ÖSTERREICH-UNGARNS LETZTER KRIEG 1914-1918
HERAUSGEGEBEN VOM ÖSTERREICHISCHEN BUNDESMINISTERIUM FÜR HEERESWESEN UND VOM KRIEGSARCHIV
DRITTER BAND
ZWEITER TEIL
VON DER EINNAHME VON BREST-LITOWSK BIS ZUR JAHRESWENDE
UNTER DER LEITUNG VON EDMUND GLAISE-HORSTENAU
BEARBEITET VON
JOSEF BRAUNER, RUDOLF KISZLING, FRANZ MÜHLHOFER, ERNST WISSHAUPT UND GEORG ZÖBL
MIT 32 BEILAGEN UND 20 SKIZZEN
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, Vorbehalten
Copyright 1930 by Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen in Wien
Einbandzeichnung von Rudolf Junk in Wien
Druck von Paul Kaltschmid in Wien
Nicht ganz nach Jahresfrist folgt dem zweiten Bande des Werkes „Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914—1918“ hiemit der dritte, der — wieder in einen Text- und einen Kartenband gegliedert — die Ereignisse der letzten vier Monate des Kriegsjahres 1915 behandelt.
Der Band hält sich in Stoffgliederung und Aufbau an das Beispiel seiner Vorgänger. Wie in diesen sind auch die Kriegshandlungen der Verbündeten nur so weit dargestellt, als es zum Verständnis der eigenen gebraucht wird. Die Kämpfe der dritten und der vierten Isonzoschlacht sind, weil es sich hier um die ersten, für die spätere Kriegführung besonders charakteristischen Materialschlachten handelt, etwas eingehender geschildert, als dies sonst die Begrenztheit des Raumes erlaubt. Die dem Kartenbande beigegebenen Rundbilder der Isonzofront und der Karsthochfläche von Doberdö sollen den Text ergänzen.
Die Schriftleitung lag wieder in den Händen des Unterfertigten und des Leiters der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Kriegsarchivs, Oberstaatsarchivar Obst. a. D. K i s z 1 i n g, denen abermals Hofrat Obst. a. D. Ehnl zur Seite stand.
Die einzelnen Abschnitte wurden von den folgenden Mitarbeitern verfaßt:
„Die Kriegslage der Mittelmächte zu Ende August“: Text vom Unterfertigten, Kriegsgliederung von den Offizieren des Bundesheeres Hptm. Wisshaupt (Russischer Kriegsschauplatz), Obstlt. Mühlhofer (Balkan) und Obstlt. B r au n e r (Südwestfront);
„Der Feldzug von Rowno“: vom Hptm. Wisshaupt, rückschauende Betrachtung vom Obst. K i s z 1 i n g;
„Die Eroberung von Serbien“: vom Obstlt. M ü hl h o f e r, ebenfalls mit angeschlossenen Betrachtungen aus der Feder des Obst. K i s z 1 i n g;
„Die Herbstschlachten an der italienischen Front“: vom Obstlt. Brauner; die in diesem Abschnitte die Verteidigung Tirols betreffenden
Teile vom Obst. K i s z 1 i n g, der sich hiebei auf eine Studie des GM. d. R. Julius Lustig-Prean stützen durfte;
„Der Spätherbst an der russischen Front“: vom Hptm. Wisshaupt;
„Der Ausklang des Kriegsjahres 1915“: vom Obst. K i s z 1 i n g gemeinsam mit Obst. Z ö b 1 (Italien) und Obstlt. Mühlhofer (Balkan).
Das Personen- und Truppenkörperverzeichnis ist wieder durch den Hofrat d. R. Sacken zusammengestellt worden. Als Vermittler fremdsprachiger Kriegsliteratur wirkten wie früher GM. d. R. Spannocchi (russisch, italienisch und englisch) und Mjr. d. R.Pibl (russisch), ferner für das serbische Generalstabswerk der Wir kl. Amtsrat Obstlt. a. D. Martinec mit. Als Bearbeiter eisenbahntechnischer Fragen betätigte sich in gewohnter Weise Gen. d. R. Ing. Ratzenhofer. Besonderer Dank gebührt abermals dem immer größer werdenden Kreise von Führern des alten Heeres, die die Güte hatten, einzelne Abschnitte vor der Drucklegung zu überprüfen und zu ergänzen, ferner dem GO. d. R. Sarkotic-Lovcen, dem Gen.Ratzenhofer und dem Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Generalstaatsarchivar Univ.-Prof. Dr. B i 11 n e r, die sich um diesen Band wie um die früheren durch Überprüfung des ganzen Textes verdient gemacht haben. Nutzbringend wie immer erwies sich die Zusammenarbeit mit dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien und mit dem Reichsarchiv in Potsdam.
Nach wie vor ist es für die Schriftleitung eine besondere Pflicht, der unverdrossenen Förderung unseres Werkes durch den Herrn Bundesminister für Heereswesen, Bundeskanzler a. D. Vaugoin, in Verehrung zu gedenken. Desgleichen sei abermals das große Verdienst hervorgehoben, das dem Leiter der Sektion I des Heeresministeriums, GdI. Schiebel, sowie dem Leiter des Verlages, GM. d. R. S ch u b e r t, bei der Fortführung des Werkes in wirtschaftlich schwierigster Zeit zugesprochen werden muß.
Wien, im Sommer 1932
Der Direktor des Österreichischen Kriegsarchivs Dr. h. c. GLAISE-HORSTENAU
Seite
Vorwort zum Dritten Bande........................... V
Verzeichnis der Abkürzungen................XV
Pläne und Kräfteaufgebot für den Herbst 1915
Die Kriegslage der Mittelmächte zu Ende August..........3
Die militärischen Maßnahmen gegen Rußland.........11
Die Offensive des öst.-ung. Heeres in Wolhynien und Ostgalizien.....51
Bereitstellung der unter der k.u.k. Heeresleitung stehenden Armeen ... 51
Die allgemeine Lage bei den Russen...........54
Der Vormarsch bis an den Styr und an die Strypa (26. bis 31. August) . . 56
Die Kämpfe der k.u.k. 1. Armee bei Zaturcy........56
Die Schlachten bei Gołogóry und an der Złota Lipa......57
Die Eroberung von Łuck..............59
Die Verfolgung in Ostgalizien............66
Das Ringen an der Putiłowka (1. bis 6. September)......74
Weiteres Vordringen in Ostgalizien (2. bis 6. September).....85
Die Schlacht bei Podkamień.............89
Die Gegenangriffe des russischen Südwestheeres..........97
Die Schlacht am Sereth (6. bis 12. September).........97
Russischer Durchbruch bei Trembowla..........97
Eingreifen der 2. Armee in die Schlacht am Sereth......101
Weiteres Vordringen der Russen gegen das Korps Marschall und gegen
den linken Flügel der 7. Armee..........104
Festlaufen des Angriffs der 2. Armee und zunehmende Gefährdung der
Seite
Das Ringen um die Entscheidung in Wolhynien (7. bis 13. September) . . 111
Das Vordringen bis an den Stubiel und bis Dubno......111
Die Schlacht am Stubiel..............115
Entschluß Conrads zum Einstellen der Offensive.......119
Der letzte Angriff des Korps FML. Martiny........120
Fortsetzung des russischen Angriffs in Ostgalizien (12. bis 17. September) . 122
Die Kämpfe bei Zaleszczyki und bei Nw. Aleksiniec.....122
Der Russenangriff gegen die Strypa..........126
Der Umschwung der Lage in Ostgalizien.........129
Brussilows Gegenoffensive auf Łuck (13. bis 24. September).....133
Der Durchbruch der Russen bei Derażno.........133
Die Maßnahmen zur Entlastung der k. u. k. 4. Armee.....141
Der Kampf um Łuck...............142
Neue russische Vorstöße an der Ikwa und bei Nw. Aleksiniec (19. bis
23. September)...............146
Die zweite Offensive gegen Rowno..............153
Der Flankenstoß der Gruppe Gerok (23. bis 28. September).....153
Räumung von Łuck durch die Russen..........155
Das Verebben des Bewegungsfeldzuges...........160
Die Ereignisse nördlich des Polesie (8. bis 27. September) .... 160
Beziehen der Dauerstellung südlich vom Pripiatj (29. September bis
2. Oktober'................162
Die Abwehr neuer Russenanstürme (2. bis 15. Oktober)......166
Rückschauende Betrachtungen....................175
Der Stromübergang der Heeresgruppe Mackensen..........187
Das Werden des Operationsplanes.............187
Die Gegenmaßnahmen im feindlichen Lager..........193
Die militärische Lage in Serbien und Montenegro zu Anfang Oktober 196
Die Vorbereitungen bei der k.u.k. 3. Armee........200
Die Bezwingung der Grenzströme (5. bis 11. Oktober).......202
Der Übergang in die Mačva (6. Oktober).........202
Der Übergang des XIX. Korps über die Save (6. bis 8. Oktober) . . 204
Die Eroberung von Belgrad (6. bis 11. Oktober).......205
Der Donauübergang der deutschen 11. Armee (6. bis 12. Oktober) . . 215
Kämpfe bei Višegrad, Bijeljina, Jarak und Progar (7. bis 11. Oktober) 217
Das Vordringen der Armee Gallwitz beiderseits der Morava (13. bis
17. Oktober)..................225
Das Eingreifen der Bulgaren (14. bis 17. Oktober)........227
Lage und Führerentschlüsse bei Freund und Feind Mitte Oktober . . . 228
Selte
Der Vorstoß gegen Mittelserbien (18. Oktober bis 6. November)......231
Vordringen der 3. und der 11. Armee bis auf den Kosmaj und bis an die
Jasenica (18. bis 22. Oktober).............231
Die Kämpfe der Bulgaren vom 18. bis zum 22. Oktober......239
Maßnahmen der serbischen Heeresleitung und des Generals Sarrail bis zum
22. Oktober..................240
Der erste Einkreisungsversuch (23. Oktober bis 6. November).....241
Der Plan Mackensens...............241
Vordringen der 62. ID. östlich von Visegrad (23. bis 28. Oktober) . 243
Die Kämpfe der 3. Armee bei Arangjelovac (23. bis 25. Oktober) . . 244
Verfolgung der Serben durch das Rudnikgebirge bis zum 28. Oktober 249 Das Vordringen der Armee Gallwitz und der beiden bulgarischen Armeen
vom 23. bis zum 28. Oktober...........256
Die Schlacht bei Kragujevac (29. Oktober bis 1. November) .... 259 Entschluß der serbischen Heeresleitung zum Rückzug (31. Oktober, . 265
Der zweite Einkreisungsversuch (2. bis 6. November).......266
Das Vordringen der Verbündeten bis an die beiden Moravaflüsse . . 266
Die Räumung des Moravaschrankens durch die Serben.....273
Die Verfolgung durch dasKopaonik- und Jastrebacgebirge (6. bis 24.November) 281
Führerentschlüsse bei den Verbündeten und bei den Serben . . . .281
Die Kämpfe um die Talengen südlich der Morava (6. bis 11. November) 282
Die Ereignisse in Mazedonien bis zum 11. November......288
Meinungsverschiedenheiten zwischen Teschen und Pleß.....289
Das Kesseltreiben der Verbündeten gegen das Amselfeld (Kosovo polje)
(12. bis 24. November)....................... 293
Die Lage des serbischen Heeres am 11. November......293
Weiteres Vordringen der Heeresgruppe Mackensen im Gebirge (11. bis
18. November)...............295
Kämpfe in Mazedonien vom 12. bis zum 16. November.....303
Vormarsch der Verbündeten bis an die Linie Uvac—Nova varoš—
Sjenica und bis an die Eingangspforten ins Amselfeld (17. bis
19. November)...............304
Neuerliche Vereinbarungen zwischen Conrad und Falkenhayn und
wachsende Mißhelligkeiten (18. bis 23. November).....310
Die Schlacht auf dem Amselfelde (19. bis 24. November)......316
Putniks Plan für den Durchbruch nach Süden........316
Vordringen der Armeen Kövess und Gallwitz bis Novipazar und bis
vor Mitrovica (19. bis 22. November).........317
Durchbruchsversuch der Serben südöstlich von Priština und Entschluß
zum Rückzug an die Adria (19. bis 24. November) .... 321
Der Vorstoß nach Plevlje (30. November bis 2. Dezember)......326
Der Entschluß zum Angriff auf den Lovcen und zum Einbruch in
Der Niederbruch der serbischen Armee und ihr Rückzug an die Adria . . 332
Die Führungsfragen im Herbstfeldzug 1915 gegen Serbien.......337
Die Herbstschlachten an der italienischen Front
Seile
Neuen Kämpfen entgegen.................345
Die Absichten der italienischen Heeresleitung zu Anfang September 1915 . 345
Die Einrichtung der öst.-ung. Isonzofront..........346
Kämpfer und Kampffeld..............349
Die Waffen der Verteidigung............355
Die wirtschaftliche Versorgung der Isonzofront.......359
Die Einrichtung der Alpenfront..............361
Der Kampf gegen den Alpenwinter...........366
Die Gebirgskämpfe im Frühherbst 1915 (Anfang September bis Mitte Oktober) . 368
Vergebliche Angriffe der Italiener bei Tolmein und Flitsch.....368
Die Kämpfe auf dem Karnischen Kamm...........374
Die Eroberung des Findenigkofls...........374
Neugliederung der Armeegruppe Rohr und mißglückte Angriffsunternehmen .................376
Die Verteidigung Tirols im Frühherbst 1915..........379
Die zweite Dolomitenoffensivc der Italiener........379
Die Kämpfe vor Vielgereuth.............381
Vorfeldunternehmen im Raume westlich der Etsch......383
Die dritte Isonzoschlacht (18. Oktober bis 4. November)........384
Der Operationsplan Cadornas für die Herbstoffensive.......384
Der Auftakt zum Großkampf am Isonzo...........388
Die Abwehrkämpfe zwischen Flitsch und Plava (21. bis einschließlich
24. Oktober)..................394
Das Ringen auf der Karsthochfläche (21. bis einschließlich 27. Oktober) . . 400
Die Kämpfe am 21. und 22. Oktober...........400
Die Schlachtkrise auf dem Mt. S. Michele (23. und 24. Oktober) . . . 410
Die dreitägige Kampfpause auf dem Karst (25. bis einschließlich
27. Oktober)................416
Die Vorbereitungen zum Angriff auf Görz..........417
Fortsetzung der italienischen Durchbruchsversuche bei Tolmein und bei
Plava (25. bis 29. Oktober)..............419
Das zweite Aufflammen der Schlacht (28. bis 30. Oktober)......423
Die beiderseitige Lage zu Beginn der neuen Kämpfe......423
Das Ringen vor Görz und die Begleitkämpfe bei Plava (28. bis
30. Oktober)................425
Der Kampf um den Mt. S. Michele in den letzten Oktobertagen (28.
bis 30. Oktober)...............429
Beurteilung der Lage und Ablösungspläne beim 5. Armeekommando
zu Ende Oktober...............435
Höhepunkt und Krise der dritten Isonzoschlacht (1. bis 4. November) . . 437
Neuerliche Durchbruchsversuche bei Plava.........437
Die Durchbruchsversuche auf der Hochfläche von Doberdö anfangs
November (31. Oktober bis einschließlich 2. November) . . . 440
Selte
Höhe und Abklang des Ringens vor Görz (1. bis 4. November) . . 444
Das Ausklingen der dritten Isonzoschlacht auf dem Karst (3. und
4. November)................449
Die Gebirgskämpfe im Spätherbst 1915 (Mitte Oktober bis Ende November) . . 452
Die Ereignisse an der Kärntner Front............452
Die vierte Isonzoschlacht (10. November bis 14. Dezember).......458
Entschlüsse der italienischen Heeresleitung..........458
Angriffsplan und Bereitstellung der italienischen Kräfte.....461
Die k.u.k. 5. Armee in Erwartung neuer Angriffe......464
Der Hauptangriff der italienischen 2. Armee auf Görz (10. bis 13. November) .................469
Die Nebenangriffe des italienischen II. Korps bei Plava (10. bis
12. November,...............473
Die Abwehr der italienischen Angriffe an der Karstfront am 10. und
11. November................474
Die italienischen Durchbruchsversuche zur doppelten Umfassung des
Mt. S. Michele (12. bis 15. November).........477
Die Maßnahmen zur Stützung der öst.-ung. Isonzofront.....481
Das Auseinanderbrechen der Schlacht in mächtige Einzelkämpfe bei Görz
und auf der Karsthochfläche (18. November bis 1. Dezember) . . . 484
Die planmäßige Zerstörung der Stadt Görz durch Artillerie und
Fliegerangriffe...............485
Der Abschluß der Kämpfe bei Plava (18. bis 30. November) . . . 490
Die Zangenangriffe des XI. und des XIII. Korps der Italiener gegen
den Mt. S. Michele (18. bis 26. November)........492
Das letzte Ringen um den Erfolg (26. November bis Anfang Dezember) . 499 Die Angriffe der Italiener am oberen Isonzo (26. November bis
1. Dezember)................499
Das Scheitern der italienischen Durchbruchsversuche gegen den Görzer
Brückenkopf (25. bis 29. November).........503
Die letzten vergeblichen Anstürme der Italiener auf dem Karst (27.
bis 30. November)...............506
Die Herbstkämpfe am Isonzo als Materialschlacht......512
Cadomas Heerführung und das Ergebnis der Herbstschlachten im Südwesten ...................516
Der Spätherbst 1915 an der russischen Front
Seite
Die Kämpfe im Polesie (16. Oktober bis 14. November)........523
Die allgemeine Lage an der Ostfront um die Mitte des Monats Oktober 1915..................523
Die Schlacht bei Czartorijsk (16. Oktober bis 14. November).....529
Russischer Durchbruch (16. bis 18. Oktober)........529
Die Einleitung des Gegenangriffes (19. bis 27. Oktober).....533
Verdrängen der Russen aus dem Styrbogen (28. Oktober bis 14. November) 537
Die Kämpfe bei Baranowicze (20. bis 22. Oktober)........543
Die Kämpfe in Ostgalizien (Ende Oktober bis Mitte November)......546
Die Gefechte bei Nowo Aleksiniec—Łopuszno (21. Oktober bis 3. November) 546
Der Vorstoß der Russen gegen das V. Korps........546
Die Gegenangriffe der Gruppen Kosak und Rozwadowski bei Łopuszno
und bei Panasówka..............54S
Die öst.-ung. Ostfront von Mitte November bis in die zweite Hälfte
Neue Angriffspläne der Russen..............559
Der Ausklang des Kriegsjahres 1915
Die letzten Ereignisse auf dem Balkan.............565
Der Vierbund und die Orientarmee der Entente.........565
Der Rückzug Sarrails nach Saloniki und die Räumung der Dardanellen
durch die Entente..............568
Das Jahresende auf dem Westbalkan............570
Conrads weitere Entschlüsse gegen Montenegro.......570
Kämpfe und Truppenverschiebungen an der montenegrinischen Grenze 571
Hilfeleistungen der Entente zugunsten der Serben......577
Die Pläne bei Freund und Feind zu Ende 1915...........580
Die Kriegspläne der Entente für das Jahr 1916 ......... 580
Die Kriegslage in der ersten Hälfte Dezember........580
Der zweite Kriegsrat von Chantilly...........582
Alexejews Befehl zum Angriff an der bukowinisch-ostgalizischen Front 584
Die Auseinandersetzungen im Lager der Mittelmächte.......585
Conrads Absichten gegenüber Italien..........585
Falkenhayns Entschluß zum Angriff auf Verdun . .....594
Entschluß Conrads zum Angriff gegen Montenegro und Albanien . . 596
Der persönliche Zwist zwischen Conrad und Falkenhayn .... 604
Personenverzeichnis...................609
Verzeichnis der öst.-ung. Truppenverbände............615
Verzeichnis der deutschen Truppenverbände...........620
Verzeichnis der bulgarischen Truppenverbände...........621
Ergänzungen und Berichtigungen zu den ersten drei Bänden......623
BEILAGEN- UND SKIZZENVERZEICHNIS
Lage auf dem Balkankriegsschauplatz Ende August 1915......Beilage 1
Lage und Verteilung der Kräfte am 1. September 1915......„ 2
Die Offensive der Verbündeten im Osten von Ende August bis Ende September 1915...................3
Die Schlacht am Sereth vom 9. bis 12. September 1915.......„ 5
Die Lage in Wolhynien am 20. September 1915........„ 7
Die zweite Offensive der Verbündeten gegen Rowno vom 23. bis 30. September 1915....................8
Die Lage auf dem Balkankricgsschauplatz anfangs Oktober 1915. Aufmarsch
bei Freund und Feind und Operationsplan Mackensens.....„ 9
Stromübergang der Heeresgruppe Mackensen. Lage der 3. und der 11. Armee am 11. und am 17. Oktober 1915 (Nebenskizze: Die Eroberung
von Belgrad)....................11
Lage auf dem Balkankriegsschauplatz in der Nacht auf den 14. Oktober 1915
beim Eingreifen der Bulgaren............„ 12
Allgemeine Lage auf dem Balkankriegsschauplatz am 17. und am 22. Oktober 1915....................13
Lage der 3. und der 11. Armee am 22. und am 29. Oktober 1915 ... „ 14
Lage auf dem Balkankriegsschauplatz am 29. Oktober 1915.....„ 15
Vormarsch der 3. und der 11. Armee vom 30. Oktober bis 22. November 1915 „ 16
Lage auf dem Balkankriegsschauplatz am 11. November 1915.....,, 17
Lage auf dem Balkankriegsschauplatz am 22. November 1915.....„ 18
Lage der Heeresgruppe Mackensen und der Truppen in BHD. am 28. November 1915....................19
Die italienischen Angriffe am oberen Isonzo vom 9. bis 19. September 1915 „ 20
Lage an der Kärntner Front Mitte Oktober 1915........„ 21
Lage am 18. Oktober 1915. Beginn der dritten Isonzoschlacht .... „ 22
Lage an der Isonzofront am 28. Oktober 1915.........„ 24
Die Lage beim Abschluß der dritten Isonzoschlacht am 4. November 1915 „ 25
Rundbildaufnahme der Karsthochfläche...........„ 26 a
Rundbildaufnahme der Isonzofront............,, 26 b
Lage am 10. November 1915 bei Beginn der vierten Isonzoschlacht . . . Beilage
Lage in Wolhynien und in Ostgalizien am 15. Oktober 1915.....„
Lage auf dem Balkan am 24. Dezember 1915.........„
Die Lage bei Łuck am 29. August 1915 abends........Skizze
Der 7. und der 8. September während der Schlacht am Sereth ... „
Das Eingreifen der 2. Armee in die Schlacht am Sereth (8. und 9. September) „
Die Lage in Wolhynien am 8. und 9. September........„
Die Lage in Wolhynien vom 10. bis 13. September........„
Russischer Vorstoß gegen die Strypa (12. bis 15. September).....„
Kämpfe bei Nw. Aleksiniec (13. bis 19. September)........„
Die Vorrückung des k.u.k. XII. Korps (28. August bis 30. September) . . „
Die Lage auf dem Karst am 7. September 1915.........„
Das Ortlergebiet..................„
Lage auf der Karsthochfläche am 23. Oktober 1915 abends.....„
Lage bei Görz und bei Plava am 3. November 1915.......„
Die dritte Dolomitenoffensive vom 18. Oktober bis 21. November 1915 . . „
Die italienischen Durchbruchs- und Umfassungsversuche auf dem Karst vom
12. bis 15. November 1915..............
Die italienischen Durchbruchsversuche bei Görz und die Begleitangriffe bei
Plava vom 18. bis 24. November 1915..........„
Die italienischen Durchbruchsversuche bei Oslavija Ende November 1915 . „
Die letzten Angriffe der Italiener auf dem Karst vom 27. bis 30. November „
Schlacht bei Czartorijsk vom 17. bis 19. Oktober 1915.......„
Schlacht bei Czartorijsk vom 20. Oktober bis 14. November 1915 ... „
Kämpfe bei Baranowicze am 20. und 21. Oktober 1915.......
Kämpfe bei Nw. Aleksiniec—Łopuszno vom 21. Oktober bis 3. November 1915 „
|
AOK. = Armeeoberkommando Baon. = Bataillon bh. = bosnisch-herzegowinisch BHD. = Bosnien, Herzegowina, Dalmatien Bt. = Batterie Det. = Detachement DionsKav. = Divisionskavallerie DOHL. = Deutsche Oberste Heeresleitung DonD.I (II)) DrinD., MorD., ŠumD., TimD. = Donau- (Drina-, Morava-, Sumadia-, Timok-) Division I. (II.) Aufgebotes DR., HR., UR. = Dragoner-, Husaren-, Ulanenregiment F = Feld FABrig. = Feldartilleriebrigade FHR., FHD. = Feldhaubitzregiment (-division) finn. = finnisch FJB. = Feldjägerbataillon FKR., FKD. = Feldkanonenregiment (-division) FlakBt., -Zug = Fliegerabwehrkanonenbatterie (-zug) FliegKomp. (-Abtlg.) = Fliegerkompagnie (-abteilung) Frw = Freiwilligen FsAR., FsABaon., FsAKomp. = Festungsartillerieregiment (-bataillon, -kompagnie) FsIBaon. = Festungsinfanteriebataillon GbAR. = Gebirgsartillerieregiment GbBrig. = Gebirgsbrigade GbSchR. = Gebirgsschützenregiment GdA., GdI., GdK. = General der Artillerie, Infanterie, Kavallerie Gen. = General GendBaon. (-Schwd.) = Gendarmeriebataillon (-schwadron) GFM. = Generalfeldmarschall (deutsch) GID., GKD., GKosD. = Gardéinfanterie-(-kavallerie-, -kosaken-) division (deutsch, russ.) |
GLt. = Generalleutnant (deutsch, russ.) GrzJKomp. = Grenzjägerkompagnie H ■ Honvéd HaBrig. = Halbbrigade Hb = Haubitze HHR. = Honvédhusarenregiment HID., HIBrig., HIR. = Honvédinfanterie-division (-brigádě, -regiment) ID., IBrig. = Infanteriedivision (-brigade) IR., IBaon. = Infanterieregiment (-bataillon) kauk. = kaukasisch KavKorps = Kavalleriekorps KavSchR., KavSchD. = Kavallerieschützenregiment (-division) KD., KBrig. = Kavalleriedivision (-brigade) KJR. = Regiment der Tiroler Kaiserjäger Kmdo. = Kommando Kn = Kanone KombD. = kombinierte Division (serb.) KombKD. = kombinierte Kavalleriedivision KosD., KosBrig. = Kosakendivision (-brigade) KSchBrig., KSchR. = Kaiserschützenbrigade (-regiment) Kub. = Kuban Lst = Landsturm LstArbAbtlg., LstArtAbtlg., LstSAbtlg. = Landsturmarbeiter- (-Artillerie-, -Sappeur-) abteilung LstEtBrig., LstEtR., LstEtBaon. = Landsturmetappenbrigade (-regiment, -bataillon) LstHusBrig., LstHusR., LstHusD. = Landsturmhusarenbrigade (-regiment, -division) LstTerrBrig. = Landsturmterritorialbrigade MaR., MaBaon., MaKomp., MaSchwd., MaBt. = Marschregiment (-bataillon, -kompagnie, -schwadron, -batterie) MG., MGAbtlg. = Maschinengewehr (-abteilung) Ms = Mörser |
|
MW., MWAbtlg. = Minenwerfer (-abteilung) Pß. = Pionierbataillon R = Reserve RD. = Reservedivision (deutsch, russ.) RdfBaon., RdfKomp. = Radfahrcrbatail-lon (-kompagnie) RIBrig., RIR. = Reserveinfanteriebrigade (-regiment) (öst., deutsch) rt. AD. = reitende Artilleriedivision rt. DSchD. = reitende Dalmatiner Schützendivision rt. SchR. = reitendes Schützenregiment rt. TKSchD. = reitende Tiroler Kaiserschützendivision |
RwBrig. = Reichswehrbrigade (russ.) SB. = Sappeurbataillon SchD., SchBrig. = Schützendivision (-brigade) (öst., russ.) SchR., SchBaon. = Schützenregiment (-bataillon) Schwd. = Schwadron sFHD. = schwere Feldhaubitzdivision sHbBt. = schwere Haubitzbatterie sib. = sibirisch Stawka = Russische Oberste Heeresleitung StSchBaon., StSchAbtlg. = Standschützenbataillon (-abteilung) TFKnBt. = Tiroler Feldkanonenbatterie TLstBaon. = Tiroler Landsturmbataillon |
Bei den Truppen sind die 1918 gültigen Bezeichnungen angewendet.
PLÄNE UND KRÄFTEAUFGEBOT FÜR DEN HERBST 1915
Die Kriegslage der Mittelmächte zu Ende August
Hiezu Beilagen 1, 2 und 3
Der Plan einer neuen Offensive gegen Serbien und der Abschluß des Bündnisses mit Bulgarien
Wie während des großen Siegeszuges der Verbündeten gegen Rußland im Sommer 1915 die Rückendeckung gegenüber dem neuen italienischen Feinde geschaffen wurde, ist am Schlüsse des II. Bandes geschildert worden. In zwei blutigen Isonzoschlachten und zahlreichen Gebirgs-kämpfen hatten die Verteidiger dem um ein Mehrfaches überlegenen, frisch aufgerüsteten Angreifer ein entschiedenes Halt geboten.
In Frankreich, wo eben noch bei Arras und La Bassée die Alliierten vergeblich die feste Mauer der Deutschen zu durchbrechen versucht hatten, waren am 7. Juli zu Chantilly unter dem Vorsitze des Kriegsministers Millerand die Militärbevollmächtigten Großbritanniens, Italiens, Rußlands, Belgiens und Serbiens zu einer Beratung darüber zusammengetreten, wie den hart bedrängten Russen Entlastung gebracht werden könnte1). Das erste Ergebnis war bescheiden genug. Es kam in der Folge im Ypernbogen, in den Argonnen, in den Vogesen zu zahlreichen Gefechtshandlungen kleineren und größeren Umfanges, bei denen jedoch nicht nur die Alliierten als Angreifer auf traten. Denn auch die Deutschen gingen bald da, bald dort zu Gegenstößen über, die mindestens den einen Erfolg hatten, den Feind nicht zur Ruhe kommen zu lassen.
Hinter dem Schauplatze dieser zum Teil nur örtlichen Kämpfe stiegen aber für den begreiflicherweise sorgenvollen Blick des deutschen Generalstabschefs, GdI. Erich v. Falkenhayn, außerordentlich düstere Gewitterwolken auf. Während die DOHL. eine Division nach der anderen auf den russischen Kriegsschauplatz abgezogen hatte, setzte Marschall Kitchener, Englands Kriegsminister, Staffel um Staffel seiner neuaufge-stellten Armee ans französische Land. Sie bestand wieder aus Freiwilligen, da das britische Kabinett noch nicht den Mut aufgebracht hatte, die all-
i) Kuhl, Der Weltkrieg 1914/18 (Berlin 1929), I, 268 ££.
gemeine Wehrpflicht einzuführen. Aber die Regierungsbill vom 7. Juli bereitete doch immerhin die allgemeine Arbeitspflicht vor, von der zur Wehrpflicht nur mehr ein Schritt war. Außerdem riefen Briten und Franzosen aus ihren Dominions und Kolonien Hunderttausende von Farbigen zum Kampfe gegen die Deutschen auf.
So verschob sich das Streiterverhältnis an der französischen Front immer mehr. Im Mai waren dort noch 1,900.000 Deutsche gegen 2,450.000 Entente Streiter gestanden; im Juli fochten nur mehr über 1,800.000 Deutsche gegen 2,830.000 feindliche Kämpfer. Als der September ins Land zog, konnte für den deutschen Generalstab kein Zweifel mehr bestehen, daß der Feind dieses Kräfteübermaß, mit dem auch die technische Ausrüstung seiner Heere Hand in Hand ging, zu einem neuen, die Entscheidung anstrebenden Schlag ausnützen werde. In der Tat waren auf Joffres Geheiß fast 70 Divisionen im Begriffe, in zwei gewaltigen Schlachthaufen aufzumarschieren, von denen der eine in Flandern nördlich von Arras, der andere in der Champagne östlich von Rheims zum Angriff schreiten sollten. Der Druck dieser beiden mächtigen Zangenarme sollte den nach Südwesten vor springen den Bogen der deutschen Front zermalmen.
Die in Frankreich drohenden Gefahren hatten Falkenhayn, je tiefer es in den Sommer ging, immer größere Sorge bereitet. Sie ließen ihn aber nicht davor zurückschrecken, neben der Fortführung des russischen Feldzuges noch andere, vom westlichen Kriegsschauplatz weit wegführende Pläne zu verfolgen, die ihn seit der Jahreswende immer wieder beschäftigt hatten: nun mochte es doch möglich werden, den Landweg nach Konstantinopel und nach den bedrohten Dardanellen zu öffnen!
Den Türken war es zwar geglückt, den Ende April angesetzten Landungsversuch der britisch-französischen Truppen in vielwöchigen schweren Kämpfen zu vereiteln; nur auf der äußersten Südspitze der Halbinsel Gallipoli hatte sich der Eindringling auf einem engen Stück Bodens zu behaupten vermocht. Der Siegeszug der Mittelmächte in Galizien hatte überdies die Gefahr zerstreut, die das im Frühjahr von den Russen bei Odessa zusammengezogene Expeditionskorps für Konstantinopel bedeutet hätte; dieses Korps mußte in rasch folgenden Staffeln auf die Schlachtfelder des russischen Südwestheeres geworfen werden. In weiterer Folge sollte auch der zweite große Landungsversuch der Ententestreitkräfte, der am 6. August einsetzte und zur dreiwöchigen Schlacht bei Anaforta führte, zu einem vollen Abwehrerfolg der vom preußischen GdK. und türkischen Marschall Liman von Sanders befehligten Ottomanen ausreifen. Trotzdem blieb die Lage an den Dardanellen auch weiterhin kritisch genug. Nach wie vor war es besonders der Mangel an Kriegsmitteln, der zu größter Sorge Anlaß bot, und dem, die Möglichkeit des Antransportes vorausgesetzt, nur die Mittelmächte abhelfen konnten.
Im November 1914 hatte Falkenhayn zwischen Mitteleuropa und Konstantinopel eine gesicherte Landverbindung für Schießbedarf und Kriegsgeräte dadurch zu gewinnen gehofft, daß er die Nordostecke Serbiens zu besetzen gedachte (Bd. I, S. 710). Da Bulgarien Kriegstransporte durchließ, wäre damit der Zweck erreicht gewesen. Zugleich wäre auch die Landverbindung Saloniki—Prahovo—untere Donau unterbunden worden, deren sich die Entente unter stillschweigender Billigung Rumäniens mitunter für Materialtransporte nach Rußland bediente. Auch nach der Räumung Serbiens durch die Armeen des FZM. Potiorek hielt der deutsche Generalstabschef eine Zeitlang noch an diesem Gedanken fest, während GO. Freih. v. Conrad damals sofort die Meinung vertrat, die Verbindung mit Bulgarien und der Türkei sei ausschließlich durch die Niederwerfung Serbiens anzustreben.
Im April wurden dann wirklich Pläne zu einem neuen Angriff gegen Serbien entworfen, deren Ausführung aber nicht nur von einer Mitwirkung der Bulgaren, sondern auch von der 100.000 türkischer Streiter abhängig gemacht ward. Das Ausbleiben der türkischen Mithilfe, bedingt durch den ersten Landungsversuch der Ententetruppen an den Dardanellen, ließ jedoch die Absicht zunächst wieder zurückstellen, deren Ausführung auch durch das Zögern Bulgariens, den Bruch mit Italien und die Kriegslage in Nordosten mehr als fraglich geworden war.
In den folgenden Wochen, während der Stoßkeil der Verbündeten gegen Lemberg vordrang, trat die Hoffnung stärker in den Vordergrund, von Rumänien, das sich bisher hartnäckig geweigert hatte, die Erlaubnis zur Durchfuhr von Kriegsmitteln nach der Türkei zu erlangen. In Deutschland erblickte man selbst in der Abtretung der südlichen Bukowina an Rumänien keinen zu großen Preis, um dieses Ziel zu erreichen. Wie es scheint1), gelang es der Reichsleitung sogar, für einen solchen Gedanken den ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tisza zu gewinnen, der wohl jede Abtretung ungarischen Bodens entschieden ablehnte, aber Zugeständnissen auf Kosten Österreichs nicht ganz abhold war. Auch der geschäftige Erzberger war in Wien und Budapest in solchem
!) Burián, Drei Jahre aus der Zeit meiner Amtsführung im Kriege (Berlin 1923), 54 ff.; Tisza, Briefe 1914—1918, I (Berlin 1928), 250 ff.; E r z b e r g e r, Erlebnisse im Weltkrieg (Stuttgart 1920), 104 ff.
Sinne tätig. Der Außenminister Baron Burián vertrat jedoch die Auffassung, daß Gebietsabtretungen an Rumänien nur dann in Frage kommen konnten, wenn sich dieses zu tätigem Mitgehen an der Seite der Mittelmächte entschloß. Er stellte denn auch in den Tagen nach der Wiedereroberung von Lemberg an den rumänischen Ministerpräsidenten Jonel Bratianu ein auf einen Monat befristetes Anbot solchen Inhalts. Bratianu lehnte jedoch die MunitionsdurchfuLr neuerlich ab und ließ die anderen Anbote Buriáns unbeantwortet. Er hatte in denselben Wochen auch die Zustimmung der Alliierten zu den hochgespannten Forderungen erhalten, von deren Erfüllung er, vorerst wohl um Zeit zu gewinnen, den Anschluß Rumäniens an die Entente abhängig gemacht hatte; nur sollte er sich dafür verpflichten, binnen fünf Wochen in den Krieg einzutreten. Aber Bratianu hielt den Augenblick noch nicht für gekommen, sich schon für eine der Parteien zu entscheiden1).
Dafür hatte vier Wochen nach Gorlice Bulgarien zu erkennen gegeben, daß es die Stunde herankommen sehe, sich an die Seite der Mittelmächte zu stellen. Wie nicht anders zu erwarten war, wollte es diesen Schritt auch jetzt noch nicht ohne weitgehende Sicherungen und Bürgschaften tim. Sein Begehren richtete sich nicht nur auf den Besitz Mazedoniens bis zur Enge von Kačanik hinauf2), sondern auch des serbischen Bodens östlich der unteren Morawa und der zwischen ihren beiden Quellflüssen aufsteigenden Wasserscheide. Traten Rumänien oder Griechenland an die Seite der Entente, so sollte Bulgarien auch noch die Landstriche erhalten, die ihm diese beiden Staaten im Friedensschluß von Bukarest (1913) abgenommen hatten. Der gesamte alte und der neuerworbene Besitzstand wäre den Bulgaren durch die Mittelmächte in einem auf 15 Jahre erstreckten Bündnisverträge zu verbürgen, ein bei den vielfachen Konfliktstoffen auf dem Balkan besonders weitgehender Wunsch. Schließlich machte Bulgarien sein Auftreten gegen die Entente noch davon abhängig, daß ihm die Türkei schon vorher Adrianopel und einen Bodenstreifen längs der Maritza überließ. Die Verhandlungen zwischen Sofia und Konstantinopel hatten unter deutscher Mitwirkung bereits begonnen.
Falkenhayn, der die Gewinnung Bulgariens seit jeher mit besonderem Nachdrucke betrieben hatte, langte mit beiden Händen zu. Die durch ein Eingreifen Bulgariens gesicherte Offensive gegen Serbien sollte nicht nur die Türken aus schwerer Not befreien, sondern die Welt auch einem Ziele näher bringen, dessen Erreichung die Generalstäbe vom Sommerfeldzug in Rußland vergeblich erhofft hatten. Weder die Wiedereroberung Lembergs noch die Einnahme von Warschau und Brest-Litowsk waren imstande gewesen, den Kriegswillen des Zarenreiches zu brechen. Vielleicht mochte Petersburg dann einlenken, wenn es durch einen siegreichen Krieg der Mittelmächte auf dem Balkan dortselbst neuerlich an Geltung verloren hatte und die Hoffnung auf eine baldige Öffnung des Seeweges zu den Alliierten ebenso in nebelhafte Fernen schwinden sah wie den Sehnsuchtstraum, das Doppelkreuz der russisch-orthodoxen Kirche auf der Hagia Sophia aufpflanzen zu können1).
GO. Conrad stand, sosehr er die Bedeutung der Dardanellenfrage einzuschätzen wußte, der neuen Wendung der Dinge mit geteilten Gefühlen gegenüber. Vor allem empfand er aus dem Blickfelde der öst.-ung. Kriegführung die Nötigung, gegenüber Serbien durch einen neuen Feldzug reinen Tisch zu schaffen, nicht für übermäßig dringend. So schwer die politischen und militärischen Folgen der Katastrophe von Arangjelovac, Dezember 1914, sonst ins Gewicht gefallen sein mochten (Bd. I, S. 762) — die Offensive des FZM. Potiorek hatte doch auch der serbischen Armee das Rückgrat gebrochen. Ohne einen Fuß auf den Boden Österreich-Ungams gesetzt zu haben und auch sonst von mannigfacher Unbill heimgesucht, lag das serbische Heer samt seinem montenegrinischen Kampfgenossen seit Monaten untätig und taub gegen alle Mahnungen der Alliierten, zumal auch Rußlands, in seiner Heimat und an deren Grenzen. Dieses Verhalten hatte es der k.u.k. Heeresleitung seit Jahresbeginn ermöglicht, von den Balkanstreitkräften Division um Division nach den anderen Kriegsschauplätzen zu entführen. Der Karpathenkrieg wurde zu einem nicht unerheblichen Teile aus diesem Sammelbecken gespeist, den Italienern konnten gleich zu Beginn zwei der besten Korps (XV. und XVI.) entgegengeworfen werden und im Laufe der folgenden Monate noch weitere Heereskörper. Auch der Sommerkrieg gegen Rußland zog in Augenblicken der Spannung Vorteile aus der Lage an
*) Falkenhayn, Die Oberste Heeresleitung in ihren wichtigsten Entscheidungen (Berlin 1929), 136. Über die Zugeständnisse der Entente an Rußland in der Frage Konstantinopels vgl. vor allem A d a m o w, Die Europäischen Mächte und die Türkei während des Weltkrieges (deutsche Ausgabe, Dresden 1930), I, 138 ff-, II, 83 ff.
der serbischen Grenze. Die drei deutschen Divisionen, die nach dem Auftreten Italiens als Ersatz für die beiden „bosnischen“ Korps nach dem Südosten entsendet worden waren, konnten alsbald wieder gegen Rußland eingesetzt werden; nur ein Bataillon blieb zur Täuschung des Feindes zurück und hatte seine Helme fleißig in allen möglichen Teilen des Grenzgebietes zu zeigen. Ende Juli war die Save-Donaufront von mobilen Truppen fast ganz entblößt, und auch Ende August hatte der Befehlshaber der k.u.k. Balkanstreitkräfte, GdK. v. Tersztyánszky, hinter dem dünnen Schleier der Strombewachung nur zwei eben erst aus den Flußsicherungen gebildete mobile Landsturmbrigaden, die überdies zu Befestigungsarbeiten auf einem weiten Raum verstreut waren. Nicht besser sah es im Bereiche des kommandierenden Generals in BHD., GdI. v. Sarkotić, aus, der eben im Begriffe war, aus seinen 40.000 Milizleuten einige für den Feldkrieg geeignete Verbände herauszuschälen.
Daß die Serben diesen Maßnahmen tatenlos zusahen, konnte dem öst.-ung. Generalstabschef begreiflicherweise nicht unwillkommen sein. Er erblickte in diesem Verhalten sogar die Möglichkeit, mit dem Savekönigreich zu einer politischen Verständigung zu gelangen, und kam noch in den Tagen, in denen an die Unterzeichnung des Bündnisses mit Bulgarien geschritten wurde, darauf zurück, ohne daß sich sein Wunsch erfüllen ließ. So kostete es ihn denn zeitweilig einige Überwindung, dem ungestümen Drängen seines reichsdeutschen Kollegen Gefolgschaft zu leisten, das heißt zuzustimmen, daß man über den bis auf weiteres lahmgelegten Feind herfalle, indes im Nordosten Lemberg noch ganz nahe hinter der Front lag, und indes es am Isonzo wie ein Wunder anmutete, daß der der Armee Boroevic drei- und vierfach überlegene Feind noch keine ins Herz des Reiches führende Bresche zu schlagen vermocht hatte. Auf jeden Fall war, wenn es zu dem vor allem durch Falkenhayn betriebenen Balkanunternehmen kam, an die Durchführung des Gegenstoßes gegen Italien, den Conrad nach wie vor für besonders wichtig hielt, im Jahre 1915 nicht mehr zu denken.
Diesen militärischen Erwägungen gesellte sich beim öst.-ung. Generalstabschef in der Erinnerung an Bulgariens Politik während der letzten Balkanwirren noch ein starkes Mißtrauen gegenüber dem neuen Bundesgenossen bei. Ein 15jähriges Bündnis lehnte er entschieden ab. Ebenso sprach er sich gegen die Abtretung Ostserbiens an Bulgarien aus, weil er durch ein solches Zugeständnis die Lebensfähigkeit des übrigbleibenden Serbiens in Frage gestellt und auch wichtige Interessen des Donaureiches berührt wähnte. Mit besonderem Unbehagen glaubte Conrad überdies wahrnehmen zu müssen, daß Deutschland nun auch in den für Österreich-Ungarn so bedeutsamen Balkanfragen die Führung ganz an sich zu reißen im Begriff sei — dies, obgleich die Gewinnung Bulgariens eigentlich den Schlußpunkt einer Politik bildete, die das Wiener Kabinett seit 1908 gegenüber den von Berlin verfochtenen Auffassungen vertreten hatte1). Ein niederschmetternder Beweis hiefür bot sich ihm gleich bei den ersten Verhandlungen mit Falkenhayn und dem Ende Juli in Pleß erschienenen bulgarischen Militärbevollmächtigten Obst. Gantschef f. Dieser machte sofort das militärische Einschreiten Bulgariens davon abhängig, daß den Oberbefehl über die gegen Serbien aufgebotenen verbündeten Streitkräfte ein deutscher General erhalte. Für Conrad war es eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß dieser Posten einem öst.-ung. Heerführer zukam, aber er mußte der Berufung des GFM. v. Mackensen zustimmen. Einen Monat später, knapp vor Unterzeichnung der Verträge, trat der Vertreter Bulgariens mit der weiteren Forderung hervor, die Militärkonvention habe ausdrücklich zu sagen, daß Mackensen an die Weisungen der deutschen (also nicht der öst.-ung.) Heeresleitung gehalten sei2). Da Conrad eine solche neuerliche Zurücksetzung Österreich-Ungarns für unannehmbar erklärte, verfiel man durch Vermittlung des GM. Cramon auf den Ausweg, die Angelegenheit in der Militärkonvention überhaupt unerwähnt zu lassen, indes eine geheime Abmachung zwischen Teschen und Pleß festsetzte, daß die Weisungen für Mackensen gemeinsam zu beschließen, aber durch die öst.-ung. Heeresleitung auszugeben seien3). Bei Conrad ließen diese Erlebnisse eine tiefe Verstimmung zurück, die vor allem auf die Beziehungen zum deutschen Kollegen abfärben sollte.
x) Vgl. darüber zahlreiche Aktenstücke bei B i 11 n e r und Uebersberger, Österreich-Ungams Außenpolitik von der Bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914 (Wien 1930).
2) Cramon, Unser österreichisch-ungarischer Bundesgenosse im Weltkriege (2. Aufl., Berlin 1922), 31 ff.
3) „Damit schien“, schreibt Cramon, „der heikle Punkt fürs erste bereinigt. Aber schon nach wenigen Tagen gab es neue Schwierigkeiten, als Conrad in einem Schreiben an Falkenhayn den Wunsch aussprach, daß Mackensen schon den ersten Befehl durch das Armeeoberkommando Teschen zu erhalten hätte. Falkenhayn erwiderte, daß Mackensen die erste Anweisung unbedingt durch die deutsche Oberste Heeresleitung zu bekommen hätte, weil Mackensen deutscher Offizier wäre; wäre er österreichischer, so hätte nach Anschauung Falkenhayns zu einer solchen Befehlsgebung nur das k.u.k. Oberkommando ein Recht. Conrad stimmte schließlich zu, und Falkenhayn teilte am
18. September nach Tcschen mit, daß zwei Tage zuvor die Anweisung Mackensens durch den Deutschen Kaiser persönlich erfolgt wäre, ,wie dies nach deutscher Auffassung unerläßlich war1.“
Inzwischen hatte es aber auch die Entente nicht an Versuchen fehlen lassen, Bulgarien noch in elfter Stunde zu sich herüberzuziehen. Selbstverständlich hätte dies nur auf Kosten Serbiens geschehen können, in dessen Händen sich das von Bulgarien begehrte Mazedonien befand. „Doch wehrte sich die serbische Regierung gegen ein solches Ansinnen so lange als möglich mit allen Kräften. Eher werde sie, ließ sie den Alliierten sagen, ganz Serbien Österreich übergeben, als ein so schmähliches Opfer darzubringen. Um das Königreich in letzter Stunde doch noch zum Einlenken zu bringen, sicherten am 17. August die Gesandten der Großmächte in Nisch den Serben feierlich zu, daß man ihnen als Entgelt für das mazedonische Opfer Bosnien, die Herzegowina, Süddalmatien, Syrmien und die Bácska zukommen lassen werde. Rußland, England und Frankreich erklärten gegen den Willen Italiens zudem noch, daß man auch den Anschluß der Kroaten an Serbien fördern werde, wenn es deren Wunsch sei1).“ Wohl oder übel hatte sich die Skupschtina schon Mitte August entschließen müssen, in geheimer Sitzung grundsätzlich in die Abtretung mazedonischen Gebietes an Bulgarien einzuwilligen, wenn dieses dadurch für den Anschluß an die Entente gewonnen werden könnte.
Aber Bulgarien hörte weder mehr auf diese Verlockungen noch auf die Mahnungen Rußlands, die slawisch-orthodoxe Blutsgemeinschaft nicht zu zerreißen. Es schloß am 6. September 1915 mit den Mittelmächten ab. Einem diplomatischen Hauptvertrag, der ein nicht für 15, sondern nur für fünf Jahre geltendes Verteidigungsbündnis zum Inhalt hatte, waren ein geheimes Zusatzabkommen und eine Militärkonvention angeschlossen. In dem Zusatzabkommen sicherten die Mittelmächte den Bulgaren alle serbischen, für den Fall eines Krieges mit Rumänien oder Griechenland auch alle rumänischen und griechischen Gebiete zu, die sie gefordert hatten. Auch Ostserbien befand sich darunter. Die deutsche Reichsleitung hatte diesem Wunsche in dem Augenblicke, da er ausgesprochen worden war, zugestimmt, und Burián fügte sich, damit auch den Auffassungen seines Freundes Tisza entgegenkommend, der sich wohl gegen die Einverleibung größerer serbischer Gebiete durch Österreich-Ungarn aussprach, im übrigen aber jede Verkleinerung Serbiens nachdrücklich befürwortete, weil er, im Gegensätze zu Conrad, ein möglichst eingeengtes, wenig lebensfähiges Serbien für die erstrebenswerte Zukunftslösung hielt. Außerdem wurde den Bulgaren ein Darlehen von 200 Millionen Francs in vier Monatsraten zugesichert.
1) Glaise-Horstenau, Die Katastrophe — Die Zertrümmerung ÖsterreichUngarns und das Werden der Nachfolgestaaten (Wien 1929), 48 f.
Die Militärkonvention verpflichtete Österreich-Ungarn und Deutschland, je sechs Divisionen, Bulgarien, deren vier, von denen jede jedoch organisationsgemäß drei Brigaden stark war, gegen Serbien anzusetzen; der Zweck dieses Kräfteaufgebotes war, „die serbische Armee zu schlagen“, wo man sie fand, und „baldmöglichst die Verbindung über Land zwischen Ungarn und Bulgarien zu öffnen und zu sichern“. Eine weitere bulgarische Division sollte aus Südbulgarien geradewegs in Mazedonien einfallen. Bulgarien hatte fünf Tage nach Unterzeichnung der Verträge mobilzumachen und dreißig Tage später, fünf Tage nach den Verbündeten, gegen Serbien vorzugehen. Es verpflichtete sich, gegenüber Rumänien und Griechenland die Neutralität zu wahren, wenn diese beiden Länder neutral blieben; dafür hatten die beiden Mittelmächte jeden Staat, der Bulgarien angreifen mochte, als ihren Feind zu behandeln. Weitere Punkte galten der Mitwirkung Deutschlands an der Sicherung Bulgariens gegen die Küsten des Schwarzen und des Ägäischen Meeres sowie einer etwaigen Mitwirkung türkischer Truppen an den Kriegshandlungen, an denen Bulgarien teilnahm.
Am gleichen 6. September wurde das Abkommen zwischen Sofia und Konstantinopel geschlossen, das den Bulgaren Adrianopel und den gewünschten Landerwerb an der Maritza einbrachte.
Die militärischen Maßnahmen gegen Rußland
Während die Mittelmächte das Eisen mit Bulgarien schmiedeten, hatten ihre Heere die Russen an den Westrand der Pripjatjsümpfe zurückgetrieben. Am 17. August war Kowno, am 26. Brest-Litowsk gefallen. Für Falkenhayn hatte der Ostkrieg im allgemeinen das gehalten, was er ihm versprochen. Die russischen Millionenarmeen waren ins Mark getroffen, hatten unerhörte Menschenverluste und Einbußen an Gerät (Bd. II, S. 729) erlitten, waren weit gegen das Innere ihres Reiches zurückgedrängt und allem Anschein nach auch der Fähigkeit zu größeren Angriffshandlungen mindestens auf längere Zeit verlustig geworden. Mehr hatte sich der Leiter der deutschen Kriegführung nicht erwartet. Es war, aus seinem Blickfeld gesehen, nur folgerichtig gewesen, wenn er schon am 3. August Conrad mitgeteilt hatte, daß er den Angriffsfeldzug als beendet ansehen werde, sobald die Linie Brest-Litowsk—Grodno erreicht sei (Bd. II, S. 667). Schon rief der Balkan zu neuen Taten!
Der öst.-ung. Generalstabschef lehnte diesen Gedanken zunächst nicht ab. Allerdings erhoffte er sich damals noch, daß es bis zum Erreichen der von Falkenhayn bezeichneten Linie noch gelingen werde, durch weit ausholende Umfassungen einen tiefer greifenden Erfolg zu erringen. Diese Hoffnung gab Conrad erst eine Woche später auf (Bd. II, S. 668). Sofort hatte er freilich die Sorge um Lemberg geltend gemacht, das nur zwei Tagmärsche von den Russenstellungen entfernt lag. Diese Sorge bildete denn auch keinen geringen Anstoß zur Verwirklichung der Pläne, die in der nächsten Zeit den regen Geist des öst.-ung. Führers befaßten. War es schon nicht mehr möglich, den Russen diesseits von Brest-Litowsk eine entscheidende Niederlage beizubringen, vermochten sie sich schon in diesem Raume immer wieder dem Drucke der Verbündeten zu entziehen, so sollte doch die nunmehr eintretende Trennung der russischen Massen ausgenützt werden, indem der südliche Teil der feindlichen Armeen von Kowel her in der offenen, kaum geschützten Flanke gefaßt und gegen Südosten abgedrängt wurde. Damit vermochte man auch am besten der Entlastung Lembergs zu dienen, wobei die gleichzeitigen Angriffsabsichten des GdK. v. Böhm-Ermolli (Bd. II, S. 702) nur zu begrüßen waren.
Es ist bereits geschildert worden (Bd. II, S. 701 ff.), daß Falkenhayn den Plänen seines öst.-ung. Kollegen zunächst mancherlei Bedenken entgegensetzte, aber schließlich, am 18. August, doch einwilligte. In denselben Tagen setzten GFM. v. Hindenburg und GM. Ludendorff ihren Willen durch, den nördlich des Polesie weichenden russischen Massen über Wilna und Minsk die Flanke abzugewinnen. Allerdings konnte der deutsche Generalstabschef dem Vorschlag Conrads nicht willfahren, den Armeen Hindenburgs Kräfte aus dem Raume von Brest-Litowsk zuzuweisen. Diese seien, — schrieb er am 26. August — „ohne zunächst den Griff an des Feindes Gurgel zu lockern“, an die untere Donau zu senden.
Zwei Tage später, am 28. August, erteilte Falkenhayn für den deutschen Teil der Heeresfront gegen Rußland die neuen Weisungen. Der Heeresgruppe Hindenburg wurde vorgeschrieben, die von ihr nördlich vom oberen Narew und östlich vom mittleren Njemen eingeleiteten Operationen bis zur größtmöglichen Schädigung des Feindes durchzuführen. Gleichzeitig wurde dem Generalfeldmarschall bereits der Ausbau einer Dauerstellung empfohlen, die sich von der Mündung der Narewka in den Narew bis zur Ostsee, zum Rigaischen Meerbusen oder bis Libau erstrecken sollte. Auch wurde ihm bedeutet, daß in nicht ferner Zeit die Notwendigkeit eintreten könne, zehn bis zwölf Divisionen für andere Kriegsschauplätze herauszuziehen.
Die Heeresgruppen Mackensen und Prinz Leopold von Bayern sollten nach den oben erwähnten Weisungen der DOHL. mit der Masse ihren Vormarsch nach Osten im Sumpfgebiet östlich der Linie Ratno—Kobrin— Szereszowo einstellen und nur mit kleineren gemischten Verbänden auf allen Straßen am Feinde bleiben. Von der Mündung der Ucherka in den Bug bis zum Zusammenfluß der Narewka mit dem Narew sollte eine Dauerstellung ausgebaut werden x).
Inzwischen war durch die Einnahme von Kowel am 24. August (Bd. II, S. 706) auch die Ausgangsanlage für den von Conrad geplanten Angriff gegen das russische Südheer geschaffen worden. Die Zeit schien umsomehr zu drängen, als mancherlei Anzeichen auf einen Abmarsch der bisher östlich von Wladimir-Wołyński verbliebenen Russen hindeuteten. Die k.u.k. Heeresleitung erteilte am 25. August ihren Armeen voller Zuversicht den Befehl, den Angriff am 27. mit den zur Stelle befindlichen Kräften zu beginnen. Der zunächst durch die 1. Armee des FZM. v. Puhallo gebildete Nordflügel hatte von Kowel und Władimir-Wo-łyński auf Łuck vorzudringen, um den hinter dem oberen Bug und der Złota Lipa stehenden Feind von Norden her zu überflügeln. Gleichzeitig war der Russe in Ostgalizien durch die inneren Flügel der 2. und der Südarmee auf den Höhen südlich der Bahn Krasne—Brody zu durchbrechen und aus Ostgalizien zu vertreiben. Das äußerste Ziel sollte der Zbrucz und die Linie Ostróg—Łuniniec sein.
Gleichzeitig hieß es, den Abtransport von sechs Divisionen nach dem Balkankriegsschauplatz im Sinne der vor dem Abschluß stehenden Militärkonvention mit Bulgarien (S. 11) vorzubereiten. Dazu standen die Kräfte zur Verfügung, die sich eben aus der Heeresgruppe Mackensen auslösten. Nach den am 28. August bestehenden Absichten der Heeresleitung sollte das VIII. Korps mit der 37. HID. und der 106. LstlD. aus dem Verbände der 4. Armee ausscheiden und sich bei Iwangorod zum Abrollen nach dem Südosten bereitstellen. Das XVII. Korps (11. ID. und 41. HID.) sowie die 1. und die 3. polnische Brigade waren nach Cholm gewiesen, wo sie am 3. September eintreffen konnten, um entweder in der Richtung auf Kowel bei der 1. Armee eingesetzt zu werden oder — ohne die Polen — die Bahn zur Fahrt auf den Balkankriegsschauplatz zu besteigen. Das VI. Korps schied, durch den GFM. Mackensen mit besonderer Anerkennung bedacht, aus den Reihen der Bugarmee und hatte
x) Falkenhayn, Heeresleitung, 113ff.; Cramon, 25f.; Kuhl, 242ff.; Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen 1914—1918 (Berlin 1919 und 1920), 129; Foerster, Graf Schlieffen und der Weltkrieg (2. Aufl., Berlin 1925), I, 61 ff.; Kritik des Weltkrieges, Von einem Generalstäbler (Leipzig 1920), 149 ff.
sich hinter dem XVII. nach Cholm in Marsch zu setzen. Schon in den nächsten Tagen traten aber in den Absichten der Heeresleitung einige 'Änderungen ein. Die 37. HID. sollte bei der 7. Armee die innerösterreichische 6. ID. ablösen, die zur Verteidigung ihrer engeren Heimat an den Isonz;o abgehen sollte. Ebenso wurde die 106. LstlD. für den italienischen Kriegsschauplatz bestimmt. Dafür sollten zwei balkangewohnte, besonders ausgerüstete Divisionen, die 57. und die 59., vom Isonzo nach Syrmien verschoben werden. Das XVII. Korps wurde mit der 41. HID. nach Lublin, mit der 11. ID. nach Rawa Ruska gewiesen; in den zweitgenannten Raum hatten auch die zwei Divisionen des VI. Korps zu gelangen. Alle vier Divisionen waren für den Balkan bestimmt. Das Schicksal wollte es jedoch anders.
* 3
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„So wuchs“, schreibt Hermann Stegemann1), „der Feldzug, der dem Conradschen Gedanken eines Durchbruchs bei Gorlice entsprungen war, in den letzten Tagen des August 1915 zu neuer operativer Gestaltung und zu wahrhaft tragischer Höhe. Er griff von dem brennenden Brest-Litowsk wieder nach den Flügeln aus und brachte alle deutschen und öst.-ung. Kräfte in Bewegung. Er erfüllte die zu unendlicher Weite gestreckte kriegerische Bühne von der Mündung der Düna bis zur Quelle des Bug mit einer Reihe strategisch verketteter Schlachten, vermied aber im letzten Augenblick mit Bedacht die lockende Tiefe des Raumes, in der einst Napoleons Stern über dem brennenden Moskau untergegangen war.“
Gleichzeitig schickte sich der Krieg aber auch an, dahin zurückzukehren, von wo er ausgegangen war: auf die Balkanhalbinsel. Die Mittelmächte hatten auf dem blutigen Schachbrett des Weltringens durch die Gewinnung Bulgariens einen neuen, bedeutsamen Zug vorbereitet. Es war die große Frage, ob und wie weit es der Entente gelingen werde, einen entsprechend wirksamen Gegenzug zu führen. Das Feld, von dem dieser ausgehen konnte, war wohl schon offenkundig: Saloniki und das Land am unteren Vardar, also griechischer Boden. Deutschland tat alles, die Stellung des deutschfreundlichen, an der Neutralität festhaltenden Königs Konstantin zu stützen. Aber die Entente hatte sich in Venizelos keinen weniger bedeutsamen Bundesgenossen gesichert. Die Schicksalhaftigkeit des Raumes, wo einst die berühmte Via Egnatia aus der thessalischen Ebene ins Gebirge abschwenkte, begann sich im Hintergründe alles Weltgeschehens bereits abzuzeichnen.
x) Stegemann, Geschichte des Krieges, III (Stuttgart 1919), 363.
der an den öst.-ung. Fronten fechtenden verbündeten und feindlichen Armeen in den Herbstkämpfen 1915
Diesen Zusammenstellungen wurden als Stichtage zugrunde gelegt: für den nordöstlichen Kriegsschauplatz der 1. September, für den Balkan der 6., für die Südwestfront der 15. Oktober und für die Flotte der 30. September 1915.
A. Russischer Kriegsschauplatz
HEERESGRUPPE ERZHERZOG JOSEPH FERDINAND Kmdt.: GdI. ERZHERZOG JOSEPH FERDINAND
Gstbsdief: Obst. Ritt. v. Paić
Kmdt.: GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand
Gstbsdief: Obst. Ritt. v. Paić
4. KD.: GM. Berndt1)
18. KBrig.: Obst. Weisz v. Sdileussenburg, DR. 9 (4), UR. 1 (4)
21. KBrig.-. GM. Gf. Marenzi, DR. 15 (4), UR. 13 (4)
KavSchD. 4 rt. AD. 11 (3)
640 Feuergewehre, 1640 Reiter, 9 Gesdi.
7. KD.: GM. Ritt. v. Micewski
11. KBrig.: GM. v. Mold, DR. 10 (6), UR. 2 (6)
20. KBrig.: GM. v. Le Gay, DR. 12 (5), UR. 3 (5)
KavSdiR. 7
rt. AD. 1 (4) .
850 Feuergewehre, 2750 Reiter, 16 Gesdi.
31 Baone., 7 Sdiwd., 23 Bt., 5 techn. Komp./ 20.049 Feuergewehre, 553 Reiter, 92 Gesch.
Gstbschef: Obst. Göttlicher
2. ID.: FML. Edl. v. Sellner
3. IBrig.-. GM. Klein, IR. 40 (3), bh. 4 (2), FJB. 4
4. IBrig.: GM. Prusenowsky, IR. 89 (3), 90 (3)
DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. rt. SdiR. 3, 1. Sdiwd. LstHusD. 5
2. FABrig.: Obst. Edl. v. Rosenzweig, FKR. 29 (4), I. Dion. FHR. 10 (2)
4. Komp. SB. 10 ,
6433 Feuergewehre, 165 Reiter, 23 Gesch.
3. ID.: FML. Edl. v. Horsetzky
5. IBrig.: GM. Richard Müller, IR. 59 (3), 21 (2)2)
15. IBrig.: Obst. v. Vitorelli, IR. 14 (3)
DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. rt. SchR. 6
3. FABrig.: Obst. Edl. v. Zwiedinek, FKR. 42 (5), II. Dion. FHR. 14 (2),
1. u. 2. Bt. sFHD. 14
1. Komp. SB. 14
6257 Feuergewehre, 119 Reiter, 45 Gesch.
21. SdiD.3): GM. Podhajský
41. SchBrig.: GM. Keki, SchR. 6 (3), 7 (2)
42. SchBrig.: Obst. Hansmann, SchR. 8 (2), 28 (3) k. k. LstlBaon. 54
DionsKav.: 1. u. RSchwd. DR. 14
21. FABrig.: Obst. Vollgruber, FKR. 23 (4), FKD. 21 (2), FHD. 21 (2)
2. Komp. SB. 1
7359 Feuergewehre, 269 Reiter, 24 Gesch.
Korpsunmittelbar: 3. Komp. PB. 3, 1. Komp. PB. 9
22 Baone., 7 Schwd., 20 Bt., 1 techn. Komp.,- 17.443 Feuergewehre, 600 Reiter, 98 Gesch.
Gstbschef: GM. v. Kralowetz
24. ID.: GM. Urbar z
47. IBrig.: GM. Ritt. v. Unschuld, IR. 9 (2), 45 (2)
48. IBrig.: Obst. Korzer, IR. 10 [2^), 77 (2)
SchR. 30 (2)4)
DionsKav.: RSchwd. UR. 6, 3. u. 4. Sdiwd. rt. SchR. 3, 3. Schwd. LstHusD. 5
24. FABrig.: Obst. Uherek, FKR. 30 (5), 3. u. 4. Bt. FHR. 10, 1. u. 2. Bt. sFHD. 10 8140 Feuergewehre, 336 Reiter, 47 Gesch.
62. ID.: GM. Tunk
121. IBrig.: Obst. Edl. v. Merten, SchR. 16 (3), k. k. LstlR. 13 (3)
123. IBrig.: GM. Schaible, IBaone. IV/8, IV/49, komb. FJR. fö1/?,)5)
DionsKav.: RSchwd. DR. 11, RSchwd. UR. 13
62. FABrig.: Obst. Honig, III. Dion. FKR. 2 (2), II. Dion. FKR. 20 (3),
9 cm KnDion. III Budapest (2)
2. Komp. SB. 2
9303 Feuergewehre, 140 Reiter, 35 Gesch.
Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 3,- 1. u. 2. Bt. sFHD. 6 6), sHbBt. 41 6), 42,- 124 Reiter, 16 Gesch.
x) Das XIV. und das X. Korps bilden mit dem KavKorps GM. Berndt bis zum
7. September die Gruppe GdI. Roth. — 2) Von der 10. ID. — 3) Ab 2. September dem
IX. Korps unterstellt. — 4) Von der 26. SchD. — 5) Zusammengesetzt aus dem FJB. 31,
dem bh. FJB. 1 und deren Marschformationen. — 6) Vom VI. Korps.
21 Baone., 6 Schwd., 23 Bt., 3 techn. Komp.,- 17.200 Feuergewehre, 837 Reiter, 101 Gesdi.
Gstbsdief: Obst. v. Krammer 10. ID.1): FML. Edl. v. Mecenseffy
19. IBrig.: GM. v. Iwański, IR. 62 (3), 82 (3) 2)
20. IBrig.: GM. Reymann, IR. 18 (2), 98 (2), FJB. 2, 12
DionsKav.: 8. Schwd. HR. 2, 5. u. 6. Schwd. rt. SchR. 2
10. FABrig.: Obst. Blaha, FKR. 25 (7), I. Dion. FHR. 9 (2)
4. Komp. SB. 9
9700 Feuergewehre, 477 Reiter, 45 Gesch.
26. SchD.: FML. Lischka
51. SchBrig.: Obst. Ritt. v. Zygadiowicz, SchR. 11 (2), 12 (2)
52. SchBrig.: Obst. Sdiolze, SchR. 9 (2), 10 (3)
DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. rt. SchR. 2
26. FABrig.: GM. v. Heimeridi, FKR. 26 (4), FKD. 26 (2), FHD. 26 (2)
5. Komp. SB. 9
7500 Feuergewehre, 239 Reiter, 38 Gesch.
Korpsunmittelbar: RSdiwd. DR. 1 ,• 1. u. 2. Bt. sFHD. 9, sHbBt. 4, 123), 203), 46/
4. Komp. PB. 4,- 121 Reiter, 18 Gesch.
Armeeunmittelbar: 4. Komp. SB. 8, 5. Komp. SB. 10, 2 LstSAbtlgn.,- 1. Komp. PB. 2,
1. Komp. PB. 3, 5. Komp. PB. 5, 5. Komp. PB. 9, 1. Komp. PB. 10,-
FliegKomp. 10, 13
Summe der 4. Armee: 76V2 Baone., 58 Schwd., 73 Bt., IS techn. Komp.,
2 FliegKomp.,- 56.182 Feuergewehre, 6380 Reiter, 316 Gesch.
Gstbsdief: GM. Edl. v. Kochanowski 13. SchD.: GM. v. Székely
25. SchBrig.: Obst. Richter, SchR. 1 (2), 24 (2)
26. SchBrig.: GM. Riml, SchR. 14 (2), 25 (3)
DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. rt. SchR. 5
13. FABrig.: Obst. Schulhof, FKR. 4 (5), FKD. 13 (2), FHD. 13 (2)
6. Komp. SB. 11
8054 Feuergewehre, 260 Reiter, 54 Gesch.
22 Baone., 6 Schwd., 19 Bt„ 41/2 techn. Komp.,- 18.000 Feuergewehre, 358 Reiter, 69 Gesdi.
Gstbsdief: Mjr. Röder
7. ID.: GM. Blasius v. Dáni
14. IBrig.: GM. Baumgartner, IR. 38 (2), 68 (3), FJB. 21
71. IBrig.: Obst. Plivelic, IR. 37 (2), 79 (3)
DionsKav.: LstHusD. 10 (3)
FABrig.: Obst. Scheudier, FKR. 38 (6), III. Dion. FHR. 13 (2), sHbBt. 19
1. Komp. SB. 13
9800 Feuergewehre, 200 Reiter, 34 Gesch.
40. HID.: FML. Plank
79. HIBrig.: Obst. Lengerer, HIR. 29 (3), 30 (3)
80. HIBrig.: GM. Háber, HIR. 6 (2), 19 (3)
!) Am 1. September Armeereserve, vom 2. September an dem Gdl. Roth unterstellt. —
2) IR. 62 und 82 vom XII. Korps. — 3j Vom VI. Korps.
DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. HR. 8
40. FABrig.: GM. v. Hellebronth, HFKR. 1 (4), I. Dion. FKR. 12 (2)
5. Komp. SB. 13
8200 Feuergewehre, 100 Reiter, 23 Gesdi.
Korpsunmittelbar: 2. Sdiwd. LstHusD. 5,- RBt. FKR. 35, Maßt. FKR. 36, komb. Maßt.
HFKR. 5, sHbBt. 6,- 6. Komp. SB. 1, 1. Komp. SB. 8,- Y2 2. Komp. PB. 3,58 Reiter, 12 Gesch.
28 Baone., 4 Sdiwd., 22 Bt., 2^2 techn. Komp.,- 19.480 Feuergewehre, 320 Reiter, 96 Gesch. Kmdt.: GdK. Karí Freih, v. Kirchbach
Gstbschef: Obst. Demus
9. ID.: FML. Edl. v. Schenk
17. IBrig.: GM. Ritt. v. Mossig, IR. 91 (3), 102 (2^)
18. IBrig.: Obst. v. Loefen, IR. 11 (2), 73 (2i/2)
DionsKav.: 5. Sdiwd. DR. 14, RSchwd. UR. 12
9. FABrig.: Obst. Baumann, FKR. 24 (5), 10. Bt. FKR. 20, I. Dion. FHR. 8 (2) 5000 Feuergewehre, 200 Reiter, 26 Gesch.
46. SchD.: GM. v. Czapp
91. SchBrig.: GM. v. Urbański, SchR. 31 (3), 32 (3)
92. SchBrig.: GM. Haas, SchR. 13 (4), 15 (4) k. k. LstlR. 11 (2), 12 (2)
DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. rt. SchR. 4
46. FABrig.: Obst. Exner, FKR. 2 (4), FKD. 46 (3), Türkei FHD. I (3), sFHD. 1 (2), sHbBt. 5, 12 cm KnBt. 11
3. Komp. SB. 1, 3. Komp. SB. 9,- !/22. Komp. PB. 3 14.480 Feuergewehre, 120 Reiter, 70 Gesch.
10 Baone., 3 Schwd., 11 Bt., 3 techn. Komp.,- 10.000 Feuergewehre, 350 Reiter, 56 Gesch.
Kmdt.}: GdI. Johann Freih. v. Kirchbach Gstbsdief: Obst. Gf. Szeptycki
25. ID.: GM. Poleschensky
49. IBrig.: GM. Edl. v. Severus, IR. 84 (4), FJB. 10, 17, 25
50, IBrig.: Obst. Hassenteufel, IR. 4 (3)
DionsKav.: 3. u. 4. Sdiwd. rt. SchR. 5
25. FABrig.: Obst. Edl. v. Filz, FKR. 6 (5), II. Dion. FHR. 2 (2)
5. Komp. SB. 2
10.000 Feuergewehre, 300 Reiter, 42 Gesch.
Korpsunmittelbar: RSchwd. HR. 1,- Türkei FHD. II (2), sFHD. 2 (2),- 1. Komp. SB. 2,
4. Komp. PB. 2,- 50 Reiter, 14 Gesdi.
Armeeunmittelbar: FliegKomp. 7
Summe der 1. Armee: 69 Baone., 15 Sdiwd., 61 Bt., 11 techn. Komp., 1 FliegKomp.,* 55.534 Feuergewehre, 1288 Reiter, 275 Gesch.
