechts Erbe übernahm FZM. Beck und nach ihm, durch Conrad beraten, GdK. Erzherzog Franz Ferdinand, der — seinem kaiserlichen Oheim an eigentlicher militärischer Begabung wohl überlegen — ein Jahr vor seinem Tode mit der besonders machtvollen Stelle eines Generalinspektors der gesamten bewaffneten Macht bekleidet wurde. Der Monarch selbst wandte, seit 1859 und 1866 im tiefsten Herzen nur mehr wenig dem Glücke seiner Waffen vertrauend, sein Hauptaugenmerk der Bewahrung des Heeres vor politischen Einflüssen und der Erhaltung des überlieferten soldatischen Geistes zu. Daneben legte er, der beste Kenner aller militärischen Vorschriften, auch weiterhin großes Gewicht auf die Form. Äußerlich tat sich des Kaisers Einstellung zum Soldatenberuf dadurch kund, daß ihn die Öffentlichkeit nie anders als in Offiziersuniform zu sehen bekam, die er mit einer von keinem Armeeangehörigen übertroffenen, schlichten Vornehmheit trug.

Das Offizierskorps fühlte sich in Anlehnung an die Ideenwelt der Feudalzeit dem Obersten Kriegsherrn persönlich verbunden und es war gewiß oft genug keine Lesebuchlegende, wenn — auch im Weltkriege noch — berichtet wurde, daß dieser oder jener Träger des Offiziersportepees vor dem Feinde seine Seele mit einem letzten Treuwort für den Kaiser und König ausgehaucht habe. Die Vorstellung von einem persönlichen Vasallenverhältnis zum Herrscher gab dem Offizierskorps keinen geringen Rückhalt in der Abwehr gegen Anfeindungen von auswärts, sie half auch mit, die Politik von der Armee fernzuhalten. Der Kaiser nahm die Vasallentreue seiner Offiziere als eine Selbstverständlichkeit hin, über die er bei keiner Gelegenheit einen Zweifel bestehen ließ und die ihn auch der Verpflichtung überhob, für seine Volkstümlichkeit in der Wehrmacht etwa noch ein übriges zu tun. Versuche der Armee, im staatlichen Leben irgendwie aus den durch die Vorschriften gezogenen Schranken herauszutreten, hätte er mit der vollen Strenge zurückgewiesen, mit der er auch sonst die Wahrung der Ressortgrenzen zu hüten wußte. Die Armee hatte nach seinem Willen — das erfuhr sehr deutlich jeder, der dagegen verstieß — die „große Schweigerin“ zu sein, die nur dann das Wort ergreifen durfte, wenn es ihr durch den Obersten Kriegsherrn ausdrücklich für einen ganz besonderen Fall erteilt worden war.

Erheblich wurde die gesellschaftliche Stellung des österreichischungarischen Offiziers durch die nationale Frage beeinflußt. Eine verläßliche Statistik über die nationale Zusammensetzung des Berufsoffizierskorps gibt es nicht. „Heimatszuständigkeit“ oder Umgangssprache bieten keinen ausreichenden Maßstab. Aber man irrt kaum mit der Behauptung, daß noch um die Jahrhundertwende von 100 Offizieren an die 75 deutschen Stammes gewesen sind. Noch stand damals in ihren Reihen auch eine erkleckliche Zahl von Männern, die selbst oder deren unmittelbare Vorfahren aus dem „Reiche“ zugewandert waren und denen der Dichter der „Schwarzgelben Reitergeschichten“, Karl Baron Torresani, mit Recht eine besonders fanatische Liebe zum österreichischen Adoptivvaterlande nachrühmt. Sie blieben, seit Bismarck das neue Preußen-Deutschland aufgerichtet hatte, vollkommen aus und an ihre Stelle traten nach der Jahrhundertwende in zunehmendem Ausmaße Offiziere magyarischer, slawischer und rumänischer Zunge. Es gab bereits Ulanenregimenter, in denen nur mehr polnisch, Husarenregimenter, in denen nur ungarisch, Schützenregimenter, in denen schon sehr viel tschechisch gesprochen wurde. Dennoch blieb das vorherrschende

Element im gemeinsamen Heere und in der k. k. Landwehr noch immer der deutschösterreichische Offizier. Dieser fühlte aber — mit geringen Ausnahmen — entsprechend der Eigenart seiner Stellung nicht national deutsch, sondern anational, altösterreichisch, schwarzgelb, wie außer ihm von seinen Volksgenossen nur mehr ein ganz geringer Teil der Aristokratie und der Bureaukratie, und er durfte, unbekümmert um manchen Vorwurf aus dem Lager des eigenen Volkes, nur so und nicht anders fühlen, wenn er das Ferment der Wehrmacht bleiben wollte, das er noch immer war. Als Apostel eines Österreichertums, das man außerhalb seiner Reihen kaum mehr kannte, verbrachte er sein Leben zumeist fern von der Heimat, inmitten einer anderssprachigen und andersdenkenden Gesellschaft, die ihn als Fremdling, als Eindringling, zeitweilig sogar als Feind betrachtete. Dessenungeachtet redete er alsbald, wenn man ihm Zeit ließ — mitunter wurde er schon früher wieder verschickt — schlecht und recht in der Sprache seiner Mannschaft und des Landes, in das ihn sein Soldatenschicksal verweht hatte, und blieb auch dann national duldsam, wenn ihm dies von seiner bürgerlichen Umgebung nicht mit Gleichem vergolten wurde. Drei Jahrhunderte hindurch — man darf hier schon fast an „Wallensteins Lager“ denken — wirkte sich seine Fähigkeit aus, Söhne anderer Nationen bis zur Preisgabe ihrer Sonderart in seine eigene Ideen- und Gefühlswelt hineinzuziehen. Die im „Militär-Schematismus“ so zahlreich vorkommenden fremdsprachigen Namen mit deutschen, an den Kriegerberuf anklingenden Adelsprädikaten können als sprechender Beweis dafür angeführt werden. Unter den vielen Abarten, die sich in der gemeinsamen Offiziersfamilie zusammenfanden, sei des besonders charakteristischen kroatischen Grenzeroffiziers gedacht, der bis in den Weltkrieg hinein der Armee so manchen ihrer glänzendsten Führer gestellt hat. Gegen Schluß ging dann wohl die Anpassung anderer Nationen an den vor allem vom Deutschösterreicher getragenen Offizierstypus schon schwerer vor sich. Auch wurde in dem einen oder anderen Regiment schon mehr als nötig politisiert. Aber die alte, kulturgeschichtlich bemerkenswerte Wesensart beherrschte das österreichische, nunmehr österreichisch-ungarische Offizierskorps wohl auch dann noch, als der Oberste Kriegsherr das letztemal an dessen bewährte Treue und erprobten Opfersinn appellierte.

Die Anpassungsfähigkeit des k.u.k. Offiziers zeigte sich nicht zum geringsten in seinem Verhältnisse zur Mannschaft. Die seelische und kulturelle Mannigfaltigkeit der Völker erforderte eine nicht minder stark abgestufte Behandlung im Soldatenleben. Im allgemeinen ist festzustellen,.

daß sich das Offizierskorps, von trefflichen Vorschriften angeleitet, dieser schwierigen Aufgabe mit erstaunlichem Geschick unterzog und daß das Vertrauensverhältnis zwischen Offizier und Mann starken Proben standhielt. Das Bestreben, die Seele des Mannes zu gewinnen, überwog zweifellos die sicherlich gegebene Verlockung, ihn mit den Machtmitteln der Organisation zu beherrschen. Gewiß hat die unvergleichliche Machtfülle, die der Krieg dem Offizier aller Grade in die Hand gab, einen oder den anderen Träger verleitet, davon mehr Gebrauch zu machen, als es im Interesse der Sache und aller Beteiligten erwünscht war. Erfahrungen solcher Art führten an der Schwelle des vierten Kriegsjahres zur Abschaffung gewisser entehrender Strafen, was aber bald teilweise widerrufen werden mußte. Eine Untersuchung nach dem Kriege, die den Mißbrauch der in die Hand des Offiziers gelegten Machtbefugnisse betraf, hat nur ein sehr dürftiges Ergebnis gezeitigt14). Unter den Vorwürfen, die sonst gegen das Offizierskorps erhoben wurden, sei noch der angemerkt, daß es sich in Zeiten materieller Not nicht immer der den Soldaten auf gezwungenen Enthaltsamkeit befleißigt habe. Es sei zugegeben, daß sich einzelne Befehlsstellen der Wichtigkeit dieser Frage nicht so rasch bewußt wurden wie beispielsweise in der Front der deutschen Armee. Die weitaus überwiegende Zahl der Offiziere hat aber auch in dieser

Beziehung Freud und Leid mit der Mannschaft geteilt, in deren Reihen sie lebte. Den betrüblichen Erscheinungen, die niemand wegleugnen wird, standen in erdrückend größerem Ausmaße Beispiele treuester Kameradschaft zwischen Offizier und Mann gegenüber.

Schwierigkeiten, die keinem Volksheer erspart blieben, ergaben sich aus dem großen Altersunterschied, der zeitweilig zwischen blutjungen Offizieren und bejahrten, aus angesehener bürgerlicher Stellung gerissenen Reservemännern bestand. Nur großer Takt konnte diese Kluft überbrücken. Ebenso sollte es nach längerer Kriegsdauer auf die altgedienten Unteroffiziere sehr verstimmend wirken, wenn sie immer wieder sehen mußten, wie der junge „Notmaturant“ jenes Offiziersportepee im Handumdrehen erringen konnte, das ihnen trotz hervorragender Leistungen vor dem Feinde und trotz goldener Tapferkeitsmedaille immer wieder versagt blieb. Dennoch währte es in Österreich-Ungarn wie anderwärts geraume Zeit, bis man sich zu einigermaßen abhelfenden Verfügungen entschloß x).

Das schwierigste Problem bildete auch in den Beziehungen zwischen Offizier und Mann die Sprachenfrage. Wurde im Frieden das Möglichste getan, dieses Problems Herr zu werden, so kam es im Kriege immer häufiger vor, daß sich sogar der Zugskommandant mit seinen oft sehr bunt zusammengewürfelten Leuten nicht mehr verständigen konnte. Solche Offiziere hatten es in Stunden der Gefahr überaus schwer, ihren Einfluß auf den Mann zu behaupten. Das persönliche Beispiel konnte Wunder wirken, es war unentbehrlich; aber auch des von der Mannschaft aufgefaßten rechten Wortes im rechten Augenblick konnte die Führung nicht entraten. Wo allerdings beide Voraussetzungen vorhanden waren, die persönliche Einwirkung und das persönliche Beispiel, dort vermochte der Kommandant fast bis zum Schluß auch mit einer politisch, kulturell und seelisch „schwierigen“ Truppe hervorstechende Erfolge zu erzielen. Damit soll freilich nicht gesagt werden, daß die Heeresleitung in besonders wichtigen Räumen der Walstatt nicht doch lieber eine deutsche, eine kroatische, eine ungarische Division wußte. Jene Beispiele sollen nur zeigen, welch bedeutsame Stellung der Offizier im österreichisch-unga-

Es ist nur bedingt richtig, wenn die hohe Scheidewand, die organisatorisch zwischen Offizier und Mann aufgerichtet war, später nicht selten als Erbstück des Feudalismus betrachtet wurde. Im alten, von feudalen Elementen beherrschten Offizierskorps konnte es der verdiente Unteroffizier bis zum Stabsoffizier und selbst zum General bringen. Erst die liberale Aera nach 1866 hat mit solchen Möglichkeiten aufgeräumt.

rischen Völkerheere einzunehmen hatte und wie groß daher sein Anteil an dem Wunder des mehr als vierjährigen Abwehrkampfes war.

An die Seite des Berufsoffiziers trat am Tage der Mobilisierung neben zahlreichen Offizieren aus dem Pensionsstande, deren mancher alsbald besonderen Glanz an seinen Namen knüpfte, der Kamerad aus der „Reserve“. Die nationale, kulturelle und soziale Mannigfaltigkeit des Völkerreiches tat sich selbstverständlich auch in der im Reserveoffizierskorps vertretenen Intelligenz sehr stark kund. Ein Korpsgeist, wie ihn die reichsdeutschen Reserveoffiziere in so ausgeprägtem Maße besaßen, war den österreichisch-ungarischen nicht eigen. Versuche, ihn zu schaffen, die knapp vor dem Kriege aufgenommen wurden, hätten angesichts der nationalen Spaltung sicherlich nur einen begrenzten Kreis erfaßt. Demgemäß waren auch militärische Eignung und Vorbildung sehr verschieden, wozu noch kam, daß bei den Friedenswaffenübungen dem Reserveoffizier fälschlich meist nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt worden war. Erstaunlich rasch fanden sich, den Söhnen anderer Nationen im Durchschnitt an Bildung, innerer Kultur und Ethos zweifellos überlegen, die Reserveoffiziere deutschen Stammes im Kriege in ihren neuen, schwierigen Pflichtenkreis hinein. Sie wußten dem Berufsoffizier ihrer Dienstsphäre sehr rasch das Handwerksmäßige abzuschauen, traten mit ihm in der Zugs-, Kompagnie-, ja selbst Bataillonsführung bald in starken Wettbewerb, erreichten ihn oft, übertrafen ihn mitunter. Nicht wenige Kameraden anderer Stammeszugehörigkeit strebten den deutschösterreichischen Reserveoffizieren mit Erfolg nach.

Die ersten Schlachten rissen in das Berufsoffizierskorps tiefe Lücken; die Besten wurden hinweggemäht. Ein Teil der älteren, vielfach überalterten Stabsoffiziere war den Anforderungen des Bewegungskrieges nicht mehr gewachsen und ging in die Heimat ab. All diese Ausfälle wurden durch rasche Beförderung jüngerer aktiver Offiziere gedeckt, die man dadurch zugleich für die vielfach ungünstige Vorrückung zur Friedenszeit entschädigen wollte. Dieser Brauch wurde fast bis zum Kriegsende geübt. Die Militärschulen waren bald nicht mehr imstande, den großen Abgang an „Aktiven“ in den unteren Dienstgraden zu ersetzen. Der Berufsoffizier verschwand immer mehr aus dem Bereiche des Zugsund Kompagniekommandos. Dafür zählte manches Infanterieregiment an die fünfzehn bis zwanzig Stabsoffiziere, von denen ein großer Teil an der Front keine Verwendung fand und vielfach auch nicht finden konnte. Die Reserveoffiziere reihten grundsätzlich, ohne Rücksicht auf Dienstalter, hinter den Berufsoffizieren gleichen Dienstgrades. Viele von ihnen blieben „Subalternoffiziere“; erst 1916 wurde ihnen der Aufstieg zum Hauptmann, der zum Major höchst selten, eröffnet. Jeden Tag mußten sie erleben, daß ihnen ein an Lebensjahren viel jüngerer Berufsoffizier vorgesetzt wurde, der es zudem nicht immer verstand, im Rahmen der Vorschriften dem oftmals sehr erheblichen Altersunterschied und der bürgerlichen Stellung des Kameraden aus der Reserve geziemend Rechnung zu tragen. Das kritische Urteil des Reserveoffiziers wandte sich auch gegen die zahlreichen Berufsoffiziere, die bei den Stäben, in der Etappe und im Hinterland eingeteilt waren und dort in vielen Fällen auch eingeteilt werden mußten, weil die in Frage kommenden Posten ein systematisch erworbenes, durch keine Kriegserfahrung ersetzbares Berufswissen forderten. So entstanden Verstimmungen, die sich, zumal nach dem Zusammenbruch, wie es übrigens ähnlich nach unglücklichen Kriegen immer geschah, in leidenschaftlicher, erbitterter Weise Luft machten. Zum anderen darf aber doch auch hier auf die zahlreichen Lebensfreundschaften verwiesen werden, die im Schützengraben zwischen den Kameraden des Aktiv- und des Reservestandes geschlossen worden sind, und auf den Stolz, mit dem unzählige Reserveoffiziere in treuer Gemeinschaft mit den einstigen „Aktiven“ in Regiments- und Kameradschaftsvereinigungen des gemeinsam Erlebten und Erlittenen gedenken. Dieses schwierige Problem ist im alten öst.-ung. Heer gewiß nicht schlechter gelöst worden als anderswo.

Über die Blutverluste der aktiven Offiziere liegen mehrere Statistiken vor, die zu verschiedenen, aber immer genug vielsagenden Ergebnissen gelangen. Der Wiener Statistiker Dr. Wilhelm Winkler stellt in einer seiner wertvollen Studien!) über die ersten Kriegsjahre fest, daß die Berufsoffiziere mit 119.8 °/00 Toten unter allen Berufen an vorderster Stelle stünden. Diese hohe Zahl erkläre sich wohl vor allem daraus, daß aus dem Berufsstande der aktiven Offiziere eben alle Angehörigen mobilisiert worden seien. Aber auch bei Berücksichtigung dieses Umstandes bleibe die Totenquote der Berufsoffiziere eine besondere Erscheinung. „Sie besagt nicht weniger, als daß schon innerhalb der ersten beiden Kriegsjahre fast ein Achtel der in den Krieg getretenen Berufsoffiziere den Tod gefunden hat. Diese Tatsache beweist, daß das österreichische Berufsoffizierskorps, wie zu erwarten stand, auch in diesem Kriege in hervonagender Weise seine Pflicht erfüllt hat.“ GM. Kerchnawe gelangt in einer dienstlich verfaßten Studie zu dem Ergebnis, daß die Berufsoffiziere im ganzen Krieg 31.3 °/0, die Reserveoffiziere 16.5°/0> die Be-

Winkler, Statistik nach Berufen, 4 ff.

rufsunteroffiziere 12.5 °/0 an Toten verloren hätten15). Von den ehemaligen Zöglingen der Theresianischen Militärakademie zu Wiener Neustadt, der berühmtesten Pflanzstätte des k.u.k. Offizierskorps, standen im Weltkriege, bis zum Feldmarschall hinauf, etwa 3000 am Feinde. Von ihnen ist beiläufig jeder fünfte auf der Walstatt geblieben, von den jüngsten Jahrgängen sogar jeder dritte2). Gibt es erschütterndere Zeugnisse für den Geist, der dieses schlichte, bescheidene Offizierskorps beseelte ?

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Dies war, in groben Umrissen gezeichnet, das Völkerheer, das Österreich-Ungarn im Sommer 1914 ins Feld sandte. Daß einem so gewaltigen Körper auch Schwächen, kleine und große Schwächen anhafteten, ist gewiß. Wo Millionen von Einzelwesen in einer riesigen Organisation z;u-sammenströmten, wo so viele in der Unvollkommenheit alles Menschlichen begründete Gegensätze aufeinanderprallten, wo solch unerhörte Machtfülle, solch niederdrückende Verantwortung, solche übermenschlich schwere Gehorsamspflichten in stetem Gegen- und Wechselspiel wirksam waren und wo schließlich, alles übertönend, jeder einzelne täglich und stündlich um den größten Einsatz, den des eigenen Lebens, zu würfeln hatte — wie wäre es da anders möglich gewesen! Ein künftiges Geschlecht wird diesen Dingen sachlicher gegenüberstehen als das unsrige, das noch Leidtragender des Zeitenjammers gewesen ist, und es wird diese großartige Menschenschöpfung, die österreichisch-ungarische Wehrmacht von 1914, mit scheuem Staunen betrachten. Denn sie war ein gewaltiger Bau von feinst durchdachter Gliederung, von seltsamsten, mitunter — wenn man will — bizarren Formen, aber auch von einer angesichts des brüchigen Untergrundes verblüffenden Festigkeit, die seinen Baumeistern vom großen Friedländer an bis in die jüngsten Tage herauf zu höchster Ehre gereichte und auch in den vier Jahren des Weltringens noch den stärksten Stürmen standhielt, bis die Revolution das alte, wohl schon wankend gewordene Gemäuer von innen heraus zum Einsturz brachte.

Mit stolzem Kraftbewußtsein und der edlen Überzeugung, sich einer guten Sache zu weihen, zog dieses Heer im August 1914, in Nord und Süd von kriegsgewohnten Feinden empfangen, seiner ersten, schweren Feuerprobe entgegen.

Das Armeeoberkommando

Der Oberbefehl über die Feldarmeen wäre im Jahrfünft vor 1914, da sich der auch oft von Verkühlungen heimgesuchte Kaiser schon zu alt fühlte, dem Erzherzog-Thronfolger zugefallen. Nunmehr, nach dessen Tod, wurde am 31. Juli 1914 GdI. Erzherzog Friedrich, Enkel des Erzherzogs Karl und Neffe des Erzherzogs Albrecht, zum Armeeoberkommandanten ernannt. Die Leitung der Operationen fiel, wie dies auch früher vorgesehen war, in erster Linie dem Chef des Generalstabes zu. Obwohl selbst militärisch leidenschaftlich interessiert und von hohem Pflichtsinn erfüllt, beschränkte sich der erzherzogliche Oberbefehlshaber darauf, im Rahmen des AOK. dem Generalstabschef alles abzunehmen, was diesen bei der Bewältigung seiner schweren Aufgaben stören konnte. Hieher gehörte auch die Repräsentation nach außen, vor allem gegenüber der Truppe, bei der Erzherzog Friedrich gern und viel weilte, indessen GdI. Conrad als Generalstabschef nur dreimal Muße zu einem Frontbesuche fand. Nicht selten fiel dem Erzherzog auch die Aufgabe zu, zwischen Generalstabschef und dritten Stellen zu vermitteln; hierin sollte er sich namentlich gegenüber dem deutschen Bundesgenossen bewähren. So oft in den zweieinhalb Jahren der Zusammenarbeit von irgendwo gegen Gen. Conrad Sturm gelaufen wurde — immer bewahrte der ritterliche Prinz dem stolzen, selbstbewußten Chef des Generalstabes seine Treue. So fällt bei den Erfolgen, die sich an den Namen Conrad knüpfen, gewiß auch auf die Persönlichkeit des schlichten, bescheidenen Oberbefehlshabers ein wohlgemessenes Teil.

Der Machtbereich des AOK. erstreckte sich auf die Feldarmee, die Kriegsmarine und die jeweils nach Bedarf abgegrenzten „Kriegsgebiete“. Die Angelegenheiten der eigentlichen Kriegführung sowie die großen Richtlinien organisatorischer, militärtechnischer und militärpolitischer Natur wurden nach den Weisungen des Generalstabschefs in der Operationsabteilung (Obst. Metzger) bearbeitet. Für die Personalien war die Detailabteilung (Obst. v. Kaltenborn), später Präsidialabteilung benannt, maßgebend. Der offensive und defensive Kundschaftsdienst wurde von der Nachrichtenabteilung (Obst. v. Hranilovič; geleitet, die in Wien als Zweigstelle das Evidenzbureau des Generalstabes zurückließ. Diese drei Abteilungen waren in der ersten Kriegszeit im „Operierenden Oberkommando“ zusammengefaßt, dem für die wirtschaftlichen und administrativen Angelegenheiten das „Etappenoberkommando“ (GM. Kanik) zur Seite stand. Die beiden Begriffe fielen, als im Frühjahr 1916 die zweitgenannte Organisation in eine den anderen Abteilungen gleichgeordnete „Quartiermeisterabteilung“ (Obst. Anton Höfer) umgewandelt wurde und an die Stelle des Etappenoberkommandanten der „Generalquartiermeister“ (GM. Kaltenborn) trat. Außerdem gehörten, unmittelbar oder im Wege einer Abteilung an den Chef des Generalstabes gewiesen, zum AOK. noch die Chefs des Feldtransport-(später Feldeisenbahn-)wesens (Obst. Johann Straub), des Feldtelegraphenwesens (Obst. Schamschula) und verschiedener anderer Dienstzweige sowie eine Delegation des k.u.k. Ministeriums des Äußern und Vertretungen beider Regierungen. Der Armeeoberkommandant hatte einen eigenen Stab. Dem AOK. unmittelbar unterstellt war das Kriegspressequartier, das unter der Leitung des Obst. Ritt. v. Hoen eine Reihe zum Teil namhafter Journalisten und Künstler in sich vereinigte *).

Von oben mit vollster Handlungsfreiheit ausgestattet, nahm Conrad auch gegenüber seiner Umgebung in den Fragen der großen Kriegführung die Last des Entschlusses völlig auf sich. Die Männer, die sein Vertrauen genossen, durften ihm zwar freimütig ihre Auffassungen und Bedenken äußern, aber die Entscheidung behielt er sich vor. Für jene war wohl auch seine Autorität zu unbestritten, als daß sie es je gewagt hätten, ihm ihren Rat aufzudrängen. So entsprangen alle großen Entschlüsse, die in den ersten Kriegsjahren im AOK. gefaßt wurden, im Grunde genommen allein dem regen, alle Probleme umfassenden Geiste des „Chefs“2). Als Befehlseinheiten des AOK. galten beim Ausbruch der Kämpfe die Armeen 1 bis 4, die Armeegruppe GdI. Kummer und das 6. Armeekmdo., FZM. Potiorek, dem auch die im Südosten verbleibende 5. Armee unterstellt wurde, außerdem die Kriegsflotte, der aber, abgesehen von den an die Weisungen des FZM. Potiorek gebundenen Seestreitkräften in den Bocche di Cattaro, weitgehende Selbständigkeit eingeräumt war3).

Zu den wesentlichsten Vorbedingungen eines erfolgreichen Wirkens zählte GdI. Conrad die strengste Wahrung der dem AOK. übertragenen, sehr machtvollen Befugnisse und das Fernhalten aller die Entschlußfreiheit störenden äußeren Einflüsse. Dieses Bestreben kam auch in der Zusammenarbeit mit den Zentralstellen deutlich zum Ausdruck. Immer wieder fand der Chef der Militärkanzlei des Kaisers und Königs, GdI. Freih. v. Bolfras, Anlaß, sich über die „lakonische“ Kürze der an den Obersten Kriegsherrn gerichteten Meldungen zu beklagen; auch sei, was der Kaiser erfahre, trotz Telephon und Telegraph nicht selten schon um 36 Stunden überholt4). Wohl trat später der Generalstabschef in seinen Privatbriefen an Bolfras mehr aus sich heraus. Auch bürgerte sich im Laufe der Zeit die Übung ein, daß der erzherzogliche Oberbefehlshaber, der Generalstabschef oder der bis Juli 1915 dem AOK. als Ordonnanz-

J) Karl Hans Strobl, K.P.Q., Erinnerungen aus dem Kriegspressequartier (Reichenberg 1928).

2)    Glaise-Horstenau, FM. Conrad (Neues Wiener Tagblatt vom 11. November 1924).

3)    Vgl. S. 24.

4)    Conrad, IV, 645 ff.

Offizier zugeteilte neue Thronfolger, Obst. Erzherzog Karl Franz Joseph, von Fall zu Fall in Schönbrunn zur Berichterstattung erschienen. Nichtsdestoweniger wurde auch weiterhin, zumal in Wochen des Mißgeschickes., der Wissensdurst der Allerhöchsten Stelle nicht selten nur sehr unvollständig befriedigt.

Noch zugeknöpfter verhielt sich das AOK. gegenüber dem Ministerium des Äußern, den beiden Staatsregierungen und selbst gegenüber dem Kriegsministerium16). Der Generalstabschef war hiebei vor allem von der Sorge geleitet, daß die Geheimhaltung operativer Maßnahmen leiden könnte; aber nicht minder glaubte er, sich durch solche Zurückhaltung unerbetene Ratschläge und Einwirkungen am besten vom Leibe zu halten. Daß dies trotzdem nicht immer gelang, wird sich bei der Schilderung des serbischen Feldzuges und der Karpathenkämpfe erweisen. Übrigens haben auch die politischen Stellen das AOK. nicht durch allzu große Mitteilsamkeit verwöhnt. Die Zusammenarbeit der Heeresleitung mit den Heimatbehörden ließ ebenso zu wünschen übrig wie die der beiden Regierungen untereinander.

Für das Zusammenwirken der Bundesgenossen hatte es im Frieden keinerlei andere Vorsorge gegeben als die gegenseitige Zuteilung von Militärbevollmächtigten. Die Vertretung der deutschen Heeresleitung beim k.u.k. AOK. fiel bei Kriegsausbruch dem vielgenannten Kriegshistoriker und Militärschriftsteller GLt. Freih. v. Freytag-Loringhoven zu, der im Jänner 1915 durch den GM. v. Cramon abgelöst wurde17). Zum Delegierten des öst.-ung. AOK. im deutschen Großen Hauptquartier wurde der FML. Graf Stürgkh bestellt18), an dessen Stelle im Frühjahr 1915 der GM. Ritt. v. Klepsch-Kloth trat. Der Verkehr der beiden Generalstabschefs wickelte sich in den ersten Kriegsmonaten teils durch mehr oder minder regen Schriftenwechsel, teils mittels des Drahtes direkt zwischen ihnen ab; erst GM. Cramon gelangte als Verbindungsoffizier zu größerer und bald sehr maßgebender Geltung. Die erste persönliche Zusammenkunft der leitenden Männer beider Hauptquartiere fand anfangs Dezember 1914 statt. Sehr eng gestaltete sich gleich nach den ersten Kriegswochen die Verbindung zwischen dem AOK. und den deutschen Führern im Osten. Daß diese Zusammenarbeit nicht schon in den Einleitungsfeldzügen zur Schaffung eines gemeinsamen Oberbefehls für den russischen Kriegsschauplatz führte, ist sicherlich trotz der Gründe, die ihr entgegenstanden, als Versäumnis zu bezeichnen. Sehr bald wurde auch von verschiedenen Seiten der Gedanke aufgeworfen, für alle Kriegstheater einen gemeinsamen Bundesfeldherrn zu bestellen. Die Berufung eines solchen Oberfeldherrn wäre sicherlich von Vorteil gewesen. Nichtsdestoweniger hat der Krieg erwiesen, daß die Schaffung einer solchen Stelle pur dann wirklich erfolgversprechend war, wenn es gleichzeitig gelang, auch die politischen und wirtschaftlichen Kräfte der Bundesgenossen in einer für alle Beteiligten maßgebenden Spitzenorganisation zusammenzufassen. Es ist nicht zu leugnen, daß im Laufe des Krieges die Parlamentsherrschaften des Westens gegenüber den Monarchien der Mitte bei der Lösung dieses schwierigen Problems — wie auch bei der Zusammenfassung der inneren Kräfte — einen nicht unerheblichen Vorsprung zu erringen gewußt hatten19). Allerdings war es auch bei ihnen nicht ohne hohes, blutiges Lehrgeld abgegangen.

Kriegsgliederung

Vorbemerkung

Die Gliederung läßt in der Zusammensetzung der Armeen auch den geplanten Aufmarsch gegen Rußland ersehen. Da dieser jedoch infolge der vorangegangenen Mobilisierung gegen Serbien nicht gleich so wie beabsichtigt durchgeführt werden konnte, ferner bis zum vollständigen Eintreffen aller Heereskörper die Operationen längst schon begonnen und Verschiebungen von einer Armee zur anderen stattgefunden hatten, wurde von der Wiedergabe der Stärke der Armeen abgesehen und nur jene der Korps und selbständigen Divisionen ausgewiesen; die Stärke der kleineren Verbände ist aus der Gliederung ohnehin gleich ersichtlich. Sowohl für den Balkan- wie für den nördlichen Kriegsschauplatz wurde die Summe der verwendeten Kräfte zum Ausdruck gebracht.

In der am Schlüsse ausgewiesenen Gesamtsumme des militärischen Machtaufgebotes der Monarchie wurden die Marschkompagnien der Feldjägerbaone. (in Baone. umgerechnet) einbezogen; jedoch wurde im Gegensatz zu früheren Werken, welche die Pionierzüge der Kavallerieregimenter als 1/4 Schwadronen gesondert behandelten und dadurch in der Gesamtsumme eine größere Anzahl Schwadronen herausbrachten, dieser Vorgang nicht beibehalten, da ja tatsächlich durch diese Abteilungen keine größere Einheitenzahl an Schwadronen zustande kam.

Eingeklammerte Ziffern neben der Regimentsnummer bedeuten bei der Infanterie die Zahl der Bataillone, bei der Kavallerie die Zahl der Schwadronen und bei der Artillerie die Zahl der Batterien.

Eine Festungsartilleriekompagnie entspricht bei mobiler Verwendung (als schwere Angriffsartillerie) einer Batterie.

Außer den im allgemeinen „Verzeichnis der Abkürzungen“ angeführten Abkürzungen werden hier noch folgende verwendet:

BkschKomp.= Brückenschutzkompagnie    LstSapAbt. = Landstnrmsappeurabteilung

Det. = Detachement    MaR., MaBaon., MaKomp. = Marschregi-

FsAR., FsAB. = Festungsartillerieregiment,    ment, -baon., -komp.

-bataillon    MG., MG A. = Maschinengewehr,    -abteilg.

GbAR. = Gebirgsartillerieregiment    Ms. = Mörser

GbSchR. = Gebirgsschützenregiment    RdfKomp. = Radfahrerkompagnie

GrJgKomp. = Grenzjägerkompagnie    PB. = Pionierbataillon

Hb. = Haubitze    RKnBt. = Reservekanonenbatterie

HFKR. = Honvédfeldkanonenregiment    RSchwd. = Reservcschwadron

HMaR. = Honvédmarschregiment    rt. AD. = reitende Artilleriedivision

KJR. = Kaiserjägerregiment    rt. DSch. = reitende Dalmatiner Schützen

KSchR. = Kaiserschützcnregimsnt    rt. TKSch. — reitende Tiroler Kaiser-

Kn. = Kanone    schützen

LstArtAbt.= Landsturmartillerieabteilung SB. = Sappeurbataillon LstHD. = Landsturmhusarendivision    SchR. = Schützcnregiment

ARMEEOBERKOMMANDO

Armeeoberkommandant: GdI. ERZHERZOG FRIEDRICH Chef des Generaistabes für die gesamte bewaffnete Madit: GdI. Franz Freih. Conrad v. Hötzendorf

Stellvertreter: GM. Franz Ritt. Höf er v. Felds turm Chef der Operationsabteilung: Obst. Joseph Metzger Etappenoberkommandant: GM. Franz Kanik

Zur Verfügung des AOK., bezw. von diesem den Armeen zugewiesen: 1 Brückenbaon. (4 Komp.), 3 Flußminenzüge, 28 Eisenbahnkomp., 15 Fliegerkomp. Den Bewadiungs» und Sicherheitsdienst beim AOK. versah das IBaon 111/73.

Von der deutschen Obersten Heeresleitung zur Verfügung gestellt: MilitärluftsdiifF>Liegnitz«.

A. Balkanstreitkräfte

Oberkommandant: FZM. Oskar POTIOREK20)

Gstbschef: GM. Eduard Böltz

5. ARMEE

Kmdt.: GdI. Liborius Ritt. v. Frank

Gstbschef: GM. Maximilian Csicserics v. Bacsány

VIII. KORPS <Prag>

26 Baone., 5 Schwd., 17 Bt. (98 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdK. Artur Freih. Giesi v. Gieslingen Gstbschef: Obst. Ludwig Sündermann

9. ID. (Prag): FML. Viktor v. Scheuchenstuel

17.    IBrig. : GM. Franz Daniel, IR. 91 (3), 102 (3)

18.    IBrig.: GM. Joseph Mayrhofer v. Grünbühel, IR.11 (4), 73 (3, mit4MGA.), II/1R. 28

DionsKav.: 2. u. 5. Schwd. DR. 14

9. FABrig.: GM. Rudolf Laube, FKR. 24 (5), I. Dion. FHR. 8 (2)

21. SdiD. (Prag): FML. Artur Przyborski

41.    SdiBrig.: GM. Othmar Panesdi, SdiR 6 (3),    7 (3)

42.    SchBrig.: GM. Alois Podhajský, SAR. 8 (3),    28 (3)

DionsKav. : 1. u. 3. Schwd. DR. 14

21. FABrig.: Obst. Karl Hinke, FKR. 23 (4), FKD. 21 (2), FHD. 21 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. DR. 14,- sFHD. 8(2),- 4. u. 6. Komp. SB. 8/ 5. Komp. PB. 8

XIII. KORPS (Agram)

33 Baone., 6 Schwd., ‘20 Bt. (114 Gesch.), 3 techn. Konip.

Kmdt.: GdI. Adolf Freih. v. Rhemen zu Barensfeld

Gstbschef: Obst. Alfred v. Zeidler

36. ID. (Agram): FML. Claudius C z i b u 1 k a-

71. IBrig.: GM. Johann Gf. Salis*Seewis, IR. 37 (1),    79    (4)

7*2. IBrig.: GM. Heinrich Haustein v. Haustenau, IR.    16    (4),    53 (3),    IV/IR. 96,

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HHR. 10

36. FABrig: GM. Karl Hess, FKR. 39 (5), II. Dion. FHR. 13 (2)

42. HID. (Agram): FML. Stephan v. Sarkotić

S3. HIBrig.: GM. Nikolaus Ištvanovic v. Ivanska. HIR.    25 (3),    26    (3)

84. HIBrig. : GM. Daniel Kolak, HIR. 27 (3), 28 (3)

DionKav.: o. u. 4, Schwd. HHR. 10

42.    FABrig.: Obst. Friedrich Neumann, FKR. 37 (4), HFKR.    6 (4)

13.    IBrig.    (Esseg):    GM. Karl Stracker, IR. 52 (3), 78 (4), 5. u. 6.    Schwd.    HHR.    10,

5. KnBt. GbAR. 13, I. Dion. FHR. 13 (2)

Korpsunmittelbar: sFHD. 13 (2),- 1. u. 3. Komp. SB. 13/ 4. Komp. PB. 9

Dem Armeekmdo. unterstellt

11. GbBrig. (Turla): GM. Marzell Lawrowski, IBaone. 1/10, IV/20, 1/21, 11/60, IV/77, III/bh. 3, GrJgKomp. 1 ,• 2. Schwd. HR. 9/ 1. u. 2. KnBt. GbAR. 10 k. u.    104.    LstlBrig.    (Agram): GM. Theodor Bekič, LstlR. 25 (3), 26    (3), 27    (3),    28    (3),-

RSchwd. HR. 10) RKnBt. 38. [Dazu anfangs September    die LstHD.    10    (3)]

13. MaBrig. (Agram):    GM. Adalbert Letovsky *), MaBaone IR. 52, 78, MaR. 26

(MaBaone IR. 16, 37, 53, 792),- RSchwd. UR. 12 MaFormationen der 42. HID: HMaR. 11 (MaBaone 25, 26, 43), HMaR. 12 (MaBaone

27, 28, 44)

GbAR. 12 (6),- 1. bis 4. Komp. PB. 8, 3. Komp. PB. 9 3)

6. ARMEE

Kmdt.: FZM. Oskar Potiorek

Gstbsdief: GM. Eduard B o 11 z

XV. KORPS <Sarajevo>

221/2 Baone., 1 Schwd., 12 Bt. (50 Gesch.), 4 techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Michael Edl. v. Appel

Gstbschef: Obst. Michael M i h a 1 j e v i é

1. ID. (Sarajevo): FML. Stephan Bogat v. Kostanjevac

7. GbBrig.: GM. Otto Sertić, IBaone II/5, IV/25, 11/34, 11/66, 11/85, III/86, GrJgKomp. 3; 1 Zug 1. Schwd. UR. 12,. 3. u. 4. KnBt. GbAR. 10

9.    GbBrig.: Obst. Joseph Hrozný Edl. v. Bojemil, IBaone IV/12, 111/49, 111/74,

IV/84, IV/87, 1 Zug 1. Schwd. UR. 12,- 1. KnBt. GbAR. 11 Dionsunmittelbar: 1. u. 2. HbBt. GbAR. 11 48. ID. (Sarajevo): FML. Johann Ritt. Eisler v. Eisenhort

10.    GbBrig.: Obst. Heinrich Edl. v. Droffa, IBaone 1/48, 1/62, 1/90, 11/92, III/bh. 1,

GrJgKomp. 1/1 Zug 1. Schwd. UR. 12/ 3. u. 4. KnBt. GbAR. 6

12. GbBrig.: GM. Franz Kaiser Edl. v. Maasfeld, IBaone 1/3, 11/ 45, 11/57, 1/93, 11/100, III/bh. 2,. 1 Zug 1. Schwd. UR. 5/ 1. u. 2. KnBt. GbAR. 6 Dionsunmittelbar: 1. u. 2. HbBt. GbAR. 6 Korpsunmittelbar: 5. KnBt. FKR. 37,- 4. u. 5. Komp. SB. 13,- 3. Komp. PB. 4, 4. Komp. PB. 7

*) Übernahm eine kombinierte Brig. / die 13. MaBrig. gelangte als geschlossene Einheit nicht zur Verwendung, sondern wurde aufgeteilt.

2)    Blieb anfänglich in Otočac zurück.

3)    Vom Oberkmdo. der Balkanstreitkräfte wurde dann noch die anfangs September eintreffende LstHD. 8 (3) zugewiesen.

XVI. KORPS (Ragusa)

331/2 Baone., 2 Schwd., 14 Bt. (56 Gesch.), 2 techn. Komp.

Kmdt.: FZM. Wenzel Wurm

Gstbschef: Obst. Paul v. L o e f e n

18. ID. (Mostar): FML. Ignaz Trollmann

4.    GbBrig.: Obst. Theodor Konopicky, IBaone 11/52, 111/69, SchR. 37 (3)/ 1 Zug

1. Schwd. rt. DSch./ l.KnBt. GbAR. 13

5.    GbBrig.: Obst. Maximilian Nöhring, IBaone 1/22, 111/31, SchR. 23 (2), MaBaon

IR. 22 (mit 1 MGA),- 1 Zug 2. Schwd. rt. DSch.,- Dalmatiner GbKnDion. (2)

6.    GbBrig.: GM. Heinrich Goiginger, IBaone 1/6, IV/37, 111/38, IV/50, IV/81/

1 Zug 1. Schwd. rt. DSch.,- 3. u. 4. KnBt. GbAR. 4 8. GbBrig.: GM. Felix Andrian, IBaone IV/24,111/35, IV/53, IV/58, GrJgKomp. 4/ 1 Zug 1. Schwd. UR. 12/ o. u. 4. KnBt. GbAR. 11 Dionsunmittelbar: 1 Zug 2. Schwd. rt. DSch./ 1.    u.    2. HbBt. GbAR.    7

1.    GbBrig.: GM. Guido Novak v. Arienti, IBaone 1/1,    IV/4, 1/51, 1/63,    1/102 ,•    1    Zug

1. Schwd. UR. 5/ 2. KnBt. GbAR. 7

2.    GbBrig.: GM. Theodor Gabriel, IBaone III/8, 111/64, 11/70, 111/76, 11/101, Grjg.-

Komp. 6/ 1 Zug 1. Schwd. rt. DSch.,- 3. u. 4. KnBt. GbAR. 13

13,    GbBrig.: Obst. Anton Gf. Berchtold Freih. von    u.    zu Ungerschütz,    Frätting    und

Püllötz, IR. 22 (3), IBaon III/bh. i,    1    Zug 1. Schwd. UR. b,    3. u.

4. KnBt. GbAR. 7 Korpsunmittelbar: 6. Komp. SB. 13,- 4. Komp. PB. 4

Dem Armeekmdo. unterstellt

3.    GbBrig. (Nevesinje): GM. Heinrich Pongrácz de Szent=Miklós et Ovár, IBaone 11/18,

IV/30, IV/42, II1/46, IV/80, GrJgKomp. 5, 1 Zug 1. SAwd. UR. 5,.

1. u. 2. KnBt. GbAR. 4

47. ID. (Castelnuovo): FML. Friedrich Novak

5 Baone., V* Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

14. GbBrig.: Obst. Martin Verkljan, IBaone IV/33, 1/61, 11/72, 1/91, 1/98,1 Zug 1. Schwd. rt. DSch./ 2. KnBt. GbAR. 13 Dionsunmittelbar: 1. u. 2. HbBt. GbAR. 13

40. HID. (Budapest): FML. Joseph Braun

12 Baone., 2 Schwd., 8 Bt. (44 Gesch.)

79. HIBrig.: GM. Koloman Tabajdi, HIR. 29 (3), 30 (3)

80. HIBrig.: Obst. Johann Háber, HIR. 6 (3), 19 (3 mit 4 MGA)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. HR. 8

40. FABrig.: FML. Ernst Kárász, I. Dion. FKR. 12 (2),    HFKR.    1    (4), l.KnBt.

GbAR. 7, 2. KnBt. GbAR. 11 k. u.    109. LstlBrig. (Budapest) : GM. Johann Czeisberger, LstlR. 17 (3), 29    (3),- RKnBt. 39

MaFormationen der 40. HID.: HMaR. 1 (MaBaone 29, 30, 33),    HMaR.    2    (MaBaone 6,

19 1) 34)

k. k. LstlR. 23 (2), bh. RBaon IV2), 44 MaKomp. des Heeres 3)/ 2 Züge 2. Schwd. rt. DSch.

!) Mit 6 Komp.

2)    Die bh. RBaone I bis III wurden als Militärarbeiterabteilungen im Innern der Monarchie verwendet.

3)    Jene aus dem I., X., XI. Korpsbereiche waren nicht verfügbar.

2. ARMEE!) und Rayon Banat Kmdt.: GdK. Eduard v. Böhm=Ermolii

Gstbschef: GM. Artur Edl. v. Mecenseffy

IV. KORPS (Budapest) 21)

26 Baone., 5 Schwd., 16 Bt. (92 Gesch.), B techn. Komp.

Kmdt.: GdK. Karl Tersztyánszky v. Nádas

Gstbschef: Obst. Adalbert Dáni v. Gyarmata

31.    ID. (Budapest) 22): FML. Erzherzog Joseph

61.    IBrig.: GM. Aurel v. le Beau, IR. 82 (4), 69 (3)

62.    IBrig.: GM. Blasius Dáni v. Gyarmata, IR. 44 (4), bh. 3 (2)23)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HR. 8

31.    FABrig.: GM. Adalbert v. Felix, FKR. 10 (5), I. Dion. FHR. 4 (2)

32.    ID. (Budapest) 24) j FML. Andreas Fail = Griessler

63.    IBrig.: GM. Eugen v. Podhoránszky, IR. 23 (4), 70 (3)

64.    IBrig.: GM. Gustav Mallász, IR. 6 (3), 86 (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. HR. 8

32.    FABrig.: Obst. August Kreyčy, FKR. 11 (5), II. Dion. FHR. 4 (2) Korpsunmittelbar25): RSchwd. HR. 8/ sFHD. 4(2),- 4. u. 5 Komp. SB. 4/ 5. Komp. PB. 4

VII. KORPS <Temesvár)26)

2S Baone., 5 Schwd., 13 Bt. (SO Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Otto Meixner v. Zweienstamm Gstbschef: Obst. Joseph Ritt. Schilhawsky v. Bahnbrück 17. ID. (Großwardein)27): FML. Johann Ritt. v. Henriquez

33.    IBrig.: GM. Alexander Barbini, IR. 39 (4), 101 (3), IBaon. 11/37

34.    IBrig.: GM. Franz Resch, IR. 33 (3), 46 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HR. 7

17. FABrig.: Obst. Dominik Żagar, FKR. 19 (4), I. Dion. FHR. 7 (2)

34. ID. (Temesvár) s) : FML. Joseph Ritt. Krautwald v. Annau

67.    IBrig.: GM. Wilhelm v. Lauingen, IR. 61 (3), 96 (3)

68.    IBrig.: GM. Ludwig Edl. v. Rössler, IR. 29 (4), 43 (4)

DionsKav.: 4. u. 5. Schwd. HR. 12

34. FABrig.: GM. Heinrich Marx, FKR. 21 (4), II. Dion. FHR 7 (2) Korpsunmittelbar28): RSchwd. HR. 7,- sFHD. 7 (2),- 4. u. 5. Komp. SB. 7/ 5. Komp PB. 7

IX. KORPS (Leitmeritz)29)

13 Baone., 3 Schwd., 9 Bt. (50 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Lothar Edl. v. Hortstein

Gstbschef: Obst. August Martinek

29. ID. (Theresienstadt): FML. Alfred Gf. Zedtwitz

57.    IBrig.: GM. Joseph Schön, IR. 42 (3), 92 (3)

58.    IBrig.: GM. Joseph Poleschensky, IR. 74 (3), 94    (4)

5


DionsKav.: 3. u. 4. Sdíwd. rt. SchR. 2

29. FABrig.: GM. Eduard Zanantoni, FKR. 27 (5), lI.Dion. FHR. 9 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. DR. 1 / sFHD 9 (2) •),- 5. u. 6. Komp. SB. 92)/ 5. Komp. PB. 9

Dem Armeekmdo. unterstellt

23. HID. (Szegedin)3): FML. Heinrich Daempf

12 Baone., 2 Sdiwd., 6 Bt. (36 Gesch.)

45.    HIBrig.: GM. Rudolf Seide, HIR. 2 (3), 5 (3)

46.    HIBrig.: FML. Lehel Festi, HIR. 7 (3), 8 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HHR. 4

23. FABrig.: Obst. Alfred Unschuld, FKR. 20 (3), HFKR. 2 (3)

MaFormationen der 23. HID.: HMaR. 3 (MaBaone 2, 5, 35), HMaR. 4 (MaBaone 7,

8, 36)

V2 7. ID. (Esseg): FML. Kasimir Freih. v. Lütgendorf

10 Baone., 1 Sdiwd., 5 Bt. (30 Gesch.), 1 techn. Komp.

14. IBrig.: Obst. Emil Baumgartner, IR. 38 (3), 68 (4), FJB. 21, MaR. 25 (MaBaone IR. 38, 68, MaKomp. FJB. 21)

DionsKav.: 6. Sdiwd. HR. 9

7.    FABrig.: Obst. Wilhelm Soppe, FKR. 38 (5)/ — 1. Komp. SB. 13

10. KD. (Budapest)4): FML. Viktor Mayr

21 Sdiwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

4. KBrig.: GM. Gustav Loserth, HR. 10 (6), 13 (6)

8.    KBrig.: Obst. Viktor Bauer v. Bauernthal, HR. 9 (4), UR. 12 (5) rt. AD. 4 (3)

4. MaBrig (Budapest)5): GM. Martin v. Radičevié

7.    MaBrig. (Temesvár)6): GM. Friedrich Kermpotich, MaR. 13 (MaBaone IR. 33, 39,

46, 101), MaR. 14 (MaBaone IR. 29, 43, 61, 96),- RSchwd. HR. 4t)

8.    MaBrig (Prag): GM. Ludwig Ritt. Sdireitter v. Schwarzenfeld, MaR. 15 (MaBaone

IR. 35, 75, 88, MaKomp. FJB. 6, 22), MaR. 16 (MaBaone IR. 11, 73, 91, 102),- RSchwd. DR. 7

1. bis 4. und 9. bis 12. Komp FsAR. 6/ 1. u. 2. Komp. FsAR.    1 8),    3. u.    4. Komp.

FsAB. IO9),- 1. u. 2. Komp. PB. 4,-    1. bis    5. Komp. PB. ö30«),-    1. u.    2. Komp.

PB. 9 11), 1. bis 3. Komp. PB. bh. 15

RAYON BANAT FJB.    23 u. 28 (samt MaKomp.), Ill/k. u. LstlR.    8,- 5.    KnBt. FKR.    19 u.    21

k. u.    107. LstlBrig. (Großwardein) : GM. Joseph    Breit,    LstlR. 3 (3),    4 (3),    12 (3), 32 (3),

RSchwd. HR. 3,. RKnBt. 34 [Dazu noch anfangs September die LstHD. 2 (3)]

Armeeunmittelbar: 1. bis 3. Komp. PB. 7

Sicherheitsbesatzungen

Festung Peterwardein k. u. LstlR. 1 (3), 6 (3),- 1. u. 2. MaKomp. FsAR. 6, 6 LstArt.- und 3 LstSapAbtgen. Dazu anfangs September noch die LstHD. 1 (3)

Festung Sarajevo

k. u. LstlR. 19 (3), i/2 Ill/k. u. LstlR. 2,- 1. Feld*, Res.« u. MaKomp. FsAB. 2,

5 LstArtAbtgen.,- 3. Komp. SB. 7

Festung M o s t a r

k. u. LstlR. 30 (21/2)/ 3. Feld-, Res.* u. MaKomp. FsAB. 2, 2 LstArtAbtgen.,- 1 Zug

2. Komp. SB. 7

Festung T r e b i n j e

k. k. LstlR. 9 (2),- 2. Feld-, Res.* u. MaKomp. FsAB. 2, 3 LstArtAbtgen.,- V22. Komp. SB. 7

Festung B i 1 e ć a

k. k. LstlR.9 (2),-4. Feld*, Res.* u. MaKomp. FsAB. 2, 2 LstArtAbtgen. /1 Zug 2. Komp. SB. 7

Kriegshafen C a 11 a r o k. k. LstlR. 37 (2), k. u. LstlR. 2 (2),- RKnBt. 19, 30 Komp. (samt Res.* u. MaKomp.) des FsAR. 5/ 1. Komp. SB. 7

Feste K a 1 i n o v i k V2 HI/k. u. LstlR. 2/ FsA. u. SapDet. aus Sarajevo

Fort Grad 1 Komp. Ill/k. u. LstlR. 30,- FsADet.

Fort St. N i c o 1 ó Det. k. k. LstlR. 23/ ADet. der Kriegsmarine

Kastell S t o 1 a c

1 Komp. Ill/k. u. LstlR. 30,- FsADet.

Kriegshafen Pola

k. k. 112. LstlBrig. (Pola): GM. Joseph Szentgyörgyi, LstlR. 5 (3), 26 (4),- RSchwd. DR. 4,-RKnBt 6

SdiR. 5 (3),- 36 Komp. (samt Res.* u. MaKomp.) des FsAR. 4, 3. u. 4. Komp.

FsAB. 8, 1. u. 2. Komp. FsAB. 10/ 1., 2., 3. u. 4. Komp. SB. 6 Triest: k. k. LstlR. 27 (3)

Fiume: IV/HIR. 19, IV/k. u. LstlR. 19

Summe der Baikanstreitkräfte

A) Feldheer (5., 6. und 2. Armee)

319 V2 Baone., 60 Schwd., 142 Bt. (744 Gesch.), 42 techn. Komp., 12 FsAKomp., 486 MG.

Nach Abgang der 2. Armee 239^2 Baone., 37 Schwd., 101 Bt. (516 Gesch.), 29 techn. Komp., 8 FsAKomp., 342 MG.

B) Sicherheitsbesatzungen (einschließlich Küstenschutz)

36 Baone., 4 Schwd., 2 Bt. (12 Gesch.), 7 techn. Komp., 84 FsAKomp., 6 MG.

Summe

275 V2 Baone.1), 41 Schwd., 103 Bt. (528 Gesch.), 36 techn. Komp.,

92 FsAKomp., 348 MG.

J) Einschließlich von 44 MaKomp. der IRegter. und 2 von FJB.

Donauflottiííe!)

Kmdt.: FregKapt. Friedrich Grund

a) In der Donau

1.    Monitorgruppe : »Temes« (Führerschiff der Flottille), »Bodrog«, Patrouillenboote »b« und »f«

2.    Monitorgruppe: »Szamos«, »Körös«, Patrouillenboot »c«

Train: Privatschiff »Kulpa« (Spitalschiff), Privatdampfer »Achilles« und »Banhans« als Remorqueure, Privatfahrzeuge »Andor« und zwei Warenboote als Minenräumer,- weiter noch zwei Motorboote, zwei Schlepps und drei Warenboote

Patrouillenbootstation in Pancsova: Patrouillenboote »d« und »g«

b) In der Save

Monitor »Maros« und »Leitha«, Patrouillenboot »h«

Train: Privatdampfer »Traisen« als Spitalschiff, »Traun« als Remorqueur, ein Warenboot

B. Gliederung der für den nördlichen Kriegs^ sdiauplatz bestimmten Streitkräfte

1. ARMEE

Kmdt.: GdK. Viktor Dank!

Gstbschef: GM. Alfred Kochanowski Edl. v. Korwinau

I. KORPS <Krakau>

29 Baone., 5 Sdiwd., 17 Bt. (98 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdK. Karl Freih. v. Kirchbach auf Lauterbach

Gstbschef: Obst. Ferdinand Demus 5. ID. (Olmütz): FML. Karl Scott i

9.    IBrig.: GM. Gustav Smekal, IR. 54 (4), 93 (3)

10.    IBrig.: GM. Richard Kutschera, IR. 1 (3), 13 (4)

DionsKav.: 1. u. 2. Sdiwd. rt. SchR. 4

5. FABrig.: Obst. Alexander Ritt. v. Truszkowski, FKR. 3 (5), I. Dion, FHR. 1 (2)

46. SdiD. (Krakau) : FML. Karl N a s t o p i 1

91.    SchBrig.: GM. August Urbański v. Ostrymiecz, SchR. 16 (3), 31 (3), 32 (3)

92.    SchBrig.: GM. Adam Brandner Edl. v. Wolfszahn, SchR. 13 (3), 15 (3) DionsKav.: 5, u. 6, Sdiwd. rt. SchR. 4

46. FABrig.: Obst. Heinrich v. Naumann, FKR. 2 (4), FKD. 46 (2), FHD. 46 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. DR. 11 ,• sFHD. 1 (2),- 4. u. 6. Komp. SB. 1,- 2, Komp. PB. 10

V. KORPS (Preßburg)

42 Baone., 7 Schwd., 25 Bt. (146 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: FZM. Paul Pu hallo v. Brlog

Gstbschef: Obst. Hermann S a 11 a g a r

14. ID. (Preßburg): FML. Hugo Martiny

27. IBrig.: GM. Georg Schariczer v. Rény, IR. 71 (4), 72 (3), FJB. 11

28. IBrig.: GM. Rudolf Ritt. v. Willerding, IR. 48 (3), 76 (3), FJB. 19 DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HR. 5

14. FABrig.: GM. Heinrich Ströhr, FKR. 14 (5), I.Dion. FHR. 5 (2)

Die Donauflottille war anfänglich dem 2., nach dessen Abtransport nach Galizien dem 5. Armeekmdo. unterstellt. — Von der Flotte war die in Castelnuovo befindliche

2. Schiffsdivision (drei Schlachtschiffe, ein Kreuzer, vier Torpedofahrzeuge und vier Torpedoboote) anfänglich dem 6. Armeekmdo. zugewiesen (Vgl. auch S. 81).

33. ID. (Komorn): FML. Karl Edl. v. Rebracha

65.    IBrig.: GM. Konrad v. Essler, IR. 19 (4), 26 (4)

66.    IBrig.: GM. Joseph Lieb, IR. 12 (3), 83 (4)

DionsKav. : 3. u. 4. Schwd. HR. 5

38. FABrig.: Obst. Eduard Kaufmann, FKR. 15 (5), II. Dion. FHR. 5 (2)

37. HID. (Preßburg): FML. Adrian W i e b e r

73.    HIBrig.: Obst. Paul v. Nagy, HIR. 13 (3), 18 (3)

74.    HIBrig.: GM. Franz Cvrček, HIR. 14 (3), 15 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. HR. 5

37. FABrig.: Obst. Karl Wondre, FKR. 13 (5), HFKR. 4 (4)

Korpsunmittelbar: RSchwd. HR. 9,- sFHD. 5 (2),- 4. u. 5. Komp. SB. 5/ 4. Komp. PB. 10

X. KORPS (Przemyśl)

39 Baone., 7 Schwd., 24 Bt. (140 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmcit.: GdI. Hugo Meixner v. Zweienstamm Gstbschef: Obst. Gottlieb Kralowetz v. Hohenrecht

2.    ID. (Jaroslau): FML. Anton L i p o š ć a k

3.    IBrig.: GM. Eugen Pöschmann, IR. 40 (4), bh. IR. 4 (2 Baone u. 1 JgKomp., 3 MGA),

FJB. 4

4.    IBrig.: GM. Heinrich Trichtel, IR. 89 (4), 90 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. rt. SchR. 3

2. FABrig.: Obst. Julius Kramař, FKR. 29 (5), I. Dion. FHR. 10 (2)

24. ID. (Przemyśl): FML. Andreas P i 11 i k v. Rudan u. P o r i a

47.    IBrig.: GM. Felix Ritt. Unschuld v. Melasfeld, IR. 9    (4),    45 (3)

48.    IBrig.: Obst. Walter Ritt. Schreitter v. Schwarzenfeld,    IR.    10 (3),    77    (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt.SchR. 3

24. FABrig.: GM. Karl Seyferth Edl. v. Uhlen, FKR. 30 (5), II. Dion. FHR. 10 (2)

45. ScfiD.    (Przemyśl): FML. Stephan L j u b i č i c

89.    SchBrig.: GM. Emst Ritt. Hörmann v. Wüllerstorf    u. Urbair,    SchR.    18 (3),

33 (3)

90.    SchBrig.: GM. Johann Edl. v. Sauerwein, SchR. 17 (3), 34 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. rt.SchR. 3

45. FABrig.: Obst. Adolf Eschelmüller, FKR. 28 (4), FKD. 45 (2), FHD. 45 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 3,- sFHD. 10 (2),- 4. u. 5. Komp. SB. 10/ 3. Komp. PB. 10

Dem Armeekmdo. unterstellt

12. ID. (Krakau): FML. Paul Kestřanek

16 Baone., 2 Schwd., 7 Bt. (42 Gesch.), 2 techn. Komp.

23.    IBrig.:    GM.    Miecislaus Edl. v. Zaleski, IR. 3 (2), 56 (4),    100    (3)

24.    IBrig. '•    GM.    Godwin v. Lilienhoff* Adelstein, IR. 20 (3), 57 (3),    FJB. 5

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt.SchR. 4

12.    FABrig.: GM. Thaddäus Ritt. Jordan*Rozwadowski v.    Groß=Rozwadow,

FKR. 1 (5), II. Dion. FHR. 1 (2)

5.    Komp. SB. 1/ 1. Komp. PB. 10

3.    KD. (Wien): FML. Adolf Ritt. v. Brudermann

24 Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

10.    KBrig.: Obst. Friedrich Freih. v. Cnobloch, DR. 3    (6),    UR. 7    (6)

17.    KBrig.: GM. Stanislaus Ritt. v. Ursyn=Pruszyński,    UR. 4 (6),    HR.    1    (6)

rt. AD. 2 (3)

9. KD. (Lemberg): FML. Leopold Freih. v. Hauer

24 Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

1. KBrig.:    GM.    Maximilian Freih. v. Schnehen, DR. 4 (6), 13    (6)

9. KBrig.:    GM.    Sigmund Ritt. v. Micewski, DR. 1 (6), UR. 6    (6)

rt. AD. 9 (3)

k. k. 1. LstlBrig. (Wien): Obst. Adolf Brauner, LstlR. 1 (2), 2 (4)/ RSdiwd. DR. 6,-RKnBt. 42

k. k. 36. LstlBrig. (Leitmeritz): Obst. Karl Maulik, LstlR. 11 (4), 12 (4), 30 (4),- RSchwd. DR. 13,. RKnBt. 27

k. u. 101. LstlBrig. (Budapest): GM. Konrad Siegler v. Eberswald, LstlR. 18 (3), 20 (3), 31 (3), RSchwd. HR. 14,. RKnBt. 16 k. k. 110, LstlBrig. (Krakau): FML. Wenzel Tertain, LstlR. 16 (3), 32 (3)/ RSchwd.

UR. 1/ 2-12 cm KnBt. (=13. u. 14. Komp. FsAR. 2) i)

1. MaBrig, (Krakau): Obst. Wilhelm Bańkowski, MaR. 1 (MaBaone IR. 3, 20, 56, 57, 100, MaKomp. FJB. 5), MaR. 2 (MaBaone. IR. 1,13, 54, 93),- RSchwd. UR. 2

5. MaBrig. (Preßburg): Obst. Joseph Blum, MaR. 9 (MaBaone IR. 48, 71, 72, 76, MaKomp.

FJB. 11, 19), MaR. 10 (MaBaone IR. 12, 19, 26, 83),- RSchwd. HR. 11/ HMaR. 7 (MaBaone 13, 18, 39), HMaR. 8 (MaBaone 14, 15, 40)

10. MaBrig. (Przemyśl): GM. Friedrich Freih. Padcenj v. Kilstätten, MaR. 19 (MaBaone IR. 40, 89, 90, bh. 42), MaKomp. FJB. 4), MaR. 20 (MaBaone IR. 9, 10, 45, 77)/ RSchwd. UR. 6 Polnische Legion (3),- GbAR. 8 (6),- 2. u. 3. Komp. SB. 9,- 2. u. 3. Komp. PB. 3, 2. Komp.

PB. 73). (Mit 7. September wurden vom AOK. noch die LstHDionen 5, 7 und 9 (9) unterstellt).

Armeegruppe GdI. Hermann Kövess v. Kövesshaza

Gstbschef: Obstlt. Gottlieb Wejmelka vom 8. bis 25. August,- dann :

2. ARMEE

Kmdt.: GdK. Eduard v. Böhm^Brmoiii

Gstbschef: GM. Artur Edl. v. Mecenseffy

XII. KORPS <Hermannstadt)

38 Baone., 6 (7) Schwd., 25 Bt (146 Gesch.), 3 (4) techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Hermann Kövess v. Kövesshaza Gstbschef: Obstlt. Egon Freih. Zeidler-Daublebsky v. Sterneck 16. ID. (Hermannstadt): FML. Franz Pauker t

31.    IBrig.:    GM.    Ernst Dieterich, IR. 2    (4), 82    (4)

32.    IBrig.:    GM.    Anton Goldbach,    IR.    31    (3),    64    (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. HR. 2

16. FABrig.: GM. Konstanz Dobler v. Friedburg, FKR. 36 (5), I. Dion. FHR. 12 (2)

35. ID. (Klausenburg) : FML. Viktor Njegovan

69.    IBrig.:    GM.    Franz Hauninger,    IR.    50    (3),    51    (3)

70.    IBrig.:    GM.    Wenzel Bauriedl,    IR.    62    (3),    63    (3)

DionsKav.: 5.4) u. 6. Sdiwd. HR. 2

35. FABrig.: Oberst Alfred Gröschl, FKR. 35 (5), II. Dion. FHR. 12 (2)

38. HID. (Klausenburg): FML. Johann Freih. Karg v. Bebenburg

75.    HIBrig.: GM. Karl Lippner v. Nagyszentmiklós, HIR. 21 (3), 22 (3)

76.    HIBrig.: Obst. Adalbert Benke v. Tardoskedd, HIR. 23 (3), 24 (3)

DionsKav,: 1. u. 2, Schwd. HR. 2

38. FABrig.: Obst. Emanuel Werz, FKR. 34 (5), HFKR. 5 (4)

Korpsunmittelbar: RSchwd. HR. 2/ sFHD. 12 (2)/ 4.4), 5. u, 6. Komp. SB. 12 ,-2. Komp. PB. 2

J) Aus der Festung Krakau.

2)    Nur 2 Komp.

3)    Wurde am 29. August unterstellt; gehörte ursprünglich zu den Balkanstreitkräften (Rayon Banat).

4)    Blieb anfänglich in Siebenbürgen zurück.

III. KORPS (Graz)

4r> Bnone., 7 Sdiwd., 24 Bt. (140 Gesdi.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Emil Colerus v. Geldern

Gstbschef: Obst. Richard Müller

6. ID. (Graz): F.ML. Karl Gelb Edl. v. S i e g e s s t e r n

11.    IBrig.:    GM.    Ludwig v. Fabini, IR.    7 (i), bh.    2 (3)

12.    IBrig.:    GM.    Felizian Krasel, IR. 17 (1), FJB.    S, 9

DionsKav.: 5. u. G. Schwd. DR. 5

G. FABrig.: Obst. Karl Kratky, FKR. 9 (5), I. Dion. FHR. 3 (2)

2S. ID. (Laibach): FML. Rudolf K r á 1 i č e k

55. IBrig.:    GM.    Alfred Edl. v. Hinke,    IR. S7 (3), 97 (I), FJB. 20

nfi. IBrig.:    GM.    Johann Fernengel, IR.    27 (4), 47    (!•), FJB. 7

DionsKav. : 1. u. 3. Schwd. DR. 5

28. FABrig.: GM. Wilhelm Elmar, FKR. S (ó), II. Dion. FHR. 3 (2)

22. SdiD. (Graz): FML. Heinrich Ritt. v. Krauss = Elislago

43.    SchBrig.: GM. Joseph Nemeczek, SchR. 3 (3), 26 (3)

44.    SchBrig.: GM. Ignaz Schmidt Edl. v. Fussina, GbSchR. 1 (5 mit 3 MGA),

2 !) (t mit 2 MGA)

DionsKav.: 2. u. 4. Schwd. DR. 5

22. FABrig.: Obst. Michael Gärtner, FKR. 7 (4), FKD. 22 (2), FHD. 22 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 5,- sFHD. 3 (2),- 4. u. 5. Komp. SB. 3/ 5. Komp. PB. 3

Dem Armeekmdo. (Armeegruppenkmdo.) unterstellt

11. ID. (Lemberg): FML. Alois Pokorny

16 Baone., 3 Sdiwd., 7 Bt. (42 Gesch.), 1 tedin. Komp.

21.    IBrig.: GM. Milan Grubić, IR. 15 (4), 55 (4)

22.    IBrig.: GM. Alexander Ritt. Wasserthal v. Zuccari, IR 58 (3), 95 (4), FJB. 32 DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. rt. SchR. 1

11. FABrig.: GM. Rudolf Dieterich, FKR 33 (5), I. Dion. FHR. 11 (2)

4. Komp. SB. 11

43. SchD. (Czernowitz): FML. Albert Schmidt v. Georgenegg 16 Baone., 2 Schwd., 9 Bt. (54 Gesch.), 1 techn. Komp.

59. IBrig.: GM. Ernst Horsetzky Edl. v. Hornthal, IR. 24 (3), 41 (4)

86. SchBrig.: GM. Moritz Jesser, SchR. 20 (3), 22 (3), 36 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. rt. SÁR. 1

43. FABrig.: FML. Ferdinand Goglia, FKR. 31 (5), FKDicn. 43 (2), FHDion.

43 (2),- — 6. Komp. SB. 11

20. HID. (Großwardein): FML. Friedrich v. Csanády

12 Baone., 2 Sdiwd., 7 Bt. (42 Gesch.)

39. HIBrig.: GM. Koloman Patzák, HIR. 3 (3), 4 (3)

81. HIBrig.: GM. Eugen Perneczky, HIR. 1 (3), 17 (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Sdiwd. HHR. 4

20. FABrig.: GM. Stephan Schneeberger, I.Dion. FKR. 20 (2), HFKR. 8 (5)

1. KD. (Temesvár): GM. Artur Freih. Peteani v. Steinberg

20 Sdiwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

G. KBrig.: GM. Samuel Freih. Apór de AI=Tórja, HR. 7 (4), 14 (6)

7. KBrig.: GM. Johann Schilling, HR. 4 (G), 12 (4) rt. AD. 7 (3)

5. HKD. (Budapest): FML. Ernst v. F r o r c i c h

1 Komp., 24 Sdiwd., 1 Bt. Gesch.)

19. HKBrig. : GM. Ferdinand Gf. v. Bissingen u. Nippenburg, HHR. 1 (6), 8 (6)

23.    HKBrig.: Obst. Colbert Zedi v. Deybadi Freih. v. Hart und Sulz, HHR. 6 (6), 7 (6) 1 Bt. rt. AD. 6/ — HRdfKomp. 1

L) Die Gebirgs=Schützenregimenter Nr. 1 und 2 hatten vor ihrer Umbenennung die Bezeichnung Landwehr»Infanterieregiment Nr. 4, bezw. 27.

8. KD. (Stanislau) : FML. Georg Edl. v. Lehmann

24 Schwd., 2 Bt. (8 Gesch.)

13.    KBrig.:    GM. Otto Berndt, DR. 7 (ß), UR. 8 (6)

15.    KBrig.:    GM. Heinrich Freih.    v. Gablenz^Eskeles, DR.    2    (G),    UR.    11    (6)

rt. AD. 6 (2)

k. k. 35. LstlBrig. (Czernowitz): GM. Arnold Münzei, LstlR. 22 (3), 36 (3), MaBaone IR. 24, 4-1 ,. RSchwd. DR. 9, UR. 8,. RKnBt. 31 k. k. 40. LstlBrig. (Brünn): Obst. Joseph Kroupa, LstlR. 14 (3), 24 (4), RKnBt. 3.o k. u. 102. LstlBrig. (Szegedin): GM. Eduard Plank, LstlR. 5 (3), 7 (3), 8 (2),- RSdiwd.

HR. 4 (von der 7. MaBrig)/ RKnBt. 11 k. u. 103. LstlBrig. (Klausenburg): GM. Emil Hennel, LstlR. 21 (3), 22 (3), 23 (3), 24(3),-RSchwd. HR. 16,- RKnBt.    36

k, k. 105.    LstlBrig.    (Graz): Obst. Emil    Stramlitsch, LstlR. 3    (4),    4    (3),-    RSchwd. DR. 3/

RKnBt. 18

12. MaBrig. (Hermannstadt): GM. Kornelius Blaiin, MaR. 23 (MaBaone IR. 50, 51, 62, 63), MaR. 21- (MaBaone IR. 2, 31, 64, 82), RSchwd. HR. 5 MaFormationen der 20. HID.: HMaR. 13 (MaBaone 1, 17, 45), HMaR. 15 (MaBaone

3, 4, 47)

MaFormationen der 38. HID.: HMaR. 9 (MaBaone 21, 22, 41), HMaR. 10 (MaBaone

23, 24, 42)

GbAR. 14 (6),- Í. u. 2. Komp. SB. 8,- 4. Komp. PB. 3 (Ab September noch 5. Komp. PB. 5)

Dazu kommen vom Balkankriegsschauplatz:

(Gliederung all dieser Verbände Seite 66 und 67)

VIL KORPS <Temesvár>

Kmdt.: GdI. Otto Meixner v. Zweienstamm (das Kmdo. trifft am 27. August ein)

17. ID. (Großwardein): die letzten Staffeln treffen am 31. August ein

34. ID. (Temesvár): die letzten Staffeln treffen am 31. August ein Korpsunmittelbare und Trains: die letzten Staffeln treffen am 2. September ein

IV. KORPS (Budapest)

Kmdt.: GdK. Karl Tersztyánszky v. Nádas

(das Kmdo. trifft am 2. September ein)

31.    ID. (Budapest) : die letzten Staffeln treffen am 8. September ein

32.    ID. (Budapest): die letzten Staffeln treffen am 8. September ein Korpsunmittelbare und Trains: die letzten Staffeln treffen am 9. September ein

7. MaBrig. (Temesvár): trifft vom 2. bis 5. September ein

3. ARMEE

Kmdt.: GdK. Rudoif Ritt. v. Brudermann

Gstbschef.: GM. Rudolf Pfeffer

XI. KORPS (Lemberg)

28 Baone., 5 Schwd., 9 Bt. (50 Gesch.), 2 techn. Komp.

Kmdt.: GdK. Desiderius Kolossváry de Kolosvár Gstbschef: Obst. Franz Ri ml 30. ID. (Lemberg): FML. Julius Kaiser

60. IBrig.: GM. Oswald Kunesch, IR. 30 (3), 80 (3), FJB. 24. 30

85. SchBrig.: Obst. Georg Komma, SchR. 19 (3), 35 (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt. SchR. 1

30. FABrig.: Obst. Franz Edl. v. Portenschlag-Ledermayr, FKR. 32 (4), II. Dion. FHR. 11 (2)

k. k. 93. LstlBrig. (Lemberg): GM. Artur Kaltneker, LstlR. 19 (4)!), 35 (4)/ RSchwd. UR. 4, RKBt. 32

11. MaBrig. (Lemberg): GM. Alois Fürst Schönburg=Hartenstein, MaR. 21 (MaBaone IR. 15, 55, 68, 95), MaR. 22 (MaBaone IR. 30, 80, MaKomp. FJB. 30), RSchwd. UR. 7

Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 13,- sFHD. 11 (2),- 5. Komp. SB. 11/ 5. Komp, PB. 10

XIV. KORPS (Innsbruck)

52 Baone., 8 Schwd., 30 Bt. (160 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt,: GdI, Erzherzog Joseph Ferdinand Gstbschef: Obst. Joseph Ritt. v. P a i ć

3.    ID. (Linz): FML. Joseph Roth

5. IBrig.: GM. Joseph Schneider    Edl. v.    Manns=A.u,    IR. 28 (3), 59 (4)

15.    IBrig.:    GM.    Theodor Stipek,    IR. 14    (4),    KJR. 2    (4)

DionsKav.: 1, u. 2. Schwd. rt. SchR. 6

3. FABrig.: GM. Edmund Edl. v. Sellner, FKR. 42 (5), II, Dion, FHR, 14 (2 mit GbHb.)

S. ID, (Bozen): FML. Johann Freih. v. Kirchbach auf Lauterbach

16.    IBrig.:    GM.    Emil Herzberg,    FJB. 1,    13,    14, 16,    18

96. IBrig.:    GM.    Richard Mayer,    KJR. 3    (3),    4 (3)

121.    IBrig.: GM. Adolf Brunswik v. Korompa, KJR. 1 (3), FJB. 27 DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt.SchR. 6

S. FABrig.: Obst. Karl Petersilka, FKR. 4t (5), I. Dion. FHR. 14 (2)

44. SdiD. (Innsbruck) : FML. Heinrich Tschurtschenthaler v, Helmheim S7. SchBrig.: GM. Franz Ritt. v. Ržiha, SchR. 2 (3), 21 (3)

122.    SchBrig.: GM. Ludwig Goiginger, KScfaR. I (6 mit 4 MGA)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. rt.SchR. 6

44. FABrig,: Obst. Eugen Brunswik v, Korompa, FKR, 40 (4), FKD, 44 (2), FHD. 44 (2)

88. KSchBrig. (Bozen): GM. Karl Georgi, KSchR. II (5 mit 3 MGA), III (5 mit 4 MGA)

1. u. 3. Schwd. rt. TKSch.

GbHbDionen der GbAR. 8, 10 u. 14 (6)

Korpsunmittelbar: sFHD. 14 (2),- 5. u. 6. Komp. SB, 14,- 4. Komp. PB. 2

Dem Armeekmdo. unterstellt

41. HID. (Budapest): FML. Johann Nikić

12 Baone., 2 Schwd., 7 Bt. (42 Gesch.)

40.    HIBrig.: Obst. Adalbert Tanárky, HIR. 12 (3), 32 (3)

82. HIBrig.: GM. Rudolf Schamschula, HIR. 20 (3), 31 (3)

DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. HHR. 4

41.    FABrig.: Obst. Adolf Bauzher, II. Dion. FKR. 12 (3), HFKR. 7 (4)

23, HID. (Szegedin): FML. Heinrich Daempf

(von der 2. Armee,- letzte Staffel trifft am 27. August vom Balkankriegsschauplatz ein)

4.    KD. (Lemberg): GM. Edmund Ritt. v. Zaremba

24 Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

18. KBrig.: GM. Eugen Chev. Ruiz de Roxas, DR. 9 (6), UR. 13 (6)

21. KBrig.: Obst. Alois Ritt. Klepsch=Kloth v. Roden, DR. 15 (6), UR. 1 (6) rt. AD. 11 (3)

2. KD. (Preßburg): FML. Emil Ritt. v. Ziegler

23 Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

3. KBrig.: GM. Albert Freih. Abele von und zu Lilienberg, HR. 6 (6), HR. 16 (6)

16. KBrig,: GM, Erich Freih. v. Diller, HR. 3 (6), UR. 5 (5) rt. AD. 5 (3)

11. HKD. (Debreczin): GM. Julias Freih. Nagy v. Töbör31Ethe 1 Komp., 24 Sdiwd., 3 Bt. (12 Gesdi.)

22. HKBrig.:    GM. Karl Czitó, HHR. 2 (6), 3 (6)

24.    HKBrig.:    Obst. Ladislaus Jóny de Jamnik, HHR.    5 (6),    9    (6)

rt.HAD. 1 (8), — HRdfKomp. 2

k. u. 97. LstlBrig. (Kasdiau): GM. Alfred Weeber, LstlR. 9 (3), 10 (3), 11 (3), 16 (3), RKnBt. 33

k. k. 108. LstlBrig. (Innsbruck): GM. Gustav Székely de Doba, LstlR. II (3), 21 (3)/

2. Sdiwd. rt.TKSdi.,- RKnBt. 41

3.    MaBrig. (Graz):    GM. Wilhelm Nicki Edl. v. Oppavár,    MaR.    5    (MaBaone    IR.    27,

47, 87,    97, MaKomp. FJB. 7, 20), MaR. G (MaBaone    IR. 7,    17,    MaKomp.

FJB. 8, 9, 32),. RSdiwd. DR. 5

14. MaBrig. (Innsbruck): GM. Rudolf Freih. v. Dürfeld, MaR. 27 (MaBaone IR. 14,28,

59, KJR. 2), MaR. 28 (MaBaone KJR. 1, 3, 4, MaKomp. FJB. 1, 13, 14,

16, 18, 27),. RSdiwd. DR. 2 MaFormationen der 41. HID.: HMaR. 14 (MaBaone 20, 31, 46), HMaR. 16 (MaBaone

12, 32, 48)

4.    MaBrig. (Budapest) *) : GM. Martin v. Radičevic, MaR. 7 (MaBaone IR. 32, 44, 69,

bh. 8, MaKomp. FJB. 24), MaR. 8 (MaBaone IR. 6, 23, 70, 86), RSdiwd. HR. 13

MaFormationen der 23. HID.: werden am 28. August unterstellt

5.    KnBt. der GbAR. 6, 11 u. 12 (3),- 1., 2. u. 3. Komp. SB. 12,- 2. Komp. PB. 932)

4. ARMEE

Kmdt.: GdI. Moritz Ritt. v. Auffenberg

Gstbsdief : GM. Rudolf K r a u s s

VI. KORPS <Kasdiau>

39 Baone., 7 Schwd., 2 Í Bt. (1Í0 Gesdi.), 3 tcdin. Komp.

Kmdt.: GdI. S vetorar Boroević v. Bojna

Gstbsdief: Obst. Joseph Huber

15. ID. \Miskolcr): FML. Friedridi Freih. W o d n i a n s k y v. W i I d c n f e 1 d

29.    IBrig. :    Obst.    Dr. jur. Karl Bardolff, IR. 5    (3),    G6 (3)

30.    IBrig.:    Obst.    Joseph Mark, IR. 60 (3), 65    (4)

DionsKav.: 5. u. G. Schwd. HR. 15

15. FABrig.: Obst. Ernst Edl. v. Terboglaw, FKR. 17 (5), I. Dion. FHR. 6 (2)

27. ID. (Kasdiau): FML. Friedridi Ritt. Gerstenberger v. Reichsegg u. Gers t»

53. IBrig6:    GM.    Adolf Urbar;, IR. 25 (3), 34    (3),    FJB. 29

51. IBrig.:    Obst.    Adolf Sterz Edl. v. Ponteguerra,    IR. 67    (t), 85 (3)

DionsKav.: 3. u. 4. Sdiwd. HR. 15

21. FABrig.: Obst. Karl Niemilowicz, FKR. 16 (5), II. Dion. FHR. 6 (2)

39. HID. (Kasdiau): FML. Emmerich Hadfy

77.    HIBrig. :    GM.    Desiderius Molnár v. Pcterfalva, HIR. 9    (3), 11 (3)

78.    HIBrig.:    GM.    Joseph Foglár, HIR. 10 (3), 16 (3)

DionsKav.: 1. u. 2. Sdiwd. HR. 15

39. FABrig.: Obst. Joseph Reisinger, FKR. 18 (5), HFKR. 3 (3) Korpsunmittelbar: RSdiwd. HR. 12,- sFHD. 6 (2), 5. u. 6. Komp. SB. 6/ 3. Komp. PB. 2

IX. KORPS (Leitmeritz) ])

30 Baone., 5 Schwd., 17 Bt. (98 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdI. Lothar Edl. v. Hortstein

Gstbschef: Obst. August Martinek

10. ID. (Josefstadt): FML. Theodor Hordt

19.    IBrig.: Obst. Artur Iwański v. Iwanina, IR. 3G (i), 98 (3), FJB. 2

20.    IBrig.: GM. Hugo Reymann, IR. 18 (3), 21 (3), FJB. 12 DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. rt. SchR. 2

10. FABrig.: Obst. August Blaha, FKR. 25 (5), I. Dion. FHR. 9 (2)

4.    Komp. SB. 9

26. SthD. (Leitmeritz): FML. Johann v. F r i e d e 1

51.    SchBrig.:    GM.    Viktor Seidler, SchR. 11 (3), 12 (3),    30 (3)

52.    SchBrig.:    GM.    Otto Gössmann, SdiR. 9 (3), 10 (3)

DionsKav. : 1. u. 2. Sdiwd. rt. SchR. 2

26. FABrig. : Obst. Oskar v. Heimerich, FKR. 26 (4), FKD. 26 (2), FHD. 26 (2) Korpsunmittelbar: RSchwd. DR. 1/ sFHD. 9 (2)/ 5. Komp. SB. 9/ 5. Komp. PB. 9

XVII. KORPS 2)

30V2 Baone., 4 Sdiwd., 7 Bt. (í2 Gesch.), 3 techn. Komp.

Kmdt.: GdK. Karl Gf. Huyn

Gstbschef: Obst. Theodor Edl. v. Lerch

19. ID. (Pilsen): FML. Karl Lukas

37.    IBrig.: GM. Ernst Kletter, IR. 35 (3), 75 (4), SdiR. 29 (3)

38.    IBrig.: GM. Heinrich Teisinger, IR. 88 (4), FJB. 6, 22 DionsKav.: 4. u. 6. Schwd. DR. 14

19. FABrig.: Obst. Johann Regnier, FKR. 22 (5), II. Dion. FHR. 8 (2)

5.    Komp. SB. 8

2, MaBrig. (Wien): GM. Gregor Miščevic, MaR. 3 (MaBaone IR. 8, 49, 81, MaKomp.

FJB. 17, 25, bh. 1), MaR. 4 (MaBaone IR. 4, 84, 99, bh. 1 i), MaKomp. FJB. 10, 31),- RSchwd. DR. 15

9. MaBrig. (Leitmeritz):    Obst. Friedrich Watterich v. Watterichsburg, MaR. 17

(MaBaone IR. 18, 21, 36, 9S, MaKomp. FJB. 2, 12), MaR. 18 (MaBaone IR. 42, 74, 92, 9i), RSchwd. DR. 8 Korpsunmittelbar: 6. Komp. SB. 9 2),- l.Komp. PB. 9 3)

Dem Armeckmdo, unterstellt

6. KD. (Jaroslau): FML. Oskar W ittmann

24 Schwd., 3 Bt. (12 Gesch.)

5. KBrig.: GM. Otto Sdiwer Edl. v. Schwertenegg, DR. 6 (6), 8 (6)

14. KBrig.: Obst. Anton Leiter, DR. 11 (6), HR. 11 (6) rt. AD. 10 (3)

10. KD. (Budapest): FML. Viktor Mayr

(die letzten Staffeln treffen am 25. August vom Balkankriegsschauplatz ein. Gliede* rung Seite 67)

6. MaBrig. (Kasdiau): FML. Hugo Kuczera, MaR. 11 (MaBaone IR. 25, 34, 67, 85, MaKomp. FJB. 29), MaR. 12 (MaBaone IR. 5, 60, 65, 66)/ RSchwd. HR. 6,-HMaR. 5 (MaBaone 9, 11, 37), HMaR. 6 (MaBaone 10, 16, 38)

GbAR. 3 (6),. 1. u. 2. Komp. SB. 14,- l.Komp. PB. 2, l.Komp. PB. 3

Armeegruppe GdK. Heinrich Ritt. Kummer v. Faikenfehd

Gstbschef: Obst. Karl Göttlicher 45 Baone., 27 Schwd.,    25 Bt. (106 Gesch.),    4 tedin. Komp.

7. KD. (Krakau): FML. Ignaz    Edl.    v. Korda

11.    KBrig.: Obst. Oskar    Mold Edl. v. Mollheim, DR. 10 (6), UR.    2    (6)

20.    KBrig.: GM. Albert    Ritt.    Le Gay v. Lierfels,    DR. 12 (6), UR. 3 (6)

rt. AD. 1 (3)

1 RdfBaon (je 1 Komp. der FJB. II, 20, 24, 29) k. k.    95. LstlD. (Prag)4) : GM. Artur v. RichardsRostoczil

LstlBrig.: Obst. Franz Pfeifer Edl. v. Lindenrode, LstlR. 6 (4), 7    (3),    8    (4)

LstlBrig.: Obst. Karl Piasecki, LstlR. 28 (4), 29 (4)

RSchwd. DR. 10

RKnBt. 22, 1. u. 2. HBt. GbAR. 3, 4—9 cm KnBt. (=FKR. 95) k. k. 106. LstlD (Olmütz)4): GM. Carl Czapp

LstlBrig.: GM. Karl Wojtěchowský Edl.    v. Broddenritt,    LstlR. 13 (4), 15 (3), 31 (3)

LstlBrig.: Obst. Augustin    v. Rochel, LstlR. 25 (3), 38    (3)

RSchwd. DR. 12

RKnBt. 29, 1. u. 2. HbBt. GbAR. 4, 4—9 cm KnBt. (= FKR. 106) k. u.    100. LstlBrig. (Preßburg): GM. Georg Mihálcsics v. Stolácz, LstlR.    13    (3),    14 (8)/

15 (3)5),. RSchwd. HR. 15,- RKnBt. 13, 4-9 cm KnBt. (= FKR. 100)

Der Armeegruppe unterstellt 1. GbABrigKmdo.: Obst. Adolf    Aust, 15 cm    HbBt. 25, 26,    276)

1. bis    3. Komp. SB. 2, 3. Komp.    SB. 1

J) Mit 2 Komp.

2)    Kam mit dem IX. Korpskmdo. vom Balkankriegsschauplatz.

3)    War zuerst bei der 2. Armee auf dem Balkankriegsschauplatz.

4)    Aus der LstlBrig. gleicher Nummer gebildet. Jedes LstlR. erhielt in der Festung Krakau 2 MGA zugewiesen.

5)    Dazu kamen 4 MGA aus der Festung Krakau.

6)    Aus der Festung Krakau (=10., 11. u. 12. Komp. FsAR. 2),

Dcutsdics Lanclwchrkorps: GdI. Rcmus v. Woyrsdi

3 t Baone., 12 Schwd., 12 Bt. (72 Gesch.)

3. LD.: GLt. Freih. v. König •4. LD.: GLt. v. W e g e r e r

Sicherheitsbesatzungen Festung Krakau

Kmdt.: FML. Karl K u k

k. k. 95. LstlBrig. (LstlD.): bei der Armeegruppe Kummer

k. k. 110. LstlBrig.: bei der 1. Armee

k. k. LstlR. 10 (4),- 31 Komp. (samt Res.* u. MaKomp.) der FsAR. 1, 2 u. des FsAB. 5/

1. u. 2. Komp. SB. 1, 1. bis 3. Komp. SB. 4./ 25 LstArtAbtgen., hievon 12—9 cm KnBt. bei der Armeegruppe Kummer/ 2 LstSapAbtgen.

[Dazu noch anfangs September LstHD. 3 (3)]

Festung Przemyśl Kmdt.: FML. Hermann v, Kusmanek k. u. 97. LstlBrig.: bei der 3. Armee

k. k. 111. LstlBrig. (Przemyśl) : GM. Karl Waitzendorfer, LstlR. 17 (3), 18 (3), 33 (4),-RSchwd. UR. 11/ RKnBt. 30

40 Komp. (samt Res.=- u. MaKomp.) der FsAR. 3,6 u. der FsABaone 3, 5/ 40 LstArtAbtgen./

1. bis 3. Komp. SB. 3, 1. u. 2. Komp. SB. 5, 1. u. 2. Komp. SB. 10

Feldmäßige Befestigungen von Lemberg Kmdt. : GM. Friedrich Gostischa k. k. LstlR. 19 (2)1)/ 1. u. 2. Komp. FsAB. 9,- 4 LstArtAbtgen./ 1. u. 2. Komp. SB. 11, 1 LstSapAbt.

Feldmäßig befestigte Brückenköpfe J a r o s 1 a u

k. k. LstlR. 34 (2), 11 BkschKomp. ,• 11. Komp. FsAR. 3, 4 LstArtAbtgen./ 3. Komp. SB. 10

Sieniawa

k. k. LstlR. 34 (1), 4 BkschKomp./ 9. u. 10. Komp. FsAR. 3, 2 LstArtAbtgen./ 3. Komp. SB. '>, 1 LstSapAbt.

Mikołajów

k. k. LstlR. 19 (2) >), 3 BkschKomp./ 12. Komp. FsAR. 3, 4. Komp. FsAB. 9, 1 LstArtAbt./

4. Komp. SB. 14    '

Halicz

k. k. LstlR. 20 (3), 2 BkschKomp./ 3. Komp. FsAB. 9, 4 LstArtAbtgen. / 3. Komp. SB. 11, 1 LstSapAbt.

N i ż n i ó w

k. k. LstlR. 20 (1), 2 BkschKomp./ 1 LstArtAbtg.    .

Auf Koniuszki=Siemanowskie, Nisko, Radymno, Żurawno, Zydaczów, Martinów str.

entfielen je 1 BkschKomp., auf Zaleszczyki 4 BkschKomp. und 1 LstArtAbt.

>) Aus dem Verbände der k. k. 93. LstlBrig.

Summe der Streitkräfte auf dem nördlichen Kriegsschauplätze

A) Feldheer

798V2 Baone., 6 RdfKomp., 377 Schwd., 379 Bt. (2076 Gesch.), 65 tedin. Komp.,

5 FsAKomp., 1234 MG.

B) Sicherheitsbesatzungen

21 Baone., 7 Sdhwd., 1 Bt. (6 Gesch.), 18 techn. Komp., 83 FsAKomp.

Summe

819V2 Baone., 6 RdfKomp., 384 Schwd., 380 Bt. (2082 Gesch.), 83 techn. Komp.,

88 FsAKomp., 1234 MG.

Deutsches Landwehrkorps Woyrsch:

34 Baone., 12 Schwd., 12 Bt. (72 Gesdh.)

C. Außer Bereich der beiden Kriegsschauplätze

Kärntner Sperren: 6 Detadiements der GbSchR. 1 u. 2,- 1. Feld* und RKomp. FsAB. 4

Tiroler Sperren: k. k. LstlR. I (3), 13 Detadiements der KSdhR. I, II, III; 34 Komp.

(samt Res.» und MaKomp.) der FsABaone 1, 4, 5, 6, 7,- 1. Komp. SB. 9,

3. Komp. SB. 8, 3. Komp. SB. 14 Munitionsfabriken und =lager am Steinfeld (Niederösterreich): Ill/k. k. LstlR. 1 Wien: IBaon 1/99/ Budapest: 5. u. 6. MaKomp. FsAR. 6/ K o m o r n : 3. u. 4. MaKomp. FsAR. 6

D. Der deutschen Obersten Heeresleitung für den westlichen Kriegsschauplatz zur Verfügung gestellt

5. u. 6. Komp. FsAR. 2 (=3, u. 4. — 30.5 cm MsBt.), 1. u. 2. Komp. FsAB. 8 (=7. u.

8. — 30.5 cm MsBt.)

Gesamtsumme des militärischen Machtaufgebotes der österreichisch-ungarischen Monarchie:

1094^2 Baone., 6 RdfKomp., 425 J) Schwd., 483 Feld* und GbBt. mit 2610 Gesch., 224 FsAKomp., 155 techn. und 15 Fiieger-Komp., 1582 MG.

■) Einschließlidi der zehn k. u. LstHDionen, die erst anfangs September marschbereit waren und bei den k. u. LstBrig. Einteilung finden sollten.

Bemerkungen und Daten über die Gesamtstärke der öst.-ung. Streitkräfte bei Kriegsbeginn

Zur Mobilisierung wurden folgende Geburtsjahrgänge cinbcrufcn:

1.    Geburtsjahrgang 1S93 (Rekruten und Ersatzreservisten, 21 jährig, noch nicht ausgcbildet',

2.    von den zur Zeit aktiv dienenden Jahrgängen 1890 bis 1S92 (Alter 22 bis

24 Jahre die Beurlaubten und Ersatzreservisten,

3.    die Jahrgänge 1882 bis 18S9 (Reserve und Ersatzreserve des Heeres und beider Landwehren, Alter 25 bis 32 Jahre),

4.    die Jahrgänge 1S72 bis 1881 (gedienter Landsturm, Alter 33 bis 42 Jahre).

Infolge dieser Mobilisierungscinberufungen rückten einschließlich von zirka

66.000 für die Armee in Anspruch genommenen freiwilligen und landsturmpflichtigen Arbeitern rund 2-9 Millionen Männer aus ihrem Zivilverhältnis zur aktiven Militär-^Lar.Jsturm-)Dienstleistung ein.

Der Friedensstand der Armee betrug rund 36.000 Gagisten und 414.000 Mann, zusammen 450.000 Personen; der durch diese Einrückungen erreichte Kriegsstand zählte rund 90.000 Gagisten und 3,260.000 Mann, zusammen

3,350.000 Mann (samt allen Hinterlandsformationen und der oben unter 1. angeführten, nicht ausgebildeten Mannschaft).

Die in der Kriegsgliederung ausgewiesenen Einheitenzahlen ergeben:

109 Í1 2 Baone. fdas Baon. zu rund 1000 Mann gerechnet)..........1,094.500    Mann

G Rdfkomp. ('zu 132 Mann)..................................792    «

4_5 Schwd. (zu 180 Mann)......................................76.500    «

4b3 Bt. (durchschnittlich zu 196 Mann gerechnet)..................94.668    «

22 5- FsAKomp. (durchschnittlich zu 258 Mann gerechnet)..........57.792    «

155 techn. Komp. (durchschnittlich zu 2G0 Mann    gerechnet)    ....    40.300    «

15 FliegerKomp. (zu 106 Mann)................................1.590    «

MG.-Mannschaften............................30.192    «

Summe    .    .    1,396.334    Mann

ferner: 88 LstArtAbtgen. (zu 202 Mann)..........................17.776    «

8 LstSap Abtgen. ( « 205    «    )..........................1.640    «

28 BkschKomp. ( « 250    » )..........................5.500    «

Endsumme    .    .    1,421.250    Mann

In dieser Zahl sind wohl Fahrmannschaften der Geschütze und technischen Abteilungen sowie Tragtierführer der MGA, nicht aber Train-, Verpflegs-, Sanitätsmannschaften, Munitions- und sonstige Kolonnen, Stabs-, Verbindungstruppen, Mil.-Arbeiter-Abteilungen usw. inbegriffen. Der Verpflegsstand der Armee im Felde kann mit 1,800.000 bis 2,000.000 Mann veranschlagt werden.

Damit auf Grund all dieser Angaben der Kampfwert der österreichischungarischen Streitermassen nicht überschätzt werde — die immerhin erheblichen Zahlen können leicht zu unrichtigen Schlüssen verleiten —, sei noch hervorgehoben, daß sich unter den 1094i/2 Baonen 401 Einheiten der Marsch- und Landsturmbrigaden falso mehr als ein Drittel;, unter den 425 Schwd. 72 Res.- u. LstSchwd., unter den 483 Bt. 32 Res.- u. LstBt. befanden.

E. Kriegsgliederung der operativen Flotte

am 4. August 1914

Kommandant der gesamten Streitkräfte: Flottenkommandant Admiraí Anton Haus

(auf S. M. S. »Viribus unitis«)

1.    Geschwader

Kmdt.: Vizeadmiral Maximilian Njegovan

1.    Division. Kmdt.: der Kommandant des 1. Geschwaders

»Viribus unitis«, »Tegetthoff«, »Prinz Eugen« (je 20.300 t)

2.    Division. Kmdt.: Kontreadmiral Anton W i 11 e n i k

»Erzherzog Franz Ferdinand«, »Radetzky«, »Zriny« (je 14,500 t)

2.    Geschwader

Kmdt.t Kontreadmiral Franz Löfler

3.    Division. Kmdt.: der Kommandant des 2. Geschwaders

»Erzherzog Karl«, »Erzherzog Friedrich«, »Erzherzog Ferdinand Max« (je 10.600 t)

4.    Division. Kmdt,: Kontreadmiral Karl Seidensacher

»Habsburg«, »Ärpad«, »Babenberg« (je 8300 t)

Kreuzerflottiiie Kmdt.: Vizeadmiral Paul Fiedler

1. Kreuzerdivision. Kmdt.: der Kommandant der Kreuzerflottille

»Sankt Georg« (7300 t), »Kaiser Karl VI.« (6300 t), »Helgoland« (3500 t), »Aspern« (2400 t), »Szigetvar« und »Zenta« (je 2300 t)

1.    Torpedofíottiííe. Führerschiff »Saida« (3500 t) Kmdt.: FregKapt. Heinrich S e i t z,

12 Torpedofahrzeuge und 9 Torpedoboote

2.    Torpedoflottille. Führerschiff »Admiral Spaun« (3500 t) Kmdt.: FregKapt. Benno

v. M i 11 e n k o v i c h, 6 Torpedofahrzeuge und 18 Torpedoboote Torpedodepotschiffe: »Gäa« und Dampfer »IV«

Train der operativen Flotte Führerschiff: »Cyclop«, 6 Fahrzeuge der Kriegsmarine und 12 gemietete Zivildampfer

Verteidigung von Küstenabschnitten

5.    Division. Kmdt.: Kontreadmiral Richard Ritt. v. Barry

»Monarch«, »Wien«, »Budapest« (je 5600 t)

2. Kreuzerdivision. »Kaiser FJI« (4000 t), »Panther« (1530 t)

Ferner das Seeverteidigungsbezirkskommando von Pola, die Seebezirkskommandos von Triest, Sebenico und Castelnuovo mit einer Anzahl von Spezialschiffen, 2 Torpedo* fahrzeugen, 28 Torpedobooten und 6 Unterseebooten,

Donauflottille (siehe Seite 69)

Kmdt.: FregKapt. Friedrich Grund

Gesamtübersicht des Personals:

Siabs    Mannschaft:

Kriegsstand.................... 1974    33307

Hiezu der Landsturm (Seewehr) der    Kriegsmarine ...    —    3328

Summe des    verfügbaren Personals.......... 1974    36735

Summe der    Erfordernisse    zur See.......... 1250    27888

Summe der    Erfordernisse    zu Land.......... 724    4991

Überschuß ....    —    3856

I 2. Aufl.    6

Reichsbefestig u ng In Galizien

Die galizischen Befestigungen bestanden aus den Lagerfestungen Krakau und Przemyśl, der behelfsmäßigen Befestigung von Lemberg, den feldmäßigen Brückenschutzanlagen an den San- und Dniesterübergängen und einigen Steinwachhäusern bei bedeutenden Bahnbrücken und Tunnels zur örtlichen Sicherung dieser Kunstbauten.

Lagerf cstung Krakau. Aufgabe: Sperrung der wichtigen, im Weichseltale führenden Verkehrslinien, die zwischen Reichsgrenze und Nordfuß der westlichen Karpathen zusammengedrängt sind. Gürtellinie 57 km Umfang, 16 Hauptwerke, davon 10 mit Panzer, 14 Zwischen-(Vor-)werke, darunter 7 mit Panzer. Geschlossenes Noyau, verstärkt durch Haupt- und Zwischenwerke als zweite Widerstandslinie, 24 km Umfang. Armierung etwa 800 Geschütze, Sicherungsbesatzung zwei Landsturminfanteriebrigaden mit 25 Bataillonen.

Lagerfestung Przemyśl. Aufgabe: Sperrung der Hauptbahn Lemberg— Krakau, Erschwerung des Zutrittes zu den günstigen Karpathenübergängen westlich des Uzsokpasses. Przemyśl litt sehr unter dem Umstand, daß die von Jaroslau und Chyrów heranführenden Bahnen sehr rasch von einem von Osten anrückenden Feinde unter Feuer genommen werden konnten. Die von der Heeresverwaltung oft angestrebte Santal-Bahn, die vor östlichen Angriffen gesichert von Westen her den Platz erreicht hätte, war nie bewilligt worden. Gürtellinie 45 km Umfang, 17 Hauptwerke, davon

5 mit Panzer, 19 Zwischen-(Vor-)werke, darunter 7 mit Panzer. Geschlossenes Noyau von 15 km Umfang. Armierung 956 Geschütze, hievon in der mobilen und schweren Geschützreserve 180; Sicherheitsbesatzung zwei Landsturminfanteriebrigaden mit 22 Bataillonen.

Die Werke von Krakau und Przemyśl stammten aus verschiedenen Bauperioden und waren je nach den Anschauungen der Bauzeit, gemäß der damals zu erwartenden feindlichen Geschützwirkung im permanenten Stile angelegt worden. Die Mehrzahl der Forts wurde in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaut. Sie waren geschlossene Werke mit hohem Aufzug, Ziegelmauerwerk und Geschützen auf offenem Wall zwischen Erdtraversen. Allmählich waren die Gürtelbefestigungsanlagen in Krakau, ringsum außer im Osten, in Przemyśl vor allem an der Nord-und Ostfront zum Teil durch Umbau zu Panzerhauptwerken aus Beton mit Geschützen unter Drehpanzer, dann durch Einschiebung von Panzerzwischen- und Vorwerken modernisiert und verstärkt worden. Viele Geschütze der Sicherheitsarmierung standen demnach in den Werken noch auf offenem Wall. In den Panzerwerken bildeten 15 cm-Haubitzen und 15 cm-Mörser unter Drehkuppeln, gelenkt aus gepanzerten Beobachtungsständen, die Fernkampfartillerie. Für nähere Distanzen und in den Zwischen- und Vorwerken standen 8 cm-Schnellfcuerkanonen unter Drehpanzer.

Höchster Wert war auf die Erzielung der „Sturmfreiheit“ gelegt worden, die den Erfolg eines überraschenden oder gewaltsamen Angriffes unmöglich machen und den Feind zwingen sollte, zur Niederringung eines Gürtelabschnittes Belagerungsmaterial heranzubringen.

Erst wenn sich die Angriffsrichtung des Feindes ausgesprochen hatte, sollte die mobile und schwere Geschützreserve, die aus 12 und 15 cm-Kanonen M. 80, 15 cm-Haubitzen M. 99, dann aus 12 und 15 cm-gußeisernen Kanonen M. 61 und 15 cm-Mörsern M. 80, schließlich aus 9 cm-Feldkanonen M. 75/96 bestand, in den Intervallen der Angriffsfront eingesetzt werden. Zur Bestückung größerer Teile des Gürtels oder gar der ganzen Front reichte sie nicht aus. Die Werksartillerie bestand meistens aus modernen Panzer- und Traditorengeschützen. Soweit Geschütze noch auf offenem Wall standen, waren es 9 cm-Feldkanonen M. 75/96.

Die Befestigungen von Lemberg wurden als Erdwerke erstmals 1887 gebaut, sodann im Krisenjahr 1912 verbessert und erweitert. Der Stadt war ein Gürtel von Erdwerken mit Mauereinbauten vorgelegt; Umfang etwa 48 km. Armierung nur

2S Geschütze; im Bedarfsfalle sollte die Feldarmee die Bestückung der Befestigungsanlage vermehren.

Die Befestigungen der San-Dniesterlinie, deren erste Anlage in die Mitte der 80er Jahre, zum Teil in das Jahr 1854 fällt, sollten im Vereine mit Teilen der Feldarmee und der Festung Przemyśl ein Vordringen der Russen von Norden und Nordosten über diese Flußschranken verhindern. Hiezu waren die permanenten Brücken durch feldmäßige Werke örtlicher Bedeutung gesichert. Einzelne dieser Verteidigungsanlagen waren am Nordostufer so ausgedehnt, daß sie auch eigenen Flußüberschreitungen als Offensivbrückenköpfe dienen konnten. Solche Brückenköpfe waren: Sieniawa, Jaroslau, Mikołajów, Halicz und Niżniów. Die Stärke ihrer Sicherheitsbesatzung ist der Kriegsgliederung S. 78 zu entnehmen. Einschließlich der dort angeführten mobilen Batterien betrug die Armierung 70, 94, 58, 44 und 4 Geschütze, fast durchwegs alte Feldkanonen M. 75/96. Bei Nisko, Radymno, Koniuszki-Siemanowski, Zydaczów, Żurawno, Martinów Str. und Zaleszczyki waren einfache Brückenschanzen hergestellt mit je einer Besatzung von 1 bis 4 Brückenschutzkompagnien.

Die Zahl der verteidigungsfähigen Wachhäuser in Galizien betrug 24 mit je einer durchschnittlich 25 Mann starken Besatzung.

Allen galizischen Befestigungen fehlte ein einheitliches System in Anlage und Bauausführung. In den teilweise unvollendeten und veralteten Lagerfestungen Krakau und Przemyśl waren mit relativ bescheidenen Mitteln taktisch richtig angelegte und fortifikatorisch und artilleristisch vorzüglich durchgebildete Werke hoher Widerstandskraft vorhanden. Die fortifikatorische Widerstandskraft von Lemberg und der Befestigungen am San-Dniester dagegen war sehr gering.

In den Grenzlanden gegen Serbien und Montenegro

Die im äußersten Süden der Monarchie angelegten Befestigungen bezweckten, die Grenze des Okkupationsgebietes gegen Einfälle der sehr rasch operationsbereiten Montenegriner und gegen eventuelle feindliche Landungen in Süddalmatien zu schützen. Weiter sollten sie im Vereine mit den Truppen der Garnisonen das Niederhalten der zu Aufständen neigenden Bevölkerung sowie die Durchführung der infolge exterritorialer Ergänzung der Truppen und ganz unzulänglicher Verkehrsmittel (Schmalspurbahn) fast drei Wochen dauernden Mobilisierung gewährleisten. Schließlich hatten sie auch den Aufmarsch der an der Drina sich gegen Serbien bereitstellenden Armeen in der südlichen Flanke zu sichern. Hiezu wurde im südlichen

Teil der Herzegowina im Anschluß an die befestigten Bocche di Cattaro ein kordonartiges System von Festungen, befestigten Depotplätzen, Wachhäusern und Defensions-kasernen angelegt, dessen Kernpunkte die Gürtelfestungen Trebinje und B i 1 e ć a (Bilek'' mit 25, bezw. 23 km Umfang bildeten. Außerdem wurde den beiden Hauptstädten Sarajevo und M o s t a r ein Kranz von Werken (20, bezw. 22 km Umfang) vorgelcgt. Mit dem Bau der Befestigungen wurde unmittelbar nach dem Okkupationsfeldzuge (1S7S, 79) begonnen. Mit Rücksicht auf die den voraussichtlichen Feinden damals zur Verfügung gestandenen geringen artilleristischen Angriffsmittel wurden die Werke als nur gebirgsgeschützsichere, freistehende Steinmauerbauten errichtet. Zur Armierung wurden daher auch keine schwereren als 10 cm-Geschütze verwendet.

C a 11 a r o war nach Pola der zweite Kriegshafen der Kriegsmarine. In der vielgewundenen Bucht fanden Kriegsschiffe vor Unbilden der See und dem Feuer einer feindlichen Flotte vortrefflichen Schutz. Die enge Hafeneinfahrt konnte rasch gesperrt und durch die hier vorhandenen Küstenpanzerforts leicht verteidigt werden. Sehr ungünstig war es jedoch um die Ostfront der Anlage bestellt, weil die Reichsgrenze hier am halben Hang des in Montenegro liegenden, das ganze Gebiet überhöhenden Berges Lovčen (1759 m) verlief, der volle Einsicht in die östlichen Hafenbuchten und die Möglichkeit zur Beschießung der hier befindlichen Schiffe sowie der in und nächst Cattaro liegenden Kasernen und Depots bot. Das nördlich von Cattaro sich ausbreitende Hochplateau der Krivošije war durch gebirgsgeschützsichere Befestigungen beschirmt und gehörte zum Verteidigungsrayon von Cattaro. Der hiedurch gebildete Manövrierraum fing die aus dem Grahovobecken heranführenden montenegrinischen Anmarschwege auf und ermöglichte ein Zusammenwirken mit der Festung Trebinje.

Der neuzeitliche Ausbau der Heere der beiden benachbarten südslawischen Königreiche und besonders deren Ausrüstung mit schwerer Artillerie, die nach der ersten Balkankrise eingesetzt hatten, waren Ursache, daß Armeeinspektor FZM. Potiorek Ende 1911 die Ausgestaltung und Modernisierung der herzegowinischen und dalmatinischen Befestigungen anregte. Sie betrafen die Verlegung aller noch in Cattaro befindlichen Marine- und Heeresetablissements nach Teodo und Castelnuovo und die Erbauung einiger, auch schwerem Geschütz trotzender Panzerwerke in Cattaro, Trebinje, Bileća und Gacko. Hiedurch sollten die aus den montenegrinischen Sammelräumen Grahovo und Niksić nach Süden (Cattaro), Westen (Trebinje und Bileća) und Nordwesten (Gacko) führenden Einbruchswege gesperrt sowie der für das Heranbringen von Teilen des XV. (Sarajevoer) Korps wichtige Raum von Kalinovik gesichert werden. Die übrigen kleinen Befestigungen, die entweder von der Grenze zu weit entfernt lagen (N e v e s i n j e), oder jene, denen bisher rein örtlich-taktische Bedeutung zukam, diese aber verloren hatten, weil jetzt auch der Feind mit seinem schwerfälliger gewordenen Troß an die Hauptverkehrslinien gewiesen war, sollten allmählich aufgelassen werden.

Die durch Cattaro, Trebinje, Bileća, Gacko und Kalinovik gebildete Kette von Befestigungen, denen in dieser wasserarmen Gegend auch als Schutz der Wasserspender Bedeutung zukam, wurde längs der Ostgrenze von Bosnien nicht fortgesetzt. Nur bei V i š e g r a d wurde zur Sperrung der von Užice heranführenden Vorrückungslinie mit dem Bau eines Turmhaubitzwerkes begonnen.

Bei Ausbruch des Weltkrieges waren die wenigsten der geplanten Erweiterungsund Modernisierungsbauten fertiggestellt. Dennoch haben die dalmatinisch-herzego-winischen Befestigungen während des Krieges der an sie gestellten Anforderung — Vereitelung montenegrinischer Einbrüche — vollkommen entsprochen.

Von den in Kroatien, Slawonien und Südungarn noch aus der Zeit der Türkenkriege stammenden Festungen wurde nur Peter wardein (Petrovaradin) beibehalten und bildete das Kernwerk eines Brückenkopfes, der im Mobilisierungsfalle mit feldmäßigen Mitteln ausgeführt werden sollte. Teile dieser Gürtelbefestigung sind schon im Krisenjahr 1912/13 ausgebaut worden.

Die Befestigungen in Tirol, Kärnten und im Küstenland

werden im II. Bande bei Schilderung des Ausbruches des italienischen Krieges besprochen werden.

Grundlagen der Bahnleistungen im Kriege Hiezu Beilage 3

Friedensorga n i sation des Vo11 bahnnetzes Österreich:    Ungarn:

k. k. Eisenbahnministerium,    k.    u.    Handelsminister,

k. k. Staatsbahnen mit 16 Direktionen,    k.    u.    Staatsbahnen    mit    12    Betriebs

leitungen,

Privatbahnen, deren Linien in beiden Gebieten lagen (Südbahn und Kaschau-Oderberger Bahn) kleine Privatbahnen,    |    kleine    Privatbahnen,

Annexionsgebiet:

k.u.k. gemeinsamer Finanzminister, schmalspurige bosnische Landesbahnen.

Bahngeographisches

Die Donau durchschnitt die Monarchie auf 1000 km Länge und war in beiden Reichshälften je siebenmal für Bahnen überbrückt. Drei Längengebirge zwangen die Bahnen der Monarchie auf wenige günstigere Übergangspunkte: a) Die 200 km breiten, nach Osten sich erweiternden und 500 km langen Alpen wurden nur von vier durchlaufenden Schienenwegen überschritten, und zwar über den Brenner, die Tauern, den Semmering- und den Neumarkter Sattel, b) Der die Alpen südöstlich fortsetzende, anfänglich 70 km, später 240 km breite und 600 km lange und wasserarme Karst, der wesentlich dazu beitrug, daß die Vollbahn die Nordadria nur an drei Stellen (Triest, Pola, Fiume) erreichte, wogegen 500 km Küste ohne Vollbahnanschluß blieben, c) Die Ungarn im Zweidrittelkreis umschließenden, stellenweise 100 km breiten und 1300 km langen Karpathen, wclche gegen Galizien nur siebenmal und gegen Rumänien nur viermal von Bahnen überquert wurden.

Haupt Verkehrsrichtungen

Von Österreich-Ungarn führten 52 Schienenstränge nach Deutschland, 2 in die Schweiz. Über die bedrohten, viermal so langen anderen Grenzen in Summe nur 14, und zwar 5 nach Italien, 4 nach Rußland, 4 nach Rumänien und 1 nach Serbien. Die 1300 km lange Grenze zwischen Österreich und Ungarn wurde trotz gemeinsamen Zollgebietes nur von 20 Bahnlinien überschritten. Geländeschwierigkeiten, wirtschaftliche und politische Hemmungen ließen Dutzende von Flügeln beiderseits der Zwischen-grenzc als Sackbahnen enden. Auf dem einheitlichen, um den Mittelpunkt Budapest unter Bevorzugung aller Radialverbindungen entwickelten Netz Ungarns wurde der Betrieb zentralistisch geführt. Der stärkste Verkehr fand beiderseits der Donau nach Wien, durchs Waagtal und über den Jablunkapaß ins preußisch-schlesische Kohlenrevier, in nördlicher Richtung zu den Eisenwerken von Salgo-Tarján und durchs Marostal zu den Kohlengruben von Petrosény statt.

Dieses zentralisierte ungarische Bahnnetz wurde an zwei Seiten von Österreich umschlossen, dessen Grundform und politische Gestaltung einen einheitlichen Verkehr und Betrieb ausschloß. Die Nordbahnstrecke Wien—Prerau—Oderberg—Krakau war eine der verkehrsreichsten Hauptbahnen Mitteleuropas. Sie bildete mit der Fortsetzung nach Lemberg das Rückgrat der Verbindungen gegen Rußland, führte aber hart an der Grenze zum linken Flügel des Aufmarschraumes. Sehr stark war auch der Verkehr auf der Westbahn Wien—Salzburg, auf der Südbahn Wien—Triest und auf den zwei Linien beiderseits der Donau nach Budapest. Alle anderen Strecken hatten, je weiter sie nach Osten und Süden lagen, geringeren, auch nur spärlichen Flügelstrecken-, oft bloß Tagesverkehr.

Das Schmalspurnetz des Annexionsgebietes bildete ein Verkehrsgebiet für sich.

Technisches

A.    Vollbahnen (Spurweite 1.435 m) :    .

Es bestanden 45.800 Betriebskilometer, davon 8482 km doppelgelcisig. Ein Betriebskilometer kam auf 15 km2 und 1122 Einwohner.

11.967 Lokomotiven dienten als Zugkraft für in Summe 32.642 Personen- und 265.864 Güterwagen.

Der Personalstand belief sich in Österreich auf 140.015 Angestellte, samt Arbeitern auf 284.574 Gesamtpersonal; in Ungarn auf 78.951 Angestellte, samt Arbeitern auf 157.496 Gesamtpersonal.

B.    Schmalspurbahnen (Spurweiten 100, 90, 80, 76 und 75 cm):

Es bestanden 2516 Betriebskilometer, meist unzusammenhängend, nur von lokaler Wichtigkeit. Von Bedeutung und ansehnlicher Leistungsfähigkeit war nur das zusammenhängende, von zwei Zahnradstrecken (Komarpaß, 750 m, und Ivanpaß, 967 m) unterteilte Netz der bosnischen Landesbahnen mit 1395 Betriebskilometern und 8000 meist vierachsigen Wagen. Es hing nur in Bosnisch-Brod mit der Vollbahn zusammen und erreichte die Adria bei Metkovic, Gravosa und Zelenika in den Bocche di Cattaro.

Militäreisenbahnbehörden im Kriege

Chef des Feldtransportwesens zuerst Wien, dann beim Armeeoberkommando,

Zentraleisenbahn- und Dampfschifftransportleitung in Wien mit

Zentralwagendirigierung und Zentrallokomotivdirigierung (einige Offiziere des Eisenbahnbureaus, über 300 Bahnbeamte),

Feldtransportleitungen

mit

Kriegsfilialwagendirigierungen bei den Bahndirektionen des Kriegsgebietes.


die Eisenbahnlinienkommandos mit

Kriegsfilialwagendirigierungen bei den Bahndirektionen der Heimat.

Militär eise u bahntechnisches

Es gab Kriegsfahrordnungen für 313 militärisch wichtige Strecken mit 31.200 km Betriebslänge und 3846 Stationen. (Durchschnittliches Stationsintervall 7.5 km.)

Die Kriegsfahrordnungen sahen das Maximum der im Durchzugsverkehr nach den baulichen Anlagen der Bahn möglichen, gleichmäßig fahrenden Zugspaare vor. Auf zweigeleisigen und eingeleisigen Flachlandsbahnen wurden mit Grundgeschwindigkeiten von 30 bis 35 km kaum 20 Stundenkilometer Reisegeschwindigkeit erreicht. Auf billig gebauten und Gebirgsstrecken sank die Reisegeschwindigkeit auf 16, auch 12 km und darunter.

Die militärische Leistungsfähigkeit ist das Maximum der in einem Tag in beiden Richtungen im Durchzugsverkehr (ohne Ein- oder Ausladung) nach der baulichen Anlage theoretisch durchleitbaren Züge unter der Voraussetzung, daß genügend Personal und Maschinen vorhanden sind. Sie wird durch die Tageszugszahl and Zugslänge (oder das Zugsgewicht) ausgedrückt. Sie vermindert sich in der Praxis im Durchzugsverkehr durch das Postzugspaar und ein Sechstel aller Züge als Fakultativzüge für Regiefahrten der Bahn und unvorhergesehene Fälle, so daß einer Leistungsfähigkeit von 15 Zügen 12, von 30 Zügen 24, von 60 Zügen 48 reine Transportzüge zukommen. (Praktische Leistungsfähigkeit.) Starke Ein- und Ausladungen drosseln bei dürftigen Stationseinrichtungen die Gesamtleistung.

Die Länge der vorhandenen Kreuzungsgeleise bestimmt die Länge der Militärzüge. Es gab Strecken mit 100-, 70-, 50-achsigem Verkehr und auch solche mit kürzeren Zügen.    .

An Militärzugstypen gab es: 100-, 70- und 50-achsige Züge mit 49, bezw. 34 und 24 Transportwagen und einem Bruttogewicht von 500, bezw. 350 und 250 Tonnen.

Fassungsraum der Wagen (normal)

Klassenwagen: 24 Offiziere und Beamte,

Gedeckter Güterwagen: 36 bis 40 Mann oder 6 Pferde (Tragtiere) und 3 Mann oder unverladene Güter bis zu 10 Tonnen.

Offener Güterwagen: 2 Feldgeschütze oder 2 Trainfuhrwerke (ausgerüstet) oder

6 bis 10 zerlegte Landesfuhren oder unvcrladene Güter bis zu 10 Tonnen.

34.451 Einrichtungen für Mannschaftswagen und 50.000 für Pferdetransport wurden der Truppengarnisonicrung gemäß bercitgchaltcn.

Als Kriegskohlenvorräte waren, auf die Heizhäuser verteilt, in Summe 3,000.000 Tonnen Normalkohle ^ausreichend für einen acht wöchigen Vollverkehr) gelagert.

Es gab bei Kriegsbeginn 101 Bahnhofkommanden, 101 Verköstigungsstationen und 122 Krankcnhaltstationen mit 11.824 Betten. 52 organisierte Sanitätszüge boten Ln 1332 Wagen 10.782 Patienten Raum und Versorgung während der Fahrt.

Zur Sicherung der Bahnen vor Anschlägen gab es bei Kunstbauten im Grenzgebiet befestigte Wachhäuser. Jederzeit konnten aus dem Präsenzstande des Heeres in wenigen Stunden Wachen im Gesamtstand von 10.000 Mann zu 852 Objekten aufziehen. Nach Aufbietung des Landsturmes hatten sie von Landsturmeisenbahnsicherungsabteilungen im Gesamtstand von 83.000 Mann abgelöst zu werden, die an allen wichtigen Linien nicht nur die Objekte, sondern auch die offene Strecke durch Patrouillen sicherten.

Zur raschcn Zerstörung strategisch bedeutungsvoller Objekte gab es 309 Minenanlagen, zu deren Füllung 137.158 kg Sprengstoffe nötig gewesen wären.

An Wiederherstellungsmaterial lagen Werkzeuggarnituren und viele Bahnbrückenprovisorien von Spannweiten verschiedener Länge bereit. Bei den Bahnerhaltungssektionen waren in Summe 11.000 Mann Landsturmarbeiterabteilungen vorgesehen, zu denen noch 28 Baukompagnien (7000 Mann) samt der Ausrüstung des Eisenbahnregiments hinzukamen.

DER AUGUSTFELDZUG 1914 GEGEN SERBIEN UND MONTENEGRO

Vorgeschichte der österreichisch-ungarischen Offensive

Der österreichisch-ungarische Aufmarsch für den Kriegsfall Balkan

Der österreichisch-ungarische Generalstab hatte den Aufmarsch auf dem Balkan für den Fall, daß nicht gleichzeitig Rußland oder Italien auf den Plan trat, in folgender Gruppierung vorbereitet, die mit gewissen Änderungen (siehe S. 96 ff sowie Beilage 2 und 7) im August 1914 auch angenommen wurde:

Die 6. Armee (XV. und XVI. Korps mit 6 Infanteriedivisionen samt den zugehörigen Marschformationen und 1 Landsturminfanteriebrigade) sammelt ihre Hauptkräfte in zwei Gruppen bei Sarajevo und Mostar, indes die 47. ID. im Raume von Cattaro zu verbleiben hat.

Die 5. Armee (VIII. und XIII. Korps mit 4y2 Infanteriedivisionen, 1 Gebirgs-, 1 Landsturminfanterie- und 2 Marschbrigaden sowie 2 Honvéd-marschregimentern) wird westlich des Save-Drina-Winkels bis einschließlich Zvornik zusammengezogen.

Die 2. Armee (IV. und IX. Korps mit 6y2 Infanterie- und 1 Kavalleriedivision sowie 1 Landsturminfanterie- und 2 Marschbrigaden, ferner 4 Honvédmarschregimentern) marschiert mit der Hauptkraft in Syrmien, mit einer Infanteriedivision bei Groß-Becskerek (Nagybecskerek) und Titel auf; das selbständige VII. Korps (2 Infanterie- und 2 Kavalleriedivisionen, 2 Landsturminfanterie- und 1 Marschbrigade) mit der Masse zwischen Pancsova und Báziás und mit einer schwachen Gruppe bei Orsova.

Schließlich war für den Krieg gegen die beiden serbischen Staaten noch die „Indienststellung“ der ganzen Donauflottille und eines Teiles der Meerflotte vorgesehen.

Anders als in den übrigen Bereichen Österreich-Ungarns vollzog sich die Mobilisierung in Bosnien und der Herzegowina, wo schon unmittelbar nach dem Thronfolgermorde eine Art von Kriegszustand eingetreten war. Unruhen unter der zum überwiegenden Teile serbischen

Bevölkerung, Gegenaktionen der staatstreu gesinnten Katholiken und Mohammedaner erforderten vielfach die Beistellung von Militärassistenzen. Beunruhigung der Truppen, Sabotageakte und Störungen der Verkehrsmittel waren an der Tagesordnung. Der Landeschef und Armeeinspektor FZM. Potiorek, im Kriegsfall zum Kommandanten der 6. Armee bestimmt, traf jedoch zielbewußt vorbildliche Maßnahmen, welche es nicht zu der von den Serben vorbereiteten Erhebung ihrer Parteigänger kommen ließen sowie in späterer Folge die schwierige Mobilisierung und den Aufmarsch des XV. und XVI. Korps ohne irgend eine Störung möglich machten.

Um die Truppen im Kriegsfälle von Ordnungsdiensten im Lande und der Abwehr der zu gewärtigenden irregulären Banden an der Grenze möglichst zu entlasten und sie für die Feldoperationen freizumachen, wurde neben den Gendarmerieassistenzen und dem schon im Frieden zu militärischen Hilfsdiensten ausersehenen Veteranenkorps (etwa 1600 ausgediente Soldaten) aus gutgesinnten Elementen der wehrgesetzlich verhältnismäßig wenig zur Kriegsdienstleistung herangezogenen Bevölkerung ein Schutzkorps aufgestellt, das am 1. August bereits 11.000 Mann zählte und der Gendarmerie angegliedert wurde. So konnte beim Beginn der Mobilisierung die Lebensader beider Länder, eine eingeleisige, obendrein nur schmalspurige Eisenbahn, verläßlich geschützt, und der Grenzschutz verstärkt werden, für den sechs Grenzjägerkompagnien, dann Finanzwach- und Gendarmerieposten zur Verfügung standen. Als deren Rückhalt wurde an der unteren Drina, wo sich der Fluß in ein Gewirr von stellenweise durchfurtbaren, oft ihr Bett wechselnden Armen teilt, die 11. GbBrig. in der Grenzbewachung alsbald durch die 13. IBrig. des

XIII. Korps unterstützt. Im Mittellauf der Drina beschränkten sich die Übergangsmöglichkeiten über das tief eingeschnittene, häufig malerische Durchbrüche bildende, reißende Gewässer auf wenige Punkte, deren Bewachung im Abschnitt Višegrad—Goražde der 7. GbBrig., bei Foča der 8. GbBrig. zufiel. Weiter südlich beließ FZM. Potiorek am 30. Juli bloß die 3. GbBrig. in Nevesin je und die 14. in den Bocche als Rückhalt für den Grenzschutz und die Sperrbefestigungen Avtovac, Bileća, Tre-binje und Cattaro. Alle anderen Truppen sollten teils mit der Eisenbahn, teils mit Fußmarsch in der Linie Kalinovik—Sarajevo—Vareš versammelt und hier mit ihren auf der Schmalspurbahn Brod—Sarajevo aus der Monarchie anrollenden Ergänzungen vereinigt werden.

Derart stand die 6. Armee möglichst früh bereit, mit dem überwiegenden Teil ihrer Streitkräfte an jener großen Offensive gegen Serbien mitzuwirken, die im „Kriegsfälle Balkan (ohne Eingreifen Rußlands)“ die 5. Armee, GdI. v. Frank, von der unteren Drina südlich der Linie Rača—Koceljeva—Lajkovac gegenValjevo und nördlich anschließend die 2. Armee, GdK. v. Böhm-Ermolli, über die Save führen sollten.

FZM. Potiorek, dem vor allem die Sicherung von BHD., dagegen die Mitwirkung am entscheidenden Angriff gegen Serbien nur allgemein „mit tunlichst starken Teilen“ übertragen war, entschied sich trotz der Erwartung des baldigen Kriegszustandes mit Montenegro, die Verteidigung der Bocche der 14. GbBrig. und der Herzegowina der 3. GbBrig. zu überlassen, mit elf Gebirgsbrigaden des XV. und XVI. Korps jedoch gegen Uzice vorzustoßen und die in Sarajevo aufmarschierende 40. HID. womöglich als Reserve folgen zu lassen, wobei der stark gehaltene Südflügel des XVI. Korps über Plevlje ausholen sollte.

Diesen Plan hielt Potiorek aber für hinfällig, als am Nachmittag des 31. der Befehl zur allgemeinen Mobilisierung eintraf, und damit auch eine erhebliche Verminderung der Balkanstreitkräfte wahrscheinlich wurde. Als nun das Eisenbahnbureau des Generalstabes die unveränderte Abwickelung des Balkanaufmarsches mit den eingangs erwähnten starken Kräften bekanntgab (S. 21), mußte FZM. Potiorek nicht mit Unrecht annehmen, daß man vorerst mit Serbien abzurechnen gedachte, ehe man sich zu entscheidenden Schlägen gegen Rußland wandte, und daß es sonach bei den bisherigen Maßnahmen bleiben konnte. Als der Feldzeugmeister lang nach den Ereignissen erfuhr, daß dem nicht so gewesen war, hielt er mit seinem Bedauern ob der Verschwiegenheit des AOK. ihm gegenüber, die übrigens fast noch eine Woche währen sollte, nicht zurück.

Die Heeresleitung und das Problem des Zweifrontenkrieges

Mit der allgemeinen Mobilisierung in Rußland sank, rein militärisch betrachtet, der Balkan zum Nebenkriegsschauplatz herab. Wohl war GdI. Conrad bisher auch für diesen Fall, weil reine Abwehr bei der Länge der zu schützenden Grenze und der Unmöglichkeit rascher Truppenverschiebungen keineswegs gute Aussichten bot, stets für ein möglichst offensives Verhalten der „Minimalgruppe Balkan“ eingetreten, doch unter der Voraussetzung, daß die Diplomatie rechtzeitig Balkanstaaten als Verbündete gegen Serbien und Montenegro gewann, wodurch die serbischen Streitkräfte auch in anderen Räumen gebunden gewesen wären.

Das war bisher noch nicht geschehen. Man hatte vielmehr Bulgarien geraten, sich ruhig zu verhalten, um Rumänien vielleicht für den Dreibund zu retten oder doch zur Neutralität zu bewegen1). Dabei mochte der Ballhausplatz hoffen, die anschlußbereiten Bulgaren im gegebenen Augenblick rasch zur Entfaltung ihrer nach den Balkankriegen „nur eingerollten Fahnen“ bringen zu können. Diese Hoffnung verblaßte, als Griechenland am 27. Juli erklärte, daß es das Eingreifen Bulgariens im Sinne seines Bundesvertrages mit Serbien als casus foederis betrachten müßte “).

Angesichts dieser ungünstigen politischen Lage entschloß sich GdI. Conrad nach Verlautbarung der allgemeinen Mobilisierung, wie ein von seiner Hand stammender Befehlsentwurf vom 1. August lehrt, zu äußerstem Maßhalten; er gedachte, nebst dem 2. Armeekmdo. mit dem IV., VII. und IX. Korps und der zur 6. Armee bestimmten 40. HID. auch das

5. Armeekmdo. mit dem VIII. Korps nach Rußland abzuberufen. Die zuletzt transportfähigen, für Serbien bestimmten Kräfte (20. HID. samt ihrer Marschbrigade und die 36. LstlBrig. der „Minimalgruppe Balkan“), wurden ebenfalls für Rußland in Aussicht genommen. Der deutsche Militärattache in Wien konnte noch am 3. August diesen Entschluß nach Berlin melden.

Inzwischen schien aber Deutschlands Eintritt in den Krieg die Aussichten auf eine günstige Entwicklung auf dem Balkan zu eröffnen. Bulgarien, das am 28. Juli seine Neutralität kundgegeben hatte 3), schlug am

2. August sogar seinen Anschluß an den Dreibund vor und verzichtete auf den Rückerwerb der Dobrudscha, falls Rumänien sich auch dem Dreibund anschloß und bulgarischen Ansprüchen auf Mazedonien nicht entgegentrat4). Am 3. August teilte der rumänische Ministerpräsident Jonel Bratianu dem k.u.k. Gesandten Ottokar Grafen Czernin den Ministerratsbeschluß mit, auf den Richtgedanken des Bukarester Friedens zu verzichten und eine bulgarische Intervention in Serbien zuzulassen5). Griechenland wollte eine Verpflichtung zur Unterstützung Serbiens gegen Österreich-Ungarn nicht anerkennen, solange Bulgarien und die Türkei neutral blieben0). Letztere hatte am 2. eine Militärkonvention mit

1j Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 (Berlin, 2. Aufl. 1927),

II, 24, 33.

2, Ebenda, I, 214.

3) Ebenda, II, 49.

*j Deutsche Dokumente, III, 143; Conrad, IV, 171.

5)    Deutsche Dokumente, IV, 49; Conrad, IV, 173.

6)    Deutsche Dokumente, IV, 44; Conrad, IV, 172.

Deutschland abgeschlossen und die allgemeine Mobilisierung verfügt1). Man durfte hoffen, Griechenland durch die Türkei zu binden.

Angesichts der von Tag zu Tag ungünstiger werdenden allgemeinen politischen Lage der Mittelmächte bedurfte es aber wohl eines anspornenden ersten Erfolges gegen Serbien, um die Bulgaren mitzureißen und die Bedenken zu überwinden, die in Sofia noch immer wegen Rumäniens vorwalteten. Um der befristeten Note an Serbien das Überraschungsmoment zu sichern, hatte man jede militärische Vorbereitung zur Besetzung Belgrads sofort nach der Kriegserklärung unterlassen2). Der Besitz der Hauptstadt wäre ein wertvolles Faustpfand für allfällige Verhandlungen mit den anderen Mächten gewesen. Nunmehr verzehrte man sich am Ballhausplatz in Ungeduld nach einem Waffenerfolg, der infolge der durchwegs minderen Leistungsfähigkeit der Eisenbahnen in Südungarn und Bosnien selbstverständlich auf sich warten lassen mußte.

In politischer Hinsicht fiel überdies noch eine andere Erwägung ins Gewicht. Eine größere Schlappe gegen das kleine Serbien war zweifellos viel verhängnisvoller als ein Mißerfolg gegen das übermächtige Zarenreich; sie untergrub das Ansehen Österreich-Ungarns in den Augen aller Welt, insbesondere aber auf dem Balkan, wo man eines Erfolges zur Werbung von Bundesgenossen so sehr bedurfte.

All dies beeinflußte die Entschlüsse Conrads. Hatte er im Geiste vorübergehend schon auf jede Offensive gegen Serbien verzichtet, so gedachte er nun doch in der Sorge ob eines etwaigen, Bulgarien und andere Balkanstaaten abschreckenden Mißerfolges an Stelle der nach Norden abgehenden Streitkräfte das IV. Korps an der Save zu belassen.

Unterdessen waren an den Grenzen längst die ersten Schüsse gefallen. In der Nacht vom 28. auf den 29. Juli hatte serbische Infanterie in Belgrad einen stromaufwärts fahrenden Schleppschiffzug beschossen. Als Artillerie aus Semlin und die Donauflottille antworteten, sprengten die Serben ungesäumt ein Feld der großen Eisenbahnbrücke. Vom 29. an bekämpften Donauflottille und Landgeschütz Befestigungsarbeiten und militärische Anlagen im Bereiche der serbischen Hauptstadt. Am vielverzweigten Unterlauf der Drina kam es zu Scharmützeln. Bei Rogačica und Bajinabašta über die Drina vorgebrochene Banden wurden verjagt.

Bedeutsamer als diese verhältnismäßig untergeordneten Kampfhandlungen waren für die weitere Entwicklung die Vorstöße, die von

x) Deutsche Dokumente, III, 167.

2) Kiszling, Die praktische Undurchführbarkeit eines Handstreiches auf Belgrad (Die Kriegsschuldfrage, Jhrg. 1927, 3. Heft).

den Serben am 3. und 4. August gegen die Bahnstationen Uvac und Rudo sowie gegen Vardište unternommen wurden. Denn diese Grenzüberschreitungen bestärkten sowohl das 6. wie das 5. Armeekmdo. in der schon gehegten Auffassung, daß der Feind von Užice und aus dem Sandžak mit erheblichen Kräften — man sprach von dreieinhalb Divisionen—in Südostbosnien einzufallen plane. FZM. Potiorek beeilte sich, zur Sicherung des Aufmarsches seiner Armee bis zum 6. August mit Bahn und Auto die 9. GbBrig. nach Višegrad, die 2. nach Goražde zu entsenden.

Auch bei der Heeresleitung in Wien, die bisher den Aufmarsch der Serben und ihre zunächst defensiven Absichten durchaus zutreffend beurteilt hatte, verfehlten die Nachrichten aus Sarajevo ihren Eindruck nicht; dieser wurde noch durch Falschmeldungen verschiedenen Ursprungs gefestigt. Da gleichzeitig am 4. alle Meldungen die Gefahr einer serbischen Offensive nach Ungarn in den Hintergrund treten ließen, schien sich die Gelegenheit zu bieten, die an der unteren Drina aufmarschierenden Truppen in einen in Südostbosnien entbrannten Abwehrkampf flankierend eingreifen zu lassen und dadurch die Möglichkeiten eines Anfangserfolges beträchtlich zu steigern. Diese Erwägungen führten dazu, statt des IV. Korps, das an der zunächst ohnedies ausreichend geschützten Save-Donau-Grenze stand, das VIII. Korps, sohin die ganze 5. Armee bei den Balkanstreitkräften zu belassen, denen nun auch die 40. HID. nicht mehr weggenommen werden sollte. Es hatten demnach die 5. und die 6. Armee mit zusammen zehn Infanteriedivisionen, drei Landsturm-und zwei Marschbrigaden auf dem Balkanschauplatz zu verbleiben, was gegenüber der ursprünglich vorgesehenen Minimalgruppe von acht Infanteriedivisionen und sechs außer Divisionsverband stehenden Brigaden eine Verstärkung von anderthalb Infanteriedivisionen bedeutete.

Am selben 4. August traf in Wien der von FZM. Potiorek für seine

6. Armee verfaßte Operationsplan ein. Wie es den vom Feldzeugmeister schon am 30. Juli aufgestellten Grundgedanken entsprach, drückte dieser Operationsplan den bestimmten Willen aus, möglichst große Teile der Armee an der Niederwerfung Serbiens mitwirken zu lassen, die Deckung der Herzegowina aber nur schwachen Verbänden zu übertragen. Die Masse der 6. Armee sollte die obere Drina in der Richtung Užice in dem Augenblick überschreiten, da die 5. Armee von der unteren Drina aus Valjevo erreichte.

Diese Vorschläge fußten noch durchwegs auf der Vorstellung, daß das AOK. erst nach einem entscheidenden Schlage gegen Serbien den

Frontwechsel gegen Rußland vollziehen und daß bis dorthin außer der 5. auch noch die 2. Armee an dem Kampf auf dem Balkan mitwirken werde. Diese Vorstellung war aber durch den Eintritt des Kriegsfalles Rußland längst überholt. Dennoch schienen die Aussichten, die der Plan Potioreks im Hinblick auf die Möglichkeit eines Erfolges längs der Linie Sarajevo—Užice bot, dem grundsätzlich auf den Angriffsgedanken eingestellten AOK. aus politischen Gründen genug verlockend zu sein, um es zur Zustimmung zu veranlassen. So wurde noch am selben Tage ein im folgenden auszugsweise wiedergegebener Befehl endgültig abgefaßt und vom Armeeoberkommandanten GdI. Erzherzog Friedrich gutgeheißen:

„Der Eintritt der Monarchie mit Deutschland in den Krieg gegen Rußland und Frankreich erfordert den Abtransport der 2. Armee auf den nordöstlichen Kriegsschauplatz. Unter dem Befehl des 6. Armeekmdos. bleiben permanent auf dem Balkankriegsschauplatz : 6. Armee mit 40. HID., 5. Armee (XIII. und VIII. Korps). In deren Verband treten überdies in Syrmien halbe 7. ID., I. und III. Bataillon FsAR Nr. 6, Sicherheitsbesatzung Peterwardein, Donauflottille, technische Truppen, im Banat 107. LstlBrig. Mindestaufgabe der Balkanstreitkräfte ist, Einbrüche in das Gebiet der Monarchie abzuwehren. Ob Vorstoß der 5. Armee über untere Drina nach erlangter Operationsbereitschaft, das ist 12. August, durchgeführt wird oder Teile der 5. Armee westlich der Drina verwendet werden, um den feindlichen Vorstoß gegen Sarajevo sogleich in der Flanke zu fassen, bleibt dem Ermessen des 6. Armeekmdos. überlassen. Erfolgreicher Schlag gegen den serbischen Vorstoß wäre von größter Bedeutung. Abtransport 2. Armee gegen Rußland beginnt voraussichtlich 18. August. Bis dahin kann lokal beschränkte Mitwirkung der 2. Armee beim AOK. beantragt werden. Save-Donau-Überschiffung ist für die 2. Armee nicht geplant. Möglichkeit vorhanden, daß Bulgarien gegen Serbien eingreift. ..“

Die Kriegsvorbereitungen der beiden serbischen

Königreiche

Serbiens Kriegsrüstiing

Der Oberbefehlshaber der Serben, Thronfolger-Prinzregent Alexander, und sein Chef des Generalstabes, Woiwode Putnik, hatten bei der Bereitstellung der Streitkräfte keine Ursache, von dem schon 1908 festgesetzten Kriegsplane abzugehen, der bis zur Klärung der politischen und militärischen Lage verteidigungsweises Verhalten vorschrieb. Serbien verfügte über 6 Infanteriedivisionen I. Aufgebotes zu je 16 Bataillonen (16 MG.), 3 Schwadronen (4 MG.), 9 Batterien (36 Geschütze), 1 Pionierhalbbataillon, 1 Brückentrain und 1 Telegraphenabteilung; 1 Kavalleriedivision mit 16 Schwadronen (16 MG.) und 2 Batterien

I 2. Aufl.    7

Geschütze); 5 Infanteriedivisionen II. Aufgebotes zu je 12 Bataillonen (12 MG.l 4 Schwadronen (4 MG.), 6 Batterien (24 Geschütze) und gleicher technischer Ausstattung wie die Divisionen I. Aufgebotes, ferner über fünf 12cm-Kanonenbatterien, acht 12 cm-Maubitzbatterien und 12 Ge-birgsbatterien zu je 4 Geschützen, ferner eine 15 cm-Mörserbatterie zu 6 Geschützen als armeeunmittelbare Artillerie. Das III. Aufgebot bestand aus 15 Infanterieregimentern zu je 4 Bataillonen, etwa 12 Schwadronen und 30 altartigen Batterien zu je 6 Geschützen. Hiezu kamen 2 überzählige Infanterieregimenter und 18 Kaderregimenter (54 Bataillone) in Neuserbien, wo noch 7 Bataillone für 5 Kaderregimenter in Aufstellung begriffen waren, schließlich ein Marschbataillon für jedes Infanterieregiment und eine Reihe von Rekrutendepots. Wieviele Kräfte zur Sicherung gegen Bulgarien und als Besatzung Neuserbiens verwendet wurden, ist aus dem serbischen Generalstabswerk nicht zu entnehmen.

Das I. Aufgebot besaß feldgraue, das II. alte, blaue Uniformen, das

III. behielt seine landesübliche Tracht; es unterschied sich, entgegen den Genfer Abmachungen, weder durch eine Armbinde noch durch ein sonstiges Abzeichen von der Zivilbevölkerung, womit sich manche der „Kriegsgreuel“ erklären, die später sowohl den Serben wie den k.u.k. Truppen zur Last gelegt wurden.

Die Ausrüstung des Feldheeres war zwar einfach, doch vollkommen zweckentsprechend, die Bewaffnung wohl nicht einheitlich, teilweise veraltet, doch bei der Artillerie ausgezeichnet. Das I. und das II. Aufgebot waren durchwegs mit Schneider-Creuzot-Schnellfeuerkanonen, das III. mit Debange-Geschützen ausgestattet, die gut bedient und reichlich mit Munition versehen waren. Rußland und Frankreich hatten helfend eingegriffen, als die Finanzen des Staates mit dem Ausbau der Wehrmacht nicht Schritt zu halten vermochten. Die technische Ausrüstung und der Train standen nicht auf der Höhe, was beim Kriege im eigenen Lande mit seinen dürftigen Kommunikationen eher ein Vorteil war, denn der genügsame Serbe brauchte wenig; Weiber und Kinder leisteten vielfach Trägerdienste, versorgten die Verwundeten und halfen sogar im Kampfe mit. Für eine größere Offensive in gegnerisches Gebiet reichten die Vorsorgen allerdings nicht aus.

National einheitlich, ein Jahrzehnt hindurch für den Krieg gegen Österreich-Ungarn fanatisiert und durch die Erfolge in den beiden Balkankriegen gehoben, reich an Kriegserfahrung, gestützt auf die hervorragenden kriegerischen Anlagen der meist ländlichen Bevölkerung, war die serbische Armee ein außergewöhnlich gutes Kriegswerkzeug, das,

wie der Ministerpräsident Pasić dem Zaren versichern konnte, eine halbe Million Streiter, etwa 10o/o der Bevölkerung, dem Gegner entgegenzustellen erlaubte1).

Ihm zur Seite stand ein vorzüglicher Apparat irregulärer Kriegführung. Beherrscht von panslawistischen Ideen, arbeiteten Regierung, politische Vereine und vor allem das Offizierskorps an der „Befreiung der unterjochten Brüder“ in den benachbarten Ländern der österreichischungarischen Monarchie, wo sie vor allem bei der griechisch-orthodoxen Geistlichkeit und in den intellektuellen Kreisen Gefolgschaft fanden. Verwegene Offiziere organisierten mit Hilfe der politischen Vereine Banden, sogenannte Komita-Abteilungen. Diesen oblag die Führung des Kleinkrieges im Anschluß an die Armeen, die Entflammung von Aufständen beim Vorstoß in gegnerisches Gebiet, wozu sie sogar Vorräte an Mannlicher-Gewehren mitführten, und die Beunruhigung der gegnerischen Posten und Etappeneinrichtungen. Beim Einbruch des Gegners in das eigene Land war, nach Ablegung aller militärischen Abzeichen, rege Tätigkeit im Rücken des gegnerischen Heeres, namentlich an seinen Verbindungen und Aneiferung der zurückgebliebenen Bevölkerung zu gleichen Taten ihre Aufgabe. Sorgsam waren Wege geheimer Verständigung vorbereitet, sogenannte „Kanäle“, um der eigenen Armee Kundschaftsnachrichten, den auswärts befindlichen Parteigängern Weisungen und Waffen zukommen lassen zu können. Besondere Terrorgruppen hatten Attentate auf höhere Kommandos durchzuführen. Die Komitas gehörten durchwegs der „Schwarzen Hand“ an, die ja auch beim Fürstenmord in Sarajevo eine Hauptrolle gespielt hatte2).

Angesichts dieser Vorbereitungen konnte die serbische Heeresleitung den kommenden Ereignissen mit um so mehr Zuversicht entgegensehen, als für die anscheinend bevorstehende Defensive der Charakter des Landes sehr vorteilhaft war. Die bedrohten Grenzen waren durch Wasserläufe geschützt, hinter denen Truppen des III. Aufgebotes gleich beim Beginn der Mobilisierung die Sicherung übernahmen. Im Innern des Landes erhebt sich in der Richtung Südost—Nordwest eine Reihe mächtiger Gebirgsstöcke. Diesen sind gegen Norden parallele, an Höhe stets abnehmende Bergrücken vorgelagert, von denen ansehnliche Höhenzüge gegen die Save und Donau abzweigen. Fast zwei Drittel des Ope!) Charakteristik des serbischen Heeres 1914, in Schön, Sabac (Reichenberg

1928)

2) W i e s n e r, Die Schuld der serbischen Regierung am Mord von Sarajevo (Kriegsschuldfrage, Heft 4/1928, 307 ff).

rationsraumes sind von Wäldern mit dichtem Unterholz bedeckt. Die Unterläufe der Zuflüsse der Save und der Donau werden von Auen begleitet. Denkt man noch der ausgedehnten Obstkulturen, so kann man sagen, daß das ganze Land mehr oder weniger dicht mit Bäumen bestanden ist. Eine Ausnahme bilden bloß die breiten Mündungsebenen der Flüsse, namentlich die fruchtbare Mačva im Drina-Save-Winkel. Dort erschweren wiederum zahlreiche dichte Hecken und der Kukuruz, der außerordentlich üppig gedeiht und im Sommer selbst einen Reiter vollkommen verdeckt, die Übersicht.

Das Land ist schütter besiedelt. Demgemäß ist auch das fast ausnahmslos aus Naturwegen bestehende Verkehrsnetz außerordentlich weitmaschig. Als Straßen sind nur die Hauptwege in den Tälern sowie einige wichtige Übergänge anzusprechen; doch auch sie werden bei längerem Regen grundlos. Eisenbahnen waren in dem Raume, der für die nächsten Kriegsereignisse in Betracht kam, überhaupt nicht vorhanden.

Zieht man noch in Erwägung, daß namentlich im Sommer auf den oft verkarsteten Oberteilen der Berge Wassermangel herrscht, so muß man zum Schlüsse kommen, daß Serbien ein außerordentlich schwieriges Kriegsgebiet darstellt, das vom Angreifer besondere organisatorische und technische Vorbereitungen verlangt. Eigentlich kamen dazu nur im Gebirgskrieg ausgebildete und hiefür ausgerüstete Truppen in Betracht. An das mitteleuropäische Manövriergelände gewohnte Heereskörper mußten mit ihrer fahrbaren Artillerie und der schwerfälligen Trainausstattung auf schier unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen. Für den mit der Eigentümlichkeit des Landes vertrauten Verteidiger hingegen erwuchsen aus der Geländegestaltung nicht unwesentliche Vorteile. Dabei waren die neuen serbischen Karten erheblich besser als die des Angreifers.

In Erwartung des gegnerischen Hauptangriffes beiderseits Belgrad und in Ausnützung der Geländegestaltung für ein verteidigungsweises Verhalten ordnete die serbische Heeresleitung die Versammlung der Hauptkraft hinter der Linie Palanka—Arangjelovac—Lazarevac an, östlich die 1. Armee, 4 Infanteriedivisionen und 1 Kavalleriedivision, westlich die 2. Armee, 4 Infanteriedivisionen; 2 Infanteriedivisionen und die Kavallerie waren als Rückhalt des Grenzschutzes an die Donau vorgeschoben. Die Deckung Nordwestserbiens fiel der nur 2 Infanteriedivisionen zählenden 3. Armee zu, die eine Division als Reserve bei Valjevo zurückzuhalten, mit der anderen jedoch und mit Truppen III. Aufgebotes die Save von der Vukodraz-Mündung aufwärts und die untere

Drina bis oberhalb Ljubovija zu sichern hatte. Endlich kam die Sperrung der Einfallslinien aus Bosnien in das obere Moravatal der „Armeegruppe Užice“ zu, die mit der Užice-Brigade den Grenzabschnitt von Rogačica bis Mokragora, mit dem Lim-Detachement den anschließenden Raum bis zur Dreiländerecke nächst dem Metalkapaß sicherte und mit einer verstärkten Infanteriedivision bei Užice aufmarschierte.

Da viele Kader aus Altserbien als Besatzungen im neueroberten Mazedonien standen, diese Gebiete in die allgemeine Heeresorganisation noch nicht eingefügt waren, und endlich für die Transporte nur eine einzige Vollbahnlinie zur Verfügung stand, konnte der Aufmarsch trotz des schon am 25. Juli, 3h nachm., erlassenen Mobilisierungsbefehles erst zwischen dem 8. und 10. August vollendet werden. Dabei mußten einzelne Einheiten noch vor Erlangung voller Kriegsbereitschaft abbefördert und mit Ergänzungen, Ausrüstung, ja selbst Waffen erst später im Aufmarschraum ausgestattet werden.

Montenegro

Montenegros greiser König Nikola wäre, nicht zuletzt aus dynastischen Gründen, geneigt gewesen, seinem von den letzten Kämpfen stark erschöpften Lande einen neuen Krieg zu ersparen. Aber die Stimmung des von Emissären aus Belgrad bearbeiteten Volkes war stärker als er, was für Österreich-Ungarn keine Überraschung bildete. Um Zeit für den Aufmarsch seiner Streitkräfte zu gewinnen, ordnete er am 26. Juli den „verstärkten Grenzschutz“, am 28. die allgemeine Mobilisierung an. Am 1. August beschloß die montenegrinische Skupschtina einstimmig die Kriegserklärung an das Donaureich33). Die montenegrinische Armee konnte trotz der Kriegstüchtigkeit nach mitteleuropäischen Begriffen kaum als Miliz gewertet werden. Die nach dem Balkankriege in Angriff genommene Neuorganisation, 6 Divisionen zu 3 Brigaden, jede zu durchschnittlich 4 Bataillonen mit 600 bis 800 Mann, war noch nicht vollendet. Insgesamt mochten zu Kriegsbeginn nicht viel über 40.000 Mann unter Waffen getreten sein. Weiters zählte das Heer etwa 100 Feld- und ebensoviele Gebirgsgeschütze; dagegen waren Maschinengewehre nur spärlich vertreten. Die Bewaffnung stammte durchwegs aus Rußland, ein Teil der Geschütze aus Italien. Einheitliche Uniform wiesen nur die Instruktionsabteilungen auf, die Ausrüstung war dürftig, so daß von der montenegrinischen Armee keine großzügigen Operationen erwartet werden konnten. Immerhin besaß sie in Anbetracht des kriegerischen Geistes ihrer Soldaten und deren Vertrautheit mit dem überaus schwierigen Gelände — im ganzen montenegrinisch-herzegowinisch-dalmatinischen Grenzgebiet schwierigster Karst — hervorragende Eignung für den auf dem Balkan so charakteristischen Bandenkleinkrieg. Abgesehen von dem günstigere Verhältnisse aufweisenden neuerworbenen Teil des Sandžaks Novipazar öffnen sich nur wenige, meist schluchtartige Ausfallspforten aus dem Lande, das mit Gebirgsstöcken bedeckt ist, die bis in die Hochregion reichen. Nur die langgestreckte Duga-Depression bei Kazanci und die breite Senkung östlich Trebinje bieten eine größere Entwicklungsmöglichkeit. Das serbische Oberkommando forderte denn auch die Versammlung von zwei Dritteln der gesamten montenegrinischen Wehrmacht bei Plevlje, von wo die Offensive gegen Sarajevo ergriffen werden sollte1).

Der den Oberbefehl führende König ging jedoch auf dieses Ansinnen nicht ein, wobei ihn die Erwägung leitete, daß Bewegung und Versorgung eines so großen Heereskörpers mit der unzulänglichen Ausrüstung auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen müßten. Ihm war es wohl auch mehr um den Schutz seines Gebietes zu tun, ferner um eine rege Unternehmungstätigkeit gegen die Bocche, deren Hafen längst die montenegrinische Begehrlichkeit lockte. So versammelten sich im Sandžak nur etwa 6000 Mann, an der Westgrenze gegen die Herzegowina etwa 15.000 Mann und gegenüber der Bocche 8000 Mann, welches Aufgebot den Schlüsselpunkt des Landes, den Lovčen, deckte, der allerdings schon deshalb ungefährdet war, weil Italien sofort seine Neutralität von der Unantastbarkeit dieses Berges abhängig machte2). Der Rest der Wehrmacht war teils noch im Innern des Landes zurückgehalten, teils sicherte er die Grenzen gegen Albanien.

Die Angriffsbefehle an die 5. und 6. Armee

Der von der Heeresleitung am 4. August beschlossene Befehl, der dem FZM. Potiorek neben seinen bisherigen Ämtern eines Armeeführers

i; Großer Generalstab, Der große Krieg Serbiens zur Befreiung und Vereinigung der Serben, Kroaten und Slowenen (Beograd 1924), I, 31 ff, in serbischer Sprache. Künftig zitiert als: Serb. Gstb. W.

2) Österreichisch-ungarisches Rotbuch. Diplomatische Aktenstücke, betreffend die Beziehungen Österreich-Ungarns zu Italien in der Zeit vom

20. Juli 1914 bis zum 23. Mai 1915 (Wien 1915), 35.

und politischen Landeschefs auch die Oberleitung der Balkanstreitkräfte übertrug, wurde noch weitere vierundzwanzig Stunden zurückgehalten und erst am 6. August, 215 früh, nach der Kriegserklärung an Rußland, nach Sarajevo abtelegraphiert. Wenn der Feldzeugmeister in der neuen „schwierigen Situation“, vor die er sich gestellt sah, verantwortungsfreudig seine „weitgehende Selbständigkeit“ begrüßte, so hatten sich für ihn doch die Grundlagen aller bisherigen Entschlüsse verschoben. Dazu kamen just auf die Stunde Meldungen über ein Anhalten der serbischen Lim-Gruppe, so daß auch von der Feindseite her eine der Vorbedingungen seiner Pläne wegfallen mochte. Andererseits freilich bezeichnete der Befehl des AOK. die Behauptung vaterländischen Bodens durch die Balkanstreitkräfte als „Mindestaufgabe“ und an einer Stelle hieß es, daß ein „erfolgreicher Schlag gegen serbischen Vorstoß ...“ von größter Bedeutung wäre. Solche Worte blieben nicht ohne Wirkung auf den entschlußfreudigen Feldzeugmeister, der denn auch sofort in Aussicht nahm, „absolut offensiv“ zu verfahren.

Am Ende lud ja die Flankenstellung in Bosnien wirklich dazu ein, den Serben auch durch eine Offensive weniger starker Kräfte den Weg auf österreichisch-ungarischen Boden zu verleiden. Potiorek hatte bei einem Friedenskriegsspiel selbst einmal Gelegenheit gehabt, die Wirkung eines solchen Flankenstoßes darzutun. Allerdings hatte er damals hiezu im Gegensatz zu dem jetzt vorbereiteten getrennten Aufmarsch alle Kräfte an der unteren Drina versammelt. Solches zu verfügen, war vielleicht auch jetzt noch möglich, wenn man den Angriffsbeginn für die

5. Armee entsprechend hinausschob. Dazu vermochte sich aber der Feldzeugmeister im Hinblick auf den bevorstehenden Abtransport der 2.Armee nicht zu entschließen, deren befristeter Anwesenheit in seinen Plänen für die nächste Zeit eine besonders wichtige Rolle zukommen sollte.

Einen Tag nach dem Einlangen des grundlegenden Befehles der Heeresleitung, am 7. August, wurde es in Südbosnien und in der Herzegowina wieder lebhafter. Teile der serbischen Uzice-Gruppe bemächtigten sich der hochaufragenden Panos-Höhe nordöstlich von Višegrad. Das serbische Lim-Detachement rückte gegen Megjegja vor, bildete auf bosnischem Boden aus Stammesgenossen eine Komita-Abteilung und führte an der Lim-Mündung regen Kleinkrieg. Die Montenegriner setzten sich auf dem Grenzpaß südöstlich von Čajnice fest, nahmen Čelebic und rückten abends in den geräumten Küstenstreifen Dalmatiens südlich der Bocche ein. Am 8. wurde der schwache Grenzschutz auf dem Kozara-Sattel nordwestlich von Čajnice von Abteilungen der k.u.k. 2. GbBrig.

aufgenommen. In der Herzegowina fielen die Montenegriner gegen Avtovac und Trebinje ein und eröffneten vom Lovčen her Artilleriefeuer gegen den Kriegshafen Cattaro. Im Vorgelände von Goražde und Foča und entlang der herzegowinischen Grenze entwickelte sich der für den Balkan kennzeichnende Bandenkrieg, in welchem sich Grenzjäger, Gendarmen, Teile des Schutzkorps und auch kleine Ausfallsabteilungen der Grenzfestungen mit den Montenegrinern herumschlugen. Überall flüchteten die Mohammedaner, sogar aus montenegrinischem Gebiet.

Diese Nachrichten waren jedoch keineswegs geeignet, das Oberkmdo. der Balkanstreitkräfte zu beunruhigen. Am Abend zuvor hatte es die Befehle zur wechselseitigen Unterstützung der 3. GbBrig. und der Festungsbesatzungen Bileća, Trebinje und Mostar erteilt und damit den Grund zur mustergültigen Verteidigung der Herzegowina gegen die Crnagorzen gelegt. Ebenso war die Linie Foča -Višegrad mit Truppen schon so ausreichend bedacht, daß ein Vordringen des Feindes über sie hinaus nicht mehr befürchtet zu werden brauchte. In einem Sinne begrüßte FZM. Potiorek geradezu die Meldungen über das Wiederaufleben der Kämpfe in diesen Räumen. Konnten sie doch ein Anzeichen dafür sein, daß der Serbe gegen Südostbosnien nun doch vielleicht Ernsteres vorhatte und damit der 6. Armee die Möglichkeit zu einem eindrucksvollen Erfolg über eine verhältnismäßig starke, aber nicht überlegene feindliche Gruppe bot.

Diese Auslegung, der das AOK. am 9. August günstige Nachrichten über die Bündnisbereitschaft Bulgariens zugesellte, gab mit den Anstoß, wenn der Feldzeugmeister die Pläne, die er als Führer der

6. Armee gefaßt hatte, nunmehr unter geänderten Verhältnissen in seinen neuen Wirkungskreis als Oberbefehlshaber der Balkanstreitkräfte überführte: räumlich getrennter Angriff der beiden Armeen, wobei die 6. erst dann austreten sollte, bis die 5. nach fünf Tagen Vormarsch durch Feindesland von der Drina bis Valjevo gelangt war. Wohl fiel hiebei gegenüber den Voraussetzungen, unter denen dieser Entschluß ursprünglich gefaßt worden war, die tätige Mitwirkung der 2. Armee weg, deren Einladung nach Norden am 18. zu beginnen hatte. Aber ihre Anwesenheit mußte doch wenigstens, erwog das Oberkmdo. der Balkanstreitkräfte, so lange wirksam sein, als der vereinzelte Vorstoß der 5. Armee andauerte. Denn die Flankenstellung der 2. Armee gegenüber der unteren Drina mochte doch so weit abwehrend wirken, daß sich die Hauptkräfte der Serben aus ihrer Mittelstellung nicht über Valjevo hinaus in den Nordostwinkel des Landes wagten und sonach die k.u.k. 5. Armee zunächst nur auf die unterlegene eigentliche Drinasicherung stoßen werde. Drohte dann noch der Rückenangriff der 6. Armee, so war es immerhin denkbar, daß die serbische Armee in eine schwierige Lage geriet.

Die Heeresleitung in Wien stand dem Plan fürs erste nun doch zweifelnd gegenüber. Nach einem am 8. August abgesandten Telegramm betrachtete sie es als wichtigste Aufgabe, den „wahrscheinlichen serbisch-montenegrinischen Vorstoß von Užice, Sandžak, Gacko auf Sarajevo“ erfolgreich zurückzuschlagen. Der Feldzeugmeister erblickte in dieser Betonung Südostbosniens nicht zu Unrecht den „versteckten Rat“, die 5. Armee näher an die östlich von Sarajevo in der Abwehr angenommene 6. Armee heranzuziehen x); aber er hielt ein so vorsichtiges Verhalten im Augenblick weder für nötig noch für wünschenswert. Um Conrad zu beruhigen, antwortete er, daß die 6. Armee am 13. August mit starkem rechtem Flügel hinter dem Drina-Abschnitt Foča—Višegrad—Bajinabašta bereitstehen werde, um tags darauf die Vorrückung gegen Plevlje und Užice aufzunehmen. Diese Meldung war insoferne verwirrend, als die Heeresleitung aus ihr entnehmen zu dürfen glaubte, daß am 14. schon die ganze 6. Armee werde vorrücken können, indes dies nur für das in den Sandžak vorstoßende XVI. Korps galt, während das XV. nicht vor dem 18. August bei Višegrad versammelt sein konnte. Immerhin begann sich das AOK. mit der Offensive in weitgetrennten Gruppen und dem vorzeitigen Vorstoß der 5. Armee an der unteren Drina zu befreunden.

Daß es trotzdem nicht unbedenklich war, den ursprünglichen Plan unter geänderten Voraussetzungen aufzunehmen, zeigte der Meinungsaustausch, der gleichzeitig darüber einsetzte, wie sich die nördlich der Save-Donau-Linie versammelten öst.-ung. Streitkräfte zur Geltung zu bringen hätten. Es war doch klar, daß untätiges Verharren oder lediglich artilleristische Betätigung den Feind nur für sehr kurze Zeit in Atem halten konnte. Damit begann sich in den Führerentschlüssen die Zwiespältigkeit der Rolle fühlbar zu machen, die der 2. Armee zugedacht war.

Dem vom FZM. Potiorek geäußerten Wunsche, doch wenigstens die in Syrmien auf marschierenden Teile der zu den Balkanstreitkräften gehörenden 7. ID. bei Šabac und Kupinovo über die Save zu entsenden, widerriet der Führer der 2. Armee, GdK. v. Böhm-Ermolli, in der Sorge, dadurch in einen Kampf südlich des Flusses hineingezogen zu werden, und auch die Heeresleitung verkündete am 7. August sofort durch den Draht: „Übergang der 2. Armee und der 7. ID. ist ganz ausgeschlossen.“

*) Daß das AOK. tatsächlich dieser Auffassung war, bewies ein vom selben Tage datierter Brief Conrads (IV, 344), der am 11. August in Sarajevo eintraf.

Auch tags darauf stimmte sie einem demonstrativen Mitwirken der 2. Armee nur insoweit zu, als es ohne Flußübergang zu erreichen war. Nun empfand aber GdK. Böhm-Ermolli die Möglichkeit, daß die 5. Armee vor den Augen der untätig zusehenden 2. einen Mißerfolg erleiden könnte, selbst so drückend, daß er am 9. der Heeresleitung gegenüber neuerlich in kaum mißzuverstehender Weise die Frage aufwarf, wie weit bei der Unterstützung der 5. Armee gegangen werden dürfe. Darauf erfolgte die Erlaubnis zur Besetzung von Serbisch-Mitrovica und Šabac, wogegen weiter östlich nur Scheinmanöver ohne tatsächliche Flußbezwingung zu unternehmen waren. Der Mitteilung über das bevorstehende Eintreffen von vierzehn für Syrmien bestimmten Landsturm- und Marschbataillonen fügte das AOK. noch ausdrücklich bei, „daß die 2. Armee keinesfalls in die Ereignisse südlich der Save-Donau hineingerissen werden dürfe“.

Inzwischen hatte das Oberkmdo. der Balkanstreitkräfte am selben 9. August an die 5. Armee die Befehle zu der für den 12. angesetzten Offensive über die untere Drina erlassen. Der Feldzeugmeister rechnete fürs erste mit einem so schwachen feindlichen Widerstand, daß er den noch uneingeübten, landfremden Truppen des GdI. Frank zutraute, innerhalb von fünf Tagen nicht nur den Flußübergang zu erzwingen, sondern in dem vielfach recht schwierigen Gelände die 100 km lange Wegstrecke bis Valjevo zu durchmessen. Auch hielt er es für erlaubt, die 42. HID., die „Domobranzen“ des FML. v. Sarkotić, gleich zu Beginn von der 5. Armee gegen das zukünftige Kampffeld der 6. abschwenken zu lassen.

Der Aufmarsch der 5. Armee wurde durch drei Zugszusammenstöße, die sich zwischen dem 4. und 10. August ereignet hatten, erheblich gestört, so daß die Transporte bis zu zwanzig Stunden Verspätung erlitten und die planmäßige Reihenfolge verworfen wurde. Wegen Verzögerung der Operationsbereitschaft, zumal weil „vier Kriegsbrückenequipagen und die 21. SchD., besonders ihre Artillerie, nur mit Gewaltleistungen an die Drina gebracht werden könnten“, bat GdI. Frank schon in der Nacht zum 10. und am folgenden Morgen aufs neue eindringlich um Verschiebung des Flußüberganges auf den 14. August. Er fand jedoch mit dem Hinweis darauf, daß der Feind nicht stark sei und daher die Division entbehrt und ohne Überanstrengung nachgezogen werden könnte, kein Gehör.

Mittlerweile hatten sich am 10. August auch die Kolonnen des XVI. Korps der 6. Armee gegen die obere Drina in Bewegung gesetzt; südlich gegen Foča die Gruppe FML. Trollmann (18. ID.) mit der 6., der 4. und der 5. GbBrig.; nördlich gegen Goražde die Gruppe GM. Gabriel mit der 1. und der 13. GbBrig.

Über die Gruppierung der Serben blieb man im Unklaren. Das 2. Armeekmdo. war der Meinung, daß südlich der Donau und der Save zwei Divisionen (DonD.I und II), bei Valjevo die DrinD.I und II standen. Die serbische Hauptkraft wurde im Raume O'orenovac-Lazarevac-Ub angenommen. Beim AOK. in Wien dagegen herrschte über die Verteilung folgende Ansicht: Bei Uvac eine, bei Užice zwei, bei Valjevo eine, an der Save und Donau je eine Division; die feindliche Hauptkraft (vier bis fünf Divisionen) im Raume Arangjelovac-Mladenovac-Palanka. Ähnlich schwankten die Bilder, die sich das 5. und das 6. Armeekmdo. machten. Die Angriffslust der serbischen Užice-Gruppe schien jedenfalls erlahmt. Fliegeraufklärung ließ keinen Einblick in die Maßnahmen des Feindes zu. Das Lim-Detachement schloß zwar am 11. Višegrad auch im Südosten ein und die auf weitem Raume verteilte 7. GbBrig. mußte, während Teile der 9. die Drinastrecke bis Ustiprača hinauf und damit auch die wichtige Bahnbrücke Megjegja sicherten, sich mit der Behauptung des engeren Brückenkopfes begnügen. Im übrigen war es augenscheinlich, daß sich Serben wie Montenegriner vor Goražde und Foča mit den bisherigen Erfolgen zufriedengaben.

Da kam am 11. früh die Aufsehen erregende Meldung über ein Vorschieben der serbischen Hauptkräfte gegen die untere Drina und die Save-Donau. Sie war falsch, genügte aber, deutlich aufzuzeigen, daß die bevorstehende Operation ohne ernsthafte Mitwirkung der k.u.k. 2. Armee doch einigermaßen in der Luft hing. Hatte F2M. Potiorek in Erkenntnis dieser Schwäche schon am 9. dem GdI. Frank gleichzeitig mit dem Angriffsbefehle für die 5. Armee brieflich mitgeteilt:

„Unser Ziel ist dermalen nicht bleibender Raumgewinn. Wir brauchen aber einen baldigen gemeinsamen, entschiedenen Ersterfolg über die Serben . .

so mochte er aus nachstehendem, vom 9. datiertem, am 11. in Sarajevo eingelangtem Briefe Conrads nicht nur eine Mahnung, sondern auch eine Aufmunterung lesen:

„Lage gipfelt darin, daß wir auf dem Balkan jetzt unter keinen Umständen einen Echec erleiden dürfen und daß ein Erfolg jetzt von allergrößtem Wert wäre, weil er die noch zögernden Staaten Bulgarien und Rumänien voraussichtlich auf unsere Seite bringen würde, ein Ziel, das ich mit allen Mitteln anstrebe, dabei vor allem dahin wirke, daß Bulgarien je eher je besser einen kräftigen Stoß über Pirot und Zajčar gegen Kra-gujevac und Arangjelovac führe . . .“ 1).

!) Conrad, IV, 358. Dieses Schreiben traf gleichzeitig mit dem S. 105, Fußnote, angeführten Briefe Conrads ein.

Doch Potiorek blieb bei seinem Entschlüsse, wobei er annahm, daß die Wirkung der 2. Armee — die Bindung der an der Save-Donau befindlichen Streitkräfte — bis zum 20., vielleicht sogar bis zum 22. August anhalten werde.

Im einzelnen ordnete der Feldzeugmeister an, daß das XV. Korps sich bis zum 17. August damit zu begnügen habe, die mittlere Drina beiderseits von Višegrad zu behaupten und die 12. GbBrig. zur Verbindung mit der 5. Armee über Srebrenica gegen Bajinabašta zu verschieben. Das XVI. Korps möge zunächst das eigene Gebiet von Čajnice und Čelebic von den Crnagorzen säubern und in weiterer Folge am 17., mit dem Südflügel über Plevlje streifend, die Lim-Strecke Priboj— Rudo erreichen, um sich tags darauf mit dem linken Flügel dem Angriff des XV. Korps gegen Užice anschließen zu können. Unter dem Eindruck der Warnung Potioreks, ja nicht zu weit südwärts auszuholen, beschloß der Befehlshaber des XVI. Korps, die 5. GbBrig. noch vor dem Austreten von der südlichen der nördlichen Kolonne zuzuteilen (S. 106). Die 8. GbBrig. hatte zum Schutz der rechten Flanke über Plevlje und Prijepolje gegen Novavaroš vorzurücken. Außerdem sollte dem Treiben der Montenegriner in der Herzegowina ein Ziel gesetzt werden, indem GM. v. Pongrácz mit seiner 3. GbBrig. am 12. August von Nevesin je gegen das vom Feinde besonders bedrängte Avtovac auszuschwärmen hatte.

An diesem 12. rechtfertigte FZM. Potiorek noch einmal dem Chef des Generalstabes gegenüber im Vollbewußtsein seiner Verantwortung das „operativ gewagte Unternehmen“, die beiden Armeen getrennt ein sehr schwieriges Kampfgelände durchmessen zu lassen, mit dem ausdrücklichen Hinweis auf die Notwendigkeit, bald einen die Bulgaren mitreißenden Erfolg zu erringen und hiezu die Gnadenfrist auszunützen, die ihm durch die Anwesenheit der 2. Armee gewährt war, und während der von den an der Save-Donau gebundenen Serben „nichts Ernstliches zu befürchten“ sei.

Angesichts besonders günstiger Nachrichten aus Bulgarien hatte nun aber beim AOK. eine zuversichtlichere Stimmung Platz gegriffen. Als GdI. Frank, um seine Meinung befragt, die Überzeugung ausdrückte, bei Valjevo jedenfalls auf drei serbische Divisionen, später aber auf überlegene Kräfte zu stoßen, bedeutete ihm die Heeresleitung, daß die Offensive der 6. Armee umso wirksamer sein werde, je mehr Feinde die

5. auf sich zöge. Anschließend daran wurde dem Vorstoß der 6. Armee als Ziel gesteckt, „den Feind niederzuwerfen und durch Stoß ins Herz seines Landes am Einbruch in die Monarchie zu verhindern“. Der Feldzeugmeister hielt es für nötig, vor allzu großen Hoffnungen zu warnen. Er erwarte sich, betonte er, von der „zunächst nur bis Valjevo—Užice beabsichtigten Offensive“ bloß die Zertrümmerung der nächsten feindlichen Gruppen; dauernder Raumgewinn sei nur dann zu erhoffen, wenn Bulgarien spätestens am 15. mobilisiere. Aber selbst in einem solchen Falle würden am 20. oder 22. die Balkanstreitkräfte wesentlich anders gruppiert werden müssen.

Der Chef des Generalstabes übernahm nun am 14. August, als an der Drina schon das erste Blut geflossen war, durch Brief und Telegramm in aller Form die volle Verantwortung für die begonnene Offensive1).

Gegenmaßnahmen der Feinde

Zur Zeit des Beginnes der Offensive warteten die Serben noch in der Aufmarschgruppierung zu. Der vom Woiwoden Putnik am 6. verfaßte „gemeinsame Operationsplan“ hatte den serbisch-montenegrinischen Streitkräften wohl die Aufgabe gestellt, möglichst starke Kräfte Österreich-Ungarns auf sich zu ziehen und von der Hauptentscheidung auf dem russischen Kriegsschauplatz fernzuhalten, sah aber zunächst noch defensives Verhalten der serbischen Hauptkräfte vor. Der Armeegruppe Užice und zwei Dritteilen der montenegrinischen Streitkräfte wurde die gemeinsame Eroberung Sarajevos zum Ziel gesteckt. Der Rest der Montenegriner sollte die Landesgrenzen gegen das in der Herzegowina vermutete XVI. Korps verteidigen. Doch gelang es dem nach Cetinje entsandten Gen. Jankovic nicht, den Einklang in gewünschter Weise herzustellen. Am 8. vermutete man gegenüber Montenegro nur mehr untergeordnete Kräfte, das XVI. Korps an der oberen, das XV. Korps an der unteren Drina, zusammen 70.000 Streiter. Nördlich der Save errech-neten die Serben 90.000 und im Banat 50.000 Kämpfer. Angesichts solcher Überlegenheit hatten sich die l.und die 2. Armee in der Linie Adžbegovac— Lajkovac, die 3. auf der Höhe Jautina und bei Kamenica zur Verteidigung einzurichten, und auch die Armeegruppe Užice erhielt wieder Befehl, vorläufig die Front Bajinabašta—Vardište zu verteidigen, zumal ein Einvernehmen mit den Montenegrinern nicht zustande gekommen war2). Allerdings erhielt der Kommandant der 2. Armee am 9. August den Auftrag, Erkundungen „für den voraussichtlichen Save-Übergang westlich der Kolubara“ vorzunehmen, was vermuten läßt, daß dem SOK. schon die ersten, wenn auch unverbürgten Nachrichten über den beabsichtigten Abtransport der 2. Armee zugekommen waren.

i) Conrad, IV, 350, 370, 372, 384ff. — 2) Serb. Gstb. W., I, 31 f und 37.

Das zuwartende Verhalten der Serben fand erst ein Ende, als am 12. die k.u.k. 5. Armee mit rund 80.000 Streitbaren die Drina überschritt. Sie mußte den bisher nordwärts gerichteten Blick der Serben zunächst ganz auf sich ziehen — da die 6. Armee ja erst einige Tage später ihre Kolonnen kampfbereit aufrücken lassen konnte; sie zählte mit der erst aufmarschierenden 40. HID., aber ohne zehneinhalb Bataillone, die bis zum Eintreffen der Landsturmbesatzungen in den festen Plätzen Zurückbleiben mußten, etwa 60.000 Streiter.

Die Kämpfe bis zum 20. August

Hiezu Beilage 8

Der Übergang der 5. Armee über die Drina (12. bis 15. August)

Gegenüber dem Aufmarschraum der k. u. k. 5. Armee herrschte jenseits der Drina unheimliche Ruhe. Die Flieger kehrten von ihren Erkundungsflügen über diesem dicht bewachsenen, sehr unübersichtlichen Raume mit spärlichen Nachrichten zurück. Immerhin vermutete man, daß sich im Raume bis Valjevo drei Divisionen befänden, deren erster zäher Widerstand auf den feldmäßig befestigten Höhen von Lješnica und Loznica zu erwarten war. Angesichts solcher Möglichkeiten sah sich GdI. Frank, nachdem seine Bitte um kurzen Aufschub des Flußüberganges nicht erhört worden war, nun doch dazu veranlaßt, die 21. SchD. schon für den 12. heranzuziehen. Die zweitägigen, ziemlich großen Marschleistungen, die dabei von der zum großen Teil eben aus dem bürgerlichen Beruf geholten Mannschaft nach viertägiger Bahnfahrt zu bewältigen waren, bildeten eine wenig ermunternde Einleitung zu den bevorstehenden Kämpfen. Nachträgliche Kenntnis der Lage gibt dem FZM. Potiorek Recht, wenn er dem GdI. Frank geraten hatte, am ersten Kampftage auf diese Division zu verzichten; denn die tatsächliche Stärke des Feindes, der die 5. Armee am 12. August auf den Höhen jenseits der Drina empfing, betrug 6 Bataillone und 16 Geschütze.

Nach den Weisungen des 5. Armeekmdos. hatte das XIII. Korps die den Eintritt ins Jadartal sperrenden Höhen östlich von Loznica zu gewinnen und zu ihrer Sicherung die Boranja planina besetzen zu lassen, indes das VIII. Korps östlich von Bijeljina die Drina überschreiten und südwärts vorstoßen sollte. Eine aus Landsturm- und Marschbataillonen gebildete Brigade unter GM. Letovsky wurde zur Verbindung mit der 2. Armee gegen Sabac ausgesandt. Mitrovica, Sabac und die Zigeunerinseln oberhalb von Belgrad sollten zur Täuschung des Feindes besetzt werden. Die 42. HID. hatte gemäß dem Befehl Potioreks zur Verbindung mit der 6. Armee an beiden Drinaufern flußaufwärts zu rücken; sie war aber von GdI. Frank angewiesen worden, nötigenfalls auch in den Kampf der 5. Armee einzugreifen.

Die Absicht, die ganze 5. Armee am 12. August in breiter Front mit sechs Kolonnen gleichzeitig über die Drina zu führen, mußte aufgegeben werden, da das Brückengerät nicht rechtzeitig zur Hand war (S. 106). Auch sonst erfüllte der erste Operationstag nur zu geringem Teile das, was man von ihm erwartet hatte.

Am äußersten Südflügel der 5. Armee gelangte die Hauptkraft der 42. HID. bei Zvornik auf das Ostufer der Drina. Bei der Masse des XIII. Korps stand die 36. ID. nach zeitlich früh vorgenommener Über-schiffung, Abwehr zweier Gegenstöße und Brückenschlag gegen Mittag schon östlich des Flusses. Der Korpskommandant hielt aber mit einem Stirnangriff zurück. Er wollte, da seine eigene Artillerie in der baumreichen Flußebene noch kein Wirkungsfeld gefunden hatte und daher auf einer ziemlich zurückliegenden Höhe westlich der Drina verblieben war, die ihm ausdrücklich zugesagte Artillerieunterstützung des VIII. Korps abwarten; zudem traten Erschwernisse ein, weil die 13. IBrig. und die

11. GbBrig. oberhalb von Loznica die Drina wegen des hohen Wasserstandes nicht durchfurten konnten und daher gleichfalls auf den Übergang der 36. ID. angewiesen waren. Die von dieser Division ausgeschickten Nachrichtenabteilungen erfuhren blutige Abweisung, die zur Vorsicht mahnte und bei der dichten Bedeckung des Geländes wohl sogar zur Überschätzung des gegenüberstehenden Feindes führte.

Beim VIII. Korps vollzog sich schon die Bereitstellung unter erheblichen Reibungen. Die serbischen Grenzschutzposten und Komitas, die sich der über den Hauptarm der Drina auf eine Insel überschifften Vorhut der 9. ID. entgegenstellten, leisteten bis Mittag zähen Widerstand, so daß das Sabac-Detachement noch Zeit fand, zwei Bataillone samt Geschütz zur Verteidigung des östlichen Flußarmes zu entsenden. Obwohl der Hauptarm zu dieser Zeit schon überbrückt war, verzögerte sich das Vordringen der Kriegsbrückenequipagen an den Ostarm bis in die Nacht, da durch den dicht verwachsenen Wald eine 2 km lange Zufahrt ausgeschlagen werden mußte. Erst als am späten Nachmittag eine Furt gefunden wurde, konnten die Serben vom Ostufer vertrieben werden. Die

18. IBrig. deckte auf dem Ostufer den nächtlichen Brückenschlag, das

Gros der 9. ID. und die Brigade GM. Letovsky nächtigten noch auf der Insel, die durch den Anmarsch hart mitgenommene 21. SchD. noch westlich der Drina. Hier schoppte sich auch der Troß zu fast unentwirrbaren Massen, aus denen schon in den nächsten achtundvierzig Stunden kaum mehr die Verpflegung für die Truppen herausgeschält werden konnte.

Mehr Glück hatten die Scheinunternehmen der 2. Armee. Die Donauflottille hatte seit dem 11. gemeinsam mit der Landartillerie die Aufmerksamkeit der Serben auf die untere Save gelenkt. Am 12. früh überschiffte die Brigade GM. Blasius v. Dáni, von Artillerie gut unterstützt, bei Klenak die Save und nahm nach leichtem Kampf Šabac. Die Reserven des Šabac-Detachements, je zwei Bataillone südöstlich und westlich der Stadt, wagten keinen Gegenangriff und wichen südwärts zurück. Die Überschiffung von sechs Bataillonen der 29. ID. bei Mitrovica und Jarak fand keinen Widerstand34).

Das SOK. änderte abends die Weisungen, die es in der Erwartung eines Einbruches von Norden zu Mittag für den Vormarsch gegen die Save erteilt hatte, wieder ab und befahl dem Führer der 3. Armee, Gen. Jurišič-šturm, je ein Infanterieregiment mit drei Batterien der DrinD.I als Verstärkung nach Šabac und Loznica zu senden, die andere halbe DrinD.I aber noch bei Valjevo zu belassen. Die 2.Armee, in deren Verband das Obrenovac-Detachement trat, hatte die ŠumD.I überKocel-jeva zum Gegenangriff nach Šabac, zwei Divisionen nach Ub zu senden, wohin auch die Kavalleriedivision einrücken sollte. Dieser Gruppe war die Aufgabe zugedacht, entweder die Ostflanke des etwa von Šabac gegen Valjevo vorgehenden Feindes anzufallen oder bei Obrenovac übergehende Kräfte aufzufangen. Die 1. Armee hatte mit drei Divisionen an Stelle der 2. Armee westwärts zu rücken. Die DonD.I südlich von Belgrad wurde der 2. Armee unterstellt. Die Uzice-Gruppe hatte, um den Feind an der oberen Drina zu binden, ehestens mit ihrem Vorstoß gegen Višegrad zu beginnen.

Auch am 13. August wurde das Vorgehen der k.u.k. 5. Armee durch mehrfache Widrigkeiten gehemmt. Erst gegen Morgengrauen wurde die Brücke des VIII. Korps fertig. Dieses nahm aus Besorgnis vor Überraschungen in dem höchst unübersichtlichen Gebiet und in Erwartung kräftigen Widerstandes unmittelbar nach der Flußbezwingung auf den Höhen östlich von Lješnica, deren starke Befestigung ein Flieger gemeldet hatte, eine zeitraubende Gefechtsgruppierung an. Die erst gegen 2h nachm. begonnene Vorrückung wurde durch Wassergräben, Hecken und die im mannshohen Kukuruz immer wieder auftauchenden Komitas verzögert. Wassermangel wirkte bei der drückenden Hitze erschlaffend, und abends war von den todmüden, unzulänglich verpflegten Truppen erst der Fuß der Höhen bei Lješnica erreicht, die das VIII. Korps auf Befehl des 5. Armeekmdos. längst hätte ersteigen sollen, um „den hierauf beginnenden Angriff des XIII. Korps durch Artillerieflankenfeuer zu unterstützen“. Diese Regelung des Zusammenwirkens führte dazu, daß das angriffsbereite XIII.Korps den 13. zuwartend verbrachte. Die 42.HID. erreichte, mit der Hauptkraft auf dem östlichen Ufer vordringend, die Drinjacamündung.

Die 29. ID. der 2. Armee hatte südlich der Save nur zwei Bataillone in Mitrovica belassen. Dáni, dem drei Marschbataillone zukamen, ließ den Südrand von Šabac befestigen und trat unter Befehl des IX. Korps-kmdos., dem das 2. Armeekmdo. die Aufgabe stellte, „Šabac unter allen Umständen zu halten“. Als „Besatzung von Šabac“ nach dem Abgehen der 2. Armee hatte das 5. Armeekmdo. eine zehn Bataillone starke Landsturmgruppe unter GM. Letovsky bestimmt, die gleich allen nördlich der Save zurückbleibenden Truppen und der Donauflottille unter den einheitlichen Befehl des Kommandanten des 7. ID., FML. Frh. v. Lütgendorf, treten sollte. Dieser erhielt am 13. Befehl, sofort ein Infanterieregiment und drei Batterien der 7. ID. von Semlin nach Šabac zu senden, um dem Landsturm Letovskys einen festen Kern zu geben und ihn womöglich zum Eingreifen in den Kampf der 5. Armee zu befähigen.

Der Stillstand an der ganzen Front gab den von Valjevo anrückenden serbischen Verstärkungen Zeit, sich mit den Gruppen vor Šabac und Loznica zu vereinigen. Jene wurde von Gen. Jurišič-šturm angewiesen, am 14. Šabac wiederzuerobern. Seinem Antrag, mit der Hauptkraft der DrinD.I von Valjevo gegen Loznica abrücken zu dürfen, stimmte der Woiwode Putnik zu, da die Schwäche der Besatzung von Šabac, der dort vermißte Brückenschlag und die bloße Kanonade an der Stromlinie im Zusammenhang mit schon früher aufgetauchten Gerüchten über Kräfteverschiebungen gegen Rußland auf die mangelnde Angriffsabsicht der in Syrmien aufmarschierenden Kräfte hinwiesen. Zur Wiedereroberung von Šabac wurde daher die bis Draginje gelangte ŠumD.I als ausreichend erachtet.

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I 2. Aufl.

Am Morgen des 14. August warf wohl FML. v. Scheuchenstuel mit der 9. ID. das Lješnica-Detachement von den Höhen nordöstlich Lješnica; doch die 21. SchD. kam, durch Komitas arg belästigt, links von jener nur langsam den schwer ersteigbaren Hang der Cer planina hinauf. Gegen Mittag war eine Artilleriewirkung zugunsten des XIII. Korps wohl noch nicht möglich, doch befahl der zu GdI. Freih. v. Rhemen vorgefahrene Armeekommandant auf Grund persönlichen Augenscheines um llhvorm. den ungesäumten Angriff des XIII.Korps. Am rechten Flügel konnte die Artillerie vom Westufer aus der gegen die Höhen südöstlich Loznica angesetzten 11. GbBrig. den Weg bahnen. Der nicht so gut unterstützbaren 36. ID. und der ihr zu Hilfe eilenden 13. IBrig. leistete jedoch der serbische Nordflügel, kräftige Gegenstöße führend, zähesten Widerstand, der in verlustvollem Handgemenge erst abends gebrochen werden konnte. Die Serben wichen unter Einbuße einiger Geschütze gegen Jarebice zurück, wo sie von dem eben eingetroffenen Gros der DrinD.I aufgenommen wurden und unverzüglich an die Befestigung der neuen Stellung schritten.

Die serbische Sabac-Gruppe war indes vormittags von Osten und Süden zum Angriff auf Sabac vorgegangen und kam erst nahe vor dem Stadtrand zum Stehen. Zum Glück für den Verteidiger brachte die mit ihren Spitzen schon gegen Mittag südlich von Sabac eingetroffene ŠumD. I bloß zwei Bataillone und drei Batterien ins Gefecht, und es gelang dank dem sehr zweckmäßigen Eingreifen der von Westen angerückten Brigade GM. Letovsky, den Feind noch in Schach zu halten, wobei auch die Savemonitoren verdienstvoll mitwirkten.

Nebst der Ermüdung der Truppen durch den Gewaltmarsch hatte auch die Besorgnis um die Westflanke die SumD.I von dem beabsichtigten kräftigen, links umfassenden Eingreifen abgehalten. Vor Mitternacht befahl der Divisionär vorläufiges Festhalten der Höhen nächst Varna. Hieher nahmen die Serben auch die im Gefecht stehenden Truppen der 3. Armee zurück, die das Armeekmdo. schon dringend verlangt hatte.

Die Bedrängnis der Verteidiger von Sabac hatte die Befehlsstellen nördlich der Save alarmiert, Verstärkungen wurden in Bewegung gesetzt und das 2. Armeekmdo. verfügte endlich die Vereinigung der 29. ID. in Sabac, wo im Laufe des nächsten Tages auch die Gruppe der 7. ID. von Semlin her eintreffen konnte.

Die serbische Heeresleitung war am Vortag sowohl vom Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch als auch von Frankreich zu energischer

Offensive gedrängt worden1). Der Thronfolger antwortete ausweichend, daß der Vormarsch gegen den Feind bei Šabac—Loznica ohnedies bereits angeordnet worden sei, woraus sich vermutlich eine allgemeine Offensive entwickeln dürfte. Im gleichzeitigen Depeschen Wechsel zwischen der russischen und der serbischen Regierung machte letztere eine Offensive gegen Slavonien und Syrmien vom Eintreffen der zugesagten 1000 Meter Pontonbrückengerät abhängig, außerdem verwies sie auf den in einer Woche reifenden Vorstoß über Višegrad nach Bosnien. Auch die von Rußland zugesagten Gewehre wurden von den Serben mit Ungeduld erwartet, um 120.000 Mann aus den Lagern dem Gegner entgegenführen zu können.

Vielleicht mehr als dieses Drängen der Verbündeten trugen die Ereignisse bei Sabac, wo der Gegner nun eine Brücke geschlagen zu haben schien, dazu bei, daß das serbische Oberkmdo. dem Führer der 2. Armee um 7hnachm. befahl: „Versammeln Sie sogleich alle Ihre Truppen am Dobravabach, nehmen Sie Šabac2)!“ Auf Grund der nachts über die Ereignisse bei Loznica einlaufenden Meldungen kam Woiwode Putnik trotz übertriebener Meldungen über die Stärke des in der Mačva aufgetauchten Gegners jedoch zu dem richtigen Schluß, daß der Gegner mit seiner Hauptkraft durch das Jadartal nach Valjevo vorzustoßen beabsichtige, bei Šabac aber nur eine Nebenoperation plane und noch weiter flußabwärts nur demonstriere. Diese zutreffende Erkenntnis der gegnerischen Absichten zeitigte den Entschluß, die Hauptkraft gegen den über die Drina eingebrochenen Feind zu wenden. Hiezu wies ein am

15. August nach 3hfrüh ausgegebener, abändernder Befehl die 2. Armee an, nur die ŠumD.I Šabac angreifen oder doch diesen Manövrierpunkt durch Verteidigung der südlichen Höhen abriegeln zu lassen. Die KombD. und die MorD.I hingegen waren im Gewaltmarsch über Koceljeva derart vorzuführen, daß sie dem Gegner im Jadartale in die linke Flanke fallen konnten. Die Kavalleriedivision sollte die Verbindung zwischen beiden Gruppen hersteilen und die Mačva aufklären. Gen. Jurišič-šturm wurde beauftragt, dem Gegner frontal entgegenzutreten. Endlich wurde dem Kommandanten der 1. Armee, Gen. Petar Bojovic, die Nordfront unterstellt, als deren Reserve die MorD.II bei Ub Aufstellung zu nehmen hatte. Die TimD.I und II wurden als Reserve der Heeresleitung nach Valjevo beordert3).

1)    Serb. Gstb. W., I, 62.

2)    Ebenda, I, 76.

3)    Ebenda, I, 80.

Gemäß dem Wortlaut des der serbischen 2. Armee erteilten Befehles, aber nicht im Sinne des SOK., wurde die ŠumD.I am 15. August früh von den Höhen südlich Šabac hinter die Dobrava zurückgenommen, wo sie sich verschanzte.

Diese Zurückhaltung der Serben ermöglichte ihren Gegnern die Versammlung der in anstrengenden Märschen nach Šabac heraneilenden Verstärkungen und endlich auch den Brückenschlag, der am Vortag wegen Artilleriefeuer hatte aufgegeben werden müssen. GdI. v. Hortstein formierte aus der halben 7. ID. und der 29. ID. durch Zuteilung der Landsturm- und Marschbataillone des GM. Letovsky zwei Divisionen mit neuer Zusammensetzung.

Das 5. Armeekmdo. erwartete den Entscheidungskampf erst auf den Höhen westlich von Valjevo vor der von den Serben zur Verteidigung beiderseits Kamenica vorbereiteten Stellung. Man hoffte somit, am

15. August die von Šabac nach Krupanj führende Straße ohne wesentlichen Widerstand erreichen zu können. Die 11. GbBrig. und die 13. IBrig. sollten nach Krupanj, die 36. ID. nach Zavlaka, die 9. ID. nach Tekeriš gelangen, die 21. SchD. mit der Hauptkolonne über die Cer planina bis an die genannte Straße, mit der linken Kolonne nach Desić vorrücken. Nun mußte aber das XIII. Korps nach dem harten Kampf des Vortages die Verbände ordnen und auch Schießbedarf und Verpflegung heranziehen, was jedoch dadurch verzögert wurde, daß Komitas am Vorabend beim Troß Verwirrung hervorgerufen hatten. Der Vormarsch konnte erst nachmittags angetreten werden. Die 36. ID. vermochte sich infolge eines schweren Unwetters, das den Eintritt der Finsternis beschleunigte, nur bis an die Stellungen der serbischen 3. Armee heranzuschieben. Die beiden selbständigen Brigaden waren wegen späten Befehlsempfanges über die Abzweigung der Straße nach Krupanj nicht hinausgekommen 1). Indessen hatte aber der im Drinatal mit der 42. HID. gegen Ljubovija marschierende FML. Sarkotić erfahren, daß vor der Front des XV. Korps Ruhe herrschte, hingegen in Krupanj eine feindliche Abteilung — es waren die Komitas des in den Mord von Sarajevo verwickelten Mjr. Tankosić — stand. Er überließ nun dem GM. v. Ištvanovič mit zwei Bataillonen und zwei Batterien die Bekämpfung des serbischen Grenzschutzes bei Ljubovija, während er mit der Hauptkraft unter kleinen Scharmützeln bis zum 15. abends die Höhen südwestlich von Krupanj erreichte.

Bei der 9. ID. verzögerten kleine Gefechte gegen das Ljesnica-De-

i) Bewaffnete Zivilisten hatten den Befehlsüberbringer angefallen; Gewitter schloß den Telephongebrauch aus.

tachement, Brückeneinbrüche und ermattende Hitze den Vormarsch derart, daß die Vorhut spät nachts eine Stunde vor Tekeriš Halt machen mußte. Am schlechtesten war die bereits in den Vortagen schwer hergenommene 21. SchD. daran. Sie sandte drei Regimenter über die Cer planina, deren dichtbewaldeter, wasserloser Kamm die Kolonne zum Einzelabfallen zwang. Unter ständiger Belästigung durch die ortskundigen Komitas, und gegen Abend überrascht durch den Wolkenbruch, kam die Vorhut bis zum Einbruch der Dunkelheit nur bis auf 7 km an das Marschziel, die Šabacer Straße, heran. Eingedenk der am Vortag vom Korpskmdo. wegen Abbleibens von den zugewiesenen Zielen geforderten Rechtfertigung, ließ FML. Przyborski den Marsch fortsetzen. Erst vor Mitternacht ging die Kolonne, aufgelöst in einzelne Gruppen, zur Nachtruhe über. Bei der nördlichen Kolonne mußte ein Bataillon zum Schutz des großen Divisionstrains gegen Anschläge der Komitas und der Bevölkerung in dem unübersichtlichen, meist mit hohem Mais bestandenen Gelände verwendet werden. Die anderen beiden Bataillone stellten eigentlich nur eine Bedeckung der sieben Batterien dar. Immerhin erreichte die Kolonne unter Geplänkel mit Komitas mit der Spitze ihr Marschziel.

War die 5. Armee auch nicht so weit gekommen, als man erhofft hatte, so bestand kein Anlaß, ihre augenblickliche Lage ungünstig zu beurteilen. Der bei Jarebice festgestellten serbischen 3. Armee schien angesichts der beiderseitigen Überflügelung nichts übrig zu bleiben als der Rückzug auf die Hauptstellung. Daher wurden der k.u.k. 5. Armee für den 16. an der Straße Šabac—Osečina liegende Marschziele vorgeschrieben.

In der Erkenntnis der beim weiteren Vormarsch besonders dem Nordflügel der 5. Armee drohenden Gefahren hatte GdI. Frank aber sowohl beim FZM. Potiorek als auch beim AOK. die „weitgehende Teilnahme der 2. Armee bei der Offensive zur Niederwerfung Serbiens“ beantragt, da ihre schwachen Demonstrationen den Zweck, die Bindung des Feindes, nicht erfüllten. Tatsächlich hatte die über Aufforderung des FZM. Potiorek am 15. August erfolgte lebhafte Beschießung von Belgrad und Obrenovac die serbische Heeresleitung wohl veranlaßt, ihre Hauptreserve, dieTimD.I und II, auf dem Marsch nach Valjevo beiLazarevac wieder anzuhalten. Dem Gegenstoß ihrer 2. Armee ließ sie aber freie Bahn.

Die vom GdI. Frank am 15. nachmittags erstattete Meldung erweckte bei beiden Empfangsstellen große Nachdenklichkeit. Angesichts der scheinbar geringen Tätigkeit der serbischen Armeegruppe Užice, die tatsächlich hinter den deckenden Höhen östlich von Višegrad erst drei Regimenter vorsichtig gruppiert hatte und nur mit dem Lim-

Detachement von Rudo beiderseits des Lim flußabwärts vorgerückt war, beschloß FZM. Potiorek, der 5. Armee die Sorge um den Südflügel abzunehmen, und beauftragte den FML. Ritt. v. Eisler, der mit der 12. GbBrig. eben den Raum südöstlich von Srebrenica von Komitas säuberte, am 16. nach Ljubovija zur 5. Armee abzurücken. An die 2. Armee richtete der Feldzeugmeister die Aufforderung zu ungesäumtem, energischem Einsatz möglichst starker Kräfte bei Šabac und Kupinovo.

In einen schweren Zwiespalt sah sich das AOK. in Wien durch die Meldung des GdI. Frank versetzt. Dem bösen Eindruck, den ein Mißerfolg in aller Welt machen mußte, stand die Gefahr gegenüber, daß die 2. Armee in die Kämpfe hineingezogen und am rechtzeitigen Abgehen nach Galizien verhindert werden konnte. So entstand ein Kompromiß. Nachmittags wurde an das 2. Armeekmdo. telegraphiert, daß die 10. KD., die 23. HID. und das VII. Korps unter allen Umständen abzuschieben seien, was die stillschweigende Erlaubnis in sich zu schließen schien, die 29. ID. und das IV. Korps zur Entlastung der 5. Armee einzusetzen. Gegen Abend wurde dem GdK. Böhm-Ermolli noch aufgetragen, er möge ermessen, was mit Rücksicht auf die Abgangszeiten zur Unterstützung der

5. Armee geschehen könnte. Dabei wurde in einem Nachsatz freilich einschränkend vor allem auf die Möglichkeit artilleristischer Mitwirkung vom Nordufer der Save aus hingewiesen.

GdK. Böhm-Ermolli glaubte denn auch zunächst, mit dem für den

16. August angeordneten Vorstoß der 29. und der 7. ID. sowie mit der Besetzung der Zigeunerinsel durch Abteilungen der letzteren das unter den Umständen noch Verantwortbare getan zu haben. Die 62. IBrig. konnte beim Vorstoß aus Šabac deshalb nicht mehr mittun, weil sie am

16. abends bei Klenak zum Abtransport bereitzustehen hatte, zu dessen Einleitung die Masse des IV. Korps schon am 14. in den Raum südöstlich von Ruma zurückgegangen war.

Am Südflügel der 5. Armee wollte GdI. Frank die anrückende

12. GbBrig. mit der 11. und der 13. IBrig. zu einer 48. ID. unter FML. Eisler zusammenfassen, um sie über Pecka gegen Valjevo anzusetzen. Diese Richtung war für den Feind in der Tat so empfindlich, daß ihn schon das Auftreten der 42. HID. veranlaßt hatte, mangels anderer Kräfte trotz des unmittelbar bevorstehenden Waffenganges von Jarebice zweieinhalb Bataillone mit einer Gebirgsbatterie als Verstärkung der Komitas nach Krupanj zu werfen35).

Die Offensive gegen die Montenegriner (14. bis 17. August)

Das XVI. Korps hatte am 13. August zunächst die noch auf Friedensstand befindlichen Truppen der 2. GbBrig. auf dem Kozara-Sattel von der 1. GbBrig. ablösen und die 6. GbBrig. den Nordteil der Stellungen der 8. GbBrig. östlich Foča übernehmen lassen. Überschätzung der Montenegriner im regulären Kampf und infolgedessen die Absicht, das Anschließen der noch weit hinten befindlichen Teile der Kolonnen Gabriel und Trollmann abzuwarten, ließen den 14. mit der Bereitstellung in einer breiteren Gruppierung vergehen (S. 106).

Der montenegrinische Gen. Vojnic hatte je eine Brigade seiner Plevlje-Division nach Čajnice und Čelebic vorgeschoben, die Reserve um Boljanić im montenegrinischen Sandžakteil zurückgehalten. Dem am 15. in breiter Front angesetzten Angriff der Kolonne Gabriel gegen Čajnice (13. GbBrig. im Tale, 1. GbBrig. rechts, 2. GbBrig. links über die Höhen) leisteten die Montenegriner nur geringen Widerstand. Sie begnügten sich mit der Feuerabgabe auf große Distanz und wichen, wenn ihnen die Angreifer zu Leibe zu gehen drohten. Schwerer machten sie es der Kolonne Trollmann, deren linker Flügel, 6. GbBrig., übrigens mit außerordentlichen Geländeschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Čelebic schienen die Montenegriner standhaft verteidigen zu wollen. Ihre Gegenstöße vermochte die 8. GbBrig. nur mit Mühe abzuweisen. FZM. Wurm befahl deshalb, mit dem Angriff auf den Ort bis zum umfassenden Eingreifen der 6. GbBrig. zu warten.

Am 16. früh waren aber die Montenegriner aus dem in Brand gesteckten Orte verschwunden. Sie suchten der Kolonne Gabriel den Zugang zum Metalkasattel streitig zu machen. Die 13. und die 1. GbBrig. traten in den Kampf, in den schließlich auch die dem Südflügel nachgerückte 4. GbBrig. eingriff. Wieder waren es mehr die Geländeschwierigkeiten als die feindliche Gegenwehr, die die Entscheidung bis zum Nachmittag hinausschoben. Nun war auch dieser Teil des eigenen Gebietes vom Feind gesäubert, der sich vornehmlich durch Überfälle auf einzelne Leute und kleine Patrouillen sowie auf Trains unangenehm fühlbar gemacht hatte.

Am 17. wandten sich die 1. und die 4. GbBrig. des GM. Gabriel im Verein mit der 6. GbBrig. unter Leitung des FML. Trollmann gegen Boljanić, die 2. und die 13. GbBrig. gegen die den Montenegrinern zu Hilfe geeilten Teile des Lim-Detachements, die sich mit ihren Bundesgenossen nicht mehr zu vereinigen vermochten. Nach unbedeutenden Kämpfen auf dem Grenzkamm wurden beide feindlichen Gruppen zum Rückzug genötigt, die Montenegriner gegen Prijepolje, die Serben gegen den Lim. Sie ließen jedoch ihre Komitas zurück, die den Feldwachen zusetzten. Ein serbischer Anschlag auf die Drinabrücke bei Ustiprača scheiterte.

Während der Kämpfe war die Weisung des XVI. Korpskmdos. zur Linksschwenkung gegen den Lim eingelangt; nur die 8. GbBrig. hatte den Montenegrinern auf den Fersen zu bleiben. Sie gelangte, durch eine montenegrinische Nachhut beim Überschreiten einer tiefen Felsenschlucht lange Zeit aufgehalten, nicht weit über Čelebic hinaus, so daß die Plevlje-Division ihren Rückzug ohne störende gegnerische Einwirkung unauf-gehalten durchführen konnte.

Auch in der Herzegowina wurden dem Treiben der Montenegriner in den Grenzgebieten Schranken gesetzt. Die 3. GbBrig., GM. Pongrácz, warf östlich Avtovac die 7. und die 9. montenegrinische Brig. am 14. und

15. über die Grenze zurück und stieß am 17. dem inzwischen verstärkten Feinde erfolgreich in sein eigenes Gebiet nach, um nach diesem glücklichen Streifzuge nach Gacko zurückzukehren. Die Besatzung der Festung Bileća, deren Ostfront vom 15. an bombardiert wurde, machte sich in wechselvollen Kämpfen Luft, und GM. Snjarić, der am 12. das k. k. LstlR. 9 nach Trebinje gebracht hatte, vermochte im Vereine mit Teilen der 14. GbBrig. aus den Bocche den Grenzraum zwischen Bileća und Trebinje bis 17. August vom Feinde zu säubern.

Untergang der „Zenta“

Durch den Eintritt Montenegros in den Krieg fand auch die in den Bocche stationierte Flottenabteilung Gelegenheit zu kriegerischer Betätigung. Die Kreuzer „Kaiser Karl VI.“, „Szigetvár“ und „Zenta“ beschossen die montenegrinischen Befestigungen und zerstörten die Radiostation in Antivari. Um der Entente den Weg für Waffentransporte nach Montenegro freizumachen, erschien am 16. August die durch einige britische Einheiten verstärkte französische Mittelmeerflotte in den Gewässern von Antivari. Es gelang ihr, der „Zenta“ die Rückkehr in die Bocche zu verlegen. Die „Zenta“, bloß gegen Steilfeuer einigermaßen geschützt, stellte sich, kämpfte und sank, hundertfach getroffen, mit wehender Flagge unter. Nur 151 Mann retteten sich schwimmend an die montenegrinische Küste. Vergeblich versuchte die französische Flotte am 21. August und am 1. September, in die Bocche einzudringen.

Noch vor diesen Kämpfen war am 7. August das in Pola versammelte Gros der öst.-ung. Kriegsflotte mit südlichem Kurs ausgefahren, um gegebenenfalls die vom Feinde verfolgten deutschen Kreuzer „Breslau“ und „Goeben“ aufzunehmen. Als diese beiden Schiffe sich jedoch gegen Konstantinopel wandten, kehrte Admiral Haus mit seinen zwei Geschwadern am 8. wieder in den Hauptkriegshafen zurück. Der Einladung des deutschen Admiralstabes, mit der ganzen öst.-ung. Flotte ins Schwarze Meer vorzustoßen, mochte Haus im Hinblick auf die zwingende Notwendigkeit, angesichts der zweifelhaften Haltung Italiens der Monarchie ihr wichtigstes Werkzeug zur Küstenverteidigung zu erhalten, nicht Folge zu geben.

Die Schlacht am Jadar (16. bis 19. August)

Unter Überwindung großer Schwierigkeiten war die serbische KombD. am 15. August nach Tekeriš herangehastet. Nach der Weisung des Armeekommandanten, Gen. Štepanovič, hatte mindestens ein Regiment die Ruinenhöhen auf der Cer planina beiderseits A 706 zu nehmen, „weil von ihrem Besitz das Gelingen der Operation abhängt“. Es war tiefe Nacht, als die Vorhut Tekeriš erreichte. Lärm und Lichter der vom Cer-Rücken absteigenden 21. SchD. verrieten Feindesnähe. Trotz großer Ermüdung der Truppen überfielen nach und nach zwei serbische Regimenter die nächst der Straße lagernde, mangelhaft gesicherte Vorhut der böhmischen Division. Die Schützen wehrten sich bis in die Morgenstunden wacker gegen die doppelte serbische Übermacht, der in dem Wirrwarr des Nachtgefechtes Rückschläge nicht erspart blieben. Als jedoch am

16. August bei Tagesgrauen ein drittes serbisches Regiment und die feindliche Artillerie eingriffen, wurde die Vorhut der Schützen zersprengt; ein böser Auftakt zu der am 16. August an der ganzen Front der 5. Armee entbrennenden Schlacht.

Das Blatt wendete sich bei Tageslicht aber bald. Die Hauptkolonne der 21. SchD., voran das Egerländer SchR. 6, trat in den Kampf, und die 9. ID. brachte ihr die bisher entbehrte Artillerieunterstützung. Als das IR. 102 der 9. ID. vormittags gegen Tekeriš schneidig angriff, wich die erschöpfte KombD. der Serben vom Kampffeld. Ein Geschütz blieb auf diesem zurück. Der Versuch der vom Artilleriebrigadier Obst. Hinke geführten linken Kolonne der 21. SchD., in das Gefecht der Hauptkraft einzugreifen, war durch einen überraschenden Rücken- und Flankenangriff zweier Kavallerieregimenter vereitelt worden. Ein Bataillon wurde zersprengt, zwei Batterien gingen verloren. Der Rest der nördlichen Kolonne — ein Bataillon mit fünf Batterien — widerstand Teilen der serbischen Kavalleriedivision und einem Regiment der ŠumD.I bis zum Nachmittag, dann mußte wegen beiderseitiger Überflügelungsgefahr der Rückzug in den Raum von Lipolist angetreten werden.

Der Feind verfolgte nur mit einem Kavallerieregiment, da seine Hauptkraft vom Angriff der Šabacer Gruppe des GdI. Hortstein abgelenkt wurde. Die auf den Höhen von Mišar zurückgelassenen serbischen Posten hatten in dem unübersichtlichen Gelände die Besetzung dieser Stellung vorzutäuschen vermocht. Unter solchem Eindrücke entschloß sich GdI. Hortstein, die 7. ID. am Südrande von Šabac solange zurückzuhalten, bis die zur westlichen Umfassung angesetzte 29. ID. die feindliche Flanke anfiel. Vom nördlichen Saveufer sollten neun Batterien den Angriff unterstützen.

Die ŠumD.I hatte indessen auf die Meldung vom Anmarsch einer starken Kolonne gegen die linke Flanke um 8h früh den Vormarsch gegen Šabac eingestellt, nur ein Infanterieregiment und zwei Batterien nördlich Zablace belassen, die Masse aber in den Raum südlich von Varna zurückbefohlen, um sie dem neuen Gegner entgegenzustellen. So wurde der sich zu Mittag aussprechende Angriff des IX. Korps ein Luftstoß. Die Misar-Hönen wurden von der 7. ID. kampflos erstiegen, die 58. IBrig. erreichte von Westen her gleichfalls unangefochten Jevremovac, die rechte Kolonne der 29. ID. aber geriet nach dem Durchschreiten von Dobrić in überraschendes Flankenfeuer von fünf serbischen Kompagnien und sah sich auch vom Gros der Kavalleriedivision angefallen. Voll Angriffsdrang warfen sich die Truppen der 57. IBrig. dem Feind entgegen. Die jede Sicht vereitelnde Bodenbedeckung und die vielen Hecken verhinderten eine planmäßige Gefechtsleitung und führten sicherlich auch zur gegenseitigen Beschießung eigener Truppen. Die bald sehr großen Verluste ließen den gegenüberstehenden Feind überschätzen. Im Glauben, einen größeren Verband aller Waffen auf sich gezogen und damit den Zweck der Demonstration erreicht zu haben, erteilte der Divisionär FML. Graf Zedtwitz der 57. IBrig. gegen 5h nachm. den Befehl zum Rückzug nach Šabac, wobei die Erwägung mitspielte, daß die Abfahrt nahe bevorstand. Die zur Unterstützung bis an die Tiefenlinie von Varna vorgeprellte 58. IBrig. ging nachts zum Anschluß an die

7. ID. gegen Jevremovac zurück. Die 62. IBrig. war als Besetzung in Šabac verblieben.

Der Vorstoß aus Šabac blieb zwar ohne tiefgehenden Einfluß auf den Gang der großen Schlacht, wohl aber hatte er die nördliche Kolonne der 21. SchD. vor Vernichtung bewahrt.

Die k.u.k. 9. ID. vermochte weder den Erfolg gegen die KombD. auszunützen, die nach außerordentlich schweren Verlusten etwa 4 km weit zurückgewichen war, noch der serbischen 3. Armee bei Jarebice in die Nordflanke zu fallen, weil sie sich alsbald dem frontalen und südlich umfassenden Angriff der mittlerweile auf das Gefechtsfeld gelangten MorD.I ausgesetzt sah. Nach erbittertem Ringen, zumal am Südflügel, kam der Kampf bis abends zum Stehen.

Die 36. ID. des XIII. Korps konnte mit ihren Stirnangriffen gegen die von den beiden Drinadivisionen verteidigten Stellungen bei Jarebice nicht durchdringen. Erfolgreicher war der Kampf am Südflügel bei Krupanj. Im Verein mit der 13. IBrig. warf FML. Sarkotić die sich dort entgegenstellenden und tapfer bis zum Bajonettkampf ausharrenden Serben gegen Zavlaka zurück. Die 11. GbBrig. war nach sehr beschwerlichem, aber unbehelligtem Marsch über den Boranja-Rücken erst auf der Jagodnja westlich Krupanj eingetroffen. GM. Istvanovic säuberte die Gegend von Ljubovija von serbischem Grenzschutz und sicherte die dort eingetroffene 12. GbBrig. gegen Pecka.

Während hier eine erfolgversprechende Lage geschaffen wurde, machte sich auf der so wichtigen Cer planina die schwere Erschütterung der 21. SchD. unheilvoll geltend. Nach dem Rückzug der serbischen KombD. wurden auch die Schützen wegen nördlicher Flankenbedrohung auf die Ruinenhöhe zurückgenommen.Während GM. Panesch hier 20 Kompagnien verschiedener Regimenter sammelte, die mit 400 Schwerverwundeten belastet waren, begab sich FML. Przyborski, durch die aufregenden Kampfereignisse seelisch erschüttert, nach der Zersprengung der Vorhut zum 9. ID.- und zum VIII. Korpskmdo. Nach seiner düsteren Schilderung der Ereignisse meldete nachmittags auch GM. Panesch die Unmöglichkeit weiteren Verbleibens auf der Cer planina. Um wieder zu den seit dem 13. abgebliebenen Fahrküchen und zu Wasser zu kommen, werde er, „wenn nicht besondere Umstände eintreten, heute nach Petkovica (4 km südwestlich Lipolist) zurückmarschieren“. Das VIII. Korpskmdo. mußte mangels einer Telephonverbindung mit dem baldigen Antritt des Rückmarsches rechnen und verfügte um 5h nachm. die Sammlung der 21. SchD. bei Lipolist. Als nachts aber bekannt wurde, daß GM. Panesch noch auf der Ruinenhöhe stehe, wurde ihm der Befehl zugeschickt, dort zu bleiben. Gleichzeitig wurde seine Verstärkung und seine Versorgung durch die 9. ID. eingeleitet. Der Ordonnanzoffizier kam aber zu spät auf die Ruinenhöhe. GM. Panesch war um 4h früh auf Grund der ersten Weisung abgerückt. Die wichtige Höhe war feindlichem Zugriff preisgegeben.

Das 5. Armeekmdo. beabsichtigte in der Annahme, daß die so kräftigen Widerstand leistende serbische 3. Armee ihre Stellungen bei Jarebice dauernd zu halten gedächte, dem VIII.Korps und der 36.ID. für den 17. Retablierung zu gewähren, während FML. Sarkotić, dann die 11. GbBrig. und die 13.IBrig., von welchen beiden Brigaden aber Lagemeldungen fehlten, den Tag zu näherem Heranschieben gegen die feindliche Südflanke ausnützen sollten.

Die Bedrohung durch Sarkotić hatte indessen auf die Serben bereits einen bedeutenden Eindruck gemacht. Ihre Heeresleitung berief ein Kaderregiment und drei Batterien aus Kragujevac nach Valjevo, wo diese Gruppe mindestens erst in drei Tagen nach schwierigen Märschen durch wenig wegsames Gelände eintreffen konnte. Als dann der erbeutete, schon überholte Befehl des 5. Armeekmdos. zur Formierung der k.u.k. 48. ID. die Serben einen Vorstoß gegen Pecka erwarten ließ, wurde um 5h3° nachm. die sofortige beschleunigte Vorrückung der MorD.II von Ub über Valjevo verfügt. An ihre Stelle sollte bei Ub die TimD.I gelangen1). Gen. Jurišic-Sturm faßte aber den Entschluß, seine 3. Armee aus ihrer in beiden Flanken, von Süden her auch schon im Rücken bedrohten Stellung bei Jarebice zurückzunehmen. Während der Nacht trat sie den Rückzug an, um sich mit der DrinD.II auf den der Verteidigung günstigen Höhen beiderseits Zavlaka und mit der DrinD.I östlich Be-lacrkva festzusetzen.

Auch die Armeegruppe Užice war, um den Montenegrinern mittelbare Unterstützung zu bringen, am 16. nach tagelanger Vorbereitung zum Angriff gegen Višegrad geschritten2). Das trug dem XV. Korps einen Abwehrerfolg ein. Bei Staribrod wurde ein aufs Ostufer vorgeschobenes Bataillon von einem serbischen Regiment wohl verlustvoll geworfen, die rechtzeitig eintreffende 10. GbBrig. trieb den Feind aber wieder zurück und setzte sich auf dem Ostufer fest. Im kleinen Brückenkopf östlich von Višegrad wiesen die 7. und die 9. GbBrig. den konzentrischen Angriff zweier serbischer Regimenter kräftig ab. Das Lim-Detachement fühlte sich wegen des Rückzuges der Montenegriner in der Westflanke bedroht und beschränkte sich auf den vergeblichen Versuch,

*) Serb. Gstb. W., I, 135.

2) Ebenda, I, 102.

die Eisenbahnbrücke bei Megjegja durch Artilleriefeuer von den Höhen südöstlich der Lim-Mündung zu zerstören.

FZM. Potiorek begrüßte diese Ereignisse als Vorboten der erwünschten serbischen Offensive gegen Višegrad, ,,weil der Feind in schwierigstem Gelände erst nicht lange aufgesucht werden müsse“, und damit wenigstens bei der 6. Armee der heißbegehrte erste Erfolg scheinbar näher zu rücken schien. Die 40. HID. wurde gegen Višegrad in Marsch gesetzt, da bei der günstigen Lage des XVI. Korps (S. 119) eine Verstärkung des Südflügels nicht in Betracht kam. Dagegen verleitete die Sorge, die Serben könnten sich zwischen die 5. und 6. Armee einschieben, das BOK., den FML. Eisler mit der 12. GbBrig. vom Südflügel der 5. Armee wieder abzuberufen und zum Marsch die Drina aufwärts gegen Rogačica anzuweisen.

Bös klangen die Meldungen über den Unfall der 21. SchD. und die Ereignisse bei Šabac. An das AOK. ging abends die dringende Bitte Potioreks ab, die 2. Armee zur Unterstützung des bedrängten Nordflügels der 5. Armee anzu weisen. Dies sollte sich störend aus wirken. Denn inzwischen hatte GdK. Böhm-Ermolli, auch vom 5. Armeekmdo. um Hilfeleistung bestürmt, auf die Bitte des GdI. Hortstein um Verstärkung durch „mindestens eine Division“ das im Raum um Šimanovci auf die Einladung harrende IV. Korps nach Mitternacht alarmiert und gegen Šabac in Marsch gesetzt. Nur vier Bataillone verblieben im Savesicherungsdienst. Es konnte jedoch nicht zum Einsatz des IV. Korps aufmuntern, als nachts als Antwort auf die Bitte Potioreks in Peterwardein vom AOK. die Weisung einlief, zur Verschleierung des Abziehens der 2. Armee und zur Bindung des Feindes, „soweit dies bei unbedingter Einhaltung des befohlenen Abtransportes möglich“, fortgesetzt kräftigst zu demonstrieren. Angesichts dieser neuerlichen Mahnung, die Einladefrist nicht zu versäumen, wies GdK. Böhm-Ermolli am 17. um 4h früh den GdI. Hortstein an, Šabac unbedingt zu behaupten, indes GdK. v. Tersztyánszky das'IV. Korps nordöstlich von Klenak zu versammeln und über die Notwendigkeit seines Eingreifens vorerst Bericht zu erstatten hatte. Das 5. Armeekmdo. erklärte auf Befragen Böhm-Ermollis einen Vorstoß über Varna gegen Tekeriš als dringend erwünscht. Nichtsdestoweniger behielt sich das 2. Armeekmdo. in seiner um 8h30 früh ausgegebenen Disposition für den 17. und 18. August jedwede Offensivverwendung des IV. Korps ausdrücklich vor.

Die Entwicklung der Lage am 17. August bei Šabac sollte aber dem Zögern des 2.Armeekmdos. ein Ende bereiten. Die ŠumD.I griff nachmittags das an den nur flüchtig befestigten Stadtrand zurückgegangene IX. Korps scharf an. Die Kriegsbrücke wurde zerschossen und im zahlreichen Troß brach während des Bombardements eine arge Panik aus. Da der Kampf eine ungünstige Entwicklung zu nehmen schien, gab GdK. Böhm-Ermolli nach 2h nachm. dem GdK. Tersztyánszky den Befehl., ohne weitere Rücksicht auf die Abgangszeiten mit dem IV. Korps in den Kampf bei Sabac einzugreifen. Die dort schon fechtenden k.u.k. Truppen bereiteten indes der ŠumD.I eine schwere Niederlage, wobei schon vorausgefahrene Batterien des IV.Korps mitwirken konnten. Abends ging der Feind auf die Höhen südlich der Stadt zurück.

Am Nordflügel der k.u.k. 5. Armee ritten Teile der serbischen Kavalleriedivision in den Sammelraum der 21. SchD. hinein. In kleineren Gefechten wurden die feindlichen Reiter wohl wieder verjagt, die 21. SchD. blieb aber im Zustand regelloser Zersplitterung und großer Erschöpfung zurück.

Die 9. ID. stand seit frühem Morgen im Kampf gegen die namentlich den Südflügel bedrängende MorD.I. Die arg mitgenommene serbische KombD. vermochte zwar erst am späten Nachmittag gegen die Gefechtslinie vorzurücken, hatte jedoch schon vormittags ein bisher abgebliebenes Bataillon zur Besetzung der Ruinenhöhen beiderseits A 706 abgesandt1). Zwei Kompagnien der 9. ID., die auf die Nachricht vom Abmarsch des GM. Panesch hinauf befohlen wurden, kamen zu spät und mußten sich damit begnügen, durch Besetzung der westlichen Ruinenhöhe und des Hanges die linke Flanke der 9.ID. notdürftig zu sichern. Fortan blieb dies die Achillesferse der Stellung. In dem Maße, als sich die serbische KombD. an ihre Vortruppen an der Cer planina heranschob, mußte der Flankenschutz stärker bedacht werden; trotzdem konnte dieser nicht verhindern, daß alle Gefechtshandlungen des linken Flügels und der Mitte der 9. ID. unter Flankenfeuer von der Höhe litten. So kam schon vormittags ein Gegenstoß, den das größtenteils tschechische IR. 102 — wie das serbische Generalstabswerk besonders hervorhebt — ,,mit großem Elan“ gegen die MorD.I führte, im Flankenfeuer zum Stocken. Dagegen warf nachmittags der Südflügel der 9. ID., unterstützt von einem glänzend geführten Flanken- und Rückenangriff, den Oberst Budiner selbständig mit zwei Bataillonen des Warasdiner IR. 16 und drei Batterien unternahm, die MorD.I bis auf die Höhen südöstlich von Tekeriš zurück2).

1) Serb. Gstb. W., I, 144. Vgl. auch Pavlovic, Die Schlacht am Jadar (serbisch), Belgrad 1924.

2; Serb. Gstb. W., 1,147.

Beim XIII. Korps sah GdI. Rhemen auf Vorstellung des Führers der 36. ID., daß die Truppen dringendst der bewilligten Rast bedürften, von einem Nachstoßen im Jadartal hinter der serbischen 3. Armee ab. Die

11. GbBrig. erreichte die Höhen nördlich Krupanj. Die 42. HID. vertrieb serbische Vortruppen, schob sich aber auch nur auf Respektdistanz an die DrinD.I heran, da sie gezwungen war, ihre Verbände und den Nachschub zu ordnen. Dagegen griff die gegen Stave angesetzte 13. IBrig. den serbischen Südflügel umfassend an. Die mit erbitterter Wut kämpfenden Kroaten drangen in die serbischen Gräben ein, mußten sie aber wieder infolge herbeigeeilter Verstärkungen des Feindes preisgeben. Ein zweiter Angriff nahm den gleichen Verlauf; denn die Ruhe an den anderen Frontabschnitten ermöglichte der serbischen 3. Armee den Einsatz ihrer Reserven am Südflügel zur Abwehr des gefährlichen Angriffes.

Am äußersten rechten Flügel der 5. Armee kehrte FML. Eisler mit der 12. GbBrig. aus dem Raume nordöstlich von Ljubovija nach Einlangen des vom FZM. Potiorek direkt zugesandten Befehls wieder gegen Rogačica um. Allein gelassen, konnte die schwache Gruppe GM. Istvano-vic den serbischen Grenzschutz nicht über seine starken Verteidigungsstellungen südwestlich von Pecka zurückdrücken. Vergeblich erbat GdI. Frank den Widerruf des Befehles an die 12. GbBrig. Die Lage am Südflügel der 5. Armee hatte sich damit wesentlich verschlechtert.

Die serbische Heeresleitung wähnte, die von der geradezu legendär gewordenen öst.-ung. 48. ID. drohende Gefahr durch das Anrücken der MorD.II fürs erste gebannt zu haben. Sie zog die TimD.I nach Draginje in der Absicht, durch sie den Nordflügel der 2. Armee, bei dem zweifellos die Entscheidung lag, zu verstärken oder in der Flanke zu schützen. Statt der TimD.I gelangte die TimD.II nach Ub.

Das k.u.k. AOK. erhielt am 17. August während der Fahrt nach Przemyśl die Meldung des GdK. Böhm-Ermolli, daß er das IV. Korps zur Unterstützung der bei Šabac fechtenden k.u.k. Truppen aufgeboten habe. Noch wäre es der Heeresleitung möglich gewesen, diese Weisung zu widerrufen; aber Nachrichten über eine heftige Beschießung von Šabac durch die Serben bewogen den Chef des Generalstabes ,,schweren Herzens“, in den Einsatz des IV. Korps einzuwilligen *).

Damit war den Wünschen des FZM. Potiorek wenigstens teilweise entsprochen. Auf seine Aufforderung, auch bei Kupinovo mit starken Teilen überzugehen, vermochte GdK. Böhm-Ermolli aus Mangel an Kräften freilich nicht einzugehen, bei Šabac aber konnte GdK. Tersztyánszky i) Conrad, IV, 413.

für den 18. August eine Kraftgruppe von 35 Bataillonen und 26 Batterien zum Entlastungsstoß zugunsten der 5. Armee bereitstellen, zu denen noch zehneinhalb Landsturm- und Marschbataillone des GM. Letovsky als Besatzung von Šabac traten. Allerdings mußten die „frischen“ Truppen des IV.Korps nahezu 36 Stunden marschieren, bis sie am 18. August früh den Kampf aufnehmen konnten.

In GdI. Frank erweckte der in Aussicht stehende Entlastungsstoß die Hoffnung, seine Armee werde am 18. ihren Angriff den Jadar aufwärts fortsetzen können. Da der Angriffsbefehl aber mitteilte, es sei „noch unbekannt, ob auf eine Mitwirkung der Gruppe Hortstein zu rechnen sein werde“, meldete GdK. Freih. v. Giesl, daß das VIII. Korps zur Fortführung des Angriffes unfähig sei, da auf die 21. SchD. vorläufig überhaupt nicht zu rechnen war, und die aus drei Richtungen bedrohte 9. ID. sich ohnehin nur mühsam behaupten konnte. Wenn auch nicht ohne Sorge um die Verbindung zwischen den beiden Korps, ordnete das

5. Armeekmdo. nunmehr an, daß nur das XIII. Korps anzugreifen habe. Ging der Armeeführer hiebei wohl von dem Gedanken aus, damit der

9. ID. Erleichterung zu schaffen, so steht doch zur Erwägung, ob durch diesen Angriffsbefehl an GdI. Rhemen nicht die letzte Gelegenheit, in einer vorteilhaften Verteidigungsstellung mindestens die Herstellung eines verläßlichen Einklangs mit dem IV.Korps abzuwarten, unbenützt geblieben ist.

Die Ereignisse bei der 5. Armee traten nun um so mehr in den Vordergrund, als die serbische Armeegruppe Užice ihren Angriff gegen das XV. Korps am 17. wieder eingestellt hatte. Die 10. GbBrig. warf im Gegenstoß den Feind gegen die Grenzhöhen östlich Staribrod zurück, sonst brachte der Tag bei Višegrad nur Kanonaden. Das Lim-Detachement verschanzte sich wegen Bedrohung durch das XVI. Korps (S. 120) auf den Höhen nordöstlich Rudo. Da von der 40. HID. nur eine Brigade westlich Višegrad, der Rest sehr ermüdet erst bei Rogatica eingetroffen war, erbat GdI. Appel den Aufschub des für den 18. vorgesehenen Angriffs des XV. Korps auf den 20., um nach planmäßiger Bereitstellung mit ausgeruhten Truppen links umfassend angreifen zu können. FZM. Potiorek stimmte zu, da ja das XVI. Korps nicht vor dem 19. am Lim eintreffen konnte.

Die Kämpfe am 18. August sind nach drei Brennpunkten zu betrachten: Zavlaka, Tekeriš und Šabac.

Beim XIII. Korps fiel die 13. IBrig., GM. Stracker, den serbischen Südflügel bei Morgengrauen nochmals an. Ein überlegener Flankenangriff und die Rückenbedrohung durch die im Raum nordöstlich von Pecka

eintreffende MorD.II zwangen sie aber am Vormittag zum Rückzug auf die Höhen südöstlich von Krupanj. Wegen der nunmehr offenen Südflanke sollte die 42. HID. ihren schon sorgfältig vorbereiteten Angriff erst im Einklang mit dem Nordflügel des Korps führen. Die nach Schilderung des serbischen Generalstabswerkes „trotz überlegenem Artilleriefeuer in flottem Schwung“ *) angreifende 11. GbBrig. und der Südflügel der 36. ID. kamen aber durch die infolge näherer Stellungen überlegene serbische Artillerie bei Zavlaka zum Stehen. Nördlich des Dorfes zertrümmerte der starke linke Flügel der 36. ID. abends wohl den Nordflügel der DrinD.II; dann aber mußten auf Befehl des Armeekmdos. zur Abwehr möglicher Flankenbedrohung starke Reserven bereitgestellt werden, denn zum VIII. Korps klaffte eine Lücke von 10 km!

Nördlich von Tekeriš hatten bis Mittag etwa eineinhalb Bataillone der 9. ID. die Höhe A 706 erstiegen, während die dorthin befohlenen zwei Regimenter der serbischen KombD. 3 km südöstlich davon erschöpft liegen geblieben waren, aber Vorstöße von A 706 abwehrten. Nachmittags wurde die unter konzentrischem Artilleriefeuer stehende 9. ID. von der verstärkten KombD. und der MorD.I in die Zange genommen. Während drei Regimenter die Front festhielten, suchten je drei Regimenter über die Cer-Hänge und südlich über Badanja zu umfassen. Der Erschöpfung der Nordgruppe, überaus vorsichtigem Vorgehen der von Jarebice her wieder Gefahren witternden Südgruppe und einem gegen Abend niedergehenden Unwetter dankte es der Verteidiger, daß er sich noch zur Not behaupten konnte. Am 19. vor Tagesgrauen sollte jedoch die weit vorspringende Mitte in die Sehne des umfaßten Frontbogens zurückgehen. FML. Scheuchenstuel hoffte, daß ihn dann das IV. Korps und das XIII. Korps aus seiner drückenden Lage befreien würden. Auch winkte eine Entlastung des Nordflügels durch die wieder vorgehende 21. SchD., die am 18. im Raum Prnjavor einige Ruhe genoß, da die serbische Kavalleriedivision wegen der Kämpfe südlich Šabac von ihr abgelassen hatte.

Selbstverständlich war der Blick des Führers der 5. Armee sehnsüchtig nach der Save hin gerichtet, von wo GdK. Tersztyánszky Hilfe bringen sollte. Sein schon für 5h früh geplanter Ausfall erfuhr indes infolge Verspätung des nächtlichen Uferwechsels und wegen einer Beschädigung der Brücke durch feindliches Artilleriefeuer in der Früh eine unwillkommene Verzögerung. Erst etwas vor 8h konnte der Angriff aus Šabac heraus losbrechen. Von den auf dem Nordufer aufgefahrenen Batterien gut unterstützt, durchbrach in der Mitte Erzherzog Joseph mit

i) Serb. Gstb. W., I, 174.

I 2. Aufl.    9

der erst siebeneinhalb Bataillone zählenden 31. ID. die ŠumD.I. Deren Führer befahl um 9h vorm. den Rückzug über die Tiefenlinie Ml. Vranjska— Varna. Die serbische Kavalleriedivision übernahm den westlichen Flankenschutz. Die große Ermüdung des IV. Korps verhinderte sofortigen Nachstoß, zumal die 32. ID., an Infanterie zunächst nur etwa ein Regiment stark, die Misar-Höhen erst gegen Mittag endgültig erreichte. Unter dem Eindruck des nicht allzu schwer erkämpften Erfolges meldete GdK. Tersztyanszky seinem Armeekmdo. den „vollen Rückzug des Feindes“ und die Absicht, den Angriff gegen vermeintliche Nachhuten bis an den Dobravabach vorzutragen. Erfreut über solch günstige Botschaft, ordnete nun auch GdI. Frank für den 19. an, daß sich seine Korps vom linken Flügel an der Vorrückung Tersztyánszkys anzuschließen hätten. Durch den zweimaligen Nachtmarsch erschöpft, blieb aber das IV. Korps am Nachmittag nach nur mäßigem Raumgewinn todmüde liegen. Noch ohne Kenntnis hievon, mahnte das 2. Armeekmdo., die Truppen für neue Kämpfe leistungsfähig zu erhalten; denn Flieger hatten beiDraginje frische serbische Kräfte — die TimD.I — gesichtet. GdK. Tersztyanszky beschied sich nun, hauptsächlich wohl wegen der Ermüdung des IV. Korps, mit dem Erreichen der Linie Mišar (32. ID.) — Ml. Vranjska (31. ID.)—nördlich Varna (29. ID.) — Dobrić (Korpsreserve). Der Riegel, den die ŠumD.I der Gruppe GdK. Tersztyanszky vorgeschoben hatte, war völlig unversehrt.

Die Meldung über den „vollen Rückzug des Feindes“ vor dem IV. Korps eröffnete für FZM. Potiorek neue Möglichkeiten. Bei seiner

6. Armee war es am 18. zu keinen größeren Kampfhandlungen gekommen. Das XV. Korps schob die 79. HIBrig. an den Nordflügel zur

10. GbBrig., das Gros der 40. HID. nach Višegrad. Die Anschluß suchende

12. GbBrig. hatte nordwestlich Rogačica den Nordflügel der Užice-Brigade zurückgeworfen. Beim XVI. Korps erreichten sechs Gebirgsbrigaden den Raum südwestlich Rudo, die 8. GbBrig. näherte sich Plevlje und wurde am nächsten Tag in dem Ort, in dem bis 1908 öst.-ung. Truppen in Garnison gelegen waren, von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt.

Das Hauptquartier in Przemyśl verfolgte das Zögern der 6. Armee angesichts der Bedrängnis der 5. Armee mit wachsender Ungeduld. FZM. Potiorek ließ sich aber durch die Mahnungen des AOK. nicht bestimmen, die 6. Armee vor vollzogener Versammlung zum Angriff zu befehlen. Nach am 19. vormittags „für den 20. und 21.“ ausgegebenen Direktiven sollte GdK. Tersztyanszky sich dem gegen Valjevo fortzuführenden Angriff der 5. Armee in der Richtung gegen Ub anschließen. Die 2. Armee wurde um eindrucksvolle Demonstrationen bei Semlin und

Pancsova gebeten. Von der 6. Armee hatte am 20. das XV. Korps bei Višegrad über die Drina, das XVI. bei Rudo nordostwärts über den Lim zu gehen, so daß die Armee am 21. an der Grenze zum Vorstoß gegen Užice bereit sein würde. Gelang es, die südlich Šabac eingesetzten drei Divisionen der 2. Armee über den 22. August noch einige Tage mitzureißen, so konnte vielleicht auf die für jene Frist in Aussicht genommene, nach dem Abgehen der 2. Armee auch vom FZM. Potiorek als notwendig angesehene Umgruppierung verzichtet und auf eine tiefer greifende, Bulgarien endlich auf den Plan rufende Entscheidung gerechnet werden.

Während der Feldzeugmeister seine Hoffnungen auf das Wirken der beiden Heeresflügel setzte, erblickte die feindliche Heeresleitung nach wie vor in dem von der k.u.k. 9. ID. mühsam behaupteten Raum von Tekeriš den Schlüsselpunkt der Schlachthandlung. Da das Ausbleiben einer kräftigen Verfolgung der ŠumD.I die serbische Heeresleitung die Stärke der aus Šabac ausgefallenen Kräfte unterschätzen ließ, erschien es ihr als Hauptsache, daß ihre 2. Armee endlich das Übergewicht errang. Dazu wurde dieser am 18. auch die TimD.I zugewiesen. Die vermeintliche Bedrohung des Südflügels durch die noch immer erwartete k.u.k. 48. ID. hielt Putnik durch die nordöstlich von Pecka noch zurückgehaltene MorD.II beschworen und die bei Višegrad und Rudo gemeldete öst.-ung. Kräftegruppe durch die Armeegruppe Užice für ausreichend abgeriegelt.

Der Kommandant der serbischen 2. Armee wies die TimD.I mit einem Nachtmarsch an die Straße nördlich Rumska, um allenfalls auch den von Šabac her drohenden Gefahren begegnen zu können. Deshalb fiel die KombD. am 19. August den Nordflügel der k.u.k. 9. ID. schon vor Morgengrauen an. Nach wechselvollem Kampf mußte die Ruinenhöhe westlich A706 nach 5h früh den Serben endgültig überlassen werden. Trotz Artillerierückenfeuer vom Cer-Rücken her klammerte sich die 9. ID. aber auch weiterhin zäh an den blutgedüngten Boden.

Die Hoffnung auf rechtzeitige Entlastung durch das IV. Korps mußte jedoch bei der 5. Armee verblassen, als der von GdK. Tersztyánszky für den 19. ausgegebene Angriffsbefehl zeigte, daß seine Gruppe die am Vortag verkündeten Ziele noch keineswegs erreicht hatte. Nun sollte Tersztyánszky direkt in der Richtung Tekeriš eingreifen.

Das IV. Korps stieß am 19. vormittags auf die gut verschanzte ŠumD.I. Die 31. ID. stürmte zuerst mit Elan, schien aber dann so sehr ins Wanken zu kommen, daß ihr Führer, FML. Erzherzog Joseph, gegen

llhden Rückzug    beschloß. Die Mitteilung hierüber    verleitete    die 32.    ID.,

die schon unter    dem Eindruck eines kleinen Rückschlages    stand,    aus

Besorgnis, in der dichten Bodenbedeckung abgedrängt zu werden, zum Weichen. In Wirklichkeit war die Division des Erzherzogs, ohne daß sie es recht erkannt hatte, in die Hauptstellung der ŠumD.I eingebrochen. Deren Führer, Gen. Hadzić, mußte, aller Reserven entblößt, angesichts der gleichzeitig im Westen wirksam werdenden Überflügelung durch die k.u.k. 29. ID. knapp vor Mittag trotz des bestimmten Befehles, sich „unbedingt und auch mit größten Opfern1)“ zu halten, den Rückzug hinter den Dobravabach anbefehlen. Auch die serbische KD. mußte, bedroht durch die 29. ID. von Norden, durch die Vortruppen der 21. SchD. von Westen her, auf    die Höhen nördlich von Rumska    zurückgehen, wo sie

durch Infanterie    der TimD.I gestützt wurde.

Inzwischen hatte GdK. Tersztyanszky, um dem IV. Korps vorwärts zu helfen, die 29. ID. scharf ostwärts gegen die Straße südlich von Varna einschwenken lassen, die um 2h nachm. überschritten werden konnte. Hiebei gelangte die Division kampflos vor die Front der 31., die nachmittags die aufgenommene Verfolgung bald wieder eingestellt hatte, da sie besorgte, in das Flankenfeuer der 29. ID. zu geraten. Da es dringend geboten war, die Schlachtordnung zu entwirren, verschob der Korpsführer die Fortsetzung des Angriffes auf den nächsten Morgen.

Kam hier die dichte Bodenbedeckung vor allem den Serben zustatten, so sollte am gleichen Tage eine Wegstunde südwestlich die sich wieder aufraffende 21. SchD. daraus Nutzen ziehen, indem die serbische Kavalleriedivision die vom FML. Przyborski nachmittags bei Desić gesammelte Nordgruppe erheblich überschätzen ließ und dadurch zur Vorsicht mahnte. Während die Gruppe Przyborskis ihre Geschütze auch gegen die Ruinenhöhe spielen ließ, war GM. Panesch mit viereinhalb Bataillonen zur unmittelbaren Unterstützung der 9. ID. wieder den CerRücken hinaufgeklommen. Einem am Vorabend vorausgesandten Egerländer Halbbataillon gelang es schon vor Mittag, dem Feinde auf den Höhen Halt zu gebieten. Dafür brach am Südflügel der 9. ID. das Verhängnis herein. Nach beispiellosem Widerstand wurde er von der MorD.I geworfen. Nun blieb der ganzen Division nur mehr der Rückzug. Der Troß war glücklicherweise schon früher abgeschoben worden. Unter heldenmütiger Aufopferung mehrerer Batterien löste sich die ausgeblutete Infanterie rasch vom Feinde ab. Der gleichfalls erschöpfte Nordflügel der serbischen KombD. wurde durch die Gruppe GM. Panesch

i) Serb. Gstb. W., I, 214.

bis zum Abend in Schach gehalten; auch fühlte sich der Feind durch FML. Przyborski bedroht, der in Unkenntnis des Rückzuges der 9. ID. vorne blieb in der Absicht, am 20. Anschluß an das IV. Korps zu suchen.

Das serbische 2. Armeekmdo. vermochte aus den müden Truppen nicht mehr die geforderte „rücksichtslose Verfolgung“ herauszupressen. Der Südflügel der KombD. mußte, da die Höhenkolonne abblieb, im Lješnicatal bremsen; ebenso kam die über die südlichen Begleithöhen nachfühlende MorD.I nur langsam vorwärts. Die TimD.I, die an den Südflügel der 2. Armee gewiesen war, um dort in die Kämpfe bei Zavlaka einzugreifen, strebte — zum Glück für das k.u.k. XIII. Korps — dem Nordflügel der 3. Armee zu und blieb, nachdem sie in 24 Stunden 50 km zurückgelegt hatte, östlich Badanja erschöpft liegen.

Mit dem Rückzug des k.u.k. VIII. Korps waren auch für das XIII. Korps die Würfel gefallen. An seinem Nordflügel hatte FML. Czibulka schon früh neun Batterien der 36. ID. gegen die MorD.I nordwärts gewendet, um so dem VIII. Korps nach Möglichkeit die vom Armeekmdo. geforderte Unterstützung zu bringen. Natürlich entbehrte die Division diese Batterien bei ihrem Angriff, der bei Zavlaka ins Stocken kam. Nicht einmal die Wegnahme des Ostteiles des Dorfes gelang, wodurch die geplante verdeckte Verschiebung der vorübergehend aus der Front gezogenen 11. GbBrig. unmöglich wurde. Als sich die Vortruppen der 21. SchD. auf dem Cer-Rücken fühlbar machten, und das 5. Armeekmdo. mittags mitteilte, daß sich die Lage bei der 9. ID. gebessert habe, war die 36. ID. froh, die Masse ihrer Batterien wieder zur Unterstützung des eigenen Angriffes verwenden zu können und den Flankenschutz gegen Badanja einem Bataillon und zwei Batterien überlassen zu dürfen. Das

XIII.Korpskmdo. erhielt indes schon um 2M5 nachm. die Aufforderung des Armeekmdos., zur Entlastung des VIII. Korps mit aller Kraft nordwärts anzugreifen. Die Zurüstung hatte kaum begonnen, als das Armeekmdo. mitteilte, das VIII. Korps werde, wenn es ohne Unterstützung bleibe, bis auf die Höhen von Lješnica weichen, in welchem Falle das XIII. auf die Höhen östlich von Loznica zu rücken habe. GdI. Rhemen ließ sich, da der Rückzug des VIII. Korps ja nur bedingt mitgeteilt wurde, in seinen Angriffsvorbereitungen noch immer nicht beirren — bis um 4h nachm. der bestimmte Befehl zum Rückzug auf die Höhen westlich von Jarebice— Krupanj eintraf. Die 36. ID. und die 11. GbBrig. gingen schon abends zurück. Nur nördlich von Zavlaka verzögerte sich das Loslösen durch einen örtlichen Gegenangriff der Serben bis Mitternacht. FML. Sarkotić, an dessen zurückgenommenen Südflügel sich nachmittags — noch immer

in der Besorgnis vor der ominösen 48. ID.— nur Vortruppen der MorD.II recht vorsichtig herangeschoben hatten, konnte infolge späten Befehlsempfanges mit der 13. IBrig. und der 42. HID. erst gegen 3h3° früh aufbrechen.

Inzwischen hatte der Feldzeugmeister, um die Behauptung der

5. Armee am Ostufer der Drina doch noch zu ermöglichen, verschiedene Maßnahmen eingeleitet. Die 12. GbBrig. sollte wieder nach Ljubovija zurückkehren, die 109. LstlBrig. über Vlasenica heranrücken, der Angriff über Šabac durch die in den nächsten Tagen bei Peterwardein eintreffende 8. MaBrig. und sonstige entbehrliche Truppen vorwärtsgetragen werden. Aber diese Verstärkungen waren nicht nur unzureichend, sie wären auch zu spät dazu gekommen, das Schlachtenglück an der unteren Drina zu wenden. Auf die dringende Vorstellung des GdK. Giesl, daß es nicht ratsam sei, das abgekämpfte und erschöpfte VIII. Korps östlich der Drina zu belassen, ordnete GdI. Frank noch am 19., so sehr Heeresleitung und BOK. ein Ausharren gewünscht hätten, den Rückzug hinter den Fluß an. Auch GdK. Tersztyanszky wurde vom 5. Armeekmdo. aufgefordert, serbischen Boden zu räumen. Das VIII. Korps eilte noch am Abend den Brücken bei Lješnica und Bijeljina zu.

Der Ausklang der österreichisch-ungarischen Augustoffensive

Der Rückzug der 5. Armee und Meinungsstreit wegen Šabac

(20. und 21. August)

Auch das AOK. in Przemyśl hatte, als ihm gegen Abend der Draht die ersten Nachrichten über den Rückzug des VIII. Korps überbrachte, für den Fall, als die 5. Armee hinter die Drina weichen müsse, die Räumung von Šabac befohlen. Zugleich wurde die 6. Armee angewiesen, nach Möglichkeit wohl noch einen eng begrenzten Gegenstoß zu führen, aber ja kein weiter ausgreifendes Unternehmen gegen einen überlegenen Feind zu wagen; denn die Balkanstreitkräfte hätten nunmehr zu ihrer ursprünglichen Aufgabe zurückzukehren, die ihnen vorschrieb, „feindliche Einbrüche auf unser Gebiet zu verwehren !)“. Allerdings ließ hiebei GdI. Conrad den nicht durch militärische, sondern durch politische Er

wägungen eingegebenen Wunsch mitklingen, den erlittenen Mißerfolg durch Behauptung serbischen Bodens etwas zu verschleiern.

Dieser Wunsch klang in der Seele des Feldzeugmeisters verständnisvoll wider. Noch einige Stunden vorher hatte Potiorek selbst gehofft, daß es gelingen werde, die 5. Armee noch östlich der Drina aufzuhalten. Demgemäß befahl der Oberbefehlshaber der Balkanstreitkräfte dem IV. Korps, seinen Entlastungsstoß bei Šabac des anderen Morgens fortzuführen. Die

6. Armee sollte sich beeilen, der serbischen Uzice-Gruppe durch einen kurzen Schlag die Tür zu weisen, dann aber über die Romanja planina heranrücken, um in engerem Anschluß die 5. Armee zu neuen Taten mitzureißen.

Aber schon um Mitternacht zum 20. zerstörte eine telephonische Meldung des Generalstabschefs der 5. Armee, GM. v. Csicserics, die Hoffnung des Feldzeugmeisters auf eine Behauptung des östlichen Drina-ufers; gleichzeitig meldete GM. Csicserics die Rückzugsweisung an das IV. Korps. Potiorek stimmte ohneweiters zu, daß GdK. Tersztyánszky seine nach dem Rückzug der 5. Armee gefährdeten Stellungen räume, jedoch mit der einen Abänderung, daß Šabac als Flankenposten gegenüber der 5. Armee und als Ausfallstor zu behaupten sei.

Das Telephongespräch des GM. Csicserics hatte dem FZM. Potiorek eröffnet, daß auch das 5. Armeekmdo. an GdK. Tersztyánszky Befehle gab. Um da die mögliche „Quelle von Konfusionen“ zu verschütten, wurde dem 5. Armeekmdo. verboten, diesem Brauch weiter zu huldigen und auch dem 2. Armeekmdo., das am 20. nach Norden abging, die unmittelbare Unterstellung Tersztyánszkys mitgeteilt. In dem Befehl an letzteres war diese Verfügung versehentlich nicht abtelegraphiert worden, so daß die beabsichtigte Klärung der Befehlsverhältnisse erst recht nicht zustande kam. Hauptsächlich wurde sie aber dadurch verzögert, daß das 5. Armeekmdo. am 20. zeitlich früh — über den Kopf des Feldzeugmeisters hinweg — zur Regelung der Befehlslage nach Abgehen des 2. Armeekmdos. den unmittelbaren Drahtverkehr mit dem AOK. aufgenommen hatte. Als hiebei der Referent des AOK. — noch ohne Kenntnis der Verfügungen Potioreks — telephonisch die Unterstellung der Gruppe Tersztyánszky unter das 5. Armeekmdo. als Selbstverständlichkeit erklärte und auch einen schriftlichen Befehl in bestimmte Aussicht stellte, wurde dem GdK. Tersztyánszky der Rückzug über die Save und die Absendung der Brigade Letovsky zur 5. Armee befohlen. Dem AOK. war inzwischen im Wege ungreifbarer telephonischer Mitteilungen der längst überholte Befehl des BOK. zur Fortsetzung der Offensive des

GdK. Tersztyánszky zugekommen, welcher Befehl auf Grund der Nachrichten von der 5. Armee Mißbilligung erregte. Telephonisch und schriftlich erging an FZM. Potiorek sowie an das 2. und das 5. Armeekmdo. die Weisung zur Einstellung des zwecklosen Vorstoßes der Gruppe Tersztvánszky; diese habe über die Save zurückzugehen und sich „voll und ganz“ der 5. Armee zu unterstellen. Nach Eintreffen des Antwort-telegrammes des FZM. Potiorek, dessen Fassung allerdings nicht zu entnehmen war, daß Sabac gehalten werden sollte, nahm der Chef des Generalstabes die vom BOK. bereits getroffene Befehlsregelung hin1). FZM. Potiorek verbot nachmittags dem 5. Armeekmdo. weiteren direkten Verkehr mit dem AOK., der zu all der Verwirrung geführt hatte.

Auf den GdK. Tersztyánszky prasselten also in rascher Folge mehrere, einander widersprechende Befehle nieder. Kaum hatte er in der Nacht zum 20. die Anordnungen für den Rückzug und die Räumung von Sabac getroffen, so lief der Befehl des BOK. zur Fortsetzung der Offensive ein. Der Rückmarsch wurde um 4h vorm. des 20. widerrufen, der Beginn der Vorrückung gegen den Feind für 7h vorm. befohlen. Eine halbe Stunde vor dem Aufbruch lief der Rückmarschbefehl Potioreks ein. Wurde die Vorrückung nun auch eiligst gestoppt, so war es dennoch unvermeidlich, daß Vortruppen in den Kampf traten. Bald darauf, um 7hir' vorm., meldete sich das 5. Armeekmdo. mit dem Auftrag, hinter die Save zurückzugehen, so daß — im Gegensatz zu den Anordnungen des BOK. — Sabac also zu räumen gewesen wäre. Da das von GdK. Tersztyánszky um Entscheidung angerufene 2. Armeekmdo. nun die direkte Unterstellung der Gruppe unter das BOK. mitteilte, wies das IV. Korpskmdo. die 31. und die 32. ID. zum Rückzug aufs Nordufer, die 29. ID. und die Brigade Letovsky zur Behauptung eines bei Sabac erst zu schaffenden Brückenkopfes an. Scheinmanöver der Serben, die westlich Belgrad einen bevorstehenden Saveübergang vortäuschten, veranlaßten GdK. Böhm-Ermolli, dem IV. Korps die Beschleunigung seines Rückzuges und die Verschiebung in den Raum 25 km östlich von Sabac nahezulegen. Gleichzeitig teilte er dem IV. Korpskmdo. mit, daß es im Sinne einer eben vom AOK. eingelangten Verständigung nun doch an die Befehle des 5. Armeekmdos. gewiesen sei, was aber wieder die Freigabe von Sabac bedingte. GdK. Tersztyánszky wies darauf das IV. Korps, um den auf ihn eindringenden Wünschen möglichst gerecht zu werden, in den Raum um Subotište, sandte, wie es GdI. Frank befohlen hatte, die Brigade Letovsky zur 5. Armee und beließ die 29. ID. südlich von Sabac trotz der Bedenken, die der Divisionär FML. Graf Zedtwitz angesichts der zum Schutz der Brücke weit vorgelcgten, ausgedehnten und noch nicht befestigten Verteidigungslinie und der Unübersichtlichkeit des Geländes vorbrachte. Das BOK., dem die äußerste Ungunst der Verteidigungsverhältnisse schon vormittags nicht verschwiegen worden war, sollte entscheiden, ob es bei der Behauptung des Brückenkopfes zu bleiben habe.

In der Besorgnis, die Serben könnten den gegen die 5. Armee geführten Gegenstoß auch über die Drina fortsetzen, hatte FZM. Potiorek am 19. um 9h vorm. das AOK. nochmals um Freigabe aller Teile der 2. Armee für eine schleunige Offensive, an der auch die 6. Armee teilnehmen sollte, bestürmt. Kurz darauf langte aber erst die Ablehnung der Heeresleitung auf die am Vortag gestellte Bitte gleichen Sinnes ein. Diese Ablehnung war schon dadurch sichtbar gegeben, daß die 10. KD. und die 23. HID. seit zwei Tagen nach Galizien abrollten.

Vernichtete schon dieser Bescheid die Hoffnung auf einen baldigen Gegenschlag, und mußte man froh sein, wenn die notwendige Vereinigung der 6. und 5. Armee zu gemeinsamem Kampfe endlich gelang, so mußte die Antwort auf den früh an das AOK. gerichteten Hilferuf den Feldzeugmeister noch tiefer treffen, denn sie enthielt die Eröffnung, daß auch das IV. Korps und die 29. ID. bei der überragenden Bedeutung der im Norden angestrebten Entscheidung nur vorübergehend im Süden verbleiben könnten1). Diese sehr unwillkommene Eröffnung hätte für das Aufgeben von Šabac gesprochen. Um sich aber die Möglichkeit offen zu halten, den Feind, falls er der 5. Armee scharf nachdrängte oder südlich an ihr vorbei gegen Sarajevo vorstieß, von der Save her in der Flanke anzufallen, entschied FZM. Potiorek, der Besitz von Šabac sei wichtig und das IV. Korps bei Klenak bereitzuhalten.

Da die Loslösung vom Feind leicht erfolgt war und die Serben auch der 5. Armee nicht hart auf den Fersen geblieben waren, rechnete GdK. Tersztyanszky aber so wenig mit einem neuerlichen Einsatz des IV. Korps über die Save, daß er den Befehl zum Marsch gegen Subotište nicht abänderte. Er hielt sich hiebei an den nochmals geäußerten Wunsch des nach Norden abreisenden GdK. Böhm-Ermolli, die Gruppe möglichst bald für den Abtransport freizumachen.

Die abgekämpfte ŠumD.I hatte die Morgenkämpfe als scharfe Rekognoszierungen aufgefaßt und nachmittags die vom abziehenden IV. Korps hoch aufgewirbelten Staubwolken dem Anmarsch feindlicher Verstärkungen zugeschrieben. Daher wurde zugewartet. Nachts traf die von Ub herangeholte TimD.II nach einem Gewaltmarsch von 60 km westlich der ŠumD.I ein, allerdings erst mit halber Streiterzahl, weil gerade die Umbewaffnung mit russischen Gewehren im Gang war. Die falsche Auslegung der Staubwolken veranlaßte den Woiwoden Putnik nachmittags, die bis Jarebice gelangte TimD.I von der 2. Armee an die Straße östlich Tekeriš abzuziehen.

Ein Regiment dieser Division hatte sich am 20. mit der nun auch der 2. Armee unterstellten Kavalleriedivision gegen den unbenachrich-tigten Nordflügel der 5. Armee, die Gruppe FML. Przyborski, gewendet. Ihre drei Bataillone und fünf Batterien erwehrten sich bis Mittag der von drei Seiten einstürmenden Bedränger so wacker, daß sie vom Feind für eine volle Division gehalten wurden36). Nach Bekanntwerden des Rückzuges der 5. Armee führte FML. Przyborski die isolierte Gruppe, von den erschöpften serbischen Reitern nur auf Respektdistanz bis an die Bahn verfolgt, bis Mitternacht in guter Ordnung über die Brücke bei Bijeljina auf bosnischen Boden.

Den Rückzug des Gros der 5. Armee vermochten die Serben am 20. nicht zu stören. Die 9. ID. hielt sich die KombD. durch ein leichtes Nachhutgefecht auf den Höhen östlich von Lješnica gut vom Leibe und wechselte, nur von Artillerieweitfeuer bedacht, westlich des Ortes bis 6h nachm. das Ufer. Beim XIII. Korps deckte die Nordgruppe auf den Höhen östlich von Lješnica von Mittag an das Herankommen des Südflügels. Durch den abfließenden Train, nicht aber auch vom Feind behindert, traf die 42. HID. erst spät abends östlich von Loznica ein, während die 13. IBrig. zum Schutz der Südflanke auf den Gucevo-Rücken aufgestiegen war.

Trotz allen Drängens des SOK. waren die Serben auch dem XIII.Korps nur langsam gefolgt. Die über den Höhenkamm südlich des Lješnica-baches angesetzte MorD.I war auf Weisung des serbischen 2. Armeekmdos., aber zum Mißvergnügen Putniks, südwärts in das Jadartal abgestiegen und gelangte so vor die gute Verteidigungsstellung der 36. ID., gegen deren offene Nordflanke sie früher gezielt hatte. Die müde TimD.I konnte erst abends von Jarebice den Rückmarsch antreten. Die spät auf gebrochene 3. Armee hatte die Fühlung mit dem Gegner verloren. Die DrinD.II und I kamen nur bis auf die Höhen östlich Jarebice, die MorD.II bis Krupanj vorwärts.

Der nach Ablösung durch die 42. HID. um Mitternacht fortgesetzte Rückzug der 36. ID. und der 11. GbBrig. erfuhr am 21. früh bald böse Stockungen, weil die durch den abermaligen Nachtmarsch ermüdeten Truppen sofort hinter der Übergangsstelle zu Boden sanken. Es war fast Mittag, ehe die beiden Heereskörper vollständig auf bosnischem Boden angelangt waren. Unterdessen stand die 42. HID. seit 9h vorm. mit der MorD.I im Kampfe. Die schon westlich der Drina aufgefahrene Artillerie konnte den braven „Domobranzen“ nicht viel helfen. Nichtsdestoweniger verteidigten diese, obwohl die Brücke schon frei war, in soldatischer Kameradschaft auch nachmittags „jede Fußbreite des Bodens mit größter Zähigkeit“, um sie auch der 13. IBrig., von der Nachrichten fehlten, offen zu halten. Erst als bekannt wurde, daß diese Brigade durch eine aufgefundene Furt bei Kozluk schon aufs Westufer gegangen war, trat auch FML. Sarkotić, gedeckt durch einen Feuervorhang der Batterien des XIII. Korps, den Rückzug an, nach dessen Vollendung um 7h abends die Brücke abgebrochen wurde.

Die Gruppe GM. Ištvanovič vereinigte sich am 21. bei Ljubovija mit der 12. GbBrig., die auf Befehl des BOK. in diesem Raume zu verbleiben hatte, um den beschlossenen Anmarsch der 6. Armee gegen Vla-senica zu decken.

Die 5. Armee war nach zehntägigem erbittertem und opferreichem Kampfe in ihre Ausgangsstellungen zurückgekehrt.

Die Gefechte bei Višegrad und Priboj (20. und 21. August)

Inzwischen hatte endlich auch die 6. Armee zu dem sehnsüchtig erwarteten Schlag gegen die serbische Užice-Gruppe ausholen können, den die aus fast allen Teilen des Reiches stammenden, mit der Eigenart des Kriegstheaters wohlvertrautenTruppen mit prachtvollem Elan und großem Geschick zu führen wußten.

GdI. Appel hatte das XV. Korps nördlich und nordwestlich des nunmehr von Teilen der 40. HID. besetzten Platzes Višegrad aufmarschieren lassen. Um Višegrad als Drehpunkt hatte die Masse des Korps — die aus der 7. und 9. GbBrig. bestehende 1. ID.1) sowie die 10. GbBrig. — und die

x) Bei der 1. ID. befand sich auch das am 12. eingetroffene „Skutari-Detache-ment“, ein Bataillon des k.u.k. IR. 87, dem das deutsche „Marine-Infanterie-Detache-ment“ in etwa Kompagniestärke zugeteilt war.

am Nordflügel eingesetzte 79. HIBrig. durch Aufschwenken in östlicher und südöstlicher Richtung den Feind über die Grenze zurückzuwerfen. Der am 20. angesetzte Angriff stieß auf zähen, durch das steile, unwegsame Gelände verstärkten Widerstand. Besonders die Höhe Panoš wurde von denSerben hartnäckig gegen die 1. ID. verteidigt, die im schwierigen Gelände ihre Artillerie nicht zur vollen Geltung bringen konnte. Daß sie schließlich gegen 4h30 nachm. im Handgemenge genommen wurde, war nicht zuletzt dem todesmutigen Zugriff der beiden selbständigen Bataillone der niederösterr. IR. 49 und 84 zu danken37). Zu gleicher Zeit gewann der äußerste Nordflügel den Vk. Stolac. Die 10. GbBrig. und die 79. HIBrig. kämpften abends schon vor den Grenzhöhen westlich Zaovine. Obwohl schon zum Abmarsch gegen Vlasenica befohlen, bat GdI. Appel, den Angriff am 21. fortsetzen zu dürfen. Es wurde ihm bewilligt. Der Feind wich jedoch schon in der Nacht gegen die Höhen westlich von Kremna, so daß die Grenzhöhen nach leichter Vertreibung schwächerer Nachhuten bis Mittag besetzt werden konnten.

Vor dem bei Rudo zum Flußübergang bereitgestellten XVI. Korps war das Lim-Detachement am 20. früh ostwärts abgezogen. Nur die

6. GbBrig. mußte an diesem Tage südlich von Uvac eine feindliche Nachhut verjagen, sonst konnte das tief eingeschnittene Flußtal ohne den erwarteten Widerstand übersetzt werden. Die 18. ID. (6. und 4. GbBrig.) gelangte auf die Höhen bei Priboj und Uvac, GM. Gabriel mit drei Brigaden (13., 1., 2.) auf jene nordöstlich von Rudo. Die 5. GbBrig. hatte FZM. Wurm in Rudo noch als Korpsreserve zurückgehalten.

Der Feind hatte sich auf den Höhen östlich der Straße Priboj— Bjelobrdo wieder gestellt und auf zwölf Bataillone verstärkt. Am 21. wurde er hier beiderseits umfassend angegriffen, wobei die am Nordflügel eingesetzte 5. GbBrig. über Bjelobrdo ausholte. Die besonderen Geländeschwierigkeiten ließen es am 21. nicht mehr zu entscheidendem Kampfe kommen. Dennoch hatte sich das Korpskmdo. verleiten lassen, den bevorstehenden Rückzug des Feindes zu melden. Am 22. August bei Morgengrauen wurde der Angriff fortgesetzt, als um 6h früh beim FZM. Wurm der Befehl zum Abmarsch auf die Romanja planina einlangte und weitergegeben wurde. Auf Grund einer Meldung des GM. Konopicky über die günstige Gefechtslage bei der 4. GbBrig. ließ jedoch der Korpskommandant den Angriff auslaufen. An beiden Flügeln gefaßt, ging das serbische Lim-Detachement, die Vereinigung mit der ŠumD.II suchend, gegen die Zlatibor planina zurück. Die österreichisch-ungarischen Truppen stellten die Verfolgung am Nachmittag ein.

Im einstigen österreichisch-ungarischen Sandžak war unterdessen die

8. GbBrig. von Plevlje in flottem Zug bis Nova varoš vorgedrungen, ohne daß es der montenegrinische Gen. Vojnic, dessen Streiter sich mit Ausnahme von 2000 Mann verlaufen hatten, verhindern konnte. Der serbische Kommandant von Novipazar hatte in aller Eile 1000 Mann bewaffnet und samt einer im Türkenkrieg erbeuteten Krupp-Batterie nach Sjenica vorgeschoben. Der König von Montenegro setzte auf Drängen der serbischen Militärmission zwei Brigaden nach dem Sandžak in Marsch.

Die Bestürzung des Feindes war unbegründet, da die k.u.k. 6. Armee am 23. August nordwärts abrückte. Nach gewaltigen Marschleistungen gelangte drei Tage später das XV. Korps bis Vlasenica, das XVI. bis Sokolac. Die 7. und die 9. GbBrig. hatten wieder die Sicherung der oberen Drina bei Višegrad, die 8. jene bei Goražde und Foča zu beziehen.

Die letzten Kämpfe bei Šabac (21. bis 24. August)

Während die 5. Armee am Abend des 21. die letzten Drinabrücken hinter sich abgebrochen hatte, war das Kapitel der Irrungen und Wirrungen bei Sabac noch nicht abgeschlossen.

Da der Feind der 5. Armee nicht scharf nachgedrängt hatte und ihre nicht sonderlich ungünstige Verfassung nach einigen Tagen der Ruhe, die sich durch das Abwarten der in den Raum um Vlasenica gewiesenen

6. Armee von selbst ergaben, neue Schlagfertigkeit erhoffen ließ, befaßte sich das BOK. bald mit neuen Offensivplänen, bei deren Verwirklichung noch die Anwesenheit der drei Divisionen der 2. Armee ausgenützt werden sollte. Deren abermaliges Vorbrechen über die Save wurde durch den Besitz von Sabac erleichtert. Der Besitz eines Brückenkopfes konnte aber auch nützlich sein, wenn der Feind in Verfolgung der 5. Armee nach Bosnien einfiel. Deshalb war GdK. Tersztyánszky angewiesen worden, Sabac zu behaupten und das IV. Korps bei Klenak bereitzuhalten.

Die von der 29. ID. am Morgen des 21. bezogene brückenkopfartige, noch unbefestigte Stellung hatte einen Umfang von 15 km, da zum Schutz der Brücke auf die Höhen südlich der Stadt vorgegangen werden mußte. Dabei waren die Verhältnisse für die Gefechtsführung so ungünstig, daß

FML. Graf Zedtwitz, dessen Vorstellungen gegen die Behauptung der Stadt durch bloß eine Division am Vortag bei GdK. Tersztyánszky kein Gehör gefunden hatten, um 7h vorm. dem FZM. Potiorek direkt die Unhaltbarkeit der erst flüchtigst befestigten, eingesehenen, ausschußlosen Brückenkopflinie mit dem Beifügen meldete, nachmittags wäre die letzte Frist, zu der die Division vor der Verstrickung mit überlegenen Kräften über die Save zurückgenommen werden könnte. Kaum erfuhr GdK. Tersztyánszky diese Umgehung seiner Person, als er in jähem Temperamentsausbruche das Kmdo. der 29. ID. ihrem Artilleriebrigadier GM. Zanantoni mit der strikten Weisung übertrug: „Šabac muß um jeden Preis gehalten werden!“38)

Gegen Mittag eröffneten die Serben tatsächlich den Angriff gegen Šabac. Der Führer der 1. Armee, Gen. Bojovic, hatte die ŠumD.I östlich, die eben erst eingetroffene halbe TimD.II westlich der Varnaer Straße eingesetzt und feuerte die Angreifer südwestlich Šabac persönlich an. Als der Verteidiger hier nachmittags in Bedrängnis geriet, befahl GM. Zanantoni drei Bataillone seiner Reserve zum Gegenangriff. Der mit prächtiger Schneid geführte Stoß traf die Anschlußflügel der ŠumD.I und TimD.II nach 5h nachm. so überraschend, daß sie bis über Varna zurückgingen. Noch bevor bei der dichten Geländebedeckung dieser Erfolg erkannt war, hatte jedoch GM. Zanantoni vor 7h nachm. dem IV. Korpskmdo. gemeldet: „Feind bombardiert seit 2h nachm. Šabac. Brücke noch intakt. Stehe im Kampf mit wenigstens einer Division. Weitere feindliche Kräfte im Anmarsch. Halte noch vordere Linie.“ Diese ziemlich ernst klingende Meldung veranlaßte den GdK. Tersztyánszky, die Räumung von Šabac anzuordnen, um so die 29. ID. als Kampfkraft zu erhalten.

Indessen war die Westfront des Brückenkopfes, der die östlich von Šabac auf dem Nordufer aufgefahrenen Batterien nicht helfen konnten, nachmittags gegen den Stadtrand zurückgegangen. Vom Einsatz der noch verbliebenen eineinhalb Bataillone der Divisionsreserve war ein Wiederherstellen der Lage kaum zu erhoffen. Daher nahm GM. Zanantoni auch seine Südfront an den Stadtrand zurück. Nun erst erlangte er volle Kenntnis vom Erfolg des Gegenstoßes, der sogar die TimD.II zu beträchtlichem Zurückgehen veranlaßt hatte. Darauf bat er, falls der um llh eingelangte Räumungsbefehl nicht wegen operativer Gründe, sondern nur auf seine Abendmeldung hin erteilt worden wäre, Šabac noch halten zu dürfen und den Zeitpunkt der Räumung ihm zu überlassen.

Vor Mitternacht langte mit diesem Antrag beim IV. Korpskmdo. aber auch die Antwort des FZM. Potiorek auf den noch von FML. Zedtwitz erstatteten Räumungsvorschlag ein: „Wenn Feind nicht sehr überlegen, Kampf südlich Šabac mit ganzer Kraft aufnehmen!“ Wie um anzueifern, teilte der Feldzeugmeister gleichzeitig die eben von der 6. Armee bei Višegrad errungenen Erfolge mit.

GdK. Tersztyánszky wurde durch diese Weisung vor eine schwere Entscheidung gestellt. Soweit sich aus den bisherigen Meldungen erkennen ließ, war der Feind dem ganzen IV. Korps keineswegs sehr überlegen. Andererseits sollte dieses so bald als möglich nach Norden abgehen. Auch mochte die Meldung, daß die 5. Armee im Begriffe sei, den Rückzug über die Drina zu beenden, nicht gerade zu einem isolierten Vorstoß nach Serbien einladen. Dennoch brachte es GdK. Tersztyánszky nicht über sich, mit dem Šabacer Unternehmen kurzer Hand Schluß zu machen. Er gab dem GM. Zanantoni die gewünschte Entschlußfreiheit zurück, ließ die Artillerie der 31. ID. mit Nachtmarsch in den Raum südlich von Klenak vorausfahren und befahl die Infanterie der Division für den 22. früh in den Raum nordöstlich dieses Ortes, indes die 32. ID. zur Savesicherung abwärts von Šabac in ihrer Kantonierung verblieb. Die auf die Zigeunerinsel bei Belgrad geworfenen Bataillone der 7. ID. hatten die Insel zu räumen.

Am Morgen des 22. August besetzte die 29. ID. wieder die Brückenkopfstellung. Die Serben vor Šabac, deren Kommando Gen. Aračič von dem am Vortag verwundeten Armeekommandanten übernommen hatte, gingen äußerst vorsichtig vor, um die Stadt auf dem diesseitigen Ufer zunächst vollständig einzuschließen und die schwere Artillerie einzubauen. Erst gegen Mittag flammte ein ernster Kampf an der Varnaer Straße auf und die Serben überschütteten die Stadt mit Granaten.

Westlich der erwähnten Straße drückte die durch drei neu herangekommene Bataillone verstärkte TimD.II den Verteidiger abermals an den Südwestrand der Stadt. Als ein östlich der Straße von eineinhalb Bataillonen geführter Gegenangriff den Feind zurückdrängte, wich die TimD.II nach dem Ausbau der zugeteilten schweren Batterien wieder auf die Höhen nordöstlich Dobrić. Durch die Kämpfe des Tages hatte sich die Einschließung von Sabac und der Aufmarsch der serbischen schweren Batterien verzögert. Im Bereich der ŠumD.I sollten sie erst nachts ln Stellung gebracht werden. Die vereinigte Divisionsreiterei war hingegen nordwestlich von Šabac bis nahe an die Save vorgekommen.

Hatte sich für den Verteidiger auch die gleiche Lage wie am Vorabend ergeben, so wurde die Südfront jetzt doch nicht zurückgezogen und der Rückzug, der dem Kmdo. der 29. ID. ja noch immer freistand, nicht beschlossen. Da GM. Zanantoni die 31. ID. zum Eingreifen bereit wußte, befahl er vielmehr um 7h nachm.: „Es ist Ehrensache der Division, Šabac auch weiterhin zu halten.“

Zur gleichen Zeit alarmierte GdK. Tersztyanszky auf die Nachricht von neuerlicher Bedrängnis der 29. ID. das IV. Korps, um es nun doch mit einem abermaligen Nachtmarsch über die Save zu führen. Das Buda-pester Korps sollte den Deutschböhmen die Zeit zur Einrichtung des Brückenkopfes erkämpfen helfen oder sie doch aus ihrer schwierigen Lage „heraushauen“. Nun war aber diese Lage am Abend gar nicht mehr schwierig gewesen. Der Kampf flaute ganz ab. Unglücklicherweise traf jedoch die Meldung darüber den Führer des IV. Korps nicht mehr in seinem alten Standort, sondern erst am 23. früh in Klenak, zu einer Stunde, in der das Korps bereits im Begriffe war, das Ufer zu wechseln.

Nach dem Plan des IV. Korpskmdos. sollten zur Aufrollung des serbischen linken Flügels am 23. aus dem Raum westlich von Šabac die 31. ID. ehestens südwärts angreifen und die nachfolgende 32. ID. ihr rechts gestaffelt in der Richtung gegen Südwesten nachfolgen.

Diesem Plan stand die serbische Absicht gegenüber, den 23. zur Einschließung und zu scharfen Erkundungen zu verwenden und am 24. bei Morgengrauen die Stadt nach heftigem Bombardement zu stürmen, wobei der Hauptangriff gegen die Westfront des Brückenkopfes geführt und die Besatzung durch Wegnahme der Brücke abgeschnitten werden sollte.

Der Einsatz des IV. Korps erfolgte nicht nach dem Wunsche seines Führers. Infolge mangelhafter Befehlsübermittlung und zum Teil auch wegen der zwei Stunden währenden Öffnung der Kriegsbrücke für die Monitoren verzögerte sich der Flußübergang. Über die Angriffsrichtung unzulänglich unterrichtet, stellte Erzherzog Joseph die 31. ID. nordwestlich von Šabac bis 9hvorm. mit südwestlicher, dann bis llhvorm. mit nordwestlicher Front auf. Schon schob sich zu dieser Zeit die 32. ID. in die 31. hinein. Nunmehr vom Kommandanten der 57. IBrig., GM. Schön, auf die Fehlaufstellung aufmerksam gemacht, ergriff der Erzherzog in der Irrmeinung, daß die Verbindung zu dem in Klenak verbliebenen Korpskmdo. abgerissen sei, den Befehl über beide Divisionen und führte sie an den Südrand der Stadt, wobei die 32. ID. nicht rechts, sondern

links der 31., also östlich der Varnaer Straße, aufmarschierte. GdK. Tersztyanszky nahm die ihm sehr unwillkommene Abänderung schließlich hin, um nicht neue Verzögerungen herbeizuführen, und verfügte die Bereitstellung von sechs Bataillonen als Korpsreserve auswärts des Westflügels und die Mitwirkung der 29. ID. Als der Angriff des IV. Korps gegen 3h nachm. endlich losbrach, schlossen sich seinem Ostflügel sechs deutschböhmische Bataillone an. Ihnen allein waren gegenüber der ŠumD.I einige Erfolge beschieden. Dagegen gerieten die enggeballten Massen der beiden ungarischen Divisionen in frontalem Angriff rittlings der Varnaer Straße in ein verheerendes Kreuzfeuer der nun vollzähligen, noch durch die halbe ŠumD.I verstärkten TimD.II Die Verluste häuften sich. Gegen 5h nachm. wurde die 31. ID. von einer Panik erfaßt, die bald darauf auch die 32. ergriff. Beide fluteten nach Šabac zurück. Da bei der Ermüdung des IV. Korps durch den zweimaligen Nachtmarsch auch das Eingreifen der nur langsam vorgekommenen Korpsreserve keinen raschen Umschwung versprach, verfügte GdK. Tersztyanszky um 7h nachm. in Šabac mündlich die Räumung des heißumstrittenen Platzes, die während der zwei letzten Nächte sicherlich unter günstigeren Verhältnissen möglich gewesen wäre. Die 29. ID. und die Monitoren hatten den nächtlichen Uferwechsel des IV. Korps zu decken.

Die Serben waren von dem schweren Kampf gleichfalls so hergenommen, daß sie den geplanten Sturm unterließen und bloß Artilleriefeuer gegen die Stadt und die Brücke unterhielten. Zum Glück für die 29. ID., die den Rückzug erst am 24. um 5h vorm. beginnen konnte, verfeuerten die im leichten Morgennebel die Brücke suchenden serbischen Batterien nur Granaten. Diese schlugen beiderseits der Brücke so dicht ein, daß die hoch aufsteigenden Wassersäulen auf die Truppen niederfielen. Ein Treffer in die Brücke blieb dem Feinde diesmal aber bis zu ihrem Abbruch — gegen 8h45 vorm.— versagt. Indessen verschwendeten die Serben viel Artilleriemunition gegen die leeren Gräben am Stadtrande. Erst gegen 9h3° vorm. erreichten serbische Patrouillen, gegen Mittag größere Abteilungen die arg zerschossene Stadt, worauf sich über die Save hinweg ein Artilleriezweikampf entspann.

Die Säuberung der Herzegowina (18. August bis 2. September)

Die wackeren Verteidiger der Herzegowina sollten am spätesten zu einiger Waffenruhe kommen. Als die 14. GbBrig. am 18. August von den Bocche aus nordwärts über die montenegrinische Grenze vorstieß, aber nicht durchdrang, und als die Bedrängnis der Grenzfestung Bileća wuchs, trug FZM. Potiorek am 19. der bei Avtovac Grenzwacht haltenden 3. GbBrig. den Entsatz der Festung auf. GM. Pongrácz mußte jedoch vorerst mit den in der Dugafurche einbruchsbereiten Montenegrinern abrechnen. Am 23. wurden diese nach 14stündigem Kampf bei Kazanci geworfen und am 14. bis Krstac verfolgt. Nun war der Feind hier genügend eingeschüchtert, so daß gegen Bileća abmarschiert werden konnte. Im Verein mit dem am 30. entgegengerückten Gros der Festungsbesatzung schlug GM. Pongrácz die Belagerer in einem dreitägigen, vom 31. August bis 2. September währenden zähen Ringen aus dem Felde. Gleichzeitig zur Bindung des Feindes aus Trebinje in östlicher Richtung und aus den Bocche nordwärts geführte Ausfälle vertrieben die Montenegriner aus dem Raum um Grahovo. Die Crnagorzen waren für die nächste Zeit aller Unternehmungslust beraubt.

Ergebnisse und Folgerungen

Die Erfolge der bisher siegreich kämpfenden 6. Armee hatten den Mißerfolg am Jadar und den ungünstigen Ausgang der Kämpfe bei Sabac nicht beeinflussen können. FZM. Potiorek war deshalb zu ehebaldigster neuerlicher Aufnahme der Offensive mit nunmehr zusammengehaltener Kraft entschlossen. Das Streben des AOK., den südlichen Kriegsschauplatz zugunsten der Hauptentscheidung zu vernachlässigen, hatte im Ministerium des Äußeren aus politischen Gründen, beim mächtigen ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tisza wegen der leicht möglichen Gefährdung ungarischen Gebietes einen gewissen Gegensatz zum GdI. Conrad ausgelöst.

Im Zusammenhang damit wurde das Streben Potioreks unterstützt, sich ein höheres Maß von Selbständigkeit zu sichern und so wenigstens in dieser Richtung eine klare Lage zu schaffen. Die Möglichkeit hiezu sollte sich bald ergeben.

Vom AOK. mit Nachrichten sehr kurz gehalten, hatte der Chef der Militärkanzlei des Kaisers und Königs, GdI. Freih. v. Bolfras, schon am 14. August die Weisung erwirkt, daß dem Monarchen wichtige Mitteilungen des BOK. nicht mehr auf dem Umwege über die Heeresleitung, sondern direkt zu telegraphieren seien Vier Tage später wurde die tägliche Berichterstattung des FZM. Potiorek an die Militärkanzlei verfügt. Kurz darauf, am 20., ergaben sich aus dem unmittelbaren Verkehr des 5. Armeekmdos. mit dem AOK. die schon geschilderten Unzukömmlichkeiten. In seinem Tagesbericht an den Kaiser wies FZM. Potiorek auf diese Schwierigkeiten und ihre üblen Folgen hin. Diese Bemerkung erzielte ebenso wie das Drängen auf Belassung der bereits eingesetzten Teile der 2. Armee seine Wirkung. Am 21. ließ der Kaiser dem AOK. depeschieren: „Da Ich es für notwendig erachte, die auf dem Balkan kämpfenden Streitkräfte einem Kommando zu unterstellen, so verfüge Ich, daß FZM. Potiorek selbständig das Oberkommando über alle gegen Serbien und Montenegro kämpfenden Armeekörper zu führen hat, deren Verminderung Mir keineswegs zweckmäßig erscheint.“

GdI. Conrad empfand diese Weisung als einen „Keulenschlag“; insbesondere erblickte er im letzten Nebensatz einen schweren Eingriff in die Rechte des AOK., wenngleich dies offenbar nicht so gemeint war, da GdI. Bolfras gleichzeitig, am 22., an FZM. Potiorek schrieb, nicht zu wissen, „ob und wie darauf reagiert“ werden würde. Tatsächlich erhob der Armeeoberkommandant GdI. Erzherzog Friedrich sofort Beschwerde beim Kaiser, der am 23. das AOK. seines vollsten Vertrauens versicherte und die Absicht, in die Befehlsbefugnisse der Heeresleitung einzugreifen, weit von sich wies. Nun ordnete das AOK. am 24., noch ohne den Ausgang des Kampfes bei Šabac zu kennen, bei gleichzeitigem Tadel ob des neuerlichen Einsatzes die ungesäumte Bereitstellung des IV.Korps zum Abtransporte an. Durch diesen Befehl wollte der Chef des Generalstabes den in Wien entgegenwirkenden Kräften den Wind aus den Segeln nehmen und den greisen Monarchen der Last folgenschwerster Entschlüsse entheben1).

Die Mahnung des Kaisers äußerte aber doch darin ihre Wirkung, daß von einem Abrollen der 29. ID. nicht mehr die Rede war und der Plan, auch das VIII. Korps zur Entscheidung im Norden heranzuziehen, begraben wurde. Damit war der Sorge des Monarchen wegen der Behauptung der Donau-Save-Linie doch einigermaßen Rechnung getragen. Es konnten nun auch der Minister des Äußern und der ungarische Ministerpräsident Stephan Graf Tisza zufriedengestellt sein, die in den letzten Tagen in diesen Angelegenheiten besonders Sturm gelaufen waren 2).

Dem FZM. Potiorek brachte die endgültige Abberufung des IV. Korps eine große Enttäuschung. Sie wurde aber aufgewogen durch den Einleitungssatz des Befehles: „Die Operationen zur Erfüllung der Euer Exzellenz

1)    Conrad, IV, 465 f, 485, 501.

2)    Ebenda, IV, 475, 498; Tisza, Briefe, I, 56 ff.

gestellten Aufgaben bleiben Ihnen überlassen.“ Damit war die ersehnte Selbständigkeit erreicht, die er zu erneuter Offensive ausnützen wollte. Den Entgang des IV. Korps mußte er eben durch noch größere Kraftökonomie für Nebenzwecke wettzumachen trachten.

Die erste Feuerprobe des öst.-ung. Heeres im Weltkriege hatte von Anbeginn unter den aus dem Zweifrontenkriege erwachsenen, zwiespältigen militärischen und politischen Verhältnissen zu leiden. Selbstverständlichen strategischen Axiomen standen Wünsche der äußeren Politik und die durch die Örtlichkeit bedingten Abwehrschwierigkeiten gegenüber, die in gleicher Weise zur Offensive einluden und damit dem äußersten Maßhalten im Kräfteaufgebot entgegen wirkten. Eine besondere Versuchung, Impulsen solcher Art nachzugeben, lag in der demonstrativen Anwesenheit der 2. Armee, da es in der Tat für alle Befehlsstellen bis zum AOK. hinauf eine schwere Zumutung war, eine starke Armee als Zuseher auf Kanonenschußweite vom Entscheidungskampf einer anderen zurückzuhalten.

Sein besonderes Gepräge erhielt der Augustfeldzug gegen Serbien dadurch, daß FZM. Potiorek die 6. Armee in weiter Trennung von der 5. gegen den Feind anzusetzen beschloß. Dieser Entschluß wurde noch zu einer Zeit gefaßt, da der Feldzeugmeister über den „Frontwechsel“ gegen Rußland noch nichts wußte und er daher annehmen durfte, daß im Norden Serbiens neben der 5. auch die 2. Armee gegen die feindlichen Hauptkräfte vorgehen werde. Damals ließen Nachrichten über einen isolierten Vorstoß serbischer Abteilungen gegen Südostbosnien für die östlich von Sarajevo aufmarschierende 6. Armee einen eindrucksvollen Anfangserfolg erhoffen, wie er auch der Heeresleitung und dem Ballhausplatz erwünscht war. Aber der Entschluß, die 6. Armee von Südostbosnien aus in den Kampf zu werfen, blieb auch dann aufrecht, als der große „Frontwechsel“ und damit das baldige Abgehen der 2. Armee offenkundig geworden war, und als gleichzeitig auch die Hoffnung auf den serbischen Vorstoß gegen Südostbosnien und Sarajevo zu erblassen begann. Nur wandelte sich jetzt die Absicht, den Feind im Gegenangriff zu empfangen, in den Plan, ihm auf der Linie Višegrad—Užice entgegenzugehen. Dabei waren dem Feldzeugmeister die schweren Nachteile, die einer solchen Kriegshandlung anhafteten, ebenso klar, wie die Erkenntnis bei ihm feststand, daß die Operation nur beschränkte Reichweite haben und mit der Umkehr in eine neue Grundstellung enden werde. Er nahm das „Wagnis“, wie er den geplanten Vorstoß selbst nannte, trotzdem auf sich, weil er die demonstrative Anwesenheit der 2. Armee zur Erringung des von der Politik so dringend gewünschten Anfangserfolges so viel als möglich ausnützen wollte.