HEERESGRUPPENRESERVE GRUPPE SMEKAL
45. SchD.: FML. Smekal
89. SchBrig.: Obst. Barwik, SchR. 18 (3), 33 (2)
90. SchBrig.: Obst. Herzmansky, SchR. 17 (3), 34 (3)
DionsKav.: RSchwd. DR. 9, 1. u. 2. Schwd. rt. SchR. 3
45. FABrig.: Obst. Primavesi, FKR. 41 (6), FKD. 45 (2), FHD. 45 (2)
5. Komp. SB. 14
7665 Feuergewehre, 308 Reiter, 43 Gesch.
4. ID.: FML. Schmidt Edl. v. Fussina
7. IBrig.: Obst. Ritt. v. Steinitz, IR. 99 (3), IBaon. IV/3
8. IBrig.: GM. Ritt. v. Jemrich, IR. 8 (2), 49 (2)
DionsKav.: 1. u. 2. Sdiwd. rt. SdiR. 5
4. FABrig.: Obst. Machaczek, FKR. 5 (5), I. Dion. FHR. 2 (2)
6. Komp. SB. 2
7200 Feuergewehre, 200 Reiter, 32 Gesdi.
Summe der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand: 164^2 Baone., 78 Sdiwd., 151 Bt., 31 tedin. Komp., 3 FliegKomp./ 126.581 Feuergewehre, 8176 Reiter,
666 Gesch.
Gstbsdief: GM. Dr. Bardolff
34*/2 Baone., 33Sdiwd., 30Bt., 3 techn.Komp.,- 26.906 Feuergewehre, 3585 Reiter, 123 Gesdi.
Gstbschef: Obst. Edl. v. Lunzer
31. ID.: FML. Freih. v. Lötgendorf
61. IBrig.: GM. v. Felix, IR. 32 (3), 69 (2y2)
62. IBrig.: Obst. Heisegg, IR. 44 (3), bh. 3 (3)
DionsKav.: 1. u. 2. Sdiwd. HR. 8
31. FABrig.: Obst. Sdiirza, FKR. 10 (5), 1., 2. u. 6, Bt. FHR. 4
4. Komp. SB. 4
9225 Feuergewehre, 320 Reiter, 30 Gesdi.
32. ID.: GM. Ritt. v. Willerding
63. IBrig.: GM. Edl. v. Obauer, IR. 23 (3), 70 (3)
64. IBrig.: GM. Grallert, IR. 6 (3), 86 (2i/->)
IR. 41 (3) i)
DionsKav.: 3. u. 4. Sdiwd. HR. 8
32. FABrig.: GM. Kreyčy, FKR. 11 (5), FKD. 43 (2), 4. Bt. FKR. 31, II. Dion.
FHR. 4 (2)
3. Komp. SB. 4;,- 5. Komp. PB. 10 10.830 Feuergewehre, 318 Reiter, 46 Gesch. k. k. 1. LstlBrig.: Obst. Brauner k. k. LstlR. 1 (2), 2 (2), 22 {lý>)
RSchwd. DR. 7
8. Bt. FKR. 16, 8. Bt. FKR. 31, 6. Bt. FKR. 42, FHD. U (2)
5031 Feuergewehre, 59 Reiter, 21 Gesch. k. u. 1. LstHusBrig.: Obst. Csécsi*Nagy LstHusR.. 1 (4), 2 (4)
Fußabtlg.
7. Bt. FKR. 16
500 Feuergewehre, 760 Reiter, 6 Gesch.
1. KD.2): GM. Chev. de Ruiz
6. KBrig.: GM. v. Mouillard, HR. 7 (4), 14 (6)
7. KBrig.: Obst. Edl. v. Pollet, HR. 4 (6), 12 (4)
KavSchR. 1 (6), 1. RSdiwd. HR. 5
rt. AD. 7 (4)
1320 Feuergewehre, 2128 Reiter, 12 Gesch.
Korpsunmittelbar: sHbBt. 40, 44,- 8 Gesdi.
24 Baone., 5 Schwd., 12 Bt., 3 tedin. Komp.,- 20.200 Feuergewehre, 550 Reiter, 59 Gesch. Kmdt.: FML. Schmidt v. Georgenegg
Gstbschef: Obst. Edl. v. Merizzi
27. ID.: FML. Kosak
53. IBrig.: Obst. Lederer, IR. 25 (3), 34 (3), FJB. 29
54. IBrig.: Obst. v. Watterich, IR. 67 (3), 85 (2)
DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. HR. 15
27. FABrig.: Obst. Steinhäuser, FKR. 16 (5), II. Dion. FHR. 6 (2)
2. Komp. SB. 8
11.900 Feuergewehre, 205 Reiter, 34 Gesch.
51. HID.: FML. v. Kornhaber
200. HIBrig.: GM. Tanárky, HIR. 301 (3), 802 (3)
201. HIBrig.: Obst. Sirdiich, HIR. 300 (3), 305 (3)
DionsKav.: 1. u. 2. RScfawd. HHR. 4
8. Bt. FKR. 25, S. Bt. FKR. 35, 6. u. 7. Bt. HFKR. 1
4. Komp. SB. 3
8300 Feuergewehre, 250 Reiter, 21 Gesch.
Korpsunmittelbar: 3. Schwd. HHR. 8,- sFHbBt. 39,- 5. Komp. PB. 4,- 95 Reiter, 4 Gesch.
13 Baone., 3 Schwd., 9 Bt., 2 techn. Komp.,- 11.000 Feuergewehre, 300 Reiter, 36 Gesch. Kmdt.: FML. T r o 11 m a n n
Gstbschef: Obst. G ü n s t e
29. ID.: GM. Kroupa
57. IBrig.: GM. WöIIner, IR. 42 (3), 92 (3)
58. IBrig.: Obst. Langendorf, IR. 74 (3), 94 (4)
DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt. SchR. 2
7. FABrig.: GM. Soppe, FKR. 27 (5), 5. Bt. FKR. 21, II. Dion. FHR. 9 (2)
6. Komp. SB. 8
1L.000 Feuergewehre, 250 Reiter, 32 Gesch.
Korpsunmittelbar: komb. Schwd. HR. 2,• 4. Bt. sFHD. 4/ 3. Komp. PB. 9,- 50 Reiter,
4 Gesch.
49 Baone., 11 Schwd., 33 Bt., 4 techn. Komp.,- 36.800 Feuergewehre, 870 Reiter, 160 Gesch.
Gstbschef: Obst. Freih. v. Catineili
33. ID.: FML. Hordt
65. IBrig.: GM. Freih. v. Dürfeld, IR. 19 (4), 26 (3)
66. IBrig.: GM. Mihaijevic, IR. 12 (3), 83 (Ś4^) '
DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. HR. 5
33. FABrig.: Obst. Kaufmann, FKR. 15 (5), II. Dion. FHR. 5 (2)
5. Komp. SB. 5
9000 Feuergewehre, 160 Reiter, 37 Gesch.
34. ID.: GM. Ritt. v. Birkenhain
67. IBrig.: GM. v. Lauingen, IR. 29 (3), 101 (3)
68. IBrig.: Obst. Pfister, IR. 33 (8), FJB. 23, 28
DionsKav.: 4. u. 5. Schwd. HR. 12, 2. RScfawd. HR. 3, 3. Schwd. LstHusD. 8
III. Dion. FKR. 3 (2), I. Dion. FKR. 19 (2), II. Dion. FHR. 7 (2)
4. Komp. SB. 7
7700 Feuergewehre, 320 Reiter, 32 Gesch.
14. ID.: FML. v. Csicserics
27. IBrig.: GM. Horváth, IR. 71 (3), 72 (3), FJB. 11
28. IBrig.: Obst. Alfred v. Zeidler, IR. 48 (3), 76 (3), FJB. 19 DionsKav.: 1. u. 2. Sdiwd. HR. 5
1Í-. FABrig.: Obst. v. Ripper, FKR. 14 (5), I. Dion. FHR. 5 (2)
2. Komp. SB. 9
10.600 Feuergewehre, 160 Reiter, 34 Gesch.
43. SchD.: GM. Ritt. v. Jordan-Rozwadowski
59. IBrig.: Obst. Kosel, IR. 24 (3), SdiR. 20 (2i/a)')
86. SchBrig.: Obst. Meisel, SchR. 22 (2^), 36 (2^)
DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. rt. SchR. 1
43. FABrig.: Obst. Michalek, FKR. 31 (4), FHD. 43 (2)
5. Komp. SB. 6
9500 Feuergewehre, 150 Reiter, 29 Gesch.
Korpsunmittelbar: RSchwd. HR. 11,- sFHD. 4 (3), 5 (2), 8 (2),- 80 Reiter, 28 Gesch.
Armeeunmittelbar: RSdiwd. HR. 14,- sKnBt. 6, sHbBt. 13, 28, 30.5 cm MsBt. 8, 12, 15,
16, 17/ 4. Komp. PB. 3, 5. Komp. PB. 4,- FliegKomp. B, 14/ 50 Reiter,
14 Gesch.
Summe der 2. Armee: 12072 Baone., 53 Schwd., 92 Bt., 14 tedin. Komp.,
2 FliegKomp./ 94.906 Feuergewehre, 5355 Reiter, 392 Gesch.
Kmdt.: bayr. GdI. Gf. v. Bothmer
Gstbschef: bayr. Obstlt. Hemmer
32 Baone., 5 Schwd., 27^2 Bt., 4 tedin. Komp./ 28.600 Feuergewehre, 500 Reiter, 118 Gesch. Kmdt.: preuß. GdK. Freih. Marsch all
Gstbschef: preuß. Obst. v. D o m m e s
38. HID.: FML. v. Csanády
75. HIBrig.: Obst. Gombos, HIR. 21 (3), 22 (3)
76. HIBrig.: Obst. Bernatsky, HIR. 23 (3), 24 (3)
DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HR. 2
38. FABrig.: Obst. Werz, 7. Bt. FKR. 23, 6. Bt. FKR. 26, 3—5. Bt. FKR. 34, HFKR. 5 (4), 6. Bt. FHR. 12, sHbBt. 50
5. Komp. SB. 4
8900 Feuergewehre, 200 Reiter, 49 Gesch.
19. ID.: FML. Richard Mayer
37. IBrig.: Obst. Augustin, IR. 35 (1V0)-- 75 (3), FJB. 5
38. IBrig.: GM. Steiger, bh. IR. 1 (3), FJB. 6, 22, SchR. 29 (11/2)
DionsKav.: 4. u. 6. Schwd. DR. 14
19. FABrig.: Obst. Regnier, FKR. 22 (5), 8. Bt. FKR. 40, II. Dion. GbAR. 8 (2)
6. Komp. SB. 9
10.500 Feuergewehre, 200 Reiter, 31 Gesch.
Preuß. 3i GID.: GM. v. Lindequist
9 Baone., 1 Sdiwd., 8Bt„ 1 techn. Komp./ 9200 Feuergewehre, 100 Reiter, 38 Gesch.
Korpsunmittelbar: 1. Komp. PB. 7
1) IR. 41 bei der 32. ID.
27 Baone., 3Schwd., 15 Bt., 3y2 techn. Komp.,- 19.097 Feuergewehre, 160 Reiter, 59 Gesch. Kmdt.: FML. Hof mann Gstbschef: Obst. Gf. Lamezan
55. ID.: GM. Fleischmann
129. IBrig.: Obst. Matasić, komb. HMaR. 1 (3), komb. HMaR. (3), SchBaon.
Mjr. Bondy, frw. Ukrainer Baon. I (zwei Komp.)
130. IBrig.: GM. Witoszyński, SchR. 35 (8), komb. k.u.k. MaR. Mjr. Birthe (3),
frw. Ukrainer Baon. II (zwei Komp.)
5. Bt. FKR. 28, 4. Bt. rt. AD. 5, 6. u. 7. Bt. HFKR. 2 (2), 6. Bt. FHR. 6, 2. HbBt.
GbAR. 2 8300 Feuergewehre, 25 Gesch.
Komb. IBrig.: Obst. Edl. v. Bolzano
IR. 81 (3), 88 (3i/2), frw. Ukrainer Abtlg.
7. Bt. FKR. 8, 9. Bt. FKR. 20, sHbBt. 16 5800 Feuergewehre, 11 Gesdi.
131. IBrig.: GM. Blum
FJB. 32, SchR. 19 (3), komb. HMaR. 19 (3)
7. Bt. FKR. 31, 7. Bt. FKR. 33, 3. HbBt. GbAR. 14 4997 Feuergewehre, 11 Gesch.
Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 8, KavDet. Rtm. Farkas (2),- 5. Bt. FHR. 6, sHbBt.
36, 38,- í/ž !• Komp. SB. 11, 3. Komp. SB. 12,- 2. Komp. PB. 4, 3, Komp. PB. 7/ 210 Reiter, 12 Gesdi.
Armeeunmittelbar:
48. RD.: GLt. v. Oppeln-Bronikowski
10 Baone., 1 Schwd., 9 Bt., 2 mittlere, 3 leichte MWAbtlgn., 1 techn. Komp., 1 FliegAbtlg.
8 öst.5ung. LstSAbtlgn.
7500 Feuergewehre, 100 Reiter, 34 Gesch., 26 MW.
Summe der deutschen Sudarmee: 69 Baone., 9 Sdiwd., 51V2 Bt., 5 MWAbtign., I6V2 tedin. Komp., 1 FliegAbtlg./ 55.197 Feuergewefxre, 760 Reiter, 211 Gesch.,
26 MW.
Kmdt.: GdK. Freih. v. Pflanzer=Baitin
Gstbsdief: Obst. Ritt. v. Zeynek
31 Baone., 5 Schwd., 18 Bt., 4 techn. Komp.,- 24.960 Feuergewehre, 509 Reiter, 76 Gesch. Kmdt.: GdI. Freih. v. Rhemen
Gstbsdief: Obst. Csoban
36. ID.: FML. Franz Ritt. v. Schreitter
72. IBrig.: GM. Edl. v. Luxardo, IR. 13 (2) 1), 16 (3), 52 (3), 53 (3), 93 (3) 1)
9. IBrig.: Obst. Trimmei, IR. 13 (2)!), 78 (3), k. u. LstEtBaon. IV/14 DionsKav.: RSchwd. HR. 2, 1. u. 2. Schwd. HHR. 10
36. FABrig.: Obst. Joseph Edl. v. Müller, FKR. 39 (4), HMaBt. 2, 3. u. 4. Bt.
FHR. 13, 2. Bt. sFHD. 11, sHbBt. 35, 37
2. Komp. SB. 13
14.964 Feuergewehre, 309 Reiter, 37 Gesch.
15. ID.: GM. Stracker
80. IBrig.: Obst. Leide, IR. 5 (3), k. u. LstEtBaone. IV/23, IV/32 IR. 65 (3), MaBaon. HIR. 11 IR. 60 (4)
DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. HR. 15
15. FABrig.: Obst. Latka, FKR. 17 (5), I. Dion. FHR. 6 (2)
5. Komp. SB. 11
9996 Feuergewehre, 200 Reiter, 39 Gesdi.
Korpsunmittelbar: 5. Komp. PB. 3, 4. Komp. PB. 15
10^2 Baone., 22 Sdiwd., 14^2 Bt., 3V4 tedin. Komp.,- 12.100 Feuergewehre, 1960 Reiter,
69 Gesch.
Kmdt.: FML. Ritt. v. Henriquez
Gstbsdief: Obstlt. Stromfeld
8. KD.: FML. Edl. v. Lehmann
13. KBrig.: Obst. v. Fluck, DR. 7 (4), UR. 8 (4)
15. KBrig.: Obst. Edl. v. Dokonal, DR. 2 (4), UR. 11 (4),- ^ MaBaon. SdiR. 5
1. u. 2. Schwd. UR. 4, RSdiwd. DR. 5 KavScfaD. 8
I., 4. u. 5. Bt. FKR. 3
400 Feuergewehre, 1800 Reiter, 17 Gesdi.
30. ID.: FML. Kaiser
LstlBrig.: Obstlt. Békési, IR. 17 (2^)»), k. u. LstEtBaone. IV/20, IV/22, 1/23 FJB. 18, 27, SchR. 5 (2) 2)
DionsKav.: 3. u. 4. Sdiwd. rt. SdiR. 1
30. FABrig.: FML. Ströhr, FKR. 9 (ö),^. Bt. FKR. 3, 3. u. 4. Bt. FKR. 28,1. Dion.
FHR. 1, 12 cm KnBt. 19 V4 1- Komp. SB. 12
II,700 Feuergewehre, 160 Reiter, 52 Gesdi.
Korpsunmittelbar: 3U 1. Komp, SB. 12, ErsZug SB. 12,- 2. Komp. PB. 7, 2. Komp. PB. 9
30 Baone., 1 RdfKomp., 53 Sdiwd., 30^2 Bt., 2 tedin. Komp./ 24.800 Feuergewehre,
7680 Reiter, 124 Gesdi.
Gstbschef: Obstlt. Max Freih. v. Pitreich
6. KD.3): GM. Edl. v. Schwer
5. KBrig.: GM. Leiter, DR. 8 (3), 11 (4), UR. 7 (4),. IBaone. II/l, 1/7, Det. Russ
10. IBrig.: GM. Adalbert v. Kaltenborn, IR. 1 (2), 7 (2)/ DR. 6 (5)
3. KD. (Gruppe): FML. Ritt. v. Brudermann
17. KBrig.: GM. Freih. v. Schnehen, DR. 3 (4), HR. 11 (4), KavSdiD. 3,- FJB. I, 14
10. KBrig.: Obst. Ritt. v. Szivó, UR. 4 (5), HR. 1 (4),- LstlBaon. 17
14. KBrig.: Obst. Gf. Alberti4) .
FABrig. 5): rt. AD. 2 (3), 10 (3), 2. Bt. FKR. 3, 3. Bt. FKR. 19, 1. u. 2. Bt. FKR. 28, HMaBt. 2, 1. Bt. FHR. 3, 1/2 4. HbBt. GbAR. 12, 1. Bt. sFHD. 13
10.500 Feuergewehre, 5000 Reiter, 70 Gesch.
!) Von der 6. ID. — 2) Von der 22. SAD. — 3) Dem Gruppenkmdo. FML. Brudermann unterstellt. — 4) Die Truppen im Korpsbereich aufgeteilt. — 5) Im Wege des Gruppen® kmdos. FML, Brudermann dem Korpsartilleriechef GM. v, Elmar unterstellt.
6. ID.: FML. Fürst Schönburg
IBrig.: Obst. Franz Kuhn, IR. 54 (4), IBaon. 1V/97 6), FJB. 8, 13
16. IBrig.: Obst. Freih. v. Testa, bh. IR. 2 (2), !/2 IBaon. 1/97 !), FJB. 7, 9
11. IBrig.: GM. v. Stöhr, IBaone. IV/96, 1/2 1/971), FJB. 16,- DR. 8 (2), KavSdiD. 6,
HKavSdiD. 5
12. IBrig.: Obst. Rudolf Müller2)
IR. 66 (3)3)
DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. DR. 5
(i. FABrig.4): Obst. v. Dobner, rt. AD. 4 (3), 6 (4), 6. Bt. FKR. 5, 6. Bt. FKR. 10,
4. u. 6. Bt. FKR. 19, I. Dion. FHR. 3 (2), 12 cm KnBt. 26, I. Bt. sFHD. 11, 1/2 2. Bt. sFHD. 13, i/2 15 cm MsBt. 5
12.000 Feuergewehre, 480 Reiter, 53 Gesdi.
5. HKD.: FML. Freih. v. Apór
19. HKBrig.: Obst. v. Jóny, HHR. I (4), 8 (4)
23. HKBrig.: Obst. Gf. Lubieński, HHR. 6 (4), 7 (4),- RdfKomp. 1 700 Feuergewehre, 2200 Reiter
5. ID.: FML. Edl. v. Habermann5)
Korpsunmittelbar: HIR. 307 (2) 6),- !/2 30.5 cm MsBt. 14,- 4. Komp. SB. 12,- 4. Komp. PB. 9,1600 Feuergewehre, 1 Gesdi.
32 Baone., 81/* Schwd., 221/o Bt., 2 techn. Komp., 2 FliegKomp.,- 26.800 Feuergewehre,
840 Reiter, 106 Gesdi.
Gstbschef: Obst. Edl. v. T rauttweiller
42. HID.: FML. Liposćak
202. HIBrig.: Obst. Sávoly, HIR. 306 (3), 307 (1), k. u. LstEtBaon. 1/32,- 3. Sdiwd. LstHusD. 3,- 7. Bt. FKR. 13, 6. Bt. FKR. 16, HMaBt. 5, 5. Bt. FHR. 4,
5. Bt. FHR. 10, V2 sHbBt. 12, Y2 15 cm MsBt. 5
83. HIBrig.: GM. Bekić, HIR. 25 (3), 26 (3)
84. HIBrig.: Obst. v. Petkovic, HIR. 27 (3), 28 (3) rum. FrwAbtlg. (drei Komp.)
DionsKav.: ?>., 4. u. 5. Schwd. HHR. 10 FKR. 37 (6), I. Dion. FHR. 13 (2)
17.900 Feuergewehre, 380 Reiter, 57 Gesdi.
2. Brig. d. Poin. Legion: Obst. Küttner
6 Baone., 2 Sdiwd., 1 Bt.,- zugewiesen: öst.-ung. 9 cm KnBt. 1, 3
2100 Feuergewehre, 160 Reiter, 16 Gesdi.
Brig. Obstlt. Papp
GendBaone. 1, 2, 3, 5, k. u. LstEtBaone. IV/5, IV/16, V/17 ruth. u. rum. FrwAbtlgn. (drei Komp.)
LstHusD. 3 (2), !/2 Sdiwd. LstHusD. 9, 1 GendSdiwd.
5. Bt. FKR. 18, 9. Bt. FKR. 34, komb. Bt., 9 cm KnBt. 2, 4, 5, 1/2 2. sHbBt. 13,
V2 30.5 cm MsBt. 14 6800 Feuergewehre, 300 Reiter, 33 Gesdi.
Korpsunmittelbar: 2. Komp. SB. 11, 3. Komp. SB. 13,- FliegKomp. 1, 11 ’) Von der 36. ID.
2) Die Truppen im Korpsbereich aufgeteilt.
3) Von der 15. ID.
4) Im Wege des 6. IDKmdos. dem Korpsartilleriedief unterstellt.
5) Die Truppen beim XIII. Korps und beim Korps Benigni.
6) Von der 202. HIBrig.
Armeeunmittelbar:
10. KD.1): GM. Gf. Herberstein
4. KBrig.: Obst. v. Horthy, HR. 10 (6), 13 (4)
8. KBrig.: GM. Viktor v. Bauer, HR. 9 (4), UR. 12 (3)
KavSdiD. 10
1100 Feuergewehre, 2700 Reiter
Summe der 7. Armee: IO6V2 Baone., 1 RdfKomp., 105V2 Schwd., 85V2 Bt.,
111 '4 techn. Komp., 2 FliegKomp./ 89.760 Feuergewehre, 13.689 Reiter, 375 Gesch.
26 Baone., 6 Schwd., 16 Bt., 3 techn. Komp.,- 16.000 Feuergewehre, 670 Reiter, 75 Gesch.
Gstbschef: Obst. Joseph Huber
12. ID.: FML. Kestřanek
23. IBrig.: Obst. Latinek, IR. 56 (3), 100 (2)
24. IBrig.: GM. v. Puchalski, IR. 3 (2), 20 (2), 57 (2)
DionsKav.: 3. u. 4. Schwd. rt. SchR. 4
12. FABrig.: Obst. Riedl, FKR. 1 (6), II. Dion. FHR. 1 (2)
5. Komp. SB. 1
7900 Feuergewehre, 250 Reiter, 40 Gesch.
39. HID.: FML. v. Hadfy
77. HIBrig.: GM. v. Molnár, HIR. 9 (3), 11 (3)
78. HIBrig.: Obst. Daubner, HIR. 10 (3), 16 (3)
IR. 63 (3)2)
DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. HR. 15, RSchwd. HR. 12
39. FABrig.: Obst. Loidin, FKR. 18 (4), HFKR. 3 (4)
3. Komp. SB. 5, 1 LstSAbtlg.
8100 Feuergewehre, 340 Reiter, 35 Gesch.
Korpsunmittelbar: RSchwd. HR. 6,- I LstSAbtlg.,- 80 Reiter
40 Baone., 15 Schwd., 33^2 Bt., 6 techn.Komp./ 20.700 Feuergewehre, 1270 Reiter, 123 Gesch. Kmdt.: FZM. v. Scheuchenstuel
Gstbschef: Obst. Sündermann
37. HID.: GM. Tabajdi
73. HIBrig.: Obst. v. Pillepić, HIR. 13 (2), 18 (3)
74. HIBrig.: GM. Hunké, HIR. 14 (3), 15 (3)
DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. HR. 5
37. FABrig.: Obst. Wondre, FKR. 13 (4), HFKR. 4 (4)
4. Komp. SB. 5
7000 Feuergewehre, 180 Reiter, 32 Gesch.
106. LstlD.: FML. Kl etter
60. IBrig.: Obst. de Brunfaut, IR. 30 (3), 80 (2), FJB. 24 k. k. 110. LstlBrig.: GM. Maag, k. k. LstlR. 31 (3), 32 (3)
Gruppe Obst. Freisinger: k. k. LstlR. 6 (3), 25 (2)
DionsKav.: RSchwd. DR. 6, 10, 12, UR. 1
106. FABrig.: Obst. Edl. v. Portenschlag, FKR. 32 (6), FKD. 106 (2), II. Dion. FHR. 11 (2), 9 cm KnDion. I, II Budapest, 9 cm KnDion. Wien, 15 cm KnBt. 7
2. Komp. SB. 4/ 1. Komp. PB. 4
10,100 Feuergewehre, 480 Reiter, 62 Gesch.
Poln. Legion (1. u. 3. Brig.): FML. v. Durski
12 Baone., 3 Schwd., Sljo, Bt., 2 techn. Komp.,- 3600 Feuergewehre, 300 Reiter,
12 Gesch.
Korpsunmittelbar: RSchwd. UR. 4, 7, 13, 1,, 2. u. 3. Schwd. rt. TKSchD.,- 15 cm KnBt. 7,
3. u. 4. Bt. sHbD. 9, 12 cm HbBt. 20, 27, 15 cm HbBt. 45,- 4-, Komp. PB. 4,310 Reiter, 17 Gesch.
26V2 Baone., 5 Schwd., 20 Bt., 2 techn. Komp.,- 17.100 Feuergewehre, 350 Reiter, 108 Gesch.
Gstbschef: Obst. Edl. v. L e r c h
11. ID.: GM. Gr ubić
21. IBrig.: Obst. Lewandowski, IR. 15 (4), 55 (4)
22. IBrig.: Obst. Gustav Fischer, IR. 58 (3), 95 DionsKav.: 1. u. 2. Schwd. rt. SdbR. 1
11. FABrig.: Obst. Scholz, FKR. 33 (7), I. Dion. FHR. 11 (2)
4. Komp. SB. 11
10.100 Feuergewehre, 150 Reiter, 47 Gesch.
41. HID.: GM. Schams chula
40. HIBrig.: Obst. Sdhnetzer, HIR. 12 (3), 32 (3)
82. HIBrig.: Obst. Ritt. v. Sypniewski, HIR. 20 (3), 31 (3)
DionsKav.: 5. u. 6. Schwd. HHR. 4
41. FABrig.: Obst. Capp, FKR. 12 (5), HFKR. 7 (4)
7000 Feuergewehre, 150 Reiter, 53 Gesch.
Korpsunmittelbar: RSchwd. DR. 15,- 15 cm HbBt. 2, 25/ 2, Komp. PB. 10/ 50 Reiter,
8 Gesch.
Summe der Heeresreserve: 92^2 Baone., 26 Schwd., 69!/2 Bt., 11 techn. Komp./
53.800 Feuergewehre, 2290 Reiter, 306 Gesch.
Festung s» und Brückenkopfbesatzungen
Krakau Kmdt.: FML. Kuk Gstbschef: Obstlt. Edl. v. Haller k. k. LstBaone. 36, 80, k. k. LstMaBaone. 5, 6, 8, 1U LstMaBaon. 10,- 3 mob. KnBt.,
30 FsAKomp., 22 FsAMaKomp., 37 LstArtAbtlgn.,- 3 LstSAbtlgn.,-4000 Feuergewehre, 12 mob. Gesch.
Brückenkopf Przemyśl Kmdt.: GM. Stowasser 3U k. u. LstEtBaon. 234, y2 k. u. LstEtBaon. 502,- 3 LstArtAbtlgn.,- 835 Feuergewehre
Brückenkopf Iwangorod Kmdt.: FML. Ritt. v. Gołogórski 1 FsAMaKomp., 15 LstArtAbtlgn.
J) Trifft mit den ersten Staffeln in Cholm im Bereich des XVII. Korps ein und wird von dort nach Kowel zur Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand beordert.
IM VERBÄNDE DES DEUTSCHEN OSTHEERES
Bei der deutschen 9. Armee
2. KD. *)': GM. Ritt. v. Ursyn»Pruszyński
3. KBrig.: GM. Freih. v. Abele, HR. 6 (6), 16 (6)
16. KBrig.: Obst. Edl. v. Karapancsa, HR. 3 (6), UR. 5 (6)
KavSchD. 2 (6) rt. AD. 5 (3)
600 Feuergewehre, 2400 Reiter, 12 Gesch.
9. KD.1): GdK. Freih. v. Hauer
1. KBrig.: GM. Ostermuth, DR. 4 (5), 13 (5)
9. KBrig.: Obst. Freih. v. Sessler, DR. 1 (5), UR. 6 (6)
KavSdiR. 9 (S) rt. AD. 9 (3) .
900 Feuergewehre, 2100 Reiter, 12 Gesdi.
Bei der Armee Woyrsch
36 Baone., 6 Schwd., 21 Bt., 3 techn. Komp./ 27.149 Feuergewehre, 820 Reiter, 108 Gesch.
Gstbschef: Obst. Freih. Zeidler^Daublebsky v. Sterneck 35. ID.: FML. v. Podhoránszky
69. IBrig.: Obst. Simaček, IR. 50 (6)
70. IBrig.: GM. Edl. v. Salmon, IR. 51 (7)
DionsKav.: 5. u. 6. Sdiwd. HR. 2
35. FABrig.: GM. Grösdil, FKR. 35 (6), II. Dion. FHR. 12 (2)
7427 Feuergewehre, 300 Reiter, 48 Gesch.
16. ID.: GM. Rudolf Krau ss
31. IBrig.: FML. v. Dobler, IR. 2 (4), RIR. 2 (3)2)
32. IBrig.: GM. Kosdiatzky, IR. 31 (3), 64 (3)
32. RIBrig.: Obst. Živanovic, RIR. 31 (3), 64 (4) 2)
DionsKav.: 3., 4. u. 7. Schwd. HR. 2
16. FABrig.: Obst. Paul, FKR. 36 (5), I. Dion. FHR. 12 (2)
16.900 Feuergewehre, 470 Reiter, 36 Gesdi.
Korpsunmittelbar: k. k. LstlR. 51 (3)/ 2. Sdiwd. LstHusD. 7,- sFHD. 12 (3), 12 cm KnBt. 12, löcmHbBt.3, 47, ł/2 3.MaKomp. FsABaon.9,- 5.u.6. Komp. SB. 12,- 2.Komp. PB. 2,- FliegKomp. 5,- 2822 Feuergewehre, 92 Reiter, 24 Gesch.
Bei der deutschen Bugarmee
11. HKD.J): FML. Gf. B i s s i n g e n
22. HKBrig.: GM. Czitó, HHR. 2 (4), 3 (4)
24. HKBrig.: Obst. Hegedüs, HHR. 5 (4), 9 (4)
HKavSchD. 11 (3) rt. HAD. 1
600 Feuergewehre, 1219 Reiter, 14 Gesch.
Summe der öst.=ung. und der dem AOK. unterstellten deutschen Streitkräfte auf dem russischen Kriegsschauplätze:
(Anfangs September 1915)
598!/2 Baone., 1 RdfKomp., 338*/2 Sdiwd., 483 Bt., 5 MWAbtign., 53 FsAKomp., 45 LstArtAbtign., S93U techn. Komp., 8 FliegKomp.,-454.328 Feuergewehre, 36.809 Reiter, 2108 Gesch., 26 MW.
x) Für die Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand bestimmt.
2) Aus nicht aufgeteilten MaBaonen. gebildet.
Verstärkungen, die vom 20. September an von der Bugarmee zum Nordflugei der öst.»ung. Heeresfront abgingen
Deutsche 5. KD.: GLt. v. Heydebreck
1 Baon., 24 Sdiwd., 3 Bt., J tedin. Komp.,- 900 Feuergewehre, 2100 Reiter, 12 Gesdu
21 Baone., 3 Sdiwd., 25 Bt., 2 MWAbtlgn., 2 techn. Komp.,- etwa 14.000 Feuergewehre, 180 Reiter, 140 Gesch., 8 MW,
Kmdt.: württemb. GdI. v. Gerok
Gstbsdief: preuß. Mjr. v. Klewitz
1. ID.: GLt. v. Conta
12 Baone., 1 Sdiwd., J4 Bt., 2 MWAbtlgn., 1 tedin. Komp.,- etwa 8000 Feuer» gewehre, 60 Reiter, 78 Gesdi., 8 MW.
22. ID.: GLt. Dieffenbach
9 Baone., 2 Sdiwd., Jl Bt., 1 tedin. Komp.,- etwa 6000 Feuergewehre, 120 Reiter, 62 Gesdi.
Gstbsdief: Gen. S a w i t s c h
XXXIX. Korps (102., 105. RD.), 4. SdiD., XII. Korps (12., 19. ID.), VIII. Korps (14., 15. ID.), XVII. Korps (3., 35. ID.), VII. Korps (13., 34. ID.), 1 RwBrig.,-KavKorps Weljassew (3. OrenburgKosD., 3. DonKosD. [?], 11. KD.), Kav= Korps Rerberg (7. KD., 2. selbst. DonKosBrig. 2) )
Summe der 8. Armee: IIV2 ID., 3 bis 41/« KD.
Vorübergehend von der Westfront (3. Armee) unterstellt:
IV. KavKorps Gillensdimidt (2,, 3. [?] GKosD., 3. kauk. KosD., 2. komb. KosD.,
3. [?], 16. KD., 3. DonKosD. [?], 77. RD.), Teile des XXXI. Korps (Gros der 83. RD.), 1 RwBrig.
VI. Korps (4., 16. ID.), XVIII. Korps (23., 37. ID.), XXII. Korps (1., 3. finn. SdiD.),
1 RwBrig., TransAmurKosBrig., Kub.KosD.
Summe der 11. Armee: 6V2 ID*r IV2 KD.
!) Abgaben der Südwestfront im Juli und August an die Nordwest front: XXVIII. Korps (3. SdiD., 60. RD.), V. kauk. Korps (2., 4. finn. SchD.), 58., 65., 69., 78. RD., 120 Komp.,- 1 KD. (3. DonKosD.?).
2) Wird im November für die neuzubildende 7. Armee abgegeben.
XI. Korps (11., 32. ID.), XXX. Korps i) (2. SchD., 71., 80. RD.), XXXIII. Korps (l.,2.TransAmurD., 1., 2,Kub.PlastunBrig., 74.RD.), 82.RD. i), XXXII. Korps (101., 103. RD.), 3 bis 4 RwBrig.,- II. KavKorps Nadhitschewanski Chan (9., 12. KD,, kauk. KD.), III. KavKorps Keller (1. DonKosD., 10. KD.), komb. KD., komb. KBrig., TerekKosD.
Summe der 9. Armee: 12 bis 14 ID., 7^2 KD.
Reserve der Sudwestfront: 125. RD.J)
Gesamtstand2): 31 bis 32 Infanterie«, 11 bis 12^2 Kavalleriedivisionen/ rund
400.000 Feuergewehre.
Verstärkungen im November XXIV. Korps (-48., 49. ID.) von der 3. Armee für die 8. Armee, kauk. V. Korps (2., 4.
finn. ScfiD.), II. Korps (26., 43. ID.) von der 10. Armee, XVI. Korps (41.,
47. ID.) von der k Armee, I KosBrig. von der Westfront für die neuzubildende 7. Armee.
* 7
*
HEERESGRUPPE MACKENSEN Kmdt.: preuß. GFM. v. MACKENSEN
Gstbschef: preuß. GM. v. Seeckt
Gstbsdief: GM. Konopicky
62. ID.: FML. Edl. v. Kaiser .
Mob.FsBrig.(Rogatica): Obst.v.Dominie, FsIB.3,4, GrzJKomp. 8, k.k. LstlBaon. 15, k. u. LstEtBaone. 1/4, III/7, IV/19,- y4 2. Schwd. LstHusD. 4,- 6. Bt. FKR. 17,
2. u. 4. KnBt. GbAR. 12, 9 cm KnBt. 9
9. LstEtBrig. (Srebrenica): Obst. Edl. v. Spindler, V4 GrzJKomp. 2, k. u. LstEt= Baone. II/4, III/5, IV/26, 1/30, II1/315—7 cm LandungsGesdi.
2. Komp. PB. 15 Gruppe GM. Streith3)
Abschnitt Zvornik: Obst. Edl. v. Hausser, V4 GrzJKomp. 1, k. u. LstEtBaone. II
u. III/6, IV/17, 1/25,- V4 2. Schwd. LstHusD. 4,- 6. Bt. FKR. 13 Abschnitt Bijeijina: GM. Streith, 3/4 GrzJKomp. 1, k. u. LstEtBaone. IV/4, 11/20,
1/28, 1/31,- V* 2. Schwd. LstHusD. 4,- 6. Bt. FKR. 13, 7. Bt. FKR. 21,
2V2—15 cm MsBt.
6. Komp. PB. 2, 3. Komp. PB. 4 15.909 Feuergewehre, 131 Reiter, 29 Gesch.
Gruppe FML. v. Sorsich
LstEtBrig.: Obst. v. ybl, k. u. LstEtBaone. 1/2, 1/6, 1/19, 11/25, IV/29,- V2 L Schwd.
LstHusD. 4,- mob. 9 cm KnBt. 2, 8 LstEtBrig.: GM. Schiess, k. u. LstEtBaone. IV/2, III u. IV/3, II/5, II/7, 11/19, 1/28,-V4 1. Schwd. LstHusD, 4,- 9 cm KnBt. 1, 3, 4, 5 k. u. LstEtBaon. IV/27,- 3. Schwd. LstHusD. 1/ 1. Komp. PB. 5
8644 Feuergewehre, 265 Reiter, 24 Gesch.
32 Baone., 2V4 Sdiwd., 29 Bt., 12 tedin. Komp.,- 32.309 Feuergewehre, 242 Reiter, 110 Gesdi.
Kmdt.: FML. Tr oll mann Gstbsdief: Obst. Günste
53. ID.: GM. v. Pongrácz
17. GbBrig.: Obst. Karpellus, k. u. LstlR. 19 (3), k. k. LstlBaone. 44, 76,- 1/4 2. Sdiwd.
LstHusD. 4,- 6. Bt. FKR. 18, 8. Bt. FKR. 34 k. k. 20. LstGbBrig.: Obst. v.Farkas,bh.FJB. 2, IX.MaBaon.SchR. 23, k.k.LstlR.23(2), k. k. LstlBaon. 46,- V4 2. Schwd. LsiHusD. 4,- 2. KnBt, GbAR. 11, 3. KnBt. GbAR. 10
k.k. 21. LstGbBrig.: Obst. Hugo Fischer v. See, bh. FJB. 3, k. k. LstlR. 27 (3), k. k. LstlBaon. 75,- V4 2. Sdiwd. LstHusD. 1,- 1. u. 5. KnBt. GbAR. 12 Divisionsunmittelbar: 3U 2. Sdiwd. LstHusD. 1/ 6. Bt. FKR. 15, 10. u. 11. Bt. FKR. 19,
7. Bt. FHR. 13, 3. HbBt. GbAR. 12, 3. Bt. sFHD. 6,- MaKomp. SB. 13
17.768 Feuergewehre, 157 Reiter, 40 Gesch. k. k. 205. LstlBrig.: GM. v. Reinöhl, k. k. LstlR. 409 (3), 410 (3),- V4 3, Sdiwd.
DR. 14,. 1. u. 2. Bt. China FKD. I, 1. HbBt. GbAR. 9, 1. HbBt. GbAR. 13 4109 Feuergewehre, 37 Reiter, 16 Gesch. k. k. 206. LstlBrig.: Obst. v. Szabó, IV/SchR. 37, MaBaon. k. k. LstlR. 7, k. k. LstlBaon. 35, I u. Il/k. u. LstEtR. 29,- V4 1. Schwd. LstHusD. 2,- 7. Bt. FKR. 14,
7. Bt. FKR. 36, 2. HbBt. GbAR. 9,- 8. Komp. SB. 8 4971 Feuergewehre, 23 Reiter, 12 Gesch.
LstlBrig. GM. Karl Schwarz: k. u. LstlBaone. 1/3, II1/5, II u. III/6, I u. III/12,-
5. Bt. HFKR. 2, 6. Bt. HFKR. 8,- 7. Komp. SB. 8 5461 Feuergewehre, 25 Reiter, 8 Gesdi.
Korpsunmittelbar: 12 cm KnBt. 3,20,15 cm KnBt. 8, 3. Bt. sHD. 8,3. Bt. sHbD. 13, sHbBt. 49,
24 cm MsBt. 3, 30.5 cm MsBt. 20,- 4., 5. u. 6. Komp. PB. 5, 3., 4. u.
5. Komp. PB. 8, 4. Komp. PB. 9, 1. u. 3. Komp. PB. 15,- 34 Gesch.
35 Baone., 6 Schwd., 42 Bt., 8 MWAbtlgn., 6 techn. Komp., 1 FliegAbtlg.,-28.662 Feuergewehre, 572 Reiter, 196 Gesdi., 16 MW.
Kmdt.: preuß. GdK. Eugen v. Falkenhayn Gstbsdief: württemb. Mjr. W ö 11 w a r t h
43. RD.: GM. v. Runckel
13 Baone., 1 Sdiwd,, 9 Bt., 1 techn. Komp.,- 11.132 Feuergewehre, 132 Reiter,
36 Gesdi.
44. RD.: GLt. v D orrer
13 Baone., 1 Sdiwd., 9 Bt., 1 tedin. Komp,,- 9809 Feuergewehre, 123 Reiter,
30 Gesch.
26. (1. kgl. württemb.) ID.: GLt. Wilhelm Herzog v. Urach
9 Baone., 4 Sdiwd., 12 Bt., 2 techn. Komp.,- 7721 Feuergewehre, 317 Reiter,
84 Gesdi.
Korpsunmittelbar: 3 schwere deutsche Bt., 8 MWAbtlgn., 2 techn. Komp., 1 FliegAbtlg.,-zugewiesen: öst.-ung. selbst. KnD., 1. HbBt. GbAR. 4, 12 cm KnBt. 6,
15 cm sHbBt. 47, 48, 4—15 cm Ms., 24 cm MsBt. 5, 30.5 cm MsBt. 17,
46 Gesch., 16 MW.
31 Baone., 33/i Sdiwd., 43 Bt., 11 techn. Komp.35.557 Feuergewehre, 590 Reiter, 142 Gesch.
Kmdt.: FZM. v. Scheuchenstuel Gstbschef: Obst. Sündermann
57. ID.: FML. Heinrich Go i ginger
2. GbBrig.: Obst. Panzenböck, IBaone. III/8,11/70,11/76,11/101, V/bh. 4,- V4 1. Sdiwd. rt. DSchD,,- 4. u. 5. KnBt. GbAR. 5
6. GbBrig.: Obst.v.Hellcbronth, IBaone. 1/6,111/38,IV/42, IV/50, IV/81/ 1/2I.Sdiwd. rt.DSdiD.,- 3. KnBt. GbAR. 4, 5. KnBt. GbAR. 7 Divisionsunmittelbar: 3. Sdiwd. LstHusD. 4,- 7. u. 8. Bt. FKR. 38, 1. u. 2. HbBt. GbAR. 13/
7. Komp. SB. 6 18.360 Feuergewehre, 246 Reiter, 32 Gesdi.
59. ID.: FML. Snjaric
9. GbBrig.: GM. Edl. v. Hrozný, IBaone. IV/12, II1/49, 111/74, IV/84, IV/87,-1/4 1. Sdiwd. UR. 12/ 2. KnBt. GbAR. 7, 1. KnBt. GbAR. 11 18. GbBrig.: GM. Skvor, IBaone. 111/31, 11/60, FJB. 3, 15, 26/ V4 1. Sdiwd. rt. DSdiD.,- 6. KnBt. GbAR. 4, 6. KnBt. GbAR. 6 Divisionsunmittelbar: 6. Sdiwd. HHR. 10,- 6. u. 7. Bt. FKR. 24, 1. u. 2. HbBt. GbAR. 5,
1 LstSAbtlg.
12.700 Feuergewehre, 245 Reiter, 32 Gesdi. k. u. LstlBrig. GM. v. Haustein: k. u. LstlR. 1 (3), 4 (2),- V4 Sdiwd. LstHusD. 1/
5. Bt. HFKR. 6, 8. Bt. FHR. 4,. 7. Komp. SB. 4, 1 LstSAbtlg.
4269 Feuergewehre, 25 Reiter, 8 Gesdi. k. u. LstlBrig. GM. Mrázek8): k. u. LstlR. 32 (3), k. u. LstIBaone. IV/4, 111/8, IV/30,. 1/2 B. Sdiwd. DR. 14,. 5. u. 8. Bt. FKR. 19, 4. Bt. rt. AD. 1 5228 Feuergewehre, 74 Reiter, 8 Gesdi.
Korpsunmittelbar: 10 cm KnBt. 1, 2, 12 cm KnBt. 8, 21, 15 cm KnBt. 1, 1—15 cm Kn. M. 15, 18 cm KnBt. 7, 8, 9, 15 cm HbBt. 2, 3, 5, 46, 1. u. 2. Bt. sHbD. 6, 30.5 cm MsBt. 1, 5, 11, 12, 14, 15/ 1., 3. u. 5. Komp. PB. 2,
1., 3. u. 4. Komp. PB. 10,- 62 Gesdi.
Armeeunmittelbar: komb. KavR. Obst. v. Bolla (6)9),- FliegKomp. 5, 9, 15
Summe der 3. Armee: 130i/2 Baone., 14i/2 Sdiwd., 127 Bt., 8 MWAbtlgn.,
33 techn. Komp., 4 FliegKomp.,- 121.081 Feuergewehre, 1800 Reiter, 501 Gesch.,
16 MW.
Festungsbesatzungen 10)
374 Baone., y2 Sdiwd., 182 Gesdi., 3 FußartAbtlgn., 8 LstArtAbtlgn., 2 LstSAbtlgn.
Peterwardein
3 Baone., V4 Sdiwd., 128 Gesdi., 3 FußartAbtlgn., 8 LstArtAbtlgn., 1 LstSAbtlg. Kmdt.: GM. Grzywinski
Brückenkopf Titel*Slankamen, Felsö*Aradi
1 Komp., 1/4 Sdiwd., 4 Gesdi., 1 LstSAbtlg.
Kmdt.: Obst. Franz
Gstbsdief: Obst. Marquard
21 Baone., 6 Schwd., 36i/2 Bt./ 16.660 Feuergewehre, 560 Reiter, 156 Gesch. Kmdt.: GdI. v. Lochow
Gstbsdief: Mjr. W e t z e 11
6. ID.: GM. Herhudt v. Rohden
9 Baone., 3 Sdiwd., 15 Bt.,- 7000 Feuergewehre, 280 Reiter, 60 Gesch.
25. RD. : GM. v. Jarotzky
9 Baone, 3 Sdiwd., 15 Bt. ,• 7260 Feuergewehre, 280 Reiter, 72 Gesdi. Korpsunmittelbar: 3 Baone., Bt., 2 FlakZüge,- 2400 Feuergewehre, 24 Gesdi.
27 Baone., 6 Sdiwd., 37 Bt.,- 27.385 Feuergewehre, 699 Reiter, 145 Gesdi. Kmdt.: GLt. v. Winckier
Gstbsdief: Mjr. Brüggemann
11. bayr. ID.: GLt. Ritt. v. Kneußl
9 Baone., 2 Sdiwd., 14 Bt.,- 9598 Feuergewehre, 200 Reiter, 56 Gesdi.
105. ID.: GM. von der Esch
9 Baone., 2 Sdiwd., 13 Bt.,- 9249 Feuergewehre, 267 Reiter, 52 Gesdi.
107. ID.: württemb. GM. v. Moser
9 Baone., 2 Sdiwd., 8 Bt.,- 8538 Feuergewehre, 232 Reiter, 32 Gesdi. Korpsunmittelbar: 2 Bt., 1 FlakZug,- 5 Gesdi.
IS Baone., 4 Sdiwd., 41 ^ Bt.,- 18.000 Feuergewehre, 400 Reiter, 160 Gesdi.
Gstbsdief: Obstlt. K u n d t
103. ID.: GM. v. Estorff
9 Baone., 2 Sdiwd., 15 Bt./ 9000 Feuergewehre, 200 Reiter, 60 Gesdi.
101. ID.: GLt. v. Kraewel
9 Baone., 2 Sdiwd., 14 Bt.,- 9000 Feuergewehre, 200 Reiter, 56 Gesdi.
Korpsunmittelbar: 12^2 Bt.,- 44 Gesdi.
Armeeunmittelbar:
Öst.-ung. Gruppe FML. F ü 1 ö p p, 6V2 LstlBaone, lU Sdiwd., 6 Bt.
Summe der deutschen 11. Armee: 72V2 Baone., I6V4 Sdiwd., 121 Bt.2)/ 66.946 Feuergewehre, 1701 Reiter, 483 Gesch.
Gstbsdief: Obstlt. Asmanoff bulg. 6. ID.: Obst. P o p o f f, 24 Baone., 4 Sdiwd., 16 Bt.
bulg. 8. ID.: GM. Mitoff, 24 Baone., 16 Bt.
bulg. 9. ID.: GM. Neresoff, 24 Baone., 12 Bt.
bulg. 1. ID.: GM. Draganoff, 21 Baone., 8 Sdiwd., 12 Bt.
Gruppe Obst. S t o i k o f f (von der bulg. 2. Armee), 8 Baone., 8 Sdiwd. (bulg. 1. KBrig.) Summe der bulg. 1. Armee3): 104 Baone., 20 Schwd., 56 Bt.
Summe der Heeresgruppe Mackensen: 3101/4 Baone., 51V2 Sdiwd., 305 Bt., 8 MWAbtign., 33 tedin. Komp., 4 FiiegKomp.,- rund 300.000 Feuergewehre, 4780 Reiter, 1200 Gesch., 16 MW,
Verstärkungen
Dem k.u.k. 3. Armeekmdo. wurden im Verlaufe der Operationen unterstellt:
10. GbBrig.: GM. v. Droffa, IBaone. I/iS, 1/62, 1/90, 11/92, Ill/bh. 1,- V4 I. Sdiwd.
LstHusD. 2, 7. Bt. FKR. 14, 7. Bt. FKR. 36, 2. HbBt. GbAR. 9,- 8. Komp. SB. 8
6J26 Feuergewehre, 21 Reiter, 14 Gesdi. ')
Deutsches Aipenkorps: bayr. GLt. Krafft v. D e 1 1 m e n s i n g e n Bayr. JägerBrig. Nr. 1: GM. Ritt. v. Tutschek JägerBrig Nr. 2: GM. v. Below
13 Baone., 1 Sdiwd., 9 Bt.2), 3 MWAbtlgn., 1 techn. Komp.,- 12,200 Feuer= gewehre, 95 Reiter, 36 Gesch., 18 MW.
TRUPPEN IN DALMATIEN, BOSNIEN UND DER HERZEGOWINA3)
Gstbschef: Obst. M i n n i c h
Küstenschutz 4)
7 Baone., 6 Bt.
Kmdt.: FML. Freih. v. Wucherer Rayon Sebenico 5): Kontreadmiral Zaccaria Abschnitte Zara, Sebenico und Spalato 6)
Rayon Mostar5): GM. Haala Abschnitte Makarska, Slano und Metkovic 6)
Festungsbesatzungen 28^2 Baone., 34 mob. Bt., 60 FsAKomp., 3 techn. Komp.
Bocche di Cattaro 9Ví Baone., 71/« mob. Bt., 30 FsAKomp., 1 techn. Komp,
Kmdt.: FML. Edl. v. Weber7)
Gstbschef: Mjr. S c h u p p i ch
T r e b i n j e
LVi Baone., 11 mob. Bt., 8 FsAKomp., lU techn. Komp.
Kmdt.: FML. Rudolf Braun
B i 1 e ć a
31/2 Baone., 5 mob. Bt., 6 FsAKomp., V4 techn. Komp.
Kmdt.: GM. Anton A n d r i a n
Verteidigungsbezirk Avtovac 83/4 Baone., ÍV2 mob. Bt., 1 FsAKomp., V4 techn. Komp.
Kmdt.: Obst. Waňek
K a 1 i n o v i k 3U Baon., 1 mob. Bt., 1 FsAKomp., V4 techn. Komp.
Kmdt.: Mjr. Anto sch
M o s t a r (mit Grad und Stolac)
2 Baone., 2i/2 mob. Bt., 5 FsAKomp., V4 techn. Komp.
Kmdt.: FML. Mau dry
Sarajevo
5 Baone,, 3 mob. Bt., 9 FsAKomp., 3U techn. Komp.
Kmdt.: FML. v. Rollinger
Brückenkopf Brčko
1 Komp., 6 stab. Gesch.
Kmdt.: Obst. Hroch
Drinasicherung !)
63/4 Baone., 2^ Bt.
Abschnitt Foča: GM. Vukadinovic, 43/.t Baone., IV2 Bt.
Abschnitt Goražde: GM. v. Vuchetich, 2 Baone., 1 Bt.
In Aufstellung
Gruppe Obst. v. Zhuber, k. k. LstlBaone. 22, 59, 83, k. k. LstMaBaon. 6, k. u. Lst11 EtBaon. 1/17
Summe der dem kommandierenden General in BHD. unterstellten Truppen: 47^2 Baone. (hievon nur 113/4 mob. Baone.), 36V2 mob. Bt., 60 FsAKomp.,
3 techn. Komp.; 51.714 Feuergewehre, 148 mob. Gesch.
*
Kmdt. der gesamten Streitkräfte: Gen. ZEKOFF Gstbsdief: GM. ZoStoff
Gstbschef: Obstlt. Russe ff bulg. 3. ID.: GM. R i b a r o f f, 24 Baone,, 12 Bt,
bulg. 7, ID.: Obst. W a s s i 1 j e f f, 16 Baone., 8 Schwd. (bulg. 2. KBrig.), 12 Bt.
Summe der bulg. 2. Armee: 40 Baone,, 8 Schwd,, 32 Bt,
Summe der verbündeten Streitkräfte auf dem Balkankriegsschaupiatz
(Mitte Oktober 1915)
493 Baone., 66V2 Schwd., 483^2 Bt., 8 MWAbtlgn.,- 492.000 Feuern gewehre, 9480 Reiter, 1717 Gesch., 16 MW.,- davon für den Angriff gegen Serbien: 397 Baone., 59^2 Schwd., 373^2 Bt,, 8 MWAbtlgn,
*
!) Die Sicherungstruppen von Megjegja bis zur Drinamündung waren dem 3. Armeekmdo. unterstellt,
2) Es standen von der 210 Baone., 44 Schwd., 198 Bt, mit rund 240.000 Feuergewehren, 5700 Reitern und 934 Gesch. starken bulgarischen Armee:
an der serbischen Ostfront (einschließlich der bei der Heeresgruppe Madienser. ein* geteilten J. Armee): 144 Baone., 28 Sdiwd., 8S Bt. an der griechischen Grenze: 2. u. 10. ID. an der rumänischen Grenze: 4. u. 5. ID. als Heeresreserve: 11. ID.
Kmdt. der gesamten Streitkräfte: PRINZREGENT ALEXANDER Chef des Stabes: Woiwode Putnik An der West- und Nordfront
1. Armee: Kmdt. Woiwode 2ivojin Misić
LIžicer Gruppe,- SokolBrig.,- DonD. II,- DrinD. II,- MorD. II,- 58 Baone., 4 Sdiwd.,
112 Gesdi.
Belgrader Verteidigung: Kmdt. Gen. Ź i v k o v i ć,- 20 Baone., 2 Sdiwd., 75 Gesdi.x)
3. Armee: Kmdt. Gen. Jurisić^Sturm
BraničevoDct.,- DonD. I,- DrinD I,- KrajinaDet.,- 53 Baone., 7 Sdiwd., 155 Gesdi. Der Heeresleitung unmittelbar unterstellt: TimD. II,- 12 Baone., 2 Schwd., 20 Gesdi.
Summe der serbischen Streitkräfte an der West- und Nordfront: 143 Baone-,
An der Ostfront (serbisdi^buigarischen Grenze) TimokArmeegruppe: Kmdt. Gen. Gojkovic
Negotiner Gruppe,- KombD.,- SumD. II,- Truppen dritten Aufgebotes in Festungen und zur Sicherung,■ 42 Baone., 4 Sdiwd., 88 Gesdi.
2. Armee: Kmdt. Woiwode Stepanovic
Tumbagruppe,- MorD. I,- TimD. I,- SumD. I,- KD.,- 591/2 Baone., 21 Sdiwd., J50 Gesdi.
Summe der serbischen Streitkräfte an der serbisdi-bulgarisdhen Grenze: IOIV2 Baone., 25 Sdiwd., 238 Gesdi.
In den neuen Gebieten (Mazedonien)
Kmdt.: Gen. Popo vic Gegen Bulgarien: 31 Baone., 54 Gesdi.
Gegen Albanien: Prizren*, Podrim= und Odiridagruppe,- 13 Baone., 24 Gesch.
Summe der Truppen in den neuen Gebieten: 44 Baone., 78 Gesdi.
Gesamtsumme der serbisdien Streitkräfte2): 288*/2 Baone., 40 Sdiwd., 678 Gesdi.
*
Kmdt. der gesamten Streitkräfte: KÖNIG NIKOLA Chef des Stabes: Obst. Pesić
Lovčengruppe: Kmdt. Fürst Petro vić,- J2Y2 Baone., i2 Gesch.
Herzegowinische Gruppe: Kmdt. Woiwode P e t r o v i ć, 2. u. 3. Div.,- J5 Baone.,
19 Gesch.
Sandžakgruppe: Kmdt. Gen. Vukotic,- J., 2. u. 3. SandžakDiv., KolašinBrig.,-40 Baone.,- 54 Gesch.
AltserbiscLe Gruppe: Kmdt. Gen. Vesovic,- 15x/4 Baone., 20 Gesdi,
Summe der montenegrinischen Streitkräfte 3): 823/* Baone., 134 Gesdi.
* *
*
‘) Die Infanterie bestand aus Verbänden dritten Aufgebotes,- unter den 75 Gesch. befanden sich 11 mittleren und 8 großen Kalibers. — 2) Am 5. Oktober 1915. — 3) Mit Ende September.
C. Italienischer Kriegsschauplatz
Kmdt.: GO. ERZHERZOG EUGEN Gstbschef: FML. Alfred Krauss
61 ł/s Baone.12), 1 RdfBaon., 51 StSchAbtlgn.2), 54 selbst. MGAbtlgn.3), 4 Sdiwd., 58V2 F- u. sdiw. Bt., 42 FsAKomp., 1 Panzerzug, 12 techn. Komp.,
2 FliegKomp.,- 91.400 Feuergewehre, 810 Reiter, 770 Gesdi.4)
Landesverteidigungskommando in Tirol Kmdt.: GdK. Dan kl
Gstbschef: GM. Pichler
Rayon I (Ortier), 53. HaBrig.: Obst. Abendorf
RBaon. 1/29, StSchAbtlgn. Prad, Schlanders, Stilfs, Taufers, 1 MGAbtlg.
1/4 3. MaSchwd. rt.TKSchD.
TFKnBt. 1
Speiren Nauders und Gomagoi: 2 Det. KSchR. II, 111/ 2. RKomp. FsABaon. 4,
2 Det. FsABaon. 7,- 19 Gesch. 5)
2777 Feuergewehre, 61 Reiter, 23 Gesdi.
Rayon II (Tonale), 88. KSchBrig.: GM. v. Eckhardt
KSchR. I (3), StSchAbtlgn. Bludenz, Cles, Innsbruck III, Malé, Ulten, EStSch. 6),
3 MGAbtlgn.
V4 3. MaSchwd. rt.TKSchD., FußSchwd. rt.TKSchD.
TFKnBt. 2, 5. KnBt. GbAR. 8, V2 30.5 cm MsBt. 19, 2—47 mm MarineKn. Sperren Tonale—Pejo: 1 Det. KSchR. 11/ 1. u. 2. Komp. FsABaon. 7,- 30 Gesch. 5540 Feuergewehre, 29 Reiter, 39 Gesch.
J) Hievon 30 Lst., ®R= und MaBaone.
2) Ursprünglich StSchBaone. Da sie keine Ergänzungen erhielten, schmolzen manche bis zu Abteilungen unter Kompagniestärke zusammen.
3) Außer den organisationsgemäßen MGAbtlgn. der Inft.= und SchBaone. waren 54 selbst. MGAbtlgn. vorhanden, darunter vom Deutschen Alpenkorps 10 GbMGAbtlgn. zu 4 MG., einige FsMGAbtlgn., größtenteils jedoch improvisierte, zumeist nichtmobile MGAbtlgn. verschiedenster Systeme, wie italienische, russische, griechische, holländische und MaximMG. Die deutschen 10 MGAbtlgn. gingen am 20. Oktober ab und wurden durch 10 halb so starke öst.=ung. MGAbtlgn. ersetzt.
4) In den Geschützsummen sind alle im betreffenden Bereiche vorhandenen Geschütze, einschließlich der Festungsgeschütze, der zugewiesenen und aller sonstigen Geschütze in ortsfester Verwendung enthalten. Von den 770 Gesch. in Tirol waren 215 mobil, 555 in stabiler Aufstellung.
5) Die Artillerie der Werke und Befestigungen bestand aus Geschützen der M. 61 bis M. 05 von 6 bis 15 cm Kaliber.
6) Einheimische StSchAbtlgn. aus den betreffenden Grenzräumen.
Rayon III (Südtirol), 91. ID.: FML. v. Koennen = Horak
a) Abschnitt Judicarien 50. HaBrig.: Obst. Spiegel
KJStreifkomp. 1, 4, 1 KSchKomp., k. k. LstlBaone. 163, L70, StSchAbtlgn. Bezau, Klausen, EStSch., 4 MGAbtlgn.
1. KnBt. GbAR. 8, 1/2 J. HbBt. GbAR. 14 V4 1. Komp. SB. 9
Sperrengruppe Lardaro: I Det. KSchR. II,- 3. u. 4. Komp. FsABaon. 7,- 35 Gesch.
b) Abschnitt Riva Festungs= und Absdinittskmdt.: GM. Schiesser RBaone. 111/29, 1/37, BesatzungsBaon. Riva, StSchAbtlgn. Bozen, Lana, Sarntal, EStSch., 6 MGAbtlgn.
1/2 1. HbBt. GbAR. 14, 1/2 9 cm KnBt.
V2 I • Komp. SB. 9
Befestigungen im Raume Riva: 1. u. 3. RKomp. FsABaon. 1, 2. u. 3. F=, 3. u.
4. RKomp. FsABaon. 4,- 66 Gesch.
8. ID.: FML. v. Fabini
c) Abschnitt Rovereto
181. IBrig.: GM. Georgi
RBaone. II u. 111/37, StSchAbtlgn. Brixen, Landeck, Meran III, EStSch., 5 MGAbtlgn. 4—9 cm KnBt., V2 7 cm M. 75 mob. GbKnBt. 1, ^ impr. 15 cm MsBt.
1U 3. Komp. SB. 14
Etschtalsperre: 1 LstGendAssistenzkomp./ 7. u. 17. Komp. FsABaon. 4,- 39 Gesch.
d) Abschnitt Folgaria ISO. IBrig.: GM. Edl. v. Verdross
III bis V/KSctR. II, V/KSchR. III, 1 RdfBaon., TLstBaon. II, k. k. LstlBaone. 160, 164, 168, StSchAbtlgn. Glurns, Gries, Imst, Kitzbühel, Kufstein, Reutte 1, EStSch., 7 MGAbtlgn.
7. Bt. FKR. 19, 5. Bt. FKR. 40, 1. KnBt. GbAR. 2, 1/2 2. HbBt. GbAR. 14,
3. Bt. sFHD. 3, V2 15 cm MsBt., V2 30.5 cm MsBt. 9, !/2 30.5 cm MsBt. 19 BrigPionAbt. 180
e) Abschnitt Lavarone Gruppe Obst. Ritt. v. Ellison
KJStreifkomp. 2, RBaon. 11/29, TLstBaon. I, V2 k. k. LstlBaon. 161, freiw. oö.
SchR. (2), StSchAbtlgn. Meran I, Schwaz, Sterzing, EStSch., 2 MGAbtlgn.
5. Bt. FKR. 2, 7. Bt. FKR. 22, 3. Bt. FHD. 45, 3. KnBt. GbAR. 9, 15 cm HbBr. 24 !), 15 cm mob. MsBt. 1, 30.5 cm MsBt. 2 2)
Sperren Lavarone—Folgaria: 7 Det. KSchR. I,- 4 Komp. FsABaon. 6,- 42 Gesch.
Divisionsunmittelbar: 8. Komp. SB. 14,- 6. Komp. PB. 8
f) Abschnitt Val Sugana
52. HaBrig.: Obst. Edl. v. Kreschel
I u. II/KSchR. II, k. k. LstlBaone. 169, 171, StSchAbtlgn. Kaltem, Meran II,
Rattenberg, Reute II, Zillertal, EStSch., 4 MGAbtlgn.
1/i 2. MaSchwd. rt. SchR. 6
V2 9 cm mob. KnBt. 2, 1. u. 4. KnBt. GbAR. 9, 2. KnBt. u. ^ 2. HbBt. GbAR. 14, V2 7 cm M. 75 mob. GbKnBt. 1, V2 10 cm deutsche Fuß(Kn)Bt. 104 V13 3. Komp. SB. 8, V4 1- Komp. SB. 9, ý* 3. Komp. SB. 14 Sperren Tenna und Colle delle bene: 2. F= und 2. RKomp. FsABaon. 1,- 22 Gesch. Dem Rayon III unmittelbar unterstellt: X. MaBaon. IR. 14,- V2 2. MaSchwd. rt. SchR. 6,2—47 mm MarineKn.,- Panzerzug Schober,- FliegKomp. 7, 17 Rund 39.900 Feuergewehre, 220 Reiter, 270 Gesch.
28V2 Baone., 6470 StSch., 23/4 Sdiwd., 28 Bt., 1% FsAKomp., 6!/2 techn. Komp.,-rund 34.300 Feuergewehre, 500 Reiter, 200 Gesdh.
Gstbsdief: Obstlt. Ritt. v. Langer
Rayon IV, 90. ID.: FML. Edl. v. Scholz
55. GbBrig. (Fleimstal): Obst. Spielvogel
KJStreifkomp. 3, RBaon. IV/37, 2 Det. KSdiR. III, k. k. LstlBaon. 166, k. k. LstMaBaon. 23, StSdiAbtlgn. Auer, Feldkirdb, Rankweil, EStSdi., 1 Gend= Assistenzkomp., 5 MGAbtlgn.
1/i 4. MaSdiwd. rt.TKSdiD.
7. Bt. FKR. 41, 1—9 cm KnBt.
9. Komp. SB. 14
Sperre Paneveggio: 1 Der. KSdiR. III,- 1. Komp. FsABaon. 1,- 18 Gesdi.
179. IBrig. (Fassatal): Obst. Edl. v. Schiessler
k. k. LstlBaone. 38, 39, StSdiAbtlgn. Dornbirn, Nauders, Kastelruth, EStSch.,
1 GendAssistenzkomp., 4 MGAbtlgn.
V4 2. MaSdiwd. rt. SchR. 6
8. Bt. FKR. 20, 6. Bt. FKR. 22, 8. Bt. FKR. 42, TFKnBt. 3, 2. KnBt. GbAR. 9,
V4 24 cm MsBt. 12
1 Det. 3. Komp. SB. 8,- BrigPionAbtlg. 179
Sperre Moena: StSdhAbtlg. Welschnofen,- 1 Det. FsABaon. 1,- 6 Gesdi.
58. GbBrig. (Pordoi): Obst. v. Borotha
KJR. 4 (3), StSdiAbtlgn. Bregenz, Gröden, EStSdi., 1 MGAbtlg.
3. KnBt. GbAR. 8
10. Komp. SB. 14 Divisionsunmittelbar: 3h 4. MaSdiwd. rt.TKSdiD.
Rund 12.200 Feuergewehre, 200 Reiter, 58 Gesch.
Rayon V, Komb. Division Pustertal: FML. Ludwig Goiginger 96. IBrig. (Abteital): Obst. Vonbank
KJR. 1 (3), 3 (3), k. k. LstlBaone. 162, 167, StSdiAbtlgn. Enneberg, Lienz, Passeier,
2 Alpine Det., 8 MGAbtlgn.
V4 3. MaSdiwd. rt. TKSdiD.
6. Bt. FKR. 8, 6. Bt. FKR. 40, TFKnBt. 4, 2. Bt. FHR. 14, 4. KnBt. GbAR. 2,
6. KnBt. GbAR. 8, 3. KnBt. GbAR. 14, 1. HbBt. GbAR. 8, 1/4 24 cm MsBt. 12, 1/2 deutsche Fuß(sHb)Bt. 102
2. Komp. SB. 14
Sperren Budienstein und Tre Sassi: 2 Det. KSdiR. III/ 1 komb. Komp. FsABaon. 1/
14 Gesch.
56. GbBrig. (Innichen): GM. Englertx)
KJR. 2 (3), KSdiR. III (3), X. MaBaon. IR. 59, k. k. LstlBaon. 165, k. k. LstMa-Baone. 24, 29, StSdiAbtlgn. Innsbruck I, II, Sillian, Silz, Welsberg, 1 Alpines Det., 3 MGAbtlgn.
RSdiwd. DR. 6, 1/4 3. MaSdiwd. rt.TKSdiD.
8. Bt. FKR. 36, 8. u. 9. Bt. FKR. 41, 1. u. 5. Bt. FHR. 14, 2. KnBt. GbAR. 2,
4. KnBt. GbAR. 8, 6. KnBt. GbAR. 11, 2. HbBt. GbAR. 8, 1/2 24 cm MsBt. 12, 1/2 30.5 cm MsBt. 9, 3—47 mm MarineKn., V2 10 cm deutsche Fuß(Kn)Bt. lOi, V2 deutsche Fuß(sHb)Bt. 102
6. Komp. SB. 6, 7. Komp. SB. 14
Sperren Plätzwiese, Landro, Sexten: 3 Det. KSchR. III,- 2 Komp. FsABaon. 1,
2 Komp. FsABaon. 4,- 37 Gesch.
Divisionsunmittelbar: 1/KSdiR. III
Sperre Franzensfeste: 1 Besatzungskomp.,• 1. MaKomp. FsABaon. 4,- 10 Gesch. Rund 22.150 Feuergewehre, 300 Reiter, 140 Gesch.
Dem Landesverteidigungskmdo. unmittelbar unterstellt: I/KJR. 2, KJStreifkomp. 5, 6,-FKR. -11 (6) i)
980 Feuergewehre, 3G Gesch.
Festung Trient
BesatzungsKomp. 1 bis II, EStSch., 11 MGAbtlgn.
2 F= u. 1 MaKomp. FsABaon. I, 1 F* u. 1 MaKomp. FsABaon. 4, 4 RKomp. FsABaon. 5 3/4 komb. Komp. SB. 8, 14
7900 Feuergewehre, 24 mob. und 215 stab. Gesdi.
*
40Vž Baone., 6 FrwSchBaone., 51/4 Scfiwd., 58V2 und sdiw. Bt., 14 FsAKomp.,
2 Panzerziige, 6 tedin. Komp., 1 FliegKomp.,- rund 40,900 Feuer gewehre, 572 Reiter, 319 Gesdi.
Gstbsdief: FML. Scott i Abschnitt I, 48. ID.: FML. Gabriel
Gruppe Obst. Fässer: IBaon. III/18, FJB. 30, X. MaBaon. IR. 7, k. k. LstlBaon. 43, II/Kärntner FrwSchR.,- V4 2. Sdiwd. HR. 9,- 1. u. 2. KnBt. GbAR. 4
11. GbBrig.: GM. Ławrowski, IBaone. 1/10, IV/20, 1/21, IV/77, III/bh. 3,-
Ví 2. Sdiwd. HR. 9,- 1. u. 2. KnBt. GbAR. 10
12. GbBrig.: Obst. Prinz Schwarzenberg, IBaone. 1/3, 11/57, 1/93, 11/100, III/bh. 2,-
V4 1. Schwd. UR. 5,- 5. KnBt. GbAR. 11, 4. u. 5. KnBt. GbAR. 13 DionsKav.: % 2. Sdiwd. HR. 9
48. FABrig.: Obst. v. Smekal, FKR. 40 (4), 5. Bt. FHR. 5,1., 2. u. 5. KnBt. GbAR. 6,
2. HbBt. GbAR. 1, 2. HbBt. GbAR. 6
7. Komp. SB. 2 Vom Armeegruppenkmdo- zugewiesen:
15 cm HbBt. 1, 15 cm MsBt. 3, 6, 7, 6—9 cm Kn., 6—47 mm MarineKn.,-3/4 5. Komp. PB. 7 15.350 Feuergewehre, 161 Reiter, 99 Gesdi.
Abschnitt II, 94, ID.: FML. Kuczera
Unterabschnitt West: Obstlt. v. Gautsch, k. k. LstlBaone. 40, 41, 150, 151, 153 Unterabschnitt Ost: Obstlt. Fritsdi, X. MaKomp. FJB. 8, 9, LstMaBaon. 10, Jung= schützenBaon., Salzburger FrwSchBaon.
DionsKav.: 1. MaSchwd. DR. 4
6. u. 7. Bt. FKR. 9, 3., 4. u. 5. Bt. FKR. 20, 7. Bt. FHR. 7, 5. Bt. FHR. 9,
1. u. 2. KnBt. GbAR. 5
6. Komp. PB. 3 Vom Armeegruppenkmdo. zugewiesen:
V2 10.4 cm KnBt. J, 1—15 cm MarineKn., 2—9 cm Kn.,- V4 5. Komp. PB. 7 4852 Feuergewehre, 145 Reiter, 4S Gesdi.
Abschnitt III, 92. ID.: GM. Fernengel
57. GbBrig.: GM. Freih. v. Henneberg, IR. 27 (4), FJB. 20
59. GbBrig.: Obst. Edl. v. Dietrich, IBaone. 11/37, 111/57, I/HIR. 13, Kärntner
FrwSdiR. (3)
DionsKav.: 3. MaScŁwd. DR. 4, RSdiwd. HR. 16
7. Bt. FKR. 42, 5. (Kn.) Bt. FHD. 22, 3. (Kn.) Bt. FHD. 44, 6. Bt. FHR. 5,
6. Bt. TürkeiHR , 5. u. 6. KnBt. GbAR. 2, 2. KnBt. GbAR. 8, 1. HbBt. GbAR. U
7. Komp. SB. 3 Vom Armeegruppenkmdo. zugewiesen:
V2 10.4 cm KnBt. 1, 12 cm KnBt. 13, 1—15 cm MarineKn., V2 15 cm HbBt. 3, 15 cm HbBt. 11, 3t, i/2 15 cm MsBt. 4, 30.5 cm MsBt. 18, 20—9 cm Kn., 2—47 mm MarineKn.
Sperre Malborgeth: Det. GbSdiR. 1,- 8. Komp. FsABaon. 2, 1. Komp. FsABaon. 4,
6. Komp. FsABaon. 8,- 16 Gesdi.
Sperre Raibl—Predil: Det. GbSdiR. 1/ 5. Komp. FsABaon 3, 1/2 I. RKomp. FsABaon. 4,15 Gesdi.
12.336 Feuergewehre, 166 Reiter, 103 Gesdi.
Abschnitt IV, 44. SchD.: GM. Nemeczek
44. SchBrig.: Obst. Majewski, GbSdiR. 1 (3), 2 (3)
87. SchBrig.: GM. Jellenchidi, SdiR. 2 (3), 21 (3)
DionsKav.: RSdiwd. DR. 10
44. FABrig.: Obst. Edl. v. Ellenberger, 1. Bt. FKR. 40, 4. Bt. TürkeiHR., 1. bis
5. KnBt. GbAR. 3, 1. u. 2. HbBt. GbAR. 3
7. Komp. SB. 7 Vom Armeegruppenkmdo. zugewiesen:
1/2 15 cm HbBt. 3, 1/2 15 cm MsBt. 4, 24 cm MsBt. 2, 1/2 24 cm MsBt. 7, 8-9 cm Kn., 2—37 mm MarineKn., 2—47 mm MarineKn.,- 3. Komp. SB. II Sperre Flitsch: Det. GbSdiR. 2,- i/o 1- RKomp. FsABaon. 4,- 11 Gesdi.
8360 Feuergewehre, 100 Reiter, 69 Gesch.
Armeeunmittelbar: 30.5 cm MsBt. 1 >),- Panzerzüge IX u. X,- FliegKomp. 16
*
I3OV2 Baone.2), 5 FrwSch.* und RdfAbtign., 20 Schwd., 142V2 F* schw. Bt.,
20 FsAKomp.3), 2 Panzerzüge, 22 techn. Komp., 4 FliegKomp./
120.300 Feuergewehre, 1576 Reiter, 610 Gesch.
Gstbsdief: FML. v. le Beau
25 Baone., 2i/2 Sdiwd., 271/2 Bt., 4 tedin. Komp.,- 26.800 Feuergewehre, 384 Reiter,
119 Gesch.
Gstbsdief: Obst. Theodor Edl. v. Körner 50. ID.: GM. Tunk (ab 6. November GM. G e ř a b e k)
3. GbBrig.: GM. Geřabek, IBaone. 11/18, IV/30, IV/37,111/46, IV/80, V* 1- Sdiwd.
UR. 5,- 3. KnBt. GbAR. 2, 2. KnBt. GbAR. 13 15. GbBrig.: GM. Edl. v. Wieden, IBaone. IV/33, 11/34, 1/61, 11/66, 1/91, 1/4 1. MaSdiwd. DR. 5,- 3. KnBt. GbAR. 5, 3. KnBt. GbAR. 13 I k GbBrig.: Obst. Edl. v. Hausser (ab 15. November Obst. Edl. v. Conrad), IBaone. 11/45, 11/72, 1/98, V/bh. 3, XI. MaBaon. IR. 28,- 1/2 2. Sdiwd. rt. DSdiD.
x) Erst vom 18. Oktober an verwendbar.
2) Hievon 30 LstlBaone.
3) Zur Bedienung der Marine= und schweren Batterien.
DionsKav.: % MaSchwd. rt.TKSchD.
50. FABrig.: Obst. Rath, 3. u. 4. Bt. HFKR. 6, I. u. 2. HbBt. GbAR. 7 1 LstSAbtlg.
15.800 Feuergewehre, 214 Reiter, 60 Gesch.
1. ID.: FML. Schmidt Edl. v. Fussina
7. GbBrig.: GM. Ströher, IBaone. 11/5, IV/25, 111/85, III/8G, V/bh. 2,- 14/4 1- Schwd.
UR. 12,- 6. KnBt. GbAR. 3, 4. KnBt. GbAR. 10
8. GbBrig.: GM. Wossala, IBaone. 1V/24, II1/35, IV/53, IV/58, V/bh. 1/ V41- Schwd.
UR. 12,. 4. KnBt. GbAR. 11, 1. KnBt. GbAR. 14
DionsKav.: V2 MaSchwd. rt.TKSchD.
I. FABrig.: Obstlt. Karl Schmidt, 7. u. 8. Bt. FKR. 39, I. HbBt. GbAR. 1, 2. HbBt.
GbAR. 11
4. Komp. SB. 13
II.000 Feuergewehre, 170 Reiter, 54 Gesch.
Korpsunmittelbar: 1. u. 2. Bt. sFHD. 15,- 2. Komp. PB. 8 Vom Armeekmdo. zugewiesen:
3 Bt. FKD. 21 1), 2. Bt. FHD. 22 2), 2. u. 3. Bt. TürkeiHD. 5, 1. HbBt. GbAR. 2,
15 cm HbBt. 14, 15 cm MsBt. 1, 2, i/2 15 cm MsBt. 4, 30.5 cm MsBt. 10, 12—9 cm Kn., 4—7 cm GbKn. M. 99, 2—37 mm MarineKn.,- 2. Komp. SB. G
26 Baone., 3 Schwd., 44 Bt., 1 Panzerzug, 6 techn. Komp., 3 FliegKomp., 1 BallonAbtlg.,-
25.500 Feuergewehre, 130 Reiter, 151 Gesch.
Gstbschef: Obst. Graf
18. ID.: GM. Stracker
1. GbBrig.: GM. Novak v. Arienti (ab 6. November Obst. Teuš), IBaone. 1/1, IV/4, 1/51, 1/63, 1/102,- 1/4 1. Schwd. UR. 5,- 5. KnBt. GbAR. 4, 3. KnBt. GbAR. 7
J3. GbBrig.: GM. Gf. Berchtoid, IR. 22(3), IBaone. 111/64, III/bh. 4,- 1/4 1- Schwd.
UR. 5,- 4. u. 6. KnBt. GbAR. 7 DionsKav.: !/2 2. Schwd. DR. 143)
18. FABrig.: Obst. Secuilić, 1. u. 2. Bt. HFKR. 6, 5. u. 6. Bt. FHR. 7
6. Komp. SB. 13
9800 Feuergewehre, 60 Reiter, 71 Gesch.
58. ID.: GM. Erwin Zeidler
4. GbBrig.: Obst. Lercher (ab 21. Oktober Obst. Adalbert v. Dáni), IBaone. 11/52,
111/69, SchR. 37 (3),- V4 1. Schwd. rt. DSchD.
5. GbBrig.: GM. Nöhring, IBaone. I u.V/22, SdiR.23 (3),- 1/i 2. Schwd. rt. DSchD.
60. IBrig.: Obst. de Brunfaut, IR. 30 (3), 80 (3)
DionsKav.: V2 -• Schwd. DR. 143)
58. FABrig.: Obstlt. Grund, 8. Bt. FKR. 3, 5. u. 6. Bt. FKR. 23, 3. Bt. FKD. 13,
3. Bt. FKD. 26, 3. Bt. FKD. 43, 5. Bt. FHR. 4, 5. Bt. FHR. 8
7. Komp. SB. 9
15.700 Feuergewehre, 70 Reiter, 80 Gesch.
Korpsunmittelbar: */2 10.4 cm KnBt. 16, 1. u. 2. Bt. sFHD. 16,- 4. Komp. PB. 7 Vom Armeekmdo. zugewiesen:
FrwRdfBaon. Graz,- 6. Bt. FKR. 4, 6. Bt. FKR. 12, 7. Bt. FKR. 17, 7. Bt. FKR. 20, 1. u. 2. Bt. FKD. 44, 1. Bt. TürkeiHD. 5, 10.4 cm KnBt. 1, 12 cm belg. KnBt. 1, 1—12 cm MarineKn., 1—15 cm MarineKn., B. Bt. sFHD. 14, 15 cm HbBt. 18, 24 *), 26, 43, 24 cm MsBt. 1, 30.5 cm MsBt. 7,
13, 1—7 cm autom. FlakBt., 20—9 cm Kn., 8—7 cm GbKn. M. 99,
7. Komp. SB. 1, 8. Komp. SB. 3, 3. Komp. SB. 6,- Panzerzug II,- Flieg= Komp. 2, 4. u. 8, BallonKomp. 1
Armeeunmittelbar:
61. ID-1): FML. Winkler
10. GbBrig.: GM. v. Droffa, IBaone. 1/48, 1/62, 1/90, 11/92, III/bh. 1,- lU 1. Sdiwd. UR. 12
k. u. 16. LstGbBrig.: GM. Breit (ab 22. Okt. Obst. Fiebidi=Ripke), k. u. LstlR. 17 (3), 29 (2),- 1/4 1. Schwd. rt. DSchD.
DionsKav.: 6. Schwd. HR. 9 2)
61. FABrig.3): Obst. v. Dobner, 6. Bt. FKR. 20, 8. u. 9. Bt. FKR. 21, 6. Bt. FKR. 28,
6. Bt. FKR. 31, 7. Bt. FKR. 37, 6. Bt. FKR. 39, 1., 2. u. 3. Bt. TürkeiFHR. 1 LstSAbtlg.
9700 Feuergewehre, 71 Reiter, 40 Gesch.
37 Baone., 2 Sdiwd., 43V2 Bt., 7 techn. Komp., 1 FliegKomp., 1 Ballon Abtlg.,-
28.700 Feuergewehre, 197 Reiter, 174 Gesch.
Kmdt.: GdK. Erzherzog Joseph Gstbsdief: Obstlt. Eisner-Bubna
20. HID.: GM. v. Lukachich
39. HIBrig.: Obst. Stadler, HIR. 3 (3), 4 (3)
81. HIBrig.: Obst. v. Weeber (ab 30. Okt. Obst. Sárkány), HIR. J (3), 17 (3) DionsKav.: ^ RSdiwd. HR. 3
20. FABrig.: Obstlt. Mostbödi, HFKR. 8 (5), I. Div. FKR. 20 (2)
6. Komp. SB. 14
7700 Feuergewehre, 67 Reiter, 70 Gesdi.
17. ID.: FML. Edl. v. Gelb
33. IBrig.: Obst. v. Sóos, IR. 39 (4)«), 61 (3), FJB. 24
34. IBrig.: Obst. Boleslav Wolf, IR. 43 (4), 46 (3)
DionsKav.: RSchwd. HR. 3
17. FABrig.: Obst. Czapp, FKR. 21 (6), I. Div. FHR. 7 (2)
5. Komp. SB. 7
12.900 Feuergewehre, 50 Reiter, 46 Gesdi.
106. LstlD.: FML. Kl etter
110. LstlBrig.: GM. Maag (ab 14. Nov. Obst. Mietzl), k. k. LstlR. 31 (3), 32 (3)
111. LstlBrig.: Obst. Göttlicher, k. k. LstlR. 6 (3), 25 (2)
DionsKav.: RSdiwd. UR. 1
106. FABrig.: Obst. Edl. v. Portenschlag, FKR. 32 (6), FKD. 106 (2), II. Div.
FHR. 11 (2), 15 cm KnBt. 7, 5 bespannte 9 cm KnBt.
1. Komp. SB. 6,- 1. Komp. PB. 4 8100 Feuergewehre, 80 Reiter, 50 Gesdi.
Korpsunmittelbar: 1. u. 2. Bt. sFHD. 7
Vom Armeekmdo. zugewiesen:
7. Bt. FKR. 7, 1. Bt. FHD. 22 s), 10.4 cm KnBt. 15 6), 12 cm KnBt. 14, 4. Bt.
sFHD. 2, 2. Bt. sFHD. 3, 2—15 cm MarineKn., 24 cm MsBt. 6, % 30 5 cm MsBt. 3, 30.5 cm MsBt. 4, 13 cm bayr. KnBt. 106, 1—8 cm autom. FlakBt., 10—9 cm Kn., 4—7 cm GbKn. M. 99, 2—47 mm MarineKn.,-
1. Komp. SB. J, 3. u. 4. Komp. SB. 2,- FliegKomp. 12, BallonAbtlg. J3
') Armeereserve im Raume Schönpass. Die 10. GbBrig. ging mit Bahntransport am
18. und J9. Oktober von Prvacina—Reifenberg zur 3. Armee nach Serbien ab.
2) Bei der Kavalleriegruppe Reifnitz.
3) Dem XVI. Korps vorübergehend unterstellt.
4) IV/39 traf aus Kärnten erst am 23. Oktober ein.
5) Vom III. Korps.
6) Vom XV. Korps.
29 Baone., 2 Sdiwd., 241/2 Bt., I Pjnzerzug, 4 techn. Komp./ 22.550 Feuergewehre,
128 Reiter, 112 Gesch.
Kmdt.: FML. Ritt. v. Krautwald
Gstbsdief: Obstlt. Freih v. Karg
28. ID.: FML. Schneider Edl. v. Manns-Au
55. IBrig.: Obst. Pilar, IR. 9G (3), MaBaon. 17 !)
56. IBrig.: GM. Hugo Schmid, IR. 17 (4), 87 (3)
DionsKav.: RSchwd. DR. 3, UR. 5
28. FABrig.: GM. Kratky, FKR. 8 (5), II. Div. FHR. 3 (2)
4. Komp. SB. 1 i-
8850 Feuergewehre, 84 Reiter, 64 Gesdi.
22. ScfiD. 2): GM. Schön
43. SchBrig.: Obst. Edl. v. Merten, SchR. 3 (3), 26 (3)
DionsKav.: RSdiwd. DR. 12 3)
22. FABrig.: Obst. Gärtner, FKR. 7 (4), FKD. 22 (2)
5. Komp. SB. 3
5000 Feuergewehre, 64 Reiter, 14 Gesch. k. u. 19. LstGbBrig.: Obst. D r e n n i g (ab 14. Nov. Obst. v.Szabó),k.u.LstlBaone. 111/1, 11/3, 1/4, 1/6, II/J2, IV/19 4900 Feuergewehre
187. IBrig.: Kontreadmiral Freih. v. Koudelka, k. k. LstlBaone. 37, 42, 152, 157, k. k. LstMaBaon. 30, SeeBaon. 4, y2 FrwRdfKomp.
3800 Feuergewehre Korpsunmittelbar: 1. u. 4. Bt. sFHD. 3 Vom Armeekmdo. zugewiesen:
5. Bt. FKR. 7, 5. Bt. FKR. 26, 7. Bt. FKR. 32, 12 cm KnBt. 15, 1-12 cm MarineKn., 2—15 cm MarineKn., 4. Bt. sFHD. 14, 15 cm HbBt.30, 24 cm MsBt. 7, ^2 20.5 cm MsBt. 3, 10 cm deutsche Fuß(Kn)Bt. 14, 12—9 cm Kn., 2—7 cm GbKn. M. 99, 1—47 mm MarineKn., 1—7 cm autom. FlakBt.,-
4. Komp. SB. 1, 5. Komp. SB. 8,- Panzerzug V,- BallonKomp. 1
Abschnitt IV (Küstenabschnitt Triest)
2^2 Baone., 4 Schwd., 2 Bt.,- 4200 Feuergewehre, 540 Reiter, 10 Gesdi.
Kmdt.: GM. Alexander Ritt. v. Wasserthal Kavalíeriegruppe: I. DivKmdo. HR. 7, 1. u. 2. Sdiwd. HR. 7 4), RSdiwd. DR. 12, komb. MaSchwd. DR. 4, 5, 15, i/s FrwSchBaon. Triest, 2 Küstensicherungs-Abtlgn., FinanzwachKomp., Eisenbahnsidierungen Stadtkmdo. Triest: k k. LstlBaon. 154, 1/2 SeeBaon., LstWadh= und PolizeiBaon. Triest Gruppe Obst. Vogelhuber: x/2 FrwSchBaon. Triest, 9 KüstensidherungsAbtlgn., Gend.- und Finanzwachposten, 1 EisenbahnsicherungsKomp. Absdinittsartilierie: 1% 9 cm KnBt., 2—47 mm MarineKn.
Abschnitt V (Küstenabschnitt Fiume)
1 Baon., 1 Schwd., 1 Bt.,- 2850 Feuergewehre, 126 Reiter, 4 Gesdi.
k. k. LstlBaon. 155,- 1 FrwSchKomp., 3 KüstensicherungsAbtlgn., Gend-, Finanzwach= und Grenzpolizeiposten/ 4. Schwd. HHR. 45),- 1—9 cm KnBt. Armeeunmittelbar:
KavGruppe Reifnitz 6): 2. Schwd. DR. J 4, 6. Schwd. HR. 9, RSchwd. HR. 10, 3. Sdiwd. HHR. 4
x) Kombiniert aus den MaBaonen. IR. 17 u. 97 der aufgelösten 185. IBrig. — 2) Die
22. SdiD. war Armeereserve im Raume Selo. — 3) Im Abschnitt IV. — 4) Vom VII. Korps. — 5) Von der 20. HID. — 6) Wurde Ende Oktober aufgelöst.
15 Baone., 1 Sdiwd., 2 mob. Bat, 41 FsAKomp., 1 techn. Komp.,- rund 15.700 Feuer* gewehre, 80 Reiter, 610 Gesch.
Kmdt.: Vizeadmiral Ritt. v. Chmelaři Gstbschef: Obst. Funk
I. Sicherheitsbesatzung
II u. IV/SchR. 5, k. k. LstlR. 5 (3), 26(4), k. u. LstEtBaone. IV/8, 11/27, V/29, SeeBaone. 1—3 RSchwd. DR. 4
RKnBt. FKR. 6, 6. Bt. FKR. 14
4. Komp. SB. 6,- 4 FsBallonAbtlgn.
4. FsABrig.: GM. Hlavaček, 17 F*, 10 R=, 10 MaKomp. FsAR. 4, 2 Komp. FsABaon. 3
II. Küstenabschnitte Rovigno und Albona
Je 4 KüstensicherungsAbtlgn. zu J00 Mann und mehrere GendPosten, Finanz* und Kabelwachen
III. Insel Lussin
l IDet., 1 MarineLstAbtlg., 4. F* u. 4. RKomp. FsAR. í
Summe der Streitkräfte auf dem italienischen Kriegsschauplätze
(Mitte Oktober 1915)
245 IBaone., 62 FrwSchBaone. u. ^Abtlgn., 30 Schwd., 256 mob. Bt., 117 FsAKomp., 41 techn.Komp., 7 FliegKomp.,- rund 268.300 Feuer^ gewehre, 3000 Reiter, 2310 Gesch.
Während der 3. Isonzoschlacht im Bereiche der5.Armee eingelangte Verstärkungen
a) Aus Kärnten am 25. Oktober bei Ranziano1): IBaone. 111/18, 11/37, IV/77
am 3. November bei Podmelec: IBaone. 111/57, III/bh. 2
b) Aus Tirol am 25. Oktober bei Ranziano1): RBaon. IR. 29, I/KJR. 2, II/KSchR. II
c) Vom russischen Kriegsschauplatz vom 27. Oktober an im Wippachtal:
6. ID.: FML. Fürst Schönburg
11. IBrig.: GM. Walter Ritt. v. Schreitter, IR. 17 (2i/2), FJBaone. 7, 8, 9
12. IBrig.: Obst. Rudolf Müller, IR. 7 (3), bh. 2 (2)
6. FABrig.: Obst. Edl. v. Steiner, FKR. 9 (5), I. Div. FHR. 3 (2)
5. Komp. SB. 8
d) Aus Syrmien am 21. Oktober bei Triest:
k. k. 206. LstlBrig. 2): Obst. v. S z a b ó, IV u. V/SchR. 37, k. k. LstlBaon. 35, k. k. LstMaBaon. 7, k. u. LstEtBaone. I u. 11/29
e) Aus Pola am 29. Oktober nach Selo, später zum XV. Korps: k. k. LstlR. 26 (3)
Zusammen 27 Baone., 1 Schwd., 5 Bt.
!) Die am 25. Oktober bei Ranziano eingetroffenen 5i/2 Baone. wurden unter dem Kmdo. des Obst. Konstantin Ritt. v. Wasserthal als Armeereserve vereinigt. Die Tiroler Baone. traten nicht in den Kampf und wurden nach dem Eintreffen der 6. ID. dem Landes* verteidigungskmdo. Tirol zurüdtgestellt.
2) Mitte November wurde der Brigadeverband aufgelassen,• die beiden Baone. des SchR. 37 traten zur 28. ID., die beiden ung. EtBaone. formierten das neue III. Baon. des LstlR. 29 der k. u. 16. GbBrig. Das LstMaBaon. 7 und das LstlBaon. 35 wurden zur Standes* ergänzung auf die Truppen der 106. LstlD. aufgeteilt. Der Brigadier übernahm das Kommando der k. u. 19. GbBrig.
Während der 4. Isonzoschlacht im Bereiche der 5. Armee eingelangte Verstärkungen
a) Aus Kärnten am 15. November: IBaone. IV u. V/27
b) Aus Tirol am 23. November (vorübergehend bis 16. Dezember): k. k. LstlBaone. 165,
169, RBaon. II1/37
c) Vom russischen Kriegsschauplätze
am 21. November:
9. ID.: FML. Edl. v. Schenk
17. IBrig.: GM. Ritt. v. Mossig, IR. 91 (3), 102 (2)
18. IBrig.: Obst. Wokoun, IR. 11 (3), 73 (4)
DionsKav.: RSchwd. UR. 12
9. FABrig.: Obst. Baumann, FKR. 24 (4), I. Div. FHR. 8 (2)
5. Komp. SB. 2 am 26. November:
9. IBrig.: Obst. T r i m m e 1, IR. 54 (4), 93 (2)
d) 3 techn. Komp.
Zusammen: 23 Baone., 1 Schwd., 6 Bt., 4 techn. Komp.
*
Oberkmdt.: KÖNIG VIKTOR EMANUEL III.
Chef des Gstbs.: GLt. conte Cadorna1)
III. Korps: 5. ID., 6. ID., 1 Alpini* und 1 BersaglieriR., mehrere GrenzfmanzBaone., 1 FrwMotorradBaon.
V. Korps: 9. ID.2), 34. ID., 35. ID., 1 Alpinigruppe, I BersaglieriR., mehrere selbst.
Bersaglieri® und KüstenfinanzBaone.
Armeeunmittelbar:
15. ID., Brig. Mantua,- mehrere sBt.
Summe: 6y2 verstärkte ID./ etwa 114 Baone., 16 Schwd., 70 Bt.
Kmdt.: GLt. Nicolis di Robilant
IX. Korps: J. ID., 17. ID., 18. ID., 3 AlpiniBaone., 1 BersaglieriR.,- mehrere sBt.
I. Korps: 2. ID., 10. ID.3), J Alpini», 1 BersaglieriBaon.,- mehrere sBt. Armeeunmittelbar:
1 GrenzfinanzBaon.,- mehrere sBt.
Summe: 5 verstärkte ID./ etwa 74 Baone., 10 Sdiwd., 73 Bt.
KARNISCHE GRUPPE (ZONA CARNIA)
XII. Korps: 24. ID., 26. ID.,- mehrere FinanzBaone./ sBt.
Summe: 2 verstärkte ID.,- 37 Baone., 6 Sdiwd., 49 Bt.
!) Bevollmächtigter Vertreter des Königs.
2) Das IDKmdo. ging mit je 1 Brig. der 5. und 35. ID. Ende Oktober an die Isonzofront ab.
3) Wurde Ende Oktober in den Bereich der 2. Armee verlegt.
2. ARMEE (am oberen und mittleren Isonzo)
Kmdt.: GLt. F r u g o n i
IV. Korps: 7. ID., 8. ID., 38. ID., verstärkte BersaglieriDiv. mit der Brig. Aosta, Alpini» gruppen A und B, mehrere selbst. Bersaglieri* und BersaglieriRdfBaone. VIII. Korps: 27. ID., V° (Brig. Messina), mehrere BersaglieriBaone.
II. Korps: 3. ID., 4. ID., 32. ID.
VI. Korps: 11. ID., 12. ID., mehrere BersaglieriRdfBaone., 1 GrenzfmanzBaon. Armeeunmittelbar:
V2 13. ID. (Brig. Sardegna),- mehrere BersaglieriRdfBaone.
Summe: 111/2 ID., 2 Alpinigruppen, 10 bis 12 selbst. Baone.,■ 163 Baone., etwa
24 Schwd., 164 Bt.
Kmdt.: GLt. duca di Aosta
XIV. Korps: 28. ID., 29. ID., 30. ID., V2 23. ID., mehrere BersaglieriBaone.
X. Korps: 19. ID., 20. ID., mehrere Bersaglieri= und BersaglieriRdfBaone.
VII. Korps: 14. ID. verstärkt durch J IR., Spezialkolonne (6 Baone.), 16. ID., Brig. Trapani Armeeunmittelbar: Brig. Caltanisetta, Brig. Padova
Summe: 9y2 Div.,■ 125 Baone., 20 Schwd., 136 Bt.
Reserven der italienischen Heeresleitung
XI. Korps: 21. ID., 22. ID.
XIII. Korps: 25. ID., 31. ID.
KavKorps2): 4 KD.
Summe: 4 ID., 4 KD.,- 49 Baone., 4 BersaglieriRdfBaone., 92 Schwd., 50 Bt.
Für die Herbstoffensive standen daher Mitte Oktober 1915 am Isonzo der k.u.k. 5. Armee und der 44. SchD. gegenüber: 338 Baone., 343 Bt. 3)
Während der Herbstkämpfe an den Isonzo herangeführte italienische
V erstärkungen
Ende Oktober bis Anfang November: 9. ID. von der 1. Armee, 10. ID. von der 4. Armee Mitte November: Brig. Novara (V2 35. ID.) von der 1. Armee
Gesamtstärke der Mitte Oktober 1915 gegen die öst.-ung. Südwestfront angesetzten italienischen Streitkräfte: 35 ID., 1 Bersa^ glieriDiv., 3 selbst. Brig., 2 AlpiniBrig., mehrere Alpinigruppen, 4 KD.,- rund 566 Baone., 170 Schwd., 500 Bt.
* *
*
!) In Lybien, im Dodekanes und in Albanien standen rund 65 Baone., 6 Schwd. und eine Anzahl von Feld= und Gebirgsbatterien des Heeres.
2) Beiderseits des Tagliamento und im Küstensicherungsdienste.
3) KavKorps. nicht mitgerechnet.
D. Außer Bereich der drei Kriegsschauplätze TRUPPEN IN SIEBENBÜRGEN
70. HID.!): GM. G o 1 d b a c li
207. HIBrig.: Obst. Andreas Berger, HIR. 312 (3), 313 (3)
208. HIBrig.: Obst. v. Csicsery, HIR. 314 (3), 315 (3)
DionsKav.: HHD. 70 (2)
7. Bt. FKR. 35, 9 cm KnBt. V70 bis 7/70/ G. Bt. FHR. IG, I—12 cm KnBt. M. Gl 3 BergwerksBaone. 2)
9600 Feuergewehre, 300 Reiter, 42 Gesch.
Die befestigte Donauiinie Kmdt.: FZM. Benda
Brückenkopf Krems Kmdt.: GM. Hauninger k. k. LstBaone. 25, 83, LstWachBaon. II,- 1 FsAKomp., 3 LstArtAbtlgn.
J 400 Feuergewehre
Brückenkopf Tulln Kmdt.: GM K r a s e 1 k. k. LstBaone. 63, 82, 84,- 1 FsAKomp., 2 LstArtAbtlgn.
1500 Feuergewehre
Brückenkopf Wien Kmdt.: FML. Fath
k. k. 3. LstTerrBrig.: GM. Freih. v. Hartlieb, k. k. LstBaone. 21, 22, 23, 64, 65, 92, 93, LstWachBaone. I, 111, 11/39,- 5 FsAKomp., 8 LstArtAbtlgn.
6000 Feuergewehre
Brückenkopf Preßburg Kmdt.: GM. Ritt. v. B o 1 b e r i t z, k. k. 8. LstTerrBrig.: GM. Ritt. v. Grasern, k. k. LstBaone. 59, 61,- 1 FsAKomp.,
2 LstArtAbtlgn.
1300 Feuergewehre
Festung (Brückenkopf) Komorn Kmdt.: FML. Meister k. k. LstBaone. 50, 55, 56, k. u. LstEtBaon. 508,- 4 FsAKomp., 3 LstArtAbtlgn.
2000 Feuergewehre
Brückenkopf Budapest Kmdt.: FML. v. L i 1 i e n h o f f • k. k. 11. LstTerrBrig.: GM. v. Grimm, k. k. LstBaone. 85, 90, 91, 94, 95, k. u. Lst15
EtBaon. 1/7,- 3 FsAKomp., 9 LstArtAbtlgn.
4000 Feuergewehre
Summe der Streitkräfte außerhalb der drei Kriegsschauplätze
(Mitte September)
43 Baone., 2 Schwd., 10 Bt., 15 FsAKomp., 27 LstArtAbtlgn.,-25.800 Feuergewehre, 300 Reiter, 42 mob. Gesch.
* *
*
mit Ende September 1915
Fiottenkommandant Admirai Haus
1. Geschwader
Kmdt.: Vizeadmiraí N j e g o v a n
1. Division. Kmdt.: der Kommandant des 1. Geschwaders
»Viribus unitis«, »Tegetthoff«, »Prinz Eugen«, »Szent Istvan« (je 20.300 t)
2. Division. Kmdt.: Vizeadmiral W i 11 e n i k
»Erzherzog Franz Ferdinand«, »Zrinyi«, »Radetzky« (je 14.500 t)
2. Geschwader Kmdt.: Vizeadmiral Löfler
3. Division. Kmdt.: der Kommandant des 2. Geschwaders
»Erzherzog Karl«, »Erzherzog Friedrich«, »Erzherzog Ferdinand Max« (je 10.600 t)
4. Division. Kmdt.: Kontreadmiral Seidensacher
»Habsburg«, »Ärpad«, »Babenberg« (je 8300 t)
Kreuzerflottiiie Kmdt.: Vizeadmiral Fiedler
1. Kreuzerdivision. Kmdt.: der Kommandant der Kreuzerflottille
»Sankt Georg« (7300 t), »Kaiser Karl VI.« (6300 t), »Novara«, »Saida« (je 3500 t),
»Aspern« (2400 t), »Szigetvar« (2300 t)
1. Torpedoflottille. Führerschiff »Helgoland« (3500 t), Kmdt.: LsdiKapt. S e i t z,
12 Torpedofahrzeuge und 9 Torpedoboote
2. Torpedoflottille. Führerschiff »Admiral Spaun« (3500 t), Kmdt.: LschKapt.
v. Millenkovich, 7 Torpedofahrzeuge und J8 Torpedoboote
Unterseebootflottiiie
11 Unterseeboote Verteidigung von Küstenabschnitten
5. Division. Kmdt.: Kontreadmiral Hansa, »Monarch«, »Wien«, »Budapest« (je 5600 t)
2. Kreuzerdivision. Kmdt.: LsdiKapt. Grund, »Kaiserin und Königin Maria Theresia«
(5200 t), »Kaiser FJI« (4000 t), »Panther« (1530 t)
Ferner das Seeverteidigungskmdo. von Pola, die Seebezirkskmdos. von Triest,
Sebenico und Castelnuovo mit einer Anzahl von Spezialschiffen, 7 Torpedofahrzeugen und 38 Torpedobooten.
’ Donauflottiiie])
Kmdt : LsdiKapt. L u c i c h
a) In der Donau
1. Monitordivision. »Temes«, »Enns«, »Bodrog«, »Maros«, Patrouillenboote »i« und »f«,
Minenräumer »Balaton«
2. Monitordivision. »Sava«, »Inn«, »Körös«, »Leitha«, Patrouillenboote »k« und »h«,
Minenräumer »Vag«
Armierte Dampfergruppe. »Almos«, »Helena«, »Samson«
Motorbootsabteilung. 9 Motorboote,- Flußminenabteilung; Train
b) In der Save Savemonitorgruppe. »Szamos«, arm. Dampfer >Una«, 1 Motorboot
DER FELDZUG VON ROWNO
ui
4
Die Offensive des öst.-ung. Heeres in Wolhynien und Ostgalizien
Bereitstellung der unter der k.u.k. Heeresleitung stehenden Armeen Hiezu Beilagen 2, 3 und 4
Nachdem der Aufmarsch des X. (24. und 62. ID.) und des IX. Korps (10. ID. und 26. SchD.) zwischen der Ługa und der Turya beendet war und das XIV.Korps (3. ID. und 21.SchD.) Kowel erreicht hatte, schwenkte FZM. Puhallo am 25. August mit seinem Nordflügel zur Umfassung der
8. Russenarmee gegen Südosten ein (Bd. II, S. 706 f.). Da man die russische Front bisher nur bis zur Luga von Infanterie besetzt wähnte, hatte das X. Korps den Hauptschlag in der Richtung auf Lokaczy zu führen, das IX. Korps auf Torczyn vorzustoßen und bereit zu sein, über Zaturcy in einen Kampf des X. einzugreifen. Die 4. KD. sollte entlang der von Kowel nach Łuck führenden Straße in gleicher Höhe mit dem IX. Korps vorrücken, das XIV. Korps hinter der 4. KD. derart folgen, daß es mit seinen Anfängen am 28. den Stochod überschreiten konnte. Die längs der Ługa aufwärts von Zimno und längs des Bug bis zur Ratamündung stehenden Truppen, das Korps FML. Szurmay (40. HID. und 7. ID.), das
1. Korps (9. ID. und 46. SchD.) und das II. Korps (25. ID.), hatten sich vom Nordflügel aus dem Angriff anzuschließen. Als Armeereserve war einstweilen die hinter dem X. Korps nachrückende 13. SchD. bestimmt.
An der oberen Złota Lipa stellte GdK. Böhm-Ermolli, der schon seit längerem mit der Vorbereitung des Angriffes auf dem Südflügel der
2. Armee beschäftigt war, dem drei Divisionen starken V. Korps (14., 34. und 33. ID.) noch die 43. SchD. (drei Regimenter) als Reserve zur Verfügung und verstärkte dessen Artillerie. Insgesamt verfügte FML. Goglia in einer Front von 20 km Breite über 44.000 Feuergewehre und 182 Geschütze. Sein Korps hatte zunächst den Talrand westlich der Złoczówka zu gewinnen. Der linke Armeeflügel, das Korps FML. Czibulka (31. ID.,
1. LstlBrig., l.KD., verstärkt durch ein Regiment der 43. SchD., 1. Lst-HusBrig.), sollte gemeinsam mit dem II. Korps der 1. Armee vorgehen, falls dieses Raum gewann. Im übrigen hatte sich die Armeemitte (XIX. Korps mit der 29. ID., IV. Korps mit der 51. HID., XVIII. Korps mit der 27. und 32. ID.) dem Angriff des Korps Goglia anzuschließen.
Das Ziel für die Verfolgung durch die 2. Armee war die Ikwa bis Werba. GdI. Graf Bothmer, der Befehlshaber der Südarmee, hatte das auf seinem Nordflügel stehende Korps GdK. Freih. Marschall für den entscheidenden Angriff bestimmt. Und zwar sollte dessen 3. GID., GM. v. Lindequist, verstärkt durch Teile der 19. ID., der 48. RD. und der 38. HID., die russische Front unterhalb von Dunajów bei Buszcze in der Richtung auf Zborów durchstoßen. Gleichzeitig hatten die Masse der 48. RD. und das Korps FML. Hofmann (55. ID., 131. IBrig., Brigade Obst. Edl. v. Bolzano) über die Złota Lipa bei Zawałów anzugreifen.
Bei der 7. Armee verfügte GdK. Freih. v. Pflanzer-Baltin, daß das XIII. Korps (36. ID., Masse der 15. ID.), das er durch die halbe 5. ID. (9. IBrig.) vom Korps FML. Ritt. v. Henriquez (5. und 30. ID., 8. KD.), durch das IR. 16 von der Armeereserve sowie durch vier Batterien verstärkte, am 27. August gleichzeitig mit der Südarmee über die untere Złota Lipa und aus den Dniesterschlingen von Koropiec und von Koś-mierzyn anzugreifen habe. Gelang das Unternehmen auf dem linken Armeeflügel, dann wollte Pflanzer-Baltin die noch am Dniester stehenden Russen in doppelseitigem Angriff fassen, indem er am 29. auch mit dem Korps FML. Ritt. v. Benigni (6. ID., 3., 5. und 6. KD.) aus dem Brückenkopf von Sińków nach Norden vorstieß. Dazu sollte die 10. IBrig. der
5. ID. in der Front des Korps Henriquez durch dessen Reserve, die 8. KD., abgelöst und zusammen mit dem Rest der Armeereserve, dem IR. 66, bei dem Korps Benigni eingesetzt werden.
Da an der ganzen Front in Ostgalizien seit längerem Ruhe herrschte, konnten alle Vorbereitungen für den Angriff ungestört durchgeführt werden. Die Munitionskolonnen waren wieder aufgefüllt, die XII. Marschbataillone der Landwehr und die XIII. des Heeres, die Mitte August eingelangt waren, bei den Armeen eingereiht, so daß ihre Divisionen wieder einen Gefechtsstand von 8000 bis 10.000 Gewehren hatten. Alles in allem verfügte GO. Conrad zur Durchführung seiner Absichten über 3 81/2 Infanterie- und 8Vs Kavalleriedivisionen, während Iwanow nach den Berechnungen der k.u.k. Heeresleitung eine Streitmacht von 29 Infanterie- und 14 Kavalleriedivisionen besaß. Die Russen waren demnach an Infanterieverbänden nahezu um ein Drittel schwächer. Ein entscheidendes Übergewicht besaß FZM. Puhallo auf seinem Nordflügel. Hier waren zu Beginn der Offensive 9 Infanteriedivisionen und 1 Kavalleriedivision zur Verfügung, während in der über 50 km breiten Lücke in der russischen Front zwischen der Luga und Rożiszcze vorläufig nur 2 Infanterie- und
4 Kavalleriedivisionen angenommen wurden. Weiter nördlich bis zum
Pripiatj befand sich anscheinend nur das 2 Divisionen starke russische
IV. KavKorps, so daß man auch in der Nordflanke einstweilen keine Gefahren zu befürchten hatte. Ebenso standen die 2. und die Südarmee mit 15i/2 Infanterie- und 11/2 Kavallericdivisionen gegen 9 bis 13 russische Infanterie- und 1 bis 2 Kavalleriedivisionen recht günstig. Erst gegenüber der 7. Armee verschob sich das Stärkeverhältnis augenscheinlich zugunsten der Russen — es standen 8 öst.-ung. Infanterie- und
5 Reiterdivisionen gegen 8 bis 9 Infanterie- und 6 bis 8 Reiterdivisionen. Eine Erschwernis für die jetzt kommende Offensive lag in der Eigentümlichkeit des Geländes, auf welchem die öst.-ung. Heeresleitung den Schlag gegen die russische Südwestfront führen mußte. Von der galizisch-podolischen Bodenwelle streben nach Süden die tief eingeschnittenen Zuflüsse des Dniester: die Złota Lipa, die Strypa, der Sereth und der Zbrucz, die den Russen eine Reihe vortrefflicher paralleler Widerstandslinien boten — eine von der anderen nicht viel mehr als einen Tagemarsch entfernt. Im Norden waren der Bug, das versumpfte Quellgebiet der Luga, der Turya und des Stochod sowie die versumpften flachen Täler des Styr und des Horyń mit ihren Nebenflüssen Sierna, Polonka, Putilowka und Stubiel Heeresbewegungen sehr hinderlich. Auch lagen die Nachschub Verhältnisse für die k.u.k. Armeen recht ungünstig. Die Russen hatten auf ihrem Rückzug alle Bahnen zerstört. Ende August war die Bahnlinie von Radom über Lublin, Cholm gegen Kowel noch immer durch die gesprengte Weichselbrücke bei Iwangorod unterbrochen. Dieser lebenswichtige Schienenstrang konnte nur auf der erst im Kriege erbauten und minderleistungsfähigen Strecke von Rozwadów über Kraśnik erreicht werden. Hinter dem entscheidenden linken Heeresflügel war die Bahn einstweilen nur von Lublin bis Cholm in Betrieb. Von Beiz bis Wladimir-Wołyński führte nur eine Feldbahn. Die 1. Armee litt unter der Länge ihrer über fast 150 km ausgedehnten Etappenlinie. Die Vollbahnen über Rawa Ruska und über Lemberg waren wohl schon bis nahe hinter dem rechten Heeresflügel benützbar, aber an zahlreichen Stellen erst notdürftig wiederhergestellt; Hunderte von „Langsamfahrsignalen“ und großer Mangel an Betriebswasser erschwerten den geregelten Verkehr. Dagegen stand den Russen das großzügig ausgebaute, strategische Bahnnetz der Linien Kiew—Samy, Kiew—Rowno und Odessa— Tarnopol mit der wertvollen Querverbindung Brody—Rowno—Sarny zur Verfügung, auf der sie nach Wolhynien Verstärkungen heranziehen konnten. Die Möglichkeit eines großen Erfolges schien aber gegeben zu sein, wenn der umfassende linke Flügel im Angriff rasch vorwärts kam.
Die allgemeine Lage bei den Russen
In den Tagen, da die in Wolhynien sich häufenden öst.-ung. Kräfte die russische Südwestfront mit Umfassung bedrohten, war die Aufmerksamkeit der Stawka ganz auf den Nordflügel des Heeres gerichtet. Der Vormarsch der Deutschen in Litauen und in Kurland erweckte seit langem in Petersburg ernste Besorgnisse für die Sicherheit der Hauptstadt1). Als Kowno gefallen war (17. August) und Hindenburg die deutsche 10. Armee nördlich vom Bobr von Augustów auf Grodno, über den Njemen und in der Richtung auf Wilna angreifen ließ, wandte die Stawka alles auf, um die Flanke der im Rückzug von Brest-Litowsk auf die Linie Pińsk—Słonin befindlichen Zentrumsarmeen zu schützen. Sie zog Verstärkungen an die bedrohte Stelle. Ende August löste sie die 12. und die 13. Armee auf; deren Kräfte wurden teils mit der bei Riga in Versammlung begriffenen neuen 12. Armee verschmolzen, teils mit dem Gardekorps bei Wilna eingesetzt2). In der Nacht auf den 31. August trat auch die schon seit Ende Juli geplante Teilung der Nordwestfront in Kraft. GdI. Rußki übernahm den Oberbefehl über die nunmehr aus der 12., 5.,
10. und 6. (Petersburger Reservearmee) neugebildete Heeresgruppe Nord, die übrigen Armeen der bisherigen Nordwestfront, die 1., 2., 4. und 3., wurden als Heeresgruppe West unter Gen. Alexejew zusammengefaßt (Bd. II, S. 717).
Was die Südwestfront betraf, so hatte die Stawka dem Gen. Iwanow schon am 22. Juni, dem Tage der Einnahme von Lemberg, befohlen, die Südwestarmeen allmählich an die Grenzen des Kiewer Militärbezirkes zurückzunehmen (Bd. II, S. 554). Dabei sollte aber immer wieder Front gemacht werden, um den Vormarsch des Gegners aufzuhalten. Diese Aufgabe wurde dem Gen. Iwanow durch das Gebiet erheblich erleichtert, auf dem seine Armeen zu operieren hatten. In geschickter Anpassung an das Gelände ließ Gen. Sawitsch, der Stabschef der Südwestfront, eine Reihe von Stellungen ausbauen, deren westlichste hinter dem oberen Bug, der Olszanica und der Złota Lipa verlief.
Hier standen nun Ende August am Bug das XII., das VIII., das
XVII. und das VII. Armee- sowie das KavKorps Rerberg (insgesamt 8V2 Infanterie- und 4 Kavalleriedivisionen) der 8. Armee, GdK. Brussilow. Gegen Süden quer über die galizisch-podolische Bodenwelle
Paléologue, La Russie des tsars (Paris 1921), I, 389 ff.; K n o x, With the Russian Army 1914—1917 (New York 1921), 329ff.
-) Dani low (Daniloff), Rußland im Weltkriege 1914—1915 (deutsche Ausgabe, Jena 1925), 537 f.
zwischen den Eisenbahnen Brody—Lemberg und Tarnopol—Rohatyn folgte die aus dem VI., dem XVIII. und dem XXII. Armeekorps (insgesamt 6V2 Infanterie-und l1/« Kavalleriedivisionen) bestehende 11. Armee, GdI. Schtscherbatschew. Noch weiter südlich schlossen an der unteren Złota Lipa, am Dniester und an der Ostgrenze der Bukowina das XI., das XXX., das XXXIII., das XXXII. Armee- sowie das II. und das
III. KavKorps (insgesamt 13 Infanterie- und 7V2 Kavalleriedivisionen) der 9. Armee, GdI. Letschitzki, an.
Der lange Stillstand der Operationen auf diesem Teil der Gesamtfront gestattete den russischen Armeeführern, den in den vergangenen schweren Kämpfen erschütterten Truppen die so nötige Ruhe zu gönnen. Iwanow zog aus dem Innern Rußlands alle greifbaren Ersatztruppen heran. Es konnten dadurch die Gefechtsstände der Divisionen, die teilweise schon auf 4000 Streiter und darunter zusammengeschmolzen waren, wieder auf 7000 Mann gebracht werden. Die Ersatzmannschaften waren jedoch wenig ausgebildet, sie hatten keine Gewehre, es fehlte an Offizieren und Unteroffizieren sowie vor allem an Artilleriemunition1). Ein Teil der Geschütze mußte deshalb aus der Front gezogen werden. Nicht weniger als 11 Divisionen hatte Iwanow im Verlaufe des Sommers an die Nordwestfront abgeben müssen. Zuletzt waren Mitte Juli 2 Divisionen (die 58. und 78. RD.) als Besatzung für Nowogeorgiewsk und anfangs August neben 120 Kompagnien noch 6 ganze Infanteriedivisionen wegen der Bedrohung von Wilna und Riga nach Norden abgegangen. Alles in allem verfügte Iwanow Ende August nur mehr über 31 Infanterie- und
12 Kavalleriedivisionen.
Dazu hatte um diese Zeit der Rückzug der bisherigen 13. Armee von Kowel und Włodawa ernste Besorgnisse wegen des Nordflügels erweckt. Iwanow befahl dem Gen. Brussilow, seinen rechten Flügel von Poryck bis Łuck zu strecken und die von Rożiszcze nach Sarny und Aleksandrya (Eisenbahnstation nördlich von Rowno) führenden Straßen zu sichern, wie die Reiterei des Gen. Gillenschmidt (IV. KavKorps) sie gegen Kamień Kaszyrskij und Ratno decken sollte. Brussilow, dem der Aufmarsch beträchtlicher gegnerischer Kräfte zwischen Władimir-Wołyński und Kowel nicht verborgen geblieben war, ließ durch seine vier Kavalleriedivisionen hinter dem obersten Stochod sowie zwischen Kisielin und Poryck eine Schutzflanke bilden; er zog auch aus seiner Armeemitte das XII. Korps nach Torczyn und Swiniuchy heran, empfahl aber den
x) Paléologue, I, 372ff.; Mémoires du General Broussilov, Guerre 1914—1918 (in französischer Sprache, Paris 1929), 142 f.
sofortigen Rückzug. Demgegenüber war Iwanow für das Standhalten in den guten Stellungen hinter dem oberen Bug und verhieß für den Flankenschutz das XXXIX. Korps, das er aus zwei Reichswehrdivisionen der
11. und der 9. Armee zu bilden gedachte1).
Ehe diese sehr wenig kampfkräftigen Verbände in Łuck eingelangt waren, hatte FZM. Puhallo mit seinem linken Flügel schon die neue Offensive begonnen.
Der Vormarsch bis an den Styr und an die Strypa
(26. bis 31. August)
Hiezu Beilage 4 sowie Skizze 1
Die Kämpfe der k. u. k. 1. Armee bei Zaturcy
Durch das Quellgebiet der Ługa, Turya und des Stochod, auf Stegen über Sumpf land, durch dichte Waldungen und dazwischenliegende schmale Landrücken strebten die Stoßgruppen der 1. Armee am 26. August gegen Südosten. Das X. Korps gelangte am Nachmittag unter heftigen Kämpfen mit russischer Kavallerie bis in die Gegend von Chorostów, das IX. Korps war im Vorgehen auf Makowiczy und suchte die Stochodübergänge bei Kisielin zu gewinnen. Das XIV.Korps, durch die vorangegangenen Märsche ermüdet, ging bis Lubitów vor. Die vorausgeeilte 4. KD. hatte keinen Feind vor sich und gelangte bis Hołoby. Hinter dem nach Südosten einschwenkenden Armeeflügel hatte die nachrückende 7. KD. Lubomi und die Gruppe FML. Smekal (4. ID. und 45. SchD.) Cholm erreicht.
Nach den bis zum Vormittag vorliegenden Nachrichten gewann FZM. Puhallo den Eindruck, daß die vor dem linken Armeeflügel stehenden Russen im Begriffe seien, an den Styrabschnitt von Łuck zurückzugehen, in welcher Auffassung er noch durch die Nachricht bestärkt wurde, daß die bisher hinter dem Lugaabschnitt von Poryck gestandene 12. ID. des
XII. Russenkorps nach Torczyn marschiere. Puhallo befahl seinem Nordflügel, über die für den 26. gegebenen Ziele noch ein Stück hinauszugehen. Das X. und das IX. Korps sollten am 27. um 6h früh die Linie Biskupiczy—Wojmica—Kisielin—Stochod überschreiten; sie erhielten die Angriffsrichtung auf Szelwów—Torczyn—Ulaniki. Das Korps Szurmay hatte gemeinsam mit der 24. ID. des X. Korps den noch nördlich von Biskupiczy befindlichen Feind anzugreifen und mit der 9. ID. des I. Korps die Linie Steniatyn—Szelwów zu gewinnen. Das XIV. Korps (21. SchD., x) Broussilov, 152f.
3. ID. und die überdies unterstellte 2. ID.) sollte noch am 26. mit seinen Anfängen Holoby und am nächstfolgenden Tag die Gegend südöstlich von Perespa erreichen. Die 4. KD. hatte die nördliche Armeeflanke zu decken, die 13. SchD. wie bisher dem rechten Flügel des X. Korps zu folgen. Insgesamt waren somit 11 Infanteriedivisionen und 1 Kavalleriedivision zum umfassenden Angriff in einem Raum, angesetzt, in dem der Feind — soweit man wußte — nur über erheblich schwächere Kräfte, 2 Infanterie- (die 12. und die 19. ID. des XII. Korps) und 3 bis 4 Kavalleriedivisionen, verfügte.
Das Korps FML. Szurmay überschritt noch in der Dunkelheit des 26. zwischen Markostaw und Żytanie die Luga, vertrieb die auf dem rechten Ufer eingegrabenen russischen Nachhuten und konnte bis zum Abend des 27. die Gegend zwischen Poryck—Szelwów gewinnen. Rechts vom Korps Szurmay schloß sich am 27. früh die 9. ID. des I. Korps dem Vorgehen an und kam bis zum Abend nahe an Steniatyn—Poryck heran. Hier und zwischen Poryck und Szelwów leistete der Feind in durchlaufenden Stellungen neuen Widerstand. Das X. Korps erreichte, über Lokaczy— Wojmica vordringend, an diesem Tage nach harten Kämpfen mit russischer Reiterei die Gegend nördlich von Szelwów und östlich von Zaturc)^. Vor der Front des IX. Korps hatte der Feind in der Nacht Kisielin und die dortigen Stochodübergänge aufgegeben. Am 27. früh schwenkte die
10. ID. gegen Zaturcy ein, während die 26. SchD. unter zahlreichen Scharmützeln mit russischer Reiterei in der Richtung auf Chorochorin vorging. Hier kam das IX. Korps vor eingegrabenen russischen Vortruppen, die die Zugänge in die Niederung des Siernabaches verteidigten, zum Stehen. Ein kritischer Augenblick trat am Nachmittag ein, als die bei Torczyn zurückgehaltene russische 12. ID. gegen die Mitte des IX. Korps zum Gegenangriff vorbrach. In wechselvollem, bis zum Einbruch der Dunkelheit währendem Kampfe wurde der Vorstoß der Russen von der
26. SchD. abgeschlagen und bei Chorochorin weiterer Fortschritt erzielt.
Links vom IX. Korps hatte inzwischen das XIV. mit der 21. SchD. die Gegend von Perespa, mit der 3. ID. den Stochod und mit der von Kowel nachgezogenen 2. ID. Holoby erreicht. Die 4. KD. war, nach Nordosten vorrückend und ohne auf nennenswerten feindlichen Widerstand zu stoßen, bei und abwärts von Rożiszcze schon an den Styr gelangt.
Die Schlachten bei Gologóry und an der Zlota Lipa
Am 27. August, an dem Tage, da der von Wladimir-Wolynski— Kowel nach Südosten eingeschwenkte Nordflügel der 1. Armee bereits tief in die Flanke der noch immer am oberen Bug verbliebenen Masse der
8. Russenarmee vordrang, waren auch die Armeen Böhm-Ermolli, Bothmer und Pflanzer zum Angriff geschritten.
Bei der 2. Armee eröffneten um 8h früh die Geschütze des V. Korps >(14., 34., 33. ID., 43. SchD.) das Wirkungsschießen gegen die russischen Gräben von Ciemierzyńce bis Gołogóry. Nach einstündiger Artillerieschlacht brachen zuerst die Regimenter der auf dem rechten Flügel eingesetzten 14. ID. über die Złota Lipa vor. Sie drangen um Mittag oberhalb von Dunajów in die Stellungen des VI. Russenkorps ein. Unter schweren Verlusten überschritt unterdessen auch die links benachbarte 34. ID. die Złota Lipa und erstürmte die Waldhöhen südöstlich von Gołogóry. Am Nachmittag unternahmen die Russen gegen die 14. und die 34. ID. Gegenangriffe; trotzdem erzielten diese beiden Divisionen nach Einsatz der halben 43. SchD. weitere Fortschritte; nur der Nordflügel der 34. ID. wurde wieder an die Złota Lipa zurückgedrängt. Gegen die 33. ID., deren rechter Flügel sich dem Vorgehen der 34. ID. angeschlossen hatte, brach am Abend ein russischer Angriff aus Gołogóry vor. Da ging das IR. 26 zum Angriff über und eroberte nach schwerem, bis spät in die Nacht andauerndem Ringen den Ort. Bei der 34. und der 14. ID. herrschte um diese Zeit lebhafter Feuerkampf, doch führte der Russe von den rechtsufrigen Höhen der östlichen Złota Lipa keine Gegenstöße mehr.
Über 2000 Gefangene wurden im Verlaufe des Tages eingebracht; die eigenen Truppen hatten in opfervollem Angriff etwa 4500 Streiter verloren.
Auch bei der Südarmee erzielte der Angriff am 27. August erfreulichen Raumgewinn. Auf ihrem Nordflügel durchbrach die aus der 3. GID. und aus Truppen der 48. RD., der 38. HID. und der 19. ID. bestehende Angriffsgruppe des Korps Marschall im Verlaufe des Vormittags bei Buszcze (unterhalb von Dunajów) die zäh verteidigten Stellungen des XVIII. Russenkorps und warf am Nachmittag feindliche Reserven, die zum Gegenangriff schritten, auf Pomorzany zurück. Unterdessen überschritten auf rasch errichteten Brücken die Regimenter der 48. RD. und der 55. ID. des Korps Hofmann gegen Mittag bei Zawałów die Złota Lipa und nahmen, von der Artillerie kräftig unterstützt, die auf dem Ostufer angelegten Verschanzungen des russischen XI. Korps. Der linke Flügel der Brigade Obst. Bolzano schloß sich gegen Abend dem Vorgehen an. Die Russen führten auch auf diesem Teil der Angriffsfront bis spät in die Dunkelheit blutige Gegenangriffe, die abgewiesen wurden. Die Südarmee hatte an diesem Tage über 2000 Gefangene eingebracht.
Vordringen der Verbündeten über die Zlota Lipa
Bei der Armee Pflanzer-Baltin leiteten Ablenkungsmanöver des Korps Henriquez am 27. August im Morgengrauen den Angriff ein. Vom
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XIII. Korps drang die Mitte der 15. ID. bei Kośmierzyn in die russischen Stellungen ein, der linke Flügel blieb vor Koropiec liegen. Der aus dem Raume östlich von Uście Zielone angesetzte Hauptschlag der verstärkten 36. ID. konnte erst um 10hvorm. beginnen. Starker Nebel hemmte die Artillerievorbereitung. Nach hartem Kampf erstritt sich diese Division an der von Uście Zielone nach Monasterzyska führenden Straße den Übergang über die Złota Lipa. Sie eroberte am Nachmittag die Höhen hart östlich des Flusses und schuf sich einen etwa 10 km breiten und 2 km tiefen Brückenkopf. Gegenstöße des angegriffenen XXX. Russenkorps wurden am Abend und im Dunkel der Nacht abgeschlagen und etwa 800 Gefangene eingebracht. Bei der 15.ID. mußte jedoch die bei Koś-mierzyn in die feindliche Stellung eingedrungene Gruppe wegen russischen Flankenfeuers in die Ausgangsstellung zurückgenommen werden. Am 28. sollte der Angriff des Nordflügels des Korps GdI. Freih. v. Rhemen weitergeführt werden. Die Südarmee und das V. Korps hatten den jetzt an mehreren Punkten aus seinen Verschanzungen an der Złota Lipa vertriebenen Feind völlig zu durchstoßen.
Auf dem Nordflügel der ganzen Angriffsfront wollte FZM. Puhallo an diesem Tage mit dem Korps Szurmay und dem X. Korps den umfassenden Angriff in der Richtung auf Swiniuchy—Torczyn fortsetzen. Das IX. Korps hatte das Ostufer der Sierna zu gewinnen, das XIV. Korps auf Rożiszcze vorzugehen.
Die Eroberung von Łuck
Angesichts der Flankenbedrohung von Norden sowie der wuchtigen Schläge des Gegners an der Zlota Lipa hatte sich Gen. Iwanow am
27. August abends entschlossen, seine ganze Front zurückzunehmen, und zwar die 8. Armee hinter die Łuck deckende Siema, dann auf die Wasserscheide zwischen Bug und Styr in die Linie Torczyn—Swiniuchy— Stojanów—Radziechów—Toporów, den Nordflügel der durchbrochenen
11. Armee auf die bastionsartig vorspringenden Höhen von Biały Kamień und östlich von Złoczów, den linken Flügel der 11. und den rechten der
9. Armee hinter die Strypa1).
x) Nesnamow A., Strategische Skizzen (in russischer Sprache, Moskau 1922).
IV.Teil, 105f.5 Zajontschkows'kij, Die Periode des Bewegungskrieges 1914 und 1915 auf dem russisch-europäischen Kriegsschauplätze (in russischer Sprache, Moskau 1929), 370.
Bei der großen Gefahr, überflügelt zu werden, trat Gen. Brussilow noch in der Nacht auf den 28. August den Rückmarsch an und gab vor dem Südflügel der k.u.k. 1. Armee das rechte Bugufer auf. Die am Morgen dieses Tages beim II. Korps über Sokal, beim I. Korps über Steniatyn und Poryck angesetzte Verfolgung kam, ohne auf Feind zu stoßen, bis über die Reichsgrenze und über Zawidowo hinaus. Das Korps Szurmay sowie das X. und das IX. Korps drückten wie bisher unter lebhaften Kämpfen schwächere russische Kräfte in südöstlicher Richtung zurück und standen am Abend vor den neuen feindlichen Stellungen beiderseits von Swiniuchy, bei Torczyn und an der Sierna bis Ulaniki. Auf dem linken Armeeflügel waren die Vortruppen des XIV. Korps am Vormittag in der Gegend westlich von Rożiszcze auf den Widerstand der
3. OrenburgKosD. gestoßen. GdI. Roth setzte die 3. ID. und die 21.SchD. zum Angriff an und zog die über Holoby heranmarschierende 2. ID. nach Perespa heran. Die 4. KD., die weiter nach Norden ausholte und keinen Feind vor sich hatte, überschritt im Verlaufe des Nachmittags auf einer Kriegsbrücke bei Sokul den Styr.
Die k.u.k. Heeresleitung hatte schon am 28. September früh den FZM. Puhallo darauf hingewiesen, daß für rasches Vorgehen auf Łuck und ausgiebige umfassende Wirkung des Angriffs das Überschreiten des Styr mit starkem linkem Flügel abwärts von Rożiszcze besonders wichtig sei. FZM. Puhallo befahl daraufhin dem XIV., dem IX. und dem X.Korps, möglichst rasch Łuck zu nehmen. Hiezu sollte das XIV. Korps mit zwei Divisionen auf dem östlichen und mit einer Division auf dem westlichen Styrufer Vordringen, das IX. Korps aber die Westfront von Łuck bedrohen. Als dann um Mittag dem AOK. bekannt wurde, daß das XIV. Korps den bei Rożiszcze auf dem Westufer des Styr noch haltenden Feind angreife, befahl es unmittelbar dem GdI. Roth, dem verlustreichen Stirnangriff auszuweichen und ebenso, wie die 4. KD., abwärts von Rożiszcze den Styr zu überschreiten. Unterdessen hatte der Feind aber Rożiszcze schon geräumt. Teile des IR. 59 stürmten den weichenden Russen über die brennende Brücke nach; andere Truppen der 3. ID. wurden auf Kähnen rasch auf das jenseitige Ufer geschafft. GdI. Roth wollte nunmehr noch am 28. die Masse der 3. ID. bei Rożiszcze auf das östliche Styrufer bringen, die 21. SchD. sollte dann sofort der 3. ID. nachgesendet werden; die
2. ID. hatte bei Czeben auf einer Kriegsbrücke den Fluß zu überschreiten. Die bereits auf dem Ostufer eingetroffene 4. KD. erhielt den Auftrag, den Uferwechsel der 2. ID. zu decken und gegen die von Łuck nach Osten führenden Straßen vorzudringen.
In Fortsetzung der Offensive griff die auf dem Südflügel der 1. Armee vorrückende 25. ID. am 29. August den bei Stojanów—Druszkopol haltenden Feind an. Sie setzte sich auch in Stojanów fest, drang aber schließlich nicht durch. Weiter nördlich brauchte das I. Korps in dem unwegsamen Wald- und Sumpfgelände den ganzen Tag, um an die feindlichen Stellungen von Gorochów heranzukommen. Beim Korps Szurmay warf die 7. ID. südlich von Swiniuchy die Russen aus ihren vordersten Gräben; die 40.HID. machte keine wesentlichen Fortschritte. Die erschöpften Divisionen des X. und des IX. Korps blieben stehen und meldeten schon am Morgen, daß die Stellungen vor ihrer Front stark besetzt seien. FZM. Puhallo wollte daher zunächst die auf den elenden Wegen abgebliebene Artillerie herankommen lassen und meldete der Heeresleitung, daß er erst am 30. die stark ausgebauten russischen Stellungen bei Swiniuchy und an der Sierna mit dem Korps Szurmay sowie dem X. und dem IX. Korps angreifen werde.
Mit dem Einsatz so starker Kräfte in der Mitte der 1. Armee schien aber der Heeresleitung das Gelingen des von ihr beabsichtigten Umfassungsmanövers in Frage gestellt. GO. Conrad drückte dem FZM. Puhallo telegraphisch seinen Unmut mit den Worten aus: „Das AOK. erwartet bindende Befehle an die Korpskommandos zum vollen Durchsetzen des eigenen Willens und zum sicheren Erreichen des großen Zweckes, der bei bedeutender eigener Übermacht sicher erreichbar ist, aber nur dann, wenn nicht starke Kräfte im frontalen Kampf nutzlos dort verbraucht werden, wo es der Feind wünscht. Durch ein ausgiebiges Umgreifen um seinen Nordflügsl muß dem Feinde das Halten der Ikwa-Styrlinie Dubno— Łuck unmöglich gemacht werden. Die 4. KD. hat so weit als möglich gegen Rowno vorzugehen und dort die Bahn zu zerstören.“
FZM. Puhallo befahl darauf am 29. nachmittags, daß das XIV. Korps, das mittlerweile mit allen drei Divisionen bei Rożiszcze und abwärts davon über den Styr gelangt war, unter Sicherung gegen Łuck den Raum östlich der Stadt beiderseits der nach Rowno führenden Straße zu gewinnen habe. Ferner beschloß er, das X. Korps aus der Front zu ziehen, um es bis zum 1. September über Rożiszcze dem XIV. Korps nachzusenden, weil er die Möglichkeit berücksichtigte, daß die Russen auf der Bahn Truppen über Rowno gegen das Korps Roth heranführen könnten. Hinter dem linken Armeeflügel hatten außerdem noch die über Kowel heranmarschierende 7. KD. und die Gruppe FML. Smekal über Rożiszcze oder über Łuck zu folgen. Diese Absichten meldete FZM. Puhallo, dessen Hauptquartier mittlerweile von Żółkiew nach Sokal verlegt worden war, am Abend nach Teschen und fügte seiner Meldung hinzu, daß er nach den früheren Befehlen beauftragt war, die Bugstellung zu umgehen, den Nordflügel der russischen Südwestfront zu schlagen und möglichst rasch Łuck zu nehmen. Als allgemeine Angriffsrichtung sei ihm Łuck gegeben worden. Abwärts von Rożiszcze hätten bereits das XIV. Korps und die 4. KD. den Styr überschritten, stärkere Kräfte seien hiezu nicht verfügbar gewesen, da sich der ganze in der befohlenen Richtung auf Łuck vorrückende Armeeflügel die erreichten Räume habe erkämpfen müssen. Das dem Styr zunächst befindliche IX. Korps könne nicht nach Norden abgezogen werden, da ihm starker Feind gegenüberstände, der gestern angegriffen habe. Die für die neue Aufgabe, Umgehung der Ikwa-Styr-linie, erforderliche Neugruppierung sei angeordnet, und es seien vom
1. September an 7 Infanterie- und 2 Kavalleriedivisionen zur Verwendung auf dem Ostufer des Styr verfügbar.
Auf diese Meldung ließ GO. Conrad, der dem raschen Vorgehen aller verfügbaren Kräfte auf dem nördlichen Heeresflügel für das Gelingen der Gesamtoperation entscheidende Bedeutung beimaß, dem FZM. Puhallo noch am 29. zu später Stunde mitteilen, daß das AOK. zwar dem Angriff der 1. Armee die allgemeine Richtung auf Łuck gegeben und den Vorrückungsraum des südlichen Armeeflügels durch die in rein östlicher Richtung verlaufende Linie Krystynopol—Werba begrenzt habe. Anstatt die Armeemitte gegen Łuck zu dirigieren, seien aber bis zum
29. früh von den zunächst verfügbaren 13 Divisionen nur 3 nördlich von Łuck, dagegen 10 gegen den befestigten und für den Angriff ungünstigen Styr-Ikwaabschnitt Łuck—Dubno angesetzt worden. Je mehr sich der Feind durch Rückzug der Umfassung zu entziehen versuche, umsomehr müsse die Heeresleitung auf das schon wiederholt betonte Ausgreifen in östlicher Richtung Wert legen, damit mit starker, links vorgeschobener Staffel stets entscheidend gegen den russischen Nordflügel eingegriffen und der russische Rückzug zur Katastrophe gestaltet werden könne. Räumten die Russen, wie zu erwarten sei, beim Ausgreifen des XIV. Korps gegen den Raum östlich von Łuck ihre Stellungen an der Sierna, so werde auch das IX. Korps unverzüglich abwärts von Łuck über den Styr ostwärts zu entsenden sein. Ehestes Heranfühlen an die Festung und ihre Abschließung auf beiden Flußufern müsse die Wahrnehmung ermöglichen, ob der Feind Łuck überhaupt halte und welche Kräfte der 1. Armee zur Wegnahme des Platzes bestimmt werden müßten. Gegen den Raum Werba—Dubno—Łuck seien beim weiteren Fortschreiten der Offensive höchstens sechs Divisionen anzusetzen.
Siegreiches Fortschreiten des XIV. Korps
Diesem Befehle gemäß wies FZM. Puhallo noch in der Nacht zum
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30. den FML. Králiček an, den Feind, wenn er von der Sierna zurückweiche, nur mit kleinen gemischten Abteilungen zu verfolgen, die Masse des IX. Korps aber nächst der Siernamündung zu versammeln, um mit ihr möglichst bald und nahe von Łuck den Styr zu überschreiten. An das II., das I. und an das Korps Szurmay erging der Befehl, den Feind anzugreifen, wenn er vor ihrer Front Kräfte wegzog.
Zwischen dem Styr und der nach Rowno führenden Bahn waren unterdessen die 3. ID. und die 21. SchD. unter der Führung des FML. Edl. v. Horsetzky beträchtlich vorwärts gedrungen. Sie standen am 29. abends in der Höhe von Żydyczyn, 10 km nördlich von Łuck. Hier und bei der Eisenbahnstation Kiwercy, in welcher Richtung die nachgezogene
2. ID. angesetzt war, warfen sich Kosaken und eben im Auswaggonieren begriffene Truppen den ermüdeten Kolonnen entgegen. Bis tief in die Nacht hinein fochten die drei Divisionen des GdI. Roth mit den sich verzweifelt wehrenden Russen ohne Entscheidung. Östlich von der Eisenbahnstation Kiwercy war schon am Mittag die über Trostieniec anmarschierende 4. KD. mit dem ihr von der 21. SchD. unterstellten SchR. 6 in geringer Entfernung an die Bahnlinie herangelangt. Ihre Artillerie feuerte gegen den Bahnhof von Kiwercy und brachte den Bahnverkehr zum Stillstand. Pioniere zerstörten den Schienenweg.
Am 30. August nahm der Kampf noch an Heftigkeit zu, da sich der Feind durch neuangelangte Truppen verstärkte. Aber alle Anstrengungen der Russen, das Vordringen des Gegners aufzuhalten, blieben vergeblich. Gedeckt durch die 4. KD., die Palcza besetzte, erstürmte die 2. ID. nach schwerem Ringen den Bahnhof von Kiwercy und drang bis zum Einbruch der Dunkelheit in die Gegend östlich der Ortschaft Kiwercy vor, während die 21. SchD. an Teremno und die 3. ID. nahe an die Nordfront von Łuck herangelangten. Als Beute wurden bis zu diesem Zeitpunkt an 2000 Mann, 6 Maschinengewehre, 5 Lokomotiven und 2 Eisenbahnzüge mit viel Kriegsmaterial gemeldet.
Während das XIV. Korps — wenn auch hart kämpfend — in siegreichem Fortschreiten war, verhielten sich die Armeemitte und auch der Südflügel der 1. Armee am 30. abwartend und beschränkten sich auf einen stehenden Feuerkampf. Der von der Heeresleitung veranlaßte Abmarsch des X. Korps nach Rożiszcze bedingte eine Neugliederung der schon zum Angriff bereitgestellten Kräfte der Armeemitte. Die 24. und die 62. ID. wurden durch die 10. ID. und die 13. SchD. abgelöst; die zuletzt genannte Division wurde dem Korps Szurmay unterstellt, so daß der Angriff auf diesem Teil der Front vom FZM. Puhallo auf den 31. verschoben wurde.
Die Lage ließ aber ein Hinausschieben des Angriffes nicht zu, sondern erforderte seine Fortsetzung schon am 30. August. Nach den Meldungen der Flieger, die bei dem klaren Wetter des 29. und des 30. August längere Heersäulen im Marsche von Łuck und von Beresteczko gegen Osten erkannt hatten, schien es, als ob der Feind infolge der Bedrohung von Norden her gerade im Begriffe sei, seine ganze Front vor der
1. Armee zurückzunehmen. Auch stand es jetzt außer jedem Zweifel, daß der Russe mit der Bahn Truppen über Rowno heranziehe, denn bei dem Korps Roth waren Gefangene eingebracht worden, die angaben, zum XXXIX. Korps (S. 56) zu gehören und geradewegs aus Ostgalizien zu kommen. GO. Conrad ließ daher den FZM. Puhallo am Nachmittag des 30. darauf hinweisen, daß ein möglichst weites Vorgehen eines unter dem Befehl des GM. Berndt aus der 4. und der 7. KD. gebildeten Kavalleriekorps entlang der über Klewań nach Rowno führenden Straße dringend geboten sei, und daß Abteilungen zur Zerstörung der Eisenbahnbrücken bei Polonno, bei Antonówka und bei Sarny entsendet werden sollten. Ferner hieß er den FZM. Puhallo unverzüglich melden, wie er seine starken im Raume Stojanów—Łuck stehenden Kräfte angesichts des Abzuges der Russen zu verwenden gedenke und ob er es noch für notwendig erachte, das zur Unterstützung des linken Armeeflügels entsandte X. Korps bis über Rożiszcze nordwärts ausbiegen zu lassen.
FZM. Puhallo meldete am Abend nach Teschen, daß der Feind vor dem II. und dem I. Korps, vor der Gruppe Szurmay und an der Sierna noch immer halte, das X. Korps müsse daher hinter der Front des IX. in den Raum von Rożiszcze dirigiert werden. Am 31. werde er wieder angreifen, und zwar mit der auf dem Nordflügel des Korps Szurmay nunmehr eingesetzten 13. SchD. auf Łuck; die rechts anschließende Front sollte an diesem Tage bis an den Leniewkabach und bis in die Linie Gubin—Skrykolów Vordringen, das IX. Korps den Feind mit kleinen Abteilungen verfolgen, wenn er von der Sierna zurückweiche. Die Masse dieses Korps wolle er nächst der Siernamündung versammeln, um mit ihr möglichst bald und nahe von Łuck den Styr zu überschreiten.