Neben der räumlichen Trennung durch ausgedehntes, unwirtliches Gelände, das Berechnungen über ein späteres Zusammenwirken der beiden Armeen äußerst erschwerte, fiel noch ins Gewicht, daß die 6. Armee erst sechs Tage nach der 5. voll versammelt sein konnte. Nichtsdestoweniger glaubte das BOK. die Gefahr, daß die zwischen Valjevo und Kragujevac zusammengezogenen serbischen Hauptkräfte durch ein frühes Losbrechen der 5. Armee zu einem unerwünschten Vorstoß in die Nordwestecke Serbiens herausgefordert werden könnten, im Gegensatz zu den Generalen Frank und Böhm-Ermolli durch die drohende Anwesenheit der 2. Armee einigermaßen gebannt. Diese Hoffnung täuschte jedoch. Die serbische Führung warf zwischen dem 12. und 19. August den 65 Bataillonen, llVs Schwadronen und 37 Batterien der k.u.k. 5. Armee allmählich 90 Bataillone, 30 Schwadronen und jedenfalls über 50 Batterien entgegen, von denen allerdings ein Fünftel (die TimD.I) nicht mehr in den Kampf trat. Da von der 21. SchD. nach dem für sie so verhängnisvollen 16. August nur mehr Bruchteile zur Wirkung kamen, die sich hauptsächlich mit serbischer Reiterei herumzuschlagen hatten, wurde die Schlachtenentscheidung in den darauffolgenden drei Tagen nur von vier öst.-ung. Divisionen (9., 36., 42. ID., 13. IBrig., 11. GbBrig.) mit zusammen 52 Bataillonen, 91/2 Schwadronen und 30 Batterien gegen fünf serbische Divisionen mit 74 Bataillonen, 11 Schwadronen und 42 Batterien ausgefochten. Die Serben erkämpften ihren Sieg über die 5. Armee sonach unter dem Kräfteverhältnis 3 :2. Sie verdankten ihren Erfolg dem mit Unerbittlichkeit verfolgten Gedanken, den Nordflügel der 5. Armee einzudrücken, wo nach dem Rückzug der 21. SchD. mangels jeglicher Armeereserve die 9. ID. mit ihren 13 Bataillonen, 2 Schwadronen und 58 Geschützen mehr als zwei Tage hindurch in völliger Abtrennung gegen zweieinhalb serbische Divisionen mit zusammen 36 Bataillonen, 4 Schwadronen und 48 Geschützen, also gegen eine fast dreifache Infanterieübermacht kämpfte, der gegenüber infolge der konzentrischen Wirkung der serbischen Batterien auch die geringe Mehrheit an Geschützen nicht mehr in die Waagschale fiel. Glücklicherweise zogen die zum Teil selbst eingeschüchterten Serben nicht auch noch aus der Lücke Nutzen, die sich im Verlaufe der Jadar -schlacht zwischen dem VIII. und dem XIII. Korps ergeben hatte und die von dem zweitgenannten nur mühsam bewacht werden konnte.

Als Demonstration wäre das Eingreifen von Teilen der 2. Armee zweifellos wirksamer gewesen, wenn es, wie auch FZM. Potiorek vorschlug, weiter östlich, womöglich über die Donau hinweg, erfolgt wäre. Eine Demonstration mehr flußaufwärts mußte die Serben eher in den Nordwestwinkel des Landes hineinlocken, statt sie von ihm und damit auch von der Nordflanke der 5. Armee fernzuhalten. Dennoch glaubte das AOK. aus Rücksicht auf den Abtransport nur einem Vorstoß bei Šabac zustimmen zu dürfen, und ließ sich auch diesen nur allmählich abringen, indem es zuerst lediglich die heldenmütige 29. ID. vorsandte und dann zwei Tage darauf, als das Schicksal der bei Tekeriš fechtenden 9. ID. schon so gut wie entschieden war, den Einsatz des IV. Korps genehmigte. Immerhin hat die Besorgnis der Serben vor der 2. Armee zur Bindung von drei feindlichen Divisionen mit zusammen 46 Bataillonen geführt1), deren größerer Teil sich sonst gegen die öst.-ung. 5. Armee hätte wenden können.

Der unternommene Versuch, Šabac auch nach dem Rückzug der

5. Armee zu halten, gehört zu den schmerzlichsten Episoden des Feldzuges. Er lenkt den rückschauenden Kritiker noch einmal auf die Schattenseiten der Rolle hin, die der 2. Armee im Rahmen des Gesamtaufmarsches zugefallen war und die auf dem Balkan noch nachwirkte, als die Masse dieser Armee schon gegen Norden fuhr.

Daß andererseits erhebliche Teile der 6. Armee, aus dem Raum Sarajevo über Ljubovija an den Südflügel der 5. Armee rechtzeitig herangeführt, in den Verlauf der Schlacht sehr wirksam, wenn nicht entscheidend, hätten eingreifen können, wird sich umso weniger bestreiten lassen, als feststeht, daß die serbische Heeresleitung dieser Richtung die besorgteste Aufmerksamkeit widmete.

Die 5. Armee war bereits auf bosnischen Boden zurückgekehrt, als endlich die 6. Armee am 20. August — wegen der Aufmarschschwierigkeiten noch um zwei Tage später als ursprünglich geplant —zum Schlag gegen die Serben auszuholen vermochte. Vorher hatte wohl das XVI. Korps schon den Montenegrinern eine schwere Schlappe zugefügt, die aber das serbische Hauptquartier kalt gelassen hatte. Ebensowenig waren die Serben durch den Aufmarsch der 6. Armee gegen die Užice-Gruppe zu einer die k.u.k. 5. Armee entlastenden Maßnahme genötigt worden. Das äußerst schwierige Gelände beiderseits der Linie Višegrad—Užice erlaubte es dem Woiwoden Putnik, die Abriegelung der k.u.k. 6. Armee den 31 Bataillonen und 60, nach anderen Quellen 90 Geschützen der Užice-Gruppe zu überlassen.

x) Es waren dies die verstärkten Donaudivisionert I und II und das Obrenovac-Detachement.

Die k.u.k. 6. Armee zerschlug dann wohl, dem Feind an Fußvolk um ein Drittel, an Geschützen doppelt überlegen, den ihr von den Serben entgegengestellten Riegel, doch war es ihr im Hinblick auf die Wendung bei der 5. Armee versagt, die Früchte des Erfolges zu pflücken. Schon hatten das XV. und das XVI. Korps der Walstatt an der oberen Drina und am Lim den Rücken gekehrt, als sich endlich das serbische Oberkommando bereit fand, der Bedrängnis der Užice-Gruppe durch Entsendung der TimD.I nach Valjevo Rechnung zu tragen.

FM. Conrad faßt in seinen Denkwürdigkeiten sein Urteil über die Augustoffensive der Balkanstreitkräfte in die Worte zusammen: „Die ganze Offensive war durch den breiten Ansatz der Kräfte in zwei getrennten, nahezu gleich starken Gruppen, durch das spätere Angehen der vor schwierigen GebirgsVerhältnissen stehenden Südgruppe (6. Armee), hauptsächlich aber durch das Versagen der 21. SchD. zum Scheitern gekommen. Es ist unzulässig, dieses Scheitern auf den angeblich verspäteten Einsatz des IV. Korps zu schieben. Auf dieses Korps durfte eben überhaupt nicht gerechnet werden1).“

Gegen diese Feststellung läßt sich grundsätzlich nichts einwenden. Allerdings gebietet objektive Betrachtung, beizufügen, daß sich die oberste Heeresleitung mit dem Kommando der Balkanstreitkräfte in der Verantwortlichkeit zu teilen hat. Das AOK. hat — nach vorübergehendem Schwanken in den allerersten Augusttagen — sowohl den Angriffsabsichten Potioreks im allgemeinen zugestimmt als auch am 14. August telegraphisch und brieflich die Verantwortung für die ganze Anlage der Offensive in aller Form übernommen. Eine Einschränkung ergibt sich höchstens daraus, daß GdI. Conrad aus Potioreks Meldung vom 8. August herausgelesen haben mochte, am 14. August werde die ganze 6. Armee angriffsbereit sein, indes dies nur für deren Südflügel galt. Wenn hingegen der Generalstabschef am 5. September an GdI. Bolfras schrieb, daß dem Feldzeugmeister bedeutet worden sei, bei der nun bevorstehenden Operation „alle Kräfte an einer Stelle“ einzusetzen, also „nicht so wie bei

!) Conrad, IV, 441. Über die 21. SchD. wurde unmittelbar nach den Kämpfen das Standrecht verhängt. Die Aufhebung erfolgte anfangs September auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers. Die in der ersten Aufwallung verfügte Maßnahme schoß sicherlich übers Ziel. Am wenigsten wäre es gerechtfertigt, das Mißgeschick der Division — wie es auch zuweilen geschah — nationalen Ursachen zuzuschreiben. Dies geht schon daraus hervor, daß die aus den gleichen Gegenden ausgehobenen Bataillone der 9. ID. in denselben Tagen, in denen die Schützen vom Unglück verfolgt waren, Außerordentliches leisteten. Übrigens hatte die 21. SchD. auch das SchR. 6 in seinen Reihen, das treffliche Schwesterregiment des ruhmreichen Egerländer IR. 73.

der ersten, die in zwei getrennten Gruppen erfolgte“, so muß billigerweise dieser Satz auch als Selbstkritik der Heeresleitung aufgefaßt werden, da diese den getrennten Ansatz der beiden Balkanarmeen in voller Würdigung der von Potiorek vorgebrachten, vor allem politischen Gründe im vorhinein gutgeheißen hatte.

Der Feldzeugmeister hatte übrigens wesentlich früher, bereits am

19. August, also noch vor dem Losschlagen der 6. Armee, schon selbst diese Lehre aus den Ereignissen gezogen und zugleich den Entschluß gefaßt, den nächsten Vorstoß gegen Serbien mit zuerst in Nordostbosnien zusammengefaßten Kräften zu unternehmen, wie es später auch geschah.

Die Rolle, die im Augustfeldzug gegen Serbien der mittleren und unteren Führung zugefallen ist, und die Leistungen, die man von den Truppen verlangt hat, sind, soweit es der enggesteckte Rahmen erlaubte, bei der Schilderung der Geschehnisse angedeutet worden. Der Kampf in meist außerordentlich schwierigem, jede Einsicht verwehrendem Gelände gegen einen kriegstüchtigen und rücksichtslosen Feind stellte an die öst.-ung. Truppen körperlich und seelisch die höchsten Anforderungen. Viel blutiges Lehrgeld mußte gezahlt werden, und auch Massenschreck und verwandte Äußerungen psychischer Natur, zu Kriegsbeginn auf allen Schauplätzen zu Hause, empfingen durch die listenreiche Kampfweise eines im „kleinen Krieg“ unübertroffenen Verteidigers noch besondere Nahrung. Dennoch sind die Gesamtleistungen, wie nicht zuletzt das Urteil des Feindes beweist, heroisch zu nennen, woran auch mannigfaches Mißgeschick nichts zu ändern vermag. Der Größe dieser Leistungen entsprachen auch die Opfer an Blut und Leben. Die in die Kämpfe verwickelten Heeresteile verloren an Toten und Verwundeten etwa 600 Offiziere und 22.000 bis 23.000 Mann. Diesen Opfern stand auf serbischer Seite ein Verlust von 16.000 Mann gegenüber.

Die Abwehr der öst.-ung. Offensive hatte auch die Serben so sehr erschöpft, daß sie darauf verzichten mußten, die Früchte des Erfolges in rücksichtsloser Verfolgung zu pflücken. Aber die Räumung ihres Gebietes durch die Truppen einer Großmacht bot ihnen begreiflicherweise Anlaß genug, Siegesjubel anzustimmen, der namentlich auf die Bulgaren seine abschreckende Wirkung nicht verfehlte. Mit ihrem Gegenangriff hatten die Serben auch dem Drängen der Alliierten auf eine kurze Offensive einigermaßen Genüge getan. Sie durften sich nun einige Tage wohlverdienter Ruhe gewähren, während welcher ihren Führern die Befriedigung wurde, über die Verminderung der gegnerischen Streitkräfte um die ganze 2. Armee Gewißheit zu erlangen.

DER SOMMERFELDZUG 1914 GEGEN RUSZLAND

Aufmärsche und Grenzgefechte

Hiezu Beilagen 1, 6 und 9 sowie Skizze 1

Einleitende Maßnahmen des k.u.k. Armeeoberkommandos

Von der Stunde an, da das Eingreifen Rußlands zugunsten Serbiens nicht mehr bezweifelt werden konnte, war für GdI. Conrad auch der Entschluß festgestanden, die Entscheidung nunmehr im Nordosten zu suchen. Wohl sagte er sich, daß er mit seinen Armeen selbst dann, wenn er von dem zum Nebenschauplatz herabgesunkenen Balkan jeden irgendwie entbehrlichen Mann heranzog, gegenüber dem Zarenheer bald in der Minderheit sein werde (S. 22). Trotzdem blieb er als unentwegter Verfechter des Angriffsgedankens auch hier der einmal gefaßten Absicht treu, sein Heil in der Offensive zu suchen.

Allerdings sollte der Chef des Generalstabes, wie im vorigen Abschnitt (S. 96) näher ausgeführt wurde, sich bald genötigt sehen, gegen Serbien und Montenegro immerhin zwei Armeen mit zehn Infanteriedivisionen und fünf selbständigen Brigaden, das heißt um 211/« Bataillone und 84 Geschütze mehr als in der „Minimalgruppe Balkan“ vorgesehen war, zurücklassen zu müssen. Außerdem sollte sich als weiteres Übel des zu verschiedenen Zeiten ausgelösten Zweifrontenkrieges noch die Verzögerung beigesellen, die infolge der früher einsetzenden Bahnbewegung gegen Südosten der Beginn der Mobilisierung und des Aufmarsches gegen Rußland erlitt. Dieses gewann dadurch einen Vorsprung, der bittere Folgen zeitigen konnte. Wenn nichts Schwereres, so war zu besorgen, daß die überlegene russische Reiterei noch vor dem 6. August, an dem die öst.-ung. Mobilisierungstransporte erst zu rollen begannen, über die Grenze vorbrach. Um die Russen zu solchem Tun nicht noch herauszufordern, drang GdI. Conrad in das Außenministerium, die von diesem selbst dringend gewünschte Kriegserklärung an Rußland möglichst hinauszuschieben, welche in der Tat, trotz der Ungeduld Deutschlands, erst am

6. August erlassen wurde1).

In operativer Hinsicht sollte dem Vorsprung Rußlands durch die auch wegen der Haltung Rumäniens notwendig gewordene Rückverlegung des Aufmarsches hinter den Dniester und den San einigermaßen begegnet werden. Von den jenseits dieser Linie stehenden Kräften hatten die gegen die Grenze vorgeschobenen Deckungstruppen nach den im Frieden ausgearbeiteten „Alarminstruktionen“ den Aufmarsch gegen Störungen durch russische Kavallerie zu sichern. Das dahinter bei Czernowitz, Brzeżany und Lemberg in drei Gruppen mobilisierende XI. Korps war angewiesen, einem überlegenen Angriff kampflos gegen Ottynia, Martinów Str. am Dniester und Sambor auszuweichen.

Allen Besorgnissen zum Trotz ging der Aufmarsch in Galizien planmäßig, ohne Störung durch den Feind, vonstatten. Auch der befürchtete Einbruch russischer Reitermassen blieb aus. Wo untergeordnete feindliche Kräfte über die Grenze vorfühlten, wurden sie ohne Schwierigkeiten zurückgewiesen. Diese leicht errungenen Erfolge veranlaßten den Kommandanten des XI. Korps, GdK. v. Kolossváry, am 8. August zu dem Entschluß, Lemberg nicht nur bis zur Vollendung des Aufmarsches, sondern auch bis zum Herankommen der eigenen Armeen zu halten. Das AOK. verstand es sehr wohl, daß der Korpsführer den Krieg nicht mit der freiwilligen Räumung der durch Feldbefestigungen geschützten Landeshauptstadt beginnen wollte. Dennoch ließ es GdK. Kolossváry wissen, daß die planmäßige Durchführung des Aufmarsches die Hauptsache bleiben müsse. Feindliche Kavallerie sei vor den Ausladeorten abzuweisen, feindlichen Armeekörpern in den Aufmarschräumen Halt zu gebieten. Die Entscheidung, ob bei einem überlegenen russischen Angriff, gegebenenfalls mit Unterstützung des bei Sambor aufmarschierenden

XIV. Korps, Lemberg zu halten sein werde, behielt sich die Heeresleitung vor. Gegenüber untergeordneten Kräften sollte die Hauptstadt Galiziens jedenfalls behauptet werden.

Der als möglich in Rechnung gezogene frühzeitige Vorstoß russischer Armeekörper gegen Lemberg verwirklichte sich nicht. Das bedingte Eingehen des AOK. auf die Vorschläge des XI. Korps sollte dennoch der Auswirkung auf die ersten Kriegshandlungen nicht ganz entbehren.

!) Conrad, IV, 175; Wegerer, Die Widerlegung der Versailler Kriegsschuldthese (Berlin 1928), 199 ff. — Gegenüber den Westmächten zog es ÖsterreichUngarn im Hinblick auf die Lage in der Adria vor, sich den Krieg erklären zu lassen.

Neben der Durchführung des eigenen Aufmarsches lag dem Chef des Generalstabes vor allem die Zusammenarbeit mit dem deutschen Verbündeten im Sinne der vor dem Kriege getroffenen Abmachungen am Herzen. Am 3. August ließ ihm GO. Moltke die ersten Mitteilungen über die Aufstellung des deutschen Ostheeres, der vom GO. v. Prittwitz befehligten 8. Armee, zugehen; die Masse, viereinhalb Armeekorps, eine Kavalleriedivision und drei gemischte Landwehrbrigaden, marschierten bei und nördlich von Thorn, das aus zwei Divisionen bestehende schlesische Landwehrkorps des GdI. v. Woyrsch gegenüber von Kalisz und Czenstochau auf, fünf Reservedivisionen sollten am 12. folgen und je nach der Lage eingesetzt werden. Bedeutsam war, was Moltke über die den deutschen Oststreitkräften erteilte Weisung schrieb x):

„Dem Oberbefehlshaber ist befohlen, möglichst starke Kräfte der nördlichen und westlichen russischen Heeresgruppen zu binden, sie damit vom österreichischen Heere abzuziehen und diesem den ersten Kampf zu erleichtern.

Unternehmen die Russen eine frühzeitige Offensive nach Ostpreußen mit Kräften, die dem deutschen Ostheere stark überlegen sind, so wird dadurch ein Sieg des öst.-ung. Heeres erleichtert werden, um so mehr, je früher das öst.-ung. Heer den Vormarsch nach Rußland antritt.

Erfolgt eine solche frühzeitige und stark überlegene russische Offensive gegen Deutschland nördlich der Weichsel nicht, so wird der deutsche Oberbefehlshaber mit dem deutschen Ostheere nach Rußland hinein vorgehen in einer Richtung, welche dem österreichischen Heere die größte Erleichterung bringt....

Das gegenüber Kalisz—Czenstochau aufmarschierende deutsche Armeekorps wird in jedem Falle am 12. Mobilisierungstag den Vormarsch über Kalisz—Czenstochau auf Radom—Nowo-Aleksandrija antreten. Dem kommandierenden General dieses Armeekorps ist befohlen, unaufhaltsam nach Rußland vorzudringen und sich dem Vormarsch der österreichischen linken Armeegruppe an deren linkem Flügel anzuschließen. Mit der Annäherung an starke russische Kräfte wird der kommandierende General auf die Vereinigung seines Armeekorps und auf das taktische Zusammenwirken mit der linken österreichischen Armeegruppe Bedacht nehmen.

Das österreichische Heer kann somit auf eine tatkräftige Unterstützung seiner Offensive nach Rußland durch alle im Osten Deutschlands aufmarschierenden deutschen Streitkräfte mit Bestimmtheit rechnen. Der gemeinsame Erfolg wird um so größer sein, je früher und je unaufhaltsamer der Vormarsch nach Rußland hinein erfolgt . . .“

Conrad beeilte sich, noch am gleichen Tage eine analoge Benachrichtigung an Moltke abgehen zu lassen. Er rechnete damit, daß von den zunächst an die San—Dniesterlinie herangeführten 30^2 Infanterie-

*) Persönlicher Brief Moltkes an Conrad mit beigelegtem Dienstschreiben, Berlin, 2. August, und ebenso ausgestattete Antwort Conrads, Wien, 3. August; bei Conrad, IV, 318 ff. — Am Ende seines Antwortschreibens wünscht GdI. Conrad: „Möge es unseren in deutscher Treue verbündeten Armeen beschieden sein, aus diesem Riesenkampf erfolgreich hervorzugehen!“ divisionen der linke Flügel am 20., der rechte am 23. August vorrückungsbereit sein konnte. Nach dem Zufluß von weiteren 8 Infanteriedivisionen stand Ende August in Mittel- und Ostgalizien eine Heeresmacht von 38Vo Infanteriedivisionen, 2 Marschbrigaden, 8 Landsturminfanteriebrigaden und (vor der Front) 10 Kavalleriedivisionen mit zusammen 670 Bataillonen, 330 Schwadronen und ebensovielen Batterien zur Verfügung. Gelang die Versammlung der 30 Vs Divisionen ohne Störung durch den Feind, so sollte ehestens zur Offensive geschritten werden, deren Ziel auf jeden Fall war, die Armeen der russischen Südfront gegen Osten und Südosten abzudrängen. Wenn die Hauptkraft des Feindes von Osten kam, so hatte der linke Flügel des eigenen Heeres sofort — das ist am 20. August — in dieser Richtung einzuschwenken, um im Anschluß an den rechten alsbald in eine von Nord nach Süd verlaufende Front zu gelangen. Drohten starke feindliche Kräfte von Norden her, dann mußten sich die k.u.k. Armeen vorerst mit rechts gestaffeltem Vormarsch in dieser Richtung Luft schaffen; der linke Flügel sollte hiezu am 22. antreten, der rechte nach Gewinnung der vollen Schlagfertigkeit folgen. Der Schutz der Westflanke war auf jeden Fall der aus einer Kavalleriedivision, einem Radfahrbataillon und 44 Landsturmbataillonen samt Artillerie bestehenden Armeegruppe GdK. Kummer anvertraut, die am 17. August von Krakau aus nach dem von den Russen tatsächlich geräumten Südwestpolen vorzustoßen und in weiterer Folge aufwärts von Iwangorod die Weichsel zu überschreiten hatte.

Die Zusammenarbeit zwischen dieser Gruppe und dem Korps Woyrsch, das von Kalisz und Czenstochau aus über Radom auf Nowo-Aleksandrija vorrücken sollte, regelte sich von selbst. Was das Zusammenwirken der Hauptkräfte anbelangte, so drückte sich die eben eingelangte Mitteilung des deutschen Generalstabes keineswegs mehr so entschieden aus, wie es Conrad nach den Abmachungen der Friedenszeit erwartet hatte1). Auf Grund dieser Vereinbarungen rechnete Conrad bestimmt mit einer Offensive des deutschen Ostheeres „in der Richtung Siedlce“, also in den Rücken von Warschau. Diese Offensive war für den Generalstabschef ein wesentlicher Bestandteil des vor dem Kriege einvernehmlich aufgestellten Operationsplanes gegen Rußland; blieb sie aus, dann fehlte der eine der Hebel der „polnischen Zange“, in die

1j Vgl. S. 13 f und Conrad, I, 404; weiter Kiszling, Das deutsche Ostheer im Sommerfeldzug 1914 (Mil. wiss. Mitt., Wien 1924, 385 ff) sowie Reichsarchiv, Der Weltkrieg 1914—1918, II (Berlin 1925), 3 ff.

GdI. Conrad das russische Heer nehmen wollte. Einzig eine Verhinderung „durch den Feind“ rechtfertigte nach den Friedensabmachungen ein etwaiges Unterlassen des zugesagten Angriffes. Eine solche Verhinderung war aber nach Conrads Auffassung noch lange nicht gegeben.

Im Gegenteil hiezu verriet schon das am 3. August eingelangte Schreiben Moltkes geringen Glauben an die Operationsfreiheit des deutschen Ostheeres in der von Conrad gewünschten Richtung. Es verhieß eine Offensive nach Rußland hinein nur für den Fall, daß dieses nicht frühzeitig und mit stark überlegenen Kräften in Ostpreußen einbrach, und sprach auch nur ganz allgemein von einer Stoßrichtung, „welche dem österreichischen Heere die größte Erleichterung bringt“. GdI. Conrad gab sich aber mit einem so allgemeinen Versprechen nicht zufrieden. Er forderte ausdrücklich einen Vorstoß des deutschen Ostheeres in der im Frieden vereinbarten Richtung. Dieses Verlangen blieb in den nächsten drei Wochen das Um und Auf seiner Auseinandersetzungen mit dem deutschen Generalstabe und wurde es um so mehr, je klarer gegen Mitte August der Aufmarsch des Feindes und damit das Zusammenballen starker russischer Kräfte im Raume Warschau—Brest-Litowsk—Lublin zu erkennen war.

Nach dem Bilde, das sich der k.u.k. Chef des Generalstabes am 15. August über die Lage beim Feinde machte1), zog dieser drei große Kraftgruppen zusammen. Die nördlichste unter GdK. Rennenkampf bedrohte Ostpreußen von Osten her und wurde vom k.u.k. AOK. auf sechs bis sieben Korps geschätzt. Eine mittlere Gruppe, welche die fünf Korps des Moskauer Militärbezirkes und vielleicht noch die zwei Kasaner Korps umfaßte, sammelte sich um Brest-Litowsk und etwa auch gegen Cholm und Lublin hin; sie schien sich am Narew durch ein Korps, an der galizischen Grenze zwischen Weichsel und Bug durch zwei bis drei Korps (XIV., XIX. und vielleicht noch Teile des XIII.) zu sichern. Eine dritte, die südlichste Kraftgruppe, die offenbar aus den Truppen der Militärbezirke Kiew und Odessa und wohl noch einem kaukasischen Korps, also zusammen aus acht Korps bestand, reichte gegenüber der Ostgrenze Galiziens von Dubno bis an den Dniester oder Pruth und wurde rechts, bei Kowel, möglicherweise noch durch die zwei Kasaner Korps verstärkt. Diese dritte Gruppe bedeutete für das in Ostgalizien aufmarschierende öst.-ung. Heer eine gewaltige Flankenbedrohung, während sich die russische Mittelgruppe ebenso südwärts wie geradewegs nach Westen in den Rücken Deutschlands wenden konnte. Immerhin war

x) Conrad an Prittwitz, Wien, 15. August; Conrad, IV, 392 ff.

aber auch die Bedrohung von dieser Seite so stark, daß sie Conrad endgültig auf den Plan zurückkommen ließ, sich zunächst durch einen zwischen Bug und Weichsel geführten, jedenfalls bis Cholm und Lublin vorgetragenen Nordstoß jene Handlungsfreiheit zu sichern, die auch für erfolgreiche Abwehr der Gefahr von Osten geschaffen werden mußte.

Mit dieser schärferen Formung der Absichten wurde auch Conrads Wunsch nach entsprechender Mitwirkung des deutschen Ostheeres nur noch brennender. Hatte er am 3. August zu Moltke noch von einer Offensive der deutschen 8. Armee in der „allgemeinen Richtung Siedlce“ gesprochen, so erklärte er am 13.1), daß „wohl nur dann überhaupt an einen Erfolg zu denken ist, wenn auch diese deutschen Kräfte vereint mit unseren zwischen Bug und Weichsel schlagen“, und tags darauf telegraphierte er an das Kommando des deutschen Ostheeres zu Marienburg2), daß „raschestes Erreichen von Siedlce dringend geboten“ sei. Daß diese Forderungen sozusagen eine Steigerung seines am 3. August ausgesprochenen Wunsches bedeutet hätten, geht aus den Denkwürdigkeiten Conrads nicht hervor. Die DOHL. und GO. Prittwitz mochten sie immerhin in diesem Sinne auf gef aßt haben.

Beide, die DOHL. und das Kommando des deutschen Ostheeres, hatten sich bis zum 15. in Betreff der tatsächlich gefaßten Absichten in Schweigen gehüllt. Erst an diesem Tage brachte ein Drahtschreiben des bei GO. Prittwitz eingeteilten k.u.k. Hptm. v. Fleischmann eine für Conrad allerdings nicht sehr erfreuliche Aufklärung3). Eine drei Korps und vier Kavalleriedivisionen starke russische Armee unter Rennenkampf sei eben in Begriff, „von Kowno, Olita und südlich“ in Preußen einzubrechen; eine zweite habe, offenbar von Brest-Litowsk aus, zwei Korps und zwei Kavalleriedivisionen gegen den Narew vorgeschoben. Das deutsche Ostheer werde zunächst gegen Rennenkampf einen Schlag führen, „welcher in den nächsten Tagen erfolgen dürfte. Dann erst können Operationen in der Richtung Siedlce eingeleitet werden“.

Das war so ziemlich das Gegenteil dessen, was GdI. Conrad sich erhofft hatte. Er versprach sich von solch exzentrischem Vorgehen der

*) Conrad, IV, 208 ff. Aus diesem Schreiben erhellt, daß Conrad damals ein Zusammengehen des rumänischen Heeres mit den Mittelmächten für nicht ganz ausgeschlossen hielt. Die politischen Entwicklungsmöglichkeiten beschäftigten ihn in diesen noch unklaren Zeiten sehr stark, was auch aus seinem Briefwechsel entnommen werden kann. Aus Raumgründen wurde aber Abstand genommen, das fast täglich wechselnde Bild hier wiederzugeben.

2)    Ebenda, IV, 388.

3)    Ebenda, IV, 390.

deutschen 8. Armee nichts Ersprießliches und ließ am gleichen Abend ein längeres Schreiben nach Marienburg abgehen, um Prittwitz noch in elfter Stunde von der Notwendigkeit des Stoßes in den Rücken von Warschau zu überzeugen. Ob nun der Galizien von Osten her bedrohende Feind eine Fortführung des öst.-ung. Nordstoßes über Lublin hinaus erlaube oder nicht, auf jeden Fall müsse die Masse des deutschen Ostheeres, die Abwehr gegen Rennenkampf den „hinzutretenden Reservedivisionen und Landwehrdivisionen“ überlassend, aufs polnische Schlachtfeld herbeieilen. Sprach das Schreiben an GO. Prittwitz an einer Stelle noch von „der allgemeinen Richtung über Siedlec“, so fordert es an zwei anderen Stellen ganz entschieden ein Vordringen „über“ diesen vielgenannten Ort hinaus. Daß Conrad kühnen Ideenfluges in der Tat an ein Zusammenwirken auf der Walstatt dachte, erörtert er in seinen Denkwürdigkeiten !). Wohl hatte er im Frieden stets damit gerechnet, daß die deutsche Ostarmee 12 bis 14 Divisionen stark sein werde. Aber auch bei der nicht unerheblich geringeren Stärke, mit der Deutschland, wegen des Fernbleibens der Italiener von den Vogesen, im Osten in den Kampf trat, schien es ihm möglich, daß GO. Prittwitz drei Divisionen gegen Rennenkampf zurückließ, mit den anderen sechs und der Kavalleriedivision aber nach Südosten angriff.

Nun wußte Conrad, als er sich solchen Erwartungen hingab, freilich nicht, daß die ihm unbekannt gebliebene „Aufmarschweisung“, welche die deutsche 8. Armee von der DOHL. erhalten hatte 2), gegenüber seinen Wünschen noch zurückhaltender abgefaßt war als das Schreiben Moltkes vom 3. August. Zwar hatte der Oberbefehlshaber des deutschen Ostheeres dessen Operationen „nach freiem Ermessen zu leiten“, und es wurde ihm nahe gelegt, „übereinstimmendes Handeln mit dem österreichischen Heere anzustreben“. Aber im Grundtone der Aufmarschweisungen wurde „die schwierige Aufgabe ..., unsere [deutschen] östlichen Provinzen gegen einen russischen Einfall zu sichern“, gegenüber dem zweiten Auftrag, „auch die von Österreich beabsichtigte Offensive zu unterstützen“, eindrucksvoll herausgehoben. In nicht unerheblicher Abschwächung gegenüber dem Schreiben Moltkes vom 3. August erklärte die Aufmarschweisung einen Vorstoß nach Rußland hinein nur mehr für den wenig wahrscheinlichen Fall als zulässig, daß der Feind gegenüber Deutschland überhaupt defensiv blieb; für die Richtung des Vorstoßes hatte auch dann, ohne eine nähere Bindung, „die allgemeine Lage maß-

1)    Conrad, IV, 282 und 375 f.

2)    R e i c h s a r c h i v, II, 43 ff.

1 2. Aufl.    11

gebend“ zu sein. Auf den Herzenswunsch Conrads wies ganz schüchtern einzig die Bemerkung hin, daß selbst der Narew mit seinen Befestigungen der deutschen S. Armee, wenn überhaupt eine Offensive in südöstlicher Richtung möglich sei, „keine unüberwindlichen Hindernisse“ bieten dürfe. Weisungen solch gemäßigter Sprache, den weitgehenden Forderungen des Bundesgenossen entgegengehalten, boten dem ohnehin nicht sehr zuversichtlichen GO. Prittwitz Handhabe genug, sich zunächst der Behauptung Ostpreußens zu widmen, ohne die man deutscherseits auch den Vorstoß über den Narew als unausführbar erachtete.

Gleich dem Schreiben vom 15. blieb denn auch ein weiterer Brief, den GdI. Conrad zwei Tage später an Prittwitz abgehen ließ, ohne Erfolg. Die deutsche S. Armee hatte zu dieser Stunde bei Gumbinnen schon den Fehdehandschuh aufgenommen, der ihr von Rennenkampf zugeworfen worden war.

Am 16. August, in der zweiten Morgenstunde, hatten Erzherzog Friedrich und GdI. Conrad mit ihrem engeren Stabe Wien verlassen. Es war dem schlichten Denken des Armeeoberkommandanten und auch der jedem Aufsehen abholden Art des Generalstabschefs angepaßt, daß die Abreise in aller Stille vor sich ging. Nach mehr als 36stündiger Fahrt erreichte die Heeresleitung am 17. um 5h3° nachm. die Sanfeste Przemyśl, wo sie in den Baracken von Zasanie auf Stroh und bei Petroleumlicht ihr Lager aufschlug. Schicksalsschwere Nachrichten harrten ihrer: unten im Südosten wurde schon seit einigen Tagen erbittert gerungen und auch an der galizischen Grenze waren allenthalben längst die ersten Schüsse gefallen und junges Blut hatte die sommerliche Erde gerötet. Dazu die brennenden Fragen der politischen Gestaltung auf dem Balkan und die wahrlich kaum mehr wohlwollende Haltung Italiens!

Die Vorsehung hatte auf die Schultern derer, denen nun die Leitung des öst.-ung. Heeres zufiel, eine fast erdrückend schwere Last gelegt.

Versammlung des öst.-ung. Nordheeres

Bereitstellung und Fernaufklärung

Entgegen den ursprünglichen Besorgnissen vergingen auch seit Beginn der Eisenbahnbewegung noch einige Tage, ehe, um den 9. August, die ersten Reitergeschwader des Feindes zwischen dem Bug und der Bukowina nach Galizien vorfühlten. Der öst.-ung. Grenzschutz, Kaval-

lerie und Infanterie, wacker unterstützt von Gendarmen, Landstürmern und Finanzwache, schritt auf Geheiß der Heeresleitung ungesäumt an die Vertreibung des Eindringlings. Die Gegend am Zbrucz war schon am 13. gesäubert. Bei Zalośce wurde die russische 9. KD. am 11. nach zweitägigem Verweilen von der aus Tarnopol herbeieilenden 13. KBrig., GM. Berndt (8. KD.), zu fluchtartigem Rückzug gezwungen. Bei Brody nötigte die durch 4 Bataillone verstärkte 4. KD., GM. Ritt. v. Zaremba, die russische 11. am 15. zu schleunigem Verlassen von Galizien; das SchR. 35 stieß auf Radziwilów nach. Bei Sokal waren am 11. die russische

7. KD. und Teile der 17. ID. eingedrungen; nach drei Tagen stellte sich ihnen 10 km weiter südlich FML. Ritt. v. Ziegler mit seiner 2. KD. und zwei Infanteriebataillonen entgegen, worauf der Feind kampflos hinter die Grenze auswich. Mitte des Monats war die Säuberung Galiziens abgeschlossen.

Inzwischen hatte der Aufmarsch der k.u.k. Armeen schon starke Fortschritte gemacht. Seit 6. galt die Kriegsfahrordnung. Vom 9. an hatten die nach Nordosten führenden Bahnen mit voller Kraft gearbeitet. Nun trafen täglich 140 hundertachsige Züge mit etwa 7000 Wagen im Aufmarschraum ein. Den Rücklauf des Leermaterials mitinbegriffen, waren von Mitte August an über 800 „Hundertachser“ mit 400.000 Wagen in Bewegung; hintereinandergereiht hätten sie eine Geleislänge von 400 km bedeckt. Der fast reibungslose Verlauf dieser gigantischen Massenbewegung hob das Selbstgefühl der Armee und ihrer Führung und stärkte bei allen, die in dieser schweren Stunde zu Kaiser und Reich standen, das Vertrauen in die öffentlichen Gewalten1).

Am rechten Flügel der aufmarschierenden Streitkräfte, bei Stanislau und Stryj, sammelte GdI. v. Kövess die zunächst aus 2 Korps, dem XII. und III., bestehende Hauptkraft seiner Armeegruppe. Die in diesem Bereich gegen die Grenze vorgeschobenen 2V2 Infanteriedivisionen, die 11. ID., die 43. SchD. und die 35. LstlBrig. sowie 3 Kavalleriedivisionen., die 1. KD., die 5.HKD. und die 8. KD., traten gleichfalls unter seinen Befehl. Die 3. Armee, GdK. Rudolf Ritt. v. Brudermann, marschierte in zwei Gruppen auf, einer stärkeren bei Sambor, die bis zum 20. August aus dem XIV. Korps, der 41. HID., der 88.KSchBrig. und der 108. LstlBrig. bestehen sollte, und einer schwächeren, dem nur mehr die 30. ID., die 11. MaBrig. und die 93. LstlBrig. umfassenden XI. Korps, das nach wie vor Lemberg deckte. Gegen die Grenze hatte die Armee die 4. KD.,

!) Ratzenhofer, Das Kriegseisenbahnwesen (Mil. wiss. Mitt., Wien 1927, 433 ff und 692 ff, sowie 1928, 56 ff und 149 ff).

die 24. HKBrig. der erst für den 24. August erwarteten 11. HKD.und die

2. KD. vorgeschoben. Links von Brudermann, um Przemyśl und Jaroslau, zog GdI. Ritt. v. Auffenberg die Masse seiner 4. Armee, das VI. und

II. Korps mit je 3 Divisionen und die 19. ID., zusammen; die 10. ID. und die 6. KD. standen nordöstlich der Hauptkraft im Sicherungsdienst. Zwischen Sieniawa und Łańcut formte GdK. Dankl, gedeckt durch die

9. und 3. KD., das X., V. und I. Korps nebst verschiedenen kleineren Verbänden zur 1. Armee. Weitere Divisionen sollten nach dem 20. den Armeen zufließen, vor allem dem rechten Flügel, wo aus der Armeegruppe Kövess durch den Einsatz der vom Balkan herangeführten Korps VII und IV die 2.Armee, GdK. v. Böhm-Ermolli, zu bilden beschlossen war.

Die um Krakau zusammengezogene Armeegruppe GdK. Ritt. v. Kummer hatte zwei ihrer drei Landsturminfanteriebrigaden, die 95. und die 106., durch Zuweisung von mobilen Batterien und Maschinengewehren der Festung zu je einer Division ausgestaltet. Die gleichfalls zu ihr gehörende 7. KD., FML. Edl. v. Korda, befand sich schon seit dem 6. August auf russischem Boden und sollte befehlsgemäß bis längstens zum 19. die Weichselstrecke Annopol—Iwangorod erreichen. Sie war gleich nach Beginn der Vorrückung auf eine stärkere gemischte Abteilung des Feindes (14. KD., 2. SchBrig. und Grenzwachtruppen) gestoßen, die sich aber erst bei Kielce zu ernsterem Widerstand aufraffte. Unterdessen hatte am

13. auch die Hauptkraft Kummers die Grenze überschritten und am 16. in der Linie Nowe Brzesko—Miechów die Fühlung mit dem tags zuvor von Czenstochau und Kalisz gegen Przedbórz und Piotrków aufgebrochenen deutschen Landwehrkorps, GdI. v. Woyrsch, aufgenommen. Sie sollte ungesäumt ihrer Reiterei an die Weichsel folgen.

Eine Woche bevor die in Mittel- und Ostgalizien aufmarschierende Masse des Heeres vorrückungsbereit sein konnte, hatte im Sinne eines vom AOK. schon am 11. erlassenen Befehles auch östlich der Weichsel die strategische Fernaufklärung eingesetzt. Von den in der Kriegsgliederung ausgewiesenen 42 Flugzeugen war nur ein begrenzter Teil verwendungsfähig. Daher rief das AOK. noch einmal im Geiste alter Überlieferungen die Reiterei vor die Front1). Mochte es den großen Kavalleriekörpern vielleicht auch nicht gelingen, die ihnen angewiesene Linie Mohilew—Łuck—Kowel—Lublin (Skizze 1) zu erreichen, so sollten sie doch wenigstens bis an die russischen Infanteriespitzen herankommen, wobei im besonderen die an der äußersten Rechten manövrierenden Divisionen den am Dniester vermuteten Südflügel der Russen festzustellen hatten.

i; Pitreich, Lemberg 1914 (Wien 1929), 20 f.

Am 15. früh ritt die Kavallerie allenthalben los. Mit selbstverständlichem Elan jagten die Patrouillen und Nachrichtendetachements in den sarmatischen Sommermorgen hinein; in prachtvoller Geschlossenheit folgten die großen Geschwader. Überall hefteten sich an sie auch einige Infanteriebataillone, stets bereit, der geringen Feuerkraft der Schwesterwaffe nötigenfalls Nachdruck zu verleihen. Aber schon die Ergebnisse der ersten 48 Stunden bewiesen dem AOK., daß es unmöglich war, die weitgesteckten Ziele aufrechtzuerhalten. Die von GdI. Kövess über den Zbrucz entsandten Divisionen stießen knapp jenseits der Grenze auf einen zu ernstem Widerstand entschlossenen Feind. Wohl gelang es der am weitesten südlich vorgehenden 1. KD., am 17. abends in Kamieniec-Podolski einzudringen. Dagegen mühte sich am selben Tage die durch eine Brigade der 8. KD. verstärkte 5.HKD. vergebens, im Fußgefecht und auch durch Attacken zu Pferd die 2. KosD. und die ihr zugeteilte schwache Infanterie aus den drahtumzäunten Verschanzungen von Go-rodok zu werfen. Zu Tode ermattet in Satanów lagernd, wurde sie in der Nacht darauf noch die Beute einer Panik, bei der der Divisionär

- FML. v. Froreich ums Leben kam39). Nördlich von ihr sollte bei Zbaraż die 8. KD., FML. Ritt. v. Lehmann, vor der russischen 10. KD. und einem dieser beigegebenen Infanterieregiment nach mehrtägigen Scharmützeln das Feld räumen müssen. Vor der 3. Armee war die 4. KD., GM. Zaremba, schon am 16. genötigt gewesen, bei Radziwiłów wieder umzukehren, da sie in der Front von zwei feindlichen Divisionen, der 11. KD. und der 11. ID., gedrückt und bei Zalośce von der dort eingebrochenen russischen 9. KD. in ihrem Rückzug bedroht wurde. Im Gegensatz hiezu vermochte weiter westlich die 24. HKBrig. verhältnismäßig weit vorzudringen. Sie gelangte, nachdem sie am 15. bei Stojanów mit der tags zuvor von der 2. KD. abgeschüttelten feindlichen Gruppe handgemein gewesen war, am 17. bis Szklin. Dagegen war die links von ihr angesetzte

2. KD. am 16. bei Wladimir-Wołyński auf unüberwindbaren Widerstand gestoßen. Da ihr gleichzeitig die über Rawa Ruska in Galizien eindringende komb. KD. der Russen den Rücken abzugewinnen drohte, hieß es auch für sie, schleunigst umzukehren. Ebenso vermochte die von der 4. Armee vorgesandte 6. KD., FML. Wittmann, trotz Verstärkung durch zwei Bataillone IR. 4 und die 17er Feldjäger nicht durchzudringen. In den wechselvollen Kämpfen bei Narol fand am 15. August Obst. Freih. v. Holz-

i) Daß FML. Froreich, wie es hieß, durch Selbstmord endete, ist nicht erwiesen. Siehe auch Ungar. Kriegsarchiv, A világháború 1914—1918, I (Budapest 1928), 135, und Dragoni im „Neuen Wiener Tagblatt“ vom 12. Mai 1929.

hausen in der Schützenkette seiner Deutschmeister den Heldentod*). Von den der 1. Armee voranreitenden Divisionen kam die 9., FML. Freih. v. Hauer, in den ersten Tagen auf der Straße Biłgoraj—Frampol ungehindert vorwärts, während die 3. KD., FML. Adolf Ritt. v. Brudermann, und das ihr beigegebene hannakische IR. 54 schon am 16. vor Kraśnik durch einen stark überlegenen Feind (13. KD., GKBrig., 18. ID. des XIV. Armeekorps) in mehrtägige erbitterte Kämpfe verwickelt wurden.

Noch waren diese Ergebnisse beim AOK. nicht völlig bekannt, als hier, nach der Ankunft in Przemyśl (17. August), der Entschluß reifte, die Aufgaben der Reiterei des rechten Flügels und der Mitte beträchtlich einzuschränken. Es genügte, wenn die unmittelbare Grenzzone erkundet wurde. Nur zwischen Bug und Weichsel, im Angriffsraum der 4. und

I.    Armee, und selbstverständlich auch für die Armeegruppe Kummer blieben die ursprünglichen Aufklärungsziele in Geltung. Gleichzeitig warnte die Heeresleitung davor, allzuviel Infanterie und Artillerie in die Grenzkämpfe hineinziehen zu lassen. Hatte doch das XI. Korps bis dahin fast die Hälfte seiner Bataillone der Reiterei folgen lassen!

Gemäß diesen Weisungen rief GdI. Kövess die inzwischen über Ka-mieniec-Podolski hinausgestoßene 1. KD. wieder hinter den Zbrucz zurück40), wo sie zunächst bei Czortków Aufstellung nahm. Nordwestlich davon sammelten sich an der Strypa, gestützt durch drei Bataillone der

II.    ID., die kampffähigen Abteilungen der hart mitgenommenen 5. HKD., während die 8. KD. wieder bei Tarnopol zusammengezogen wurde.

Im Bereiche der 3. Armee ergab sich vor allem die Aufgabe, die über die offene Grenze nach Galizien übergetretenen russischen Kavalleriekörper zurückzuweisen, denen sich bei Zalośce neben den schon genannten noch die 10. KD. samt Infanterie zugesellt hatte. Zwischen dieser und der k.u.k. 4. KD. kam es am 21. August bei Jaroslawice nördlich von Zborów zu einem der wenigen wirklichen Reiterkämpfe des Weltkrieges. Blieb auch das Handgemenge an sich unentschieden, so endete der Tag für die öst.-ung. Reiterei und die ihr beigegebenen Schützen in Anbetracht der schweren Verluste an Mannschaft und Geschützen doch unglücklich. Die zur Mitwirkung herangeholten Teile der 11. ID. und der 8. KD. kamen zu spät, dieses Geschick abzuwenden; immerhin wurde der Russe in diesem Raume bis zum Anrücken seiner Infanteriemassen in die Schranken gewiesen1).

Glücklicher als dieses Manöver verlief die Einkreisung der russischen komb. KD., die zuerst bei Żółkiew den Weg nach Lemberg durch die 30. ID. versperrt fand, dann bei Kamionka-Strumilowa im Gefecht mit dem Troß der 24. HKBrig. einen ihrer Brigadiere, Gen. Wannowski, verlor, überdies von Westen her durch Abteilungen der 30. ID. bedroht wurde und sich schließlich nur unter großen Verlusten gegenüber der von Norden kommenden k.u.k. 2. KD. bei Turynka durchschlagen konnte2).

Von den Kavalleriedivisionen des linken Flügels ritt die 6. am 22. August in Zamość ein, das sie allerdings tags darauf vor anrückender Übermacht wieder räumen mußte. Die 9. KD. kam am 18. auf 15 km über Turobin hinaus, wurde aber Tags darauf genötigt, auf Frampol am Nordrand der abseits der wenigen Wege ungangbaren Tanewniederung zurückzuweichen, wo sie sich gemeinsam mit dem oberungarischen IR. 72 am 20. und 21. gegen heftig angreifende russische Reiterei behauptete. Die

3. KD. ging nach vergeblichem Bemühen, bei Kraśnik durchzudringen, an den Nordrand der Tanewniederung zurück. Von da aus kurz vor Antritt des allgemeinen Vormarsches ins Weichselgelände entsendet, stieß sie am 22. bei Gościeradów auf durch starke Artillerie gestützte feindliche Infanterie, der sie unter beträchtlichen Verlusten Raum geben mußte.

Westlich der Weichsel war inzwischen die 7. KD. am 16. von Kielce nach Opatów gerufen worden, wo sie Tags darauf von GdI. Kummer den Auftrag erhielt, Nachrichten über das Erscheinen stärkerer feindlicher Kräfte an der großen Straße Iwangorod—Radom—Szydłowiec zu überprüfen. Die 7. KD. konnte aus dem Raume nordwestlich von Opatów sehr bald die Haltlosigkeit dieser Gerüchte feststellen. Gleichzeitig vermochte sie zu melden, daß die russische 14. KD., die ihr bei Kielce den Weg verstellt hatte, über Ostrowiec in der Richtung Sandomierz abgezogen war. Die 7. KD. blieb nun links auswärts und erreichte am 22. Iłża. Am selben Tage gewann die Armeegruppe Kummer in breiter

*) Lauer, Das Reitergefecht bei Jarosfawice—Woiczkowce, Wehrzeitung Nr. 39 und 41/1924. — Zaremba, Feststellung hiezu, Wehrzeitung Nr. 44/1924. — V i d a 1 e, Das Reitergefecht bei Jarosławice (Der Schweizer Kavallerist, Hefte 8, 9, 10 von 1929). — Hoen -Waldstätten, Die letzte Reiterschlacht der Weltgeschichte (Jarosiawice 1914) (Wien 1929).— In diesem Reitertreffen hatte das k.u.k. Dragonerregiment Nr. 15 besonders wacker gefochten. Sein Nachfolgetruppenkörper im österr. Bundesheer, die Burgenländische Dragonerschwadron Nr. 1, feiert dieses Gefecht als Gedenktag.

2) Danilow (Daniloff), Rußland im Weltkriege 1914—1915 (deutsche Ausgabe, Jena 1925), 175 ff. — Ungar. Kriegsarchiv, I, 155.

Front die Räume um Staszów—Raków und Kielce, indes Woyrsch, im Norden von feindlicher Reiterei umschwärmt, zunächst Radom zustrebte. Die Hoffnung, daß sich den verbündeten Truppen auf dem Marsche durchs Weichselland patriotische Polen zum Kampfe gegen den Zaren stellen würden, hatte sich nicht erfüllt!

Die letzten Entschlüsse vor Beginn der großen Käm-pfs

Das Ergebnis der Fernaufklärung durch die Kavallerie war mit Rücksicht auf die Stärke der russischen Heereskörper, an welche die Reiterdivisionen anrennen mußten, weit hinter den Opfern zurückgeblieben, welche die prächtige Waffe, vornehmlich für den Kampf zu Pferd und mit dem Säbel erzogen, dargebracht hatte. Durch die großen Strapazen, die außerordentlich empfindlichen Verluste und infolge der durch einen unpraktischen, übermäßig bepackten Sattel erzeugten „Drücke“ wurde eine Reihe von Divisionen für mehrere Tage verwendungsunfähig1). Auch sonst mußte die Heeresleitung ihr Urteil über die Lage beim Feinde auf sehr wankende Grundlagen aufbauen. Verhältnismäßig klar sah man westlich der Weichsel. Flieger, die von der Sanmündung weichselabwärts aufgeklärt hatten, erhärteten die Meldungen Kummers, daß der Russe dieses Gebiet geräumt habe. Zwischen der Weichsel und dem Bug wurde bis zum 22. zweifelsfrei die Anwesenheit von 5 Armeekorps im Raume Turobin—Krasnostaw—Cholm—Lublin festgestellt, deren Masse zum Vormarsch in südöstlicher Richtung zu rüsten schien. Die vergleichsweise verläßlichen Mitteilungen über diese Truppenansammlungen bestärkten GdI. Conrad in seinem Entschluß, den Feldzug jedenfalls durch einen Nordstoß des linken Heeresflügels einzuleiten. Die feindliche Kraftgruppe im Raume Cholm—Lublin, hinter der gegen Warschau und Brest-Litowsk zweifellos weitere Kräfte aufmarschierten, konnte ebenso das k. u. k. Nordheer durch eine rechts ausholende Umfassung von seinen nach Westen gehenden Hauptverbindungen abschneiden, wie sie über die mittlere Weichsel in der Richtung auf Posen vorzurücken vermochte. Damit waren die Vorbedingungen gegeben, die Conrad schon im Frieden den Angriff zwischen Weichsel und Bug hatten erwägen lassen.

Beträchtliche Schwierigkeiten bei der Ausführung des Planes ergaben sich freilich von Anbeginn aus der Unklarheit, die über die Absichten des Feindes im weiten Bogen zwischen dem Dniester und dem Bug herrschten. Man hatte um den 18. von zwei Armeekorps im „kleinen

Festungsdreieck“ Rowno—Dubno—Łuck, von erheblichen feindlichen Kräften schwer feststellbarer Stärke zwischen Kremieniec und Proskurow, von zwei weiteren, gegen die Bukowina und Rumänien sichernden Korps gewußt. Vergebens drängte Conrad in den darauf folgenden Tagen immer wieder auf Nachrichten über die Vorgänge hinter der Bugstrecke Krylów—Hrubieszów, von wo aus der Nordstoß am unmittelbarsten in die Flanke gefaßt werden konnte, vergeblich wandte sich sein forschender Blick immer wieder gegen die offene Grenze zwischen Sokal und Tarnopol. Nur östlich des Zbrucz schien sich (und das war erfreulich genug) das Geheimnis des russischen Aufmarsches etwas zu lüften. Mit offenkundiger Befriedigung, bei der freilich der Wunsch leicht der Vater des Gedankens werden konnte, bemerkte der Generalstabschef am 20. früh zum Obersten Metzger, daß für eine von Osten gegen Lemberg gerichtete Offensive ein Anzeichen fehle1). Verschiedene Nachrichten wußten von großen Eisenbahnbewegungen aus Podolien nach Wolhynien zu berichten. Am 21. vorm. traf eine allerdings vom 19. stammende Meldung des GdI. Kövess ein, daß seiner Auffassung nach „südlich der Bahn Proskurow—Zmerinka erhebliche russische Kräfte in der nächsten Zeit nicht zur Verwendung“ (siehe Skizze 1) kommen würden 2). In denselben Stunden unternahm der Linienschiffsleutnant Banfield mit seinem Flugzeug eine weite Streifung nach Podolien hinein. Auch er vermochte keine nennenswerten Kräfte festzustellen. Die russischen Massen, die sich in Wirklichkeit dort befanden, waren offenkundig in sehr glücklicher Verteilung und wohl meist bei Nacht marschiert, während sie sich bei Tag in den Wäldern und Ortschaften gedeckt haben mochten. Das AOK. hingegen erblickte in den übereinstimmenden Mitteilungen eine Bestätigung für seine Auffassung; am 21. nachmittags ließ es dem GdI. Kövess die beruhigende Mitteilung zukommen, daß sich zwischen dem Dniester und der Linie Tarnopol—Proskurow anscheinend „keine namhaften feindlichen Kräfte“ befänden3).

Schien schon diese Gestaltung im Osten den von Conrad gehegten Gedanken, mit möglichst starken Kräften nach Norden zu stoßen, noch mehr zu rechtfertigen, so erhielt er am selben 21. durch eine Nachricht

1)    Conrad, IV, 433.

2)    Ebenda, IV, 447.

3)    An der Erkundung der Verhältnisse in Podolien nahm auch die vom Gendarmerie-Obstlt. Fischer geleitete Nebenkundschaftsstelle Czernowitz verdienstvollen Anteil. Unter ihren zahlreichen Meldungen enthielt aber erst eine am 24. erstattete einen Hinweis darauf, daß sich die russische 8. Armee zwischen Woloczysk und Nowosielica versammle. Damals war die Offensive nach Norden längst angetreten.

vom deutschen Ostheer weitere Nahrung. Zwar hatte seinerzeit die Mitteilung, daß sich das deutsche Ostheer gegen Rennenkampf wende, Conrad in seinem Entschluß anzugreifen nicht wankend gemacht. Die öst.-ung. Armee mußte eben dann nur um so mehr die Masse der östlich der Weichsel aufmarschierenden russischen Kräfte auf sich ziehen. Nun aber traf am 21. um 3h nachm. im Hauptquartier Przemyśl eine Depesche des Hptms. Fleischmann ein, in der gemeldet wurde, daß die deutsche

8. Armee die mit Erfolg eingeleitete Schlacht bei Gumbinnen wegen eines russischen Einbruches vom Narew her abbrechen müsse; sie werde gegen die untere Weichsel weichen und von hier aus wider die neu aufgetauchte feindliche Südgruppe, die russische 2. Armee, vorgehen. Diese Nachricht war gewiß nicht erfreulich. Immerhin wähnte jetzt Conrad das deutsche Ostheer dort zu haben, wo er es von Anbeginn haben wollte. Aus der Absicht des GO. Prittwitz, sich nun gegen die russische Südgruppe zu wenden, schien der ersehnte Stoß in der Richtung Siedlec heranzureifen. Darin lag für GdI. Conrad ein neuer Impuls, nun auch selbst schleunigst anzugreifen.

Noch andere Gründe kamen hinzu. Es war nicht unmöglich, daß der Feind mit der Angriffsbewegung früher begann und die Gelegenheit benützte, seine noch in weitem Bogen auseinandergezogenen Heersäulen im Vormarsch etwaige Lücken schließen zu lassen. Auch dies sollte soweit als möglich durch rasches Zugreifen verhindert werden. Nicht wenig ins Gewicht fielen Überlegungen taktischer Natur. Die schon erwähnte, ungangbare Tanewniederung wird im Norden von einer in der Linie Narol—Frampol—Annopol aufsteigenden Bodenwelle begrenzt, die, wollte man nicht den Erfolg der Offensive von Haus aus aufs Spiel setzen, noch vor dem Feinde, also ungesäumt erreicht werden mußte.

GdI. Conrad hatte denn auch schon mit dem Heeresbefehl vom 18. August, lh nachm., das Aufschwenken der 4. und 1. Armee in eine die Vorrückung vorbereitende Front verfügt, die von Níemirów über Cieszanów auf den Höhen nördlich von Tarnogród und von da aus am Südufer des Tanew und des unteren San zu verlaufen hatte. Die 4. Armee sollte solcherart östlich von Tarnogród etwas zurückhängen, um sowohl gegen Nord wie gegen Nordost und Ost vorgehen zu können. Die neue Frontlinie war am 21. zu erreichen. Gleichzeitig wurde die 3. Armee angewiesen, die Samborer Gruppe ehestens nach Lemberg nachzuziehen und dieses zur Deckung von Flanke und Rücken der linken Armeen gegen einen feindlichen Angriff zu halten. Weiter im Südosten sollte sich die Gruppe Kövess bei Jezupol—Halicz und bei Żurawno—Żydaczów an den

Dniester vorschieben; dazwischen hatten die vom 22. an ausladenden ersten Balkantruppen, VII. Korps und die 20. HID., aufzumarschieren. Von den vorgeschobenen Divisionen hatten im Falle stärkerer Bedrängnis durch die Russen die bei Brzeżany stehende 11. ID. an die 3. Armee, die 43. SchD. und die 35. LstlBrig. an den Ostflügel der Armeegruppe Kövess anzuschließen.

Trug diese Gruppierung des rechten Heeresflügels noch stark der Möglichkeit eines mächtigeren russischen Angriffes auf Ostgalizien Rechnung, so wandelte sich in den nächsten achtundvierzig Stunden in diesem Belange die Auffassung des Hauptquartiers so sehr, daß GdI. Conrad in seiner Disposition vom 20. 8h nachm. an einleitender Stelle verkünden konnte: „Allgemeine Offensive aller Armeen in nördlicher Richtung beabsichtigt.“ Demgemäß wurde GdI. Kövess angewiesen, am darauffolgenden Morgen den Dniester zu überschreiten und seine Korps in den Raum zwischen Lemberg und Przemyślany zu führen. Nur der Armeegruppen-kmdt. selbst hatte bis zu dem für den 25. vorgesehenen Eintreffen des GdK. Böhm-Ermolli in Stanislau zu verbleiben.

Die gleiche Zuversicht, unbekümmert um den Osten die Masse seiner Divisionen gegen Norden ansetzen zu können, atmet der Befehl, den das AOK. am 21. um 8h nachm. erließ. Die 4. und 1. Armee hatten sich mittlerweile in der für diesen Tag befohlenen Linie bereitgestellt. Die großen Marschleistungen, die teilweise von den mit noch nicht marschgeübten Reservisten aufgefüllten Truppenkörpern gefordert werden mußten!), veranlaßten die Heeresleitung, durch die Zurückhaltung des Feindes ermutigt, den beiden Armeen für den 22. August Rast zu gewähren. Dagegen sollte sich die 3. Armee an diesem Tage in die Front Kulików— Żółkiew—Magierów, d. i. näher an den östlichen Flügel Auffenbergs heranschieben, so daß die Aufgabe, Lemberg gegen Osten zu decken, zum wesentlichen Teil der in den Raum südöstlich der Hauptstadt gewiesenen Armeegruppe Kövess zuzufallen gehabt hätte.

Da trafen bald nach Ausgabe dieser Weisungen in Przemyśl Nachrichten über den Einbruch starker russischer Infanterie- und Kavalleriekolonnen bei Husiatyn ein und ähnliche Botschaften kamen dann auch aus den Gegenden von Tarnopol und Brody. Wenn auch bisher nur von insgesamt 4 oder 5 Divisionen die Rede war, so gewann damit doch die Frage des Flankenschutzes im Vergleich zur Auffassung, der sich noch kurz zuvor das AOK. hingegeben hatte, erheblich an Bedeutung. Aller*) Auffenberg-Komarów, Aus Österreich-Ungarns Teilnahme am Weltkriege (Berlin und Wien 1920), 132.

dings konnte auch die nun zur Tatsache gewordene Bedrohung von Osten her den GdI. Conrad nicht für einen Augenblick von dem einmal gefaßten Plane des Nordstoßes abbringen. Die am 22. August, 3h nachm., ausgegebene Heeresdisposition blieb dabei, daß eine „allgemeine Offensive der 1., 4., 3. und von Teilen der 2. Armee beabsichtigt“ sei. Die Hauptträger dieses Angriffes hatten die zwei erstgenannten Armeen zu sein, denen (von links nach rechts angeführt) die Erreichung der schon öfter genannten Linie Annopol—Frampol—Narol aufgetragen wurde, wobei der

1. Armee noch die Gewinnung und Behauptung des von Annopol bis Frampol ziehenden Höhenrandes besonders eingeschärft war. Die Gruppe Kummer wurde gleichzeitig angewiesen, raschestens an die Weichselstrecke Annopol—Józefów vorzustoßen und über galizisches Gebiet die Verbindung mit der 1. Armee herzustellen. „Der Grundgedanke war, mit den Gruppen Kummer und Woyrsch, der 1. Armee und der 4. Armee den zwischen Weichsel und Bug noch in der Versammlung vermuteten Feind anzugreifen !).“

Nicht unwesentlich beeinflußte der russische Einbruch im Osten die Weisungen an den rechten Flügel. Zwar sollte die 3. Armee nach wie vor die Front Magierów—Żółkiew—Kulików beziehen, doch wurde ihr auch das östlich von Lemberg erwartete III. Korps der Gruppe Kövess unterstellt, so daß sie zur Abwehr von über Brody, Radziechów und Sokal vordringenden feindlichen Kräften verläßlich zur Hand war, aber auch jederzeit ganz oder teilweise der 4. Armee nachgezogen werden konnte. Völlig dem Osten hatte ihre Aufmerksamkeit die nur mehr aus dom XII. Korps, der 11. ID. und drei geschwächten Reiterdivisionen bestehende Gruppe Kövess zuzuwenden. Sie hatte den Vormarsch des „auf Tarnopol und im Raume südlich davon vordringenden Feindes zu verzögern“ und „gegen den von Ost vorgehenden Feind dann einen kräftigen Schlag zu führen, wenn er an die Linie Dunajów—Krasne vorgehen sollte.“ Ein Vorbrechen über diese Linien hinaus lag „nicht in den Intentionen des AOK.“.

Die 43. SchD. und die vom Balkan anrollenden Kräfte wurden angewiesen, östlich und nördlich von Stanislau am Dniester unter Benützung feldmäßiger Brückenköpfe vorläufig eine Flankenstellung mit der Front nach Norden zu beziehen. Die Bewachung des Grenzraumes zwischen Dniester und Pruth blieb lediglich der 35. LstlBrig. überlassen.

In dieser für den 23. angeordneten Schlachtordnung trat die Wehrmacht Österreich-Ungarns in den ersten großen Kampf gegen den ge

i) Conrad, IV, 474.

waltigen Feind. Einige Tage zuvor hatte auch dieser, allerdings vom entgegengesetzten Flügel aus, die Offensive aufgenommen. Eine Begegnungsschlacht allergrößten Stiles nahm ihren Anfang.

Kriegsvorbereitungen, Aufmarsch und Angriffsplan des russischen Heeres

Hiezu Beilage 9 und Skizze 2

Zar Nikolaus II. hatte, als er nach längerem Zögern, bedrängt von seinem Außenminister und seinem Generalstabschef, am 30. Juli mittags seine endgültige Zustimmung zur allgemeinen Mobilmachung gab, in Europa und im Kaukasus 30 Armeekorps mit 59 aktiven Infanteriedivisionen, 12 Schützenbrigaden und 31 Reservedivisionen, dann 23 Kavalleriedivisionen und 4 selbständige Kavalleriebrigaden und noch etwa 12 Kosakendivisionen zweiten Aufgebots1), zusammen 96 Infanterie- und 37 Kavalleriedivisionen mit etwa 2,700.000 Mann, dazu an Reichswehrtruppen (Landsturm), Festungsbesatzungen und Ersatztruppen noch etwa 900.000 Mann auf geboten. Dieser gewaltigen Macht sollten sich überdies, wegen der Entfernung allerdings erst nach einiger Frist, die aus 2 turkestani-schen und 5 V2 sibirischen Armeekorps bestehenden asiatischen Truppen zugesellen. Das Gesamtaufgebot betrug 1830 Bataillone, 1250 Schwadronen und 6720 Geschütze — zusammen 5 Millionen Streiter.

Das russische Heer hatte sich, unterstützt durch den französischen Verbündeten, nach dem mandschurischen Krieg und der ihm folgenden Revolution verhältnismäßig sehr rasch erholt. Wenn auch das große Rüstungsprogramm von 1913 noch eine fünf Jahre dauernde Reformperiode vorsah 2), so war das Zarenheer doch auch schon im Jahre 1914

x) Eine russische Infanteriedivision zählte 16 Bataillone, 6 Schwadronen und 48 Geschütze; von der Korps- und Armeeartillerie entfielen auf jede Division überdies 10 meist schwere Geschütze. Die russische Infanteriedivision war daher einer öst.-ung. Division nicht unerheblich überlegen. Eine russische Reservedivision war gleich stark wie eine aktive, aber ohne Zuwachs an Korps- und Armeeartillerie, eine Schützenbrigade halb so stark. Eine russische Kavalleriedivision zählte ebensoviele Schwadronen, Maschinengewehre und Geschütze wie in Österreich-Ungarn.

2) F r a n t z, Rußlands Eintritt in den Weltkrieg (Berlin 1924), 24 ff. Laut Walentinow, Das militärische Übereinkommen Rußlands mit den ausländischen Mächten vor dem Kriege 1914—1918 (in Wojenno istoritscheski sbornik, Moskau 1919, Heft 2, 112), hatte im Jahre 1911 der damalige russische Generalstabschef General Schilinski seinem französischen Kollegen eröffnet, daß die russische Heeresorganisation schon Ende 1916 beendet sein werde.

nicht nur der Zahl, sondern auch dem inneren Werte nach ein wahrhaft achtunggebietendes Kriegswerkzeug. Die Führung hatte meist bis zum Kompagniekommandanten herab noch den Feldzug im fernen Osten mitgemacht. Die Truppe war in der kriegsmäßigen Ausbildung, zumal in der geschickten Ausnützung des Geländes gegenüber der modernen Feuerwaffe, dem Gegner gewiß überlegen. Trotz der mannigfaltigen nationalen Zusammensetzung erhielt das Heer durch den echten Russen, den „Muschik“, sein Gepräge. Der Muschik war ein guter, zäher, ausdauernder, genügsamer Soldat; er zeigte ein hohes Maß von Opferwilligkeit, das freilich weniger moralischen Impulsen, als einer seit Jahrhunderten gezüchteten Unterwerfung unter fremden Willen und echt russischem Fatalismus entsprang. Dieser Fatalismus reichte auch bis in die höchste Führung hinauf; ihn bei den Befehlshabern aller Grade zu bekämpfen, betrachtete der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, der an Stelle des Zaren mit Gen. Januschkiewitsch als Generalstabschef und mit Gen. Danilow als erstem Quartiermeister zur Seite die Oberleitung über alle Feldarmeen übernommen hatte, als eine seiner wichtigsten Aufgaben.

Schon am 6. August hatte die russische Heeresleitung, „Stawka“ genannt, von ihren Kundschaftern sichere Nachricht darüber erhalten, daß die deutschen Truppen in Pommern, Posen und Schlesien nach dem Westen gerufen waren und Deutschland somit seine Hauptkraft nach dieser Richtung ansetzte. Damit konnte von den zwei durch den Generalstab vorbereiteten Aufmarschlösungen G (Germania) und A (Austria) die zweitgenannte in Geltung treten. Für beide Fälle war die Teilung der Feldarmee in zwei Heere vorgesehen, ein Nordwestheer unter dem früheren Generalstabschef Gen. Schilinski, das jedenfalls aus der 1. und

2.    Armee, und ein Südwestheer unter Gen. Iwanow, das stets aus der 5.,

3.    und 8. Armee zu bestehen gehabt hätte. Die starke 4. Armee war im Kriegsfälle G dem Nordwestheer anzuschließen, sonst der Südwestfront. War die Räumung des Landes westlich der Weichsel unter allen Umständen beschlossene Sache, so sollte, wenn ein Angriff der deutschen Hauptkräfte drohte, überdies östlich von Warschau gegen Brest-Litowsk hin ein beträchtlicher Gebietsstreifen freigegeben werden und die Armeen hätten dann gegenüber beiden Gegnern, wenn geboten sogar nach dem Vorbilde von 1812, das Herankommen der asiatischen Truppen in Abwehr erwarten sollen, ehe sie zum Gegenschlag ausholten.

Für den Eintritt des Kriegsfalles A hatte Frankreich seit Jahren den nachdrücklichen Wunsch erhoben, daß sich Rußland mit der Hauptmasse seines Heeres nicht zuerst gegen Österreich-Ungarn, sondern sofort gegen Deutschland wende. Der russische Generalstab hielt zwar von der Widerstandskraft des ,,bunt zusammengesetzten Heeres“ der Donaumonarchie nicht viel, er wagte es aber doch nicht, an diesem glattwegs vorbeizumarschieren, ehe er ihm einen genügend wirksamen Schlag versetzt hatte. Ja, er kam im Ernstfälle sogar der im Jahre 1912 gegenüber Frankreich übernommenen Verpflichtung, an der deutschen Front doch mindestens 800.000 Mann zu verwenden, keineswegs nach, da er von seinen Streitkräften fürs erste gegen Ostpreußen schließlich nur 34 Infanteriedivisionen, gegen Galizien aber 46V2 ins Treffen schickte.

Diese beiden Heere sollten sich nach den Plänen der russischen Leitung wie zwei Hände, die sich zur Faust ballen wollen, um die Bastionen von Ostpreußen und Ostgalizien legen. Erst wenn diese Bastionen

— oder doch wenigstens die südliche der beiden — eingerissen waren, sollte dem französischen Sehnen entsprochen und über Warschau der Vormarsch ins Herz Deutschlands angetreten werden. Je eine Flügelarmee, die 7. und die 6., waren einerseits zur Deckung der Küste des Schwarzen Meeres und gegen Rumänien, andererseits zur Sicherung von Petersburg und Finnland ausgeschieden. Die Zusammenkunft des Zaren mit dem Rumänenkönig, die kurz vor Kriegsausbruch veranstaltet worden war, hatte aber den Russen jedenfalls so viel Beruhigung gewährt, daß sie nun das VIII. Korps aus Odessa sofort an die galizische Front zu werfen wagten. Um den durch die ersten Kriegsmaßnahmen doch stark enttäuschten Franzosen guten Willen zu beweisen und mit dem festen Entschluß, nach Niederwerfung der beiden Bastionen wirklich auf Deutschland loszustürzen, ordnete der Großfürst-Generalissimus überdies schon zwischen dem 7. und 10. August die Aufstellung zweier Armeen um Warschau an, einer 9., die aus dem XVIII., dem Gardekorps und bald auch dem finnischen XXII. Korps der 6. Armee zu bestehen hatte, und einer 10., der das III. sib., das I. turk. und das II. kauk. Korps zugedacht waren. Von diesen 6 Korps sollten 4 gegen den Raum Thorn—Posen, 2 gegen Posen—Breslau vorgehen. Gegebenenfalls konnte ihnen auch das nach Iwangorod gewiesene III. kauk. Korps als Flankendeckung zugewiesen werden 1).

Die beiden Frontbefehlshaber — Schilinski gegen Ostpreußen und Iwanow gegen Galizien — waren organisationsgemäß mit großer Selbständigkeit ausgestattet, der gegenüber sich die Stawka mitunter außer*) Zichowitsch, Strategische Studie über den Weltkrieg 1914—1918, I. Teil. In russischer Sprache (Moskau 1922), 42 f und 50 f; im Zuge dieser Aufstellungen mußte die 4. Armee ein Korps an die 1. abgeben.

ordentlich schwer durchzusetzen vermochte. Die außerhalb der beiden Befehlsbereiche stehenden oder erst anfahrenden Heereskörper boten sich nicht selten als das einzige Mittel, den Willen der höchsten Führung an den Fronten zur Geltung zu bringen.

Die Lösung der Aufgabe gegen Ostpreußen bereitete der russischen Heeresleitung im Hinblick auf die zahlenmäßige Überlegenheit anfangs wenig Sorge. GdK. Schilinski hatte am 17. August mit der 1. Armee vom Niemen her, zwei Tage später mit der 2. vom Narew aus den Vormarsch anzutreten. Schwieriger schien die Lage im Süden zu sein, wo sich zwischen Weichsel und Dniester die vier Armeen Iwanows in weitem Bogen um Galizien legten. Wohl waren dank den von Frankreich geliehenen Summen, die letzte zu 2V2 Milliarden Franken im Jahre 1913., die Aufmarschverhältnisse gegen Österreich-Ungarn zu Kriegsbeginn schon weitaus gebessert1). Die Leistungsfähigkeit der im Grenzraume Iwangorod—Nowosielica einmündenden Bahnen betrug nach Ansicht des öst.-ung. Generalstabes täglich 260 Zugspaare gegenüber den 153, mit denen Österreich-Ungarn in der gleichen Zeit für seinen Aufmarschraum rechnen durfte. Aber das entscheidende Übergewicht der Zahl konnte infolge der Entfernungen erst allmählich voll in Wirkung treten. Außerdem wurde den Russen die ihnen verborgen gebliebene Zurückverlegung des öst.-ung. Aufmarsches an den San und Dniester zu einer unangenehmen Überraschung; denn sie hatten gehofft, drei von den vier gegnerischen Armeen in der weit vorgeschobenen Front Nisko—Brody— Zalośce—Kopyczyńce schon im Aufmarsch fassen zu können2).

Auf eine strategische Aufklärung in des Wortes eigentlicher Bedeutung hatte Iwanow, offenbar aus geringem Vertrauen auf den Erfolg, trotz der zur Verfügung stehenden gewaltigen Reitermassen verzichtet; das Vorfühlen russischer Divisionen nach Galizien war eher eine Ver-schleierungs- als eine Erkundungsmaßnahme gewesen. Iwanows wichtigste Nachrichtenquelle bestand in einem engmaschigen Konfidentennetz, das sich, nicht zuletzt dank der russophilen Werbearbeit unter den stammverwandten Ruthenen (Ukrainern), über ganz Ost- und Mittelgalizien bis in die Beskiden hinein erstreckte und in seiner Mannigfaltig*) Eisenbahnbureau des k.u.k. Generalstabes. Mitteilungen' über Eisenbahnen in Rußland, April 1914. — Suchomlinow, Erinnerungen (Berlin 1924), 240 ff. — Ratzenhofer, Rußlands Aufmarschkraft gegen Österreich-Ungarn (Wehrzeitung 1928, Folge 15;. — Derselbe, Österreich-Ungarns und Rußlands Aufmarschkraft, ein Prüfstein des Willens zum Angriffskrieg (Kriegsschuldfrage, Heft 5, 1928).

2) Danilo w, 223.

keit den öst.-ung. Armeen anfangs manche schwere Ungelegenheit bereitete1). Nichtsdestoweniger war in der Beurteilung der gegnerischen Lage die Unsicherheit bei der russischen Führung kaum geringer als bei der österreichisch-ungarischen. Sie wirkte, sehr zum Mißbehagen des Großfürsten-Generalissimus, auf den klugen, aber methodischen und zaudernden Oberbefehlshaber der Südwestfront besonders zurück. Immer wieder sah sich der Großfürst genötigt, den General zur ehesten Aufnahme des Vormarsches anzuspornen. Erst am 18. August ließ sich Iwanow bei einer Besprechung zu Rowno die Zustimmung zum ungesäumten Ausschreiten seines linken Flügels durch die Weiterleitung des anrollenden III. kauk. Korps zu seiner 4. Armee erkaufen.

Der große Plan des russischen Generalstabes ging darauf hinaus, die in Ostgalizien aufmarschierenden gegnerischen Streitkräfte durch umfassenden Angriff vernichtend zu schlagen und ihren Rückzug in westlicher Richtung auf Krakau und ein Ausweichen nach Süden hinter den Dniester zu verhindern. Der mit der Leitung des Kampfes gegen Österreich-Ungarn beauftragte Gen. Iwanow wies hiezu die um Lublin aufmarschierende, zunächst 9V2 Infanterie- und 41/2 Kavalleriedivisionen starke 4. Armee unter Gen. Baron Salza an, über den San unter allmählicher Heranziehung von Verstärkungen in den Raum Dębica—Rzeszów vorzudringen und dem gegnerischen Heere den Rückzug nach Krakau abzuschneiden. Die 13 Infanterie- und 5 Kavalleriedivisionen zählende 5. Armee des Gen. Plehwe sollte vor allem den Raum Cieszanów—Rawa Ruska—Magierów nordwestlich von Lemberg gewinnen, um von hier aus bei Przemyśl oder Lemberg in die Kämpfe einer der beiden Nachbararmeen einzugreifen oder zwischen diesen beiden Städten durchzustoßen. Die von Rußki befehligte 3. Armee, 13 Infanterie- und 5 Kavalleriedivisionen stark, erhielt den Auftrag, vom „kleinen Festungsdreieck“ aus Lemberg zu nehmen, indes die aus 11 Infanterie- und 4 Kavalleriedivisionen zusammengesetzte 8. Armee unter Brussilow zwischen Lemberg und dem Dniester, mit zum Flankenschutz zurückgebogenem Südflügel, durchdringen sollte. Die Seitendeckung zwischen Dniester und Pruth war einer besonderen Abteilung der 7. Armee zugedacht, wurde aber schließlich fürs erste von einer Brigade der 12. ID. Brussilows, der Vorläuferin des „Dniesterdetachements“, besorgt2).

J) Auffenberg, Höhe und Niedergang, 281. — Metzger,' Der Krieg 1914 gegen Rußland (Schwarte, V, 31).

2) Zajontschkowskij, Strategische Studie über den Weltkrieg 1914—1918, VI. Teil. In russischer Sprache (Moskau 1923), 51 ff. — D a n i 1 o w, 230 f. — Z i c h O' witsch, 10 ff.

1 2. Aufl.    12

Es war in erster Linie dem Betreiben des Großfürsten-Generalissimus zuzuschreiben, wenn Iwanow sich entschloß, die 8. Armee schon am 18., die rechts von ihr aufmarschierende 3. am 19. austreten zu lassen, ohne daß das III. kauk. und das XXIV. Korps abgewartet wurden. Solcherart hatte am 22. August die 8. Armee mit den Korps VII, XII und VIII schon den Zbrucz zwischen Woloczysk und Husiatyn überschritten, während das die südliche Flanke deckende XXIV. Korps noch bei Kamieniec-Podolski zurückgeblieben war. Die 3. Armee kam am selben Tage zwischen Zbaraż und dem oberen Bug an die Reichsgrenze heran. Die nur zum Teil versammelte 5. Armee hatte ihre vorderen Staffeln bis an die Linie Krasnostaw—Wladimir-Wolynski vorgeschoben, die noch unvollständigere 4. Armee *) an die Linie Józefów—Bychawa. Beide Armeen sollten nichtsdestoweniger ihre Vorrückung in südwestlicher Richtung schon am 23. aufnehmen. Ihren Operationen konnte, mochte die russische Heeresleitung denken, der Vorsprung des linken Flügels unter Umständen zustatten kommen, da er geeignet war, die Aufmerksamkeit des Gegners gegen Osten abzuziehen. Der entschiedene Wille Conrads, vor allem nach Norden hin Luft zu schaffen, und die Zurückhaltung, die er, wenigstens im Anfang, seiner Flügeldeckung, der Armeegruppe Kövess, auferlegt hatte, ließen diese Hoffnung zunächst unerfüllt bleiben. Da die Gegner am Westflügel einander in engerer Mensur gegenüberstanden, kam es hier, zwischen Bug und Weichsel, zum ersten großen Zusammenstoß.

Der Nordstoß des österreichisch-ungarischen Heeres

Der Sieg bei Kraśnik (23. bis 25. August)

Hiezu Skizze 3 und Beilage 9

Während am 23. früh der linke Flügel der Russen auf ostgalizi-schem Boden Raum gewann, trat auch der rechte den Vormarsch an. Die 5. Armee, Gen. Plehwe, erreichte an diesem Tage die Linie Izbica— Hrubieszów—Władimir-Wolyński, wo sie am 24. das Herankommen weiterer Transporte abzuwarten gedachte. Demgemäß konnte Auffen-bergs 4. Armee ihren Vormarsch durch die Wald-, Sand- und Sumpf-

lj Von drei dieser Armee zugewiesenen Reservedivisionen wie auch von der UralKosD. war am 23. noch kein Mann zur Stelle. (Eintreffübersicht in La grande guerre. Relation de l’etat-major russe [Paris 1926], 22.) zone am oberen Tanew reibungslos vollführen und am 23. abends die ihr zugewiesenen Lager hinter der Linie Narol—Tereszpol beziehen. Abgeblieben waren noch das XVII. Korps, das um Radymno und Jaroslau aus der 19. ID. und den MaBrig.2 und 9 neu gebildet wurde, und die

26. SchD., deren Masse eben erst in den Aufmarschraum einrollte. Die aus Syrmien kommende 23. HID., die ebenfalls der 4. Armee zugedacht war, wurde nach der Ausladung in Sądowa-Wisznia der 3. Armee nachgesandt.

Der Führer der russischen 4. Armee, Gen. Salza, wies seine Korps, das XIV., XVI. und die Grenadiere, für den 23. August an, in breiter Front bis an die Linie Zaklików—Janów—Frampol vorzubrechen. Die durch die GKBrig. verstärkte 13. KD. hatte längs des östlichen Weichselufers, die

S.DonKosD. links vom Grenadierkorps gegen Flanke und Rücken des Gegners auszuholen. Die noch westlich der Weichsel verbliebene 14. KD. wurde gegen Sandomierz und Baranów vorgesandt.

Da am gleichen Tage auch die k.u.k. 1. Armee das Gelände nördlich der Tanewregion gewinnen wollte, um von dort aus „durch kräftiges Vordringen mit dem westlichen Armeeflügel gegen Norden ein erfolgreiches Einschwenken der Armee gegen Osten anzubahnen“, mußte es im Gelände südlich von Kraśnik zu einem Zusammenstoß der beiden westlichen Flügelarmeen kommen.

Die Reiterei Dankls hatte schon in den letzten Tagen in diesem Raume an Russen neben der 13. KD. und der GKBrig. auch die 18. ID. des russ. XIV. Korps festgestellt. Die Durchquerung der 15 bis 30 km breiten Tanewniederung erheischte entsprechende Vorbereitungen, die an dem zum „Aufschließen“ bestimmten 22. August getroffen werden konnten. Um der Armee das Heraustreten aus den Engwegen zu sichern, wurden gemischte Abteilungen der 12. ID. an den Höhenrand vorgetrieben. Die Vortruppen der Korps erhielten den Auftrag, darüber hinaus der Linie Goraj—Polichna—Gościeradów—Annopol zuzustreben und sich dort festzusetzen. Von den Kavalleriedivisionen war die 9. vor den rechten, die 3. vor den linken Flügel gewiesen. Unmittelbar westlich der Weichsel hatte, um zugleich den Einbau einer für die Armeegruppe Kummer bestimmten Kriegsbrücke bei Zawichost zu decken, die von Krakau auf Weichselkähnen flußabwärts herangeführte 110. LstlBrig. bis Lasocin vorzustoßen. Zwei andere, mit Bahn herangeführte Landsturminfanteriebrigaden, die

1. und die 36., konnten am 26. im Mündungswinkel des Sanflusses zur Hand sein.

Am 23. August zu früher Stunde brachen die Kolonnen der 1. Armee auf, um zuverlässig noch am selben Tage ihre weitgesteckten Ziele zu erreichen. Unter der sengenden Glut der Hochsommersonne arbeiteten sich die Truppen Dankls auf den tiefsandigen, oft auch versumpften Wegen vorwärts. Gegen 9h vorm. traten die ersten Abteilungen des I. Korps, GdK. Karl Freih. v. Kirchbach, die 5. und die 46. ID., nördlich von Zaklików gegen die von Kraśnik anrückende russische 18. ID. in den Kampf. Durch frisches Zufassen sicherten sie den nachfolgenden Marschsäulen den Aufstieg aus der Niederung und die Entfaltung zum Angriff. In harten, bis zum Abend währenden Kämpfen warfen die westgalizischen, schlesischen und mährischen Regimenter Kirchbachs den Feind über Gościeradów gegen Norden zurück. In die Niederlage sahen sich nachmittags auch die westlich von Gościeradów stehende russische 13. KD. und die ihr angeschlossenen Schützenregimenter hineingerissen. Sie hatten noch am Vormittag der k.u.k. 3. KD. ein für diese wenig glückliches Treffen geliefert, waren aber nach Mittag von Annopol her durch den mit seiner 12. ID. und der 1. MaBrig. dorthin vorgerückten FML. Kest-řanek angefallen und zum Rückzug gezwungen worden1).

Von dem in der Mitte der 1. Armee vorgehenden V. Korps, FZM. v. Puhallo, nahm GM. v. Schariczer mit dem IR. 76 und zwei Batterien schon bei Morgengrauen die Höhe südlich von Polichna in Besitz. Um die Mittagsstunde rannten überlegene Teile der feindlichen 45. ID. (XIV.Korps) dawider vergeblich Sturm. Bald darauf schritt das IR. 76 zum Gegenstoß und entriß dem zu beträchtlicher Stärke angewachsenen Feinde in heldenhaften, aber auch sehr verlustreichen Angriffen die Ortschaft Polichna. Links davon warf das um lh nachm. angelangte Detachement GM. v. Willerding die Russen, wobei sich das FJB. 11 besonders hervortat2). Andere Teile der 14. ID., FML. Martiny, wirkten an der Krönung des Erfolges mit. Die Hauptkraft des Korps, die 33. ID. und die 37.HID., konnte rechts der 14. kampflos ihre Lager beziehen. Gleiches war dem k.u.k. X. Korps, GdI. Hugo v. Meixner, vergönnt. Dieses nächtigte ohne Berührung mit dem Feind, aber nach einem beschwerlichen Marsche, bei dem manche Truppe 30 km zurückzulegen hatte, auf den Höhen nordwestlich und östlich von Frampol. Die 9. KD., die südlich des Porbaches

x) Mjr. Oskar H o f m a n n des FKR. 1 führte bei Gościeradów aus eigenem Entschluß eine Batteriedivision gegen Flanke und Rücken des Feindes vor; er wurde hiefür mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens belohnt.

2) GM. Schariczer, GM. Willerding und Obst. Boeriu, der Kmdt. des IR. 76, wurden für ihr Verhalten bei Polichna mit dem Ritterkreuz des MilitärMaria Theresien-Ordens ausgezeichnet. — Die neuösterreichischen Nachfolgetruppenkörper des IR. 76 und des FJB. 11, das Burgenländische FJB. 1 und das Burgenländische FJB. zu Rad Nr. 1, begehen den Tag von Polichna als Truppengedenktag.

schwache feindliche Infanterie mit Reiterei gemeldet hatte, bezog, von zehntägiger aufreibender Aufklärungstätigkeit ermattet, in Frampol Erholungsquartiere.    •

- Der mit Ungestüm vorgetragene Angriff des linken Flügels der

1. Armee hatte in vielverheißender Weise den Kampf zwischen der Weichsel und dem Bug eingeleitet. GdK. Dankl hieß, in der Absicht, den Feind nach Osten abzudrängen, das I. Korps für den 24. den Angriff westlich an Kraśnik vorüber fortzuführen, indes der linke Flügel und die Mitte des V. Korps näher an diese Stadt herangehen sollten. Der Rest des V. und das X. hatten sich in der erreichten Linie bereitzuhalten, um gegebenenfalls auf Befehl des Armeekmdos. gegen den Por-bach vorbrechen zu können.

Der Plan, den Feind von links her zu umfassen, entsprach den Wünschen der Heeresleitung. Die Armeegruppe Kummer, die am 23. auf einen schwachen Tagmarsch an Opatów herangekommen war, wurde vom AOK. aufgefordert, ehestens mit möglichst starken Kräften die Weichsel bei Sandomierz und Annopol zu überschreiten und solcherart den Stoßflügel Dankls zu verstärken. Als das AOK. außerdem durch Flieger Nachricht über den Anmarsch zweier russischer Korps, es waren dies das XVI. und die Grenadiere, gegen den Porbach erhielt, erwog es, auch noch Teile des am linken Flügel der 4. Armee angesetzten II. Korps in den Kampf der 1. Armee einzusetzen, was in Anbetracht der gleichfalls bekanntgewordenen Zurückhaltung der russischen 5. Armee wohl zulässig gewesen wäre, angesichts des günstigen weiteren Verlaufes der Schlacht dann aber doch nicht verfügt wurde.

Bei den Russen wich das geschlagene XIV. Korps am 23. abends auf die Höhen westlich von Kraśnik zurück. Die Masse des XVI. und das Grenadierkorps waren nicht über den Porbach hinausgegangen; nur Vorhuten standen südlich davon. Die 3.DonKosD. streifte nordöstlich von Tereszpol. Unter dem ersten Eindruck des Mißerfolges und auf die Meldung vom Anmarsch dreier gegnerischer Kolonnen über Biłgoraj nach Norden — offenbar des k.u.k. X. Korps, vielleicht auch des II.— war Salza gesonnen, mit der ganzen Armee südlich der Wyżnica und des Porbaches in die Abwehr zu fallen, wozu er dem hart mitgenommenen XIV. Korps eine Brigade des XVI. überwies. Doch unterließ es General Salza schließlich, den tags zuvor an das XVI. Korps und die Grenadiere erlassenen Befehl zum Erreichen von Janów und Frampol zurückzunehmen. Dies scheint durch eine wohl noch in Unkenntnis der Ereignisse vom 23.erteilte Weisung Iwanows veranlaßt worden zu sein, die in Erweiterung früherer Aufträge der 4. Armee ausdrücklich die Besetzung der Sanlinie von der Flußmündung bis Jaroslau vorgezeichnet hatte41).

Das XVI. Korps und die Grenadiere stießen am 24. August früh, dem zweiten Tag der Schlacht bei Kraśnik, auf unser V. und X. Korps. Vom zurückgehaltenen X. Korps hatte die bei Goraj beiderseits der Ładaniederung stehende 24. ID. heftige Anstürme der Grenadiere abzuwehren, indes links von ihr die 2. ID., FML. Lipoščak, sich die 41. ID. des XVI. Korps durch schneidige Gegenangriffe vom Leibe hielt. Als sich die Russen nachmittags gefahrdrohend in die Lücke zwischen den beiden Divisionen einschoben, eilte die 9. KD. herbei, um den Feind im Kampf zu Fuß zu werfen. Die Entscheidung brachte der rechte Flügel des X. Korps, die 45. SchD., FML. Ljubicić, die östlich der Lada die Grenadiere umfassend anging, wobei sie von der bei Tereszpol stehenden 4. ID. der 4. Armee artilleristisch trefflich unterstützt wurde. Für die Russen gab es nun kein Halten mehr; sie ließen zahlreiche Gefangene und 19 Geschütze in den Händen des Angreifers.

Die 37. HID. focht in Anlehnung an die 2. ID. in erfolgreicher Abwehr gegen Teile des russ. XVI. Korps. Der linke Flügel des V. Korps, die 33. und die 14. ID., traf beim Einschwenken gegen Kraśnik auf die inneren Flügel des XVI. und des XIV. Korps der Russen. In heftigem, wechselvollem Ringen, bei dem namentlich die 33. ID., FML. Edler v. Re-bracha, Raum zu gewinnen vermochte, wurden dem Feinde die Höhen am Südwest- und Südrand von Kraśnik entrissen.

Das I. Korps, an dessen Befehle nun auch wieder die tags zuvor armeeunmittelbar gewesene Gruppe Kestřanek gewiesen war, verwandte den Vormittag zu sorgfältiger Bereitstellung. Die 46. SchD., FML. Nastopil, wirkte westlich und südwestlich von Kraśnik an den Erfolgen des V. Korps mit. Die 5. ID., FML. Scotti, warf das XIV. Korps des Feindes über die Wyżnica zurück und erreichte, sich dem gegen Nordwesten weichenden Feinde an die Fersen heftend, mit den Vortruppen abends den Raum um Urzędów.

Die Gruppe Kestřanek blieb gegenüber den beiden anderen Divisionen des Korps in der Staffel links. Weiter westlich, im Weichseltal, fühlte die 3. KD. aus der Gegend von Józefów vor. Nachrichten über Bewegungen in diesem Raume kamen dem russischen Armeeführer um Mittag zu. Sie machten auf den schon durch die Ereignisse vom 23. stark bedrückten Gen. Salza einen solchen Eindruck, daß er seine Armee zum Rückzug in die Linie Wilkołaz—Bychawa—Krzczonów anwies1). Zuletzt blieben aber die Russen an diesem Abend doch noch weiter südlich stehen. Der rechte Flügel der k.u.k. 1. Armee war durch die Kämpfe zu stark ermüdet, um bei einbrechender Dunkelheit die Verfolgung noch über den Porbach hinaustragen zu können. Der linke Flügel war schon einige Stunden früher vom Armeekmdo. auf die jedenfalls übertriebene Nachricht, daß von Opole her stärkere Feindkräfte im Anmarsch seien, mit Ausnahme der bis Urzędów gelangten Olmützer Division zum Anhalten südlich der Wyżnica befohlen worden, damit er vor unliebsamen Überraschungen bewahrt bleibe. Auf solche Weise für den Augenblick nicht mehr bedrängt, konnte sich selbst das stark mitgenommene XIV. Korps mit scharf gegen Wilkołaz zurückgebogenem rechten Flügel noch auf den Höhen östlich von Kraśnik halten, während das XVI. bei Batórz, das Grenadierkorps nördlich des Por bei Turobin nächtigte.

Die Nachrichten vom Schlachtfeld bei Kraśnik waren darnach angetan, auch die übergeordneten russischen Befehlsstellen in schwere Unruhe zu versetzen. Fiel doch der Mißerfolg, den hier die Russen erlitten, just in jenen Raum, von wo aus das Zarenheer durch den Vorstoß über den San dem Gegner den tödlichen Schlag versetzen wollte! Und nun mußte man noch dessen froh sein, wenn man sich überhaupt hielt! Gen. Iwanow betrieb als Oberbefehlshaber der Südwestfront den eiligsten Antransport der 80. RD. nach Lublin 2) und auch die Stawka raffte sich zu schwerwiegenden Entschlüssen auf. Sie vermutete den rechten Flügel des nach Norden stoßenden öst.-ung. Heeres an der Straße Tomaszów—Zamość und wies die bis zur Linie Izbica—Hrubieszów gelangte 5. Armee an, nunmehr ausgesprochen die Richtung Südwest zu nehmen und den Gegner in Flanke und Rücken zu fassen. Das rechte Flügelkorps der Armee, das XXV., hatte am Wieprz schnurstracks nach Westen aufzuschwenken, eine Brigade hievon auf Bitte Salzas direkt nach Lublin zu marschieren3). Gen. Salza sollte sich bis zum Eingreifen der 5. Armee unbedingt noch auf den Höhen von Goraj halten. Der General hoffte, diese Aufgabe so lösen zu können, daß sein rechter Flügel, das XIV. Korps, dem hier besonders stark drängenden Gegner nachgebend, die Linie Bełżyce—Wilkołaz beziehen, sein linker aber neuerlich über den Porbach südwärts angreifen sollte. Als Drehpunkt dieses schwierigen Manövers, das bei Truppe und Führung erhebliche Lenkbarkeit voraussetzte, hatte

1)    La grande guerre, 140 ff.

2)    Zicho witsch, 144.

3)    La grande guerre, 142 f. — D a n i 1 o w, 234 f.

die 45. ID. bei Wilkołaz zu wirken, während der verstärkten 13. KD. der Schutz der Nord westflanke zufiel.

GdK. Dankl rief für den 25. August seinen linken Flügel zu neuerlicher Umfassung des Gegners auf, indes der rechte wieder stehenzubleiben hatte. Das I. Korps sollte hiezu um 8h vorm. von Urzędów aus gegen Wilkołaz vorbrechen. Die Besorgnisse wegen einer Störung von Opole her zerstreuten sich. Nichtsdestoweniger sollte die Gruppe Kestřanek wieder als Flankenschutz zurückgehalten werden, wobei sie gleichzeitig einen bei Józefów geplanten Weichselübergang der bis zur Ka-miennamündung vorgezogenen 110. LstlBrig. zu decken gehabt hätte.

Das I. Korps brach wegen Übermüdung der Truppen erst gegen 10h vorm. auf. FML. Kestřanek, dem die ungarische 101. LstlBrig. nachgesendet worden war, eilte mit seinen Regimentern, ehe sie der verspätet einlangende Befehl der Armee erreichte, weiter links über die Wyżnica hinweg. Der linke Flügel Dankls scheint gerade in das Umgruppierungsmanöver Salzas hineingestoßen zu sein. Die Russen, einmal in Bewegung, räumten das Schlachtfeld und zogen auch ihren östlich von Kraśnik stehenden linken Flügel mit, der sich nicht mehr zu dem ihm übertragenen Angriff auf Goraj aufzuraffen vermochte. In den ersten Nachmittagsstunden konnte für die k.u.k. 1. Armee kein Zweifel mehr bestehen: der Feind befand sich in vollem Rückzuge gegen Lublin. Als zur selben Zeit die Patrouillen des X. Korps gegen den Porbach vorgingen, sahen sie auf dem Gefechtsfeld des Vortages Massen russischer Gewehre und Ausrüstungsgegenstände vor sich verstreut liegen. So hatte der Kampf am 24. sogar die Elitetruppe der Grenadiere zu erschüttern vermocht!

In der dreitägigen Schlacht bei Kraśnik waren auf öst.-ung. Seite 144 Bataillone, 71 Schwadronen und 354 Geschütze, bei den Russen 104 Bataillone, 100 Schwadronen und 350 Geschütze angesetzt. Die blutigen Verluste waren auf beiden Seiten sehr schwer und ließen die Opfer ahnen, die der Krieg weiterhin fordern mochte. Der Russe verlor überdies 6000 Mann an Gefangenen und 28 Geschütze. Das öst.-ung. Heer hatte den Feldzug durch einen verheißungsvollen Erfolg eingeleitet, der dem siegreichen Armeeführer GdK. Dankl eines der ersten im Weltkrieg verliehenen Kommandeurkreuze des Theresienordens eintrug.

Die strategische Bedeutung des Erfolges bei Kraśnik liegt in der Tatsache, daß es Conrad gelungen war, in dem für Österreichs Heer äußerst bedrohlichen, für Deutschland als Aufmarschraum gefährlichen Weichsel-Bugabschnitt die Initiative an sich zu reißen, hiedurch zunächst das Gesetz des Handelns zu diktieren — was sogleich in den tiefgreifenden Entschlußänderungen zum Ausdruck kam, mit denen die Stawka schon am zweiten Schlachttage ihre Folgerungen zu ziehen begonnen hatte. Sie war zunächst genötigt gewesen, die 5. Armee zum Einschwenken gegen Westen zu befehlen, womit der k.u.k. 4. Armee die willkommene Gelegenheit zum Flankenangriff und zu einem eindrucksvollen Schlachtenerfolg geboten werden sollte. Womöglich noch schwerer fiel ins Gewicht, daß durch Kraśnik die Auflösung jener gewaltigen Masse eingeleitet worden war, die der Großfürst-Generalissimus um Warschau zum Vorstoß gegen Deutschland zu sammeln begonnen hatte. Noch am 23. war er, wohl auf den Hilferuf der bedrängten Franzosen hin, fest entschlossen, die Versammlung der 10. Armee nicht abzuwarten, sondern die 9. ehestens nach Deutschland aufbrechen zu lassen, wobei das nach Iwangorod rollende III. kauk. Korps über Kielce zu folgen gehabt hätte 42). Bereits 48 Stunden später sah er sich gezwungen, das Spitzenkorps der 9. Armee, das XVIII., gegen den rechten Flügel der von Dankl in der empfindlichsten Richtung hart bedrängten 4. Armee abzudrehen. Damit war der Plan eines ungesäumten Vormarsches der Warschauer Gruppe gegen Deutschland mehr oder minder zurückgestellt. Beinahe hätte Kraśnik in der Ausstrahlung seiner Wirkung selbst den in Ostgalizien kämpfenden k.u.k. Streitkräften Entlastung gebracht; denn die Russen erwogen in der Bedrängnis sogar, das XXIV. Korps vom äußersten linken auf den äußersten rechten Flügel zu verschieben und ebenso das rechte Flügelkorps der 3. Armee der 5. zu überweisen. Diese Maßnahmen blieben jedoch unausgeführt.

AnStelle des Gen. Salza wurde am 25. August derGen.Ewert an die Spitze der 4. Armee gerufen. Man warf Salza vor, das große Waldgebiet am Tanew mangelhaft aufgeklärt, für die Verbindung der einzelnen Befehlseinheiten und für die Anlehnung an die Weichsel schlecht vorgesorgt und dadurch die Niederlage verschuldet zu haben. In Wirklichkeit ist der Mißerfolg doch vor allem dadurch verursacht worden, daß die nach Westen weit vorgestreckte 4. Armee am spätesten operationsbereit werden konnte, aber in dem Bestreben, die Einkreisung des öst.-ung. Heeres möglichst rasch und zielsicher einzuleiten, unfertig, wie sie war, zum Angriff vorgetrieben worden ist. Die Gefahr einer solchen Einschnürung hatte der Sieg bei Kraśnik nunmehr bis auf weiteres gebannt, ganz abgesehen von der mächtigen Stärkung des Selbstbewußtseins, das hiedurch den gesamten öst.-ung. Truppen dieses Kampfgebietes offensichtlich erwuchs.

Die Maßnahmen der beiderseitigen Führung in den Ziagen der Schlacht bei Kraśnik

Hiezu Beilage 9

Während das Hauptquartier in Przemyśl die Nachrichten vom Schlachtfelde bei Kraśnik gehobenen Sinnes entgegennehmen durfte, zog im Osten Galiziens ein schweres Unwetter herauf. Die russische 3. und

8. Armee waren gegenüber den schrittweise weichenden Sicherungstruppen in zielsicherem Fortschreiten gegen Lemberg begriffen. Zwar war man über die tatsächliche Überlegenheit dieses Gegners beim AOK. noch einige Tage hindurch im unklaren. Wenn GdI. Conrad in seinen Denkwürdigkeiten schreibt, man habe in Przemyśl bis zum 24. August nachmittags die Stärke des im Raume nordöstlich und östlich von Lemberg eingebrochenen Gegners auf 10 Divisionen geschätzt, so konnte er nach der Aktenlage wohl nur die Gesamtheit der ihm gemeldeten Infanterie- und Kavalleriedivisionen des Feindes meinen1). Nichtsdestoweniger rückte auch ein Auftreten solcher noch nicht erdrückender Kräfte das Problem des Flankenschutzes von Stunde zu Stunde dringender in den Vordergrund; dies um so mehr, als jeder Schritt, den die Stoßarmeen nach Norden taten, die Verbindung zwischen ihnen und den Deckungstruppen von Lemberg lockerte. In der Disposition vom 22. hatte Conrad den Schutz Ostgaliziens neben den erst allmählich einlangenden Kräften der 2. Armee der nunmehr aus dem XII. Korps, der 11. ID., der 43. SchD. und drei Reiterdivisionen bestehenden Armeegruppe Kövess übertragen. Da zum großen Ingrimm Conrads die Ereignisse bei Šabac erhebliche Teile der

2. Armee länger festhielten, als es erwünscht war, ergab sich für das AOK. in den nächsten achtundvierzig Stunden die zwingende Notwendigkeit, für die unmittelbare Sicherung der galizischen Hauptstadt anders zu sorgen, als es bisher geplant war. Die außerordentlich schwierige Aufgabe, Flanke und Rücken der Angriffsarmeen gegen die östlich von Lemberg drohenden Gefahren zu decken, wurde nun in die Hände des die 3. Armee befehligenden GdK. Brudermann gelegt, dem hiezu das

XI.    und III. Korps und vom 23. abends an auch „vorübergehend“ das

XII.    Korps samt 11. ID. und die 8. KD. der Gruppe Kövess zur Ver-

*) Conrad, IV, 505; durch diese aus der Aktendurchsicht sich ergebende Erläuterung der Zahl 10 widerlegt sich auch der Vorwurf bei Pfeffer, „Zum 10. Jahrestage der Schlachten von Złoczów und Przemyślany, 26. bis 30. August 1914“ (Wien 1924), 42, wonach das AOK. es unterlassen habe, dem 3. Armeekmdo. die eigene bessere Kenntnis der Feindlage weiterzugeben. Vgl. S. 209.

fügung gestellt wurden. Außerdem erging an das für den 25. in Stanislau erwartete 2. Armeekmdo. die Weisung, mit den dort eintreffenden Kräften „den vom Zbrucz her erfolgenden Vorstoß zurückzuschlagen“ und so „Flanke und Rücken der Gesamtarmee zu schützen“1). Und gegen Schluß dieser am 24. abends an die Armeen erlassenen „Direktiven“ hieß es dann sogar, daß es nach erfolgreicher Führung des Nordstoßes notwendig werden könnte, „die 2., 3. und 4. Armee zu einem Vorgehen in östlicher Richtung einzusetzen“. Aber vorerst sollte doch alles, w^as gegenüber Osten geschah, ausschließlich dem alle Führerentschlüsse beherrschenden Gedanken des Nordstoßes dienen, einem Gedanken, der Conrad just in dieser Stunde neuen Erfolg verhieß, als, wie Hptm. Fleischmann meldete, der neue Befehlshaber des deutschen Ostheeres, GO. Paul v. Beneckendorff und v. Hindenburg, im Begriffe war, seine Armee gegen die russische 2. Armee, also in der „Richtung Siedlec“ anzusetzen. In diesem Sinne legte das AOK. seinen beiden östlichen Flügelarmeen auch noch am 24. um 5h3° nachm. ans Herz, die Möglichkeit eines späteren Nordmarsches nicht aus dem Auge zu lassen, und die 3. Armee mußte schon jetzt ihren bisherigen linken Flügel, die aus der 3., 8. ID. und 41. HID. bestehende Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand, an die Angriffsarmeen abgeben.

Von diesen Armeen wurde am 24., 9h abends, die 1. angewiesen, ihre Vorrückung gegen Lublin fortzuführen, wrobei ihr rechter Flügel über Biskupice vorzugehen, der linke aber unter Deckung gegen Iwangorod wie bisher die Umfassung des Feindes anzustreben hatte. Dem rechten Flügel der 4. Armee wurde, bei „starker Sicherung gegen Ost“, die Huczwa als Leitlinie angegeben. Erzherzog Joseph Ferdinand hatte „im Staffel rechts... auf Hrubieszów anzuschließen und sich ostwärts gegen den Bug zu sichern“. Der sich bei Ostrowiec der Eisenbahnlinie Sandomierz— Końsk nähernden Gruppe Kummer wurde aufgetragen, die Weichsel bei Zawichost zu überschreiten und dann in den Verband der 1. Armee zu treten, indes das deutsche Landwehrkorps südlich von Radom in der Richtung auf Iwangorod die Flankendeckung übernehmen sollte.

Die Anordnungen des AOK. legten das Schwergewicht der Operationen noch immer auf die 1. Armee und in deren Bereich auf den an die Weichsel angelehnten linken Flügel. Dies entsprach durchaus dem Grundgedanken des Feldzuges, die Russen gegen das Polesie abzudrängen. Die der Erzherzoggruppe aufgetragene Sicherung gegen Osten trug wieder der Lage hinter dem rechten Flügel der zur Stoßtruppe gehörenden 4. Armee Rechnung, wo die Rücksicht auf die Ereignisse östlich von Lemberg doch hemmend wirken konnte. Aber die durch den Eindruck des Sieges von Kraśnik beim Feinde hervorgerufenen Anordnungen, die Rechtsschwenkung der russischen 5. Armee, die damit Auffenberg die Flanke bot, und die starke frontale Stützung der russischen 4. Armee durch das XVIII. Korps, die alsbald die Tapferen Dankls zu fühlen bekamen, sollten in den nächsten Tagen bei den k.u.k. Armeen zu einem der Heeresleitung halb aufgezwungenen Wechsel der Gewichtsverhältnisse führen, der freilich fürs erste von einer neuen glänzenden Waffentat, dem Siege von Komarów, gekrönt werden durfte.

GdK. Dankl hatte in Ewert einen zielbewußten Gegenspieler erhalten. In voller Erkenntnis der Gefahren, die seinem Westflügel drohten, warf der neue Befehlshaber der russischen 4. Armee alle verfügbaren Kräfte, eine Brigade der 46. ID., die eintreffenden Teile der 80. RD. und auch die Spitzenbrigade des der Armee zugewiesenen XVIII. Korps in den Raum um Wąwolnicą. Während die Masse der Armee Ewerts in der südwestlich gerichteten Front Bełżyce—Borzechów—Bychawa— Turobin den Gegner auf sich zu ziehen hatte, sollte die um Wąwolnicą versammelte, noch durch die 13. KD. verstärkte Kraftgruppe einen entscheidenden Entlastungsstoß südwärts in die offene Flanke des Bedrängers führen. Die Ausführung dieses Flankenstoßes mußte jedoch auf sich warten lassen, da wegen der mißlichen Bahnverhältnisse das von Warschau nach Iwangorod fahrende XVIII. Korps frühestens erst am 27. abends auf das Schlachtfeld gelangen konnte.

Um so bedeutsamer war für die 4. Armee die Entlastung, die der Nachbar, die 5. Armee des Gen. Plehwe, bringen sollte. Schon am 23. hatte Iwanow dieser Armee befohlen, bei gleichzeitiger Abwehr der um Tomaszów und Zamość gemeldeten gegnerischen Streitkräfte der öst.-ung. 1. Armee in Flanke und Rücken zu fallen. Hiezu sollte sie, leicht südwestlich gewendet, am 25. die Linie Zamość—Tyszowce—Sokal erreichen. Am 24. schärfte das Kommando der Südwestfront Plehwe aufs neue ein, „mit versammelten Armeekorps den Angriff gegen die Flanke und den Rücken des die 4. Armee bedrängenden Gegners zu führen“1), dabei aber auch die Sicherung gegen Rawa Ruska nicht außer acht zu lassen und über Kamionka-Strumilowa die Verbindung mit dem Nordflügel Rußkis herzustellen.

Über den Gegner nur dürftig, zum Teil falsch unterrichtet, rechnete Gen. Plehwe, einer der angesehensten russischen Führer, für die nächste

i) Zichowitsch, 46.

Zeit nicht auf eine Begegnung mit stärkeren von Süden vorrückenden öst.-ung. Kräften. In der Tat gelangten seine Korps am 25. kampflos in die ihnen zugewiesenen Räume (Skizze 4). Das XXV. Korps war auf der Höhe von Zamość beiderseits des Wieprz gegen Westen aufgeschwenkt, solcherart trotz der Ermüdung bereit, der im engen Anschluß stehenden 4. Armee flankierend zu Hilfe zu kommen. Im Hinblick auf den Kampf, der hier am 26. entbrennen mußte, sollte die Mitte der 5. Armee, XIX. und V. Korps, gegen den Raum Tomaszów—Łaszczów zusammenschließen, um von da aus kräftig gegen Süden vorzustoßen. Das links auswärts manövrierende XVII. Korps hatte von Sokal aus je nach Bedarf westlich oder östlich des Bug die Operationen der Armee zu sichern. Die l.Don-KosD. war in die Lücke zwischen dem XXV. Korps und der Armeemitte, die 7. KD. in die Ostflanke des XVII. Korps gewiesen; die von den Kämpfen bei Turynka her arg zersauste komb. KD. wurde hinter die Front genommen1).    *

Einleitung der Schlacht bei Komarów (26. August)

Hiezu Skizze 4

GdI. Auffenberg war unterdessen bestrebt, seine Armee, die bei Einrechnung der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand noch einen Raum von 100 km Breite und 60 km Tiefe einnahm, enger zusammenzuziehen. Er begnügte sich am 25. August, sein aus dem VI., IX. und II. Korps bestehendes erstes Treffen bis Chodywance, Tomaszów und an den oberen Wieprz vorzuschieben, während die Erzherzoggruppe nach Żółkiew und Magierów gelangte. Die bei Auffenberg während dieses Vormarsches eingelangten Nachrichten ließen den Feind irrtümlicherweise schon am

24. abends mit seiner Hauptmasse in der von ihm erst tags darauf erreichten Linie Zamość—Komarów—Tyszowce annehmen. Das k.u.k.

4. Armeekmdo. rechnete daher schon für den 25., spätestens aber für den 26. mit dem Beginn einer großen Schlacht. Doch bezogen die Korps Auffenbergs am 25. schließlich ohne Störung durch die Russen die Näch-tigungsorte, und auch das Bild, das sich das Armeekmdo. über den Feind machte, hatte sich bis zu dieser Stunde einigermaßen verschoben. Es schien nun, daß in den Raum Tarnawatka—Rzeczyca lediglich drei russische Divisionen vorgeschoben waren, indessen die Hauptkräfte der

A) Zichowitsch, 151. — La grande guerre, 149, 153.

feindlichen 5. Armee noch bis Krasnostaw, Hrubieszów und Cholm gestaffelt sein mochten. Diese Auffassung veranlaßte den Führer der k.u.k. 4. Armee zu raschem Zugreifen, das übrigens auch das AOK. im Hinblick auf das Zusammenwirken mit der siegreich vordringenden 1. Armee wünschte. So stellte das 4. Armeekmdo. den ursprünglichen Plan, den 26. noch zum Aufschließen zu verwenden, gegenüber dem Entschlüsse zurück, aus der weitzerstreuten Gruppierung des Feindes Nutzen zu ziehen und sein vorderes Treffen anzugreifen, ehe die Masse der Armee Plehwes versammelt war. Hiezu hatte das II. Korps auf Zamość, das IX. Korps auf Jatutów, das VI. Korps auf Tyszowce loszugehen. Dem II. Korps wurde enge Zusammenarbeit mit dem X. Korps der 1. Armee aufgetragen, während das VI. Korps zu tief gestaffelter Marschordnung verhalten ward, um feindliche Angriffe aus der Richtung Krylów abwehren oder selbst zur Umfassung rechts ausgreifen zu können. Den beiden Kavalleriedivisionen der Armee, der 6. und der vom südlichen Kriegstheater eingelangten 10., fiel unter Befehl des älteren Divisionärs FML. Wittmann die Erkundung der Bugstrecke Sokal—Hrubieszów zu. Dem linken Flügel der Erzherzoggruppe war bereits nachmittags die Leitlinie Magierów—Uhnów vorgezeichnet worden; diese Linie wurde nun bis Tyszowce verlängert. Vom XVII.Korps sollte die 19.ID. nach Lubaczów gelangen; die beiden Marschbrigaden hatten um einen Tagmarsch weiter südlich abzubleiben43).

Die auf beiden Seiten getroffenen Anordnungen mußten am 26. August folgerichtig auch zwischen der Huczwa und dem Wieprz zur Begegnungsschlacht führen. Östlich der Straße Zamość—Tomaszów stieß das nach vorwärts aufmarschierende russische XIX. Korps um Mittag mit seiner Hauptkraft auf der Bodenwelle von Tarnawatka auf die 39. HID., den linken Flügel des enggeschlossen in den Kampf ziehenden k.u.k.VI. Korps.

Die Honvéds rückten dem Feind temperamentvoll an den Leib, errangen auch einigen Erfolg, mußten aber zuletzt auf die Höhen knapp nördlich von Tomaszów weichen, wo sie bei der Korpsreserve Rückhalt fanden. Rechts von ihr warf die 27. ID. schwächeren Feind in das Quellgebiet der Huczwa zurück, indes die 15. ID. fast ohne Kampf den Raum südlich Łaszczów erreichen konnte.

Westlich der Reichsstraße strebte dem Raume beiderseits von Zamość ein geschlossener Block von vier Divisionen — 10. des IX. Korps und 25., 13. und 4. des II. Korps — zu, dem sich auf Aufforderung durch die 4. ID. noch die Flankendeckung der 1. Armee, die 45. SchD., anschloß. Diesen meist in außerordentlich beschwerlichem Marsche nordwärts rückenden Heereskörpern trat das russische XXV. Korps mit der

3.GrenD. bei Zamość entgegen, während eine halbe 46.ID. südlich, die 70. RD. nördlich des Porbaches dem Ostflügel der 4. Armee bei Turobin zu Hilfe eilen sollte1). Die Grenadiere prallten in den Wäldern südwestlich von Zamość auf die niederösterreichischen und südmährischen Regimenter der 13. und 25. ID. und mußten, am Ostflügel von Teilen der 10. ID. gefaßt, nach erbittertem Ringen unter die Mauern von Zamość zurückweichen 2). Das gleiche Schicksal wurde durch die 4. ID. und die 45. SchD. südlich des Por der halben 46. ID. der Russen bereitet, die hinter der Łabuńka Schutz suchen mußte.

Am rechten Flügel der k.u.k. 4. Armee stießen bei Posadów die Reiter FML. Wittmanns auf zwei von einigen Kosakensotnien begleitete russische Infanterieregimenter, die das von Waręż westwärts auf Łaszczów losmarschierende V. Korps in der Südflanke deckten. Das Kavalleriekorps sandte die Hälfte seiner Schwadronen zu Fuß in den Kampf und zwang so den Feind zur Entwicklung. Eine Entscheidung unterblieb. Die beiden Kavalleriedivisionen, bei denen Munitionsmangel eingetreten war, gingen abends auf Uhnów zurück.

Die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand erhielt bald nach dem Aufbruch Kunde von einem angeblichen Vormarsch des russischen XVII.Korps sowie auch von der über Radziechów vordringenden rechten Flügeldivision der russischen 3. Armee. Das Marschziel der gemeldeten Heereskörper schien Mosty Wielkie zu sein. Der Erzherzog ließ daraufhin seine Divisionen näher gegen diesen Ort hin zusammenrücken. Es kam jedoch zu

!) Die andere halbe 46. ID. war zur Verstärkung der 4. Armee nach Lublin gezogen werden. (Siehe S. 183.)

2) K i s z 1 i n g, Das Waldgefecht bei Kąty. Besprochen in dem Aufsatz: Der Angriff im Waldkampf (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jahrg. 1928, 822 ff).

keinen Kämpfen, da das feindliche XVII. Korps bei Sokal Rasttag hielt, der Nordflügel der russischen 3. Armee aber die Richtung Kamionka-Strumiłowa einschlug.

Beginn der Schlacht vor Lublin (26. bis 28. August)

Hiezu Skizze 5

Links der k.u.k. 4. Armee hatten die nach den Kämpfen der letzten 72 Stunden eines ruhigeren Tages bedürftigen Truppen Daniels den 26. im großen dazu benützt, gegen die nördlich von Kraśnik stark zurückgebogene Front des Feindes vorzufühlen. Am Ostflügel schob sich das X. Korps tagsüber vorsichtig an den Porbach heran, wo am Abend Teile der 2. ID. und der 37. HID. die südlich der Niederung gebliebenen russischen Nachhuten zurückwarfen. Den gegenüberstehenden russischen Grenadieren, deren Artillerie sich außerordentlich wachsam erwies, winkte durch das Heranrücken der 70. RD. des XXV. russ. Korps bei Turobin eine wertvolle Stützung. Am linken Flügel des k.u.k. V. Korps hatte die am östlichen Bystrzycaufer vorgehende 14. ID. bei Rudnik ein wechselvolles Abendgefecht zu bestehen, in das auch die rechte Brigade der 46. SchD. eingriff, dem jedoch der Einbruch der Dunkelheit, ohne daß es zu einer Entscheidung gekommen wäre, ein Ende bereitete. Das südlich von Wilkołaz beiderseits der Kraśniker Straße lagernde I. Korps sah sich durch den Gefechtslärm rechts und links um die Ruhe gebracht, deren es so bedürftig war und die ihm auch das Armeekmdo. für diesen Tag zugedacht hatte. Die am Westflügel vorgehende Gruppe Kestřanek schwenkte kämpfend über Chodel gegen den nordwestlich von Borzechów eingegrabenen rechten Flügel des russischen XIV. Korps ein, verschob aber den Angriff im Hinblick auf die vorgerückte Tageszeit und da die zunächst stehende 5. ID. wegen Ermüdung der Truppe nicht mitwirken zu können erklärte, auf den nächsten Morgen. Die 3. KD. kam stark abgehetzt auf die Höhen nördlich von Chodel.

Vergebens harrte das Armeekmdo. des Stromüberganges der 110. LstlBrig. bei Józefów; es wußte noch nicht, daß diese Brigade tags vorher vor der auf dem Nordufer der Kamienna eingenisteten Artillerie der russischen 14. KD. in ziemlicher Unordnung auf Lasocin zurückgewichen war. Glücklicherweise war die Armeegruppe Kummer schon nahe genug, um das Übel wettzumachen, das aus dieser Panik etwa hätte entstehen können. Kummers Landsturmtruppen hatten am 25. abends unter Aufgebot all ihrer Kräfte den Raum Sobótka—Opatów—Ostrowiec erreicht. Die 7. KD. war am 23. westlich von Iłża von der durch Infanterie verstärkten russischen 14. KD. hinter die Kamienna zurückgedrückt worden, kehrte aber dann, verstärkt durch eine Brigade der 106. LstlD., wieder in den Raum von Iłża zurück.

Die Armeegruppe wollte am 26. rasten, wurde aber noch in der vorangehenden Nacht durch das Mißgeschick der 110. LstlBrig. aufgeschreckt. Die 100. LstlBrig., die als Vorhut Kummers schon am 26. bei Zawichost hätte Ufer wechseln sollen, eilte aus eigenem Entschluß in den Raum nördlich von Lasocin. Die 95. und Teile der 106. LstlD. wurden vom Armeegruppenkommandanten zu einem Nachtmarsche dahin befohlen. Glücklicherweise fühlte sich die russische 14. KD. nunmehr durch ihren alten Gegner, die k.u.k. 7. KD., von Iłża her so bedroht, daß sie die Kamiennamündung verließ. So konnte GdI. Kummer seinen Bataillonen am 27. den ersehnten Rasttag gewähren.

Das k.u.k. AOK. teilte in seinem am 26. erlassenen Befehl mit, daß für die Gruppe Kummer und die 1. und 4. Armee die Direktiven vom 24. weiter in Geltung zu bleiben hätten. GdK. Dankl war am selben Tage zur Überzeugung gelangt, daß sich der Feind in vollem Rückzuge -auf Lublin befände. Demgemäß sollten sich am 27. zur Wiederaufnahme des Kampfes bereitstellen: die Gruppe FML. Kestřanek nördlich von Borzechów und das I. und V. Korps beiderseits der Bystrzyca in der Weise, daß das noch immer vorgeschobene I. Korps seine Stellung zu halten, das V. Korps aber bis Bychawa vorzudringen hatte. Aus dieser Bereitstellung konnten dann die Gruppe Kestřanek und die 3. KD. nach links vorwärts gestaffelt gegen Osten einschwenken, während das I. und das V. Korps von Süden her vorstürmen sollten. Die Armeegruppe Kummer sollte sobald als möglich nördlich der Gruppe Kestřanek in die Schlacht eingreifen. Das X. Korps hatte zunächst die Bodenwelle nördlich des Porbaches zu gewinnen, außerdem aber auf besonderen Befehl des AOK. bereit zu sein, am Flügel der 4. Armee einzugreifen, für welche Aufgabe jedenfalls die 45. SchD. ausersehen war.

Am 27. früh entbrannte an der ganzen Front der 1. Armee neuerlich die Schlacht. Vom X. Korps, das zunächst den Ort Żółkiewka gewinnen wollte, um von dort je nach der Lage gegen Lublin oder Krasnostaw wirksam werden zu können, geriet die Vorhut der 24. ID. am Vormittag nächst Nowa-Wies in Bedrängnis, da sie von der frischen 70. RD. der Russen aus nordöstlicher Richtung angefallen wurde. Umständliche Befehl-I 2. Aufl.    13 gebung bei der 24. ID. machte es fürs erste unmöglich, den am Nordufer vereinzelt fechtenden Bataillonen Unterstützung zuzuführen. Zu allem Überfluß wurde rechts der 24. ID. auch die nördlich des Porbaches vorgehende linke Kolonne der 45. SchD., die 90. SchBrig., von Teilen der 70. RD. über die Niederung zurückgeworfen. Schon rief GdI. Meixner die

9. KD. und die 10. MaBrig. aus ihren Lagern bei Góraj aufs Gefechtsfeld, als um 2h30 nachm. der Feind ganz plötzlich den Kampf abbrach und gegen Nordosten davoneilte. Dieser Umschwung war, wie noch zu zeigen sein wird, durch die endgültige Niederlage des russischen XXV. Korps bei Zamość herbeigeführt worden. Nun konnte auch die 2. ID., vor der der Russe gleichfalls kampflos aus den Wäldern nördlich von Turobin abzog, ohne Schwierigkeiten den Übergang bewirken. Sie wurde hier angehalten, damit sie sich von der 24.nicht zu weit entferne. Bei der 45. SchD. hatte sich die rechts des Wieprz bis an die Łabuńka gelangte 89. Brigade durch übertriebene Nachrichten über die Vorgänge nördlich des Porbaches zur Rückkehr auf Deszkowice verleiten lassen, wo nun wieder die ganze Division dem X. Korpskmdo. zur Verfügung stand.

In der Mitte der Armee führte die eigentlich nur als Vorrückung in eine Bereitschaftsstellung gedachte Bewegung zu einer heftigen Schlacht, da die Russen noch südlich von Bychawa stehengeblieben waren. Beim V. Korps warfen sich die beiden Flügeldivisionen in schneidigem Anlauf auf den Feind und trieben ihn, von der verständnisvoll eingreifenden Mitteldivision und der rechten Brigade der 46. SchD. an den Flügeln unterstützt, nach Norden zurück. Beim I. Korps erstürmte die Masse der 46. SchD., ohne erst die Wirkung der Artillerie abzuwarten, den Ort Sobieszczany, und auch die 5. ID. gewann Kłodnica, traf aber schon bei Borzechów auf eine stark besetzte Stellung.

Der wuchtige Ansturm des V. Korps und der 46. SchD. nötigte schließlich nach 2h nachm. das russische XVI. Korps, nachdcm es sich stundenlang tapfer gewehrt hatte, zu einem teilweise fluchtartigen Rückzug, wodurch die inneren Flügel der Nachbarkorps entblößt wurden. Diese Wendung hatte, zusammen mit der Niederlage des XXV. Korps, zu dem gemeinsam mit der 70. RD. angetretenen Rückzug der Grenadiere vom Porbach beigetragen. Dagegen zeigte das durch die früheren Kämpfe gewiß hart mitgenommene XIV. Korps der Russen bei Borzechów und südlich Bełżyce noch erstaunliche Widerstandskraft. Die Gruppe Kestřanek holte sich hier, obgleich ihr die 101. LstlBrig. durch eine über Chodel ausholende Umfassung Entlastung bringen sollte, blutige Köpfe und mußte in die Ausgangsstellung zurück, wo ihr der Russe dadurch, daß er nicht nachstieß, am 28. die zur Erholung und Ordnung der stark durcheinandergeratenen Verbände unbedingt nötige Muße gewährte.

Wichtig war es, endlich Einblick gegen Iwangorod zu gewinnen. Die

3. KD. konnte wegen Übermüdung von Mann und Pferd, zumal bei ihrer Artillerie, dieser Aufgabe nur höchst unvollständig genügen. Nichtsdestoweniger bestand beim Armeekmdo. der Eindruck, daß von Iwangorod her keine Gefahr drohe und auch die bei Wąwolnicą festgestellten Truppen — in Wirklichkeit schon die vordersten Abteilungen der sich hier bildenden Gegenstoßgruppe — nur als sich sammelnde Teile des geschlagenen Feindes zu betrachten seien. Da außerdem der Ostflügel der Armee Ewerts offenkundig den Rückzug angetreten hatte, ihre Mitte aber neuerlich entscheidend geschlagen war, stellte sich dem GdK. Dankl die Vertreibung des feindlichen Westflügels aus seiner stark verschanzten Stellung im Raume Duża und Bełżyce als nächste Aufgabe dar. Dankl, der am 27. sein Hauptquartier in Kraśnik im Kasino des 9. Donkosakenregiments aufgeschlagen hatte1), gedachte, den Widerstand der Russen nicht durch einen Stirnangriff zu brechen, sondern indem er das V. Korps von Osten her gegen Duża, die Gruppe Kummer von Westen über Opole zur Umfassung ansetzen wollte. Das X. Korps hatte selbst vorgeschlagen, daß man ihm seine Vorrückungsrichtung Krasnostaw belasse. Die doppelte Pflicht, zu einem Eingreifen rechts bei der 4. Armee oder links beim V. Korps bereit zu sein, lastete nicht eben leicht auf den Schultern des Korpsführers.

Auf russischer Seite entschied der Befehlshaber der 4. Armee, als er am 27. nachmittags die Kunde der schweren Niederlage seines XVI. Korps erhielt, fürs erste, daß das Korps seine verlorene Stellung zurückzuerobern habe. Mit zunehmender Erkenntnis der Größe des Mißerfolges nahm Ewert diesen Befehl jedoch wieder zurück. Die drei in der Front befindlichen Korps sollten sich südlich der Linie Bełżyce—Duża—Chmiel zur Abwehr einrichten und dort das Eingreifen der hinter den rechten Flügel heranfahrenden Truppen abwarten2).

Am 28. zu früher Morgenstunde fand die 46. SchD. das Gefechtsfeld zwischen der Bystrzyca und der großen Straße nach Lublin frei. Vom GdK. Kirchbach zur Gewinnung der Höhe unmittelbar südlich von Duża aufgerufen, stürmte sie vorwärts, um schließlich durch ein Einschwenken gegen Nordwesten der 5. ID. bei ihren schwierigen Angriffen gegen die Höhe nordöstlich von Kłodnica zu Hilfe zu kommen. Das russische XIV. Korps blieb nichtsdestoweniger fest.

!) Pastor, Viktor Dankl (Freiburg 1916), 15.

2) La grande guerre, 161.

Die 14. ID. Puhallos war der 46. als Flankenschutz gefolgt, die beiden anderen Divisionen des V. Korps gewannen, die 33. über die 37. hinausgeschoben, die Gegend nördlich und östlich von Bychawa. Der Feind wich auf Jabłonna. Das X. Korps gelangte, von dem näher an Krasnostaw zurückgewichenen XXV. Korps des Feindes unbelästigt, bis in die Linie Staw—Żółkiewka. Unrichtige Nachrichten über schwere Kämpfe der 45. SchD. und des linken Flügels der 4. Armee an der Łabuńka ver-anlaßten das Korpskmdo. zu einer vorübergehenden Entsendung der

9. KD. und der 10. MaBrig. gegen Deszkowice. Während die Reiterei auf Ansuchen der 4. ID. des II. Korps noch gegen die Łabuńka aufklärte, rückte die 10. MaBrig. auf einem längeren, die Mannschaften sehr ermüdenden Umwege wieder zum Korps ein, wodurch die Streitkräfte Hugo v. Meixners wieder versammelt waren.

Die sechstägigen glanzvollen Kämpfe der 1. Armee hatten die Truppe begreiflicherweise erschöpft. Viele Regimenter, zumal die des I. und V. Korps, hatten bereits so hohe Verluste erlitten, daß die Einreihung der ersten Marschbataillone notwendig geworden war. Der Nachschub mußte auf schlechten Straßen zunächst mit leichtem Pferdefuhrwerk durchgeführt werden, denn eine Nachschubbahn, bei dem großen Materialbedarf des neuzeitlichen Kampfes fast unentbehrlich, fehlte, und die von Rozwadów im Vorbau befindliche Feldbahn hatte die rasch vorstürmende Armeefront noch nicht erreicht. Es war für die Armee höchste Zeit, eine kurze Pause einzuschalten. GdK. Dankl befahl daher am 28. abends der Armee Halt und ordnete alle jene Maßnahmen an, die in kürzester Zeit die planmäßige Fortführung des Angriffes ermöglichen sollten. Hiezu gehörte auch der Einsatz der Armeegruppe Kummer, von der am 28. die 95.LstID. als erste Truppe bei Józefów die Weichsel überschritten hatte und der bis 30. früh die übrigen Armeekörper folgten (siehe S. 231), schließlich das Heranführen der zwei Landsturminfanteriebrigaden Nr. 1 und 36 aus dem Sanwinkel hinter das I. Korps. Nur das

X. Korps hatte auf Betreiben des 4. Armeekmdos. und auch nach dem Wunsche seines Kommandanten mit den Hauptkräften weiter gegen Krasnostaw vorzudringen, eine Division aber zur Verbindung mit dem V. nach Krzczonów abzweigen zu lassen. So notwendig die durch das

1. Armeekmdo. verfügte Einschaltung der Kampfpause war, die die Truppen am 29. genossen, so sehr sollte sie angesichts der Verstärkungen, die der Feind in Erkenntnis der Bedeutung dieses Raumes heranführte, für große Teile der 1. Armee den Verzicht auf weiteres Vordringen bedeuten, was auch den ganzen Feldzugsverlauf beeinflußte.

Fortführung der Schlacht bei Komarów

(Kämpfe bei Zamość und Tomaszów, 27. und 28. August)

Hiezu Skizze 6

Inzwischen war in das Vordringen der k. u. k. 4. Armee verheißungsvoller Schwung gekommen. Bis zum 26. August abends hatte GdI. Auffen-berg den Eindruck gewonnen, daß dem VI. Korps starker Feind gegenüberstehe, der noch weitere Kräfte von Cholm1) und Hrubieszów heranzog. Dagegen erwartete er von dem geschlagenen XXV. Korps der Russen nicht mehr viel Widerstandskraft. Demnach mutete der Armeekommandant dem links durch die 45. SchD. der 1. Armee gesicherten, rechts durch Teile der 10. ID. verstärkten II. Korps sehr wohl die Kraft zu, mit dem Feind bei Zamość fertig zu werden. Die bei Tarnawatka festgebissenen Russen gedachte Auffenberg einzukreisen, ehe die heranziehenden Verstärkungen Hilfe bringen konnten. In der Front von der 39. HID. festgehalten, sollte das russische XIX. Korps im Westen und Nordwesten von der 26. SchD. und den bei Zamość entbehrlichen Teilen der 10. ID., im Osten von den zwei Heeresdivisionen des VI. Korps in die Enge getrieben werden. Einigermaßen schwierig gestaltete sich die Frage des Schutzes der rechten Armeeflanke, den bisher die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand innegehabt hatte. Die Ereignisse östlich von Lemberg hatten am 26. nachmittags das AOK. veranlaßt, die Erzherzogsgruppe wieder der 3. Armee zu unterstellen und zum Abmarsch in den Raum Żółkiew-Lemberg anzuweisen. GdI. Auffenberg übertrug daher den Schutz der Ostflanke dem VI. Korps und dem Kavalleriekorps Wittmann, wozu jenem möglichst rasch die über Rawa Ruska heranfahrende 6. MaBrig. zugeführt werden sollte. Der dem FML. Wittmann erteilte Auftrag war ziemlich umfangreich: Sicherung nach Osten, Streifzug der Masse um die bei Posadów festgestellte russische Infanteriestellung herum und über Tyszowce in den Rücken des einzukreisenden Feindes sowie Aufklärung über Grabowiec hinaus. Zur Stützung der Sicherungsmaßnahmen am Ostflügel wurde die 19. ID. des XVII. Korps vom Armeekmdo. in die Gegend von Bełżec befohlen.

Der feindliche Armeeführer Plehwe kam dem großen Einkreisungsplane Auffenbergs in seinen Weisungen für den 27. bemerkenswert entgegen. Das XXV. Korps, das auf besonderen Befehl des GroßfürstenGeneralissimus die Verbindung zwischen der 4. und der 5. Armee im

1) Damals übliche ukrainische Bezeichnung; polnisch: Chelm.

Raume Mościska (22 km südwestlich Krasnostaw)—Zamość aufrechtzuerhalten hatte, wurde trotz der am Vortag erlittenen schweren Schlappe und der starken Verwerfung seines linken Flügels neuerlich zum Angriff befohlen, im übrigen aber seinem Schicksal überlassen. Die Hauptanstrengungen der Armee sollten der Zertrümmerung der bei Tomaszów aufgetretenen öst.-ung. Kräfte gelten, wozu das XIX. Korps aus nördlicher Richtung, das V. aber von Osten her vorbrechen sollten. Hinter dem linken Flügel des V. hatte das XVII. aus der Gegend von Sokal—Krylów in Eilmärschen Jarczów zu gewinnen, womit das Zusammenballen dreier Korps zwischen Tomaszów und Uhnów in die Wege geleitet war, während das XXV. Korps nordwestlich davon auf mehr als einen Tagmarsch entfernt vereinzelt zu kämpfen hatte1).

Der 27. August, als zweiter Tag der Schlacht bei Komarów, begann für die k.u.k. 4. Armee mit einem unglücklichen Ereignis. Eine Kosakenabteilung mit Maschinengewehren überfiel bei Tagesanbruch die nördlich von Uhnów ungesichert in enger Nächtigung zusammengepferchte 10. KD. und rief bei den Husarenregimentern, die später bei Limanowa und anderwärts Beweise hervorragender Tüchtigkeit geben sollten, eine Panik hervor, die sie bis Rawa Ruska zurücktrieb. Die durch den Gefechtslärm aufgescheuchte 6. KD. warf sich dem Feinde sofort entgegen, mußte jedoch bis gegen Żurawce Raum geben.

Vom VI. Korps rückte die 15. ID. am Ostflügel über die oberste Huczwa bis in den Raum nordwestlich von Łaszczów, als sie, das Kavalleriekorps Wittmann in der Flanke wähnend, von Südosten her von Abteilungen des russischen V. Korps angefallen wurde. Sie schwenkte ab, warf sich sofort dem Feind entgegen, drängte ihn über Łaszczów zurück und bezog dann bei Pukarzów, die versumpfte Huczwaniederung im Rücken, ein durch die übermüdeten Truppen nur mangelhaft gesichertes Biwak.

Weiter westlich gelang es der 27. ID. wohl, in der Flanke des russischen XIX. Korps Rachanie zu nehmen. Dagegen glückte auf den anderen Teilen des Schlachtfeldes das gegen diesen feindlichen Heereskörper angesetzte Manöver Auffenbergs nur unvollständig. Die 39. HID. vermochte,, von den Kämpfen des Vortages sehr ermattet, nur wenig Raum zu gewinnen. Die 26. SchD. konnte nach unzureichender Nachtruhe erst verspätet aus ihren Quartieren aufbrechen und nur mit Teilen in den Kampf eingreifen. Die halbe 10. ID. wurde auf ihrem Südmarsche in den Rücken des Feindes in der offenen Flanke so heftig von russischem Artillerie-

1J La grande guerre, 159. — Zichowitsch, 153.

feuer gefaßt, daß sie eiligst zurückweichen mußte. Einen wirklich bedeutsamen Erfolg brachte der Angriff am linken Flügel der 4. Armee. Das verstärkte II. Korps entriß dem XXV. Russenkorps Zamość und die Höhen westlich davon, ehe die von Turobin aus einem —wie erinnerlich — für sie günstig sich anlassenden Gefechte abberufene 70. RD. helfend eingreifen konnte. Auch eine Unterstützung durch das XIX. Korps, das vom XXV. zum Flankenstoß gegen die Zamość angreifenden Österreicher aufgefordert worden war, blieb aus, weil der das Ansuchen überbringende Radfahrer in Gefangenschaft geriet. Plehwe nahm sein hart geprüftes XXV. Korps hinter die Wojsławka zurück, wo es noch zur Not die von Krasnostaw nach Lublin und Cholm führenden Verbindungen decken konnte.

Beim 4. Armeekmdo. waren am Vormittag Nachrichten über den Anmarsch bedeutender russischer Kräfte von Hrubieszów auf Tyszowce eingelangt, auch vermutete man eine starke Kolonne im Vorgehen von Sokal gegen Beiz. Gleichzeitig trafen die ersten Mitteilungen über das Mißgeschick der 10. KD. ein. Die Gefährdung des Ostflügels der Armee war damit erheblich geworden. Zum Glück hatte das AOK. sich zur selben Stunde in Betreff der Erzherzogsgruppe eines anderen besonnen, indem etwas günstigere Nachrichten aus der Gegend östlich von Lemberg doch die Rückverweisung der Gruppe an die 4. Armee erlaubten. Wohl hatte der Erzherzog schon den Südmarsch eingeleitet, doch die Abänderung der Befehle kostete Zeit, so daß den durch die Hin- und Hermärsche im Sand und Sumpf der Bugniederung sehr ermüdeten Truppen am 27. vormittags Ruhe gegönnt werden konnte. Nachmittags traten sie die Vorrückung in eine Bereitstellung südlich der Solokija an, aus der sie am 28. früh — freilich mit einem Tage Zeitverlust — zum Angriff in nördlicher Richtung übergehen sollten.

Bot solcherart schon die Erzherzogsgruppe entsprechende Gewähr für eine ausreichende Sicherung der Ostflanke, so tat GdI. Auffenberg, als er nachmittags den vollen Umfang des über die 10. KD. gekommenen Mißgeschickes erfuhr, ein übriges, indem er den Vormarsch der 19. ID. nach Bełżec beschleunigte. Diese konnte hier in der Tat noch am Abend die 6. KD. durch zwei Jägerbataillone und Artillerie stützen. Auch Teile der herangeführten 6. MaBrig. vermochten zwischen Rawa Ruska und Bełżec dem Feinde entgegengestellt zu werden.

Auf diese Weise war die Gefahr eines russischen Durchbruches in der Richtung Bełżec—Narol wohl als gebannt zu betrachten. Freilich war es nicht gelungen, durch den dichten russischen Kavallerieschleier

Einblick in den Aufmarsch der Russen jenseits der Linie Korczmin— Łaszczów zu gewinnen. Trotz dieser bedrückenden Unklarheit hatte GdI. Auffenberg bereits mittags die wesentlichsten Entschlüsse für die Fortführung des Angriffes gefaßt. Darnach sollten die 15. und 27. ID. des VI. Korps, die hiezu etwas zurückgebogen werden mußten, in der Linie Rzeczyca -Rachanie den Stoß des XVII. und V. Korps der Russen entschlossen auffangen. Sobald der Feind festgebissen war, hatte ihm die Erzherzogsgruppe beiderseits von Beiz von Süden her in die offene Flanke zu fallen. Der linke Flügel des VI. Korps sowie das IX. und das II. wurden angewiesen, unterdessen den Ort Komarów und die Łabuńka zu gewinnen.

Auf russischer Seite hielt Gen. Plehwe an der Absicht fest, dem bedrängten Nachbarn Entlastung zu bringen, obgleich er, wie er bedrückten Herzens klagte, über die Ereignisse bei der 4. Armee völlig im unklaren gelassen wurde. Das XXV. Korps sollte daher, unbekümmert um seine wenig erfreuliche Verfassung, wieder angreifen, und zwar vor allem gegen den auf die Grenadiere drückenden rechten Flügel der k.u.k.

1. Armee, wobei natürlich die Straße von Zamość nach Krasnostaw verläßlich gesperrt^ bleiben mußte. Für die notdürftige Deckung der beängstigend breit gewordenen Lücke zwischen dem XXV. und dem XIX. Korps sollte Gen. Jakowljew, der Befehlshaber des XVII. Korps, mit Teilen seiner Truppenmacht sorgen. Die Masse dieses Korps wurde angewiesen, gemeinsam mit dem V. und dem XIX. unter der Oberleitung Jakowljews den Gegner nach Südwesten zu werfen.

Auch der 28. August als dritter Schlachttag ließ sich zunächst für die Armee Auffenbergs recht ungünstig an. Die nördlich der obersten Huczwa stehende 15. ID. brach trotz starker Ermüdung der Truppe bald nach Mitternacht auf, um in die ihr zugewiesenen Stellungen bei Rzeczyca zurückzugehen. Sie wurde auf dem Marsche über die durch den Huczwasumpf führende Dammstraße vom russischen V. Korps überfallen, das sich nachtsüber auf die Lauer gelegt hatte. Die völlig überraschten Truppen wehrten sich zum Teil heldenmütig, zum Teil wurden sie das Opfer starker Verwirrung. Die Russen geben an, 4000 Mann gefangen und 20 Geschütze erbeutet zu haben1). Kaum weniger Offiziere und Mann mögen auf die blutigen Verluste entfallen sein. Der Divisionär, FML. Freih. v. Wodniansky, gab sich aus Verzweiflung selbst den Tod. Der Rest der Division zog sich nach Westen zurück und alarmierte die

27. ID., die sich rasch beiderseits Rachanie gegen Osten und Südosten ins Gefecht warf und den Feind in hartem Ringen aufhielt. GdI. Boroević Zichowitsch, 155.

rief kurz entschlossen die im Sinne des Armeebefehls schon gegen Komarów vorrückende 39. HID. zurück und stellte sie für alle Fälle hinter dem Nordflügel der 27. auf. Die 15. ID. sammelte der Korpsführer bei Tomaszów, wo er sie, unterstützt von dem bisherigen Armee-Etappenkommandanten FML. Edl. v. Schenk, der vorübergehend das Kommando über die verwaiste Division übernahm, wieder angriffsfähig machte.

Aber auch links des VI. Korps war das Waffenglück der k.u.k.

4. Armee nicht sonderlich hold. Nicht zum geringsten infolge der Erkrankung des Korpskommandanten GdI. Hortstein kam das IX. Korps nicht zu einheitlichem Ansetzen. Bei einer Brigade der 26. SchD. war in der Nacht eine Panik ausgebrochen, wodurch ihr Eingreifen als rechte Kolonne erheblich verzögert wurde. Die linke Kolonne ging nachmittags von Westen her gegen Komarów vor, erlitt jedoch nach einigen Erfolgen einen Rückschlag. Sie wurde von Teilen der 10. ID. aufgenommen, die zu Anfang, durch die Erfahrungen des Vortages verschreckt, den gefährlichen Flankenstoß gegen Komarów mitzumachen zögerte, schließlich aber kampflos die Höhen östlich von Zamość beziehen konnte. Denn das russische XXV. Korps hatte sich zu neuerlichem Vorstoßen gegen das bei Zamość verbliebene II. Korps doch zu schwach gefühlt und war bis südlich von Izbica zurückgewichen, wo es beiderseits der Zamośćer Straße eine an den Wieprz und die Wolica angelehnte Stellung bezog.

Die Nachrichten, die bis zum Mittag über die Vorgänge beim VI.Korps einliefen, ließen das Armeekmdo. die schwierige Lage dieses Heeresteiles so recht erkennen. Übermächtiger Druck nötigte GdI. Boroević, die 27. ID. auf die Höhen knapp nordöstlich von Tomaszów zurückzunehmen. Bald kamen auch Hiobsbotschaften über die 3. Armee, die sich nach schweren, an den Nerven der Truppe rüttelnden Kämpfen auf dem Rückzuge von der Zlota Lipa zur Gniła Lipa befand und im Einklang mit dieser Bewegung auch ihren Nordflügel drei Tagmärsche hinter der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand gegen Lemberg zurückbiegen mußte. Selbstverständlich vergrößerte sich diese gefährliche Lücke mit jedem Schritt, den der Erzherzog nach den Weisungen des

4. Armeekmdos. nordwärts tat. Dabei schien sich ein größerer Körper russischer Reiterei drohend in den Zwischenraum einschieben zu wollen. In seiner Sorge um Lemberg und den Rücken der 4. Armee wollte GdI. Conrad die Erzherzogsgruppe neuerlich kehrtmachen lassen und der 3. Armee zu einem Entlastungsstoß gegen den Lemberg bedrängenden Feind überweisen. Da legte nun aber GdI. Auffenberg entschiedenste Verwahrung ein. Das Abziehen der Gruppe mußte ihn um den trotz der augenblicklich recht schwierigen Lage winkenden Sieg bringen, ohne daß sie der 3. Armee rechtzeitig zu Hilfe kommen konnte. Das AOK., welches am 26. um 10h nachts noch verkündet hatte, daß vom Erfolg des rechten Heeresflügels die Feldzugsentscheidung abhinge (S. 213), ließ sich überzeugen, ordnete das Verbleiben der Erzherzogsgruppe bei Auffenberg an und behalf sich, indem es bei Magierów aus der 10. KD., der 4. KD. und der ll.HKD. der 3. Armee ein durch drei Bataillone der 6. MaBrig. verstärktes Kavalleriekorps und bei Żółkiew aus den letzten Reserven (23.HID. und 97. LstlBrig.) eine stärkere Infanteriegruppe zusammenraffte.

Unterdessen hatte das 4. Armeekmdo. dem schwer ringenden VI.Korps noch die bisher dem XVII. angeschlossenen zwei Marschbrigaden, die

2. und die 9., zur Flügelstützung zugesprochen. Da diese aber erst spät abends in Bełżec eintreffen konnten, hatte Boroević schon selbst die Divisionsreserve der 39. HID., den Rest der 6. MaBrig. und die zwei Jägerbataillone der 19.ID. am rechten Flügel der 27. ID. zu einer zehn Bataillone starken Gruppe vereinigt, die den Feind durch Gegenstoß abschütteln sollte. Die Russen folgten aber nur zögernd, denn schon begann sich das Eingreifen des k.u.k. XVII. Korps und der Erzherzoggruppe in der südlichen Flanke des russischen XVII. Korps fühlbar zu machen.

Der Auftakt hiezu war durch die 19. ID. des XVII. Korps gegeben worden. Ihr Führer, FML. Lukas, hatte die bei Żurawce eingelangte Division auf eigene Faust dem Kanonendonner beim VI. Korps nachgeführt und warf bei Jarczów in einem bis in die Abendstunden währenden hitzigen Kampfe den linken Flügel des feindlichen V. und die Spitzendivision des XVII. Korps zurück.

Mittlerweile hatte rechts der 19. ID. die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand mit ihren alpenländischen Kerntruppen die entscheidende Wendung herbeizuführen begonnen. In klarer Erkenntnis der Lage hatte der Erzherzog seine Truppen schon ab 3hfrüh über die Solokija passieren lassen und den Übergang ohne Störung durch den Feind zu bewerkstelligen vermocht. Nachdem den marschmüden Truppen die nötigste Rast gegönnt worden war, schritt die Gruppe zum Angriff. Der linke Flügel, FML. Johann Freih. v. Kirchbach, mit zwei Brigaden der 8. ID. und mit der 41. HID., stürzte sich von Uhnów aus in nördlicher und nordwestlicher Richtung in die Flanke des schlecht gesicherten, daher völlig überraschten russischen XVII. Korps. Die Honvéds gingen allzu hitzig, ohne die Wirkung der Artillerie abzuwarten, vor und kamen ins Stocken. Da griff die 121. IBrig. in den Kampf ein. Das 1. Regiment der TirolerKaiserjäger,zum ersten Male seine Kräfte mit dem Feinde messend, verjagte die Russen aus dem Walde südlich von Tarnoczyn und erbeutete 16 feldmäßig eingebaute Geschütze der russischen 35. Division. Als der Abend herabsank, erschallte, aus tausend Tiroler Kehlen gesungen, das Kaiserlied durch das wolhynische Gehölz44). Weniger glücklich waren im Anschluß rechts bei aller Todesverachtung die Kaiserjäger vom 3. und 4. Regiment (96. IBrig.), die einen besser vorbereiteten Feind gegen sich hatten und sich angesichts des mächtigen russischen Geschützfeuers zunächst mit der Besetzung des nördlichen Sołokijaufers begnügen mußten.

Den Ausschlag zu geben hatte die durch die 16. IBrig.45) der 8. ID. verstärkte 3. ID., FML. Roth, die bei Beiz über die Solokija gegangen war. FML. Roth schwenkte, da er den Raum vor der Front vom Feinde frei fand, halb links gegen Wasylów ein. Seine prächtigen Truppen, unter ihnen die Oberösterreicher des IR. 14, die Salzburger und Innviertler des IR. 59, die Kaiser jäger vom 2. Regiment, stellten die letzte der nach Westen strebenden Divisionen Jakowljews in raschem Ansturm und schlugen sie in Trümmer46). Außer zahlreichen Gefangenen blieben 40 Geschütze in ihren Händen. Entscheidend geschlagen flüchtete das russische XVII. Korps nach Norden zurück. Gen. Plehwe mußte alle Hoffnungen begraben, die er auf den Massenstoß der von Jakowljew befehligten Armeegruppe gesetzt hatte.

GdI. Auffenberg hatte trotz der trüben Nachrichten, die vormittags auf ihn eingestürmt waren, den Sieg des Erzherzogs Joseph Ferdinand nicht abgewartet, sondern schon vorher den Entschluß gefaßt, den Grundgedanken der Schlacht, die bis zur Einkreisung gesteigerte doppelte Umfassung des Feindes, zielbewußt weiter zu verfolgen. Am 28. um 8h abends wurden die hiezu nötigen Anordnungen getroffen. Dem russischen XXV. Korps hatten nur mehr die 4. ID. und die nötigsten Teile der 13. SchD. in der Verfolgung gegen Krasnostaw an den Fersen zu bleiben; beim 1. Armeekmdo. war die Mitwirkung des X. Korps zu erbitten. Die Masse des II. Korps wurde angewiesen, bei Zamość rechtsum zu machen und gegen Cześniki vorzudringen. Südlich davon sollte das IX. Korps gleichfalls ostwärts über Komarów gegen Tyszowce angreifen.

Das VI. und XVII. Korps hatten in ihren Räumen den Angriff fortzuführen, die Erzherzogsgruppe rechts zu weiterer Umfassung auszuholen.

Die 4. Armee schickte sich an, dem Feinde einen eindrucksvollen Erfolg abzuringen. Die brennende Frage des Augenblickes war nur, wie weit es der zur gleichen Zeit östlich von Lemberg wütende Kampf erlauben mochte, im Norden die verheißungsvoll winkenden Früchte des Sieges auch wirklich zu pflücken.

Die Schlacht bei Złoczów

Anordnungen für die Abwehr im Osten Hiezu Beilagen 9 und 10

Bald nach dem Einbruch in Ostgalizien hatten die Russen erkannt, daß der Gegner hier schwächer war, als sie nach den Friedensnachrichten angenommen hatten. Dies, dann die Unklarheit über die Aufmarschfront der gegnerischen Hauptkräfte und schließlich das unablässige Drängen Frankreichs auf baldigen Vormarsch gegen Berlin1), dem nach russischer Auffassung ohne vorangehende Niederwerfung der öst.-ung. Armee nicht Folge geleistet werden konnte, boten für den Großfürsten-Generalissi-mus Veranlassung genug, am 22., 23. und dann wieder am 24. August der Südwestfront nahezulegen, die Vorrückung der 3. und der 8. Armee ,,mit wachsender Schnelligkeit durchzuführen“2). Die Nachrichten vom Schlachtfeld bei Kraśnik ließen die Erfüllung dieses Wunsches nur noch dringender erscheinen.Nichtsdestoweniger sah sich Gen.Rußki, der Führer der 3. Armee, genötigt, seinen stark ermüdeten Truppen am 25. in der Linie Radziechów— Sassów—Zborów einen Rasttag zu gewähren. Da Brussilows 8. Armee diesem Beispiele nicht folgte, gelangte sie am selben Tage bis Wybudów und an den Koropiecbach, somit in gleiche Höhe mit der 3. Armee.

Unterdessen hatte sich bei Kraśnik die Niederlage der russischen

4. Armee vollendet und die 5. Armee war angewiesen worden, dem westlichen Nachbarn über Zamość und Tomaszów zu Hilfe zu eilen. Behielt die 3. Armee ihre bisherige Vorrückungsrichtung Lemberg bei, so blieb der von der Reiterei und der 69. RD. nur notdürftig verschleierte, 50 bis 60 km breite Zwischenraum zwischen den beiden Flügeln nicht nur trotz

*) Paléologue, I, 99 f.

2) Zicho witsch, 54 ff.

des konzentrischen Vormarsches offen, sondern er mußte sich noch vergrößern. Rußki wurde daher am 25. vorbereitet, daß er seine Hauptkräfte nördlich um Lemberg herum in den Raum Mosty Wielkie—Kurowice zu verschieben haben werde. Dafür sollte Brussilow unter entsprechender Sicherung an der Flußstrecke Niżniów—Mikołajów geradewegs zwischen Lemberg und dem Dniester durchstoßen. Dieses Konzept wurde jedoch in den nächsten Tagen durch den Gegner gestört.

Gemäß den Weisungen des k.u.k. AOK. hatte GdK. Brudermann bis zum 23. allen Anlaß gehabt, sich auf einen möglichst bald einsetzenden Nordmarsch einzurichten1), als ihm an diesem Tage die Leitung der Abwehr gegen Osten übertragen worden war (S. 186 und 206). Die damals eingetroffenen Nachrichten über den Feind wußten zu berichten, daß zwei Infanteriedivisionen mit starker Reiterei über Brody sowie eine Infanterie- und eine Kavalleriedivision von Tarnopol her im Anmarsch seien. Angesichts dieser verhältnismäßig geringen Kräfte glaubte Brudermann noch immer das XI. Korps seine Versammlung nördlich von Lemberg beenden lassen zu sollen, damit es rechts vom Erzherzog Joseph Ferdinand den Nordmarsch antreten könne. Gegen Osten mochte man mit dem III. Korps und der Gruppe Kövess auslangen. Jenes wurde bis Przemyślany—Gliniany vorgeschoben, um zu einem rechts stark gehaltenen Vorstoß über die Höhen zwischen dem Pełtew und der Linie Bobrka—Przemyślany—Pluhów bereit zu sein. Von der Armeegruppe Kövess erreichte das XII. Korps am 23. August mit seinen Heeresdivisionen, die in drei Tagen etwa 90 km zurückgelegt hatten, stark ermüdet Firlejów und Strzeliska Nowe, wo ihnen ein Rasttag bewilligt wurde. Die 11. ID. wich von Zborów gegen Dunajów zurück. Die 38. HID. des XII. Korps, deren Reste bei Jezupol ausluden, wurde durch GdI. Kövess für den 24. zum Vormarsche auf Monasterzyska und Podhajce angewiesen, in welcher Gegend die 1. KD. und die 5. HKD. von der russischen 2. komb. KD. heftig bedrängt wurden.

Bei Czernowitz war seit früh morgens ein größeres Gefecht im Gange. Das russische Dniesterdetachement war östlich von Czernowitz auf die 35. LstlBrig., GM. Münzel, gestoßen. Die von Zaleszczyki herbeigeeilte 43. SchD., FML. v. Schmidt, griff bei Toporoutz flankierend ein. Bis zum 23. abends war dem AOK. wohl nur ein rüstiges Fortschreiten des Angriffes bekannt geworden, aber die Meldungen berechtigten zu guten Hoffnungen, die nicht getäuscht wurden. Der Feind mußte die Bukowina wieder räumen.

x) Rechtfertigungsschrift des GdK. Brudermann, 16. Dezember 1915.

Sonst hatten sich bis zum 23. abends die Nachrichten über den Feind so weit verdichtet, daß man beim 3. Armeekmdo. eine durch Infanterie verstärkte russische Kavalleriedivision bei Radziechów, das russische XI. Korps bei Brody, starke Reiterei, anscheinend die 9. und die 10. KD., südlich und westlich von Zalośce, eine Infanteriedivision und die 12.KD. östlich von Tarnopol, schließlich zwischen Tarnopol und Czort-ków gleichfalls starke Reitergeschwader mit Infanterie wußte. Diese feindlichen Kräfte konnten bis zum 25. den Oberlauf des Bug und die Złota Lipa erreichen. Dadurch hätten sie aber schon die gegen Norden gerichteten Operationen der 4. und der 1. Armee in Flanke und Rücken schwer gefährdet. Da bis zu diesem Tage die 3. Armee sich aber bereits vollständig versammelt haben konnte, trug das AOK. dem GdK. Brudermann am 23. abends auf, „gegen den über Brody und Tarnopol eingebrochenen Feind — sofern er den Vormarsch fortsetzt — einen entscheidenden Schlag zu führen, für welchen dem 3. Armeekmdo. auch noch vorübergehend das XII. Korps, die dem XII. Korpskmdo. unterstellte

11.    ID. und die 8. KD. zur Verfügung gestellt werden“. Wie sehr das AOK. zu diesem Zeitpunkte die Abwehr gegen Osten nur als vorübergehende Episode zu betrachten geneigt war, sagte dem Führer der 3.Armee der Zusatz, „daß die 3. Armee in der Folge berufen sein wird, die Offensive in nördlicher Richtung gegen die Linie Kamionka-Strumiłowa— Rawa Ruska aufzunehmen“. Auch wurde nochmals bestimmt, daß der Oststoß, wie dies am Vortage schon dem GdI. Kövess aufgetragen worden war, nicht über Dunajów—Krasne hinauszuführen sei.

Die Heeresleitung schätzte gewiß, mochte ihr auch noch die Vorstellung von der kurzen Dauer der Schlachthandlungen früherer Kriege vorschweben, die Schwierigkeiten der dem GdK. Brudermann übertragenen Aufgabe nicht gering ein. Namentlich wurde sie von der Sorge um die Flanken der 3. Armee beherrscht. Der Schutz der Südflanke sollte durch die 2. Armee besorgt werden, deren Kommando in der Nacht zum 25. in Stanislau erwartet wurde. Am Tage nach seiner Ankunft konnte GdK. v. Böhm-Ermolli über zwei Kavalleriedivisionen (5. und 1.), zwei Honvédinfanteriedivisionen (38. und 20.), die 40. LstlBrig. und Teile der

12.    MaBrig. verfügen. Zu ihnen kam noch die 43. SchD., die den Auftrag erhielt, nach endgültiger Abschüttelung des „Dniesterdetachements“ die Sicherung südlich des Dniester der 35. LstlBrig. zu überlassen, selbst aber über Zaleszczyki und Buczacz gegen Brzeżany den Russen in Flanke und Rücken zu fallen.

Am 26. konnten zu diesen Truppen vielleicht auch schon Teile des heranrollenden VII. Korps treten, das sich bei Żurawno, Żydaczów und Chodorów zu versammeln hatte. Schwer lastete nach wie vor die Fesselung des IV. Korps bei Šabac auf der Seele des Generalstabschefs. In einem umfangreichen Schriftenwechsel mühte er sich, die Einflüsse, die in Wien und Budapest einer weiteren Schwächung der Balkanfront entgegenarbeiteten, möglichst auszuschalten1).

Am Nordflügel hatte das AOK. der 3. Armee wohl die zur 4. entsendete Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand weggenommen. Immerhin konnte es am 25. August GdK. Brudermann verständigen, daß dafür bei Kulików nördlich von Lemberg die 44. SchD. samt der 88. KSchBrig. zur Hand sein werden.

Taktisch stellte sich GdI. Conrad die Lösung der Aufgabe Brudermanns so vor, daß ,,dem feindlichen, von Brody und Tarnopol her zu gewärtigenden Angriff, sobald er die Linie Krasne—Dunajów passieren würde, durch einen kurzen Vorstoß von etwa sechs bis sieben im Höhenterrain südlich Unterwalden, westlich der Gniła Lipa, bereitzustellenden Divisionen zu begegnen2)“ sein werde. In diesem Sinne verfügte das AOK. am 24. nachmittags den Aufmarsch des XII. Korps, des III. Korps und der „verfügbaren Teile des XI. Korps“ auf den Höhen westlich der Linie Firlejów—Przemyślany—Gliniany. Von hier aus sollte ein Stoß eng zusammengefaßter Kräfte möglichst frühzeitig das Netz zerreißen, das der Feind offenbar über Ostgalizien zu werfen gedachte.

GdK. Brudermann hatte schon am 24. um 2h nachm. die Bereitstellung des XII. und des III. Korps westlich der Linie Dunajów—Krasne angeordnet; die Korps hatten am 25. abends in den ihnen zugewiesenen Räumen zu sein. Für den Augenblick konnte er sich nach den vorliegenden Nachrichten dem Feind gegenüber noch überlegen fühlen. Aber es war kaum zu verkennen, daß es der über den weit ausladenden ostgalizischen Grenzbogen einbrechende Russe bei den bisher erkundeten Kräften nicht bewenden lassen werde. Daraus ergab sich auch für GdK. Brudermann der brennende Wunsch, dem Feind noch eine Niederlage zuzufügen, ehe dieser mit seiner Übermacht zur Stelle sein konnte. Dies war aber nach Auffassung des Führers der 3. Armee3) höchstens bis zum 26. zu erhoffen. Wurde diese Frist versäumt, dann mußte man mit einem erheblich verstärkten Feind rechnen, dessen Flügel gefahrdrohend über die zusammengeballte 3. Armee hinausragen mochten.

1)    Conrad, IV, 518, 549.

2)    Ebenda, IV, 516.

3)    Rechtfertigungsschrift des GdK. Brudermann.

Diese Besorgnisse ließen bei GdK. Brudermann vor allem das Bedenken laut werden, ob es zweckmäßig sei, den Feind auf jeden Fall hinter der vom AOK. vorgezeichneten Linie zu erwarten. Sein Generalstabschef GM. Pfeffer erbat am 25. telephonisch vom GdI. Conrad die Erlaubnis, über Krasne—Dunajów bis Złoczów vorzustoßen, wenn dadurch die bisher in diesen Räumen gemeldeten, offenbar vorgeprellten zwei bis drei Divisionen des Feindes noch in der Vereinzelung geschlagen werden konnten47). Conrad erteilte nach kurzem Zögern seine Zustimmung. Dabei hatten sich freilich schon in einem tags zuvor zwischen Conrad und GM. Pfeffer geführten Ferngespräch auch Meinungsunterschiede über die taktische Lösung der dem GdK. Brudermann übertragenen Aufgabe gezeigt. Im Gegensatz zu Conrad, der im Grunde genommen an einen Durchbruch dachte, glaubte das 3. Armeekmdo., der gewiß gegebenen Flankenbedrohung eher durch Umfassungsbewegungen Herr werden zu können. Dazu sollte das III. Korps aus dem Höhengelände von Gołogóry mit starkem rechtem Flügel auf Złoczów vorstoßen, das XII. Korps samt der 11. ID., im Süden durch die 8. KD. gesichert, über Remizowce zu einer noch weiteren Umfassung ausholen, das aus der 30. ID., der 11. MaBrig. und der 93. LstlBrig. bestehende XI. Korps aber aus der Gegend nordöstlich von Lemberg zunächst den nördlich der Bahn Krasne—Brody vorgehenden Feind zurückweisen, um dann in den Kampf des III. Korps flankierend einzugreifen. Abgesehen davon, daß der von Conrad gewünschte Einsatz erheblicherer Teile des XI. Korps südlich von Krasne den zur Hälfte noch wenig marschfähigen, zur anderen Hälfte durch die Grenzkämpfe ermüdeten Truppen unmittelbar vor der Schlacht allzu große Leistungen zugemutet hätte, glaubte Brudermann auch im Hinblick auf die Bedrohung von Nordosten her zuerst Schulterfreiheit nördlich der Pełtew-niederung schaffen zu müssen. Der Chef des Generalstabes vermochte sich diesen Erwägungen auch nicht zu verschließen und stimmte der Be-lassung von Teilen des XI. Korps in dem vom 3. Armeekmdo. gewünschten Raume zu48). Über die mehr oder minder enge Bereitstellung des

III. und des XII. Korps blieb jedoch, wie aus den späteren Darstellungen Conrads und Pfeffers zu schließen ist, unbewußt eine Auffassungsver-

schiedenheit bestehen, die nach dem Kriege den Gegenstand eines heftigen publizistischen Meinungsaustausches bildete1).

Unterdessen hatte am 25. abends nach zum Teil erheblichen Marschleistungen das XII. Korps die Gegend östlich von Janczyn und Przemyślany, das III. Korps den Raum um Gołogóry und Bortków, das XI. Korps Dziedziłów nördlich des Jaryczowskikanals erreicht. Bis zu dieser Stunde waren das AOK. und das 3. Armeekmdo. in der Beurteilung des Feindes zu der übereinstimmenden Auffassung gelangt, daß fünf bis sechs Infanterie- und etwa vier Kavalleriedivisionen die Grenze zwischen Sokal und Tarnopol überschritten hatten, wovon die Masse über Złoczów und Tarnopol vordrang2). Weitere starke Kräfte waren in zahlreichen Kolonnen zwischen Trembowla und dem Dniester im VorrückengegenWesten, wobei sie sich schon bedenklich der Złota Lipa unterhalb von Brzeżany zu nähern schienen. Mehrere Meldungen wiesen auf tiefe Staffelung der russischen Heersäulen hin.

Dieses Bild über die vorteilhafte Lage bei den Russen, das allerdings deren wirklicher Frontstärke in keiner Weise gerecht wurde, mußte das

3. Armeekmdo. in dem Streben noch bestärken, die zunächst erreichbaren Marschsäulen des Feindes, also die bei Złoczów, anzufallen, ehe die Russen ihre Kolonnen zu überlegener Machtäußerung aufschließen lassen konnten. GdK. Brudermann glaubte sogar die großen Nachteile einer nicht völlig durchgeführten Versammlung der eigenen Streitkräfte und die starke Ermüdung, die bei einem Teile der Heereskörper nach langen Märschen oder aufreibenden Grenzgefechten bestand, in Kauf nehmen zu müssen, und befahl kurz entschlossen seinen Korps, am 26. über die Linie Dunajów—Gliniany hinauszustoßen. Das XII. Korps sollte den Raum südlich von Remizowce, das III. die Höhen südwestlich von Złoczów, das XI. die Bugstrecke zwischen Krasne und Busk gewinnen. Der Schutz der Südflanke im Raum um Brzeżany fiel der dorthin zurückgewichenen 11. ID. in Gemeinschaft mit der 8. KD. zu, der sich bald auch die zunächst auf Przemyślany zurückgenommene 4. KD. beigesellen sollte. Bei Kamionka-Strumilowa, in der Nordflanke der 3. Armee, hatten die ll.HKD. und das IR. 80 der 30. ID. wie am Vortage russische Übergangsversuche abzuwehren. Im engeren Bereich von Lemberg sollten, vorerst noch an die Befehle des AOK. gewiesen, die schon genannten Schützen!) In der Wiedergabe des diesen Gegenstand behandelnden Ferngespräches weichen Conrad, IV, 516 ££ und Pfeffer, 36 f, sehr wesentlich voneinander ab. Amtliche Niederschriften liegen nicht vor.

2) Siehe hiezu die Fußnote S. 186.

I 2. Aufl.

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regimenter des Innsbrucker Korpsbereiches zuverlässige Wacht halten. Inzwischen war am 25. August um 9h vorm. GdK. v. Böhm-Ermolli aus Syrmien in Stanislau eingetroffen, um aus den I-Iänden des GdI. Kövess das Kommando über den äußersten Südflügel der gegen Rußland kämpfenden k.u.k. Streitkräfte zu übernehmen. Allerdings war er zunächst ein Armeeführer fast ohne Armee, da von den nach der ursprünglichen Kriegsgliederung ihm zugedachten Heereskörpern das III. und XII. Korps zur

3. Armee gestoßen waren, das VII. erst anrollte und das IV. noch bei Šabac im Kampfe stand.

Von den spärlichen Truppen, die augenblicklich zur Hand waren, stießen am Tage der Ankunft Böhm-Ermollis die Hauptkräfte der 38. HID. noch im Sinne der Weisungen des Armeegruppenkmdos. Kövess bei Mo-nasterzyska auf Teile des russischen XXIV. Korps und wurden zugleich mit der k.u.k. 1. KD. geworfen. Diese wich gegen Mariampol, die Honvéd zog sich in den Brückenkopf von Niżniów zurück, wo sich auch, von Tłumacz her, die 40. LstlBrig. einfand. Die dezimierte 5. HKD. wich nach einem neuerlichen Treffen bei Podhajce auf Halicz. Im Bewußtsein erfüllter Pflicht konnte in denselben Stunden die 43. SchD. nach wohlverrichteter Arbeit von Czernowitz gegen Zaleszczyki streben, den weiteren Schutz der von den Russen geräumten Bukowina befehlsgemäß der 35. LstlBrig. überlassend.    •

Die Gefechte bei Monasterzyska und Podhajce festigten beim GdK. Böhm-Ermolli die Absicht, sich nicht zu einer Zersplitterung der Kräfte verleiten zu lassen, sondern erst in Tätigkeit zu treten, sobald eine genügend starke Truppenmacht zur Stelle war. In dieser Auffassung traf sich Böhm-Ermolli mit dem Chef des Generalstabes, den die Einzelkämpfe nördlich von Niżniów gleichfalls mit Mißbehagen erfüllt hatten. So konnte der 26. August im Bereiche der noch sehr schütteren 2. Armee ohne größere Kampfhandlungen verlaufen. Umso ereignisreicher wurde dieser Tag für die weiter nördlich fechtende k.u.k. 3. Armee.

Die B e ge gnungs kämpfe am 26. und 27. August

Ein klarer, warmer Sommertag rief am 26. August früh, während bei Kraśnik die Russen der k.u.k. 1. Armee die Walstatt überließen und während Auffenbergs Truppen bei Zamość und Tomaszów zum erstenmal in schweren Kämpfen mit dem Feinde ihre Klingen kreuzten, auch östlich von Lemberg die gegeneinander losrückenden Heere zu blutiger Ernte auf. Beim III. Korps herrschte der Eindruck vor, daß man es an diesem Tage überhaupt noch nicht mit ernster zu nehmendem Feinde zu tun haben werde. Die innerösterreichischen Regimenter der 28. und der

6. ID. brachen voll Ungeduld schon um 7h morgens, eine Stunde früher als befohlen, über die Niederungen von Bortków und Gołogóry vor. Die 28. ID., FML. Králiček, warf im flachgewellten, mitunter versumpften Gelände nördlich der Lemberger Straße im ersten Ansturme die Vortruppen des russischen XI. Korps und stieß bis zur Bahn und bis Lackie Wk. vor, wo ihr dann freilich der merkbar verstärkte Feind den Weg nach Złoczów verlegte. Im waldigen, zerrissenen und schwer gangbaren Hügelland südlich der Straße gelangte die Grazer 6.ID.,FML. v.Gelb,in wechselvollen Waldkämpfen, bei denen die Artillerie kaum zu Worte kam, auf gleiche Höhe mit den Regimentern Králičeks, mit denen sie dann das Schicksal teilte, von russischer Übermacht festgebannt zu werden.

Zum Unglück des ganzen Korps war inzwischen dessen dritte Division, die 22. SchD., FML. Ritt. v. Krauss-Elislago, stark abgeblieben. Verspäteter Befehlsempfang in dem weiter westlich gelegenen Nächtigungs-raum und Verzögerungen auf dem Vormarsch ließen sie zu Mittag noch nicht an der Złota Lipa angelangt sein. Der Feind machte sich dieses Abbleiben zunutze und stürzte sich in die offene Südflanke der Division Gelb, die sich tapfer und kaltblütig wehrte, aber nach schweren Blutopfern die durch den russischen Stoß getroffenen Truppen doch auf Gołogóry zurücknehmen mußte. Inzwischen hatte am frühen Nachmittag auch die 22. SchD. die Złota Lipa übersetzt und sich auf den Feind geworfen. Als der mit unzureichender Artillerieunterstützung nicht einheitlich geführte Angriff trotz glänzendster Haltung der Truppen nicht den gewünschten Erfolg brachte, faßte der den ersten Gefechtseindrücken stark unterliegende Divisionär den unglücklichen Entschluß, die Division hinter die Złota Lipa zurückzunehmen. Zu allem Überfluß kam es während des Rückmarsches im Dunkel der Nacht zu Verwirrungen beim Divisionsstab und einzelnen Truppen, so daß ein großer Teil der im gefährlichsten Augenblick führerlos gewordenen Division bis gegen Przemyślany zurückwich. Nur einzelne Teile des Nordflügels klammerten sich südwestlich von Gołogóry fest und folgten der sich bei Przemyślany sammelnden Hauptkraft erst am 27. früh. Weder das Korpskmdo. noch die 6. ID. wurden von diesem weiten Sprung nach hinten rechtzeitig verständigt.

Unterdessen hatte der Korpskommandant GdI. v. Colerus um 4hl5 nachm. auch der 6. ID. in Anbetracht der schwierigen isolierten Lage den Befehl zum Rückzug nach Gołogóry erteilt. Die 28. sollte nur ihren rechten Flügel entsprechend zurückbiegen. Der 22. SchD. wurde in Unkenntnis der tatsächlichen Begebenheiten ein Entlastungsstoß zugunsten der 6. ID. aufgetragen; wenn dieser nicht gelang, hatte sich die Division doch jedenfalls südlich von Gologóry zu behaupten. Als sich jedoch während des Rückzuges der 6. ID. zwischen ihr und der 28. feindliche Kräfte einschoben, wich auch diese hinter die Olszanica und noch ein Stück darüber hinaus zurück. Mit stolzem Kraftbewußtsein hatten sich frühmorgens die alpenländischen Regimenter auf den Feind geworfen. Ungebrochen zwar, aber mit klaffenden Lücken und vieler ihrer Besten beraubt, fanden sie sich abends wieder in den Stellungen, die sie bei Tagesanbruch siegesgemut verlassen hatten49).

Kaum glücklicher als das III. Korps hatte unterdessen das XII. gefochten. GdI. Kövess, der nach dem Eintreffen Böhm-Ermollis das Korpskmdo. wieder übernommen hatte, setzte zunächst, da bloß untergeordneter Feind gemeldet war, nur die 16. ID. zum Angriff gegen Re-mizowce an, während die aus den zehntägigen Grenzkämpfen zurückgekehrte 11. ID. im Verein mit der 8. KD. die Flanke bei Narajów zu decken und die 35. dahinter sich als Reserve für beide bereitzuhalten hatte. Die 16. ID., FML. Paukert, stieß auf der Höhe Orne mit der vordersten der drei Divisionen des russischen X. Korps zusammen. Etwas zurückgedrängt, gelang es ihr immerhin, östlich der Złota Lipa festen Fuß zu behalten. Unterdessen war bald nach dem Aufbruch dem GdI. Kövess eine Meldung über die unglücklichen Gefechte zugekommen, die tags zuvor bei Monasterzyska und Podhajce stattgefunden hatten. Um seine Südflanke besorgt, setzte GdI. Kövess die 35. ID. gegen Narajów an, von wo sie jedoch der über diese Maßnahme ungehaltene Armeekommandant auf das Schlachtfeld von Dunajów rief. Eben trat, schon erheblich nach Mittag, die Vorhut der von dem Umwege ermüdeten Division aus dem Walde östlich von Dunajów heraus, als bei der Hauptkraft eine Panik ausbrach, bei der auch der Divisionär FML. Njegovan schwer verletzt wurde. Die Truppen mußten an denWestrand desWaldes zurückgenommen werden. Die 11. ID., FML. Pokorny, schlug durch Vorstoß der 22. IBrig. starke russische Reiterei zurück, die von Brzeżany her vorgerückt war.

Am Südflügel des Korps wich die 8. KD. vor der Reiterei Brussilows gegen Rohatyn, wobei ihr der Feind nicht unbeträchtlich zusetzte.

Der Kommandant des XI. Korps erhielt schon in den ersten Vormittagsstunden Kunde von dem durch die Russen nun doch erzwungenen

Rückzug der ll.HKD. von Kamionka-Strumilowa und das Vorfühlen russischer Kräfte bei diesem Orte und bei Derewlany. Die zu Hilfe gerufene 44. SchD. konnte bloß ein Regiment zur Aufnahme der vom Bug verdrängten Kräfte nach Żółtańce vorschieben, da ihre Hauptkraft durch das AOK. in den Raum östlich von Lemberg gewiesen war. GdK. Ko-lossváry entschied sich daher, die Masse der 30. ID zur Deckung der schon bedenklich gefährdeten linken Armeeflanke gegen Norden aufschwenken zu lassen, während ihre Vorhut nach Busk gelangte. Unterdessen kamen die 11. MaBrig. und die 93. LstlBrig., die zu einer Division unter dem Befehl des GM. Fürsten v. Schönburg-Hartenstein zusammengefaßt waren, kampflos bis an die Peltewstrecke westlich von Krasne.

Schon die ersten Nachrichten über Rückschläge bei der 3. Armee hatten das AOK. nicht nur veranlaßt, seine aus der 44. SchD. und der 88.KSchBrig. bestehende Reserve durch Lemberg nach Winniki zu führen, sondern auch den Erzherzog Joseph Ferdinand mit seinen drei Divisionen wieder GdK. Brudermann zur Verfügung zu stellen. Als GdI. Conrad spät abends das Mißgeschick der 3. Armee in seinem ganzen Umfange erkannte, schrieb er es vor allem dem zu, daß GdK. Brudermann zu viel Truppen nördlich der Lemberger Straße angesetzt und die Schlachtordnung im Hügelgelände südlich der Straße zu wenig fest zusammengefaßt habe. Nichtsdestoweniger sollte der Angriff am 27. wiederholt werden, da —wie das AOK. am 26. abends das 3. Armeekmdo. wissen ließ — ,,von dem Gelingen des Vorstoßes auf Złoczów... die Entscheidung auf dem östlichen Kriegsschauplatz“ abhinge. GdK. Brudermann hatte die Befehle für die Wiederaufnahme der Schlacht schon zwei Stunden früher, um 8h abends, erteilt. Darnach sollte das

III. Korps unter Heranziehung möglichst starker Teile der in der Niederung stehenden 28. ID. auf den Höhen von Gołogóry den Feind stehenden Fußes erwarten, während das XL im Norden über Biały Kamień, das durch die 88. KSchBrig. verstärkte XII. Korps im Süden umfassend anzugreifen hatte. Die Sicherung der eigenen rechten Flanke wurde bei Dunajów und Narajów der 11. ID. und der mittlerweile herangeführten

4. KD., bei Strzeliska Nowe der 105. LstlBrig., bei Borynicze der 108. zugedacht, ohne daß für diese Heereskörper ein einheitliches Kommando vorgesehen war. Die Armeegruppe Erzherzog Joseph Ferdinand hatte GdK. Brudermann zum Teil beim III., zum Teil beim XII. Korps einsetzen wollen. Das AOK. ordnete dem gegenüber an, daß der Erzherzog zuerst bei Mosty Wielkie den ihn dort vermutlich störenden Feind abweise, dann aber auf Kamionka-Strumilowa vorstoße und so am besten den

Nordflügel der 3. Armee und den Zwischenraum zwischen dieser und der 4. Armee decke (siehe S. 201).

In der Nacht verdüsterte sich beim 3. Armeekmdo. das Bild, das man sich über den Zustand des III. Korps gemacht hatte. Nachrichten über die Auflösung ganzer Regimenter wie des Triester IR. 97, das in der Tat erst am 29. in Lemberg gesammelt werden konnte, und ähnliche Alarmmeldungen lassen es verständlich erscheinen, daß das Armeekmdo. unter ihrem Eindrücke am 27. um 8h früh der Heeresleitung den Rückzug der ganzen Armee vorschlug. Conrad befahl daraufhin, die Korps in die Linie Mikołajów—Lemberg—Żółkiew zurückzunehmen und gedachte, die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand bei Żółkiew mit der Front nach Nordosten anschließen zu lassen. GdK. Böhm-Ermolli wurde gleichzeitig angewiesen, seine Armee südlich des Dniester im Raume Zydaczów—Żurawno—Stryj bereitzustellen, um „entweder ein feindliches Vorgehen südlich des Dniester abzuweisen oder über den Dniester vorzugehen“. Die letzten Reserven des AOK., die aus dem Banat anrollende und eben die letzten Staffeln ausladende 23. HID. und die 97. LstlBrig., wurden als Verfügungstruppen der 3. Armee in den Raum nördlich von Lemberg geschoben.

Wie sehr diese krisenhaften Ereignisse den Generalstabschef bedrückten, beweist, daß er zum erstenmal ernsthaft erwog, die 4. Armee in ihrem erfolgreichen Fortschreiten gegen Norden aufzuhalten und zu einem die 3. Armee entlastenden Vorstoß nach Osten oder Südosten bereitzustellen1). Aber zu solch tiefgreifenden Maßnahmen kam es dann doch noch nicht. Denn alsbald stellte sich heraus, daß das III. Korps gar nicht vom Feinde bedrängt wurde, und es hatte auch den Anschein, als würden die Russen das XI. Korps überhaupt nicht angreifen. Das AOK. hob daher um Mittag auf Antrag des GdK. Brudermann den Rückzugsbefehl auf und unterstellte, wie schon oben mitgeteilt wurde, den Erzherzog Joseph Ferdinand aufs neue der 4. Armee (siehe S. 202).

Die Truppe war glücklicherweise von den mehrfachen Entschlußänderungen nicht berührt worden, da sich die betreffenden Befehle noch nicht durchgesetzt hatten. Für sie blieb es immer im wesentlichen beim Angriffsbefehl vom 26. abends. Zur Stärkung des III. Korps wurde die 44. SchD. mit Teilen der 88. KSchBrig. nach Kurowice nachgezogen. Auch die ursprünglich dem Südflügel zugedachte 108. LstlBrig. und die eben anrollende 3. MaBrig. sollten dahin folgen, ohne daß sie freilich zur Schlacht zurechtkommen konnten.

Auf die Russen hatte in der Tat der ungestüme Angriff des III. Korps seinen nachhaltigen Eindruck nicht verfehlt. Das IX. und der Südflügel des XI. Korps hielten peinlich betroffen an und folgten am Morgen nach dem ersten Schlachttag, um vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein, nur sehr behutsam. Entschiedener setzten die beiden Flügel der Armee Rußkis die Vorrückung fort und Brussilow konnte überdies, dem Wunsche seines nördlichen Nachbarn willfahrend, von seiner in der Front durch keinen nennenswerten Gegner gehemmten Armee das am Nordflügel manövrierende VII. Korps samt der 12. KD. gegen Dunajów in die Flanke der öst.-ung. 3. Armee entsenden. Die beiden Mittelkorps marschierten indessen nach Westen weiter und am Südflügel schwenkte das XXIV. Korps gegen Niżniów und Halicz ein.

Solcherart ist es zu verstehen, daß am 27. August der Kampf am Nordflügel der Schlachtfront begann. Da die Masse der 30. ID. im Flankenschutz gegen Norden gefesselt war, fiel die Ausführung des dem

XI.Korps aufgetragenen Flankenstoßes der Hauptsache nach der komb.ID. Schönburg zu. Nicht befähigt, mit ihren drei Batterien den Angriff artilleristisch vorzubereiten, rückte sie gegen den auf der flachen Welle östlich von Krasne stehenden Feind vor, der die ungelenken Landstürmer der 93. Brig. ganz nahe an sich herankommen ließ, um sie plötzlich mit einem vernichtenden Feuerhagel zu bedecken. Die Brigade flutete unter schweren Verlusten zurück und riß auch die nicht sonderlich widerstandsfähige

11. MaBrig. mit, wobei acht Geschütze stehengelassen wurden. Mittlerweile hatte ein Zangenangriff aus nördlicher und östlicher Richtung auch die 30. ID. zum Weichen gezwungen, worauf GdK. Kolossváry um lh3° nachm. sein stark durcheinander geratenes Korps auf die schmale Welle zwischen dem Jaryczowskikanal und dem Peltew zurücknahm, um es hier mit der Front gegen Norden aufzustellen. Der weit überlegene Feind, fünf Divisionen des russischen XI. und XXI. Korps, folgte nicht nach. Dennoch richtete bei der komb. ID. um Mitternacht ein falscher Alarm große Verwirrung an.

Die Ereignisse bei Krasne hatten neuerlich bewiesen, daß Landsturm- und Marschbrigaden mit ihrer zu Kriegsbeginn noch sehr geringen Ausbildung, ihrer ganz unzureichenden Artillerie und ohne Maschinengewehre für den Bewegungskrieg in der Regel nicht verwendbar waren und dem Feinde selbst dann, wenn an ihrer Spitze Männer von den soldatischen Eigenschaften des Kommandanten der komb. ID. standen, nur zu leicht Gelegenheit zu billigen Triumphen bieten konnten.

Das südlich des XI. fechtende III. Korps litt am 27. offensichtlich

noch unter der Enttäuschung und den schweren Opfern, die ihm der Vortag eingetragen hatte. Die 28. ID. hatte vom Korpskommandanten den Befehl erhalten, sich an die Olszanica heranzuschieben. Ihr Zögern hatte dem Feinde ermöglicht, den Südflügel des XI. Korps umfassend anzufallen. Als dieser das Feld räumte, wich auch die 28. ID. bis westlich von Gliniany zurück. Die Hauptkräfte des Korps folgten diesem Beispiel, ehe eine vom 3. Armeekmdo. selbst eingeleitete Umfassungsbewegung der 22. SchD. wirksam zu werden vermocht hatte. Ohne in ernsthafte Kämpfe verwickelt worden zu sein, hatte das Korps bis zum Abend über Gliniany und Łahodów hinaus und gegen Przemyślany Raum gegeben. So sehr hatten die bitteren Kampfeindrücke des Vortages bei diesen glänzenden Regimentern auf Führer und Truppe eingewirkt.

Das XII. Korps war nicht in der Lage gewesen, dem schwer getroffenen nördlichen Nachbarn Entlastung zu bringen. GdI. Kövess hatte der nördlich von Dunajów gegen Osten fechtenden 16. ID. eine Brigade der 35. und die aus dem Eisenbahnzug direkt aufs Gefechtfeld geworfenen Kaiserschützen zugeschoben, um sie zu einem Stirnangriff gegen die Höhe Orne zu befähigen. Im Anschluß südlich hatte die 11. ID. mit der zweiten Brigade der 35. umfassend einzugreifen. Der Vorstoß schien gegen Pomorzany hin stellenweise Boden zu gewinnen, als hier der Südflügel des russischen X. und das VII. Korps der Armee Brussilows einschwenkten, sich auf die 11. ID. stürzten und sie warfen. Der Korpsführer befahl daraufhin seine Truppen hinter die Złota Lipa zurück, welchem Befehl sein Nordflügel ohne sein Wissen schon infolge der Entblößung durch das III. Korps mit einem Rückzug auf Wypyski zuvorgekommen war1).

So war es der k.u.k. 3. Armee am 26. und 27. August nicht gelungen, den die Hauptstadt Galiziens und die Verbindungen des linken Heeresflügels von Osten her so schwer bedrohenden russischen Stoß aufzufangen. Der vereinzelte, der Geschlossenheit ermangelnde Angriff des III. Korps am ersten Schlachttag, der überdies mitten in die Front der gegnerischen 3. Armee hineingeführt wurde, hatte den Vormarsch der über Złoczów vordringenden Russen wohl ein wenig gehemmt, jedoch der Kerntruppe der k.u.k. 3. Armee schwere Opfer gekostet. Das Korps kam am zweiten Schlachttag fast nicht mehr zur Geltung. Als die

*) Trotz des schließlichen Mißerfolges haben die Kaiserschützen, damals noch „Landesschützen“, den Tag ihrer Feuertaufe mit Recht als besonderen Ehrentag in ihre an Ruhmesblättern reiche Weltkriegsgeschichte eingetragen. Ihr Nachfolgetruppenkörper im österreichischen Bundesheer, das Tiroler FJB. zu Rad Nr. 6, feiert den 27. August als Bataillonsgedenktag.

Führung an diesem Tage das Schwergewicht des Kampfes auf die beiden Armeeflügel verlegte, durchkreuzte der Russe die Pläne des GdK. Brudermann, indem er dank seiner Übermacht dessen Umfassungsgruppen selbst zu umfassen vermochte. Denn die durch das VII. Korps Brussi-lows verstärkte Armee Rußkis konnte den 115 Bataillonen, 91 Schwadronen und 376 Geschützen Brudermanns 292 Bataillone, 162 Schwadronen und 720 Rohre, also eine mehr als doppelt so starke Streitermasse entgegenstellen — eine Überlegenheit an Mann und Gerät, welche die Schwierigkeit der der k.u.k. 3. Armee und ihrem Befehlshaber übertragenen Aufgabe in vollem Ausmaße erkennen läßt.

Angesichts dieser Stärke des Feindes, den das 3. Armeekmdo. nun zutreffend auf zehneinhalb Infanterie- und mehrere Kavalleriedivisionen schätzte, hielt es GdK. Brudermann für unvermeidbar, nun auch seinen von der Umfassung noch immer besonders stark bedrohten linken Flügel sowie die Armeemitte hinter die Gniła Lipa zurückzunehmen. Darnach hatte im Laufe des 28. die Armee eine bogenförmige Stellung zu beziehen, die nördlich von Rohatyn begann, über Firlejów, Przemyślany, Gaje bis Zydatycze verlief und dort an die feldmäßige Befestigung von Lemberg anschloß (Skizze 9). Den rechten Flügel hatte, südlich von Firlejów durch die 105. LstlBrig., die 4. und die 8. KD. gesichert, das

XII. Korps samt der 11. ID. und der 88. KSchBrig. zu bilden, das III. Korps von Przemyślany bis Gaje die Mitte, das XI. den nördlichen Armeeflügel.

Auf dem Rückmarsch in die bezeichnete Linie mußten sich Teile des III. Korps die Russen im Gegenstoß vom Leibe halten; reichsdeutsche Offiziere, die, von Przemyśl kommend, das Korps an diesem Tage sahen, sprachen sich voll Anerkennung über die Haltung der innerösterreichischen Regimenter aus1). Südlich von diesen stieß beijanczyn russische Reiterei in den Troß der 11. ID. hinein. Sonst vollzog sich der Marsch fast ohne Störung durch den Feind und auch ohne Reibung.

Noch am 28. vormittags schob GdK. Brudermann zur besseren Sicherung Lembergs die bis Winniki gelangte 44. SchD. zwischen das III. und das XI. Korps mit der Front nach Norden ein. Die 108. LstlBrig. folgte bis Gaje. Die 23. HID. und die ihr angegliederte 97. LstlBrig. wurde um Jaśniska nordwestlich von Lemberg als Armeereserve versammelt. Die

ll.HKD. sollte am Südwestrand der Hauptstadt nach den heftigen Kämpfen der letzten Tage kurzer Ruhe pflegen.

In solcher Schlachtordnung hoffte GdK. Brudermann, dem vom

*) Conrad, IV, 562. — Freytag-Loringhoven, Menschen und Dinge, wie ich sie in meinem Leben sah (Berlin 1923), 229.

AOK. erteilten Befehle, „bis zum Äußersten Widerstand zu leisten“, soweit als möglich gerecht zu werden.

Der Verlauf der Kämpfe bei der 3. Armee hatte naturgemäß auch auf das Schicksal der erst aufmarschierenden 2. Armee zurückgewirkt. War Conrad am 26. noch durchaus einverstanden, daß GdK. Böhm-Ermolli erst nach Versammlung entsprechend großer Streitkräfte losbrach, so mußte er tags darauf dem 2. Armeekmdo. doch nahelegen, alles aufzubieten, um „den südlich Brzeżany vordringenden Feind aufzuhalten oder zurückzuschlagen, vor allem aber ein Eingreifen desselben gegen die Südflanke der 3. Armee zu verhindern“. Für denselben Tag war selbstverständlich an eine solche Einwirkung, so nützlich sie dem

XII. Korps gewesen wäre, nicht mehr zu denken. Immerhin mußte sich Böhm-Ermolli beeilen, der 3. Armee doch wenigstens binnen achtundvierzig Stunden Hilfe zu bringen, sollte sie nicht aufs neue überflügelt werden. Er entschloß sich daher, alle erlangbaren Truppen bis zum 28. mittags in eine von den Höhen nordöstlich Halicz bis Rohatyn reichende, links stark gehaltene Flankenstellung vorzuführen, aus der heraus den Weisungen des AOK. entsprochen werden konnte.

Die Nachrichten über den Feind ergaben, daß dieser, aus Infanterie und Reiterei bestehend, in zahlreichen Marschsäulen über die Zlota Lipa gegen Westen strebte. Über seine Stärke war die längste Zeit hindurch kein verläßliches Bild zu gewinnen. Auch die Nahaufklärung der über den Dniester hinausrückenden Truppen sowie der bei Rohatyn stehenden und nun der 2. Armee unterstellten 8. KD. versagte. Endlich, am

28. nachmittags, vermochten Flieger die von Brzeżany über Podwysokie und von Podhajce in geradewegs westlicher Richtung vorgehenden Spitzendivisionen der feindlichen Korps (es waren dies Nr. XII und VIII) zu melden. Nun ließ GdK. Böhm-Ermolli seine Kräfte in zwei Gruppen aufmarschieren. Die eine, unter GdI. Otto v. Meixner, hatte sich bei Rohatyn am westlichen Talhang zum Angriff ostwärts bereitzustellen; sie konnte mit der 20. HID., der 12. MaBrig. und den zum Teil schon bei Rohatyn ausladenden ersten Staffeln des VII. Korps am 29. früh dreieinhalb Divisionen stark sein. Die zweite Gruppe hatte FML. Freih. v. Karg hinter den Erdwällen des Haliczer Brückenkopfes bereitzustellen. Da seine von Niżniów anrückende 38. HID. infolge Ermüdung am 28. wenig über Mariampol hinausgekommen war, stellte er diese mit der nun auf der Bahn herangeführten 43. SchD. sowie mit Teilen der Brückenkopfbesatzung zu einer Stoßgruppe zusammen, die flankierend in den Kampf bei Rohatyn eingreifen sollte.

Schlußfolgerungen der Feldherren Hiezu Skizze 7

Das Schicksal der 3. Armee hatte sich dem öst.-ung. Generalstabschef bleiern auf die Seele gelegt. Einen Brief, den er am 27. dem Generaladjutanten des Kaisers schrieb, leitete er mit den Worten ein, daß er diese Zeilen ,,im schwersten Momente“ seines Lebens niederlege. „Was mich selbst anbelangt,“ heißt es gegen Schluß dieses Schreibens, „so habe ich in meinem Innern abgeschlossen“1). Die Ereignisse bei der 3. Armee konnten in der Tat schon in den nächsten Tagen entscheidend auf das Geschick des hoffnungsvoll vorwärts schreitenden Nordflügels zurückwirken und diesem den Erfolg, der schon ziemlich nahe zu winken schien, in elfter Stunde entreißen. Wie sehr ein solcher Umschwung schon am

27. früh, als die Lage bei der 3. Armee besonders düster aussah, zu befürchten gewesen war, hat sich in der damals zum erstenmal schärfer gefaßten Absicht Conrads gezeigt (S. 214), die 4. Armee zu bremsen und im Raume Zamość—Łaszczów—Tomaszów derart bereitzustellen, „daß sie entweder durch einen Vorstoß nach Ost oder Südost die 3. Armee zu unterstützen“ vermochte. Auch das vorübergehende Abziehen der in einer für Auffenberg besonders wirksamen Richtung angesetzten Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand hatte dargetan, wie nahe das AOK. in jenen trüben Stunden schon daran war, im Hinblick auf die kritischen Ereignisse bei Brudermann der 4. Armee in den Arm zu fallen.

Als sich dann jedoch noch am selben Vormittage die Lage bei der

3. Armee wieder rosiger zeigte, kam der Generalstabschef noch einmal auf den Grundgedanken des bisherigen Manövers zurück. Er ließ seinen Armeeführern um 2h nachm. durch den Draht mitteilen, daß der Kampf in den folgenden Tagen unter Heranziehung aller Kräfte ohne Rücksicht auf „lokale Rückschläge“ fortzusetzen sei. Erzherzog Joseph Ferdinand wurde wieder der 4. Armee zurückgegeben, damit er dort an der Entscheidung ausschlaggebend mitwirke. Auch der neuerliche Rückschlag, der bei der 3. Armee am zweiten Schlachttage eingetreten war, brachte Conrad von dem Entschlüsse, nun die Dinge am Nordflügel ausreifen zu lassen, nicht mehr ab. Nach den beim AOK. eingelangten Meldungen standen der 1. Armee óy* russische Divisionen (4. Armee mit dem XIV.,

XVI. und Grenadierkorps), der 4. etwa 7 Divisionen (XIX., XXV. und ein drittes Korps, dazu die 70. RD.) gegenüber. Darnach war kein über!) Conrad, IV, 551 ff.

mäßiger Optimismus nötig, zwischen Bug und Weichsel noch einen Erfolg zu erhoffen.

Dementsprechend hatten auch die Weisungen des AOK. an die Armeen des linken Flügels gelautet; aber es ist doch zu erkennen, daß sie Conrad nicht mehr in der ihn noch einige Tage zuvor erfüllenden Hoffnung erteilte, den Feind an der Nordfront in ausholender Umfassung von links aufzurollen. Die gespannte Lage in Ostgalizien ließ nach Auffassung des Generalstabschefs die Ausführung solch stolzer Pläne nicht mehr zu. Wohl konnte er aus dem Eingreifen der 2. Armee manches in dieser Richtung erhoffen. Überdies verfügte das AOK. am 28., daß Brudermann auf den Höhen südlich von Żółkiew eine aus der 23. HID., der 97. LstlBrig. und dem Gros der (inzwischen vom 3. Armeekmdo. schon in die Front genommenen) 44.SchD. bestehenden Flankenstoßgruppe zusammenziehe, während zwei Kavalleriedivisionen (S. 202) die Lücke nordwärts zu verschleiern hatten. Aber diese Aushilfen ließen Conrad trotzdem nicht mehr über die einmal gewonnene Überzeugung hinwegkommen, daß es bald notwendig sein werde, Kräfte der Nordgruppe des Heeres auf die Walstatt bei Lemberg zu rufen. Es hieß damit, sich im Norden zu bescheiden und — in Anlehnung an früher erwogene Möglichkeiten — mit der Gewinnung der Linie Cholm—Lublin zu begnügen, welche Aufgabe nach der augenblicklichen Lage den Generalen Auffenberg und Dankl offenkundig noch zugemutet werden konnte.

Die Überzeugung, daß der Nordstoß doch nur mehr eine Episode sein könne, ließ den k.u.k. Chef des Generalstabes sicherlich die Nachteile leichter in Kauf nehmen, die das ungestüme Vorwärtsstreben Auffenbergs im Hinblick auf den Nordflügel der 3. Armee zweifellos mit sich brachte und die nur durch einen besonders eindrucksvollen Sieg Auffenbergs aufgehoben werden konnten. Auch mochte er sich eher mit jener Kräfteverschiebung abfinden, die dadurch eingetreten war, daß die

4. Armee rechts den Erzherzog Joseph Ferdinand ganz an sich zog und für ihren linken Flankenschutz das X. Korps der 1. Armee in Anspruch nahm. Allerdings vermochte Dankl für diesen Ausfall an Kräften die Gruppe Kummer und später auch die preußische Landwehr heranzuziehen. Nichtsdestoweniger war es unleugbar, daß sich das Schwergewicht des Angriffes an der Nordfront von der 1. auf die 4. Armee verschoben hatte — entgegen dem Grundplan der Operation, dessen Gelingen unzweifelhaft einen starken linken Flügel voraussetzte.

Daß gleichzeitig der hochbeschwingte Gedanke, die 3. und womöglich sogar Teile der 2. Armee zu den ersten Entscheidungskämpfen

zwischen Weichsel und Bug nach Norden nachzuziehen, zurücktreten mußte, versteht sich von selbst. Diese offenkundig sich vollziehende Abkehr von dem den ersten Kämpfen zugrundeliegenden Operationsplan wurde dem GdI. Conrad gewiß durch das Verhalten der deutschen 8. Armee erleichtert, so sehr er dieses bedauerte. Zwar depeschierte er noch am

28. an GO. Moltke: „Es ist für uns dringend erwünscht, daß ehestens deutsche Kräfte die Gegend von Siedlce erreichen ...“ Und am 29. und 30. wiederholte er, zum Teil unter dem Eindruck von Nachrichten über einen unmittelbar bevorstehenden Vorstoß stärkerer russischer Kräfte aus Warschau gegen Westen, diesen Mahnruf, wobei er in der zweiten Depesche im Hinblick auf die Siegesnachrichten aus Ostpreußen, Belgien und Nordfrankreich die Mahnung beifügte: „Außerdem vermute ich ja, daß nunmehr deutscherseits der Krieg gegen Rußland in großem Stil einsetzen wird“1). Aber tags zuvor hatte Hptm. Fleischmann seiner Siegesmeldung über Tannenberg beigefügt, daß sich Hindenburg nun gegen die von Nordosten her vordringende Armee Rennenkampf wenden werde. Da klang die Versicherung, daß nach Erledigung dieses Feindes bestimmt die „Offensive über den Narew gegen Ostrow-Siedlce“ folgen werde, nicht mehr allzu verheißungsvoll. Immer mehr setzte sich in GdI. Conrad die-Meinung fest, daß dem deutschen Ostheer doch vor allem die Behauptung Ostpreußens übertragen war und daß es daher mit dem Händereichen der beiden Verbündeten im Rücken von Warschau bis auf weiteres sein Bewenden haben werde.    *

Waren die Entschlußwandlungen auf öst.-ung. Seite durch die Ereignisse am Ostflügel bestimmt worden, so fielen für die weiteren Pläne des russischen Feldherrn vor allem die Vorgänge am Westflügel in die Waagschale. Hier war es noch immer das Vordringen Dankls, das bei den russischen Befehlsstellen den nachhaltigsten Eindruck hervorrief. Wohl hatte der neue Führer der russischen 4. Armee Anstalten getroffen, hinter seinem rechten Flügel eine Stoßgruppe aufzubauen, deren Kern das in Iwangorod ausladende XVIII. Korps zu bilden hatte. Trotzdem hielt Gen. Ewert die Lage seiner Armee am 28. schon für so kritisch, daß er bei Iwanow Weisungen für den Fall eines unvermeidlichen Rückzuges hinter den Wieprz erbat. Dieser antwortete, daß den Hauptkräften der Armee die Deckung der über die Bugstrecke Drogiczyn (35 km nordöstlich Siedlec) — Brest-Litowsk, dem XVIII. Korps aber die Sperrung der nach Warschau und Siedlec führenden Straßen zufallen würde2).

1)    Conrad, IV, 578.

2)    La grande guerre, 166.

Die Besorgnisse um das Schicksal der 4. Armee wurden durch Nachrichten über den Weichselübergang Kummers und den Vormarsch der preußischen Landwehr gegen Iwangorod noch erhöht. Da zudem die Kämpfe der über den Narew in Ostpreußen eingebrochenen 2. Armee einen unglücklichen Verlauf nahmen, entschloß sich der Großfürst-Generalissimus, den Plan ungesäumten Austretens von Warschau gegen Westen zurückzustellen und auch die beiden anderen Korps der Warschauer 9. Armee an der gefährdetsten Stelle der Front, bei der 4. Armee, in den Kampf zu werfen. Die eben in Warschau ausladende Garde wurde nach Iwangorod dirigiert, das von Petersburg über Łupków anrollende XXII. Korps sollte nach Lublin fahren. Außerdem wurde der Transport des III. kauk. Korps und der Reservedivisionen 80, 82 und 83, die gleichfalls der 4. Armee zugedacht waren, möglichst beschleunigt. Den Befehl über die Garde und das XVIII. Korps sowie die Abteilungen westlich von Iwangorod übertrug man am 30. August dem Führer der 9. Armee, Gen. Letschitzki, dem zunächst die Aufgabe zufiel, die Front im empfindlichsten Abschnitt verläßlich zu halten1).

Gegenüber dem Schicksal der 4. Armee scheint das der 5. der Stawka weniger Sorge bereitet zu haben. Dies erklärt sich zum Teil wohl daraus, daß Gen. Plehwe in seinem Hauptquartier Cholm die Lage seiner Armee die Tage über keineswegs für kritisch hielt und zumal am 28. nachmittags sich sogar einer siegesfreudigen Stimmung hingab, die sich auch auf Iwanow in Rowno übertrug. Man hoffte, durch den massierten Einsatz dreier Korps am nächsten Tage den Kampf bei Tomaszów erfolgreich zu beenden, und frohlockte schon, dann diese Armeekorps anderwärts verwenden zu können. Iwanow wünschte sogar im vorhinein, daß sich die 5. Armee bei verläßlicher Sperrung der nach Brest-Litowsk führenden Straßen gegen ihren linken Flügel hin dem Gegner möglichst fühlbar mache, um diesen zu hindern, daß er Kräfte gegen Lemberg und die Nordflanke Rußkis entsende.

Aber schon in den nächsten Stunden wandte sich das Blatt. Es kamen Nachrichten über die Niederlage, die Erzherzog Joseph Ferdinand dem

XVII. Korps beigebracht hatte, und über neues Mißgeschick der russischen 4. Armee. Aber Plehwe war auch jetzt noch keineswegs gesonnen, die Flinte ins Korn zu werfen. Mochten auch seine verfrühten Siegeshoffnungen zunichte sein, so sollte die 5. Armee doch wenigstens die Front halten. Um dies zu erreichen, befahl der Armeebefehlshaber seinen rechten Flügel, das XXV. Korps, ohne Rücksicht auf dessen Zustand zu

1) Zichowitsch, 58.

einem neuerlichen Angriff auf Zamość, der die Aufmerksamkeit des Gegners vom linken Flügel abziehen sollte. Dabei auf Unterstützung durch die 4. Armee zu rechnen, war natürlich undenkbar. Immerhin hoffte Plehwe, daß die 3. Armee durch einen entschlossenen Angriff oder wenigstens durch Kavallerieunternehmungen seinen Ostflügel entlasten werde1). Eine dementsprechende Anregung fiel bei Gen. Iwanow auf fruchtbaren Boden.

Die 3. Armee hatte am 28. nach einem behutsamen Marsche die Linie Kamionka-Strumilowa—Gliniany—Przemyślany—Brzuchowice erreicht. Die Vorhuten der beiden linken Korps traten im Berglande südlich der Złoczówer Heerstraße noch nachmittags in Gefechtsberührung mit dem Gegner. Die Marschkolonnen waren tief gegliedert, die Kämpfe der letzten Tage hatten in der Truppe gewaltige Lücken gerissen und ihren Schießbedarf aufgezehrt. Gen. Rußki erbat daher zwei bis drei Tage Rast. Wohl noch ohne Kenntnis des bei den Korps Plehwes eingetretenen schweren Mißgeschicks entschied der Oberbefehlshaber der Südwestfront, daß die Armee rasten möge, aber spätestens am 31. früh wieder aufzubrechen habe, und zwar im Hinblick auf die Meldung von feindlichen Truppenverschiebungen von Lemberg gegen Norden nicht mehr in westlicher, sondern — wie schon früher vorgesehen — in mehr nordwestlicher Richtung. Die 8. Armee, die mit zwei Korps an der Narajowka und je einem vor Halicz und in der Dniestersicherung bis zur Reichsgrenze hinab stand, hatte im Einklang mit dieser Direktionsänderung vorzugehen.

Großfürst Nikolai Nikolajewitsch versagte jedoch, vielleicht schon auf Grund von Meldungen Plehwes über die Katastrophe beim XVII.Korps, den Weisungen Iwanows seine Zustimmung. So wie Lublin für den öst.-ung. Westflügel, so war Lemberg für den russischen Ostflügel zum Schlüsselpunkt geworden. Der Großfürst befahl daher der 3. Armee, ihre Zeit nicht durch Rechtsverschiebungen zu vergeuden, sondern den vor ihr stehenden Gegner ,,an der Gurgel“ zu fassen und konzentrisch auf die Hauptstadt Galiziens loszugehen, während die 8. Armee wie früher mit der Mitte über Rohatyn gegen Westen vorzudringen hatte 2). Der Höchstkommandierende war überzeugt, durch diese von Iwanow nur widerstrebend befolgten Anordnungen auch auf beste Weise seinem rechten Flügel und zumal der bei Komarów verzweifelt ringenden Armee Plehwes zu Hilfe zu kommen, und er sollte sich in seiner Erwartung nicht täuschen.

*) Zichowitsch, 156 f.

2) Ebenda, 165. — La grande guerre, 170 ff.

Aus diesen beiderseits gefaßten Entschlüssen entspann sich der zweite Akt des blutigen Dramas auf dem galizisch-polnischen Kriegstheater: das Erlahmen der Angriffskraft Dankls gegenüber der von Stunde zu Stunde wachsenden feindlichen Übermacht, die Vollendung des Sieges bei Komarów und der neue schwere Rückschlag bei Lemberg. '

Die öst.-ung. Offensive auf dem Höhepunkt

Die Einkreisung der Russen bei Komarów (29. und 30. August)

Hiezu Skizze 8

Der Angriffsbefehl, den GdI. Auffenberg am 28. August abends zur Einkreisung des zwischen Komarów und Łaszczów zusammengedrängten Feindes erteilt hatte, mutete den beiden Flügeln der k.u.k. 4. Armee kühne Manöver zu. Die rechte Umfassungsgruppe, Erzherzog Joseph Ferdinand, mußte, auch wenn es ihr gelang, der russischen 5. Armee die Flanke abzugewinnen, mit einer Rückenbedrohung durch den Nordflügel Rußkis rechnen, die immerhin schon nach zwei oder drei Tagen empfindlich fühlbar werden konnte. Noch schwieriger war sicherlich die Aufgabe, die dem zur Umfassung links aufgebotenen II. Korps, GdI. Blasius Schemua, zufiel; denn es mußte, einen allerdings wiederholt geschlagenen, aber erstaunlich zähen Feind vor sich, aus der bisher gegen Norden und Nordosten gerichteten Front gegen Osten und Südosten aufschwenken. Dies war nur unter ausgiebiger Sicherung in der bisherigen Frontrichtung möglich, wozu noch der Umstand kam, daß das russische XXV. Korps seinen Rückzug an den Waldrändern nördlich von Str. Zamość trefflich verschleiert hatte und man über seinen Verbleib ziemlich im unklaren war. Die Flieger wußten über eine große Lücke in der Russenfront zwischen der Łabuńka und dem Wieprz zu berichten, was Auffenberg den Entschluß erleichterte, die Masse des k.u.k. II. Korps gegen Osten abzuziehen; nur die 4. ID. und eine aus einem Regiment und zwei Batterien bestehende Abteilung der 13.SchD. sollte, in der bisherigen Marschrichtung verbleibend, gegen Krasnostaw angreifen. Auffenberg glaubte mit diesem Flankenschutz umsomehr auszukommen, als er ja hoffen durfte, daß sich auch das X. Korps der siegreich vordringenden 1. Armee durch einen Vorstoß auf Krasnostaw an der Sicherung seines Manövers beteiligen werde.

In großer Ungeduld sah das 4. Armeekmdo. am 29. früh dem Wiederaufflammen der Schlacht entgegen. Besorgte es einerseits auf Grund der Siegesnachricht des Erzherzogs Joseph Ferdinand, daß der Feind der Einkreisung durch schleunigen Rückzug entrinnen könnte, so ließen andererseits am Vormittage eintreffende Fliegermeldungen über ein von Krylów anmarschierendes russisches Korps nur umsomehr wünschen, daß auf dem Schlachtfeld rasch ganze Arbeit geleistet werde, ehe der Feind Verstärkungen heranzuziehen vermöchte. Tatsächlich scheinen die erwähnten Fliegerbeobachtungen aus Hin- und Hermärschen des vom Erzherzog am Vortage geschlagenen und nun wieder zum Angriff vorgeschickten russischen XVII. Korps entstanden zu sein1).

Doch wie dem auch sei: der Erzherzog hatte seine Truppen schon frühmorgens zu neuem Ansturm vorgeschickt. Der Widerstand des Feindes war sichtlich geringer. FML. Roth entriß mit seinen drei Brigaden der 61. RD. Hulcze, wobei er ihr 24 Kanonen abnahm. FML. Kirchbach stieß mit der 8. ID. und der 41. HID. nach lebhaften Kämpfen mit der russischen 35. ID. bis in den Raum zwischen Posadów und der Huczwa durch. Die 19. ID., FML. Lukas, warf den Feind nach sorgfältiger Artillerievorbereitung an den Oberlauf der Huczwa zurück. Gegenstöße, durch die sich der rechte Flügel des russischen XVII. Korps Luft schaffen wollte, brachen im Flankenfeuer der Honvéds und der 19. ID. zusammen.

Beim VI. Korps wurde eine von ungefähr gebildete rechte Flügelgruppe, die sich tags zuvor über die Front hinausgewagt hatte, frühmorgens von einem Überfall der Russen hart zugerichtet. Dafür drangen von 10hvorm. an die 27. ID. und die 39. HID. aus dem Raume Tomaszów—Tarnawatka in rüstigem Angriff nordostwärts vor. Sie warfen zuerst die Mitte des russischen V. Korps, wehrten dann einen Entlastungsangriff ab, den der Nordflügel dieses Korps unternahm, und erreichten, durch die MaBrig. Nr. 2 und 9 verstärkt, abends zwar nicht mehr die angestrebten Höhen südöstlich von Komarów, aber doch die Linie Rachanie— Dzierążnia, für die seit drei Tagen kämpfende Truppe wahrlich eine anerkennenswerte Leistung. Die erholungsbedürftige 15. ID. hatte den 29. über noch bei Tomaszów geruht.

Weniger Glück war dem IX. Korps beschieden. Dieses hatte, vom

II. in der Staffel links gefolgt, mit der 26. SchD. von Südwesten, mit der

ł) Das Armeekmdo. war überhaupt über die Feindlage am Ostflügel nicht zutreffend unterrichtet. Es vermutete vor dem Erzherzog Joseph Ferdinand das russische

V. Korps, vor Boroević das XIII., das sich in Wirklichkeit in Ostpreußen befand, und das XVII. erst im Anrücken.

I 2. Aufl.

15


10. ID. von Nordwesten gegen Komarów anzugreifen und wurde angesichts der Möglichkeit eines russischen Rückzuges vom Armeekmdo. zu beschleunigter Vorrückung angefeuert, so daß das etwas verspätete II. Korps über zwei Stunden weit abblieb. Das IX. Korps stieß auf die hartnäckige Abwehr des seit Tagen gut eingenisteten XIX. russischen, geriet auch in schweres Geschützfeuer, so daß die 26. SchD. bis zum Abend allen gewonnenen Boden östlich der großen Straße preisgeben mußte. Auch die

10. ID. hatte Raumverlust zu verzeichnen, den sie aber dank dem Eingreifen der 25. ID. des II. Korps wieder wettmachen konnte.

Der Kommandierende des II. Korps, GdI. Schemua, hatte den Befehl über die gegen Komarów ausgesandten Teile seines Korps, die

25. ID. und die Masse der 13. SchD., dem 25. IDKmdo., FML. Erzherzog Peter Ferdinand, überlassen, indes er selbst bei Zamość verblieb, um die zum Angriff gegen Izbica angesetzte 4. ID. und das nördlich von Zamość aufgestellte SchR. 25 nicht aus dem Auge zu verlieren.

Der Erzherzog brach, da ihm der Vormarschbefehl verspätet zugekommen war, erst um 10h vorm. in der Richtung Cześniki—Tyszowce auf. Seine südliche, aus den Hauptkräften der 25. ID. bestehende Kolonne stürmte, nachdem sie die wankenden Teile der 10. ID. vorgerissen hatte, nachmittags unter hervorragender Beteiligung des Regiments Deutschmeister den Ort Cześniki. Links von der 25. ID. hätte FML. Kreysa, nordwärts durch das SchR. 14 gesichert, mit der 25. SchBrig. und dem IR. 84 über Miączyn ausgreifen sollen, blieb aber zu nahe angeschlossen, so daß die schon zur Parallelverfolgung an die Huczwa aufgebotene, drei Bataillone starke Gruppenreserve Obst. Stöhr zur Rechtsschwenkung auf Dub angewiesen werden mußte. Starkes Abwehrfeuer der tödlich bedrohten Russen und der Einbruch der Dunkelheit nötigten die Masse der Gruppe Erzherzog Peter beiderseits von Cześniki, die Bataillone des Obst. Stöhr bei Miączyn in scharfer Gefechtsfühlung mit dem Feinde zu nächtigen. Die gegen Norden ausgeschiedenen zwei Schützenregimenter hatten tagsüber herumschwärmende russische Reiterei abgewiesen.

Von großer Bedeutung für die Fortführung des dem Erzherzog Peter Ferdinand übertragenen Umfassungsmanövers war die Klarstellung der Feindlage nördlich von Zamość und am Wieprz. Diese Aufgabe fiel im Bereiche der 4. Armee der 4. ID., FML. v. Stöger-Steiner, zu; aber GdI. Auffenberg sollte überdies zu Recht auf die Hilfsbereitschaft der benachbarten 1. Armee bauen, deren Führer trotz des der Masse seiner Divisionen gewährten Rasttages das am rechten Flügel fechtende X. Korps zum Angriff auf Krasnostaw befohlen hatte und auch die 9. KD. den

Zwecken der 4. Armee zur Verfügung stellte. Gelang es dem X. Korps, die Bahn Lublin—Cholm zu durchschneiden, so war damit auch der Schienenstrang abgeschnürt, auf dem die russische Heeresleitung am leichtesten Verstärkungen gegen den Ostflügel der 1. Armee heranbringen konnte.

Die 4. ID. fühlte sich während des ganzen 29. durch die Unklarheit über den Feind schwer gehemmt. Auch die von der 9. KD. eingebrachte Nachricht, daß in den Wäldern nördlich von Str. Zamość Feind unbekannter Stärke verschanzt sei, vermochte daran nichts ändern. Mit größter Behutsamkeit zog FML. Stöger-Steiner seine Truppen bis gegen Abend durch die versumpfte Niederung auf eine Bodenwelle nördlich des La-buńkabaches vor. Das Beispiel der 4. ID. übertrug sich auf die 45. SchD. des X. Korps. Wunschgemäß bereit, dem rechten Nachbarn beizuspringen, kam sie am 29. nur auf 5 km an Tarnogóra heran. Einen halben Tagmarsch nordwestlich von ihr nächtigte, nachdem sie feindliche Nachhuten bei Chlaniów (Skizze 5) geworfen hatte, die 24. ID. Die 2. ID. stellte weiter westlich kampflos die Verbindung mit dem V. Korps her, an dessen rechtem Flügel die 37. HID. mit Unterstützung der 33. ID. einen scharfen Vorstoß des Grenadierkorps bei Bychawa abzuwehren gehabt hatte1).

Dem 4. Armeekmdo., das von Oleszyce nach Narol verlegt worden war, hatte der 29. August wohl nicht alles gehalten, was es sich von ihm versprochen hatte, aber genug, um auf den errungenen Erfolgen weiterzubauen. Denn die beiden Zangenarme waren an die im Raume Komarów— Telatyn schon halb eingekreisten Russen angesetzt. Es bedurfte anscheinend nur mehr des schließenden Druckes, um den Feind zu zermalmen. GdI. Auffenberg befahl daher für den 30., daß die Armeemitte, das VI. Korps und der Südflügel des IX., im Hinblick auf die heißen Kämpfe der Vortage sich mit einem stehenden Gefecht zu begnügen, die beiden Flügel aber das Umfassungsmanöver planmäßig fortzusetzen hätten.

An diesem Tage hatte sich zunächst östlich des Wieprz, gegenüber dem linken Flügel der 4. Armee, das russische XXV. Korps noch einmal zu einem mit letzter Kraft durchgeführten Gegenangriff aufgerafft. Dieser traf die 4. ID. bei Str. Zamość in dem Augenblick, als GdI. Schemua sie just der in weit vorgeschobener Stellung ringenden Gruppe Erzherzog Peter nachsenden wollte. Es war nicht zuletzt einem kühnen und opfermutigen Flankenangriff des am linken Flügel fechtenden IR. Freih. v. Hess Nr. 49 zu danken, wenn die Division in hartem, verlustreichem Ringen,

*) Für dieses Gefecht erhielt GM. Paul Nagy, Kmdt. der 73. HIBrig., das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

aber ohne durch den Feind verfolgt zu werden, hinter die Łabuńka zurückweichen konnte1).

Erzherzog Peter hatte vormittags von GdI. Schemua die Mitteilung erhalten, daß die 4. ID. zu einem Umgehungsmarsch gegen Grabowiec angesetzt werde und auch die 9. KD. aufgefordert worden sei, den eben genannten Ort nördlich zu umreiten. Die Gruppe des Erzherzogs möge bis zum Auftreten dieser Divisionen in ihren Stellungen verharren. Inzwischen hatten aber die 25. und die 13. Division ihren Angriff schon wieder auf genommen 2), wobei die Gruppe Stöhr am äußersten Ostflügel vor Dub auf die frisch eingesetzte 5. DonKosD. und zwei vom russischen

V. Korps herangeführte Infanterieregimenter stieß. Ins Gewicht fallender Raumgewinn war den k.u.k. Truppen gegenüber dem verzweifeltenWider-stand des Feindes nicht mehr beschieden. Außerdem fühlte sich der Erzherzog durch das Auftreten russischer Abteilungen in seinem Rücken zunehmend bedroht. Da schuf die um 2h nachm. einlangende Nachricht, daß die 4. ID. nicht nachkommen werde, sondern bei Str. Zamość selbst heftig bedrängt sei, eine herbe Enttäuschung. Die 9. KD., die an Stelle des wieder zur Division herangezogenen SchR. 14 westlich von Miączyn ins Feuergefecht getreten war, bildete bei ihrer geringen Feuerkraft nur einen schwachen Ersatz. Auch von Süden her winkte der Gruppe Erzherzog Peter keine nennenswerte Entlastung. Das hier fechtende IX. Korps stand vielmehr seit frühem Morgen unter dem unzutreffenden, aber lähmenden Eindruck, daß der Russe bei ihm gegen Westen durchbrechen wolle. Die scharfe Abwehr, die ein Angriff der 10. ID. in den ersten Nachmittagsstunden bei den Russen fand, bestärkte das IX. Korpskmdo. in seiner Vorstellung. So forderte der Erzherzog vergebens Mitwirkung an der Offensive. Nun suchte er noch einmal Heil in seiner eigenen Kraft, indem er seine schon stark gelichteten Schwarmlinien zu einem letzten Ansturm aufriß. Erfolg war aber nur mehr der Gruppe Stöhr beschieden, welche die Höhe nordöstlich von Dub gewann. Sie mußte sich begnügen, von hier aus in die gegen Osten weichenden russischen Kolonnen mit Gewehrfeuer zu wirken, da die ihr von Haus aus zugesprochene Batterie

x) Das IR. 49 war durch den tapferen Vorstoß bei Tarzymiechy (6 km südwestlich von Tarnogóra) erheblich über die Front vorgeprellt und mußte in der Nacht zurückgenommen werden. Das Niederösterreichische IR. 6 des Bundesheeres, der Nachfolgetruppenkörper des k.u.k. IR. 49, begeht den 30. August als Regimentsgedenktag.

2) Zur Erinnerung an das ausgezeichnete Verhalten, dessen sich das k.u.k. FHR. 2' in diesem Kampfe rühmen durfte, begeht die Wiener Brigadeartillerieabteilung Nr. 2 des österreichischen Bundesheeres diesen Tag als Truppengedenktag. — Vgl. Österreichs Artillerie im Weltkriege 1914—1918, 1. Heft (Stockerau 1925), 46 ff.

nicht eingelangt war. Das Bild, das sich bei Dub vom Feinde bot, und Meldungen über den beginnenden Abzug einer russischen Division bewiesen immerhin, daß die Truppen des Erzherzogs Peter auch an diesem Tage das Möglichste geleistet hatten.

Beim VI. Korps brach der Nordflügel der 27. ID. aus eigenem Antrieb vor, um eine Höhe nördlich von Rachanie in Besitz zu nehmen; aber vernichtendes Artilleriefeuer trieb die Angreifer wieder in ihre Stellungen zurück. Nicht günstiger war zum Glück der Schlachtengott auch dem Feinde, dem russischen V. Korps, gesinnt, in dessen Reihen an Stelle der nach Norden abgetrennten Regimenter eine Brigade der 81. RD. getreten war. Es erschöpfte sich, hilfsbereit für die bei Komarów verzweifelt ringenden Kameraden einspringend, in fruchtlosen Vorstößen. In der stolzen Zuversicht, daß der Feind nun doch schon mürbe zu werden beginne, zog GdI. Boroević am Nachmittage die 15. ID. und sechs Marschbataillone hinter seinem Nordflügel zu einem für den nächsten Tag gegen Komarów anzusetzenden Entscheidungsstoß zusammen.

Erfreuliche Fortschritte hatte bis in den späten Nachmittag hinein wieder die Gruppe des Erzherzogs Joseph Ferdinand errungen. Die

19. ID. hatte den Feind über den Oberlauf der Huczwa zurückgetrieben. Der geringe Widerstand der Russen schien hier den Entschluß zu rechtfertigen, erhebliche Teile der Division samt Artillerie aus der Front zu ziehen und zum Abrücken hinter den Ostflügel zu befehligen. Die Kolonne FML. Kirchbach gewann, wenn auch mühsamer, Telatyn und das Huczwaknie südlich von Łaszczów. Die Kolonne des FML. Roth war wegen Übermüdung der Truppen und aus Sorge, in der Ostflanke durch feindliche Verstärkungen gehemmt zu werden, erst um 10hvorm. aufgebrochen. Sie stieß sehr bald auf den Feind und warf ihn über Poturzyn zurück. Die 2. und die 6. KD., denen der Flankenschutz und die Aufklärung gegen den Bug anvertraut war, griffen gegen Abend in den Kampf ein und setzten den fliehenden Russen des XVII. Korps durch Flankenfeuer und mit dem blanken Säbel zu. Allerdings sanken die Truppen des Erzherzogs Joseph Ferdinand bei einbrechender Dunkelheit todmüde und mit stark verminderter Angriffskraft auf die wolhy-nische Erde nieder. Drückend zumal wirkte auf sie das trotz aller Geschützverluste unvermindert heftige und außerordentlich zielsichere Artilleriefeuer der Russen, dem das Wirken der eigenen Batterien keineswegs gewachsen war.

War schon angesichts dieser Erscheinungen zu besorgen, daß der glänzende Schwung, der bisher die unvergleichlichen Regimenter des

Erzherzogs ausgezeichnet hatte, allmählich erlahmen werde, so stellte sich am Nachmittag noch ein recht störendes Ereignis ein. Flieger wollten eine feindliche Infanteriedivision auf dem Marsche über Mosty Wielkie gegen Westen, also gegen den Rücken der Erzherzogsgruppe, festgestellt haben. Dem 4. Armeekmdo. schien es genügend zu sein, wenn sich diesem Feind gegenüber den schon jenen Raum sichernden zwei Kavalleriedivisionen, der 10. und der 11., noch die 6. KD. und zwei Marschbataillone zugesellten, die den Befehl zu ungesäumtem Rückmarsch erhielten. Der Erzherzog fühlte aber die Gefahr unmittelbarer. Seinen Weisungen gemäß sollten außer der 6. KD. noch die 2. und überdies ein Regiment der 3. ID. und die aus der Front gezogenen Teile der 19. ID. zwischen Uhnów und Krystynopol die Solokija mit der Front gegen Süden sperren. Er entäußerte sich damit der letzten Reserven, die er noch hätte einsetzen können, um an der Huczwa ganze Arbeit zu leisten.

Allerdings fühlte sich der Feind auch durch die bisherigen Erfolge schon stark bedrängt. Im Hauptquartier Plehwes war der Optimismus, der dort noch achtundvierzig Stunden früher geherrscht hatte, einer durchaus ernsten Beurteilung der Lage gewichen. Am 30. nachmittags konnte kein Zweifel mehr bestehen, daß die Südgruppe der 5. Armee schwer ins Wanken geraten war. Dennoch erklärte Plehwe, standhalten zu wollen, wenn sich die 4. Armee behauptete, und wenn die 3. Armee die rechte Flügeldivision und vor allem starke Reiterei nach Norden abzweigen ließ. Nun traf aber noch die Nachricht über den Verlust von Krasnostaw ein, das das öst. X. Korps an diesemTage genommen hatte. Sie ließ den Befehlshaber der russischen 5. Armee nicht zu Unrecht einen Durchbruch zwischen ihm und Ewert befürchten und veranlaßte ihn, sein Hauptquartier eilends von Cholm nach Dorohusk am Bug zu verlegen1). Wieder wurde an das hart geprüfte XXV. Korps appelliert; es hatte, koste es, was es wolle, Krasnostaw zurückzugewinnen.

Bald kamen neue Hiobsposten von der Südgruppe, die zusehends Gefahr lief, eingekreist zu werden. Jetzt gab es für die 5. Armee keine halben Entschlüsse mehr. Plehwe entschied sich, die Schlacht abzubrechen. Sein linker Flügel sollte auf Wladimir-Wołyński weichen, wobei dem XVII. Korps Krylów, dem V. Hrubieszów und dem XIX. Grabowiec als Rückzugsrichtung zugedacht war. Das XXV. Korps als rechter Flügel hatte je nachdem, ob sein Angriff gelang oder nicht, bei Krasnostaw oder Cholm zu halten. Die neue Frontlinie sollte bis zum 2. September bezogen sein.    '

1 j Zichowitsch, 158 und 174. — La grande guerre, 180. — D a n i 1 o w, 236.

Die Kulmination der Angriffe Dankls gegen Lublin und die Einnahme von Krasnostaw

(30. August bis 1. September)    .

Hiezu Beilage 11 sowie Skizzen 5 und 8

Zu einer gleichgearteten doppelseitigen Umfassungsoperation wie bei der 4. Armee rief auch GdK. Dankl für denselben 30. August seine Truppen wieder auf, indem rechts das X. Korps unter Bedachtnahme auf den Einklang mit der 4. Armee den Angriff auf Lublin fortführen und links die Armeegruppe Kummer, gegen Iwangorod durch das Kavalleriekorps Brudermann — 3. und 7. KD.— gedeckt, den russischen Westflügel bei Bełżyce und Wąwolnicą werfen sollte.

Der Weichselübergang Kummers hatte mehrfache Verzögerungen erfahren. Infolgedessen schritten die Truppen vor völliger Versammlung am 30. früh zum Angriff. Entsprechend den Wünschen des Armee-kmdos. ging die schwächere Kolonne, die 100. LstlBrig., über das Dorf Chodel, die stärkere, die 95. LstlD., links davon über Opole vor. Die Vorhut der 95. Division, das Prager LstlR. 8, stieß schon nördlich Opole auf die Spitzen des russischen XVIII. Korps, das wohl zu spät gekommen war, um auftragsgemäß den Übergang Kummers bei Józefów zu stören, nun aber den anrückenden Landsturm mit einem Hagel von Artillerie-und Maschinengewehrgeschossen überschüttete. Von einer Panik ergriffen, flutete die 95. LstlD. alsbald auf die Höhen südlich von Opole zurück. Zur Not konnte der Feind durch die Divisionsartillerie, einige reitende Batterien des Kavalleriekorps und die westlich von Opole eingreifende Spitzenbrigade der 106. LstlD. aufgehalten werden. Die rechte Angriffskolonne der Armeegruppe, die 100. LstlBrig., vermochte sich nach wechselvollen Kämpfen dank der Anlehnung an die wohlverschanzte Gruppe Kestřanek auf der Höhe nördlich des Ortes Chodel zu behaupten.

Auch westlich der Weichsel wurde am 30. August wieder gefochten. Die vom Gen. Nowikow, dem späteren berühmten Reiterführer, äußerst rührig geführte russische 14. KD. bedrängte, um sie von Iwangorod fernzuhalten, die vom GdI. Kummer neuerlich an die Kamiennamündung vorgeholte 110. LstlBrig.; die zweite Brigade der den Weichselübergang vollziehenden 106. LstlD. eilte mit Artillerie herbei, um die lästige Reiterei Nowikows wieder zu vertreiben.

Für das 1. Armeekmdo. konnte nach den Ergebnissen des Tages kein Zweifel mehr bestehen, daß den Truppen Kummers mit ihren marschungewohnten, müden, mangelhaft ausgerüsteten alten Landstürmern, in deren Reihen nur die Regiments- und die Bataillonskmdos. und höchstens noch ein paar Adjutantenposten mit Berufsoffizieren besetzt waren, im allgemeinen größere Angriffshandlungen nicht zugemutet werden konnten. Der Armeeführer wies GdK. Kummer an, südlich des Chodelbaches zu verharren und die Zeit bis zum Eintreffen des Landwehrkorps Woyrsch, das sich dem 1. Armeekmdo. unterstellt hatte1), zur inneren Festigung der Truppe zu verwenden. Die preußische Landwehr sollte bei Solec und Józefów übergehen, wo die vorn marschierende 4. LD. bestenfalls am

2.    September einlangen konnte. Die Deckung der Übergangsstellen hatten am westlichen Weichselufer wieder die 110. LstlBrig. und die 20. KavBrig. der 7. KD. mit zwei reitenden Batterien zu besorgen.

Angesichts des Mißgeschickes am linken Flügel gewann der Erfolg, den am selben Tage das am weitesten rechts vorrückende X. Korps errang, an Bedeutung. Während die 45. SchD. vergeblich bemüht war, den durch schweres Geschützfeuer geschützten Ort Tarnogóra zu gewinnen, drang die 24. ID. unter lebhaften Kämpfen auf Kanonenschußweite an Krasnostaw heran und zwang den Feind zur Räumung der Stadt, deren westlicher Teil am ändern Morgen durch Truppen der Division besetzt wurde. Dadurch war die Bahn Lublin—Cholm, eine der wichtigsten Lebensadern des russischen Westflügels, aufs gefährlichste bedroht.

Auch Ewert bangte um das Schicksal seiner Armee. Um die Verbindung mit den Truppen Plehwes nicht zu verlieren, sandte er dem XXV. Korps die eben eingetroffene Hälfte der 82. RD. sowie Teile der

3.DonKosD.    zu Hilfe. Nicht minder stärkungsbedürftig schien die Front der 4. Armee ihrem Führer zu sein. Er hatte auch erwirkt, daß vom 29. an das III. kauk. Korps, das ursprünglich südlich von Iwangorod der preußischen Landwehr hätte entgegentreten sollen, zur unmittelbaren Stützung der 4. Armee bei Lublin und Trawniki ausladen sollte. Das XIV. Korps wurde überdies durch die 80., das XVI. durch die 83. RD. und vorübergehend auch durch die 1. GD. verstärkt. Durch diesen gewaltigen Kraftzuwachs änderten sich zwischen Wieprz und Weichsel in den nächsten Tagen die Stärkeverhältnisse sehr zuungunsten der k.u.k.

1. Armee.Während GdK.Dankl hier anfangs den 128 Bataillonen, 56 Sotnien

x) Diese Unterstellung erfolgte auf Grund der am 20. Dezember 1913 zwischen den beiden Generalstäben getroffenen Vereinbarung, wonach beim Zusammentreffen der verbündeten Streitkräfte im taktischen Bereiche des Gegners der jeweils rangälteste Kommandant die Befehlgebung zu übernehmen habe (Auskunft des deutschen Reichsarchivs).

und 450 Geschützen der Russen1) noch 152 Bataillone, 51 Schwadronen und 414 Rohre entgegenstellen konnte, geriet er von nun an täglich mehr in die Hinterhand, bis um den 5. September 225 Bataillone, 70 Schwadronen und 600 Geschütze der 1. Armee den 264 Bataillonen, 104 Sotnien und 918 Geschützen der Armeen Letschitzkis und Ewerts gegenüberstanden 2).

War GdK. Dankl genötigt, sich an seinem Westflügel in den nächsten Tagen Ruhe aufzuerlegen, so verschloß er sich doch nicht dem von der 4. ID. und ihren übergeordneten Befehlsstellen bis zum 4. Armeekmdo. hinauf vorgebrachten Drängen, seinen Ostflügel wieder am Flankenschutz Auffenbergs mitwirken zu lassen. Er befahl, daß das X. Korps mit ganzer Kraft gegen Krasnostaw anzugreifen und mit Teilen unmittelbar gegen Zamość einzuwirken habe. Das X. Korpskmdo. bestimmte für den zweiten Zweck die 45. SchD., die sich der Übergänge beiTarnogóra zu versichern hatte, um im Notfall der 4. ID. jenseits des Wieprz zu Hilfe eilen zu können. Andererseits sollte aber auch diese auf keinen Fall untätig bleiben, so daß das X. Korps, wie es längst das Streben seines Kommandierenden war, seine Hauptkräfte gegen Lublin einschwenken lassen konnte.

Am 31. morgens säuberte die 45. SchD. das westliche Wieprzufer bei Tarnogóra, ließ aber dem Feinde Zeit, die dortigen Brücken in Brand zu setzen, wodurch FML. Ljubicić von der geplanten Verfolgung abgehalten wurde. Erfreulicherweise konnte die 45. SchD. in den gleichen Stunden den Abzug des russischen XXV. Korps gegen Nordosten feststellen, so daß das k.u.k. X. Korps die 4. ID. ihrem Schicksal überlassen und mit der 24. ID. von Krasnostaw nach Łopiennik Russki, mit der 10. MaBrig. und der 2. ID. nach Izdebno Vordringen durfte, welche Räume abends fast kampflos erreicht wurden3). Die 45. SchD. nächtigte um Tarnogóra.

Am 1. September setzte GdI. Hugo Meixner den Angriff in der Richtung Lublin fort. Seine Truppen warfen in den Vormittagsstunden Teile der russischen 82. RD. und anderer Heeresverbände, nahmen ihnen 1400 Gefangene ab und kamen bis in die Linie Fajsławice—Częstoborowice. Die 37. HID. am rechten Flügel des V. Korps schloß sich ihnen an, schwenkte aus der bisher gegen Nordosten gerichteten Front gegen Norden

x) Hier ist die 70. RD. des XXV. Korps mitgerechnet.

2) Bei der k.u.k. 1. Armee sind die Marschbataillone, die am 5. September fast überall schon in ihre Regimenter eingereiht waren, und die zur 4. Armee übergetretene 9. KD. nicht mehr mitgerechnet. Bei den Russen ist die 70. RD. abgezogen.

3)    Nach einem ungedruckten Manuskripte des FML. v. K r a 1 o w e t z, damaligen Generalstabschefs des X. Korps, das auch weiterhin benützt wird.

ein und erzwang sich unter heftigen Kämpfen den Weg bis zur Tiefenlinie südlich von Chmiel. Plötzlich tauchten in der rechten Flanke des X. Korps eben bei Trawniki ausgeladene feindliche Kräfte auf. Eine Brigade der 24. ID. eilte ihnen entgegen und trieb sie bis zum Abend hinter die Eisenbahn zurück. Die hochauflodernden Flammen des in Brand geschossenen Bahnhofes beleuchteten nachts das Siegesfeld des k.u.k. X. Korps.

Die 45. SchD. war angewiesen gewesen, im Rücken des Korps nach Krasnostaw nachzustoßen. Sie verwandte viel Zeit zu Sicherungsmaßnahmen und kam auch an diesem Tage nicht viel über Tarnogóra hinaus, indes es dem russischen XXV. Korps möglich war, die schwachen Abteilungen, welche die 24. ID. in Krasnostaw gelassen hatte, auf die Höhen westlich der Stadt zurückzutreiben.

Der Erfolg beim X. Korps bewog GdK. Dankl, für den nächsten Tag nun auch das V. Korps, das durch die 36. LstlBrig. verstärkt worden war, zum Angriff aufzubieten. Gleichzeitig sollte die 3. KD. vom linken zum rechten Flügel reiten und die preußische 4. LD. bei Solec Ufer zu wechseln beginnen. Aber auch Gen. Iwanow sah nicht untätig zu. Er schickte sich an, einen großen, von frischen Kräften durchzuführenden Gegenangriff mit einem Vorstoß zur Freimachung der Bahnlinie Cholm—Lublin einzuleiten.

Der Sieg bei Komarów (31. August bis 2. September)

Hiezu Beilage 11 und Skizze 8

Inzwischen waren auf dem Schlachtfelde von Komarów und an der Huczwa die Ereignisse zur Reife gediehen. Plehwe begann hier den Rückzug einzuleiten. Die große Frage war, wie es ihm gelingen werde, seine Truppen aus dem Feuerkranz, in den sie geraten waren, herauszuführen. Der gegnerische Armeeführer setzte alles daran, die russische 5. Armee zu vernichten. Er wies für den 31. August das VI. und das IX. Korps sowie die Gruppe Erzherzog Peter an, von Süd, West und Nord in zusammengefaßtem Ansturm den bei Komarów eingekeilten russischen Massen den Todesstoß zu versetzen. Gleichzeitig hatte am rechten Flügel Erzherzog Joseph Ferdinand von Osten her den Russen den Weg zu verlegen und durch seine Reiterei nach Zerstörung der Bugbrücken bei Krylów und Hrubieszów dem flüchtenden Feinde den Rest zu geben.

Die Bedrohung durch die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand rief das russische XVII. Korps zu rücksichtsloser und tätigster Abwehr auf den Plan. Es fiel noch am 30. nach Einbruch der Dunkelheit die Truppen des FML. Kirchbach an, die sich des Feindes erst bis Mitternacht erwehren konnten. Drei Stunden später stürzten sich die Russen auf den linken Flügel der 3. ID. und drängten ihn um 4 km zurück. Glücklicherweise waren die schon zum Abmarsch an die Solokija bereiten Zweier Kaiserjäger noch zur Hand; sie brachten das Gefecht zum Stehen und es konnte nun FML. Roth auch auf die in der ersten Bestürzung beim FML. Kirchbach erbetene Unterstützung verzichten. Doch erwies sich das feindliche, durch die 2. Brigade der 81. RD. verstärkte XVII. Korps auch den Tag über so widerstandsfähig, daß die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand ihre Front, abgesehen von der Einnahme Łaszczóws durch die 41. HID., nicht nennenswert weiter vorzuschieben vermochte. Erfreulich war für die Gruppe, daß sich die Meldungen über eine starke Bedrohung von Mosty Wielkie her als Tatarennachrichten erwiesen und die paar Sotnien mit Geschützen, die südlich der Solokija herumschwirrten, durch die dort eintreffenden Teile der 2. und der 6. KD. leicht abgewiesen werden konnten. Der Erzherzog rief daher auch die gegen Bełz entsendeten Bataillone und Batterien der 19. ID. hinter die 8. zurück. Die Deckung gegen Süden übernahmen unter Führung des FML. Wittmann die zwei Kavalleriedivisionen und die bei Uhnów versammelten Teile der 6. MaBrig., zu denen am nächsten Tag noch zwei mit Bahn herankommende Honvédmarschregimenter treten sollten. Die an der Huczwa verbliebene 38. IBrig. der 19. ID. durfte es im Hinblick auf den vor ihr sich hinziehenden versumpften Talgrund wagen, sich nach links zum

VI. Korps zu verschieben.

Während der Kampf östlich der Huczwa solcherart ohne Entscheidung geblieben war, steigerte sich das blutige Ringen um Komarów, das zum Schlüsselpunkt der Schlacht geworden war, zu dramatischer Höhe. Auf russischer Seite fiel hier dem V. Korps die Aufgabe zu, die Walstatt so lange zu behaupten, bis sich das hart bedrängte XIX. Korps mit dem Aufgebote seiner letzten Kräfte aus der tödlichen Umklammerung im Norden und Nordwesten befreit und durchgeschlagen hatte.

GdI. Boroević tat von Süden her sein Möglichstes, diesen Plan des Feindes zu durchkreuzen. Sein linker Flügel, die durch sechs Marschbataillone verstärkte 15. ID., rang sich, fortgerissen durch das persönliche Beispiel höherer Führer!), in wechselvollen Kämpfen durch das walddurchsetzte Gelände bis auf die Höhe südlich von Komarów vor,

x) Einer von diesen, der Kmdt. der 29. IBrig., Gstobst. Dr. Bardolff, führte seine Truppen hoch zu Roß zum Sturme; er wurde für seinen Anteil am Erfolg des

VI. Korps mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet.

die am Nachmittage genommen wurde; die Russen ergaben sich scharenweise oder retteten sich in wilder Flucht gegen Nord und Ost.

Beim IX. Korps hatten, durch die Erfahrungen der letzten Tage herabgestimmt, die beiden Divisionäre erklärt, den Angriff nur nach gründlicher Artillerievorbereitung und nur im engsten Anschluß an die Nachbarkorps wagen zu können. Es wurde fast Mittag, ehe das Korps auftrat, und schon nach zwei weiteren Stunden sah sich die am Nordflügel kämpfende 10. ID. durch Nachrichten über eine Rückbewegung beim Erzherzog Peter zur Rückkehr in die Ausgangsstellung veranlaßt. Diese Nachrichten trafen zu.

Der Erzherzog hatte schon am 30. nachmittags durch das Zurückweichen der 4. ID. hinter die Łabuńka und die mit der Front gegen Norden geführten Kämpfe der 9. KD. bei Miączyn unsicher zu werden begonnen. Als am darauffolgenden Morgen die 13. und die 25. ID. unter dem Aufgebot ihrer letzten Kräfte abermals zum Angriff schritten, wurden sie von einem furchtbaren Geschützfeuer empfangen, das sie sehr bald wieder zu Boden zwang. Heftige Gegenstöße des alles auf eine Karte setzenden Feindes folgten auf dem Fuße. Noch glaubte aber der Erzherzog trotz der unsicheren Lage in Flanke und Rücken und der Untätigkeit des IX. Korps wenigstens die unter schweren Blutopfern gewonnene Kampflinie behaupten und in ihr die vom VI. Korps erhoffte Entscheidung abwarten zu können, als um 10h vorm. Schreckensbotschaften aus dem Kampfraum der 9. KD. auch diesen Entschluß rettungslos ins Wanken brachten. Diese Division, die für den 31. mehrere, nicht leicht lösbare Aufgaben erhalten hatte, war von Szopinek um 2h früh zum Marsche über Miączyn gegen Werbkowice aufgebrochen. Die Reiterregimenter waren nach mehreren Stunden ermüdenden Nachtmarsches nicht weit über Miączyn hinausgekommen, als ihnen feindliche Kavallerie

— offenbar Donkosaken — lästig zu werden begann. Die Division saß zum Feuergefecht ab und führte dieses unter mehrfachem Frontwechsel. Bald langten auch Meldungen über den Anmarsch mehrerer Infanteriebataillone aus der Richtung Grabowiec ein, die sich gegen die linke Flanke der abgesessenen Reiter zu bewegen schienen. Für seine Verbindung fürchtend, ordnete der Divisionär, FML. Hauer, den Rückzug auf die Höhen westlich von Cześniki an, von denen aus er seine Hauptaufgabe, die Truppen Erzherzog Peters gegen Norden zu decken, am verläßlichsten zu lösen hoffte. Die Meldung über das Zurückweichen Hauers sowie die andauernde Unklarheit über das russische XXV. Korps, dessen Rückzug gegen Norden die 4.ID., im Gegensatz zur 45. SchD., selbst erst am Abend gewahr werden sollte, bedrückten den Erzherzog so schwer, daß er ein längeres Verweilen seiner Gruppe in der weit gegen Osten vorgeschobenen Lage nicht mehr verantworten zu können glaubte. Er hielt es für unvermeidlich, seine beiden Divisionen in die Linie Łabuńki—Zamość zurückzunehmen und so der Gefahr vermeintlicher Einkreisung zu entziehen.

Zur selben Zeit stand das Armeekmdo. in Narol auf Grund der eingelaufenen Nachrichten unter dem bestimmten und im allgemeinen zutreffenden Eindruck, daß der Feind um Komarów bereits den Rückzug gegen Osten und Nordosten angetreten habe. Voll Zuversicht befahl es um llh vorm. den drei dort fechtenden Korps VI, IX und II, „den Angriff Direktion Tyszowce allseits aufzunehmen“.

Beim VI. Korps vermochte wohl der rechte Flügel gegenüber dem zäh standhaltenden russischen V. nicht nennenswert Boden zu gewinnen. Dafür arbeitete sich die 15. ID. bei sinkender Abendsonne bis zum Südrand von Komarów vor. Unterdessen waren endlich auch die Truppen des IX. Korps aus ihren Stellungen losgebrochen. In lebhaften Kämpfen entwanden sie den schon wankenden Russen die Höhen westlich von Komarów. Im Morgengrauen des 1. September reichten sie der schon in den Ort eingedrungenen 15. ID. die Hand.

Unterdessen hatte in den Vormittagsstunden des letzten August das Armeekmdo. vom AOK. Mitteilungen über einen neuen schweren Rückschlag bei der 3. Armee erhalten. Diese werde am 1. September an die Linie Mikołajów—Lemberg, später äußerstenfalls sogar an die Wereszyca zurückzunehmen sein. Die so entstandene Lage erheische von der 4. Armee eine durchgreifende Entscheidung binnen 24, längstens 48 Stunden.

Das Armeekmdo. glaubte zu dieser Zeit den Ostflügel noch in flüssigem Vorgehen östlich der Huczwa und ahnte vor allem noch nichts von der schwerwiegenden Wendung bei der Gruppe Erzherzog Peter Ferdinand. Seine Berichte nach Przemyśl klangen durchaus zuversichtlich. Zumal der Chef der Operationsabteilung der 4. Armee, der temperamentvolle Obst. v. Soós, tat ein übriges, indem er der nach seiner augenblicklichen Kenntnis der Lage berechtigten Hoffnung Ausdruck lieh, daß die russische 5. Armee der „vollständigen Auflösung“ entgegengehe, die eigenen Truppen in glänzender Verfassung seien und auch Rückenangriffe vertrügen; die siegreiche 4. Armee werde möglicherweise schon am folgenden Tage vier Divisionen zur Unterstützung der 3. Armee freimachen können1).

*) Conrad, IV, 593 f. — GdI. v. Soós teilte dem Kriegsarchiv mit, daß er die vorerwähnte Telephonmeldung an das AOK. damals auch deshalb für nötig hielt, um

Diese Hoffnungen wurden gewiß nicht unerheblich herabgemindert, als um 3h nachm. im Hauptquartier von Narol die ersten Mitteilungen über das Zurückschwenken der Gruppe Erzherzog Peter Ferdinand einlangten. Da gleichzeitig auch kaum ein Zweifel bestehen konnte, daß den Erzherzog falsche oder doch außerordentlich übertriebene Nachrichten zu seinem unglücklichen Entschluß verleitet hatten, wurde der Armeeführer von begreiflichem Ingrimm erfüllt: der so nahe große Erfolg drohte empfindlich geschmälert zu werden. Unwillig befahl Auffenberg den beiden Divisionen, die Stellungen bei Dub ungesäumt wiederzugewinnen. Die südlich von Grabowiec gemeldeten Infanteriebataillone sollte die 9. KD. vertreiben, die Sorge des Erzherzogs ob des russischen XXV. Korps durch einen Nordstoß der 4. ID. und der (übrigens nicht in den Bereich der 4. Armee gehörenden) 45. SchD. verscheucht werden. Alle diese Weisungen kamen jedoch wenigstens an diesem Tage nicht mehr zur Durchführung. Den todmatt in ihren neuen Stellungen einlangenden Truppen des Erzherzogs Peter Ferdinand konnte weder dessen eigenes Wollen noch ein Befehl des Armeekmdos. eine ungesäumte Umkehr zumuten. Der Feind hingegen, wider den die 9. KD. aufgeboten war, erwies sich als Phantom. Auch die 4. ID. vermochte endlich einwandfrei festzustellen, daß die Russen vom XXV. Korps längst freiwillig nach Norden gewichen waren!

In den Siegesbecher, den das Schicksal dem Führer der 4. Armee in den letzten Augusttagen dargeboten hatte, waren sonach bittere Wermuttropfen der Enttäuschung geträufelt. Aber GdI. Auffenberg zeigte sich dessenungeachtet noch keineswegs gesonnen, mit einem Erfolg geringerer Abmessung vorlieb zu nehmen. War schon die Einkreisung bei Komarów nicht geglückt, so sollte die Armee Plehwes doch wenigstens in scharf östlicher Richtung abgedrängt und damit auch die Stellung der Dankl gegenüberstehenden russischen Kräfte unhaltbar gemacht werden. Noch war der k.u.k. 4. Armee vom AOK. der 1. September für dieses Werk als Frist gewährt. Diese auszunützen, ordnete der Armeekommandant für seine Armee einen allgemeinen Angriff gegen Ost an, wobei die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand zunächst als Drehpunkt stehen bleiben sollte. Das II. Korps hatte auch die 4. ID. auf dem Ostmarsch in der Richtung Dub mitzunehmen.

die dort infolge des ungünstigen Kampfverlaufes östlich Lemberg hervorgerufene gedrückte Stimmung zu verscheuchen. Mit seiner beim AOK. übrigens auch nicht wortgetreu verzeichneten Äußerung über die Unempfindlichkeit gegen Rückenangriffe hatte er die Operationsführung durch das 4. Armeekmdo. im Auge gehabt.

Der feindliche Armeeführer Plehwe mußte sich sagen, daß durch den Verlust von Komarów das Schicksal der Schlacht besiegelt worden war. Da jedoch der gewaltige Troß anscheinend das Feld noch nicht geräumt hatte, mußte das XVII. Korps zur Deckung des weiteren Rückzuges seine Stellungen auch noch am 1. September behaupten. Unterdessen wich das V. Korps auf Tyszowce und besetzte auf Kanonenschußweite vor diesem Ort einen Brückenkopf. Das XIX., von der Gruppe des Erzherzogs Peter Ferdinand freigegeben, bezog auf seinem Rückzuge gegen Grabowiec eine Zwischenstellung auf den Höhen nördlich von Dub.

Östlich der Huczwa vermochten die Russen ihren Rückzug um so mehr zu verschleiern, als die Truppen des Erzherzogs Joseph Ferdinand zum Stehenbleiben verhalten wurden und einzelne, von der Truppe aus eigenem unternommene Vorstöße zur Klärung der Feindlage nicht beitragen konnten. Als endlich nachmittags die Lockerung des russischen Widerstandes zu einem allgemeinen Angriff einlud, kam vom AOK. die Nachricht, daß Flieger nun doch den Anmarsch stärkerer feindlicher Abteilungen gegen den Rücken des Erzherzogs beobachtet hätten und demgemäß zur Sicherung der Gruppe Joseph Ferdinand gegen Süden außer der 2. und der 6. KD. noch „entsprechende Kräfte des XIV. Korps“ anzusetzen seien. Diese Meldung erwies sich, wie die 6. KD. alsbald feststellen konnte, abermals als weit übertrieben, so daß der Erzherzog nicht, wie ursprünglich geplant, die ganze 19. ID., sondern nur eine Brigade gegen die Solokija entsandte. Der Angriff der Armeegruppe gegen Norden wurde wegen der vorgeschrittenen Tageszeit und der Übermüdung der Truppen dennoch auf den nächsten Morgen verschoben.

Westlich der Huczwa hefteten sich am selben Tage die k.u.k. Divisionen scharf dem weichenden Feinde an die Fersen. Vom VI. Korps gewann der Nordflügel, 15.ID. und 39.HID., trotz Erschöpfung unter leichteren Kämpfen die Gegend von Czartowczyk. Nachmittags folgten die 27. ID. und die in der Front verbliebenen Teile der 19. auf die Höhen nordwestlich von Łaszczów nach. Das IX. Korps entriß, rittlings der Straße Komarów—Tyszowce vordringend, dem Feinde Zubowice und bestand nachmittags östlich davon ein lebhaftes Verfolgungsgefecht. Teile der 10. ID. schwenkten nordwärts gegen die bei Dub stehende russische Nachhut ein. GdI. Schemua kam, in der linken Flanke durch die 9. KD. gedeckt, mit seinen drei ostwärts marschierenden Divisionskolonnen nur bis auf die Bodenwelle Cześniki und Dub und mit einer Seitenhut bis Miączyn, ohne daß er das feindliche XIX. Korps zu stören vermochte. Der Russe erwies sich, wie ja auch später in ähnlichen kritischen Lagen, als Meister des

Rückzuges. In der Nacht zum 2. September löste Plehwe seine letzten Nachhuten vom Gegner ab. In starken Nachtmärschen rückte das XIX. Korps nach Grabowiec, das V. nach Hrubieszów, das XVII. in den Raum unmittelbar südwestlich von Wladimir-Wolynski. Durch dieses exzentrische Zurückführen der Korps wurde es unmöglich, die Armee Plehwes nochmals umfassend anzugreifen. Als die Regimenter des Erzherzogs Joseph Ferdinand im Morgengrauen des 2. September den Feind überfallen wollten, fanden sie dessen Stellungen leer. Die gleiche Erfahrung machten die westlich der Huczwa zusammengeballten Heereskörper der 4. Armee.

Damit war die siebentägige Schlacht bei Komarów abgeklungen. Die k.u.k. 4. Armee hatte den 152 Bataillonen, 150 Schwadronen und 600 Geschützen Plehwes eine nicht allzu sehr ins Gewicht fallende Übermacht von 194 Bataillonen, 102 Schwadronen und 610 Rohren entgegenzustellen vermocht50). Auffenbergs Streben war es von Anbeginn gewesen, durch Aufschwenken beider Flügel den Feind einzukreisen. Von dem eisernen Wollen erfüllt, dieses große Ziel zu verwirklichen, nahm er auch die Nachteile des Aufreißens weiter Zwischenräume in der Heeresfront und des allmählichen Zusammenballens seiner Kräfte auf engem Raum in Kauf. Gelang es, den Feind auf die geplante Art tödlich (zu treffen, dann waren jene Nachteile bedeutungslos.

Di& Hauptlast des Manövers hatten neben den oberungarisch-slowakischen Regimentern des VI. Korps, denen unter der rücksichtslos tatkräftigen Führung des späteren Isonzosiegers die schwere Aufgabe des „Festhaltens“ zufiel, vor allem deutschösterreichische Kerntruppen zu tragen, die in den Reihen des alpenländischen XIV. und des niederösterreichisch-mährischen II. Korps fochten. Die große Sache befand sich sonach in guten Händen. Wenn es diesen Einkreisungskolonnen trotzdem nicht vergönnt war zu halten, was man sich von ihnen versprochen hatte, so lag dies sicherlich zuletzt an den Tapferen, die eine Woche und mehr ununterbrochen unter Entbehrungen und Mühsalen aller Art marschiert waren und gekämpft hatten, und von denen Tausende in der wolhynischen Erde zur letzten Ruhe gebettet werden mußten.

Wenn der Ostflügel am 31. August, dem eigentlichen Schicksalstag der Schlacht, die angestrebte Umfassung nicht durchzuführen vermochte, so erklärt sich dies vor allem daraus, daß die Truppe an der Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit angelangt war. Aber auch die wirkliche oder vermeintliche Gefährdung im Rücken der Gruppe Joseph Ferdinand wirkte maßgebend mit. Sie beschwerte die Entschlußkraft der in den Wechselfällen des Krieges noch nicht genug erfahrenen Führung aller Grade und verursachte die Abtrennung von Truppen, zumal von Kavallerieabteilungen, die auf dem Schauplatz der Entscheidung bitter entbehrt wurden. So konnte das russische XVII. Armeekorps, wenn es auf seinem eiligen Rückzug über den Bug unversehrte Brücken vorfand, dies wohl nicht zuletzt dem Glücksfall verdanken, daß die 2. KD. an derSolokija streifen mußte, statt sich der ihr ursprünglich übertragenen Brückenzerstörung widmen zu können.

Noch einschneidender als die Ereignisse an diesem Flügel der Schlachtfront wirkte das Zurückschwenken der Gruppe Erzherzog Peter Ferdinand am gleichen Schlachttage. Vereitelte das Abbleiben des Ostflügels schon das große „Cannae“, das sich Auffenberg erträumt hatte, so lag doch bei Komarów ein kleineres „Cannae“ zum Greifen nahe; denn wäre die Gruppe Erzherzog Peter nur stehen geblieben, bis der Ansturm der 15. ID. und des IX. Korps den Feind an Komarów angepreßt hatte, wäre dem XIX. Russenkorps eine Katastrophe bereitet worden. Da ließ der dortige Führer unter dem Eindruck falscher Alarmnachrichten den Damm, den er aufgerichtet hatte, um dem russischen XIX. Korps den Rückweg zu versperren, in zwölfter Stunde selbst wieder abtragen; so wurde es auch diesen Teilen der feindlichen Armee möglich, erschüttert und aus tausend Wunden blutend, aber zuletzt fast unbedrängt die Walstatt zu verlassen, auf der Freund und Feind mit so viel Tapferkeit und Todesverachtung um die Palme des Sieges gerungen hatten.

Die Göttin des Kriegsglückes hatte solcherart der k.u.k. 4. Armee ihre Gunst nicht in der erhofften Fülle geschenkt. Der kühne Versuch, die russische 5. Armee völlig einzukreisen, war mißglückt. Aber Armeekommandant und Stab standen doch zur Überzeugung, daß der weichende Feind entscheidend geschlagen worden war, und die Heeresleitung machte sich die gleiche Auffassung zu eigen. Während am 2. September früh die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand der Gegend östlich von Tyszowce, das IX. und das II. Korps der Huczwastrecke nördlich dieses Ortes und das XVII. und das VI. Korps den Sammelräumen bei Łaszczów zustrebten, trafen im-Hauptquartier Auffenbergs Weisungen aus Przemyśl ein, durch die die siegreiche 4. Armee zu neuen Taten aufgerufen wurde.

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Die Schlacht an der Gniła Lipa s29. und 30. August51»

Hiezu Skizze 9

Während GdK. Dankl auf einen Tagmarsch vor Lublin hielt und Auffenberg dem Kriegsglück nach mannigfachen Wechselfällen einen sicherlich namhaften und eindrucksvollen Erfolg abgerungen hatte, war dem Ostflügel des gegen Rußland fechtenden k.u.k. Heeres an der Gniła Lipa neues, bitteres Mißgeschick widerfahren.

Bei der russischen 3. Armee hatte sich am 29. August, dem ersten Tage der neuen Schlacht, der Befehl des Großfürsten-Generalissimus, nicht zu rasten, sondern ungesäumt konzentrisch auf Lemberg loszustürmen, erst allmählich durchgesetzt, so daß schließlich nur der Südflügel stärker in Tätigkeit treten sollte. Demgemäß war dem öst.-ung. Nordflügel tagsüber eine gewisse Bewegungsfreiheit gegönnt, die er im Hinblick auf die Ermüdung und geringe Marschfähigkeit bedeutender Truppenteile allerdings nicht voll auszunützen vermochte. Zur äußersten Linken zog das Kavalleriekorps seine Kräfte, die 10. und die 11. KD. sowie vier Marschbataillone der 6. MaBrig., gegen Żółkiew hin zusammen. Südlich davon gelangte die vorerst aus der 23. HID. und der 97. LstlBrig. bestehende Gruppe FML. Daempf nur bis knapp westlich von Kulików. Die Hoffnung des AOK., aus dieser Richtung schon am 29. gegen den feindlichen Nordflügel einen Druck ausüben zu können, blieb daher unerfüllt. Dagegen konnte das XI. Korps angesichts der Untätigkeit des Feindes auf den ihm befohlenen Rückzug hinter den feldmäßigen Gürtel von Lemberg verzichten und bei Żydatycze eine Bereitstellung gegen Ost und Nordost beziehen.

Die Abwehrkraft des III. und des XII. Korps hatte durch die Aufteilung der Kaiserschützenbrigade auf die ganze Front einen Zuwachs erfahren. Beim III. war überdies die Marschbrigade aufgelöst und auf die Regimenter aufgeteilt worden. Der Feind wirkte gegen die beiden Korps zunächst durch Entfaltung eines gewaltigen, trefflich geleiteten Artilleriefeuers, das die öst.-ung. Truppen um so schwerer traf, als diese nur notdürftig eingegraben waren und ihre Batterien teilweise, wie beim XII. Korps, infolge noch unzureichender Organisation des Nachschubes und auch infolge des tags zuvor erlittenen Verlustes von Munitionskolonnen schon zu Beginn der Schlacht an Schießbedarf Mangel hatten. Den ungleich geführten Artilleriekampf begleitete der Feind zeitweilig durch Erkundungsvorstöße, die beim Verteidiger nicht selten den Eindruck stärkerer Angriffe hervorriefen.

Das III. Korps wurde zeitlich früh bei Przemyślany durch solch einen Erkundungsvorstoß beunruhigt. Die dort stehende 22. SchD. begehrte dringend Verstärkungen. Ähnliches begab sich knapp südlich von ihr bei der 16. ID. des XII. Korps. War diese jedoch bald in der Lage, dem nördlichen Nachbar sogar zwei Kaiserschützenbataillone zur Verfügung zu stellen, so sah sich das 3. Armeekmdo. durch die Hilferufe des III. Korps doch stark beunruhigt. Es wies der 22. SchD. sofort die bisher dem Südflügel der Armee zugedachte 108. LstlBrig. zu, lenkte die ersten Transportstaffeln der eben einlangenden, ursprünglich für die Gruppe FML. Daempf bestimmten 14. MaBrig. bis Gaje und nahm überdies den Einsatz einer Brigade der 44. SchD. beim III. Korps in Aussicht. Glücklicherweise wurde schließlich die 22. SchD. doch aus eigener Kraft mit dem Feinde fertig, und auch auf die ihm zugesagte Brigade der 44. SchD. konnte GdI. Colerus um so eher verzichten, als diese Division am Nachmittage aus eigenem zum Angriff geschritten war und damit auch der Entlastung des III. Korps einen wertvollen Dienst geleistet hatte.

Am Südflügel des XII. Korps war es der 11. ID. in den ersten Vormittagsstunden gelungen, einige russische Batterien und dann auch die russische 10. KD. zur Umkehr zu zwingen. Bald aber wußten Flieger eine lange Feindkolonne im Anmarsch von Brzeżany gegen Janczyn zu melden. Es war das VII. Korps Brussilows, der im Gegensatz zu Rußki seine Truppen ohne Aufenthalt vorwärtstrieb. Die an das k.u.k. XII. Korps anschließende 105. LstlBrig. konnte bei aller Wachsamkeit nicht verhindern, daß sich die nördlichste Gruppe der russischen 8. Armee bei Firlejów westlich der Gniła Lipa festsetzte. Das Beispiel der südlichen Nachbarn rief auch die zunächst befindlichen Abteilungen der Armee Rußkis aus ihren Deckungen. Gegen Abend brach der Feind an den inneren Flügeln der 11. und der 35. ID. mit Übermacht ein. Die vom russischen Ansturm betroffenen Truppenteile konnten, obgleich ihr Gefüge durch die Erlebnisse der letzten Tage unleugbar gelitten hatte, durch die persönlich einschreitenden Führer zu neuerlichem Frontmachen veranlaßt werden. Einige dieser Führer standen allerdings selbst schon unter dem Eindruck einer unvermeidlichen Katastrophe. So wich der Kommandant der 88. KSchBrig., nachdem er den größten Teil seines Stabes in den Kampf geworfen und eingebüßt hatte, mit den von ungefähr um sich versammelten Abteilungen unterschiedlicher Verbände bis südlich von šwirz. Ähnlich verfuhr der Artilleriebrigadier der 11. ID. mit einigen Batterien, die er, um ihre Rettung besorgt, bis Bobrka zurückführte und so die Abwehrkraft seiner Division für den 30. August nicht unerheblich schwächte. Auch sonst fanden sich am Morgen dieses Tages Hunderte von Versprengten bei Strzeliska Nowe ein.

Das 3. Armeekmdo. war durch die Meldungen über das Anrücken des russischen VII. Korps stark alarmiert worden. Die zum erstenmal ins Gefecht tretende 105. LstlBrig. konnte dem neuen Feind kaum ein Gegengewicht bieten. Andere Reserven waren nicht mehr zur Stelle. Entlastung vermochte nur mehr ein möglichst rasches Eingreifen des bei Rohatyn sich sammelnden VII. Korps der Armee Böhm-Ermolli zu bringen. Dringende Forderungen dieses Sinnes erreichten um die Mittagsstunde das AOK. und das Kmdo. der 2. Armee.

Der Befehl Böhm-Ermollis, sich südlich von Rohatyn mit der Front gegen Osten bereitzustellen, war erst nach Ausgabe des Korpsbefehles zum VII. Korpskmdo. gelangt. Dieses hatte am Abend zuvor, da es sich bisnun aus der Richtung von Bursztyn viel stärker als aus der von Brzeżany bedroht fühlte, die einlangenden Truppen zwischen Rohatyn und Podmichalowce in eine gegen Südosten gerichtete Front gewiesen und auch die Ausladung wieder weiter zurückverlegt. Nunmehr sollte am Vormittag allmählich die vom Armeekmdo. gewünschte Front gegen Osten angenommen werden. Da kam zu Mittag der durch die Alarmrufe des 3. Armeekmdos. ausgelöste Befehl Böhm-Ermollis, wonach die 34. ID., die 20. HID. und die 12. MaBrig. sofort gegen Norden bereitzustellen waren, um eine Umgehung der 3. Armee durch die im Waldgebiet nördlich von Rohatyn vordringenden Russen zu verhindern.

Von dieser Gruppe vermochte jedoch nur die 34. ID., FML. Ritt. v. Krautwald, den zugewiesenen Raum zu gewinnen. Die beiden anderen Verbände wurden, ehe sie die Nordverschiebung beginnen konnten, gegen lh30 nachm. von Osten her durch das russische XII. Korps angefallen und zurückgedrückt. Am Südflügel der dem FML. v. Csanády unterstehenden Gruppe, die auch von einer Panik heimgesucht wurde, griffen Teile der 17. ID. die Spitzenregimenter des russischen VIII. Korps an, das nach mehrfachen Schwankungen das Gefechtsfeld behauptete.

Glücklicher focht die Gruppe FML. Freih. v. Karg, die das Armeekmdo. in der Meinung, daß sich das VII. Korps bereits im Kampf befinde, gegen Mittag zum Angriff nördlich von Bolszowce aufgerufen hatte. Die 38. HID. rechts, die zur Hand befindlichen neun Bataillone der 43. SchD. links vorführend, warf FML. Karg bei Żelibory divisionsstarke Abteilungen des russischen VIII. Korps zurück. Weiter südöstlich begnügte sich das russische XXIV. Korps mit der Beobachtung der Dniesterbrücken-köpfe, wobei es freilich in Halicz durch Tatarennachrichten zu vorübergehender Beunruhigung kam. GdK. Böhm-Ermolli ließ der Sicherheit halber die Brücke bei Mariampol abbrechen und zog die 103. LstlBrig. von Stanislau nach Halicz vor.

Trotz örtlicher Erfolge waren die Ergebnisse vom 29. August für die Russen, besonders wenn sie der gleichzeitigen Bedrängnis der 5. Armee bei Komarów gedachten, nicht allzu zufriedenstellend gewesen. Nunmehr sollten am 30. die beiden östlichen Armeen, die Iwanow zweckmäßigerweise dem Befehl Rußkis unterstellte, ganze Arbeit leisten. Dabei kam der Oberbefehlshaber der Südwestfront im Hinblick auf die Lage Plehwes wieder auf den schon früher gehegten Plan zurück, den Nordflügel der 3. Armee nun doch gegen Mosty Wielkie hin zu strecken. Das XXI. Korps sollte sich in den Raum nordwestlich von Kamionka-Stru-milowa verschieben, das XI. in dessen bisherigen Abschnitt einrücken, ein aus der 11. und der 9. KD. bestehendes Reitergeschwader in die Gegend westlich von Mosty Wielkie abgehen. Angesichts dieses Streckungsmanövers bei der 3. Armee fiel die Aufgabe, den gegnerischen Widerstand an der Gniła Lipa zu brechen, ganz von selbst vor allem der russischen 8. Armee zu. Brussilow, der den Gegner bei Rohatyn zutreffend auf drei bis vier Divisionen schätzte, überließ es seinem VIII. Korps auch weiterhin, die Gruppe Karg zu binden, indes das XII. und das

VII. Korps den am Vortag begonnenen Durchbruch der öst.-ung. Stellungen vollenden sollten. Der Südflügel der 3. Armee wurde aufgefordert, hiebei tatkräftig mitzuwirken. Der Sicherung der Dniesterflanke glaubten die Russen nicht zu Unrecht am besten dadurch zu dienen, daß sie das östlich von Czernowitz stehende Dniesterdetachement durch die 71. RD. verstärkten und dieser Gruppe die Einnahme der bukowinischen Hauptstadt (übertrugen x).

Hatte das k.u.k. AOK. für den 29. noch schwache Hoffnungen auf eine wenn auch mit verhältnismäßig geringen Kräften durchgeführte doppelte Umfassung des gegen die Gniła Lipa anrennenden Feindes gehegt, so war für den 30. von den nördlich und nordöstlich Lembergs angesetzten Gruppen bei ihrer nicht allzu großen Manövrierfähigkeit und der Ausdehnung des feindlichen Flügels kaum mehr viel zu erwarten. Um so bedeutungsvoller konnte das Eingreifen der 2. Armee am Süd-

*) La grande guerre, 178. — Zichowitsch, 168.

flügel der 3. werden, worüber denn auch weder das AOK. noch das

3. Armeekmdo. den GdK. Böhm-Ermolli in Zweifel ließen.

Allerdings litt die Dispositionsfähigkeit des 2. Armeekmdos. nach wie vor unter der schlechten Verbindung mit seinen Untergruppen. In ziemlicher Unkenntnis der Lage ließ GdK. Böhm-Ermolli für den 30. August die am 29. nachmittags geltenden Befehle in Kraft. Dem Kommandanten des VII. Korps, der sich beim Einlangen der betreffenden Weisungen im Bereiche der 34. ID. befand, ging es in der Kenntnis über die Vorgänge bei den anderen Teilen seines Korps nicht besser als dem Armeeführer. Er beschloß, die Gruppe Csanády am nächsten Morgen persönlich anzuweisen. Die 34. ID. sollte zur gleichen Stunde zum Angriff gegen Norden ansetzen. Ursprünglich war angesichts der östlich Rohatyn drohenden Gefahren geplant, für diese Aufgabe nur sieben Bataillone zu verwenden. Schließlich stieß aber am 30. früh fast die ganze Division nordwärts vor, wobei es ihr gelang, russische Reiterei und eine südlich von Firlejów neu aufgetretene Infanteriebrigade des russischen XII. Korps über Ruda zurückzudrängen.

Inzwischen hatte der Korpskommandant bei seiner Südgruppe Umschau gehalten. Er traf die 20. HID. und die 12. MaBrig. in stark gelockerter Verfassung, so daß dem Befehle, erneut vorzugehen, nur Teile nachkommen konnten. Den Angriff führte daher vornehmlich die 17.ID., FML. Ritt. v. Henriquez, durch, die, rechts von der 8., links von der 4. KD. gedeckt, anfänglich Erfolge erzielte, dann aber vor einem übermächtigen Gegenstoß des Feindes auf die Höhen östlich von Knihynicze weichen mußte. Zu allem Ungemach brach nachmittags bei einer Brigade der 20. HID. infolge eines Nervenzusammenbruches, den der Brigadier erlitt, eine Panik aus. Die gegen Westen zurückflutende Brigade konnte nur mit Mühe aufgehalten und nicht mehr in den Kampf geführt werden. Tief betroffen überließ der Korpskommandant der 34. ID. die bisherige Aufgabe, indes er seine Südgruppe hinter die Teichlinie des Świrzbaches zurückgehen hieß. Nur die 17. ID. verharrte, als sie sich vom Feinde nicht bedrängt sah, in einem Freilager östlich des Baches.

Das VII. Korps war mit seinem Mißgeschick nicht allein geblieben. Auch die durch Teile der 103. LstlBrig. verstärkte Gruppe Karg teilte ihr Schicksal. Ihre aus vier ungarischen Landsturmbataillonen und nur zwei Geschützen bestehende rechte Seitenhut wurde bei Hnilcze gestellt und auf Halicz zurückgeworfen, die als linke Kolonne vorgehende 43. SchD. durch das bei Rohatyn nicht ausreichend gefesselte russische VIII. Korps von Westen her gefaßt, so daß FML. Karg seine ganze Gruppe nach

Halicz zurücknehmen mußte. Teile der 43. Division waren dabei sogar auf das Südufer des Dniester übergetreten. Nach russischen Quellen blieben 31 Geschütze in Feindeshand1).

Unterdessen war GdK. Böhm-Ermolli in begreiflicher Ungeduld nach Knihynicze vorgeeilt. Am Spätnachmittag hier eingetroffen, konnte er nur mehr das Mißlingen seines ihm durch die Ereignisse zu vorzeitiger Ausführung aufgenötigten Angriffsplanes feststellen. Nichtsdestoweniger befahl er vom Schlachtfelde aus den Gruppen Meixner und Karg die Wiederholung des Angriffes für den Fall, als der Feind Anstalten traf, gegen den Südflügel Brudermanns abzuschwenken. Die zur selben Zeit bei der k.u.k. 3. Armee eingetretene Wendung überhob die Truppen Böhm-Ermollis der Probe aufs Exempel, die ihnen wahrlich genug schwer geworden wäre.

Im Bereiche der k.u.k. 3. Armee hatte nördlich der Straße Lemberg—Złoczów die Seitenverschiebung Rußkis dem zweiten Schlachttage sein Gepräge verliehen. Ganz im Norden, halben Weges zwischen Ka-mionka-Strumiłowa und Żółkiew, kreuzten Abteilungen der k.u.k. 10. KD. mit der russischen 11. die Klingen. Südlich von ihnen sammelte sich die ll.HKD. bei Kulików. Es war den beiden Reiterdivisionen allerdings nicht vergönnt gewesen, die Armee Auffenbergs der schweren Sorge zu überheben, die das Auftreten feindlicher Kräfte in diesem Raume bei ihr hervorgerufen hatte. Die Gruppe FML. Daempf stieß nachmittags bei Żóltańce auf Seitenkolonnen des im Nordmarsche befindlichen russischen XXI. Korps und führte gegen sie ein stehendes Gefecht. Von dem zwischen der Eisenbahn und der Straße Lemberg—Żóltańce vorrückenden k.u.k.

XI. Korps traf die 60. IBrig. im Walde südlich von Jaryczów-Nowy auf die gleichfalls zur Deckung des Seitenmarsches ausgeschiedene russische

11. ID. und warf sie, von den übrigen Kräften der 30. ID. unterstützt, gegen Osten zurück, wobei die Russen vier Geschütze einbüßten.

Ähnlich störte am Nordflügel des III.Korps die 44.SchD. aus eigenem Antriebe das russische XI. Korps bei einer Rechtsverschiebung durch einen nachmittags unternommenen Angriff, wobei die südlich anschließenden Heereskörper artilleristisch mitwirken konnten. Als die wieder entschlossen fechtenden Truppen des III. Korps, die Seitenbewegung des Feindes erkennend, Gleiches tun wollten, winkte der noch stark unter den Eindrücken der letzten Ereignisse stehende Korpsführer ab. Solcherart sollte es an diesem Tage nur der 22. SchD. beschieden sein, in schärfere Kämpfe verwickelt zu werden. Dies geschah noch früh am Vor-

x) Zichowitsch, 169.

mittage, knapp nachdem die Division die am 29. ihr zur Verfügung gestellten zwei Kaiserschützenbataillone der südlich anschließenden, durch feindliche Truppenansammlungen stark bedrohten 16.ID. zurückgegeben hatte. Der Russe griff die 22. SchD. offenbar mit dem Ziele an, dadurch die Aufmerksamkeit von der Umgruppierung des Nordflügels abzuziehen. Es kam in Przemyślany zu wilden Straßenkämpfen, nach deren Verlauf der Ort in der Hand des Feindes blieb. Ein ähnlicher Vorstoß der Russen gegen die 6. ID. wurde von dieser stehenden Fußes zurückgewiesen.

Inzwischen zog sich über dem weiter südlich aufgestellten XII.Korps ein schweres Unwetter zusammen. Mit verstärkter Heftigkeit hämmerten seit frühem Morgen die Batterien des VII. und des X. Russenkorps auf die Stellungen bei Meryszczów ein. Hinter dieser Feuerwand zog der Feind seine Angriffsmassen zusammen, die er gegen 10h vorm. losbrechen ließ. Die Sturmkolonnen des russischen VII.Korps durchstießen die ohnehin schon schütter gewordene Front der 35. und der fast ohne Artillerie fechtenden 11. ID. bei und südlich von Brzuchowice. Gegenstöße der spärlichen Reserven erzielten keinen bleibenden Erfolg. Die Rückbewegung griff bald auch auf den vom russischen X. Korps bestürmten Südflügel der 16. ID. über. Der Kommandant des XII. Korps, GdI. Kövess, versuchte die weichenden Truppen auf A437 südöstlich von Świrz zu sammeln und den Einbruch des Feindes hier durch gleichzeitige Anlehnung an die beiden noch stehenden äußersten Korpsflügel abzuriegeln. Aber rascher als die seelisch stark hergenommenen und vermengten eigenen Abteilungen war die russische 10. KD. zur Stelle. Sie rief durch ihre weit vorgezogenen Batterien beim Gegner eine Panik hervor, in die auch der in der vordersten Gefechtslinie haltende Stab des kommandierenden Generals verwickeltwurde.Hastig und regellos strömten Truppe undTroß zwischen den Kolonnen flüchtender Einwohner, die hier wie überall in Ostgalizien alle Straßen bedeckten, teils gegen Bobrka,teils über Romanów gegen Lemberg.

Südlich von der Durchbruchstelle wichen die 105. LstlBrig. und die noch in der Front verbliebenen Teile der 11. ID. auf die Höhen östlich von Strzeliska Nowe. Die 34. ID., die so vergeblich von Ruda aus den Anschluß an das XII. Korps suchte, zog sich, nachdem auch bei ihr zwei Regimenter Opfer eines Massenschrecks geworden waren, auf Podkamień zurück. Rechts davon hatte die 4. KD. schon Stellung genommen.

Nun mußte aus der Katastrophe des XII. Korps auch das III. seine Schlußfolgerungen ziehen. Eben wollte GdI. Colerus die Front um den Pivot Kurowice zurückschwenken lassen — da trafen vom Armeekmdo. Weisungen für eine viel weiter reichende Rückbewegung ein.

So war auch die zweite Schlacht in Ostgalizien für die öst.-ung. Armee unglücklich ausgegangen. Gegen Ende des Ringens hatten in den Reihen der 2. und der 3. Armee insgesamt 282 Bataillone, 133 Schwadronen und 718 Geschütze mit 336 Bataillonen, 264 Schwadronen und 1214 Geschützen der zwei russischen Armeen ihre Kraft gemessen52). Bei der Infanterie war die Überlegenheit an Zahl nicht übermäßig groß gewesen; allerdings zählten Brudermann und Böhm-Ermolli 107 schwach gefügte Marsch- und Landsturmbataillone in ihren Reihen. Erdrückend hatte das Übergewicht, von 500 Geschützen gewirkt; es gab den Ausschlag.

Die Preisgabe von Lemberg Hiezu Beilage 11 sowie Skizze 10

Die Hiobsposten über das Mißgeschick des XII.Korps trafen in Lemberg am 30. August gegen 5h nachm. ein. Kurz darauf bestätigte sich auch der Fehlschlag des dem VII. Korps übertragenen Flankenstoßes. Um 6h abends erteilte das 3. Armeekmdo., das in GM. v. Boog einen neuen Generalstabschef erhalten hatte, dem XII. Korps und der 105. LstlBrig. den Befehl, an den Biały potok unterhalb von Bobrka zurückzugehen. Das III. Korps sollte sich zunächst damit begnügen, seinen Südflügel gegen Bobrka zurückzuschwenken. Aber schon nach einer Stunde wurden diese Weisungen dahin ergänzt, daß auch der linke Armeeflügel, falls er durch den Feind gedrängt würde, mit Ausnahme der Gruppe Daempf, die ihren Angriff fortzusetzen hatte, seine bisherigen Stellungen abzubrechen und in die Höhe von Lemberg zu weichen habe.

GdI. Conrad wurde, so wenig er sich ob der Lage im Osten unberechtigtem Optimismus hingab, durch die Nachrichten von der 3. Armee aufs tiefste getroffen. Wohl war der von ihm schon seit einigen Tagen stärker erwogene Plan, den russischen Druck in Ostgalizien durch Heranführen von Teilen der 4. Armee in die Flanke des lästigen Feindes abzuschütteln, auch nach der neuen unglücklichen Wendung noch ausführbar. Aber zuerst mußte die 4. Armee bei Komarów ihr Werk vollenden, wozu sie mindestens noch den 31. August, wahrscheinlich jedoch auch den 1. September brauchte. Um bis dahin die 3. Armee nicht einem neuerlichen Schlag auszusetzen, verabredete der Chef des Generalstabes mit

GdK. Brudermann, die Front der Armee in die kürzere und zunächst weniger gefährdete Linie Mikołajów—Lemberg zurückzuziehen. Dabei näherte sich Conrad innerlich sogar schon dem Gedanken an einen noch weiter reichenden Rückzug bis hinter die Wereszyca1). Wenn er sich auch die Entscheidung darüber bis zum 31. Vorbehalten wollte, so galten seine Vorsorgen doch schon der Besetzung von Aufnahmsstellungen, vor allem der wichtigeren Übergänge über die an langen Sumpfengen reiche Niederung. So war die Gruppe Meixner, die zunächst hinter die Cho-dorówer Teiche zu weichen hatte, zur Sicherung von Komárno ausersehen, während alle anderen Teile der 2. Armee unter Behauptung von Halicz durch die 40. LstlBrig., aber unter Preisgabe von Niżniów und Czernowitz, in den Raum östlich von Stryj zurückzunehmen waren.

Das 3. Armeekmdo. schloß den ereignisreichen 30. August mit der Ausgabe der für den Rückzug in die Linie Mikołajów Lemberg nötigen Befehle ab. In den ersten zwei Septembertagen hatten sich das XII. und das III. Korps zwischen Dörnfeld und der Südfront von Lemberg, die

44. SchD. hinter den Ostwerken, die Truppen des XI. Korps hinter den Nordostwällen der Stadt zu sammeln, indes die Gruppe Daempf bei Kulików und Żółkiew die Nordflanke decken sollte. Zugleich erflossen auch schon vorbereitende Weisungen für eine Fortsetzung des Rückzuges hinter die Wereszyca.

Der 31. August brachte allerdings wieder etwas Helle in das düstere Bild der Lage. Die Verfassung der Ostarmeen und zumal die der 3. war, wie auch die vom AOK. an die Front entsandten Generalstabsoffiziere durch Augenschein bestätigen konnten, doch erheblich besser, als es auf den ersten Blick ausgesehen hatte. Das vorsichtige Nachfühlen des Feindes, mit dem nur noch die Gruppe Daempf auf einen schwachen Tagmarsch östlich von Żółkiew in schärferer Gefechtsfühlung stand, erleichterte den Divisionen einen geordneten Rückzug. Das XI. Korps konnte in zufriedenstellender Haltung seinen Gürtelabschnitt besetzen. Die 44. SchD. und die beiden Heeresdivisionen des III. Korps waren fest in der Hand ihrer Führer; ihre Nachhuten hielten sich noch in den alten Stellungen die hier etwas lebhafteren Russen vom Leibe. Nur die 22. SchD. des Grazer Korps litt noch etwas unter den Nachwehen der letzten Tage. Am meisten gelockert war jedoch das XII. Korps. Kleine Gruppen dieses Korps landeten im Bereiche der 2. Armee; erhebliche Teile wurden in Lemberg gesammelt, dort neu ausgerüstet und mit Bahn in den dem Korps zugedachten Erholungsraum westlich von Lubień Wk. abbefördert. Eine

starke Gruppe aller Regimenter, bei der sich auch der Korpskmdt. befand, traf befehlsgemäß bei Bobrka ein, um hier in einer Nachhutstellung das Abfließen des gewaltigen Trosses zu decken und schwächere Vorstöße des Feindes abzuwehren. Von der 2. Armee gelangten die Divisionen des VII. Korps hinter die Chodorówer Teiche, die anderen Verbände auf das südliche Dniesterufer.