Um dieselbe Zeit, als diese Befehle des FZM. Puhallo ergingen, ordnete aber Brussilow den Rückzug hinter den Styr an. Als der Morgen des 31. August heraufstieg, hatten die Russen vor dem rechten Flügel und vor der Mitte der 1. Armee ihre Stellungen geräumt. Auf dem Nordflügel leisteten sie hingegen dem XIV. Korps noch verzweifelten Wider-
stand. Brussilow bemühte sich, Łuck zu retten. Er schickte dem Gen. Stelnitzki, der seinen Nordflügel befehligte, die zuletzt eingelangten Truppen des XXXIX. Korps mit der Eisenbahn über Klewań zu und hieß ihn den Gegner auf Rożiszcze und hinter den Styr zurückwerfen. Aber schon am 31. August vormittags erstürmte das IR. 59 den Bahnhof und das Barackenlager von Łuck*) und drang hierauf mit den anderen Truppen der 3. ID. in die noch zäh verteidigte Stadt ein16). Links von der 3. ID. drückten die 21. SchD. und die 2. ID. über die Straße Łuck—Poddubcy nach Süden vor und gewannen am Nachmittag die Höhen östlich der Festung. Da langten gerade die letzten Teile des XXXIX. Russenkorps auf dem Schlachtfelde ein und vertrieben die nach Palcza vorgesandten Abteilungen der 4. KD. Die Masse dieser Division, die über Olyka vorstoßen sollte, um die von Młynów nach Rowno führende Straße zu sperren, stand noch an der Bahnlinie östlich von Ki-wercy. GM. Berndt bog seine Front nach Osten um, wurde aber am Nachmittag von den von Klewań neuangekommenen russischen Kräften genötigt, ein Stück nach Norden zurückzugehen. Ein anderer russischer Angriff wurde gegen Abend von der 21. SchD. abgewehrt. Die 7. KD. (S. 61) war hinter der 4. KD. auf dem Ostufer des Styr eingelangt.
Die Verfolgungskolonnen des II., des I. und des Korps Szurmay waren inzwischen ohne Kampf bis zur Linie Skrykołów—Gubin, an die Leniewka und bis in die Gegend von Antonowka vorgedrungen. Das im Verlaufe des Vormittags über die untere Sierna angesetzte IX. Korps, das FZM. Puhallo auf die Nachricht vom Weichen der Russen angewiesen hatte, „im Verein mit dem XIV. Korps Łuck ehestens, wenn möglich heute noch zu nehmen“, langte mit der 26. SchD. — ohne noch auf Feind zu stoßen — um 5h nachm. vor der Westfront der Festung an; die 13. SchD. besetzte um dieselbe Zeit die schon geräumten Werke der Südfront. Der von Norden überflügelten Masse der 8. Russenarmee war es indessen gelungen, den schon seit Tagen vorbereiteten Rückzug hinter den Styr unter Mitnahme aller Waffen und allen Geräts durchzuführen. Trotzdem waren das Weichen des Feindes und die Preisgabe von Łuck als ein Erfolg anzusehen, der nicht ohne Einfluß auf den Gang der Ereignisse in Ostgalizien bleiben konnte.
Die Verfolgung in Ostgalizien
Von Norden her durch Umgehung bedroht, hatte sich Gen. Iwanow schon am 27. August gezwungen gesehen, den Rückzug vom oberen Bug und von der Złota Lipa anzuordnen (S. 59). Vor dem linken Flügel und vor der Mitte der 2. Armee waren die Russen bereits in den ersten Morgenstunden des 28. August in vollem Rückzuge. Das Korps FML. Czibulka, das XVIII. und das IV. Korps überschritten im Verlauf des Vormittags den oberen Bug und nahmen die Verfolgung der entronnenen Russen auf. Gleichzeitig trat das XIX. Korps den Vormarsch an. Vor dem V. Korps leistete der Feind am Morgen östlich von Gołogóry und hinter der östlichen Złota Lipa noch zähen Widerstand, dann löste er sich auch hier von seinen Bedrängern los.
Als nun Böhm-Ermolli vor seiner ganzen Front den Feind im Rückzug sah, wollte er ihn so weit wie möglich nach Osten scharf verfolgen, denn der Russe sollte keine Gelegenheit finden, sich auf der Wasserscheide zwischen Bug und Styr und auf den Höhen von Złoczów festzusetzen. Die Quellbäche des Sereth und des Styr waren die Ziele, die Böhm-Ermolli seinen Korps für den 29. gab; Brody und die Styrübergänge aufwärts von Beresteczko waren durch vorgeschobene Abteilungen noch an diesem Tage zu besetzen, auch Nw. Poczajew sollte wenn möglich erreicht werden. Ohne noch auf Feind zu stoßen, konnte die 2. Armee bis zum Abend die Gegend westlich von Złoczów und westlich von Biały Kamień, dann die Linie Adamy—Chołojów—Rożdżalow erreichen. Doch ergab sich bald, daß die Russen auf den Höhen hinter der Złoczówka, südlich von Biały Kamień, dann bei Ożydów, westlich von Toporów, Radziechów und Stojanów eine durchlaufende Stellung besetzt hatten.
Bei der Südarmee suchte GdI. Bothmer die am 27. August bei Buszcze durchbrochene russische Mitte vom Südflügel abzusprengen. Dazu befahl er seiner Stoßgruppe, dem Korps Marschall, die Fortsetzung des Angriffs über Pomorzany und Koniuchy in nordöstlicher Richtung auf Zborów. Um den Zusammenhang in der Front zu wahren, hatten die 19. ID., die Masse der 48. RD. und das Korps Hofmann ebenfalls scharf in nordöstlicher Richtung vorzugehen.
Am 28. August früh wichen die Russen vor der Front der Südarmee zurück. Während das Korps Marschall in der anbefohlenen Richtung verfolgte, rückten die Masse der 48. RD. und die 55. ID. des Korps Hofmann aus den von ihnen eroberten russischen Stellungen bei Zawałów gegen Kozowa und gegen Podhajce vor. Auf dem Südflügel des Korps
Rückzug der 11. und der 9. Russenarmee
Hofmann drangen die vordersten. Abteilungen der Brigade Obst. Bolzano und der 131. IBrig. in der zweiten Morgenstunde in die nur mehr von Patrouillen besetzten russischen Stützpunkte auf dem östlichen Ufer der Zlota Lipa ein. Nachdem diese beiden Brigaden die Złota Lipa teils durch-furtet, teils auf rasch gebauten Notstegen überschritten hatten, drängten sie ebenfalls den Russen auf Holhocze und auf Monasterzyska nach.
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Auf dem anschließenden Nordflügel des Korps Rhemen der k.u.k.
7. Armee hatte sich die angreifende russische 2. SchBrig. noch bei Anbruch des 28. eine blutige Abfuhr geholt, was das weitere Vorgehen der
36. ID. erleichterte. Als diese unter Kämpfen mit russischen Nachhuten um Mittag die von Niżniów nach Monasterzyska führende Eisenbahnlinie überschritt, räumten die Russen auch ihre Stellungen in der Dniester-schleife von Koropiec. Fünf Bataillone der 15. ID. schlossen sich dem Vorgehen der 36. ID. an.
Gegen Abend erreichten das Korps Rhemen und das Korps Hofmann sowie die Masse der 48. RD. den Koropiecbach, wo die Russen noch hielten. Auch das auf Zborów angesetzte Korps Marschall hatte inzwischen auf der Wasserscheide zwischen Złota Lipa und Strypa neuen Widerstand gefunden. Hier hatten die Russen in der Linie Ryków—Kozowa eine Zwischenstellung bezogen.
Bothmer befahl der ganzen Südarmee, Pflanzer-Baltin dem Korps Rhemen den Angriff auf diese neuen Stellungen der Russen; Schwerpunkt bei der Stoßgruppe des Korps Marschall auf Zborów, bei der 48. RD. über Kozowa, auf dem linken Flügel des Korps Hofmann über Podhajce, beim Korps Rhemen entlang der von Monasterzyska nach Buczacz führenden Eisenbahnlinie, Angriffsbeginn am 29. August um 3h früh. Ein nachhaltiger Widerstand des Feindes wurde indes nicht erwartet. Jenseits des Koropiecbaches brannten die Russen, wie Flieger meldeten, zahlreiche Ortschaften nieder. Dies ließ darauf schließen, daß sie ihren Rückzug alsbald fortsetzen würden. Die Korps Rhemen und Hofmann wurden daher beauftragt, nach dem Überschreiten des Koropiecbaches sofort bis an die Strypa vorzugehen. Wenn das Korps Rhemen über die Strypa weiter nach Osten vordrängte, dann wollte Pflanzer-Baltin auch mit dem Korps Benigni von Süden über den Dniester angreifen.
Tatsächlich setzten die Russen ihren Rückzug fort, nachdem sich noch in der Nacht auf den 29. die Stoßgruppe des Korps Marschall ihrer Stellungen zwischen Ryków und Kozowa teilweise bemächtigt hatte. Am 29. morgens gewann auf dem Nordflügel des Korps Rhemen die 36. ID. die noch von schwächeren feindlichen Kräften verteidigten Höhen südöstlich von Monasterzyska und erreichte nach unbedeutenden Plänkeleien mit feindlichen Nachhuten um Mittag den Baryszbach. Auch vor dem rechten Flügel des Korps Rhemen und vor dem linken Flügel des Korps Henriquez hatten die Russen in der Nacht ihre Stellungen in den Dniester-schlingen zwischen Koropiec- und Strypamündung geräumt. Die 15. ID. drängte am frühen Morgen dem zurückgehenden Feinde nach und warf ihn über die Strypa zurück. Rechts von der 15. ID. gelangte das DR. 2 der 8. KD., nachdem es bei Hubin denDniester übersetzt hatte, ebenfalls an die unterste Strypa heran. Auf dem Nordflügel des Korps Rhemen war die 36. ID. inzwischen vor Buczacz auf russische Abteilungen gestoßen, die anscheinend das Westufer unbedingt halten wollten.
Auf dem Südflügel der Armee Bothmer rückte das Korps Hofmann am 29. August in einem 35 km breiten, nach Nordosten verlaufenden Angriffsstreifen vom Koropiecbach den abziehenden Russen nach. Die 131. IBrig. nahm die Richtung über Monasterzyska auf Bobulińce, die Brigade Bolzano über Holhocze auf Wiśniowczyk, während die 55. ID. beiderseits der von Podhajce auf Sosnów führenden Straße vorrückte. Bald wurde erkannt, daß die Russen auf dem rechten Ufer der Strypa in zahlreichen wohlvorbereiteten Brückenkopfstellungen standen. FML. Hofmann wollte den Feind auf das jenseitige Ufer zurückwerfen und ließ sein Korps noch am 29. die russischen Stellungen angreifen. Die 131. IBrig. kam jedoch im starken feindlichen Geschützfeuer vor Bobulińce, die Brigade Bolzano vor Wiśniowczyk zum Stehen; auch die 55. ID. (verstärkte 129. IBrig.) blieb nach einem bis in die Nacht fortgesetzten Angriff unter schweren Verlusten vor Burkanów und vor Sosnów liegen. Weiter nördlich hielt der Rest der 55. ID. (Teile der 130. IBrig.) Verbindung zu den in breiter Front von der Bahn Rohatyn—Tarnopol bis südlich von Zborów angesetzten Hauptkräften der Stoßgruppe des Korps Marschall (3.GID. und 38. HID., verstärkt durch Teile der 48. RD. und der 19. ID.). Diese brach sich am 29. in fortschreitendem Angriff bis in die Gegend südwestlich von Zborów und bis an den westlichen Quellfluß der Strypa Bahn, wo sich der Russe ebenfalls zu neuer Schlacht gestellt hatte.
Die Schlacht hei Zloczóiv und an der Strypa (29. August bis 1. September)
Unterdessen war auch die Verfolgung bei der Armee Böhm-Ermolli am 28. abends vor neuen russischen Stellungen zum Stehen gekommen,
Schwere Kämpfe der Armee Böhm-Ermolli 69
die hinter der Złoczówka, dann auf den Höhen beiderseits von Biały Kamień, von da entlang den Niederungen von Sokolowka und von Toporów sowie im Umkreis südlich und westlich von Radziechów verliefen.
Drei Tage hatten die Regimenter der 2. Armee nun wieder mit dem tief eingegrabenen Feind zu ringen. Am 29. August griff das V. Korps, FML. Goglia, mit der 14. ID., mit Teilen der 43. SchD. und mit der 34. ID. die Höhen östlich von Złoczów wuchtig an; es machte jedoch keine entscheidenden Fortschritte. Auch die durch den Rest der 43. SchD. verstärkte 33. ID., die gemeinsam mit der Masse der 29. ID. des XIX.Korps, FML. Trollmann, die steil aufragenden Höhen südlich von Biały Kamień anging, drang in den bis tief in die Nacht weitergeführten Angriffsgefechten nicht durch. Der linke Flügel der 29. ID. nahm Ożydów und deckte dort den Angriff auf die wie eine Bastion vorspringenden Höhen von Biały Kamień und von Złoczów. Links vom XIX. Korps gewann das
IV. Korps, FML. Schmidt v. Georgenegg, gegen die feindliche Front Sokolowka—Toporów langsam Raum. Der Nordflügel des Korps FML. Czibulka, nunmehr XVIII. Korps benannt, arbeitete sich unterdessen über Chołojów, Suszno und südlich von Stojanów gegen die halbkreisförmig um Radziechów angelegten Stellungen des russischen XVII. Korps heran.
Am 30. August wollte GdK. Böhm-Ermolli auf der ganzen Front den Angriff weiterführen. Der feindliche Widerstand sollte gebrochen und der Russe dann bis in die Linie Zagórze—Podkamień—Radziwilow— Leszniów und an den Styr verfolgt werden. FML. Goglia entschloß sich jedoch, an diesem Tage seine Truppen, die seit dem Beginn der Offensive schon 5000 Streiter verloren hatten, ausruhen zu lassen. Am nächstfolgenden Morgen wollte er dann mit dem Schwergewicht auf dem linken Flügel, wo die 33. ID. in der Nacht auf den 30. Fortschritte erzielt hatte, wieder angreifen, um auf Sassów durchzubrechen. Dazu erbat er die Unterstützung durch die Artillerie der links anschließenden 29. Division. GdK. Böhm-Ermolli billigte das Hinausschieben des Angriffs.
Beim IV. Korps versuchte am 30. August die 51. HID., FML. v. Kornhaber, den Angriff vorerst über Sokolowka vorzutragen, um dann, nach Süden einschwenkend, gemeinsam mit dem linken Flügel der 29. ID. Olesko zu nehmen und den auf den Höhen von Biały Kamień vorspringenden Teil der russischen Front von Norden zu umfassen. Die Honvéd kam aber im schweren, bis tief in die Nacht weitergeführten Angriffsgefecht über Sokolowka nicht hinaus; sie hatte im offenen Gelände unter dem feindlichen Artilleriefeuer stark zu leiden. Auch das XVIII. Korps fand an diesem Tage um Radziechów zähen Widerstand. Es griff an der ganzen Front an, erzielte jedoch keine wesentlichen Fortschritte. In der Nacht auf den 31. August warf aber die über Chołojów angesetzte Budapester 32. ID. die Russen aus ihren Gräben auf den Höhen südwestlich von Radziechów, während sich auf dem Nordflügel des Korps Czibulka die 31. ID. und die Wiener 1. LstlBrig. südlich von Stojanów gegen schwächeren Feind Bahn zu brechen vermochten. Damit war der bei Radziechów gegen Westen vorspringende Südflügel der russischen 8. Armee eingedrückt. Auf einen weiteren Kampf um Radziechów ließ es Brussilow nicht mehr ankommen. Denn am 30. August abends hatte er wegen der Umgehung seines Nordflügels den Rückmarsch seiner Armeemitte angeordnet (S. 65). Nun gab er auch die Befehle für den Rückzug seines linken Flügels.
Am 31. August bei Tagesanbruch hatten die Russen gegenüber dem XVIII. Korps und dem Nordflügel des IV. Korps (27. ID.) bereits alle ihre Stellungen geräumt. Das XVIII. Korps und die 27. ID. setzten sofort zur Verfolgung an und erreichten am Abend den Styr zwischen Hryco-wola und Stanisławczyk. Vor der 51. HID. sowie vor dem XIX. und dem V. Korps leistete der Nordflügel der russischen 11. Armee um diese Zeit bei Sokolowka und bei Ożydów, dann auf den Höhen von Biały Kamień und von Złoczów noch zähen Widerstand. Die 51. HID. konnte in Fortsetzung des Angriffs trotz kräftiger Artillerieunterstützung über Sokolowka auf Olesko nur wenig Gelände gewinnen; ihre Verbände waren durch den lang andauernden Kampf bereits stark durcheinandergeraten und auch gelichtet. Beim V. Korps wurde in der Nacht auf den 31. von der 33. ID. ein russischer Gegenstoß abgewiesen. Am nächsten Tag um 3hl5 nachm. schritt die 33. ID. nach Artillerievorbereitung zum Angriff auf Sassów. Ihr schlossen sich rechts die 34. und links die 29. an. Jedoch erst in der Nacht auf den 1. September gelang es diesen Truppen — in erster Linie den nordböhmischen Infanterieregimentern 92 und 94 L) —, nach blutigem Streite die steilen Höhen von Biały Kamień und von Złoczów im Sturm zu nehmen. .
In diesen Stellungen waren nur mehr feindliche Nachhuten zurückgeblieben. Denn inzwischen hatte das Korps Marschall der Südarmee die Russen nach hartem Kampfe bis über den östlichen Quellfluß der Strypa zurückgeworfen, Zborów genommen und die russische Armee Schtscherbatschew zum Rückzug gezwungen. Ungesäumtes Nachdrängen brachte die Verfolgung der 2. Armee am 1. September trotz des regnerischen Wetters und der schlechten Wege ein gutes Stück vorwärts. Das
*) Der Heimat Söhne im Weltkrieg, IR. 94 im Weltkriege (1927), 35Sff.
Vordringen bis Brody und bis vor Buczacz 71
V. und das XIX. Korps gelangten bis an die Graberka und bis in die Gegend von Jasienów. Das IV. Korps ging an der Bahn und nördlich davon gegen Brody vor; am Abend zog die 51. HID. in die von den Russen bereits geräumte Stadt ein. Nördlich von Brody näherte sich die 27.ID.der Reichsgrenze, hinter der russischeStellungenfestgestelltwurden. Auf dem linken Armeeflügel waren die Hauptkräfte des XVIII. Korps bei Leszniów den weichenden Russen bis über den Styr hinaus nachgerückt. Hier war der Feind anscheinend auf Radziwilow und hinter die Reichsgrenze zurückgegangen.
Hartnäckigen Widerstand hatte inzwischen der Nordflügel der russischen 9. Armee dem Korps Hofmann und dem Korps Rhemen entgegengesetzt. Am 30. August morgens ließ GdI. Rhemen die wohlvorbereiteten Stellungen der Russen am starken Abschnitt der Strypa erneut angreifen. Vergeblich mühte sich die 15. ID., den Fluß nahe der Mündung zu überschreiten. Unübersichtliches Waldgelände sowie die Enge der wenigen, von der russischen Artillerie stark beschossenen Übergänge machten das Vorgehen so schwierig, daß sich hier nur Teile des ungarischen IR. 60 über das tief eingeschnittene Tal bis dicht an die feindlichen Verschanzungen heranarbeiten konnten. Auch die aus Truppen der 72. und der 9. IBrig. bestehende Gruppe GM. Edl. v. Luxardo der 36. ID. und die nördlich anschließende 131. IBrig. des Korps Hofmann vermochten in gemeinsamem Angriff auf den südlich von Buczacz bis nördlich von Przewłoka reichenden russischen Brückenkopf kaum vorwärts zu kommen. Am Nachmittag warf Letschitzki Verstärkungen, die er eilends auf der Straße von Czortków auf Lastautos herangefahren hatte, bei Przewłoka auf das Westufer der Strypa und setzte sie zum Gegenangriff an. Der Feind wurde vom Nordflügel der 36. ID. mit Unterstützung der 131. IBrig., GM. Blum, zurückgeschlagen. Nun suchte GdI. Rhemen durch Einsatz seiner Reserve, des IR. 16, sein Korps vorwärts zu bringen. Nach hartem, bis tief in die Nacht währendem Ringen glückte es der Gruppe GM. Luxardo, bei Przewłoka in die feindlichen Linien einzudringen; weiter südlich, in den Brückenkopfstellungen von Buczacz, wehrte sich aber der Russe noch zähe.
Beim Korps Hofmann, dem ein für seine Stärke unverhältnismäßig breiter Frontraum zufiel, hatte sich am 30. August früh der rechte Flügel der Brigade Bolzano an dem Angriff der 131. IBrig. beteiligt, allerdings ohne Erfolg. Die 55. ID. sollte, in der linken Flanke durch den Rest der
130. IBrig. gedeckt, mit der verstärkten 129. IBrig. den weitausgedehnten Brückenkopf von Burkanów angreifen. Da ließ jedoch Gen. Schtscher-batschew am 30. früh seinen Südflügel gegen die 48. RD. und die 19. ID., die in weiter Front von der Bahn‘Kozowa—Tarnopol bis Glinna (südlich von Zborów) demonstrativ angesetzt waren, zum Gegenangriff vorbrechen. Der überraschende Gegenstoß gewann bedenklich Raum. Die überfallenen Truppen wichen unter beträchtlichen Verlusten und unter Zurücklassung gesprengter Geschütze (vier Batterien) aus dem west-ufrigen Vorland der Strypa auf Kozowa und in die Gegend nördlich davon zurück. Die 55. ID., die ebenfalls aus dem Brückenkopf von Bur-kanów angegriffen wurde, konnte hingegen ihre Stellungen behaupten; nur ihr linker Flügel mußte im Verlaufe des Tages vor feindlicher Umfassung zurückgenommen werden. Da ihr Führer, GM. Fleischmann, in der Nacht weitere Vorstöße der Russen erwartete, so empfand er die Lage als so ernst, daß er seine ganze Division nach Einbruch der Dunkelheit in eine nach Nordosten gerichtete Front zurückschwenken ließ.
Während dieser Rückschlag in der Mitte der Armee Bothmer erfolgte, befand sich auf ihrem Nordflügel das Korps Marschall im Quellgebiet der Strypa in schwerem, aber fortschreitendem Angriff (S. 68). GdK. Marschall schützte seine bedrohte Südflanke, indem er seine Korpsreserve, eine Brigade der 48. RD., von Norden über Glinna zum Gegenstoß ansetzte. Hiedurch sollten die gegen die Armeemitte vorgebrochenen Russen wieder zurückgeworfen werden. Der Feind wich aber diesem Angriff aus. Die 55. ID. besetzte im Verlaufe des 31. August ihre früheren Stellungen; auch die 48. RD. und die 19. ID. schoben ihre Linien wieder gegen die Strypa heran, doch gelangten die Truppen nur langsam vorwärts. Die feindliche Artillerie schoß kräftig, und die Russen hielten in den Brückenköpfen von Burkanów—Kupczyńce noch unerschütterlich stand.
GdK. Pflanzer-Baltin hatte für den 31. August dem Korps Rhemen die Fortsetzung des Angriffs mit starkem linkem Flügel befohlen. Schon in der Nacht ballte aber Letschitzki frische Kräfte bei Przewłoka zusammen und setzte sie zu einem neuen Gegenstoß an. Nach heftigem Ringen wurde um 10h vorm. der Nordflügel der Gruppe Luxardo sowie der anschließende Flügel des Korps Hofmann nach Westen zurückgedrängt. Da raffte FML.Ritt. v. Schreitter ein paar Bataillone der 36.ID. zusammen, warf sie dem vordringenden Feind von Süden in die Flanke und drückte ihn nach hartem Streite am Nachmittag wieder auf Przewłoka zurück. Bei den übrigen Verbänden des Korps Rhemen konnten am 31. keine Fortschritte erzielt werden. Ein neuerlicher Versuch der 15. ID., südlich von Jazłowiec über die Strypa zu gelangen, scheiterte an der zähen Abwehr der Russen.
Mißglücken des Flankenstoßes der 7. Armee
Um dem schwer ringenden XIII.Korps — es hatte seit dem 27. August an die 4400 Streiter eingebüßt — das Vorgehen zu erleichtern und die Russen zum Rückzug von der Strypa zu zwingen, ordnete nun PflanzerBaltin für den 1. September den schon länger geplanten Flankenstoß des beiderseits von der Serethmündung eingenisteten Korps FML. Benigni an. Der im Brückenkopf von Zaleszczyki stehende rechte Flügel des Korps FML. Henriquez, die 30. ID., sollte sich diesem Angriffe anschließen, sobald er sich geltend machte.
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Aber der am 1. September um Mittag beiderseits von der Serethmündung angesetzte Flankenstoß Benignis (halbe 5. ID., ein Regiment der 15. ID., Masse der 6. ID., 6. und 3. KD. sowie 5. HKD.) konnte bis zum Abend nur bis zu den russischen Drahthindernissen geführt werden, so daß die bei Zaleszczyki angriffsbereite 30. ID. nicht zum Eingreifen kam. Auf dem Nordflügel des Korps Rhemen griff die 36. ID. an diesem Tage bei Przewłoka abermals an, erzielte jedoch keine Ergebnisse mehr, zumal auch die benachbarte 131. IBrig. nicht mehr vorgehen konnte. Die übrigen Truppen des XIII. Korps führten einen fruchtlosen Feuerkampf.
Die Russen behaupteten sich somit selbst noch am 1. September gegenüber dem Korps Hofmann und dem linken Flügel der Armee Pflanzer-Baltin an der Strypa. Mittlerweile hatte aber die auf ihrem Südflügel vom Korps Marschall bei Zborów an mehreren Stellen durchbrochene russische 11. Armee den Rückzug angetreten (S. 70). Das Korps Marschall stieß mit seinen Spitzen dem weichenden Feinde noch am 1. September bis westlich von Trościaniec, auf Olejów und bis westlich von Jezierna nach. Gen. Letschitzki sah sich dadurch von Norden her überflügelt. Diese Gefahr zwang ihn schließlich, die Strypa aufzugeben. In der Nacht trat er mit dem rechten Flügel seiner Armee den Rückzug an.
Damit waren Iwanows Süd westarmeen von der Sierna, auf der Wasserscheide zwischen Bug und Styr, von den Höhen östlich von Złoczów und von der Strypa zum Weichen gebracht. Dieser Erfolg war vornehmlich der Umgehung des russischen Nordflügels zu danken. Ein überwältigender Sieg, wie er der Übermacht auf dem Nordflügel entsprochen haben würde, war allerdings nicht errungen worden. Denn FZM. Puhallo hatte seine Streitkräfte, wie GO. Conrad grollend seinen nächsten Mitarbeitern gegenüber bemerkte, immer frontal gegen stark befestigte Stellungen angesetzt, statt um den Flügel herumzugreifen und so den Russen eine entscheidende Niederlage beizubringen. Dieses große Ziel hoffte nun aber die Heeresleitung durch den Vormarsch auf Rowno mit starkem Nordflügel zu erreichen.
Das Vordringen gegen Rowno, gegen Dubno und an den Sereth
Das Ringen an der Putilowka (1. bis 6. September)
Hiezu Beilage 4 sowie Skizzen 1 und 4
GO. Conrad hatte seinen Plan für den weiteren Vormarsch auf Rowno schon am 31. August nachmittags den Armeen mit folgenden Worten mitteilen lassen: „Die in Ostgalizien im Zuge befindlichen Operationen bezwecken nicht nur, Ostgalizien vom Feinde zu säubern, sondern auch, diesem einen tunlichst entscheidenden Schlag beizubringen. Während dabei die 2., Süd- und 7. Armee hauptsächlich auf ein frontales Vordringen angewiesen sind, ist die 4. und die 1. Armee in der Lage, durch Vereinigung starker Kräfte am Nordflügel und Vorstoßen derselben in östlicher Richtung (Rowno) einen entscheidenden Erfolg gegen den russischen Nordflügel zu erzielen und durch diesen alle südwärts davon befindlichen russischen Kräfte wirksam zu bedrohen. Die 1. und die 2. Armee werden es vermeiden müssen, starke Teile an die Ikwalinie heranzuführen, die
2. Armee wird zu trachten haben, diese über Kremieniec südlich zu umgehen. Die Wegnahme der Sperrforts bei Dubno fällt der 1. Armee zu. Da der Feind unter Ausnützung seiner Bahnen am leichtesten starke Kräfte um Rowno zu versammeln vermag, ist ehester Vorstoß auf Rowno geboten. In diesem Sinne sind die Armeen zu führen.“
Die Führung des nördlichen Heeresflügels wurde dem GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand übertragen, der nach dem Ausscheiden seiner letzten Truppen aus der Heeresgruppe Mackensen (S. 13) nachWładimir-Wolyński abgegangen war. Dort übernahm er am 31. August den Oberbefehl über den bisher vom FZM. Puhallo geführten Heeresteil. Aus diesem wurde nunmehr eine aus zwei Armeen bestehende Heeresgruppe gebildet: die
1. Armee, FZM. Puhallo — I., II. Korps und Korps Szurmay —, und die
4. Armee, deren Führung der Erzherzog beibehielt — IX., X., XIV. Korps, Gruppe FML. Smekal (4. ID. und 45. SchD.), 4. und 7. KD. In dem ersten, am 31. August abends ausgegebenen Heeresgruppenbefehl wurde GdI. Roth beauftragt, mit dem XIV. und dem X. Korps auf Rowno vorzustoßen. Die ihm gleichfalls unterstelltenbeidenKavalleriedivisionenwurden als KavKorps GM. Berndt vereinigt. Es sollte wenn möglich die Eisenbahnbrücke über den Styr bei Polonno, über den Horyń bei Aleksandrya und die Bahn bei Sarny zerstören. Das IX. Korps hatte mit der 26. SchD.
in der Staffel rechts von der Gruppe Roth zu folgen und die 10. ID. östlich von Łuck als Reserve auszuscheiden. Der von Kowel nachrückenden Gruppe FML. Smekal wurde befohlen, ihren Marsch über Rożiszcze fortzusetzen. Die 1. Armee hatte mit starkem linkem Flügel auf Dubno vorzugehen. Da man jedoch am 31. August abends noch nicht wußte, ob die Russen gegenüber der 1. Armee hinter dem Styr Widerstand leisten würden, sollte am Morgen des 1. September eine Division der Gruppe Roth zunächst entlang des östlichen Styrufers nach Süden vorstoßen, um mit der 26. und der 13. SchD., die in der Nähe von Łuck, aber außerhalb des feindlichen Wirkungsbereiches, den Fluß so bald als möglich zu überschreiten hatten, die Styrlinie von Norden aufzurollen.
Die Russen hatten inzwischen vor der ganzen Front der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand das Feld geräumt. Zwar hätte der linke Flügel der 8. Russenarmee nach einem Befehle des Gen. Iwanow in der vorbereiteten Stellung am Styr beiderseits von Beresteczko halten sollen1). Brussilow aber, der Łuck verloren und das XXXIX. Korps geschlagen wußte, verhehlte sich nicht, daß er bei einem Halt am Styr in Gefahr geriet, von Rowno abgeschnitten zu werden. Er räumte daher auch die vorbereiteten Stellungen am Styr und ließ in der Nacht zum 1. September seine ganze 8. Armee den weiteren Rückzug nach Osten antreten.
So kam es, daß das XIV. Korps am 1. September früh keinen Feind mehr vor sich hatte. Die Kolonnen des GdI. Roth rückten ungehindert bis in die Gegend südwestlich und nördlich von Chorlupy vor. Die 26.SchD., die mit großem Zeitverlust erst im Verlaufe des Nachmittags auf einer Kriegsbrücke bei Łuck über den Styr gegangen und vorübergehend dem GdI. Roth unterstellt worden war, erreichte bei dunkler Nacht Ostrożec, während die nachgezogene 13.SchD.bisKrupykam.HinterdemXIV.Korps biwakierten die 10. ID. als Armeereserve östlich von Łuck, das X. Korps (24. und 62. ID.) bei Kiwercy; die Gruppe FML. Smekal war im Anmarsch über Perespa.
Die 1. Armee gelangte ebenfalls, ohne einen Feind zu treffen, an den Styrabschnitt zwischen Werben und der Polonkamündung. Die Reiterei des GM. Berndt war auf Olyka vorgeschickt worden. Daß sie schon beiderseits von Pokaszczewo auf neuen Widerstand gestoßen war, wußte man am Abend beim Heeresgruppenkmdo. noch nicht. Man war der Auffassung, daß die Russen nach kampfloser Preisgabe ihrer starken Stellungen am Styr in vollem Rückzuge auf Rowno und auf Dubno
Broussilov, 154 f.; Korolkow, Strategische Übersicht über den Weltkrieg 1914—1918 (in russischer Sprache, Moskau 1923), 371.
seien. Der Befehl, den Erzherzog Joseph Ferdinand für den 2. September erteilte, enthielt für den GdI. Roth den Auftrag, durch rasches Vorgehen dem Feinde ein erneutes Festsetzen unmöglich zu machen und ihm den Rückzug auf Rowno zu verlegen. Das aus der 26. und der 21. SchD! neuzusammengesetzte IX. Korps hatte als Verbindung zwischen der entlang der Rownoer Eisenbahn vorrückenden Gruppe Roth und dem beiderseits der unteren Ikwa angesetzten linken Flügel der 1. Armee überUjezdcy und Pełża nach Südosten vorzugehen.
Brussilow hatte unterdessen die russische 8. Armee in aller Eile hinter die westlich von Rowno sich hinziehende Putilowka, in die Gegend zwischen Ujezdcy—Bol. Dorogostaj, dann quer auf das Bergland westlich von Dubno zwischen Młynów—Smordwa—östlich Wołkowyje und Kozin sowie auf den Ostteil des galizisch-podolischen Landrückens in die Linie Radziwiłow—Podkamień zurückgeführt. Er ließ sie hier eine neue Stellung beziehen und warf, wie es ihm Iwanow empfohlen hatte, seine ganze Reiterei, drei Divisionen, an den Horyń nach Derażno. Gleichzeitig verstärkte er das geschlagene XXXIX. Korps mit der 4. SchD. aus seiner Armeemitte1). Das VIII. Korps versammelte er im Dubnoer Bergland. Es war seine Absicht, den heranrückenden Gegner durch kurze Gegenstöße zurn Stehen zu bringen.
Sich solcher Absichten nicht versehend, setzten die Truppen der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand am 2. zuversichtlich den Vormarsch auf Rowno und auf Dubno fort. Noch während des Anmarsches des XIV. Korps gegen die Putilowka mehrten sich die Anzeichen, daß die Russen keineswegs in einem Zuge bis auf Rowno zurückgewichen waren. Es kamen Meldungen, daß das KavKorps Berndt schon am 1. abends zu beiden Seiten von Pokaszczewo Widerstand gefunden habe. GdI. Roth wollte den Feind, wenn er sich hinter der Putilowka wieder zur Schlacht stellen sollte, durch Vorstöße des XIV. Korps in der Front fesseln und mit dem nachrückenden X. Korps bis über Derażno ausholen, um in weiterer Folge Rowno von Norden und von Nordosten anzugreifen. Den Weg zu dieser weit ausgreifenden Umfassung sollte ihm das KavKorps Berndt öffnen, indem es sich rasch in den Besitz der Horyńtibergange bei Diuksin zu setzen hatte.
Das Kavalleriekorps war jedoch schon seit den Frühstunden vor Ołyka in einen heftigen Kampf verwickelt, so daß der Korpsführer seine Reiterei nicht mehr einfach nach Norden wegziehen konnte. Im Verlaufe des Vormittags kam das XIV. Korps von Westen heran und ging gegen
1) Broussilov, 154f.
Mittag zum Angriff über. FML. Edl. v. Sellner, der mit der 2. ID. beiderseits der nach. Klewań führenden Straße vorstieß, setzte sich am Nachmittag auf dem rechten Ufer der Putilowka fest. FML. Horsetzky erstürmte mit der 3. ID. die Höhen westlich von Olyka; mehrere hundert Russen mußten sich der Division ergeben. In der Zwischenzeit war auch das IX. Korps an der Putilowka auf einen abwehrbereiten Feind gestoßen. Die 26. SchD., FML. Lischka, bemühte sich vergeblich, die Höhen von Dolgoszeja zu gewinnen, um der links benachbarten 21. SchD. den Weg über den Fluß zu bahnen. Am Nachmittag wurde diese Division auf dem linken Flügel durch einen Gegenstoß bisher zurückgehaltener Kräfte des XII. Russenkorps nach wechselvollem Streit bei Zorniszcze geworfen. Der Rückschlag konnte gegen Abend zwar wettgemacht werden, nötigte aber zum Einsatz eines Teiles der Armeereserve, der halben 10. Division.
Mittlerweile war auch die Armee Puhallo, der, wie erwähnt, Dubno als nächstes Ziel gesetzt war, zwischen Koryto und Murawica an der unteren Ikwa sowie in dem hügeligen Gelände von Wołkowyje auf eine stark befestigte Stellung gestoßen, die noch am Abend mit Teilen des Korps Szurmay, des I. Korps und der 25. ID., allerdings ohne wesentlichen Erfolg, angegriffen wurde.
Nach den großen Hoffnungen, welche der Fall von Łuck und die Preisgabe der Styrlinie beim Heeresgruppenkmdo. erweckt hatten, bedeutete das Ergebnis des 2. September eine Enttäuschung. Der Feind, den man schon in vollem Rückmarsch auf Rowno und auf Dubno wähnte, hatte sich auf der ganzen Front in sehr vorteilhaften Positionen zur Schlacht gestellt. Dazu kamen aus der Nordflanke der 4. Armee böse Nachrichten. Das russische IV. KavKorps Gillenschmidt, das sich nach dem Falle von Kowel weit nach Norden in das Polesie zurückgezogen hatte, schien jetzt wieder nach Süden vorzugehen. In dem großen Waldgebiet zwischen Styr und Stochod tauchten zahlreiche Kosakenabteilungen auf. Auch waren feindliche Kräfte aller Waffen, die vermutlich mit der Bahn über Sarny heranbefördert worden waren, im Marsch von Stepan nach Żurawicze gemeldet. Erzherzog Joseph Ferdinand beauftragte noch am 2. September abends die in Kowel, Hołoby und in Łuck stehengebliebenen Sicherungsabteilungen des X. Korps mit dem Schutze der Nordflanke. Gleichzeitig wurde die 7. KD., die bei Zorniszcze kämpfte und von der deshalb bisher nur ein Regiment freigemacht werden konnte, angewiesen, nach 2ura-. wicze zu rücken, um den dort im Anmarsch gemeldeten Feind zu vertreiben.
Außerdem erteilte die Heeresleitung der 2. Armee den Befehl, die
1. KD. von ihrem linken Flügel am 3. September nach Łuck zu verschieben; Pflanzer-Baltin sollte die 10. KD. an die 4. Armee abgeben. Weiters stellte die Heeresleitung neben der 1. und der 3. polnischen Brig. noch drei weitere Kavalleriedivisionen, die 11. HKD. von der Bugarmee sowie die 2. und die 9. KD. aus dem Verbände der deutschen 9. Armee, für die Deckung der Nordflanke, die sich mit dem Fortschreiten des Angriffs auf Rowno immer weiter ausdehnen mußte, in Aussicht. Überdies konnte jetzt das gegen Serbien bestimmte XVII. Korps vorläufig bei Cholm belassen werden, da die Verhandlungen mit Bulgarien noch nicht zum Abschluß gebracht worden waren. GO. Conrad erwog sogar, das
VI. Korps, das nach Rawa Ruska gewiesen war, um gleichfalls an die untere Donau abzugehen, für den Entscheidungskampf zur Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand heranzuziehen. Doch hoffte er, daß die Überlegenheit auf dem nördlichen Heeresflügel auch ohne dieses Korps einen entscheidenden Erfolg bringen werde.
Für den 3. September hatte Erzherzog Joseph Ferdinand den weiteren Angriff mit dem Schwergewicht auf dem linken Flügel befohlen. Das X. Korps war unterdessen ohne Kampf bis in den Raum von Moszczanica gekommen, GM. Berndt mit der 4. KD. nach Cumań gelangt, wohin auch die 62. ID. eine kleine Abteilung vorgeschickt hatte. Nun sollten das X. Korps und die 4. KD. nördlich der Putilowka auf Derażno, Biczal und Postojno Vordringen, um dort den Horyń zu überschreiten. Beim XIV. Korps wurde FML. Horsetzky beauftragt, mit der 3. ID. und der ihm nunmehr unterstellten 10. den noch bei Olyka auf dem Westufer der Putilowka stehenden Feind zurückzuwerfen, während die 2. ID. durch einen Vorstoß nach Süden diesen Angriff zu unterstützen hatte. Das IX. Korps sollte ebenfalls angreifen.
Als GM. Berndt am 3. früh mit seinen Reitern von Cumań auf Derażno weiterziehen wollte, um dem nachkommenden X. Korps den Weg über den Horyń zu bahnen, traten ihm die Russen entgegen. Brussilow hatte nämlich inzwischen dem nördlich der Putilowka vorrückenden Gegner das KavKorps Rerberg (3. OrenburgKosD., 7. und 11. KD.) entgegengeworfen, während die russische 4. SchD. von Klewań her dem XXXIX. Korps zu Hilfe geeilt war. Mit einem Teil ihrer Truppen griff sie die bei und südlich von Moszczanica auf das Ostufer der Putilowka gelangte 2. ID. an, mit dem anderen machte sie gegen Cumań Front und beherrschte mit ihrem Geschützfeuer das jenseitige Ufer. Damit war die auf Derażno angesetzte 62. ID. von Süden her ernstlich bedroht. Teile dieser Division schwenkten von Karpilowka zur Unterstützung der südlich von Cumań fechtenden Abteilungen herüber, während der Rest auf dem nördlichen Putilowkaufer weiter vorging und die russischen Reiter von Cumań bis halben Wegs gegen Derażno zurückdrängte. Von Wolka Kotowskaja war unterdessen die 24. ID. bis in die Gegend von Karpilowka marschiert; ein Teil ihrer Streitkräfte wurde am Abend auf dem Südufer der Putilowka eingesetzt, wo Abteilungen der 62. ID. und der linke Flügel der
2. ID. von der russischen 4. SchD. angegriffen wurden.
Der rechte Flügel der 2. ID. stieß am 3. September nachmittags, wie befohlen, südwärts vor. Zwar wichen die Russen anfänglich zurück, dann fielen sie aber der nach Süden gewendeten Angriffsgruppe der 2. ID. von Osten her in Flanke und Rücken und drängten die Division unter schweren Verlusten auf das Westufer der Putilowka zurück.
In der Zwischenzeit unternahmen auf dem Südflügel des XIV. Korps die Gruppe FML. Horsetzky und auf dem Nordflügel des IX. Korps die durch die zweite Hälfte der 10. ID. verstärkte 21. SchD. Vorstöße, allerdings ohne Olyka erstürmen und die auf den Höhen östlich von Zorniszcze eingenisteten Russen über die Putilowka zurücktreiben zu können. Weiter südlich griff das XII. Russenkorps die 26. SchD. an, konnte aber von den Schützenregimentern 9 und 10 abgewiesen werden1).
Auch bei der 1. Armee war am 3. September heftig gekämpft worden. Puhallo hatte das Schwergewicht auf seinen Nordflügel (I. Korps und Korps Szurmay) verlegt, der im Anschluß an die 4. Armee beiderseits der unteren Ikwa vorgehen sollte. Der ganze breite Raum des Dubnoer Berglandes blieb dem schwachen II. Korps (9% Bataillone und 15 Batterien der 25. ID.) überlassen, das links in Verbindung mit dem I. Korps und rechts mit dem Nordflügel der 2. Armee so nahe wie möglich an Dubno herankommen sollte. GdI. Johann Freih. v. Kirchbach, der Führer des
II. Korps, ließ das Gros der 25. ID. entlang der Plaszewka und der Südhänge des Berglandes von Dubno in südöstlicher Richtung gegen Werba an der Ikwa vorrücken, wo es bessere Wege benützen konnte und an die Plaszewkabrücke der Eisenbahn Radziwilow—Rowno heranzukommen vermochte, auf der die Russen in dichtem Verkehr ihre hinter der Front aufgehäuften Vorräte abzuschieben trachteten. In den großen Zwischenraum zu der benachbarten 46. SchD. wurde nur eine schwache Verbindungskolonne entsendet2). Die Gefahren, die diese unvermeidliche Aus-
x) Wisshaupt, Die 52. Landwehrinfanteriebrigade im Weltkrieg 1914—1918 (Reichenberg 1928), 325 f.
2) Hoen, Waldstätten-Zipperer und Seifert, Die Deutschmeister (Wien 1928), 485.
breitung der 25. ID. in sich schloß, wurden durch heftige Gegenstöße der Russen noch vergrößert.
Während das Korps Szurmay sich am 3. russischer Angriffe erwehren mußte, die 9. ID. des I. Korps jedoch im Angriff gegen Młynów und die 46. SchD. gegen Smordwa Fortschritte erzielten, drang das russische VIII. Korps über Wołkowyje und nördlich davon in die weite, nur mit einem Bataillon bedachte Lücke zwischen dem I. und dem II. Korps vor. Die Russen stürzten sich schon im Morgengrauen auf den Nordflügel der 25. ID. und schlugen ihn nach erbittertem Handgemenge zurück1). Nun ermächtigte GdI. Johann Kirchbach die ganze 25. ID. zum Ausweichen nach Westen. Dadurch geriet aber die Südflanke der 4. Armee in große Gefahr. Rasch entschlossen warf GdK. Karl Freih. v. Kirchbach, der Führer des I. Korps, ein Regiment der heftig kämpfenden 46. SchD. und ein Bataillon von der Korpsreserve in den Raum nordöstlich von Demi-dowka und setzte diese Gruppe unter GM. Haas zum Gegenstoß nach Süden an. Überdies wurden auch das Schützenbataillon und die reitende Artillerie der eben an den Nordflügel der 4. Armee im Marsche befindlichen l.KD. (S. 78) nach Demidowka gesandt. Auf diese Weise konnten die in Flanke und Rücken der 46. SchD. vordringenden Russen von den Schützenregimentern 13 und 15 zurückgeschlagen werden. FZM. Puhallo sah sich jedoch durch den Rückschlag veranlaßt, das II. und das I. Korps vorübergehend dem einheitlichen Befehle des GdK. Karl Kirchbach zu unterstellen.
Beim AOK. in Teschen hatten wegen der russischen Gegenschläge vorerst keine besonderen Besorgnisse bestanden. In einem Ferngespräch mit Obst. Ritt. v. Paić, dem Generalstabschef des 4. Armeekmdos., wies GM. Metzger am 3. vormittags darauf hin, daß der Feind mit seinen
6 bis 6V2 Divisionen gegen 13, wenn man die Gruppe FML. Smekal mitzählte, sogar gegen 15 öst.-ung. Divisionen angreife. Die Lage sei daher nicht bedrohlich, es komme vor allem darauf an, daß der linke Flügel rasch vorwärts dringe.
Umsomehr enttäuschte in Teschen das Kampfergebnis des 3. September. Auf dem Nordflügel war nichts Entscheidendes erreicht worden, die 25. ID. hatte einen schweren Rückschlag erlitten. GO. Conrad machte in einem Heeresbefehl an das 4. Armeekmdo. seinem Unmut mit den Worten Luft: „Das AOK. [Teschen] hat für den Angriff gegen den Nordflügel der russischen Südwestfront die Versammlung möglichst starker Kräfte auf engemRaum veranlaßt, um Bedingungen für einenraschen, durchgreifenden
1) Das IR. 4 verlor bei diesem Kampfe über 1000 Mann.
Erfolg zu schaffen. Es gewärtigt vom 4. Armeekmdo., daß es durch entschiedene Einwirkung auf die Führung die Erreichung des Kampfzieles erzwingt und seinen Willen durchsetzt. Schwierige Kampfverhältnisse können bei der schwächer gehaltenen Front am südlichen Flügel der
1. Armee wohl eintreten, müssen aber durch standhafte Gefechtsführung der Unterführer und durch rücksichtsloses Vordringen der dem gegenüberstehenden Feind weit überlegenen 4. Armee wettgemacht und für die Größe des Erfolges ausgenützt werden.“
Diesem Vorwärtsdrängen standen allerdings große Hindernisse entgegen. Der Ausbau der zerstörten Brücken und der schlechten Wege, der Bahn über Kowel sowie der außerordentlich langen Etappenlinie, das alles kostete viel Zeit. Auch waren die Truppen durch Kämpfe und durch gewaltige Märsche übermüdet, ihre Versorgung mit Schießbedarf und mit Lebensmitteln wurde von Tag zu Tag schwieriger, zumal die Russen bei ihrem Rückzug Städte und Dörfer verbrannt, das Vieh fortgetrieben und die Ernte vernichtet hatten. Aber die Heeresleitung war der Überzeugung, daß sich die Aussichten des Erfolges bei einem Hinausschieben des Angriffes verringern mußten, da der Feind an seinen Nordflügel Verstärkungen heranziehen konnte. Die gleiche Auffassung machte sich das 4. Armeekmdo. zu eigen und befahl für den 4. September dem GdI. Roth die entschiedene Fortführung des Angriffs. Der feindliche Widerstand sollte endgültig gebrochen und vom X. Korps der Horyń erreicht werden.
Bei Sturm und Regen setzte FML. Martiny am 4. früh die nördlich der Putilowka stehenden Truppen der 62. und der 24. ID. unter GM. Tunk zum Angriff auf Derażno an. Die russische Artillerie schoß vom südlichen Flußufer in die Flanke der Angreifer herüber. Trotzdem drängten die Streitkräfte des GM. Tunk in zähen Waldkämpfen die durch Infanterie verstärkten Orenburgkosaken und die russische 7. KD. ein Stück gegen Derażno zurück. Am Nachmittag kam aber das Vorgehen zum Stehen. Die russische 4. SchD. stieß von neuem gegen die südlich der Putilowka unter GM. Urbarz verbliebenen Teile der 24. und der 62. ID. vor. Die Russen faßten vorübergehend bei Cumań auf dem nördlichen Flußufer Fuß und bedrohten damit die Flanke und den Rücken der auf Derażno angesetzten Angriffsgruppe.
Der für den 4. September früh bei den Gruppen FML. Horsetzky (3. ID. und eine Infanteriebrigade der 10. ID.) und FML. Edl. v. Mecen-seffy (21. SchD. und Masse der 10. ID.) gegen die südlich von Olyka noch auf dem Westufer der Putilowka stehenden Russen anbefohlene
Angriff wurde nach unwesentlichen Fortschritten eingestellt. Der Nachmittag brachte hier sowie an der ganzen Front der 1. Armee feindliche Gegenstöße, die ein wechselvolles Ringen auslösten. Die Russen hatten es vornehmlich auf die südlich der unteren Ikwa zwischen Bokujma und Demidowka fechtende 46. SchD. abgesehen, die sich aller russischen Stöße tapfer erwehrte. Überdies glückte es der 25. ID., die von GdK. Karl Kirchbach zu entschiedenem Vorgehen angewiesen worden war, durch einen Vorstoß der FJB. 10 und 17 bei Demidowka einen Brückenkopf zu schaffen und wieder gegen Wołkowyje ein Stück vorzugehen. Der gefährliche Einbruch des russischen VIII. Korps konnte somit eingedämmt werden.
Für die Fortführung des Vorstoßes auf Rowno war mittlerweile die dem Nordflügel unter gewaltigen Märschen nachgeführte Gruppe FML. Smekal vom Erzherzog Joseph Ferdinand nach Moszczanica beordert und deren 4. ID. dem GdI. Roth unterstellt worden. Der Plan des Erzherzogs ging jetzt dahin, mit dem Nordflügel vorerst die Russen hinter den Horyń zu werfen, um dann mit den Hauptkräften des X. Korps und mit der 4. ID. den entscheidenden Stoß zwischen Stubiel und Ustje in der Richtung auf Rowno zu führen. Das XIV. und das IX. Korps sowie die 1. Armee sollten sich dem fortschreitenden Angriff des linken Flügels erst nach und nach anschließen.
Angesichts der Bedrohung durch die 4. SchD. wies jedoch Obst. Göttlicher, der Generalstabschef des XIV. Korps, schon am 4. September nachmittags in einem Ferngespräch mit Obst. Paić darauf hin, daß das Vorgehen auf Derażno dem Angriffsflügel beträchtliche Kräfte zum Schutze der immer länger werdenden Südflanke entziehe. Das X. Korps werde daher den Stoß nach Osten bald nicht mehr weiterführen können. Unter diesen Umständen schlug GdI. Roth vor, mit den Hauptkräften des X. Korps und mit der 4. ID. sogleich über die Putilowka nach Süden anzugreifen, um die russische Front gewissermaßen schon entlang und westlich der Straße Cumań—Klewań aufzurollen. Demgegenüber war das Heeresgruppenkmdo. der Ansicht, daß man vorerst den Horyń bei Derażno gewinnen müsse, um dem X. Korps den Rücken verläßlich zu decken, wenn dessen Hauptkraft nach Süden einschwenke. Auch sollte das X. Korps, wenn es schon nicht ostwärts bis über Derażno zur Umgehung der Russen ausholen könnte, nicht westlich des Stubiel, sondern östlich an Klewań vorbei auf Rowno vorstoßen. Hier schien guter Erfolg zu winken. Nach den vorliegenden Nachrichten wurden in Rowno bisher keine starken russischen Kräfte vermutet, auch waren die Festungswerke veraltet. Grundbedingung des Gelingens war allerdings, daß das X. Korps rasch vorwärts kam, denn es konnten bereits russische Verstärkungen nach Rowno im Antransport sein.
Nun legte aber GdI. Roth nach einer Unterredung mit dem FML. Martiny dem Heeresgruppenkmdo. am Abend dar, in welcher Gefahr das X. Korps schwebe, wenn es zwischen der von Süden angreifenden russischen 4. SchD. und der von Norden anrückenden feindlichen Kavallerie den Stoß nach Osten fortsetzen würde. Auch müßte man den entscheidenden Angriff nach Süden hinausschieben, wenn man erst mit dem linken Flügel den Horyńabschnitt von Derażno gewinnen wolle. Die Lage lasse aber ein Hinausschieben des Angriffs nicht zu, sondern erfordere seine Durchführung schon am 5. September, denn die Gefahren in Flanke und Rücken des Angriffsflügels könnten mit jedem Tag größer werden *). Als GdI. Roth noch erklärte, daß man den Stoß nach Süden wagen dürfe, ohne den Feind vorher über den Horyń geworfen zu haben, entschloß sich das Heeresgruppenkmdo. am 4. September zu später Stunde, den Angriff über Cumań nach Süden gleich am nächsten Tag durchzuführen und stellte dem X.Korps die 4. ID. für das Unternehmen zur Verfügung.
Nach Artillerievorbereitung begann am 5. September um 2h nachm. beim X. Korps der Infanterieangriff. Die Gruppe GM. Urbarz drang westlich der Straße Cumań—Klewań unter beträchtlichen Verlusten in die vordersten russischen Linien ein, kam dann aber vor der feindlichen Hauptstellung zum Stehen und ging am Abend teilweise in ihre alten Gräben zurück. In der Mitte bei Cumań war die 4. ID. eingesetzt; sie konnte den 150 m breiten Fluß, den ein Gewitterregen in eine breite Schlammzone verwandelt hatte, im heftigen feindlichen Feuer nicht überschreiten. Rechts vom X. Korps brachte die 2. ID. auf ihrem linken Flügel bei Litwa Abteilungen auf das rechte Ufer der Putilowka. Nördlich der Putilowka drang der linke Flügel des X. Korps in Fortsetzung des Angriffs nach Osten bis in die Wälder westlich von Derażno vor, russische Angriffsversuche wurden dort abgewiesen. Entscheidendes war damit am Nordflügel wieder nicht erreicht worden.
Während das X. Korps noch immer bei Cumań um die Entscheidung rang, bedrohte das russische Reiterkorps Gillenschmidt, von Norden kommend, täglich mehr Flanke und Rücken des Angriffsflügels, auf dessen umfassende Wirkung der Operationsplan aufgebaut war.
Schon am 3. September war die 4. KD. bei Cumań aus der Front gezogen worden, um nördlich des X. Korps über den Horyń zu rücken.
!) Nach einem ungedruckten Manuskript des FML. v. Kralowetz, damaligen Generalstabschefs des X. Korps.
Diese Division fand aber das Sumpf- und Waldgebiet von Berestiany von der russischen 3.DonKosD. versperrt und kam in dem von vielen Wasseradern durchzogenen und von riesigen Wäldern bedeckten Gelände nicht durch. Links von ihr kämpfte um dieselbe Zeit die nach Żurawicze entsandte 7. KD. mit einem Feind, der aus dem Raume von Czernysz und von Kolki nach Süden vordrang. Andere feindliche Reiterabteilungen rückten entlang des Styr und des Stochod auf Sokul und auf Holoby vor. Es hatte den Anschein, daß der Russe durch das ganze weite Polesie einen Kavallerieschleier vorschob und auch Infanterie — nach einer Meldung der Bugarmee die 77. RD. — mit der Bahn von Iwanowo (östlich von Drogiczyn) über Sarny zum Einbruch in die Nordflanke der 4. Armee nach Süden entsandte.
Um dem Angriffsflügel die Flanke und den Rücken zu schützen, befahl Erzherzog Joseph Ferdinand am 4. September der 7. KD., die zwischen Styr und Horyń vordringenden Russen über den Kormin zu werfen und den Styrübergang bei Kolki in Besitz zu nehmen. Gleichzeitig wurde die eben von der 2. Armee in Kiwercy eingelangte 1. KD. beauftragt, zunächst nach Nawoz zu marschieren, um dann zwischen dem Styr und dem Stochod bis über die Bahn Kowel—Sarny vorzudringen und gegen Stobychwa, Kamień Kaszyrskij und Niewier (am Pripiatj) aufzuklären. Alle Styr- und Stochodübergänge, die nicht gehalten werden konnten und die Pripiatjübergänge von der Stochodmündung bis Niewier waren zu zerstören. Als Rückhalt der Reiterei hatten die in Kowel, Holoby und Rożiszcze stehenden Abteilungen der 45. SchD. zu dienen.
Am 5. September gelang es der 4. KD., die feindliche Reiterei aus Berestiany und aus Garajmowka zu vertreiben, die 7. KD. kämpfte im Raume südlich von Kolki mit stärkerem Feind aller Waffen, die 1. KD. nahm Nawoz und stand bei Janowka im Kampfe. Sehr beunruhigende Nachrichten kamen mittlerweile aus Kowel. Kosaken schwärmten gegen die Stadt, ein abgetrennter Zug der Brückenkopfbesatzung wurde unter schweren Verlusten von Woloszki bis über die Straße Kowel—Łuck zurückgeworfen. Unverzüglich wurde die aus dem Bereich des XVII. Korps in Macijow eingelangte 1. Polenbrigade in Eilmärschen nach Kowel beordert und die bei Janowka stehende Masse der 1. KD. beauftragt, über Mielnica gegen Flanke und Rücken der im Anmarsch über Uchowieck auf Kowel gemeldeten starken russischen Kavallerie vorzugehen. Diese Meldung stellte sich alsbald als übertrieben heraus. An die 1. KD. erging daher am 6. September der abändernde Befehl, gegen Mielnica vorläufig nur aufzuklären und unter Festhaltung der Stochodübergänge bei Janowka
Beabsichtigter Durchbruch zwischen Ikwa und Horyń
entlang des nördlichen Styrufers auf Kołki vorzugehen, um von dort her dem mit der 7. KD. kämpfenden Feind in Flanke und Rücken zu fallen.
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Mit dem X. Korps wollte GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand unterdessen den Vorstoß über Cumań nach Süden fortsetzen, doch sah er sich am 6. genötigt, den überangestrengten Truppen einen Ruhetag zu gewähren, der vom FML. Martiny dringend empfohlen worden war. Um auf die Weiterführung des nun für den 7. September ins Auge gefaßten Angriffs einen unmittelbaren persönlichen Einfluß nehmen zu können, verlegte der Erzherzog noch am 6. sein Hauptquartier von Władimir-Wołyński nach Łuck. An der Putilowka und an der Front der 1. Armee herrschte an diesem Tage im wesentlichen Ruhe; am Kormin wurden von der
4. KD. russische Angriffsversuche abgewiesen.
FML. Martiny, dem nunmehr neben der 4., der 24. und der 62. ID. sowie der 45. SchD. auch noch das KavKorps Berndt unterstellt wurde, erhielt den Auftrag, in der Nacht zum 7. September zwischen Cumań und Moszczanica starke Kräfte zu dem für den nächstfolgenden Morgen geplanten Angriff auf Derewiane zusammenzuziehen. Das sumpfige Waldgelände und starker Regen verzögerten aber in der Dunkelheit die Bereitstellung der 24. ID. links neben der 4. ID. derart, daß der Angriff neuerlich um vierundzwanzig Stunden hinausgeschoben werden mußte.
Weiteres Vordringen in Ostgalizien (2. bis 6. September)
Hiezu Beilage 4 sowie Skizze 3
Wahrend die Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand an der Putilowka und im Westen von Dubno in blutigem Streite lag, hatte die Offensive in Ostgalizien erfreuliche Fortschritte erzielt. Am 1. September drängten die Truppen der 2. Armee in verheißungsvoller Verfolgung des bei Złoczów geschlagenen Feindes an Zagórze heran und näherten sich bei Podkamień und Radziwilow der Reichsgrenze. Schon an diesem Tage gab GdK. Böhm-Ermolli gegen Mittag die Weisungen für einen Angriff auf die Ikwalinie aus. Dem Befehle der Heeresleitung vom 31. August entsprechend, sollte der Hauptstoß zur Umgehung dieses starken Abschnittes mit fünf Divisionen (V. Korps, verstärkt durch eine vom IV. Korps heranzuziehende Division) zwischen der Ikwa und dem obersten Horyń geführt werden. Das XIX., das IV. und das XVIII. Korps hatten sich behutsam an die Ikwa heranzuschieben, die 32. ID. des XVIII. Korps war als Armeereserve in Radziwilow in Aussicht genommen. Am 2. September sollte das V. Korps zunächst Zagórze und Podkamień, das XIX. Korps Suchowola (siehe Skizze 3), das IV. Korps die Slonówkaniederung, das XVIII. Korps die Gegend südlich von Chotyn gewinnen. Als an diesem Tage die Truppen der 2. Armee am Morgen den Vormarsch fortsetzten, wußte man beim Armeekmdo. noch nicht, in welcher Linie der Feind sich wieder zum nachhaltigen Widerstand stellen werde. Am Nachmittag stießen die Verfolger an den Teichen des Sereth bei Ratyszcze, westlich von Podkamień, beiderseits der Plaszewka in der Gegend von Karpilowka auf die neuen Stellungen, die der äußerste Nordflügel der russischen 11. und der Südflügel der 8. Armee bezogen hatten. Alle Korps der Armee Böhm-Ermolli entfalteten sich sofort zum Angriff.
Die Armee Bothmer überschritt am 2. September die tief eingeschnittenen Wasserläufe der Wosuszka und der Strypa, warf feindliche Nachhuten in den Serethgrund und schob ihre Vortruppen gegen Załośce und bis auf die Höhen von Nesterowce, Dołżanka, Nastasów und Dara-chów vor.
Rechts im Anschluß an das Korps Hofmann drängte das XIII. Korps der 7. Armee den weichenden Russen am 2. September bis in die Linie Mogielnica—Kossów—Jagielnica nach. Weiter südlich erreichte das Korps FML. Henriquez Tłuste und den Sereth gegenüber von Bilcze ohne Kampf. Das Korps Benigni setzte am Morgen den schon begonnenen Flankenangriff zu beiden Seiten der Serethmündung fort (S. 73). Auf dem linken Flügel erstürmte am Morgen das UR. 7 der aus Truppen der 3., der 5. und der
6. KD. sowie aus der 10. IBrig. der 5. ID. zusammengesetzten Gruppe des FML. Ritt. v. Brudermann die Höhe Miejska Gora; hingegen konnte auf dem östlichen Serethufer die wichtige Höhe Sloteria nicht genommen werden. Weiter rechts davon gelang es der Grazer 6. ID., FML. Fürst Schönburg, einige feindliche Grabenstücke zu erobern, die Vorrückung kam aber am Nachmittag zum Stehen. Die Russen führten gegen den gefährlichen Flankenangriff des Korps Benigni Gegenstöße, da sie, wie sich alsbald herausstellte, die Serethlinie unter allen Umständen halten wollten. Hier hatten die russische 11. Armee und der Nordflügel der
9. Armee bei Załośce, Tarnopol, Mikulince, Strusów, Trembowla, Budza-nów und bei Czortków brückenkopfartige Stellungen bezogen und auch das Zwischengelände am östlichen Ufer besetzt.
GdK. Pflanzer-Baltin ließ mit dem Nordflügel der 7. Armee schon am 3. September die starke Serethstellung angreifen. Er hoffte dabei, daß ihm FML. Benigni, der unter Einsatz aller seiner Kräfte auf Korolówka durchstoßen sollte, den Weg über den Fluß öffnen werde. Zur Unter-
Wechselvolles Ringen der k.u.k. 7. Armee
Stützung Benignis sollte am 3. der an den Sereth bei Bilcze gelangte rechte Flügel des Korps Henriquez auf dem östlichen Ufer nach Süden gegen die Höhe Sloteria vorstoßen; die anderen Teile des Korps Henriquez und das Korps Rhemen hatten über den Sereth bis zum Niezlawa-bach und bis zur Linie Kopyczyńce—Kobylowloki vorzudringen.
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Tatsächlich konnten auf dem linken Flügel des XIII. Korps die Russen am 3. September von der 36. ID. nach hartem Kampf beiBudza-nów vom Westufer vertrieben werden; die 15. ID. kam aber vor dem stark befestigten Brückenkopf von Czortków zum Stehen. Das Korps Henriquez rückte mit der 8. KD. bei Szypowce dicht an den Sereth heran; bei Bilcze gelang es der 30. ID., mit einem Regiment auf dem jenseitigen Ufer Fuß zu fassen. Weiter flußabwärts vermochte aber die zur Unterstützung der schwer ringenden Gruppe FML. Brudermann befohlene, drei Bataillone starke Abteilung Obst. Rudolf Müller der 30. ID. unter dem starken russischen Geschützfeuer den Sereth nicht zu überschreiten. Auf dem rechten Flügel des Korps Benigni gewann unterdessen die 6. ID. um Mittag gegen Szuparka Raum, nachdem sie in der Nacht russische Gegenstöße standhaft abgewehrt hatte; die Gruppe Brudermann eroberte die hart umstrittene Höhe Sloteria und drang am Nachmittag mit Unterstützung der mittlerweile an ihren linken Flügel herangezogenen Abteilung Obst. Müller entlang des östlichen Serethufers ein Stück nach Norden vor. Das Korps Benigni führte aus diesen harten Kämpfen über 1400 Gefangene weg, erlitt aber selbst große Verluste und kam schließlich gegenüber neuen russischen Gegenstößen zum Stehen.
In Fortsetzung des Angriffes arbeitete sich am 4. morgens die 36. ID. mit ihrer Masse auf dem linken Flügel näher an die russischen Stellungen bei Budzanów heran. Doch nördlich von ihr stand die nur 4000 Feuergewehre zählende 131. IBrig. des Korps Hofmann unter GM. Blum in 10 km breiter Front noch westlich der Serethniederung. Von Janów drückten russische Kräfte gegen die so schwache Front der Brigade Blum und gegen Mogielnica vor. Um so dringender war die Sicherung der linken Flanke des XIII. Korps. Pflanzer-Baltin forderte daher gleichzeitiges Vorgehen der 131. IBrig. an den «Sereth. FML. Hofmann verstärkte hierauf die Brigade, und es gelang ihr mit Unterstützung des nordmährischen IR. 93, das die Nordflanke der 36. ID. deckte, bis zum
5. morgens die Russen wieder in den Brückenkopf von Janów zurückzudrängen.
Auf dem Südflügel des Korps Rhemen hatte sich inzwischen die
15. ID. vergeblich bemüht, die Russen aus dem Brückenkopf von Czort-ków zu vertreiben. Bei dem Korps Henriquez versuchten die Russen am
4. September durch Gegenstöße, die bei Bilcze übergegangenen Bataillone der 30. ID. über den Sereth zurückzudrängen. Der Feind wurde zwar mit Hilfe der Artillerie unter schweren Verlusten abgeschlagen, aber FML. Henriquez konnte keine weiteren Fortschritte erzielen. Er hatte seit Beginn der neuen Kämpfe über 1100 Streiter verloren.
Das Korps Benigni, das beauftragt war, unter Einsatz aller noch verfügbaren Kräfte nach Norden weiter vorzudringen, rang unrerdessen erbittert mit den Russen. Gen. Letschitzki raffte an diesem Teil der Front seine Kräfte zu neuen Gegenstößen zusammen, um ein weiteres Vordringen der 6. ID., das die Serethlinie aufzurollen drohte, zu verhindern. Am 4. schritten die Russen aber auch zwischen dem Pruth und dem Dniester, wo bisher im wesentlichen Ruhe geherrscht hatte, gegen das XI. Korps, GdK. Edl. v. Korda, vornehmlich gegen die bei Okna stehende 202. HIBrig., zu örtlichen Angriffen, deren demonstrative Art Pflanzer-Baltin allerdings alsbald erkannte. Was an Reserven freizumachen war, wurde daher zum schwer ringenden Korps Benigni beordert; aber es war nicht viel, zwei Honvédbataillone und die Schützendivision der zur 4. Armee abrollenden 10. KD. (S. 78). Auch die beim Korps Benigni befindliche Artillerie der 10. KD. wurde vorläufig dort in Stellung belassen. Dazu stellte die k.u.k. Heeresleitung das Eintreffen der zur Ablösung der 6. ID. bestimmten 37. HID. des VIII. Korps in Aussicht (S. 14).
Am 5. September fielen die Russen beim Korps Korda wieder in die Verteidigung zurück. Das Korps Benigni hatte sich bis zu diesem Tage aller russischen Gegenstöße in wechselvollen Kämpfen ehrenvoll erwehrt, nur der rechte Flügel der 6. ID. mußte in seine alten Stellungen in den Brückenkopf von Sińków zurückgenommen werden.
Auf dem linken Flügel der 7. Armee war indessen der Angriff ins Stocken gekommen. Es zeigte sich dort, daß die Divisionen in zu breiter Front gegen den Sereth angesetzt und ihre Truppen bereits zu ermüdet waren, um, wie dies Pflanzer-Baltin plante, die stark befestigten russischen Stellungen bei Budzanów und bei Bilcze ohne ausreichende Artillerieunterstützung durchbrechen *zu können. In dieser Erkenntnis entschloß sich der Armeeführer, vorläufig von einem weiteren Vorgehen abzusehen und die nächsten Tage zum Zusammenziehen entsprechender Streitkräfte vor den auserwählten Durchbruchspunkten auszunützen, zumal auch bei der Südarmee ein Stillstand eingetreten war.
GdI. Bothmer wollte nach den Kämpfen an der Strypa den Schwerpunkt des weiteren Vorgehens auf die Armeemitte verlegen. Sein Plan
ging dahin, mit drei Divisionen (55. ID., 3. GID. und 48. RD.) die Sereth-front südlich von Tarnopol zu durchbrechen. Da aber dazu sein bisheriger linker Angriffsflügel und das Korps Hofmann erst nach der Armeemitte zusammenschließen mußten und der Artillerieaufmarsch auf den schlechten Wegen bei Regenwetter sowie die nähere Erkundung der feindlichen Verschanzungen Zeit brauchte, setzte er den gewaltsamen Angriff erst auf den 7. September fest. Dagegen glaubte FML. Hofmann, wegen des günstigeren Angriffsgeländes den Angriff auf seinem rechten Flügel, wo er die Truppen schon zusammengefaßt hatte, gemeinsam mit dem Nordflügel des XIII. Korps sofort durchführen zu können. Eine gewisse Sorge sprach dabei mit, daß die Russen ihrerseits selbst das zumeist aus Landsturm zusammengesetzte Korps Hofmann anfallen könnten, das in einer Frontbreite von 37 km gegen den Sereth vorgerückt war. Aber FML. Hofmann vermochte beim Führer der Südarmee nicht die Zustimmung für seinen Vorschlag zu erwirken. Er mußte mit seinem Korps nach links zusammenschließen, um mit starkem linkem Flügel an dem geplanten Hauptstoß südlich von Tarnopol teilzunehmen.
Die Schlacht bei Podkamień Während GdI. Bothmer dieses Unternehmen sorgfältig vorbereitete, kämpfte die k.u.k. 2. Armee schon erbittert um die letzten russischen Stellungen auf der galizisch-podolischen Bodenwelle. Am 2. September nachmittags waren die Divisionen Böhm-Ermollis zum Angriff geschritten (S. 86), vermochten aber an diesem Tage nicht mehr über die feindlichen Vorpostenlinien hinauszukommen. Tags darauf, am 3., arbeitete sich das
V. Korps mit der 14., der 34. und der 33. ID. bis auf die nächsten Entfernungen an die feindlichen Hauptstellungen von Styberówka (Skizze 3) und von Podkamień heran. Die 29. ID. des XIX. Korps besetzte die Höhe Mogiła; das IV. Korps schob sich mit der 51. HID. gegen die Makutrahöhe und mit der 27. ID. gegen Radziwilow vor. Nördlich von Radziwiłow bog die Front scharf nach Osten um; hier waren die 32. und die 31. ID. des
XVIII. Korps in umfassendem Angriff auf Michałowka. Gegenüber der auf dem linken Flügel des XVIII. Korps eingesetzten Gruppe FML. Freih. v. Lütgendorf (1. LstlBrig. und 1. LstHusBrig., verstärkt durch ein Regiment der 31. ID.) räumten die Russen am Vormittag ihre Stellungen südlich von Kozin. Am Nachmittag mußte jedoch FML. Lütgendorf wegen des Vordringens der Russen gegen die benachbarte 25. ID. (S. 80) seinen Nordflügel in eine nach Norden gerichtete Front zurückbiegen, um sich gegen eine Umfassung zu schützen.