Mit begreiflicher Ungeduld harrte das AOK. der Dinge bei der

4. Armee. Von der Raschheit, mit der sie entsprechende Kräfte kehrtmachen lassen konnte, hing es ab, ob der Rückzug der 3. Armee wirklich bis an dieWereszyca fortgesetzt werden mußte und damit auch, ob Lemberg behauptet werden konnte oder nicht. Da kam endlich um 2h nachm. die zuversichtliche Meldung des Obersten Soós (S. 237), nach der eine volle Auflösung der Auffenberg gegenüberstehenden russischen Kräfte im Bereiche des Möglichen lag. Bei solchen Zukunftsaussichten war vielleicht am Ende der zwar nicht militärisch, wohl aber politisch nachteilige Verlust Lembergs doch vermeidbar. Am dringendsten erschien es in diesem Zusammenhang, ein Ausgreifen des Feindes nördlich der Hauptstadt zu verhindern. Zwar gewann das 3. Armeekmdo. eher den Eindruck, daß der Russe hier ausgesprochen nordwärts — also in den Rücken Auffenbergs — marschiere. Dennoch wurde dem FML. Daempf, unter dessen Befehl nun auch die 10. und die 11. KD. traten, nachdrücklich eingeschärft, ein etwaiges Vordringen der ihm gegenüberstehenden russischen Streitkräfte in nordwestlicher und westlicher Richtung zu verhindern. Die unmittelbare Verteidigung Lembergs blieb dem XI. Korps und der

44. SchD. überlassen. Südlich der Stadt hatte sich das durch die 88. KSchBrig. verstärkte III. Korps zum Gegenangriff wider einen die Hauptstadt bedrängenden Feind bereitzustellen. Solcherart schien für deren Schicksal einigermaßen vorgesorgt zu sein.

An die DOHL. richtete GdI. Conrad einen sehr ernsten telegraphischen Bericht, in welchem er die Zusendung von mindestens zwei Korps in der Richtung über Przemyśl erbat1). Tatsächlich befand sich zu dieser Zeit schon eine solche Streitkraft samt einer Kavalleriedivision auf der Fahrt von Frankreich nach dem Osten. Obgleich der Oberbefehlshaber des deutschen Ostheeres auf diesen Kraftzuwachs verzichtete, rollten die zwei Korps nach Ostpreußen weiter, wo sie erst nach der Schlacht bei Tannenberg eingetroffen sind.

*) Conrad, IV, 607 f. - -Reichsarchiv, I, 608. — Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen 1914- 1918 (Berlin 1919,, 45.

Wie am 31. August, so bewahrte der Feind in Ostgalizien auch am

1. September auffallende Zurückhaltung (Beilage 11). Bei der Gruppe Daempf dauerte der Kampf ohne Entscheidung, aber auch ohne ungünstige Wendung in den bisherigen Räumen fort. Das 3. Armeekmdo., das sich am Vortage nach Gródek begeben hatte, kehrte nach Lemberg zurück, um die Leitung der Abwehr selbst in die Hand zu nehmen. Es war allerdings dringend zu wünschen, daß die Russen dem XI. und dem

III.Korps, von diesem namentlich der 22.SchD., noch etwas Ruhe gönnten. Weitei südlich hatte GdI. Kövess 4500 Mann seines Korps bis Dörnfeld gebracht. Da ihnen eine Mitwirkung an etwaigen Kämpfen zur Behauptung Lembergs in den nächsten Tagen nicht zugemutet werden konnte, wurde ihnen die Fortsetzung des Rückmarsches in Erholungsquartiere bei Lubień Wk. und Komárno aufgetragen, wobei die 4. KD. und die 105. LstlBrig., beide in besserer Verfassung, die Bewegung zu verschleiern hatten. Von der 2. Armee gelangte das VII. Korps samt der

20. HID. und der 8. KD. beiderseits des Dniesters in den Raum von Mikołajów. Die übrigen Heereskörper waren zwischen Stryj und Sta-nislau gestaffelt. Die 35. LstlBrig. hatte sich von Czernowitz westwärts gezogen und die Verteidigung der Bukowina befehlsgemäß den Gendarmeriemilizen des Obstlt. Fischer überlassen. Das IV. Korps begann bei Sambor und Chyrów auszuladen, zwei weitere Brigaden, die 102. LstlBrig. und die 7. MaBrig., rollten über Munkács nach Stryj an1).

Im Falle der Feind Lemberg angriff, hatte sich das VII. Korps bereitzuhalten, entweder gegen die 3. Armee flankierend einzugreifen oder, wenn die Russen hiezu Zeit ließen, die vom XII. Korps hinter-lassene Lücke zu füllen.

Nun spannte freilich, was die Frage der Behauptung Lembergs anbetraf, die 4. Armee das AOK. am 1. September noch einmal für lange, bange Stunden auf die Folter. Der tags zuvor angekündigte große Erfolg schien wieder auf sich warten zu lassen. Wenn er am Ende ganz ausblieb, sah Conrad keine andere Lösung als die, die Armeen sofort hinter den San zurückzuführen2). Da fiel endlich um 9h30 abends das erlösende Wort aus Narol: der Feind befand sich in vollem Rückzuge.

Die gefahrdrohende Lücke, die während der Schlacht bei Komarów zwischen der 4. und der 1. Armee entstanden war, ließ das AOK. zunächst erwägen, das vom Balkan heranrollende IV. Korps in diesen Raum zu werfen. Die übermäßige Beanspruchung der Bahnen im Schlachtbereich verhinderte die Ausführung dieser Absicht (Mitteilung der damals in der Operationsabteilung des AOK. als Hauptleute eingeteilten Generalmajore Kless und Brantner .

- / Conrad, IV. 606. — Frevtag-Loringhoven, 225.

Nun schritt der Chef des Generalstabes an die Verwirklichung eines Entschlusses, der den höchstbeschwingten und kühnsten des Weltkrieges zuzuzählen ist. Die siegreiche Armee Auffenberg sollte gegen den geschlagenen Feind nur die allernötigsten Kräfte, zwei Infanteriedivisionen östlich sowie eine Infanterie- und eine Kavalleriedivision westlich der Huczwa zurücklassen. Die Masse der 4. Armee jedoch hatte kehrtzumachen und bis zum 3. September mit den Hauptkräften an der Linie Uhnów—Bełżec so bereitzustehen, „daß sie zur Degagierung der 3. Armee in der Richtung Lemberg zum Angriff vorgehen oder, falls die 3. Armee zum Rückzug gezwungen war, in den Raum Jaroslau—Leżajsk x) marschieren“ konnte. Mit diesem Befehle, dem in den nächsten Tagen weitere Durchführungsweisungen folgen sollten, lenkte der rege, nimmermüde Geist des Generalstabschefs die Kriegshandlungen in neue Bahnen. Daß er dabei von den beiden Lösungen, zu denen die 4. Armee bereit zu sein hatte, der von ihm zuerst angeführten, nördlich von Lemberg in den Kampf einzugreifen, gegenüber der zweiten entschieden den Vorzug gab, war bei der Zähigkeit, mit der er den Erfolg erstrebte, fast selbstverständlich. Aber auch das im Frieden den Verbündeten gegebene Versprechen, dem deutschen Westheere auf die Dauer von sechs bis sieben Wochen Rückenfreiheit zu sichern, spielte in die Erwägungen der öst.-ung. Heeresleitung hinein. Die Erfüllung dieses Versprechens war durch die Fortführung des Kampfes im Raume von Lemberg viel besser gewährleistet als durch den ungesäumten Rückzug hinter den San.

Das Schicksal Lembergs allerdings sollte besiegelt sein, ehe die

4. Armee dazukam, ihr Schwert in die Waagschale zu werfen. Den Anstoß hiezu gab in der Nacht zum 2. September ein Zufallsereignis nördlich von Lemberg. Hier hatte sich noch bis zum Abend die Gruppe Daempf erfolgreich gegen einen offenbar überlegenen Feind behauptet. Da brach in der Dunkelheit bei der ungarischen 97. LstlBrig. eine Panik aus, die sich bald auch auf die 23. HID. übertrug und unter den üblichen Erscheinungen, wie gegenseitiges Anschießen, Auflösung der Ordnung usw. zum nächtlichen Rückzug beider Heeresteile gegen Lemberg führte. Nur mit Mühe konnten sie am anderen Morgen vor den Toren der Stadt aufgehalten, gesammelt und durch die ersten eben eingetroffenen Bataillone der 4. MaBrig. auf genommen werden. In der gleichen Nacht wich, südlich von Żółkiew durch die Russen überfallen, die 11. HKD. in einem Zuge bis Janów. Da außerdem Meldungen über das Vorbrechen einer starken russi-

*) Orte am San.

sehen Kolonne in das Waldgebiet nordwestlich von Lemberg eintrafen, war der Abwehrplan der 3. Armee im Norden zusammengebrochen.

Nicht wesentlich besser stand es im Süden, da das VII. Korps meldete, die vom XII. zurückgelassene Lücke nicht vor dem 3. September ausfüllen zu können und auch dies nur, wenn der Feind nicht drücke. Zu alldem sagte sich GdK. Brudermann, daß die 4. Armee nicht vor Ablauf von sechs Tagen wirksam werden könne. Während dieser verhältnismäßig langen Spanne Zeit die örtlich nur durch Erdwälle geschützte Hauptstadt Galiziens mit immerhin sehr ruhebedürftigen Truppen behaupten zu können, schien dem Armeeführer ein Beginnen zu sein, das sehr leicht zum schwersten Übel der ohnehin hart geprüften Armee ausschlagen konnte. So schlug denn GdK. Brudermann am 2. vormittags dem AOK. vor, seine Armee „hinter die Wereszyca (mit starken Kräften am nördlichen Flügel) zu führen, dort ihre Widerstandskraft erneut zu stählen, um dann bei der Hauptentscheidung wieder mit ihr als entsprechendem Faktor rechnen zu können“.

Nach kurzer Überlegung, wenn auch „schweren Herzens“, stimmte das AOK. eine Stunde später der Preisgabe Lembergs und dem Rückzüge der 3. Armee hinter die Wereszyca zu. Seine Kenntnis über die Lage und die Absichten der feindlichen Ostarmeen ließ viel zu wünschen übrig. Zumal darüber, ob die russische 3. Armee den nach Süden gerufenen Korps Auffenbergs im Angriffe begegnen oder bloß in einer Abwehrstellung auf den Höhen bei Żółkiew entgegentreten würde, ließ sich aus den Nachrichten nur ein schwankendes Urteil gewinnen. Gewiß war es nach der Anschauung Conrads wahrscheinlicher, daß der Feind die Teichlinie der Wereszyca zu umgehen versuchen werde, statt an sie frontal anzurennen. Wie sich die Dinge in Wirklichkeit auch gestalten mochten — soweit die 3. Armee in Frage kam, so mochte selbst die Meldung Brudermanns, daß die 3. Armee sich nach zwei oder drei Tagen Kampf noch weiter werde zurückziehen müssen, im Hauptquartier nicht allzu entmutigend zu wirken. Umso entscheidender konnten sich in einem solchen Falle Auffenberg und zugleich von Süden her die 2. Armee zur Geltung bringen1).

Entsprechend diesen Erwägungen stellte Conrad der 4. Armee am 3. September in Aussicht, daß sie voraussichtlich von Bełżec—Uhnów in geradeaus südlicher Richtung, also auf Nieinirów und Magierów, werde vorzustoßen haben; allerdings könne ein weiteres Zurückweichen der

3. Armee auch eine mehr südwestlich gehaltene Richtung erfordern.

Die 2. Armee glaubte das AOK. nicht so weit abgetrennt im Osten stehen lassen zu dürfen. Sie wurde vielmehr angewiesen, ihre Kräfte weiter westlich im Raume Drohobycz—Komárno zusammenzuziehen und hier sowohl das Karpathenvorland gegen Osten zu sperren wie auch für einen Flankenstoß zugunsten der 3. Armee bereit zu sein. Hielt diese nicht an der Wereszyca, sondern erst weiter westlich, dann sollte auch die

2. Armee ihre Versammlung gegen Sambor zurückverlegen, von wo aus sie gegebenenfalls mit dem inzwischen schon einlangenden IV. Korps westlich der großen Sumpfzone „Wielkie Błoto“ gegen Rudki vorstoßen konnte.

Mit der Räumung Lembergs durch die k. u. k. Truppen, deren letzte der Stadt am 2. September nachmittags den Rücken gekehrt hatten, trat der erste große Feldzug im Nordosten in seine zweite, nun die Entscheidung bringende Phase ein.

Wenn die zur Fortführung des Kampfes verfügte Neugruppierung der öst.-ung. Streitkräfte bis zur Stunde fast ohne Störung durch den Feind vollzogen werden konnte, so hatte dies nicht zuletzt seine Ursache darin, daß es geraume Zeit dauerte, ehe die Russen sich des an der Gniła Lipa errungenen Erfolges bewußt wurden. Als sich die Armeen Brussilows und Rußkis am 31. August früh aus den am Vortage erkämpften Stellungen erhoben, taten sie es in der sicheren Erwartung neuer schwerer Zusammenstöße mit dem Verstärkungen unbekannter Größe heranführenden Gegner. In der Tat berichten die russischen Befehlsstellen jener Zeit über harte Kämpfe, die das VII. und das XII. Korps Brussilows am 31. zu bestehen gehabt hatten1). Es konnte sich hier auf öst.-ung. Seite wohl nur um den Widerstand beherzter Nachhuten gehandelt haben. Jedenfalls kamen die genannten russischen Korps am Abend nicht über den Świrzbach hinaus, während das VIII. Korps Brussilows noch südöstlich von Rohatyn und das XXIV. vor Halicz abblieben. Tags darauf erreichten die Korps des ersten Treffens die von Bobrka nach Süden führende Tiefenlinie.

Von der russischen 3. Armee fühlten am 31. August das X. und das

IX. Korps südlich, das XI. nördlich der großen Straße sehr behutsam gegen Lemberg vor, wobei es zu den schon erwähnten Nachhutkämpfen mit dem k.u.k. III. Korps kam. Am 1. September schoben sich die Russen bis in die Höhe von Jaryczów-Nowy und Gaje vor. Im Nordosten von Lemberg waren zwei Divisionen des russischen XXI. Korps gegen Mosty Wielkie und Turynka entsandt. Die dritte Division dieses Korps war jener Feind, den sich die öst.-ung. Gruppe Daempf auf den Höhen östlich

1) La grande guerre, 183.

von Żółkiew so lange vom Leibe hielt, bis die Verwirrung in der Nacht auf den 2. dem Widerstand ein jähes Ende bereitete.

Inzwischen war den Russen allmählich aufgedämmert, welchen Erfolg sie in den letzten Augusttagen östlich von Lemberg errungen hatten; neben vielen Tausenden von Gefangenen zählten die beiden Ostarmeen 114 Beutegeschütze — sichere Zeichen für die schwere Erschütterung, von der der Gegner heimgesucht worden war. Die Stawka war solcher Freudenbotschaft aber auch in hohem Maße bedürftig. Denn es waren fast nur Unglücksnachrichten gewesen, die sie in den letzten Tagen ereilt hatten (siehe Skizze 10): die niederschmetternde Hiobspost über den Untergang der 2. Armee bei Tannenberg, die Meldungen über die Einnahme von Krasnostaw durch das k.u.k. X. Korps, aus denen die fortdauernde schwere Bedrohung Lublins herauszulesen war, die Flucht Plehwes und seine Berichte, die über die größte Gefährdung der 5. Armee keinen Zweifel übrig lassen konnten. Dazu kamen die fortdauernden Hilferufe der Alliierten im Westen, Hilferufe, die dem großen Deutschenhasser Nikolai Nikolajewitsch just in dieser Stunde besonders schwer aufs Herz fielen, da er abermals Maßnahmen treffen mußte, die die Erfüllung der französischen Wünsche noch mehr als bisher binauszuschieben schienen. Denn hatte Dankls unausgesetzter Druck auf Lublin vor einigen Tagen den Einsatz der als Vorhut für den Westmarsch gedachten 9. Armee bei Iwangorod nötig gemacht, so zwang jetzt das Unglück von Tannenberg, neben dem zuerst für Ewert bestimmten XXII. Korps der Petersburger Armee noch die gleichfalls schon für den Westmarsch ausersehene ganze 10. Armee (III. sib., I. turk., II. kauk. Korps) auf der Fahrt nach Warschau gegen den unteren Narew abzulenken. An den zwei Fronten mit allen Kräften gebunden, sah der Generalissimus das einzige Mittel, seine Versprechungen Frankreich gegenüber in absehbarer Zeit zu erfüllen, nur mehr in einem vollen Sieg über ÖsterreichUngarn. In diesem Sinne wies er Iwanow, der seinen Standort von Rowno nach Luków verlegen mußte, am 31. August an, sofort, „koste es was es wolle“, die allgemeine Offensive an der ganzen Südwestfront zu ergreifen1). W'elch große Bedeutung das Gelingen dieses Generalangriffes für die ganze weitere Kriegführung hatte, mochte Iwanow aus einer ihm zugekommenen Erläuterung erkennen. Im Zusammenhang mit der infolge Tannenberg erwogenen Räumung Polens bis Bjelostok und Brest-Litowsk ließ der Großfürst den Oberbefehlshaber seines Südwestheeres wissen, „daß man im Falle der absoluten Unmöglichkeit in den nächsten

1J La grande guerre, 184 ff. — Z i c h o w i t s c h, 56.

Tagen gegen die Österreicher einen entscheidenden Erfolg zu erringen, den Armeen im Südwesten einen weitreichenden Rückzug werde vorschreiben müssen“.

Wie sehr der Großfürst auch nach Ausgabe des neuen Angriffsbefehles an Iwanow noch mit der Möglichkeit eines allgemeinen Rückzuges rechnete, zeigte sich bei den Besprechungen, die er am 2. September in Bjelostok mit dem Oberbefehlshaber der Nordwestfront, Gen. Schilinski, über die nach Tannenberg notwendig gewordenen Maßnahmen abhielt. Es wurde als Glücksfall bezeichnet, wenn sich die Armeen der Nordwestfront an der Njemen-Bobr-Narew-Linie so lange halten könnten, bis es möglich wäre, die 4. und 9. Armee im Anschluß an die schon weichende

5. in den Raum Siedlec—Łuków—Włodawa zurückzunehmen. Erst der Abmarsch des deutschen Ostheeres gegen Rennenkampf ließ die Russen wieder aufatmen, wozu noch die Meldungen über die Gewinnung von Lemberg und Halicz kamen. Nun konnte nicht nur der Generalsturm gegen Österreich-Ungarn losbrechen, sondern auch der Aufbau neuer Heere gegenüber Ostpreußen und um Warschau in Angriff genommen werden 1).

Den Wünschen des Großfürsten hätte es hiebei allem Anschein nach am besten entsprochen, wenn Iwanow seine Armeen, so wie sie standen, zum konzentrischen Vormarsch gegen das öst.-ung. Nordheer aufgerufen hätte. Dies ist schon aus seinen Anordnungen nach der Schlacht bei Złoczów herauszulesen. Ein solcher konzentrischer Vormarsch, der den Gegner nach Möglichkeit auch von seinen Verbindungen gegen Westen abschnitt, verhieß dem Generalissimus den größten Erfolg. Im Gegensatz hiezu glaubte der Befehlshaber der Südwestfront, wie sich gleichfalls schon am 28. August gezeigt hatte, den allgemeinen Angriff nicht ansetzen zu können, ohne seinem nach wie vor hart bedrängten rechten Flügel auch aus Ostgalizien unmittelbare Entlastung zuzuführen. Schon die damals verfügte Streckung der 3. Armee gegen Norden hin sollte diesem Zwecke dienen. Die späteren Nachrichten über die Ereignisse bei Tomaszów und Krasnostaw ließen den Gen. Iwanow jene Notwendigkeit noch stärker empfinden. Er verfügte am 1. September (siehe Beilage 11), daß dem in den Raum nordöstlich von Żółkiew entsandten XXI. Korps nun auch das XI. und überdies das der 8. Armee gehörige XII. zu folgen habe, welch letztgenanntes allerdings erst um den 5. nördlich von Lemberg eintreffen konnte. Drei Korps, das IX., X. und VII.,hatten sich gegen Lemberg vorzuarbeiten und dieses am 4. September anzugreifen. Der nur mehr aus dem VIII. und dem XXIV. Korps

!) La grande guerre, 197 ff. — Z i c h o w i t s c h, 58 ff.

I 2. Aufl.    17

bestehenden S. Armee blieb der Flankenschutz gegen Mikołajów und den Dniester überlassen.

Als dann schließlich im Laufe des 2. die Niederlage Plehwes offenkundig wurde, ging Iwanow noch weiter; er war bereit, zunächst auf die Besitznahme Lembergs zu verzichten, um dadurch weitere Kräfte zur Unterstützung seines rechten Flügels freizubekommen. „In der jetzigen Minute,“ erörterte er seinen Unterführern, „hängt das Schicksal der ersten Feldzugsperiode nicht von unseren Operationen gegen Lemberg und den Dniester ab, sondern vom Ausgange der Schlacht bei Lublin, Cholm und Hrubieszów. Jedes freigemachte Korps, das in diesen Raum herangezogen werden kann, vergrößert unsere Erfolgsmöglichkeiten. Selbst die Gewinnung Lembergs macht einen Mißerfolg im Norden nicht wett. Es ergibt sich eine schwere Lage. Diese zwingt uns sogar, auf Lemberg zu verzichten.“

Bei solcher Enthaltsamkeit glaubte Iwanow, die ganze 3. Armee in den Raum östlich von Rawa Ruska abziehen zu dürfen, indes die 8. Armee die Sicherung in der Linie Rawa Ruska—Żółkiew und die Deckung gegen Lemberg und den Dniester übernehmen sollte1). Erfolgten schon diese Anordnungen mit dem Gedanken, die stürmischen Bedränger von Lublin, Krasnostaw und Cholm durch eine konzentrische Offensive der 9., 4., 5. und 3. Armee abzuschütteln, so gelangte Iwanows Plan zur vollen Reife, als kurz nach dem Erlassen der betreffenden Befehle die Meldung eintraf, daß die 42. ID. des IX. Korps Lemberg bei Morgendämmerung vom Gegner frei gefunden habe. Wohl versuchte der Großfürst-Oberfeldherr, als er dieses Ereignis einige Stunden später erfuhr, Iwanow zur Abgabe einiger Korps an die ostpreußische Front zu bewegen. Der Kommandierende der Südwestfront beharrte jedoch auf der Meinung, daß zuerst auch der linke Flügel des öst.-ung. Heeres erledigt werden müsse. Diesem Ziele hatte ein allgemeiner Angriff der eben genannten vier Armeen (der 9., 4., 5. und 3.) gegen die Linie Józefów—Biłgoraj— Jaroslau zu dienen, wobei der Angriff gegen Biłgoraj—Jaroslau bei entsprechender Sicherung gegen Przemyśl der im Raum nördlich von Lemberg manövrierenden 3. Armee zugewiesen wurde, indes die drei anderen Armeen den Gegner ober- und unterhalb der Sanmündung über die Weichsel gegen Westen zurückzudrängen hatten. Die 8. Armee sollte die ganze Operation gegen Süden decken, hiezu sich am Dniester festsetzen, wo ihr nun der Gegner auch den Brückenkopf von Halicz überlassen hatte, und die Karpathenübergänge südöstlich von Drohobycz sowie den Raum um Lemberg bewachen.

1/ Z i c h o w i t s c h, 181.

Verlegung des Schwergewichtes der öst.-ung. Operationen gegen Lemberg

(Die erste Septemberwoche)

Beginn der russischen Gegenoffensive bei Lublin Hiezu Skizzen 10 und 11

Bei der k.u.k. 1. Armee hatte sich am 2. September früh der nordwestlich von Krasnostaw stehende rechte Flügel angeschickt, den Stoß auf Lublin fortzuführen. Das X. Korps griff aus der Front Fajsławice— Krzczonów beiderseits der nach Lublin ziehenden großen Straße an; die durch Abteilungen der 33. ID. verstärkte 37. HID. hatte sich gegen die Höhen von Chmiel dem Angriff anzuschließen. Aber auch die Russen gegenüber hatten nicht erst auf Iwanows Befehl zur allgemeinen Offensive gewartet. Die Lage war hier so bedrohlich geworden, daß Ewert gleichfalls schon am 2. September den Führer der Grenadiere, Gen. Mrozowski, aus dem Raum südlich von Biskupice mit zum Teil schon eingesetzten, zum Teil eben ausgeladenen Truppen — einer Brigade des III. kauk.Korps, der 2. GrenD., der Masse der l.GID. und vermutlich auch der 82. RD., zusammen einer Streitmacht von über 60 Bataillonen — zum Gegenangriff vorschickte.

Der wuchtige russische Stoß traf zunächst den gegen Trawniki vordringenden rechten Flügel der 24. ID., die sich bald auch durch feindliche bei Łopiennik Russki auf das westliche Wieprzufer übergegangene Abteilungen im Rücken bedroht sah. Auch die 2. ID. wurde von den Russen hart gefaßt. Wohl brachten ihr ihre Reserven und das Eingreifen der

37. HID. so viel Entlastung, daß sie noch zum Angriff schreiten konnte. Aber ein russischer Gegenstoß gegen ihre Westflanke nötigte sie sehr bald zur Preisgabe ihres geringen Raumgewinnes. Da die von Tarnogóra heranbeorderte 45. SchD. noch nicht zur Stelle war, nahm GdI. Hugo v. Meixner seine von den elftägigen Kämpfen stark ermüdeten Truppen auf Łopiennik Russki und Izdebno zurück, hoffend, daß es ihm am nächsten Tage mit Hilfe der Schützen gelingen werde, neuerlich anzugreifen.

Das 1. Armeekmdo. stimmte zwar zu, doch ließ es, da es auf Grund verschiedener Nachrichten den Feind südlich von Biskupice nur auf eine Reservedivision schätzte und dessen Stellungen hier für die verhältnismäßig schwächsten vor der ganzen Armeefront hielt, das X. und V. Korps wissen, daß die Entscheidung nach wie vor in diesem Raume am ehesten zu erkämpfen sein werde. Die in Gewaltmärschen vom linken zum rechten Armeeflügel verschobene 3.KD. wurde dem X. Korpskmdo. zum Flankenschutz gegen Osten unterstellt.

Das V. Korpskmdo. ging sofort verständnisvoll auf die Anregungen des Armeeführers ein. Es beließ in der bisherigen Stellung der 14. ID. nur die 27. Brig., in jener der 33. ID. gar bloß drei Bataillone, um am rechten Flügel bei der 37. HID. insgesamt 32 Bataillone und 18 Batterien zum Angriff gegen Piaski zusammenzuziehen. Aber der Nachtmarsch ermüdete die Truppen und strömender Regen durchweichte den Boden des Angriffsgeländes. Die westungarischen Regimenter des FZM. Puhallo wurden von den inneren Flügeln des russischen XVI. Korps und der Grenadiere in starken, dicht besetzten Stellungen empfangen und blieben vor ihnen liegen.

Gegen das X. Korps setzte die russische Gruppe Mrozowski am

3. September ihre Vorrückung fort. Als die ersten grünbraunen Angriffswellen in den Wald westlich Łopiennik Russki eindrangen, wurden sie von der 24. ID. und der 10. MaBrig. wieder hinausgeworfen. Unter dem Eindrücke dieses erfolgverheißenden Anfanges und in der Erwartung einer raumgreifenden Vorbewegung seines linken Nachbarn setzte GdI. Meixner um 9h45 vorm. sein ganzes Korps zur Verfolgung in der Richtung auf Piaski an. Doch die 10. MaBrig. kam schon mittags infolge eines russischen Flankenstoßes ins Wanken und wich zurück. Die 24. ID. wurde durch neue feindliche Truppen bald wieder zur Abwehr genötigt; die 2. ID. blickte besorgt in die von der 3. KD. nur unvollkommen gesperrte Lücke zwischen V. und X. Korps, gegen die auch bald russische Schützenlinien vorrückten, und blieb überhaupt stehen. Nur der am Vorabend bei Łopiennik Russki eingelangten 45. SchD., die zwischen Wieprz undLubliner Chaussee vorrückte, war ein bescheidener Raumgewinn beschert. Um der stockenden Angriffsbewegung neuen Impuls zu verleihen, wollte das X. Korpskmdo. auch die bei Krasnostaw belassene Rückensicherung der

45. SchD. (SchR. Nr. 18 und zwei Batterien) heranziehen, obwohl die angestrebte Verbindung mit dem vom II. Korps zurückgelassenen, angeblich von Zamość auf Krasnostaw dirigierten Detachement Obst. Herzmansky der 4. ID. (IR. Nr. 99 und eine Batterie) noch nicht hergestellt war. Da traf gegen Mittag beim X. Korpskmdo. die hochbedeutsame Meldung der bei Krasnostaw verbliebenen Schützen ein, daß gegen die am Vortag von den Russen wieder geräumte Stadt von Norden her eine feindliche Division anrücke. Bald darauf drückten neue russische Angriffe die 45. SchD.

und die 24. ID. nach Łopiennik Russki zurück. Die 2. ID. hingegen vermochte ihre Stellungen zu behaupten. Die 10. MaBrig. kam als Reserve hinter die Korpsmitte.

GdI. v. Meixner entsprach einer Anregung des Armeekmdos., als er im Hinblick auf schwere Flanken- und Rückenbedrohung für den 4. September sein Korps in die Linie Gorzków—Izdebno zurückbefahl. Das Armeekmdo. stand nunmehr unter dem Eindruck eines überlegenen russischen Angriffes, der von Lublin aus in südöstlicher Richtung geführt zu werden schien. Diesem Angriff mit den ermüdeten und zusammengeschmolzenen Regimentern offensiv entgegenzutreten, war zunächst aussichtslos. Wohl aber mußten das V. und das X. Korps alles daran setzen, den Feind „um jeden Preis“ aufzuhalten. Deshalb hatte auch die 3. KD., der der Schutz der Ostflanke zugedacht war, so lange in der Lücke zwischen den beiden Korps zu bleiben, bis sie durch die 36. LstlBrig. des V. Korps abgelöst war. Allerdings erhöhte sich dadurch die Besorgnis um die Ostflanke um so mehr, als auch das bei Krasnostaw erwartete Detachement Obst. Herzmansky nicht einlangte. Dieses war vom II. Korps in den Raum östlich von Zamość nachgezogen worden und konnte, auf Betreiben des 1. Armeekmdos. zurückgesandt, erst am 4. September vormittags nach ermüdendem Nachtmarsche den Wieprz südlich von Tarnogóra gewinnen.

Um Kräfte zu binden, hatten die Russen am 2. September auch gegen den Westflügel der Armee Dankls einen Vorstoß unternommen, zu dem der über den Chodelbach vorspringende Stellungsteil der Gruppe Kummer einlud. Sie holten sich bei der 100. LstlBrig. blutige Abfuhr53). Ermutigt durch diesen Abwehrerfolg, äußerte GdI. Kummer die Absicht, am anderen Tage zum allgemeinen Angriff überzugehen. GdK. Dankl winkte aber ab, da er den Übergang des Landwehrkorps Wovrsch nicht durch einen etwaigen Rückschlag gefährdet wissen wollte. Tatsächlich zwang der Russe schon in der Nacht die beiden ungarischen Landsturminfanteriebrigaden Nr. 100 und 101 doch zur Räumung der über den Chodelbach vorspringenden Stellung. Schon vorher war die preußische Landwehr angewiesen worden, nicht bei Solec, sondern weiter südlich, bei Józefów überzugehen. Gedeckt durch die Gruppe FML.Tertain (110. LstlBrig. und 20. KBrig.) gewann die preußisch-schlesische 4. LD. am 3., die 3. LD. am 4. September das östliche Weichselufer.

Mitte und Ostflügel der österreichisch -ungarischen Front um den 3.September

Zum Zurückschwenken des rechten Flügels war die 1. Armee auch durch die Lage genötigt gewesen, mit der vom 3. September an östlich des Wieprz gerechnet werden mußte. Dort hatte Auffenberg die Masse seiner Armee in den letzten vierundzwanzig Stunden um 180 Grad gewendet. Er stand am Abend des eben genannten Tages mit dem IX., VI. und XVII. Korps Front gegen Süden, in der Linie Tomaszów—Korczmin versammelt, um gemäß dem Befehl der Heeresleitung in der Richtung Niemirów—Magierów, vielleicht auch etwas weiter südwestlich, gegen die Flanke eines die 3.Armee verfolgendenFeindes vorzustoßen. FML.Kuczera wehrte mit neun Marschbataillonen an der Solokija den Russen den Einblick. Im Rücken der 4. Armee wurde die schließlich aus vier Infanterie-und zwei Kavalleriedivisionen bestehende Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand belassen — XIV. Korps mit 3. und 8. ID., II. mit 4. ID. und 13. SchD., 2. und 9. KD.—die am 2. September nachmittags angewiesen worden war, die geschlagene russische 5. Armee zu verfolgen und über den Bug zu werfen und in weiterer Folge den Rücken der 4. Armee sowie die Ostflanke der 1. zu decken. Da der Feind laut den Meldungen der gegen Krylów auf klärenden 2. KD. am 3. September in diesem Raume bereits über den Bug zurückgegangen war, konnte der Erzherzog seinen Korps in ihren Lagern beiderseits der Huczwa für vierundzwanzig Stunden eine ihnen so nötige Atempause gönnen. Dafür kamen Nachrichten über den Anmarsch je einer feindlichen Division südlich von Hrubieszów und bei Grabowiec. Der Erzherzog gedachte, die zwei gemeldeten Divisionen der Reihe nach — zuerst die östliche, dann die westliche—zurückzuschlagen.

Für die weitere Operation Auffenbergs war entscheidend, wo und in welcher Verfassung die k.u.k. 3. Armee zum Stehen kam. Die Meldungen, die am 3. September bei der Heeresleitung in Przemyśl einlangten, lauteten wesentlich ermutigender als an den Vortagen. Selbst das am härtesten mitgenommene XII. Korps mochte „immerhin befähigt“ sein, „einigen Widerstand zu leisten“1). Alle Truppen der Armee überschritten die Wereszyca nach Westen, ohne durch den Feind irgendwie gestört zu werden. In gleicher Weise konnte die 2. Armee dem Raume Sambor—Drohobycz zustreben, aus dem sie, wenn die 3. Armee nicht weiter gegen Westen wich, zum Teil über die unterste Wereszyca, zum Teil beiderseits der Straße Mikołajów—Lemberg vorstoßen sollte. Nur

im Dniestergebiet stand man mit dem Feinde noch in engerer Fühlung. Im Lemberger Bereich war diese fast ganz verloren gegangen1). Auch über die Stärke der im Karpathenvorlande vordringenden Russen vermochte man kein annähernd verläßliches Bild zu gewinnen. Immerhin hielt Conrad am 3. September und auch noch am 4. vormittags einen russischen Durchbruch an der Jaworówer Straße für möglich. Er war damit einverstanden, daß die 3. Armee am 4. September zwischen Gródek und Jaworów eine im großen gegen Nordosten gerichtete Front bezog und schärfte ihr noch ein, den linken Flügel möglichst stark zu halten. Ebenso legte er Wert darauf, daß das VII. Korps der 2. Armee möglichst rasch bei Komárno an den Südflügel des XII. Korps anschließe und so die Behauptung der Wereszyca gegen einen hier nachdrängenden Feind gewährleiste 2). Dabei sollten allerdings das XII. und das VII. Korps jederzeit bereit sein, die Offensive über die Wereszyca hinweg zu ergreifen.

Durch das Zurückweichen der Armeen gegen Westen war die Karpathenfront bloßgelegt worden. Um sie zu schützen, sperrte das mit ihrer Sicherung betraute Militärkommando Lemberg, rückverlegtnachMunkacs, die Gebirgsübergänge durch Heeresmarschbataillone und zwei ungarische Landsturmetappenbrigaden. Die auf dem Rückmarsch von Czernowitz am

4. September in Delatyn einlangende 35.LstIBrig. stellte sich für einen Stoß gegen die im Vormarsch auf Stanislau gemeldeten russischen Kräfte bereit. Der Gendarmerieobstlt. Fischer organisierte mit Hilfe seiner wackeren Gendarmen in der mittleren und südlichen Bukowina die Landesverteidigung.

Während so die öst.-ung. Heeresleitung eine neue Schlachtordnung aufbaute, war die Aufmarschbewegung der k.u.k. Wehrmacht im Verebben begriffen. Der Friedensverkehr war in der Heimat zum Teil wohl schon am 18. August, fast ganz aber am 31. wieder aufgenommen worden. Die Transporte waren nichtsdestoweniger in unverminderter Dichte weitergerollt. Die Lücke, die durch das Abbleiben der 29. ID. und das vorübergehende Zurückhalten des IV. Korps an der Save im einheitlichen Fluß der Massentransporte entstanden war, wurde zum Nachschub der noch verwendungsbereiten Marsch- und Landsturmtruppen, von Munitionskolonnen, Korpsverpflegsmagazinen und Feldspitälern verwendet; es war dies die sogenannte „C-Staffel“. Ende August hatten sich die Magazine der Heimat an Schießbedarf bis auf kaum mehr als ein Dutzend Munitionszüge entblößt; Grund genug, die Nacherzeugung aufs eifrigste zu betreiben. An Mannschaftsersatz standen, vorn 1. September an, 200 „zweite“ Marschbataillone von Heer und Honvéd und die „ersten“ Marschbataillone der österr. Landwehr fahrbereit. Sie sollten sich ohne Atempause den noch rollenden Transporten anschließen.

Besondere Reibungen brachte in den Bahnverkehr bis weit in die Heimat zurück die anfangs teilweise überstürzte Räumung Ostgaliziens mit all ihren Folgen: Verlust von etwa 100 Lokomotiven und 15.000 Wagen, Ansturm der Flüchtlinge, Verstopfung

*) P i t r e i c h, 91.

2) Conrad, IV, 632, 637.

der Bahnhöfe mit Bergungsgütem, Rückverlegung der Ausladung, Verlegung der zum Verlassen ihrer ostgalizischen Standorte genötigten Feldeisenbahnbehörden. Dazu trat die überwältigende Aufgabe des Verwundetenabtransportes, deren Größe und Umfang niemand vorausgesehen hatte; so mußten im ersten Monatsdrittel September täglich bis zu 22.000 Verwundete zurückgebracht werden. Die mächtige Überlastung der Bahnen, die solcherart in weitem Umkreis um die Armeen eintrat, bekam das von der Heeresleitung mit Sehnsucht erwartete IV. Korps bei seinem Anrollen vom Südosten zu fühlen. Es wurde am 4. und 5. September 30 Stunden und länger bei Mezölaborcz aufgehalten. Den unter der Gewalt der Ereignisse entstandenen Knäuel im Verkehrswesen zu lösen, gehörte zu den schwierigsten Pflichten, die im Laufe des Weltkrieges an die militärischen und zivilen Eisenbahnbehörden des Donaureiches herantraten. Es konnte ohne vorübergehende Drosselung des Nachschubes nicht abgehen.

Die gleichzeitigen Maßnahmen der Russen

Als das öst.-ung. AOK. am 3. September nachmittags und abends die eben angeführten Maßnahmen zur Formung einer neuen Schlachtordnung westlich und nordwestlich von Lemberg traf, konnte es nicht ahnen, daß in den gleichen Stunden der Oberbefehlshaber der russischen Südwestfront, Gen. Iwanow, im Sinne der in den letzten Tagen gefaßten Entschlüsse Weisungen erließ, die nichts Geringeres bedeuteten als die Absicht, die öst.-ung. 2. und 3. Armee buchstäblich links liegen zu lassen und alle Kraft zur Niederwerfung des öst.-ung. Westflügels zusammenzuraffen. Demzufolge wurde der Befehlshaber der 9. Armee, Gen. Let-schitzki, dem vom 4. September an außer den am westlichen Weichselufer befindlichen Truppen noch das XVIII. und das XIV. Korps und die Gardeschützenbrigade unterstellt wurden, beauftragt, den Gegner im Raume zwischen Weichsel und Bystrzyca in südwestlicher Richtung auf Józefów zurückzuwerfen. Die jetzt aus dem XVI. Korps, der Garde, den Grenadieren und dem III. kauk. Korps bestehende 4. Armee, Gen. Ewert, hatte unter Ausnützung der in den letzten Tagen errungenen Erfolge zwischen Bychawa und dem oberen Porbach auf Kraśnik vorzudringen. Die 5. Armee wurde angewiesen, an der Linie Krasnostaw— Hrubieszów ihren Rückzug einzustellen, umzukehren und links der

4. Armee die Linie Turobin—Krasnobród zu gewinnen. Der Angriffsbeginn war bei den drei Armeen für den 4. September angesetzt. Die 3. Armee, deren linker Flügel, IX., X. und XII. Korps, am 3. September um Lemberg hielt, indes sich der rechte Flügel, XXI. und XI. Korps, gegen Mosty Wielkie nordwärts schob, bekam den Befehl, die den Truppen Plehwes gegenüberstehenden gegnerischen Streitkräfte von Südosten her anzufallen und zu schlagen. Dazu hatte, bei noch weiterem Ausgreifen des rechten Flügels, die Armee am 5. die Linie Waręż—Bełz—Dobrosin— Janów, am 6. Uhnów und Rawa Ruska, am 7. Tomaszów und Niemirów zu gewinnen. Gegenüber der 3. und der 2. Armee des Gegners beließen die Russen bloß ihre 8., von deren drei Korps das VIII. Mikołajów zu nehmen, das VII. gegen die Wereszyca zu sichern, das XXIV. von Halicz gegen Mikołajów nachzurücken hatte1). Da sich die zur Sicherung des Karpathenvorlandes bestimmten Kräfte des Gen. Arjutinow, Teile der

12. ID. und die 71. RD., erst bei Sadagóra in der Bukowina sammelten, wurden zwei Kosakendivisionen unter Gen. Pawlow in der Gegend von Halicz auf das Südufer des Dniester gesetzt, um Strvj zu nehmen und gegen die Pässe vorzufühlen.

Dankls Gegenwehr vor Lublin (4. bis 6. September

Hiezu Skizzen 11 und 12

Entsprechend dem russischen Angriffsbefehl entbrannte zunächst der Kampf am Westflügel der in weitem Bogen von der Weichsel bis in die Karpathen gespannten Schlachtfront, um erst allmählich gegen Südosten überzugreifen. Als am 4. September die Russen gegen die k.u.k. 1.Armee neuerlich Sturm zu laufen begannen, hatte sich diese mit 13 Infanteriedivisionen, 2 Kavalleriedivisionen und 5 selbständigen Landsturmbrigaden gegen zweieinhalb russische Armeen mit zusammen 22 Infanterie- und 6^/2 Kavalleriedivisionen zu behaupten, da sich den Truppen Letschitzkis und Ewerts auch die zwei rechten Korps Plehwes anschlossen.

Am westlichen Weichselufer fühlte das Reiterkorps Nowikow— 14. und 8. KD., i'o?5. RD. und Teile der 18.ID. —gegen die untere Kamienna und die dort stehende, durch die preuß. 18. LIBrig. verstärkte Gruppe FML. Tertain vor. Am Chodelbach drängte das russische XVIII. Korps die letzten gegnerischen Posten auf das Südufer zurück. Weiter östlich veranlaßten heftige, wenn auch erfolglose Angriffe des russischen XIV. gegen das k. u. k. I. Korps ein näheres Herannehmen der k. k. 1. LstlBrig. Jenseits der Bystrzyca hatte sich das Korps Puhallo der überlegenen Angriffe des russischen XVI. Korps und von Teilen der Garde und der Grenadiere zu erwehren, was dank der Zersplitterung des feindlichen Angriffes und dem verständnisvollen Zusammenwirken der eigenen

La grande guerre, 250. — Z i c h o w i t s c h. 186 und 191.

Abteilungen gelang J). Die 36. LstlBrig. wurde an Stelle der zum X. Korps abrückenden 3. KD. am rechten Flügel Puhallos eingesetzt.

Gegenüber dem rechten Armeeflügel Dankls war den Russen das am 4. zeitlich früh einsetzende Zurückschwenken des X. Korps in die Linie Gorzków—Izdebno nicht entgangen. Sie stürmten mit Verfolgungsabteilungen nach, brachten nicht rechtzeitig abmarschierte Troßteile der

45. SchD. in Unordnung und erschwerten auch der Division das Einrücken in die neue Stellung erheblich, wobei offenbar auch Teile des südlich von Krasnostaw über den Wieprz greifenden XXV. Korps der

5. Armee mitwirkten2). Dagegen konnten sich die 24. und die 2. ID. ohne Störung durch den Feind zu neuem Widerstand stellen.

Nunmehr schickte aber um lh nachm. Gen. Ewert die Gruppe Mrozowski zum entscheidenden Stoß gegen die noch unfertigen Linien des k.u.k. X. Korps vor. Links von Mrozowski griff das XXV. Korps Plehwes ein, während das XIX. zur Vorrückung gegen Zamość angewiesen war. Die 2. ID., die die 10. MaBrig. zum Schutze der noch ungesicherten linken Flanke hinausschob, und die 24.ID. vermochten sich zu behaupten. Dagegen begann die 45. SchD. schon unter der zermürbenden Wirkung der russischen Artillerie abzubröckeln, woran auch das Eingreifen der von Wirkowice herangekommenen Gruppe Obst. Herzmansky nichts mehr zu ändern vermochte. Da sich auch das dem X. Korpskmdo. seit den Morgenstunden bekannte Ausgreifen des russischen XXV. Korps immer stärker fühlbar machte, sah sich GdI. Meixner gegen 5h nachm. veranlaßt, unter Sicherung gegen Osten durch das Detachement Herzmansky und durch die 3. KD. die Loslösung seines ganzen Korps einzuleiten.

Der Rückschlag beim X. Korps zerstörte die weiteren Pläne des

1. Armeekmdos., das bisher die Hoffnung nicht aufgegeben hatte, nach Eintreffen des deutschen Landwehrkorps und der angeforderten schweren Artillerie zum entscheidenden Angriff auf Lublin schreiten zu können. Im einzelnen war die Ablösung der 12. ID. und der 101. LstlBrig. durch das Landwehrkorps geplant gewesen, worauf die freigewordenen Truppen dem X. Korps hätten zugeführt werden sollen. Die Hiobsbotschaft vom Rückzuge des X. Korps veranlaßte Dankl aber nunmehr, sein rechtes

Mjr. v. Klempa des k.u.k. IR. 26, der aus eigenem Entschluß ein ihm nicht unterstehendes Reservebataillon zum Gegenangriff vorführte und dadurch die Lage des V. Korps in entscheidender Weise festigte, erhielt für diese Tat das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

-j Oblt. Freudenseher des SchR. 34 betätigte sich hiebei mit seiner Maschinengewehrabteilung besonders erfolgreich, indem er schwer verwundet im Kampfe ausharrte. Er wurde hiefür mit dem Theresienkreuz ausgezeichnet.

Flügelkorps hinter den Por zurückzubefehlen, um es vor weiteren Erschütterungen zu bewahren. Der Ostflügel Puhallos mußte entsprechend abgebogen werden, während die übrige Armeefront ihre bisherige Stellung halten sollte. Dankl gab sich übrigens keiner Täuschung darüber hin, daß bald auch die Zurücknahme des Westflügels seiner Armee werde erfolgen müssen. Da er seine weitere Aufgabe darin sah, möglichst starke Feindkräfte auf sich zu ziehen, um sie vom Vorgehen in der Richtung Tomaszów abzuhalten, wollte er nur schrittweise Raum geben. Zur Erleichterung seiner Lage erbat er sich die Heranführung der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand gegen Zamość. Allerdings konnte der Erzherzog am 5. September erst im Raume Tyszowce—Miączyn (Skizze 12) eintreffen und war dann, wenn nicht überhaupt der Feind einen Strich durch die Rechnung machte, noch immer 50 km entfernt. Das Landwehrkorps sollte sich westlich von Kraśnik hinter dem Stróżkabach aufstellen, um gegebenenfalls den Westflügel der Armee aufnehmen zu können. Der Troß wurde in den Raum südlich der Linie Annopol—Goraj abgeschoben, die Brücken bei Józefów wurden abgebrochen.

Am 5. September früh mußte das zurückgehende X. Korps zunächst noch beiderseits der Żółkiewka Front machen, um den Trains einen Vorsprung zu sichern. Auch die weitere Rückbewegung fand unter zahlreichen Scharmützeln mit russischen Jagdkommandos statt. Auf völlig aufgeweichten Wegen wurde bis Einbruch der Dunkelheit das Südufer des Porbaches erreicht. Am Ostflügel hatte das Detachement Obst. Herz-mansky noch bis in die Nacht hinein zu tun, den Por-Gorajecwinkel vom Feinde zu säubern. Die Hauptkräfte des russischen XXV. Korps folgten nur langsam und erreichten abends die Linie Bzowiec—Żółkiewka. Sehr ernst wurde die Lage für die k.u.k. 1. Armee dadurch, daß zur gleichen Stunde das XIX. Korps Plehwes kampflos bis Zamość gelangte, womit es sich zwischen ihr und der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand eingeschoben hatte.

Auch der rechte Flügel des V. Korps, der den Rückmarschbefehl erst bei Morgengrauen erhalten hatte, vermochte die ihm aufgetragene Bewegung anfänglich nicht ohne Behinderung durch den Feind zu vollziehen. Hatte doch die 33. ID. noch einige Stunden zuvor einen russischen Nachtangriff durch kraftvollen Gegenstoß abwehren müssen! Schließlich aber hielten die feindlichen Garde- und Grenadierregimenter bei Gielczew an, so daß der rechte Flügel Puhallos seine neuen Stellungen ordnungsgemäß beziehen konnte. Sehr mißlich war, daß die am Drehpunkt des V. Korps belassene 27. IBrig. am 5. September vormittags ihre Stellung westlich von Bychawa heftigen russischen Anstürmen überlassen mußte. Um das Übergreifen der rückgängigen Bewegung auf den Westflügel noch hintanzuhalten, befahl GdK. Dankl die Wiedergewinnung des verlorenen Bodens, was unter Einsatz der schon zu festem Gefüge gelangten nieder- und oberösterreichischen 1. LstlBrig., der vom V. Korpskmdo. als Korpsreserve zurückgehaltenen 28. IBrig. und von Teilen der 33. ID. am gleichen und am folgenden Tage in heißem Ringen gelang.

Beim I. Korps war die 12. ID. noch in der Nacht zum 5. einem russischen Ansturm durch einen vom Artilleriebrigadier GM. v. Jordan-Rozwadowski angeregten und beeinflußten Vorstoß zuvorgekommen, bei dem 1600 Russen gefangengenommen wurden1).

Alarmierende Nachrichten kamen am 5. September vom Westufer der Weichsel. Dort warf das Kavalleriekorps Nowikow die Gruppe FML. Tertain, die in einem Zuge bis Sandomierz wich. GdK. Dankl schob sofort eine in Eile zusammengeraffte Gruppe öst.-ung. und deutscher Bataillone an den Weichsel abschnitt Józefów, konnte sie aber, nachdem die geringe Stärke Nowikows erkannt worden war, wieder zu den Divisionen einrücken lassen.

Der nächtliche Vorstoß der k.u.k. 12. ID. hatte laut Aussage von Gefangenen bei den zwei Korps Letschitzkis so viel Unordnung hervorgerufen, daß sie auch am 6. September dem Befehl ihres Armeeführers zu neuerlichem Angriff noch nicht Folge zu leisten vermochten. Dafür griff der Kampf um die Stellungen bei Bychawa auf die ganze Front des V. Korps über und führte an dessen rechtem Flügel, bei der 36. LstlBrig., sogar zu einer vorübergehenden Krisis, die nur durch das entschlossene Eingreifen der 2. ID. gebannt werden konnte. Die Masse des

X. Korps, dessen Regimenter sehr ermüdet und vielfach bis auf ein Drittel der ursprünglichen Stärke zusammengeschmolzen waren, wurde vom russischen XXV. Korps glücklicherweise nicht gedrängt, so daß sie sich ungestört am südlichen Porufer einnisten konnte. Auch das russische XIX. Korps blieb bei Zamość stehen. Dagegen drang das Reiterkorps des Gen. Dragomirow (4., y2l. DonKosD. und komb. KD.) bis Biłgoraj vor und überfiel dort öst.-ung.Trains. Hiebei konnte es hinter der Front Dankls auch die Anwesenheit der preußischen Landwehr feststellen; die Meldung darüber war nicht zum geringsten die Ursache des zögernden Vorgehens der beiden Korps der russischen 5. Armee.

Das Verhalten der Russen am 6. September ließ die öst.-ung. Führung

1/ GM. Thaddäus Ritt. v. Jordan-Rozwadowski erhielt hiefür das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

wieder aufatmen. Nimmermüde erwog GdK. Dankl, das Glück doch noch einmal mit einem Angriff des Ostflügels zu versuchen. Woyrsch sollte hiezu weiter nach rechts verschoben werden. Auch an einen ungesäumten Angriff der ganzen Armee dachte ihr Führer. Aber die Entfernung des Landwehrkorps von der Front, die Ermüdung des X. Korps und quälender Mangel an Artilleriemunition legten schließlich doch nahe, das noch immer erhoffte Herankommen der zwei Korps des Erzherzogs Joseph Ferdinand abzuwarten. Wie wenig sicher sich die Armee berechtigterweise fühlte, erweist sich aus der Tatsache, daß das Armeekmdo. die eben eingelangten schweren Batterien an den San zurücksandte und auch der nördliche Teil der zur Versorgung der Front hergestellten Feldbahn abgebaut wurde. Die Gefahren, die zumal am rechten Flügel heraufzogen, boten zu solchen Vorsichtsmaßnahmen Anlaß genug.

Die Schlacht bei Rawa Ruska—Lemberg

(6. bis 11. September)

Das Eingreifen der Armee Auffenberg (3. bis 7. September)

Der Südmarsch der k.u.k. 4. Armee Hiezu Beilage 12 sowie Skizzen 12 und 13

Da die russische 3. Armee bis zum 5. erst in die Linie Waręż—Do-brosin—Janów zu gelangen hatte, vermochte die k.u.k. 4. Armee auf ihrem Südmarsche bis zu diesem Tage abends ohne Kampf den Raum um Rawa Ruska und nördlich von Niemirów zu erreichen. Die Armee hatte den rechten Flügel, das IX. Korps, stark gehalten und vorgeschoben, weil das AOK. auch jetzt noch einen Durchbruch des Feindes nördlich der Jaworówer Straße befürchtete. Aus dem gleichen Grunde hatte das

3. Armeekmdo. die 4., 10. und 11. KD. nördlich von Jaworów zusammengezogen. GdI. Auffenberg allerdings stellte die Sorge um seinen rechten Flügel gegenüber der um den offenen linken wesentlich zurück; er hätte

— auch um die Umfassung wirksamer gestalten zu können — das Schwergewicht lieber auf diesen verlegt1).

Die Möglichkeit hiezu konnte vielleicht die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand bieten. Ein in der Nacht zum 4. September aufgefan-

J) Auffenberg, Höhe und Niedergang, 389.

gener russischer Funkspruch, der den Abtransport anderthalb russischer Divisionen vonWladimir-Wolynski nach Brest-Litowsk verriet54), bestärkte das 4. Armeekmdo. in der Auffassung, daß die dem Erzherzog gegenüberstehende Armee Plehwes nicht sobald wieder vorrücken können werde-). Auf Grund solcher Erwägungen erhielt die Erzherzogsgruppe, die sich eben gegen die bei Hrubieszów gemeldete russische Division wenden wollte, am 4. um 6h früh den Befehl Auffenbergs, die 2. KD. sofort dem XVII. Korps nach Beiz nachzusenden und ihr mindestens eine Infanteriedivision des XIV. Korps folgen zu lassen. Vier Stunden später sandte das Armeekmdo. eine zweite Weisung nach: wenn es die Lage bei Hrubieszów erlaube, möge das ganze XIV. Korps den Anschluß an die Armee suchen. Da über den Feind bei Hrubieszów keine neuen Meldungen Vorlagen, übertrug der Erzherzog seine bisherige Aufgabe dem um die 9. KD. verstärkten II. Korps, um sich mit der 3. und der 8. ID. sowie der 2. KD. mittags gegen Süden zu wenden.

ln der Tat waren die der Erzherzogsgruppe zunächst befindlichen Heereskörper der russischen 5. Armee, das V. Korps bei Busno und das XVII. nördlich von Hrubieszów, infolge der bei Komarów erlittenen Verluste am 4. September zu dem ihnen übertragenen Vormarsch noch nicht befähigt gewesen. Dagegen waren, wie schon die Schilderung der Ereignisse bei der k.u.k. 1. Armee zeigte, die beiden Korps des rechten Flügels, das XXV. und das XIX., in den Raum südlich und südöstlich von Krasnostaw vorgedrungen. Das zweitgenannte der beiden Korps hatte über Skierbieszów hinaus Zamość zu gewinnen, um in den nächsten Tagen gemeinsam mit dem linken Flügel Plehwes die den Russen offenbar schon gemeldete Erherzogsgruppe zurückzuwerfen55). Der Vorstoß der beiden rechten Korps Plehwes trug nicht wenig dazu bei, die Lage der k.u.k. 1. Armee in den nächsten Tagen besonders kritisch zu gestalten. Wie schon zur Sprache kam, führte die schwere Bedrohung dazu, daß das 4. Armeekmdo. am 4. September abends den am Morgen erteilten Befehl widerrief und den Erzherzog anwies, nicht nur, wie es das AOK. vorschrieb, mit dem II. Korps, sondern auch mit einer Division des XIV. und mit der 9. KD. dem GdK. Dankl zu Hilfe zu eilen, wobei freilich der

Erzherzog die Rückendeckung der 4. Armee nicht zu vernachlässigen hatte1). Dieser Befehl wurde mehrmals wiederholt mit dem ausdrücklichen Hinweis, daß die Unterstützung in der Richtung Zamość für die

1.    Armee geradezu Lebensfrage sei.

Im Hinblick auf solch eindringliche Befehlgebung zögerte der Erzherzog nicht, das II. Korps, das den 3. und 4. September bei Terebin und Sahryń kampflos verbracht hatte, am 5. nach Miączyn, die 8. ID. des XIV. nach Tyszowce zu verschieben, indes die 9. KD. gegen Grabowiec aufzuklären und die 3. ID. mit der 2. KD. im Sinne früherer Weisungen südwärts an die Solokija abzurücken hatte. Joseph Ferdinand hatte, diesen Entschluß gefaßt, obgleich frühmorgens das Einrücken russischer Reiterei (l.DonKosD.) in Zamość gemeldet worden war und auch der Feind nördlich von Hrubieszów—Grabowiec Bewegung verriet.

Der Seitenmarsch der Hauptkräfte des Erzherzogs wurde ohne Störung durch den Gegner durchgeführt. Die 9. KD. sah sich aber schon bei Grabowiec durch die 5. DonKosD. aufgehalten, so daß sie ihrer Aufgabe nur in beschränktem Umkreis nachkommen konnte. Da an diesem Tage auch die beiden linken Korps Plehwes den Vormarsch erneuert angetreten hatten, hiebei bis in die Linie Uchanie—Werbkowice gelangt waren und gleichzeitig das russische XIX. Korps Zamość erreichte, war die Erzherzogsgruppe schon jetzt vom Feinde im Halbkreis umstellt2). Zudem stieß die 3. ID., die am 5., links gedeckt durch die

2.    KD., bei Domaszów (10 km östlich Uhnów) hinter dem Ostflügel der

4. Armee eintreffen sollte, östlich von Bełz auf die Vortruppen des in die Linie Waręż—Beiz einrückenden Nordflügels Rußkis, so daß sie auf Korczmin auswich, in der Absicht, des anderen Tages über Uhnów den Anschluß an das XVII. Korps zu suchen.

Hatte GdI. Auffenberg schon bisher seinen Blick mehr gegen Osten gerichtet, so gab das AOK. auch im Laufe des 5. September die Hoff-

x) Über Verwendung und Stärkebemessung der Armeegruppe Erzherzog Joseph Ferdinand herrschte im Stabe des 4. Armeekmdos. keine einheitliche Auffassung. Der Armeekommandant und sein Generalstabschef wünschten stets das ganze XIV. Korps zur Entscheidungsschlacht heranzuziehen. Der Chef der Generalstabsabteilung, Obst. Soós, der mit dem AOK. durch Fernsprecher stets in Verbindung und daher über die in Przemyśl jeweilig herrschenden Ansichten orientiert war, maß der möglichen Rückenbedrohung größere Bedeutung bei, die abzuwenden die Person des Kommandanten des II. Korps ihm nicht genügend Gewähr zu bieten schien. Er setzte sich daher in Übereinstimmung mit dem AOK. stets dafür ein, daß der Erzherzog die mit dem Rückenschutz beauftragte Armeegruppe befehlige und einen Teil seines (XIV.) Korps bei sich behalte.

-) La grande guerre, 246. — Zicho witsch, 198.

nung noch nicht völlig auf, daß es der 4. Armee beschieden sein könnte, mit „starkem und tunlichst vorgenommenem Westflügel“ in der Vorrückungsrichtung Wierzbiany—Starzyska einem „Feind, der etwa den linken Flügel der 3. Armee angreift, in Flanke und Rücken zu stoßen“. Aber die einlangenden Meldungen ließen, wenn sie auch den Vormarsch russischer Kolonnen von Żółkiew und Lemberg gegen Janów feststellten, doch ein auffälliges Zurückhängen der feindlichen Hauptkräfte vermuten, so daß das AOK. im Einvernehmen mit dem 4. Armeekmdo. zur Erkenntnis der Notwendigkeit kam, „die Ziele der 4. Armee etwas weiter gegen Osten auszustecken1)“ und so ein etwaiges Ineinandergeraten des rechten Flügels dieser Armee mit dem linken der 3. hintanzuhalten. Dabei waren die öst.-ung. Befehlsstellen freilich noch weit davon entfernt, die Gefahren voll zu erkennen, die ihnen aus den Wald- und Sumpfzonen westlich der Straße Żółkiew—Sokal drohen sollten.

Die 3. Armee, die am 5. September in der starken, tatfreudigen Führerpersönlichkeit des GdI. Boroević einen neuen Befehlshaber erhalten hatte, mußte bereit sein, sich vom linken Flügel an dem Vordringen Auffenbergs anzuschließen.

Die 2. Armee, in deren Verband nun auch das XII. Korps trat, hatte für den 7. September des Befehles zur Gewinnung der Wereszyca gewärtig zu sein. Südlich des Dniester hatte die Gruppe FML. Karg —

38. HID., 40. und 103. LstlBrig., 1. KD. und 5. HKD. — das Vorbrechen russischer Kräfte über Stryj zu verhindern, sich gleichzeitig aber bereitzuhalten, verfügbare Teile im Einklang mit dem rechten Armeeflügel über Mikołajów zum Angriff in der Richtung Lemberg vorzusenden. Die aus der Bukowina anrückende 35. LstlBrig. und die Besatzung von Zaleszczyki sollten sich der Gruppe Karg anschließen.

So hielten sich die Befehle des AOK. noch durchaus im Rahmen der anfangs September gefaßten Beschlüsse: doppelt umfassender Angriff gegen den über Lemberg westwärts vordringenden Feind. Aber schon mußte der Umfassungsgedanke durch die unvermeidlich gewordene Halblinksschwenkung Auffenbergs Zugeständnisse an die noch nicht voll erkannte Änderung der Lage machen. Die nächste Zeit sollte weitere Überraschungen bringen.

In den letzten Tagen hatte GdI. Conrad auch noch einmal nachdrückliche Versuche gemacht, für den bevorstehenden Kampf um die Feldzugsentscheidung deutsche Unterstützung in stärkerem Ausmaße zu gewinnen. Der Sieg Hindenburgs bei Tannenberg, der die Trümmer der

russischen 2. Armee gegen den Narew zurückwarf, ließ ihn wieder auf den Wunsch zurückkommen, das deutsche Ostheer im Vordringen auf Siedlec zu sehen. Dazu trat aber unter dem Eindruck der aus dem Westen kommenden glänzenden Nachrichten das wohl auch durch die Fahrt zweier deutscher Korps aus Belgien nach Ostpreußen geweckte Begehren nach unmittelbarer Unterstützung durch Streitkräfte des Bundesgenossen. Erzherzog Friedrich depeschierte am 2. September in diesem doppelten Sinne an den Deutschen Kaiser:

„Soll das große, gemeinsame Ziel der Niederringung Rußlands erreicht werden, so erachte ich eine energische, mit starken Kräften geführte deutsche Offensive auf Siedlce für ausschlaggebend, aber auch dringend. Abgesehen davon scheint mir nach den glänzenden und entscheidenden Erfolgen in Frankreich auch der Moment gekommen, in welchem die unter dieser Voraussetzung zugesagte, machtvolle direkte Unterstützung der öst.-ung. Operationen durch deutsche Truppen einzutreten vermöchte 1).“

Kaiser Wilhelm sagte ungehalten zu FML. Stürgkh: „Unsere kleine Armee in Ostpreußen hat zwölf feindliche Korps auf sich gezogen und teils vernichtet, teils geschlagen, mithin die österreichische Offensive wesentlich erleichtert und ganz im Sinne der bestehenden Vereinbarungen gehandelt. Mehr als sie geleistet hat, kann man von ihr nicht verlangen.“ Moltke übernahm es, am 4. September das Ansuchen des k.u.k. Armeeoberkommandanten zu beantworten. Was den Westen anbelangt, so seien dort wohl bedeutende Erfolge errungen worden, die Vernichtung eines größeren Heeresteiles sei aber nicht gelungen. „Für die nächste Zeit dürfen wir an eine Schwächung unseres Westheeres nicht denken.“ Im Osten müsse zuerst Rennenkampf erledigt werden. „Die Durchführung wird sobald als möglich erfolgen. Es wird dann, nach Abzug der in Ostpreußen unumgänglich nötigen Grenzsicherungen, eine deutsche Armee von vier bis fünf Armeekorps und zwei Kavalleriedivisionen zum Vormarsch auf Siedlec antreten2).“

Am 7. September, einen Tag nach dem Einlangen dieser Depesche, grollte Conrad in einem Briefe an Hptm. Fleischmann: „Stünden starke Kräfte jetzt bei Siedlce, so wäre der Feldzug in Polen zu unseren und Deutschlands Gunsten entschieden3).“ Auch gegenüber GLt. Frey tag-Loringhoven hielt der k.u.k. Chef des Generalstabes mit seiner Ent!) Conrad, IV, 625; tags zuvor bat Conrad den GO. Moltke „zur entscheidenden Wendung der Lage dringend um Instradierung frischer deutscher Kräfte, wenn möglich, mindestens zweier Korps, Richtung Przemyśl“.

2)    Stürgkh, Hauptquartier, 40. — Conrad, IV, 656.

3)    Conrad, IV, 670.

I 2. Aufl.

18


täuschung ob des Ausbleibens der Siedlec-Offensive nicht zurück1). Auf sich allein gestellt, die Erinnerung an schwere Stunden als stumme Marschgenossen zur Seite, aber noch erfüllt von starkem Siegeswillen zogen die habsburgischen Regimenter neuen, harten Kämpfen entgegen.

Das Auf schwenken der 4. Armee hei Rawa Ruska

(6. September)

GdI. Auffenberg gab trotz der schwachen Halblinksschwenkung, die seiner Armee aufgezwungen worden war, die Hoffnung nicht auf, doch noch die Flanke des westlich und nordwestlich von Lemberg manövrierenden Feindes zu treffen. Um sich nicht vorzeitig zu verausgaben, sollte seine Armee am 6. September bis 10h vorm. zunächst die Linie Wierzbiany— Lipnik—Hujcze gewinnen. Für die weitere Vorrückung war, wenn nicht die Feindlage eine Änderung heischte, dem rechten Flügel die Linie Wierzbiany—Starzyska, dem linken Armeeflügel die große Straße nach Żółkiew als Leitlinie vorgezeichnet. Das AOK. ließ das 4. Armeekmdo. noch am 6. vormittags wissen, daß es für wünschenswert halte, starke Kräfte gegenüber dem Höhengelände westlich von Żółkiew zusammenzuballen, da von dort ein mächtiger russischer Vorstoß zu fürchten sei. In den Erwägungen Auffenbergs spielte die Sorge, gegen den feindlichen rechten Flügel ausholen zu können, nach wie vor die größere Rolle. Wohl sollte der eigene rechte Flügel tatkräftig zugreifen, um die Russen auf sich zu ziehen. Aber die Hauptsache war dem Armeeführer doch, daß das XVII. Korps am entgegengesetzten Flügel, bei dem auch die schwere Artillerie der ganzen Armee marschierte, stark genug gestaffelt war, um in die feindliche Flanke entscheidend wirken zu können. Wichtig war, daß die 3. Armee rechtzeitig eingriff und so den Feind aufrollte, namentlich wenn man frontal auf die russischen Verschanzungen bei Żółkiew stieß; noch wichtiger freilich, daß die 6. und die heranmarschierende

2. KD. den Feind im Rata- und Solokijagelände aufspürten und seine Stärke feststellten. Gegebenenfalls mußte sich das XVII. Korps, ehe es seine ganze Kraft gegen Süden aufbot, gegen Osten Luft schaffen.

Am 6. September bei grauendem Morgen setzte die k.u.k. 4. Armee ihren Vormarsch vom rechten Flügel aus fort. Das IX. Korps, FZM. v. Friedei, trat mit seinen drei Divisionen, der aus dem Verband des

*) Freytag-Loringhoven, Menschen und Dinge, 223 u. a. O.

II. Korps ausgeschiedenen 25., der 10. ID. und der 26. SchD., in das Waldgebiet südlich von Niemirów ein. Das VI. Korps, nunmehr vom FML. v. Arz befehligt, durchmaß — 39., halbe 15. und 27. ID. im ersten, zweite Brigade der 15. im zweiten Treffen — das wellige Hügelland von Szczerzec. Das XVII. Korps unter seinem neuen Kommandanten FML. Křitek stellte sich südöstlich von Rawa Ruska bereit. Da man bald erkannte, daß wenigstens der rechte Flügel der 4. Armee die für 10h vorm. vorgesehene Front kampflos gewinnen werde, wies das AOK. auch die

3. Armee zum Vormarsch in Staffeln vom linken Flügel an. Dem Rufe des neuen Armeeführers folgend, versicherte sich das III. Korps der Teichenge bei Gródek, während die Armeemitte — XI. Korps — und der linke Flügel — 23. HID. und 88. KSchBrig. — ohne Störung durch den Feind bis in die Linie Moloszkowice—Starzyska gelangten. Die drei links auswärts versammelten Reiterdivisionen (4., 10. und 11.) wurden auf Anregung des GdI. Boroević der 4. Armee zur Verwendung an deren Nordflügel überwiesen.

Für diese 4. Armee verlief der weitere Tag wesentlich heißer. Kaum hatte GdI. Auffenberg den Vormarschbefehl erteilt, als die 41. HID. des XVII. Korps, das dem VI. in der Staffel links zu folgen hatte, knapp östlich von Rawa Ruska auf das russische IX. Korps stieß. FML. Křitek holte die 19. ID. nördlich der 41. heran und drängte kurz nach Mittag die Vortruppen des Feindes hinter die Mszczana zurück. Der 41. HID. gelang es noch, einen Teil der nördlich von Magierow hingelagerten Höhen an sich zu reißen. Dagegen blieb die Hoffnung, den Feind beiderseits der Straße über die Biała zu werfen, unerfüllt. Der Angriff des XVII. Korps hatte nicht zuletzt dadurch an Schwung eingebüßt, daß ihm während des Vorstoßes gegen Südosten bei Hujcze das aus den Rata-sümpfen emportauchende XI. Korps der Russen in die Flanke zu fallen drohte. Die 2. MaBrig., die 6. KD. und einige Honvédbataillone — nunmehr Gruppe FML. Wittmann — hatten Mühe genug, die gefährliche Bedrohung von Flanke und Rücken auf einer Sanddüne westlich des Dorfes Hujcze abzuwehren.

Indessen war gegen 3h nachm. das k.u.k. VI. Korps in den Raum südwestlich von Magierów gelangt. Die Artillerie des russischen X. Korps gebot ihm Halt, ehe es die zugewiesene Linie Wiszenka—Magierów erreichen konnte. Noch weiter hing das IX. Korps zurück, dessen ermüdete Truppen im tiefen Sandboden nur bis gegen Kurniki vorzustapfen vermochten.

Trotz der zum Teil schon heftigen Kämpfe hatte auch der 6. September der öst.-ung. Führung noch kein klares Bild über den Feind gebracht. Das 3. Armeekmdo. hatte an der Wereszyca russische Reiterei festgestellt, deren Aufgabe offenkundig war,Bewegungen im Raume nordwestlich von Lemberg zu verschleiern. Das 4. Armeekmdo. hatte den Eindruck, daß die Russen gegenüber dem IX. Korps schwach, vor dcm VI. und dem XVII. aber stark seien. Die von Hujcze nunmehr nordwestlich strebende russische Gruppe wurde auf eine Infanteriedivision geschätzt, bei Beiz auf Grund verschiedener Meldungen eine Kavalleriedivision angenommen. Die 3. ID., die am Morgen östlich von Uhnów unter erheblichen Marschmühen die Solokija nach Süden überschritten hatte, mochte bei Domaszów gegen die bei Beiz festgestellte Reiterei im Kampfe stehen. Sie hatte nach deren Abschüttelung über Hujcze auf die Walstatt von Rawa Ruska abzurücken, wo sie bereits am 6. sehnsüchtig erwartet worden war. Der russischen 5. Armee traute man immer noch nicht die Fähigkeit zu, sich ernsthaft fühlbar zu machen — eine Auffassung, der allerdings die Meldungen über das Vordringen des XXV. und des XIX. Russenkorps gegen die 1. Armee einigermaßen entgegenstanden.

Unter diesen Eindrücken wurden die Weisungen für den 7. September erteilt. Der Nordflügel der 3. Armee sollte nach Herankommen des abgebliebenen Südflügels der 4. Armee seine Vorrückung fortsetzen. Auffenberg befahl seinen drei Korps, den Angriff auf Magierów und die Höhen nördlich davon bei Morgengrauen wieder aufzunehmen; gegenseitige Unterstützung war besonders betonte Pflicht. Die östlich von Rawa Ruska schon etwas zurückgezogene Flankengruppe FML. Wittmann hatte gemeinsam mit der 3. ID. den Feind bei Hujcze zu werfen und sich dann ehestens in der Staffel links der 19. ID. der Bewegung in südöstlicher Richtung anzuschließen, wobei die Reiterei über Turynka den erhofften Rückzug der Russen zu stören versuchen sollte. Der bei Domaszów angenommenen 2. KD. war die Aufgabe zugedacht, an der Solokija mit der Front gegen Norden den Rücken des XVII. Korps zu sichern. Die drei von der 3. Armee überstellten Kavalleriedivisionen sollten nach Rawa Ruska gelangen; GM. Berndt hatte mit seiner 4. KD. und der Artillerie den beiden anderen Divisionen vorauszueilen.

Eine besondere Sorge ergab sich für das AOK. wie für das 4. Armeekmdo. aus der betrüblichen Tatsache, daß die Straße von Zamość nach Rawa Ruska nur mehr durch eine bei Labunje zusammengeraffte Gruppe von dreieinhalb Marschbataillonen und vier Geschützen gesperrt war. Bei der verhältnismäßig geringen Meinung, die man von der Kampffähigkeit der russischen 5. Armee hatte, glaubte man, der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand neuerlich befehlen zu können, sie möge über Zamość der schwer bedrohten 1. Armee zu Hilfe eilen, der die Gruppe nun auch unterstellt wurde.

Bald sollte sich zeigen, daß das Bild über die Feindlage, auf dem diese Weisungen der öst.-ung. Führung aufgebaut waren, von der Wirklichkeit wesentlich abwich.

Allerdings waren auch der russischen Führung Überraschungen nicht erspart geblieben, wenn sie gemäß den Befehlen vom 3. September auch drei Tage später noch gehofft hatte, durch den von Żółkiew gegen Rawa Ruska geführten Stoß die ihrer Annahme nach wohl noch weiter nördlich manövrierenden Divisionen Auffenbergs in Flanke und Rücken zu treffen. Rußki mußte allgemach feststellen, daß der gegen Süden durch das XII. Korps und Reiterei gedeckte Umfassungsstoß seines IX. und X. Korps dank dem kühnen Südmarsch Auffenbergs zum Stirnangriff wurde, in welchem gleich starke Kräfte miteinander zu ringen hatten. Aber die Gunst des Schlachtengottes war dem Führer der russischen 3. Armee doch dadurch ausnehmend hold, daß nun der aus dem XI. und XXI. Korps bestehende Nordflügel in unverhofft günstigem Ausmaße die Rolle einer weitausholenden Umfassungsgruppe übernehmen konnte.

Dies hatte am 6. September schon der linke Flügel des k.u.k. XVII. Korps empfindlich zu spüren bekommen, noch mehr aber das k.u.k. XIV. Korps, von dessen durch die Ungunst der Lage stark auseinandergezogenen Divisionen die 3. den Anschluß an die Armee zu suchen und die 8. bei Tyszowce den breiten Raum zwischen der 4. Armee und dem nach Zamość bestimmten II. Korps zu decken gehabt hatte.

Die Rückendeckung durch die Erzherzogsgruppe

Entgegen den Hoffnungen des k.u.k. 4. Armeekmdos. und des FML. Křitek war die 3. ID. entsprechend ihrem Aufträge, auch für den Flankenschutz gegen Bełz zu sorgen, bis gegen Abend bei Domaszów in Gefechtsberührung mit Abteilungen des russischen XXI. Korps geblieben. Nun erst wandte sie sich, die Artillerie vorsichtigerweise hinter der 2. KD. auf die von Uhnów nach Rawa Ruska führende Straße abschiebend, südwärts in die versumpften Wälder. Das als Vorhut vorausgesandte

2. Regiment der Tiroler Kaiserjäger überfiel in dunkler Nacht nördlich von Hujcze die im Gehölz lagernde 11. ID. des russischen XI. Korps und fügte ihr empfindliche Verluste bei, wurde aber dann bei Tagesgrauen nach dem Austritt aus dem Walde selbst von allen Seiten angefallen, völlig abgeschnitten und nach erbitterten Kämpfen fast ganz aufgerieben. Der Regimentskommandant Obst. v. Brosch und Hunderte braver Söhne Tirols fanden den Heldentod1); zwei Kaiserjägerbataillone waren wie vom Erdboden hinweggefegt.

Die außerordentlich unsichere Lage im nachtdunklen Gehölz und die völlige Ungewißheit über das Schicksal der Kaiserjäger hatte inzwischen FML. Roth bewogen, bei Tagesanbruch des 7. aus dem Wald von Hujcze zurückzuweichen, über Uhnów auszubiegen und von hier den Anschluß an das XVII. Korps zu suchen. Seine vorausgesandte Artillerie kam am

7. September bei diesem gerade noch zurecht, an der Abwehr eines schweren russischen Flankenangriffes mitzuwirken.

Zwei Tagmärsche nördlich des Kampffeldes von Hujcze, bei Tyszowce, hatte die 8. ID. am 6. September früh morgens erfahren, daß am Vortage von Sokal her eine starke russische Kolonne — es war der Nordflügel des XXI. Korps —in Waręż eingetroffen sei. Der Erzherzog, der sich bei der Division befand, zögerte nicht, diese um 8h früh dem Feind entgegenzuwerfen (Skizze 12). Die Division trat nachmittags bei Telatyn gegen zum Teil aus ihren Lagern aufgescheuchte russische Abteilungen in den Kampf, errang bemerkenswerte Vorteile, begrüßte es aber doch, daß ihr der Erzherzog die 9. KBrig. der 9. KD. zur Verstärkung zuwies. Denn allem Anschein nach war der gegenüberstehende Feind auf zwei Infanteriedivisionen mit Reiterei angewachsen. Die naheliegende Erwägung, daß diese starken Kräfte südwestlich gegen den Rücken der k.u.k.

4. Armee einschwenken könnten, hatte beim Erzherzog schon bald nach Beginn des Kampfes den Entschluß reifen lassen, spätestens am 8. diesen gefährlichen Feind abzutun und hiezu, alle anderen Ziele zurückstellend, auch das II. Korps heranzuholen.

Dieses Korps war am 6. früh nicht weiter gegen Westen abgerückt, sondern darangegangen, die südlich von Grabowiec immer lästiger vorfühlende feindliche Infanterie möglichst in die Schranken zu weisen. Die Hoffnung, daß hiezu die 4. ID. ausreichen werde, indes die 13. SchD. und die 9. KD. zurückzuhalten waren, erwies sich jedoch als trügerisch. Schon zu Beginn des Gefechtes mußten die Reiterei und eine Schützenbrigade den rechten Flügel der 4. ID. verlängern. Es währte nicht lange, so sah sich das Korps nicht nur der Masse des russischen V. Korps, sondern auch umfassend eingreifenden Teilen des von Hrubieszów heran-

1y La grande guerre, 257 ("Fußnote).—r Glaise-Horstenau, Der Heldentod des Obersten Brosch v. Aarenau (Wiener „Reichspost“, 7. September 1924). — Auffenberg, Teilnahme am Weltkrieg, 309 f.

marschierenden XVII. gegenüber. Bereits angewiesen, der 8. ID. zu Hilfe zu kommen, brach GdI. Schemua in begreiflicher Sorge um seine beiden Flanken den Angriff ab, um sich über die versumpfte Tiefenlinie südlich von Miączyn zurückzuziehen, was dank dem zögernden Vorgehen des Feindes unter geringen Opfern gelang. Am Abend stand eine Schützenbrigade in Tyszowce, die Masse des II. Korps aber noch auf den Höhen bei Dub, da der Troß durch die versumpften Niederungen hinter der Front nur sehr langsam weiterkam und gedeckt werden mußte.

Nichtsdestoweniger war so alles für einen einheitlichen Schlag gegen den im Augenblick gefährlichsten Feind, das russische XXI. Korps, vorgesorgt — als um Mitternacht beim Erzherzog jene strikte Weisung des AOK. eintraf, die der Gruppe neuerlich einschärfte, am 7. September unter Zurücklassung entsprechender Rückendeckung zur 1. Armee zu stoßen und sich ihr zu unterstellen. Nun hieß es alles widerrufen. Der Erzherzog plante jetzt, die ganze Gruppe mit Ausnahme einer bei Posadów zurückbleibenden Brigade der 8. ID. nach Westen abzuziehen. Da machte ihm der Feind einen Strich durch die Rechnung.

Schon die Bewegungen der Russen am 6. September hatten nichts Geringeres zum Ziele gehabt, als den Erzherzog einzukreisen. Hiezu sollten das über Grabowiec angesetzte V. Korps und das die Huczwa aufwärts vorrückende XVII.Korps die Erzherzogsgruppe festhalten, während ihr das XIX. Korps von Zamość her und der Nordflügel des vom russischen

3. Armeekmdo. in den Raum Łaszczów—Uhnów gewiesenen XXI. Korps über Dolgobyczew und Telatyn den Rückzug abzuschneiden hatten. Dieses Manöver wurde am 7. fortgesetzt, indem zunächst das V., das XVII. und der Nordflügel des XXI. zum konzentrischen Ansturm gegen die Divisionen Joseph Ferdinands ausholten.

Die Abteilungen des XXI. Korps stürzten sich nächst Posadów bei frühem Morgengrauen auf die 8. ID., die sich der schweren Bedrohung nur durch einen allerdings verlustreichen Rückzug — es gingen auch drei allzu lang ausharrende Batterien verloren — zu entziehen vermochte. Ebenso mußte das II. Korps (4. ID., 13. SchD. und 9. KD.) nach einem vergeblichen Versuche, den Feind auf den Höhen westlich von Tyszowce aufzuhalten, gegen Rachanie weichen. Glücklicherweise erwies sich das bei Zamość stehende XIX. Korps Plehwes nicht als sehr tatendurstig. Es begnügte sich, 45 km hinter der in schweren Kampf verwickelten Armee Auffenbergs verweilend, damit, die schwachen k.u.k. Abteilungen bei Łabunie durch eine Brigade vertreiben zu lassen. Begreiflicherweise entschied sich das k.u.k. 4. Armeekmdo. dennoch, die 2. KD., die am 6. von der Solokija nach Rzyczky (6 km nördlich von Rawa Ruska) gelangt war, schleunigst über Tomaszów nordwärts traben zu lassen.

Unterdessen erhielt der Erzherzog am 7. um 4h nachm. die für ihn in der augenblicklichen Lage wirklich überraschende Weisung, die 8. ID. der 3. nachzuführen und mit dem so wiedervereinigten XIV. Korps von Norden her flankierend in die Schlacht bei Rawa Ruska einzugreifen. Zur Unterstützung der 1. Armee sollte lediglich das durch die 9. KD. verstärkte II. Korps abgehen. Von einer Pflicht, den Rücken der 4. Armee zu decken, wurde in dem Befehle nicht mehr gesprochen. Dennoch sagte sich der Erzherzog, daß er diese wichtige Aufgabe dem II. Korps umsomehr übertragen durfte, als für dieses ein zeitgerechter Anschluß an die 1. Armee im Hinblick auf die feindlichen Kräfte bei Zamość nicht mehr in Frage kam. GdI. Schemua erhielt daher den Auftrag, den Rücken der

4. Armee auf den Höhen südlich von Gródek selbständig za decken, indes der Erzherzog mit der 8. ID. noch in der Nacht nach Wierszczyca abrückte.

Vom Flankenstoß zum Stirnkampf

Die Heranholung des ganzen XIV. Korps an den Nordflügel der k.u.k. 4. Armee war durch die überaus gespannte Lage bedingt gewesen, die sich im Laufe des 7. September am Nordflügel Auffenbergs ergeben und zu grundlegenden Änderungen des Schlachtenplanes geführt hatte.

Gleich seinem Gegner hatte auch Gen. Rußki, der Führer der russischen 3. Armee, seine Korps wieder zum Angriff aufgerufen. Das IX. und das X. samt der 3. kauk. KosD. und der 11. KD. sollten ihren Stirnangriff gegen Rawa Ruska und über Magierów fortsetzen. Nördlich von ihnen hatte das XI. nördlich der Rata gegen Rawa Ruska auszuholen. Was es unvollendet ließ, mochte das durch die 9. KD. verstärkte XXI. Korps durch den schon bei den Erlebnissen der Erzherzogsgruppe berührten Durchstoß zwischen Łaszczów und Uhnów vollenden. Das XII. Korps hatte nach wie vor bei Janów zu sichern und trat unter die Befehle Brussilows zurück1).

Die beobachtende Haltung des russischen XII. Korps ermöglichte es der k.u.k. 3. Armee, am 7. abends ohne nennenswerte Störung durch den Feind die Kampfstellung Gródek—Janów zu beziehen.

Um so heftiger tobte tagsüber die Schlacht bei der k.u.k. 4. Armee. Ihr rechtes Flügelkorps durchschritt mit der 25. und der 10. ID. unter Plänkeleien die große Waldzone nördlich der Janówer Straße und kam

!) La grande guerre, 255.

bis an die obere Wereszyca. Die links von ihnen vordringende nordböhmische 26. SchD. erlitt sehr bald einen Rückschlag, der sie in Verwirrung in ihre letzten Lager bei Kurniki zurück weichen ließ. Eine Brigade der 10. ID. suchte durch einen Nordstoß Entlastung zu schaffen, wurde aber von überlegenen russischen Kräften gleichfalls auf Kurniki zurückgedrängt. Auch die am Südflügel des VI. Korps fechtende 39. HID. litt unter dem Rückschlag der 26. SchD., indem sie durch Zurückbiegen einen Teil des ohnehin bescheidenen, nördlich von Wiszenka erkämpften Raumgewinnes preisgeben mußte. Die beiden anderen Divisionen des VI. Korps mühten sich vergeblich ab, bei Magierów und auf den Höhen südlich davon den durch kräftige Vorstöße belebten Widerstand der Russen zu brechen1). Am Nachmittag gestaltete sich die Lage der im Brennpunkte bei Magierów ringenden 27. ID. gegenüber dem an der ganzen Korpsfront anbrandenden russischen Gegenangriff recht kritisch. Nur unter dem Einsatz der letzten Reserven konnten die mit schwerem Blutzoll erkauften Linien behauptet werden. Bitter entbehrte FML. Arz die Bataillone, die er am frühen Vormittag dem schon damals heftig bedrängten XVII. Korps zu Hilfe gesandt hatte.

Diesem Korps war für den 7. früh trotz der schweren Bedrohung der linken Flanke der allgemeine Angriff befohlen worden. Doch auch der Russe zögerte nicht, gleich nach Tagesanbruch gegen die Höhen von Magierów anzurennen, auf denen die 41. HID. das Aufschwenken der etwas zurückhängenden 19. ID. abwarten sollte. Nicht nur die schon erwähnten Bataillone des VI. Korps, sondern auch Teile der 19. ID. mußten den Honvéds beispringen, um die Lage zu retten. Zur selben Zeit sah sich auch der östliche Flügel des XVII. Korps schwer bedroht. Hier war die Gruppe FML. Wittmann angewiesen, auf Butyny vorzustoßen, wobei ursprünglich auch die schon am Vorabend bei Rawa Ruska eingelangte

2. KD. hätte mitwirken sollen. Doch wurde diese eiligst nach Tomaszów verschoben und FML. Wittmann bedurfte, um sich bei Hujcze überhaupt zu halten, nicht bloß der von der 3. ID. vorausgesandten Artillerie und der Reiterei des GM. Berndt mit ihren Batterien, sondern es mußte auch hier die 19. ID. beispringen, so daß diese nicht mehr über die notwendigen Kräfte verfügte, um selbst zum Angriff zu schreiten. Fest gebannt hielt am 7. September abends das XVII. Korps noch immer in halbkreisförmig ausgebuchteter Schlachtordnung südlich und östlich von Rawa Ruska.

Am selben Tage mittags hatte das russische XXI. Korps zehn Kilometer im Rücken des XVII. die von Uhnów nach Rawa Ruska strebende

!) A r z. Zur Geschichte des Großen Krieges 1914—1918 (Wien 1924), 26.

3. ID. noch einmal gestellt. VonTeilen der eiligst zurückgeholten Divisionsartillerie unterstützt, vermochten sich die stark gelichteten Regimenter des FML. Roth gegen die feindliche Übermacht in einem bis zum Abend währenden Ringen zu behaupten, nach dessen Ausklang sie zu nächtlicher Stunde, Front gegen Norden, an den linken Flügel der Gruppe FML. Wittmann anschlossen.

Nach den Kämpfen, die sich am 7. September bei Magierów und Rawa Ruska abgespielt hatten, konnte für die Heeresleitung wie für GdI. Auffenberg kaum mehr ein Zweifel bestehen, daß der der 4. Armee übertragene Flankenstoß infolge der Gegenbewegungen des Feindes in einen Stirnangriff ausgeartet war. Es war nicht mehr zu verkennen, daß ,,der Feind... aus dem Raume um Lemberg in nordwestlicher Richtung mit starken Kräften ...“ vorrückte und Auffenberg zum Aufschwenken gegen Osten gezwungen hatte. Ein ähnlicher Zug gegen Nordwesten wie bei der Armee Rußkis war übrigens nach den am 7. eingelangten Meldungen auch bei der russischen 8. Armee zu beobachten. In deren Bereich hatte tags zuvor die 81. HIBrig., ohne den gebotenen äußersten Widerstand zu leisten, den Brückenkopf von Mikołajów dem russischen VIII. Korps überlassen, wobei zahlreiches, meist veraltetes Geschütz in dessen Hände fiel. Nunmehr konnte man feststellen, daß Teile dieser russischen Streitkräfte wohl über Szczerzec gegen die Wereszyca, andere Teile aber gegen Lemberg abzogen. Ein Nachstoßen auf das Südufer des Dniester hatte der Russe unterlassen. Zwischen Dniester und Karpathen machten sich auf Reichweite lediglich die zwei Kosakendivisionen des Gen. Pawlow fühlbar, denen die Gruppe FML. Karg am 8. September Stryj überließ, indem sie ihren Widerstand in die flüchtigen Feldstellungen an der Niezachówka zurückverlegte. Die nächsten großen Infanteriekörper des Feindes, 1/212. ID. und 71. RD., waren im Marsch gegen Nordwest noch nicht weit über Czernowitz hinausgekommen, also noch 100 km von den Schlachtfeldern entfernt. Die Russen hatten das Schwergewicht ihrer Kriegshandlungen in Galizien offenkundig in den Raum nordwestlich von Lemberg verlegt.

Andererseits wurde dem eigenen Südflügel, der k.u.k. 2. Armee, eben ein neues Korps, das IV., zugeführt, das allerdings infolge großer Zugsverspätungen erst am 9. an der Wereszyca voll zur Stelle zu sein vermochte. Neben dem IV. Korps konnte angesichts des Verhaltens der Russen südlich des Dniester noch die korpsstarke Gruppe Karg, wie es auch das 2. Armeekmdo. plante, auf das Nordufer genommen werden und wohl nicht mehr von Mikołajów her, aber doch noch durch einen Ufer-

Wechsel östlich des Wk. Bloto eine beschränkte Flankenwirkung gegenüber der russischen Wereszycafront erzielen.

Diese Erkenntnisse und Erwägungen ließen bei Conrad eine neue Entschlußänderung zur Reife gedeihen. Hatte er zu Beginn des Feldzuges die Entscheidung an der äußersten Linken, bei Dankl, gesucht, wurde wenige Tage darauf vor allem bei Komarów um die Palme des Erfolges gerungen, sank nachher die Hauptlast der Kampfhandlung in den Raum von Rawa Ruska herab, so sollte jetzt in entschlossener Wehr gegen die zusehends fühlbarer werdende russische Übermacht der Sieg in dem Hügellande westlich und südwestlich von Lemberg erzwungen werden. GdI. Conrad gedachte „mit der 4. Armee den feindlichen Vorstoß aufzuhalten, die 3. Armee gegen den Vorstoß flankierend einzusetzen, um ihn zum Stehen zu bringen oder zurückzuwerfen, mit der

2. Armee, rechts der 3. vorgehend, den südlich Lemberg vermuteten Feind zu werfen, um dann von Südwest und Süd her umfassend einzugreifen“. Auf diese Weise konnte, so rechnete der öst.-ung. Generalstabschef, der Feldzug in elfter Stunde doch noch gerettet werden!

Allerdings war die Operation scharf befristet. Gen. Rußki, nicht weniger als sein Gegner darüber erstaunt, bei Rawa Ruska auf eine geschlossene Streitermasse gestoßen zu sein, sah die Lage seiner 3. Armee für ernst an und hatte Unterstützung durch die Divisionen Plehwes erbeten. Iwanow beeilte sich, das XVII. und das V. Korps sowie das Reiterkorps Dragomirow in den Raum Tomaszów—Łabunie, das XIX. Korps aber zur Besetzung derWieprzübergänge unterhalb von Szczebrzeszyn anzuspornen. Gleichzeitig sollte der Ostflügel der 4. Armee bei Turobin durchbrechen, da die Verschiebung der preußischen Landwehr hinter der k.u.k. 1. Armee (S. 268) als Bedrohung des XXV. Korps aufgefaßt wurde. Die auswärts fechtenden Armeen Letschitzkis und Brussilows wurden aufgefordert; den Druck auf den Gegner zu verstärken1).

Die solcher Weise eingeleiteten Maßnahmen sagten nichts Geringeres, als daß etwa 50.000 russische Streiter in den Rücken der k.u.k. 4. Armee und in die breit klaffende Lücke zwischen dieser und der 1. stoßen sollten. Nun hatten zwar, als am 7. abends das AOK. die Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand dem 4. Armeekmdo. sozusagen bedingungslos zur Verfügung stellte (S. 280), sowohl die Heeresleitung wie auch das 4. Armeekmdo. die ihnen drohenden Gefahren noch immer nicht in der vollen Größe erkannt. Aber die Feststellung zweier russischer Korps (XIX. und XXV.) im Raume von Zamość und nordwestlich davon war immerhin eindrucks!) La grande guerre, 256. — Zichowitsch, 194.

voll genug gewesen, um das AOK. von der Entsendung der Erzherzogsgruppe zur 1. Armee gänzlich abkommen zu lassen. Es gehörte sonach für die öst.-ung. Kriegführung kein geringes Maß von Zähigkeit und Wagemut dazu, trotz der an den inneren Flügeln der beiden nördlichen Armeen drohenden Gefahren noch westlich und südwestlich von Lemberg die Entscheidung im Angriffe zu suchen. Die Gnadenfrist, die hiefür angesichts der völligen Abtrennung Dankls und der schweren Rückenbedrohung Auffenbergs gegeben war, zählte nach Tagen, beinahe nur mehr nach Stunden.

Der Angriff der 2. und 3.Armee über die Wereszyca

(8. und 9. September)

Hiezu Skizzen 13 und 14

Die russischen Bewegungen jenseits der Wereszyca waren auf öst.-ung. Seite sehr gut beobachtet worden. Nach der Einnahme von Mikołajów hatte Brussilow zunächst sein VII. und VIII. Korps näher an Lemberg herangenommen und das XXIV. statt des VIII. in den Raum bei und nordwestlich von Mikołajów gewiesen. Tags darauf veranlaßten die Ereignisse bei Rawa Ruska und namentlich die Kämpfe, in die sich das der 8. Armee wieder zurückgegebene russische XII. Korps südlich von Janów verwickelt sah, Brussilow zu schärferem Vorgehen. Während das XXIV. und das 1/2VIII. Korps die öst.-ung. Kräfte an der unteren Wereszyca fesseln sollten, hatte die Hauptkraft der Armee, XII., VII. und Rest des

VIII., zwischen Janów und Gródek auf das westliche Wereszycaufer vorzustoßen und den Gegner von Norden her aufzurollen. Dem Dniester-detachement wurde die Vorrückung über Niżniów auf Stanislau und die Beobachtung der Karpathenpässe aufgetragen *).

Die k.u.k. 2. Armee hatte auf Befehl des AOK. wegen der Gespanntheit der großen Lage doch schon einen Tag früher, als der Armeeführer im Hinblick auf das IV. Korps plante, d. i. am 8. September, den Angriff über die Wereszyca zu tragen. Am 7. nahmen die Sicherungstruppen die Übergänge in die Hand. Die Armee sollte im Laufe des 8. mit der über den Dniester heranzuziehenden Gruppe Karg (38. HID., \k20. HID. und 40. LstlBrig.) Ryczychów gewinnen, mit dem VII. Korps gegen Dörnfeld— Mostki und mit demXII. nördlich anschließend gegen Stawczany angreifen.

x) Zichowitsch, 193 ff.

Das IV. Korps hatte zunächst hinter dem VII. aufzuschließen. Die

1. KD. und die 5. HKD. erhielten den Befehl, unter der Führung des GM. v. Peteani (l.KD.) über Mikołajów gegen Lemberg vorzufühlen. Die Sicherung der Niezachówkastellung wurde der 103. LstlBrig. und einigen Marschbataillonen überlassen.

Die Gruppe FML. Karg ging bei Terszaków über den Dniester. Verzögerungen im Brückenbau und ein Rückschlag bei der zuerst übergehenden, ohne Artillerie vorrückenden 81. HIBrig. ließen die Gruppe bis zum 8. abends kaum auf Kanonenschußweite über die Brückenstelle hinauskommen. Rechts bei Mikołajów blieb die 1. KD. trotz der Unterstützung durch Abteilungen der 103. LstlBrig. auf dem Südufer stecken. Auf ein Mitgehen der 5. HKD. war angesichts ihrer Ermüdung und der schweren Verluste, die sie in den drei zurückliegenden Wochen erlitten hatte, fürs erste überhaupt noch nicht zu denken.

Das k.u.k. VII. Korps stieß gegen 10h vorm. mit der 34. ID. bei Rumno, mit der 17. ID. östlich von Komárno auf Teile des russischen XXIV. Korps. Alsbald mußte die als Korpsreserve folgende V22O. HID. zum Schutze der rechten Flanke eingesetzt werden, da die Gruppe Karg nachhinkte. Leider hatte die öst.-ung. Infanterie die ihr im Frieden anerzogene Angriffshast noch immer nicht aufgegeben. Sie stürmte rastlos, ohne die Wirkung ihrer Artillerie abzuwarten sowie die Zusammenarbeit mit Nachbarabteilungen vernachlässigend, und sah sich dann nicht selten dem zähen, beharrlichen, kriegserfahreneren Feinde und seinen Gegenunternehmungen preisgegeben. So geschah es auch hier. Nach nicht unbeträchtlichem Raumgewinn wurden zuerst die Honvéd, dann die 34. ID. und schließlich das ganze VII. Korps in den Nachmittagsstunden zum Rückzug genötigt. Nun ergriff GdK. Tersztyanszky, der aufs Schlachtfeld vorgeeilte Führer des

IV. Korps, als älterer General auch den Befehl über das VII. Korps. Er war entschlossen, die eingetroffenen Teile seines Korps (18 Bataillone und 15 Batterien) und die dem Korps angeschlossene, vom Südufer des Dniester herangeführte 43. SchD. noch am selben Abend einzusetzen. Aber das Auftauchen der ersten Bataillone Tersztyánszkys genügte, dem VII. Korps seinen Halt zurückzugeben. Der Russe verfolgte nicht.

Das XII. Korps wartete das Aufschwenken des VII. Korps nicht erst auftragsgemäß ab, sondern nahm, als nördlich von ihm das III. Korps in den Kampf trat, schon um 8h früh die Vorrückung auf. Die 16. ID. samt der 105. LstlBrig. waren beiderseits der nach Lemberg führenden Straße, die 35. ID. südlich davon angesetzt, die 11. folgte zunächst als Reserve. Die 16. ID., jetzt vom GM. Goldbach geführt, mußte infolge eines Rückschlages am Südflügel des III. Korps bald gegen Norden Front machen. GdI. Kövess wies ihr die 12. MaBrig. zu, indes eine Brigade der

11. ID. am linken Flügel der 35. ID. eingeschoben wurde. Nach Wiederherstellung der Lage beim III. Korps wandte sich GM. Goldbach neuerlich gegen Osten und bemächtigte sich der Höhe A 315. Südlich von ihm hielt sich FML. Pokorny mit der 11. und der 35. ID. zunächst wohl auf gleicher Höhe. Doch griff in den Nachmittagsstunden das Zurückweichen des VII. Korps allmählich auf den Südflügel des XII. und dann auch auf den Nordflügel über. Paniken, denen die noch von den Augustkämpfen verschreckte Truppe verhältnismäßig leicht unterlag — einzelne Abteilungen wurden erst westlich der Wereszyca aufgefangen — taten ein übriges, das Korps bis in die späten Abendstunden fast aller errungenen Erfolge wieder zu berauben.

Allerdings sollte sich tags darauf zeigen, daß der Angriff des

XII. Korps auch den Russen beträchtlich zugesetzt hatte. Er war auf den Südflügel der zwischen Janów und Lubień Wk. angesetzten Stoßgruppe Brussilows geraten und hatte, wie sich aus der Regimentszugehörigkeit der Gefangenen ergab, Abteilungen aller Korps der 8. Russenarmee auf sich gezogen, wobei der Russe nicht weniger von Massenschreck und schweren Offiziersverlusten heimgesucht worden war als sein Gegner.

Die k.u.k. 3. Armee hatte für den 8. September vom AOK. den Befehl erhalten, ,,in den Kampf der 4. Armee mit möglichst starken Kräften flankierend einzugreifen und sich gegen Lemberg ausreichend zu decken, wenn das Einschwenken gegen Norden notwendig werden sollte“. GdI. Boroević setzte das III. Korps zwischen Straße und Bahn Gródek—Lemberg, das XI. nördlich davon und die 23. HID. längs der Janówer Straße an. Als Armeereserven folgten hinter dem rechten Flügel die 22. SchD., hinter der Mitte die 11.MaBrig. sowie die 97. LstlBrig. und bei Lelechówka (5 km nordwestlich von Janów) die 88.KSchBrig.

Der Angriff der 3. Armee stieß mit den Hauptkräften des von Brussi-low gebildeten Stoßkeils zusammen. GdI. Colerus ließ die 6. ID. unter Heranziehung einiger der Festung Krakau entnommener Batterien beiderseits der großen Straße, die 28. ID. samt der 4. MaBrig. nördlich davon angreifen. Nach vorübergehenden Schwankungen am Südflügel, die der

16. ID. des XII. Korps Anlaß zum Eingreifen boten, wurde das Wäldchen südlich von Mszana für den ganzen Schlachttag zum Brennpunkt des Kampfes. Es konnte erst nach Einsatz eines Regiments der als Korpsreserve zurückgehaltenen 14. MaBrig. und von Teilen der 22. SchD. dem Nordflügel des russischen VIII. Korps entrissen werden, wobei sich die steirischen Regimenter Nr. 27 und 47 besonders hervortaten *-) und auch zwei russische Batterien genommen wurden. Dagegen scheiterte der Versuch, den Angriff gegen Kaltwasser (Zimna voda) vorzutragen, an dem mächtigen Artilleriefeuer, das die tapferen innerösterreichischen Streiter jeweils beim Austritt aus dem Mszanawäldchen empfing und in ihre Reihen schmerzliche Lücken riß. Schließlich mußte gegen Abend, damit der Zusammenhang mit dem wieder zurückgewichenen XII. Korps nicht verloren ging, auch der Südflügel der 6. ID. zurückgebogen werden, hinter dem nun auch die dem GdI. Colerus vom 3. Armeekmdo. wieder überlassene 22. SchD. und die 108. LstlBrig. Aufstellung nahmen.

Das XI. Korps (44. SchD. samt 93. LstlBrig. und 30. ID.) bemühte sich am gleichen Tage gemeinsam mit der 23. HID., die durch Teiche und versumpfte Wälder gebildete Enge östlich von Janów zu gewinnen. Die öst.-ung. Truppen stießen aber schon vorher auf die gleichfalls zum Angriff befohlenen russischen Korps VII und XII und warfen das zweitgenannte wohl aus dem brennenden Janów hinaus, ohne aber die Teichenge selbst in Besitz nehmen zu können. Die 88. KSchBrig., die auf dringende Bitte des 4. Armeekmdos. an den Nordflügel der 3. Armee verschoben worden war, bemächtigte sich in engem Anschluß an das nördlich fechtende

IX. Korps des Dorfes Lelechówka.

Auf solche Weise waren Böhm-Ermolli und Boroević der russischen

8. Armee am ersten Tage ihres neuerlichen Eingreifens erfolgreich in die Arme gefallen. Der feindliche Führer Brussilow und die ihm übergeordneten Befehlsstellen waren mit der Entwicklung recht unzufrieden; der starke öst.-ung. Druck an der unteren Wereszyca könne den Rückzug des linken Flügels nach sich ziehen. Noch bedenklicher stünde es um den Nordflügel der 8. Armee. Dort drohe — in der Gegend von Lelechówka—der Gegner zwischen ihr und der 3. Armee einzubrechen, um möglicherweise beide Armeen von den inneren Flügeln her aufzurollen. Lim den Durchbruch in letzter Stunde zu verhüten, wurden in aller Hast drei Kavalleriedivisionen, die 10., die 11. und die 3. kaukasische, in den vor allem durch die Tiroler Kaiserschützen bedrohten Raum geworfen.

Am 9. September hatten Böhm-Ermolli und Boroević ihren Stoß fortzuführen. Jener erteilte dem GdK. Tersztyánszky den Auftrag, mit

x) Das Steirische Alpenjägerregiment Nr. 10 des österr. Bundesheeres begeht als Traditionserbe dieser beiden Regimenter den 8. September als Regimentsgedenktag. — Siehe über dieses Ringen auch Bjelkowitsch, DieTruppen des russischen VIII.Korps im Kampfe bei Gródek, September 1914 (Moskau, Wojenno istoritscheski sbornik, IV. Teil, 1920), 46 ff.

der Gruppe FML. Karg, dem IV. und dem VII. Korps zunächst den starken Szczerekabschnitt von rechts her aufzureißen. Als weiteres Angriffsfeld wurde den Korps die Linie Brodki—Dörnfeld—Stawczany vorgezeichnet. Um dabei die Bedrohung aus Mikołajów, die sich tags zuvor unangenehm fühlbar gemacht hatte, auszuschalten, sollte die 103. LstlBrig. vom Südufer des Dniester aus einen Handstreich unternehmen.

Durch einen scharfen Appell der höheren Führung angefeuert, stürmten die Regimenter der 2. Armee gegen die Russen des XXIV. und des

VIII. Korps, die sich mit dem Mute der Verzweiflung dem überlegenen Angriff entgegenstemmten. Wieder erlahmte die Stoßkraft der 27 Bataillone zählenden Honvédgruppe FML. Karg am frühesten, indem diese schon vor Ryczychów, ihrem ersten Angriffsziel, liegen blieb. Dagegen durfte das zum erstenmal gegen die Russen fechtende IV. Korps einen schönen Erfolg verzeichnen. Die Gruppe FML. Erzherzog Joseph, 43.SchD. und 31. ID., entriß nachmittags in hartem, blutigem Ringen den Russen Horozanna, die Gruppe FML. Fail-Griessler, V232. ID., V220. HID. und ein Regiment der 34. ID., abends den brennenden Ort Rumno.

Dem VII. Korps, an dessen rechtem Flügel die andere V232. ID. mitkämpfte, steckten die Erlebnisse des Vortages noch in den Gliedern. Besorgt um seine Südflanke, trat es erst nachmittags die Vorrückung an, wodurch es mit seinen Angriffen in die Nacht hineinkam. Während die

17. ID. das auf einem Kegelberg liegende Dorf Einsiedl zu erstürmen vermochte, sah sich die 34. nach verlustreichen Kämpfen wieder in ihre Ausgangsstellung zurückgeworfen.

Das XII. Korps hatte sich auch am 9. durch das zögernde Verhalten des südlichen Nachbarn nicht hindern lassen, schon früh morgens wieder vorzugehen. Der am Vorabend aufgegebene Raum konnte rasch durchschritten werden, da die stark durcheinandergekommenen Russen nicht gefolgt waren. Das Korps gelangte, die 70. IBrig. als Korpsreserve bei Lubień Wk. zurücklassend, bis an die östlichen Ränder der zwischen diesem Ort und Stawczany eingestreuten Waldinseln. Es schloß südlich der vom k.u.k. III. Korps genommenen Höhe A 315 an die 3. Armee an.

Wenn die 2. Armee am 9. auch ihre Angriffsziele nicht erreicht hatte, so war ihr doch, zumal dem IV. Korps, das auch 4000 Gefangene und 17 russische Geschütze eingebracht hatte, ein namhafter taktischer Fortschritt beschieden gewesen, der Brussilow zwang, sein schwer bedrängtes XXIV. Korps hinter den Szczerek zurückzunehmen. Der Handstreich der 103. LstlBrig. auf Mikołajów war freilich ebenso mißlungen, wie ein Überfall, den einige Marschbataillone auf Stryj hätten unternehmen sollen.

Das III. Korps, dem sich am 9. September die 122. IBrig. der 44. SchD. und die 93. LstlBrig. zum Sturme auf den Ort Mszana anschlossen, holte gleichfalls zu neuen Schlägen aus. Doch glückte es nur mehr der am Südflügel eingesetzten 22. SchD., indem sie um 10hvorm. die Höhe A315 an sich riß, einen eindrucksvolleren Fortschritt zu erzielen. Auf den anderen Teilen des Schlachtfeldes hielten Freund und Feind einander die Waage, wobei der ungebrochene Opfermut der innerösterreichischen Regimenter durch das vorzüglich geleitete Abwehrfeuer der russischen Geschützmassen wettgemacht wurde.

Im Bereiche des XI. Korps gewannen die nördlich des III. Korps fechtenden Teile der 44. SchD. am Wereszycaknie etwas Raum. Am entgegengesetzten Flügel kam die nunmehr von GM. Schönburg-Hartenstein befehligte 88. KSchBrig. gerade zurecht, die dort frisch eingesetzte russische Reiterei bis Mittag hinter den Waldrand südlich von Walddorf zurückzuwerfen*); sie leistete damit der 4. Armee, die bei GdI. Boroević ihre Mitwirkung erbeten hatte, wertvolle Dienste. Dagegen mühte sich die aus 27 Bataillonen der 30.ID., der 11.MaBrig. und der 23.HID. bestehende Masse des k.u.k.XI.Korps wieder vergeblich,durchdieTeichenge von Janów vorzustoßen. Es gebrach sowohl an der nötigen Feuervorbereitung für die Infanterie wie an der entsprechenden Zahl von Haubitzen, die der bei Stradcz verdeckt stehenden russischen Artilleriemasse hätten Herr werden können. Nachmittags setzte das russische XII. Korps zum Gegenangriff an und entriß den durcheinandergewürfelten Bataillonen der 23. und 30. ID. auch wieder die heißumstrittene Stadt Janów.

Das tatkräftige Zugreifen Brussilows sollte seinem nördlichen Nachbarn Rußki sehr zustatten kommen. Zwar war es der russischen 8. Armee nicht geglückt, die gegnerische Front von Janów aus gegen Süden hin aufzurollen. Aber als tagsüber Auffenberg mehrmals an Boroević die Bitte richtete, den Kaiserschützen, die beim Feinde rückgängige Bewegungen beobachteten, weitere Kräfte folgen zu lassen, lehnte der Führer der 3. Armee dies mit dem Hinweise darauf ab, daß ihm zehn russische Divisionen gegenüberstünden. Tatsächlich waren am 8. September nur fünf Divisionen durch Gefangene festgestellt worden. Sie gehörten dem XII. und dem VII. Korps sowie der 65. RD. an. Andere russische Streitkräfte befanden sich nicht auf der Walstatt der k.u.k. 3. Armee. Sie hatten leider genügt, diese in Fesseln zu schlagen.

x) Auf österreichischer Seite nahmen an diesem Gefechte auch zwei Schwadronen reitender Tiroler Schützen teil. Ihr Nachfolgetruppenkörper im österr. Bundesheer, die Salzburger Dragonerschwadron Nr. 6, feiert den 9. September als Truppengedenktag.

IS


1 2. Aufl.

Das Abwehrringen bei Rawa Ruska Hiezu Skizze 14

GdI. Auffenberg hatte die Weisung erhalten, dem russischen Angriff frontal entgegenzutreten und gegen diesen, wenn die eigenen Truppen nicht vorwärts zu kommen vermöchten, zähesten Widerstand zu leisten. Besondere Aufmerksamkeit war einer entsprechenden Verstärkung des linken Armeeflügels zu schenken. Dennoch hatte das 4. Armeekmdo. die Hoffnung nicht aufgegeben, noch durch Umfassungsbewegungen wenn schon nicht eine Wendung, so doch eine Erleichterung zu schaffen. Am Südflügel wollte es dies in beschränktem Umfang durch das IX. Korps, am Nordflügel durch das zum Ausholen gegen Turynka herbeigerufene XIV. Korps erzielen.

Beim IX. Korps sollte der vom Vortage her zum Dorfe Wereszyca vorgeschobene rechte Flügel —25. und V2IO. ID. — am 8. September zuerst nach Osten Luft schaffen, dann aber gegen Norden einschwenken, um im Vereine mit den anderen Teilen des Korps und womöglich auch der 39. HID. vom VI. Korps, deren Mitwirkung erbeten wurde, den Russen den Ort Wiszenka zu entreißen. Der Auftakt des Manövers vollzog sich planmäßig. Während die 88. KSchBrig. der 3. Armee Lelechówka stürmte (S. 287), warf die rechte Gruppe des IX. Korps bis Mittag den Feind über die Wereszyca zurück. Mittlerweile hatten die andere V2IO. ID. und die zur komb. Brig. GM. Gössmann zusammengeschmolzene 26. SchD. die Vorrückung gegen Wiszenka aufgenommen. Aber ein scharfer Gegenangriff der russischen 31. ID. (X. Korps) warf die Bataillone Gössmanns zurück, ehe die übrigen Truppen eingreifen konnten. Da sich zudem der Nordmarsch der rechten Gruppe des Korps im dichten Gehölz erheblich verzögerte, hatten die von Kurniki aus zunächst ohne Flügelanlehnung vorgehenden Teile der 10. ID. Mühe genug, sich am Waldrand südlich von Wiszenka zu behaupten. Links der Brigade Gössmann wartete die 39. HID. vergeblich auf deren neuerliches Vordringen. So senkten sich schon die Abendschatten nieder, ohne daß das IX. Korps zu einheitlichem Angriff gegen den von drei Seiten umstellten Feind ansetzen konnte.

Weiter nördlich rangen die Korps Arz und Křitek, zum Angriff in südöstlicher Richtung angesetzt, mit den ihnen von Rußki entgegengeworfenen Massen des X. und IX. Korps um Magierów in atembeklemmender Spannung, wobei das k.u.k. VI. Korps wie an den Vortagen seinem nördlichen Nachbarn hilfsbereit beisprang. Zweimal stürmte die 41. HID. die Höhen nördlich von Magierów, ohne sie gegenüber dem russischen

Geschoßhagel behaupten zu können. Aber auch dem Feinde war nennenswerter Fortschritt versagt.

Der gegen Rzyczki zurückgebogene linke Flügel, Gruppe FML. Wittmann, hielt, wie es das Armeekmdo. aufgetragen hatte, gegen die Angriffe des russischen XI. Korps wacker stand. Abgesessene Reiterei der 4. KD. brach hiebei vorübergehend über ihre bei Hujcze flüchtig aufgeworfenen Schützengräben vor.

Noch weiter auswärts hätte das k.u.k. XIV. Korps, gemeinsam mit dem aus der 10. KD. und der 11. HKD. gebildeten Kavalleriekorps FML. Baron Nagy, von Uhnów aus in der RichtungTurynka eingreifen sollen. Die Rückendeckung dieses Stoßes gegenüber dem „schon in der Schlacht bei Komarów geschlagenen Feinde“ wurde vom 4. Armeekmdo. dem II. Korps (4. ID., 13. SchD., 9. KD.), das sich äußerstenfalls auf den Höhen bei Wierszczyca (zwischen Uhnów und Tomaszów) zu behaupten hatte, und der gegen Tarnawatka vorgeschobenen, durch das dort schon befindliche Sperrdetachement (S. 279 f.) verstärkten 2. KD. übertragen.

Diese Gruppierung baute sich auf der beim 4. Armeekmdo. noch immer vorherrschenden geringen Einschätzung der Kampffähigkeit von Plehwes Divisionen auf. Als Erzherzog Joseph Ferdinand am 8. September früh die betreffenden Weisungen erhielt, unterließ er es nicht, gestützt auf seine bessere Kenntnis der Lage, zu warnen. Er hielt es für dringend geboten, mit dem II. Korps samt 9. KD. und mit der 8. ID. den Flanken- und Rückenschutz gegen Norden zu behalten und wies zum Eingreifen bei Rawa Ruska nur die 3. ID. und das Reitergeschwader Nagy an, welchen Maßnahmen Auffenberg die Zustimmung auch nicht versagte.

In der Tat kamen nicht einmal mehr die 3.ID. und das Kavalleriekorps Nagy zu flankierendem Eingreifen am linken Flügel des XVII.Korps. Ein russischer Funkspruch verriet dem FML. Křitek, daß sich das feindliche XXI. Korps anschicke, von Uhnów gegen die Straße Bełżec—Rawa Ruska einzuschwenken. Diese Hiobspost bot Anlaß genug, die 3. ID. westlich von Rzyczky mit der Front gegen Norden aufzustellen und das Kavalleriekorps links von ihr zur Sicherung auszuscheiden.

Bei der Erzherzogsgruppe war der 8. September wohl im allgemeinen kampflos verlaufen; aber die Lage hatte sich nichtsdestoweniger erheblich verschlechtert. Während die beiden westlichen Korps Plehwes völlig in die Kämpfe der russischen 4. Armee hineingezogen waren, rückten die beiden östlichen Korps, das V. und das XVII., über Komarów hinaus und. das Reitergeschwader Dragomirows, das weitausholend nach Tomaszów und Rawa Ruska Vordringen sollte, kam bis Krasnobród. Dazu trat die schwere Bedrohung durch das russische XXI. Korps und die ihm angeschlossene 9. KD.

Diesen Bewegungen gegenüber wich das k. u. k. II. Korps entgegen dem Willen des 4. Armeekmdos. und des Erzherzogs auf Tomaszów aus. Um die dadurch entblößte Linie Łaszczów—Lubycza Królewska wieder zu sperren, sandte Joseph Ferdinand in aller Eile die 8. ID. in eine Abwehrfront östlich von Żurawce. Von den Kavalleriedivisionen schloß sich die 2. KD. an der Zamośćer Straße dem II. Korps an, indes die 9. hinter diesem als Reserve des Erzherzogs Aufstellung nahm.

Nach diesen Ereignissen ließ GdI. Auffenberg den Plan, die russische 3. Armee von Norden her aufzurollen, endgültig fallen. Der Erzherzog sollte weiterhin nur mehr die Flanken- und Rückensicherung besorgen, wozu äußerstenfalls der Solokijaabschnitt Hrebenne—Tomaszów zu halten war. Mehr konnte zur Stunde von der hart mitgenommenen Gruppe wohl nicht verlangt werden; denn noch am 8. September war einem mit Funkspruch an die beiden linken Korps der russischen 5. Armee erteilten Vormarschbefehl zu entnehmen, daß man es in den nächsten Tagen außer mit dem feindlichen XXI. noch mit diesen zwei Korps zu tun haben werde.

Der 9. September ließ diese Vorhersagen zur Tat werden. Während die 8. ID. vom russischen XXI. Armeekorps auf Lubycza Królewska zurückgedrückt wurde, mußte das II. Korps der Umklammerung durch das XVII., das V. und das Kavalleriekorps Dragomirow bis südlich von Bełżec Raum geben. Links vom Wiener Korps schloß die 2. KD., hinter der Mitte die 9. auf. Das Reiterkorps Nagy hielt südlich und südöstlich von Lubycza Królewska mit der Erzherzogsgruppe lockere Verbindung. In eindringlichen Worten forderte Joseph Ferdinand am Abend seine braven, schwer geprüften Truppen auf, auszuharren, bis zwischen Rawa Ruska und dem Dniester der Sieg erfochten sein werde.

Das Einschwenken des russischen XXI. Armeekorps gegen den Rücken von Rawa Ruska ermöglichte es Rußki, die anderen Korps seiner Armee etwas gegen Süden zu verschieben und damit auch stärker gegen die 8. Armee anzuschließen. Das XI. Korps griff Rawa Ruska, das IX. Magierów, das X. über Wiszenka an. Das mittlere der drei Korps ging am Vormittag den anderen im Sturm voran, wurde aber von den Divisionen des FML. Arz so nachdrücklich abgewiesen, daß sogar die russische Artillerie für einige Zeit verstummte. Nachmittags schlossen sich auch die anderen Korps Rußkis dem Angriff an. Im Halbkreis um Rawa Ruska stieg der Kampf bei Einbruch der Dunkelheit zu sengender Gluthitze. Aber auch hier holten sich die Russen vor der durch sechs Heeresbataillone-

verstärkten 41. HID. und der Gruppe Wittmann blutige Köpfe. Abends entrissen dann noch Teile der 15. ID., aus ihren Gräben vorbrechend, dem Feind einige Höhenstellungen südlich von Magierów. Im stolzen Bewußtsein ihrer Überlegenheit drängte dieTruppe allenthalben, der sichtlich erlahmenden Widerstandskraft der Russen durch einen großen nächtlichen Überfall den Todesstoß versetzen zu dürfen.

Eine nicht minder günstige Lage schienen die nun der 4. Armee unterstellten Kaiserschützen zu Anfang des Schlachttages durch ihren Stoß in die von russischer Reiterei nur notdürftig geschlossene Lücke bei Walddorf vorzubereiten. Willig schlossen sich ihnen die 25. und die 10. ID. zum Sturm auf Wiszenka an. Die Möglichkeit, den Abbau der Feindfront von dieser empfindlichsten Stelle aus zu erzwingen, war sicherlich gegeben; aber die zwei Divisionen und die Brigade Schönburg blieben allein. Der Führer des IX. Korps, FZM. Friedei, traute der Brigade Gössmann keine Angriffskraft mehr zu. Die nördlich davon stehende 39. HID. wollte nicht mit ungeschütztem rechtem Flügel vorbrechen. Auch GdI. Boroević erklärte abermals, den Kaiserschützen keine Verstärkungen nachführen zu können (S. 289). So erlahmten auch die Angriffe der 25. und der 10. ID. ohne nennenswerten Erfolg.

Der Befehlshaber der russischen 3. Armee, Gen. Rußki, kennzeichnete am 9. September abends die tagsüber an seinem Südflügel entstandene Krise mit den Worten: „Gegen Nachmittag ergab sich zwischen dem X. und dem XII. Armeekorps ein Riß, gegen den der Feind von Folwarek Bulawa her (2 km südlich Walddorf) vorstieß. Bis zum Einbruch des Abends wurde dieser Angriff durch drei Kavalleriedivisionen aufgehalten. In der Nacht werden noch einige mit großer Mühe anderwärts zusammengeraffte Reserven in den bedrohten Raum geworfen werden. Im allgemeinen ist die Lage sehr schwierig. Sie kann erst nach der Einnahme von Rawa Ruska mit Hilfe des XXI. Korps und der linken Flügelkorps der 5.Armee gewendet werden...“1). Stellt man noch die Erfolge des k.u.k. IV. Korps gegen den Südflügel Brussilows mit in Rechnung, so ergibt sich die Bedeutung, die einer Fortführung des Angriffes an den inneren Flügeln der Armeen Boroević und Auffenberg hätte zukommen können, und der Vorteil, der sich aus dem Unterbleiben für die Russen ergab.

Am 9. September abends konnte der Generalstabschef Iwanows. Gen. Alexejew, die Zuversicht der Generale Rußki und Brussilow durch telephonische Mitteilungen über eine wichtige, wenn nicht den Feldzug

entscheidende Wendung auf der blutigen Walstatt südlich von Lublin heben. Brussilow gegenüber äußerte er sich: „Ihre Armee wird sich mit Ruhm bedecken, wenn sie sich in den errungenen Stellungen behauptet. Die Früchte dieses Heldentums werden der ganzen Front zugute kommen.“ Der hoffnungsvolle Ton, auf den diese Mitteilung gestimmt war, leitete sich offenkundig auf die guten Nachrichten zurück, die von den drei westlichen Armeen Letschitzki, Ewert und Plehwe nach mehreren Tagen des Hangens und Bangens eingelangt waren. Die Russen hofften nun doch, daß das Gebäude des gegnerischen Widerstandes von Nordwesten her zum Einsturz gebracht werden könnte.

Das Zurückweichen der 1. Armee südlich von Lublin {1. bis 9. September)

Hiezu Skizze 15

Der Morgen des 7. September hatte den linken Flügel der k.u.k.

1. Armee noch unverändert zwischen Bychawa und der Weichsel stehen gesehen. Vom rechten Flügel war das V. Korps südöstlich von Bychawa gegen die Quelle des Porbaches zurückgebogen, das X. Korps hinter diesem Bache aufgestellt. Die russische 4. Armee stürzte sich auf den vorspringenden Bogen des V. Korps. Während es westlich und südlich von Bychawa gelang, die russischen Einbrüche abzuriegeln, kam es bei der tschechischen 36. LstlBrig., deren Mannschaft mit drakonischen Mitteln in die Front zurückgetrieben werden mußte, zu einer nicht unbedenklichen Krise, die jedoch durch die an Stelle dieser Brigade und des Südflügels der 37.HID. eingesetzte preußische 4. LD. überwunden wurde. In frischem Zugreifen brachen die braven Schlesier nachmittags in die Stellungen der russischen Grenadiere und der 82. RD. ein und führten 1000 Gefangene zurück1).

Mit dem Einsatz der 4. LD. zwischen dem V. und X. Korps wollte GdK. Dankl gleichzeitig die Vorbereitungen für einen Angriff einleiten, den das Korps Woyrsch gemeinsam mit dem rechten Armeeflügel am

9. September in nordöstlicher und östlicher Richtung aufnehmen sollte. Diesem Angriff war die Aufgabe zugedacht, russische Kräfteverschiebungen gegen die Lücke zwischen der 1. und 4. Armee zu verhindern und dem noch im Westmarsche gewähnten Erzherzog Joseph Ferdinand den Anschluß über Zamość zu erleichtern. Als jedoch am 7. spät abends in Kraśnik bekannt wurde, daß mit dem Einlangen des Erzherzogs

Reichsarchiv, II, 333.

f nicht mehr zu rechnen sei, bedeutete dies für das 1. Armeekmdo. nicht nur den Verzicht auf alle weiterreichenden Angriffspläne, sondern es begann sich auch die Frage aufzudrängen, wie lange es die Armee im Hinblick auf das offensichtliche Anwachsen der feindlichen Übermacht*) noch wagen dürfe, vor der schwer gangbaren Tanewregion auszuharren. Die Heeresleitung entschied in einer bei GdK. Dankl am 8. September mittags einlangenden Depesche:

„Das AOK. ist voll davon überzeugt, daß brave 1. Armee alles tun wird, um feindliches Vorgehen aus dem Raum Lublin nach Kräften zu verhindern, insoweit Zurückkommen ... an den San nicht gefährdet ist.“

Vom 1. Armeekmdo. befragt, sprachen sich das I. und das V ..Korps gegen einen sofortigen Rückzug aus; sie hielten es unter gewissen Bedingungen — jenes verlangte schwere Artillerie, dieses das Eingreifen der preußischen Landwehr — sogar für möglich, den Angriff wieder aufzunehmen. Angesichts dieser Meldungen entschied sich GdK. Dankl gerne zu weiterem Ausharren. Mochte dieses auch kaum länger als zwei Tage währen können, so war damit doch für den Flanken- und Rückenschutz der Lemberger Armeen und für die Fesselung des Feindes manches getan. Unter Umständen konnte der Widerstand sogar noch durch einen Vorstoß der preußischen Landwehr und anstoßenderTruppenteile versteift werden.

Inzwischen langten neuerdings ungünstige Nachrichten vom Schlachtfelde ein. Noch am 7. abends hatten russische Regimenter die am rechten Flügel der Armeegruppe GdI. Kummer fechtende k. u. 100. LstlBrig. geworfen. Am nächsten Morgen warf sich der Feind überdies auf die am entgegengesetzten Flügel Kummers kämpfende k. k. 106. LstlD. Nach vergeblichen, vielfach heldenhaften Versuchen, die verlorenen Stellungen wiederzugewinnen, sah sich GdI. Kummer genötigt, seine Landsturmtruppen von Opole auf die Höhenwelle zwischen Godów und Józefów zurückzunehmen. An Stelle der 100. LstlBrig. rückten eine Brigade der

12. ID. und die aus drei Bataillonen und drei Batterien bestehende, vom Westufer der Weichsel herangeholte deutsche Abteilung GLt. v. Rieß in die Front Kummers ein. Die im ersten Augenblick recht düstere Lagebeurteilung durch den Armeegruppenführer wich, als der Russe wie gewöhnlich nicht nachdrängte, bald einem günstigeren Urteil. GdI. Kummer schlug sogar vor, die alten Stellungen durch einen nächtlichen Gegenangriff wiedererobern zu lassen. GdK. Dankl willigte aber umsoweniger

x) Auf russischer Seite trafen in Lublin als letzte Verstärkungen ein: die Resttruppen der 2. GID. am 5. September, der Gardeschützenbrigade in der Nacht vom 5. auf den 6., des III. kauk. Korps bis 8. September abends.

ein, als ein neuer örtlicher Rückschlag bei der k. u. 100. LstlBrig. nun auch das rechts anschließende I. Korps zwang, seinen Westflügel aus den seit dem 27. August ehrenvoll behaupteten Linien etwas zurückzubiegen und durch die Korpsreserve zu stützen.

Im Gegensatz zu den Geschehnissen hier sah sich das V. Korps den

8. September über nur der alltäglichen heftigen Beschießung ausgesetzt, die es aus Munitionsmangel nur unzureichend erwidern konnte. Umso heftiger wurde bei Tarnawka gerungen, wo sich die Garden und Grenadiere Ewerts auf die 4. LD. gestürzt hatten und bis zu ihrer Artillerie vordrangen, deren Geschütze sie glücklicherweise infolge der einbrechenden Dunkelheit nicht wegführen konnten1).

Besonders schwierig hatte sich inzwischen auch die Lage am rechten Armeeflügel gestaltet. Nachdem es dort den Russen schon in der Nacht zum 8. geglückt war, sich im Por—Gorajecwinkel auf dem Westufer festzusetzen, kam am Vormittag die Meldung, daß mindestens eine russische Division — es war das XIX. Korps, das aber dann bei Szczebrzeszyn gegen Südwesten Front machte — von Zamość gegen Gorajec vorrücke. Gemäß den Befehlen des Armeekmdos. begann in der fünften Nachmittagsstunde GdI. Hugo Meixner die 2. und die 24. ID. unter Zurücklassung von einigen Bataillonen aus der Porfront herauszunehmen, um sie dem neuen Feinde in der Richtung auf Gorajec entgegenzuführen und so im Verein mit der 3. KD. der Armee den wichtigen Rückzugsweg über Frampol und Biłgoraj zu decken. Als jedoch spät abends im Armeehauptquartier zu Kraśnik das Mißgeschick der preußischen Landwehr bekannt wurde, ließ GdK. Dankl die 2. ID. auf ihr altes Kampffeld zurückrufen und die 24. bei Gródki als Korpsreserve hinter der 45. SchD. Aufstellung nehmen. Die stark abgehetzte 3. KD. bezog todmüde bei Frampol ein wenig Ruhe gewährendes Nachtlager.

Die Erfolge bei Opole und Tarnawka wurden bei den russischen Befehlsstellen zunächst ziemlich gering eingeschätzt 2); zumal Ewert erklärte abends gegenüber dem Führer der Südwestfront die Aussichten weiteren frontalen Anrennens für gering und schlug vor, das Eingreifen des auf Janów—Biłgoraj angesetztenWestflügels der 5. Armee abzuwarten. Iwanow war sofort bereit, auf den Antrag einzugehen und nicht nur die 4., sondern auch die 9. Armee in die Abwehr fallen zu lassen. Allerdings sollte Ewert dafür den rechten Flügel der 5. Armee durch das

1)    Reichsarchiv, II, 334.

2)    Das Gefecht bei Tarnawka ist in der dem Verfasser erreichbaren russischen Kriegsliteratur überhaupt nicht verzeichnet.

III. kauk. Korps und die 82. RD. verstärken, denen Plehwe gegebenenfalls sogar die 81. RD. der Besatzung von Brest-Litowsk zugesellen konnte. Inzwischen scheint aber doch die Zuversicht Ewerts wieder gestiegen zu sein und er beschwor am 9. früh gemeinsam mit Letschitzki den Oberbefehlshaber der Südwestfront, es beim früher befohlenen konzentrischen Angriff zu belassen1). Iwanow stimmte mit einer leichten Rüge wegen der voreiligen Berichterstattung Ewerts zu. So hatte sich die seit achtzehn Tagen ununterbrochen kämpfende k.u.k. 1. Armee nunmehr zweieinhalb russischer Armeen zu erwehren.

Letschitzki biß wohl, als er am 9. September früh seine dichten braunen Angriffswellen gegen die öst.-ung. Linien hinfluten ließ, beim Korps Kirchbach wie an den früheren Tagen auf Granit. Dagegen führte ein russischer Einbruch bei der 95.LstID.zur Zurücknahme der ganzen Gruppe Kummer hinter die Wyżnica, womit auch ein noch weiteres Abbiegen des linken Flügels der 12. ID. verbunden war. Zum Glück stieß der Russe wieder nur sehr zögernd nach. Als er gegen Abend bei der lOó.LstID. neuerlich angriff, wurde er vom Teschener LstlR. 31 im Gegenangriff abgewiesen.

Weit folgenschwerer gestalteten sich jedoch die Ereignisse östlich der Bystrzyca. Vorerst gelang es zwar dem Korps Woyrsch, das nun auch die 3.LD., GLt. v. Wegerer, in die Schlacht warf, seine alten Stellungen und damit auch die allerdings meist unbrauchbar gemachten Kanonen zurückzuerobern. Gleich darauf aber drückte ein stark überlegener Angriff der ganzen russischen 4. Armee den rechten Flügel der 33. ID. und die 37. HID. zurück. Mangel an Artilleriemunition hatte der Abwehr das Rückgrat gebrochen und hieß auf eine Wiedergewinnung der verlorenen Stellung verzichten. Zu allem Übel scheint gegen 10hvorm. die 37. HID., die sich überdies durch den Verlust einer wichtigen Höhe in der rechten Flanke schwer bedroht fühlte, die vorbereitenden Weisungen des V. Korpskmdos. für das Abziehen des Trains als allgemeinen Rückzugsbefehl aufgefaßt zu haben, denn sie verließ ihre Stellungen, obwohl der Rückzug des Korps vom linken Flügel aus geplant war. FZM. Puhallo sah sich nun genötigt, auch die 33. und die 14. ID. in Eile zurückzunehmen, wobei die zweitgenannte ein Jägerbataillon zum Flankenschutz für die 46. SchD. des I. Korps auf dem Schlachtfeld beließ.

Nun stürzte sich der Russe auch auf die bloßgelegte Nordflanke der deutschen Landwehr, traf sie empfindlich und entriß ihr 26 Geschütze. Der eilig zurückfahrende Troß des Korps geriet, begleitet von flüch-

!) La grande guerre, 258. — Zichowitsch, 198 ff.

tenden Abteilungen, in das zurückweichende V. Korps hinein, das abends bei Studzianki hielt. Die 33. ID. zählte bloß noch 4000 bis 5000 Mann, die in achteinhalb Bataillone zusammengeschlossen wurden. Nicht erheblich besser sah es bei den anderen Divisionen Puhallos und bei der preußischen Landwehr aus.

Bei Goraiec stiegen in den ersten Vormittagsstunden Abteilungen des russischenXIX.und vielleicht auch des XXV. Korps den westlichen Talhang hinan und bedrängten von dort die 45. SchD., worauf gegen llhvorm. der Führer dieser Division, FML. Ljubicić, die ihm vom GdI. Meixner zur Verfügung gestellte 24. ID. zum Gegenangriff in zwei Kolonnen ansetzte. Bald nötigte die Meldung, daß der Feind bei Frampol die Straße nach Biłgoraj zu gewinnen versuche, das X. Korpskmdo., die südlichere der beiden Kolonnen der bei Biłgoraj fechtenden 3. KD. zu Hilfe zu senden. Mit vereinten Kräften gelang es, die hier auf steigende Gefahr zu bannen. Gleichzeitig brachten die anderen Teile der 24. ID. der Division Ljubicić einige Erleichterung. Aber nach 2h nachm. bröckelte dann doch deren Front ab, so daß sich drei Stunden später GdI. Meixner genötigt sah, sein ganzes Korps samt der wieder westlich von Turobin eingesetzten

2. ID. hinter den Ladabach zurückzuführen. Die 3. KD. blieb zur Sicherung der Südflanke ausgeschieden.

Inzwischen hatte auf die verschiedenen Hiobsbotschaften hin GdK. Dankl um 4h nachm. für die ganze Armee den Rückzug in die von Frampol über die Höhen südlich von Kraśnik bis Šwieciechów an der Weichsel verlaufende Linie befohlen. Die Bewegung war am nächsten Morgen um 3h früh anzutreten. Die von Sandomierz heranrückende deutsche 18. LBrig., die einzige Reserve, die der Armee noch zur Verfügung stand, wurde dem X. Korps zugewiesen. Natürlich war im Hinblick auf die feindliche Übermacht und die schwere Bedrohung der Ostflanke an einen längeren Widerstand in einer Stellung unmittelbar vor der Tanewregion kaum mehr zu denken. In einer am 9. abends an das AOK. gestellten Anfrage dieses Sinnes erklärte GdK. Dankl in voller Offenheit, daß er im Hinblick auf den Zustand seiner seit drei Wochen im Kampfe stehenden Divisionen und zumal auch wegen des würgenden Mangels an Artillerieschießbedarf*) den Rückzug hinter den San für wünschenswert erachte. Die Erhaltung der Armee fordere es, doch müsse man auch jetzt schon, trotz aller Vorbereitungen, damit rechnen, daß das Durchschreiten der Tanewniederung nicht ohne Verluste abgehen werde.

!) Die wesentlichste Menge der in diesen Wochen zu den Batterien kommenden Munition wurde durch die dritten und vierten Munitionskolonnen gebracht, welche,

Die Feldzugsentscheidung

(10. und 11. September)

Feldherrenentschlüsse Hiezu Beilage 13 sowie Skizzen 14, 15 und 16

Dem AOK. kam die am 10. früh einlangende Meldung Dankls nach den Vorgängen der letzten Tage und wohl auch infolge vorheriger telephonischer Ankündigung nicht überraschend. Conrad teilte die Notwendigkeit, die 1. Armee hinter den San zurückzunehmen, noch am

9.    abends dem GO. Moltke mit, wobei er es wie stets bei ähnlichen Gelegenheiten nicht unterließ, das schmerzliche Ereignis mit dem Unterbleiben einer deutschen Offensive auf Siedlec in Zusammenhang zu bringen1). Dabei war der Entschluß, dem Antrag Dankl zuzustimmen, für den k.u.k. Generalstabschef gewiß außerordentlich drückend. Die Kämpfe der 2., 3. und 4. Armee hatten zwar auch am 9. September keine Entscheidung gebracht, aber verschiedene Teilerfolge bei Böhm-Ermolli und Boroević und die standhafte Abweisung der Russen bei Rawa Ruska ließen die Lage an der gegen Lemberg gerichteten Front noch keineswegs aussichtslos erscheinen. Bitter war der dem Erzherzog Joseph Ferdinand durch feindliche Übermacht aufgenötigte Rückzug gegen den Nordflügel der 4. Armee. Zwischen dieser und der 1. klaffte nun eine fast drei Tagmärsche breite, nur von schwacher Reiterei beobachtete Lücke, gegen die sich starke russische Kräfte, ein bis zwei Korps, vorbewegten. Wenn nun die 1. Armee das Höhengelände nördlich der Tanewniederung preisgeben mußte, so bedeutete dies nichts Geringeres, als daß die bei Lemberg fechtenden Hauptkräfte in ein- oder zweimal 24 Stunden der Deckung ihrer nachWesten führenden Hauptverbindung entbehren mußten. Dennoch konnte sich das AOK. den äußerst triftigen Gründen nicht verschließen, die der Anfrage Dankls zugrunde lagen, und dieser erhielt daher am

10.    September vormittags die Weisung:

in der „C-Staffel“ rollend, Ende August, Anfang September in die Ausladestationen kamen; sie waren sehr gut bespannt. Die Ursache des Munitionsmangels lag nicht in Nachschubschwierigkeiten, weder von den Magazinen und Erzeugungsstätten zur Etappe, noch von dort zu den Batterien. Sie entsprang nur der effektiven Knappheit, hervorgerufen durch nicht ausreichende, in Geldschwierigkeiten begründete unzulängliche Vorsorge.

i) Conrad, IV, 689.

„1. Armee hat nördlich der Tanewregion das Vordringen des Feindes nur zu verzögern, ohne einen entscheidenden Kampf anzunehmen. Abschieben der Trains fortsetzen und nötigenfalls die Armee hinter den San zurückführen, dort in der Strecke von der Mündung bis zur Trzebosnica festhalten. Straße Biłgoraj—Sieniawa mit Kavallerie und Detachements sichern.“

Mit dieser Entwicklung bei der 1. Armee und der Rückenbedrohung bei der 4. war für die Heeresleitung noch am 9. abends die Frage brennend geworden, ob nun nicht auch die Schlacht bei Rawa Ruska—Lemberg abgebrochen werden sollte. Ernste Begründungen hätte es genug gegeben; aber das eiserneWollen Conrads triumphierte über alle Bedenken. „Manche Schlacht wurde zu einem Erfolge des Gegners, weil sie vorzeitig verloren gegeben wurde .... Mit Recht gilt ein verfrühtes Aufgeben des Kampfes als schwerer Verstoß1).“ So spielten denn der Generalstabschef und der entschlossen alle Verantwortung teilende erzherzogliche Oberbefehlshaber noch eine letzte Karte aus. Wohl gestattete es die knappe Frist, die gegeben war, nicht mehr, im Sinne früherer Entschlüsse planmäßig das Wirksam werden der zur Umfassung angesetzten Armeen Böhm-Ermolli und Boroević abzuwarten. Nicht mehr Teile, sondern die ganze Ostfront des in seinem westlichen Ausläufer schon nachgebenden weiten Bogens, in welchen die Schlachtfront gespannt war, sollte sich noch einmal zu einem großen gemeinsamen Angriff erheben, dem es gegönnt sein konnte, in zwölfter Stunde das Kriegsglück doch noch geneigt zu machen. Demgemäß lautete der am 9. September abends erlassene Befehl: „Konzentrischer Angriff gegen den im Raume um Lemberg befindlichen Feind mit 2., 3. und Hauptteil der 4. Armee. Linker Flügel der 4. Armee im Verein mit Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand hat diesem Angriff Flanke und Rücken zu decken.“

Zur gleichen Stunde, als sich das k. u. k. AOK. zu diesem letzten Versuch, den Erfolg an die öst.-ung. Fahnen zu knüpfen, durchrang, nahm unter dem Eindruck der Meldungen über das Nachlassen des Gegners südlich von Lublin auch in den Hauptquartieren des Gen. Iwanow und seiner Armeeführer der weitere Feldzugsplan schärfere Linien an. Es hätte wohl nicht erst der steten Erinnerungen Rußkis bedurft, um Iwanows Aufmerksamkeit auf Flanke und Rücken der k.u.k. 4. Armee zu lenken. Die Hoffnung, der offenbar die Wiedereroberung Lembergs anstrebenden öst.-ung. Hauptkräfte durch Brussilow und Rußki Herr zu werden, war in den letzten Schlachttagen begraben worden. Es war nach den Meldungen der beiden Armeeführer sogar zu besorgen, daß der Gegner die Oberhand gewann. Nur von Nordwest her konnten Angriffskraft und Widerstand des Gegners gebrochen werden, wobei der gegen die Lücke von Tomaszów vordringenden 5. Armee Plehwes naturgemäß die Hauptrolle zufallen mußte. Den Rückenstoß dieser Armee möglichst wirksam zu gestalten, war denn auch in den letzten Tagen das Hauptstreben Iwanows. Daher dessen stete Sorge, die beiden rechten Flügelkorps Plehwes, das XXV. und das XIX., könnten zu stark in die Brandung des Kampfes südlich von Lublin hineingerissen werden, die unablässig wiederholte Mahnung, der späteren Verwendung gegen Süden und Südost eingedenk zu sein, und das Aufatmen Iwanows, als endlich vom 9. September an die Abrechnung mit der Armee Dankls den dieser ohnehin weit überlegenen Korps Letschitzkis und Ewerts überlassen werden konnte.

Demgemäß erließ Iwanow in den nächsten 36 Stunden eine Reihe von Weisungen, aus denen sich seine weiteren Absichten klar abzeichneten. Zur Verfolgung der Armee Dankls wurden lediglich die 9. und 4. in Aussicht genommen, von denen jene zunächst den unteren San oder den Łęg-abschnitt, diese die Sanstrecke Rozwadów—Krzeszów oder mindestens die Höhen südlich des Tanew zu gewinnen hatte1). Die am westlichen Weichselufer angesetzte Reiterei hatte zu trachten, bei Sandomierz das rechte Ufer zu gewinnen und im Rücken des Gegners Unordnung hervorzurufen. Teile der 9. Armee waren gegebenenfalls bei Zawichost auf das linke Ufer zu setzen. Von der 5. Armee hatten die beiden westlichen Korps, solange GdK. Dankl noch nördlich der Tanewniederung stand, die Armee Ewerts wohl noch durch tatkräftiges Zugreifen gegen die Linie Janów—Biłgoraj zu unterstützen. Nachher sollten sie in südöstlicher Richtung über Tereszpol gegen Cieszanów—Narol abschwenken, welchen Raum auch das Reiterkorps Dragomirow möglichst rasch zu gewinnen hatte. Die beiden östlichen Flügelkorps hatten fürs erste in engstem Anschluß an das XXI. Korps der 3. Armee gegen den Rücken von Rawa Ruska zu wirken. In weiterer Folge gedachte Iwanow, die 5. Armee an die Linie Cieszanów—Niemirów vorzusenden. Gegenüber der solcherart dem Gen. Plehwe zugedachten entscheidenden Rolle fiel den beiden östlichen Armeen nur mehr die Aufgabe zu, sich zu behaupten und möglichst viele Kräfte des Gegners zu fesseln. Gelang es durch dieses Manöver das öst.-ung. Nordheer zu werfen, dann wollte der methodische Oberbefehlshaber der

La grande guerre, 262 ff. — Zicho witsch, 201 f. — Die Bezeichnung der Örtlichkeiten selbst schwankt in den einzelnen Befehlen, der Grundgedanke der Operationen bleibt aber der gleiche.

russischen Südwestfront*) seinen Armeen in der Linie Łęg—Tanew— Obsza-Niemirów—Janów—Mikołajów eine mehrtägige Ruhepause gönnen. An eine weitergehende Ausnützung der durch den Vorstoß Plehwes gegebenen Gunst des Augenblickes wurde, so nahe sie gelegen sein mochte, im Hauptquartier zu Łuków zunächst nicht gedacht.

Allgemeiner österreichisch-ungarischer Angriff gegen Lemberg

Die von der 2. Armee am 9. September westlich des Szczerekbaches errungenen Vorteile und die damit verbundenen rückgängigen Bewegungen beim russischen XXIV. Korps hatten in GdK. Böhm-Ermolli die Hoffnung erweckt, den Angriff seines gegen Nordosten aufschwenkenden Flügels am 10. bis in die einen Tagmarsch entfernte Linie Wołków— Nawarva vortreiben zu können. Diesen Stoß sollte GdK. Tersztyanszky mit seinem IV. und dem VII. Korps führen. Links davon erwuchs dem XII. die Aufgabe, das III. Korps der 3. Armee bei seinem Angriff rittlings der Gródek—Lemberger Straße zu unterstützen. Rechts vom IV. Korps sollte die gleichfalls dem GdK. Tersztyanszky unterstellte Gruppe FML. Karg einen Überfall gegen den nach Auffassung des Armeekmdos. von den Russen geräumten Brückenkopf von Mikołajów unternehmen. Die aus der Bukowina nach Delatyn gelangte 35. LstlBrig., die eben einen Angriff auf Stanislau plante, sollte in weiterer Folge den Anschluß über Mikołajów suchen.

GdK. Tersztyanszky hielt im Gegensatz zum Armeekmdo. die Räumung Mikołajóws für wenig wahrscheinlich und traute auch der Gruppe Karg nicht mehr die Kraft zu größeren Unternehmen zu. Er gab sich zufrieden, wenn sie nach Abgabe der 81. HIBrig. an das IV. Korps mit der 38. HID. und den beiden Landsturmbrigaden die Flankensicherung gegen Osten besorgte. Mit seinen Hauptkräften gedachte Tersztyanszky zunächst die Linie Dörnfeld—Mostki zu gewinnen, wobei es sich infolge der zunehmenden Verengung des Kampffeldes gleich zu Anfang als wünschenswert erwies, die 32. und die bisher dem VII. Korps angeschlossene 1/220. ID. als spätere Umfassungsgruppe aus der Front dieses Korps herauszuschälen. Das kostete Zeit. Schon zog die dritte Nachmittagsstunde herauf, als die Vorbewegung in Fluß kam, das IV. Korps sich anschickte, den Szczerekbach in der Richtung Dörnfeld zu über-

1 j Vgl. das Urteil des k.u.k. Obst. Gf. Szeptycki bei Auffenberg, Höhe und Niedergang, 378.

schreiten und dadurch auch das VII. und das XII. Korps den Impuls zum Vorgehen erhielten.

Wesentlich früher als bei der 2. Armee hatten die Kämpfe bei der

3. Armee begonnen. Auf die Nachricht von starken gegnerischen Truppenansammlungen in den Waldungen von Mszana war Brussilow hier bei frühem Morgengrauen zu einem Gegenangriff geschritten, der namentlich den unter GM. Ludwig Goiginger fechtenden Teilen der 44. SchD. heftig zusetzte und bald auch von Vorstößen des russischen VII. Korps an verschiedenen anderen Punkten gefolgt war. Als am späten Vormittag GdI. Erzherzog Friedrich, begleitet vom Erzherzog-Thronfolger und vom Chef des Generalstabes, östlich von Gródek auf der Walstatt erschien, wogte noch der Kampf, der bei Mszana schließlich die Russen in ihre Ausgangsstellen zurücktrieb. Gleichzeitig wurden die Angriffsvorbereitungen für den von GdI. Boroević geplanten Sturm getroffen, wobei freilich die Wirkung der bei Stradcz aufgefahrenen russischen Batterien auch bei der Heeresleitung die Hoffnung auf ein Gelingen des Angriffes erheblich herabdrückten1). Um so ungeduldiger sehnte man das Eingreifen der 2. Armee und namentlich des XII. Korps herbei, das GdI. Conrad im Bewußtsein der entscheidungsschweren Stunden noch vor der nachmittags erfolgenden Rückkehr nach Przemyśl nachdrücklich zu „unaufhaltsamem, energischem,rücksichtslosemVorgehen“auffordern ließ. GdK. Böhm-Ermolli hielt es jedoch nicht für angebracht, diesen Appell an die Truppe weiterzugeben. Die Infanterie hatte seiner Erfahrung nach in den bisherigen Schlachten an ungestümem Vorstürmen ohne ausreichende Unterstützung durch die der russischen weit unterlegene Artillerie ohnehin weit eher viel zu viel des Guten getan als zu wenig und dabei wohl anerkennenswerte Erfolge errungen, aber auch schwere, bei methodischerem Vorgehen vermeidbare Rückschläge erlitten. Solches Schicksal mußte den Korps jetzt, zumal dem XII., erspart werden, wie ja auch die Bitte der Truppe, nicht zu drängen, bewies2).

Auf diese Weise blieben die Fortschritte der 2. Armee wohl hinter den morgens gehegten Hoffnungen zurück. Nach Meldung der Truppe gelang es dem IV. Korps aber immerhin bis zum Abend nach vielfach sehr heftigen Kämpfen gegen das den Szczerekbach zäh verteidigende russische XXIV. Korps die Linie Dörnfeld—Szczerzec zu besetzen, und dem VII. Korps, nördlich von Szczerzec etwas Raum zu gewinnen. Das

i) Conrad, IV, 689 ff.

Mitteilung des FM. Freih. v. Böhm-Ermolli an das Kriegsarchiv, Troppau, Oktober 1928.

XII. Korps stürmte mit der 35. ID. eine flache Höhe bei Mostki, mit der

16. in den Abendstunden das vom Feinde hartnäckig gehaltene Stawczany.

Am rechten Flügel der 2. Armee wurde die Gruppe Karg bei ihren Versuchen, den unteren Szczerek zu überschreiten, von Weitfeuer aus dem von den Russen nach wie vor besetzten Brückenkopf Mikołajów niedergehalten. Südlich des Dniester nötigte erhöhte Tätigkeit der Russen bei Stryj das 2. Armeekmdo., die seit der Auswaggonierung noch zurückgehaltene 102. LstlBrig. von Sambor nach Drohobycz vorzusenden, deren Führer, GM. Plank, nun auch die aus der 1. KD. und der 5. HKD. bestehende Gruppe GM. Peteani unter seinen Befehl nahm. Die 35. LstlBrig. kehrte nach einem aussichtslosen Gefecht nördlich von Nadworna in diesen Ort und dann zur Defilésperre nach Delatyn zurück.

Wie sehr auch glänzende Truppen nach den langen, schweren Kämpfen endlich einiger Zeit zum Atemholen bedürftig waren, erwies sich am

10. September beim III. Korps und bei der Gruppe GM. Goiginger* denen es am Nachmittag und am Abend trotz aller Anstrengungen versagt blieb, an der Straße Gródek—Lemberg und auf der blutgetränkten Kampfstätte von Mszana gegen das russische VII. und Teile des XII.Korps bedeutendere Erfolge zu erringen. Die ihnen beigegebenen zahlreichen Landsturm- und Marschbataillone boten den Linientruppen wenig Unterstützung, gaben aber zu mancher Verwirrung Anlaß und erhöhten die Verluste, die außerordentlich groß waren. So zählten die sechs Kaiserschützenbataillone Goigingers nur mehr den halben Stand, die Kompagnien des zur 28. ID. gehörenden IR. 47 statt 250 nur mehr 50 bis 60 Mann.

Nicht besser als dem III. Korps erging es der 30. ID. und der 23. HID. bei ihren Versuchen, dem Feind den Engweg von Janów zu entreißen. So oft sie in das brennende Janów eindrangen, so oft wurden sie vom verheerenden russischen Artilleriefeuer wieder vertrieben.

Bei der 4. Armee war noch während der Nacht an zahlreichen Stellen immer wieder die Schlacht aufgeflammt. Noch am 9. spät abends hatte Rußki seine zerschossenen Bataillone beiderseits von Magierów Sturm laufen lassen, wobei gegenüber der 41. HID. die Russen heuchlerischerweise weiße Fahnen hißten. Diese völkerrechtswidrige List half ihnen nichts, sie wurden abgewiesen. Gleiches Geschick widerfuhr um 3hfrüh an der Straße Uhnów—Rawa Ruska dem russischen XXI. Korps bei einem Angriff auf die Gruppe FML. Wittmann. An der Abwehr wirkte das salzburgisch-oberösterreichische IR. 59 der 3. ID. hervorragend mit.

Freilich brachten die bald da, bald dort entbrennenden Kämpfe die Truppe um jede Nachtruhe und auch die Ausführung der Absicht Auffen-

bergs, das IX., das VI. und den Südflügel des XVII. Korps um 3h3° früh im Sinne der aus der Front gekommenen Vorschläge zum Überfall gegen die feindlichen Linien anzusetzen, kam zu Schaden. Nur die 15. ID. griff rechtzeitig an und traf auf einen zurückgehenden Feind, der sich aber bald wieder festsetzte und dann nicht mehr von der Stelle wich. Ebenso berannten die ermatteten Regimenter der 27. ID. und der 41. HID. bei Magierów eine Mauer, in die eine Bresche zu schlagen vergebens war. Auch beim IX. Korps scheiterte ein umfassender Angriff gegen den russischen Keil, der bei Wiszenka in den öst.-ung. Stellungen saß. Von den aus südlicher Richtung angesetzten Truppenteilen — 88. KSchBrig., 25. ID.1),

10. ID.—errang nur die letztgenannte Division früh morgens und dann wieder nachmittags einige Erfolge. Die von West angreifende, als kombinierte Brigade GM. Gössmann formierte 26. SchD. zeigte keine größere Kampfkraft als in den letzten Tagen; der Brigadier mußte sie aus Sorge ob der Folgeerscheinungen eines nächtlichen Waldkampfes bei Einbruch der Dunkelheit wieder in die Ausgangsstellung zurückführen2). Ebenso unterblieb abermals die in Aussicht genommene Unterstützung durch die 39. HID. des VI. Korps, die bloß ihre Artillerie mitwirken ließ und dabei, allerdings irrtümlich, auch die 10. ID. in ihren neuerkämpften Stellungen beschoß.

Die Deckung gegen Norden und Nordwesten hatte GdI. Auffenberg wieder der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand übertragen (Skizze 16), der neben dem XIV. und dem II. Korps und den in ihrem Bereiche manövrierenden Kavalleriedivisionen nun auch der linke Flügel des XVII. unterstellt wurde. Die ganze Schwere der dem Erzherzog übertragenen Aufgabe erhellte aus einem am 10. vormittags abgehorchten russischen Funkspruch, der die beiden linken Flügelkorps Plehwes mahnte, sich nicht zu nahe an Rawa Ruska heranzupressen, wo ohnehin das XXI. Korps vor-

J) In den Kämpfen der 25. ID. vom 9. bis 11. September zeichnete sich Oblt. Rössel des FHR. 2 hervorragend aus; er wurde mit dem Theresienkreuz belohnt.

2) Die zum größten Teil aus Tschechen bestehende Brigade schmolz zwischen dem 6. und 11. September von 8920 auf 2200 Feuergewehre zusammen, welche Einbuße wohl nur zum geringeren Teil aus blutigen Verlusten bestand. Zur Berichterstattung aufgefordert, meldete GM. Gössmann, daß die Mannschaft tapfer gekämpft habe, und das immer wiederkehrende Versagen auf die großen Verluste an Offizieren und Unteroffizieren zurückzuführen sei. Auch Auffenberg (Höhe und Niedergang, 375) spricht sich über die Division lobend aus. Es hat aber doch den Anschein, daß in ihren Reihen schon damals dieWirkung der antimilitaristisch-pazifistis'chen Propaganda fühlbar wurde, von der im Frieden gerade einige ihrer Regimenter besonders bearbeitet worden waren (vgl. auch S. 41 und 43).

20


I 2. Aufl.

gehe, sondern sich mehr gegen Westen zu halten. Die Ausführung dieses Befehles, die das russische V. Korps auf einen Tagmarsch westlich von Bełżec in die Gegend von Narol lenkte, indes das XVII. nicht wesentlich über Tomaszów hinauskam, bewahrte den südlich von Bełżec aufgestellten linken Flügel des Erzherzogs, das II. Korps, vor den Gefahren eines überlegenen Angriffes. Um so schwerer hatte sich die rechts vom II. Korps stehende, auf Regimentsstärke zusammengeschmolzene 8.ID. gegen übermächtige Anstürme des russischen XXI.Korps zu wehren, denen der linke Flügel der Division schließlich trotz Unterstützung durch Teile der 13. SchD., der 10. KD. und der Artillerie der 9. KD. nachgeben mußte. Nun blieb auch dem GdI. Schemua nichts andres übrig, als in den Raum nordwestlich von Rawa Ruska zurückzuschwenken und damit die wichtige, nach Narol und Cieszanów führende Straße freizugeben, auf der die 9. KD. schon frühmorgens ein Regiment des russischen V. Korps zersprengt hatte. Mittags drang das Reiterkorps Dragomirow über Narol gegen Süden vor, ohne daß es die durch Teile der 9. unterstützte 2. KD. zu verhindern vermochte. Wenige Stunden später durchschritt eine feindliche Infanteriedivision (V. Korps) Narol in südwestlicher Richtung. Die 2., die 9. und die 10. KD. nächtigten um Prusie.

Der aus der 3. ID. und der Gruppe FML.Wittmann bestehende rechte Flügel der Gruppe des Erzherzogs Joseph Ferdinand behauptete sich gegen alle Angriffe.

Die für die Russen immerhin verheißungsvolle Tatsache, daß ihr

V. Korps schon in den Rücken der gegnerischen 4. Armee vorgedrungen war, vermochte die Klagen Rußkis über den großen Ernst der Lage beider Ostarmeen noch immer nicht zum Schweigen zu bringen. Seine eigene Armee sei am 10. nicht um einen Schritt näher an Rawa Ruska herangekommen; zwischen ihr und Brussilow wollte der Gegner offenbar mit Unterstützung jener Streitkräfte durchbrechen, die vor Plehwe zurückgewichen seien. Brussilow sei nicht in der Lage, dem heftigen Drucke der Österreicher gegen seine Südflanke noch Reserven entgegenzustellen. Auf diese Vorstellungen hin bedurfte es nicht erst des Drängens Iwanows, daß Plehwe seine beiden linken Korps sowie die Reiterei Dragomirows zu rascherem Vorgehen in den Raum Lubaczów—Niemirów gegen die Rückzugsstraßen der k.u.k. 4. Armee, anfeuerte1).

Die auf solche Weise der Armee Auffenbergs drohende Gefahr ließ die öst.-ung. Heeresleitung nicht davor zurückschrecken, am 11. September westlich und südwestlich von Lemberg den blutigen Strauß noch einmal zu

1y Zichowitsch, 203 f, 208.

wagen. Ihr Hoffen war dabei vor allem auf die 2. Armee gerichtet, deren Führer GdK. Böhm-Ermolli es für möglich hielt, an diesem Tage die Russen noch bis ins Vorgelände von Lemberg zurückzudrängen und damit auch der 3. Armee den Weg nach der galizischen Hauptstadt aufzuriegeln.

Aber die Meldungen des Vortages, wonach das IV. Korps über Dörnfeld hinausgelangt sein sollte, erwiesen sich alsbald als übertrieben. Das Korps stand noch knapp östlich des Szczerekbaches und hatte auch die aus der Front gelöste Umfassungsgruppe, 32. ID. und i/220. HID., noch nicht an den Flügel hinausgeschoben. Mit dem Bereitstellen zum Angriff wurde es auch am 11. wieder Nachmittag. Inzwischen hatte sich aber auch der Russe aufgerafft, so daß nun die 32., 43. und 31. ID. hart um die Früchte der bisherigen Erfolge kämpfen mußten. Die 38. HID., die gemeinsam mit den anderen Teilen der Gruppe Karg dem Vorstoß des IV. Korps gegen Lemberg als Flankensicherung in der Staffel rechts hätte folgen sollen, wich ebenso wie die endlich wieder vereinigte 20. HID. vor teilweise auch von Reiterei geführten Angriffen vom linken auf das rechte Szczerekufer. Lediglich dem VII. Korps war es in den Abendstunden gegönnt, durch die Einnahme von Pustomyty und einer Höhe nordwestlich von Dörnfeld einigen Raumgewinn zu erringen. Dennoch glaubte GdK. Tersztyánszky die Russen durch einen Nachtangriff, dem sich auch der Südflügel des VII. Korps anschließen sollte, zum Rückzug auf Lemberg zwingen zu können.

Das XII. Korps der 2. Armee focht wieder im engen Anschluß an die

3. Armee. Als deren 22. SchD. den Russen etwas Raum geben mußte, riegelte sich die 16. ID. des XII. Korps gegen Norden ab, wobei dessen schwere Artillerie am Niederhalten des dem III. Korps gegenüberstehenden Feindes mitzuwirken trachtete. Nachmittags ordnete GdI. Boroević in der Erkenntnis, daß weiteres frontales Anrennen zu keinem Erfolg mehr führen konnte, wohl aber die ohnehin schon unerträglich großen Verluste noch vermehren mußte, die Einstellung des Angriffes bis zum Fühlbarwerden der von der 2. Armee geführten Kämpfe an. GdI. Kövess ließ nun sein XII. Korps gleichfalls in die Abwehr fallen. So sank allmählich der Angriff wie eine nicht mehr ausreichend genährte Flamme in sich zusammen.

Ähnliches begab sich am Südflügel der 4. Armee, den ihr Führer am

11. früh noch einmal gegen den „Dorn“ von Wiszenka aufrief. Zum erstenmal im Morgengrauen, zum zweitenmal am Nachmittag mühten sich die

10. und die 25. ID. in Gemeinschaft mit der KSchBrig. Schönburg vergeblich ab, den Auftrag des Feldherrn zu erfüllen. Die 3. Armee hatte den Kaiserschützen drei Honvédbataillone Verstärkung zugesandt und zog tagsüber die Hauptkraft der 23. HID. an das Nordende des Janówer Teiches nach. Mehr glaubte sie zur Unterstützung der 4. Armee nicht tun zu können, ohne das Standhalten der eigenen Front in Frage zu stellen. Nachmittags wirkte überdies die Kunde von einem an den linken Flügel der 4. Armee erlassenen Rückzugsbefehl lähmend auf die Stoßkraft der Angreifer, so daß der Dorn von Wiszenka im Fleische des k.u.k. IX. Korps auch weiterhin stecken blieb.

Der eben erwähnte Rückzugsbefehl war in der Tat erteilt worden (Skizze 16). Am 11. September um 3hfrüh hatte das 4. Armeekmdo. vom Rückzug des II. Korps in den Raum nordwestlich von Rawa Ruska und vom Vorstoß feindlicher Kräfte — es wurde richtig das V. Korps angenommen — gegen Cieszanów Kenntnis erhalten. Knapp vorher war ihm auch der Rückzug der 1. Armee gegen den San mitgeteilt worden. Um der Gefahr der Einkreisung zu entgehen, entschloß sich GdI. Auffenberg seinen linken Flügel zurückzunehmen. Noch unter dem Schutze des Morgengrauens sollte dieser auf die Höhen südlich von Rawa Ruska und an die Bahn westlich dieses Ortes zurückgebogen werden, um im Laufe des 11. in die Linie Szczerzec—Horyniec—Cieszanów zu weichen.

GdI. Schemua führte vor Tagesanbruch seine Truppen, ohne durch den Feind gestört zu werden, an die Rata, die in der zehnten Vormittagsstunde überschritten wurde. Um 5h nachm. standen die drei Infanteriedivisionen an der Bahn. Die Reiterei deckte ihre westliche Flanke.

Schwieriger gestaltete sich die Loslösung des XVII. Korps, da die Russen bei Morgengrauen ihre Angriffe beiderseits von Magierów wieder aufnahmen. Die 41. HID. und die 27. ID. des VI. Korps boten dem Feinde nach wie vor heldenhaft die Stirne, aber der Rückzug des Korps Křitek mußte bis zum Abend aufgeschoben werden. Glücklicherweise unterließ es das russische XXI. Korps, sich auf die Flanke des k.u.k. XVII.Korps zu stürzen, die infolge des Zurückweichens der Gruppe Schemua den ganzen Tag über offen geblieben war.

Abbruch der Schlacht

Unterdessen hatte sich auch die Heeresleitung vor entscheidende Entschlüsse gestellt gesehen. Ein mitgelesener russischer Funkspruch hatte ihr am Vormittag enthüllt, daß die zwei linken Korps Plehwes für den

11. nach Cieszanów und Brusno gewiesen waren. Auf diese Hiobspost hin ließ GdI. Conrad in der Operationsabteilung den Rückzugsbefehl für das ganze öst.-ung.Nordheer vorbereiten; aber die Ausgabe des Befehles wurde noch aufgeschoben. Vielleicht brachte die 2. Armee im letzten Augenblick doch die ersehnte Wendung. Bis dahin mußte freilich getrachtet werden, den äußerst bedrohlichen Vormarsch der zwei Korps Plehwes zu verzögern. Zu diesem Zwecke wurde knapp vor Mittag die 4. Armee angewiesen, sich durch einen Angriff der Erzherzogsgruppe und aller sonst verfügbaren Truppen im Rücken Luft zu schaffen. Der Befehl des AOK. fügte rügend bei: „Mit fortwährendem passivem Widerstand und Zurückgehen wird der in der Krise befindlichen Gesamtlage nicht gedient.“ Außerdem wurden Vorbereitungen für Brückensprengungen an der Bahn Rawa Ruska—Lubaczów—Jaroslau getroffen. Die ihre Stellungen nördlich der Tanewniederung abbrechende 1. Armee erhielt dieWeisung, sich am San nicht bloß, wie ursprünglich befohlen, bis Leżajsk auszudehnen, sondern darüber hinaus bis Jaroslau; denn es war kaum mehr zu hoffen, daß die von Norden her gedrückte 4. Armee mit erheblichen Teilen diesen ihr zugedachten Raum erreichen werde, weshalb auch für dessen Behauptung anderwärts gesorgt werden mußte. Zum Glück hatte das 4. Armeekmdo. schon am 10. Weisungen für die Rückverlegung der Korpstrains erlassen, wonach diese am 11. früh bei Barycz und Jaroslau das Westufer des San gewinnen sollten.

Der Angriffsbefehl an die Erzherzogsgruppe zeugte nur wieder von dem unerschütterlichen Willen der Heeresleitung, die Fahne so lange als möglich hochzuhalten. Das Unternehmen wurde nichtsdestoweniger unterlassen. „DieGruppe des Erzherzogs bezifferte sich im gegebenen Moment,“ schreibt Auffenberg, „imMaximum auf 10.000 Gewehre und 120 Geschütze, die eigentlich seit achtzehn Tagen ununterbrochen im Kampfe standen. Mit dieser übermüdeten Kraft einen Angriff gegen drei feindliche Korps ansetzen zu wollen, wäre'gleichbedeutend mit der Vernichtung jener Kraft gewesen. Aus diesem Grunde wurde auch der im Schlußpassus ausgedrückte Tadel mit stiller Resignation zur Kenntnis genommen1).“ Ganz erspart sollte es aber in den nächsten Tagen der Gruppe doch nicht bleiben, mit den beiden Flügelkorps Plehwes kämpfen zu müssen.

Mit dem Entschluß zum allgemeinen Rückzug zögerte Conrad noch bis in den späten Nachmittag. Noch sollten die letzten Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Dann aber trat der schwere Augenblick doch ein:

„Das Vorgehen der 2. und 3. Armee hatte keine weithin wirksame, durchschlagende Entscheidung gebracht, dagegen war der linke Flügel der 4. Armee schwer bedroht, und

!) Auffenberg, Teilnahme am Weltkriege, 336. — Derselbe, Höhe und Niedergang, 356, wo der Verfasser nur von zwei gegen seinen Rücken vorgehenden russischen Korps spricht. In dem zitierten Text zählt er offenbar auch das XXI. mit.

die Gefahr geschaffen, daß der Durchstoß zweier russischer Korps die 4. Armee in eine katastrophale Lage bringen könnte, die auf die 3. und 2. Armee rückwirken und die Hauptmasse der k.u.k. Streitkräfte von Westgalizien abdrängen würde.

Darauf durfte man es nicht ankommen lassen. Der Krieg versprach eine lange Dauer; er sollte, dem gemeinsamen Plane gemäß, durch Zusammenwirken mit dem deutschen Verbündeten entschieden werden; dafür mußten die k.u.k. Armeen erhalten bleiben.

Auf dauernden Widerstand des II. Korps und der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand war aber nicht mehr zu rechnen und Reserven waren nicht mehr vorhanden.

Bei diesem Stande der Dinge erübrigte nur ein rascher, ganzer Entschluß: Das Abbrechen der Schlacht und die Zurücknahme der Armeen hinter den San 1).“

Um 5h30 nachm. des 11.war die Rückzugsdisposition niedergeschrieben. „Es fiel mir nicht leicht,“ schildert Conrad in seinen Denkwürdigkeiten, „diese Disposition Sr. kais. Hoheit Erzherzog Friedrich zur Genehmigung vorzulegen. Es ging ihm sehr nahe, aber ich hörte kein Wort eines Vorwurfes, und des Erzherzogs ruhiges, vornehmes Wesen half mir über diesen schweren Augenblick hinweg.“

Die wesentlichen Stellen aus diesem bedeutsamen Befehle lauten:

„I. Armee von Weichsel bis zur Trzeboznica, sichert Leżajsk und verstärkt nach Kräften Brückenköpfe Sieniawa und Jaroslau.

4. Armee verhindert durch Vorstoß linken Flügels Vordringen Feindes auf Jaroslau, führt Hauptkraft hinter Sanstrecke Jaroslau bis nördlich Przemyśl und stellt sodann raschestens starke Gruppe im Raume bei Przeworsk bereit.

3. Armee geht nach Przemyśl und in Raum südlich Przemyśl bis einschließlich Niżankowice.

2. Armee schließt südlich an im Raume Nowe Miasto—Dobromil—Chyrów—Bilicz.

Loslösen der bei Lemberg kämpfenden Truppen der 4., 3. und 2. Armee vom Feinde in der Nacht zum 12. September. ... Nach Abmarsch bis zum Erreichen befohlener Räume möglichst Kampf vermeiden.“

Das AOK. bezeichnete es noch als wünschenswert, daß am 12. die

4. Armee mit ihren Nachhuten die Linie Lubaczów—Hruszów—Jaworów, die 3. die Linie Jaworów—Raum westlich von Gródek, die 2. die Wereszj^ca erreiche. Die den Armeen zugewiesenen Rückzugsräume sind aus der Beilage 13 zu ersehen. Daß es mit dem Rückzug an den San sein Bewenden haben werde, hielt Conrad schon in diesen Stunden nicht für wahrscheinlich. Für eine dauernde Festsetzung „erschien mir die Flußlinie zu lang, das Maß unserer Kräfte zu gering, ganz abgesehen von den Nachteilen frontalen passiven Widerstandes2).“

Zugleich mit dem Entschluß zum Rückzug stellten sich die verantwortlichen Männer der Heeresleitung wieder die Frage, wie es nun mit

O Conrad, IV, 701 f. 2) Ebenda, IV, 693.

einer etwaigen Unterstützung durch den Verbündeten aussehen werde. Am

11. abends klagte Conrad seinem Freunde Bolfras in einem von Verbitterung durchsetzten Schreiben: „Durch die das große Ziel gänzlich ignorierende Kriegführung der Deutschen in Ostpreußen ist es gekommen, daß unseren 40^2 Divisionen mit 526 Bataillonen 471/2 Divisionen mit 752 Bataillonen gegenüberstanden; das gibt eine Differenz von 226 Bataillonen, also mehr als 200.000 Mann zu unseren Ungunsten, das sagt alles. Deutschland muß sich endlich entscheiden, ob es sofort bei uns eingreifen oder uns verbluten lassen will1).“

Gemäß den Abmachungen vor dem Kriege wäre nun wohl, am Ende der siebenten Kriegswoche, der Augenblick gekommen gewesen, da Deutschland — nach Bezwingung Frankreichs — starke Kräfte von Westen nach Osten hätte werfen sollen. Noch bis in die ersten Septembertage hatte es den Anschein gehabt, daß dem wirklich so sein werde. Aber schon Moltkes Schreiben vom 4. (S. 273) klang nicht mehr besonders hoffnungsvoll. Inzwischen hatte sich dann nach einem in der Weltgeschichte einzig dastehenden Siegeszuge das Schicksal des deutschen Westheeres erfüllt. Am 9. September war der rechte Heeresflügel von der Marne zurückgewichen. Am 11., just in den Stunden, da Conrad sich zum Abbruch der Lemberger Schlacht durchrang, nahm Moltke nach einer Fahrt in die Hauptquartiere der mittleren Armeen auch diese zurück. Gleichwie im Osten hatte auch im Westen der erste Feldzug der Mittelmächte mit der Preisgabe der Walstatt an den Feind geendet. Nur dem kleinen deutschen Ostheer unter der Führung des Zweigestirns Hindenburg-Ludendorff war das Kriegsglück treu geblieben. Nachdem es in den letzten Augusttagen bei Tannenberg die russische 2. Armee vernichtend geschlagen hatte, war es nun daran, in Masuren auch mit den Streitkräften Rennenkampfs abzurechnen, die sich schließlich zwischen dem 12. und 14. September nur mit knapper Not durch überstürzte Flucht dem Schicksal der Besiegten von Tannenberg entziehen konnten.

Als Conrad am 11. September nachmittags den Entschluß zum Rückzug faßte, wähnte er „den Kampf um die Entscheidung in Frankreich noch im Gange“2). Sein erster Gehilfe, Oberst Metzger, schrieb nachträglich aus der Erinnerung: „Noch eine schwerwiegende Nachricht, die das AOK. erhielt, bestärkte es im Entschlüsse, die Streitkräfte vom Feinde zu lösen, sie zurückzuführen und für weitere Verwendung bereitzustellen; eine Nachricht, die den Umschwung der Lage in Frankreich zwar noch

!) In Betreff der Stärkezahlen siehe S. 313 f.

2) Conrad, IV, 704.

nicht voll überblicken ließ, der man aber schon entnehmen konnte, daß der rasche, vernichtende Schlag im Westen, welchem der Einsatz starker deutscher Kräfte gegen Rußland folgen sollte, anscheinend nicht geglückt

war____1).“ Beide, Conrad und Metzger, stimmen jedenfalls darin überein,

daß ihnen die „Tragweite der Marneschlacht“ in jenem Augenblicke noch keineswegs erkennbar war. Dennoch war sich die Heeresleitung schon klar, daß es mit dem Heranführen stärkerer deutscher Heeresteile aus dem Westen bis auf weiteres noch sein Bewenden haben werde. Soweit der Bundesgenosse Unterstützung bringen konnte, vermochte dies nur durch das deutsche Ostheer zu geschehen.

In seinem Schreiben vom 4. September hatte GO. Moltke in Aussicht gestellt, daß nach Besiegung Rennenkampfs eine Armee von vier bis fünf Armeekorps gegen Siedlec vorstoßen werde (S. 273). Der Augenblick dieses Versprechen zu erfüllen, schien nun, am 11. September abends, heranzunahen. Jetzt aber sprach sich Conrad nicht mehr für diese bisher von ihm so heiß verfochtene Mitwirkung aus. Der Rückzug seiner Armeen, der wohl erst in Westgalizien zum Stehen kommen mochte, und ihre nicht unbedenkliche Verfassung ließ ihn eine unmittelbare Unterstützung erwünscht erscheinen. Demgemäß wurde am letzten Abend der Lemberger Schlacht FML. Stürgkh folgend angewiesen: „Deutsche Hilfe kommt für die erste Phase des Feldzuges zu spät. Aber auch für jetzige Lage ist es dringend, daß möglichst starke Kräfte mindestens dreier Korps von 8. Armee per Bahn via Krakau uns zugesendet werden. Jede sonstige Kooperation käme viel zu spät2).“

Der Zufall wollte es, daß in den kritischen Stunden des 11. September neben der nun doch gegebenen Aussicht auf deutsche Hilfe, allerdings nur vorübergehend, ein zweiter Hoffnungsfunke aufleuchtete. Der öst.-ung. Gesandte in Bukarest, Graf Ottokar Czernin, hatte mitgeteilt, „daß Rumänien gegen Abtretung des Gebietes von Suczawa zum aktiven Eingreifen“ auf Seite der Mittelmächte bereit sei. In einem eindringlichen Telegramm, das am 11. nachmittags abging, beschwor der Armeeoberkommandant Erzherzog Friedrich den Kaiser, „zu erwägen, ob es nicht im Interesse der Monarchie möglich wäre, das von Rumänien geforderte schwere Opfer zu bringen“3). Es mag sein, daß ein voller Erfolg der öst.-ung. Waffen gegen Rußland Rumänien an die Seite der Mittelmächte gerissen hätte. Die Ereignisse in Galizien machten Ansätze zu einer solchen

!) Metzger, Der Krieg gegen Rußland 1914 (Schwarte, V, 25).

2)    Conrad, IV, 704.

3)    Ebenda, IV, 723 ff.

Schwenkung, wenn sie überhaupt bestanden hatten, ebenso zunichte, wie das Unglück an der Marne die Interventionisten in Italien nach vorübergehender Mäßigung!) wieder zu mächtiger Tätigkeit anregte. Am 12. September sicherten Italien und Rumänien einander in einem besonderen Vertrage ein vernehmliches Vorgehen zu 2). Ende September, Anfangs Oktober ließ sich Bukarest mit dem Zarenreich in einen Notenwechsel ein, worin Rußland dem Königreich Rumänien für den Fall eines öst.-ung. Angriffes Hilfe versprach und das Anrecht Rumäniens auf die von ihm begehrten Gebiete Österreich-Ungarns anerkannte 3). Es war dies der erste offizielle Schritt Rumäniens auf dem Wege, den es schließlich gehen sollte. Erschrocken hüllte sich zugleich Bulgarien in neue Zurückhaltung, die ihm schon der Mißerfolg der öst.-ung. Offensive gegen Serbien aufgenötigt hatte. Die Waagschale politischer Geltung war durch die Ereignisse bei Lemberg und wohl noch weit mehr durch jene an der Marne bedenklich zum Nachteil der Mittelmächte gesunken.

Am 12. September mittags verließ die Heeresleitung Przemyśl, um im westgalizischen Bergstädtchen Neusandez ihr Quartier aufzuschlagen.

Der Rückzug an den San Hiezu Beilage 13 sowie Skizzen 15 und 16

Am 11. September betrug die Stärke der k.u.k. Streitkräfte auf dem nordöstlichen Kriegsschauplätze einschließlich des deutschen Landwehrkorps, aber ohne Festungsbesatzungen, Karpathensicherung, Etappentruppen und „zweite“ Marschbataillone: 770 Bataillone, 356 Schwadronen und 377 Batterien mit 2098 Geschützen. Die russische Südwestfront zählte in denselben Stunden, gleichfalls ohne Festungsbesatzungen und Etappentruppen, 824 Bataillone (Feld- und Reservedivisionen), 694 Schwadronen und 2888 Geschütze. Die Überlegenheit der Russen um 800 Geschütze springt ins Auge; sie war in der Tat ausschlaggebend. Weniger ins Gewicht fiel wohl die Überlegenheit an Infanterie (54 Bataillone) und die fast doppelte an Kavallerie (338 Schwadronen), wobei freilich zu bedenken ist, daß sich unter den 770 auf öst.-ung. Seite gezählten Bataillonen 257 zweiter Linie befanden (Landsturm-, Marsch- und deutsche Landwehr*) Stimmungsberichte des k.u.k. Militärattaches in Rom, Hptm. Freih. v. Seiller, und des dortigen Marineattaches, Korvkap. Johann Prinz von u. zu Liechtenstein. — Conrad, IV, 674 ff und 681 ff.

2)    Glaise-Horstenau, Katastrophe, 45.

3)    Das Zaristische Rußland im Weltkriege (Berlin 1927), 184 ff.

bataillone) und daß die Streiterstärken der Russen durchschnittlich doch etwas größer waren als die bei ihrem Gegner.

Zwischen Rawa Ruska und dem Dniester standen am 11. September auf öst.-ung. Seite, die Erzherzogsgruppe nicht mitgerechnet, 454 Bataillone, 124 Schwadronen und 213 Batterien mit 1232 Geschützen im Kampfe den 352 Bataillonen, 267 Schwadronen und 1262 Geschützen der Armeen Rußkis und Brussilows gegenüber. Die infanteristische Überlegenheit der k.u.k. Armeen um 100 Bataillone ist aber nicht besonders hoch zu werten, da von den 454 öst.-ung. Bataillonen 108 der zweiten Linie angehörten. Bei den Armeen Böhm-Ermolli und Boroević machten sich überdies die moralischen Folgen der Augustschlachten geltend. Auch hervorragende Regimenter hatten sich von den Eindrücken nicht erholt, die der oftmals nicht einheitlich geführte, an bitteren Überraschungen reiche Kampf gegen einen kriegserfahrenen, auf manchen Gefechtsfeldern nach Stärke und Artillerie erdrückend überlegenen, methodisch, aber zielbewußt geführten Feind zurückgelassen hatte. Wie sich diese Truppen dennoch den Russen schließlich überlegen fühlten, beweist die Tatsache, daß sie und ihre Führer, als am 11. September abends der Rückzugsbefehl kam, ihren Ohren nicht trauten. GdI. Boroević mußte von seinen Divisionen kategorisch die Befolgung heischen, weil sie nicht begreifen konnten, warum das mit so viel Opfern erkämpfte Schlachtfeld plötzlich ohne Nötigung durch die schon mürbe werdenden Russen geräumt werden sollte. Noch erstaunter war man bei der 2. Armee, der gegenüber in den letzten Tagen der Feind ein Erlahmen seiner Widerstandskraft noch stärker gezeigt hatte. Es war nicht leicht, den schlichten Kämpfern in der Front verständlich zu machen, was GdI. Conrad in die Worte kleidete: „Taktisch war dieses Abbrechen nicht nötig, denn die Situation stand nicht schlecht; die operativen Verhältnisse jedoch waren unhaltbar1).“

Die Loslösung vom Feinde gelang bei beiden Armeen ohne jede Reibung. Der Rückzug hingegen litt schwer unter den plötzlich hereingebrochenen Regengüssen, welche die ohnehin durch Trains und Flüchtlingszüge versperrten Straßen in Moraste verwandelten, und unter der Notwendigkeit, auf jede Weglinie mehrere Tag und Nacht marschierende Divisionen zu weisen. Bei der 3. Armee kam noch hinzu, daß sich immer wieder Truppen, Trains und Haufen Versprengter der von Norden her vom Feinde gedrückten 4. Armee in die eigenenMarschsäulen einzwängten. Kommandanten und Stäbe hatten da Tag und Nacht gewaltig zu tun, um einigermaßen Ordnung zu schaffen und die Bewegung in Fluß zu erhalten.

, GdK. Böhm-Ermolli führte seine drei Korps nördlich des Dniester in den Raum südlich von Przemyśl zurück, den er am 15. erreichen wollte. Die Gruppe FML. Karg war südlich des Dniester gewiesen, GM. Plank hatte in den zwischen Stryj und Drohobycz vorbereiteten Stellungen den Rückmarsch der Armee gegen Flankenunternehmen zu schützen. Die 35. LstlBrig. sollte in Mikuliczyn einwaggonieren und von dort über Mezölaborcz zur 2. Armee gelangen. Ermüdung der Truppen und Marschstörungen nötigten das Armeekmdo., dem IV. und dem VII. Korps am 15. bei Sambor einen Rasttag zu gewähren, so daß die Masse der 2. Armee erst tags darauf den ihr zugewiesenen Raum zwischen Niżankowice und Stary Sambor erreichte.

Die 3. Armee langte trotz mannigfacher Reibungen am 15. September in der Gegend von Przemyśl an. Die 11. ID. kehrte in den Verband des XI. Korps, die 88.KSchBrig. zur 3. Armee zurück. Diese trat dafür die

4. und die 14. MaBrig. den zuständigen Korps ab.

Besonderer Vorsorgen bedurfte im Hinblick auf die Tanewregion der Rückzug der 1. Armee. GdK. Dankl hatte, als er am 10. vormittags der grundsätzlichen Zustimmung durch die Heeresleitung sicher war (S. 299 f), mit dem Antritt der Bewegung nicht mehr zögern zu dürfen geglaubt. Bestimmend waren das unverkennbare Anwachsen der feindlichen Massen und nicht zuletzt auch die Bedrohung, die sich seit dem 8. durch den Vorstoß erheblicher russischer Kräfte gegen den von der verschreckten und geschwächten 110. LstlBrig. besetzten Brückenkopf von Sandomierz im Rücken der Armee ergab. Vor allem war für den Armeeführer aber der begreifliche Wunsch maßgebend, den Abmarsch in die Waldzone ohne Kämpfe durchzuführen, dadurch die Armee vor neuen Erschütterungen zu bewahren und die Regimenter am San mit den mittlerweile eingetroffenen Ergänzungen auffüllen zu können1). Besonders schwierig war der rechtzeitige Abschub der gewaltigen Wagenmassen auf den wenigen und schlechten Wegen.

Das 1. Armeekmdo. bildete für den Rückzug entsprechend den Korpsverbänden vier Gruppen (Skizze 15), deren jede den Abschub der Truppen und des Trosses selbständig zu besorgen hatte. Das X. Korps sollte auf den Schutz gegen russische Umfassungsversuche von Osten her bedacht

J) „Zweite“ Marschbataillone für Heer und Honvéd, „erste“ Marschbataillone für österreichische Schützenregimenter. Die Ersätze waren insbesondere bei den österreichischen Schützendivisionen dringend nötig. So hatten bei der 45. SchD. die Regimenter am 10. September folgende Stände: SchR. 17 — 760, SchR. 18 — 1553, SchR. 33 — 340 Feuergewehre (SchR. 34 unbekannt).

sein. Dazu war Biłgoraj verläßlich zu halten, da die 3. KD. in Rudka starke feindliche Kräfte — offenbar das XIX. Russenkorps — festgestellt hatte. Das deutsche Landwehrkorps, das der Gruppe FZM. Puhallo unterstellt wurde, war angewiesen, seine Stellungen nicht vor dem 11. um 9hvorm. zu verlassen und nachher Janów bis zum 12. früh zu halten.

Am 10. September wurde die 95. LstlD. der Armeegruppe Kummer auf Gościeradów zurückgedrückt; sonst verlief der Tag kampflos, was den Korps die Möglichkeit gab, die Vorbereitungen für den schwierigen Rückzug zu treffen. Die Truppen Kummers traten den Marsch in die Tanewniederung noch am Abend, die anderen Korps am nächsten Morgen an. Wieder drängte der Feind nicht nach, so daß die zahllosen Trainstockungen ohne ernsthafte Folgen blieben. Allerdings sah sich das I. Korps, dem überdies der Abbau der Feldbahn oblag, genötigt, seine Divisionen bis zum 11. abends in einer Zwischenstellung nördlich von Zaklików halten zu lassen. Glücklicherweise herrschte noch prächtiges, trockenes Wetter und heller Mondschein begünstigte auch die bei Nacht ununterbrochene Bewegung der Truppen und Wagenkolonnen.

Am 11. September gewannen die Korps kampflos die in der Beilage 13 verzeichneten Räume. Am nächsten Abend stand die Armeegruppe Kummer schon mit allen Teilen, das I. Korps zur Hälfte hinter dem San. Die preußische Landwehr, die an diesem Tage bei Janów mit russischer Reiterei Nachhutgefechte zu bestehen hatte, mußte über Grójce in den Raum des X. Korps ausbiegen, da die ihr zugedachte Marschlinie noch immer voll Fuhrwerk war. Am 13. war die ganze 1. Armee hinter der schützenden Flußlinie angelangt, ohne bei dem schwierigen Rückzug die vom Armeekmdo. selbst besorgte, aber durch treffliche Maßnahmen verhinderte Einbuße an Kriegsgerät erlitten zu haben.

Ursprünglich war eine offensive Flußverteidigung geplant gewesen. Als die Heeresleitung aber der 1. Armee am 11. im Hinblick auf die Umgehungsmanöver Plehwes auch noch die Besetzung von Leżajsk, Sieniawa und Jaroslau auftrug (S. 309), beschloß GdK. Dankl wegen der hiedurch bedingten Frontausdehnung eine reine Abwehr zu organisieren. Leżajsk wurde von einer gemischten Abteilung des X. Korps besetzt, als Brückenkopfbesatzung bei Sieniawa die 3. KD. bestimmt. Nach Jaroslau wurden ein Schützenregiment und mehrere Marschbataillone des I. Korps geworfen. Auch Sandomierz sollte, unentbehrlich als Flankendeckung, gehalten werden, weshalb man außer der 110. noch die 100. LstlBrig. mit der Verteidigung beauftragte. Die Weichselsicherung aufwärts von Tarnobrzeg wurde der 7. KD. übertragen.

Am schwierigsten mußte sich der Rückzug bei der k.u.k. 4. Armee gestalten, die im Augenblicke des Abbruches der Schlacht schon starke feindliche Kräfte — zwei Korps und eine mächtige Reitermasse — in ihrem Rücken wußte (Skizze 16). Die Armee sollte am 12. die Linie Szkło— Hruszów—Lubaczów erreichen, was der Zumutung eines 30 km-Marsches gleichkam. Der Nordflügel verließ noch in der Nacht, von links aus aufbrechend, seine Stellungen. Die durch Teile des XVII. Korps und sechs Kavalleriedivisionen verstärkte Gruppe Joseph Ferdinand sollte als nördliche Flankendeckung südlich der Bahn Rawa Ruska—Lubaczów zurückgehen und sich dabei gegebenenfalls den Weg durch den Feind bahnen. Der Erzherzog hielt jedoch seine ausgebluteten, erschöpften, ruhebedürftigen Truppen zur Führung eines Kampfes gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind nicht mehr für fähig und verlegte daher, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, seinen Marsch weiter nach Süden, wobei die 2. und die 9. KD. die Nordflanke aufzuklären, die 10. die Westflanke, die 11., 4. und 6. KD. den Rücken der Armeegruppe zu schützen hatten. Die Linksschiebung der Erzherzogsgruppe nötigte auch die anderen Korps der 4. Armee, sich mehr östlich und südlich zu halten. Dadurch sollte sich namentlich zwischen Krakowiec und der Eisenbahn nördlich von Mościska der Bewegungsraum der Armee empfindlich verengen.

Als der Befehlshaber der russischen Südwestfront, Gen. Iwanow, am 12. früh die Räumung Rawa Ruskas erfuhr, hob sich seine Zuversicht stark. Die in der ersten Siegesfreude erlassenen Befehle, durch welche die 4., 5. und 3. Russenarmee zu konzentrischem Vordringen gegen Auffenberg aufgerufen wurden, verfolgten keinen geringeren Zweck als die völlige Umklammerung der westlich und nordwestlich von Lemberg zurückgehenden k.u.k. Streitkräfte. Aber die Ereignisse des Tages waren dann nicht darnach angetan, die Verwirklichung dieses Planes erhoffen zu lassen.

Die Erzherzogsgruppe gewann ohne stärkere Bedrängnis in einer allerdings wenig günstigen Verfassung den Zawadówka-Abschnitt oberhalb von Hruszów. Nur die ganz links auswärts weichende 4. ID. wurde durch Plehwes V. Korps gezwungen, noch weiter nach Süden auszubiegen. FML. Křitek mußte sich, um die Trainmassen in der Gegend von Niemirów einigermaßen in Bewegung zu bringen, nordöstlich dieses Ortes die Vortruppen Rußkis durch die 19. ID. vom Leibe halten lassen. Bei Szczerzec westlich von Magierów legte die Artillerie der tapferen 41. HID. dem Feinde eine Feuerschranke in den Weg1. Die Masse des VI. und des IX. Korps vermochte unter unbedeutenden Plänkeleien den Raum um Jazów Str. und Szkło zu erreichen.

Da auch die Meldungen von der mittleren und unteren Wereszyca für die Russen keine größeren Erfolge versprachen, verzichtete Iwanow kurzerhand auf die am 12. früh gefaßten Einkreisungsentschlüsse. Er kehrte zu seinen bescheideneren ersten Absichten zurück, die dahin gingen, die Armeen zunächst in einen starken Abschnitt vorzuführen und ihnen dort die so dringend gewünschte Erholung zu gewähren. Es wurden am 13. gewiesen: die 9. Armee in den Raum Tarnobrzeg—Nisko, die 4. an das nördliche San- und Zlotaufer bis zur Straße Biłgoraj—Sieniawa, die

5. Armee in den Raum östlich davon bis Lubaczów, die 3. in die Linie Lubaczów—Kamienobród und die 8. mit ihren Vortruppen bis Sądowa Wisznia1). Mit diesen eng gesteckten Zielen war jedoch Gen. Plehwe nicht einverstanden. Die Lage vor seinem linken Flügel war einladend genug, das V. und das XVII. Korps sowie die Reiterei Dragomirows nicht an der von Gen. Iwanow vorgezeichneten Linie halten, sondern den Gegner darüber hinaus verfolgen zu lassen. Daraus erwuchsen der 4. Armee, zumal der Erzherzogsgruppe, neue Fährnisse.

Die fünf Korps Auffenbergs sollten am 13. September in den nur 20 km breiten Raum zwischen Wk. Oczy und der Bahn nördlich von Mościska gepreßt werden, wobei die Erzherzogsgruppe, die nunmehr wieder aus dem II. und dem XIV. Korps und den Reiterdivisionen bestand, abermals die Nordflanke zu schützen hatte. In der Tat wurden die mit dem Schutz der Szkloübergänge betrauten Truppen der 4. ID. und der

13. SchD. nördlich und nordöstlich von Krakowiec in ein Gefecht verwickelt, das bald größeren Umfang annahm. Die Artillerie aller vier Infanteriedivisionen Joseph Ferdinands fuhr auf, um die teilweise schon wankenden Regimenter zu stützen, und auch Infanterie des XIV. Korps wurde bereitgestellt. Der zusammengefaßten Artilleriewirkung war es zu danken, daß die beherrschenden Uferhöhen nördlich von Krakowiec behauptet werden konnten; doch richtete das Weitfeuer der russischen Batterien in den Trainmassen, die sich um Krakowiec und auf der nach Radymno führenden Straße stauten, größte Verwirrung an. Das Armeekmdo., das sich zur Zeit in Krakowiec befand, warf ein Detachement des

VI. Korps auf Wagen zum Schutz der Szkloübergänge nach Laszki und wies die Truppen in einem Befehl an, sich nicht aus Rücksicht auf die Trains in verlustreiche Kämpfe verwickeln zu lassen. GdI. Auffenberg und sein Stab, die nach Radymno weiterreiten wollten, wurden gezwungen, nach Medyka auszubiegen, von wo sie am 14. früh mit Bahn zunächst nach Przemyśl und dann nach Łańcut fuhren.

x) Zichowitsch, 212 ff. — La grande guerre, 266.

Soweit die Einwirkung des Feindes in Betracht kam, verlief der 14. für die Korps Auffenbergs einigermaßen glimpflicher als der Vortag. Gedeckt durch starke Nachhuten und das Kavalleriekorps Wittmann (4., 6. und

11. KD.), das an den Wiszniaübergängen feindliche Reiterei abwehrte, überschritt die Masse der Armee zwischen Medyka und Radymno den San. Die Marschschwierigkeiten hatten sich freilich eher vermehrt als vermindert. „Äußerst mühsam nur schoben sich die Trainkolonnen nach vorwärts. In den Ortschaften und an den Brücken entstanden Stockungen gefährlichster Art, die sich weit nach rückwärts auswirkten. Immer wieder hielten einzelne Trainteile auf den Straßen wegen Ermüdung der Pferde oder wegen der notwendigen Fütterung, andere Teile versuchten vorzufahren und schließlich marschierten überall die Trains in drei bis vier Reihen nebeneinander. Im Regenwetter wurden die Straßen tief aufgerissen, besonders durch die Munitionsfuhrwerke und Geschütze, wodurch der Marsch gleichfalls sehr erschwert und verzögert wurde .. -56).“ Viele Trains und auch Tausende von Versprengten schlugen — selbst noch von Jaroslau aus — den Weg nach Przemyśl ein, das schon von der 3. Armee belegt war. „Am 14. abends war in Przemyśl ein unentwirrbarer Knäuel von Fuhrwerken entstanden. In den breiten Gassen und Plätzen standen die Fuhrwerke zu sechs bis acht Reihen nebeneinander, durch die Autofahrer vielfach durcheinandergeworfen, viele Fuhrwerke der Quere nach und niemand konnte sich rühren. Auf der Chaussee gegen Mościska befanden sich dicht gedrängte Fuhrwerkskolonnen und konnten nicht über den San in Sicherheit gebracht werden. Zwei Tage lang dauerte diese gefährliche Stockung, bis sich dieser Knäuel endlich langsam löste57).“

Das Bild, das solcherart das k.u.k. Nordheer beim Eintreffen am San bot, war nicht geeignet, das Herz der Führung zu heben und konnte auch nicht danach beschaffen sein — nach fast vier Wochen ununterbrochenen Marschierens und Kämpfens gegen einen von Stunde zu Stunde seine Übermacht steigernden Feind. Von den 900.000 Streitbaren, die im August voll Zuversicht den großen Strauß aufgenommen hatten, waren weniger als zwei Drittel an den San zurückgekehrt; der Russe übertrieb nicht viel, wenn er in seinen Siegesberichten 250.000 öst.-ung. Soldaten tot und verwundet und an die 100.000 gefangen meldete58). Unter den Gebliebenen befand sich ein großer Teil der ohnehin nicht zu dicht gesäten altgedienten Soldaten, die nach Ausbildung, Leistungsfähigkeit und auch Kampfmoral nicht so bald zu ersetzen waren, und ein erschütternd hoher Hundertsatz an Berufsoffizieren, deren Verlust den ganzen Krieg über nicht mehr wettzumachen war1). Auch der Verbrauch und die Einbuße an Material bereiteten der Heeresleitung sorgenvolle Stunden, zumal der Mangel an Artillerieschießbedarf, der sich schon in den letzten Kampftagen sehr fühlbar gemacht hatte und nun aus allen Teilen der Armee gemeldet wurde. Von selbst versteht sich, daß unter den körperlichen Leiden und Entbehrungen,unter den schweren seelischen Erlebnissen, in der Erinnerung an die furchtbaren Opfer und unter der Enttäuschung ob des schließlichen Mißerfolges auch die Stimmung der Truppen stark gelitten hatte. Aus tausend Wunden blutend, todmüde, mit klaffenden Lücken sahen die k.u.k. Regimenter am San und im Bergland südlich von Przemyśl ihren weiteren Schicksalen entgegen, die noch in den Sternen geschrieben standen.

Daß sich indes dieses Heer der bei Kraśnik und Komarów, bei Lemberg und auch noch auf dem Rückzuge vollbrachten Taten wahrlich nicht zu schämen brauchte, erwies sich aus dem zaghaften Nachfühlen der feindlichen Armeen, die des Sieges lange nicht froh werden konnten. ,,Mein sehr gesprächiger und mir seit Jahren befreundeter russischer Marinekollege,“ erzählt der damalige öst.-ung. Militärbevollmächtigte in Konstantinopel GM. Pomiankowski, „bezeichnete mir am Tage der Einnahme von Lemberg den russischen Erfolg als Pyrrhussieg. Die russischen Verluste seien ungeheuer und das ganze westliche Rußland wäre ein einziges großes Spital; man habe in Rußland weder einen so hartnäckigen Widerstand, noch eine solche Kampftüchtigkeit von seiten der öst.-ung. Armeen erwartet2).“ Auch als zehn Tage später dieser Gegner die Walstatt räumte, kam bei den russischen Führern noch keineswegs das Gefühl auf, ihn vernichtend geschlagen zu haben. Gen. Danilow schreibt in seinen Kriegserinnerungen: ,,Die furchtbare Erschöpfung und die schweren Verluste, die die russischen Armeen davongetragen hatten, setzten der Verfolgung des Feindes leider ein Ziel3).“ Ähnlich lautet das Urteil der amtlichen

!) Die großen Offiziersverluste entstanden nicht zuletzt durch die stolze Unbesorgtheit, mit der sich die Offiziere, ganz so wie in früheren Kriegen, der feindlichen Feuerwirkung aussetzten. In der Schützenkette trotz stärksten Feuers auf- und abgehende Offiziere und sogar Kommandanten zu Pferd gehörten in den ersten Schlachten noch zu den oft gesehenen Bildern.

2j Pomiankowski, Der Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches (Wien 1927), 61.

3) Danilow, 250 f.

russischen Geschichtsschreibung: „Der Erfolg war teuer erkauft... Der Sieger unterschied sich nicht vom Besiegten; er hatte nicht die Kraft, die Vorteile des Sieges durch eine tatkräftige Verfolgung auszunützen !).“ Zu einer Sollstärke von rund einer Million Streitern fehlten den Armeen Iwanows am Ende des Feldzuges 250.000 Mann, die tot, verwundet oder gefangen waren. Die Befehle, die von den Generalen der russischen Südwestfront in den nächsten Tagen erlassen wurden, atmeten denn auch trotz des Bildes von Verwirrung, die beim weichenden Gegner stellenweise zu bemerken war, nur ausnahmsweise den festen Willen, den Erfolg auf dem Schlachtfelde durch rücksichtsloses Nachstoßen in die öst.-ung. Marschsäulen zu krönen. Es überwog vielmehr neben dem Bestreben, der Truppe die so nötige Ruhe zu gewähren, die Sorge, daß der Gegner noch irgendwo und irgendwann die Gelegenheit zu einem unerwarteten Prankenhieb ausnützen könnte. So hat Hermann Stegemann wohl nicht unrecht, wenn er angesichts der tragischen Größe dieser Ereignisse an die schönen Worte von Clausewitz anknüpft: „Der Rückzug großer Feldherren und kriegsgeübter Heere gleicht stets dem Abgehen eines verwundeten Löwen2).“

Der erste Feldzug Österreich-Ungarns gegen Rußland im Lichte der heutigen Geschichtskenntnis

Der österreichisch-ungarische Aufmarsch

Die Kritiker der ersten öst.-ung.Feldzüge imWeltkriege stoßen sich stets vor allem an den ersten Aufmarschbefehlen, durch die trotz der drohenden russischen Übermacht zwei Fünftel des gesamten Heeres gegen Serbien und seinen Mitläufer Montenegro entsendet wurden. Wäre am 25. Juli 1914 abends, als Kaiser Franz Joseph den Befehl zur Teilmobilisierung Unterzeichnete, das Eingreifen Rußlands sicher zu erwarten gewesen, dann hätte sich der öst.-ung. Generalstab gewiß nicht beifallen lassen, nach dem Balkan mehr Truppen zu senden, als es die Auffüllung der kleinen „Minimalgruppe“ (S. 7) erforderte. Aber das Verhalten vonRußland ließindiesen Stunden noch erhoffen, daß es möglich sein werde, statt der schwierigen, auch politisch wenig günstigen Abwehr einen kurzen, aber entscheidenden Schlag gegen die serbische Armee zu führen, bevor das Zarenreich als Gegner auf trat. Schon in den nächsten Tagen legte sich allerdings die

1)    K o r o 1 k o vv, Die Operationen von Warschau—Iwangorod 1914 (in russischer

Sprache, Moskau 1923), 5.    -

2)    Stegemann, Geschichte des Krieges (Stuttgart und Berlin 1917), I3 320.

I Z. Aufl.    ZI

Verantwortung, die man mit der Fortführung des großen Balkanaufmarsches auf sich nahm, schwer auf die Seele des Generalstabschefs; dies zumal, seit mit der ,,B-Staffel“ die im Kriegsfall Rußland für den Norden bestimmte 2. Armee überall zwischen Eger und Südungarn die Eisenbahn bestiegen hatte1).

Als dann auch gegen Rußland mobilisiert werden mußte, trat mit dem gleichzeitig durchzuführenden R- und B-Fall eine Aufmarschkombination ein, die in den Friedensvorbereitungen nicht vorgesehen war, und die das Eisenbahnwesen vor eine schwierige Aufgabe stellte.

Die militärischen und staatlichen Bahnbehörden empfanden es bereits als ein genug verantwortungsvolles Beginnen, den Aufmarsch nach Nordosten schon zu einem Zeitpunkt einsetzen zu lassen, da der große Balkanaufmarsch im vollen Gange war. Der Eisenbahngeneralstab nahm jedoch in Übereinstimmung mit den besonders betroffenen ungarischen Bahnen dieses Wagnis unter der Bedingung auf sich, daß als erster Mobilisierungstag gegen Rußland der 4. August bestimmt wurde, die großen Aufmarschtransporte nach Galizien erst am 6. begannen, und so die für die Umdirigierung der Maschinen und des Personals nötige Frist gewonnen wurde. Als aber am Spätabend des 31. Juli der letzte Schleier vom Antlitz Rußlands fiel, und nun Conrad sowie sein erster Gehilfe Obst. Metzger das ungesäumte Abdrehen der rollenden 2. Armee2) gegen Norden wünschten, widersetzte sich der Feldeisenbahnchef im Hinblick auf die gefährlichen Störungen, die dem Aufmärsche in Galizien gedroht hätten, aufs nachdrücklichste diesem Ansinnen. Da andererseits ein An-

x) Daß die Zeit der Unklarheit und Nervenspannung fünf Tage anhielt (vom 25. bis zum 30. Juli), war nicht zuletzt den an sich gewiß verdienstvollen Versuchen Deutschlands zuzuschreiben, den Frieden zwischen den Großmächten zu erhalten. Der reichsdeutsche Kriegshistoriker Theobald v. Schäfer gelangt in seiner Aufsatzreihe „Der casus foederis zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn“ (Deutscher Offizierbund, Berlin 1928, 1050) zu folgender Formulierung: „Deutschland hat sich in der Auslegung des casus foederis bis zum äußersten von dem Gedanken leiten lassen, den Krieg zu vermeiden. Solche Zurückhaltung hat uns nichts genützt, niemand hat sie uns gedankt, militärisch aber hat sie zweifellos geschadet. Die Erfolgsaussichten für die Mittelmächte standen auf des Messers Schneide. Wer kann sagen, ob nicht eine frühere klare Stellungnahme Deutschlands dem Habsburgerheere den Mißerfolg von Lemberg erspart hätte, von dem es sich nie wieder ganz erholt hat?“ Der gleiche Gedanke findet sich bei Conrad, IV, 713.

2) Um für den Leser das ohnehin genug schwierige Problem nicht noch mehr zu verwirren, wird hier statt von „den in der B-Staffel rollenden Teilen der 2. Armee“ kurzweg von der „2. Armee“ gesprochen, obgleich diese mit der „B-Staffel“ nicht identisch war und in den Friedensvorbereitungen auch die Kriegsgliederung der 2. Armee für die beiden in Betracht kommenden Kriegsfälle nicht völlig übereinstimmte (vgl.S.6ff). Ebenso halten der Transporte in den Räumen, die sie eben erreichten, oder ein Zurückführen in die Mobilisierungsorte technisch ohne weiteres möglich, aus operativen, innerpolitischen und moralischen Gründen aber unerwünscht war, wurde beschlossen, die 2. Armee nach Süden weiterrollen zu lassen. Für eine solche Lösung sprach, daß diese Armee wegen Überlastung des Bahnnetzes jedenfalls erst hinter den drei anderen Armeen hätte nach Galizien gelangen können und daher, wenn sie in Syrmien und im Banat wieder rechtzeitig die Züge nach Norden bestieg, dort ebenso rasch eintreffen konnte wie auf dem direkten Wege.

Es hatte also nicht Mangel an primitivster militärischer Einsicht, sondern das durch die politische Entwicklung bedingte Zusammentreffen des Befehles zur allgemeinen Mobilisierung mit dem bereits rollenden großen Balkanaufmarsch dazu geführt, daß trotz des kriegerischen Auftretens der Zarenmonarchie nicht viel weniger als die Hälfte der Landmacht Österreich-Ungarns zuerst im Südosten auf marschierte. Die Nachteile, die daraus für die Kriegführung erwuchsen, sollen dennoch nicht abgeleugnet werden. Sie wurden, soweit sie die ersten Operationen an der Save und der Drina betrafen, schon bei der Darstellung dieses Feldzuges angeführt. Die Kriegführung gegen Rußland empfand vor allem das infolge Verwicklung in die Šabacer Kämpfe verspätete Eintreffen des

IV. Korps nachteilig. Noch schwerwiegender war, daß 34 Bataillone, die ohne den großen Balkanaufmarsch direkt nach Norden geführt worden wären, schließlichwährend desganzen Kriegesl914im Südenhängen blieben.

Nicht minder bedeutsam wirkte das durch bahntechnische Gründe hervorgerufene Hinausschieben des ersten Mobilisierungstages und des Aufmarschbeginnes auf die Kriegführung gegen Rußland zurück1). Zu

sei daran erinnert, daß Teile der 2. Armee noch in ihrer Mobilisierungsstation zurückgehalten und von dort direkt nach Galizien geführt werden konnten.

*) Über das Problem des Aufmarsches nach zwei Fronten siehe Conrad, III, 534, 775 und IV, 156, 164, 167, 267, 270ff, 276, 303, 313, 321,323,713; am deutlichsten ist es IV, 112ff dargetan. In diesen Stellen kommen verschiedene Angaben vor, bis zu welchem Tage einer Balkanmobilisierung eine reibungslose Überleitung der 2. Armee in den „R-Aufmarsch“ noch durchführbar sein mochte. Conrad nahm in der kritischen Juliwoche zuerst den 5., dann schon den 1. August als letzte Frist an. Das Eisenbahnbureau konnte die „Umlenkung“ der 2. Armee, wie sie Conrad am 31. nachts gerne gesehen hätte, nicht durchführen, weil der B-Aufmarsch rascher fortgeschritten war, als es seinen Vorstellungen entsprach, und die R-Aufmarschlinien vom 2. August an mit Alarmtransporten voll belastet waren. — Siehe Ratzenhofer, Die öst.-ung. Aufmärsche gegen Balkan und Rußland. Einfluß der Aufmarschtechnik. Öst. Wehrzeitung, 39, 40, 41/1927 und Derselbe, Das Kriegseisenbahnwesen, Mil.-wiss. Mitt., Jhrg. 1927, 433 ff, 692 ff und Jhrg. 1928, 56 ff, 149 ff.

den wesentlichsten Vorbedingungen aller Offensivpläne, die in ÖsterreichUngarn seit einem Menschenalter gegen Rußland entworfen worden waren, gehörte der zeitliche Vorsprung, mit dem das Heer des Donaureiches gegenüber dem russischen bei Mobilmachung und Aufmarsch zu rechnen vermochte. Dadurch, daß die Russen noch in der Versammlung getroffen wurden, konnte ihre zahlenmäßige Überlegenheit für die ersten großen Schlachten wettgemacht werden. Nun ist die immer wiederkehrende Behauptung, Rußland habe schon kürzere oder längere Zeit vor dem 30. Juli 1914 eine Reihe von Armeekörpern, zumal die sibirischen, auf Kriegsfuß gesetzt, wohl nicht aufrecht zu erhalten. Diese Gerüchte wurden durch die häufigen „Probemobilisierungen“, zum Teil auch durch den im Frühjahr 1914 verspätet durchgeführten Mannschaftswechsel hervorgerufen. Aber auch ohne solchen übermäßigen Zeitgewinn erzielte Rußland dadurch, daß es nach großzügigen vorbereitenden Maßnahmen schon am 30. Juli mobilisierte, gegenüber dem habsburgischen Heere einen Vorsprung von nahezu einer Woche.

Zu dieser Verschlechterung der Ausgangslage trat noch der Wegfall der Mitwirkung Rumäniens. Gedenkt man zuletzt noch der durch das Ausbleiben Italiens hervorgerufenen Minderung der deutschen Oststreitkräfte, so ist nicht in Abrede zu stellen, daß die Vorbedingungen für die von Conrad unternommene Offensive wesentlich ungünstiger waren, als man im Frieden angenommen hatte.

Der Angriff splatí Conrads

Die Offensive, mit der Österreich-Ungarn den Krieg gegen Rußland begann, wird denn auch von vielen Kritikern als verfehlt abgelehnt. Besonders scharf tut dies GdI. Alfred Krauss59); nach seiner Ansicht hätten die öst.-ung. Armeen unbedingt in der San-Dniesterlinie den Angriff des Feindes abwarten müssen, um sich dann, wenn dessen Gruppierung erkannt war, auf einen seiner Flügel zu werfen, während man dem ändern Flügel des Feindes die undankbare Rolle des Angreifers gegen eine wohlvorbereitete Stellung hätte überlassen sollen. Ganz abgesehen von den Schwierigkeiten eines solchen Manövers wäre diesen Bemerkungen gegenüber ins Treffen zu führen, daß man die Initiative vom ersten Augenblick an dem Feinde überlassen hätte, weiter, daß zu Kriegsbeginn die Absicht Rußlands, sich mit den Hauptkräften zunächst auf Österreich-Ungarn zu stürzen, für die Mittelmächte keineswegs feststand, und daß Deutschland selbst das größte Gewicht auf die Sicherung seines Rückens durch eine öst.-ung. Offensive gegen das Zarenheer legte1). Aber auch der empfindlichste Nachteil des stark ausgesetzten Aufmarschraumes, der ungünstige Verlauf der Hauptverbindungen, die von Westen her schräg hinter den linken Flügel führten, ließ das Verharren in einer Abwehrstellung am San und am Dniester nicht unbedenklich erscheinen, selbst wenn man sich hinter dem linken Flügel durch tief gestaffelte, zum Gegenstoß bereite Reserven gesichert hätte2). FML. Metzger hat alle Gründe, die für den Angriff im allgemeinen und für den Nordstoß mit starkem linkem Flügel sprachen, in die Sätze zusammengefaßt: ,,Mit der Möglichkeit, daß die feindliche Übermacht einen Rückzug erzwingen könnte, war immerhin zu rechnen; was aber in diesem Falle unbedingt verhindert werden mußte, war das Abdrängen des Nordheeres über die östlichen Karpathen nach dem östlichen Ungarn. Das hätte den Russen den Weg ins Herz der Mittelmächte freigegeben, die öst.-ung. Armeen aber von allen Hilfsquellen des Vaterlandes abgetrennt und das Schicksal des Reiches besiegelt. Ein Vorgehen über die Ostgrenze Galiziens, etwa über Brody und südlich davon — bei defensivem Verhalten gegen den von Lublin und Cholm vorrückenden Feind — mußte wohl als ausgeschlossen gelten; es hätte die eben geschilderten Gefahren in einem Maße gesteigert, das bei dem ungünstigen Kräfteverhältnis ganz unstatthaft war...3).“ Es läßt sich auch kaum behaupten, daß die wirklichen Ereignisse die Unrichtigkeit des ursprünglichen Conradschen Angriffsplanes erwiesen hätten. Die Offensive vom linken Flügel aus zeitigte gleich zu Anbeginn bedeutsame Erfolge. Der Sieg Dankls bei Kraśnik nötigte Iwanow, die noch völlig unfertige

5. Russenarmee der k.u.k. 1. in die Flanke zu senden, womit sie ihrerseits Auffenberg den offenen Südflügel hinhielt, und zwang den Großfürsten zum Einsatz eines Teiles der um Warschau aufmarschierenden Korps, die

x) Vgl. auch Freytag-Loringhoven, Menschen und Dinge, 221, wo es

u. a. heißt: „Conrad hat mir später gestanden, daß er nur schweren Herzens den Befehl zum (auf Wunsch Deutschlands verfrühten) Vormarsch erteilt habe.“

2)    Diese Lösung verficht G r o e n e r, Das Testament des Grafen Schlieffen (Berlin 1927), 113. Allerdings fügt er bei, Conrads Plan sei „gescheitert weniger an seiner inneren Schwäche als an der Ausführung“.

3)    Schwarte, V, 25. Vgl. auch Conrad, IV, 712 ff.

schon als Vorhut für den Marsch gegen Berlin gedacht waren. Die Bedrohung Lublins durch Dankl äußerte aber selbst dann noch, als die Angriff skraft der durch die langen, schweren Kämpfe geschwächten 1. Armee schon zu erlahmen begann, eine tiefgehende Wirkung auf die russische Führung, die sich schon mit dem Gedanken trug, die Lubliner Korps gegen Brest-Litowsk zurückzunehmen. Die öst.-ung. Heeresleitung war also knapp daran, in vollem Ausmaße das Ziel zu erreichen, das sie dem links stark gehaltenen Nordstoß bei voller Auswirkung zugedacht hatte (S.256f). Wenn es schließlich anders kam, so mag die Ursache weit eher als in den Offensivplänen an sich darin zu suchen sein, daß sich der Generalstab durch die Ereignisse in Ostgalizien veranlaßt gesehen hatte, von seinen ursprünglichen Absichten in wichtigen Belangen selbst abzugehen.

Das Problem des Flankenschutzes gegen Osten

Der Aufmarsch starker russischer Kräfte gegenüber der Ostgrenze Galiziens konnte für die öst.-ung. Heeresleitung keine Überraschung sein. Der Generalstab hatte schon im Frieden errechnet, daß Rußland an der Front Rowno-Proskurow—Kamieniec-Podolski bis zum 20.Mobilisierungstag 17 Infanteriedivisionen, bis zum 30. ihrer 28 zusammenzuziehen vermochte. In Wirklichkeit waren es 22V2 Infanterie- und 9 Kavalleriedivisionen. Die Meldungen, die der k.u.k. Heeresleitung in den ersten Kriegswochen zukamen, bestätigten diese Berechnungen im großen. Besonders hervorzuheben ist ein Telegramm, das der k.u.k. Generalkonsul Götz am 14. August aus Jassy sandte1), und aus dem die Zusammensetzung der beiden russischen Ostarmeen bis auf ein Armeekorps völlig zutreffend entnommen werden konnte. Wenn das Hauptquartier dann plötzlich um den 21. herum einigen Zufallsmeldungen über das Fehlen stärkerer russischer Kräfte gegenüber Ostgalizien mehr Glauben beimaß als den früheren, die Friedensberechnungen bestätigenden Nachrichten, so erklärt sich dies wohl daraus, daß der Wille, den größten Teil des Heeres zwischen Bug und Weichsel anzusetzen, unbekümmert auch um Warnungen aus der eigenen Mitte 2), jedes andere Bedenken allzu stark zurücktreten ließ.

In der Tat hält die Art, wie im Einleitungsfeldzug gegen Rußland auf öst.-ung. Seite das Problem des Flankenschutzes gegen Osten gelöst

!) Eingelangt in Wien am 15. um 4h früh. Conrad, IV, 394.

2) Als Warner trat vor allem der der Operationsabteilung des AOK. zugeteilte Obst. Graf Szeptycki auf, der als Militärattache den russisch-japanischen Krieg mitgemacht hatte.

wurde, der Kritik am wenigsten stand, wobei freilich die außergewöhnlichen Schwierigkeiten nicht übersehen werden dürfen, die hier zu überwinden waren und schon in der Gestaltung des Aufmarschraumes begründet gewesen sind. Wohl hatten sich in den letzten Friedensjahren im Generalstab schon Stimmen dafür erhoben, die verschiedenen tiefeingeschnittenen, versumpften, parallel laufenden Nebenflüsse des Dniester zu einer defensiven Durchführung des Flankenschutzes zu benützen. In den Stunden der Feuerprobe wurde aber dann doch, „dem Geiste der Erziehung und Ausbildung bei Führern und Truppe“ *) entsprechend, die offensive Lösung versucht, wodurch die ganze Augustoperation den Charakter eines fächerförmig auseinandergehenden Angriffes bekam.

Im einzelnen ergab sich bei der Durchführung dann allerdings, daß Conrad mehr an einen von der 3. Armee mit eng zusammengefaßten Kräften gegen den Nordflügel der Ostgalizien überflutenden Russen geführten Stoß dachte, indes der Armeeführer GdK. Brudermann am ersten Schlachttage im Bestreben, die Russen noch in auseinandergezogener Marschordnung zu treffen, die Nachteile eines weniger geschlossenen Angriffes in Kauf nahm und damit einen Mißerfolg erlitt. Es ist aber doch fraglich, ob sich ein festgefügter Stoßkeil gegenüber der gewaltigen russischen Übermacht besser behauptet hätte. Höhere Einschätzung der Stärke der Abwehr, als sie zu Kriegsbeginn allenthalben üblich war, hätte wohl zu der defensiven Lösung in der angedeuteten Form führen müssen. Dabei wäre den bis zum 30. August südlich des Dniester versammelten Teilen der 2. Armee die Aufgabe zugefallen, den bis dahin höchstens bis vor die Linie Mikołajów—Lemberg gelangten Russen aus den zu solchen Zwecken eingebauten, in Wirklichkeit aber nicht ausgenützten Dniesterbrücken-köpfen in die Südflanke zu fallen. Bei dieser Lösung wäre es auch möglich gewesen, im Rahmen der 3. Armee manche der zahlreichen Landsturmverbände mit Nutzen zu verwenden, die in anderen Abschnitten, vor allem am linken Flügel Dankls (Armeegruppe Kummer), durch manövrierfähigere Linientruppen zu ersetzen gewesen wären. So aber langte die 3. Armee nach den mutvollen, jedoch vergeblichen Angriffen vom 26. und 27. August schon schwer verwendet an der Gniła Lipa an und die hier an ihrem Südflügel eingreifenden Divisionen der 2. Armee konnten gegenüber den Brudermann schwer bedrohenden Umfassungsmanövern des Feindes auch nicht mehrdurchdringen.Das Versagen einzelnerUnterführer und Truppen, Paniken, die auch hervorragende Regimenter nicht verschonten, und

x) FML. Metzger in Schwarte, V, 31.

andere Zwischenfälle taten ein übriges, zum Abbruch der Schlacht an der Gniła Lipa, zur Preisgabe Lembergs und zum Rückzug an die Wereszyca zu nötigen.

Die Begrenzung des Nordstoßes

Der Chef des Generalstabes hatte noch vor Beginn der Kämpfe damit gerechnet, daß ihn stärkerer Druck von Osten unter Umständen dazu zwingen könnte, dem Nordstoß frühzeitig engere Grenzen zu setzen. Schon nach der Schlacht bei Złoczów kam er auf diese Erwägungen zurück. Keine geringe Rolle spielte dabei das Ausbleiben der deutschen Vorrückung auf Siedlec, mit der Conrad bei Kriegsbeginn bestimmt gerechnet hatte. Denn wenn auch das deutsche Ostheer nach dem vorzeitig abgebrochenen Angriff bei Gumbinnen zu einem Vorstoß an der Südfront Ostpreußens abgeschwenkt war, so war doch selbst unter der Voraussetzung, daß sich der Bundesgenosse geneigt zeigte, den Druck über den unteren Narew fortzusetzen, mit einem Wirksamwerden der Entlastung durch die Deutschen nicht sobald zu rechnen. So kam es zum ersten dazu, daß die Heeresleitung dem Nordstoß die Bahnlinie Cholm—Lublin zum Ziele setzte, um möglichst bald Kräfte für das Lemberger Schlachtfeld freizubekommen. Außerdem gab sie dem Einkreisungsmanöver Auffenbergs ihre Zustimmung, womit sie auch den strategischen Aufbau des Nordstoßes in ziemlich einschneidender Weise abänderte.

Während Conrad mit den Operationen der 1. Armee vollkommen zufrieden war, schreibt er in seinen Denkwürdigkeiten über die Armee Auffenberg bei Erörterung der Ereignisse des 30. August: ,,Ich hatte mir die Offensive der 4. Armee als ein Fortschreiten in breiter Front gedacht60).“ Das Aufreißen einer weiten Lücke durch das Einschwenken der Gruppe Erzherzog Peter Ferdinand nach Osten, einer Lücke, die unter Umständen auch der 1. Armee sehr gefährlich werden konnte, stand diesen Vorstellungen Conrads entgegen, wenn auch zunächst der Vorstoß des

X. Korps gegen Krasnostaw das russische XXV. band und damit zugleich am wirksamsten den Rücken des Erzherzogs Peter sicherte. An ihrem rechten Flügel entfernte sich die 4. Armee immer weiter von der 3., nördlich von Lemberg eine breite Zone freigebend, deren verhältnismäßig günstigeres Wegnetz den Feind zu Flanken- und Rückenangriffen gegen beide Armeen einlud. In den letzten Augusttagen wirkte sich die Angriffskraft des öst.-ung. linken Heeresflügels auf nicht weniger als drei oder sogar vier Brennpunkten aus: östlich von der Huczwa (Erzherzog Joseph Ferdinand), Komarów (Masse der 4. Armee), Krasnostaw (rechter Flügel der 1.) und Opole, wo Kummer noch einen allerdings bald verglimmenden Angriff versuchte. Aus dieser Gestaltung der Schlacht spricht der die beteiligten Armeeführer erfüllende Siegeswille; daß es auch an Verständnis für das Ganze nicht gebrach, erwies die Bereitwilligkeit, mit der Dankl, trotzdem vor ihm selbst noch schwere Aufgaben lagen, zugleich den Flankenschutz Auffenbergs übernahm. Dennoch ist es fraglich, ob sich der Verlauf der Schlacht ebenso gestaltet hätte, wenn die Aufmerksamkeit der Heeresleitung nicht so stark durch die Ereignisse östlich von Lemberg gefesselt oder der ganze linke Heeresflügel einem gemeinsamen Heeresgruppenkommando unterstellt gewesen wäre !).

Vielleicht hätten sich alle vorstehend erörterten Übelstände bei der Nord- und Ostgruppe vermeiden lassen, wenn das ganze öst.-ung. Nordheer aus der San-Dniesterlinie mit mehr nach Nordosten gerichteter Front zum Angriff vorgeführt worden wäre. In diesem Falle wären die widrigen Zwischenfälle, die sich durch das Aufspringen einer Lücke zwischen 4. und 3. Armee beim tatsächlichen Operationsverlaufe hier ereigneten, diesen beiden Armeen vermutlich erspart geblieben. Hauptbedingung wäre aber immer ein starker linker Heeresflügel gewesen, um mit Sicherheit über Lublin hinaus Vordringen zu können.

Ein voller Sieg Auffenbergs in dem Ausmaße, wie ihn etwa der 29. oder 30. August verhieß, hätte freilich die erwähnten Nachteile auch reichlich wettgemacht. Infolge des Zurückschwenkens der Gruppe Erzherzog Peter wurde aber aus dem erhofften ,,Cannae“ bloß ein „ordinärer Sieg“. Und als die Verfolgung des überall exzentrisch weichenden Feindes einsetzte, zeigte sich ein weiterer Übelstand der Verlegung des Schwergewichtes von Dankl auf Auffenberg. Während jener im gleichen Falle infolge der größeren Entfernung von der 3. Armee immer noch einige wertvolle Tage für eine rücksichtslose Verfolgung zur Verfügung gehabt hätte, nötigte diesen das Mißgeschick der unmittelbar benachbarten

3. Armee und die daraus erwachsende Rückenbedrohung unter allen Umständen zu frühzeitigem Ablassen von den geschlagenen Russen2), wodurch die Ergebnisse des auf der Walstatt in zähem Streiten errungenen Sieges erheblich geschmälert wurden.

1)    Conrad, IV, 711.

2)    „Man hätte der 4. Armee mindestens drei Tage Verfolgungsaktion gestatten sollen.“ (Auffenberg, Teilnahme am Weltkrieg, 258.)

Für und wider die Schlacht hei Rawa Ruska—Lemberg

Die Tatsache, daß die russische 5. Armee nicht im erwünschten Maße lahmgelegt war, bildet für die Kritiker eines der Hauptargumente gegen das nun von Conrad eingeleitete Manöver, das in die Schlacht bei Rawa Ruska—Lemberg auslief. Unter den Gründen, die zur späteren Enthebung Auffenbergs führten, spielte in der Tat der Vorwurf, der Armeeführer habe die Größe seines Erfolges in zu glänzenden Farben geschildert, eine gewisse Rolle. Auffenberg wehrte sich in seinen Denkwürdigkeiten *) gegen diesen Vorwurf aufs entschiedenste; kein gesprochenes und kein geschriebenes Wort berechtige hiezu. Daß die Raschheit, mit der sich Plehwe wieder zum Vormarsch erhob, für die öst.-ung. Führung eine peinliche Überraschung bildete, ist dennoch nicht zu leugnen. Die daraus und aus dem Rückzuge der 1. Armee für das AOK. erwachsende Nötigung zum Abbruch der Lemberger Schlacht gibt fast allen Kritikern des Feldzuges die Gelegenheit, schärfstens zu verurteilen, daß Conrad den Kampf um Lemberg überhaupt noch aufgenommen hat. Selbst der in seinen Urteilen sonst so zurückhaltende GO. Arz schreibt auf S.31 seiner Kriegserinnerungen:

„Der Entschluß, die Schlacht an der Wereszyca wieder aufzunehmen, fußte wohl auf der Voraussetzung, daß die 1. Armee im Verein mit der Gruppe Kummer und gestützt vom Landwehrkorps Woyrsch sich gegen die feindliche 4. Armee erfolgreich behaupten werde und daß Erzherzog Joseph Ferdinands Gruppe genügend stark sei, um die vermeintlichen Schlacken der geschlagenen 5. Armee so lange im Banne zu halten, bis die 4. Armee, nach Süden vorstoßend, in den Kampf der 3. Armee eingreifen könne. Diese Prämissen trafen aber, wie dargelegt wurde, nicht zu; da lag die Frage nahe, ob — da nun Lemberg einmal aufgegeben war — eine Zurücknahme der Armeen an den San nicht die Möglichkeit geboten hätte, hier, gestützt auf die Festung Przemyśl und die Brückenköpfe, erfolgreich Widerstand zu leisten . .

Auffenberg spricht der Schlacht bei Rawa Ruska—Lemberg jedenfalls vom 7. September an jede Erfolgsmöglichkeit ab; von diesem Momente an seien ,,die Chancen . .. nahezu Null gewesen“. Einzig Freytag-Loringhoven sagt: ,,Der Entschluß der öst.-ung. Heeresleitung, nach dem Verlust von Lemberg alle verfügbaren Kräfte zur Wiedergewinnung der Stadt zusammenzufassen, war ein solcher höchster Kühnheit. Schon deshalb erscheint er gerechtfertigt. . . Einen entscheidenden Sieg zu erstreben, darf im Krieg nichts unversucht bleiben61).“ Und anderswo heißt es beim gleichen Schriftsteller, der allerdings einbekennt, im Augenblicke der Tat für den ungesäumten Rückzug hinter den San gewesen zu sein:

„Die Kühnheit des Entschlusses, alle irgend verfügbaren Kräfte zur Wiedereinnahme von Lemberg einzusetzen und an diesem Entschluß trotz ungünstiger Nachrichten vom linken Heeresflügel festzuhalten, verdient unzweifelhaft Anerkennung *).“ Ob nun tatsächlich alle sonst entbehrlichen Kräfte zur Entscheidungsschlacht bei Rawa Ruska—Lemberg herangezogen wurden, ist fraglich. Vielleicht hätte man hiezu noch ein äußerstes wagen können, indem man dem geschlagenen Plehwe nur verschleiernde Reiterei folgen ließ, das II. und XIV. Korps jedoch, also die ganze Infanterie der Gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand, nach Süden ansetzte. Dem solcherart von wesentlich stärkeren Kräften geführten Stoß hätte Rußki bei Rawa Ruska kaum standhalten können. Die Entscheidung bei Lemberg hätte allerdings gefallen sein müssen, ehe die erneut vorgehende russische 5. Armee sich nach etwa sechs Tagmärschen nördlich von Lemberg wieder fühlbar machen konnte.

Wie es scheinen will, läßt sich die Kritik doch allzu stark dadurch beeinflussen, daß der grausame Rechtsprecher über jegliche Feldherrntat, der Erfolg auf dem Schlachtfelde, gegen die öst.-ung. Heeresleitung entschieden hat. Dabei übersieht sie die immerhin recht bedeutenden Erfolgsmöglichkeiten, die sich während der Schlacht ergaben, und die nicht infolge der Schwächen der allgemeinen Anlage, sondern aus anderen Ursachen ungenützt geblieben sind.

Den tragenden Gedanken der großen Entschlußänderung in die Tat umzusetzen, ist allerdings nicht geglückt. Die Bedrohung seines Westflügels durch Dankl und Auffenberg hatte den russischen Führer Iwanow entgegen den Plänen der Stawka veranlaßt, seine 3. Armee nicht über Lemberg westwärts vorstoßen zu lassen, sondern zur Entlastung Plehwes in den Raum nördlich der galizischen Hauptstadt zu rufen. Dadurch fing er, ohne es zu ahnen, den von Conrad eingeleiteten Flankenstoß der Armee Auffenberg im Frontalkampf auf. Aber die öst.-ung. Heeresleitung zögerte nun auch ihrerseits nicht, sofort ihre Schlußfolgerungen zu ziehen und den Entscheidungskampf auf den Südflügel zu verlegen. Daß sich dabei gleich zu Beginn des Umfassungsstoßes der Verlust von Mikołajów, das zwei Tage früher durch eine Panik der Besatzung verloren gegangen war, empfindlich fühlbarmachte,gehört schon zu den unglücklichen Umständen, die — außerhalb der aus der allgemeinen Schlachtanlage erwachsenden Nachteile — der öst.-ung. Führung den zäh verfolgten Sieg entwanden.

x) Freytag-Loringhoven, Menschen und Dinge, 224 f.

Nichtsdestoweniger zeigte der Feind mehr als einmal Miene, sich vor Böhm-Ermolli auf die nur geringen Schutz gewährenden Wälle von Lemberg zurückzuziehen. Eine noch größere Erfolgsmöglichkeit scheint sich nach der russischen Literatur an den inneren Flügeln Brussilows und Rußkis geboten zu haben, dort, wo die Kaiserschützen in schneidigem Vorstoß die feindlichen Linien fast entzweirissen. Wer weiß, ob nicht eine entscheidende Wendung eingetreten wäre, wenn die 3. Armee, statt sich in den schweren Stirnangriffen östlich von Gródek und bei Janów zu erschöpfen, ihre Anstrengungen auf jene verwundbarste Stelle des Feindes bei Lelechówka vereinigt hätte! Stündlich widerhallten die feindlichen Hauptquartiere von Rußkis Klage, daß die Lage an diesem Nahtpunkte „außerordentlich ernst“ sei.

Dieses eine mag freilich zur Erwägung stehen: ob es aussichtsreich war, den ermatteten, von ihrer an Munitionsknappheit leidenden Artillerie nur mangelhaft unterstützten Regimentern noch den Generalangriff vom

10. und 11. September zuzumuten, nachdem die 1. Armee schon im Weichen war und zwischen ihr und der Erzherzogsgruppe der Feind schon nahezu im Rücken Auffenbergs stand. Das Kräfteverhältnis westlich von Lemberg verhieß in solch äußerst gespannter Lage kaum mehr einen durchschlagenden Erfolg. Dafür hätte ein rührigerer Feind, als es der Russe war, das öst.-ung. Nordheer sehr wahrscheinlich in schwerste Bedrängnis versetzt, erheblichen Teilen den Rückzug verlegt oder die Hauptkräfte überhaupt in die Karpathen abgedrängt. Nun ist solchen Erwägungen allerdings entgegenzuhalten, daß die Rückwirkung eines harten Kampfes auch beim Feinde nicht ausbleiben kann und die richtige Einschätzung des Gegners mit zu den Eigenschaften gehört, die den Feldherrn auszuzeichnen hat. Auch mag man angesichts der Kühnheit, mit der die öst.-ung. Leitung die letzte Möglichkeit eines Schlachtenerfolges ausschöpfte, unwillkürlich einen Vergleich anstellen zwischen der Zähigkeit, mit der im Osten der Feldherr den Sieg erstrebte, und zwischen der Hast, mit der in den gleichen Tagen und Stunden an der Marne einem Augenblick der Schwäche in der Heeresführung nachgegeben worden ist.

Der Stoß auf Siedlec

Unter den großen Streitfragen, die der erste Feldzug gegen Rußland aufgeworfen hat, ist nun noch das vielumstrittene Problem des „Stoßes auf Siedlec“ zu streifen. Wenn Groener schreibt, daß Conrad und Moltke der Jüngere bei ihren mündlichen und schriftlichen Vereinbarungen im

Frieden „um den Kern wie um den heißen Brei herumgegangen sind1)“, so hat er damit nicht so ganz Unrecht. Die Einleitung der gemeinsamen Kriegführung im Osten kam wirklich nicht über die bescheidensten Ansätze hinaus. Aber daß Moltke dem öst.-ung. Chef des Generalstabes einen Stoß über den Narew versprochen hat, ist doch wohl nicht zu widerlegen, wobei angesichts der späteren tatsächlichen Geschehnisse auf eine nähere Erörterung dessen, ob ein Stoß in der „Richtung Siedlec“ oder „über Siedlec“ verabredet war, füglich verzichtet werden kann2). Andererseits ist freilich nicht zu leugnen, daß in den Erwägungen des deutschen Generalstabes über die Kriegführung im Osten, seit die Hauptmasse des Heeres zuerst nach Westen fahren sollte, der defensive Gedanke, sich zunächst die gegen Ostpreußen aufmarschierenden Russen vom Leibe zu halten, gegenüber anderen Plänen weit überwog. Das war an sich verständlich, schloß aber die Erfüllung des dem Verbündeten gegebenen Versprechens in begrenztem Maße noch keineswegs aus. Wesentlich war nur, welche der beiden an den Grenzen Ostpreußens aufmarschierenden Russenarmeen man früher angehen wollte, die am Njemen oder die am Narew. Griff man zuerst gegen den Narew an, mit der russischen Njemenarmee im Rücken, dann mochte im allgemeinen die Handlungsfreiheit des deutschen Ostheeres gegen Süden hin recht beschränkt sein. Erledigte man hingegen zuerst die Njemenarmee, dann hatte man später gegen die Narewarmee hinreichende Bewegungsmöglichkeit, um auch den Wünschen des Verbündeten wenigstens einigermaßen entgegenzukommen. Dabei ergab sich im Ernstfall, daß es am Ende nicht unbedingt entscheidend war, ob sich wirklich, wie Conrad es zu Zeiten für möglich hielt, der Stoß über Siedlec hinauf führen ließ, oder ob der Druck nur bis zum Narew oder knapp über diesen hinweg wirksam werden konnte. Deutscherseits wird einstimmig

x) G r o e n e r, 114. — Zum „Stoß auf Siedlec“ hat die Kritik des großen Krieges vielfach Stellung genommen. Außer den betreffenden Abschnitten bei K a b i s c h, Moser, F r e y t a g-L oringhoven usw. ist von Zeitschriftenaufsätzen besonders zu erwähnen: K i s z 1 i n g, Das deutsche Ostheer im Sommerfeldzug 1914 (Mil. wiss. Mitt., Jhrg. 1924, 385 ff). — Horsetzky, Österreichische Randglossen zum Buche eines preußischen Generals (Öst. Wehrzeitung, Jhrg. 1925, Folge 11 und 12); — ferner der Meinungsaustausch Steinitz-Schäfer (Deutscher Offizierbund, Jhrg. 1927, Nr. 7, 9 und 13).

2) Bezeichnenderweise versicherte auch GM. Graf Waldersee, bei Beginn des Krieges Chef des Generalstabes der 8. Armee, den GdI. Conrad am 24. Jänner 1913 in Wien, daß sich das deutsche Ostheer an und östlich der unteren Weichsel versammeln werde, um mit dem rechten Flügel gegen Warschau anzugreifen (Conrad,

III, 87 f).

die Anschauung vertreten, daß das kleine deutsche Ostheer zu einem weitreichenden Unternehmen in den Rücken von Warschau auf keinen Fall stark genug gewesen wäre1), und Conrad hätte in der Tat vielleicht besser getan, in seinen Mahnungen weniger von Siedlec und mehr vom unteren Narew zu sprechen. Aber was auch bloß die Bedrohung des Narew für die russische Führung bedeutet hätte, das hat das Verhalten der Stawka um die Monatswende August—September 1914 zur Genüge bewiesen (S. 221 und 256).

Schlieffen sprach sich mehr dafür aus, zuerst die Njemenarmee anzugehen, der jüngere Moltke neigte zur entgegengesetzten Lösung hin. Conrad hätte auch dem infolge des Fernbleibens der Italiener verkleinerten deutschen Ostheer die ungesäumte Führung des Südstoßes unter entsprechender Deckung gegen Nordosten hin zugemutet. Als sich GO. Prittwitz zunächst gegen Gumbinnen wandte, war dies für den öst.-ung. Generalstabschef die erste Enttäuschung, die ihn freilich nicht hinderte, zum Angriff überzugehen. In der Tat wäre der Vorstoß des deutschen Ostheeres gegen die feindliche Njemenarmee, wenn ihn Prittwitz nicht vorzeitig abgebrochen hätte, der Kriegführung des Bundesgenossen wesentlich besser zustatten gekommen, als das nun folgende Abschwenken gegen die russische Narewarmee ohne Erledigung Rennenkampfs. Wieder kann Groener als literarischer Kronzeuge angeführt werden:

„GO. v. Moltke hatte im Frieden eine Unterstützung der öst.-ung. Offensive aus Galizien zwischen Bug und Weichsel durch eine deutsche Offensive aus Ostpreußen gegen den Narew zugesagt. Wenn diese Zusage gehalten werden sollte, so mußten die Operationen in Ostpreußen so verlaufen, daß zuerst die russische Njemenarmee vernichtet und dann die Narewarmee aus dem Wege geräumt wurde. Dann stand den Deutschen der Weg über den Narew offen, der schnelle Fall der Narewfestungen war nicht zu bezweifeln. Im Zuge der Verfolgung gelangten die Deutschen über den Fluß. Das Auftreten neuer russischer Kräfte aus der Linie Bjelostok—Brest-Litowsk und von Warschau her war zu erwarten. Dies mußte man in Kauf nehmen, um die dem Gen. Conrad v. Hötzendorf gegebene Zusage zu erfüllen. Da die Reihenfolge der Operationen in Ostpreußen nicht innegehalten wurde, kam es anders . . .2).“

Nun wird gewiß niemand in Abrede stellen, daß es dem deutschen Ostheer gelungen ist, im Vergleich zu seiner eigenen Stärke erstaunlich große russische Kräfte zu binden, was natürlich mittelbar dem öst.-ung. Nordheer zustatten kam. Es ist aber doch die Frage, ob die deutsche 8. Armee nicht wenigstens dadurch, daß sie nach Tannenberg die Verfolgung noch bis an den Narew fortsetzte, gerade in den Tagen, da der öst.-ung. Nord-

x) Groener, 174.

2) Ebenda, 173.    _    v    ^ stoß kulminierte, auch besonders wertvolle unmittelbare Entlastung hätte bringen können. Noch einmal sei Groener angeführt:

„Auf deutscher Seite sprachen nach der Schlacht bei Tannenberg manche Gründe dafür, die Verfolgung unverzüglich wenigstens bis zum Narew durchzuführen und die Reste der Armee Samsonows sowie etwa noch eintreffende Verstärkungen vollends zu zertrümmern. Ob und wie weit man über den Narew vorstieß, konnte offen bleiben. Zum Schutz des Rückens der 8. Armee gegen die Njemenarmee trafen soeben, aus dem Westen kommend, das XI. Korps und das Gardereservekorps sowie die 8. KD. in Ostpreußen ein. Im übrigen war es nach dem abschreckenden Beispiel von Tannenberg nicht sehr wahrscheinlich, daß die Njemenarmee ohne bedeutende Verstärkungen nochmals versuchen würde, in Ostpreußen vorzudringen 1).“

Die Auffassung Groeners, daß dem bei Tannenberg siegreichen deutschen Ostheer von Rennenkampf her fürs erste keine Gefahr drohte, wird durch die russische Literatur bestätigt. Aus ihr geht nicht nur hervor, daß die Russen zunächst lediglich an die Behauptung der Njemen-Bobr-Narewlinie dachten, sondern daß ein Vorstoß des deutschen Ostheeres gegen den Narew die Stawka möglicherweise veranlaßt hätte, den eben gegen die öst.-ung. Front erlassenen allgemeinen Angriffsbefehl ganz oder teilweise zu widerrufen und den rechten Flügel der Südwestfront auf Siedlec zurückzunehmen. Es wäre das jenes Ergebnis gewesen, das sich Conrad aus dem immer wieder begehrten „Stoß auf Siedlec“ erhofft hatte (S. 273). Aber auch im ungünstigeren Falle hätte ein nur ein paar Tage währender Druck der deutschen 8. Armee gegen den unteren Narew vielleicht doch wenigstens einen erheblichen Teil der Reserven auf sich gezogen, die Nikolai Nikolajewitsch für die Lubliner Front bestimmt hatte. Der Abmarsch der Deutschen gegen Rennenkampf ließ in der einen wie in der anderen Hinsicht die Probe aufs Exempel unausgeführt.

Das Ergebnis des Feldzuges

Zu einem abschließenden Urteil über eine Operation ist es nötig, klarzustellen, inwieweit sie das ihr gesteckte Ziel erreicht hat. Es spricht für die Schwierigkeiten der Aufgabe, vor die der Mehrfrontenkrieg die Mittelmächte von Anbeginn gestellt hat, daß in der Kritik sogar das Hauptziel des öst.-ung. Feldzuges gegen Rußland schon umstritten ist. Wohl ist es eine geschichtliche Tatsache, daß Österreich-Ungarn die Speere Rußlands von Deutschland abzuziehen hatte, und daß Deutschland bei Beginn

*) Groener, 173 f.

der Operationen auf die Erfüllung dieser entsagungsvollen Aufgabe durch den Bundesgenossen größten Wert legte. Dem wird nun aber, seit die russischen Pläne besser gekannt sind, entgegengehalten, daß die Russen ohnehin nicht die Absicht gehabt hätten, sich vor der Niederwerfung Österreich-Ungarns auf Deutschland zu stürzen, daß demnach von einer „Winkelriedrolle“ der k. u. k. Armee im eigentlichen Sinne nicht mehr gesprochen werden könne x). Abgesehen davon, daß die verbündeten Generalstäbe in Unkenntnis der tatsächlichen russischen Pläne damals stark mit einem ungesäumten Angriff Rußlands auf Deutschland rechneten und dazu auch manchen Grund hatten, lagen doch auch für Rußland selbst die Probleme in der rauhen Welt der Tatsachen nicht so einfach wie am grünen Tisch. Wohl hatte Rußland die Absicht, zuerst Österreich-Ungarn entscheidend zu schlagen. Aber der vollen Verwirklichung dieser Absicht stand doch auch das Frankreich gegebene Versprechen gegenüber, sich möglichst bald und mit möglichst starken Kräften in die Richtung Berlin zu wenden. Dieses Versprechen drückte den Deutschenhasser Nikolai Nikolaje witsch von Haus aus; je mehr sich im Laufe der ersten Kriegswochen Frankreich bedrängt fühlte, um so eindringlicher wurde der Großfürst auf allen erdenklichen Wegen an die von Rußland übernommenen bundesgenössischen Pflichten gemahnt. Schon hatte er, um seinen guten Willen zu bezeugen, um Warschau die Bildung zweier „Vorhutarmeen“ für den Westmarsch in Aussicht genommen. Ob er, wenn ihm die öst.-ung. Heeresleitung durch eine Defensive am San und am Dniester die Initiative überlassen hätte, zäh genug gewesen wäre, dem Drängen Frankreichs so lange zu widerstehen, wie er es nachher wirklich tun mußte ? Ob er nicht wenigstens gegen Ostpreußen so starke Kräfte angesetzt hätte, daß ihnen selbst der Führergenius Hindenburgs nicht mehr gewachsen gewesen wäre ? Gewiß hatte das deutsche Ostheer unter Hindenburgs glänzender Führung hervorragenden Anteil, wenn Rußland um so viel länger, als es von den Alliierten je besorgt worden war, östlich der Weichsel gebunden blieb. Aber wenn ein reichsdeutscher Kritiker Gewicht darauf legt, ausdrücklich zu betonen, daß die „Retter Berlins“ nicht der öst.-ung. Generalstabschef, sondern nur die Männer an der Spitze der deutschen

8. Armee gewesen seien2), so liegt darin denn doch eine unverdiente Unterschätzung dessen, was der Bundesgenosse im Rahmen der gemeinsamen Kriegführung vollbringen wollte und auch vollbracht hat.

x, Vgl. hiezu u. a. Auffenberg, Höhe und Niedergang, 289f. — Kabisch, Streitfragen, 83 ff.

2) Kabisch, Streitfragen, 83.

Hat der erste öst.-ung. Feldzug gegen Rußland das große strategische Ziel in den Grenzen des Möglichen erfüllt, so läßt sich gleiches wohl nicht von dem operativen Ziel sagen, dessen Erreichen Conrad bis zum

11. September erstrebte, und das darin bestand, daß er die Russen trotz ihrer sich immer mehr geltend machenden Übermacht an Truppen und vor allem an Artillerie schlagen wollte. Vielleicht hat der Generalstabschef sich und seiner Armee mit dieser Aufgabe zu viel zugemutet. Auf der anderen Seite ist aber doch zu sagen, daß auch der Feind sein Ziel, das öst.-ung. Nordheer vernichtend zu besiegen, nicht zu erreichen vermocht hatte. FM. Conrad trifft wohl den Kern der Frage, wenn er in seinen Denkwürdigkeiten schreibt:

„Die k.u.k. Armeen waren nicht geschlagen, sie mußten nur zurückgeführt werden, um sie einer Lage zu entziehen, die bei der Fortsetzung des Kampfes zu einer Niederlage hätte führen können. Davor blieben sie bewahrt. Der erste Schlag (Kraśnik) und der zweite Schlag (Komarów) waren gelungen, der dritte (Lemberg, Przemyślany) und der vierte (Lemberg, Rawa Ruska) waren es nicht. Vielleicht würde der fünfte, der sechste oder ein noch späterer Schlag gelingen und die Entscheidung bringen! Dafür wollte ich mir die Freiheit des Handelns wahren und die Streitkräfte ehestens retablieren. Nur von der Freiheit des Handelns war Heil zu erwarten. Daß in den wochenlangen Kämpfen der Gegner schwer gelitten hatte, war unzweifelhaft, daß dies aber bis zu einem Maße der Fall war, das ihm ein Ausnützen der Lage verwehrte und ihn unfähig machte, den Rückmarsch der k.u.k. Armee zu stören, ward erst allmählich erkennbar ...*).“

Der zurückweichenden Armee dieses Ergebnis verständlich zu machen war freilich nicht leicht.

Die Lehre von der Bedeutung des Anfangserfolges gehört seit je zu den Axiomen der Wissenschaft vom Kriege. Der Weltkrieg scheint sie Lügen gestraft zu haben. Sieg und Mißgeschick wechselten noch vier Jahre lang ab, ohne daß die ersten Schlachten irgendwie das Recht gewährt hätten, aus ihnen auf das Endergebnis zu schließen. Trotzdem wäre es falsch, auf Grund dieser Erfahrung den ersten Eindrücken auf dem Schlachtfeld jede Bedeutung abzusprechen. Dies gilt ebenso für einzelne Truppenverbände wie für ganze Armeen.

Für den schlichten Kämpfer war die Art seines ersten Zusammentreffens mit dem Feinde oft von nachhaltigster Wirkung. Nicht ohne Grund sind in der vorliegenden Darstellung trotz der Gefahr, den Leser zu ermüden, alle wichtigeren Fälle von Massenschreck angeführt, dem auffallend viele Truppen während der ersten Kämpfe in einem Augenblick der Bestürzung zum Opfer gefallen sind. Die niedere und mittlere Führung hätte mehr darauf bedacht sein müssen, der Truppe solche Augen-

J) Conrad, IV, 710 (auszugsweise wiedergegeben).

I 2. Aufl.    22

blicke durch vorsichtigeres Vorgehen zu ersparen. Manche Abteilungen hatten an solchen Eindrücken lange Zeit zu tragen, und der Ruf „Kosaken kommen“ tat da und dort noch im Jahre 1917 seine Wirkung.

Ebenso ist bemerkenswert, wie manche Heeres- und Truppenverbände dann, wenn das allzu ungestüme, oft überhastete Angriffs verfahren Zweifel in dessen Richtigkeit erweckte, unverkennbar an Spannkraft einbüßten. Dies war namentlich zu beobachten, wenn solche Angriffe mit einem Mißerfolg endeten. So fällt es auf, wie sich bei Rawa Ruska die Armee Auffenberg unter dem frischen Eindruck des eben erfochtenen Sieges auch überlegenen russischen Kräften gegenüber und in schwierigster Lage zu behaupten wußte, indes zu gleicher Zeit weiter südlich die 3. und die 2. Armee, noch voll des bitteren Erlebnisses der Schlachten östlich von Lemberg, gegen einen zahlenmäßig zweifellos schwächeren Feind nicht durchzudringen vermochten.

Nun war, nach dem 11. September, für das öst.-ung. Nordheer in seiner Gesamtheit der Feldzug zu einem schmerzlichen Erlebnis ausgereift. Trotz unerhörter Anstrengungen und Opfer hatte der mit unvergleichlichem Schwung vorwärts getragene Angriff mit der Preisgabe der durch das Blut der Besten geheiligten Walstatt und mit einem auf Hunderte von Kilometern ausgedehnten Rückzuge geendet, der die errungenen Erfolge in der Erinnerung verblassen und die bitteren Eindrücke um so lebhafter fort wirken ließ. So gesellte sich den Einbußen an Gut und Blut zweifellos auch moralischer Schaden bei, den die Armee, wenn überhaupt je ganz, so nur langsam zu überwinden vermochte. Der strategische Erfolg, den Österreich-Ungarns Wehrmacht im Rahmen der Bundeskriegführung erfochten hatte, war sonach wahrlich nicht billig erkauft. Um so mehr mußte man, wenn man dieses Heer zuerst auf dem Rückzuge sah und vierzehnTage darauf wieder seinen unverdrossen aufgenommenen Vormarsch erlebte, ob der außergewöhnlichen Kräfte erstaunen, die diesem Organismus auch nach den schweren Erschütterungen der ersten Feuerprobe inne wohnten, und die sich noch ganz anders bewähren sollten.

DER HERBSTFELDZUG 1914 GEGEN RUSZLAND

Die Feldzugspläne bei Freund und Feind

Vorbereitungen für den ersten gemeinsamen Feldzug

der Verbündeten

Hiezu Beilage 14 sowie Skizzen 17 und 18

Fortführung des öst.-ung. Rückzuges nach Westgalizien und in die

Karpathen

Das zögernde Verhalten der Russen sicherte der Masse des öst.-ung. Nordheeres nach dem Anlangen am San einige Tage eine den Verhältnissen gemäße Ruhe. In Auswirkung der Weisungen, die Iwanow am 13. erlassen hatte (S. 318), kam es zwischen dem 14. und 16. September nur im Waldgebiet südlich der Sanmündung zu stärkerer Kampfberührung mit dem Feinde. Die Truppen Dankls gaben bis zum 15. abends schrittweise dem Druck der 9. Russenarmee bis in die Linie Wola-Królewska (westlich von Leżajsk) — Tarnobrzeg Raum. Von den anderen russischen Armeen gewann an diesem Tage die 4. Krzeszów, wo sie ein Gardebataillon über den Fluß setzte, und die Gegend bis Tarnogród, die 5. kam bis halben Weges zwischen Lubaczów und Jaroslau heran, die 3. bis Jaworów, die 8. bis Sądowa Wisznia. Die 3. und die 5. Armee waren bei den Verfolgungskämpfen gegen Auffenberg nicht unerheblich ineinandergeraten. Auch der Aufbau der 9. und der 5. Armee entsprach nicht ganz den Absichten des Frontkommandos; dieses erinnerte, daß die Hauptmarschrichtung nicht südwärts, sondern westwärts gehen werde. Sowohl der Blick Iwanows wie der seines Stabschefs Alexejew war vor allem auf Przemyśl gerichtet, das sich der Fortführung des Vormarsches in den Weg stellte und möglichst bald eingeschlossen werden sollte. War dies geschehen und für die Verbindungen gesorgt, dann konnte an ein weiteres Vordringen in der Richtung Krakau gedacht werden. Diesem Plane entsprachen die Weisungen, die Iwanow am 18. erließ. Darnach sollten die 3. und die 8. Armee gegen die öst.-ung. Front Radymno—Przemyśl—Chyrów vorgehen, wobei die Deckung gegen die Karpathenpässe im näheren Bereiche der 8. Armee, im weiteren dem Dniesterdetachement zugedacht war. Nördlich dieser Gruppe hatte die 5. Armee über Jaroslau und Przeworsk bis an die Straße Przemyśl—Dynów auszugreifen, indes der 4. und der

9. Armee die Gewinnung des Raumes Rzeszów—Kolbuszowa und der unteren Wisłoka aufgetragen wurde. Das schon am 16. aus fünfeinhalb Reiterdivisionen gebildete Korps Nowikow hatte nördlich der Weichsel zu sichern und im ganzen Umkreis zwischen Czenstochau und Krakau aufzuklären. Für den Beginn der neuen Vorrückung war der 22. September ausersehen.

Diese Direktiven wurden allem Anschein nach noch in ziemlicher Unkenntnis der Bewegungen erlassen, die inzwischen der Gegner anzutreten begonnen hatte.

GdI. Conrad hatte sich noch während der Schlacht bei Lemberg zur Anschauung durchgerungen, daß es im Falle eines Rückzuges mit der Räumung Galiziens bis zum San nicht sein Bewenden haben werde. Auch der die Sanverteidigung betreffende Befehl, den die Heeresleitung am

12. früh vor ihrer Abreise aus Przemyśl erließ62), hatte wohl vornehmlich den Zweck verfolgt, den Armeen den unbedingt nötigen vorübergehenden Halt in Mittelgalizien zu sichern. Neben dem Zustand der Truppe, der zweifellos ein weiteres „Absetzen“ vom Feinde für wünschenswert erscheinen ließ, war für den Entschluß Conrads, nicht am San zu verharren, vor allem die Sorge wegen der deutschen Hilfe maßgebend. Je weiter man gegen Westen wich, um so mehr war der Bundesgenosse genötigt herbeizueilen und um so rascher konnte er zur Stelle sein.

Nun ließ es der Verbündete in diesem schweren Augenblick sicherlich nicht an der grundsätzlichen Geneigtheit fehlen, dem öst.-ung. Heere Unterstützung zu gewähren. Das deutsche Westheer kam hiefür, wie ja auch das k.u.k. AOK. am letzten Schlachttage vor Lemberg geahnt hatte, im Hinblick auf die eigene Bedrängnis zunächst nicht in Betracht, wohl aber konnte das deutsche Ostheer, das nach Tannenberg nun auch in Masuren reinen Tisch gemacht hatte, Hilfe bringen.

Moltke wollte zunächst zwei Korps der 8. Armee nach Preußisch -Schlesien werfen. Im Insterburger Hauptquartier Hindenburgs hielt man jedoch nunmehr den Augenblick für den von Conrad früher so oft geforderten Stoß auf Siedlec gekommen2), dessen Auswirkung das k.u.k. Nordheer am San zu erwarten gehabt hätte. Conrad hatte noch am 11. abends die Deutschen wissen lassen (S. 312), daß für ihn unter den geänderten Verhältnissen jede andere Hilfe wie eine solche durch unmittelbares Heranführen deutscher Verstärkungen über Krakau „zu spät käme“. Diese Erklärung wiederholte er am 13. vormittags in einemTelegramm an

1)    Conrad, IV, 726.

2)    R e i c h s a r c h i v, V, 403 ff.

Moltke x) und zwölf Stunden später gab sie auch Erzherzog Friedrich in einer Depesche an den Deutschen Kaiser ab. Gemäß den anHindenburg schon erlassenen Weisungen konnte die DOHL. antworten, daß das Abrollen deutscher Kräfte bereits eingeleitet sei63).

Beugte sich das Hauptquartier des deutschen Ostheeres somit vor der Notwendigkeit, den Bundesgenossen unmittelbar zu unterstützen, so schlug Ludendorff der DOHL. nun vor, dies nicht mit zwei Korps, sondern möglichst mit der ganzen 8. Armee zu tun, die „abgesetzt vom öst.-ung. Heere eine ganz neue Operation einleiten“ könnte64). Im Wesen auf diesen Antrag eingehend, befahl GLt. v. Falkenhayn, der nach der am

12. abgebrochenen Marneschlacht an Stelle des schwer erkrankten GO. Moltke im Großen Hauptquartier die Leitung der Operationen übernommen hatte, am 15. September abends, daß vier Korps und eine Kavalleriedivision der 8. Armee als 9. Armee unter dem Befehl des GdA. v. Schubert, mit Ludendorff als Chef des Stabes, an die schlesisch-polnische Grenze zu führen seien, denen unter Umständen zwei weitere Korps zu folgen hätten65). Zwei Tage später, am 17., erhielt Erzherzog Friedrich vom Deutschen Kaiser die Mitteilung, daß GO. Hindenburg den Befehl über die neue 9. Armee übernehmen und daß sie aus fünf Armeekorps — XI., XVII., XX., Gardereservekorps und Woyrsch — sowie aus der Division Bredow (Hauptreserve Posen) und der 8. KD. bestehen werde. Die Verteidigung von Ostpreußen blieb der schwachen 8. Armee überlassen, die überdies sechs Tage später noch die 35. RD. (ursprünglich Hauptreserve Thorn) der 9. Armee nachsenden mußte.

Inzwischen war die öst.-ung. Heeresleitung aus den schon angeführr ten Gründen und auch im Hinblick auf die allmählich drohende Überflügelung der 1. Armee durch die Russen an die Fortführung des Rückzuges gegen Westen und Südwesten geschritten. Nach den am 16. erteilten Weisungen hatte das Heer seine Stellungen am San aufzugeben und unter Vermeidung jedes „großen, entscheidenden Kampfes“ mit der

2. Armee hinter den Duklapaß und in den Raum von Sztropkó, mit den anderen Armeen hinter die Biała und den Dunajec auszuweichen. Die Armeegruppe Kummer wurde aufgelöst. Sie ging zum Teil in der k. k. 106. LstlD. auf, die zunächst die Sicherung weichselaufwärts zu übernehmen hatte, zum Teil in der Festungsbesatzung von Krakau und im Etappendienste.

Die Loslösung der 1. Armee vom Feinde vollzog sich unter Gefechtsberührung. Im Süden längs der Straße Rzeszów—Dębica von starken Reitergeschwadem begleitet, drängte Letschitzki gegen die untere Wisłoka nach. Der Abmarsch der anderen Armeen hingegen ging ohne nennenswerte Störung vonstatten, wobei neben Przemyśl auch die feldmäßigen Brückenköpfe von Jaroslau und Sieniawa gute Dienste leisteten. Wohl hatte der Russe schon am 16. September Sieniawa mit leichtem Geschütz zu beschießen begonnen.Doch erst am 18.bemächtigte sich sein XXV.Korps mit Unterstützung von Teilen des III. kauk. und des XIX. der jetzt durch Mörserfeuer zerstörten feldmäßigen Gürtelwerke. Die Besatzung, drei Landsturm- und fünf Marschbataillone, hatte inzwischen unter der geschickten Führung des Majors Papp des Geniestabes alle nicht fahrbaren Geschütze unbrauchbar gemacht und war nach Sprengung der Brücken noch rechtzeitig auf Przeworsk abgerückt.

Ähnlich verliefen die Ereignisse bei Jaroslau. Dort hatte Gen. Plehwe, der Führer der russischen 5. Armee, nach der Besitznahme von Sieniawa nicht weniger als drei Korps, das XXV., XIX. und V., gegen den Brückenkopf aufgeboten. Am 20. September begannen die Russen mit der Artilleriebeschießung. In der Nacht auf den 21. räumte FML. v. Benigni, nachdem er noch vorher mit seinen Truppen — SchR. 15., LstlR. 34, fünf Marschbataillonen und einem halben Lst.-Etappenbataillon — ein lebhaftes Gefecht geführt hatte, den Brückenkopf1). Teile der Besatzung von Sieniawa und Jaroslau rückten nach Przemyśl ein, das SchR. 15 und die Marschbataillone gewannen über Dynów und Pilzno den Anschluß an die 1. Armee.

Am Tage des Falles von Jaroslau hatten die k.u.k. Armeen in raschem Abfließen schon einen erheblichen Vorsprung gewonnen. Die 1. Armee stand bereits westlich der Wisłoka, die 4. Armee im Bergland westlich und südwestlich von Rzeszów, die 3. war auf der Straße Przemyśl—Domaradz aufgereiht, die 2. überquerte die Becken von Lisko und Sanok in südwestlicher Richtung. Herbstregen und grundlose Wege erschwerten den Marsch ganz außergewöhnlich. Tag und Nacht zog hinter einem riesigen Troß die Infanterie gesenkten Hauptes, aber unverdrossen einher, arbeitete sich, bis zu den Radspeichen im Morast der Straßen versinkend, die Artillerie vorwärts, kamen, apokalyptischen Reitern gleich, die zusammen*) Wie Korolkow, Strategische Übersicht über den Weltkrieg 1914—1918 (in russischer Sprache, Moskau 1923), II, 17 berichtet, haben die Russen bei Sieniawa und Jaroslau zusammen 46 ganz veraltete Geschütze erbeutet.

geschmolzenen Kavallerieregimenter vorüber, oft schon von weitem durch den penetranten Geruch verraten, der den schwärenden Druckwunden von Hunderten an der Hand geführten Pferden entströmte. Tag und Nacht waren Führer und Stäbe am Werk, Marschrichtungen anzuweisen, die Heeressäulen in Bewegung zu erhalten, Knäuel von Truppen und Trains zu entwirren, Versprengte zu sammeln, für die Herbeischaffung des Nötigsten an Nahrung zu sorgen. Es waren schwere Wochen, in deren entsagungsvolles Düster fast niemals ein Sonnenstrahl hineinleuchtete.

Die Bereitstellung für die neuen Kämpfe

Dennoch wankte die Heeresleitung keinen Augenblick in dem Streben, auch diese äußerst schwierige Lage zu meistern, und GM. Ludendorff war, als er am 18. September zur Verabredung der nächsten Operationen im Hauptquartier zu Neusandez erschien, über die Zuversicht, die er dort vorfand, geradezu überrascht1). Conrad und er waren in der Betonung der Notwendigkeit, dem Feinde möglichst bald die Freiheit des Handelns zu entreißen, sofort eines Sinnes. Allerdings vermochte man sich über das, was die Russen planten, kein irgendwie zuverlässiges Bild zu machen. Außer den über den untersten San vorgebrochenen Heereskörpern, die der k.u.k. Nachrichtendienst in Unkenntnis ihrer schon nach Kraśnik erfolgten Unterstellung unter das 9. Armeekmdo. noch der 4. Armee zuzählte, indes er eine 9. Armee unbekannter Zusammensetzung südöstlich von Iwangorod annahm,hatten größere russische Heereskörper den damals auch noch durch Jaroslau und Sieniawa gesperrten Fluß noch nicht überschritten. Während Conrad dennoch mit einem weiteren Vordringen der Russen nach Westgalizien bei etwaigem Ausgreifen über die Karpathen rechnete, wähnte Ludendorff, daß der Feind weit eher stärkere Streitkräfte über die mittlere Weichsel vorführen werde. Demgemäß war der Generalstabschef Hindenburgs auch vor allem von dem Gedanken beherrscht, seine Armee vor einer Überflügelung durch die Russen zu bewahren, diese dagegen möglichst selbst zu überflügeln. Ein Heranführen der Masse der deutschen Korps nach Krakau kam für ihn überhaupt nicht mehr in Frage; am liebsten wäre er in der breiten Front Beuthen—Pieschen (südöstlich von Posen) aufmarschiert, um aus dieser ausgedehnten Stellung den russischen Nordflügel um so zuverlässiger

!) Reichsarchiv, V, 412 f. — Conrad, IV, 796 ff. — Allerdings wird von Persönlichkeiten der damaligen Heeresleitung mitgeteilt, daß an diesem Tage auch die Meldungen von den Armeen rosiger als an anderen Tagen gelautet hätten.

fassen zu können. Nur weil Conrad noch immer größten Wert auf engere Anlehnung legte, ließ sich Ludendorff herbei, die der deutschen 9. Armee übertragenen Operationen aus dem näheren Raume Krakau—Kreuzburg zu eröffnen, wobei das zuletzt einlangende Korps bei Krakau ausladen mochte. Aus jenem Raume sollte die Offensive möglichst rasch imWeichsel-lande vorwärts getragen werden.

Die Rolle, die im Anschluß daran das öst.-ung. Heer zu spielen hatte, wurde, wie es scheint, sozusagen nur unverbindlich festgelegt. Setzte der Russe die Vorrückung nach Westgalizien fort, dann mochte er an der Biała und am Dunajec empfangen, gegebenenfalls sogar in den Raum südlich von Krakau nachgezogen werden, während die deutsche 9. Armee aus dem Weichsellande und die k.u.k. 2. Armee aus den Karpathen zu umfassenden Gegenangriffen übergehen sollten1). Legte sich der Feind Zurückhaltung auf, dann wollte man ihm selbst entgegengehen, um ihm möglichst rasch das Gesetz des Handelns aufzuzwingen. Wandte er sich gar gegen Ungarn, so war es an der k. u. k. 2. Armee, ihn zu stellen, während sich ihm die Masse des öst.-ung. Heeres gemeinsam mit Hindenburg von Westen und Nordwesten her an die Fersen zu heften hatte.

In den Breslauer Besprechungen vom 19. und 20. September, bei denen das k.u.k. AOK. durch den Obstlt. Oskar Slameczka vertreten war, wurde beschlossen, daß die 9. Armee bis längstens 30. aus der Linie Krakau— Wolbrom—Lelów—Wieluń anzutreten habe. An der Verschleierung des Aufmarsches sollte auch k.u.k.Reiterei — zunächst die 7. KD. — mitwirken. Das deutsche Landwehrkorps war an den Nordflügel der 1. Armee zu ziehen, um in den Verband des deutschen Ostheeres übertreten zu können.

Unterdessen sah sich Hindenburg durch verschiedene, wenn auch besonderer Klarheit entratende Nachrichten über den Feind in der Auffassung bestärkt, seine Armee noch weiter gegen Norden ausgreifen lassen zu müssen. Während in Galizien, nördlich und südlich von Przemyśl, der Russe nur behutsam vorfühlte, an der unteren Wisłoka sogar festgebannt stehen blieb, schienen stärkere Truppentransporte, offenbar erhebliche Teile der bisher nicht festgestellten russischen 9. Armee, von Iwangorod dem Bergland von Kielce zuzustreben; allem Anschein nach hatte der Feind diese — wie sich später erwies — unwahren Gerüchte selbst aussprengen lassen. Jedenfalls fühlte sich Hindenburg am 22. September veranlaßt, der öst.-ung. Heeresleitung nahezulegen, sie möge eine Armee auf das nördliche Weichselufer überführen und so den deutschen Korps die

Vgl. auch Metzger bei Schwarte, V, 39.

Möglichkeit zu weiterem Ausbreiten gegen Norden schaffen1). GdI.Conrad hielt es aber noch immer für möglich, daß der Feind von den 51 bis 52 Divisionen, die südlich der Weichsel gegenüber den 371/2 eigenen anzunehmen waren, die Masse nach Westgalizien weiterrücken ließ. Er erklärte zunächst, sich nicht vor dem 28. aussprechen zu können, in welchem Ausmaße er dem Wunsche Hindenburgs gerecht zu werden vermöchte. Aber schon in den nächsten vierundzwanzig Stunden bahnte sich im öst.-ung. Hauptquartier ein Wandel der Anschauungen an. Zum ersten ließen die Nachrichten über das Auftauchen russischer Divisionen am linken Weichselufer den Wunsch Hindenburgs, sich nordwärts zu strecken, doch sehr gerechtfertigt erscheinen, wenn Conrad auch einem „Zuviel“ widerriet. Zum zweiten wurde das weitere Vordringen der russischen Hauptkräfte nach Westgalizien von Stunde zu Stunde fraglicher. Als daher am 23. GO. Hindenburg durch Hptm. Fleischmann mitteilen ließ, daß er schon vor dem 30. anzutreten gedenke und daß daher eine Entsendung öst.-ung. Streitkräfte auf das nördliche Weichselufer nach dem 28. zu spät käme, ließ Conrad den deutschen Feldherrn wissen, er werde bis zum 30. eine Truppenmacht von fünf öst.-ung. Divisionen an der unteren Nida aufmarschieren lassen. Überdies hieß es in der Mitteilung an Hindenburg, daß „im Einklang mit Vorgehen nördlich der Weichsel auch die öst.-ung. Armeen auf südlichem Weichselufer“ vorrücken würden2), daß also Conrad entschlossen war, auch seinerseits nicht mehr auf die Russen zu warten, sondern ihnen entgegenzugehen. Folgerichtig verfügte eine am gleichen Tage erlassene Heeresdisposition, daß die an den Dunajec und die Biała zurückgerufenen Armeen nun auf den Höhen östlich dieser Flüsse stehen zu bleiben hatten und daß auch die 2. Armee nicht, wie vorübergehend geplant, bei Bartfeld, sondern einen Tagmarsch östlich davon Halt machen sollte.

Die angegebenen Räume wurden von der 1. und der 4. Armee am 25., von der 3. und der 2. am 26. erreicht. Die deutsche 9. Armee schloß in den Räumen nördlich von Krakau (XI. Korps), westlich von Jedrzejów (Gardereservekorps) und östlich und nordöstlich von Czenstochau (XX. und XVII.) auf. Die von der k.u.k. 1. Armee bereits über die Weichsel gesetzten Truppen — 3 5. LstlBrig., die aus Ostgalizien herangeführt worden war, und 7. KD. — stellten die Verbindung zu den deutschen Verbänden

x) Schon am 18. September hatte Ludendorff der öst.-ung. Heeresleitung gegenüber den Gedanken zur Sprache gebracht, die 2. Armee aus den Karpathen in den Raum nördlich von Krakau zu überführen (Reichsarchiv, V, 413).

2) Conrad, IV, 837 f.

her. Ihnen sollten in den nächsten Tagen die anderen von GdK. Dankl auf das Nordufer befohlenen Heereskörper folgen: 3. KD., 37. HID., 100. LstlBrig., ferner I. Korps (5., 12. ID., 46. SchD.) und die 106. LstlD.

Einfall der Russen in Oberungarn

Ein die Heimat, zumal Ungarn stark beunruhigendes Zwischenspiel leitete sich in diesen Tagen in den Karpathen ein. Hier hatten die Militär-kmdos. Kaschau und Lemberg, letzteres rückverlegt nach Munkács, aus Marsch-, Ersatz- und Landsturmtruppen sowie Honvédreservebatterien eine Gebirgsverteidigung improvisiert. Die Kämpfer trugen zum Teil noch dunkle, alte Friedensuniformen, zum Teil waren sie überhaupt in Zivilkleidung und nur durch die schwarzgelbe, bzw. rot-weiß-grüne Armbinde gekennzeichnet. Als Gewehr diente meist der alte Werndleinzellader.

Wenn auch russischerseits nicht die Absicht bestand, sich mit stärkeren Kräften in das ungewohnte Gebirge zu wagen, so ließ Iwanow doch einige Scheinunternehmen ausführen, die das Augenmerk des Gegners abziehen und die im Osten auch auf Rumänien Eindruck machen sollten. Am 24. September warf die 2. Komb.KosD. Brussilows von Turka aus die schwache Besatzung von zwei ungarischen Landsturmbataillonen vom Uzsokpaß hinab. Da die vom Militärkmdo. Kaschau zu Hilfe gesandte

17. LstTerrBrig. zu schwach war, betraute GdK. Böhm-Ermolli den FML. Karg mit der 38. HID. und der 102. LstlBrig. mit der Wiedergewinnung des für die Flanke der 2. Armee besonders wichtigen Überganges. Karg drängte zwischen dem 26. und 30. September den Feind in wechselvollen Gebirgskämpfen zunächst gegen den Südwesthang des Uzsokpasses zurück.

In den gleichen Tagen drangen Reiterabteilungen des nun aus der 71. RD. und drei Kosakendivisionen bestehenden russischen Dniester-detachements in den Waldkarpathen ein. Das Militärkmdo. Lemberg in Munkács verfügte im ganzen Raume über 30 Bataillone, 4 Schwadronen und 3 Batterien der eben geschilderten Art. Die Kosaken kamen in der letzten Septemberwoche bis Szolyva und Toronya, vorübergehend sogar bis ökörmezö und besetzten am 2. Oktober Máramaros-Sziget. Ihr Streifzug war für die zum Teil stammverwandte Bevölkerung eine schwere Heimsuchung. Den Zweck, die gegnerische Heeresleitung stärker zu beunruhigen, erreichte Iwanow mit dem Karpathenunternehmen allerdings nicht, da Conrad dessen demonstrativen Charakter rasch erkannte.

Conrads Absichten um den 28. September

Mittlerweile hatte man am 25. einem russischen Funkspruch entnehmen können, daß der Feind vom Erscheinen der Deutschen nördlich von Krakau schon etwas wußte. Damit gewannen auch die bei den Verbündeten eingelangten Nachrichten über das Auftauchen stärkerer russischer Kräfte zwischen Iwangorod und Kielce, die man nach wie vor der russischen 9. Armee zurechnete, an Wahrscheinlichkeit. Dagegen blieb die Feindlage in Galizien noch immer in geheimnisvolles Dunkel gehüllt. Von der unteren Wisłoka fühlte starke russische Reiterei gegen die 1. Armee vor. Weiter südlich lag am oberen Wisłok ein undurchdringlicher Kavallerieschleier und von Chyrów aus schob sich schwächere Infanterie gegen Sanok. Die Massen des russischen Heeres schienen aber in den nun schon seit einer Woche besetzten Räumen verblieben zu sein.

Dieses Verhalten des Feindes erfüllte Conrad mit wachsender Unruhe. Was bereitete der Russe hinter dem Kavallerieschleier vor ? Plante er einen Zug nach Ungarn, gedachte er — was der öst.-ung. Generalstabschef in diesem Augenblick wohl auch schon für wahrscheinlicher hielt — über die mittlere Weichsel Richtung Deutschland vorzustoßen, und wird man ihn, wenn man selbst angriff, überhaupt noch diesseits des San in stärkerer Zahl fassen können ? Es war höchste Zeit, die Lage zu klären und dem Feinde das Konzept durch rasches Zugreifen zu stören. Aber das Ruhebedürfnis der Truppe zwang noch einige Tage zuzuwarten.

Da warf ein in der Nacht zum 28. September aufgefangener russischer Funkspruch einen immerhin recht bedeutsamen Lichtstrahl in das Dunkel: das Kommando der russischen Südwestfront rief drei Korps der 9. Armee in den Raum Józefów—Sanmündung—Rozwadów zurück! Damit war vor allem festgestellt, daß eine rückgängige Bewegung stattfand und daß sich an der unteren Wisłoka nicht die 4., sondern die 9. Armee befunden hatte, womit freilich der Aufenthalt der 4. um so ungewisser wurde1). Außerdem aber ließen diese auffallenden Truppenverschiebungen, die bald auch durch Meldungen von der unteren Wisłoka und am 30. überdies durch einen zweiten russischen Funkspruch bestätigt wurden, mit ziemlicher Bestimmtheit annehmen, „daß sich die nächste große Aktion der Russen gegen Deutschland kehren und auf einen Stoß von Warschau aus hinaus!) Conrad persönlich zog den Rückschluß, daß die bei Iwangorod angeblich aufs linke Weichselufer übergegangenen Kräfte nicht wie bisher angenommen der 9., sondern der 4. Armee zuzuzählen seien. Vgl. Conrad, IV, 872.

laufen würde, bei Festhaltung des San und der Weichselstrecke abwärts der Sanmündung1).“

Gleichzeitig nahm im Geiste Conrads auch der Plan für die nächsten Operationen schärfere Formen an, wobei allerdings noch immer zwei Fragezeichen eine große Rolle spielten: ob Hindenburg, ohne auf überlegene Kräfte des Feindes zu treffen, an die Weichsel gelangen werde, und ob es im Gegensatz hiezu den in Galizien vorstoßenden öst.-ung. Armeen gelingen werde, noch stärkere russische Heereskörper diesseits des Sanflusses zu stellen. Glückte dieses zweite, dann konnte der ursprüngliche Plan, eine doppelte Umfassung der über den San nachgefolgten Russen von der oberen Weichsel und von den Karpathen einzuleiten, wenigstens in kleinerer Abmessung mit den eigenen Kräften verwirklicht werden. Das deutsche Ostheer versprach für diesen Fall, westlich der Sanmündung mit zwei Korps über die Weichsel südwärts einzuschwenken. Hatte sich der Russe jedoch bereits hinter den San zurückgezogen, dann hieß es Zusehen, wie man ihm jenseits der großen Flußbarriere beikam und ob hiezu Hindenburg auf das Ostufer der Weichsel vorzustoßen vermochte, oder ob sich das Schwergewicht mehr nach dem öst.-ung. Flügel hin verschob. Was Ludendorff über den nun folgenden Feldzug der deutschen 9. Armee schrieb, galt in den nächsten Tagen und Wochen ebenso für den öst.-ung. Verbündeten: „Das Oberkommando stand jeden Tag vor neuen, schweren Entschlüssen. Die Unterführer kamen zu selbständigem Handeln. Es war ein kühnes Zugreifen in das Ungewisse hinein, ein energisches Kämpfen und ein vorsichtiges Weichen. Die schwachen Kräfte der Armee waren auf weite Entfernungen auseinandergezogen ... Darum gehört auch dieser Feldzug zu den abwechslungsreichsten, die je geführt worden sind. Er verdient in den Annalen der Kriegsgeschichte einen der ersten Plätze 2).“ Das nunmehr angebahnte Zusammenwirken der Verbündeten auf gemeinsamer Walstatt stellte begreiflicherweise sofort die Schaffung einer gemeinsamen Befehlsstelle zur Erörterung. GdI. Erzherzog Friedrich schlug schon am 16. September dem Deutschen Kaiser vor, den damals für das Kommando der neuen 9. Armee in Aussicht genommenen GdA. v. Schubert an die Befehle der öst.-ung. Heeresleitung zu weisen. Deutscherseits war man nicht gesonnen, diesem Antrag zuzustimmen. GO.Hindenburg wurde an Stelle Schuberts zum Oberbefehlshaber der 9. Armee ernannt. Der Deutsche Kaiser „schaffte damit auch die Frage des öst.-ung. Oberbefehls aus der Welt, denn der Generaloberst stand im Dienstrange höher als der

i) Conrad, IV, 871.

2j Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen (Berlin 1920), 64.

oberste Befehlshaber des verbündeten Heeres“. „Ich übertrage Ihnen,“ so hieß es in dem Befehl an den GO. Hindenburg, „die Gesamtleitung aller Operationen im Osten. Die 8. Armee, welche Gen. v. Schubert übernimmt, bleibt Ihnen auch unterstellt. Direktiven für das Zusammenwirken mit österreichischer Armee und Operationen in Preußen behalte ich mir vor1).“

Dies war die erste Station auf dem langen Leidenswege, den die Heeresleitungen in der durch die Ereignisse stets aufs neue aufgeworfenen Frage einer Zusammenfassung aller Befehlsgewalten gehen sollten.

Die Entstehung der „russischen Dampfwalze“ Hiezu Beilage 14 sowie Skizze 19

Noch mehr als die Verbündeten tasteten die Russen mit ihren weiteren Entschlüssen im Dunkeln. Den Befehlen, die Iwanow am 18. zur Vorbereitung der Blockade gegen Przemyśl erteilte (S. 341), lag ein Operationsplan seines Generalstabschefs Alexejew zugrunde. Darnach sollten die 5. und die 3. Armee die Festung umschließen, die damit ihre große strategische Hilfsrolle zu spielen begann, während die 8. Armee den Schutz gegen einen Entsatzversuch aus den Karpathen zu übernehmen hatte. Die Verfolgung des abziehenden Gegners war der 9. und der 4. Armee zugedacht. Beide Armeen hatten jedoch nur bis an; die Wisłoka vorzugehen und dort die Einschließung von Przemyśl abzuwarten. Später gedachte Iwanow, die 3.Armee durch eine aus Reservedivisionen zusammengesetzte Belagerungsarmee abzulösen und der 3. und der 8. Armee die Deckung der Belagerung zu überlassen. Die 5. Armee sollte dann gemeinsam mit der

9. und der 4. etwa Mitte Oktober den Vormarsch gegen Krakau antreten2).

Daß schon bei diesem Plane an die Überführung beträchtlicher Teile der Angriffsarmeen auf das nördliche Weichselufer gedacht war, ist anzunehmen. Ganz klar tritt diese Absicht in der Denkschrift zutage, die Alexejew am 20. der Stawka vorlegte. Wohl schon in Kenntnis des neuerlichen Rückzuges der öst.-ung. Armeen und auch angesichts der bereits auftauchenden Nachrichten über das Anrollen deutscher Verstärkungen nach Schlesien 3) schlug Alexejew vor, eine Heeresmasse von zwölf bis

x) Reichsarchiv, V, 409. — Vgl. auch Conrad, IV, 785 f.

2)    Korolkow, Die Operationen von Warschau—Iwangorod (in russischer Sprache, Moskau 1923), 9 ff. — Schäfer, Die russischen Angriffsoperationen unter dem Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch (Wissen und Wehr, Jhrg. 1925, 481 ff).

3)    Danilow schreibt 297: „Inzwischen begannen bereits Mitte September im Stab der SW-Front zunächst noch unkontrollierbare Nachrichten einzulaufen, die auf ein sechzehn Armeekorps zunächst an die Nida und hinauf bis in die Linie Piotrków—Miechów vorzuführen, von wo aus man dann entweder über Krakau in der Richtung \\7ien oder über Kalisz—Lissa (nordwestlich Breslau) in der Richtung Berlin manövrieren mochte. Eine solche Operation sei auch die beste Entlastung für die Nordwestfront, nur müsse eine Gruppe dieser Front von Warschau aus die Flankendeckung der Angriffsarmeen Iwanows übernehmen können.

Gen. Danilow, der oberste Gehilfe des Generalstabschefs Janusch-kie witsch, vermochte diesen Anschauungen nicht beizupflichten. Er hielt von der weiteren Operationsfähigkeit des öst.-ung. Heeres nur wenig, blickte aber mit umso größerer Sorge gegen Ostpreußen. Dort waren eben wieder Nachrichten über deutsche Offensivpläne gegen den Rücken Warschaus eingelangt, wodurch sich der neue Oberbefehlshaber der Nordwestfront, Gen. Rußki, sogar veranlaßt gesehen hatte, seinen linken Flügel unter gefährlicher Lockerung der Verbindung mit Warschau gegen Bjelostokund in den Raum südwestlich davon zurückzubiegen. Im Gegensatz zu den Plänen Alexejews schlug Danilow vor, ,,die Entwicklung der Operationen gegen die Österreicher auf das unvermeidliche Mindestmaß einzugrenzen“, dafür aber vier Armeekorps und drei Kavalleriedivisionen der Südwestfront über Cholm—Lublin an den offenbar bedrohten linken Flügel Rußkis zu werfen x).

Iwanow war sowohl über den Rückzug Rußkis wie über die Vorschläge Danilows entrüstet. Auf seine Bitte kamen am 22. der GroßfürstGeneralissimus und der Oberbefehlshaber der Nordwestfront nach Cholm. Der Großfürst scheint den Plänen Iwanows schon im Hinblick auf das neuerliche Drängen der Franzosen, Rußland möge sich doch endlich auf Deutschland werfen2), nicht so ablehnend gegenübergestanden zu sein wie Danilow, nur mochte er den weit vorgeschobenen Aufmarsch, den Alexejew vorgeschlagen hatte, für zu gefährlich gehalten haben. Das Ergebnis der Beratungen war ein Kompromiß, das ebenso den Anschauungen Iwanows wie denen Danilows gerecht werden sollte. Der linke Flügel Rußkis hatte den Rückzug einzustellen und gegebenenfalls den Warschauer Bezirk durch

Hinübei werfen deutscher Truppen an die österreichische Front schließen ließen. Der Stab der SW-Front hielt aus Gründen der allgemeinen Kriegslage das Erscheinen deutscher Truppen bei Jaroslau und Przemyśl für wenig wahrscheinlich, jedoch die Möglichkeit gemeinschaftlicher Operationen ... auf beiden Seiten der Weichsel, mit der Vormarschrichtung Sanmündung, für durchaus gegeben.“

ł) Danilow, 297 f. — La grande guerre, 321 ff.