Auch an der übrigen Front der 2. Armee erfolgten im Verlaufe des
3. September und in der Nacht zum 4. heftige russische Gegenstöße, die aber abgewiesen wurden. In den andauernden Kämpfen und Märschen der letzten vier Tage hatten das IV., das XIX. und das V. Korps insgesamt 8000 Mann verloren; der Zustand der Truppen war nach den Meldungen der Regimentskommandanten zwar günstig, doch forderten Ruhr und Bauchtyphus, die in der feuchten Witterung und bei der durch schwierige Weg- und Nachschub Verhältnisse verursachten mangelhaften Verpflegung aufgetreten waren, manche Opfer. Auch klagten die Korps über den Mangel an Artilleriemunition, mit der sie gerade in den schweren Angriffskämpfen haushalten mußten. Dazu erfuhr das 2. Armeekmdo. am 3. September nachmittags, daß die Südarmee erst am 7. September zum Angriff antreten werde (S. 89). GdK. Böhm-Ermolli erachtete trotzdem die Lage für sehr erfolgversprechend. Die 2. Armee verfügte über 91/2 Divisionen Infanterie, denen — wie man zutreffend vermutete — nur etwa 5 russische Infanteriedivisionen gegenüberstanden, die zum Teil schon geschlagene Truppen sein mochten, und deren Gefechtsstände nicht höher als die eigenen waren. Neben dieser nahezu doppelten Übermacht an Infanterie mußte die Artillerie der 2. Armee, insgesamt 68 Feld- und
13 schwere und schwerste Batterien, ein weiteres entscheidendes Übergewicht über die Russen geben. Auch schienen die Ortschaften hinter der feindlichen Front bis zur Ikwa von Truppen frei zu sein. Flieger nahmen zwar im Verlaufe des Tages trotz trüben Wetters auf dem Ostufer der Ikwa und zwischen Ikwa und Horyń durchlaufende Stellungen wahr; Kremieniec, Goryńka und Wiszniewiec waren von Truppen belegt, aber nirgends von mehr als zwei Bataillonen. Diese günstige Lage wollte Böhm-Ermolli durch flottes Vorgehen ausnützen. Er befahl für den 4. die Fortsetzung des Angriffs, um den Feind zunächst hinter die Ikwa zu werfen und dann den schon geplanten entscheidenden Stoß in dem etwa 10 km breiten Raum zwischen Ikwa und Horyń in die Flanke des Kre-mieniecer Berglandes zu führen. Dazu wurde nunmehr außer dem aus vier Divisionen (14., 33., 34. und 43.) gebildeten V. Korps die bisher beim IV. Korps kämpfende 51. HID. bestimmt, das waren insgesamt 50.000 Feuergewehre und rund 180 Geschütze.
Nun konnten aber am 4. die sich zäh wehrenden Russen noch nicht gegen die Ikwa zurückgeschlagen werden. Beim V. Korps mußte FML. Goglia, der unter scharfer Zusammenfassung seiner Kräfte die feindlichen Stellungen zwischen dem Serethteiche bei Załośce und Podkamień durchbrechen sollte, vorerst die bisher als Reserve zurückbehaltene
Verzögerung im Angriff des V. und des IV. Korps 91
43. SchD. südlich von Styberówka in die Front einschieben und seine Artillerie umgruppieren, um dadurch die Vorbedingungen für den entscheidenden Angriff zu schaffen. Er verschob daher im Einverständnis mit dem Armeekommandanten den entscheidenden Angriff auf den
5. September.
Auch das XIX. und das IV. Korps waren am 4. September vor den feindlichen Stellungen liegengeblieben. FML. Schmidt-Georgenegg, der Kommandant des IV. Korps, hatte das XIX. Korps aufgefordert, die gegen die Makutrahöhe angesetzte 51. HID. zu unterstützen. FML. Trollmann lehnte ab, da auf dem linken Flügel der 29. ID. wegen des deckungslosen Geländes ein Angriff nicht erfolgversprechend zu sein schien. Er beabsichtigte, das Schwergewicht des weiteren Vordringens auf seinen rechten Flügel zu verlegen, wo er zusammen mit dem V. Korps vorgehen wollte.
Inzwischen rangen auf dem Südflügel des XVIII. Korps die 32. und die 31. ID. schwer, vermochten aber bei ihrem umfassenden Angriff auf Michalowka nicht weiter vorwärts zu kommen. Nördlich davon hatte der rechte Flügel der Gruppe FML. Lütgendorf einen russischen Vorstoß abgewehrt. Der linke Flügel wurde angewiesen, zur Unterstützung der nun wieder im Vorgehen befindlichen 25. ID. (S. 82) über die Plaszewka anzugreifen. Diesem Befehl vermochte zwar FML. Lütgendorf wegen der unzureichenden Kräfte, über die er verfügte, nicht Folge zu leisten; er hielt aber Verbindung mit der 25. ID. und sicherte die Nordflanke der 2. Armee an der Plaszewka (Beilage 4).
In der Nacht auf den 5. September herrschte an der Front der 2. Armee im wesentlichen Ruhe. Am nächsten Morgen sollte der entscheidende Stoß beim V. Korps einsetzen, dem sich die anderen Korps anzuschließen hatten. Allein das V. Korps hatte auch am 5. vormittags den Angriff noch nicht begonnen; es war ein trüber, regnerischer Tag, Nebel beeinträchtigte die Artillerietätigkeit, der Russe schien in seinen starken Stellungen noch nicht mürbe geworden zu sein. FML. Goglia sah daher auch diesen Tag noch für die Fortführung des Artillerieschießens und für das Heranarbeiten der Infanterie vor. Nicht anders war es beim IV. Korps, wo FML. Schmidt-Georgenegg erst die ihm zur Verfügung gestellte 30.5 cm-Mörserbatterie feuerbereit haben wollte, um die festungsartig ausgebaute Makutrahöhe mit Aussicht auf Erfolg angreifen zu können. So nützte man auch an den anderen Frontabschnitten der 2. Armee den 5. noch mit den Vorbereitungen für den entscheidenden Angriff aus.
Beim 2. Armeekmdo. hatte man unterdessen den Eindruck gewonnen, daß der Widerstand der Russen, die sich seit dem 4. September jedenfalls auffallend wenig angriffsfreudig zeigten, zu erlahmen beginne. GdK. Böhm-Ermolli gab seinem Unmut über das neuerliche Hinausschieben des Angriffs in einem am Vormittag erteilten Befehle scharfen Ausdruck und knüpfte die Erwartung daran, daß die russische Stellung „unbedingt bis längstens 6. September abends in einem entscheidenden Ausmaß durchbrochen sein werde“. Am Nachmittag schlug GdI. Bothmer der 2. Armee vor, erst am 7. September zusammen mit der Südarmee anzugreifen. Böhm-Ermolli hielt aber an dem für den 6. befohlenen Angriffe fest.
Nach kräftiger Artillerievorbereitung stürmten an diesem Tage vormittags die Divisionen der 2. Armee gegen den Feind. Die eng zusammengefaßten Truppen der 34. ID. durchbrachen um Mittag nördlich von Styberówka die russischen Stellungen, kurz darauf erstritt sich die 33.ID. Podkamień, die 29. ID. des XIX. Korps eroberte Nakwasza. Im Abschnitte nordöstlich von Radziwilow brach sich GM. Ritt. v. Willerding mit Truppen der 31. und der 32. ID., durch Mörserfeuer des IV. Korps kräftig unterstützt, schon um 10hvorm. beiderseits von Krupiec Bahn und erreichte um Mittag nach schwerem Ringen die Höhen von Micha-lowka. Nun wurde es auch der 27. ID. erleichtert, den im Norden schon überflügelten Russen den zäh verteidigten Ort Radziwilow zu entreißen. Unterdessen war die südlich von Styberówka vordringende 43. SchD. beauftragt worden, durch einen Vorstoß nach Süden den vor der 14.ID. noch haltenden Feind von Norden her aufzurollen. Aber bevor diese Umfassung wirksam wurde, räumten die Russen ihre Verschanzungen hinter den Serethteichen von Ratyszcze. Am Abend hielten sie nur noch die Makutrahöhe gegenüber der 51. HID. fest. Umsomehr bot ein Stoß der 29. ID. von Nakwasza her in die Flanke dieses Feindes Aussicht auf Erfolg. Doch bauten die Russen auch hier noch rechtzeitig ihre Front ab. Die 51. HID. bemächtigte sich um 2h früh der Makutrahöhe. In nächtlichen Nachstößen drangen die Spitzen des V. und des XIX. Korps, den weichenden Russen teilweise dichtauf folgend, bis in die Gegend von Zagórze und von Krutniew vor. Die 27. ID. des IV. Korps stand um diese Zeit südöstlich von Radziwilow, die 32. und die 31. ID. waren bis über Michalowka hinaus gelangt. Damit hatte Böhm-Ermolli den Südflügel der russischen 8. Armee zum drittenmal geworfen. Über 3000 Gefangene und 6 erbeutete Maschinengewehre wurden eingebracht. Die Wirkung dieses Erfolges blieb nicht aus. Im Einklang mit dem geschlagenen Südflügel der russischen 8. Armee ging deren Mitte zwischen Sitno und Młynów zurück.
Auf die russische Führung hatten die ungestümen Angriffe des Gegners ihren Eindruck nicht verfehlt. Brussilow bangte seit der unliebsamen Überraschung von Łuck auch um das Schicksal von Rowno. Er befürchtete, an der Putilowka nicht mehr lange ausharren zu können, und bat Iwanow dringend um frische Truppen1). Der Oberbefehlshaber der Südwestfront stellte alles, was er in den Rekrutendepots an schlechtausgerüsteten Ersatztruppen auftreiben konnte, bei den Armeen ein und unterrichtete den Höchstkommandierenden, Großfürst Nikolai Nikola-jewitsch, von der bedrohlichen Lage. Der umfassende Angriff des übermächtigen Gegners in Wolhynien trenne die 8. Armee endgültig von den nördlich des Pripiatj kämpfenden Heereskräften. Auch schilderte Iwanow der Stawka eindrucksvoll die Gefahren, die das zur Versorgung des russischen Heeres unentbehrliche Gebiet von Kiew bedrohten, falls seine Armeen an den Dniepr zurückgehen müßten 2). Aber dieser Hilferuf war zur Unzeit ergangen.
Die Kämpfe des k.u.k. XII. Korps im Rahmen des deutschen
Ostheeres (27. August bis 7. September)
Hiezu Beilage 3 sowie Skizze 8
Am 20. August hatte die Stawka Baranowiczi verlassen und sich nach Mohilew zurückbegeben müssen. Hier traf der Kriegsminister Poli-wanow aus Petersburg ein und überbrachte dem Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch ein Schreiben des Zaren. Darin eröffnete dieser seinem Oheim, daß er beschlossen habe, seinen lang gehegten Wunsch, sich persönlich an die Spitze des Heeres zu stellen, zu verwirklichen. Die Ereignisse im Kaukasus erforderten eine erfahrene und feste Hand, daher müsse der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch den Posten des Oberbefehlshabers der Kaukasusarmee und des Statthalters im Kaukasus übernehmen. Am 4. September langte Zar Nikolaus II. in Mohilew ein und übernahm den Oberbefehl. Der bisherige Generalstabschef Gen. Janusch-kiewitsch, der dem Großfürsten gleichfalls in den Kaukasus folgte, wurde durch den Gen.Alexejew ersetzt3).
x) Broussilov, 156; Zajontschkowskij, Der Bewegungskrieg 1914und 1915, 371.
2) Nesnamow, IV, 125.
3) Paléologue, I, 395 f. und 411; Lemke, 250 Tage in der zaristischen Stawka (in russischer Sprache, Leningrad 1920), 150 f.
Es war begreiflich, daß die neue Führung ihre Hauptaufmerksamkeit auf die Nordfront richtete. Dort verstärkte sich seit Ende August der Druck der deutschen Njemenarmee gegen den Dünaabschnitt Üxküll— Friedrichstadt. Vergebens suchte die russische 5. Armee den Angriff des GdI. Otto v. Below durch Vorstöße aus Jakobstadt und an der Swienta zum Stehen zu bringen. Ernste Sorgen flößte dem Gen. Alexejew auch das Vorgehen der deutschen 10. Armee ein. Sie drückte mit ihrem umfassenden linken Flügel trotz heftiger Gegenwehr der russischen 10. Armee beiderseits der Wilia vor und erreichte anfangs September mit dem rechten Flügel Orany. Alexejew sandte von der in der Heeresmitte stehenden Westfront Verstärkungen nach Wilna und suchte das Vordringen der Deutschen zwischen der Düna und dem Njemen in jenem natürlichen Tore zum Stehen zu bringen, das den Eingang zu den rückwärtigen Verbindungen des Moskowiterreiches bildete.
Aber auch die Lage der nunmehr von Gen. Ewert befehligten russischen Westfront ’syar keine beneidenswerte. Die deutsche 8. Armee eroberte am 4. September die Festung Grodno, die 12. Armee brach um dieselbe Zeit aus dem Bielowieser Urwald hervor; die Heeresgruppen Prinz Leopold (9. Armee und Armee GO. v. Woyrsch) und Mackensen (11. Armee und Bugarmee) drängten Ende August und anfangs September die russischen Westarmeen (1., 2., 4. und 3.) von der Narewka, Lesna sowie vom Muchawiecabschnitt an die Zelwianka, Jasiolda, über den Dniepr-Bugkanal sowie in die Landzunge zwischen Jasiolda und Pina zurück1). Die Offensiven Hindenburgs und Conrads sowie die Möglichkeit, die geschwächten Russenarmeen bis über Baranowiczi—Pinsk zurückdrängen zu können, hatten den GdI. Falkenhayn bestimmt, die Heeresgruppen Prinz Leopold und Mackensen über die im Befehl vom
28. August vorgesehenen Linien (S. 12) nach Osten hinausgehen zu lassen2). An diesen Operationen wirkte bei der Armee Woyrsch das k.u.k. XII. Korps, GdI. v. Kövess (16. und 35. ID.), mit. Die der deutschen 9. Armee zugeteilten beiden k.u.k. Kavalleriedivisionen, die 9. und die 2., wurden am 3. und 6. September aus der Front gezogen und rückten zur 4. Armee ab (S. 78).
Am 27. August drang die Armee Woyrsch unter leichten Gefechten in den Lesnabogen nordöstlich von Kamieniec-Litowskij ein und gelangte am 29. nachmittags nach mühevoller Verfolgung in die Gegend von Szereszowo—Sochopol. Hier verteidigte die Nordgruppe der russischen
x) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 217ff.
2) Mitteilung des Deutschen Reichsarchivs vom 7. Juli 1931; Foerster, II, 67.
Vordringen des Korps Kövess an die Jasiolda
3. Armee Hand in Hand mit der 4. Armee in geschickt ausgewählter Stellung hinter den Sümpfen der östlichen Lesna die Wege, auf denen ihre Kolonnen nordostwärts gegen Różany zurückeilten. Die 16. ID. entriß dem Feinde noch am 29. südlich von Szereszowo eine Höhe; links davon kam die 35. ID. dicht vor dem Orte an einem Sumpf zum Stehen. Das Landwehrkorps gewann im Norden bei Sochopol Raum.
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Am 30. August früh sollte die 16. ID. den Angriff über Szereszowo fortsetzen. Die Russen hatten aber wegen der Bedrohung von Norden her diesen Ort und den östlichen Lesnaabschnitt schon geräumt und wichen gegen die Jasiolda zurück. Als deutsche Flieger meldeten, daß sich endlose Kolonnen auf der Straße von Prużany gegen Różany—Slonim bewegten, wollte GO. Woyrsch möglichst rasch mit dem XII. Korps den Jasioldaübergang bei Koledicze gewinnen und mit der Landwehr über Smolenica den weichenden russischen Divisionen den Rückweg auf Różany abschneiden. Demgemäß setzte sich das Korps Kövess nach der Besitznahme von Szereszowo ohne Säumen in Bewegung und drang, rechts die
16. ID. und links die 35. ID., entlang der Straße Prużany—Koledicze gegen die Jasiolda vor. Dieser Vormarsch kostete viel Kraftanstrengung, da die zurückgehenden Russen wie immer alle Brücken hinter sich zerstört hatten und den Verfolgern von Abschnitt zu Abschnitt ihre Nachhuten entgegenstellten. Trotzdem erreichte Kövess schon am 31. August die Jasiolda.
Die 35. ID. sollte am 1. September den Fluß überschreiten; sie konnte aber bei Koledicze den Übergang nicht durchführen, da die Russen in diesem Abschnitt den Zugangsweg nach Różany mit äußerster Zähigkeit verteidigten. Da zog Kövess am 3. die 16. ID. nach rechts heraus, um über Sielec das linke Ufer zu gewinnen. Aber auch dort stand der Russe hinter der breit versumpften Niederung fest. Mühsam arbeiteten sich Teile der 16. ID. von Insel zu Insel auf das linke Ufer vor. Aber es gelang nicht, den Angriff in dem völlig versumpften Wald weiter vorzutragen. Die Russen führten Gegenstöße; auch konnten den arg bedrängten Vorhutbataillonen der Siebenbürger keine Verstärkungen nachgeschickt werden, weil der Feind die Übergangsstelle Tag und Nacht unter schwerem Feuer hielt.
Am 4. September erstürmte rechts vom XII. Korps das am Nordrande der Pripiatjsümpfe vorrückende Beskidenkorps der deutschen
11. Armee den Brückenkopf Kartuzskaja Bereza. Nördlich vom XII.Korps erzwang sich bis zum 5. die Landwehr den Austritt aus dem Sumpfgebiet bei und südöstlich von Nw. Dwor, noch weiter nördlich gewann die deutsche 9. Armee den Nordostausgang aus den Waldungen von Bielsk. Nun wichen die Russen auch vor dem Korps Kövess ein Stück von der Jasiolda zurück, bestrichen aber noch immer die Dammstraße von Sielec, die einzige Ausgangspforte nach Michalin, mit ihren Geschützen und Maschinengewehren. Erst am 8. September gab der Feind gegenüber dem Korps Kövess den Widerstand endgültig auf, als die deutschen Truppen der Armee Woyrsch schon auf Różany und an die Różanka vordrangen.
Die Bugarmee hatte am 29. August, mit der Masse von Westen und mit dem KavKorps GLt. v. Heydebreck (ll.HKD. und deutsche 5. KD.) von Süden her angreifend, Kobrin genommen. Gen. Lesch, der Führer der russischen 3. Armee, führte seinen Südflügel auf die verschanzte Linie Drogiczyn—Chomsk zurück. Am 6. September gelangten auch diese Befestigungen in den Besitz der Bugarmee. Nun sperrte Lesch die Pinsker Landzunge in einer neuen Stellung beiderseits Iwanowo. Südlich des Pripiatj deckte das ihm unterstellte IV. KavKorps Gillenschmidt die Straßen, die über Kamień Kaszyrskij und zwischen dem Stochod und dem Horyń nach Pinsk und nach Luniniec in den Rücken der russischen 3. Armee führten. Diesem Reiterkorps sandte Gen. Lesch auf Befehl der Stawka anfangs September mit der Bahn über Łuniniec—Sarny die 77. RD. des XXXI. Korps zu Hilfe, damit es den verlorenen Zusammenhang mit der Armee Brussilow herstelle und die hinteren Verbindungen des auf Rowno vordringenden Gegners belästige1). Das war aber auch alles, was Alexejew unter dem Drucke der deutschen Offensive zur Entlastung der
8. Russenarmee aufbieten konnte.
Nun hatte sich aber Iwanow in Anbetracht der bedrohlichen Lage in Wolhynien entschlossen, das XXX. Korps aus der Front herauszuziehen, um es aus Ostgalizien mit der Bahn an den Nordflügel der 8. Armee zu fahren. Er glaubte diese Schwächung auf seinem Südflügel wagen zu dürfen, weil am Sereth ein vorübergehender Stillstand der Operationen eingetreten war (S. 88). Diese Kampfpause gab ihm auch Zeit, bei der
11. und der 9. Armee Stoßgruppen zu bilden. Zu einer weitergehenden Gegenoperation fühlte sich Iwanow allerdings zu schwach. Doch hoffte er, durch Ausfälle aus den Brückenköpfen des Sereth die verzweifelt ringende 8. Armee zu entlasten.
x) Zajontschkowskij, Der Bewegungskrieg 1914 und 1915, 370.
Vorbrechen der Russen aus den Brückenköpfen am Sereth 97
Die Gegenangriffe des russischen Südwestheeres
Die Schlacht am Sereth (6. bis 12. September)
Hiezu Beilagen 4 und 5 sowie Skizzen 2 und 3
Russischer Durchbruch bei Tlrembowla
Während Schtscherbatschew und Letschitzki zu Gegenschlägen rüsteten, schob Bothmer die Truppen der Südarmee näher an den Sereth heran. Auf dem linken Flügel des Korps Marschall setzten sich am 5. September die 38. HID. gegenüber dem Brückenkopf von Zalośce, die 19. ID. vor jenem von Tarnopol fest. Im Anschluß daran erstritt sich die 48. RD. die Wälder von Bucniów. Unmittelbar hinter dieser Division stand die
3.GID., während sich das Korps Hofmann mit der 55. ID. und mit der
131. IBrig.—es waren insgesamt 14 schwache Bataillone und 8 Batterien in einer Frontbreite von 30 km — vor Mikulince, Strusów und vor Trembowla eingrub. Die Brigade Obst. Bolzano war von dem Südflügel auf den äußersten Nordflügel des Korps Hofmann verlegt worden, um am
7. September mit der Stoßgruppe des Korps Marschall (48. RD. und
3. GID.) südlich von Tarnopol durchzubrechen. An demselben Tage wolke auch Pflanzer-Baltin mit der Masse des XIII. Korps über Czortków und mit dem verstärkten linken Flügel des Korps Benigni längs des östlichen Serethufers nach Norden vorstoßen.
Nun konnte aber auch Iwanow mit seinem Gegenunternehmen beginnen. Am 6. erneuerte der Russe zwar nicht seine Bemühungen gegen das Korps Benigni. Doch schien der Feind nach den Aussagen der Gefangenen beträchtliche Kräfte, etwa 3 Infanterie-, 2 bis 3 Kavalleriedivisionen und ebenso viele Reichswehrbrigaden, zum Schutze der Dniester-flanke versammelt zu haben. Auch vor der Front des Korps Henriquez und weiter nördlich vor den Korps Rhemen und Hofmann waren feindliche Truppenansammlungen beobachtet worden. Russische Erkundungsstöße und zunehmendes Artilleriefeuer ließen Angriffe auf dem rechten Flügel der Armee Bothmer erwarten.
Am 6. September nachmittags stürzten sich plötzlich stärkere Abteilungen des russischen XI. Korps aus den Brückenköpfen in der Gegend von Trembowla gerade gegen den schwächsten Teil der Front, gegen die Mitte und den Südflügel des Korps Hofmann. Gedeckt durch
III 7
Kavallerie, die der Infanterie voranritt, drangen die Russen in die dürftig ausgebauten Stellungen der 55. ID. ein und konnten trotz Einsatzes der Korpsreserve nicht wieder geworfen werden.
Ein zweiter Erfolg war den Russen auf dem Nordflügel der 7. Armee bei Janów beschieden, wo sie durch einen Vorstoß nach Süden die dünnbesetzte Front zwischen der 131. IBrig. und der 36. ID. durchbrachen. GdI. Rhemen warf die Gruppe GM. Luxardo (Truppen der 15. und der
5. ID.) über Mogielnica den vordringenden Russen entgegen und brachte sie zum Stehen. Damit war die Lage auf dem linken Flügel des XIII. Korps wiederhergestellt, aber es mußte jetzt der beabsichtigte Angriff bei Czortków unterbleiben, da alle entbehrlichen Kräfte zur Abwehr der Russen bei Mogielnica gebraucht wurden. Hingegen beschloß PflanzerBaltin, den für den 7. September angeordneten Flankenstoß des Korps Benigni, das er mittlerweile durch Truppen des Korps Henriquez und der 202. HIBrig. — insgesamt fünf Bataillone — verstärkt hatte, durchführen zu lassen.
Auch GdI. Bothmer hatte seine Absicht, südlich von Tarnopol durchzubrechen, wegen der russischen Vorstöße gegen die 55. ID. nicht aufgegeben. Am 7. September morgens sollte am Südflügel des Korps Marschall angegriffen werden. Nun hatten aber Schtscherbatschew und Letschitzki, ermutigt durch den Erfolg bei Trembowla, für denselben Tag von neuem, diesmal dem XVIII. Korps aus dem Brückenköpfe von Tarnopol und dem XI. Korps auch bei Budzanów, den Angriff befohlen, der den beiden russischen Führern umsomehr geboten zu sein schien, als der Gegner mittlerweile die benachbarte 8. Russenarmee bei Podkamień und bei Radziwilow durchbrochen hatte (S. 92).
Schon in der Nacht zum 7. war es dem Feinde — es waren Truppen des XXII. Russenkorps — gelungen, an der Einbruchstelle bei der 55. ID. durchzustoßen, womit er der Brigade Bolzano in Flanke und Rücken kam. Diese Brigade sollte sich in wenigen Stunden dem beabsichtigten Vorgehen des Korps Marschall anschließen, war daher mehr zum Angriff als zur Abwehr bereit, als sie bei Morgengrauen plötzlich von den Russen überfallen wurde. Bolzanos Truppen (IR. 81 und 88) wurden zersprengt, so daß sie bis über Nastasów hinaus flüchteten. Die Russen führten zahlreiche Gefangene weg und eroberten acht deutsche Geschütze, die für den Angriff unmittelbar hinter der vordersten Linie bereitgestellt waren. Glücklicherweise verfolgten die Russen nicht eifrig, auch deckte das rasche Eingreifen von zwei Regimentern der 3. GID., die sich unter Obst. Leu von Norden dem Feinde entgegenwarfen, die auf
Durchbruch der Russen bei Trembowla
das höchste gefährdete Südflanke des Korps Marschall. Die Russen wurden liier wieder in die Abwehr gedrängt, die Geschütze zum Teil geborgen; bald schloß sich auch die neugeordnete Brigade Bolzano dem Vorgehen der Deutschen an.
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Der Angriff des XVIII. Russenkorps aus dem Brückenkopf von Tarnopol war mittlerweile von der 48.RD.und von der 19. ID. abgeschlagen worden. Nicht so günstig endete aber die Abwehr gegen die weiteren russischen Vorstöße aus den Brückenköpfen von Trembowla. Hier wurde ■die 55. ID. am 7. September bei Tagesanbruch in der Flanke gefaßt, am Vormittag in der Front an mehreren Stellen durchbrochen, so daß sie am Nachmittag nach wechselvollem Streite bis auf die Höhen östlich der Strypa gegen Burkanów zurückweichen mußte. Die Russen stießen von Darachów nach Süden vor und sprengten die 131. IBrig. von dem Korps Hof mann ab. Unter harten Kämpfen schlug sich der von feindlicher Kavallerie in der Nordflanke und im Rücken gefaßte linke Flügel der Brigade Blum auf Dobropole durch, indes ihr rechter Flügel und die Gruppe GM. Luxardo des XIII. Korps am Nachmittag auf den Höhen von Mogielnica dem von Trembowla und von Janów her angreifenden russischen XI. Korps noch hartnäckigen Widerstand leisteten. Nun wurde aber gegen Abend der rechte Flügel der 36. ID. bei Budzanów vom Sereth zurückgeworfen, worauf FML. Schreitter seine ganze Division und die Reste der 131. IBrig. auf die Höhen von Kossów und südlich von Laskowce zurücknahm.
Auf dem rechten Flügel des Korps Benigni wurde am 7. früh die
6. ID. durch Tscherkessenabteilungen bestürmt. Doch die wackere Division wußte den Feind mit blutigen Köpfen abzuweisen. Um lh nachm. setzte die Gruppe FML. Brudermann (3. und 6. KD., verstärkt durch 8 Bataillone und 9 Batterien) nach wirksamer Beschießung der Russen durch die Artillerie längs des linken Serethufers zum anbefohlenen Flankenstoß an (S. 98). Der schwungvolle Angriff gewann rasch Boden, das tapfere schlesische IR. 1 erstürmte gemeinsam mit UR. 4, HR. 1 und DR. 11 die russische Stellung. Unterdessen schlossen sich auch Teile der 6. ID. dem Vorgehen an; über 3700 Gefangene und 7 Maschinengewehre wurden als Beute eingebracht1). Die Russen begannen bereits vor dem rechten Flügel des Korps Henriquez zu weichen, da faßte am Nachmittag ein Gegenstoß die Angriffsgruppe Benignis in der rechten Flanke. Vom
x) Dragoni, Vier Kaiserregimenter am 7. September 1915 (Öst. Wehrzeitung 1927, Folge 36); Adolph-Auffenberg, Kaiserinfanterie allen voran (Ebenda, Folge 39); Feldtagebuch des damaligen Kommandanten der 11. IBrig., GM. v. Stöhr.
rechten Flügel der 6. ID. griff die Artillerie durch flankierendes Feuer unterstützend ein. Abermals wichen die Russen; gegen Abend mußten jedoch die arg gelichteten Truppen des Korps Benigni in ihre Ausgangsstellungen zurückgenommen werden.
Damit war der glänzende Erfolg der Gruppe FML. Brudermann leider ohne Auswirkung geblieben. Für die Fortsetzung der operativ wirksamen Angriffe fehlten Benigni die nötigen Reserven. So stand jetzt zu erwarten, daß die Russen, gedeckt gegen den ‘Dniester, den bei Trembowla erzielten Durchbruch zu Flankenstößen ausnützen mochten, um den noch in den alten Stellungen haltenden Teil der Serethfront aufzurollen. GdK. Pflanzer-Baltin war daher vor allem darauf bedacht, seinen linken Flügel zu verstärken. Dazu standen ihm einstweilen nur die im Raume nördlich des Dniester befindlichen Ersatztruppen (Marschbataillone) und zwei Bataillone des Korps Henriquez zur Verfügung. Diese Truppen wurden in Kraftwagen an den linken Flügel des XIII. Korps herangebracht. Behauptete sich die 36. ID. nicht in der Front Czortków— Kossów—Laskowce, dann wollte GdK. Pflanzer-Baltin das ganze Korps Rhemen bis in die Linie Jagielnica—Przewłoka zurücknehmen. Mittlerweile mochte die von Iwangorod anrollende 37. HID. (S. 88) in Niżniów ausgeladen und nach Buczacz herangezogen sein, um von hier aus in nordöstlicher Richtung in Flanke und Rücken des Feindes vorzudringen, wenn dieserweiter gegen das Korps Hofmann anrennen sollte. Zur Deckung des Aufmarsches der 37. HID. hatten am 8. September die halbe 8. KD. vom Korps Henriquez und am 9. die 6. KD. vom Korps Benigni nach Buczacz zu rücken.
Dagegen wollte Bothmer schon am 8. September früh mit dem Front nach Süden abgebogenen rechten Flügel des Korps Marschall, der nunmehr aus den Resten der Brigade Bolzano, Teilen der 3.GID. und der 48. RD. zusammengesetzt war, über Nastasów angreifen, um durch Flankenbedrohung die über den Sereth vorgebrochenen Russen zum Rückzug zu zwingen. Als Pflanzer-Baltin, der tatenfrohe Führer der 7. Armee, von diesem Plane erfuhr, entschloß er sich sofort, ohne das Eintreffen der
37. HID. abzuwarten, auch den linken Flügel des XIII. Korps nach Norden vorstoßen zu lassen, um die Russen in die Zange zu nehmen.
Am 8. früh griffen auf dem rechten Flügel des Korps Marschall die Brigaden Leu und Bolzano, verstärkt durch ein Regiment der 38. HID., bei Nastasów an. Die Russen wurden ein Stück gegen den Sereth zurückgedrückt, mehr war nicht mehr zu erreichen. Die schwache 131. IBrig., die entlang der von Dobropole nach Darachów führenden Straße vor-
Schwierige Lage der Südarmee 101
dringen sollte, kam bei Chmielowka vor feindlichen Abteilungen, namentlich Reiterei, zum Stehen, deren Vorgehen sich am Nachmittag gegen Laskowce und auch gegen das Korps Hof mann bemerkbar machte. Die Lage blieb dadurch sehr schwierig, denn die auf dem linken Flügel des Korps Rhemen fechtenden Truppen hatten schon sehr gelitten, Zuversicht und Stimmung waren durch den schweren Rückschlag am 7. gesunken, und — wie die Dinge bei der 55. ID. lagen — konnte diese Division, die in ihrem Gefechtswert ebenfalls nur mehr gering einzuschätzen war, an der Strypa wohl kaum den Feind lange aufhalten. Damit war auch das noch gegenüber von Tarnopol standhaltende Korps Marschall, das selbst durch die Massierung starker russischer Kräfte schwer bedroht war, der Gefahr einer Umgehung von Süden ausgesetzt. Ungeduldig harrte GdI. Bothmer in dieser Bedrängnis auf eine Entlastung durch die 2. Armee.
Eingreifen der 2. Armee in die Schlacht am Sereth Hiezu Skizze 3
Am 7. September früh, gleich bei der Einleitung der Verfolgung auf Nw. Aleksiniec und gegen die Ikwa, hatte GdK. Böhm-Ermolli vom V. Korps die 14. ID., FML. v. Csicserics, über Gaje za Ruda südostwärts gegen Gontowa abgezweigt, um der auf dem Nordflügel der Südarmee stehenden 38. HID. den Übergang über den oberen Sereth zu öffnen. Als Böhm-Ermolli im Verlaufe dieses Tages von dem ungünstigen Stand der Sereth-schlacht vernahm, entschloß er sich, die 34. ID., GM. Ritt. v. Birkenhain, der 14. ID. nachzuschicken, um aus diesen beiden Divisionen unter FML. Csicserics eine Gruppe mit der Aufgabe zu bilden, möglichst rasch und tief über Iwanczany und Gniezdiczno auf Zbaraż in Flanke und Rücken der gegen die Südarmee vordringenden Russen vorzustoßen. Auch wurden vom Korps Marschall jene Teile der 38. HID. dem FML. Csicserics unterstellt, die hinter den weichenden Russen über Załośce auf Mszaniec vorgingen. Überdies hatte am 8. September vom IV. Korps noch die 51. HID. in Eilmärschen bis in die Gegend von Nw. Aleksiniec zu rücken und sich hier gleichfalls dem FML. Csicserics zur Verfügung zu stellen.
Der von Böhm-Ermolli beabsichtigte kühne Vorstoß auf Zbaraż hatte allerdings eine erhebliche Schwächung des V. Korps zur Folge. Aber den Plan, die Ikwalinie durch eine Umgehung von Süden her zu nehmen, gab Böhm-Ermolli trotzdem nicht auf. Nur konnte er jetzt nicht mehr, wie es seine ursprüngliche Absicht war, fünf Infanteriedivisionen zwischen dem Horyń und der oberen Ikwa zum entscheidenden Angriff ansetzen, sondern nur drei, die 43. SchD. und die 33. ID. des V. Korps sowie die schon als Armeereserve in Aussicht genommene 32. des XVIII. Korps (S. 85). Böhm-Ermolli hatte Eile, denn er wußte, daß er gegenüber den Russen noch immer auf der ganzen Front eine zahlenmäßige Überlegenheit besaß, aber es war zu besorgen, daß dieses günstige Kräfteverhältnis nicht mehr lange halten werde. Für den 8. September befahl der Armeeführer dem FML. Csicserics, auf Zbaraż vorzudringen, indes die anderen Korps den Angriff auf die Ikwalinie vorzubereiten hatten, der am 9. vom rechten Flügel aus beginnen sollte. Die zur Verstärkung des V. Korps bestimmte 32. ID. hatte baldigst nach Nw. Poczajew zu gelangen.
Als diese Befehle am Abend des 7. September durch Böhm-Ermolli erteilt wurden, hatten die Streitkräfte der 2. Armee in rastloser Verfolgung die Gegend von Gontowa, von Nw. Aleksiniec, östlich von Łopuszno, von Nw.Poczajew und beiderseits von Plaszewa erreicht. Vor der Gruppe Csicserics war der Feind zwischen Ihrowica und Swiniuchy am oberen Horyń, vor dem V. Korps bei Butyn und bei Rydoml erkundet worden. Vor dem XIX., dem IV. und dem XVIII. Korps, die ihre Vortruppen unter leichteren Kämpfen noch am 7. gegen die Ikwa vorgeschoben hatten, lagen die Russen jenseits vom Flusse tief eingegraben am Rande des Kremieniecer Berglandes.
Während im Verlaufe des 8. September die drei nördlichen Korps der 2. Armee bis nahe an die Ikwa herangingen und die auf dem diesseitigen Ufer noch verbliebenen feindlichen Abteilungen vertrieben, bereitete sich das V. Korps zum Angriff auf die starken russischen Stellungen zwischen der oberen Ikwa und dem Horyń vor. Ein am Vormittag ausgegebener Armeebefehl hatte dem FML. Csicserics angesichts der kritischen Lage bei der Südarmee noch einmal möglichst rasches Vorgehen auf Zbaraż ans Herz gelegt. Es stehe ihm nur die schon bei Gołogóry geschlagene 4. Russendivision gegenüber; er möge diesen Feind tatkräftig angreifen und im ersten Ansturm schlagen.
FML. Csicserics vermochte sich jedoch nicht zu entschließen, am
8. September schon anzugreifen. Einmal schien es ihm, daß sich der Feind zwischen Iwanczany und Swiniuchy bereits in befestigten Stellungen befand, gegen die er nicht anrennen wollte. Dann waren die Truppen, die er bei der Hand hatte, die 14. ID. und die 75. HIBrig., von den vorangegangenen Kämpfen und Märschen so ermattet, daß sie nicht sogleich antreten konnten. Eine Division, die 34. ID., war auf dem linken Flügel erst mit Teilen eingerückt und die 51. HID. war erst im Anmarsch auf
Nw. Aleksiniec. Ihr Eintreffen wollte Csicserics noch ab warten. Überdies regnete es am 8. September ununterbrochen, die schwere Artillerie blieb auf den aufgeweichten Straßen stecken, Nebel beeinträchtigte obendrein die Tätigkeit der bereits auf gefahrenen Batterien.
Groß war die Enttäuschung, als am Nachmittag das 2. Armeekmdo. aus einer Meldung des FML. Csicserics erfuhr, daß der Angriff auf Zbaraż noch nicht begonnen habe. GdI. Bothmer hatte inzwischen auch über das zögernde Vorgehen der Gruppe Csicserics geklagt. Sie habe es einstweilen nur mit geringen feindlichen Kräften zu tun, bei längerem Zuwarten könne der Russe aber seine Stellungen verstärken, frische Kräfte heranholen und in die Lücke zwischen den Korps Marschall und Rhemen (Skizze 2) hineinstoßen. Wenn jedoch die Gruppe Csicserics rasch Vordringen würde, dann müßte auch Tarnopol, das russische Ausfallstor am Sereth, fallen, und es könnten dann von dort Verstärkungen zu dem bedrohten Korps Hofmann geworfen werden. GdK. Böhm-Ermolli, der inzwischen seinen Sitz von Lemberg nach Brody verlegt hatte, stand unter dem Eindruck, daß das Unternehmen auf Zbaraż des kräftigen Zufassens entbehrte. Er übertrug dem Führer des XIX. Korps, FML. Trollmann, den Befehl über die Gruppe Csicserics mit dem Aufträge, am
9. September mit allergrößter Energie rücksichtslos auf Zbaraż durchzustoßen. FML. Csicserics bat am Abend seinen Armeekommandanten, den Angriff für den 10. September planmäßig vorbereiten zu dürfen. GdK. Böhm-Ermolli entschied, der Angriff sei imbedingt schon am 9. durchzuführen. Nun ließ FML. Csicserics die auf seinem linken Flügel eingerückte 34. ID. nach rechts ausdehnen, um mit den zusammengefaßten Kräften der 14. ID. von Ditkowce aus die feindliche Front durchbrechen zu lassen. Offenbar verlegte Csicserics wegen der örtlichen Kampfverhältnisse den Schwerpunkt auf den rechten Flügel, was für die Truppen ermüdende Nachtmärsche erforderte.
Am 9. morgens langte FML. Trollmann in Bukowica (^nördlich von Mszaniec) ein und übernahm die Führung des Unternehmens auf Zbaraż. Es war ein regnerischer Tag. Dicker Nebel hemmte abermals jede wirksame Artillerietätigkeit. Als sich am Nachmittag das Wetter etwas ausheiterte, ging FML. Trollmann mit drei Stoßgruppen zum Infanterieangriff über, vermochte jedoch nicht durchzudringen. Das VI. Russenkorps hatte unterdessen zwischen dem oberen Sereth und dem Horyń Aufstellung genommen. Hätte man den von Csicserics beabsichtigten planmäßigen Angriff mit eng zusammengefaßten Kräften erst am 10. durchführen lassen, so wäre vielleicht der Durchbruch auf Zbaraż gelungen.
FML. Goglia, der die Aufgabe hatte, die Ikwalinie von Süden aufzurollen, war unterdessen schon am Vormittag mit der 43. SchD. gegen Butyn, mit der 33. ID. über Rydoml — die 32. blieb zunächst Korpsreserve — zum Angriff gegen die starken russischen Stellungen zwischen der oberen Ikwa und dem Horyń geschritten. Unter schweren Verlusten nahmen die Angriffsdivisionen des V. Korps die russischen Vorstellungen und arbeiteten sich im Verlaufe des Tages an die Hauptwiderstandslinie heran. Mehr war bei dem zähen Widerstand der Russen auch beim XIX. Korps bis zum Abend nicht zu erzielen. Am nächsten Morgen sollten das XIX. und das V. Korps den Angriff fortsetzen. Falls der Feind geworfen wurde, war er zu verfolgen.
Weiteres Vordringen der Russen gegen das Korps Marschall und gegen den linken Flügel der 7. Armee
Obwohl der Angriff des Südflügels der 2. Armee am 9. September nicht durchgedrungen war, hatte dieser Tag der schwerringenden Südarmee Erleichterung der zweifellos kritischen Lage gebracht. Dies erklärt sich wohl daraus, daß die Russen zwischen dem Korps Marschall imd dem XIII. Korps einstweilen nicht weiter nach Westen zu stoßen wagten. Gen. Schtscherbatschew, der Führer der russischen 11. Armee, war augenscheinlich darauf bedacht, vor allem den östlich des oberen Sereth gegen seinen Rücken andringenden Gegner in Schach zu halten. Die gegen das Korps Hofmann vorgegangenen russischen Kräfte wichen am 9. September, allerdings auch durch einen neuen Vorstoß der 3. GID. bei Nastasów bedroht, wieder gegen den Sereth zurück, so daß die 55.ID. an diesem Tage ihre dünnen Linien auf den Höhen östlich der Strypa ein Stück vorschieben konnte.
Rechts vom Korps Hofmann waren unterdessen neue Kämpfe entflammt. Gen. Letschitzki, der Führer der russischen 9. Armee, suchte den linken Flügel der Armee Pflanzer-Baltin, der sich zwischen Biała, Kossów und Laskowce festgesetzt hatte, nach Süden zu drücken, augenscheinlich, um seine eigene rechte Flanke für einen Angriff über die Strypa freizumachen. Am 9. früh brachen aus Laskowce und aus Żwiniacz Abteilungen des russischen XI. Korps hervor und warfen den rechten Flügel der 36. ID. und kurz darauf auch den linken Flügel der 15. ID. unter empfindlichen Verlusten auf Kossów. Hier versuchten die durchbrochenen kroatischen Regimenter 53 und 16, die schon in den Kämpfen an der Strypa bei Przewłoka schwere Blutopfer gebracht hatten (S.71 f.), neuen Widerstand zu leisten. Aber die beiden angefallenen Divisionen mußten um Mittag vor den vorwärts stürmenden Russen in die Front Jagielnica—Dżuryn— Pilawa zurückgenommen werden. Zu der noch bei Chmielowka stehenden 131. IBrig. bestand keine Verbindung. Sie sah sich von den Russen rechts umgangen und wich über Dobropole gegen die Strypa. Zum Schutze der linken Flanke des XIII. Korps wurde die vom Korps Henriquez zur Deckung des Aufmarsches der anrollenden 37. HID. nach Buczacz herangezogene halbe 8. KD. herbeigeholt. Schon am Nachmittag schoben sich feindliche Kräfte von Kossów und aus der Gegend nordwestlich davon gegen Pilawa und gegen Dżuryn heran. Es drohte ein neuer Durchbruch, der das schon arg geschädigte Korps Rhemen von der Südarmee gegen den Dniester hin abdrängen konnte. Um dem vorzubeugen, ermächtigte Pflanzer-Baltin den Korpsführer, nötigenfalls in eine brückenkopfartige Stellung beiderseits von Buczacz und in die Front Jazłowiec—Koszylowce zurückzugehen. Mit Rücksicht auf den schon bedenklichen Zustand der Truppen — das XIII. Korps hatte seit der Überschreitung der Złota Lipa bereits 17.000 Mann, mehr als die Hälfte seines Bestandes, verloren —, der einen nachhaltigen Widerstand nicht mehr erwarten ließ, befahl GdI. Rhemen den Rückmarsch. Die 36. ID. nahm er nach Einbruch der Dunkelheit in den Brückenkopf von Buczacz zurück; links davon wurde die halbe 8. KD. in den Abschnitt von Bobulińce eingesetzt, noch weiter nördlich die 131. IBrig. bei Wiśniowczyk postiert, damit die Lücke zum Korps Hof mann nicht ohne Truppen blieb. Mit der Abwehr zwischen Pomorce und Jazlowiec wurde die vom Korps Benigni hinter das Korps Rhemen verschobene 6. KD. beauftragt. Im Anschluß daran nahm die 15. ID. bis Koszylowce Aufstellung, während FML. Henriquez die Masse der 8. KD. und den linken Flügel der durch die LstlBrig. Obstlt. Békésí verstärkten 30. ID. vom Dniester bis in die Gegend beiderseits von Tłuste zurückschwenken ließ. Diese Bewegungen konnten in der Nacht auf den
10. September ohne Störung durch den Feind ausgeführt werden.
Unterdessen hatte Gen. Schtscherbatschew, nachdem sein rechter Flügel gegen den ersten Ansturm des Gegners festen Stand bewahrt hatte, die Befehle zu einem Schlage gegen das Korps Marschall gegeben. Am
10. zu früher Morgenstunde wurde nach schwerem Geschützfeuer die
3.GID. bei Nastasów angefallen. Diese Division konnte, unterstützt durch die Artillerie, die in mehreren Linien anstürmenden finnischen Schützenregimenter des russischen XXII. Korps abschlagen. Auf dem linken Flügel des Korps Marschall aber drang das russische XVIII. Korps am Vormittag an der Straße nach Dołżanka und dann am Nachmittag auch weiter nördlich in die Stellungen der 19. ID. ein; diese konnte sich nur mit Mühe noch behaupten.
In ähnlicher Weise wie Schtscherbatschew das Korps Marschall aus dem Brückenkopf von Tarnopol frontal und zugleich über Nastasów in der Flanke angriff, versuchte Letschitzki nach dem Rückzug des XIII. Korps den nach Westen zurückgebogenen linken Flügel des Korps Henriquez an seiner Bruchstelle am Sereth durch einen doppelseitigen Angriff von Osten und von Norden her zu überwältigen. Bei gleichzeitigen Scheinangriffen gegen das Korps Benigni führte Letschitzki Verstärkungen über den Sereth und fiel am 10. September gegen Mittag die nunmehr vom GM. Jesser geführte 30. ID. *) in der Front und in der Flanke an. Bei Bilcze konnten die Russen abgewehrt werden, bei Szypowce zerschlugen sie aber die LstlBrig. Obstlt. Békési und zwangen das ganze Korps Henriquez, nachdem dessen Gegenangriff erfolglos geblieben war, zum Rückzug in das Vorfeld des Brückenkopfes von Zaleszczyki. Die 15. ID. nahm ihren rechten Flügel von Koszylowce nach Westen an die Strypamündung zurück. Die Lage gestaltete sich dadurch noch ernster. In dem fast 25 km breiten Dniesterabschnitt zwischen dem XIII. Korps und dem Korps Henriquez befand sich zur Zeit nur die halbe 8. KD. Ein russischer Vorstoß über den Dniester konnte für die Mitte der 7. Armee sehr ernste Folgen haben. GdK. Pflanzer-Baltin beorderte das IR. 7 vom Korps Benigni an den linken Flügel des Korps Henriquez heran. Außerdem ließ er das HIR. 15 der eben in Niżniów ausladenden 37. HID. nach Horodenka weiterfahren. Er hoffte mit dem Eintreffen von weiteren Verstärkungen, die ihm inzwischen die Heeresleitung in Aussicht gestellt hatte, bald einen völligen Umschwung herbeizuführen.
GO. Conrad war von den Hiobsbotschaften über die Rückschläge am Sereth sehr unangenehm berührt. Nach langwierigen Verhandlungen hatte er erst vor kurzem (am 6. September) in Pleß mit Falkenhayn und mit dem bulgarischen Obst. Gantscheff die Militärkonvention mit Bulgarien unterzeichnet, nach der Österreich-Ungarn und Deutschland mit je sechs Divisionen binnen 30 Tagen, Bulgarien mit mindestens vier Divisionen binnen 35 Tagen an den serbischen Grenzen operationsbereit stehen sollten (S. 11). Nun war es aber durch die krisenhaften Ereignisse in Ostgalizien fraglich geworden, ob die k.u.k. Heeresleitung den übernommenen Verpflichtungen werde nachkommen können. Allerdings erklärte sich Falkenhayn in einem Telegramm am 10. September damit ein*) Der bisherige Divisionär, FML. Kaiser, hatte an Stelle des GdI. Joh. Freih. v. Kirchbach das Kommando des II. Korps übernommen.
Einsatz des k.u.k. VI. Korps in Galizien 107
verstanden, daß öst.-ung. Kräfte, die zum Abtransport an die serbische Grenze bestimmt waren, in Ostgalizien eingesetzt werden. Er versprach, sie durch deutsche Truppen zu ersetzen1). Aber es waren doch bittere Worte, wenn der deutsche Generalstabschef in seiner Depesche weiters sagte: „Gewiß würde auch durch solche Verschiebungen der schon entstandene politische und militärische Schaden nicht beseitigt werden. Aber es könnte doch Schlimmerem vorgebeugt werden, was mir mit Rücksicht auf die Stimmung in der russischen Armee und in Rumänien von größter Wichtigkeit zu sein scheint.“
Unter dem Zwange dieser schwierigen Augenblickslage beschloß GO. Conrad noch am 10. September, das gegen Serbien bestimmte VI. Korps (12. ID., 39. HID.), dessen Abtransport am 11. von Rawa Ruska beginnen sollte, vorläufig zur Verstärkung der 7. Armee nach Halicz, Stanislau und Niżniów zu fahren, wo gerade die 37. HID. staffelweise einlangte. Damit war sowohl die Stützung des linken Flügels der 7. Armee gewährleistet als auch ein Stoß zur Wiedergewinnung der Serethlinie vorbereitet.
Festlaufen des Angriffs der 2. Armee und zunehmende Gefährdung
der Südarmee
Gegen das Korps Marschall waren seit dem 10. September früh besonders starke russische Angriffe im Gange, während der Stoß des XIX. Korps auf Zbaraż und des V. Korps zwischen dem Horyń und der Ikwa zu langen, schweren Kämpfen geführt hatte (S. 103 f.). Wann dabei eine Entscheidung zu erreichen sein werde, stand dahin. Vermochten sich die Truppen der 19. ID. so lange zu halten ? Nach den Nachrichten, die die k.u.k. Heeresleitung von der Südarmee hatte, schien dies höchst zweifelhaft. GO. Conrad ließ daher am 10. um Mittag in Brody anfragen, ob auf dem Südflügel der 2. Armee noch ein Erfolg zu erhoffen sei. Böhm-Ermolli sollte nötigenfalls den Angriff vorläufig einstellen und auf dem schnellsten Wege eine Division zum Korps Marschall entsenden, damit es den aus Tarnopol vorbrechenden Feind Zurückschlagen könne.
Der Führer der 2. Armee antwortete, daß er sich von dem Angriff des V. Korps selbst dann einen Erfolg verspreche, wenn der Feind auch weiterhin hartnäckig Widerstand leiste. FML. Trollmann habe seinen Divisionen die beherzte Fortsetzung des Angriffes befohlen. Das Armeekmdo. sei daher der Ansicht, daß das Auslaufen des Angriffs und das Festhalten an dem ursprünglichen Gedanken, die Entscheidung durch x) Falkenhayn, Heeresleitung, 127.
einen Vorstoß auf Zbaraż und zwischen Horyń und Ikwa zu suchen, besser wäre als das Verschieben einer Division zur Südarmee, was zweifellos wegen der schlechten Wege sehr viel Zeit brauchen würde.
Während der Kampf auf dem Südflügel der 2. Armee blutig weiterging, hatten die Russen am 10. September nachmittags den linken Flügel der 19.ID. von den Höhen bei Proniatyn zurückgeworfen (S. 105 f.). Gegen Abend empfing Böhm-Ermolli die Nachricht hierüber. Der öst.-ung. Verbindungsoffizier beim Kmdo. der Südarmee, Mjr. Say, teilte mit, daß die schwer bedrängte 19. ID. keine Reserven mehr habe. Eine Entlastung wäre nur zu erwarten, wenn das XIX. Korps noch am selben Tage durchdringen würde. Falls dies nicht möglich sei, müßte noch in der Nacht die 75. HIBrig. auf das westliche Serethufer geschickt werden, damit sie am 11. früh auf dem schwer bedrohten Nordflügel des Korps Marschall eingesetzt werden könne. Am Schlüsse dieses Telegramms ersuchte die Südarmee um rasche Nachricht, ob das XIX. Korps durchgedrungen sei.
Dies war aber nicht der Fall. Nach den Meldungen, die dem 2. Armeekmdo. am Abend Vorlagen, war das XIX. Korps infolge des zähen Widerstandes des russischen VI. Korps vor Ihrowica und Iwanczany festgelaufen; auf dem rechten Flügel Trollmanns hatte die 75. HIBrig. am Nachmittag sogar vor einem russischen Gegenstoß auf die Höhen südlich von Mszaniec weichen müssen. Diese Brigade schickte sich am Abend wieder zum Vorgehen an. Böhm-Ermolli entschloß sich daher, zunächst nur das HIR. 302 der 51. HID., das sich zur Zeit hinter dem XIX. Korps in Reserve befand, dem Korps Marschall zu Hilfe zu senden. Er hatte noch schwache Hoffnung, daß das V. Korps bei Rydoml eine Bresche schlagen werde. Dort waren die Regimenter der 33. ID. teilweise bis auf die nächsten Entfernungen an die starken russischen Stellungen herangekommen; FML. Goglia hatte für die Nacht den Sturm befohlen.
Allein ehe eine Entscheidung fiel, wurde die Verstrickung auf dem Nordflügel der Armee Bothmer immer größer. Noch in der Dunkelheit versuchten die Russen, den Keil, der bei Dołżanka in den Stellungen der 19. ID. saß, weiter nach Westen vorzutreiben. Am 11. September bei grauendem Morgen wurden die zermürbten Bataillone der 19. ID. neuerlich durchbrochen, die Russen drangen über Dołżanka hinaus. Auf die Nachricht davon ließ GdI. Bothmer nochmals Böhm-Ermolli dringend bitten, ihm die 75. HIBrig. zurückzustellen. Das Korps Marschall — so berichtete der öst.-ung. Verbindungsoffizier — werde sich jetzt vielleicht hinter die Strypa zurückziehen müssen, um „nicht zertrümmert und eingeschlossen“ zu werden. Würde nun aber die Südarmee zurückweichen müssen, dann wäre auch die Südflanke der 2. Armee auf das höchste bedroht.
Unter dem Eindruck dieser Nachricht befahl GdK. Böhm-Ermolli dem FML. Trollmann, die 75.HIBrig. freizumachen und an das Korps Marschall abzugeben. Der Angriff auf Zbaraż war auch nach der Rücksendung dieser Brigade fortzuführen. Dazu war aber das XIX. Korps, dessen Divisionen schon schwer geblutet hatten, nicht mehr befähigt. Desgleichen vermochten beim V. Korps die ermatteten Regimenter der 33. ID. nach fruchtlosen nächtlichen Sturmversuchen nicht mehr in die feindlichen Linien bei Rydoml einzudringen. FML. Goglia meldete gegen Mittag, daß man den Truppen Ruhe gönnen müsse, und daß nur ein Angriff mit ausreichender Unterstützung schwerer Batterien einen Erfolg bringen werde. GdK. Böhm-Ermolli ließ nun das V. und das XIX. Korps in die Abwehr fallen. Damit war der Gedanke aufgegeben, die Ikwalinie durch einen Stoß über Rydoml und gleichzeitig die Serethlinie durch einen Flankenangriff auf Zbaraż aufzurollen. Das Wichtigste war jetzt, der Südarmee auf dem rechten Serethufer, wo weitere Fortschritte der Russen die 2. Armee von Süden überflügeln konnten, unmittelbar Hilfe zu bringen. Hiezu hatte GdK. Böhm-Ermolli schon in der Nacht auf den 11. September von seinem Nordflügel, wo nichts mehr zu tun übrig blieb, als die Russen zu fesseln, Truppen freigemacht, um sie näher an seinen Südflügel heranzuziehen. Es waren dies vom XVIII. Korps die 62. IBrig. unter GM. v. Felix und vom IV. Korps die IR. 85 und 67 der 27. ID. sowie das IR. 74 der 29. ID. Als der Armeeführer dann am 11. um Mittag den Angriff beim V. und beim XIX. Korps einstellen mußte, beschloß er mit Zustimmung der Heeresleitung, neben der komb. Division GM. Kroupa (V2 27. ID. und V* 29. ID.) auch noch die 32. ID. des V. Korps, beide unter dem Befehl des Kommandanten des XVIII. Korps, FML. Czibulka, an den Nordflügel der Südarmee zu leiten. Das XVIII. Korps hatte mittlerweile FML. Lütgendorf zu führen.
Als diese Truppen am 11. September nachmittags nach Zalosce eilten, machten sich beim XIX. Korps gerade russische Erkundungsstöße fühlbar, die den Eindruck eines ernstlichen feindlichen Gegenangriffs erweckten. FML. Trollmann trat daher an seinen Armeekommandanten mit der Bitte heran, ihm die 32. ID. zu unterstellen. Er wolle am
12. September unter Mitwirkung dieser Division selbst wieder zum Angriff schreiten. FML. Trollmann erhielt daraufhin die vom XVIII. Korps heranrückende 62. IBrig. zugewiesen. Die 32. ID. blieb nebst der komb. ID. Kroupa zur Unterstützung des Korps Marschall bestimmt.
Allerdings war es diesem Korps am 11. unter Einsatz der letzten Reserven geglückt, den Ansturm der Russen bei Dołżanka zum Stehen zu bringen. Die 3.GID. hatte sich bisher gegen alle anbrandenden Angriffe bei Nastasów behauptet. So war es dem GdK. Marschall möglich gewesen, ein aus deutschen Truppen zusammengesetztes Infanterieregiment noch in der Nacht auf den 11. zur schwerringenden 19. ID. zu verschieben. Dieses Regiment brachte, unterstützt durch schwere Batterien und durch das von der 2. Armee herbeigeeilte HIR. 302, die bereits bis über Dołżanka vorgedrungenen Russen nach heftigem Kampf zum Weichen. Damit war aber keineswegs die Krise überwunden.
Bei Tarnopol verhielten sich die Russen am 12. September zwar zuwartend, doch gegen den nach Westen abgebogenen rechten Flügel des Korps Marschall setzten sie mehrere Male mit starken Kräften zu umfassendem Angriff an. Auch gegen den Nordflügel des Korps Hofmann waren sie im Vorgehen. Alle diese Angriffs versuche wurden durch überraschendes Artilleriefeuer schon im Keime erstickt. Aber es mußte dennoch besorgt werden, daß der Russe seine Vorstöße gegen das Korps Marschall fortsetzen und daß dann die 19. ID., deren Gefechtswert nur mehr gering einzuschätzen war, abermals zurückweichen werde. Je länger das Korps Marschall in seinen Stellungen verharrte, um so eher konnte es durch doppelseitigen Flankenangriff des XXII. und des XVIII. Russenkorps zermalmt werden.
In dieser Lage beschloß GdI. Bothmer noch am 12. vormittags, das Korps Marschall zum engeren Anschluß an das Korps Hofmann nach Westen zurückzunehmen. Doch durfte bei diesem Zurückweichen die Flanke der 2. Armee nicht bloßgelegt werden. Darum sollte Marschall auf den Höhen östlich der Tiefenlinie Horodyszcze—Jezierna wieder Front machen, indes sich das Korps Czibulka beiderseits von Nesterowce für einen Vorstoß entlang des westlichen Serethufers gegen Süden bereitzustellen hatte. Dadurch schien auch der Schutz der rechten Flanke der
2. Armee am besten gewährleistet.
Demgegenüber erwog GO. Conrad, das Korps Czibulka rechts vom Korps Marschall einzusetzen, damit es von hier in den beginnenden Kampf beim Korps Hofmann flankierend eingreife. Dieser Stoß versprach guten Erfolg. Aber Conrad mußte diesen Plan wieder fallenlassen, weil der linke Flügel des Korps Marschall augenscheinlich zu schwach war, um so lange Widerstand leisten zu können, bis der Vorstoß entlang der Strypa nach Süden ausgeführt war. Auch schienen die Russen jetzt gegen Załośce losgehen zu wollen.
Am 12. dehnten sich auf dem Südflügel der 2. Armee die russischen Erkundungsstöße, verbunden mit starkem Artilleriefeuer, von der Front Trollmanns bis nördlich vom Horyń aus. Am Morgen wurde der linke Flügel der 51. HID. eingedrückt und der östlich von Swiniuchy stehende Teil der 43. SchD. über den Horyń nach Norden geworfen. Reserven der zweitgenannten Division, die von jenseits des Horyń auf das Gefechtsfeld eilten, warfen am Nachmittag den Feind wieder aus Swiniuchy hinaus. Truppenverschiebungen hinter der feindlichen Front aus dem Kremieniecer Bergland nach Süden sowie Nachrichten über das Anrollen eines kaukasischen Korps gegen Tarnopol ließen keinen Zweifel darüber, daß dem rechten Flügel der 2. Armee sowie der Armee Bothmer neue, schwere Angriffe drohten.
Das Ringen um die Entscheidung in Wolhynien (7. bis 13. September)
Hiezu Beilage 4 sowie Skizzen 4 und 5
Das Vor dringen bis an den Stubiel und bis Dubno
In diesen Tagen der zunehmenden Spannung in Ostgalizien harrte das AOK. in Teschen mit um so größerer Ungeduld auf einen entscheidenden Erfolg in Wolhynien. Dort war das Vorwärtsdrängen der Heeresgruppe GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand schon seit acht Tagen an der Putilowka ins Stocken gekommen. Nun aber hatten die Russen in der Nacht zum 7. September infolge des Durchbruches der Armee Böhm-Ermolli bei Podkamień auch vor dem rechten Flügel der 1. Armee den Rückzug hinter die Ikwa angetreten (S. 92). Schon die ersten Nachrichten darüber veranlaßten die Heeresleitung am 7. mittags, dem Erzherzog Joseph Ferdinand besonders rasches Vorgehen auf dem Nordflügel nahezulegen. Sie nahm an, daß der Feind unter dem Schutze der starken Ikwafront Kräfte an die Putilowka verschieben werde, wo er anscheinend unbedingt halten wolle. Die 1. Armee sollte nicht im Stirnkampf an die Ikwalinie anrennen; die Schwerlinie des weiteren Angriffs war gegen Olyka und in den Raum nördlich der Straße Łuck—Dubno zu verlegen.
Erzherzog Joseph Ferdinand erteilte auf diese am 7. vormittags aus Teschen eingelangte Weisung dem FZM. Puhallo den Befehl, gegen Dubno und gegen die Ikwa nur schwächere Kräfte vorzuschieben, die hier den Feind binden sollten. Hinter dem linken Flügel der 1. Armee habe Puhallo zwei Infanteriedivisionen zu versammeln. Diese sollten dem Korps Szurmay größere Stoßkraft geben oder vielleicht noch weiter nördlich verwendet werden.
Auf dem Nordflügel der 4. Armee suchte der Armeeführer wie bisher die Entscheidung durch Umfassung. Am 8. September sollte das X. Korps (4., 24., 62. ID., 45. SchD.) von Cumań auf Klewań durchstoßen, um den noch an der Putilowka haltenden Feind von Norden aufzurollen; die 2. ID. des XIV. Korps hatte diesen Angriff mitzumachen. Die
3. ID. und das IX. Korps hatten russische Kräfteverschiebungen zu verhindern. Die 13. SchD., die zur Zeit hinter dem XIV. Korps stand, sollte am
8. nach Moszczanica hinter das X. Korps marschieren, während die 21. SchD. aus der Front des IX. Korps herauszulösen und nach Palcza zu verlegen war. Die Sicherung der linken Armeeflanke wurde am Kormin dem KavKorps Berndt, zwischen Styr und Stochod der 1. KD. zugedacht.
Demgegenüber wünschte die Heeresleitung, daß von den nördlich der Straße Łuck—Dubno stehenden zwölf Infanteriedivisionen schon am 8. September möglichst viele angriffen, da vom Erfolg des Nordflügels die Entscheidung an der ganzen russischen Südwestfront abhinge.
Am 8. September früh bereiteten an der Putilowka GdI. Roth und FML. Mariiny das wiederholt hinausgeschobene Vorgehen gegen das durch die 4. SchD. verstärkte XXXIX. Russenkorps (S. 85) durch Ar-tillsriefeuer vor. Nebel beeinträchtigte die Wirkung gegen die feindlichen Verschanzungen; Regen, der seit dem Vorabend unaufhörlich niederrieselte, hatte die Putilowkaniederung in einen breiten Sumpf verwandelt. Beim X. Korps brauchten die Regimenter der 24. und der 4. ID. den ganzen Tag, um sich aus ihren Ausgangsstellungen am Südufer der Putilowka gegen den Feind heranzuarbeiten. Die am linken Flügel des XIV. Korps längs der Eisenbahn angesetzte 2. ID. konnte unter dem starken russischen Abwehrfeuer den Fluß nicht überschreiten. Bei den Divisionen am rechten Flügel der 4. Armee und am linken der 1. Armee beschränkte sich die Gefechtstätigkeit lediglich auf den Feuerkampf. Am Südflügel Puhallos kamen die 46. SchD. und die 25. ID. in Fortsetzung der am Tage zuvor angetretenen Verfolgung (S. 92) ohne ernsteren Kampf zwischen Młynów und Werba bis dicht an die Ikwa heran. Schon am Vormittag langte beim 4. Armeekmdo. die überraschende Nachricht ein, daß Dubno vom Feinde preisgegeben sei und die Ikwabrücken bei der Stadt in Flammen stünden. •
Erzherzog Joseph Ferdinand befahl nun dem FZM. Puhallo, im Abschnitt von Dubno nur die 25. ID. zu belassen, mit der 46. SchD. hin-
gegen auf das rechte Ikwaufer hinter den linken Armeeflügel zu rücken. Hier wollte sich FZM. Puhallo aus dem I. Korps und aus dem Korps Szurmay eine Stoßgruppe bilden, um mit einem planmäßig vorbereiteten Angriff am 10. die russische Front bei Uzyniec zu durchbrechen.
Mit zunehmender Spannung sah indessen die Heeresleitung einer Entscheidung entgegen. Als diese auszubleiben schien, ließ GO. Conrad am 8. gegen Abend das 4. Armeekmdo. grollend wissen: „Es waren 14 Divisionen, die das AOK. gegen bis 6 russische Divisionen auf dem Nordflügel angesetzt hatte. Diese Überlegenheit war mit den Gefahren einer Verdünnung der ostgalizischen Front geschaffen worden, die nunmehr von russischer Übermacht angegriffen wird.“ Noch einmal betonte Teschen, daß von einem raschen, durchschlagenden Erfolg der 4. und der 1. Armee die Entscheidung abhänge.
GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand befahl dem FML. Martiny und dem GdI. Roth die kraftvolle Fortführung des Angriffs. Er unterstellte die 13. SchD. dem X. Korps; den FZM. Puhallo wies er an, die Versammlung seiner Stoßgruppe nicht erst abzuwarten, sondern mit allen schon nördlich der Ikwa befindlichen Kräften am 9. September anzugreifen. Auch das IX. Korps hatte diesen Angriff mitzumachen.
Unterdessen waren auf dem Nordflügel südlich von Cumań die 4. und die 24. ID. bei Einbruch der Dunkelheit in die feindlichen Stellungen eingedrungen. Die Nacht und die Erschöpfung der Truppen machten aber ein weiteres Vorgehen einstweilen unmöglich. Als der 9. September tagte, konnte festgestellt werden, daß die Russen vor den auf dem südlichen Putilowkaufer stehenden Teilen der 62. ID., vor der Front der 24. und der 4. ID. und dann auch vor dem Nordflügel des XIV. Korps in der Nacht zurückgegangen waren. Bald folgten Meldungen, daß der Feind auch seine Stellungen vor dem IX. Korps und vor dem Korps Szurmay geräumt habe. Das war die ganze Front an der Putilowka und nördlich der Ikwa, wo Brussilows Nordflügel seit dem 2. September standgehalten hatte. Die k.u.k. Truppen drängten dem weichenden Feinde ostwärts nach. Südlich der Putilowka ballten sich dabei die 24., die 4., die 2., die 3. und die 21. Division dicht zusammen. Das AOK. in Teschen legte hingegen dem Vorgehen mit starkem, weit nach Norden ausholendem linkem Flügel entscheidende Bedeutung bei. Es nahm an, daß der Russe am Stubielbach, in dem letzten Verteidigungsabschnitt vor Rowno, neuen Widerstand leisten werde, warnte vor einem verlustreichen frontalen Anrennen an diese schon von Natur aus starken Kampfstellungen und legte dem 4. Armeekmdo. ans Herz, diesen Abschnitt sogleich im
Norden zu umgehen, ehe sich die Russen vor Rowno neuerlich festsetzen konnten.
In diesem Sinne wollte nun Erzherzog Joseph Ferdinand mit den in der Heeresgruppenmitte vorgehenden Korps, dem IX. und dem XIV., die Russen zunächst bis an den Stubiel verfolgen und, wenn sie dort tatsächlich wieder ernstlichen Widerstand leisten sollten, nur fesseln, mit dem auf fünf Divisionen (4., 24., 62., 45. und 13.) verstärkten X. Korps aber unterhalb der Stubielmündung über den Horyń gehen, um dann nach Süden auf Rowno vorzustoßen. Das KavKorps Berndt sollte die Flanke jenseits des Horyń decken und die Bahnlinie Rowno—Samy zerstören. Die Armee Puhallo hatte, wie bereits befohlen, das Schwergewicht des Angriffes auf ihren linken Flügel zu verlegen und das russische Frontstück zwischen Stubiel und Ikwa zu durchbrechen.
Dieser am 9. September vom 4. Armeekmdo. entworfene Angriffsplan, der im Sinne der ursprünglichen Absichten (S. 76) wieder die bis über den Horyń ausgreifende Umgehung des russischen Nordflügels in einem allerdings außerordentlich ungünstigen Gelände und dazu auch eine Überflügelung der Stubiel- und Ikwalinie ins Auge faßte, mutete freilich den schon seit vielen Wochen im Kampf oder auf dem Marsche befindlichen, mangelhaft versorgten Truppen neuerlich große Anstrengungen zu. Viele Regimenter, zumal die des X. Korps, wiesen bereits breite Lücken auf. Die Etappenlinie zum linken Flügel hatte sich auf 200 km gestreckt. Der Nachschub mußte noch immer von Cholm her auf schlechten Wegen zumeist mit leichten Pferdefuhrwerken durchgeführt werden; die Eisenbahn von Süden über Sokal war erst zwei Stationen weit, bis Ulwowek, in Betrieb und die von Władimir-Wołyński nach vorne gelegte Feldbahn hatte Łuck noch nicht erreicht. Aber so nötig die Einschaltung einer Kampfpause gewesen wäre, so schien jetzt rasches Zugreifen geboten, da die Russen stärkere Heereskörper an ihren Nordflügel heranführen konnten. Einstweilen deckten nur Kavallerieverbände die Nordflanke von Rowno, die 3. DonKosD. gegenüber dem KavKorps Berndt am Kormin und die 3. OrenburgKosD. gegenüber der auf Derażno angesetzten 62. ID. auf dem westlichen Horyńufer. In verheißungsvoller Verfolgung drängten die Truppen der 4. Armee noch am 9. September bis an den Stubiel vorwärts. Hier stießen das X., das XIV. und das IX. Korps, wie erwartet, bis aufwärts von Zarieck auf eine durchlaufende russische Stellung, während das Korps Szurmay und die
9. ID. des I. Korps zwischen Moszków und Iwanie auf den Feind trafen. Auf dem Südflügel der 1. Armee besetzten Truppen der 25. ID. die
schon tags vorher von den Russen gesprengten Sperrforts von Dubno und hißten die schwarzgelbe Fahne auf der alten Zitadelle. Der Feind stand hier auf dem jenseitigen Ufer der Ikwa, nur bei Straklow hielt er noch einen Brückenkopf besetzt.
Die Schlacht am Stubiel
Am 10. September früh entspannen sich auf beiden Flügeln der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand harte Kämpfe. Nachdem die 24. ID. die Sicherung im Abschnitt von Derewiane bis zur Stubielmündung übernommen hatte, setzte FML. Martiny die 62. ID., verstärkt durch ein Regiment der nach Cumań dirigierten 13. SchD., nördlich der Puti-łowka gegen Derażno, rechts davon die 45. SchD. gegen Diuksin zum Angriff an. Unter großen Mühsalen kämpfte sich die 62. ID. auf dem sumpfigen, dicht bewaldeten Gelände von Derażno gegen den Horyń vor, während die 45. SchD. auf dem eingeschränkten Raume der Horyň-schleife von Diuksin keine Fortschritte erzielte. Das XIV.Korps (2., 3. ID., 21. SchD.) und das IX. Korps (10. ID. und 26. SchD.) schoben sich am
10. näher an den Stubiel heran und erkundeten die auf dem anderen Ufer angelegten russischen Stellungen.
FZM. Puhallo wollte an diesem Tage das Korps Szurmay mit starkem rechtem Flügel auch bis an den Stubiel vorstoßen lassen; das I. Korps hatte den an der Straße Dubno—Rowno stehenden Feind anzugreifen, während die 25. ID. bei Dubno und südlich davon die Ikwa überschreiten sollte. Nun konnte aber die 25. ID. ihre schwierige Aufgabe nicht durchführen. Bei Straklow sperrten die Russen durch einen starken Brückenkopf auf dem Westufer die Übergangsstelle. Südlich und nördlich von Dubno bildete das durch breite Sumpfstreifen begleitete Gewässer der Ikwa große, seenartige Tümpel, so daß hier nur bei den Brückenstellen der Stadt, die aber von der russischen Artillerie stark beschossen wurden1), ein Übergang denkbar war. In solcher Lage beschloß FZM. Puhallo vorerst, zwischen Zarieck und der Ikwa an der Straße Dubno—Rowno den Durchbruch versuchen zu lassen. Dort hatten sich im Laufe des 10. die Masse des I. Korps (9. ID.) und das Korps Szurmay unter lebhaften Kämpfen um die Vorpostsnlinie an die starken feindlichen Hauptstellungen herangeschoben.
Indes forderte die Heeresleitung am 10. wegen der zunehmenden Gefährdung der Lage in Ostgalizien (S. 104ff.) zweimal imLaufe desTages
*) Hoen, Waldstätten-Zipperer und Seifert, Die Deutschmeister, 509f.
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von der 4. und von der 1. Armee den „ungesäumten entscheidenden An^ griff“. Allein FML. Martiny konnte auch am 11. September in Anbetracht der begreiflichen Erschöpfung der Truppen den Stoß über Derażno—Diuksin vorläufig nicht weiterführen. Die tags vorher bei Derażno zurückgedrängten Orenburgkosaken hatten auf dem Westufer des Horyń bei Biczal und bei Postojno eine Flankenstellung bezogen, in die russische Infanterieverstärkungen einrückten, so daß sich die 62. ID. von Norden her stark bedroht fühlte. Dies um so mehr, als die 4. KD., die aus dem Sumpfgebiet von Berestiany an den Horyń vorgehen sollte, um die Armeeflanke zu decken, keinen Vorstoß unternahm, da sie von Teilen des russischen Reiterkorps Weljassew festgehalten wurde. Nun hatte sich aber am 8. September die 7. KD. der wichtigen Styrübergänge von Kolki und von Kulikowice, die 1. KD. des Stochodüberganges von Kaszowka bemächtigt. Die letztere drang hierauf im Verein mit der von Kowel zwischen der Turya und dem Stochod vorgehenden 1. Polenbrig. unter lebhaften Gefechten mit russischen Reiterabteilungen auf Czartorijsk, Okonsk, Hulewicze und auf Czeremoszno vor. Die ll.HKD. und die 2. KD., von der deutschen Front nördlich des Pripiatj nach Ratno heranbefohlen, waren unter der Führung des FML. Gf. Bissingen im Begriffe, die Turya zu überschreiten und in den Mündungswinkel des Stochod einzudringen.
Während sich diese zur Deckung der Nordflanke entsandten Kavalleriekörper mit dem russischen Reiterkorps Gillenschmidt herumschlugen, übernahm am 11. September die 7. KD. an Stelle der 4. die Sicherung am Kormin bei Garajmowka, damit die zuletzt genannte Kavalleriedivision links neben der 62. ID. zusammenschließen könne. Die
13. SchD. wurde zur Verstärkung des Angriffsflügels zwischen der 62.ID. und der 24. ID. in die Front eingeschoben. Das 4. Armeekmdo. drängte zum Übergang über den Horyń. Die 13. SchD. sollte noch in der Nacht auf den 12. September südlich von Derażno diesen Fluß überschreiten und im Morgengrauen die Höhen nordöstlich von Diuksin gewinnen. Hinter den linken Flügel des X. Korps wurde die 4. ID. gewiesen und an deren Stelle die bei Olyka in Reserve stehende 21. SchD. nach Cumań gezogen.
Während solcherart für den 12. September der Vorstoß über den Horyń beiderseits von Derażno vorbereitet wurde, kämpfte die gegen die Flußschleife von Diuksin angesetzte 45. SchD. ohne Erfolg weiter. Ein Vorgehen über den breit versumpften Stubielgrund gegen die schon mit Drahthindernissen versehenen russischen Stellungen schien ohne kräftige Artillerievorbereitung aussichtslos. Auch hatten das XIV. Korps die 2. ID. und das IX. Korps die 26. SchD. in der kommenden Nacht als Armeereserve aus der Front zu ziehen.
Auf dem Nordflügel der Armee Puhallo wurde am 11. September der Angriff, abgesehen von Kämpfen um russische Vorstellungen, nicht fortgesetzt. Das Korps Szurmay und das I. Korps bereiteten durch Artilleriefeuer für den 12. den Entscheidungskampf vor.
Inzwischen erfuhr die Heeresleitung aus aufgefangenen russischen Funksprüchen, daß das russische XXX. Korps (71., 80. RD.) von Husia-tyn mit der Bahn zur 8. Armee gefahren werde (S. 96). Am 13. oder am 14. September sollte der Abtransport beendet sein. Aus einem anderen Funkspruch erhielt man Kenntnis, daß das russische 8. Armeekmdo. von Rowno nach Osten zurückverlegt wurde. Ferner lagen von der Bugarmee Nachrichten über russische Truppeneinladungen bei Pinsk vor. Es war möglich, daß auch diese Verstärkungen mit der Bahn nach Rowno entsandt würden. GO. Conrad glaubte aber noch immer, angesichts der großen Überlegenheit auf dem Nordflügel hoffen zu dürfen, daß der Vorstoß auf Rowno noch vor vollzogener Versammlung des russischen XXX. Korps gelingen werde. Er ließ sofort den Erzherzog Joseph Ferdinand von den russischen Truppen Verschiebungen unterrichten und wies ihn am 11. September nachmittags in einem Telegramm abermals nachdrücklichst auf die Dringlichkeit eines entscheidenden Erfolges hin. Dementsprechend forderte auch der am Abend ausgegebene Armeebefehl des Erzherzogs Joseph Ferdinand von der 1. Armee und vom X. Korps, daß der Angriff „unter persönlicher Einflußnahme aller Kommandanten mit größter Raschheit und Energie“ weitergeführt werde.
Aber auch der 12. September brachte wiederum lange, schwere Kämpfe. Allerdings gelang es der 45. SchD., nachdem sie einen russischen Vorstoß im Handgemenge zurückgewiesen hatte, in der Landenge von Diuksin das zäh verteidigte Ugliszcze zu nehmen. Von der 13. SchD. übersetzte das tapfere niederösterreichische SchR. 24 im Morgengrauen den Horyń südlich von Derażno, faßte trotz erbitterten Widerstandes und heftigen Flanken- und Rückenfeuers in der Landenge nordwestlich von Diuksin festen Fuß, wurde dann aber vom Feinde im Horyńhals aufgehalten. Die Hauptkraft der 13. SchD. sollte folgen; doch in Anbetracht des schmalen Raumes und wegen des feindlichen Feuers, das die Übergangsstelle beherrschte, konnte dem Vorhutregiment nur das SchR. 1 nachgesendet werden. Links von der 13. SchD. hatte die 62. ID. einen nächtlichen Vorstoß der Russen auf Derażno abgewiesen. Diese Division sollte sich am 12., unterstützt durch die 4. KD., der Horyńtibergange bei
Biczal und bei Postojno bemächtigen, griff jedoch wegen der Stärke des feindlichen Artilleriefeuers und der Ermüdung der Truppen nicht an. Das KavKorps Berndt, das angewiesen war, gegen Flanke und Rücken des vor dem X. Korps stehenden Feindes einzuwirken, hatte sich mühsam durch den Sumpf von Berestiany durchgewunden, stieß dann aber mit der 4. KD. bei Kol. Perelysianka auf stärkeren Feind. Auch gegenüber der 7. KD. hatte sich der Russe bei Garajmowka und weiter nördlich verstärkt.
FML. Martiny, der Kommandant des X. Korps, der schon am Morgen vom Erzherzog Joseph Ferdinand angewiesen worden war, durch Einsatz aller seiner Kräfte die eigene Überlegenheit zur Geltung zu bringen, beschloß nun, die 4. ID. zwischen der 62. ID. und dem KavKorps Berndt in die Front einzuschieben, um mit ihr noch am 12. über Postojno an den Horyń durchzustoßen. FML. Schmidt Edl. v. Fus-sina konnte aber mit der 4. ID. — sie zählte nur 4500 Feuergewehre — nach einem sehr anstrengenden Marsche erst spät am Abend in die Front einrücken, so daß er sich entschließen mußte, den Angriff auf den nächstfolgenden Tag, den 13., zu verschieben.
Auf dem Nordflügel der 1. Armee sollte am 12. September früh die aus der 46. SchD. und der 40. HID. gebildete Stoßgruppe, rechts von der 9. ID. und links von der 7. ID. gedeckt, die Mitte des russischen Frontstückes zwischen Zarieck und Dubno durchbrechen. Gleichzeitig mit diesem Angriff hatte sich das nunmehr von FML. Kaiser befehligte
II. Korps (25. ID.) den Übergang über die Ikwa zu erzwingen. Es gelang auch am Morgen dem tapferen niederösterreichischen FJB. 10, auf den Ikwainseln von Dubno und auf dem Ostufer Fuß zu fassen, während die links benachbarte 9. ID. bis an die Straße Dubno—Rowno vordrückte. Allein der Hauptangriff der 46. SchD. und der 40. HID. konnte gegenüber den starken russischen Stellungen im Stirnkampfe keine nennenswerten Ergebnisse erzielen.
Erzherzog Joseph Ferdinand beeilte sich mm, vor dem Eingreifen der angekündigten russischen Verstärkungen doch noch die Schlachtentscheidung zu erzwingen. Noch am 12. vormittags wies er die aus der Front des IX. Korps gezogene 26. SchD. zur Fortführung des Angriffs zur 1. Armee, stellte die nach Cumań unterwegs befindliche 21. SchD. dem FML. Martiny zur Verfügung und nahm auch noch die vomXIV. Korps freigemachte 2. ID. zur Verstärkung des Nordflügels in Aussicht. Vielleicht ließ sich mit dem Einsatz dieser Reserven im letzten Augenblick das ersehnte Ziel, Rowno, erreichen.
Entschluß Conrads zum Einstellen der Offensive
Unterdessen sah sich die k.u.k. Heeresleitung am 12. September vor entscheidende Entschlüsse gestellt. GdI. Bothmer hatte ihr am Vormittag mitgeteilt, daß das schon äußerst bedrohte Korps Marschall auf gleiche Höhe mit dem Korps Hofmann, das die Russen anzugreifen begannen, zurückgenommen werden müsse. Gleichzeitig sah sich die Armee Böhm-Ermolli, die die Gruppe Czibulka zur Unterstützung der Südarmee auf das westliche Serethufer geschickt hatte, durch fortgesetzte feindliche Vorstöße auf ihrem rechten Flügel bedroht. Es schien, als ob die Russen von Kremieniec Verstärkungen dorthin sendeten und ein Korps aus dem Kaukasus nach Tarnopol im Anrollen wäre (S. 111). Die Heeresleitung hielt es für möglich, daß die Russen einen Durchbruch über Brze-żany und Załośce auf Lemberg planten. Dies mußte unter allen Umständen hintangehalten werden. Es wurde daher von Teschen aus verfügt, daß die 39. HID. des VI. Korps statt in Niżniów (S. 107) in Potutory und Brzeżany, also hinter der Südarmee, auszuladen sei. Auch wollte GO. Conrad Kräfte von der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand hinter die 2. Armee leiten. Bevor er aber eine so bedeutungsvolle Maßnahme verfügte, ließ er am Nachmittag beim Erzherzog Joseph Ferdinand und beim FZM. Puhallo anfragen, welche Aussichten für einen Erfolg bei der 4. und der 1. Armee noch bestünden.
Erzherzog Joseph Ferdinand antwortete am Abend, daß seine Heeresgruppe schwächeren Feind gegenüber habe. Es müsse jedoch der Erfolg erzwungen werden, ehe den Russen bedeutende Verstärkungen (XXX. Korps) zuflossen. Die Stärke der Stubielfront habe veranlaßt, die Entscheidung auf seinen beiden Flügeln zu suchen. Die Verhältnisse für die Fortsetzung des Angriffs seien trotz aller Schwierigkeiten noch günstig. Die Truppen seien ermüdet, man dürfe aber am 13. September bei der 13. und der 45. SchD. einen Raumgewinn bei Diuksin, bei der 62. \ind der 4. ID. einen solchen nordöstlich von Derażno erwarten. Die 21. SchD. folge dem Korps Martiny, um den Erfolg auszubauen.
Auch FZM. Puhallo wies auf die großen Schwierigkeiten des Angriffs und auf die Erschöpfung der Truppen hin. Er meinte, daß seine Kräfte für einen entscheidenden Erfolg nicht mehr ausreichen; doch könne bei Fortführung des Angriffs mit einem Zurückdrängen des Feindes über den Stubiel gerechnet werden.
Nach diesen Eröffnungen war von einem weiteren Vordringen auf Rowno kaum noch viel zu erwarten. GO. Conrad mußte sich schweren
Herzens entschließen, auf der ganzen Front in die Abwehr zurückzufallen; nur auf dem Nordflügel sollten die letzten Möglichkeiten noch ausgeschöpft werden. Der am Abend in Teschen ausgegebene Heeresbefehl lautete: „4. Armeekmdo. führt angesetzten Angriff am Nordflügel 4. Armee durch, setzt 26. und 2. Division am 13. über Młynów—Kozin in Marsch zur 2. Armee, stellt Angriff 1. Armee ein, welche sich stark einzurichten und Reserven zu bilden hat. Für 2., Süd- und 7. Armee beschränkt sich bis zum Einreihen der Ersätze und Einlangen der Verstärkungen die Aufgabe zunächst auf Festhalten der intensivst auszugestaltenden Kampflinie.“
Der Haltbefehl an die galizischen Armeen entsprach auch den Anschauungen Falkenhayns. Er schrieb am gleichen Tage an Conrad:
„Euer Exzellenz werden mit mir darüber einverstanden sein, daß der weiteren ungünstigen Entwicklung der Lage in Galizien Halt geboten werden muß, wenn nicht, abgesehen von den schweren unmittelbaren Schädigungen der k.u.k., aber auch der deutschen Truppen, die Gesamtlage ganz unheilvoll beeinflußt werden soll. Anzeichen dafür sind leider schon vorhanden. Abhilfe wird meiner Ansicht nach bei der Einbuße an Schlagkraft, die die Truppen schon erlitten haben, nur durch den Verzicht auf weitere Offensivversuche und entschlossenen Übergang zur Verteidigung in einer festen Stellung zu erhoffen sein, die sofort mit allen Mitteln auszubauen wäre.“
GO. Conrad konnte dem Verbündeten antworten, daß die Befehle zum Übergang zur Verteidigung bereits gegeben seien, und daß er nur noch den auf dem Nordflügel der 4. Armee angesetzten Angriff auslaufen lasse.
Der letzte Angriff des Korps FML. Martiny
FML. Martiny hatte für den 13. September der 4. ID. die Angriffsrichtung über Postojno, rechts davon der 62. ID. auf Biczal gegeben. Sobald der Feind dort geworfen wäre, hätte sich die 13. SchD. gemeinsam mit der 45. SchD. des Raumes von Diuksin auf dem östlichen Horyn-ufer zu bemächtigen. Die 21. SchD. sollte der 45. SchD. rechts gestaffelt folgen, um sich bei Susk festzusetzen. Um 5h früh sollte das Unternehmen beginnen, von dem allein noch eine Entscheidung erhofft wurde.
Da ließ aber Gen. Brussilow, der Führer der russischen 8. Armee, gerade zu dieser Zeit den linken Flügel seines XXXIX. Korps beiderseits von Klewań über den Stubiel vorbrechen. Dichter Nebel erleichterte den Russen das Überschreiten der Niederung, sie drangen an den inneren Flügeln des X. und des XIV. Korps an mehreren Stellen in die dünnen Linien der 24. und der 3. ID. ein. Dadurch sah sich Erzherzog Joseph Ferdinand genötigt, von Cumań die 21. SchD. und von Ołyka die 2. ID. an die Einbruchsstelle zurückzuführen. Ebenso wurden Teile der eben in Palcza von der 7. Armee eingelangten 10. KD. (S. 78) herangezogen. Diese Truppen griffen zusammen mit der 3. und der 24. ID. am Nachmittag die Russen an und warfen sie nach heißem Kampfe über den Stubiel zurück.
Auf dem Nordflügel des X. Korps waren unterdessen am Vormittag die 62. ID. bis nahe an Biczal und die 4. ID. bis über Postojno vorgedrungen. Rechts davon konnte die 45. SchD. bei Diuksin den Horyń nicht überschreiten; ebenso blieb die Vorhut der 13. SchD. (SchR. 24 und 1) durch feindliches Flanken- und Rückenfeuer in der Landenge von Derażno an die Stelle gefesselt. Nun sollte die 4. ID. von Postojno nach Südosten vorstoßen. Aber FML. Schmidt-Fussina zögerte mit dem Angriff, da seine Truppen ermattet waren und russische Verstärkungen in Anmarsch vom Horyń beobachtet wurden.
Erzherzog Joseph Ferdinand traf um diese Zeit alle Maßnahmen, die die Fortsetzung des Angriffs auf seinem Nordflügel nach kurzen Kampfpause ermöglichen sollten. Er ordnete das Einstellen des Ersatzes (XIV. Marschbataillone des k.u. k. Heeres, XIII. Marschbataillone der Landwehr) an; er bildete auch aus jenen Truppen der 45. SchD., die bisher als Brückenkopfbesatzungen von Kowel und Łuck verwendet worden waren (S. 77), im Raume westlich von Klewań eine Reserve. Dafür sollte die 21. SchD. wieder nach Cumań zurückgeführt werden, und schließlich stand bis zum 18. das Eintreffen der 9. KD. in Kowel zu erwarten (S. 94). Am Abend erhielt jedoch Erzherzog Joseph Ferdinand aus Teschen die ihn überraschende Weisung, daß das Unternehmen auf Rowno nicht mehr fortgesetzt werden könne. Er sollte mit seinem Nordflügel eine Verteidigungsstellung beziehen, die mit dem Mindestaufwand von Kräften gehalten werden könne. Am 14. September waren die 2. ID. und am nächstfolgenden Tage die 46. SchD. zur 2. Armee abzusenden. Eine weitere Infanteriedivision war freizumachen und bei Olyka zur Verfügung der Heeresleitung bereitzustellen. Denn die Lage bei der 2. Armee und weiter südlich — so unterrichtete die Heeresleitung den Erzherzog über die krisenhaften Ereignisse in Ostgalizien — sei äußerst bedrohlich geworden, man müsse daher alle entbehrlichen Kräfte dorthin leiten, um die russische Offensive auf Złoczów und auf Brzeżany aufzuhalten.
Fortsetzung des russischen Angriffs in Ostgaliziert
(12. bis 17. September)
Hiezu Beilage 3 sowie Skizzen 6 und 7
Die Kämpfe bei Zaleszczyki und bei Niv. Aleksiniec
Ein so weites Ziel hatte Gen. Iwanow allerdings nicht ins Auge gefaßt, aber es war ihm inzwischen doch klargeworden, welche Erfolge seine kurzen Gegenschläge am Sereth errungen hatten: neben Tausenden an Gefangenen, zahlreichen Beutegeschützen Anzeichen für die Erschütterung einzelner Divisionen des Gegners1). Schon der Erfolg bei Trembowla (S. 97 f.) gab ihm die Möglichkeit, seine Heeresreserve, das XXX. Korps, aus Ostgalizien nach Rowno zu fahren. Nun ließ er, ermutigt durch das Zurückweichen des Gegners vom Sereth, die 11. Armee und den rechten Flügel der 9. Armee zum allgemeinen Angriff übergehen, um seinen verzweifelt ringenden rechten Heeresflügel zu entlasten2).
Als Auftakt zu dieser neuen Schlacht in Ostgalizien bot Letschitzki, der Führer der russischen 9. Armee, sein XXXIII. Korps zu einem Schlage gegen Zaleszczyki auf. Es fiel am 12. September noch am Vormittag das im Vorfeld des Brückenkopfes postierte Korps Henriquez an. Während sich auf dem rechten Flügel die 30. ID., GM. Jesser, behaupten konnte, wurde die in der Mitte eingeschobene LstlBrig. Obstlt. Békési zurückgeworfen. Dieser Einbruch richtete große Verwirrung an. Die Russen stürzten sich auf den linken Flügel des Korps Henriquez. Die dort fechtenden Truppen (halbe 8. KD., verstärkt durch das IR. 7) wurden teilweise im Rücken gefaßt und wichen unter empfindlichen Verlusten bis über den Sereth zurück. Die Russen schienen gegen die Brücken, die nicht zerstört worden waren, nachzudrängen. Ein russischer Vorstoß über den Dniester konnte für die Mitte der 7. Armee sehr ernste Folgen haben. GdK. Pflanzer-Baltin, der gerade an der Front weilte, warf das in Horo-denka ausladende HIR. 15 der 37. HID. (S. 106) in den Kampf und zog alles, was er sonst noch an Reserven auftreiben konnte, die 6. KD. vom Südflügel des Korps Rhemen und die halbe 5. HKD. von seiner Armeereserve, an den gefährdeten Abschnitt heran. Während FML. Edl. v. Lehmann, der Kommandant der 8. KD., die ihm zufließenden Verstär-
J) Nach Nesnamow, IV, 127, sollen die 11. und die 9. Armee der Russen bis Mitte September etwa 36.000 Mann gefangengenommen, 34 Geschütze und 126 Maschinengewehre erbeutet haben.
2) Nesnamow, IV, 126.
kungen zur Deckung des Zwischenraumes bei Uścieczko auf dem Südufer des Dniester aufstellte, schritt auf dem anderen Ufer, aus dem Brückenkopf von Zaleszczyki, das SchR. 5 der 30. ID., unterstützt von Teilen des HIR. 15, zum Gegenstoß. Nach wechselvollem, bis tief in die Nacht andauerndem Kampfe gelang es, die gegen die bloßgelegte Flanke der 30. ID. vordringenden Russen zurückzuwerfen. Am nächsten Morgen aber, am 13., wurde die 30. ID. auf ihrem rechten Flügel zerschlagen und hinter die Wälle des Brückenkopfes von Zaleszczyki zurückgeworfen. Glücklicherweise konnte den nachdrängenden Russen durch das zusammengefaßte Feuer aller Geschütze Halt geboten werden, so daß sich die schon stark durcheinandergeratenen Truppen im Brückenkopf zu neuer Abwehr einrichten konnten.
Das Korps Henriquez hatte seit dem 1. September über 7000 Mann verloren. Zu seiner Verstärkung bestimmte GdK. Pflanzer-Baltin ein Regiment der gerade mit ihren ersten Staffeln in Niżniów einlangenden 12. ID.; auch das Korps Benigni sollte weitere Kräfte abgeben. Doch hatte auch dieses Korps schon genug schwere Blutopfer gebracht — an 5000 Mann — und stand dauernd in Erwartung russischer Angriffe. Hingegen herrschte bei dem noch 30.000 Feuergewehre starken XI. Korps, GdK. Korda, im wesentlichen Ruhe. So wollte Pflanzer-Baltin von diesem Korps zur Stützung seiner bedrohten Armeemitte ein Regiment der 202. HIBrig. mit der Bahn nach Zaleszczyki fahren. Indes nahm Letschitzki in den nächsten Tagen gegenüber dem Korps Henriquez eine zu wartende Haltung ein und ließ nunmehr sein rechtes Flügelkorps, das XI., im Einklang mit der russischen 11. Armee gegen den auf dem östlichen Strypa-ufer stehenden Gegner losgehen.
Gen. Schtscherbatschew, der Kommandant der russischen 11. Armee, hatte schon am 12. September die Befehle zur Wiederaufnahme des Angriffs gegen die Südarmee und gegen den rechten Flügel der 2. Armee gegeben. Er wollte sich augenscheinlich am 13. früh mit seinem XXII. und XVIII. Korps auf das Korps Marschall stürzen, während das VI. Korps und das ihm vorübergehend unterstellte VII. Korps der 8. Armee auf Załośce und Łopuszno vorzustoßen hatten, um den an der Ikwa stehenden Gegner in der Flanke zu bedrohen.
Nun hatte sich aber das Korps Marschall noch am 12. abends unter dem Schutze der Dunkelheit der schweren Gefährdung durch einen Rückzug auf die Höhen östlich der Tiefenlinie Kupczyńce—Jezierna entzogen (S. 110). Links davon hatte die Gruppe FML.Czibulka (32. ID. und Division GM. Kroupa) beiderseits von Nesterowce schon Aufstellung genommen.
Dieses Ausweichen war Schtscherbatschew anscheinend ganz unerwartet gekommen. Er folgte am 13. mit seinem XXII. Korps dem Korps Marschall nur sehr vorsichtig gegen die Strypa und erschien mit der Vorhut des XVIII. Korps, entlang des östlichen Serethufers gegen Nordwesten vortastend, erst abends vor der Gruppe Czibulka.
Um so heftiger tobte tagsüber der Kampf auf dem Südflügel der 2. Armee. Bei Morgengrauen setzte auf der ganzen Front des Korps Trollmann der russische Angriff ein. Die Preßburger 14. ID. wurde auf ihren beiden Flügeln nach tapferer Gegenwehr eingedrückt. Nur das in der Mitte fechtende FJB. 11 klemmte sich bei Ditkowce so lange fest, bis die durch den russischen Vorstoß in Verwirrung gebrachten Nachbarregimenter wieder ein Stück vorgehen konnten1). Es war diesem kaltblütigen Ausharren nicht zuletzt zu danken, wenn dem Feinde ein Eindringen in die Geschützstellungen verwehrt wurde. Die 34. ID., durch einen stark überlegenen Angriff auf dem rechten Flügel über Gontowa zurückgeworfen, suchte sich in wechselvollem Gefechte auf dem linken Flügel zu behaupten, mußte aber schließlich auf der ganzen Front weichen, da die links benachbarte 51. HID. dem anstürmenden Feinde bis in die Gegend südöstlich von Nw. Aleksiniec Raum gab. Als die Lage besonders düster aussah, schritten das IR. 101 und das bh. IR. 3 unter GM. Felix zum Gegenangriff und setzten sich wieder auf den Höhen von Gontowa fest.
So endete das heiße Ringen beim XIX. Korps nur mit einem geringen Raumverlust. Von einem schweren Mißgeschick war aber inzwischen das V. Korps betroffen worden. Schon am 12. September abends richtete sich gegen die zwischen Swiniuchy und Rydoml aufgestellte 43.SchD. heftiges Geschützfeuer; ihm folgten in der Nacht Infanterieangriffe, die teilweise bis in die schütteren Linien der Czernowitzer Schützendivision führten. Am 13. frühmorgens durchbrachen nachrückende russische Kolonnen im dichten Nebel den linken Flügel der 43. SchD., rollten in dem von Racheln durchzogenen und mit Obstgärten bedeckten Gelände die nördlich anschließende 33. ID. von Süden auf und zerschlugen gleichzeitig ihren linken Flügel. Die Verwirrung war gewaltig. Die abgeschnittene Besatzung von Rydoml (IR. 26) wurde nach mutvollem Widerstand von den Russen überwältigt. Die beiden Divisionäre sowie der Korpskommandant hatten zu spät annähernd Richtiges über das unerwartet tiefe Eindringen der Russen erfahren, so daß sie mit ihren vom Kampfplatz
*) Mitteilung des damaligen Kommandanten des FJB. 11, GM. Handel-Mazzetti, an das Kriegsarchiv, Dezember 1930.
ziemlich entfernten geringen Reserven die Lage nicht mehr meistern konnten. In der neunten Vormittagsstunde wichen die stark vermischten Truppen des V. Korps gegen Westen: die Trümmer der 33. ID. auf Ro-stoki, die 43. SchD. in die Gegend nördlich von Nw. Aleksiniec.
Hier sollte neuer Widerstand geleistet werden. Der Russe folgte wie gewöhnlich nur zögernd. Dennoch hielten die beiden Divisionäre des V. Korps im Hinblick auf den Zustand ihrer schwer geschädigten Regimenter einen Rückzug bis in die in Aussicht genommene hintere Verteidigungslinie auf den Höhen von Łopuszno und beiderseits von Wolica für wünschenswert, in welchem Sinne auch FML. Goglia das 2. Armeekmdo. um die Zustimmung bat. GdK. Böhm-Ermolli entschied jedoch, daß das V. Korps mit dem Aufgebot seiner letzten Kräfte standhalten müsse, um nicht die Flanke des XIX. und des IV. Korps zu entblößen. Am Nachmittag ordnete er für den 14. das Vorgehen des V. Korps in die alten Stellungen bei Rydoml an. Nun aber hatte sich der Russe schon bei Borszczewka in der bloßgelegten Flanke des IV. Korps auf dem Nordufer der Ikwa festgesetzt und drückte auf Rostoki und auf Go-ryńka Bol. vor. Auf die Nachricht darüber schickte FML. Schmidt-Georgenegg von der Reserve des IV. Korps zwei Bataillone des nordböhmischen IR. 94 von Nw. Poczajew den bei Borszczewka verzweifelt ringenden Sicherungen der 27. und der 29. ID. zu Hilfe. Die schwer heimgesuchten Truppen des V. Korps hatten aber nicht mehr standzuhalten vermocht und wichen gegen Abend bis auf die Höhen beiderseits von Łopuszno und von Wolica, wo sie, trotz Erschöpfung an den neuen Stellungen arbeitend, die Nacht auf den 14. September verbrachten.
GdK. Böhm-Ermolli hatte unterdessen schon am 13. um Mittag, als er das Mißgeschick des V. Korps in seinem ganzen Umfange erkannte, die Heeresleitung über den Ernst der Lage unterrichtet; er erbat sich von ihr die Rückgabe der zur Südarmee entsandten Division GM. Kroupa. Diese Division wolle er beim XIX. Korps umfassend wider den gegen Łopuszno vordringenden Feind einsetzen, während ihm die Reserven des IV. Korps im Norden über Łosiatyn in die Flanke fallen sollten. Dorthin gedachte Böhm-Ermolli auch die von der 1. Armee unterwegs befindliche 26. SchD. (S. 120) in Eilmärschen heranzuführen. Allerdings war zu besorgen, daß dann der Feind in den nunmehr der 32. ID. allein zugewiesenen Zwischenraum zwischen der 2. Armee und der Südarmee auf Załośce Vordringen werde. Böhm-Ermolli ließ daher bei Bothmer anfragen, ob die Südarmee nicht wieder gegen den Sereth vorgehen könne. GdI. Bothmer antwortete, daß er sich jetzt vor allem befestigen und die
Ersätze heranziehen müsse; immerhin versprach er zur Entlastung des schwer ringenden Südflügels der 2. Armee anzugreifen, falls die Russen selbst mit ihrem Angriff zögern sollten.
Der Russenangriff gegen die Strypa
Dies trat aber nicht ein. Gen. Schtscherbatschew hatte für den 14.September alle seine Korps zu neuem Angriff aufgeboten; seinem Vorgehen schloß sich der rechte Flügel der Armee Letschitzki an. Glücklicherweise kam der dem Korps Goglia bei Łopuszno zugedachte Schlag nicht zur vollen Wirkung. Auch gelang es, die Lücke zwischen der 33. ID. und dem IV. Korps südlich von Łosiatyn durch die buntgemischten Truppen der 27. und der 29. ID. zu füllen und den Feind bei Borszczewka auf das Südufer der Ikwa zurückzuwerfen. Das VII. Russenkorps wagte nun vorläufig nicht mehr, im Raume von Łopuszno gegen das V. Korps ernsthaft vorzustoßen.
Weiter südlich hämmerten am 14. früh die Batterien des VI. Russenkorps mit verstärkter Heftigkeit auf die Stellungen des k.u.k. XIX. Korps los; doch kamen auch bei Gontowa und bei Ditkowce die feindlichen Angriffe zunächst nicht zur Entwicklung. Das Korps Trollmann hatte seinen linken Flügel (51. HID.) auf Nw. Aleksiniec zurückgebogen und nach Norden gestreckt, um wieder Anschluß an die 43. SchD. zu finden. Damit war bei der 2. Armee im Laufe des 14. September eine vorübergehende Entspannung der Lage eingetreten. Auch waren bis zum Mittag die von der Südarmee zurückgestellten zwei Regimenter der komb. Division GM. Kroupa, allerdings stark ermüdet, in Załośce eingelangt. Böhm-Ermolli wollte unter Mitwirkung dieser Division am 15. über Gontowa angreifen, um die bedrängte Südarmee zu entlasten.
Schtscherbatschew stieß wohl, als er am 14. September vormittags nach starkem Artilleriefeuer sein XXII. Korps gegen Kupczyńce vorbrechen ließ, bei der 3. GID. und bei der 48. RD. des Korps Marschall wie an den früheren Tagen auf eine feste Mauer. Bei der 19. ID. begnügte sich der Feind mit schwerem Geschützfeuer. Dagegen führte ein Angriff des russischen XVIII. Korps zu einem Einbruch an den inneren Flügeln der 32. ID. und der 38. HID. Zum Glück ging der Russe wieder nur sehr zögernd vor und konnte am Nachmittag im Gegenangriff von der Gruppe Czibulka zurückgewiesen werden.
Um so bedrohlicher gestalteten sich die Ereignisse beim Korps Hofmann. Hier durchbrachen Abteilungen des russischen XI. Korps am Vor-
Kritische Lage in Ostgalizien
mittag die dünnen Linien der 55. ID. bei Burkanów und drangen im Nachstoß auf das Westufer der Strypa vor. Die daraus erwachsende Rückenbedrohung der auf dem Ostufer noch haltenden Truppen veran-laßte FML. Hofmann, sein ganzes Korps zurückzunehmen. Dieser neuerliche Rückschlag erweckte begreiflicherweise ernste Besorgnisse wegen der Kampfkraft der im Verbände der Armee Bothmer kämpfenden k.u.k. Truppen. In einem Telegramm ließ der Befehlshaber der Südarmee am Abend die k.u.k. Heeresleitung die betrübliche Tatsache wissen, daß die von der 2. Armee zurückgekehrte 75.HIBrig. nur mehr 400 Gewehre stark sei; von der 19.ID., die zum größten Teil aus Tschechen bestand, hätten sich in den Kämpfen vor Tarnopol eine große Zahl von Soldaten und von Reserveoffizieren dem Feinde ergeben1). Bei der 55. ID. war durch den Vorstoß der Russen auf Burkanów eine Panik ausgebrochen. Die Lage wurde für so ernst gehalten, daß ein Rückzug an die Złota Lipa vorübergehend erwogen wurde.
127
Auch das 7. Armeekmdo. fühlte sich durch das Zurückweichen des Korps Hofmann in der linken Flanke schwer bedroht. Zwischen der auf dem linken Flügel des Korps Rhemen im Brückenkopf von Buczacz eingelangten 37. HID. (S. 107) und dem Korps Hofmann klaffte eine breite, nur durch ein Marschbataillon bewachte Lücke. Auf die alarmierenden Nachrichten über den Durchbruch der Russen bei Burkanów ließ GdK. Pflanzer am Nachmittag die eben von Niżniów nach Buczacz heranrückenden vordersten Truppen der 12. ID. zum Schutze der linken Flanke auf dem westlichen Strypaufer bereitstellen. Die noch ausladenden Staffeln der 12. ID. sollten ebenfalls an den Nordflügel des XIII. Korps gezogen werden. Ferner ging an die Heeresleitung die telegraphische Bitte, die zum Teil schon bei Brzeżany ausladende 39. HID. schleunigst zur Stützung der Front an den Südflügel des Korps Hofmann zu weisen, da ein Durchbruch der Russen gegen Podhajce für den linken Flügel der 7. Armee sehr ernste Folgen haben könnte.
Alle diese Hiobsbotschaften vermochten indessen den entscheidenden Willen der Heeresleitung, die Russen in Ostgalizien wieder in Fesseln zu legen, nicht wankend zu machen. GdI. Falkenhayn war am 14. September früh mit Obst. Tappen in Teschen eingetroffen underöffnete dem GO. Conrad, daß es das beste wäre, wenn man das zermürbte öst.-ung. Heer in feste Stellungen an die Złota Lipa und von dort in die kürzeste Linie über Władimir-Wołyński zur deutschen Heeresfront nördlich des Pripiatj zurücknehmen würde. Ein solcher großer Rückzug, der die bis-
r) Die 19. ID. büßte in den Kämpfen bei Dołżanka über 6500 Streiter ein.
herigen Erfolge den Russen wieder preisgab, konnte aber auf die Stimmung der k.u.k. Trappen sowie auf die Haltung Rumäniens und der Neutralen von schädlichster Wirkung sein. Conrad wollte daher den Kampf an der Strypa und an der Ikwa weiterführen. Er regte an, das XVII. Korps *) anstatt nach Syrmien nach Ostgalizien zu leiten, um es in jener Richtung einzusetzen, wo die Russen die Entscheidung suchten. Dafür sollten Kräfte der Bugarmee gegen Serbien freigemacht werden. Diese Armee hatte inzwischen den Feind auf Pinsk und über den Oginskikanal zurückgedrängt, sie konnte mit schwächeren Kräften den Westrand der Rokitnosümpfe sperren, um ein späteres Vorgehen der Russen zu verhindern. Die Hauptsache sei — so meinte der Generalstabschef des öst.-ung. Heeres —, daß die Offensive Hindenburgs in Litauen mit allem Nachdruck weitergeführt werde. Dort hielt die deutsche 10. Armee die Russen bei Wilna umklammert, starke deutsche Kavallerie war tief in die russische Front zwischen Wilna und Dünaburg eingedrungen und hatte die Bahn Lida—Polock bei Wileika erreicht. Damit waren die großen rückwärtigen Verbindungslinien der russischen Heeresmitte ernstlich bedroht. Conrad erhoffte sich augenscheinlich von der deutschen Offensive im Norden auch eine Entlastung im Süden. Er glaubte übrigens, daß die Russen ihre Angriffe in Ostgalizien nicht mehr weiter ausdehnen würden, und vertraute bestimmt darauf, daß mit dem Eingreifen des XVII. Korps und der schon zur Stützung der Front in Ostgalizien entsandten vier Divisionen (37. HID., 12. ID., 39. HID. und 26. SchD.), denen jetzt noch zwei Divisionen, die 2. ID. und die 46. SchD. (S. 121), vom Nordflügel folgen sollten, dem Feind ein Halt geboten werde. Dies umsomehr, als nach den Berechnungen des AOK. den 40 öst.-ung. Infanterie- und liy2 Kavalleriedivisionen mit insgesamt 280.000, nach der soeben erfolgenden Einstellung der Ersätze — XIV. (XIII.) Marschbataillone — 400.000 Mann, etwa 30 russische Infanterie- und 14 Kavalleriedivisionen mit einem Gesamtstande von höchstens 360.000 Mann gegenüberstanden.
Mochte sich nun auch GdI. Falkenhayn keineswegs allzu vielen Hoffnungen hingeben, daß die Offensive Hindenburgs noch eine große Entscheidung bringen werde, so erklärte er sich doch nach den Eröffnungen Conrads mit dem Verbleiben des öst.-ung. Heeres in seinen gegenwärtigen Kampfstellungen und auch mit der Entsendung des XVII. Korps nach Ostgalizien einverstanden. Denn es schien ihm im Hinblick auf die zu-
ł) Das XVII. Korpskmdo. und die 11. ID. standen zur Zeit in Cholm, von der in Lublin befindlichen 41. HID. waren bereits sechs Transportzüge über Rożwadów, Dębica gegen Budapest abgerollt.
nehmende Spannung im Westen, wo ein großer Angriff der Allliierten in der Champagne und im Artois drohte, ein baldiger Abschluß des Feldzuges im Osten dringend geboten zu sein.
Noch am 14. September vormittags befahl die k.u.k. Heeresleitung, die 41. HID. mit der Bahn über Rożwadów, Lemberg nach Krasne hinter die 2. Armee zu leiten, von deren Schlachtfeld gerade Nachrichten über einen neuen Angriff der Russen eingelangt waren. Die 11. ID. hatte einstweilen von Cholm nach Rawa Ruska zu marschieren. Als dann am Abend von der Südarmee alarmierende Meldungen einlangten (S. 127), wurde für die 41. HID. die Gegend von Dunajów—Pomorzany als Ausladeraum festgesetzt.
Der Umschwung der Lage in Ostgalizien
Unterdessen hatte die düstere Augenblickslage beim Korps Hofmann noch am Tage der Teschener Besprechung eine Erleichterung erfahren. GdI. Bothmer hatte schon am 13. September vom Korps Marschall die Brigade Obst. Bolzano und die halbe 48. RD. freigemacht. Von diesen Truppen langte das IR. 88 der Brigade Bolzano nach starkem Marsch am
14. vormittags gerade im kritischesten Augenblick an der Durchbruchsstelle der 55. ID. bei Burkanów ein. Es gelang diesem größtenteils tschechischen Regiment unter der Führung des Obstlt. Wächter, die zurückflutende 129. IBrig. aufzuhalten und die auf das Westufer der Strypa vordringenden Russen zum Stehen zu bringen.
Für den 15. September beschloß GdI. Bothmer, die Gruppe Czibulka (38. HID. und die durch je ein Regiment der 51. HID. und der 27. ID. verstärkte 32. ID.) entlang des westlichen Serethufers angreifen zu lassen, um den drohenden russischen Durchbruch auf Zalośce zu verhindern. Einen ähnlichen Entschluß faßte GdK. Pflanzer. Durch die Bedrohung seiner linken Flanke zur tätigsten Unterstützung des Korps Hofmann angespornt, erteilte der Führer der 7. Armee noch am 14. abends dem GdI. Rhemen den Befehl, mit allen verfügbaren Kräften aus dem Brückenkopf von Buczacz flankierend in den Kampf bei Burkanów einzugreifen.
Dieser Stoß wurde mit der 37. HID. und mit Teilen der 36. ID. — insgesamt 15 Bataillonen und 8 Batterien unter GM. Tabajdi — am 15. September früh von Zielona her auf Dobropole angesetzt. Die Masse der
36. ID. deckte im Brückenkopf von Buczacz gegen Osten, die ausNiżniów eingelangten ersten Staffeln der 12. ID. — vier Bataillone unter Obstlt. Albrecht — begleiteten auf Wunsch der Heeresleitung das Unternehmen
entlang des westlichen Strypaufers und gingen gegen die Flanke des über den Fluß gelangten Feindes vor. Die noch ausladenden Truppen der
12. ID. wurden, wie sie eben einlangten, in Eilmärschen herangezogen und teils auf dem linken, teils auf dem rechten Strypaufer eingesetzt.
Unter harten Kämpfen gewann die Gruppe Tabajdi im Verlaufe des 15. gegen Dobropole Raum. Hier schienen die Russen, um ihre Durchbruchskolonne zu schützen, unter allen Umständen halten zu wollen. In der rechten Flanke der Angriffsgruope, in der Gegend südwestlich von Laskowce und vor dem Brückenkopf von Buczacz, zeigten sich stärkere feindliche Kräfte und drohten selbst mit einem Angriff. Pflanzer wollte sich nun mit der Gruppe Tabajdi unter Mitwirkung der auf dem Westufer der Strypa vorgehenden Kräfte der 12. ID. noch des Raumes um Dobropole und der Babahöhe bemächtigen, um dann, in seiner Nordflanke gesichert, den vor Buczacz befindlichen Feind von Norden anzufallen. Indes konnte Tabajdi am 16., nachdem er auf seinem rechten Flügel einen russischen Vorstoß im Gegenangriff abgewehrt hatte1), gegen Dobropole keine weiteren Fortschritte erzielen. Ebenso vermochten die auf dem Westufer der Strypa fechtenden Teile der 12. ID. bei Sapowa nicht über den Fluß zu gelangen. Links von den Truppen der 7. Armee hielten die 131. IBrig., die Brigade Obst. Bolzano und die 129. IBrig. den über Burkanów hinausgelangten Feind — es waren anscheinend nur schwächere Kräfte — umklammert. Hinter dem Korps Marschall waren die ersten Staffeln der 39. HID. in Podhajce eingetroffen. Pflanzer-Baltin ließ nun den Angriff einstellen, da die Gefahr eines russischen Durchbruches beim Korps Hofmann als abgewehrt gelten konnte.
An den anderen Frontabschnitten der Südarmee hatte sich die Lage gleichfalls erheblich gebessert. Vergebens hatte sich das russische XXII. Korps am 15. September noch einmal bemüht, die Front der 3.GID. längs der Eisenbahn Tarnopol—Brzeżany zu durchstoßen. An demselben Tage brachen die 32. ID. und die 38. HID. gemeinsam aus der Front Nesterowce—Jezierna gegen Südosten vor und gewamien in hartem Ringen mit dem russischen XVIII. Korps Boden. Über 1000 Gefangene wurden eingebracht. Tags darauf brannte der Kampf an der ganzen Front der Südarmee nur mehr als Artillerieschlacht weiter. Die russische Infanterie blieb erschöpft in ihren Gräben liegen.
Auf dem Südflügel der 2. Armee war noch am 14. September abends die Schlacht wieder aufgeflammt. Das VI. Russenkorps versuchte zwischen
x) Obst. Rudolf Pillepić v. Lippahora des HIR. 11 erwarb sich hiebei als Kommandant der 73. HIBrig. das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.
Horyń und Sereth an zahlreichen Stellen anzugreifen, wurde aber durch das Feuer der 14. und der 34. ID. in seinen Gräben niedergehalten. Zwischen der 51. HID. und der 43. SchD. drang der Russe in eine Lücke ein, die in der Nacht durch zwei Bataillone der Division GM. Kroupa geschlossen werden mußte.
Am 15. September machten neu entbrennende Kämpfe, die sich bis auf die Ikwafront ausdehnten, die Ausführung der Absicht Böhm-Ermollis, die Division Kroupa beim XIX. Korps und die Reserven des IV. Korps bei Borszczewka zum Zangenangriff gegen das auf Łopuszno vorgedrungene russische VII. Korps anzusetzen, zunichte. Besonders heftig wurde an diesem Tage bei der 34. ID. gerungen. Nach erbittertem Handgemenge verlor am Nachmittag das bh. IR. 3, das sich tapfer und kaltblütig wehrte, Gontowa und die Höhe nördlich dieses Ortes. Eine Stunde später wurde der eingebrochene Feind nach starker Artilleriebeschießung wieder vertrieben. Dann drang der Russe in der Nacht im Überfall noch einmal bis auf die Höhe von Gontowa vor, mußte aber am 16. September morgens vor dem IR. 85 wieder weichen.
Gleichzeitig mit den Anstürmen bei Gontowa versuchten die Russen bei Nw. Aleksiniec gegen die 51. HID. loszugehen. Hier und an der Front des V. Korps konnte der Feind durch Geschützfeuer in seinen Ausgangsstellungen festgehalten werden. Auf dem rechten Flügel des IV. Korps wurden von der 27. ID. am 15. früh neuerliche russische Übergangsversuche bei Borszczewka abgewehrt. Auf dem linken Flügel brachen Teile des russischen XVII. Korps im Morgengrauen aus dem Kremie-niecer Bergland gegen die dünnen Linien der 29. ID. vor. Trotz der geringen Gefechtsstärke und des breiten Abschnittes dieser Division war den Russen nur ein bescheidener Erfolg beschieden. Sie drängten das vom
XVIII. Korps tags zuvor dem IV. Korps zugesandte LstlR. 2 bei Dunajew ein Stück nach Westen zurück, wurden dann aber bis zum Abend durch zwei rasch herangeführte Bataillone zum Rückzug genötigt.
Auch gegen das XVIII. Korps, das ebenfalls nur aus geringen Kräften (Masse der 1. LstlBrig., 1. LstHusBrig., halbe 31. ID.) zusammengesetzt war, machte sich am 15. September heftiges Artilleriefeuer, verbunden mit örtlichen Vorstößen der Russen, einigermaßen fühlbar. Es waren schwere Tage, in denen die schon sehr erholungsbedürftigen Regimenter der 2. Armee durch die bald da und bald dort entbrennenden Kämpfe um jede Ruhe gebracht wurden. Immer wieder feuerte Böhm-Ermolli Führer und Truppen zum Ausharren an, wobei er ihnen verheißungsvoll das Herannahen von namhaften Verstärkungen und das baldige Einreihen des Ersatzes in Aussicht stellte. Alle Regimenter, namentlich die des V. und des XIX. Korps, waren zur Schlacke ausgebrannt. Die Divisionen zählten nur noch 5000 Feuergewehre, insgesamt hatte die 2. Armee seit dem 27. August etwa 45.000 Streiter verloren.
Am 16. September flauten an der Front der 2. Armee die Kämpfe ab. Von der 1. Armee waren an diesem Tage die 26. SchD. hinter dem linken Flügel des IV. Korps und die Masse der 46. SchD. in Kozin eingelangt. Im Raume von Zalośce standen, zur Zeit 15.000 Mann Ersatz; überdies hatte die Ausladung der 11. ID. in Pomorzany begonnen. GdK. Böhm-Ermolli sah jetzt den Zeitpunkt für einen Schlag gegen das russische VII. Korps gekommen, den er schon für den kommenden Tag ins Auge faßte. Dazu zog er noch am 16. die 26. SchD. nach Łosiatyn heran und unterstellte sie dem Kommandanten der 29. ID., FML. Kosak. Das Ziel des bevorstehenden Angriffs sollte sein, den Raum von Rostoki auf dem rechten Ikwaufer zu gewinnen. Damit faßte man das gegen Łopuszno vorgebrochene VII. Russenkorps in der Flanke, zwang es vielleicht zum Rückzug auf Rydoml und auf Swiniuchy und brachte den Südflügel der 2. Armee zur Ikwafront in eine günstigere Aufstellung.
Bei den Russen hatte Gen. Iwanow am 16. in Anbetracht des zähen Widerstandes des Gegners den gegen die Strypa angesetzten Truppen der 9. und der 11. Armee den Befehl zum Rückzug in ihre früheren Positionen am Sereth erteilt. Er durfte dabei mit Befriedigung darauf hinweisen, daß nun die 8. Armee entlastet und der Zweck der kurzen Offensive in Ostgalizien erfüllt sei. Als Bothmer und Pflanzer von diesen Bewegungen am 17. vormittags Kenntnis erlangten, ließen sie sofort Verfolgungsabteilungen dem Feinde folgen, die unter Plänkeleien bis an den Dzurynbach und in die Linie Pilawa—Chmielowka—Nastasów vordrangen. Das Korps Hofmann besetzte wieder seine früheren Brückenkopfstellungen östlich der Strypa; das VI. Korpskmdo., FML. v. Arz, das schon am 15. in Buczacz eingelangt war, übernahm den Befehl über den Nordflügel der 7. Armee (durch das IR. 63 verstärkte 12. ID.,
37. HID. und halbe 8. KD.).
Bei der k.u.k. 2. Armee war in der Früh des 17. September nach kurzer Feuervorbereitung die 52. SchBrig. der 26. SchD. gemeinsam mit Truppen der 27. und der 29. ID. von Norden zum Angriff auf Rostoki geschritten. Von Westen schlossen sich Teile der 33. ID., die ebenfalls dem FML. Kosak unterstellt worden waren, dem Vorgehen an. In hartem Ringen wurden bis zum Abend russische Vorstellungen und der Ort Rostoki genommen.
Diesem Unternehmen blieb aber die Fortsetzung versagt. Schon am 17. September nachmittags erhielt Böhm-Ermolli aus Teschen den Befehl, von weiteren Angriffen abzusehen. Die 2. Armee hatte in Anbetracht der in Wolhynien entstandenen Lage die 26. SchD. und die 46. SchD. ehebaldigst wieder an die 1. Armee abzugeben. Ebenso mußte die k.u.k. Heeresleitung darauf verzichten, die Offensive gegen den Sereth wieder aufzunehmen. Pflanzer und Bothmer wurden zur selben Stunde wie Böhm-Ermolli angewiesen, den zurückgehenden Feind nur mit schwächeren Abteilungen zu verfolgen und sich in den Stellungen an der Strypa zur Abwehr einzurichten.
Brussilows Gegenoffensive auf Łuck (13. bis 24. September)
Hiezu Beilagen 3, 6 und 7 sowie Skizzen 5, 6 und 7
Der Durchbruch der Russen bei Derazno
Schon am 12. September, an demselben Tage, an dem die Masse des XXX. Russenkorps (71., 80. RD.) bei Rowno ausgeladen worden war (S. 122), schrieb Brussilow an Iwanow: „Gegenüber der 8.Armee standen 22 feindliche Divisionen, jetzt hat der Feind nur mehr 14 Divisionen dort. Dies bedeutet, daß wir annähernd gleich stark sind und daß wir vor uns Österreicher haben, die wir schon öfters besiegten. Ich bin der Meinung, daß wir schon genügend weit zurückgegangen sind, bald werden wir uns umgruppiert und unsere Stände aufgefüllt haben, worauf wir sie [die Österreicher] neuerlich schlagen werden1).“
Brussilow hielt es wohl für nötig, die Aussichten seines Planes, den linken Flügel des Gegners zu umfassen und auf Łuck wieder vorzudringen (S. 96), so günstig wie möglich zu schildern, da sich Iwanow — wie immer in der damaligen Lage — sehr bestimmt gegen weitgehende Offensivunternehmen aussprach. Erst nachdem Brussilow in wiederholten Ferngesprächen mit dem Oberkmdo. der Südwestfront versichert hatte, daß er nur einen kurzen Vorstoß unternehmen werde, um die Lage seines Nordflügels bessern zu können, gewährte ihm IwanowHandlungsfreiheit2).
Inzwischen war es dem russischen XXXIX. Korps am 13. September früh gelungen, bei Klewań auf dem Westufer des Stubiel in die Stellungen
*) N e s n a m o w, IV, 127.
2) Broussilov, 156 ff.
der 3. und der 24. ID. einzudringen (S. 121). Brussilow befahl nun dem genannten Korps, ^en Erfolg auszunützen. Gleichzeitig wies er das
VIII. Korps an, gemeinsam mit dem linken Flügel des XII. Korps in der Front Dubno—Zarieck anzugreifen; auch das XVII. Korps hatte an der Ikwa örtliche Vorstöße zu unternehmen. Das XXX. Korps sollte indes den Nordflügel des Gegners schlagen. Dazu ließ Brussilow dieses Korps in aller Eile hinter dem vier Divisionen starken Reiterkorps Weljassew auf dem linken Horyńufer südlich von Stepan aufmarschieren. Denn schon waren die durch Infanterie verstärkten Kosaken des Gen. Weljassew durch die 62. ID. und die 4. ID. des Korps Martiny auf Biczal und über Postojno an den Horyń zurückgedrängt worden. Am 13. nachmittags trafen die vordersten Truppen des XXX. Russenkorps auf dem Kampfplatz ein. Die 4. ID. mußte Postojno wieder räumen und meldete am Abend dem FML. Martiny den Anmarsch starker russischer Verstärkungen vom Horyń her (S. 121).
Während die 4. und die 62. ID. schon gegen die neuangekommenen Truppen des XXX. Russenkorps fochten, ließ Erzherzog Joseph Ferdinand zu später Stunde den FML. Martiny anweisen, im Anschluß an die Stu-biellinie eine Verteidigungsstellung zu beziehen (S. 121). Zwei Divisionen, eine sofort und die andere später, sollte das X. Korps dem Armeekmdo. wieder zur Verfügung stellen. FML. Martiny entschloß sich fürs erste, die 4. ID. von Postojno in die Gegend westlich von Derażno zurückzunehmen, obgleich gerade gegen diese Division frische russische Kräfte im Anmarsch gemeldet waren. Dadurch wurde die linke Flanke der 62. ID. preisgegeben; doch konnte sich diese Division in der Nacht ohne ernsten Zwischenfall etwas näher an Derażno zurückziehen. Zur gleichen Zeit sah sich auch der rechte Flügel des KavKorps Berndt nach sehr heftigen Kämpfen genötigt, von Lipno an den Kormin zurückzugehen.
Der 14. September verlief auf dem Nordflügel der 4. Armee zunächst ruhig. Die Russen schoben sich im Verlaufe des Vormittags nur sehr vorsichtig gegen Derażno und gegen den Kormin heran. Um Mittag befahl GdI. Erzherzog Joseph Ferdinand dem FML. Martiny, eine Stellung zu wählen, in der „auch mit schwachen Kräften gegen eine Übermacht gehalten und einer Umfassung vorgebeugt werden konnte“. Das war nun freilich in einem ganz unübersichtlichen Wald- und Sumpfgelände eine schwer zu lösende Aufgabe. Es blieb nichts anderes übrig, als mit der schon arg geschwächten 62. ID. auf dem welligen Gelände knapp östlich und nördlich von Derażno Aufstellung zu nehmen, wenn die Flanke der in den Horyńschleifen von Diuksin und in dem Winkel zwischen
Putilowka und Stubiel fechtenden Truppen (25. SchBrig. der 13. SchD., die Masse der 45. SchD., 24. ID.) nicht entblößt werden sollte. Die neue Front wies zwischen der 62. ID., die nördlich von Derażno ihren rechtwinklig zurückgebogenen Nordflügel an einen für unwegsam gehaltenen Sumpf anlehnte, und dem KavKorps Berndt, das hinter dem Kormin stand, eine fast 10 km breite Lücke auf. Noch im Laufe des 14. hatten sich die Russen der 62. ID. genähert; sie begannen alsbald, allerdings ohne Erfolg, anzugreifen. Gleichzeitig schien der Feind gegen die Lücke im Vorgehen zu sein. FML. Martiny sandte auf Bitte des GM. Tunk seine Korpsreserve, die 26. SchBrig., dorthin. Es war zu dieser Zeit nach den Aussagen der Gefangenen und anderen Nachrichten vom KavKorps Berndt schon soviel wie sicher, daß das XXX. Russenkorps und die Kavallerie des Gen. Weljassew gegen Derażno und gegen den Kormin angesetzt waren. Da sich aber der Russe am 14. September auch an der dünn besetzten Stubielfront sehr tätig zeigte, wagte das 4. Armeekmdo. nicht, seine Armeereserven, die es sich aus der 10. KD. und aus Teilen der 45. und der 21. SchD. bei Olyka und bei Derewiane gebildet hatte, auf den Nordflügel zu leiten. Auch hielt es der Erzherzog für geboten, das Gros der 4. ID. von Derażno an den rechten Flügel des X. Korps heranzuziehen. Einmal deshalb, weil er hinter der zum größten Teil aus Ruthenen zusammengesetzten 24. ID. eine Reserve zur Hand haben wollte, und dann aus dem Grunde, weil ihn die Heeresleitung angewiesen hatte, alle entbehrlichen Kräfte zu anderer Verwendung freizumachen. So glaubte der Armeekommandant, daß er der bereits nach Süden in Marsch gesetzten
2. ID. auch noch die 21. SchD., die zum Teil noch bei Klewan in der vordersten Linie stand, werde nachsenden müssen.
Bei der 1. Armee griff am 14. September der Russe im Abschnitt der 9. ID. des I. Korps und der 40.HID. des Korps Szurmay an, wurde aber im Gegenangriff abgewiesen.
Während der Feind am nächsten Tag, dem 15., durch starkes Geschützfeuer und durch örtlich gebundene kleinere Ausfälle die ganze Front von Dubno bis Diuksin in Atem hielt, brach das Unglück über den Nordflügel der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand herein. Das russische XXX. Korps fiel am Morgen die 62. ID. bei Derażno mit der 71. RD. von Osten, mit der 80. RD. von Norden her an. Zugleich stieß auch das Reiterkorps Weljassew gegen den Kormin vor, wurde aber von dem schon sehr geschwächten KavKorps Berndt abgewiesen. Jedoch am Vormittag drang der Feind an einer durchwatbaren Stelle in die Sumpflücke zwischen der 4. KD. und der 62. ID. ein, worauf die dort stehende
26. SchBrig. nach Süden wich. Der Feind schwenkte nun gegen die Flanke und gegen den Rücken der 62. ID. ein.
Auf die Kunde von dem Zurückweichen der 26. SchBrig. schob der Armeekommandant das Gros der 4. ID., das er tags zuvor von Derażno weggezogen hatte, eilends wieder an den linken Flügel des X. Korps. Nachrichten vom KavKorps Berndt, das mit dem rechten Flügel der 4. KD. bei Boguslawka stand, meldeten das Vorgehen russischer Kräfte auf Brod Kładki. Ein Teil der Truppen der 4. ID. wurde daher am Nachmittag in der Richtung gegen Berestiany geleitet, dann aber wieder südwärts der hart bedrängten 62. ID. zu Hilfe geschickt.
Diese Division wehrte tagsüber die mit überlegenen Kräften unternommenen Angriffe der Russen bei Derażno mit großer Tapferkeit ab und suchte durch Gegenstöße auf ihrem zurückgebogenen linken Flügel die gegen Flanke und Rücken vordringenden Russen zurückzu treiben *). Aber die Gefahr, eingekreist zu werden, zwang GM. Tunk, die 62. ID. bei einbrechender Nacht in eine Front südwestlich von Derażno zurückzunehmen. Unterdessen traf schon FML. Martiny mit Zustimmung des Erzherzogs Joseph Ferdinand seine Dispositionen für einen Rückzug des X. Korps an die Straße Klewań—Cumań—Karpilowka. Die auf dem linken Flügel fechtenden Truppen (62. ID., 26. SchBrig., 4. ID.) hatten sich erst nach Mitternacht zurückzuziehen, um den Verteidigern der Landenge von Diuksin (Masse der 45. und der 13. SchD.) den ungestörten Abmarsch in der Nordflanke zu sichern. Es gelang den ermatteten Truppen, diesen sehr schwierigen Rückmarsch in leidlicher Ordnung zu bewerkstelligen. Die Russen scheuten eine Verfolgung bei Dunkelheit. Auch das KavKorps Berndt, das vom Kormin in die neue Front Silno—Żurawicze— Kołki zurückzugehen hatte, wurde über Nacht vom Feinde wenig belästigt. Die 10. KD. wurde von Ołyka nach Karpilowka verschoben.
Das 4. Armeekmdo. hoffte am Morgen des 16. September, daß sich das X. Korps in den neuen Linien zur Verteidigung werde einrichten können. Anscheinend vereinigte der Feind die Hauptkraft des XXX. Korps in der Gegend von Boguslawka, um von hier aus über Silno zur weiteren Umfassung vorzugehen. Erzherzog Joseph Ferdinand gab daher dem FML. Martiny am Vormittag die Weisung, eine Infanteriebrigade der 4. ID. an den rechten Flügel des KavKorps Berndt zu entsenden. Gleichzeitig meldete er der Heeresleitung nach Teschen seine weiteren Absichten. Er wollte zur Abwehr der feindlichen Umfassung seinen linken
x) Obst. Eduard Edl. v. Merten, Kommandant der 121. IBrig., erwarb sich in den Kämpfen um Derażno das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.
Flügel mit zwei Infanteriedivisionen — 21. und 45. SchD.—des Zentrums verstärken, erbat sich jedoch wegen der andauernden Bedrohung der Stubielfront die zur 2. Armee unterwegs befindliche 2.ID. (S.121) zurück. Diese Division war von der Heeresleitung schon in der Nacht zum 16. auf die erste Nachricht von dem schweren Rückschlag auf dem linken Flügel des X. Korps in Bokujma angehalten worden. Sie wurde nun dem Erzherzog wieder zur Verfügung gestellt. Freilich sprach sich die Heeresleitung in einem Telegramm am Vormittag sehr bestimmt dafür aus, möglichst starke Kräfte außerhalb vom linken Flügel zu einem Gegenschlage zu versammeln, da mit einem bloßen Verstärken der Front nördlich der Putilowka ein Umschwung der Lage nicht bewirkt werden könne.
Der Plan des Erzherzogs Joseph Ferdinand war nun, die 21. und die 45. SchD. bis zum 17. September hinter den rechten Flügel des KavKorps Berndt in den Raum westlich von Silno zu verschieben, um den Feind mit diesen beiden Divisionen und mit den nördlich der Putilowka zwischen Karpilowka und Cumań stehenden Truppen des X. Korps (10. KD. und 13. SchD. mit zugeteilter halber 4. ID.) anzugreifen. Das KavKorps Berndt, gegen dessen linken Flügel ein Regiment der 3. polnischen Brigade (S. 78) und die im Sicherungsdienst am unteren Stochod von der ll.HKD. freigemachte 2. KD. (S. 78) in Anmarsch waren, sollte sich diesem Vorgehen anschließen. Die 2. ID. hatte in Eilmärschen von Bokujma nach Olyka zu rücken. Hielten sich der Südflügel und die Mitte der 4. Armee am Stubiel, so gedachte Erzherzog Joseph Ferdinand auch diese Division auf den Nordflügel heranzuziehen.
Diese Absichten konnten nun freilich nicht mehr verwirklicht werden. Einmal waren die Truppen so übermüdet, daß sie während des Marsches zusammenbrachen. FML. Martiny mußte daher melden, daß man die anbefohlenen Linksverschiebungen erst in zwei Tagen beenden könne1). Dann hatten die Russen schon am 16. September früh die am unteren Stubiel stehende 24. ID. angegriffen und ihren linken Flügel durchbrochen. So sah sich das 4. Armeekmdo. noch am Vormittag genötigt, die 45. SchD. und die halbe 21. SchD., die eben an die Putilowka zurückmarschierten, wieder auf dem Südflügel des X. Korps einzusetzen, um den Feind, der die östlich der Straße Klewań—Cumań eingenistete 62. ID. in der Flanke schwer bedrohte, über den Stubiel zurückzuwerfen. Allein die unter dem Befehl des FML. Smekal zum Gegenangriff befohlenen Truppen rückten so langsam vor, daß die Russen die 24. ID. nach wechselvollen Kämpfen
*) Kralowetz, Das k.u.k. X. Korps im Herbstfeldzug 1915 in Wolhynien (Manuskript, Kriegsarchiv). .
westwärts drängten. Am Abend standen die Masse der 45. SchD. und Teile der 24. und der 21. Division weit hinter dem rechten Flügel der 62., halben Weges zwischen dem Stubiel und der Putilowka. In der Nacht auf den 17. September verharrte die rechts umgangene 62. ID. in ihrer nach Norden und nach Osten gerichteten Aufstellung bei Cumań. FML. Smekal stellte inzwischen seine buntgemischten Truppen — Teile der
45., 21., 24. Division — beiderseits der nach Klewań führenden Eisenbahn in breiter Front auf, mit der Absicht, am 17. früh südlich der aufs höchste gefährdeten 62. ID. ostwärts zum Gegenangriff vorzubrechen. Doch ehe der Angriff begann, wurde die 62. ID. im Morgengrauen dieses Tages von den aus dem Winkel zwischen der Putilowka und dem Stubiel vordringenden Kräften des russischen XXXIX. Korps angefallen, in der Mitte durchstoßen und zugleich in der offenen Südflanke und im Rücken gefaßt. Die Trümmer der Division mußten nach tapferem Widerstand an die Putilowka weichen. Die sich eben zum Gegenangriff anschickende Gruppe FML. Smekal blieb nun vor den jetzt auch gegen ihre Front heranrückenden Russen stehen.
Auf die Nachricht von dem schweren Mißgeschick der 62. ID. ermächtigte Erzherzog Joseph Ferdinand um 6h30 früh den FML. Martiny, sein Korps an die Putilowka zurückzunehmen, weil es keine Reserven mehr hatte, um die Lage wiederherzustellen. Rechts im Anschluß daran hatten das XIV. Korps (halbe 21. SchD. und 3. ID.) auf den Höhen von Olyka und noch weiter rechts das IX. Korps (10. ID.), das seinen rechten Flügel am Stubiel zu belassen hatte, eine neue Stellung zu beziehen.
Indes war aber auch über den Nordflügel der 4. Armee Unheil hereingebrochen. Noch am 16. September waren das Reiterkorps Gillenschmidt und das XXX. Korps über den Kormin und durch das Ausfallstor zwischen dem Kormin und der Putilowka westwärts vorgerückt. Das KavKorps Berndt, das mit etwa 2600 Feuergewehren und 9 Geschützen eine Front von 13 km verteidigen mußte, wurde am Abend bei Żurawicze heftig angegriffen und am nächsten Morgen an mehreren Stellen durchstoßen. Der Feind setzte bei diesem Kampfe dem nach Silno entsendeten IR. 8 nicht unbeträchtlich zu. Weiter südlich ging um dieselbe Zeit der auf dem linken Flügel des X. Korps eingesetzten 10. KD. Karpilowka verloren. Als dies geschah, wurde gerade die 13. SchD. mit der ihr zugeteilten halben 4. ID. aus der Front Karpilowka—Cumań gegen Westen zum Anschluß an die gegen die Putilowka im Rückzug weichende 62. ID. zurückgenommen. FML. Martiny suchte den gegen seine Nordflanke vordringenden Feind abzuwehren, indem er die gerade von Moszczanica auf seinen linken Flügel unterwegs befindliche halbe 21. SchD. gemeinsam mit Truppen der 13. SchD. und der 4. ID. in der Richtung auf Karpi-łowka zum Gegenangriff ansetzte. Doch die brüchig gewordene Front konnte dadurch nicht wiederhergestellt, sondern nur eine Aufnahmstellung im Anschluß an die 62. ID. bei Moszczanica bezogen werden. Auch das in breiter Front nördlich von Karpilowka bis Kolki fechtende KavKorps Berndt vermochte dem Drucke der Russen nicht mehr zu widerstehen. Es wich gegen Westen. Und nicht genug daran: die zwischen Styr und Stochod sichernde l.KD., die vor wenigen Tagen bis in den Styrbogen von Czartorijsk und auf Okonsk vorgedrungen war, drückten Angriffe des russischen Reiterkorps Gillenschmidt wieder auf die Linie Kolki—Kaszowka zurück. Teile der von Mielnica zum Korps Berndt anrückenden 2. KD. mußten daher als Verstärkung zur l.KD. geschickt werden. Eine Brigade der in der Gegend von Pełża eingelangten 2. ID. wurde vom 4. Armeekmdo. nach Kotow hinter das X. Korps befohlen. Aber es war nicht mehr zu erhoffen, daß diese schwachen Verstärkungen noch rechtzeitig den Nordflügel vor Umfassung bewahren würden.
Das Weichen der weitausgedehnten Heereskavallerie veranlaßte den FML. Martiny schon am Vormittag, seinem Armeekommandanten zu melden, daß sich das X. Korps auf dem linken Flügel nicht mehr lange werde behaupten können; er habe keine Reserven mehr, um der feindlichen Umgehung entgegenzutreten, die Truppen seien vollständig erschöpft *■), und ihr Kampfwert sei nur mehr gering einzuschätzen. Er habe die Überzeugung, daß man an einen starken Abschnitt zurückgehen müsse, wenn sich die Lage wieder bessern solle. Auf diese sehr ernste Meldung hielt es Erzherzog Joseph Ferdinand für unabwendbar, die 4. Armee an den Styr und den linken Flügel der 1. Armee an die Ikwa zurückzunehmen. Nur schweren Herzens stimmte die Heeresleitung einem so weiten Absetzen der 4. Armee wegen des damit verbundenen Rückzuges der 1. Armee an die Ikwa zu. Am Nachmittag gab das Heeresgruppenkmdo. die Rückzugsbefehle.
Darnach hatten von der 1. Armee die Mitte (I. Korps mit der 9. ID.) und der linke Flügel (Korps Szurmay mit der 40. HID. und 7. ID.) hinter der Ikwa von Dubno bis Torgowica, der rechte Flügel der 4. Armee (IX. Korps mit der 10. ID., verstärkt durch die halbe 2. ID.) entlang des
!) Was FML. Schmidt-Fussina, der Kommandant der 4. ID., über den Zustand der Regimenter seiner Division meldete, galt beim X. Korps auch für alle anderen. Die Truppen waren von den außerordentlichen Anstrengungen so ermattet, daß sie im Gefechte oder auf Posten einschliefen und auf dem Marsche todmüde zusammenbrachen.
westlichen Styrufers bis zur Polonkamündung eine Stellung zu beziehen. Das aus der 3. ID., der halben 21. SchD., der halben 2. ID., der 24. ID. und der 45. SchD. zusammengesetzte XIV. Korps wurde als Besatzung des Brückenkopfes von Łuck bestimmt. Nördlich davon hatte von Żydy-czyn bis unterhalb von Rożiszcze das nunmehr drei Divisionen starke X. Korps (62. ID., 13. SchD. und 4. ID.) mit der zugeteilten 10. KD. wieder auf dem Westufer des Styr Aufstellung zu nehmen. Noch weiter flußabwärts bis Sokul sollte das KavKorps GM. Gf. Herberstein1) (4.KD.,
7. KD., verstärkt durch die halbe 2. KD. und ein Polenregiment) sichern, während das aus der 1., der 9., der 11. und der halben 2. KD. sowie der
1. und der halben 3. polnischen Brig. neugebildete KavKorps Hauer die Deckung in der Landenge zwischen Styr und Stochod und weiter nördlich am Stochod bis Łubieszów zu übernehmen hatte. Links davon rückte die deutsche 5. KD. in dem Stochodabschnitt bis zur Einmündung in den Pripiatj in die Front.
Dieser Rückzug wurde noch am 17. September mit Einbruch der Dunkelheit angetreten. Nur Nachhuten blieben bis zum nächsten Morgen an der Putilowka zurück, um den Feind aufzuhalten. Daß dies geschah, merkten die Russen anfänglich nicht und drängten nicht nach. Als sie es am nächsten Morgen innewurden, ließ Brussilow einen stärkeren Kavalleriekörper dem entronnenen Gegner folgen und rasch auf Łuck losgehen, um die wichtige Stadt mit ihren Depots im Handstreich zu nehmen. Die Truppen der 4. Armee, die in der Nacht einen Vorsprung gewonnen hatten, langten unterdessen nach beispiellosen Eilmärschen am Styr an. Während das XIV. Korps im Osten von Łuck auf dem rechten Ufer des Styr Stellungen bezog, erschien aber auch schon gegen 5h nachm. die russische Reiterei, von Poddubcy kommend, im Vorfeld des Brückenkopfes und beschoß die durch die Straßen und über die Brücken von Łuck drängenden Fuhrwerksmassen. Die Verwirrung in der Stadt wäre noch größer geworden, wenn nicht Truppen der 21. SchD. dem Feind rasch entgegengetreten wären und ihn zum Rückzug gezwungen hätten.
Von diesem Zwischenfall abgesehen, konnten die neuen Stellungen der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand ohne Kampf bezogen werden. Aber die vorangegangenen Kämpfe und der Rückmarsch waren für die Truppen sehr anstrengend gewiesen, sie waren erschöpft und der Ruhe sehr bedürftig; auch waren die Verbände zusammengeschmolzen. Von den Divisionen, die am meisten gelitten hatten, zählte die 62. ID.
*) Bisheriges KavKorps Berndt. GM. Berndt übernahm den Posten eines Generalstabschefs der 4. Armee.
3600, die 4. ID. 3700, die 13. SchD. 6000 Feuergewehre, die Gefechtsstärke der 24. ID. und der 45. SchD. war nicht höher; auch die Reihen der 7. und der 9. KD. waren arg gelichtet. Viele Pferde verendeten vor Erschöpfung. Alles in allem hatte die 4. Armee seit dem Beginn des Vormarsches auf Rowno an die 50.000 Streiter eingebüßt.
Die Maßnahmen zur Entlastung der k.u.k. 4. Armee
GO. Conrad war durch diesen unglücklichen Ausgang der harten, verlustreichen Kämpfe vor Rowno empfindlich getroffen.
Nun hatte aber gerade am 16. September die Bugarmee die Stadt Pinsk erobert und den Feind über die Jasiolda und den Oginskikanal in die Sümpfe des Pripiatj zurückgedrängt. Dies ließ GO. Conrad sofort den Plan fassen, der 4. Armee durch einen Flankenstoß aus dem Polesie zu helfen. Am 17. September unterrichtete er Falkenhayn vom Emst der Lage auf seinem Nordflügel und bat ihn, alle entbehrlichen Kräfte der Bugarmee südwärts über Łubiaż auf Kolki in die Flanke der gegen die
4. Armee vordringenden Russen zu führen. GdI. Falkenhayn antwortete noch an demselben Tage, daß von der Bugarmee am 19. September zwei Infanteriedivisionen nach Süden in Marsch gesetzt werden könnten. Er knüpfte jedoch daran die Bedingung, daß die deutschen Verstärkungen, die Heereskavallerie im Polesie — die KavKorps Herberstein und Hauer und die deutsche 5. KD. — sowie die 4. Armee einem deutschen Führer, dem GdI. v. Linsingen, unterstellt würden. Unter dem Zwange der schwierigen Augenblickslage verständigte sich GO. Conrad mit dem Verbündeten schließlich dahin, daß mit 20. September aus den von der Bugarmee abzugebenden Kräften — der 1. und der 22. ID. unter dem Befehl des Kommandanten des XXIV. RKorps, GdI. v. Gerok, und der 5. KD. — sowie aus den bisherigen Truppen der 4. Armee und den beiden Kavalleriekorps im Polesie eine an den Oberbefehl des Erzherzogs Friedrich gewiesene Heeresgruppe GdI. Linsingen gebildet werde.