2) R e i c h s a r c h i v, V, 125 und 129.

zwei Korps zu verstärken, Iwanow aber zur unmittelbaren Deckung seiner Nordflanke und zur Verbindung eine Armee von drei Korps in den Weichselabschnitt um Iwangorod zu verschieben. Iwanow wählte hiezu die 4. Armee, deren Hauptkräfte infolge des Hochwassers ohnehin noch östlich des San abgeblieben waren *) und die nun mit drei Armeekorps (Grenadiere, III. kauk., XVI.), auf dem westlichen Weichselufer durch die Uralkosakendivision gedeckt, über Lublin in den ihr zugedachten Raum zu rücken hatte.

Kaum in sein Quartier zurückgekehrt, überraschte Rußki die Stawka mit neuen Mitteilungen und Vorschlägen. Er wollte nun seinen linkenFlügel, die 2. Armee, unbekümmert um die Verbindung mit Warschau und Nowo-georgiewsk, noch weiter in den Raum südwestlich von Bjelostok zurücknehmen, dafür aber mit der am Bobr aufmarschierten neuen 10. Armee und der am Njemen wiedergesammelten 1. Armee gegen Ostpreußen zum Angriff schreiten. Dieser Angriff konnte am 3. Oktober beginnen, bis dahin möge sich auch die Südwestfront Iwanows, da sie nun einmal Teile der Nordwestfront als Rückenschutz in Anspruch nahm, Zurückhaltung auferlegen. Der Antrag Rußkis stimmte ganz mit den Auffassungen Dani-lows, der denn auch die Einwilligung des Höchstkommandierenden durchsetzte. Er hatte aber die Rechnimg ohne Iwanow gemacht. Dieser hatte inzwischen bis zum 24. genauere, zum Teil sogar übertriebene Nachrichten über das Erscheinen beträchtlicher deutscher Kräfte in der Linie Sieradz— Noworadomsk—Miechów erhalten, die seiner Berechnung nach schon am 29. September an der mittleren Weichsel einlangen konnten, während die öst.-ung. Armeen spätestens am 1. Oktober aus der Linie Tarnów—Jasło vorbrechen mochten2). Angesichts dieser Tatsachen und auch durch das Hochwasser der hinter der Front verlaufenden Flüsse in schwere Sorge versetzt, hielten Iwanow und Alexejew es für unmöglich, bis zum Beginn der Offensive Rußkis in weitvorgeschobener Lage untätig zu verharren und dabei durch das Weichen des linken Flügels der Nordwestfront noch, wie die beiden Generale befürchteten, gefährlichen Rückenbedrohungen ausgesetzt zu sein.Da bleibe,ließen sie am 25. September die Stawka wissen, nur die eine Lösung, die ganzen Kräfte der Südwestfront hinter die Linie Iwangorod—Józefów—Kraśnik—Tomaszów—Jaworów (mit Belassung eines Deckungskorps in Lemberg) zurückzuführen und aus dieser Mittelstellung

x) K o r o 1 k o w, Warschau—Iwangorod, 11 ff.— Danilow, 297 f.— La grande guerre, 274 und 324 ff.

2) Korolkow, Strategische Übersicht, 22. — La grande guerre, 276 ff. — Reichsarchiv, V, 432f.

sich nach jeweils ergebendem Bedarf gegen einen der beiden anrückenden Gegner zu wenden *).    ‘

Die Stawka war über diesen wohl auch als Demonstration gegenüber der Bevorzugung der Nordwestfront gedachten Antrag begreiflicherweise sehr ungehalten. Die Preisgabe des Raumes am San, von Jaroslau und Przemyśl sei aus politischen und strategischen Gründen unannehmbar. ,,Auf alle Fälle werden Sie gebeten,“ antwortete die Stawka, „keinen Entschluß im Geiste Ihrer letzten Depesche zu fassen ... Der Höchstkommandierende hat den Wunsch, sich zu Ihnen zu begeben und so rasch als möglich persönlich die Frage mit Ihnen zu prüfen“ 2).

Diese zweite Besprechung zu Cholm fand am 26. September statt. Sie führte zu dem Ergebnisse, bei möglichster Behauptung von Mittelgalizien, dem deutschen Vorstoß im Weichsellande aus der Flußstrecke Iwangorod— Sanmündung entgegenzutreten. Dazu sollte südlich der bei Iwangorod aufmarschierenden 4. Armee auch die 9. von der Wisłoka hinter die Weichsel genommen werden. Am unteren San hatten sich die 5. und die 3. Armee fest einzunisten, stets bereit zu einem scharfen Angriff gegen Krakau. Der 3. Armee blieb weiter die Einschließung von Przemyśl überlassen, das gegebenenfalls im Hinblick auf seine angeblich sehr unzulängliche Ausrüstung gewaltsam zu nehmen war. Der 8. Armee fiel nach wie vor die Sperrung der Gebirgsausgänge beiderseits Chyrów zu, die für die Festungsbelagerung herangeholten Reservedivisionen traten zunächst in den Verband der 3. Armee.

Die von Iwanow und Alexe je w immer wieder erörterte Möglichkeit, den Angriff über die mittlere Weichsel durch einen Stoß ausWarschau begleiten zu lassen, wurde bei diesen Besprechungen nicht berührt, da Rußki eine wesentliche Schwächung des in Ostpreußen stehenden Gegners noch immer in Abrede stellte. Da brachte der 27. den Russen mehr Klarheit in die allgemeine Lage. Einerseits wurde bis zum Abend dieses Tages gemeldet, daß die Deutschen bis an die Linie Piotrków—Pińczów gelangt seien und eine starke öst.-ung. Truppenmacht — es waren dies die Divisionen Dankls (S. 348) — das nördliche Weichselufer betreten habe. Andererseits besagten zuverlässige Agentennachrichten, daß drei deutsche Korps von Ostpreußen über Thorn in der Richtung Breslau abgeschoben worden seien3). Unter dem Eindruck dieser Nachrichten raffte sich die Stawka endlich zu einem

x) La grande guerre, 280 ff. — K o r o 1 k o w, Warschau—Iwangorod, 16 f. — Danilow, 299.

2)    La grande guerre, 282 f. — Danilow, 299.

3)    La grande guerre, 283.

großen Entschlüsse auf, indem sie am 28. den beiden Frontbefehlshabern befahl, mit dem Höchstmaß an Kräften eine große Offensive vorzubereiten, die von der mittleren Weichsel an die obere Oder und damit ins Herz Deutschlands führen sollte. Die Südwestfront werde mindestens zehn Armeekorps über die Weichsel vorzuführen haben. Den Kräften der Nordwestfront sei ein Stoß von Warschau in den Raum Słupca1)—Kalisz zugedacht; vorläufig sei Warschau bis zum äußersten zu behaupten.

Rußki versuchte zunächst noch die ihm offenbar drohende Schwächung seiner Stellungen gegenüber Ostpreußen unter dem Hinweis auf die eben von der deutschen 8. Armee begonnene Ablenkungsoffensive gegen Suwałki— Augustów—Ossowiec abzuwenden. Da man aber am 30. September aus den Papieren eines gefallenen deutschen Offiziers den Abtransport von vier deutschen Korps aus Ostpreußen bestätigt sah, mußte sich Rußki doch darein fügen, daß die 2. Armee in den nächsten Tagen in den Raum von Warschau abgezogen und der Befehlsbereich Iwanows vom 2. Oktober an auch auf sie erstreckt wurde.

Iwanow hatte von dieser Befehlsregelung, durch die seine Machtbefugnisse die der Stawka bis auf weiteres in den Schatten stellen sollten, noch am 29. September telephonisch erfahren. Er nahm nun auch die 5. Armee aus Mittelgalizien in den Raum nördlich des Tanew zurück, um sie für den geplanten Vorstoß über die Weichsel zur Hand zu haben. Zur Sicherung des Flußüberganges hatte die 4. Armee ein Korps mit Bahn nach Radom vorzuschieben, die 9. eine Schützenbrigade nach Opatów zu entsenden. Auch Kavallerie hatte westlich der Weichsel die Nordverschiebungen zu decken. Die in Galizien verbleibenden Armeen, die nunmehr vom früheren bulgarischen Gen. Radko Dimitriew befehligte 3. und die 8., traten im Rahmen der Südwestfront unter die Leitung Brussilows.

Am 1. Oktober setzte Iwanow die Grundzüge der bevorstehenden großen Operation fest. Die Streitkräfte der Südwestfront hatten drei große Gruppen zu bilden2): eine aus der 2., 4., 9. und 5.Armee sowie der Reiterei Nowikows bestehende Hauptgruppe, eine von Brussilow kommandierte galizische Gruppe (3. und 8., zu denen noch die Belagerungsarmee von Przemyśl treten sollte) und die aus dem neugebildeten XXVII. Korps und Reiterei bestehende Narewgruppe. Von der Hauptgruppe hatten vorzugehen: Die 2. Armee aus dem Abschnitt Südende von Warschau—Pilicamündung gegen Łodż und Opoczno, die 4. Armee zwischen der Pilica und der Iłżanka gegen Opoczno und Skarżysko Kościelne, die

!) 40 km südöstlich von Gnesen.

2) La grande guerre 283 ff, 347ff.

9. Armee südlich davon bis in die Linie Skarżysko Sandomierz. Die 5.Armee sollte sich so rasch als möglich hinter der 9. im Raume Lublin—Kraśnik versammeln. Die Reiterei Nowikows wurde angewiesen, sich vor dem herannahenden Gegner über Iwangorod auf das östliche Weichselufer zurückzuziehen, um später aus Warschau vorzubrechen. Die galizische Gruppe hatte unter Einschließung von Przemyśl die Hauptgruppe südlich der Weichsel in der Richtung Krakau zu begleiten und sich dabei gegen die Karpathen in der Linie Dynów—Sanok—Lisko—Nowe Miasto—Drohobycz su sichern. Der Narewgruppe fiel die Aufgabe zu, gestützt auf den befestigten Zentralraum von Warschau, gegen Mlawa hin die große Offensive zu decken.

Mit diesen Weisungen wurde die Bildung des gewaltigen Sturmblockes eingeleitet, der als die bisher größte Machtäußerung orientalischasiatischen Ausdehnungstriebes, zugleich aber als Werkzeug der westlichen Demokratien im Oktober und im November 1914 vergeblich die Tore des Abendlandes berennen sollte und in der Geschichte für alle Zeiten unter dem Namen der „russischen Dampfwalze“ fortleben wird.

Der Vormarsch der Verbündeten an die San —Weichselstrecke

Die Monats wende September — Oktober 1914 Hiezu Beilagen 14 und 15

Am 27. früh begannen nach einer kaum vierzehntägigen Kampfpause die 7.KD. und die ihr unterstellte 35. LstlBrig.1) als erste Verbände des k.u.k. Heeres die neue Vorrückung. Sie drückten die Reiterei Nowikows hinter die untere Nida zurück. Am 30. stand die 7. KD. nördlich von Stopnica, die inzwischen nachgerückte 3. KD. südlich dieses Ortes. Die Nordgruppe Dankls (S. 348) hatte den Übergang über die Weichsel vollzogen und war bis an die untere Nida gelangt. Die deutsche 9. Armee war schon am 28. angetreten und hatte am 30. mit ihrer Masse — in vorderer Linie XI. Armeekorps, Gardereservekorps und XX. Armeekorps, hinter dem XI. in zweiter Linie das Landwehrkorps Woyrsch — die Gegend von Chmielnik—Kielce und nordwestlich dieser Orte erreicht. Zum Schutze

Die 35. LstlBrig. konnte infolge Überlastung der Eisenbahnlinien über Mezö-laborcz und Uzsok nicht, wie geplant, zur 2. Armee rollen. Sie wurde über Budapest— Sillein nach Krakau geführt, wo sie zuerst als Hauptreserve der Festung bestimmt war, dann bei Beginn der Offensive dem I. Korps unterstellt wurde (vgl. S. 315).

der Nordflanke nach hinten gestaffelt war das XVII. Armeekorps bis westlich von Końsk, das aus der Division Bredow (Hauptreserve Posen), der 35. RD., einer Landwehrbrigade und der 8. KD. sich formende „Korps Frommei“ bis Piotrków und westlich davon gelangt. Den Raum zwischen ihnen und dem Grenzschutz der Festung Thorn deckten zwischen Sieradz und der Weichsel Landsturmtruppen1).

Entgegen dem ungestümen Vorwärtsdrängen Hindenburgs hielt es die öst.-ung. Heeresleitung für unvermeidlich, dem Gros der durch den großen Einleitungsfeldzug hart mitgenommenen Truppen noch einige Tage Rast zu gewähren. Die großen Verluste wurden durch die Einreihung der noch nicht eingegliederten „ersten“, dann der „zweiten“ Marschbataillone der Zahl nach wieder wettgemacht. Die Feldbataillone zählten wieder 800 bis 1000 Mann, die Schwadronen konnten allerdings nur auf 80 bis 100 Reiter gebracht werden, da es für den Augenblick an Pferden gebrach. Auch die Wiederherstellung der artilleristischen Kraft konnte bis auf 6 Feldkanonen- und 8 Feldhaubitzbatterien durchgeführt werden, so daß die leichten Batterien wieder 5 bis 6 und die mittleren und schweren 4 Geschütze zählten. Ebenso konnten die großen Abgänge an Munitionskolonnen zum Teile gedeckt werden. Der öst.-ung. motorisierte 30.5 cm-Mörser, der bei der Bezwingung belgischer und französischer Festungen die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich gezogen hatte, sollte nun auch in den Schlachten des Ostens Proben seiner Verwendbarkeit ablegen. Der G esamtstand des Nordheeres betrug Ende September 5 8 5 V2 Bataillone2), 352 Schwadronen, 2ÓIV2 Feldkanonen-, 60 Feldhaubitz-, 8 schwere Kanonen-, 36 schwere Haubitz- und 21 Gebirgsbatterien — das waren 477.000 Gewehre, 26.800 Reiter, 1.578 Geschütze3).

War es solcherart geglückt, die Lücken, die der erste Feldzug gerissen hatte, in wenigen Tagen zum großen Teil auszufüllen, so gilt dies nicht in gleichem Maße für die schwere Einbuße des Heeres an sonstigen physischen und moralischen Werten. Die Strapazen der vier Wochen andauernden Kämpfe und das höchst ungünstige Wetter beim Rückzug hatten dem Kräfte- und Gesundheitszustand der Kämpfer hart zugesetzt. Zahlreiche Erkrankungen waren die Folge. Als besonders unheimlicher Gast stellte sich die Cholera in den Lagern ein. So gingen in der zweiten Septemberhälfte vom IV. Korps der 2. Armee über 2000 Mann als Cholerakranke ab, von denen zwei Drittel starben. Die 43. SchD., die vom rechten

x) R e i c h s a r c h i v, V, 420.

2)    Davon 60 Landsturmbataillone.

3)    Näheres darüber Beilage 15.

Flügel Böhm-Ermollis nach Galizien transportiert wurde, mußte einige Tage kontumaziert1) werden. Es gereichte dem Eingreifen der öst.-ung. Militärärzte zu besonderem Ruhme, daß sie der gefährlichen Heimsuchung verhältnismäßig rasch Herr zu werden vermochten.

Die Erlebnisse der letzten Wochen hatten aber auch unzweifelhaft auf die Kampflust der Truppen gedrückt. An die Stelle der Kriegsbegeisterung der Augusttage trat das Gefühl, einem schweren Schicksal mit zusammengebissenen Zähnen Tribut zollen zu müssen. Besonders hart wurde in dieser Stimmungskrise das Fehlen der vielen Berufsoffiziere empfunden, die in Ostgalizien und Südpolen der Rasen deckte, oder die mit Verwundungen in die Spitäler abgegangen waren. Auch die ein gleiches Geschick teilende „alte“ Mannschaft wurde schwer genug entbehrt. Der Ersatz stand nach körperlicher und moralischer Tüchtigkeit hinter den Kämpfern der ersten Schlachten sicherlich zurück, da er zum größten Teil nur notdürftig ausgebildet war und auch vielfach den Lebensjahren nach das Alter der größten Leistungsfähigkeit überschritten oder noch gar nicht erreicht hatte. Auch politische Einflüsse aus der Heimat sollten alsbald das erstemal deutlicher merkbar werden. Es zeugte für das große, entschiedene Wollen der Führung, daß sie nach der notdürftigsten Rast wieder zur Offensive aufrief, und es bewies ebenso die erstaunliche Festigkeit des Armeegefüges, daß die Truppe dem Rufe in unverdrossenem Eifer und ungebrochenem Opfermut zu folgen vermochte.

Nachdem die Nordhälfte der k.u.k. 1. Armee schon am 30. September zum Vormarsch angewiesen worden war, befahl das öst.-ung. AOK. am

1. Oktober den allgemeinen Vormarsch, „um den im Raume westlich, südwestlich und südlich Przemyśl vorgerückten Feind anzugreifen“. Der Grundgedanke des Planes der Heeresleitung kam in der Weisung zum Ausdruck: „Die Nordhälfte der 1. Armee hält sich bereit, über die Weichsel in denKampf der Hauptkräfte einzugreifen.Der rechte Flügel der 2. Armee muß ehestens im Besitze des Uzsokpasses sein, um in der Folge über Turka, Stary Sambor, mit Teilen über Lutowiska möglichst umfassend einzugreifen.“ Der Vormarsch sollte vom linken Flügel aus aufgenommen werden. Die 1. Armee hatte mit den nördlich der Weichsel angesetzten Kräften am 1. Oktober zwischen der Weichsel und der Linie Pińczów— Opatów über die Nida vorzugehen, mit ihrem rechten Flügel aber am 3. Oktober auszutreten. Die 4. und die 3. Armee hatten am 4. Oktober in der allgemeinen Richtung Rzeszów und Krosno, die 2. tags darauf gegen den Raum südlich von Przemyśl vorzurücken.

Abgesonderte Bequartierung zwecks ärztlicher Beobachtung.

Die Bewegungen der Russen bis zum 2. Oktober

Während die Verbündeten zur neuen Offensive ausschritten, waren auch die russischen Armeen von Ostpreußen bis zu den Karpathen hinab wie ein Bienenschwarm durcheinandergerüttelt worden. Von den für diese Darstellung in Betracht kommenden Teilen der russischen Front schickte sich der Südflügel an, Przemyśl einzuschließen und die Deckung der Belagerung gegen die Karpathen und am unteren San zu organisieren.Die 8. Armee hatte bis zum 2. Oktober nur ein Korps, das XXIV., an die Front Dobromil— Chyrów—Stary Sambor vorgeschoben. Die anderen Korps (XII., VII., VIII.) waren noch auf der Straße Gródek—Mościska aufgereiht. Von der Reiterei war Gen. Keller mit der 12. KD. über Sanok ausgeschwärmt, indes die anderen Divisionen am Uzsokpaß -und weiter östlich nach Ungarn vorfühlten (S. 348). Die sich aus Reservedivisionen bildende Belagerungsarmee lag zunächst im Dreiviertelkreis um die Süd-, Ost- und Nordfront von Przemyśl. Die 3. Armee zog sich um Jaroslau und nordwestlich davon zusammen; zwei Infanteriedivisionen fühlten in den Raum um Dynów vor. Die Kavallerie streifte um Dębica und Jasło.

Am unteren San schickte sich die 5. Armee fürs erste an, im Raume Rozwadów—Sieniawa die Flußsicherung zu übernehmen und so der abrückenden 9. Armee, der sie später nachfolgen sollte, den Rücken zu decken. Es standen am 2. Oktober von rechts nach links das XXV., XIX.,

V. und XVII. Armeekorps.

Gen. Letschitzki hätte seine 9. Armee am liebsten noch oberhalb von Sandomierz über die schon vorbereiteten Kriegsbrücken auf das Nordufer der Weichsel geführt. Iwanow ordnete jedoch sicherheitshalber an, daß der Nordmarsch am Süd- und Ostufer zu erfolgen habe. Die Garde und das XVIII. Korps gelangten am 2. Oktober in den Raum nordöstlich und südöstlich von Józefów, das XIV. befand sich noch im Raume Sandomierz—Rozwadów. Die beiden nördlichen Korps hatten in den nächsten Tagen das noch beiderseits von Józefów die Stromsicherung besorgende

XVI. Korps der 4. Armee abzulösen. Von den beiden anderen Korps dieser Armee befanden sich die Grenadiere um Nowo Aleksandrya—Kazimierz, das III. kauk. Korps im Bahntransport von Lublin gegen Iwangorod.

Von den sieben Korps, die der von Gen. Scheidemann befehligten

2. Armee zugedacht waren, langten erst die Anfänge dreier Korps im Raume Warschau—Garwolin ein1).

Auch die russischen Bewegungen litten schwer unter dem schlechten

x) La grande guerre, 336 ff. — K o r o 1 k o w, Warschau—Iwangorod, 34, 62 ff.

Wetter, dem Hochwasser, das zahlreiche Brücken zerstörte, und dem unbeschreiblichen Zustand der Straßen. „Viele Armeekorps waren infolge des Mangels an Eisenbahnen gezwungen, den ganzen Weg zu marschieren; diejenigen Korps, die in das Gebiet von Iwangorod und weiter nördlich geschafft wurden, konnten erst von Lublin an die Bahn benützen und hatten somit bis dahin noch immer fünf bis sechs Tagmärsche zu Fuß zurückzulegen .. . Die Straßen führten vielfach durch Wald- und Sumpfgebiete. Zum Teil hatte man sie sogar mit Balken und Strauchwerk belegen müssen ... Die nördlich von Janów bis Lublin laufende Chaussee war in einem derart entsetzlichen Zustand, daß sogar die Feldwege ihr vorzuziehen waren. Die Leute wateten bis zu den Knien in Schmutz. Die Geschütze und der Train blieben alle Augenblicke stecken. Um sie herauszuziehen, mußten oft bis zwölf Pferde vorgespannt werden, was zur Folge hatte, daß der Pferdebestand ungemein litt“ 1). Waren diese Schwierigkeiten immerhin vorübergehender Art, so hob eine andere, in Hinkunft bei den Russen nie mehr schwindende Sorge ihr Haupt: es begann an Bewaffnung für den Mannschaftsersatz, vor allem aber in bedrohlicher Weise an Munition zu fehlen2).

Operativ war es für die russische Führung besonders wichtig, zwei in gewissem Sinne übergreifende Aufgaben zu erfüllen: die Aufstellung der „Dampfwalze“ durch Vorschieben von Truppen auf das linke Weichselufer entsprechend zu sichern und gleichzeitig den möglichst fließenden Übergang der gewaltigen Massen über den Strom vorzubereiten. Die Maßnahmen, die getroffen wurden, waren vielfach von der berechtigten Furcht beeinflußt, die vorgeschobenen Truppen keinem unnötigen Mißerfolg auszusetzen.

Im Bereiche von Warschau hatten die Russen ihre Sicherung im allgemeinen gegen die Bzura, die Rawka und gegen Grójec vorgeschoben. Die von den Verbündeten stark überschätzten Kräfte im Raume um Radom bestanden aus Teilen der 75. RD. (4. Armee), denen sich zwei Kavalleriedivisionen Nowikows und andere Reiterei beigesellten. Südwestlich von Iwangorod standen gleichfalls schwache Vorhuten der 4. Armee links der Weichsel. Bei Annopol war das Übersetzen von Teilen des XVIII. Korps zunächst durch Hochwasser vereitelt worden. Im Raume Opatów—Klimontów hatte Letschitzki zum Teil auf Befehl, zum Teil aus eigenem Entschluß weitergehende Sicherungsmaßnahmen vorbereitet. Am 2. Oktober befand sich die GSchBrig. auf den Höhen westlich von Opatów, die

1) Danilow, 308.

-j Befehl der Stawka, 29. September 1914 (La grande guerre, 339).

2.SchBrig. war von Südosten her im Anmarsch gegen diesen Ort. Die GKBrig. hatte bei Klimontów Aufstellung genommen. Als weitere Verstärkung für diese vom Gen. Delsalle befehligten Truppen war die um Sandomierz versammelte 80. RD. bestimmt. Auch drei Kavalleriedivisionen Nowikows befanden sich westlich von Opatów im Bereiche dieser von Letschitzki eingerichteten Weichselsicherung, die als erste in die neuen Kämpfe hineingerissen werden sollte.

Das Vordringen des Nordflügels der Verbündeten Hiezu Beilage 14

Am 1. Oktober hatte die Vorrückung Dankls mit dem an der unteren Nida aufmarschierten Nordflügel der k.u.k. 1. Armee begonnen. Der Vormarsch erfolgte mit der Gruppe FML. Wieber — 37. HID., 100.LstlBrig., 106. LstlD. — am rechten und mit dem I. Korps, GdK. Karl Freih. v. Kirchbach (12., 5. ID., 46. SchD., 35. LstlBrig.) am linken Flügel. Die 3. und die 7. KD. eilten voraus.

Fast unangefochten stießen die Reiter Dankls bis in den Raum von Bogorya vor, während die Gruppe FML. Wieber und das I. Korps bis zum 2. abends an die Wschodnia gelangten. Die zahlreichen Reiterdivisionen Nowikows, die an der Nida und Pilica einen dichten Schleier ausgeworfen hatten, wichen gegen Osten aus. Südlich der Weichsel hatte inzwischen das V. Korps die 66. IBrig. bis an den Breńabschnitt vorgeschoben. Hier ging die russische 9. Armee, wie man seit fünf Tagen aus einem russischen Funkspruch wußte, seit 25. September an den unteren San zurück.    -

Damit schien der Weg in die Nordflanke der im Gebiete westlich Przemyśl vermuteten feindlichen Kräfte (5. und Teile der 3. Armee) der Armee Dankl von den Russen selbst freigegeben zu sein. Inzwischen erhellten neuerlich aufgefangene russische Funksprüche das Gewölk, hinter dem sich die russischen Gegenmanöver vollzogen.

Schon am 25. September war eine russische Infanteriebrigade — offenbar eine von der russischen 4. Armee auf ihrem Nordmarsche ausgeschiedene Flankendeckung — unterhalb der Wislokamündung auf das nördlicheWeichselufer gezogen. Aus den bis zum Nachmittag des 2. Oktober vorliegenden Nachrichten erfuhr man, daß weitere Kräfte, die Garde- und

2. SchBrig., über Sandomierz auf Opatów im Nachrücken waren (S. 360). Es schienen also die vom deutschen 9. Armeekmdo. gehegten Hoffnungen, die Russen spätestens beim Weichselübergang fassen zu können, in Erfüllung zu gehen. Das 1. Armeekmdo. neigte dennoch mehr der Ansicht zu, daß auf dem linken Weichselufer nur geringe russische Kräfte zu suchen seien, während es von der Hauptmacht der russischen 9. Armee annahm, daß sie sich hinter der Weichsel zwischen Zawichost und Józefów zunächst zur Abwehr einrichten würde.

Aus dieser Auffassung der Lage ergab sich der Armeebefehl Dankls vom 2. Oktober mittags: ,,Das I. Korps, die Gruppe FML. Wieber, die 3. und 7. KD. sind stets bereit, mit ganzer Kraft in Kämpfe, die sich etwa schon in der Linie Sandomierz—Opatów abspielen könnten, einzugreifen oder über die Weichsel gegen Süden abzuschwenken. Die Südgruppe, das

V. und X. Korps und die 9. KD., ergreifen am 3. Oktober die Offensive und sind bereit, feindlichen Widerstand in der Front zu brechen oder im Bedarfsfalle gegen Süden in größere Kämpfe der 4. Armee einzugreifen.“

In Ausführung dieser Befehle setzten sich die Streitkräfte Dankls am 3. Oktober auch südlich der Weichsel in Bewegung. Hier warf das vom V. Korps über den Breńabschnitt vorgetriebene Detachement der 66. IBrig. Kosakennachhuten über die Wisłoka zurück1). Nördlich der Weichsel klärten die 3. und 7. KD. gegen Klimontów auf. Der rechte Flügel der deutschen 9. Armee war nahe an Opatów herangekommen.

Während die gemeinsame Vorrückung der Verbündeten in Südpolen schon in denWeichselbogen führte, hatte die Festung Przemyśl am 2.Oktober russische Kolonnen im Marsche nach Norden beobachtet. Neuerlich mitgehörte russische Funksprüche bestätigten diese Bewegungen. Man erkannte zutreffend, daß sich die russische 5. Armee in dem der k.u.k.

1. Armee zugedachten Vormarschraum zusammenziehe, während die 9. ihre Divisionen weiter nördlich gruppiere. Damit gewann Hindenburgs Auffassung, daß die Russen zwischen Sandomierz und Iwangorod gegen die nördlich der Weichsel vorrückenden öst.-ung. und deutschen Kräfte zum Angriff übergehen würden, immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Conrad legte daher dem 1. Armeekmdo. nahe, ,,auch stets bereit zu sein, wenigstens mit Teilen der Südhälfte der 1. Armee über die Weichsel“ — also nach Norden — ,,in den Kampf der Nordgruppe einzugreifen“. Dabei lehnte der Generalstabschef allerdings innerlich von Haus aus den Gedanken ab, etwa auch das Schwergewicht des öst.-ung. Heeres in den Raum nördlich der Weichsel zu verlegen. Er hielt es vielmehr für den Fall, als Hindenburg im linkenWeichsellande gegen die über den Strom vorbrechen-

1 Oblt. Ungar des IR. 83 zeichnete sich in den Verfolgungsgefechten am 3. Oktober durch die selbsttätige Erstürmung und Sicherung der Wislokabrücke bei Ujscie aus. Er erhielt für diese Waffentat das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

den Russen nicht durchdrang, erst recht für geboten, die Masse der k.u.k. Armeen beiderseits von Przemyśl zu behalten und hier zu einem Stoß gegen die russische Südflanke in der Richtung Lublin anzusetzen1).

GdK. Dankl faßte im Hinblick auf die bei den Russen festgestellten Nordmärsche seine Aufgabe für die nächsten Tage dergestalt auf, daß der linke Armeeflügel gemeinsam mit Hindenburg die westlich von Sandomierz auftretenden Russen zu schlagen haben werde, während der rechte Flügel durch rasches Zufassen zu verhindern hatte, daß südlich der Weichsel befindliche Kräfte des Feindes im Raume Baranów—Sandomierz das Nordufer der Weichsel gewannen. Letschitzki hatte dies tatsächlich geplant, war aber von Iwanow daran gehindert worden (S. 359).

Inzwischen waren am 3. Oktober die 3. und die 7. KD. bei Klimontów bereits mit der schon durch Infanterie der 80. RD. verstärkten russischen GKBrig. handgemein geworden. Die öst.-ung. Reiter vermochten nicht durchzudringen und gingen am Abend gegen die anrückenden Vorhuten des I. Korps zurück.

Das Zurückweichen der beiden Kavalleriedivisionen und das weite Gebiet, das noch zwischen dem erst an die untere Wisłoka gelangten Südflügel der 1. Armee und dem San lag, ließen das k.u.k. 1. Armeekmdo. am 3. abends noch nicht erkennen, was sich vor der Armee tatsächlich an russischen Kräften befand. Am folgenden Tage sollte die vor dem X. und dem V. Korps südlich der Weichsel angesetzte 9. KD. den San abwärts von Rozwadów aufklären. Nördlich der Weichsel hatte das

I. Korps gegen Klimontów—Sandomierz vorzugehen, die 37. HID. rechts hinten gestaffelt zu folgen.

Hindenburg rechnete am 4. Oktober bei Opatów auf zwei bis drei russische Korps zu stoßen, die er mit dem Südflügel der 9. Armee unter Sicherung gegen Józefów—Iwangorod vernichten wollte2). Dabei behielt er die wahrscheinlich gegebene Notwendigkeit, sich weiter gegen Norden strecken zu müssen, im Auge.

Die Käm-pfe bei Opatów und Klimontów (4. und 5. Oktober)

Unterdessen hatte die Reiterei Nowikows in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober bei Opatów vor der 46. SchD. die Front in nördlicher Richtung geräumt. Der Bitte des Gen. Delsalle, doch wenigstens den Schutz

1)    Conrad, V, 21 f, 41.

2)    Reichsarchiv, V, 426 f.

der Nordflanke zu übernehmen, wurde nicht entsprochen. Delsalle nahm daraufhin die GKBrig. von Klimontów an seinen rechten Flügel. Auch Iwanow wurde es nun um das Schicksal der weitvorgeschobenen Gruppe bange; aber Delsalle glaubte doch, sich entgegen dem ihm zugekommenen Rückzugsbefehl am 4. Oktober noch halten zu können. Dies wurde ihm zum Verhängnis.

Hindenburg nahm weit stärkere russische Kräfte in der Gegend von Opatów an; so stürzten sich das XI. Armeekorps nebst Teilen des Landwehr- und des Gardereservekorps auf die drei Brigaden des Gen. Delsalle und zwangen sie um Mittag unter Verlust von 7000 Mann zum Rückzuge 1). Zur gleichen Stunde stieß das k.u.k. I. Korps bei Klimontów auf das dort verbliebene Regiment der russischen 80. RD. und warf es gegen Sandomierz zurück. Beim Nachstoßen bedrohte das Korps auch den Rückzug der bei Opatów geschlagenen Russen aufs schwerste. Nur mit knapper Not vermochten sich die Trümmer der Gruppe Gen. Delsalle in der Nacht auf den 5. teils auf-Zawichost, teils in den Brückenkopf von Sandomierz zu retten.

Auf dem südlichen Weichselufer waren im Laufe des 4. Oktober das V. und das X. Korps mit ihren Hauptkräften beiderseits von Mielec an die Wisłoka gelangt. Noch in Unkenntnis des Ausganges, den das Gefecht bei Klimontów gefunden hatte, aber auf Grund anderer Meldungen faßte GdK. Dankl den Entschluß, das I. Korps in der Richtung auf Annopol weiterrücken zu lassen, die Gruppe FML. Wieber gegen den Brückenkopf von Sandomierz anzusetzen, die beiden südlichen Korps aber zu raschestem Vorstoß gegen den unteren San anzuweisen, der möglichst gleichzeitig mit dem Gegner zu überschreiten war. Das V. Korps mußte sich hiebei bereithalten, um spätestens am 6. Oktober der Gruppe Wieber beim Kampf um Sandomierz Unterstützung zukommen zu lassen. Das X. Korps hinwieder konnte unter Umständen zu plötzlichem Aufschwenken gegen Süden veranlaßt sein, da nach den vorliegenden Nachrichten noch ziemlich erhebliche Teile der russischen 5. Armee östlich von Kolbuszowa anzunehmen waren.

Als am 5. Oktober die beiden inneren Flügel der öst.-ung. 1. und der deutschen 9. Armee gegen den Weichselabschnitt beiderseits von Zawichost zur Verfolgung ansetzten, griffen sie ins Leere. Nunmehr schickte sich, während das gegen den Abschnitt Józefów—Zawichost vorrückende deutsche XI. Armeekorps das k.u.k.I. stark zusammendrückte, die Gruppe

1 j Reichsarchiv, V, 426 f. — Korolkow, Warschau—Iwangorod, 66. — La grande guerre, 353 ff.

FML. Wieber an, den von der 80. RD. gehaltenen Brückenkopf Sandomierz zu nehmen. Das gelang jedoch weder ihr noch der abends eingreifenden 12. ID. des I. Korps. Erst am 6. früh kam Sandomierz unter Einsatz der 106. LstlD. zu Fall. Allerdings vermochten die Russen Truppen und Material zu bergen66).

Am südlichen Weichselufer war die ihrem vorausgesandten Detachement nachgefolgte 66. IBrig. am 5. nachmittags vor Tarnobrzeg auf eingegrabene Infanterie des russischen XIV. Korps gestoßen. Erst nach dem Eingreifen der Spitzen des nachfolgenden V. Korps wichen die vorgeschobenen Gruppen der russischen 18. ID. auf ihre Hauptstellungen zurück, wo sie bis zur Beendigung des Weichselüberganges der 80. RD., am 6. früh, Widerstand leisteten.

Dem 1. Armeekmdo. waren die näheren Hergänge vom 5. zunächst unbekannt geblieben. Doch hatte die 37. HID. bereits am Nachmittag gemeldet, daß die Russen über die Brücken bei Sandomierz in „ununterbrochenem Rückzug“ begriffen seien. Auch beim I. Korps, das zugleich mit den vordersten Teilen des deutschen XI. Korps bis an die Weichsel heranging, war es an diesem Tage zu keinem ernstlicheren Kampf mehr gekommen. Das Kavalleriekorps Nowikow und das russische XVIII.Korps, das seine Vorhut endlich doch auf einer Brücke bei Annopol auf das linke Weichselufer gebracht zu haben schien, waren rechtzeitig wieder über den Strom ausgewichen. Wie jedoch ein entzifferter russischer Funkspruch besagte, war das russische XIV. Korps zwischen San und Weichsel infolge Einsturzes der Sanbrücke bei Radomyśl festgeraten. Rasch entschlossen befahl GdK. Dankl um 10h abends dem FML. Wieber, die 37. HID., die 106. LstlD. und die 3. KD. sofort bei Sandomierz über die Weichsel zu werfen und den im Flußwinkel steckengebliebenen Feind anzugreifen, während das I. Korps mit der 7. KD., der 35. und der 100. LstlBrig. sich im Anschluß an die deutsche 9. Armee auf den linksufrigen Höhen der Weichsel festsetzen sollte. Gleichzeitig wies GdK. Dankl den FZM. Puhallo an, „mit dem durch die 45. SchD. verstärkten V. Korps kräftig gegen den San vorzudringen und sich des Sanüberganges unterhalb Radomyśl zu bemächtigen“. Das X. Korps (2. und 24. ID.) sollte die Vorrückung auf Majdan fortsetzen und die rechte Armeeflanke decken. Weiter fügte GdK. Dankl seinem Verfolgungsbefehl die Weisung an: „Sollte sich für das V. Korps die Gelegenheit ergeben, am südlichen Sanufer ostwärts vorstoßend Erfolge zu erringen, so ist dies auszunützen.“

GdK. Dankl entsprach damit — soweit es die Lage jetzt zuließ — auch der ursprünglichen Absicht des AOK., durch Einschwenken der 1. Armee westlich der Sanmündung nach Süden die noch diesseits des Flusses verbliebenen Russen in der rechten Flanke zu fassen.

Die Kämpfe im San- und Weichselwinkel (6. bis 8. Oktober)

Hiezu Beilage 14 und Skizze 20

Als nach dem Treffen von Opatów—Klimontów die gedachte Umfassungsbewegung der durch Südpolen vorrückenden öst.-ung. und deutschen Truppen an der Weichsel in einem Luftstoß geendet hatte, mußte sich Hindenburg entscheiden, ob und in welcher Richtung die Operationen weitergeführt werden sollten. Eine Fortsetzung des Angriffes über den angeschwollenen Weichselstrom kam kaum mehr in Frage. Schon in den letzten Tagen hatte man den Eindruck gewonnen, daß sich starke Kräfte hinter dem Weichselabschnitt Sandomierz—Annopol nordwärts schoben. Nach den bis zum 6. Oktober früh vorliegenden Nachrichten war die russische 9. Armee mit mindestens drei Armeekorps (XIV., XVIII. und Garde) festgestellt. Es war also zu erkennen, daß die 4. Armee nördlich der 9. eingesetzt wurde. Sie mußte dann wohl bis Iwangorod reichen. Angesichts dieser geänderten Lage nötigte sich dem deutschen 9. Armeekmdo. der Entschluß auf, das Schwergewicht der Operationen, ebenso wie es die Russen taten, immer mehr nach Norden zu verlegen, denn man wollte dem Feinde, wenn möglich, doch noch die Flanke abgewinnen. Demgemäß hatte der rechte Flügel der deutschen 9. Armee den Russen einen Übergang an der Weichselstrecke abwärts der Sanmündung zu verwehren, die Armeemitte sollte sich des Brückenkopfes von Iwangorod bemächtigen und der linke Flügel zum Schutze der offenen Armeeflanke gegen Warschau ausgreifen1).

Während Hindenburg in dieser Weise die Fortführung des Angriffes wagte, war es für Conrad noch immer eine offene Frage, ob es gelingen werde, erheblichere russische Kräfte noch westlich des San zu stellen. Nach den bis zum 5. Oktober vorliegenden Nachrichten war zu vermuten, daß sich außer der russischen 5. Armee auch die 3. und vielleicht sogar Teile der 8. unter dem Schutze von Nachhuten, die in der Linie Barycz— Rzeszów—Sokołów angenommen wurden, aus dem Raume um Przemyśl in nördlicher und nordwestlicher Richtung verschoben. Diese Bewegungen x) Reichsarchiv, V, 435 ff.

mahnten zur Vorsicht. Der rechte Flügel der Armee Dankl, der den übrigen Armeen um ein bis zwei Tagemärsche voraus war, hing bereits stark in der Luft, und es war zu besorgen, daß die russische 5. Armee gegen die offene rechte Flanke der 1. Armee vorstoßen könnte. Conrad verfügte zum Schutze der rechten Flanke Dankls den Abtransport der bisher bei Krakau wegen Choleraverdacht zur Beobachtung zurückbehaltenen 43. SchD. nach Rzochów (nördlich Dębica), von wo sie sofort dem rechten Flügel der

1. Armee nachzuführen war. Ferner gab er angesichts der ungewissen Lage am 6. vormittags auf eine Anfrage des 1. Armeekmdos. bekannt, daß eine Entscheidung über die nächsten Operationen noch von dem Verhalten der russischen 5. Armee abhängig sei. Als nächstes Ziel stellte er dem Gen. Dankl die Aufgabe, mit der Masse der 1. Armee den „im San-Weichselwinkel festgeklemmten Feind zu schlagen“, während das I. Korps am linken Weichselufer gegenüber von Zawichost im Anschlüsse an die deutsche 9.Armee einVorbrechen der Russen über dieWeichsel zu verwehren und selbst über den Fluß anzugreifen habe, wenn der Feind Kräfte abzog.

So bestand also zwischen den Absichten des k.u.k. AOK. und des GdK. Dankl, der bereits am 5. abends aus eigenem Entschlüsse die kraftvolle Verfolgung des im Mündungswinkel zwischen San und Weichsel offenbar festgeratenen Feindes angeordnet hatte, volle Übereinstimmung. Aber jetzt, wo alles auf ein schnelles Manöver ankam, ergaben sich Schwierigkeiten, die niemand zu meistern vermochte. Die Russen hatten die Weichselbrücken bei Sandomierz noch rechtzeitig abgebrochen, weshalb FML. Wieber am 6. morgens die Flußschranke nicht schnell genug überschreiten konnte. Als endlich nach dem Eintreffen des Brückengeräts die 73. HIBrig. und die 3. KD. um die Mittagsstunde überschifft wurden, war es bereits zu spät geworden, das russische XIV. Korps noch während des Sanüberganges zu fassen. Den nachhastenden Truppen schwanden die Kräfte; erschöpft blieb die 73. HIBrig. am südlichen Weichselufer liegen. Nur die 3. KD. vermochte ihre todmüden Pferde noch einmal vorzutreiben. In der Nacht auf den 7. traf sie mit den Spitzen des südlich der Weichsel in Eilmärschen heranrückenden V. Korps am Lęgflufi zusammen. Hier fanden die Verfolger aber neuen Widerstand, der ihren Vorstoß zum Stillstand brachte.Die russische 18.ID.hatte nach dem Abzüge der GruppeGen. Delsalle und der 80. RD. hinter dem Łęg eine neue Sperrstellung bezogen, um dem XIV. Korps einen gesicherten Sanübergang zu ermöglichen.

Mittlerweile hatte am 6. Oktober ein Funkspruch der Russen über die Lage im San-Weichselwinkel insoferne wertvolle Aufklärung gebracht, als daraus zu entnehmen war, daß der Feind am untersten San mit allen

wesentlichen Teilen bereits das Nordufer des Flusses gewonnen hatte. Andererseits war man nach wie vor in quälender Ungewißheit über den Verbleib der russischen 5. Armee. Hielten sich noch starke Teile westlich von Leżajsk, wie es nach einzelnen Nachrichten anzunehmen war, so konnte ein Südstoß Dankls noch nützlichen Erfolg verheißen. Hatte die 5. Armee auch schon den San gewonnen, dann blieb der k.u.k. 1. Armee keine andere Aufgabe als die, im Rahmen der großen von Conrad schon erwogenen Operation über den Fluß in der Richtung Lublin vorzudringen, um auf diese Weise die an der mittleren Weichsel aufmarschierenden russischen Kräfte in der Südflanke zu fassen. Hindenburg mochte diesem Manöver durch eine ausgreifende Bewegung abwärts von Iwangorod zu Hilfe kommen, die dem k.u.k. Chef des Generalstabes jetzt sogar erwünscht war. Allerdings ließen Nachrichten über das Auftreten stärkerer russischer Kräfte bei Grójec südlich von Warschau fraglich erscheinen, ob der Nordflügel des Bundesgenossen noch über dieses hohe Maß von Operationsfreiheit verfügte *•).

GdK. Dankl trachtete durch seine Anordnungen für den 7. Oktober der noch ziemlich unklaren Lage gerecht zu werden:

„GdK. Kirchbach mit dem I. Korps, 7. KD., 35. LstlBrig. verbleibt am linken Weichselufer. Diese Gruppe wird in Anschluß an das deutsche XI. Korps die Weichsel zu überschreiten haben. Alle hiezu nötigen Vorbereitungen sind zu treffen. 106. LstlD. bleibt bei Sandomierz zur Verfügung des Armeekommandos. FZM. v. Puhallo mit dem V. Korps einschließlich der 37. HID. und der 100. LstlBrig., mit der 1. und der 110. LstlBrig., der 3. und der 9. KD. gruppiert sich am untersten San, womöglich mit starken Teilen nördlich des Flusses, für eine weitere Vorrückung gegen Nord oder Südost. GdI. Meixner, dem die 45. SchD. wieder unterstellt wird, gruppiert sein Korps    westlich    Rozwadów derart, daß die rechte Armeeflanke gesichert ist und

der Abmarsch des Korps in südöstlicher Richtung anstandslos erfolgen kann.“

Bei der Fortsetzung der Verfolgung rechts der Weichsel kam es am 7. Oktober noch zu heftigen Kämpfen. Die russische 18. ID., bereits bei Radomyśl im Uferwechsel begriffen, hatte am Morgen noch einmal kehrtgemacht, um sich den nachdrängenden Gegner vom Leibe zu halten. Hiedurch wurde die 14. ID. des V. Korps bei ihrer Vorrückung über den L^gfluß gehemmt. Am Abend griff die auf Grębów entsandte 45. SchD. des X. Korps in das Gefecht ein. Die hereinbrechende Dunkelheit zwang aber, die weitere Durchführung des Angriffs auf den 8. zu verschieben.

Den vordersten Teilen der 33. ID., der 37. HID. und der 3. KD. war es inzwischen gelungen, über den untersten Lęg bis nahe an die Sanmündung heranzukommen. Der schleppende Verlauf der Verfolgung bei der 14. ID.

ließ jedoch das Armeekmdo. erkennen, daß noch immer namhafte russische Kräfte die Brückenstelle von Radomyśl besetzt hielten. FZM. Puhallo wurde beauftragt, „den Raum südlich des San bis einschließlich Rozwadów von den Russen zu säubern“. Die russische 18. ID. war aber in der Nacht auf den 8. hinter den Fluß zurückgegangen; nur schwache Nachhuten standen jetzt noch vor den Übergangsstellen. Nach ihrer Vertreibung schob sich die 14. ID. am 8. vormittags gegenüber Radomyśl an den San heran. Es wurde nun das ganze V. Korps von Nordwesten und überdies die 45. SchD. des X. Korps von Westen her gegen Rozwadów dirigiert, das am Abend besetzt werden konnte. Die Masse des X. Korps (2. und 24. ID.) bezog zur selben Stunde am mittleren Łęg unangefochten ihre Lager. Die 9. KD. fand Nisko und Umgebung vom Feinde frei.

Beim AOK. in Neusandez hatte sich inzwischen auf Grund neuer Meldungen in der Nacht auf den 7. der Rückmarsch der russischen 5. Armee und deren weitere Nordwärtsverschiebung herausgestellt. So schien jetzt ein zweiter Vorstoß der k.u.k. 1. Armee auf Lublin, wie ihn Conrad plante, geboten. Dazu mußten aber zunächst der untere San und die Weichsel bei Zawńchost überschritten werden; die Heeresleitung befahl am 8. Oktober abends der 1. Armee, die hiefür nötigen Vorbereitungen zu treffen.

Das 1. Armeekmdo. hatte inzwischen schon am 7. nachmittags angeordnet, daß das V. Korps und für das X. die 45. SchD. alle Vorsorgen für den San-, das I. Korps für den Weichselübergang zu treffen hätten. Wann dieser Uferwechsel aber beginnen konnte,war ungewiß. Die gegen die Sanmündung angesetzte 37. HID. hatte im Laufe des 8. vergeblich versucht, mit Verfolgungsabteilungen über den Fluß zu kommen. Da die Russen alle Brücken hinter sich abgebrochen hatten und alle Übergangsstellen am jenseitigen Ufer noch besetzt hielten, blieb nichts übrig, als das Herankommen des Brückengerätes abzuwarten. Auch war es nötig, den Truppen eine Ruhepause zu gewähren, da sie durch den ununterbrochenen achttägigen, zum Teil mit Kämpfen ausgefüllten Vormarsch übermüdet waren.

Angesichts dieser schwierigen Übergangsverhältnisse erwog das 1. Armeekmdo. am 8. Oktober zu später Stunde, ob es nicht angebracht sei, die Operationen westwärts des San in den Rücken jener Teile der Russen fortzusetzen, die sich jetzt anscheinend bei Rzeszów der k.u.k. 4. Armee zum Kampfe stellten. Ein solches Unternehmen verzögerte zwar den „Stoß auf Lublin“, kam aber wenigstens insofern doch den Absichten der Heeresleitung entgegen, als es mithelfen konnte, Teile der Russen noch diesseits von Przemyśl zu schlagen.

I 2. Aufl.    24

Die Operationen der 4. und der 3. Armee (4. bis 8. Oktober)

Hiezu Beilage 14

Die 4. Armee, deren Streitkräfte seit dem 1. Oktober an Stelle des vom Oberbefehl abberufenen GdI. Auffenberg vom GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand geführt wurden1), hatte am 4. Oktober den Vormarsch in der Richtung auf Rzeszów angetreten. Im ersten Treffen marschierten das XVII., das II. und das XIV. Korps, hinter dem linken Flügel folgten das

VI. Korps und die Kavalleriedivisionen (2., 6., 10. und 11.). Die Reiterei der Erzherzogsarmee wurde erst im Laufe der ersten Oktoberwoche wieder verwendungsbereit und konnte daher den Korps vorderster Linie zunächst nur Nachrichtenabteilungen beistellen.

Die russischen Vortruppen wichen gegen Osten aus. Da jedoch zunächst nichts darauf schließen ließ, daß der Feind die Blockade von Przemyśl aufheben werde, nahm das 4. Armeekmdo. an, etwa beiderseits Rzeszów auf Widerstand zu stoßen.

Bis zum 5. Oktober abends brachte der Vormarsch den rechten Flügel und die Mitte der Armee ohne nennenswerte Kämpfe über die Wisłoka. Ajti 6. gelangte dasXVII. Korps, auf den grundlosen Wegen südlich derRze-szówer Straße marschierend, mit seinen Anfängen bis in die Gegend westlich Czudec. Das seit dem 25. September vom FML. Johann Freih. v. Kirchbach befehligte II. Korps, das bis Sędziszów vorrückte, war mit der Vorhut der 13. SchD. auf den Höhen westlich Ropczyce gegen Mittag auf Kosakenabteilungen gestoßen, die nach kurzem Geplänkel gegen Rzeszów zurückgingen. Große Schwierigkeiten stellten sich dem Vormarsch des XIV. Korps entgegen, das noch am 6. den Raum von Kolbuszowa erreichen sollte, um mit dem rechten Flügel der 1. Armee auf gleiche Höhe zu kommen. Dieses Korps konnte an diesem Tage mit seinen vordersten Teilen nur bis Niwiska gelangen, während seine Masse westwärts der Wisłoka zurückhing. Hier hielt auch, im zweiten Treffen, das VI. Korps.

Inzwischen war am Nachmittag des 6. beim 4. Armeekmdo. ein Befehl der Heeresleitung eingetroffen, in welchem es hieß, daß die 4. Armee „bei ihrer weiteren Vorrückung gegen den San jene Richtung zu wählen habe, durch welche der Schutz des rechten Flügels der 1. Armee am wirksamsten gewährleistet sei, sei es, daß sie die im Raume San—Rzeszów—

J) Näheres über diesen Kommandowechsel Auffenberg, Höhe und Niedergang, 388 ff, und Conrad, IV, 881 ff.

Wilcza Wola vermutete, aber durchaus noch nicht festgestellte russische 5. Armee angreift oder mit Teilen ihres linken Flügels direkt in das Gefecht der k.u.k. 1. Armee eingreift“.

Bei dieser ungeklärten Lage entschloß sich der Führer der 4. Armee, von Rzeszów an mit drei Divisionen — XVII. Korps mit der 19. ID., der 41. HID. und der 13. SchD. — südlich, und mit vier Divisionen —II. Korps (4. und 25. ID.) und XIV. Korps mit der 3. und der 8. ID. — nördlich des Wislok vorzurücken, während im zweiten Treffen das Gros des

VI. Korps (15. ID. und 39. HID.) hinter dem linken Armeeflügel und die 27. ID. hinter der Mitte unmittelbar folgen sollten, um dort eingesetzt zu werden, wo es die Verhältnisse erfordern mochten. Sollte es etwa bei Rzeszów und Wilcza Wola zu keinem Zusammenstoß mit der russischen 5. Armee kommen, so gedachte das 4. Armeekmdo. ohne Verzug beiderseits des Wislok in der gleichen Kräfteverteilung weiter gegen den San vorzustoßen, um am 8. Oktober den Raum von Łańcut und am 9. die Linie Pruchnik—Przeworsk—Leżajsk am San zu erreichen. Zur Aufklärung des Vormarschraumes bis zum Sanfluß sollten die mittlerweile bis an die Armeefront vorgezogenen Kavalleriedivisionen verwendet werden.

Südlich der 4. Armee hatten Teile der 3. — sie bestand jetzt aus dem III., XI. und IX. Korps, der Gruppe FML. v.Tschurtschenthaler (44. SchD., 88. KSchBrig.) und der 4. KD. — schon am 3. Oktober den Vormarsch angetreten1). GdI. Boroević führte seine Armee unter sehr starken Märschen quer über die Nordrampe der Beskiden geradewegs auf Przemyśl vor, um den im Raume westlich und südwestlich der Festung angenommenen Feind anzugreifen. Am 4. Oktober hatte seine Armee schon die obere Wisłoka und am 5. den oberen Wislok erreicht. Am 6. spät abends gelangten die GruppeTschurtschenthaler, ferner das III. und das XI. Korps mit ihren vordersten Teilen bis in die Gegend von Brzozów und Domaradz, während das IX. Korps Strzyzów und die 4. KD. die Jasiolka erreichten. Auch hinter dem oberen Wisłok waren die russischen Nachhuten, ohne sich in ernstliche Kämpfe einzulassen, nach Osten ausgewichen. Empfindlich erschwert war jedoch der Vormarsch der eng geschlossenen 3. Armee durch die ungünstige Witterung und die schlechten Wege. Artillerie und Troß versanken im Morast der aufgewühlten Straßen oft bis zur Achse und waren vielfach weit hinter den Infanteriekolonnen zurückgeblieben. GdI. Boroević mußte sich daher entschließen, seine Truppen in sich aufschließen zu lassen. Nur das am linken Armeeflügel vorrückende IX. Korps sollte am 7. Oktober den Vormarsch von Strzyzów über Domaradz bis in die

Gegend von Barycz fortsetzen. Das AOK. verfügte jedoch, daß „die

3. Armee am 7. wenigstens mit ihren Vortruppen den San aufwärts Dynów zu erreichen habe“, da sonst der linke Flügel der 2. Armee isoliert wäre. Diese Verfügung war durch die Rechtsschwenkung bedingt, welche die im Raume Sanok Lisko von Süden her eingelangte 2. Armee in den nächsten Tagen durchzuführen hatte.

So schob GdI. Boroević noch am 7. von der 44. SchD. und der 6. ID. je eine Gruppe von drei Bataillonen samt einer Batterie bis an den San heran. Beide Abteilungen fanden den Raum westlich des Flusses vom Feinde frei. Das IX. Korps war in den ersten Nachmittagsstunden bei Barycz in den Kampf getreten. Hier hatte die russische 11. KD., verstärkt durch einige Bataillone des X. Korps, eine Sperrstellung bezogen. Bevor sich jedoch der Angriff der breit zum Gefechte entwickelten 26. SchD. noch recht aussprach, räumten die Russen die Höhen östlich von Barycz und gingen gegen Bachórz zurück.

Am gleichen Tage (7. Oktober) strebte die 4. Armee dem Raume beiderseits von Rzeszów zu. Mühsam überwand das XVII. Korps das aufgeweichte Hügelgelände südlich der Rzeszówer Straße und erreichte mit seinen Vortruppen kampflos den Wislok. Das II. Korps rückte längs und nördlich der großen Reichsstraße geradewegs auf Rzeszów und Głogów vor. Auf den Höhen östlich von Świlcza stießen die Vorhuten der 13. SchD. und der 4.ID. auf den Widerstand russischer Kavalleriekörper (3.Don-,

3. Kauk. KosD. und 7. KD.). Nach kurzem Kampfe wurden die feindlichen Reiter geworfen. Das II. Korps setzte hierauf den Vormarsch fort und erreichte plangemäß Rzeszów und Głogów. Das XIV. Korps, das infolge der weit abgebliebenen Kriegsbrückenequipagen mit der Masse erst in der Nacht auf den 7. die von Regengüssen hochangeschwollene Wisłoka überschreiten konnte, gelangte spät am Abend unter Gewaltmärschen in die Gegend von Kolbuszowa. Hinter dem XIV.Korps rückten das VI.Korps, die 6. und die 2. KD. über die Wisłoka in den Raum von Niwiska und hinter dem II. Korps die 10. KD. in die Gegend westlich Rzeszów nach.

Der schwache Widerstand der feindlichen Kavalleriekörper und das unaufhaltsame Vorgehen der beiden Nachbararmeen — der linke Flügel der 3. Armee sollte am 8. Oktober bereits Dubiecko, der rechte Flügel der 1. Armee den unteren San erreichen — erweckten jetzt beim 4. Armeekmdo. die Auffassung, daß es auf den Höhen östlich von Rzeszów zu einem größeren Kampf gar nicht mehr kommen werde, und es entschloß sich, ohne Aufenthalt den Vormarsch beiderseits des Wisłok bis an den Sanabschnitt Radymno—Leżajsk fortzusetzen.

Der Karpathenübergang der 2. Armee (2. bis 7. Oktober)

Hiezu Beilage 14

Beim Vormarsch der 2. Armee kam es vor allem darauf an, eine flankierende Wirkung gegen den in Mittelgalizien angenommenen Feind zu erzielen. In dem allgemeinen Vormarschbefehl vom 1. Oktoberx) rechnete Conrad noch stark damit, daß Böhm-Ermolli an der Linie Stary Sambor— Lisko—Sanok auf die russische 8. Armee stoßen werde, die die Belagerung von Przemyśl im Süden deckte; vielleicht mochte die Armee sogar, um die Einschließung der Sanfestung verläßlich zu sichern, zum Gegenstoß übergehen. Aus diesem Grunde legte die Heeresleitung Wert darauf, daß die 2. Armee in breiter Front über den Karpathenkamm vorbreche, wobei der rechte Flügel, das IV. Korps, den von den Russen noch besetzten Uzsokpaß zu passieren hatte, indes der Mitte der Łupkówer Sattel und dem linken Flügel der Duklapaß als Übergang zufielen. Als Aufbruchstag war zunächst der 5. Oktober ausersehen.

Jedoch schon am 2. Oktober traute das AOK. der Armee Brussilows weitergehende Angriffspläne nicht mehr zu. Wohl aber ließ die eben damals einsetzende Berennung von Przemyśl bei den Russen noch einen heftigeren Widerstand erwarten. Tags darauf erhielt das 2. Armeekmdo. die Mitteilung: „Festung Przemyśl meldet den Abmarsch des Feindes nach Norden und Nord westen; im Südwesten und Westen der Festung anscheinend nur Kavallerie und wenig Infanterie, im Süden und Südosten etwa drei bis vier Divisionen.“ Das war eine neue Bestätigung des seit einer Woche beobachteten Nordmarsches der Russen und für die Heeresleitung zugleich Ansporn genug, die 2. Armee nun schon am 4,Ok-tober austreten zu lassen.

Die Wieder er oberung des Uzsokpasses

Auf dem rechten Flügel der 2. Armee war unterdessen das IV. Korps schon am Vorabend des allgemeinen Vormarsches zum Angriff gegen den Uzsokpaß angetreten. GdK. Tersztyanszky hatte bereits am 30. September vom 2. Armeekmdo. die Weisung erhalten, am 3. Oktober, spätestens am 4. früh, die Entscheidung auf dem Uzsokpaß herbeizuführen.

In fliegender Hast hatte Tersztyanszky die 31. ID. aus dem Cziróka-tal mit der Bahn nach Nagyberezna herübergezogen. Von dort wurden die Fußtruppen am 2. Oktober schleunigst talaufwärts nach Fenyvesvölgy gefahren und sofort aus den Eisenbahnwagen auf das Gefechtsfeld der Gruppe FML. Karg geworfen. Eile tat not. Die Gruppe FML. Karg, die sich inzwischen über Fenyvesvölgy bis auf die Flöhen nördlich des Ortes Uzsok emporgearbeitet hatte (S. 348), wurde am 2. und 3. Oktober durch russische Gegenangriffe bedrängt. Im Hinblick auf diese Lage unterstellte GdK. Tersztyánszky das von der 31. ID. zuerst eingelangte Regiment am

3.    morgens der Gruppe Karg. Während auf den Westhängen des Bergüberganges das Gefecht auf der Stelle fortbrannte, hatte sich das Gros der 3 l.ID. zur Durchführung der entscheidenden Angriffsaktion gegen den Uzsokpaß bereitgestellt. GdK. Tersztyánszky beabsichtigte, die 31. ID. über Beniowa gegen die rechte Flanke und in den Rücken der von der 2. Komb.KosD. zäh verteidigten Sperrstellung zu führen. Am 3. Oktober mittags hatte Erzherzog Joseph mit der 31. ID. den schwierigen Aufstieg auf den Gebirgskamm begonnen, um dann im Nachtmarsch links ausgreifend Beniowa, den Zugangsweg in den Rücken des Feindes, zu gewinnen. Zur selben Zeit, als das Umfassungsmanöver der 31. ID. eingeleitet wurde, hatte sich aber die Gefechtslage bei der Frontalgruppe Karg wieder verschlimmert. Ein neuerlicher Vorstoß der Russen hatte den rechten Flügel der 38. HID. zertrümmert und bedrohte die Hauptanmarschlinie des IV. Korps im Ungtal, so daß sich Tersztyánszky abends veranlaßt sah, den sofortigen Abtransport des zuletzt eingetroffenen Bataillons der 31. ID. nach Fenyvesvölgy zu verfügen. Außerdem sollten am

4.    Oktober die 40. LstlBrig. zur Gruppe Karg und die 1. KD. in den Raum von Révhely herangezogen werden.

Als der 4. Oktober heraufdämmerte, verhüllte tiefziehendes Gewölk die Berge und raubte der Artillerieaufklärung jeden Einblick in die russischen Stellungen. In weglosem Bergland konnte die 31. ID. nur langsam Raum gewinnen. Erst am Nachmittag hatte Erzherzog Joseph Beniowa erreicht. Von dort schwenkte er mit seinen Truppen gegen die feindliche rechte Flanke ein. GdK. Tersztyánszky, hievon in Kenntnis gesetzt, befahl nun der Frontgruppe FML. Karg, gleichfalls anzugreifen. Die Ermüdung der Truppen und der frühe Einbruch der Nacht brachten jedoch das Gefecht zum Stillstand. Tersztyánszky gedachte den konzentrischen Angriff am folgenden Morgen fortzusetzen, erklärte sich aber mit einem von FML. Karg vorgeschlagenen nächtlichen Überfall auf die Paßhöhe einverstanden. Das mittlerweile eingetroffene Bataillon der 31. ID. fand in der Nacht das Russennest leer. Gen. Pawlow, der Führer der 2. Komb. KosD., hatte die geschickt verteidigte, aber infolge der fortschreitenden

Umfassung durch die 31. ID.unhaltbar gewordene Paßstellung am4. abends rechtzeitig geräumt67). Noch vor Anbruch des S. Oktober war der heiß umstrittene Uzsokpaß im Besitze Tersztyánszkys. Ein Detachement der 102. LstlBrig. folgte dem abziehenden Feinde am 5. auf der Straße gegen Turka nach und sollte nach dem Willen des GdK. Tersztyánszky am gleichen Tage noch die halben Weges vor Turka gelegene Ostryhöhe gewinnen. Kosakennachhuten setzten sich aber bereits auf den Höhen unmittelbar nördlich des Uzsokpasses fest und zwangen die 102. LstlBrig. und Teile der 38. HID. zu zeitraubender Entwicklung. Unter dem Feuer russischer Gebirgsgeschütze wurden am Abend die Bergstellungen erstiegen und von Teilen der Gruppe Karg in Besitz genommen. Die 31. ID. nächtigte in den kümmerlichen Gebirgsdörfern im Quellgebiet des San. Die 40. LstlBrig. war bis Uzsok, die l.KD. in den Raum von Fenyvesvölgy, die 8.KD.nach Nagyberezna gekommen, während die nach Ungvár zurückgezogene 17. LstTerrBrig.68) zur Sicherung der südlichen Anmarschlinie über den Uzsokpaß verwendet werden sollte. Das vorausgesandte Verfolgungsdetachement der 102. LstlBrig. war inzwischen auf der Ostryhöhe und östlich davon auf eine neue starke Sperrstellung der Russen gestoßen. GdK. Tersztyánszky entschloß sich am S. abends zum Angriff. Die Gruppe FML. Karg (38. HID., 102. LstlBrig.) sollte über die Höhen östlich und längs der Straße nach Turka frontal angesetzt werden, während Erzherzog Joseph die 31. ID., von Beniowa links ausgreifend, indierechte Flanke der Ostryhöhe zu führen hatte, um von dort in den Rücken des Feindes zu kommen.

Diesem Plane gemäß entwickelte sich am 6. Oktober das Treffen. Gen.Pawlow hatte an diesemTage eineBrigade desXXIV.Korps vonTurka als Verstärkung erhalten. Als nun Erzherzog Josephs Umfassungsflügel um die Mittagstunde aus dem Santal nördlich von Beniowa gegen Osten zur Umfassung der Ostry einschwenken wollte, stießen die bereitgestellten russischen Verstärkungen überraschend gegen die linke Flanke der 31. ID. vor. Erzherzog Joseph hatte jedoch gegen Jabłonka wż. eine Deckungsgruppe hinausgeschoben, die den gefährlichen feindlichen Flankenstoß glücklich vereitelte. Als es Abend wurde, hatten sich die öst.-ung.Verbände von drei Seiten an die feindlichen Sperrsteilungen herangeschoben; mit Rücksicht auf die vollständige Erschöpfung der Truppen mußte jedoch der entscheidende Angriff auf den kommenden Morgen verschoben werden. Gen. Pawlow wartete angesichts der abermaligen Überflügelung seiner rechten Flanke den Bajonettangriff wieder nicht ab, sondern räumte nach Einbruch der Dunkelheit seine Stellungen und eilte auf der Straße gegen Turka zurück.

Als am Morgen des 7. Oktober dieser Rückzug vollends ersichtlich wurde, wollte Erzherzog Joseph den abziehenden Feind zunächst nur durch Artilleriefeuer verfolgen, während er mit Rücksicht auf die schwierige Verpflegslage und die völlige Erschöpfung der Truppen einen Tag in dem erreichten Raume stehen zu bleiben gedachte. GdK. Tersztyanszky hielt dagegen eine rasche Fortführung der Operationen für nötig, um zu verhindern, daß sich der Feind nochmals vor Turka festsetze. Er befahl daher seinen beiden Gefechtsgruppen, noch am 7. die Höhen nördlich von Borynia zu gewinnen. In Ausführung dieser Befehle bemächtigte sich die Gruppe Karg am Abend des Ortes Borynia, konnte jedoch den nördlich vorgelagerten Höhenrücken nicht mehr in Besitz nehmen, da sich dort in den Hochwäldern Kosakennachhuten eingenistet hatten. Die Anfänge der

31. ID. drangen bis auf die Höhen nordwestlich von Jabloňka wż. vor und erblickten von dort die russischen Lagerfeuer von Turka.

Während die Gruppe des GdK. Tersztyanszky schon im Norden des Uzsokpasses kämpfte, trat auch die Masse der 2. Armee am 4. Oktober frühmorgens aus den Quelltälern der Cziróka, der Laborcza und der Ondawa die Vorrückung über die Karpathen an. Rechts war die Gruppe GM. Ludwig Goiginger — 32. ID. und 103. LstlBrig. — über Cisna und Baligród auf Lisko gewiesen. In der Mitte hatte das VII. Korps, nunmehr vom FML. Fail-Griessler befehligt — 17., 34. ID. und 20. HID. — vonMezö-laborcz über den Łupkówer Sattel auf Zagorz (südöstlich von Sanok) vorzugehen, am linken Flügel das XII. Korps, GdI. Kövess, — 16. und 35. ID. und 105. LstlBrig. — über den Duklapaß und Rymanów das Becken von Sanok zu erreichen. Der Marsch wurde nicht durch den Feind gehemmt, der, wie sich herausstellte, der Hauptsache nach bloß aus Reiterei bestand, umsomehr aber durch die Ungunst des Wetters und der Wege.

Nach mehrfachen Verzögerungen überschritten im Laufe des 6. Oktober die Gruppe GM. Goiginger und die 34. ID. bei und flußabwärts vonLisko den San und nahmen die nördlichen Uferhöhen in Besitz. Die 20. HID. befand sich hinter der 34. ID; die 17., die während des Vormarsches hinter die Gruppe Goiginger gezogen worden war, um dieser und gegebenenfalls auch dem IV. Korps zur Verfügung zu stehen, näherte sich erst Baligród. Von Westen her schob sich das XII. Korps mit der 16. ID. beiderseits von Sanok an den San heran. Von einer Gegenwehr des Feindes war auch in diesem Raume nur wenig zu verspüren. Lediglich Kavallerienachhuten hatten sich gestellt. Das VII. Russenkorps, dessen Anwesenheit in dieser Gegend in den letzten Tagen gemeldet worden war, hatte sich offenbar gegen Chyrów zurückgezogen.

Für die Heeresleitung bildete dieses Ergebnis nach den Erfahrungen der verflossenen achtundvierzig Stunden keine Überraschung mehr; allerdings mochte sie bedauern, daß die Gegenmaßnahmen der Russen nun auch den der 2. Armee übertragenen Flankenstoß zu einem Luftstoß hatten werden lassen. Es blieb nun nichts übrig, als auch die Masse der 2. Armee gegen Osten einschwenken zu lassen, damit sie, wenn schon nicht die Flanke, so den Flügel des Feindes treffen konnte, der Przemyśl eingeschlossen und am 6. zum erstenmal heftig berannt hatte. Von besonderer Bedeutung wurde angesichts dieser Wendung das Eingreifen der Gruppe Tersztyánszky, die allein eine noch immer tatsächlich flankierende Wirkung erzielen konnte.

Die ersten Weisungen zur Rechtsschwenkung erteilte das AOK. bereits am 5. Oktober. Indes erfüllte sich die Hoffnung, daß die 2. Armee mit der Frontveränderung schon tags darauf werde beginnen können, wegen des schlechten Wetters noch nicht. Am 7. sollten sich dann auch weitere Nachteile des bisherigen Ansetzens der 2. Armee zeigen. Der Versuch, dem linken Flügel der Armee die angeblich fahrbare Marschlinie über Trzcianiec nach Dobromil zuzuweisen, während der rechte die Chy-rówer Straße zu benützen hatte, erwies sich als unausführbar. Es kam weder Geschütz noch Fuhrwerk vorwärts. So mußten auch die Divisionen des XII. Korps auf die Chyrówer Straße gewiesen werden, auf der sich nun insgesamt sieben Divisionen samt ihrem gewaltigen Troß in nicht endender Reihe dahinwälzten. Die nördliche Weglinie wurde nur von einer schwachen Seitenhut, dem k.u.k. IR. 2 der 16. ID., ohne Artillerie benützt. Die Frage, wie die lange Marschsäule angesichts eines sicherlich gut eingegrabenen Feindes den Austritt aus dem Chyrówer Engpaß bewerkstelligen werde, drückte schwer auf die Führung der 2. Armee.

Die erste Belagerung und der Entsatz von Przemyśl

Hiezu Beilagen 14 und 16 sowie Skizze 21

Einschließung und Berennung der Festung durch

die Russen

Alit dem Rückzuge des öst.-ung. Heeres aus Ostgalizien waren die kriegerischen Ereignisse mit einem Schlage dem Bollwerk am San nahegerückt, und dessen freie Tage gezählt. Das AOK. verständigte am 16. September Przemyśl von dem Abmarsche der Feldarmeen an die Biala-Dunajeclinie und erteilte dem Festungskommandanten FML. v. Kusmanek den Befehl „die Festung bis auf das Äußerste zu halten“.

Przemyśl hatte jetzt die bedeutsame Aufgabe, möglichst starke feindliche Kräfte auf sich zu ziehen und diese solcherart an der Verfolgung der zurückgehenden eigenen Armeen zu verhindern. Ob die Festung dieser gewaltigen Aufgabe gerecht werden konnte, hing freilich von verschiedenen Umständen ab. Ihre Widerstandskraft war im Hinblick auf die geringe fortifikatorische Stärke und die für höchstens drei Monate bemessene Munitions- und Verpflegsausrüstung nicht sonderlich hoch einzuschätzen 1). Wohl bestand die Festung schon im Frieden aus einer größeren Zahl von permanenten Gürtel-und Noyauwerken2). Aber letztere waren zwanzig bis dreißig Jahre alt und nur mit veralteten Geschützen bestückt3). Die kargen Mittel, die für die permanente Reichsbefestigung zur Verfügung standen, waren zum größten Teil in Tirol und an der Küste verbraucht worden. Bei Ausbruch des Krieges mit Rußland mußte die öst.-ung. Heeresleitung ein Arbeiterheer von 25.000 Mann4) in Be!) Stuckheil, Die strategische Rolle Przemyśls auf dem östlichen Kriegsschauplatz (Mil. wiss. Mitt., Jhrg. 1923, 60ff, 131 ff). — Derselbe, Die Festung Przemyśl in der Ausrüstungszeit' (Ebenda, Jhrg. 1924, 201 ff).

-j Nach GM. Hans Schwalb, Die Verteidigung von Przemyśl 1914/15 (Mitt. des Art.- u. Geniewesens, Jhrg. 1918, 1373 ff), bestand die Festung vor Ausbruch des Krieges mit Rußland aus 38 Gürtel- und 21 Noyauwerken und Batterien (S. 82).

3)    Die Armierung der Festung bestand vor ihrer Einschließung aus insgesamt etwa 1000 Geschützen, darunter sogar alte eiserne Kanonen aus dem Jahre 1861. Mehr als die Hälfte der Geschütze konnten nur auf kleine Entfernungen wirken; an modernen Geschützen hatte die Festung nur 4 Stück 30.5 cm-Mörser. Die übrigen Fernkampfgeschütze: 12-, 15- und 18 cm-Belagerungskanonen stammten aus dem Jahre 1880, die vorhandenen 10- und 15 cm-Panzerhaubitzen und 15 cm mobilen Haubitzen aus dem Jahre 1899, die 24 cm-Mörser vom Jahre 1898.

4)    8 Sappeurkompagnien, 70 Militärarbeiterabteilungen und eine überaus große Zahl von landsturmpflichtigen Zivilarbeitern.

wegung setzen, um die Sanfestung innerhalb der im Ausrüstungsentwurfe vorgesehenen sechswöchigen Ausrüstungszeit in den Verteidigungszustand zu bringen. In der dritten Septemberwoche, als die Feldarmeen aus dem Bereiche der Festung abmarschierten und diese ihrem Schicksal überließen, waren die vorgesehenen Ausrüstungsarbeiten unter der äußersten Anspannung aller verfügbaren Arbeitskräfte zur Not beendet!). Die „Sicherheitsbesatzung“ bestand aus der 23. HID. und vier Landsturminfanteriebrigaden (k. k. 93., k. u. 97., k. k. 108. und k. k. 111.), durchwegs Truppen, die mit Ausnahme der 111. Brigade bereits bei Lemberg gefochten und geblutet hatten. Der Gesamtstand der Festung betrug am 18. September einschließlich von Teilen der Brückenkopfbesatzungen Jaroslau und Radymno, der noch nicht eingereihten Honvédmarschregimenter Nr. 3, 4, 6 und 16, des Marschbataillons SchR. 35, fünf LstErs.Komp. und der Gruppe GM. v. Nicki (etwa 4 Bataillone LstEisenbahnsicherungen,LstGendarmerie-assistenzen, LstErs.Komp.) rund 65 Infanteriebataillone (davon 40V2 Lst-Bataillone), zum größten Teil ruthenischer und ungarischer, zum geringen Teil deutscher Mannschaft, 7 Schwadronen, 4 Feldkanonenbatterien, 43 Festungsartilleriekompagnien, 48 LstArtillerieabteilungen, 8 Sappeurkompagnien und verschiedene Spezialformationen und Anstalten.

Schon am 16. September, dem ersten Tage, an welchem Przemyśl sich selbst überlassen war, tauchten im Vorfelde der Ostfront russische Infanterie und Artillerie auf, Teile der russischen 3. Armee. Am 20. überschritten feindliche Abteilungen bei Walawa unterhalb der Festung den Sanfluß. Da hiedurch die Verbindung mit den Brückenköpfen Jaroslau und Radymno gefährdet war, schob das Festungskmdo. das HIR. 7 mit einer Batterie gegen Sośnica vor. Nach kurzem Ausfall rückte dieses Detachement, nachdem es das am 20. abends von Radymno zurückgegangene Bataillon des HIR. 2 aufgenommen hatte, am 21. abends mit einem Teil der Besatzung von Jaroslau wieder in Przemyśl ein. Nach der Räumung der Sanbrückenköpfe erfolgte nördlich der Festung der Sanübergang der russischen 5. Armee und deren Vorrückung bis in die Gegend von Sokołów, Łańcut und Jawornik Polski. Zur gleichen Zeit (22. bis 23. September) schob sich die russische 3. Armee mit ihren beiden Flügeln gegen

*■) Im Vorfeld waren 21 Ortschaften und rund 1000 ha Wald niedergelegt, im Gürtel 7 neue Zwischenwerke und 24 Stützpunkte erbaut, in den Zwischenräumen 50 km Infanteriedeckungen und gedeckte Annäherungen sowie 200 Batteriestellungen ausgehoben, vor dem Gürtel 1,000.000 m Drahthindernisse ausgeführt sowie zahlreiche Minenfelder ausgelegt worden. Der Verteidigungswert der Befestigungsanlagen blieb jedoch ein geringer. Von den Werken des Gürtels waren z. B. nur 12 „bombensicher“ eingedeckt, während alle übrigen bestenfalls als „granatsicher“ galten.

die Nord- und Südfront von Przemyśl vor. Ein Detachement, das vom Festungskmdo. am 23. San aufwärts gegen Bachórz vorgetrieben worden war, um einen Munitionstransport von Dynów einzuholen, fand den Weg dahin schon vom Feinde verlegt. Am 26. September abends war Przemyśl von der Außenwelt vollständig abgeschlossen.

Während der letzten Septemberwoche beschränkten sich die Russen darauf, ein wenig wirkungsvolles Feuer gegen die Festungswerke zu unterhalten, obwohl Gen. Iwanow einer möglichst raschen Einnahme des Platzes große Bedeutung beilegte. Er hatte nach der Austragung der Lemberger Schlacht schon am San den Vormarsch eingestellt, da er glaubte, die Operationen gegen Krakau mit der Festung Przemyśl und ihrer vermeintlichen starken Offensivbesatzung im Rücken nicht ungefährdet weiterführen zu können. FML. Kusmanek, der rührige Festungskommandant, suchte durch rege Artillerietätigkeit und kleinere Ausfälle dem Gegner den Ausbau der Einschließungslinie möglichst zu erschweren. In den ersten Oktobertagen konnte das Festungskmdo. überraschenderweise den Abmarsch feindlicher Kräfte aus dem Bereiche der Festung feststellen (S. 373). Es waren die Infanteriedivisionen der russischen 3. Armee, die durch die neue Belagerungsarmee — später russische 11. Armee — abgelöst wurden und an Stelle der 5. Armee in den Raum westwärts von Jaroslau marschierten. Zur gleichen Zeit waren aber auch deutliche Angriffsvorbereitungen der Russen gegen die Festung erkennbar.

Gen. Brussilow, der Oberbefehlshaber der in Galizien stehenden Russen, hatte inzwischen beschlossen, die Festung sogleich anzugreifen. Er hatte Nachrichten erhalten, daß angeblich ein Teil der Besatzung von Przemyśl wenig zuverlässig sei; auch die fortifikatorische Stärke der Festung erschien ihm nicht bedeutend. Dazu kam die Wahrscheinlichkeit eines neuerlichen öst.-ung. Vormarsches. Alles dies veranlaßte ihn, rasch und rücksichtslos zu handeln, um die Sanfestung noch vor dem Eintreffen des Entsatzheeres zu Fall zu bringen. Noch am 2. Oktober wies Brussilow den Gen. Schtscherbatschew, der die Einschließungstruppen am rechten Sanufer befehligte, an, mit den Vorbereitungen für den gewaltsamen Angriff zu beginnen. In fieberhafter Eile verstärkte Brussilow die Belagerungsarmee durch das XII. Korps (12. und 19. ID.), die 3. SchBrig. und die 65. RD. der 8. Armee sowie durch drei schwere Kanonen-und drei Mörserdivisionen, unterstellte alle diese Kräfte dem Gen. Schtscherbatschew und hieß ihn am 5. Oktober den Angriff auf die Festung eröffnen1).

*) Tscherkassow, Der Sturm auf Przemyśl (in x'ussischer Sprache, Moskau

Ein solches Unternehmen mochte jetzt, da die langwierigen Vorbereitungen zum gewaltsamen Angriff in so kurzer Frist kaum beendet sein konnten, ein Wagnis sein; auch war zu besorgen, daß sich die gegen Łańcut und Jawornik Polski geschobenen Vorhuten der russischen 3. Armee höchstens nur ein paar Tage gegen die heranrückende gegnerische Übermacht halten konnten. Dessenungeachtet ließ Gen. Iwanow dem Führer der galizischen Heeresgruppe freie Hand, da ihm auf Grund der vorliegenden Berichte ein Angriff auf die Festung nicht aussichtslos zu sein schien.

Siegreiche Abwehr des gewaltsamen Angriffes der Russen (5. bis 7. Oktober)

Die Einschließung von Przemyśl wurde im Norden, Osten und Süden durch Infanterie besorgt. Der Infanteriering begann südlich von Rokietnica, zog sich über Walawa, Medyka, die Höhen nördlich von Miżyniec und endete auf den Höhen nordwestlich von Niżankowice. Der Raum zwischen Fredropol und Krasiczyn wurde von der 9. KD. abgesperrt.

Am 4. Oktober forderten die Russen den Festungskommandanten zur Übergabe des Platzes auf1). FML. Kusmanek wies das Ansinnen scharf zurück. Am 5.eröffnete der Führer der Belagerungstruppen, Gen.Schtscher-batschew, der nun über siebeneinhalb Infanteriedivisionen verfügte — 12. und 19. ID. des XII. Korps, 3. SchBrig. und fünf Reservedivisionen (58., 60., 69., 78. und 82. RD.) — den Angriff. Die 65. RD. stand noch als Reserve bereit. Insgesamt setzten die Russen 117 Bataillone und 483 Geschütze, davon allerdings nur je ein Zwölftel Feldhaubitzen und schweres Geschütz, sonst nur leichte Feldkanonen, zum Angriff an. Diese Kräfte waren gegenüber dem Südostteil des Gürtels am stärksten zusammengeballt.

Unter dem Feuerschutze der Artillerie arbeitete sich die russische Infanterie aus ihren 4 bis 5 km von den Außenwerken entfernten Stellungen vor. Aus der Feuerdichte konnte der Festungskommandant sehr bald erkennen, daß sich der Feind die gegen Südosten vorspringende Gruppe

!) Die durch einen Parlamentär überbrachte Aufforderung war vom Gen. Dimitriew unterzeichnet, unter dessen unmittelbaren Befehlen zur Stunde das ßelagerungskorps noch stand. Den Angriff auf Przemyśl kommandierte der einstweilige Führer der künftigen Belagerungs- und späteren 11. Armee, Gen. Schtscherbatschew. Der während der Kämpfe einlangende Befehlshaber dieser Armee, Gen. Seliwanow, trat sein Amt erst nach dem abgeschlagenen Sturme an (K o r o 1 k o w, Übersicht, 83).

Siedliska zum ersten Angriffsziel gewählt hatte. Ein am 6. früh von Teilen der russischen 19. ID. gegen diese Fortsgruppe unternommener Vorstoß erstickte im Feuer der Verteidiger. Im Laufe des Tages schoben sich die Russen mit unheimlicher Schnelligkeit bis auf 500 m an die Siedliska-gruppe und bis auf 1 km an den Gürtel der Nordfront heran. Am Abend verlegte das Festungskmdo. einen Teil der Hauptreserve und die Divisionsartillerie der 23. HID. nach Siedliska, den am meisten gefährdeten Verteidigungsabschnitt. Bevor der Morgen des 7. Oktober dämmerte, erfolgte der Hauptsturm. Dieser richtete sich, wie das Festungskmdo. richtig erwartet hatte, gegen die Siedliskagruppe. Schtscherbatschew zog hier drei Divisionen, die 19.ID. sowie die 58. und die69.RD.,zumentscheidenden Angriff zusammen1). Kurz nach 3hmorgens hatten die Scheinwerfer der Verteidiger infolge Geschützvolltreffer zu spielen aufgehört, unmittelbar darauf erfolgte der feindliche Ansturm. Das russische IR. 73 der 19. ID. hatte sich unbemerkt dicht an das Werk 1/1 und an die anschließenden Infanteriestellungen herangeschoben. Trotzdem die Werksbesatzung auf ihrer Hut war und dem Angreifer einen blutigen Empfang bereitete, gelang es den Russen, das zerfetzte Drahthindernis zu überrennen und bis in den Werkgraben einzudringen. Oblt. Švrljuga, der Werkskommandant, schloß sich nach einem blutigen Handgemenge ins Werkinnere ein und führte durch die Schartenöffnungen der Kasematten den Kampf heldenmütig bis 9h vorm. weiter. Unterdessen eilten von der Bezirksreserve mehrere Kompagnien des HIR. 7 zum Entsätze heran. Unter wilden „rajta, rajta“-Rufen erklommen die Honvéds die Kehlböschung und überwältigten die in das Werk eingedrungenen Russen. Was vom Feinde noch am Leben blieb, streckte die Waffen. Zur gleichen Zeit brachen auch alle übrigen Anstürme der Russen zusammen. Die 58. RD., die sich bei Hurko gegen die Werke der Ostfront herangearbeitet hatte, kam im Frontalfeuer des Gürtels und im Flankenfeuer der Traditoren-geschütze nicht über das Glacis hinaus. Ebenso scheiterten die Angriffe der 69. und der 60. RD., die links von der 19. ID. die Südostfront der Festung bestürmten. Eine Angriffsgruppe blieb dicht vor den Hindernissen der Gürtelwerke bei Popowice liegen und wurde sodann durch einen Ausfall der Werksbesatzungen vertrieben. Ein anderes russisches Regiment geriet,

x) Schwalb, a. a. O. — R i e s e r, Przemyśl, Der Kampf um das Werk 1/1 der Gruppe Siedliska am 7. Oktober 1914 (Öst. Wehrzeitung 1925, Folge 29). — Die Besatzung des Werkes 1/1 der Siedliskagruppe bestand aus 37 Mann des Wiener Festungsartillerieregiments 1 und einer Kompagnie des ung. LstlR. 10 unter Lt. Altmann. Außerdem hatte der Artilleriegruppenkommandant Oblt. Švrljuga im Werke seinen Standort.

von dem Feuer aus den Werken am Mogilkirücken zurückgeworfen, bei Rożubowice in ein Minenfeld und wurde dabei übel zugerichtet. Auch der russischen 3. SchBrig., die sich an der Südfront bei Grochowce bis auf 300 Schritte an die Verteidigungslinie herangeschoben hatte, erging es nicht besser. Sie schmolz im Abwehrfeuer der Verteidiger zusammen und mußte in Auflösung zurückweichen. Als es Vormittag wurde, war die braune Flut verebbt.

In der Nacht auf den 8. Oktober gingen die Russen auch gegen die Nordfront vor. Aber diese handstreichartig angelegten Angriffsversuche mißglückten im Feuer der wachsamen Verteidiger. Ein gleiches Schicksal hatte ein nochmaliger, um 2h nachm. gegen die Werke der Siedliska-gruppe angesetzter letzter verzweifelter Angriff. Dann ließen die Russen vom Streite ab und gingen aus ihren Sturmstellungen in die Einschließungslinie zurück1). War die Lage am 7. abends dem Festungskmdo. auch noch nicht geklärt, so schienen sich beim Feinde doch schon die ersten Einwirkungen des nahen Entsatzes fühlbar zu machen.

Anordnungen für den Entsatz von Przemyśl (7. und 8. Oktober)

Hiezu Beilage 16

Als am 7. Oktober die öst.-ung. Heeresleitung aus den bisherigen Geschehnissen das Ergebnis zog, mußte sie sich sagen, daß die Hoffnung, russische Kräfte in Mittelgalizien durch doppelte Umfassung zu stellen und zu schlagen, auf ein Mindestmaß herabgesunken war. Wenn sich noch eine Gelegenheit bot, so war dies höchstens im engeren Umkreise von Przemyśl der Fall, wobei allerdings auch hier sehr rasch zugegriffen werden mußte. Die Festung sollte nach dem Wunsche Conrads bis längstens

12. Oktober entsetzt sein. War dies geschehen, dann hielt der Generalstabschef den Augenblick für gekommen, die sich zusehends verstärkende

L) Wie Tscherkassow (Der Sturm auf Przemyśl, 128 f), mitteilt, hat Konstantin Iwanow Welischko in seinem Werke „Die Festungen im Weltkriege“ die russischen Verluste bei dem dreitägigen Sturm auf Przemyśl mit 20.000 Mann angegeben. Tscherkassow hält diese Ziffer als zu hoch gegriffen und berechnet auf Grund der von drei Divisionen vorhandenen Verlusttabellen den Gesamtverlust des Belagerungskorps auf höchstens 10.000 Mann, davon nicht mehr als 3 bis 4000 Tote. Die am Brennpunkt des Kampfes gegen die Siedliskagruppe angesetzte russische 19. ID. habe etwa 44 Offiziere und 3000 Mann, 25°/o ihres Gefechtsstandes, verloren.

Weichselfront der Russen von Süden her aufzurollen. Zeigte sich in den nächsten Tagen, daß der Feind Galizien noch stärker entblößte, so konnte die 1. Armee sofort über den untersten San und die Weichsel bei Zawichost vorbrechen. Im Gegenfalle sollte die 4. Armee den Vortritt erhalten, indem erst ihr Aufschwenken in die Linie Krzeszów—Biłgoraj für Dankl das Zeichen zur Sanbezwingung sein sollte. Für die Deckung gegen Osten, sagte Conrad damals zum Obst. Metzger, konnte ,,eine anfängliche Aktion in der Richtung Lemberg notwendig werden“1). Die deutsche 9. Armee hatte „ein Vorbrechen des Feindes über die Weichsel zu verwehren“.

Diese Gedankengänge fanden am 8. Oktober ihren Niederschlag in einem Befehl, der wohl zunächst dem Willen Ausdruck verlieh, dem Feind noch bei Przemyśl möglichsten Abbruch zu tun, jedoch auch schon die Fortführung der Offensive in dem eben angeführten Sinne vorbereiten sollte:

„Am 10. Oktober allgemeiner Angriff auf den vor Przemyśl befindlichen Feind.

3.    Armee mit starken Kräften nördlich der Festung gegen den Raum Radymno, mit Teilen durch Przemyśl, mit Teilen in den Raum Niżankowice.

2. Armee dringt mit VII. und XII. Korps 10. Oktober wenigstens in den Raum Dobromil—Chyrów, mit Gruppe GdK. Tersztyánszky in der Richtung über Stary Sambor vor.

4.    Armee setzt 9. Oktober Vorrückung gegen Sanstrecke von Krzeszów bis Jaroslau einschließlich fort, wirft rasch den etwa gegenüber befindlichen Feind, um am 10. Oktober mit starken Kräften aus dem Raum Jaroslau in den Kampf der 3. Armee eingreifen zu können.

1. Armee bemächtigt sich der Sanstrecke abwärts Krzeszów und trifft alle Vorsorgen zur Forcierung des unteren San und der Weichsel bei Zawichost“ 2).

Rückzug der Russen von der Westfront der Festung

Die Vorgänge, die sich in diesen Tagen bei der galizischen Gruppe des Feindes abspielten, sind aus den russischen Veröffentlichungen nicht durchwegs genau zu erkennen. Als der verzweifelte Versuch, die Siedliskagruppe zu nehmen, am 7. Oktober früh gescheitert war, hatte Brussilow als Leiter der Operationen in Galizien zunächst die Absicht gehegt, den Sturm am anderen Morgen zu wiederholen. Bald aber überzeugte er sich eines Besseren. Er ließ in der Nacht zum 8. durch die Abberufung der dortigen Truppen den Belagerungsring an der Nord westfront von Przemyśl öffnen. Allem Anschein nach hatten an diesem Entschlüsse auch die übergeordneten Befehlsstellen ihren Anteil. „Wenn Przemyśl uns leicht zuJ) C o n r a d, V, 61.

2) Ebenda, V, 67 ff.

fiele,“ ließ sich Gen. Januschkiewitsch aus Cholm durch den Fernsprecher vernehmen, ,,so wäre dies von Wert; unsere Belagerungsarmee würde für die Feldoperationen frei werden. Aber die Stawka will nicht haben, daß Przemyśl durch einen Angriff um jeden Preis zu gewinnen versucht wird und wir dabei Kräfte von der Stärke eines Armeekorps einbüßen“1). Dabei bereitete die Gesamtlage der galizischen Gruppe dem GroßfürstenGeneralissimus ernste Sorge, da sie ihm sowohl nach der Rechten hin, wo die 9. und die 5. Armee nach Norden abmarschiert waren und am San eine Lücke zurückzulassen drohten, wie gegen die Karpathen in der Luft zu hängen schien. Wie, wenn eine Schlappe doch noch zu der von Iwanow am 25. September (S. 353) vorgeschlagenen Räumung des „mit so viel Opfern erkauften“ galizischen Bodens führte ? Am 10. sollten die an der mittleren Weichsel bereits eingetroffenen Kräfte damit beginnen, westlich von Iwangorod und südlich vonWarschau so weit vorzustoßen, daß für den Aufbau der „Dampfwalze“ das entsprechende Glacis geschaffen wurde2). Was geschah, wenn die galizische Gruppe die Südflanke öffnete, ehe dieses Manöver wirksam wurde? Zumal die 3.Armee des Gen.Dimi-triew hing weit gegen Rzeszów vor und war durch den Verlust von Sandomierz auch von Norden her bedroht.

Der Generalstabschef Iwanows, Gen. Alexejew, erwiderte, es sei wahr, daß Dimitriew, der Kommandant der 3. Armee, unruhige Meldungen schicke. Trotzdem komme eine Wiedergewinnung von Sandomierz oder ein Entlastungsstoß Letschitzkis über den untersten San nicht in Frage. Dimitriew werde eben schrittweise zurückweichen müssen und dabei Sorge zu tragen haben, daß die Fuhrwerke und Vorräte, die hinter seinem Rücken angesammelt seien, noch rechtzeitig abgeschoben werden können. Im übrigen wäre zu Beginn einer großen Offensive wie der eben bevorstehenden ein vorübergehendes Opfer in anderen Abschnitten erträglich.

Diese Auffassung scheint aber die Bedenken der Stawka nicht zerstreut zu haben. Offenbar deshalb sah sich Iwanow dennoch veranlaßt, Brussilow am 8. zur Wiederaufnahme der Offensive gegen das anrückende öst.-ung. Heer anzuweisen. Aber Brussilow war augenblicklich nicht in der Lage, diesem Befehl Folge zu leisten. Er mußte im Gegenteil alles daransetzen, seine weit gegen Westen vorgeschobenen Heeresteile der ihnen

x) La grande guerre, 372 f.

2) Das Nähere darüber siehe, da es aus dem Rahmen dieser nur die öst.-ung. Fronten behandelnden Darstellung fällt, Reichsarchiv, V, 458 ff. — La grande guerre, 372 ff. — K o r o 1 k o w, Warschau—Iwangorod, 89 ff und Derselbe, Übersicht, 48 ff.

I 2. Aufl.

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drohenden Umklammerung zu entziehen und vollbrachte dies mit dem den Russen eigenen Geschick. In Eile schwenkten am 7. und 8. die nunmehr zum XXIX. Korps zusammengezogenen Reservedivisionen, die 78. und die 82., in den Raum südwestlich von Radymno zurück, wo sie gleichzeitig den Flankenschutz der 3. Armee übernahmen, indes das aus den Reservedivisionen Nr. 58, 60 und 69 gebildete XXVIII. Korps beiderseits von Medyka und nördlich von Miżyniec Aufstellung nahm. Die beiden neuen Korps bildeten die Blockadearmee, der vorübergehend auch das bei Miżyniec eingeschobene XII. Korps samt 3. SchBrig. angeschlossen wurde. Die anderen Korps der 8. Armee, das VIII. und das XXIV., setzten sich in der Linie Miżyniec—Felsztyn—Stary Sambor fest. Die 3. Armee gab ihre Angriffspläne gleichfalls auf. Sie wich unter dem Schutze starker, in die Linie Jeżowe—Łańcut—Dubiecko vorgeschobener Reiterei gegen Osten. Das durch die 13. ID. des VII. verstärkte XXI. und das XI. Korps hatten sofort hinter den San zu gehen und dort die Sicherung der Strecke Rudnik— Wislokmündung zu übernehmen. Das IX. Korps und das durch die 34. ID. des VII.1) verstärkte X. Korps hatten bei Przeworsk und südöstlich davon gemeinsam mit dem XXIX. Korps der Belagerungsarmee das Abfließen der Vorräte aus dem Raume um Jaroslau zu decken und erst nach deren Bergung hinter den Fluß zu weichen. Abwärts von Rudnik fiel die Flußsicherung dem XIV. Korps der 9. Armee und Teilen des ebenfalls zu dieser Armee úbčrgetretenen XXV. zu.

Das Vordringen der 4. Armee auf Jaroslau (8. bis 11. Oktober)

Als die Armee Erzherzog Joseph Ferdinand am 8. Oktober beiderseits Rzeszów den Vormarsch fortsetzte, hatten die starken Regengüsse, die seit Wochen niedergegangen waren, endlich aufgehört. Durch das Hügelland südlich des Wisłok rückte das XVII. Korps, GdI. Křitek, vor, während die 13. SchD., FML. Kreysa, längs der Rzeszówer Straße auf Łańcut marschierte. Nördlich des Wisłok ging das II. Korps, FML. Johann Frh. v. Kirchbach, in der allgemeinen Richtung auf Żołynia und noch weiter nördlich das XIV. Korps, FML. Roth2), auf Jeżowe vor. Im zweiten

vj Mit dieser Aufteilung scheidet das VII. Korps bis auf weiteres aus der russischen Kriegsgliederung aus.

2) Nach Übernahme des 4. Armeekmdos. durch Erzherzog Joseph Ferdinand erhielten FML. Roth das XIV. Korpskmdo. und GM. Ernst v. Horsetzky die 3. ID.

Treffen folgte die Masse des VI. Korps, FML. Arz (15. ID. und 39. HID.) dem II. und XIV. Korps, während die 27. ID. hinter der 13. SchD. marschierte. Vor dem linken Armeeflügel hatten die 2. und 6. KD. die Aufklärung in nordöstlicher Richtung gegen den San aufgenommen, die

10. KD.ging zum Schutze der nördlichen Flanke der 13. SchD. von Rzeszów in der Wisłokniederung vor.

In den ersten Vormittagsstunden gerieten die Spitzen des XVII. und des II. Korps ins Feuer der auf den Höhen von Jawornik Polski, Łańcut und hinter den Waldungen südlich von Sokołów eingenisteten Nachhuten der russischen 3. Armee. Diese boten dem anrückenden Gegner entschlossen die Stirn, um Zeit und Raum für den Uferwechsel der Armee Dimitriew zu erkämpfen. Die Gruppe GdI. Kfitek — XVII. Korps und

13. SchD. — und das II. Korps entfalteten sich gegen diesen Feind. Der Infanterieangriff kam beim XVII. Korps nicht recht vorwärts. Es wurde Abend, bis sich die 13. SchD. an den Feind herangearbeitet hatte, auch die 41. und die 19. Division auf gleiche Höhe herangekommen waren. Unterdessen war die 4. ID. in die russische Nachhutstellung nördlich des Wisłok eingedrungen, die 25. ID. und das XIV. Korps hatten kämpfend die Gegend südlich und nördlich von Sokołów erreicht.

Als das 4. Armeekmdo. von dem Verlauf des Gefechts bei Łańcut Kenntnis erhielt, glaubte es mit dem XVII. und dem II. Korps auf den starkenWiderstand von fünf bis sechs russischen Divisionen gestoßen zu sein. Vor dem XIV. Korps ging anscheinend schwächerer Feind gegen den San zurück. Aus dieser Auffassung der Lage schöpfte das Armeekmdo. seine Entschlüsse für den 9. Oktober. GdI. Křitek erhielt die Weisung, mit seinen drei Infanteriedivisionen den Angriff gegen die feindlichen Stellungen südlich des Wislok fortzusetzen. Unterdessen sollte die Entscheidung nördlich des Wisłok durch Umfassung des rechten feindlichen Flügels herbeigeführt werden. Zu diesem Zwecke wurde aus dem II. und dem XIV. Korps sowie der 10., 6. und 2. KD. unter dem Befehle des FML. Johann Kirchbach eine starke Angriffsgruppe gebildet. Das II. Korps hatte in der allgemeinen Richtung auf Jaroslau vorzugehen, während das XIV. Korps, südöstlich ausgreifend, bis Leżajsk vorstoßen und dem Feinde dort den Rückzug über den San abschneiden sollte. Um den beabsichtigten Angriff möglichst wirksam zu gestalten, trat das 4. Armeekmdo. auch an den GdI. Boroević mit dem Ansuchen heran, „mit Teilen der 3. Armee von Süden auf Jaroslau vorzugehen, da hiedurch ein großer Erfolg zu erwarten wäre“.

Die Hoffnungen des 4. Armeekmdos., durch eine doppelseitige Umfassung der beiden äußeren feindlichen Flügel einen großen Erfolg noch westwärts des San zu erzwingen, erfüllten sich jedoch nicht. Die Nachhuten der Armee Dimitriew warteten den Morgen nicht ab und räumten noch in der Nacht auf den 9. Oktober ihre Stellungen bei Łańcut. Als die Truppen der 4. Armee am 9. morgens keinen Widerstand mehr fanden, gewann das Armeekmdo. alsbald den sicheren Eindruck, daß sich der Feind vor der ganzen Front der 4. Armee im vollen Rückzug über den San befände. Von der Notwendigkeit überzeugt, die Verfolgung des abziehenden Feindes mit voller Kraft fortzusetzen und ihn rücksichtslos anzugreifen, um seinen Abzug hinter den Fluß noch zu stören, steckte das Armeekmdo. die Vormarschziele weiter. Die Gruppe GdI. Křitek und das II. Korps sollten am 10. Oktober bis an den Abschnitt Jaroslau— Sieniawa Vordringen; das XIV. Korps hatte bei Leżajsk den Fluß zu überschreiten, um den zurückströmenden Feind womöglich auf dem’ rechten Sanufer im Rücken zu fassen.

Im Verlaufe des Vormittags traten die Kolonnen der 4. Armee die Verfolgung an. Sie brachten den Vormarsch ein gutes Stück vorwärts, nahmen zahlreiche russische Nachzügler gefangen; doch stießen am Abend die Vortruppen des XVII. und des II. Korps am Mleczkabach und östlich von Żołynia auf starke Kräfte, die Gen. Dimitriew zur* Deckung seines Rückzuges über Sieniawa, Jaroslau und Radymno ausgeschieden hatte.

Auf dem linken Armeeflügel rückte unterdessen das Innsbrucker XIV. Korps in Eilmärschen über Sokołów gegen Leżajsk vor. Hier ereilte die 3. ID. am 9. abends die russische 13. ID. gerade beim Uferwechsel. Sie erstürmte noch in der Nacht auf den 10. Oktober Stare Miasto und Leżajsk und führte 1300 Russen als Gefangene weg.

Am 10. Oktober vormittags griff GdI. Křitek mit dem verstärkten

XVII. Korps die feindlichen Stellungen hinter dem Mleczkabach an. Er konnte jedoch auf seinem rechten Flügel mit der 19. ID. und der 41. HID. nicht durchdringen. Erfolgreicher focht die 13. SchD., die unmittelbar südlich des Wislok vorging. Tapfere Mannschaften des SchR. 24 durchwateten den hochangeschwollenen Mleczkabach und drangen am Abend in Przeworsk ein. Nördlich davon rückte FML. Johann Kirchbach mit der Masse des Wiener Korps bis in den Raum von Grodzisko. Aufklärungsschwadronen der 10. KD. stießen bis unmittelbar an den Wislok vor. Das Vorgehen dieser Truppen erlitt durch Zusammendrängen der Kolonnen große Verzögerungen. Vor der Front des XIV. Korps, das südlich von Leżajsk nun auch mit der 8. ID. dicht an den San gelangte, war der Feind vom

Westufer zurückgewichen; doch konnten die Verfolger den Fluß nicht überschreiten, da sich die Russen auf dem Ostufer erneut festgesetzt hatten und das Kriegsbrückengerät noch nicht herangekommen war. Nördlich des XIV. Korps ging die 2. KD. auf Rudnik vor.

So war die 4. Armee am 10. Oktober mit dem XIV. Korps bereits bis an den San vorgedrungen, während das II. und das XVII. Korps noch westlich vom unteren Wislok und vom Mleczkabache standen. Das

4.Armeekmdo. machte alle Anstrengungen, um seinen abgebliebenen rechten Flügel rasch vorwärts zu bringen. Es befahl der Gruppe Křitek für den

11. Oktober die Fortführung des Angriffs auf Jaroslau und ordnete den Vorstoß des II. Korps bis zur Sanbrücke bei Sieniawa an. Die Hauptstreitkräfte Dimitriews waren aber indessen schon über den San abgezogen. In der Nacht auf den 11. Oktober räumten auch die starken russischen Nachhuten, in der Südflanke durch das gleichzeitige Vordringen des linken Flügels der k.u.k. 3. Armee auf Radymno bedroht, ihre Stellungen hinter dem Mleczkabach und im San-Wislokwinkel. Die Truppen des XVII. Korps nahmen am frühen Morgen des 11. Oktober die Verfolgung wieder auf. GdI. Křitek setzte die 19. ID. von Süden, die 41. HID. von Westen und die 13. SchD. von Nordwesten zum umfassenden Angriff gegen Jaroslau an. Der Feind leistete nur mehr flüchtigen Widerstand; schon am Nachmittag drangen die 19. ID. und Teile der 10. ID. des IX. Korps in Jaroslau ein.

Langsamer ging die Verfolgung beim II. Korps von statten. Die Russen hatten alle Brücken über den unteren Wislok zerstört. Überschiffungs-mittel waren keine vorhanden, das Überschreiten des angeschwollenen Flusses auf einer Behelfsbrücke bereitete lange Aufenthalte. Es gelang schließlich, die 10. KD. und die Infanterie der 4. ID. hinüberzubringen. Am Abend tasteten die Vortruppen der 13. SchD. und der 4. ID. zwischen Jaroslau und Wislokmündung an den San heran. Das Gros des II. Korps nächtigte bei Grodzisko. Am linken Flügel der 4. Armee lag das XIV. Korps tagsüber bei Leżajsk im heftigen Feuerkampf und schützte das Westufer vor russischen Gegenangriffen. Die 2. KD. gelangte in den Sanabschnitt Krzeszów—Rudnik und deckte die Lücke zwischen der 4. und der 1. Armee. Das VI. Korps rückte hinter der Armeemitte bis in den Raum von Żołynia, die 11. HKD. kam nach Rzeszów.

Am Abend des 11. Oktober war der Widerstand der letzten russischen Nachhuten vor der ganzen Front der 4. Armee gebrochen und der San zwischen Jaroslau und Rudnik im Anschluß an die 1. Armee erreicht. 5000 Gefangene, 6 Geschütze und zahlreiche Trains hatte die 4. Armee dem Feinde in den letzten Tagen abgenommen. Die Flußbarriere des

San, die Erschöpfung der Truppen, ferner das Abbleiben des Kriegsbrückengerätes sowie allen Trosses und selbst eines Teiles der Artillerie • setzten aber dem weiteren Vormarsch zunächst ein Ziel.

Der Entsatz der Festung Przemyśl durch die 3. Armee

(8. bis 12. Oktober)

Die Armee Boroević hatte mit ihrer Mitte geradewegs auf Przemyśl vorzugehen. Da anzunehmen war, daß der Russe alle Zugänge zur Festung verteidigen werde, wollte Boroević abwärts von Dynów auf beiden San-ufern mit gleich starken Kräften vorrücken. Diese Absicht mußte jedoch bald fallen, da die zerstörte Jasiolkaeisenbahnbrücke nicht vordem 10. Oktober wiederhergestellt werden konnte und wegarmes Gebiet ostwärts des Sanabschnittes Dynów—Mrzygłód die materielle Versorgung einer mit starken Kräften geführten Operation ausschloß. Diesen Verhältnissen Rechnung tragend, regelte Boroević den weiteren Vormarsch so, daß südlich des San nur die Gruppe Tschurtschenthaler und die 6. Division des III. Korps vorgehen sollten, während nördlich vom Flusse die Masse des

III. Korps (22. SchD. und 28. ID.) längs der im Santal führenden Straße auf Przemyśl und das IX. Korps über Dubiecko auf Pruchnik vorzustoßen hatten. Das XI. Korps hatte im zweiten Treffen dem IX. gegen Pruchnik zu folgen. Als Marschziele für den 8. Oktober wurden festgesetzt: Gruppe Tschurtschenthaler und 6. ID. Sanstrecke südlich von Dynów, Vortruppen östliches Sanufer, III.KorpsDynów, IX.Korps Dubiecko, XI.Korps Barycz.

Als die Vortruppen der 6. ID. und der Gruppe Tschurtschenthaler am 8. Oktober den von Hochwasser geschwellten Sanfluß übersetzten, war auf den östlichen Uferhöhen seltsamerweise kein Feind mehr zu finden; erst im Raume von Bircza war russische Kavallerie, die 10. KD., gemeldet. Anders erging es dem IX. Korps, das an der Straße von Barycz gegen Dubiecko in breiter Front vorrückte. Zwischen Jawornik Polski, Bachórz und Dynów hatte die russische 11. KD., durch ein paar Bataillone der 31. ID. (X.Korps) verstärkt, eine Aufnahmsstellung bezogen. Die 10.ID.des k.u.k. IX. Korps, vom FZM. Friedei über die Höhen westlich von Jawornik Polski zum Angriff angesetzt, konnte nicht durchdringen. Glücklicher focht die 26. SchD., die rechts von der 10. ID. die Höhen nördlich Bachórz angriff. Nach kurzem Gefecht räumten die schwachen russischen Kräfte ihre Stellungen nördlich des Ortes.

Während sich diese Vorgänge abspielten, hatte das 3. Armeekmdo. am 8. Oktober den Befehl des AOK. für den allgemeinen Angriff gegen

den vor Przemyśl befindlichen Feind erhalten (S. 384). Noch immer von ungeklärten Verhältnissen umgeben, ordnete das 3. Armeekmdo. für den

9.    Oktober zunächst den Sanübergang und Vormarsch der Gruppe Tschur-tschenthaler und der 6. ID. auf Bircza an. Durch das Vorgehen des linken Armeeflügels nördlich des San sollten die Anmarschstraßen nach Przemyśl und Radymno freigelegt werden. Während das IX. Korps von Dubiecko nordostwärts ausgreifend gegen Pruchnik vorging und das XI. hinter dem IX. bis Dubiecko nachrückte, hatte das III. Korps von Dynów an im San-tale vorzumarschieren.

In Ausführung dieser Befehle vollzog die Gruppe FML. Tschurtschen-thaler am 9. Oktober den Sanübergang nördlich von Mrzygłód. Ihre Vortruppen gelangten ohne Kampf in den Raum von Bircza.

Am nördlichen Armeeflügel war das IX. Korps neuerlich auf russischen Widerstand gestoßen. Die 26. SchD. mußte schwächere russische Kräfte bei Dubiecko vertreiben, der 10. ID. stellten sich russische Nachhuten östlich von Jawornik Polski entgegen. Von diesen fortgesetzten Störungsversuchen sowie von dem tief aufgeweichten Gelände im Vormarsche aufgehalten, konnte das IX. Korps sein Marschziel, den Raum von Pruchnik, am 9. nur mit einem Regiment erreichen.

Die Nachrichten, die im Laufe des Tages beim k.u.k. 3. Armeekmdo. eintrafen, brachten die Gewißheit, daß die Russen die Blockade von Przemyśl bereits aufgehoben und den ganzen Raum westlich und südwestlich der Festung freigegeben hatten. Um die Mittagsstunde konnte eine Kavalleriepatrouille des XII. Korps der 2. Armee bereits unbehelligt in die Festung einreiten. Nördlich der 3. Armee bei Jaroslau waren hingegen noch stärkere feindliche Kräfte am westlichen Sanufer zu vermuten. Die 4. Armee teilte am Vormittag mit, daß sie am 8. Oktober abends vor Łańcut auf den hartnäckigen Widerstand von fünf bis sechs russischen Divisionen gestoßen sei. Gegen Mittag richtete das 4. Armeekmdo. an Boroević die dringende Aufforderung zur Mitwirkung am Vorstoß gegen Jaroslau (S. 387). GdI. Boroević faßte den Entschluß, am

10.    Oktober mit dem linken Armeeflügel, dem III. und dem IX. Korps, zwischen San und Mleczkabach in nordöstlicher Richtung auf Radymno und Jaroslau, wo er das ganze russische VII.Korps vermutete, vorzustoßen. Als Reserve hinter dem linken Armeeflügel hatten das XI. Korps nach Pruchnik und die 4.KD. in den Raum nördlich von Barycz vorzurücken. Am rechten Armeeflügel sollte die Gruppe Tschurtschenthaler auf Niżanko-wice und die 6. ID. bis Bircza vorrücken. Da Boroević durch einen schnellen Vormarsch des linken Armeeflügels den vor der Front der 4. Armee befindlichen Feind in der Flanke fassen wollte, hatte er dem III. und IX. Korps eindringlichst nahegelegt, Rokietnica und den Raum südlich von Jaroslau schon am 10. nachmittags zu erreichen.

Nach kurzer Nachtruhe traten die Truppen des III. und des IX. Korps am 10. Oktober morgens im nebelverhangenen Hügelgelände den Weitermarsch an. Auf den grundlosen Straßen und Wegen kamen die Kolonnen nur langsam vorwärts. Bei Rokietnica und auf den Höhen nordöstlich von Pruchnik gerieten die Spitzen beider Korps ins Feuer feindlicher Nachhuten, die hier den Sanübergang des russischen X. und XXIX. Korps deckten. In den späten Nachmittagsstunden, als sich das III. und das IX. Korps zum Angriff entwickelt hatten, gab der Feind den Widerstand auf. Der Einbruch in die Südflanke der noch im Raume westlich von Jaroslau vermuteten russischen Kräfte schien nun gelungen zu sein. Wie eine Mitteilung des 4. Armeekmdos. nun aber besagte, hatten die Russen schon in der Nacht auf den 9. vor der ganzen Front der 4. Armee den Rückzug hinter den San angetreten. Dem unaufhaltsamen Vorgehen des linken Flügels der 3. Armee kam jetzt die größte Bedeutung zu. Von dem Eifer beseelt, den zurückeilenden Feind noch zu fassen und ihm wenn möglich den Rückweg über den San abzuschneiden, befahl das 3. Armeekmdo. am 10. abends dem IX. Korps, durch raschen Zugriff sich der Sanbrücken bei Jaroslau zu bemächtigen und diese bis zum Eingreifen der

4. Armee besetzt zu halten. Indessen sollte das III. Korps die Vorrückung gegen Radymno unaufhaltsam fortsetzen, während die Gruppe Tschur-tschenthaler südlich von Przemyśl vorbei bis Niżankowice vorzustoßen und die 6. ID. an den Westrand von Przemyśl zu marschieren hatten.

Am 11. Oktober drängte das IX. Korps mit der 26. SchD. gegen Tuczępy und mit der 10. ID. gegen Jaroslau vor. Um 4h nachm. drangen Teile der 10. ID. im Verein mit der 19. ID. des XVII. Korps nach kurzem Kampf in dieser Stadt ein (S. 389). Die 26. SchD. erreichte ohne wesentliche Kämpfe ihr Ziel am San. Stärkeren Widerstand leisteten an diesem Tage noch die Nachhuten des russischen X. und XXIX. Korps vor Radymno und Sośnica. Gegen diesen Feind gingen die 23. HID. der Besatzung von Przemyśl von Süden und das III. Korps (28. ID. und 22. SchD.) mit Unterstützung der halben 26. SchD. von Westen vor1). Am 12. Oktober war auch das linke Sanufer abwärts von Przemyśl bis Jaroslau von den letzten russischen Nachhuten gesäubert.

x) Um 6h nachm. traf das 3. Armeekmdo. in Przemyśl ein. Es blieb infolge Störung der telephonischen Verbindungen bis zum Vormittag des 12. Oktober über den Verlauf der Verfolgungskämpfe nicht unterrichtet.

Die Gruppe Tschurtschenthaler hatte, südlich der befreiten Sanfeste, am 11. vormittags kampflos Niżankowice erreicht.

Damit war der Entsatz von Przemyśl, dessen tapfere Besatzung noch kurz vor Eintreffen der 3. Armee einen schweren Angriff blutig abgeschlagen hatte, vollzogen. Die Festung hatte mehr geleistet, als nach ihrer Stärke zu erwarten gewesen war. Sie hatte nach dem Rückzuge des öst.-ung. Heeres vom San drei russische Armeen, die 3., 8. und 5., festgehalten und dadurch dem ermüdeten Feldheere die so überaus nötige ungestörte Kampfpause am Dunajec und in den Karpathen erwirkt.

Das Vordringen der 2. Armee über Chyrów und gegen Stary Sambor

(8. bis 10. Oktober)

Hiezu Beilagen 14 und 16

Die 2. Armee, deren Ziel es war, am 10. Oktober bis in den Raum von Chyrów und über Stary Sambor vorzugehen, hatte auf ihrem weiteren Vormarsch mehr mit den Schwierigkeiten des Geländes zu kämpfen gehabt als mit dem Widerstand des Feindes. Trotz Drängens des AOK. sah sich Böhm-Ermolli am 8. Oktober gezwungen, mit der vorderen Division des VII. Korps westwärts Ustrzyki Dl. stehen zu bleiben, um zunächst das XII. Korps, das ursprünglich über Trzcianiec auf Dobromil marschieren sollte, von Tyrawa Wołoska auf Lisko umzulenken und seine Truppen in sich aufschließen zu lassen.

Als GdK. Böhm-Ermolli am 9. das VII. und das XII. Korps von Sanok und Lisko wieder in Marsch setzte, blieb das Vorwärtskommen in hohem Maße erschwert, da die Russen im Strwiążtal alle Brücken abgebrochen hatten. Die Gruppe GM. Ludwig Goiginger (32. ID. und 103. LstlBrig.), die vor dem VII. Korps marschierte, kam bis Krościenko. Die übrigen Streitkräfte des VII.Korps (20. HID. und34.ID.) sowiedasganzeXII.Korps (16., 35., 17. ID. und 105. LstlBrig.) nächtigten weit auseinandergezogen im Raume von Ustrzyki Dl., Lisko, Sanok und Zarszyn. Die linke Seitenkolonne der Armee, das IR. Nr. 2, gelangte nach Trzcianiec. Die Kavallerievorhuten der russischen 8. Armee (10.und 12.KD.) hatten bereits am 8. Oktober ihre Sperrsteilungen bei Bircza und Ustrzyski Dl. geräumt und waren auf Niżankowice und Chyrów abgezogen.

Am 10. Oktober sollte die Gruppe Goiginger mit der 32. ID. über Chyrów bis Stara Sól und mit der 103. LstlBrig. bis in den Raum von

Bilicz vorgehen, während die Masse des VII. Korps (20. HID. und 34. ID.) nach Chyrów und westlich davon zu gelangen hatte. Eine Brigade der 34. ID. sollte bei Dobromil die Verbindung mit der über Trzcianiec entsandten Seitenhut aufnehmen. Das XII. Korps hatte hinter dem VII. Korps zu folgen und mit seiner Spitzendivision, der 16., Krościenko zu erreichen. Schließlich sollte das von der 17. ID. ausgeschiedene, drei Bataillone starke Detachement Obst. v. Barza, das über Czarna und Mszaniec marschierte, die Verbindung mit der Gruppe Tersztyánszky herstellen.

Als am Morgen des 10. Oktober die Gruppe Goiginger plangemäß den Vormarsch auf Chyrów antrat, hatten die Russen den Gebirgsausgang bereits freigegeben. Trotzdem gestaltete sich die Vorrückung wieder recht zeitraubend. Am Nachmittag rückte die 32. ID. kampflos in Chyrów ein. Infolge der großen Ermüdung der Truppen konnte sie jedoch ihr Marschziel Stara Sól nicht mehr erreichen. Sie nächtigte im Raume östlich von Chyrów. Die 103. LstlBrig. zog Goiginger wegen der elenden Beschaffenheit des nach Bilicz führenden Weges der 32. ID. nach Chyrów nach. Vor der Front der Gruppe Goiginger waren russische Kräfte auf den Höhen von Stara Sól gemeldet. Auch die Höhen östlich von Dobromil, wohin die Seitenhut am Abend gelangte, waren anscheinend noch durch die Russen besetzt. Ob es nur Nachhuten ihrer 8. Armee oder deren Hauptkräfte waren, ließ sich noch nicht erkennen.

Die Vertreibung der Russen bei Zlurka

Verhältnismäßig günstige Nachrichten waren in diesen Tagen von der Gruppe GdK. Tersztyánszky eingelangt, die noch am 7. abends besonders nachdrücklich angewiesen worden war, am 10. Oktober möglichst weit in der Richtung auf Stary Sambor vorzudringen. Ihr gegenüber hatte sich der russische Gen. Pawlow, dessen Gruppe inzwischen durch Infanterie verstärkt worden war, vor Turka zu neuem Widerstand gerüstet. Er hielt die Höhen im Umkreis des Ortes besetzt. GdK. Tersztyánszky entschloß sich,sein früheres Umfassungsmanöver zu wiederholen. Während die31.ID. und die über den Uzsokpaß mittlerweile nachgezogene 40. LstlBrig. von Jabłonka wż. links ausgreifend vorzustoßen hatten, sollte die Frontgruppe FML. Karg längs der Straße und über die Höhen östlich davon die Vorrückung durchführen.

Am 8. Oktober schoben sich die öst.-ung. Schwarmlinien von Borynia und denHöhen nördlich von Jabłonka wż. in erschöpfendemAn-undAbstieg gegen die russischen Sperrsteilungen heran. Das unsichtige Wetter hatte die Tätigkeit der Artillerie fast ganz lahmgelegt. Ein eisiger Schneesturm fegte über das trostlose Berggelände und verwehte alle Wege. Dennoch hatte sich die 38. HID. bis hart an den Schlüsselpunkt der feindlichen Sperrstellungen — eine Bergkuppe von 814 m Höhe unmittelbar südlich von Turka — herangearbeitet. Hier aber kam der frontal geführte Angriff der 38. HID. vor dem starken Widerstand des Feindes zum Stehen, da der durch das Stryjtal rechts umfassend angesetzte Vorstoß der 102. LstlBrig. nicht durchgeführt wurde. Auch der Druck der 31. ID. gegen die andere Flanke des Feindes machte sich noch nicht fühlbar, da die Umfassungs-1 gruppe des Erzherzogs Joseph infolge der großen Ermüdung der Truppen im verschneiten Angriffsgelände vor den russischen Höhenstellungen westlich von Turka liegen geblieben war. Unter diesen Verhältnissen mußte sich GdK. Tersztyánszky entschließen, wie sehr er es auch gewünscht hätte, am gleichen Tage noch Turka zu erreichen, seine Gefechtsgruppen anzuweisen, erst am nächsten Morgen den Angriff fortzusetzen. Die inzwischen herangezogene 1. KD.erhielt den Auftrag, am 9. links ausgreifend gegen Rozlucz vorzugehen und gegen die feindliche Rückzugslinie nach Stary Sambor zu wirken.

In der Nacht auf den 9. Oktober räumte Gen. Kornilow, der inzwischen als Führer von Verstärkungen hier das Kommando übernommen hatte, seine Stellungen vor Turka. Am nächsten Morgen setzten sich die Truppen des IV. Korps wieder in Bewegung. Um llhvorm. drangen die Spitzen der 40. LstlBrig. in das befreite Turka ein. Am Nachmittag erreichten die Verfolgungstruppen des Erzherzogs Joseph die Höhen nördlich des Ortes.

So hatte sich denn die Gruppe Tersztyánszky nach harten Kämpfen unter den schwierigsten Gelände- und Wetterverhältnissen der letzten großen Talsperre auf dem Wege nach Stary Sambor bemächtigt. Nun mußte der Korpsführer, so sehr auch die Heeresleitung drängte, den ermüdeten Truppen am 10. Oktober Rast gewähren, die auch zur Behebung der Verpflegsschwierigkeiten ausgenützt werden sollte. Nur die Reiterei, die 1. und die inzwischen über den Uzsokpaß nachgeschobene

8. KD., erhielt den Auf trag, über Drohobycz, Sambor und Stary Sambor aufL zuklären und die Verbindung mit den Hauptkräften der Armee herzustellen.

Die Säuberung der Waldkarpathen (1. bis 10. Oktober)

Während die Gruppe Tersztyánszky vom Uzsokpaß gegen das Hügelland am oberen Dniester vordrang, war es weiter östlich geglückt, die ins karpathische Waldgebirge eingedrungenen Russen zum größten Teil aus Ungarn zurückzuwerfen.

Obgleich die Heeresleitung diesem Einbruch der Russen keine besondere Bedeutung beimaß, hatte sie doch Ende September dem Militärkommandanten von Lemberg in Munkács, GM. Hofmann, einige Verstärkungen zuführen lassen. Zur selben Zeit wurden im Hinblick auf die durch die Anwesenheit des Feindes an der oberen Theiss etwa noch vermehrte Begehrlichkeit der Rumänen, wohl aber auch schon mit dem geheimen Gedanken an künftige Flügeloperationen gegen die Russen, aus den 24V2 Bataillonen, 269 Schwadronen und 6 Batterien, Landsturm- und Marschformationen, die sich in Siebenbürgen befanden, die 52., die 54. und die 56. ID. gebildet und zu einer Armeegruppe unter dem Befehl des GdK. Freih. v. Pflanzer-Baltin vereinigt1).

Am 1. Oktober trafen die ersten Staffeln der vom AOK. zusammengerafften acht Marschbataillone und drei Batterien unter Obst. Fleischmann in Munkács ein. Gleichzeitig rollte die Polnische Legion von Krakau gegen Nagy-Bánya heran. GM. Hofmann fühlte sich nun stark genug, den Angriffskampf um die verlorenen Paßübergänge aufzunehmen70). Er befahl dem Obst. Fleischmann, mit sechs Bataillonen den über den Verecke- und Beskidpaß bis Szolyva vorgedrungenen Feind anzugreifen und ließ die restlichen zwei Bataillone und die Artillerie der vom AOK. zugeschobenen Verstärkungen zur Gruppe GM. Bothmer nach Huszt weiterrollen.

Am 5. Oktober erstritt Obst. Fleischmann Also-Verecke und Volovec; am 6. Oktober nahm er den Vereckepaß und tags darauf, am 7., den Beskidpaß. Die 2. Kub.KosD. wich von diesen beiden Karpathenpässen auf Koziowa und Tuchla zurück. Obst. Fleischmann setzte am 8. und

9. Oktober die Verfolgung des Feindes fort. Mit seiner rechten Kolonne drang er im Oportal bis Sławsko und mit der linken Kolonne ins Orawa-tal bis Tucholka vor.

Mit dem Angriff auf Máramaros-Sziget hatte das Militärkmdo. Munkács den FML. Attems beauftragt und diesem hiezu die Gruppe GM. Bothmer unterstellt71). Am 5. Oktober eröffnete FML. Attems den Kampf.

Er führte acht Bataillone und drei Batterien von Tecsö die Theiss aufwärts, während gleichzeitig von Süden die am 4. in Nagy-Bánya eingetroffenen vordersten Staffeln der Polnischen Legion vom Militärkmdo. Munkács gegen Máramaros-Sziget angesetzt wurden. Nach zweitägigem Kampfe war Máramaros-Sziget in der Nacht auf den 7. Oktober wieder genommen. Kosakennachhuten, die bei Nagy-Bocskó kurzen Widerstand leisteten, wurden am 7. und 8. Oktober gegen den Jablonicapaß zurückgedrängt. Zur Vertreibung der von Máramaros-Sziget aus in das Vissó- und Izatal eingedrungenen Kosakenabteilungen hatte inzwischen GdK. Pflanzer-Baltin im Einvernehmen mit GM. Hofmann ein Kesseltreiben eingeleitet. Sechs Bataillone und eine Batterie der Gruppe FML. Attems rückten von Máramaros-Sziget im Vissótal aufwärts, sieben Bataillone und eine Batterie (7. LstEtBrig.) unter GM. Schüler von Kirlibaba gegen Borsa und sechs Bataillone und eine Batterie, die Brigade Obst. Rácz, von Süden auf Ro-muli vor. Von allen Seiten umstellt, wurde der Feind — es war etwa ein Kosakenregiment mit einer Batterie — am 9. Oktober in den Gebirgs-wäldern bei Romuli ereilt und vollständig zersprengt.

Damit waren die Komitate Máramaros-Sziget und Munkács von dem Einfall der Kosakenscharen, die Panikstimmung und Landflucht unter der Bevölkerung hervorgerufen hatten, in der Hauptsache wieder befreit. Nun galt es, die weiteren Unternehmungen in den Karpathen mit den Operationen der Hauptstreitkräfte, die inzwischen den Vormarsch angetreten hatten, in Einklang zu bringen. Am 8. Oktober, am gleichen Tage, als der Angriffsbefehl in der Richtung Przemyśl erlassen wurde (S. 384), verfügte die Heeresleitung ohne Rücksicht auf die Besorgnisse des ungarischen Ministerpräsidenten und der Militärkanzlei des Kaisers, daß GdK. ' Pflanzer-Baltin „zur Durchführung einer einheitlichen Aktion gegen den teils in den Karpathen östlich des Uzsokpasses stehenden, teils über die Pässe in Oberungarn und Siebenbürgen eingedrungenen Feind“ auch die Truppen des Militärkmdos. Munkács unter seinen Befehl zu nehmen und Vorbereitungen für eine Offensive über die Karpathen an den Dniester zu treffen habe L). So begann nun der große Krieg auch allmählich in das karpathische Waldgebirge und bis an die Grenze Rumäniens überzugreifen.

Die 1. Armee zwischen dem 7. und 10. Oktober

GdK. Dankl nahm für den ihm am 8. Oktober aufgetragenen Sanübergang (S. 384) den 10. in Aussicht. Nach einer Vereinbarung zwischen den Generalen Puhallo und Karl Kirchbach sollte das V. Korps den unteren

San überschreiten, während das an der Weichsel stehende I. Korps zunächst nur durch Artilleriefeuer mitzuwirken hatte. Erst nach dem gelungenen Angriff über den San sollte auch dieses Korps den bedeutend schwierigeren Weichselübergang durchführen. Nur langsam gediehen aber die Zurüstungen für das Unternehmen. Der Zuschub versagte, Verpflegsund Munitionskolonnen blieben im Morast der tief ausgefahrenen Straßen stecken und nur mit unsäglichen Mühen konnten die Geschütze in Stellung gebracht werden.

Das schwere Brückengerät war bei der 37. HID. am 9. Oktober noch nicht vollzählig eingelangt, bei den übrigen Divisionen des V. Korps konnte es erst in den beiden nächsten Tagen herangeschafft werden. Unter diesen Verhältnissen fühlte man wohl beim 1. Armeekmdo. die schwere Verantwortung anwachsen, die mit einem übereilten Übergangsversuch verbunden war. Auch hatte man im Stabe Dankls am 9. morgens erfahren, daß es bei Łańcut zu einem Zusammenstoß der 4. Armee mit fünf bis sechs russischen Divisionen gekommen war (S. 387). War es bei dieser Lage nicht besser, mit der Masse der 1. Armee westwärts des San flankierend in den Kampf der 4. Armee einzugreifen, als abgetrennt von der öst.-ung. Hauptmacht über den unteren San nach Norden in exzentrischer Richtung vorzugehen? Als das 1.Armeekmdo. diese Zweifelsfragen in einem Ferngespräch mit Neusandez am 9. nachmittags zum Ausdruck brachte, antwortete das AOK., daß jetzt ein Einschwenken der 1. Armee nach Süden nicht mehr in Frage komme, da der Feind vor der ganzen Front der 4. Armee bereits den Rückzug hinter den San angetreten habe (S. 388). Der Sanübergang könne der 1. Armee nicht mehr erspart bleiben, doch brauche er am 10. und auch am 11. noch nicht stattzufinden; auch die 4. Armee werde frühestens erst am 11. mit dem Übergang beginnen.

Da also das AOK. auf eine möglichst frühzeitige San-und Weichsel -forcierung jetzt weniger Wert legte, als vielmehr darauf, daß die einmal angesetzte Überschiffung auch tatsächlich gelang, beschloß GdK. Dankl am 9. abends, den Übergang erst auf die Morgenstunden des 11. Oktober festzusetzen.

Inzwischen hatte sich auch die 24. ID. des X. Korps rechts neben der 45. SchD. an den Sanabschnitt abwärts von Nisko herangeschoben. Die

2. ID. war bis an den Łęgflufi in die Gegend nördlich von Stany gelangt, während die 9. und die 2. KD. der 4. Armee die Sanbewachung im Abschnitt von Rudnik übernommen hatten. Die technischen Vorbereitungen für den Übergang konnten aber auch am 10. noch nicht beendet werden, weshalb sich das 1. Armeekmdo. entschließen mußte, die Ausführung des

Unternehmens auf den Morgen des 12. zu verschieben. Es hatten nunmehr das V. und das X. Korps gleichzeitig den Übergang abwärts von Nisko zu vollziehen. Der Hauptstoß sollte unter der Leitung des FZM. Puhallo im Abschnitt des V. Korps erfolgen. Ein Überschreiten der Weichsel durch das I. und das vom 11. Oktober an der 1. Armee unterstellte deutsche

XI. Korps hatte, wie erwähnt, erst dann zu erfolgen, bis sich das V. verläßlich östlich des San festgesetzt hatte. Nach dem Übergang sollten alle am Ostufer angelangten Truppen nach Norden angreifen.

Die erste Phase der Schlacht bei Przemyśl und Chyrów

(10. bis 23. Oktober 1914)

Die Kämpfe vom 10. bis 12. Oktober

Hiezu Beilage 17 sowie Skizzen 18 und 22

Mit dem Entwischen der Russen westlich von Przemyśl war die letzte der Erfolgsmöglichkeiten, mit denen Conrad in Neusandez gerechnet hatte, geschwunden. Der Feind hatte sich der Falle, die ihm die öst.-ung. Heeresleitung zu legen gedachte, durch einen rechtzeitigen Rückzug entzogen. Von dem Flankenstoß, den die 2. Armee durchzuführen hatte, war nur die Operation Tersztyánszkys gegen Stary Sambor übrig geblieben. Auch die Erwartung, daß Dankl oder Hindenburg zum Einschwenken vonNorden kommen könnten, hatte sich nicht erfüllt. Dankl stand frontal gewaltigen Flußhindernissen gegenüber. Die Besorgnisse, die Ludendorff im Hinblick auf die deutsche 9. Armee schon in Neusandez ausgesprochen hatte, erwiesen sich als berechtigt. Eben im Begriffe, Iwangorod anzugreifen, hatte Hindenburg schon am 9. erhebliche Kräfte aus seiner linken Flanke über die untere Pilica gegen Warschau ansetzen müssen, um die Gefahr der Überflügelung nach Möglichkeit durch ein Gegenmanöver zu bannen.

Diesem Soll stand freilich ein großes Haben gegenüber: der allgemeine Rückzug der Russen in Galizien und der Entsatz der Sanfeste. Wenn nicht alles täuschte, so war doch wenigstens auf österreichischem Boden die Entschlußfreiheit von den Russen auf ihre Gegner übergegangen. Mit diesem bedeutsamen Ergebnis hatte GdI. Conrad, wie das am 7. Oktober mit Obst. Metzger geführte Gespräch bewies (S. 384), schon seit einigen Tagen gerechnet, und er hielt nun, nach dem Einmarsch der

3. Armee im befreiten Przemyśl, den Augenblick für gekommen, aus dieser Tatsache seine Schlußfolgerungen zu ziehen.

Den 42^2 Divisionen der vier in Mittelgalizien und nördlich der Sanmündung befindlichen öst.-ung. Armeen und dem bei Zawichost anschließenden deutschen XI. Korps mochten zusammen etwa 47 russische Divisionen gegenüberstehen. War es für Conrad eine Selbstverständlichkeit, daß die Fortführung der eigenen Offensive vor allem der Aufrollung der russischen Weichselfront zu gelten hatte, so mußte doch auch mit dem Rückzug erheblicher feindlicher Streitkräfte gegen Lemberg gerechnet werden. Wieder machte sich die Frage des Flankenschutzes in der diesem Kriegstheater nun einmal eigenen Schwere geltend. „Es kam darauf an,“ schreibt Conrad, „die Armeen ostwärts herauszuführen, um in der Folge, gegen Norden aufschwenkend, durch den Raum zwischen Biłgoraj und dem Bug die Vorrückung fortzusetzen. Aber ehe solches möglich erschien, war es unerläßlich, sich gegen Ost Luft zu machen, um Flanke und Rücken dieser Vorrückung ausreichend zu sichern. Ein starker und weitreichender Vorstoß in der Richtung Lemberg mußte vorerst diese Sicherung schaffen. Wie weit er zu führen wäre, mußte sich erst zeigen“1).

Im einzelnen fanden diese Erwägungen in den Weisungen, die von der Heeresleitung am 10. Oktober erlassen wurden, ihren Niederschlag. Eingeleitet wurde der Befehl durch Einzel Weisungen für den nächsten Tag:

„Die 4. und 3. Armee haben, dem abziehenden Feinde unmittelbar folgend, am

11. Oktober die Sanübergänge in Besitz zu nehmen und neue zu schaffen, dem Feinde möglichst viel Schaden zuzufügen, 3. und 2. Armee namentlich auch den bisherigen Belagerer am Fortschaffen der Belagerungsartillerie und sonstigen Materials zu hindern.“

Dann hieß es, daß es der Heeresleitung zwar noch nicht möglich sei, sich ein Bild über das Ergebnis vom 10. Oktober zu machen, daß aber die Notwendigkeit, sogleich die Fortführung der Offensive vorzubereiten, die Festlegung der künftigen Aufgaben fordere. Diese wurden, während Hindenburg vereinbarungsgemäß Iwangorod und Warschau angreifen sollte, in folgender Weise umschrieben:

Dankl hatte, wie dies schon am 8. angeordnet worden war, gemein,-sam mit dem deutschen XI. Korps den San und die Weichsel zu überschreiten und mit starkem rechtem Flügel östlich der Flußlinie gegen Norden einzuschwenken.

Die 4. Armee sollte aus der Linie Jaroslau—Krzeszów nördlich der nach Rawa Ruska führenden Bahn die Front Rawa Ruska—Tomaszów— Biłgoraj zu dem Zwecke gewinnen, je nach Bedarf südlich von Lublin

oder bei Lemberg eingreifen zu können; diese Aufgabe war nicht unähnlich der, welche die Armee im ersten Feldzuge zu erfüllen hatte.

Dem Südflügel der 3. Armee, die zunächst in den Raum nordwestlich von Lemberg vorzudringen hatte, war die Linie Niżankowice—Mościska—Jaworów—Janów als Vorrückungsrichtung zugedacht.

Rechts von Boroević sollte die 2. Armee derart Vordringen, daß die möglichst verstärkte Gruppe Tersztyanszky die Flankenstellung von Mikołajów gewinnen konnte. GdK. Pflanzer hatte mit seinen von ungefähr zusammengerafften Kräften aus den karpathischen Waldgebirgen gegen die Dniesterniederung herabzusteigen.

Die öst.-ung. Heeresleitung wollte dem Kriege ähnliche Wege weisen, wie er sie schon im August 1914 gegangen war und — durch das Kriegstheater bedingt —im Sommer 1915 noch einmal, dann endlich mit Erfolg, gehen sollte.

Auffallend für den rückschauenden Beurteiler ist die weite Zielweisung der an die Armeen erlassenen Befehle. GdI. Conrad begründet sie mit der schon bei den Friedensübungen geübten „Gepflogenheit, die Armeeführer schon beizeiten über die großen Absichten zu orientieren, damit sie alle Maßnahmen schon in deren Sinn zu treffen oder anzubahnen vermochten“. Über die Möglichkeit eines Zusammenstoßes mit dem Feinde heißt es in den Weisungen vom 10. Oktober, daß sich der Russe, „etwa um seine schwere Artillerie gesichert abtransportieren zu können, nicht allzufern östlich von Przemyśl, etwa an der Lemberger Chaussee“, wieder stellen mochte; er sei dann von der 3. und der 2. Armee durch umfassende Angriffe herauszumanövrieren. Das bisherige Manöver des Feindes hatte also bei der öst.-ung. Heeresleitung doch in erheblichem Ausmaße Zuversicht geweckt, die gewiß zu den Vorbedingungen jedes Führererfolges gehört, sich aber zuletzt als nicht berechtigterweisen sollte. Erinnern wird man sich allerdings, daß Iwanow am 25. September tatsächlich einen so weitgehenden Rückzug vorgeschlagen hatte, wie ihn Conrad nun nicht für ausgeschlossen hielt, und daß nur das Eingreifen ■der Stawka die Ausführung eines solchen Entschlusses vereitelte (S. 353).

Das Vorbrechen der 2. Armee bei Chyrów und V,urka

Die 2. Armee war auf dem Vormarsch durch die Enge des Strwiąż-tales am 10. Oktober abends mit der an ihrer Spitze marschierenden

32. ID., GM. Goiginger, bis in den Raum unmittelbar östlich von Chyrów gelangt. Noch von völlig unbekannten Verhältnissen umgeben, hatte der Führer des VII. Korps, Gdl.Fail-Griessler, für den 11.Oktober derGruppe

I 2. Aufl.    26

Goiginger befohlen, Stara Sól, das Marschziel vom 10., zu erreichen. Eine Seitenabteilung sollte nach Strzelbice (nordwestlich Stary Sambor) vorstoßen, um den von Turka im Rückzug gemeldeten Feind anzufallen. Die 20. HID. hatte mit ihrer Vorhut bis Felsztyn, die 34. ID. nach Dobromil zu gelangen.

Der Armeebefehl vom 11. Oktober morgens steckte dann aber die Vormarschziele des VII. Korps viel weiter. GdK. Böhm-Ermolli ordnete im Sinne der am Vortage von der Heeresleitung erlassenen Weisungen (S. 401) „die Verfolgung des im Rückzug von Przemyśl auf Lemberg befindlichen Feindes“ an. Er befahl der Gruppe Goiginger bis Stary Sambor vorzustoßen, um dem vor der Gruppe Tersztyánszky nach Norden abziehenden Feind den Rückweg zu verlegen. Die Hauptkraft des VII. Korps, die 20.HID. und die 34. ID., sollte aus der Enge von Chyrów gegen Norden in die Linie Rakowa—Nowe Miasto aufschwenken, während das XII.Korps hinter dem VII. mit der vordersten Division (16. ID.) zunächst bis östlich Krościenko zu folgen hatte. Die Gruppe Tersztyánszk}r wurde angewiesen, im Einklang mit der Gruppe Goiginger über Drohobycz und Sambor in der Richtung auf Mikołajów vorzurücken. Mit diesen Weisungen verfolgte GdK. Böhm-Ermolli die Absicht, die Gruppe Tersztyánszky und das VII. Korps möglichst rasch in die Südflanke des auf dem Rückzug gegen Lemberg vermuteten Feindes zu werfen.

GdK. Tersztyánszky war mit dem IV. Korps, um den Truppen eine kurze Atempause zu gewähren, am 10. Oktober bei Turka stehen geblieben; nur die Reiterei — 1. und 8. KD. — hatte die Aufklärung fortzusetzen. Die dem IV. Korps gegenüberstehende, auf anderthalb bis zwei Infanteriedivisionen angewachsene Gruppe des Gen. Kornilow zog es am gleichen Tage vor, auf Stary Sambor und gegen Drohobycz zu weichen, wo ihrer offenbar Verstärkungen harrten. Als am nächsten Morgen das

2. Armeekmdo. die Gruppe Tersztyánszky im Sinne der Weisungen der Heeresleitung zur Verfolgung des Feindes in der Richtung Drohobycz aufrief, entschloß sich der Gruppenkommandant, mit seinen Hauptkräften von der bereits eingeschlagenen Marschlinie auf Stary Sambor in nordöstlicher Richtung abzuschwenken. Die Anmarschwege nach Drohobycz und Sambor schienen nun von den Russen selbst freigegeben worden zu sein, und Tersztyánszky hoffte daher, seine Kolonnen am Rande des Karpathenvorlandes in der Linie Borysław—Horodyszcze bis zum 14. Oktober zur Entwicklung zu bringen, um sodann mit seinen Streitkräften in breiter Front in die Dniesterebene herabzusteigen und über Mikołajów in den Raum südlich von Lemberg vorzudringen.

Es sollte jedoch anders kommen.

Die beiden Kavalleriedivisionen, die GdK. Tersztyánszky dem zurückeilenden Feinde nachgetrieben hatte, stießen schon am Nachmittag des 11. auf neuen Widerstand. Die 8. KD. sah sich westlich von Borysław durch Kosakenabteilungen — es war die 2. Komb.KosD. — aufgehalten, die 1. KD. traf südlich von Stary Sambor auf eine russische Sperrstellung, die sie nicht überwinden konnte. Um den Weg nach Stary Sambor zu öffnen, beschloß GdK. Tersztyánszky, die 40. LstlBrig., die ursprünglich auf Drohobycz vorzurücken hatte, zur Verstärkung der 1. KD. gegen den Feind südlich von Stary Sambor einzusetzen.

Mittlerweile hatte am 11. Oktober auch das VII. Korps Böhm-Er-mollis seine Kräfte mit dem ihm gegenüberstehenden russischen XXIV. und wohl auch Teilen des VIII. zu messen begonnen. Die Vorhut der Gruppe GM. Ludwig Goiginger stieß schon vor Stara Sól auf stärkere russische Truppen. Goiginger ließ sofort angreifen und forderte auch die 20. HID. auf, in den Kampf einzugreifen. Deren Kommandant, FML. v. Csanády, gedachte die Division nördlich des Strwiąż über Felsztyn zur Umfassung des nördlichen Flügels der vermeintlichen russischen Nachhuten bei Stara Sól vorzuführen. Kurz darauf, um 10hvorm., wurden auch Feindkräfte aller Waffen im Vorrücken zwischen Strwiąż und Blo-żewka von Osten gemeldet. FML. Csanády, der bis zum Eintreffen des

VII. Korpskmdos. das Gefecht leitete, entwickelte das Gros der 34. ID., die eben in Chyrów eingetroffen war, links von der 20. HID. auf Wołcza Dl. zum Angriff. Gleichzeitig forderte FML. Csanády die an der Spitze des

XII. Korps marschierende 16. ID. auf, unverweilt und womöglich südlich der Błożewka in der Richtung auf Rakowa vorzugehen.

In den ersten Nachmittagsstunden war fast das ganze VII. Korps vor der Straßenenge von Chyrów zum Kampfe entwickelt. Südlich des Strwiąż griff die Gruppe Goiginger — 32. ID., Teile der 34. ID. und die 103. LstlBrig. — die russischen Sperrstellungen beiderseits der Straße nach Stara Sól an. Nördlich vom Strwiąż gingen die 20. HID. auf Felsztyn und die Wegrzeliskahöhe (nördlich von Felsztyn), das Gros der 34. ID. und das Seitenhutregiment der 16. ID., das über Trzcianiec vorgerückt war, auf Błożew Grn. (südöstlich von Nowe Miasto) vor. Als es Abend wurde, hatte die Gruppe Goiginger die russischen Vorstellungen bei Stara Sól genommen. FML. Csanády war mit der 20. HID. bis vor Felsztyn vorgedrungen. FML. Krautwald hatte mit der Masse der 34. ID. und der Seitenhut der 16. ID. Wolcza Dl. und Błożew Grn. erreicht. Die Hauptkraft der 16. ID. des XII. Korps gelangte bis in den Raum südlich von

Chyrów; die anderen Teile des Korps steckten noch im Engwege westlich davon.

GdK. Böhm-Ermolli ordnete nun für den 12. Oktober den einheitlichen Angriff des VII. und des XII. Korps gegen den beiderseits von Chyrów befindlichen Feind an und übertrug die Leitung auf dem Schlachtfelde dem Führer des XII. Korps, GdI. Kövess.

GdI.Fail-Griessler wartete am 12. Oktober früh mit seinem VII. Korps den Anmarsch des XII. nicht ab. Die Gruppe Goiginger rang sich in den Morgenstunden in hartem Kampfe gegen die feindlichen Linien beiderseits von Stara Sól heran, vermochte sich jedoch nicht den Zugang nach Stary Sambor zu öffnen. Auch das umfassend gedachte Eingreifen von Teilen der 16. ID. am Südflügel der Gruppe Goiginger brachte keine Entscheidung. So weit diese Kräfte auch nach Süden ausholten, überall stießen sie auf eine starke feindliche Front.

Ebenso erfolglos blieben die Kämpfe zwischen Strwiąż und Blożewka. Der Angriff der 20. HID. auf die Wegrzeliskahöhe kam vor dem am Westhang tief eingegrabenen Feinde zum Stehen. FML. Krautwald, der mit der Hauptkraft der 34. ID. auf Koniów vorstoßen wollte, um die Wegrzeliska von Norden zu umfassen, konnte den Angriff nicht durchführen, da sich die Russen in seiner linken Flanke auf den Höhen von Czyszki festgesetzt hatten und durch ihr Seitenfeuer ein Vorgehen südlich der Błożewkaniederung unmöglich machten. FML. Krautwald entschloß sich in dieser Lage, das gegen die Czyszkihöhe angesetzte IR. 2 der 16. ID. durch das Gros der 34. ID. zu verstärken, um durch die Gewinnung dieser Höhenstellung einen Angriff auf Koniów möglich zu machen.

Bei der Gruppe Tersztyanszky griffen am 12.Oktober die 40. LstlBrig. und das von der 17. ID. über Lawrów entsandte IR. 33 in das Gefecht der 1. KD. südlich von Stary Sambor ein. Es gelang, den Feind dort zurückzudrängen und die Höhen von Zawadka sowie die Jankowhöhe zu besetzen. Dann lief aber der Angriff dieser vom Kommandanten der

1.    KD., GM. Peteani, befehligten Gruppe vor einer stark befestigten russischen Linie fest, die sich im Umkreis südlich von Stary Sambor erstreckte.

So war es denn auch am 12. Oktober noch nirgends gelungen, die vermeintlichen russischen Nachhuten aus ihren Stellungen zu werfen. Das

2.    Armeekmdo. gewann aus dem schleppenden Verlauf dieses Ringens alsbald die Überzeugung, daß es sich keineswegs nur um einen Kampf mit russischen Nachhuten, sondern um ein ernstes Treffen mit der ganzen russischen 8. Armee handle.

Die Bedingungen, unter denen die Masse der 2. Armee mit diesem starken Feinde in den Kampf trat, waren wenig günstig. GdK. Böhm-Ermolli konnte seine Divisionen nur nacheinander und stückweise aus der Enge von Chyrów zum Kampfe entwickeln. Dies hatte schon jetzt zu einer starken Vermengung der Verbände geführt. Hiezu kam, daß der Feind von seinen Höhenstellungen durch sein Front- und Seitenfeuer alle Anmarschlinien der 2. Armee beherrschte, was sich umso empfindlicher geltend machte, als die eigene Artillerie auf dem aufgeweichten Boden abseits der Wege nur schwer der Infanterie zu folgen und daher nur allmählich in Stellung zu gehen vermochte, weshalb die auf der flachgewölbten Wegrzeliskahöhe geschickt aufgestellten russischen Batterien nicht gefaßt werden konnten.

GdK. Tersztyánszky hatte schon am Vormittag des 12. Oktober die dringende Aufforderung des 2. Armeekmdos. erhalten, mit möglichst starken Kräften in der Richtung über Stary Sambor vorzugehen. Dieser Weisung entsprechend, beschloß er von der ursprünglich anbefohlenen Vorrückung seiner Hauptkräfte auf Drohobycz wieder Abstand zu nehmen und diese in der Richtung auf Stary Sambor einzusetzen. Er befahl der 38. HID., die eben nach Turze marschierte, sofort nach Norden abzudrehen und über Zwór und Wola-koblańska zur Umfassung des russischen Südflügels, den man bei Stary Sambor vermutete, vorzustoßen. Auch die 31. ID., der auf Einschreiten des Erzherzogs Joseph ein neuerlicher Rasttag in Turka bewilligt worden war, setzte Tersztyánszky jetzt in Bewegung. Sie sollte auf der Straße nach Stary Sambor hinter der 38. HID. zunächst bis in die Gegend von Strzylki vorrücken, während die 8. KD., die sich noch immer von russischer Kavallerie bei Smolna aufgehalten sah, durch das Bystrzycatal auf Sambor vorzustoßen hatte. Die übrigen Streitkräfte des IV.Korps, die 102.LstlBrig.und die 5.HKD.,sollten zum Schutze der rechten Korpsflanke über Isaje und Turze auf Borysław vorgehen.

Als GdK. Tersztyánszky diese Anordnungen traf, hatten die Aufklärer der 1. und der 8. KD. bereits festgestellt, daß die Vorrückungslinien über Zwór und Wola-koblańska nach Sambor vom Feinde gesperrt waren. Kundschafternachrichten war zu entnehmen, daß im Raume von Blażów die russische 4. SchBrig. Aufstellung genommen habe. Da nun der russische linke Flügel anscheinend bis Blażów gestaffelt war, konnte die 38. HID. nicht ohne weiteres in die feindliche Flanke greifen. FML. Karg, der Führer dieser Division, entschloß sich, mit seiner Umfassungsgruppe nicht über Zwór vorzugehen, wie das IV. Korpskmdo. dies befohlen hatte, sondern über Turze und Smolna auf Zalokiec weiter zu marschieren, um im Verein mit der 8. KD. durch das Bystrzycatal über

Podbuż und Uroż auf Sambor in den Rücken der bei Stara Sól und Stary Sambor kämpfenden russischen Streitkräfte vorzustoßen. GdK. Tersztyanszky billigte diese weit nach Osten ausgreifende Umfassungsbewegung und erteilte der 31. ID. den Befehl, an Stelle der 38. HID. schleunigst im Nachtmarsch bis Łużek Grn. vorzurücken und die von Błażów in den Rücken der Gruppe Peteani (1. KD. und 40. LstlBrig.) führenden Einbruchswege abzusperren.    *

Durch diese Maßnahmen war die Gruppe Karg, wie die späteren Vorgänge auf russischer Seite erweisen werden, in wirksamster Richtung angesetzt. Gleichzeitig löste aber Tersztyanszky den ohnehin schwach gehaltenen Südflügel der 2. Armee mehr und mehr in einzelne Gruppen auf und schwächte damit dessen Stoßkraft. Auch waren die Entfernungen, welche die Gruppe Tersztyanszky im schwierigen und unübersichtlichen Gebirgsgelände noch zu durchschreiten hatte, so groß, daß mit dem Wirksamwerden der angestrebten Überflügelung der russischen Aufstellung kaum vor dem 14. Oktober gerechnet werden konnte.

Halt südlich von Przemyśl und atn San

Die Verfolgungsabteilungen der 3. und der 4. Armee waren im Laufe des 11. und des 12. Oktober an den San gelangt, fanden aber alle Brücken abgebrochen und konnten angesichts des starken Feuers der Russen, die alle Übergänge besetzt hielten, nicht über den Fluß kommen. Sie sowohl wie ihre Hauptkräfte waren nach den vergangenen acht ruhelosen Marscn-und Kampftagen dringend einer Atempause bedürftig. Auch der Nachschub, der in der regenreichen Herbstwoche auf entsetzlichen Wegen so sehr abgerissen war, daß die 3. Armee auf die Vorräte der Festung Przemyśl greifen mußte, erheischte gebieterisch eine Unterbrechung des Vormarsches. Angesichts dieser Umstände sah sich Erzherzog Joseph Ferdinand veranlaßt, den ursprünglich für den 13. Oktober in Aussicht genommenen Sanübergang auf den 14. zu verschieben, während sich GdI. Boroević überhaupt noch vorbehielt, den Tag der Flußbezwingung für seine Armee festzusetzen. Nur der südlich von Przemyśl angesetzte rechte Flügel der 3. Armee, die aus der 44. SchD. und der 88. KSchBrig. bestehende Gruppe FML. Tschurtschenthaler, ging schon am 11. gegen das russische XII. Korps zum Angriff über, ohne aber gegenüber den starken Stellungen beiderseits von Myżiniec („Baumhöhe“ von Tyszkowice und Magiera) durchzudringen.

Besonders ungünstig gestaltete sich in den gleichen Tagen die Lage am unteren San, wo die 1. Armee den Übergang erzwingen sollte. Unbeugsame Naturgewalten türmten sich hier dem Führerwillen entgegen. Unaufhörlich trieben die Herbstregen neue Wassermassen aus dem Gebirge herab; diese überschwemmten die Auen und hatten das Gebiet zwischen San und Weichsel bald in einen großen Sumpf verwandelt. Auf den grundlosen Anmarschwegen konnten die schweren Kriegsbrückenwagen kaum vom Fleck gebracht werden. Die Pontons mußten, um bis zum Wasser zu kommen, lange Strecken im feindlichen Feuer herangeschleppt werden. So wurde die Lage beim V. Korps immer trostloser und trotz der größten Anstrengungen konnten die großen und zeitraubenden Übergangs Vorbereitungen auch am 11. Oktober noch nicht beendet werden. Das 37. HIDKmdo. gab sogar seiner Anschauung dahin Ausdruck, daß „selbst in den nächsten Tagen die Forcierung ein vergebliches Bemühen sein dürfte und auch nach einem gelungenen Übergang die Verhältnisse für eine weitere Vorrückung derartige wären, daß die Vorbereitung einer solchen Operation viele Tage, wenn nicht Wochen in Anspruch nehmen dürfte“. Ebenso trostlos lauteten die Berichte aller übrigen Befehlsstellen. Durch diese Umstände wurde das 1. Armeekmdo. genötigt, den Flußübergang abermals zu verschieben. Es setzte hiefür den Morgen des 13. Oktober fest. Da jetzt an einen Sanübergang des V. Korps wegen des Hochwassers nicht mehr zu denken w72ar, sollte nun das X. Korps die Entscheidung herbeiführen.

Doch auch beim X. Korps lagen die Verhältnisse nicht günstiger. GdI. Hugo Meixner, der Kommandant dieses Korps, hatte für die Über-schiffung die Flußstrecke bei Pławo ausersehen. Hier sollte die 45. SchD. den Übergang erzwingen. Weiter flußaufwärts, im Abschnitt der 24. ID., schien ein Angriff nicht ratsam. Dort überhöhten die russischen Stellungen das Westufer. Ein paar Kompagnien der 24. ID., die am 11. mit Todesverachtung den San übersetzt hatten, mußten angesichts des starken feindlichen Feuers schon in der folgenden Nacht wieder auf das Westufer zurückgenommen werden. Aber auch bei Pławo hielt starker Feind das Ostufer besetzt. Mit Sorge sah man beim X. Korps den weiteren Ereignissen entgegen, denn ob der Übergang der 45. SchD., der unter allen Umständen stattfinden sollte, gelingen werde, war fraglich.

Da kündigte am Spätnachmittag des 12. Oktober ein neuer Befehl aus Neusandez eine überraschende Entschlußänderung des AOK. an: „1. Armee wird mit Rücksicht auf das Hochwasser des San mit dem Flußübergang noch warten, bis weitere Weisung kommt, der Befehl für den Sanübergang des X. Korps ist zurückzuhalten.“

Die Entschlüsse der öst.-ung. Heeresleitung um den

12. O ktober

Hiezu Beilage 17 sowie Skizze 23

Für die Heeresleitung in Neusandez hatten der 11. und 12. Oktober wichtige Klärung gebracht. Diese bezog sich allerdings weniger auf die öst.-ung. als auf die deutsche Front. Südlich der Sanmündung waren gegenüber den 36V2 öst.-ung. Divisionen nunmehr etwa 26 russische festgestellt, die aber zahlenmäßig und vor allem artilleristisch stärker waren als die ihrer Gegner1). Von diesen 26 Russendivisionen hatte mindestens der Südflügel gegenüber Böhm-Ermolli den Willen zu ernsterem Widerstande an den Tag gelegt. Dennoch wähnte das AOK. noch am 11. abends, daß der Feind ,,bei Dobromil—Stary Sambor wahrscheinlich um Zeitgewinn kämpfe“, weshalb dem 2. Armeekmdo. empfohlen wurde, sich nicht „durch frontale Entwicklungen tiefer Kolonnen“ aufhalten zu lassen, sondern Umfassungen anzustreben. Im übrigen habe die Armee „am 12. mit aller Entschiedenheit... auf Mościska und ... auf Rudki vorzudringen.“ 2) Die Antwort Böhm-Ermollis lautete allerdings nicht sehr aufmunternd : eine weitere Beschleunigung des Vormarsches lasse „eine völlige Lahmlegung der Schlagfertigkeit der Truppen besorgen“. Den entschiedenen Angriffswillen der Heeresleitung konnte aber weder diese Meldung, noch die schwierige Lage am unteren San beeinträchtigen, wo die 1. Armee noch am 12. früh ausdrücklich angewiesen wurde, am 13. den Flußübergang zu erzwingen.

Das weitere Schicksal der 1. Armee sollte dann freilich schon in den nächsten Stunden durch die Begebenheiten an der mittleren Weichsel entscheidend beeinflußt werden.

Hier hatte sich Hindenburg nach den Kämpfen bei Opatów—Klimontów zunächst gegen Iwangorod gewendet, gleich darauf aber auch einen Handstreich gegen die veraltete, größtenteils aufgelassene Lagerfestung Warschau in seine Pläne einbezogen. Schien dieser Platz fürs erste noch schwach besetzt zu sein, so langten schon in den nächsten Stunden Meldungen ein, die vom Auftreten mindestens zweier sibirischer Korps im Warschauer Bezirk zu berichten wußten. Nun entschloß sich Hindenburg in der Nacht zum 9. Oktober, die Hauptkraft der deutschen 9. Armee gegen die Hauptstadt Polens anzusetzen, während geringere Kräfte bei Iwangorod den linksufrigen Brückenkopf sperren sollten, bis das Eintreffen der erbetenen öst.-ung. Mörser den Angriff gestattete1).

Der vom GdK. v. Mackensen befehligte linke Flügel der 9. Armee war im raschen Vordringen vom 9. Oktober bis zum 11. abends von Süden her bis auf 10 km an den äußeren Fortsgürtel von Warschau herangekommen. Zu gleicher Zeit warfen das Gardereservekorps und die schlesische Landwehr die Spitzen der russischen 4. Armee oberhalb Iwangorod über die Weichsel zurück. Im Iwangoroder Brückenkopf und unterhalb vermochte sich der Russe aber am Westufer des Stromes zu halten.

Inzwischen hatte jedoch ein auf der Walstatt südlich von Warschau am 10. Oktober bei einem Gefallenen gefundener russischer Befehl die Pläne des Feindes in einer kaum mehr zu überbietenden Deutlichkeit enthüllt. Diesem wichtigen Beutestück war nichts Geringeres zu entnehmen, als daß vier russische Armeen, die 2., 4., 9. und 5., zwischen der Sanmündung und Nowogeorgiewsk zum Vorstoß über die Weichsel zusammengezogen wurden.

Der Oberbefehlshaber des deutschen Ostheeres zögerte nicht, aus dem so gewonnenen Bilde seine Schlußfolgerungen zu ziehen. Vor allem war es klar, daß gegenüber der gewaltigen russischen Übermacht Offensivunternehmungen im Weichsellande für die 9. Armee bis auf weiteres nicht mehr in Betracht kamen. War ein solcher Beschluß für den Raum um Iwangorod schon früher gefaßt worden, so mußte er nun auch fürWarschau bindend werden. In der Tat erhielt Mackensen schon am 11. zu früher Stunde die Weisung, ,,daß es sich nicht mehr um die Wegnahme der Stadt handeln könne, sondern nur darum, den Gegner in die Stadt hineinzuwerfen und dort abzuschließen“2). Mit diesem notgedrungenen Sich-bescheiden auf die Behauptung des Erreichten wurde die Verlegung des Schwergewichtes auf den öst.-ung. Heeresflügel, die sich in den letzten Tagen längst vorbereitet hatte, endgültig besiegelt.

Aber es war überdies klar, daß selbst das Ausharren der 9. Armee ohne das Heranführen von Verstärkungen außerordentlich fraglich sein mußte. Dies galt namentlich für den linken Flügel, der sich den Toren Warschaus gegenüberbefand.

Auf dem französisch-belgischen Kriegsschauplatz rüstete Falkenhayn eben zur Ypernschlacht. Es waren daher von dorther nicht nur keine Ver-

*) Reichsarchiv, V, 435 ff und 459 f. — Schäfer, Das militärische Zusammenwirken der Mittelmächte im Herbst 1914 (Wissen und Wehr, Jhrg. 1926, 213 ff).

— Ludendorff, Kriegserinnerungen, 64 ff.

2) Reichsarchiv, V, 450 f.

Stärkungen zu erhoffen, sondern auch die im Innern Deutschlands aufgestellten Reservekorps wurden mit Ausnahme eines einzigen, für Ostpreußen bestimmten, aber noch nicht verwendungsfähigen dem Westheer zugeführt. An eine unmittelbare Mitwirkung der in Ostpreußen verbliebenen 8. Armee hatte Hindenburg wohl schon am 17. September bei der Übernahme der „Gesamtleitung aller Operationen im Osten“ (S. 351) gedacht, diesen Gedanken aber Ende September fallen gelassen, da diese Armee ihre geringen Kräfte für die Abwehr der über den Njemen und Augustów angreifenden russischen 1. und 10. Armee brauchte1). Als nach dem 10. Oktober die Lage an der mittleren Weichsel immer ernster wurde, stand die Heranziehung einer Division aus Ostpreußen neuerdings zur Erwägung. Da aber GdI. v. Francois, der neue Oberbefehlshaber der 8. Armee, erst nach dem Eingreifen des neugebildeten XXV. Reservekorps und wenn er eine Entscheidung im Raume von Suwałki erzielt hatte, Kräfte für Polen abgeben wollte 2), so mußte auch in diesem Belange an den durch das russische Machtaufgebot an der mittleren Weichsel entlasteten Verbündeten appelliert werden.    -

Die Auffassungen der öst.-ung. Heeresleitung stimmten, als diese im Laufe des 11. von dem Inhalt des südlich von Warschau erbeuteten russischen Befehles Kenntnis erhielt, völlig mit denen Hindenburgs überein. Die Verlegung des Schwergewichtes auf die galizische Front hatte schon der AOK.-Befehl vom 10. Oktober (S. 400) vorweggenommen. Nur gedachte Conrad jetzt, da „große Teile der russischen 5. Armee im Raum um Kraśnik und südlich davon“ gemeldet waren, den linken Flügel der

4. Armee näher an die 1. heranzunehmen; dieser sollte nicht die Richtung Biłgoraj, sondern jene gegen Janów einschlagen.

Was die Lage bei Hindenburg anlangte, so hielt es Conrad wohl im Hinblick auf die Kürze der Zeit und auch auf die Stärke der Russen in Galizien nicht für erwägbar, die Masse der k.u.k. Armeen auf „das links-ufrige Weichselgebiet“ zu verschieben. „Immerhin aber konnte eine teilweise Stärkung der am linken Weichselufer vorgehenden verbündeten Kräfte erfolgen.“

In diesem Sinne fand Hindenburg in Neusandez auch sofort ein williges Ohr, als er zunächst zwei Kavallerie- und dann auch zwei Infanteriedivisionen für den Raum um Warschau erbat. An Reiterei stellte die öst.-ung. Heeresleitung ungesäumt die 3. und die 7. KD. zur Verfügung, deren Anwesenheit vor Warschau auch aus politischen Gründen nicht un-

*■) R e i c h s a r c h i v, V, 414, 417 und 448.

2) Ebenda, V, 464.

erwünscht war. Dagegen vermochte sich Conrad mit der unmittelbaren Entsendung von Infanteriedivisionen in diesen entfernten Raum nicht zu befreunden. Doch ließ er die 22. ID. des XI. deutschen Korps, die an der Weichsel durch die 35. LstlBrig. abgelöst wurde, und die 5. ID. des k.u.k.

1.    Korps flußabwärts in den Raum um Solec abgehen.

In den nächsten vierundzwanzig Stunden langten vom Schlachtfeld bei Iwangorod, zumal von jenem des Landwehrkorps, nicht sonderlich günstige Nachrichten ein1). Die Gefahren, die von hier aus unmittelbar auch dem Nordflügel der öst.-ung. Front zu drohen schienen, und die geringen Aussichten, welche die Übergangsversuche der 1. Armee angesichts der höchst ungünstigen örtlichen Lage verhießen, veranlaßten am 12. früh den Obst. Metzger, bei seinem Chef die Überführung des k.u.k. V. Korps der 1. Armee auf das Nordufer der Weichsel vorzuschlagen. Dieser Antrag traf sich auch mit deutschen Wünschen. Conrad stimmte zu. Ungesäumt erflossen die nötigen Anordnungen. GdK. Dankl wurde angewiesen, neben der 5. ID., die raschestens in den Raum südöstlich von Zwolen abzurücken hatte, noch drei weitere Divisionen der Armee zum Marsch auf Ożarów freizumachen. Die am unteren San verbleibenden Kräfte sollten mit dem Flußübergang so lange warten, bis die 4. Armee das Nordufer gewonnen hatte. Der 3. und der 2. Armee wurde aufgetragen, „den südlich Straße Jaroslau—Jaworów befindlichen Feind vor allem baldigst zu werfen“. War dies geschehen, dann sollte die 3. Armee dem Raume Oleszyce—Mościska zustreben, um von hier aus gegebenenfalls auch in den Kampf der 4. Armee flankierend einzugreifen. Von diesen Maßnahmen erhoffte sich Conrad, daß sie auch „dem Vordringen des Feindes über die Weichsel Halt gebieten würden“2).

Maßnahmen der Russen

Die am 10. Oktober begonnenen Versuche der Russen, sich westlich der Weichsel und südlich von Warschau entsprechende Bewegungsfreiheit für den Flußübergang der „Dampfwalze“ zu schaffen, waren inzwischen durch die deutsche 9. Armee durchkreuzt worden. Die russische 4.Armee hatte beiderseits von Iwangorod eine Schlappe erlitten, die sie als schwere Niederlage empfand. Bei Warschau waren die dort eingesetzten Teile der

2.    Armee — ohne daß es freilich der zum Halten befehligte Gegner gewahrte (S. 409) — vorübergehend bis in die Linie der äußeren Werke

L) Bei diesen höchst unsicheren Verhältnissen wurden auch die zur deutschen 9. Armee anrollenden öst.-ung. Mörserbatterien (S. 409) nicht eingesetzt.

2) Conrad,V, 105.

zurückgewichen. Die bei Góra Kalwarja übersetzten Kräfte, mehr alsein Korps, nahm Iwanow, um sie nicht einem isolierten Schlage auszusetzen, wieder hinter die Weichsel zurück1). Tief niedergeschlagen befahl er die Einstellung weiterer Angriffe bei Warschau und weichselaufwärts, bis der Aufmarsch hinter der Werkslinie und dem Strome vollzogen wäre. Im Weichsellande sollte nur die 4. Armee bei Iwangorod ihren Druck fortsetzen, um eine weitere Nordverschiebung des Gegners zu verhindern.

Am 13. Oktober erschien auf Bitte Iwanows der Großfürst-Generalissimus abermals im Hauptquartier zu Cholm, und es wurde hier auf Betreiben des ersteren beschlossen, das Kommando über den Nordflügel des in Bildung begriffenen großen Angriffsheeres — der Narewgruppe, der

2. und der in den Raum unmittelbar südöstlich von Warschau gerufenen

5. Armee — dem Gen. Rußki zu übertragen, während Iwanow den Befehl über die 4., die 9. und die drei galizischen Armeen behielt. Der Vormarsch sollte erst beginnen, bis die unter mannigfachen Verzögerungen leidende Versammlung hinter der Weichsel und um Warschau vollzogen war.

Den galizischen Armeen hatte Iwanow am 11. und abermals am 13. zum Zwecke, den empfindlich drückenden Gegner zu fesseln, den Auftrag zu ungesäumter Wiederaufnahme der Offensive erteilt. Der Notwendigkeit hiezu verschloß sich auch Brussilow nicht; aber es war fürs erste noch schwer, den guten Willen in die Tat umzusetzen. Durch die Manöver der letzten Wochen waren den Russen in Galizien zu den Entbehrungen des ersten Feldzuges noch neue aufgeladen worden. Keines der Korps hatte infolge der Kreuz- und Quermärsche im schlechten Wetter auf schlechten Wegen die nötige Erholung gefunden. Die sehr ungünstigen Bewegungsverhältnisse mußten auch die Bereitstellung für neue Unternehmungen verzögern. Die 8. Armee stand überdies seit dem 11. unter den zähen Angriffen der Divisionen Böhm-Ermollis.Fiel bei der 3. Armee die gegnerische Einwirkung weniger ins Gewicht, so ergab sich für sie dadurch eine neue Schwierigkeit, daß der Oberbefehlshaber der Südwestfront am 13. das XXV. und das XIV. Korps mit Ausnahme von je einer Division zur Verstärkung der Weichselfront der 9. Armee endgültig vom unteren San abberief, wodurch gewisse Aufstellungsänderungen innerhalb der Korps Dimitriews bedingt waren. Solcherweise mußten sowohl bei dieser Armee, wie bei der 8. — die Belagerungsarmee war überhaupt noch nicht offensivfähig — noch einige Tage verstreichen, ehe sie dem Rufe Iwanows folgen konnten. Es hieß für sie, sich zunächst in der Abwehr zu behaupten.

x) Korolkow, Iwangorod—Warschau, 101 ff. — R e i c h s a r c h i v, V, 460ff.

— La grande guerre, 382 ff. — Danilow, 317 ff.

Der rechte Flügel dieser Verteidigungsstellung war durch den vorläufig noch immer Hochwasser führenden, am Ostufer stark überhöhten Sanfluß ausreichend gestützt. Dort standen gegen Mitte Oktober von rechts nach links: die aus den beiden von der 9. Armee zurückgelassenen Infanteriedivisionen (80. RD., 46. ID.) und der 3.Kauk.KosD. bestehende Gruppe Gen. Chelnitzki, das durch die 13. ID. verstärkte XXI. Korps, weiter das XI., das IX. und das X. mit der 34. ID., schließlich die 7. KD. Südlich schloß bis Miżyniec die Belagerungsarmee in dichter Aufstellung an. Noch weiter links nahmen zwischen Miżyniec und Stary Sambor das XII., das VIII. und das XXIV. Korps den Kampf auf. Die 4. SchBrig. hatte Brussilow als Flügelschutz in den Raum südlich von Sambor verschoben, wo sie der 12. KD. und der 2. Komb.KosD. als Rückhalt dienen konnte. Die Einbruchswege aus den Waldkarpathen sperrte nach wie vor die aus der 71. RD. und drei Kosakendivisionen (1. und 2. Kub.- und

1. TerekKosD.) bestehende Dniestergruppe. Zwischen der Sanmündung und Stary Sambor standen den 3 6V2 Infanterie- und den 9 Kavalleriedivisionen Österreich-Ungarns, die zusammen — Landsturm und Festungsbesatzung mitinbegriffen — 513 1/2 Bataillone und 216 Schwadronen zählten, 25y2 russische Infanterie- und 7 Kavalleriedivisionen, das sind 408 Bataillone und 168 Schwadronen, gegenüber.

Solcherart teilte die Gegend der Sanmündung das Kriegstheater in zwei große Schlachtfelder, auf denen Freund und Feind in sehr verschiedener Rolle kämpften. Während sich an der mittleren Weichsel die schwache deutsche 9. Armee und die ihr als Verstärkung nachgesandten Divisionen Dankls gegen die gewaltigste Streitermasse zu wehren hatten, die je auf engem Raume aufgetreten war, bestrebte sich südlich der Sanmündung, in Mittelgalizien, die Hauptkraft des öst.-ung. Heeres mit ihrer nach der schweren ersten Feuerprobe noch nicht voll zurückgewonnenen Stoßkraft, aber in gewohnter Opferbereitschaft, durch unverzagtes Anstürmen gegen die zu trefflicher Abwehr aufgestellten und später selbst zum Gegenangriff übergehenden Regimenter Brussilows den Turmbau der russischen Pläne ins Wanken zu bringen.

Fortführung des Angriffes südlich von Przemyśl bis

zum Eingreifen des k.u.k. III. Korps

Hiezu Beilage 17 sowie Skizzen 22 und 23

Am 13. Oktober, am Tage, an dem sich die 4. Armee zur Überschreitung der Sanlinie bereit machte, schritt die 2. Armee mit verstärkten

Kräften gegen die russischen Stellungen zwischen der Blożewka und Stary Sambor zum Angriff. FML. Krautwald griff mit dem Gros der 34. ID. die Höhen östlich von Nowe Miasto an, um dem VII. Korps zwischen Strwiąż und Blożewka Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Der Angriff scheiterte an dem Flankenfeuer russischer Artillerie von der südlich von Myżiniec aufragenden Magiera und den anschließenden Höhen. Aus dem gleichen Grunde konnte auch der geplante Angriff auf Koniów und auf die Wegrzeliska von der 20. HID. nicht weiter vorgetragen werden. Das VII. Korps mußte sich mit den erkämpften Linien südlich von Czyszki, bei Blożew Grn. und am Westhang der Wegrzeliska begnügen.

Südlich des Strwiąż nahm GM. Schariczer, der nun die durch das Gros der 16. ID. verstärkte frühere Gruppe Goiginger (32. ID., 103. LstlBrig. und IR. 43 der 34. ID.) befehligte, schon in der Nacht auf den

13. den Angriff von neuem auf. Bei Stara Sól setzten sich Teile der 32.ID. in den russischen Hauptstellungen fest; ein feindlicher Gegenstoß warf jedoch die Ungarn in den Morgenstunden wieder aus den eroberten Gräben heraus. Zwischen Stara Sól und Strzelbice arbeitete sich die 16. ID. vor. Sie wurde durch das heftige Ge'schützfeuer der Russen noch vor den feindlichen Hauptstellungen zu Boden gezwungen. In den späten Nachmittagsstunden traf die von Chyrów im Gewaltmarsch herangeführte 3 5.ID. vor Strzelbice ein. Die müden Truppen wurden durch den Divisionär, FML. Fox, unverweilt zum Angriff auf Stary Sambor angesetzt, kamen jedoch an diesem Tage nicht mehr zum Sturm auf die russischen Höhenstellungen, da die Artillerie durch das wegarme Gebirgsgelände der Infanterie nicht zu folgen vermochte und auch das von Süden erhoffte Eingreifen der Gruppe Tersztyanszky ausgeblieben war.

GdK. Tersztyanszky hatte alles getan, um das Vorgehen der 35. ID. zu unterstützen. Er hatte am 13. Oktober vormittags dem Erzherzog Joseph befohlen, mit der 31. ID. unverzüglich über die Höhen östlich von Terszów nach Norden durchzustoßen, um den Eckpfeiler der russischen Front, Stary Sambor, zum Einsturz zu bringen. Als die von Turka in Eilmärschen herangeholte 31. ID. am Nachmittag gerade aus dem Dniestertal emporstieg, wurde die Gruppe des GM. Peteani — 40. LstlBrig., 1. KD., IR. 33 der 17. ID. — von einem heftigen Gegenangriff der Russen getroffen, der sie ihres bisherigen Gewinnes beraubte und von den Höhen südlich von Stary Sambor über Terszów zurückwarf. Um den Russen ein weiteres Vordringen im Dniestertal aufwärts zu verwehren, sah sich Erzherzog Joseph gezwungen, zunächst der bedrängten Gruppe Peteani zu Hilfe zu eilen. Ebenso stockend gedieh die zeitraubende Umfassungsbewegung am äußersten rechten Flügel, obwohl FML. Karg alle Anstrengungen machte, die 38. HID. rasch vorwärts zu bringen. Bei Zalokiec kämpfte die vorausgeeilte 8. KD. Sie war dort auf den hartnäckigen Widerstand der russischen 12. KD. gestoßen, die ihr den Zugang ins Bystrzycatal verlegte, um den russischen Flügel vor Umfassung zu schützen.

So vermochte denn die 2. Armee auch am 13. Oktober keine entscheidenden Fortschritte zu erzielen. GdK. Böhm-Ermolli forderte am Abend das VII. und das XII. Korps zur Fortführung der Angriffe auf und sandte an Tersztyánszky noch einmal den dringenden Ruf, die Entscheidung durch den Einsatz aller verfügbaren Kräfte in der Richtung auf Stary Sambor herbeizuführen. Die 17. ID., die mittlerweile in Chyro-vv eingelangt war, sollte am Nordflügel gegen die Höhen von Czyszki angesetzt werden, um dem VII. Korps zwischen der Błożewka und dem Strwiąż vorwärts zu helfen.

Am 14. Oktober früh morgens trat am Südflügel des XII. Korps FML. Fox mit der 35. ID. zum Angriff auf die russischen Stellungen zwischen Strzelbice und Stary Sambor an. Die 35. ID. bemächtigte sich der Jankowhöhe und stellte die Verbindung mit der Gruppe Tersztyánszky her; dann kam aber der Angriff zum Stehen. Auch die Gruppe Schariczer hatte indessen den Kampf um den Besitz der russischen Linien nördlich von Strzelbice und beiderseits von Stara Sól fortgesetzt, ohne größere Fortschritte erzielen zu können. Solange die eigene Artillerie am Südflügel des XII. Korps nicht zur Stelle war, und das sehnlichst erwartete Eingreifen der Gruppe Tersztyánszky von Süden her nicht wirksam wurde, mußte sich GdI. Kövess mit diesen geringen, aber doch schwer genug erkauften Erfolgen begnügen.

Südlich der Gruppe FML. Fox hatte die 31. ID. des IV. Korps am

14. Oktober in das Gefecht der Gruppe Peteani eingegriffen. Es gelang, Terszów zurückzuerobern und den Angriff beiderseits des Dniester wieder bis an die russischen Höhenstellungen unmittelbar südlich von Stary Sambor vorzutragen. Der von GdK. Tersztyánszky anbefohlene entscheidende Vorstoß über die Höhen östlich von Terszów wurde aber infolge des Abschwenkens der 31. ID. zur Gruppe Peteani an diesem Tage nicht mehr durchgeführt.

Am äußersten rechten Flügel Tersztyánszkys warf die 8. KD. mit Unterstützung der 38.HID. die russische 12. KD. aus ihren Stellungen bei Zalokiec. Die Gruppe Karg hatte sich damit den Zugang ins Bystrzycatal geöffnet und stieß sofort auf Podbuż vor.

Während GdI. Kövess mit dem XII. Korps am 14. Oktober den Angriff südlich des Strwiąż wieder aufnahm, begnügte sich GdI. Fail-Griessler mit dem Festhalten der zwischen Strwiąż und Blożewka vom VII. Korps erkämpften Linien, da er zunächst das Eingreifen der 17. ID. am Nordflügel abwarten wollte. GdK. Böhm-Ermolli hatte sich am frühen Morgen aus seinem Hauptquartier Sanok über Przemyśl nach Dobromil und Chyrów auf das Schlachtfeld begeben. Er sah die Divisionen des VII. Korps, gegen die sich bereits russische Vorstöße geltend machten, in unentschiedene Kämpfe festgebannt und gewann aus den Meldungen der Korpsführer die Überzeugung, daß sich der Feind in diesem Abschnitt nicht so leicht überwältigen ließ. Er befahl daher zunächst das Festhalten der erreichten Linien zwischen Stara Sól und Blożewka, während die Gruppe Fox und vor allem das IV. Korps den Angriff fortführen sollten.

Am Südflügel der 3. Armee war am 12. Oktober östlich von Niżanko-wice die Gruppe FML. Tschurtschenthaler mit der 44. SchD. und der 88. KSchBrig. gegen Teile des russischen XII. Korps und eine Division der Belagerungsarmee in den Kampf getreten, ohne in den darauf folgenden Tagen wesentlich Raum gewinnen zu können. Nördlich von Przemyśl hatte am 12. das III. Korps nach Vertreibung russischer Nachhuten den San erreicht, während das IX. nachmittags zugleich mit dem XVII. der 4. Armee in Jaroslau einzog. Der Aufgabe, in diesem Raume den San zu bezwingen, stand GdI. Boroević von Anbeginn skeptisch gegenüber, bei welcher Auffassung auch die schwierige materielle Lage der Armee — die Bahnen nach Przemyśl waren noch unterbrochen — mit eine Rolle spielte. Schon am 13. erwog der Armeeführer, das Schwergewicht seiner Armee in den Raum südlich der Festung zu verlegen und dort das III. Korps und das vorläufig noch bei Pruchnik haltende XI. zum entscheidenden Angriff in der Richtung Niżankowice—Husaków anzusetzen !). Schließlich wurde an diesem Tage aber der Entschluß gefaßt, lediglich das erstgenannte der beiden Korps durch die Festung hinter die Gruppe Tschurtschenthaler abrücken zu lassen, damit es in den nächsten Tagen gemeinsam mit dieser die Entscheidung in der Richtung Mościska suche. Das XI. Korps hatte an Stelle des III. an den San zu rücken, den es am 14. abends befehlsgemäß erreichte. Die 4. KD. blieb im zweiten Treffen. Die Flußbezwingung wurde auch weiter aufgeschoben, da sich die Lage nach keiner Richtung gebessert hatte. Kundschafter sollten inzwischen versuchen, im Rücken des Sanverteidigers Einblick zu gewinnen.

Mitteilung des GM. Anton Pitreich, damals Chef der Generalstabsabteilung des 3. Armeekmdos.

Der Gegenangriff der russischen 8.Armee Hiezu Skizzen 22, 24, 25 und 26

Unterdessen hatte auch der Führer der russischen 8. Armee den Ereignissen nicht untätig zugesehen, sondern mit Spannung den Augenblick herbeigesehnt, da er wieder zum Angriff übergehen konnte. Wichtig hiefür war selbstverständlich, daß der linke Flügel gegenüber Tersztyanszky und der sich schon fühlbar machenden Westgruppe Pflanzer-Baltins unter GM. Hofmann standhielt. Dazu warf er jenem die südlich von Sambor eingelangte 4. SchBrig. (S. 413), diesem erhebliche Teile der mit ihrem Gros um Stryj versammelten 71. RD. entgegen. Außerdem zog er die um Mościska als Heeresreserven bereitgestellten zwei Divisionen, zuerst die 34., dann die 31. mit Bahn über Lemberg in den Raum von Mikołajów. Diese Maßnahmen für den Flankenschutz konnten bis zum 16. so weit herangereift sein, daß der Angriff südlich von Przemyśl angesetzt zu werden vermochte1). Der mächtige Druck des Gegners hat aber, wie es scheint, die Truppe selbst zu vorzeitigem Losschlagen veranlaßt.

Als am 14. Oktober nachmittags GdK. Böhm-Ermolli von seiner Besprechung mit den Führern des linken Flügels in sein Hauptquartier Sanok zurückfuhr, rollte das russische Geschützfeuer mit steigender Gewalt über das Schlachtfeld von Chyrów. Schon in der Nacht vorher hatte sich ein Gegenstoß der Russen von den Höhen bei Czyszki gegen den linken Flügel der k.u.k. 34. ID. fühlbar gemacht. Ein stärkerer Angriff in der Strwiążniederung gegen den Gebirgsausgang von Chyrów schien jetzt in Vorbereitung zu sein. Besorgt stellte GdI. Fail-Griessler seine Reserven der 20. HID. zur Verfügung.

Um die Mittagsstunde setzte das russische XXIV. Korps südlich des Strwiąż zum Gegenangriff an. Bei Strzelbice fühlte sich die halbe 16. ID. stark bedroht und sandte eindringliche Hilferufe um Verstärkung. Am Nordflügel der Gruppe Schariczer kam die 103. LstlBrig. ins Gleiten. Unter dem Eindrücke dieser Vorgänge befahl GdI. Kövess das Queueregiment der 17. ID., die für den Angriff auf Czyszki bestimmt war und soeben nach dem Nordflügel des VII. Korps marschierte, wieder nach Chyrów zurück. Indessen war es jedoch dem raschen Eingreifen der Reserven Goigingers gelungen, die rückläufigen Bewegungen der 103. LstlBrig. zum Stillstand zu bringen. Bald darauf ging auch das russische VIII. Korps zwischen Strwiąż und Błożewka zum Angriff über und brachte am Abend

*) Korolkow, Übersicht, 87f und 93. I 2. Aufl.

das VII. Korps ins Wanken. Der in der Strwiążniederung zurückgedrängte rechte Flügel der 20. HID. konnte wohl durch den Einsatz der Reserven wieder vorgebracht werden, hingegen blieb der linke Flügel eingedrückt. Mit voller Wucht traf der russische Vorstoß die nördlich benachbarte 34. ID.; sie mußte nach hartem Kampf ihre Stellungen vor Koniów räumen und den rechten Flügel auf Błożew Grn. zurücknehmen. Um den Widerstand des VII. Korps zu versteifen, stellte GdI. Kövess die Masse der 17. ID. dem FML. Csanády und der 34. ID. zur Verfügung, während die 105. LstlBrig., die nun als letzte Staffel der 2. Armee in Chyrów eingelangt war, als Verstärkung für die Gruppe GM. Schariczer bestimmt wurde. Außerdem bat GdI. Fail-Griessler, der insbesonders die Lage bei der 20. HID. für gefährdet ansah, in der Nacht auf den 15. das in Niżankowice eingelangte III. Korpskmdo. um Unterstützung.

Am frühen Morgen des 15. Oktober griff das russische VIII. Korps zwischen Strwiąż und Blożewka von neuem an. Die 34. ID. konnte sich in ihren Stellungen bei und nördlich von Blożew Grn. behaupten. Die 20. HID. mußte hingegen dem Feinde abermals gegen ChyrówRaum geben. Bei der Führung hatte die Nachricht von diesem Mißgeschick ernste Besorgnisse hervorgerufen. GdI. Fail-Griessler forderte den GdI. Colerus auf, mit dem ganzen III. Korps in den Kampf bei Chyrów einzugreifen. Er hatte aus Niżankowice die tröstliche Antwort erhalten, daß die 12. IBrig. der 6. ID. bereits um 4hfrüh zur Hilfeleistung nach Nowe Miasto in Bewegung gesetzt worden sei. Es war aber die Frage, ob diese Verstärkung — sie konnte erst nachmittags auf dem Schlachtfelde eintreffen — noch zurechtkommen würde. In den kritischen Morgenstunden des 15. Oktober hatte FML. Csanády gemeldet, daß sich die 20. HID., die bereits viel von ihrer Gefechtskraft eingebüßt hatte, nicht mehr zu halten vermöge. Von dem Zurückweichen der Honvéds unterrichtet, befahl Böhm-Ermolli seinen Truppen, unter allen Umständen auszuhalten, da ein Rückzug in die Enge des Strwiążtales für die Armee sehr unangenehme Folgen haben konnte. Um die Lage wieder zu festigen, warf GdI. Kövess seine letzte Reserve, das IR. 51, ins Feuer. Er befahl dem in Chyrów zurückgehaltenen FKR. 35, schleunigst auf den Höhen von Berezów aufzufahren, um durch eine flankierende Feuerwirkung die Russen zu hindern, den Kampf in der Strwiążniederung weiter vorzutragen.

Inzwischen hatte die Spannung bei Chyrów wieder nachgelassen. Um Mittag stand die 34. ID. noch in der versumpften Błożewkaniederung fest. Sie hatte, durch Teile der 17. ID. unterstützt, im Laufe des Vormittags zwei Angriffe glücklich abgeschlagen. Auch die rückläufigen Be-

wegungen der 20. HID., die in den Stäben an der Kampffront schon zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß gegeben hatten, waren dank dem Eingreifen der Verstärkungen zum Stehen gekommen. Das FKR. 35 schleuderte jetzt von den Höhen bei Berezów seine Geschosse in die Reihen des Feindes und unterband dessen weiteres Vordringen auf Chyrów. Gegen 3h nachm. machte sich auch das Eingreifen der von Niżankowice herangeholten 12. IBrig. fühlbar. Sie schob sich in der Mitte des VII. Korps in die aufgelockerte Gefechtsfront ein und versteifte den Widerstand der 34. ID. Am Südflügel des Korps drang die verstärkte 20. HID. durch das Waldgebiet nördlich des Strwiąż sogar wieder ein Stück gegen Osten vor. Als es Abend wurde, hatten die von allen Seiten herbeieilenden Reserven die äußerste Gefahr abgewendet und die Schlacht zwischen Blożewka und Strwiąż zum Stehen gebracht. Trotzdem war aber die Lage nicht entfernt als gefestigt anzusehen, denn FML. Csanády erklärte auf das bestimmteste, mit seinen arg geschwächten Truppen dem zu erwartenden neuerlichen Ansturm der Russen nicht mehr standhalten zu können.

Während sich diese ernsten Vorgänge beim VII. Korps abspielten, hatten die beiden Gefechtsgruppen GM. Schariczer und FML. Fox des XII. Korps dort, wo sie nicht durch den Gegendruck der Russen festgehalten wurden, ihre Angriffe fortgesetzt, ohne indes weitere Erfolge erzielen zu können.

Am linken Flügel des IV. Korps war die 31. ID. am 15. morgens endlich zum Angriff auf Sozań angetreten. Sie hatte von GdK. Tersztyánszky den Befehl erhalten, „alles daranzusetzen, um die Entscheidung noch heute unbedingt herbeizuführen“. Als sie sich auf die Höhen östlich von Terszów emporrang, wurde sie plötzlich durch einen Gegenstoß von Teilen des russischen XXIV. Korps derart in der rechten Flanke getroffen, daß ihr Angriff alsbald zum Stehen kam. Die Höhen südwestlich von Zwór konnten hingegen von den Seitenhuten, die Erzherzog Joseph nach Osten abgezweigt hatte, gehalten werden. Am östlichen Flügel der Gruppe Tersztyánszky war die 38. HID. im Bystrzycatal über Podbuż vorgekommen und hatte die Feindkräfte, die sich ihr in den Weg stellten

— es waren anscheinend nur Kosakenabteilungen — bis Uroż zurückgetrieben. Kargs Umfassungsgruppe drang also durch und hatte bereits beträchtlichen Raum gewonnen.

Dennoch begannen die Verhältnisse in der rechten Flanke der 3 8. HID. recht unklar zu werden. Die 5. HKD. und die 102. LstlBrig. waren auf ihrem Vormarsch gegen Borysław am 14. Oktober kampflos bis in den Raum südlich von Zalokiec gekommen. Kundschafternachrichten besagten,

daß frische russische Kräfte bei Drohobycz und Borysław eingetroffen seien, und mahnten zur Vorsicht. Um sich vor Rückenangriffen zu schützen, schwächte FML. Karg seine Stoßgruppe und ließ die 8. KD., verstärkt durch ein Regiment der 38. HID., bei Zalokiec gegen Osten Aufstellung nehmen. Als die 5.HKD. am 15. Oktober vor Borysław erschien, fand sie den Ort und den Raum östlich davon von den Russen frei. Hingegen waren vor der Front der 102. LstlBrig. und der 8. KD., die an diesem Tage in dem Raum nordwestlich von Borysław vorgingen, plötzlich feindliche Kräfte aufgetaucht. Die 8. KD. zog sich mit dem Erscheinen der Russen wieder gegen Zalokiec zurück. Die 102. LstlBrig. erlag einer Panik, stob auseinander und mußte erst wieder gesammelt werden. GdK. Tersztyánszky deutete diese Vorgänge als ernste Anzeichen einer russischen Gegenumfassung und befahl dem FML. Karg, die über Borysław vorgerückte feindliche Kolonne bei Zalokiec festzuhalten.

Während bei der 2. Armee am 15. Oktober das VII. Korps von einer Krise geschüttelt wurde und das XII. Korps in fruchtlosen Stirnangriffen vor Stara Sól und Stary Sambor verstrickt lag, war das IV. Korps in Gebirgskämpfe zersplittert gewesen, die eine Umfassung des linken Flügels der Russen nicht ausreifen ließen. Dennoch war kein Grund vorhanden, an einem Erfolg zu zweifeln. Einem aufgefangenen russischen Funkspruch war zu entnehmen, daß Gen. Brussilow den Kommandanten von Stryj eindringlichst mahnte, die gegen Drohobycz entsandten Kräfte schleunigst wieder auf Strvj zurückzunehmen, da die erschöpfte 2. Kub.KosD. die Talausgänge des Stryj und der Swica nicht mehr zu sperren vermöge. Die Gefahr einer feindlichen Gegenumfassung von Osten her war umsoweniger besonders hoch einzuschätzen, als die das IV. Korps in der Flanke bedrohenden feindlichen Kräfte — es waren anscheinend Reiterabteilungen und Teile der 71. RD. — von Skole her schon die Gruppe GM. Hofmann spüren mußten. GdK. Böhm-Ermolli unterließ es denn auch nicht, diese Gruppe zu möglichst raschem Vordringen auf Stryj aufzufordern.

Auch am Nordflügel der 2. Armee schien jetzt ein Umschwung zu winken. Am 15. Oktober abends traf im Hauptquartier Böhm-Ermollis die freudige Mitteilung ein, daß das ganze III. Korps am nächsten Morgen über Nowe Miasto in den Kampf des VII. eingreifen werde.

Als GdI. Colerus seinem Armeeführer die Verschiebung der 12. IBrig. an den Nordflügel der 2. Armee gemeldet hatte, untersagte ihm Boroević zunächst jede Entsendung weiterer Truppen, da hiedurch seine eigenen Angriffsabsichten durchkreuzt wurden. Man sah beim 3. Armeekmdo. die Lage am Nordflügel Böhm-Ermollis nicht für bedrohlich genug an, daß ein solcher Verzicht auf die eigenen Pläne gerechtfertigt gewesen wäre. Nun hatten aber in denselben Stunden die Alarmmeldungen der 20. HID. den GdI. Kövess veranlaßt, das Armeekmdo. zu bitten, es möge doch bei der Heeresleitung den Einsatz des ganzen III. Korps erwirken. Diese stimmte zu und wies Boroević an, bei einem weiteren Zurückweichen der Honvéds ,,den für den 16. Oktober beabsichtigten Angriff des III. Korps und der 44. SchD. derart zu führen, daß die 2. Armee entlastet“ würde. Als beim 3. Armeekmdo.inPrzemyśl nachmittags neuerlich sehr ungünstige Nachrichten über die Lage südlich der Blożewka einlangten, mußte nun auch Boroević den Widerstand gegen das Ausspielen des III. Korps aufgeben und erteilte gegen Abend an dieses die Weisung, zum Angriff über Nowe Miasto in südöstlicher Richtung vorzugehen, um flankierend in den Kampf der 2. Armee einzugreifen.

GdK. Böhm-Ermolli nahm die Nachricht vom Eingreifen des III. Korps zum Anlaß, sein VII. Korps zur Wiederaufnahme des Angriffes und den Südflügel der Armee zur Fortführung der Offensive anzufeuern. Es war zu hoffen, daß sich die ausgezeichneten Regimenter des Grazer Korps stark genug erweisen würden, den in den letzten Tagen auf der 2. Armee lastenden Druck zu brechen.

Nun war aber am 16. Oktober früh auch für den feindlichen Heerführer Brussilow der Augenblick gekommen, seine Truppen zu einem allgemeinen Angriff vorzureißen. Schon bei Tagesgrauen, bevor noch das III. Korps am Nordflügel der 2. Armee angriff, begann sich der Druck der Russen zu verstärken. Zwischen Strwiąż und Starv Sambor scheiterten zwar alle feindlichen Angriffsversuche; doch konnten sich die Gruppen Fox und Schariczer nicht vom Feinde befreien und die Freiheit des Handelns an sich reißen. Die 20. HID. vermochte sich, allen Befürchtungen entgegen, mit Hilfe ihrer Verstärkungen zu behaupten. Die 34. ID. wurde jedoch zum Weichen gezwungen, ihr linker Flügel aufgerollt. Abermals drohte die Front des VII. Korps auseinanderzubrechen. Da machte sich im entscheidenden Augenblick der sehnlichst erwartete Angriff des III. Korps fühlbar.

Die 11. IBrig. der 6. ID., FML. v. Gelb, und die 22. SchD., GM. v. Schmidt-Fussina, waren etwa um 8h morgens in Nowe Miasto eingetroffen. Die Absicht des GdI. Boroević, über Wolcza Dl. und Błożew Grn. in die Flanke der zwischen Blożewka und Strwiąż befindlichen Feindkräfte vorzustoßen, ließ sich infolge des russischen Vordringens von den Höhen bei Czyszki herab nicht durchführen. GdI. Colerus setzte die 11. IBrig. links neben der 12. IBrig. bei Wolcza Dl. ein. Die 22. SchD. unterstellte er dem FML. v. Henriquez *) und warf sie gegen die Hänge von Czyszki vor. Die 28. ID., FML. Králiček, die sich noch im Anmarsche befand, wurde angewiesen, hinter den linken Flügel der 20. HID. zu rücken, um im Verein mit dieser gegen die Wegrzeliskahöhe vorzugehen.

Der Angriff der 6. ID. und der 22. SchD. riß die ganze Front zwischen Strwiąż und Blożewka vor. Die 20.HID. erkämpfte sich gegen Felsztyn und dieWegrzeliskahöhe Raum. Hinter ihrem linken Flügel stellte sich am Abend die 28. ID. zum Sturme auf diese Höhe bereit. Nördlich davon rang sich die 6. ID. über Wołcza Dl. und Błożew Grn. vor, konnte jedoch nicht auf Koniów durchdringen. Auch die 34. ID. gewann, durch den Angriff der

22. SchD. entlastet, ihre früheren Stellungen zurück. Beide Divisionen wurden aber durch das russische Flankenfeuer von den Höhen bei Czyszki und von der Magiera am weiteren Vorgehen behindert. So verging der Tag in erbittertem Ringen, ohne daß eine Entscheidung gefallen war. Durch das opfervolle Beispringen des III. Korps wurden die Russen wohl in die Verteidigung zurückgeworfen und der drohende Durchbruch auf Dobromil und Chyrów verhindert; aber unerschüttert hielten noch immer die feindlichen Stellungen zwischen Blożewka und Strwiąż allen Anstürmen stand. Boroević und Böhm-Ermolli befahlen für den 17. Oktober die Fortsetzung des Angriffes. Das AOK. grenzte die Befehlsbereiche neu ab, indem es dem GdI. Boroević alle nördlich des Strwiąż befindlichen Kräfte

— also auch das VII. Korps — unterstellte, indes GdK. Böhm-Ermolli die Führung der weiter südlich fechtenden Divisionen behielt.

Das VII. und das III. Korps kamen am 17. Oktober früh nach geringem Raumgewinn abermals alsbald zum Stehen. Von den Russen auf der Magiera und Czyszki im Norden und auf der Wegrzeliska im Süden festgehalten,erschöpften sich die zusammengedrängten und durcheinandergeworfenen Verbände der beiden Korps in fruchtlosen Stirnangriffen. Die Artillerie konnte infolge ihrer Munitionsknappheit der Infanterie in diesen schweren Kämpfen nur wenig helfen. Nachmittags, als die vom Angriff geschwächten Truppen Atem schöpften, machten sich beiderseits des Strwiąż und gegen die 22. SchD., die sich aus der Blożewkaniederung bis an die Südhänge der Czyszki- und Magierahöhe vorgearbeitet hatte, russische Gegenangriffe fühlbar. Als die Nacht kam, waren das III. und das

VII. Korps vollends in die Verteidigung zurückgedrängt.

Während zwischen Błożewka und Strwiąż Angriff und Gegenangriff aufeinanderprallten, beschränkte sich der Kampf beim XII. Korps mehr auf ein stehendes Feuergefecht, das von beiden Seiten mit der größten Heftigkeit geführt wurde. GdI. Kövess hatte für den 16. Oktober im Sinne des Armeebefehles vom 15. abends zwar die „energische Fortführung“ des Angriffes angeordnet. Das XII. Korps konnte aber auch an diesem Tage gegen die starken Stellungen des Feindes keine wesentlichen Erfolge erzielen. GdK. Böhm-Ermolli forderte am 16. abends das XII. Korps wohl noch einmal auf, den Angriff fortzusetzen; angesichts des starken Gegendruckes der Russen, die aus ihren Gräben hervorzubrechen versuchten, sah sich GdI. Kövess jedoch genötigt, den unterstellten Gefechtsgruppen am 17. nur das Festhalten der bisher erkämpften Linien nahezulegen. Er wollte den Erfolg des III. Korps und dasWirksamwerden der vomIV. Korps angestrebten Umfassung des russischen Südflügels noch abwarten.

Am rechten Flügel der 2. Armee verflochten sich Angriff, Umfassung und Gegenangriff. Entsprechend den Weisungen des 2. Armeekmdos. suchte Tersztyánszky auf Sambor und Stary Sambor durchzustoßen. Er hatte dem Erzherzog Joseph am 15. abends den Befehl erteilt, den Angriff mit der 31. ID. nachdrücklichst wieder aufzunehmen. In der Nacht auf den 16. setzten jedoch Teile der russischen 4. SchBrig. zum Gegenstoß gegen die rechte Flanke der 31. ID. an. Am Vormittag stürmten die Russen zum zweitenmal vor und hielten die 31. ID. und die Gruppe Peteani auf den Höhen von Terszów und vor den Südzugängen von Stary Sambor fest73).

Am äußersten rechten Flügel Tersztyánszkys war die 38. HID. bei Uroż auf eine neue Sperrstellung gestoßen, die sie nicht zu überwinden vermochte. Zum Schutze ihrer rechten Flanke rückten die 8. KD., die

5.HKD. und die schwachen Reste der 102. LstlBrig. am 16. abermals in den Raum von Borysław vor. Die russischen Kräfte, die sich tags vorher dort gezeigt hatten, waren indessen verschwunden und anscheinend gegen die Flanke der 38. HID. abgebogen. Die Gruppe Tersztyánszky blieb also von unsicheren Verhältnissen umgeben. Sie war imGebirgsgelände zwischen Stary Sambor und Borysław in vereinzelte Gruppen aufgelöst. Zwischen der 31. ID. und der Gruppe Karg bestand eine breite Lücke. Der Feind hatte anscheinend diese Blöße erspäht. Während die 38.HID. bei Uroż um den Austritt in die Dniesterebene rang, brach am 16. nachmittags die russische 4. SchBrig. gegen die spärlich behütete Mitte des IV. Korps vor. FML. Karg bog den linken Flügel der 38. HID. auf die Höhen nördlich

1) FM. Erzherzog Joseph, Der Weltkrieg, wie ich ihn sah (in ungarischer Sprache, Budapest 1926), I, 148 ££.

von Stronna zurück. Zur gleichen Zeit verstärkte sich auch der Druck gegen die rechte Flanke der 31. ID. Um diese Division vor Umfassung zu schützen, befahl GdK. Tersztyanszky — in Unkenntnis der kritischen Lage bei der 3S.HÍD.— dem FML. Karg, ,,bei Behauptung des gewonnenen Bodens alle entbehrlichen Kräfte gegen Zwór zu entsenden“. Damit war für die entscheidungsuchende Umfassungsbewegung der Gruppe Tersztyanszky das Ende gekommen. Durch die fortgesetzten Gegenstöße der russischen 4. SchBrig. und den hartnäckigen Widerstand der 12. KD. und

2. Komb.KosD., die Brussilow zwischen der Bystrzyca und Borysław zum Schutze seiner Flanke gestellt hatte, wurde Tersztyánszkys ursprünglicher Umfassungsflügel in die Verteidigung zurückgeworfen.

Am 17. Oktober setzten die russischen Kräfte ihre Angriffe fort. Die 38. HID. und die 31. ID. behaupteten sich auf den Höhen bei Uroż, dann nördlich von Stronna und südlich von Stary Sambor. Am äußersten rechten Flügel waren die 5.HKD. und die 8. KD. zum Flankenschutz der 38. HID. von Borvslaw gegen Norden abgeschwenkt.

Vordringen der Gruppe GM. Hofmann auf Stryj

Während so der Umfassungsflügel Böhm-Ermollis zwischen Stary Sambor und Borysław in die Verteidigung gedrängt wurde, näherte sich die am linken Flügel der Armeegruppe Pflanzer-Baltin neu gebildete Gruppe GM. Hofmann der Stadt Stryj.

GM. Hofmann hatte am 10. Oktober aus den westlich des Talabor-tales befindlichen Truppen—insgesamt etwa 26 Marsch-und Landsturmbataillone, 3 Schwadronen und 4 Batterien — die 55. ID. (Obst. Fleischmann [129. und 130. IBrig] und die 131. IBrig., Obst. Berger) aufgestellt. Am 12. Oktober nahm Obst. Fleischmann von Sławsko und Tucholka den Vormarsch auf, warf die sich ihm entgegenstellende 2. Kub.KosD. am 14. über Skole und tags darauf nochmals bei Synowódsko zurück. Von Böhm-Ermolli zu möglichst raschem Vorgehen aufgefordert, stieß die 55. ID. am 16. bei Lubieńce auf die 71. RD., die zur Entlastung der Kubankosaken herbeigeeilt war. Von der 129. IBrig. in der westlichen Flanke umgangen, wich der Feind auf Stryj. Obst. Fleischmann ließ jedoch nicht lockerund nötigte die Russen auch zur Preisgabe dieser Stadt, in die er am 20. Oktober einzog. Hier schloß sich am gleichen Tage die Brigade Berger an, die unter fortwährenden Gefechten mit Teilen der 1. Kub.KosD. über den Wyszkówer Sattel und Bolechów vorgedrungen war.

Vergeblicher Vorstoß über den San Hiezu Skizze 23

Inzwischen hatte bei der 4. Armee das Blut Tausender wackerer Kämpfer die hochgehenden Fluten des Sanflusses gerötet.

Von der Auffassung ausgehend, daß der Russe am rechten Ufer nur Nachhutenstellungen halte und daher am besten durch ungesäumtes Zugreifen zu vertreiben sein werde, wollte Erzherzog Joseph Ferdinand den Übergang der drei im ersten Treffen stehenden Korps — XVII., II. und XIV.—zwischen Jaroslau und Leżajsk gleichzeitig erzwingen. Jedenfalls hoffte er mit dem bei Jaroslau eingesetzten XVII. durchzudringen, dem er alle verfügbaren schweren Batterien zuwies und für das er auch Unterstützung durch die benachbarte 3. Armee erhoffte.

Als der trübe, nebelverhangene Herbstmorgen des 14. Oktober graute, eröffnete Erzherzog Joseph Ferdinand mit einer heftigen Kanonade, die alsbald von den russischen Batterien trotzig erwidert wurde, den Kampf um die verschiedenen Sanübergänge. Kurz darauf lief auch heftiges Kleingewehrfeuer von Ufer zu Ufer.

Unmittelbar bei Jaroslau setzte das XVII.Korps — 19.ID. und 41.HID.

— zum Übergang an. Es vermochte nicht durchzudringen, da seine Artillerie infolge der schlechten Sichtverhältnisse die starken russischen Stellungen am Ostufer nicht sturmreif schießen konnte.

Auch dem II. Korps glückte der Übergang nicht. Von der 13. SchD. sollten die ersten Staffeln behelfsmäßig auf Flößen, die von den Schützenregimentern erst mühsam hergestellt werden mußten, bei Nielepkowice überschifft werden, um den Bau einer Brücke für den Übergang der nachfolgenden Truppen zu sichern. Unter dem Schutze ihrer Artillerie schob sich die Wiener Schützendivision im Morgengrauen bis ans Flußufer heran. Sie erlitt durch das feindliche Feuer so starke Verluste, daß die Hauptkraft nach vielstündigem vergeblichem Kampf mit dem Einbrüche der Nacht aus dem deckungslosen Ufergelände wieder zurückgenommen werden mußte.

Nicht besser erging es der 4. ID. Sie sollte vier Kriegsbrückenequipagen erhalten und oberhalb Sieniawa, durch Scheinangriffe der 25. ID. unterstützt, den Fluß überschreiten. Nun mußte aber die Division StögerSteiner zwei Kriegsbrückenequipagen an das VI. Korps und eine an die

25. ID. abgeben, so daß ihr nur dreizehn Pontons verblieben. Infolge der schlechten Sichtverhältnisse und des Mangels an schweren Haubitzen gelang es auch nicht, die Besatzung der starken russischen Uferstellung zu erschüttern. Unter diesen Verhältnissen führte die 4. ID. die Überschiffung am 14. nicht durch.

Glücklicher ließ sich der Kampf beim XIV. Korps an. Dort trachtete die 8. ID. unter GM. v. Fabini, bei Rzuchów das Ostufer zu gewinnen. Als die erste Staffel der Division im Morgengrauen die Überschiffung begann, legte der Feind ein überwältigendes Artilleriefeuer auf die Übergangsstelle. Gleichzeitig fegten die Geschoßgarben der Maschinengewehre über das reißende Wasser. Zahlreiche Pontons versanken, von den russischen Geschossen getroffen, mitsamt ihrer Besatzung in den schmutziggelben Fluten des San oder wurden von der Strömung abgetrieben. Dennoch gelang es vier tapferen Bataillonen — FJB. 13,1./TKJ.4,1./TKJ.3, zwei Kompagnien IR. 59 und zwei Kompagnien IR. 28 —, auf das andere Ufer zu dringen. Hier wurden sie alsbald von dem Kreuzfeuer der Russen überschüttet. Mit heroischer Zähigkeit behaupteten sich diese schwachen Kräfte am Ostufer. Weitere Truppen sollten folgen. Man hoffte, bis zur Nacht die ganze 8. ID. auf das jenseitige Ufer zu bringen. Das starke feindliche Feuer machte aber jede weitere Überschiffung unmöglich. Das XIV. Korpskmdo. entschloß sich nunmehr im Einvernehmen mit dem Armeekmdo., die bei Leżajsk bereitgestellte 15. ID. des VI. Korps nach Dembno zu verschieben und sie dort im Verein mit der 25. ID. den Übergang versuchen zu lassen.

Am 15. Oktober nahm der blutige Kampf um den Besitz der San-übergänge seinen Fortgang. Von Tagesanbruch an schleuderte die ganze Artillerie der 4. Armee Lage um Lage gegen die russischen Uferstellungen, um den drei Korps den Weg über den San zu bahnen. Die 13. SchD. hatte sich wieder an den Fluß herangeschoben und trachtete vergeblich, die am jenseitigen Ufer eingenisteten Russen im Feuerkampfe zu vertreiben. Am Vormittag brachte die 4. ID. ihre wenigen Brückenkähne ins Wasser. Der heftige feindliche Geschoßregen vereitelte alle Übergangsversuche. Ebenso wirksam lag das Feuer der russischen Batterien auf der Übergangsstelle bei Dembno und hielt die 25. ID. und die von Leżajsk herangeholte 15. ID. am Westufer erbarmungslos fest.

In gleicher Weise scheiterten alle weiteren Versuche des XIV. Korps, den bei Rzuchów überschifften schwachen Kräften Verstärkungen zu bringen. Am Abend des 15. Oktober behaupteten sich diese tapferen Bataillone noch immer am Ostufer, doch war ihre Lage verzweifelt. Vom Kreuzfeuer überschüttet, lagen die völlig erschöpften Leute, von den Fluten des San und einem mit Hochwasser angefüllten Seitenarm umschlossen, hungernd und frierend bis an den Hüften im schwappenden Sumpfboden.

Schon hatte das schwere Ringen der Bozener Division einen Verlust von etwa 2000 Mann gebracht und doch war es nicht möglich, weitere Kräfte auf das andere Ufer zu werfen1). Angesichts dieser trostlosen Verhältnisse stellte FML.Roth am Abend seinem Armeekommandanten die Frage: „ob es die allgemeine Lage erfordert, daß der Sanübergang bei Rzuchów unbedingt fortgesetzt werden müßte“. Auf einen Angriff „um jeden Preis“ durfte man es nicht ankommen lassen, da ein so gewaltsames Verfahren die schlimmsten Folgen haben konnte. Unter diesen Umständen legte das 4. Armeekmdo. dem FML. Roth nahe, seine Truppen „keinen übermäßigen Verlusten auszusetzen“. Auch stellte das Armeekmdo. jetzt demXIV. Korps die Entscheidung selbst anheim, ob die bei Rzuchów überschifften Abteilungen wieder auf das Westufer zurückgenommen werden sollten.

Noch hatte aber Erzherzog Joseph Ferdinand die Hoffnung nicht aufgegeben, mit dem XVII. Korps bei Jaroslau durchzudringen. Gelang jedoch auch dort der Übergang nicht, dann sollte zunächst der Erfolg am Nordflügel der 3. Armee abgewartet werden. Da glückte es dem XVII.Korps wirklich, am 15. abends drei Bataillone der 19.ID., FML.Lukas, bei Jaroslau auf das andere Ufer zu setzen. In der Nacht konnten noch weitere fünfeinhalb Bataillone überschifft werden. Gelang es nun unter dem Schutze dieser Vorhutbataillone Brücken über den San zu schlagen und rasch eine große Truppenmasse hinüberzuwerfen, dann konnten vielleicht die russischen Linien bei Jaroslau durchbrochen werden.

Die Sonne, die am 16. Oktober nach vier Regenwochen wieder ihre Strahlen auf die Nebel aushauchende Sanlandschaft herniedersandte, brachte aber der Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand keineswegs Glück. Wohl vermochte man im Laufe des Tages eine Kriegsbrücke und eine Behelfsbrücke bei Jaroslau über den San zu schlagen und die Vorhut des XVII.Korps auf zwölf Bataillone —Teile der 19.ID.und der 41.HID.— zu verstärken. Diese Streitkraft genügte aber nicht, um die starken russischen Uferstellungen zu durchstoßen. In solcher Lage wurde das Eingreifen des benachbarten IX. Korps mit begreiflicher Sehnsucht erwartet.

Das 4. Armeekmdo. hatte schon am 14. abends Boroević aufgefordert, den Angriff des XVII. Korps zu unterstützen. Das IX. Korps, das bisher nur schwache Sicherungen an den Fluß herangeschoben hatte, war aber an diesem Tage infolge der Verschiebung des III. Korps in den Raum südlich von Przemyśl mit der 26. SchD. bei Radymno und mit der 10. ID. oberhalb von Jaroslau noch in Stellungswechsel begriffen. Auch stellte

x) Vgl. u. a. S c h e m f i 1, Das k.u.k. 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger im Weltkrieg 1914—1918 (Bregenz 1926), 64 ff.

FZM. Friedei angesichts der ungünstigen Übergangsverhältnisse in diesem Abschnitt den Antrag, das IX. Korps bei Jaroslau hinter dem XVII. auf das Ostufer zu werfen. Boroević, am 15. abends vom AOK. zur „aktivsten Mitwirkung“ an dem Kampf des XVII. Korps aufgefordert, lehnte diesen Vorschlag ab und befahl dem IX. Korps, den Sanübergang in seinem eigenen Abschnitt ehestens durchzuführen. FZM. Friedei nahm hierauf den Übergang am 16. abends bei Radymno in Aussicht. Da jedoch die 4. Armee ihren Erfolg bei Jaroslau bis dahin nicht zu erweitern vermochte und auch das Brückengerät nicht rechtzeitig herangebracht werden konnte, verschob schließlich das IX. Korpskmdo. den Übergang auf den nächsten Morgen.

Während sich diese Vorgänge beim XVII. und IX. Korps abspielten, hatte die Südgruppe der 13. SchD. — das SchR. 1 —, durch den Anfangserfolg bei Jaroslau ermutigt, ihre Flöße im Morgengrauen des 16. Oktober wieder ins Wasser gesetzt. Die Russen erspähten aber rechtzeitig diesen Übergangsversuch und brachten trotz allem Opfermute des Wiener Schützenregiments durch ihr heftiges Geschütz-und Maschinengewehrfeuer das Unternehmen zum Scheitern. Aus Mangel an Kriegsbrückengerät unterließ die 13. SchD. weitere Übergangsversuche.

Auch bei den anderen Divisionen des II. und beim XIV. Korps brannte die Schlacht am 16. Oktober nur mehr als heftiger Artilleriezweikampf fort. Aus dem Verlauf der bisherigen Kämpfe mußte das 4. Armeekmdo. alsbald die Überzeugung gewinnen, daß ein frontaler Angriff gegen die starken russischen Uferstellungen, mit dem San als Hindernis davor, wenig aussichtsreich war. Es wies daher um die Mittagsstunde das II. und das XIV. Korps an, vereinzelte verlustreiche Vorstöße zu vermeiden. Am Nachmittag gab das AOK. dem Erzherzog Joseph Ferdinand bekannt, daß infolge heftiger russischer Gegenangriffe bei Chyrów das III. Korps der 3. Armee zur unmittelbaren Unterstützung der schwer bedrängten

2. Armee eingesetzt werden mußte. Auf eine Entlastung durch den geplanten Flankenstoß des rechten Flügels der 3. Armee war jetzt nicht mehr sobald zu rechnen. Trotz dieser wenig günstigen Lage wollte das 4. Armeekmdo. den schweren Kampf um den Besitz der Sanlinie fortsetzen. Es war naheliegend, den Raum um Jaroslau, wo sich Teile des XVII. Korps bereits am Ostufer festgesetzt hatten, zum Ausgangspunkt für die weiteren Operationen zu nehmen. Um den Angriff an diesem entscheidenden Punkte möglichst kraftvoll zu gestalten, unterstellte das 4. Armeekmdo. noch am

16. abends die 27. ID. des VI. Korps und die 13. SchD. dem GdI. Křitek. Weiter ordnete das 4. Armeekmdo. an, daß das durch diese Truppen verstärkte XVII. Korps sich zunächst des alten Brückenkopfes von Jaroslau zu bemächtigen habe, worauf das II. Korps, dann das XIV. und schließlich das VI. den San zu überschreiten hätten.

In der Nacht auf den 17. Oktober, als die Sanschlacht beim II. und beim XIV. Korps abgeflaut war und die letzten Reste der Vorhutbataillone der

8. ID. von Rzuchów unter der Mitnahme aller Verwundeten von tapferen Pionieren wieder auf das Westufer zurückgebracht wurden, flammten die Kämpfe bei Jaroslau im Abschnitt des XVII. Korps umso heftiger auf. Die auf das Ostufer herübergeworfenen Teilkräfte der 19. ID. und der 41. HID. wurden von den Russen heftig angegriffen, konnten sich aber in dem eroberten Brückenkopf behaupten.

In den ersten Morgenstunden des 17. Oktober sah nun endlich auch die 3. Armee den Augenblick für gekommen, die halbe 26. SchD. des IX. Korps bei Radymno zum Übergang anzusetzen. Die Überschiffung mißlang infolge ungenügender Artillerievorbereitung trotz aller Aufopferung des deutschböhmischen SchR. 9; dieses erlitt schwere Verluste. Der Armeeführer erblickte in diesem Mißerfolg einen neuen Beweis dafür, daß es zweckmäßiger sei, den Erfolg nicht am San, sondern südlich von Przemyśl zu suchen. Da das III. Korps in das Ringen der 2. Armee verstrickt war und für einen solchen Entscheidungskampf in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung stand, griff Boroević auf den seit einigen Tagen erwogenen Gedanken, auch das XI. Korps in den Raum südlich der Festung zu führen, damit es dort gemeinsam mit der Gruppe Tschurtschenthaler in der Richtung gegen Mościska den Angriff vorwärtstrage. Das IX. Korps sollte die Übergangsversuche aufgeben und dafür die Flußsicherung auch im Raume des XI. übernehmen. Die Heeresleitung stimmte zu und befahl gleichzeitig der 4. Armee, sich am rechten Flügel bis halbenwegs Jaroslau— Radymno zu strecken.

Erzherzog Joseph Ferdinand hielt dennoch an seiner Absicht fest, den russischen Widerstand zu brechen. Da es bei Jaroslau endlich geglückt war, das Ostufer zu gewinnen, sollte der weitere Angriff von dort ausgehen, wobei das allmähliche Sinken des Hochwassers zustatten kommen mußte. In solch günstigerer Lage sollten am 18. Oktober morgens die 41. HID. unmittelbar unterhalb von Jaroslau und die 13. SchD. bei Nielepkowice den Fluß überschreiten. Um GdI. Křitek zu befähigen, alle seine Streitkräfte möglichst rasch auf das Ostufer zu bringen, stellte das Armeekmdo.dem XVII.Korps neues,dem Verbände des II.und XIV. Korps entnommenes Brückengerät zur Verfügung. Auch die übrigen Korps trafen •jetzt nach den ersten fruchtlosen Übergangsversuchen unverdrossen alle

Vorbereitungen, um den Kampf wieder aufzunehmen, sobald man am rechten Armeeflügel bei Jaroslau verläßlich am Ostufer Fuß gefaßt hatte.

Doch es kam nicht mehr so weit. In der Nacht zum 18. Oktober trafen neue Weisungen des AOK. ein, die der 4. Armee nur mehr die defensive Aufgabe stellten, „das Westufer des San abwärts von Przemyśl bis zur Mündung zu verteidigen“.

Entschluß zur Entsendung der 1. Armee über die

Weichsel Hiezu Beilage 17

Die 1. Armee hatte auf den Befehl der Heeresleitung, der bereits in den Raum südöstlich von Zwolen abgesandten 5. ID. drei weitere Divisionen folgen zu lassen (S. 411), den Kommandanten des I. Korps, GdK. Kirchbach, angewiesen, mit der 12., der 33. und der 46. Division sowie mit der Polnischen Legion über Ożarów abzurücken. An Stelle der 46. SchD. hatte die 106. LstlD. die Weichselsicherung zu übernehmen, anstatt der 33. ID. die aus der Kontumaz zurückberufene 43. SchD. in den Verband des V. Korps zu treten. Am 14. Oktober erreichten die Spitzen Kirchbachs die Kamienna, das Kavalleriekorps Korda (3. und 7. KD.) in starken Märschen den Raum um Radom.

GdI. Conrad sah die drei Divisionen Kirchbachs, die sich dem deutschen AOK. 9 x) unterstellen sollten, nur schweren Herzens ziehen. Sein Mißtrauen gegen die Eigenwilligkeit des Verbündeten saß seit den Enttäuschungen der ersten Kriegswochen bitter fest. „Die Deutschen haben uns,“ sagte er in diesen Tagen zu seinem Flügeladjutanten, Obstlt. Kundmann, „ordentlich aufsitzen lassen; erstens im großen in Frankreich, zweitens dadurch, daß sie zweimal nicht nach Siedlce gegangen sind“2). Das durch die Verhältnisse allerdings bedingte weite Ausgreifen Hindenburgs gegen Warschau war in den Augen des öst.-ung. Generalstabschefs auch eine Art von „Extratour“, die aus dem Rahmen der gemeinsamen Kriegsführung mehr oder minder herausfiel. Am Abend des 14. ließ er demgemäß Hindenburg wissen, daß eine Entsendung weiterer Kräfte als der schon zugewiesenen vier Infanterie- und zwei Kavalleriedivisionen auf das linke Weichselufer nicht mehr in Frage kommen könne; der Generaloberst möge bei seiner Heeresleitung das Heranziehen von Reserveverbänden anregen oder die 8. Armee zu näherer Mitwirkung befehlen, sei

*) In Deutschland hießen die Befehlsstellen der Armeen: Armeeoberkommandos.

2) Conrad, V, 139.    ' es durch Überführung von Teilen zur 9. Armee, sei es durch einen Vorstoß über den Narew.

In denselben Stunden kamen aber neuerlich ungünstige Nachrichten vom Schlachtfeld bei Iwangorod, auf dem es den Deutschen tatsächlich nicht mehr geglückt war, die Russen völlig auf das Ostufer zurückzuwerfen, wobei jedoch Hptm. Fleischmann, offenbar um Conrads Interesse für diesen Kampfraum zu erhöhen, die Lage noch schwärzer schilderte als sie war74). Die Meldungen Fleischmanns verfehlten denn auch ihre Wirkung nicht. Schon am nächsten Morgen, am 15., beschäftigte sich GdI. Conrad eingehender mit dem Gedanken, doch die ganze 1. Armee auf das linke Weichselufer hinüberzuziehen. Bis zum Abend war der Entschluß hiezu ausgereift. Allerdings stellte der Chef des Generalstabes dabei Bedingungen. Die Truppen der 1. Armee durften, abgesehen vom Kavalleriekorps FML. Korda, nicht nördlich der Radomka eingesetzt werden, und sie sollten auch nur als geschlossene, unabänderlich an die k.u.k. Heeresleitung gewiesene Armee verwendet werden, und zwar so, daß sie den über Iwangorod vorbrechenden russischen Kräften von Süden her in geschlossenem Ansturm in die Flanke fielen. Die betreffende Verständigung ging am 15. abends an den Hptm. Fleischmann ab.

Ein Zufall wollte es, daß tags darauf der gleiche Gedanke eines Flankenstoßes von Süden her durch den Führer des bei Iwangorod kämpfenden Gardereservekorps, GdA. Gailwitz, aufgeworfen wurde75). Ludendorff jedoch hielt den Versuch, den Russen freiwillig den Weg über die Weichsel zu öffnen, für gefährlich. Auch im besten Falle mochte ein solches Manöver höchstens zu einem taktischen Erfolge führen. Eine strategische Entscheidung aber verhieß nach Ludendorffs Ansicht nur ein mit allen verfügbaren deutschen und öst.-ung. Truppen unternommener Angriff über Warschau76). Da jedoch die k.u. k. Heeresleitung für einen solchen Plan offenbar nicht mehr zu gewinnen war, beschied sich das deutsche AOK. 9 grollend dahin, bis zur Versammlung der k.u.k. 1. Armee an der Iłżanka auch die vor Warschau und Iwangorod kämpfenden deutschen Streitkräfte, wenn es nicht schon früher der Feind erzwang, in die Linie Łowicz—Rawa—Radom zurückzunehmen.

Dieser Entschluß war aber wieder nicht im Sinne Conrads, da eine solche Bewegung den Feind nach Süden nachzog, statt daß sie ihn zur Preisgabe seiner linken Flanke verleitete. Er ließ antworten, daß sich seiner Auffassung nach die deutsche Armeegruppe vor Warschau unbedingt zu halten und jene gegenüber Iwangorod sich gegen Westen zurückzuziehen hätte, um so dem Stoß der k.u.k. 1. Armee die günstigsten Erfolgsmöglichkeiten zu sichern. Hindenburg kam diesem Wunsche Conrads insofern entgegen, als die an GdK. Mackensen am 16. erlassene „geheime Orientierung1’ festsetzte, daß die „rückgängige Bewegung so spät als möglich“ anzutreten sei. Der deutsche Befehlshaber vor Warschau hatte, obgleich seinen zweieinhalb Armeekorps gegenüber allmählich fünf bis sechs russische auftauchten, schon selbst nicht die Absicht, den blutig erkämpften Boden freiwillig aufzugeben. Noch am 18. wiesen seine Flügel russische Angriffe ab, wobei rechts, nördlich von Góra Kalwarja, bereits eine Brigade der k.u.k. 3. KD., links, bei Sochaczew, nach einem Anmarsch von 180 km die k.u.k. 7. KD. mit Erfolg eingriffen.

Dennoch war es klar, daß sich gegenüber der drohenden Überflügelung die Deutschen vor Warschau auf die Dauer nicht halten konnten. Insgesamt berechneten die Verbündeten in diesen Tagen, daß der Feind auf dem polnisch-galizischen Kriegsschauplätze schon über eine Übermacht von dreißig Infanteriedivisionen verfügte. Dieser Überlegenheit schien er verschiedenen Nachrichten zufolge, die sich auf die Verlegung der feindlichen 5. Armee von Lublin gegen Garwolin bezogen, in erster Linie bei Warschau Geltung verschaffen zu wollen.

Bei der k.u.k. 1. Armee war unterdessen auch das V. Korps aus der Sansicherung herausgenommen und nach Norden in Marsch gesetzt worden. Am 17. Oktober früh entschloß sich im Hinblick auf die Bedrängnis der deutschen 9. Armee und die geringen Erfolge der unter großen Opfern durch die k.u.k. 4. Armee vergebens versuchten Sanbezwingung die öst.-ung. Heeresleitung, dem GdK. Dankl nun auch noch die letzten am unteren San verbliebenen Teile seiner Armee, das X. Korps und das Kavalleriekorps Hauer — 2. und 9. KD. — auf das linke Weichselufer folgen zu lassen. Nur die 1. und die 110. LstlBrig. hatten stehenzubleiben und traten unter die Befehle der 4. Armee, die nunmehr die Flußsicherung bis zur Weichsel zu übernehmen hatte, ihre Übergangsversuche aber erst wieder beginnen sollte, bis „der Kampf der 3. und 2. Armee erfolgreich“ durchgeführt war. Bei Wilcza Wola war durch die 4. Armee eine starke Reserve zu versammeln, die je nach der Lage gegen einen russischen Übergangsversuch angesetzt oder der 1. Armee nachgezogen werden konnte.

Die Mitteilung über eine weitere Verstärkung der gegen Iwangorod bestimmten öst.-ung. Kräfte vermochte jedoch das Streben des deutschen AOK. 9, die Einheitlichkeit der Kriegführung in Polen noch durch die Unterstellung der k.u.k. 1. Armee zu sichern, nicht in den Hintergrund zu drängen. Im Stabe Hindenburgs herrschte darüber, daß die öst.-ung. Heeresleitung durch ihr Verhalten den allein für aussichtsreich gehaltenen Schlag gegen Warschau vereitelt hatte, große Verstimmung, die sich auch dem Großen Hauptquartier in Méziěres mitteilte1). In der Nacht zum 18. Oktober wandte sich der Deutsche Kaiser in einem Telegramm an seinen kaiserlichen Verbündeten mit der Bitte, er möge die Befehlsfrage in der von Hindenburg gewünschten Weise lösen. Erzherzog Friedrich wurde vom Kaiser und König Franz Joseph angewiesen, „was möglich“ zu veranlassen. Von Conrad beraten, bat der Erzherzog den Obersten Kriegsherrn, dem Wunsch des Deutschen Kaisers nicht zu willfahren. Neben der an sich berechtigten Sorge, das deutsche AOK. 9 könnte die

1. Armee im Falle der Unterstellung doch in einer von der öst.-ung. Heeresleitung nicht gewünschten Art verwenden, wirkte beim k.u.k. Generalstabschef noch die Kränkung darüber nach, daß sich der Bundesgenosse vor Monatsfrist geweigert hatte, die deutsche 9. Armee dem öst.-ung. Oberbefehl unterzuordnen. Gleich wie damals Kaiser Wilhelm, glitt nun der Monarch Österreich-Ungarns in einem sonst wie immer außerordentlich freundschaftlich gehaltenen Telegramme über die Frage der Unterstellung Dankls unter Hindenburg hinweg.

War der auf Betreiben Conrads eingeleitete Flankenstoß auf Iwan-gorodvorallem bestimmt, die Lage in Polen zuentlasten, so blieb das Schwergewicht des Feldzuges doch noch immer auf der Front in Galizien liegen. Die Offensive, die hier die Entscheidung bringen sollte, hatte allerdings bisher keine befriedigenden Ergebnisse gezeitigt. Die 4. Armee hatte unter schweren Opfern vergeblich versucht, das östliche Sanufer zu gewinnen. Auch die 3. Armee steckte beiderseits von Przemyśl. Das hervorragende III. Korps, das südlich der Festung in die Feindfront Bresche hätte schlagen sollen, war in den Stirnkampf der 2. Armee hineingezerrt worden, die sich ihrerseits seit einigen Tagen schwerer russischer Gegenangriffe er!) Im Tagebuch der deutschen Heeresleitung war darüber verzeichnet: „Hauptschwierigkeit im Osten besteht in der Führung verbündeter Truppen. Dadurch Zeitverlust, da Österreicher nicht unterstellt sind. Die öst. 1. Armee würde sich der Unterstellung gern unterwerfen. Haupthindernis ist Conrad. Direktes kaiserliches Telegramm ist dringend erforderlich, um Unterstellung der öst. 1. Armee unter 9. Armee zu erreichen.“ (R e i c h s a r c h i v, V, 467.)

28


I 2. Aufl.

wehren mußte. Die Gruppe Tersztyanszky war in Gebirgskämpfen zersplittert; die Russen führten weitere Verstärkungen gegen sie heran, um so auch in der ihnen gefährlichsten Richtung der Bedrängnis durch den Feind Herr zu werden. Die materielle Lage der k.u.k. Armeen ließ noch sehr viel zu wünschen übrig. Infolge der vielen Bahnzerstörungen in Mittel-ealizien war der Verkehr noch am 10. Oktober nur bis in die Stationen Lawoczne, Hajasd, Łupków, Jasio, Strzyszów, Czarna und Szczuczin möglich. Von dort mußten Munition und Verpflegung auf den aufgewühlten Straßen den Armeen mittels Fuhrwerk und Kraftwagen nachgeschoben werden. Die langsamen Ausladungen in den beengten Kopfstationen führten schon am 14. Oktober zu einer bedenklichen Stauung der Verpflegungs-und Munitionszüge, so daß man sich zu einer vierundzwanzigstündigen Unterbrechung aller weiteren Zuschübe entschließen mußte, obwohl an der Front bereits drückende Not an Verpflegung und Munition herrschte. Dank der Hingabe der Eisenbahn- und Traintruppen1) sowie des Eisenbahnpersonals gelang es allmählich, der außergewöhnlich großen Schwierigkeiten Herr zu werden. Die Wiederherstellung des zerstörten Csorbadombviaduktes bei Hajasd, der Sanbrücke bei Zagorz und der Wislokbrücke bei Rzeszów erforderte aber viel Zeit, so daß der Verkehr bis Turka und Przeworsk erst am 18. und gegen Chyrów gar erst am 25. Oktober aufgenommen werden konnte. Der Weg nach Przemyśl aber blieb durch die Brückensprengungen bei Ustrzyki Dl., Krościenko und Niżankowice noch bis zum 28. Oktober unterbrochen.

Neben den Schwierigkeiten des Nachschubes bedrückte die noch ernstere Sorge um die Munitionslage. Der starke Munitionsverbrauch in den langandauernden Kämpfen der ersten Kriegswochen hatte die vorhandenen Friedensvorräte aufgebraucht, und den Armeen konnte nur die Neuerzeugung der Kriegsindustrie nachgeführt werden, die aber dem Bedarf nicht annähernd entsprach. Besonders empfindlich war der Mangel an der wirkungsvollen Haubitzmunition.

Die unzulänglichen Mittel, die hier — wie auf so vielen anderen Gebieten — der Heeresverwaltung zur Verfügung standen, kosteten die Infanterie viel Blut. Man war gezwungen, sogar die Sicherheitsvorräte der Festung Przemyśl und der Sperren von Südtirol und Kärnten anzugreifen, um der ärgsten Not abzuhelfen.

Die Kämpfe hatten an die Truppen die höchsten Anforderungen gestellt, das schlechte, erst seit einigen Tagen bessere Wetter dem einzelnen

x) Die Fahrtruppe des öst. Bundesheeres pflegt die Erinnerung an den Oktoberfeldzug 1914.

Kämpfer schwer zugesetzt. Hunderte von Leuten starben noch immer täglich in den Schützengräben und in den Lazaretten an der Cholera eines entsetzlichen Todes. Daneben herrschten Ruhr, Typhus und andere Krankheiten. Für die schwere moralische Belastung, die der Feldzug für die Truppe bedeutete, spricht die Tatsache, daß es in keiner Phase des Krieges verhältnismäßig so viele „Selbstverstümmler“ gab wie in dieser; sie waren besonders zahlreich in Regimentern ausLändern zurückgebliebener Kultur. Trotz diesen Erscheinungen durfte der Wille, den feindlichen Widerstand zu brechen, nicht erlahmen.

Dem Vorschlag des 3. Armeekmdos., dem Angriff durch den Einsatz des XI. Korps bei der Gruppe Tschurtschenthaler neuen Schwung zu leihen, stimmte die Heeresleitung gerne zu. Am 16. und 17. Oktober hatte überdies auch GdK. Böhm-Ermolli Anträge für die Fortführung der Offensive gestellt. Sie gipfelten in dem Bestreben, die Stoßkraft des rechten Flügels seiner Armee möglichst zu erhöhen. Hiezu wollte Böhm-Ermolli den von Máramaros-Sziget aus gegen Stanislau und Kolomea angesetzten Ostflügel Pflanzers gegen Skole und Stryj herangezogen wissen; außerdem schlug er vor, das VII. Korps durch Truppen der 3. Armee ablösen zu lassen und in den Kampfraum Tersztyánszkys überzuleiten. Conrad hielt die Lage in Polen für viel zu gespannt, um solche immerhin einige Zeit kostende Manöver auszuführen. Das einzige, was er zur Verstärkung des rechten Heeresflügels tun zu können glaubte, war der Einsatz dreier in der Heimat aufgestellter deutschösterreichischer Landsturmterritorialbrigaden (1. und 2. Wien und 12. Linz), die nach dem Uzsokpaß geleitet wurden (S. 375).

So war die Fortführung des Umfassungsangriffes südlich von Przemyśl vor allem auf die Stoßkraft des ostgalizischen XI. Korps gestellt.

Das Festlaufen des Angriffes der 3.und der 2. Armee

(18. bis 22. Oktober)

Hiezu Skizzen 26 und 28

In der Nacht zum 18. Oktober, noch ehe das XI. Korps eingriff, begann am Südflügel der k.u.k. 3. Armee das russische VIII. Korps neuerlich Sturm zu laufen. Mit voller Wucht stürzte es sich von den Höhen bei Czyszki und südlich der Błożewkaniederung auf den Nordflügel der Gruppe Colerus. Die 22. SchD. mußte am Morgen unter erheblichen Verlusten Raum geben; in der Linken entblößt, war die 34. ID. gezwungen,

Blożew Grn. zu räumen, wodurch sich die 6. ID. genötigt sah, auch ihrerseits den Nordflügel auf Wolcza Dl. zurückzubiegen. Näher und näher schob sich der russische Angriff auf Nowe Miasto heran. Doch gelang es schließlich nach hartem Ringen der 34. ID., westlich von Blożew Grn. den Vorstoß des Feindes aufzufangen. Die 22. SchD. setzte sich östlich von Nowe Miasto neuerlich fest.

Inzwischen war weiter nördlich das XI. Korps gemeinsam mit der Gruppe FML. Tschurtschenthaler zum Angriff geschritten. Das russische XII.Korps leistete zähesten Widerstand. BeiMyżiniec undTyszkowice kam der Angreifer bis auf Sturmdistanz vor. Am Südflügel wurde allerdings ein namhafter Erfolg errungen: ein Bataillon des I. Kaiserschützenregiments drang nachmittags in die Verschanzungen der beherrschenden Magiera-höhe und überwältigte die Besatzung.

Am 19. nahm das Ringen seinen Fortgang. Nun rief auch GdI. Colerus die hart geprüften Regimenter des III. und des VII. Korps zu neuen Angriffen auf. Während die 20. HID. und die 28. ID. infolge heftiger russischer Artilleriewirkung von der Wegrzeliskahöhe her nicht gegen Felsztyn und Koniów durchzudringen vermochten, gelang es Teilen der

6. und der 34. ID., Blożew Grn. zurückzugewinnen. Dagegen blieben der vielumstrittene Meierhof Antonówka (südöstlich von Blożew Grn.) und das Dorf Towarnia — beides zu Stützpunkten in der Nordflanke der Wegrzeliska ausgebaut — nach wie vor in Feindeshand. Nördlich der Blożewkaniederung rang sich die Grazer 22. SchD. an den Ostrand von Sanoczany, links von ihr die aus der Besatzung von Przemyśl herangeholte

23. HID. bis Hruszatyce durch. Die Magiera wurde von der 122. IBrig. gegen heftige Anstürme der Russen, welche die für die Fortführung ihrer Angriffe so wichtige Höhe zurückzugewinnen trachteten, behauptet. Vom

XI. Korps gewann die 30. ID. einige Grabenstücke bei Myżiniec, die 11. ID. errang Vorteile bei Chraplice. Teile der zweitgenannten Division schlossen sich den Angriffen der 88. KSchBrig., GM. Fürst Schönburg-Hartenstein, gegen die heißumstrittene „Baumhöhe“ bei Tyszkowice an, die nach mannigfachen Schwankungen erstürmt wurde.

Südlich der 3. Armee hatte sich das XII. Korps schon am 16.Oktober vor den starken Höhenstellungen des russischen XXIV. müde gerungen. GdI. Kövess ließ daher in den nächsten Tagen von weiteren fruchtlosen Angriffen ab und versuchte im Grabenkrieg den Gegner mürbe zu machen. Nur allmählich und unter den größten Schwierigkeiten konnte die Artillerie im wegarmen Gebiet der Lysa Gora in Stellung gebracht werden. Dort, wo eine Batterie ihr Feuer eröffnete, wurde sie von der Infanterie, die sich gerade bei den ersten entscheidenden Angriffen von ihrer Schwesterwaffe im Stiche gelassen fühlte, mit hellem Jubel begrüßt. Die Truppen des XII. Korps, die jetzt stellenweise bis auf wenige hundert Schritte den Russen gegenüberlagen, litten tagsüber unter dem schweren Feuerderfeindlichen Artillerie1). DesNachts setzten allenthalben feindliche Gegenangriffe ein, die die ganze Front alarmierten, ein heftiges Feuer auslösten und die Grabenbesatzungen nie zur Ruhe kommen ließen. Solcherart hielt es GdI. Kövess nicht für möglich, aus eigener Kraft allein den Angriff noch vorwärtszutragen. Der Impuls mußte entweder von der

3. Armee oder von der Gruppe Tersztyánszky ausgehen.

Daß von der 3. Armee ein solcher Impuls nicht mehr erwartet werden konnte, sollte sich in den nächsten vierundzwanzig Stunden mit Sicherheit zeigen. In dieser Frist, im Laufe des 20. Oktober, setzten der Südflügel und die Mitte der Armee ihre Angriffe fort, obgleich sich die das ganze öst.-ung. Nordheer bedrückende Munitionsnot schon außerordentlich fühlbar machte. Das VII. und das III. Korps kamen über das Waldgebiet westlich der Wegrzeliska und die Linie Błożew Grn.—Sanoczany—Hruszatyce nicht mehr hinaus. Vergeblich bestürmten auch die Regimenter des FML. Tschurtschenthaler und das XI. Korps die feindlichen Stellungen. Sie erzielten in diesen wohl einige Ausbeulungen, aber ein entscheidender Erfolg blieb ihnen versagt. GdI. Boroević säumte nicht, aus den Tatsachen seine Folgerungen zu ziehen, die allerdings auch für die taktischen Auffassungen jener Kriegsepoche charakteristisch waren: Angriffe sollten nur mehr dort unternommen werden, wo sie auch ohne erhebliche Artillerieunterstützung Erfolg versprachen; sonst sollte für diese Fortführung der Offensive das Ansammeln genügenden Schießbedarfes abgewartet werden.

Dabei wäre es allerdings ein Irrtum anzunehmen, Brussilow habe den mit dem letzten Kraftaufgebot ausgeübten Druck des Gegners leicht abgeschüttelt. Die Russen hatten im Gegenteil bange Tage hinter sich, als am 20. abends Boroević in die Verteidigung überging. Hatte das Vorgehen der k.u.k. 2. Armee den Gen. Brussilow schon am 12. Oktober veranlaßt (S. 417), seine Heeresreserven, die 34. und die 31. ID. der 3. Armee, vom San nach Sambor herüberzuziehen, so hatte ihn der Vorstoß der von den Russen weit überschätzten Gruppe GM. Hofmann auf Stryj mit neuer Sorge erfüllt. Als am 16. Oktober die 2. Kub.KosD. den Gebirgsausgang von Synowódsko preisgab, beeilte er sich, die 78. RD. der Blockadearmee

x) Im Kloster von Chyrów waren bis anfangs November etwa 11.000 Verwundete des VII. und des XII. Korps versorgt worden.

mit Bahn über Lemberg nach Mikołajów zu führen1). Kurz darauf kam die Hiobspost über den Verlust von Stryj (S. 424). Gleichzeitig begegneten sich südlich von Przemyśl und bei Chyrów Angriff und Gegenangriff, und zumal das XII. Russenkorps fühlte sich aufs schwerste bedroht. Schon fiel im Stabe Brussilows das Wort Rückzug. Aber der tatkräftige General ließ sich noch nicht einschüchtern. Zur Stützung seines linken Flügels gegen Umfassungen im Raume Sambor—Stryj waren neben der 78. RD. die von der 3. Armee herangeholten Divisionen — 34. und 31. ID. — zur Hand. Das besonders hart bedrängte XII. Korps sollte zuerst durch die

9. und die 10. KD. sowie die 60. RD. der durch schwache Ausfälle wenig beunruhigten Belagerungsarmee Rückhalt bekommen. Diesen Verstärkungstruppen hatte sich die 65. RD. zuzugesellen, die Brussilow dem

VIII. Korps, unbekümmert um dessen Bedrohung durch den Gegner, entnahm2). Auf diese Weise hoffte der zähe Russenführer der kritischen Lage Herr zu werden.

Nachgeben des rechten Flügels am Karpathenrande

Der rechte Flügel der k.u.k. 2. Armee bekam die Gegenmaßnahmen Brussilows zum erstenmal am 18. Oktober zu fühlen, als die zum Flankenschutz ausgeschiedenen zwei Kavalleriedivisionen (5. und 8.) bei Na-hujowice westlich von Drohobycz mit den Spitzen der von Sambor herangeführten 34. Russendivision zusammentrafen. Am 19. mußte in dieser Gegend die auf einige Kompagnien zusammengeschmolzene 102. LstlBrig. nachgeben. Nun brachen auch die beiden Reiterdivisionen den Kampf ab, um in den Raum südwestlich von Borysław zurückzugehen. Die 38. HID. war durch diese Ereignisse genötigt, ihren rechten Flügel abzubiegen. Am 20. setzte der Feind seinen Angriff fort. Südwestlich von Borysław drückten stärkere russische Kavallerieabteilungen — Komb.KosD. und 12. KD. — auf die dort stehende öst.-ung. Reiterei. Die 38. HID. wurde an ihrem rechten Flügel südöstlich von Podbuż von der russischen 34. ID. angegriffen. Auch der rechte Flügel der k.u.k. 31. ID. litt schwer unter dem Druck der russischen 4. SchBrig.; der Divisionär, Erzherzog Joseph, zog zur Stützung des bedrohten Stellungsteiles drei Bataillone der in Turka eingelangten 2. LstTerrBrig. und zwei Marschbataillone heran.

GdK. Böhm-Ermolli hatte inzwischen nichts unversucht gelassen, die Flankenstellung der Gruppen Tersztyanszky und Hofmann doch noch zu-

1/ K o r o 1 k o w, Übersicht, 87 ff, 93.

2, Ebenda, 93 ff.

gunsten der Gesamtlage auszuwerten. Am 19. war er neuerlich an das AOK. mit der Bitte um Rückgabe des VII. Korps herangetreten; Boroević wehrte sich jedoch dagegen. Dafür kam GdK. Pflanzer-Baltin insoferne zu Hilfe, als er der Gruppe Hofmann die Weisung erteilte, zur Entlastung des schon merklich bedrohten IV. Korps mit ihren Hauptkräften auf Drohobycz vorzustoßen. Im Einklang mit diesem Unternehmen befahl Böhm-Ermolli am 20. abends dem IV. und dem XII. Korps, in ihren Fronträumen den Feind durch Wiederaufnahme der Angriffe zu binden.

Dem am 21. Oktober einsetzenden Ablenkungsangriff der 2. Armee war jedoch kein Erfolg beschieden. Beim XII. Korps kämpfte sich FML. Fox mit der 35. ID. wohl von der Jankowhöhe näher an Stary Sambor heran. Er drang in die ersten Häuser der Ortschaft ein. Ebenso erzielten die 31. ID. und die östlich von ihr eingeschobene Wiener 2. LstTerrBrig. einigen Raumgewinn. Dafür setzte sich aber am rechten Flügel Tersz-tyánszkys die Abbröckelung fort. Die russische 34. ID. warf sich auf die östliche Kampfgruppe der 38. HID. und gemeinsam mit Reiterei auf die beiden südwestlich von Borysław stehenden Kavalleriedivisionen, wodurch sie jene bei Podbuż, diese hinter die Bystrzyca zurückdrängte.

GdK. Böhm-Ermolli rief die l.KD. von Stary Sambor nach Świdnik und befahl der Gruppe Fox und dem linken Flügel Tersztyánszky, zur Entlastung des rechten Flügels den Angriff am 22. entschlossen fortzuführen. Aber die einmal brüchig gewordenen Linien Tersztyánszkys gaben weiter nach. Die 38. HID. wich von Podbuż auf die Höhen westlich von Smolna, entblößte dadurch die Flanke der 2. LstTerrBrig. und zwang auch zur Rücknahme der Korpsmitte. Erzherzog Joseph und FML. Fox mußten unter diesen Umständen auf die Erneuerung ihres Angriffes verzichten, dies umsomehr, als die 31. ID. schon in der Nacht zuvor den Raumgewinn auf der Kundieskahöhe zum Teil wieder eingebüßt hatte.

Vergeblich hatte GdK. Tersztyánszky seinen Blick gegen Osten gerichtet, von wo er den Vorstoß der 55. ID. Hofmanns erwartete.

Die auf Drohobycz entsandte Gruppe Obst. Drda — 129. Brig. und Teile der 130. Brig. — war am 21. Oktober südöstlich der Stadt auf russische Kräfte (31. ID.) gestoßen und mußte dem feindlichen Drucke alsbald auf Ulyczno weichen. Nicht besser erging es den übrigen Streitkräften der Gruppe Hofmann, der 131. und dem Rest der 130. Brig. Nördlich von Stryj, bei Dobrzany, war dieser Hauptteil der 55. ID. am 21. Oktober auf den verzweifelten Widerstand der geschlagenen russischen 71. RD. und der 2. Kub.KosD. gestoßen. Am Abend eilte die mit der Bahn nach Mikołajów beförderte russische 78. RD. (S. 437) zur Unterstützung heran und ging sofort zum Gegenangriff über. Nach einem erbitterten Kampfe mußte die k.u.k. 55. ID. am 22. nachmittags der russischen Übermacht das eroberte Stryj preisgeben. Während sich diese Kämpfe bei Stryj abspielten, wurde die Gruppe Obst. Drda zwischen Drohobycz und Stryj hin- und hergezogen. Am 22. morgens hatte Drda die Angriffsbewegung auf Drohobycz wieder aufgenommen. Ein Befehl Hofmanns rief ihn zum flankierenden Eingreifen in den Raum westlich von Stryj zurück. Die Lage konnte dadurch nicht mehr hergestellt werden. In der Nacht auf den 23. gab Hofmann sein Angriffsunternehmen auf und nahm seine arg mitgenommene 55. ID. in eine Aufnahmstellung zwischen Ulyczno und Morszvn zurück.

Das Vordringen der bei Podbuż, Borysław und Stryj eingelangten russischen Verstärkungen — 34., 31. ID. und 78. RD. — machte alle Hoffnungen zunichte, die an das flankierende Eingreifen der Gruppen Tersztyánszky und Hofmann geknüpft waren. Angesichts dieser Ereignisse richtete Böhm-Ermolli am 22. Oktober nachmittags an Conrad noch einmal die dringende Bitte, Teile der Armeegruppe Pflanzer-Baltin nach Skole herüberzuziehen, um sie von dort aus in entscheidender Richtung auf Strvj anzusetzen. Gleichzeitig erging an Boroević der neuerliche Ruf, die im Verbände der 3. Armee kämpfenden Truppen der 2. freizumachen. Das XII. Korps erhielt den Befehl, wenn nötig den rechten Flügel auf den Osthang der Höhe Janków und auf die Höhen südlich davon zurückzubiegen, während anschließend daran die Gruppe Tersztyánszky zwischen Łużek Grn. und Świdnik bis zum Eingreifen der erhofften Verstärkungen äußersten Widerstand leisten sollte.

Der erste Vorstoß der Russen über den San (18. bis 23. Oktober)

Hiezu Skizzen 23 und 27

Den unbefriedigenden Ergebnissen bei den Armeen Böhm-Ermolli und Boroević hatte sich inzwischen auch bei der 4. Armee eine Krise zugesellt, die noch mehr moralisch als taktisch drückend wirkte.

Gemäß den am 17. Oktober (S. 432) von der Heeresleitung erteilten Weisungen, die Sanverteidigung bis zur Mündung zu übernehmen und eine entsprechend starke Reserve auszuscheiden, hatte sich Erzherzog Joseph Ferdinand entschlossen, bis zum 20. folgende Stellung zu beziehen: XVII. Korps (13. SchD., 19. ID. und 41. HID.) Brückenkopf Jaroslau bis zur Wisłokmiindung; II. Korps (4. und 25. ID.) anschließend bis nahe an Tarnogóra nördlich von Leżajsk; 39. HID. bis südlich von Rudnik; 6. und

10. KD. als Ersatz für die zur 1. Armee bestimmte Kavalleriegruppe FML. v. Hauer (2. und 9. KD.) zwischen Rudnik und südlich von Nisko; XIV. Korps mit seinen zwei Infanteriedivisionen sowie der 11. HKD. und der l.und der 110. LstlBrig. an Stelle des gleichfalls zur 1. Armee bestimmten X. Korps. Die zwei Heeresdivisionen des VI. Korps sollten im Raume nördlich von Wola Raniżowska als Armeereserve versammelt werden. Demnach wurden das XIV. Korps und die 15. ID. aus den bisherigen Fronten gezogen, um in ihre neuen Räume abzugehen, indes sich das XVII. und das II. Korps gegen Norden zu strecken hatten. Die geplanten Bewegungen wurden aber durch den Feind empfindlich durchkreuzt.

Dimitriew hatte sich, immer wieder durch Iwanow und Brussilow gedrängt, inzwischen entschlossen, aus der reinen Abwehr herauszutreten. Eine weitreichende Operation vorzubereiten, fühlte er sich in seiner weit ausgedehnten Stellung allerdings zu schwach. Immerhin sollten in den einzelnen Korpsabschnitten „Manövriergruppen“ zusammengezogen werden, deren Aufgabe es war, durch Vorstöße über den San das Konzept des Gegners zu stören und ihn an weiteren Nordverschiebungen zu hindern. Im großen wurden vier solcher Manövriergruppen gebildet: vom XXI. Korps je eine gegenüber von Nisko und von Rudnik, vom XI. und vom IX. Korps gemeinsam eine beiderseits der Lubaczowkamündung und schließlich von der 9. ID. des X. Korps eine unterhalb von Radymno. Die zwei erstgenannten Gruppen überschritten den San in der Nacht vom

17.    auf den 18. Oktober, die dritte und stärkste trat vierundzwanzig Stunden später in Tätigkeit. Die 9. ID. machte sich erst am 20. fühlbar.

Die oberhalb von Rudnik übergehende russische 33. ID. stieß am

18.    Oktober zunächst auf die 9. KD., FML. Hauer, und den Nordflügel der 39. HID., FML. Hadfy. Hauer rief sofort auch die 2. KD. aufs Kampffeld; FML. Arz, der Führer des VI. Korps, setzte bis zum Abend rund neun Bataillone unter GM. v.Molnár, denen sich vorübergehend auch zwei Bataillone der nördlich anschließenden 24. ID. des X. Korps beigcsellten, gegen den Feind an, ohne daß es jedoch den vereinten Anstrengungen gelang, diesen zurückzuweisen. Die Russen warfen eine Brücke über den sinkenden Fluß.

Etwas später als bei Rudnik drang südöstlich von Nisko die russische 44. ID. über den San vor. Auch hier baute der Feind eine Brücke ein. Die zur Hand befindlichen Bataillone der 24. ID., FML. v. Langer, verstärkt durch Abteilungen der 45. SchD., GM. Smekal, vermochten des

Eindringlings gleichfalls nicht Herr zu werden. Immerhin war das Geländestück, das die Russen besetzt hielten, fürs erste so schmal, daß es dem X. Korpskmdo. fraglich zu sein schien, ob man sich durch diesen Zwischenfall in der Ablösung stören lassen sollte. Das 1. Armeekmdo. hingegen wollte für die bevorstehenden Kämpfe nördlich der Weichsel den Rücken verläßlich gesichert wissen und erteilte dem X. Korps den Befehl, erst nach Vertreibung der Russen vom Westufer an die Armee anzuschließen.

In gleicher Weise hielt es Erzherzog Joseph Ferdinand, mochten auch abgehorchte Funksprüche die russischen Übergangsversuche als Demonstration erkennen lassen, für ein Gebot der Vorsicht, das linke Sanufer zu säubern. Demgemäß wurde FML. Roth, der mit seinem XIV. Korps auf dem Seitenmarsche nach Norden den Raum nordwestlich von Leżajsk erreichte, angewiesen, den bei Rudnik kämpfenden Truppen mit seinem Korps, der 6. und der 10. KD. und allen verfügbaren Teilen des VI. Korps zu Hilfe zu eilen, falls sie am 18. mit den Russen nicht fertig wurden. Das 4. Armeekmdo. ging hiebei offenbar von dem Gedanken aus, daß die Lage bei Nisko, wo seit Mittag ein russischer Brückenschlag gemeldet war, durch das X. Korps gemeistert werden könne.

Am 19. dauerten die Kämpfe bei Rudnik und Nisko fort. Bei Rudnik war die Gruppe GM. Molnár bei einem in der Nacht und bei Morgendämmerung unternommenen Angriffe trotz einzelner Erfolge wieder nicht durchgedrungen. Dennoch fühlte sich FML. Arz, dem als Führer des

VI. Korps die Oberleitung der hier entbrannten Kämpfe zufiel, stark genug, auf eine unmittelbare Hilfe des dem unteren San zustrebenden XIV. Korps verzichten zu können. Dafür begann sich die Lage bei der

24. ID. südöstlich von Nisko zu verschlechtern, da sich hier die Russen nun auch des langgestreckten Dorfes Nowawies bemächtigt hatten. GdI. Meixner vernahm daher mit Befriedigung, daß sich Roth deshalb entschlossen hatte, mit dem XIV. Korps nicht bei Rudnik, sondern bei Nisko einzugreifen. Allerdings konnte dies erst am 20. geschehen, da die tief gestaffelten Truppen des FML. Roth am 19. nur bis in den Raum um Jeżowe gelangten und die am dringendsten erwünschte Artillerie infolge späterer Loslösung aus der früheren Stellung noch weiter abgeblieben war.

Inzwischen hatte in der Nacht auf den 19. Oktober das k.u.k. XVII. Korps durch den russischen Vorstoß beiderseits der Lubaczówka-mündung eine höchst unliebsame Überraschung erlebt. Der Angriff drang zwischen der 41. HID. und der 13. SchD. durch und rollte den rechten Flügel der zweitgenannten Division nach Norden auf. Der Divisionär FML.

Kreysa setzte das Wiener SchR. 24 zur Abriegelung des Einbruches an, GdI. Křitek warf mit Zustimmung des Armeekmdos. die von Przeworsk dem Versammlungsraum des VI.Korps zustrebende 54. IBrig. der 27.ID. in den Kampf. Auch die der 13. SchD. benachbarte 25. ID. sandte einige Bataillone mit Artillerie zu Hilfe. Das XVII. Korps beurteilte die Lage nachmittags „hoffnungsreich“. Der Russe mußte in der Tat wieder Raum geben, hielt sich aber weiterhin am Westufer fest.

Mochten die Übergangsversuche der Russen am San fürs erste mehr lästig denn bedenklich sein, so wurden sie von der Heeresleitung doch als sehr unbequem empfunden. Mit kaum unterdrücktem Vorwurf fragte Obst. Metzger auf dem HughesapparatL) die Generalstabsabteilung des 4. Armeekmdos., wie die 4. Armee mit ihren dreizehn Divisionen gegenüber den sechs bis sieben russischen „die Gesamtlage ... am wirksamsten wenden“ werde. GdI. Conrad denke vor allem an einen Vorstoß des bei Jaroslau schon östlich des San stehenden rechten Flügels, womit auch eine erhebliche Entlastung der 3. Armee zu erzielen wäre. Das 4. Armeekmdo. sprach sich jedoch dafür aus, zunächst die Russen wieder überall über den San zurückzuwerfen; nachher könne an die Ausscheidung einer drei bis vier Divisionen starken Kraftgruppe hinter dem Südflügel gedacht werden, die dann gegebenenfalls auch für die Kämpfe der 3. Armee zur Verfügung stand. Die Heeresleitung beantwortete diesen Vorschlag noch in der Nacht mit einem ihre Ungeduld verratenden Befehl:

„Die Tatsache, daß der Feind an vier Stellen angesichts der Truppen der 4. Armee den San überschreiten konnte, ist kaum anders erklärlich, als daß er mit der Absicht herübergelassen wurde, um ihn dann zuverlässig zu schlagen. Den übergegangenen Feind vollständig zu schlagen und nicht bloß über den Fluß zurückzudrängen, ist die nächste Aufgabe der 4. Armee, welche ja zehn eigene Divisionen hiezu zur Verfügung hat . .. Am 20. Oktober abends darf kein Feind mehr am linken Sanufer stehen, damit befohlener Abmarsch des X. Korps über die Weichsel ungehindert erfolgen könne .. .“

Der 20. Oktober wurde durch einen neuen russischen Übergangsversuch eingeleitet. Die 9. ID. des X. Russenkorps setzte ober-und unterhalb von Radymno über den Fluß und nistete sich dort im Sicherungsraum der

10. ID. des zur 3. Armee gehörenden IX. Korps ein. Hier geschah es, daß geschlossene Abteilungen des tschechischen IR. 36 zum Feinde übergingen.

!) Das „Hughesgespräch“ trat in der öst.-ung. Armee nach den ersten Kriegswochen zwischen den höheren Befehlshabern fast völlig an die Stelle des Telephongespräches. Es bestand darin, daß die miteinander „sprechenden“ Organe am Sende- und am Empfangsapparat standen und den die Apparate bedienenden Beamten Frage und Antwort in den Apparat diktierten, so daß das Gespräch gleichzeitig beim Aufgeber und Empfänger auf den von der Spule rollenden Streifen zu lesen war.

Bei Nielepkowice waren die Russen unterdessen wie schon in der Nacht zuvor auf das nachdrücklichste bestrebt, sich auf dem Westufer des San auszubreiten. Die Abwehr zehrte fast alle Reserven und am Vortage zugewiesenen Verstärkungstruppen des XVII. Korps auf, so daß sich das

4. Armeekmdo. schweren Herzens entschied, am Nachmittage auch die letzte ihm noch verbliebene Reserve, einen Teil der aus der Sansiche-rung bei Leżajsk ausgelösten 29. IBrig., dem XVII. Korps zu überlassen. Der Berichterstatter des AOK. meldete an diesem Abend, die Truppen stünden seit längerer Zeit Tag und Nacht im Kampfe, seien schwer ermüdet und durch die unausgesetzten Hin- und Hermärsche nicht mehr recht kampflustig. Besonders ungünstig lagen hier wie überall die artilleristischen Verhältnisse. Hatte die Artillerie bei der Abwehr russischer Anstürme eingegriffen, so mangelte es ihr zur Unterstützung nachfolgender Gegenstöße meist schon an dem nötigen Schießbedarf.

Nicht besser als dem XVII. Korps ging es der Gruppe Roth gegenüber dem russischen XXI. bei Rudnik und Nisko. Bei Rudnik hatte die Gruppe GM. Molnár in der Dämmerung abermals ihr Glück versucht. Teuer erkaufte örtliche Erfolge mußten schließlich mit Raumverlust am rechten Flügel bezahlt werden. Die Lage wurde so ernst, daß FML. Roth die ihm noch als Gruppenreserve zur Verfügung stehenden sieben Bataillone der 27. ID. dem VI. Korpskommando bedingungslos überließ. Mit der nun auf neunzehn Bataillone angewachsenen Gruppe vor Rudnik, deren unmittelbare Führung der Kommandant der 27. ID., GM. Kosak, übernahm, wurde gegen Abend wieder angegriffen — neuerlich ohne Erfolg. Immerhin gelang es, die beiden Reiterdivisionen des FML. Hauer (2. und 9.) zu anderer Verwendung freizumachen.

Das XIV. Korps hatte unterdessen in der Nacht zum 20. Oktober seine Vortruppen noch an die Waldränder südlich und südöstlich von Nisko entsendet, um so den Aufmarsch der erst allmählich nachkommenden Artillerie zu sichern. Gleichzeitig wurde auch das ganze IR. 59 in den Raum südöstlich dieses Ortes vorgeschoben, da sich die 24. ID. östlich von Nisko nur mehr mühsam behauptete. Es kam am 20. frühmorgens gerade zurecht, einen heftigen russischen Vorstoß, der die Verteidiger westlich von Nowawies bis an die Bahn zurückdrückte, im Gegenangriff aufzufangen. FML. Roth gedachte seine Hauptkräfte erst gegen 5h nachm. nach sorgfältiger Vorbereitung zum Sturm antreten zu lassen. Aber das Vorgehen der 59er nötigte alsbald auch die ganze 3. ID., GM. v. Horsetzky, zur Entwicklung. Nach Mittag traf dann auch die 8. ID. auf dem Schlachtfelde ein. Um 5h nachm. brandete im ganzen Bogen vom San bis wieder zum San der Angriff des XIV. Korps und der in dessen Front aufgegangenen Abteilungen des X. Korps gegen die russische Brückenkopfstellung vor. Aber auch diesem starken Kraftaufgebot blieb trotz schwerer Opfer der ersehnte Erfolg versagt. Die Bozener Division stieß auf den Sumpf, der dem Längsorte Nowawies im Süden vorgelagert war. Die Masse der Linzer Division verbiß sich in dem westlich von Nowawies liegenden Dorfe Wolina und einem links anschließenden Wäldchen. Die von den Hauptkräften abgetrennten 14 er rissen die hart bedrängten mittelgalizischen Bataillone des FML. Langer über Nisko gegen den Westflügel des Feindes vor, drangen aber gleichfalls nicht durch,. Am 21. bei Morgengrauen wurde der Angriff fortgesetzt, wobei sich die Hoffnungen vor allem auf das Vordringen der beiden Flügel richteten. Der Feind bannte diese jedoch durch zusammengefaßtes Feuer und namentlich durch die Flankenwirkung der Batterien auf dem jenseitigen, überhöhten Ufer rettungslos fest. FML. Roth gab schließlich im Laufe des 21. einer Anregung des FML. Langer statt, es im Hinblick darauf, daß an den Flügeln nicht vorwärtszukommen war, am nächsten Tag mit einem Durchbruch aus der Mitte, aus dem Abschnitt der 3. Division, zu versuchen. An die von allen Seiten immer wieder geforderte Ablösung des X. Korps war vorderhand freilich nicht zu denken, wenn man den Feind vertreiben wollte. Für diesen Zweck kamen im Augenblick höchstens nur die vier im Raume des XIV.Korps befindlichen Kavalleriedivisionen (2., 6., 9. und 11.) in Betracht.

Auch bei Rudnik verlief der 21. Oktober ohne nennenswerten Fortschritt. FML. Arz entschloß sich, sein Glück mit einem „belagerungsmäßigen Angriff“ zu versuchen, der spätestens in der Nacht zum 23.ein-setzen sollte. Die hinter der Front stehenden sieben Bataillone der 27.ID. sollten zur Ablösung der besonders mitgenommenen Fronttruppen herangezogen werden. Glücklicherweise erwies sich die Nachricht, daß der Russe auch 10 km oberhalb von Rudnik den Fluß durchfurtet habe, als aus der Luft gegriffen.

Sehr schwere Stunden verlebte am 21. Oktober das XVII. Korps. GdI. Křitek gedachte unter Einsatz der schwachen 29. IBrig.1) den Angriff fortzusetzen. Doch die Russen kamen ihm zuvor, indem sie neue Kräfte über den San setzten und am frühen Morgen, nun etwa anderthalb Divisionen stark, wieder selbst zum Angriff übergingen. Schon bangte das Korpskommando um seine bedrohte schwere Artillerie, schon erwog es als äußerste Möglichkeit, gegen Przeworsk Raum zu geben. Keuchend

!) Zwei Bataillone dieser Brigade hatten sich durch einen Irrtum den Kämpfen bei Rudnik angeschlossen.

erwehrten sich die zum Teil bereits erlahmende 41. HID. und die 13. SchD. der vom Ostufer her artilleristisch trefflich unterstützten Anstürme des Feindes. Erst nach Mittag hellte sich die Lage auf. Die Bataillone der

15. ID. griffen unter Befehl des FML. Schenk ein, auch das benachbarte

II. Korps hatte, auf einen ihm aufgetragenen Übergangsversuch verzichtend, Verstärkungen zu Hilfe gesandt. Das Schwerste schien abgewendet zu sein, der Feind wurde sogar wieder etwas zurückgedrückt.

Unterdessen hatten südöstlich von Jaroslau Abteilungen der 19. ID. des XVII. Korps bei den Kämpfen um Radymno mitwirken müssen. Hier war es der durch Bataillone der 26. SchD. verstärkten 10. ID. wohl geglückt, oberhalb der ebengenannten Stadt die Russen über den Fluß zu werfen. Hingegen hielten diese nördlich von Radymno zäh an dem erkämpften Gelände fest, so daß sich GdI. Boroević veranlaßt fand, eine kräftigere Mitwirkung durch die 19. ID. zu erbitten.

Das AOK. verfolgte die Sankämpfe der 4. Armee mit schwerer Sorge. Die immer heftiger entbrennenden Kämpfe bei Iwangorod und die dort von Stunde zu Stunde stärker fühlbar werdende Überlegenheit des Feindes ließ die Ablösung des ganzen X. Korps am unteren San als äußerst dringend erscheinen. Auf der anderen Seite wünschte GdI. Conrad den Augenblick herbei, Teile des IX. Korps durch Przemyśl auf die Walstatt südlich der Festung abziehen zu können, weil auch hier der Angriff dringend frischen Impulses bedurfte. Grollend ließ er das 4. Armeekmdo. wissen:

„Im Kriege gegen bedeutende feindliche Übermacht kann die Führung des Ganzen nicht darauf aufgebaut werden, daß eine starke Armee von zehn Infanteriedivisionen nebst drei Infanteriedivisionen der einen und zwei Infanteriedivisionen der anderen Nachbararmee, also zusammen fünfzehn Infanteriedivisionen, durch mehrere Tage nicht imstande ist, demonstrative Übergangsversuche einiger feindlicher Divisionen abzuwehren. Dieser Zustand operativer Ohnmacht der 4. Armee, welche ihrerseits den Flußübergang für unmöglich hielt, während ihn der Feind mit relativ schwächeren Kräften erzwungen hat, kann für den Erfolg der Hauptkräfte sowohl bei der 9. und 1. Armee in Russisch-Polen als auch bei der 3. und 2. Armee südlich Przemyśl die schwersten Folgen haben. Er muß daher raschest beendet werden1).“

Nach einer Mahnung, schuldtragende Unterführer zur Verantwortung zu ziehen, setzte der Befehl des AOK. fort:

„Es ist nicht empfehlenswert, den nach dem Übergang verschanzten Feind in seinen Befestigungen mit großen Opfern an Menschen und an Zeit anzugreifen, es muß vielmehr der übergegangene Feind in der Front festgehalten, der Fluß an geeigneter benachbarter Stelle selbst überschritten und der Feind vom rechten Flußufer angegriffen werden . . . Nur die aktivste Selbständigkeit der Führer aller Grade kann diese für die Gesamtlage äußerst gefahrdrohende Krise der 4. Armee abkürzen ....

GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand befahl daraufhin am 22. Oktober vormittags dem XVII. und dem II. Korps sowie der Gruppe FML. Roth im Sinne dieserWeisungen der Heeresleitung zu handeln. Dabei war freilich durchzufühlen, daß das Vertrauen des Armeekmdos. in die Ausführbarkeit des Befehles nicht allzu hoch anzuschlagen war. Die Gegenvorstellungen der Unterführer blieben nicht aus. Das XVII. Korps bat, zunächst den bereits eingeleiteten Angriff diesseits des San fortsetzen zu dürfen; es gab der Besorgnis Ausdruck, daß ein Herausziehen von Abteilungen zur Bildung einer Stoßgruppe von der Truppe als Zeichen zum Rückzug aufgefaßt werden und entmutigend wirken könnte. In der Tat gewann sowohl der gemeinsam mit dem IX. Korps oberhalb von Jaroslau unternommene Angriff wie auch der südlich von Sieniawa etwas Boden, ohne freilich den Feind völlig vom Westufer vertreiben zu können. Das II. Korps verwies darauf, daß es schon Kräfte in der Stärke einer Division an das XVII. abgegeben habe, überdies nördlich von Leżajsk durch eine feindliche Truppenversammlung bedroht sei und daher vorläufig eine eigener-seits unternommene Flußbezwingung gleichfalls nicht erwägen könne. Im Gegensatz hiezu sprach sich GM. Kosak beim VI. Korps dafür aus, auf die Fortführung des Angriffes bei Rudnik zu verzichten und dafür bei Krzeszów selbst über den Fluß zu gehen; er fand aber nicht die Zustimmung des Korpsführers, der sich allerdings entschließen mußte, den für die Nacht geplanten Vorstoß auf den nächsten Morgen zu verschieben.

Bei Nisko waren am 22. früh die Regimenter des FML. Roth und die ihnen angeschlossenen Teile des X. Korps abermals zum Sturme angetreten. Während rechts die 8., links die 24. ID. den Feind festhielt, faßte ihn die

3. in der Mitte des Bogens. Wohl mußte wieder Schritt um Schritt teuer erkauft werden, aber gegen Nachmittag schien die Lage um Wolina, das unwiderruflich im Besitze der 59er war, doch recht hoffnungsvoll zu sein, wie u. a. auch über 1000 gefangene Russen bewiesen. Umso größer war die Bestürzung des Korpskmdos., als zur selben Stunde ein Kraftfahrer den vormittags ausgegebenen Befehl des Armeekmdos. zur San-bezwingung brachte. Der Korpsführer ließ telephonischen Einspruch erheben, dem das Armeekmdo. gerne stattgab. Wenn es gelänge, den Feind im Kampfe westlich des Flusses zu werfen, so könne auf den Übergang ohne weiteres verzichtet werden; vor allem sei die Ablösung des X.Korps wichtig, dieses Korps werde nördlich der Weichsel dringend benötigt.

Als es dann Abend wurde, zeigte sich dem XIV. Korpskmdo. freilich, daß die Hoffnungen auf einen vollen Erfolg auch am 22. Oktober verfrüht gewesen waren. Roth gedachte tags darauf den Angriff aus den erkämpften

Stellungen fortzusetzen, als ihn ein offenbar telephonisch erteilter Befehl des Armeekmdos. anwies, das X. Korps ohne Rücksicht auf die Lage bei Nisko und Rudnik abzulösen und erst nachher selbst den San zu überschreiten. Der Korpsführer entschloß sich, diese Ablösung vom 23. abends an durchzuführen und hoffte sie bis zum 25. zu beenden. Am anderen Morgen wurden das X. und das VI. Korpskmdo. über die neue Lage unterrichtet. Das VI. Korps hatte gemeinsam mit der 10. KD. die Sansicherung südlich von Tarnogóra bis oberhalb von Nisko zu übernehmen, das XIV. gemeinsam mit den beiden Landsturmbrigaden (l.und

110.) und der 6. KD. in den Abschnitt des X. Korps einzurücken.

Die Sankämpfe flackerten am 23. Oktober unregelmäßig fort. Am Abend diesesTages faßte Gdl.ErzherzogJosephFerdinand in einem neuerlichen Befehl die in den letzten vierundzwanzig Stunden erteilten Weisungen zusammen: XVII. Korps stößt auf das Ostufer des San vor, II. wirkt durch Scheinunternehmen mit, XIV. löst das X. ab, VI. scheidet bei Übernahme des ihm zwischen dem II. und dem XIV. zugewiesenen Flußabschnittes möglichst starke Reserven aus. Mit diesen Anordnungen sollte dem Willen der Heeresleitung entsprochen und die 4. Armee aus ihrer lähmenden Gebundenheit erlöst werden. Es stand aber zu bezweifeln, ob die Truppe noch über die nötige Angriffskraft verfügte. Die beklemmende Tatsache, daß sich die Armee schon seit fünf Tagen gegenüber einem erwiesenermaßen schwächeren Feinde völlig der Freiheit des Handelns hatte begeben müssen und die damit verbundenen vorwurfsvollen Vorstellungen der Heeresleitung veranlaßten den Erzherzog Joseph Ferdinand, genaue Erhebungen pflegen zu lassen. Das Ergebnis dieser Erhebungen war überall das gleiche. Die Leistungen der Truppen wurden mit geringen Ausnahmen als vorzüglich bezeichnet. Was der Generalstabschef des XVII.Korps,Obst. v. Lerch, über die Regimenter seines eigenen Korps sagte, galt mehr oder minder für die aller anderen. Das Korps war seit dem 4. Oktober zuerst unter den ungünstigsten Witterungsverhältnissen auf dem Wege gewesen, hatte die ersten Kämpfe ohne die weit zurückgebliebene Artillerie aus-gefochten und stand dann wieder seit dem 19. Oktober ununterbrochen in aufreibendem Ringen. Sehr bezeichnend für die geringe Wirkung, die damals noch nationale Einflüsse gehabt haben mochten, ist die Äußerung des XVII. Korpskmdos., daß unter seinen drei Divisionen die der Mehrheit nach tschechische 19. am besten entspräche. Ebenso zollte das X.Korpskmdo. einigen mittelgalizischen Regimentern uneingeschränktes Lob. Nachteilig machte sich, hieß es in den Berichten, die geringe Ausbildung der Ersätze fühlbar. Sie trug sicherlich viel zu den großen Verlusten bei.

Beim XIV. Korps, dessen Anstrengungen wieder von keinem Heereskörper der Armee übertroffen wurden, zählte am Schlüsse der Sankämpfe keines der Regimenter erheblich mehr als 2000 Mann, die meisten hielten um 1500 Streiter. Beim XVII. Korps betrug der Verlust in den Kämpfen südlich von Sieniawa etwa 3000 Mann. Allgemein wurde über den drückenden Offiziersmangel geklagt. Der Reservefähnrich als Kompagnieführer, der junge Leutnant als Bataillonskommandant gehörten schon zu den alltäglichen Erscheinungen. Die Spannkraft der Offiziere litt sichtbar unter dem Druck der Verantwortung, der keinen Augenblick nachließ.

Aber diese Verhältnisse, die — vielleicht von besseren Mannschaftsständen abgesehen — vielfach auch beim Feinde herrschten, würden allein nicht hinreichen, das unbefriedigende Ergebnis der Sankämpfe zu erklären. Die Ursachen sind vor allem auf dem Gebiete der niederen Gefechtsführung zu suchen, die ihrerseits wieder in erster Linie durch die artilleristische Unterlegenheit beengt war. Die Klagen über die Unzulänglichkeit der artilleristischen Unterstützung erfüllten immer wieder, bis zur Ungerechtigkeit, die Berichte der Truppe. Ihre Begründung erhielten diese Klagen durch den würgenden Munitionsmangel. Nicht selten mußten Batterien mitten im Kampfe verstummen, da sie nur mehr über ein paar Schuß verfügten. Aber auch die Beweglichkeit der Artilleriewaffe hatte durch das große Pferdesterben bedenklich gelitten. Diese Übelstände führten stets aufs neue dazu, der Infanterie mehr zuzumuten, als ihr füglich zugemutet werden durfte. Bei Rudnik stand gegen eine Minderheit von anderthalb russischen Divisionen ein infanteristisch mehr als doppelt so großes Kraftaufgebot, dem hervorragende Regimenter angehörten. Aber die Masse machte es nicht aus, und auch die Opferbereitschaft des einzelnen Kämpfers erlahmte gegenüber der Wirkung der auf dem Ostufer überhöht postierten, nicht faßbaren feindlichen Artillerie und der trefflichen Ausnützung des Kampffeldes durch die Russen.

Es wäre gewiß zu viel gesagt, wenn man behaupten wollte, die Truppe habe sich im Oktoberfeldzug 1914 in einem Zustande taktischer Wehrlosigkeit befunden. Aber ein erhebliches Maß von Unsicherheit in der Wahl des Kampfverfahrens und der Kampfmittel drückte zweifellos nicht nur dem Ringen am San, sondern beinahe allen von öst.-ung. Truppen in diesen Wochen durchgefochtenen Schlachten seinen Stempel auf. Die Erfahrungen des ersten Feldzuges hatten vieles von dem, was Truppe und Führung an Friedensausbildung besaß, über Nacht umgeworfen. Aber es hatte sich zunächst weder die Zeit noch die Möglichkeit gefunden, an die Stelle des Alten Neues zu setzen.

29


I 2. Aufl.

Diese Erscheinung, die — wie schon bemerkt — während der hier dargestellten Feldzugsphase fast in der ganzen öst.-ung. Wehrmacht zutage trat, erklärt nicht zum mindesten, daß es den Russen unter Dimitriew gelang, am San überlegene gegnerische Kräfte wider den Willen der öst.-ung. Heeresleitung mehrere Tage hindurch zu binden. Die russische

3. Armee hatte einen erheblichen Teil des k.u.k. X. Korps zum Aufschub des schon eingeleiteten Abmarsches genötigt und hatte auch das k.u.k.

IX. Korps daran gehindert, der Walstatt südlich von Przemyśl Verstärkungen zuzusenden. Mehr als diese Aufgabe zu erfüllen, war freilich auch den Kämpfern Dimitriews versagt.

Die Schlacht bei Iwangorod

(22. bis 26. Oktober^    .

Der Angriff Dankls gegen die russische 4. Armee Hiezu Beilage 17 sowie Skizzen 30, 31 und 32

Die k.u.k. 1. Armee war unterdessen mit ihren Hauptkräften südlich von Iwangorod in neue, schwere Kämpfe von entscheidender Bedeutung eingetreten.

Das zuerst nach Norden abgezweigte I. Korps, GdK. Karl Kirchbach (5., 12. ID.,46.SchD.),hatte die an derWeichsel aufwärtsIwangorodbefind-lichen deutschen Truppen abgelöst. Die 106. LstlD. und die 35. LstlBrig. sicherten zwischen Zawichost und Solec und hatten dort bis zum 19. Oktober die deutsche 38. ID. (XI. Korps) freigemacht. Die Masse des k.u.k. V. Korps, FZM. Puhallo (14., 33. ID., 43. SchD.), näherte sich an diesem Tage der Iłżanka, während die 37. HID. Tarłów erreichte. Dem schon erwähnten Angriffsplan Conrads entsprechend hatte das AOK. dem GdK. Dankl befohlen, „am 20. Oktober die von Süden herangeführten vier Divisionen [14., 33., 37. und 43.] an der Iłżanka für eine Offensive gegen den aus Iwangorod vorbrechenden Feind bereitzustellen und die Gruppe Kirchbach im Einklang mit dem GRKorps so zurückzunehmen, daß sie in die allgemeine Vorrückung der 1. Armee eingefügt werden kann“. Daraufhin hatte GdK. Dankl, der diesen Angriff am 22. mit dem linken Flügel über Jedlnia zu führen gedachte, mit dem deutschen 9. Armeekmdo. vereinbart, daß sich das bei Kozienice befindliche GRKorps zur Mitwirkung bei Głowaczew bereitstellen werde.

Plangemäß zogen in der Nacht zum 20. Oktober das k.u.k. I. Korps und die deutschen Truppen aus den Stellungen beiderseits von Iwangorod und bei Kozienice westwärts ab, um die Front für den Nordstoß Dankls freizumachen. Am Abend des 21. stand die aus sieben Divisionen bestehende 1. Armee in einem weiten, gegen Nordosten geöffneten Bogen, der von der Ilzankamündung bis östlich Radom reichte, sprungbereit, um die aus den Weichselbrückenköpfen Kozienice und Iwangorod nachquellenden russischen Kolonnen anzufallen. Vom GRKorps hatte um diese Zeit nur die 3.GID. das linke Radomkaufer bei Glowaczew erreicht, während die l.GRD. in der Gegend von Radom nächtigte1).

Die Masse der deutschen 9. Armee vor Warschau war inzwischen in die Front südlich Łowicz, Rawa und Nw. Miasto ausgewichen. Bei Warka schützte die dem deutschen XX.Korps unterstellte k.u.k. 3.KD. den rechten Flügel. Auf dem äußersten linken Flügel deckten das aus der k.u.k. 7. und der deutschen 8. KD. gebildete Kavalleriekorps FML. Edl. v. Korda und deutscher Landsturm den breiten Raum zwischen Łowicz und derWeichsel.

So hatten die Verbündeten am 21. Oktober abends ihre Streiter zu neuem Kampfe bereitgestellt. Hindenburg wollte zunächst den aus Warschau erwarteten russischen Ansturm auffangen, während die k.u.k.

I.    Armee vor Iwangorod durch einen Flankenstoß den Feind über die Weichsel zurückwerfen sollte. Das dem GdK. Dankl aufgetragene Manöver entbehrte nicht des Wagnisses. Mußte man auf der einen Seite hoffen, daß der Russe wirklich aus Iwangorod hervorbrach, so war es auf der anderen Seite Vorbedingung des Erfolges, daß es ihm nicht glückte, eine allzu große Macht an Streitern zu entwickeln. Erfüllten sich diese Erwartungen, dann konnte die Kühnheit des Planes freilich durch einen großen Erfolg gelohnt werden.

Großfürst Nikolai Nikolajewitsch hatte den allgemeinen Angriff der aus der 2., 5., 4. und 9. Armee bestehenden „Dampfwalze“ auf den 18. Oktober festgesetzt. Da aber der Bahntransport der 5. Armee aus dem Raum um Lublin an die Weichsel oberhalb von Warschau Unter zahlreichen Verzögerungen vor sich ging, mußte das Vorbrechen der „Dampfwalze“ immer wieder aufgeschoben werden. Inzwischen hatte allerdings der linke Flügel der 2. Armee vor Warschau in südlicher Richtung ausgegriffen, um den zuerst einlangenden Teilen der 5. Armee bei Góra Kalwarja den Weg über die Weichsel zu öffnen. Unterhalb von Iwangorod bemühte sich auch die 4. Armee nach den Rückschlägen des 10. und

II.    Oktober (S. 411) in erbittertem Ringen den bei Kozienice auf dem linken

x) Reichsarchiv, V, 474 f.

Stromufer gewonnenen Brückenkopf zu erweitern. Als die russische Heeresleitung die Verschiebung öst.-ung. Truppen gegen Iwangorod erkannte und auch mit der Möglichkeit des Eintreffens deutscher Verstärkungen rechnete, drängte sie die beiden Befehlshaber der Fronten, den längst geplanten und so lange hinausgeschobenen allgemeinen Vormarsch von der mittleren Weichsel zu beginnen. Doch bevor dieser ins Rollen kam, erhielt der Großfürst die überraschende Nachricht von dem Abzüge des Gegners vor Warschau und Iwangorod. Er glaubte die Entscheidung errungen zu haben und erließ am 22. Oktober einen Verfolgungsbefehl, der den Angriffsarmeen (2., 5., 4. und 9.) die Linie Kutno—Tomaszów a. d. Pilica—Sandomierz als Ziel gab.

Bei Kozienice war inzwischen Gen. Ewert, der Kommandant der russischen 4. Armee, dem abziehenden Gegner schon gefolgt. Er gelangte am Abend des 21. mit dem XVII. Korps bis in die Gegend südlich von Brzuza und Augustów, während das III. kauk. Korps nebst der halben 75.RD.Gar-batka erreichten. Am nächsten Tag sollte der Vormarsch mit allen Kräften der 4. Armee fortgesetzt werden. Gen. Ewert beabsichtigte, die UralKosD. und das XVI. Korps über die Brücke von Pawłowice dem XVII. Korps folgen zu lassen, indes das GrenKorps und die TransbaikalKosBrig. weiter nördlich bei Tarnów über den Strom zu gehen hatten. Die 9. Armee, die mit ihrer Masse im Raume südöstlich von Iwangorod versammelt wurde, sollte mit dem Gardekorps bei Iwangorod, mit dem XXV. und XIV. Korps bei Nowo Aleksandrya und dem XVIII. Korps zwischen Kazimierz und der Sanmündung die Weichsel überschreiten. Da sich der Übergang dieserTruppenverspätete,wurde demXVII.und dem III.kauk.Korps am 22. Oktober nur Jedlnia und der Raum beiderseits von Policzna als Ziel gesetzt1). Um die Mittagsstunde, als diese kurze Vorwärtsbewegung eben zur Durchführung kam, wurden die Russen durch den Angriff der Armee Dankls überrascht.

Am 21. Oktober um 9hvorm. hatte GdK. Dankl seinen Angriffsbefehl ausgegeben. Er nahm darin an, daß der Russe den von Góra Puławska und Kozienice abgerückten verbündeten Truppen folgen werde, und befahl, diese russischen Kräfte am 22. Oktober über die Weichsel zu werfen. Das V. Korps hatte mit seiner westlichsten Kolonne durch Zwolen und über Czarnolas derart vorzurücken, daß es die Straße Zwolen—Góra Puławska um 10h vorm. erreichte. Gegen die Weichsel hatte sich das Korps zu sichern. Das I. Korps sollte mit der östlichsten Kolonne über Zwolen auf Stary Zawada und mit der westlichsten Kolonne auf der Straße über Jedlnia

1 j K o r o 1 k o w, Warschau—Iwangorod, 169 ff, 206 ff.

auf Kozienice vorgehen und hatte die Linie Brzezinki—Jedlnia um 8h zu überschreiten. Das den rechten Flügel der 9. Armee bildende GRKorps unter GdA. v. Gallwitz sollte, sobald es zum Kampfe kam, überGlowaczew gegen die westliche Flanke des Feindes eingreifen. Die 43. SchD. hatte, über Kazanów marschierend, mit ihrer Tete um 10h vorm. Brzezinki zu erreichen und dort zur Verfügung des Armeekmdos. bereitzustehen. „Der Kampf,“ so hieß es am Schlüsse des Angriffsbefehles, „ist gemäß der allgemeinen Kriegslage derart zu führen, daß die Russen noch im Laufe des 22. Oktober geworfen werden“.

War es somit Dankls Absicht, den Stoß gegen die Weichsel schon am 22. Oktober mit allen Kräften ins Werk zu setzen, so mußten bald Zweifel entstehen, ob es schon an diesem Tage zu entscheidenden Kämpfen kommen werde. Nach den bis 21. abends vorliegenden Nachrichten waren aus Iwangorod und Kozienice nur russische Vortruppen gegen Süden gefolgt. Eine Meldung des V. Korps besagte, daß eigene Aufklärungsabteilungen in den Wäldern bei Góra Puławska auf schwächeren Feind gestoßen seien. Dort habe der Russe den Brückenschlag begonnen und auf dem rechten Weichselufer starke Kräfte versammelt. Schenkte man auch beim 1. Armeekmdo. den Aussagen über den Brückenschlag bei Góra Puławska zunächst wenig Glauben, so mahnte doch ein aufgefangener russischer Funkspruch zur Vorsicht, dem zu entnehmen war, daß das russische XIV. Korps am 22. Oktober von Opole nordwärts marschiere.

Noch am 21. abends wurde dem FZM. Puhallo vom Armeekmdo. nahegelegt, die bei Nowo Aleksandrya etwa übergegangenen feindlichen Kräfte zurückzuwerfen und die angebliche Brücke bei Góra Puławska zu zerstören. Gleichzeitig wurde das GRKorps aufgefordert, am 22. derart einzugreifen, daß es möglichst gleichzeitig mit dem linken Flügel des

I. Korps Kozienice erreichen konnte.

Am frühen Morgen des 22. Oktober brach die Armee Dankl auf.

Der Kommandant des V. Korps, FZM. Puhallo, wollte mit seinen drei Divisionen (14. und 33. ID., 37. HID.) in schiefer Schlachtordnung, mit vorwärts gestaffeltem rechtem Flügel, in einem Zuge bis an den Weichselhöhenrand unterhalb Nowo Aleksandrya vorrücken, um möglichst tief in des Feindes Flanke zu greifen. Er glaubte, eine ununterbrochene Staffelgruppierung nach rechts vorne umso unbesorgter wagen zu dürfen, als ein Überschreiten des hochangeschwollenen Stromes außerhalb des permanenten Brückenkopfes Iwangorod durch stärkere Feindkräfte für wenig wahrscheinlich gehalten wurde. Noch vor Antritt der Angriffsbewegung hatte eine neuerlich gegen die angebliche Übergangsstelle bei Góra

PuławskavorgeschickteNachrichtenabteilung gemeldet,daß die schwachen russischen Kräfte, die dort am Vortage in den Wäldern aufgetaucht waren, längst vertrieben seien, und ein Brückenschlag nicht festgestellt werden könne. Um den Weisungen des Armeekmdos. zu entsprechen, hatte FZM. Puhallo dennoch seiner rechten Flügeldivision, der 37. HID., den Befehl erteilt, sich gegen Góra Puławska durch eine starke Kolonne unter Befehl des GM. Paul Nagy zu schützen.

Um die zehnte Vormittagstunde hatten die 37.HID. und die 33. ID. den Raum westlich Łagów erreicht, die 5. ID. überschritt die Straße bei Zwolen, die 46. SchD. und die 12. ID. näherten sich den Orten Czarna und Jedlnia. Der Tag ließ sich scheinbar gut an. Da trafen zwei überraschende Nachrichten ein.Die eine besagte,daß der Feind südlich von Józefów dieWeichsel auf einer Brücke überschritten habe. Die zweite berichtete, daß russische Kompagnien seit den Morgenstunden bei Kazimierz überschifft würden. Während der Kommandant der 35. LstlBrig., GM. Münzel, seine Abschnittsreserven den bei Józefów angeblich übergegangenen Feinden entgegensandte, setzte FML. Wieber vier Bataillone und zwei Batterien der 37. HID. gegen Kazimierz mit dem Aufträge in Marsch, die dort herübergekommenen schwachen russischen Kräfte zu vertreiben. Ungestört durch diese anscheinend mehr Ablenkungszwecken dienenden russischen Übergangsversuche war unterdessen die Angriffsbewegung der Armee Dankl in raschem Flusse geblieben.

Um die Mittagsstunde schwenkte am äußersten rechten Flügel die 37. HID. zum Schutze der rechten Armeeflanke gegen Góra Puławska ab. Die beiden anderen Divisionen Puhallos und das I. Korps waren im Vormarsch gegen Norden geblieben. Die Spitzen ihrer Marschsäulen näherten sich gerade nördlich der querlaufenden Straße Radom—Zwolen—Góra Puławska der Linie Czarnolas—Policzna—Zagożdzon— Jedlnia. Da tauchten plötzlich auf allen von Norden heranführenden Anmarschwegen russische Kolonnen auf, die anscheinend nach Süden strebten. Rasch wurden die öst.-ung. Divisionen zur Entwicklung gebracht, und alsbald loderte auf der ganzen Front starkes Geschütz- und Plänklerfeuer auf. Die Schlacht bei Iwangorod hatte begonnen.

Östlich von Czarnolas bis zur Weichsel klaffte eine Lücke in der russischen Schlachtfront, da das Gardekorps von Iwangorod noch nicht heran wrar. Hier traf die k.u.k. 33. ID., FML. Rebracha, etwa um lh nachm. auf russische Vortruppen. Auf den Gefechtslärm hin beschleunigte FML. Martiny den Vormarsch der weiter östlich vorrückenden 14. ID. und drängte um 3h nachm. mit der linken Kolonne seiner Division schwachen Feind zurück. Die rechte Kolonne Martinys setzte unterdessen kampflos den Vormarsch gegen Gniewoszów fort. Von Umfassung bedroht, räumten die bei Czarnolas befindlichen Truppen der russischen 75. RD. das Gefechtsfeld und eilten gegen Garbatka zurück. Die Vorhuten der 14. und der 33. ID. folgten dem weichenden Feind. Nordöstlich von Policzna stießen sie jedoch auf starken Widerstand. Hier war unterdessen die Spitzenbrigade des russischen GKorps von Iwangorod herbeigeeilt und hatte die geschlagene 75. RD. zu neuem Widerstand befähigt.

Auch das k.u.k. I. Korps war inzwischen heftig mit dem Feinde zusammengeraten. Die 5. ID., FML. Scotti, die mit der 9. IBrig. als rechte, mit der 10. IBrig. als linke Kolonne vorgerückt war, kam bei Policzna und westlich davon in das heftige Feuer russischer Schützen, das den Angriff zum Stillstand brachte. Die 46. SchD., GM. v.Brandner, warf zunächst bei Susko Wola russische Vorhuten zurück, prallte jedoch weiter nördlich auf anscheinend gleich starken Feind, dessen Widerstand nicht gebrochen werden konnte.

Aussichtsvoll hatte sich das Gefecht der 12. ID., FML. Kestřanek, entwickelt. Als ihreVortruppen um 10h vorm. vor Jedlnia eintrafen, fanden sie die Ortschaft von den Russen verrammelt. Auch nördlich von Jedlnia, wo die große Straße nach Kozienice in den Wald führt, waren feindliche Kräfte im Anmarsch gesichtet. FML. Kestřanek setzte seine Truppen zum beiderseits umfassenden Angriff an, um sich den Weg nach Kozienice zu öffnen. Gleichzeitig forderte der Korpskommandant, GdK. Karl Kirchbach, das preuß. GRKorps auf, von Głowaczew gegen Stanislawica vorzustoßen, damit den bei Jedlnia stehenden russischen Kräften der Rückweg nach Kozienice verlegt werde. Um die Mittagsstunde stürmten die Truppen der 12. ID. das brennende Jedlnia und stießen dem weichenden Feinde bis in die Wälder südlich Augustów nach. Die von Augustów herangeführten russischen Verstärkungen, Teile des XVII. Korps, wurden vom überstürzten Rückzug ihrer Vortruppen mitgerissen und gingen, die rechte Flanke des III. kauk. Korps vollständig entblößend, bis unmittelbar südlich von Kozienice zurück. Mit der größten Spannung erwartete man jetzt beim I. Korpskmdo. das Eingreifen des GRKorps. Schon glaubten sich die an die Radomka westlich von Stanisławów vorgeschobenen russischen Sicherungstruppen über Brzuza von deutschen Truppen bedrohtundgingen auf Stanisławica zurück. Hielt der Angriffsschwung der 12. ID. jetzt an und stieß das GRKorps, wie sehnlichst erwartet wurde, gegen Kozienice vor, so konnte das russische XVII. Korps von zwei Seiten umfaßt, vom

III. kauk. Korps abgesprengt und in die Weichsel geworfen werden. Da teilte das GRKorps um 3h nachm. mit, daß es sich infolge des Zurückgehens der öst.-ung. 3. KD. von Warka auf Stromiec und wegen des Erscheinens russischer Kräfte an der unteren Pilica in Flanke und Rücken bedroht fühlte und daher ,,ein Vorstoß in der Richtung auf Stanislawica, zu welchem nach der derzeitigen Gruppierung des GRKorps ohnehin nicht mehr als eine Brigade zur Verfügung stehe, heute nicht mehr möglich sei“. Mit den Truppen der 12. ID. bei diesen unsicheren Verhältnissen in das große Waldgebiet südlich Kozienice vorzustoßen, erschien nun auch nicht mehr ratsam. Als es endlich Abend wurde, blieben die müden Regimenter des FML. Keštranek im Raume südlich von Augustów und Mar-janów stehen.

Unter dem Eindrücke der ersten Meldungen, die vom Gefechtsfelde bei dem in Ostrowiec befindlichen 1. Armeekmdo. einliefen, hatte sich am 22. Oktober zunächst die Anschauung gebildet, daß der 1. Armee nur vorgeschobene russische Aufklärungsabteilungen entgegengetreten sein mochten, und der Feind, wie Hptm. Fleischmann über die Auffassung des deutschen 9. Armeekmdos. um die Mittagsstunde berichtete, mit stärkeren Kräften bisher über Iwangorod nicht gefolgt sei. Da traf um 4h nachm. vom I. Korps die Nachricht ein, daß die 46. SchD. auf gleich starken Feind gestoßen und bei Januszno festgeraten sei. Um der 46. SchD. das Vorwärtskommen zu ermöglichen, befahl das Armeekmdo. dem I. Korps, mit der 5. ID. die östliche Flanke dieser feindlichen Kräfte zu umgehen und über Garbatka auf Brzeźnica vorzustoßen. Gleichzeitig wurde FZM. Puhallo angewiesen, mit der 33. ID. über Sarnów auf Klasztorna Wola links einzuschwenken, während die 14. ID. und die 37. HID. ein Hervorbrechen der Russen über die Weichsel aufwärts von Gniewoszów zu verhindern hatten.

Soweit sich nach den bis zum Abend beim 1. Armeekmdo. vorliegenden Nachrichten überblicken ließ, hatte das V. Korps den Raum westlich von Góra Puławska und beiderseits von Sarnów, das I. Korps den nördlich von Policzna, Januszno, Augustów und südlich von Stanisławów erreicht. Die vom 1. Armeekmdo. um 3h nachm. angeordnete Umfassungsbewegung der 5. ID. gegen den feststehenden Feind vor der 46. SchD. war also noch nicht eingeleitet worden. Trotzdem blieb die Beurteilung der Gesamtlage beim 1. Armeekmdo. günstig. Das I. und das V. Korps meldeten in anwachsender Zahl die von den Truppen an diesem Tage eingebrachten Gefangenen. Das Armeekmdo. schätzte die Stärke des am 22. geschlagenen Feindes auf eine bis anderthalb Divisionen. Was sich an Feindkräften noch im Brückenkopf von Iwangorod, im Raume von Nowo Aleksandrya und bei Kozienice verbarg, entzog sich freilich noch dem Einblick. Aber es lagen zunächst keinerlei Anzeichen vor, aus denen sich die bisher gewonnene Anschauung, daß ,,nicht mehr viel Russen aus Iwangorod herauskommen würden“, als irrig erweisen mochte. Man hoffte daher, am 23. Oktober durch festes Zufassen das Ziel zu erreichen. Eine rasche Entscheidung schien jetzt umso mehr geboten zu sein, als durch das Auftreten starker russischer Kräfte bei Warka im Rücken des GRKorps schon sehr bald das Eingreifen der 1. Armee über die Radomka notwendig werden konnte. Bei solcher Überlegung entschloß sich GdK. Dankl, seinen rechten Flügel zu Gunsten seines Zentrums zu schwächen, um mit den Hauptkräften der Armee an Iwangorod vorbei nordwestwärts durchzustoßen und den südlich von Kozienice angenommenen Feind in die Zange zu nehmen. Die Weisungen des 1. Armeekmdos. vom 22. Oktober abends, denen diese Absichten zugrunde gelegt waren, lauteten:

„Am 23. Oktober sperrt die 33. ID. zwischen der Weichsel und der Bahn nächst Klasztorna Wola die Festung ab. Die 37. HID. verhindert an der Weichsel von Opatko-wice aufwärts den Russen ein Übergehen über den Fluß. Die 14. ID., welche dem I. Korps unterstellt wird, hat nach Policzna abzurücken. Das I. Korps wirft die Russen, sie von Iwangorod abdrängend, gegen die Weichsel zurück und sperrt im Anschlüsse an die 33. ID. die Festung zwischen der Bahn und der Weichsel ab. Die 43. SchD. wird dem I. Korpskmdo. unterstellt und ist am westlichen Flügel des Korps zu verwenden.“

Bei den Russen hatte der völlig überraschende Angriff der Armee Dankl die Vorwärtsbewegung des XVII. und des III. kauk. Korps am 22. Oktober völlig zum Stehen gebracht. Gen. Iwanow bemühte sich daher, den Stromübergang der 9. Armee zu beschleunigen. Noch in der Nacht zum 23. eilte das ganze GKorps von Iwangorod heran und schloß die Lücke, die bisher zwischen Czarnolas und der Weichsel in der russischen Front geklafft hatte. Bei Nowo Aleksandrya hatten die russischen Pontoniere am Abend den Brückenschlag beendet und in der Nacht warf Gen. Letschitzki dort das XXV. Korps nach Góra Puławska hinüber. Langsamer gedieh der Weichselübergang des GrenKorps bei Tarnów und des XVI. bei Pawłowice. In Erwartung dieser Kräfte hatten sowohl Gen. Ewert wie Letschitzki für den 23. den Angriff befohlen. Das GrenKorps sollte zwischen Pilica und Radomka zunächst bis in die Linie Warka— Ryczywół vorrücken. Das XVI. Korps hatte bis in den Raum von Kozienice zu gelangen und mit seinen vordersten Teilen in den Kampf des XVII. einzugreifen. Das XVII. und das III. kauk. Korps sollten gegen Radom vorstoßen. Das GKorps war in der Richtung auf Zwolen angesetzt, während das XXV. Korps von Góra Puławska entlang der Straße nach

Zwolen gegen die rechte Flanke der Armee Dankl vorzugehen hatte. Außerdem schob Gen. Letschitzki längs des rechten Weichselufers das XIV. Korps unter Gewaltmärschen nach Nowo Aleksandrya heran !).

So hatten auf beiden Seiten die Armeeführer ihre Streiter zum Angriff gerufen. Als der trübe Herbstmorgen des 23. Oktober graute, wuchs die kriegerische Handlung auf dem Gefilde zwischen der Weichsel und der Radomka zu einem großen Begegnungskampfe an.

Das Eingreifen der rassischen 9. Armee und die Kämpfe am 23. und 24. Oktober

Hiezu Beilage 18 sowie Skizze 32

FZM. Puhallo ließ in der Nacht auf den 23. Oktober die 37. HID. zum Angriff auf Góra Puławska bereitstellen. Er schätzte die bisher auf das linke Weichselufer herübergekommenen feindlichen Kräfte auf zwei Regimenter. Als die Honvéds am Morgen antraten, zeigte sich alsbald, daß Góra Puławska von den Russen bereits viel stärker besetzt war. FZM. Puhallo zog nun auch die Gruppe GM. Nagy heran, die abends zuvor die bei Kazimierz übergegangenen schwachen russischen Kräfte vertrieben hatte. Nach Einsatz dieser Gruppe gelang es, den Angriff auf Góra Puławska weiter vorzutragen und ein Hervorbrechen des Feindes aus dem Brückenkopf zu verhindern. Um die Mittagsstunde verstärkte sich jedoch an der Straße nach Zwolen der Gegendruck der Russen. FZM.Puhallo befahl der 33.ID., alle nur halbwegs entbehrlichen Reserven zur Verstärkung der 37.HID. heranzuführen. Die 33.ID. konnte aber nur ganz geringe Kräfte abgeben, da sie selbst in schwere Kämpfe verwickelt war. Sie hatte infolge des Abmarsches der 14. ID. zum I. Korps den ganzen Angriffsstreifen von Czarnolas bis an die Weichsel übernehmen müssen. Ihr linker Flügel war beim Vorgehen gegen die Südfront von Iwangorod in schweres Artilleriefeuer geraten. In verlustreichem Kampfe gelang es ihr dennoch, bis zum Abend Sarnów zu nehmen. Gegen den rechten Flügel der Division hatte sich der feindliche Widerstand zusehends verstärkt. Dort hatten sich die Russen am Weichselhöhenrand zwischen Gniewoszów und Góra Puławska festgesetzt und drohten mit einem Angriff.

Der Kommandant des I. Korps, GdK. Kirchbach, hatte im Sinne des Armeebefehles vom 22. Oktober abends seine Streitkräfte zu konzentri-

schem Vorgehen auf Kozienice angesetzt. Die 5. ID. hatte den Auftrag erhalten, mit ihrem rechten Flügel über Policzna in nordöstlicher Richtung vorzustoßen. Die 46. SchD. sollte mit der Masse über Bogucin auf Brzeźnica und mit einer linken Kolonne ostwärts von Augustów gegen Kociełki angreifen, während die 12. ID. gegen den Raum westlich Kozienice vorzugehen hatte. Die vom Armeekmdo. dem I. Korps neu unterstellten Kräfte, die 14. ID. und die 43. SchD., gedachte Kirchbach zur Verstärkung seiner beiden Angriffsflügel zu verwenden. Und zwar sollte die 14. ID. über Policzna rechts im Anschluß an die 5. ID. eingesetzt werden, während die 43. SchD. zunächst mit ihrer Hauptkraft über Jedlnia und mit dem Rest nach Zagożdzon vorzurücken hatte.

Befehlsgemäß ging die 9. IBrig. der 5. ID. im Verein mit der 14. ID. aus dem Raume von Policzna in nordöstlicher Richtung vor. Nach hai'tem Kampf entrissen die tapferen Deutschmährer des IR. 93 dem Feinde einen Weiler nördlich von Policzna. Dann preßte das rasende feindliche Abwehrfeuer die Angreifer zu Boden. Weiter westlich, am Nordrand von Anielin, hatte sich die 10. IBrig. eingegraben. Ihrem Angriff kamen Teile des III. kauk. Korps zuvor.

In der Mitte des I. Korps sah sich GM. Brandner mit der Masse der 46. SchD. ostwärts von Zagożdzon an der Bahnlinie nach Iwangorod durch den heftigen Gegendruck des III. kauk. Korps festgehalten. Erst als der Angriff der 12. ID. über Augustów Raum gewann, konnte auch die 46.SchD. wieder zum Angriff schreiten. Das Gelände unmittelbar nördlich der Bahn wurde vom Feinde gesäubert und Teile der 46. SchD. drangen in Bogucin ein. Ein Gegenstoß russischer Reserven drängte jedoch die Schützen alsbald wieder auf die Bahn zurück.

In erbitterten Waldgefechten vollzogen sich inzwischen die Kämpfe am linken Flügel des I. Korps, wo FML. Kestřanek die 12. ID. in zwei Gruppen auf Kozienice angesetzt hatte. In diesem Raume ging das russische XVII. Korps auf Marjanów und Augustów vor. Die weiten Waldungen verdeckten den Anmarsch der Russen. Um die Mittagsstunde prallten die rechte Flügelgruppe der 12. ID. und die linke Seitenkolonne der 46. SchD. mit dem heranrückenden Feinde bei Augustów zusammen. In stürmischem Anlauf wurden die Russen über den Haufen geworfen und verfolgt. Infolge des schweren feindlichen Artilleriefeuers vermochten die Regimenter des I. Korps jedoch über Kociełki nicht durchzudringen. Die geschlagene feindliche Gruppe war unterdessen von der schleunigst herangeführten Spitzenbrigade des russischen XVI. Korps aufgenommen und zum Stehen gebracht worden.

Während sich diese Vorgänge am rechten Flügel der 12.ID. abspielten, war der linke Flügel bis Marjanów vorgekommen. Hier stellte diese Gefechtsgruppe infolge heftigen Feuers, das ihr plötzlich aus Stanisławów entgegenschlug, die weitere Vorrückung ein. Auch die von Jedlnia herangezogene 43. SchD., die links der 12. ID. in das Gefecht eingriff, blieb vor Stanisławów liegen und wartete die Einwirkung des GRKorps ab. Dieses sandte aber zunächst nur die 6. GIBrig. über Glowaczew auf Brzuza vor, denn der linke Flügel der 3.GID. wurde durch das Auftreten russischer Kräfte nördlich Ryczywół und bei Warka am linken Radomkaufer festgehalten. Erst am Nachmittag, als die auf Glowaczew nachrückende

1. GRD. die Deckung gegen Norden übernahm, griff auch der linke Flügel der 3. GID. in südöstlicher Richtung an. Durch diesen Vorstoß wurde der rechte Flügel des russischen XVII. Korps bei Stanisławów im Rücken bedroht und ging schleunigst gegen Kozienice zurück. In Unkenntnis dieser günstigen Gefechtslage blieben die 43. SchD. und die 12. ID. vor Stanisławów stehen. Auch war inzwischen von Fliegern ein ganzes russisches Korps bei Tarnów im Übergang über die Weichsel gemeldet worden, so daß GdA. v. Gallwitz die halbe 3. GID. wieder auf das linke Ufer der Radomka herüberzog1).

Während dieser Kämpfe vor Iwangorod war die Lage auf dem Westflügel der deutschen 9. Armee vor Łowicz durch das umfassende Vorgehen weit überlegener russischer Kräfte schon recht bedrohlich geworden. GO. Hindenburg hatte dem am 23. Oktober vormittags zum k. u. k. 1. Armeekmdo. entsandten Prinzen Joachim von Preußen aufgetragen, dem GdK. Dankl zu melden, daß die deutsche 9. Armee werde zurückgehen müssen; die k.u.k. 1. Armee möge zu ihrer Entlastung über die Pilica angreifen.

GdK. Dankl war bereit, in den schweren Kampf der 9. Armee einzugreifen, sobald der Feind vor Iwangorod geschlagen war. Die Aussichten hiefür waren aber inzwischen immer schlechter geworden. Um die Mittagsstunde hatte Hptm. Fleischmann einen entzifferten russischen Funkspruch mitgeteilt, dem zu entnehmen war, daß bereits acht bis zehn russische Infanteriedivisionen über die Weichselbrücken bei Nowo Aleksandra, Iwangorod und Pawłowice gekommen waren und noch weitere Kräfte zuflossen. Am Spätnachmittag ging die völlig überraschende Nachricht ein, daß der Feind auch oberhalb von Kazimierz, bei Brzeście, eine Brücke geschlagen habe und über die Weichsel vorgehe. War diese Meldung richtig, so drohte dem östlichen Armeeflügel die größte Gefahr. Aus Rückfragen beim V. Korpskmdo. ergab sich, daß die Brücke bestand. Der

Generalstabschef der 1. Armee, GM. v.Kochanowski, und der Chef der Generalstabsabteilung, Obst. Freih. v. Waldstätten, dachten an Rückzug. Der Feind konnte mit starken Kräften von Kazimierz her in der Nacht auf dem linken Weichselufer festen Fuß fassen. Dem V. Korps standen keine nennenswerten Reserven mehr zur Verfügung, um ihn wieder zurückzuwerfen, nachdem man die 14. ID. nach Policzna entsandt hatte, um mit ihr auf Kozienice durchzudringen (S. 457). GdK. Dankl blieb aber entschlossen, den Kampf weiter zu führen. Er befahl am Abend dem GdK. Kirchbach, zur Unterstützung des V. Korps sofort Truppen nach Łagów in Marsch zu setzen. Das GRKorps forderte er auf, gegen Kozienice anzugreifen, wenn auch eine wesentliche Unterstützung durch diesen Nachbar angesichts der Lage in dessen Rücken kaum mehr zu erhoffen war.

Der Stab Dankls verweilte in bangem Harren, als vom FZM. Puhallo die Nachricht einlangte, daß die Verhältnisse bei Brzeście zwar noch nicht geklärt seien, das V. Korpskmdo. aber einen Rückzug noch nicht für nötig erachte. Darauf ließ GdK. Dankl dem V. Korps die Ermächtigung erteilen, „wenn nötig auf Zalazy zurückzugehen“.

Der Bedrohung von Brzeście her wenig Glauben schenkend, wollte FZM. Puhallo am Morgen des 24. Oktober mit der durch vier Bataillone und eine Haubitzdivision der 33. ID. verstärkten 37. HID. den Angriff auf Góra Puławska fortsetzen. Er sah den weiteren Ereignissen um so mehr mit Zuversicht entgegen, als die Zurückstellung der zum I. Korps entsandten 14. ID. zu erwarten stand. Schon am Spätabend des 23. waren aber die Angriffe der Russen gegen den rechten Flügel des I. Korps stärker geworden. Eine Lücke, die zwischen der 5. und 14. ID. entstand, nötigte GdK. Kirchbach, einen Teil der zum Abmarsch nach Łagów bestimmten Truppen wieder einzusetzen. Es gelang jedoch, bis zum 24. Oktober früh bei Łagów zehn Kompagnien des V. Korps, ein paar Landsturmabteilungen und die vordersten Schwadronen der von Süden heranrückenden

11. HKD. zu versammeln^ Als diese Truppen gegen Brzeście vorstießen, stellte sich heraus, daß die Russen dort nur schwache Kräfte überschifft hatten.

Inzwischen war die 37. HID. mit der Front gegen Ost zum Angriff auf Góra Puławska angetreten. Ihr Südflügel konnte im Laufe des Vormittags den Feind gegen die Weichsel zurückdrängen. Dem Nordflügel gelang es jedoch nicht, vorwärtszukommen. Die 33. ID. hatte zur Unterstützung der 37. HID. nur ein Bataillon und die Haubitzdivision abgeben können, da ihr starker Feind gegenüberstand. Um die Mittagsstunde ging aus Góra Puławska die russische 3. GrenD. zum Gegenstoß vor. Sie wurde durch das kraftvolle Artilleriefeuer des k.u.k.V.Korps zurückgeschlagen. Bis zum Nachmittag flössen den Russen Verstärkungen zu. Die russ.45.ID. (XIV. Korps) war von Nowo Aleksandrya her auf das linke Weichselufer übergegangen. Sie brachte den Angriff des russischen XXV. Korps wieder ins Rollen. Diesem neuerlichen Ansturm weit überlegener Kräfte waren die erschöpften Honvéds nicht mehr gewachsen. Sie wichen in den Raum östlich von Łagów zurück. Die 33. ID. konnte sich vor Gniewoszów behaupten, mußte jedoch abends infolge des Rückschlages bei der 37.HID. ihren rechten Flügel zurückbiegen.

Ostflügel und Mitte des I. Korps — 14. und 5. ID., 46. SchD. —hatten den ganzen Tag unter dem Feuer schwerer russischer Geschütze zu leiden und blieben an den Ort gefesselt. Russische Vorstöße führten bei Policzna vorübergehend zu einer schwierigen Lage, wurden aber schließlich von der 5. und der 14. ID. abgeschlagen.

Auf dem linken Flügel des I. Korps setzten am frühen Morgen die

12. ID. und die 43. SchD. ihren Angriff fort. Kämpfend erreichten sie bis zur Mittagsstunde den Waldrand vor Stanisławica. Sie waren damit auf gleiche Höhe mit der aufKocielki vorgedrungenen Gruppe GM. v. Urbański

— Teile der 43. und 46. SchD. — gekommen. Ein weiteres Vorgehen wurde durch das heftige Abwehrfeuer des russischen XVII. Korps verwehrt.

Links im Anschluß an die k. k. 43. SchD. kämpfte am 24. Oktober, da die Masse des GRKorps durch den von Ryczywół und Warka her drohenden Feind festgehalten wurde, lediglich die 5. GIBrig., die aber nur einige Kilometer ostwärts von Brzuza hinauskam !). An der Straße von Kozienice und östlich davon machten sich am Nachmittag russische Gegenstöße geltend, die zur Folge hatten, daß die Gruppe Urbański, die

12. ID. und die 43. SchD. nach wechselvollen Kämpfen am Abend wieder nach Augustów und Stanisławów zurückgenommen werden mußten.

Mit steigender Spannung hatte man beim 1. Armeekmdo. in der Nacht zum 24. Oktober den weiteren Ereignissen auf dem östlichen Armeeflügel entgegengesehen. Erst am 24. vormittags ging die Meldung Puhallos ein, daß der Russe bei Brzeście bisher nur ein bis zwei Bataillone überschifft habe, und daß zu deren Vertreibung die Korpsreserve (etwa neun Kompagnien, eine Schwadron und vier Batterien) angesetzt sei. Aus den weiteren Meldungen des V. Korps erfuhr man, daß das Vorgehen der 37. HID. auf Góra Puławska Fortschritte erzielte. Auch der linke Flügel des I. Korps befand sich zur Zeit in fortschreitendem Angriff auf Kozienice. Ebenso lauteten die Nachrichten günstig, die von der 35. LstlBrig.

1j R e i c h s a r c h i v, V, 481 f.

und der 106. LstlD. kamen. Die Russen entfalteten bei Solec wohl eine rege Tätigkeit und hatten sich auf der großen Weichselinsel aufwärts von Józefów mit schwächeren Kräften festgesetzt. Doch waren sie dort noch nirgends auf das westliche Ufer herübergekommen und die Weichselsicherung konnte, wenn nötig, durch die von Sandomierz heranrückenden vordersten Truppen der 2.ID.,GM.Pöschmann, und durch die 2. und 9. KD. verstärkt werden. Da traf um 2h nachm. vom V. Korps die Unglücksbotschaft ein: ,,37. HID. kann sich nicht mehr halten und muß zurückgehen.“ Diese böse Nachricht mußte umso stärker wirken, als von Nowo Aleksandrya her anscheinend zwei bis drei russische Divisionen auf dem linken Weichselufer festen Fuß gefaßt hatten. FZM. Puhallo konnte gegen diese große Übermacht nur noch unwesentliche Teile der 33. ID. von Norden her zum Gegenstoß ansetzen. Es war zu befürchten, daß das Vorgehen der Russen nicht mehr zum Stehen gebracht werden konnte, und die 37. HID. in ihrer Aufnahmsstellung östlich von Łagów alsbald überflügelt werde. In dieser äußerst bedrohten Lage unterstellte GdK. Dankl die 14. ID., die er dem rechten Armeeflügel entzogen hatte, wieder dem FZM. Puhallo und entschloß sich zum Abbruche der Schlacht. Um 3h nachm. gab er den Rückzugsbefehl heraus. Das V. und das I. Korps sollten in der Nacht zum 25. zunächst bis in die Linie Siekierka—Zwoleń— Jedlnia—Jastrzębie gelangen. Da geschah Unerwartetes: beide Korpskommandanten erhoben gegen einen Rückzug Einspruch.

Als beim I. Korps die Mitteilung über Dankls Rückzugsbefehl etwa um 5h nachm. einlangte, wußte GdK. Kirchbach seinen linken Flügel in hin und her wogende Kämpfe verstrickt. Er erhoffte vom Ringen vor Kozienice einen günstigen Ausgang und warnte davor, die Truppen den Gefahren eines nächtlichen Rückzuges durch tiefes Waldgelände auszusetzen, solange noch ein Standhalten des V. Korps zu gewärtigen war. Auch FZM. Puhallo wollte den Kampf fortsetzen. Er berichtete, die 3 7. HID. sei in guter Ordnung, die Verbindung nirgends unterbrochen und die Flanke bei Brzeście gesichert.

Auf Grund dieser zuversichtlichen Meldungen seiner beiden Korpskommandanten verschob GdK. Dankl seinen endgültigen Entschluß auf den nächsten Tag. Vorerst, um 8hl5 abends, befahl er dem V. und dem

I. Korps, ihre Stellungen zu halten und bis zum 25. um 9h vorm. zu melden, ob und wann sie den Angriff fortsetzen könnten.

In diesen für GdK. Dankl so schweren Stunden betrachteten merkwürdigerweise auch die Russen ihre Kampflage nicht sonderlich günstig. Das XXV. Korps hatte sich vor dem Eintreffen des XIV. nur mit Mühe der Angriffe des Gegners zu erwehren vermocht und lagerte entkräftet auf dem blutgetränkten Boden von Góra Puławska. Vergeblich hatte das GKorps in vereinzelten Vorstößen die Mitte der Armee Dankl bei Policzna zu sprengen versucht; das benachbarte III. kauk. Korps hatte wenig Lust gezeigt, den Angriff zu unterstützen. Schwere Sorge bereitete es, daß das XVII. Korps nicht gegen Radom vorwärtszubringen war. Durch das waldreiche Gebiet südlich von Kozienice war die Führung dieses Korps gegenüber der Manövriertaktik des Gegners sehr erschwert worden, und auch die Verwendung der Artillerie hatte sich sehr schwierig gestaltet. Die Hoffnungen auf das Eingreifen des XVI. und des GrenKorps waren bisher nicht in Erfüllung gegangen. Das XVI. Korps war nur noch zurecht gekommen, um eine Niederlage des XVII. Korps zu verhindern, während das GrenKorps zwischen Radomka und Pilica sehr zögernd vorging. Man hielt trotz aller Überlegenheit an Streitern die Lage vor Kozienice für so gespannt, daß Gen. Ewert beschloß, mit der Masse der 4. Armee zunächst stehen zu bleiben, um das Herankommen des GrenKorps und das Eingreifen des linken Flügels der 5. Armee über Warka abzuwarten.Hingegen hatte Gen. Letschitzki bei der russischen 9. Armee für den 25. Oktober die Fortsetzung des Angriffes befohlen. Seine drei Korps — Garde, XXV. und XIV.— sollten die Linie Sucha—Zwolen—Siekierka gewinnen1).

Das Ringen um die Entscheidung

(25. bis 26. Oktober)

Hiezu Beilage 18

Am Morgen des 25. Oktober schoben sich die Russen nur langsam und schwerfällig beiderseits der Straße von Góra Puławska gegen den zurückgebogenen rechten Flügel der Armee Dankl heran. Stärkerer Druck des Feindes machte sich bei Gródek schon in der Nacht fühlbar, wodurch die Verschiebung der 14. ID. aus diesem Abschnitt nach Łagów verzögert wurde. Bis zur Mittagszeit konnten neun Bataillone hinter der kampfmüden 37. HID. versammelt werden. Inzwischen waren aber die Russen aus den Wäldern von Tomaszów schon so nahe an die neuen Stellungen der Honvéds herangerückt, daß deren Ablösung nicht mehr möglich war. Etwa um 3h nachm. kam es nordwestlich von Janowiec zum Kampfe; mit Unterstützung der vordersten Truppen der 14. ID. gelang es, den Feind abzuschlagen.

1 j K o r o 1 k o w, Warschau—Iwangorod, 213 ff.

Auf dem rechten Flügel des I. Korps, bei der 5. ID. und der 46. SchD., war die Schlacht unterdessen immer mehr zum Stellungskrieg erstarrt, während auf dem linken Flügel des GdK. Kirchbach die 12. ID. und die 43. SchD. den Angriff gegen Kozienice wiederholten. Diese beiden Divisionen sahen sich nach dem Rückschlag am 24. abends in das große Waldgebiet südlich von Augustów undMarjanów zurückgedrängt. Um eine bessere Stellung zu gewinnen, wollte sich GdK. Kirchbach der Orte Kocielki und Stanislawica bemächtigen. Das zu diesem Zwecke am 25. früh angesetzte Unternehmen schritt anfangs rüstig vorwärts. Die 12. ID. konnte am Nachmittag Augustów zurücknehmen; die 43. SchD. kam bis an den Ostrand von Stanisławów und Marjanów vor. Dann aber brachten mit Einbruch der Herbstnacht feindliches Feuer und die Ermüdung der Truppen das Vorgehen zum Stillstand.

Die 5. GIBrig. stand am 25. Oktober östlich von Brzuza im Abwehrkampfe gegen überlegenen, von Nord und von Ost anrückenden Feind. Zwischen Radomka und Pilica griff GdA. v. Gallwitz, in der Flanke durch Teile des deutschen XX. Armeekorps und die k.u.k. 3. KD. geschützt, mit der Masse des GRKorps das russische GrenKorps an. Es gelang, diesen Feind nach Norden zu werfen und ihm zahlreiche Gefangene abzunehmen1).

Beim 1. Armeekmdo. hatte man aus den vorliegenden Nachrichten bis zum Abend des 25. Oktober folgendes Bild gewonnen: auf dem rechten Armeeflügel schien sich die Lage wieder gefestigt zu haben; dort schanzte der Feind in der Front vor Góra Puławska. Die Ablösung der hart mitgenommenen 37. HID. durch die 14. ID. war in Durchführung gemeldet. Die rechte Flanke des V. Korps war durch die von Süden herangerückte

ll.HKD. geschützt. In der Armeemitte konnten die 33., die 5. und die 46. Division ihre Stellungen behaupten und verstärken; in diesen Abschnitten hatten die russischen Angriffe nachgelassen. Vor Kozienice waren die 12. ID. und die 43. SchD. am Vormittag in fortschreitendem Angriff. Die Stimmung beim I. Korps blieb trotz der erlittenen großen Verluste zuversichtlich. Bei den Russen traten hingegen Zeichen der Ermattung zutage. GdK. Kirchbach hatte mit Rücksicht auf das GRKorps, das den Angriff am 26. fortsetzen wollte, um den Feind von West her gegen die Radomka zu werfen, neuerlich dringend von einem Rückzug abgeraten. Hinter dem V. Korps war für den 27. Oktober das Herankommen der

2. ID. des X. Korps zu erwarten. Am 29. sollten die beiden anderen Divisionen dieses Korps, 24. und 45., von der Sanfront her folgen; außerdem waren zwei Kavalleriedivisionen, die 2. und die 9., im Anmarsch auf

x) Reichsarchiv, V, 482.

I 2. Aufl.    30

Radom. Unter solch geänderten Verhältnissen entschloß sich GdK. Dankl, den Kampf noch fortzusetzen. Er befahl am 25. Oktober abends den beiden Korpskommandanten, bis zum Einlangen des X. Korps standzuhalten. Vielleicht ließ sich mit den heranrückenden Verstärkungen gegen die russische Übermacht noch ein Zeitgewinn erstreiten.

Zwischen den Siegeshoffnungen Letschitzkis und der Bedrängnis Ewerts schwankte die Waage der Schlachtentscheidung hin und her. Der Kampf am 25. Oktober hatte für die russische 4. Armee keine Erleichterung gebracht, nur ihre Lage verschlechtert. Das GrenKorps, das der Gruppe Klembowski — XVII. und XVI. Korps — Entlastung bringen sollte, war vom Gegner zwischen der Radomka und der Pilica gegen die Weichsel zurückgeschlagen worden. Die Gruppe Klembowski und das

III. kauk. Korps waren außerstande anzugreifen, da sie vom Gegner selbst angegriffen oder durch dessen Abwehrfeuer in den Gräben festgehalten wurden. Gen. Ewert befürchtete sogar, daß sich die vor Kozienice zusammengedrängten Truppen, mit einem unsicheren Weichselübergang im Rücken, nicht mehr lange würden behaupten können, und befahl dem Gen. Klembowski, eine Aufnahmsstellung vorzubereiten, um im Falle eines weiteren Rückschlages das linke Weichselufer zu halten.

Hingegen hatte sich die Lage bei der russischen 9. Armee unverkennbar verbessert. Auf ihrem Südflügel hatten das XXV. und das XIV. Korps den notwendigen Bewegungsraum zum entscheidenden Stoß in die rechte Flanke des Gegners gewonnen, und Gen. Letschitzki befahl diesen beiden Korps, den errungenen Erfolg durch die kraftvolle Fortsetzung des Angriffs zu erweitern1).

Schon am 25. Oktober um 8h abends setzte gegen den rechten Flügel des k.u.k. V. Korps ein neuerlicher Angriff der Russen ein, der die 37. HID. zurückdrängte. Dem Eingreifen der von Łagów herangeholten 14. ID. gelang es wohl, die weichenden Honvéds aufzufangen; in nächtlichem Gegenstoß konnte aber der Feind nicht wieder zurückgeworfen werden. Unterdessen machte sich die beginnende Überflügelung der 37. HID. von Süden her immer mehr geltend; am Abend war eine russische Angriffskolonne bis Baryczka vorgestoßen. Die 11. HKD., die die rechte Flanke des V. Korps schützen sollte, wich gegen Westen zurück.

Auf dem linken Flügel des k.u.k. V. Korps wurde die 33. ID. in ihren neuen Stellungen südwestlich von Gniewoszów an diesem Abend noch nicht angegriffen, dagegen kam es am rechten Flügel der links anschließenden 5. ID. zu heftigen Kämpfen.

*) Korolkow, Warschau—Iwangorod, 217 ff.

Um sich den Weg nach Zwolen zu öffnen, setzte Gen. Letschitzki in der Nacht zum 26. die GSchBrig. nebst Truppen der 75. RD. bei Policzna zum Durchbruch ein. Dieser Feind griff so heftig an, daß der rechte Flügel der 5. ID. und die dort noch verbliebenen Truppen der 14. ID. zurückgeworfen wurden. An den Friedhofsmauern von Policzna klammerte sich eine tapfere Gruppe solange fest, bis herbeieilende Reserven den gefährlichen russischen Angriff im Gegenstoß auffingen.

Der Rückzug der k.u.k. 1. Armee Hiezu Beilagen 17 und 18

Während in der Nacht zum 26. Oktober diese Gefechte auf dem rechten Flügel des V. Korps und bei der 5. ID. entbrannten, mußte sich Dankl nun doch den Entschluß zum Rückzug abringen.

Die Russen hatten inzwischen auch gegen die neue Front der deutschen 9. Armee an der Rawka (S. 451) heftige Angriffe begonnen, die zwar abgeschlagen wurden, weiter nördlich war aber die Lage unhaltbar geworden. So hatte am Abend des 25. der deutsche Verbindungsoffizier in Ostrowiec dem GdK. Dankl die vertrauliche Mitteilung gemacht, daß weit überlegener Feind zwischen der Rawka und der Weichsel nach Westen marschiere und den deutschen linken Flügel mit Umfassung bedrohe. Das GRKorps müsse am 27. Oktober nach Jedlińsk zurückgenommen werden, damit es an den bedrohten deutschen Flügel herangezogen werden könne. Überdies werde die ganze deutsche 9. Armee angesichts der russischen Umfassung voraussichtlich schon am 28. gegen Südwesten zurückgehen müssen.

Der Eindruck dieser Mitteilung mußte umso wirksamer sein, als die k.u.k. 1. Armee vor Iwangorod nicht länger ausharren konnte, wenn sie in der Flanke nicht mehr vom preuß. GRKorps geschützt war. Wohl erfuhr man jetzt aus Ferngesprächen, daß GdI. Conrad beim deutschen 9. Armeekmdo. einen Angriff des GR-, des XX. und des Landwehrkorps über die Pilica angeregt hatte, um die Lage vor Warschau noch zu retten. Aber ein solch kühnes Unternehmen, wie es Hindenburg früher mit der

1. Armee selbst geplant hatte (S. 431), kam jetzt nicht mehr in Frage, da die k.u.k. 1. Armee außerstande war, die Rückendeckung zu gewährleisten. Noch in der Nacht zum 26. hörte man, daß der Russe den rechten Flügel des V. Korps wieder angriff. Auch stellte sich jetzt heraus, daß die Ablösung der 37. HID. nicht mehr möglich war. Am Morgen des 26. ließen die Meldungen des V. Korps erkennen, daß die Lage am Südflügel der Armee immer ernster wurde. Und dabei kam noch die Kunde, daß die Russen südlich der Iłżanka, bei Solec, nun doch auf dem linken Weichselufer Fuß gefaßt hatten. Die im Anmarsch nach Tarłów befindliche 2. ID. mußte angewiesen werden, dort einzugreifen. Vielleicht war es nötig, auch die weiteren Divisionen des X. Korps zum Rückenschutze der 1. Armee zu verwenden.

So sah GdK. Dankl die letzten Voraussetzungen fallen, die ein weiteres Durchkämpfen der längst zum Abbruche reifen Schlacht noch gerechtfertigt hätten; er telegraphierte um 10h vorm. dem AOK. nach Neusandez, daß er „morgen früh die vor Iwangorod stehenden Kräfte an die Iłżanka und in die Gegend knapp nordöstlich Radom zurücknehmen“ werde.

Unterdessen waren die Ereignisse weiter gegangen. Am Morgen hatte Letschitzki seine drei Korps zum letzten, entscheidenden Angriff angesetzt. Auf seinem Südflügel drängten starke Kräfte Puhallos rechte Flankenhut, die ll.HKD.,auf Siekierka zurück. In der Weichselniederung ritten die russische 13. KD. und die 1. DonKosD. von Janowiec flußaufwärts, um in die Flanke des Gegners zu kommen. Auf den Höhen nordwestlich von Janowiec drückten das russische XXV. und Teile des XIV. Korps zwischen 7h und 8h früh die Gruppe GM. Willerding — Truppen der

14. ID. und der 37. HID. — gegen Westen zurück. Um die Front zum Stehen zu bringen, befahl FZM. Puhallo dem GM. Willerding, wieder auf Łagów' vorzustoßen; dem Armeekmdo. meldete er um 9hvorm. den Entschluß, „unbedingt standzuhalten“ mit der Bitte,Teile desX.Korps möchten mit Gewaltmärschen herangezogen werden. Bald darauf mußte jedoch Puhallo angesichts der fortschreitenden Umfassung im Süden die Lage als äußerst bedrohlich erkennen, so daß er den am rechten Flügel kämpfenden Gruppen die Erlaubnis erteilte, auf Siekierka und beiderseits von Załazy zurückzugehen.

Indes sich die Dinge auf dem Südflügel des k.u.k. V. Korps so ungünstig gestalteten, arbeiteten sich die Russen immer näher an die Stellungen der 33. ID. heran. Um die Mittagsstunde traf diese ein Stoß der russischen Gardeinfanterie, der ihre Front zum Einsturz brachte. Nun befahl FZM. Puhallo den Rückzug des ganzen Korps auf Kijanka und Zwolen.

Angesichts der beim V. Korps bereits im Gange befindlichen Bewegungen sah sich das 1. Armeekmdo. um lh nachm. zur Herausgabe des bisher noch immer zurückgehaltenen Rückzugsbefehles genötigt. In diesem Befehle hieß es, daß das V. und das I. Korps noch am selben Tage gegen die Linie Zwolen—Jedlnia zurückzugehen hätten, und daß am 27. der Rückzug über Zwolen und Radom fortzusetzen wäre.

Während der Strom der kriegerischen Ereignisse das V. Korps in seine Wirbel riß, stand das I. Korps noch fest. Bei Policzna hielt die

5. ID.in heldenmütigem Kampfe dem wachsenden russischen Drucke stand. Allerdings mußte sie ihren rechten Flügel zurückbiegen, als um Mittag die 33. ID. geworfen wurde. Ihr linker Flügel, die 11. IBrig., und die links anschließende 46. SchD., lagen seit dem frühen Morgen unter dem Feuer schwerer Geschütze, die der Feind aus der Festung Iwangorod auf das Schlachtfeld geschleppt hatte. Noch trieb Gen. Ewert seine Kaukasier nicht zum Sturme vor, da er erst das Vorwärtskommen der Gruppe Klembowski abwarten wollte. Diese stand seit dem Morgengrauen in den Wäldern westlich und südwestlich von Kozienice gegen die 12. ID., die 43. SchD. und die S.GIBrig., die sich bei Augustów, Marjanów und Sewerynów eingegraben hatten, in erbittertem Kampf. Um Mittag hatten sich die Russen an die Stellungen der 43. SchD. herangearbeitet, doch konnte sich diese Division mit Einsatz aller Reserven noch behaupten.

Inzwischen hatte GdK. Kirchbach den Rückzugsbefehl Dankls erhalten. Er wollte sein Korps erst nach Eintritt der Dunkelheit vom Feinde absetzen, die Ereignisse aber waren stärker. Etwa um 3h nachm. gelang es der russischen 47. ID., in den Wald westlich von Augustów einzudringen und den rechten Flügel der 43. SchD. zu durchbrechen. In Flanke und Rücken bedroht, brach die Division das Gefecht ab und ging an die Leniwa zurück. Der Rückzug der 43. SchD. hatte nun auch jenen der

12. ID. gegen Jedlnia zur Folge. Dem Führer des I. Korps blieb jetzt nichts mehr anderes übrig, als den ungesäumten Rückzug seines ganzen Korps anzuordnen.

Während am Nachmittag auch der linke Flügel der Armee Dankl zurückging, stand die 5. GIBrig. noch östlich von Brzuza im Kampfe; die übrigen Truppen des GRKorps waren zwischen Radomka und Pilica dem am Vortage geschlagenen russischen GrenKorps nach Norden gefolgt. Während die Russen den rechten Flügel der Armee Dankl umfaßten und gleichzeitig ihre Front durchbrachen, war jetzt auch die Flanke des weit nach Norden aus der Front ragenden GRKorps gefährdet. Es erhielt erst um 4h30 nachm. von dem Rückzug der Armee Dankl Kenntnis1). Doch so bedrohlich sich auch die verworrene Lage im Augenblicke

!) An diese Vorgänge knüpfte sich in der Kriegsliteratur eine scharfe Auseinandersetzung. Näheres siehe: Conrad, V, 264 ff. — Reichsarchiv, V, 483. — GM. Hoffmann, Der Krieg der versäumten Gelegenheiten (München 1923), 60 f. — Obstlt. J o 1 y, Wie war es bei Iwangorod? (Reichspost vom 25. Dezember 1923). — Obstlt. Oskar Freih. v. Wolf-Schneider, Der Gefreite des Generals Hoffmann (Österr. Wehrzeitung vom 24. Oktober, 7. und 14. November 1924).

des Abbruches der Schlacht gestaltete, so glücklich konnte diese Krise überwunden werden.

Nachhuten des V. Korps leisteten noch bis zur vierten Nachmittagsstunde bei Załazy und Czarnolas tapferen Widerstand und ermöglichten dadurch dem rechten Armeeflügel einen geordneten Rückzug. Zwischen 4h und 5h nachm. lösten sich die 5. und die 46. Division unbehelligt vom Feinde. Auch das GRKorps, dessen Angriffsbewegung GdA. Gallwitz schon am Vormittag angehalten hatte, vermochte sich am Abend ungestört von den Russen abzusetzen !). Als die k.u.k.Truppen in der Nacht zum 27. in die Linie Ilzankamündung—Zwolen—Jedlnia gelangten, hatten sie sich dem Feinde entzogen. Das GRKorps erreichte in der Nacht Glowaczew. Die Russen hatten wohl den Abzug ihres Gegners festgestellt, aber erschöpft vom blutigen Streite, waren sie auf der mühsam erkämpften Walstatt liegen geblieben. Nur auf dem äußersten rechten Flügel der weichenden Armee Dankl hatte russische Reiterei der 37. HID. und der

11. HKD. schärfer nachgedrängt.

Die im Rücken der 1. Armee bei Solec auf das linke Weichselufer übergegangenen Abteilungen des russischen XVIII. Korps wurden von der 35. LstlBrig. und den herbeieilenden Vortruppen der 2. ID. (X. Korps) in Schach gehalten.

Das kühne Manöver von Iwangorod, den Feind über den Strom herüberzulassen und, während er seine Übermacht noch nicht zur Geltung bringen konnte, zu schlagen, war nicht geglückt. Die Russen hatten das ihnen aufgetane Tor benützt, um in möglichst kurzer Frist siebzehn Divisionen durchzupressen, denen die Verbündeten im Bereiche des Schlachtfeldes von Iwangorod an den letzten zwei Kampftagen neuneinhalb Divisionen entgegenzustellen vermochten. Mit vorbildlicher Zähigkeit hatte das k.u.k. 1. Armeekmdo. an dem Grundgedanken der Schlacht bis zum Äußersten festgehalten; 12.000 gefangene Russen wurden in den Etappenraum abgeführt. ,,Es waren große seelische Erschütterungen,“ schreibt der Armeeführer einige Tage später seiner Gemahlin, ,,ich mußte mir den Entschluß zum Zurückgehen mit allen Gründen der Vernunft förmlich abringen. Ich bin trotz allen Drängens meiner Umgebung noch einen Tag stehen geblieben in der Hoffnung, die Situation werde sich noch günstiger gestalten, dann ging’s nicht mehr; die Deutschen waren schon zurückgegangen, wir mußten mit.. ,2).“ Die Verluste der 1. Armee betrugen 40.000 bis 50.000 Mann.

1)    Reichsarchiv, V, 484.

2)    Pastor, Dankl, 23 f.

Die zweite Phase der Schlacht bei Przemyśl und Chyrów

(23. Oktober bis 2. November)

Hiezu Skizzen 26, 27, 28, 29, 33 und 34

DasRingen der 2. Armee zwischen dem 23.und 27.Oktober

In den Tagen, da die k.u.k. 1. Armee vor Iwangorod mit der feindlichen Übermacht rang, sah sich GdI. Conrad in Galizien vor eine wenig erfreuliche Lage gestellt. Die 4. Armee wurde im Kampfe mit den Russen zwischen Jaroslau und Nisko so gefesselt, daß von den noch am unteren San stehenden Truppen der 1. Armee bisher nur die 2. und 9. KD., die

11. HKD. und die Abteilung GM. Pöschmann des X. Korps (bh. IR. 4 und eine Batterie) zur Entsendung auf das nördliche Weichselufer frei geworden waren. Der Angriff der 3. und der 2. Armee war trotz des Einsatzes des XI. Korps vor den stark ausgebauten russischen Linien südlich von Przemyśl stecken geblieben; es verringerten sich dort bei den bestehenden Schwierigkeiten der Munitionszufuhr und des allgemeinen Mangels an Schießbedarf für die Artillerie von Tag zu Tag die Erfolgsaussichten. Nur auf dem östlichen Heeresflügel in den Karpathen mochte eine neue Operation über Turka und Skole nach Norden einen entscheidenden Erfolg versprechen. Das Haupthindernis für die von GdK. Böhm-Ermolli angeregte Bildung eines neuen Angriffsflügels (S. 435) war aber, daß der Einsatz der neu aufgestellten Armeegruppe Pflanzer-Baltin ihrer besonderen Aufgabe — Schutz der Grenzgebiete gegen Rumänien — angepaßt sein mußte und daß Boroević auf das VII. Korps nicht verzichten zu können glaubte (S. 439).

Unter diesen Verhältnissen suchte GdI. Conrad einen Umschwung der Lage dadurch zu erreichen, daß er am 22. Oktober abends die 3. Armee anwies, mit dem IX. Korps nach Vertreibung des bei Radymno auf dem linken Sanufer eingenisteten Feindes über den Fluß möglichst umfassend in südöstlicher Richtung anzugreifen, während dem XVII. Korps zur Deckung des IX. ein Vorstoß auf das östliche Sanufer aufgetragen wurde. Gleichzeitig erging an Pflanzer-Baltin der Befehl, zur Entlastung der 2. Armee mit der Gruppe Flofmann über Borysław und mit der Gruppe Attems (56. ID. und Polnische Legion) nach dem Erreichen von Delatyn und Nadworna über Dolina auf Stryj vorzugehen.

Während sich Conrad in dieser Weise bemühte, die Operationen in Galizien wieder vorwärtszubringen, begann sich jedoch die Lage auf dem rechten Flügel der 2. Armee recht ungünstig zu gestalten.

Nachdem es den Russen gelungen war, einen Durchbruch ihrer Linien südlich von Przemyśl zu verhindern, beschloß Gen. Brussilow dort nur mehr hinhaltend zu fechten, am Ostflügel aber in Ausnützung der bisher errungenen Erfolge mit dem XXIV. Korps und der Dniestergruppe zur Umfassung des öst.-ung. Ostflügels auf Skole und Turka einzuschwenken 1).

Schon am 22. Oktober mußten die schwachen Truppen Hofmanns, die 55. ID. und die 131. IBrig., vor dem starken Drucke überlegener russischer Kräfte (31. ID., 78., 71. RD., 1. und 2. Kub.KosD.) ins Gebirge auf Uliczno und Żulin ausweichen (S. 439; dazu Skizze 28). Nicht besser erging es dem TV. Korps. Die russische 34. ID. griff am 23. über Podbuż auf Turze aus, worauf die drei zum Schutze der rechten Flanke Tersz-tyánszkys entsandten Kavalleriedivisionen (5., 8. und 1.) im Stryjtal auf Isaje und die 38. HID. auf die Höhen westlich von Turze zurückgingen. Angesichts der immer weiter nach Süden und Osten ausgreifenden Überflügelung durch die Russen faßte das 2. Armeekmdo. den Entschluß, das IV. Korps bis auf die Höhen nördlich von Turka zurückzunehmen. Die Lücke, die infolge dieser weitreichenden Rückbewegung zwischen dem IV. Korps und dem Südflügel des XII. aufsprang, sollte durch zwei Kavalleriedivisionen Tersztyánszkys (5. und 8.), die 40. LstlBrig. und die von der 3. Armee zur Verfügung gestellte 4. KD. verschleiert werden. Vermochten diese Kräfte die Verbindung zwischen dem IV. und XII. Korps nicht mehr aufrecht zu erhalten, und stießen die Russen über den oberen Dniester gegen die lebenswichtige im Strwiążtale nach Przemyśl führende Zufuhrlinie vor, dann plante Böhm-Ermolli durch einen Angriff des

IV. Korps von Süden her dem Vorgehen des Feindes Einhalt zu gebieten.

In der Nacht auf den 24. Oktober baute Tersztyanszky, vom linken Flügel beginnend, seine aufgelockerte Kampffront ab. Doch nur durch Gewaltmärsche und bei Preisgabe der im Gebirge steckengebliebenen Geschütze gelang es ihm, seine stark hergenommenen Truppen der feindlichen Umfassung zu entziehen; denn die Russen hatten den Rückzug ihres Gegners alsbald erspäht und Brussilow trieb seine Flügeldivisionen zur Verfolgung an. Schon am 24. abends erschienen die Vorhuten der russischen 4. SchBrig. und der 34. ID. vor Lużek Grn. und Turze. Die

2. Komb.KosD. und die 12. KD. ritten über Świdnik im Stryjtal aufwärts und suchten nach Turka zu gelangen. Nicht minder eifrig betrieben die

Korolkow, Übersicht, 95.

Russen die Verfolgung gegenüber der Gruppe Hofmann. Der linke Flügel der weitzerstreuten 55. ID. wurde am 24. Oktober bei Uliczno von der

2. Kub.KosD. angegriffen und mußte auf Orów zurückgehen. Am gleichen Tage erschienen auch Teile der 1. Kub.KosD. vor Mizuń Str. und zwangen ein Detachement der 55. ID., bis Zakla zuirückzugehen. Der Einbruchsweg durch das Mizunkatal in den Rücken der Gruppe Hofmann war nun den Russen freigegeben. Deshalb setzte GM. Hofmann noch in der Nacht auf den 25. Oktober den Rückzug ins Gebirge fort und bezog nördlich von Skole eine Sperrstellung.

Von den Truppen Tersztyánszkys waren inzwischen die 31. ID. und die 38. HID. auf den Höhen nördlich und nordwestlich von Turka eingelangt. Die zur Verstärkung vom Uzsokpaß herangezogene 17. LstTerrBrig. (S. 375) rückte an den rechten Flügel der 31. ID. Noch weiter östlich deckte die 1. KD. die rechte Korpsflanke und zweigte das HR. 12 mit einer Batterie nach Zawadka ab, um die über Rybnik nach Mochnate in den Rücken des IV. Korps führende Einbruchslinie zu sperren. Das XII. Korps hatte seinen rechten Flügel bis auf die Höhen südlich von Terszów ausgedehnt. Zwischen Lużek Grn. und Rozlucz war die Front nur durch die schwache 40. LstlBrig. notdürftig besetzt. Zur Ausfüllung dieser Lücke rückten die 5. und die 8. KD. auf Holowiecko heran, während sich die heranhastende 4. KD., die am 24. abends Krościenko erreicht hatte, am nächsten Morgen auf den elenden Anmarschwegen gegen Mszaniec vorwärtsarbeitete.

Bei Turka vermochte sich am 25. Oktober das IV. Korps in seinen neuen Stellungen ungestört zur Abwehr einzurichten. Dagegen flackerten in dem schwach beschirmten Frontraum zwischen dem Korps Tersztyánszky und dem XII. ernste Gefechte auf. Die russische 4. SchBrig. überschritt bei Lużek Grn. den Dniester und suchte den rechten Flügel des XII.Korps von Süden zu fassen. Südlich vom Dniester fühlte die russische 34. ID. mit Vortruppen bei Młyny vor und drückte die schwachen Postierungen der 40. LstlBrig. zurück.

Die beginnenden Kämpfe bei Lużek Grn. und Młyny ließen befürchten, daß der Feind einen Durchbruch zwischen dem XII. und dem

IV. Korps vorbereite. Es war fraglich, ob die drei Kavalleriedivisionen ausreichen würden, um ein Vordringen der Russen über den oberen Dniester abzuwehren. Mit dem Einsatz frischer Infanteriekräfte hoffte GdK. Böhm-Ermolli aber die auf seinem rechten Flügel bisher vergeblich angestrebte Entscheidung herbeizuführen. Er bat daher am 25. Oktober noch einmal die Heeresleitung um die Zuweisung des nördlich des Strwiąż kämpfenden VII. Korps. Gleichzeitig befahl er dem GdK. Tersztyanszky, sobald als möglich wieder vorzugehen, um dem russischen Angriff über den oberen Dniester von Süden her in die Flanke zu kommen.

Mit Rücksicht auf die sehr schwierig scheinende Lage zwischen dem

XII. und dem IV. Korps wies Conrad noch am selben Nachmittag (25. Oktober) den GdI. Boroević an, „die 2. Armee mit allen entbehrlichen Mitteln zu stützen und ihr alle irgend entbehrlichen Teile der Gruppe Colerus zur Verfügung zu stellen“.

Noch in der Nacht auf den 26. Oktober zog GdI. Colerus aus der Front zwischen Blożewka und Strwiąż neun schwache Bataillone des

VII. Korps, sammelte sie bei Chyrów, fügte ihnen ein Marschbataillon und fünf Batterien hinzu und befahl dem FML. Krautwald, mit diesen Kräften sofort nach Ławrów abzurücken.

Bevor diese Verstärkungen zur Stelle waren, spitzte sich die Lage am Südflügel der 2. Armee immer mehr zu. Die Russen setzten am 26. morgens die 4. SchBrig. zur Umfassung des k.u.k. XII. Korps von Süden her an. Zwischen Lużek Grn. und Jasienica zamkowa rückte die russische 34. ID., der noch die 31. folgte, weiter gegen Westen vor. Vor diesem Feind wich die 40. LstlBrig. auf Holowiecko aus, wo die 5. und die 8. KD. am Abend zuvor eingetroffen waren. Die heftig angegriffene Gruppe Fox (verstärkte 35. ID.) mußte inzwischen ihren rechten Flügel auf den Südhang der Jankowhöhe zurückbiegen. Zu ihrem Flankenschutze eilten die Divisionskavallerien des XII. Korps aus der Gegend westlich von Stary Sambor und die 4. KD. von Mszaniec heran. Die zum Fußgefecht abgesessenen Reiter des GM. Berndt überfielen eine bis Ławrów vorgedrungene russische Gruppe, jagten sie auseinander und setzten sich auf der Pałczyńskie fest. Die von GdI. Kövess entsandten Divisionskavallerien faßten auf der Kopylahöhe (nordöstlich von Ławrów) Fuß und schützten dort die zurückgebogene Flanke des XII. Korps.

Während diese Kämpfe entbrannten, war die Gruppe Krautwald erst im Anmarsch von Chyrów; sie konnte nicht vor dem 27. abends in Ławrów einlangen. Um der Gefahr eines Durchbruches bis zum Eintreffen dieser Verstärkungen vorzubeugen, hatte GdK. Böhm-Ermolli am

26. vormittags drei Marschbataillone unter Obstlt. Wejmelka1) auf Mszaniec entsandt. Am Tage darauf (27. Oktober) versuchten die Russen auf Mszaniec durchzukommen und den Südflügel des XII. Korps aufzurollen. Es gelang derGruppe FML.Lehmann (5., 8.KD.,40.LstlBrig.), sich auf den Höhen bei Holowiecko zu behaupten, während die Umfassung der Front

a) Gstbsobstlt. Wejmelka war dem Stabe des 2. Armeekmdos. entnommen.

nordwestlich von Stary Sambor durch die Standhaftigkeit der 4. KD., der Reiterei des XII. Korps und der Gruppe Fox hintangehalten wurde.

In diesen Stunden steigender Spannung meldete GdK. Böhm-Ermolli am 27. zu Mittag dem AOK. die Lage als überaus bedrohlich. Er tat dies in der Hoffnung, die gewünschte Zurückstellung des ganzen VII. Korps für einen entscheidenden Angriff auf seinem rechten Flügel zu erreichen. GdI. Conrad ließ aber dem 2. Armeekmdo. antworten, daß „eine Zu-disponierung weiterer Kräfte außer den bereits im Antransport befindlichen Marschbataillonen und den zwei LstTerrBrig. [1. und 12.] sowie der Gruppe Krautwald nicht möglich sei, und daß das AOK. von einem einheitlich geleiteten Eingreifen der heranrückenden Gruppe Krautwald, der drei Kavalleriedivisionen [5., 8. und 4.], der Gruppen Wejmelka und Tersztyánszky die Abwehr des feindlichen Einbruchsversuches über Strzyłki zuversichtlich erwarte“.

Am Abend hielten die zwischen dem XII. und dem IV. Korps eingesetzten Truppen den russischen Angriffen noch stand. Auch die Gruppe Fox hatte sich mit Einsatz ihrer letzten Reserven (105. LstlBrig.) und nach Überwindung manch schweren Augenblicks auf der Jankowhöhe tapfer behauptet. In Ławrów war jetzt die Gruppe Krautwald eingetroffen. Sie verstärkte noch in der Nacht zum 28. durch drei Bataillone die Front der 4. KD., und GdK. Böhm-Ermolli befahl ihr, den Feind in der Richtung der Holowniahöhe anzugreifen.

Weiter südlich, bei der Gruppe Lehmann, waren inzwischen die von Ustrzyki Dl. heranbefohlenen Marschbataillone des 2. Armeekmdos. eingelangt. Außerdem hatte Böhm-Ermolli die bisher bei Turka als Reserve zurückgehaltene 2. LstTerrBrig. nach Hołowiecko zur Gruppe Lehmann herangezogen. War die Zahl und die Gefechtskraft dieser Verstärkungen auch gering, so füllten sie doch die lockere Front wieder auf. Auch hatte Tersztyánszky inzwischen von Turka den Angriff begonnen. Im Laufe des 26. und 27. Oktober hatte die 31. ID. auf den Höhen westlich von Isaje Fuß gefaßt. Die 38. HID. ging über die Höhen von Rozlucz vor. Beide Divisionen fanden hartnäckigen Widerstand. Die Russen hatten anfänglich auf Turka nur Kavallerie (12. KD. und 2. Komb.KosD.) angesetzt, um ihre Durchbruchsgruppe im Norden zu decken. Auf die Nachricht von dem Vorgehen des Gegners von Turka schoben sie rasch Infanterieverstärkungen nach.

Hinter der Gruppe Tersztyánszky stand das Herankommen der mit der Bahn aus dem Hinterlande eingelangten 1. und 12. LstTerrBrig. zu erwarten. Diese Truppen sollten die rechte Flanke und den Rücken des

IV. Korps gegen Osten schützen, da es zweifelhaft war, ob sich die Gruppe Hofmann bei Skole weiterhin behaupten konnte. Aber die Gefahr einer russischen Umgehung über Mochnate bestand nicht mehr. Die Russen, die mit der 2. Kub.KosD. und der 78. RD. bis Synowódsko und mit der

1.    Kub.KosD. und der 71. RD. über Bolechów bis Mizuń Str. der Gruppe Hofmann gefolgt waren, ließen seit dem 27. Oktober von der weiteren Verfolgung ab. Das Vorgehen Pflanzer-Baltins über die östlichen Karpathen zwang sie, zum Schutze ihrer Flanke den größten Teil der Dniester-gruppe nach Dolina und Kalusz herüberzuziehen.

Entlastungsstöße beiderseits von Przemyśl (23. bis 28. Oktober)

Hiezu Skizzen 26, 27 und 29

Als die russischen Gegenangriffe auf dem rechten Flügel der k.u.k.

2.    Armee täglich stärker wurden, ließ GdI. Conrad am 21. Oktober beim

3.    Armeekmdo. anfragen, wann und wo es die Wiederaufnahme der Operationen plane. Nun trug sich wohl auch GdI. Boroević mit neuen Angriff splänen. Er wollte mit dem IX. Korps aus Przemyśl über Torki (nördlich von Medyka) vorstoßen, um die russischen Linien jetzt hier zum Einsturz zu bringen. Da aber zunächst die Munitionsnot behoben werden mußte, und überdies an ein Heranziehen des IX. Korps solange nicht zu denken war, als der Feind bei Radymno noch auf dem linken Sanufer stand, konnte für dieses Unternehmen noch kein Zeitpunkt festgesetzt werden.

Inzwischen fraß sich der Stellungskrieg auf dem hart umstrittenen und blutgetränkten Boden südöstlich von Przemyśl weiter. Am Nordflügel des XI. Korps erfolgten Teilvorstöße des Feindes, die abgewiesen wurden. Die 44. SchD. und die 30. ID. gewannen im Angriff bei Miżyniec etwas Raum. Am 25. Oktober erstürmten diese Truppen nach zweitägigen erbitterten Kämpfen das Schloß Miżyniec und die Höhen nordöstlich davon. Doch alle diese mit der größten Aufopferung errungenen örtlichen Erfolge vermochten den zähen Feind nicht mürbe zu machen. Als der Rückschlag am Südflügel der 2. Armee ein Vorgehen der 3. immer dringender forderte, legte die Heeresleitung der 3. Armee nahe, sich durch einen nächtlichen Überfall der russischen Höhenstellungen zu bemächtigen, wenn der Mangel an Artilleriemunition schon keine großen AngriffsVorbereitungen gestatte.

GdI. Boroević ordnete hierauf einen überfallsartigen Angriff der ganzen 3. Armee für den 26. Oktober an. Um 4h30 nachm. erhoben sich auf der ganzen Front von der Blożewka bis Pleszowice nach kurzer Artillerievorbereitung die Truppen der Generale Colerus, Tschurtschenthaler und Ljubicic aus ihren choleraverseuchten Gräben und gingen gegen die sehr stark ausgebauten Stellungen des Feindes vor. Nennenswerter Erfolg blieb aus, was die von Seuchen geschwächte 3. Armee zwang, endgültig in die Verteidigung zurückzufallen.

Auch die k.u.k. 4. Armee, der Conrad schon am 19. Oktober nahegelegt hatte, zur Entlastung der 3. Armee mit dem rechten Flügel über den San anzugreifen (S. 443), blieb am linken Ufer festgebannt. Erzherzog Joseph Ferdinand hatte am 23. nachmittags dem GdI. Křitek befohlen, den bereits angeordneten Vorstoß über den San in der Nacht auf den 25. mit der Masse der 13. SchD., der 41. HID. und den zugewiesenen Truppen des II. und des VI. Korps bei Jaroslau durchzuführen. Ein merkwürdiger Zufall wollte es aber, daß Gen. Dimitriew den Schwerpunkt seiner weiteren Angriffe gerade an den Punkt verlegte, wo Erzherzog Joseph Ferdinand Kräfte für das beabsichtigte Unternehmen freimachen wollte.

Schon im Laufe des 23. Oktober verstärkte sich der russische Druck gegen den Nordflügel des k.u.k. XVII. Korps. Im Hinblick auf die gespannte Lage mußte das II. Korps abermals seine Reserven ausplündern, um sie bei Grodzisko dem bedrängten Nachbar zur Verfügung zu stellen. Am 24. um Mittag brachen Teile des IX. Russenkorps aus ihren Brückenkopfstellungen von Nielepkowice hervor. Gegen Abend folgte ein heftiger Angriff des russischen XI. Korps aufwärts von der Wislokmündung. Nach geringem Raumverlust konnten beide Angriffe abgeschlagen werden. Dann flaute der Kampf am Nordflügel des XVII. Korps endlich ab.

GdI. Křitek wollte sich nun hinter der 41. HID. eine Stoßgruppe bilden, um den immer wieder hinausgeschobenen Angriff bei Jaroslau am

26. zu beginnen. Inzwischen hatte aber Boroević beim AOK. beantragt, „nicht zwei Ziele auf einmal — den Sanübergang des IX. Korps unterhalb Przemyśl und des XVII. bei Jaroslau — zu verfolgen, sondern einen Erfolg durch die Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte bei Radymno zu suchen“. GdI. Conrad erklärte sich mit diesem Vorschläge einverstanden und befahl am 24. abends an die 3. und 4. Armee:

„Von allen seitens des Gegners über den San unternommenen Vorstößen ist der über Tuczępy für uns der empfindlichste; er verhindert die Flügel der 4. und 3. Armee, an der Hauptentscheidung bei Przemyśl teilzunehmen und unterbindet die Bahn und die Straße Jaroslau—Przemyśl.

Zur sicheren Vertreibung dieses Gegners wird die 19. ID. mit allen verfügbaren Kräften vorübergehend dem IX. Korps unterstellt. Das 4. Armeekmdo. hat durch Mitwirkung der verfügbaren schweren Artillerie den Kampf des IX. Korps zu unterstützen.“

Tags darauf wies das AOK. unter dem Eindrücke eines inzwischen eingelangten ernsten Berichtes (S. 448) über den völlig erschöpften Zustand der Streitkräfte Křiteks1) das 4. Armeekmdo. an, die Aufgabe des

XVII. Korps, wenn nötig, auf die Behauptung des linken Sanufers zu beschränken und alle entbehrlichen Kräfte für den Angriff des IX. Korps zur Verfügung zu stellen.

Als das IX. Korps am 26. frühmorgens eben seine Stoßgruppe zur Vertreibung des bei Radymno am linken Sanufer eingenisteten Feindes zurechtschob, erfolgte im Abschnitt der 10. ID. ein neuerlicher russischer Angriff, der bis an die Straße Jaroslau—Radymno durchstieß. Von dem angegriffenen tschechischen SchR. 30 hatten sich viele Leute — anscheinend ohne ernstlichen Widerstand zu leisten — dem Feindeergeben (S. 443). Glücklicherweise gelang es mit Hilfe der Korpsreserve (Truppen der

26. SchD.), die aufgelockerte Kampffront wieder zu schließen. Inzwischen waren auch die vom XVII. Korps zur Mitwirkung an dem geplanten eigenen Angriff bestimmten Verbände — im ganzen zwölf Bataillone der 19. und der 4. ID. — eingelangt. Der am Nachmittag mit Teilen der IR. 49 und 99 gegen die rechte russische Flanke angesetzte Gegenangriff drängte den Feind gegen den San zurück.

Am Abend unterstellte das AOK. auf Antrag des 3. Armeekmdos. das

IX. Korps der 4. Armee und befahl, von dem Mißgeschick der 10.ID. unterrichtet, dem Erzherzog Joseph Ferdinand, ,,in der Sanstrecke abwärts Przemyśl bis zur Mündung alle weiteren Übergangsversuche des Feindes zu verhindern und den bei und südlich von Jaroslau stehenden Feind festzuhalten, um zu verhindern, daß er gegen die 3. Armee wirksam werde“.

Erzherzog Joseph Ferdinand ordnete hierauf beim IX. Korps die Fortsetzung des Angriffes an. In mühseligem Kampfe gelang es den bei Tuczępy eingesetzten Truppen der 4., 19., 10. ID. und der 26. SchD., den Feind noch hier und dort ein Stück gegen den San zurückzudrängen. Nach Durchführung dieser Unternehmen war aber auch das IX. Korps mit seiner Gefechtskraft zu Ende. Es stellte am 29. Oktober, als die Truppen der 4. ID. zu einer anderen Verwendung aus der Front gezogen werden mußten, die weiteren Angriffe ein.

!) Die Gruppe GdI. Křitek hatte in den Kämpfen am San durch blutige Verluste, Cholera und Entbehrungen aller Art etwa 10.000 Mann verloren.

Fortdauer der Kämpfe am unteren San (23. bis 26. Oktober)

Während bei Radymno gekämpft wurde, war es auch am linken Flügel der 4. Armee zu neuen Gefechten gekommen. Dort hatte Erzherzog Joseph Ferdinand am 23. abends dem XIV. Korps die Übernahme der Sanbewachung von Nisko bis zur Mündung befohlen, um den solange verzögerten Abmarsch des X. Korps zur 1. Armee vor Iwangorod möglich zu machen (S. 448). Am untersten San sollten nur die l.und die HO.LstlBrig. sowie die 6. KD. verbleiben, während dem VI. Korps nunmehr die Flußsicherung bis oberhalb von Nisko zufiel.

Diese noch am 23. abends begonnenen Verschiebungen mußten angesichts eines wachsamen Feindes erfolgen. Er drohte schon am 24. früh bei Nisko mit neuem Angriff. Erst nachdem der heftige Feuerkampf abgeflaut war, konnte die unterbrochene Ablösung des X. Korps fortgesetzt werden.

Am 25. nachmittags gaben aufgefangene russische Funksprüche dem

4. Armeekmdo. bekannt, daß die russische 44. ID. den Angriff auf Nisko fortsetzen sollte, und daß für die Nacht zum 27. auch der Sanübergang der russischen 46. ID. bei Brandwica und der 80. RD. bei Radomyśl geplant wurde. Das k.u.k. VI. Korps sollte nun so rasch als möglich starke Kräfte aus der Front ziehen, um sie zur Unterstützung des linken Armeeflügels bei Jeżowe bereitzustellen. Auch diese Bewegung verzögerte sich, da das VI. Korps durch Vorstöße der Russen bei Rudnik und Übergangsdrohungen weiter • aufwärts in Atem gehalten wurde. Schließlich schob FML. Arz am 26. abends die ihm unterstellte 10. KD. in den verhältnismäßig ruhigen Abschnitt von Krzeszów ein, um die dort eingesetzten Truppen der 39. HID. zur Entsendung nach Jeżowe freizubekommen.

Bevor diese Verstärkungen hinter dem XIV. Korps versammelt waren, hatten die Russen in der Nacht zum 26. bei Brandwica Teile ihres XXI. Korps auf das linke Sanufer herübergeworfen. Die k.u.k. 8. ID., die in diesem Abschnitt soeben die 45. SchD. abgelöst hatte, ging sofort zum Gegenangriff vor, es gelang ihr aber erst nach hartem Ringen den Feind an die Übergangsstelle zurückzudrängen. Tags darauf, am 27. früh, wurde ein neuerlicher Angriffsversuch der Russen bei Nisko durch Truppen der 3. ID. verhindert.

So konnte das X. Korps, nachdem es so lange am San festgehalten worden war, am 25. und 26. Oktober hinter dem XIV. Korps und der

1. und der 110. LstlBrig. über die Brücken von Sandomierz zur k.u.k.

1. Armee abmarschieren.

Neuerliches Vordringen der 2. Armee (23. Oktober bis 2. November)

Hiezu Skizze 34

In den letzten Oktobertagen, als die Armeen des Erzherzogs Joseph Ferdinand und des GdI. Boroević in der Sanniederung und auf den Hügeln südlich von Przemyśl festgebannt blieben, begann sich die Lage in den Karpathen zugunsten der k.u.k. 2. Armee zu wenden. Dort hatte GdK. Böhm-Ermolli, entsprechend denWeisungen der Heeresleitung vom 27. Oktober (S. 475), die kraftvolle Fortführung des von ihm bereits eingeleiteten Gegenangriffes für den 28. befohlen. Die Gruppe Lehmann (5.,

8. KD., 40. LstlBrig.) sowie die 2. LstTerrBrig. und die drei Marschbataillone des Obstlt. Wejmelka sollten beiderseits vom Dniester, die Gruppe Krautwald (Truppen der 17. und der 34. ID.) und die 4. KD. von Ławrów her gegen Lużek Grn. angreifen, während das IV. Korps das Vorgehen von Süden fortzusetzen hatte.

Diesen Befehlen entsprechend, drängte FML. Krautwald am 28. nachmittags nach gründlicher Artillerievorbereitung die Russen auf die Höhen westlich von Lużek Grn. zurück. Indessen kamen auch die Marschbataillone Wejmelkas von Mszaniec herangerückt und vertrieben mit der

5. und der 8. KD. den Feind nördlich von Holowiecko. Die 8. KD. drang sogar bis gegen Młyny vor, während die 2. LstTerrBrig. die Höhen östlich von Holowiecko angriff. Gegenüber der Gruppe Tersztyánszky — 17. LstTerrBrig., 1. KD., 31. ID. und 38. HID. — konnten sich die Russen auf den Höhen nordwestlich von Isaje und nördlich von Rozłucz noch behaupten. Zum Schutze der rechten Flanke Tersztyánszkys war die

1. LstTerrBrig. auf Rybnik entsandt worden, während die 12. LstTerrBrig. zur Verstärkung der Gruppe Hofmann nach Skole marschierte.

So war die Lage zwischen dem k.u.k. IV. und dem XII. Korps am

28. abends durchaus günstig. GdK. Böhm-Ermolli beschloß, den Angriff am 29. fortzusetzen. Die 31. ID. besetzte an diesem Tage die Höhe Matiu und schob sich mit dem linken Flügel von Süden auf Młyny vor. Hiedurch sah sich die russische Gruppe, die auf der Laniskihöhe stand, von Osten umgangen und räumte in der Nacht auf den 30. ihre Stellungen, deren Gewinnung im Stirnangriff die 38. HID. vergeblich versucht hatte. Auch die Gruppe Krautwald erzielte am 29. weitere Fortschritte. Sie drang mit dem Südflügel des XII. Korps unter heftigen Kämpfen bis auf die Höhen westlich von Terszów vor und arbeitete sich an den Westhang der Hołownia heran.

Am 30. Oktober nahm der Kampf seinen Fortgang. Am Südflügel des XII. Korps wurde die Gruppe Fox von heftigen russischen Gegenangriffen getroffen, sie konnte sich aber auf den Höhen westlich von Terszów behaupten. Die Gruppe FML. Krautwald kämpfte sich auf der Holownia-höhe hart an die russischen Hauptstellungen heran. Ihr rechter Flügel und die Gruppe Wejmelka kamen bis an den Nordrand von Strzylki vor. Die Holownia war nun von Süden umgangen. Die 40. LstlBrig. erreichte Młyny. Die 5. und die 8. KD. sammelten sich beim Dorfe Holowiecko. Die

2. LstTerrBrig. drang bis gegen die Höhe Werszki vor, konnte aber die russische Bergstellung nicht nehmen. Als sich gegen Abend die 38. HID. über Jasienica zamkowa und der linke Flügel der 31. ID. von der Kuppe Matiu gegenTopolnica heranschoben, räumten die Russen die Werszkihöhe.

Für den 31. Oktober befahl Böhm-Ermolli den Angriff der Gruppen Fox, Krautwald und Wejmelka auf die Holowniahöhe, während die beiden Landsturmbrigaden links, die 38. HID. rechts des Dniester auf Lużek Grn. vorstoßen sollten.

Dieser Tag brachte nach viertägigem beharrlichen Angriffskampfe die Entscheidung. Die Gruppe Krautwald erstürmte mit Unterstützung der ihr unterstellten Gruppe Wejmelka und Teilen der 2. LstTerrBrig. am Nachmittag die wichtige Holowniahöhe und warf die Russen im Verein mit dem Südflügel der Gruppe Fox bei Lużek Grn. und Terszów über den Dniester zurück. Inzwischen war auch die 38. HID. bis auf die Höhen von Topolnica vorgelangt. Die 31. ID. vermochte, ohne besonderen Widerstand zu finden, ein Regiment nach Turze und ein Regiment im Stryjtal auf Świdnik vorzuschieben. Noch in der Nacht zum 1. November traten die Russen vor dem ganzen Südflügel der 2. Armee den Rückzug an.

Am 1. November morgens schwenkte Tersztyanszky mit der 31. ID. und der 76. Brig. der 38. HID. gegen Osten auf Świdnik und Bystrzyca ab, um einer über Kropiwnik gegen die rechte Korpsflanke im Anmarsch gemeldeten russischen Kolonne entgegenzutreten. Doch seine Truppen erreichten am Abend den genannten Raum, ohne auf feindlichen Widerstand zu stoßen. Der Weg in die russische Flanke schien jetzt abermals frei zu sein. Die übrigen Streitkräfte Tersztyánszkys, die 75. Brig. der 38. HID., die 2. LstTerrBrig. und der Rest der 40. LstlBrig., waren indessen über Topolnica und Lużek Grn. nicht weiter vorgerückt. Die 5. und 8. KD., die nun wieder Tersztyanszky unterstellt waren, nahmen hinter den beiden Landsturmbrigaden Aufstellung. Die Gruppe Krautwald setzte sich am Osthang der Holownia und auf den Höhen unmittelbar

I 2. Aufl.    31

westlich von Lużek Grn. fest. Nördlich im Anschluß an die Gruppe Krautwald kam der Südflügel der Gruppe Fox bis an den Dniester heran. Die 4. KD. wurde bei Ławrów und Lenina wk. bereitgestellt.

Angesichts der letzten Erfolge hoffte GdK. Böhm-Ermolli die „weitere aussichtsreiche Vorrückung“ fortsetzen zu können. Er ordnete noch am Nachmittag die „Verfolgung“ an und befahl dem XII. Korps, sich in den Besitz von Stara Sól und Stary Sambor zu setzen, während die Gruppen Krautwald und Tersztyánszky zwischen Dniester und Stryj bis in die Linie Koblo Str.—Blażów—Podbuż Vordringen sollten. Gleichzeitig forderte Böhm-Ermolli die auf der Nordrampe der östlichen Waldkarpathen kämpfende Armeegruppe Pflanzer-Baltin zur energischen Offensive auf, während an Boroević der Ruf erging, sich dem allgemeinen Angriff der 2. Armee anzuschließen. Es war der letzte Versuch Böhm-Ermollis, zur Umfassung des russischen Südflügels und dadurch zu einer Entscheidung zu gelangen.

Als die Gruppen Krautwald und Fox in den Abendstunden des 1. November aus dem Dniestertal über die Höhen östlich von Lużek Grn. und Terszów nach Norden aufschwenkten, um in die russische Flanke zu greifen, stießen sie südlich von Stary Sambor, auf der Kundieska-, Lisyj-und Zalarskihöhe auf neuen Widerstand. Auch vor der Front desXII.Korps, zwischen Stary Sambor und Stara Sól, standen die Russen noch fest. Der geschlagene linke Flügel der Armee Brussilow hatte sich bei Zwór, Podbuż und Borysław zu neuer Gegenwehr eingerichtet.

Am 2. vormittags schritt GdI. Kövess mit dem ganzen XII. Korps zum Angriff gegen die feindlichen Höhenstellungen zwischen der Blożewka und Stary Sambor. FML. Krautwald ging mit seiner Gruppe gegen die Kundieskahöhe und gegen Zwór vor. Hier und dort konnte im ersten Anlauf von den Truppen Boden gewonnen werden. Schon in den ersten Nachmittagsstunden kam aber der Angriff an der ganzen Front vor den russischen Hauptstellungen zum Stehen.

Während der linke Armeeflügel wieder festgeriet, gewann die Angriffsbewegung der umfassenden Gruppe Tersztyánszky beträchtlichen Raum. Die auf dem äußersten rechten Flügel herangezogene 1. LstTerrBrig. gelangte, im Stryjtal abwärts marschierend, bis in den Raum von Rybnik und Schodnica. Erzherzog Joseph drang mit der 31. ID. über verlassene russische Gräben über Zalokiec bis südlich von Podbuż vor. Dort stieß er aber auf russische Sperrsteilungen, die ihm den Weg ins Bystrzycatal nach Sambor verlegten. Links anschließend rückte die38.HID. unter stetem Geplänkel bis Stronna und besetzte die Wydilokhöhe. Erzherzog Joseph wollte mit der 31. ID. den Angriff auf die neuen Stellungen der Russen fortsetzen; doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Die von GdK. Böhm-Ermolli seit dem Beginn der Operationen mit starkem Siegeswillen angestrebte Umfassung des russischen linken Flügels war bereits durch die allgemeine Entwicklung der Lage überholt.

Der Karpathenübergang der Armeegruppe Pflanzer-Baltin

(22. Oktober bis 6. November)

Hiezu Skizze 33

Weitab von den Ereignissen bei Stary Sambor und Turka waren in der dritten Oktoberwoche von der Armeegruppe Pflanzer-Baltin die 56. ID. des FML. Attems über den Jablonicapaß gegen Delatyn und die Polnische Legion des FML. Durski über den Pantyrpaß gegen Nadworna vorgegangen. Dieser Vormarsch vollzog sich unter zahlreichen Scharmützeln mit der l.TerekKosD. Noch weiter vorausgeeilt war Obstlt. Fischer, der seit dem Abmarsche der 43. SchD. und der 35.LstIBrig. (S. 205, 302) einen kühnen Kleinkrieg in der Bukowina geführt hatte, wodurch deren Hauptstadt bis zum 15. September behauptet werden konnte. Nun war er mit seinem drei Bataillone starken Streifkorps (Gendarmen und Landsturmassistenzen) neuerlich über den Sereth gezogen und am 20. Oktober abends in Czernowitz eingerückt1). Hinter diesen vorangeeilten Gruppen sammelten sich bei Felsö Vissó und bei Kirlibaba die 52. und die 54. ID., deren Antransport aus Siebenbürgen sich infolge des Einspruches des ungarischen Ministerpräsidenten Graf Tisza, der die Grenzgebiete gegen Rumänien nicht ungeschützt sehen wollte, verzögert hatte. Die Aufstellung und Versammlung der aus dem Boden gestampften Armeegruppe war eine Glanzleistung ihres tatkräftigen Führers und seines Generalstabschefs Obst. Soós.

In solcher Lage erhielt GdK. Pflanzer-Baltin von der öst.-ung. Heeresleitung am 22. Oktober den Auftrag, mit den Gruppen Attems und Durski zur Entlastung der k.u.k. 2. Armee auf Dolina und Stryj vorzugehen (S. 471). Darauf rückte die Polnische Legion zunächst auf Solotwina vor, während die 56. ID. bei Nadworna stehen blieb, da sie infolge der vielen Brückenzerstörungen erst ihren Nachschub ordnen mußte. Von Felsö Vissó war inzwischen die 52. ID., FML. v. Schreitter, aufgebrochen und am 27.

!) Für diese Waffentaten erhielt der nachmalige GM. Fischer das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

über den Jablonicapaß auf Tatarów gezogen. Die bei Kirlibabaversammelte 54. ID., FML. v.Schultheisz, marschierte zu derselben ÍZeit überSeletin und Uście Putilla nach Kuty. GdK. Pflanzer-Baltin, der am 24. in Máramaros-Sziget eingetroffen war, hatte diesen beiden in überraschend kurzer Frist mit allen erdenklichen Mitteln (Ochsentrains) beweglich gemachten Verbänden weite Angriffsziele gegeben. Die 54. ID. sollte über Kuty auf Śniatyn vorstoßen, da die Russen Teile der in Bessarabien versammelten 7. Armee — vermutlich die 64. RD. und Reichswehr — in die Nordbukowina heranzogen. Dem Obstlt. Fischer, der mit seiner Gruppe in Czernowitz stand und die Pruthlinie bis Šniatyn zu decken hatte, schob Pflanzer-Baltin mit der Bahn drei Bataillone Verstärkungen zu. Die 52. ID. gedachte er über Delatyn und Kolomea anzusetzen. Da befahl ihm aber die Heeresleitung am 27. Oktober nachmittags, die Aufgaben der über den Jablonicapaß und östlich davon vorgehenden Gruppen auf die Führung eines Kleinkrieges zu beschränken und die Karpathenzugänge zur Verteidigung einzurichten. Verstärkung und Unterstützung der bei Skole kämpfenden Gruppe Hofmann waren durch die noch immer bei Nadworna—Solotwina befindliche Polnische Legion und durch die 56. ID. einzuleiten.

Pflanzer-Baltin hatte indessen den Eindruck gewonnen, daß das Erscheinen der 54. ID. vor Kuty die auf Czernowitz angesetzten russischen Verstärkungen in südwestlicher Richtung abgelenkt und daß das Eintreffen der 56. ID. bei Nadworna die Russen bewogen habe, Kräfte vor der Front der 55. ID. auf Stanislau abzuziehen. Aus den Weisungen der Heeresleitung vom 27. Oktober (S. 475) hatte er erfahren, daß die 2. Armee den vorgehenden Feind auf ihren Südflügel durch einen Gegenangriff zurückwerfen sollte. In solcher Lage fragte er in Neusandez an, ob er am

29. mit der 52. ID. einen Handstreich auf Kolomea unternehmen, die 56. ID. zum Schutze der Operationslinie über den Jablonicapaß bei Nadworna belassen und die Polnische Legion zur Entlastung der 55. ID.auf Perehińsko entsenden dürfe.

Wie sehr auch die überaus rührige, von jedem Kleinmut ferne Kriegführung Pflanzer-Baltins von Conrad begrüßt wurde, so durften doch die geringen Karpathenstreitkräfte nicht völlig verbraucht werden. Schon lösten der Rückzug der Verbündeten in Polen und das Ausbleiben der Entscheidung in Galizien neue Besorgnisse gegenüber Rumänien aus, zumal am 10. Oktober mit König Karl I. ein treuer Freund der Mittelmächte dahingegangen war. So erging am 28. Oktober von der Militärkanzlei des Kaisers Franz Joseph an das AOK. die Mahnung, daß sich die Armeegruppe Pflanzer-Baltin, die zur Erreichung ferner Ziele ohnehin zu schwach sei, wieder ihrer ursprünglichen Aufgabe, der Verteidigung der Grenzgebiete Siebenbürgens, zuzuwenden habe. Noch in der Nacht auf den 29. Oktober erhielt Pflanzer-Baltin aus Neusandez den Befehl: „Die Gruppe Durski, die 56., 52. und 54. ID. haben ihre Offensive nicht fortzusetzen. Hauptkräfte so gruppieren, daß sie ihrer Hauptaufgabe ,Karpathenverteidigung4 nachkommen können. Für die Gruppe Durski kann demnächst Abtransport mit Bahn in Betracht kommen. Für die aus Siebenbürgen stammenden Formationen ist vielleicht auch bald auf Abtransport zu rechnen“.

Den einschränkenden Weisungen Conrads folgend, wollte nun PflanzerBaltin seine Streitkräfte näher an die Karpathenübergänge zurücknehmen. Bis 30. Oktober sollten die 56. ID. und die Polnische Legion bei Delatyn, die 52. ID. bei Tatarów und die 54. ID. bei Kuty versammelt werden. Aber bevor diese Befehle bei den im Gebirge weit zerstreuten Gruppen eintrafen, waren diese schon wieder mit dem Feinde zusammengeraten.

Gen. Brussilow hatte mittlerweile Teile derDniestergruppe — die halbe 78. und die halbe 71. RD. — von Skole nach Stanislau herübergezogen1). Schon am 29. Oktober wurden die Polnische Legion und die 56. ID. nördlich von Nadworna von den Russen heftig angegriffen und am Abend unter starken Verlusten ins Gebirge zurückgeworfen. FML. Durski wich mit den Polen in den nächsten Tagen über Pasieczna bis Rafailowa. Die 56. ID. ging fechtend über Delatyn gegen Mikuliczyn zurück, wo sie am 31. Oktober von der indessen bei Tatarów eingetroffenen 52. ID. aufgenommen wurde.

Die 54. ID. hatte den Befehl, der sie nach Kuty zurückrief, erst am 31. Oktober erhalten. Sie war bereits bis Śniatyn vorgelangt und hatte am 30. zwischen Kosów und Zabłotów schwächeren Feind vertrieben.

Der rechte Flügel der 2. Armee hatte inzwischen wieder zum Angriff übergehen können. Angesichts dieser Wendung der Lage befahl PflanzerBaltin auf Aufforderung des GdK. Böhm-Ermolli (S. 482) am 1. November der durch einige Landsturm- und Marschbataillone und durch die 12. LstTerrBrig. verstärkten Gruppe Hofmann (S. 480), im Einklang mit dem IV. Korps neuerlich auf Stryj vorzugehen. Nach harten Kämpfen gelang es der 55. ID. am 4., die Russen (halbe 71., halbe 78. RD. und 2. Kub.KosD.) von den Höhen bei Synowódsko zu vertreiben. Die über Bolechów angesetzte 131. Brig. mußte dagegen vor einem feindlichen Gegenstoß wieder auf Mizuń Str. zurückweichen. Am 5. November stellte GM. Hofmann den Angriff ein. Er erhielt jetzt den Befehl, mit Rücksicht auf die allgemeine

*) K o r o 1 k o w, Übersicht, 96 f.

Lage über den Gebirgsausgang von Synowódsko nicht weiter vorzugehen und sich auf die Verteidigung der Karpathenzugänge zu beschränken.

Der 56. und der 52. ID. waren die Russen über Delatyn im Pruthtal aufwärts bis Dora gefolgt. Gegen diesen Feind (Teile der 1. TerekKosD., der 78. und der 71. RD.) beschloß Pflanzer-Baltin am 2. November ein Einkreisungsmanöver durchzuführen. Er befahl der 54. ID., am 3. nach Jablonów zu rücken und gegen Delatyn in den Rücken der bei Dora befindlichen russischen Gruppe vorzustoßen, obwohl diese Division, die soeben von Śniatyn nach Kuty zurückgekehrt war und seit dem 24. Oktober etwa 200 km zurückgelegt hatte, dringend der Ruhe bedurfte. Die Gruppe FML. Schreitter (56. und 52. ID.) erhielt die Weisung, den Feind in der Front festzuhalten und in der Westflanke anzugreifen. Und schließlich sollte die zur Unterstützung der 54. ID. von Czernowitz herangeholte Gruppe Obst. v. Sárkány (zwei Bataillone und eine Batterie) von Jablonów über Myszyn gegen Kolomea Vordringen, während FML. Durski den Be-ł fehl erhielt, mit der Polnischen Legion über Pasieczna wieder gegen Nadworna vorzugehen. Die Russen warteten indes diesen konzentrischen Angriff nicht ab, sondern wichen unter dem Schutze von Nachhuten geschickt von Dora auf Delatyn aus. Die 54. ID. stieß vor Zarzecze am 4. November auf eine russische Sperrsteilung, durchbrach diese nach längerem Kampfe am 5. und drang hierauf bis an den Pruth vor. FML. Durski, der die Polnische Legion zur Auffrischung bis über den Pantyrpaß zurück-J genommen hatte, stellte dem Unternehmen nur anderthalb Bataillone und vier Geschütze zur Verfügung; es gelang aber den Polen am 5. vormittags, Pasieczna durch einen Überfall zu nehmen. Als jedoch russische Verstärkungen heraneilten, nahm Durski seine Gruppe wieder auf Zielona zurück. Die linke Umfassungskolonne fiel damit aus. Auch die rechte Umgehungskolonne, Obst. Sárkány, drang nicht durch, da ihr der Feind den Weg nach Kolomea bei Myszyn verlegte. Am 6. November griff schließlich die bisher zurückgehaltene Frontgruppe FML. Schreitter mit der 56. und der 52. ID. Delatyn von Süden her an. Zur gleichen Zeit gelang es der 54. ID., über den Pruth bei Zarzecze zu kommen, worauf sich die Russen von Delatyn nach Nadworna zurückzogen. Mittlerweile war aber die Gruppe Sárkány von Myszyn ins Gebirge bis Kosmacz zurückgegangen und hatte dem Feind die wichtige Straße nach Kuty freigegeben. Die Entblößung der rechten Flanke sowie die Nachricht, daß russische Verstärkungen von Nadworna heranrückten, bestimmten FML. Schreitter, mit Einbruch der Nacht das Gefecht bei Delatyn abzubrechen. Die 54. ID. rückte nun eiligst auf Jablonów ab, um die Straße nach Kuty noch vor

dem Eintreffen der Russen zu gewinnen. FML. Schreitter führte die 52. ID. und die 56. ID. ins Gebirge nach Mikuliczyn zurück.

Damit hatte der erste, vielbewegte Angriffsfeldzug Pflanzer-Baltins sein Ende gefunden. Die aus Landsturmtruppen zusammengewürfelte und höchst dürftig ausgerüstete Armeegruppe war zu gering an Kampfkraft, um durch einen tiefen Stoß gegen die damals kaum bewehrte russische Dniesterflanke den Gang der großen Ereignisse beeinflussen zu können.

Der zweite Vorstoß der Russen über den San (29. Oktober bis 2. November)

Hiezu Skizze 29

Wie Erzherzog Joseph Ferdinand in der Sanniederung festgebannt wurde, so gelang es auch Dimitriew nicht, aus den Brückenköpfen vorwärtszukommen. Die russischen Armeen in Polen aber traten am 27. Oktober, nachdem sie den Gegner vor Warschau und Iwangorod vertrieben hatten, die Verfolgung an. Um den Vormarsch von der mittleren Weichsel in der linken Flanke zu sichern, bildete Gen. Iwanow an den inneren Flügeln der 9. und der 3. Armee aus der 80. RD., der 23. und der 46. ID. und der

3. kauk. KD. eine besondere Stoßgruppe unter Gen. Krusenstern. Sie sollte über den unteren San angreifen, den Gegner rechts der Weichsel nach Westen zurückdrängen und der Armee Dimitriew den Übergang öffnen1).

Bevor noch die Gruppe Krusenstern angriffsbereit war, trachtete Dimitriews rechtes Flügelkorps, das XXI., den bei Nisko gewonnenen Brückenkopf zu erweitern. In der Nacht auf den 29. Oktober griffen seine Vorhuten Racławice ungestüm an. Die am rechten Flügel des k.u.k. XIV. Korps befindliche 3. ID. leistete tapferen Widerstand, konnte aber nicht verhindern, daß die Russen in den Ort eindrangen. Am Spätnachmittag versuchte der Feind weiter vorzustoßen. Der Angriff brach diesmal im Abwehrfeuer der Verteidiger blutig zusammen. In der Nacht zum

30. und am 31. Oktober erneuerten auch das XI. und das IX. Russenkorps bei Leżachów und Nielepkowice ihre Angriffe. Erzherzog Joseph Ferdinand hatte inzwischen auf Grund eines am 27. Oktober von der Heeresleitung erlassenen Befehles die beim XVII. und beim IX. Korps eingesetzten Truppen der 4. ID. aus der Front gezogen, um sie zur Verstärkung der 1. Armee mit der Bahn nach Polen zu fahren. Diese Truppen mußten nun wieder dem GdI. Křitek unterstellt und zum Teil in die

Front crezocren werden, um einem Durchbruch bei der 13. SchD. und der 41. HID. vorzubeugen. Es gelang noch im Laufe des 31., den Feind in seine Brückenkopfstellungen zurückzutreiben. Die 4. ID. sah sich aber durch den Angriff der Russen noch am San festgehalten; ihr Abtransport verzögerte sich um zwei Tage.

Während sich diese Vorgänge beim XVII.Korps abspielten, führten die Russen im Abschnitt von Nisko und Brandwica einen heftigen Feuerkampf, unter dem sich die Zurüstungen für den geplanten Vorstoß ihres XXI. Korps und der Gruppe Krusenstern verbargen. Das 4. Armeekmdo. wurde jedoch durch aufgefangene Funksprüche von den Absichten des Feindes unterrichtet und traf seine Gegenmaßnahmen, indem es die bei Jeżowe versammelte 39.HID. (S. 479) dem XIV. Korps unterstellte. FML. Roth schob sie noch am Abend des 30. Oktober in den Raum westlich von Nisko vor, um der in den zermürbenden Kämpfen bei Racławice geschwächten 3. ID. neue Kräfte zuzuführen. In der Nacht auf den 1. November löste die 77. Brig. der 39. HID. den Nordflügel der 3. ID. ab. Die Ablösung war kaum vollzogen, als die Honvéds von den Russen überfallen wurden. Nisko ging verloren; die Russen drangen bis in die Artilleriestellungen vor. Dann wälzte sich ihr Angriff gegen die entblößte Flanke der 3. ID. heran. Die Lage war zum Zerreißen gespannt. Zum Glück harrten die tapferen alpenländischen Truppen in ihren überflügelten Stellungen aus. Nach dem Einsatz von Verstärkungen raffte sich auch die 39. HID. zum Gegenangriff auf, konnte indes den Feind nicht wieder an den Fluß zurückdrängen. In den Abendstunden des 1. November keuchte die von Jamnica heranbefohlene Reserve des XIV. Korps, die 5. IBrig., heran. Nach sorgfältiger Vorbereitung des Angriffes drang das Prager IR. 28 dieser Brigade am nächsten Morgen überraschend in Nisko ein und setzte dem Vordringen der Russen ein Ziel.

In der gleichen Nacht (31. Oktober zum 1. November), als die Russen Nisko erstürmten, überschritten auch die Vorhuten der Gruppe Krusenstern bei Brandwica den San. GM. Fabini, der Kommandant der 8. ID., warf die zur Abwehr des erwarteten Überganges bereitgestellten Truppen dem Feinde entgegen und drängte ihn nach hartnäckigem Ringen im Laufe des 1. November über den Fluß zurück.

Damit waren die Angriffe der Gruppe Krusenstern über den unteren San gescheitert. Das k.u.k. XIV. Korps hatte durch seinen heldenmütigen Widerstand die Voraussetzungen geschaffen, daß die von Iwangorod zurückgehende 1. Armee in Anlehnung an die feststehende Sanfront hinter der Opatówka wieder Front machen konnte.

Die große Neugruppierung der Verbündeten

Rückzug der 1. Armee von Iwangorod bis an die Opatówka

(27. bis 31. Oktober)

Hiezu Beilage 19 sowie Skizze 35

Ein neuerliches Ausharren der k.u.k. 1. Armee hinter der Kamienna im Anschluß an die Front in Galizien hatte GdI. Conrad zum erstenmal am 24. Oktober auf die Meldung Dankls über die Ausgabe des Rückzugsbefehles (S. 463) ins Auge gefaßt. In eine Stellung westlich der Sanmündung wollte Conrad die 1. Armee nicht zurücknehmen, weil dann auch ein weiteres Verbleiben der k.u.k. Armeen am San nicht mehr möglich war und es zu einer neuerlichen Einschließung von Przemyśl kommen mußte, dessen Vorräte durch die 3. und die 2. Armee stark in Anspruch genommen waren und noch dringend des Ersatzes erheischten1).

Hielt also Conrad bei einem notwendigen Rückzug von Iwangorod und Warschau mit Rücksicht auf die Front in Galizien ein baldiges Haltmachen des in Polen operierenden Heeresflügels für geboten, so waren Hindenburg und Ludendorff der Ansicht, daß sich die deutsche 9. Armee vom Feinde loslösen müsse, um wieder volle Operationsfreiheit zu gewinnen. Schon mit dem Bekanntwerden der russischen Angriffsabsichten bei Warschau und Iwangorod waren deutscherseits am 10. Oktober2) Weisungen zu umfangreichen Bahnzerstörungen in Polen ergangen. Als sich die Aussichten auf einen entscheidenden Erfolg des öst.-ung. Heeres in Galizien immer mehr verringerten, entwarf Hindenburg die Bewegungslinien einer neuen Operation3), deren Leitgedanke dahin ging, die deutsche 9. Armee durch ein radikales Absetzen bis zur schlesischen Grenze aus der von Norden drohenden Umklammerung zu lösen, um sodann durch einen Vorstoß aus einer anderen Front die Flanke des russischen Vormarsches zu treffen. Zunächst wollte die deutsche Führung aber den Erfolg des Unternehmens der k.u.k. 1. Armee vor Iwangorod abwarten. Solange diese Armee standhielt, gab GO. Hindenburg die Hoffnung noch nicht

!) Conrad, V, 241.

2)    Reichsarchiv, V, 448.

3)    Es war dies noch vor dem 20. Oktober gewesen. Reichsarchiv, VI, 35. — Hindenburg-Jahrbuch 1926 (Berlin und Leipzig 1925), 39.

auf, daß sich der von ihm geplante Schlag über die Pilica gegen Warschau (S. 431) vielleicht doch noch verwirklichen lassen werde !). Als das Herankommen des k.u.k.X. Korps zu erwarten war, regte GO. Hindenburg am

24. Oktober eine noch weitere Verstärkung der k.u.k. 1. Armee vor Iwangorod an. GdI. Conrad lehnte diesen Vorschlag mit der Begründung ab, daß eine Verschiebung weiterer Kräfte aus Galizien nach Russisch-Polen vor einem entscheidenden Erfolg südöstlich von Przemyśl unmöglich sei2). Tags darauf, als sich die Lage der deutschen 9. Armee westlich von Warschau immer bedrohlicher gestaltete und es auch zweifelhaft wurde, ob sich die k.u.k. 1. Armee vor Iwangorod weiter werde behaupten können, befahl Hindenburg als Vorbereitung für den Rückzug den sofortigen Ausbau einer Stellung in der Linie Noworadomsk—Wieluń. Am 26. Oktober fiel die Entscheidung vor Iwangorod. Der am 27. um 9h vorm. ausgegebene Rückzugsbefehl Hindenburgs gab dem rechten Flügel der 9. Armee zunächst die Linie Andrejew—Noworadomsk als Ziel, während der linke Flügel in die vorbereitete Stellung Noworadomsk—Wieluń zurückgehen sollte. „Rechts anschließend dachte man sich die öst.-ung. Front nach Norden gerichtet, etwa zur Sanmündung verlaufend. Lief der Russe gegen diese Front, die Galizien und Oberschlesien deckte, an, so konnte ihn ein Stoß von Westen in Flanke und Rücken treffen.“ Wenn dabei nicht schon Verstärkungen aus dem Westen mitwirken konnten, so wollte das deutsche 9. Armeekmdo. diesen Schlag mit den eigenen Kräften versuchen. Ob ein solcher Flankenangriff von Norden möglich sein werde, etwa aus der Gegend von Thorn, war zwar noch ganz ungewiß; es wurde aber schon seit dem 28. Oktober alles vorbereitet, um sofort zwei Korps mit der Bahn nach Norden fahren zu können3).

Am Nachmittag des 27. Oktober erhielt GdI. Conrad von den Rückzugszielen des Bundesgenossen Kenntnis. Er kannte den neuen deutschen Plan nicht und erhob sofort gegen ein so weites Zurückgehen der 9. Armee Einspruch. In Galizien hatten sich jetzt die Aussichten auf einen Erfolg gebessert, die Bahn bis Chyrów war wieder instandgesetzt, der Nachschub zu den dort stehenden Armeen floß reichlicher. Dies gab die Hoffnung, im Raume südöstlich von Przemyśl doch noch zu einer Entscheidung zu gelangen. Eine Fortführung des Angriffes bei Przemyśl hatte aber zur Voraussetzung, daß die 4. Armee am San stehen blieb. Dies war nur möglich, wenn die 1. hinter der Kamienna oder äußerstenfalls an der

l'j Reichsarchiv, V, 485.

2)    C o n r a d, V, 249 f.

3)    Reichsarchiv, VI, 35 f.

Opatówka ausharrte. Deshalb hielt Conrad ein Zurückgehen der deutschen 9. Armee höchstens bis in die Linie Kielce—Widawa für annehmbar, da der Feind sonst die 1. Armee überflügeln und in den Rücken der Sanfront Vordringen konnte. In der Erwartung, daß sich Hindenburg seiner Auffassung anschließen werde, befahl er der 1. Armee, im Einklang mit der deutschen 9. in die Linie Kielce—Opatów—Sanmündung abzurücken und sich dort zum hartnäckigen Widerstand einzurichten. Vielleicht war es möglich, bis zum Einlangen der aus dem Westen erhofften Verstärkungen den russischen Ansturm in dieser Stellung im Anschluß an die Sanfront aufzufangen. Noch am 27. abends richtete GdI. Conrad an GO. Moltke ein Telegramm, in dem er erklärte, daß „durchgreifender Erfolg im Westen noch lange Kämpfe bedingen wird, daß jedoch hier im Osten, wo Feind seine Überlegenheit von dreißig Divisionen energisch einsetzt, rascher Einsatz starker deutscher Kräfte bei 9. Armee günstige dauernde Entscheidung bringen und dadurch verhindern würde, daß Feind Weg nach Berlin frei bekommt, deutsche 8. Armee [in Ostpreußen] isoliert und uns zum Aufgeben bisheriger Erfolge zwingt. Erachte rasches Handeln in diesem Sinne für Gesamtkriegslage und damit für Schicksal Deutschlands und Österreich-Ungarns für entscheidend“1).

Der Rückzug der k.u.k. 1. Armee hatte inzwischen am 27. Oktober bis hinter die Iłżanka und in den Raum von Radom geführt (S. 470). Der Feind drängte nicht nach. Nur am äußersten rechten Flügel hatte die 37. HID. abermals unter einer Umfassung zu leiden und ging, durch russische Reiterei verfolgt, in einem Zuge bis hinter die Krępianka zurück. Um diesen Feind wieder abzuschütteln, unternahm die 11. HKD. einen kurzen Vorstoß auf Solecka Wola. Die als erste Staffel des X. Korps eingelangte 2. ID. und die schon hier stehende 35. LstlBrig. deckten noch zwischen der Krępianka- und Kamiennamündung an der Weichsel. Die

24. ID. und die 45. SchD. waren im Anmarsch auf Ożarów, um ihre Vereinigung mit der 1. Armee zu vollziehen. In den darauffolgenden Tagen rückte die Armee Dankl über die Kamienna in die zugewiesene Linie Sanmündung—Opatów—Kielce ab. Der Feind folgte dem Ostflügel auch weiterhin. So kam es am 28. Oktober bei der 2. ID. und der 35. LstlBrig. zu Nachhutkämpfen, als sie aus dem Weichselabschnitt von Solec zum Anschluß an das V. Korps in südwestlicher Richtung zurückschwenkten. Tags darauf wurde die 37. HID. bei Ostrowiec und die 33. ID. bei Rzepin von den Vorhuten der Russen ereilt. In der Nacht zum 31. Oktober rückte die Armee Dankl nach viertägigen Gewaltmärschen in die von der Heeresleitung vorgezeichnete neue Widerstandslinie ein. Am rechten Flügel nahm das X. Korps mit der 106. LstlD., der 45. SchD. und der 2. ID. hinter der Opatówka Aufstellung. In der Gegend von Klimontów versammelte sich die 24. ID. als Korpsreserve, während die 35. LstlBrig. dort als Armeereserve bereitgestellt wurde. In der Mitte der Front rückte das V. Korps mit der 14.und der 33.ID. in den Raum westlich von Opatówund nordöstlich von Łagów. Die 11. HKD. kam ins zweite Treffen als Reserve des V. Korps. Die schwer erschütterte 37. HID. wurde aus der Front gezogen und zur Auffrischung bis an die Nida zurückgenommen. Am linken Armeeflügel faßte das I.Korps mit der 5.ID., der 46.SchD. und der 12. ID. bei Górno und östlich von Kielce Fuß. Eine Brigade der 43. SchD. blieb zur Verbindung mit dem GRKorps, das noch nicht auf gleiche Höhe mit der 1. Armee herangekommen war, nördlich Kielce stehen, die andere Brigade kam zunächst als Armeereserve hinter den linken Flügel des I. Korps.

GdK. Dankl san den kommenden Ereignissen mit großer Sorge entgegen. Er hatte schon in einem Bericht vom 28. Oktober dem AOK. seine Bedenken geäußert, ob es möglich sein werde, die 90 km lange Linie Sanmündung—Kielce mit elfeinhalb Divisionen einigermaßen verläßlich zu behaupten, die bestenfalls mit einem Stande von 7000 bis 8000 Mann per Division gewertet werden konnten. Auch die Versorgung der 1. Armee mit Munition sei außerordentlich ungünstig geworden. Es sei zu befürchten, daß die dünne, lang gespannte Linie zwischen der Sanmündung und Kielce in längstens zwei bis drei Tagen von den Russen zersprengt werden würde.

GdK. Dankl schlug dem AOK. vor, mit seiner Armee im Anschluß an die deutsche 9. Armee nach Westen in den Raum nördlich von Krakau auszuweichen. Conrad konnte sich aber mit einem widerstandslosen Zurückweichen der 1. Armee bis in diesen weit hinten liegenden Raum nicht einverstanden erklären. Er antwortete Dankl noch am 28. Oktober: „Bei der großen Überlegenheit des Feindes ist jetzt ein Kampf um Zeitgewinn unerläßlich. Aufgeben der Sanlinie und Zurücknehmen der 4. und 3. Armee bis an den Dunajec oder bis in die Höhe von Krakau ist, jetzt wenigstens, ausgeschlossen. Vor allem muß die jetzt noch mehrere Tage in Anspruch nehmende Versorgung von Przemyśl beendet werden. Unmittelbares Zurücknehmen der 1. Armee bis Krakau hätte aber .... mit Sicherheit zur Folge, daß weit überlegener Feind der 1. und der deutschen 9. Armee folgen und gleichzeitig über die Weichsel in Flanke und Rücken unserer übrigen Armeen vorgehen würde. Diesen wäre dann der Rückzug über die Karpathen aufgezwungen, der aus vielen Gründen ganz unzulässig ist. Es muß vielmehr sichergestellt werden, daß 4. und 3. Armee, sobald Rückzug der 1. Armee dies notwendig macht, in stetem Anschluß an letztere zwischen Weichsel und Karpathen in westlicher Richtung zurückkommen können.“ Daher habe sich die 1. Armee ,,zu hartnäckigem Widerstand“ in der Linie Sanmündung—Kielce einzurichten. Dorthin werde man der Armee Verstärkungen zuführen. Sollte trotzdem weiterer Widerstand unmöglich werden, dann habe sie hinter die Nida unterhalb von Andrejew zurückzugehen, während die 3. und die 4. Armee in die schon Ende September eingenommene Linie am Dunajec und an der Biała auszuweichen hätten.

Indes hoffte aber Conrad noch, daß seine galizischen Armeen vielleicht in den erkämpften Linien doch noch stehen bleiben könnten, wenn sich GLt. Falkenhayn, der neue Chef des deutschen Generalstabes, zu dem beantragten raschen Einsatz von starken Kräften aus dem Westen entschied. Da wurde er am 28. Oktober abends von GLt. Falkenhayn für den 30. vormittags zu einer Besprechung in Berlin aufgefordert; sein dringendes Ansuchen um die Heranführung von Verstärkungen war aber ohne Antwort geblieben. Conrad antwortete dem GLt. Falkenhayn, daß bei der gespannten Lage an der öst.-ung. Front seine „selbst kurze Abwesenheit von hier [Neusandez] leider ausgeschlossen“ sei. Direkte mündliche Aussprache sei daher nur in Neusandez möglich, andernfalls würde er eine schriftliche Darlegung seiner Auffassung durch seinen Flügeladjutanten in Berlin überreichen lassen 1). Den Inhalt dieser angekündigten schriftlichen Weisungen teilte GdI. Conrad noch am 28. abends dem GLt. Falkenhayn telegraphisch mit. In dieser bedeutungsvollen Depesche berechnete Conrad, daß rechts von der oberen Weichsel 26y2 russische Divisionen (424 Bataillone) gegen 28 öst.-ung. Divisionen (364 Bataillone) stünden. Er vertraue darauf, daß sich diese trotz ihrer geringeren Gesamtstärke halten würden; angreifen oder Kräfte an andere Fronten abgeben könnten sie aber nicht. Links der Weichsel seien 40 bis 42 russische Divisionen (640 bis 672 Bataillone) im Vordringen gegen 24V2 verbündete Divisionen (300 Bataillone). „Der Feind drückt daher hier mit weit mehr als doppelter Überlegenheit, welche er schließlich wohl zur Geltung bringen wird.“ Sobald sich die verbündeten Kräfte an und westlich der Sanmündung nicht mehr halten könnten, müsse aber auch der östliche Flügel des öst.-ung. Heeres zurückgenommen, die eben erst befreite Festung Przemyśl wieder sich selbst überlassen werden. Dabei würden dann die 2. Armee in die Karpathen, die 3. und 4. Armee zwischen diesen und der oberen

Weichsel nach Westen zunächst bis zum Dunajec, später bis in Höhe von Krakau zurückweichen müssen, während die 1. Armee links daneben in Fühlung mit der deutschen 9. Armee bliebe. Unter solchen Umständen könne nur ein ehestes Eingreifen namhafter Kräfte links der deutschen 9. Armee eine Entscheidung bringen. Diese Verstärkungen wären derart anzusetzen, daß der russische Vormarsch in seiner rechten Flanke, etwa aus der Linie Kreuzburg—Kalisz—Konin, getroffen würde. Welche Kräfte der 8. Armee (Ostpreußen) etwa über Thorn zur Mitwirkung gleichfalls herangezogen werden könnten, entziehe sich seiner Beurteilung, doch liege die Entscheidung jetzt zweifellos in Polen westlich der Weichsel. „Ich erachte dafür,“ schrieb Conrad, „daß in den ersten sechs Wochen die Hauptentscheidung im Westen, d. i. auf dem französischen Kriegsschauplatz, lag, daß sie aber jetzt auf dem östlichen Kriegsschauplatz, d. i. in Russisch-Polen, gelegen ist, weil die Bedrohung von dorther auch für Deutschland viel gefährlicher ist als jene von Westen her. Ist aber mit Rußland entscheidend abgerechnet, dann kann mit immer größerer Beruhigung die Entscheidung im Westen angestrebt werden. Soll aber die Entscheidung im Osten von ausschlaggebendem Werte sein, so muß sie erstens sofort und zweitens mit starken Kräften erfolgen; es müßten daher mindestens dreißig deutsche Divisionen links der 9. Armee eingesetzt werden. Geschieht dies nicht, dann würden die k.u.k. Armeen trachten, den russischen Vormarsch möglichst aufzuhalten, müßten aber, wenn zum Rückzug gezwungen, diesen an die Donaulinie Wien Budapest bewerkstelligen !).“ Es ist zu vermerken, daß der öst.-ung. Generalstabschef ohne Kenntnis der Absichten Hindenburgs die gleiche Idee eines Flankenstoßes gegen die russische „Dampfwalze“ aufgriff wie der deutsche Feldherr. Nur dachte Conrad die Rolle, die Hindenburg seiner 9. Armee übertrug, den erhofften Verstärkungen aus dem Westen zu.

GLt. Falkenhayn antwortete mit der neuerlichen Bitte um persönliches Erscheinen Conrads in Berlin. Dieser beharrte indes bei seiner Entschließung, sich durch seinen Flügeladjutanten vertreten zu lassen. Er hatte inzwischen am 29. mittags von den vorbereitenden Maßnahmen für die geplante Nordwärtsverschiebung der deutschen 9. Armee in den Raum von Thorn Kenntnis erhalten. Trennten sich die Bundesgenossen vom linken Flügel des öst.-ung. Heeres, dann wurde es fraglich, ob sich die k.u.k. 1. Armee an der Opatówka werde behaupten können. Dadurch sah sich Conrad genötigt, noch am 29. abends einen vorbereitenden Befehl für den Rückmarsch des k.u.k. Heeres an die Dunajec-Bialalinie heraus

zugeben. Noch wollte er aber nichts unversucht lassen, um die Armee Hindenburgs zum Stehenbleiben im unmittelbaren Anschluß an die 1. Armee zu bewegen und damit seinen linken Heeresflügel nicht schon „vor dem Wirksamwerden der neuen deutschen Offensive“ einer Überflügelung durch den Feind auszusetzen. Auch hielt er es —in der Hoffnung auf das Eintreffen der geforderten großen deutschen Verstärkungen links der deutschen 9. Armee — für nötig, daß sich diese und die öst.-ung. 1. Armee nur gegen die Südfront der Russen in Polen wandten. Unter solchen Gesichtspunkten schlug er am 30. Oktober dem GO. Hindenburg vor, drei Armeekorps (Gardereserve, XX. und Landwehr) ,,im Staffel links rückwärts der 1. Armee, also etwa im Raume Węgleszyn—Włoszczowa— Małuszyn“ bereitzustellen, um sie von dort aus überraschend gegen Nordosten vorstoßen zu lassen, sobald der Feind den Westflügel der 1. Armee umfaßte. Die übrigen Kräfte der deutschen 9. Armee sollten diesen Angriff in der linken Flanke, etwa im Raume von Przedbórz, decken, während die 2., die 3. und die 9. KD. zwischen Kielce und Przedbórz die Bereitstellung der Stoßgruppe zu verschleiern gehabt hätten. Hindenburg lehnte aber diesen Vorschlag mit dem Hinweis ab, daß der Feind vor der 9. Armee ebenfalls folge, und zwar mit dem Flügel über Łódź; die Annahme des Vorschlages Conrads würde zur Vernichtung der 9. Armee führen. Er werde zwar das GRKorps, wie versprochen, zur Deckung der Flanke und zum Kampfe im Anschluß an die verbündete 1. Armee belassen, die deutsche 9. Armee aber werde sich in der Richtung Czenstochau—Wieluń vereinigen. Das links vom GRKorps stehende Kavalleriekorps Hauer, dessen 3. KD. an diesem Tage (30. Oktober) in verlustreichen Gefechten den Rückmarsch von Kolonnen des GRKorps gedeckt hatte, wurde dem öst.-ung. AOK. wieder zur Verfügung gestellt1).

Tags darauf, am 31. Oktober, war Conrads Flügeladjutant, Obstlt. Kundmann, von der Berliner Besprechung zurückgekehrt. Nun erfuhr Conrad, daß Falkenhayn einen entscheidenden Erfolg in Flandern suchte und das Überführen starker Kräfte aus dem Westen nach Osten ablehnte, weil dann die Front im Westen eingedrückt würde, bevor man noch im Osten zum Schlagen käme. Die Entscheidung im Westen müsse vorausgehen, im Osten müsse solange hingehalten werden2).

Noch an demselben Tage richtete Conrad an die DOHL. ein Telegramm, worin er nochmals erklärte, daß er bei einem Einsätze starker Kräfte im Osten den „Erfolg erreichbar und damit die gesamte Lage so!) Reichsarchiv, VI, 40.

2) Conrad, V, 340.

wohl militärisch als politisch günstig entschieden erachtet hätte“1). Er hoffte durch dieses Telegramm den Verbündeten vielleicht doch noch für die Ostentscheidung zu gewinnen.

Doch GLt. Falkenhayn begnügte sich damit, die deutsche 9. Armee zunächst nur durch drei Kavalleriedivisionen aus dem Westen zu verstärken.

Während dieser Verhandlungen hatte sich das 1. Armeekmdo. an die Heeresleitung mit der Bitte gewandt, der 1. Armee das Zurückgehen an die Nida schon am 31. zu erlauben, da sie sonst in schwere Kämpfe verwickelt werden würde, die unnötige Verluste brächten und auch einen weiteren Widerstand an der Nida in Frage stellen müßten. Nach den bis zum 31. morgens vorliegenden Nachrichten ging die russische 9. Armee bereits über die Kamienna vor. Ein Zusammenstoß ihrer Vortruppen mit dem rechten Flügel und der Mitte der k.u.k. 1. Armee war schon in wenigen Stunden zu erwarten. Die russische 4. Armee, die den Raum beiderseits Svdlowiec erreicht hatte, rückte anscheinend mit ihrem linken Flügel (III. kauk. Korps) östlich und mit ihrer Masse (XVII., XVI. und GrenKorps) westlich der Bahnlinie von Radom vor. Sie konnte schon am

1. November die 1. Armee umfassen. Unter diesen Verhältnissen wies GdK. Dankl auf die großen Gefahren hin, die ein Rückzug aus der Opatówka-linie angesichts des wahrscheinlichnachdrängendenFeindeszeitigenkonnte. Der weitab von der Nida liegende rechte Flügel müßte dann schräg zu der nach Norden gerichteten Front zurückgenommen werden, und es wäre fraglich, ob er überhaupt die Nida rechtzeitig erreichen könnte.

Auf diese Vorstellungen hin trat Conrad am 31. vormittags erneut an das Kommando der deutschen 9. Armee mit dem Ersuchen heran, „daß die für den 31. Oktober in den Raum Chęciny—Małogoszcz—Włoszczowa— Maluszyn dirigierten drei deutschen Armeekorps (Gardereserve, XX. und Landwehr) auch aus diesem Raume für den Kampf verwendet und keinesfalls weiter zurück oder westwärts gezogen werden. In diesem Falle hätte ein übermächtiger Druck gegen den Flügel der 1. Armee bei Kielce nicht nur das Zurückgehen aller übrigen öst.-ung. Armeen zur Folge, sondern es würde auch die Verbindung zwischen der 1. und 9. Armee sowie die Mitwirkung der öst.-ung. Armeen an den weiteren Kämpfen unmöglich werden“. Das aber müsse schwere Folgen „für die Gesamtlage Österreich-Ungarns und nicht minder auch Deutschlands mit Rücksicht auf die politische Konstellation und die Haltung bisher neutraler Staaten unausbleiblich nach sich ziehen“2).

1 j C o n r a d, V, 342 f.

2) Ebenda, V, 341 f.

Nur schweren Herzens konnte sich GO. Hindenburg zu der Zusage entschließen, außer dem GR. auch das XX. Korps zunächst noch zwischen Kielce und Noworadomsk stehen zu lassen. In Kenntnis dieses Entschlusses befahl GdI. Conrad am 31. Oktober um 7h abends der 1. Armee noch einmal, in der Linie Kielce—Sanmündung unbedingt auszuharren.

Das Treffen an der Opatówka und der Entschluß zum allgemeinen Rückzug

(31. Oktober bis 2. November)

Hiezu Beilage 19 sowie Skizze 35

Großfürst Nikolai Nikolajewitsch hatte am 27. Oktober den Befehl zur Verfolgung gegeben. Die 2. und die 5. Armee sollten bis in die Linie Kutno—Łódź—Tomaszów vorrücken, während die 4. und die 9. Armee die Linie Opoczno—Skarżysko—Sandomierz zu gewinnen hatten. Gen. Iwanow drängte auf ein Einschwenken gegen Galizien, da der Gegner noch am San stand. Während die Südwestfront hier das öst.-ung. Heer aus dem Felde schlagen mochte, sollten die Armeen der Nordwestfront ihr Angriffsunternehmen vom August wiederholen und Ostpreußen erobern.

Bis zum 30. Oktober hatte der Vormarsch der 4. Armee (Gren., XVI.,

XVII.    mit 61. und 81. RD. und III. kauk. Korps mit 75. RD., UralKosD., Transb.KosBrig.) erst in den Raum von Szydłowiec und weiter westlich geführt, während die 9. Armee (GKorps mit GSchBrig. und GKBrig., XXV. und XIV. Korps mit 2. SchBrig., l.DonKosD. und 13. KD.) mit ihren Vorhuten beiderseits Ostrowiec bereits über die Kamienna gelangt war. Die ihr unterstellte Gruppe Zajontschkowski (83. RD. und 37. ID.) überschritt noch bei Solec und Józefów die Weichsel. Die übrigen Teile des

XVIII.    Korps sollten bei Annopol folgen. Am 31. Oktober setzte Gen. Letschitzki mit der 9. Armee die Verfolgung fort. Er hatte von Gen. Iwanow den Befehl erhalten, auf Sandomierz vorzustoßen, um dort die Weichsel zu überschreiten und auf Rzeszów vorzudringen, damit er der

3. Armee den Übergang über den San öffne1).

Als am 31. Oktober mittags — die Armee Dankl hatte sich soeben in ihren neuen Stellungen festgesetzt — die Spitzen des russischen XIV. Korps über Opatów vordrangen und auf die Front der öst.-ung. 2. ID. stießen, zog GdI. Meixner seine Korpsreserve, die 24. ID., heran. Unterstützt durch Truppen des V. Korps (Teile der 14. ID. und der 11. HKD.) gelang es

*) Korolkow, Warschau—Iwangorod, 234 ff.

I 2. Aufl.    32

der 2. ID., den Feind südöstlich von Opatów zum Stehen zu bringen. Das

X. Korpskmdo. erwartete in der Nacht auch einen Angriff starker feindlicher Kräfte gegen seinen rechten Flügel. GdK. Dankl ließ daher, um einem Vorgehen der Russen über die Weichsel in den Rücken der 4. Armee vorzubeugen, noch in der Nacht die Brücken bei Sandomierz abbrechen.

Gegen das V. Korps, das dem Angriff der Russen trotz seiner geschwächten Verbände und des Ausfalls der 37. HID. mit Festigkeit entgegensah, schoben sich am Abend feindliche Vortruppen heran. Vor der Front des I. Korps tauchte nur russische Reiterei auf. Nördlich von Kielce zersprengte die Divisionsartillerie der 43. SchD. durch einen Feuerüberfall eine vorgeprellte russische Verfolgungskolonne.

In der Nacht zum 1. November erfuhr das 1. Armeekmdo. durch einen entzifferten Funkspruch, daß die russische 4. Armee wegen Nachschubschwierigkeiten vorläufig stehenzubleiben gedachte. Die Gefahr eines überholenden Vorgehens der Russen auf dem linken Armeeflügel schien hiernach nicht unmittelbar zu sein. Die am rechten Flügel des I. Korps eingesetzte und nunmehr von FML. v. Habermann befehligte 5. ID. hatte in der Nacht bei Bieliny einen erfolgreichen Vorstoß unternommen. Vor dem rechten Armeeflügel hielt sich der Feind zurück und grub sich mit schwächeren Kräften an der Opatówka ein. Im Kampfabschnitt der 2. ID., wo der Russe am 31. abends angegriffen hatte, wollte GdI. Meixner mit Teilen der 24. ID. und den Reserven der 45. SchD. einen größeren Gegenangriff führen. So schöpfte das 1. Armeekmdo. wieder Hoffnung, daß sich die Armee noch werde behaupten können. Indes unternahmen an der Grenze zwischen dem X. und dem V. Korps die Russen schon in den Morgenstunden des 1. November Vorstöße. Die 2. ID. gab anfangs etwas nach, warf aber bald, durch Truppen der 14., der 24. ID. und der 45. SchD. unterstützt, den Feind auf Opatów zurück.

Auch gegen den linken Flügel des V. Korps machte sich schon am Vormittag ein Angriff der Russen geltend, der die 33. ID. auf die Höhen nordöstlich von Łagów zurückdrängte. Dadurch in der Gefahr aufgerollt zu werden, gaben auch die links benachbarte 5. ID. und die rechts stehende 14. ID. am Abend etwas Raum.

Auf dem linken Armeeflügel waren die 12. ID. und die 46. SchD. am

1. November nicht angegriffen worden; jedoch hatten sich die Vorhuten des III. kauk. Korps schon sehr nahe an ihre Stellungen herangetastet.

Auf Seite der Russen hatte inzwischen Großfürst Nikolai Niko-lajewitsch in der Sorge, daß die vor Warschau vertriebenen Deutschen wieder Bewegungsfreiheit gewinnen könnten, den Armeen der Mitte (2.,

5., 4. und 9.) am 31. Oktober die Fortsetzung der Verfolgung bis in die Linie Uniejów (a. d. Warta)—Łask—Przedbórz—Chęciny und an die Ko-przywianka befohlen. An demselben Tage war die russische 9. Armee an der Opatówka nicht, wie erwartet, auf die Nachhuten der Armee Dankl, sondern auf deren Hauptkräfte gestoßen. Nun hieß Gen. Iwanow die 4. Armee mit dem linken Flügel (III. kauk. und XVII. Korps) auf Chęciny und Morawica vorgehen, um dem an der Opatówka feststehenden Gegner in die Flanke zu fallen und ihn von der Nida abzuschneiden. Gen. Letschitzki* der Führer der 9. Armee, beschloß, das Schwergewicht des Angriffs auf seinen rechten Flügel (XXV. und GKorps) zu verlegen, um im Zusammenwirken mit der Armee Ewert den Gegner in die Weichsel zu werfen1).

GdK. Dankl war wieder durch entzifferte russische Funksprüche über die Maßnahmen der Russen gut unterrichtet worden. Es konnten vor der Front der k.u.k. 1.Armee sieben russische Korps festgestellt werden, von denen zwei bis drei den linken Flügel überragten. Man wußte ferner, daß Gen. Ewert dem III. kauk. und dem XVII. Korps für den 2. November Kielce als Ziel gegeben hatte. Noch in der Nacht auf den 2. berichtete Dankl dem AOK. über die ungünstige Lage und wies neuerlich darauf hin, daß, falls das I. Korps sich des Angriffes der russischen Übermacht nicht erwehren könnte, mit einer Abdrängung der 1. Armee gegen die Weichsel zu rechnen sei, und daß er daher die Überbrückung dieses Flusses bei Szczucin in Aussicht nehme. Die Heeresleitung befahl daraufhin der

1. Armee, daß sie sich unter keinen Umständen gegen die Weichsel drücken lassen dürfe, bei einem notwendigen Rückzug an die Nida zurückzugehen und dort erneut Widerstand zu leisten habe.

Während die Aufmerksamkeit des 1. Armeekmdos. solcherart auf den linken Flügel gelenkt wurde, sprach sich das Vorgehen der Russen am 2. November vor allem gegen den rechten Flügel aus. Infolge der verspäteten Befehlsübermittlung und der Hemmnisse beim Vormarsch des russischen GKorps trat Letschitzkis linker Flügel zuerst zum Angriff an.

Schon am Morgen wurde die 2. ID. bis über Włostów zurückgedrängt. Durch die halbe 24. ID. verstärkt, ging sie abermals zum Gegenangriff vor und es gelang ihr, Włostów wieder zu nehmen. Auch das von den Russen eroberte Rożki konnte durch die 45. SchD. und die 106. LstlD. zurückgewonnen werden. Als aber die 2. ID. in den ersten Nachmittagsstunden abermals angegriffen wurde, erlag sie dem feindlichen Ansturm. Die nach Süden zurückgehende Infanterie war dem russischen Geschützfeuer wehrlos preisgegeben; die öst.-ung. Artillerie konnte infolge des katastrophalen Mangels an Munition nicht mehr helfen.

Inzwischen hatte GdI. Meixner seinen Armeekommandanten schon mittags von der kritischen Lage unterrichtet und die Zurücknahme des ganzen X. Korps an die Koprzywianka mit Einbruch der Dunkelheit empfohlen1). Dieser Rückzug wurde jetzt durch das Mißgeschick der 2. ID. dringend und GdI. Meixner ordnete ihn um 3h30 nachm. an. Im Laufe des Nachmittags setzte sich die 106. LstlD. an der unteren Koprzywianka fest. An ihrem linken Flügel bezog die 45. SchD. eine Aufnahmsstellung bei Klimontów; dann folgten die 24. und die 2. ID. bis Iwaniska, wo die

ll.HKD. die offene Flanke des V. Korps decken sollte. Durch das Zurücknehmen des X. Korps wurde auch das V. in Mitleidenschaft gezogen. Ein Vorstoß von Teilen des russischen XXV. Korps über Wlostów riß die rechte Flanke des V. Korps auf. Die russische Durchbruchskolonne stürzte sich auf die 14. ID. und drängte sie auf die Höhen von Iwaniska zurück. Nun mußte auch der rechte Flügel der 33. ID., die sich in der Front behaupten konnte, abgebogen werden. Zur Stützung des V. Korps wurde die halbe 43. SchD. vom linken Armeeflügel herangezogen und eingesetzt. Das I. Korps stand in seinen alten Stellungen noch fest; es wurde wider Erwarten am 2. November nicht ernstlich angegriffen. Nur auf seinem rechten Flügel, bei der 5. ID., hatte sich am Abend ein Gefecht der Vorhuten entwickelt. Die über Kielce zur Umfassung angesetzten beiden Russenkorps (III. kauk. und XVII.) bereiteten sich erst zum Angriffe vor, nachdem sie unvermutet auf den Gegner gestoßen waren2).

Aber wenn sich auch die russische Umfassung über Kielce noch nicht geltend gemacht hatte, so mußte es dort doch in wenigen Stunden gegen feindliche Übermacht zum Kampfe kommen. Auch war es nach dem Rückschlag des rechten Armeeflügels fraglich, ob sich die übermüdeten Regimenter an der Koprzywianka würden weiter halten können. Die Truppen der 1. Armee waren mit dem Widerstand ohnehin schon bis an die Grenze des Möglichen gegangen. Sie hatten vor Iwangorod schwere Verluste erlitten und bedurften dringend der Ruhe. Dies und vor allem der katastrophale Mangel an Artilleriemunition drängten zu weiterem Rückzug. So bat das 1. Armeekmdo. um 5h3° nachm. abermals das AOK., es möge dem Abmarsch an die Nida zustimmen.

In Neusandez war inzwischen schon eine Entscheidung in diesem Sinne

*) FML. v. Kralowetz, Das k.u.k. X. Korps im Herbstfeldzug 1914 gegen Rußland (Manuskript, Kriegsarchiv).

-j Korolkow, Warschau—Iwangorod, 260 f.

gefallen. Da auf eine Mitwirkung der deutschen 9. Armee links im Anschlüsse an die k.u.k. 1. nicht mehr gerechnet werden konnte und die Flanke der 4. durch die Preisgabe der Opatówkalinie ohnehin schon entblößt war, durften die Armeen rechts der Weichsel nicht länger der Gefahr einer Umklammerung von Norden her ausgesetzt werden. In solcher Lage hatte sich das AOK. den schweren Entschluß abgerungen, die mit so großen Opfern behaupteten Stellungen am San und südlich von Przemyśl wieder zu räumen. Zwischen 5h und 6h abends ergingen die Befehle für den allgemeinen Rückzug. Im Sinne einer hinhaltenden Kriegsführung schrieb die öst.-ung. Heeresleitung darin der 1. Armee vor, in der Nacht zum 3. November den Abmarsch hinter die Mierzawa und die untere Nida zu beginnen und sich dort zu zähem Widerstand einzurichten. Das deutsche 9. Armeekmdo. wurde ersucht, mit dem GRKorps den linken Flügel der 1. Armee zu decken und es nach Andre je w und in die Gegend westlich davon zurückzunehmen. Die übrigen k.u.k. Armeen hatten in den Raum von Bartfeld, an die Biała und an den Dunajec zurückzugehen, um ihre Kräfte dort zu sammeln, die verminderten Stände zu ergänzen und Munition und Ausrüstung heranzuziehen.

Mit diesen Befehlen rief GdI. Conrad nach vierwöchigen, außerordentlich anstrengenden Operationen das k.u.k. Heer im Wesen wieder in jene Grundstellungen zurück, die es vor der Oktoberoffensive innegehabt hatte.

Der Aufbau der neuen Schlachtfront bei Krakau und

Czenstochau

Hiezu Beilagen 19 und 20

Überaus ernst war die allgemeine Kriegslage der verbündeten Mittelmächte um die Wende Oktober-November geworden. Der deutsche Vormarsch in Frankreich war nach dem Scheitern des Marnefeldzuges zum Stehen gekommen, und es hatte schon den Anschein, als ob auch das große Ypernunternehmen den erhofften durchschlagenden Erfolg nicht bringen werde. Im Osten drohte die Gefahr eines Einmarsches der Russen nach Schlesien, Westgalizien und Ungarn. Wohl war jetzt in Serbien der öst.-ung. Angriff im Fortschreiten, auch war die Türkei inzwischen in den Kriegszustand mit England, Frankreich, Rußland und Serbien getreten; aber ein weiterer siegreicher Vormarsch der Russen konnte den Kriegseintritt Italiens und Rumäniens an der Seite der Alliierten zur Folge haben.

Trotz dieser Gefahren hielt der am 3. November endgültig zum Chef des Generalstabes des deutschen Feldheeres ernannte GLt. Falkenhayn an seiner Anschauung fest, daß vorerst die Entscheidung in Frankreich durch einen Angriff in Flandern gesucht werden müsse und der Krieg im Osten zunächst hinhaltend zu führen sei, bis dann, etwa in sechs Wochen, namhafte Verstärkungen aus dem Westen herangeführt werden könnten *).

In diesen schicksalsschweren Tagen war am 1. November GO. Hindenburg zum „Oberbefehlshaber über die gesamten deutschen Streitkräfte im Osten“ ernannt worden, während die 9. Armee im GdK. Mackensen einen neuen Befehlshaber erhielt. Gleichzeitig mit dieser Neuordnung der Befehlsverhältnisse für den deutschen Teil der Front gegen Rußland ist in einer am 1. November nach Wien gerichteten Depesche des Deutschen Kaisers der Versuch erneuert worden, alle auf dem linken Weichselufer operierenden öst.-ung. Kräfte dem Befehle des GO. Hindenburg zu unterstellen (S. 433). Kaiser Franz Joseph lehnte diese Anregung aber auf Conrads Vorstellung hin mit der Feststellung ab, daß die k.u.k. Heeresleitung ohnehin alles nur „im vollsten Einvernehmen mit GO. v. Hindenburg“ verfüge und daher eine Unterstellung der 1. Armee unter den deutschen Feldherrn nicht „wesentlich“ sei.

Zu gleicher Zeit regte in Berlin — wie man seither weiß, ohne Kenntnis der deutschen Heeresleitung — der Unterstaatssekretär Zimmermann gegenüber dem öst.-ung. Botschafter Prinzen Gottfried Hohenlohe an, eine befriedigende Lösung der Befehlsfrage im Osten dadurch zu erzielen, daß man den Erzherzog Friedrich zum Oberbefehlshaber der ganzen Front ernenne und ihm Ludendorff als Generalstabschef beigebe; Conrad könne unter diesem Befehlsstäbe das Oberkommando der öst.-ung. Armeen weiterführen. Diese Anregung gelangte am 4. November durch ein Telegramm der kaiserlichen Militärkanzlei nach Neusandez. Conrad erblickte in dem Vorschläge, dessen sachliche Vorzüge sich durch eine Unterstellung Hindenburgs unter das k.u.k. AOK. viel einfacher hätten erzielen lassen, vor allem eine seinem bisherigen Wirken geltende Mißtrauensbezeugung, die er in erster Linie mißgünstigen Einflüssen aus Wiener und Budapester Kreisen zuschrieb. Er bezeichnete in seiner Antwortdepesche „die Einschiebung eines Oberkommandos zwischen den Armeekommanden und dem Höchstkommandierenden“ als unzweckmäßig und fügte bei: „Dortiger Vorschlag legt Operationsleitung ganz in Hände General Ludendorffs; ist mir deutlicher Fingerzeig verlorenen Vertrauens;

1 j Vorläufig erhielt die deutsche 9. Armee nur drei Kavalleriedivisionen aus dem Westen zugeschoben.

muß unter diesen Umständen hervorheben, daß ich in loyalster Weise und ohne jede Kränkung meinem gänzlichen Rücktritt entgegensehe.“ Die Stellungnahme des Erzherzogs Friedrich lautete dahin, daß wohl der Schaffung eines einheitlichen Ostkommandos voll zuzustimmen sei,,keinesfalls aber der Zuweisung eines deutschen Generalstabschefs“. Der Thronfolger wurde zur Berichterstattung nach Wien entsendet. Der Kaiser versicherte in huldvollen Telegrammen den Armeeoberkommandanten und seinen Generalstabschef seines uneingeschränkten Vertrauens; die von Zimmermann aufgeworfene Idee wurde begraben1).

Inzwischen hatte Hindenburg am 3. November die Befehle zur Durchführung seines neuen Operationsplanes herausgegeben. Das XI., das XVII. und das XX. Armeekorps sollten nunmehr mit der Bahn in die Gegend von Thorn gefahren werden, um von dort aus zwischen Warta und Weichsel, verstärkt durch Teile der Besatzungen von Breslau, Posen und Thorn, drei Infanteriedivisionen aus Ostpreußen (XXV. Reservekorps und die 36. RD. des I. Reservekorps) gegen die Nordflanke des russischen Vormarsches vorzustoßen. Das GRKorps, die Division Bredow, die 35.RD. und das LKorps hatten unter GdI. Woyrsch die linke Flanke der Österreicher und Oberschlesien zu decken. Das Kavalleriekorps FML. Korda und die eben aus dem Westen eingelangte 5. KD. wurden beauftragt, bei Kalisz ein Eindringen russischer Reiterei in deutsches Gebiet zu verhindern.

Preisgabe der Walstatt von Przemyśl und Chyrów (3. und 4. November)

Während die deutsche 9. Armee auf Czenstochau—Wieluń zu den Einwaggonierungsstationen abzog, erfolgte der Rückzug des öst.-ung. Heeres hinter die Nida-Dunajeclinie und in die Karpathen. Die k.u.k.

2. Armee begann am 3. November in Staffeln vom rechten Flügel auf Turka, hinter den oberen Dniester und auf Chyrów zurückzugehen. Der Feind drängte nicht. Nur die Nachhut der Gruppe Krautwald hatte am 4. eine nachrückende russische Verfolgungskolonne abzuweisen. Am gleichen Tage abends verließ auch die 3. Armee unter dem Schutze von Nachhuten ihre Verteidigungsstellungen südöstlich von Przemyśl und ging in den Raum von Bircza zurück. Das IX. Korps, das wieder in den Verband der 3. Armee zurücktrat, stand noch am San. Die 23. HID. und die 85. SchBrig., an deren Stelle die 88. KSchBrig. der 30. ID. unterstellt wurde, rückten als Verstärkung der Besatzung nach Przemyśl. Am 5. früh ließ GdK. Böhm-Ermolli die Gruppe Krautwald nach Mszaniec, das XII. Korps nach Krościenko und das VII. Korps, das nun wieder zum Verbände der 2. Armee gehörte, über Dobromil nach Michowa abmarschieren. Die vor Dobromil aufgestellten Nachhuten, Teile der 17. und der 28. ID., wurden von den Russen angegriffen und zurückgedrängt. Das IV. Korps hielt noch in der Gegend nördlich von Turka.

Bei der 4. Armee mußte der linke Flügel infolge der Preisgabe der Opatówkalinie durch die 1. Armee am 3. November auf Kamień undTarno-brzeg zurückgenommen werden; mit dem rechten Armeeflügel wollte Erzherzog Joseph Ferdinand in der Nacht zum 4. den Rückzug vom San antreten. Als jedoch die Heeresleitung am 3. vormittags verfügte, daß das

XVII. Korps zur Deckung der linken Flanke der 3. Armee bis zum 4. mittags den Höhenrand Jaroslau—Przeworsk besetzt zu halten habe, und dazu erklärte, daß es erwünscht sei, auch mit den übrigen Teilen der 4. Armee erst zu diesem Zeitpunkte aus der Linie Leżajsk—Tarnobrzeg zurückzugehen, entschloß sich Erzherzog Joseph Ferdinand im Einvernehmen mit dem IX. Korps, erst in der Nacht zum 5. mit dem rechten Flügel den Rückmarsch anzutreten.

Die Russen hatten inzwischen den beginnenden Rückzug des Gegners vom unteren San erspäht. Am 4. November setzte die Gruppe Gen. Krusenstern über den Fluß und ging längs des südlichen Weichselufers langsam auf Tarnobrzeg vor. Auch Gen. Dimitriew trieb jetzt seine 3. Armee zur Verfolgung an. Als der 4. November graute, brachen einzelne Abteilungen des XI. und des IX. Russenkorps bei Nielepkowice und abwärts davon aus ihren Brückenköpfen zum Angriff vor und drangen in die vordersten Stellungen des k.u.k. XVII. Korps ein. Hier wurden die Russen aber von den tapferen Grabenbesatzungen getötet oder gefangen. Da auch der Feind stellenweise Erschöpfung verriet, entschloß sich GdI. Křitek, den letzten Akt des opferreichen Kampfes am San zu einem durchschlagenden Erfolg zu gestalten. Er befahl für die ersten Nachmittagsstunden den Angriff seines ganzen Korps. Tatsächlich gelang es der 13. SchD. und der 41. HID., bis zum Einbrüche der Dämmerung die Russen aus ihren Stellungen am linken Flußufer zu vertreiben und stellenweise bis in die russischen Batterien einzudringen. Zweitausend Gefangene und dreizehn Maschinengewehre waren die Beute; vierundzwanzig russische Geschütze wurden unbrauchbar gemacht, da deren Bergung wegen des Abbruches der Kämpfe unmöglich war. In der Nacht zum 5. November räumten das

XVII. und das benachbarte IX. Korps die so hart umstrittenen San-

Stellungen und gingen zunächst in den Raum beiderseits von Przeworsk zurück. Die Loslösung vom Feinde vollzog sich, vom Feuer russischer weittragender Geschütze abgesehen, ohne Störung.

Die Armee Dankl hatte hingegen nach dem Treffen an der Opatówka unter der Verfolgung der Russen ziemlich stark zu leiden. Nachdem sich ihr rechter Flügel in der Nacht zum 3. November unter heftigen Kämpfen vom Feinde losgelöst hatte, griff das III. kauk. Korps mit Unterstützung von Teilen des russischen GKorps im Morgengrauen Kielce an und drängte die Nachhuten des k.u.k. I. Korps zurück. Die Russen folgten tagsüber bis an die Czarna Nida, über Raków und den Koprzywiankaabschnitt, hielten sich aber in der Gegend nordwestlich von Kielce zurück. In der Nacht und am 4. früh setzte die k.u.k. 1. Armee ihren Rückmarsch an die Nida fort. Sie sollte dort solange als möglich stehen bleiben, damit die 4. und die 3. Armee an der Wisłoka und am oberen San für den weiteren Rückmarsch etwas Atem schöpfen konnten.

Nun hatte aber am 2. November abends Hptm. Fleischmann nach Neusandez gemeldet, daß die 1. Armee zu einem nachhaltigen Widerstand an der Nida nicht befähigt sein werde.

„Nach Ansicht des deutschen Oberkommandos liegt die Stellung an der Nida zu wenig weit von der früheren an der Opatówka zurück, um eine Retablierung der 1. Armee und die Einrichtung zu einem nachhaltigen Widerstand zu ermöglichen. Überdies ist die Widerstandsdauer an der Nida durch die Gefahr, daß diese Stellung und in weiterer Folge auch eine in zu engem Anschluß an diese befindliche Stellung der deutschen Armee in allernächster Zeit einer Umfassung ausgesetzt ist, zeitlich sehr begrenzt. In einem Rückzuge des öst.-ung. Heeres mit dem linken Flügel bis in die Höhe von Krakau würde das Hauptquartier Ost die Möglichkeit zu einem Freimachen der Kräfte der deutschen Armee *) und zu einer neuerlichen Offensivoperation derselben in Polen erblicken .. . Zunächst schlägt Hauptquartier Ost vor, die zu verstärkende 1. Armee in Linie etwa unterster Lauf Nida und südöstlich Pilica (Ort) zurückzuführen, wobei für die 9. Armee als Widerstandslinie etwa jene von Mrzyglód, Czenstochau, Wieluń und weiter nördlich in Betracht käme.“

Conrad pflichtete diesen Vorschlägen nicht bei. Als er jedoch tags darauf (3. November) erfuhr, daß die neue deutsche Operation zur Durchführung gelangte, erklärte er sich mit der Verschiebung der deutschen

9. Armee nach Norden einverstanden, nur wünschte er, daß das GRKorps zur Flankendeckung unmittelbar links neben der 1. Armee verblieb. Noch am Abend desselben Tages teilte er überdies seine Bereitwilligkeit mit, die deutsche Offensive von Thorn durch einen Vorstoß von Süden her zu unterstützen. Seine Absicht war es jetzt, wenn es die Lage zuließ, mit der 4.,

J) Gemeint war vor allem das im Anschluß links von der 1. Armee befindliche GRKorps.

vielleicht auch noch mit Teilen der 3. Armee zwischen Dunajec und Wisłoka über die Weichsel in den Kampf der 1. Armee umfassend einzugreifen oder aber dem südlich der Weichsel heranrückenden Feind einen raschen Schlag zu versetzen. Zu diesem Zwecke sollte sich die 3. Armee beim Rückmarsch so gruppieren, daß sie gegen Norden einschwenken und den etwa über Jaroslau vordringenden Feind von Süden her anfallen konnte. Im gleichen Sinne sollte sich auch die 2. Armee bei ihrem Rückzuge in der Staffel südöstlich der 3. Armee halten, um einen aus dem Raume südlich Przemyśl gegen Westen vorgehenden Feind in der Flanke zu fassen. Wenn sich aber aus dem Raume von Sambor starke feindliche Kräfte über die Karpathen wandten, hatte die 2. Armee bereit zu sein, mit der Gruppe Tersztyanszky allmählich ausweichend, südlich des Karpathenkammes zum Angriff überzugehen.

Die Ausführung dieser Pläne in den vorgesehenen Räumen mußte unter der Einwirkung des Feindes unterbleiben. Ihr Grundgedanke drückte gemeinsam mit den von Hindenburg gefaßten Absichten dennoch den Kriegshandlungen der Verbündeten in den nächster* Wochen seinen Stempel auf: die gegen Preußisch-Schlesien und Posen schwerfällig heranrollende „Dampfwalze“ sollte von der unteren Weichsel und von dem Karpathenraume aus in die Zange genommen werden. In erheblich größeren Abmessungen sollte nun im westlichen Weichsellande in die Tat umgesetzt werden, was der öst.-ung. Generalstabschef zu Kriegsbeginn im Osten dieses Stromes durch seine Operation mit dem Richtpunkt Siedlec ausgeführt wissen wollte.

Der Rückzug gegen Krakau und die Verlegung der

2. Armee nach Preußisch-Schlesien

In der Nacht zum 5. November war die 1. Armee an der Nida und Mierzawa eingelangt. Sie hatte vor Iwangorod, an der Opatówka und auf ihrem Rückzug mehr als ein Drittel ihrer Stärke verloren, und ihre Munitionslage war schlecht. Auch schien sich die Hoffnung, daß die Russen ihren Vormarsch unterbrechen würden, nach den letzten Nachrichten nicht zu erfüllen. Das russische Angriffsheer nahte anscheinend mit vorgestaffeltem rechtem Flügel und hatte bereits die Linie Busk— Andrejew—Prezdbórz erreicht. Von den aus Galizien heranbefohlenen Verstärkungen waren bei Miechów erst sechs schwache Infanteriebetaillone eingetroffen. Wohl hatte das AOK. schon am 30. Oktober dem Feldeisenbahnchef befohlen, die 4. ID. und dann die 44. SchD. vom 31. an von Przeworsk über Rzeszów und Krakau gegen Kielce abzubefördern. Die neu entbrennenden Kämpfe beim XVII. Korps (S. 487) verzögerten aber den Beginn dieser Bahnverschiebung bis zum 1. November spät abends. In dichter Zugsfolge konnten dann beide Divisionen auf der doppelgeleisigen, erst kürzlich bis Jaroslau wieder behelfsmäßig hergestellten Eisenbahn, auf der auch der Zu- und Abschub zur 4. und 3. Armee rollte, bis zum 4. abends nach Krakau gebracht werden. Unterdessen waren aber Kielce und Andre je w verloren gegangen, die Rückstauung der Evakuierungszüge der im deutschen Betrieb befindlichen Strecke dorthin erschwerte die Weiterbeförderung der einlangenden Transportstaffeln, so daß nur die Infanterie bis in den Raum von Wolbrom und Miechów vorgefahren werden konnte, während Artillerie, Trains und Anstalten ihre Ziele in Fußmärschen erreichen mußten.

Unter diesen Verhältnissen meldete das 1. Armeekmdo. am 5. November früh nach Neusandez, daß die Armee bereits an diesem Tage vom Feinde in der nördlichen Flanke umgangen und am 6. frontal und umfassend angegriffen werde, so daß sie dann nicht mehr nach Westen würde zurückgehen können. Zugleich erbat es sich vom AOK. die Zustimmung dazu, jeden ernsten Kampf zu vermeiden und mit der 1. Armee so weit zurückzuweichen, bis die russische Offensive infolge von Nachschubschwierigkeiten von selbst zum Stehen komme. Zur selben Zeit telegraphierte Hptm. Fleischmann nach Neusandez, daß das GRKorps, das bisher die Aufgabe gehabt hatte, die linke Flanke der 1. Armee zu decken, am 6. mit dem LKorps zum Schutze der schlesischen Grenze nach Mrzyg-łód und Czenstochau zurückgenommen werde, und Hindenburg daher auch ein weiteres Zurückbiegen des linkenFlügels der 1. Armee für nötigerachte.

Da keine Aussicht mehr vorhanden war, vorne an der Nida zu halten, beschloß GdI. Conrad noch am 5. vormittags, die 1. Armee bis in die Höhe von Krakau zurückzunehmen. Sie sollte jedoch nicht mit dem linken Flügel — wie man deutscherseits vorgeschlagen hatte — sondern mit dem rechten die Richtung auf Krakau nehmen, um eine Stellung zu halten, die von da nordwestwärts zum Orte Kromołów lief, wo man den Anschluß an deutsche Truppen erhoffte. Gleichzeitig befahl Conrad der 4. Armee, ,,durch vergrößerte Marschleistungen ehestens Anschluß an die

1. Armee zu gewinnen und eine Division“ — das 4. Armeekmdo. bestimmte hiefür die 13. SchD. — ,,ab 6. mittags mit der Bahn von Rzeszów vorauszusenden“. Diese Division und die bei Przykop auf das rechte Weichselufer übergegangene 106. LstlD. hatten die Weichselstrecke aufwärts der Dunajecmündung zu sichern, damit der Feind nicht zwischen der 1. und 4. Armee vorbrach.

Mit diesen Weisungen begannen die großen Bewegungen, die zu einer vollständigen Neugruppierung des öst.-ung. Heeres führen sollten. Noch war aber der Gedanke, die Hauptmacht des k.u.k. Heeres an der schlesischen Grenze und vor der mährischen Pforte zu versammeln, nicht zum Entschlüsse herangereift, da sich Conrad die Verwendung der 2. und der

3. Armee in den Karpathen noch Vorbehalten hatte. Da trat am Spätabend des 5. November das 2. Armeekmdo. mit einem bedeutsamen Vorschläge an das AOK. heran.

Die Anschauung Böhm-Ermollis ging dahin, daß ein wuchtiger Schlag aus dem Raume von Turka und Skole gegen den linken russischen Heeresflügel „einen größeren Teilerfolg in Galizien“ verspräche. Eine solche Operation hätte aber zur Voraussetzung, daß die 2. Armee durch ein Korps und die am 1. November wieder zur 3. Armee zurückgetretene 4. KD. verstärkt, und auch die Armeegruppe Pflanzer-Baltin zur unmittelbaren Schlachtunterstützung der 2. Armee angesetzt werde. Da aber „selbst glückliche Operationen der Armeen in Galizien an der Gesamtlage nur wenig ändern könnten“, schlug Böhm-Ermolli dem AOK. vor, vier Divisionen der 2. Armee und zwei bis drei Divisionen der 3. an den Nordflügel des k.u.k. Heeres nach Polen zu verlegen, „woselbst sie vielleicht im Zusammenwirken mit den Deutschen entscheidende Dienste leisten könnten“. Diese Anregung fiel in Neusandez auf fruchtbaren Boden.

Am 6. November nachmittags kündete ein Befehl der Heeresleitung die Verlegung der Masse der 2. Armee (2. Armeekmdo., XII. Korps mit der

16. und der 35. ID. und IV. Korps mit der 31. und der 32. ID. nebst einem Kavallerieregiment) aus den Karpathen nach Preußisch-Schlesien an. Zur Sicherung der Karpathenübergänge vom Uzsokpaß bis zur Duklasenke sollten das VII. Korps (17. und 34. ID., 20. HID., 103. und 105. LstlBrig.) und die Gruppe Karg (38. HID. 1., 2. und 17. LstTerrBrig., 102. LstlBrig.,

1., 5. und 8. KD.) Zurückbleiben, welche Kräfte der 3. Armee unterstellt wurden. Weiters befahl das AOK., das II. Korps (Rest der 4. ID. und die

25. ID.) der 4. Armee über Krakau zur 1. Armee abzubefördern.

Tags darauf (7. November) wies ein Befehl der Heeresleitung den Erzherzog Joseph Ferdinand an, noch am 8. mit dem XIV. und VI. Korps bis hinter den unteren Dunajec zu rücken und am 9. die Versammlung der 4. Armee — bei Deckung durch das XVII.Korps am Dunajec und bei verläßlicher Sicherung der Weichselstrecke aufwärts von der Dunajec-mündung durch die 106.LstlD. und die 13.SchD. — in westlicher Richtung fortzusetzen. In der Nacht zum 10. sollte die Armee bei Krakau und östlich davon bereitstehen, um mit ihrer Hauptkraft aus diesem Raume den nördlich der Weichsel vorrückenden Feind vom Süden her anzugreifen. Während die Heeresleitung diese Maßnahmen traf, führte die widerstandslose Zurücknahme der 1. Armee bis in die Linie Skala—Kromolów zu lebhaften Auseinandersetzungen mit dem deutschen Bundesgenossen.

Das Oberkommando Ost wünschte, daß der öst.-ung. linke Flügel noch vorne hielt, um ein vorzeitiges Nachstoßen der Russen in den Abtransport der 9. Armee hinein zu verhindern. Wenn aber die 1. Armee weiter zurückging, dann sollte das ganze öst.-ung. Heer „schrittweise nach Süden, linker Flügel auf die Festung Krakau, zurück weichen, um russische Kräfte dorthin nachzuziehen“. Stieß der Russe in die große Lücke hinein, die zwischen den beiden verbündeten Heeren entstand, dann konnte der deutsche Angriff von Norden um so wirksamer werden. Das verbündete Heer aber würde in der starken Abwehrstellung der Karpathen mit der großen Festung Przemyśl im Vorfelde und der Festung Krakau als linkem Flügelstützpunkt die Möglichkeit finden, Kräfte zu neuem Stoß an entscheidender Stelle herauszuziehen. In diese operativen Erwägungen spielten auch Verstimmungen hinein, die beim Oberkommando Ost von dem eben abgeschlossenen Feldzuge zurückgeblieben waren und es ihm geradezu erwünscht erscheinen ließen, wieder einmal vom Bundesgenossen völlig räumlich getrennt manövrieren zu können1).

Dieses aber war gerade das, was Conrad unbedingt vermieden wissen wollte und ihn zum Entschluß veranlaßt hatte, die 2. Armee aus den Karpathen nach Preußisch-Schlesien heraufzuführen und die 4. nach Krakau in den Bereich der 1. heranzuziehen. Bei diesem Streben, den Anschluß an den Verbündeten nicht zu verlieren, sondern lieber die Karpathen zu entblößen, leitete ihn zum Teil das Gefühl, daß das eigene Heer schon zu stark ausgeblutet war, um der Anlehnung an den Waffengefährten ohne schwere Gefährdung entbehren zu können. Wie ein am 1. Jänner 1915 an GdI. Bolfras gerichteter Brief verrät, fiel aber doch, ganz wie sieben Wochen zuvor beim Heranholen der deutschen 9. Armee in den Raum nördlich von Krakau, noch eine zweite Erwägung ins Gewicht: dem Bundesgenossen durfte nicht mehr die Gelegenheit geboten werden, wie zu Anfang des Krieges auf eigene Faust zu operieren, sondern er sollte seine Kriegshandlungen immer auch zugleich den Bedürfnissen der Gesamtkriegsführung beider Heere anpassen. Dies konnte nur durch enge Anlehnung erreicht werden. Deshalb widerstrebte Conrad dem Abziehen des GR. sowie des LKorps und aus gleichem Grunde verschob er die 2. Armee nach Preußisch-Schlesien.

So wurde im Hauptquartier Hindenburgs wie in dem des Erzherzogs Friedrich den traditionellen Schwierigkeiten, die den Bündniskriegen noch immer zu eigen waren, schon erheblich seelischer Tribut gezollt.

Als die Armee Dankl am Frühmorgen des 6. November den Rückzug von der Nida fortsetzte, hatte der Feind bereits ihre Flanke von Norden umgangen. Drei Korps, das GrenKorps, das XVI. und das XVII., hatte Gen. Ewert am 5. bis an die Pilica südlich von Przedbórz, nach Włoszczowa und Wegleszyn, vorgeschoben. Dem III. kauk. Korps befahl er, zwischen der Nida und der Nidzica nach Süden vorzustoßen, um dem Gegner den Rückweg nach Krakau abzuschneiden und nach Osten in die Arme der Armee Letschitzki zu treiben. In Ausführung dieses Umfassungsmanövers war das III. kauk. Korps am 5. abends bis in den Raum von Andrejew vorgedrungen. Am 6. schwenkten die beiden linken Flügelkorps Ewerts, das XVII.und das III.kauk., nach Süden ein.Das XVII.Korps wurde bei Nagłowice von den Nachhuten des preuß. GRKorps aufgehalten.Das durch dieGKBrig.und die l.DonKosD.unterstützte III. kauk. Korps ging von Andrejew gegen den Mierzawaabschnitt vor und holte dort Dankls linken Flügel ein. Erst spät am Abend konnten die Russen den verzweifelten Widerstand der öst.-ung. Nachhuten brechen. Tags darauf, am 7. November, erstritt sich die russische Übermacht bei Działoszyce und Skalbmierz den Übergang über die Nidzica. Die k.u.k. 33. ID. (V. Korps) und die 5. ID. (I. Korps) hatten bei diesen scharfen Verfolgungsgefechten schwere Verluste zu erleiden. Zahlreiche Fuhrwerke fielen bei Skalbmierz den Kosaken in die Hände. Am 8. wurde auch die 24. ID. des X. Korps nördlich von der Szreniawa in Nachhutkämpfe verwickelt. In der Nacht zum 9. hatte sich die schwergeprüfte k.u.k. 1. Armee endlich überall vom Feinde losgelöst und war in den neuen Widerstandslinien nordwestlich von Krakau eingelangt. Nördlich von ihr hatte die aus dem halben GRKorps1), der Division Bredow, dem LKorps und der 35. RD. gebildete Armeeabteilung des GdI. Woyrsch zwischen Żarki und Czenstochau Aufstellung genommen. Links von Woyrsch, in der fast 180 km breiten Lücke von Czenstochau bis zum Übertritt der Warta auf deutsches Gebiet, standen das Kavalleriekorps Korda (öst.-ung. 7. und deutsche 8. KD.) und deutscher Grenzschutz, etwa achteinhalb Landsturmbataillone. Schon am 1. November waren die Reiterscharen des Gen. Nowikow über die mittlere Warta vorgebrochen. Bei Koźminek warf sich das Kavalleriekorps Korda diesem Feind entgegen und schlug ihn am 3. und 4. November über die Warta

*) Die 3. GID. wurde vom 10. November an mit der Bahn nach Norden gefahren, um an der Offensive von Thorn teilzunehmen.

zurück. Aus dem Westen war inzwischen die deutsche 5. KD. eingetroffen. Am 5. November übernahm der bayr. GdK. Ritter v. Frommei den Befehl über die öst.-ung. 7. und die beiden deutschen KD. (8. und 5.).

In Galizien hatte sich inzwischen der weitere Rückmarsch der k.u.k. 4. Armee vollzogen, ohne durch den Feind erwähnenswert behelligt zu sein. Am 6. November war die Armee bereits hinter die Wisłoka und am 8. an den Dunajec gelangt. Die 41. HID. hatte als Nachhut des XVII. Korps am 7. und 8. nachsetzende russische Kavallerie bei Bratkowice und Sędziszów abgewehrt. Am 9. blieben das XVII. Korps sowie die 6. und die

10. KD. am Dunajec stehen, das XIV. und das VI. Korps führte Erzherzog Joseph Ferdinand bis an die Raba zurück.

Außergewöhnliche Marschleistungen wurden in diesen Tagen von den sehr angestrengten Truppen der 4. Armee gefordert, damit sie noch rechtzeitig zum rettenden Angriff über die Weichsel bei Krakau angesetzt werden könnten. Am 8. November war GdK. Dankl in Neusandez eingetroffen und hatte dort Conrad eröffnet, daß seiner Ansicht nach die 1. Armee bei einem neuerlichen Angriff der Russen kaum imstande sei, sich länger als einen Tag in ihren neuen Stellungen zu behaupten. Noch waren die Artillerie, die Trains und die Anstalten der 4. ID. und der 44. SchD., die unter dem Befehle des FML. Tschurtschenthaler mit dem Kavalleriekorps Hauer (2., 3. und 9. KD.) den linken Flügel Dankls sichern sollten, nicht vollzählig eingetroffen. Bis zum Einlangen des II. Korps (Rest der 4. ID. und 25. ID.) konnten noch Tage vergehen, da sich aus der Räumung Mittelgaliziens und der Abbeförderung von 80.000 Einwohnern aus der Festung Krakau Verzögerungen ergaben. In der Auffassung, daß es in kürzester Frist zu einem neuerlichen Angriff weit überlegener russischer Kräfte gegen die noch nicht gefestigte Front der 1. Armee kommen werde, nahm GdK. Dankl mit Zustimmung des AOK. am 9. seinen rechten Flügel aus der Linie Skala—Jangrot hinter den tief eingeschnittenen Pradnikbach zurück. Dadurch sollte der Zeitpunkt des russischen Angriffs auf den zunächst bedroht erscheinenden Südflügel noch etwas hinausgeschoben und dem geplanten Vorstoß der

4. Armee aus Krakau mehr Raum gegeben werden.

Allein es war fraglich, ob die Kraft der 4. Armee zu einem raschen Flankenstoß aus Krakau noch ausreichen werde; denn auch ihre Truppen waren in den vorhergegangenen Kämpfen am San und bei den starken Rückmärschen verbraucht worden, so daß Erzherzog Joseph Ferdinand der Heeresleitung melden mußte, daß „eine weitere Fortsetzung der Operationen ausgeschlossen sei“. Unter diesen Verhältnissen war zubefürch-

ten, daß die in ihrer Kampfkraft herabgesetzte 1. Armee dem erwarteten neuerlichen Ansturm weit überlegener russischer Kräfte erliegen werde, bevor die 4. Armee von Süden her angriff. Dabei konnte man bei weiterer Gefährdung der 1. Armee auch zu einem tropfenweisen Einsatz der aus den Karpathen über Ungarn und Mähren nach Oderberg anrollenden 2. Armee nördlich von Krakau gezwungen werden, statt diese Armee für den Aufbau der neuen Schlachtfront bei Czenstochau zu verwenden.

Am 8. November ließ GdI. Conrad beim Oberbefehlshaber Ost für die

2. Armee die Benützung der deutschen Bahnlinie Oderberg—Ratiboř— Oppeln erbitten. Dem GO. Hindenburg war jetzt die Verschiebung willkommen, da sie auch dem Schutze Schlesiens zugute kam*). Nur wünschte er, daß die öst.-ung. 1. Armee „unbedingt standhalte, bis die Verstärkungen heran seien; auch die an diesem Tage aus dem Verbände der

9. Armee ausscheidende Armeeabteilung Woyrsch wolle er vorher nicht schwächen“.

So lagen die Dinge, als sich am 9. November die Heeresleitung von Neusandez nach Teschen verlegte. In den Befehlen, die das AOK. an diesem Tage herausgab, kam die Ungunst der Lage zum Ausdruck. Die 1. Armee sollte am 10. November ihre Aufstellung nordwestlich von Krakau noch halten und dann melden, ob auch am 11. ein Ausharren noch möglich sei. Die 4. Armee hatte sich am 10. unter Deckung gegen Ost durch das

XVII. Korps im Raume östlich und südöstlich von Krakau für einen Vorstoß in nördlicher Richtung bereitzustellen. Sollte jedoch die Lage das Ausharren der 1. Armee in ihrer jetzigen Aufstellung nicht zulassen, so sei beabsichtigt, diese Armee hinter die Przemsza in den Raum Oświęcim— Tarnowitz zurückzunehmen, während die 4. Armee in diesem Falle in den Raum bei und westlich von Krakau abzurücken hätte, um von dort aus unter dem Schutze der Festung den feindlichen Flügel anzugreifen. Dabei beschäftigte sich Conrad im Geiste sogar mit einer allgemeinen Rückverlegung des k.u.k. Heeres in den Raum von Mährisch-Weißkirchen, Troppau und Jägerndorf, von wo der Zusammenhang mit dem deutschen Heere noch notdürftig aufrechtzuerhalten war.

In diesen Tagen der zunehmenden Spannung bereitete sich die Festung Krakau zum Empfang der Russen vor. Die Heeresleitung bestimmte außer der 95. LstlBrig. die 45. SchD. und die 106. LstlD. als Besatzung, wobei sie sich die Verwendung der beiden genannten Divisionen in offener Feldschlacht vorbehielt. Wohl ging aus den fast täglich aufgefangenen Funksprüchen hervor, daß sich der Feind gegenüber der schlesischen Grenze und in Galizien zurückhielt. Aber wenn er auch vorläufig nicht weiter folgte, so war er doch nur wenige Tagmärsche von der Front in Polen entfernt und konnte jederzeit seinen Vormarsch wieder aufnehmen. Von Stunde zu Stunde erwartete man seinen Angriff. Indes vergingen der 9. und der

10. November, ohne daß der Russe vor der 1. Armee erschien. Auch am Tage darauf sahen sich die Armee Dankl und die Armeeabteilung Woyrsch noch nicht angegriffen. Die Russen waren mit ihren Hauptkräften anscheinend nur an den Szreniawa- und Pilicaabschnitt vorgerückt und entsandten darüber hinaus nur schwächere Abteilungen. Damit begann sich eine Entspannung der bisher so unheilvoll angesehenen Lage fühlbar zu machen.

In Teschen war am 10. November Obstlt. Hentsch vom deutschen Großen Hauptquartier eingetroffen. Er stellte im Aufträge Falkenhayns dem GdI. Conrad den Antransport von fünf bis sechs Armeekorps aus dem Westen in Aussicht, die zusammen mit Teilen der beiden deutschen Ostarmeen von Thorn her Vorgehen sollten *). Da Conrad den Beginn dieser großen Offensive für den 22. November erwartete, wollte er etwa für den gleichen Zeitpunkt den Angriff seiner 4., 1. und 2. Armee vorbereiten. Aber unterdessen war die Armee Mackensen schon am 12. zum überraschenden Angriff zwischen Weichsel undWarta angetreten. Da dieRussen vor der Front Krakau—Czenstochau noch immer starke Zurückhaltung zeigten, hätte Conrad jetzt erst recht gewünscht, daß die deutsche 9. Armee erst vorgerückt wäre, bis die in Aussicht gestellten Verstärkungen aus dem Westen eingelangt waren und er seine 2. Armee in der schlesischen Lücke versammelt hatte. Diese Armee wollte er nördlich der Armeeabteilung Woyrsch einsetzen, wobei diese in den Rahmen der 2. Armee einzufügen gewesen wäre. Dazu sollte der linke Flügel der 2. Armee bei Kreuzburg aufmarschieren 2). Da aber das deutsche Oberkommando Ost dieser Absicht nur unter der Bedingung zustimmen wollte, daß die k.u.k.

2. Armee unter den Befehl des GdI. Woyrsch gestellt werde und Conrad die Unterstellung der 2. Armee unter deutschen Befehl ablehnte, so wurden neue Verhandlungen gepflogen. Schließlich einigte man sich dahin, daß der Nordflügel der 2. Armee bei Lublinitz ausgeladen werde. Nach der Versammlung starker Kräfte hinter der Linie Żarki—Czenstochau wollte man die Armeeabteilung Woyrsch durch die 2. Armee ablösen und nordwärts verschieben. Dazu sollte es jedoch nicht mehr kommen; denn inzwischen hatte sich das russische Angriffsheer in Bewegung gesetzt und drohte in Preußisch-Schlesien einzubrechen.

x) Conrad, V, 452 ff. — Reichsarchiv, VI, 5 und 232.

2) Conrad, V, 445 ff. — R e i c h s a r c h i v, VI, 56 f und 233.

Der V or mar sch der Russen Hiezu Beilagen 19 und 20

Durch gründliche Weg- und Bahnzerstörungen sowie große Nachschubschwierigkeiten aufgehalten, war das russische Angriffsheer in Polen bis zum 2. November erst in die Linie Uniejów—Piotrków—Kielce und an die Opatówka gelangt. An demselben Tage waren die „Grunddirektiven“ der Stawka für den Einfall nach Schlesien ergangen1). In diesen geschichtlich bedeutungsvollen Befehlen wurde den Armeen der Mitte (2.,

S., 4., 9.) zunächst nur das Festsetzen in der Linie Kolo—Czenstochau— Oświęcim als Ausgangsstellung für das „tiefe Eindringen in Deutschland zwischen Weichsel und Sudeten“ als Ziel gegeben. Die russische Führung glaubte den entscheidenden Stoß über Schlesien in das Herz Deutschlands erst wagen zu dürfen, nachdem sie die beiden zurückhängenden Heeresflügel in Ostpreußen und in Galizien auf gleiche Höhe mit dem Zentrum vorgebracht hatte. Um die Nordflanke des großen Angriffsheeres in Polen zu schützen, wurde schon seit dem 25. Oktober eine neue 1. Armee2) unter Gen. Rennenkampf im Raume nordwestlich von Warschau gebildet. Dieser Armee wurde am 2. November befohlen, über Mława und Włocławek vorzugehen, während die 10. Armee an der ostpreußischen Grenze die deutsche 8. Armee hinter die masurischen Seen zurückwerfen sollte. Die Armeen in Galizien — 3., 11. und 8. — hatten den Gegner vom San auf Krakau zurückzudrängen, die Festung Przemyśl einzuschließen, die russische Südflanke durch das Vorschieben von Kräften auf die Karpathenpässe und durch den Einbruch von Kavalleriekörpern nach Ungarn zu sichern.

Langsam und schwerfällig war der Gang der weiteren russischen Bewegungen. Um den 10. November standen die 2. und die 5. Armee noch in der Linie Uniejów—Łask ostwärts der Warta und im Raume von Nowo-radomsk. Der rechte Flügel der 2. Armee hatte sich in südwestlicher Richtung von der Weichsel auf etwa 90 km entfernt. Der Vormarsch der 4. und der 9. Armee hatte nach dem Treffen an der Opatówka an der Nidzica und oberen Pilica seinen Abschluß gefunden. Die 10.Armee lag in Ostpreußen an der Angerapp vor den Stellungen der deutschen 8. Armee fest. Von der 1. Armee waren zwei Korps (I. turk., VI. Korps, dazu

6. KD. und 4. DonKosD.) rechts von der Weichsel über Mława in Bewegung, ein Korps, das V. sib., war mit der Komb.KosD. als Flankenschutz

x) Korolkow, Übersicht, 108 ff. — Danilow, 387 ff.

-) I. turk. und VI. Korps der 10. Armee und die eben aus dem fernen Osten anrollenden V. und VI. sib. Korps.

der großen Armee in Polen auf dem linken Ufer des Stromes aufWloclawek angesetzt. Das VI. sib. Korps stand bei Plock nach hinten gestaffelt.

Auch der Vormarsch in Galizien war noch nicht weit gediehen. Bis an den unteren Dunajec war nur die Gruppe Krusenstern (Teile des

XVIII. Korps) der 9. Armee vorgerückt. In der Richtung auf Rzeszów klaffte eine breite Lücke in der Front. Zur Unterstützung der Einschließung von Przemyśl in der Nähe der Blockade-(ll.) Armee zurückgehalten, war die Masse der 3. Armee erst in den Raum von Sędziszów—Błażowa gelangt, während das Gros der 8. Armee sich gegen die Karpathen gewendet hatte und bis an den oberen San und Dniester vorgedrungen war1).

Die Reiterdivisionen der 3. Armee, die bis an die Wisłoka vorgetrabt waren, hatten jede Berührung mit dem Gegner verloren. Die beiden Kavalleriekorps Charpentier und Nowikow, die vor der Front der 2. und der

5. Armee zwischen Koło und Warta (Ort) nach Westen ritten, waren vor Kalisz auf den Widerstand des Kavalleriekorps Korda (S. 510) gestoßen. Die Aufklärung der 4. und der 9. Armee hatte deutsche Truppen in einer befestigten Stellung östlich von Czenstochau und öst.-ung. Kräfte nordwestlich von Krakau festgestellt. Man dachte sich im russischen Hauptquartier, daß die Deutschen zwischen Czenstochau und Wieluń und bei Kalisz zu schlagen beabsichtigten, und daß ihr Nordflügel nur durch Kavallerie gesichert sei. Von dem öst.-ung. Heere nahm man an, daß es sich mit Teilen links von der Weichsel in den Raum nordwestlich von Krakau, mit der Masse in die Linie Krakau—Neusandez und mit einer Gruppe in die Karpathen zurückgezogen habe.

Wohl waren bei der Stawka bereits am 10. November Nachrichten eingelaufen, die von dem Erscheinen deutscher Truppen in der Gegend von Thorn berichteten. Man legte aber diesen Berichten zunächst keine allzugroße Bedeutung bei, da man durch den Nachrichtendienst vom Abtransport der neugebildeten deutschen Reservekorps nach Frankreich Kunde erhalten hatte und ein Herüberziehen namhafter deutscher Streitkräfte aus dem Westen für unwahrscheinlich hielt2). Aber es kamen der Stawka doch Bedenken, daß die von der mittleren Weichsel vertriebenen Deutschen bei einem Stillstand der Operationen die Handlungsfreiheit zurückgewinnen und ihr leistungsfähiges Eisenbahnnetz ausnützen könnten. In dieser Vorahnung richtete Großfürst Nikolai Nikolajewitsch am 10. abends an Rußki und an Iwanow die Frage, wann ihre Armeen wieder

*) Mémoires du General Broussilov, Guerre 1914—1918 (in französischer Sprache, Paris 1929), 71 ff.

2) Danilow, 331 ff.

in Bewegung gesetzt werden könnten. Gleichzeitig drängte die Stawka den Zweitgenannten zu einem schleunigen Vormarsch mit „möglichst starken Kräften“ südlich der Weichsel gegen Krakau.

Gen. Iwanow verfolgte andere Ziele. Er schätzte das öst.-ung. Heer, das in Galizien freiwillig zurückging und dessen Kampfkraft noch nicht gebrochen war, keineswegs so gering ein, wie es die Stawka, zumal Danilow, tat. Auch rechnete er mit einem Auftreten stärkerer öst.-ung. Kräfte von den Karpathen her und hielt es für gefährlich, mit seiner 3. Armee auf Krakau vorzustoßen, bevor sich die 8. Armee der Gebirgsübergänge bemächtigt hatte. Schließlich wollte der Oberbefehlshaber der russischen Südwestfront, ehe er den Vormarsch an Krakau und Posen vorbei nach Deutschland antrat, zunächst das öst.-ung. Heer durch einen gemeinsamen Schlag der 5., 4. und 9. Armee unschädlich machen und die „starke Festung Krakau“ durch die erst später heranzuziehende 3. Armee umschließen.

Inzwischen waren aber am 10. abends bindende Weisungen des Großfürsten Nikolai Nikolajewitseh an die beiden Oberbefehlshaber der Fronten ergangen. In diesen neuen „Grunddirektiven für den Vormarsch nach Deutschland“ bezeichnete die Stawka als nächstes Operationsziel, den deutschen Widerstand in der Front Kalisz—Czenstochau zu brechen. Zu diesem Zwecke sollten die 5. und 4. Armee die beiderseits von Czenstochau vermutete Hauptkraft der Deutschen mit Übermacht angreifen, während die 2. Armee zur Umfassung des zwischen Wieluń und Kalisz gedachten deutschen linken Flügels bestimmt war. Zur Ausführung dieses Schlages wurde die 4. Armee dem Gen. Rußki unterstellt, während die 9. Armee sich an die Nordfront von Krakau heranzuschieben und den Angriff der russischen Mitte zu decken hatte. In dieser Gruppierung hatte das Heer die deutsche Grenze zu überschreiten, die Angriffsbewegung bis in die Linie Kempen—Oświęcim vorzutragen und sich in der so erreichten Front für den weiteren Vormarsch „festzusetzen und zu befestigten“ *). Als Zeitpunkt des Beginnes dieser Operationen setzte die Stawka den 12. oder spätestens den 13. November fest.

Als diese Weisungen für den Vormarsch nach Schlesien am 10. November ergangen waren, wußte man im russischen Lager über die Bewegungen beim Gegner noch so gut wie nichts. In den nächsten Stunden begann sich das Bild wohl zum Teil zu enthüllen, ohne daß jedoch das verwirrte Gesamturteil klarer geworden wäre. Die beiden Kavalleriekorps Charpentier und Nowikow waren am 11. und 12. vom Kavalleriekorps Frommei (S. 511) angegriffen und wieder über die Warta zurück-

gedrängt worden. Zur gleichen Zeit waren auch die 6. und die 9. KD. der Deutschen zwischen Warta und Weichsel in Polen eingebrochen, um den Flankenstoß Mackensens zu verschleiern. Als sich jetzt die Nachrichten über das Auftreten deutscher Kräfte von Thorn her verdichteten und am 12. auch Meldungen einliefen, die über deutsche Truppenverschiebungen nach Thorn berichteten, war die Unsicherheit im russischen Hauptquartier noch größer geworden. Großfürst Nikolai Nikolajewitsch begann mit einer Verschiebung der deutschen 9. Armee nach Norden zu rechnen und diese Besorgnis führte dazu, daß er noch am 12. den Beginn des Angriffes der 5., 4. und 9. Armee auf den Morgen des 14. November festsetzte. Das Ziel, das er jetzt gab, war „die Gewinnung der deutschen Bahnlinie Pieschen—Lublinitz, um die gefährlichen deutschen Truppenverschiebungen zu vereiteln“1).

Bereitstellung des öst.-ung. Nord hee res zur neuen Schlacht Hiezu Beilage 20

Nach den unaufhörlichen sechs- bis achttägigen Rückmärschen hatte sich die k.u.k. 4. Armee am 12. und 13. November mit dem XIV. Korps (3. und 8. ID.) und dem VI. (27. ID. und 39. HID.) planmäßig unmittelbar südlich von Krakau bereitstellen können. Die 106. LstlD. war als Besatzung in die Festung gerückt. Die 15. ID. und die 13. SchD. standen im zweiten Treffen hinter dem rechten Armeeflügel im Raume von Wieliczka und GdI. Křitek deckte mit drei Divisionen — XVII. Korps mit 41. HID. und 19. ID., 1. und 110. LstlBrig. — die rechte Flanke an der Weichsel östlich von Krakau und an der Raba bis aufwärts Myślenice. Die 6. und die 10. KD. standen noch weiter östlich bei Bochnia und hatten ihre Aufklärungsschwadronen bis an den Dunajec vorgeschoben, wo bisher auch nur russische Kavallerie angelangt war.

Auch die Armee Dankl hatte indessen Zeit gefunden, sich zu ordnen und fühlte sich in ihren verschanzten Stellungen westlich von Skala und bei Żarki wieder stark genug, um dem Feinde erfolgreich Widerstand leisten zu können. Die gefährliche Lücke, die zwischen der Festung Krakau und der 1. Armee entstanden war, hatte FML. Kuk durch die 45. SchD. und die 95. LstlBrig. schließen lassen. Nördlich der 1. Armee stand die Armeeabteilung Woyrsch zwischen Żarki und Czenstochau fest, in deren linker Flanke die Lage jedoch recht unsicher war. Das zum Flankenschutz bestimmte k.u.k. Kavalleriekorps Hauer (3. und 9. KD.) mußte erst vom

l) K o r o 1 k o \v, Übersicht, 120 ff.

II. Korps abgelöst werden und konnte nicht vor dem 14. November vom Nordflügel der 1. Armee gegen Wieluń in Marsch gesetzt werden. Auch waren von der 2. Armee erst acht Bataillone, zwei Schwadronen, zwei Batterien des IV. sowie zwölf Bataillone und zwei Batterien des XII. Korps weit hinter der Front, bei G. Strehlitz und Vossowska, ausgeladen. Für den Einsatz der 2. Armee auf dem linken Heeresflügel war eine Umgruppierung auf Schienenwegen nötig, die weit ins Hinterland über Ungarn, Niederösterreich und Mähren führten.

Auf der nördlichsten Rochadelinie, Mezölaborcz, Kaschau, Sillein, konnten nur täglich zwölf Züge des XII. Korps nach Oderberg gebracht werden. Man bog daher mit den anderen Züge über Miskolcz und Losoncz aus. Die Transporte des IV. Korps mußten über Csap, Debreczin, Szolnok, Budapest, Marchegg, Gänserndorf, Prerau nach Oderberg geleitet werden, wo sich alle drei Schienenwege in eine einzige Linie vereinigten. Die ersten Transporte begannen bereits am 8. November aus Mezölaborcz und Sianki abzugehen. Es konnten jedoch zunächst nur wenige Transporte abrollen, da die nötigen Garnituren erst in Sátoralja-Ujhely zusammengestellt und in vielstündiger Fahrt in die Stationen des Einladeraumes herangeführt wurden. Dabei mußten die auf der geräumten Strecke von Przemyśl über Zagorz—Mezölaborcz angestauten Kranken- und Flüchtlingstransporte (von Przemyśl allein 15.000 Verwundete!, zuerst nach Süden abgeschoben werden, um Bewegungsfreiheit im Einladeraum des XII. Korps zu gewinnen. Auch hatte das AOK. die reichliche Verpflegung der erschöpften Truppen während des Bahntransportes und die Ergänzung der herabgekommenen Ausrüstung befohlen, so daß sich bei den verschiedentlichen Fassungen in den beengten Stationen weitere Verzögerungen ergaben. Hiezu kam noch, daß die Russen in den Einladeraum der 2. Armee nachdrängten, so daß die 32. ID., die mit dem XII. Korps abrollen sollte, bei Lisko wieder eingesetzt werden mußtex).

Während die k.u.k. 2. Armee noch bei G. Strehlitz versammelt wurde, erfuhren Conrad und Hindenburg aus entzifferten Funksprüchen, daß das russische Hauptheer in Polen den Vormarsch ,,tief nach Deutschland hinein“ wieder fortsetzen wollte, und daß der Stoß mit elf Korps in mehr als 200 km Breite, mit dem Nordflügel dicht südlich der Warta über Jaroczyn gegen die Grenze Schlesiens und Posen angesetzt war. Daher mußte es bald auch südlich der deutschen 9. Armee zum Kampfe kommen, und es blieb keine Zeit mehr, die Armeeabteilung Woyrsch so nordwärts zu verschieben, daß die 2. Armee rechts von ihr zu stehen kam 77). Nun zeitigte auch der ursprünglich fast gegen den Wunsch des Verbündeten gefaßte Entschluß Conrads, die 2. Armee nach Schlesien zu werfen, seine Früchte.

Noch am 13. November früh ersuchte Hindenburg die k.u.k. Heeresleitung, von einer Ablösung der ArmeeabteilungWoyrsch abzusehen und die

2. Armee so rasch als möglich bei Rosenberg—Kreuzburg zu versammeln, um sie nördlich von Woyrsch, wie es ursprünglich von Conrad geplant war, gegen einen umfassenden Angriff der Russen anzusetzen. Das k.u.k. AOK. wies den GdK. Böhm-Ermolli an, die bereits ausgeladenen Truppen unverzüglich nach Norden in Marsch zu setzen, um mit diesen bei einer Bedrohung der Flanke der Armeeabteilung Woyrsch in östlicher und nordöstlicher Richtung einzugreifen und den Aufmarsch der 2. Armee in ihren neuen Ausladeräumen, bei Lublinitz (XII. Korps) und Rosenberg—Kreuzburg (IV. Korps) zu decken. Gleichzeitig wurde GdK. Dankl verpflichtet, die Verschiebung der 3. und der 9. KD. gegen Wieluń zu beschleunigen. Alle Feldtransportleitungen und Eisenbahnbehörden erhielten den Befehl, die noch rollenden Staffeln der 2. Armee mit Eilzugsgeschwindigkeit zu befördern1). Mit dem Verbündeten verständigte sich Conrad rasch dahin, daß mit 14. November die k.u.k. 2. Armee der Armeeabteilung Woyrsch und diese dem Oberbefehle des AOK. unterstellt würden. Schließlich legte GdI. Conrad in einem Heeresbefehle vom 13. die Grundgedanken der von ihm geplanten neuen Operation wie folgt nieder:

„Die 2. Armee wird im Raume Lublinitz—Rosenberg—Kreuzburg versammelt, um in der Staffel hinter dem Nordflügel der Gruppe GdI. Woyrsch einer etwaigen Umfassung entgegenzutreten. GdI. Woyrsch hat vom deutschen Hauptquartier Ost den Befehl, die innehabende Aufstellung zu halten. Die 1. Armee ist bereit, vom Südflügel beginnend, zum Angriff vorzugehen, sobald sich von Süden her das Vorgehen der 4. Armee fühlbar macht. Die 4. Armee wird mit den Hauptkräften auf dem nördlichen Weichselufer einzugreifen haben, um bei Ausnützung der Festung [Krakau] möglichst überraschend und umfassend in die Schlacht einzugreifen.“

Ähnlich wie Mackensens Armeekorps im Norden, sollten demnach die 1. und die 4. Armee im Süden als Zangenhebel wirken. Um den Schlag der umfassenden 4. Armee möglichst wirksam zu gestalten, sollte Erzherzog Joseph Ferdinand mit starkem, gestaffeltem rechtem Flügel erst dann antreten, bis der Feind seine Kräfte im Stirnkampf mit der 1. Armee aufgebraucht und gegen die Nordfront von Krakau sich voll entwickelt

Tatsächlich gelang es nach Überwindung aller Schwierigkeiten, am 17. November das Maximum von 30 Zügen aus dem Bereich von Miskolcz und von 18 Zügen aus dem von Debreczin zu erreichen. In der Zeit vom 10. bis 23. November, dem Tage der Beendigung der Bewegung, passierten insgesamt 333 Vollzüge der 2. Armee Oderberg. Bei einer Transportdauer von dreizehn Tagen wurden also durchschnittlich 26 Züge täglich abgefertigt. Höchstleistungen brachten der 18. bis 20. November mit mehr als 40 Hundertachsern im Tag.

hatte. Aber Conrad wußte bereits, daß südlich der Weichsel das

XVIII. Russenkorps, vermutlich durch ein bis zwei Divisionen verstärkt, am unteren Dunajec eingelangt war. Den Rücken und die Flanke der

4. Armee sollte daher GdI. Křitek — XVII.Korps, 1. und 110. LstlBrig.,

6. und 10. KD. — schützen, indem er den anrückenden Feind zuerst an der Raba und dann bei Wieliczka—Myślenice und südlich davon aufhielt.

In einem ergänzenden Befehl vom 14. November war ferner gesagt, daß sich die 4. Armee im Festungsbereiche von Krakau derart bereitzustellen habe, „daß sie mit kleinen Marschleistungen in nördlicher und nordöstlicher Richtung in die zu erwartende Schlacht flankierend eingreifen könne, von welchem Eingreifen die Schlachtentscheidung erwartet werde“. Um den Schlag des Angriffsflügels möglichst wuchtig zu gestalten, hatten auch die 106. LstlD. und die 45. SchD., die in die Festung gesandt worden waren, mitzuwirken. Überdies sollte der Festungskommandant, FML. Kuk, seine mobilen Geschütze dem Erzherzog Joseph Ferdinand zur Verfügung stellen.

Während diese Maßnahmen getroffen wurden, war die russische Angriffsmasse zwischen Czenstochau und Krakau nur zögernd gegen die Stellungen der Verbündeten vorgegangen. Am 13. November entwickelten sich die ersten Gefechte zwischen den feindlichen Vorhuten und den Aufklärungsabteilungen, die Dankl und Woyrsch vorgetrieben hatten. Am nächsten Tag erschienen vor dem Nordflügel der 1. Armee und der Armeeabteilung Woyrsch stärkere russische Kräfte, ohne zum Angriff zu schreiten. GdI. Conrad erwartete jedoch, daß das Vorgehen der 5. und der

4. Russenarmee längstens am 15. November zum Kampfe führen werde. Böhm-Ermolli hatte noch nicht alle seine Kräfte versammelt, das Kavalleriekorps Hauer war noch auf dem Marsche gegen Wieluń. Allein die Gefahr, die von einem überholenden Vorgehen der russischen 5. Armee drohte, war nicht unmittelbar, da der Feind noch nicht weit über Nowo-radomsk vorgelangt war und die bisher eingetroffenen Teile der k.u.k.

2. Armee bereits links hinter der Armeeabteilung Woyrsch Aufstellung genommen hatten. Auch hatte das Oberkommando Ost den Besatzungen von Breslau und Posen drei Landsturmbrigaden sowie einige Schwadronen und Batterien entnommen und diese zu den Korps „Breslau“ und „Posen“ vereinigt. Sie wurden bei Kempen und Kalisz in die Front gestellt, um mit dem Kavalleriekorps Frommei über die mittlere Warta vorzustoßen. Und was das Entscheidende war: der am 12. erfolgreich begonnene Angriff Mackensens von Thorn her schritt glücklich weiter und hatte sich bis Gostynin und Kutno bereits in die russische Flanke eingebohrt.

Conrad hielt jetzt auch den Zeitpunkt für den eigenen Angriff für gekommen. Über das Vorgehen der russischen 9. Armee hatte er bisher keine genaue Kenntnis erlangt. Nach den bis zum 15. November vormittags vorliegenden Nachrichten schien es jedoch, daß sich ihr rechter Flügel (XIV. und GKorps) dem Angriffe der russischen 4. Armee in westlicher Richtung anschloß, während ihr linker Flügel, das XXV. Korps, zur Deckung gegen die Nordfront von Krakau bestimmt war. Vom russischen XVIII. Korps wußte man jetzt, daß es bei Nowy Korczyn auf das nördliche Weichselufer gezogen wurde. Ferner hatte man erfahren, daß russische Kavallerie über den Dunajec gelangt war und andere Kräfte, vermutlich das XXI. Korps, dorthin nachrückten.

Unter diesen Verhältnissen gab GdI. Conrad am 15. November nachmittags den Befehl zum Angriff. Es hieß darin: ,,4. Armee beginnt den Angriff möglichst überraschend am 16. November früh ... Es ist wichtig, am 16. November bis Nowe Brzesko—Proszowice—Höhen östlich Słomniki durchzudringen, um den umfassenden Angriff der 1. Armee zu sichern, ihm Raum zu geben und am 17. November in entscheidender Richtung eingreifen zu können.“ Die 1. Armee sollte, wie schon am 13. befohlen worden war (S. 519), ebenfalls am 16. früh bereit sein, sich dem Vorgehen der 4. Armee anzuschließen.

Am Abend desselben Tages (15. November) ging in Teschen ein Telegramm aus Posen ein, in dem GO. Hindenburg vorschlug, die Russen erst anrennen zu lassen und mit dem Angriff der öst.-ung. 4. Armee noch zu warten, bis sich der Erfolg der deutschen 9. Armee fühlbar mache1). Conrad bestand jedoch auf seinen Entschlüssen. Wenn er noch weiter zuwarte, dann könne ihm die Überraschung verloren gehen oder der Russe entziehe sich in Polen dem geplanten Zangenangriff durch einen rechtzeitigen Rückzug2).

Auch hielt der öst.-ung. Generalstabschef eine rasche Entscheidung für nötig, da die russische 8. Armee in den Karpathen vorging und die bei Jasło—Krosno vermutete russische 3. Armee in etwa acht Tagen in die westgalizische Lücke eindringen konnte. Die Aussichten des bevorstehenden Schlages bei Krakau schätzte Conrad hoch ein. Er vertraute auf die Tapferkeit und Ausdauer der k.u.k. Truppen, und solche Hoffnung gab ihm die Zuversicht, daß es der 4. Armee gelingen werde, rasch in die feindliche Front einzudringen.

Die Schlachten bei Krakau und Czenstochau

Der Beginn der Kämpfe (16. und 17. November)

Hiezu Beilage 20 sowie Skizzen 36, 37 und 38

Am Abend des 15. November hatte das 4. Armeekmdo. im Sinne des Angriffsbefehles der Heeresleitung (S. 521) verfügt, daß am nächsten Tag um 6h früh aus dem nördlichen Festungsgürtel von Krakau vorzustoßen hatten: FML. Roth mit dem XIV. Korps (8. ID., 3. ID., 13. SchD.) und der 106. LstlD. zwischen der Weichsel und einer Linie, die südöstlich von der Straße nach Słomniki führt, Hauptkraft Richtung Proszowice; FML. Arz mit dem VI. Korps (39. HID., 45. SchD.) westlich vom XIV. Korps, Hauptkraft Richtung Słomniki. Als Armeereserve wurden die 15. und die

27. ID. bestimmt. Da angesichts des langsamen Vormarsches des Feindes südlich der Weichsel auch die Verwendung der Masse des XVII. Korps nördlich vom Flusse in Aussicht genommen war, hatte GdI. Křitek die

19. ID. und die halbe 41. HID. um 12h mittags bei Wieliczka bereitzustellen. Zur Deckung auf dem südlichen Weichselufer sollten der Rest der 41. HID., die l.und die 110.LstlBrig. sowie die 6. und die 10. KD. unter FML. Nikić in der bisherigen Aufstellung verbleiben.

In der Nacht zum 16. November hatte die 4. Armee den Marsch in die befohlenen Bereitstellungslinien angetreten. Zahlreiche Marschstockun^ gen verzögerten die Vorrückung, so daß die Divisionen den Angriff gegen den linken Flügel der russischen 9. Armee um mehrere Stunden verspätet begannen. Um lh nachm. hatte das XIV. Korps nahezu 20 km kampflos zurückgelegt und mit seinen Anfängen die Reichsgrenze nordöstlich von Prusy erreicht. Beim VI. Korps war die 39. HID. zu Mittag in der Höhe von Michałowice aus nordöstlicher Richtung heftig beschossen worden, während die 45. SchD. ohne Kampf bis in die Gegend von Smardzowice vorgerückt war. Als die ermüdeten Truppen der beiden Korps nach kurzer Ruhepause den Vormarsch fortsetzten, begann alsbald der Feind — es war das XXV. Russenkorps — auf den Höhen südwestlich von Proszowice und Słomniki sichtbar zu werden. Die Russen waren bereits in die Verteidigung übergegangen und stellten der k.u.k. 4. Armee gewandt eine verschanzte Stellung gegenüber, gegen die das XIV. Korps bis zum frühen Einbruch der Herbstnacht nur mehr geringen Raumgewinn erzielte. Das VI. Korps erreichte mit dem rechten Flügel unter Kämpfen den Raum bei und westlich von Goszcza, mit dem linken Flügel die Höhen bei Rzeplin.

Bei der k.u.k. 1. Armee hatte GdK. Dankl dem X. Korps (24. und

2. ID., 35. LstlBrig. und ll.HKD.) befohlen, zum Angriff zu schreiten, sobald das Vorgehen der 4. Armee am 16. wirksam wurde. Es sollte in der Richtung über Skala auf Miechów Vordringen. FZM. Puhallo hatte sich mit dem V. Korps (14. ID., 37. HID., 33. ID. und 36. LstlBrig.), vom rechten Flügel beginnend, dem Angriff anzuschließen1).

Diesen Weisungen entsprechend nahm am 16. vormittags das X. Korps und die 14. ID. des V. Korps die Vorrückung auf. Unter Überwindung beträchtlicher Reibungen erreichte Dankls rechter Flügel bis zum Beginn der Dunkelheit kampflos den Westrand der felsigen Pradnikschlucht und den Raum nördlich davon. Gegen den linken Armeeflügel — I. Korps (5. ID., 46. SchD., 12. ID., ein Regiment polnischer Legionäre), Gruppe FML. Tschurtschenthaler (44. und 43. SchD., 101. LstlBrig.), II. Korps (4. und 25. ID., 2. KD.) — sowie gegen die Armeeabteilung Woyrsch schoben sich die Russen näher heran.

Vor der im Raume Parzymiechy—Dzietrzniki aufmarschierenden k.u.k. 2. Armee und vor dem rechten Flügel Mackensens zeigte sich ein überraschender Umschwung der Lage. Aus dem Funkverkehr des Feindes ergab sich nämlich, daß nicht nur dessen 2. Armee von der Warta zurückging, sondern auch weiter südlich seine 5. ihren Vormarsch eingestellt habe. Angesichts der Erfolge der deutschen 9. Armee, die bereits an den Oberlauf der Bzura vordrang, glaubte GO. Hindenburg jetzt sogar mit einem baldigen allgemeinen Rückzug der Russen aus Westpolen rechnen zu können. Er ließ daher am 16. abends die k.u.k. Heeresleitung bitten, nunmehr mit der 4. und der 1. Armee und mit der Armeeabteilung Woyrsch sofort auf der ganzen Front anzugreifen. Gleichzeitig sollten am Südflügel der deutschen 9. Armee die Korps Breslau und Posen sowie das Kavalleriekorps Frommei vorwärtsgehen. Des weiteren gedachte Hindenburg, aus der Armeeabteilung Woyrsch, wenn sich die Front im Vordringen enger zusammenschloß, das dort noch eingesetzte halbe GRKorps (1. GRD.) herauszuziehen, um es zusammen mit den aus dem Westen erwarteten Korps östlich von der unteren Weichsel zu verwenden2).

Conrads Befehle trugen diesen Wünschen nach Aufnahme des allgemeinen Angriffs Rechnung. Das vorsichtige Vorgehen der Russen gegenüber dem Nordflügel der 1. Armee und der Armeeabteilung Woyrsch ließ vermuten, daß sie vielleicht von hier Kräfte nach Norden schoben, um

*) Die 33. ID. war zunächst Armeereserve, die 36. LstlBrig. wurde im Etappendienst verwendet.

2) Reichsarchiv, VI, 103.

sich gegenüber der deutschen 9. Armee zu verstärken. Unter solchen Umständen wurde auch die Möglichkeit eines Rückzuges der 4. und der

9. Russenarmee immer größer. GdI. Conrad ordnete für den 17. November die Fortführung des Angriffes der k.u.k. 4. Armee und zugleich den Angriff der 1. Armee und der Armeeabteilung Woyrsch an.

Die 4. Armee, deren Vorgehen sich am 16. verzögert hatte, verpflichtete er, „durch energischen Angriff und Verfolgung die am 16. November versäumte kostbare Zeit” einzubringen und den kurzen Spätherbsttag für den Erfolg voll auszunützen. Sie habe ,,den Feind zu werfen und ihn unaufhaltsam zu verfolgen, bis die Linie östlich Miechów—Nidzica-mündung erreicht” war. Dabei sollte sie stets in der Staffel den übrigen Armeen voraus sein und mit starkem rechtem Flügel entlang der Weichsel vorgehen. Diel. Armee und die deutschen Divisionen der Armeeabteilung Woyrsch sollten den Angriff bis in die Linie Miechów—Plawno (südlich von Noworadomsk) vortragen, während die bisher eingetroffenen Teile der 2. Armee bis Popow—Działoszyn zu gelangen hatten. Ging der Feind gegen die Armeeabteilung Woyrsch selbst zum Angriff über, so war er abzuweisen und durch einen umfassenden Gegenstoß der deutschen 35. RD. und der 2. Armee vom Nordflügel her zu werfen.

Die Angriffsweisungen der k.u.k. Heeresleitung zeigten das starke Wollen, das ihr, allen Enttäuschungen zum Trotz, eigen war. Alle Anzeichen sprachen dafür, daß gegen die gewaltige Masse der russischen Dampfwalze nun durch den Doppelangriff von Thorn und Krakau ein erfolgreicher Schlag geführt werden könne. Wenn nur gegenüber den gigantischen Massen des Feindes die eigenen Kräfte ausreichten! Noch einmal wandte sich Conrad am 16. November als Rufer in der Wüste an die DOHL., wie es mit den Verstärkungen aus dem Westen stehe. Die Antwort lautete auch diesmal nicht ermunternd. Der Abtransport könne, teilte Falkenhavn mit, erst am 22., das Eingreifen im Weichselland erst am 28. beginnen. Neben den schon entsandten drei Kavalleriedivisionen werde er noch fünf bis sechs Armeekorps senden. Nur vermöge er angesichts der Erfolge, die Mackensen erringe, die von Conrad betonte große Dringlichkeit des Eingreifens nicht zu verstehen.

Grollend bedeutete Conrad seinem deutschen Amtskollegen im Antworttelegramm vom 17. November, daß ihm dessen Sorge um die Westfront in einer Stunde entscheidungsvollsten Ringens im Osten nicht ganz begreiflich sei. Auch er habe gegen fünfzig in Galizien operierende russische Divisionen nur elf öst.-ung. zurückgelasscn, während er sechsundzwanzig Divisionen unbekümmert um die schwere Bedrohung des Innern

der Donaumonarchie den gegen Deutschland angesetzten feindlichen Kräften entgegenzuwerfen wußte. Allerdings könne diese Überspannung der Lage in Galizien nicht mehr lange ausgehalten werden, ließ er den GLt. Falkenhayn wissen, damit die Ereignisse schon um einen Entschluß überspringend. Wenn nördlich von Krakau ein Erfolg erzwungen sei, werde die k.u.k. 4. Armee nach Galizien schleunigst zurückkehren müssen, um dort und in den Karpathen ihre Kräfte mit den Russen zu messen.

Unterdessen brandete die Schlacht bei Krakau bereits ihrem Höhepunkte entgegen.

Erzherzog Joseph Ferdinand hatte am 16. abends die 27. ID. dem FML. Arz und die 15. ID. dem FML. Roth zur Verfügung gestellt. GdI. Křitek sollte mit dem XVII.Korps (19. ID. und halbe 41. HID.) am

17. früh von Wieliczka über Niepołomice auf das nördliche Weichselufer rücken, um zur Rechten des XIV. Korps zur Umfassung der linken russischen Flanke auf Nowe Brzesko vorzugehen. Die Gruppe FML. Nikić war angewiesen, die Vorrückung nach Ost aufzunehmen, Bochnia und die untere Raba zu erreichen.

Als die k.u.k. 4. Armee am 17. November um 6h früh zum entscheidenden Angriff antrat, stieß sie auf der ganzen Linie auf den härtesten Widerstand. Die 8. und die 3. ID. kämpften sich beiderseits der Straße Krakau—Proszowice bis in die Höhe von Biorków vor. Die 13. SchD. versuchte über Goszyce, wo sie sich noch am Abend zuvor festgesetzt hatte, in nördlicher Richtung durchzubrechen, mußte aber ihren anfänglichen Raumgewinn wieder aufgeben, als am Nachmittag russische Gegenstöße ihren rechten Flügel zum Weichen brachten. Die inzwischen auf dem äußersten rechten Flügel des FML. Roth eingesetzte 15.ID. erzielte bei Glew Erfolge. Rechts von ihr drang in den Abendstunden die 19. ID. des

XVII. Korps über Igołomia vor. Das 4. Armeekmdo. überstellte nun die 15. ID. und die 96. IBrig. von der Gruppe Roth zur Gruppe Křitek, die nunmehr aus der 19. ID., halben 41. HID., 15. ID. und halben 8. ID. bestand, und befahl dem FML. Nikić, eine Reserve im Raume von Chobot am Südufer der Weichsel bereitzustellen, deren Artillerie in den Kampf Křiteks flankierend einzugreifen hatte.

Beim Korps Arz war der Angriff der 39. HID. und der links davon angesetzten 27. ID. bis an die feindlichen Linien bei Goszcza vorwärtsgekommen. Die 45. SchD., die über Iwanowice vorstoßen sollte, mußte gegen Nordwesten Front machen, da sich das russische GKorps in der Gegend von Skala, an der Naht zwischen der 4. und der 1. Armee, festgesetzt hatte.

GdK. Dankl wollte mit Teilen des X. Korps über Skała in den Kampf der Gruppe Arz eingreifen und mit der Masse der 24. und der 2. ID. die russische Front in der Richtung auf Miechów durchstoßen, während sich das V. Korps der Höhen südlich von Wolbrom zu bemächtigen hatte.

Der Angriff der 1. Armee kam aber am 17. November bald zum Stehen. Gegen das X. Korps gingen Teile des russischen Gardekorps selbst zum Angriff über und gewannen, da dichter Nebel den öst.-ung. Batterien das Auffinden des Feindes erschwerte, bei Skała Boden, so daß sich GdK. Dankl veranlaßt sah, dorthin seine Reserve, die Masse der 33. ID. und die 35.LstlBrig., einzusetzen. Dagegen gelang es der südlichen Flügeldivision des I. Korps, der 5.ID., am Abend dem Feinde Golaczowy zu entreißen, worauf sich die 37. HID. im nächtlichen Gefechte des Ortes Jangrot bemächtigte. Gegenüber dem I. Korps, der Gruppe Tschurtschenthaler und dem II. Korps machte sich das Vorgehen der inneren Flügel der russischen 9. und 4. Armee fühlbar. Dort fiel der 25. ID. die Wegnahme der Kalkfelsen bei Kotowice und Rzędkowice zu. Im Einklang mit der

25. ID. sollten auch die 4. ID. und die bei Żarki eingesetzte preußische

1. GRD. angreifen. Mitten in die Bereitstellung stieß aber der Russe im dichten Nebel gegen die 4. ID. vor. In raschem Gegenstoß schlugen die Mährer der IR. 81 und 99 den Feind zurück und nahmen im Nahkampf 1500 Mann gefangen; indessen war die 25. ID. bereits im Kampfe um die Höhenstellungen von Kotowice verwickelt1).

GdI. Woyrsch hatte am 16. spät abends durch einen aufgefangenen Funkspruch erfahren, daß die vor seiner Front befindliche russische

4. Armee am 17. angreifen werde. Andererseits war der Abmarsch des bei Noworadomsk festgestellten Südflügels der russischen 5. Armee (V. Korps) nach Nordosten gemeldet. In solcher Lage entschloß sich Woyrsch, den Feind gegen seine Front anrennen zu lassen und gegen den östlich von Czenstochau stehenden Nordflügel der russischen 4. Armee (GrenKorps) einen umfassenden Angriff zu führen. Er befahl in der Nacht zum 17. die Bereitstellung der linken Brigade der deutschen 35.RD. und der bisher eingelangten Truppen der k.u.k. 2. Armee — 16. und

31. ID. —zwischen Kłobucko und Popow.

Weite Wege und zerstörte Brücken verzögerten am 17. November den Anmarsch der 2. Armee aus ihren Verschanzungen bei Parzymiechy— Dzietrzniki in die Ausgangsstellung. Seit dem Morgengrauen hatte sich inzwischen das Vorgehen der Russen gegen Czenstochau enthüllt. Die deutsche 35. RD. eröffnete daher noch am Vormittag den Angriff und

1J H o e n, W a 1 d s t ä 11 e n-Z ip p e r er und Seifert, Die Deutschmeister, 163 ff.

gewann unter leichten Gefechten mit russischen Grenadieren bis in die Wälder westlich von Mykanów Raum. Links hinter ihr gelangte die k.u.k. 16. ID. kampflos nach Ostrowy. Die 31. ID., die infolge eines am 16. abends ausgegebenen Armeebefehles nach Działoszyn marschiert war1), erreichte erst in den Morgenstunden des 18. mit ihrer Masse die Gegend von Popow. Das Kavalleriekorps Hauer, das auf Kamińsk vorstoßen sollte, stand am 17. abends noch beiderseits von der Warta bei Działoszyn und mühte sich dort, die zerstörten Brücken wiederherzustellen. Nördlich der k.u.k. 2. Armee, die eiligst und fast ohne Trains und Anstalten zum Vormarsch angesetzt worden war, hatte das Landsturmkorps Breslau Wieluń erreicht.

Beim AOK. in Teschen war man durch diese Ergebnisse des 17. November enttäuscht. Man hatte gehofft, mit der 4. und 1. Armee zum entscheidenden Stoß bis über die Szreniawa ausholen zu können. Aber statt dessen hatten sich an der ganzen Front zwischen Krakau und Czenstochau stehende Kämpfe entwickelt. Günstiger schien wohl der Angriff des XVII. Korps entlang des nördlichen Weichselufers zu verlaufen, und bei Noworadomsk schien sich durch die aus dem Funkverkehr erkannte Nordverschiebung der russischen 5. Armee die Aussicht auf eine Umfassung der russischen 4. Armee zu bieten. Am 18. sollte der Angriff weitergeführt werden. GdI. Conrad legte der 4. und der 1. Armee nahe, durch Zusammenwirken des VI. mit dem X. Korps die Höhen von Skała ehestens zu nehmen, um ein rasches Vorwärtskommen der 4. Armee und ein Einschwenken des Südflügels der 1. zu erzielen. GdI. Woyrsch wurde aufgefordert, alle verfügbaren Kräfte der 2. Armee zum umfassenden Angriff gegen den rechten feindlichen Flügel heranzuziehen. Am Schlüsse spornte dieser Heeresbefehl die Armeen zur äußersten Anspannung der Kräfte mit den vorwurfsvollen Worten an:

„Das Ergebnis des morgigen Angriffs ist von entscheidender Wichtigkeit für den Erfolg des ganzen Krieges. Wir haben keine Übermacht vor uns2). Der Feind ist erschöpft, es fehlt ihm an Munition und Verpflegung. Auch er hat reduzierte Stände. Alles halte sich vor Augen, daß verlorene Zeit uneinbringlich ist. Der unbeugsame Wille aller Führer, ihr persönlicher Einfluß im Gefechte muß den Erfolg durchgreifend und groß machen.“

*) Kiszling, Die k.u.k. 2. Armee vom 10. November 1914 bis zum Jahresschluß (Manuskript, Kriegsarchiv).

2) Tatsächlich standen den links der Weichsel zwischen Krakau und Czenstochau kämpfenden 32 Divisionen (384 Bataillonen) der Verbündeten 23 russische Divisionen (368 Bataillone) gegenüber. Allerdings mögen die Stände der Verbündeten, zumal die der öst.-ung. Truppen, geringer gewesen sein als die der Russen.

Die Vorgänge auf russischer Seite Hiezu Beilage 20

Die 5.1), 4.2) und 9. Armee 3) der Russen, die am 12. November vom Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch zum Angriff auf die Front Kalisz— Czenstochau befohlen worden waren (S. 517), hatten sich erst am 14. morgens sehr vorsichtig von der Widawka, Pilica und Nidzica in Bewegung gesetzt und waren am 15. abends noch nicht über die Linie Działoszyn—'östlich von Czenstochau —Pilica (Ort)—Miechów—Szreniawa (Fluß) hinausgekommen. An diesem Tage hatte der überraschende Vorstoß der Deutschen von Thorn her schon zur Umfassung der östlich von der Warta stehengebliebenen russischen 2. Armee 4) geführt. Er war bis Gostynin, Kutno und Łęczyca vorgedrungen und hatte den links von der Weichsel auf Włocławek angesetzten Südflügel der russischen 1. Armee5), sowie den Nordflügel der 2. (II. Korps) zertrümmert. Als Gen. Rußki diese gefährliche Lage erkannte, ließ er sofort den Vormarsch der

5. und 4. Armee einstellen. Großfürst Nikolai Nikolajewitsch war aber mit dieser Maßnahme nicht einverstanden. Er befahl dem Gen. Rußki, den Angriff auf die Front Czenstochau—Żarki fortzusetzen und wies ihn gleichzeitig an, ein Korps der 5. Armee (das V.) zur Abwehr des deutschen Vorstoßes mit der Bahn nach Skierniewice zu fahren. Der linke Flügel der 2. Armee und die Masse der 5. sollten nach Nordwesten einschwenken, um den auf Kutno vordringenden Gegner selbst in der Flanke zu fassen. Gen. Rußki war nicht mehr in der Lage, diesen Befehlen Folge zu leisten. Der Durchbruch der Deutschen auf Kutno nötigte ihn, die ganze

2. Armee der ihr drohenden Umfassung durch einen raschen Rückzug auf Łowicz—Łódź—Zduńska Wola zu entziehen. Auch wurde jetzt die ganze

5. Armee nach Noworadomsk zurückgenommen, um sie an den linken Flügel der 2. Armee nach Łask und Zduńska Wola abmarschieren zu lassen. Die Folge dieser Bewegungen war aber, daß in der Front zwischen der

x) I. sib., XIX. und V. Korps, 5. DonKosD., Turk.KosBrig.

2)    Gren., XVI., XVII. Korps mit der 81. RD., III. kauk. Korps mit der 75 RD., UralKosD. und Transb.KosBrig.

3)    XIV. Korps mit der 2. SchBrig., GKorps mit der GSchBrig. und der GKBrig., XXV.Korps mit der 70.RD. und XVIII.Korps mit der 83. und der 80.RD., 13.KD., 1. DonKosD., eine Komb.KD. und die 61. RD.

4)    II., XXIII. Korps mit der 1. SchBrig., II. sib., IV., I. Korps, vielleicht auch 79. RD., Kavalleriekorps Charpentier (Kauk.KosD., GKosBrig., 1. AstrachanKosRgmt.), Kavalleriekorps Nowikow (5., 8., 14. KD.).

5)    I. turk., VI. Korps, V. und VI. sib. Korps, 6. KD. und 4. DonKosD.

5. und der 4. Armee eine große Lücke entstand. Hiedurch sah sich der Großfürst am 17. November veranlaßt, dem Gen. Iwanow die 4. Armee wieder zu unterstellen (S. 516) und ihm die Deckung seiner Nordflanke ganz besonders einzuschärfen.

Gen. Iwanow handelte rasch und entschlossen. Er ließ die UralKosD. und die TransbaikalKosBrig. der 4. Armee sowie die 13. KD. der 9. Armee unter dem Reitergeneral Fürst Tumanów an der oberen Widawka versammeln und befahl dem Gen. Ewert, den Nordflügel seiner 4. Armee (GrenKorps) bis Noworadomsk auszudehnen.

Aber auch im Süden bei der russischen 9. Armee hatte sich inzwischen durch den Angriff des Gegners aus Krakau die Gefahr einer Umfassung erhoben. Dort hatte Gen. Letschitzki für eine Verstärkung der Front schon vorgesorgt. Er hatte die südlich der Weichsel vorrückende Gruppe Krusenstern (S. 504) bei Nowy Korczyn auf das Nordufer geführt und ihre Divisionen (23. und 46. ID. und 80. RD.) bei Skalbmierz wieder mit dem

XVIII. Korps vereinigt. Als sich der Angriff des Gegners aus Krakau entwickelte, zog er am 16. abends dieses Korps nach Słomniki vor, um es in die Front zwischen dem XXV. und dem GKorps einzuschieben. Weiters ließ Gen. Letschitzki über die Weichsel abwärts der Dunajecmündungf iir den Uferwechsel von Kräften der in Galizien heranrückenden 3. Armee Brücken schlagen. Diese Armee hatte Gen. Iwanow angewiesen, ihren Vormarsch möglichst zu beschleunigen und zwischen der Raba und dem Dunajec drei Korps zu vereinen, die in den Kampf der 9. Armee eingreifen sollten. Im übrigen hieß Gen. Iwanow am 17. abends die 4. und die 9. Armee den schon erlahmenden Angriff „bis zur Vernichtung des Gegners“ fortsetzen1).

Der Fortgang der Schlachten zwischen dem 18. und

20. November

Hiezu Beilage 20 sowie Skizzen 36, 37 und 38

Am 18.November führten die Schlachten bei Krakau und Czenstochau zu einem erbitterten Ringen. Die auf dem rechtenFlügel der k.u.k. 4. Armee fechtende Gruppe des GdI. Křitek (19. ID., halbe 41. HID., 15. ID. und 96. IBrig.) warf den linken Flügel des XXV. Russenkorps nach hartnäckigem Kampfe auf Wawrzeńczyce und nördlich zurück. Die 3.ID. des XIV. Korps hatte bereits in der Nacht eine heiß umstrittene Höhe bei Biorków erstürmt, worauf die 8. ID. am Morgen Wronin gewann. An-

*■) K o r o 1 k o w, Übersicht, 160 ff. I 2. Aufl.

schließend an die 3. ID. versuchte die nun durch Teile der 106. LstlD. verstärkte 13.SchD. abermals, die russischen Linien zu nehmen. Das tapfere SchR. 24 drang am Morgen zum drittenmal in Wilków ein, während es dem SchR. 1 am Nachmittag gelang, Goszyce zu erobern. Schon war der rechte Flügel des XXV. Russenkorps ins Wanken gebracht. Da setzten heftige Gegenstöße feindlicher Unterstützungen ein und drängten die Wiener Schützen zurück. Der Angriff konnte jetzt ohne Unterstützung der schweren Artillerie gegen die festgebauten Ortschaften, die feuerspeienden Bollwerken glichen, nicht wieder vorgetragen werden.

Auf dem rechten Flügel des VI. Korps rang sich die 39. HID. in schwerem Ringen nordwestlich von Goszcza vor, kam aber dann ebenfalls zum Stehen. Auch die 27. ID. und die 45. SchD., die in der Richtung auf Iwanowice angesetzt waren und im Verein mit dem X. Korps den Feind aus dem Raume von Skała verdrängen sollten, kämpften sich anfangs zwar über Rzeplin vor, wurden aber durch einen Gegenstoß des russischen

XVIII. Korps, das in die Front zwischen Skała—Iwanowice eingerückt war (S. 529), wieder in südöstlicher Richtung zurückgedrückt. Als sich dadurch die Lage des VI. Korps recht ungünstig gestaltete, wandte sich FML. Arz an seinen Armeekommandanten um Hilfe. Erzherzog Joseph Ferdinand sandte am Abend die 95. LstlBrig. — neun Bataillone unter Obst.Piasecki, die dasFestungskmdo. Krakau zurVerfügung gestellt hatte — dem gefährdeten Korps Arz als Verstärkung und forderte den GdK. Dankl auf, die 11. HKD. in eine Lücke einzuschieben, die zwischen der 4. und

1. Armee aufgesprungen war.

Die beiden rechten Flügelkorps der Armee Dankl — X. und V. — hatten sich inzwischen östlich des tief eingeschnittenen Pradnikbaches und beiderseits von Jangrot bis an die feindlichen Hauptstellungen vorgearbeitet, fanden aber an der russischen Garde, die stellenweise selbst zum Gegenangriff schritt, unüberwindlichen Widerstand, der auch nach dem Einsatz der Armeereserve — 33.ID. — nicht gebrochen werden konnte.

Günstiger schien sich die Schlacht in der Mitte der 1. Armee zu entwickeln. Dort drang die 5. ID. bis auf Kanonenschußweite gegen Wolbrom vor. Die 46. SchD. und die 12. ID. vermochten zwar weiter nördlich nur wenig Raum zu gewinnen; glücklich focht aber die Gruppe Tschurtschenthaler. Das Linzer SchR. 2 der 44. SchD. brach sich in stürmischem Anlauf Bahn und drang am Abend gegen die Höhen östlich von Podzamcze vor1). Das XIV.Russenkorps sah sich dadurch auf das schwerste bedroht

x) Das Oberösterreichische Alpenjägerregiment Nr. 8 des österr. Bundesheeres feiert diesen erfolgreichen Kampf bei Podzamcze am 18. November 1914 als Gedenktag.

und konnte nur durch den Einsatz aller erraffbaren Kräfte, selbst der Sappeurkompagnien, den Durchbruch auf Pilica verhüten *).

Auch das II. Korps erzielte gemeinsam mit der deutschen l.GRD., die sich jetzt dem Angriff mit ihrem rechten Flügel anschloß, erhebliche Erfolge. Rzędkowice wurde nach heldenmütigen Kämpfen vom IR. 4 und von Teilen des IR. 84 genommen und die Gegend südöstlich davon in schwungvollem Angriff von der 4. ID. erreicht. 1500 Russen, mehrere Maschinengewehre und vier Geschütze wurden als Beute eingebracht.

Nördlich der Armee Dankl verharrte die Armeeabteilung Woyrsch am 18. November zwischen Żarki und Czenstochau in der Abwehr des übermächtigen Feindes. Auf dem Südflügel der k.u.k.2. Armee vermochte die deutsche 35. RD. bei Mykanów nicht durchzudringen. Nördlich von ihr kam die zur Umfassung angesetzte k.u.k. 16. ID. bis zum Einbrüche der Dunkelheit über Cykarzew nicht hinaus. Die 31. ID. überschritt die Warta, um auf Noworadomsk vorzustoßen, gelangte aber infolge des weiten Vormarsches, der ungünstigen Wegverhältnisse und der vielen Brückenzerstörungen nur bis Brzeźnica, während das Kavalleriekorps Hauer im Kampfe mit russischer Reiterei den Raum von Pajęczno erreichte. Zur Umfassung des russischen Nordflügels war es also noch nicht gekommen.

Nach den großen Erwartungen, die man am 17. abends beim AOK. gehegt hatte, bedeuteten die Ereignisse des 18. November eine abermalige schwere Enttäuschung. Schon am Morgen hatte man aus einem entzifferten Funkspruch erfahren, daß die Russen die Schlacht noch keineswegs für verloren gaben, denn ihre 4. und ihre 9. Armee sollten trotz des Abmarsches der 5. am 19. angreifen. Aus den im weiteren Tages verlauf einlangenden Meldungen ergab sich, daß mit Ausnahme des rechten Flügels der

4. Armee die öst.-ung. Truppen wie die deutschen zwischen Krakau und Czenstochau nur langsam vorwärtskamen, ja sogar Teile des VI. Korps vor russischen Gegenstößen zurückgenommen werden mußten. In Galizien zeigte sich jetzt, daß die russische 8. Armee über die Karpathen vordrang, während die 3. mit ihrer Masse (XI., IX., X. Korps) südlich der Bahnlinie Rzeszów—Tarnów nach Westen marschierte. War nun auch zu erkennen, daß diese starken feindlichen Kräfte noch im Raume nördlich von Jasło und Krosno abgeblieben waren, so erschien jetzt dennoch eine baldige Entscheidung bei Krakau geboten, da es doch nur eine Frage der Zeit war, daß man die 4. Armee auf das südliche Weichselufer zurück-

x) Korolkow, Übersicht, 174, berichtet, daß das russische XIV. Korps außerordentlich schwere Verluste erlitten habe. Manche seiner Kompagnien habe nur mehr vierzig Feuergewehre gezählt.

führen mußte, um dem empfindlichen Vorgehen der Russen nach Westgalizien eine Schranke zu setzen oder der in den Karpathen hart bedrängten 3. Armee hilfreich beizuspringen1). Aus dieser Notwendigkeit heraus erging am 18. November abends der Befehl zum „allgemeinen Angriff“ der 4. und der 1. Armee und der Armeeabteilung Woyrsch. Dem Erzherzog Joseph Ferdinand wurde vorgeschrieben, zur Umfassung der russischen 9. Armee mit starken Kräften auf dem rechten Flügel über Proszowice und östlich davon vorzugehen, während GdK. Dankl den Schwerpunkt des Angriffs nunmehr auf seinen linken Flügel verlegen sollte, um mit Unterstützung der preuß. 1. GRD. auf Szczekociny und Andrejew durchzubrechen. GdI. Woyrsch sollte mit der k.u.k. 2. Armee zur Umfassung des russischen Nordflügels einschwenken und mit dem Südflügel über die Höhen nördlich von Szczekociny angreifen. Der Befehl schloß mit den Worten: „Feindlichen Widerstand endgültig brechen, dann verfolgen“2).

Zur Erfüllung solcher Aufträge reichten aber nach dem, was vorausgegangen war, die Kräfte der öst.-ung. Armeen nicht mehr aus. Ihre Gefechtsstände konnten nach den wochenlangen Kämpfen im Oktober und nach den Marschverlusten der vergangenen großen Verschiebungen trotz des Ersatzes, der ihnen zugeführt worden war, nicht wieder völlig aufgefüllt werden3). Bedenklich war noch immer die Munitionslage, da die Mobilmachungsbestände an Artilleriemunition seit langem völlig aufgebraucht waren, und es der heimischen Industrie zu dieser Zeit noch nicht möglich war, den andauernd starken und schnellen Verbrauch zeitgerecht und in ausreichendem Maße zu ersetzen. Die Folgen, die sich aus diesen Verhältnissen ergaben, waren überaus bitter. Die Infanterie mußte unter der furchtbaren Abwehrwirkung moderner Schneiladewaffen und Maschinengewehre sowie der aus verdeckter Stellung feuernden, weittragenden russischen Artillerie einen Feind angreifen, der in stark verschanzten Stellungen stand. Ihre Angriffe vermochten nicht die notwendige rasche Schlachtentscheidung herbeizuführen, ehe die Artillerie bei dem Mangel

1)    C o n r a d, V, 526.

2)    Ebenda, V, 529.

3)    Nach einer Zusammenstellung des AOK. hatten die Kampftruppen der k.u.k. Armeen auf dem russischen Kriegsschauplatz Ende November 1914 einen Abgang von 295.000 Mann auf den Sollstand. Das AOK. berechnete weiter, daß von dem Gesamtstande der Infanterie, der für den Kriegsbeginn mit etwa 900.000 Mann angegeben wird, bis Ende November 845.000 Streiter abgegangen waren. Zu deren Ersatz wurden 469.000 Mann der Marschbataillone (I bis IV) und 81.750 Mann der aufgelösten Landsturmformationen verwendet.

an Munition — namentlich Haubitzmunition fehlte fast gänzlich — imstande gewesen wäre, ihre Schwesterwaffe ausreichend zu unterstützen.

Wohl drängte am 19. November die am rechten Flügel der Gruppe Křitek angesetzte 19. ID. die Russen weiter gegen Nowe Brzesko zurück, auch erzielte die 15.ID. örtliche Erfolge; Gefangene wurden dem Feinde abgenommen, aber der erhoffte große Erfolg blieb aus. Das XIV. Korps sah sich durch Gegenstöße des russischen XXV. Korps in der Abwehr gebunden. Wider das VI. Korps, das Erzherzog Joseph Ferdinand angewiesen hatte, den Raum von Słomniki zu gewinnen und den Feind vor der 1. Armee im Rücken zu packen, war jetzt das XVIII. Russenkorps auf der ganzen Front zum Gegenangriff übergegangen. Die 39. HID. vermochte dem starken Drucke nicht standzuhalten, erlitt große Verluste und mußte bei Goszcza zurück. Links von ihr behaupteten sich die

27. ID. und die durch die 95. LstlBrig. verstärkte 45. SchD. südlich von Rzeplin. In der Lücke zwischen dem VI. und dem X. Korps hatte am Morgen die 11. HKD. Aufstellung genommen.

Auf dem rechten Flügel der Armee Dankl konnte das X. Korps im Angriff auf Skala über die russischen Vorpostenstellungen nicht Vordringen. Das V. Korps erzielte beiderseits von Jangrot Fortschritte. Beim

I.    Korps brach die tapfere 5. ID. längs der Przemszaniederung gegen Wolbrom vor und nahm die dem Orte vorgelagerten Höhen. Weiter links aber kam die 46. SchD. nicht vorwärts. Ebensowenig vermochte die 12. ID., die, durch das Vorgehen der Gruppe Tschurtschenthaler entlastet, am 18. bis südlich von Kocikowa vorgedrungen war, die unerschütterlich stehende Mitte des russischen XIV. Korps zurückzudrängen. Bei der Gruppe Tschurtschenthaler wurde der Angriff der 44. SchD., die den rechten Flügel des russischen XIV. Korps auf die Höhen nordwestlich von Pilica zurückgeworfen hatte, am 19. November nicht weiter geführt, da die 43. SchD. noch bei Zerkowice zurückhing. Dankls linkes Flügelkorps, das

II.,    trug mit der 4. ID. den Angriff auf Lgota Murowana vor, ohne jedoch den linken Flügel des schon schwer erschütterten III. kauk. Korps völlig eindrüclcen zu können. FML. Stöger-Steiner mußte gerade den südlichen Teil seiner Angriffsfront, wo die Entscheidung lag, zugunsten der links benachbarten 25. ID. schwächen, denn heftige russische Gegenstöße und schweres Artilleriefeuer hielten diese Division in ihren Gräben fest.

Vor der Front der Armeeabteilung Woyrsch machten sich die am 19. November erwarteten russischen Angriffe kaum fühlbar, aber auch Woyrsch selbst mußte nach vergeblichen Angriffsversuchen in die Verteidigung zurückfallen. Bei der k.u.k. 2.Armee blieb der Angriff der 16. ID.

und von Teilen der 35. ID. vor dem nach Klekoty zurückgebogenen Nordflügel der russischen 1. GrenD. liegen. Nördlich der Warta war die 31. ID. bei Jedlno in den Kampf mit feindlichen Kräften in verschanzten Stellungen getreten. Das Kavalleriekorps Hauer hatte die Gegend zwei Wegstunden nordwestlich von Noworadomsk erreicht. Einen Tagesmarsch noch weiter nordwestlich war das Korps Breslau im Vorgehen auf Szczerców und Widawa.

Für den 20. November beabsichtigte GdK. Böhm-Ermolli, der am

18.    seinen Standort von Oppeln nach Rosenberg verlegt hatte, die nun vollständig eingelangte 35. ID. über Klekoty zur Umfassung der südlich der Warta stehenden russischen 1. GrenD. einzusetzen. Die noch anrollende 32. ID. wollte er mit Rücksicht darauf, daß der Russe inzwischen bei Noworadomsk eine Grenadierdivision und starke Kavallerie als Flankenschutz vereinigt zu haben schien, nördlich der Warta erst vorführen, bis sie vollständig versammelt war.

Allein die Lage forderte jetzt ein rücksichtsloses Vorgehen der k.u.k.

2. Armee. Die deutsche 9. Armee war vor Łódź auf neuen Widerstand eines überlegenen Feindes gestoßen (S. 528). Gegen ihren Südflügel waren zwei Korps der russischen 5. Armee im Anrücken. Auch zogen die Russen aus der Front ihrer 4. Armee Kräfte heraus, um sie vielleicht gegen die deutsche 9. Armee zu verwenden. In Sorge um seinen Südflügel versuchte GO. Hindenburg am 19. nachmittags durch Hptm. Fleischmann bei der öst.-ung. Heeresleitung zu erwirken, daß die k.u.k. 2. Armee „besser vorwärts“ komme. Von deren Einschwenken hänge „die größte Entscheidung des Feldzuges“ ab1). GdI. Conrad stimmte dieser Anschauung zu und befahl der 2. Armee, ohne Rücksicht auf die Versammlung ihrer Kräfte die Offensive fortzusetzen.

Ebenso dringend war jetzt auch eine rasche Entscheidung bei Krakau geworden. Der russische Vormarsch südlich der Weichsel war, wenn auch langsam, weitergegangen, und der Tag, an dem die Front in Westgalizien verstärkt werden mußte, kam näher. Erneut erging daher am

19.    November abends aus Teschen die eindringliche Aufforderung an die Armeekommandanten, endlich den vollen Sieg zu erzwingen. Die Lage sei reif dazu, und, wenn der Feind geworfen sei, habe sofort die Verfolgung mit dem letzten Mann und mit der äußersten Anspannung der letzten Kraft einzusetzen.

Kämpfend drang das XVII. Korps am 20. November an die Stellung des russischen XXV. Korps vor Nowe Brzesko heran. Links davon rang sich das XIV. Korps mit der 8. ID. bis in die Gegend von Wierzbno durch, indes die 3.ID. und die 13.SchD. mit dem Angriff über Biorków, Goszyce und Wilków nicht mehr nennenswert Boden gewannen. FML. Arz sah sich mit seinen Streitkräften bei Goszcza und südlich von Rzeplin nach wie vor vom russischen XVIII. Korps festgehalten. Er hatte schließlich, da die Fortführung des Angriffs in der Richtung auf Słomniki aussichtslos zu sein schien, an der Nahtstelle zwischen dem VI. und dem X. Korps eine Stoßgruppe von sechs Bataillonen und drei Batterien gebildet, mit der er gegen die Höhen von Skala vorzustoßen gedachte. Neun Landsturmbataillone unter GM. Schwarz, die der Festungskommandant von Krakau, FML. Kuk, bereitwilligst mobil gemacht hatte, stellte das Armeekmdo. dem GdI. Křitek zur Verfügung.

Bei der 1. Armee erzielten die auf dem rechten Flügel kämpfenden Korps, das X. und das V., am 20. November gegen die starken Linien der russischen Garde auch keine Ergebnisse mehr. Die 5.ID. des I.Korps begegnete vor Wolbrom verstärktem Widerstand, da russische Gardetruppen in der Nacht die Front ihres XIV. Korps gestützt hatten. Der von den bewährten alpenländischen Regimentern der 44. SchD. am 18. glücklich eingeleitete Angriff auf Pilica wurde erfolgreich fortgesetzt; doch zwang ein Rückschlag, den die 12. ID. im Waldgebiet südwestlich von Pilica erlitt, die Schützen, vor den neuen Widerstandslinien der Russen haltzumachen. Das II. Korps, das mit dem rechten Flügel und mit der Mitte ursprünglich in der Richtung auf Zdów vorgehen sollte, griff nicht an, weil es schon sehr geschwächt war und von der 1. GRD. des Verbündeten nur durch Geschützfeuer unterstützt werden konnte.

GdI. Woyrsch hatte für den 20. November den Angriff auf der ganzen Front seiner Armeeabteilung befohlen, da in der Nacht ein aufgefangener russischer Funkspruch ergab, daß der Russe nicht nur halten, sondern die drohende Umfassung zurückwerfen, nördlich der Warta von Noworadomsk her den Gegner sogar „vernichten wollte“ und eine weitere Division aus der Front südlich von Czenstochau nach Norden zog1). In der Front Żarki—Czenstochau kamen aber die deutschen Truppen nicht vorwärts. Der Angriff Böhm-Ermollis hingegen entwickelte sich anfangs günstig. Zwischen Mykanów und Klekoty wurden die russischen Vorstellungen von der deutschen 35. RD. und der k.u.k. 16. ID. genommen, während die k.u.k. 35. ID. durch die Wälder südlich der Warta in die feindliche Flanke vordrang. Aber die russische 1. GrenD. hatte sich in ihren Hauptstellungen zu starkem Widerstand festgesetzt und wehrte sich auch vor der umfassenden k.u.k. 35. ID. mit äußerster Zähigkeit, so daß der weitere Angriff mit den ermüdeten öst.-ung. und deutschen Truppen auf den nächsten Morgen verschoben werden mußte. Nördlich der Warta hatten die 31. ID. des IV. Korps und das Kavalleriekorps Hauer zunächst Raum gewonnen. Nachmittags wurden sie aber durch einen Gegenstoß der jetzt nach Noworadomsk gezogenen 2. GrenD. und des Reiterkorps Fürst Tumanów (UralKosD., 13. KD., TransbaikalKosBrig.) wieder nach Westen zurückgedrängt.

So hatte also auch der 20. November nur da und dort örtliche Fortschritte gebracht. Bei der Heeresleitung in Teschen herrschte dennoch Zuversicht; denn es waren Nachrichten eingelangt, die einen entscheidenden Sieg der deutschen 9. Armee über die bei Łódź aus drei Fronten angegriffenen russischen Armeen, die 2. und die 5., erhoffen ließen. Bei einer Niederlage des nördlichen russischen Heeresflügels war auch ein Rückzug der zwischen Krakau und Czenstochau kämpfenden feindlichen Armeen wahrscheinlich. Solche Hoffnungen erweckten den Eindruck, daß die Fortsetzung des Angriffes am 21. November den entscheidenden Erfolg bringen müsse1). Diese rasche Entscheidung war jetzt dringender denn je geworden; denn in Galizien langte die Masse der russischen

3. Armee am Dunajec ein.

Vordringen der 3. Russenarmee gegen den Dunajec

(16. bis 24. November)

Hiezu Beilage 20 sowie Skizze 39

Die russische 3. Armee (XXI., XI., IX., X., y2VII. Korps, 3. kauk. KD.,

7., 16. KD., 3.DonKosD.), die angewiesen worden war, den Angriff gegen Preußisch-Schlesien in der linken Flanke zu decken (S. 514), hatte auf ihrem Vormarsch gegenKrakau vielZeit verloren. Zuerst überließ Gen. Dimitriew die Verfolgung des abziehenden Gegners seinen Kavalleriedivisionen. Mit der Masse der Armee blieb er nach dem Überschreiten des San stehen, da er zur Einschließung von Przemyśl Kräfte abgeben mußte und seine Korps durch die Verluste und die Drangsale am San um mehr als ein Drittel ihres Standes geschwächt waren. Die 13. ID. des VII. Korps rückte zur 8. Armee in die Karpathen ab, wo sie in den Verband des XII. Korps trat. Erst gegen Mitte November, als die 11. Armee (XXVIII. und XXIX. Korps, 9. und 11. KD.) um Przemyśl aufmarschiert war, ging Dimitriew mit vorgenommenem rechtem Flügel bis in die Linie Dębica—

Dynów vor. Man mag dieses behutsame Vorgehen erklärlich finden, da der russischen 3. Armee neben der Unterstützung der Operationen der 9. Armee auch die Deckung der Westflanke der 8. zufiel.

Am 16. November, an demTage, an dem die Schlachten beiKrakau und Czenstochau ihren Anfang nahmen, hütete südlich der Weichsel die Gruppe FML. Nikić (V241.H1D., 1. und 110. LstlBrig., 6. und 10. KD.) zwischen Gdów und Niepołomice die Flanke der k.u.k. 4. Armee. In der großen westgalizischen Lücke stand in der Gegend von Grybów FZM. Ljubičič mit dem XI. Korps der öst.-ung. 3. Armee. Diese war Mitte November auf den Kamm der Karpathen zurückgenommen worden. Von der Armee Dimitriew war um diese Zeit das XXI. Korps an den Dunajec abwärts von Tarnów gelangt, das XI. überschritt die Wisłoka, während das IX. und das X. in der Gegend nordöstlich von Jasło abgeblieben waren.

GdI. Conrad war durch abgehorchte Funksprüche über die Bewegungen der russischen 3. Armee gut unterrichtet worden (S. 521) und wollte zu einem Schlage gegen das vorgeschobene XXI. Russenkorps ausholen. Noch am 16. November wurde die Gruppe des FML. Nikić beauftragt, aus ihrer Stellung in den Abschnitt Bochnia—Rabamündung vorzugehen (S. 526). Gleichzeitig wurde GdI. Boroević veranlaßt, das XI. Korps am linken Dunajecufer nordwärts in denRaumvonRajbrotzuschieben. Als sich am 17. November das Bild über die Lage der russischen 3. Armee weiter enthüllte, unterstellte GdI. Conrad die Gruppe Nikić dem FZM. Ljubicić und befahl diesem, mit seiner ganzen Streitmacht, die jetzt dem AOK. unmittelbar untergeordnet wurde, das Vordringen des Feindes über den Dunajec abwärts von Neusandez zu verzögern und das etwa über Tarnów vorrückende feindliche XXI. Korps von Süden her anzugreifen.

Als Vorhut des XI. Korps rückte am 18. November die Abteilung Obst. v. Rettich (ein Battaillon, sieben Schwadronen, zwei Batterien) auf Ty-mowa vor. Dort traf sie am Vormittag auf russische Kräfte. Drei über Czchów entsandte Bataillone der 30. ID. griffen in das Gefecht ein und drängten die über den Dunajec vorgerückten Russen nach Nordosten zurück. Bei der Gruppe Nikić hatte die 10. KD. tags vorher russische Reiterei über die untere Uszwica geworfen, war dann aber vor feindlicher Infanterie wieder an die untere Raba ausgewichen.

Die Heeresleitung in Teschen hatte inzwischen um Mittag aus einem entzifferten Funkspruch erfahren, daß das russische XXI. Korps noch am 18. über den unteren Dunajec vorzubrechen hatte. Da dieser Feind auch zur Verstärkung der russischen 9. Armee auf das nördliche Weichselufer gezogen werden konnte, erging am Nachmittag an FZM. Ljubicić der Befehl, mit der Gruppe Nikić durch entschlossenes Anfassen des russischen XXI. Korps dessen etwa beabsichtigten Weichselübergang zu verhindern, wenn es aber die Vorrückung fortsetzte, mit dem XI. Korps am 19. unter Sicherung gegen Zakliczyn und Wojnicz über Brzesko vorzugehen, um die Russen von Süden her zu fassen. In diesem Falle sollte die Gruppe Nikić an die untere Raba ausweichen.

Bis zum 19. früh zeigte sich aber, daß das XXI. Russenkorps vorläufig den Vormarsch eingestellt hatte, um anscheinend das Herankommen der noch abgebliebenen Masse der russischen 3. Armee abzuwarten. Doch war das Korps, wie man aus einem weiteren Funkspruch erfuhr, aufgefordert worden, die schwierige Lage des unmittelbar nördlich von der Weichsel fechtenden russischen XXV. Korps durch einen Vorstoß beiderseits der Weichsel zu erleichtern. FZM. Ljubicić entschloß sich hierauf, mit dem XI. Korps die Vorrückung nach Nordosten unter starker Sicherung gegen Osten fortzusetzen. Wie sehr aber die Lage des XI. Korps bereits ins ungewisse gestellt war, beleuchtete eine am 19. abends in Teschen eingelaufene Meldung des GdI. Boroević, in der es hieß, daß die östlich des oberen Dunajec sichernde 4. KD. der 3. Armee nach mehrstündigem Kampfe vor überlegenem Feinde auf Altsandez zurückgegangen sei. Dies veranlaßte die Heeresleitung, den FZM. Ljubicić anzuweisen, daß er die 6. und die 10. KD. schleunigst bei Myślenice bereitstelle, während die 1. Armee die ll.HKD. bis zum 21. November nach Sucha zu entsenden hatte. Diese drei Kavalleriedivisionen, die in Sucha befindlichen polnischen Legionäre und vier bei Lubień stehende Etappenbataillone wurden dem Kommandanten der ll.HKD., FML. Baron Nagy, mit dem Aufträge unterstellt, die Bahnen von Krakau nach Oświęcim und Teschen sowie die Verbindungen der 1. und 4. Armee zu sichern.

FZM. Ljubicić hatte inzwischen unter Teilkämpfen am 19. abends mit der 30. ID. den Raum nordöstlich von Tymowa, mit der 11. ID. Brzesko und mit der Gruppe Nikić die Gegend weiter nordwestlich erreicht. Die 10. KD. wurde bei Ujście Solne angegriffen, die 6. KD. hatte schwächeren Feind bei Zakliczyn über den Dunajec geworfen, weiter flußaufwärts deckte die Abteilung Obst. Resch der 30. ID.

Da sich die Anzeichen verdichteten, daß das russische XXI. Korps mit Teilen das nördliche Weichselufer zu gewinnen trachtete, bat Erzherzog Joseph Ferdinand in einem Telegramm vom 19. abends das AOK., die Gruppe Ljubicić möge für den 20. November zu einem kraftvollen Vorstoß aufgefordert werden, damit sie ein Vorgehen der Russen in die rechte Flanke der 4. Armee verhindere.

An diesem 20. November kam aber das weitere Vorgehen der Gruppe Ljubicić knapp östlich von Brzesko und westlich von Szczepanów—Szczurowa vor dem über den Dunajec vorgegangenen russischen XXI. Korps zum Stehen. Das russische XI. Korps war inzwischen südlich der Bahn Dębica-Tarnów an den Dunajec gelangt. Als seine Spitzen am Abend den Fluß überschritten, mußte das zur Ablösung der 6. KD. nach Zakliczyn entsandte Detachement Obst. v. Gruber (fünf Bataillone und vier Batterien) unter erheblichen Verlusten auf Tymowa zurückweichen. In dieser Lage entschloß sich FZM. Ljubicić mit der Gruppe Nikić den Angriff weiterzuführen, das XI. Korps aber sollte dem aus dem Osten heranrückenden Feind „aufs Äußerste“ standhalten.

Die Fortsetzung des Angriffes am 21. November brachte der Gruppe Nikić nur geringen Raumgewinn. Gegenüber der 30. ID., die zwischen Czchów und Brzesko in eine nach Osten gerichtete Front zurückgeschwenkt war, hielt sich der Russe noch zurück. Am 22. früh griffen die 11. ID., die 82. HIBrig. und die 110. LstlBrig. neuerlich an, blieben jedoch westlich der mittleren Uszwica vor dem gut verschanzten Feind liegen. Weiter links hielten Teile der 1. LstlBrig. unter Obst. Brauner bei Ujście Solne. Bei der 30. ID. hatte sich auch an diesem Tage das von Stunde zu Stunde erwartete Vorgehen der Russen nicht geltend gemacht.

Iwanow hatte inzwischen am 20. abends dem Gen. Dimitriew den Befehl gesandt, zwei Korps auf das nördliche Weichselufer zu werfen und in den Kampf der bedrängten 9. Armee einzugreifen. Dimitriew setzte seinen Vormarsch auf Bochnia jedoch nicht fort. Er führte zunächst die

7. KD. und eine Brigade des XXI. Korps über die Weichsel. Mit dem nachrückenden IX. Korps löste er das XI. bei Zakliczyn—Wojnicz ab und ließ den Rest des zur Unterstützung der 9. Armee bestimmten XXI. Korps durch diese Truppen im Abschnitt Szczurowa—Szczepanów freimachen. Gleichzeitig zog er das bei Grybów eingelangte X. Korps über Tarnów an die Weichsel heran.

GdI. Conrad hatte auch diese Nordwärtsverschiebungen innerhalb der russischen 3. Armee aus dem Funkverkehr erfahren und beantwortete sie, indem er in der Nacht zum 23. dem FZM. Ljubicić befahl, alle verfügbaren Kräfte der Gruppe Nikić auf das linke Weichselufer zu entsenden, um sie sodann dem XXI. Russenkorps entgegenzuwerfen.

In Ausführung der erteilten Befehle eilten am 23. November die Masse des russischen XXI. Korps bei Rogów und die Hauptkraft der Gruppe Nikić — die 82. HIBrig. und Teile der 110. LstlBrig. — bei Nowe Brzesko über die Weichsel. Der Rest der 1. und die 110. LstlBrig.

deckten unter Obst. Brauner an der unteren Raba den Übergang. Nördlich von Brzesko bis Czchów stand nach wie vor das XI. Korps. Bei Rajbrot hielt die Abteilung des Obst. Resch. Die neugebildete Gruppe FML. Nagy hatte mit der 11. HKD. Sucha, mit der 6.KD. und zwei Landsturmetappenbataillonen Myślenice erreicht. Östlich davon waren zwei Bataillone polnischer Legionäre mit Artillerie vorgeschoben. Starke russische Reitergeschwader — die 3.kauk.KD., die 16.KD. und die 3.DonKosD. — drangen bei Neusandez und abwärts davon über den Dunajec gegen Limanowa und Rajbrot vor. Das IX. und das XI. Russenkorps waren jetzt in der Linie Zakliczyn—Szczurowa aufmarschiert und drückten mit ihren Vortruppen gegen den Abschnitt der k.u.k. 11. ID. nördlich von Brzesko und gegen die 1. LstlBrig. bei Ujście Solne vor. Da die Lage bedrohlich erschien, so entschloß sich FZM. Ljubicić, das in weitausgedehnter Front alleinstehende XI. Korps am 24. früh an die untere Raba und in den Raum südlich von Bochnia zurückzunehmen, um dort den Feind abermals aufzuhalten. Er handelte im Sinne einer am 21. in Teschen ausgegebenen geheimen Instruktion, in der es hieß, daß sich das XI. Korps von der russischen Übermacht nicht zertrümmern lassen dürfe; die Heeresleitung beabsichtige, „Kräfte vom nördlichen auf das südliche Ufer der Weichsel zu führen“.

Als nun die Russen am 24. November auf Bochnia vorbrachen, kam es nur mehr zum Kampfe mit den öst.-ung. Nachhuten; doch gelangte das russische IX. Korps nicht über Brzesko hinaus. Übergangsversuche des russischen XI. Korps an der unteren Raba wurden durch die tapfere Landsturmgruppe des Obst. Brauner vereitelt.

Entscheidungskämpfe der k.u.k. 4. Armee nördlich

von Krakau (21. bis 24. November)

Hiezu Beilage 20 sowie Skizzen 37 und 38

Das säumige Vorgehen der russischen 3. Armee südlich der Weichsel hatte GdI. Conrad unterdessen zur Fortsetzung der Angriffe bei Krakau und Czenstochau ausgenützt. In seinem Heeresbefehle für den 21. November forderte er in Erwartung eines allgemeinen russischen Rückzuges in Polen (S. 536) von den angestrengten und unter dem hereingebrochenen Winterwetter schwer leidenden Truppen die letzte Kraft.

GdK. Böhm-Ermolli sollte die letzten mit der Bahn eingelangten Truppen des IV. Korps (32. ID.) mit allen Mitteln in den Kampf bringen,

Noworadomsk nehmen und möglichst weit gegen Przedbórz Vordringen. Die am Südflügel der 2. Armee fechtende deutsche 35. RD. und das deutsche LKorps hatten den bei Mykanów schon mit Erfolg geführten umfassenden Angriff fortzusetzen, um die Linie Plawno—Sw. Anna ehestens zu erreichen. Ebenso sollten der Südflügel der Armeeabteilung Woyrsch und die 1. Armee den Angriff fortführen. „Wo starke Stützpunkte des Feindes das Vorwärtskommen erschweren, können schwächere Kräfte belassen werden, um mit neugebildeten Reserven dort durchzudringen, wo die Lage mehr Aussicht auf Erfolg gibt.“ Diese Teile des Gefechtsraumes zu erspähen, sei Pflicht der Kommandanten. Ein Durchbruch im Raume Wolbrom—Pilica (Ort) sei besonders günstig, denn das Einschwenken von Wolbrom gegen Südost und der Druck von Pilica gegen Nord vermöchten das Vorwärtskommen des V. und des X. Korps sowie den Angriff des II. Korps und der 1. GRD. zu erleichtern. Die 4. Armee hatte mit dem linken Flügel Skala zu nehmen und mit dem schon im siegreichen Vorgehen begriffenen rechten Flügel in der allgemeinen Richtung über Proszowice möglichst weit vorzudringen.

Als diese Weisungen in der Nacht zum 21. November in Krakau eintrafen, hatte Erzherzog Joseph Ferdinand der 4. Armee bereits befohlen, den Angriff „ununterbrochen und an allen Stellen mit aller Energie“ fortzusetzen. Auf dem rechten Flügel dieser Armee schien sich jetzt tatsächlich ein großer Erfolg anzubahnen. Schon am 20. nachmittags war es einer aus drei Bataillonen und einer Batterie bestehenden Seitenkolonne der Gruppe Nikić (S. 525), die das 4. Armeekmdo. zur Umgehung des russischen Flügels entlang des südlichen Weichselufers entsandt hatte, gelungen, bei Nowe Brzesko den Fluß zu übersetzen. Diese verhältnismäßig schwachen Kräfte — es waren zwei Bataillone des Wiener 1. LstlR. und ein Bataillon des Linzer 2. LstlR. unter Obst. Urbanek — hatten sich noch am Abend in der Flanke und im Rücken des russischen XXV. Korps nahe der Szreniawa festgesetzt. Im Glauben, von stärkeren Kräften umgangen und durchbrochen zu sein, trat nun der ganze linke Flügel Letschitzkis den Rückzug an. GdI. Křitek drängte mit seinen Streitkräften sofort nach, um in rechts ausholender Verfolgung den feindlichen Flügel aufzurollen.

Die im Laufe des Vormittags einlaufenden Nachrichten über Rückzugsbewegungen der Russen vor der Front des k.u.k. XVII. Korps sowie die Meldung über erfreuliche Angriffserfolge bei Wierzbno erweckten beim 4. Armeekmdo. den Eindruck, daß nun die ersehnte Entscheidung gefallen sei. In dieser Auffassung hieß Erzherzog Joseph Ferdinand um 10h3° vorm. die Gruppe Křitek und das XIV. Korps ihr „siegreiches Vordringen“ mit den inneren Flügeln über Proszowice auf Skalbmierz fortsetzen und den Feind ,,bis zum Aufwand der letzten Kräfte verfolgen“. Gleichzeitig befahl er dem FML. Arz, mit der Hauptkraft des VI. Korps in der Richtung auf Słomniki vorzugehen. Der Heeresleitung wurde gemeldet, daß der Feind nur mehr vor dem linken Armeeflügel halte, sonst aber überall zurückweiche.

Als diese frohe Botschaft in Teschen eintraf, glaubte auch GdI. Conrad vor der Entscheidung zu stehen, zumal dem russischen Funkverkehr zu entnehmen war, wie dringlich Gen. Letschitzki von der 3. Armee Nachricht darüber heischte, wann endlich das XXI. Korps auf dem linken Weichselufer eingreifen werde. Da überdies das bei Pilica kämpfende russische XIV. Korps um Verstärkung bat und die Nachrichten über den deutschen Angriff bei Łódź auch weiterhin überaus günstig klangen, gab die k.u.k. Heeresleitung um 3h3° nachm. einen Verfolgungsbefehl heraus: „Mitte und rechter Flügel der 4. Armee dringt siegreich gegen Słomniki und Proszowice vor. Am Nordflügel der Armee Woyrsch ist noch heute ein voller Erfolg mit Sicherheit zu erwarten.“ Da „auch die russische 2. und 5. Armee durch umfassenden Angriff der deutschen 9. Armee hart bedrängt werden, dürfte der Feind noch am 21. November oder in der Nacht zum 22. November überall zurück weichen. Schärfste Beobachtung und Fliegeraufklärung werden die Rückzugsrichtungen festzustellen haben und rücksichtslose Verfolgung muß reiche Ernte bringen ...“ Große Hoffnungen und Erwartungen klangen aus dieser zuversichtlichen Sprache — Hoffnungen allerdings, die sich nicht mehr erfüllen sollten.

Noch am Morgen war der ganze rechte Flügel der 4. Armee in Bewegung gekommen. Nachhuten, die der Feind zurückgelassen hatte, wurden nach tapferer Gegenwehr geworfen. Das XVII.und dasXIV. Korps drängten scharf nach und erreichten bis zum Einbrüche der Dunkelheit die Szreniawa. Der 8. ID. gelang es sogar, bei Proszowice über den Fluß vorzudringen. Aber was begab sich dort? Auf den linksufrigen Höhen lag der Feind eingegraben und brachte die Verfolgung zum Stehen. Auch die 13. SchD., die mit der 106. LstlD. über Goszyce und westlich vorging, stieß auf den Höhen südwestlich von Przeclawice auf neuen Widerstand, den sie nicht überwinden konnte. Noch weniger Raumgewinn erzielte die 39.HID., während bei der 27.ID. und der 45.SchD. die Kämpfe noch immer an der Stelle fortbrannten.

Noch einmal gab Erzherzog Joseph Ferdinand um 7h abends seinen Korps die schon gesteckten Verfolgungsziele. Er hoffte, wenn Ljubicić südlich der Weichsel standhielt, mit der ihm zur Verfügung gestellten beweglichen Artillerie der Festung Krakau — insgesamt vierzehn schweren Batterien, darunter zwei Batterien 30.5- und zwei Batterien 24cm-Mörser — die Entscheidung vielleicht doch noch zu erzwingen.

Vergebliches Ringen der 4. Armee um den Sieg (22. bis 24. November)

Größte Eile schien jetzt geboten. Flieger der 4. Armee, die am

22. November aufgestiegen waren, um gegen Osten hin aufzuklären, erblickten bei Rogów eine Brücke über die Weichsel und auf dem Nordufer feindliche Truppen1), die gegen die Flanke des k.u.k. XVII. Korps marschierten. GdI. Křitek sandte auf die Nachricht davon drei Bataillone und zwei Batterien der 15. ID. unter Obstlt. Graf Zedtwitz auf die Höhen nördlich von Koszyce. Weiter links gelang es dem XVII. und dem XIV. Korps trotz schwerster Gegenwirkung die vorderen russischen Linien nördlich der Szreniawa und südlich von Przeclawice teilweise zu nehmen. Das VI. Korps jedoch, das berufen war, mit der 39. HID. und der ihm nun zugewiesenen 13. SchD. auf Słomniki durchzubrechen, blieb gebunden2). Aus der Front Iwanowice—Skała und nördlich davon setzte das russische XVIII. Korps seine Gegenstöße fort. Als um Mittag die bei Rzeplin stehende 95.LstlBrig. (S. 533) zurückgedrängt wurde, erbat FML. Arz von seinem Armeekommandanten weitere Verstärkungen. Erzherzog Joseph Ferdinand schickte hierauf in der Sorge, daß die Russen zwischen der 1. und 4. Armee durchstoßen und die wichtige Eisenbahnlinie Krakau—Trzebinia durchschneiden könnten, die ihm aus den Besatzungen der Festung Krakau noch zur Verfügung gestellte Landsturmbrigade GM. Roschatt (sechs Bataillone, eine Viertelschwadron) dem VI. Korps zu Hilfe.

GdI. Conrad suchte unterdessen den Angriff nochmals vorwärtszutreiben: ,,Nun gilt es, den Erfolg zu sichern und zu vergrößern. Das 4. Armeekmdo. sorgt für die verläßliche Sicherung gegen Ost und hindert mit allen Mitteln den Übergang des Feindes bei Rogów... Bei der Verfolgung des geschlagenen Feindes“, so hieß es dann in dem am 22. mittags ausgegebenen Heeresbefehle weiter, „ist mit entbehrlichen Teilen gegen Flanke und Rücken der feindlichen Kräfte zu wirken, die bei Słomniki, Iwanowice und Skała bisher noch standhielten. Der Raum bei Skała

x) Es waren dies die russische 7. KD. und eine Brigade des XXI. Korps, die der bedrängten 9. Armee zu Hilfe eilten (S. 539).

2) Arz, 40 f.

muß heute noch durch umfassenden Angriff der inneren Flügel der 1. und 4. Armee genommen werden.“ Um 9h abends drängte ein weiterer Befehl aus Teschen: „Um eine Entscheidung gegen die russische 9. Armee zu beschleunigen, ist umfassendes Eingreifen des rechten Flügels der

4. Armee schon am 23. November dringend geboten. Sicherung gegen Eingreifen von Teilen des XXI. russischen Korps muß ausreichend stark, vor allem aber weit hinausgeschoben werden.“

Beim 4. Armeekmdo. war man gleichfalls noch zuversichtlicher Stimmung. Da sich das Vorgehen des russischen XXI. Korps auf dem nördlichen Weichselufer bisher nicht geltend gemacht hatte, sah die Lage in der rechten Flanke der an der Szreniawa kämpfenden 4. Armee zunächst nicht so bedrohlich aus. Auch ließen Gefangenenaussagen erhoffen, daß die Russen am Ende ihrer Widerstandskraft waren. So befahl Erzherzog Joseph Ferdinand für den 23. November um 3hfrüh den Angriff auf der ganzen Front des XIV. und des VI. Korps. GdI. Křitek erhielt den Auftrag, die von Rogów anrückenden russischen Kräfte zurückzuschlagen oder zum mindesten deren Eingreifen zu verhindern. Sollte sich aber ein überlegener Druck von Osten her geltend machen, so war der rechte Flügel der Gruppe Křitek nach Westen zurückzubiegen.

Bald nach Ausgabe dieses Angriffsbefehles traf eine neue Depesche der Heeresleitung ein. Sie sagte, daß die Gruppe Ljubicić den Feind am unteren Dunajec nicht festhalten konnte, und daß neben dem ganzen russischen XXI. Korps auch mit dem Eingreifen von weiteren Kräften der russischen 3. Armee auf dem nördlichen Weichselufer zu rechnen sei (S. 539). Als Verstärkung des XVII. Korps wurde die Gruppe Nikić (zehn Bataillone und vier Batterien) in Aussicht gestellt.

In diesen Stunden wachsender Spannung war das erbitterte Ringen um den Besitz der Höhen nördlich der Szreniawa in der Nacht und am Morgen des 23. November von neuem entflammt.

Noch einmal war die 8. ID. bei eisiger Kälte vorwärts gestürmt und hatte die russischen Verschanzungen nördlich von Proszowice genommen. Als sie dann aber über Klimontów weiter vorstoßen wollte, kam sie unter dem feindlichen Flankenfeuer, das von Osten herüberschlug, zum Stehen. Um der 8. ID. Luft zu machen, forderte FML. Roth das benachbarte XVII. Korps zum Vorgehen auf. Allein GdI. Křitek hatte in Anbetracht der völligen Erschöpfung seiner Truppen sowie der Munitionsnot der Artillerie den weiteren Angriff auf den 24. November verschoben. Auch sollte zunächst sein Ostflügel durch die Gruppe Nikić verstärkt werden, die nicht vor dem Abend nördlich der Weichsel versammelt sein konnte.

In der Mitte der 4. Armee trat die 13. SchD. am 23. im Dämmergrau zum Angriff an, war aber nicht imstande, über Szczepanowice hinauszukommen. Auch die übrigen Divisionen des VI. Korps sahen sich nach wie vor durch den in der Abwehr feststehenden Feind gebunden. Inzwischen begannen die Russen auf den rechten Flügel der 4. Armee zu drücken.

Im Verlaufe des 23. überschritt die Masse des XXI. Russenkorps bei Rogów die Weichsel. Die vorausgeschickte Spitzenbrigade und die 7. KD. drangen noch an demselben Tag bis in die Wälder nördlich von Koszyce vor. Dort wurde die äußerste rechte Flügelgruppe des k.u.k. XVII.Korps um Mittag angegriffen. Auch gegen die weiter westlich auf den links-ufrigen Höhen der Szreniawa kämpfenden Gruppen des XVII. und des XIV. Korps führten die Russen im Laufe des Nachmittags vereinzelte Vorstöße. Dennoch wiesen die Ergebnisse der Fliegeraufklärung auf russische Bewegungen von Słomniki gegen Miechów hin. Eine andere Meldung ergab, daß der Feind seine Funkstation von Miechów zurückverlegt hatte.

Das k.u.k. 4. Armeekmdo. schloß aus diesen Vorgängen auf einen bevorstehenden Rückzug der russischen 9. Armee und befahl in dieser Auffassung dem GdI. Křitek, am 24. morgens je nach der Lage seinen Angriff gegen den bisherigen Ostflügel des Feindes (XXV. Korps) fortzusetzen oder gegen die von Rogów heranrückenden russischen Verstärkungen (XXI. Korps) zu richten. Gleichzeitig trug es der Gruppe Křitek und dem VI. Korps auf, durch Angriff und Artilleriewirkung die auf dem nördlichen Szreniawaufer ringende Gruppe Roth zu entlasten.

In der Nacht zum 24. November flauten die Kämpfe an der Szreniawa zunächst ab. Aber noch vor dem dämmernden Morgen wurden die durchmengten Verbände der 3. und der 8. ID. von Klimontów her überraschend angegriffen und geworfen. Es gelang zwar dem bedrängten IR. 59 und dem FJB.27 in erbittertem Nahkampf, den Feind wieder zurückzutreiben; die Lage beim XIV. Korps blieb aber ernst, da die Russen alsbald von neuem angriffen und die eigenen Truppen schon schwer bluteten.

Unterdessen war FML. Arz mit dem rechten Flügel des VI. Korps (13. SchD. und 39. HID.) zum Angriff vorgebrochen. Nach schwerem Ringen erstürmte die Wiener Schützendivision um 8h früh den brennenden Meierhof bei Polanowice (westlich von Szczepanowice), wobei sie den Russen 700 Gefangene abnahm. Auch die 39. HID. vermochte südlich von Słomniki etwas Raum zu gewinnen, aber noch im Verlaufe des Vormittags hatte die Schlacht auf dem linken Flügel der 4. Armee wieder zu fruchtlosen Kämpfen geführt, während sich gegen das XIV. Korps an der Szreniawa russische Gegenstöße richteten.

Das Armeekmdo. hatte bereits am Morgen von der gespannten Lage des XIV. Korps Nachricht erhalten und bald darauf kam durch einen aufgefangenen russischen Funkspruch die unwillkommene Kunde, daß der Russe noch am 24. mit der 9. und der 3. Armee an der ganzen Front angreifen werde. Damit waren alle Hoffnungen auf einen Rückzug der Russen verflogen. Angesichts der bevorstehenden feindlichen Angriffe erweckten die große Erschöpfung der Truppen sowie der bedenkliche Mangel an Artilleriemunition beim 4. Armeekmdo. schwere Besorgnisse. Es wies den FML. Roth an, die Höhen südlich der Szreniawa um jeden Preis zu halten, denn, wenn das XIV. Korps von den Russen zurückgedrückt würde, könne die Gruppe Křitek von Krakau abgeschnitten werden.

GdI. Křitek führte inzwischen das XVII. Korps über die untere Szreniawa vor, um den rechten Armeeflügel vor dem heranrückenden XXI. Russenkorps durch Angriff zu schützen. Es gelang zunächst, den Feind aufzuhalten. Als aber ein russischer Vorstoß die 38. IBrig. (19.ID.) südöstlich von Klimontów bis an die Szreniawa zurückdrängte, erhob sich die Gefahr, daß der Ostflügel des XVII. Korps vom Westflügel abgesprengt und in die Weichsel geworfen werde. In dieser Lage ermächtigte das Armeekmdo. um 5h nachm. den GdI. Křitek, mit dem rechten Flügel auf das südliche Ufer der Szreniawa bis in die Höhe der Rabamündung zurückzuschwenken, während an die anderen Korps um 6h abends der Befehl erging, den Angriff am 25. November nicht mehr fortzusetzen, sondern in den erkämpften Linien verläßlich auszuhalten, bis die Armee wieder befähigt war, die Offensive neuerlich aufzunehmen.

Damit waren nach langem, blutigem Ringen alle Anstrengungen der k.u.k. 4. Armee, den linken Flügel der Russen von Krakau aus zu umfassen, gescheitert. Die 4. Armee hatte dem Feinde seit dem 16. November gegen 9000 Gefangene abgenommen und 7 Maschinengewehre erbeutet, selbst aber einen Verlust von 14.000 Verwundeten sowie 4000 Kranken — die Zahl der Toten liegt nicht vor — erlitten.

Der Ausgang der Schlacht bei der 1.Armee (21. bis 25. November)

Hiezu Skizze 38

Auch bei der k.u.k. 1. Armee konnten die am 21. nachmittags von der Heeresleitung gegebenen „Verfolgungsziele“ (S. 542) Miechów,Żarnowiec und Szczekociny nicht erreicht werden. Nachdem der Russe Teile des GKorps zur Stützung des XIV. nach Norden gezogen und das XVIII. Korps nach rechts ausgedehnt hatte, war er am 21. November gegen die inneren Flügel der 4. und der 1. Armee zu heftigen Gegenstößen übergegangen (S. 543). Zwar konnte die gegenüber von Skała eingesetzte 35. LstlBrig. den Angriff unter starken Verlusten abschlagen; dennoch ging der rechte Flügel des X. Korps etwas zurück. Der linke Flügel des X. und das V. Korps kamen kaum vorwärts, dagegen erzielte ein Vorstoß der 5. ID. gegen Wolbrom neuerlichen Raumgewinn. Beim II. Korps sah sich die Wiener 25. ID. L) vor dem stark ausgebauten Koto wice und vor den Höhen von Rzędkowice durch das III. kauk. Korps nach wie vor in der Abwehr gebunden, während die 4. ID. auf Lgota Murowana durchzustoßen versuchte. Sie drang aber nicht durch, da sie ihre Reserven der rechts benachbarten 43. SchD. zur Verfügung stellen mußte, die durch einen russischen Gegenstoß zurückgedrängt worden war.

Als Dankls gelichtete Divisionen am 22. November noch einmal angriffen, stieß der rechte Armeeflügel vor Skała abermals auf den härtesten Widerstand. Das X. Korps vermochte sich wohl bis an die starken Linien des russischen XVIII. Korps vorzuarbeiten, mußte dann aber vom Angriff ablassen und infolge des starken russischen Gegendruckes auf seinen Südflügel in die alten Verteidigungsstellungen zurückkehren2). Nicht besser erging es dem V. Korps, das nach kargem Raumgewinn auf einen russischen Gegenangriff stieß, der die Vorrückung zum Stehen brachte.

Recht günstig hatte sich der Kampf beim I. Korps und bei der Gruppe Tschurtschenthaler entwickelt. Während die 5. ID. und die 46. SchD. die Höhen unmittelbar westlich von Wolbrom gewannen, gelang es der

44. SchD., den rechten Flügel des russischen XIV. Korps zu durchbrechen. Im Morgengrauen zum überraschenden Angriff angesetzt, stürmten das tapfere niederösterreichische SchR. 21 und das KSchR. I unter der Führung des ObstBrig. Hentke bis an den Westteil von Pilica vor, wobei sie dem Feinde über 2700Gefangene und 19 Maschinengewehre entrissen3). Aber die Schlacht konnte durch diesen glänzenden Erfolg nicht entschieden werden. Das geschlagene russische XIV. Korps4) ging auf die Höhen

!) Die 25. ID. hatte vor Kotowice bereits 60 v. H. Verluste gehabt.

-) Das X. Korps zählte nur mehr einen Gefechtsstand von 15.000 Gewehren, davon die 35. LstlBrig. 2000 Gewehre. Die 33. ID. hatte gemeldet, daß sie wegen der geringen Stände nicht mehr angreifen könne.

3)    Das Niederösterreichische IR. Nr. 1 des österr. Bundesheeres feiert als Nachfolgetruppenkörper des SchR. 21 dieses siegreiche Gefecht als Gedenktag.

4)    Nach K o r o 1 k o w, Übersicht, 170 ff, war der Gefechtsstand der „vollständig in Verwirrung gebrachten rechten Flügeldivision“ des russischen XIV. Korps bis auf 2000 Bajonette gesunken.

beiderseits von Pilica (Ort) zurück, um sich dort in einer weiter hinten gelegenen Stellung zu neuem Widerstand zu sammeln. Gleichzeitig verharrte vor dem Wiener II. Korps der linke Flügel der Armee Plehwe auf den Kalkfelsen von Lgota Murowana und von Kotowice.

Nun rüstete aber FML. Stöger-Steiner zu einem neuen Schlag gegen das arg geschädigte III. kauk. Korps*). Ein entscheidender Erfolg war aber dem am 23. mit Kräften der 4. ID. und der 43. SchD. von Süden auf Lgota Murowana angesetzten Angriff nicht beschieden. Nur das tapfere IR. 49 errang einen erfreulichen Fortschritt, nachdem es wankende Teile der 43. SchD. vorgerissen hatte. In Bendzin langte inzwischen am 23. um Mittag der Heeresbefehl ein, der von der 1. und der 4. Armee verlangte, daß sie noch am selben Tage den Raum von Skala in Besitz nehmen sollten (S. 543). Ein weiterer Befehl wies die 1. Armee an, mit dem V. Korps ehestens Wolbrom zu gewinnen. Da angesichts der Stärke des Feindes weitere Angriffe bei Skala einstweilen nicht möglich waren, befahl GdK. Dankl am Abend den erschöpften Truppen des X. und des V. Korps, in ihren Stellungen auszuhalten. Das I. Korps und die Gruppe Tschurtschenthaler wies er an, den Angriff in östlicher Richtung fortzuführen, während das II. Korps in Ausnützung des Erfolges der 44. SchD. aus dem Raume von Lgota Murowana in nördlicher Richtung zur Umfassung des Südflügels der russischen 4. Armee vorstoßen sollte.

In der Frühe des 24. traten die schon gelichteten Reihen der Gruppe Tschurtschenthaler gemeinsam mit Kräften der 4. ID. noch einmal zum Angriff an; aber im vernichtenden Artilleriefeuer der sich verzweifelt wehrenden Russen konnten die Angreifer nur geringen Raumgewinn erzielen. Ebenso vermochte das I. Korps Wolbrom nicht mehr zu nehmen. Unter diesen Verhältnissen mußte GdK. Dankl am 24. November nachmittags die Heeresleitung bitten, die Aufgabe der 1. Armee für die nächste Zeit auf die Verteidigung zu beschränken.

Die Heeresleitung ließ hierauf die Angriffe der 1. Armee nicht wieder auf nehmen. Diese hatte in dem achttägigen Ringen dem Feinde fast

17.000 Gefangene, 41 Maschinengewehre und 2 Geschütze abgenommen, aber selbst einen Gesamtverlust von 30.000 Mann an Toten, Verwundeten und Kranken auf zu weisen. Auch der Feind war ermattet. Er verhielt sich in den nächsten Tagen ruhig und zog nach Norden Kräfte zusammen, da er seinen rechten Flügel noch immer von Umfassung bedroht glaubte.

1 j Das III. kauk. Korps verlor seit dem 18. November 4500 Gefangene, 2 Geschütze und 18 Maschinengewehre; dessen Regimenter zählten nur mehr 300 bis 400 Gewehre (K o r o 1 k o w, Übersicht, 171 ff).

Die Umfassungskämpfe bei der 2. Armee zwischen dem

21. und 28. November

Hiezu Beilage 20 sowie Skizzen 37 und 41

Am 21. November hatten das k.u.k. XII. Korps, die deutsche 35. RD. und der Nordflügel des deutschen LKorps im Wartabug bei Czenstochau den Angriff fortgesetzt. Die 16. ID. warf die russischen Grenadiere aus Cykarzew hinaus und erstürmte nach hartem Kampfe Rusinów. Die öst.-ung. 35. ID. drang über Klekoty und Wikłów tief in die Flanke der Russen vor, sah sich dann aber selbst von Norden bedroht.

Nördlich der Warta wich an diesem Tage die 31. ID. vor neuen russischen Angriffen auf Brzeźnica aus. Der zum Kommandanten des

VII. Korps ernannte GdK. Erzherzog Joseph1) reiste gerade in der kritischesten Stunde ab und GM. v. Dáni übernahm bis zum Eintreffen des neuen Divisionärs, FML. Frh. v. Lütgendorf, den Befehl über die 31. ID. Das schon arg geschwächte Kavalleriekorps Hauer ging noch weiter nach Westen, bis in die Gegend östlich von Pajęczno, zurück.

Unbeirrt durch die Gefahren im Norden, befahl GdK. Böhm-Ermolli dem GdI. Kövess, den Erfolg bei Wikłów zu neuem Angriff auszunützen. Gleichzeitig unterstellte er das Kavalleriekorps Hauer dem GdK. Tersztyánszky und wies ihn an, alles aufzubieten, um ein Vorgehen der Russen in die Flanke und in den Rücken der 35. ID. zu verhindern. Fünf Bataillone, zwei Schwadronen und sieben Batterien der 32. ID. waren inzwischen hinter dem Nordflügel der 2. Armee eingetroffen. Mit diesen frischen Kräften sollte Tersztyánszky den Feind nördlich der Warta neuerlich auf Noworadomsk Zurückschlagen.

Als FML. Fox am 22. früh mit der 35. ID. über Wikłów und Klekoty zur Umfassung ausholte, wurde seine Division plötzlich von starkem Feind aus Süden, Osten und Nordosten angegriffen. Gen. Ewert hatte inzwischen die russische 47. ID. aus der Front des XVI. Korps gezogen und warf sie nun über Plawno dem Gegner in Flanke und Rücken. FML. Fox mußte seinen Raumgewinn aufgeben und die 35. ID. unter schweren Verlusten gegen Prusiecko zurücknehmen.

Auf dem Nordufer der Warta wollte GdK. Tersztyánszky mit dem IV. Korps um Mittag an der Straße Brzeźnica—Noworadomsk angreifen. Das Kavalleriekorps Hauer sollte von Norden her zum Stoß in den Rücken

!) Erzherzog Joseph war nach GdI. Fail-Griessler der dritte Führer, den das VII. Korps seit Kriegsbeginn hatte.

der bis Jedlno gelangten russischen 2. GrenD. angesetzt werden. Das IV. Korps nahm jedoch die Vorrückung nicht auf, da das Auftreten schwächerer russischer Kräfte in der linken Flanke die Bereitstellung der 64. IBrig. (32. ID.) derart verzögert hatte, daß sie erst am Abend links neben der 31. ID. in die Schlachtfront eingerückt war. Auch hielt es Tersztyánszky für geraten, als er von dem Rückzug der 35. ID. gegen Prusiecko erfuhr, sich auf die Verteidigung zu beschränken. Die Reiterei des GdK. Hauer (3. und 9. KD.) erreichte inzwischen, teilweise kämpfend, die Gegend knapp südöstlich von Struża.

Damit stand die Armee Böhm-Ermolli in einer nach Osten gerichteten geradlinigen Front zwischen Cykarzewund Struża. Zu der über Szczerców vorrückenden südlichsten Kolonne des deutschen Korps Breslau war keine Verbindung. Nachrichten über das Auftreten „starker russischer Infanterie“ in dieser Lücke erweckten beim 2. Armeekmdo. Sorge um die Nordflanke der Armee. Zwar meldeten die öst.-ung. Truppen gegen 2000 Gefangene, sie hatten aber in den letzten Tagen selbst stark gelitten und waren durch die großen Anstrengungen ermüdet1). Da an Reserven nur noch die halbe 32. ID. zu erwarten stand, so war eine Entscheidung ohne den Einsatz von ausreichenden Verstärkungen nicht mehr zu erhoffen. GdK. Böhm-Ermolli bat am 22. abends die Heeresleitung um zwei Divisionen aus dem Verbände der 1. Armee sowie um Entlastung durch Angriff bei Czenstochau und südlich davon. GdI. Conrad konnte aber mit Rücksicht auf die schweren Kämpfe bei der 1. Armee keine Kräfte zur Verfügung stellen; auch Entlastungsangriffe der deutschen Truppen bei Czenstochau waren angesichts der Überlegenheit des Feindes nicht möglich 2). Unter solchen Umständen entschloß sich GdK. Böhm-Ermolli, einstweilen stehenzubleiben. Ruhe und Ordnen der Verbände waren schon sehr dringend nötig.

Da erhob sich in der Nordflanke der 2. Armee eine neue Gefahr. Das Korps Breslau, das schon über die Widawka gelangt war, wich am

23. plötzlich wieder gegen Rusiec und nördlich davon zurück 3). Das russische Kavalleriekorps Fürst Tumanów, das in den letzten Tagen mit dem Korps Hauer gefochten hatte, konnte möglicherweise in den Rücken der

2. Armee vorstoßen und deren Verbindungen gefährden. Auch ergab sich aus aufgefangenen Funksprüchen, daß der Russe am 24. beiderseits der

x) Nach Korolkow, Übersicht, 175, sollen die Russen 4500 Mann gefangen genommen und 21 Maschinengewehre erbeutet haben.

2)    Reichsarchiv, VI, 245.

3)    Ebenda, VI, 161.

Warta wieder angreifen wollte; er schien dazu seinen Nordflügel gegen Piotrków hin zu verlängern.