Gleichzeitig entschloß sich Conrad, da die Gefahr in Ostgalizien durch den Rückzug der Russen an den Sereth und durch den Abwehrerfolg der 2. Armee (S. 132) beseitigt schien, seine Heeresreserve, das
XVII. Korps, näher an den Nordflügel heranzuziehen. Die gerade gegen Rawa Ruska marschierende 11.ID. hatte mit dem XVII.Korpskmdo. nach Władimir-Wołyński zu rücken, während die 41. HID., deren erste Staffeln bereits bei Pomorzany eingelangt waren, nach Kamionka-Strumilowa und von dort im Fußmarsch über Radziechów nach Gorochów geleitet wurde. Die 1. und die 2. Armee sollten mit 19. September als Heeresgruppe GdK. Böhm-Ermolli vereinigt werden. Dieser fiel die Verteidigung der Ikwalinie zu.
Da erhob aber GM. Ludendorff, Chef des Stabes der Heeresgruppe Hindenburg, in einem Telegramm vom 18. September gegen die Entsendung von deutschen Kräften auf den nördlichen Flügel der öst.-ung. Front Einspruch. Der Angriff der deutschen 10. Armee, die mit ihrem verstärkten linken Flügel zur Umfassung auf Minsk ausholte, schritt gerade günstig vorwärts; Wilna stand vor dem Falle. Doch schien die Stawka schon Gegenmaßnahmen gegen die deutsche Umfassung getroffen zu haben. Sie versammelte starke Reserven bei Dünaburg und führte von den Armeen der Mitte Verstärkungen nach Molodieczno. Dadurch kam die deutsche Kavallerie an der Wilia in eine üble Lage. Daher hielt es Hindenburg begreiflicherweise für dringend geboten, daß die Bugarmee nördlich des Pripiatj mit allen ihren Kräften die Richtung nach Nordosten nehme, um die Zange gegen die über Wilna umfaßte russische Heeresmitte auch von Süden her anzusetzen.
Diese Einwendungen konnten allerdings an den einmal gefaßten Entschlüssen nichts ändern. GdI. Falkenhayn war mit Conrad eines Sinnes, daß dem weiteren Vordringen der Russen in Wolhynien mit Rücksicht auf die Front an der Ikwa und in Ostgalizien unter allen Umständen Einhalt geboten werden mußte. Am 19. September wurde dem GdI. Linsingen auf Grund einer zwischen Falkenhayn und Conrad vereinbarten Weisung vom FM. Erzherzog Friedrich kurz befohlen, er habe das weitere Vordringen des Nordflügels der russischen Kräfte südlich des Pripiatj zu verhindern.
Der Kampf um Łuck
GdI. Linsingen hatte indessen schon am 18. September abends seine ersten Verfügungen getroffen. Er ließ das 4. Armeekmdo., das seinen Sitz von Łuck nach Wladimir-Wołyński verlegt hatte, anweisen, starke Kräfte auf dem Nordflügel zu neuer Offensive zu versammeln. Die
ll.HKD. und links von ihr die deutsche 5. KD. sollten in die Gegend von Maniewicze vorgehen und dort die Styrübergänge sichern. Einen Tag später, am 19. abends, erhielt Erzherzog Joseph Ferdinand von Linsingen einen zweiten Befehl, worin es hieß, daß die 4. Armee drei Infanteriedivisionen hinter ihrem linken Flügel als Heeresgruppenreserve bereitzustellen habe. Die KavKorps Herberstein und Hauer sollten die Styrübergänge sperren. „Die von Norden heranrückenden deutschen
Kräfte, die beiden Kavalleriekorps sowie die aus der Front der 4. Armee herauszuziehenden drei Infanteriedivisionen werden zu einem Stoße gegen die feindliche rechte Flanke angesetzt werden.“
Erzherzog Joseph Ferdinand war unterdessen schon eifrig bedacht gewesen, die Ordnung unter seinen Truppen wiederherzustellen sowie Reserven zu bilden; er hatte die Truppen der 4. ID. auf dem Nordflügel des X. Korps wieder vereinigt, hatte die halbe 21. SchD. und die 10. KD. aus der Front gezogen und beide nördlich der Sierna versammelt. Das war aber zunächst auch alles, was er freimachen konnte. Teile der 2. ID. und der 21. SchD., die er noch als Reserve in Aussicht genommen hatte, mußten beim XIV. Korps zum Bau der Brückenkopfstellungen von Łuck zurückbehalten werden. Die von Osten heranrückenden Russen waren der neuen Widerstandslinie der 4. Armee schon nahe gekommen. Nach einer Meldung des GdI. Roth schien der Feind an der von Poddubcy nach Łuck führenden Straße das XIV. Korps angreifen zu wollen. Angesichts dieser Bedrohung kamen dem 4. Armeekmdo. begreiflicherweise Bedenken, die Front zu schwächen. Der Erzherzog berichtete noch am 19. abends dem GdI. Linsingen über die schwierige Lage und wandte sich gleichzeitig nach Teschen mit der Bitte, ihm das XVII. Korps zu unterstellen, da es sonst nicht möglich wäre, gemäß den Weisungen des GdI. Linsingen eine Stoßgruppe von drei Infanteriedivisionen auf dejn Nordflügel der 4. Armee zu bilden.
Indes hatte Brussilow schon die 4. SchD. des russischen XXXIX. Korps zum Sturme auf den Brückenkopf von Łuck vorgeschickt1). Am 19. September abends begann sie den Angriff. Ihr ungestümer Vorstoß richtete sich hauptsächlich gegen die beiderseits der Straße von Klewań aufgestellte halbe 21. SchD., erfaßte aber auch die nördlich anschließende halbe 2. ID. und den linken Flügel der 3. ID. In verlustreichem, stellenweise bis zum Handgemenge führendem Kampfe schlugen die SchR. 6 und 7, das salzburgisch-oberösterreichische IR. 59 und die rasch herbeigeeilte Reserve des XIV. Korps, das SchR. 34, den feindlichen Ansturm ab.
Nach diesem Mißerfolg blieb die russische 4. SchD. am 20. September vor dem Brückenkopf liegen. Nachrichten, die dem 4. Armeekmdo. Vorlagen, ergaben, daß nun die Masse der 8. Russenarmee, das XXXIX. Korps, dahinter das XXX. Korps gegen Łuck, die Masse des XII. Korps gegen den Südflügel der 4. Armee und das Reiterkorps Weljassew gegen den Styr bei Rożiszcze heranrückten, während das Reiterkorps Gillenschmidt, verstärkt durch drei Infanterieregimenter, den Raum zwischen Styr und x) Broussilov, 157.
Stochod deckte. Am 20. September abends begannen die Russen eine scharfe Kanonade gegen den Brückenkopf von Łuck; ihr folgten in der Nacht auf den 21. neue, diesmal allerdings schwächliche Erkundungsstöße der russischen 4. SchD., die vom XIV. Korps glatt abgewiesen wurden. Auch an den beiden nächsten Tagen beschoß die russische Artillerie die Brückenkopfstellungen, feindliche Infanterie schob sich näher an die Südostfront heran. Zur selben Zeit entwickelten sich auf dem Südflügel des
IX. Korps Kämpfe. Hier schienen die Russen im Styr-Ikwawinkel einen Übergang zu beabsichtigen.
Erzherzog Joseph Ferdinand hatte inzwischen schon am 19. und neuerlich am 20. September Führer und Truppen von dem Herannahen deutscher Verstärkungen unterrichtet und sie zum Ausharren angefeuert. Am 21. langten das XVII. Korpskmdo. und die 11. ID. zur Verfügung der 4. Armee in Wladimir-Wołyński ein. Die Verwendung der nach Goro-chów unterwegs befindlichen 41. HID. hatte sich die Heeresleitung noch ausdrücklich Vorbehalten. Die Absicht des Erzherzogs war es nun, die
11. ID., die 13. SchD. des X. Korps und die 21. SchD., deren eine Brigade noch dem XIV. Korps zugeteilt war, bis zum 24. September abends hinter seinem linken Armeeflügel zu versammeln. In der Nacht auf den 23. sollten diese Truppenverschiebungen beginnen.
Bei den Russen hatte Brussilow inzwischen sein XXX. Korps an den Styr herangeführt. Dieses Korps sollte rechts vom XXXIX. Korps den Fluß überschreiten, um den Brückenkopf von Łuck, den die 4. SchD. nach den bisherigen Erfahrungen nicht mehr in der Front anzugreifen wagte, durch Umfassung zu nehmen. Gen. Stelnitzki, der Führer des russischen XXXIX. Korps, wollte aber in gleicher Weise wie sein Nachbar an der Zurückeroberung von Łuck Anteil haben und befahl daher die 4. SchD. noch einmal zum Angriff1).
Am 22. September um 9h30 abends erfolgte nach einer heftigen Kanonade ein ungestümer Angriff gegen das k.u.k. XIV. Korps. Die am linken Flügel stehende 24. ID., die ihr Mißgeschick am Stubiel (S. 137) noch nicht überwunden hatte, wurde in der Mitte und dann auf dem rechten Flügel durchbrochen. Die in Verwirrung gebrachten Truppen dieser Division zogen sich bis an den Styr und über die Brücke von Wyszków zurück. Auf die Kunde davon ließ Erzherzog Joseph Ferdinand kurz entschlossen die schon an den Nordflügel abrückende 13. SchD. für alle Fälle halten. Er unterstellte die 10. KD. zum Schutze des bedrohten rechten Flügels der 62. ID. dem FML. Martiny und wollte die halbe
!) Broussilov, 157f.; Korolkow, Strategische Übersicht, 371.
21.SchD., die sich zur Zeit noch hinter der Sierna befand, als Verstärkung auf dem Nordflügel des XIV. Korps einsetzen. Diese Brigade sollte bei Żydyczyn auf das rechte Styrufer übergehen. Allein die dort sichernde 62. ID. hatte die Brücke von Żydyczyn vorzeitig abgebrochen, so daß die auf dem anderen Ufer noch zurückgebliebenen Reste der 24. ID. nach ehrenvollem Widerstand von den Russen überwältigt wurden. Nun aber drangen die Russen durch den entblößten Raum bei Żydyczyn in der Mitte des XIV. Korps ein und nötigten die dort fechtenden Truppen der
45. SchD. und der 2. ID. zum Rückzug. GdI. Roth, der schon alles, was er an Reserven besaß — es waren nur fünf Kompagnien der 45. SchD. —, in den verzehrenden Kampf geworfen hatte, unterrichtete den Erzherzog Joseph Ferdinand über den Ernst der Lage und erbat sich von ihm die Ermächtigung, gegebenenfalls den Brückenkopf räumen zu dürfen. Als sich die Russen um 3hfrüh dem Nordrande von Łuck näherten, gab GdI.Roth den Rückzugsbefehl. Nur der hartnäckige Widerstand, den die an den Nordrand der Stadt zurückgedrückten Abteilungen dem Feinde leisteten, ermöglichte den Batterien und den bunt durcheinandergeworfenen Truppen der 45., der 2. und der 21. Division den schwierigen Abmarsch durch die Straßen von Łuck und den Übergang über die Brücken.
Gleich am 23. September früh gelangten russische Kräfte über die Brücke von Wyszków, die von der zurückflutenden 24. ID. nicht abgebrannt worden war, und an anderen Stellen auf das Westufer des Styr. Obgleich die in diesem Abschnitt vorgeschobenen Truppen der 21. SchD. und der 62. ID. anfänglich ein Vorgehen der Russen behinderten, wichen andere Truppenteile auf Zaborol. Die 3. ID., die sich auf dem rechten Flügel des XIV. Korps in der Nacht tapfer behauptet hatte, konnte unterdessen den Übergang ohne Störung durch den Feind oberhalb von Łuck bewerkstelligen und eine neue Stellung auf dem linken Ufer beziehen. Aber auf die Nachricht von dem Übergang der Russen unterhalb der Stadt sowie in Anbetracht der wenig erfreulichen Verfassung der 45. und der 24. Division, die die schwierige Lage dieses Armeeteiles so recht erkennen ließ1), hielt es das 4. Armeekmdo. für unvermeidbar, das ganze XIV. Korps nachmittags in eine bogenförmige Stellung zurückzunehmen, die von Polonnaja-Gorka über Zaborol verlief und dort an den zurückgebogenen rechten Flügel des X. Korps anschloß.
Auf die Hiobspost von diesem neuerlichen Rückschlag richtete die Heeresleitung sehr dringende Mahnungen an die 4. Armee, auszuhalten,
a) Zajontschkowskij, Der Bewegungskrieg 1914 und 1915, 371, gibt die Zahl der vom russischen XXX. Korps eingebrachten Gefangenen mit 12.000 Mann an.
da sonst die Ikwalinie überflügelt werde. Auch sah sie sich schon am
23. September früh veranlaßt, die 41. HID. zum Abmarsch von Gorochów nach Czaruków anzuweisen. Erzherzog Joseph Ferdinand erbat sich die Unterstellung dieser Division; außerdem ließ er die an den Nordflügel unterwegs befindliche 11. ID. bei Zaturcy anhalten. Denn seine Absicht war jetzt, diese beiden Divisionen sowie die bei Ulaniki verbliebene
13. SchD. unter Mitwirkung der 3. ID. zu einem konzentrischen Gegenangriff wider den aus Łuck hervorbrechenden Feind zu verwenden. Mit diesem Plan war aber GdI. Linsingen keineswegs einverstanden. Er war der Meinung, daß der Russe keinen entscheidenden Schlag über Łuck führen w'erde und an dieser Stelle der Einsatz von vier Infanteriedivisionen daher nicht nötig sei. Auch war für ihn vor allem der Wunsch maßgebend, den rechtzeitigen Abmarsch der Verstärkungen an den Nordflügel für den kommenden Flankenstoß durchzuführen. Als Linsingens Befehl, die beiden Divisionen des XVII. Korps wohl an die Durchbruchstelle heranzuführen, aber nur im äußersten Notfall einzusetzen, in der Nacht zum 24. eintraf, war der Erzherzog bereits selbst zu diesem Entschlüsse gelangt.
Der Oberbefehlshaber der neuen Heeresgruppe sollte sich in seinem Urteil über die Lage nicht täuschen. Ein starker Angriff der Russen aus Łuck heraus erfolgte tatsächlich nicht. Zwar versuchte der Feind am
24. früh, entlang der nach Sierniki führenden Straße gegen die 62. ID. vorzustoßen. Gegenüber dem XIV. Korps nahm er aber im Laufe dieses Tages eine beobachtende Haltung ein. Er schien Verstärkungen abzuwarten und blieb mit den Hauptkräften in den erkämpften Stellungen auf dem Ostufer des Styr stehen. Erzherzog Joseph Ferdinand ließ nun die für den Flankenstoß bestimmten Truppen mit Ausnahme der noch bei Ulaniki zurückbleibenden 13. SchD. nach Norden abrücken.
Neue russische Vorstöße an der Ikwa und bei Niv. Aleksiniec Hiezu Beilage 7 sowie Skizzen 6 und 7 (19. bis 23. September)
An der Front der 7. und der Südarmee hatte seit dem 18. September im wesentlichen Ruhe geherrscht. Die Russen waren wieder an den Sereth ausgewichen und hatten dort ihre früheren Brückenkopfstellungen bezogen. Die Kampftätigkeit beschränkte sich auf Aufklärungsgefechte der weit in das Zwischengelände vorgeschobenen Sicherungstruppen. GdK. Pflanzer-Baltin und GdI. Bothmer nutzten die Zeit, um Ordnung in den Verbänden und Reserven zu schaffen und die Stellungen ausbauen zu lassen.
Südlich des Dniester zog Pflanzer hinter dem Korps Henriquez (6. KD., 30. ID.), das seine Linien wieder in das Vorfeld des Brücken-/ kopfes von Zaleszczyki vorgeschoben hatte, eine aus der 5. HKD., der
8. KD. sowie aus einem Regiment der 202. HIBrig. gebildete Armeereserve zusammen. Auf dem östlichen Strypaufer, links vom XIII. Korps (15. und 36. ID.), übernahm das VI. Korps, FML. Arz, mit der 37. HID. und mit der von der Südarmee wieder zur Verfügung gestellten 39. HID. den Abschnitt zwischen Wiśniowczyk und Buczacz. Die 12. ID. wurde bei Buczacz in Reserve gestellt. Das beiderseits der Serethmündung stehende Korps Benigni bestand nunmehr aus der 5. und der 6. ID. und aus der
3. KD., während das XI. Korps Korda wie bisher aus der 42. HID., der halben 202. HIBrig., der 2. polnischen Brig. und aus der Brigade Obstlt. Papp zusammengesetzt war.
Auf dem rechten Flügel der Südarmee hatte das Korps Hofmann nach dem Rückzuge der Russen an den Sereth zwischen Burkanów und Kupczyńce seine früheren Brückenkopfstellungen besetzt und alle seine Truppen (55. ID. verstärkt durch die 131. IBrig. und die Brigade Obst. Bolzano) wieder vereinigt. Das Korps Marschall (3. GID., 48. RD., 19. ID., 38. HID.) mit der zugeteilten 32. ID. stand wie bisher östlich der Niederung Kupczynce—Jezierna und in der Gegend südöstlich von Nesterowce bis zum Sereth. Die dem Korps Marschall noch zugeteilten Regimenter der 51. HID. (HIR. 302) und der 27. ID. (IR. 67) wurden zur
2. Armee abgegeben.
Bei dieser Armee waren einige wesentliche Veränderungen eingetreten. Am 19. September abends machte Böhm-Ermolli die 26. SchD. bei Rostoki frei, um sie mit der hinter seinem Nordflügel eingelangten 46. SchD. zur 1. Armee zurückzusenden, die ihm unterstellt worden war (S. 142). FML. Trollmann, der Kommandant des XIX. Korps, war samt seinem Stabe auf den Balkankriegsschauplatz zur 3. Armee abberufen worden. Die 14. und die 34. ID. sowie die 51. HID. des bisherigen
XIX. Korps wurden dem FML. Schmidt-Georgenegg, Kommandanten des IV. Korps, unterstellt. FML. Kosak übernahm den Befehl über das bisherige IV. Korps, aus dem nunmehr die nach ihm benannte, aus der
27. und der 29. ID. bestehende Gruppe gebildet wurde. Zu ihr traten auch jene Teile der beiden Divisionen zurück, die zunächst als Division GM. Kroupa im Verbände des Korps Czibulka an den linken Flügel der Südarmee, dann aber wieder hinter den rechten Flügel der 2. Armee entsendet worden waren (S. 109 und 126). Teile der 27. ID. wurden als Armeereserve bei Nw. Poczajew bestimmt, während die 29. ID., deren
Kommando GM.Kroupa wieder übernahm,zwischen dem V.Korps(33.ID., 43. SchD.) und dem XVIII. Korps (halbe 31. ID., Masse der 1. LstlBrig., 1. LstHusBrig.) an der Ikwa eingesetzt blieb. Ferner wurde auf dem Südflügel der 2. Armee die 34. ID., die bei Gontowa schwere Verluste erlitten hatte, abgelöst und als Armeereserve hinter das neugebildete IV. Korps nach Załośce zurückgenommen. Die ihr zugeteilte halbe 31. ID. (Brigade GM. Felix) trat zum XVIII. Korps zurück, dessen Kommando an Stelle des FML. Lütgendorf wieder FML. Czibulka übernahm.
Während dieser Truppen Verschiebungen versuchte Gen. Brussilow, im Zusammenhang mit seinem Vorstoß auf Łuck den Gegner durch örtlich gebundene Ausfälle an der Ikwa zu fesseln und ihn an der Entsendung von Truppen an den Nordflügel zu hindern. Am 19. September früh stieß er mit Teilen seines XVII. Korps aus dem Kremieniecer Bergland über den Fluß. Oberhalb von Dunajew wurde das IR. 42 der 29. ID. zurückgedrängt, links davon das dieser Division zugeteilte LstlR. 2 von Süden aufgerollt. Der Einbruch erfaßte ein Frontstück von 8 km und erreichte eine Tiefe von 31/2 km; doch leisteten die anschließenden Truppen der 29. und der 27. ID. der feindlichen Übermacht so lange mutvollen Widerstand, bis Unterstützungen (IR. 75 und 25) heran waren. In gemeinsamem Gegenstoß wurden die Russen über die Ikwa zurückgetrieben. In der Hand der deutschböhmischen*) 29. ID. blieben 800 Gefangene. Ein gleichzeitiger Einbruch bei Sapanow in die dünnen Linien des
XVIII. Korps konnte ebenfalls durch einen Gegenangriff der Reserven wettgemacht werden. Bald darauf, in der Nacht auf den 21. September, wurde die auf dem Nordflügel des V. Korps eingesetzte 33. ID. von Truppen des VII. Russenkorps überraschend angefallen und unter empfindlichen Verlusten auf Łopuszno zurückgedrängt. Dieser örtliche Rückschlag legte in der Flanke der Gruppe Kosak das Ikwaknie bei Rostoki wieder frei.
Auch bei der 1. Armee hatten sich seit dem 19. September Kämpfe entwickelt. Auf dem linken Flügel des II. Korps versuchten die Russen, allerdings ohne jeden Erfolg, die Sicherungen der 25. ID. von den Ikwa-inseln bei Dubno zu vertreiben. Gegenüber dem I. Korps (Teile der
46. SchD. und 9. ID.) und dem Korps Szurmay (40. HID. und 7. ID.) besetzten die vom oberen Stubiel vorgehenden russischen Kräfte das Nordufer der Ikwa und schienen bei Torgowica sowie weiter abwärts auf dem rechten Flügel des IX. Korps die Flußlinie überschreiten zu wollen. Bulgarien hatte mit der Mobilmachung gegen Serbien begonnen, daher Das Infanterieregiment 94 im Weltkrieg, 386 f.
rechnete GO. Conrad damit, daß der Russe seine Angriffe bald auf die ganze Front ausdehnen werde, und mahnte am 22. September seine Armeen neuerlich zu eifrigstem Ausbau der Stellungen.
In der Tat ging Brussilow, unmittelbar nachdem er Łuck erobert hatte, an der Ikwa zu ernsten Angriffen über. Sein Plan ging vielleicht dahin, die Ikwafront durch einen Vorstoß von Norden über Mlynow— Chorupan und durch einen Angriff von Süden bei Rostoki aus den Angeln zu heben.
Am 23. September früh brach zuerst das VII. Russenkorps gegen die 33. ID. des V. Korps bei Łopuszno und auch gegen den rechten Flügel der Gruppe Kosak bei Borszczewka vor. Während der Feind in die tapfer verteidigten Stellungen der 29. ID. auf dem linken Ufer der Ikwa nicht einzudringen vermochte, drohte er, in mehreren Reihen anstürmend, die 33. ID. bei Łopuszno zu durchbrechen. Auf die Nachricht von der schweren Bedrängnis dieser Division stellte GdK. Böhm-Ermolli seine Armeereserve, Teile der 27. ID., bei Nw. Poczajew dem FML. Kosak und die 34.ID. bei Załośce dem FML. Goglia mit dem Aufträge zur Verfügung, die auf Łopuszno vorgebrochenen Russen durch einen doppelseitigen Gegenangriff entscheidend zu schlagen. Außerdem wurde die Masse der zur 1. Armee unterwegs befindlichen 26. SchD. wieder hinter das XVIII. Korps verschoben, da hier die Russen anscheinend ebenfalls angreifen wollten. FML. Kosak überschritt am Nachmittag mit zwei Regimentern der 27. ID. (IR. 65 und 85) bei Łosiatyn die Ikwa und ging zum Gegenangriff auf Rostoki über. Dieser Stoß traf den Feind so hart in der Flanke, daß er seinen Angriff gegen die 33. ID. aufgeben mußte, bevor die von Załośce in Eile herangezogene k.u.k. 34. ID. eingreifen konnte.
Am 24. September bei Morgengrauen versuchten aber Kräfte des russischen VIII. Korps gegenüber dem Nordflügel der 25. ID. bei Dubno den Fluß zu überschreiten. Die auf einer Ikwainsel eingenisteten Sicherungen des Wiener IR. 4 wurden von der feindlichen Übermacht zum Teil vertrieben. Als die Russen über die in Brand gesteckte Brücke auf das andere Ufer Vordringen wollten, gingen die Deutschmeister zum Gegenangriff über. Dieser Gegenstoß aus der Brückenenge heraus zwang den Feind zum Rückzug1). Zur gleichen Zeit drohte aber abwärts von Dubno ein Durchbruch. Hier gelang es dem angreifenden russischen VIII. Korps, im Schutze des Morgennebels nach tapferer Gegenwehr in die südlich der versumpften Flußniederung auf dem Höhenrand von
1) Hoen, Waldstätten-Zipperer und Seifert, Die Deutschmeister, 516 ff.
Chorupan erst im Bau befindlichen Stellungen der 9. ID. einzudringen. Doch brachte das äußerst wirksame Flankenfeuer, das eine Batterie der sFHD. 2 der benachbarten 25. ID. auf den Höhen westlich von Dubno abgab, das Vorgehen der Russen alsbald zum Stillstand1). Auch hatte FZM. Puhallo schon mit russischen Angriffen gerechnet und tags zuvor die 51. SchBrig. der 26. SchD. in die Gegend südwestlich von Dubno herangezogen. Diese Brigade wurde am Nachmittag gemeinsam mit Truppen der 9. ID. zum Gegenangriff auf Chorupan angesetzt. Der Gegenstoß hatte vollen Erfolg. Die Russen mußten das Südufer der Ikwa auf geben und ließen rund 1500 Mann als Gefangene in den Händen der Sieger zurück.
Örtliche Vorstöße des russischen XII. Korps, die sich gegen das Korps Szurmay und auch gegen das benachbarte IX. Korps der 4. Armee richteten, waren inzwischen ebenfalls abgeschlagen worden. Damit war am Abend des 24. September der Angriff der Armee Brussilow an der Ikwa verebbt. Dagegen hatte Gen. Schtscherbatschew noch am selben Tage auf dem rechten Flügel der russischen 11. Armee das VI. Korps gegen Nw. Aleksiniec vorbrechen lassen. Dieser Ausfall erfolgte plötzlich und bei dichtem Morgennebel gegen die 51. HID., deren erholungsbedürftige Truppen anscheinend nicht entsprechend gesichert waren. So gelang es den Russen, diese Division auf ihrem Nordflügel zu durchbrechen und aufzurollen. Drei ihrer Regimenter wurden im Rücken gefaßt und gerieten zum großen Teil in Gefangenschaft. Wieder wurden bei diesem Stellungskampfe die geringen örtlichen Reserven in das Unheil mit hineingerissen. Zudem verirrte sich auch die unzweckmäßig auf gestellte Divisionsreserve in dem nebelumhangenen welligen Gelände und konnte daher die verzweifelte Lage nicht mehr retten. Die zerschlagene 51. HID. mußte Nw. Aleksiniec aufgeben und mit ihren Trümmern — es waren etwa noch 1000 Streiter — westwärts gegen Zagórze weichen. Die bedächtig vorgehenden Russen stießen über Nw. Aleksiniec nicht kräftig nach; doch kam auch die am Nachmittag vom FML.Schmidt-Georgenegg zum Gegenangriff angesetzte Korpsreserve bald zum Stehen.
FML. Goglia, der inzwischen in der Mitte des V. Korps die von Załośce eingelangte 34. ID. zwischen der 43. SchD. und der 33. ID. eingeschoben hatte, sollte ursprünglich am 24. September in Fortsetzung des von FML. Kosak bereits begonnenen Vorstoßes (S. 149) die Linie Rostoki—Goryńka Bol. gewinnen, um die tiefe Flanke der Gruppe Kosak
*) Das selbständige Artillerieregiment des Bundesheeres begeht in der Erinnerung an diesen Kampf seinen Regimentsgedenktag.
südlich der Ikwa zu sichern. Auf die Nachricht von dem schweren Rückschlag bei der 51. HID. ließ jedoch GdK. Böhm-Ermolli dieses Unternehmen einstellen und trug dem FML. Goglia auf, eine Infanteriebrigade der 33. ID. nach Zagórze zu entsenden. Dort hatte auch die 43. SchD. auf ihrem rechten Flügel dem Feinde Raum gegeben.
Inzwischen eilten auch von Süden her ansehnliche Verstärkungen heran. Schon am 23. September, als die Russen das V. Korps bei Rostoki angriffen, war GdK. Böhm-Ermolli an die Heeresleitung mit der Bitte herangetreten, ihm die 32. ID., die noch dem Korps Marschall zugeteilt war, zurückzugeben. Diese Division wurde hierauf von der Heeresleitung am 24. vormittags wegen der sehr bedrohlichen Lage auf dem Südflügel der 2. Armee von Nesterowce nach Załośce beordert. Bei Nw. Aleksiniec und auf dem rechten Flügel des IV. Korps bei der 14. ID. kam der Kampf am Abend zum Stillstand.
Am nächsten Tag, dem 25., ging FML. Schmidt-Georgenegg, dem der Befehl über die auf seinem Nordflügel eingelangten Truppen (32. ID. und halbe 33. ID.) übertragen wurde, auf Weisung des GdK. Böhm-Ermolli zum Gegenangriff über, der nach hartem, mühseligem Kampfe zur Wiedereinnahme des größten Teiles der verlorenen Stellungen bei Nw. Aleksiniec führte und 700 Gefangene einbrachte. Neuerliche russische Vorstöße, die sich im Verlaufe des Tages bei Gontowa und bei Mszaniec gegen die 14. ID. richteten, wurden abgewiesen.
Dieser Abwehrerfolg behob die größten Sorgen wegen einer Umgehung der Ikwafront. Aber noch immer schien die Angriffskraft der Russen nicht gebrochen; starkes Geschützfeuer, das sich gegen Ende des Monats September auch auf den Nordflügel der Südarmee ausdehnte, ließ mit der Wiederaufnahme der feindlichen Vorstöße auf Nw. Aleksiniec rechnen. Angesichts dieser andauernden Bedrohung zog GdK. Böhm-Ermolli am 27. die Masse der 26. SchD., die sich zurZeit hinter dem XVIII. Korps befand, nach Zagórze heran. Außerdem ließ die Heeresleitung die 37.HID., die mittlerweile auf dem Südflügel des VI. Korps bei Buczacz von der
12. ID. (S. 132) abgelöst worden war, mit der Bahn nach Brody fahren, um sich dort eine Heeresreserve für die Ikwafront zu bilden.
Die Russen beschränkten sich jedoch hier auf kleinere Angriffsunternehmungen, die nicht durchdrangen. Dagegen holte ihr VI. Korps, wie erwartet, am 28. früh noch einmal zu einem Schlage bei Nw. Aleksiniec aus. Auch diesmal gelang es den Russen, nach kurzem, aber heftigem Artilleriefeuer in die Stellungen des Gegners einzudringen. Im Gegenangriff sollten die auf dem Nordflügel des öst.-ung. IV. Korps befindliehen Kräfte (51. HID., 32. ID. und halbe 33. ID.) die verlorenen Gräben zurückgewinnen. Der Stoß hatte aber keinen Erfolg aufzuweisen. Dem FML. Schmidt-Georgenegg blieb daher nichts anderes übrig, als auf die Zurückeroberung von Nw. Aleksiniec zu verzichten. Er wollte nunmehr eine Linie knapp westlich des Ortes halten. Mit dieser Absicht war GdK. Böhm-Ermolli einverstanden. Die lang andauernden Kämpfe auf dem Südflügel der 2. Armee hatten zu einer bedenklichen Vermischung der Truppen des V. und des IV. Korps geführt. Es sollten jetzt vor allem die Verbände wieder geordnet und die 51. HID., deren Ablösung schon äußerst dringend geworden war, aus der Front als Armeereserve nach Załośce gezogen werden.
In Anbetracht der immer wieder eintretenden Teilrückschläge hatte GdK. Böhm-Ermolli inzwischen bei den betroffenen Divisionen (14., 33.,
34., 51.) Erhebungen pflegen lassen. In den eingehenden Berichten wurden die Leistungen dieser Truppen als vorzüglich bezeichnet. Sie hatten, wie auch die Regimenter aller anderen Divisionen der 2. Armee, in drei Durchbruchsschlachten, bei Gologory, Złoczów und bei Podkamień, ge-fochten und standen dann wieder seit dem 9. September fast ununterbrochen im aufreibenden Ringen. Die beklemmende Tatsache, daß selbst örtlich begrenzte Einbrüche zur Aufgabe benachbarter, oft nicht einmal ernstlich angegriffener Frontteile geführt hatten, wurde vor allem den Mängeln des damaligen Verteidigungsverfahrens zugeschrieben. In der vordersten Linie war fast die ganze Kampfkraft eingesetzt. War der Feind dort eingedrungen, so konnte er von der Einbruchsstelle aus fast hemmungslos den rechts und links angrenzenden Frontteilen in den Rücken kommen, da die schwachen, knapp hinter dem ersten Graben aufgestellten örtlichen Reserven einfach hinweggeschwemmt wurden oder v/egen fehlender Bewegungsfreiheit von Haus aus nur zur frontalen Wirkung kamen. Dazu riß nicht selten gerade in den allerkritischesten Augenblicken die Drahtverbindung zwischen den höheren Befehlsstellen und den Truppen. Auf diese Weise gelangte die Führung oftmals zu spät in Kenntnis der wirklichen Lage, so daß der feindliche Einbruch vielfach großen Umfang annahm, ehe die Hauptreserve in wirksamer Richtung zum Gegenangriff angesetzt werden konnte. Allein neben den Übelständen des Verteidigungsverfahrens waren die Ursachen der Rückschläge auch bei der niederen Gefechtsführung und in der mangelhaften Ausbildung des Ersatzes zu suchen. Und abgesehen davon war die Kampfkraft der Truppen naturgemäß schon herabgemindert. Namentlich bei den Regimentern mit unzuverlässigem Ersatz begann in den Tagen außerordentlicher Anstrengungen der Wille zur äußersten Pflichterfüllung und Kraftanspannung nachzulassen.
Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Truppen mußten aber auch weiterhin hochgespannt bleiben. Denn gerade in den letzten Septembertagen gab die Heeresleitung neue Anordnungen über den Stellungsbau aus. Entsprechend den bisherigen Erfahrungen im Westen sollten nach allgemeinen Weisungen der Heeresleitung drei hintereinanderliegende Linien mit Zwischenstellungen und Riegeln zur Eindämmung allfälliger Einbrüche des Feindes angelegt werden. Der Ausbau der Stellungen und der unablässige Sicherungsdienst rieben die Kräfte der ersten Linie auf; mangels von Reserven konnte eine Ablösung kaum erfolgen. Aber auch alle hinter der ersten Linie befindlichen Truppen der Kampffront waren in unausgesetzter Tätigkeit. Sie wurden zum Bau der zweiten und der dritten Linie herangezogen, sie mußten Verbindungs-, Zu- und Abgangswege schaffen oder wurden in Gewaltmärschen bald hierhin, bald dorthin gezogen, wo eben neue Kämpfe entbrannten.
Die zweite Offensive gegen Rowno
Der Flankenstoß der Gruppe Gerok (23. bis 28. September)
Hiezu Beilagen 7 und 8
Während die 2. Armee unter solchen großen Mühsalen auch in der zweiten Schlacht bei Nw. Aleksiniec ihre Walstatt bis auf geringen Geländeverlust ehrenvoll behauptete, war auf dem Nordflügel ein völliger Umschwung der Lage zugunsten der 4. Armee eingetreten. Den Auftakt dazu hatte die Heereskavallerie im Polesie bereits vor dem Rückschlag von Łuck gegeben.
Schon am 19. September hatte die deutsche 5. KD. beiLubieszów den Stochod überschritten, um gegen den Styr vorzugehen (S. 142). Als die deutschen Reiter bei Zeleznica auf Widerstand stießen, den sie nicht zu brechen vermochten, ersuchte GLt. Heydebreck die 11. HKD., die noch hinter dem Stochod stand, um Unterstützung. Diese Division konnte erst am nächsten Tag, dem 20., über den Fluß gelangen, da sie die Übergänge zerstört hatte. Am gleichen Tage mittags wurde auch GdK. Hauer durch den Erzherzog Joseph Ferdinand beauftragt, mit seinem Kavalleriekorps (11. HKD., 9., 1. und halbe 2. KD., 1. und halbe 3. polnische Brig.) an den Styr vorzudringen, um dem über den Pripiatjübergang Łubiaż anmarschierenden deutschen XXIV. RKorps, GdI. Gerok (1. und 22. ID.), den Weg in die Flanke der russischen 8. Armee zu öffnen (S. 141).
GdK. Hauer schickte seine Streitkräfte in Staffeln vom linken Flügel gegen den Styr vor. Es kam zu zahlreichen Kämpfen mit dem russischen Reiterkorps Gillenschmidt (2. komb. KosD., 3.GKosD., 16. KD., 3.kauk. KosD., Teile der 77. RD.), das auf seinem Nordflügel durch die 83. RD. der russischen 3. Armee verstärkt worden war und sich auch dort in der Höhe von Żeleznica gegenüber der deutschen 5. KD. behauptete. Die öst.-ung. Kavalleriedivisionen und die polnischen Legionäre drängten indes den schwächer gehaltenen Südflügel des russischen Reiterkorps zurück.
Am 23. September, an welchem Tage Łuck in russische Hände fiel (S. 145), erreichte die ll.HKD. bereits die Linie Jeziercy—Galuzia und schob ihre Vortruppen gegen den Styr vor. Die Polnische Legion vertrieb bis zu diesem Tage die Russen aus Trojanowka und aus Maniewicze, während die 9. KD. bei Okonsk und bei Jabłonka auf Gegenwehr stieß.
Hinter diesem Kavallerieschleier rückte das Korps Gerok über die Stochodbrücke von Rudka—Czerwiszcze heran. Am 24., knapp vor der Ankunft der deutschen Spitzenbrigade, gelang es der 9. KD., die Russen aus dem Raum von Okonsk—Jabłonka gegen Osten zu drängen. Die
1. KD., verstärkt durch die halbe 2., war inzwischen aus der Landenge zwischen Stochod und Styr vorgebrochen, hatte russische Reiterei aus Borowicy und aus Kopyli vertrieben und griff am 25. den Brückenkopf von Kołki an, .der noch am Abend von der herbeigeeilten Spitzenbrigade der ostpreußischen 1. ID. erstürmt wurde.
Damit waren für Linsingens Flankenstoß die Vorbedingungen geschaffen. Es sollte am 26. September das XXIV. RKorps unter dem Befehl des Kommandanten der deutschen 1. ID., GLt. v. Conta, den Styr bei Kołki überschreiten, indes sich das XVII. Korps, GdI. Křitek (11. ID., 41. HID. und die zugeteilte 13. SchD.), das mittlerweile an den linken Flügel der 4. Armee herangezogen worden war (S. 146), an Stelle des KavKorps Herberstein bei Borowicy, Sokul und bei Kol. Czeben für den Vormarsch bereitzustellen hatte. Am nächstfolgenden Tag (27. September) sollten die Korps Conta und Křitek unter dem Oberbefehl des GdI. Gerok aus der Linie Kolki—Sokul—Kol. Czeben gegen den Nordflügel des gegenüber der 4. Armee stehenden Feindes zum Angriff schreiten. Dabei hatte der rechte Flügel der aus den beiden zuletzt genannten Korps sowie aus der Heereskavallerie neugebildeten Gruppe Gerok die Richtung auf Rowno zu nehmen. Die nunmehr aus dem X., dem XIV.
und dem IX. Korps zusammengesetzte 4. Armee sollte sich vom linken Flügel aus allmählich dem Vorgehen der Gruppe Gerok anschließen, dem Feind aber sofort über den Styr ostwärts nachstoßen, falls er zurückging. Das KavKorps Hauer und das ihm auf dem linken Styrufer nachzusendende KavKorps Herberstein (halbe 2., 4. und 7. KD., verstärkt durch zwei Regimenter der Polnischen Legion) hatten die linke Flanke der Gruppe Gerok zu decken. Dazu erhielt GdK. Hauer den Auftrag, über den Styr zwischen Kolki und Mulczycy zu gehen, um dann links im Anschluß an das XXIV. RKorps gegen die Bahn Rowno— Samy vorzudringen. Die 11. HKD. wurde mit ihrer Hauptkraft an den Südflügel der deutschen 5. KD. in Marsch gesetzt und dem GLt. Heyde-breck unterstellt. Dieser war beauftragt, mit seinen beiden Kavalleriedivisionen die Russen aus dem Raume östlich von Jeziercy—Żeleznica und aus dem Mündungswinkel zwischen Styr und Pripiatj zu vertreiben.
Auf die Meldung von diesen Absichten des GdI. Linsingen wurden in Teschen vom GM. Metzger Bedenken gegen die Mitwirkung der 4. Armee an dem bevorstehenden Angriff erhoben; denn eine wesentliche Entspannung der Lage war schon seit dem 24. September bei der 4. Armee eingetreten, die schon so dringend Rast und Ruhe brauchte. Es schien, daß die Russen den von der 4. Armee anfangs erwarteten Vorstoß aus Łuck heraus aufgegeben hatten und sich am Styr verteidigen wollten. War es unter diesen Umständen nicht besser, sich ebenfalls auf das Halten der Styrlinie zu beschränken? Allein, an dem einmal gefaßten Entschlüsse konnten diese Erwägungen nichts mehr ändern; schon deshalb, weil GO. Conrad nach dem, was vorangegangen war, neue Rückschläge bei der 4. Armee befürchtete und zu deren vollen Entlastung den Flankenstoß der Gruppe Gerok für geboten hielt. Dies umsomehr, als sich gegenüber der 4. Armee noch immer die Hauptkräfte der 8.Russenarmee (Masse des XII., ferner XXXIX. und XXX. Korps) befanden, während gegenüber dem KavKorps Herberstein und dem anrückenden XXIV. RKorps nur verhältnismäßig schwache Kräfte (das Reiterkorps Weljassew) standen. Hier schien also begründete Hoffnung auf guten Erfolg zu bestehen; vielleicht gelang es sogar, doch noch Rowno zu nehmen.
Räumung von Łuck durch die Russen
Nun hatte aber Gen. Brussilow am 25. September von dem Reiterkorps Gillenschmidt und von seinen Fliegern bereits sichere Kunde über den Anmarsch deutscher Truppen nach Kolki erhalten1), deren Stärke
*) Broussilov, 158f£.5 Zäjontschkowskij, Der Bewegungskrieg, 372.
auf zwei bis drei Infanteriedivisionen geschätzt wurde. Trotz dieser Gefahr, die den russischen Nordflügel bedrohte, wollte Brussilow Łuck und die Styrlinie nicht wieder aufgeben. Er wies sofort das XXX. Korps, verstärkt durch die 4. SchD. und die 7. KD., nach Kołki und nahm überdies eine Infanteriedivision aus der Armeemitte als Reserve in den Raum von Klewań—Ołyka zurück. Aber sein Oberbefehlshaber, Gen. Iwanow, den er von seinen Maßnahmen rasch in Kenntnis gesetzt hatte, telegraphierte ihm am Abend, er solle unter dem Schutze der Nacht in die Linie Berestiany—Ołyka—Młynów zurückgehen, um nicht von Rowno abgeschnitten zu werden. Das verstärkte XXX. Korps sei in Eilmärschen nach Garajmowka und nördlich davon in die Wälder am Kormin zu senden, um von dort aus dem Gegner beim Marsche von Kołki auf Rowno überraschend in die Eianke zu fallen. Brussilow erhob Einwendungen gegen dieses Manöver. Er könne den weiten Rückzug bis an die Putilowka nicht über Nacht bewerkstelligen und müsse starke Nachhuten mit Artillerie am Styr zurücklassen, um den ungestörten Abmarsch zu sichern. Auch würde den Deutschen der Aufmarsch des XXX. Korps am Kormin nicht lange verborgen bleiben, und überhaupt könnten sich dort in dem Wald- und Sumpfgelände die Truppen nur schwer entwickeln. Daher wolle er doch lieber am Styr stehenbleiben und dort die Schlacht annehmen. Allein Iwanow beharrte auf seinen Entschlüssen und befahl die rasche Durchführung seiner Anordnungen.
Während sich die Russen in der Nacht auf den 26. vom Gegner lösten, war Erzherzog Joseph Ferdinand mit der Vorbereitung des bevorstehenden Angriffes beschäftigt. Um die Ordnung unter seinen Verbänden wiederherzustellen, ließ er die halbe 21. SchD. und die halbe
2. ID. aus der Front des XIV. Korps nehmen und mit den Resten ihrer Divisionen, die 21. SchD. auf dem rechten Flügel des X. Korps, die 2. ID. auf dem linken Flügel des IX. Korps, vereinen. Daß der Feind über Nacht bei Łuck das Westufer des Styr geräumt hatte, überdies auch vor den anderen Frontabschnitten der 4. Armee und vor dem linken Flügel der 1. Armee abgezogen war, wurde erst am 26. früh erkannt. Der Erzherzog befahl nun seinen Truppen sofort, über den Styr zu gehen. Den schwierigen Übergang vermochten sie aber erst am Nachmittag zu beginnen, da die Überschiffung und der Bau der Brücken viel Zeit erforderten. Am Abend war das IX. Korps (10. und 2. ID.) bei Borzemiecund bei Jałowiczy über den Fluß gelangt. Die 45. SchD. des XIV. Korps rückte ungehindert durch Łuck hindurch und in die früheren Brückenkopfstellungen ein; unterhalb der Stadt überschritten die 62. und die 4. ID. des
X. Korps den Fluß. An der ganzen Front der 4. Armee ging die Fühlung mit dem Feinde, der sich anscheinend an die Putilowka zurückzog, verloren.
Bei der Gruppe Gerok rückte das XVII. Korps (13. SchD., 11. ID. und 41. HID.) am 26. September an Stelle des KavKorps Herberstein in den Styrabschnitt Kol. Czeben—Borowicy ein und bereitete sich zum Übergang vor. Das XXIV. RKorps nahm an diesem Tage Kołki in Besitz und faßte dort mit einer Brigade der 1. ID. auf dem Südufer festen Fuß; links davon schob die 22. ID., von Okonsk kommend, ihre Linien nahe an den Fluß heran. Hier blieb die Lage zunächst ungeklärt. Es schien jedoch, daß die Russen das vor der Gruppe Gerok festgestellte Reiterkorps Weljassew durch Kräfte verstärkten, die vor der Front der
4. Armee freigeworden waren. Am 27. September hatte die Gruppe Gerok mit aller Kraft südostwärts vorzustoßen. Die 4. Armee sollte den Vormarsch nach Osten fortsetzen, Nachhuten, die ihr den Weg verlegten, waren zurückzuwerfen und der Feind planmäßig und mit zusammengefaßter Kraft anzugreifen, falls er sich an der Putiłowka zu ernstem Widerstand stellen sollte.
Ein Stoß der 1. Armee von Süden her bot vielleicht die Möglichkeit, die Russen vor Rowno in die Zange zu nehmen. GdI. Linsingen trat daher noch am 26. an die k.u.k. Heeresleitung mit der Bitte heran, ihm die 1. Armee zu unterstellen oder ihr aufzutragen, daß sie sich vom linken Flügel aus dem Angriff der 4. Armee anschließen und mit starkem, rechts gestaffeltem rechtem Flügel entlang der Straße Dubno—Rowno vorgehen möge. GO. Conrad lehnte zwar die Unterstellung der 1. Armee unter deutschen Oberbefehl ab; doch wies er sie sofort im Wege des Heeres-gruppenkmdos. Böhm-Ermolli in dem Sinne an, wie es GdI. Linsingen vorgeschlagen hatte. Allerdings empfahl GdK. Böhm-Ermolli dem FZM. Puhallo, den Feind sofort, besonders mit dem zu verstärkenden rechten Flügel, anzufassen, um zu verhindern, daß er Kräfte nach Norden abziehe. Auf diese Weisung antwortete FZM. Puhallo, daß er die 46. SchD., die sich zur Zeit hinter dem Korps Szurmay in der zweiten Linie befand, an seinen rechten Flügel heranziehen werde. Doch schien ihm ein Angriff von Dubno über die versumpfte Ikwaniederung erst möglich zu sein, bis er mit seinem linken Flügel unterhalb der Stadt auf das nördliche Flußufer vorgedrungen wäre. Zur Unterstützung der Heeresgruppe Linsingen werde die 1. Armee aber das Möglichste beitragen.
Das Korps Szurmay (40. HID. und 7. ID.) hatte inzwischen bei Tor-gowica und bei Młynów die Ikwa überschritten. Den Vormarsch fortsetzend, kam das Korps am 27. September mit seinem linken Flügel bis über die Straße Dubno—Łuck hinaus. Vor dem I. und dem II. Korps hielten die Russen jedoch hinter der Ikwa die bisherigen Linien.
Bei der 4. Armee wurden in der Nacht auf den 27. September alle Kräfte auf das rechte Styrufer gezogen. Die 62. und die 24. ID., die am meisten gelitten hatten, kamen für einen weiteren Angriff nicht in Frage und wurden bei Łuck als Armeereserve zurückbehalten. Die erstgenannte wurde anfangs Oktober aufgelöst; ihre Truppen gelangten zum Großteil zur 1. Armee. Der Vormarsch der Masse der 4. Armee gegen die Putilowka erfolgte ohne Kampf. Vom IX. Korps kam die 10. ID. am 27. September bis Ujezdcy und vertrieb dort russische Reiterabteilungen. Das XIV. Korps (3. ID. und 45. SchD.) erreichte ohne Zwischenfall den Raum südlich von Romanow, links davon gelangte das X. Korps (21. SchD. und
4. ID.) auf gleiche Höhe.
Gegenüber der Gruppe Gerok waren die Russen in der Nacht zurückgewichen. DasX VII. Korps ging unbehindert bei Kol. Czeben (13. SchD.), bei Sokul (41. HID.) und bei Borowcy (11. ID.) über den Styr und rückte noch am 27. September bis in die Linie Sikiriczy—Trostieniec vor. Das XXIV. RKorps fand in den Wäldern südlich von Kolki heftigen Widerstand, konnte aber mit der 1. ID. bis Żurawicze, mit der 22. ID. bis in die Gegend westlich von Czernysz Vordringen. Das russische Reiterkorps Weljassew schien aus diesem Raume ostwärts hinter den Kormin abgezogen zu sein. Das Kmdo. des russischen XXX. Korps war nach einem aufgefangenen Funkspruch von Derażno nach Bol. Stydynie, die russische 7. KD. nach Ml.Mick verlegt worden. Dies ließ vermuten, daß die Russen vor der Front der 4. Armee freigewordene Kräfte nordwärts zogen, und daß sie die Absicht hatten, mit der durch Infanterie verstärkten Heereskavallerie dem XXIV. RKorps in die Flanke zu fallen. GdI. Linsingen berichtete über diese noch im Verlaufe des 27. September gewonnene Auffassung nach Teschen, eine Umfassung westlich des Horyń sei wegen des schleunigen Rückzuges der Russen nicht mehr möglich. Dem Angriffsflügel müsse jetzt die Richtung nach Osten und Nordosten gegeben werden, um den Feind zunächst über den Horyń abzudrängen. Das Ziel der Vorrückung sei Rowno. „Ob dieses Ziel durch unaufhaltsames Vorgehen der Gruppe Gerok und der Kavallerie über den Horyń gegen die Bahn Rowno—Sarny verfolgt werden kann oder ob noch westlich des Horyń eine Umgruppierung nötig ist, können erst die nächsten Ereignisse sagen.“
Dieser veränderten Lage entsprechend, wurden vom Heeresgruppenkmdo. Linsingen die Befehle für den 28. gegeben. Die 4. Armee sollte sich an die Putilowka heranschieben. Stellte sich dort der Feind zu ernstem Widerstand, so war er erst anzugreifen, bis alle Korps der 4. Armee und auch der linke Flügel der 1. Armee auf gleiche Höhe heran waren. Ging er aber zurück, so war ihm sofort auf das östliche Flußufer zu folgen. Von der Gruppe Gerok hatten das XVII. Korps über Karpilowka und Silno, das XXIV. RKorps über Berestiany und Garajmowka vorzugehen. Das KavKorps Herberstein (2., 4., 7. KD. und halbe 3. poln.Brig.), das sich zur Zeit bei Rażnicze—Kopyli befand, erhielt den Auftrag, bei Kolki über den Styr zu gehen und dann links vom XXIV. RKorps in nordöstlicher Richtung vorzustoßen, um dem KavKorps Hauer den Weg über den Styr zu öffnen.
Hauers Streiter (1., 9. KD., 1. polnische Brig.) hatten inzwischen nach fünftägigen Kämpfen den Feind vollends aus den Moordörfern und Sumpfwäldern des Styrbogens von Czartorijsk vertrieben und das Westufer nördlich von Czartorijsk bis Mulczycy besetzt. Noch weiter nördlich war das KavKorps Heydebreck bis in die Gegend von Kuchocka Wola und an den Wiesioluchaabschnitt vorgedrungen. Doch schienen die Russen aus der Front nördlich des Pripiatj die ganze 77. RD. mit der Bahn über Sarny herangezogen und nach Rafalowka gewiesen zu haben.
Mit begreiflicher Spannung sah man beim Heeresgruppenkmdo. Linsingen den weiteren Nachrichten entgegen. Am 28. drückten das Korps Szurmay der 1. Armee und die 4. Armee die vor ihrer Front stehenden russischen Sicherungen nach Osten zurück, sahen sich dann aber nach kurzer Vorrückung stark befestigten Stellungen gegenüber, die sich von Młynów über Dorogostaj und Koryto bis Pełża hinzogen und dann über die Höhen westlich von Olyka sowie entlang der Putilowka bis nördlich von Moszczanica verliefen. Von da verschleierte das durch Infanterie verstärkte Reiterkorps Weljassew beiderseits von Karpilowka und am Kormin den Aufmarsch des XXX. Russenkorps. Die Gruppe Gerok stieß am 28. gegen diesen Feind vor. Das XVII. Korps, das die 11. ID. in die zweite Linie genommen hatte, vertrieb mit der 13. SchD. schwächeren Feind aus Moszczanica, während die 41. HID. bei Silno den russischen Kavallerieschleier durchstieß und noch am 28. den Ort Boguslawka erstürmte. Die 1. ID. des XXIV. RKorps drängte bis auf die Sandhöhen von Berestiany vor, die 22. ID. bemächtigte sich der Ortschaft Czernysz, traf dann aber vor Garajmowka auf starken Widerstand. Links davon bis zum Styr rückte am Abend das über Kołki nachgezogene KavKorps Herberstein mit zwei Kavalleriedivisionen in die Front ein.
GdI. Linsingen rechnete nach aufgefangenen russischen Funksprüchen und anderen Meldungen im Verlauf des 28. in steigendem Maße damit, daß sich die Russen am Kormin und auch weiter nördlich im Styrabschnitt von Rafalowka verstärkten. Dadurch wurde es erwünscht, stärkere Kräfte bei Kolki anzusammeln, von wo man sie beim XXIV. RKorps einsetzen oder auch dem KavKorps Hauer rasch zuführen konnte. Die 11. ID., die sich zur Zeit bei Silno befand, erhielt daher noch am 28. den Befehl, als Heeresgruppenreserve nach Kolki zu rücken. Ob sich die Absicht, die Russen über den Horyń zu werfen, noch erreichen ließ, war zur Zeit nicht zu übersehen. GdI. Linsingen setzte daher für den 29. beschränkte Ziele. GLt. Conta wurde angewiesen, mit seinen beiden Infanteriedivisionen und mit dem KavKorps Herberstein, das ihm unterstellt wurde, die noch westlich vom Kormin stehenden russischen Kräfte zu vertreiben; den Vormarsch gegen den Horyń sollte er einstweilen nicht fortsetzen. Desgleichen hatte das XVII. Korps erst im Einklang mit der 4. Armee weiter vorzugehen, die am 29. die russischen Linien an der Putilowka angreifen, dann aber ebenfalls vorläufig stehenbleiben sollte.
Das Verebben des Bewegungsfeldzuges Hiezu Beilagen 3 und 8 sowie Skizze 8
Die Ereignisse nördlich des Polesie (8. bis 27. September)
An der Heeresfront nördlich vom Pripiatj hatte das Vorgehen der Heeresgruppen Hindenburg und Prinz Leopold von Bayern die Russen in der zweiten und dritten Septemberwoche weit nach Osten zurückgedrängt. Am 18. September fiel Wilna. Unter heftigen Kämpfen gelangte bis zum 25. die 10. Armee bis in die Gegend westlich von Smorgon, die
12. bis an die Bieriezina (östlich von Lida), die 9. Armee und die Armee Woyrsch bis an die Szczara.
Das k.u.k. XII. Korps hatte bei diesem Vormarsch wiederum ein gutes Stück Arbeit geleistet. Nachdem die Russen von der Jasiolda abgezogen waren, hasteten am 8. September die 16. und dahinter die 35. ID. in einer einzigen Kolonne auf der von Truppen und flüchtendem Volk überfüllten, durch Regen in einen Morast verwandelten Dammstraße über Michalin vorwärts, um in den Kampf des um diese Zeit schon an der Różanka schwerringenden Landwehrkorps einzugreifen. Nach aufreibendem Marsche rückte am 9. die 16. ID. ohne Geschütze in die Kampf-linie ein und eroberte auf den Sandhügeln westlich von Kosowo in zweitägigem hartem Ringen einige Stützpunkte. Die zu Anfang offene rechte Flanke der 16. Division wurde durch das Beskidenkorps gesichert, das nach der Einnahme von Kartuszkaja Bereza mit der deutschen 47. RD. auf Kosowo (nordöstlich von Michalin) vorstieß und am 11. den Feind vertrieb. Am 12. September warfen die Russen bei Kosowo Verstärkungen in den Kampf und bedrängten die 16. ID. auf das schärfste. Unterdessen machte sich im Norden der Druck des Landwehr- und im Süden der des Beskidenkorps fühlbar. Die Russen räumten daher in der Nacht auf den
13. den Różanka- und Zelwiankaabschnitt und wichen auf Slonim zurück. Sie zündeten abermals Gehöfte und Dörfer an, zerstörten alle Brücken und retteten Geschütz und Troß durch den geschickten Widerstand ihrer Nachhuten. Auf schlechten WTegen südlich der großen Straße Różany— Slonim verfolgte das k.u.k. XII. Korps und erreichte schon am 14. nach übermenschlichen Anstrengungen die von Wäldern und von Sümpfen umgebene westliche Szczara. Hinter diesem starken Hindernis stellten sich die Russen neuerlich zum Kampfe. Die deutschen Flieger erspähten hinter den feindlichen Befestigungen Truppenzüge, die sich über Barano-wiczi bewegten. Woyrsch befahl seinen Korps den raschen Vorstoß gegen diesen wichtigen Bahnknotenpunkt.
Demgemäß wollte Kövess, obwohl der Nachschub schon im argen lag, am 15. mit der 35. ID. bei Szylowicze die Szczara überschreiten. Das gelang aber trotz dreitägiger Anstrengungen nicht. Immer wieder zerstörten die russischen Geschütze die Brücke, die die öst.-ung. Pioniere über den versumpften Fluß geschlagen hatten; auch konnte die Infanterie wegen des feindlichen Feuers nicht in Pontons übersetzt werden. Nur bei Slonim erzwang sich das Landwehrkorps am 17. früh den Übergang. Als sich die Russen auf die übergegangenen deutschen Bataillone stürzten, spornte Woyrsch das XII. Korps zum raschen Vorgehen an. In der Tat faßten in der Nacht auf den 18. Truppen der 35. ID. auf dem linken Ufer Fuß. Um diese Zeit waren die Russen schon aus ihren Befestigungen beiderseits von Slonim verschwunden. Das Korps Kövess folgte dem entwichenen Feinde entlang der Straße nach Baranowiczi. Ein Befehl der DOHL. trieb alles zur Eile an, um die Entscheidung zu beeinflussen, die sich in diesen Tagen bei Wilna vorzubereiten schien (S. 142). Die Russen suchten zwar Baranowiczi zuerst an der Luchozwa und dann an der Mu-szanka zu decken. Doch schon am 19. überschritt das XII.Korps kämpfend die Luchozwa. Am 21. und am 22. brach sich die 16. ID. bis in die Gegend südlich von Nowaja Mysz Bahn, und in der Nacht zum 23. ging das Landwehrkorps über den Unterlauf der Muszanka. Nun gaben die Russen iii ii den Widerstand auf. Das XII. Korps stieß dem Feinde ungesäumt nach und erreichte am 23. nachmittags die wichtige Bahnkreuzung Baranowiczi, wo ein Jahr lang die Stawka in Eisenbahnwaggons gewohnt hatte. In den nächstfolgenden Tagen warfen die 16. und die 35. ID. gemeinsam mit den benachbarten deutschen Truppen die letzten russischen Nachhuten über die östliche Szczara zurück.
Damit war die Aufgabe der Heeresgruppe Prinz Leopold von Bayern beendet. Neun Divisionen waren schon Ende August und anfangs September von ihr und von der Heeresgruppe Mackensen teils für den Westen, teils für den geplanten Angriff auf Serbien abgegeben worden. Auch GFM. Mackensen selbst hatte sich am 19. nach Temesvár begeben, um den Oberbefehl der gegen Serbien aufgebotenen Truppen zu übernehmen. Die bisherige Heeresgruppe Mackensen war aufgelöst worden. Am 20. September wurde GdI. Kövess zum Kommandanten der in Südungarn gegenüber von Belgrad aufmarschierenden neuen 3. Armee ernannt. An seiner Stelle übernahm am 28. September FML. Henriquez den Befehl über das XII. Korps. Am 25. September erließ die DOHL. den Befehl zum endgültigen Einstellen der Vorrückung. Die Bugarmee und die Heeresgruppe Prinz Leopold hatten in der Linie Pinsk—Baranowiczi bis zur Bieriezina eine Dauerstellung zu beziehen. Hindenburg sollte sich links davon bis Riga ausdehnen. Der große Angriff der Franzosen in der Champagne war längst im Gange, und die von Falkenhayn schon wiederholt angekündigte Truppenabgabe von der 12. und der 8. Armee für den Westen mußte endlich beginnen. Am 27. September kam auch GFM. Hindenburg zur Überzeugung, daß das glänzend aufgebaute, aber zuletzt doch versandende Manöver von Wilna zu beenden sei. Der Feind stand vor der deutschen 10. Armee mit so starken Kräften, daß es nicht gelang, ihn über Smorgon weiter zurückzudrücken. Die Heeresgruppe Hindenburg bezog daher in der Linie Bieriezinamündung—Naroczsee, dann westlich von Dünaburg, bei Mi tau und westlich von Riga ihre Dauerstellung !).
Beziehen der Dauerstellung südlich vom Pripiatj (29. September bis 2. Oktober)
Als GO. Conrad Nachricht hatte, daß die Heeresgruppe Hindenburg die Offensive auf Minsk in den Rücken der nördlich des Polesie befindlichen russischen Heeresmasse einstellen mußte, war ihm die letzte Hoff-
x) Kuhl, 248 f.; Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, zweiter Teil, 227 f.; Ludendorff, 131 f.
nung auf einen großen, entscheidenden Erfolg geschwunden. Auf seinem Nordflügel in Wolhynien war es zwar inzwischen mit deutscher Hilfe noch einmal gelungen, den Vormarsch auf Rowno wieder aufzunehmen. Die Russen hatten aber die Gefahr, die ihrem Nordflügel durch Lin-singens Flankenstoß drohte, rechtzeitig erkannt und augenscheinlich Vorkehrungen dagegen getroffen. War jetzt die Operation noch erfolgversprechend? Die Truppen der 1. und vor allem der 4. Armee waren am Ende ihrer Kraft und zu weiteren Anstrengungen nicht mehr befähigt. An der Ikwa und in Ostgalizien fochten die öst.-ung. Armeen schon seit drei Wochen in der Verteidigung. Auf diesem Teil der Front reichten Kräfte und Munition ebenfalls nicht aus, um den Angriff mit Aussicht auf Erfolg wieder in Gang zu bringen1). In solcher Lage entschloß sich die k.u.k. Heeresleitung, auch auf dem Nordflügel vorläufig zur Verteidigung überzugehen. Sie befahl am 29. September dem GdK. Böhm-Ermolli, den Angriff am linken Flügel der 1. Armee einzustellen. Gleichzeitig ließ GO. Conrad den GdI. Linsingen wissen, daß die 4. Armee, um ihr große Verluste zu ersparen, an der Putilowka zur Abwehr übergehen möge, dies zum mindesten ,,so lange, bis Klärung der Lage am Nordflügel (Gruppe Gerok) erkennen läßt, ob dort Fortsetzung des Angriffs dauernd Erfolg verspricht“. Daraufhin gab GdI. Linsingen der Armee die Weisung, eine Stellung am Westufer der Putilowka zu beziehen, falls der ihr
*) Nach einer in Teschen verfaßten Zusammenstellung waren von dem Kampfstande des öst.-ung. Nordheeres, der für den 1. September mit etwa 480.000 Mann angegeben wird, bis Ende September über 200.000 Streiter abgegangen. Zu deren Ersatz wurden 120.000 Mann der Marschbataillone (XIV. des Heeres und der Honvéd, XIII. der öst. Landwehr) eingereiht.
Im einzelnen stellen sich die Verluste für diese Zeit des Herbstfeldzuges folgend:
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Summe: 15.955 64.789 40.862 109.280 230.886 Von den Vermißten sind nach den Berichten der Russen an 100.000 Mann in Kriegsgefangenschaft geraten. |
gegenüberstehende Feind nicht am selben Tage, dem 29., seine Stellungen räume. Dies war aber nicht der Fall. Der Angriff der 4. Armee fand, soweit er noch durchgeführt wurde, zähen Widerstand und wurde im Sinne der Weisungen der Heeresleitung denn auch bald eingestellt.
Am Kormin kam es inzwischen zu erheblichen Kämpfen. Dort hatte Brussilow sein XXX. Korps mit dem Reiterkorps Weljassew vereinigt und ging am 29. früh zum Gegenangriff über. Die auf Karpilowka angesetzte russische Kolonne wurde von der Wiener 13. SchD., die ebenfalls Karpilowka angreifen wollte, zum Stehen gebracht. Nachdem GdI. Křitek seine Korpsreserve eingesetzt hatte, wurde dem Feinde Karpilowka entrissen und die Verbindung mit der rechts benachbarten 4. ID. sichergestellt, die ihre Linien bis auf das Westufer der Putilowka südlich von Moszczanica vorgeschoben hatte. Eine andere Kolonne des russischen XXX. Korps, die gegen Boguslawka vorstieß, wurde von Teilen der
41. HID. in die Abwehr gedrängt. Der Angriff der Russen kam daher in dem versumpften Waldgelände nicht recht zur Reife. Allmählich begann der Kampf beim XVII. Korps zu verebben; nur auf dem Nordflügel der Gruppe Gerok ging er noch weiter. Das XXIV. RKorps drängte im Abschnitt von Czernysz die Russen vollends über den Kormin zurück; links davon vermochte sich das KavKorps Herberstein teilweise im Gegenangriff gegen vereinzelte feindliche Stöße zu behaupten. An 3000 Gefangene waren die Beute dieser Kämpfe. Gegenüber den KavKorps Hauer und Heydebreck hatte sich der Feind bei Rafalowka hinter dem Styr und am Wiesioluchabach verstärkt.
So war Ende September an der Putilowka und am Kormin eine fast geradlinige Front entstanden, an der sich Freund und Feind mit gebundener Klinge gegenüberlagen. Nun bedeutete Falkenhayn, der sich mit dem deutschen Hauptquartier wieder nach Méziěres begeben hatte, in einem Telegramm an Conrad, daß für das Korps Gerok und die 5. KD. gleich leistungsfähige öst.-ung. Truppen an die deutsche Front nördlich vom Pripiatj abgegeben werden müßten, falls eine Wiederaufnahme des Angriffs südlich dieses Flusses „in einigen Tagen mit sehr guten Aussichten auf Erfolg“ nicht möglich wäre. Weiters eröffnete der deutsche Generalstabschef: „durch die Abgabe von vier bis fünf Divisionen mehr als ursprünglich vorgesehen für das serbische Unternehmen sind natürlich schon Schwierigkeiten erwachsen. Andrerseits ist es für die allgemeine Lage im Osten sehr erwünscht, dort eine den Russen unangenehme Druckstelle zu behalten.“
Diese Druckstelle wünschte Falkenhayn in Ostgalizien, offenbar um die Russen dort in den kommenden Tagen von einem Durchmarsch durch Rumänien abzuhalten und insbesondere den Rumänen während des Angriffes auf Serbien die Lust zu nehmen, den Bulgaren in den Rücken zu fallen. Aber die Kräfte der Truppen waren erschöpft, die vergangenen schweren Kämpfe hatten den öst.-ung. Armeen in den letzten sechs Wochen insgesamt fast eine Viertelmillion Streiter gekostet. GO. Conrad mußte am
1. Oktober seinem deutschen Kollegen antworten: „Die Fortsetzung der Offensive in Wolhynien und Ostgalizien kann erst nach ausgiebiger Auffüllung der durch die Septemberkämpfe im Stande stark reduzierten Truppen, also keinesfalls vor der zweiten Hälfte Oktober, in Aussicht genommen werden. Ein Hinausgehen über die Linie Sarny—Rowno—galizische Ostgrenze ist auch dann nicht geplant; auch kann die gewünschte Druckstelle nur aufrecht erhalten werden, wenn das Korps Gerok und die 5. KD. auf dem Nordflügel der öst.-ung. Heeresfront verbleiben.“ Dann wies Conrad darauf hin, daß die Russen, durch die Abgaben starker deutscher Kräfte nach Serbien und nach dem Westen entlastet, nunmehr an die wolhynisch-galizische Front Truppen zu verschieben vermöchten, um entweder durch einen Angriff aus der Linie Rowno—Dubno—Tarnopol das öst.-ung. Heer von der deutschen Front zu trennen oder durch einen Schlag in Ostgalizien und in der Bukowina die Rumänen mitzureißen. Um einen russischen Angriff verläßlich abzuwehren, ehe man selbst wieder zur Offensive übergehen und dadurch die deutsche Front nördlich vom Pripiatj entlasten könne, habe er seinen Armeen den Auftrag zum Ausbau einer Dauerstellung und zum Ausscheiden von starken Reserven gegeben.
Falkenhayn hielt jedoch einen erst in der zweiten Hälfte Oktober zu beginnenden Angriff nicht mehr für aussichtsreich, weil die Russen dann schon Verstärkungen herangezogen haben mochten; auch bezweifelte er, daß im Spätherbst in Wolhynien noch große Kriegshandlungen durchführbar wären. So empfahl er am 2. Oktober Conrad, auf alle weiteren Offensivunternehmen zugunsten „einer mit allen Mitteln auszubauenden Dauerstellung“ zu verzichten. Gleichzeitig regte er nochmals an, das Korps Gerok, die deutsche 5. KD. und auch das in Südtirol stehende Alpenkorps durch öst.-ung. Truppen zu ersetzen.
GO. Conrad antwortete noch am selben Tage, daß er schon am
30. September an der ganzen wolhynisch-galizischen Front den Ausbau von Dauerstellungen befohlen habe. „Wie sich die Lage nach Auffüllen der k.u.k. Truppen in der zweiten Hälfte Oktober gestalten wird und ob dann noch ein Angriff möglich ist, wird sich erst Mitte Oktober feststellen lassen.“ Im übrigen versprach jetzt Conrad sein möglichstes zu tim, um den Ausfall des Korps Gerok und der 5. KD. durch öst.-ung. Truppen zu decken. Noch am 2. wurde die bei Radziwilow stehende Heeresreserve, die 37. HID., angewiesen, an den Nordflügel der 4. Armee zu rücken, um die 3. ID. abzulösen. Diese sollte dann die 17. ID. am Isonzo frcimachen, die man Mitte Oktober mit einer zweiten Infanteriedivision und mit der 10. KD. aus Wolhynien an die deutsche Front nördlich vom Pripiatj abzugeben gedachte. Wie sich zeigen wird, wurden aber diese Absichten durch die Russen durchkreuzt.
Die Abwehr neuer Russenanstürme (2. bis 15. Oktober)
Hiezu Beilagen 3, 4 und 8 sowie Skizzen 6 und 7
Gegen Ende September fühlte man sich im russischen Hauptquartier von dem furchtbaren Drucke erlöst, der seit den Tagen von Gorlice die Armeen des Zaren in endlosen Kämpfen um Hunderte von Kilometern zurückgedrängt hatte. Alexejew war es gelungen, den deutschen Vorstoß auf Minsk mit Verstärkungen aus der Heeresmitte aufzufangen. Auch aus Frankreich kamen gute Nachrichten; die großen Materialangriffe der Alliierten im Artois und in der Champagne schienen sich günstig anzuschicken. Der Zar hoffte jetzt, die Deutschen, die durch die Bedrohung ihrer Westfront anscheinend gezwungen waren, von den Russen abzulassen, aus Litauen und aus Kurland zu vertreiben. Im Zusammenhang mit diesem Gegenschlag zwischen Dünaburg und Minsk sollte Iwanow seine Vorstöße gegen das öst.-ung. Heer wieder aufnehmen. Iwanow befürchtete aber, daß mit Hilfe deutscher Truppen alsbald ein neuer Angriff gegen seine Front losbrechen werde, da sich der Gegner in Wolhynien und an der Strypa verstärkt habe.
Demgegenüber legte Alexejew am 29. September seine Ansichten in einem Heeresbefehl dahin fest, daß zur Zeit gegen die galizische Front keine ernsten Offensivhandlungen des Gegners zu befürchten seien. Alle Truppenverschiebungen gälten dort nur der Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes zwischen den kämpfenden Parteien. Einzig und allein gegen den Nordflügel der 8. Armee, den man auch im Hauptquartier für gefährdet halte, ziehe der Gegner eine Stoßgruppe zusammen. Iwanow möge daher die noch verfügbare 125. RD. aus dem Raume von Proskurow— Staro Konstantynów an den Nordflügel leiten. Die 3. Armee der Westfront wurde angewiesen, ihre Truppen südlich vom Pripiatj zu verstärken und dann ihren linken Flügel gemeinsam mit der 8. Armee zum Angriff vorgehen zu lassen1).