Der für den 24. November erwartete russische Angriff machte sich aber nur bei der k.u.k.35. ID. fühlbar. Diese schlug nach dem Einsatz ihrer Reserven den Feind unmittelbar westlich von Prusiecko ab. Nördlich der Warta ging das Kavalleriekorps Hauer hinter einem Schleier von Deckungstruppen gegen Szczerców vor, um die Reiterei Tumanows anzugreifen. Bei Chabielice stießen die beiden öst.-ung. Kavalleriedivisionen auf den Feind, vor dem sie mit der Absicht stehenblieben, am nächsten Morgen die Vorrückung fortzusetzen.

Beim 2. Armeekmdo. waren im Verlaufe des Tages Meldungen der Flieger eingetroffen, die berichteten, daß hinter der russischen Front mehrere Kolonnen nach Norden marschierten. GdK. Böhm-Ermolli rechnete damit, daß das ganze GrenKorps nördlich der Warta zum umfassenden Angriff ausholen werde. Er stellte daher die Hauptkraft der nun vollzählig eingelangten 32. ID. hinter dem Nordflügel der 31. ID. bereit. Das Kavalleriekorps Hauer sollte die linke Flanke decken.

Mit dem Eintreffen der 32. ID. war der Transport der 2. Armee, damit die erste große, aus den Operationen heraus eingeleitete Heeresverlegung vollendet. Da vor und während des Rückzuges weite Bahnstrecken geräumt, der anfängliche Einladeraum dem Feinde preisgegeben, mit den Transporten weit ins Hinterland ausgewichen werden mußte, ist die Bewegung als eine anerkennungswerte Leistung der militärischen und zivilen Bahnbehörden zu bezeichnen.

In der Nacht zum 25. suchte der Feind in Brzeźnica einzudringen. Ein rascher Gegenstoß der 31. ID. warf ihn zurück. Auch die 35. ID. hatte sich in der Nacht und im Verlaufe des 25. neuer russischer Vorstöße zu erwehren. Bei der 16. ID. machten sich feindliche Angriffe kaum fühlbar, auch bei der Armeegruppe Woyrsch waren die Kämpfe abgeflaut.

GdI. Woyrsch hatte daher die 1. GRIBrig. der l.GRD.1) aus der Front bei Żarki herausgezogen und zur Unterstützung der 2. Armee nach Norden entsandt. Am 25. vormittags langte diese Brigade in Pajęczno ein. GdK. Böhm-Ermolli unterstellte sie dem GdK. Tersztyanszky, um auf dem Nordflügel des IV. Korps möglichst starke Kräfte zu einer neuen Umfassung des russischen GrenKorps zusammenzuziehen.

Inzwischen wurde das bei Chabielice stehende Kavalleriekorps Hauer angegriffen und wich nach Südwesten zurück. Da jetzt klar zu erkennen war, daß in der Nordflanke der Armee nur etwa zweieinhalb russische

1) Die 1. GRD. bestand aus der 1. GRIBrig. und der 15. RIBrig.

Kavalleriedivisionen standen, entschloß sich GdK. Böhm-Ermolli, diese günstige Gelegenheit auszunützen. Er wollte vorerst mit dem Kavalleriekorps Hauer und der 1. GRIBrig. einen Schlag über Szczerców führen, um dann aus der Gegend von Chabielice und Rekle um so tiefer in die Flanke des russischen GrenKorps vorstoßen zu können. „Die Offensive [gegen den Feind im Osten] hat zur Voraussetzung,“ so hieß es aber in dem am 25. spät abends ausgegebenen Armeebefehle, „daß die am 24. November laut Fliegermeldung nach Noworadomsk marschierende (feindliche) Division sich nicht im Raume nordwestlich davon befindet.“

Mit diesem Satze trat die Sorge vor einer Bedrohung von Noworadomsk her klar zutage. Es zeigte sich eben, daß die k.u.k. 2. Armee angesichts der Verlängerung der feindlichen Front nach Norden und bei dem Mangel an Reserven vor schwer zu lösenden Aufgaben stand.

Am 26. November früh morgens und am Nachmittag gingen bei Prusiecko die Russen neuerlich zum Angriff vor, wurden aber von der öst.-ung. 35. ID. abgeschlagen. Auf dem Nordflügel der 2. Armee drängten die 1. GRIBrig. und das Kavalleriekorps Hauer Abteilungen des russischen Reiterkorps Tumanów über den Sosniaabschnitt bei Struża und abwärts davon zurück. Tags darauf (27. November) setzten beide die Vorrückung fort. Eine stärkere russische Kolonne mit Artillerie war im Anmarsch von Szczerców gemeldet. Dies erweckte beim IV. Korpskmdo. die Sorge, daß das schon stark in Anspruch genommene Kavalleriekorps Hauer nicht standhalten werde. Um lh nachm. befahl GdK. Tersztyánszky, die 1. GRIBrig. und das Korps Hauer hinter die Sosnia zurückzunehmen. Inzwischen hatte aber GdK. Hauer berichtet, daß sein Korps bei Chabielice halte.

Von einer Vorrückung einer feindlichen Kolonne aus Szczerców war in der Meldung Hauers nichts erwähnt. Als sich am Nachmittag herausstellte, daß die Nachricht von dem Vorgehen der Russen in der Tat nicht zutraf, wurde der 1. GRIBrig. befohlen, den Angriff wieder aufzunehmen. Durch diese widersprechenden Maßnahmen ergab sich jedoch, daß am 27. abends die 1. GRIBrig. und das Kavalleriekorps Hauer noch in denselben Räumen wie am Vortage standen, obwohl die Russen über die Widawka keine Kräfte vorgeschickt hatten.

Für den 28. November befahl das 2. Armeekmdo. dem GdK. Tersztyánszky, den Angriff in der Richtung auf Sczcerców fortzusetzen. Er konnte hiezu auch Teile der 32. ID. heranziehen, die bisher bei Rekle gegen Osten gedeckt hatte.

Als diese Angriffsbewegung am 28. eben im Gang war, traf um HMOyorm. beim 2. Armeekmdo. ein Befehl des GdI. Woyrsch ein, demzufolge die auf dem linken Flügel der 2. Armee versammelten Kräfte (32. ID., 1.GRIBrig., Kavalleriekorps Hauer) in gesicherter Stellung das Eingreifen der nun ankommenden Verstärkungen aus dem Westen abwarten sollten, um dann bei der Wiederaufnahme der Offensive einen kräftigen Druck in der Richtung auf Noworadomsk auszuüben. Unternehmungen gegen das an der Widawka stehende feindliche Kavalleriekorps hielt GdI. Woyrsch nicht für zweckmäßig, da sich die russischen Reiter dem Angriff einfach durch schrittweises Nachgeben entziehen würden, während die eigenen Truppen bei solchem Spiele ohne wesentlichen Erfolg nur ihre Kräfte verbrauchten.

GdK. Böhm-Ermolli ließ jedoch die einmal anbefohlene Angriffsbewegung auf Sczcerców auslaufen; denn er wollte seine Nordflanke von der Bedrohung durch ,,so starke russische Kavalleriemassen“ an der Widawka befreien, um sodann umso kraftvoller und ohne Sorge vor einer russischen Überflügelung auf Noworadomsk vorstoßen zu können.

Inzwischen hatte die 1. GRIBrig. den russischen Kavallerieschleier durchstoßen und mittags Szczerców genommen. Sie drängte dem Feinde am Nachmittag noch 2 bis 3 km über die Widawka nach, trat in Berührung mit Abteilungen des russischen V. Korps und ging dann in Szczerców zur Ruhe über.

Auch das Kavalleriekorps Hauer hatte links im Anschluß an die preußische Garde gegen die russischen Reiter erfolgreich gekämpft. Es hatte am Nachmittag mit der 3. KD. bei Rusiec Fuß gefaßt. Von dort aus unterhielt es Verbindung mit dem rechten Flügel des Korps Breslau.

Der allmähliche Abbruch der Schlacht bei Krakau und Conrads neuer Operationsplan

(24. bis 30. November)

Hiezu Skizzen 38, 39, 40 und 42

Nach dem tiefen Einbruch zwischen Warta und Weichsel hatte die deutsche 9. Armee in der dritten Novemberwoche die russische 2. Armee und große Teile der 5. bei Łódź von drei Seiten eingekreist. Am 20. November war schon jegliche Verbindung der eingeschlossenen russischen Korps durchschnitten, ihre Funkstationen antworteten auf keinen Anruf mehr und am 21. abends stand den Russen bei Łódź nur mehr ein schmaler Streifen von etwa 20 km Breite nach Süden offen. Da brachte ein Angriff von drei Korps der russischen 1. Armee aus der Richtung von Skiernie-wice und das Vorgehen der Reiterkorps Charpentier und Nowikows sowie von Teilen des russischen V. Korps von Osten und Süden her den östlichen Umfassungsflügel der Deutschen selbst in arge Bedrängnis. Es gelang zwar der bei Brzeziny von den übrigen Kräften der 9. Armee abgeschnittenen Gruppe des GdI. v. Scheffer-Boyadel (XXV. RKorps und

3. GID.) durch einen beispiellos kühnen Durchbruch (23. und 24. November) sich der Umzingelung zu entziehen, aber die deutschen Einkreisungsoperationen bei Łódź konnten jetzt nicht mehr fortgesetzt werden. Unter Festhaltung der Mitte schwenkte die 9. Armee mit dem östlichen Umfassungsflügel nach Westen zurück, während ihr rechter Flügel an der Widawka das Eintreffen von Verstärkungen aus dem Westen abzuwarten hatte.

Diese sich vorbereitende große Wendung der Dinge erfuhr GdI. Conrad schon in der Nacht zum 23. November. Die Hoffnung auf einen baldigen Rückzug der Russen in Südpolen mußte nun aufgegeben werden. Die öst.-ung. Armeen hatten zwar bisher 28.000 Gefangene, 48 Maschinengewehre und 2 Geschütze als Beute gemeldet, die eigenen Verluste waren aber auf

70.000 bis 80.000 Mann gestiegen, die Divisionen hatten nahezu die Hälfte an Streitern verloren. Nördlich von Krakau sah Conrad seinen Angriff ermatten. Südlich der Weichsel drang der Russe über den Dunajec vor und drohte von Tag zu Tag heftiger mit dem Einfall in Ungarn. Die Front in Galizien mußte alsbald erheblich verstärkt werden.

Wenige Stunden, bevor die Meldung über den Ausgang der Schlacht bei Łódź in Teschen eingelangt war, hatte GdI. Conrad die Nachricht vom Antransport des deutschen II. Armeekorps nach dem Osten erhalten. Noch in der Nacht zum 23. ließ er in Méziěres auf dem Draht anfragen, ob noch weitere deutsche Kräfte folgen, wie stark diese sein und wo sie eintreffen würden. Ein durchschlagender Erfolg gegen Rußland wäre auch jetzt noch zu erreichen, wenn diese Verstärkungen mindestens zehn Divisionen betragen würden1). Am nächsten Morgen teilte ihm GLt. Freytag-Loringhoven mit, daß vier Divisionen zum deutschen Ostheere anrollten. GdI. Conrad versprach sich ,,von diesem ratenweisen Eintreffen“2) keinen Umschwung der Lage. Gegen Piotrków hin konzentrierte der Russe Kräfte, um anscheinend die 2. Armee umfassend anzugreifen (S. 550). So hielt er es für das beste, wenn man die anrollenden Verstärkungen auf dem Nordflügel der Armeegruppe Woyrsch und auf dem Südflügel der

!) C o n r a d, V, 569.

2) Ebenda, V, 576.

deutschen 9. Armee zu einem einfachen West-Oststoß gegen die russische

5. Armee verwenden würde.

In der Zwischenzeit hatten aber Hindenburg und Ludendorff unter dem Eindruck eines Vortrages des Hptm. Fleischmann, der die Lage südlich der Weichsel noch ernster darstellte als sie schon war, die DOHL. um weitere zwei bis drei Korps gebeten. Ihr Einsatz wurde auf Anregung des Hptm. Fleischmann bei Krakau zu einem Schlage gegen den russischen linken Flügel ins Auge gefaßt1).

Von solchem Vorhaben erfuhr GdI. Conrad am 23. abends. Hptm. Fleischmann meldete, daß das II. Armeekorps bei Kalisz und mindestens eine Division bei Kreuzburg ausgeladen werden sollten. Er halte es, falls tatsächlich weitere zwei bis drei Korps aus dem Westen kämen, für möglich, durchzusetzen, daß diese Kräfte nach Krakau gefahren würden. Conrad ließ hierauf den Hptm. Fleischmann wissen, daß ihm die Ausladung von drei bis vier deutschen Divisionen im Raume bei Krakau und südlich davon dringend erwünscht sei. Hiezu wäre jedoch notwendig, von den zurzeit schon anrollenden vier Divisionen die zuletzt eintreffende, von den folgenden hingegen die an der Spitze laufenden zwei bis drei Divisionen dorthin zu weisen, wo sie aber nur dann ausschlaggebend wirken könnten, wenn sie bald einträfen.

Unterdessen trat die Armee Dimitriew in Aktion und drückte am

24. November auf beiden Ufern der Weichsel gegen die rechte Flanke und in den Rücken der k.u.k. 4. Armee vor (S. 545). In dieser ernsten Lage wies die Teschener Heeresleitung in der Nacht zum 25. die Gruppe FZM. Ljubicić an, wenn nötig von der unteren Raba in die vorbereitete Stellung zwischen Niepołomice—Dobczyce zurückzugehen, während die 4. Armee mit der Gruppe Křitek auf den Höhen südlich der Szreniawa bis nördlich von der Rabamündung, mit den übrigen Kräften in ihren derzeitigen Positionen stehen bleiben sollte. Würde aber Ljubicić, der sich nicht entscheidend schlagen lassen durfte, zum weiteren Rückzug in die Linie Wieliczka—Dobczyce—Höhe Kamienik gezwungen, dann sollten die Gruppen Křitek und Roth zunächst bis an die Reichsgrenze zurückweichen, wobei die Gruppe Arz in ihrer gegenwärtigen Aufstellung das Zurückschwenken des östlichen Armeeflügels der 4. Armee zu decken hätte. Weiters eröffnete jetzt GdI. Conrad dem Erzherzog Joseph Ferdinand und dem FZM. Ljubicić den von ihm bereits seit längerem verfolgten Plan (S. 525), starke Kräfte unter dem Schutze der Festung Krakau auf das südliche

Weichselufer zu verschieben, die im Verein mit der Gruppe Ljubicić den Feind südlich der Weichsel zurückwerfen sollten.

In derselben Nacht hatte GLt. Falkenhayn auf Conrads Telegramm vom 23. November (S. 554) nach Teschen mitteilen lassen, daß zurzeit zwei Korps im Eintreffen seien, eine Division am nächsten Tag, ein weiteres Korps alsbald folgen würden. Überdies werde er versuchen, noch ein Korps freizumachen. Über den Ort des Einsatzes möge sich GdI. Conrad mit dem Oberbefehlshaber Ost ins Einvernehmen setzen. Nun gab GdI. Conrad am

25. morgens dem GO. Hindenburg bekannt, daß die Verstärkungen der deutschen 9. Armee zuzuführen seien, damit er den Stoß über Łódź gegen Südosten fortführen könne.

Damit war der Gedanke fallen gelassen, die Entscheidung durch den Einsatz von starken deutschen Kräften bei Krakau zu suchen. Wenn dies vielleicht zum Teil auch in der Absicht geschah, das Prestige des öst.-ung. Heeres durch das Einschieben von mehreren deutschen Korps nicht zu schädigen, so waren doch vor allem operative Erwägungen ausschlaggebend gewesen. Conrad erachtete in voller Übereinstimmung mit der DOHL. den Einsatz der anrollenden Reserven bei Łódź für wirkungsvoller und erbat sich daher jetzt nur mehr eine Division zur Verstärkung der Front südlich der Weichsel. GO. Hindenburg konnte sich selbst dazu nur schweren Herzens entschließen. Da die Lage in Westgalizien aber schon recht ernst geworden schien, bestimmte er schließlich die deutsche 47. RD. nach Krakau1), deren erste Staffel am 27. morgens in Oderberg und Oświęcim eintreffen sollte.

Bei der k.u.k. 4. Armee waren unterdessen die Kämpfe noch nicht zu Ende gegangen. Der Ostflügel der Gruppe Křitek konnte zwar in der Nacht zum 25. fast ungehindert von der untersten Szreniawa auf die Höhen nördlich derRabamündung zurückgehen. Auf Křiteks linkem Flügel brachen sich aber die Russen nordöstlich von Proszowice Bahn und warfen die nur mehr brigadestarke 15. ID. nach Süden zurück. Der Einbruch bedrohte den rechten Flügel des XIV. Korps, der noch auf den Höhen links von der Szreniaw'a stand. FML. Roth riß daher die bei Opatkowice fechtenden Truppen der 8. und der 3. ID. vom Feinde los und nahm seinen bei Proszowice kämpfenden rechten Flügel zurück.

Am 25. November schien sich auch gegen die dünn gespannten Schützenketten der 13. SchD. über Polanowice ein Angriff vorzubereiten. Erzherzog Joseph Ferdinand schob als Verstärkung drei Bataillone der LstlBrig. GM. Roschatt in den bedrohten Abschnitt. Er befahl dem FML.

Arz, einen „Durchbruch“ zwischen dem VI. und dem XIV. Korps, der den rechten Armeeflügel in eine bedenkliche Lage bringen konnte, unbedingt zu verhindern. Gleichzeitig traf er alle Vorbereitungen, um das Kampffeld zu räumen. Als jedoch die Russen im Verlaufe des Tages weder am rechten Armeeflügel weiter drängten noch das VI. Korps ernstlich angriffen, trat Erzherzog Joseph Ferdinand an die Heeresleitung mit dem Ersuchen heran, allen Einfluß geltend zu machen, daß das XI. Korps südlich der Weichsel nur einer wirklichen Übermacht weiche, damit auch die 4. Armee ihre Stellungen südlich der Szreniawa nicht preisgeben müsse.

Am 25. nachmittags wurde ein Heeresbefehl in Teschen ausgegeben, der fürs erste zum Ausdruck brachte, daß es notwendig sei, den Feind an die Verschanzungen der nördlich von Krakau stehenden Armeen anrennen zu lassen, südlich der Weichsel aber die Lage sicher und dauernd zu halten, „um mit Einsatz neuer Kräfte in der jetzigen Schlacht den Sieg zu erzwingen“. Als vorläufige Leitlinie für das Verhalten der 4. Armee und der ihr nunmehr unterstellten Gruppe Ljubicić hatte zu gelten, die eigenen Kräfte nur wenn nötig und soweit zurückzuführen, als es bei überlegenem Druck unvermeidlich war. Ein Vordringen des Feindes über die vorbereitete Stellung Wieliczka—Dobczyce sollte unbedingt abgewehrt werden. Für die Deckung der Linie Tymbark—Chabówka und über Nowy-targ war, solange dort keine starken Infanteriekräfte vorgingen, die Gruppe Nagy (6. KD., ll.HKD., Polnische Legion) zu verwenden. Die Gruppe Arz hatte jederzeit in der Lage zu sein, einen Durchbruch des Feindes nordwestlich von Krakau gegen die Bahnlinie Krakau—Krzeszowice zu verhindern. Die als Festungsbesatzung bestimmten Truppen sollten erst dann dem FML. Kuk zur Verfügung gestellt werden, wenn die Front der 4. Armee beiderseits an die Nord- und die Ostfront der Festung anschloß.

Auf Grund dieser Weisungen änderte das 4. Armeekmdo. die bereits um Mittag erlassenen vorbereitenden Rückzugsbefehle. Sie tat den unterstellten Truppen kund, daß mit einem längeren Verweilen in der gegenwärtigen Linie zu rechnen, und diese daher auszubauen sei. Die 13. SchD. und die 106. LstlD. traten wieder zum XIV. Korps zurück. Die 15. ID. hatte baldmöglichst als Armeereserve hinter den linken Armeeflügel zu gelangen; die Gruppe FML. Nagy sowie die 1. und die 110. LstlBrig. sollten am 26. November dem FZM. Ljubicić unterstellt werden. Alle Teile der Armee und der Gruppe Ljubicić erhielten von Erzherzog Joseph Ferdinand den Befehl, „nur vor einer tatsächlichen Übermacht und im unumgänglichen Maße“ zurückzugehen. Doch schon am Abend stießen die Vortruppen des XXI. Russenkorps über die untere Szreniawa vor. Der rechte Flügel der Gruppe Křitek fühlte sich dadurch von einem überlegenen Feind angegriffen und ging noch in der Nacht zum 26. auf die Höhen östlich von Nowe Brzesko zurück.

Südlich der Weichsel hatte sich im Verlaufe des 25. das Vorgehen des Russen zunächst nicht geltend gemacht. Erst am 26. vordem Hellwerden überschritt das XI. Korps die untere Raba und drängte die Gruppe Obst. Brauner auf die Linie Dziewin—Grobla zurück. Zu derselben Stunde griff das feindliche IX. Korps Bochnia an, das von der 11. ID. verteidigt wurde. Weiter südlich rückten stärkere russische Kräfte von Lipnica her gegen die 30. ID. vor. Die auf Rajbrot entsandte 10. KD. war schon in der Nacht zum 25. auf Dobczyce zurückgenommen worden, da sie dringend einiger Erholung bedurfte. In solcher Lage meldete FZM. Ljubicić um 9h vorm., daß seine völlig erschöpften Truppen zu einem nachhaltigen Widerstand in der weitausgedehnten Front zwischen der Weichsel und der Straße Gdów—Muchówka nicht mehr befähigt seien. Inzwischen hatte die 11. ID. unter erheblichen Verlusten dem schweren russischen Druck bei Bochnia nachgeben müssen. FZM. Ljubicić ordnete daher um 9h45 vorm. den Rückzug seiner ganzen Gruppe in die vorbereitete Stellung Dobczyce— Niepołomice an.

Im Einklang mit diesen Bewegungen nahm Erzherzog Joseph Ferdinand am 26. nachmittags und in der Nacht zum 27. auch die 4. Armee von den Höhen südlich der Szreniawa bis an die Reichsgrenze zurück.

Nördlich der Weichsel begnügte sich der Russe mit der Besitznahme der von der Erzherzogsarmee geräumten Stellungen; südlich des Flusses drückte er bis in die Wälder östlich von Niepołomice und in die Gegend westlich von Bochnia und Łapanów vor. Noch weiter südlich focht russische Reiterei mit dem Kavalleriekorps FML. Nagy westlich von Limanowa.

Aus dem sorgfältig überwachten russischen Funkverkehr hatte GdI. Conrad inzwischen von der Verschiebung des X. Russenkorps an die Dunajec-mündung erfahren (S. 539). Versuchte der Feind mit der Aussendung dieser Nachricht nicht den Gegner zu täuschen, so stand zwischen der russischen 3. Armee und dem in die Beskiden eindringenden Westflügel der 8. eine breite Lücke offen, die anscheinend nur durch Kavallerie gedeckt war. Diese günstige Lage wollte nun GdI. Conrad ausnützen. Noch am 26. November entschloß er sich, seinen Plan durchzuführen, den südlich der Weichsel vordringenden Feind durch einen überraschenden Stoß in östlicher Richtung zu schlagen. Die Heeresleitung befahl am Nachmittag:

„4. Armee nimmt, dem feindlichen Drucke folgend und im Einklang mit der unterstellten, südlich der Weichsel befindlichen Gruppe FZM. Ljubicić ihren Ostflügel allmählich zurück. Die Gruppe Ljubicić wird nach und nach durch das XVII. Korps sowie durch die bis 29. November mit Bahn in Skawina und Podgórze eintreffende deutsche 47. RD. verstärkt, um, äußerstenfalls mit Nordflügel an Krakau gelehnt, im Raume Wieliczka—Dobczyce und südlich mit starkem rechtem Flügel unbedingt zu halten. Weiterhin ist geplant, von den nach und nach in den Gürtel von Krakau zurückzunehmenden Hauptkräften der 4. Armee etwa drei Divisionen (XIV. Korps und 13. SchD.) überraschend südwärts zu verschieben, um den Feind südlich der Weichselumfassend anzugreifen. Gruppe Nagy stets möglichst weit vorwärts, den Südflügel deckend.“

Am Abend forderte Obst. Metzger den Chef der Generalstabsabteilung der 4. Armee, Obst. v. Paić Ł), auf, dem Gedanken näher zu treten, das XIV. Korps nicht für einen Stoß in östlicher Richtung zu verwenden, sondern mit Bahn in jenen Raum zu leiten, aus dem es wirksamer vorstoßen könnte. Obst. Metzger vermutete, daß die Russen südlich der Weichsel versuchen würden, im Raume südlich Dobczyce zu umfassen. Als Gegenaktion empfahl das AOK., die Russen von Südwesten aus der Front Maków—Chabówka flankierend anzufallen, und hoffte auch die Mitwirkung des Westflügels der 3. Armee zu ermöglichen. Schon um

1 lh nachts antwortete Obst. v. Paić nachTeschen: ,,4. Armeekmdo. will umfassenden Angriff gegen den südlich der Weichsel vorgehenden Gegner von Süden her durchführen und plant hiezu XIV. Korps und 13. SchD. im Raum Chabówka—Jordanów bereitzustellen.“

Der Heeresbefehl vom 26. nachmittags und der eben geschilderte Gedankenaustausch am Fernschreiber ließen also bereits deutlich die Absicht erkennen, den ursprünglich geplanten einfachen Stoß von West nach Ost als einen großen Flankenangriff von Süden her zu führen.

Dieser neue Plan Conrads stieß allerdings auf den Widerstand des deutschen Oberbefehlshabers Ost; denn dieser bereitete gerade den neuen Angriff bei Łódź vor und war daher besorgt, daß mit der Schwächung der öst.-ung. Front nördlich von Krakau der Druck auf den Feind in Südpolen nachlassen werde2). Russische Kräfte konnten dort frei werden und den deutschen Angriff erschweren. Um dem vorzubeugen, gab GdI. Conrad der Armeegruppe Woyrsch den Auftrag, Kräfteverschiebungen des Feindes nordwärts gegen die deutsche 9. Armee zu verhindern und

x) GM. Josef Paić, Tätigkeit des k.u.k. 4. Armeekommandos vor und während der Schlacht bei Limanowa (Manuskript, Kriegsarchiv).

2) Reichsarchiv, VI, 299.

sich sodann deren Angriff „vom Nordflügel umfassend anzuschließen“. Die 1. Armee sollte mit ihrem Südflügel, dem zu ihr überstellten VI. Korps der 4. Armee, an die Festung Krakau gelehnt halten, russischen Kräfteverschiebungen aber ebenfalls sofort durch Angriff begegnen.

Während sich die k.u.k. 4. Armee allmählich auf Krakau zurückzog, gab sich Gen. Dimitriew großen Siegeshoffnungen hin. Er hielt den Gegner, der „zeitweise in Verwirrung zurückging“ *), für „demoralisiert“ und schlug dem Gen. Iwanow vor, die Verfolgung mit der 3. und der

9. Armee kraftvoll fortzusetzen. Dabei hoffte er, die Werke von Krakau durch einen Handstreich ohne große Opfer in Besitz nehmen zu können.

Im Stabe Iwanows sah man jedoch die Lage nicht so verheißungsvoll an. Gegen Ende November war die Angriffskraft der Russen in Polen erschöpft. Nur in Galizien war man noch im Angriff. Zudem erhielt die Stawka um den 26. November Nachrichten über die Ankunft von drei deutschen Armeekorps aus dem Westen, deren Eingreifen sie gegen die Lücke zwischen der Nordwest- und der Südwestfront erwartete. Zur Abwehr hatte die Stawka keine Reserven mehr. Um die gefährliche Stelle zwischen den Flügelarmeen der beiden Heeresgruppen zu schließen, ließ Iwanow das am Südflügel der 4. Armee bei Żarki fechtende III. kauk. durch das XXV. Korps der 9. Armee und das vor Czenstochau befindliche halbe XVI. Korps durch Truppen des XVII. Korps ablösen. Die freigemachten Kräfte sollten auf dem Nordflügel gegen Piotrków hin verwendet werden. Bis sie zur Stelle waren, hatte das Reiterkorps Tumanów (UralKosD.,5.DonKosD., 13.KD. undTransbaikalKosBrig.) denWidawka-abschnitt beiderseits Szczerców festzuhalten. Hinter diesen dreieinhalb Kavalleriedivisionen versammelte Großfürst Nikolai Nikolajewitsch noch das aus Litauen herangeführte Gardekavalleriekorps des Gen. Gillen-schmidt östlich von Bełchatów. Aber auch zwischen der3.undder8.Armeein Galizien war eine besonders gefährdete Stelle, so daß Iwanow dem Gen. Dimitriew nahelegte, seine Streitkräfte so zu verteilen, daß er den südlich der Weichsel kämpfenden Flügel jederzeit unterstützen konnte. Außerdem befahl er, wie von einer bösen Vorahnung erfüllt, am 26. November der 8. Armee, in den Karpathen eine strategische Reserve im Raume von Neusandez zu bilden2).

x) K o r o 1 k o w, Übersicht, 279, hat die Zahl der von der russischen 3. Armee eingebrachten Gefangenen mit 7000 angegeben. Außerdemhätten die Österreicher 28 Geschütze und 20 Maschinengewehre verloren. Diese Beutezahlen sind wohl übertrieben. Tatsächlich hatte nur das k.u.k. XI. Korps bei Bochnia 10 Geschütze verloren.

2) Ebenda, 181 ff.

Während die 4. und die 9. Russenarmee in ihren Gräben stehen blieben, um zunächst die anbefohlenen Kräfteverschiebungen durchzuführen, drängte Dimitriew mit der 3. Armee, deren X. Korps jetzt auf dem Nordufer der Weichsel eingelangt war, dem zurückgehenden Gegner gegen Krakau nach. Südlich vom Flusse erreichten die völlig erschöpften Truppen des FZM. Ljubicić spät in der Nacht und in den ersten Morgenstunden des 27. November ihre neuen Stellungen zwischen Niepołomice und Dobczyce. Das XI. Russenkorps fand rasch den Weg zu diesem Gegner. Es drückte mit seinen Vorhuten um Mittag den Nordflügel der 11. ID. auf Podłęże zurück. Vor der 30. ID. hatte sich inzwischen das russische IX. Korps gegen Gdów vorgeschoben, während feindliche Kavallerie an der Straße von Dobra vorzudringen versuchte. In dieser Lage entschloß sich FZM. Ljubicić, mit dem Einbruch der Nacht seine ganze Gruppe in die Front Flöhe Kamienik—Siepraw—westlich von Wieliczka zuruckzuführen.

Damit war es höchste Zeit geworden, die Gruppe Ljubicić zu verstärken und den Angriff südlich der Weichsel einzuleiten. GdI. Conrad mahnte daher am 27. November nachmittags, die bereits anbefohlenen Truppenverschiebungen zu beginnen. Da aber Erzherzog Joseph Ferdinand den sofortigen Antritt der Bewegungen mit Rücksicht auf das Ruhebedürfnis der Truppen nicht für durchführbar hielt, entschloß man sich, den Rückmarsch des XVII. und des XIV. Korps nach Krakau erst am 28. November früh beginnen zu lassen.

An diesem Tage ging die Masse der 4. Armee aus ihren Stellungen Kościelniki—Więcławice nach Krakau zurück. Die Truppen waren nach den ungeheuren Strapazen und Leiden der vergangenen Wochen gedrückter Stimmung. Die 106. LstlD., die 1. und die 110. LstlBrig. kamen als Besatzung in die Festung. Die Gruppe FML. Smekal (die 27. ID. und die

45. SchD. sowie die 95. LstlBrig.) besetzte die Lücke zwischen dem Südflügel des X. Korps und dem Festungsgürtel beiderseits von Biały Kościoł. Das VI. Korps (39. HID. und 15. ID.), das nur mehr 8000 Feuergewehre zählte, marschierte am 28. und 29. als Reserve mit der Hauptkraft in den Raum nördlich von Krzeszowice und mit einer Brigade in die Gegend südöstlich von Olkusz. Alle diese zuletzt genannten Kräfte wurden der Armee Dankl unterstellt. Das XIV. Korps (3. und 8. ID.) kam nach Krakau, um am 29. nach Süden gefahren zu werden. Die Fußtruppen der 13. SchD. wurden noch im Verlaufe des 28. mit der Bahn nach Chabówka befördert. Das XVII.Korps, das seine Vortruppen schon in der Nacht zum 28. über die Weichsel gesendet hatte, zog in den Raum von Kosocice—Prokocim und trat unter Befehl des FZM. Ljubicić. Nach Skawina und Podgórze rollten die Truppenzüge, die die ersten Staffeln der deutschen 47. RD. unter GLt. v. Besser brachten.

Während die Lagerfestung Krakau wie schon Mitte November die Verschiebung der 4. Armee deckte, näherte sich der rechte Flügel der russischen 3. Armee (X. und XXI.Korps) vorsichtig den Außenwerken der Nordfront auf Ertrag des schweren Geschützes. Auf der ganzen Front der

1. Armee herrschte, von Artilleriekampfund flüchtigem Vorpostengeplänkel abgesehen, seit den letzten Tagen Ruhe. Die beiden Gegner schanzten.

Südlich der Weichsel bezog FZM. Ljubicić am 28. vormittags mit dem

XI. Korps eine Stellung, die von der Festung über Siepraw in die Vorberge der Westbeskiden bis Lubień führte. Die 10. KD. wurde aus dem Raume westlich vonDobczyce gegen Myślenice verschoben. Das Kavalleriekorps FML. Nagv —11. und 6. KD., verstärkt durch polnische Legionäre1)

— stand in der Enge von Dobra. Es sah sich von russischer Kavallerie angegriffen und ging am 29. wegen Gefährdung der Nordflanke auf Kasina Wk. zurück. Die 13. SchD. wurde an diesem Tage bereits in Chabówka ausgeladen und sofort nach Mszana Dl. in Marsch gesetzt, um den Aufmarsch des mit der Eisenbahn nachrückenden XIV. Korps zu decken. Der südlich der Weichsel stehende Flügel der russischen 3. Armee (XI. und IX. Korps) war inzwischen bis in die Gegend westlich von Niepołomice und Dobczyce gerückt und drang am 29. vormittags mit einer Kolonne gegen die Mitte der 11. ID. vor. FML. Kuk erwartete einen Angriff der Russen auf die Nord- und die Südostfront der Festung.

In dieser Lage stellte GdI. Conrad am 29. nachmittags dem FML. Kuk die 45. SchD. der 1. Armee zur Abwehr eines feindlichen Angriffs auf die Nordostfront zur Verfügung und befahl der 4. Armee, den Feind südlich der Weichsel zu schlagen und nordwärts an die Weichsel zu drücken. Das XIV. Korps und die verfügbaren Teile der deutschen 47. RD. sollten nunmehr sofort mit Fußmarsch südwärts verschoben werden, um die Südflanke des Feindes zu fassen, weil man in Teschen die Strecke Krakau—Sucha—Jordanów nicht mehr benützen zu können glaubte. Die 13. SchD. hatte unter Deckung gegen Ost durch das Kavalleriekorps FML. Nagy in den Rücken des Feindes vorzugehen.

Das 4. Armeekmdo., durch diese veränderte Absicht völlig überrascht, war nicht gesonnen, die bereits rollenden Truppenzüge des XIV. Korps anzuhalten, da durch einen Fußmarsch der Truppen eine sehr unliebsame Verzögerung des geplanten Angriffsunternehmens eintreten konnte. Auch hoffte Erzherzog Joseph Ferdinand, daß sich das XI. Korps

x) Eine Brigade der Legion befand sich bei der Armeegruppe Pflanzer.

halten werde und ließ die Heeresleitung bitten, die Bahnverschiebung des XIV. Korps weiter durchführen zu dürfen. Das AOK. stimmte zu.

Tags darauf, am 30. November mittags, befahl Erzherzog Joseph Ferdinand dem FZM. Ljubicić, mit dem XI. und dem XVII. Korps die bezogenen Stellungen in Anlehnung an Krakau zu halten, und beauftragte den FML. Roth, die ihm unterstellten Kräfte (XIV. Korps mit der 3. und der 8. ID., 13. SchD., deutsche 47. RD. und Kavalleriekorps Nagy, zu dem nunmehr auch die 10. KD. trat) im Raume Mszana Dl.—Chabówka—Jordanów derart bereitzustellen, daß er am 2. Dezember die Offensive gegen die Flanke und in den Rücken des südlich der Weichsel gegen die 4. Armee vorgehenden Feindes beginnen könne. Links von der Gruppe Roth sollte die Gruppe Ljubicić ihre Stellungen halten und sich erst mit Fortschreiten des Nachbarn dem Vorgehen anschließen.

Dieser Angriffsbefehl deckte sich mit den am Abend desselben Tages herausgegebenen Richtlinien des AOK., in denen es hieß, daß die Hauptkraft der 4. Armee gegen die Südflanke und den Rücken des Feindes vorgeführt zu werden und hiezu mit starkem rechtem Flügel die allgemeine Richtung Trzciana—Bochnia zu nehmen habe. Dem durch Infanterie zu verstärkenden Kavalleriekorps Nagy, das den Angriff gegen Neusandez zu schützen hatte und einen etwa von dort vorgehenden Feind wieder in Flanke und Rücken fassen sollte, schrieb der Heeresbefehl vor, schon am 1. Dezember gegen Osten anzugreifen.

Mit diesen bedeutungsvollen Befehlen des GdI. Conrad und des

4. Armeekmdos. waren die Grundlagen für die neue Operation in Galizien geschaffen, die schon wenige Tage nach dem Abbruch des unentschiedenen Ringens bei Krakau die 4. Armee zu neuen schweren Kämpfen führen sollte.

Die ersten großen Kämpfe in den Karpathen

Die Doppelaufgabe der k.u. k. 3.Armee Hiezu Beilagen 19 und 20 samt Nebenskizzen

Als die Russen am 5. November von dem allgemeinen Rückzug des öst.-ung. Heeres vom San und aus den Höhenstellungen von Chyrów Kenntnis erhielten, befahl Gen. Iwanow der 11. Armee, Przemyśl zu umschließen. Die 3. Armee wurde angewiesen, die Front Łańcut—Dynów zu besetzen (S. 514), während die 8. in den Raum von Bircza—Sanok—Chyrów vor

gehen sollte. Beide Armeen hatten bei der Einschließung der Sanfestung mitzuwirken \ind sollten erst dann gegen den Dunajec und in die Karpathen in Bewegung gesetzt werden, bis die 11. Armee um Przemyśl aufmarschiert war.

Dementsprechend rückte die Hauptkraft der 3. Armee mit tief gestaffeltem linkem Flügel bis zum 8. November in den Raum beiderseits von Rzeszów vor (S. 536). Das X. Korps blieb bei Radymno stehen, während die 31. ID. nunmehr von der 8. Armee zu diesem Korps zurücktrat. Die

11. Armee schob sich mit dem halben XXIX. Korps1) an die Nordfront vonPrzemyślheran, während dasXXVIII.Korps sowie die 9. und die 11.KD. die Festung von Osten, Süden und Westen umschlossen. Brussilow stellte zu dieser Zeit das XII. Korps bei Bircza in greifbarer Nähe der Blockadearmee bereit und führte die Masse der 8. Armee (VIII. und XXIV. Korps, 3. und 4. SchBrig., 10.KD.) auf Tyrawa-Wołoska und Lisko vor. Sein linker Flügel (34. ID., 12. KD. und 2. Komb.KosD.) war in den ersten Novembertagen durch die 65. RD. der ll.Aj:mee und durch die aus dem fernen Osten eingelangte 12. sib. SchD. verstärkt worden. Jetzt ging Gen. Eck mit diesen Truppen und im Einklang mit dem rechten Flügel der Dniestergruppe (Teile der 78. und der 71. RD., 2. und 1. Kub.KosD.) an den oberen San, in den Raum nördlich von Turka, nach Synowódsko und Bolechów vor2).

Nachdem GdI. Conrad am 6. die Verschiebung des XII. und des IV. Korps aus den Karpathen an den äußersten linken öst.-ung. Heeresflügel angeordnet hatte, schrieb er in einem am 7. November ausgegebenen Heeresbefehle der k.u.k. 3. Armee vor, daß sie „ein Vordringen der beiderseits Przemyśl vorgehenden feindlichen Kräfte, sei es in westlicher Richtung durch Galizien, sei es über die Karpathen, zu bekämpfen, mindestens aufzuhalten“ habe. Zur Erfüllung „dieser schwierigen selbständigen Aufgabe“ sollte die 3. Armee „die hartnäckige Verteidigung der Karpathenübergänge westlich des Uzsokpasses (einschließlich) mit der aktivsten Verwendung der Hauptkräfte“ vereinen. Als Richtlinie für das weitere Verhalten gab die Heeresleitung an, daß die Armee, dem Drucke des Feindes folgend, gegebenenfalls bereit sein müsse, über die Karpathen in südwestlicher Richtung auszuweichen. Sollte der Feind mit starken Kräften über die Karpathen durchdringen, sei die 3. Armee berufen, „diesem Angriffe südlich des Gebirgskammes entgegenzutreten“.

Die zur Verstärkung der Dniestergruppe nach Stryj entsandte 78. RD. (S. 437) war zur 11. Armee noch nicht zurückgekehrt.

2) K o r o 1 k o w, Übersicht, 118 f; B r o u s s i 1 o v, 89 ff.

Gerade zu der Zeit, als diese Weisungen beim 3. Armeekmdo. eintrafen, zogen das IV. und das XII. Korps von Turka und von Lisko zu den Einladestationen ab. Am 5. November war es bei Dobromil zu einem Nachhutgefecht gekommen und der Feind drängte anscheinend über Chyrów scharf nach. GdI. Boroević erblickte daher seine nächste Aufgabe darin, nördlich von Turka und am oberen San mit den Gruppen Karg (38. HID., 1., 2. LstTerrBrig., 1., 5. und 8. KD.) und Krautwald (34.ID. und 17. LstTerrBrig.) sowie dem VII. Korps (17. ID., 20. HID., 105. und 103. LstlBrig.) stehenzubleiben und den Abtransport der 2. Armee zu decken1). Die Masse der 3. Armee — III., IX., XI. Korps und 4. KD.— gedachte GdI. Boroević zunächst auf den Nordfuß der Karpathen, nach Rymanów, Krosno und Jasło zurückzuführen. Die Absichten des Feindes lagen noch im Dunkel. Es war für den Führer der k.u.k. 3. Armee noch ganz ungewiß, ob sich der Gedanke eines raschen Offensivstoßes verwirklichenlassen werde. Auch waren die Truppen durch Verluste, Seuchen und außergewöhnliche Anstrengungen der vorhergegangenen Operationsperiode schon erheblich geschwächt2), so daß jetzt ein mehr defensives Verhalten geboten zu sein schien. Bei geschickter Ausnutzung des Geländes fand die Armee in dem breiten Gebirgsstock der Ostbeskiden mit seinen kreuz- und quergeschobenen Höhenlinien und tief eingeschnittenen Tälern überall Stellungen, die man vielleicht auch mit schwächeren Kräften einem an Zahl überlegenen Feind gegenüber festhalten konnte. Man mochte sich an den wichtigsten Durchgangsstraßen sowie auf den sie beherrschenden Höhen eingraben, den Angreifer zu zeitraubenden und anstrengenden Umgehungen nötigen, sich sodann der drohenden Schlinge entziehen und die Abwehr in einer weiter hinten gelegenen Sperrstellung von neuem aufnehmen. Ein solches hinhaltendes Fechten mochte nach der Verlegung des Schwergewichtes der Operationen nach Polen am besten entsprechen; denn es kam jetzt vor allem darauf an, Zeit zu gewinnen und die Verteidigung der Gebirgsübergänge möglichst bis zu dem Zeitpunkte hinauszuziehen, wo es die Lage in Polen wieder gestattete, an die Karpathenfront Verstärkungen heranzuführen. Ob man sich nun aber für die Abwehr oder für einen Offensivschlag gegen Krosno entschloß, immer mußten sich alsbald die Schwierigkeiten des Gebirgskrieges geltend machen.

*) Von den stark zusammengeschmolzenen Landsturmformationen der 2. Armee wurden gegen Mitte November die ung. 103. LstlBrig. auf die 20. HID., die öst. 40. und die ung. 102. LstlBrig. auf das IV. Korps aufgeteilt.

2) Die einzelnen Divisionen zählten nur mehr etwa 6000 Feuergewehre, für jedes Geschütz waren höchstens 100 Schuß vorhanden.

In dem weiträumigen Gebiet, das die übermüdeten Streiter der 3. Armee zu behaupten hatten, gab es fünf große durchlaufende Verkehrslinien: die Einbruchswege, die über den Uzsokpaß, über Baligród—Cisna, über den Lupkow-Beskidpaß, die Duklasenke und den Sattel von Konieczna in das ungarische Tiefland führen. Eine Verteidigung nur an diesen Durchgangsstraßen mit räumlich weit getrennten Kampfgruppen, die starke Kräfte für die Waffenentscheidung an besonders wichtigen Höhenstellungen auszusparen erlaubte, war im Hinblick auf die verminderte Schlagkraft der Truppen und die Gangbarkeit des Zwischengeländes nicht ratsam. Außerhalb der genannten vollwertigen Verkehrslinien gab es nur ein spärliches Straßennetz und fast keine durchlaufenden Querverbindungen, die ein rasches Seitwärtsverschieben von Reserven möglich gemacht hätten. Überschwemmungen und Versumpfungen in den Gebirgstälern behinderten bei Regen den Nachschub an Kriegsgerät und Verpflegung. Zudem hemmten ausgedehnte Waldbestände die Bewegung, wobei noch die Not an Unterkünften, die Ressourcenarmut des Berglandes sowie die Unbilden der Jahreszeit die Schwierigkeiten des Gebirgskrieges vermehren mußten.

Unter all diesen schweren Bedingungen begannen die neuen Operationen in den Karpathen, wobei sich die Truppen wie der Führer der 3. Armee nach den Anstrengungen und Opfern des Oktoberfeldzuges von Haus aus vor eine recht schwierige Doppelaufgabe gestellt sahen: möglichstes Anhalten der in westlicher Richtung gegen Krakau vorrückenden russischen Streitmacht und die möglichst lange Behauptung der Karpathenübergänge selbst.

Nachdem die Spitzen des XXIV. Russenkorps bereits vorher bei Ustrzyki Dl. mit dem abziehenden Gegner (Nachhuten des k.u.k.

XII. Korps) gefochten hatten, stießen sie Tags darauf, am 8. November, vor Sanok und Lisko auf neuen Widerstand. Hier hielt FML. Csanády mit der Masse des VII. Korps (20. HID., 105. und 103. LstlBrig.) die Sanüber-gänge besetzt, um den Abtransport der 2. Armee zu decken. Als die Russen am Nachmittag zwischen den Postierungen über den Fluß gelangten, zog GdI. Fail-Griessler die zum Abtransport bestimmte 32. ID. zur Unterstützung heran. Noch in der Nacht zum 9. befahl ihm Boroević, die San-übergänge zu halten. Als aber am nächsten Tag immer mehr feindliche Kräfte den Fluß überschritten, gab GdI. Fail-Griessler den Widerstand auf und ging mit Zustimmung des Armeekommandanten in eine Aufnahmsstellung zwischen Zahoczewie und Bukowsko zurück. Die Gruppe Karg blieb noch bei Turka stehen, während weitab vom VII. Korps

FML. Krautwald mit der 34. ID. und der 17. LstTerrBrig. von Lutowiska nach Dwernik rückte.

Am 9. November wurde ein Armeebefehl herausgegeben, in dem es hieß, daß die Stellungen unmittelbar südlich von Lisko, am oberen San und bei Turka möglichst lange behauptet werden sollten. Erst wenn sich die Truppen dort nicht zu halten vermochten, sollte der rechte Armeeflügel allmählich auf den Karpathenkamm zurückgenommen werden. Es hatten dann die Gruppe Karg den Uzsokpaß, die Gruppe Krautwald die Übergänge bei Cisna und das VII. Korps den Lupkow-Beskidpaß zu verteidigen, während das III. Korps die Duklasenke und das IX. Korps die Einbruchswege nach Zboró besetzen sollten. Zog das VII. Korps den Russen hinter sich ins Gebirge nach und bot ein Vorstoß in dessen Flanke oder gegen den etwa in das Becken von Krosno eindringenden Feind Aussicht auf Erfolg, dann gedachte Boroević durch einen geschickt angebrachten Schlag den russischen Vormarsch zu erschweren. Noch wußte jedoch Boroević nicht, wie sich die Lage vor seinem linken Armeeflügel gestalten werde; auch mahnte die Lücke zur Vorsicht, die zwischen der 3. und der gegen Krakau abrückenden 4. Armee aufsprang. Schon am 9. November war starke feindliche Kavallerie in Rzeszów eingerückt und versuchte anscheinend, Wisłok aufwärts um den noch bei Krosno und Jasło stehenden linken Flügel der 3. Armee herumzugreifen.

Unterdessen führte Gen. Dimitriew die russische 3. Armee zwischen der Weichsel und dem Karpathenvorlande nur Schritt vor Schritt nach W’esten vor. Er tat dies, da er hinter dem Rückzuge des Gegners einen geheimen Plan vermutete und befürchtete, daß sich die Österreicher wohlverborgen in den Karpathen bereitstellen könnten, um ihm in die Flanke zu fallen, wenn er weiter nach Krakau vorrückte. Darum sollte die 8. Armee erst die Zugänge aus dem Gebirge bei Dukla, Baligród und Turka besetzen, bevor er selbst nach Westen weitermarschierte. Dieses behutsame Vorgehen entsprach aber nicht den Plänen der Stawka. Sie hatte inzwischen am 12. November den Entschluß zum Gesamtangriff gegen die Front des Gegners an der schlesischen Grenze gefaßt (S. 517) und drängte zur kraftvollen Fortführung der Operationen südlich der Weichsel. Gen. Iwanow schickte daher der 3. Armee den strikten Befehl, den Vormarsch an den Dunajec fortzusetzen. Gleichzeitig wies er die

8. Armee an, den Gegner vom Nordfuß der Karpathen über die Paßhöhen zurückzuwerfen 2).

Gen. Brussilow war entschlossen, durch kraftvolles Handeln jede Be!) Korolkow, Übersicht, 120 ff und 159 ff.

drohung der nach Westen vorrückenden 3. Armee unmöglich zu machen. Er trachtete zunächst mit der Gruppe Eck und dem XXIV. Korps den Gegner aus seinen vorgeschobenen Positionen bei Turka, Baligród und Bukowsko zu verdrängen. Das VIII. Korps ließ er noch bei Zarczyn stehen, um es erst im Verein mit dem XII. Korps, das er zur Unterstützung der Einschließung von Przemyśl nach Bircza detachiert hatte, gegen die Duklasenke anzusetzen.

Rückzug der 3.Armee auf die Karpathenpässe (10. bis 19. November)

Schon am 10. November entfaltete sich Brussilows linke Flügelgruppe unter Gen. Eck in breiter Front gegen die Sperrstellungen bei Turka zum Angriff. FML. Karg brach in der Dunkelheit das Gefecht ab und ging ins Gebirge zurück. Er wurde in seinen Bewegungen vom Feinde nicht gestört, besetzte am 12. zunächst die dem Uzsokpaß vorgelagerten Höhen und zog sich am 14., als die Russen am Nachmittag nochmals zur Überflügelung ansetzten, auf den Paß zurück.

Westlich davon rückte FML. Krautwald nach einem Gefechte mit Teilen der 12. sib. SchD. bei Dwernik am 11. über Wetlina nach Cisna ab.

Auch gegen das k.u.k. VII. Korps hatte sich inzwischen das anrückende XXIV. Russenkorps geltend gemacht. Am 10. November nachmittags wurden die Postierungen der 17. ID. von den Höhen nördlich von Bukowsko geworfen. Gleichzeitig machte sich das Vorgehen der Russen von Hoczew her gegen den rechten Flügel fühlbar. GdI. Fail-Griessler verstärkte dort die Kampflinien der 20. HID. und der 105. LstlBrig. durch Truppen der 32. ID. und befahl dem FML. Henriquez, mit der als Korpsreserve ausgeschiedenen 17. ID. bei Bukowsko zum Gegenangriff zu schreiten. Am nächsten Morgen gewann FML. Henriquez die Höhen nördlich von Bukowsko zurück. Die eingesetzten Teile der 32. ID. wurden abgelöst und rückten endlich am 12. nach Łupków und Mezölaborcz ab.

Der linke Flügel der 3. Armee (III., IX. und XI. Korps) war am

10.    November unbehelligt nach Dukla, Żmigród und Jasło gelangt. Am

11.    brach russische Kavallerie gegen den Wislokaabschnitt abwärts von Jasło vor. Die 4. KD. ging unter fortgesetztem Geplänkel gegen Westen zurück. Das 3. Armeekmdo. nahm dies als Zeichen des Vormarsches starker feindlicher Kräfte, hielt die Nordflanke des XI. Korps gefährdet und befahl das Korps am 12. von Jasło nach Biecz zurück. Ebenso wurden jetzt das IX. und das III. Korps, vor deren Front bisher nur russische

Aufklärungsabteilungen vorgefühlt hatten, in den Raum südlich von Krempna—Jaśliska zurückgeführt.

Am 12. November lief beim Armeekmdo. die Mitteilung der Heeresleitung ein, daß das XVIII. Russenkorps am unteren Dunajec eingelangt sei (S. 520), und daß die 3. Armee für die Abwehr auf der Straße Tarnów— Neusandez zu sorgen habe. GdI. Boroević nahm hierauf das XI. Korps nach Grybów zurück; die 4. KD. entsandte zur Absperrung der Verbindungen über Neusandez Deckungsabteilungen an den oberen Dunajec.

Während GdI. Boroević das XI. Korps immer weiter nach Westen zog und mit dem IX. und III. Korps nach Süden auf die Höhe des Karpathengebirges zurückschwenkte, brannte beim VII. Korps der Kampf fort. Am 12. November wurde die Gruppe Henriquez angegriffen und von den Höhen bei Bukowsko zurückgeworfen. Auf dem rechten Korpsflügel machte sich gleichzeitig gegen die Gruppe FML. Csanády (20.HID. mit unterstellter 105. LstlBrig.) verstärkter Druck fühlbar. In dieser gespannten Lage rief GdI. Fail-Griessler die Gruppe Krautwald von Cisna zum Gegenangriff über Baligród heran und gab dem FML. Henriquez den Befehl, die Einbruchswege über Bukowsko und Surowica in den Rücken des VII. Korps dem Feinde nicht preiszugeben.

Tags darauf, am 13. November, schritten die Russen zum entscheidenden Angriff. In wechselvollen Kämpfen vermochte sich die Gruppe Henriquez zunächst bei Bukowsko zu behaupten. Hingegen kam die Gruppe Csanády ins Gleiten. Brussilow hatte inzwischen die halbe 12. sib. SchD. von Dwernik herangezogen und von Osten her zur Umfassung angesetzt. Als um Mittag FML. Krautwald mit der Hauptkraft der 34. ID. über Baligród eingriff, war die Entscheidung auf dem linken Korpsflügel schon gefallen. Hier erlagen die ermüdeten Truppen des FML. Henriquez den heranstürmenden Soldaten Brussilows und wichen teilweise bis Surowica zurück. Da die Gefahr, überflügelt zu werden, in die Nähe gerückt war, mußte sich GdI. Fail-Griessler am Nachmittag entschließen, das Gefecht abzubrechen. Unter lebhaften Kämpfen bei Szczawne und Baligród gingen das VII. Korps und die 34. ID. in der Nacht zum 14. und im Verlaufe dieses Tages nach Süden zurück. Die Gruppe FML. Krautwald richtete sich bei Cisna zur Verteidigung ein und Csanády besetzte die in fieberhafter Arbeit ausgehobenen Stellungen am Łupków-Beskidpaß. Die 17. ID. kam als Korpsreserve nach Vidrány und Palota.

So war bis zum 14. abends auch der rechte Flügel der 3. Armee auf den Hauptkamm des Gebirges zurückgegangen; am nächsten Tage schon flackerten am Uzsokpaß, bei Cisna und am Beskidpaß die ersten Gefechte auf.

Am 15. November versuchte Gen. Eck die Gruppe Karg auf dem Uzsokpaß zu umgehen, indem er Teile der 12. sib. SchD. über Ustrzyki-Grn. entsandte. Mit dem Auftauchen dieses Feindes wichen die auf gali-zischem Boden stehenden Postierungen über Wolosate zurück. Um einer Überflügelung vorzubeugen, warf FML. Karg einige Bataillone der38.HID. schleunigst nach seinem linken Flügel hinüber. Es gelang, das Vordringen des Feindes über Wolosate zu verhindern. Aber die Kräfte der am Uzsokpaß kämpfenden Truppen verzehrten sich rasch, so daß sie dem russischen Drucke nicht allzulange standhielten. Am 17. November räumte FML. Karg den Uzsokpaß. Er ging tags darauf auf die Höhen beiderseits vom Ungtal, in die Linie Havazköz—Patakófalu, zurück. Angesichts dieser Vorgänge nahm GdK. Pflanzer-Baltin die Gruppe Hofmann unter dem Schutze von Nachhuten bei Sławsko und Koziowa auf die Paßhöhen (Verecke- und Wyszkowpaß) zurück und sandte der Gruppe Karg das Detachement Obst. Guilleaume der 55. ID. (drei Bataillone, eine Batterie) über Vezérszállás gegen Tiha zu Hilfe.

Zur gleichen Zeit, als die Gruppe Karg den Uzsokpaß verlor, gab die Gruppe Krautwald die Gebirgsübergänge bei Rostoki Grn. preis. Ihr war der Feind (halbe 12. sib. SchD.) schon am 15. bis Cisna gefolgt. Am 16. und 17. kam es bei Rostoki Grn. zu heftigen Kämpfen, bis die Russen den Gegner schließlich auf die Höhen nördlich von Zemplénoroszi und von Zellö zurückdrängten. Als FML. Krautwald am 18. November die Paßhöhen wieder in die Hand nehmen wollte, stieß er auf russische Verstärkungen (49. ID. und 2. Komb.KosD.), deren Gegenangriffe ihn alsbald zum weiteren Rückzug nötigten. Um ein Vordringen der Russen im Czi-rókatal und in den Rücken des am Beskidpaß stehenden VII. Korps zu verhüten, schob GdI.Boroević die nach Nagyberezna zurückverlegte l.KD. der schwerbedrängten Gruppe Krautwald zu. Weitere feindliche Angriffe zwangen aber die völlig erschöpften Truppen Krautwalds, noch am 19. in die Linie Czirókaófalu—südlich Telepócz zu weichen.

Gegen den Łupków-Beskidpaß drang inzwischen die Masse des XXIV. Russenkorps mit Ungestüm über Komańcza und Radoszyce empor. Schwere Nebel waren einem Überfall günstig. In der Tat wurde die 20. HID. mit Einbruch der Nacht auf dem Beskidpaß plötzlich angegriffen. Im Handumdrehen brachen die feindlichen Vorhuten in die Stellungen der Honvéds an der Straße von Radoszyce ein und erbeuteten vier Geschütze. Die Nachricht von diesen unerwarteten Vorgängen alarmierte die Truppen der 17.ID. in Palota und Vidrány, verbreitete Aufregung bis nach Mezölaborcz, erzwang die Räumung der Station Łupków unter feindlicher Einwirkung und den Verlust des Schmalspurmaterials der Linie Łupków—Cisna. Sie verzögerte auch den Ablauf der letzten Truppenstaffel der 32. ID. auf der verstopften Bahnlinie.

Der mit Teilen der 17. ID. am nächsten Morgen (16. November) am Westflügel des VII. Korps angesetzte Gegenangriff kam nur langsam vorwärts, vermochte jedoch die Lage bei der 20.HID. wieder halbwegs herzustellen. Da ging der 105. LstlBrig. am Lupkowpaß nach heftigen Kämpfen am Nachmittag eine wichtige Höhe verloren. Zudem war von Norden der Anmarsch von russischen Verstärkungen gemeldet; es war dies das VIII. Korps, das Brussilow jetzt in den Raum von Bukowsko vorzog. In seiner Not wandte sich GdI. Fail-Griessler am Abend an das benachbarte III. Korps um Hilfe. GdI. Colerus stellte bereitwillig zunächst die 44. SchBrig. und dann die 56. IBrig. zur Verfügung.

Am 17. nahmen die schweren Kämpfe um den Besitz des Łupków-Beskidpasses ihren Fortgang. Die tapfere, von GM. Dieterich geführte 105. LstlBrig. vermochte im Morgengrauen die verlorene Höhe zurückzuerobern; ein neuerlicher Angriff brachte aber alsbald die Russen endgültig in den Besitz dieses Stützpunktes. Auch der Gegenangriff auf dem westlichen Korpsflügel verstrickte sich mit feindlichen Vorstößen von Dołżyca her. Er kam schließlich am 18. November völlig zum Stillstand, bevor die vom III. Korps herbeigeeilten Unterstützungen, die Hauptkraft der 28. ID., auf den Grenzhöhen Pasika und Hanasiówka entfaltet waren.

Erwägungen beim 3. Armeekmdo.

Während der Andrang der Russen gegen das VII. Korps und gegen die Gruppen Krautwald und Karg immer mächtiger wurde, erwog GdI. Boroević in Bartfeld das Für und Wider eines Vorstoßes des bisher noch nicht angegriffenen Armeeflügels.

Am 15. November um Mittag hatte die Heeresleitung das 3. Armeekmdo. unterrichtet, daß nach einem mitgelesenen Funkspruch das russische XXI. Korps am 16. in der Gegend von Tarnów das Westufer des Dunajec erreichen werde (S. 521). Ob sich die Masse der russischen 3. Armee gegen die Karpathen oder nach Westgalizien wenden werde, sei noch ungeklärt. GdI. Boroević möge seine eigenen Absichten bekanntgeben, damit der Einklang zwischen den Operationen des XI. Korps und der 4. Armee sichergestellt werden könnte. GdI. Boroević antwortete noch an demselben Tage, daß er die Verstärkung des XI. Korps für einen Schlag gegen das XXI. Russenkorps in Aussicht nehme, „doch müßte die 3. Armee von der

Aufgabe, die Einbruchswege über Neusandez zu decken, enthoben werden“. Ein Vorstoß des III. und des IX. Korps, ,,in welcher Richtung immer, würde gegenwärtig die Preisgabe der Duklasenke bedingen und damit die Karpathenverteidigung unmöglich machen. Vor Klärung der feindlichen Situation sei ein solcher Vorstoß nicht geplant“. Die Heeresleitung erklärte hierauf, daß die 3. Armee für denFall der Verwendung der Gruppe Ljubicić gegen das russische XXI. Korps von der Deckung der Einbruchswege über Neusandez enthoben werde und ordnete am 16. November nachmittags die Bereitstellung des XI. Korps für den Angriff über Rajbrot an (S. 537).

Inzwischen hatte GdI. Boroević angesichts der ernsten Vorgänge auf seinem rechten Armeeflügel doch wieder den Gedanken gefaßt, das IX. und das III. Korps sowie die nach Bartfeld herübergezogene 5.HKD. unter der einheitlichen Führung des GdI. Colerus zum Stoß auf Bukowsko und Komańcza anzusetzen. Es lagen keine Anzeichen dafür vor, daß die im Raume nördlich von Jasło—Krosno vermuteten Hauptkräfte der russischen 3. Armee (XI., IX., X. Korps) nach Süden abzuschwenken gedachten. Hingegen hatte die Aufklärung ein Vorschieben der feindlichen Verschleierung über die Wisłoka nach Westen festgestellt. In solcher Lage befahl Boroević dem GdI. Colerus am 16. vormittags, den Vorstoß des III. und des IX. Korps in der oben angegebenen Richtung für den 18. November vorzubereiten. Am 17. morgens ließ jedoch ein Funkspruch der Festung Przemyśl vermuten, daß das russische X. Korps in den Raum von Strzyzów—Domaradz marschierte, während die 13. ID. des VII. Korps1) und das XII. im Bereiche der 8. Armee bei Rymanów und Zarszyn eingelangt waren. In dem Auftreten so starker Kräfte vor seinem linken Armeeflügel erblickte Boroević eine ernste Gefahr für den geplanten Vorstoß auf Komańcza— Bukowsko. Er beschloß daher die Durchführung des Unternehmens aufzuschieben und noch weitere Nachrichten abzuwarten. Um jedoch bis dahin ein weiteres Halten des Beskidpasses zu gewährleisten, sollte die ganze 28. ID. dem VII. Korps zur Fortsetzung des Gegenangriffes zur Verfügung gestellt werden.

Dieser Umschwung in den Absichten wurde nach Teschen gemeldet, und dabei zum Ausdrucke gebracht, daß die 3. Armee dem feindlichen Drucke nach Südwesten bis in den Abschnitt Eperjes—Varannó—Gálszécs ausweichen würde, wenn der Karpathenkamm auf die Dauer nicht gehalten werden könnte; dabei müßte jede Gelegenheit ergriffen werden, dem Feinde durch eine offensive Aktion Abbruch zu tun.

x) Die zweite Division des russischen VII. Korps, die 34., stand am Uzsokpaß bei der Gruppe des Gen. Eck.

Zur Zeit, da diese Mitteilung bei der Heeresleitung einlangte, zeigte sich immer klarer, daß nur die 8. Armee der Russen in die Karpathen vordrang, während sich die Masse der 3. gegen die mittlere Wisłoka, also nach Westen, konzentrierte. Daß die Streitkräfte des GdI. Boroević nicht stark genug waren, den Vormarsch dieser beiden russischen Armeen sowohl in den Karpathen als auch gegen Westgalizien aufzuhalten, darüber gab sich GdI. Conrad keiner Täuschung hin. Er trug diesen Verhältnissen Rechnung, indem er dem GdI. Boroević nur mehr die Bekämpfung der russischen 8. Armee als Ziel gab (S. 537) und das Unternehmen des

XI. Korps am unteren Dunajec als eine von der Karpathenfront getrennte selbständige Aufgabe erklärte *).

Mit einem Ausweichen der 3. Armee bis Eperjes, wie es anscheinend schon die Absicht des GdI. Boroević war, konnte sich aber Conrad durchaus nicht einverstanden erklären. Wenn Boroević mit dem linken Armeeflügel unter Sicherung gegen Norden überraschend nach Nordosten vorstieß, bevor die noch im Zuge befindliche Versammlung der russischen 3. Armee beendet war, so schien die Möglichkeit einer sehr wirksamen Einwirkung gegen die Flanke und in den Rücken des VIII. und des XXIV. Russenkorps gegeben zu sein. Die über den Tyliczsattel und im Popradtale führenden Verbindungen sollten dabei durch die 5. HKD., der Raum um Neusandez durch die 4. KD. geschützt werden.

In diesem Sinne wies die Heeresleitung am 17. abends die 3. Armee an. Boroević befahl hierauf dem GdI. Colerus, das III. und das IX. Korps zu dem nunmehr für den 19. geplanten Unternehmen bereitzustellen.

Da machte aber in der Nacht zum 18. GdI. Colerus ernste Bedenken geltend. Er wies darauf hin, daß man den geplanten Schlag in östlicher Richtung nicht unbesorgt um Flanke und Rücken führen könne, da stärkere feindliche Kräfte auf Żmigród und Dukla vorgerückt seien. GdI. Boroević verfügte hierauf die abermalige Verschiebung des Angriffs bis zur weiteren Klärung der Lage. Das AOK. in Teschen erklärte sich mit diesen abändernden Entschlüssen einverstanden, sprach jedoch die Erwartung aus, daß durch zähen Widerstand und aktives Handeln dem Feinde ein Vorgehen über die Karpathen verwehrt werde.

Am 18. November ergab die weitere Aufklärung, daß bei Rymanów und nördlich davon viel Feind stand. Die auf den Höhen südlich von Żmigród vorgeschobenen Sicherungen des IX. Korps wurden am Nachmittag von russischer Kavallerie angegriffen und gingen, nachdem sie eine heranrückende feindliche Infanteriekolonne zur Entwicklung gezwungen

hatten, nach Konty zurück. Auch die Aufklärungsschwadronen der nach Altsandez zurückgegangenen 4.KD. hatten am gleichenTage mitrussischen Reitern bei Grybów kleine Gefechte zu bestehen.

Das 3. Armeekmdo. vermutete jetzt, daß das X. Korps der Russen von Strzyzów nach Żmigród vormarschiert sei, und das XII. bei Rymanów stehe. In solcher Auffassung ließ GdI. Boroević den Plan eines Vorstoßes des linken Armeeflügels fallen. Er schrieb am 18. November an GdI. Conrad: „Als ich das III. und das IX.Korps in die Dukladepression, das

XI.    bei Gorlice situierte, schwebte mir in erster Linie der Gedanke vor, mit diesen Kräften im Krosnoer Becken zu schlagen. Hiezu waren als Voraussetzungen zu erfüllen, daß der Gegner nahe genug herankomme, daß ich mich nicht zu weit von Dukla entfernen muß, und ferner, daß das

VII.    Korps meine rechte Flanke gegen das russische VIII. und XXIV. Korps decke. Beide Voraussetzungen erfüllten sich nicht. Zuerst erschienen das

VIII.    und XXIV. Korps in der Flanke, das VII. Korps wich. Damit war die Offensive nach Nord begraben, denn ich durfte, wenn ich die Karpathen verteidigen wollte, den Weg in die Depression nicht freigeben.“ Außerdem erklärte Boroević, daß er sich auch mit dem Gedanken eines Angriffes in östlicher Richtung beschäftigt habe, daß aber die 3. Armee bei ihrem gegenwärtigen Zustand zu raschen Offensivschlägen nicht befähigt sei, und daß er daher zunächst als beste Lösung ihrer Aufgabe „den Kampf um Zeitgewinn“ erachte1).

Der Russenangriff nördlich von Homonna (19. bis 22. November)

Hiezu Beilage 20 samt Nebenskizze

Gerade zu dieser Zeit, als der Gedanke eines Angriffs gegen Komańcza—Bukowsko von Boroević fallen gelassen wurde, rückten am 18.November das IX. und das X. Korps der 3. Russenarmee am linken Flügel der Armee Boroević vorbei nach Westen an die Biała ab. Gleichzeitig aber hatte Gen. Brussilow durch Heranziehen des vor Przemyśl freigewordenen

XII.Korps    (12., 19. und 13. ID.) den rechten Flügel der 8. Armee verlängert. Dieses Korps marschierte im Raume nördlich von Dukla (Ort) auf und war dabei bei Żmigród durch die 10. KD. in der rechten Flanke gedeckt. In die Gegend von Wisłok Wk. und nach Surawica war das

VIII. Korps von Bukowsko vorgegangen, während Brussilows linker Flügel, das XXIV. Korps und die Gruppe Eck, schon den Gebirgskamm zwischen dem Beskid- und Uzsokpaß erstiegen hatten.

Ein heftiger Schneesturm brauste am 19. November durch das Karpathengebirge. Der Russe verhielt sich an diesem Tage anscheinend untätig. Nebel fegte durch die Täler und deckte Brussilows Zurüstungen für den entscheidenden Angriff. In die Front zwischen dem XXIV. und dem VIII. Korps zog er die 12. sib. SchD., deren beide Brigaden bisher bei Cisna und Szczawne gestanden hatten, nach Komańcza und Wislok Wk. herüber. Dazu ließ er jetzt den rechten Flügel des VIII. Korps bis Jaśliska strecken, um besseren Anschluß an das XII. zu gewinnen. So ballte Brussilow seine Streitkräfte allmählich gegen die Duklasenke zusammen, trat aber mit dem linken Flügel zuerst zum Angriff an, der als Umfassung des Gegners auf dem Lupkow-Beskidpaß gedacht war1).

Am 20. November im Morgengrauen traf dieser erste Vorstoß der Russen die stark ermüdete 34. ID. und warf sie von Zemplénoroszi und Zellö auf Czirókaófalu zurück. FML. Krautwald schied eine Seitenhut zum Schutze der entblößten Flanke des benachbarten VII. Korps nach Telepócz aus. Die ihm vom Armeekmdo. aus Nagyberezna zu Hilfe gesandte 1. KD. zog er nach Szinna heran, um mit ihr je nach der Lage den rechten Flügel zu stützen oder auch bei Méhesfalva den Zusammenhang mit dem VII. Korps zu wahren. Am 21.November erzielte jedoch der linke Flügel des russischen XXIV. Korps (49. ID. und 2. Komb.KosD.) bei der weiteren Verfolgung überraschend großen Raumgewinn. Die abgekämpfte Gruppe Krautwald wurde um Mittag aus ihren neuen Aufnahmsstellungen bei Czirókaófalu geworfen. Gleichzeitig drang eine russische Gruppe in der schwach bewehrten Flanke des VII. Korps über Telepócz vor und zwang die Seitenhut Krautwalds zum Rückzug auf Méhesfalva. FML. Krautwald war nicht mehr in der Lage, seine arg geschwächte Division — diese zählte nur mehr etwa 1500 Gewehre, Teile von ihr wurden nachRévhely abgedrängt — bei Takcsány zum Stehen zu bringen und ging in Eilmärschen auf Szinna zurück.

Während sich diese ernsten Geschehnisse bei der Gruppe Krautwald abspielten, hatte FML. Karg die 2. LstTerrBrig. über Havasköz gemeinschaftlich mit dem auf N. Rosztoka heranrückenden Detachement Obst. Guilleaume (S. 570) gegen eine bis Tiha gelangte russische Umfassungsgruppe angesetzt. Obst. Guilleaume kam kämpfend bis südlich von Tiha vorwärts, während die Seitenkolonne des FML. Karg westlich von Havasköz stecken blieb. GdK. Pflanzer-Baltin bat in der Nacht zum 21. Nox) Korolkow, Übersicht, 163 ff. — B r o u s s i 1 o v, 97 ff.

vember den GdI. Boroević, er möchte der Gruppe Karg befehlen, nicht nur mit Teilen gegen Tiha, sondern mit allen verfügbaren Kräften auch über Fenyvesvölgy anzugreifen. Dementsprechend vom 3. Armeekmdo. angewiesen, trat FML. Karg am 21. mit seinem rechten Flügel (2. LstTerrBrig. und Teile der 38. HID.) in östlicher Richtung auf Tiha und beiderseits vom Ungtale auf Hajasd zum Angriff an. Gleichzeitig schob er zum Schutze der durch das Vordringen der Russen im oberen Czirókatal gefährdeten linken Flanke die 8. KD. nach Utczás vor. Da aber die Gruppe Krautwald immer weiter gegen Szinna zurückwich, beschloß FML. Karg am 21. abends, das Gefecht abzubrechen und den Rückzug nach Sóslak anzutreten.

Am nächsten Tag zeigte sich, daß der Feind auf dem Uzsokpaß stehengeblieben und die bei Tiha eingelangte russische Kolonne wieder abgezogen war. FML. Karg ließ nun seine Hauptkräfte bei Révhely bereitstellen, um mit ihnen über Utczás und Kiskolon auf Czirókaófalu und Takcsány in Flanke und Rücken des gegen die Gruppe Krautwald vordringenden Feindes vorzustoßen, während schwächere Postierungen bei Sóslak den Schutz gegen den Uzsokpaß übernehmen sollten. GdI. Boroević war mit diesen Maßnahmen einverstanden. Er hoffte damit die Lage bei der Gruppe Krautwald wiederherzustellen, deren Zurückweichen den Russen den Weg ins Laborczatal in den Rücken des am Łupków-Beskid-paß stehenden VII. Korps preisgab.

Beim VII. Korps waren am 20. November hartnäckige Gebirgskämpfe entflammt. Im dichten Novembernebel entfaltete sich die Hauptkraft der 28. ID., FML. Králiček, am Vormittag auf den Grenzhöhen südwestlich von Radoszyce zum Angriff auf Komańcza und Wisłok Wk. Bevor jedoch der für Mittag anbefohlene Angriff ins Rollen kam, entwickelte sich beiderseits von Radoszyce ein Vorstoß der russischen 4. SchBrig. Bei Dołżyca wurde der Feind durch einen raschen Gegenstoß von Teilen der nunmehr vom GM. v. le Beau befehligten 17. ID. geworfen. Auf dem Beskidpaß drang der Russe neuerdings in die Stellungen der 20. HID. ein. Auf dem Lupkowpaß konnte nachmittags der russische Ansturm von der 105.LstlBrig. in blutigem Handgemenge gebrochen werden. Die Angriffskolonnen der 28.ID. waren inzwischen nach dem Durchschreiten des Berggeländes vor Komańcza und Wisłok Wk. auf den Feind geprallt. Das bewaldete Gebiet gewährte fast nirgends Übersicht, eine einheitliche Gefechtsführung war daher unmöglich. Die Waldkämpfe am Westflügel des VII. Korps, bei denen Überraschung und Zufall eine wesentliche Rolle spielten, endeten damit, daß Teile der 28. ID. wieder auf den Grenzkamm zurückgenommen werden mußten, ohne daß ihnen der Feind folgte.

Am 21. November morgens nahm die 28. ID. neuerlich den Angriff auf. Zu einem durchschlagenden Erfolg war es aber zu spät geworden. Bei Wislok Wk. und bei Surowica war jetzt die ganze sib. 12. SchD. in die Kampflinie gerückt und setzte mit dem linken Flügel des VIII. Korps selbst zum Vorstoß an. Da die 28. ID. gegen diesen neuen Feind nicht durchdringen konnte, ging sie gegen Abend abermals auf den Grenzkamm zurück.

Inzwischen hatte sich die Lage auch auf dem rechten Flügel des

VII. Korps zugespitzt. Schon am Morgen waren Meldungen darüber eingetroffen, daß feindliche Kräfte den Grenzkamm östlich von der am Lupkowpaß kämpfenden 105. LstlBrig. überschritten. Bald darauf wichen dort die öst.-ung. Postierungen zurück. Das Armeekmdo. befahl noch am Vormittag dem VII. Korps, alle entbehrlichen Kräfte über Virava zur Abwehr der russischen Umfassung einzusetzen; am Nachmittag wurde aber die Lage immer kritischer. Die Russen griffen auf dem Lupkowpaß an. Die sehr geschwächte 105. LstlBrig. mußte in eine Stellung südlich von der Paßhöhe weichen. Angesichts der von Osten her drohenden Gefahr hielt man beim VII. Korpskmdo. die Lage der stark mitgenommenen Truppen für sehr gefährdet. Man fürchtete sogar um die hinteren Verbindungen und dachte an weiteres Raumgeben, als man die Vorgänge bei der Gruppe Krautwald erfuhr.

Weit weniger verzweifelt beurteilte GdI. Colerus die Lage. Er meldete nach Kaschau, wohin Boroević von Varannó am 19. sein Hauptquartier verlegt hatte, daß der Feind anscheinend nur mit schwächeren Kräften östlich des VII. Korps durchgebrochen sei. Zu dessen Unterstützung wurden die soeben eingelangten Marschbataillone der 28. ID. nach Mezölaborcz in Marsch gesetzt. Sie hatten den Befehl, über Virava auf Alsóalmád anzugreifen, während die 8. KD. von Utczás her in die Flanke und in den Rücken des gegen die Gruppe Krautwald vordringenden Feindes vorstoßen sollte (S. 575). Unter solchen Umständen befahl GdI. Boroević am 21. abends das weitere Ausharren. Mußten aber die Stellungen am Beskid- und Lupkowpaß durch die Bedrohung von Osten geräumt werden, dann sollte das VII. Korps in der Linie Laborcz-rév—Mezölaborcz—Laborczfö im Anschluß an das III. Korps neuerlich Widerstand leisten.

Der Flankenstoß des ös t.-u n g. IX. Korps Hiezu Nebenskizze der Beilage 20

Gegen die Vorhutstellungen der 22. SchD. bei Jaśliska und der 6. ID. bei Tylawa war das XII. Korps der Russen erst am 20. November zögernd

vorgegangen. Vor der Front des IX. Korps zeigte der Russe bei Żmigród auch weiter starke Zurückhaltung. Aufklärer der 10. ID. und der 5. HKD. beobachteten vom Nordfuß der Karpathen den ununterbrochenen Marsch russischer Kolonnen auf der Straße von Gorlice nach Grybów. Ein Bataillon der 26. SchD., das bis über Sękowa vorstieß, um festzustellen, ob der Russe gegen Süden heranrückte, meldete am 20., daß alle Wege, die von Gorlice, Ropa und Grybów ins Gebirge führen, vom Feinde frei seien. Nur Ropa und Gorlice seien von starker russischer Kavallerie und Infanterie besetzt. Hingegen berichtete eine Abteilung der 4. KD., die bei Altsandez stand, daß der Feind mit starker Kavallerie in Neusandez eingerückt sei, und daß Infanterie von Osten folge. Dazu bestätigte eine Mitteilung aus Teschen, daß das X. Russenkorps westwärts marschiere. Als es nun endlich gewiß geworden war, daß die ganze russische 3. Armee nach Westen zog, entschloß sich GdI. Boroević angesichts der zunehmenden Krise auf dem rechten Armeeflügel zum Angriff gegen Osten. Für diesen Schlag stand ihm jetzt aber nur mehr das IX. Korps zur Verfügung, da bereits namhafte Teile des III. zur Stützung der Front des VII. eingesetzt waren und das russische XII. Korps schon zu nahe vor der Dukla-senke stand. Am 20. November abends erhielt GdI. Colerus, dem für die Zeit des Unternehmens auch das IX. Korps unterstellt wurde, den Auftrag, mit der 10. ID. den bei Żmigród und südlich davon befindlichen Feind zu werfen und mit der Hauptkraft der 26. SchD. Polany zu erreichen. Sodann hatte er mit diesen beiden Divisionen nach Osten in die Flanke des gegen die Duklasenke vorgehenden Feindes vorzustoßen. Die 6. ID. sollte sich dem Angriff des IX. Korps anschließen. GdI. Boroević betonte nachdrücklich, daß das Unternehmen nur dann aussichtsreich sei, wenn es mit der größten Raschheit und Schneid durchgeführt würde.

Am 21. November schob sich der rechte Flügel des russischen

VIII. Korps von Surowica und über Jaśliska gegen die 22. SchD. heran und nötigte deren Vorhuten zum Rückzug in die Hauptstellungen. Vor der Front der 6. ID. war der linke Flügel des feindlichen XII. Korps nordöstlich von Tylawa stehen geblieben. Das k.u.k. IX. Korps, das mit der 10. ID. und mit der 52. Brig. der 26. SchD. in weitausgespannter Front die Gebirgswege über Mszana, Krempna, Gładyszów und den Tyliczsattel sperrte, hatte inzwischen unter den schwierigsten Bedingungen den anbefohlenen Angriff begonnen. Die hiefür bestimmte 51. SchBrig. mußte aus ihren weit hinten gelegenen Unterkunftsräumen auf der von Zboró über Alsó-pagony führenden Straße herangeschoben werden und konnte sich daher erst am Nachmittag in der Mitte der 10. ID. beiderseits von Krempna

zum Angriff entfalten. Die Gebirgsstraße war vereist, die Pferde stürzten, die Geschütze blieben zurück. Als gegen Abend die Schwarmlinien der 51. SchBrig. in mühseligem An- und Abstieg die Gegend nordöstlich von Krempna erreichten, sahen sie sich vor der feindlichen Stellung. Weiter nördlich war es der 10. ID. nicht gelungen, den bei Żmigród eingegrabenen Feind zu vertreiben. Die Russen hatten inzwischen die Gefahr erkannt, die sie bedrohte, und mit dem rechten Flügel des XII. Korps in der Front Höhen westlich von Hyrowa—Mszana eine Abwehrflanke gebildet.

GdI. Colerus befahl für den 22. November dem FZM. Friedei, mit der 10. ID. den bei Żmigród fechtenden Feind verläßlich zu binden und mit der Masse des IX. Korps den Angriff in östlicher Richtung fortzusetzen.

Im Verein mit dem durch Truppen der 6. ID. verstärkten rechten Flügel der 10. ID. führte die 51. SchBrig. am 22. November den Stoß in nordöstlicher Richtung weiter. In zähem Kampfe wurden den Russen die Höhen westlich von Mszana und der Ort Myscowa entrissen. Als der Angriff am Nachmittag darüber hinaus bis westlich von Hyrowa gelangte, schien der Einbruch in die Flanke des gegen den Duklapaß vordrängenden russischen XII. Korps zu gelingen. Da ging aber gegen Abend durch einen Gegenstoß der Russen den ermüdetenTruppen der 51.SchBrig. die eroberte Daniahöhe westlich von Hyrowa verloren. Vor der 10. ID., die mit ihren Hauptkräften links der Angriffsgruppe in nordwärts gerichteter Front stehen geblieben war, tauchten allenthalben südlich von Konty bis Banica und Gładyszów herüber russische Kräfte auf. Trotz der drohenden Wetterwolken im Westen und der großen Ermüdung der Truppen wollte sich FZM. Friedei in nächtlichem Angriff der Daniahöhe wieder bemächtigen und den Angriff fortsetzen.

Am 23. November bei Morgengrauen zerschlug eine russische Umgehungskolonne den linken Flügel der 10. ID. bei Banica, worauf dieser gegen Świątkowa zurückging. Gleichzeitig wurden die auf dem rechten Flügel des IX. Korps eingesetzten Truppen der 10. ID. durchbrochen. Von zwei Seiten umfaßt, mußte nun die 51. SchBrig. auf Krempna zurückweichen. Obgleich der Feind nach kurzer Verfolgung nicht weiter nach' drängte, wurde in Anbetracht der Ermüdung der Truppen und der großen Vermengung der Verbände das ganze IX. Korps in der Nacht und am nächsten Tag in eine südlich von Polany—Krempna gelegene Stellung zurückgenommen. Das zur Entlastung des rechten Armeeflügels angesetzte Unternehmen hatte das IX. Korps um seine Gefechtskraft gebracht. Die Verluste zählten etwa 5500 Mann; groß war die Einbuße an Gefangenen, namentlich an tschechischen Soldaten der 10. ID.

Der Hauptansturm Brussilows in den Beskiden (22. November bis 2. DezemberJ Hiezu Beilage 20 samt Nebenskizze sowie Skizzen 43 und 44

So hatte sich die Lage in den Karpathen gerade in den Tagen verschlechtert, als der deutsche Angriff bei Łódź einen entscheidenden Sieg erwarten ließ und der rechte Flügel der 4. Armee den Feind hinter die Szreniawa zurückwarf. Mit Rücksicht darauf ermutigte eine Weisung aus Teschen am 21. nachmittags die 3. Armee zum „zähesten Festhalten der nach Ungarn führenden Wege“. Sie sollte sich wenigstens bis zur erhofften Entscheidung bei Krakau der feindlichen Angriffe erwehren. Unterstützung verhieß ihr jetzt GdK. Pflanzer-Baltin, der den Antransport der 56. ID. (7 Bataillone, IV2 Schwadronen und 2 Batterien) von Mikuliczyn in Aussicht stellte. Dazu schickte die Heeresleitung zwei in der Heimat neu aufgestellte Honvédbrigaden, die 200. und die 201., als Verstärkung. GdI. Boroević entschied sich dahin, diese frischen Kräfte auf dem rechten Armeeflügel einzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht wurden, um unter Ausnützung der Lage einen Schlag gegen die im Czirókatal vorgebrochenen Russen zu führen. Dazu sollten die beiden Honvédbrigaden in Nagy-mihály ausgeladen werden, während für die von der Armeegruppe Pflanzer kommende Division Nagyberezna als Ausladestation bestimmt wurde.

Bevor aber diese Verstärkungen eingreifen konnten, hatte die zermürbte Gruppe Krautwald den Russen aufs neue Raum geben müssen. Am 22. November wurde sie bei Szinna angegriffen und zum Rückzug auf Homonna gezwungen. FML. Karg hatte zwar mittlerweile die 8. KD. und die 1.LstTerrBrig. unter FML.Lehmann auf Czirókaófalu entsendet; diese schwachen Unterstützungen kamen aber auf den elenden Gebirgswegen kaum vorwärts, und ebenso vermochte der beim VII. Korpsmitgroßer Hast auf Virava gegen die Flanke der russischen Durchbruchskolonne im Czirókatale angesetzte Gegenangriff am 22. nicht durchzudringen.

In verzehrendem Kampfe und unter der Flankenbedrohung von Osten her lagen an diesem Tage die vermengten Verbände von vier verschiedenen Divisionen (20. HID., 17. ID., Gros der 28. ID., Teile der 22. SchD. und dazu die 105. LstlBrig.) auf den Südhängen des Łupkówpasses und auf den Höhen des westlich davon emporragenden Grenzgebirges. Nur mit Mühe gelang es den erschöpften Streitern, den Durchbruch der russischen 4. SchBrig. an der Beskidstraße noch zu verhindern. Auch beim

III. Korps entbrannten jetzt an der ganzen Front sehr lebhafte Gefechte. Gegen den Duklapaß drängte das VIII. Russenkorps vor. Die von FML.

v. Schmidt-Fussina geführte 22. SchD. vermochte in tapferer Gegenwehr trotz bitterer Kälte und Ermüdung dem Angriff zu widerstehen, sah sich aber alsbald vom Feinde umgangen.

Um seinem VIII. Korps vorwärts zu helfen, ballte Brussilow seine Sibirier bei Surowica und Jaśliska zusammen. Schneewatend stiegen die 3. SchBrig. und die 12. sib. SchD. in den Schluchten und an den Hängen empor und nisteten sich auf dem Grenzkamm in zahllosen Gruppen zwischen dem VII. und dem III. Korps des Gegners ein.

In solcher Lage befahl GdI. Boroević am 22. abends dem IX. Korps, auf die Paßstellungen nördlich von Alsópagony zurückzugehen, und wies Colerus an, er möge, falls sich das VII. Korps und der rechte Flügel des

III. auf den Grenzhöhen nicht mehr behaupten könnten, am Oberlauf der Laborcza im Anschluß an die 6. ID. dem Feinde neuerlich Widerstand leisten. Gleichzeitig wurde FML. Krautwald aufgefordert, nordöstlich von Homonna auszuhalten, während FML. Karg mit seiner Gruppe über Czirókaófalu und Takcsány gegen die Flanke und in den Rücken des auf Homonna vordringenden Feindes vorstoßen sollte.

Unterdessen waren die Linien des VII. Korps auf den Steilhängen des Łupków-Beskidpasses unhaltbar geworden. Schon in der Nacht zum 23. November trat dieses Korps unter lebhaften Kämpfen den Rückzug hinter die obere Laborcza an. Das Zurückgleiten dieser Truppen nötigte auch die jetzt wieder dem III. Korps unterstellte 28. ID. und die 22. SchD., ihre Widerstandslinien auf die Höhen westlich von Mezölaborcz und Czeremcha zurückzu verlegen. Die 6. ID. harrte auf dem Duklapaß aus.

Gegenüber dem VII. Korps blieb am 23. November der rechte Flügel des XXIV. Russenkorps auf dem eroberten Lupkow-Beskidpaß liegen. Die rechts davon angesetzte 12. sib. SchD. wollte über den Grenzkamm ins Laborczatal herabsteigen, konnte aber den zähen Widerstand der Nachhuten der öst.-ung. 28. ID. nicht brechen. Nicht besser erging es der russischen 3. SchBrig., die die neuen Sperrstellungen der 22. SchD. bei Czeremcha zu sprengen versuchte. Das feindliche XII. Korps griff mit dein rechtenFlügel (13.ID.) bis gegen Gładyszów zu einer Gegenumfassung aus.

Beträchtlichen Raumgewinn erzielte an diesem Tage der linke Flügel des XXIV. Korps der Russen. Dort stieß Gen. Kornilow aus eigenem Entschluß mit der 2. Komb.KosD. und der 49. ID. auf Homonna vor, um dem weichenden Gegner den Troß und die Geschütze abzunehmen1). Die Gruppe Krautwald gab die Stadt preis und zog sich in eine Aufnahmsstellung beiderseits von Barkó zurück.

Der öst.-ung. Gegenangriff bei Homonna (24. bis 28. November)

Nun waren aber die 75. HIBrig. und die 2. LstTerrBrig., die FML. Karg über Kiskolon vorgeführt hatte, schon am 23. abends in Takcsány eingedrungen. Hier wurden diese Truppen zwar von russischem Artilleriefeuer plötzlich überschüttet, so daß sie den brennenden Ort wieder räumen mußten; doch am nächsten Tag, am 24. November, kämpfte sich FML. Karg wieder dicht an Takcsány heran. In Nagyberezna wurde indes die 56. ID. des FML. Attems ausgeladen. Vier Bataillone und zwei Batterien dieser neu ankommenden Kräfte langten noch am Abend auf dem Gefechtsfeld vor Takcsány ein. Weiter nordöstlich näherte sich FML. Lehmann mit der 8. KD. und der 1. LstTerrBrig. der Ortschaft Czirókaófalu und hoffte noch am 24. November das Tal der Cziróka zu erreichen.

Auch die Bedrängnis der arg geschädigten Gruppe Krautwald war nun vorüber. Der Russe drängte über Homonna nicht vor, nur seine Artillerie richtete ihr Feuer auf die Aufnahmsstellungen bei Barkó. Aus den Meldungen der Flieger gewann man bereits den Eindruck, daß der Feind infolge des Vorgehens der Gruppe Karg aus Homonna zurückging. In Nagy-mihály trafen die ersten Staffeln der aus der 200. und der 201. Honvéd-brigade neugebildeten Division FML. v. Kornhaber (insgesamt 16 Bataillone,

2 Schwadronen, 16 Geschütze) ein. So fühlte sich FML.Krautwald wieder zum Angriff befähigt. Er entschloß sich, über Homonna vorzustoßen.

Zu diesen günstigen Nachrichten, die im Verlaufe des 24. vom rechten Armeeflügel kamen, gesellte sich die — wie sich später herausstellte — allerdings falsche Mitteilung, daß Obst. Guilleaume den Uzsokpaß zurückerobert habe.

Am 25. November fand jedoch die Gruppe Krautwald — sie war inzwischen durch sechs Bataillone, eine Schwadron und eine Batterie der heranrollenden Division Kornhaber verstärkt worden — vor Homonna äußerst zähen Widerstand. Auch der Angriff auf Takcsány, wo FML. Szurmay den Oberbefehl über die Gruppe Karg und die 56. ID. übernommen hatte, erzielte an diesem Tage nur langsam Raumgewinn. Gen. Brussilow hatte unterdessen die ganze Größe der Gefahr erkannt, die seinen linken Flügel durch das voreilige Vorbrechen der Gruppe Korni-low auf Homonna bedrohte 1). Er warf Truppen des XXIV. Korps schleunigst nach Osten herüber, führtenachSzinnaundTakcsany Unterstützungen

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heran und ersuchte die 11. Armee, sie möge die ihr nunmehr unterstellte Gruppe Eck vom Uzsokpaß zu einem Vorstoß anweisen.

Daß die Verhältnisse im Rücken des FML. Szurmay nicht völlig sicher waren, zeigte sich noch am 25. November. Es stellte sich jetzt heraus, daß die Nachricht von der Eroberung des Uzsokpasses keineswegs zutraf. Die Abteilung des Obst. Guilleaume hatte bei N. Rosztoka russische Postierungen vertrieben, Tiha und Havasköz besetzt. Als sie im Verein mit der bei Malomrét zum Rückenschutze der Gruppe Szurmay verbliebenen 76. HIBrig. den Uzsokpaß nehmen wollte, kam die Angriffsbewegung vor den wohlausgebauten Stellungen des Russengenerals Eck rasch zum Stillstand, der nun selbst mit Angriff drohte. Da der Russe auch vor der auf dem Vereckepaß und auf dem Wyszkówsattel stehenden

55. ID. eine erhöhte Tätigkeit entfaltete, bat FML. Hofmann, ihm die Abteilung Obst. Guilleaume wieder zurückzustellen.

Zur Fortführung der von Osten eingeleiteten Umfassung des XXIV. Russenkorps gab GdI. Boroević am 25. abends dem FML. Szurmay den Auftrag, mit der Hauptmacht (75. HIBrig., 56. ID., 2. LstTerrBrig.) vorerst den Raum von Szinna und Takcsány und mit der Gruppe Lehmann (8. KD. und 1. LstTerrBrig.) die Gegend von Czirókaófalu zu gewinnen und dem Feind die Rückzugsstraße nach Cisna endgültig abzuschneiden. War dies gelungen, dann sollte der Angriff nach Westen auf Rostoki Grn., Vendégi und Méhesfalva fortgesetzt werden. FML. Krautwald hatte, sobald die Entscheidung bei Szinna gefallen war, mit den Hauptkräften die Laborcza aufwärts und mit einer Seitenkolonne im Udavatal auf Papháza vorzustoßen. Er sollte dem über die obere Laborcza nach Westen vordringenden Feind in den Rücken fallen.

Am 26. November gewannen die Streitkräfte desFML.Szurmay Nagy-polány, Czirókaófalu und Takcsány. FML. Krautwald kämpfte an diesem Tage noch um die Zugänge nach Homonna. Er hatte das Schwergewicht des Angriffs in nordöstlicher Richtung verlegt, da er die bei Homonna befindlichen russischen Kräfte einkreisen wollte, anstatt durch einen kraftvollen Vorstoß gegen Norden dem bedrängten VII.Korps Luft zu machen; doch erging an ihn um 10h vorm. die Aufforderung, im Sinne des Armeebefehles vom 25. abends zu handeln.

Am 27. November führte Szurmay mit seinen Hauptkräften den Angriff in der Richtung auf Szinna fort, während die Abteilung des Obst. Guilleaume, die 76. HIBrig. und die Gruppe FML. Lehmann bei N. Rosztoka, Malomrét und Juhászlak das Umfassungsmanöver vor Rückenangriffen vom Uzsokpaß und den westlich davon gelegenen Karpathenübergängen her deckten. Gegen Abend konnte Szinna von einer Kolonne des FML. Szurmay genommen werden. Als aber ein russischer Gegenstoß von Méhesfalva ins Tal drang, ging der Ort wieder verloren. Ebenso be-gegnete das Unternehmen des FML. Krautwald auf Homonna noch standhaftem russischemWiderstand. FML.Krautwald versuchte die beiden russischen Flügel zu umfassen. Das Armeekmdo. befahl ihm am 27. vormittags abermals, das Schwergewicht in das Laborczatal gegen K^skocz zu verlegen und eine Stoßgruppe ins Udavatal zu entsenden, um mit ihr sodann, nach Osten einschwenkend, Homonna von Norden zu umgehen. FML. Krautwald setzte jedoch sein Einkreisungsmanöver fort und nahm am

28. November gegen Mittag das umzingelte Homonna, wobei etwa 1500 russische Gefangene in die Hand der öst.-ung. Truppen fielen. Kurz darauf erstürmte FML. Szurmay Szinna. Unter schweren Verlusten an Toten, Verwundeten und Gefangenen (etwa 2000 an der Zahl) und unter Einbuße des Trosses und einer Gebirgsbatterie x) kehrten die geschlagenen Truppen des Gen.Kornilow nach Nordwesten ins Gebirge zurück.

Der Verlust des Duklapasses (24. bis 28. November)

Unterdessen war aber das Kriegsglück den an der oberen Laborcza und auf dem Duklapaß kämpfenden Truppen der Armee Boroević nicht hold gewesen. Schon am 20. November erließ Gen. Iwanow einen Befehl an Brussilow, Kräfte aus den Karpathen nach Westgalizien zu entsenden, um die 3. Armee bei ihrem Vormarsch gegen Krakau zu unterstützen. Brussilow hielt jedoch vor einer solchen Umgruppierung erst die völlige Vertreibung des Gegners von den Karpathenübergängen für nötig2) und bemühte sich darum, nach der Eroberung des Łupków-Beskidpasses auch den Duklapaß zu nehmen. Als die Russen am 24. November an die obere Laborcza gelangten, entwickelten sich beim VII. Korps neue erbitterte Kämpfe. Bei Mezölaborcz drang der Feind in die kaum besetzten Stellungen des durch Teile der 28. ID. verstärkten VII. Korps ein. Die Ermüdung der Truppen und die Durchmengung der 20. HID. und der 17. ID. erschwerten den Gegenangriff, der ohne Erfolg blieb. Man befürchtete beim VII. Korpskmdo. in diesen kritischen Stunden bereits von der Rückzugslinie nach Varannó abgeschnitten zu werden und dachte schon an einen Rückzug durch das wegarme Bergland in westlicher Richtung.

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2) Ebenda, 90 f.

GdI. Boroević griff jedoch ein und befahl dem VII. Korps, im Hinblick auf den von Südosten angesetzten Angriff der neuangekommenen Kräfte standzuhalten.

Links vom VII. Korps hatte die 28. ID. westlich von Laborczfö die nachstoßenden Russen aufgehalten. Kritischer war indes die Lage bei der

22. SchD. geworden. Um den gegen Mezölaborcz einschwenken den Truppen die Flanke zu decken, stieß die 12. sib. SchD. nach Czeremcha vor. Rechts von ihr versuchte die 3. SchBrig., die Stellungen auf dem Duklapaß von Osten her aufzurollen. Die große Frontausdehnung der 22. SchD. sowie das mit dichtem Hochwald bewachsene Berggelände erschwerten die Übersicht im Gefecht. Am Spätnachmittag des 24. brachen die Russen in die Stellungen am rechten Flügel der 22. SchD. ein. Eine tapfere Gruppe unter Obst. Zahradniczek warf sich dem Feinde entgegen und trieb ihn am Abend nach zähem Kampfe zurück. Auch auf dem linken Flügel der

6. ID., FML. Gelb, griff der Russe an, vor dem IX. Korps blieb er noch zaghaft stehen.

Um die Führung der Verteidigung zu vereinfachen und Ordnung in die durchmengten Verbände zu bringen, faßte das Armeekmdo. nunmehr seine Kräfte in zwei Gruppen zusammen: das VII. und das III. Korps unter GdI. Colerus und das IX. Korps mit der 5.HKD. und drei Landsturmbataillonen unter FZM. Friedei. Die Gruppe Colerus wurde auf Sztropkó basiert. Ihr fiel die Aufgabe der Verteidigung der Laborczalinie und der Duklasenke zu; die Gruppe Friedei hatte die Einbruchswege von Krempna und Konieczna nach Zboró und über den Tyliczsattel zu decken.

Am 25. November drängte der Feind über Mezölaborcz nicht weiter nach. Als aber eine russische Abteilung — es waren vermutlich Teile der 49. ID. — bei Koskócz die Laborcza überschritt, befahl Boroević die

5.HKD. vom IX.Korps nach Sztropkó herüber, um mit ihr den Rücken des VII. Korps zu decken. Gegen das III. Korps war der Druck des russischen XII. Korps aus der Linie Jaśliska—Krempna an diesem Tag gewachsen. Die russische 3. SchBrig. versuchte abermals, sich nördlich von Czeremcha den Weg in den Rücken des Duklapasses zu öffnen. Die Truppen des III. Korps schlugen aber alle Angriffe standhaft ab.

Am nächsten Morgen verhielt sich der Feind vor dem linken Flügel der 3. Armee zunächst passiv. Gegen Mittag wurde die 22.SchD. neuerlich aus der Gegend von Czeremcha angegriffen. Die Russen brachen in die Stellungen ein und drängten gegen die Ostflanke des Duklapasses vor. Schon wollte man die gefährdete 6. ID. auf die Südhänge des Bergsattels zurücknehmen. Da klammerte sich die von FML. Schmidt-Fussina geführte 22. SchD. noch einmal auf den Höhen fest, die den Duklapaß im Osten deckten. Es wurden rasch Reserven herangeführt. In nächtlichem Gegenstoß warfen drei eben eingelangte Marschkompagnien des Kärntner GbSchR. 1 den Feind aus den von ihm eroberten Bergstellungen zurück.

Am 27. November loderten die Kämpfe fort. Die russische 48. ID., die tags zuvor bei Mezölaborcz zögernd stehen geblieben war, überschritt jetzt die Laborcza und griff am Nachmittag an. Durch schleunigst ein-gesetzteTeile der 28.ID. (Grazer IR.27 und Marburger IR.47) unterstützt, konnte sich das nunmehr an Stelle des erkrankten GdI. Fail-Griessler vom Erzherzog Joseph geführte VII. Korps noch behaupten. Ebenso vermochte sich die 22. SchD. mit dem ihr vom FML. Gelb (6. ID.) bereitwilligst zu Hilfe gesandten Klagenfurter IR. 7 in heldenmütigem Kampfe der weiteren Anstürme des VIII. Russenkorps zu erwehren.

Gegen das geschwächte IX. Korps machte sich an diesem Tage wider Erwarten noch kein ernstlicher Angriff fühlbar; doch lagen die Stellungen der 10. ID. auf den Höhen südlich von Krempna in schwerem Artilleriefeuer. Brussilow bereitete die Umfassung des linken Flügels der 3.Armee vor, indem er die 13. ID. des XII. Korps gegen Konieczna heranschob.

Nun war aber die 3. Armee nahe dem Erlahmen. Durch Entbehrungen aller Art geschwächt, standen die erschöpften und heimgesuchten Divisionen in lockeren Schwarmlinien im verschneiten Waldgebirge und konnten sich der russischen Angriffe nur mehr mit Mühe erwehren. Es fehlte der Truppe noch an der Winterausrüstung; der Schießbedarf und die Verpflegung konnten im Berglande nur unter den unsäglichsten Mühen herbeigeschafft werden; bei der spärlichen Besiedlung des Landes mußten die Regimenter selbst in den kargen Zeiten der Ruhe bei grimmiger Kälte oftmals im Freien übernachten. Gewaltig war der neuerliche Abgang durch blutige Verluste, Erfrierungen und andere Krankheiten. Von den Divisionen des III.Korps zählten die 6. ID. 5700, die 22.SchD. 3800 und die 28.ID. 5500 Gewehre. Noch schlechter lagen die Verhältnisse beim VII. Korps. Die 20. HID. und die 17. ID. hatten zusammen einen Gefechtsstand von etwa 7000 Gewehren und noch größer war der Schwund an Streitern bei den übrigen Verbänden. Beim IX. Korps waren bedenkliche Erscheinungen zutage getreten. Unter dem Einfluß der aus tschechischem Gebiet von den Marschformationen mitgebrachten politischen Ideen wuchs die Zahl jener, deren geistige Selbstzucht den ungeheuren Forderungen des winterlichen Gebirgskrieges nicht mehr standhielt und die sich durch Gefangennahme der furchtbaren Prüfung zu entziehen suchten.

Unter solchen Bedingungen verzehrten sich die Kräfte der an der oberen Laborcza und um den Duklapaß ringenden Truppen, so daß sie dem Druck der Russen nicht mehr standzuhalten vermochten. Als der Russe in der Nacht zum 28. November nach hin und her wogendem Kampfe hier und dort in die kordonartig besetzten Höhenstellungen einbrach, begann zuerst beim VII. und dann auch beim III. und beim

IX. Korps das Abbröckeln. Noch vor Tagesanbruch ordnete GdI. Colerus angesichts der äußerst kritischen Lage bei Mezölaborcz, die eine Rückenbedrohung der Stellungen auf dem Duklapaß besorgen ließ, die völlige Zurücknahme des VII. und des III. Korps auf die Höhen zwischen der Laborcza und Ondava in die allgemeine Linie Variháza—Peszternye— Alsóhimes an. Das IX. Korps sollte auf den Grenzhöhen nördlich von Alsópagony stehen bleiben. Vom Armeekmdo. erbat sich GdI. Colerus Weisung, wohin ein etwa nötiger weiterer Rückzug zu nehmen sei. Er beabsichtigte, das VII. und das III. Korps in westlicher Richtung bis an die Ondava in den Raum beiderseits von Sztropkó zurückzuführen. Den Anschluß an das IX. Korps wünschte er sich bei Felsöodor. Für GdI. Boroević galt es nun, über das weitere Verhalten der 3. Armee die Entscheidung zu treffen.

Eine eben aus Teschen eingelangte Weisung gab bekannt, daß man gezwungen sei, den Angriff der 4. Armee bei Krakau infolge des Eingreifens der russischen 3. Armee abzubrechen. Es sei nun die Absicht der Heeresleitung, den Feind südlich der Weichsel durch einen überraschenden Schlag zurückzu werfen. Die 3. Armee habe die Verschiebung von weiteren russischen Kräften aus den Karpathen nach Westgalizien zu verhindern, und es käme für sie darauf an, Zeit zu gewinnen, um die Verteidigung der Zugangswege nach Ungarn bis zum Wirksamwerden des gegen die russische 3. Armee geplanten Angriffes hinauszuziehen.

Im Bestreben, diesem Auftrag gerecht zu werden, erwog GdI. Boroević abermals, seinen linken Armeeflügel angreifen zu lassen. Als ihm aber GdI. Colerus meldete, daß bei der bedrohlichen Gefechtslage und bei dem schlechten Zustand der Truppen des VII. und des IX. Korps für die nächste Zeit ein Angriffsunternehmen ausgeschlossen sei, ließ er diesen Plan fallen. Immerhin konnte sich der Armeeführer sagen, daß seine Divisionen auf den zwischen den tief eingeschnittenen Tälern der Laborcza, der Ondava und des Tapoly hintereinander gelegenen Höhen ein günstiges Verteidigungsgelände finden werden. Dort konnte sich die Armee auch einem überlegenen Feind gegenüber festsetzen. Ob aber die hart mitgenommenen Truppen den russischen Angriffen noch standzuhalten vermochten, war fraglich. Namentlich der Zustand des am linken Armeeflügel stehenden IX. Korps, das durch die übermäßigen Anstrengungen schon beim Vorstoß über Krempna schwer gelitten hatte, bildete beim 3. Armeekmdo. einen Gegenstand ernster Sorge. Schon begannen sich über Gładyszów russische Umfassungsbewegungen abzuzeichnen. Gab nun das

IX. Korps den Russen die wichtigen Einbruchswege über Zboró und Bartfeld preis, dann konnte der ganze linke Armeeflügel aufgerollt und zum Rückzug auf Eperjes genötigt werden.

Indes versuchte Boroević, wenn er auch bereits an einen so weitreichenden Rückzug dachte, dennoch in Anbetracht der gerade in diesen schicksalsschweren Tagen aus Serbien eintreff enden günstigen Nachrichten, die Truppen zum äußersten Ausharren in den Karpathen anzuspornen. In seinerWeisung vom 28. vormittags befahl er dem GdI. Colerus, in den von ihm vorgeschlagenen Linien auf den Höhen zwischen der Laborcza und Ondava auszuhalten, da der Feind offenbar außer den bereits festgestellten Heereskörpern — XII., VIII. und XXIV. Korps — keine Verstärkungen herangezogen hatte und den Schwerpunkt des Angriffes gegen Krakau verlegte. Man dürfe daher nur im äußersten Notfall und vor einem überlegenen Drucke schrittweise zurückgehen, wobei das IX. Korps die Richtung auf Eperjes, das III. und das VII. Korps, dem Tale der Ondava und desTapoly folgend, jene auf Töketerebes zu nehmen hätten.

So zogen am 28. November die stark erschöpften Truppen des VII. und des III. Korps, nachdem sie sich am Morgen unter lebhaften Nachhutkämpfen vom Feinde abgelöst hatten, in ihre neuen Widerstandslinien zwischen Variháza, Peszternye und Alsóhimes ab. Am Nachmittag drängte der Russe nicht mehr nach und folgte nur zögernd mit schwächeren Kräften. Beim IX. Korps dagegen, das auf den Grenzhöhen nördlich von Alsó-pagony halten sollte, machte sich der russische Druck an diesem Tage stark fühlbar.

Der russische Vorstoß auf Bartfeld (28. November bis 2. Dezember)

Am 27. November erließ Gen. Iwanow an Brussilow den Befehl, den Angriff über die Karpathen zu unterbrechen und gemäß den bereits am 20. gegebenen Weisungen zur Bildung einer beweglichen Reserve im Raume von Neusandez zu schreiten. Brussilow zog nun das XXIV. Korps gegen Komańcza und Cisna zurück. Nachdem der Gegner aus der Dukla-senke vertrieben war, setzte er das VIII. Korps über Żmigród nach Grybów in Marsch. Diese Umstellung der Kräfte sollte jedoch dem Gegner verborgen bleiben. Brussilow täuschte daher einen weiteren Vormarsch nach Ungarn vor, indem er die 3. und die 4. SchBrig. sowie die 12. sib. SchD. aus dem Tale der oberen Laborcza der Armee Boroević vorsichtig gegen Sztropkó folgen ließ und mit dem XII. Korps nach Bartfeld vorbrach.

In den ersten Morgenstunden des 28. November griff die russische 13. ID. über Gładyszów an und drängte nach verlustreichem Kampfe die dort stehende Seitenhut des k.u.k. IX.Korps (einRegiment der52.SchBrig., verstärkt durch Landsturm) über Konieczna bis auf die Höhen südlich von Biharó zurück. Von diesem Ereignis erfuhr GdI. Boroević wenige Stunden, nachdem er GdI. Colerus beauftragt hatte, auf den Höhen nordöstlich der oberen Ondava zu halten. Es erfüllte ihn mit großer Besorgnis. Überwältigte der Feind die Flankendeckung des IX. Korps und stieß er bis Zboró vor, so war diesem, das mit seiner Masse auf den Höhen nördlich von Alsópagony stand, der Rückzug auf Bartfeld verlegt und die kaum bezogene Stellung des VII. und des III. Korps von Norden her aufgerollt.

In solch gefährlicher Lage nahm FZM. Friedei die 10. ID. nach Alsópagony zurück und bemühte sich gleichzeitig, die 26. SchD. bei Komlós-patak so rasch als möglich zu versammeln, um mit ihr die wichtige Einbruchslinie über Zboró zu verteidigen. Mit diesen Maßnahmen war aber GdI. Boroević nicht einverstanden. Er erteilte noch am 28. abends dem FZM. Friedei den Auftrag, die über Konieczna vorgebrochenen russischen Kräfte mit Übermacht anzugreifen. Vor der Front des IX. Korps war aber nicht nur schwacher Feind festgestellt worden, wie Boroević in seiner Weisung meinte, sondern das ganze russische XII. Korps, dessen westlichste Kolonne, die 13. ID., zur Umfassung über Konieczna ausholte. Ein rascher, kraftvoller Gegenstoß, wie ihn Boroević wünschte, war im schwierigen Gebirgsgelände mit den weit auseinandergelegten und in ihren Gefechtsständen arg zusammengeschmolzenen Bataillonen der 26. SchD. nicht möglich. Auch mußte FZM. Friedei befürchten, daß bei dem bedenklichen Zustand der 10. ID. die Stellung bei Alsópagony verloren gehen werde; er beantragte daher, das IX. Korps weiter zurückzuführen.

Boroević unterstellte das IX. Korps neuerlich dem GdI. Colerus und ermächtigte diesen noch abends, mit seiner breitausgedehnten Kampfgruppe, wenn nötig, ,,auf die kürzere Widerstandslinie Bartfeld—Tapoly-bach bis Felsököcseny—Kerekrét—Minyevágása (a. d. Ondava)“ zurückzugehen. Es sollten dann beim IX. und beim III. Korps Kräfte ausgespart, zur Bildung von beweglichen Reserven verwendet und das ganze VII. Korps hinter dem rechten Flügel des III. im Ondavatal, Turány aufwärts, bereitgestellt werden.

Als dann am 29. November die 10. ID. bei Varadka heftig angegriffen wurde und am Nachmittag auf Szemelnye zurückging, entschloß sich GdI. Colerus, am nächsten Morgen seine ganze Gruppe — IX., III. und VII. Korps — in die vom Armeekmdo. angegebene Linie zurückzunehmen.

Unbelästigt traten das VII. und das III. Korps am 30. frühmorgens den Rückmarsch an. Die Russen schanzten auf den Höhen westlich der Laborcza und waren nur mit schwächeren Kräften gefolgt. Dagegen drängte beim IX. Korps das XII. Russenkorps auf Zboró vor. Um für den schwierigen Rückmarsch des III. Korps quer über die in nordsüdlicher Richtung streichenden Höhenlinien zwischen der Ondava und dem Tapoly, wo keine vollwertigen Straßen liefen, Zeit zu gewinnen, sollte das dem feindlichen Drucke jetzt am meisten ausgesetzte IX. Korps von Zboró erst zurückgehen, bis die 6. ID. das tief eingeschnittene Ondava-tal bei Felsöodor durchschritten hatte. So geschah es, daß das nunmehr vom FML. Králiček befehligte IX. Korps um Mittag von den gegen Zboró vorstoßenden Russen angefallen wurde. Die am Ende ihrer Widerstandskraft angelangte 10. ID., die noch bei Szemelnye hielt, wurde auf dem linken Flügel durchbrochen und von der 26. SchD. abgesprengt. Der Rückzug mußte nun mit der zerschlagenen 10. ID. aus dem chaotischen Gefecht heraus angetreten werden, so daß es fraglich war, ob das IX. Korps bei Bartfeld zu einem ernstlichen Widerstand noch befähigt sein werde.

Angesichts der immer bedrohlicher werdenden Lage auf dem linken Armeeflügel hatte GdI. Boroević unterdessen zur energischen Fortsetzung des Angriffs auf dem rechten Flügel gedrängt. Er wies in der Nacht zum

29. die Gruppe Szurmay an, nach kurzer Ruhepause im eroberten Szinna unter verläßlicher Rückendeckung gegen den Uzsokpaß zur Verfolgung der russischen 49. ID. über Méhesfalva und Tölgyeshegy vorzugehen1). Die Gruppe Krautwald erhielt neuerdings den Befehl, Laborcza aufwärts in den Rücken der auf Sztropkó westwärts einschwenkenden russischen Gruppe vorzustoßen. Die 5. HKD., die bei Homonnaolyka auf Feind gestoßen war, sollte die Verbindung mit der von Süden heranrückenden Gruppe Krautwald hersteilen und gegen die Straße imLaborczatale wirken.

Die Verfolgung des über Méhesfalva und Papháza weichenden Feindes war aber infolge der starken Ermüdung der Truppen erst am 30. November in Fluß gekommen. An diesem Tage drang FML. Attems mit der

56. ID. bis in den Raum von Méhesfalva vor, während die 8. KD. unter FML.

J) Bei der Gruppe Szurmay wurde nunmehr aus den Resten der 1. und der 2.LstTerrBrig. ein zusammengesetztes Landsturmregiment gebildet, das der 56. ID. angegliedert wurde.

Lehmann über Czirókaóf alu gegen Zemplénoroszi losging, um die Gebirgs-übergänge von Cisna zu sperren. Immer unsicherer hatten sich inzwischen die Verhältnisse im Rücken der Gruppe Szurmay gestaltet, wo die 76. HIBrig. am 29. bei Malomrét angegriffen worden war und sich gegen Sóslak zurückgezogen hatte. Das Zurückgehen dieser Flügelgruppe nötigte Szurmay, Teile der 75. HIBrig. ins Ungtal zu senden, um mit Unterstützung der Abteilung Guilleaume den Feind wieder auf den Uzsokpaß zujHückzudrängen.

FML. Krautwald hatte die Division Kornhaber das Tal der Udava aufwärts angesetzt, um die bei Tölgyeshegy festgestellten russischen Kräfte über Papháza ins Gebirge zu werfen. Die im Laborczatal vorrückende 34. ID. und die 1. KD. hatten sich nach kurzem Kampfe am 29. nachmittags den Weg nach Laborczbér geöffnet und waren am Tage darauf zwischen Homonnaolyka und Obajna auf eine neue russische Sperrsteilung gestoßen. Als FML. Krautwald mit der durch Infanterie verstärkten 1. KD. zur Umgehung über Homonnaolyka ausholte und von dort aus auch die 5. HKD. angriff, entzogen sich die russischen Nachhuten geschickt in der Nacht der drohenden Schlinge, anscheinend um sich in einer weiter rückwärts gelegenen Stellung von neuem zu stellen.

Die zeitraubenden und anstrengenden Bewegungen der Gruppe Krautwald gediehen also nur langsam. Um dem Angriffsunternehmen des rechten Armeeflügels rasch zum gewünschten Erfolg zu verhelfen, hielt GdI. Boroević am 30. nachmittags das auf Turány zurückmarschierende VII. Korps an und befahl dem Erzherzog Joseph, sich derart zu gruppieren, daß er links von der 5. HKD. in das Gefecht der Gruppe Krautwald eingreifen konnte. In denselben Stunden erfuhr Boroević in vollem Umfang das Mißgeschick des IX. Korps. Um ein weiteres Zurückbiegen des linken Armeeflügels zu verhüten, befahl er nun dem GdI. Colerus, mit Teilen des III. Korps unter Sicherung gegen Norden und Osten in die Flanke und den Rücken der auf Bartfeld vordringenden russischen 13.ID. vorzustoßen und den Feind „entscheidend zu schlagen“. Dies sollte aber nicht gelingen.

In der Nacht zum 1. Dezember hatte das IX. Korps beiderseits von Bartfeld, mit der 10. ID. auf dem rechten und mit der durch drei LstEt-Baone verstärkten 26. SchD. auf dem linken Flügel, eine neue Stellung bezogen. Von Zboró her drängte der Russe stark nach. Um llhvorm. griff er Bartfeld an und warf den Landsturm aus der Stadt hinaus. Gleichzeitig führte der feindliche Stoß über die Höhen unmittelbar östlich des Ortes und brachte den rechten Flügel der 26. SchD. zum Weichen.

Das unübersichtliche Gelände und starker Nebel erschwerten dem FML. Králiček die Übersicht im Gefechte. Er befahl den Gegenangriff; es waren aber nur mehr 600 Feuergewehre der Korpsreserve, die eingesetzt werden konnten. Das Eingreifen der 6. ID. wurde sehnlichst erwartet.

Diese Division entfaltete sich bei Bélavésze zum Angriff in westlicher Richtung. Sie wurde um Mittag durch das Auftreten russischer Kräfte von Norden her bedroht und mußte sich gegen diesen neuen Feind wenden. Als überdies der Anmarsch einer feindlichen Kolonne im Ondava-tal auf Sztropkó gegen den rechten Flügel des III. Korps gemeldet wurde und der Angriff der völlig erschöpften, nur mehr 4800 Gewehre zählenden

6. ID. nicht mehr durchdringen konnte, beschloß GdI. Colerus noch am Nachmittag den Rückzug.

Die vom FML. Lischka geführte 26. SchD. hatte sich unterdessen an die Höhen südlich von Bartfeld geklammert, nachdem ihr Versuch, diesen Ort zurückzuerobern, gescheitert war. Als sich jedoch die Hoffnung auf ein Eingreifen der 6. ID. nicht erfüllte, brach auch das IX. Korps das Gefecht ab. In der Nacht und im Verlaufe des 2. Dezember gingen das Korps Králiček und die 6. ID. auf den Osthang des wilden Csergö-gebirges, nach Mag.-raszlavicza und Mag.-Kaproncza zurück, während die 22. SchD. und die 28. ID. im Raume östlich davon zur Absperrung des Tapoly- und des Ondavatales eine neue Stellung bezogen.

Unter dem beklemmenden Eindruck des Verlustes von Bartfeld beschäftigte sich das 3. Armeekmdo. abermals mit dem Gedanken, die Armee in ein verschanztes Lager nach Eperjes und selbst in den Brückenkopf von Budapest zurückzunehmen, um den überangestrengten und aller Unbill preisgegebenen Truppen endlich Ruhe zu gewähren, die Munition zu ergänzen und Ersatz heranzuziehen. Nun war aber FML. Szurmay mit der 56. ID. auf dem rechten Armeeflügel unter leichtem Geplänkel am 1. Dezember nach Telepócz und mit der 8. KD. nach Zemplénoroszi gelangt. Die Gruppe Krautwald, die dem Feinde mit ihren Vortruppen auf Virava folgte, fand nirgends mehr ernstlichen Widerstand. Auch das VII. Korps, das von der Ondava wieder in nordöstlicher Richtung vorrückte ('S. 591), erreichte am 1. Dezember kampflos Oroszvágás und Vari-háza. Nachrichten der Kundschafter und Aufklärer berichteten, daß die Russen über Mezölaborcz und Alsóalmád ins Gebirge abgezogen seien. Es zeigte sich also, daß Brussilows linker Flügel bis auf den Karpathenkamm zurückging. Weiter westlich aber blieben die Verhältnisse noch ungeklärt. Dem III. Korps rückten anscheinend die russische 3. SchBrig. und Teile des feindlichen XII. Korps über Sztropkó, Felsövizköz und

Csarnó nach, während die russische 13. ID. über Bartfeld weiter vorstieß. Noch am 1. Dezember abends befahl GdI. Boroević das VII. Korps nach Nagyberezsnye und Turány zurück. Die Gruppe Krautwald hieß er sich hinter einem Schleier von Deckungstruppen bei Laborczbér und Papháza sammeln. Die Gruppe Szurmay sollte bei Aufklärung gegen die Karpathenübergänge stehen bleiben.

GdI. Boroević hielt jetzt seinen rechten Flügel an, da er eine Linksverschiebung von Kräften der Gruppen Szurmay und Krautwald plante, um die Lage auf seinem linken Flügel wieder sicherzustellen.

Die Armeegruppe Pflanzer um die Wende No ve m be r- De zem be r 1914

Hiezu Beilage 20 sowie Skizze 56

In den östlichen Karpathen war die Armeegruppe Pflanzer-Baltin1) nach dem Gefechte bei Delatyn (S. 486) vom Feinde zunächst nicht angegriffen worden. Obst. Fischer hielt mit seinem Streifkorps in gewohnter Tatkraft Czernowitz und die Czeremoszlinie besetzt; die 54. ID., FML. Schultheisz, die 52. ID., FML. Schreitter, und die polnischen Legionäre unter FML. Durski deckten bei Kuty, Mikuliczyn und Zielona die nach Ungarn führenden Wege. Die Gruppe FML. Hofmann hielt seit dem Rückzüge der 2. Armee von Chyrów mit der 55. ID. (129. und 130. Brig.) und zwei Infanteriebrigaden (131. und 12. LstTerrBrig.) am Vereckesattel und in der Gegend des Wyszkówpasses Wache. Freund und Feind beschränkten ihre Gefechtstätigkeit auf kleinere Unternehmungen ihrer Aufklärer. Als Gen. Iwanow aber die auf den Uzsokpaß vorgedrungene Gruppe des Gen. Eck mit der Dniestergruppe am 20. November der 11. Armee unterstellte (S. 583), wurde es bald anders. Trotz des Mißgeschickes des russischen XXIV. Korps gingen die Russen Ende November auch in den östlichen Karpathen zum Angriff über.

Am 24. November — Pflanzer-Baltin hatte eben die 56. ID. der 3. Armee zu Hilfe gesandt (S. 580) — brach der Feind bei Waschkoutz über den Czeremosz vor. Ein Vorstoß von Teilen der 54. ID. von Kuty her, der die Russen über den Fluß zurücktreiben sollte, gelang nicht. Am

26. November räumte Obst. Fischer Czernowitz zum zweitenmal und wich mit seinen schwachen Kräften kämpfend an den Sereth zurück. GdK.

x) Die Armeegruppe Pflanzer-Baltin zählte anfangs November insgesamt etwa 62 Bataillone.

Pflanzer warf das Gros der polnischen Legionäre von Zielona nach Kuty herüber. Die Russen drängten aber inzwischen in der Bukowina weiter vor und zwangen das Streifkorps Fischer und die 54. ID. bis an den Oberlauf der Suczawa und nach Uście Putilla zurück. Als Pflanzer den nördlichen Teil der Bukowina wieder aufgeben mußte, verstärkte sich um die Wende November-Dezember auch der Druck gegen die Gruppe Hofmann.

Am 29.November mußte die 12.LstTerrBrig., Obst. Burggasser, den Wyszkowpaß preisgeben. In den ersten Dezembertagen ging sie auf Toronva und ökörmezö zurück. Zur gleichen Zeit hatte sich auch die 55. ID. am Vereckesattel russischer Angriffe zu erwehren. Weiter westlich versuchten die Abteilung des Obst. Guilleaume und die nun wieder vereinigte 38. HID. der Gruppe Szurmay den Uzsokpaß zurückzuerobern. Es gelang am 3. Dezember abends, eine wichtige Grenzhöhe westlich des Bergsattels zu nehmen. Als aber am nächsten Tag die Hauptkraft der 38. HID. zum Abtransport an den linken Flügel der 3. Armee aus der Front gezogen wurde, machte sich gerade ein Gegenstoß der russischen 65. RD. geltend, vor dem die unter Obst. Csermák zurückgebliebenen Truppen auf Malomrét zurückgenommen wurden.

In den ersten Dezembertagen war demnach auch der Druck der Russen gegen die Armeegruppe Pflanzer gewachsen. Aus den Ostbeskiden war zu derselben Zeit die Masse der 3. Armee nach verlustreichem, aber ruhmvollem Waffengang gegen Eperjes zurückgewichen. Bis an die Grenze des Möglichen waren die Truppen des GdI. Boroević mit ihrem Ausharren gegangen. Namentlich verdienen die Leistungen des III. Korps in den seit Mitte November andauernden Kämpfen höchste Bewunderung. Als die auf dem rechten Flügel der 3. Armee fechtenden Divisionen vor überlegenem Druck von den Karpathenpässen in das Laborczatal zurückgehen mußten, hielt das durch Abgaben an den bedrängten Nachbar geschwächte Grazer Korps noch in den dürftigen Höhenstellungen auf der Duklasenke fest. Als dieses Korps hierauf seinen heftig angegriffenen rechten Flügel zum Anschluß an das VII. westwärts zurückschwenkte, bot sich dem Gen. Brussilow die Möglichkeit, durch einen raschen Schlag nach Westen den noch am Duklapaß kämpfenden Gegner im Rücken zu fassen. Hiezu fand aber der gleichfalls erschöpfte Russe nicht mehr die Kraft. Auch gelang es Boroević auf seinem rechten Armeeflügel durch einen Flankenangriff, das bereits bis Homonna vorgebrochene XXIV. Russenkorps ins Gebirge zu werfen. Indes hatte aber das durch den Vorstoß auf Krempna schwer geschädigte IX. Korps über Bartfeld Raum geben müssen, so daß auch

das mit dem letzten Kraftaufgebot noch haltende III. Korps, auf dem die Hauptlast des Kampfes ruhte, zum Rückzug genötigt war. In diesem drohenden Augenblick mußte Brussilow befehlsgemäß seinen Angriff über die Karpathen einstellen. Die Armee Boroević gewann damit ihre Bewegungsfreiheit zurück und stellte sich noch in der ersten Dezemberwoche zu neuem Vormarsch bereit. Dieser überraschende Umschwung der Lage in den Karpathen stand mit neuen Plänen beider Heeresleitungen in Zusammenhang.

Die nächsten großen Entschlüsse Hiezu'Skizze 45

Der Kriegsrat von Siedlec

Nach etwas mehr als dreimonatiger Kriegführung war das russische Heer in einer derart zerrütteten Verfassung, daß der Generalquartiermeister Danilow eine „grundlegende Erneuerung unserer bewaffneten Macht“ für notwendig hielt78). Außer durch blutige Verluste und Krankheiten waren die russischen Reihen durch Einbuße an Gefangenen, Desertion und durch Selbstverstümmelungen empfindlich gelichtet worden. Erschreckend war der Ausfall an Offizieren, er betrug bei einzelnen Truppenteilen 70o/o des Sollstandes; der Ersatz an Unteroffizieren und Mannschaften genügte nicht zur Auffüllung der Verbände. Bei der im Oktober und November vorgenommenen Rekrutenaushebung wurden zwar

1,400.000 Mann aufgebracht, doch fehlte es an Gewehren, um diese Massen zu bewaffnen. Recht unangenehm machte sich auch der große Abgang an Pferden fühlbar. Alle diese Übelstände wurden indes noch überboten durch den ganz unzulänglichen Nachschub an Artilleriemunition; die Kampfkraft sämtlicher russischer Armeen war hiedurch gelähmt. Überdies waren die Heeresreserven bis auf das IV. sib. Korps und die nach der Schlacht bei Tannenberg in Neubildung begriffenen beiden Korps

— XIII. und XV. — verausgabt; in absehbarer Zeit standen nur noch zwei Regimenter der 3. turk. SchBrig. und Teile der Grenzwache des Amurbezirkes zur Verfügung.

Um sich unter diesen erschwerenden Verhältnissen über die nächsten Operationen schlüssig zu werden, berief Großfürst Nikolai Nikolajewitsch die beiden Heeresfrontkommandanten mit ihren Gehilfen für den 29. November nach Siedlec. Als Grundlage für die Beratungen diente ein Entwurf Danilows. Gleichwie in seinem vor Kriegsbeginn verfaßten Operationsplan vertrat der Generalquartiermeister hierin auch jetzt die Ansicht, die Entscheidung durch Fortführung der Offensive auf deutsches Gebiet zu erzwingen, sobald nur das Heer wieder seine volle Schlagfertigkeit erlangt hätte. Ungesäumt müsse man aber daran gehen, den rechten Flügel der später aus dem Weichsellande gegen Schlesien vorrückenden Hauptmasse zu sichern. Ostpreußen sei daher durch die 10. Armee von Osten her und durch eine mindestens drei Korps starke, neuzubildende Armee von Süden her zu erobern, die über Mława auf Soldau vorzustoßen hätte. Wenn diese Armeen die untere Weichsel erreichten, gewänne man durch eine solche Frontverkürzung Kräfte zur Verstärkung der großen Stoßgruppe in Polen. Südlich des Stromes hätten Rußki vorerst mit dem rechten Flügel nur bis Płock, Iwanow mit seiner Hauptkraft gegen Czenstochau und Krakau vorzurücken, wo er auf die Masse des dort versammelten öst.-ung. Heeres stoßen würde und in weiterer Folge zur Offensive über Oppeln schreiten könnte. Danilow versprach sich hievon den Erfolg, den Gegner von Wien abzudrängen. Für die Verteidigung von Galizien sollte nur ein Mindestmaß an Kräften verwendet werden.

Bei der Besprechung in Siedlec begegnete dieser Plan jedoch dem lebhaften Einspruch der Befehlshaber der Heeresfronten; Iwanow glaubte die starke Stellung bei Krakau und nördlich davon nicht überwältigen zu können und Rußki stand unter dem Eindrücke der unausgesetzten Schläge, die sein Südflügel durch Mackensen empfangen hatte. Nach Baranowiczi zurückgekehrt, verfügte hierauf der Großfürst, daß die russischen Linien im Weichselbogen in die vorbereiteten hinteren Stellungen zurückzunehmen seien, die dem Gegner den Weg gegen Warschau und Iwangorod unmittelbar sperrten. Nach den von der Stawka am 30.November erlassenen Anordnungen waren alle Vorbereitungen zu treffen, um in der Nacht zum 1. Dezember den Rückzug in die Linie Iłów (nordwestlich von Sochaczew)—Tomaszów und an die Nida bis zu deren Mündung anzutreten. Kam es zum Rückzuge, vor dessen tatsächlicher Durchführung Nikolai Nikolajewitsch noch eine weitere Klärung der Lage abwarten wollte, so hatte die Nordwestfront starke Reserven bei Warschau aufzustellen, um einem Vorstoße der Deutschen über Mlawa zu begegnen, ebenso hatte die 10. Armee Kräfte auszusparen, dessenungeachtet aber ihrer bisherigen

Aufgabe nachzugehen und die deutsche Armee aus der Linie der masurischen Seen zu werfen. Iwanows galizische Armeen — 3., 8. und 11. — sollten den eroberten Teil Galiziens festhalten und nur äußerstenfalls bis an den San ausweichen, dessen Übergänge unbedingt zu halten waren.

Kaum waren diese Direktiven beim Südwestfrontkmdo. eingelangt, so erhob Iwanow schon Gegenvorstellungen, die in vollem Widerspruche mit seinen Meinungsäußerungen in Siedlec standen. Jetzt widerriet er dringend dem beabsichtigten Rückzug, weil ein solcher demoralisierend auf Heer und Volk wirken würde. Iwanow erklärte, dem Großfürsten doch schon vor einiger Zeit dargelegt zu haben, daß der Weg nach Berlin über Österreich-Ungarn führe und demnach die Armeen der Donaumonarchie zuerst niedergerungen werden müßten. Dies liege im Bereiche der Möglichkeit, daher seien die gegenwärtigen Stellungen in Polen unbedingt zu behaupten. Zur Bekräftigung seiner Ansichten berichtete Iwanow, daß drei öst.-ung. Korps, und zwar das II.1), das XIV. und das XVII. in zerrütteter Verfassung durch Krakau südwärts abrückten; nach Konfidentenmeldungen sei die Räumung des festen Platzes beschlossen; der Führer der 3. Armee, Gen. Dimitriew, behaupte, daß ein gewaltsamer Angriff auf Krakau sicheren Erfolg verspreche2).

In seiner Depesche nach Baranowiczi meldete Iwanow weiters, daß er Gen. Ewert im Hinblick auf die eben von der 4. Armee errungenen örtlichen Erfolge angewiesen habe, Reserven bei Noworadomsk zusammenzuziehen und den von Wieluń anrückenden Gegner anzufallen. Die

3. Armee sollte den südlich von Krakau befindlichen Gegner festhalten, die 8. Armee mit ihrem Westflügel gegen Neusandez vorgehen. Der von der Stawka geplante Rückzug an die mittlere Weichsel würde das Ende der eigenen Handlungsfreiheit bedeuten.

Rußki, über den plötzlichen Sinneswechsel seines Kollegen höchlichst erstaunt, blieb dabei, die 1., 2. und 5. Armee zurückzunehmen, weil nur durch eine Frontverkürzung Reserven zu gewinnen waren. Immerhin vollzog sich aber auch bei ihm binnen kurzem ein Umschwung der Anschauungen, indem er nach anfänglicher Zustimmung erklärte, die erforderlichen Kräfte zur Eroberung Ostpreußens doch nicht aufbringen zu können und daher auf die Bezwingung der Seenengen verzichten zu wollen.

x) Vom II. Korps stand nur die 13. SchD. nächst Krakau, die Masse jedoch auf dem Nordflügel der Armee Dankl.

2) Die Meldungen der russischen Konfidenten deckten sich sowohl zeitlich als inhaltlich auffallend mit Nachrichten, die das k.u.k. 4. Armeekmdo. zu Täuschungszwecken verbreiten ließ, um den Abtransport der für den Offensivstoß bestimmten Verbände zu verschleiern.

Damit waren vorerst alle Ratschläge des Generalquartiermeisters begraben. Die Stawka half sich aus der Verlegenheit, indem sie Iwanow gestattete, seine beiden Armeen nördlich der Weichsel selbst dann in ihren Stellungen zu belassen, wenn, wie vorauszusehen, die anschließenden Teile der Nordwestfront zum Ausweichen gezwungen würden, nur müsse er dann eine starke Kraftgruppe zum Schutze seines rechten Flügels bereithalten.

Die Begegnung zu Breslau

Drei Tage nach der Besprechung der russischen Generale in Siedlec traten die Feldherren der Mittelmächte in Breslau zusammen1). Erzherzog Friedrich war hier mit dem Thronfolger Erzherzog Karl, GdI. Conrad mit dem Obst. Metzger und dem Obstlt. Kundmann eingetroffen. Den Vorsitz führte Kaiser Wilhelm, der von Falkenhayn, Hindenburg und Ludendorff umgeben war.

Während Conrad eingehende Beratungen erwartet hatte, verkündete Falkenhayn im Salonwagen des Kaisers einen bereits feststehenden Entschluß, indem er als Ziel der nächsten Operationen auf dem östlichen Kriegsschauplätze bezeichnete, die Russen über die Weichsel und den San zurückzuwerfen. Die Hauptarbeit sollte der deutschen 9. Armee zufallen, für die sich mehrere Infanterie- und Kavalleriedivisionen als Verstärkung im Antransport befanden. Aufgabe des öst.-ung. Heeres hatte es nach den Auffassungen Falkenhayns zu sein, den Feind derart zu binden, daß er nicht imstande wrar, Kräfte gegen Norden zu verschieben.

Für Conrad bedeuteten diese Eröffnungen eine Enttäuschung. „Die große Frage einer Verlegung der Hauptaktion der Kriegführung [nach dem Osten] war“, wie er später aufzeichnete, „für die DOHL. eine abgetane Sache.“ Mit einem Zuschüsse von nur neun Divisionen ließ sich Rußland nicht endgültig nieder werfen. Ohne auf diese Kardinalfrage weiter einzugehen, teilte er den Versammelten lediglich mit, daß auch südlich der Weichsel Operationen mit dem Zwecke im Gange seien, dort freie Luft zu schaffen. Um die Russen hinter den Strom zu treiben, müsse der Druck des deutschen Ostheeres in südöstlicher Richtung fortgesetzt werden. Gelinge dies, dann würden auch die k.u.k. Streitkräfte dem Feinde eine entscheidende Niederlage in Galizien bereiten und ihn hinter den San werfen. „Im übrigen,“ erklärte er, „bin ich der Ansicht, daß, wenn mit Einsetzung bedeutender Kräfte ein großer entscheidender Erfolg gegen

Rußland erreicht würde, er auch direkt rückwirkend auf die Gesamtkriegslage wäre und auch zu einer Entscheidung im Westen führen könnte.“ Hierauf berieten sich die beiden Generalstabschefs allein, wobei Falkenhayn nochmals betonte, daß auf eine weitere Kräfteabgabe für den Osten nicht mehr zu rechnen sei1).

Nach Teschen zurückgekehrt, wandte sich Conrad mit voller Anspannung der Leitung der Operation zu, die auf den umfassenden Angriff der südlich der Weichsel vorgehenden Russen abzielte (S. 558).

Die Lage war augenblicklich nichtungünstig. Schon drangen Mackensen und der Nordflügel der Armeegruppe Woyrsch siegreich im Weichsellande vor und die k.u.k. 4. Armee holte zu ihrem Schlage in Galizien aus. Die 3. Armee, die die Kriegshandlung ihres linken Nachbarn durch Bindung der gegenüberstehenden Feindkräfte unterstützen sollte, hatte allerdings bei Bartfeld eine Schlappe erlitten; dafür wichen die Russen vor ihrem Ostflügel. Endlich behauptete sich die Armeegruppe PflanzerBaltin mit ansehnlichen Teilen noch immer nördlich des Karpathenwalles.

Leider war durch den andauernden verlustreichen Kampf die Hauptkraft der gegen Rußland angesetzten k.u.k. Streitkräfte — 1., 2., 3. und 4. Armee — auf etwa 300.000 Feuergewehre herabgesunken. Außer den durch die unmittelbaren Kriegsverluste herbeigeführten Abgängen waren die Reihen des Heeres auch durch die Cholera und den Typhus gelichtet worden. Die Ersatzleistung reichte zu entsprechender Auffüllung der Stände nicht aus. Überdies schädigte jetzt auch die schärfer einsetzende nationale Propaganda das innere Gefüge einzelner Truppenkörper und zeitigte betrübliche Erscheinungen. So waren in den letzten Kämpfen der 3. Armee zahlreiche tschechische Mannschaften des IX.Korps zum Feinde übergelaufen, und man hatte in Teschen erfahren, daß die Sokolvereine Legitimationen austeilten, die den Kriegsgefangenen slawischer Nationalität eine mildere Behandlung in Rußland sicherten.

Auch die Politik meldete in diesen ernsten Tagen ihre Sonderwünsche an, die zur Erschwerung der Kriegführung beitrugen. Ungarns Ministerpräsident Graf Tisza, der eben mit verhältnismäßig günstigen Eindrücken von einem Besuche im deutschen Großen Hauptquartier zurückgekehrt war2), wandte sich am 2. Dezember an die Heeresleitung und sprach die Befürchtung aus, daß das Eindringen der Russen in Ober!) Über jenen Teil der Breslauer Besprechung, der von der Besetzung der Nordostecke Serbiens handelte, siehe Abschnitt: Der Herbstfeldzug 1914 gegen Serbien und Montenegro (S. 710).

2) Tisza, Briefe, 114 ff.

ungarn außer schlimmen militärischen Folgen auch den Einbruch der Rumänen in Siebenbürgen nach sich ziehen werde; er verlangte die Verstärkung des Heimatschutzes. Im Sinne der Breslauer Beschlüsse antwortete jedoch das AOK., daß zwar alles Mögliche geschehe, um die Armee Boroević zu verstärken, die Entscheidung über das Schicksal beider Staaten der Monarchie aber in Polen falle; eine weitere Schwächung der dort angesetzten Kräfte würde daher einen unverzeihlichen Fehler bedeuten.

So holte das öst.-ung. Nordheer, als der Weihnachtsmonat des ereignisreichen Jahres 1914 anbrach, mit dem in hundert schweren Kampftagen schartig gewordenen Schwerte noch einmal zu einem Schlage aus, bei dem es wahrlich um keinen geringen Einsatz ging. Schon verkündete der Großfürst-Generalissimus den Tschechen in einem hochtönenden Manifest, das in Böhmen und Mähren heimlich von Hand zu Hand weitergegeben wurde, ihre „Befreiung“ vom habsburgischen und deutschen „Joche“! Schon erörterte — noch zur geringen Freude des französischen Botschafters — der Zar in seinem Hauptquartiere die Aufteilung des Donaureiches! Den Kosakengeschwadern den Weg nach Breslau, nach Prag und nach Wien zu verriegeln — dies und nichts Geringeres war Zweck und Ziel des Angriffes, zu dem die öst.-ung. Heeresleitung nun in den Bergen Westgaliziens ihre gelichteten Streiterscharen ungebrochenen Willens zusammenraffte.

In den gleichen Tagen reiften im Südosten, auf dem serbischen Kriegsschauplätze, die Ereignisse schicksalsschwerer Entscheidung entgegen.

DER HERBSTFELDZUG 1914 GEGEN SERBIEN UND MONTENEGRO

Die Schlacht an der Drina

(6. September bis 4. Oktober)

Der Operationsplan des FZM. Potiorek Hiezu Beilagen 2 und 21

FZM. Potiorek war nach dem Versagen der Augustoffensive sofort entschlossen, den Mißerfolg ehestens wettzumachen. Seine erste Absicht, die 6. Armee als Frontgruppe an Stelle der 5. treten zu lassen und diese im Verein mit dem IV. Korps und der 29. ID. nördlich von der Save zum Flankenstoß gegen die Serben einzusetzen, wurde durch die Abberufung des IV. Korps durchkreuzt. Er beschloß daher, beide Armeen in Nordostbosnien zu versammeln und ,,ein feindliches Vorgehen über die Save-Donau mit einem Stoß über die untere Drina nach Osten, mit dem linken Flügel nötigenfalls auch nördlich der Save“, zu verhindern.

Die hiezu am 25. August verfügte Neugliederung der Balkanarmeen und ihre bis 1. September einzunehmende Gruppierung kann, von späteren kleinen Änderungen abgesehen, der Beilage 21 entnommen werden. FZM. Potiorek plante schon am 25. August, zu dem „nicht vor dem

4. September“ beabsichtigten Angriff auch das Gros der zunächst noch an der oberen Drina verbliebenen 1. ID. heranzuziehen und ein etwaiges Zurückdrücken der an der Drinastrecke Foča—Višegrad zurückgelassenen

8. GbBrig. gegen Gromile von Nordwesten her durch einen Stoß in die Flanke des nachdrängenden Feindes zu vereiteln1).

Wie FZM. Potiorek sich die Entwicklung der großen Lage vorstellte, zeigt folgende Stelle aus einem am 28. August an den GdI. Bolfras gerichteten Brief: „Ich werde der mir durch das AOK. gestellten Hauptaufgabe, das Vordringen der serbischen Armee in das Innere der Monarchie, hauptsächlich in der Richtung auf Budapest, zu verhindern, auch ohne das IV. Korps nachzukommen imstande sein. Allerdings wird dies jetzt wahrscheinlich nur mehr um den Preis vorübergehenden Aufgebens des südöstlichen Bosnien und infolgedessen auch der südlichen Herzegowina möglich sein. Kleinere Einfälle in Syrmien und im Banat sind dabei nicht

!) Tagebuch des FZM. Potiorek.

ausgeschlossen; aber sie [die Serben] können und werden über das Grenzgebiet nicht hinauskönnen . . .

Ließ sich Bulgarien durch den Mißerfolg am Jadar nicht abschrecken am Herbstfeldzug teilzunehmen, so erwuchs eine große Erleichterung für die durch den FZM. Potiorek zu lösenden Aufgaben. Er bat am 28. abends sowohl das AOK. als auch die kaiserliche Militärkanzlei darüber um Auskunft. Dem AOK., das der Loslösung des BOK. aus seinem Befehlsbereich widerstrebte, kam diese Anfrage sehr gelegen und es antwortete, daß auf Bulgarien derzeit nicht zu rechnen sei, wohl aber der serbische Gesandte in Athen die baldige Offensive der Serben gegen die Monarchie angekündigt habe. Es war also „nichts in Aussicht zu nehmen, was zu neuem Echec führen könnte, nichts zu unternehmen vor Einholung der Genehmigung des AOK.“. FZM. Potiorek gab die seine Selbständigkeit einschränkende Weisung der Militärkanzlei bekannt. Als diese wider sein Erwarten nicht eingriff, bat er schließlich am 1. September das AOK. um Zustimmung zu seiner am 3. oder 4. in Aussicht genommenen Offensive gegen die serbische Hauptkraft, die sich anscheinend zum Vorstoß über die untere Drina oder über die Save unterhalb der Drinamündung anschickte. Das AOK. kam dadurch in eine Zwangslage. Unablässig drängte der Minister des Äußern wegen der noch immer zögernden Türkei und vor allem wegen Bulgarien zum baldigen Wettmachen der Schlappe. Anderseits drohte ein neuerlicher Mißerfolg alle Hoffnungen auf Bundeshilfe im Südosten zu verschütten. Man riet deshalb dem FZM. Potiorek, den günstigen Augenblick des feindlichen Flußüberganges zum Angriff auszunützen. Auf eine Verstärkung sei nicht zu rechnen, doch auch eine Verminderung der Streitkraft nicht zu fürchten; vor allem aber habe der Feldzeugmeister „jeden Echec“ zu vermeiden.

Das späte Eintreffen der Ergänzungen der 21. SchD. zwang zuletzt ohnedies, die Offensive noch aufzuschieben. Um die Nordflanke des Feindes kräftiger anfassen zu können, wurde diese Division am 2. September auf das linke Ufer der Save verschoben. Eingedenk der Warnung des AOK. und auch aus eigenem Drange beschloß FZM. Potiorek, alles „zusammenzukratzen“, um dem Feind an entscheidender Stelle möglichst stark entgegenzutreten. FML. Bogat hatte an der oberen Drina nur die 8. GbBrig. zurückzulassen, mit dem Gros der 1. ID. aber gegen Vlasenica zu marschieren, wohin auch GM. Šnjarič mit je drei Bataillonen und einer Ge-birgsbatterie der 3. und der 14. GbBrig. gerufen wurde. Ohne Einrechnung dieser erst zwischen dem 7. und 11. September verfügbaren Reserven standen in der 5. und der 6. Armee und in der Gruppe FML. Lütgendorf 174Bataillone, darunter 138 der ersten Linie, operationsbereit. Die5.Armee hatte den Mißerfolg völlig überwunden und ihre Ausrüstung dem Kriegsschauplatz besser angepaßt. So erging am 3. September abends an den GdI. Conrad die dringende Bitte, beim Erzherzog Friedrich die Erlaubnis zur Offensive zu erwirken. Andernfalls wäre es besser, noch weitere Kräfte auf den nördlichen Kriegsschauplatz abzuziehen. Ein Eingehen auf diesen kaum ernst gemeinten Vorschlag drohte beim Minister des Äußern und beim ungarischen Ministerpräsidenten einen Entrüstungssturm auszulösen und verfehlte daher nicht seine Wirkung. Der Offensive „der versammelten Kräfte an einer Stelle“ wurde zugestimmt. Abgesehen von dieser Mahnung enthielt sich das AOK. weiterhin jeder Einflußnahme.

Nach den am 5. September ausgegebenen Weisungen für den am 7. beginnenden Drinaübergang sollten die Serben während des frontalen Angriffes der 5. Armee doppelt umfaßt werden, im Süden durch die 48. ID., um den starken Befestigungen bei Loznica in die Flanke zu kommen, im Norden durch die 29. ID. bei Jarak und durch eine aus der Gruppe FML. Lütgendorf auszuscheidende, artilleristisch starke Brigade unter GM. Erwin Zeidler bei Šabac. Dem XVI. Korps am Südflügel fiel die Aufgabe zu, das serbische Verteidigungssystem von Süden her durch Vorstoß auf die Höhen südwestlich von Krupanj zu bedrohen. Die 1. ID. wurde ihm unterstellt; die 109. LstlBrig. sollte seine Südflanke gegen den bei Ljubovija und Rogačica festgestellten Feind möglichst durch Angriff schützen. Starke Regengüsse verzögerten jedoch die Übergangsvorbereitungen, so daß der Beginn der Offensive auf den 9. verschoben werden mußte.

Der serbische Operationsplan

Der Erfolg, den das serbische Heer im August scheinbar so leicht errungen hatte, und die mächtige Hilfe, die den Serben durch Rußlands kräftige Offensive in Galizien zuteil wurde, boten ihnen Aussicht auf Verwirklichung ihrer langgehegten kühnsten Pläne. Der Augenblick schien gekommen zu sein, um Syrmien zu erobern. Nicht weniger als ein Drittel der gesamten serbischen Streitmacht wurde für diesen Zweck in Aussicht genommen. Zugleich sollten die Montenegriner, deren Sand-žakgruppe sich von den erlittenen Schlappen erholt hatte und die auf

20.000 Streiter verstärkt wurde, im Verein mit der Armeegruppe Užice in Südostbosnien einrücken.

Die serbische Heeresleitung, die vom Abtransport der k.u.k. 2. Armee aus Svrmien und auch vom Zusammenziehen der gegnerischen Hauptkraft an der unteren Drina sehr bald zuverlässige Nachrichten erhielt, verfügte am 27. August eine Neugliederung und Umgruppierung des Heeres und weihte am 31. die nach Valjevo berufenen Armeekommandanten in ihre Absichten ein. Die endgültigen Weisungen sollten offenbar erst nach den von den Armeeführern zu treffenden Vorbereitungen erlassen werden. Auf die Aufforderung des russischen Oberkommandanten, Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch, „er erachte es als dringend notwendig, daß die serbische Armee zur Offensive übergehe, da beglaubigten Nachrichten zufolge ein großer Teil der öst.-ung. Truppen gegen die Russen nach Galizien abtransportiert wurde“, erwiderte das SOK. am 1. September, es wäre ohne Rücksicht auf die Stärke des gegenüberliegenden Gegners zur Offensive geschritten, wenn es genügend Überschiffungsmittel zum Überschreiten der Save und Donau gehabt hätte und wenn es die Umbewaffnung eines großen Teiles der serbischen Truppen mit russischen Gewehren hätte rascher durchführen können.

Am 3. September meldete Gen. Bojovic, Kommandant der 1. Armee, daß er die DonD.I, die ŠumD.I und die KD. an der Saveschlinge westlich von Skela bis zum 5., spätestens 6. September zum Flußübergang versammelt haben werde. Die DonD.II blieb zunächst noch in Požarevac,

Tags darauf befahl Putnik der 1. Armee, „als Vorbereitung für die spätere Offensive gegen die gegnerische Hauptkraft an der Drina“, die Save in der Nacht zum 6. September zu überschreiten, gegen Ruma— Mitrovica vorzurücken, den Gegner ostwärts von seiner Hauptkraft abzutrennen und Syrmien zu erobern. Die TimD.I der 2. Armee hatte gleichzeitig und im Einklang mit der 1. Armee den Saveübergang nächst Mitrovica zu versuchen und im Falle des Gelingens daselbst einen Brückenkopf anzulegen. Die Masse der 2. und die 3. Armee sollten jeden gegnerischen Versuch, die Drina zu überschreiten, energisch verhindern und den geeigneten Zeitpunkt zur Offensive wahrnehmen.

Bei der Armeegruppe Užice schob Gen. Božanovič auf Grund früherer Weisungen am 3. September das Lim-Detachement (18 Bataillone, 9 Geschütze) beiderseits des unteren Lim vor. Gleichzeitig setzte der Serdar Vukotic die montenegrinische Sandžakgruppe (14.000 Mann) gegen Goražde—Foča in Bewegung. Die ŠumD.II (16 Bataillone, 6 Batterien) sollte sich der beherrschenden Höhen nördlich und nordöstlich von Višegrad bemächtigen, die Užice-Brigade (9 Bataillone, 2 Batterien) wie bisher beiderseits von Rogačica Wache halten.

Die übrigen montenegrinischen Streitkräfte waren, wie der zum

Generalstabschef der Montenegriner ernannte serbische Delegierte, Gen. Jankovic, nicht ohne Mühe festzustellen vermochte, wie folgt verteilt: 9000 Mann an der herzegowinischen Grenze, 6500 Mann gegenüber von Cattaro, 7500 Mann gegen Albanien.

Der Einfall der Serben in Syrmien Hiezu Beilage 22 sowie Skizze 47

Zur Zeit des serbischen Saveüberganges standen zum Schutze Syr-miens entlang der Save eine Reihe von Landsturmbataillonen und einige Festungsbatterien im Flußsicherungsdienst. Zum Gegenstoß kamen allenfalls nur die auf der Landschwelle Surčin—Semlin befindliche 14. IBrig., die im Raume Ruma—Budjanovci—Jarak—šašinci stehende 29. ID. und die bei Pečinci in Versammlung begriffene Gruppe GM. Zeidler (7 Bataillone, 2 Schwadronen und 4 Batterien) in Betracht. Die Gruppe Zeidler war am 5. September dem seit 28. August die 29. ID. befehligenden FML. Alfred Krauss zum Saveübergang bei Jarak unterstellt worden.

Die serbische 1. Armee erzwang den Übergang dank guter Vorbereitung und starker Artillerie sehr rasch. Schon in den Morgenstunden des 6. September konnte die Kriegsbrücke bei Novoselo fertiggestellt werden. Trotz tapferer Gegenwehr mußte das ung. LstlR. 32 gegen Mittag von Kupinovo zurückweichen.

Zu dieser Stunde gab FML. Krauss in Ruma jene entscheidenden Befehle, die zu einer vernichtenden Niederlage der östlich von Mitro-vica über die Save gegangenen Teile der TimD.I führen sollten.

Diese Division hatte wegen mangelhafter und zu spät eingeleiteter Vorsorgen die Überschiffung am 6. erst um 7h früh begonnen und mußte sie nach Übersetzen von 5% Bataillonen und 3 Geschützen einstellen, weil die Pontons zum Brückenschlag benötigt wurden. Anfänglich nur gegen schwache Landsturmabteilungen kämpfend, stießen die Serben vor šašinci aber auf sehr kräftigen Widerstand. Es war das IR. 74, das sich, ohne einen Befehl abzuwarten, selbsttätig den Serben entgegenwarf. Mehrere Stunden mußten die 74er unter schmerzlichsten Verlusten ausharren, ehe gemäß den Befehlen des Divisionskommandos das Schwesterregiment der 58. IBrig., IR. 94, an ihre Seite trat, und der über Jarak gegen die feindliche Flanke angesetzte Angriff der 57. IBrig. wirksam wurde. Die schneidige Durchführung dieses bis in die späte Nacht fortgeführten Angriffes war ’für die Größe des Erfolges ausschlaggebend.

Ein entlang der Save bis zur Brücke vorstoßendes Bataillon des IR. 92 schnitt 62 Offizieren, 4SS0 Mann, 10 Maschinengewehren und 3 Geschützen den beabsichtigten Rückzug ab1).

Die Nachricht von der Niederlage der TimD.I enthüllte der serbischen 1. Armee, die sich am Nachmittag des 6. September bis an die Brückenkopflinie Progar—Ašanja—Obřež ausgebreitet hatte, die unerwartete Anwesenheit stärkerer gegnerischer Kräfte. Es schien ratsam, die Ankunft der am 6. September von Požarevac abgerückten DonD.II abzuwarten. Gen. Bojovic trieb daher nur die Reiterei zur Aufklärung vor, zog das Obrenovac-Detachement bei Boljevci über die Save und ließ das Gros seiner Armee sowohl am 7. als auch am 8. September stehen und schanzen.

Unter diesen Umständen konnte es geschehen, daß GM. Zeidler, von Pečinci über Simanovci ostwärts rückend, fast unbelästigt einen Flankenmarsch vor der feindlichen Hauptkraft ausführte, um sich mit der 14. IBrig. zu vereinigen. Diese hatte inzwischen die nach Surčin vorgerittene serbische Armeekavallerie2) nach Boljevci zurückgejagt und bildete nun mit der Gruppe Zeidler wieder die kombinierte 7. ID.

Die 29. ID. hatte sich im Raume šašinci—Jarak bereitgestellt, um den Serben in die Flanke zu fallen, falls sie dem aus dem Savewinkel von Klenak zurückgegangenen ung. LstlR. 12 gegen Ruma nachdrängten. Nach vergeblichem Zuwarten ging sie am 8. nachmittags, feindliche Kavallerie vor sich hertreibend, in die Linie Hrtkovci—Bud janovci vor. Auf die falsche Meldung über einen neuerlichen Einfall der Serben östlich von Mitrovica marschierte sie jedoch in der Nacht wieder zurück.

Der weite Raum zwischen den beiden Divisionen war nur durch den zurückgewichenen Landsturm verschleiert. Ein einheitlicher Oberbefehl in Syrmien fehlte.

Während die 29. ID. sich am 9. September zunächst noch durch den nicht außer Kraft gesetzten Befehl, sich für einen Übergang bei Jarak bereitzuhalten, gebunden fühlte und nur die 57. IBrig. an den Römerkanal stellte, wo Streifabteilungen der serbischen Kavallerie durch einige Kanonenschüsse vertrieben wurden, griff die 7. ID. allein an. Sie

Krauss, Ursachen, 146. — Schön, Schaschintzi, Wien 1930. — Der Heimat Söhne im Weltkrieg, Der 92er, Februarheft 1924; Der 42er, Maiheft 1924. Für das Gefecht bei šašinci, das unter der Bezeichnung „Die Vernichtung der Timok-Division“ bald volkstümlich wurde, erhielten das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens: GM. Schön, Kommandant der 57. IBrig., Obst. Lutschounig, Kommandant des IR. 74, Oblt. Ritt. v. Cavallar des IR. 92. ^

2j Das waren die vereinigten Kavallerieregimenter der Infanteriedivisionen.' warf die verstärkte Armeekavallerie bis Progar zurück, wurde aber an ihrem offenen rechten Flügel durch einen kräftigen Gegenangriff der DonD.I zurückgeschlagen. Die Serben drangen bis an den Galovicakanal vor und nahmen Deč. Starke Verluste und die Gefahr, umfaßt zu werden, veranlaßten den eiligen Rückzug der 7. ID. aus dem Donau-Savewinkel gegen Alt-Pazua. Den Abtransport der schweren Geschütze von Semlin deckte die Donauflottille.

Unter dem Eindruck dieser Ereignisse erbat FML. Krauss die Zusendung der 104. LstlBrig. und die Verschiebung des Saveüberganges bei Jarak bis zu der gemeinsam mit der 7. ID. durchzuführenden Säuberung Syrmiens. FZM. Potiorek stimmte diesem Vorschlag zu.

Auf serbischer Seite munterte der Erfolg der DonD.I den Gen. Bojovic zur Offensive auf, obwohl er am 9. September den Befehl erhielt, die in Skela eingetroffene DonD.II eiligst nach Krupanj zur 3. Armee zu senden.

Potioreks Angriff über die Drina zeitigte ihre erste Rückwirkung auf die Ereignisse in Syrmien.

Beginn der Schlacht an der Drina

Das Vordringen der 6. Armee gegen Krupanj (8. bis 13. September)

Hiezu Beilage 21 sowie Skizzen 46 und 47

Bei der 5. Armee hatte der vom FZM. Potiorek auch für den 7. September geplante Drinaübergang zwecks gründlicher technischer und artilleristischer Vorbereitung noch verschoben werden müssen, aber um Mitternacht zum 8. September konnte die 42. HID. des XIII. Korps endlich das Artilleriefeuer demonstrativ gegen die geschickt dicht an der Drina angelegten serbischen Befestigungen eröffnen. Beim Morgengrauen versuchte die 36. ID. gegenüber von Klenje den Übergang, der schon nach der Überschiffung der ersten Staffel unter großen Opfern mißglückte. Besser traf es das VIII. Korps. Bis Mittag warf die 9. ID. neun Bataillone über die unterste Drina, die 21. SchD. drei Regimenter auf die Saveschlinge unterhalb der Drinamündung, die sogenannte Parašnica. Wenn auch die MorD.I, insbesondere vom Übergang der Schützen vollkommen überrascht, nur schwache Kräfte entgegenzustellen vermochte, so boten doch die zahlreichen Hindernisse Gelegenheit zu hartnäckigem Widerstand, wobei in der Parašnica obendrein ausgedehnte Versumpfungen die Verteidigung unterstützten. Der in ermüdendem und opferreichem Kampf erzielte Raumgewinn war so gering, daß die zum Brückenschlag ausersehenen Stellen im wirksamsten feindlichen Artilleriefeuer blieben. Als die serbische Armeereserve und die Reserve der TimD.I nachmittags einzugreifen begannen, und hierauf die 41. SchBrig. von ihrem Führer zurückgenommen wurde, ordnete das VIII. Korpskmdo. den Rückzug beider Divisionen auf das Westufer an. Die 104. LstlBrig. mühte sich dreimal vergeblich ab, mit Behelfsmaterial bei Bosut über die Save zu kommen.

Wesentlich besser war die 6. Armee daran, was sich auch in einem Gesamtverlust von nur 700 Mann gegenüber 4400 der 5. Armee aussprach. Auch hier demonstrierte der Nordflügel des XV. Korps, 79. HIBrig. und

40. HMaBrig., gegenüber den starken Stellungen bei Loznica, während sich die 80. HIBrig., die 10. und die 12. GbBrig. sowie die 13. IBrig. zwischen Kozluk und Zvornik bereitstellten und die 11. GbBrig. die Höhen jenseits der Drina unmittelbar beim letztgenannten Städtchen gewann.

Dem am Vorabend gedeckt hinter den linken Begleithöhen der Drina bereitgestellten XVI. Korps stand anfänglich nur ein serbisches Bataillon nächst der Drinjacamündung gegenüber. Dahinter befanden sich auf der čavčiči in befestigter Stellung zwei Bataillone des Kragujevacer Reserveregiments. Der Rest desselben und die MorD.II standen bei Krupanj. Auf dem Crni vrh A890 und den Höhen Radakovac und Bobije des von ersterem gegen Zvornik ziehenden Rückens sicherten drei Bataillone und zwei Batterien die Südflanke der serbischen 3. Armee.

Am 8. September beim Morgengrauen begann das XVI. Korps in breiter Front beiderseits der Drinjacamündung den Flußübergang. Mühsam stiegen die 1. und die 4. GbBrig. die steilen Hänge der 600 m über die Talsohle sich erhebenden čavčiči hinan. Die Serben verstärkten sich indessen von Stunde zu Stunde und ihre Artillerie feuerte auch von Norden her in die Flanke der Angreifer. Trotzdem arbeitete sich die Infanterie heran und stürmte die Verschanzungen, nachdem die einbrechende Dunkelheit die Artillerie zum Schweigen gezwungen hatte. Bei der Verfolgung geriet sie aber im Walde so durcheinander, daß sie zur Ordnung der Verbände zurückgenommen werden mußte.

Am Südflügel hatte sich unterdessen die 2. GbBrig. gegen Ljubovija gewandt. Hier hatte die 109. LstlBrig. ein serbisches Bataillon III. Aufgebotes überrumpelt, zwei Geschütze und drei Maschinengewehre erbeutet.

Da der 5. Armee eine kurze Erholungspause zugebilligt werden mußte, kam es am 9. September nur bei der 6. Armee zu Kämpfen. Im schwierigen, reichgegliederten Mittelgebirgsgelände, das den Serben immer wieder günstige Stellungen bot, die Bewegungen des Angreifers hingegen ungemein erschwerte, ging es nur langsam vorwärts. Beim XVI. Korps vermochten die drei Gebirgsbrigaden des Nordflügels — 5., 4. und 1. — auch nach Eingreifen der aus der Reserve vorgezogenen 9. GbBrig. den Widerstand auf der čavčiči nicht zu brechen. Da aber FML. Trollmann mit der 6. und 13.GbBrig. in harten Kämpfen auf den beiderseits von Lipniko zur Jagodnja ansteigenden Rücken Raum gewann und die 2. GbBrig. Sv. Petar erstürmte, berief der Kommandant der serbischen MorD.II die vom Obersten Mišič des Kragujevacer Reserveregiments befehligte und auf acht Bataillone und vier Batterien angewachsene Kampfgruppe abends auf den Hauptkamm in den Abschnitt Jagodnja—Šanac zurück.

Putnik beeilte sich, auf die Nachricht vom Vordringen des gegnerischen XVI. Korps Kräfte zum Schutz des Südflügels zusammenzuraffen. Das Kruševacer Reserveregiment kam von Valjevo nach Kru-panj, hierher wurde auch die DonD.II der 1. Armee befohlen. Von der Užicer Armeegruppe waren neun Bataillone und eine Batterie zur Hauptkraft des Heeres zu senden. Der Rest hatte die erreichten Stellungen gut zu befestigen, um die Anmarschwege gegen Užice zu verteidigen1). Eben hatte am 9. abends die Armeegruppe die Offensive (S. 606) mit einer Kanonade bei Višegrad eingeleitet, als dieser Befehl eintraf, der nunmehr alle Offensivpläne über den Haufen warf.

So schwächte der Beginn der Offensive Potioreks nicht nur den serbischen Einbruch in Syrmien, sondern lähmte auch den feindlichen Vorstoß nach Südostbosnien.

FZM. Potiorek wies nun am 9. die 5. Armee an, mit dem neuerlichen Übergang über die Drina zu warten, bis die Kraftgruppe in Syrmien verfügbar sein werde, und die 6. Armee gegen die Höhen bei Loznica Raum gewinne.

Bei dieser kam am 10. September das XV. Korps in sehr Wechsel vollem Ringen nur ein geringes Stück vorwärts. Die 40. HID. versammelte sich westlich der Drina als Reserve im Raume um Čolopek. Gegenüber von Loznica blieb nur die 40. HMaBrig. demonstrierend zurück. Das XVI. Korps mühte sich um den Hauptrücken ab. FML. Trollmann erkannte, daß dem Feinde nur beizukommen war, wenn man ihn östlich entlang der Straße Ljubovija—Krupanj umging. Die 2. GbBrig. vermochte aber angesichts überwältigender Artilleriefeuerwirkung über die Höhe Ždrela nicht vorzudringen. FZM. Wurm wies der Gruppe Trollmann nun noch die 7. GbBrig. zu, an deren Stelle als Korpsreserve die kombinierte Brigade GM.

Šnjarié trat. FZM. Potiorek, die Wichtigkeit der Verstärkung des erfolgreich vordringenden Südflügels klar erkennend, entschloß sich angesichts der Untätigkeit des Feindes an der oberen Drina, auch die Reserve der

S. GbBrig. (drei Bataillone, eine Gebirgsbatterie) heranzuziehen.

Die 109. LstlBrig. warf den auf Dugo festgesetzten Feind nach zweitägigem Kampf gegen das Südende der Sokolska pl., die Höhe Rožanj, zurück, wodurch sich die Aussichten auf eine Umgehung der Jagodnja wesentlich verbesserten. FML. Trollmann sandte deshalb gegen Abend die 1. GbBrig. der 2. nach. Er übernahm selbst das Kommando dieser Gruppe, während FML. Bogat den Frontalangriff befehligte.

Am 11. September bei Tagesanbruch ließ FML. Bogat die 7., 13., 9. und 6. GbBrig. den Angriff gegen die Jagodnja fortsetzen. Er gestaltete sich ungemein schwierig. Auch die Gruppe FML. Trollmann kam gegen die Zdrela nur langsam vorwärts. Da fiel zu Mittag unerwarteterweise am linken Flügel des XVI. Korps die Entscheidung. Unterstützt von der

11. GbBrig., erstürmte GM. Gabriel mit der 4. und der 5. GbBrig. den Hauptrücken im Abschnitt südlich Crni vrh A 890 und eroberte fünf Geschütze. Der Kommandant der serbischen 3. Armee, Gen. Jurišié-šturm, ordnete den Rückzug seines ganzen linken Flügels auf den Mramor-rücken, den Miokovac und den Kostajnik an. Auch die auf den Hängen des Gucevorückens so hartnäckigen Widerstand leistenden Teile der DrinD.I mußten auf den Hauptrücken zurückgenommen werden.

Wojwode Putnik erkannte sehr richtig, daß bei Krupanj die Entscheidung des Feldzuges lag1). Die nachmittags nach starker Marschleistung bei Pecka eingetroffene DonD.II — nur zwei Regimenter stark und wegen der mit Ochsen bespannten Artillerie minder manövrierfähig — konnte eine Wendung umso weniger erhoffen lassen, als das bereits auf vier Bataillone verstärkte Ljubovija-Detachement sich auf Rožanj und auf dem Proslopsattel nur schwer gegen die 109. LstlBrig. zu behaupten vermochte, somit der Zugang nach Pecka, in den Rücken des Südflügels, gefährdet war. Diesem mußten Verstärkungen zugeführt werden. Die 2. Armee hatte die KombD. und dieTimD.II freizumachen und im Nachtmarsch jene über Tekeriš nach Zavlaka, diese auf die Höhen östlich von Lješnica zu senden, da zu erwarten war, daß der Gegner alsbald seine Mitte gegen den durch Abgaben an die MorD.II geschwächten Nordflügel der 3. Armee über die Drina vorstoßen lassen werde. Schließlich beschied sich der serbische Oberbefehlshaber sogar, die Offensive in Syrmien einzustellen, um die Truppen der 1. Armee an der Westfront ein-

1)Desmazes et Naoumovitch, Les victoiresserbesenl914, Paris 1928, 66f.

setzen zu können. Am 11. wurde der Armee befohlen, noch in derNachteine Division nach Valjevo abzusenden, die andere und die Kavalleriedivision aber näher an den Brückenkopf zurückzunehmen1).

FZM. Potiorek bewilligte dem XVI. Korps einen wohlverdienten Rasttag. Das XV. Korps hatte den Angriff bis zur Eroberung des Gučevo-rückens fortzusetzen. Die im Anmarsch befindliche Reserve der 8. GbBrig. wurde ihm zur Verfügung gestellt.

Der Abgang dieser Gruppe von der oberen Drina machte sich bald fühlbar. Die Montenegriner wurden plötzlich von Offensivgeist erfaßt. Seit dem 9. September suchten sie durch Einbrüche in das Gacko polje die 3. GbBrig. zu binden, um sie von einem Flankenstoß gegen die geplante Vorrückung der Sandžakgruppe abzuhalten. Diese erzwang am

11.    den Drinaübergang bei Foča und schickte sich an, teils gegen Kalinovik, teils flußabwärts gegen Goražde vorzurücken.

In harten Kämpfen vermochte der linke Flügel des XV. Korps am

12.    September nur wenig vorwärtszukommen. Bessere Erfolge erzielte der rechte Flügel. Ein Regenguß erschwerte zwar das Weiterkommen in dem schwierigen Gelände noch mehr, doch wurde abends der Biljeg erstürmt, womit der ganze Hauptrücken der Boranja pl. im Besitz der Angreifer war. Um die Eroberung des Gučevohauptkammes zu erleichtern, wies FZM. Potiorek das 5. Armeekmdo. an, am 13. mit mindestens einer Division des XIII. Korps erneut den Drinaübergang der Armee einzuleiten.

Gen. Jurisic-Sturm beorderte am Morgen die DonD.II zur Stützung der Verteidiger an der gefährlichsten Angriffsrichtung längs der Straße Krupanj—Zavlaka auf die Flöhe Mramor. Bei Putnik reifte indessen immer mehr der Plan heran, einem solchen Durchbruchsversuch durch einen aus der Gegend von Pecka in Flanke und Rücken des Gegners geführten Stoß zu begegnen, wodurch gleichzeitig die Straße nach Valjevo geschützt und der Gang der ganzen Schlacht entscheidend beeinflußt werden konnte. Die 1. Armee wurde angewiesen, die während der Nacht an die Save zurückgezogene DonD.I auf dem kürzesten Wege nach Pecka zu schicken; die bis Mitternacht bei Tekeriš vollständig versammelte KombD. hatte gleichfalls dahin zu rücken. Die 3. Armee sollte in den stark ausgebauten Stellungen bei Loznica nur die unbedingt nötigen Kräfte belassen, alle anderen in den Kampf des Südflügels werfen. Doch Gen. Jurišič-šturm hielt mit der Großzügigkeit seines Oberkmdos. nicht Schritt und befahl zur Sicherstellung der Front bei Krupanj das Spitzenregiment der KombD. als Reserve auf die Höhen nordöstlich des Ortes.

An derselben Stelle wie die 36. ID. im August, bei Batar gegenüber Šor, begann die 42. HID. des XIII. Korps am 13. September zeitlich früh die Überschiffung, der die DrinD.II anfänglich nur schwache Kräfte entgegenstellen konnte. Trotz des heftigen serbischen Artilleriefeuers gelangten bis zum Abend acht Bataillone auf das Ostufer, denen einschließlich der von der TimD.II gesandten Unterstützungen nur fünf serbische Bataillone mit vier Batterien gegenüberstanden. Gen. Jurišic-Šturm hatte überdies auf die Nachricht vom Drinaübergang das bereits auf dem Marsch von Zavlaka nach Pecka begriffene Gros der KombD. zur Straßengabel östlich Loznica umkehren lassen.

Beim XV. Korps sollten FML. Eisler mit der 11., 12. und halben 10. GbBrig. die Höhen bei Grn. Borina nehmen und dadurch die Stellung auf dem Gučevokamm von der Südostflanke her aufrollen, FML. Braun mit der halben 10. GbBrig., der 13. IBrig., und der 79.HIBrig. Kuliste und mit der SO.HIBrig. den CrnivrhA769 erobern. Nur auf Kuliste drang der Angriff vollständig durch. FML. Eisler mußte die 11.GbBrig. gegen den überhöhenden und flankierenden Kostajnik ansetzen und vermochte mit dem Rest der Gruppe die gut verschanzten und mit Gegenstößen nicht sparenden Verteidiger der Borinahöhen nicht zu überwinden.

FZM. Wurm ließ nach dem durch schlechtes Wetter beeinträchtigten Rasttag das Gros des XVI. Korps unter FML. Bogat den Angriff teils auf dem Osthang der Boranja pl., teils vom Šanac über Krupanj fortsetzen. FML. Trollmann sollte mit der 18. ID. die Flanke der Stoßgruppe gegen Valjevo decken. Er begnügte sich nicht mit der Besetzung der Sokolska pl., sondern ließ die 1. GbBrig. gegen Mramor, die 2. GbBrig., unterstützt von der Artillerie der auf der Höhe Dugo die Südflanke deckenden 109. LstlBrig., gegen die Höhe Rožanj vorrücken. Zu ihrer Verstärkung wurde die 13. GbBrig. auf die Sokolska pl. beordert.

FML. Bogat sah während des Vorgehens über Krupanj große Kolonnen von Zavlaka scheinbar gegen vorgenannten Ort vorrücken — die mit dem Gros alsbald umkehrende KombD. Er nahm sofort die 6. und die 7. GbBrig. in eine Stellung südlich Krupanj zurück. Gegen Abend setzte kalter Regen ein, der nachts auf den Höhen in Schneefall überging.

Putnik sah voraus, daß seine 2. Armee sich bald neuerlicher Angriffe über die unterste Drina zu erwehren haben werde. Deshalb erhielt das 1. Armeekmdo. den Befehl, die ŠumD.I und die Kavalleriedivision schleunigst nach Šabac zu senden und sich selbst nach Valjevo zu begeben. Hingegen hatte die 2. Armee die TimD.I näher an Lješnica heranzuschieben, um erforderlichenfalls die 3. Armee unterstützen zu können.

Die Erfolge der Montenegriner (S. 613) hatten inzwischen die Armeegruppe Užice wachgerüttelt, die am 13. ihre Truppen näher an die obere Drina heranschob und bei Bajinabašta Vortruppen auf das Westufer warf.

Doch unbeirrt durch die in Südostbosnien drohenden Gefahren, zu deren Abwehr vorläufig nebst der halben 8. GbBrig. nur die 9.LstEtBrig. in Vlasenica zur Verfügung stand, hielt FZM. Potiorek an seinem Entschluß fest, die serbischen Hauptkräfte durch doppelte Umfassung entscheidend zu schlagen, wobei ihm die Hoffnung vorschwebte, durchschlagende Erfolge noch vor Eingreifen der aus Syrmien abgezogenen serbischenTruppen erringen zu können. Die Nachricht, daß dem serbischen Südflügel bereits namhafte Verstärkungen zugekommen waren, ließ das baldige Totlaufen der Offensive der 6. Armee, wenn nicht gar ernste Gefahren für diese voraussehen. Mit umso größeren Hoffnungen mußte auf Fortschritte der zum energischen Anpacken des Feindes angewiesenen 5. Armee gerechnet werden.

Die letzten Kämpfe in Syrmien

FML. Krauss hatte auf seine Anregung hin (S. 609) am 9. September zunächst die Weisung erhalten, die 29. ID. könne Syrmien säubern und hiezu in der Richtung Ašanja und im Einklänge mit der Gruppe GM. Zeidler vorgehen; am 12. müsse er jedoch bei Mitrovica an die 5. Armee anschließen. Am Abend gab ihm FZM. Potiorek aber „vollkommen freie Hand“ und wies zugleich die 5. Armee an, dem FML. Krauss die 104. LstlBrig. zuzuweisen. Der unglückliche Kampf der 7. ID. veranlaßte FML. Krauss, am 10. eiligst nach Golubinci und Popinci zu rücken, um der bedrängten Division Hilfe zu bringen. An diesem Tage kam es nur zu kleineren Zusammenstößen zwischen einer Seitenhut der 29. ID. und der serbischen KD. bei Budjanovci und zwischen der Nachhut der 7. ID. und der serbischen Armeekavallerie bei Vojka.

Die serbische 1. Armee hatte für den 10. die Fortsetzung des Angriffes der DonD.I gegen Dobanovci—Surčin angeordnet, während die ŠumD.I ihren rechten Flügel in die Linie Tovarnik—Karlovčič vornehmen sollte, um einen gegnerischen Angriff in Flanke und Rücken der DonD.I zu vereiteln. Zu ihrer Überraschung erreichten die Serben ihre Ziele kampflos. Teile der „Verteidigung von Belgrad“ überschifften nach Semlin, wo der serbische Thronfolger feierlichen Einzug hielt. Am 11. rückte die DonD.I in breiter Front gegen Indjija, die ŠumD.I gegen Ruma vor. Während jene sich in der Linie Alt-Banovce—Alt-Pazua—

Golubinci an die Front der 7. ID. und der 58. IBrig. heranschob, ohne es zu ernsterem Kampf kommen zu lassen, griffen der rechte Flügel der ŠumD.I nachmittags von Süden und Süd westen, die Kavalleriedivision von Südosten her die 57. IBrig. bei Popinci an. Die Brigade ging nach Abweisung der serbischen Vortruppen wegen der im Kukuruzmeer drohenden Umklammerung bei Einbruch der Dunkelheit unbemerkt nordwärts gegen die Eisenbahn zurück. Die ŠumD.I konnte in der Linie Popinci—Jarak zur Nächtigung übergehen. FML. Krauss beschloß, sich einstweilen verteidigungsweise zu verhalten, da die 7. ID. zu einer Offensive noch nicht wiederbefähigt schien. Die Lage der Gruppe war zu diesem Zeitpunkte wohl nicht günstig, doch mußte sie sich mit jeder Stunde bessern, denn die vom 5. Armeekmdo. zudirigierte 104. LstlBrig. näherte sich Jarak, das die Serben am Abend besetzt hatten, zwei Jägerbataillone trafen bei der 29. ID. ein, das ung. LstlR. 3 fand sich bei der 58. IBrig. ein und das SchR. 28 sowie zwei Batterien waren im Anrollen.

Der am 12. September erwartete serbische Angriff blieb aber aus (S. 613). Als man bei der 58. IBrig. sogar rückgängige Bewegungen des Feindes bemerkte und ein Befehl des BOK. eintraf, der dem FML. Krauss die einheitliche Leitung aller Operationen in Syrmien und im Banat übertrug, ordnete dieser die Vorrückung beider Divisionen an. Die nachmittags angetretene Bewegung brachte der 7. ID., die es vornehmlich mit der an Stelle der DonD.I getretenen Kavalleriedivision zu tun hatte, leichte Erfolge. Die 29. ID. ging von Golubinci den durch ein Reiterregiment verstärkten Ostflügel der ŠumD.I bei Popinci beiderseits umfassend an. Die Serben, die sich eigentlich wider den Befehl in einen ernsten Kampf eingelassen hatten und vom Anmarsch der 104. LstlBrig. gegen ihre Westflanke erfuhren, standen vor der schwierigen Aufgabe der Loslösung vom nahen Gegner. So rafften sie ihre Reserven zusammen und führten von Südost her gegen Popinci einen wuchtigen Flankenstoß, der das tapfere, aber allzu stürmisch und zu dicht angreifende IR. 92 gegen 5h nachm. traf. Es geriet überraschend in eine fürchterliche Feuerumfassung und verlor im erbittertsten Ringen seiner ganzen Kriegserlebnisse 32 Offiziere und 1200 Mann. Die 57. IBrig. ging abermals gegen die Eisenbahn zurück1). FML. Krauss verfügte unter dem Eindrücke dieses Rückschlages die Einstellung des Angriffes der ganzen Gruppe, die Teile sogar zurücknehmen sollte. Die Serben wichen indessen nach Einbruch der Nacht gegen ihren Brückenkopf zurück. Die Rückwirkung der kräftigen Offensive des FZM. Potiorek machte sich geltend.

Der Heimat Söhne im Weltkrieg. Der 42er; Der 92er; Maiheft 1924.

Die Ursachen des serbischen Rückzuges konnten freilich auch am 13. nicht erkannt werden. Auf neue serbische Gegenangriffe gefaßt, rückte FML. Krauss nur kurz, bis Ugrinovci—Šimanovci—Popinci, vor. Die 104. LstlBrig. schloß bei Pećinci an. Als die Armeegruppe dann am 14. den Vormarsch gegen die Save antrat, war der Feind bereits entwichen.

Nun kam für FML. Krauss die ursprüngliche Aufgabe, der Übergang bei Jarak, wieder in Geltung. Um aber den Truppen ermüdende Märsche zu ersparen, gedachte er die Save bei Kupinovo am 17. zu überschreiten und in der wirksameren Richtung auf Valjevo vorzurücken. FZM. Potiorek erwiderte: „Wenn der Übergang westlich Kupinovo mit der anfänglichen Richtung Südwest erfolgt, ist nichts einzuwenden. Aber der 17. September ist zu spät; jede Stunde früher wäre ein Gewinn, und die Savemonitore könnten dabei sehr gut mitwirken!).“ FML. Krauss entschloß sich nun doch zum Übergang bei Jarak, wo er am 16. nachmittags die Save überschritt. Die Sicherung an der unteren Save und an der Donau blieb dem FML. Lütgendorf überantwortet, dem in Ost-syrmien außer der Festungsbesatzung von Peterwardein acht Marsch-und neun Landsturmbataillone und im Banat vier Marschbataillone und die 107. LstlBrig. zur Verfügung standen. Letztgenannte hatte am

12. September eine bei Pancsova über die Donau gekommene Serbengruppe verjagt.

Fortsetzung der Schlacht an der Drina (14. bis 16. September)

GdI.Frank leitete am 14.September mit demXIII.und demVIII.Korps den Übergang ein. An der Drina war ihm das Glück nicht hold. Die Serben hatten von der Überschiffung der 36. ID. nächst Janja vorzeitig Kenntnis erhalten und vernichteten sofort die erste Staffel. Dagegen gelang es der 21. SchD., bis Mittag acht Bataillone zu überschiffen, die GM. Podhajský etwa 3 km weit vorführte, so daß sich der Brückenschlag ungestört vollziehen konnte. Ein Angriff von drei serbischen Bataillonen wurde von den Schützen abgewiesen.

Bei der 42. HID. konnte bis zum Abend auch der Rest der Infanterie auf das östliche Ufer gebracht werden. Ihre Lage war keineswegs rosig. Die starken Befestigungen der Serben bei Šor sperrten ihr die Vorrückung, die feindliche Artillerie wütete in ihren Stellungen und verhinderte den Brückenschlag. Es ist begreiflich, daß die oberste Führung ihre Auf!) Tagebuch Potioreks.

merksamkeit auf die Entlastung der eigentlich in eine Sackgasse geratenen 42. HID. wandte, als früh der SO. HIBrig. die Eroberung des Crni vrh A 769 glückte. Sie und die 13. IBrig. auf Kuliste sollten nun unter Leitung des Kommandanten der zweitgenannten Brigade, GM. Stracker, auf die Höhen südlich von Loznica vorstoßen.

Das serbische 3. Armeekmdo. war indessen durch die Not der Verteidiger auf dem Gučevo veranlaßt worden, die KombD. nicht zum Angriff gegen die 42. HID. anzusetzen, sondern zur Stützung jener zu verwenden. Zwei Regimenter sollten Kuliste wiedererobern. Während der Vorrückung der Division kam aber der Befehl, ein Regiment gegen die Höhe bei Grn. Borina abzuzweigen, wo sich die Verteidiger durch einen dreiseitigen Angriff des FML. Eisler bedrängt sahen. Außerdem zog noch FML. Braun mit der 79. HIBrig. von Kuliste heran, um im Norden noch weiter zu umfassen. Diese und das Regiment der KombD. banden einander in einem Gefecht auf Carigrad1), so daß die Gruppe FML. Eisler gegen Abend endlich die zäh verteidigte Borinahöhe erstürmen konnte, womit der ganze Hauptkamm des Gučevo in den Besitz des XV. Korps gelangte.

Der Angriff des anderen serbischen Regiments auf Kuliste drang wohl nicht durch, lähmte aber den Vorstoß der Gruppe GM. Stracker gegen Loznica. Dieser Vorstoß sollte am folgenden Tage mit stärkeren Kräften wiederholt werden. FML. Kárász, Artilleriebrigadier bei der

40. HID., wurde angewiesen, die 40. HMaBrig. bei Koviljača zu überschiffen und das Kommando der ganzen Gruppe zu übernehmen, zu welcher auch die Reserve der 8. GbBrig. herangezogen wurde.

Weniger vom Glück begünstigt war das XVI. Korps. Vergeblich rangen Teile der 11. GbBrig., die Brigade GM. Šnjarič und die halbe 9. GbBrig. um die Höhe Kostajnik. FML. Trollmann gab den Vorstoß gegen den Mramor auf, um das Gros seiner Kräfte zur Bezwingung des Rožanj zu verwenden. Doch dem Ljubovija-Detachement flössen beträchtliche Verstärkungen zu. Die DonD.II, die mit ihrer Artillerie die gegenüber Mramor zurückgelassenen Teile der 1. GbBrig. unter mächtigem, teilweise flankierenden Feuer hielt, verschob zweieinhalb Bataillone auf Rožanj. Gegen Abend traf von Valjevo außerdem eines der beiden von der Užicer Armeegruppe gesandten Regimenter ein. Dieses entschied den hin und her wogenden Kampf, in dem die beherrschende Kuppe dreimal

*) Mjr. Andreas Szepessy v. Négyes hatte in diesem Kampfe sich als Bataillonskommandant im HIR. 30 durch seine Initiative derart ausgezeichnet, daß ihm nachträglich — er ist am 11. Jänner 1916 bei Rarancze gefallen — das Ritterkreuz des MilitärMaria Theresien-Ordens zuerkannt wurde.

den Besitzer wechselte, zu Gunsten der Serben. Nach hartem Ringen hatte inzwischen die DonD.II die 1. GbBrig. hinter die Kriva zurückgedrängt.

Der Plan des serbischen Gegenstoßes wurde auch dadurch gefördert, daß die Uzicer Armeegruppe endlich mehr Regsamkeit entfaltete. Die Vernachlässigung jeder Vorsorge für den Drinaübergang legte ihr wohl Hemmschuhe an, immerhin brachte das Lim-Detachement bei Ustiprača mit Hilfe der nach Goražde gerückten Montenegriner ein Regiment über den Fluß. Abwärts von Višegrad gelangten auf kleinen, nur je zwei Mann fassenden Faßflößen einige Züge hinüber. Am besten ging es bei der Uzice-Brigade, gerade dort, wo die Rückwirkung auf den Südflügel der Hauptkraft der 6. Armee am meisten fühlbar war. Die vorgeschobene Sicherungsabteilung der 9. LstEtBrig. wich vor dem auf etwa ein Regiment und zahlreiche Komitas angewachsenen Feind nach Osmače zurück. Ein Gegenangriff dieser Brigade war geplant.

Noch war im BOK. die dem Südflügel drohende Gefahr nicht im vollen Umfang zu erkennen und es gewann den Anschein, daß die Entscheidung binnen kürzester Frist auf dem Nordflügel, bei der 5. Armee, fallen müsse. GdI. Frank faßte dort seine Kräfte energisch zusammen, um den Erfolg der 21. SchD. auszuweiten. Die 9. ID., verstärkt durch die

71.    IBrig., sollte nächst der Drinamündung den Übergang bewirken, um im Anschluß an die Schützen Crnabara, den südlichen Stützpunkt der die Parašnica absperrenden serbischen Stellung anzugreifen. Die Lage der 42. HID. besserte sich, da in der Nacht der Brückenschlag gelang.

Die Ablösung der Flußsicherung an der Drinamündung durch die

72.    IBrig. sowie die Verschiebung der übrigen Truppen nahmen aber den ganzen 15. September in Anspruch. Die Infanterie der 21. SchD. verlebte inzwischen schwere Stunden; von unauffindbaren Batterien des Feindes mit Geschossen überschüttet, von serbischer Infanterie bei Tag und Nacht wiederholt angegriffen, wobei der linke Flügel der Schützen vorübergehend eingedrückt wurde, erreichten die Verluste der 21. SchD. bereits etwa 2000 Mann.

Die 42. HID. wurde von der DrinD.II wütend angefallen; doch bereiteten die Kroaten dieser einen so warmen Empfang, daß sie große Verluste erlitt und beträchtliche Teile schließlich in wilder Flucht über Šor zurückwichen. Schreckensnachrichten über die Stärke dieses Gegners alarmierten die serbischen Hauptquartiere. Dazu trat die Bedrängnis des Nordflügels der serbischen 3. Armee durch den Angriff der 40. HMaBrig., der Gruppe GM. Stracker und der 79. HIBrig.

Das serbische 3. Armeekmdo. bereitete die Zurücknahme der DrinD.II auf die Höhen bei Grn. Dobrić vor. Die Heeresleitung ließ sie von der 2. Armee durch zwei Bataillone und eine Batterie verstärken, sandte das zweite der Užicer Regimenter in das untere Jadartal und ließ die ŠumD.I statt nach Šabac nach Tekeriš marschieren.

Im Zusammenhang mit dem vom SOK. eingeleiteten Angriff gegen den Südflügel stürmten die Serben noch in der Nacht wiederholt gegen die 6. und die 7. GbBrig. südlich von Krupanj heran. Im Laufe des Tages erzwangen sie deren Zurücknahme in bessere Stellungen, wo ihnen aber bald ein Flankenangriff vom Mramor her drohte. Doch um diese Zeit waren die beiden Gebirgsbrigaden bereits dem FML. Trollmann unterstellt, der seine letzte Reserve, zwei Bataillone des Dalmatiner IR. 22, derart geschickt in die Flanke dieses Feindes vorgehen ließ, daß er eiligst entwich.

Die DonD.II verfolgte die auf die Sokolska pl. zurückgehende 1. GbBrig. nur durch Feuer. Dafür gab es ein gewaltiges Ringen am Südflügel, wo das Ljubovija-Detachement, nunmehr zehn Bataillone stark, zum Gegenangriff schritt. Die 2. und die halbe 13. GbBrig. kämpften gleich Löwen um den Rožany, Teile der 109. LstlBrig. beim Proslop.

Das SOK. wies angesichts der bei Loznica drohenden Gefahren das

1. Armeekmdo. an, nicht auf die dort wohl noch lange gebundene KombD. zu warten, sondern am 16. mit den inzwischen östlich vom Rožanj bereitgestellten DonD.I und II energisch zum Angriff vorzugehen. So drohte den zwölf Bataillonen des FML. Trollmann der Angriff von sechsunddreißig Bataillonen, also einer dreifachen Übermacht, darunter vom Kampfe noch wenig hergenommener Truppen, während jene der 18. ID. bereits sehr große Verluste erlitten hatten.

Am 16. September vormittags beganndieDonD.il den Angriff gegen die Front der 1. GbBrig., deren dünne Verteidigungslinie nur schwer dem Andringen Halt zu gebieten vermochte. Doch es gelang, nicht zum wenigsten dank dem Beispiel des Divisionärs, FML. Trollmann, der sich mit seinem Stabe als letzte Reserve in den Kampf warf. Die Südostflanke bekam es erst am Nachmittag bei Laze mit Artillerie der DonD.I zu tun.

Trotz des günstigen Standes der Kämpfe auf dem Šanac und beider Gruppe FML. Bogat bewogen die großen Verluste und die Aussichtslosigkeit, mit der l.ID. durchzudringen, den FZM. Wurm, diese sowie die 6. und die 7. GbBrig. in die vorteilhafte Stellung auf dem Höhenkamm Kriva Jela—Jagodnja—Šanac zurückgehen zu lassen.

Zu diesem Entschlüsse mögen auch die Nachrichten beigetragen haben, die über Erfolge des Feindes in Südostbosnien berichteten. GM. Andrian sah sich zu Mittag genötigt, die 8. GbBrig. zur Deckung der

Olovoer Waldbahn zurückzuführen. FZM. Potiorek glaubte anfänglich, daß die Gruppe bei Han Gromile zur Deckung der Straße nach Sarajevo Stellung zu nehmen hätte, erhielt aber bald darauf Meldung, daß die Serben bereits bis südwestlich von Srebrenica vorgedrungen waren. So wurde die Absicht des GM. Andrian gutgeheißen und ihm aufgetragen, im Verein mit Landsturm- und Marschformationen vor allem Srebrenica zu säubern.

Auch mußte FML. Trollmann wegen des Serbeneinbruches um die Brücke bei Ljubovija fürchten, weshalb er die 109. LstlBrig. anwies, dahin zurückzukehren und die südliche Flanke gegen den Feind bei Srebrenica zu schützen. Sein Gros vereinigte er auf der Miletina.

Beim XV. Korps stritt der rechte Flügel noch immer ohne Erfolg um den Kostajnik, der linke vermochte die beherrschende Höhe südöstlich von Loznica nicht zu erobern.

Bei der 5.Armee kam die 42.HID., die schon 40 Offiziere und 2000 Mann verloren hatte, über Šor nicht hinaus. Die 21. SchD. hatte erbitterte Kämpfe zu bestehen; doch besserte sich ihre Lage insofern, als es der

9. ID. gelang, am Morgen trotz heftiger feindlicher Gegenwehr sechs Bataillone nächst Crnabara zu überschiffen79).

Eine wesentliche Entlastung aber schien das leichte Fußfassen der Gruppe FML. Krauss auf dem südlichen Saveufer einzuleiten. FZM. Potiorek erwartete vom Vorstoß dieser Gruppe in der Mačva entscheidenden Einfluß auf den Verlauf der ganzen Schlacht und befahl am 16. der 6. Armee samt der 42. HID., die Offensive in der Linie Karačica—Zdrela— Biljeg—Kuliste sowie bei Šor ,,auf ein bis zwei Tage“ zu unterbrechen und den gegenüberstehenden Feind nur zu binden. Das Zurückschwenken der 18. ID. am Südflügel hinter die im Gračanicatal führende Straße Krupanj—Ljubovija bezweckte angesichts der schon auf 6000 Mann gestiegenen Verluste des XVI. Korps und in der Erkenntnis, daß hier ein übermächtiger Angriff bevorstand, die Verkürzung der Front um 11 km.

Flankenangriff des Kombinierten Korps FML. Krauss

(16. bis 20. September)

Hiezu Skizze 48

Die serbische 2. Armee, durch die Vorgänge vor ihrer Front gebunden, durch das Abschwenken der ŠumD.I der erhofften Verstärkung bei'aubt, hatte die Sicherung an der Save der Kavalleriedivision und zwei Bataillonen III. Aufgebotes überlassen müssen. So hatte es die am 16. September nachmittags überschiffte 29. ID. nur mit einer bald geworfenen Abteilung des III. Aufgebotes und einer Schwadron zu tun bekommen. Abends war die Brücke bei Jarak fertiggestellt. Nördlich von diesem Orte nächtigte GM. Panesch mit der 41. SchBrig., die FZM. Potiorek dem FML. Krauss unterstellt hatte. Die 104. LstlBrig. war bis Hrtkovci, die halbe 7. ID. (14. IBrig.) bis Budjanovci gelangt. Auf Antrag des FML. Krauss wurden diese Verbände vom 17. September an „Kombiniertes Korps“ genannt. Es sollte nach Herstellung des Anschlusses an die 5. Armee dieser unterstehen.

Am Morgen des 17. September wurden die bei Drenovac zusammengezogenen zwei serbischen Kavallerieregimenter und zwei Bataillone von der 29. ID. angegriffen, die ihre Überlegenheit in der durch andauernden Regen in einen Sumpf verwandelten Niederung nur schwer zur Geltung zu bringen vermochte, aber um 3h nachm. die Serben doch in Unordnung bis hinter den Jerez zurückwarf. Gleichzeitig nahm die

41. SchBrig. den Ort Ševarice. Das serbische 2. Armeekmdo. rechnete mit dem baldigen Rückzug seiner Truppen und ließ die Trains abschieben sowie alle Vorbereitungen zur Zurücknahme der MorD.I gegen die Nordabhänge der Cer planina treffen.

Das SOK. setzte am Nachmittag ein Regiment der ŠumD.I zur

2. Armee in Marsch. Als ihm der Rückzugsplan des Gen. Stepanovic bekannt wurde, entsandte es gegen Abend auch das Gros dieser Division bis auf ein Regiment und eine Batterie, die in Tekeriš verblieben. Mittlerweile hatte am Abend das Eintreffen von vier Bataillonen der TimD.I die Bildung einer neuen Widerstandslinie von den Sümpfen im Save-Jerezwinkel über Pričinovič bis Uzvece ermöglicht. Dies und das Herannahen ansehnlicher Verstärkungen ließen den Gen. Stepanovic von dem bereits für die Nacht geplanten Rückzug einstweilen absehen.

Die 5. Armee bekam sonach von der erhofften Entlastung nichts zu spüren. Die Serben ihr gegenüber hatten die Zeit gut benützt und sich derart eingegraben, daß der weitere Kampf den ausgesprochenen Charakter des Schützengrabenkrieges annahm. Ihre vorzüglich ausgebaute Hauptstellung verlief entlang der Dammstraße Crnabara—Ravnje, doch hatten sie dieser noch zwei Stellungen vorgelegt, um welche die 21. SchD. unter steten Rückschlägen schwer zu ringen hatte. Die k. u. k. 9. ID. mühte sich ab, durch Eroberung von Serbisch-Rača den Anschluß an die Kameraden in der Parašnica herzustellen. Die MorD.I führte den Abwehrkampf sehr aktiv und fügte den Angreifern viel Abbruch zu, während sie in gut ausgebauten Stellungen auch durch Artilleriefeuer wenig litt.

Vom Komb. Korps rückten am 18. die 58. IBrig. längs der Save, die 57. und die 14. IBrig. gegen Pričinovič, die 41. SchBrig. gegen Uzvece vor, während die 104.LstIBrig.saveaufwärts die Verbindung mit dem VIII.Korps herzustellen hatte. Pričinovič konnte erst nach einem wechselvollen, durch Sumpf erschwerten Kampf mit dem schließlich auf acht Bataillone und fünf Batterien angewachsenen Feinde erobert werden. Die 41. SchBrig. nahm Uzvece.

Während zu dieser Zeit die 6. Armee stark angegriffen wurde, ließen Fliegermeldungen den FZM. Potiorek zutreffend annehmen, daß dem Komb. Korps nur untergeordnete Kräfte gegenüberstünden. Von diesem Korps traf hingegen die Meldung ein, daß der Angriff wegen der notwendigen Vorbereitung nur langsam fortschreiten werde. FZM. Potiorek entsandte daher am 18. abends einen höheren Generalstabsoffizier zum FML. Krauss, „um ihn über die Lage bei der 6. Armee eingehend zu orientieren und ihm nahezulegen, sich nicht zu sehr in die Direktion Südwest ziehen zu lassen, vielmehr in dieser Richtung nur seine minderwertigen Kräfte zu verwenden, mit den vollwertigen Direktion Süd auf Zavlaka zu nehmen, möglichst rasch Raum zu gewinnen und auch seine Kavallerie loszulassen1)“.

Doch die Hoffnung auf eine baldige Entlastung der 6. Armee durch das Komb. Korps sollte am 19. einen jähen Stoß erleiden.

FML. Krauss hatte auf die Aufforderung des 5. Armeekmdos., über Metkovic—Bogatić gegen den Rücken des mit dem schwer ringenden VIII. Korps kämpfenden Feindes vorzustoßen, am 19. die 41. SchBrig. von Uzvece gegen Glušci, die 14. und die 57. IBrig. von Pričinovič gegen Metkovic angesetzt. Die 104. LstlBrig. sollte in der Front Nočaj—Serbisch-Mitrovica verbleiben und nur ein Bataillon gegen Glušci zur flankierenden Unterstützung der 41. SchBrig. entsenden, die wieder in den Kampf der Hauptkolonne um Metkovic flankierend einzugreifen hatte. Die 58.IBrig. hatte Pričinovič zu halten und den Weg Drenovac—Šabac zu sperren.

Vor 9h traf der Generalstabsoffizier Potioreks beim FML. Krauss ein. Dieser hielt am Angriff in der Richtung Metkovic—Glušci fest, um zunächst dem VIII. Korps über die Drina zu helfen und dann erst im Verein mit diesem gegen Zavlaka vorzugehen, da die Aufforderung Potioreks von den Ereignissen offenkundig überholt war. Immerhin meldete das Korpskommando, als feindliche Kräfte von Belotić heranrück-

1) Tagebuch Potioreks.

ten, es sei möglich, daß diese einen eventuellen Rückzug der Serben von der Drina decken sollten.

Gen. Stepanovic hatte indessen jeden Rückzugsgedanken fallen lassen und setzte am 19. früh das Gros der ŠumD.I von Štitar über den Südostteil von Pričinovic gegen Drenovac—Ševarice zum Angriff an und die TimD.I über den Nordwestteil von Pričinovic gegen Uzvece, um möglichst längs der Bitvasümpfe in den Rücken des Gegners zu gelangen.

Bevor noch die Bewegung des Komb. Korps in Fluß kam, wurde das Korps in dem unübersichtlichen Gelände aus der Richtung Metkovic angegriffen. Die 14. und die 57. IBrig. waren bald gezwungen, Front nach Süden zu nehmen und kämpften schließlich den ganzen Tag am Süd Westrand von Pričinovic im Anschluß an die 58. IBrig. gegen die ŠumD.I. Die Hauptkraft der TimD.I warf sich auf die schwache1

41. SchBrig., die infolge der Ablenkung der 14. und 57. IBrig. und durch Sümpfe von der 104. LstlBrig. getrennt in arge Bedrängnis geriet. Teile der Brigade fluteten nach Usvece zurück. Die Gefahr eines Durchbruches, der den Serben den Weg in den Rücken des Komb. Korps öffnen konnte, lag nahe. Doch dank dem entschlossenen Eingreifen des Brigadiers, GM. Panesch, und der Mithilfe von zwei Bataillonen der 14. IBrig. gelang es, die Serben wieder nach Glušci zurückzudrängen1).

In der Nacht gruben sich die Serben, zwanzig Bataillone mit vierzig Geschützen, vor der ganzen Front des Komb. Korps ein2), und am 20. standen sich die beiden Gegner tatenlos gegenüber.

Bei der 5. Armee waren inzwischen von der 21. SchD. die beiden Vorstellungen der Serben in der Parašnica erobert worden. Die 9. ID. hatte Serbisch-Rača erstürmt. Es war aber nicht zu verkennen, daß die Hauptarbeit, die Überwindung der starken Stellung an der Dammstraße, noch bevorstand, der man mangels schwerer Artillerie nur durch den langwierigen Sappenangriff beikommen konnte.

Am 21. mußte die 9. ID. den wütenden Versuchen der MorD.I, Serbisch-Rača zurückzuerobern, die Stirne bieten und Teile der 71. IBrig. zur Unterstützung heranziehen. Beim Komb. Korps, das an diesem Tage dem 5. Armeekmdo. unterstellt wurde, führte das Bestreben, den festgefahrenen Angriff durch flankierendes Eingreifen der 104. LstlBrig. gegen Glušci wieder flott zu machen, nicht zum Ziele.

x) Obstlt. Johann Haas des 21. FJB. erwarb bei diesem Anlaß das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

2) Der Heimat Söhne im Weltkrieg. Der 42er, Juniheft 1924; Der 92er, Juliheft 1924, Der 94er, Feberheft 1923.

Nachrichten über beabsichtigte Verschiebungen serbischer Kräfte von der Donau-Savegrenze gegen Westen hatten das Gruppenkmdo. Syrmien-Banat (FML. Lütgendorf) veranlaßt, eine nachdrückliche Demonstration einzuleiten. Bei und westlich Kupinovo wurde der Scheinangriff so vortrefflich durchgeführt, daß die Serben am 20. ein Kavallerieregiment mit einer Batterie und die letzte Armeereserve ihres Nordflügels, das IR. 19, von Tekeriš eiligst nach Debrc sandten. Gegenüber Belgrad wurde unter GM. Gustav Goglia aus Landsturm- und Marschbataillonen eine Brigade zusammengezogen. Obwohl nur wenige Zillen zur Verfügung standen, übersetzten am 21. und 22. unter dem Schutze der Donauflottille zuerst Freiwillige, dann zwei Bataillone des ung. LstlR. 32 auf die Große Zigeunerinsel und trieben die Serben gegen den Steg zurück, der diese Insel mit dem serbischen Ufer verband. Diese Bedrohung Belgrads war so wirksam, daß der Ministerpräsident Pasić das SOK. zur eiligen Verstärkung der Besatzung veranlaßte. Die gesamte Stärke der zum Schutze der Hauptstadt versammelten Truppen wuchs dadurch auf 17 Bataillone, 1 Schwadron und 10 Batterien an1).

Auch im Banat, bei Pancsova und Ivanova, erregte die Demonstration Beunruhigung bei den Serben. Der kühne Plan des FML. Lütgendorf, in Erweiterung des ersten Erfolges vor Belgrad die Festung mit einem Handstreich zu bezwingen, erschien allerdings „etwas abenteuerlich“2). Die Serben legten auf die Zigeunerinsel ein derartig heftiges Vernichtungsfeuer und führten am 23. so kräftige Gegenstöße, daß das tapfere Landsturmregiment sehr schwere Verluste erlitt; auch der Regimentskommandant, Obstlt. August Schmidt, befand sich unter den Gefallenen. Am 23. abends erhielt FML. Lütgendorf vom BOK. den Befehl, das Marschregiment 25 und das ung. LstlR. 1 ehestens zum Komb. Korps abzusenden und die geplante Unternehmung gegen Belgrad einzustellen.

Die Zurücknahme der k.u.k. 6. Armee (17. und 18. September)

Hiezu Beilage 22 sowie Skizze 46

Beim XV. Korps hatte der anbefohlene Stillstand der Offensive die Serben zum Angriff herausgefordert. Dies veranlaßte den GdI. Appel, seinen linken Flügel am 17. abends in die weitaus besseren und truppensparenden Stellungen auf dem Hauptkamm des Gučevo zurückzunehmen. Der linke

1)    Serb. Gstb. W., II, 352.

2)    Tagebuch Potioreks.

Flügel des XVI. Korps konnte dank dem Zurückgehen auf die Kammhöhen der Boranja planina unverfolgt und in Ruhe die angeordnete Besetzung durchführen. Sehr schwer gestaltete sich die Zurücknahme der IS. ID. Schon zeitlich früh rannten die bei Krupanj gesammelten Serben achtmal gegen den von GM. Heinrich Goiginger mit der 6. GbBrig. verteidigten Eckpfeiler der Stellung, den Šanac, an, bis ihre vergeblich gebliebenen Bemühungen erlahmten. Dem Gros der 18. ID. auf der Sokolska planina kam der Rückzugsbefehl in die neuen Stellungen Karačica—Zdrela erst am Morgen zu. So mußte die Räumung der Miletina angesichts des nahen, sprungbereiten Feindes erfolgen, der nicht verfehlte, seinen Vorteil auszunützen. Hastig entzogen sich die Verteidiger über höchst schwieriges Gelände dem anstürmenden Angreifer und fanden sich schließlich in der engen Schlucht der oberen Gračanica zusammen, wo nur ein ganz schmaler Weg talabwärts führte *).

Glücklicherweise verfolgte die abgekämpfte, siebeneinhalb Bataillone zählende DonD.II nur mit Teilen gegen Ždrela und wandte sich befehlsgemäß zur unmittelbaren Unterstützung der 3. Armee gegen den Šanac. FML. Trollmann konnte seine Bataillone, von welchen manche infolge der bisher erlittenen großen Verluste nur noch eine Kompagnie formierten, in der neuen Stellung sammeln. FZM. Wurm trug den Verhältnissen Rechnung und befahl mittags das Zurücknehmen hinter die Uzovnica, womit weitere 7 km Front erspart wurden und der Südflügel einen besseren Abschluß an der Drina fand. FZM. Potiorek schwenkte jedoch den Südflügel noch radikaler zurück, bis hinter die Velika. Die abgekämpfte

1. und die 2. GbBrig. kamen nun zur Erholung als Reserve hinter den rechten Flügel.

Von der verfolgenden DonD.I erreichten Vortruppen die Höhen westlich, drei Regimenter den Rücken östlich der Uzovnica südlich vom Zdrela. Die DonD.II sammelte sich beim Šanac. Die Artillerie war weit abgeblieben. Dennoch rechneten die Serben in Überschätzung der bisher erzielten Erfolge mit dem Rückzug der 6. Armee über die Drina und wollten mit der 1. Armee von Südosten, mit der 3. Armee von Nordosten her gegen Zvornik verfolgen. Merkwürdigerweise verfiel das SOK. nicht darauf, die Not des Gegners durch energisches Vortreiben der Užicer Armeegruppe gegen dessen Flanke und Rücken zu erhöhen. Allerdings hielt das mühselige Überschiffen auf kleinen Flößen diese Gruppe ungemein auf. Die Brücke von Višegrad war noch nicht hergestellt. Immerhin sammelte sich bis zum Abend die Gruppe östlich von Rogatica.

1 j Hoen, Waldstätten-Zipperer und Seifert, Die Deutschmeister, 280.

Mehr als das Zusammenwirken mit den Hauptkräften beschäftigte den Führer der Armeegruppe Užice, Gen. Božanovič, die Frage der Teilung des angestrebten Gebietserwerbes mit den Montenegrinern. Mißlich war, daß diese früher und leichter über die Drina gekommen waren, somit rascher Eroberungen machen konnten, auf die sie Besitzansprüche bei den Friedensverhandlungen zu gründen vermochten. Der als montenegrinischer Generalstabschef wirkende serbische General Jankovic wollte sie in serbischem Interesse auf den Höhen südlich der Prača festhalten. Die Montenegriner kehrten sich aber nicht daran und rückten am 17. in Rogatica ein, wo erst zwei Stunden später serbische Patrouillen eintrafen. Das schließlich wegen der Abgrenzung der Wirkungsbereiche angerufene SOK. wies die Montenegriner in den Raum südlich der Prača mit der Aufklärung gegen Sarajevo. Daraus ergaben sich Schwierigkeiten für die Fortführung der Operationen. An dem militärisch gebotenen Vorstoß über Vlasenica durften die Montenegriner nicht teilnehmen, wohl aber konnten sie ihn benützen, um Sarajevo zu erobern. Die Armeegruppe Užice zu teilen, um sie beiden Zielen nachgehen zu lassen, widersprach allen Grundsätzen; der Marsch gegen Sarajevo mit vereinter Kraft bot den gegnerischen Hauptkräften die Flanke und konnte böse Überraschungen bescheren. DiesesDilemma gebar die Weisung, inRogaticazuverbleiben, „inso-lange sich die Situation auf dem Hauptkriegsschauplatze nicht klärte1)“.

Indessen war GM. Andrian am 17. an das Ende der Olovoer Waldbahn gelangt, wo er zwei Bataillone der 9. LstEtBrig. vorfand, während <leren Hauptkraft (drei Bataillone) östlich von Vlasenica bei Milici stand. Potiorek wies die 8. GbBrig. an, ihr Hauptaugenmerk auf die Sicherung der wichtigen Nachschublinie des XVI. Korps zu richten. Aus der Festung Sarajevo war zur Störung des feindlichen Vormarsches gegen Norden eine Streifung über Pale durchzuführen. Mit diesen allerdings kleinen Mitteln hoffte man größerem Unheil wenigstens so lange zu begegnen, bis der Flankenstoß des Komb. Korps an der Save die große Schlachtentscheidung auslösen würde.

Am 18. September gingen die Serben konzentrisch gegen die 6. Armee in der Meinung vor, es nur noch mit gegnerischen Nachhuten zu tun zu haben, wurden aber überall blutig abgewiesen. Nur auf dem Crni vrh A769 gelang abends der Einbruch eines serbischen Bataillons.

FZM. Potiorek entschloß sich auf diese Nachricht hin, das Gros der

42. HID., das gegen die starken Stellungen der Serben vor dem Brückenkopf bei Šor unmöglich vorzukommen vermochte, zum XV. Korps heran-i) Serb. Gstb. W., II, 271.

zuziehen. Doch um Mitternacht brandete ein Angriff der DrinD.II gegen die Kroaten heran. Nach seiner Abweisung gingen vorläufig drei Bataillone und eine Batterie zum linken Flügel des XV. Korps ab. Mittlerweile waren die Serben auf dem Crni vrh A769 längst zurückgeworfen worden.

Die serbischen Führer erkannten, daß die Eroberung des Gebirgs-stockes der Jagodnja das Schicksal der ganzen Verteidigung auf dem Boranja- und Gucevorücken entscheiden mußte. Diesem mächtigen Stützpfeiler sollte fortan der Hauptangriff gelten; Nebenangriffe der 1. und der 2. Armee sollten die übrige Front binden, um das Abziehen von Reserven auf den Schauplatz der Hauptentscheidung zu verhindern.

Das Ringen um die Jagodnja (19. bis 22. September)

Hiezu Beilage 22 sowie Skizze 48

In Regen und Nebel setzten die Serben am 19. ihre Angriffe gegen die 6. Armee mit bewundernswerter Zähigkeit fort. Ein entschlossener Vorstoß ließ sie in die Stellungen der 10. und der 11. GbBrig. auf der Borinahöhe und auf Biljeg eindringen; doch wurde die StellunginderNacht durch Gegenstoß wieder völlig in den Besitz der Verteidiger gebracht1).

Angriff auf Angriff brandete am gleichen Tage gegen die Tragpfeiler der Gebirgsstellung, die Košutnja stopa und die Jagodnja, heran. Nachmittags wurden die Anstürme übermächtig, während sich die Verteidigungslinie der 7. und der 9. GbBrig. immer mehr lichtete. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit schwemmte ein neuerlicher serbischer Angriff die Verteidiger der Jagodnjahauptkuppe hinweg. Doch wackere Bataillone niederösterreichischer und südsteirischer Truppen rafften sich zu einem Gegenangriff auf2), der zwar nicht völlig durchdrang, aber doch die auf den Besitz der Hauptkuppe beschränkten Serben eng umklammert hielt.

Dies war der Beginn des sich auf dem engen Raume des etwa 400 m breiten Gipfelovales abspielenden gewaltigen Ringens um die Schlachtentscheidung, des blutigsten Kampfes im ganzen serbischen Feldzuge.

Mit wenig Hoffnung auf einen Erfolg stellte FZM. Wurm zunächst seine Reserve auf der čavčiči, die nicht viel mehr als 1000 Feuergewehre zählende 1. GbBrig., dem FML. Trollmann zur Führung eines Gegenstoßes

x) Der Heimat Söhne im Weltkrieg. Der 92er, April- und Maiheft 1924.

Beteiligt waren an diesem Gegenangriff: die Bataillone 111/49, IV/87, IV/84, dann eine Marschkompagnie des IR. 4 (Ehrenbuch der Hesser, II, 181).

zur Verfügung. Es wurde späte Nacht, bis sie auf den Höhen einlangte1). Nun entschloß sich FZM.Potiorek angesichts der Bedrängnis der 6. Armee, den größten Teil der an der unteren Drina stehenden 72. IBrig. durch Landsturm abzulösen und über Kozluk an den Nordwestteil des Gučevo zu verschieben. Das XIII. Korpskmdo. hatte den Befehl über seine am Nordflügel der 6. Armee eingesetzten Truppen und den Brückenkopf bei Šor zu übernehmen. Auch aus diesem waren nach Möglichkeit noch Teile der 42. HID. zum Gučevo heranzuziehen.

Bei all der Not dieses Tages wirkte es für den Feldzeugmeister beruhigend, daß man die Armeegruppe Užice und die Montenegriner noch immer im Raume um Rogatica annehmen durfte. Die Nachricht aber, daß der Feind zwei Marschkompagnien bei Gromile eingeschlossen habe, erweckte beim GM. Andrian (S. 627) die irrige Ansicht, daß es sich um die Vorhut einer gegen Sarajevo vorgehenden feindlichen Kolonne handelte, die er anzugreifen beschloß, was FZM. Potiorek gerne billigte, froh, daß die Serben ihr Augenmerk auf diese Richtung lenkten. Gleichzeitig wurde die Festung Sarajevo neuerlich zu einer Streifung über Pale angewiesen. Noch am 19. September erreichte die hiezu bestimmte Gruppe Pale, indes GM. Andrian, Banden und schwächere Streifabteilungen zurückwerfend, nach Košutica gelangte.

Die leichten Erfolge, die GM. Andrian bei Gromile über die Bedränger der dortigen beiden Marschkompagnien erzielte, ließen bei Potiorek die Hoffnung schwinden, daß die Armeegruppe Užice ihr Augenmerk in diese Richtung lenken und sich dadurch von den Ereignissen der Drinaschlacht ausschalten werde. Dagegen erweckte der Vormarsch eines serbischen Infanterieregiments mit zwei Batterien gegen die Höhen südlich von Han Pijesak die Befürchtung, daß Gen. Božanovič endlich doch zu erfassen begänne, wohin das schwere Ringen der Hauptkräfte seine Armeegruppe gebieterisch wies. GM. Andrian wurde zur sofortigen Rückkehr an die Olovoer Bahn angewiesen.

Auf den Gen. Božanovič machte der Unfall, der seine Streifabteilungen bei Gromile betroffen hatte, umso tieferen Eindruck, als seine Aufklärung auch auf die von Pale anrückende Kolonne aus Sarajevo gestoßen war. Der serbische Führer glaubte auf einen Gegenangriff schließen zu müssen und war noch weniger als früher geneigt, gegen den Befehl seiner Heeresleitung die Initiative zu ergreifen.

Kaum lichtete am 20. September der anbrechende Tag das Nebelmeer, das die Jagodnja umwallte, da flammte auch schon der Kampf

1) Hoen, Waldstätte n-Zipperer und Seifert, Die Deutschmeister, 289.

wieder auf, dem auch der Obst. v. Lukachich, Nachfolger des vor der čavčiči schwcr verwundeten GM. v. Novak-Arienti, mit seiner schwachen 1. GbBrig. keine bessere Wendung zu geben vermochte. Die Serben zersprengtenden ihre Stellungen umklammernden Halbkreis, vermochten aber im Nebel lange Zeit ihren Erfolg nicht zu überblicken und merkten erstim Scheine der Mittagssonne, daß sie die gegnerische Stellung durchbrochen hatten. Allerdings war der Augenblick jetzt für den Verteidiger höchst kritisch. Die 6. Armee, die in den bisherigen Kämpfen bereits 20.000 Mann verloren hatte, besaß nur noch die arg gelichtete 2. GbBrig. als Reserve, die aber erst vom Südflügel herangezogen werden mußte.

Die serbische 1. Armee ließ indessen glücklicherweise kostbare Stunden verstreichen, bevor sie ihre Kräfte auf der Jagodnja zusammenschloß, um dann mit zwölf Bataillonen auf dem schmalen Rücken gegen die Ko-šutnja stopa anzugreifen. Die Anhäufung der Truppen in einem Raume, der kaum die Entwicklung eines Regiments gestattete, war kein glücklicher Gedanke der Führer der beiden Donaudivisionen1). Der Gegner fand inzwischen Zeit, die Reste der zersprengten Bataillone zu sammeln, die Brigadiere bildeten allmählich den Rücken abriegelnde Gruppen, denen namentlich einige trefflich geleitete Maschinengewehrabteilungen kräftige Stützen abgaben. Dabei kam es der 6. und der 7. GbBrig. sehr zu statten, daß die 109. LstlBrig. vom südlichen Drinaufer her das der Stellung bei Lipniko vorliegende Tal mit Feuer beherrschte. Überdies hatte GM. Heinrich Goiginger, dem die Oberleitung des Kampfes auf der Jagodnja übertragen worden war, das Feuer aller im Bereich befindlichen Batterien gegen die Jagodnja zusammengefaßt.

Vor der Front des XV. Korps war an diesem Tage Ruhe eingetreten. Überläufer, Gefangene und Kundschafter sagten einhellig aus, daß die Serben an diesem Frontteil sehr hergenommen waren und dringend einer Ruhepause bedurften. GdI. Appel konnte jetzt nicht umhin, behufs Unterstützung des XVI. Korps den längst erlassenen Auftrag zur Streckung der Front der 48. ID. und zum Freimachen der Brigade GM. Šnjarič am rechten Flügel durchzuführen. Das erste freigewordene Bataillon traf gerade rechtzeitig beim Obst. Lukachich ein, um diesem einen Gegenstoß mit der Nordgruppe auf den bereits erschütterten Angreifer zu ermöglichen. Die Serben wurden auf die Hauptkuppe zurückgedrängt, der Halbkreis um diese schloß sich wieder, wenn auch mit stark durcheinandergewürfelten Resten der bisher eingesetzten Bataillone. Der tapfere Kommandant der 1. GbBrig. zog drei Maschinengewehrabteilungen auf der

Das Serb. Gstb. W., II, 276, übt gerechtfertigte Kritik an dieser Maßnahme.

Nebenkuppe zusammen, um der Gefechtslinie einen festen Halt zu geben. Dies konnte sich ungestört vollziehen, weil Ermüdung und starker Regen die Serben zwang, während der Nacht Ruhe zu pflegen. Ihre Lage in den Feldbefestigungen und der diese stützenden Schanze am Südflügel hatte sich freilich insofern verbessert, als es ihnen gelungen war, eine Schnellfeuerbatterie auf die Höhe zu bringen. Sie standen nun mit siebzehn Bataillonen auf der Jagodnja, mit acht Bataillonen und fünf Batterien dahinter westlich vom Šanac, mit sieben Bataillonen gegenüber der 6. und der 13.GbBrig. auf dem Rücken östlich von Lipniko.

Schon am 21. September bei Morgengrauen begannen die Anstürme der vom Obst. Lukachich während der Nacht organisierten Gruppen auf die Jagodnjakuppe. Ein gegen 10h vorm. eingeleiteter Generalsturm ließ die Angreifer in die serbische Stellung eindringen und acht Maschinengewehre erobern, die Flügelschanze konnte aber nicht genommen werden und ein Gegenstoß serbischer Reserven warf die Angreifer wieder zurück.

Das Herankommen der 2. GbBrig. ermöglichte gegen 5h nachm. bei schon eingetretener Dämmerung einen abermaligen Generalsturm. Nach heißem Kampf in den Gräben konnten sich die Stürmer in der den Serben entrissenen Stellung wohl behaupten, doch blieb die Flügelschanze auch diesmal unbezwungen und die Serben vermochten im Anschluß an diese eine zweite Linie des Widerstandes einzurichten. Die heißumstrittene beherrschende Kuppe, nach serbischer Schilderung „ganz rot vom Blute der vielen Gefallenen“, lag zwischen beiden Gegnern, auf ihr auch die serbische Batterie, deren Bedienung gefallen war.

Am Südflügel der 6. Armee wurde das Treiben des serbischen Srebrenica-Detachements einigermaßen unangenehm empfunden, weshalb FZM. Wurm der nach Han Pijesak rückkehrenden 8. GbBrig. befahl, den Raum um Srebrenica bis zur Drina vom Feinde gänzlich zu säubern.

Die Montenegriner hatten sich bisher wohl in den ihnen zugewiesenen Stellungen festhalten lassen, gingen aber nun mit dem Nordflügel bis in die Gegend etwa 10 km westlich von Rogatica vor. Der Serdar Vukotic forderte den Gen. Božanovič gleichzeitig auf, die Armeegruppe Užice nordwärts zu verschieben, um seiner vorgeprellten Gruppe die Flanke zu decken. Da endlich bei Višegrad zwei Behelfsbrücken über die Drina fertiggestellt worden waren, fiel der Vorwand schwierigen Nachschubes weg. Doch der serbische Führer wollte von den erhaltenen Direktiven nicht abgehen und dachte überhaupt nicht daran, daß ein Stoß gegen Norden zur Entlastung der schwer kämpfenden Hauptkraft in Frage käme. Er war ganz in den Gedanken eingesponnen, daß ihm die einzige

Aufgabe zufiel, nach glücklicher Beendigung der Drinaschlacht Sarajevo zu erobern und dadurch die Landeshauptstadt dem Zugriff der Bundesgenossen zu entziehen.

Verschiedene Zwischenfälle bedingten am 22. September früh eine Verschiebung des Angriffsbeginnes auf der Jagodnja. Als der Sturmendlich losbrach, klappte das Zusammenwirken der Geschütze und Maschinengewehre mit der Infanterie nicht vollständig; immerhin wurde die Stellung der Serben samt der Flügelschanze genommen. Nicht lange aber sollten sich die öst.-ung. Truppen ihres Erfolges erfreuen. Nach kräftiger Artillerievorbereitung schritten die Serben zum Gegenangriff. In dem nun einsetzenden wütenden Ringen wechselte die Jagodnja viermal den Besitzer, bis die 1., 6., und 7. GbBrig. sich schließlich durch einen umfassenden Angriff der vielumstrittenen Höhe bemächtigten. In erbittertem Nahkampf wurden die in ihren Graben sich verzweiflungsvoll wehrenden Serben überwunden. Ihre Reserven wandten sich angesichts der Bedrohung der Südflanke zur Flucht gegen den Šanac. Große Munitionsvorräte, fünf gefüllte Munitionswagen, sechs Geschütze und acht Maschinengewehre fielen in die Hände der Sieger, aber auch zweitausend Tote von Freund und Feind bedeckten die blutgetränkte Walstatt.

Die serbische 1. Armee war durch die Niederlage schwer erschüttert. Es bedurfte des energischen Eingreifens der Heeresleitung, um dem Rückzug auf den Höhen nördlich und östlich von Krupanj ein Ziel zu setzen. Mit Bangen sah sie der Verfolgung durch die siegreichen öst.-ung. Truppen entgegen, die dazu nach Aufgebot ihrer letzten Kräfte mangels frischer Reserven freilich unfähig waren.

Mittlerweile war auch der linke Flügel der 6. Armee zum Angriff geschritten. Starker Nebel beeinträchtigte das Vorbereitungsfeuer der Artillerie. Deswegen und wegen der noch sehr großen Ermüdung der 40.HID., die durch Aufteilung der zugehörigen Marschbrigade verstärkt wurde, wollte GdI. Appel den Angriffsbeginn verschieben, doch ging FZM. Potiorek mit Rücksicht auf die eben heranreifende Entscheidung im Ja-godnjakampfe darauf nicht ein. So rückte der Kommandant der 36. ID., FML. Czibulka, mit der 72. IBrig. um 2h nachm. am linken Flügel vor, vermochte aber nur wenig Raumgewinn zu erzielen. Bei Nacht mußte die 13. IBrig. einen heftigen serbischen Gegenstoß abwehren.

Während sich dieser Versuch des FZM. Potiorek, den Gang der Schlacht zu wenden, wenig verheißungsvoll anließ, rang sich auf feindlicher Seite Putnik zur Einsicht durch, daß es nicht anging, die Armeegruppe Užice in Untätigkeit verharren zu lassen, während bei den Haupt-

kräften die Waage des Sieges hin und her schwankte. Bald nach Mittag erging an den Gen. Božanovič der Befehl zum Vorstoß gegen Vlasenica in Flanke und Rücken des Gegners, wobei vorerst die Olovoer Eisenbahn zu erreichen und als wichtige gegnerische Nachschublinie zu zerstören war. Gleichzeitig wurde Gen. Jankovič in Cetinje beauftragt (S. 627), beim montenegrinischen Oberkommando die notwendigen Befehle an den Serdar Vukotič zu erwirken, damit er sich mit dem Gen. Božanovič wegen der Mitwirkung der Montenegriner an den Deckungsmaßnahmen gegen Sarajevo ins Einvernehmen setze1).

Abflauen des Kampfes bei der 6. Armee (23. und 24. September)

Unter dem Eindruck des Mißerfolges auf der Jagodnja befahl Gen. Jurišič-šturm seiner 3. Armee am 23. September früh, sich vorübergehend auf die Verteidigung zu beschränken. Als jedes Nachstoßen der ermüdeten Sieger unterblieb, trieb Putnik die 1. Armee energisch in die Linie knapp nordwestlich Krupanj—Šanac—Sv. Petar vor, um die schon abgerissene Verbindung mit der 3. Armee wiederherzustellen.

Bei dieser hielten sich die Unterkommandanten nicht an die Weisung ihres Armeekmdos., als der Nordflügel des XV. Korps am 23. September seinen Angriff fortsetzte. Statt in der Abwehr zu verharren, unternahmen sie heftige Gegenstöße und der Kommandant der KombD., in dessen Abschnitt bereits sechsundzwanzig Bataillone und vierunddreißig Geschütze standen, beschloß sogar, mit vierzehn Bataillonen einen Sturm gegen Kuliste und die beiderseitigen Höhen zu führen, um die gegnerische Front aufzurollen und in die Drina zu werfen. Die anderen Divisionen wurden zu gleichzeitigen Angriffen aufgefordert. Die Bereitstellung der Gruppe nahm so viel Zeit in Anspruch, daß der Vorstoß bis zum 24. früh aufgeschoben werden mußte. Mittlerweile hatten der nur geringe Raumgewinn der Truppen des FML. Czibulka, die deutlich wahrnehmbaren Vorbereitungen des Feindes zum Gegenangriff und die Meldung vom Anrücken einer langen Kolonne gegen Loznica, in der irrigerweise eine Division vermutet wurde, den Führer des XV. Korps, GdI. Appel, bewogen, die Rücknahme der Angriffsgruppe in die guten Stellungen auf dem Gučevo anzuordnen. Dieser verantwortungsvolle und, wie sich bald zeigte, sehr zweckmäßige Entschluß bildete mit einen Grund, dem General noch nach seinem Tode für Višegrad und die Drinaschlacht das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens zu verleihen.

Ohne Kenntnis von der Verzögerung des Angriffes der KombD. fielen die DrinD.I und die MorD.II die Borinahöhen und den Biljeg an. Auf jenen drangen die Serben gegen Abend in die Stellung ein; in der Nacht durchbrachen sie die Front links vom Biljeg und erzwangen dadurch die Räumung der sogenannten „Totenschanze“2).

Bei der serbischen Armeegruppe Užice füllten den 23.September die Verhandlungen zwischen dem Gen. Božanovič und dem Serdar Vukotic über die am 24. beginnende Offensive aus. Man wähnte den auf etwa zwei Brigaden geschätzten Gegner einerseits auf den Höhen nordwestlich von Sokolac und Gromile, andererseits an der Endstrecke der Olovoer Waldbahn. Gegen die erstgenannte Gruppe sollte die Hauptkraft des Lim-Detachements, gegen die zweitgenannte die ŠumD.II in breiter Front Vorgehen. Die aus Cetinje eingelangten, sichtlich durch den Gen. Jankovic beeinflußten Weisungen waren bemüht, den Serdar Vukotic von dem Gedanken abzuhalten, den serbischen Vorstoß gegen Vlasenica zu einem Handstreich gegen die schwach besetzte Landeshauptstadt Sarajevo auszunützen. Er durfte nur auf die Höhen beiderseits der Prača etwa in die Linie Senkovici— Prača dl.—Modropolje vorgehen. Um den montenegrinischen Tatendrang doch zu befriedigen, wurde eine Unternehmung gegen Kalinovik gestattet.

Während diese Pläne mit der Mitwirkung des Srebrenica-Detachements rechneten, begann sich bereits dessen Geschick zu erfüllen. Der dem GM. Andrian unterstellte GM. Lenz hatte am 22. fünf Bataillone seiner 9. LstEtBrig. bei Milići vereinigt und rückte am 23. auf der Straße nach Srebrenica vor. Als er vorgeschobene serbische Abteilungen zurückgeworfen hatte und vor der feindlichen Hauptstellung eintraf, griff die 8. GbBrig. über Džile von Süden flankierend ein, worauf der Feind floh.

Der nächste Tag, der 24. September, war von neuem Ringen erfüllt. Das XV. Korps entriß den Serben nach hartem Kampf wieder die Höhen bei Gorn. Borina. Die Totenschanze auf dem Biljeg mußte demFeinde einstweilen überlassen bleiben. Ein Versuch der Serben, ihren dortigen Erfolg zu erweitern, wurde von der 11. GbBrig. abgewiesen.

Die serbische KombD. wurde durch Regen und Nebel gezwungen, ihr Vorgehen bis gegen Mittag zu verschieben. Ihr Angriff gegen die 79. HIBrig. und die 13. IBrig. beiderseits von Kuliste brach im „mörderischen Artilleriefeuer“ des Verteidigers zusammen. Nach zweimaligem

3, Gal. Appel starb am 1. Februar 1915 in Erdévik an Typhus.

Der Heimat Söhne im Weltkrieg. Der 92er, Maiheft 1924.

vergeblichem Anlauf flaute dieser Kampf gegen Abend ab. Die Kuliste blieb aber auch in den nächsten zwei Nächten das Ziel von Anstürmen der serbischen KombD., ohne daß die schweren Opfer einen Erfolg einzubringen vermochten.

Das k.u.k. XVI. Korps konnte sich in Ruhe der Ausgestaltung seiner Stellungen widmen. Auf die Nachricht vom siegreichen Vordringen der Gruppe GM. Andrian, die an diesem Tage Srebrenica kampflos besetzte, wurde die 109. LstlBrig. über den Fluß herangezogen, um die 13. GbBrig. am Südflügel abzulösen, die sich als Korpsreserve „retablieren“ sollte.

FZM. Potiorek befahl, die 6. Armee habe ihre eroberten Höhenstellungen zu behaupten, bis die großen Standesabgänge, die beim XV. Korps schon zwölftausend Streiter, beim XVI. Korps an abgeschobenen Verwundeten und Kranken allein schon dreizehntausend Mann ausmachten, durch die anrollenden Marschformationen wieder aufgefüllt waren. Der Befehl zur Kampfpause trug dem Ruhebedürfnis der ermüdeten, auch unter Verpflegsschwierigkeiten und unter den Unbilden der Witterung leidenden Truppen Rechnung und leitete ruhigere Tage ein. Nur die 48.ID. gewann am 28. September auch die Totenschanze auf dem Biljeg zurück1).

Einbruch der Serben und Montenegriner in Südostbosnien (23. bis 28. September')

Schon am 23. war der landeskundige GM. Šnjarič nach Südbosnien entsendet worden, um einheitlich die Bekämpfung der immer kecker auftretenden serbischen und montenegrinischen Banden mit Freiwilligenaufgeboten und Gendarmen zu leiten. Doch wurde beim BOK. der Einfall der Serben und Montenegriner in Bosnien infolge der scheinbaren Untätigkeit der feindlichen Hauptkräfte noch immer nur als Unbequemlichkeit empfunden, während tatsächlich der Vormarsch der serbischen Armeegruppe Užice bereits im Gange war und die ŠumD.II am 24. etwa die Hälfte des Weges zwischen Rogatica und dem Ende der Waldbahn hinter sich brachte. Die Montenegriner - ein etwa brigadestarker Teil des Drina-Detachements — hatten am 25. das Ar-tillerie'feuer gegen das befestigte Lager Kalinovik eröffnet. Nördlich von ihnen, in Südostbosnien, entfalteten die Serben eine erhöhte Tätigkeit. Potiorek hatte schon am 18. September die Absicht gehabt, die

0 Der Heimat Söhne im Weltkrieg. Der 92er, Mai- und Augustheft 1924.

bei Avtovac verbliebene 3. GbBrig. zur Bekämpfung des aus dem Sandžak eingebrochenen Feindes heranzuziehen. Doch die Herzegowinagruppe der Montenegriner war unermüdlich in ihren Ausfällen aus der Dugafurche in das Gacko polje und in ihren Angriffen auf die kleinen Befestigungen an der Straße Avtovac—Bileća. Nun war aber am 22. September im Süden der Herzegowina ein \\7itterungsumschlag eingetreten, Regen und empfindliche Kälte, auf den Höhen Schnee; die Kämpfe flauten ab, so daß gegen die Absicht des Feldzeugmeisters, das bedrängte Lager Kalinovik zu entsetzen, kein Bedenken mehr bestand. Indes dauerte es noch bis zum 28. September, ehe die Brigade marschfertig und die Verteidigung des Gacko polje mit dem schwachen Landsturm organisiert wurde.

Die ŠumD.II drang am 25. bis Mrkalje vor, also schon in bedrohliche Nähe zur Olovoer Bahn. Das serbische Lim-Detachement besetzte kampflos die Höhen nördlich von Sokolac, schwache montenegrinische Abteilungen gelangten auf die Höhen nördlich von Gromile. Einen Strich durch die Rechnung machte dem Gen. Božanovič die Niederlage des Srebrenica-Detachements, dessen bei Osmače gesammelten Teile von Vortruppen des GM. Andrian am 25. noch weiter zurückgedrückt wurden. Indessen setzte eine kleine öst.-ung. Abteilung unter Obstlt. Chwostek dem serbischen Einbrüche so kräftigen Widerstand entgegen, daß sich die ŠumD.II mit dem Erreichen von Kusaće und der Höhen südlich der Bahn begnügte. Die Bedrohung des wichtigen Etappenortes Vlasenica veranlaßte den GM. Andrian, die 9. LstEtBrig. nach Milići zurückzusenden. Das Gros der 8. GbBrig. schob sich gegen Osmače heran und jagte das serbische Srebrenica-Detachement mit leichter Mühe zurück, ehe ihm zugedachte Verstärkungen eingetroffen waren.

Die serbische Armeegruppe Užice begnügte sich am 27. September damit, die ŠumD.II bis auf die Höhen knapp nördlich der Eisenbahn vorzuschieben, obwohl die schwache Gruppe Obstlt. Chwostek bis Vlasenica zurückgegangen war. Indessen bereitete GM. Andrian dem über Osmače vorgegangenen Srebrenica-Detachement eine schwere Niederlage, indem er zuerst den serbischen Nordflügel zurückwarf und dann den Südflügel so vollkommen zersprengte, daß die Serben in ihrer Flucht erst jenseits der Drina innehielten. Nebst einem Geschütz wurde auch ein Angriffsbefehl erbeutet. Dieser brachte volle Klarheit, daß die ŠumD.II über Vlasenica in den Rücken der 6. Armee vorstoßen und das SrebrenicaDetachement sie durch Offensive über Srebrenica gegen Milići unterstützen sollte. Wie Gefangene aussagten, waren zwei Regimenter über Bajinabašta zur Verstärkung dieses Druckes im Anmarsch.

Nun verfügte das XVI.Korpskmdo., GM. Andrian habe mindestens die Höhen bei Srebrenica, Obstlt. Chwostek Vlasenica festzuhalten. Als Verstärkung wurde die Reserve des XVI. Korps, die 13. IBrig., nach Vlasenica in Marsch gesetzt.

Auf serbischer Seite befahl Gen. Božanovič, daß das SrebrenicaDetachement neu zu bilden sei und am 28. September abermals die Drina zu überschreiten habe. Um dem Detachement das Vordringen zu erleichtern, waren von der ŠumD.II zwei Bataillone und eine Batterie gegen Džile in den Rücken der 8. GbBris;. zu senden. Der Kern der Division sollte sich auf dem Nordostrande der Javor planina (Kraljeva gora) gegenüber Milici—Vlasenica festsetzen und Erkundungsabteilungen vortreiben. In Ausführung dieses Befehles stießen Teile der ŠumD.II gegen Vlasenica, das serbische Lim-Detachement gegen Kladanj und Olovo vor.

Dieses bedenkliche Vordringen des Feindes und insbesondere seiner immer kecker herumschwärmenden Banden sowie der am Vortage erbeutete serbische Angriffsbefehl veranlaßten den FZM. Potiorek Maßnahmen zu treffen, durch die der Rücken und die Flanke der 6. Armee von weiteren Störungen befreit und namentlich die regulären Truppen des Feindes, die das Rückgrat der Banden bildeten, abgeschüttelt werden sollten. Angesichts der Bindung der Hauptkräfte durch die feindlichen Armeen und der scheinbaren Bedrohung Sarajevos durch die Montenegriner, von welchen man je eine Brigade in Pale und Prača dl. annehmen mußte, war die Aufbringung entsprechender Kräfte nicht leicht; doch half sich FZM. Potiorek auch in dieser schwierigen Lage. Das Festungskmdo. Sarajevo mußte zwei Landsturmbataillone und eine Gebirgsbatterie auf den Waldbahnen nach čevljanovič und Vareš senden. Sie hatten sich unter dem Obstlt. Hauser mit dem Olovoer Detachement zu vereinigen. Nach Tuzla wurden teils mit Bahn, teils mit Fußmarsch von der 5. Armee zwei Bataillone des IR. 79 und eine fahrende Batterie, von der 6. Armee drei Bataillone und eine Gebirgsbatterie unter Obstlt. v. Hellebronth gezogen. Mit dem am 29. September dort aus Triest eintreffenden LstlR. 27 hatten sie eine Gruppe zu bilden, die Obstlt. Karpellus zunächst nach Kladanj zu führen und dann mit der Gruppe Flauser zu vereinigen hatte, um in des Feindes Westflanke zu stoßen.

Wie sehr FZM. Potiorek auch sonst stets bestrebt war, alle Kräfte zur Entscheidung einzusetzen, zeigt die Ablösung der an der Drina als lose Verbindung zwischen beiden Armeen noch zurückgebliebenen Teile der 72. IBrig. durch die am 27. September zugewiesene, weder bewaffnete noch militärisch bekleidete und ausgerüstete ung. 8. LstEtBrig. Mit Uniformen Gefallener und mit gesammelten Waffen ausgerüstet, konnte sie vom 7. Oktober an in den Sicherungsdienst treten.

Das Erlahmen des Angriffes der 5. Armee

Angriffe des Vlll. Korps und Verstärkting des Komb. Korps (23. bis 28. September)

Der Feldzeugmeister rechnete darauf, daß der Stillstand bei der

6. Armee nur kurze Zeit währen und der sicher erwartete Erfolg der

5. Armee die Ereignisse wieder in frischeren Fluß bringen werde.

Dort hatte das VIII. Korps am 23. September einen verzweifelten Versuch unternommen, sich aus eigener Kraft aus dem zermürbenden Stellungskrieg freizumachen. Sein Sturm brach vor den Hindernissen der wohlbewehrten Dammstraßenstellung zusammen. Ein Vorstoß, den die 104. LstlBrig. am rechten Flügel des Komb. Korps von Serbisch-Mitro-vica entlang des südlichen Saveufers zur Verbindung mit dem VIII. Korps unternahm, gelangte aus der Sumpfenge von Zasavica nicht hinaus. In dieser Gegend stellte man eine Verstärkung der feindlichen Truppen fest. FML. Krauss meldete, daß eine Besserung der Lage nur möglich wäre, wenn er Kraftzufuhr erhalte, und bat mit dem Hinweis darauf, daß die Unternehmung der Gruppe FML. Lütgendorf gegen Belgrad wertlos sei, um Zusendung der beiden besten Regimenter dieser Gruppe. FZM. Potiorek willfahrte dieser Bitte und verfügte überdies, FML. Lütgendorf solle alles zusammenraffen, was nicht unbedingt zur Bewachung der Save-Donaulinie nötig war, um durch einen Übergang nächst Sabac das Komb. Korps zu entlasten (S. 625).

Das VIII. Korps bereitete am 24. die Wiederholung des Generalsturmes sorgfältig vor, das Komb. Korps wies feindliche Vorstöße gegen seinen linken Flügel ab und FML. Lütgendorf leitete die Versammlung der Truppen zum Saveübergang bei Šabac ein. Seiner Bitte um reichliche Zuweisung von Brückenmaterial konnte das BOK. nicht entsprechen. Es wies ihn an, falls die 5. Armee oder das Komb. Korps nicht ausreichend helfen könnten, mit der Hauptkraft bei Jarak überzugehen und von dort gegen Šabac vorzustoßen.

Wie unsicher sich der gegenüberstehende Feind fühlte, erhellt schon daraus, daß Gen. Stepanovic am 24. September seinem Oberkommando die Frage zur Beurteilung und Entscheidung vorlegte, ob er es bei dem gewagten Aufbau seiner Front darauf ankommen lassen dürfe, einem

Angriff des sich verstärkenden Gegners bis zur Entscheidung Widerstand zu leisten. Putnik umging eine klare Beantwortung, indem er es dem

2. Armeekmdo. überließ, den Augenblick zur Anordnung des Rückzuges in die Linie Šabac—Nordfuß der Cer planina wahrzunehmen.

Der 24. September brachte auf öst.-ung. Seite auch die vollkommene Loslösung des BOK. von der Heeresleitung in Neusandez. Den Anlaß hatte eine Andeutung gegeben, die FZM. Potiorek am 19. in einem Briefe an GdI. Bolfras über die unzureichenden Munitionsvorsorgen gemacht hatte. Die Militärkanzlei säumte nicht, das Kriegsministerium zur Sendung mehrerer Munitionszüge an die Balkanfront zu veranlassen, was bei der Not an allen Fronten und dem Unvermögen der noch nicht entwickelten Munitionsindustrie, den Anforderungen der Truppen auch nur halbwegs gerecht zu werden, die Anordnungen der Heeresleitung empfindlich störte. Um derlei Eingriffe in den Wirkungsbereich des die materielle Gesamtlage allein überblickenden Etappenoberkommandos auszuschalten, wies der Armeeoberkmdt. Erzherzog Friedrich den Feldzeugmeister ,,in aller und jeder Beziehung“ auf den Dienstweg *). Da dies dem allerhöchsten Befehl zur direkten Berichterstattung an die Militärkanzlei widersprach, blieb dem BOK. nichts anderes übrig, als die neue Weisung dieser vorzulegen. Darauf erging am 24. September die Anordnung an den Feldzeugmeister, nicht nur weiter direkt an die Militärkanzlei zu berichten, sondern auch die Presseverlautbarungen selbst zu verfassen, wobei nur in wichtigen Fällen die Genehmigung des Obersten Kriegsherrn im Wege der Militärkanzlei, also nicht bei der Heeresleitung, einzuholen war. Der Versuch des GdI. Conrad, die direkte Verbindung des BOK. mit der Militärkanzlei auszuschalten, hatte also zur Erweiterung der Selbständigkeit des FZM. Potiorek geführt, womit gleichzeitig ein Wunsch des Ministers des Äußern Erfüllung fand2).

Am 25. September bei Morgengrauen lief das VIII. Korps mit großem Schwung erneut gegen die serbischen Stellungen an der Dammstraße an. Verheerendes Frontal- und Flankenfeuer zwang die zum Teil schon bis in die Hindernisse gelangten Stürmer zur Rückkehr in die schützenden Gräben der Ausgangsstellung. Die großen Verluste ließen in absehbarer Zeit an eine Wiederholung des Angriffes nicht denken. Das 5. Armeekommando bahnte nun eine Umfassung des Feindes bei Ravnje an, indem es fünf Bataillone der 36. ID. mit den vier Bataillonen bei Mitrovica unter Kommando des GM. Graf Salis-Seewis vereinigte. Die ent!) Conrad, IV, 830, 835.

2) Ebenda, IV, 851, 860.

scheidende Rolle blieb aber dem Komb. Korps zugedacht. Hatte schon FML. Krauss die Absicht, nach Einschieben der zugewiesenen beiden Landsturmregimenter mit drei Heeresbrigaden am linken Flügel des Korps anzugreifen, so wünschte GdI. Frank außerdem dessen unmittelbare Verstärkung durch die Truppen des FML. Lütgendorf.

Dieser hatte inzwischen die Versammlung einer unter das Kommando des GM. Gustav Goglia tretenden Gruppe im Raume Klenak— Platičevo—Nikinci schon eingeleitet. Sie sollte aus fünf Marschbataillonen der Brigade GM. Fülöpp, dreieinhalb Bataillonen der 107. LstlBrig. (GM. Breit), drei des ung. LstlR. 12 und aus einem des ung. LstlR. 32 nebst elf Batterien bestehen. Auf die erbetenen beiden Infanterieregimenter 73 und 102 hatte man verzichten müssen, da das VIII. Korps sie nicht entbehren konnte.

Bei einer Rücksprache des FML. Lütgendorf mit FML.Krauss kamen die beiden Generale überein, daß der Saveübergang und der Vorstoß der Gruppe Goglia bei Šabac erfolgen sollte, und zwar am 28. gleichzeitig mit dem Angriffe des Komb. Korps.

Das 5. Armeekmdo., welches zur einheitlichen Leitung der Operation seinen Standort nach Mitrovica verlegte, versuchte nochmals beim FZM. Potiorek zu erwirken, daß der Saveübergang bei Jarak erfolge. Das BOK. entschied aber, daß FML. Lütgendorf die Operation so durchführen solle, wie sie bereits vorbereitet sei, er habe sie selbst zu leiten und das Gruppenkommando Syrmien-Banat dem FML. Adalbert v. Ta-másy zu übertragen.

Mitten in die Angriffsvorbereitungen platzte die Nachricht von dem am 28. September eine Stunde nach Mitternacht begonnenen Saveübergang der Serben bei Belgrad. Unterstützt von der gesamten Artillerie des Verteidigungsbezirkes Belgrad gewannen fünf Bataillone bald den Rideaurand, eroberten vier dort eingebaute Geschütze und nach längerem Kampf bis Mittag Semlin, wobei ihnen aber namentlich die Donauflottille sehr zu schaffen machte. Ein schneidiger Angriff der Savesicherung von Surčin her drängte den linken Flügel wohl ein gutes Stück zurück, immerhin durften die Serben rechnen, Semlin nach Fertigstellung einer Floßbrücke als Brückenkopf halten zu können. Linienschiffsleutnant Richard Wulff fuhr jedoch, unbekümmert um das wütende Feuer der serbischen Kanoniere, am Abend mit drei Monitoren der Donaugruppe in die Save und schoß die beinahe schon fertige Brücke in den Grund. Nunmehr ordnete der Kommandant des Verteidigungsbezirkes Belgrad den Rückzug an, bei dem die eroberten Ge

schütze bis auf eine leicht transportable Gebirgskanone zurückgelassen werden mußten. Eine Abteilung besetzte einen kleinen Brückenkopf knapp am Ausgang der Eisenbahnbrücke und konnte sich dort, geschützt durch die Belgrader Artillerie, behaupten, bis am 21. Oktober das Hochwasser die Räumung erzwang. Linienschiffsleutnant Wulff setzte während der Nacht die Fahrt saveaufwärts fort, durchbrach in heftigem Artilleriefeuer die Minensperre bei Obrenovac und brachte seine Gruppe glücklich bis Šabac, um auch an den dortigen Kämpfen hervorragend mitzuwirken 1).

Das VIII. Korps war nach den abgewiesenen Stürmen auf die Führung einer Art von Festungskrieg gegen die serbischen Stellungen angewiesen, wobei der Mangel an schwerer Artillerie nur ein äußerst langwieriges Herankommen an den Feind verhieß. Begreiflicherweise legte GdI. Frank besonderen Wert darauf, dem Korps die Aufgabe durch einen Druck der Gruppen Krauss und Lütgendorf in den Rücken des Verteidigers der Dammstraße zu erleichtern. Er sandte den GM. Geřabek, der seit 9. September Armeegeneralstabschef war, nach Tuzla, um den FZM. Potiorek umzustimmen. Dieser beharrte unter Hinweis auf die Meldung des FML. Krauss, daß ohnehin schon genug Truppen im Sumpfe steckten, auf dem Übergang bei Šabac, mindestens für die Hauptkraft Lütgendorfs. Hauptsache war, daß das Unternehmen am 28. September begann.

'Cotlaujen des Atigriffes der 5. Armee (29. September bis 4. Oktober)

Der Angriff des Komb. Korps und die Erzwingung des Überganges bei Šabac mußten auf den 29. verschoben werden, weil die zur Bildung eines Stoßkeiles am Ostflügel des Korps ausersehenen Bataillone erster Linie nicht zeitgerecht bereitgestellt werden konnten, und weil die Über-schiffungsmittel nicht eintrafen.

Die großen Hoffnungen auf die Offensive des Komb. Korps und den Saveübergang bei Šabac erfüllten sich aber auch am 29. September nicht im geringsten. Weder Pontons noch eine ebenso dringend benötigte Pionierkompagnie trafen rechtzeitig ein. Der Versuch, mit den dürftigen Mitteln doch die Überschiffung zu beginnen, mußte wegen des wirksamen Artilleriefeuers der serbischen Gruppe bei Šabac aufgegeben werden.

Die Angriffe der 57. und der 14. IBrig. (18 Bataillone, 4 Batterien)

*) Für diese Taten erhielt Wulff das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

zwischen Save und Pričinovic und der 58. IBrig. durch den Ostteil des ebengenannten Ortes führten nur zur Eroberung einer vorgeschobenen serbischen Stellung1). FZM. Potiorek ersehnte angesichts der Lage in Ostbosnien einen entlastenden und den Feind bindenden Erfolg am Nordflügel mit größterUngeduld; er telegraphierte dem GdI. Frank:,,Es kommt jetzt hauptsächlich auf Raumgewinn an, der endlich erreicht werden muß. Die Gruppe Goglia muß heute über die Save. Geht es nicht bei Klenak, so wird es nördlich gehen. Ich will bis abends die Meldung haben, daß alle dreizehn Bataillone auf dem rechten Saveufer sind.“

Das 5. Armeekmdo. zog hierauf die Brigade GM. Fülöpp in einem Nachtmarsch nach Jarak und ordnete an, daß FML. Lütgendorf, der dem Komb. Korps unterstellt wurde, mit der 41. SchBrig. und der 107. LstlBrig. Richtung Glušci—Metkovič anzugreifen habe. Weil aber Teile dieser Landsturmbrigade bereits bei der 57. IBrig. ins Gefecht eingesetzt waren, erhielt FML. Lütgendorf an ihrer Stelle die Brigade GM. Fülöpp vom Korpskmdo. zugewiesen. Ein neuer Versuch am 30., die feindlichen Linien zu durchbrechen, scheiterte sowohl am linken Flügel, der Tabanovic hätte nehmen sollen, als auch am rechten Flügel des Komb. Korps. Ebenso vergeblich bemühte sich GM. Salis, zwischen den Bitvasümpfen und der Save gegen Südwesten Raum zu gewinnen, um dem VIII. Korps Luft zu machen.

Das langsame Fortschreiten des Angriffes in der Mačva legte den Gedanken nahe, die serbische Front wieder vom Nordflügel der 6. Armee anfallen zu lassen. Die Beobachtung des Abmarsches einer serbischen Kolonne von Loznica gegen Norden ermutigte das XIII. Korps am 1. Oktober zu einem Vorstoß, der am linken Flügel beträchtlich Raum gewann. Doch in der Nacht zum 6. Oktober gelang es der KombD. des Feindes, sich auf A 708 zwischen Crni vrh A 769 und Kuliste festzusetzen, von wo sie weder durch Sappenangriffe und Kreuzfeuer der Artillerie, noch durch sonstige Anstrengungen zu vertreiben war. Dagegen erstürmte Obst. Schirmer mit dem IR. 53 am 6. Oktober das Finanzwachhaus gegenüber von Flan Palator und gewann damit einen guten Stützpunkt an der Drina in der Höhe von Loznica (Skizze 46).

Die Gruppe Salis hatte mittlerweile am 1. Oktober den Feind zwischen Save und Zasavica wohl bis zur schmälsten Stelle nördlich des Ostendes von Ravnje zurückgedrängt, konnte jedoch trotz vorzüglicher Unterstützung durch die Monitoren nicht weiter kommen.

x) Der Heimat Söhne im Weltkrieg. Der 42er, Juliheft 1924; Der 92er, Augustheft 1924; Der 94er, Februarheft 1923.

Am 4. Oktober kam der Angriff der 5. Armee vollständig zum Stehen. Ausschlaggebend hiefür war neben empfindlichem Offiziersmangel das Stocken im Munitionszuschub. Die Industrie vermochte den ungeahnt großen Bedarf nicht zu decken. Die Artillerie war zu äußerster Sparsamkeit mit der Munition gezwungen, kein Wunder daher, daß sich die Infanterie nur äußerst langsam mit der Sappe vorzuarbeiten vermochte.

Vergeblich befahl FZM. Potiorek, „ohne Scheu vor Verlusten“ doch wenigstens an einer Stelle mit der dreiundfünfzig Bataillone starken Gruppe Krauss-Lütgendorf einen Erfolg zu erzwingen. Darunter waren aber sechsundzwanzig notdürftig ausgebildete Landsturmbataillone, offiziersarm und auf halbem Stande! Das 5. Armeekmdo. wollte wohl das IR. 91 als Verstärkung einsetzen, doch lehnte FML. Krauss mit der Begründung ab, er brauche Artilleriemunition, sonst nütze ihm noch so viel Infanterie nichts.

Kämpfe in der Südflanke der 6. Armee Hiezu Beilage 22 sowie Skizze 49 .

Verstärkung der öst.-ung. 'Gruppen bei Vlasenica (29. September bis 4. Oktober)

Bei Vlasenica griff die 13. GbBrig. am 29. September den Westflügel der ŠumD. II kräftig an. Das benachbarte Lim-Detachement versuchte einen entlastenden Flankenstoß, dem aber Obst. Graf Berchtold gegen Vlasenica auswich. Gleichzeitig verloren die Serben auch den Stützpunkt ihres rechten Flügels, den Vranji kamen, wo die nächste Armeegruppenreserve eingreifen mußte, um die Lage herzustellen. Der Divisionär schilderte diese als „sehr ernst“, worauf Putnik den Gen. Božanovič anwies, sich in der günstigsten Stellung vor Vlasenica zu befestigen und jedenfalls eine Niederlage zu vermeiden. Gleichzeitig wurde das Srebrenica-Detachement auf fünf Bataillone gebracht, deren Kommando Obst. Mišič zu übernehmen hatte. FZM. Potiorek berief hingegen den GM. Andrian nach Milići zurück; dieser beließ in Srebrenica nur das Bataillon 11/66.

Am 30. September gelang es den Serben bei Vlasenica spät abends, den Vranji kamen zurückzuerobern. Ihr zu scharfer Erkundung gegen Milići vorgetriebenes Bataillon lief dem GM. Andrian in die Arme und wurde völlig zersprengt. Am 1. Oktober überfielen dann die dalmatinischen Kroaten des auf Streifung befindlichen Bataillons 111/22 den Vranji kamen und brachten einige hundert Serben gefangen ein.

Um den in der Krivošije und gegen die Straße Trebinje—Bileća wieder lebhafter werdenden Montenegrinern das Handwerk zu legen, unternahmen je zehn Kompagnien aus den Bocche gegen das Becken von Grahovo und von Trebinje aus bis über die Grenze Vorstöße, die ihren Zweck vollständig erfüllten. Bis auf den üblichen Kleinkrieg mit Banden herrschte während der nächsten Wochen in dieser Gegend tatsächlich Ruhe. Nur die Beschießung der Vermacwerke vom Lovčen aus dauerte fort; doch war der Erfolg gering, obzwar die Franzosen für Verstärkung mit schweren Geschützen gesorgt hatten. Ein am 19. September unternommener, abermals vergeblich gebliebener Versuch ihrer Flotte gegen den Eingang der Bocche hatte sie belehrt, daß dem Kriegshafen nur von der Landseite beizukommen war1).

Indessen reifte der Stoß gegen die Užicer Armeegruppe immer mehr heran. Die Gruppe Obstlt. Karpellus gelangte am 2. Oktober südlich von Kladanj bis nahe an die Olovoer Waldbahn, bei Olovo stand die Gruppe Obstlt. Hauser zum Zusammenschluß bereit. Noch ohne Ahnung von der ihr drohenden Gefahr ging die ŠumD.II am Morgen den Ostflügel der

13. GbBrig. an,-wurde aber durch einen Flankenangriff überrascht, worauf sie gegen llhvorm. in ihre Höhenstellung zurückwich.

Obzwar das Srebrenica-Detachement — fünf Bataillone,eine Batterie — wieder über die Drina eingebrochen war und am 2. das Bataillon 11/66 bis auf die Höhe westlich von Srebrenica zurückgedrängt hatte, ließ FZM. Potiorek die 8. GbBrig. von Milići nach Vlasenica abrücken, um alle erreichbaren Kräfte auf diesem augenblicklich wichtigsten Kampfplatz einzusetzen. Dafür schob FZM. Wurm den Obstlt. Chwostek mit zwei Bataillonen und einer Batterie dem Bataillon 11/66 als Rückhalt nach.

Der Führer der serbischen Armeegruppe, Gen. Božanovic, erfuhr gerüchtweise von gegnerischen Verschiebungen aus der Gegend nordwestlich von Vlasenica gegen Kladanj. Auf seine Meldung hin drängte ihn die Heeresleitung zur gründlichen Aufklärung bis Kladanj—Olovo und die Montenegriner zum Vorgehen auf die Romanja planina und die Höhen südlich von Pale sowie zur Aufklärung gegen Sarajevo. Das Ljubovija-Detachement wurde zum Überschreiten der Drina angewiesen, um im Verein mit dem noch um zwei Bataillone verstärkten Srebrenica-Detachement energisch gegen die Straße Milići—Nova Kasaba vorzustoßen.

Das Srebrenica-Detachement griff am 3. Oktober das Bataillon 11/66 an. Obstlt. Chwostek warf hierauf den Südflügel der Serben zurück. Immer*) Kriegsarchiv (Marinearchiv), Öslerreich-Ungains Seekrieg 1914—1918-(Wien 1929/31), 114 ff.

hin sah die Lage bei Srebrenica keineswegs beruhigend aus, weshalb FZM. Wurm für alle Fälle die 2. GbBrig. aus der Front des XVI. Korps zog und als Reserve bereitstellte.

Obst. Mišič hingegen verstärkte mit den nachgesendeten beiden Bataillonen der Užice-Brigade den am Vortag geworfenen Südflügel des Srebrenica-Detachements, um den mißglückten Angriff gegen die Höhen westlich von Srebrenica zu wiederholen. Vorsichtig vorrückend, verbrauchten die Serben den ganzen Tag, um sich an die Stellung heranzuschieben. Obstlt. Chwostek hatte dort nur eine kleine Gruppe belassen und sein Gros auf die Höhen südlich von Bratunac in die Nordflanke des Feindes verschoben. Vereinzelte Patrouillen des Ljubovija-Detache-ments wurden verjagt.    .

Wiedererobeninz der Olovoer Waldbahn (4. bis 10. Oktober)

Am 4. Oktober zu Mittag änderte sich jäh das Bild für die Armeegruppe Užice. Das Anrücken der Gruppe Obstlt. Karpellus gegen Ne-vačka wurde offenbar; es bedrohte die Flanke der serbischen Stellung, die mit ihrem vorgeschobenen linken Flügel und den hinter dem Ostflügel stehenden Reserven gar nicht ungünstiger gegenüber den gegnerischen Plänen gewählt sein konnte1). Nun richtete Gen. Božanovič einen dringenden Hilferuf an die Heeresleitung. Dieser kam die Meldung viel zu spät zu, um eingreifen zu können. Die wirksamste Hilfe, ein Angriff der Hauptkräfte, schien undurchführbar, weil ein zur selben Zeit eintreffender Bericht des Gen. Bojovič den trostlosen Zustand seiner Armee und die Schwierigkeiten des Angriffsgeländes in den schwärzesten Farben schilderte. Als einzigen Ausweg schlug Gen. Bojovič das Herausziehen einiger Bataillone mit Artillerie aus der Front der 1. Armee vor, um dem Ljubo-vija-Detachement mehr Stoßkraft zu verleihen2).

Angesichts der dem Kommandanten der Armeegruppe Užice eingeräumten Freiheit des Entschlusses, die günstigste Stellung vor Vlasenica zu wählen und sich keiner Niederlage auszusetzen, mußte Putnik mit der Zurücknahme der Gruppe rechnen, wodurch sich der dann vereinzelt bleibende Vorstoß des Ljubovija-Detachements wieder zu einem gefährlichen Abenteuer gestaltet hätte. Er ging deshalb auf den Vorschlag nicht ein. Gen. Božanovič glaubte wohl zu wenig Zeit zu haben, um Anord-

1)    Serb. Gstb. W., III, 58.

2)    Ebenda, III, 62.

nungen für die Zurücknahme seiner Truppen erlassen zu können, so daß das SOK. vom Gegenstoß tatsächlich überrascht wurde.

Bei Kalinovik hatte inzwischen GM. Pongrácz reinen Tisch gemacht, mußte aber am 4. die Verfolgung bald einstellen, weil der Feind sich schon bis Foča zurückgezogen hatte. Daß Avtovac nach dem Abmarsch der 3.GbBrig. arg von starken montenegrinischen Kräften bedrängt wurde, focht den alle Nebenzwecke großzügig vernachlässigenden FZM. Potiorek wenig an. Vom 2. Oktober an, als die Montenegriner durch die Ereignisse bei Kalinovik der Abwesenheit der 3. GbBrig. sicher waren, begannen sie zunächst mit kleineren Angriffen gegen die den Ausgang aus der Duga-senke sperrende Stellung, bis sie am 4. Oktober den beherrschenden westlichen Eckpfeiler, den Rücken Stepen, erstürmten. Immerhin vermochte Obst. Waňek, der die Verteidigung des Gacko polje zu leiten hatte, die zweite Stellung zu halten und erzielte am 5. durch einen Gegenangriff seiner mobilen Reserve insoferne einen Achtungserfolg, als sich die weit überlegenen Feinde in den nächsten Tagen mit der Beschießung der den Talausgang beherrschenden Höhe Gat in der Mitte der zweiten Stellung begnügten.

GM. Andrian, mit der einheitlichen Leitung des Angriffes gegen die Užicer Armeegruppe betraut, setzte am 4. von der Gruppe bei Vlasenica die 8. GbBrig. gegen die Höhe Ploča, die 13. GbBrig. gegen Igrište an. Die Kämpfe dauerten bis in den späten Abend und brachten den Angreifern vollen Erfolg. Die ŠumD.II wich im Abenddunkel auf die Höhen südlich der Eisenbahn und meldete, daß sie sich auch hier, mitten in Wäldern steckend und in den Flanken ungeschützt, nicht halten könne.

Gleichzeitig fiel Obstlt. Chwostek nachmittags den Nordflügel des Srebrenica-Detachements überraschend aus der Flanke an und warf ihn nach erbittertem Nahkampf gegen Osmače zurück, wohin auch der untätig gebliebene Südflügel folgte.

Dieser Unfall trug dazu bei, daß Gen. Božanovič sich zur Zurücknahme seiner Armeegruppe in die Linie Vratar—Vigova gora (ŠumD.II) —Paklinak—Senkoviči (Lim-Detachement) entschloß und auch die nähere Heranziehung des 9000 Mann starken Nordflügels der montenegrinischen Sandžakgruppe beantragte, die sich mittlerweile auf dem Westrand der Romanja planina festgesetzt hatte.

Teile des auf die Höhen südlich von Pale vorgerückten montenegrinischen Drina-Detachements spielten an diesem Tage der von Kalinovik gegen Sarajevo marschierenden 3. GbBrig. durch einen Feuerüberfall übel mit. Wohl warfen sich die kampferprobten Bataillone rasch gefaßt auf den Feind und scheuchten ihn zurück, doch mußte zum Atemholen der Rückmarsch nach Kalinovik angetreten werden. Die Kolonne kam am

6. Oktober gerade zurecht, um den Feind zu verjagen, der das befestigte Lager berannte.

Das SOK. erwirkte zur selben Zeit die Rücknahme der Montenegriner in die frühere Stellung Kula—Prača dl.—Borovac, führte das SrebrenicaDetachement wieder hinter die Drina und besetzte in der Sorge ob eines gegnerischen Vorstoßes über Rogačica gegen Valjevo den Sattel Povíjen (Debelo brdo) mit einem Regiment der 1. Armee.

Die Gruppe GM. Andrian stieß am 6. beim konzentrischen Vorrücken gegen Han Pijesak nur auf schwache Nachhuten, die nach hartnäckigem Widerstand am Abend geworfen waren. Für die Verfolgung des Feindes in der Richtung gegen Rogatica wurden drei Kolonnen gebildet: Westflügel Obst. Hellebronth; Mitte Obstlt. Karpellus; Ostflügel

13. GbBrig.    •

Nach mühevoller Vorrückung war am 9. aus dem allseitigen energischen Widerstand der Serben zu erkennen, daß diese den Raum um Rogatica zu halten entschlossen waren. Die 13. GbBrig. kam gegen die feindliche Hauptstellung bei Babljak über die Höhen Tisovo brdo und Visibaba nicht hinaus. Obstlt. Karpellus stieß nachmittags auf die von Vortruppen verteidigten Höhen Kitak und Stupe, Obst. Hellebronth vermochte die gut befestigten und stark besetzten Stellungen nördlich von Bandin Odžak nicht zu überwinden.

Die geringe Stärke der Gruppe GM. Andrian konnte den Serben auf die Dauer kaum verborgen bleiben. Gen. Božanovič, dessen Truppen zur Durchführung eines wirksamen Gegenstoßes viel zu zerstreut waren, bewog den Serdar Vukotic, die Montenegriner eingreifen zu lassen, die am

10. die bei Bandin Odžak hart kämpfende Gruppe Obst. Hellebronth durch Flankenangriff zu raschem Rückzug gegen Košutica zwangen. Das serbische Lim-Detachement drückte nun auch die Mittelkolonne, Obstlt. Karpellus, in den Verteidigungsabschnitt Viševina zurück.

Das Eingreifen der Montenegriner war eine Überraschung, die man der Untätigkeit der 3. GbBrig. zu verdanken glaubte. Wollteman zum Schutz der Olovoer Eisenbahn nicht dauernd stärkere Kräfte binden, so mußte der günstige Verteidigungsabschnitt der oberen Drina gewonnen werden.

Dem BOK. kam zustatten, daß GdI. Conrad die Überspannung der Lage herausfühlte, obzwar er durch die kargen Tagesberichte über die Ereignisse auf dem Balkan nur sehr dürftig unterrichtet war. Die rührige Landesverteidigung an der italienischen Grenze hatte eben einige Land-

Sturmformationen neu aufgestellt. Die herannahende schlechte Jahreszeit schloß für die nächsten Monate Feindseligkeiten Italiens ziemlich aus. So entschloß sich der Chef des Generalstabes am 7. Oktober, eine an der Südwestfront aufgestellte kombinierte Brigade unter dem Obst. Heinrich v. Wieden dem BOK. zur Verfügung zu stellen, gewissermaßen als Ersatz für die zur Ergänzung der Armeen in Galizien verwendeten II. und eines Teiles der III. Marschformationen der Balkanstreitkräfte. Am folgenden Tage wurde auch noch die am 12. Oktober in Pilsen marschbereite 7. LstTerrBrig. unter GM. Franzei als Verstärkung zugewiesen.

Der Zuschub der 8V2 Bataillone und 3 Feldbatterien starken Brigade Wieden wurde vom BOK. besonders freudig begrüßt, weil es sich größtenteils um gebirgsgewohnte Landstürmer handelte, die nicht wie der übrige Landsturm bloß mit altartigen Werndlgewehren, sondern mit Repetiergewehren ausgerüstet waren.

Als Vorbereitung der neuerlichen Offensive in Südostbosnien verfügte FZM. Potiorek den Wiedereintritt der l.ID. (7. und 9. GbBrig.) in den Verband des XV. Korps. Die Verteidigung des Südteiles des sogenannten Brückenkopfes von Zvornik, von der Höhe Jagodnja bis zur Drina, fiel der komb. ID. GM. Heinrich Goiginger (1., 2., 4., 6. und 14.1) GbBrig.) und der 109.LstlBrig. zu. FML.Trollmann (18. ID.) übernahm auch das Kommando über die Gruppe GM. Andrian, zu der die 5. GbBrig. zu stoßen hatte.

Man glaubte noch immer, daß sich die Hauptkräfte der Montenegriner gegenüber der 3. GbBrig. befänden. Diese sollte sie durch einen Vorstoß gegen Foča binden und möglichst hinter die Drina zurückscheuchen. Um die Verbindung mit ihr verläßlich herzustellen, wurde die Besatzung von Sarajevo angewiesen, ein schwaches Detachement südwärts gegen Kalinovik abzusenden; gleichzeitig sollte ein Streifkommando gegen die Romanja planina vorstoßen, um die Gruppe GM. Andrian zu entlasten.

Die serbische Heeresleitung, unzufrieden mit der bisherigen Führertätigkeit des Gen. Božanovič, setzte den Kommandanten der TimD.II, Gen. Aračič, an dessen Stelle.

Operationspause (11. bis 17. Oktober)

Da alles Drängen, die Brigade Obst. Wieden vor dem 10. Oktober die Einwaggonierung beginnen zu lassen, vergeblich blieb, konnte die

1) Früher Brigade GM. Šnjaric.

vom FZM. Potiorek geplante Offensive zur Säuberung von Südostbosnien frühestens am 18. ihren Anfang nehmen. FML. Trollmann beschloß, mit seiner Division einstweilen in den erreichten Stellungen zu verharren. Die Meldung vom Anrücken einer Kolonne aus Sarajevo — des Streifkommandos — genügte, um die Montenegriner wieder in ihre frühere Stellung zurückgehen zu lassen, welchem Beispiel das serbische Lim-Detachement folgte. Gen. Aračič machte sich die Verteidigung in der von seinem Vorgänger gewählten Stellung völlig zu eigen.

Im übrigen hemmte die am 11. eingetretene Witterung größere Unternehmungen. Das ganze Hochplateau hüllte sich in Schnee, zwischendurch ging Regen nieder, der alle Niederungen mit unergründlichem Brei bedeckte. Die Soldaten kamen tagelang nicht aus den nassen Uniformen, die Beschuhung ging in erschreckender Weise zugrunde. Die k.u.k. Truppen waren wenigstens ausreichend verpflegt, die Feinde hatten es weit schlechter. Krankheiten lichteten beiderseits die Reihen.

Die Drina führte alsbald Hochwasser. Die wenig sachgemäß eingebauten Brücken bei Višegrad und Staribrod wurden am 12. abgerissen. Zu ihrem Glück hatten die Serben die Steinbrücke in Višegrad und die Eisenbahnbrücke bei Megjegja wiederhergestellt, so daß ihre Verbindung mit der Heimat nicht gänzlich abriß. Die abwärtstreibenden Brückentrümmer richteten an den Brücken der k.u.k. 6. Armee beträchtlichen Schaden an. Jene der kroatischen 42. HID. bei Batar wurde am 13. gänzlich zerstört, just als der Brückenkopf wegen Üeberschwemmung geräumt werden mußte. Die Überschiffung war wegen der vielen herabtreibenden Trümmer bei Tag schwierig, bei Nacht ganz unmöglich. Die letzten Abteilungen konnten sich der drohenden Gefangennahme nur durch Schwimmen entziehen, wobei viele Leute ertranken.

Auch der k.u.k. 5.Armee in der Mačva bereiteten Überschwemmungen und Regengüsse schwere Zeiten. Die Gräben füllten sich mit Wasser und ihre Instandhaltung bedingte unermüdliche Schanzarbeit. So sehr dies anspornte, aus dem „verwünschten Sumpf“ herauszukommen, ließen sich doch bei der sehr aktiven Verteidigung der Serben nur geringe Fortschritte erzielen. Man wartete mit Sehnsucht auf das Eintreffen schwerer Artillerie und versuchte die Herstellung von Holz- und Erdmörsern.

Um den vor Ravnje zum Stehen gekommenen Angriff der Gruppe GM. Salis wieder zu beleben, ließ sie GdI. Frank am 14. auf dreizehneinhalb Bataillone verstärken und unterstellte ihr auch die Gruppe Obst. Scluvarzenberg.

Die auf den Höhen stehende 6. Armee hatte mit den größten Transportschwierigkeiten zu kämpfen, um die Truppen in der alle Erhaltungsmittel entbehrenden Gebirgsgegend zu versorgen. Die Kunde, daß die 1. ID. dem XV. Korps zugeteilt wurde, scheint den Serben zugekommen zu sein, die daraus und aus kleinen Verschiebungen, namentlich aus dem Eintreffen der von der 8.LstEtBrig. an der Drina abgelösten Teile der

72. IBrig., den Schluß zogen, daß ein entscheidender Schlag auf den Gučevo in Vorbereitung sei. Um die 3. Armee im bevorstehenden Kampfe zu entlasten, rief derWojwode Putnik die 1. Armee zu Angriffen gegen den Boranjarücken auf. Diese beschränkte sich jedoch am 13. Oktober auf belanglose Scheinunternehmen, die aber dem Angreifer sehr empfindliche Verluste eintrugen.

Mittlerweile hatte das unter Befehl des Mjr. Balaban stehende Detachement aus Sarajevo, nur durch einen argen Schneesturm gestört, die Verbindung mit Kalinovik hergestellt. Dies und die Meldung aus Sarajevo vom anscheinenden Rückzug des Feindes ließen vermuten, daß sich viele Montenegriner an die Armeegruppe Užice herangezogen hatten. Deshalb wurde GM. Pongrácz beauftragt, nur drei Bataillone und zweieinhalb Batterien der Besatzung von Kalinovik demonstrierend gegen Foča Vorgehen zu lassen, mit dem Gros der 3. GbBrig. aber am 16. in Sarajevo einzutreffen, um sich hier mit fünf Bataillonen der Brigade Obst. Wieden (15. GbBrig.) zur 50. ID., GM. v. Kaiser, zusammenzuschließen. Die anderen drei Bataillone des Obst. Wieden bildeten den Kern einer bei Han Pijesak unter GM. Erwin Zeidler zu formierenden 16. GbBrig.

Um ehebaldigst das Gros der angesetzten Kräfte, deren Leitung FZM. Wurm übernahm, für den Hauptkampf an der Drina freizubekommen, verzichtete FZM. Potiorek auf einen Vorstoß der 50. ID. entlang der Straße nach Prača dl. in den Rücken des Feindes, weil das schwierige Gelände kaum ein rasches Fortkommen erlaubte. Die Division sollte über die Romanja planina direkt eingreifen. Ihre Südflanke sicherte ein kleines Streifkommando unter Obstlt. Heider, das seit dem 13. in Pale stand.

Gen. Aračič hatte indessen von Gefangenen serbischer Nationalität am 15. erfahren, daß seine Gegner nur noch auf das Eintreffen von zwei Brigaden warteten, um gleichzeitig in der Front und von Sarajevo her anzugreifen. Der von den Montenegrinern beobachtete Marsch der 3. GbBrig. bestätigte die Aussage. Aračič bewog die Montenegriner, den Westrand der Romanja planina mit Vortruppen zu besetzen, deren Rückhalt auf der Šiljavaglava und bei Nepravdiči stand.

Die Schlacht auf der Romanja planina

(18. bis 30. Oktober)

Die Eroberung der Hochfläche (18. bis 21. Oktober)

Hiezu Beilage 22 sowie Skizze 49

Die dem XVI. Korps übertragene Aufgabe erforderte vor allem, daß die 50. ID. den Westabfall der Romanja planina überwand, Steilhänge, die in den Oberteilen 200 bis 500 m hohe, verkarstete Felsabstürze aufwiesen. Um ihr den schwierigen Auftrag zu erleichtern, sollte der Westflügel der 18. ID. am 18. beiderseits der Straße Han Pijesak—Sarajevo bis in die Linie Rastovac—Stupe vorrücken, um am 19. etwaige Verteidiger des Westrandes der Romanja planina durch Rückenbedrohung zum Weichen zu veranlassen.

GM. Kaiser, der Führer der 50. ID., entschloß sich, den nach allen Meldungen stark besetzten Westabfall der Romanja planina mit der Hauptkolonne nördlich zu umgehen, während GM. Pongrácz vor der Front Mokro—Orlovina stiena zu demonstrieren hatte. Pongrácz erreichte am

18. Oktober Golubac, Obst. Wieden mit der Hauptkolonne Bjelogorći.

Von der 18. ID. konnte die 8. GbBrig., beiderseits der Straße vorrückend, Sokolac und die Höhen Pukovac und Majći erreichen, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Die 5. GbBrig., Vortruppen des Lim-Detachements zurückdrängend, gelangte auf den Golo brdo. Von der 17. GbBrig.80) erstürmten Teile des k. k. LstlR. 27 die hartnäckig verteidigte Höhe Stupe und hielten sie trotz scharfer Gegenangriffe, während das IR. 79 sich vergeblich abmühte, die Höhe Kitak zu bezwingen.

Fliegermeldungen besagten, daß sich auf der Romanja planina überraschenderweise nur sehr schwache Kräfte des Feindes befänden. Traf dies zu, so war die Bedrohung des Rückens der Serben unnötig, wohl aber mußte man den Westflügel des Feindes fest anfassen, um ihn zu binden. Im Gegensatz zu den Fliegermeldungen berichteten allerdings die Aufklärer der 50. ID. über starke Besetzung des Westrandes der Romanja planina. Auf Anregung des GM. Kaiser ließ Obstlt. Heider bei Pale zahlreiche Lagerfeuer unterhalten, um das Vorgehen einer starken Streitkraft gegen die Pračaschlucht vorzutäuschen. Obst. Wieden wurde angewiesen, über Bredže das Nordende der Romanja planina zu umgehen.

Die drei von Kalinovik gegen Foča entsendeten Bataillone rückten am 18. in sehr breiter Front, mit der Hauptkraft auf dem Nordflügel, von Kalinovik gegen Jeleć vor. Sie erfüllten ihren Zweck vollkommen, denn die Montenegriner wurden sehr in Sorge versetzt, von ihrer Heimat abgeschnitten zu werden. Das Drina-Detachement wurde beauftragt, vom Borovac drei Bataillone flankierend gegen Norden eingreifen zu lassen. Im Zusammenhang damit scheinen auch die Lagerfeuer bei Pale beunruhigende Wirkung geäußert zu haben. Die auf die Romanja planina vorgeschobene Gruppe mag den Auftrag erhalten haben, vor allem den Eintritt in das Pračatal zu sperren.

Wider alles Erwarten räumten daher die Montenegriner den Höhenrand östlich Mokro nach wenigen Schüssen, als GM. Pongrácz seine drei Batterien am Morgen des 19. das Feuer eröffnen ließ. Ohne weiteren Zwischenfall gewann die Gruppe das Plateau. Dagegen wurde die Gruppe Obstlt. Heider beim Vorgehen längs der Goražder Straße vom Galeš her mit Geschützfeuer empfangen und fand die Paßhöhe stark besetzt. Obst. Wieden kam mit der Hauptkolonne auf dem nun überflüssig erscheinenden großen Umweg nur bis Bredže am Fuße der Hochfläche.

Schwere Kämpfe hatte der Westflügel der 18. ID. zu bestehen. Die Westgruppe der 8. GbBrig. nahm wohl die Höhe südlich von Gromile, mußte sich aber bald eines kräftigen Ansturmes der Montenegriner erwehren. Der Ostflügel errang nach heftigem Kampf einen Erfolg bei Bandin Odžak, stieß aber dann auf die montenegrinische Hauptstellung bei Kula. Die Montenegriner, die wohl erkannt hatten, wie wenig Truppen in breiter Front vor ihnen standen, machten einen Gegenstoß, der erst auf Majči zum Stehen kam.

Die 5. GbBrig. vertrieb die nach Pobraći vorgeschobenen Grenzwach-komitas, von denen sie während der Nacht wiederholt beunruhigt worden war, und setzte sich auf den dortigen Höhen fest, die sie gegen den kräftigen Angriff zweier Regimenter des Lim-Detachements zu verteidigen hatte. Die 17. GbBrig. hielt die Höhe Stupe; alle Anstrengungen, die Höhe Kitak zu nehmen, blieben aber auch am 19. vergeblich, weil das Artilleriefeuer von der Vigova gora her und Vorstöße der ŠumD.II aus ihrer Hauptverteidigungsstellung die vorgeschobene Serbenkompagnie wirksam unterstützten.

FZM. Wurm befahl der 50. ID., südlich von der Straße nach Rogatica vorzugehen. Der Westflügel der 18. ID. hatte sich dem Angriff anzuschließen. Dann sollte auch der Ostflügel vorstoßen, zu dessen Verstärkung die Korpsreserve einstweilen nach Mislovo beordert wurde.

So sehr GM. Kaiser am 20. Oktober seine Truppen zum raschen Marschieren anspornte, konnte die weit abgebliebene Kolonne Obst. Wieden in dem schwierigen Gelände bei strömendem Regen nur langsam dem Gefechtsfeld näher kommen. Auch die über den Südteil der Romanja planina vorrückende Gruppe GM. Pongrácz gelangte erst zu Mittag vor die Höhe -<{>- 1288, wo sich die Montenegriner festgesetzt hatten. Während der Westflügel der 8. GbBrig. befehlsgemäß südlich der Straße nach Rogatica vorzudringen begann, hatte der Ostflügel schon am Morgen die Höhe bei Bandin Odžak wieder erobert. Die Montenegriner unternahmen mittags einen heftigen, aber ergebnislosen Gegenangriff. Um diese Zeit hatte sich auch Gen. Aračič zur Entlastung seiner Bundesgenossen zu einem Vorstoß des Lim-Detachements gegen Pobraći entschlossen, den Teile der ŠumD.II, aus der Front Kitak—Paklinak gegen Stupe vorrückend, unterstützen sollten. Weiter östlich hatte die Division „scharfe Erkundungen“ einzuleiten. Daraus entwickelten sich am Nachmittag schwere Kämpfe, die FZM. Wurm als Durchbruchsversuch werten mußte. Die 5. GbBrig., Obst. Nöhring, wies jedoch den Angriff des Lim-Detachements ebenso standhaft ab wie die 17. GbBrig. den Versuch der Serben zur Wiedergewinnung der Höhe Stupe. Das Otočaner IR. 79 vermochte sogar gegen Abend die zäh verteidigte Höhe Kitak endlich zu erstürmen und die Besatzung großenteils gefangenzunehmen. Die „scharfe Erkundung“ gegen die 13. GbBrig. führte zu einem schließlich ergebnislosen Kampf um die Visibaba.

Mittlerweile hatte GM. Pongrácz die Montenegriner zurückgedrückt, war aber zu schwach, um gegen den sich ständig verstärkenden Feind weiter vorgehen zu können. Der Westflügel der 8. GbBrig. war im Anschluß an die 3. auf die Höhen nördlich von Novosevci gelangt. Obst. Wieden vereinigte sich mit der Gruppe GM. Pongrácz.

Ihren Höhepunkt erreichte die Schlacht am 21. Oktober. Die Montenegriner unternahmen heftige Angriffe gegen Bandin Odžak; das Lim-Detachement und die ŠumD.II wogten gegen Pobraći, Stupe und Kitak heran. Nur mit schwerer Mühe konnten die wiederholten Anstürme abgewehrt werden. Am heißesten tobte der Kampf um den vom IR. 79 verteidigten Kitak, bis um 5h nachm. eine letzte Sturmwelle die Verteidiger zum Rückzug auf die Viševina zwang. Noch mit weiteren harten Kämpfen rechnend, befahl FZM. Wurm abends der 4. GbBrig. der komb. ID. GM. Goiginger, zunächst nach Milići zu marschieren. Statt ihrer sollte die beim Han Pijesak eben eintreffende 7. LstTerrBrig. zur komb. ID. einrücken.

Schon zeitlich früh schritt die 50. ID. zum Angriff gegen die Šiljava glava und Nepravdici. Hierher war scheinbar auch die Gruppe eingerückt, die bisher den Zugang ins Pračatal verteidigt hatte, so daß Obstlt. Heider am Morgen den Galeš kampflos ersteigen konnte. Längs des Höhenrandes vorrückend, vermochte GM. Pongrácz erst bis lh nachm. den Widerstand einer vor den Südflügel vorgeschobenen feindlichen Gruppe zu brechen. Einstweilen hatte Obst. Wieden mit zwei Bataillonen die Šiljava glava von Norden her angegriffen, während vier Bataillone als Umgehungskolonne um die Höhen nördlich von Nepravdici stritten. Ein Gegenstoß aus diesem Ort wurde abgewehrt. Gleichzeitig arbeitete sich die Westgruppe der 8. GbBrig. gegen den nördlichsten Stützpunkt der Montenegriner, den Ticijak, heran. Zu Mittag standen die Angreifer bereits 500 Schritte vor der feindlichen Stellung. Als nun noch die Gruppe GM. Pongrácz herankam, wurde zum Sturm geschritten. Die Montenegriner wurden im Bajonettkampf schließlich geworfen und versuchten vergeblich, hinter Nepravdici neuerlich festen Fuß zu fassen. Einbrechende Dunkelheit und Ermüdung der Truppen zwangen zur Einstellung des Kampfes.

Die Sieger erwarteten die Fortsetzung des Ringens am nächsten Morgen. Die Montenegriner waren aber von den heißen Kämpfen zermürbt; überdies rächte sich jetzt die Wühlarbeit, welche die Serben unausgesetzt bei ihren Bundesgenossen betrieben hatten. Sie richtete sich gegen die Führer bis hinauf zum König. Bei einem Bataillon führte die Verhetzung zur Meuterei. Die Offiziere verjagend, zog es durch Rogatica heim, um beim König über seine Kommandanten Beschwerde zu führen!1)

Dem Serdar Vukotic blieb nichts anderes übrig, als der Plevlje-Divi-sion den nächtlichen Rückzug hinter die Prača, auf die Höhen nördlich und nordwestlich von Goražde, anzubefehlen. Als das ununterrichtet gebliebene Drina-Detachement dies am Morgen merkte, bog es seinen Nordflügel auf die Höhen hinter dem Čemernicabach ab. Gen. Aracić mußte zunächst das schwerbedrohte Lim-Detachement unter Preisgabe von Rogatica hinter die Rokitnica zurücknehmen. Diese 15 km breite Hakenstellung vermochten die abgekämpften, am Südflügel jeder Anlehnung an die Montenegriner entbehrenden Truppen wohl kaum ernstlich zu verteidigen. Aracić verhehlte denn auch in seiner Meldung an das SOK. seine schweren Bedenken nicht. Dieses hoffte die Montenegriner zur Vernunft zu bringen und wies den Armeegruppenkommandanten an: „Halten Sie in der jetzigen Stellung bis zu den Grenzen der Möglichkeit und handeln Sie dann nach der auf dem Kampffeld eintretenden Lage1).“

Serb. Gstb.-W., III, 114.

Verfolgung bis an die Drina (22. bis 30. Oktober)

Zur größtenüberraschung der am Westflügel des XVI. Korpskämpfenden Truppen war am Morgen des 22. Oktober weit und breit kein Feind zu sehen. Unverzüglich nahm man die Verfolgung auf, die aber durch das an diesem Tage wieder eingetretene schwere Regenwetter sehr behindert wurde. Bis zum Abend zogen nur vorausgesandte Reiterpatrouillen in Rogatica ein. Vor dem Ostflügel des XVI. Korps hielt die ŠumD.II unerschütterlich stand. Gen. Aračič hatte sich inzwischen angesichts des völligen Versagens der Montenegriner entschlossen, in der Nacht zum 23. den Rückzug hinter die Drina anzutreten, wozu die serbische Heeresleitung ihre Zustimmung gab81). Das XVI. Korps konnte demnach am 23. auch mit dem Ostflügel verfolgen. Ernsteren Widerstand fanden die

5. und die 8. GbBrig. bei den Höhen Mednik undTmor; doch auch diese Nachhut wurde bald geworfen. Von der 50.ID. erreichten die 3. GbBrig. die Gegend westlich von Hadroviči an der Straße nach Megjegja, die 15.GbBrig. Rogatica, wo auch das Detachement Obstlt. Heider einrückte.

Während die serbische Armeegruppe Užice am 23. ihren Rückzug abschnittsweise ohne Schwierigkeit durchführte und die Montenegriner, gedeckt durch das auf dem Jabukasattel Stellung nehmende Drina-Detachement, Goražde und den dortigen Höhen südlich von der Drina zustrebten, befahl König Nikola dem Serdar Vukotič die Umkehr, damit er zum mindesten den wasserscheidenden Rücken südlich der unteren Prača halte. Als dies dem SOK. bekannt wurde, wies es den Gen. Aračič an, sich in der Linie Staribrod—Limmündung zur zähesten Verteidigung einzurichten. In der Folge sollten er und die Montenegriner durch gemeinsames aktives Vorgehen den Gegner hindern, sich mit gesamter Kraft auf eine der beiden Gruppen zu werfen2).

So kam es am 24. Oktober nochmals zum Kampf. Die um 9h vorm. auf der Straße und nördlich davon an die serbische Stellung anrennende südliche Kolonne der 8. GbBrig. kam in arge Bedrängnis. Auch die um 10h eingreifende nördliche Kolonne der 3. GbBrig. vermochte in das hin und her schwankende Waldgefecht keinen Umschwung zu bringen. Erst als um 3h nachm. das Tiroler LstlR. Nr. I aus seiner Reservestellung zu Hilfe eilte, wurde das Gleichgewicht hergestellt. Die südliche Kolonne der

3. GbBrig. kämpfte mittlerweile gegen ein Regiment des Lim-Detachements auf der Höhe Stolac.

Gen. Aracić hatte inzwischen in Erfahrung gebracht, daß auch der energische Befehl des Königs Nikola nichts gefruchtet hatte. Als Obst. Wieden, mit einem Landsturmbataillon und einer Batterie gegen den Ja-bukasattel entsendet, nach Ankunft in der Niederung des Pračatales das Artilleriefeuer eröffnen ließ und sich zwei als Nachrichtendetachements vorgegangene Kompagnien in den Flanken der Montenegriner fühlbar machten, zogen diese gegen Foča ab. Um nicht in weitere schwere Kämpfe mit den übrigen, erst im Anrücken befindlichen Kolonnen des Gegners verwickelt zu werden, erließ Gen. Aracić um 4h nachm. den Befehl zum Rückzug hinter die Drina. Doch wichen die Serben unter Preisgabe von zwei Geschützen erst, als ein Bataillon der 3.GbBrig., das GM. Pongrácz zur Umgehung gegen die Ivica gesendet hatte, nach Abmarsch des dortigen Feindes von Süden her eingriff und die gegen Abend herangekommene nördliche Kolonne der 8. und Vortruppen der 5. GbBrig. den Veliko brdo erstiegen. Etwas früher hatte der Kampf um den Stolac infolge des Rückzuges der dortigen Verteidiger geendet. Den Weg über Megjegja fanden diese verlegt, weil sich ein Bataillon der 15. GbBrig. des Überganges bereits bemächtigt hatte. Dieser nach Višegrad umkehrende Teil des Lim-Detachements war am 25. Oktober der einzige Feind, den die Verfolger am Westufer der Drina antrafen; er wurde sehr zerzaust.

Das XVI. Korps hatte somit den wichtigsten Teil der ihm übertragenen Aufgabe erfüllt, eine unvergleichliche Leistung der 29 Bataillone gegen 25*2 der Serben und 15 der Montenegriner. Der Armeebefehl des FZM. Potiorek kargte denn auch nicht mit Lobesworten. Nicht zu verkennen ist, daß an dem für die Serben unglücklichen Verlauf der ganzen Operation nicht wenig das SOK. schuld trug, dessen Aufgabe allerdings wesentlich dadurch erschwert wurde, daß die nach Bosnien eingefallenen Kräfte eines gemeinsamen Oberbefehles entbehrten. Die Bereitwilligkeit des Königs Nikola, nach der verlorenen Schlacht diesen Übelstand zu beheben, schwand, als er bei der Untersuchung der Meuterei darauf kam, wie sehr die Serben auch gegen ihn gewühlt hatten.

Kämpfe mit den Montenegrinern (19. bis 30. Oktober)

Der König hatte in diesen Tagen übrigens alles getan, was in seinen Kräften stand, um die in Bosnien eingefallenen Streitkräfte zu entlasten. Bei einem weniger ruhigen, minder kaltblütigen und Nebenzwecke nicht

grundsätzlich vernachlässigenden Gegner hätte er auch zweifellos das Abziehen von Truppen aus dem Raume der Entscheidung erzielt. Seit

19. Oktober donnerten seine schweren Geschütze vom Lovčen gegen die Werke von Cattaro, darunter neue mit 11km Tragweite, bis vom 25. an Mangel an Munition wieder zur Sparsamkeit zwang. Öst.-ung. Flieger übten von Cattaro her Vergeltung, indem sie wiederholt zur Störung der Zufuhr Bomben auf Antivari ab warfen. Schweren Schaden richteten hier auch fünf öst.-ung. Torpedofahrzeuge an, die trotz der Nähe der französischen Flotte am 18.Oktober früh die Hafenanlagen wirksam beschossen.

Auch die montenegrinische Herzegowinagruppe rüttelte der König aus ihrer Untätigkeit auf. Sie errichtete östlich von Trebinje bei Kosmač und auch östlich von Bileća Batterien. Die letztgenannten, mit Feldgeschütz armiert, konnten nicht viel Schaden anrichten, die erstangeführte wurde von der Besatzung Trebinjes durch einen Vorstoß am 26. Oktober vertrieben. Dies waren aber nur Demonstrationen, um die Aufmerksamkeit von dem gegen Avtovac gerichteten Hauptangriff abzulenken, den eine montenegrinische Division am 23. begann. Sie hatte es besonders auf die beherrschende Höhe (Kobila glava) an der Straße nach Bileća abgesehen, die sie am 24. nachmittags eroberte. FZM. Potiorek befahl daher dem Gros der Besatzung von Kalinovik, nach Avtovac zu eilen.

Am 25. wogte ein heftiger Kampf um Gat. Ein aus Bileća zu Hilfe kommendes Detachement mußte unter großen Verlusten bis in die Gegend von Plana weichen, wo es am 26. dem nachdrängenden Feind Halt gebot. Gat wurde an diesem Tage in achtstündigem, heißem Ringen behauptet, die ganze Stellung vor dem Ausgang der Dugasenke jedoch abends infolge eines Mißverständnisses geräumt. Zu dieser Zeit waren schon Verstärkungen eingelangt, so daß sechzehn k.u.k. Kompagnien und zehn Geschütze zur Verfügung standen. So bunt zusammengewürfelt diese Schar war, wagte sie am 27. doch den Gegenangriff und eroberte die gesamte Stellung zurück. Vorstöße an beiden Flügeln der Talsperre schüttelten am 29. die Montenegriner auf längere Zeit wieder vollständig ab. Mit bescheidenen Mitteln war auch hier die Gefahr gebannt worden.

Mittlerweile hatte Obst. Wieden, verstärkt durch das Detachement Obstlt. Heider, am 26. die noch bei Goražde lagernden Montenegriner durch Artilleriefeuer über die Drina gescheucht. Am gleichen Tage waren Teile der Plevlje-Division zur Vereinigung mit dem Drina-Detachement gegen Foča abgezogen. Dahin wandte sich Obst. Wieden und säuberte bis zum 30. abends das ganze Westufer der oberen Drina und Foča von den Montenegrinern.

Die Offensive gegen Valjevo

(24. Oktober bis 15. November)

Hiezu Skizzen 51 und 52

Angriffsvorbereitungen

Kaum begann FZM. Potiorek seiner Sorge im Süden ledig zu werden, als sich neue Wolken im Nordosten Serbiens auf türmten. Russische Truppen mit viel Kriegsmaterial waren angeblich auf der Donau im Antransport und die Serben bereiteten anscheinend einen neuerlichen Saveübergang bei Skela—Kupinovo vor. Dem 5. Armeekmdo. wurde daher am 21. Oktober die Zerstörung der bereitgestellten Übergangsmittel durch Monitoren befohlen und ihm gleichzeitig dringend nahegelegt, in der Mačva endlich reinen Tisch zu machen, ehe die Russen einzugreifen vermochten. Der Monitor „Temes“ und ein Patrouillenboot führten die anbefohlene Zerstörung durch, doch geriet die „Temes“ auf der Bergfahrt nächst Grabovci auf eine Mine und sank.

FZM. Potiorek erbat vom AOK. das Verfügungsrecht über alle Marschformationen in den nächsten ungarischen Militärterritorialbereichen für den Fall eines russischen Einfalles in das Banat. Dem konnte nicht Folge gegeben werden, doch stellte GdI. Conrad seine letzte Reserve, die aus dem Prager Militärkommandobereich stammende 6. LstTerrBrig., zur Verfügung und riet, zur Sicherung Ungarns die 5. Armee umzugruppieren. Gleichzeitig mit dieser Weisung kam die Meldung des Militärkmdos. Temesvár über die Ankunft größerer Schiffstransporte unterhalb von Orsova und Kampfvorbereitungen an der Donau unterhalb von Dl. Milanovac. Anlaß dazu gab die rege Tätigkeit eines von den Serben in dieser Gegend zusammengezogenen „Krajina-Detachements“, das ähnlichen Tatarenmeldungen über die Versammlung von 30.000 Mann öst.-ung. Truppen nördlich von Orsova seine Entstehung verdankte. Auch der Große Generalstab in Berlin wußte mitzuteilen, daß ein Korps von

35.000 Russen zur Einschiffung bereitstehe, und daß überdies 20.000 griechische Freiwillige im Begriffe seien, die noch in Neuserbien befindlichen Besatzungen für den Feldkrieg freizumachen.

Wohl oder übel mußte nun FZM. Potiorek für eine Sicherung des Banates Sorge tragen, die wenigstens dem ersten Anprall des Feindes einigen Aufenthalt bereiten konnte. Dieser Abschnitt wurde von Syrmien,

das unter Befehl des 5. Armeekmdos. trat, abgetrennt und dem Befehl des Militärkommandanten von Temesvár, FML. Hess, unterstellt. Ihm wurde die 6. LstTerrBrig. samt sechs Schwadronen und drei Batterien der 5. Armee zugewiesen; diese hatte außerdem bei Indjija einige mit Kavallerie und Artillerie verstärkte Bataillone als Reserve für beide Abschnitte bereitzustellen. Für eine weitere Zuweisung von Truppen an die Gruppe Banat wurden Vorkehrungen getroffen.

Vor allem aber galt es, die bisherigen Anstrengungen an der Drina mit einem Erfolg zu krönen. Wieder gedachte FZM. Potiorek, durch Stirnangriff des XIII. und des XV. Korps und durch beiderseitigen Vorstoß in die Flanken der Serben den Sieg an sich zu reißen. Den Nordstoß hatte die 5. Armee zu führen, deren baldiges Herausarbeiten aus der Mačva erwartet wurde. Im Süden sollte das XVI. Korps, bei Ljubovija die Drina überschreitend, über Pecka dem Feinde in Flanke und Rücken kommen.

Die am 24. nachmittags an FZM. Wurm ausgegebenen Dispositionen sahen die Zurücklassung von rund 10.000 Mann unter GM. Šnjarič an der oberen Drina vor, wo alles daranzusetzen war, den Feind an eine baldige Fortsetzung der Offensive gegen Užice glauben zu machen. Die 4. GbBrig. in Milici hatte gleichzeitig mit dem Gros des XVI. Korps die Drina bei Rogačica zu überschreiten, um dessen Südflanke zu sichern. Die Wacht an der Drina abwärts von der Zepamündung und der Schutz des Etappenraumes der 6. Armee kamen der 9. LstEtBrig. und der 7. LstTerrBrig. zu.

Die Kriegsgliederung und die Kräfteverteilung der Balkanstreitkräfte zu Beginn dieses neuen Abschnittes des Feldzuges zeigt nachfolgende Zusammenfassung.

5. ARMEE

Kmdt.: GdI. Ritt. v. Frank

Gstbschef: GM. G e ř a b e k

VIII. KORPS Kmdt.: FML. v. Scheuchenstuel

Gstbsdief: Obst. Sünde r m a n n

9. ID.: GM. D a n i e 1    21.ScíiD.: FML. P r z y b o r s k i

17.    IBrig.: Obst. Hansmann    41. SchBrig.: Obst. Keki

18.    IBrig.: Obst. Kornberger    42. SchBrig.: GM. Podhajský

71. IBrig.: Obst. Wöllner

4OV2 Baone., 5 Sdiwd., 22 Bt.,- 38.000 Feuergewehre

KOMBINIERTES KORPS Kmdt.: FML. Alfred Krauss

Gstbschef: Obstlt. Hittl 7. ID.: GM. Letovsky    29. ID.: GM. Za n an    toni

14. IBrig.: GM. Baumgartner    57. IBrig.: GM.Schön

k. u. 107. LstlBrig.: GM. Breit    58. IBrig.: GM. Poleschensky

k. u. 104. Lsti Brig.: GM. B e k i ć 42 Baone., 6 Schwd., 21 Bt.,- 29.000 Feuergewehre

Gruppe Syrmien: FML. Adalbert v. Tamásy 26V2 Baone., 7 Schwd., SVzBt.,- 17.000 Feuergewehre

Gruppe Banat: FML. Hess (direkt dem BOK. unterstellt)

IIV2 Baone./ 8.000 Feuergewehre

k. u. 8. LstEtBrig.: GM. K a 1 i ć, an der unteren Drina 7 Baone., 2 Schwd., 2 Bt.,- 5000 Feuergewehre

Summe der 5. Armee und der Gruppe Banat: 127x/2 Baone., 20 Sdiwd., 53V2 Bt.,-

97.000 Feuergewehre

6. ARMEE

Kmdt.: FZM. Potiorek

Gstbsdief: GM. B ö 11 z

XIII. KORPS Kmdt.: GdI. Freih. v. R h e m e n

Gstbschef: Obst. Alfred v. Z e i d 1 e r 36. ID.: FML.Czibulka    42.HID.: GM. Gf. S a 1 i s = Se e w i s

13. IBrig.: GM. Stracker    83. HIBrig.: Obst. Mihaljevic

72. IBrig.: Obst. Edl. v. Luxardo    84. HIBrig.: Obst. Matasić

333/4 Baone., 4]/4 Schwd., 24 Bt.,- 32.000 Feuergewehre

XV. KORPS Kmdt.: GdI. Edl. v. Appel

Gstbschef: Obst. v. Falkhausen

1. ID.: FML. v. B o g a t    40. HID.: GM. T a b a j d i

7. GbBrig.: Obst. Ströher    79. HIBrig.: Obst. Ehmann

9. GbBrig.: GM. Edl. v. Hrozný    80. HIBrig.: GM. Habet

48. ID.: FML. Ritt. v. E i s 1 e r

10.    GbBrig.: Obst. Edl. v. Droffa

11.    GbBrig.: GM. Ławrowski

12.    GbBrig.: Obst. Ritt. v. Soretić •

4OV2 Baone., 3 Schwd., 26V4Bt.,- 37.000 Feuergewehre

XVI. KORPS

Kmdt.: FZM.

Gstbschef: Obst. v Komb. ID.: GM. Heinrich Goiginger

1.    GbBrig.: Obst. v. Lukachich

2.    GbBrig.: GM. Gabriel

6. GbBrig.: Obst. v. Hellebronth

14. GbBrig : Obst. v. Reinöhl

k. u. 109. LstlBrig.: GM. Czeisberger

Wurm L o e f e n

18. ID.: FML. T rollmann

4.    GbBrig.: GM. Konopicky

5.    GbBrig.: GM. Nöhring

8. GbBrig.: GM. Andrian

13. GbBrig.: GM. Gf. Bercfatold


50. ID.: GM. Edl. v. K a 1 s e r

3. GbBrig.: GM. v. Pongrácz

15.    GbBrig.: Obst. Edl. v. Wieden

16.    GbBrig.: GM. Erwin Zeidler

k. k. 7. LstTerrBrig.: GM. F r a n z e 1    k.    k.    9.    LstEtBrig.:    GM. Lenz

70V2 Baone., 43/4 Sdiwd., ZóVíBt.,- 65.000 Feuergewehre

Drinasidierung: FML. S n j a r i ć

17. GbBrig : Obst. Karpellus Gruppe Obst. Hauser: 3 LstTerrBaone.

15Ví Baone., V2 Sdiwd., 7V2 Bt.,- 10.000 Feuergewehre

Summe der 6. Armee: 160 Baone., 12V2 Sdiwd., 84 Bt.',- 144.000 Feuergewehre

Festungsbesatzungen

Sarajevo 6000 Mann, Kalinovik 8800 Mann, Mostar 4000 Mann, Fort Grad 120 Mann, Stolac 120 Mann, Avtovac 3500 Mann, Bileća 1670 Mann, Trebinje 1800 Mann, Cattaro 17.800 Mann

25Vi Baone., 6 Bt.,- 43.810 Feuergewehre

Gesamtsumme der Baikanstreitkräfte

3123/4 Baone., 32V2 Sdiwd., 143V2Bt.,- Feuergewehrstand 284.810, hievon Sicherung an der Donau, Save, Drina und in Sarajevo 45.000, Sicherung in der Herzegowina 29.000.

Somit Operationsarmee rund 210.000 Feuergewehre, 3000 Reiter, 600 Gesdiütze.

Die Stände ergaben sich nach Einreihung fast aller bisher eingelangter Marschformationen, die den eingetretenen Verlust ersetzten. Dieser betrug etwa 50 Prozent des ursprünglichen Standes, darunter etwa 50 Offiziere und 6000Mann an Gefangenen. Dagegen wurden gefangengenommen zirka 70 Offiziere und 15.000 Mann der Serben und Montenegriner, erbeutet 60 Geschütze, 80 Munitionswagen, 40 Maschinengewehre und 3 Fahnen.

Beendigung der Macvakämpfe und serbischer Durchbruchsversuch auf dem Gučevo

(24. bis 31. Oktober)

Hiezu Beilage 22 sowie Skizze 50

Angesichts der vermeintlichen Russengefahr verstärkte GdI. Frank die Gruppe GM. Salis mit vier Bataillonen des VIII. und einem des Komb. Korps. Diese Verstärkungen waren erst im Anmarsch, als am Nachmittag des 24. Oktober die aus Holzmörsern geworfenen Ekrasit-ladungen in den serbischen Gräben vor Ravnje, die ohnedies im schwersten Artilleriefeuer lagen, große Verwirrung anrichteten. Ohne

einen Befehl abzuwarten, erstürmte das k.u.k. IR. 37 zwei hintereinanderliegende Stellungen des Feindes. Ein Gegenstoß aus Ravnje wurde abgewiesen. Die Fortsetzung des Angriffes am 25. früh fand den Feind gewappnet. Artilleriekreuzfeuer überschüttete den engen Angriffsraum, Flankenfeuer von Radenkovic her machte sich besonders unangenehm fühlbar. So sollten am 26. fünfeinhalb Bataillone — mehr konnte man im Sumpf nicht ansetzen — zunächst diesen Ort nehmen. Der Angriff brach in dem äußerst schwierigen Gelände zusammen. Auch bei Ravnje konnte trotz sehr guter Unterstützung durch die Monitoren ,,Maros“ und „Körös“ kein Fortschritt erzielt werden.

Inzwischen war die artilleristische Vorbereitung des Angriffes auf die Dammstraße so weit gediehen, daß der Sturm am 27. um 7h vorm. losbrechen konnte. Die 9. ID. drang nordwestlich von Crnabara ein, während die Artillerie die Serben in ihren Gräben niederhielt; bald eroberte die 21. SchD. den nördlich anschließenden Teil der Stellung. Um 9h vorm. ordnete der serbische Armeeführer, Gen. Stepanovič, den Rückzug in die zweite Linie bei Banovopolje an. Das Komb. Korps war mit seinen Angriffs Vorbereitungen noch nicht so weit gediehen, um die Bedrängnis der Serben ausnützen zu können. Diese hatten immerhin über 1000 unverwundete Gefangene, 4 Geschütze, 8 Maschinengewehre und viel Kriegsgerät in den Händen der Sieger und über 800 Tote auf der Walstatt gelassen. Zur Ausnützung des Erfolges wies GdI. Frank das VIII. Korps zum Vorstoß gegen Bogatić, den Ostflügel des Komb. Korps gegen Štitar an, während die Front Radenkovic—Pričinovič den Feind festzuhalten hatte.

Gen. Stepanovič sah umso trüber in die Zukunft, als er ständig mit Munitionsnöten zu kämpfen hatte. Er gab den Divisionären vorbereitende Weisungen für den Rückzug, ließ die Trains abschieben, erwirkte die Erlaubnis, die Macva von der Zivilbevölkerung zu räumen und bat schließlich abends „als letzten Versuch zur Besserung des Munitionsnachschubes“ um seine Enthebung vom Kommando1).

Putnik wollte davon nichts wissen und meinte aufmunternd: „Wenn wir keine Artilleriemunition haben, so werden wir uns eben mit den Gewehren wehren, nur dürfen wir dem verdammten Švaba nicht nachgeben.“ So zuversichtlich sich der Wojwode bei dem sehr erregten telephonischen Gespräch gebärdete, bedrückte ihn der Mißerfolg in Bosnien und die schwierige Lage der 2. Armee doch mehr, als er sich anmerken ließ. Nur so ist es verständlich, daß er jetzt dem schon am 24. eingebrachten Antrag des Führers der 3. Armee, Gen. Jurišič-šturm, Gehör schenkte, mit dieser einen Durchbruch beiderseits Kulište zu unternehmen, wobei die

1.    Armee demonstrativ mitwirken sollte.

So griffen am 28. Oktober, 9h vorm., begünstigt durch schönes Wetter, dreizehn Bataillone der serbischen KombD. beiderseits Kulište und drei Bataillone der DrinD.I an deren linkem Flügel an. Der Hauptangriff traf die 40. HID., die „Domobranzen“ der 42. HID., sowie die Kroaten und Serben des IR. 78 der 13. IBrig., die sich hervorragend tapfer gegen den teilweise bis an die Hindernisse heranbrandenden Angriff des Feindes wehrten, worauf dieser das Unternehmen als aussichtslos aufgab.

In der Mačva war die zweite serbische Linie vor Heranbringen der Artillerie nicht zu bezwingen. Doch Gen. Stepanovic war schon zu weiterem Rückzug entschlossen, wobei er nur zwischen dem vom Oberkommando geforderten schrittweisen Zurückweichen und radikalem Absetzen bis in die vorbereitete Stellung Šabac—Lješnica schwankte. Gestützt auf die einmütige Zustimmung seiner Divisionäre, preßte er Putnik die Erlaubnis zu letzterem Entschluß ab und führte die Armee in der Nacht zum 31. Oktober trotz Sumpf und Verstopfung der Wege durch flüchtende Landesbewohner unbemerkt zurück. Putnik hatte eben die Nachricht erhalten, daß Kriegsmaterial, namentlich Munition, aus Frankreich bald in Saloniki eintreffen werde. Er forderte daher, daß jedem Mann der

2.    Armee die Notwendigkeit eingeimpft werde, in der neuen Stellung den Sieg zu erfechten.

Angriffe der öst.-ung. Flügelgruppen

(1. bis 5. November)

Hiezu Skizzen 50 und 51

Die am 31. Oktober zum Angriff vorgehenden Truppen des GdI. Frank konnten unter zu ihrer Überraschung unbedeutenden Kämpfen mit Verschleierungsabteilungen Glogovac, Bogatić und den Raum nordwestlich von Šabac erreichen.

Während das VIII. Korps auch am 1. November ohne Kampf bis an die Eisenbahn Šabac—Lješnica Vordringen konnte, mußte das Komb. Korps Krauss zum Angriff gegen Štitar (14. IBrig., 104. und 107. LstlBrig.) und Šabac (29. ID.) schreiten. Serbische Vortruppen an der von Štitar zum Jerez führenden Dammstraße wurden geworfen, worauf die 29. ID., unterstützt von Monitoren, nach hartnäckigem, schwerem Kampf bei Einbruch der Dunkelheit die Serben zum Rückzug aus der Stellung knapp nördlich von Šabac zwang, und GM. Schön die Stadt vor Mitternacht besetzte.

Bei wunderschönem Herbstwetter wurde am 2. November eine Rast zur Ermittlung der feindlichen Kräfteverteilung eingeschaltet. Bös war, daß der feindlichen Stellung ein sanft abfallendes Gelände vorlag, das nach der Kukuruzernte in seiner Deckungslosigkeit äußerst schwierige Angriffsverhältnisse bot. GdI. Frank griff am 3. November mit starkem Ostflügel in südöstlicher Richtung an, um die vom BOK. beabsichtigte Umklammerung einzuleiten. Doch die 14. IBrig. und die 104. LstlBrig. kamen gegen die Höhen bei Jevremovac trotz Unterstützung durch die Gruppe GM. Schön der 29. ID. im überwältigenden Artilleriefeuer nicht weiter, was wieder auf die gegen Mišar angesetzte Gruppe GM. Pole-schensky (gleichfalls von der 29. ID.) zurückwirkte. Ein Nachtangriff der Division drang ebensowenig durch. Man erkannte, daß eine mehrtägige Vorbereitung nötig war, um die starken Stellungen zu überwinden.

Die 71. IBrig. und die 21. SchD., die über Maovi gegen Varna und über Dobrić gegen Slatina Vordringen sollten, wurden durch die serbische Vorstellung in Dobrić aufgehalten.

Die 9. ID., welche die Linie Nordende Lipolist—Ribari zu halten hatte, während die Absperrung des Raumes bis zur Drina einem Teil der

8.LstEtBrig. zukam, drückte die serbische Kavallerie aus Lipolist in eine südlich davon gelegene Vorfeldstellung der MorD.I zurück.

Am 4. November wurde wohl Dobrić genommen, am 5. die Vorfeldstellung südlich Lipolist; der Angriff gegen die Höhen südlich von Šabac kam aber nicht vorwärts. Im Rahmen des allgemeinen Angriffsplanes war dies kein Nachteil. Um den angestrebten Erfolg möglichst durchschlagend zu gestalten, mußte der Druck in beide Flanken der Serben und der Frontalangriff in zeitlichem Einklang stehen.

Das XVI. Korps hatte sich inzwischen sehr geschickt von der Drina zurückgezogen, einige Rasttage genossen und traf am 4. November in Srebrenica ein. Wohl war ihm ein weiterer Rasttag zugedacht, doch die gespannte Lage widerriet jeder Verzögerung des geplanten großen Schlages. Das Korps hatte sich am 5. gegen die Drina bei Ljubovija zu verschieben, um sich für den Übergang in der Nacht vom 6. auf den 7. hinter den Begleithöhen verdeckt bereitzustellen.

Dementsprechend hatten das XIII. und das XV. Korps samt der komb. ID. Goiginger am 6. früh mit dem Angriff zu beginnen; gleichzeitig sollte die 5. Armee bei Verstärkung der 21. SchD. durch die bisher als Korpsreserve zurückgehaltene 41. SchBrig. mit ganzer Kraft ihren Vorstoß gegen die Bodenwellen südlich von Šabac fortsetzen.

Zur Vorbereitung der großen Aktion eröffneten die Batterien auf

dem Gučevo und auf der Boran ja am 5. ein heftiges Bombardement gegen die serbischen Stellungen. Um die Aufmerksamkeit von der geplanten Angriffsfront abzulenken, donnerten auch die Batterien an der DonauSavefront und gegen die Gruppe Užice an der Drina.

Der Gen. Stepanovic war schon am 4. November durch das scharfe Andrängen der k.u.k. 5. Armee ziemlich besorgt geworden. Um ihm die Leitung der Abwehr zu erleichtern, unterstellte das SOK. die TimD.II der 3. Armee und ordnete die Verstärkung der 2. Armee durch die DonD.II der 1. Armee an. Die Kanonade am 5. gab dem Gen. Bojovič willkommenen Anlaß, gegen diese Schwächung seiner 1. Armee Einspruch zu erheben., doch konnte er Putnik nur die Belassung eines Regimentes abringen. Die Masse der DonD.II trat am 5. abends den Abmarsch zur 2. Armee an1).

Daß diese den Plänen des FZM. Potiorek entgegenkommende Maßnahme getroffen wurde, hatte ihre Ursache einerseits in dem Vertrauen auf die Widerstandsfähigkeit der inzwischen sorgsam ausgebauten Befestigungen der 1. Armee und die Stärkung des inneren Haltes der Truppen, die durchAuflösung einzelner Formationen und Einreihung der so gewonnenen Offiziere und Mannschaft nebst Überzähligen der Kavallerie und Artillerie in die Infanterie erzielt worden war. Andererseits hatte es auf öst.-ung. Seite FML. Šnjarič verstanden, durch allerlei Kriegslisten, zahlreiche Lagerfeuer, auffällige Truppenverschiebungen u. dgl., beim Feinde den Glauben an die Anwesenheit des XVI. Korps und dessen Vorbereitung zur Offensive über Višegrad wachzuerhalten. Die Armeegruppe Užice stand, zur Drinaverteidigung gerüstet, von der Gegend von Rogatiča bis zur Limmündung, wo 24.000 Montenegriner anschlossen.

Solcherart kam die Entwicklung der Lage den Plänen des FZM. Potiorek genugsam entgegen. Es handelte sich nun darum, daß die serbische Mitte in zäher Verteidigung so lange Widerstand leistete, bis sich die Offensive der beiden Flankengruppen in vollem Umfange fühlbar machte, woraus sich eine Katastrophe der Serben entwickeln konnte.

Der Sieg an der Drina (6. bis 9. November)

Hiezu Skizzen 50, 51 und 52

Ein erfolgversprechender Auftakt der Offensive war die am 6. November noch vor Morgengrauen erfolgte Erstürmung der vorgeschobenen

serbischen Schanze auf A708 zwischen Kuliste und Crni vrh A769 durch Teile des IR. 78 und der 36. ID.1). Bei Tageshelle griff das ganze XIII. Korps nach sehr guter Artillerievorbereitung und vernichtender Wirkung der Erdmörser die verstärkte KombD. (27V2 Bataillone, 37 Geschütze) an und erstürmte nach 3h nachm. die erste, um 5h nachm. die zweite Stellung. Der Feind wich in die dritte Stellung hinter der Stira zurück. Das XV. Korps errang kleinere Erfolge, der Nordflügel der komb.ID. GM. Goiginger nahm den Nesino brdo, der Südflügel faßte nach höchst schwierigem Überschreiten einer Schlucht in den vorgeschobenen Gräben der Verteidigung des Sv. Petarrückens festen Fuß.

Die serbische Heeresleitung hatte mittags auf die Nachricht vom schweren Kampf der KombD. die nordwärts marschierende DonD.II in Osečina angehalten und beauftragt, ein Regiment über Zavlaka zur

3. Armee zu schicken. Noch am Abend wurde die Lage als keineswegs gefährlich betrachtet.

Am 7. November früh wurde die serbische Front an mehreren Stellen heftig erschüttert. Der Südflügel der komb. ID. GM. Goiginger, bei dem während der ganzen Nacht der Kampf nicht geruht hatte, warf die Serben vom Rücken Sv. Petar, die 9. GbBrig., GM. v. Hrozný, erstürmte die Schanzen auf der Kozja stena. Die 7. GbBrig. brach südlich davon in die serbische Stellung ein, während weiter nördlich die 11. und die

12. GbBrig. den Kostajnik in einem Halbkreis umschlossen. Der Nordflügel der komb. ID. GM. Goiginger, obzwar durch den Widerstand einer auf einem Felsen südwestlich vom Šanac festgesetzten serbischen Abteilung aufgehalten, packte die starken Stellungen auf diesem mit Artilleriefeuer hart an und wartete nur auf das Herankommen der zur südlichen Umfassung angesetzten Abteilungen, um zum Angriff zu schreiten.

Angesichts dieser Lage ordnete der Kommandant der DonD.I gegen lh nachm. den Rückzug in die Linie Krupanj— Zdrela—Veleš an. So konnte der Šanac mit leichter Mühe genommen werden, und der Nordflügel des GM. Goiginger gegen Abend bereits die neue Stellung der DonD.I angehen. Der MorD.II blieb keine Wahl, als in die Linie Sattel Stolice— Miokovac—Krupanj zurückzuweichen. Wider Erwarten waren die Serben aus ihren starken Gebirgsstellungen durch den frontalen Angriff fast durchwegs zurückgedrückt, nur die Höhen Stolica und Kostajnik hielten sie noch, waren aber auch dort sehr bedrängt.

Weniger erfolgreich waren die Flankengruppen, von denen sich FZM.

x) Bei dieser Waffentat zeichnete sich Hptm. Emil Prochaska des IR. 78 hervorragend aus. Ihm wurde hiefür das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens zuteil.

Potiorek die Entscheidung der Schlacht erhofft hatte. Bei der 5. Armee war der allgemeine Angriff am 6. November infolge der überwältigenden Feuerwirkung der Serben stecken geblieben. Am Ostflügel konnte die 58. IBrig., unterstützt durch Batterien auf dem Nordufer und namentlich durch die Monitoren, sich wohl einer Vorstellung der Misarhöhen bemächtigen; der Angriff der 57. und der 14. IBrig. gegen die Höhen südlich von Šabac und bei Jevremovac scheiterte jedoch. Am folgenden Tage arbeiteten sich die 21. SchD. bei Dobrić, die 71. IBrig. bei Maovi bis auf die kleinen Gewehrschußdistanzen an die feindlichen Hindernisse heran, lagen aber unter einem derartigen Feuer der Artillerie bei Jevremovac, daß sie sich zu dem ihnen von der Mačva her vertrauten Sappenangriff entschließen mußten. Der Angriff der 7. ID. und der 29. ID. stockte. Aber auch die auf Befehl des Gen. Stepanovic von der MorD.I zur „gewaltsamen Aufklärung“ gegen Lipolist vorgetriebenen Gruppen mußten sich nach verlustreichem Kampfe mit der 9. ID. in die Hauptstellung zurückziehen.

Beim XVI. Korps begann am 6. November nach Einbruch der Dunkelheit mit der 3.GbBrig. bei Ljubovija die Überschiffung der 50. ID. Der Übergang der weiter aufwärts angesetzten 18. ID. verzögerte sich bis 2h nachts, da die Kriegsbrückenequipagen auf den elenden Wegen zu spät einlangten. Die 4. GbBrig., GM. Konopicky, gelangte unterhalb Rogačica ohne Zwischenfall über den Fluß. Die 9. LstEtBrig. und die Gruppe Obst. Chwostek hatten so geschickt demonstriert, daß die Užice-Brigade fest an einen Übergang bei Bajinabašta glaubte und dorthin ihre ganze Aufmerksamkeit richtete. Am nächsten Tage wurde das Ljubovija-Detache-ment von der 3. GbBrig. erst gegen Abend nach Eingreifen der 16. GbBrig. ein Stück längs der Straße nach Pecka zurückgetrieben. Die 13. GbBrig. konnte die Höhen jenseits des Flusses nicht erobern, so daß der Brückenschlag der 18. ID. erst in der Dunkelheit begann und der Übergang der 5. und der 8. GbBrig. in der Nacht durchgeführt werden mußte.

Schon gegen Mittag des 7. alarmierten die Meldungen des Ljubovija-Detachements die serbische Heeresleitung. Gegen Abend meldete die Armeegruppe Užice, daß vor ihr „scheinbar neue Truppen in dunklen Mänteln“ ständen; Cetinje teilte mit, daß die Sandžakgruppe nur schwache Kräfte gegenüber habe und das Gros des Gegners offenbar abmarschiert sei. Putnik erkannte die drohende Einkreisungsgefahr und konnte sich glücklich preisen, die DonD.II nicht in den Kampf der 1. Armee verwickelt zu sehen, sondern sie zur Abwehr zur Hand zu haben. Er erkannte aber auch, daß er die Drinaschlacht verloren geben mußte und ordnete gegen Mitternacht den Rückzug der 3. Armee in die Linie Kumovac (auf der Cer planina)—Jarebice—A383 Čulište an. Die Flügelarmeen hatten den entsprechenden Anschluß hei-zustellen x).

FZM. Potiorek fühlte bald heraus, daß seinem Werke fürs erste die Krönung versagt blieb und erkannte, daß nur eine rücksichtslose Verfolgung durch die siegreichen Mitteldivisionen einen dem angestrebten Erfolg ähnlichen erzielen konnte. So gab er schon abends die Verfolgungsbefehle für die 6. Armee aus. Wie immer alle erreichbaren Kräfte zur Hauptentscheidung zusammenfassend, befahl er gleichzeitig dem im Südosten Bosniens kämpfenden FML. Šnjarič, einen möglichst großen Teil seiner Gruppe zum Stoß über Višegrad gegen Užice bereitzustellen.

Am 8. November setzte wieder Regenwetter ein, das die Wege bald grundlos machte und namentlich die Bewegungen des Trosses ungemein erschwerte. Wohl bot das an Lebensmitteln reiche Land den k.u.k. Truppen die Möglichkeit, sich einigermaßen zu verpflegen; doch alle anderen Heeresbedürfnisse kamen nicht nach.

Die Hauptkräfte der serbischen 3. Armee rückten in ihre neue Stellung; geringe Gefechtsstände und moralische Erschütterung ließen manche Regimenter für schwierigere Aufgaben „gänzlich ungeeignet“ erscheinen2).

Das XIII. und das XV. Korps Potioreks erreichten unter Nachhutkämpfen bis zum Abend die Höhen knapp östlich der Straße Loznica— Krupanj. Schwerer hatte es die komb. ID. Goiginger, deren Südflügel um die hartnäckig verteidigten Höhen Zdrela un,d Veleš heftig kämpfen mußte. Da gleichzeitig die nördlich der Straße nach Pecka vorrückende 50. ID. mit der 16. GbBrig. vor dem Petkovo brdo anlangte und die 3. GbBrig. nach heißem Kampfe die in drei Stockwerken ausgebaute Stellung auf dem Dugo erstürmte, vollzog sich der Rückzug der DonD.I unter starkem Druck. Die 18. ID. rückte südlich der Straße unter Kämpfen gegen die Orovička planina vor und stieß schließlich auf Vortruppen der DonD.II. Die 4. GbBrig. konnte sich nur nach heftigem Ringen auf dem Kamme der Begleithöhen jenseits der Drina festsetzen, mußte einen Vorstoß von Teilen der serbischen Užice-Brigade abwehren und stand nun in einem Sattel knapp vor der befestigten Stellung Zapolje, die den Weg über den Kamm zur Straße Rogacica—Valjevo sperrte.

So war der Flankenstoß des XVI. Korps wohl aufgehalten, doch der Führer der 1. Armee, Gen. Bojovic, schlug die Zurücknahme seiner Kampffront in die Gegend nordöstlich von Pecka vor. Putnik ging auf diesen Vorschlag nicht ein und bewilligte nur im Falle eines erzwungenen Rück-

1)    Serb. Gstb.-W., III, 254.

2)    Ebenda, III, 261.

Zuges das Beziehen einer Stellung auf den Höhen westlich und südlich von Pecka. Die 3. Armee hatte in diesem Falle in die Linie Ruinenhöhen auf der Cer planina—Zavlaka—Belacrkva zurückzugehen. Die TimD.II sollte nach Erreichen der Ruinenhöhen unter den Befehl der 2. Armee treten.

Die serbische 2. Armee stand noch immer unerschüttert. Eine vorgeschobene Stellung bei Jevremovac ging wohl an die 104. LstlBrig. verloren; die Zurücknahme des serbischen linken Flügels in die Höhe des Kumovac wurde aber durch die Artillerie so gut gedeckt, daß die 9. ID. und die 21. SchD. nur sehr wenig Raum gewinnen konnten.

Gefangene sagten aus, daß bereits am 7. der Rückzug bis in den Raum um Arangjelovac angeordnet wurde. Es war vor dem Kriege so viel von diesem Raum gesprochen worden, in welchem die „Svabas“ bei einem Einbruch den Untergang finden würden, daß die entmutigten Leute wohl an gar nichts anderes dachten als an den Rückzug dahin, wo sie sich ein Wunder erhofften. Angeordnet war dieser keineswegs, doch war nach den Ereignissen des 8. November das baldige Zurückgehen der serbischen 2. Armee mit Sicherheit anzunehmen. FZM. Potiorek wies deshalb die 5. Armee an, in der Richtung gegen Ub bis Koceljeva—Banjani vorzustoßen.

In der Nacht zum 9. November ließen die Meldungen der DonD.II das SOK. erkennen, welch starker Druck die Südflanke belastete. Die 3. Armee wurde deshalb angewiesen, den Rückzug nach Zavlaka beschleunigt durchzuführen. Die 1. Armee hatte die MorD.II dementsprechend zurückzunehmen, die DonD.I mit der Flankengruppe zu vereinigen.

Wieder nur unter Nachhutkämpfen drang das k.u.k. XIII. Korps bis an den Kumovac (36. ID.) und östlich vom Jarebice (42. HID.) vor, das

XV. bis westlich von Zavlaka (40. HID. und 48. ID.) und bis Čulište (l.ID.). Harte Kämpfe gab es begreiflicherweise beim XVI. Korps In doppelseitigem Angriff faßten der Südflügel der komb. ID. aus Nordwesten über die Sokolska planina und die 50. ID. vom Süden her die DonD.I an. In heftigen, vom frühen Morgen bis zum Mittag währenden Kämpfen entrissen die 3. und die 16. GbBrig. der DonD.I die einzelnen Kuppen der Sokolska. Der Nordflügel derkomb.ID.hatteinzwischendieMorD.il bei ihrem Rückzug hinter die Belacrkvanjska reka in schwere Kämpfe verwickelt. Die 18. ID. stieß gegen Pecka vor, doch versperrte die DonD.II beiderseits des Proslopsattels den Zugang. Um lh nachm. befahl das SOK. nach Verlust der Sokolska den Rückzug der 1. Armee an die von Pecka nach Osečina führende Straße (MorD.II), Front gegen Westen, und auf die Höhen am Fahrweg Pecka—Stave (DonD.I und II), Front gegen Süden. Um das Beziehen der Stellung zu decken, sollte die Gruppe beim Proslop möglichst lange halten. Tatsächlich gelang es erst in der Nacht der 8. GbBrig. unter großen Opfern, eine Höhe westlich des Proslop zu erstürmen.

FML. Trollmann hatte Teile der 5. GbBrig. auf der Orovička planina gegen die Straße Rogačica—Valjevo abzweigen lassen, um die der 4. GbBrig. den Weg versperrenden Serben in Flanke und Rücken zu bedrohen.

Auf den Bodenwellen südlich von Šabac hielt die serbische 2. Armee noch immer zäh stand, obzwar GM. Poleschensky mit der 58. IBrig., vorzüglich unterstützt durch die Monitoren, bis 9. abends längs der Save nahe an die Mündung der Dobrava, also schon in den Rücken der Mišar-stellung, vordrang und die 9. ID. die Verbindung mit der 36. ID. auf der Cer planina herstellte. Die 21. SchD. hatte sich sogar heftiger Gegenstöße der Serben zu erwehren. Gen. Stepanovic erfuhr vormittags zufällig vom beschleunigten Rückzug der Nachbararmee. Auf seine besorgte Anfrage beim SOK. wurde er auf die Disposition vom Vortage verwiesen, wonach er bei einem erzwungenen Rückzug hinter der Dobrava Stellung nehmen sollte. Darauf wollte er es nicht ankommen lassen. Er sah wohl auch den baldigen allgemeinen Rückzug voraus und ließ die 2. Armee während der Nacht in die Linie Dobrava—Slatina—Ruinenhöhe zurückgehen.

In den späten Abendstunden rang sich das SOK. tatsächlich zum Entschluß des allgemeinen Rückzuges durch. Die 1. Armee hatte ihn durch zähes Festhalten ihrer Stellungen bei Pecka in der Südflanke zu decken. Die 3. Armee sollte entlang der Straße Zavlaka—Valjevo vorerst bis an die Straße Crniljevo—Osečina, die 2. Armee auf den Straßen Sabac— Koceljeva und Sabac—Ub zunächst in die Linie Höhe Stolica bei Dra-ginje—Debrc zurückgehen (Skizze 52).

Den großen Erfolg Potioreks trübte eine Schlappe, welche die 6. LstTerrBrig. bei Semendria erlitt. Längst hatte sich infolge des zwischen Rußland und der Türkei eingetretenen Kriegszustandes der Transport eines russischen Korps auf der Donau als ungefährliches Schreckgespenst herausgestellt. Das Abschnittskmdo. im Banat wollte nun auch zur Be-drängung des Feindes beitragen und schlug einen Donauübergang bei Semendria vor. Das BOK. begrüßte diesen „kühnen Entschluß“, von dem es eine moralische Wirkung erhoffte. Der am 9. November etwas überstürzt eingeleitete Übergang gelang zwar gegenüber den dort Wache haltenden zwei serbischen Landsturmbataillonen; als aber nachmittags zwei Bataillone Verstärkung herankamen und zum Gegenangriff schritten, die auf dem Nordufer aufgefahrenen Batterien wegen Munitionsknappheit die wenig kampfgeübte Infanterie nur ungenügend unterstützten, kam diese bald in große Bedrängnis. Die Verluste häuften sich, vier Bataillonskommandanten fielen, worauf die erschütterten Truppen zur Landungsstelle drängten, was die Lage nur verschlimmerte. Für die Rücküber-schiffung reichten die Fahrzeuge nicht aus, so daß 1800 Mann in Gefangenschaft gerieten.

Verfolgungskämpfe (10. bis 12. November)

HiezuSkizzen 51 und 52

Bei strömendem Regen und auf elenden Wegen zogen in der Nacht zum 10. November die MorD.II und die DonD.I der 1. Armee gegen Pecka zurück. Die DonD.II wich indessen, durch den Ostmarsch der k.u.k. 5. GbBrig. südlich des Ljubovijabaches um die Verbindung mit Valjevo besorgt gemacht, eiligst auf den Suvodo. Der 18. ID. sperrte Artillerieflankenfeuer von der Höhe nordöstlich von Pecka her den Weg zur Verfolgung. Das SOK. raffte zehn Bataillone zusammen, um der 5. GbBrig. durch Besetzung der Höhe Borovnjak den Zugang zur Straße Rogačica—Valjevo zu verlegen. Die bis Ramne gelangende 5.GbBrig. war vor allem darauf bedacht, der 4. GbBrig. zu helfen, die schon seit sechsunddreißig Stunden im felsigen Sattel unterhalb der Höhe Zapolje steckte, auf der sich der stellenweise nur vierzig Schritte gegenüberstehende Feind auf das zäheste mit Handgranaten und Felsblöcken verteidigte.

Den Nordflügel der serbischen 1. Armee faßten die 50. und die komb. ID. nachmittags hart an. Nur mit größter Mühe gelang es der MorD.II, den wichtigen Flügelstützpunkt des Kik zu halten.

Der Rückzug der serbischen 3. Armee erlitt wegen der späten Ausgabe des Rückzugsbefehles und Räumung der großen Magazine in Zavlaka und Osečina eine Verzögerung bis in die ersten Nachmittagsstunden. Doch traten auch die Truppen des XV. Korps, über Nacht durch serbische Nachhuten aufgehalten, erst um 10h vorm. den Vormarsch an, so daß es zu keinen größeren Kämpfen mehr kam.

Bei der serbischen 2. Armee verzögerte sich der Abmarsch von der Dobrava bis in die sechste Nachmittagsstunde; doch die k.u.k. 5. Armee merkte erst gegen Morgen, daß die Hauptkräfte des Feindes die Stellungen verlassen hatten. Verfolgungsdetachements des Komb, und des VIII. Korps wurden durch kleine Kämpfe mit zurückgelassenen Patrouillen an der Dobrava aufgehalten, so daß die serbischen Nachhuten schon abzogen, als sich die Armee erst zum Angriff bereitgestellt hatte.

Schlimmer erging es der TimD.II am Südflügel. Um der 5. Armee zu helfen, war das XIII. Korps am Morgen gegen Tekeriš angesetzt worden: 36. ID. über die Cer planina und im Lješnicatal, 42. HID. von Jarebice direkt gegen Tekeriš. Die Vorhut der Domobranzen warf bei Jugoviči die Nachhut der DrinD.II und stieß dann auf die Stellung des linken Flügels der TimD.II auf Kik und bei Tekeriš. Das Eingreifen der 36. ID. abwartend, begnügte sich die 42. HID. zunächst mit der artilleristischen Vorbereitung des Angriffes. Die 36. ID. hatte vorerst schwere Arbeit, den Feind vom Todorov rt. und der Ruine Trojan zu vertreiben. Als jener bezwungen war, gingen die Domobranzen im Verein mit der Südkolonne der 36. ID. Tekeriš an, von der DrinD.II nur noch durch Artilleriefeuer belästigt. Die serbische Besatzung der Ruine Trojan wich in Auflösung, worauf auch Tekeriš genommen wurde. Unter schweren Verlusten trat die TimD.II den Rückzug an, den die Nachhut auf dem unbezwungen gebliebenen Kik deckte. Gleichzeitig zog die DrinD.II gegen die obere Tamnava ab.

Die serbische Heeresleitung entschloß sich am 11. November früh vor ihrem Abgehen von Valjevo nach Kragujevac, die Armeen in die gut ausgebauten Stellungen nördlich und westlich von Valjevo zurückzunehmen. Auf dem südlichen Heeresflügel hatte das Rogačica-Detachement gegen Debelo brdo, die Armeegruppe Užice nach Süden auf den Sattel südwestlich von Kremna (24 km südlich von Rogacica) zurückzugehen. Am Nordflügel sollte das Obrenovac-Detachement im Raume Skela— Obrenovac die 2. Armee, die mit ihr die Verbindung durch die Kavalleriedivision herzustellen hatte, in der Flanke gegen einen Einbruch über die Save decken. Allerdings scheint das Vertrauen in einen Abwehrerfolg bei Valjevo nicht groß gewesen zu sein, denn gleichzeitig ergingen Weisungen für den Rückzug in Stellungen hinter der Kolubara: Obrenovac-Detachement östlich von Obrenovac, Kavalleriedivision bei Konatice,

2. Armee beiderseits von Lazarevac, die 3. Armee, bei Slovac und Divci die Kolubara überschreitend, hinter dem Ljig bei Moravci, 1. Armee über Valjevo mit zwei Divisionen hinter dem oberen Ljig, mit einer westlich davon im Gebirge zur Sperrung der Straße nach Grn. Milanovac. Alle Kommunikationen, Brücken und Verbindungsmittel waren zu zerstören, Verpflegsvorräte und Vieh abzuschieben oder zu vernichten.

FZM. Potiorek hingegen gab angesichts des geringen Raumgewinnes am 10. November abends die Hoffnung auf, den Durchbruch der serbischen Front zu einer schweren Schädigung der Flügel ausnützen zu können. Waren die von allen Teilen der Front übermittelten Gefangenenaussagen über den Rückzug bis Kragujevac richtig, so standen noch zahlreiche

Märsche bevor, wobei sich die Versorgung der ohnedies schon Mangel leidenden Armeen immer schwieriger gestalten mußte1). Eine Besserung ließ sich erst nach dem Erreichen der von Obrenovac nach Valjevo führenden Schmalspurbahn erwarten. Dies wurde geradezu zur Lebensfrage, denn schon jetzt ließ sich erkennen, daß die zu tiefen Morästen gewordenen Straßen als Nachschublinien gänzlich unbrauchbar waren. Deshalb wies FZM. Potiorek die Armeen in den am 11. ausgegebenen Direktiven zu fließendem Vormarsch an, um den Serben ein Festsetzen bei Valjevo oder an der Kolubara unmöglich zu machen. Die 5. Armee hatte an diese von Obrenovac bis zur Ljigmündung zu gelangen, Vortruppen über den Fluß zu schieben, um einen ungestörten Betrieb der Eisenbahn zu ermöglichen. Die 6. Armee sollte bis an die Linie Dudovica am Ljig—Mionica— Brežgje—Höhe Povíjen gelangen und das XVI. Korps im Raume südlich von Valjevo derart gruppieren, daß es das Eingreifen der Armeegruppe Užice verhindern konnte. Waren diese Weisungen durchgeführt, so sollte die verdiente längere Ruhepause gewährt werden.

Da die Serben den Rückzug möglichst erst am 11. November im Abenddunkel antreten sollten, kam die 1. Armee durch die Angriffe des XVI. Korps in große Bedrängnis. Zu Mittag erstürmte die komb. ID. Goiginger nach verlustreichem Kampf den Kik und stieß bis auf dießojcica nach, wo sie der MorD.II Geschütze und Ausrüstung aller Art abnahm. Die 50. ID., durch einen Flankenstoß der 8. GbBrig. der 18. ID. unterstützt, nahm die Höhe südlich der Bojčica, womit der 18. ID. der Weg nach Osten frei wurde. Sie traf abends vor dem Suvodo ein. Die DonD.II war bereits ostwärts abgezogen, um auf dem Sovački Kik Stellung zu nehmen. Nördlich schlossen die DonD.I und die MorD.II auf der Jolina breza an.

Das Rogačica-Detachement konnte tagsüber den befohlenen Rückmarsch auf den Debelo brdosattel nicht durchführen, weil die 4. und das zu Hilfe gekommene Detachement der 5. GbBrig. der Gruppe auf der Höhe Zapolje hart zusetzten. Sie mußte den Crveno stenje zu neuem Widerstand bis Einbruch der Nacht ausnützen, was auch die Behauptung des Borovnjak gegen das Gros der 5. GbBrig. bedang.

Die serbische 3.Armee, die infolge der Niederlage der MorD.II die DrinD.I am Südflügel bald nach 2h, die anderen Divisionen um 4h nachm.

*) Ein Vortreiben der auf dem nördlichen Saveufer befindlichen Vollbahnen bis Rača und Klenak oder von Feldbahnen, die Massentransporte im Moraste ermöglicht hätten, gelang nicht. Eine Verlängerung der Schmalspurbahn über Tuzla, Simin Han, Richtung Zvornik war erst im Bau. Auch der Vorbau von Pferdefeldbahnen war noch nicht gelungen; nur die Betriebsaufnahme der Strecke Sabac—Koviljača schaffte einige Erleichterung.

I 2. Aufl.    43

aufbrechen ließ, wurde vom nachrückenden XV. Korps nicht ereilt. Das VIII. Korps kam auf elenden Nebenwegen bei andauernd schlechtem Wetter nur bis an die Straße Šabac—Koceljeva heran. Das Komb. Korps, dem die 71. IBrig. angegliedert wurde, verfolgte auf der Straße Šabac— Ub und südlich davon. Ein vorauseilendes Verfolgungsdetachement stieß um 10h vorm. nordwestlich von Debrc auf abgesessene Kavallerie. Erst zu Mittag, als die Vorhut eingriff, wichen die Serben auf ihre Hauptkraft zurück, mit der die Vortruppen der 29. ID. in Fühlung traten.

Mit einer in Anbetracht der Umstände gewaltigen Marschleistung erreichte die serbische 2. Armee gegen Mittag des 12. November die ihr zugewiesene Stellung von Ub bis zur Blizonjski visovi. Die TimD.II war allerdings ,,bis zur Unbrauchbarkeit zerschlagen“; sie trat bald in den Verband der 3. Armee, weil sich Gen. Stepanovic durch die Leitung von fünf Einheiten zu sehr belastet fühlte. Die 3. Armee schloß bis Kamenica an.

Die im Laufe des 12. November eingetroffenen Fliegermeldungen ließen in FZM. Potiorek die neue Hoffnung erwachen, den Feind bei Valjevo in einer Lage fassen zu können, die ihn unter schwierigen Verhältnissen zur Schlacht zwang. Schon bei Koceljeva stauten sich die serbischen Fuhrwerksmassen, Artillerie, Trains, flüchtende Landesbewohner, bei Kamenica und Valjevo hatten sich unentwirrbar scheinende Knäuel gebildet. Allerdings wuchsen durch Ungunst der Wege und des Wetters auch bei den verfolgenden Truppen die Schwierigkeiten ins Unermeßliche. Die fahrende Artillerie blieb trotz Ochsenvorspann immer mehr zurück, der Troß versank im Morast. Alle Anstrengungen, die Straßen brauchbar zu machen, erwiesen sich als Sisyphusarbeit.

Endlich, am 12. November, brach die Sonne durch. Die Freude war nur kurz; abends setzte wieder Regen ein, in der Nacht begann Schneetreiben, das am 13. anhielt. Die 5. Armee vermochte nur mit Vortruppen bis vor Draginje—Banjani—Dren zu gelangen. Die Hauptkolonnen blieben weit zurück, insbesondere beim VIII. Korps, das nach Fliegermeldungen die schon am Vorabend von den Serben geräumten Stellungen Gomile— Stolice noch besetzt wähnte und in entsprechender Gruppierung vorrückte, was das Fortkommen auf den elenden Wegen noch mehr erschwerte. Da die serbische Kavalleriedivision, vielfach mit den Vortruppen plänkelnd, ostwärts wich, wurde auch die 29. ID. gegen Osten gewendet und überdies die 104. LstlBrig. Save abwärts entsandt. Zu einem ernsteren Kampfe kam es nur bei Dren, wo eine der serbischen Kavalleriedivision beigegebene Abteilung des Obrenovac-Detachements überraschend durch Flankenfeuer zersprengt wurde.    .

Das XIII. und das XV. Korps kamen bis an die Straße Kamenica— Šabac heran. Westlich von Kamenica und vor der Jolina breza stieß die komb. ID. GM. Goiginger auf die zur Deckung der Befestigungsarbeiten vorgeschobenen serbischen Vorposten. Diese wurden bis zum Nachmittag zurückgedrängt, doch mußte der Angriff auf die starke Hauptstellung bis zum Herankommen der Artillerie verschoben werden.

Beim XVI. Korps entwickelte sich die 50. ID. vor der Mitte der serbischen 1. Armee. Die 8. GbBrig. der 18. ID. griff in äußerst schwierigem, tief verschneitem Gelände den Medvenik an. Die 13.GbBrig. kam vor dem Jablanik zum Stehen, die 5. GbBrig. vermochte den Borovnjak nicht zu bezwingen, obzwar eine Gruppe der bis zur Straße gelangten 4. GbBrig. den Feind schon im Rücken bedrohte. Das Gros der letztgenannten mußte sich gegen die Höhe Jasenovac wenden, wohin der Feind zurückgewichen war und durch den dorthin abgebogenen Nordflügel der Uzice-Brigade a,ufgenommen wurde.

FZM. Potiorek schloß aus dem kräftigen Widerstand, den das XVI. Korps gefunden hatte, auf die Absicht der Serben, vor Valjevo auszuharren. Die Zuversicht des FML. Krauss, am 13. an die Kolubara zu gelangen, verleitete den Feldzeugmeister, gleiches von der ganzen 5. Armee anzunehmen. Vom XV. und XVI. Korps erwartete er die Einnahme von Valjevo schon am 13. November. Mißlich waren die Nachschub Verhältnisse. Zu den im verschneiten Gebirge steckenden Teilen des XVI.Korps konnte überhaupt nichts gelangen.

Die Einnahme von Valjevo (13. bis 15. November)

Am 13. November gegen Mittag sah sich die MorD.II auf der Jolina breza von der Division Goiginger schon sehr bedrängt. Um 2h nachm. ging dieser wichtige Punkt verloren, zur Not krampften sich die Serben auf der nächsten Höhe an. Nun ließ GM. Goiginger auch seinen linken Flügel, unterstützt von der 10. GbBrig., gegen den Südflügel der DrinD.I angehen, gleichzeitig bestürmte die 1. ID. die Mitte bei Osladić und nahm um 4h nachm. die dortigen Schanzen. Jetzt wurde die 7. GbBrig. aus der Front gezogen, um der Division Goiginger bei Eroberung von Kamenica und der Höhe südlich davon zu helfen. Um 7habends war auch hier der Sieg errungen.

Nicht weniger bedrohlich sah es bei der serbischen 1. Armee im Ge-

birge aus, obzwar heftiges Schneetreiben die Gefechtstätigkeit der Angreifer stark beeinträchtigte und die Mitwirkung der Artillerie fast ausschloß. Die gegen den Debelo brdo entsendete Gruppe der 4. GbBrig. griff bereits um den Ml. Povíjen herum, weshalb das Rogačica-Detache-ment in Sorge vor Umgehung nach Norden wich. „Entschiedene Verteidigung bis zum letzten Blutstropfen, weil nicht weiter zurückgegangen werden darf,“ wurde verlangt1); doch fehlten Reserven, Übermüdung rief allgemeine Apathie hervor, gegen die auch Androhung drakonischer Strafen wenig fruchtete. Als letztes Mittel blieb, den Komitas das Recht zum Waffengebrauch gegen eigenmächtig davongehende Leute einzuräumen. Zum Glück für die Serben konnte die 5. Armee trotz aufopferungsvoller Anstrengungen infolge des schlechten Wetters und der augenblicklichen Weg Verhältnisse am 13. nur langsam Raum gewinnen. Dennoch bereitete demWojwoden Putnik ihr Vordringen gegen die untere Kolubara größte Sorge, weshalb er den Gen. Stepanovic wiederholt aufforderte, mit Teilen der 2. Armee gegen Koceljeva vorzustoßen, um die Bedränger der Kavalleriedivision zurückzuscheuchen. Der Armeekommandant faßte diesen Auftrag als Befehl zu einem Angriff auf, den er am 14., wenn möglich, bis auf die Höhen bei Suvoselo—Draginje vortragen wollte. Gen. Jurišič-Šturm wollte nicht Zurückbleiben und mit den drei Divisionen seines rechten Flügels in westlicher Richtung bis an die Straße nach Kamenica vorstoßen. Gleichzeitig wies er die DrinD.I an, mit ihrem Südflügel möglichst auf den Höhen südlich von Kamenica wieder festen Fuß zu fassen.

In der Nacht zum 14. November trat beim SOK. wieder eine Wandlung ein. Es erfuhr, daß sich das Obrenovac-Detachement bis auf eine schwache Nachhut hinter die Kolubara, die Kavalleriedivision an den rechten Flügel der 2. Armee hinter den Ub und die Tamnava zurückgezogen hatten. Somit hatte der Vorstoß der 2. Armee keinen Zweck mehr. Überdies ließen die Meldungen der 1. und 3. Armee erkennen, wie bös es um die Westfront vor Valjevo stand. Deshalb wurde das Unternehmen abgesagt. Putnik wollte nunmehr erst hinter der Kolubara die Schlacht annehmen. Allerdings sollte am 14. noch in den bisherigen Stellungen ausgeharrt werden, damit der Troß abbefördert werden konnte.

Schon zur Mittagszeit gestaltete sich die Lage der serbischen Westfront äußerst bedrohlich. Die komb. ID. GM. Goiginger hielt mit ihrem linken Flügel den Vorstoß des Südflügels der DrinD.I auf. Der rechte Flügel warf zu Mittag die MorD.II gänzlich zurück, gleichzeitig ging der linke Flügel zum Gegenangriff vor. Die bedrängte DrinD.I sah sich auch von der k.u.k. 1. ID. in der Mitte angefallen, die 48. ID. erstürmte den Stützpunkt des rechten Flügels. Gen. Jurisič-Šturm mußte den Rückzug anordnen. Angesichts dieses Durchbruches der Westfront erließ auch Gen. Bojovič um 2h nachm. den Rückzugsbefehl. Beide Armeekommandanten kamen überein, am 15. mit der 1. Armee östlich des Gradac-baches, mit der 3. knapp westlich von Valjevo und hinter dem Rabas Widerstand zu leisten und erst in der Nacht zum 16. November den weiteren Rückzug anzutreten.

Unterdessen waren die nach Norden gerichtete Front der serbischen

3. Armee und der Westflügel der 2. bis zum 15. November abends durch den kräftigen Angriff der Armee GdI. Frank in heftige Kämpfe verwickelt worden. Von Nord und West angesetzt, eroberten die 42. und die 40. HID. einige Vorstellungen der serbischen KombD.; die 36. ID. erschien spät abends vor den inneren Flügeln der MorD.I und der TimD.II.

Im Glauben, daß die 3. Armee den Rückzug schon antrete, befahl Gen. Stepanovic den schleunigen Abmarsch seiner Armee hinter die Kolubara. An diesem Befehle änderte er nichts mehr, als die telegraphische Weisung Putniks einlief, den Rückzug nach jenem der 3. Armee zu regeln. Er wollte die Nacht ausnützen, um seine Truppen in möglichst guter Verfassung in die neue Stellung zu bringen. Überdies war der Abschnitt der Kolubara bereits durch den Nordflügel der k.u.k. 5. Armee gefährdet. Die 104. LstlBrig. hatte Obrenovac erobert und kämpfte abends um den dortigen Tamnavaiibergang. Die 29. ID. war im Besitze einer Brücke zwischen Piroman und Lisopolje und der Eisenbahnbrücke über die Tamnava.

Während die 2. Serbenarmee den Rückzug ungestört und in guter Ordnung durchzuführen vermochte, rüttelte die Zurücknahme der beiden anderen, in hartem Kampf stehenden Armeen empfindlich an der bereits sehr gelockerten Disziplin. Unzureichende Verpflegung, mangelhafte Bekleidung „ertöteten jedes Pflichtgefühl bis zur völligen Gleichgültigkeit gegen jeden weiteren Kampf“. Besonders machte sich der Mangel an Artilleriemunition geltend1).

Zum Glück für die Serben waren aber auch die Sieger so ermüdet, daß sie den günstigen Augenblick nicht auszunützen vermochten. Ein Nachstoßen selbst ganz kleiner Abteilungen hätte eine Katastrophe herbeiführen können. Doch das unter Nachschubschwierigkeiten schwer leidende XVI. Korps mühte sich abends im tiefen Schnee erst ab, auf dem Med-vednik und Debelo brdo in eine neue Angriffsgruppierung überzugehen.

i) Serb. Gstb.-W., IV, 44.

Einen schönen Erfolg errang die 4. GbBrig. gegen die Užice-Brigade, die sie aus der Stellung südlich des Crveno st. warf, wodurch die Armeegruppe Užice zu weitgehender Sicherung gegen Norden veranlaßt wurde.

Unter unendlichen Schwierigkeiten und zahllosen Stockungen gelang es dem Gros der serbischen 3. Armee, bis zum 15. November abends über die Kolubara zu kommen und auf den Höhen nordöstlich von Mionica zur Nächtigung überzugehen. Auch die 1. Armee fand sich abends hinter der östlichen Straße Valjevo—Užice im Raume Klinci—Bačevci zusammen. Der erkrankte Gen. Bojovic wurde durch den Gen. Živojin Misić, bisherigen Stellvertreter Putniks, ersetzt.

Bei der 5. Armee hatte sich die 7. ID. nach Osten gewandt und rückte nach Vertreibung einer Nachhut am unteren Ub über Brgule an die Kolubara, die von der 29. ID. bei Lisopolje erreicht wurde; die 71. IBrig. rückte nach. Der Fluß führte Hochwasser, alle Brücken waren zerstört. Die 21. SchD. hatte ein ernstes Gefecht mit der Nachhut der ŠumD.I zu bestehen und kam nicht weit über das Gefechtsfeld hinaus. Auch die stark ermüdete 9. ID. nahm nur mit Vortruppen die Stellung der TimD.I und blieb im übrigen nördlich des Ub. So ging dem VIII. Korps gegen sein Ziel Lajkovac nur ein Verfolgungsdetachement voraus. Dessen zu Mittag eröffnetes Artilleriefeuer vermochte den Übergang der serbischen

2. Armee aber nicht mehr wesentlich zu stören.

Bei der k.u.k. 6. Armee entsandte das XIII. Korps, das bis zur Höhe Karaula vordrang, ein Detachement gegen Slovac. Seine Annäherung veranlaßte die Serben zur Sprengung der dortigen Brücke.

Das k.u.k.XV.Korps und die komb. ID. GM. Goiginger rückten gegen Valjevo vor, wobei die Nachhut der MorD.II von der 48. ID. vertrieben werden mußte. Gegen 4h nachm. zog diese in Valjevo ein. Die 50. ID. des

XVI. Korps hatte einen zweistündigen Kampf mit der Nachhut der DonD.I zu bestehen, ehe sie die Höhe nordöstlich von Tubravic eroberte. Mehr konnte den sehr ermüdeten Truppen nicht zugemutet werden. Die 18. ID. sammelte sich in letztgenanntem Dorfe und mußte vor allem darauf bedacht sein, Verpflegsmittel zu beschaffen. Die südlich anschließende 4. GbBrig., die auch an diesem Tage im Kampf mit der Užice-Brigade stand, kam gleichfalls etwas vorwärts; denn die Serben hatten den Befehl, zur Deckung von Užice gegen Süden zurückzugehen.

Die Balkanstreitkräfte hatten einen wichtigen Abschnitt erreicht. War der Feind auch nicht vernichtet, sondern nur frontal zurückgedrängt worden, wobei man nicht einmal dessen Rückzugsschwierigkeiten bei Valjevo auszunützen vermocht hatte, so war er doch schwer getroffen und hatte in den neuntägigen Kämpfen über 8000 Mann als Gefangene, 42 Geschütze, 31 Maschinengewehre und reiches Kriegsmaterial in den Händen der Sieger gelassen.

FZM. Potiorek mußte nach allen Nachrichten die den beiden Armeen vor Gewährung einer Ruhepause gestellte Aufgabe, noch die Höhen östlich und südlich von der Bahn Obrenovac—Valjevo in die Hand zu nehmen, für sehr leicht durchführbar halten. Die deutlich erkennbare Entmutigung der Serben und ihr Mangel an Artilleriemunition ließen keinen langen Widerstand an der Kolubara voraussetzen. Das nächste Ziel nach der unbedingt nötigen Atempause sollte Belgrad sein, weil dadurch eine noch leistungsfähigere Nachschublinie erschlossen würde. Wenn auch anzunehmen war, daß der Serbe seine Hauptstadt freiwillig preisgeben werde, so verfaßte FZM. Potiorek doch Weisungen für die artilleristische und technische Vorbereitung des Angriffes gegen die höchstens durch Feldbefestigungen geschützte Landfront. GM. Böltz, der Generalstabschef des Oberkommandanten, sandte sie noch am Nachmittag des 15. an den GM. Geřabek, Stabschef des GdI. Frank, womit vielleicht die Aufmerksamkeit des 5. Armeekmdos. auf diese Unternehmung stärker gelenkt wurde als tatsächlich nötig war; denn die Serben ließen schon verkünden, daß der Verlust Valjevos die Verteidigung von Belgrad „ungünstig beeinflussen“ könne. Einen Lichtblick für sie bildete die Nachricht von der am 18. bevorstehenden Ausschiffung der mit Ungeduld erwarteten Artilleriemunition in Saloniki.

Wie so oft im Kriege trat das Unerwartete ein. An der Kolubara entbrannte ein langwieriger, heißer Kampf, der die abgemüdeten, in jeder Beziehung Mangel leidenden k.u.k. Truppen neuerlich zu großen Anstrengungen zwang und sie nicht zu der schon dringend nötigen Erholung und Ruhe kommen ließ.

Die Schlacht an der Kolubara und am Ljig

(16. bis 28. November)

Hiezu Beilage 23 sowie Skizze 53

Schwierigkeiten beim Flußübergang (16. bis 18. November)

Der 16. November bescherte nach dem bisherigen Regenwetter endlich einen warmen Herbsttag voll Sonnenschein. Frohgemut setzten sich die Kolonnen der 5. Armee und des XIII. Korps gegen die Kolubara in

Marsch. Den Truppen des XV. und des XVI. Korps sollte eine Erholungspause von fünf Tagen gegönnt werden, um ihren gänzlich abgerissenen Nachschub einigermaßen in Ordnung zu bringen. Sie benützten den 16. November, um in kurzen Märschen in die zugewiesenen Erholungsräume zu gelangen. Eine fünftägige Gratislöhnung war bewilligt und den Truppen die Erlaubnis erteilt, was das Herz wünschte — und was eben noch erlangbar war — in Valjevo einzukaufen.

FML. Šnjarič meldete, daß die Serben Višegrad räumten und erhielt den Auftrag, nach Užice vorzustoßen, wohin auch die auf dem Jasenovac haltende 4. GbBrig. nach entsprechender Rast gewiesen wurde.

Das 5. Armeekmdo. setzte seine Kolonnen gleichmäßig gegen den ihm zugeteilten Abschnitt der Kolubara von deren Mündung bis zu jener des Ljig an, wie sich dies aus den Anmarschverhältnissen ergab und ohne noch auf die später geplante Unternehmung gegen Belgrad Rücksicht zu nehmen. Zufällig hätte die damit verbundene Verlegung des Schwergewichtes auf den Nordflügel insoferne günstigere Verhältnisse geschaffen, als die serbische 2. Armee mit Rücksicht auf den eventuell nötigen Rückzug gegen Arangjelovac ihre Hauptkräfte beiderseits der von Lazarevac dahin führenden Straße aufgestellt hatte.

Auf den Höhen östlich von Obrenovac zwischen Save und Marica standen acht Bataillone des Obrenovac-Detachements, ziemlich geschonte Truppen, gegen welche die 104. LstlBrig. wenig Aussicht auf Erfolg hatte. Den weiten Raum zwischen Marica und Turija deckten die Kavalleriedivision und neun Bataillone, meist des III. Aufgebotes. Hier setzte FML. Krauss die 29. ID. mit dem Ziel Konatice an; die Armeereserve, 71. IBrig., folgte. Die langandauernde nasse Witterung hatte die dortige breite Niederung stark versumpft und den Ostarm der Kolubara, Luka-, vica genannt, zu einem ansehnlichen ,Hindernis gestaltet, das ohne Brückentrains nicht zu überschreiten war. Diese steckten noch weit hinten auf den grundlosen Straßen. Ihr Vorbringen über die Niederung war an sich ein Problem; auch die Geschütze mußten von Mannschaften mit Seilen über die Versumpfung hinweggebracht werden. Sie vermochten dann, in der Tiefe aufgestellt, mangels günstiger Aussichtspunkte für die Beobachter der Infanterie wenig zu helfen, während die serbischen Kanoniere die Niederung von den jenseitigen Höhen aus vollkommen beherrschten. So gelang es der Vorhut der 29. ID. nicht einmal, die noch westlich der Lukavica eingenisteten Serben zurückzuwerfen.

Die 7. ID., deren 21. FJB. sich am Vorabend der nur leicht beschädigten Brücke bei Skobalj bemächtigt hatte, schob ihre Vortruppen bis an die Lukavica vor und stand nun der zwischen Turija und Peštanbach auf den Höhen jenseits der Straße eingegrabenen ŠumD.I gegenüber.

Das VIII. Korps gelangte mit der gegen Lazarevac angesetzten 21. SchD. abends nur bis an die Kolubara, ohne mit der TimD.I ins Gefecht zu kommen. Dagegen schritt die Vorhut der gegen Lajkovac vorrückenden 9. ID. zum Angriff. Wohl schlug ihr von den Höhen Artilleriefeuer entgegen, doch gewann man den Eindruck, nur eine Nachhut vor sich zu haben. Man ahnte nicht, daß gegenüber und hinter dem unteren Ljig die artilleristisch etwas verstärkte MorD.I stand.

Bei der 6. Armee rückte das XIII. Korps mit der 36. ID. gegen Slo-vac, mit der 42. HID. gegen Divci vor. Da das am Vortag vorausgegangene Detachement die starke Besetzung der Höhen gegenüber Slovac und des von dort gegen Mionica ziehenden Rückens festgestellt hatte, entschloß sich GdI. Rhemen, die gesamte Artillerie im Halbkreis um Slovac auffahren zu lassen, um die dortigen Verteidiger unter Kreuzfeuer zu nehmen. Dann wollte er hier mit der 36. ID. den Angriff durchführen, während die Domobranzen bei Divci zu warten hatten, bis der ihren Vorrückungsraum jenseits der Kolubara flankierende Rücken gesäubert war. Diese gewiß berechtigte Methodik verscherzte die Gunst des Augenblickes. Bei Mionica herrschten nämlich geradezu heillose Verhältnisse. Die während der Nacht trotz todmüder Pferde unaufhaltsam dahin zurückrollenden Trains aller drei Divisionen der serbischen 1. Armee, untermischt mit den Fuhrwerken der auf Geheiß des SOK. flüchtenden Bevölkerung, stießen auf die bei Mionica über den einzigen Ribnicaübergang zurückflutenden Trains der 3. Armee. Die Straße nach Grn.Toplica war verstopft von durcheinandergeratenen Fuhrwerken und Geschützen, die von den Pferden kaum mehr weitergebracht werden konnten.

Gen. Mišič beschwor den Gen. Jurišič-šturm, zur Flankendeckung gegen Norden wenigstens ein Regiment auf der Höhe nördlich von Mionica bis zum Herankommen der Nachhut der 1. Armee stehen zu lassen. Jurišič-šturm wies schon im Interesse der 3. Armee die ganze DrinD.I an, auf den Höhen bei Slovac stehen zu bleiben. Doch der Befehl kam zu spät. Zeitlich früh hatte sie den Weitermarsch angetreten und nur ein Regiment als Nachhut auf dem wichtigen Rücken zurückgelassen. Außerdem stand ein Regiment der DrinD.II als Sicherung auf der Höhe unmittelbar östlich von Slovac, dahinter das Gros dieser Division, die das Abfließen der vor ihr befindlichen TimD.II erst abwarten mußte.

Als die DrinD.II gegen llhvorm. abmarschierte und bald darauf das IR. 53 der 36. ID. über die recht unvollständig zerstörte Brücke bei

Slovac das rechte Ufer der Kolubara gewann, beeilte sich die Nachhut der DrinD.II, ihrem Gros zu folgen. Nun wurde auch die Stellung des Regiments der DrinD.I unhaltbar. Ohne weiteren Zwischenfall gelangte die 36. ID. mit den Vortruppen bis auf die Höhen südöstlich von Slovac.

Die 42. HID. mußte erst die vollständig zerstörte Brücke bei Divci durch eine neue ersetzen und sich an diesem Tage damit begnügen, zwei Regimenter auf den Rücken nördlich von Mionica vorzuschieben. Dadurch verbrachte das sich bei Grn.Toplica zusammendrängende Gros der serbischen 1. Armee, MorD.II und DonD.I,eine ungestörte Nacht. Die DonD.II und das ihr in der Folge angegliederte Rogačica-Detachement erreichten die Höhe zwischen Grn. Toplica und Planinica.

Die serbische 3. Armee war abends bereits in ihrer neuen Stellung hinter dem Ljig, wenn auch deren Beziehen teilweise auf den folgenden Tag verschoben werden mußte. Die TimD.II bildete die Armeereserve hinter dem Nordflügel.

Das Schönwetter hielt nur bis 17. November nachmittags an, dann strömte wieder Regen nieder, in den höheren Lagen fiel Schnee. Die anderthalb Tage Sonnenschein hatten die unangenehme Folge, daß die Schneeschmelze im Gebirge die Kolubara noch höher anschwellen ließ und die Niederungen sich mit großen Wasserlachen bedeckten. Die ungenügend bekleideten Kämpfer litten in der sich bald fühlbar machenden Kälte unsäglich und ihre Reihen wurden durch Krankheiten rasch gelichtet. Beim Komb. Korps trat außerdem hinzu, daß die Fahrküchen weit abbleiben mußten, so daß die Leute in der Kampflinie tagelang warme Nahrung entbehrten. Auch wartete es am 17. vergeblich auf sein Brückengerät. Dennoch gelang es bei der 29. und der 7. ID., Vortruppen auf das Ostufer der Lukavica zu werfen. GM. Letovsky, der Führer der

7. ID., dem irrtümlich von einer Brücke berichtet wurde, welche sein bereits am Ostufer der Lukavica nächst der Turijamündung befindliches Aufklärungsdetachement benützt habe, stellte abends seine Brigaden zum Übergang bereit, um am 18. den Abschnitt Vk. Crljeni—Vreoci umfassend anzugreifen.

Gen. Stepanovic, der unter dem Eindrücke dieser gegnerischen Unternehmungen mit baldigem Zurückweichen der Kavalleriedivision rechnete, wodurch auch die Stellung der ŠumD.I und in der Folge der ganzen

2. Armee unhaltbar werden mußte, ließ Rückzugswege nach Arangjelovac rekognoszieren. Daraus allein erhellt schon, welche Vorteile dem Komb. Korps durch den Stillstand an der Lukavica entgingen.

Beim VIII. Korps gelangten wohl drei Bataillone der 21. SchD. bei

Lazarevac über die Kolubara, doch die 9. ID. vermochte weder bei Lajko-vac hinüberzukommen, noch den unteren Ljig zu überschreiten. Immerhin durfte man hoffen, die umfaßte keilförmige Stellung, gegen welche die Divisionsartillerie teilweise flankierend wirkte, umso eher zu bezwingen, als das XIII. Korps auf den Kanonendonner hin fünf Bataillone und drei Batterien unter Obst.-Brigadier v. Luxardo gegen die Höhen nördlich von Županjac vorgesendet hatte. Kräftiger Widerstand am hochgehenden Ljig und Artillerieflankenfeuer der DrinD.II ließen die Gruppe Luxardo keinen Erfolg erzielen, worauf sie am späten Nachmittag noch mit vier Batterien verstärkt wurde. Die Meldung eines über den Mramor entsendeten Nachrichtendetachements erklärte scheinbar die Hartnäckigkeit des Widerstandes der feindlichen „Nachhut“. Es hatte den Marsch einer serbischen Division von Grn. Toplica ostwärts beobachtet, also des Gros der 1. Armee. Wenn sich diese Kolonne noch so weit westlich des Ljig befand, durfte die am Unterlaufe dieses Flusses stehende „Nachhut“ keinesfalls zurückweichen. In die nun besonderes Interesse gewinnende Gegend im Süden wurde von jeder Division des XIII. Korps ein bataillonsstarkes Nachrichtendetachement gesendet, und zwar von der 36. ID. zur Kompagnie auf Mramor, von der 42. HID. zur Verstärkung der gegen die Höhe Bačinovac aufklärenden Kompagnie.

Das BOK. in Tuzla konnte aus den bisherigen Ereignissen nur im Eindruck bestärkt werden, daß es sich an der Kolubara und am Ljig um den vorübergehenden Widerstand von Sicherungstruppen handelte, die den nach allen Anzeichen demoralisierten Serben einen Vorsprung im Rückzug gegen den Zentralraum verschaffen sollten. Der 5. Armee und dem XIII. Korps wurde nach der bald zu erwartenden Besitznahme der den ruhigen Eisenbahnbetrieb gewährleistenden Höhen eine dreitägige Rast in Aussicht gestellt.

Das SOK. wurde jedoch wieder zuversichtlicher gestimmt, wozu die wohl noch nicht ausgereiften Pläne des Kommandanten der 1. Armee, Gen. Mišič, beitrugen: nämlich eine Falle aufzurichten, in der sich die seiner Meinung nach in blinder Verfolgung längs der Straße nach Grn. Milanovac über den Suvobor nachdrängenden Gegner fangen sollten. Er stellte das Gros der MorD.II und DonD.I zwischen Kačer- und Dragoviljskabach bereit, Vorposten westlich des Ljig im Anschluß an jene der DrinD.I auf Milovac entlang des zum Vis ziehenden Rückens. Diesen rechten Flügel hoffte er bald durch eine ihm vom SOK. zugesagte Division der

3. Armee zu einer starken Stoßkraft verstärken zu können. Die durch das Rogačica-Detachement fast auf doppelte Stärke gebrachte DonD.II grub sich auf Bačinovac beiderseits der Straße nach Grn. Milanovac ein und deckte, mit einem starken Detachement auf dem Maljen, auf dem Hauptrücken die linke Flanke.

Der beim Gegner große Naivität voraussetzende Plan hob die Zuversicht des SOK., ließ aber die schlimme Verfassung der 1. Armee außer Betracht, die sich in hohen Vermißtenzahlen, widerstandloser Waffenstreckung ganzer Abteilungen selbst schon vor Patrouillen, Gehorsamsverweigerungen, Selbstverstümmlungen, insbesondere bei der sehr schwer mitgenommenen DonD.II, äußerte.

Die MorD.I räumte in der Nacht zum 18. November die unter Kreuzfeuer liegende Vorstellung im Mündungswinkel des Ljig und wollte die keilförmig vorspringende Mitte auf den Hauptrücken Vis A385 und Vis A295 zurücknehmen, was das SOK. mit dem Zusatz verbot, die „Höhe Čovka müsse um jeden Preis gehalten werden1)“. Die 3. Armee sollte ihren Nordflügel bis Zupanjac strecken, ein Regiment der 2. Armee abtreten und die lästigen flankierenden Batterien des XIII. Korps bei Pepelje-vac nicht nur mit flankierendem Artilleriefeuer, sondern erforderlichenfalls durch einen Infanterieangriff bekämpfen, woran Gen. Jurišič-šturm mit seinen erst zur Not Fassung gewinnenden Truppen allerdings nicht denken durfte.

Am 18. November machte sich das Ansteigen der Kolubara besonders fühlbar und verurteilte das Komb. Korps noch immer zum Stillstand. Das IR. 68 der 7. ID. überschritt wohl auf schwankendem Steg die reißend dahintosendeLukavica, doch vermochten weder GM. Baumgartner sein zweites Regiment hinüberzubringen noch GM. Breit mit der anderen Brigade zum frontalen Angriff zu schreiten.

Beim VIII. Korps brachte die 21. SchD. ihre gesamte Infanterie über den Fluß und eroberte Lazarevac, konnte aber den im Süden sich stockwerkförmig aufbauenden Stellungen derTimD.I nichts anhaben. Die 9. ID. gewann kurz nach Mittag mit zwei Bataillonen das jenseitige Ufer, die den durch Artilleriefeuer gestörten Brückenschlag deckten, ,so daß sich schließlich die 17. IBrig. in der geräumten Vorfeldstellung festsetzen konnte; zwei über den untersten Ljig gelangte Bataillone des Obst. Luxardo schlossen sich als Flankenstellung an. Das Gros des letzteren vermochte wegen des den Ljig bestreichenden Artilleriefeuers der DrinD.II und der die Brücke bei Županjac beherrschenden Maschinengewehre keine Fortschritte zu machen. GM. Stracker wurde vormittags vom GdI. Rhemen mit vier Bataillonen und fünfeinhalb Batterien gegen Dudovica zur Unter-

i, Serb. Gstb.-W., IV, 178.

Stützung vorgesendet, traf aber auf den durchweichten Wegen erst abends am Ljig ein. Die Brücke war zerstört, Pioniere fehlten. Das Gros der 42. HID. einzusetzen, schien wegen der Anwesenheit stärkerer Kräfte auf den in der Südflanke befindlichen Höhen nicht ratsam zu sein.

Dort kam vormittags das über den Mramor vorgegangene Aufklärungsdetachement der 36. ID. mit den serbischen Vorposten auf Milovac ins Gefecht. Obzwar die Angreifer nur sechs Kompagnien und eine Gebirgsbatterie stark waren, zeigten die mehr als zwei Regimenter und zwei Batterien zählenden Serben nur sehr wenig Kampfkraft. Ein gegen den Mramor vorgeschobener Posten von 400 Mann streckte nach kurzem Widerstand die Waffen, die Vorposten der 1. Armee räumten bald den vom Milovac südwärts ziehenden Rücken, welchem Beispiel das Regiment der DrinD.I schon zu folgen begann, als Gen. Jurišič-šturm energisch eingriff, so daß wenigstens der Milovac gehalten wurde.

Noch weniger Halt zeigte das Regiment der DonD.II auf Bačinovac. Als es nachmittags vom Aufklärungsdetachement der 42. HID. energisch angegangen wurde, ergriff die Infanterie, die Batterie im Stich lassend, die Flucht und richtete gegen Ordonnanzen und Offiziere, die sie aufhalten wollten, ihre Waffen. Ein Teil, fünf Offiziere und tausend Mann, raffte sich nicht einmal zur Flucht auf, sondern gab sich dem schwachen Bataillon der Domobranzen gefangen.

Dieses Vorkommnis ließ den Führer der 1. Armee, Gen. Mišič, die Undurchführbarkeit der geplanten offensiven Verteidigung des Zuganges nach Grn. Milanovac umso mehr erkennen, als sich Nachrichtenabteilungen des XV. und des XVI. Korps bei Brežgje in der Flanke der Stellung sehen ließen, also kaum anzunehmen war, daß der Gegner vor Zurückwerfen der DonD.II den Suvobor angehen würde. Mišič beschloß, sich wenigstens vorläufig auf die reine Abwehr zu beschränken, wobei ihm zustatten kam, daß die Armeegruppe Užice aus selbständiger Entschließung einen Teil ihrer Kräfte, elf Bataillone und drei Batterien, nordwärts verschoben hatte, um die östliche Straße von Valjevo nach Užice und die über den Maljen in das westliche Moravatal führende Verbindung in der Höhe von Kosjerići zu sperren.

Das SOK. nahm zu den schärfsten Mitteln Zuflucht, um Moral und Disziplin wieder zu heben. Neben Todesstrafe, Wegnahme des Vermögens und von Grund und Boden für die von den Standgerichten oder sofort von den Vorgesetzten abgestraften Fahnenflüchtigen sollten auch alle Anverwandten schweren Verfolgungen ausgesetzt sein.

FZM. Potiorek wurde durch die Vorgänge an diesem Tage neuerlich darin bestärkt, daß es nur eines Anstoßes bedürfe, um die ganze serbische Armee zur Auflösung zu bringen. Tief bedauerte er, daß die noch immer nicht behobenen Nachschubschwierigkeiten ihm auch in der Folge Hemmschuhe anlegten. Denn infolge des Stillstandes des Komb. Korps lag gerade jener Teil der Eisenbahn, der die meisten Herstellungen erforderte, im wirksamen feindlichen Artilleriefeuer, insbesondere die schwer beschädigte Brücke über dieTamnava, deren Wiederaufbau eine Woche Arbeit benötigte. Unter diesen Umständen riet die Vorsicht, die Masse der 6. Armee hinter die Kolubara unter Errichtung von Brückenköpfen bei Valjevo und Slovac zurückzunehmen, um dort die Retablie-rung durchzuführen. Doch wurde dadurch auch dem Feinde Zeit eingeräumt, sich zu erholen und die Früchte aller bisherigen Bemühungen wettzumachen. Der öst.-ung. Militärattache in Sofia wußte zu berichten, daß nur Nachhuten den unaufgehaltenen Rückzug in den Zentralraum um Kragujevac deckten, und daß die französisdie Regierung ihrem Gesandten die Mitteilung der serbischen Regierung bekanntgegeben habe, „daß es mit Serbien zu Ende gehe“. Dies ließ einen schwächlichen Entschluß verwerfen und die letzte Kraft und Energie von Mann und Roß aufbieten, um dem Feinde den Rest zu geben.

In diesem Sinne lauteten die am Abend verfaßten „Direktiven für die Fortführung der Offensive“. Sie gingen über das Hindernis, das die gut besetzten Höhen am Ostufer der Kolubara boten, leicht hinweg und schrieben der 5. Armee bis 22. November die Bereitstellung im Raume nördlich der Turija zum Angriff gegen Belgrad vor, der am 23. beginnen sollte. Bis zum gleichen Tage hatte die 6. Armee auf rund 20 km westlich der Straße Grn. Milanovac—Rudnik—Arangjelovac bereitzustehen, das XIII. Korps südlich der Turija derart gruppiert, daß es etwa von Arangjelovac gegen Belgrad rückende Kolonnen unverzüglich anfallen konnte. Die 18. ID. des XVI. Korps sollte im Raume Druže -tici—Grn. Dobrinja als Staffel hinter dem rechten Flügel zum Weitermarsch sowohl gegen Čacak als auch gegen Grn. Milanovac bereit sein, FML. Šnjarič mit der verstärkten 17. GbBrig. von Višegrad her möglichst bald Užice erreichen, sich dort mit der 4. GbBrig. vereinigen, um im Einklang mit der 18. ID. die Südflanke zu decken und später entlang der westlichen Morava Flanke und Rücken des Feindes zu bedrohen.

Als die am späten Abend eingelaufenen Meldungen erkennen ließen, wie hartnäckig der Feind vor dem XIII. und dem VIII. Korps standhielt, erging an das XV. Korps der Befehl, den Vormarsch bereits am

19. November anzutreten. GdI. Appel beschränkte sich wegen der miß-liehen Verpflegs- und Munitionslage vorläufig auf das Vorschieben der

1. ID. gegen den von Brežgje nordwärts streichenden Höhenrücken, den ihre Vortruppen am 19. erreichen sollten. Sie hatte vor allem die in der Gegend der Höhe Bačinovac festgestellten zwei serbischen Regimenter zu vertreiben, um die am 20. nach Grn.Toplica—Mionica vorrückende 48. ID. vor Überraschungen in der Südflanke sicherzustellen. Der stark hergenommenen 40. HID. sollte noch einige Rast gewährt werden, ebenso der in denVerband der l.ID. getretenen, sehr erholungsbedürftigen

8. GbBrig. An Stelle dieser war die 1. GbBrig. zur Vereinigung mit der 18. ID. angewiesen worden, zu der sie ursprünglich gehört hatte.

Allmähliches Aufhellen der Lage (19. bis 22. November)

Hiezu Beilage 23

Das Hochwasser brachte die Vortruppen des Komb. Korps am 19. November in eine sehr schwierige Lage. Die Brücke der 7.ID. bei Skobalj wurde beschädigt, die kleine Insel gegenüber Vreoci derart überschwemmt, daß sie geräumt werden mußte, der Steg des IR.68 abgerissen; zurRück-überschiffung stand nur ein Kahn zur Verfügung, auf dem GM. Letovsky sich zum Regiment begab. Dessen Kommandant erklärte jedoch, in dem immer mehr versumpfenden Mündungswinkel derTurija standzuhalten. Tatsächlich hatte sich das Regiment nur eines sehr schwächlichen Angriffes der ŠumD.I zu erwehren, deren Vortruppen durch Überschwemmung des Anlandes der Lukavica selbst in Bedrängnis gerieten. Am 20. herrschte vor der Front des Korps Krauss vollständig Ruhe.

Heiße Kämpfe hatte am 19. November das VIII. Korps zu bestehen. Seine 21. SchD. kam von Lazarevac nicht weiter, weil ihr Artillerieunterstützung fehlte. Mit unsäglicher Mühe schaffte sie über die Kolubara einzelne Geschütze, die infolge Munitionsknappheit übrigens auch nicht viel Hilfe versprachen. Dagegen wirkte das Kreuzfeuer der Batterien der 9. und der 36. ID. so gut, daß die Verteidiger des Vrače brdo gegen Mittag abzubröckeln begannen. Nach einem Schnellfeuer der Infanterielinie schritt das IR. 91 zum Sturm, dem die Serben nicht standhielten. Das IR. 102 und das am Nordflügel der Gruppe Luxardo kämpfende IR. 16 schlossen sich an, doch hinderten Artillerieflankenfeuer von der Čovka her und das Entgegenwerfen eines Regiments der Armeereserve die Verfolgung über den Vrače brdo hinaus. Nun entschloß sich der

Führer der 9. ID., GM. Daniel, die 18. IBrig. links der 17. IBrig. einzusetzen, um den Angriff über den dem Artilleriefeuer weniger ausgesetzten Nordhang gegen die Čovka zu führen und gleichzeitig durch Eroberung des Dorfes Petka die Verbindung mit der 21. SchD. herzustellen. Dem Kommandanten des VIII. Korps, FML. Scheuchenstuel, wurde es von Stunde zu Stunde deutlicher, daß es sich nicht um Nachhutkämpfe, sondern um ein entscheidendes Ringen mit den serbischen Hauptkräften handelte.

Das SOK. wurde durch den Mißerfolg alarmiert und fürchtete, daß die einem zweiseitigen Angriffe ausgesetzte Čovka verloren gehen könnte. Es gab dem 3. Armeekmdo. erneut den Befehl zum Vorstoß gegen Pepel-jevac „als einzige Möglichkeit, die gefährdete Höhe zu retten“1). Gen. Stepanovic, dem dieser Befehl zur Kenntnis kam, schloß daraus, daß die Čovka um jeden Preis gehalten werden müsse, und beeilte sich, die Reserve der TimD.I zur MorD.I in Marsch zu setzen. So kamen in deren Abschnitt nun schon sechs Regimenter zusammen.

Gen. Jurišič-šturm hütete sich, seine Truppen in einen unausweichlichen neuen Mißerfolg hineinzujagen. Um aber dem kategorischen Befehl einigermaßen zu entsprechen, zog er die letzten beiden Regimenter seiner Reserve (TimD.II) in einem Nachtmarsch zur DrinD.II vor. Die Truppen kamen aber nicht zeitgerecht und waren so ermüdet, daß der ihnen für den nächsten Morgen zugedachte Angriff aufgeschoben werden mußte.

Das k.u.k. XIII. Korps wurde auch am 19. November durch die Vorgänge in seiner Südflanke gehindert, die ganze Kraft zur Unterstützung des VIII. Korps einzusetzen. Das Nachrichtendetachement der 42. HID. auf Bačinovac hatte sich schon während der Nacht gegen fünf Bataillone der DonD.II zu wehren gehabt. Es meldete überdies, daß stärkere Kräfte sich auf dem östlich streichenden Rücken bis zur Höhe Vis festgesetzt hatten. Die Einnahme des Vrače brdo verführte den GdI. Rhemen zum Glauben, der Widerstand der vermeintlichen serbischen Nachhut werde bald zusammenbrechen. Deshalb wurde dem Zurückdrängen des Nachrichtendetachements der 36. ID. vom Milovac auf den Mramor nicht viel Bedeutung beigemessen. Auch der nachmittägige harte Kampf auf Bačinovac löste nur das Ersuchen an das XV. Korps aus, sich am 20. in den Besitz dieses Rückens zu setzen. Man hoffte wohl, daß der Feind auch dort sofort den Rückzug antreten werde, wenn die 83. HIBrig., über den Mramor vorgehend, am 20. die Übergänge bei Moravci und beim Dorfe Ljig in die Hand nähme.

Gen. Mišič war indessen weit davon entfernt, an den Rückzug zu denken. Er forderte von seinen Divisionären im Gegenteil möglichste Aktivität, um die Kampflust der 1. Armee zu beleben und vor allem Gefangene einzubringen, da man noch immer nicht wußte, wo sich das XV. und das XVI. Korps befanden. Die Armeegruppe Užice fürchtete offenbar deren Vorstoß und schwächte deshalb ihre die Zugänge von Rogacica und Bajinabašta sperrende Gruppe auf fünf Bataillone und ein Marschregiment, um eine neue Gruppe von zehn Bataillonen zur Sicherung der westlichen Straße Valjevo—Užice zwischen die erstgenannte und das Kosjerići-Detachement einzuschieben.

Beim VIII. Korps litt die 21. SchD. am 20. November unter Flankenfeuer der Batterien der ŠumD.I; der Sumpf in ihrem Rücken erschwerte den Nachschub von Munition und Verpflegung ungemein. Die 18. IBrig. vermochte nur die Angriffsgruppierung anzunehmen. Auch vor Dudovica ging es nicht vorwärts. Dagegen kam der Führer der 83. HIBrig., Obst. Mihaljevic, mit dem HIR. 26 und dem Kanonenregiment der 42. HID. auf Mramor gerade zurecht, um den Vorstoß von vier Bataillonen der MorD.II gegen das Nachrichtendetachement der 36. ID. aufzufangen. Im Gegenangriff wurde der Milovac genommen; auf den Höhen jenseits des Ljig sah man starken Feind mit Artillerie empfangsbereit. Unterdessen war weiter südlich die Höhe Bačinovac nach verlustvollem Kampf verlorengegangen.

Nun schwand auch beim XIII. Korpskmdo. jeder Zweifel, daß es sich um einen entscheidenden Waffengang handelte. Es beschloß, das Herankommen des XV. Korps abzuwarten. Dieses setzte die 48. ID. von Grn. Toplica und Orlovac nach Süden gegen die Höhen Čot und Vis an, indes die 1. ID. den nach allen Meldungen von einer serbischen Division besetzten Rücken Ruda-Vis von Westen her angreifen sollte.

Gen. Misić betrieb beim SOK. die Zuteilung der ihm längst zugesagten Division der 3. Armee. Doch Putnik beschäftigte sich vornehmlich mit dem Angriff dieser Armee über den untersten Ljig. Erst wiederholte Gegenvorstellungen des Gen. Jurisič-Šturm und namentlich der Hinweis, daß die Brückentrains längst gegen Kragujevac abgeschoben worden waren, bekehrten Putnik zum Plane, „vorläufig den Gegner die bestehenden großen Schwierigkeiten überwinden und ihn daran seine Kräfte zermürben zu lassen, um dann im geeigneten Augenblick selbst zum Angriff vorzugehen“1).

Tatsächlich ließ die Verfassung der k. u. k. Truppen schon jetzt viel zu wünschen übrig. Das seit 6. November ununterbrochen unterwegs befindliche XIII. Korps bat um eine dreitägige Rast, die FZM. Potiorek nicht bewilligen konnte, weil die eheste Erschließung der Eisenbahn unerläßlich war. Die Etappentrainzüge des XV. und des XVI. Korps steckten am 19. noch zwischen Loznica und Zavlaka, die Lücke bis dorthin vermochten die Gebirgsverpflegskolonnen nicht zu überbrücken. Was sie heranbrachten, reichte knapp zur Ergänzung der im Lande aufgebrachten Vorräte hin. Artilleriemunition war noch nicht nachgekommen. Die am

20.    verfügte Umlegung des Nachschubes auf die Straßen Šabac—Osečina und Presadi—Valjevo verhieß bei den unrettbar trostlosen Wegverhältnissen keine besondere Besserung; diese war erst von der Inbetriebsetzung der Eisenbahn zu erwarten.

Das 5. Armeekmdo. wurde am 21. November in seiner zutreffenden Ansicht, daß es die Serben auf eine entscheidende Schlacht abgesehen hatten, durch die optimistischen Direktiven des BOK. einigermaßen wankend gemacht. Auch glaubte es, daß die mit unendlicher Mühe an die Kolubara gebrachten Kriegsbrückenequipagen dem Komb. Korps bei der richtig eingeschätzten Verteilung der feindlichen Kräfte endlich einen für die ganze Armeefront entscheidenden Vorstoß gestatten würden. Deshalb wurde die 71. IBrig. dem Korps belassen und nicht dem schwer ringenden VIII. Korps überwiesen. Zu diesem wurde die Reserve der Gruppe Syrmien, Obst. Prinz Schwarzenberg mit 6 Bataillonen, 4 Batterien und 2V2 Schwadronen, heranbefohlen, die allerdings erst am 22. bei Skela die Save überschiffen konnte1). Die rasche Wirkung des flankierenden Eingreifens des Komb. Korps gegen die ŠumD.I wurde so bestimmt vorausgesetzt, daß die Befehle für die Operation gegen Belgrad schon am

21.    November früh ausgegeben wurden.

Die 29. ID. hatte beim Heranbringen des Brückenmateriales an die Kolubara am 21. derartige Schwierigkeiten zu überwinden, daß bis zum Abend nur ein Bataillon der 58. IBrig. westlich von Konatice auf das jenseitige Ufer gelangte. Bei der 7. ID. konnte der Übergang auch nicht planmäßig beim Morgengrauen durchgeführt werden. Immerhin konnte aber deren 14. IBrig. von lh nachm. an den Angriff gegen Vk. Crljeni führen und sich trotz des starken Flankenfeuers der Artillerie bei Slepo-jevac bis zum Abend auf 500 Schritte an den Ort heranarbeiten. Einem Angriff von Teilen der serbischen Kavalleriedivision von Stepojevac her warf sich die andere Brigade entgegen. Dieses scharfe Anfassen der ŠumD.I erleichterte einigermaßen die schwierige Lage der 21.SchD. bei Lazarevac, die jetzt wenigstens vom Flankenfeuer der Artillerie jener Division befreit wurde. Während sich die 18. IBrig. der 9. ID. langsam

*) Geschichte des Dragonerregiments Nr. 14, 15.

in frontalem Angriff bis auf den halben Hang hinaufarbeitete, hatte sich die 17. Brigade und die angeschlossenen Teile der Gruppe Obst. Luxardo des Flankenstoßes der beiden Regimenter der TimD.II zu erwehren, den Gen. Jurišič-šturm am Morgen angesetzt hatte, um das ungeduldige SOK. zu befriedigen. Von der Artillerie der 9. und der 36.ID. in Front, Flanke und Rücken gefaßt, erlitten die Serben schwere Verluste. Die nachmittägige zweimalige Wiederholung des Angriffes im Verein mit drei Regimentern der MorD.I zerschellte an der vorzüglichen Haltung der durch die Verluste sehr geschwächten IR. 16, 91 und 102.

Beim XIII. Korps der 6. Armee wollte GM. Stracker nach Bau zweier Notstege am 21. bei Dudovica mit dem IR. 52 die Höhen beiderseits des Onjegbaches gewinnen. Ungeachtet aller Vorsichtsmaßnahmen geriet das Regiment in eine sehr böse Falle. Nur der ausgezeichneten Haltung der Feuerlinie und der raschen Rücknahme dankte es das Regiment, daß es einer Vernichtung durch die unter Artilleriefeuer heranstürmenden Teile der KombD. und der DrinD.II entging1). Der durch gutes Zusammenwirken von Infanterie und Artillerie erstrittene Erfolg hob den Geist der längst schon am Siege verzweifelnden serbischen 3. Armee.

GdI. Appel war noch immer der Meinung, durch das Eingreifen des XV. Korps den Rückzug der serbischen „Nachhut“ alsbald auslösen zu können. Gleicher Optimismus beseelte denFZM.Wurm, der dasXVI.Korps am 21. in Bewegung setzte, um die für den 23. vorgeschriebenen Marschziele rechtzeitig zu erreichen: komb.ID. gegen die Stražara und Brežgje, die 50. ID. von der westlichen auf die östliche Užicer Straße, um im Verein mit der 4. GbBrig. Varda zu nehmen, die 18. ID. nach Valjevo. Die fahrende Artillerie der komb. und der 50. ID. kam zum XV. Korps.

Der Kampf dieses Korps um den Bacinovacrücken litt unter Artillerieflankenfeuer, weshalb zuerst die fahrenden Batterien und die 11. GbBrig. gegen die Höhen beiderseits des Dragoviljskabaches eingesetzt werden mußten. Mit Hilfe der 80. HIBrig. eroberten dann der Ostflügel des XV. Korps in der Abenddämmerung den Mednik, die Mitte des Korps die hart umstrittene Kuppe Bačinovac, der Westflügel die Höhe Ruda. Die 9. GbBrig. rang noch um die Vorstellung des Maljen.

Dem Gen. Mišič war bei Frontverkürzung die DrinD.I unterstellt worden, worauf er angriffsfreudig acht Bataillone zur DonD.II sandte. Deren Mißerfolg zwang ihn jedoch um 10h30 abends zum Zurückgehen auf den Hauptrücken Prostruga—Rajac—Suvobor. Vor der im rechten

x) Nach den Aufzeichnungen des GM. v. Greger, damaligen Kommandanten des IR. 52, büßte das Regiment hiebei 14 Offiziere und 728 Mann ein.

Winkel einspringenden Mitte der Verteidigungsfront blieb der Gragjenik besetzt. Die neue, durch tief verschneites Gebirge verlaufende Front bot noch mehr Aussicht auf Zermürbung des Angreifers.

Bei der Armeegruppe Užice besetzte das Kosjerići-Detachement mit ungefähr einem Regiment Ražana und stellte den Abmarsch der dortigen Sicherungen des Gegners gegen Osten fest, worauf Gen. Aracić beschloß, am 22. November sechs Bataillone und zwei Batterien längs des Hauptrückens gleichfalls ostwärts vorstoßen zu lassen.

Die Ereignisse dieses Tages ließen wohl schon die Mehrzahl der öst.-ung. Führer erkennen, daß es sich keineswegs um Nachhutkämpfe, sondern um eine große Schlacht an der Kolubara und am Ljig handelte. FZM. Potiorek hatte aber noch vor Einlangen der Abendmeldungen wegen Verlegung des Hauptquartiers nach Koviljača a. d. Drina (südwestlich von Loznica) die Fahrt von Tuzla über Brod und Šabac angetreten, so daß er vierundzwanzig Stunden ausgeschaltet blieb. Indessen leiteten die Verfügungen seiner Unterkommandanten die an der ganzen weiten Front von Obrenovac bis an die nach Užice führenden Straßen entbrennende große Schlacht ein.

FML. Krauss stellte der zum Angriff gegen Ivonatice angesetzten 29. ID. die Unterstützung durch die vier Bataillone der 71. IBrig. in Aussicht, ein Kraftaufgebot, von dem wohl ein durchschlagender Erfolg gegen den schwächeren Feind erwartet werden konnte. GdI. Frank sandte der schwerbedrängten 21. SchD. das ung. LstlR. 1 der 7. ID. zu Hilfe. Am Nordflügel des XIII. Korps ließ Obst. Luxardo einen Notsteg über den Ljig bauen, um noch drei Bataillone auf das Ostufer zu bringen.

GdI.Appel wies die 40. HID. zum Vorgehen gegen die Höhen beiMora-vica an, die 48. ID. gegen die Höhen beiderseits des Dragoviljskabaches, die 1. ID. zum Angriff gegen den Suvobor im Verein mit der komb. ID. des XVI. Korps. FZM. Wurm ließ die 50. ID. der komb. ID. in der Richtung gegen den Maljen folgen. Der 18. ID. befahl er den Vorstoß längs der östlichen Užicer Straße gegen den bei Ražana gemeldeten Feind. Sie sollte möglichst bis Kosjerići gelangen.

Die 29. ID. brachte in der Nacht zum 22. November sieben Bataillone der 58. IBrig., GM. Poleschensky, westlich von Konatice über den Ostarm der Kolubara. Sie sollten die diesen Ort im Norden und Osten umgebenden Höhen erobern. Um einem nächst der Maricamündung noch am Westufer kämpfenden Bataillon Luft zu machen, ging das Gros der Brigade mit dem linken Flügel entlang des Flusses nordwärts vor. Bald gebot ein in dei, Karten nicht verzeichneter tiefer Wasserlauf Halt. Um den drüben eingenisteten Feind zu vertreiben, wurden zwei Kompagnien über die Kolubara zurück- und den Serben in die Flanke geschickt. Bis es soweit war, trat schon die Dunkelheit ein.

Mittlerweile war das IR. 42 der im Übergang etwas verspäteten 57. IBrig., GM. Schön, gegen Mittag rechts der Schwesterbrigade an den Wasserlauf gekommen. In der Au wurde eine intakte Brücke entdeckt, doch lag sie im heftigsten Feuer der in Süd-Konatice und unmittelbar am Ufer festgesetzten Serben. Zwei in die Schwarmlinie vorgezogene Kanonen taten ganze Arbeit, so daß das IR. 42 zum Sturm schreiten konnte. Konatice war genommen, ehe die im Angriff stockende 58. IBrig. und das südlich des Dorfes vorrückende IR. 92 herangelangt waren.

Dieser überraschende Durchbruch veranlaßte den Kommandanten der serbischen Kavalleriedivision, seine Truppen auf die Höhen zurückzunehmen und die Einbruchsstelle der 42er mit der Reserve abzuriegeln.

Beim VIII. Korps drohte eine Wiederholung des Angriffes gegen die 17. IBrig. und die angeschlossenen Teile der 36. ID. von fünf serbischen Regimentern, doch wurden sie von der Artillerie der 9. und der 36. ID. derart unter Kreuzfeuer genommen, daß Gen. Stepanovic den Gegenstoß aufgab und die beiden zusammengeschossenen Regimenter der TimD.II dem Gen. Jurisič-Šturm wieder zurücksandte.

Das XIII. Korps, auf die Fortschritte des XV. wartend, begnügte sich mit Artilleriekämpfen. Vornehmlich bearbeiteten die elf Batterien der 36. ID. die Geschütze auf der Čovka, um deren flankierende Wirkung beim geplanten Angriff der vom Obst. Luxardo über den Ljig gebrachten drei Bataillone gegen Zupanjac auszuschalten.

Das XV. Korps schob sich auf die Hänge gegenüber Moravci und die Höhen Mednik—Vis vor. Die nach Mionica herangezogene 8. GbBrig. sollte in den Verband ihrer als Korpsreserve gedachten l.ID. treten. Diese war im Gebirge noch nicht frei geworden, und die Feststell ung, daß starke serbische Kräfte auf der Prostruga standen, ließ den zur Entlastung des XIII. Korps geplanten Angriff über den Ljig aussichtslos erscheinen, solange das XVI. Korps dort nicht reinen Tisch gemacht hatte.

Unterdessen verfolgte die l.ID. im Verein mit der komb.ID. den Feind gegen Siljak, wobei der Widerstand der Nachhut durch südliche Umfassung gebrochen wurde. Das Gros der 9. GbBrig. und die 14. GbBrig. erstürmten die Vorstellung des Maljen. Hinter der kombinierten erreichte die 50. ID. den Raum um Brežgje. Die 18. ID. setzte sich nach teilweise gewaltiger Marschleistung der Seitenkolonnen in den Besitz der Bukovska planina beiderseits der Straße nach Užice.

Die in Valjevo verbliebenen Führer des XV. und des XVI. Korps sahen den weiteren Ereignissen noch immer zuversichtlich entgegen. GdI. Appel hoffte, schon am 23. nachmittags nach Erreichen der Prostruga durch die komb. ID. über den Ljig angreifen zu können. Dieser Division setzte FZM. Wurm die Höhe Golubac nordwestlich von Rudnik, der 50. ID. den Galić westlich von Gm. Milanovac als Ziel. Die 18. ID. sollte mit zwei Brigaden bis an die Straße Družetiči—Grn. Dobrinja, mit einer Brigade über Kosjerići Hinaus bis auf den Crnokosa nordöstlich von Užice Vordringen, also in die vom FZM. Potiorek für den 23. November gewünschte Lage gelangen. Abgesehen von der großen Marschleistung im höchst schwierigen Gelände, das den Widerstand des Feindes ungemein begünstigte, trugen diese Anforderungen dem Zustand der Truppen nicht im mindesten Rechnung. Ohne Schuhe, notdürftigst bekleidet, vermochten sie die Wetterunbill im unterkunftslosen Gebirge umso schwerer zu ertragen, als Verpflegung weder ausreichend nachgeschoben noch an Ort und Stelle aufgebracht werden konnte. Selbst beim XIII. Korps, das schon einige Tage nicht vorgerückt war und in besserer Gegend focht, herrschte Mangel; hatten doch einige Bataillone seit vier Tagen überhaupt kein Brot erhalten. Dem XVI. Korps wurde bekanntgegeben, daß es in der nächsten Zeit auf Nachschub überhaupt nicht rechnen dürfe, weshalb jede Bewegung spätestens um 4h nachm. einzustellen war, um Zeit zu Beitreibungen zu gewinnen.

FZM. Potiorek erkannte aus den nach seiner am 22. erfolgten Ankunft in Koviljača durchgesehenen Meldungen, daß sich die vermeintlichen Nachhutkämpfe in eine große Schlacht verwandelt hatten. Die Zuversicht der Korpskommandanten an dem offenbar entscheidenden Südflügel ließ nicht an sich entgegenstellende größere Schwierigkeiten denken. Die Entsendung einer Brigade in die Gegend nordöstlich von Užice mochte auch der 4. GbBrig. und der ihr als Verstärkung zugedachten 9. LstEt-Brig. Luft machen. Auf die Vereinigung mit der am 21. bei Višegrad über die Drina gelangten Gruppe Snjarić war vorläufig nicht zu rechnen, weil ein serbisches Regiment im Verein mit Montenegrinern die Vorrückung gegen Užice von Süden flankierte. FML. Snjarić warf wohl die Serben am 22. von der Suha gora, doch setzten sie sich in der noch stärkeren Stellung Vihra—A961 zu neuem Widerstande.

So verständig das SOK. den Rat des Gen. Jurišič-šturm fand, den Gegner sich zermürben zu lassen, machte es das Auftreten starker Kräfte in Front und Flanke der 1. Armee um das Zurückgelangen des Heeres in die letzte Zuflucht, die Zentralstellung, so besorgt, daß Putnik am

22.    November mittags darauf verfiel, durch die Offensive der 2. und

3. Armee gegen Mionica—Ub und durch einen Vorstoß der ŠumD.II in die Flanke der Bedränger des Maljen der Not der 1. Armee abzuhelfen. Gen. Aračič hatte inzwischen die Verbände geordnet, so daß die Užice-Brigade südöstlich von Dub und auf Varda stand, das Lim-Detachement (sechs Bataillone, neunzehn Geschütze) die Zugänge von Valjevo in das westliche Moravatal deckte und zwei Bataillone und drei Batterien am

23.    nachmittags zur Verstärkung der ŠumD.II auf dem Hauptrücken verfügbar waren.

Einbrüche in die serbische Heeres mitte (23. bis 26. November)

Am 23. November konnte die 58. IBrig. schon beim Morgengrauen den von den Serben freigegebenen Wasserlauf, der ihr am Vortage Aufenthalt bereitet hatte, überschreiten und eine Höhe östlich von Konatice erstürmen, die jedoch bald wieder von den Serben zurückerobert wurde. Bei der 57. IBrig. gelang dem IR. 92 die Eroberung des südlich der Einbruchsstelle der 42er zur 147 streichenden Rückens nicht. Diese Gefechtslage zwang den Kommandanten der 29. ID., GM. Zanantoni, die 71. IBrig. heranzubefehlen, um sie zwischen beiden Brigaden bei Konatice einzusetzen, wodurch der schon am vorigen Mittag erlassene Befehl des GdI. Frank durchkreuzt wurde, die 71. IBrig. zur Unterstützung der 7. ID. am östlichen Kolubaraufer südwärts vorstoßen zu lassen, sobald es die Gefechtsverhältnisse bei Konatice gestatteten.

Während sich die 7. ID. wieder einer Flankenbedrohung von Stepoje-vac her zu erwehren hatte, brach ein von Artillerie vorzüglich unterstützter Frontalangriff der ŠumD.I gegen sie los, der nach bedenklicher Krise nur durch Einsetzen der letzten Reserve abgewiesen wurde. Die Serben hatten sich Luft gemacht und konnten ihre Batterien flankierend gegen die 21. SchD. wirken lassen, so daß deren Angriff gegen die TimD.I wenig Fortschritte machte.

Beim XIII. Korps brach der Angriff des Obst. Luxardo gegen Žu-panjac blutig zusammen. Alle Hoffnungen setzten sich hier und beim XV. Korps auf die Fortschritte des FZM. Wurm.

Aber das Herankommen der 50. ID., die den Angriff gegen den Maljen und den Suvobor in Fluß bringen sollte, wurde durch hohen Schnee erschwert.

Die 18. ID. traf bei Ražana auf die der ŠumD.II zugedachte Verstärkung, die in der Front Glogovac—Suvi vrh. die Straße sperrte. Die 5. GbBrig. trat im Marsch gegen Družetiči beim Crni vrh. mit einer Seitensicherung der ŠumD.II in Kampf. Die letztgenannte Hauptkraft bog auf die Hilferufe des Maljen-Detachements südostwärts zu dessen direkter Verstärkung ab, die Einwirkung in Flanke und Rücken der Angreifer aufgebend. Schwieriges Gelände ließ sie nur wenig Raum gewinnen.

GdI. Appel meldete schon vormittags, daß zweifellos die serbischen Hauptkräfte gegenüberständen. Diese Gelegenheit müsse man benützen, um sie noch vor Erreichen ihres stark befestigten Zentralraumes entscheidend zu schlagen. Entsprechend seinen Vorschlägen ordnete FZM. Potiorek den Angriff des XVI. und des XV. Korps aus der Linie Suvo-bor—Moravci gegen Ost an. Nach Überschreiten des Ljig sollte das

XV. Korps sich gegen Nordosten wenden, gleichzeitig das XIII. Korps energisch vorstoßen, die 7. ID. gegen Südosten drücken. Dieses zangenförmige Anfassen hatten das XVI. Korps gegen serbische Störungen von Užice—Čacak her, der Nordflügel der 5. Armee gegen Belgrad zu schützen.

Am 24. November nahm die Kälte zu; abends trat dichter Schneefall ein. Bei der 29. ID. gelang die Eroberung der Höhen um Konatice, wo sie sich bis zum Eintreffen von Verstärkungen, zweier Landsturmregimenter aus Syrmien und schwerer Artillerie, auf die Verteidigung beschränken mußte.

Auch das VIII. Korps wartete auf die schon früher heranbefohlenen zwei Landsturmregimenter aus Syrmien mit Ungeduld. Einstweilen waren nur die Reiter und die Batterien des Obst. Schwarzenberg nach Ub gelangt, wo sie sich mit den Schwadronen des Komb. Korps zu einer Kavalleriebrigade zusammenschlossen, der die Deckung des Kolubaraabschnittes zwischen dem Komb, und dem VIII. Korps zukam.

Während sich die Armee Frank bisher vergeblich um die Besitznahme der am östlichen Kolubaraufer befindlichen Höhen abmühte, gelang es weiter südlich der 50. ID., die Höhe Maljen endlich zu Fall zu bringen. Die Besatzung floh in Auflösung südwärts. Erst vierundzwanzig Stunden später erfuhr Gen. Mišič hievon. Er sah nach dem Eingreifen der 3. GbBrig. rechts der beiderseits der Straße angreifenden 2. GbBrig. auch den Suvobor bedroht und war gezwungen, immer mehr Kräfte gegen den linken Flügel zu verschieben.

Dies war beim XV. Korps schon frühzeitig bemerkt worden. Um 9hvorm. ließ GdI. Appel das Gros der 48. ID., hinter der sich die 1. ID. als Reserve zu sammeln hatte, gegen die Bukva vorgehen. Bis zum Abend arbeiteten sich die 10. und die 12. GbBrig. bis an den Ljig heran. Ein kühner Handstreich einer Kompagnie 92er gewann in der Nacht den jenseitigen Talhang und ermöglichte der Hauptkraft den Flußübergang.

Die steigende Not seiner 1. Armee ließ Putnik ungeduldig auf die Offensive der 3. und der 2. Armee drängen. Doch Gen. Jurišič-šturm hatte vor dem 25. abends die Übergangsmittel nicht zur Hand. Inzwischen trat ein Ereignis ein, das alle Offensivpläne Putniks über den Haufen warf.

Am 25. November begann die 18.IBrig. der 9.ID. nach vorbildlich guter Wirkung von zweiundzwanzig Batterien um llhvorm. den Sturm gegen die Kuppe nördlich der Höhe Čovka. Die sich verzweifelt wehrenden drei serbischen Regimenter wurden überwunden, vier Geschütze erobert, 1300 Gefangene eingebracht und der Gegenstoß eines Regiments von der Čovka her im Handgemenge abgewehrt. Als nun auch die 17. IBrig. und der Nordflügel der 36. ID. herankamen, räumten die Serben die Čovka. Um 3h30 nachm. war der Sieg erstritten, der im Verlaufe des zehntägigen Kampfes die 9.ID. 300Tote und 2925 Verwundete gekostet hatte. Große Erschöpfung und Eintritt der Dunkelheit hemmten die Verfolgung, so daß Gen. Stepanovic die MorD.I und die gleichfalls weichende TimD.I in der Linie Vis -<J> 385—Zeoke zur Verteidigung bereitstellen konnte.

Gen. Jurišič-šturm ließ die DrinD.II erst nachts zum Anschluß an die 2.Armee auf den vom Vis <J>- 385 südwärts streichenden Rücken zurückgehen. Die KombD. übergab die Stellungen ihres Südflügels gegenüber Moravci dem von der 2. Armee rückgekehrten Gros der TimD.II.

Beim XV. Korps schickte GdI. Appel am Morgen die 7. GbBrig. gegen den Gragjenik, um die 48. ID. von der südlichen Flankenbedrohung zu befreien und die Bukva von dort aus zu umfassen. Ihr Gros wurde in den Angriff der 6. GbBrig. gegen den Rücken Suvobor—Rajac verwickelt, nur Teile wandten sich gegen den Gragjenik, wodurch aber wenigstens der dortige Feind einigermaßen gebunden wurde.

Indessen kämpfte sich die 48. ID. trotz feindlichen Artillerieflankenfeuers vor und erreichte mit den inneren Flügeln der 10. und 12. GbBrig. den Oberteil der Bukva etwa 2 km westlich von der beherrschenden Kuppe. Dieser Vorstoß zog förmlich die Serben auf sich; ein Regiment aus der Reserve der DrinD.I eilte von der Glavica Dićsa herbei, und bald gingen die auf acht Bataillone verstärkten Teile der MorD.II von der Bukva zum Gegenstoß vor. Hervorragend tapfer boten ihnen die beiden Gebirgs-brigaden, die 12. mit der Front gegen Nordosten, die 10. Front gegen Südosten, die Stirne, dann gingen sie selbst zum Angriff über. Es kam zum wilden Handgemenge, in das die serbischen Kanoniere ohne Rücksicht auf Freund oder Feind hineinschossen. Schließlich wurden dieSerben abgeschlagen, noch ehe die vom GdI. Appel zur Verfügung gestellte S. GbBrig. herankam *). Am Nordflügel der 48. ID. hatte die 11. GbBrig. nachmittags die Vorrückung gegen Ljig aufgenommen. Ihr linker Flügel blieb im starken Artillerie- und Infanteriefeuer auf etwa 500 Schritte vor dem Fluß liegen; der rechte Flügel kam wohl an ihn heran, aber alle Übergangsversuche mißlangen.

Der Kampf des XVI. Korps um den Suvobor brachte keine Entscheidung. Die 50. ID. stieß auf neuerdings gegen den Maljen vorrückende serbische Verstärkungen und hielt sie auf. Gleichzeitig erfuhr der Kommandant der DonD.II den Fall des Maljen und nahm seinen linken Flügel gegen Suvobor—Babina glava—Družetiči zurück, wo er Anschluß an die Uzicer Armeegruppe fand. Deren ŠumD.II und die Reste des Maljen-Detachements setzten sich auf den Zajčicakuppen und auf Zeleni breg gegenüber der 5. GbBrig. fest.

Das Gros der 18. ID. wagte FML. Trollmann im hohen Schnee nicht gegen die schwer angreifbaren Höhenstellungen bei Ražana zum frontalen Angriff anzusetzen. Die 1. GbBrig. wurde zu weiter östlicher Umfassung angewiesen, die nach Überwindung großer Schwierigkeiten bis zum Abend gelang. Die Brigade stand nun mit ihren kaum 1000 Feuergewehren bei Brajkovici an der Rückzugsstraße des Feindes, mußte sich aber darauf gefaßt machen, von dessen Übermacht angefallen zu werden, welche die

13.GbBrig. nicht zu binden vermochte. Durch zahlreiche Lagerfeuer in sehr breiter Front suchte die 1. GbBrig. den Feind zu täuschen, der seine Stellungen zuerst wohl räumte, dann aber doch einen nächtlichen Durchbruchsversuch unternahm, der nur dank der unerschütterlichen Ruhe und der hervorragenden Tapferkeit der Schlesier von Kaiser-Infanterie und der Deutschmeister abgewiesen wurde2).

Gen. Aračič war in gerechtfertigter Besorgnis ob der Abtrennung seines Westflügels durch die 18. ID. Er beantragte daher beim SOK. den Rückzug der Armeegruppe Užice an den Moravadurchbruch östlich von Požega und hinter die untere Moravica, was Putnik genehmigte. Der rechte Flügel sollte als Pivot ausharren, die Kosjerićigruppe das Weichen der Užice-Brigade in die Gegend von Požega decken.

x) Bei der Abwehr zeichnete sich besonders die Maschinengewehrabteilung des Bataillons III/bh 2 der 12. GbBrig. aus, deren Kommandant, Oblt. Gojkomir Glogovac, sich hier das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens erstritt.

2) Obst. v. Lukachich erhielt für diese Tat und die Eroberung der Jagodnja das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

Das Ringen der 6. Armee um den Sieg (26. bis 28. November)

Der Mißerfolg der Mitte der serbischen Front löste beim Wojwoden Putnik noch keineswegs den Entschluß zum Rückzug aus. Er wollte den üblen Eindruck der Preisgabe von Belgrad um so mehr vermeiden, als der Kampf der russischen „Dampfwalze“ um diese Zeit eine recht gute Wendung zu nehmen schien.

Die 5. Armee konnte ihren Erfolg nicht ausnützen, weil ihre Truppen nach dem langen Kampf bei denkbar ungünstigstem Wetter, in zerfetzten Uniformen, ohne Schuhe und bei minderer Verpflegung sehr erschöpft waren, und weil vor allem die Artillerie des VIII. Korps nur unter den größten Schwierigkeiten über die versumpfte breite Niederung der Kolubara nachgezogen werden konnte. Bei der 6. Armee erschwerten und verzögerten die unendlichen Schwierigkeiten des wild zerrissenen, mit Eis und Schnee bedeckten Geländes jeden Angriff, so daß selbst nach dem Fall des Maljen eine durchgreifende Entscheidung in weiter Ferne zu liegen schien. Je mehr Truppen des FZM. Potiorek sich in diesen Kampf verbissen, desto mehr Aussicht eröffnete sich der serbischen 2. Armee, in ihrem der Kriegführung günstigerem Gelände einen Erfolg zu erringen, der vermöge der Bedrohung der Verbindung mit Ungarn die größte Wirkung auf die ganze Schlachtfront ausüben mochte.

Bei Konatice berannte die serbische Kavalleriedivision mit achtzehn Bataillonen die rechtwinkelig ausgebogene Front der 29. ID.; sie wurde zwar in bis zum Abend des 26. währendem Ringen abgewiesen, doch wurde die 71. IBrig. dauernd in diese Kämpfe verstrickt.

Dies war ein arger Strich durch die Rechnung des GdI. Frank, der die 7. ID. durch Verstärkung mit der 71. IBrig. befähigen wollte, die ŠumD.I zurückzuwerfen und dadurch den Sieg über die durch den großen Erfolg der 9. ID. erschütterte serbische 2. Armee durchschlagend zu gestalten. Nun mußte auf eine Änderung der Lage bei Konatice gewartet werden, wo GM. Zanantoni mit der 57. IBrig. einen Flankenstoß längs der Stepojevacer Straße gegen Norden plante, sobald der Landsturm die Brigade abgelöst haben würde. Da dies frühestens am 29. November geschehen konnte, schob sich die Wiederherstellung der Bahn unerträglich lang hinaus.

Der unerwartet ruhige Verlauf des 26. vor dem Südflügel der

2. Armee bestärkte das. SOK. in seinen Offensivgedanken. Eine Wiederholung des Angriffes des Obrenovac-Detachements und der Kavalleriedivision bei Konatice unter der einheitlichen Leitung durch den Obst. Tufegdžič des SOK. erschien aussichtsvoll. Gen. Stepanovic sollte ihn unterstützen und dann mit ganzer Kraft gegen Slovac—Ub vorstoßen.

Bis zum Abend kamen aber böse Nachrichten aus der Mitte der Heeresfront ins SOK. Die 42. HID. drang bei Dudovica über den Ljig und nahm eine starke Befestigung am Anstieg zur Höhe südöstlich des Ortes. Wütende Gegenstöße der MorD.II konnten die 10. und die 8. GbBrig. nicht an bedeutendem Raumgewinn gegen die Bukva hindern, so daß sich die 12. GbBrig. flankierend gegen die von der 11. GbBrig. frontal angepackten DrinD.I wenden konnten, die gegen die Glavica Dićska zurückgehen mußte.

Gen. Mišič sah längst schon das einzige Heil in der Zurücknahme der 1. Armee in die günstige und kürzere Stellung an der Straße Rudnik— Grn. Milanovac, um nach einer Atempause zum Gegenschlage auszuholen. Doch war an einen solchen ganzen Entschluß bei der Haltung des SOK. nicht zu denken und die Rücksicht auf die Armeegruppe Užice bedingte gewiß noch ein längeres Halten auf dem Suvobor, was wieder nur eine Zurücknahme des rechten Armeeflügels in die Zwischenstellung auf dem Golubac erlaubte. Damit war das SOK. für den Fall einverstanden, daß die 3. Armee sich nicht länger zu halten vermöchte. Es erließ entsprechende Weisungen, nach denen das Obrenovac-Detachement und die Belgrader Truppen den Schutz der Nordflanke in der Linie Sibnica—Höhe Kosmaj bilden sollten J).

Der als uneinnehmbar betrachtete, von Schnee und Regen umwallte Suvobor war im Laufe des Tages durch das Vordringen der Gruppe Obst. Wieden (15., 14. und 9. GbBrig.) gegen die Babina glava nahezu schon im Dreiviertelkreis umschlossen, so daß sich die DonD.II in die Sehne ihres Verteidigungsbogens zurückziehen mußte.

Die 18.ID. gewährte der 1. und der 13.GbBrig. einen dringend nötigen Rasttag zur Beschaffung wenigstens notdürftiger Verpflegung. Dies kam dem Rückzug der Armeegruppe Užice zustatten. An die Front der Užice-Brigade hatte sich die 4. GbBrig. herangeschoben, nachdem sie am 24. die Höhe Varda durch dreiseitigen Angriff genommen hatte. Dichter Nebel verzögerte am 26. früh den Angriff; die Serben entwischten. Der Widerstand ihrer Nachhut auf Vk. Prisedo und Nachschubschwierigkeiten verzögerten den Einmarsch von Vortruppen der 4. GbBrig. in Užice bis zum

27. November. Das Lim-Detachement konnte am 26. abends unbelästigt auf die Höhen an der Straße Grn. Dobrinja—Požega zurückgehen.

1j Desmazes et Naoumovitch, Les victoires des Serbes en 1914, Paris 1928, 93 f.

Obzwar GdI. Rhemen gemeldet hatte, daß das XIII. Korps, namentlich die 36. ID., mindestens einer zweitägigen Rast bedürfe, ordnete er für den 27. den südlich umfassenden Angriff der 42. HID. gegen die beherrschende Höhe Zakinac an, den die 36. ID. durch Artilleriefeuer unterstützen sollte. Ein durch die Batterien der DrinD.II und der KombD. wirksamst eingeleiteter Gegenstoß der Serben warf jedoch am Morgen, während die Batterien der 36. ID. gerade im sehr beschwerlichen Ljig-übergang waren, den Nordflügel der Domobranzen, die 500 Tote einbüßten und die am Vortag genommene Befestigung verloren. Reserven und das allmähliche Eingreifen der 36. ID. stellten die Lage wieder her. Abends wichen die Serben auf den Zakinac zurück.

Der Angriff des XV. Korps machte tagsüber wenig Fortschritte, weil sich die angegriffenen serbischen Divisionen durch Artilleriefeuer wechselseitig flankierend unterstützten. Erst die tiefdunkle und nebelerfüllte Nacht erlaubte der 40. HID. den Sturm auf die Stellung der offiziersarmen und wenig gefestigten TimD.II. Ganze Abteilungen wurden überrumpelt und aufgehoben. Weniger glücklich war die 48. ID. gegen die Glavica. Dreimal brachen die Stürme auf den Steilhängen verlustvoll zusammen. Um der während des Tages schwer beschossenen DrinD.I zu helfen, wollte Gen. Mišič die 10. GbBrig. von dem Hange der Bukva herunterwerfen, doch kehrte die zum Angriff befohlene Infanterie die Waffen gegen die eigenen Offiziere und war nicht weiterzubringen. Nun sollte ein Regiment vom linken Flügel herangezogen werden, um die Kameraden mit sich fortzureißen.

Diese Absicht durchkreuzte der kraftvolle Angriff des XVI. Korps. Die 7. GbBrig., Obst. Ströher, warf die Serben vom Gragjenik gegen Südosten zurück und setzte sich gegen Mittag auf dem Rücken westlich von Rajac, die 2. GbBrig. auf Šiljak fest, so daß die zähen Verteidiger des Suvobor nun schon von hinten bedroht waren. Das eben abmarschierende Regiment wurde abends eingesetzt und drückte die 7. GbBrig. etwas zurück, doch konnte sich diese, von Teilen der 6. und der 3. GbBrig. unterstützt, auf dem Hange halten. Erst gegen Mitternacht flaute der mit größter Erbitterung geführte Kampf zum Geplänkel ab. Vergeblich versuchte die Suvoborgruppe, sich durch einen Vorstoß gegen Osten Luft zu machen und die Verbindung mit den Hauptkräften wiederherzustellen. Die 2. GbBrig. fing den Stoß auf und drängte die Serben in die Verteidigung. Die 109. LstlBrig. und die 16. GbBrig. arbeiteten sich langsam von Westen gegen den Suvobor heran, die zweitgenannte drängte in der Nacht weiter vor, als sie den Kampflärm zwischen Rajac und Suvobor vernahm. Obst.

Wieden eroberte im Laufe des 27. sechs Schanzen auf Babina glava und wurde Herr dieses wichtigen Stützpunktes.

Der Führer der 18. ID., FML. Trollmann, ließ auf der Straße über Kosjerići zur etwaigen Unterstützung der 4. GbBrig. bei Užice nur die fahrende Artillerie mit einem Teil der 13. GbBrig. vorgehen. Die Masse der 13., dann die 1. und die 5. GbBrig. ließ er nach Osten einschwenken, um die Serben endgültig zu vertreiben, die östlich der Straße Maljen— Požega erneut Stellung genommen hatten. Doch über die Gewinnung einiger Vorpositionen gedieh der Angriff am 27. nicht hinaus.

Der Kommandant der bedrängten Armeegruppe Užice, Gen. Aracić, plante schon vormittags, die ŠumD.II und das Lim-Detachement an die Straße Grn. Milanovac—Požega (Nordflügel südlich vonDružetici) zurückzunehmen, doch das SOK. bestand auf dem Festhalten des Zeleni breg und wollte, daß die Armeegruppe von dort durch „energisches aktives Vorgehen“1) die südliche Umfassung der Gruppe auf dem Suvobor vereitle, ein Verlangen, dem Gen. Aracić mit seinen arg vermengten Truppen unmöglich entsprechen konnte. Er befahl vorläufig die Vereinigung der ŠumD.II in der Linie Zeleni breg bis südlich von Krupnicište und die des Lim-Detachements anschließend bis über die Höhe Smišalj, während sich die unverfolgt gebliebene Užice-Brigade bei Požega bereitzustellen hatte, um das Lim-Detachement flankierend unterstützen zu können.

Am 28. November begann Obst.Tufegdžič schon beim Morgengrauen im dichten Nebel den Angriff gegen die 29. ID. Ein aus Belgrad gekommenes frisches Regiment fegte im ersten Anlauf die Verteidiger der Höhe östlich Konatice hinweg und drang in den Ort ein. Gen. Stepanovic, der eben Weisungen für den Fall des erzwungenen Rückzuges ausgab, wurde durch die Siegeskunde zu neuen Maßnahmen gezwungen. Der Kommandant der TimD.I bestürmte ihn, seine und die MorD.I gegen Lazarevac vorstoßen zu lassen. Soweit ließ sich aber Stepanovic nicht hinreißen. Hatte er doch eben von der MorD.I die Meldung bekommen, daß sich die Mannschaft bei den letzten Kämpfen in die Unterstände verkrochen hatte und „durch keinerlei Gewalt, selbst nicht durch die an Ort und Stelle vollzogene Todesstrafe herauszubringen gewesen war2)“. Stepanovic wollte nicht durch einen allgemeinen Angriff alles aufs Spiel setzen. Die ŠumD.I hatte mit einem Regiment die Kavalleriedivision beim Vorstoß gegen den zur 147 herabziehenden Teil des Konaticer Rückens zu unterstützen, mit zwei Regimentern die unter heftigstem

i' Serb. Gstb.-W., V, 211.

2) Ebenda, V, 219 f.

Geschützfeuer liegende 7. ID. bei Vk. Crljeni anzufallen, mit einem Regiment durch nördliche Umfassung die von siebeneinhalb Bataillonen der TimD.I und der MorD.I durchzuführende „scharfe Rekognoszierung“ gegen Lazarevac mitzumachen.

Der Siegesjubel war verfrüht. Die Verwirrung bei den Fahrküchen und Hilfsplätzen in Konatice war bald überwunden. Von allen Seiten stürzten sich Nachbarabteilungen und Reserven auf die Serben, die schließlich mit schwungvollem Gegenstoß bis über die bisherigen Stellungen zurückgeworfen wurden. Auch die Angriffe der Serben gegen die nordwärts gekehrte Front der 58. IBrig. zerschellten. Ein böser Augenblick trat um llhvorm. ein, als das Regiment der ŠumD.I just gegen die vom Marschregiment 15 besetzte Mitte der 57. IBrig. heranstürmte. Die ungefestigten tschechischen Bataillone hielten sich nicht besonders, als es zum Handgemenge kam. Glücklicherweise waren schon in der Nacht vier Bataillone der zur Ablösung bestimmten beiden Landsturminfanterieregimenter eingetroffen, die GM. Schön zum Gegenangriff vorführte. Er fing die Serben ab, als sie an die vorderste Artilleriestellung heranbrandeten. In ihre Flanken stürmten Teile der 92er und 42er. Diesem Anprall von drei Seiten waren die Serben nicht mehr gewachsen; sie fluteten nach Osten zurück.

So war das Unternehmen gegen Konatice allseits gescheitert, hatte aber doch den Erfolg, daß sich die 29. ID. nach den erlittenen Verlusten und nach Abgabe der Reste des Marschregiments an die Regimenter des VIII. Korps auf die reine Verteidigung beschränken mußte1).

Die 7. ID. behauptete sich wacker, so daß die ŠumD.I gegen Abend unverrichteter Dinge in ihre Gräben zurückging. Die 21. SchD., die erst wenige Batterien herangebracht hatte, konnte den gefährlichen umfassenden Angriff aus nördlicher Richtung durch Einsetzen ihrer Reserve noch in der Linie der Vortruppen abweisen. In der Front gingen Vorstellungen im überlegenen Artilleriefeuer der Serben verloren, doch schickte die 9. ID. Hilfe und wirkte auch mit den drei Batterien mit, die sie von ihren elf Batterien bisher in Stellung gebracht hatte.

Die serbische 3. Armee trat in den neuen Kampftag im Zeichen des völligen Zusammenbruches der TimD.II ein, deren Panik auch das von der 2. Armee nach eiligem Nachtmarsch sehr erschöpft eingetroffene dritte Regiment nicht mehr zu bannen vermochte. In den Händen der

*) Einzelheiten über die Kämpfe bei Konatice bringen: Der Heimat Söhne, Der 42er, Oktober-, Dezemberheft 1924, Jännerheft 1925; Der 92er, November-Dezemberheft 1924; Der 94er, März-, Aprilheft 1923; Zanantoni, Das IR. 94, 1,73.

40. HID. 19 Offiziere und 1453 Mann als Gefangene lassend, ging die Division ostwärts zurück. Die durch den schweren Nachtkampf sehr erschöpften Honvéds verblieben in der eroberten Stellung, gegen welche die beiderseits benachbarten serbischen Divisionen schweres Artilleriekreuzfeuer richteten. Auf die eine Wiedereroberung versuchende DrinD.I legte sich seit dem Morgen ein derartiges Feuer der acht fahrenden Batterien des XV. Korps, daß der Divisionär den Augenblick für gekommen erachtete, im Sinne der Rückzugsweisungen des Gen. Mišič am Abend gegen Golubac abzuziehen. Schon um 2h nachm. brach aber der Widerstand des von der 11. und der 12. GbBrig. hart angefaßten Westflügels zusammen. Die Sieger kamen bis an die Glavica Dičska heran, wo jedoch die serbische Nachhut bis zum Abend standhielt.

Diese Ereignisse wirkten auf den Kampf des XIII. Korps zurück. Während sich die 36. ID. bis an den westlichen Parallelrücken gegenüber der Stellung der DrinD.II heranarbeitete, mühte sich die 42. HID. um den vom Nordflügel der serbischen KombD. zäh verteidigten Zakinac ab. Als die TimD.II zurückging, kamen auch Mitte und Südflügel der KombD. ins Wanken. Die 42. HID. schwenkte mit dem Südflügel gegen den Zakinac ein, den die jetzt von drei Seiten bedrohten Verteidiger räumten. Die Kroaten, die während der letzten Tage 2500 Mann verloren hatten, machten nach Gewinn der Höhe Halt. In Anbetracht des Zusammenbruches seiner Front befahl Gen. Jurišič-šturm um 5h nachm. den Rückzug in die Linie Metaljka—Kalanjevci—Motika.

Die serbische 1. Armee kam auch an ihrem linken Flügel im Laufe des Tages durch den Angriff des XVI. Korps in größte Bedrängnis. Die 3., 6. und 7. GbBrig. zwängten den in die Front der DonD.I getriebenen Keil immer tiefer ein, die 2. GbBrig. vertrieb den Feind gegen 9hvorm. endgültig von den Siljakhängen. Je ein Serbenregiment wurde gegen den Rajac und Suvobor zurückgeworfen, womit die Abtrennung der serbischen Suvoborgruppe besiegelt war. Während die 2. und die 16. GbBrig. und die 109. LstlBrig., später auch die von der Babina glava abgezweigte Masse der 9. GbBrig. die Suvoborhöhen immer enger umklammerten, drückte Obst. Wieden mit der 14. und der 15. GbBrig. den linken Flügel der DonD.II gegen die vom Suvobor nach Süden führende Straße zurück.

Gen Mišič mußte den völligen Zusammenbruch fürchten, wenn er nach der Absicht des SOK. im hohen Gebirge noch länger kämpfte. Unter diesen Umständen hielt er auch den ihm vorgeschriebenen Rückzug bis Golubac für viel zu kurz und beschloß, bis in die Linie Lipe (südwestlich Rudnik)—Takovo (nordwestlich von Grn. Milanovac)—Šarani zurückzugehen. Mit der Störung seiner Absichten durch das SOK. rechnend, setzte er sich erst in der Nacht nach Ausgabe der Rückzugsbefehle mit dem Wojwoden Putnik in Verbindung, der Einsprache erhob. Nach langem Meinungsstreit, wobei Mišič mit der Demission drohte, mußte sich Putnik der vollendeten Tatsache beugen, verlangte aber, daß wenigstens der linke Flügel des Gen. Mišič in der Linie Takovo—Galič—Vaškova glava hielt und so die Verbindung mit der Armeegruppe Užice sicherte.

Merkwürdigerweise entschloß sich das SOK. noch immer nicht dazu, dem Verteidigungsbezirk Belgrad und der 2. Armee den Rückzugsbefehl zu erteilen. Vermutlich glaubte man, daß die Entscheidung in Polen unmittelbar bevorstünde. Sonst wäre das lange Zögern angesichts des in derselben Nacht an den Kriegsminister erstatteten pessimistischenBerichtes nicht erklärlich. Putnik hielt dafür, daß die Armeegruppe Užice und die

1. Armee wegen der großen Ermüdung der Truppen und des geringen Gefechtsstandes — bei einzelnen Regimentern betrug er nicht mehr als 600 Feuergewehre — auch in den neuen Stellungen kaum lange ausharren würden.

Am Südflügel der etwa 110 km langen Schlachtfront kamen die Verschiebungen der Armeegruppe Užice am 28. November der k.u.k. 18. ID. zugute. Die 5. GbBrig. konnte vormittags die Zajčica an der Straße Požega—Mionica erstürmen und wider nächtliche Gegenangriffe behaupten. Dagegen stieß die 1. GbBrig. bei ihrem Vordringen in den Rücken der Zaj-čicastellung auf überlegene Kräfte und mußte auf die Krupnicište zurückgehen. FML. Trollmann beschloß, am 29. mit der inzwischen herangekommenen 13. GbBrig. und einem gegen den Smišalj angesetzten Detachement der 4. GbBrig. den Südflügel des Feindes zu werfen und dann dessen ganze Stellung aufzurollen. Doch das Armeegruppenkommando Užice erhielt um Mitternacht wegen des Rückzuges der 1. Armee den Befehl zum Zurückgehen in die Stellung Vaškova glava—Kita—Vk. Polje bis zur westlichen Morava (ŠumD.II und Lim-Detachement) und südlich des Flusses hinter die Bjelica (Užice-Brigade).

Noch wußten die k.u.k. Truppen nicht, daß der Sieg in der Schlacht an der Kolubara und am Ljig errungen war. Bei der 5. Armee stellte sich das VIII. Korps nach endlich geglücktem Heranziehen der Artillerie in der Nacht zum Angriff gegen die TimD.I und MorD.I bereit; die Mitwirkung der 36. ID. der 6. Armee beim Angriff auf Vis a385 war gesichert. Das XIII. Korpskmdo. nahm die Vorrückung der sehr hergenommenen 42. HID. nur bis an den vom Vis -<>-385 südwärts führenden Fahrweg in Aussicht. GdI. Appel gedachte sich mit der Eroberung des Parlog und der Glavica Dićska zu begnügen, denn die Truppen waren, wie er dem FZM. Potiorek meldete, an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit; ihre Munitionsvorräte hatten sich erschöpft, die Beschuhung spottete jeder Beschreibung, der Artillerie mangelte es an Zugpferden, die Verpflegung war überaus dürftig; mit größter Mühe hatte man in den letzten acht Tagen nur so viel Brotvorräte herangebracht, daß jeder Mann mit höchstens einer Drittelportion beteilt werden konnte. Der allgemeine Gesundheitszustand war höchst bedenklich. Appel erachtete eine mehrtägige Erholung als unerläßlich. Daß dieser Warnungsruf gerade vom XV. Korps kam, schwächte die Wirkung einigermaßen ab. Seit 18. November waren fast täglich von den Korps der 6. Armee Klagen eingelaufen, am meisten vom XV. Korps, dessen Kommandant in Sorge für die Truppe die materielle Lage wiederholt äußerst kritisch geschildert hatte, obwohl sich die unleugbaren Schwierigkeiten dann doch überwinden ließen. FZM. Potiorek hätte gern die Klagen persönlich überprüft, doch erforderte dies beim schlechten Zustand der Kommunikationen eine mehrtägige Abwesenheit von Koviljača, wo alle Verbindungen mit den unterstellten Kommandanten und mit der Landesregierung zusammenliefen. Solange konnte sich der Oberkommandant nicht ausschalten. Er ließ aber die Lage vom Chef des Armee-Etappenkmdos. überprüfen. Dieser meldete, daß es sich nur um augenblickliche Übelstände handle, der Nachschub an allen Erfordernissen sei im Gange. Auch wurde Ordnung in die Trains gebracht, so daß anzunehmen war, die bereitgestellten Mittel würden bald zu den Armeekörpern gelangen.

Mehr Sorgen machte das rasche Sinken der Gefechtsstände. Die Bataillone waren kaum noch Kompagnien. Marschformationen flössen wohl zu, wenn auch nicht reichlich; doch kamen sie bei der Not in der Heimat ohne Waffen und Ausrüstung an. Man mußte sie in Peterwardein so lange zurückhalten, bis von Gefallenen, Verwundeten und Kranken Vorräte gesammelt waren.

GdI. Appel schwächte den Eindruck seines Berichtes übrigens selbst ab, indem er operative Vorschläge für die nächste Zukunft beifügte. Überdies sprachen alle Meldungen immer nur von einer zwei- bis viertägigen Ruhepause, was keineswegs auf eine derartige Erholungsbedürftigkeit deutete, daß sie nicht im Falle einer zur Entscheidung des Krieges notwendigen letzten kurzen Kraftanstrengung hätte überwunden werden können 1).

*) Rechtfertigungsschrift des FZM. Potiorek vom 16. November 1919.

Der Rückschlag

(29. November bis 15. Dezember)

Hiezu Beilagen 23 und 24

Der Rückzug der Serben

Dichter Nebel bedeckte das ganze Kampfgelände am 29. November, der im übrigen eine bessere Wetterperiode einleitete. Das VIII. Korps mußte seinen mit dem XIII. Korps vereinbarten Angriff gegen die MorD.I und die TimD.I verschieben, weil man auf eine ausgiebige, im Nebel aber unmögliche Artillerievorbereitung nicht verzichten wollte. Die Feuergewehrstände hatten sich trotz des Einrückens je eines Landsturmregiments bei der 21. SchD. nur auf 6900, bei der 9. ID. auf 9500 gehoben, so daß man schon deshalb Blutopfer möglichst vermeiden mußte.

Die 36. ID., die während der Nacht ihre Artillerie endlich über den Ljig gebracht hatte, hielt sich an die Vereinbarung und rückte trotz Nebels gegen den Rücken Vis -<>-385 vor. Zur allgemeinen Überraschung wurden die Stellungen der DrinD.II geräumt gefunden und besetzt. Nachmittags wandte sich der Nordflügel gegen die Höhe Vis -<>-385 selbst, wo der Südflügel der 2. Armee stand, und nahm zwei serbische Stellungen. Wohl brandete bald ein Gegenangriff heran, doch wiesen ihn die Kroaten ab. Weil der dichte Nebel in dem dortigen Kuppengewirr jede Orientierung ausschloß, stellte die 36. ID. die weitere Vorrückung ein. Die 42. HID. gelangte unter leichten Kämpfen bis an den Fahrweg, der von Vis ^385 nach Süden führt.

Auf serbischer Seite rechnete die MorD.I jedoch mit dem baldigen Verlust dieser Höhe und machte den Gen. Stepanovic darauf aufmerksam. Sofort erbat dieser vom SOK. die Bewilligung zum Rückzug. Putnik wollte davon nichts wissen, weil sonst Belgrad geräumt werden müßte. Nur bei „kritischer Beurteilung der Lage“ sollte der Kommandant der

2. Armee nach eigenem Ermessen handeln. Begreiflicherweise wollte Gen. Stepanovic angesichts des weiten Rückzugsweges nicht warten, bis die Lage wirklich kritisch wurde und befahl, den Rückzug um 8h abends beiderseits der Straße nach Arangjelovac bis an den von Venčani südwärts führenden Fahrweg anzutreten. Das Obrenovac-Detachement erfuhr erst zufällig um 7h abends vom Rückzug und drängte das SOK. um einen Befehl, der erst gegen Mitternacht eintraf. Auch der „Verteidigungsbezirk Belgrad“ (14 Bataillone III. Aufgebotes mit 35 Geschützen) erhielt den Befehl zum Weichen in die Stellung beiderseits der Eisenbahn, linker

Flügel auf dem Kosmaj, so spät, daß Gen. Zivkovic den Rückmarsch erst morgens antreten konnte.

Beim XV. Korps fand die 40. HID. am 29. die Höhe Parlog schon geräumt. Die 48. ID. gelangte über die Glavica Dićska hinaus; die l.ID. hatte sich beim Orte Ljig als Reserve zu sammeln. Vom XVI. Korps verfolgte die komb. ID. den Feind auf dem Hauptrücken der Prostruga. Sie mußte eine Nachhut vom Rajac verjagen. Die 16. GbBrig. der 50. ID. warf Teile der DonD.II vom Suvobor und griff dann in den Kampf der Gruppe Obst. Wieden ein, die eine feindliche Nachhut vom Danilov vrh vertrieb. Die Ermüdung der Truppen war zu groß, um den Feind noch, weiter verfolgen zu können. Unangefochten, wegen des Nebels nicht einmal durch Artilleriefeuer belästigt, vermochten die MorD.II und die beider Donaudivisionen die neue Stellung zu erreichen und ihre durcheinandergeratenen Truppen zu ordnen.

Auch die Armeegruppe Užice löste sich leicht von der 18. ID., die erst mittags durch Patrouillen vom Abzüge des Feindes erfuhr. Nun rückte die 5. GbBrig. auf die Oštrica, die 1. in den Raum westlich der Siljkovica, die 13. auf die Höhen südlich von Grn. Dobrinja, womit die seinerzeit in den Weisungen des BOK. für den 23. November in Aussicht genommene Lage erreicht war. Das vorgeschobene Detachement der

4. GbBrig. besetzte Požega, das Gros blieb in Užice, um die 9.LstEtBrig. und die Gruppe FML. Šnjarič zu erwarten, die am 24. wohl den Westflügel der Serben bis auf den Varda zurückgedrängt hatten, sich aber am 29. eines heftigen Gegenangriffes erwehren mußten. Bei der 18. ID., deren Nachschub gänzlich versagte, war die Ergänzung der knapp gewordenen Munition unmöglich.

Als am 30. November das Verschwinden der Serben vor dem Komb. Korps dem 5. Armeekmdo. bekannt wurde, drängte dieses um 9h3° vorm. seine beiden Korps, ,,dem Feinde auf den Fersen zu folgen“; die Kavalleriegruppe Obst. Schwarzenberg sollte zwischen der 29. und der 7. ID. in östlicher Richtung vorstoßen. Doch dieser Befehl kam nur mangelhaft zur Durchführung.

Bei der 6. Armee rasteten das XIII. und das XV. Korps, soweit bei den trostlosen materiellen Verhältnissen von einer „Rast“ überhaupt gesprochen werden konnte. Das XVI. Korps warf Nachhuten vom Golubac und der Vranovice und kam mit der am rechten Flügel befindlichen 50. ID. bis an den Artilleriefeuerbereich des Galić heran. Daß das Korps befehlsgemäß, aber ohne Widerspruch des die Verhältnisse besser überschauenden FZM. Wurm von den Höhen weiter vordrang, obwohl jeder

Kilometer Vormarsch im tiefen Schnee das Auskommen mit den so unbedingt nötigen Nachschubmitteln ungemein erschwerte, erklärt sich daraus, daß jenseits des hohen Gebirges doch vereinzelte Ortschaften winkten, die Stroh, Holz, Brunnenwasser und einige Unterkunft boten. Der augenblickliche Vorteil wurde über die bessere Versorgungsmöglichkeit nach Wiederherstellung der Eisenbahn gestellt.

Verhängnisvolle Entschlüsse

Beabsichtigte Erholungspause

Die Trostlosigkeit der materiellen Lage und die großen Opfer, welche die Truppen zur Erringung des schwer erkämpften Sieges hatten bringen müssen, standen dem BOK. nicht so deutlich vor Augen wie die Vorstellung, daß die Serben am Rande ihrer Kraft angelangt seien. Die wachsende Zahl serbischer Überläufer und Gefangener, die sich ohne nennenswerten Widerstand ergeben hatten, zahlreiche Nachrichten über Kriegsmüdigkeit des serbischen Heeres und Volkes sowie die Zerstörung einer Var darbrücke an der für den Munitionszuschub so wichtigen Eisenbahn von Saloniki, Einreihung halbwüchsiger Jünglinge zur Deckung der Standesabgänge, das rasche Scheitern oder gar gänzliche Unterbleiben aller vom SOK. eingeleiteten und durch Gefangenenaussagen bekanntgewordenen Gegenangriffe, all dies sprach dafür, daß man der Krönung aller bisherigen Anstrengungen nahe war und desto rascher die letzte Widerstandskraft brechen konnte, je weniger Zeit man den Serben ließ, sich zu erholen.    .

Eine „kleine Rast von zwei bis drei Tagen“ schien dem GM. Böltz hinreichend, um Schuhe, Verpflegung und Munition nachzubringen; indessen kämen auch die Ergänzungen, „dann gehe es wieder flotter vorwärts“. FZM. Potiorek war mit dem Antrage seines Generalstabschefs einverstanden und bemerkte hiezu: „Bezüglich des Nachschubes ist besonders für die 18. ID. und die 4. GbBrig. rascheste Vorsorge nötig, denn dort wird der Feind in seinem ureigensten Interesse demnächst mit Macht angreifen müssen1).“ Mit staunenswerter Voraussicht hatte der Oberkommandant die Gefahr erkannt, die dem rechten Heeresflügel drohte. Daß aber der mächtige serbische Angriff schon in den allernächsten Tagen einsetzen werde, konnte er freilich nicht ahnen.

Am 30. November gingen die neuen Weisungen hinaus. Der 6. Armee wurde eine Rast zur Retablierung bis einschließlich 3. Dezember zugebilligt, doch hatten Vortruppen bis in die Linie Galić—Golubac (XVI. Korps), Lipet—Parlog—Čukor (XV. Korps), Kremenica—Vis 295— Zeoke (XIII. Korps) vorzugehen. Die 5. Armee sollte erst rasten, „bis die Höhen östlich der Kolubara durchwegs so weit im eigenen Besitze seien, daß der Bahnbetrieb gesichert aufgenommen und die Save bis gegen Ostružnica von Minen gesäubert werden könne, weil die Bahn nach Valjevo für die Retablierung der 6. Armee unentbehrlich sei, und weil die energische Vorbereitung des Angriffes auf Belgrad ohne Unterbrechung fortgesetzt werden müsse“.

Zu dem Fingerzeig auf Belgrad dürfte wohl auch der Wunsch der DOHL. Anregung gegeben haben, bald einen Durchgang durch Nordostserbien zur Verbindung mit der bedrängten, dringend nach Munition verlangenden Türkei über Bulgarien zu eröffnen.

GdI. Falkenhayn hatte am '24. November bereits diesbezüglich beim FZM. Potiorek anfragen lassen, wobei er die Mitwirkung einer deutschen Infanteriedivision in Aussicht stellte. Am 27. traf der deutsche Obstlt. Hentsch in Begleitung des Chefs der Balkangruppe in der Operationsabteilung des AOK., Obstlt. Purtscher, in Koviljača ein. Mittlerweile hatte GdI. Conrad die Entsendung der deutschen Division an die Donauecke abgelehnt, worauf das preußische Kriegsministerium durch den k.u.k. Vertreter in Berlin auf FZM. Potiorek direkt einzuwirken versuchte, eine Streitkraft bei Orsova zu versammeln. Dieser verwies auf das AOK. und vertrat diesem gegenüber seinen Standpunkt, bei seinen knapp ausreichenden Streitkräften keine Detachierungen für Nebenzwecke verantwor.ten zu können. GdI. Conrad schloß sich dieser Meinung an und riet, beim Obstlt. Hentsch die Verwendung einer neuen deutschen Division zu diesem Zwecke zu betreiben. Die Aussprache mit Obstlt. Hentsch zeitigte nur die möglichste Förderung von Munitionstransporten auf der Donau. Bezüglich des Vorschlages des FZM. Potiorek, den Weg über Orsova dadurch frei zu machen, daß zwei deutsche Divisionen im Moravatal zum direkten Anschluß an den linken Flügel der Balkanstreitkräfte angesetzt werden sollten, konnte Obstlt. Hentsch selbstverständlich keine Zusagen machen x). Immerhin war eine Verwirklichung im Bereiche der Möglichkeit und zur Anbahnung des Zusammenwirkens eine baldige Besitznahme von Belgrad geboten.

Der Befehl des BOK. stellte das XVI. Korps vor eine Aufgabe, die mit dem Vorsenden schwacher Detachements nicht zu lösen war. Vor der Front befanden sich noch feindliche Nachhuten, zu deren Vertreibung ganze Brigaden aufgeboten werden mußten. Das XVI. Korps hatte aber alle Ursache, keinen Kampf herauszufordern, ehe die Munitionsergänzung herankam und die vorgesendeten Truppen hatten geradeso die baldige Unterbringung in Häusern, Erd- oder Schneehütten nötig wie die zurück-

x) Rechtfertigungsschrift des FZM. Potiorek.

bleibenden, denen dies FZM. Wurm unter der Annahme befohlen hatte, daß größere Kämpfe noch in weiter Ferne seien.

Trotzdem erhob FZM. Wurm beim BOK. keinen Einspruch, der beim FZM. Potiorek gewiß Gehör gefunden hätte, da der augenblickliche Hauptzweck, Gewinn der Bahnlinie, erreicht war. Das einzige Bedenken, das vielleicht gegen einen Aufschub der Vorrückung auf den Galić sprach, * war die Vereinzelung der 18. ID., solange man nicht die Požegaer Straße fest in der Hand hatte.

Die komb. ID. warf am 1. Dezember serbische Nachhuten und erreichte die ihr vorgeschriebene Linie. Dagegen stieß die 50. ID. auf energischen Widerstand. Links neben der frontal an den Galić herangekommenen 15. GbBrig. mußte die 16. zur nördlichen Umfassung eingesetzt werden. Gegen die Vaškova glava wandten sich zwei Bataillone, welche die 18. ID. zur Verbindung auf der Požegaer Straße entsendet hatte. Sie zersprengten unterwegs eine serbische Kavallerieabteilung.

So sehr GdI. Appel gegen jede Herausforderung des Feindes war, mußte auch er der 48. ID. und der 40. HID. die Vertreibung der serbischen Vortruppen anbefehlen, weil deren Artillerie die Lagerplätze beschoß. Der Raumgewinn an diesem Tage war gering. Das XIII. Korps dehnte sich nordwärts aus, um das VIII. Korps abzulösen.

Dem 5. Armeekmdo. genügte der neuerliche Hinweis auf Belgrad, um sein ganzes Streben in eine Richtung zu lenken, von der es nicht mehr loskommen sollte.

Der Nordostmarsch der 5. Armee gegen Belgrad Hiezu Beilagen 23 und 24

Obwohl schon am 30. November abends Anzeichen dafür vorhanden waren, daß der Feind in südöstlicher Richtung abziehe, wurde den Kolonnen der 5. Armee für den 1. Dezember die Direktion Nordost angewiesen. Allerdings hatten Gefangene auch ausgesagt, daß an dem vom Cvetkov grob nach Süden führenden Fahrweg eifrig geschanzt werde. Handelte es sich um eine neue serbische Stellung, dann mochte der Nordostmarsch nicht nur den in Aussicht genommenen Angriff auf Belgrad, sondern auch eine Umfassung des feindlichen Nordflügels anbahnen. Bis zum Abend erreichten: die 104. LstlBrig. Ostružnica, die 29. ID. und die 71. IBrig. Meljak, die 7. ID. Bacevac, die 21. SchD. Borak und die

9. ID. die Höhe Volujak. Das Kavalleriedetachement des Obersten Schwarzenberg kam trotz des Befehles, „allen von Belgrad nach Süden

zurückgehenden Truppen und Trains den Rückzug abzuschneiden“, im Geplänkel mit feindlicher Kavallerie über Lisovic nicht hinaus.

Der Raum Obrenovac—Belgrad—Ripanj wurde „vom Feinde frei“ gemeldet. Laut Gefangenenaussagen hatten sich die Serben in die Stellungen am Kosmaj zurückgezogen. Die Bahnanlagen bei Ralja waren angeblich schon am 30. November zerstört worden. Das Gruppen-kmdo. Syrmien meldete, daß das Feuer der Geschütze bei Semlin von der Belgrader Artillerie nicht mehr erwidert werde; Flieger berichteten, daß im Raume westlich Arangjelovac etwa drei Divisionen stünden.

Auf Grund dieser Daten konnte das 5. Armeekmdo. wohl damit rechnen, bei Belgrad keinen ernstlichen Widerstand zu finden. Aber das Verlangen, die alte, dereinst vom Prinzen Eugen und vom FM. Loudon ruhmvoll bezwungene Festung zu erobern, und wohl auch der Wunsch, eine vollwertige Nachschublinie zu gewinnen, wirkten stärker als die Erkenntnis vom Abmarsch der Serben nach Südosten.

So rückten am 2. Dezember die 21. SchD. in der Richtung gegen Parcani bis über die nach Venčani führende Straße vor, das Komb. Korps auf den wasserscheidenden Rücken Ljuta strana (7. ID.) und Petrov grob (29. ID.), die 104. LstlBrig. nach Zeleznik. Wieder bekamen es die

21. SchD., Aufklärer der stehengebliebenen 9. ID. und die Schwadronen des Obst. Schwarzenberg mit der serbischen Kavalleriedivision zu tun, die unter Kämpfen bis südlich von Sibnica zurückging. Hier schloß die gegen Kosmaj verlaufende Stellung des Obrenovac-Detachements an, das Sibnica aufgegeben hatte, als es das beste Regiment und eine Batterie nach Mla-denovac zur Einwaggonierung nach čačak absenden mußte.

Eine Abteilung der 104. LstlBrig. näherte sich am frühen Vormittag Belgrad, fand aber die Stadt schon von öst.-ung. Truppen besetzt. FML. Tamásy hatte in der Nacht Teile der bei Semlin versammelten neun Bataillone überschiffen lassen, die bei grauendem Morgen bereits die wichtigsten Objekte kampflos besetzten. GdI. Frank meldete um llh vorm. die Besitznahme von Belgrad, bat um die Zustimmung zum feierlichen Einzug in die serbische Hauptstadt und gab Anordnungen für den

3. Dezember. Diesen gemäß sollten gelangen: die 104. LstlBrig. knapp südwestlich von Belgrad; die 29. ID. und die 71. IBrig. in den Raum Resnik—Kumodraz—Avala, ein Detachement nach Ekmekluk; die 7. ID. nach Ripanj; die 21. SchD. nach Parcani und Guberevci1); die 9. ID. nach Boždarevac—Šiljakovac, bei Belassung eines Detachements am Volujak. Die Antwort des FZM. Potiorek erreichte das 5. Armeekmdo. erst um l'j Guberevci liegt halbenwegs zwischen Lisovic und Stojnik.

6h nachm. in Obrenovac, wohin es am 2. übersiedelt war. Sie lautete: „Der feierliche Einzug in Belgrad hat nur mit kleinen Kräften zu geschehen. Das Gros der 5. Armee muß unaufhaltsam und möglichst rasch die Vorrückung mit dem linken Flügel auf Ralja fortsetzen und ein angemessenes Detachement sogleich auf Semendria dirigieren.“ GdI. Frank glaubte diesem Befehle hinreichend zu entsprechen, wenn er für den

3. Dezember die 9. ID. anwies stehenzubleiben, der 21. SchD. befahl, sich bis Guberevci auszudehnen und der 7. ID. die weiter südlich gelegenen Marschziele Parcani und Ralja angab. Das Gros des Komb. Korps behielt aber die vormittags angegebenen Ziele.

Versäumte Rast bei der 6. Armee

Bei der 6. Armee vollendete das XIII. Korps am 2. Dezember die Übernahme der Front bis an den Peštanbach, seine Vortruppen kamen bis an den Mramor heran. Vom XV. Korps rückte die 40. HID. ein kurzes Stück bis auf die Höhe Čukor vor und unterstützte die 48. ID., die sich nach Eroberung der Höhen Vrlaja und Lipet bis auf den Berg Golubac ausdehnte. So hatten vom ganzen Korps nur die Truppen der 1. ID. während der bewilligten Ruhepause eine Rast genossen. GdI. Appel meldete denn auch, von einer Erholung sei schon wegen des Ausbleibens aller Bedürfnisse keine Rede. Auch meinte er auf Grund der Erfahrungen während der letzten Kämpfe, die Serben seien keineswegs derart geschlagen, daß sie nicht einzelne Offensivstöße durchführen könnten. Beim XVI. Korps war noch versucht worden, durch Einsatz der 3. GbBrig. den schon von der 15. und der 16. GbBrig. angegriffenen Galić zu erstürmen. Doch der Angriff hatte sich als aussichtslos erwiesen, denn es fehlte ihm wegen würgender Munitionsnot die Artillerieunterstützung. So mußte sich die 3. GbBrig. mit einem kargen Raumgewinn an der Straße nach Grn. Milanovac begnügen. Die 18. ID. (1., 13. und 5. GbBrig.) stand beiderseits des oberen Kamenicabaches sich rühriger zeigendem Feinde gegenüber, dem sie ein Einschieben zwischen sich und der 50. ID. verwehren sollte.

Südwestlich vom XVI. Korps, etwa 70 km entfernt, hatte FML. Šnjaric am 1. Dezember seine Gruppe zum umfassenden Angriff auf die 11 km südöstlich von Višegrad befindliche Höhe Vihra bereitgestellt. Am folgenden Tage gelang der vom Obst. Schöbl mit seinen 79ern eingeleitete Sturm1), womit dem Feinde der Stützpunkt seines westlichen

*) Für die Erstürmung der Vihra erhielt Obst. Schöbl das Ritterkreuz des MilitärMaria Theresien-Ordens.

Flügels entrissen war. Er räumte in der Nacht die starke Stellung gänzlich, doch wurde die Gruppe Šnjaric noch immer nicht zum Abmarsch nach Užice frei, weil sie in der Verfolgung am 5. Dezember Serben und Montenegriner hinter dem Lim zu hartnäckigem Widerstand bereitfand.

Mit Rücksicht darauf, daß die am 30. November bewilligte dreitägige Retablierungspause nirgends eingehalten werden konnte, nahm FZM. Potiorek in Aussicht, die geplanten Operationen erst am 6. Dezember fortzusetzen. Dieser Aufschub von zwei Tagen mochte ihm nicht leicht fallen, da die zuletzt eingebrachten Gefangenen eine sehr zuversichtliche Stimmung zeigten und der Überzeugung Ausdruck gaben, daß die serbische Armee im Raume Arangjelovac—Grn. Milanovac ruhmvoll Widerstand leisten werde. Mit jedem Tage konnte sich auch die Lage der Serben bessern. Aber es war unerläßlich, daß der äußerst dringlich gewordene Nachschub, insbesondere an Munition, herankomme. Die hiezu unentbehrliche Schmalspurbahn im Kolubaratal konnte nicht vor dem 3. Dezember wiederhergestellt sein1). In allen Einzelheiten wurde die künftige Versorgung geregelt, wobei sich die 5. Armee gänzlich auf Belgrad basieren, die Eisenbahn nach Valjevo ausschließlich der 6. Armee dienen sollte.

Wie sich FZM. Potiorek die Fortsetzung der Operationen dachte, zeigte seine am 2. Dezember ausgegebene „Disposition für die Fortsetzung der Offensive“. An ihrer Spitze war zu lesen: „Ich will den Feind in dessen vermuteter Stellung čačak—Rudnik—Arangjelovac—Kos-maj—Vlaška in der Front beiderseits Rudnik binden und den Hauptangriff mit beiden Flügeln führen.“ Zu diesem Zwecke sollte die 5. Armee ihre Hauptkraft bis zum 5. Dezember abends in der Linie Venčani— Dučina—Ralja zum sofort anzusetzenden Angriff mit dem rechten Flügel in der Direktion Topola bereitstellen. Das XIII. Korps sollte den An-

rj Die 70 km lange Schmalspurbahn, die an der Tamnavabrücke an zwei Stellen zerstört war, gelangte am 24. November in den Besitz der öst.-ung.Truppen. Ihr gesamtes rollendes Material war von den Serben nach Arangjelovac abgezogen worden und mußte erst aus der Heimat ersetzt werden. Dessen Antransport und Störungsversuche des Feindes gestatteten die Arbeitsaufnahme zur Wiederherstellung der Bahn erst am 28. November, die Inbetriebsetzung erst am 4. Dezember. Dann aber konnte sie anfangs 350 t, später allmählich steigend bis 600 t Güter befördern, die teils im Wassertransport herangeschafft, teils nach Zabrež (an der Save nördlich Obrenovac) überschifft werden mußten, was bis zur Fertigstellung der geplanten Jochbrücke starke Verzögerungen bedingte. Der Betrieb der Bahn mußte infolge der Räumung von Valjevo vom 7. Dezember an wieder eingestellt werden. Ihre rasche Nutzbarmachung war eine schöne Leistung aller damit befaßten Behörden, Truppen und Arbeiter.

griff durch Vorgehen gegen Arangjelovac—Grn. Šatornja unterstützen, das XV. Korps den gegenüberstehenden Feind binden, das XVI. Korps über Rudnik—Grn. Milanovac und südlich davon energisch gegen Kragujevac vorstoßen.

Der serbische Plan zum Gegenschlag

Dem serbischen Heer war der Sprung rückwärts wohl gelungen. In zweitägiger Ruhe bei reichlicher Verpflegung, Ergänzung der Streitkräfte und der Munition hatte sich die Moral der Truppen wieder gebessert. Das SOK. tat zur Hebung des Kampfgeistes das Möglichste. Die Aussagen Gefangener der 42. HID. über die klägliche Verfassung der öst.-ung. Truppen wurden zur Aneiferung allgemein verlautbart, gleichzeitig erhielten die Kommandanten das Recht, die schärfsten Maßnahmen zu ergreifen, „um die weitere schändliche Flucht vor dem Gegner, der minderer Qualität sei, zu verhindern“1).

Besonders der tatkräftige Führer der 1. Armee, Gen. Mišič, verstand es, auf seine Leute einzuwirken und fand ein stürmisches Echo, als er am 1. Dezember verkündigte: „Die schwierige und traurige Lage des Feindes muß jetzt ausgenützt werden. Er muß überall und an jedem Orte angegriffen werden; es darf ihm nirgends Ruhe gegeben noch ein Halten bewilligt werden, bis er vernichtet und aus unserem Lande vertrieben ist. Jetzt ist alle Kraft, alle Tapferkeit und aller Opfermut einzusetzen, weil der günstige Augenblick eingetreten ist, die in unser Land eingedrungenen feindlichen Truppen zu besiegen2).“ Der Kommandant der in den letzten Kämpfen besonders mitgenommenen DonD. II, gleich den anderen Divisionären mit dem Armeekommandanten eines Sinnes, schlug vor,, den Gegner erst gründlich anrennen zu lassen, ehe man losschlug.

Gen. Mišič wollte aber nicht mehr warten und gab am 2. Dezember die Befehle für den Gegenstoß seiner Armee aus. Da er schon am

28. November durch seine Rücktrittsdrohung bei der serbischen Heeresleitung deren Rückzugsentschluß hintertrieben hatte, entschloß er sich jetzt in gesteigerter Verantwortungsfreude, jede Störung seiner Pläne durch das SOK. auszuschalten, indem er hierüber erst meldete, als er sich anschickte, die Befehle zu verlautbaren. Gleichzeitig bat er, die anderen Armeen auch angreifen zu lassen. Putnik sträubte sich nicht im mindesten, sondern ließ sich vom Tatendrange seines Unterführers mit-

1)    Serb. Gstb. W., V, 369.

2)    Ebenda, V, 368.

reißen. Um 3h nachm. erging an alle Armeen und an die Armeegruppe Užice die telephonische Angriffsankündigung, kaum zwei Stunden später der schriftliche Befehl zum allgemeinen Angriff, dem die Belgrader Gruppe, das Obrenovac-Detachement und die Kavalleriedivision in ihren Stellungen die Nordflanke zu decken hatten.

Die Serben hatten somit just den günstigsten Zeitpunkt zu ihrer Gegenoffensive gewählt, obzwar sie vom Nordostmarsch der 5. Armee keine Ahnung hatten. Jeder Tag weiteren Zuwartens hätte die günstigen Aussichten der Serben verschlechtert. Auch die Witterung stand mit ihnen im Bunde. Am 3. Dezember froren die Wege, so daß die Artillerie der Infanterie gut folgen konnte. Deren Annäherung verbarg dichter Morgennebel bis gegen 9hvorm., dann trat strahlend schönes Wetter ein, das in der folgenden Periode anhielt. Die klare Sicht begünstigte die Wirkung der serbischen Artillerie, die mit ihrer Munition nicht zu sparen brauchte, denn die Vardarbrücke war wohl gesprengt worden, wie man dem FZM. Potiorek gemeldet hatte, doch waren schon vorher reichliche Mengen im Kragujevacer Arsenal eingetroffen. Die Kanoniere konnten, wie Gen. Mišič befahl, schon in den Anfängen des Angriffs den gegnerischen Widerstand durch ein mächtigesFeuer brechen und der Infanterie den Weg frei machen.

Alle Umstände vereinigten sich, um die öst.-ung. Streitkräfte in Nachteil zu setzen und sie die bisher erwiesene Überlegenheit samt allen Errungenschaften der bisherigen Siege über einen stärkeren Feind verlieren zu lassen. Wieder bewährte sich der alte, in vielen Kriegen erprobte Erfahrungssatz: „L’art de vaincre est perdu sans l’art de subsister.“ An dieser Klippe, erwachsen aus der durch die Umstände aufgezwungenen minder günstigen Richtung der Offensive und aus der Unbill des ungewöhnlich schlechten Herbstwetters, sollte der Feldzug trotz überragender Leistungen der Truppen scheitern.

Die Schlacht bei Arangjelovac

Entscheidungskämpfe am 3. und 4. Dezember Hiezu Beilage 24

In die Verschiebungen der 18. ID. stieß am 3. Dezember früh die Armeegruppe Užice hinein, der die Babina glava auf dem Hauptrücken als Ziel gesetzt war. Die ŠumD.II ging mit der Hauptkraft zwischen Čemernica- und Kamenicabach, mit einer Seitenabteilung westlich des letztgenannten gegen die Oštrica, das brigadestarke Lim-Detachement gegen die Šiljkovica vor. Doch die 1. GbBrig. gebot dem Lim-Detachement frühzeitig Halt und half der 13.GbBrig. durch Flankenfeuer die linke Kolonne der ŠumD.II von der Oštrica fernzuhalten. Deren Hauptkolonne wurde noch rechtzeitig südlich der Straße nach Grn. Milanovac von der 5. GbBrig. abgefangen und vermochte trotz Übermacht nicht durchzudringen.

Erfolgreicher ließ sich der gleichzeitig begonnene Angriff der serbischen 1. Armee an. Während die DonD.II auftragsgemäß den rechten Flügel der 50.ID., 15. und 16.GbBrig. nur zur Bindung angriff, brachen die anderen drei Divisionen des Gen. Mišič in 10 km breiter Front beiderseits der auf den Suvobor führenden beiden Straßen mit dem Ziel Pro-strugarücken vor. Die DonD.I warf die 3. GbBrig. in mächtigem Anprall gegen die Höhen südöstlich von Banjani zurück, wo dank flankierendem Eingreifen von Teilen der 14. GbBrig. wieder fester Fuß gefaßt werden konnte. Diese Brigade vermochte überdies nicht nur den Angriff der MorD.II gegen die eigene Stellung abzuwehren, sondern auch noch der in der sehr bedrängten Mitte der Division Goiginger stehenden 2. GbBrig. zu helfen, die von der DrinD.I unter großen Verlusten auf die schwach besetzte Hauptstellung südlich von Boljkovci zurückgedrückt worden war. Sie konnte dank der Hilfe von Süden und der von Norden eingreifenden Teile der bisher wenig belästigten 6. GbBrig. und der 109. LstlBrig. gehalten werden. Vor dieser Brigade auf den Höhen östlich von Boljkovci und der 10. GbBrig. auf Golubac entfaltete die rechte Seitenhut der DrinD.I, auf den Angriff der 3. Armee wartend, nachmittags eine nur geringe Tätigkeit.

Gen. Jurišič-šturm hatte sich im letzten Augenblick entschlossen, den Angriff wegen des späten Herankommens des Südflügels der 2. Armee erst nachmittags zu beginnen. Da aber die 12. GbBrig. der 48. ID. am Morgen über den Lipet, den man geräumt fand, mit Vortruppen gegen die Motika vordrang, mußte wenigstens das sogenannte Dragolj-Detachement, zwei Infanterieregimenter und die gesamte Artillerie der TimD.II, schon mittags gegen die Vrlaja vorbrechen. Um lh erging dann der allgemeine Angriffsbefehl. Zur Hebung der Stimmung wurden die am Morgen erzielten Anfangserfolge der 1. Armee allgemein verlautbart, der König selbst begab sich zu den Truppen, um sie zu entflammen.

Der späte Aufbruch der Serben ließ es nur bei der 11. GbBrig. der 48. ID. zu einem ernsten Kampf um die Vrlaja kommen, deren Ostteil dem Feinde schließlich überlassen werden mußte. Die Vortruppen der 40. und der 42. HID. schlugen sich mit zäher, selbst vom Feinde gerühmter Tapferkeit und wichen nur dem Druck der Übermacht und der gewaltigen serbischen Artilleriewirkung. So kamen die zwischen Kačer-und Onjegbach angesetzten beiden serbischen Divisionen, KombD. und DrinD.II, erst gegen Abend an die von der 40. HID. gut ausgebaute Hauptstellung beiderseits der den Kampfraum beherrschenden Höhe Čukor heran.

Die 7. und die 9. GbBrig. der l.ID. waren eben zu zeitweiliger Ablösung der 48. ID. im Vormarsch, als sich der feindliche Angriff gegen den Nordflügel des XV.Korps aussprach. Auf die Hilferufe des XVI. Korps wendete GdI. Appel diese zwei Brigaden trotz der Bedrohung der eigenen Front gegen 4h nachm. selbsttätig nach Süden gegen Boljkovci; nur die 8. GbBrig. wurde noch als Korpsreserve zurückgehalten. Um 5h nachm. wurde für den 4. der Einsatz der ganzen 1. ID. über Boljkovci verfügt.

Die serbische 2. Armee strebte zunächst den in der Kolubaraschlacht innegehabten Stellungen zu. So bekamen es die zwischen Peštanbach und der Kremenica eingegrabene 36. ID. mit der längs der Straße nach La-zarevac angesetzten TimD.I und südlich anschließend die 42.HID. mit der MorD.I zu tun. Die Zweitgenannte arbeitete sich auf dem Höhenkamm gegen die Kremenica heran und gewann die Höhe Trnavci, so daß sie den wichtigen Stützpunkt auch von Süden bedrohte. Die TimD.I erstürmte die Höhe Vis-c>-295 an der Straße, ihr Nordflügel drückte im stürmischen Nachstoßen den der 36. ID. sogar bis gegen Burovo zurück. Die ŠumD.I rückte kampflos mit dem Gros zwischen Peštan- und Turijabach vor und nahm mit den Vortruppen des auf Volujak verbliebenen Teiles der

9. ID. Fühlung. Nördlich der Turija drang ein Regiment bis auf den Okresak vor. Die Kavalleriedivision, die Nordflanke deckend, stieß nördlich Sibnica auf Vortruppen der 21. SchD.

Die bis zum Abend eingetroffenen Meldungen ließen das BOK. nur auf einen Vorstoß gegen das XVI.Korps schließen, begleitet von Demonstrationen gegen Mitte und Nordflügel der 6. Armee. Das Eingreifen der 1. ID. und der 5. und der 13. GbBrig., welche die 18. ID. gegen den Galić entsenden sollte, ließ baldige Entlastung des XVI. Korps hoffen. Die

4. GbBrig. hatte sich in Požega zu versammeln, um die 1. GbBrig. zu unterstützen. Immerhin' machte es die Regsamkeit der Serben rätlich, ehestens den geplanten großen Angriff zu beginnen, weshalb die 5. Armee die für den 5. abends angeordnete Bereitstellung schon am 4. abends zu vollenden hatte.

Die 2. und die 3. Armee der Serben nützten die Angriffsfreude ihrer Truppen aus, um die Offensive auch in der Nacht fortzusetzen, doch vermochte nur die DrinD.II um 2h früh dem Südflügel der 42. HID. im Handgemenge die Höhe südlich Smrdljikovac zu entreißen.

In Belgrad hatte sich inzwischen der feierliche Einzug vollzogen. Ein Huldigungstelegramm an den greisen Monarchen löste Jubel in der ganzen Monarchie aus. Den Abordnungen des Heeres und der Donauflottille wurde in Belgrad ein Rasttag gewährt. Da erhielt GdI. Frank um 7h45 abends die alarmierende Nachricht von der Vorverlegung der Bereitstellung. Der Rasttag wurde widerrufen. Die 7. ID. hatte sich auf den Höhen südlich von Parcani—Rai ja bereitzustellen; die 104. LstlBrig. wurde nach Ripanj, die 29. ID. samt 71. IBrig. nach Vrčin östlich der Straße nach Ralja gewiesen. Diese von den Absichten des BOK. abweichende Verfügung schien durch die erhöhte Regsamkeit der Serben bei Semen-dria geboten, bis sich das Detachement Obst. Haubert (1 Infanterieregiment, 1 Batterie und 1 Halbschwadron der neugebildeten 60. ID.) dieses Ortes zur Sicherung der Flanke bemächtigt hatte. An das VIII.Korps war keine Weisung nötig, weil dieses bereits die Teilnahme an dem vom XIII. Korps für den 4. geplanten Gegenangriff vereinbart hatte. Man erwartete nur den Widerstand einer Nachhut in den Befestigungen bei Sibnica, da die Flieger von Rückzugsbewegungen großer Trainkolonnen gegen Arangjelovac—Topola—Grn. Šatornja und fleißigem Schanzen in dieser Gegend berichteten. Mißlich war, daß FML. Krauss in Belgrad nur durch Reiter in Verbindung mit seinenTruppen stand, was die Befehlsübermittlung sehr verzögerte.

Am 4. Dezember rückte das VIII. Korps mit der 21. SchD. in die Linie Stojnik—Beljina vor. Nur das auf die Höhe südlich vom letztgenannten Orte vorgeschobene SchR. 6 bekam es mit der durch Teile des Obrenovac-Detachements verstärkten 2. KBrig. zu tun, die sich vergeblich bemühte, die tapferen Egerländer zurückzuwerfen. Das Gros der 9. ID. kam an die Höhe Okresak heran, wo sich ein Artillerieduell entwickelte. In einen heftigen Kampf wurde die vom Volujak gegen Südosten vorgegangene Gruppe der 9. ID. verwickelt, wobei die beiden Regimenter der ŠumD.I im Handgemenge die Oberhand errangen.

Das XIII. Korps hielt trotz durchkämpfter Nacht am Plan des Gegenangriffes fest. Die Mitte der 36. ID. nahm der TimD.I die Straßenhöhe Vis -<i>- 295 wieder ab. Im Abschnitt Kremenica—Trnavci prallten die Kroaten mit der MorD.I zusammen. Als Sturmbock tief gruppiert, liefen am Nordflügel acht serbische Bataillone, unterstützt durch wirksames Feuer von acht Batterien, wiederholt vergeblich gegen die Kremenica an. Auch auf Trnavci wurden die Domobranzen in die Verteidigung gedrängt, als die MorD.I das Regiment ihres Südflügels aus dem Onjegtal dahin einschwenken ließ. Dies gab aber dem Südflügel der 42. HID. Gelegenheit, dem Nordflügel der DrinD.II die in der Nacht eroberte Höhe südlich des Onjegbaches wieder zu entreißen und die Serben über eine Schlucht zurückzujagen. Das Korps erzielte also einen prächtigen Abwehrerfolg, obzwar es in 15 km breiter Front nur 17.000 Feuergewehre einsetzen konnte.

Der Erfolg der Domobranzen erleichterte der 40. HID. die Verteidigung des Čukor wesentlich. Ein großer Ansturm, von neun serbischen Bataillonen, nach mehreren im Keim erstickten Anläufen gegen 2h nachm. unternommen, brach nach wenigen Schritten im frontalen Abwehrfeuer der Ungarn und unter der flankierenden Einwirkung der Kroaten zusammen. Diese stießen bei gleichzeitiger Abweisung eines Angriffes in die Flanke des Sturmbockes vor und brachten ihn ins Wanken. Fortan war kein Einklang mehr in den Angriffsversuchen der beiden serbischen Divisionen. Die 48. ID. wurde durch das Dragolj-Detachement und das Gros der TimD.II sowie durch starkes Artilleriefeuer, das sich auf die Vrlaja und die Front Lipet—Golubac legte, in Atem gehalten.

Indessen bedrängte die serbische 1. Armee nach ruhig verbrachter Nacht das XVI. Korps. Gen. Mišič hatte die DrinD.I entlang der Straße über Boljkovci, die MorD.II und die DonD.I zwischen den zwei in das Ljig-tal führenden Straßen zur Gewinnung der Prostruga und des Rajac, die DonD.II gegen den Suvobor und die Babina glava angesetzt. Der Mittelgruppe und dem linken Flügel folgte je ein Regiment als Armeereserve.

Die Wucht des Angriffes traf die 14. GbBrig., die wie alle Teile des XVI. Korps nun auch schon an empfindlichem Mangel an Infanteriemunition litt. In der Front von der MorD.II, in der Südflanke vom rechten Flügel der DonD.I angefallen, mußten sie und die links anschließende 2. GbBrig. unter großen Verlusten weichen, bis sie südlich von Boljkovci durch die 7. GbBrig. der 1. ID. Aufnahme fanden. Diese setzte nun mit der 7., 8. und 9. GbBrig. um 4h nachm. zum Gegenstoß an1), der die DrinD.I beiderseits der Straße zurückwarf. Gen. Mišič ließ sich jedoch durch diesen Mißerfolg nicht verleiten, Kräfte der Mittelgruppe an den rechten Flügel abzugeben, da er erkannte, daß der erhoffbare Gewinn der Prostruga auch die Stellungen bei Boljkovci unhaltbar machen werde. Tatsächlich mußte um diese Zeit die 14. GbBrig., neuerlich geworfen, auf die Prostruga zurück, als zu Mittag der linke Flügel der DonD.I die 3.GbBrig. von der Höhe Makljiš südöstlich von Banjani zurückdrückte, was auch den rechten Flügel der 50. ID. zwang, der DonD.II Raum zu geben.

Bei dieser Gefechtslage konnte die 1. ID. ihren Erfolg nicht durch

weiteres Nachstoßen ausnützen. Die 7. GbBrig. hatte sich überdies bald gegen Teile der siegreich vordringenden MorD.II zu wehren. Erst die einbrechende Dunkelheit und Erschöpfung beider Gegner machten dem" erbitterten Ringen ein Ende.

Um diese Zeit standen von der 50. ID. die 15. und die 16. GbBrig. beiderseits der auf den Suvobor führenden Straße auf Ravni gaj und Danilov vrh., die 3.GbBrig. nördlich von Banjani, die 2. und die 14.GbBrig. sammelten sich, nur noch 1600 Gewehre zählend, auf der Prostruga. Nun mußten auch die 1. ID. und der Nordflügel der komb. ID. in die Linie Golubac—Prostruga zurückbefohlen werden. Die 18. ID. stand in heißem Kampf und konnte daher keine Kräfte zur Unterstützung gegen den Galić entsenden.    >

Angesichts dieser schwierigen Lage forderte FZM. Potiorek die 5. Armee wiederholt zum unaufhaltsamen Vormarsch auf. Außerdem sollte sie sechs Bataillone und eine Batterie nach Mionica zur Verfügung des FZM. Wurm senden, wozu GdI. Frank vorerst Teile der 60. ID. und ein Marschbataillon sowie eine Batterie des VIII.Korps bestimmte. FML. Šnjaric sollte von Višegrad sofort die beiden Bataillone des IR. 79 und eine Batterie nach Užice schicken. FZM. Wurm beorderte vier Bataillone und zwei Batterien der 18. ID. auf die Höhe Sječina, um gegen dieWest-flanke des das XVI.Korps bedrängenden Feindes zu wirken. Teile der 1.ID. sowie der 109. LstlBrig. verstärkten die lückenhaft besetzte Korpsmitte.

Die bisherigen Erfolge der serbischen 1. Armee ermutigten den Gen. Mišič, schon um llhvorm. seinen Truppen die Höhe Vis-<í)-707—Bačinovac—Maljen als nächstes Ziel zu setzen, doch das SOK. war mit Rücksicht auf die Užicer Armeegruppe noch gegen ein Überschreiten des Hauptrückens des zwischen der Kolubara und der Morava sich erhebenden Berglandes. Überdies löste das Erscheinen von Schwarzenbergs Reitern vor Grocka Besorgnisse wegen Nordostserbien aus, weshalb Gen. Zivko-vic zwei Bataillone mit Artillerie nach Umčari senden mußte. Seine Besorgnis wegen dieser Schwächung wurde durch die Zusage der Verstärkung mit einer Division im Notfälle zu beschwichtigen gesucht. Tatsächlich stand seiner Front der Angriff des VIII. Korps und der 7. ID. gegen Venčani—Kosmaj unmittelbar bevor.

Für die k.u.k. Balkanstreitkräfte handelte es sich darum, ob das

XVI. Korps sich so lange werde halten können, bis sich der Stoß der

5. Armee im Gesamtverlauf der Schlacht bei Arangjelovac fühlbar machen werde. Aber der durch den Marsch des Komb. Korps gegen Belgrad entstandene Zeitverlust war nicht mehr aufzuholen.

Rückzug des XVI. Korps hinter die Kolubara (5. bis 7. Dezember)

Schon in den Morgenstunden des 5. Dezember schwemmten die gegen den Suvobor und Rajac angesetzten DonD.I und II die 50. ID. von ihren Stellungen auf Ravni gaj, Danilov vrh. und nördlich von Banjani hinweg. Gen. Mišič erbat von Putnik die Verlautbarung dieser günstigen Frühmeldungen, um die anderen Armeen anzufeuern. Wohl machte sich die von GM. Nöhring (5.GbBrig.) geführte Gruppe der 18.ID. auf der Sječina in der Flanke der DonD.II bald geltend und hemmte ihren Siegeslauf. Auch der gegen die Prostruga andringenden MorD.II fielen Teile der l.ID. in die Ostflanke, während das Gros dieser Division und der Nordflügel der Division Goiginger der DrinD.I das Vordringen über Golubac—Boljkovci verwehrten. Doch das überwältigende Artilleriefeuer, dem die Verteidiger kaum noch Gewehrschüsse entgegenzusetzen hatten, bahnte der serbischen 1. Armee den Weg gegen Rajac. Schon bald nach 3h nachm. mußte der Hauptrücken bis zum Suvobor geräumt werden. FZM. Wurm trachtete eine zweite Widerstandslinie aufzurichten, die vom Maljen (5. GbBrig.) über Höhe Ruda (50. ID.) und den Bačinovac-rücken (komb.ID.) bis zum Mednik (l.ID.) verlaufen sollte. Die 18.ID. wurde auf den Crni vrh und Kozomor zurückberufen.

FZM. Potiorek wurde durch diese Hiobsbotschaft gezwungen, das

XV. Korps zum Abbiegen seines Südflügels, 48. ID., auf die Glavica und auf die Höhen am Ljig nördlich des Kačerbaches anzuweisen. Die 40. HID., das XIII. Korps und die 5. Armee sollten dagegen den Angriff mit aller Energie durchführen.

Der Rückzug desXVI. Korps vollzog sich unter den größten Schwierigkeiten, die Truppen kamen vollkommen durcheinander, was eine geregelte Besetzung der neuen Stellung unmöglich machte. Der Kommandant der zuerst auf den Hauptrücken vorgedrungenen DonD.I verfolgte trotz neuerlichen Verbotes des wegen des Steckenbleibens der anderen Armeen besorgten SOK. vom Rajac gegen Bačinovac; doch mißlang im schwierigen Gelände die Absicht, den öst.-ung. Truppen den Rückzug nach Mionica zu verlegen.

GdI. Appel entschloß sich, um der 40. HID. die vom BOK. angeordnete Fortführung des Angriffes überhaupt zu ermöglichen, die in ihrer Flanke liegende Vrlaja und den von hier südlich des Kačerbaches bis zur Glavica Dićska streichenden Rücken mit der Front nach Süden zu

besetzen, wobei auch die Rücksicht auf die 1. ID. mitspielte, die unter ständigen Kämpfen bis zum Abend nicht hinter die Linie Bukva—Grag-jenig zurückgelangen konnte. Als jetzt die 12. GbBrig. befehlsgemäß vom Lipet zurückging, vermochte sich die TimD.II der heißumstrittenen Höhe zu bemächtigen. Die KombD. und die DrinD.II konnten aber nach den großen Verlusten auch durch die sichtliche Überlegenheit ihrer Artillerie nicht zu neuem Angriff gegen den Čukor ermutigt werden.

Gewaltige Anstrengungen machte die serbische 2. Armee zur Wiedergewinnung der Höhen bei Lazarevac. Angespornt durch die Anwesenheit ihres Königs versuchten die Serben schon in der Nacht, die Kremenica und die Straßenhöhe Vis -<J>- 295 zu überrumpeln. Am Morgen sollte die Kremenica durch die zur nördlichen Umfassung ausholende MorD.I genommen werden. Obzwar die zum Sparen gezwungene Verteidigungsartillerie die geradezu furchtbare Vorbereitungskanonade der Serben nicht einmal dämpfen konnte, wiesen die Kroaten die zum größten Opfermut aufgepeitschten Angreifer ab. Immerhin setzte sich der Nordflügel der MorD.I um 10h vorm. auf dem von der Kremenica nach Norden abstreichenden Rücken fest. Nun begann auch die TimD.I den nördlich umfassenden Angriff, um an der Straße in den Rücken des Vis -<>- 295 zu kommen. Die MorD.I lief nachmittags noch zweimal Sturm, ohne die Kremenica den Kroaten entreißen zu können. Der Führer der serbischen Division, die sich „müde und nachgiebig“ zeigte, glaubte, erst nach einer mehrtägigen artilleristischen Zermürbung des Gegners neuerlich angreifen zu können. Gen. Stepanovic befahl aber, noch vor Einbruch der Nacht „ohne Rücksicht auf Opfer“ *) nochmals zu stürmen. Tatsächlich nistete sich der Südflügel nach wilden Nahkämpfen in einigen Gräben am Südhange ein, doch trotzte die Kremenica auch weiter allen Bemühungen. Inzwischen hatte sich die TimD.I unter schweren Kämpfen, teilweise im Handgemenge mit der 36. ID., bis auf 2 km an die Straße herangearbeitet. Die Höhe Vis -<>-295, von Artillerie konzentrisch beschossen und einem Rückenangriff ausgesetzt, stand vor dem Fall, der jenen der Kremenica nach sich ziehen mußte. Die südlich der Turija stehende Gruppe der 9. ID wurde schon um 10hvorm. von der halben ŠumD.I gegen den Volujak zurückgedrückt.

Da brachte der Anmarsch der 5. Armee Entlastung. Gen. Stepanovic ordnete wegen des Vordringens der westlichen Kolonne der 21. SchD. gegen Sibnica den Austausch der nördlich der Turija bereits bis auf nächste Entfernung an den Okresak herangekommenen fünf Bataillone der ŠumD.I und der Kavalleriedivision an, was die Gruppe südlich der Turija zum Einstellen ihrer Offensive veranlaßte. Als das von Gen. Zivko-vič nach Umčari entsendete Detachement die Bedrohung von Grocka durch die Gruppe Obst. Haubert, die Besetzung von Umčari durch Obst. Schwarzenberg und den Anmarsch einer starken Kolonne von Vrčin südwärts feststellte, befahl Putnik um 6h abends die Absendung der TimD.I zum Gen. Zivkovič, wodurch die serbische 2. Armee zum Aufgeben der erzielten Vorteile genötigt wurde.

Weiter reichte aber die von der 5. Armee gebrachte Entlastung nicht, denn die 21. SchD. hatte sich von zwei Bataillonen und zwei Kavallerieregimentern noch nördlich der Stellungen des Obrenovac-Detachements aufhalten lassen; die 7. ID. blieb auf den Höhen südlich von Vk. Sopot, weil die 104. LstlBrig. und die 29. ID. infolge des weiten Umweges gegen Belgrad nur bis Popovic und bis Ml. Požarevac gelangen konnten.

Befriedigende Nachrichten lagen dem BOK. von der 18. ID. vor. Obst. Panzenböck hielt die ŠumD.II mit den ihm verbliebenen Teilen der 5. und der 13. GbBrig. in der Nacht und am 5. derart in Atem, daß alles Drängen des Gen. Mišič zur Absendung eines Regiments ins Gebirge vergeblich blieb. Da die Flankenwirkung der 1. GbBrig. von der Šiljkovica den serbischen Vorstoß gegen die Oštrica lähmte, diese wieder das Gefechtsfeld des rechten Flügels der ŠumD.II beherrschte, sollte das durch ein Regiment verstärkte Lim-Detachement nochmals die Eroberung der erstgenannten Höhe mit aller Kraft versuchen. Das Angriffsfeld wurde im Westen durch einige auf Höhen mit unersteiglichen Felswänden vorgeschobene Abteilungen der 1. GbBrig. flankiert, doch die schütter besetzte und an Munitionsmangel leidende Front auf den Höhen südöstlich der Šiljkovica konnte von Osten her leicht umfaßt werden, was sich die Serben auch zunutze machten. Schon hatten sie sich hier bis auf Sturmdistanz herangeschoben, als die letzte Reserve des Obst. Lukachich, zwei sehr geschickt geführte Bataillone, in den Rücken der Umfassungsgruppe gelangte und ein verheerendes Schnellfeuer auf sie niederprasseln ließ. Ihre Flucht riß die ganze serbische Kampffront mit sich; eiligst trat das Lim-Detachement den Rückzug an und eine stärkere Abteilung, die sich abgeschnitten sah, leitete Übergabsverhandlungen ein. Da kam für die öst.-ung. Truppen der Rückzugsbefehl.

Dieser Erfolg der am schlechtesten versorgten 18. ID. mußte in der Hoffnung bestärken, daß das XVI. Korps, für das Vorräte aller Art in Valjevo bereitlagen, die obere Kolubara werde halten können. FZM. Potiorek telegraphierte am Abend dem AOK.: „Eine neue Truppendivision, jetzt zu meiner Verfügung gestellt, würde den serbischen Feldzug bald entscheiden und ich in der Lage sein, viel stärkere Kräfte nach Norden abzugeben 1).“ Da aber eine solche Verstärkung erst nach längerer Zeit eintreffen konnte, rechnete der Oberbefehlshaber der Balkanstreitkräfte offenbar auf das Totlaufen der serbischen Offensive an der Kolubara. Das AOK., das eben die letzten Kräfte ansetzte, um die russische „Dampfwalze“ zum Stehen zu bringen, konnte aber nicht einmal Ersätze für die großen Abgänge an Streitern in Aussicht stellen, weil Mittel zur Bewaffnung und Ausrüstung mangelten.

Am 6. Dezember frühmorgens entnahm das BOK. einem aufgefangenen Telegramm, daß Gen. Stepanovic ein weiteres Verharren vor Arangjelovac für unmöglich hielt. Unverzüglich wurde dies dem 5. Armeekmdo. zur Aufmunterung mitgeteilt. Dieses vermochte jedoch keinen frischeren Zug in den Angriff des VIII. Korps zu bringen, dessen 21. SchD. sogar gezwungen war, feindliche Gegenangriffe bei Slatina abzuwehren. Das Komb. Korps, welches die 7. ID. gegen den Stützpfeiler der serbischen Nordfront, den Kosmaj, die 104. LstlBrig. gegen Vlaška und die 29. ID. gegen den serbischen Flügel auf die Varovnice mit einer östlichen Seitenkolonne über Dubona gegen Parlog angesetzt hatte, konnte infolge Ermüdung der Truppen den heißersehnten Entlastungsstoß nicht zur Reife bringen, wenn auch FZM. Potiorek, dem die Gruppierung zu breit erschien, das 5. Armeekmdo. ermahnte: „Hauptdirektion für das Komb. Korps muß Ort Topola sein. Von der Wucht dieses Korps hängt die Entscheidung gegenwärtiger Kämpfe beider Armeen ab.“ Die 104. LstlBrig. kam beiderseits der Eisenbahn bald zum Stehen. Die 29. ID. konnte jeder ihrer Brigaden nur je einen Geschützzug mitgeben, die übrigen 36 Geschütze mußten in Vrčin die Ankunft von Munition ab warten. Mit dieser geringen Artillerieunterstützung konnten die 71. und das Gros der 58. IBrig. (zusammen achteinhalb Bataillone) im Raume bei und westlich von Šepčin einer weit vorgeschobenen Vorstellung des Varovnice-abschnittes umso weniger anhaben, als Gen. Zivkovic die Besatzung auf neun Bataillone und sechs Batterien gebracht hatte. Zudem wurde im Rücken der Lärm eines Gefechts hörbar, das bei Umčari entbrannt war. Als Obst. Haubert von Grocka zweieinhalb Bataillone und eine Batterie heranführte, griff am frühen Morgen Obst. Schwarzenberg das serbische

J) Das Honvédministerium hatte dem FZM. Potiorek im November die Verstärkung mit einer neuformierten Honvéddivision aus freien Stücken in Aussicht gestellt; dies ermutigte ihn offenbar zu diesem Vorschlag. Die Division mußte aber in die Karpathen geworfen werden.

Detachement der Belgrader Gruppe an, das sich in guten Befestigungen nordöstlich des Ortes festgesetzt hatte und vom 2. Armeekmdo. noch durch zwei Bataillone verstärkt wurde. In diesen Kampf wurden auch vier Bataillone der 29. ID. sowie das Bataillon der Divisionsreserve verwickelt, so daß die 57. IBrig. nur mit einem Regiment gegen Dubona vorrückte. Nach anfänglichen Erfolgen gegen schwache Sicherungstruppen gewann diese Kolonne nicht genügend Raum, um die lästige Flankenwirkung der dortigen Gruppe auszuschalten. Unter solchen Umständen war es kein Wunder, daß der „bisherige frische Angriffsgeist der Truppen der 29. ID. zu erlahmen schien“ und die Division, zum Glück für die Serben, „nicht vom Fleck“ kam1). Die versuchte Umfassung derKosmaj-stellung durch Eroberung der Varovnice war mißglückt, und die zur Hälfte aus Landsturm bestehende 7. ID. war allein zu schwach, diese Stellung zu nehmen, obzwar sie nach serbischem Zeugnis „am heftigsten daran rüttelte“.

Indessen hatte das XVI. Korps schon am frühen Vormittag ein neuer Unfall betroffen. Nach den starken Verlusten war das Mißverhältnis seiner Kräfte zu denen des durch die Erfolge moralisch sehr gehobenen Feindes so groß, die Niedergeschlagenheit wegen des Mangels an Patronen und der Erkenntnis, daß die Führung ihre Forderungen überspannt hatte, zu allgemein, um dem schon im Morgengrauen des 6. Dezember erfolgten Anprall der DonD.I gegen den Bačinovac dauernd Widerstand leisten zu können. Wohl hielten Teile der komb. ID. opfervoll stand, solange der Feind nur frontal anlief und seine zurückgebliebene Artillerie nicht eingriff. Als aber diese in Tätigkeit trat und den Serben einen Weg zur östlichen Umfassung bahnte, wurde die Preisgabe der wichtigen Höhe gegen 10h vorm. unvermeidlich; die 50. ID. verlor Ruda und ging beiderseits der Straße gegen Brežgje zurück.

Auf die telephonische Meldung des FZM. Wurm hin, mit der 50. und der komb. ID. nicht mehr standhalten zu können, schrieb FZM. Potiorek in sein Tagebuch: „Es erübrigte mir daher nur, das Zurückgehen des

XVI. Korps hinter die Kolubara in den Abschnitt Valjevo—Rabasmündung, des XV. Korps in den Abschnitt Rabas—Nepričava (unterhalb Slovac) zu verfügen sowie das XIII. Korps anzuweisen, sich, wenn möglich, nördlich des Ljig auf den Höhen östlich und südöstlich Lazarevac zu behaupten und nur äußerstenfalles ebenfalls hinter die Kolubara zu gehen. Nach erfolgter Retablierung werden wir den Echec schon wieder gut

J) Zanantoni, Die deutschböhmische 29. ID., 50.

machen. Sorge macht mir nur die 18. ID., mit der das XVI. Korpskmdo. keine Verbindung hat, und die vorübergehend abgedrängt werden dürfte.“

Auf Grund des um llh ausgegebenen Rückzugsbefehles wies GdI. Frank gegen 2h nachm. das VIII. Korps für den Fall des Rückzuges des XIII. Korps an, mit der 9. ID. die Linie Vreoci—Okresak zu halten. Doch gleich darauf erhielt er die Nachricht, daß sich das XIII. Korps zu einem Vorstoß rüste. Die Aussichten, die im energisch zu führenden Angriff des Komb. Korps gegeben waren, blieben ungetrübt. Um dem FML. Krauss die Sorge wegen seiner Ostflanke möglichst zu nehmen, erhielten die noch verfügbaren Truppen der in Belgrad befindlichen 60. ID. — 1 Bataillon, 2% Schwadronen und 2 Batterien — den Befehl, unverzüglich zum Detachement des Obst. Haubert zu stoßen.

Inzwischen war neues Unheil über das XVI. Korps hereingebrochen. Das Gros der DonD.I verblieb zwar auf dem Bačinovac, doch ging ein Regiment mit zwei Geschützen entlang der Straße gegen Mionica vor. Die komb. ID., von welcher sich beträchtliche Teile (6. GbBrig., 109. LstlBrig.) bei der l.ID. befanden, konnte mit der ihr verbliebenen, stark gelichteten Streitkraft (2. und 14. GbBrig., zusammen nur 1000 Gewehre, Teile der 7. LstTerrBrig. mit altartiger Bewaffnung) dem Feinde das Vordringen nicht verwehren. Dieser gelangte bis an das Nordende des. Rückens,und den beiden Geschützen bot sich nun auf der über Grn.Toplica nach Mionica führenden Straße die gestaute Masse der Trains des XV. und des XVI. Korps als leichtes Ziel. Bei den Fuhrwerkskolonnen brach eine Panik aus, alles jagte davon, die Abteilungen der komb. ID. mit sich reißend. Patrouillen der Serben benützten die Wirrnis, um bis Mionica vorzustoßen.

Angesichts der drohenden Durchbruchsgefahr hatte FZM. Wurm für den Fall unbedingter Notwendigkeit die 50. ID. auf die Höhen nördlich von Valjevo, die zerschlagene komb. ID. auf die Höhen nordöstlich der Stadt bis zum Rabasbach, die 18. ID. auf die Höhen westlich des Gradac-baches gewiesen.

Wegen dieser Ereignisse befahl GdI. Appel gegen 10h vorm. den Abschub des Trains, bald darauf den Rückzug des XV. Korps: l.ID. auf die Höhen westlich, 48. ID. auf die östlich von Grn.Toplica, 40. HID. auf den Rücken nordwestlich von Moravci. Erst nach Ausgabe dieser Weisungen traf der Rückzugsbefehl des FZM. Potiorek ein, der für das XV. Korps aber bald die Abänderung erfuhr, daß es womöglich die Höhen südlich der Kolubara zu halten habe. Auch äußerte das BOK. um lhi5 nachm. den Wunsch, daß die 40. HID., wenn es durchführbar wäre,

auf den Höhen östlich von Moravci belassen werde, damit das XIII. Korps den eingeleiteten Angriff durchführen kömie.

Die 1. ID. konnte hierauf unter dem Schutz einer auf Gragjenik und auf Bukva verbliebenen Nachhut erst im Laufe des Vormittags die Stellung auf dem Mednik besetzen. Gegen Mittag wurde Gragjenik aufgegeben, und gegen 2h nachm. traf der Rückzugsbefehl ein, worauf die erschöpften Truppen gegen Grn. Toplica weitermarschieren mußten. Um Mitternacht konnten die Trümmer der Division westlich des Ortes Lager beziehen.

Die 6. und die 10. GbBrig. hielten dem rechten Flügel der MorD.II bis 6h abends stand, bis die 48. ID. abgezogen und die DrinD.I herangekommen war. Die TimD.II begnügte sich mit dem Erreichen der Glavica Dićska, die KombD. und die DrinD.II standen sprungbereit der 40. und dem Südflügel der 42. HID. gegenüber und lauerten auf den Beginn ihres Rückzuges. Da er wegen des Durchbruchs gegen Mionica nicht bis zur Dämmerung verschoben werden konnte, vollzog sich die Loslösung vom Feinde unter schwierigen Kämpfen. Am besten kam die 48. ID. davon. Sie erreichte die Höhen nordöstlich von Grn. Toplica bis Mitternacht.

Die KombD. und die DrinD.II konnten erst um 3h nachm. den Widerstand der auf Čukor zurückgelassenen Nachhut brechen, und es dunkelte bereits, als jene den Parlog, diese den von Lazarevac herabführenden Fahrweg östlich von Dudovica erreichten. Schon sammelte sich das Gros der 40. HID. auf dem Rücken nordwestlich von Moravci. Ihrer am östlichen Ljigufer zurückgelassenen Nachhut setzte die auch in der Nacht stürmisch nachdrängende KombD. hart zu.

GdI. Appel befahl für den 7. die 1. ID., der die Straße über Mionica schon verlegt war, über Slovac auf das nördliche Kolubaraufer, während die 48. ID. und die 40.HID. südlich und südöstlich von Slovac eine brückenkopfartige Aufstellung beziehen sollten.

Der serbische Durchbruch gegen Mionica schien die von der 50. ID. auf dem Cerovo brdo bezogene Nachhutstellung zu bedrohen, weshalb abends der Rückzug gegen Valjevo angetreten und um Mitternacht eine brückenkopfartige Stellung südlich der Kolubara besetzt wurde, um das Abfließen der Trains und den Abschub wenigstens eines Teiles der die Stadt füllenden 6000 Verwundeten und Kranken zu decken.

Gen. Mišič wollte angesichts der ungeklärten Verhältnisse bei der

3. Armee und der Unsicherheit in der linken Flanke die Armee zunächst in der Linie Bukva—Bačinovac versammeln und den Verpflegs- und Munitionsnachschub ordnen. Am 7. sollten nur Verfolgungsabteilungen vorgehen, das Gros sich bereithalten, entweder der 3. Armee zu helfen oder von Brežgje die Vorrückung gegen Valjevo aufzunehmen. Die Armeegruppe Užice hatte jede Fühlung mit der nach Užice zurückgegangenen

4. GbBrig. und der 18. ID. verloren, deren 1. GbBrig. am Abend bereits Ražana erreichte. Die 13. GbBrig. war im Marsch nach Ražana, die 5. auf dem Izvršac. Der Führer der Armeegruppe Užice, Gen. Aračič, setzte seine Truppen direkt gegen Westen an, sie fielen also für den Hauptkampf aus. Der Stillstand der 1. Armee am 7. gewährte dem XVI. Korps Zeit zur Bereitstellung bei Valjevo und konnte entscheidend werden, wenn die 5. Armee die Frist zu einem Siege über die Nord flanke der Serben auszunützen vermochte.

Noch während der Nacht zum 7. Dezember gelangte ein serbisches Bataillon nach Überrumplung eines Sicherungspostens unterhalb von Moravci über den Ljig, brachte heillose Verwirrung in die schlaftrunkenen Truppen der 40. HID. und überfiel gegen Morgen Teile der 42. HID., deren Südflügel sich während derganzenNacht der andringendenDrinD.il erwehren mußte. Die bisher so tapferen Domobranzen kamen infolge des unvermuteten Überfalles aus der Hand ihrer Offiziere, die trotzdem jedes Angebot der Übergabe stolz zurückwiesen und bis zum letzten Atemzuge kämpften.

Diese Vorfälle leiteten einen für das XV. Korps sehr drangvollen Tag ein. Die Regimentskommandanten der auf Mednik stehenden MorD.II stießen angesichts der Trainanhäufung auf der Straße Ljig—Grn. Toplica statt mit Verfolgungsabteilungen nahezu mit ganzer Kraft vor; östlich schloß sich ein Regiment der DrinD.I mit einer Batterie an. Die 48. ID. war freilich so früh auf gebrochen, daß nur ihre Nachhut auf Mramor mit dem Feinde handgemein wurde. Auch die 1. ID. wurde von dem gegen Mionica vorgebrochenen Regiment der DonD.I nicht viel belästigt und konnte abends ungestört bei Slovac über die Kolubara gelangen. Das verfolgende Regiment war überdies durch den Kampf seiner linken Seitenhut mit der schwachen Nachhut abgelenkt worden, die die komb. ID. Goiginger südlich der Brücke bei Divči zurückgelassen hatte, um diesen Übergang den zahlreichen Versprengten offen zu halten. Die Übermacht erzwang den Rückzug, so daß den Serben viele Gefangene und selbst einige Geschütze in die Hände fielen.

Sehr schwierig gestaltete sich der Rückzug der 40. HID. Sie hielt das Regiment der KombD., das seinem so kühn vorgeprellten Bataillon auf denTopalsko brdo gefolgt war, wohl in Schranken, sah sich aber auch östlich des Mramor von je einem Regiment der DrinD.I und der MorD.II angefallen. Erst gegen 10h vorm. konnten sich die Honvéds gegen Norden durchschlagen. Bald darauf, gegen llh, brachte die KombD., die noch ein zweites Regiment in den Kampf geworfen hatte, auf Topalsko brdo ein Geschütz in die vorderste Linie, das nicht nur in die zurückflutende 40. HID. Verwirrung trug, sondern auch dem Südflügel der 42. HID. den Rückzug auf das westliche Ljigufer verlegte. Wohl überließ er die Höhen südöstlich von Dudovica erst gegen 2h nachm. dem Westflügel der zur Unterstützung der 2. Armee angewiesenen DrinD.II, doch drängte deren Ostflügel gegen die Kremenica vor und näherte sich bereits der Höhe Trnavci. So vollzog sich auch der Rückzug des Südflügels der 42. HID. gegen das untereLjigtal unter den schwierigsten Verhältnissen. Die 40.HID. war wegen der großen Einbuße an Streitern und Geschützen sowie völliger Erschöpfung vollkommen verbraucht, als sie sich abends auf den Höhen südöstlich von Slovac sammelte. Besser stand es bei der südlich von Slovac stehenden 48. ID. und bei der als Korpsreserve zwischen Divci und Slovac nächtigenden 1. ID.

Auch die DonD.I kehrte sich nicht an den vom 1. Armeekmdo. vorgeschriebenen Stillstand. Die durch die Absendung eines Regiments der DonD.II zur Verstärkung der Nordfront und die späte Räumung des Maljen durch die Nachhut der 5. GbBrig. verzögerte Ablösung des linken Flügels ließ es jedoch erst um 10h vorm. zum Abmarsch gegen Valjevo kommen. Bis zum Abend kam man über den Cerovo brdo nicht hinaus. So konnten die 50. ID. ohne Störung, Vorposten südlich der Kolubara zurücklassend, die Höhen nordwestlich und nördlich von Valjevo, die komb.ID. den anschließenden Abschnitt bis nördlich von Divci besetzen. Die 18. ID. erreichte in der Nacht mit der 1. GbBrig. die Höhen hinter dem Gradacbach südwestlich von Valjevo; die 13. und die 5. GbBrig. kamen nur bis Veliko b.—Bacevci. FZM. Wurm konnte einige Ordnung in die Reste seines XVI. Korps bringen, das durch Etappentruppen und die aus Syrmien eingetroffenen Bataillone verstärkt wurde, auch Munition und Verpflegung erhielt. Die Eisenbahnzüge verkehrten noch völlig ungestört, denn die Serben kamen über die Linie Dudovica—Mionica nicht hinaus.

Die Armeegruppe Užice kam so langsam vorwärts, daß die unter GM.Lenz vereinigten Heeresteile — 4.GbBrig.,9.LstEtBrig. und die beiden Bataillone 79er — in Užice unbelästigt blieben. FML. Šnjaric kehrte nach Višegrad zurück, um die Drinaverteidigung einzurichten.

Der ruhige Vormittag an der Front des XVI. Korps bestärkte den FZM. Potiorek in der Auffassung, daß die Serben nicht über Nacht eine weitreichende Offensivfähigkeit erreicht haben konnten, so daß mit ihrem Stillstand vor der oberen Kolubara zu rechnen war. Inzwischen war ein völliger Umschwung durch die 5. Armee zu erhoffen. Die Eindrücke, die GM. Böltz bei seinen vormittägigen Rücksprachen mit den Generalstabschefs gewann, waren freilich recht niederschlagend. Das XVI. Korps klagte nicht nur über die geringen Streiterstände, sondern auch über die völlige Erschöpfung und Erschütterung der Nerven der Truppen. Beim XV. Korps hatten die Bataillone durchschnittlich nur 200 Mann in der Front, das XIII. Korps sah den bald notwendigen Rückzug hinter die Kolubara voraus. GM. Geřabek betonte, daß die 5. Armee von der Überzeugung durchdrungen sei, bei ihr und besonders beim Komb. Korps liege die Entscheidung, es geschehe auch das Menschenmögliche; doch seien die Truppen derartig ermüdet, daß sie selbst ohne Kampf nur mühsam vorwärtskämen.

GM. Böltz hielt deshalb schon den 7. für den Tag, der über die Fortsetzung oder das Abbrechen der Schlacht entscheiden sollte, was er von den Erfolgen der 5. Armee, besonders aber von denen des VIII. Korps, abhängig machte. FZM. Potiorek erblickte hingegen in den Ereignissen beim XIII. Korps das entscheidungsauslösende Moment. Daher erging am frühen Nachmittag die Weisung an das XV. und das XVI. Korps, die Kolubara unbedingt zu halten, an das XIII. Korps, mit der Hauptkraft solange als irgend möglich im engen Anschluß an das VIII. Korps östlich der Kolubara zu bleiben. „Vom Ausharren des XIII. Korps hängt das Endresultat ab!“

Dem GdI. Appel wäre es also freigestanden, auch die 48. ID. und die 40. HID. über die Kolubara zurückzubefehlen. Er hatte ihren Uferwechsel früh schon selbst angeordnet, den Befehl um lh nachm. aber widerrufen, als das XVI. Korps mitteilte, daß der Feind nicht nachdränge. Da die Verfolger nachmittags auch vom XV. Korps allmählich abgelassen hatten, wurde an dem Entschlüsse, mit den zwei Divisionen noch stehenzubleiben, auch nach dem Einlangen der Armeedisposition festgehalten, um die wichtige Bahn zu decken und dem XIII. Korps das vom BOK. so hoch veranschlagte Ausharren auf dem rechten Kolubaraufer zu erleichtern.

Für das XIII. Korps war der bisherige Rückzug des XV. Korps ohnehin schon verhängnisvoll geworden. Immer näher schob sich die nordwärts drückende DrinD.II an die Kremenica heran. Ihr schloß sich der Südflügel der MorD.I an, deren Mitte nachmittags diese Flankenbedrohung zu einem neuerlichen vergeblichen Sturm auf die vielumstrittene Höhe ausnützte. Inzwischen traf das XIII. Korps alle Vorbereitungen zu neuer Stellungnahme vor Lazarevac in der Linie Zupanjac—Burovo. So hatten es die Serben nur mit einer Nachhut zu tun, als sie endlich um Mitternacht die Kremenica eroberten.

Auf Fliegermeldungen von der Versammlung starker feindlicher Kräfte bei Arangjelovac und regem Eisenbahnverkehr von dort gegen Norden rief GdI. Frank das benachbarte VIII. Korps zu äußerster Kraftanstrengung auf, um den Feind noch vor Eintreffen der mutmaßlichen Verstärkungen — tatsächlich mochte es sich um Trainkolonnen gehandelt haben — zu schlagen. Bei den geringen Streiterständen und der Verteilung über 20 km Front konnte das Korps nur das Bindeglied zum Komb. Korps abgeben. Angriffsversuche wurden durch das kräftige Abwehrfeuer der Serben im Keime erstickt und weckten bei der serbischen Kavalleriedivision und beim Obrenovac-Detachement nur den Eindruck schwächlicher Demonstrationen. Auch die 7. ID. kam gegen die starke Kosmajstellung so langsam vorwärts, daß Gen. Živkovič sie mit der Rolle einer festhaltenden Gruppe betraut glaubte. Starken Eindruck machte hingegen der kräftige Angriff der 104. LstlBrig. und der 29. ID.; erstere gewann beiderseits der Eisenbahn bedeutend Raum, so daß die schwächer besetzte Verbindung der Kosmaj- und Varovnicestellungen ernstlich bedroht wurde. Die 71. und die 58. IBrig. überwältigten schon vormittags die am Vortag vergeblich angegriffene Vorstellung nordwestlich der Varovnice. Weitere Erfolge verhinderten die Flankierung des Angriffsfeldes von Dubonaher und der lähmende Eindruck der im Rücken bei Umčari tobenden Kämpfe.

Das verstärkte serbische Umčari-Detachement war, vermutlich im Verein mit Teilen des Braničevo-Detachements, am frühen Morgen wieder gegen die 57. IBrig. vorgegangen, die den Feind nicht abschütteln konnte, obzwar GM. Zanantoni drei Batterien samt der bisherigen Artilleriebedeckung zu Hilfe schickte. Gen. Živkovič wieder zog das Gros der TimD.I vom Kosmaj an seinen rechten Flügel.

Putnik schrieb mittags der 1. und der 3. Armee für den 8. das Vorgehen bis an die Kolubara vor, die von der DrinD.II der 3. Armee unterstützte 2. Armee sollte das XIII. Korps nur dann über den Fluß zurückzuwerfen trachten, wenn die Ereignisse bei den Nachbarn günstige Aussichten eröffneten.

Der Entschluß zum Abbrechen der Schlacht bei Arangjelovac (8. und 9. Dezember)

Am 8. Dezember um 10hvorm. setzte der Führer der serbischen 2. Armee die Masse der ŠumD.I nach einer mächtigen Artillerievorbereitung gegen den Volujak (10 km nordöstlich von Lazarevac) an, um das VIII. Korps an Störungen des großen Angriffes zu verhindern, den seine Armee beiderseits der Straße Arangjelovac—Lazarevac gegen das XIII. Korps zu führen hatte. Sie trat hiezu die Vorrückung schon zu früher Morgenstunde an.

Die DrinD.II rückte östlich des Ljig gegen die Čovka vor, die KombD. mit der Hauptkolonne gegen Pepeljevac, mit je einem Regiment als Seitenkolonnen längs des Ljig und gegen die Stražara. Um diese Vorstellung entwickelte sich alsbald ein Kampf, in den auch je ein Regiment der DrinD.I und der MorD.II eingriffen. Sie wurden noch vormittags durch die TimD.II freigemacht, die ein Regiment gegen Slovac abzweigte.

Um lh nachm. erreichte die rechte Kolonne der KombD. nächst der Ljigmündung die Kolubara; ihr Gros und das der TimD.II stießen nach Vertreibung einer Nachhut der 40. HID. östlich von Slovac auf den entschiedenen Widerstand des Ostflügels des XV. Korps.

Weiter im Westen plante Gen. Mišič einen kraftvollen Vorstoß gegen Valjevo und wollte hiezu vorerst seine vier Divisionen gegen die DonD.I zusammenschließen lassen. Diese Division blieb daher zunächst stehen und sandte zeitlich früh nur Aufklärungsabteilungen gegen Valjevo vor. Die Sicherungstruppen der 50. ID. wichen übereilt zurück, in Valjevo entspannen sich Straßenkämpfe, woran sich auch Einwohner aus dem Hinterhalt beteiligten. Wohl wurden die Serben schließlich vertrieben, doch lehrte ihre offenbar geringe Zahl, wie bedenklich die Kampfkraft der Truppen des XVI. Korps verbraucht war.

FZM. Potiorek schloß aus dem Vorfall, daß der Feind keineswegs an der Kolubara stehenbleiben wolle. Überdies meldeten FZM. Wurm und GdI. Appel übereinstimmend, daß ihre Korps einer mindestens zweiwöchigen Erholung bedurften, so daß die Serben auf jeden Fall freie Hand hatten, sich mit Übermacht gegen die 5. Armee zu wenden. Das waren Mahnungen, die Schlacht abzubrechen. Das XIII. Korps sollte in der Nacht gleichzeitig mit dem XV. Korps hinter die Kolubara zurückgehen und die 5. Armee ihren Angriff einstellen.

Diese hatte unterdessen die serbische Nordfront hart angepackt. GM. Schön jagte das Umčari-Detachement zeitlich früh beträchtlich zurück, gleichzeitig vertrieb der Rest der 60. ID. schwächeren Feind von einer Uferhöhe östlich Grocka. Die 58. und die 71. IBrig. gelangten bis nahe an die Varovnicestellung, die 104. LstlBrig. eroberte die Westhälfte vonVlaška. In der Frühe brach die 7. ID. in die Kosmajstellung ein, warf vorstürmende Reserven, worauf die serbischen Landstürmer in Panik flohen, die wenigen Linienkompagnien aber sich an die Košutica anklammerten. Kühnes Nachstoßen führte nachmittags zum Besitze der Kosmajkuppe.

Als um lh30 nachm. beim GdI. Frank der Befehl zur Einstellung der Offensive einlief, beschloß er, den erfolgversprechenden Angriff noch auslaufen zu lassen. Die 7. ID. sollte die bei ihr eingeteilte 107. LstlBrig. gegen die Flanke des Obrenovac-Detachements einschwenken lassen, um den schon früh steckengebliebenen Angriff der 21. SchD. flott zu machen. FZM. Potiorek stimmte zu, forderte jedoch die sofortige Herrichtung der Linie Stepojevac—Höhe Moštine nördlich von Grocka zur Verteidigung, für den Fall, als es die 5. Armee mit überlegenen Kräften zu tun bekäme.

Als jedoch am Abend die Lage der 9. ID. immer bedenklicher wurde, und das VIII. Korpskmdo. die Frage stellte, was geschehen solle, wenn der Rückzug nicht mehr freiwillig erfolgen könne, ordnete das Armeekmdo. um 8h40 abends an, daß die 9. ID., falls der Rückzug unbedingt notwendig sei und die Linie Vreoci—Volujak—Arapovac nicht gehalten werden könne, in nördlicher Richtung im Anschlüsse an die 21. SchD. weichen solle. Zugleich befahl es der 21. SchD. und dem Komb. Korps, sich in den erreichten Stellungen zu behaupten.

Zu spät und ohne Kenntnis davon, daß die 7. ID. inzwischen den Kosmaj hatte wieder preisgeben müssen, ging dieser Befehl, der offenbar den Angriffen des Komb. Korps Einhalt gebieten wollte, an dieses Korps. FML. Krauss glaubte, die eingeleiteten Nachtangriffe nicht mehr rechtzeitig absagen zu können und verfügte nach 10h, daß die bis zum Morgen des nächsten Tages gewonnenen Räume für eine hartnäckige Verteidigung einzurichten seien. So kam es sowohl bei der 29. ID. und 104. LstlBrig. als auch bei der 7. ID., die den Kosmaj wiedererobern wollte, zu verlustvollen nächtlichen Kämpfen, wobei insbesondere die 29. ID. schwere Blutopfer brachte.

Es erhöht die Tragik, daß es solchen Einsatzes der letzten Kräfte auf doch schon verlorenem Posten gar nicht mehr bedurft hätte, um zur Entlastung der 6. Armee beizutragen. Schon auf die vorübergehende Besitznahme des Kosmaj hin hatte das bestürzte SOK. um 5h3° nachm. der 2. Armee befohlen, die MorD.I unverzüglich aus der Gefechtsfront zu ziehen und in nächtlichem Gewaltmarsch zur Nordfront zu senden. Sie sollte nur ein Regiment und zwei Batterien an der Straße vor Lazarevac zurücklassen, die ŠumD.I aber ihren anschließenden Südflügel in die früheren Stellungen nördlich der Straße zurücknehmen. Zu dieser Zeit war jedoch der Angriff bereits bis auf einen Kilometer an die Stellungen der 36. ID. am Ortsrande von Lazarevac herangekommen, die DrinD.II stand auf

Sturmdistanz vor den Gräben der 42. HID., so daß das XIII.Korpskmdo. dem nächtlichen Uferwechsel mit Bangen entgegensah. Nun trat plötzlich eine völlige Entspannung ein. Der Uferwechsel vollzog sich nach Eintritt der Dunkelheit ohne Störung, ebenso der direkte Marsch des Nordflügels der 36. ID. zur Verbindung mit dem VIII. Korps. Gegen dessen Westflügel war die ŠumD.I tagsüber dreimal vergeblich angestürmt. Dank ihrem Zurückgehen konnte auch die 9. ID. ihren rechten Flügel in der Nacht reibungslos nach Vreoci zurückschwenken.

Als GdI. Appel nach Einlaufen der Verständigung, FZM. Potiorek plane die Rücknahme des Korps, den Uferwechsel bei einbrechender Dunkelheit befahl, tobten beim XV. Korps schwere Kämpfe. Namentlich südöstlich von Slovac, wo die 48. ID. mit zwei Gebirgsbrigaaen die 40. HID. stützte, kamen die Verteidiger in große Bedrängnis und gegen Abend brandeten die Serben schon so nahe heran, daß der Uferwechsel der noch vollzählig in den Kampf verwickelten Truppen aufs äußerste gefährdet war. Doch zusammengeraffte Reserven führten einen Gegenstoß, der Teile zweier von Osten herangekommener Regimenter vollkommen zersprengte und in der Finsternis eine Panik erzeugte, die sich über die ganze Front der serbischen KombD. verbreitete. Obwohl Reserven der TimD.II die Lage südöstlich von Slovac bald wieder herstellten, waren die Serben derart eingeschüchtert, daß sie weiterhin den Flußübergang nicht mehr zu stören wagten. Gegen Mitternacht verkündete die Sprengung der Brücke bei Slovac den vollzogenen Übergang des hart geprüften XV. Korps.    i

Das XVI. Korps kam am 8. Dezember glimpflicher weg, als nach den Ereignissen des Vormittages anzunehmen war. Gen. Mišič hatte auf die Meldungen von starker Auflösung des XVI. Korps die DonD.I gegen Valjevo in Marsch gesetzt. Sie sollte feststellen, ob der Gegner gegen die Drina oder gegen die Save zurückgehe. Der MorD.II wurden Sammlung und Rast in Mionica bewilligt, die DrinD.I aber gelegentlich des Durchmarsches durch dieses Dorf gegen Valjevo gewiesen, um der DonD.I bei der Eroberung der Stadt zu helfen, falls diese stärker besetzt war. Andernfalls sollten die DrinDI. eine Stellung nördlich von Valjevo beziehen und nur die DonD.I westwärts verfolgen.

Als deren Vorhut gegen Mittag über die Kolubara setzen wollte, hielt wirksames Artilleriefeuer der auf den Höhen westlich vom Gradac stehenden 18. ID. diese Abteilungen bis 4h nachm. nieder. Nach Eingreifen der serbischen Artillerie konnten drei serbische Bataillone bei beginnender Dämmerung aber doch die Kolubara überschreiten und sich knapp nörd-lieh der Stadt festsetzen. Die an den Nordrand der Stadt gewiesene Vorhut der DrinD.I näherte sich zu dieser Zeit der Mündung des Gradac-baches. Angesichts der vorgerückten Stunde wurde die Fortsetzung des Kampfes bei Valjevo auf den folgenden Tag verschoben und die Verbindung zu der nördlich von Bačevci eingetroffenen DonD.II hergestellt.

Das Gros der Armeegruppe Užice erreichte am 8. die westliche Straße Valjevo—Užice, konnte aber Užice selbst noch nicht besetzen, denn GM. Lenz marschierte erst gegen Mitternacht nach Rogacica ab.

Am 9. Dezember trachteten die Generale Mišič und Jurišič-šturm, der 2. Armee den Weg über die Kolubara zu bahnen. Nächst der Ljig-mündung war es geglückt, eine schmale Wasserwehr zu ermitteln, auf der ein Regiment der KombD. am 9. früh den Fluß zu überschreiten begann. Gen. Mišič ließ ein Regiment mit Artillerie und Pionieren der MorD.II gegen Divči vorrücken, um sich der Brücke zu versichern und den vor der 3. Armee stehenden Feind in der Westflanke zu bedrohen. Im übrigen plante das 1. Armeekmdo., das XVI. Korps, dessen Rückzug gegen das Jadartal vorausgesetzt wurde, nordwärts abzudrängen, um sein neuerliches Festsetzen auf dem von Loznica nach Süden streichenden Gucevo-Boranjarücken zu vereiteln. Von den vermeintlichen Nachhuten auf den Höhen um Valjevo wurde kein besonderer Widerstand erwartet. Zu ihrer Vertreibung schien die DonD.I zu genügen, die nach Einnahme der Stadt gegen Kamenica und Stave zu verfolgen hatte. Die DrinD.I sollte nördlich von Valjevo auf der Blizonjski visovi, die DonD.II westlich von ihr Stellung nehmen, die MorD.II südlich von Valjevo als Reserve verbleiben. Hätte Gen. Mišič ernsten Widerstand vermutet, so hätte er wohl die DonD.II, wie sie erwartete, westwärts zur Umfassung des Südflügels der 18. ID. befohlen.

Entgegen den Absichten des 1. und des 3. Armeekmdos. wollte das SOK. möglichst viele Kräfte direkt gegen die Front der so gefährlich gewordenen 5. Armee werfen. Am Morgen wurde der:bei der 2. Armee zurückgebliebene Teil der MorD.I an die Nordfront befohlen, die DrinD.II dem Gen. Stepanovič unterstellt. Vormittags erhielt Gen. Jurišič-šturm den Auftrag, auch noch die KombD. an die Nordfront zu senden. Damit waren also bereits fünf Liniendivisonen, die Kavalleriedivision und Landsturm in der Stärke von zwei Divisionen gegen die 5. Armee aufgeboten. Diese hatte im Laufe des letzten Monats mehr als die Hälfte ihres Streiterstandes eingebüßt und zählte einschließlich der herangezogenen Teile der 60. ID. nur mehr etwa 36.000 Mann, von denen auf das VIII. Korps 15.000, auf das Komb. Korps 21.000 Streiter entfielen.

Bei Valjevo begann der Kampf um 5h früh am Gradac mit einem Übergangsversuch von sechs Bataillonen der DonD.I zwischen Valjevo und der Höhe Markovac, der von der 18. ID. vereitelt wurde. Um 8h früh begannen acht Bataillone der DrinD.I den Angriff gegen die 16. GbBrig. der 50. ID. beim nördlichen Pulvermagazin, während sich drei Bataillone der DonD.I gegen die 3. GbBrig. auf den Höhen westlich von Valjevo wandten. Um 10hvorm. erstürmte ein Regiment wohl die Höhen beim Pulvermagazin, doch brandete ein nach serbischem Zeugnis in vollster Ordnung durchgeführter Gegenstoß der 15. GbBrig. und von Teilen der komb. ID. heran und es bedurfte eines dritten Regiments der DrinD.I, um die Lage wiederherzustellen. Die um diese Zeit auf der östlichen Užicer Straße anrückende DonD.II kam ins Artilleriefeuer der 18. ID., wandte sich aber nicht gegen den Markovac, sondern wartete, bis ihre Batterien den Gegner vom Veliko brdo her niederhielten, und marschierte dann ziemlich unangefochten vor der Front der 18. ID. befehlsgemäß nach Valjevo.

Der Anmarsch starker feindlicher Kolonnen und Mangel an Zutrauen in die Kampfkraft der körperlich wie seelisch verbrauchtenTruppen hatten den FZM. Wurm schon am frühen Morgen veranlaßt, für den Fall eines erzwungenen Rückzuges die komb. ID. auf die Blizonjski visovi, die 50. ID. auf die Jautina, die 18. ID. auf die südlich anschließenden Höhen zu weisen. Gegen Mittag begann der Widerstand der Verteidiger nördlich von Valjevo zu erlahmen. Die DrinD.I wurde vom Ostflügel der 50. ID. und von Teilen der komb. ID. wohl noch bis 2h in Atem gehalten, dann aber trat die Nordgruppe des XVI. Korps den Rückzug an. Dies gestattete der DonD.I., sich mit Übermacht gegen die 3. GbBrig. auf den Höhen nordwestlich von Valjevo zu wenden. Diese sah sich schon im Rücken bedroht, als sie gegen 3h nachm. ihre Stellungen aufgab. Dadurch geriet wieder die 1. GbBrig. auf den Höhen südlich von Valjevo in Not. Sie hatte den Rückzug des Südflügels der 18. ID. — 13. und 5. GbBrig. — zu decken und sah sich eben auch am Gradacbach von vier frischen serbischen Bataillonen angefallen. Obst. Lukachich mußte sich nun mühevoll den Weg nach Kamenica durch einen Angriff gegen die Höhen beim westlichen Pulvermagazin öffnen.

Inzwischen hatte am Ostflügel des XVI. Korps die schwache 6. GbBrig. bei Divci ein auf das Nordufer gelangtes serbisches Regiment der MorD.II in Schranken gehalten. Als es gegen 3h nachm. zum Sturm schritt, stießen die Verteidiger in seine Ostflanke und jagten das halbe Regiment bis über die Kolubara. Sein Rest störte dann den Abzug der 6. GbBrig. nicht.

Das Aufgebeji der Kolubaralinie

FZM. Potiorek entschloß sich am 9. Dezember mittags, das XVI.Korps in einem starken Ruck über Koceljeva auf die Höhen bei Draginje, das

XV. über Banjani im Anschluß bis südöstlich von Debrc zurückzunehmen. Die Trains waren zu den Brücken bei Mitrovica und Šabac zu entsenden. Das XIII. Korps wurde der 5. Armee angegliedert, die südlich von Belgrad und Obrenovac eine brückenkopfartige Stellung unbedingt halten sollte. Die Drinasicherung wurde dem FML. Šnjaric überlassen, dem am Oberlauf seine bisherige Streitkraft und die aus Teilen der 47. ID. und aus Neuformationen gebildete 18. GbBrig. unter Obst. Škvor, am Mittellauf die Gruppe GM. Lenz und am Unterlauf drei Landsturmbataillone unter GM. Komm zur Verfügung standen. Die 60. ID. wurde aufgelöst.

Das XV. Korps konnte den nachmittags eingeleiteten Rückzug der

1. ID. über Karaula gegen Pambukovica, der 40. HID. nach Banjani und der 48. ID. nach Ub unbehelligt durchführen. Das XIII. Korps trat den Marsch gegen Piroman an.

Bei der 5. Armee waren dem Komb. Korps Krauss bis zum Morgen des 9. Dezember aus den nächtlichen Kämpfen keine Vorteile erwachsen. Die Hauptangriffsgruppe der 29. ID., der sich der Ostflügel der 104.LstlBrig. anschloß, hatte sich durch Lärm und frühzeitiges Schießen verraten. Der anbefohlene Sturm auf die Höhe Varovnice (S. 735) mißlang und hatte wegen der Erbitterung, mit der das Nachtgefecht von den tapferen deutschböhmischen Regimentern geführt wurde, schwerste Opfer gefordert. Es mußte den Divisionär mit Bitternis erfüllen, diese äußerste Kraftanstrengung gefordert zu haben, als er auf seinen Bericht vom Korpskmdo. den telephonischen Bescheid erhielt: „Alles umsonst gewesen, nicht mehr anstrengen, wir müssen zurück. Befehl folgt1).“

Noch ohne Kenntnis vom bevorstehenden Rückzug griff GM. Schön, der seit 7. vormittags auch das Kommando über die Landsturmgruppe Obst. Haubert führte und beauftragt war, Flanke und Rücken der 5. Armee bei Grocka zu decken, die serbische Flankengruppe abermals an und warf sie bis halben Wegs gegen Semendria zurück. Auch die 7. ID. hatte am 9. zeitlich früh nochmals alle Kraft eingesetzt. Mit verbissener Wut, Mann gegen Mann, wurde um die Kosmajstellung gerungen, als gegen 9h45 vorm. der bevorstehende Rückzug mitgeteilt wurde. Infolge Flankenbedrohung von Osten her mußte schon nachmittags unter schmerzlichen Verlusten auf die Höhen südlich von Vk. Sopot zurückgegangen werden. x) Zanantoni, Die deutschböhmische 29. ID., 55.

Gen. Stepanovic wies am Morgen die ŠumD.I zu energischem Vorgehen gegen die 9. ID. an, als er das überraschende Verschwinden des XIII. Korps erkannte. Mißverständnisse ließen es auch zum beabsichtigten Ansetzen der DrinD.II nicht kommen. Die ŠumD.I mühte sich in vergeblichem Angriffe ab, bis es dunkelte, und merkte erst um 3h früh, daß ihr Gegner inzwischen abgezogen war. Ähnlich ging an der ganzen Front der 5. Armee der Rückzug ohne Störung vor sich. Damit war der zweite, unter dem Namen der „Schlacht bei Arangjelovac“ zusammengefaßte Teil der großen Kolubaraschlacht beendet1).

FZM. Potiorek meldete nachmittags dem AOK. die Zurücknahme der Balkanstreitkräfte, die Notwendigkeit einer drei Wochen währenden Erholung für das XV.und das XVI. Korps und das Verbleiben der 5. Armee bei Belgrad, „bis nach Retablierung beider Armeen eine Fortsetzung der Offensive möglich sein wird“. Die Schwere der erlittenen Niederlage war also noch keineswegs erkannt. Die nächsten Tage schon mußten den Optimismus Lügen strafen.

Rückzug des XV. und des XVI. Korps hinter die Save

(10. bis 13. Dezember)

GM. Böltz war am 9. Dezember abends der Ansicht, daß das XV. und das XVI. Korps längerer, unbedingter Ruhe nördlich der Save bedurften. FZM. Potiorek hoffte dies vermeiden zu können. In einem spät abends verfaßten Schreiben an GdI. Bolfras gestand er „offen und rückhaltlos, daß dieser Rückzug eine empfindliche und große Schlappe ist. Aber, wenn wir den Kopf hoch behalten, müssen und werden wir sie wieder gut machen“. Bis Weihnachten standen 22.000 Mann, bis 10. Jänner weitere 30.000 Mann als Ergänzung in Aussicht. Wenn das XV. und das

XVI. Korps augenblicklich auch nur 18.000, die 5. Armee 44.000 Mann zählten, so verfügte man binnen Monatsfrist, Wiedergenesene und durch Auflösung von Etappenformationen zu gewinnende Leute nicht gerechnet, über etwa 115.000 Streiter gegen den „ausgebluteten“ Feind. Der Mindestaufgabe, Schutz der Monarchie, glaubte FZM. Potiorek bereits jetzt genügen zu können, auch für Bosnien fürchtete er nichts. In einem Monat werde die Verstärkung durch zwei bis drei Divisionen hinreichen, um mit den Serben gänzlich abzurechnen.

Am 10. Dezember vormittags nötigten jedoch die für den Stand der

6. Armee viel zu ausgedehnten Stellungen zur Weisung, den Rückzug

x) Ratzenhofer, „Arangjelovac“, Öst. Wehrzeitung, Folgen 24, 25, 27, 29/1928.

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bei Vermeidung ernster Kämpfe langsam gegen Sabac fortzusetzen und die Trains hinter die Save zu schicken. Ob die Truppen ihnen dahin folgen sollten, wurde dem Ermessen des GdI. Appel überlassen.

Der Rückzug beider Korps auf den vom Tauwetter wieder in einen trostlosen Zustand versetzten Straßen und Wegen nahm den Truppen beim gänzlichen Versagen der Verpflegung den Rest ihrer Kraft. Mühselig weiterkommende Trainkolonnen verstellten die Marschlinien, die mit erschöpft liegen bleibenden Soldaten und verendenden Pferden eingesäumt waren. Trotzdem nur die notwendigsten Rasten eingeschaltet wurden, brauchte das vom Feinde unbelästigte XV. Korps 27 Marschstunden,um 40km zurückzulegen und kam erst um Mitternacht vom 10. auf den 11. Dezember in die Stellung südöstlich von Debrc1). Das XVI. Korps hatte es zwar bis Draginje näher, doch wurde sein Marsch durch kleine Verfolgungsdetachements gestört, die häufige Aufenthalte zur Abwehr erzwangen. Die Nachhut schaffte bei Koceljeva durch längere Kanonade wohl einige Befreiung von den lästigen Verfolgern, doch die 18. ID. brachte nur die 13. GbBrig. bis ans Marschziel, während der l.und der 5. GbBrig. noch vor Erreichen der Tamnava eine längere Rast gewährt werden mußte. Die serbischen Führer tappten aber völlig im Dunkel, wohin ihr Gegner abgezogen war. Gen. Živkovič, der in Erwartung eines neuerlichen nächtlichen Angriffes gestanden war, konnte seine Truppen erst nachmittags in Bewegung setzen, wobei es vornehmlich auf Sammlung und Ordnen der vermischten Verbände ankam. So konnte die 5. Armee am Morgen des 10. September ungestört folgende Stellung besetzen: Gruppe GM. Schön auf Moštine, 29. ID. auf Krajkova bara, 104. LstlBrig. auf Lipa und Koviona, 7. ID. nördlich und westlich Parcani, 21. SchD. auf Gradac und dem Talambasrücken. Nur die 9. ID. wurde durch Artilleriefeuer der zeitlich früh aufgebrochenen ŠumD.I beim Beziehen der Stellung nördlich der Beljanica belästigt, woraus sich ein den ganzen Tag anhaltendes Artillerieduell entwickelte. Das XIII. Korps erreichte, von der nachfolgenden Kavallerie der DrinD.II wenig gestört, Piroman (42. HID.) und Lisopolje (36. ID.).

Erst spät abends erließ das SOK. bei Neuregelung der Befehlsverhältnisse die Weisungen für die Vorrückung des Ostflügels unter Gen. Živkovič östlich der Eisenbahn, der 2. Armee im Raum bis zur Beljanica,' des Gros der 3. Armee in jenem bis zur Kolubara, der TimD.II als Flankensicherung gegen das im Rückzug gegen Šabac angenommene XIII. Korps über Ub nach Obrenovac. Die 1. Armee sollte Valjevo halten und den vermutlich nach Bosnien zurückweichenden Hauptkräften des

XV. und des XVI. Korps Verfolgungsdetachements nachsenden.

FZM. Potiorek hatte indessen schon mittags der 5. Armee die den geringen Streiterzahlen besser angepaßte Linie Duboko brdo (8 km östlich von Obrenovac)—Cvetkovgrob—Avala—Moštine als Dauerstellung für etwa drei Wochen anbefohlen, wobei nicht nur auf keinerlei Unterstützung zu rechnen, sondern auch an der Abwehr serbischer Einbrüche über die Save' abwärts von Kupinovo und über die Donau mitzuwirken war. GdI. Frank, der bis zur Vereinigung mit dem XIII. Korps und bis zum Abfließen der großen Trains über die Save mit der Besetzung der neuen Stellung warten wollte, so sehr die viel zu ausgedehnten Linien des VIII. Korps dagegen sprachen, hegte Bedenken, daß das Komb. Korps nächst der Avalahöhe in ein der Verteidigung viel weniger günstiges Waldgelände käme. Gerade von Semendria her, wohin mit Eisenbahn rasch starke serbische Kräfte geworfen werden konnten, mußte man den Hauptangriff auf dem kürzesten Wege über Grocka nach Belgrad erwarten. Das VIII. Korps, 40 km von den Belgrader Brücken entfernt, mußte in die schlimmste Lage geraten, wenn die Serben dem Komb. Korps beim Rückzug mit Macht folgten. Dies legte nahe, zuerst, etwa in der Nacht zum 13., das VIII. Korps in eine über Meljak—Bačevac verlaufende Front zurückzunehmen und erst in der folgenden Nacht den allgemeinen Rückmarsch durchzuführen.

Die kurze Meldung vom Rückzug der 6. Armee wirkte in Wien und in Teschen alarmierend. Die Militärkanzlei verlangte telegraphisch genaueste Berichterstattung. Bald darauf forderte das AOK. Auskunft über Stärke und Kampfwert der Balkanstreitkräfte sowie über die Sicherung des heimischen Gebietes. FZM. Potiorek verschob die Beantwortung wegen der Abreise nach Peterwardein auf den 11. Dezember. Am Morgen vor der Abfahrt verfügte er die Rücknahme der 6. Armee hinter die Save,

XV. Korps Subotište—Golubinci, XVI. Tovarnik—Ruma. Zu Mittag hatte er einen zweistündigen Aufenthalt in Šabac und gewann bei der Besichtigung der bisher dort eingetroffenen Trains niederschlagende Eindrücke. Der bei der Weiterreise verfaßte Bericht kündigte für die nächsten Wochen „rein defensive Abwehr“ an und machte die neuerliche Offensive von der vorübergehenden Zuteilung von zwei bis drei Divisionen abhängig. Unter Nachhutkämpfen, die sich am Debelo brdo und bei Krnić, dann bei Lojanice und Matijevac abspielten, zogen die todmüden Kolonnen am 11. Dezember gegen Šabac. Die serbische 1. Armee hielt sich zwar nicht an die Weisung Putniks, doch folgten nur Detachements von höchstens Regimentsstärke dem Gegner. Trotz matter Verfolgung brachten die Serben mehr als 1200 Erschöpfte, 12 unbrauchbar gemachte Geschütze und zahlreiche Fuhrwerke ein. Gen. Mišič ordnete für den 12. Dezember den Vormarsch der DrinD.I gegen Debrc—Šabac, der DonD.II gegen Šabac—Lješnica, der DonD.I an die Drinastrecke Lješnica—Zvornik an.

Die Gruppe Gen. Živkovič und die 2. Armee schoben sich im Laufe des 11. an die Front der k.u.k. 5. Armee heran; die 3. Armee, durch das Vorbringen der Artillerie über die versumpfte Turi janiederung aufgehalten, öffnete sich mit der KombD. den Zugang zur Straßenbrücke über die Beljanica südlich Stepojevac und leitete die Umfassung bei Konatice ein. Bis zum Abend reifte die Erkenntnis, daß man es nicht mit Nachhuten, sondern mit der ganzen 5. Armee zu tun hatte, worauf das SOK. die DrinD.I über Ub gegen Konatice heranziehen wollte. Gen. Mišič erwirkte jedoch, daß er die in Valjevo verbliebene MorD.II über Lazarevac zur direkten Verstärkung der 3. Armee absenden durfte, um die Rückeroberung von Nordwestserbien nicht zu stören.

Der Übergang des XVI. Korps über die Šabacer Brücke und die Überschiffung des XV. Korps samt Teilen der 18. ID. vollzogen sich am 12. Dezember nahezu ungestört. Vor Mitternacht konnte der Abbau der Kriegsbrücke begonnen werden. Die am Stadtrande verbliebene 11. GbBrig. wurde nachts überschifft. Bis zum 13. 6h früh war die Kriegsbrücke abgetragen. Für Nachzügler wurde die Überschiffung, gedeckt durch einen Monitor und Artillerie, bis lh nachm. fortgesetzt, um welche Zeit sich erst serbische Patrouillen am Ufer zeigten. Die Kriegsbrücke bei Mitro-vica blieb für die Trains und Versprengte bis 3h nachm. erhalten.

War die 6. Armee auch in Sicherheit gebracht, so machte sich die schwere Niedergeschlagenheit ob solchen Ausganges ihrer opfervollen Kämpfe erst jetzt voll geltend.

Die Räumung von Belgrad (12. bis 15. Dezember)

Hiezu Beilage 24 samt Nebenskizze und Beilage 25

Die Absicht Potioreks, den Raum südlich von Belgrad zu halten, erlitt schon in der Nacht zum 12. Dezember den ersten Stoß. Bereits am

11. um 9h abends ging der tagsüber mit Artilleriefeuer überschüttete Stützpunkt des Westflügels der 21. SchD. verloren, worauf die Serben gegen die ganze Front Sturm liefen. Ein Einbruch auf Gradac konnte nur mit äußerster Mühe und nach Einsatz der letzten Reserve im Bajonettkampf wettgemacht werden. Mit Sorge sah man dem nächsten Ansturm des Obrenovac-Detachements entgegen.

Angesichts dieser Not setzten FML. Krauss die 71. IBrig., GdI. Frank zwei Landsturmbataillone aus dem Belgrader Brückenkopf und das IR. 78 des eben über die Kolubara herankommenden XIII. Korps zur Unterstützung in Marsch. Diese Helfer konnten aber erst am 12. nachmittags einlangen. Von Übel war, daß das Zurückdrängen des Westflügels der 21. SchD. die Ostflanke der 9. ID. entblößte und so das VIII. Korps den Rückzug nicht bis zum Abend des 12. verschieben konnte. FML. Scheuchen-stuel erbat die Erlaubnis, ihn schon am frühen Morgen beginnen zu dürfen. Ehe aber die Einleitungen getroffen waren, liefen die serbische 2. Armee, auch die ŠumD.I einsetzend, gegen die 21. SchD., die 3. Armee mit der DrinD.II gegen Borak, mit der KombD. gegen die Flanke bei Konatice Sturm. Die Höhen Gradac und Talambas wurden genommen, nur dem Eingreifen von Teilen der 7. ID. verdankte es die nur noch 2000 Gewehre zählende 21. SchD., daß sie sich am Ostflügel des VIII. Korps noch einmal festsetzen konnte. Sie wurde jedoch vormittags neuerlich bis über Boždarevac zurückgeworfen. Nun war die Ostflanke der 9. ID. gänzlich aufgerissen und der Rückzug bei Tageslicht, den man angesichts der feindlichen Anstürme vermeiden wollte, in die Zwischenstellung Progon— Vis-<>-259 unbedingt geboten. Die Loslösung vom sprungbereiten Feinde war unendlich schwierig, überdies stürzte sich die serbische 1. KBrig. auf die von Konatice abziehende Flankengruppe. Doch die Kroaten der 36. ID. leisteten verzweifelten Widerstand, und schließlich deckte ein heldenmütiges Nachhutbataillon nördlich von Konatice, bis zur Dämmerung ausharrend, den Rückzug der Gruppe.

Auf dem linken Flügel des XIII. Korps kam ein serbisches Regiment dem zur Schließung der Lücke bei Boždarevac heranhastenden IR. 78 zuvor, ein Gegenstoß scheiterte, weshalb die Zwischenstellung aufgegeben werden mußte. Doch vereitelten die 78er und Teile der 9. ID. nördlich von Boždarevac und auf Vis <>• 259 einen Durchbruch der ŠumD.I. Eine Nachhut hielt nächt Vranič den längs der Stra'ße Stepojevac—Meljak vordringenden rechten Flügel der KombD. und die 2. KBrig. auf. Das XIII. Korps hatte sich inzwischen auf Dubokobrdo (42. HID.) und südöstlich anschließend bis zur Marica (36. ID.) bereitgestellt; die 71. IBrig. schloß die Lücke zum Komb. Korps.

Auf die falsche Meldung, daß die Höhe östlich der Lipa am Vorabend erobert worden sei, ließ Gen. Živkovič am frühen Morgen gegen die Höhe Lipa angreifen, um die Mitte der Front zu durchstoßen. Die 104. LstlBrig. wies den Feind blutig ab. Nun sollte die MorD.I und die TimD.I auf der ganzen Front zwischen Gradac und der Höhe östlich der Lipa anstürmen, um nach gelungenem Durchbruch die gegnerische Front nach beiden Seiten aufzurollen. Die Bedrängnis wurde so groß, daß FML. Krauss die südlich vonRipanj eingetroffene 71.IBrig.der7.ID. unterstellte.

Abends wurde die durch fortwährenden Kampf, Mangel an Nachtruhe undWasser vollkommen erschöpfte 21.SchD. abermals durchbrochen; der allgemeine Rückzug, und zwar in eine der verminderten Kraft entsprechende engere Stellung, wurde unvermeidlich. Es wurde aber Mitternacht, bis die Besetzungsanordnungen herauskamen: XIII. Korps Ostruž-nica—Sremčica, VIII. Korps Petrov grob bis zur Eisenbahn, Komb. Korps auf der Avalahöhe und hinter dem Bolečicabach bis zur Donau.

Während in Belgrad diese Entschlüsse gefaßt wurden, brandete vom

12. Dezember, 9h abends an der Angriff der MorD.I gegen die Krajkova bara und die Lipa heran. Bis zum Morgen währte das wütende Ringen. Der Widerstand war so zäh, daß die Serben die verteidigende 58. IBrig. auf eine Division schätzten. Das VIII. Korps trat bereits in der Nacht den Rückzug an, das XIII. Korps um 6h früh. Als beim Komb. Korps der Rückzugsbefehl eiritraf, brach ein neuer Sturm los, den die 58. IBrig. so tapfer abschlug, daß den Serben die Lust zu weiteren Angriffen verging.

Auf Lipa aber unterlag der bisher auch durch Handgranatenkämpfe nicht erschütterte kroatische Landsturm am 13. Dezember vormittags dem doppelseitigen Ansturm von fünf Bataillonen. Das Komb. Korps, daj? ursprünglich bis zum Abend halten sollte und durch das späte Eintreffen des überraschenden Rückzugsbefehles die Nacht zu dessen Einleitung verloren hatte, war in der Mitte durchbrochen. Um 10h45 vorm. mußte der Rest der von der 104. LstlBrig. auf einer Höhe östlich der Bahn belassenen Nachhut, 1500 Mann, vor den von allen Seiten heranflutenden Serben die Waffen strecken.

Viel besser, als bei der engen Verstrickung mit dem Feinde zu hoffen war, glückte der 29. ID. am 13. Dezember die um 10hvorm. begonnene Loslösung, wobei die Monitoren den allein noch unternehmungslustigen Ostflügel des Gen. Živkovič in Schranken hielten.

Das VIII. und das XIII. Korps kamen schon vormittags ohne wesentliche Störung in die Stellung. FML. Scheuchenstuel ließ den Petrov grob von der 9. ID. besetzen, die nur noch 1000 Streiter zählende 21. SchD. bildete mit zwei Bataillonen des IR. 16 die Reserve. Die serbische 2. Armee kam bis Mittag über die Ljuta strana nicht hinaus, die 3. Armee hatte sich um diese Zeit bereits des Cvetkov grob bemächtigt.

Die um die Mittagsstunde ausgegebenen Befehle Putniks schrieben dem Gen. Živkovič die Straße von Grocka, der 2. Armee die von Ralja und der 3. Armee die von Stepojevac—Sremčica nach Belgrad führende Straße als Leitlinien der Verfolgung vor, doch unterstützte die ŠumD.I vorerst östlich umfassend den Angriff auf den Petrov grob, wo sich die 9. ID. alsbald durch das Eindringen der KombD. bei Sremčica von der 36. ID. getrennt und auch in dieser Flanke umfaßt sah. Der Gegenstoß der schwachen Korpsreserve fruchtete nichts und um 3h nachm. mußte die vom GdI. Frank schon vormittags für den Fall des erzwungenen Rückzuges anbefohlene Rücknahme in den Belgrader Brückenkopf erfolgen, wobei die Flügel, um die Brücken dem Geschützfeuer zu entziehen, vorgebogen werden sollten: GM. Schön auf dem vom Erino brdo ostwärts ziehenden Rücken, das XIII. Korps in der Linie Höhe A 208— Zeleznik—Save. Doch gelangte dieses wegen des zu geringen Streiterstandes schließlich auf den Banovo brdo, und das VIII. Korps, verstärkt durch die abends von der Avalahöhe einrückende 7. ID. und die 71. IBrig., in die Südfront westlich Kumodraž, wo die Reste der 104. LstlBrig. anschlossen.

Der Nachhut der 7. ID., die bis abends unbehelligt blieb, kam die Vorhut der an die Raljaer Straße abgebogenenTimD.Inächst der Avalahöhe zuvor. Der dortige Gefechtslärm beunruhigte die östlich vorbeiziehende

29. ID. sehr, die erst spät in der Nacht den abändernden Befehl zum Rückzug auf den Ekmekluk erhielt. Die 57. IBrig. besetzte die Höhe, während die 58. IBrig. dahinter als Reserve kam.

Putnik rechnete mit dem unaufgehaltenen Rückzug der 5. Armee über die Save und bremste die Verfolgung, um die fast menschenleere Hauptstadt zu schonen, die nur von der Kavalleriedivision und einem Regiment der 2. Armee besetzt werden sollte.

Angesichts der Schlag auf Schlag eintreffenden Hiobsbotschaften griff das AOK. am 13. in die dem BOK. eingeräumte Selbständigkeit mit folgendem, um 6h45 abends in Peterwardein einlangendem Telegramm ein: „Um völliger Wehrlosigkeit auf südlichem Kriegschauplatz vorzubeugen, muß eine Niederlage der 5. Armee unbedingt vermieden Averden.“ FZM. Potiorek gab dies an das 5. Armeekmdo. mit dem Beifügen weiter, daß er auf den Besitz von Belgrad verzichten würde, wenn GdI. Frank nicht der vollsten Überzeugung wäre, die Stadt halten zu können, und wenn der Rückzug über die Save ohne Schädigung der Armee überhaupt möglich sei.

GdI. Frank antwortete: „Kann weder das eine noch das andere verbürgen. Wie immer auch die künftige Aufgabe lauten wird, werde ich

das Äußerste tun, um ihr zu entsprechen. Schriftlicher Bericht geht unter einem mit Auto ab.“ Dieser wies auf die Erschöpfung der durch siebenwöchige Kämpfe und sonstige Mühsale auf 40.000 Streiter zusammengeschmolzenen Armee, die Überlegenheit des Feindes und den unfertigen Stand der Befestigungen hin. Nur das Komb. Korps sei noch intakt, aber auch erholungsbedürftig. So konnte weder die Behauptung von Belgrad gewährleistet werden, noch auch ohne Schädigung bei den ungünstigen lokalen Verhältnissen der Rückzug hinter die Save. Eine Autopanne verzögerte das Eintreffen des Kuriers bis in den späten Vormittag des nächsten Tages. So blieb es einstweilen beim Entschluß, Belgrad unbedingt zu halten.

Am 14. Dezember früh fanden sich die Korpskommandanten aus eigenem Antrieb beim Armeekmdo. ein, um sich gegen weiteres Verharren auszusprechen. FML. Krauss fand die Generalstabsabteilung bereits bei Verfassung der Dispositionen für den abends geplanten Rückzug1). Während die Korpsführer in Belgrad weilten, rannten seit frühem Morgen die KombD. und die 1. KBrig. gegen die 42. HID. auf dem Banovo brdo, die DrinD.II und die 2. KBrig. gegen die 36. ID. am Eingang in das Tal der Topčiderska an. Der letztangeführte Angriff wie der der ŠumD.I gegen die Südfront, litt unter dem Flankenfeuer der Artillerie von einer Höhe bei Kumodraž, deren Eroberung der TimD.I deshalb dringend befohlen wurde. Östlich schlossen sich ihr zwei Regimenter des Gen. Zivkovic an, dessen Gros im Kreuzfeuer vom Ekmekluk, Erino brdo und der Monitoren sehr langsam Raum gewann.

Während dieser heißen Kämpfe traf FZM. Potiorek in Semlin ein, um nach vergeblichem Warten auf den Bericht persönliche Rücksprache mit den höheren Kommandanten zu pflegen, die freilich nicht abkömmlich waren. Telephonisch gab GdI. Frank die kritische Gefechtslage bekannt, und daß Belgrad nicht zu halten sei. Wohl aber würden einige Retablierungstage genügen, um die Armee trotz der beim Rückzug unvermeidlichen Schädigung wieder voll verwendungsfähig zu machen. Hierauf ordnete FZM. Potiorek die Zurücknahme der 5. Armee in den Raum Ruma—Banovce (a. d. Donau östlich Pazua) an; die 6. Armee hatte sich in die Gegend nördlich von Mitrovica zu verschieben. GdI. Frank gab mittags den Befehl für den Rückzug aus. Er war vom Ostflügel aus anzutreten. Dem Komb. Korps wurden außer der Schleppschiffbrücke bei Belgrad auch drei Dampffähren bei Višnjica, dem VIII. und dem XIII. Korps die Kriegs- und Eisenbahnbrücken zugewiesen. Das Komb. Korps setzte den

Beginn des Rückzuges bei der 29. ID. für 4h30, bei der 104. LstlBrig. für 5h nachm. fest. Das VIII. Korps sollte den Kampf von 5h3° an abbrechen.

Mit bewundernswerter Hartnäckigkeit rauften die Truppen. Das durch die aufgeteilte 7. ID. gestützte VIII. Korps klammerte sich an jedes Haus, jede Geländefalte. Das FJB. 21 und die wackeren Waras-diner vom IR. 16 warfen nach 2h nachm. den rechten Flügel der Angreifer und brachten auch den die Höhen bei Kumodraž umfassenden Westflügel der TimD.I ins Wanken. Mit verdoppelter Wucht rangen nun die Serben um diese Höhen bei Kumodraž und nahmen sie um etwa 4h nachm. der 104. LstlBrig. ab, die sich in Unordnung zurückzog. Zum Glück stießen die Serben über das gegen Belgrad hin abfallende, keine Stellungsmöglichkeit bietende Gelände nicht in den Rücken der noch standhaltenden Flügel nach. Der Landsturm kam in den Loudonschanzen am Südrande der Stadt zum Stehen. Dem kämpfend auf die Kuppe A 208 und die östlichen Höhen weichenden VIII. Korps drängte die ŠumD.I auf die Nachricht eines bevorstehenden Gegenangriffes nicht über die Tiefenlinie westlich von A208 nach. Ungestört konnte das Komb. Korps zurückgehen. Das IR. 42 verschleierte den Abmarsch so geschickt, daß Gen. Živkovič den beabsichtigten Nachtangriff gegen den Ekmekluk und den Erino brdo unterließ. Unverfolgt rückte dieses Regiment der Gruppe GM. Schön zu den Dampf fahren nach. Der heldenmütige Widerstand des XIII. Korps erschöpfte die serbische 3. Armee völlig. Gegen llh nachts verstummte der Kampflärm auch hier. Unbelästigt blieben die Sicherungstruppen des XIII. Korps und des VIII. Korps bis zum Morgen auf dem Banovo brdo und den östlich anschließenden Höhen.

Wohl stauten sich in der völlig im Finstern liegenden Stadt die Truppen; die undisziplinierten Kolonnen von Landesfuhrwerken verstopften den Zugang zu den Brücken, doch gelang der Uferwechsel bis zum 15. Dezember 8hfrüh. Eine Nachhut hielt die Brückenschanze und sicherte Nachzüglern den Übergang. Jetzt erst näherte sich ein Bataillon der KombD., später ein Teil der Kavalleriedivision, Batterien fuhren auf dem Banovo brdo auf. Die Monitoren hielten aber den Feind in Schranken, so daß die Kriegsbrücke abgebrochen und geborgen werden konnte. Die Schleppschiffbrücke mußte allerdings zum Teil von der öst.-ung. Artillerie zerschossen werden. Um llh vorm. ging die Besatzung der Brückenschanze über die Eisenbahnbrücke zurück, die hierauf gesprengt wurde.

Die erst um 5h früh bei Višnjica eingetroffene Gruppe GM. Schön durfte die Bergfahrt nach Semlin bei Tageslicht nicht wagen und ließ sich nach Pancsova überschiffen. Nach Ausladung traf nach 9h vorm. die

Nachricht ein, daß sich bei Višnjica noch etwa 800 Mann gesammelt hatten. Der Schiffskapitän weigerte sich angesichts der Gefahr, von der serbischen Artillerie in Grund geschossen zu werden, die Fahrt zu wiederholen; deshalb setzte sich GM. Schön selbst an die Spitze und holte die Nachzügler ab, trotz naher Bedrohung durch serbische Infanterie von den Höhen, aber wirksam geschützt durch die Monitoren1).

Rückblick und Ausklang

Der öst.-ung. Augustfeldzug gegen Serbien und Montenegro, hervorgerufen durch die unabwendbare Notwendigkeit, sich des gefährlichen, haßerfüllten Nachbarn zu entledigen, war ausgesprochen offensiv gedacht. Im Gegensatz hiezu entsprang der Herbstfeldzug der defensiven Absicht, den Feind in Schranken zu halten, der in ungestillter Begierde „schmerzliche Klagerufe von Millionen seiner Brüder aus Bosnien und der Herzegowina, aus der Bačka, dem Banate, aus Kroatien, Slawonien und Syrmien sowie aus dem am serbischen Meere gelegenen felsigen Dalmatien“ zu hören glaubte2). Eine stehende Verteidigung all dieser Gebiete, mochten sie auch zum Teil einen natürlichen Schutz in den Grenzflüssen finden, war schon deswegen ausgeschlossen, weil die Verschiebung von Gegenstoßkräften, einerlei, ob von der Drina zur Save und Donau oder umgekehrt, äußerst zeitraubend gewesen wäre und die Preisgabe weiter, von den Serben beanspruchter Länder mit sich bringen mußte. Es gab keinen anderen Weg, dem Feinde Halt zu gebieten, als ihn durch einen Angriff lahmzulegen und aus dem Felde zu schlagen.

Tatsächlich schickten sich die Serben in dem Augenblicke an, als sie eine Verminderung der gegnerischen Kräfte wahrnahmen, Syrmien zu erobern und gleichzeitig in Südostbosnien einzufallen. Damit glaubten sie zugleich Rußlands Aufforderung zur Offensive zu entsprechen. FZM. Potiorek durchkreuzte ihre Pläne. Mit Vernachlässigung aller Nebenzwecke raffte er alle Kräfte zusammen, um seinen Gegenzug zu führen. Sein Vorstoß über die Drina veranlaßte die Serben zur Räumung Syr-miens. Allerdings, der leitende, den Vernichtungswillen in sich tragende Gedanke Potioreks, die Front des Feindes an der unteren Drina mit der Hauptkraft der 5. Armee festzuhalten, mit seiner „Garde“, der 6. Armee,

1)    Dieses Einsetzen seiner Person für seine Untergebenen krönte die vorbildliche Führertätigkeit des GM. Schön, deren Wertung durch die Mannschaft der 57. IBrig. sogar noch in ihrer Kriegsgefangenschaft zum Ausdruck kam (Serb. Gstb.W., VII, 68).

2)    Aus dem ersten Befehle des SOK. an das Heer (Ebenda, I, 17).

ihm in die Südflanke zu fallen und mit der verstärkten 29. ID. dessen Nordflügel einzudrücken, konnte nur teilweise und nicht mit wünschenswerter Raschheit durchgeführt werden. Die 6. Armee wurde bei ihrem Vordringen gegen Krupanj durch die Schwierigkeiten des Mittelgebirges mehr behindert als durch den Widerstand des zunächst verhältnismäßig schwachen Feindes. Wenn die für den Gebirgskrieg ausgerüsteten und hiefür vorzüglich eingeführten Truppen so schwer weiterkamen, so erübrigt sich die vielleicht auftauchende Frage, warum der Flankenstoß nicht auf Kosten der bloß festhaltenden 5. Armee stärker gehalten wurde. Gegen diese hatten die Serben schon im Frieden Vorbereitungen zur Aufrichtung einer durch den Drinalauf begünstigten Verteidigungsstellung getroffen, die dann in mehrwöchiger Befestigungsarbeit vervollkommnet worden war. Das Stocken der 5. Armee ermöglichte der serbischen Führung, ihre KombD. an den linken Flügel zu beordern. Doch diese wurde durch den erzwungenen Übergang der 42. HID. abgelenkt, die auch Teile der TimD.II und endlich sogar zeitweilig die ŠumD.I auf sich zog, wobei sie allerdings in starke Bedrängnis geriet. Am Nordflügel der an der Drina entbrannten Schlacht, die einen dramatischen Verlauf nehmen sollte, kam die 29. ID. zunächst nicht zum Eingreifen. Sie mußte sich nach dem eindrucksvollen Siege von šašinci gegen die in Ostsyrmien eingefallenen Serben wenden. Eine gewisse Voreingenommenheit, die den FML. Krauss noch einige Tage vor dem serbischen Saveübergang berichten ließ, er halte den Übergang starker serbischer Kräfte für nahezu ausgeschlossen, dann falsche, von serbischen Parteigängern ausgestreute Nachrichten und nicht zuletzt das Fehlen einer einheitlichen Leitung und Organisation der Verteidigung Syrmiens waren die Ursachen, daß es der serbischen 1. Armee möglich wurde, die 7. ID. vereinzelt zu schlagen und nach einem kurzen Vormarsch in Syrmien ziemlich ungeschoren wieder über die Save zurückzugehen, um mit dem Gros gegen die k.u.k. 6. Armee aufzutreten.

Die Absicht des Wojwoden Putnik, eine starke Stoßgruppe gegen den entscheidenden Südflügel zusammenzuballen, wurde allerdings durch seine Unterführer empfindlich verwässert. Nichtsdestoweniger vermochten die Serben zur rechten Zeit eine dreifache Überlegenheit in den dortigen Kampf zu werfen. Es kam ihnen zustatten, daß der Durchbruch des

XVI. Korps über Krupanj wegen der noch immer nicht vollendeten Eroberung des Gučevokammes nur mit zwei Gebirgsbrigaden eingeleitet und wegen des Erscheinens der mit der Hauptkraft alsbald umkehrenden serbischen KombD. frühzeitig eingestellt wurde.

Putniks Flankenstoß wurde noch dadurch sehr gefördert, daß FML. Trollmann seine Aufgabe, den Durchbruch in der rechten Flanke gegen Valjevo zu decken, im Sinne der im Frieden eingeimpften Anschauungen offensiv zu lösen versuchte. Das XVI. Korps griff infolgedessen in drei auseinanderstrebenden Richtungen an, gegen Norden, Nordosten und Osten, wobei FML. Trollmann seine drei Gebirgsbrigaden obendrein gegen den weiten Raum Mramor—Rožanj auseinanderziehen ließ. Zum Glück zwangen ihn die Erfolge der Užicer Armeegruppe, seinen rechten Flügel zurückzunehmen, ehe die feindliche Übermacht den sehr verlustreichen Kampf zu einer vernichtenden Niederlage ausgestalten konnte.

Schon als die Gefahren für den Südflügel sich noch ganz undeutlich abzuzeichnen begannen, trieb FZM. Potiorek die 5. Armee zum umfassenden Angriff auf dem Nordflügel an, während ein Vorstoß des linken Flügels der 6. Armee über Loznica zunächst die bedrängte 42. HID. entlasten und in weiterer Folge die Offensive der 5. Armee erleichtern sollte. In der Überzeugung, daß die Serben umso weniger an einen Durchbruch über die Drina zwischen beiden Armeen denken konnten, je wuchtiger sie an den gewählten Angriffsstellen bedrängt wurden, zog die oberste Führung immer mehr Truppen aus dem Zwischenraum zur Verstärkung des linken Flügels der 6. Armee und in das Mündungsgebiet der Drina ab, wo das VIII. Korps in der Saveschlinge Parašnica festen Fuß zu fassen vermocht hatte. Die infolge des Abmarsches der serbischen 1. Armee aus Syrmien wieder freigewordene Gruppe FML. Krauss wurde zum beschleunigten Eingreifen über die Save angewiesen. Sie kam wohl über den Fluß, ihr weiteres Vordringen in der sehr vorteilhaften Richtung gegen Flanke und Rücken der serbischen 2. Armee wurde aber durch Sumpf und den Feind gehemmt. Die Serben konnten in einer fast spitzwinklig gebrochenen Front Wochen hindurch hartnäckig standhalten.

Um diese Zeit rechnete die serbische Mitte im Jadartale bereits mit dem Rückzug in eine weiter hinten gelegene Stellung; die Front bei Krupanj, noch ungewiß über die vom Flankenstoß am Südflügel erzielte Wirkung, hatte gleichfalls das Absetzen vom Gegner vorbereitet. FZM. Potiorek aber, der die mißliche Lage seines Südflügels voll erkannte, beschloß dessen radikale Zurücknahme auf die Höhen, um dort in wesentlich verkürzter Front vorübergehend in die Verteidigung zu fallen. Ein anderes Auskunftsmittel gab es nicht, doch wollte er sich die Initiative nicht entreißen lassen und rechnete auf die durchschlagende Wirkung des nördlichen Flankenstoßes. Die Ungunst der Witterung und in Verbindung damit die Versumpfung der Mačva wurden aber ein schweres Hemmnis.

Außerdem gestattete die Zurücknahme des linken Flügels der 6. Armee, der bisnun die Mitte des Feindes bedrängt hatte, die Verstärkung der serbischen Mačvaverteidigung. Der Südflügel der Serben rüttelte gleichzeitig am Tragpfeiler der Stellung des XVI. Korps, an der Jagodnja, wo Putnik die Entscheidung der Schlacht zu erkämpfen hoffte. Aus dem Heldenkampfe um diesen Gebirgszug leuchtet das von stärkster Willenskraft getragene, mit höchstem Opfermut gepaarte Pflichtgefühl strahlend hervor, das die aus allen Völkern der öst.-ung. Monarchie stammenden Truppen der 6. Armee den tapferen, kriegserfahrenen, um die heimatliche Scholle erbittert kämpfenden Feind überwinden ließ.

Unbedingte Zuversicht ließen die sonst umsichtige Führung der Serben den unzweifelhaft richtigen Grundsatz vergessen, alle Kräfte mit Vernachlässigung untergeordneter Nebenzwecke an der Entscheidung mitwirken zu lassen. In der Sorge, bei der Teilung des Felles eines noch nicht erlegten Bären zu kurz zu kommen, wurde die endlich über die Drina gelangte Armeegruppe Užice nicht mit dem Ziele angesetzt, die Südflanke und den Rücken des Gegners in erhöhte Bedrängnis zu versetzen; sie blieb vielmehr in der Gegend vonRogatica festgenagelt, damit die Montenegriner ja nicht Eroberungen verzeichnen konnten, auf die sie später Gebietsansprüche zu stützen vermochten.

Erst als das Ringen um die Jagodnja sich seinem für die Serben ungünstigen Ende nahte, erging für die Užicegruppe der Befehl zur Offensive, doch wieder unter Ausschaltung der montenegrinischen Hauptkraft. Bis sich die Gruppe fühlbar zu machen vermochte, hatte die serbische

1. Armee auf der Jagodnja eine schwere Niederlage erlitten. Die Erschütterung war so groß, daß das Einsetzen frischer, zum Nachstoßen befähigter Gruppen für die Serben eine Katastrophe hätte auslösen können. Diese waren nunmehr unfähig, durch Angriff mit der Užicegruppe zusammenzuwirken.

Unbeirrt durch die in der Südflanke drohenden Gefahren arbeitete FZM. Potiorek auf eine siegbringende Entscheidung hin. Die Drinastrecke zwischen beiden Armeen wurde fast gänzlich entblößt, um den linken Flügel der 6. Armee zu neuerlichem Vorstoß gegen Loznica zu befähigen, zu dem auch Teile der festgerannten 42. HID. befohlen wurden. Serbische Gegenangriffe zwangen bald zur Einstellung des ersten Angriffes. Besser ging es beim zweiten, doch wohnte diesem Unternehmen, das den Feind an der Abgabe von Verstärkungen an den Nordflügel hindern sollte, keine entscheidende Kraft inne. An jenem Nordflügel hatte FZM. Potiorek auch noch die halbwegs feldbrauchbaren Teile der Gruppen

Syrmien und Banat eingesetzt, doch blieb auch dieses letzte Aufgebot ebenso vergeblich wie der wiederholt unternommene Versuch, die starke Stellung an der Dammstraße bei Crnabara im Sturme zu nehmen. FZM. Potiorek mußte seine Aufmerksamkeit der Abwehr der Armeegruppe Užice zuwenden, die den Etappenraum bereits bedenklich bedrohte. Er ließ sich aber dadurch nicht hindern, der Hauptkraft des Feindes dicht an der Klinge zu bleiben, um die einstweilen ohne Entscheidung durchge-fochtene Drinaschlacht nach Eintreffen der Marschformationen und Auffüllung der Munitionsvorräte erneut aufzunehmen. Die augenblicklich in den Vordergrund tretende Nebenaufgabe durfte das Hauptziel nicht dauernd verdrängen und aus der Hauptkampffront nur möglichst wenig Kräfte beanspruchen. Die Kunst, unter Vernachlässigung von Nebenzwecken und bei Nichtbeachtung von erst in der Zukunft möglichen Bedrohungen Streitkräfte sozusagen aus der Erde zu stampfen, wurde abermals mit Erfolg angewandt.

Dagegen ließ das SOK., durch Munitionssorgen und die Erschütterung der Kampfmoral insbesondere bei seiner 1. Armee bedrückt, nunmehr die Zügel schleifen. Man glaubte wohl, nach Bindung so vieler gegnerischer Kräfte ruhig abwarten zu dürfen, bis die in Bildung begriffene russische „Dampfwalze“ den Krieg entschied. Nicht die militärischen Forderungen des Augenblickes standen im Vordergrund, sondern das Streben, sich bei den künftigen Friedensverhandlungen als wertvoller Bundesgenosse zur Geltung bringen zu können und die Sorge, den Montenegrinern keine Rechte auf größeren Landgewinn einzuräumen. So wurde der Einfall in Südostbosnien nur unter dem Gesichtswinkel betrachtet, den durch die ersten Kampfhandlungen am Jadar erzielten und durch den mißglückten Einbruch in Syrmien ein wenig verwischten guten Eindruck auf die Verbündeten mit billigen Mitteln wieder zu erhöhen. Obzwar man nach dem Rückschlag bei Vlasenica weder durch einen Angriff der Hauptkraft noch durch Erneuerung der bisher stets mißglückten Vorstöße gegen Srebrenica der Užicer Armeegruppe helfen konnte, sollte sie wenigstens das eroberte Gebiet um Rogatica zähe behaupten. Das Fehlen eines einheitlichen Oberbefehles und die strenge räumliche Abgrenzung des montenegrinischen Kontingentes brachten es mit sich, daß dieses — für den regulären Kampf weder ausgerüstet noch geschult, aber doch kriegserprobt und verwegen im Kleinkrieg — in der Schlacht auf der Romanja planina dem Hauptstoß Widerstand leisten mußte. Sein Versagen nötigte zu neuem Rückzug, wobei Putnik aus Prestigegründen eingriff, um wenigstens einen kleinen Teil des eroberten Gebietes zu

behaupten. Dieses Ziel wurde nicht erreicht, es kam im Gegenteil zu einer neuerlichen Schlappe.

Nun kam noch der Mißerfolg in der Parašnica. In der wenig begründeten Hoffnung, ihn durch den Angriff der3. Armee auf Kulište wenigstens soweit wettzumachen, daß man die Eroberung irgendwelcher Höhen der Welt verkünden konnte — mehr war nach der ganzen Anlage nicht zu erwarten — wurde der Vorschlag des Gen. Jurišič-šturm gutgeheißen. Daß aber die Bemühungen der gegnerischen 5. Armee gegen die 2. Armee des Gen. Stepanovic das Wiederaufflammen des Ringens auf dem Hauptkampfplatz an der unteren Drina andeuteten, wurde nicht beachtet. Putnik dachte in der Sucht, alles zu decken, nicht daran, namhafte Kräfte von der Armeegruppe Užice heranzuziehen. Anscheinend baute er auf die Stärke der inzwischen an der ganzen Front entstandenen Befestigungen. Überdies war zu dieser Zeit die russische „Dampfwalze“ in scheinbar unaufhaltsamem Vorwärtsrollen. Innerhalb der voraussichtlich kurzen Frist, die für die Russen nötig war, in Polen und in Schlesien die Entscheidung zu erringen, mochte es für die serbische Heeresmacht doch möglich sein, ihre Stellungen zu behaupten.

Selbst der Druck, den die siegreich in die Mačva eindringende 5. Armee vom 3. November an gegen die Nordflanke ausübte, stimmte noch nicht bedenklich. Da folgte vom 6. an Schlag auf Schlag der Verlust der starken Höhenstellungen. Für den Umklammerungsplan Potioreks bedeutete das frühe Zurückdrängen des serbischen Südflügels eine schwere Beeinträchtigung, die durch das langsame Vorwärtskommen des in den Rücken des Feindes angesetzten XVI. Korps erhöht wurde. Mit dem Gros der nicht eingesetzten DonD.II konnte das SOK. gleichzeitig einen Flankenschutz organisieren.

FZM. Potiorek hatte sofort erfaßt, daß nur rasches Vordringen seiner Truppen an der ganzen Front das Durchkreuzen seines Planes wettmachen konnte. Das SOK. kam diesem durch Witterung und Zustand der Marschlinien schwer erfüllbar gemachten Wunsch entgegen, indem es nur dem jeweilig sich geltend machenden Drucke des Gegners weichen wollte. Dieses Verhalten war umso weniger aussichtsvoll, als den Serben keine Reserven zur Verfügung standen, mit denen sie an irgend einer Stelle einen Umschwung herbeizuführen vermochten. Mehr der besseren Einsicht des Armeekommandanten als dem Willen der Heeresleitung war es zu verdanken, daß die am 9. November früh verfügte Zurücknahme der 3. Armee nach Zavlaka, die vornehmlich die Verstärkung des Flankenschutzes mit der DonD.I ermöglichen sollte, nicht am Nordflügel der 2. Armee zu einer Katastrophe führte. So wurde am 10. nur deren Südflügel arg zerzaust, nachdem sich das SOK. am Vorabend endlich zum allgemeinen Rückzug in die Stellungen bei Valjevo entschlossen hatte.

Diese Stellungen waren noch nicht bezogen, als schon Weisungen zum Rückzug hinter die Kolubara und den Ljig für den Fall des Mißlingens der beabsichtigten hartnäckigen Verteidigung ausgegeben wurden. Die Anordnungen für die Zerstörung der Kommunikationen und für das Wegschaffen oder Vernichten aller Lebensmittel wecken den Anschein, als ob an ein Verfahren wie das der Russen im Jahre 1812 gedacht worden wäre: Schwächung des Gegners durch Verlängerung seiner Nachschublinien unter Witterungsunbill und Geländeschwierigkeiten, während die eigene Armee sich den Quellen ihrer Kraft näherte. Doch flößten die Generale Mišič und Jurišič-šturm diesen Gedanken dem SOK. erst später ein. Der Heeresleitung lag fern, anzunehmen, daß die bei jedem Rückzug selbstverständlichen Zerstörungen an der Schmalspurbahn Obrenovac—Valjevo Serbien retten könnten.

Während der folgenden Tage ließ die serbische Führung die Zügel gänzlich fallen. Ihr Verdienst war es nicht, daß bei Valjevo der schwierige, durch die Eigenmächtigkeit des Gen. Stepanovič aufs äußerste gefährdete Rückzug der 1. und der 3. Armee nicht zur Katastrophe wurde. Der elende Zustand, in welchem die serbischen Truppen-, Troß- und Flüchtlingskolonnen die Wege hinter sich gelassen hatten, sowie Schnee und Regen wurden Putnik zum Bundesgenossen und hinderten den FZM. Potiorek an der Auswertung seiner trefflich angelegten und trotz unvorhergesehener Zwischenfälle erfolgverheißenden Operation. Konnte er den Feind nicht, wie er ursprünglich wollte, in eine Zange bringen, so entglitt ihm jetzt auch die Möglichkeit, die großen Schwierigkeiten des serbischen Rückzuges zu einem vernichtenden Schlage auszunützen.

Allerdings trugen die vorgefaßte Meinung, der Serbe werde in einem Zuge in den Zentralraum weichen, und die Rücksicht auf die Erholungsbedürftigkeit der Kerntruppen der 6. Armee viel dazu bei, daß das BOK. einen günstigen Augenblick unbenutzt vorübergehen ließ. Soweit die Ruhebedürftigkeit in Frage kam, bestand sie für das XIII. Korps mindestens ebenso wie für das XV. und das XVI. Korps. Hätte man diesen wie jenem noch eine kurze Fortsetzung des Vormarsches zugemutet, so wäre durch solches Zugreifen vermutlich dem Feinde die Festsetzung am Ljig und im Gebirge unmöglich gemacht worden. Auch hier zeigte sich wie so oft in der Kriegsgeschichte, daß fast nichts so schwierig ist wie die Führeraufgabe, siegreiche Truppen in Fluß zu erhalten und im Nachdringen hinter dem geschlagenen Feinde nicht erlahmen zu lassenx). Andererseits hätte der Feldzeugmeister, wenn er mit einem nochmaligen Festsetzen an der Kolubara gerechnet hätte, die 5. Armee gewiß nicht so in die Schlacht hineingleiten lassen, wie dies wirklich geschehen ist.

Man könnte glauben, das SOK. habe die Nachricht, daß es erst im Zentralraum Widerstand leisten wolle, absichtlich verbreitet, um die Gegner zu unvorsichtigem Anrennen an die Kolubara zu verleiten. Tatsächlich bemühte es sich im Gegenteil, solche, den Willen zu neuem Ringen untergrabende Gerüchte zu bekämpfen. An der Kolubara sollte hartnäckigster Widerstand geleistet werden, denn sonst drohte eine der Welt nicht zu verbergende und gewiß schlimmsten Eindruck erweckende Einbuße: Belgrad! Ob an der Drina oder an der Kolubara gekämpft, ob Valjevo preisgegeben werden mußte, erweckte in der europäischen Öffentlichkeit kein besonderes Aufsehen; der Verlust der Landeshauptstadt aber, wenn sie auch an der bedrohten Grenze lag und eigentlich schon von Haus aus aufgegeben war, mußte nach den früheren jubelnden Siegesfanfaren außerordentlich überraschend und ernüchternd wirken.

Den Serben kam zugute, daß die Kraftzentren des Landes hinter ihrem linken Flügel lagen und der Weg dahin durch das Gebirge gesperrt wurde. Sie konnten den Nordflügel infolgedessen schwach halten und die Hauptkraft auf dem linken Flügel verwenden. FZM. Potiorek stand hingegen zwei einander widerstreitenden Forderungen gegenüber. Um die Serben in empfindlicher Richtung zu treffen, sollte er den Hauptstoß im Gebirge führen und zur Erhöhung des Enderfolges auch die Einbruchslinie über Užice in das westliche Moravatal nicht vernachlässigen. Daraus entsprang die Entsendung der 18. ID. über das Gebirge, wo sie für die nächste Zeit aus der Hand kam, nicht zu reden davon, daß auch ihr Nachschub ungewöhnlichen Schwierigkeiten begegnen mußte. Der unvorhergesehene Widerstand an der Kolubara ließ diese Entsendung als ein Auseinanderflattern der Kräfte erscheinen, während das schwere Ringen angesichts des Sinkens der Streiterzahlen gerade ein enges Zusammenhalten rätlich machte.

Die zweite Forderung betraf die Deckung der Monarchie. Bei irgend einer ungünstigen Wendung sollten die Balkanstreitkräfte zwischen dem Feinde und der Save-Donaugrenze stehen, also ungefähr im selben Verhältnis wie bei der zweckmäßigsten Offensive gegen Serbien von Nord gegen Süd. Dies sprach dafür, den linken Flügel stark zu halten, bald Belgrad zu gewinnen, um sich dadurch eine Basis zu schaffen, auf die

x) Potioreks Rechtfertigungsschrift.

gestützt dieser Flügel rechts einschwenken konnte, um dann der voraussichtlichen serbischen Hauptstellung bei Arangjelovac—Grn. Milanovac in die Nordflanke zu stoßen.

So geschah es, daß der 5. Armee ein recht breiter Vorrückungsraum zugewiesen wurde, was den Eindruck fächerförmiger Bewegung noch erhöhte, als es zur Kolubaraschlacht kam. Ein Erfolg am Nordflügel würde die serbischen Armeen wohl nicht schwer getroffen, sie aber zur baldigen Räumung ihrer Stellungen veranlaßt haben, so daß sich das Bild, das sich FZM. Potiorek vom unaufgehaltenen Rückzug des Feindes machte, bestätigt hätte. Doch die Ungunst der Naturgewalten ließ das Komb. Korps nicht rechtzeitig über das Hindernis gelangen, solange die Serben noch unter dem Eindruck der Mißerfolge standen und ihr innerer Halt noch nicht wieder gefestigt war.

Das SOK. verkannte merkwürdigerweise trotz aller Berichte die moralische Verfassung seiner Truppen. Mit Hartnäckigkeit forderte es das Halten des ausspringenden, doppelter Umfassung ausgesetzten Winkels an der Ljigmündung und trug sich fortwährend mit Offensivplänen, die nur infolge des passiven Widerstandes der die Lage besser einschätzenden Armeeführer nicht verwirklicht wurden.

Die Entscheidung fiel schließlich auf dem Südflügel. Das XV. und das

XVI. Korps führten die dazu nötigen schwierigen Operationen mustergültig durch, zehrten dabei aber ihre physischen und moralischen Kräfte bis zur Erschöpfung auf. Ein Übelstand war es zweifellos, daß die beiden Korps nicht unter einem einheitlichen Kommando standen, das insbesondere nach Abschluß der Kämpfe gewiß darauf gesehen haben würde, daß die weiteren Anforderungen mit dem Kräftezustande und der Munitionsknappheit im Einklang gestanden wären. FZM. Potiorek hatte eine solche Befehlsregelung unter dem GdI. Appel versucht, doch war man im Anfang des Krieges wenig geneigt, neue Kommandos aufzustellen. Ohne einen entsprechenden gesonderten Befehlsapparat und ohne die Befreiung Appels von den Pflichten eines Korpskommandanten war die Absicht undurchführbar.

Die Serben hatten in den schweren Kämpfen die Benützung der Eisenbahn durch den Gegner nahezu zwei Wochen verzögert und damit den Streitkräften Potioreks schwersten Nachteil zugefügt, der zu deren Zermürbung mehr beitrug als der Kampf selbst. Dem SOK. war es allerdings nur darum zu tun, Zeit zu gewinnen und die Preisgabe von Belgrad zu vermeiden, wobei es von den Vorgängen auf dem russischen Kriegsschauplatz Erlösung von allem Übel erhoffte. Bezeichnenderweise entschloß es sich gerade am 22. November mittags zum Verzweiflungsakt einer allgemeinen Offensive der 2. und der 3. Armee, als die Sprengung der Einkreisung der Russen bei Łódź noch nicht bekannt war und dort ein schwerer Mißerfolg der „Dampfwalze“ in Aussicht stand. Nach Abwendung dieser Gefahr erhoffte die serbische Führung wohl von Tag zu Tag eine siegreiche Entscheidung im Norden und zog die Preisgabe von Belgrad bis zur äußersten Grenze der Möglichkeit hinaus.

Nach dem schwer erkämpften Sieg wurde für FZM. Potiorek die Frage noch dringender, dem Heere eine ausreichende Atempause zu verschaffen. Dem stand gegenüber, daß die Niederwerfung des Feindes sicherlich ein beträchtliches Stück weiter gediehen war, und daß es scheinbar nur noch eines letzten Druckes bedurfte, um sie zu vollenden. Verlangte die Notwendigkeit, den Truppen Erholung zu gönnen, vorsichtiges Zurückhalten, so hieß es andererseits, den Serben möglichst wenig Zeit zu lassen, sich zu ermannen und aus ihren nahen Kraftquellen Verstärkungen an Kampfmitteln jeder Art zu schöpfen.

Nun zeigten sich die Nachteile der gänzlichen Loslösung des BOK. aus den Befehlsbefugnissen des die allgemeine Kriegslage selbstverständlich besser überschauenden AOK. in Teschen. Dort sah man Ende November nicht ohne Sorge der weiteren Entwicklung des Kampfes mit dem übermächtigen Russenheere entgegen. Gewann dieses die Oberhand, so war wohl der ganze Krieg entschieden, und es war dann auch fast belanglos, ob die Serben niedergerungen waren. Gespannt blickten die Bulgaren auf den russischen Kriegsschauplatz und hüteten sich, bei dieser Ungewißheit in den Krieg einzutreten, so sehr es sie drängen mochte, über Serbien herzufallen, solange ihre Hilfe noch einen Wert hatte. In solcher Betrachtung hatten die Balkanstreitkräfte schon weit mehr geleistet, als zu erwarten gewesen war, eine weitere Mehrleistung war keineswegs dringend geboten. Denn die Gefahr, daß sich die Serben rascher zu erholen vermochten, wurde bei günstiger Wendung im Norden reichlich durch das dann zu erhoffende Eingreifen der Bulgaren wettgemacht.

FZM. Potiorek, der an die Bulgarenhilfe überhaupt nicht mehr glaubte, wollte den offenbaren Niederbruch der Serben und die Zeit, die bis zum Beginne eines fließenden Nachschubes noch vergehen mußte, dazu ausnützen, um seine Streitkräfte derart zu verteilen, daß der letzte entscheidende Schlag sofort einsetzen konnte, sobald die Versorgung beider Armeen gesichert war. Wenn die 6. Armee Kraft genug gehabt hatte, die von den Serben für unüberwindlich gehaltenen verschneiten Stellungen im Gebirge zu nehmen, so mochte sie auch eines letzten Aufraffens fähig sein, da es den endgültigen Sieg galt. Dabei spielte die irrige Annahme mit, daß die Serben in der nächsten Zeit nichts anderes zu tun vermochten, als in ihrer Zentralstellung zu verharren, um neue Kräfte zu gewinnen.

Während das serbische 1. Armeekmdo. den Befehl Putniks, zur Verbindung mit der Armeegruppe Užice den Galić in die Stellung vor Grn. Milanovac einzubeziehen, als Verwässerung seines „ganzen Entschlusses“ empfand, sollte sich gerade diese Weisung für die Serben als heilbringend erweisen und den Grund zur erfolgreichen Gegenoffensive legen. Statt sich in Ruhe dort festsetzen zu können, mußte die 50. ID. ihre Truppen in tagelange Kämpfe verwickeln und vor allem einen großen Teil ihrer knappen Munition verbrauchen.

Vielleicht war es ein Übelstand, daß das XVI. Korpskmdo. in der Sorge um die Organisierung des Nachschubes und wegen der Verbindungen zur 18. ID. gleich dem XV. Korpskmdo. in Valjevo verblieben war. Engere Fühlung mit der Front hätte es möglicherweise veranlaßt, es nicht weit vorne auf entscheidende Kämpfe um den Galić ankommen zu lassen, zum mindesten aber, auf die ersten Anzeichen eines ernsten Gegenstoßes unter Nachhutkämpfen auf den Hauptrücken zurückzugehen. Dies hätte für die Truppen wertvollen Zeitgewinn bedeutet, doppelt wichtig wegen des am

4.    beginnenden Nachschubes auf der Bahn und wegen des Eingreifens der

5.    Armee. Vielleicht würde dann auch die 1. ID. nicht voreilig am Ostflügel eingesetzt worden sein, dem die geringste Gefahr drohte und auf dessen Gefechtsfeld der Gegenstoß ohne Wirkung auf die Hauptwalstatt in der Mitte bleiben mußte. So erlitten die beiden Divisionen südlich des Hauptkammes eine entscheidende Niederlage. Dadurch ging die für die öst.-ung. Waffen sonst gut stehende Schlacht verloren.

Ein Wettmachen des schweren Schlages war nur von der 5. Armee durch deren Einschwenken nach Süden zu erhoffen. FZM. Potiorek nahm wohl an, daß ihm die serbische Hauptstadt als reife Frucht in den Schoß fallen könnte, machte sich jedoch auch auf einen Verzweiflungskampf gefaßt. Die darauf abzielenden Weisungen ließen den GdI. Frank mit Gegenmaßnahmen des Feindes rechnen, die sowohl in einer hartnäckigen Verteidigung bestehen konnten als auch in einem Vorstoß, den eine sich etwa bei Semendria sammelnde stärkere Kraft längs der Donau zur Befreiung der Hauptstadt unternehmen mochte. Dabei ist nicht außer acht zu lassen, daß der Widerstand, den die 5. Armee an der Kolubara gefunden hatte, den Armeeführer keinesfalls jene Eindrücke des Niederbruches der Serben gewinnen ließ, wie sie die 6. Armee fast täglich zu berichten hatte.

Da die 5. Armee nach dem Rückzug der serbischen 2. Armee ohnedies noch ein Stück vorrücken mußte, um die Eisenbahn vor Angriffen sicherzustellen, wollte GdI. Frank dies gleichzeitig zur Wegnahme von Belgrad benützen, um dort eine neue Basis zu gewinnen und den Nachschub auf der Kolubarabahn gänzlich für die 6. Armee freizumachen. Er traf vorerst nur unter der Annahme eines serbischen Befreiungsstoßes an der Donau, nicht aber im Sinne des BOK. seine Anordnungen. Damit war der Grund zu einer etwas verspäteten und auch zu breiten Bereitstellung gelegt, was den plötzlich und ganz überraschenderweise dringend gebotenen Vorstoß gegen Arangjelovac dauernd erschweren sollte. Überdies vermehrte das Auftreten des Umčari-Detachements die Besorgnis vor einem Angriff längs der Donau, der Flanke und Rücken des zur Entscheidung berufenen Ostflügels bedrohen mußte.

All dies wirkte zusammen, daß der durch die braven Truppen schließlich doch errungene Erfolg um mindestens zwei Tage zu spät eintrat, die hiezu gebrachten schweren Opfer jedoch die Aussichten beträchtlich minderten, Belgrad als Lohn für alle bisherigen Anstrengungen in der Hand zu behalten und dadurch den Eindruck des unglücklichen Ausgangs des Feldzuges einigermaßen abzuschwächen.

FZM. Potiorek war bis zum Eingreifen des AOK. fest entschlossen, die 5. Armee auf dem Südufer der Save zu belassen. Die Vorgänge bei den Kämpfen südlich von Belgrad lassen anzweifeln, daß dies möglich gewesen wäre. Die Serben hatten am 14. Dezember erst dreieinhalb Liniendivisionen in den Kampf geworfen und trotzdem in der Mitte entscheidende Erfolge errungen, wobei freilich nicht zu übersehen ist, daß die Verteidiger in ihrem Kampfwillen durch den bereits verlautbarten Rückzugsbefehl erschüttert waren. Jedenfalls konnten die Serben bei Fortführung des Kampfes am 15. noch zweieinhalb Divisionen einsetzen, die rasch heranziehbare TimD.II in Obrenovac nicht eingerechnet. Vermutlich hätte sich die Besorgnis des AOK., auch die 5. Armee zu verlieren, bei den höchst ungünstigen Rückzugsverhältnissen erfüllt.

Der Ausgang des opferreichen*) Feldzuges übte auf die ganze Monarchie eine niederschmetternde Wirkung aus und traf das AOK. umso

!) Insgesamt kamen auf den südlichen Kriegsschauplatz einschließlich Etappentruppen und Festungsbesatzungen seit Kriegsbeginn bis Mitte Dezember rund 12.000 Offiziere und 450.000 Mann. Nach den anfangs Februar 1915 abgeschlossenen genauen Erhebungen stellten sich die Verluste in dieser Zeit folgend:

tot

gefangen

vermißt

verwundet

krank

zusammen

Offiziere .

. 1.060

66

656

3.211

2.599

7.592

Mann . .

. 27.216

1.980

73.988

118.911

44.117

266.212

Summe .

. 28.276

2.046

74.644

122.122

46.716

273.804

schmerzlicher, als just zur selben Zeit die russische „Dampfwalze“ zum Rückrollen gezwungen, also eine Vorbedingung zur Gewinnung Bulgariens erfüllt worden war. Mit dieser Hilfe, die dringend benötigte Verstärkungen für den nördlichen Kriegsschauplatz frei gemacht hätte, war es nach der Niederlage gewiß nichts, vielmehr war zu befürchten, daß der Schutz Ungarns gegen Serbien die Abgabe von Kräften an die beiden schwer getroffenen Armeen des FZM. Potiorek fordern würde. Der Thronfolger Erzherzog Karl wurde schon am 14. Dezember mit einem Schreiben des Armeeoberkommandanten Erzherzog Friedrich1) nach Wien gesendet, um beim Kaiser die Erlaubnis zur Überprüfung des Zustandes der Balkanstreitkräfte durch den Obstlt. Purtscher und einen Vertreter der kaiserlichen Militärkanzlei zu erwirken. Eine Denkschrift des GdI. Conrad 2) zählte die Maßnahmen auf, deren sofortige Einleitung er zum Schutz der bedrohten Grenze für notwendig erachtete.

Als FML. Ritt. v. Marterer und Obstlt. Purtscher am 16. mittags beim BOK. in Peterwardein eintrafen, war FZM. Potiorek bereits in voller Tätigkeit, um jene Maßnahmen durchzuführen, die GdI. Conrad gleichfalls für notwendig erkannt hatte: Anlage von Befestigungen, Vorbereitung rascher Truppenverschiebung mit der Eisenbahn. Nach kurzer Rücksprache mit dem Oberkommandanten traten die beiden Abgesandten eine

Rechnet man nach dem Erfahrungssatz von den 168.838 Verwundeten und Kranken drei Viertel als nach Genesung wieder dienstfähig ab, so stellte sich der absolute Verlust auf rund 147.000 Mann. Der Verlust erhöhte sich in den Wintermonaten durch Krankheiten, die aus Serbien mitgebracht wurden, wenn es auch bald gelang, Cholera, Ruhr und Flecktyphus einzudämmen, die in Serbien lange Zeit weiterwüteten und neben vielen Serben den größten 7'eil der Gefangenen hinwegrafften. Nach dem Serb. Gstb.-W., VII, 397, fielen 270 Offiziere und über 40.000 Mann in Kiiegsgefangenschaft, so daß rund 480 Offiziere und fast 36.000 Mann der Vermißten den Toten zuzuzählen wären, deren Zahl sich somit auf rund 64.000 erhöhen würde. Nun erhob aber das k.u.k. Zentralnachweisebureau nach Eroberung Serbiens nominell 1494 Offiziere und 74.903 Mann als in Kriegsgefangenschaft geraten, wobei zahlreiche Verstorbene nicht registriert werden konnten. Der Großteil entfiel der ganzen Sachlage nach auf den Feldzug 1914. Es scheint daher, daß die Serben die Zahl der eingebrachten Gefangenen stark unterschätzten, was bei der geringen Aufmerksamkeit und Fürsorge, die das durch Krankheiten heimgesuchte Land den Gefangenen widmen konnte, nicht wundernehmen darf. Die relativ große Zahl von Offizieren rührt daher, daß sich viele unberechtigterweise als solche ausgaben. Aus der Kriegsgefangenschaft dürften einschließlich der durch den Herbstfeldzug 1915 Befreiten nicht viel über 2000 Mann entkommen sein, an Italien wurden nach dem Rückzug an die albanische Küste 460 Offiziere und 21.000 Mann übergeben.

1) C o n r a d, V, 751.

2, Ebenda, V, 748.

zweitägige Rundreise zu beiden Armeen an, bei denen sie höchst betrübliche Eindrücke empfingen.

Schon Erzherzog Karl war vom Armeeoberkommandanten beauftragt worden, mit dem Kaiser zu besprechen, ob nicht FZM. Potiorek seines Postens zu entheben wäre1); gleichzeitig warf der um Ungarns Sicherheit besorgte Ministerpräsident Graf Tisza telegraphisch die gleiche Frage auf2), deren Beantwortung nach den vom FML. Marterer gemachten Feststellungen nicht mehr zweifelhaft sein konnte. GdI. Bolfras bereitete seinen Freund am 20. Dezember in einem Brief auf diese Wendung vor, verwies auf den aller Welt erkennbaren „unabsehbaren Fehler“, für den einzig und allein die oberste Führung verantwortlich gemacht werde, und machte ihn aufmerksam, daß er hienach sein Verhalten einrichten möge.

Beim Empfang dieses Schreibens blickte FZM. Potiorek aber doch wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Der streitbare Stand des XV. und des XVI. Korps hatte sich nach dem Eintreffen in den syrmischen Erholungsquartieren durch Einrücken Versprengterund Abkommandierter und das Einsetzen einzelner Marschkompagnien auf 44.162 Mann gehoben. Die 5. Armee war allerdings durch die letzten Kämpfe auf 31.955 Streiter herabgesunken, hatte somit seit Beginn der Schlacht bei Arangjelovac 16.000 Mann eingebüßt. Immerhin standen samt den 22.639 Streitern des FML. Šnjaric insgesamt 98.756 Mann zur Abwehr der Serben zur Verfügung, was angesichts der großen Verluste, die auch diese erlitten hatten, zur Verteidigung ausreichen mochte.

Die Andeutungen des Chefs der Militärkanzlei ließen die Frage offen, ob Potiorek Verfehlungen der unteren Führer für das Verhängnis geltend machen sollte. Unverzüglich antwortete er am 21.: „Die Verantwortung für alles Geschehene, mag es sich wie immer zugetragen haben, trifft ausschließlich mich und ich werde jede Konsequenz dieser mir zufallenden Verantwortung ruhig und mit soldatischer Ergebenheit auf mich nehmen.“ Er hätte gleich nach Erteilung des Räumungsbefehles von Belgrad um seine Enthebung gebeten, wäre dadurch nicht der Eindruck erweckt worden, daß er die Flinte ins Korn werfe. Solange keine höhere Entscheidung getroffen sei, hielt er es für seine Pflicht, „alles daranzusetzen, das verschuldete Unglück selbst wieder gut zu machen“.

Bald nach Absendung dieses Schreibens kam die telephonische Mitteilung, daß GM. Böltz ein Kommando im Norden erhalten werde. Nun konnte über die Absichten der maßgebenden Kreise kaum mehr ein Zweifel

1)    Conr ad, V, 747.

2)    Ebenda, V, 780.

obwalten. FZM. Potiorek wandte sich in der Nacht an die Militärkanzlei, an das AOK. und das Kriegsministerium mit der Bitte um Verabschiedung aus dem aktiven Dienste.

Ungesäumt erfolgte die Erledigung. GdK. Erzherzog Eugen wurde zum Kommandanten der 5. Armee ernannt, in welcher alle Balkanstreitkräfte zusammengefaßt wurden, FML. Krauss ihm als Generalstabschef an die Seite gestellt. Bald darauf erfolgte die Ernennung des FML. Sarkotić zum kommandierenden General in BHD. bei gleichzeitiger Betrauung mit den Funktionen eines Chefs der Landesregierung.

Bei seinem Scheiden gab FZM. Potiorek der Überzeugung Ausdruck, daß die Serben zu einem ernsten Vorstoß über die Grenzen nicht mehr fähig seien. Diese Vorhersage erfüllte sich weit über alle Erwartungen hinaus. Serbiens Wehrmacht, die nach Angaben später erbeuteter Geheimakten 22.000 Mann an Toten, 91.000 an Verwundeten und 19.000 an Gefangenen eingebüßt hatte, war auf lange Zeit matt gesetzt und blieb so weit außer Rechnung, daß schon im Jänner und Februar 1915 das Komb., das VIII. und das XIII. Korps in die Karpathen, im Mai das XV. und das XVI. Korps an den Isonzo abgezogen werden konnten. Im Rahmen des großen Kampfes waren sonach die Opfer nicht vergebens gebracht worden. Freilich hat der Feldzug der Donaumonarchie politisch eine schwere Einbuße an Ansehen und Geltung gebracht und trotz der Taten und Opfer der Truppen in der Heimat wie außerhalb der Reichsgrenzen dem Vertrauen auf die militärische Leistungsfähigkeit des Reiches einen empfindlichen Stoß versetzt.

DER FELDZUG VON LIMANOWA-ŁAPANÓW

Die Ereignisse nördlich der Weichsel

Eingreifen der Armee Böhm-Ermolli in die Kämpfe

südlich von Łódź (29. November bis 14. Dezember)

Hiezu Beilage 26 sowie Skizze 54

Ende November hielt die in Polen kämpfende deutsche 9. Armee zwischen der Widawka und der Weichsel und wehrte, nachdem sich das XXV. RKorps und die 3.GID. durch den Ring der feindlichen Massen auf Brzeziny glücklich durchgeschlagen hatten (S. 554), mit dem Gros westlich und nördlich von Łódź russische Angriffe ab. Vom 26. an gelang es, die gefährliche Lücke zu schließen, die zwischen ihrer Hauptkraft und dem von feindlicher Überlegenheit zurückgedrängten linken Flügel klaffte. In den nächsten Tagen gestaltete sich aber die Lage an der unteren Bzura abermals schwierig. Neue russische Divisionen stießen aus Łowicz vor; sie drohten, die 9. Armee von Ost nach West aufzurollen und ihre Verbindungen mit Thorn—Gnesen zu durchschneiden. Auf dem rechten Weichselufer erhielt die unter Befehl des GLt. v. Zastrow an der west- und ostpreußischen Südgrenze stehende, aus Landwehr-, Ersatz- und Landsturmtruppen zusammengesetzte „Gruppe Graudenz“ den Auftrag, gegen die Narewfront vorzugehen und hiedurch die hart kämpfende 9. Armee zu entlasten. In Ostpreußen endlich war die 8. Armee in der ersten Novemberhälfte vor der Übermacht der russischen 10. Armee aus ihren Stellungen an der Grenze langsam zurückgegangen und behauptete sich an der Angerapp und in den masurischen Seenengen gegen feindliche Angriffe.

Trotzdem Ende November die Kampfkraft der 9. Armee nach dem wechselvollen Ringen bei Łódź zu erlahmen begann, entschloß sich GFM. Hindenburg zur Wiederaufnahme der Offensive. Endlich waren auch die sehnlichst erwarteten Verstärkungen aus dem Westen eingetroffen, um die er und Conrad die DOHL. wiederholt bestürmt hatten. Von diesen wurden das II. Korps von Kalisz gegen die Südwestecke der russischen Front bei Łódź, das Genkmdo. des XXIV. RKorps mit der 48. RD. von Kreuzburg rechts neben das II.Korps vorgeführt, endlich die 26.ID. des XIII. Korps von Wreschen in die Gegend nordöstlich von Łowicz dirigiert*).

*) Reich sarchiv, VI, 101, 248 ff. — Schwarte, Der deutsche Landkrieg, I, 505 ff. — Wulffen, Die Schlacht bei Łódź (Oldenburg 1918), 95 ff.

Weiters wurde die aus Ostpreußen herangeholte l.ID. von Thorn gegen den linken Flügel Mackensens in Bewegung gesetzt. Die 47.RD. hatte Hindenburg auf Wunsch Conrads nach Krakau weiterrollen lassen (S. 556), von wo aus sie an den Südflügel der 4. Armee geworfen wurde (S. 562).

Als am 30. November das deutsche XXIV. RKorps (48. RD. und Division GLt. Menges), das Kavalleriekorps Frommei (öst.-ung. 7., deutsche

5. und 8. KD., verstärkt durch eine Landwehrbrigade) sowie das deutsche

II. Korps aus der Linie Widawa—Zduńska Wola anzugreifen begannen, um zwischen der 4. und der 5. Russenarmee durchzustoßen und die feindliche Front bei Łódź von Süden her aufzurollen, sollte die Armeeabteilung Woyrsch gemäß dem am 26. erlassenen Befehle des AOK. (S. 559) „Kräfteverschiebungen nordwärts gegen die deutsche 9. Armee“ verhindern und sich „sodann, vom Nordflügel umfassend, dem Angriffe Mackensens anschließen“.

Auf dem Nordflügel der Armeeabteilung stand am Vorabende der neuen deutschen Operation die Armee Böhm-Ermolli mit dem XII. Korps etwa einen Tagmarsch westlich von Noworadomsk beiderseits der Warta und mit dem IV. Korps nördlich davon. Die deutsche 1. GRIBrig. und das Kavalleriekorps Hauer waren am 28. November nach wechselvollen Kämpfen bis an die Widawka gelangt, tags darauf aber vor überlegenen Kräften zum Rückzug hinter den Sosniaabschnitt genötigt worden.

Dem Führer des IV. Korps, GdK. Tersztyanszky, wurde vom 2. Armeekmdo. befohlen, wieder auf Szczerców vorzustoßen. Die jedoch am

29.    spät abends einlangenden Nachrichten besagten, daß die Masse der zwischen der 4. und der 5. Russenarmee bisher, festgestellten Feindkräfte (7. ID. des V. Korps und etwa 3y2 Kavalleriedivisionen) soeben von Łask nach Süden gegen Szczerców verschoben worden sei1). Überdies gewann man jetzt im Hauptquartier Böhm-Ermollis aus verschiedenen Anzeichen den Eindruck, daß sich neben dem GrenKorps auch noch das feindliche XIX. vor der Armee befand. GdK. Böhm-Ermolli gab daher das für den

30.    November geplante Unternehmen gegen Szczerców auf und erbat bei seiner Heeresleitung neuerlich (S. 550) Verstärkungen, um mit Aussicht auf Erfolg in der Richtung Bełchatów zwischen der 4. und der 5. Armee der Russen durchstoßen zu können. GdI. Conrad hielt aber eine Schwächung der Front nordwestlich von Krakau, wo Dankl noch immer mit russischen Angriffen rechnete, zugunsten Böhm-Ermollis nicht ratsam, bevor die soeben südlich der Weichsel beginnende neue Offensive der k.u.k. 4. Armee (S. 562) nicht ein entscheidendes Ergebnis erzielt hatte.

Inzwischen lagen neue Nachrichten vor. Es sollten die Ural- und die

5. DonKosD. den Widawkaabschnitt bei Szczerców besetzen und die russische 7. ID. sich in der Gegend nordöstlich von Widawa versammeln. Um den dortigen Flußübergang kämpfte das deutsche XXIV. RKorps, das am 1. Dezember den Angriff auf dem Ostufer gegen Nord fortsetzen wollte. Hindenburg drängte daher auf ein neuerliches Vorgehen der 1. GRIBrig. und des Kavalleriekorps Hauer1). Noch, am 30. November abends wurde Böhm-Ermolli sowohl von Conrad als auch von Woyrsch angewiesen, sich mit der 2. Armee am kommenden Tage vom linken Flügel aus der Offensive in der Richtung auf Piotrków anzuschließen.

Demgemäß verfügte der Armeeführer für den 1. Dezember, daß die

1.    GRIBrig. sowie die „möglichst frühzeitig im Staffelverhältnis heranzuziehende 31. ID. das nördliche Widawkaufer bei Szczerców und südöstlich davon“ zu gewinnen hatten. Die Anordnung zur Vorrückung auf Bełchatów behielt sich das Armeekmdo. noch vor. Die 32. ID. war entweder für einen Angriff gegen Nordost oder gegen Ost bereitzustellen. Endlich hatte sich das XII. Korps in seinen bisherigen Stellungen zu behaupten.

Somit gingen am 1. Dezember vormittags auf dem Nordflügel der

2.    Armee die halbe 31. ID. und die 1. GRIBrig. unter FML. Lütgendorf zum Angriffe vor. Die Garde trieb die Uralkosaken von Szczerców zurück, rechts davon faßte die halbe 31. ID. unter leichten Gefechten an der Widawka Fuß und flußaufwärts gelangte das Kavalleriekorps Hauer auf das Ostufer. Erschöpft von ihrem Gewaltmarsch auf das Schlachtfeld und von nächtlichen Kämpfen um die Widawkaübergänge lag neben der öst.-ung. Reiterei die 48.RD. des deutschenXXIV.RKorps.Weiternördlich drang aber das Kavalleriekorps Frommei bereits gegen die Straße Szczerców— Łask vor und das deutsche II. Korps focht schon westlich von Pabianice.

Inzwischen drängte GFM. Hindenburg in Teschen und Koschentin auf Entlastung der hart ringenden 48. RD.2). Böhm-Ermolli wurde hierauf vom AOK. und von Woyrsch beordert, die Offensive kräftigst fortzusetzen.

Am 2. und 3. Dezember fanden die inneren Flügel der k.u.k. 2. und der deutschen 9. Armee nur geringen Widerstand. Lütgendorf und Hauer kamen am 2. bis halbenwegs zwischen Szczerców und Bełchatów vorwärts, die 48. RD. bis in die Gegend westlich von Wadłew. Am 3. warf die 1. GRIBrig. russische Reiterei über Bełchatów zurück, die halbe 31. ID. erstürmte Grocholice, während der Nordflügel der 32. ID. zum Schutze der Südflanke der nun weit nach Osten vorgedrungenen Gruppe Lütgendorf bis in die Gegend von Chorzenice vorging. GdK. Hauer mußte mit seinen beiden Kavalleriedivisionen vom äußersten Nordflügel der 2. Armee nach rechts in die Lücke abrücken, die zwischen Lütgendorf und der 32. ID. aufgesprungen war. Das Kavalleriekorps Frommei sollte in rechts überholender Verfolgung in den Rücken des vor dem deutschen II. Korps bei Pabianice stehenden Feindes bis an die Straße Łódź—Piotrków vorstoßen. Es konnte jedoch am 2. mit der vorne befindlichen öst.-ung. 7. KD. südöstlich von Łask nicht durchdringen, kam aber am 3. über die obere Grabia hinaus. Auch die deutsche 48. RD. erzielte bei Wadlew Erfolge.

So schien jetzt der Angriff an den inneren Flügeln der Armeen Böhm-Ermolli und Mackensen zum Ziele zu führen. Da ließen aufgefangene Funksprüche darauf schließen, daß die Russen von Süden her einen Angriff auf Bełchatów planten und feindliche Reiterei von Piotrków heraneile, während das bisher bei Żarki eingesetzte III. kauk. Korps die Richtung auf Kamińsk einschlug. Woyrsch hielt eine weitere Linksschiebung innerhalb seiner Armeeabteilung für unmöglich. Böhm-Ermolli bat daher, die noch bei Żarki verbliebene halbe 1. GRD. ablösen zu lassen, um sie für seinen bedrohten Nordflügel freizumachen. Bevor dies durch Vermittlung Falkenhayns1) erreicht werden konnte, war jedoch mit dem russischen Angriff von Süden her auf das Korps Tersztyanszky zu rechnen.

Als FML. Lütgendorf am 3. in der Verfolgung der geschlagenen russischen Reiterdivisionen über Bełchatów ostwärts gegen Piotrków strebte, beobachteten die Flieger bereits den Anmarsch starker russischer Kolonnen über Kamińsk. Gerade weilten im Hauptquartier des GO. Woyrsch in Koschentin der Deutsche Kaiser, Falkenhayn und Böhm-Ermolli. Die gespannte Lage fand hier willenskräftige Führer. Es galt zu verhindern, daß der auf Bełchatów zielende Russenangriff den bei Pabianice anscheinend der Entscheidung entgegenreifenden Kampf der 9. Armee ungünstig beeinflußte2). Woyrsch meinte diese Aufgabe nur durch Angriff lösen zu können. Böhm-Ermolli stimmte zu und beauftragte Hauer und Tersztyanszky, am 4. in südöstlicher Richtung gegen das anrückende III. kauk. Korps vorzugehen. Um dieses Unternehmen in Flanke und Rücken zu sichern, erbat der Armeeführer das gleichzeitige Einsetzen des Kavalleriekorps Frommei gegen Piotrków.

Zur Zeit, als diese Entschlüsse gefaßt wurden, hatte GdK. Tersztyanszky schon die Vorbewegung Lütgendorfs gegen Piotrków angehalten. Das IV. Korps stieß am 4. alsbald auf den Feind. Auf dem rechten

x) R e i c h s a r c h i v, VI, 276.

2) Ebenda. VI, 276.

Flügel konnte die 32. ID. zunächst Raum gegen Kamińsk gewinnen, am Spätnachmittag drängte sie aber ein Gegenangriff der 2. GrenD. vom bisherigen Nordflügel der russischen 4. Armee wieder auf Rogowiec zurück. In der Mitte warf Hauer die feindliche 13. KD. über Grocholice, wurde jedoch dann von den Vortruppen des III. kauk. Korps zum Rückzüge auf diesen Ort genötigt. Die halbe 31. ID. war bis in den Raum südwestlich von Bogdanów vorgedrungen und kämpfte dort bis spät in die Winternacht hinein beiderseits des Borowaberges, dessen mondbeleuchteter kahler Kegel aus der schneebedeckten Ebene aufragte. Weiter links war die 1. GRIBrig. erst nach Einbruch der Dunkelheit in die nunmehr nach Süden gekehrte Schlachtfront gerückt und hatte mit ihrem linken Flügel etwa 10 km südlich von der Straße Bełchatów—Piotrków gefochten.

Da sich indes die Masse des Kavalleriekorps Frommei nach Nordost gewandt hatte, um dem vor dem deutschen II. Korps bei Pabianice noch haltenden Feind in den Rücken zu kommen, und nur mit einer Brigade der deutschen 8. KD. westlich von Mzurki an der Grabia stehen geblieben war, drohte die Gefahr eines russischen Angriffes auf die offene Flanke und in den Rücken des Korps Tersztyánszky.

Inzwischen kündeten mitgelesene Funksprüche die Verschiebung von zwei bis drei weiteren feindlichen Divisionen an, die hinter der Front der russischen 4. Armee nach Norden ziehen sollten.

Angesichts der Lage hatte das AOK. am 3. den GdK. Dankl beauftragt, die noch bei Żarki stehende halbe 1. GRD. durch Truppen der

1. Armee freizumachen, um sie dem Nordflügel Böhm-Ermollis zuzusenden. Da Dankl nach Teschen gemeldet hatte, die Stellungen seiner Armee seien nunmehr derart ausgestaltet, daß sie auch mit geringeren Kräften gehalten werden könnten, beschloß das AOK. noch am gleichen Tage, die 27. ID. aus der Front bei Krakau zu ziehen und sie für Woyrsch mit der Bahn nach Sieradz zu fahren.

Infolge der neuerlichen russischen Nordverschiebungen sah man in Koschentin am 4. abends die Lage als recht bedenklich an. GdK. Böhm-Ermolli wollte ursprünglich den Angriff am nächsten Tage fortsetzen, äußerte aber dann doch im Hinblick auf das schon stark mitgenommene Reiterkorps Hauer Bedenken1). Der Draht beförderte Bitten um Unterstützung nach Teschen und Posen. Um den Kämpfen neuen Schwung zu geben, wies Conrad noch in der Nacht zum 5. in einer Depesche an Böhm-Ermolli auf die Auffassung Hindenburgs hin, der es bei dem elenden x) Reichsarchiv, VI, 278.

I 2. Aufl.    49

Zustande und bei der geringen Gefechtsstärke des III. kauk. Korps für möglich hielt, dieses Korps von den Entscheidungskämpfen bei Łódź auch ohne augenblickliche Verstärkung Tersztyánszkys abzuhalten.

Am 5. wurde Tersztyanszky von den Kaukasiern heftig angegriffen. Die 1. GRIBrig., infolge des Abschwenkens Frommeis gegen Nordost in ihrer linken Flanke schwer bedroht, bog, als sie ein Vorstoß der bei Piotrków versammelten russischen Reitergeschwader traf, ihre bisher gegen Süd gerichtete Front nach Nord zurück. Die beiderseits des Borowaberges ringenden Bataillone Lütgendorfs und das bei Grocholice bedrängte Kavalleriekorps Hauer hielten dagegen den wiederholten Anstürmen der Kaukasier rühmlich stand. Ein zur Entlastung der erschöpften Reiterei von der Reserve des IV. Korps (halbe 31. ID.) unternommener Gegenangriff blieb im Sumpfgelände der Widawka stecken; diese Kampfgruppe wurde in der Nacht als Rückhalt hinter das Korps Hauer gezogen. Auch die auf dem Nordflügel des XII. Korps kämpfende 16. ID. sollte vorstoßen, um Tersztyanszky Luft zu machen. Die Stellungen des russischen GrenKorps an der Straße nach Noworadomsk waren aber festungsartig ausgebaut, so daß das Unternehmen aussichtslos zu sein schien. Dafür wurde eine Abteilung der Division zum IV. Korps in Marsch gesetzt. Auf dem Nordflügel hatte unterdessen Tersztyanszky in Sorge vor einer Aufrollung seiner ganzen Kampfgruppe von Piotrków auch die Division Lütgendorf nach Einbruch der Dunkelheit in eine ostwärts gekehrte Front zurückschwenken lassen.

Während sich diese Vorgänge auf dem Gefechtsfelde bei Bełchatów abspielten, eilten die sehnlichst erwarteten Verstärkungen herbei. Am 5. abends langte die von Żarki herangeführte halbe 1. GRD. in der Gegend nordwestlich von Czenstochau ein, indes die vordersten Staffeln der 27. ID. in Sieradz ausgeladen wurden.

Mit dem bevorstehenden Einsatz dieser Verstärkungen war zwar eine verläßliche Abwehr des III. kauk. Korps gewährleistet, doch rechnete Woyrsch mit einem Durchdringen des Angriffes der Armee Böhm-Ermolli nicht mehr, da die Russen mittlerweile ihre Front bis Piotrków ausgedehnt und durch ansehnliche Kräfte verstärkt hatten. So schien jetzt die Gelegenheit, zwischen der 4. und der 5. Armee des Feindes durchzubrechen, vorüber zu sein; der Unmut über das verspätete Eintreffen der Verstärkungen kam in den Ferngesprächen zwischen dem Armeegruppen-kmdo Woyrsch und dem Stabe Hindenburgs deutlich zum Ausdruck1).

Auch bei der Armee Mackensen hatte sich die Lage wenig aussichts

reich entwickelt: auf ihrem Südflügel war Frommei am weitesten gegen Osten vorgedrungen; sein Kavalleriekorps besaß aber zu wenig Kampfkraft, um einen tiefen Stoß führen zu können. Die Mitte der Armee sowie ihr linker Flügel lagen noch immer im Angriffe vor Pabianice, östlich von Lutomiersk, an der unteren Mroga und westlich der Bzura, wo den Russen Verstärkungen zuflossen. Die deutsche Führung hoffte aber, daß die eintreffenden Westdivisionen dort endlich einen entscheidenden Umschwung erzwingen würden1).

In dieser Lage ließen in der Nacht zum 6. aufgefangene Funksprüche erkennen, daß die Russen ihre Łódżer Stellung räumten. Mochte sich nun der Feind auch vor Bełchatów zum Rückzuge bequemen ? Auffallen mußte, daß die Kaukasier dort ihre Durchbruchsversuche eingestellt hatten, und daß vor dem Kavalleriekorps Frommei ein Nachgeben der russischen Reiterdivision gemeldet wurde.

Kaum hatte man in Wieluń, wohin das 2. Armeekmdo. am 4. übersiedelt war, diese überraschenden Vorgänge erfahren, so befahl Böhm-Ermolli dem Führer des IV. Korps, ohne das Einlangen der Zuschübe abzuwarten, den Abmarsch feindlicher Truppen sofort mit einem Angriffe zu beantworten. Gespannt sah man den weiteren Nachrichten entgegen. In einem Befehle des GO. Woyrsch wurde die Vermutung ausgesprochen, die russische Front werde sich auch vor der 2. Armee auf Piotrków—Noworadomsk zurückbiegen, außerdem hieß es aber, daß man in diesem Falle dem Feinde nicht überstürzt nacheilen dürfe, da er sich sicherlich sehr bald in einer neuen befestigten Linie festsetzen werde.

Diese vorsichtige Beurteilung der Lage durch den Führer in Ko-schentin war berechtigt, denn bald zeigte es sich, daß der Russe mit der Räumung von Łódź nur eine Verkürzung seines weit nach Westen vorspringenden Stellungsbogens bezweckte, und daß er vor der Armee Böhm-Ermolli in seinen Gräben stehen blieb. Schon am 6. abends entbrannten an den inneren Flügeln der Division Lütgendorf und des Korps Hauer neue Kämpfe, so daß sich Tersztyánszky zum Einsätze der hinter der Reiterei bereitgehaltenen Korpsreserve (halbe 31. ID.) genötigt sah. GdK. Böhm-Ermolli gedachte, Hauer durch Truppen der 31. ID. ablösen und ihn sodann links von der 1. GRIBrig. auf Piotrków vorbrechen zu lassen; hier sollte er den Russen die Rochadelinie nächst der Wien-Warschauer Bahn zerschneiden, auf der sie anscheinend neue Kräfte nordwärts verschoben. Dem IV. und dem XII. Korps wurde daher, falls der Feind vor der eigenen Front wich, die Schienenstrecke Noworadomsk—Kamińsk— Piotrków als Ziel gegeben. Tersztyánszky erhob jedoch Einspruch gegen diesen Befehl, weil er die stark in Anspruch genommene Reiterei zur Lösung der ihr gestellten Aufgabe nicht mehr für befähigt hielt und auch erst das Eintreffen der 27. ID. und der gleichfalls anrückenden halben

1.GRD.    (15.RIBrig.) abwarten wollte, um dann erst vom linken Flügel aus zum Angriffe vorzugehen.

Schon am Frühmorgen des 7. fielen die Russen den Nordflügel der

2.    Armee neuerlich an, so daß die Durchführung eines einheitlichen Gegenangriffes unmöglich wurde. Das schwer ringende Kavalleriekorps Hauer, dessen 9. KD. zurückwich, mußte durch einen Gegenstoß der Gruppe GM. Dáni (halbe 31. ID.) entlang des Nordufers der Widawka entlastet werden. Glücklicherweise traf jetzt die Spitze der im Gewaltmarsche von Sieradż und Łask auf das Schlachtfeld von Bełchatów herbeieilenden 27. ID. ein; die Division setzte am Nachmittag links von der 1. GRIBrig. zum Angriffe an und drängte nach hartem Kampfe die Reiter Gillenschmidts. in den Raum nördlich von Bogdanów zurück.

In der Nacht zum 8. und am Tage darauf stürmte der Russe abermals gegen Bełchatów los. Im Abschnitte Hauers gelang es den Vorhutbataillonen der 15. RIBrig. und Teilen der 1. GRIBrig., den Feind aus den bereits verlorenen Gräben zu werfen.

Am 9. standen die Russen von weiteren Angriffen ab. GdK. Böhm-Ermolli zog jetzt das Kavalleriekorps Hauer aus der Front und wollte zum Angriffe auf Piotrków schreiten. Unterdessen war aber die Verschiebung des bisher vor der Armee Dankl stehenden feindlichen XIV. Korps nach Piotrków beobachtet worden, während sich die Russen vor dem rechten Flügel Mackensens nach Preisgabe von Łódź in einer neuen Stellung zwischen Wolborz—Brzeziny und hinter der Mroga festgesetzt hatten. Angesichts der Gesamtlage riet GO. Woyrsch dem GdK. Böhm-Ermolli, sich mit der Behauptung der bisherigen Stellung zu begnügen.

Die in den nächsten Tagen herrschende Kampfpause nützte der Führer der 2. Armee zur Einstellung der soeben eingetroffenen Marschkompagnien und zur Ordnung der stark vermengten Verbände. Am 12. stand das XII. Korps (35. und 16. ID.) wie bisher auf dem rechten Flügel bei Prusiecko, beiderseits der Warta, das IV. (32. und 31. ID.) hatte sich als Armeemitte bis an die Widawka bei Rogowiec ausgedehnt. Noch weiter nördlich, auf dem Angriffsflügel, hielten das Kavalleriekorps Hauer 8 km östlich von Bełchatów und die 27. ID. an der Straße nach Piotrków; um Bełchatów war die nunmehr vereinigte 1. GRD. versammelt. Auf

Vorschlag Böhm-Ermollis übernahm der Führer des GRKorps, GdA. v. Gallwitz, den Befehl über die 27. ID. und die 1. GRD.

Wieder plante das 2. Armeekmdo., Piotrków am 13. anzugreifen, imd abermals befahl Woyrsch, hievon noch abzusehen, weil die deutsche

9. Armee gegenwärtig ihren rechten Flügel versagte, auf dessen Beteiligung Böhm-Ermolli gerechnet hatte, um die Entscheidung an der unteren Bzura herbeizuführen. Nur wenn sich das bei Piotrków eingelangte russische XIV. Korps nordwärts gegen Mackensen wenden sollte, sei dieses sofort anzugreifen.

So hielten sich am 13. die Truppen des neugebildeten Korps Gall-witz zum Sturme auf Piotrków nur bereit. Die Lufterkundung war durch Regen und Nebelwetter ausgeschlossen; Erkundungsabteilungen, die gegen die Stadt streiften, stießen überall auf heftigen Widerstand. Infolge der ungeklärten Lage unterblieb auch am 14. jedes Angriffsunternehmen.

Die Begebenheiten bei der Armee Dankl

Auf dem rechten Flügel der Armeeabteilung Woyrsch hatte seit den letzten Novembertagen im wesentlichen Ruhe geherrscht. Gegen die

I.    Armee1), die damit betraut war, in Anlehnung an die Festung Krakau die Front zwischen Biały Kościoł und Żarki zu halten und die gegenüber befindlichen russischen Kräfte zu binden, war der Feind noch bis zum

3. Dezember in vereinzelten Angriffsversuchen tätig. Später sandte die Artillerie der russischen 9. Armee nur mehr zeitweise ihre Geschosse gegen die öst.-ung. Linien, während die Infanterie zum Spaten griff, weil Letschitzkis Verbände infolge des bereits erwähnten Abmarsches des

III. kauk. und des XIV. Korps nach Nord und der Rückkehr des XXI. und des X. auf das rechte Weichselufer sich strecken mußten. Hiemit begannen die Russen den südlichen Teil ihrer Front im Weichselbogen zugunsten der ihnen wichtiger erscheinenden Operationsfelder zu schwächen.

Die eingetretene Kampfpause, die allmähliche Wiederherstellung der Ordnung in den Verbänden, der fortschreitende Ausbau der Stellungen sowie die durch Lufterkundung festgestellte Schwächung der Front Letschitzkis gestatteten es der 1. Armee, Verstärkungen nach Nord (S. 769) und nach Süd zu der schwer ringenden 4. Armee abzusenden.

*) Gliederung der 1. Armee: VI., X., V., I. Korps, Gruppe Tschurtschenthaler und

II.    Korps. Die Festung Krakau unterstand dem 4. Armeekmdo.

Die Schlacht bei Limanowa-Łapanów

Beginn und Krisis (1. bis 10. Dezember)

Hiezu Beilage 27 sowie Skizze 55

Das Einsetzen der Atigriffsgruppe der 4. Armee Vorgänge bei der Armee Boroević

Am 1. Dezember war die Masse des zum Angriff auf den Südflügel der Armee Dimitriew bestimmten k.u.k. XIV. Korps — die höheren Kommandos, die Infanterie, einige Batterien und Kampftrains im Bahntransport, alle übrigen Teile mit Fußmarsch — im Raume Chabówka—Mszana Dl. eingelangt (S. 562). Die deutsche 47. RD. wurde erst ausgeladen, da sich deren Antransport infolge der geringen Leistungsfähigkeit der eingeleisigen Bahn (24 Transporte zu 50 Achsen mit einstündigem Zugsintervall) verzögert hatte.

Die russische 3. Armee schien jetzt mit den südlich der Weichsel befindlichen vier bis fünf Infanteriedivisionen des XI. und des IX. Korps gegen Wieliczka—Dobczyce aufzuschließen, mit zwei bis drei Kavalleriedivisionen nebst Infanterie im Raume Dobczyce—Tymbark vorzugehen.

Erzherzog Joseph Ferdinand hatte befohlen, daß FML. Roth nach erfolgter Bereitstellung seiner Gruppe bei Mszana Dl.—Chabówka—Jordanów mit starkem rechtem Flügel auf Bochnia gegen Flanke und Rücken der Feindkräfte südlich der Weichsel vorzustoßen habe; links von ihm hatte die Gruppe FZM. Ljubicić ihre Stellungen zu behaupten und sich erst mit Fortschreiten des Nachbarn dem Vorgehen anzuschließen (S. 563). Mit Rücksicht auf Verzögerungen im Bahntransport wurde der 3. Dezember für den Angriffsbeginn festgesetzt.

FML. Roth wollte zunächst die Gegend um Tymbark gewinnen und in der Folge seinen rechten Flügel in ein möglichst vorgeschobenes Verhältnis bringen. Hiezu mußte vor allem die einzige aus dem Auswaggonie-rungsraume nach Tymbark führende Straße vom Feinde gesäubert werden. Deshalb war zur Unterstützung der 6. KD. und der ll.HKD., zusammen kaum 1000 Karabiner, die zuerst eingelangte 13. SchD. nach Kasina Wk. vorgesandt worden, wo sie bereits am 1. Dezember erfolgreich in die Kämpfe der 6. KD. eingriff. Die Verhältnisse gestatteten eben eine dem Beginne der Operation vorangehende Bereitstellung der Kräfte nicht; Bahntransport, Aufmarsch und Entwicklung zum Gefechte flössen ineinander.

Die 3. ID., die am 1. noch den Raum bei Mszana Dl. erreichte, wurde tags darauf östlich der 13. SchD. eingesetzt und bahnte sich fechtend den Weg bis nach Dobra; ihr folgten die 8. ID. und die Spitzenstaffel der 47. RD.

FML. Roth plante, den Feind möglichst rasch von der einzigen Anmarsch- und Nachschublinie der eigenen Gruppe abzudrängen und unter dem Schutze der sich feindwärts vorschiebenden, ersteingesetzten Kräfte die nachfolgenden immer weiter nach Osten ausgreifen zu lassen, um Dimitriews Südflügel aus der Tiefe zu umfassen. Das Gelingen dieses Vorhabens war aber an die Voraussetzung gebunden, daß russische Verstärkungen, die etwa Brussilow von Osten heranführte, verläßlich abgehalten wurden. Das Kavalleriekorps Nagy hatte die Sicherung der äußeren Flanke während des Nordstoßes und die weitreichende Aufklärung in den Rücken der feindlichen 3. Armee zu besorgen. Es ritten am 2. die 6. KD. über Rzegocina gegen Bochnia, die 11. HKD. gegen Neusandez und die 10.KD. über Neumarkt (Nowytarg) durch das obere Dunajectal gegen Altsandez vor, die letztgenannte hatte auch das Vordringen feindlicher Kräfte südlich der Beskiden zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Gemischte Abteilungen wurden gegen Limanowa, Słopnice (südöstlich vonTymbark) und das Dunajecknie nördlich von Na Rzece entsendet.

In erster Linie oblag es freilich der Armee Boroević, den gegenüberstehenden Feind zu binden und Verschiebungen Brussilows zugunsten Dimitriews zu verhindern. Nach den geschilderten Kämpfen und anstrengenden Rückmärschen der letzten Tage waren jedoch die Truppen der k.u.k. 3. Armee aufs äußerste erschöpft und kaum imstande, dieser Aufgabe zu entsprechen, die nur angriffsweise gelöst werden konnte, wenn sich der Feind anschickte, Kräfte abzuziehen. Hiefür fehlten die Vorbedingungen. Namentlich war der Gefechtswert des IX. Korps, wie der Armeeführer nach Teschen berichtete, nach den eben überstandenen elf Marsch- und fünfunddreißig Kampftagen nur mehr äußerst gering. Die operative Lage hatte sich durch das Zurückgehen dieses Korps über Bartfeld recht ungünstig gestaltet und die schon früher in der Richtung zur

4. Armee aufgesprungene Lücke vergrößerte sich nunmehr auf fast 100 km (Beilage 27).

Schon am 1. Dezember hatte Boroević dem AOK. dargelegt, daß seine Truppen dringend einer Erholungspause bedürften, ehe sie zu weiteren Operationen befähigt sein würden, und er daher die jetzigen Stellungen bei andauerndem Drucke des Feindes nur vorübergehend halten könne. Tatsächlich verständigte er seine Unterführer von der Absicht, die Masse der Armee in diesem Falle in eine Stellung nordöstlich Kaschau (Beiläge 27) zurückzuführen, deren technische Verstärkung bereits eingeleitet war und erst dort nachhaltigen Widerstand zu leisten. Daß die Russen gar nicht weiter Vordringen wollten und ganz andere Pläne hatten (S. 588), konnte man im Hauptquartier nach dem feindlichen Vorstoß auf Bartfeld (S. 592) zunächst noch nicht vermuten. Die Aussichten für ein unmittelbares Zusammenwirken der 3. mit der 4. Armee waren damit nicht gefördert.

Bei der Wichtigkeit des Raumes von Neusandez, der von allen etwa von Brussilow gegen Westen abgezweigten Kräften durchschritten werden mußte, erhielt das 3. Armeekmdo. aus Teschen den Befehl, die 4. KD. zur Aufklärung dieser Gegend zu entsenden; sie sollte Feindmärsche gegen West und Nordwest verhindern.

Diese Reiterdivision, verstärkt durch drei Landsturmetappenbatadlone, sperrte seit der am 19. November vollzogenen Räumung von Neusandez die wichtigsten gegen Eperjes führenden Einbruchswege. Als am 1. Dezember ihre Abteilungen aus Muszyna vertrieben wurden und russische Kavallerie über Rytro im Popradtale vorging, stand zu besorgen, daß es den Feind locken könnte, über Alt Lublau vorzudringen und die lebenswichtige Kaschau-Oderberger Bahn zu unterbrechen. Das AOK. in Teschen betraute daher die 3. Armee und diese die 4. KD. mit der Sicherung der Strecke Poprad—Igló—Wallendorf. Hiezu rückte die Kavalleriedivision am 2. zunächst nach Alt Lublau, um bei weiterem Vorgehen dem engsten Teile des Popraddefilees ausweichen zu können.

Obgleich der Feind dem IX. Korps über Bartfeld am 2. nicht nachstieß, beschloß GdI. Boroević am gleichen Tage, seinen Westflügel -im Hinblick auf dessen Bedeutung durch zwölf Bataillone der komb.HID. FML. Kornhaber zu verstärken, die von Homonna nach Eperjes fahren sollten1). FML. Krautwald wurde angewiesen, sich mit dem Rest seiner Gruppe, zu dem die 56. ID. und die 8. KD. aus dem Befehlsbereiche Szurmays zu treten hatten2), im Raume Takcsány—Tótalmád (unweit der Mündung der Virava in die Laborcza) zu behaupten.

Während man jedoch in Kaschau vermeinte, die 3. Armee weiter vom

x) Der ungarische Ministerpräsident hatte sich mit seinen Besorgnissen wegen der Fortschritte der Russen auf ungarischem Gebiete zuerst an den Führer der 3. Armee pewandt. Nicht zum geringsten Teile unter dem Eindrücke der Depesche Tiszas mag Boroević in einem Augenblicke schwerster seelischer Depression seine Zustimmung zur Verschiebung der Gruppe Kornhaber gegeben haben, der einzigen noch intakt verfügbaren Kraft, und zwar ausschließlich zu dem Zwecke, Bartfeld wiederzugewinnen (vom 17. Mai 1929 datiertes Schreiben des GM. Anton Pitreich an das Kriegsarchiv).

~j Diese Änderung der Befehlsverhältnisse hing mit einer vorübergehenden Undienstbarkeit des FML. Szurmay zusammen.

Feinde absetzen zu müssen, sah auch die russische Führung die Lage als äußerst bedrohlich an1). Schon sprach sich der Angriff der Stoßgruppe des Erzherzogs Joseph Ferdinand gegen die südlich der Weichsel befindlichen Teile der russischen Südwestfront aus. Gleichzeitig forderte ein Hilferuf Rußkis von Iwanow Unterstützung, der sich jetzt nicht länger der Notwendigkeit verschloß, sämtliche Streitkräfte im Weichselbogen zurückzunehmen. Dagegen waren die Russen nicht gewillt, aus ihren Stellungen südlich des Flusses zu weichen. Auf Grund des von Iwanow erteilten Befehles (S. 588) mußte Brussilow ohne Rücksicht auf eine ausreichende Deckung seiner Südflanke und die Zernierung von Przemyśl das

VIII.    und das XXIV. Korps aus dem Raume von Mezölaborcz und Wola Michowa gegen Neusandez und Gorlice abrücken lassen.

Diese Bewegungen entgingen in ihrem Anfangsstadium der Aufmerksamkeit der Gegenseite.

Für die k.u.k. 3. Armee lichtete sich am 3. und 4. Dezember das Dunkel noch nicht, das über den Absichten der R.ussen schwebte. Sie unternahmen allerdings an beiden Tagen nichts Ernstliches, fühlten bloß vorsichtig gegen Magyar-raszlavicza vor, wohin das erschütterte

IX.Korps    ausgewichen war, ließen das III.Korps nahezu ganz unbehelligt2) und traten nur gegen die Sicherungstruppen des VII. Korps und der

5. HKD. sowie gegen vorgeschobene Abteilungen der Gruppe Krautwald in Gefechte, die für die Gesamtlage bedeutungslos waren. Aber diese Zurückhaltung der Russen deutete doch schon auf Kräfteverschiebungen gegen Westen, zu deren Verhinderung die 3. Armee berufen war.

Gerade jetzt aber mußte das Gros der gegen Neusandez dirigierten

4. KD. angehalten werden, um die Ausladung der komb. HID. zu sichern. Die Feindgruppe bei Muszyna verhielt sich zwar ruhig, doch mußte ein starkes Detachement der 4. KD. bei Łeluchów gegen eine russische Kolonne kämpfen, die von Bartfeld vorgerückt war.

Die Verhältnisse drängten auf einen weiteren Kräftezuschub für den Westflügel der Armee hin. Boroević griff auf die 38. HID., die bisher mit der Wegnahme des Uzsokpasses betraut war. Ihr Gros — acht Bataillone und fünf Batterien — wurde am 4. zum Abtransport nach Héthárs beordert, wohin auch die Ausladung der Division Kornhaber vorverlegt worden war. Der Rest der Division hatte unter Obst. Csermák in der

x) Danilow, 383 und N e s n a m o w, II, 6 f.

2) Beim III. Korps sammelte sich die von Teilen des VII. abgelöste 28. ID. bei Girált. Am 3. tasteten sich zwei russische Bataillone gegen die Front der 22. SchD. heran, wurden aber von einem einzigen Halbbataillon des Marburger SchR. 26 in regellose Flucht gejagt.

Paßgegend den Truppen des Generals Eck den Einbruch in das Ungtal zu verwehren.

Bis zum Morgen des 5. Dezember lüftete sich endlich der Schleier, der bis dahin über die Bewegungen der russischen 8. Armee gebreitet war. Einem aufgefangenen Funkspruch war zu entnehmen, daß das feindliche VIII. Korpskmdo. schon in Neusandez eingetroffen war; hinter den russischen Linien waren Truppenbewegungen in nordwestlicher Richtung im Gange, also offenbar zur Verstärkung Dimitriews. Aber im Laufe des Tages schlichen sich doch wieder verwirrende Züge in das beim 3. Armeekmdo. gewonnene Lagebild ein, denn im Abschnitte des VII. Korps verdrängte der Feind die 5.HKD. aus Homonnaolyka, und gegen Krautwald rückte eine starke feindliche Kolonne im Laborczatal herab. Andererseits liefen Nachrichten über russische Rückmärsche ein. Das Armeekmdo. bestärkte den FML. Krautwald darin, die bestehenden Zweifel über die Absichten der Russen durch erneuten Angriff zu zerstreuen und empfahl einen Vorstoß gegen Baligród und im Oslawicatale.

Inzwischen stand der Südflügel der Erzherzogsarmee schon durch zwei Tage in heftigem Kampfe.

Fla7ikenangriff gegen den Südfliigel der Armee Dimitriew (3. bis 6. Dezember)

Hiezu Beilage 27 sowie Skizze 55

Bei der Gruppe FML. Roth hatte die 8. ID. am 3. Dezember jene Teile des Feindes zu vertreiben gehabt, die nach dem Gefechte des Vortages bei Dobra ostwärts ausgewichen waren. Sie holte zur Rechtsumfassung über Słopnice aus, zwang hiedurch die Russen zur Räumung von Tymbark und folgte ihnen mit Vortruppen bis zur Straßengabel bei Łososina Grn. Die 3. ID. und die 13. SchD., diese unter Gefechten, drangen scharf gegen Norden vor. Von den Reiterdivisionen erreichte die 6. KD. Rzegocina nur mit einem Regimente, das Gros der ll.HKD. Limanowa. FML. Roth verlegte sein Hauptquartier nach Dobra, wo es bis zum Ende der Schlacht verblieb.

Gegenüber dem FZM. Ljubicić hatte der Druck der Russen seit dem

2. nachgelassen, doch scheiterte tags darauf ein Versuch seines rechten Flügels, sich dem Angriffe Roths anzuschließen. Da die 30. ID. auf den Widerstand des gut eingegrabenen Feindes gestoßen war, entschied man sich hier, den Erfolg des Flankenstoßes der Nachbargruppe abzuwarten.

Wiederholt mahnten das AOK. und das 4. Armeekmdo. zu rascher Vorrückung und zum Ausgreifen in den Rücken des Feindes; höchste Marschleistung der Truppen und scharfe Aufklärungstätigkeit der Kavallerie sowie die Zerstörung der Kommunikationen hinter den russischen Linien seien unerläßlich. Von der gleichen Absicht beseelt, wies FML. Roth die 6. KD. und die halbe 11. HKD. an, am 4. gegen die feindlichen Verbindungen in der Direktion auf Bochnia vorzustoßen; in der Richtung gegen Neusandez verblieb nur der Rest der 11. HKD. unter GM. Graf Bissingen, dem einige Infanterieabteilungen als Rückhaltbeigegeben wurden. Bissingen sollte im Einklänge mit der 4. KD. der Armee Boroević und der 10. KD. die bei Neusandez gemeldeten russischen Abteilungen „aufheben“, zum wenigsten aber deren Vorrückung nach Limanowa verhindern.

Doch abgesehen von den äußerst ungünstigen Angriffsverhältnissen im vereisten, stark bewaldeten Bergland und den Marsch-und Transportschwierigkeiten auf einer einzigen, sich beständig bergauf und bergab windenden Marschlinie für Truppen und Trains von vier Infanterie-und zwei Kavalleriedivisionen zwang auch die wachsende Verzögerung im Antransporte der deutschen 47. RD. zum Zuwarten bis zur geschlossenen Bereitstellung ihrer Verbände. Dies war umso unerläßlicher, als FML. Roth dieser Division wegen ihres hohen Standes von 12.000 Gewehren die Verwendung als einheitliche, geschlossene Schlagkraft an seinem äußerem umfassendem Flügel zugedacht hatte.

Der Festungskommandant in Krakau, FML. Kuk, wurde beauftragt, den Feind durch häufige und kraftvolle Ausfälle vor der Südost- und der Nordostfront zu binden und einen etwa bei Niepołomice beabsichtigten Uferwechsel zu verhindern. Die in diesem Sinne während der nächsten Tage bewiesene tatkräftige Mitwirkung des festen Platzes an den Aktionen des Feldheeres, in der Folge durch das 4. Armeekmdo. geregelt, mag die Zuversicht Dimitriews auf die leichte Bezwingung der Weichselfeste (S. 560) schwer enttäuscht haben.

Seltsamerweise blieben das XI. und das IX. russische Korps trotz der von Süd und Südost drohenden Umfassungsgefahr noch am Morgen des

4. Dezember unbeweglich in ihren mit der Front gegen West gekehrten Stellungen. Offenbar unterschätzte Dimitriew den neuen Gegner, dessen Versammlung seinen Fliegern nicht entgangen sein konnte1), die schon am 2. über dem Ausladeraum der Gruppe Roth kreisten. Erst im Laufe des Nachmittags führte der Russe Reserven zur Abwehr des Flanken-

x) Die eingehende Meldung einer russischen Nachrichtenpatrouille über den Vormarsch Roths wurde von seiner Kavallerie abgefangen.

stoßes heran, denn die aus ihrem Ostmarsche allmählich gegen Nord aufschwenkenden öst.-ung. Divisionen (von links nach rechts: 13.SchD., 3. und

S. ID.), denen bisher vorwiegend Reiterei entgegengetreten war, stießen am 4. auf nachhaltigen Widerstand. An der ganzen Front entbrannte nun ein heftiger Kampf, der auf beiden Seiten durch den beständigen Wechsel zwischen ungestümem Vorwärtsdrängen und erbitterter Abwehr gekennzeichnet war. Immerhin nahm die 8. ID. in überraschendem Nachtangriff die Höhen nördlich Zbydniów, die 3. ID. war westlich davon vorgestürmt, während die beiderseits der Stradomka vorrückende 13. SchD. schließlich vor der stark besetzten, die Umgebung beherrschenden Góra Sw. Jana zum Stehen gekommen war. Die Spitzenbrigade der 47. RD., durch Gebirgsartillerie verstärkt, trat nach beträchtlicher Marschleistung bei Rze-gocina ins Gefecht; die hintere Brigade gelangte als Gruppenreserve nach Łososina Grn.

Der Versuch der 6. KD., für die Aufklärung ein Loch zu schlagen, mißglückte, sie ging auf die Widomahöhe zurück; nur einem ihrer Regimenter gelang es, über Rajbrot vorzudringen und bei Lipnica feindliche Trains zu überfallen. Die halbe ll.HKD. trachtete, über Iwkowa ausbiegend, vorwärts zu kommen. GM. Bissingen begegnete in Erfüllung des Auftrages, gegen Osten zu sichern, nur feindlicher Kavallerie und erreichte mit seinen Vortruppen die Gegend östlich von Kanina. Die Russen in Altsandez wurden durch die von Westen kommende 10. KD. und das aus dem Popradtal anrückende Detachement des Obst. v. Weisz (sieben Schwadronen, eine Batterie und ein Landsturmbataillon der 4. KD.) vertrieben, ohne daß es jedoch den beiden Detachements gelang, die Aufklärung weiter vorzutragen.

Über die Stärke der Russen bei Neusandez herrschte damals noch völlige Unklarheit. Die Nachrichten schwankten; bald wurde die Anwesenheit bloß einiger Bataillone und Schwadronen festgestellt, bald sprachen die Meldungen von einer ganzen Infanterie- und einer Kavalleriedivision1). Dennoch wurde von dort her, wenigstens unmittelbar, keine feindliche Einwirkung gegen die Gruppe Roth erwartet. Das 4. Armeex) Über die Einzelheiten der feindlichen Operationen jener Tage liegtleider noch kein authentisches russisches Quellenwerk vor. Nach Nesnamow, III, 18 war „um diese Zeit die Versammlung des VIII. und des XXIV. Korps (der 8. Armee) im Raume um Ncu-sandez noch bei weitem nicht beendet. Teile des XXIV. Korps hatten Gorlice erreicht, das VIII. Korps befand sich in der Gegend von Lisko—Sanok“. Einzelne Irrtümer in der Darstellung Nesnamows lassen es jedoch nicht rätlich erscheinen, seine Angaben als unbedingt zuverlässig anzusehen.

kmdo. verzichtete daher auf eine Verstärkung der gegen Neusandez entsandten Kräfte. Im Stoße des rechten Armeeflügels nach Nord erblickte es jetzt seine Hauptaufgabe und diesen wollte es mit möglichst zusammengehaltener Kraft durchführen. FML. Roth beurteilte die Lage in gleicher Art und bezeichnete als Richtlinie für seine Vorrückung: Versagen des linken und Geländegewinn des rechten Flügels, somit eine Linksschwenkung seiner Stoßgruppe, wobei der linke Flügel die Richtung Gdów, der rechte jene auf Bochnia nehmen sollte. Demnach wurde für den 5. Dezember die tatkräftige Fortführung des Stoßes der Armeegruppe bis an die Raba und die große Straße bei Bochnia befohlen. Die 6. KD. mit Teilen der 11. HKD. wurde gegen Brzesko angesetzt; alle Dunajecbrücken abwärts von Neusandez waren zu zerstören.

Doch es kam anders. Der weitere Angriff der Gruppe Roth stieß am

5. Dezember auf heftigsten Widerstand. Tagsüber rang die 13. SchD. um den Besitz der stark befestigten Góra Św. Jana; der Erfolg blieb aber aus, obgleich die 3. ID. flankierend eingriff. Ansonst hatte auch diese Division nicht erheblich Raum zu gewinnen vermocht. Rechts von ihr erwehrte sich die 8. ID. eines ungestümen feindlichen Gegenstoßes, blieb aber sonst an die Stelle gebannt. Ein Versuch der 47. RD., den Feind in der Nacht zu überrumpeln, war mißglückt. Doch der mit Tagesanbruch umfassend angesetzte und durch Artillerie der ll.HKD. unterstützte Angriff drang durch und kostete die Russen etwa tausend Gefangene. Die deutsche Division rückte mit beiden Brigaden bis an die Stradomka vor.

Zu dem befohlenen Vorstoß gegen Brzesko wurde vom FML. Nagy außer der 6. KD. auch die Polenlegion angesetzt. Da sich der Feind bei Rajbrot entgegenstellte, mußte die Division über Iwkowa ausgreifen, i in welchem Raum sie auch nächtigte. Die hier befindliche Hälfte der

ll.HKD. war im Aufklärungsdienste verausgabt; ihre Nachrichtenabteilungen kamen aber über die Höhenlinie nördlich der Chaussee Lipnica— Zakliczyn nicht hinaus.

Weiter südlich ging GM. Bissingen bis auf etwa 6 km an Neusandez heran, kehrte aber, als er hier auf drei russische Bataillone mit Artillerie stieß, wieder nach Kanina zurück, ohne jedoch vom Feinde verfolgt zu werden. Auch die Versuche des Detachements Weisz und der 10. KD., bis Neusandez durchzudringen, scheiterten an den Gegenstößen der Russen.

Während sich im äußersten Nordabschnitt der 4. Armee das XVII. Korps noch zuwartend verhielt, schob sich das XI. im Anschlüsse an die 13. SchD. mit dem rechten Flügel bis in die Gegend bei Wiśniowa vor; nördlich der Raba, gegenüber der 11. ID., schien der Feind sich sogar zu verstärken.

Dei' 5. Dezember stand sonach bereits im Zeichen wesentlicher Versteifung des russischen Widerstandes durch eilends herangeführte neue Kräfte. Öst.-ung. Flieger sichteten den Anmarsch starker Kolonnen von Norden gegen Bochnia, von Osten gegen Brzesko und von Grybów gegen Neusandez. Überdies war aus einer aufgefangenen Radiodepesche zu folgern, daß das X. Russenkorps über die Weichsel nach Südost und Teile des VIII. an den Westflügel der Armee Brussilow verschoben wurden. Die Vorrückungsrichtung des VIII. Korps, die übrigens auch die Aufklärung der 4. KD. bestätigte, gestattete es der feindlichen Führung, mit beträchtlichen Kräften in die Lücke zwischen der 3. und der 4. Armee hineinzustoßen und die aussichtsreiche Offensive des Erzherzogs in Flanke und Rücken zu fassen. Beim AOK. herrschte über diese Möglichkeit kein Zweifel, doch bewertete GdI. Conrad einen Erfolg der unter den geänderten Verhältnissen allerdings gewagten Operation Roths höher, als die nur um den Preis ihrer Einstellung erkaufte Sicherung gegen einen feindlichen Durchbruchsversuch. Sein stets auf offensive Lösungen gerichteter Sinn ließ den Entschluß heranreifen, nunmehr auch die 3. Armee zur Schlachtentscheidung heranzuziehen. Die unmittelbare Flanken- und Rückenbedrohung der Erzherzogsarmee erheischte indes sofortige Abhilfe, bevor noch Boroević sich fühlbar machen konnte.

Auf Antrag des 4. Armeekmdos. verfügte daher die Heeresleitung die ungesäumte Eisenbahnverschiebung der 45. SchD. (6700 Gewehre), bisher Sicherheitsbesatzung der Festung Krakau, in den Raum um Tymbark. Weiters wurden dem Erzherzog auch die 39. HID. (4800 Gewehre) und das VI. Korpskmdo. zugeführt. Da die Honvéddivision aus dem Verbände der 1. Armee ausgelöst werden mußte, konnte sie erst am Abend des 7. Dezember nordwestlich von Krakau mit der Verladung beginnen; nur ein Teil rollte schon am 6. über Oświęcim—Saybusch ab. Zunächst sollte aber an diesem Tage GM. Bissingen gemeinsam mit der 10. KD. und dem Detachement Weisz den Feind bei Neusandez zurückwerfen und die dortigen Brücken zerstören.

Trotz der sonst stark zugespitzten Lage hatte der kräftige Druck der Gruppe Roth bisher doch ein wichtiges Ergebnis erzielt: die westwärts gekehrte Front der Russen war unhaltbar geworden. In der Nacht zum 6. begann der Feind von Wiśniowa aus seine Stellungen abschnittsweise von Süd gegen Nord zu räumen. Da unnötige Verluste vermieden werden sollten, folgte das k. u. k. XVII. Korps nur bis zur Höhenlinie nordwestlich von Dobczyce, indes das XI. Anschluß an die Gruppe Roth hielt. Bei dieser bemächtigte sich die 13. SchD. noch durch nächtlichen

Überfall der Góra Šw. Jana und drängte tagsüber die Russen über die Höhen nördlich der Stradomka zurück. Auch die 3. ID. zwang den nur schrittweise Raum gebenden Feind über diesen Fluß zurück und gewann das' Südufer. Dagegen blieb die 8. ID. vor einer zäh verteidigten Russenstellung liegen. Der Westflügel der 47. RD. erstürmte in heftigem Kampfe die Höhen nördlich der Stradomka, konnte aber dann ebensowenig wie die Masse der Division die vom Feinde hartnäckig behauptete Abwehrfront südlich der Höhenstraße Leszczyna—Muchówka—Rajbrot bezwingen. Hier leistete das IX. Russenkorps erbitterten Widerstand, um den Abzug des

XI. gegen Osten zu decken. Wiederholt stürzte sich der Russe auf die vorwärtsstrebenden Schützenlinien des Gegners, um ihr Ausgreifen gegen seine Rückzugslinie zu hemmen. Diese Stöße zerschellten zwar an dem Feuer der schießfertigen Truppen, doch vermochte die Gruppe FML. Roth aus der Tiefe heraus gegen den vom Gelände begünstigten, gut eingegrabenen und von seiner Artillerie hervorragend unterstützten Feind nicht weiter Boden zu gewinnen. Die zahlreichen Gefangenen dieses Tages gehörten bereits zu Regimentern des russischen XXI. Korps, das von Dimitriew auf das Südufer der Weichsel gezogen worden war.

Die 6. KD. wollte ihre Versuche, gegen Brzesko durchzudringen, am

6. wieder aufnehmen; sie fing südlich der Straße Tymowa—Lipnica einen gegen die rechte Flanke der 47. RD. gerichteten Vorstoß der Russen auf, wurde aber dann selbst von feindlichen Kolonnen, die den Dunajec überschritten, in der Flanke gefaßt und erreichte nur nach schwierigem Nachtmarsche über Berg und Tal am 7. früh Ujanowice. Bloß ein Regiment und eine Schützenabteilung der Reiterdivision, die bei Rajbrot abgetrennt war, kaum 250 Karabiner, deckten nunmehr die offene Flanke der 47. RD., die schon alle Reserven verbraucht hatte. Von hier bis zur Gruppe GM. Bissingen an der Neusandezer Straße klaffte aber eine etwa 15 km breite Lücke. In diese hinein stießen jetzt die Angriffssäulen von Brussilows VIII. Korps.

Obgleich der Anmarsch dieses feindlichen Armeekorps schon am Vortage durch die 4. KD. auf Grund von Gefangenenaussagen gemeldet worden war, hielten das 4. Armeekmdo. und das Gruppenkmdo. Roth diese Nachricht für unglaubwürdig, da die Lufterkundung sämtliche nach Neusandez heranführenden Kommunikationen vom Feinde frei gefunden hatte. Selbst als Meldungen der 10. KD. die Anwesenheit starker Feindkräfte, angeblich des VIII. Korps, in Neusandez zu bestätigen schienen, vermutete FML. Roth anfänglich noch, daß dieses Korps unter dem Schutze stärkerer, nach West vorgeschobener Detachements auf der Straße östlich des Dunajec nach Nord verschoben werde. Immerhin traf er Maßnahmen, um einem Eingreifen neuer Kräfte gegen seine Ostflanke zu begegnen. BeiLimanowa wurden acht Landsturmkompagnien vereinigt und die bereits begonnene Schanzarbeit auf den umliegenden Höhen mit Nachdruck betrieben. Auch eine Beschleunigung des Antransportes der 45. SchD. konnte erzielt werden; ihre Spitzenstaffel gingen sogleich nach Łososina Grn.— Limanowa ab. Als während der Nacht die Meldung der 6. KD. über den Vormarsch ansehnlicher Russenkräfte über Tymowa und südlich davon einlief, entsandte FML. Roth die bereits in Limanowa eingetroffene 89. SchBrig. und die nachfolgenden Transporte der 45. SchD. über die Widoma auf die Höhe östlich von Rzegocina.

Den gegen Neusandez vorgetriebenen Kräften — Gruppe Bissingen,

10. KD. und Detachement Weisz — gelang es auch am 6. nicht, ihr Ziel zu erreichen. FML. Nagy wurde nun mit der Führung dieser Gruppen betraut, um ihre einheitliche Verwendung zu gewährleisten.

So hatte der 6. Dezember der 4. Armee nicht nur den erhofften Erfolg ihrer Offensive versagt, sondern es war auch ganz offenkundig die Stoßkraft ihres entscheidenden rechten Flügels erlahmt. Die unzureichende Sicherung der Flanke der hier fechtenden 47. RD. gab umso mehr zu ernsten Besorgnissen Anlaß, als das langsame Anrollen der überdies nur neun Bataillone und vier Batterien starken 45. SchD. auf der überlasteten und minder leistungsfähigen Bahn zu tropfenweisem Einsatz verleiten konnte, der wenig Aussicht auf Erfolg bot. Nur das Heranführen frischer Kräfte vermochte dem Angriffe neuen Schwung zu verleihen.

Da bot sich zur rechten Stunde wirksame Aushilfe. Durch die konzentrische Vorrückung der 4. Armee ließen sich die 30. ID. und die 22. IBrig. des XI. Korps aus der Front ziehen. Erzherzog Joseph Ferdinand stellte diese anderthalb Divisionen der schwer ringenden Gruppe Roth zur Verfügung und befahl den ehesten Vormarsch dieser Verstärkungen von Raciechowice nach Łapanów. Die bezeichnete Marschlinie lag wohl am 6. noch teilweise in Feindeshand, ebenso das Marschziel; doch rechnete man für den folgenden Tag auf Grund der Gefechtslage bestimmt mit ihrem gesicherten Besitze und nahm angesichts der Notwendigkeit, den Offensivstoß rasch fortzuführen, auch die Nachteile in Kauf, die derlei Seitenmärsche unmittelbar hinter der Kampffront im Gefolge haben können. Die für Roth bestimmten Teile des XI. Korps traten aber erst am 7. um 8h vorm. den Abmarsch an. Der Rest dieses Korps, die 21. IBrig., wurde dem

XVII. Korps unterstellt; dieses bildete mit der in der Folge an seinem Nordflügel vorrückenden Landsturmgruppe Obst. Brauner der Festungsbesatzung Krakau — 1. und 35. LstlBrig. — nunmehr die „Gruppe GdI. Křitek“82).

FML.Roth hatte sich entschlossen, mit der 45.SchD. den rechtenFlügel der 47. RD. verläßlich zu stützen; die 30. ID. wollte er links der deutschen Division einsetzen, um den Angriff vorwärts zu tragen. Damit wurde das Schwergewicht auf den linken Flügel der Stoßgruppe verlegt, die nunmehr ganz Richtung auf Bochnia zu nehmen hatte.

Der Höhepunkt der Schlacht (7. bis 10. Dezember)

Die Schlacht tobte weiter. Im südlichen Anland der Weichsel setzte der Feind auch am 7. Dezember seinen Rückzug fort, ohne nennenswerten Widerstand zu leisten. Nahezu kampflos folgte ihm die Gruppe Křitek, die bei Einbruch der Dunkelheit die Linie Gdów—Grabie (an der Weichsel) erreichte; auch Roths 13. SchD. war im Anschlüsse daran ohne ernsteres Gefecht bis auf die Höhen südlich von Gdów gelangt.

Weiter östlich flammte aber der Kampfwille der Russen mit gesteigerter Heftigkeit auf. Schon in der Nacht stürzte sich ihre 42. ID. (IX. Korps) in wiederholten Anstürmen auf die 8. ID., um die Bedrohung der Stra-domkaübergänge abzuwenden. Da sich der Feind vor der 3. und der 8.ID. auf den Höhen südlich von der Łapanówer Straße neuerlich stellte, ließ Roth die 13. SchD. umfassend ostwärts einschwenken. Die zu seiner Gruppe übertretende 30. ID. wurde über Łapanów nach Leszczyna dirigiert, damit sie gegen die Flanke des der 47. RD. gegenüberstehenden Feindes vorgehe. Zur Deckung dieser Verschiebung sollten die 3. und die 8. ID. den Feind zunächst weiter nach Norden hin von der Marschstraße abdrängen und ihn sodann mit einer Wendung gegen Osten über die Stradomka werfen. Der Russe wich jedoch diesem Flankenangriffe aus und räumte in einem Zuge das westliche Flußufer. Wie aus einem erbeuteten Befehle des Vortages erhellte, beabsichtigte der Feind nunmehr die Besetzung einer starken Verteidigungsstellung östlich von dieser Wasserlinie etwa von ihrem Mündungswinkel mit der Raba bis zur Glińska Ga.

— Front nach West — und anschließend bis zum Straßenknoten bei Muchówka — Front nach Süd.

Zur Entlastung der 47.RD., GLt. v. Besser, die sich bei Leszczyna unausgesetzt russischer Gegenstöße zu erwehren hatte, überschritten Teile der

8. und der 30. ID. die Stradomka und eroberten nach heißem, blutigem Gefechte die Glińska Ga. Noch hielt aber der Russe mit der ihm eigenen Zähigkeit das gegen Süden gekehrte Frontstück. Nur langsam vermochte der rechte Flügel der 47. RD. im dicht bewaldeten Hügelgelände Boden zu gewinnen; zur Sicherung ihrer äußeren Flanke strebte die Spitzenbrigade der 45. SchD. über Rzegocina den Höhen südlich von Rajbrot zu.

Mit dem allmählichen Ausglätten der Feindfront verkürzte sich auch die des Angreifers, wodurch die Hauptkraft der 8.ID., die 13.SchD. und die 22. IBrig. ausgelöst und bei Łapanów zur Verfügung des Gruppenkommandanten gesammelt werden konnten.

Der Angriff des linken Flügels und der Mitte der 4. Armee war sonach, wrenn auch stellenweise unter hartem Ringen, im Fortschreiten, dagegen gestaltete sich die Lage auf dem rechten Flügel immer ernster. Das russische VIII. Korps griff ein. In gefährlichster Richtung zielte sein Stoß, gegen Flanke und Rücken der Erzherzogsarmee. Nach allen übereinstimmenden Meldungen der Kavallerie bewegten sich starke feindliche Marschsäulen von Nordost, Ost und Süd gegen das weitgespannte Schlachtfeld.

WährendTeile des vom linken Weichselufer herangeführten X. Russenkorps x) zur Stützung und Verlängerung der von der Glińska Ga. gegen Osten verlaufenden Abwehrfront eingesetzt wurden, schob sich das Gros des VIII. Korps (14. und 15. ID.) gegen Rajbrot, beiderseits des Łososina-tales und entlang der Bahn Neusandez—Łososina Grn. immer näher heran. Noch weiter gegen Süden ausgreifend, rückte die russische 10. KD. Dunajec aufwärts vor. Auch in das Popradtal entsandte das VIII. Korps Kräfte (13. ID.), die der 4. KD. den Weg nach dem ihr aufgetragenen Marschziel Neusandez sperrten. Die Division hätte dieses Ziel vielleicht noch erreicht, wenn sie nicht in den Tagen zuvor bei Héthárs im Sicherungsdienst zurückgehalten worden wäre (S. 777). So mußte sich ihr Führer, GM. Berndt, begnügen, im Anmarsche von Alt Lublau am 7. mit acht Schwadronen, drei Landsturmbataillonen und zwei Batterien Piwniczna im Popradtal zu gewinnen. Bei Jaworzna trat die abgekämpfte k.u.k. 6. KD. gegen die

x) Nach Nesnamow wurde das X. Korps erst am 9. Dezember auf das Südufer der Weichsel verschoben. Tatsächlich wurden aber schon am 6. Dezember Gefangene der zu diesem Korps gehörigen 9. ID. eingebracht.

im Łososinatale und südlich davon vorgehende russische 14. ID. ins Gefecht und wurde schon am 7. früh auf Laskowa zurückgedrückt.

FML. Nagy, dessen Gruppe nunmehr aus der 10. KD., drei Schwadronen der 11. HKD., einem Bataillon des IR. 59, zwei Batterien, der1 Polenlegion Obst. Piłsudski und etlichen Landsturmkompagnien bestand, kämpfte bei Kanina gegen die Vortruppen der 15. Russendivision. Von Norden überflügelt, wich die Gruppe Nagy in die zur Zeit erst notdürftig ' .ausgestalteten Verschanzungen östlich von Limanowa. Wenn auch der Feind augenblicklich nicht unmittelbar folgte, wuchs die Gefahr für die Flanke und die Verbindungen Roths und nötigte auch, die Ausladung der 45. SchD. rückzuverlegen.

^Trotz dieser bedrohlichen Wendung fanden sich alle Führerstellen vom Gruppenkmdo. Roth bis hinauf zur Heeresleitung in dem Willen fest, den Offensivstoß gegen Norden unbeirrt weiterzuführen. „Alle Anordnungen des AOK. konzentrierten sich auf die siegreiche Fortführung und Ausgestaltung der Schlacht von Limanowa-Łapanów. Nicht nur durch Zuweisung weiterer Kräfte, sondern auch durch imperative Einflußnahme auf die 3. Armee, ihr Vorgehen ehestens zu beginnen und in den Kampf einzugreifen1).“ Die 1. Armee wurde angewiesen, die 15. ID. und die in Reserve stehende komb. IBrig. GM. Reymann — sechs Bataillone und vier Batterien —an die 4. Armee abzugeben. Die 15. ID. konnte nach Ablösung durch Besatzungstruppen der Festung Krakau erst am 9. den Marsch über Wieliczka nach Gdów antreten; am gleichen Tage begann hinter der

39. HID. der Bahntransport der Brigade Reymann.

Erzherzog Joseph Ferdinand blieb nach wie vor bei seiner Absicht, die Entscheidung bei Festhalten der gegen West gerichteten feindlichen Front im Raume um Lipnica zu suchen und den Feind hier zu umfassen und womöglich zu umgehen. Křitek hatte mit dem Südflügel entlang der Raba, Roth in östlicher und nordöstlicher Richtung zu verfolgen. Dem Letztgenannten wurden auch die gegen Tymbark anrollende 39. HID. und das VI. Korpskmdo., FML. Arz, unterstellt.

FML. Roth war durch den Kampfverlauf gezwungen, das Schwergewicht innerhalb seiner Gruppe auf den linken Flügel zu verlegen. Er befahl für den 8. Dezember den Angriff dieses Flügels — 30., 8. und

3. ID., dann 22. IBrig. — gegen die Straße Bochnia—Muchówka. Die 47.RD. hatte in der Front festzuhalten und mit dem rechten Flügel im Einklänge mit der über Rajbrot anrückenden 89. SchBrig. zur Umfassung der Russen auszuholen, die 13. SchD. als Gruppenreserve nach Muchówka zu folgen.

Trotz der geänderten Kräftegruppierung behielt FML. Roth auch weiterhin jede Gelegenheit zur Umfassung des feindlichen Ostflügels im Auge. Die durch Infanterie verstärkte 6. KD. sollte im Lososinatale möglichst weit Raum gewinnen; GM. Graf Herberstein, der als neu ernannter Führer der 10. KD. nunmehr die Gruppe Nagy befehligte, hatte sich wieder des. Dorfes Kanina zu bemächtigen, mindestens aber die Stellung bei Limanowa zu halten. Die noch anrollenden Transporte der 45. SchD. wurden der Spitzenbrigade über Rzegocina nach Rajbrot nachgesendet.

Die 3. ID., zur Gewinnung der Höhen beiderseits von Sobolów beordert, erreichte die Stradomka am 8. Dezember nach beschwerlichem Marsche auf vereisten Wegen erst tief in der Nacht. Ungeachtet dessen setzte die Mittelkolonne die Vorrückung nach kurzer Rast fort, ufn ihr befehlgemäßes Marschziel, Sobolów, zu erreichen. Bei Morgengrauen stießen das salzburgisch-oberösterreichische IR. 59 und das 2. Kaiserjägerregiment bei Sobolów plötzlich auf den Feind. Von drei Seiten ergoß sich über sie aus nächster Entfernung ein mächtiger Feuerhagel. Doch wie auf Kommandoruf stürzten sich diese Kerntruppen gegen die auf solches Tun nicht gefaßten Russen; im erbitterten Handgemenge wurde erschlagen, was sich nicht gefangen gab1).

Auf den Höhen nördlich von Sobolów aber saß der Russe in stockwerkartig ausgebauter Stellung fest und gebot jedem weiteren Vorgehen durch mörderisches Flankenfeuer Halt. Auf die Mitwirkung der Gruppe Křitek war nicht zu rechnen, da diese mit nordostwärts gekehrter Front gegen russische Verstärkungen ins Gefecht treten mußte. Erst als FML. Roth das SchR. 14 (zwei Bataillone mit etwa 500 Feuergewehren) der 13.SchD. dem Nordflügel seiner Gruppe zuführte, gelang es dem oberösterreichischen IR. 14 zusammen mit den mährischen Schützen, im Laufe der Nacht die zäh verteidigte Höhenstellung zu nehmen.

Zu gleicher Zeit stürmte FML. Fabini mit der 8. ID. und der 88. KSch-Brig.2) das weiter südlich gelegene bewaldete Hügelgelände hinan und warf den Feind gegen Osten zurück. Die Höhen nordwestlich von Leszczyna und den Ort selbst eroberten die 30. ID. und die 22. IBrig. sowie Teile der 47. RD. Dagegen gewann diese deutsche Division im Walde nördlich von Rajbrot nur langsam Boden; bald zwang sie die Annäherung der russischen 14. ID., ihren rechten Flügel ostwärts abzubiegen und ihre Reserven dorthin zu verschieben. Die zur Umfassung des Feindes über Rajbrot angesetzte, zunächst nur aus vier Bataillonen bestehende Spitzen-

x) Es wurden 1500 Gefangene und 5 erbeutete Maschinengewehre eingebracht.

2) Seit dem Rückzug von Przemyśl bei der 30. ID. eingeteilt (S. 503).

brigade der 45. SchD.1) wurde durch den Anmarsch der feindlichen 14. ID., deren Vortruppen sich der Kobyla bemächtigten, zur Besetzung der westlich gegenüberliegenden Höhen genötigt.

Der Angriff der verstärkten 6. KD. geriet im Łososinatal gleich bei Laskowa ins Stocken. Da außerdem Feindkräfte unbekannter Stärke zwischen diesem Orte und der Widoma vordrangen und in den Rücken der Gefechtsgruppe bei Rzegocina zu stoßen suchten, wurden die noch verfügbaren Teile der Gruppenreserve — 4V2 Bataillone (2000 Feuergewehre) und 9 Batterien der 13. SchD. — aus der Gegend von Łapanów hinter die

89. SchBrig. gezogen.

Die Vortruppen der russischen 15. ID., verstärkt durch Reiterei, griffen in den Nachmittagsstunden von Kanina aus die Gruppe Herberstein bei Limanowa beiderseits der Straße und von Süden her umfassend an. Als die feindliche Artillerie die Troßparks nordwestlich von Limanowa unter Feuer nahm, einige Ölbehälter der Naphtharaffinerie in Brand geschossen wurden und einzelne Landsturmabteilungen abzubröckeln begannen, gestaltete sich die Lage vorübergehend kritisch. Durch den Einsatz von Reserven festigte sich jedoch die Front zusehends, umso mehr, als gegen Abend die Spitzenstaffel der anrollenden 39. HID. eintraf. Die einheitliche Leitung der Abwehr im Raume Rzegocina—Limanowa durch die 45. SchD., 6.KD., 10. KD. und Teile der 11.HKD. übernahm nunmehr der Führer der erstgenannten Division, FML. Smekal.

Zwischen Weichsel und Raba war die Gruppe Křitek dem Feind unmittelbar gefolgt. Ihr am Vortage an der Raba etwas zurückgebliebener Flügel drückte energisch nach; es kam zu lebhaften Gefechten mit russischen Verstärkungen. Wegen Empfindlichkeit der nördlichen Armeeflanke gegen Einwirkungen vom linken Weichselufer wurde GdI. Křitek angewiesen, seinen Nordflügel bei Grabie anzuhalten.

Die 4. KD. der Armee Boroević, die über Rytro vorgerückt war, stand vermutlich der feindlichen halben 13. ID. gegenüber, die südlich Altsandez denMündungswinkel des Poprad sperrte. Am Nachmittag wurde der Marsch einer russischen Reiterdivision (10. KD.) gemeldet, die am Westufer des Dunajec flußaufwärts ritt. Ihr gegenüber hielt das am Vortage abgedrängte Detachement Obst. Weisz die Talenge bei Na Rzece.

Die Entwicklung der Lage bei der 4. Armee näherte sich der Höchstspannung. Im Hauptquartier des Erzherzogs rechnete man mit dem baldigen Eintreffen weiterer feindlicher Verstärkungen vom nördlichen

1) Der Antransport der anderen Teile der 45. SchD. verzögerte sich infolge bahn-lechnischer Schwierigkeiten; das letzte Bataillon traf erst um 10h30 nachm. inTymbark ein.

Weichselufer, denn ein mitgelesener Funkspruch enthielt die an den Führer der russischen 9. Armee gerichtete Aufforderung des Befehlshabers der Südwestfront, die schwerbedrängte Armee Dimitriews durch Übernahme ihres nördlich der Weichsel gelegenen Frontabschnittes zu entlasten. Dies bedeutete den Uferwechsel des X. und des XXI. Korps, so daß dann dem Erzherzog die ganze 3. Armee gegenüberstehen mußte. Außerdem mehrten sich die Anzeichen von der Versammlung starker Feindkräfte hinter dem Westflügel Brussilows. Das VIII. Korps war bereits in den Kampf getreten; das XXIV. Korps hatte die Biała bei Gromnik und Ciężkowice erreicht1) und konnte in zwei Tagmärschen auf dem Schlachtfelde eintreffen.

Mit dem am 7. Dezember durchgeführten Rückzug der Russen hinter die Stradomka hörte die bisherige Hebelwirkung gegen den Südflügel Dimitriews auf; die ursprünglich aus zwei Fronten angreifende Erzherzogsarmee hatte aber die Zange auch deshalb öffnen müssen, weil frische Feindkräfte von Osten heraneilten. Da die bei Limanowa bezogene Schutzstellung aber nur Mindestkräften anvertraut war, gestaltete sich die Lage hier ernst. Mit allerfi Nachdrucke betrieb daher das AOK. ein beschleunigtes Eingreifen der 3. Armee.

Gen. Iwanow hatte bei seinen Gegenvorstellungen nach dem Kriegsrate in Siedlec (S. 595) zu viel versprochen, denn unter dem Drucke der k. u. k. 4. Armee mußte Dimitriew erhebliche Teile seiner Front zurücknehmen; nur mit größter Aufopferung war es bisher seinem Südflügel gegenüber der deutschen 47. RD. gelungen, sich im großen, wenn auch unter Geländeverlust, zu behaupten 2) und damit den Rückzug des Nord*) Nesnamow, III., 19.

2) Nesnamows Darstellung, III., 19, steht hier mit den tatsächlichen Ereignissen, in Widerspruch. Er schreibt: „Infolge des sich hinziehenden Schwankens in der Entscheidung der Frage über den Rückmarsch der 4. und 9. Armee an die Pilica haben das-X. und das XXI. Korps, deren Heranziehung an die 3. Armee möglich war (und auch beabsichtigt wurde), ihre Stellung am linken Weichselufer beibehalten. Eine Änderung, in der Stärke der 9. Armee hielt man nicht für möglich. Diese Umstände veranlaßten den Oberkommandierenden der Südwestfront, auf den sich vorteilhaft entwickelnden Angriff der 11. Division und des IX. Korps zu verzichten; am 25. November (8. De--zember n. St.) wurden sie in die Linie Niepołomice—Targowisko—Królówka zurückgeführt.“ Nesnamow spricht hier von einem „sich vorteilhaft entwickelnden Angriff“,, obgleich die Armee Dimitriew seit drei Tagen zum Zurückgehen gezwungen wurde. Er läßt den „sich vorteilhaft entwickelnden Angriff“ aufgeben, weil die Zuführung zweier Korps unterblieb, während Iwanow in einer am 8. Dezember aufgefangenen Radiodepesche an Letschitzki (Führer der 9. Armee) von einem „schweren Kampfe“ spricht und verlangt: „Helfen Sie den Ansturm des Feindes aufzuhalten und abzuweisen...“ flügels zu sichern. Wie schwer der Frontbefehlshaber die Gefährdung Dimitriews einschätzte, erhellt daraus, daß er dem bedrohten Abschnitte 43/4 Korps (X., XXI. der 9., VIII. mit derzeit drei Divisionen, XXIV. und

3. SchBrig. der 8. Armee) zuführte. Der Einsatz dieser wuchtigen Kraft berechtigte ihn sicherlich zu der Hoffnung, die Freiheit des Handelns; wiederzugewinnen und seinerseits zum Angriffe übergehen zu können.

Vorerst widerfuhr aber Dimitriew das Mißgeschick, daß ihm am

9. Dezember die Höhen nördlich und östlich von Sobolów durch die neuerlich angreifenden Truppen der Gruppe Roth — 3., 8., 30. ID. und linker Flügel der 47. RD. — nach heißem Ringen entrissen wurden. Das Gros der deutschen Division wartete in den erreichten Linien die Einwirkung des linken Gruppenflügels in der Richtung auf Wiśnicz ab.

Im Abschnitt südlich der deutschen 47. RD. übertrug FML. Roth jetzt dem Führer des VI. Korps, FML. Arz, den Befehl über seinen Südflügel. Hier eroberte die 13. SchD., unterstützt von Teilen der 45., die beherrschende Kobylahöhe, wogegen die 6. KD. auch an diesem Tage nur wenig Raum gewann. Als sich die russische 15. ID. langsam gegen die Gruppe Herberstein heranschob und Miene machte, deren Südflügel zu umfassen, wurden die bis 8h nachm. ausgeladenen fünf Bataillone und sechs Batterien der 39. HID. dahin gesandt, um über die Höhen südlich von Limanowa vorzustoßen.

Auch zwischen der Weichsel und der Raba zeigte sich der Feind wieder rühriger und verwickelte Křitek in heftige Kämpfe, die jedoch trotz örtlicher, von der Wiener Landsturmbrigade und der 11. ID. errungener Vorteile keinen Einfluß auf die Gesamtlage hatten.

Während der Angriff der 4. Armee unter beständigen schweren Kämpfen erfolgreich fortschritt und über 10.000 Gefangene einbrachte, hätte an ihrem Südflügel eine Episode leicht zu verhängnisvollen Weiterungen führen können. Nach Zurückdrängen des Detachements Obst. Weisz gegen Na Rzece im Dunajectale stand der russischen 10. KD. der Weg durch das Kamienicatal in die südliche Armeeflanke offen. Zerstörungen an der wichtigen Verbindungslinie Mszana Dl.—Tymbark und eine Aufhebung der zahlreichen höheren Kommandos im Lososinatale lagen im Bereiche der Möglichkeit. Von der Gefahr rechtzeitig unterrichtet, ließ FML. Roth alle Kommunikationen durch zusammengeraffte Truppen undArbeiterformationen sperren, so daß die feindlichen Reiterabteilungen, die über Zalesie vorgegangen waren, überall schon ausreichender Abwehr begegneten. Der russische Kavallerieführer ließ aber die Gelegenheit zu einem kühnen Reiterstück vorübergehen und blieb bei Kamienica (Ort) stehen; am nächsten Tage, der, wie noch zu schildern sein wird, die Erzherzogsarmee durch einen erfolgreichen feindlichen Gegenangriff in eine höchst schwierige Lage brachte, rief ihn ein Befehl Brussilows über Neusandez zurück.

Die 4. KD. lag südlich von Altsandez in hartem Kampfe mit Teilen der russischen 13. ID., ohne durchdringen zu können; das Detachement Obst. Weisz mußte nach einem Versuche, die eigene Division zu unterstützen, wieder bis Na Rzece ausweichen.

Ungeachtet aller sonstigen sich aus der operativen Lage ergebenden Schlußfolgerungen glaubte das 4. Armeekmdo. auf Grund von Fliegerund Kundschaftermeldungen an einen nächtlichen Rückzug des Feindes im Abschnitte zwischen der unteren Raba und dem Orte Muchówka. Die für diesen Fall ausgegebenen Weisungen für die Verfolgung forderten von der Gruppe Křitek und dem Nordflügel des FML. Roth ein Vorgehen gegen Nordost, zunächst bis Zakliczyn—Brzesko—Chobot (12 km nordöstlich von Niepołomice); Roths Hauptkraft sollte gegen Zakliczyn vorstoßen und dem VIII. Russenkorps den Rückzug nach Norden verlegen.

FML. Roth befahl hierauf für den 10. dem FML. Arz, den Angriff nördlich des Lososinatales mit der 13. und der 45. SchD. sowie der 6. KD. fortzusetzen. GM. Herberstein wurde mit dem Behaupten des Raumes bei Limanowa betraut; desungeachtet hatte er aber jede Möglichkeit zu offensivem Vorgehen auszunützen.

Wie während der vergangenen Tage nahmen auch am 9. Truppen der Krakauer Besatzung an den Aktionen des Feldheeres teil. Ein über den Nordostgürtel mit der 106. LstlD. und allen mobilen Batterien unternommener Ausfall sollte den Feind an Kräfteverschiebungen vom nördlichen auf das südliche Weichselufer hindern. Hiedurch kam es tagsüber zu lebhaften Kämpfen im Vorfeld des festen Platzes.

Aus einer sich später als unrichtig herausstellenden Meldung ging hervor, daß die Russen vor dem linken Flügel der 4. Armee auf Brzesko abzögen und an der Raba beiderseits der großen Straße nur vier Bataillone zurückgelassen hätten. Nach allen übereinstimmenden Nachrichten über Ostmärsche feindlicher Truppen- und Troßkolonnen schienen somit wirklich nur Nachhuten vor der Armeefront zurückgeblieben zu sein. Scharfes Zugreifen war geboten, wenn dem Feinde das ungestörte Beziehen neuer Stellungen verwehrt werden sollte.

Am 10. Dezember ging daher die 3. ID., GM. Horsetzky, bei Tagesanbruch zum Angriffe vor, dessen erste Etappe die Gewinnung der beherrschenden, stark befestigten Höhe A364 bilden sollte. Schon schien der

Sturm gelungen, die vordersten feindlichen Gräben waren genommen. Da brach überraschend und mit unvermuteter Wucht die durch dasX. und das XXI. Korps verstärkte Armee Dimitriew im Abschnitt zwischen der Weichsel und der Chaussee Łapanów—Muchówka, mit der Hauptkraft aus dem Raume Bochnia—Pogwizdów gegen die genannte Höhe 3 64 und südwärts bis Leszczyna, zum Gegenangriffe vor. Die sich heldenmütig wehrenden Truppen der 3., der 8. und der 30. ID. wurden über die Stradomka zurückgedrängt; auch ein vom linken Flügel der 47. RD. versuchter Entlastungsstoß vermochte die Lage nicht mehr zu wenden. Nur dem Feuer der trefflich geführten und opfermutig ausharrenden Artillerie war es zu danken, daß der Feind an der Flußlinie zum Stehen kam1).

Damit hatte sich Dimitriew von dem würgenden Drucke an der empfindlichsten Stelle seiner Front befreit. Sein gegen den Nordflügel der 4. Armee gerichteter Angriff wurde, abgesehen von unwesentlichem Geländegewinn, abgewiesen.

Um die zwischen den inneren Flügeln der Gruppen Roth und Křitek entstandene Lücke zu schließen, befaiil das 4. Armeekmdo. die als Armeereserve über Gdów marschierende 15.ID. (S.787) heran; sie hatte im Anschlüsse an die 3. ID. die Höhen im Raba-Stradomkawinkel zu besetzen. Zur Schaffung einer neuen Armeereserve wurden aus denkampftüchtigsten Männern der bisher im Etappendienste verwendeten 95. LstlBrig. vier Bataillone gebildet, die als Gruppe Obst. Grzesicki am 10. bis Świątniki Grn. (12 km südlich von Krakau) gelangten.

Nach dem Eintreffen der 39. HID. übernahm ihr Führer, FML. Hadfy, den Befehl über die bisherige Gruppe Herberstein. Am 10. vor Tagesanbruch schritten hier stärkere feindliche Kräfte zum Angriffe, wurden aber von den Husaren der 10. KD. in wütendem Handgemenge zurückgeschlagen2). Auch die dort eingesetzten Truppen der 39. HID. wehrten die Russen überall ab. Ebenso vergeblich waren die Anstürme des Feindes nördlich der Straße nach Limanowa, nur südöstlich von Rajbrot gelang den Russen nach harten Anstrengungen die Wiedereroberung der heißumstrittenen Kobyla. Als Gruppenreserve wurde die komb. IBrig. Reymann (S. 787) nach ihrer Ausladung im Raume Słopnice—Dobra bereitgestellt.

*) Namentlich bei der 3. ID. des FKR.42, heute Niederösterr. BrigArtAbt. Nr. 3.

2) Die öst.-ung. Kavallerie, im Frieden vornehmlich für den Kampf zu Pferd geschult, war um diese Zeit noch nicht mit dem Spaten ausgerüstet, konnte sich im Gefecht nicht eingraben und entbehrte daher der schützenden Deckung. Da der Säbel beim Pferde verblieb und damals die Bewaffnung mit dem Bajonett noch nicht durchgeführt war, blieb den abgesessenen Reitern im Nahkampfe der geschwungene Karabinerkolben als einzige Waffe.

Die 4. KD. mußte vor überlegener feindlicher Infanterie auf die Höhe nördlich von Rytro ausweichen, während ihr Detachement Obst. Weisz bei Na Rzece gebunden blieb.

Trotz des erfolgreichen Gegenangriffes bei Łapanów waren indes die Wünsche der russischen Führung nicht restlos in Erfüllung gegangen. Denn Brussilow hatte dem VIII. Korps befohlen „alle Kräfte anzuspannen, um noch heute [10. Dezember] die Straße Rzegocina—Limanowa in die Hand zu bekommen1)“. Dies war ihm aber nicht gelungen.

Das k.u.k. AOK. war über die neuerlichen bedeutenden Kräfteverschiebungen zur Stützung Dimitriews gut unterrichtet. Eben war in Teschen auch die Nachricht über die unglücklichen Kämpfe in Serbien eingetroffen. Dazu kam die Meldung über die auffallend hohen Verluste, die bei einzelnen Truppenkörpern der Armee Boroević durch Fahnenflucht während der Rückzugsgefechte — eine Folge der österreichfeindlichen nationalen Propaganda — entstanden waren.

Es erscheint daher begreiflich, daß GdI. Conrad nach dem Rückschläge bei Łapanów den 10. Dezember als einen jener Tage bezeichneten die hohe Anforderungen an Geduld und Gleichmut stellten2). Dennoch hielt er daran fest, diesen Kampf zum „siegreichen Ende zu führen und ihm daher noch weitere Kräfte zuzuführen“, die er mit Rücksicht auf die Gesamtlage der 1. Armee entnahm. Das 1. Armeekmdo. erhielt den Befehl, das aus der Gruppe Tschurtschenthaler (43. und 44. SchD.) gebildete XVIII. Korps aus der Front zu ziehen und bis 14. zum etwaigen Abtransporte zur 4. Armee bereitzustellen.

Das 4. Armeekmdo. beabsichtigte am 11. Dezember mit dem Feinde nur scharfe Fühlung zu halten, ohne sich auf verlustreiche Angriffe einzulassen und auf dem Südflügel die angebahnte Umfassung durch die

39. HID. sowie das Eingreifen der 3. Armee abzuwarten.

Für den Entschluß des FML. Roth war in erster Linie bestimmend, daß die Russen über die Stradomka nicht nachdrängten, was auf ein Erlahmen ihrer Angriffskraft deutete. Übrigens stand ihm zur Stützung des Nordflügels dort noch die 15.ID. zur Verfügung. Dagegen hatten sich die Vorstöße des Feindes gegen die Gruppe bei Limanowa an Kraft und Ausdehnung gesteigert, so daß hier ein rascher Gegenzug geboten war.

Da die vom AOK. zugeführten Verstärkungen diesem Raume unmittelbar zuflossen, kam FML. Roth wieder auf seinen ursprünglichen Plan zurück und gedachte die Entscheidung durch Umfassung des feind’) Nesnamow, III, 21.

2) Conrad, V, 713.

liehen linken Flügels zu erzwingen. Die taktische Durchführung dieses Entschlusses übertrug er dem FML. Arz, dem hiefür die 39. HID. und die komb.IBrig. Reymann unterstellt wurden1).

Trotz des Rückschlages bei Łapanów schien aber die Gesamtlage für die weiteren Operationen der 4. Armee am Abende des 10. Dezember erfolgversprechend. Neue Reserven gruppierten sich an ihrem Südflügel zum Angriffe. Das Eingreifen der westlichen Flügelkolonne der Armee Boroević in wirksamster Richtung stand unmittelbar bevor. Die Fortführung der Offensive war gesichert.

Offensive der k.u.k. 3. Armee

(6. bis 10. Dezember)

Befehle zum Eingreifen der Armee Boroević

Das AOK. hatte am 5. Dezember durch eine Anfrage des GdK. Pflanzer-Baltin erfahren, daß das 3. Armeekmdo. am 2. Befehle für einen Rückzug bis in den Raum nordöstlich von Kaschau erlassen habe. Zur Berichterstattung aufgefordert, drahtete GdI. Boroević, daß sich die betreffenden Anordnungen nur auf den Fall äußerster Notwendigkeit bezogen hätten. Er gedenke sofort wieder vorzugehen, sobald der Feind Kräfte abziehen werde; übrigens sei beschlossen, Bartfeld am 7. von Süd und West aus anzugreifen.

Die am Nachmittag des 5. eintreffende Antwortdepesche des AOK. enthielt einen Vorwurf gegen die Armeeführung der letzten Tage:

„Aktion der 4. Armee macht dringend notwendig, jedes Eingreifen russischer 8. Armee in westlicher und nordwestlicher Richtung unmöglich zu machen. Um unbemerkte Gruppierung vor der Front der 3. Armee in Hinkunft zu verhindern, ist mit dem Feinde schärfste Fühlung zu halten und jeder Versuch, Kräfte abzuziehen, mit sofortigem Angriff zu beantworten. Der Bereitstellung starker Kräfte am Westflügel der 3. Armee wird vollkommen zugestimmt; sie ist mit allen Mitteln zu beschleunigen, um aktive Mitwirkung der 3. Armee ehestens zu erreichen.“

Ein wenige Stunden später aus Teschen einlangender Befehl gab aber bereits den bestimmten Willen des Feldherrn kund, die 3. Armee in die Schlacht des Nachbarn eingreifen zu lassen. Das AOK. teilte mit, daß nach einer Fliegermeldung eine russische Kolonne — mindestens eine Brigade — im Marsche von Grybów mit der Spitze um lh nachm. Neusandez

!) GO. Roth bezeichnet in seiner Schrift „Die Schlacht von Limanowa-Łapa-now“, 69, Arz als den geistigen Urheber des Entschlusses zur neuerlichen Umfassung von Süd, die schließlich vom Siege gekrönt wurde. Dies bestätigt auch die Darstellung bei Arz, 44 ff.

erreicht habe. Boroević wurde beauftragt, mit möglichst starken Kräften unverzüglich zum Angriffe, linker Flügel über Neusandez, zu schreiten. Der Feind müsse daran gehindert werden, weitere Verstärkungen über diese Stadt und nördlich davon vorzuschieben. Vor allem hätte die 4. KD. zu trachten, raschestens gegen den Rücken der über Neusandez vorrückenden Kräfte zu wirken.

Die bisherigen Absichten des Führers der 3. Armee wurden durch diesen Befehl einigermaßen durchkreuzt. Boroević wollte die beiden über Héthárs herangezogenen Divisionen am 7. zum umfassenden Angriffe gegen Bartfeld ansetzen und erst nach hier getaner Arbeit die Offensive seines Westflügels je nach der Weiterentwicklung der Lage entweder in der Richtung auf Neusandez oder gegen Nord fortführen. Er bat daher das AOK., zu bestimmen, ob zuerst, seinem Plane gemäß, der Schlag gegen Bartfeld und dann die Vorrückung gegen Neusandez durchzuführen oder ob alle Maßnahmen nur allein auf die Operation gegen die letztgenannte Stadt einzustellen seien.

Die Beantwortung dieser Frage fiel dem AOK. nicht leicht. Wohl lag es im Sinne der Gesamtaktion, die Gefahr möglichst rasch zu beseitigen, die der Erzherzogsarmee aus dem Raume bei Neusandez drohte, doch waren die Bedenken des GdI. Boroević nicht von der Hand zu weisen, daß seine Kräfte dort erst am 10. wirksam werden konnten, weil die gegen die Stadt zu entsendenden zwei Divisionen (komb. und 38. HID.) die vom Feinde unschwer zu sperrende Popradenge über Krynica umgehen mußten. Hingegen konnten sie bei dem Angriffe auf Bartfeld, dessen Gelingen auch die Lage bei Neusandez beeinflussen mußte, zu einem früheren Zeitpunkte zum Einsätze gebracht werden. Das AOK. wollte sich beide Möglichkeiten offenhalten und beschied Boroević, es sei damit einverstanden, daß am 7. die komb.HID. des FML. Kornhaber der nach Neusandez befohlenen 4. KD. (S. 786) nach Krynica—Tylicz folge, während die 38. HID., derzeit unter Befehl des GM. Paul Nagy, bei Orló— Łeluchów und die Hauptkraft der Armee angriffsbereit südlich von Bartfeld versammelt werden. „Ob dann Angriff [auf Bartfeld] durchgeführt werden kann oder Vorgehen des linken Armeeflügels auf Neusandez notwendig wird, kann erst nach der Lage am 7. abends entschieden werden.“

Während die komb. HID. nach bewirkter Ausladung an diesen beiden Tagen (6. und 7. Dezember) von Héthárs bis in die Gegend des vom Feinde geräumten Ortes Muszyna marschierte, ergaben sich beim Bahntransporte der 38. HID. größere Verzögerungen, so daß deren Versammlung bei Orló erst im Laufe des 8. zu gewärtigen war. Die Berechnungen des Armeekmdos. für den Angriff auf Bartfeld, der ursprünglich für den

7.    geplant war, wurden hiedurch empfindlich gestört.

In Teschen aber wuchs die Ungeduld. Der Ausgang der Schlacht der Erzherzogsarmee war ernstlich gefährdet, wenn der Vorstoß der Russen über Neusandez nicht ehestens zum Stehen gebracht wurde; man versprach sich von einem entscheidenden Siege über die weit überlegene Feindmacht im Osten einen starken Eindruck auf die Kabinette iń Rom, Bukarest und Sofia, deren Haltung gerade jetzt infolge der Niederlage in Serbien zugunsten der Entente beeinflußt sein mochte. Um einem etwaigen Zögern des 3. Armeekmdos. vorzubeugen, das sich auf das späte Eintreffen der 38. HID. gründen konnte, befahl das AOK. für den 8. Dezember die unbedingte Durchführung des Angriffes auf Bartfeld.

Boroević verfügte hierauf, daß der Führer des III. Korps, GdI. Colerus, mit dem IX. Korps sowie der 6. und der 28. ID. zwischen dem Csergögebirge und dem Tapolytal am 8. um 10 h vorm. den Stirnangriff gegen die Stadt zu beginnen habe. Zur Umfassung wurden bestimmt: die komb. HID. über Tylicz und den Tyliczsattel bei Sicherung gegen Krynica, dann nach Maßgabe ihres Einlangens die 38. HID. von Łeluchów entlang der Bartfelder Straße, endlich ein Detachement des III. Korps westlich des Csergö. Das VII. Korps hatte beiderseits des Ondavatales, mit dem Schwergewicht auf dem rechten Flügel, gleichfalls um 10h vorm. zur entscheidenden Vorrückung gegen Sztropkó anzutreten, während die derzeit am weitesten vorgeschobene 22. SchD. ihre Stellungen vorerst behaupten und sich später dem Angriffe des Erzherzogs Joseph anschließen sollte.

Przemyśl seit der zweiten Einschließung

Gleichwie sich der feste Platz Krakau rührig an den Operationen der 4. Armee beteiligte, sollte sich auch die Festung Przemyśl, seit dem

8.    November zum zweiten Male eingeschlossen (S. 564), bei der Offensive des GdI. Boroević zur Geltung bringen. Zur Besatzung gehörten: 23. HID., 85. SchBrig., 93., 97., 108. und 111. LstlBrig.; zusammen öS1/* Bataillone,

6 Schwadronen, 4 mobile Batterien, 43 Festungsartilleriekompagnien, 52 Landsturmartillerieabteilungen und 8 Sappeurkompagnien. Durch zahlreiche Angriffsunternehmungen hatte diese verhältnismäßig große Truppenmacht bisher erhebliche Feindkräfte gebunden. DasFestungskmdo. erkannte alsbald, daß die Russen vor einem gewaltsamen Angriffe zurückscheuten, nicht einmal Miene zu einer wirksamen Beschießung machten und offenbar planten, den Fall des festen Platzes durch Aushungerung zu erzwingen.

Gleich nach der neuerlichen Einschließung unternahm die Besatzung kleinere Vorstöße, um den russischen Nachschub zu stören und die Zusammensetzung der Zernierungsarmee zu erkunden. Ein am 14. November mit 15 Bataillonen und 8 Batterien gegen Norden unternommener Ausfall hatte den Zweck, den Westmarsch der Armee Dimitriews, die den San nördlich von Przemyśl überschritt, zu verzögern, doch waren die russischen Heersäulen bereits außer Reichweite gelangt. Sechs Tage später brach GdI. Kusmanek gegen Südwest und Süd vor, um Klarheit darüber zu gewinnen, ob der Feind seine Liniendivisionen bereits völlig abgezogen habe; die Anwesenheit der 81. RD. vor der Südwestfront wurde hiebei festgestellt. Vergeblich trachteten am 28. November die Russen, sich der dem Nordgürtel vorgelagerten Höhen Na Gorach und nördlich vonBatycze zu bemächtigen, wo der Verteidiger bei Beginn der zweiten Einschließung eine Vorfeldstellung angelegt hatte; doch scheiterte am 30. auch ein Versuch der Besatzung, den nahe von diesen Hügeln eingenisteten Feind zurückzuwerfen.

Nur gelegentlich kreiste ein russischer Flieger über der Festung und warf Bomben ab, die keinen ernsteren Schaden anrichteten.

Auf Grund einer Meldung Kusmaneks, daß nach Aussagen von Landesbewohnern Teile der Zernierungstruppen in die Karpathen abzögen, richtete das 3. Armeekmdo. am 8. Dezember vormittags mittels Funkspruch an das Festungskmdo. das Ersuchen, den gegenüberstehenden Feind durch einen Ausfall zu binden, womit die an diesem Tage beginnende Offensive wirksam unterstützt werden könnte.

Beginn der Offensive der Armee Boroević

Die Truppen der 3. Armee hatten sich während der Ruhetage bis zum 7. Dezember vollständig erholt und schritten guten Mutes an ihre neue Aufgabe1). Auf dem östlichen Armeeflügel begann die Vorrückung des Gros der Gruppe Krautwald — 34. und 56. ID.2) — schon am 6. mit einem erfolgreich durchgeführten Überfall auf die Russen bei Laborczbér; am nächsten Tage wurde der Feind mit Unterstützung von Teilen des

1)    Dennoch glaubte GdI. Colerus seiner Mannschaft bei der beginnenden Offensive nur Marschleistungen von 15 km im Tage zumuten zu können. Die Gefechtsstände des III. Korps waren übrigens arg zusammengeschmolzen; so zählte das Grazer SchR.3 nur 250 Feuergewehre.

2)    Die 56. ID. besaß geringen Gefechtswert; aus Resten verschiedener Truppenteile, meist Landsturmformationen, zusammengesetzt, waren ihre Verbände fast ohne aktive Offiziere, die Bewaffnung der Mannschaften bestand aus drei verschiedenen Gewehrmodellen, es fehlte an Fahrküchen und ausreichender Telephonausrüstung.

VII.    Korps im Laborczatal weiter zurückgedrückt. Nach dem Abzüge der Masse der 38. HID. war Obst. Csermák mit sieben Bataillonen, einer Schwadron und vier Batterien zur Behauptung der westlich des Uzsok-passes erreichten Stellungen zurückgeblieben.

Auf russischer Seite hatte sich Brussilow auf den dringenden Hilferuf Dimitriews hin entschlossen, der Armee Boroević gegenüber nur das

XII. Korps (eine Infanterie- und eine Kavalleriedivision) zu belassenL) und die Märsche des VIII. und des XXIV. zu beschleunigen. Alsbald entwickelte sich ein Wettlauf der beiden Kampfgegner, die den Raum bei Neusandez mit starken Kräften erreichen wollten.

Am 8. Dezember früh trat die Masse der 3. Armee ihre Vorrückung an. Auf dem rechten Flügel arbeitete sich die Hauptkraft Krautwalds im Laborczatale gegen eine Russenstellung beiderseits von Okröske heran. Die Gruppen Erzherzog Joseph und Colerus näherten sich Sztropkó und Bartfeld; die beiden Honvéddivisionen schoben sich von Westen gegen die letztgenannte Stadt heran.

In Teschen stieg die Spannung. Das Vordringen des VIII. Russenkorps drohte alle bisherigen Erfolge der 4. Armee zunichte zu machen. Das AOK. drahtete daher am 8. abends nach Kaschau, Boroević möge alles aufbieten, um den Kampf des linken Nachbarn zu unterstützen. Falls sich der Russe dem umfassenden Angriffe auf Bartfeld durch Abzug über Zboró entziehe, habe die Armee bei kraftvoller Vorrückung gegen Norden unverzüglich auch möglichst starke Kräfte ,,mit maximaler Marschleistung nach Neusandez zu dirigieren“, die Stadt und die dortigen Dunajecbrücken „ehestens“ in Besitz zu nehmen, dadurch den Verschiebungen von Brussilow zu Dimitriew endlich ein Ziel zu setzen und die Trennung dieser beiden großen Feindgruppen aufrechtzuhalten. Nach Gewinnung von Neusandez müsse entweder gegen den Rücken des

VIII.    russischen Korps vorgegangen oder, falls der Kampf bei der Erzherzogsarmee noch andauere, dort umfassend eingegriffen werden.

Boroević wies hierauf die auf Bartfeld eingedrehten 20 Bataillone,

7 Schwadronen und 6 Batterien der komb. und der 38. HID. unter Befehl des wieder dienstfähig gewordenen FML. Szurmay zum Abschwenken gegen Nordwest und zum Vorstoß auf Neusandez an. Der 4. KD. wurde die dem Armeekmdo. zugewiesene 11. LstTerrBrig., GM. Nottes, unterstellt, deren fünf Bataillone sich jedoch erst am 10. in Alt Lublau sammeln konnten. GM. Berndt sollte bis zum Herankommen dieser Brigade und

der Gruppe Szurmay dem Feinde ein weiteres Vorgehen gegen West verwehren. Das Gros der Armee hatte die Offensive gegen Nord fortzusetzen.

Unterdessen schwankte die Stawka In ihren Entschließungen. Blieb es dabei, daß die zwei nördlichen Armeen der Südwestfront (4. und 9.) ihren Abwehrkampf in den gegenwärtigen Stellungen weiterführen sollten, statt an die Pilica zurückzugehen, so konnten auch das X. und das XXI. Korps Dimitriews nicht in die südlich der Weichsel immer heftiger entbrennende Schlacht eingreifen. Gen. Iwanow entschloß sich nunmehr, den Gegner in Südwestpolen mit der 4. und der 9. Armee zu binden und regelte mit einem Befehle vom 9. Dezember das Verhalten der anderen drei Armeen, denen offensive Aufgaben gestellt wurden. Vor allem sollte Dimitriew sein X. Korps doch ungesäumt mit allen Teilen auf das südliche Weichselufer herüberziehen. Die 8. Armee wurde beauftragt, den Gegner, sobald er aus den Karpathen auftauchte, gegen Südwest zurückzuwerfen und mit ihrem rechten Flügel den Angriff der 3. zu unterstützen. Die 11. Armee hatte zur Entlastung Brussilows die Streitkräfte Pflanzer-Baltins auf sich zu ziehen1). Ihr blieb auch weiterhin die Zernierung von Przemyśl und die Sicherung von Lemberg anvertraut.

Der Befehlshaber der Südwestfront sah die Lage keineswegs im rosigen Lichte und bat die Stawka am 9., ihm entweder zwei Korps zuzuführen oder der Verkürzung seiner Front im Norden bis zum Abschnitte gegenüber Czenstochau zuzustimmen. Die Heeresleitung ging jedoch darauf nicht ein und vertröstete ihn auf später verfügbar werdende Verstärkungen.

Die Offensive der Armee Boroević nahm am 9. Dezember ihren Fortgang; unausgesetzt brachte der Draht von Teschen Mahnungen und von Wadowice, dem Hauptquartier des Erzherzogs Joseph Ferdinand, Aufforderungen zu beschleunigtem Vorgehen des Westflügels auf Neusandez.

Da die Russen schon in der Nacht von Bartfeld über Zboró abgezogen waren, rückte FML. Szurmay mit den beiden Honvéddivisionen in zwei Kolonnen ungestört nach Nordwesten ab. Er erreichte, vom 3. Armeekmdo. zur Eile angespornt, bis zum Abende mit der 38. HID., die ein kurzes Gefecht mit feindlicher Reiterei bestand, Nowa Wieś, mit der Division Kornhaber Czyrna. Noch war aber Szurmay über 20 km von seinem Angriffsziele Neusandez entfernt.

Von der Gruppe Colerus rückten Teile der 10. ID. schon am 9. früh in das vom Feinde geräumte Bartfeld ein. Unter Gefechten mit feindlichen Nachhuten bahnte sich das IX. Korps den Weg bis Zboró, das

J) Seit November waren die am Uzsokpaß und östlich davon stehenden Kräfte dem russischen 11. Armeekmdo. unterstellt (S. 583).

III. setzte die 22. SchD. gegen Osten an, um das VII. bei seinem Angriffe auf Sztropkó zu unterstützen. Als die Truppen des Erzherzogs Joseph am Vormittage Sztropkó genommen hatten und das VII. Korps im Zweifel über die nunmehr einzuschlagende Richtung war, ob gegen Nord oder gegen Nordost, befahl das 3. Armeekmdo. den Vormarsch auf Havaj.

Ehe Krautwalds Hauptkraft die russische Stellung bei Okröske angehen konnte, war auch hier der Russe unter dem Schutze der Dunkelheit entschlüpft. Bei Laborczrév stellte sich der Feind neuerlich. Die im Viravatale vordringende Kolonne Krautwalds vertrieb die Russen aus Világ; weiter östlich bemächtigten sich Teile der 56. ID. des Ortes Tele-pócz und der Höhen nächst Felsöalmad. Die 8. KD. versuchte, die vom Feinde besetzte Paßhöhe nördlich von Zemplénoroszi mit der beigegebenen Infanterie zu umgehen.

Gleichzeitig stießen freilich die Russen vom Uzsokpaß gegen den äußersten Ostflügel der Armee hinab; sie umfaßten die Brigade Csermák auf beiden Flügeln und drängten sie in der Nacht zum 9. bis zur Eisenbahnstation Malomrét zurück.

Im Aufträge des Kaisers Franz Joseph traf am 9. Dezember der Chef der Militärkanzlei, GdI. Frh. v. Bolfras, in Teschen ein, um dem Armeeoberkommandanten Erzherzog Friedrich den Marschallstab und seinem Generalstabschef die neugestiftete 1. Klasse des Militärverdienstkreuzes zu überreichen. So aufmunternd diese den höchsten Führern gezollte Anerkennung in anderer Lage gewesen wäre, half sie jetzt keineswegs über die Tagessorgen hinweg. Die Befürchtung, daß das „zögernde“ Verhalten der Armee Boroević die Auswertung des Schlages der 4. Armee beeinträchtigen könnte, beherrschte die Gemüter. Als man überdies erfuhr, daß auch das russische XXIV. Korps zur Verstärkung Dimitriews herangekommen war, äußerte der Chef des Generalstabes unmutig zu seiner Umgebung: „Jetzt hat die 3. Armee den Abmarsch beinahe dreier Korps versäumt und kommt doch nicht so vorwärts, wie es notwendig wäre 1).“

Zweifellos war es zum Teil der Führung der 3. Armee zuzuschreiben, daß diese Kräfteverschiebungen des Feindes stattfinden konnten. Doch darf auch der Zustand der Truppen nach dem kampfreichen Rückzüge über die Karpathen nicht unberücksichtigt bleiben. Der Verlust von Bartfeld am 1. Dezember, die üble Verfassung des IX. Korps und die in dieser Zeit allgemein auftretende Kriegsmüdigkeit, eine Folge der überraschend langen Dauer des Feldzuges, an dessen baldige Beendigung man geglaubt hatte, schwächten den Kampfwillen. Das Absetzen der Armee vom Feinde wurde von ihrem Führer angeordnet, um den Truppen durch eine Erholungspause zum Wiedergewinne ihrer Schlagkraft zu verhelfen. Freilich konnten gleichzeitig die Russen die ihnen während einer Woche gebotene Frist ausnützen und unbehindert Maßnahmen zur Verbesserung ihrer schlimmen Lage in Westgalizien treffen.

Wie es sich jetzt zeigte, vorher aber nicht zu übersehen war, hat sicherlich die Entscheidung des k.u.k. AOK., den Angriff auf Bartfeld der Aktion gegen Neusandez vorangehen zu lassen, schlechte Früchte getragen. Szurmay hätte sonst mindestens einen Tag früher vor Neusandez eintreffen können. Die Marschleistungen der 3. Armee am 8. und

9. entsprachen den brennenden Wünschen des Feldherrn nicht; wie die nächsten Tage bewiesen, wären die Truppen höheren Anforderungen gewachsen gewesen. Auch konnte ein schärferes Zusammenfassen der Kraft auf dem Westflügel platzgreifen sowie das Abflattern gegen Ost vermieden werden; unter dem Bestreben, die rechte Flanke ausgiebig zu sichern, litt der Raumgewinn gegen Norden. Von allen Seiten liefen Meldungen über den Rückzug der russischen 8. Armee ein; ihren allerdings sehr geschickt geführten Nachhuten gegenüber konnte mehr gewagt werden.

In diesem Sinne griff die Heeresleitung am 9. nachmittags mit bemerkenswerter Schärfe ein und forderte rücksichtsloses Vordringen. ,,Im Hinblick auf den Ernst der Lage hat das 3. Armeekmdo. mit allen Mitteln einer etwaigen Erschlaffung der Angriffsenergie entgegenzuwirken. Allen, die es angeht, ist schärfste Mißbilligung des AOK. darüber auszusprechen, daß durch Lässigkeit und passive Haltung dem Feinde die volle Freiheit des Handelns ungestört gelassen wurde, obgleich das AOK. den Abmarsch feindlicher Kräfte schon am 5. Dezember avisiert hatte.“

GdI. Boroević gab diesen Tadel an die unterstehenden Führer weiter und mahnte, die begangenen Versäumnisse in den nächsten Tagen gutzumachen. Er paßte sich nunmehr mit seinen neuen Befehlen zur Fortführung der Offensive den Gedankengängen des AOK. in kaum zu überbietender Weise an. Starke Kräfte wurden zur unmittelbaren Unterstützung der 4. Armee gegen Nordwesten gelenkt. Die 6. ID. hatte von Bartfeld über denTyliczer Sattel und Nowa Wieś der 38. HID. zu folgen, dann, aber gegen Grybów abzubiegen; das IX. Korps sollte unaufhaltsam gegen Ropa und Gorlice Vordringen. Zur Deckung des Linksabmarsches dieser Armeekörper wurde die Hauptkraft des III. Korps (22. SchD. und 28. ID.) beauftragt, über Krempna möglichst weit gegen Żmigród vorzustoßen; das VII. hatte über den Duklapaß den Raum Tylawa—Jaśliska zu erreichen, FML. Krautwald den Angriff auf Mezölaborcz und den Beskid-paß fortzusetzen unter Sicherung gegen Cisna und gegen den Paß nördlich von Zemplénoroszi, endlich Obst. Csermák sich westlich des Uzsok-passes zu behaupten.

Am 10. ging Szurmays 38. HID., nur 8 Bataillone und 5% Batterien stark, auf der Straße gegen Neusandez vor. Sie stieß auf einen östlich von Nawojowa eingegrabenen und sich zusehends verstärkenden Feind (3. SchBrig. mit Teilen der 10. KD. und 13. ID.), dessen Widerstand im Stirnangriff nicht zu brechen war. Rechts davon vermochte die streckenweise ohne Weg über Polany marschierende komb. HID. an diesem Tage ebensowenig Hilfe zu bringen wie die 6. ID., die von Bartfeld nach einem Gewaltmarsche Mochnaczka erreichte.

Da bei der 4. Armee die geschilderte Schlachtkrise nächst Łapanów eingetreten war, wurde von Wadowice wiederholt nach Kaschau gedrahtet, Szurmay möge über Neusandez gegen Kanina vorstoßen. Auch forderte das AOK. am Nachmittag die 3. Armee auf, unaufhaltsam über die Straße Grybów—Gorlice—Żmigród—Dukla vorzudringen, einerseits um einer Gefährdung der isolierten Gruppe Szurmay zu begegnen, andererseits um jenen Feindkräften den Weg zu verlegen, die über Krosno—Jasło dem Schlachtfelde der Erzherzogsarmee zustrebten.

Am 10. stellte sich der Russe dem Vormarsche des IX. Korps nach Gładyszów—Uście Ruskie nirgends entgegen; das III. Korps kämpfte erfolgreich gegen feindliche Nachhuten, kam jedoch gegenüber einer starken Stellung bei Ożenna zum Stehen; vom VII. blieb die 17. ID. ungeachtet der Gegenwirkung einzelner, sich an den Boden klammernder russischer Abteilungen in flotter Vorbewegung bis in den Raum umLado-mermezö, während sich die 20. HID. mehr als nötig aufhalten ließ; endlich gewann Krautwalds Hauptkraft im Laborczatale Boden, doch stockte die Vorrückung seines rechten Flügels.

Der Aufforderung des 3. Armeekmdos. entsprechend, unternahm die Sanfeste mit 193/4 Bataillonen, 2 Schwadronen und 15 Batterien einen Ausfall, der am 9. nach Verdrängung der russischen Sicherungstruppen bis knapp an die Zernierungshauptstellung herankam. Da aber die weitere Fortführung des Unternehmens keinen Erfolg versprach, kehrten die beteiligten Verbände am 10. Dezember wieder in den unmittelbaren Festungsbereich zurück1).

*) Die Tätigkeit der Festung behandelt ausführlich die Schrift des k. u. Majors a. D. Dr. S t u c k h e i 1: „Die zweite Einschließung der Festung Przemyśl“ (Sonderabdruck der „Militärwissenschaftlichen und technischen Mitteilungen“, Wien 1926).

Vorgänge bei der Armeegruppe Pflanzer- Baltin v o m 4. bis 12. D e 2 e m b e r Hiezu Beilage 27 sowie Skizze 56

Der inzwischen in den östlichen Waldkarpathen geführte Kleinkrieg der Armeegruppe Pflanzer-Baltin stand hie und da in enger Wechselbeziehung zu den Operationen der Hauptkräfte.

Am 4. Dezember hielt sich der Ostflügel der Armeegruppe noch jenseits vom Karpathenkamme (Skizze 56), doch war ihr Führer nicht länger im Zweifel, daß er sich mit seinen 40.000 Feuergewehre starken, minder festgefügten Truppen gegenüber dem wachsenden Drucke der70.000Mann zählenden Dniestergruppe auf die Dauer nicht mehr auf dem Glacis des Gebirgswalles werde behaupten können. Seit dem 2. Dezember wußte er, daß sein Nachbar Boroević die Möglichkeit eines Rückzuges in den Raum nordöstlich von Kaschau erwäge (S. 775). Brach dann der Russe über den Uzsokpaß vor, so verlor auch die Karpathenstellung Pflanzers ihre Flügelanlehnung. Für den tatkräftigen Führer der Gruppe Grund genug, sich an den Angriffsunternehmen der 3. Armee gegen die Paßhöhe unmittelbar durch das Detachement Obst. Guilleaume und mittelbar durch einen dem FML. Hofmann aufgetragenen Ablenkungsstoß gegen Nordwest zu beteiligen. Den Honvéds der 38. HID. gelang es aber nicht, den Verteidiger von der Paßstellung zu vertreiben, und als nun am 5. der Abtransport des Gros dieser Division an den linken Flügel der 3. Armee begann (S. 777), mußten sich die beiderseits des Ungtales zurückbleibenden Truppen des Obst. Csermák auf die bloße Abwehr beschränken.

Noch immer zögerte GdK. Pflanzer-Baltin, weitere Gebietsteile der Bukowina und Südgaliziens preiszugeben. Zumindest wollte er zuvor die Russen abschütteln, die seine Verbände umschwärmten. Während auf dem äußersten rechten Flügel Obst. Fischer seine Stellungen behauptete, stießen am 6. Dezember Teile der 54. ID. und die Polen Durskis wieder gegen den inzwischen geräumten Ort Uście Putilla vor. Die 52. ID. versuchte, Delatyn zu überrumpeln, was mißlang; die Polen des Obstlt. Haller gingen demonstrativ auf Pasieczna vor.

Am gleichen Tage brachen aber die Russen von Toronya gegen die von Obst. Burggasser befehligte 12. LstTerrBrig. vor und drückten sie bis Ökörmezö zurück. Die für den Nachschub unentbehrliche Bahnlinie über Huszt und die rechte Flanke Hofmanns schienen ernstlich bedroht zu sein. Dies machte allem Zaudern ein Ende. Pflanzer-Baltin zog, um die Lage bei ökörmezö wiederherzustellen, seinen Ostflügel (54. und 52. ID.) gegen den Gebirgskamm zurück, löste FML. Durski, der den Russen gerade bei Krzyworównia einen Schlag versetzt hatte, aus der nunmehr verkürzten Front, ließ diese Polengruppe auf dem Schienenwege in die Gegend von Huszt befördern und bestimmte sie sowie ein Landsturmhusarenregiment zur Verstärkung des Obst. Burggasser.

Sonach befanden sich am 8.: Obst. Fischer bei Hadikfalva—Straza, die 54. ID. unter FML. Schultheisz gegenüber der Feindgruppe bei Uście Putilla in den Bergen nördlich Seletin und auf dem beherrschenden Kopilas, FML. Schreiter mit der 52. ID. auf dem Jablonica(Tataren-)-paß und die Polen bei Rafailowa. Obst. Burggasser gelang es, sich mit seinen 2000 Feuergewehren nördlich von Ökörmezö zu behaupten, weil die Russen Kräfte gegen Hofmann abzogen. Die Lage bei diesem verschlechterte sich jedoch bald, als Obst. Csermák im Ungtale zurückgedrängt wurde (S. 801).

Vergeblich bat der Armeegruppenführer das AOK. um Unterstützung Csermáks durch die 3. Armee oder wenigstens um Rückgabe der im Verbände Krautwalds kämpfenden 56. ID. Der rechte Flügel der Armee Boroević vertrug aber keine Schwächung.

Obst. Csermák, seit dem 12. unter Befehl Pflanzer-Bältins, war dem russischen Drucke allmählich über Fenyvesvölgy gewichen und focht, durch einige Landsturmbataillone und Gebirgsgeschütze verstärkt, mit wechselndem Erfolge. Sein rechter Nachbar, FML. Hofmann, führte vom

11. an, um die Schlagkraft der seit Anfang Oktober unausgesetzt im Kampfe stehenden Truppen zu erhalten, seine Hauptkraft schrittweise bis Szt. Miklós zurück, beließ aber gemischte Abteilungen am Feinde. Dieses Absetzen vollzog sich glatt, weil Durski nach seinem Einlangen in ökörmezö den hartbedrängten Abteilungen Hofmanns durch einen Entlastungsstoß Luft verschafft hatte. Weiter im Osten erwehrten sich die Polen bei Rafailowa wiederholter russischer Anstürme.

Die Entscheidung Hiezu Beilage 27 (11. bis 13. Dezember)

Bei der 4. Armee war die Gruppe FML. Roth nach der Krise vom

10. Dezember nunmehr auf neun Infanterie- und drei Kavalleriedivisionen angewachsen: 3., 8., halbe 11., 15.,30. ID. und 39.HID.mit der komb. IBrig. Reymann, 13.,45. SchD.und deutsche 47. RD.sowie6., 10.KD.und 11. HKD. Die öst.-ung. Infanteriedivisionen zählten um diese Zeit 2000 bis 3000, die 3. ID. am 11. Dezember nur mehr 900 Feuergewehre. Wenn sonach auch die Kampfkraft dieser Gruppe wegen der außerordentlich niederen Stände nicht der großen Zahl ihrer Heereskörper entsprach, so erforderte doch die Leitung der zahlreichen Anstalten und Trains, dann die personelle und wirtschaftliche Versorgung eine Arbeitsleistung, der der unverändert kleine Befehlsapparat des XIV. Korpskmdos. nicht gewachsen war. Das Armeekmdo. verfügte daher eine geänderte Gruppeneinteilung. Vom

11. Dezember 6hvorm. an trat folgende Gliederung in Kraft:

FML. Roth: a) Gruppe FML. Arz mit den Untergruppen FML. Hadfy (39.HID., 11.HKD., 10.KD.), FML. Smekal (6.KD., 45. und 13.SchD.) und der komb.IBrig. Reymann1); b) deutsche 47. RD.;

FZM. Ljubicić: halbe 11., 30., 8., 3. und 15. ID.;

GdI. Křitek: halbe 11. und 19.ID. sowie halbe 41.HID. und Gruppe Obst. Brauner (1. und 35. LstlBrig.).

Das russische VIII. Korps hatte die ihm für den 10. Dezember strikte übertragene Aufgabe (S. 793): Gewinnung der Straße Rzegocina—Limanowa, nicht zu lösen vermocht; es versuchte nunmehr sein Glück unter dem schützenden Dunkel der Nacht. Jedoch sämtliche, sowohl beiderseits der Łososina wie auch gegen Limanowa angesetzten Angriffe zerschellten an dem Damme unerschütterlicher Abwehr. Abermals war es abgesessene Kavallerie, die sich in bewunderungswürdiger Bravour den russischen Bajonetten entgegenwarf und den bereits in die Gräben eingedrungenen Feind im Faustkampf verjagte2). Von der Kobyla bis südlich von Limanowa setzte das VIII. Russenkorps während des ganzen Tages (11.) seine wuchtigen Stöße fort, ohne sich im wechselvollen Ringen, abgesehen von geringfügigem Bodengewinn beiderseits von Limanowa, der Stellung des Verteidigers bemächtigen zu können.

Wohl mußten Teile der 39. HID., die zum Angriffe auf den feindlichen Südflügel bestimmt waren, nächst Limanowa ins Gefecht geworfen werden, um die Lage dort zu halten. Trotzdem gelang es der 77. HIBrig., weit nach Süden ausholend, den Feind überraschend anzugreifen und bis zum Einbruch der Dämmerung sich unmittelbar an und hinter den feindlichen Südflügel bei der Höhe Golców heranzuarbeiten.

In der Darstellung bei Conrad, V., 726 ff, tritt die Gruppe Arz neben jener des FML. Roth wiederholt als selbständige, armeeunmittelbare Befehlseinheit auf. Dieser Irrtum erklärt sich aus der von Conrad im Interesse gedrängter Darstellung gebrauchten Bezeichnung „Gruppe“ auch dort, wo eine Untergruppe, ein Subabschnitt, kurz, irgendeine nicht organisationsgemäße Befehlseinheit gemeint ist.

2) Die von zermürbten Landsturmabteilungen preisgegebene Stellung südlich von Limanowa wurde von der stürmenden Fußabteilung des HR.9 im Handgemenge zurüek-erobert; anihrer Spitze fand der Regimentskommandant Obst. Othmar Muhr denHeldentod.

Gegenüber dem FZM. Ljubicić drängten die Russen nicht weiter nach. Hier hatte die Gruppe des Feldzeugmeisters sich ohne nennenswerte Gegenwirkung wieder bis an die Stradomka vorgeschoben.

Auf dem Nordflügel der Armee wurde Křitek am 11. bei Tagesanbruch von den Russen angegriffen. Obgleich von beträchtlichen Kräften unternommen, brach ihr Ansturm schon im Artilleriefeuer verlustreich zusammen. Das gleiche Schicksal hatten am Nachmittag gegen die Gruppe Roth gerichtete Angriffe.

Das Detachement Obst. Weisz, verstärkt durch ein Radfahrbataillon 5 und Teile der Polenlegion, drängte ein feindliches Kosakenregiment im Dunajectale zurück und schickte sich an, am folgenden Tage, den ^.Dezember, den Angriff Berndts und Szurmays zu unterstützen.

Nunmehr machte sich aber auch das Gewicht der anrückenden

3.    Armee fühlbar. Im Befehle des GdI. Boroević für den 11. hieß es u.a.: „Die Vorrückung der eigenen Armee führt in den Rücken und gegen die Verbindungen des Feindes, dessen baldigster Rückzug hiedurch zu gewärtigen ist. Diese glückliche Kriegslage ist jedem Mann deutlich verständlich zu machen, da die Entscheidung der Schlacht und vielleicht des ganzen Feldzuges in den Beinen der 3. Armee gelegen ist.“ Boroević plante, bis zum 13. mindestens fünf Divisionen im Raume bei Tuchów zu vereinigen und mit dieser Kraftgruppe dem Feinde, dessen baldigen Rückzug er gewärtigte, in die Flanke zu fallen. Indes wehrte der Russe den Vorstoß des Westflügels der 3. Armee gegen Neusandez bei Nawojowa und Altsandez so nachdrücklich ab, daß weder die 38. HID. noch die

4.    KD. durchdringen konnten, zumal bei FML. Szurmay die kombinierte HID. abgeblieben und bei GM. Berndt die 11. LstTerrBrig. noch nicht zur Stelle waren.

Um den Stirnangriff der 38. HID. zu unterstützen, verfügte FML. Szurmay für den 11. den umfassenden Einsatz der komb. HID. über Kamionka Wk. Ehe der Tag angebrochen war, griff aber auch das AOK. in die Kampfführung ein und befahl dem 3. Armeekmdo., die 6. ID. nicht auf Grybów abzuzweigen (S. 802), sondern sie Szurmay zu ehester Gewinnung von Neusandez zu unterstellen. So hastete jetzt die alpenländische Division in getrennten Marschstaffeln auf der Straße über Nowa Wieś auf das Gefechtsfeld der Honvéds. Da der Gruppenführer mit dem rechtzeitigen Eingreifen der Division Kornhaber von Norden her rechnete, schickte er die erstverfügbaren fünf Bataillone der 6. ID. auf die links der Anmarschstraße befindliche Höhe Ostra mit der Absicht, sie zu einer ausgreifenden Südumfassung der Russen zu verwenden.

Unerwartetes geschah. Schon am Vortage hatten sich feindliche Abteilungen beiFlorynka in der Flanke der Division Kornhaber gezeigt; die Vorhut mußte gegen diesen Feind abgedreht werden. Szurmay mahnte, hier nur die unbedingt nötigen Kräfte zurückzulassen, mit dem Gros aber auftragsgemäß in das Gefecht der 38. HID. einzugreifen. Dies erwies sich als unausführbar. Die Russen stießen am 11. so kräftig gegen die sich im tief verschneiten Berg- und Waldgelände mühsam den Weg bahnende komb. HID. vor, daß auch deren bereits in der anbefohlenen Richtung auf Kamionka Wk. vorgehende Teile in den Kampf bei Florynka verwickelt wurden und sich an der Abwehr des Flankenstoßes beteiligen mußten.

Bald sah man klarer. Es waren Teile der russischen 48. ID. des

XXIV. Korps, die diesen Strich durch die Rechnung Szurmays machten. Die 38. HID., allein gelassen, vermochte gegen Nawojowa keinen Boden zu gewinnen und die über die Ostra geschickten Teile der 6. ID. waren im beschwerlichen Anstieg auf den Oberteil des Berges, den sie erst bei Einbruch der Dunkelheit erklimmen konnten; der Rest der Truppen dieser Division, durch den Eilmarsch erschöpft, war zu längerer Rast an der Straße gezwungen. Damit schwand jede Hoffnung, sich noch am 11. der Stadt Neusandez zu bemächtigen, deren Häuser herüberschimmerten.

Das AOK. war in teilweiser Unkenntnis der obwaltenden Umstände über die Gefechtsführung bei der Gruppe Szurmay höchst ungehalten. Einem in der Nacht zum 12. an den Fernsprecher gerufenen Generalstabsoffizier des 3. Armeekmdos. wurde in schrofferWeise aufgetragen, den Gruppenführer neuerlich zu beschleunigter Vorrückung anzuweisen; die erforderliche Befehlserteilung habe augenblicklich zu erfolgen1).

Der Unmut der Heeresleitung über die Vorgänge bei der Gruppe Szurmay entsprang der Besorgnis, daß ihr der Sieg in Galizien noch in elfter Stunde entgleiten könnte. Ein solcher Erfolg auf dem nördlichen Kriegsschauplätze war aber umso bedeutungsvoller, als eben jetzt aus Serbien die Nachricht kam, daß die 5. und die 6. Armee sich in vollem Rückzuge an die Save befänden.

Unterdessen war das IX. Korps am 11. kämpfend bis nahe an die Straße Gorlice—Ropa vorgedrungen und entlastete damit die 4. Armee,

ł) Der Vorwurf des AOK. zielte in erster Linie gegen die weitausholende Umfassung über die Ostra und dann gegen das sicherlich gezwungenerweise erfolgte Abschwenken Kornhabers. Über die Notwendigkeit der ersteren Maßnahme bestanden damals zwischen dem Gruppenkommandanten FML. Szurmay und dem Führer der über die Ostra entsendeten Kräfte der 6. ID., GM. Stöhr, verschiedene Auffassungen (Schreiben des GdI. und Honvédministers a. D. Baron Szurmay, 30. Dezember 1928, an das Kriegsarchiv sowie schriftliche Mitteilung des FML. v. Stöhr, 15. Jänner 1929).

indem das XXIV. Russenkorps in seinem Westmarsche aufgehalten und zur Entwicklung nach der Südflanke gezwungen wurde. Auch für die 3. Armee war dieses Ergebnis der Gefechte Králičeks und Kornhabers wichtig, weil davon abhing, ob das k.u.k. VII. Korps gegen Nord oder Nordwest vorzumarschieren habe.

GdI. Boroević befahl für den 12. die Fortsetzung des Angriffes auf Alt- und Neusandez durch Berndt und Szurmay, während Králiček und Kornhaber den Abmarsch der gegenüberstehenden Femdkräfte gegen West oder Nord zu verhindern hatten. Da dem Armeeführer diese Kräfte nicht ausreichend zu sein schienen, um mit dem XXIV. Korps des Feindes entscheidend abzurechnen, wurde dem k.u.k. III. Korps aufgetragen, dem russischen Korps über Biecz in Flanke und Rücken zu fallen. Boroević hoffte auch den zahlreichen Troß des Feindes zwischen diesem Orte und Jasło zersprengen zu können.

Während so der Westflügel der 3. Armee sich kämpfend den Weg zur Schlachtentscheidung bei Limanowa bahnte, hatten auch ihre anderen Heersäulen die Vorrückung fortgesetzt.

Das III. Korps, über Żmigród auf Jasło befohlen, stieß am 11. bei Krempna auf eine stark befestigte russische Nachhutstellung. Die an der Spitze befindliche 28. ID. schritt über die schneebedeckten Hänge sofort zum Angriffe, gewann indes im Laufe des 12. nur langsam Raum. Reiterabteilungen, die befehlsgemäß einen Handstreich gegen den bei Jasło massierten russischenTroß auszuführenhatten, konnten nicht durchdringen.

Beim VII. Korps, das über den Ort Dukla gegen Krosno gewiesen war, bemächtigte sich die 17. ID. am 11. des Duklapasses, sah sich aber alsbald bei Barwinek einer neuen Feindstellung gegenüber, die zunächst Halt gebot. Die etwas abgebliebene 20. HID. schloß hinter der 17. ID. auf. Weiter östlich warf die 5. HKD. schwächere Russenkräfte bei La-borczfö und verfolgte sie bis Czeremcha. Nach seinen Gepflogenheiten im Rückzugskampfe zog der Feind unter dem Schutze der Dunkelheit von Barwinek ab, doch erlitt die am frühen Morgen des 12. wieder aufgenommene Vorrückung des VII. Korps infolge einer Brückenzerstörung bei Tylawa Aufenthalt und gedieh nur bis südlich vom Orte Dukla.

FML. Krautwald nahm am 11. nachmittags Mezölaborcz und folgte dem Feinde gegen Vidrány und Palota; die seiner Gruppe vorauseilende

1. KD. erreichte bei völliger Dunkelheit den verschneiten Beskidpaß. Tags darauf setzte die Reiterdivision die Verfolgung fort, verjagte feindliche Abteilungen im Osławicatale und gelangte bis Kulaszne. Die nachrückende 34. ID. kam bisRadoszyce. Die in der Richtung auf Wola Michowa

abgezweigten Kräfte dieser Infanteriedivision ermöglichten es nunmehr auch der 56. ID., den Gebirgskamm zu ersteigen und bis in die Nähe des genannten Ortes vorzugehen. Die 8. KD. rückte bis an den Nordausgang des Zemplénpasses.

Am Uzsokpasse begnügten sich die Russen mit ihrem am 9. errungenen Erfolge. Nach Abweisung schwächlicher Angriffe gegen seinen Südflügel schlug Obst. Csermák am 12. die hier immer wieder vorfühlenden feindlichen Kräfte zurück. Die Gruppe wurde an diesem Tage auf Antrag des 3. Armeekmdos. mit Rücksicht auf die allgemeine Lage und den Zug der Verbindungen dem GdK. Pflanzer-Baltin unterstellt.

Der westlich des Dunajec kämpfende Teil des Russenheeres war indes in eine äußerst schwierige Lage geraten. Nach dem Gelingen des Gegenangriffes am 10., der vielleicht nur in der Absicht unternommen wurde, sich für den unvermeidlichen Rückzug Luft zu schaffen, erwies sich alsbald die öst.-ung. Front wieder so festgefügt, daß sie aller weiteren feindlichen Angriffsversuche zu spotten schien. Der Durchbruch beim russischen VIII. Korps, die stündlich wachsende Umklammerung der sich verzweifelt wehrenden Verteidiger von Neusandez und die ernste Bedrohung der nach Osten laufenden Verbindungen durch den Vormarsch der Armee Boroević drängten nun den noch zögernden Südwestfrontkommandanten zu einem Entschlüsse. Die russischen Führer nahmen schrittweise unter den üblichen Verschleierungsmaßnahmen — erhöhter Artillerietätigkeit und gelegentlichen Vorstößen — ihren bedrängten linken Flügel gegen Norden zurück. Während der Nacht zum 12. und im Laufe dieses Tages wichen die südlich des Lososinatales befindlichen Teile des VIII. Korps in eine Zwischenstellung, die von Rajbrot ostwärts bis zum Dunajecknie nördlich Witowice reichte und am 13. besetzt wurde. Iwanow befahl zur verläßlichen Sicherung der Hauptverbindungslinie Brzesko—Tarnów—Dębica die Bildung einer nach Süden gekehrten Abwehrfront. Demnach hatten das VIII. Korps gegen Zakliczyn, das XXIV. mit der 4. SchBrig. und zwei Kosakendivisionen in die Linie Ciężkowice— Biecz und das XII. in den Abschnitt Żmigród—Dukla—Rymanów— Bukowsko zurückzugehen1).

Beim k.u.k. 4. Armeekmdo. erkannte man nunmehr, daß infolge des Eintreffens beträchtlicher russischer Verstärkungen südlich und südwestlich von Bochnia die Fortsetzung des Angriffes in der bisherigen Richtung auf Wiśnicz nur unnötige Blutopfer kosten und ungewissen Erfolg bedeuten würde. Mit Billigung durch das AOK. entschloß sich daher

Erzherzog Joseph Ferdinand, an der Front der Armee auszuharren, den Feind anrennen zu lassen und nur mit dem rechten Flügel Roths den umfassenden Angriff südlich von Limanowa fortzusetzen. Gern hätte er das ihm vom AOK. unterstellte, aus der Front der 1. Armee gelöste

XVIII. Korps (S. 794) in seiner Gesamtheit dem rechten Flügel zugeführt, doch gestattete die geringe Leistungsfähigkeit der Bahnlinie nach Tymbark, wollte man nicht unnütze Zeit verlieren, nur die Entsendung einer einzigen Brigade in diese Richtung; das Gros hatte über Krakau vorläufig nach Wieliczka abzurollen.

Auch der Westflügel der 3. Armee drang am 12. siegreich vor.

Die 4. KD. nahm Altsandez, das Detachement Obst. Weisz rückte im Dunajectal vor und gegenüber der Gruppe Szurmay räumte der Feind endlich auch Neusandez. FML. Kornhaber warf schon am Vormittag die Russen von Florynka gegen Grybów zurück. Auch das IX. Korps konnte gegenüber dem abziehenden russischen XXIV.Korps Erfolge verzeichnen. Schwer mußte die 10. ID. um den Besitz von Gorlice kämpfen; sie wandte sich nach Einnahme des Ortes gegen Biecz, wo ihr heftiges Feuer entgegenschlug. Die 26. SchD. nahm Ropa, schob ein Detachement ins Biala-tal bis zur Eisenbahnstation Stróże und erreichte mit ihrer Hauptkraft den von dort gegen Biecz führenden Schienenweg.

Westlich vom Dunajec wich der Russe am 12. weiter dem Drucke der Gruppe Arz (39. HID. und Teile der früheren Gruppe Herberstein). Diese schlug die Richtung gegen Neusandez ein. Als jedoch das

4. Armeekmdo. zutreffend vermutete, daß der Feind gegen Norden abzog, wies es den FML. Roth an, dem VIII. Russenkorps den Weg dahin zu verlegen. Roth hatte aber das Gros der Gruppe Arz bereits selbsttätig gegen Jakóbkowice einschwenken lassen. Bei dem konzentrischen Nachdrängen von Süd und West blieben freilich gelegentliche Reibungen nicht aus; diese und die Erschöpfung der Truppen, deren Mehrzahl seit November in kaum unterbrochenen schweren Kämpfen stand, lähmten den Schwung der Verfolgung. Bis zum Abend erreichte die 39. HID. die Gegend nordwestlich von Neusandez; ein Detachement der Honvéd-division und die Spitzen Szurmays trafen am Nachmittag gleichzeitig in der Stadt ein, womit die Kampffront beider Armeen fest verkittet war.

Der Südflügel der Gruppe Smekal (Teile der 45. SchD., der komb. IBrig., 6. KD. und 11. HKD.) folgte entlang der Höhen südlich des Loso-sinatales. Die 10. KD. und Teile der 11. HKD. wurden ohne die in ihrer Gefechtseinteilung verbleibenden Artillerie aus dem Kampfe gezogen und zur Erholung in die Gegend südwestlich von Dobra verlegt.

Falls der Feind den Rückzug antrat, hatten die übrigen Teile der

4. Armee die Verfolgung in nordöstlicher Richtung zunächst bis in die Linie Zakliczyn—Brzesko—Bogucice—Chobot aufzunehmen. Hiebei sollte Roths 47. RD. über Lipnica auf Zakliczyn vorstoßen und feindlichen Kräften links des Dunajec den Weg verlegen.

So hatte der 12. Dezember mit der Gewinnung von Neusandez und dem Rückzuge des russischen VIII. Korps die entscheidende Wendung im achttägigen schweren Kampfe westlich des Dunajec zugunsten der k.u.k. Armeen gebracht.

Das Hauptverdiens’t unter den Führern wird die Geschichte zweifellos dem die Umfassungsgruppe befehligenden FML. Roth zusprechen, der für seine Leistungen mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet wurde und seinem Namen das Ehrenwort „von Limanowa-Łapanów“ beifügen durfte. Sein Unterführer FML. Arz erhielt später das Kommandeurkreuz desselben Ordens; in der Reihe der Taten, die ihm diese Auszeichnung eintrug, nimmt gleichfalls die Schlacht bei Limanowa-Łapanów einen hervorragenden Platz ein.

Die weitreichende Bedeutung des Erfolges der öst.-ung. Armeen in diesem Waffengange erkannte der damalige Kommandant der russischen Nordwestfront, General Rußki, als er sich einem amerikanischen Kriegsberichterstatter gegenüber äußerte: „Ein strategisches Meisterwerk war die in genialer Weise erdachte und mit Virtuosität durchgeführte Schlacht bei Limanowa, die uns zwang, ein weiteres Operieren gegen Krakau aufzugeben und unseren Karpathenübergang verhinderte. Die Schlacht von Limanowa war der erste entscheidende Rückschlag, den die Armeen des Großfürsten in Galizien erlebten. Die Lage der Österreicher war zur Zeit der großen Karpathenkämpfe keine beneidenswerte gewesen. Wir in Rußland glaubten damals fest an die totale Vernichtung der öst.-ung. Armee; umso überraschender war für uns der Ausgang der Schlacht bei Limanowa, denn der schneidige Angriff der Österreicher kam für uns ganz überraschend und traf uns an der gefährlichsten Stelle der ganzen Front83).“

Der Damm gegen die Russenflut

Rückblick auf die Ereignisse im Nordosten seit Mitte September 1914

Die Schlacht bei Limanowa-Łapanów, die Anfang Dezember zwischen der Łososina und der Raba entflammte, riß binnen wenigen Tagen den ganzen Raum zwischen Krakau und den Gebirgen am oberen San in ihren Feuerbereich. Das Ringen sollte in ununterbrochenem Flusse bis in die Weihnachtswoche und über das neue Jahr hinaus fortgehen. Aber den Höhepunkt hatten die Ereignisse doch in dem Augenblick erklommen, da die Truppen der Generale Arz und Szurmay am 12. Dezember bei Limanowa und Neusandez auf die inneren Flügel Dimitriews und Brussilows losstürmten. Und da fast auf den Tag diese Entscheidung mit dem Erfolge des deutschen Ostheeres westlich von Warschau zusammenfiel (Schlacht bei Łowicz, 6. bis 12. Dezember), so läßt sich wohl sagen, daß in dieser ereignisreichen Woche auch die Mitte September einsetzende zweite Phase des russischen Krieges zu ihrem Abschluß gelangt war.

Entgegen dem Wunsche Hindenburgs, der seine 9. Armee lieber bei Kreuzburg bereitgestellt hätte (S. 345), hatte GdI. Conrad bei den Beratungen zu Neusandez am 18. September durchgesetzt, daß sich die in Ostpreußen freigewordenen deutschen Kräfte bei Krakau möglichst enge an das öst.-ung. Heer anschlossen. Conrad legte auf diese enge Versammlung besonderen Wert im Hinblick auf den minder günstigen Zustand seiner Armeen, aber auch in dem Bestreben, dadurch der nächsten Kriegshandlung der Verbündeten jene Einheitlichkeit zu sichern, die er im ersten Feldzuge so sehr vermißt hatte.

Die bei den eben angeführten Beratungen gehegte Hoffnung, bei Wiederaufnahme des Angriffes die über den San und im anschließenden Weichselabschnitt vorgeprellten Teile des russischen Heeres noch stellen und vereinzelt schlagen zu können, erfüllte sich nicht, da der fast übervorsichtige, methodische Feind rechtzeitig zurückwich. Dabei war es der russischen Kriegsleitung allerdings nicht leicht geworden, die eigenwilligen Unterführer Rußki und Iwanow einem gemeinsamen Wollen und gemeinsamen Zielen unterzuordnen. Der Gedanke, erhebliche Teile des Heeres in das westliche Weichselland zu werfen, lag im Hinblick auf die Beengtheit Westgaliziens und die geringe Lust, sich in die Karpathen vorzuwagen, für die Russen wohl schon Mitte September nahe. Entscheidende Formen nahm jedoch der Plan, bei Warschau und unter dem Schutze der mittleren Weichsel die gewaltige, gegen Deutschland gerichtete Angriffsmasse der „großen Dampfwalze“ aufzubauen, erst um die darauf folgende Monatswende an, wobei das Auf tauchen der Deutschen nördlich von Krakau zur Entschlußfassung wesentlich beitrug.

Für das Auge der Verbündeten hob sich der Schleier über diesem mächtigem Neuaufmarsch des Feindes erst allmählich, dann allerdings — dank dem vorzüglich eingerichteten Funkerhorchdienst — mit einer Vollständigkeit, die keinem Feldherrn früherer Kriege gegönnt war.

Die zu Beginn des Vormarsches herrschende Unklarheit veranlaßte die 9. Armee, in größter Eile gegen den Weichselabschnitt unterhalb der Sanmündung vorzustürmen. Aber es gelang ihr ebensowenig wie der Nordgruppe der k.u.k. 1. Armee, erheblichere russische Kräfte noch diesseits der Flußlinie zu fassen. Gleicherweise war im Hinblick auf die Nachrichten, die man inzwischen vom anderen Ufer erhalten hatte, und wegen der aus Iwangorod und Warschau drohenden Gefahren an ein Nachstoßen über den Strom nicht mehr zu denken.

Nicht minder eilig hatten es die Russen in Galizien, ihre Zelte westlich von Przemyśl abzubrechen und hinter den unteren San und die Enge von Chyrów zurückzuweichen. Da über den Aufbau der neuen russischen Schlachtordnung nun kein Zweifel mehr bestehen konnte, war auch für die Verbündeten ein Rollenwechsel diktiert: der bisherige Bewegungsflügel, die deutsche 9. Armee, hatte in die Abwehr zu fallen, indes das Schwergewicht der Angriffshandlung auf die öst.-ung. Armeen in Galizien gelegt werden mußte. Ähnlich wie im August gedachte die k.u.k.Heeresleitung bei entsprechender Sicherung gegen Osten den Hauptstoß in der Richtung Lublin zu führen.

Der Angriff in Mittelgalizien blieb in der Folge auf die blutige Walstatt gebannt, die sich von Turka über Chyrów und das Ostglacis von Przemyśl bis zur Sanmündung erstreckte. Die wesentlichsten Gründe hiefür sind in den betreffenden Abschnitten der Darstellung gestreift worden. In operativer Hinsicht wirkte sich zweifellos ungünstig aus, daß bei der Versammlung die 2. Armee am südlichen Heeresflügel, ähnlich wie Hindenburg nördlich von Krakau, allzunahe herangezogen war. Statt aus den Karpathen zu ausholender Umfassung angesetzt werden zu können, mußte sich Böhm-Ermolli nun, nach dem nicht vorausgesehenen Zurückweichen des Feindes, im Stirnkampf den Ausgang aus der Chyrówer Enge erkämpfen. Die Versuche, bei Turka und weiter östlich neue Umfassungsgruppen aufzubauen, konnten von den Russen immer wieder pariert werden. Wie sehr sich Brussilow nichtsdestoweniger aus dieser Richtung auch durch schwächere Kräfte bedroht fühlte, geht aus seinen Aufzeichnungen einwandfrei hervor x). Wie erst, wenn die Masse der 2. Armee dort wirksam geworden wäre!

Unterdessen hatte im Weichsellande die Bedrohung von Stunde zu Stunde zugenommen. Bei Iwangorod konnte der Feind zunächst noch im Bereiche der Werke niedergehalten werden, hinter den Mauern von Warschau aber türmte sich schwerste Gefahr. Die Hoffnung, sich dieses Platzes im Handstreich zu bemächtigen und so dem Feinde noch in zwölfter Stunde das Tor zuzuschlagen, hatte Hindenburg schon aufgeben müssen, ehe der öst.-ung. Angriff in Mittelgalizien so recht begann. Nun griff das deutsche Ostheer in schütteren Linien südlich und westlich um die Festung herum, in der sich gewaltige Feindmassen zusammenballten.

Die Maßnahmen der deutschen 9. Armee fanden keineswegs den Beifall Conrads. Er verurteilte sowohl den ungestümen Vormarsch an die Weichsel wie das Auseinanderziehen vor Warschau. Ähnliche Gedanken lagen — allerdings im Gegensatz zu Obst. Hoffmann, dem damaligen ersten Gehilfen Ludendorffs (S. 431, Fußnote) — auch hervorragenden deutschen Offizieren nahe. „Am 30. Oktober erschien,“ schreibt GLt.Freytag-Loringhoven, „Oberst v. Sauberzweig nochmals in Neusandez. Er war sehr niedergedrückt über den unglücklichen Verlauf der Operation ... Der Oberst bemerkte ... mit vollstem Recht, die 9. Armee hätte nicht so eilig gegen die Weichsel vorstürmen sollen, was zu ihrer Zersplitterung am Strome geführt habe. Wohl hätte die 1. öst.-ung. Armee zum Teil versagt, aber auch wir hätten sie im Stiche gelassen. Ich konnte ihm in alldem nur beistimmen2).“ Leider enthalten die Aufzeichnungen Conrads keinen deutlicheren Hinweis darauf, wie seiner Auffassung nach das Problem des Flankenschutzes gegen Warschau zu lösen gewesen wäre. Man ist ausschließlich auf Mutmaßungen angewiesen. Einzelne Andeutungen mögen zu der Annahme berechtigen, daß Conrad den Flankenschutz lieber mit zusammengehaltener Kraft in der Höhe von Iwangorod eingerichtet gesehen hätte, damit man dem aus Warschau herausbrechenden Feinde ein „Iwangorod größeren Stiles“ liefern konnte3). Erfolgsmöglichkeiten hätten sich sicherlich ergeben, aber auch die Gefahr, im Westen überflügelt und von den Verbindungen abgedrängt zu werden, wäre noch größer gewesen als bei Iwangorod Ende Oktober. Hätte man die 9. Armee von Haus aus weiter nördlich angesetzt, etwa aus dem Raume Thorn—Gnesen, so wäre

!) B r o u s s i 1 o v, 82 ff.

2)    Freytag-Loringhoven, Menschen und Dinge, 243 f.

3)    Hindenburg, 110 und 112.

durch eine solche Operationsrichtung vor Warschau gewiß manche Kräftezersplitterung vermieden worden. Freilich hätte das Kräfteverhältnis zwischen den Verbündeten und den Russen auch dann auf keinen Fall hingereicht, eine Entscheidung zugunsten jener herbeizuführen.

Mit dieser Feststellung wird die Kardinalfrage der weiteren Kriegführung berührt: die einer Verlegung des deutschen Schwergewichtes von Westen nach Osten. Conrad und Hindenburg sind nachdrücklich für diese Lösung eingetreten. Die offizielle reichsdeutsche Kritik1) stellt sich bei erschöpfender Kenntnis der Lage im Westen bedingungslos an die Seite der Ostfeldherren. Der weitere Feldzugsverlauf in Westpolen und Galizien berechtigt zweifellos zur Auffassung, daß rechtzeitiges Zuführen ausreichender Verstärkungen aus Frankreich den Dingen eine wesentlich eindrucksvollere Wendung hätte geben können, als dies mit den vorhandenen und nur allmählich zufließenden Kräften möglich war.

Der große Gedanke, die russische „Dampfwalze“ gegen Schlesien und Posen nachzuziehen, um ihr von Thorn aus in die Flanke zu fallen, stammt zweifellos vom Oberbefehlshaber des deutschen Ostheeres2). Conrad fiel es zuerst nicht leicht, sich so raschen Entschlusses jeglichen Bodengewinnes zu begeben. Hatte er ja doch noch nicht alle Hoffnung auf das Fortschreiten des Südflügels verloren! Als dann aber die Lage im Weichsellande nicht mehr zu halten war, zögerte auch der öst.-ung. Chef des Generalstabes mit der ihm eigenen Großzügigkeit keinen Augenblick länger, entsprechende Schlußfolgerungen zu ziehen. Für den Vorschlag des Bundesgenossen, in der Linie Przemyśl—Krakau eine nach Norden gerichtete Flankenstellung zu beziehen, war er freilich ebensowenig zu gewinnen wie für den gleichfalls vom deutschen Oberbefehlshaber aufgeworfenen Plan, den Russen gegen Schlesien hin die „Klappe“ zu öffnen, um sie desto sicherer in die ihnen gestellte Falle zu locken. Gegen das eine wie gegen das andere führte die k.u.k. Heeresleitung die schon in der Darstellung angegebenen Gründe ins Treffen (S. 505 und 509). Unbeugsam setzte sie ihren Willen durch, die Masse des eigenen Heeres beiderseits von der Weichsel gegen Westen zurückzuführen. Das Streben, die Verbindung mit dem deutschen Ostheer keinen Tag lang aufzugeben, zeitigte sogar — durch Überführung der 2. Armee in den Raum nördlich von Czenstochau — eine noch stärkere Entblößung der Karpathenfront, als sie sich aus der ursprünglichen Lage ergab. Die zwei Korps Böhm-

x) R e i c h s a r c h i v, V., 553 ff und 582 ff, VI, 94 ff, 255 f, 364 ff, 413 ff, 433 ff.

2) Vergl. das Schreiben des GdI. Bolfras an Conrad, Wien, 14. Oktober 1914 bei Conrad, V, 154, und das Gespräch Conrads mit Obst. Metzger, 17. Oktober, V, 172.

Ermollis erschienen zu guter Stunde am Südflügel der nun unter dem unmittelbaren Befehle Mackensens stehenden deutschen 9. Armee. Sie bewährten sich als deren Flügelschutz, zogen starke Russenkräfte auf sich und deckten Preußisch-Schlesien. In den Tagen, in denen die ersten Staffeln Böhm-Ermollis nach Schlesien rollten, schrieb Falkenhayn in einer Denkschrift die Sätze nieder: „Das öst.-ung. Heer hat schwer gelitten. Dessenungeachtet tut die dortige Heeresleitung alles, um die Operationen in bundesfreundlichem Sinne zu leiten. Sie hat drei Armeen auf das linke Weichselufer gezogen und in Galizien nur schwache Kräfte belassen. Es kommt das einer Aufopferung gleich .. ,1).“

Im gleichen Sinne wie die 2. Armee nördlich von Czenstochau wirkten die 4. und die 1. Armee in der zweiten Hälfte November nördlich von Krakau. Sie fesselten erhebliche feindliche Kräfte. Mehr zu erreichen war den ausgebluteten Divisionen mit ihrer munitionsarmen Artillerie freilich versagt — trotz der Aufopferung des einzelnen Kämpfers. Gefangene Russenoffiziere haben damals den alpenländischen Regimentern des XIV. Korps das Zeugnis ausgestellt, daß sie an Todesverachtung selbst die Japaner überträfen. Dennoch reichten die Kräfte nicht hin, den Feind zu werfen, ehe sich die Rückenbedrohung durch die nach Westgalizien vordringenden Russen geltend machte. Nun mußten diese selben Divisionen, die eben noch an der Szreniawa keuchenden Atems gestürmt hatten und nur mehr 2000 und 3000 Streiter statt ihrer 15.000 zählten, ihren Kameraden südlich von Krakau zu Hilfe eilen. Ihnen schloß sich eine deutsche Reservedivision und Honvéds vom linken Flügel der k.u.k.

3. Armee an. So wurde Limanowa-Łapanów geschlagen.

Auf russischer Seite fochten, das XXIV. Korps nicht eingerechnet, nach den uns erreichbaren Quellen 11 bis 13 Infanterie-und 4 Reiterdivisionen — bei Annahme halber Sollstärken und ohne Einrechnung etwaiger während der Schlacht eingelangter Ersätze: 110.000 bis 120.000 Feuergewehre. Von der 4. und der 3. Armee des öst.-ung. Heeres wurden allgemach 13 Infanterie- und 4 Kavalleriedivisionen eingesetzt (bei jenen die selbständigen Brigaden mitinbegriffen); das wären 90.000 Feuergewehre, von denen 10.000 (der linke Flügel der 3. Armee) erst am 12. Dezember auf der Walstatt wirksam wurden. Somit ergibt sich ein Kräfteverhältnis 7:11 oder 7:12, also eine Übermacht der Russen um zwei Drittel des öst.-ung. Kraftaufgebotes. Leider reichen die vorhandenen Daten nicht aus, eine ähnliche Statistik über die Verluste aufzustellen.

In taktischer Hinsicht bot der Verlauf der Schlacht ein Bild außer-

x) Freytag-Loringhoven, Menschen und Dinge, 248 f. I 2. Aufl.

gewöhnlicher Lebendigkeit. Vielfach wies sie noch die später immer seltener werdende Eigenart eines Bewegungskampfes auf. Angriff und zähes Festhalten, Umfassung und Umfaßtwerden, Geländegewinn und Geländeverlust, Flügelwirkung und örtlicher Durchbruch wechselten in bunter Reihe. Die wie in einem Kaleidoskop sich unablässig ändernde Lage stellte die Führung aller Grade täglich und stündlich vor neue Entschlüsse, die höchste Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit des Geistes und starke Nerven erheischten. Manchmal gab es Augenblicke, in denen das blutige Spiel verloren zu sein schien. Schließlich siegte aber das zähe "Wollen, das auf öst.-ung. Seite die Truppen und ihre Führer bis zu den höchsten hinauf erfüllte. Der Feind gab das Schlachtfeld preis.

Wenn es nach dem Werke Danilows den Anschein hat, als sei im Kriegsrat von Siedlec (S. 595 ff), also noch vor dem Ringen der ersten Dezemberwochen, auch für die Russen südlich von der Weichsel schon grundsätzlich der Rückzug beschlossen worden, so spricht dies noch keineswegs gegen die Bedeutung der Schlacht bei Limanowa-Łapanów. Nicht umsonst verfocht Iwanow im Gegensatz zur Stawka seit je und auch weiterhin bis in den April 1915 die Auffassung, daß es zunächst nicht auf die Gewinnung Ostpreußens oder auf einen Entscheidungskampf gegen die Deutschen, sondern ausschließlich auf die Niederwerfung der öst.-ung. Wehrmacht anzukommen habe. Wenn Iwanow, was wahrscheinlich ist, bei weiterem günstigem Fortschreiten in Westgalizien die Stawka schließlich für seine Ziele mitgerissen hätte, so wäre eine solche Beeinflussung der Heeresleitung durch den Befehlshaber der Südwestarmee nicht das erstemal im Kriege erfolgt und auch nicht das letztemal. Durch die Niederlage südöstlich von Krakau waren allerdings jene Ziele in weite Ferne gerückt und noch viel Blut sollte in den Wäldern der Karpathen die Erde netzen, bis der Großfürst-Generalissimus dem Drängen Iwanows nachgab. So durfte Conrad mit Recht sagen, daß bei Limanowa-Łapanów das Schwert in den Boden gerammt worden sei, das „die Heimat vor der russischen Invasion bewahrte“. Der Wall, der den russischen Massen den Weg nach Westen versperrte, war durch die Schlachten bei Łodż—Łowicz und Limanowa-Łapanów für die ganze weitere Dauer des Krieges aufgerichtet. Der Schlachtenlärm, der in der zweiten Dezemberhälfte die Karpathen erfüllte, zeigte den blutigen Weg an, den nunmehr in den nächsten Monaten das große Ringen zwischen dem Zarenreich und der Donaumonarchie einschlagen sollte.

Person en Verzeichnis

A

Albrecht Erzherzog, FM.

13, 28, 29, 40, 50, 58 Alexander ThronfolgerPrinzregent von Serbien 97, 115, 615 Alexejew Michael Wassilje-witsch, russ. GdI. 293, 341, 351, 352, 353, 354, 385

Altmann, LstLt. 382 Ambrózy v. Seden Georg, Oblt. 166 Andrian Felix, GM. 620,

621, 627, 629, 634, 635, 636, 637, 643, 646, 647, 648

Appel Michael Edl. v., GdI.

107, 128, 139, 140, 625,

633, 634, 686, 691, 692,

694, 696, 697, 698, 705,

706, 711, 713, 718, 722, 724, 727, 728, 731, 733,

735, 740, 756 Aracić Vukoman, serb. Gen. 143, 648, 649, 650, 653,

654, 655, 656, 695, 698.

702, 729 Arjutinow Tigran Danilo-vvitsch, russ. GLt. 265 Arz v. Straussenburg Artur, FML. 275, 281, 290,292, 330, 387, 441, 442, 445, 447, 479, 522, 525, 526, 530, 535, 542, 543, 555, 557, 787, 791, 792, 795,

806, 811, 812, 813 Attems - Petzenstein Wilhelm Gf., FML. 396, 397, 471, 483, 582, 590 Auffenberg Moritz Ritt, v., GdI. 31, 164, 171, 178, 188, 189, 190, 197, 198,

199, 200, 201, 202, 203, 210, 219, 220, 224, 226, 227, 233, 234, 238, 240,

241, 242, 247, 251, 253,

254, 262, 269, 270, 271,

272, 274, 275, 276, 277,

279, 280, 282, 284, 289,

290, 291, 292, 293, 304,

305, 306, 307, 308, 309, 317, 318, 319, 325, 328, 329, 330, 331, 332, 338, 341, 370 Averescu Alexander, rum. Gen. 5

B

Badeni Kasimir Gf., Ministerpräsident 41 Balaban Robert, Mjr. 650 Banfield Gottfried, Lsch-Lt. 169 Bardolff Karl, Dr. jur., Obst. 235 Barza Edl. v. Barnhöfft Simon, Obst. 3y4 Baumgartner Emil, GM. 684

le Beau Aurel v., GM. 576 Beck-Rzikowsky Friedrich Gf., GdI. 6, 2H, 29, 50 BeneckendorfF, siehe Hindenburg Benigni in Müldenberg Siegmund Ritt, v., FML. 344 Berchtold Freih. von und zu Ungerschütz, Frätting und Püllütz Anton Gf., Obst. 643 Berchtold Freih. von und zu Ungerschütz, Frätting und Püllütz Leopold Gf., Minister des Äußern 18,

19, 20, 21, 147, 604, 605, 639

Berger Andreas, Obst. 396, 424

Berndt Otto, GM., 163,276,

281, 474, 786, 799, 807, 809

Besser Alfred v., preuß.

GLt. 562, 786 Bethusy-Huc Maximilian Gf. v., preuß. Mjr., 467

Bienerth Karl Freih. v., Obstlt. 21 Bismarck Otto Fürst v., deutscher Reichskanzler

51

Bissingen und Nippenburg Ferdinand Gf. v., GM. 779, 780,781,782,783,784 Boeriu Johann, Obst. 180 Bogat v. Kostanjevac Stephan, FML. 604,611,612,

614, 620 Böhm-Ermolli Eduard v., GdK. 93, 105, 106, 109,

118, 125, 126, 127, 136,

137, 149, 164, 171, 206, 210, 212, 214, 218, 244, 245, 246, 247, 249, 284,

287, 299, 300, 302, 303, 307, 314, 315, 332, 348, 358, 373, 393, 402, 403, 404, 405, 408, 412, 415, 416, 417, 418, 420, 421,

422, 423, 424, 435, 438,

439, 440, 471, 472, 473, 474, 475, 480, 481, 482,

483, 485, 504, 508, 519,

534, 535, 540, 549, 550,

551, 552, 553, 765, 766, 767, 768, 769, 770, 771, 772, 773, 814, 815, 816, 817

Bojovic Petar, serb. Gen. 115, 142, 143, 606, 608, 609, 645, 665, 668, 677, 678

Bolfras Artur Freih. v., GdI. 59, 146, 147, 151,

219, 311, 397, 509, 603,

639, 739, 761, 762, 801, 816

Böltz Eduard, GM. 679

709, 731, 739, 761 Boog Adolf v., GM. 249 Boroević v. Bojna Svetozar GdI. 200, 201, 202, 225’ 229, 235, 240, 272, 275 286, 287, 289, 293, 299’


300, 303, 307, 314, 371’ 372, 3S7, 390, 391, 401, 406, 416, 420, 421, 422, 427, 42S, 429, 437, 439,


440,    446, 471, 474, 476,

477, 4S0, 4S2, 537, 538,

565, 566, 567, 569, 571, 572, 573, 574, 576, 577,

578, 5S0, 581, 5S2, 5S4,

5S5, 587, 5SS, 5S9, 590,

591, 593, 594, 595, 600,

774, 775, 776, 777, 779,

782, 789, 794, 795, 796,

797, 798, 799, 800, 802,

804, S05, 807, 809, 810

Bothmer Arpád Freih. v., GM. 396 Božanovic Miloš, serb.Gen.

606, 627, 629, 631, 633,

634, 636, 637, 643, 644,

645, 646, 647, 64S Brandner Edl. v. Wolfszahn Adam, GM. 455, 459

Brantner Theodor, Hptm. 252

Bratianu Jonel, rum. Ministerpräsident 94 Braun Joseph, FML. 614, 617

Brauner Adolf, Obst. 539,

540, 558, 7S4, 806 Bredow Anatole Gf. v., preuß. GLt. 343, 357, 503 Breit Joseph, GM. 640, 684 Brosch Edl. v. Aarenau Alexander, Obst. 27S Brudermann Adolf Ritt, v., FML. 166, 231 Brudermann Rudolf Ritt, v., GdK. 163, 164, 186, 205,

206, 207, 208, 209, 213,

214, 217, 219, 220, 247, 249, 250, 254, 327 Brussilow Alexej Alexan-drowitsch, russ. GdK. 177, 204, 205, 212, 215,

216, 217, 243, 245, 255,

280, 283, 284, 286, 287, 288, 289, 293, 294, 300,

301, 303, 306, 314, 332, 348, 355, 373, 380, 381, 384, 385, 412, 413, 417,

420, 421, 424, 437, 438,

441,    472, 482, 485, 564,

567, 568, 569, 571, 574, 575, 580, 581, 582, 584, 586, 588, 589, 592, 594,

595, 775, 776, 777, 782,

7S3, 790, 792, 794, 799,

800, 813, 814 Budiner Raimund, Obst. 126

Burggasser Johann, Obst.

594, 804, S05

Cavallar V. Grabensprung Wilhelm Ritt., Oblt. 608 Charpentier Klas Robertowitsch, russ. GLt. 515,

516, 528, 554 Chelnitzki Pawel Ludwigo-witsch, russ. GLt. 413 Chwostek Ottokar, Obstlt. 636, 637, 644, 645, 646, Obst. 667 Clausewitz Karl v., preuß.

Gen. 321 Colerus v. Geldern Emil, GdI.    211,    216,    243,    247,

248,    286,    287,    418,    420,

421,    435,    436,    474,    477,

571,    572,    573,    577,    578,

579,    581,    585,    587,    588,

589,    590,    591,    592,    797,

798,    799,    800

Conrad v. Hötzendorf Franz Freih., GdI. 3,4,5,6,8,12,

13, 14,17, 18, 19,20, 21, 22,23,24, 29, 30, 31, 33, 34,35, 40, 41, 50, 58, 59, 93, 94, 95, 105, 107, 108,

109,

127,

134,

136,

146,

147,

151,

155,

157,

158,

159,

160,

161,

162,

168,

169,

170,

171,

172,

178,

184,

186,

187,

201,

207,

208,

210,

213,

214,

218,

219,

220,

221,

249,

250,

251,

252,

253,

254,

263,

272,

273,

283,

299,

300,

303,

308,

309,

310,

311,

312,

314,

322,

323,

324,

325,

327,

328,

330,

331,

332,

333,

334,

335,

336,

337,

342,

345,

346,

347,

348,

349,

350,

362,

366,

367,

368,

369,

373,

383,

384,

399,

400,

401,

410,

411,

430,

431,

432,

433,

435,

440,

443,

446,

450,

467,

471,

472,

474,

475,

476,

477,

484,

485,

489,

490,

491,

492,

493,

494,

495,

496,

497,

501,

502,

503, 505, 506, 507, 508,

509, 511, 512, 513, 518,

519, 520, 521, 523, 524, 527, 534, 537, 539, 540,

542, 543, 550, 553, 554,

555, 556, 558, 559, 561,

562. 563, 564, 573, 574,

595,    599, 601, 605, 639, 647, 648, 658, 710, 760,

765, 766, 767, 769, 782, 794, 801, 802, 806, 813, 815, 816, 818

Cramon August v., preuß. GM. 60, 61

Csanády Friedrich v., FML.

244, 246, 403, 418, 419,

566, 569

Csermák Michael, Obst. 594, 777, 799, 801, 803, 804, 805, 810    ^

Csicserics v. Bacsány Maximilian, GM. 135

Czernin v. Chudenitz Ottokar Gf., k. u. kl Gesandter in Bukarest 94,

312

Czibulka Klaudius, FML. 127, 133, 632, 633

D

Daempf Heinrich, FML.

242, 243, 247, 249, 250,

251, 252, 253, 255

Dáni v. Gyarmata Blasius,

•    GM. 112, 113, 375, 549,

•    772

Daniel Franz, GM. 688

Danilow Georg Nikiforo-witsch, russ. GdI. 174, 320, 352, 353, 516, 595,

596,    598, 818

Dankl Viktor, GdK. 164,

179, 180, 181, 184, 185, 188, 192, 193, 195, 196,

220, 221, 224, 226, 231,

232, 233, 234, 238, 242, 256, 259, 261, 265, 266,

267, 268, 269, 270, 283,

284, 294, 295, 296, 298, 299, 301, 315, 316, 325, 326, 327, 329, 331, 341, 348, 354, 356, 361, 362, 363, 364, 365, 366, 367, 368, 384, 397, 398, 399,

400, 411, 413, 432, 433,

450, 451, 452, 453, 454,

457, 458, 460, 461, 463,


464,    466,    467,    468,    469,

470,    489,    491,    492,    496,

497,    498,    499,    500,    505,

510,    513,    517,    519,    520,

523,    526,    530,    531,    532,

533,    534,    547,    548,    561,

597,    766,    769,    772,    773

Delsalle Peter Alexeje-witsch, russ. GM. 361, 363, 364, 367 Dieterich Ernst, GM. 571 Dieterich Rudolf, GM. 244 Dimitriew Radko, russ. GdI.

355,    381,    385,    387,    388,

389,    412,    441,    450,    477,

487,    504,    536,    537,    538,

539,    545,    555,    560,    561,

567,    597,    774,    775,    778,

779,    783,    790,    791,    793,

794,    798,    799,    800,    801,

813

Dragomirow Abram Mi-chailowitsch, russ. GLt.

268, 283, 291, 292, 301,

306, 318 Drda Robert, Obst. 439, 440

Durski v. Trzasko Karl Ritt., FML. 396, 483,

485, 486, 593, 804, 805

E

Eck Eduard Wladimiro-witsch, russ. GdI. 564,

568,    570, 572, 575, 583,

593, 778

Eimannsberger Ludwig, General des öst. Bundesheeres 31 Eisler v. Eisenhort Johann Ritt., FML. 118, 125, 127, 614, 617 Eugen Erzherzog, GdK. 762 Eugen Prinz, s. Savoyen Ewert Alexej Jermolaje-witsch, russ. GdI. 185, 188, 195, 221, 230, 232,

233, 256, 259, 264, 265,

266, 294, 296, 297, 301, 452, 457, 464, 466, 469,

499, 510, 529, 549, 597

F

Fabini Ludwig v., GM.

426, 488, FML. 788 Fail-Griessler Andreas, FML. 288, 376, GdI.

401, 404, 416, 417, 418,

549, 566, 568, 569, 571, 586

Falkenhayn Erich v., preuß. GLt. 343, 409, 493, 494, 495, 496, 502, 513, 524, 525, 556, 598, 599, 710, 768, 817 Fischer Eduard, Obstlt. 169, 252, 263, 396, 483, 484, Obst. 593, 594, 804,

805

Fleischmann Ignaz, Obst.

396, 424 Fleischmann v. Theissruck Moritz, Hptm. 160, 170,

187,    221,    273,    347,    431,

456,    460,    505,    507,    534,

555

Fox Vinzenz, FML. 414,

415, 416, 419, 421, 439,

474, 475, 481, 482, 549 Franęois Hermann v., preuß.

GdI. 410 Frank Liborius Ritt, v., GdI. 93,    106,    107,    108,

110,    111,    114,    117,    118,

127,    128,    129,    130,    134,

136,    149,    617,    618,    640,

641,    642,    649,    661,    662,

663,    664.    677,    679,    692,

695,    696,    699,    712,    713,

719,    721,    727,    732,    734,

741,    743,    745,    746,    758,

759

Franzei Johann, GM. 648 Franz Ferdinand Erzherzog-Thronfolger, GdK. 4,15,29, 34,38,40,50,58 FJI 4, 16, 19,

20, 21, 22, 24, 26, 29,

40, 50, 52, 58, 59, 147,

151, 312, 321, 433, 484, 502, 503, 639, 719, 801 Freudenseher Franz, Oblt. 266

Freytag-Loringhoven Hugo Freih. v., preuß. GLt. 60,273,330,331,554,815 Friedei Johann v., FZM.

274, 293, 390, 428, 579,

585, 589 Friedrich Erzherzog, GdI. 17,18, 25,58, 59, 97, 147, 162, 273, 300, 303, 310,

312, 343, 350, 351, 433, 502, 510, 598, 605, 639, 760, 795, FM. 801 Frommei Rudolf Ritt, v., bayr. GdK. 357,511,516,

520, 523, 766, 767, 768,

769, 770, 771 Froreich Ernst v., FML.

165    ä

Fülöpp Artur, GM. 640, 642

G

Gabriel Theodor, GM. 106, 119, 140, 612 Gailwitz Maximilian v., preuß.Gd A. 431,453,460,

465, 470, 773 Gelb Edler v. Siegesstern Karl, GM. 211, 421, 585, 586    _    _

Georgi Friedrich Freih. v., GdI. 30 Geřabek Karl, GM. 641, 679, 731 Giesl v. Gieslingen Artur Freih., GdK. 128, 134 Giesl v. Gieslingen Wladimir Freih., GdK. 60 Gillenschmidt Alexander Fedorowitsch v., russ. GLt. 560, 772 Glogovac Gojkomir, Oblt. 698

Goglia Gustav, GM. 625,

636, 640, 642 Goiginger Heinrich, GM. 626, 630, 648, 653, 664,

666, 668, 675, 676, 678, 717, 722, 729 Goiginger Ludwig, GM.

303, 304, 376, 377, 393,

394, 401, 402, 403, 404,

414, 417 Goldbach Anton, GM. 285, 286

Gössmann Otto, GM. 290,

293, 305 Götz Friedrich, Generalkonsul 326 Greger v. Stirbul Emil, GM. 691

Grillparzer Franz, Dichter

26, 27

Groener Wilhelm, württ. GLt. a. D. 332, 334, 335


Gruber Richard Ritt, v., Obst. 539 Grzesicki Viktor, Obst. 793 Guilleaume Arpád, Obst.

570, 575, 5S2, 5S3, 591,

594, S04

H

Liaala Oskar, GM. 715 Haas Johann, Obstlt. 624 Habermann Hugo Edl. v., FML. 49S Hadfy v. Livno Emmerich, FML. 441, 793, 805 Hadzić Stevan, serb. Gen.

114, 130, 132 Haller v.HallenburgJoseph, poln. Leg.-Obstlt. 804 Haubert Kamillo, Obst. 719, 724, 725, 727, 738 Hauer Leopold Freih. v., FML. 166, 236,432,441, 444, 495, GdK. 511,518, 527, 531, 534, 536, 549,

550, 551, 552, 553, 766, 767, 76S, 769, 770, 771,

772

Haus Anton, Admiral 9,

25, 121 Hauser Karl, Obstlt. 637, 644

Heider Moritz, Obstlt. 650, 651, 652, 653, 654, 655, 657

Hellebronth v. Tiszabeö Gustav, Obstlt. 637, 647 Henriquez Johann Ritt, v., FML. 246, 422, 568, 569 Hentke Eduard, Obst. 547 Hentsch Richard, sächs.

Gstbsobstlt. 5 i 3, 710 Herberstein Herbert Graf, GM. 788, 789, 791, 792, 793, 811 Herzmansky Otto, Obst.

260, 261, 266, 267 Hess Rudolf, FML., 659 Heß Heinrich Freih. v., FM. 12 Hindenburg Paul v. Be-neckendorff u. v., preuß. GO. 187, 221, 251, 272, 311, 336, 342, 343, 345,

346, 347, 35 J, 351, 357,

362, 363, 364, 366, 368,

390, 400, 408, 409, 410,

430, 432, 433, 451, 460,

467, 489, 490, 491, 494, 495, 497, 502, 503, 506,

507, 510, 512, 518, 519,

521, 523, 531, 555, 556, 559, 598, GFM. 765, 766,

767, 769, 770, 813, 815, 816

Hinke Karl, Obst. 121 Hoen Maximilian Ritt, v., Obst. 59 Höfer Anton, Obst. 58 Hoffmann Max, preuß. Obst.

431, 815 Hofmann Oskar, Mjr. 180 Hofmann Peter, GM. 396, 397, 417, 420, 424, 437,

438, 439, 4-10, 471, 472, 473, 476, 480, FML. 484, 4S5, 570, 5S3, 593, 594,

804, S05 Hohenberg Sophie Herzogin v. 16

Hohenlohe - Schillingsfürst Franz Prinz zu, Hptm. 18

Hohenlohe - Schillingsfürst Gottfried Prinz zu, Botschafter 502 Holzhausen Ludwig Freih.

v., Obst. 165 Horsetzky Edl. v. Hornthal Ernst, GM. 386, 388, 444, 792

Horst Julius, Obst. 28 Hortstein Lothar Edl. v., GdI. 116, 122, 125, 128, 201

Hranilovic-Czvetassin Oskar, Obst. 58 Hrozný Edl. v. Bojemil Joseph, GM. 669

I

Ištvanovió v. Ivanska Nikolaus, GM. 116, 123,

127, 139 Iwanov/Nikolaj Judowitsch, russ. GdA. 174, 175, 176,

177, 178, 181, 183, 188,

221, 222, 223, 234, 245, 256, 257, 258, 259, 264,

283, 293, 296, 297, 300,

301, 306, 317, 318, 321, 325, 331, 341, 348, 351,

352, 353, 354, 355, 359,

363, 364, 380, 3SI, 385,

401, 412, 441, 452, 457,

487, 497, 499, 515, 516,

529, 539, 560, 563, 557,

584, 588, 593, 596, 597,

598, 777, 790, 791, 800, 810, 813, 818

J

Jakowljew Peter Petro-witsch, russ. GdI. 200, 203

Jankovic Božidar, serb. Gen.

109, 606, 627, 634 Januschkiewitsch Nikolai Nikolajewitsch,russ.GLt. 173, 174, 352, 385 Joachim Prinz von Preußen, preuß. Hptm. 460 John Franz Freih. v., FML. 28

Jordan - Rozwadowski v. Groß-Rozwadow Thaddäus Ritt., GM. 268 Joseph II. 49 Joseph Erzherzog, FML. 129, 131, 144, 288, 374,

375, 376, 395, 405, 414, 419, 423, 438, 439, 482, GdK. 549, 586, 591, 797, 799, 801 JosephFerdinandErzherzog, GdI. 187, 189, 190, 191,

197, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205, 207, 213,

214, 219, 220, 222, 224, 225, 229, 230, 234, 235, 238, 239, 240, 241, 262, 267, 269, 270, 271, 276,

278, 279, 280, 283, 284, 291, 292, 294, 299, 300,

305, 306, 309, 310, 314,

317, 318, 329, 330, 331, 332, 370, 371, 385, 386, 406, 425, 427, 428, 429,

440, 442, 447, 448, 477,

478, 479, 480, 487, 504, 508, 511, 519, 520, 525,

530, 532, 533, 534, 538,

541, 542, 543, 544, 555,

556, 557, 558, 561, 562, 563, 774, 777, 782, 784, 785, 787, 789, 790, 800, 811

Jurišic-šturm Pavle, serb. Gen. 112, 113, 115, 124

612, 613, 614, 615, 633,

662, 676, 677, 681, 684,

685, 688, 689, 691, 693, 694, 697, 704, 717, 736, 753, 754


K

Kageneck Karl Gf. v., preuß.

Mjr. 94 Kaiser Edl. v. Maasfeld Franz, GM. 650, 651, 653

Kaltenborn Ferdinand v., Obst. 58 Kanik Franz, GM. 58 Kárász Ernst, FML. 617 Karg v. Bebenburg Johann Freih., FML. 218, 244,

245,    246,    247,    272,    282,

284,    285,    288,    302,    304,

307,    315,    348,    374,    375,

376,    394,    405,    406,    415,

419,    420,    423,    424,    508,

565,    566,    567,    568,    570,

575, 576, 580, 581, 582 Karl I. König von Rumänien 175, 484 Karl Erzherzog, Generalissimus 39, 58 Karl Franz Joseph Erzherzog-Thronfolger, Obst. 60, 303, 503, 598, 760,

761

Karpellus Alexander,Obstlt.

637, 640, 644, 645, 647, 651

Keller Fedor Arturowitsch Gf., russ. GLt. 359 Kerchnawe Hugo, GM. 56 Kestřanek Paul, FML. 180, 182, 184, 192, 193, 194, 231, 455, 456, 459

Kirchbach auf Lauterbach Johann Freih. v., FML. 202, 225, 229, 235, 370, 386, 387, 388

Kirchbach auf Lauterbach Karl Freih. v., GdK. 180, 195, 297, 361, 368,

397, 430, 450, 455, 458, 459, 461, 463, 465, 466, 469

Klembowski Wladislaw Na-poleonowitsch, russ. GM.

466, 469 Klempa Koloman v., Mjr. 266

Klepsch-Kloth v. Roden Alois Ritt., GM. 60 Kless Edl. v. Drauwörth Anton, Hptm. 252 Kochanowski Edl. v. Kor-winau Alfred, GM. 461

Kolossváry de Kolosvár Desiderius, GdK. 156, 212, 213, 215 Komm Ferdinand, GM. 738 Konopicky Theodor, GM.

140, 667 Korda Ignaz Edl. v., FML.

164,    430, 431, 451, 503, 510, 515

Kornhaber v. Pilis Adolf, FML. 582, 591, 776, 777,

796, 800, S07, 808, 809, 811

Kornilow Lawr Jegoro-witsch, russ. GM. 395,

402, 581, 582, 584 Kosak Ferdinand, GM. 444, 447

Kövess v. Kövesshaza Hermann, GdI. 163, 164,

165,    166, 169, 170, 171,

172, 178, 186, 205, 206, 210, 212, 216, 248, 251, 252, 286, 307, 376, 404,

415, 417, 418, 421, 423,

436, 437, 474, 482, 549

Králiček Rudolf, FML. 211,

422, 576, 590, 592, 809 Krauss Alfred, FML. 324,

607, 609, 616, 617, 622, 623, 638, 640, 641, 643,

663, 675, 680, 692, 719, 727, 734, 738, 743, 744, 746, 749, 750, 762 Krauss Rudolf, GM. 190, 271

Krauss -Elislago Heinrich Ritt, v., FML. 211 Krautwald v. Annau Joseph Ritt., FML. 244, 403,

404,    414,    474,    475,    480,

4SI,    482,    503,    504,    565,

567,    568,    569,    570,    575,

576,    577,    580,    581,    582,

583,    584,    590,    591,    592,

593,    776,    777,    778,    798,

799,    801,    802,    803,    805,

809

Kreysa Eduard Edl. v., FML. 226, 386, 443 Křitek Karl, FML. 275, 277,

290, 291, 308, 317, GdI.

386,    387,    388,    3S9,    428,

429,    443,    445,    477,    478,

487,    504,    517,    520,    522,

525,    529,    533,    535,    541,

543,    544,    545,    546,    555,

556, 558, 785, 787, 788, 789, 791, 792, 793, 806,

807

Krobatin Alexander Ritt, v., FZM. 19 Krusenstern Nikolaj Fedo-rowitsch v., russ. GLt.

487, 488, 504, 515, 529 Kuczera Hugo, FML. 262 Kuhn v. Kuhnenfeld Franz Freih., FML. 28 Kuk Karl, FML. 517, 520, 535, 557, 562, 779 Kummer v. Falkenfehd Heinrich Ritt., GdK.

59, 158, 164, 166, 167, 168,    172,    179,    181,    187,

192,    193,    195,    196,    220,

222,    231,    232,    261,    295,

297,    316,    327,    329,    330,

343

Kundmann Rudolf, Obstlt.

430, 494, 495, 598 Kusmanek Hermann v.,

FML. 378, 380, 381, GdI. 798

L

Langer Karl Edl. v., FML.

441, 445 Latour Theodor Gf. Baillet de, FZM. 50 Laxa Wladimir, Obst. 6S6 Lehár Anton, Mjr. 261 Lehmann Georg Edl. v., FML. 165, 474, 475, 480, 580, 582, 5S3 Lenz Johann, FML. 706 Lenz Viktor, GM. 634, 730,

736, 738 Lerch Theodor Edl. v., Obst. 488 Letovsky Adalbert, GM.

110, 112, 113, 114, 116,

128, 135, 136, 682, 687 Letschitzki Platon Alexeje-witsch, russ. GdK. 222,

233, 264, 265, 268, 283,

294, 297, 301, 344, 359,

360, 361, 363, 385, 457,

458, 464, 466, 467, 468,

497, 499, 510, 529, 541, 542, 773, 791 Liechtenstein Johann Prinz von und zu, KorvKapt.

313

Lipošcak Anton, FML. 182 Lischka Emil, FML. 592


Ljubicić Stephan, FML.

1S2, 233, 29S, 477, FZM.

537, 53S, 539, 540, 542, 544, 555, 556, 557, 55S, 559, 561, 562, 563, 572,

774, 778, 806, S07 Loudon Gideon Ernst Freih.

v., FM. 712 Ludendorff Erich, preuß. GM. 311, 343, 345, 346,

347, 350, 399, 431, 4S9,

502, 555, 598, 815 Lueger Karl, Dr. 42 Lukachich v. Somorja Géza, Obst. 630, 631, 698, 724, 737

Lukas Karl, FML. 202,

225, 427 Lütgendorf Kasimir Freih. v., FML.    113,    549,    604,

605,    617,    625,    638,    640,

641,    642,    643,    767,    768,

770, 771 Lutschounig Joseph, Obst. 608

Luxardo Eugen Edl. v.,Obst.

683, 684, 687, 691, 692,

693, 695

M

Mackensen August v., preuß. GdK. 409, 432, 502, 513, 517,    519,    520,    523,    524,

596,    599,    GO.    766,    768,

770,    772,    773,    817

Maria Theresia 49 Marterer Ferdinand Ritt, v., FML. 760, 761 Martiny Hugo, FML. 180, 454, 455 Masaryk Thomas Garrigue, tschech. Politiker 41 Meixner von Zweienstamm Hugo, GdI. 180, 194,

196,    233,    259,    260,    261,

266,    296,    298,    368,    407,

497,    498,    500

Meixner von Zweienstamm Otto, GdI. 218, 246, 247, 250, 442 Menges Wilhelm, preuß.

GLt. 766 Metzger Joseph, Obst. 20, 22, 23, 58, 169,311, 312, 322,    325,    384,    399,    411,

443,    559,    598,    816

Mihaljevic Michael, Obst. 689

MiśićPetar, serb. Obst. 611, 643, 645 Misić Zivojin, serb. Gen. 678, 681, 6S3, 685, 688, 6S9, 691, 696, 700, 701,

704, 705, 715, 716, 720,

721, 722, 724, 728, 733,

735, 736, 742, 754 Molnár v. Péterfalva De-siderius, GM. 441, 442, 444

Moltke Hclmuth v., preuß. GO. 4, 9, 12, 13,21, 157,

159, 160, 161, 221, 273,

299, 311, 312, 332, 333,

334, 342, 343, 491 Mrozowski Josif Iwano-witsch, russ. GdA. 259,

260, 266 Münzel Arnold ,GM.205,454 Muhr Othmar, Obst. 806

N

Nagy v. Töbör-Ethe Julius Freih., GM. 291, 292, FML. 538, 540, 557, 558, 559, 562, 563, 775, 781,

784, 787, 788 Nagy Paul Edl. v., GM. 227, 454, 458, 796 Nastopil Karl, FML. 182 Nicki Edl. v. Oppavár Wilhelm, GM. 379 Nikić Johann, FML. 522,

525, 537, 538, 539, 541, 544

Nikola König von Montenegro 101, 102, 141,654, 655, 656, 657 Nikolai Nikolajewitsch Großfürst - Generalissimus    114,    174,    175,    177,

178,    185,    197,    204,    222,

223,    242,    256,    257,    258,

270,    325,    335,    336,    352,

353,    354,    385,    412,    451,

452,    497,    498,    515,    516,

517,    528,    529,    560,    596,

597,    600,    606,    818

Nikolaus II. 9, 19, 99, 168,

173, 174, 175 Njegovan Viktor, FML. 212

Nöhring Maximilian, Obst.

653, GM. 722 Nottes Klement, GM. 799 Novak v. Arienti Guido, GM. 630

Nowikow Alexander Was-siljewitsch, russ. GLt,

231, 265, 268, 342, 355, 356, 360, 361, 363, 365, 510, 515, 516, 528, 554

P

Paić Joseph Ritt, v., Obst. 559

Panesch Othmar, GM. 123,

124, 126, 132, 622, 624 Panzenböck Karl, Obst. 724 Papp Daniel, Mjr. 344 Pašic Nikola, serb. Ministerpräsident 99, 625 Paukert Franz, FML. 212 Pawlow Alexander Alexan-drowitsch, russ. GLt. 265,

282, 374, 375, 376, 394 Petar I. König v. Serbien

717, 723 Peteani v. Steinberg Artur Freih., GM. 285, 304,

404, 406, 414, 415, 423 Peter Ferdinand Erzherzog, FML. 226, 227, 228, 229,

234, 236, 237, 238, 239,

241, 328, 329 Pfeffer Rudolf, GM. 208 Pflanzer-Baltin Karl Freih. v., GdK. 375, 396, 397,

401, 417, 424, 435, 439,

440, 471, 476, 482, 483, 484, 485, 486, 487, 570, 575, 580, 593, 594, 599,

795, 800, S04, 805, 810 Piasecki Karl, Obst. 530 Piłsudski Joseph, poln. Leg.-Obst. 787 Plank Eduard, GM. 304,315 Plehwe PawelAdamowitsch, russ. GdK. 177, 178, 188, 190, 197, 199, 200, 203,

222, 223, 229, 230, 232,

234, 238, 239, 240, 245,

256, 258, 264, 265, 266,

267, 270, 271, 279, 283,

291, 294, 297, 301, 302,

305, 306, 308, 309, 317,

318, 330, 331, 344, 54S Podhajský Alois, GM. 617 Pokorny Alois, FML. 212, 286

Poleschenskv Joseph, GAI.

664, 670,' 692 Pomiankowski Joseph, GM. 320


Pongrácz de Szent-Miklós et Óvár Heinrich, GM.

108, 120, 146, 646, 650, 651, 652, 653, 654, 656 Pöschmann Eugen, GM. 463, 471

Potiorek Oskar, FZM. 24,

59,

84, 92, 93

96,

102,

103

104,

105,

106,

107,

108

109,

110,

111,

117,

118

125,

127,

128,

130,

131

134,

135,

136,

137,

142

143,

146,

147,

148,

149

151,

152,

603,

604,

605

608,

609,

611,

612,

613

615,

616,

617,

621,

622

623,

625,

627,

629,

632

635,

637,

638,

639,

640

641,

642,

643,

644,

645

648,

649,

650,

656,

657

658,

659,

665,

667,

669

670,

672,

673,

674,

675

679,

685,

689,

692,

694

696,

699,

706,

709,

710

711,

712,

714,

716,

721

722,

724,

725,

726,

727

730,

731,

733,

734,

735

738,

739,

741,

742,

745

746,

748,

750,

751,

752

753,

754,

755,

756,

757

758,

759,

760,

761,

762

Prittwitz und Gaffron Max v., preuß. GO. 157, 159, 160, 161, 162, 170, 334 Prochaska Emil, Hptm. 666 Przyborski Artur, FML.l 17, 123, 132, 133, 138 Puhallo v. Brlog Paul, FZM.

180, 196, 260, 265, 266,

267, 297, 298, 316, 365, 368, 369, 397, 399, 450,

453, 454, 456, 458, 461,

462, 463, 465, 468, 523 Purtscher Alfred, Obstlt.

710, 760 Putnik Radomir, Woiwode 97, 109, 113, 115, 131,

138, 150, 606, 611, 612,

613, 614, 632, 633, 639, 643, 650, 662, 663, 665, 667, 668, 676, 677, 678,

689, 694, 697, 698, 699, 705, 707, 715, 722, 732, 741, 745, 749, 750, 751, 752, 754, 758

R

Rácz Gabor, Obst. 397 Radetzky v. Radetz Joseph Gf., FM. 27, 32, 50 Rebracha Karl Edl. v., FML.

182, 454 Rennenkampf Pawel Karlo-witsch v., russ. GdK. 159,

160, 161, 162, 170, 221,

257, 273, 311, 312, 334.

335, 514 Resch Gustav, Obst. 538, 540

Rettich Alfred Edl. v., Obst. 538

Reymann Hugo, GM. 787,

793, 795, 805, 806, 811 Rhemen zu Barensfeld Adolf Freih. v., GdI.

111, 114, 127, 128, 133,

684, 688, 701 Rieß v. Scheurnschloß Hermann, preuß. GLt. 295 Roschatt Hermann, GM.

543 556 Rössel Karl, Oblt. 305 Roth Joseph, FML. 203,

225,    229,    235,    278,    282,

386,    427,    442,    444,    445,

447,    448,    488,    522,    525,

544,    545,    546,    555,    556,

563,    774,    775,    778,    779,

780,    781,    782,    783,    784,

785,    786,    787,    788,    791,

792,    793,    794,    805,    806,

807,    811,    812

Rußki Nikolaj Wladimiro-witsch, russ. GdI. 177,

188,    204,    205,    215,    217,

223,    224,    243,    245,    247,

255,    271,    277,    280,    282,

283,    289,    290,    292,    293,

300,    301,    304,    306,    314,

317,    331,    332,    352,    353,

354,    355,    412,    452,    515,

516,    528,    596,    597,    777,

812, 813

S

Salis-Seewis Johann Gf., GM. 639, 642, 649, 661 Salza Anton Jegorowitsch Baron, russ. GdI. 177,

179, 181, 182, 183, 184, 185

Samsonow Alexej Wassil-jewitsch, russ. GdK. 335

Sárkány v. Ilenczfalva Eugen, Obst. 486 Sarkotić Stephan v., FML. 106, 116, 123, 124, 133, 139, 762 Sasonow Sergej Dimitrie-witsch, russ. Minister des Äußern 173 Sauberzweig v., preuß. Obst. 815

Savoyen Eugen Franz Prinz v., GLt. u. FM. 712 Schamschula Rudolf, Obst. 59

Schariczer v. Rény Georg, GM. 180, 414, 415, 417,

418, 419, 421 SchefFer-Boyadel Reinhard Freih. v., preuß. GdI. 554 Scheidemann Sergej Mi-chajlowitsch, russ. GdK. 359

Schemua Blasius, GdI. 224,

226, 227, 228, 239, 271, 279, 280, 306, 308 Schenk Alfred Edl. v., FML.

201, 446 Scheuchenstuel Viktor v., FML. 114, 129, 688, 743, 744, 746 Schilinski Jakow Grigorie-witsch, russ. GdK. 173,

174, 175, 176, 257 Schirmer Friedrich, Obst. 642

SchliefFen Alfred Gf. v., preuß. GFM. 334 Schmidt August, Obstlt. 625 Schmidt Edl. v. Fussina Ignaz, GM. 421, 581, 585

Schmidt v. Georgenegg Albert, FML. 205 Schöbl Franz, Obstlt. 621, Obst. 713 Schön Joseph, GM. 144, 608,

663, 664, 693, 703, 733,

738, 740, 745, 747, 748, 749

Schönaich Franz Freih. v., GdI. 29 Schönburg-Hartenstein Alois Fürst, GM. 213, 215, 289, 293, 307, 436 Schreitter v. Schwarzenfeld Franz Ritt., FML. 483,

486, 487, 593, 805


Schtscherbatschew Dimitrij Gregoriewitsch, russ. GdI. 330, 3S1, 3S2 Schubert Richard v., preuß.

GdA. 343, 350, 351 Schüler Eugen, GM. 396,397 Schultheiszv.Devecser Emil, FML. 4S4, 593, 805 Schwarz Karl, GM. 535 Schwarzenberg Felix Prinz zu, Obst. 649, 690, 696, 708, 711, 712, 721, 724, 725

Scotti Karl, FML. 182, 455 Seeckt Hans v., preuß. GO. 36

SeillerViktorFreih.v.,Hptm.

313 . .

Seliwanow Andrej Nikolajewitsch, russ. GdI. 381 Škvor Franz, Obst. 738 Slameczka Oskar,Obstlt.346 Smekal Gustav, GM. 441, FML. 561, 789, 806, 811 SnjarićLukas, GM. 120, 604,

612, 617, 630, 635, 648, 659, FML. 665, 668, 680,

686, 694, 708, 713, 721, 730, 738, 761 Soós v. Badok Karl, Obst.

190, 237, 251, 271, 483 Stegemann Hermann, Schriftsteller 321 Stepanovic Stepan, serb. Gen. 109, 115, 121, 131,

622, 624, 638, 662, 663,

665, 667, 670, 674, 676,

677, 682, 68S, 700, 702,

707, 723, 725, 732, 736,

739, 753, 754 Stöger-Steiner Edl. v. SteinstättenRudolf, FML. 226, 227, 425, 533, 548 Stöhr Karl v., Obst. 226,228, 609, GM. 808 Stracker Karl, GM. 128, 617,

619, 684, 691 Straub Johann, Obst. 20, 22, 58, 322, 506 Ströher Vinzenz, Obst. 701 Stürgkh Joseph Gf., FML.60,

970 3|2 Švrljuga Janko, Oblt. 382 Szepessy v. Négyes Andreas, Mjr. 617 Szeptycki Stanislaus Gf., Obst. 302, 326 Szögyeny-Marich v. Ma-

gvar-Szögyen u. Szol-gaegyháza Ladislaus Gf., Botschafter 21 Szurmay Alexander, FML. 5S2, 583, 584, 590, 591, 592, 593, 594, 776, 799,

800, 802, 803, 807, SOS, 809, 811, 813

T

Tamásy v. Fogaras Adalbert, FML. 640, 712 Tankosić Vojislav, serb.

Mjr. 116 Tersztyánszky v. Nádas Karl, GdK. 125,126,127, 129, 130, 131, 132, 134, 135, 136, 137, 141, 142,

143, 144, 145, 285, 287,

302, 307, 373, 374, 375, 376, 377, 384, 394, 395, 399, 401, 402, 403, 404,

405, 406, 414, 415, 417, 419, 420, 423, 424, 433,

437, 438, 439, 440, 472,

473, 474, 475, 480, 481, 482, 506, 549, 550, 551, 552, 766, 768, 769, 770,

771, 772 Tertain Wenzel, FML. 261, 265, 268 Thurn und Valsassina Douglas Gf., Botschafter 60 Tisza v.BorosjenöKoloman, ung.Ministerpräsident29 Tisza v. Borosjenö et Szeged Stephan Gf., ung. Ministerpräsident29,146, 147, 397, 483, 599, 604, 605, 761, 776    _

Torresani Karl Freih. v., Schriftsteller 51 Trollmannignaz, FML.    106,

119,    611,    612,    614,    617,

620,    621,    626,    648,    649,

698,    702,    705,    750

Tschirschky und Bögendorff Heinrich v.,deutscherBot-schafter 19, 20 T schurtschenthaler v. HelmheimHeinrich, FML.371,

390,    391,    392,    393,    406,

416,    429,    435,    436,    437,

477,    511,    523,    526,    530,

533,    547,    548,    773,    794

Tufegdžic Dušan, serb.Obst.

700, 702

Tumanów Georgij Alexan-drowitsch Fürst, russ. GLt. 529, 536, 550, 551,

552, 560

U

Ungar Karl, Oblt. 362 Urbanek Gustav, Obst. 541 Urbański v. Ostrymiecz August, GM. 462

V

Veith Georg, Dr. h. c., Obst. 44

Viktor Emanuel II. König von Italien 24 Vojnic, monten. Gen. 119,

U\

Vukotic Janko, monten. Ser-dar 606, 631, 633, 634, 647, 654, 655

W

Waldersee Georg Gf. v., preuß. GM. 333 WaldstättenAlfred Freih.v., Obst. 461 Waňek Karl, Obst. 646 Wannowski GljebMichailo-witsch, russ. GM. 167 Wegerer v., preuß. GLt. 297 Weisz v. Schleussenburg Friedrich, Obst. 780, 781,

782, 784, 789, 791, 792,

794, 807, 811 Wejmelka Gottlieb, Obstlt.

474, 475, 480, 481 Wieber Adrian, FML. 361, 362, 364, 365, 367, 454 Wieden Edler v. Alpenbach Heinrich, Obst. 648, 650,

651, 652, 653, 654, 656, 657, 700, 702, 704, 708 Wiesner Friedrich Ritt, v., Gesandter 60 Wilhelm II. 9, 19, 21, 22,

273, 343, 350, 433, 502,

598, 768 Willerding Rudolf Ritt, v., GM. 180, 468 Winkler Wilhelm, Dr., Wiener Statistiker 56


Wittmann Oskar, FML.

165,    190,    191,    197,    198,

235,    275,    276,    281,    282,

291,    293,    304,    306,    319

Wodniansky v. Wildenfeld Friedrich Freih., FML. 200

Woyrsch Remus v., preuß. GdI. 157, 164, 167, 172,

232,    269,    294,    297,    330,

343,    356,    503,    510,    512,

513,    517,    518,    519,    520,

523,    524,    526,    527,    531,

532,    533,    535,    541,    542,

551,    552,    553,    554,    559,

599

GO. 766, 767, 768, 769,

770, 771, 772, 773

Wulff Olaf Richard, LschLt.

640, 641 Wurm Wenzel, FZM. 108,

119, 140, 611, 614, 620, 626, 631, 644, 645, 650,

652, 653, 659, 691, 692, 694, 695, 708, 711, 721,

722, 726, 730, 733, 737

z

Zahradniczek Karl, Obst. 585

Zajontschkowski Andrej Metardowitsch, russ. GLt. 497 Zanantoni Eduard, GM.

142, 143, 144, 695, 699,

732, 738

Zaremba Edmund Ritt, v., GM. 163, 165 Zastrow Ernst v., preuß.

GLt. 765 Zedtwitz Alfred Gf., FML.

122, 137, 142, 143 Zedtwitz Franz Gf., Obstlt. 543

Zeidler Erv/in, GM. 605,

608, 615, 650 ZieglerEmiIRitt.v.,FML.163 Zimmermann Artur,

deutscher Unterstaatssekretär 502, 503 Živkovič Petar, serb. Gen. 708, 721, 724, 725, 732, 740, 742, 743, 744, 745,

746, 747, 748


Verzeichnis der öst.-ung. Truppenverbände

I.    6, 164, 184, 192,

296

362

368

450

455

461

469

505

547


297,

363,

369,

451,

456,

462,

492,

510, 548,

190,

200,

226,

260,

275,

291,

310,

372,

425,

446,

511, 533, 597,


265, 268,

316, 348,

364, 365,

398, 399,

452, 453,

457, 458,

463, 465,

498, 499, 523, 526, 773

II.    6, 164,

191, 196,

201, 203,

237, 238,

261, 262, 277, 278,

292, 305,

318, 331,

386, 387, 426, 428,

447, 448,

518, 523, 535, 541,

773

III.    6,17,22, 186, 205, 210, 211,

215, 216,

247, 248,

252, 255, 288, 289,

371, 390,

180,

193,

295,

356,

367,

411,

454,

459,

468,

500,

533,

181, 189

197, 199

224, 225 240, 241 270, 271

279, 280

306, 308

370, 371

388, 389 429, 441 477, 508

526, 531 547, 548

23,24,163,172,

207, 208, 209, 212, 213, 214, 217, 242, 243,

249, 250, 251, 275, 285, 286,

302, 304, 307,

391, 392, 413,

416,    418,    420,    421,    422,

I: Korps


423,    427,    428,    429,    433,

181, 182, 194, 196,


436,    437,    565,    567,    568,

569,    571,    572,    573,    574,

577,    578,    580,    581,    585,

586,    587,    588,    589,    590,

591,    592,    594,    595,    777,

797,    798,    801,    802,    803,

809

IV.    7, 22, 91, 94, 95, 96,

118,    125,    126,    127,    128,

129,    130,    131,    132,    133,

135,    136,    137,    141,    143,

144,    145,    147,    148,    150,

151,    164,    207,    210,    252,

255,    263,    264,    282,    284,

285,    288,    293,    302,    303,

307,    315,    323,    357,    373,

374,    375,    377,    395,    402,

405,    415,    416,    419,    420,

423,    439,    472,    473,    474,

475,    476,    480,    485,    504,

508,    518,    519,    536,    540,

549,    550,    551,    564,    565,

603,    766,    768,    769,    770,

771, 772

V.    6, 164, 180, 181, 182,

192,    193,    194,    195,    196,

227,    233,    234,    259,    260,

261,    265,    266,    267,    268,

294,    295,    296,    297,    298,

361,    362,    363,    364,    365,

367,    368,    369,    397,    398,

399,    407,    411,    430,    432,

450,    452,    453,    456,    461,

462,    463,    465,    466,    467,

468, 469, 470, 491, 492,

497, 498, 500, 510, 523,

526, 530, 533, 535, 541,

547, 548, 773

VI.    6, 164, 189, 190, 197,

198, 200, 201, 202, 204,

225, 227, 229, 234, 235,

236, 237, 239, 240, 241, 262, 275, 276, 281, 290,

292, 305, 308, 317, 318,

370, 371, 372, 387, 389,

425, 426, 428, 429, 441,

442, 443, 447, 448, 477,

479, 50S, 511, 517, 522, 525, 527, 530, 531, 533, 535, 542, 543, 544, 545,

557, 560, 561, 773, 791

VII.    7, 22, 24, 91, 94, 118, 164, 171, 207, 210, 218, 244, 246, 249, 251, 252, 254, 263, 284, 285, 286, 288, 302, 303, 307, 315, 376, 384, 393, 394, 402, 403, 404, 414, 415, 416,

417, 418, 419, 420, 421, 422, 435, 436, 437, 439,

471, 474, 475, 504, 508,

549, 565, 566, 567, 568,

569, 570, 571, 572, 574, 575, 576, 577, 578, 580,

581, 582, 584, 585, 586,

587, 588, 589, 590, 591,

592, 593, 594, 777, 778,

797, 799, 801, 802, 803,

809


VIII. 7

, 22, 91,

34, 9C

,97,

209

210,

212,

213

216,

110

111, 112

113,

124,

217

218,

242,

243

248,

128

129, 133

134,

147,

249

250,

252,

254

262,

149

609, 617

623,

638,

263

272,

284,

285

286,

639

640, 641

642,

661,

287

288,

302,

303

304,

662

663, 671

674,

678,

307

376,

377,

384

391,

681

682, 6S4

6S6,

687,

393

394,

402,

403

404,

6SS

689, 690

693,

696,

415

419,

420,

423

436,

699

703, 705

707,

711,

437

439,

440,

472

473,

718

721, 725

727,

731,

474

475,

480,

481

482,

732

733, 735

736,

741,

504

508,

518,

519

549,

743

744, 745

746,

747,

564

565,

566,

766

767,

750

762

770

771,

772

IX. 7,

22, 91, 94

122,

126,

XIII.

7, 91

92,

97,

110,

189

190, 191

200,

201,

111

113,

114,

116

123,

203

225, 226

227,

228,

127

128,

129,

133

138,

234

236, 237

239,

241,

139

149,

609,

613

614,

262

269, 274

275,

276,

617

642,

659,

664

666,

287

290, 305

308,

317,

668

672,

675,

678

679,

371

372, 389

390,

391,

681

683,

684,

686

688,

392

416, 427

428,

429,

689

691,

692,

693

694,

443

446, 447

450,

471,

695

696,

701,

704

707,

476

477, 478

487,

503,

708

710,

711,

713

714,

504

565, 567

568,

569,

719

720,

722,

726

727,

572

573, 574

577,

578,

728

731,

732,

733

738,

579

581, 585

586,

587,

739

740,

741,

743

744,

5S8

589, 590

591,

592,

745

746,

747,

754

762

594

599, 775

776,

777,

XIV.

, 156

163,

203

225,

797

800, 801

802,

803,

239

240,

262,

270

271,

808

811

277

280,

290,

291

305,

X. 6,

164, 180,

181,

182,

318

331,

370,

371

372,

184

190, 192

193,

195,

386

387,

388,

389

425,

196

203, 220

224,

226,

426

427,

428,

429

441,

227

230, 231

232,

233,

442

444,

445,

447

448,

234

240, 256

259,

260,

449

479,

487,

488

508,

261

266, 267

268,

269,

511

517,

522,

525

529,

294

298, 315

316,

328,

533

535,

541,

542

543,

362

363, 364

365,

368,

544

545,

546,

556

557,

369

398, 399

407,

432,

559

561,

562,

563

597,

441

442, 443

445,

446,

774

817

447

448, 450

465,

466,

XV. 7

91, 92, 93,

105

108,

468

470, 471

479,

490,

109

116,

124,

128

130,

491

492, 498

500,

510,

131

139,

141,

151

603,

523

526, 527

530,

533,

610

611,

612,

613

614,

535

541, 547

548,

773

617

621,

625,

627

628,

XI. 6

156, 163

166,

186,

630

633,

634,

635

648,

205

207, 208

209,

213,

650

659,

664,

666

668,

214

215, 216

217,

242,

669

671,

674,

675

678,

247

250, 251

252,

275,

680

685,

686,

688

689,

286

287, 289

315,

371,

690

691,

693,

694

695,

390

391, 416

429,

435,

696

697,

701,

704

706,

436

437, 471

476,

537,

708

710,

713,

715

718,

538

539, 540

557,

560,

726

727,

729,

731

733,

562

563, 565

568,

569,

735

738,

739,

740

741,

571

572, 573

574,

781,

742

754,

756

761

762

782

784

XVI.

,91,

92, 93

, 105

106,

XII.

), 22, 46,

163,

172,

108

109,

119,

125,

128,

m

205, 206

207,

208,

130

131,

140,

141,

150,

1. 139, 140, 603, 604,605, 620, 648, 650, 669, 675, 677, 687, 689, 692, 693,

151, 605, 610, 611 613, 614, 617, 621 627, 630, 635, 637 651, 655, 656, 657 665, 667, 668, 669 675, 677, 678, 680 686, 689, 690, 691 693, 694, 696, 698 704, 708, 710, 713 718, 720, 721, 722 726, 727, 730, 731 735, 736, 737, 738 740, 741, 742, 749 751, 753, 754, 756 762

XVII.    179, 190, 197 204, 241, 262, 270 274, 275, 276, 277 281, 290, 305, 306 317, 357, 370, 371 386, 387, 388, 389 416, 425, 426, 427 429, 440, 441, 442 444, 445, 446, 447 449, 471, 477, 478 488, 504, 507, 508 512, 517, 520, 522 527, 534, 542, 543 545, 546, 559, 561 597, 781, 782, 784

XVIII.    794, 811

Komb. Korps Krauss 621, 623, 624, 625, 627, 638, 640, 641, 642, 661, 662, 663, 671, 674, 682, 684, 686, 687, 690, 696, 713, 721, 725, 727, 731, 732, 734, 736, 738, 741, 743, 744, 746, 747, 756, 762

Gruppe Hofmann, s. Hofmann (Personenverzeichnis)

Gruppe Szurmay, s. Szurmay (Personenverzeichnis)

Kavalleriekorps Hauer 432, 441, 451, 495, 518, 527, 531, 534, 536, 549, 550, 551, 552, 553, 766, 767, 769, 770, 771, 772

II: K. u. k. Infanterie-,

k. k. Schützen (Lst.)-und k. u. Honvéd-


612,

626,

645,

664,

673,

685,

692,

701,

715,

724,

733,

739,

750,

761,

202,

271,

278,

308,

372,

392,

428,

443,

448,

487,

511,

525,

544,

563,


696, 708, 713, 718, 720,

721, 722, 723, 727, 728,

729, 730, 738, 758

2.    182, 192, 194, 227, 233,

259, 260, 261, 266, 268,

296, 298, 365, 369, 398,

463, 465, 468, 470, 491, 492, 497, 498, 499, 500, 523, 526

3.    46, 187, 203, 230, 235, 262, 270, 271, 276, 277,

280, 281, 282, 291, 304,

306, 371, 386, 388, 389, 444, 445, 447, 479, 487,

488, 517, 522, 525, 529,

530,    535, 545, 556, 561, 563, 775, 778, 780, 781,

783, 785, 787, 788, 791,

792, 793, 805, 806

4.    182, 191, 196, 203, 224,

226, 227, 228, 233, 236,

238, 260, 262, 278, 279, 291, 317, 318, 371, 372,

387, 388, 389, 425, 426,

441, 478, 487, 488, 506,

507, 508, 511, 523, 526,

531,    533, 547, 548

5.    180, 182, 183, 192, 194, 195, 348, 361, 411, 430, 450, 454, 455, 456, 459,

461, 462, 465, 466, 467, 469, 470, 492, 498, 500, 510, 523, 526, 530, 533,

535, 547

6.    211, 212, 248, 286, 287,

372, 390, 391, 392, 418,

421, 422, 436, 577, 578,

579, 581, 585, 586, 590,

592, 797, 802, 803, 807, 808

7.    97, 105, 113, 114, 116, 118, 122, 143, 608, 609,

615, 616, 622, 624, 667, 678, 680, 682, 684, 687, 690, 692, 695, 696, 699,

703, 708, 711, 712, 713,

719, 721, 723, 724, 725,

726, 732, 733, 734, 738,

740, 743, 744, 745, 749

8.    187, 202, 203, 225, 235,

262, 270, 271, 277, 278,

279, 280, 291, 292, 309, 371, 388, 426, 427, 429,

444, 445, 447, 479, 488,

517, 522, 525, 529, 535,

542, 544, 545, 556, 561, 563, 775, 778, 780, 781,

783, 785, 786, 787, 788, 791, 793, 805, 806

9. 22, 111, 112, 114, 116,

121, 123, 124, 126, 128, 129, 131, 132, 133, 138, 149, 150, 151, 306, 443, 609, 611, 621, 622, 662,

664, 667, 669, 670, 678,

681, 683, 684, 687, 688,

690, 691, 693, 699, 703,

707, 711, 713, 719, 727, 734, 735, 739, 740, 743,

744, 745

10.    7, 23, 164, 191, 197,

198, 201, 226, 228, 236,

239, 275, 280, 281, 290,

293, 305, 307, 389, 390,

391, 392, 427, 446, 478,

578, 579, 586, 589, 590, 591, 800, 811

11.    22, 163, 166, 171, 172, 186, 205, 206, 208, 209,

212, 213, 216, 217, 243, 244, 248, 285, 286, 315, 436, 538, 539, 540, 558, 561, 562, 781, 791, 805,

806

12.    179, 180, 266, 268, 295, 297, 348, 361, 365, 430, 450, 454, 455, 456, 459,

460, 462, 465, 469, 492,

498, 523, 530, 533, 535

13.    Sch. 6, 191, 203, 224,

226, 228, 236, 262, 278,

279, 291, 306, 318, 370,

371, 372, 386, 387, 388, 389, 425, 426, 428, 429,

440, 442, 443, 446, 477,

488, 504, 507, 508, 517, 522, 525, 530, 535, 542,

543, 545, 556, 557, 559, 561, 562, 563, 597, 774,

775, 778, 780, 781, 782, 785, 786, 787, 788, 789, 791, 792, 805, 806

14.    180, 182, 192, 196, 260, 297, 368, 369, 450, 453,

454, 455, 456, 457, 458,

459, 461, 462, 463, 464, 465, 466, 467, 468, 492,

497, 498, 500, 523

15.    190, 198, 200, 201, 225,

229, 235, 237, 239, 241,

275, 293, 305, 371, 387,

426, 441, 446, 517, 522,

525, 529, 533, 543, 556,

557, 561, 787, 793, 794,

805, 806

16.    212, 243, 248, 285, 286,

304, 307, 376, 377, 393,

394, 402, 403, 404, 414,

417, 422, 508, 526, 527,

531, 533, 535, 549, 551,

770, 772

17.    22, 244, 246, 285, 288, 376, 377, 393, 394, 404, 414, 415, 416, 417, 418,

422, 480, 504, 508, 565,

568, 569, 570, 571, 576,

580, 584, 586, 803, 809

18.    106, 140, 614, 620, 621, 626, 648, 651, 652, 668, 669, 671, 673, 675, 678,

686, 687, 691, 692, 693, 694, 696, 698, 700, 702, 705, 708, 709, 711, 713,

716, 718, 721, 722, 724,

727, 729, 730, 735, 736,

737, 740, 742, 755, 758

19.    15, 23, 164, 179, 190,

197, 199, 202, 225, 229,

230, 235, 239, 275, 276,

281, 317, 371, 387, 388,

389, 392, 425, 427, 429,

440, 446, 478, 517, 522,

525, 529, 533, 546, 806

20.    H. 7, 22, 23, 24,94, 171, 206, 218, 244, 246, 252,

284, 285, 288, 302, 307,

376, 377, 393, 394, 402,

403, 404, 414, 417, 418, 419, 421, 422, 436, 508, .565, 566, 568, 569, 570, 571, 576, 580, 584, 586, 803, 809

21.    Sch. 7, 46, 106, 110, 112, 114, 116, 117, 121, 123, 125, 126, 128, 129, 132, 133, 149, 151, 604, 609,

617, 619, 621, 622, 624, 662, 664, 667, 669, 670,

678, 681, 6S2, 684, 687,

688, 689, 690, 692, 695,

703, 707, 711, 712, 713,

718, 719, 723, 724, 725, 734, 740, 742, 743, 744

22.    Sch. 6, 211, 212, 216,

243, 247, 248, 250, 252,

286, 287, 289, 307, 390,

392, 421, 422, 435, 436, 577, 578, 580, 581, 585,

586, 592, 777, 797, 801, 802


23.    H. 7. 22, 11S, 137, 179,

202, 214, 217, 220, 242,

253, 275, 2S6, -SI, 2S9,

304,    30S, 382, 392, 436,

503, 797

24.    1S2, 193, 194, 227, 232, 233, 234, 259, 260, 261,

266, 296, 298, 365, 369, 39S, 407, 441, 442, 444,

447, 465, 491, 492, 497,

498, 499, 500, 510, 523, 526

25.    191, 226, 228, 236, 275,

280, 290, 293, 305, 307,

371, 387, 388, 425, 426,

441, 443, 508, 511, 523,

526, 533, 547

26.    Sch. 7, 23, 179, 197, 198,

201, 225, 226, 275, 281,

290, 305, 372, 390, 391,

392, 427, 429, 446, 478, 57S, 5S9, 590, 591, 592, 811

27.    191, 198, 200, 201, 202, 225, 229, 239, 275, 281,

305,    30S, 371, 387, 428,

443, 444, 4-45, 517, 522,

525, 530, 533, 542, 561, 769, 770, 772, 773

28.    211, 213, 216, 286, 304,

390, 392, 422, 436, 504, 571, 572, 576, 577, 580,

581, 584, 585, 586, 592, 777, 797, 802, 809

29.    22, 112, 113, 114, 116, 118, 122, 130, 132, 136,

137, 141, 142, 143, 144,

145, 147, 150, 263, 605, 607, 615, 616, 663, 664, 667, 674, 677, 678, 680, 682, 690, 692, 695, 696,

699, 702, 703, 708, 711,

712, 719, 724, 725, 726,

732, 734, 738, 740, 745,

747, 749

30.    163, 167, 208, 209, 213,

215, 247, 287, 2S9, 304, 436, 476, 503, 537, 538, 539, 558, 561, 778, 784, 785, 786, 787, 788, 791,

793, 805, 806

31.    22, 130, 131, 132, 136,

143, 144, 145, 288, 307,

373, 374, 375, 376, 394,

395, 405, 4*J6, 414, 415,

419, 423, 424, 437, 438, 439, 473, 475, 480, 481, 482, 508, 526, 527, 531,

534, 536, 549, 550, 551,

767, 769, 770, 771, 772

32.    22, 130, 132, 136, 143,

144, 145, 288, 302, 307,

393, 394, 401, 403, 414,

508, 518, 534, 540, 549,

550, 551, 553, 566, 568,

571, 767, 768, 769,. 772

33.    180, 182, 196, 227, 259, 260, 267, 268, 297, 298,

368, 430, 450, 453, 454,

455, 456, 457, 458, 461, 462, 463, 465, 466, 468,

469, 491, 492, 498, 500,

510, 523, 526, 530, 547

34.    22, 244, 246, 248, 285,

288, 376, 377, 393, 394,

402, 403, 404, 414, 417,

418, 419, 421, 422, 435, 436, 437, 480, 508, 567,

569, 575, 591, 798, 809,

810

35.    212, 216, 243, 248, 275,

285, 286, 304, 376, 393, 414, 415, 439, 474, 508,

526, 534, 535, 536, 549,

550, 551, 552, 772

36.    Ul, U4, 116, 123, 124,

129, 133, 138, 139, 149,

609, 614, 617, 639, 666, 669, 670, 672, 677, 681,

682, 683, 685, 687, 688,

689, 691, 693, 697, 701,

704, 705, 707, 718, 719,

723, 734, 735, 740, 743,

745, 746

37.    H. 6, 180, 182, 192, 196,

227, 233, 259, 260, 294, 297, 348, 361, 363, 365,

368, 369, 398, 450, 453,

454, 456, 457, 458, 461,

462, 463, 464, 465, 466,

467, 468, 470, 491, 492,

498, 523, 526

38.    H. 6, 205, 206, 210, 218, 244, 272, 284, 302, 307, 348, 374, 375, 395, 405,

406, 415, 419, 420, 423,

424, 438, 439, 472, 473,

475, 480, 481, 482, 50S,

565, 570, 576, 594, 777,

796, 797, 799, 800, S02, 803, 804, 807, 808

39.    H. 6, 190, 197, 198,201,

202, 225, 239, 281, 290,

293, 305, 371, 387, 441,

479, 488, 517, 522, 525, 533, 542, 543, 545, 561, 782, 787, 7S9, 791, 793,

794, 795, 805, 806, 811

40.    H. 7, 93, 94,96,97, 110,

125, 128, 130, 139, 611,

617,    632, 663, 669, 677,

687,    692, 701, 704, 707,

708, 711, 713, 717, 718,

720, 722, 727, 728, 729,

730, 731, 733, 735, 738

41.    H. 6, 163, 187, 202,225,

235, 275, 281, 290, 293,

304, 305, 308, 317, 371,

387, 388, 389, 425, 427,

429, 440, 442, 446, 477,

488, 504, 511, 517, 522,

525, 529, 537, 806

42.    H. 7, 106, Ul, 113,116, 118, 127, 129, 134, 138,

139, 149, 609, 614, 617',

618,    619, 621, 627, 628,

629, 649, 663, 669, 672,

677, 681, 682, 683, 685,

688,    689, 700, 701, 704,

705, 715, 717, 718, 719,

720, 723, 728, 729, 730,

736, 738, 740, 743, 746, 749, 750, 751

43.    Sch. 6, 22, 163, 171, 172, 186, 205, 206, 210, 218,

244, 246, 247, 285, 288,

307, 357, 367, 430, 450,

453, 457, 459, 460, 462, 465, 469, 483, 492, 498, 500, 523, 533, 547, 548, 794

44.    Sch. 6, 207, 213, 214,

217, 220, 243, 247, 250, 251, 287, 289, 303, 371,

372, 406, 416, 421, 476, 506, 507, 511, 523, 530,

533, 535, 547, 548, 794

45.    Sch. 6, 182, 191, 193, 194, 196, 197, 227, 232,

233, 234, 236, 238, 259,

260, 266, 296, 298, 315, 365, 368, 369, 398, 407,

441, 465, 479, 491, 492,

498, 499, 500, 512, 517, 520, 522, 525, 530, 533,

542, 561, 562, 782, 784, 785, 786, 787, 788, 789, 791, 792, 805, 806, 811


46.    Sch. 6, 180, 182, 192,

194,    195,    196,    297,    348,

361,    363,    430,    450,    454,

455,    456,    459,    462,    465,

469,    470,    492,    498,    523,

530,    533,    547

47.    91, 738

48.    118, 124, 127, 131, 134,

605,    630,    635,    669,    677,

678,    687,    689,    692,    696,

697,    698,    701,    708,    711,

713,    717,    718,    720,    722,

1727,    728,    729,    730,    731,

735

50. 650, 651, 652, 654, 655, 667, 668, 669, 671, 673, 675, 678, 691, 692, 693,

694, 695, 696, 698, 708, 711, 713, 717, 720, 721, 722, 726, 727, 728, 730,

733, 737, 758 52. 396, 483, 4S4, 485, 486,

487, 593, 804, 805

54.    396, 483, 484, 485, 486,

593, 594, 804, 805

55.    424, 439, 440, 472, 473, 484, 485, 570, 583, 593, 594

56.    396, 471, 483, 484, 485,

486, 487, 580, 582, 583,

590, 592, 593, 776, 798,

801, 805, 810

60.719,721,727,733,736,738

95. Lst. 196, 297, 316 106. Lst. 30, 193, 231, 295,

297, 343, 348, 361, 365,

430, 450, 463, 492, 499,

500, 507, 508, 512, 517, 520, 522, 530, 542, 557, 561, 792 Komb. ID. Goiginger 648,

653, 664, 666, 668, 669, 671, 675, 676, 678, 691,

692, 693, 694, 708, 711, 717, 721, 722, 726, 727,

729, 730, 737 Komb. HID. Kornhaber 582, 591, 776, 777, 796,

797, 799, 800, 803, 807,

808

III: K. u. k. K a v a 11 e r i e-, k. u. Honvédkavallerie-divisionen

1. 16, 22, 23, 163, 165, 166, 2Ö5, 206, 210, 249, 272,

285, 304, 374, 375, 395,

402, 403, 404, 405, 406,

414

439, 472, 473, 480,

508

565, 570, 575, 591,

809

2.

163

164, 165, 167, 229,

230

235, 239, 241, 262,

270

271, 274, 276, 277,

279

281, 291, 292, 306,

317

370, 372, 387, 389,

398

432, 441, 444, 445,

463

465, 471, 495, 511,

523

3.

164

166, 167, 179, 180,

182

192, 193, 195, 231,

234

260, 261, 266, 296,

298

316, 348, 356, 361,

362

363, 365, 367, 368,

410

430, 432, 451, 456,

465

495, 511, 518, 519,

550

551, 553

4.

163

165, 166, 202, 209,

213

217, 246, 248, 252,

269

275, 276, 281, 291,

317

319, 371, 391, 416,

472

473, 474, 475, 480,

482

508, 538, 565, 568,

569

573, 574, 578, 776,

777

779, 780, 782, 783,

786

789, 792, 794, 796,

799

807, 811

5.

H. 163, 165, 166, 205,

206

210, 249, 272, 285,

304

419, 420, 423, 424,

438

439, 472, 473, 474,

475

480, 481, 508, 565,

572

573, 578, 585, 590,

591

777, 778, 809

6.

164

165, 167, 190, 198,

199

229, 230, 235, 239,

274

275, 317, 319, 370,

372

3S7, 441, 442, 445,

448

479, 511, 517, 520,

522

537, 538, 539, 540,

557

562, 774, 775, 778,

779

780, 781, 783, 784,

786

788, 789, 791, 792,

805

806, 811

7.

164

167, 193, 231, 232,

316

346, 347, 356, 361,

362

363, 365, 36S, 410,

430

432, 451, 510, 511,

766

768

8.

163

165, 166, 186, 206,

208

209, 212, 217, 218,

246

252, 357, 375, 395,

402

403, 405, 415, 420,

423

424, 438, 439, 472,

473

474, 475, 480, 481,

508

565, 576, 577, 580,

582, 583, 590, 592, 776,

801, 810

9.    164, 166, 167, 179, 180,

182, 194, 196, 226, 227,

228, 236, 238, 239, 240,

262, 270, 271, 278, 279,

280, 291, 292, 306, 317,

362, 363, 368, 369, 398,

432, 441, 444, 445, 463, 465, 471, 495, 511, 518,

519, 550, 551, 772

10.    7, 22, 118, 137, 190,

198, 199, 202, 230, 240,

242, 247, 251, 269, 275,

291, 306, 317, 370, 372,

387, 388, 3S9, 441, 442,

448, 479, 511, 517, 520,

522, 537, 538, 558, 562,

563, 775, 779, 780, 781, 782, 783, 784, 787, 788, 789, 793, 805, 806, 811

11.H.    16, 23, 164, 202,209,

213, 217, 230, 242, 247, 251, 253, 269, 275, 291,

317, 319, 370, 389, 405,

441, 445, 461, 465, 466,

468, 470, 471, 491, 492, 497, 500, 523, 530, 533,

538, 540, 557, 562, 774,

775, 778, 779, 780, 781, 787, 789, 805, 806, 811

IV: K. u. k. Infanterie-, k. k. Schützen-,

k. u. Honvédinfanterie-, k.u.k. Gebirgs-, k.u.k. Marschbrigaden

5. 488

9.    455, 459

10.    455,    459

11.    421,    469

12.    418,    419,    420,    421

13.    92, 111, 114, 116, 118,

123, 124, 127, 128, 134,

138, 139, 149, 610, 614, 617, 632, 634, 637, 643,

663

14.    608, 623, 624, 641, 663,

664, 667, 690

16.    203    '

17.    684,    6S8,    691,    693,    697

18.    Ul,    688,    689,    690,    697

21.    784

22.    212, 784, 786, 787, 788

25. Sch. 226

27.    260, 267

28.    268

29. 235, 444, 445


3S. 235, 546

41. Sch. 610, 623, 624, 642,

664

44. Sch. 570

51.    Sch. 578, 579

52.    Sch. 578, 589 54. 443

56.    570

57.    122, 144, 607, 608, 616,

623, 624, 641, 642, 667, 693, 695, 699, 703, 726,

732,    745, 748

58.    122, 607, 616, 623, 624,

642, 667, 670, 690, 692,

693, 695, 703, 725, 732,

733,    744, 745

60. 247

62. 112, 118, 122

64. 550    Í

66. 361, 362, 365

70.    288

71.    619, 621, 624, 664, 667,

674, 678, 680, 690, 692,

695, 699, 711, 712, 713,

719, 725, 732, 733, 743, 744 745

72.    619, 629, 632, 637, 650

73.    H. 367

75.    H. 481, 582, 583, 591

76.    H. 481, 583, 591

77.    H. 488, 806

79.    H. 130, 140, 610, 614, 617, 619, 634

80.    H. 610, 614, 617, 691

81.    H. 281, 285, 302

82.    H. 539

83.    H. 688, 689 85. Sch. 503, 797

88.    KSch.163, 207,213,214,

216, 217, 242, 251, 275,

286, 287, 289, 290, 293,

305, 307, 315, 332, 371,

406, 416, 436, 503, 788

89.    Sch. 194, 784, 787, 789

90.    Sch. 194 93. 215

96. 203, 525, 529 121. 202

122. 289, 436

129.    424, 439, 593

130.    424, 439, 593

131.    424, 439, 472, 485, 593

200.    H. 580

201.    H. 580

l.Gb. 106, 119, 140, 610,

611, 612, 614, 617, 620, 626, 630, 632, 648, 687, 698, 700, 702, 705, 708,

713, 717, 718, 724, 729,

730, 737, 740

2.    Gb. 96, 103, 119, 140,

610,    611, 612, 614, 620, 626, 630, 631, 648, 696,

701, 704, 717, 720, 721, 727

3.    Gb. 92, 93,104,108,120,

146, 604, 613, 636, 646, 647, 648, 650, 655, 656, 667, 668, 669, 696, 701,

704,    713, 717, 720, 721, 737

4.    Gb. 106, 119, 140, 610,

611,    612, 648, 653, 659, 667, 668, 670, 671, 673, 675, 678, 680, 686, 691,

698, 700, 702, 705, 708,

709, 718, 729, 730

5.    Gb. 106, 108, 140, 610,

611,    612, 648, 651, 652, 655, 656, 667, 670, 671, 673, 675, 696, 698, 702,

705,    708, 713, 717, 718,

722, 724, 729, 730, 737, 740

6.    Gb. 106, 119, 140, 611,

612,    614, 620, 626, 630, 631, 632, 648, 697, 701,

704, 717, 727, 728, 737

7.    Gb. 92,107,124,139,141, 611, 612, 614, 620, 622, 628, 630, 632, 648, 666, 675, 697, 701, 704, 718,

720, 721

8.    Gb. 92, 10S, 119, 120,

130, 141, 603, 604, 612,

613,    615, 617, 620, 627, 631, 634, 636, 637, 644,

646, 651, 652, 653, 654,

655, 656, 667, 670, 673,

675, 687, 693, 698, 700,

71 q 790

9.    Gb/ 96, 107, 124, 139,

141, 611, 612, 617, 628, 635, 648, 666, 691, 693,

700, 704, 718, 720

10.    Gb. 124, 128, 130, 139,

140, 610, 614, 628, 675, 697, 700, 701, 717, 728

11.    Gb. 92, 111, 114, 116, 118, 123, 124, 127, 129, 133, 139, 149, 610, 612,

614,    617, 628, 634, 666,

691, 698, 700, 704, 717,

719, 742

12.    Gb. 108, 118, 123, 125, 127, 130, 134, 139, 610,

614, 666, 697, 700, 704, 717 723

13.    Gb. 106, 11.9, 140, 610,

611, 612, 614, 620, 631,

635, 644, 646, 647, 653,

667, 675, 698, 700, 702,

705, 708, 713, 717, 718,

724, 729, 730, 737, 740

14.    Gb. 92, 93, 120, 145,

604, 648, 693, 700, 704, 717, 720, 721, 727

15.    Gb. 650, 655, 656, 700,

704, 711, 713, 717, 721, 737

16.    Gb. 650, 667, 668, 669,

701, 704, 708, 713, 717, 721 737

17.    Gb. 651, 652, 653, 686

18.    Gb. 697, 738

1.Ma.    180

2.    Ma. 179, 202, 225, 275

3.    Ma. 214, 242

4.    Ma. 23, 253, 286, 315

6.    Ma. 179, 199, 202, 235, 242

7.    Ma. 23, 252

8.    Ma. 134

9.    Ma. 23, 179, 202, 225

10.    Ma. 194, 196, 233, 260,

261, 266

11.    Ma. 163, 208, 213, 215,

286, 289

12.    Ma. 24, 206, 218, 244,

246, 286    '

13.    Ma. 7

14.    Ma. 243, 286, 315

40. IIMa. 610, 611,617,619,

638

Brig. GM. Fülöpp, s. Fülöpp

Komb. GM. Gössmann, s. Gössmann

Brig. Obst. Rácz, s. Rácz

Komb. GM. Reymann, s. Reymann

Komb. GM. Šnjaric, s. Šnjaric

V: K. k. und k. u. Landsturminfanterie-

(Territorial-, Etappen-) brigaden

K. k. 1. 24, 30, 179, 196, 265, 268, 368, 432, 441,

448, 479, 517, 520, 522, 537, 539, 540, 557, 561, 785, 791, 806

K. k. 35. 163, 171, 172, 205, 206, 210, 249, 252, 263, 272, 302, 304, 315, 347,


356, 361, 365, 368, 411, 450, 454, 462, 470, 483, 491, 492, 523, 526, 547,

785, 806 K. k. 36. 7, 23, 94, 179,196,

234, 261, 266, 268, 294, 523

K. k. 40. 24, 206, 210, 250, 272, 284, 374, 375, 394,

395, 403, 404, 406, 414,

472, 473, 474, 480, 481, 565

K. k. 93. 163, 208, 213,287,

289, 379, 797 K. k. 95. 7, 15, 23, 164,193,

231, 512, 517, 530, 533,

541, 561, 793 K.u.97. 202, 214, 217, 220,

242, 253, 286, 379, 797 K.u. 100. 193, 231, 261,

295, 296, 316, 348, 361, 365

K. u. 101.184,194, 261,266, 523

K.u. 102. 7, 23, 252, 304, 348, 375, 395, 405, 419,

420, 423, 438, 508, 565 K. u. 103. 24, 245, 246, 272,

285, 288, 393, 394, 403, 414, 417, 508, 565, 566 K.u. 104. 7, 609, 610, 615,

616, 617, 624, 638, 663,

664, 669, 674, 677, 680,

711, 712, 719, 724, 725, 732, 733, 734, 738, 740, 744 74'í 747 K. k. 105.213,217, 243, 244,

248, 249, 252, 285, 376,

393, 418, 475, 508, 565,

566, 568, 569, 571, 576,

577, 580 K. k. 106. 164 K.u. 107. 7, 97, 617, 640,

642, 663, 734 K. k. 108. 163, 213, 214,

217, 243, 287, 379, 797 K.u. 109. 7, 134, 605, 610,

612, 614, 615, 620, 621,

630, 635, 648, 701, 704,

717, 721, 727 K. k. 110. 179, 184, 192,

193, 231, 232, 261, 315, 316, 368, 432, 441, 448,

479, 517, 520, 522, 537,

539, 557, 561 K. k. 111. 379, 797

Komb. Brigade Letovsky, s. Letovsky LstlBrig. Roschatt, s. Roschatt

Komb. Brig. Wieden, s.

Wieden K. k. Terr. 1. 375, 435, 475,

480, 482, 508, 565, 580,

582, 583, 590 K. k. Terr. 2. 375, 435, 438,

439,    475,    480,    481,    508,

565,    575,    576,    582,    583,

590

K. k. Terr. 6. 658, 659, 670 K. k. Terr. 7. 648, 653, 659, 727

K. k. Terr. 11. 799, 807 K. k. Terr. 12. 375,435,475,

480, 485, 593, 594, 804 K. k. Terr. 15. 375 K. k. Terr. 16. 375 K. k. Terr. 17. 348,375,473,

480, 508, 565, 567 K. u. Et. 8. 637, 664 K. k. Et. 9.    615,    619,    627,

634,    636,    659,    667,    694,

708, 730

VI: K. u. k. und k. u. Honvéd-Kavalleriebrigaden

9. 278

13. 163

20. 232, 261

24. H. 164, 165, 167

VII: K.u.k., k. k. und k.u. Fußtruppen

IR. 1. 698

IR. 2. 377, 393, 404, 422 IR. 4. 165, 166, 226, 531, 628, 698 IR. 7. 586

IR. 14. 203, 445, 788 IR. 16. 126, 687, 691, 744, 747 IR. 18. 41 IR. 22. 620, 643 IR. 26. 266 IR. 27. 287, 586 IR. 28. 46, 426, 488 IR. 33. 404, 414 IR. 36. 41, 443 IR. 37. 422, 662 IR. 42. 693, 695, 703, 747

IR. 43. 414 IR. 47. 287, 304, 586 IR. 49. 140, 227, 228, 478,

548, 628 IR. 51. 418 IR. 52. 691 IR. 53. 642, 681 IR. 54. 166

IR. 59. 203, 304, 426, 444, 447, 545, 787, 788 IR. 66. 643, 644 IR. 68. 684, 687 IR. 72. 167 IR. 73. 151, 640 IR. 74. 607 IR. 76. 180 IR. 78. 663, 666, 743 IR. 79. 621, 637, 651, 653,

713, 721, 730 IR. 80. 209 IR. 81. 526 IR. 83. 362

IR. 84. 140, 226, 531, 628 IR. 87. 139, 628 IR. 91. 643, 687, 691 IR. 92. 608, 616, 693, 695,

697, 703 IR. 93. 459 IR. 94. 607    .

IR. 97. 214 IR. 99. 260, 478, 526 IR. 102. 46, 121, 126, 640,

687, 691 Ma. 15. 703 Ma. 25. 625 TKJ. 1. 202

TKJ.2. 203, 235, 277, 788

TKJ. 3. 203, 426, 427

TKJ. 4. 203, 426

FJB. 11. 180

FJB. 13. 426

FJB. 17. 165

FJB. 21. 624, 680, 747

FJB. 27. 545

b.h.2. 698

b. h. 4. 471

Sch. 1. 428, 530

Sch.2. 530

Sch. 3. 798

Sch. 6. 121, 151, 719

Sch. 9. 429

Sch. 14. 226, 228, 788

Sch.15. 344

Sch. 17. 315

Sch. 18. 260, 315

Sch. 21. 547

Sch. 24. 388, 443, 530

Sch. 25. 226


Sch. 26. 777 Sch. 2S. 616 Sch. 30. 478 Sch. 33. 315 Sch. 34. 266, 315 Sch. 35. 163 MaB. Sch. 35. 379 KSch. I. 304, 436, 547 GbSch. 1. 585 HI. 2. 379 HI. 7. 379, 382 HI. 26. 689 HI. 30. 617 HiMa.3. 379 HMa.4. 379 HMa.6. 379 HMa.9. 24

Militärkmdo. Kaschau 348 Militärkmdo. Lemberg 263,

348, 396, 397 Militärkmdo. Temesvár 658 Polnische Legion Durski

396, 397, 430, 471, 483,

484, 485, 4S6, 557, 562,

593, 594, 804

HMa. 10. 24 HMa. 13. 240 HMa. 14. 240 HMa. 16. 379 K. k.    Lst. 1.    541

K. k.    Lst. 2.    541

K. k.    Lst. 8.    231

K. k.    Lst. 9.    120    '

K. k. Lst. 27. 637, 651 K. k. Lst. 31. 297 K. k. Lst. 34. 344 T.Lst. I. 655 K. u.    Lst. 1.    625, 692

K. u.    Lst. 3.    616

K. u. Lst. 10. 382 K.u. Lst. 12. 608, 640 K. u. Lst. 13. 261

Sonstiges

Polnische Legion Piłsudski H3ö, 781, 787, 807 Kriegsflotte 8, 9, 25, 59,

91, 121 Donauflottille 17, 91, 95,

97, 112, 113, 144, 145,

609, 625, 642, 658, 663

K. u. Lst. 32. 607, 625, 640, 714

VIII: K.u. k.Kavallerie D. 8. 41,

D. 15. 167

H. 7. 166

H. 9. 806

H. 12. 473

IX: K. u. k. Artillerie FKR. 1. 180,

FKR. 35. 418, 419 FKR. 42. 793 FHR. 2. 305 FsAR. 1. 382 FsAR. 6. 97

Kreuzer „Kaiser Karl VI.“ 120

Kreuzer „Szigetvár“ 120 Kreuzer „Zenta“ 120 Monitor „Körös“ 662 Monitor „Maros“ 662 Monitor „Temes“ 658


Verzeichnis der deutschen Truppenverbände

I: Armeekorps

II. 554, 555, 765, 766, 767,

768, 769 XI. 335, 343, 347, 356, 364,

365, 368, 399, 400, 411, 450, 503 XIII. 765

XVII. 343, 347, 503 XX. 343, 347, 356, 451, 465, 467, 495, 496, 497, 503

Korps Gallvvitz 773 GR. 335, 343, 356, 364, 409,

431,    450,    451,    453,    455,

456,    457,    460,    461,    462,

465,    467,    469,    470,    492,

495,    496,    497,    501,    503,

505,    507,    509,    510,    523,

531, 773 I. R. 503

XXIV.    R. 765, 766, 767

XXV.    R. 410, 503, 554, 765 LKorpsWoyrsch, s.Woyrsch

(Personenverzeichnis)

Korps Breslau 520, 523,

527, 534, 550, 553

Korps Graudenz 765

Korps Posen 520, 523

Kavalleriekorps Frommei, s. Frommei (Personenverzeichnis)

II: Infanterie-,

Kavalleriedivisionen

3. G. 451, 460, 510, 554, 765

1.1.    766

22.1.    411

26.1.    765

38.1.    450

1. GR. 451, 460, 523, 524,

526, 532, 535, 541, 551,

768, 769, 770, 772, 773

35.    R. 343,357,503,510,524,

526, 531, 535, 541, 549

36.    R. 503

47. R. 556, 559, 562, 563,

766, 774, 775, 779, 780,

781, 783, 784, 785, 786, 787, 788, 790, 791, 793,

805, 806, 812

48. R. 765, 766, 767, 768

3.    L. 261, 297

4.    L. 232, 234, 261, 294, 296 Div. Bredow, s. Bredow

(Personenverzeichnis) Div. Menges 766

5.    Kav. 503, 511, 766

6.    Kav. 517

8.    Kav. 335, 343, 451, 510,

511, 766, 769

9.    Kav. 517

III: Infanteriebrigaden

5.    G. 462, 465, 469

6.    G. 460

1. GR. 551, 552, 553, 766,

767, 769, 770, 771, 772

15. R. 551, 772

18. L. 265, 298

Sonstiges Kreuzer „Breslau“ 121 Kreuzer „Goeben“ 121 Skutaridetachement 139


1

j Vgl. Friedjung, Das Zeitalter des Imperialismus 1884—1914 (Berlin 1922), III, 294 ff; P ř i b r a m, Austrian Foreign Policy 1908—1918 (London 1923), 46 ff.

2

, Glaise-Horstenau, Franz Josephs Weggefährte (Lebensbeschreibung Becks, Wien 1930„ 285 ff, 342ff.

3

) G o o s s, Das Wiener Kabinett und die Entstehung des Weltkrieges (Wien 1919j, 91 ff. — Österreich-Ungarns Außenpolitik von der bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914. Diplomatische Aktenstücke des öst.-ung. Ministeriums des Äußeren (Wien 1930), VIII, 515ff. Künftig zitiert als: Österr. Aktenwerk.

4

J Österr. Aktenwerk, VIII, 949. — ~j Conrad, IV, 156.

5

29. ID. (IX. Korps; bereits abzurollen begonnen. Die 31. und 32. ID. (IV. Korps) und die 17. und 34. ID. (VII. Korps) waren in starker Bewegung. Von den zwei letztgenannten Divisionen war schon je ein Driitel, von der 1. und 10. KD. bereits die Hälfte im Aufmarschraume ausgeladen. Die Zusammensetzung der 2. Armee, zu der diese Heereskörper im Balkankriege gehört hätten, war für B und R nicht gleichartig vorgesehen. Nach den Friedensvorsorgen hätte diese Armee auf dem russischen Kriegsschauplatz aus dem III., XII. und VII. Korps sowie der 20. HID., 11. ID und 43. SchD. bestehen sollen. Das IV. Korps war samt der 23. HID. der 3., das VIII. der 4. und das IX. der 1. Armee zugedacht.

6

In der vorliegenden Darstellung wird der Einfachheit halber von Anbeginn an nur von „Schützen“ und „Honvéd“ die Rede sein. Siehe auch Verzeichnis der Abkürzungen.

7

-j Vgl. auch Jahresdenkschrift für 1913 bei Conrad, III, 767.

8

)    Die Feldkanone M. 5 stand an Tragweite gegenüber den Schwestergeschützen anderer Staaten um 1000 bis 1500 m zurück. Die 10 cm- und 15 cm-Feldhaubitze M. 99 und die Gebirgskanone M. 99 entbehrten, abgesehen von ihrer geringen Tragweite, des Rohrrücklaufes und der Schutzschilde. Wohl hatte die Kriegsverwaltung im Jahre 1914 truppenerprobte und cinführungsbereite Modelle einer 7 cm-Feldkanone, einer 10 cm- leichten und einer 15 cm- schweren Feldhaubitze sowie einer 10 cm- schweren Kanone und automobilisiertcr 15 cm-Kanonen und Haubitzen zur Verfügung; aber es mangelte an den Mitteln zur Massenerzeugung. (Aus einem Vortrage des Generals des öst. Bundesheeres Eimannsberger.)

9

)    Conrad, II, 466; Auffenberg, Höhe und Niedergang, 178.

10

)    Aus einem Manuskripte des GM. Pflug.

11

) v. Seeckt, Gedanken eines Soldaten (Berlin 1929), 160.

12

„Badeni-Krawalle“ — Bezeichnung für die großen Kundgebungen, welche die tschechenfreundlichen Sprachenverordnungen des Ministerpräsidenten Graf Badeni (April 1897) in den deutschen Gegenden Österreichs hervorgerufen hatten.

2) M o 1 i s c h, Vom Kampf der Tschechen um ihren Staat (Wien 1929), 28 ff.

13

) Vgl. nebst anderem Joseph Redlich, Kaiser Franz Joseph von Österreich (Berlin 1928), 34 f, und a.a.O.; M i t i s, Das Leben des Kronprinzen Rudolf (Leipzig 1928,, 59.

14

) Die unmittelbar nach dem Kriege in Deutschösterreich eingesetzte, von Vertrauensmännern aller politischen Parteien beschickte „Kommission zur Erhebung militärischer Pflichtverletzungen im Kriege“ berichtete am 25. Februar 1922 an die Regierung: „Abgesehen von dem Gebiete der Rechtspflege waren jene Fälle, in denen die Kommission grobe Pflichtverletzungen oder den Verdacht einer strafbaren Handlung festgestellt hat, zum größten Teile vereinzelte Erscheinungen. Die Zuständigkeit der Kommission erstreckte sich auf eine so große Zahl von höheren Offizieren und Militärbeamten, daß vereinzelte Entgleisungen im Kriege bei der Lockerung der Aufsicht und dem Entfall anderer Hemmungen nicht auffällig sind.“ Kurz zuvor, am 17. Jänner 1922, in ihrem 26. Berichte, hatte sie zur Frage der Soldatenmißhandlungen Stellung genommen: „Mit Fällen von Soldatenmißhandlungen hatte sich die Kommission selten zu befassen. Mag dies zum Teil seinen Grund auch darin finden, daß die Tätigkeit der Offiziere vom selbständigen Abteilungskommandanten abwärts . . . der Beurteilung der Kommission entzogen war, so darf doch daraus der Schluß gezogen werden, daß Soldatenmißhandlungen in der öst.-ung. Armee nicht zu den Alltäglichkeiten gehörten.“ Über die Einsetzung und das Wirken dieser „Kommission zur Erhebung militärischer Pflichtverletzungen im Weltkriege“ vgl. Ratzenhofer, Der Wahrheit eine Gasse (Wiener Reichspost, 11. und 12. August 1926); Derselbe, Wandel der Zeiten (Österreichische Wehrzeitung vom 31. Dezember 1926 und 6. Jänner 1927) und Gerichtliche Verfolgung militärischer Führer in Österreich (Vierteljahrsschrift für Politik und Geschichte, Berlin 1929, Heft 2, 137 ff.)

15

/ Kerchnawe, Österreich-Ungarns Machtaufgebot (Östen*. Wehrzeitung vom

24. April 1921'.

Lustig-Prean, Zur Geschichte der Neustädter 1752 -1918 vWien 1927), 23.

16

/ Conrad, IV, 645 ff; T i s z a, Briefe 1914—1918, I, (Berlin [1928]), 153 ff. G i e s 1, Zwei Jahrzehnte im nahen Orient (Berlin 1927), 257 ff. — GdK. Wladimir Freih. v. Giesl, vor Kriegsausbruch öst.-ung. Gesandter in Belgrad, wirkte bis Jänner 1915 als Delegierter des Außenministeriums beim AOK., mußte aber dann wegen Differenzen mit dem Chef des Generalstabes seinen Posten dem Botschafter Grafen Thurn und Valsassina überlassen. Als zweiter Delegierter war der spätere Gesandte Friedrich Ritt. v. Wiesner eingeteilt.

17

-j Freytag-Loringhoven, Menschen und Dinge, wie ich sie im Leben sah 'Berlin 1923,, 193 ff; Cramon, Unser österreichisch-ungarischer Bundesgenosse im Weltkriege (2. Aufl., Berlin 1922), 3 ff.

18

Stürgkh, Im deutschen Großen Hauptquartier (Leipzig 1921), 6 ff; des Verfassers Bruder war der österreichische Ministerpräsident Karl Graf Stürgkh.

19

) Die überaus umfangreiche Literatur hat Obst. Liebermann in seinem Aufsätze, Die Entwicklung der Frage des einheitlichen Oberbefehles im Weltkriege (Wissen und Wehr, Jhrg. 1927, 1 ff und 65 ff), verarbeitet.

20

) Dem Oberkommandanten der Balkanstreitkräfte    waren    vom    6. August    an    die

5. und 6. Armee, die Truppen des Rayons Banat und    die Festungen    zugewiesen.    Die

2. Armee, obwohl zuerst in Syrmien und im Banat aufmarschiert, blieb nach Ausbruch des Krieges mit Rußland unmittelbar dem AOK. unterstellt und war nicht mehr zum Kampf gegen Serbien bestimmt.

21

)    Das IV. Korpskmdo. ging am 30. August nach Galizien ab.

22

)    Begann am 30. August mit der Einwaggonierung nach Galizien.

23

)    Aus der ursprünglich als unverläßlich in Budapest    zurückgelassenen    Mannschaft

wurde gelegentlich der Verschiebung nach Galizien wieder    ein    Baon.    (IV.)    gebildet    und

in den Aufmarschraum mitgenommen.

24

)    Begann am 30. August mit der Einwaggonierung nach Galizien.

25

)    Die Einwaggonierung nach Galizien begann am 30. August.

26

)    Das VII. Korpskmdo. ging am 24. August nach Galizien ab.

27

)    Begann am 22. August mit der Einwaggonierung nach Galizien.

28

)    Die Einwaggonierung nach Galizien begann am 23. August.

29

)    Das IX. Korpskmdo. ging am 19. August nach Galizien zur 4. Armee ab.

30

   Die Einwaggonierung nach Galizien erfolgte am 23. August.

2)    Die 6. Komp. SB. 9 wurde am 21. August nach Galizien einwaggoniert und gelangte zum XVII. Korps.

3)    Die Einwaggonierung nach Galizien begann am 19. August/ die Dion, gelangte zur 3. Armee.

4)    Die Einwaggonierung nach Galizien begann am 18. August/ die 10. KD. gelangte zur 4. Armee.

5)    Ging aus ihrer Mobilisierungsstation Budapest direkt nach Galizien zur 3. Armee ab und wurde dieser am 28. August unterstellt. Gliederung S. 75.

6)    Blieb in der im Aufmarschraum gelegenen Mobilisierungsstation Temesvár stehen und wurde am 1. September nach Galizien einwaggoniert.

7)    Kam zur k. u. 102, LstlBrig.

8)    Mit der Verlegung der 2. Armee nach Galizien gleichfalls zum Abtransport be= stimmt,- die beiden Komp. gelangten anfangs September nach Krakau.

9)    Ebenso ,• die beiden Komp. kamen anfangs September nach Przemyśl.

10) Die 5. Komp. PB. 5 kam mit der 2. Armee auf den nördlichen Kriegsschauplatz.

u) Die 1. Komp. PB. 9 gelangte zum XVII. Korps, die 2. Komp. zur 3. Armee.

31

Vorübergehend Sicherheitsbesatzung von Lemberg und Mikołajów am Dniester.

32

)    Wird ab 20. August gebildet.

33

) Vgl. Hubka, König Nikolaus von Montenegro (Deutsche Revue, Stuttgart 1921, 46. Jhrg., 174 ff).

34

Betreffs der Einzelheiten zu den Kämpfen bei Šabac vergleiche vor allem die aufschlußreiche Schrift des FML. Schön, Šabac, herausgegeben vom verdienstvollen Verlag Der Heimat Söhne im Weltkrieg (Reichenberg 1929). GM. Dáni erhielt für die Kämpfe bei Šabac (12.—15. August 1914) und bei Sianki in den Karpathen (4. Oktober 1914) das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

35

Serb. Gstb.W., 1,115.

36

Serb. Gstb. W., I, 238, 240.

37

j Ehrenbuch der Hesser, II, 169.

38

j Vgl. neben Schön, Sabac, 288 ff, auch Zanantoni, Die deutsch-böhmische 29. Infanteriedivision im ersten Kriegsjahr 1914 (Reichenberg 1926), sowie mehrere Aufsätze in der trefflichen Reichenberger Monatsschrift „Der Heimat Söhne im Weltkrieg“.

39

Hoen, Waldstätten-Zipperer und Seifert, Die Deutschmeister (Wien 1928), 55 ff.

40

2; Der Überbringer dieses Befehles, Oblt. v. Ambroży des HR. 7, wurde für diesen kühnen Ritt mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet.

41

Zichowitsch, 141. — La grande guerre, 139 ff.

42

Z i c h o w i t s c h, 50 P a 1 é o 1 o g u e, La Russie des tsars 'Paris 1921,, I, 98 ff.

43

'/ Nach Auffenberg, Aus Österreich-Ungarns Teilnahme amWeltkriege (Berlin 1923 , 148, hat der Armeeführer schon am 25. nachmittags den Entschluß zu der weit ausholenden doppelten Umklammerung des nördlich von Tomaszów angenommenen Feindes gefaßt, die später durchgeführt wurde und beinahe zu einem „Cannae“ geführt hätte. Im zweiten Werke A uffenbergs — Höhe und Niedergang, 293 — ist die Feldpostkarte faksimiliert, auf der dieser Plan mit weitgehenden Einzelheiten eingezeichnet worden ist. „Ich übergab dieselbe,“ heißt es dort, „dem Armee-Generalstabschef mit der Weisung, dies als Richtschnur für die weiteren Dispositionen zu nehmen.“ Dem Armee-Generalstabschef, jetzigem GdI. Rudolf Krauss, und dem Chef der Operationsabteilung, jetzigem GdI. v. Soós, sind laut ihren Mitteilungen an das Kriegsarchiv diese Einzelheiten nicht mehr im Gedächtnis. Ihre Erinnerung geht dahin, daß der Entschluß für Komarów nicht das Erzeugnis einer bestimmten Stunde gewesen sei, sondern sich zwischen dem 25. und 28. allmählich aus der Entwicklung der Lage ergeben habe.

44

)    Auffenberg, Österreich-Ungarns Teilnahme, 192. — Siehe auch K i s z 1 i n g, Das Waldgefecht beim Folwarek Turyna (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jahrg. 1928, 827 ff.)

45

)    Die 8. ID. hatte drei Infanteriebrigaden. (Siehe Kriegsgliederung, S. 74.)

46

)    Das Tiroler Alpenjägerregiment Nr. 12 und das Vorarlberger Alpenjägerbataillon Nr. 4 des österreichischen Bundesheeres begehen den 28. August, an dem ihre Vorfahren, die Tiroler Kaiserjäger, die Feuertaufe erhielten, als Gedenktag.

47

') Conrad, IV, 517. — Pfeffer, 41.

48

) Rechtfertigungsschrift des GdK. Brudermann — dazu Pfeffer, 25 f. — FM. Conrad läßt in seinen Denkwürdigkeiten das die Verwendung des XI. Korps betreffende Ferngespräch unerwähnt; wahrscheinlich ist es in Przemyśl nicht aufgezeichnet worden.

49

j F a b i n i, Die Feuertaufe des Eisernen Korps (Mil. wiss. Mitt., Wien, Sep-tember-Oktober-Heft 1930).

50

J Da die 10. KD. ungefähr zur selben Zeit abging, als die 9. KD. in den Verband der 4. Armee eintrat, ist diese Divisionsstärke nur einmal gerechnet. Nicht berücksichtigt sind auch die Honvédmarschregimenter 13 und 14, weil sie nicht mehr in den Kampf traten. — Bei der russischen 5. Armee ist die 70. RD., da sie dem k.u.k. X. Korps gegenüberstand, nicht eingerechnet.

51

2. Auil.

52

) Bei den k.u.k. Truppen sind die 1. und 5. KD., die 35. LstlBrig. und die Besatzungstruppen von Lemberg und Mikołajów nicht eingerechnet, bei den Russen das Dniesterdetachement. eine scheinbar nicht eingetroffene Reservedivision und drei Kosakendivisionen.

53

/ Major Lehár des k.u.k. IR. 83, Kommandant des k. u. LstIBaons. 11/13, erkämpfte sich in diesem Gefechte das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.

54

)    Dieser Abtransport war offenbar auch eine Auswirkung der Bjelostoker Besprechungen des Großfürsten-Generalissimus (vgl. S. 257).

55

)    Z i c h o w i t s c h, 187.

56

)    P i t r e i c h, 117.

57

)    Ebenda.

58

)    In dem in ungarischer Sprache erschienenen Werk Älgya-Pap, Die Versorgung unserer Armee im Weltkriege 1914, II (Budapest 1929), 21, werden die Verluste mit 322.000 Mann und 216 Geschützen angegeben.

59

'/ Krauss, Die Ursachen unserer Niederlage (3. Aufl., München 1923), 134 f; vgl. überdies Auffenberg, Höhe und Niedergang, 289. — Derselbe, Teilnahme am Weltkrieg, 114. — K a b i s c h, Streitfragen des Weltkrieges 1914 (Stuttgart 1924), 42 ff. — Derselbe, Ergänzungen zu Streitfragen des Weltkrieges (Stuttgart 1927). — Moser, Ernsthafte Plaudereien über den Weltkrieg (Stuttgart 1925), 69 ff und andere.

60

j Conrad, IV, 588. Siehe auch L e p p a, Der Entschluß zur Schlacht bei Gródek—Lemberg (Wissen und Wehr, Berlin, Jhrg. 1929, 24).

61

)    Freytag-Loringhoven, Heerführung im Weltkriege (Berlin 1921),

II, 18.

62

   Conrad, IV, 731.

63

2)    Reichsarchiv, V, 402 ff. — Hindenburg, Aus meinem Leben (Leipzig 1920), 101. — Stürgkh, Großes Hauptquartier, 41f.

64

3)    Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen (Berlin 1920), 55.

65

4)    Reichsarchiv, V, 408.

66

) K o r o 1 k o w, Warschau—Iwangorod, 67 ff.

67

)    Die Entscheidung hatte die von Beniowa her in Flanke und Rücken der Russen vorrückende Vorhut der 31. ID. erzielt. GM. Dáni, der damit weiteren Anspruch auf den Theresien-Orden erwarb, war der Führer dieser Gruppe (S. 112, Fußnote).

68

)    Im Laufe des August und September wurden aus den Überschüssen des Landsturmes in denMilitärterritorialbereichen Wien,Prag,Leitmeritz und Innsbruck fünf Landsturmmarschbrigaden und zwölf Landsturmterritorialbrigaden für den Grenzschutz gegen Italien aufgestellt. In Abänderung dieser Bestimmung fand ein Teil dieser Neuformationen in den Brückenköpfen Wien, Preßburg, Komorn und Budapest sowie in der Festung Krakau Verwendung. Die Landsturmterritorialbrigaden Nr. 1, 2 (Wien) und Nr. 12 (Linz) kamen in die Karpathen. Die aus galizischen Landsturmbataillonen in Oberungarn aufgestellten Landsturmterritorialbrigaden Nr. 15 bis 17 fanden beim IV. Korps und bei der Armeegruppe Pflanzer-Baltin Verwendung.

69

)    Conrad, IV, 886 und V, 69.

70

)    Anfangs Oktober standen dem GM. Hofmann insgesamt etwa 42 Bataillone, 5 Schwadronen und 5 Batterien zur Verfügung. Es waren dies die Gruppen Obst. Fleischmann, Obst. Berger, FML. Graf Attems, GM. v. Bothmer, GM. Schüler, die Polnische Legion unter FML. Durski und das Streifkorps Obstlt. Fischer.

71

)    Die Befehlsverhältnisse der Karpathenstreitkräfte waren vor ihrer Unterstellung an GdK. Pflanzer-Baltin nicht genau geregelt und wechselten fast täglich.

72

Vgl. die Stärkeangaben S. 413.

2) C o n r a d, V, 99 und 107.

73

) FML. Henriquez, der Kommandant der 17. ID., befehligte am äußersten Nordflügel der 2. Armee Truppen von vier verschiedenen Divisionen. Es waren dies vom VII. Korps Teile der 34.ID. und das IR.37 der 17.ID., ferner das IR.2 der 16. ID. und zwei Bataillone der 20.HID.

74

   Conrad, V, 123.

75

2)    Reichsarchiv, V, 466 f.

76

3)    GM. Max Hoffmann, damals erster Generalstabsoffizier Ludendorffs, nennt in seiner weit von Conrad abweichenden Auffassung den „Coup“ gegen Warschau „die schönste Operation unseres bisherigen Feldzuges“. Vgl.: Die Aufzeichnungen des Generalmajors Max Hoffmann. Hcrausgegeben von K. F. N o w a k (Berlin 1926), I, 58.

77

, Reichsarchiv, VI, 99 und 233.

78

Die folgenden Darlegungen gründen sich auf Danilow, 358 ff, A. N e s n am o w, Strategische Skizzen (in russischer Sprache, Moskau 1922), II, 2 ff und M.B oncz-Bruiewitsch, Unser Verlust Galiziens im Tahre 1915 (in russischer Sprache, Moskau 1921), I, 5 ff.

79

) Hiebei auch zwei Bataillone des IR. 79 der 71. IBrig. unter Obst. Schöbl, dem das Gelingen des Unternehmens in erster Reihe zu verdanken war.

80

Früher Gruppe Obstlt. Karpellus.

81

   Serb. Gstb. W., III, 121.

2)    Ebenda, III, 128.

82

) Wiewohl die Gruppe Roth durch die^ fortgesetzte Unterstellung neuer Kräfte im Verhältnisse zu den übrigen Befehlseinheiten des Armeekmdos. überstark war, sah der Armeekommandant zunächst noch von einer neuen Gruppenbildung ab, um diesem verdienten General die Genugtuung zu geben, die vorzügliche taktische Führung seiner Gruppe durch das Erreichen des täglich erhofften Schlachterfolges krönen zu können (Zuschrift des seinerzeitigen Armeekommandanten an das Kriegsarchiv, 8. Februar 1929).

I 2. Aufl.    50

83

) Gen. Rußki an Withney, Canadian Democrat, 1915, verwertet in Roth, Die Schlacht bei Limanowa-Łapanów, 82.