Diese Weisungen der Stawka waren für Iwanow der Anlaß, noch am
29. allen seinen Armeen abermals die Aufgabe zu stellen, durch kurze Ausfälle den Gegner zu schwächen und in der Abwehr festzuhalten. Als Auftakt zu diesen neuen Unternehmungen brach Gillenschmidt am 2. Oktober aus dem Brückenkopf bei Rafalowka hervor, um Hauer, der sich im Styrbogen von Czartorijsk festgesetzt hatte, aus der Flanke der Armee Brussilow zu verdrängen. Die beiden Kavalleriedivisionen (l.und 9.) und die polnischen Legionäre vermochten den Vorstoß nicht abzufangen und wichen am 3. bis über die Linie Nowosiełki Galuzia zurück. Um die weitere Ausbreitung der Russen in der Flanke des XXIV. RKorps zu verhindern, stellte GdI. Gerok noch am selben Tage die Hauptkraft der vom XVII. Korps nach Kołki herangezogenen 11. ID. dem Feinde an der Okonka entgegen. Überdies ließ Linsingen, der den Ansturm der Russen gegen das Korps Hauer schon erwartet hatte (S. 150), den linken Flügel der 4. Armee bis Karpilowka ausdehnen und schob die dort freigemachte
13. SchD. an Stelle der deutschen 1. ID. in den Frontabschnitt von Berestiany ein. Conta, der die 1. ID. so rasch als möglich bei Kołki zu versammeln hatte, erhielt den Auftrag, mit dieser Division und mit der 11. ID. den im Styrbogen von Czartorijsk vordringenden Feind in der Flanke anzugreifen und ihn über den Styr zurückzutreiben. Sobald die Stoßgruppe Contas Raum gewann, sollte Hauer mit seinem Reiterkorps nach links zusammenschließen und über Galuzia die- Russen von Norden her fassen. Der Beginn des Gegenangriffes war für den 5. früh festgesetzt.
Zu dieser Stunde verschleierten die am rechten Flügel der Gruppe Gerok stehenden Truppen, das aus der 41. HID. und der 13. SchD. neu zusammengesetzte XVII. Korps, die deutsche 22. ID. und die Reiterdivisionen Herbersteins, durch Geschützfeuer und durch die Tätigkeit ihrer Patrouillen den Angriff Contas. Von Kołki aus wurden auf beiden Ufern des Styr zwei Regimenter der 11. ID. auf Kulikowice angesetzt, bis zu welchem Orte Brussilow seinen Nordflügel gestreckt hatte. Um 10h abends drangen die beiden Regimenter in die Ortschaft ein und schufen sich auf dem rechten Ufer einen Brückenkopf. Gegen den linken Flügel des KavKorps Herberstein unternahmen die Russen zur selben Zeit Entlastungsangriffe, die von der 2. KD. mit Aufopferung abgewiesen wurden. Jenseits vom Styr drangen die Truppen des XXIV. RKorps, rechts die
x) Lemke, 64; Nesnamow, IV, 128.
deutsche 1. ID. und links die Hauptkraft der 11. ID., kampflos durch das Wald- und Sumpfgebiet der Okonka vor. Am Nachmittag fanden sie in der Front Nowosielki—Lisowo so entschiedenen Widerstand, daß die Fortführung des Kampfes auf den kommenden Tag aufgeschoben werden mußte. Linsingen hatte das mittlerweile mit dem linken Flügel bis in die Gegend von Karasin zurückgewichene Korps Hauer wissen lassen, daß sein weites Nachgeben vor dem russischen Vorstoß nicht nötig gewesen sei; ihm wurde nochmals befohlen, durch kraftvolles Vorgehen links von der 11. ID. über Galuzia zur Einkreisung des Feindes beizutragen.
Am 6. waren wie am Vortage Fesselungsangriffe des XVII. Korps und des KavKorps Herberstein am Kormin im Gange. Nördlich vom Styr wurde Nowosielki von einer Brigade der deutschen 1. ID. genommen und in scharfem Nachdrängen der Waldrand westlich von Czartorijsk erreicht. Die andere Brigade der deutschen 1. ID. stand im Kampfe gegen einen Feind in verschanzter Stellung bei Bielgow, die Hauptkraft der 11. ID. hatte ihren Angriff von Nordosten her gegen die Höhen östlich von Lisowo und gegen russische Stellungen angesetzt, die sich über die Bahn bis in die Gegend von Wolczeck erstreckten. Das KavKorps Hauer schloß gegen Galuzia und Sierchowo zusammen.
Tags darauf, am 7., schwenkte die deutsche 1. ID. unter Sicherung gegen Czartorijsk aus der Gegend östlich von Bielgow nach Norden ein und gelangte unter harten Waldkämpfen bis über den W’eg Czartorijsk— Lisowo hinaus. Die Masse der 11. ID. ging entlang der Bahn gegen einen auf den Sandhöhen westlich von Miedwieże eingegrabenen Feind vor, das KavKorps Hauer griff mit den Fußabteilungen der 1. KD. und mit Artillerie bei Wolczeck in den Kampf der 11. ID. unterstützend ein und vertrieb schwächere feindliche Kräfte aus Galuzia und Sierchowo.
Am 8. setzte Conta, unbekümmert darum, daß die Russen seinen Rücken von Czartorijsk her bedrohten, den Stoß nach Norden erfolgreich fort und warf den Feind von den Höhen bei Miedwieże hinab. Die Hoffnung aber, daß das Korps Hauer den auf Rafalowka weichenden Russen den Weg abschneiden werde, blieb unerfüllt, da die 9. KD. im Raume östlich von Kostiuchnowka durch russischen Widerstand gehemmt wurde. Die deutsche 1. ID. ging noch am 8. mit ihren Vortruppen im Flußbogen von Czartorijsk und weiter nördlich bis an den Styr heran, Teile der 11. ID. wandten sich gegen Kolodia. Es bedurfte aber in dem ungeheuren Wald- und Sumpfgebiet noch viertägiger Anstrengungen, bis die Truppen der 11. ID. und das auf dem Nordflügel durch die ll.HKD. verstärkte KavKorps Hauer die vorgesehene Linie Kolodia—Jeziercy erreichten.
Weiter nördlich hatte sich GLt. Heydebreck mit der deutschen 5.KD. nach Abwehr russischer Gegenstöße an den Wiesioluchaabschnittherangearbeitet und stand dort im Anschluß an Hauer starkem Feinde gegenüber.
Während die Heereskavallerie Linsingens und das XXIV. RKorps mit dem Südflügel der russischen 3. Armee kämpften, entfesselte Brussilow an der ganzen wolhynischen Front eine neue Schlacht. Am 7. Oktober früh traten die Reiterei des Gen. Weljassew und das XXX. Korps am Korminbach zum Angriff an. Bei Czernysz wies die deutsche 22. ID. alle Vorstöße ab; auch das von ihr durch zwei Bataillone verstärkte KavKorps Herberstein (4., 2. und 7. KD.) vermochte dem Feinde südlich von Kulikowice standzuhalten. Kritisch gestaltete sich die Lage bei Karpilowka, wo die Russen zwischen dem XVII. und dem X. Korps eine Bresche schlugen. Die 41. HID. wurde auf dem rechten Flügel aus ihren Stellungen geworfen, die südlich im Anschluß fechtende 21. SchD. mußte nach zähem Kampfe Karpilowka aufgeben und westwärts weichen. Die Generale Martiny und Křitek riefen ihre Korpsreserven heran, doch konnte der am Nachmittag angesetzte Gegenstoß in dem Sumpfland nur wenig Raum gewinnen.
Nicht minder schwer machten es die Russen um dieselbe Zeit der 4. Armee an der Putilowka. Hier sollte das XXXIX. Russenkorps an der von Rowno nach Łuck führenden Eisenbahn und an der großen Straße Olyka—Pokaszczewo den Gegner durchbrechen. Durch einen Panzerzug gedeckt, bemühten sich die Russen im Abschnitt der 4. ID., über die Putilowka zu kommen, gerieten aber in ein derart heftiges Artilleriefeuer, daß sie sich nach verlustreichem Kampfe zurückziehen mußten. Weiter südlich drangen sie in den ersten Morgenstunden allerdings in die Gräben der 3. ID. ein; ehe der Abend sank waren aber die heißumstrittenen Stellungen westlich von Olyka durch die Division Horsetzky im Sturm zurückgenommen.
An den inneren Flügeln der 4. und der 1. Armee waren die Höhen von Ujezdcy das Ziel der Vorstöße des russischen XII. Korps. Die 10. ID. und die rechts von ihr eingesetzte 4. IBrig. der 2. ID. vermochten sich unter verschiedenen Schwankungen zu behaupten, dagegen wurde die 7. ID. auf ihrem Nordflügel im Morgennebel aus den Waldungen von Koryto geworfen. Erzherzog Joseph Ferdinand, der in diesem Raume schon einen Stoß der Russen erwartet hatte, zögerte nicht, die hinter dem
IX. Korps bereitgestellte 3. IBrig. der 2. ID. dem FML. Králiček zuzusenden, während Puhallo die hinter dem Korps Szurmay stehende halbe 46. SchD. zum Gegenstoß heranzog. Bevor diese Verstärkungen eingriffen, war es schon den örtlichen Reserven der 7. ID. geglückt, den Feind ein gutes Stück zurückzudrängen1).
Hinter dem IX. Korps hatte das 4. Armeekmdo. am Morgen die nach Chorlupy zur Ablösung der 3. ID. bestimmte 37. HID. anhalten lassen, iim sie nötigenfalls bei Koryto in den Kampf zu werfen. Als dies am Nachmittag nicht mehr nötig erschien, entschloß sich das 4. Armeekmdo., die 37. HID. an den bedrohten Nordflügel des X. Korps zu entsenden, wohin es schon am Morgen die 10. KD. gewiesen hatte.
Am 8. Oktober machten sich am Kormin und an der Putilowka neuerliche Stöße der Russen fühlbar, die überall abgeschlagen wurden. Bei Koryto konnten die alten Stellungen der 7. ID. mit Hilfe der herangezogenen Reserven, Teilen der 2. ID. und der 46. SchD., zurückerobert werden. Dem Feinde wurden bei diesen Kämpfen schwere Verluste zugefügt und über 4000 Gefangene abgenommen. Karpilowka blieb allerdings im Besitze der Russen. Martiny erhielt zwar auf seine Bitte vom 4. Armeekmdo. die halbe 10. KD. mit der Schützendivision und überdies die ganze 37. HID. überwiesen, um diesen Ort zurückzuerobern. Im gemeinsamen Gegenangriff mit der 21. SchD. und mit den Reserven des XVII. Korps konnte aber die Honvéd den Feind nicht völlig aus dem Einbruchsraum von Karpilowka vertreiben. Immer wieder schlug der Russe zurück. Nach viertägigem, fruchtlosem Ringen mußte Linsingen wohl oder übel dem Vorschläge Martinys zustimmen, von weiteren Angriffen vorläufig abzusehen.
Gleichzeitig mit den Stürmen am Kormin und an der Putilowka holte Brussilow an der oberen Ikwa zu einem Schlage gegen den Nordr flügel der Armee Böhm-Ermolli aus. Am 7. zeitlich früh drang die Stoßgruppe des russischen XVII. Korps bei Sapanow in die Stellungen der 31. ID. ein. Reserven des Korps Czibulka wurden unter der Führung des FML. Lütgendorf von Nordwesten her zum Gegenstoß angesetzt. Sie füllten die Bresche, vermochten aber bis zum Abend nicht, die Russen, die sich am Ostrand von Sapanow eingenistet hatten, über die Ikwa zu treiben. In der Nacht und am nächsten Tag, dem 8., wurden neuerliche Stöße der Russen gegen das XVIII. Korps und gegen die Gruppe Kosak abgeschlagen, indes gelang es noch immer nicht, Sapanow dem
x) An diesen Abwehrkämpfen hatte das Wiener FJB. 21 hervorragenden Anteil. Sein Kommandant, Major Joseph Baumann, erhielt für diese Waffentat und für die Führung des IR. 37 in der 10. Isonzoschlacht als Obstlt. das Ritterkreuz des MilitärMaria Theresien-Ordens. Das Wiener FJB. zu Rad Nr. 2 des österreichischen Bundesheeres feiert den 7. Oktober als Gedenktag.
Feinde völlig zu entreißen. Die Artillerie konnte der gut aufgestellten russischen Batterien nicht Herr werden, die Angriffstruppen der 31. ID. und der 1.LstlBrig. hatten schon schwere Verluste erlitten. FML.Czibulka mußte deshalb auf eine Anfrage Böhm-Ermollis am 10. melden, daß der Angriff auf Sapanow auch nach Einsatz eines ihm mittlerweile zugewiesenen Regiments der 29. ID. keinen Erfolg verspreche, wenn man Lütgendorf nicht bald schwere Batterien und der 31. ID. den nötigen Ersatz zuführe.
Den Vorstößen Brussilows hatte sich am 7. Schtscherbatschew angeschlossen. Sein Hauptangriff richtete sich gegen den Nordflügel des Korps Marschall. Während an der Front von der Ikwa bis Mszaniec die Stellungen der 2. Armee nur von der feindlichen Artillerie beschossen wurden, überschritten die Russen östlich von Nesterowce den Sereth-grund. Die hier zusammengefaßten Kräfte des russischen XVIII. Korps warfen die 38. HID. nach schwerem Kampf aus ihren Stellungen zurück. Da ein russischer Durchbruch zwischen der 2. und der Südarmee drohte, holte Bothmer vier Bataillone seiner Reserve, der 3.GID., von Jezierna heran. Überdies setzte Böhm-Ermolli auf Bothmers Bitte von der 26. SchD., die im zweiten Treffen in der Gegend von Zagórze stand, am 8. eine Brigade nach Załośce in Marsch.
Inzwischen drängten die von Jezierna herbeigeeilten vier Gardebataillone die Russen an den Sereth zurück. Schtscherbatschew erneuerte am 8. mit verstärkten Kräften den Stoß gegen den Nordflügel des Korps Marschall. Gegen die anschließenden Abschnitte der 19. ID. und der 48. RD. schien sich gleichfalls ein Angriff vorzubereiten. Überdies wurde auch das Korps Hofmann bei Burkanów dreimal, allerdings ohne Erfolg, angefallen. GdI. Bothmer, der aus diesem Grunde die Masse der3.GID. bei Plotycza belassen mußte, wandte sich in dieser gespannten Lage wiederum an Böhm-Ermolli und regte an, die ganze 26. SchD. über Nesterowce flankierend eingreifen zu lassen, was sich aber nicht mehr als nötig erweisen sollte. Alle weiteren Angriffe des XVIII. Russenkorps links vom Sereth scheiterten an dem Widerstand der 38. HID. und der ihr zugeführten deutschen Verstärkungen; das russischeXXII. Korps wagte gegen den rechten Flügel Marschalls (19. ID. und 48. RD.) nicht ernstlich vorzugehen; das Korps Hofmann vermochte sich, abgesehen von einem vorübergehenden Rückschlag am rechten Flügel, zu behaupten.
Die russische 9. Armee, Gen. Letschitzki, eröffnete den neuen Kampf mit einem Vorstoß des III. KavKorps und des XXXII. Korps zwischen dem Pruth und dem Dniester. Schon in den ersten Oktobertagen schoben sich feindliche Reiterabteilungen gegen die Ostgruppe Pflanzer-Baltins heran. Überläufer sagten aus, daß ein allgemeiner Angriff alsbald beginnen werde; Flieger erspähten hinter dem faltigen Waldgelände von Toporoutz frische russische Bataillone. Es lagen auch Nachrichten vor, daß das XXIV. Korps der Russen gegenüber der Ostgruppe der 7. Armee zusammengezogen werde. GdK.Pflanzer stellte alle verfügbaren Reserven, die 202. HIBrig., die 8. KD. und die 5.HKD., für Korda bereit.
Am 7. zeitlich früh brach der schon erwartete Sturm der Russen gegen das XI. Korps los, zuerst gegen die Landstürmer Papps und dann gegen die Kroaten der Gruppe Liposćak. Doch die Truppen hielten stand. Am Nachmittag wurde ein neuerlicher Angriff bei Onuth von der wackeren
42. HID. im Handgemenge zurückgeschlagen.
Während an der Front Kordas ein schwerer Kampf tobte, machten sich in den Abschnitten der Korps Benigni, Hadfy (bisheriges Korps Henriquez), Rhemen und Arz nur vereinzelte Stöße der Russen geltend. Insbesondere schien der Feind gegen den Abschnitt von Buczacz nur Scheinangriffe zu führen, da er von hier die 2. SchD. und vermutlich auch Teile der 32. ID. abgezogen hatte. Immerhin ließ Pflanzer in Anbetracht der ungeklärten Lage das IR. 63, das er ursprünglich von Buczacz zum Korps Korda entsenden wollte, hinter dem XIII. Korps stehen.
Am 8. erneuerten die Russen ihre kurzdauernden Anstrengungen zwischen Pruth und Dniester nicht mehr. Dagegen richteten sie in der Nacht neue Erkundungsstöße gegen die Korps Benigni und Hadfy. Überdies ereignete sich am 8. beim XIII. Korps der seltsame Fall, daß feindliche Kavallerie südlich der Bahn Buczacz—Czortków gegen die durch ein mehrreihiges Drahthindernis gesicherte Stellung der 36. ID. anritt. Die verwegenen russischen Reiter wurden schon durch Geschützfeuer zur Umkehr gezwungen. In dem nördlichen Abschnitt des VI. Korps begann sich zur gleichen Zeit feindliche Infanterie unter andauernder Artillerieunterstützung gegen die 39. HID. heranzuschieben. Da dem XI. Korps auch am 9. kein weiterer Angriff drohte, entschloß sich Pflanzer, die von Kissileu nach Zastawna entsandte 5. HKD. zunächst nach Horodenka heranzuziehen.
Nördlich vom Brückenköpfe bei Buczacz entspann sich am 9. morgens ein schwerer Kampf. Hier holte Letschitzki wie im September mit dem XI. Korps zu einem Stoß aus und suchte, links gedeckt durch das II. KavKorps, den Gegner vom Westufer der Strypa zu vertreiben. Der Hauptangriff der Russen richtete sich gegen Arz. Die wackeren Truppen hielten stand. Doch nach zweitägigem Kampfe erlag die jetzt vom GM. Blasius v. Dáni befehligte 39. HID. am 11. früh einem ungestümen Anprall dreier russischer Regimenter und glitt bei Wiśniowczyk über die Strypa zurück x). Das HIR. 9 wurde so gut wie aufgerieben. Arz setzte seine Korpsreserve, das IR. 57, von Süden her zum Gegenstoß in der Richtung gegen die Flanke der scharf nachdrängenden Russen ein. Das Regiment konnte jedoch keinen Raum gewinnen. Auf die Kunde von diesem Mißgeschick warf Pflanzer zwei Bataillone des IR. 63 von Buczacz her an die bedrohte Stelle; auch zog er noch am 11. abends die Schützendivision der 5. HKD. auf Lastautos von Horodenka zum VI. Korps heran, indes die Honvéd-reiter angewiesen wurden, ihren Marsch zum XIII. Korps fortzusetzen, da sich auch gegen die 15. ID. russische Vorstöße geltend machten. Ferner verfügte GdK. Pflanzer, immer auf die Bildung von Reserven bedacht, wo Gefahr drohte, daß das HIR. 306 rasch vom XI. Korps nach Buczacz gefahren werde. Dem FML. Arz befahl er für den 12., mit der 39. HID., der 24. IBrig. der 12. ID. und den zugewiesenen Teilen des IR. 63 sowie mit den Schützen der 5. HKD. aus der Front südlich von Burkanów— Zielona mit dem Schwergewichte rechts auf Dobropole den Feind anzugreifen und die Höhen östlich der Strypa festzuhalten. GdI. Rhemen sollte mit der 23. IBrig. der 12. ID. und mit dem XIII. Korps (36. und 15. ID.) durch einen Stoß nach Osten den vor dem Brückenkopf von Buczacz stehenden Feind fesseln und eine Flankenbedrohung des Korps Arz verhindern.
Die Ereignisse am 12. nahmen einen wechselvollen Verlauf. Beim VI. Korps bemühte sich die zusammengeschmolzene 39. HID. mit dem IR. 57 unter schweren Verlusten vergeblich, den zähen Feind aus den verlorenen Stellungen von Wiśniowczyk zu vertreiben. Die 24. IBrig., die den Stoß auf Dobropole führte, traf dort auf den Feind, von dem sie nachmittags angegriffen wurde. Auf dem Nordflügel des XIII. Korps kam die 23. IBrig. vor einer russischen Stellung bei Pilawa zum Stehen. Als sich die Russen hier verstärkten und den Südflügel des Korps Arz bedrängten, gingen auch Teile der 23. IBrig. in die Ausgangsstellungen zurück. Die 36. ID. rückte beiderseits der nach Czortków führenden Eisenbahn ein Stück gegen Osten vor und blieb dann vor einer durchlaufenden russischen Stellung liegen. Gegen die 15.ID. rittenim Vorgelände der Strypa feindliche Reiterabteilungen heran. Sie wurden abgeschlagen, worauf die 15. ID. ein Regiment gegen den Dzurynbach vorschob. Rechts im Anschluß daran überschritt eine Brigade der 6. KD. bei Czernelica den Dniester.
x) Arz, Zur Geschichte des Großen Krieges 1914—1918 (Wien 1924), 96.
Am 13. sollte der Angriff des XIII. und des VI. Korps fortgesetzt werden. Schon am Morgen stellte sich jedoch ein neuer Rückschlag ein. Das Regiment der 15. ID., das gegen den Dzurynbach vorgedrungen war, mußte vor einem russischen Gegenstoß zurückweichen. Feindliche Kavallerie, die dieser Bewegung folgte, wurde zurückgewiesen. Als sich aber im Verlaufe des Tages das Vorgehen russischer Infanterie aussprach, beschloß GdI. Rhemen mit Zustimmung des Armeekommandanten, das
XIII. Korps, das von der russischen Artillerie heftig beschossen wurde, in die Hauptstellungen zurückzunehmen. Dieses Absetzen vom Feinde mußte selbstverständlich auf die rechts benachbarte Brigade der 6. KD. zurückwirken; diese zog sich hinter den Dniester zurück.
Beim VI. Korps stand am 13. zunächst der Kampf. Dem Rückzug der 39. HID. auf das Westufer der Strypa hatte sich am 11. auch der äußerste Südflügel des Korps Hofmann angeschlossen. Bothmer warf daraufhin drei Bataillone der 3.GID. unter Obst. Leu an die bedrohte Stelle. Am 13. vormittags setzte dieser zum Gegenstoß an und warf die Russen oberhalb von Burkanów über den Fluß zurück. Tags darauf überschritten die drei Gardebataillone die Strypa und faßten im südlichsten Abschnitt des Korps Hofmann in der alten Stellung Fuß.
Auf dem linken Flügel des VI. Korps wirkte die schon arg hergenommene 39. HID. an diesem Angriff mit, konnte sich aber südlich von Wiśniowczyk trotz kräftiger Unterstützung durch die Artillerie eines linksufrigen Stützpunktes der Russen nicht bemächtigen. Wiederholt traten die Unverdrossenen zum Sturme an, ohne etwas ausrichten zu können. Am 15. wurde der Gegenangriff eingestellt, weil die Wiedergewinnung des Ostufers die schweren Blutopfer nicht gerechtfertigt hätte.
Übrigens hatte GO. Conrad jetzt seine Absicht, die Offensive wieder zu ergreifen, fallen gelassen, wenn er dies überhaupt noch ernstlich geplant hatte. Am 6. Oktober war der Angriff auf Serbien ins Rollen gekommen. Es mußte damit gerechnet werden, daß der Russe nochmals zu einem Gegenschlage ausholen werde, um seinem von einer Katastrophe bedrohten Schützling in zwölfter Stunde zu helfen. Dies umsomehr, als verschiedenen Nachrichten zufolge Iwanow seinen Nordflügel am Styr verstärkte. Auch schien die Kriegslust der Rumänen zu wachsen, und man durfte daher nicht alle Kräfte ausspielen.
In dieser gespannten Lage ließ die k.u.k. Heeresleitung in der Nacht auf den 14. die Armeen wissen, daß vorerst sicheres Halten der Dauerstellung das Wichtigste sei. „Hiezu müssen Ausbau und Widerstandskraft dieser Stellung mit Anspannung aller erlangbaren Kräfte und Mittel auf ein Höchstmaß gebracht werden, welches das verläßliche Abweisen auch überlegener feindlicher Angriffe sicherstellt.“ Auch wies die Heeresleitung eindringlich auf die Notwendigkeit hin, Menschenverluste möglichst zu vermeiden. Nach dem Einreihen des Oktoberersatzes (XV. Marschbataillone des Heeres und der Honvéd, XIV. Marschbataillone der öst. Landwehr) sollten starke Heeresreserven aus der Front ausgeschieden werden.
Die Offensive, die das öst.-ung. Nordheer in den letzten Augusttagen und in der ersten Septemberhälfte des Jahres 1915 gegen das russische Südwestheer führte, verfolgte das Ziel, die Armeen Iwanows von den anderen zwei Heeresgruppen endgültig abzutrennen und hiebei die wichtige Rochadebahn Rowno—Luniniec zu durchschneiden. Weiters sollte die russische Südwestfront entscheidend geschlagen und hiedurch auch eine vollständige Säuberung Ostgaliziens erzielt werden (S. 13). Da zur selben Zeit auch das deutsche Ostheer nördlich vom Pripiatj die Russen durch eine Umfassung über Wilna zu schlagen und bis hinter eine zur Dauerstellung geeignete Frontlinie zurückzuwerfen suchte, sollte nach Erreichen der südlich und nördlich vom Polesie angestrebten Ziele gegen Rußland jene strategische Rückenfreiheit gewonnen werden, die es den Mittelmächten ermöglichte, sich mit starken Kräften gegen die anderen Feinde zu wenden. Mit der Besitznahme von Rowno noch vor Eintritt der schlechten Jahreszeit wollte GO. Conrad aber auch Herr eines Ausfallstores gegen die Ukraine werden, um nötigenfalls später, falls Rußland unterdessen nicht beigab, einen entscheidenden Stoß in der Richtung gegen Kiew oder gegen Odessa führen zu können.
Den Auftakt zu der mit starkem und vorgenommenem Nordflügel angesetzten Umfassungsoperation bildete die am 24. August erfolgte Besitznahme von Kowel (Bd. II, S. 706). Aus der Front Kowel—Wladimir-Wolyński war dann mit der Schwerlinie über Łuck gegen Rowno vorzugehen. Der zur Umfassung bestimmte Nordflügel wurde hiebei aus Korps gebildet, die aus der westlich von Brest-Litowsk sich verengenden Front herausgelöst und in langen, sehr ermüdenden Fußmärschen herangeführt worden waren. Der Plan der k.u.k. Heeresleitung ging nun dahin, den Nordflügel der russischen Südwestfront, wo immer er sich stellte, durch ein weit nach Osten ausgreifendes Manöver einzukreisen. Diesen großen, einfachen Gedanken hatte das AOK. in seinen ersten richtunggebenden Befehlen allerdings bloß angedeutet und das Operationsziel Rowno sowie den Einkreisungsgedanken nicht ausdrücklich hervorgehoben. Denn die erste Aufgabe, die es dem FZM. Puhallo stellte, war nur: „Durch eine Offensive allgemeine Direktion Łuck den rechten Flügel der russischen Südwestfront zu schlagen und die Trennung der russischen Armee endgültig zu bewirken... Die stark ausgebaute russische Front zu umgehen, den linken angreifenden Flügel der 1. Armee möglichst stark zu machen. Die Offensive derart vorzubereiten, daß mit Beginn der Angriffsbewegung die Vorrückung unaufhaltsam bis in den Raum um Łuck fortgesetzt werden kann.“ Der Chef des Generalstabes beabsichtigte offenbar, seine Armeen mit kurzem Zügel zu führen. Die Folge davon aber war, daß über den Kräfteansatz und die Durchführung des Angriffes das AOK. und die den Nordflügel des Heeres führenden Befehlsstellen nicht immer der gleichen Meinung waren (S. 61 und Bd. II, S. 704 ff.). Darin und in dem manchmal zu einem nicht gerade glücklichen Zeitpunkt erfolgten Eingreifen des AOK. sind in operativer Hinsicht die Ursachen des Fehlschlages zu suchen, wobei in zwei Fällen, einmal vor Łuck und dann namentlich vor Rowno, die Auswirkung entscheidende Bedeutung hatte.
Schon bei der Kräftegruppierung zum Vormarsch aus der Linie Kowel—Władimir-Wolyński gingen die Ansichten zwischen Teschen und dem 1. Armeekmdo. auseinander (Bd. II, S. 704). Während FZM. Puhallo das X. Korps, das vor Antritt der Offensive mehr als eine Woche am Bug verhältnismäßig Ruhe genossen hatte, an den Schwenkungsflügel nach Kowel hinausschieben wollte, verfügte GO. Conrad ausdrücklich, daß das erst anrückende XIV. Korps, von dem die 3. (Linzer) ID. seit dem Durchbruche bei Gorlice—Tarnów bis zum Eintreffen in Kowel bereits 640 km zurückgelegt hatte, dort einzuteilen sei (Bd. II, S. 705). Auch forderte er, daß die Armeereserve, Gruppe FML. Smekal, dem XIV. Korps zu folgen habe, während Puhallo diese hinter der Mitte der aus dem
XIV., IX. und X. Korps bestehenden Umfassungsgruppe hatte nachziehen wollen. Der Chef des Generalstabes wünschte eben im Gegensätze zum
1. Armeekmdo. die Verlegung des Schwergewichtes ganz auf den äußersten Schwenkungsflügel. Als dann aber die 1. Armee zur Offensive antrat, lag der Schwerpunkt doch mehr in der Mitte zwischen Swinarin und Poryck, aus welcher Front die sieben Divisionen der Generale Králiček, Martiny und Szurmay gegen den Abschnitt Ulaniki—Swiniuchy vorzustoßen hatten, während das Korps Roth, gefolgt von der Gruppe Smekal, verhältnismäßig weitab von Kowel auf Rożiszcze rücken sollte (siehe Beilage 4 und S. 56). Der Grund für diese Anordnung war, daß nach den bis zum 26. August in Sokal eingelangten Nachrichten die festgefügte russische Front nur bis zur südlichen Ługa reichte, weiter nördlich aber zutreffenderweise nur Kavallerie angenommen wurde (S. 57). Das Übergreifen des Umfassungsflügels durfte daher noch immer als ausreichend erachtet werden, um die durch Puhallo seiner Armee gestellte Aufgabe: „den feindlichen Nordflügel zu umfassen und dadurch den Rückzug der noch in der Bugfront stehenden russischen Kräfte zu einem vernichtenden zu gestalten“, zu erfüllen.
Am 28. August, an dem die Mitte der 1. Armee kämpfend die Sierna und das XIV. Korps fast ohne Gegenwirkung Rożiszcze erreichten, hatte der Russe in Ostgalizien vor den Angriffen der 2. und der Südarmee die Buglinie preisgegeben. Das 1. Armeekmdo. erachtete daher die vom AOK. befohlene Umfassung der russischen Südwestfront bereits als geglückt und wollte jetzt im Sinne des erhaltenen Auftrages den russischen Nordflügel „schlagen“. Hiezu sollte wieder die Alitte der Armee wie bisher den Hauptangriff in südöstlicher Richtung führen, wobei man hoffte, die Russen von Łuck und vom Styr abdrängen zu können. Das XIV. Korps hatte zur weiteren Umgehung des russischen Nordflügels den Styr bei Rożiszcze zu überschreiten und Łuck, wo nur schwache russische Kräfte vermutet wurden, rasch in Besitz zu nehmen. Ein Vorschlag des FML. Roth, das XIV. Korps den Styr weiter flußabwärts bei Sokul oder Nawoz überschreiten zu lassen, was ein auch von Teschen gewünschtes noch weiteres Ausgreifen ermöglicht hätte, wurde von Puhallo wegen des damit verbundenen etwa dreitägigen Zeitverlustes nicht gebilligt.
Tatsächlich stießen die drei Mittelkorps, IX., X. und Szurmay, schon am 28. in der Front Siernabach—Torczyn—Swiniuchy auf neue russische Stellungen, die Puhallo sofort angreifen ließ. Dies stand allerdings nicht in vollem Einklang mit einer am 28. früh erlassenen Weisung der Heeresleitung, die das Überschreiten des Styr mit starkem linkem Flügel und das weitere Ausgreifen des IX. Korps gegen Osten hin forderte (S. 60). Den Styrübergang des XIV. Korps hatte FZM. Puhallo bereits befohlen, das weitere Ausgreifen des IX. Korps war jedoch nur teilweise möglich, weil es schon an der Sierna im Kampfe stand. Puhallo ging eben darauf aus, den schon angefaßten russischen Nordflügel durch wuchtigen Angriff zu zertrümmern. Die Heeresleitung wieder wollte durch eine weitausholende Umfassung gegen Flanke und Rücken des rechten Flügels Iwanows wirken.
Trotz dem erhaltenen Befehle wollte das 1. Armeekmdo. den Angriff der Korps IX, X und Szurmay am 29. fortsetzen lassen, mußte ihn III 12
jedoch wegen des Abbleibens der Artillerie, wegen der Ermüdung der Truppen und wegen der Vorbereitungen, die bei der anscheinend recht starken Besetzung der russischen Stellungen nötig erschienen, auf den
30. verschieben (S. 61). Auf die hierüber durch Puhallo erstattete Meldung griff nun die Heeresleitung am 29. mittags nachdrücklichst ein. Sie bezeichnete den beabsichtigten Angriff der Hauptkraft der 1. Armee als geradewegs zum Vorteile des Feindes, weil die zur Umfassung bestimmten Kräfte frontal gebunden würden, und wiederholte ihren Auftrag: „möglichst starke Kräfte über den Styr abwärts Łuck unverzüglich ostwärts vorgehen zu lassen“. Nun zog Puhallo das X. Korps aus der Front, um es dem XIV. über den Styr nachzusenden. Wegen der nunmehr notwendig gewordenen Neugliederung der verbliebenen Frontgruppe wurde der Angriff an der Sierna auf den 31. August verschoben (S. 63). Doch an diesem Tage stießen die Divisionen Králičeks und Szurmays schon ins Leere. Durch die Bedrohung durch das k.u.k. XIV. Korps von Norden her war Brussilow veranlaßt worden, seine Armee den schon vorbereiteten Rückzug noch während der Nacht antreten zu lassen. Ohne sonderliche Einbußen erreichten die Russen das östliche Styrufer. So war es denn weder geglückt, den Nordflügel der russischen Südwestfront entscheidend zu schlagen, noch ihn einzukreisen. Lediglich ein frontaler Raumgewinn blieb als Erfolg.
Das nur teilweise befriedigende Ergebnis der vom 27. bis zum
31. August währenden Kampfhandlungen ist wohl zunächst in dem nicht völligen Eingehen des 1. Armeekmdos. auf die Absichten der Heeresleitung zu suchen. Vielleicht hat das AOK. seinen Plan, der auf Einkreisung der russischen 8. Armee von Norden her abzielte, doch nicht scharf genug zum Ausdruck gebracht oder dessen Ausführung nicht entschieden genug verfolgt. Zweifellos hätte es aber den Angriff der 2. und der Südarmee nicht für denselben Zeitpunkt wie jenen der 1. Armee festsetzen sollen. In Ostgalizien war ohnehin nur ein frontales Fortschreiten zu erhoffen. Der frühzeitig hervorgerufene Rückzug der Russen von der Złota Lipa an die Strypa verringerte aber die Flankenwirkung von Norden und allenfalls auch durch die 7. Armee von Süden her.
Das Eingreifen der Heeresleitung am 29., das die Verschiebung des X. Korps hervorrief, kann aber nicht als glücklich bezeichnet werden. Strategische Umfassungen sind stets nur dann wirksam, wenn sie aus der Tiefe des Raumes angesetzt werden. Der Versuch, mit dem X. Korps aus der Front zu einer Flanke und Rücken des Feindes bedrohenden Umfassung zu gelangen, konnte bei den schon locker gewordenen Russen
niemals gelingen. Hätte die 1. Armee ihren Angriff an der Sierna, wie geplant, am 30. durchführen dürfen, so wäre sie bei ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit (7 öst.-ung. Infanteriedivisionen gegen 2 Infanterie- und 3 Reiterdivisionen der Russen) höchstwahrscheinlich durchgedrungen, und der Feind hätte sich nur unter dem auflösenden Drucke einer scharfen Gefechtsverfolgung hinter den Styr zurückziehen können.
War bei Łuck bei frühzeitig eingeleiteter, kraftvoll und einheitlich durchgeführter Umfassung eine Einkreisung des russischen Nordflügels durchaus möglich gewesen, so darf dies vor Rowno, wie die Verhältnisse sich dort entwickelt hatten, bezweifelt werden. Das überraschende Vorbrechen des XIV. Korps bei Rożiszcze über den Styr hatte Iwanows Aufmerksamkeit entscheidend auf den Raum gelenkt, aus dem seiner Heeresfront auch weiterhin Gefahren drohen konnten. Er zog daher, ein vorübergehendes Stillhalten der öst.-ung. Angriffsfront vor dem Sereth geschickt ausnützend, ungefähr vom 8. September an das hier fechtende XXX. Korps gegen seinen Nordflügel (S. 96).
Unterdessen hatte die neugebildete Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand an der Putilowka gegen die sehr geschickt und aktiv geführte russische 8. Armee schwer kämpfen müssen, ehe ihr der Schlachtenerfolg zufiel. Denn gleich nach dem Rückzug vom Styr hatte Brussilow seine ganze Reiterei und die oft bewährte 4. SchD. nach Norden hinausgeschoben, um gegen neuerliche Überflügelung gefeit zu sein (S. 76). Dies war für den Erzherzog, der den Auftrag hatte, die Entscheidung wieder durch eine nach Osten weit ausgreifende Umfassung zu suchen, Anlaß genug, dem schon am 4. September gegen Derażno entsandten X. Korps (62. und
24. ID.) tags darauf noch die 4. ID. und am 8. die 45. SchD. folgen zu lassen (S. 81 ff. und 112). Da unterdessen die Armee Böhm-Ermolli über Podkamień und die Armee Puhallo bis Dubno vorgedrungen waren, nahm Brussilow, nachdem er durch kraftvolle Gegenstöße vier Tage Zeit gewonnen hatte, endlich am 9. seine durch beiderseitige Umfassung bedrohte Front in die letzte starke Widerstandslinie vor Rowno, an den Stubiel, zurück.
Wieder wurde die k.u.k. 4. Armee angewiesen, das ihr schon so nahe Kampfziel durch Umfassung von Norden her zu nehmen (S. 113 f.). Hiezu wurde nun auch die 13. SchD., die bisher hinter der Armeemitte gestanden war, nach Derażno hinausgeschoben und hiemit die Frontgruppe neuerlich geschwächt. Doch die auf dem Nordflügel fechtenden fünf Infanteriedivisionen samt dem KavKorps Bemdt vermochten nicht, sich aus den Horyńschlingen ins Freie hinauszuarbeiten. Durch die schwierigen Kämpfe waren die Truppen ermüdet und in ihren Gefechtsständen arg geschwächt. Auch hatte seit dem 3. September abends anhaltender Regen das tiefliegende Gebiet nördlich der Reichsstraße Łuck—Rowno in einen Sumpf verwandelt, der alle Truppenbewegungen außerordentlich erschwerte. Dazu umschwärmten russische Reiter scharen von den Sumpfwäldern des Polesie her die Umfassungsgruppe, verhinderten jede Aufklärungstätigkeit und verschleierten eine geschickte Gegenmaßnahme der russischen Führung. An der Stubielfront aber sah sich die k.u.k. 4. Armee einem sehr rührigen Feind gegenüber zum Stillhalten verurteilt.
Da brach am 13. abends hinter dem russischen Kavallerieschleier das mit der Bahn verschobene XXX. Korps von Nordosten her gegen den Umfassungsflügel der 4. Armee los, der jetzt die Rolle einer Abwehrflanke übernehmen mußte. Obwohl die am linken Flügel des Korps Martiny fechtende 4. ID. mit Teilen des XXX. Russenkorps in heftige Kämpfe verstrickt war, wurde gerade sie in der Nacht zum 14. herausgezogen, um den durch feindliche Anstürme an der Stubielfront schwankend gewordenen Südflügel des X. Korps zu stützen (S. 135). Das russische XXX. Korps konnte daher nördlich von Derażno gegen die sehr ermüdeten Kämpfer des jetzt noch geschwächten Nordflügels um so leichter Raum gewinnen. Heeresreserven, die einen Umschwung hätten rasch herbeiführen können, waren im Augenblicke nicht zur Hand, denn das XVII. Korps stand damals mit je einer Division in Cholm und in Lublin. Da jetzt auch die Südarmee schwer bedrängt wurde, befahl Conrad am 14. September die Einstellung des Angriffes, der wegen der fortgesetzten Russenangriffe auf dem Nordflügel schon tags darauf der Rückzug an den Styr folgte. So wurde durch den russischen Gegenstoß, der — da das Abrollen des XXX. Korps seit Tagen bekannt war (S. 117) — nicht einmal eine sonderliche Überraschung bedeuten konnte, der k.u.k. 4. Armee der zum Greifen nahe Erfolg, die Gewinnung von Rowno, noch im letzten Augenblick aus den Händen gewunden.
Hätte die öst.-ung. Führung, statt eine Division nach der anderen aus der Front nach Norden in das wenig gangbare, versumpfte und von schwer überschreitbaren Flußläufen durchzogene Gelände hinauszuschieben, wo die Kämpfe sehr zeitraubend wurden und auch die Artillerie nicht recht zur Geltung kommen konnte, mit zusammengehaltener Kraft längs der Straße auf Rowno vorstoßen lassen, so wäre wahrscheinlich die Putilowkalinie rascher gefallen. Auch hätte das schon mehrfach geschlagene, aus Landsturmtruppen gebildete XXXIX. Korps kaum mehr die Kraft besessen, am Stubiel einem wuchtigen Massenangriff standzuhalten. Es darf auch bezweifelt werden, ob es die Russen dann auf eine Verteidigung der veralteten Werke von Rowno hätten ankommen lassen. So wären bei anderem Kräfteansatz die Festung und mit ihr das Kampfziel des Feldzuges den öst.-ung. Truppen wahrscheinlich in die Hände gefallen, ehe das russische Gegenmanöver wirksam geworden wäre.
Der Führung der russischen Südwestfront muß gerechterweise zugebilligt werden, daß sie es, ohne Verstärkungen zu erhalten, in sehr geschickter Weise verstanden hat, mit ihren rund 500 Bataillonen den Angriff des anfänglich (ohne VI., XVII. Korps und 37. HID.) allerdings nur 460 Bataillone starken, aber auf dem entscheidenden Nordflügel überlegenen (S. 52) und besser gruppierten öst.-ung. Heeres erfolgreich abzuwehren!). Das Abziehen des XXX. Korps von der 9. Armee muß um so höher gewertet werden, als diese trotzdem im gleichen Augenblicke wider die Südarmee zum Gegenschlag ausholte. Dieser wurde gegen den schwächsten Frontteil der Armee Bothmer, gegen das weit auseinandergezogene, zum Großteil aus Landsturm- und Marschbataillonen zusammengesetzte Korps Hofmann, geführt und hatte so nachhaltige Wirkung, daß das AOK. den Einsatz von drei bisher für die Offensive gegen Serbien bestimmten Divisionen (37.HID., VI. Korps mit 39. HID. und 12. ID.) beschloß. Heute darf man in Kenntnis der russischen Absichten die Notwendigkeit dieser Maßnahme bezweifeln, weil die Russen gar nicht an ein weitreichendes Unternehmen über Buczacz und Podhajce gegen Westen hin dachten (S. 121 f.) und erfahrungsgemäß in der Ausnützung von Durchbruchserfolgen sehr bedächtig waren.
Da zur Abwehr der russischen Gegenoffensive über Łuck am 20. September auch die letzte öst.-ung. Heeresreserve, das XVII. Korps, eingesetzt werden mußte (S. 141), waren alle vier vom öst.-ung. Nordheer für den Angriff auf Serbien bestimmten Divisionen verausgabt. Die wenig glücklichen Kämpfe hatten den k.u.k. Truppen aber auch die ungewöhnlich hohe Einbuße von etwa 230.000 Mann eingetragen. Schließlich mußte, damit weiteres Unheil verhütet wurde, noch deutsche Waffenhilfe erbeten werden. Dieser verhältnismäßig geringe Kraftzuschuß (zwei Infanteriedivisionen und eine Kavalleriedivision) stellte dann, allerdings schon durch den Anmarsch die russische Nordflanke schwer bedrohend, die Lage verhältnismäßig leicht wieder her.
Das öst.-üng. Heer hat die ihm im „Feldzug von Rowno“ gesteckten
x) Nach Einsatz der fünf Divisionen Heeresreserven hielten sich die beiden Streiteraufgebote, 517V2 öst.-ung. und deutsche gegen etwa 512 russische Bataillone, ungefähr die Waage. Zu jenen kamen dann noch die 21 Bataillone des deutschen XXIV. RKorps.
Angriffsziele nur zum geringen Teile erreicht. In Ostgalizien wurde die Front von der Złota Lipa und vom oberen Bug bis an die Strypa und bis an die Reichsgrenze bei Załośce vor verlegt, in Wolhynien bis an den Styr Raum gewonnen. Die wichtige Rochadebahn Rowno—Luniniec blieb aber unversehrt in den Händen der Russen, und es war auch sonst nicht geglückt, den Armeen Iwanows einen entscheidenden Schlag zuzufügen. Die Russen hatten vielmehr in den Kämpfen eine überraschend große Schlagkraft und Manövrierfähigkeit gezeigt, die man teilweise wohl auch der Kommandoübernahme durch den Zaren (S. 93) und ihrer Rückwirkung auf den Muschik zuschreiben durfte, und die jedenfalls auch weiterhin zur Vorsicht mahnten.
Der unbefriedigende Ausgang der „schwarzgelben Offensive“ — wie sie damals genannt wurde — entbehrte auch nicht politischer Folgen. Die Rückschläge in Wolhynien und in Ostgalizien hatten die k.u.k. Heeresleitung genötigt, zur Wiederherstellung und Sicherung der Lage auf vier der sechs Divisionen zu greifen, die im Sinne des Vertrages vom
6. September (S. 11) für den gemeinsamen Angriff auf Serbien bestimmt waren. Falkenhayn stellte zwar Ersatz durch annähernd gleich starke deutsche Kräfte. Aber die Geltung Österreich-Ungarns erlitt in den Augen des neuen bulgarischen Verbündeten abermals einen Stoß, und in gleichem Ausmaße stieg der deutsche Einfluß, wuchs aber auch die Abhängigkeit der öst.-ung. Kriegführung von der des mächtigeren, über eine stärkere und einheitlichere Armee verfügenden deutschen Bundesgenossen. Es setzte damit die Entwicklung ein, die FML. Hoen als eine Folge der nach 1866 eingetretenen Abschnürung des Habsburgerreiches mit den Worten kennzeichnet: „Was der Wehrmacht seit der Wendung des politischen Geschickes [nach Königgrätz] an Zufluß aus den anderen deutschen Gauen zur Erhaltung ihrer besonderen Eigenart abging, mußte jetzt eben der Bundesbruder mit geschlossenen Abteilungen ersetzen1).“ Auf die Begleiterscheinungen dieses geschichtlichen Vorganges und seine politischen und persönlichen Folgen wird in anderem Zusammenhange noch zurückzukommen sein.
Dabei konnte, wie ohne Beschönigung zu betonen ist, die überwiegende Mehrzahl der am Feldzug von Rowno beteiligten öst.-ung. Streitkräfte trotz seines schwerer Enttäuschungen nicht entbehrenden Verlaufes auf ehrenvolle, teilweise hervorragende Leistungen zurückblicken. Dies gilt nicht zuletzt für die Kämpfer der 1. und der 4. Armee. Ansatz und Entwicklung des Umfassungsmanövers hatten es bei der 4. Armee mit
x) Schwarte, Der große Krieg 1914—1918, V (Leipzig 1922), 15£.
sich gebracht, daß gerade die Divisionen, denen eine entscheidende Rolle zufiel und die auch dabei wieder die größten Marsch- und Kampfleistungen zu vollbringen hatten, von Gorlice bis Władimir-Wołyński in vier Monaten unter steten Gefechten einen mehrere hundert Kilometer betragenden Weg zurückzulegen gehabt hatten; diese Heereskörper waren begreiflicherweise stark ermüdet und mit oft bis unter die Hälfte gesunkenen Gefechtsständen auf der neuen Walstatt angelangt, auf der sie abermals zu den schwierigsten Aufgaben berufen sein sollten17). Wie sehr zudem schlechtes Wetter, elende Wege und mangelhafter Nachschub den Verlauf des Manövers gehemmt haben, ist in der Darstellung gesagt worden (S. 114).
Der zu gleicher Zeit unternommene Vorstoß Hindenburgs über Wilna hatte zwar einen glatteren Verlauf genommen als das öst.-ung. Vorgehen gegen Rowno; Rückschläge wie der am Horyń waren ihm erspart geblieben. Doch hatten auch hier „ungewöhnliche Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Truppen“ sowie die „sich verschlimmernden Nachschubsschwierigkeiten“ und die „rechtzeitigen Gegenmaßregeln“ der Russen das völlige Ausreifen des kühnen Planes vereitelt18). „Wir sind zu spät gekommen, wir ermatten“, sagt Hindenburg in seinen Lebenserinnerungen 19) im Zusammenhalte mit dem am 27. September gefaßten Entschlüsse, das Manöver von Wilna als beendet zu betrachten.
Mit dem Mißlingen des Stoßes auf Rowno und mit dem vorzeitigen Verebben der deutschen Offensive auf Minsk waren die Heere der Mittelmächte um einen großen Erfolg gekommen, dessen Wirkung, da die Probe aufs Exempel ausblieb, kaum abzuschätzen ist20). Der tatsächliche Verlauf der Ereignisse läßt allerdings einen Kritiker des großen Krieges21) die Frage aufwerfen, ob es nicht überhaupt zweckmäßig gewesen wäre, sich mit der Ende August erreichten Linie zu begnügen. Sicherlich spricht, wenn man von der besonderen Lage bei Lemberg (Bd.II, S. 668) absieht, in nachträglicher Erkenntnis militärisch, politisch und wirtschaftlich mancherlei für diese Auffassung. Wenn nichts sonst, so hätten sich die Verbündeten und zumal Österreich-Ungarn wertvolle Kräfte erspart, die auf anderen Kriegsschauplätzen mit Erfolg zu verwenden gewesen wären. Andrerseits erinnert GdI. Kuhl1) nicht zu Unrecht daran, „daß der bekannte englische Militärkritiker Repington uns den entgegengesetzten Vorwurf machte“, und daß man nach Mitteilungen des russischen Gen. Gurko während des deutschen Vorstoßes über Wilna schon an die Abbeförderung der Kunstschätze, Archive und Geldvorräte aus Petersburg gedacht hatte. Im Kriege entscheidet eben nicht das Argument am grünen Tische, sondern der Erfolg, der für die theoretische Betrachtung mitunter ein recht parteiischer Richter ist.
Immerhin hatten die Heere der beiden verbündeten Kaisermächte bis zum Verebben der großen Offensive zu Anfang Oktober eine strategisch günstige Linie erreicht, die vom Rigaischen Meerbusen zum Teil längs der Düna bis vor Dünaburg und dann von Norden nach Süden geradlinig bis Czernowitz verlief. Die Länge dieser Front von über 1300 km kennzeichnet allein schon, welch ungeheuer großes Gebiet im Sommer 1915 erobert worden war, das nun durch eine Dauerstellung gegen neue Anstürme der Moskowiter geschützt und nach Möglichkeit auch der durch Englands Hungerkrieg schwer bedrängten Wirtschaft der Mittelmächte nutzbar gemacht werden sollte.
' i) K u h 1, I, 262.
DIE EROBERUNG SERBIENS
Der Stromübergang der Heeresgruppe Mackensen
Das Werden des Operationsplanes
Hiezu Beilagen 1 und 9 sowie Beilage 2 des I. Bandes
Schon FZM. Potiorek hatte nach dem unglücklichen Ausgang des Herbstfeldzuges gegen die Serben im Dezember 1914 seinem Nachfolger im Kommando der Balkanstreitkräfte gesagt: „Wenn Sie Serbien nochmals anzugreifen haben, tun Sie es nur bei Belgrad1).“ Aber auch GdI. Falkenhayn eröffnete in einem am 21. März 1915 an GdI. Conrad gerichteten Vorschlag zur Offensive gegen Serbien, daß ihm als Vorstoßrichtung für die aus öst.-ung. und deutschen Divisionen zusammengesetzte Hauptkraft ein Übergang über die Donau abwärts von Belgrad als zweckmäßig erscheine. Im April waren die Erörterungen über die Niederwerfung Serbiens zur Öffnung des Landweges nach der Türkei so weit fortgeschritten, daß das 5. Armeekmdo. in Neusatz zur Vorlage eines Operationsplanes aufgefordert werden konnte. In dem an das AOK. übersendeten Entwurf wurde, unabhängig von Falkenhayns Anregung, gleichfalls der Hauptangriff von Südungarn über die Stromschranken hinweg vorgeschlagen (Bd.II, S. 308). Im einzelnen wurde beantragt, je ein Korps der etwa 120 Bataillone starken Hauptkraft die Save bei Kupinovo und Ostružnica und die Donau bei Pancsova und Kevevára überschreiten zu lassen, indes bei Orsova nur eine schwache Gruppe den Übergang versuchen sollte. Dies lief auf das Vordringen je einer Armee ins Kolubara-und ins Moravatal hinaus, durch deren Zangenwirkung die nicht unmittelbar angegriffene Hauptstadt Serbiens zu Fall gebracht werden sollte. Zwei Divisionen mit Gebirgsausrüstung waren von Višegrad über čačak anzusetzen. Die sechs Divisionen der Bulgaren sollten nach den Vorschlägen des 5. Armeekmdos. im Nordwesten ihres Landes, südlich davon die 100.000 Türken bei Caribrod aufmarschieren. Im konzentrischen Zusammenwirken aller Verbündeten, deren Stärke mit 390 Feldbataillonen bemessen wurde, sollte dann gegen das auf 230 Bataillone geschätzte Serbenheer der Raum Kragujevac—Kraljevo—Kruševac gewonnen werden. Als Hauptbedingung für das Gelingen des Überganges, des Angriffes
!) Krauss, Die Ursachen unserer Niederlage (3. Aufl., München 1923), 165.
über das starke Hindernis, bezeichnete das 5. Armeekmdo. eine überwältigende Übermacht (auch an Artillerie) und reiches Überschiffungs-material.
Dieser Operationsplan sollte jedoch zunächst nicht ausgeführt werden können, weil wegen des italienischen Krieges die 5. Armee mit sechs Divisionen an den Isonzo geworfen werden mußte (Bd. II, S. 408). Der zurückbleibenden Armeegruppe GdK. Tersztyánszky konnte in Berücksichtigung ihrer sehr geringen Stärke nur mehr die Aufgabe gestellt werden: ,,1. Verhinderung des Überganges der Serben über die Donau und Save und der Vorrückung derselben gegen Budapest; 2. einem eventuellen Einbruch der Serben in Bosnien entgegenzutreten, soweit dies ohne Gefährdung der ersten Aufgabe möglich ist.“ Die schon geschilderte Untätigkeit der Serben überhob Tersztyánszky der Nötigung, die Durchführbarkeit seines Auftrages zu erweisen, was um so schwerer gewesen wäre, als er im Sommer die drei deutschen Divisionen 101, 105 und 103 nach dem Nordosten (Bd. II, S. 468, 607), die k.u.k. 61. und die 59. ID. sowie die 19. LstGbBrig. an die Isonzofront (Bd. II, S. 743, 749 f.) absenden mußte.
Trotz der Schwierigkeit der dem GdK. Tersztyánszky gestellten Verteidigungsaufgabe bat dieser tatfreudige Führer bereits am 1. Juni das AOK., „Vorbereitungen für eine eventuelle Offensive gegen Serbien schon jetzt einleiten zu dürfen, um die hier [in Südungarn] zur Verfügung stehende Zeit und Kraft auszunützen“. Conrad wies hierauf eine Woche später das Armeegruppenkmdo. in Neusatz an, Zeit und Kraft „für die Besserung der Verteidigungsverhältnisse und die Festhaltung des eigenen Gebietes“ auszunützen, und gestattete „lediglich jene Maßnahmen zu treffen, welche in unauffälliger Weise dafür bürgen, daß eintretenden Falles über alle jene Verhältnisse Klarheit herrscht, welche für die Einleitung einer Offensive bestimmend werden“.
Nun setzte neben der Ausgestaltung der Befestigungen im Grenzraume an der Donau, Save und Drina eine rege Erkundungstätigkeit ein, an der sich auch der von der DOHL. dem Armeegruppenkmdo. zugeteilte deutsche Generalstabsoberstleutnant Hentsch beteiligte. Als Mitte August sich die Kampfhandlungen auf dem russischen Kriegsschauplätze dem Abschlüsse näherten, glaubte GdK. Tersztyánszky mit dem Freiwerden stärkerer Kräfte für den Balkan rechnen zu dürfen. Er legte dem AOK. einen Operationsentwurf für die vollständige Niederwerfung Serbiens vor, der sich vielfach an den Plan des 5. Armeekmdos. anlehnte.
Tersztyánszky ging von der zutreffenden Annahme aus, daß die aus der 2. und der 3. Armee bestehende Hauptkraft der Serben bei Belgrad und südlich davon, eine starke gemischte Abteilung in der Donauschlinge südlich von Orsova, die 1. Armee im Save-Drinawinkel und die 4. zwischen Višegrad und Užice stünden. Auch er sprach sich dafür aus, den Hauptschlag über Belgrad—Kragujevac auf Niš zu führen, wozu die etwa 18 Divisionen starke Streitmacht, gleichfalls in zwei Armeen gegliedert, die beiden Grenzströme von Norden her überschreiten sollte. Auf Grund eingehender Erkundungen sollte die „Belgrader Armee“ die serbische Hauptstadt jedoch geradewegs beiderseits der Donau angehen. Der „Moravaarmee“ waren zur Stromüberschreitung für eine Division Semendria, für die Masse der außerordentlich günstige Abschnitt bei Ram zugedacht. Zur Unterstützung der Hauptangriffsgruppe sollten die in Syrmien stehenden Savesicherungen bei Klenak und Jarak, die Stromwachen an der unteren Drina bei Bijeljina demonstrieren und bei günstiger Entwicklung der Hauptkampfhandlungen bei den genannten Orten in die Macva einbrechen. Für die aus den noch vorhandenen besten Landsturmtruppen Bosniens neugebildete 53. ID. war ein Vorstoß über Višegrad gegen Užice ins Auge gefaßt. Ob auf eine Mitwirkung der Bulgaren und der Türken zu rechnen sei, entzog sich damals noch der Beurteilung des Armeegruppenkmdos.; gegebenenfalls hätten zwei bis drei für den Gebirgskrieg ausgerüstete öst.-ung. Divisionen dem neuen Verbündeten über Orsova die Hand zu reichen gehabt. Allgemeine Gesichtspunkte über Wahl der Aufmarschräume, Reihenfolge des Antransportes der heranrollenden Waffengattungen sowie genaue Aufstellungsorte der auf 54 Batterien bezifferten schweren Artillerie der beiden Angriffsarmeen ergänzten die eingehende Studie, die in Teschen — wie in Pleß die Berichte des Obstlt. Hentsch — die Grundlagen für weitere Vorbereitungen bildeten.
Einen Tag nach dem Abschluß des Vertrages mit Bulgarien, am
7. September, wurde GdK. Tersztyánszky von dem geplanten Aufmarsch der gegen Serbien bestimmten Truppen in Kenntnis gesetzt. Darnach sollten außer der schon anrollenden deutschen 101.ID. noch die 11. bayr., die 103. und die 105. ID. sowie das Kommando des X. RKorps in das Banat verlegt werden. Sie bildeten den Grundstock der mindestens noch durch zwei Divisionen auszubauenden deutschen 11. Armee, als deren Führer GdA. v. Gallwitz in Aussicht genommen war. Nach Syrmien sollten aus Nordosten das k.u.k. VI. Korps (12. ID. und 39. HID.) und das XVII. Korps (21. SchD. und 41. HID.), von der Isonzofront die 57. und die 59. ID. unter dem VIII. Korpskmdo. gelangen (S. 14). Für Nordostbosnien war geplant, die 53. ID., die 205. LstlBrig., die anfangs August in Syrmien neuaufgestellte 206. LstlBrig. und die Drinasicherungsgruppe GM. Streith zum XIX. Korps zusammenzufassen. Alle angeführten öst.-ung. Truppen sollten die k.u.k. 3. Armee bilden, deren Befehl GdK. Tersztyánszky — mit Obst. Adalbert v. Dáni als Generalstabschef — zu führen hatte.
Am 18. September nahm GFM. Mackensen als Oberbefehlshaber der gegen Serbien aufgebotenen deutschen, öst.-ung. und bulgarischen Streitkräfte aus den Händen des Deutschen Kaisers die vom 15. datierten grundlegenden Anweisungen entgegen1). Der gemeinsam mit der k.u.k. Heeresleitung ausgearbeitete Feldzugsplan forderte im wesentlichen konzentrischen Vormarsch von Norden und Osten. Die 3. und die 11. Armee hatten den Stromübergang zu vollziehen, die 3. mit den Hauptkräften bei Belgrad, mit Teilen weiter westlich bei Kupinovo, die 11. mit den Hauptkräften bei Ram, mit Teilen bei Semendria unter gleichzeitigen Scheinbewegungen bei Orsova2). Das Zusammenwirken der einzelnen Armeen war so gedacht, daß die 3. unter Sicherung ihrer rechten Flanke gegen die Kolubara auf Kragujevac, die 11. im Tal der Morava, die bulgarische 1. Armee mit der Hauptkraft auf Niš vorrücken sollten, indes die der bulgarischen Heeresleitung unmittelbar unterstehende 2. Armee durch einen Vorstoß ins Vardartal dem Feinde den Rückzug nach Süden zu verlegen und seine einzige in die Außenwelt führende Bahn, die nach Saloniki, zu unterbinden hatte. Auf einen gleichzeitigen Druck starker und vollwertiger Kräfte von Ostbosnien her verzichtete die DOHL., weil sie den dorthin führenden Schmalspurbahnen keine ausreichende Leistungsfähigkeit beimaß. So fiel die unter Umständen so aussichtsreiche Flankenwirkung nahezu ganz aus.
Über die Unterstellung Mackensens hieß es in den Weisungen zunächst: „Abänderungen und Ergänzungen dieser Direktive, die von den drei Obersten Heeresleitungen gemeinsam beschlossen werden müssen, werden dem GFM. v. Mackensen durch das k.u.k. AOK. übermittelt werden.“ Dann aber folgte als Erläuterung: „Im übrigen bleibt das AOK. der Heeresgruppe [Mackensen] wie die zu ihr gehörigen deutschen Truppen natürlich der DOHL. unmittelbar unterstellt. Anweisungen des k.u.k. AOK. [Teschen], die sich auf territoriale und administrative Maßnahmen beziehen, ist aber Folge zu leisten, solange und soweit die Heeresgruppe auf ungarischem Boden sich befindet.“ Diese Verfügung
x) Vgl. S. 9, Fußnote 3.
2) Foerster, 174 f.
widersprach dem Buchstaben nach zweifellos den vertragsmäßigen Abmachungen. in denen ausdrücklich die formale Unterstellung Mackensens unter die k.u.k. Heeresleitung vorgesehen war1). Sie wirft auf die Beziehungen der beiden Hauptquartiere und ihrer einander schwer mißtrauenden Chefs ein charakteristisches Streiflicht.
Am 20. September traf GFM. Mackensen, nachdem er sich auf der Durchfahrt in Teschen kurz auf gehalten hatte, in Temesvár ein. Das Heeresgruppenkmdo. nahm zunächst Einfluß auf den Aufmarsch der beiden in Südungarn sich versammelnden Armeen. Bei der 3. konnte dieser nicht nach dem ursprünglichen Plane geschehen, da infolge der Rückschläge auf dem russischen Kriegsschauplatz das k.u.k. VI. und das XVII. Korps dort festgehalten wurden (S. 107 und 128). Den Ausfall deckte die deutsche Heeresleitung durch vier Divisionen, von denen drei (XXII. RKorps mit der 43. RD., 44. RD. und 26. ID.) der 3. Armee zugewiesen wurden. Die uneingeschränkte Unterordnung erfolgte aber erst nach Austragung einer Meinungsverschiedenheit, da Mackensen anfänglich dieses Korps unmittelbar an seine Befehle gebunden wissen wollte. Da GdK. Tersztyánszky aus soldatischen Gründen gegen Belgrad öst.-ung. Truppen ansetzen wollte, versammelte er das k.u.k. VIII. Korps (57. und 59. ID.) bei Semlin, weshalb das XXII. RKorps in den Raum westlich davon herangeführt wurde. Um die 3. Armee, über deren zahlreiche Landsturmtruppen Obstlt. Hentsch seiner Heeresleitung gemeldet hatte, daß sie nicht die erforderliche Angriffskraft besäßen, möglichst stark zu machen, ließ Mackensen das k.u.k. XIX. Korps statt in Nordostbosnien gleichfalls in Syrmien aufmarschieren, wozu er zu den schon an Ort und Stelle befindlichen drei Landsturmbrigaden (205., 206. LstlBrig. und Brigade GM. Schwarz) auch noch — wie es scheint, infolge eines Mißverständnisses — die 53. ID. von Višegrad heranzog. Der Landeschef von Bosnien, GdI. Sarkotić, sah diese Division nur ungern seinen Bereich verlassen, weil er doch noch mit der Möglichkeit eines Serbeneinfalles rechnete. Er ging daran, als Ersatz für die abgezogene Division eine neue 62. zu bilden (S. 158), die aber infolge ihrer Zusammensetzung aus minder leistungsfähigen Truppen für eine offensive Verwendung in dem sehr schwierigen, verkarsteten Gebirgsgelände nicht in Frage kommen konnte.
Der Aufmarsch der deutschen 11. Armee vollzog sich reibungslos. Außer den schon genannten Divisionen traten noch die Kommandos des IV. R- und des III. Armeekorps sowie die 107. ID., die 6. ID. und die
25. RD. hinzu. Diese Armee zählte somit sieben Divisionen; eine achte
*) Vgl. S. 9, Text und Fußnote 3.
war ausgefallen, da sie durch die im Westen einsetzende französischenglische Offensive festgehalten blieb1).
Von den Landsturmtruppen, die bisher die Grenze schützten und den Aufmarsch verschleierten, traten die Gruppe FML.Fülöpp zur 11. Armee, die vor Belgrad befindlichen Brigaden GM. Mrázek und GM. v. Haustein zum k.u.k. VIII.Korps, indes die zwischen Šabac und der Drinamündung stehende divisionsstarke Gruppe FML. v. Sorsich, dann die Drinasiche-rungsgruppe GM. Streith und die 62. ID. direkt dem 3. Armeekmdo. unterordnet wurden. Von den weiter südlich im Befehlsbereich des GdI. Sarkotić stehenden Grenzschutztruppen erwartete man, daß sie die Montenegriner in Schach halten würden. Fünf aus dem Hinterlande zugeschobene Landsturmbataillone, später als Gruppe Oberst v. Zhuber zusammengefaßt, sollten nebst den Festungen den Grenzschutztruppen als Rückhalt dienen.
Außer der am 21. September erlassenen Aufmarschanweisung erhielt das 3. Armeekmdo. aus Temesvár zunächst keine Befehle operativen Inhaltes; auf eine von Teschen gestellte Anfrage mußte es seine selbstgewählten Übergangspunkte melden: die am Zusammenflusse der Donau und der Save liegende, aus den Türkenkriegen her bekannte alte Feste Kalimegdan, die Zigeunerinsel knapp westlich von Belgrad, Boljevci, Jarak, dann an der Drina Bijeljina, Slap und Višegrad. Doch nicht mehr GdK. Tersztyánszky sollte die 3. Armee zum Siege führen. Ein Meinungsstreit, der wegen Heranziehung von Zivilarbeitern für Heereszwecke mit dem seinem Hauptquartier beigegebenen ungarischen Regierungskommissär entstanden war, hatte sich derart zugespitzt, daß der allmächtige ungarische Ministerpräsident Graf Tisza die Kabinettsfrage stellte. So sehr sich Conrad für den Armeeführer einsetzte, fiel die Entscheidung der Krone gegen diesen. Zum Nachfolger wurde der bisherige Kommandant des XII. Korps, GdI. v. Kövess, bestimmt (S. 162), dem GM. Konopicky als Generalstabschef zur Seite trat. Kövess traf am 26. September nach der Abreise seines Vorgängers, Konopicky am 28. in Neusatz ein, während Obst. Dáni noch bis 13. Oktober beim Armeekmdo. verblieb.
In diese Zeit emsiger Vorbereitung fiel auch eine von Falkenhayn angeregte Scheinunternehmung, die vornehmlich von Artillerie und Fliegern am 18. und 19. September an verschiedenen Frontstrecken ausgeführt wurde. Hatte sie den Beginn des Feldzuges vorzutäuschen, so sollte dann das Ausbleiben des Angriffes die Serben einschläfern. Doch die Wirkung war gering. Nach allem, was man über den Feind in
x) Gallwitz, Meine Führertätigkeit im Weltkrieg 1914/16 (Berlin 1929), 379.
Erfahrung bringen konnte, schien sein Vertrauen in die Stärke der Stromhindernisse so groß zu sein, daß er auf Kosten der Save-Donaufront Truppen nach Zaječar verschob (KombD. und TimD.I) und überdies zur Aufstellung einer neuen Armee Albanien entblößte, um gegen Bulgarien zu sichern, dessen Kriegsvorbereitungen ihm also nicht entgangen sein konnten.
Die Gegenmaßnahmen im feindlichen Lager Serbien hatte sich im Angesichte der heraufziehenden Gefahr frühzeitig an die Alliierten um Hilfe gewendet. Diese Hilferufe kamen zu recht ungelegener Zeit. Zwar war die Aufmerksamkeit der Westmächte durch die empfindliche Niederlage, die Hamiltons Expeditionskorps eben bei Anaforta erlitten hatte (S. 4), aufs neue nach dem Balkan hingelenkt worden. Brennend erhob sich, von den einzelnen Verbündeten und auch in jedem ihrer Lager recht unterschiedlich beantwortet, die Frage, ob das Dardanellenunternehmen überhaupt fortzusetzen sei und, wenn ja, woher man im Hinblick auf den in Frankreich vorbereiteten Schlag (S. 4) die nötigen Verstärkungen zu nehmen hätte1). Grundsätzlich wurde anfangs September beschlossen, den Gen. Sarrail mit vier französischen Divisionen Verstärkung nach den Dardanellen zu entsenden; britische Kräfte sollten über Ägypten folgen. Joffre drang jedoch mit der Forderung durch, daß vorerst der Erfolg der Doppelschlacht in Frankreich abgewartet werden müsse. Diese brach am 20. September im Artois und in der Champagne los. Tags darauf verfügte Bulgarien die Mobilisierung seines Heeres. Mehr noch vielleicht als das augenblickliche Schicksal Serbiens lag den Westmächten die Verbindung, die von Saloniki über Skoplje und Prahovo nach Rußland führte und die durch ein Eingreifen Bulgariens auf der Seite der Mittelmächte unmittelbar bedroht war, am Herzen. Den Serben in absehbarer Zeit mit ausreichenden Kräften zu Hilfe zu kommen, war jedoch den Alliierten nicht möglich. Rußland war mit seiner Millionenarmee auf dem eigenen Kriegstheater gebunden. Eine Landung stärkerer Truppenteile an der bulgarischen Küste, wie sie der serbische Generalstab gern gesehen hätte 2), kam *) Vgl. darüber u.a. Churchill, Weltkrisis (in deutscher Sprache, Leipzig 1926), II, 456 ff.; Robertson, Soldaten und Staatsmänner 1914—1918 (in deutscher Sprache, Berlin 1927), 100 ff. und 321 ff.; Callwell, Die Tagebücher des Feldmarschalls Wilson (in deutscher Sprache, Stuttgart 1930), 133 ff.
2) Großer Generalstab, Der große Krieg Serbiens zur Befreiung und Vereinigung der Serben, Kroaten und Slowenen (Belgrad 1924), VIII, 291 f., in serbischer Sprache. Künftig zitiert als: Serb. Gstb.W.
nichi in Betracht. Der Zar konnte nur eine Flottendemonstration versprechen1). Ebenso erklärte sich Italien außerstande, für Serbien irgend etwas tun zu können, da der bevorstehende neue Angriff am Isonzo ohnehin die Anspannung aller Kräfte erfordere. Denn Cadorna war einer Entsendung von Truppen auf Nebenkriegsschauplätze grundsätzlich abgeneigt.
Im Gegensatz zu diesen Ablehnungen faßten die Westmächte wohl den Entschluß, sofort je eine französische und eine britische Division aus dem Dardanellenkorps herauszulösen und nach Saloniki zu überführen. Aber auch dieses Korps war zunächst nicht als unmittelbare Unterstützung der Serben gedacht; es sollte vielmehr, einem Wunsche des durch Neuwahlen wieder ans Ruder gelangten ententefreundlichen Venizelos entsprechend (S. 14), die Griechen mitreißen und in weiterer Folge auch die Rumänen zum Eingreifen an der Seite der Entente verlocken. Der rumänische Ministerpräsident Bratianu erwies sich jedoch noch immer wenig geneigt, diesen Verlockungen Folge zu leisten. Er stellte namentlich in militärischer Hinsicht außerordentlich hohe Gegenforderungen; so verlangte er unter anderem, daß auch Rußland mit mehreren hunderttausend Streitern eingreife2), mit welchem Wunsche bei der den Rumänen wohlbekannten Lage des Zarenreiches die Hoffnungen der Entente auf Bukarest begraben waren.
Günstiger schienen sich die Dinge anfangs für die Alliierten in Griechenland zu entwickeln. Die Haltung der Regierung Venizelos, die die bulgarische Mobilisierung ungesäumt mit der Aufrüstung ihres Heeres beantwortet hatte, schien Gewähr dafür zu bieten, daß sich das Land nach dem im letzten Balkankrieg mit Serbien abgeschlossenen Bündnisvertrag verhalten und daß es dem Savekönigreich ungesäumt 150.000 Streiter zu Hilfe senden werde. Es war für Venizelos keine Überraschung, als Frankreich am 2. Oktober in Athen den griechischen Behörden die Ankunft der ersten französischen Truppen in Saloniki bekanntgeben ließ3). Der Ministerpräsident legte zwar gegen die von der Entente verübte Neutralitätsverletzung förmliche Verwahrung ein, beeilte sich jedoch, am 4. Oktober der Kammer mitzuteilen, daß Griechenland seinen Bündnispflichten gegenüber Serbien nachkommen werde. Inzwischen hatte aber auch Deutschland seinen ganzen Einfluß in Athen aufgeboten. Der Deutsche Kaiser verbürgte sich gegenüber seinem Schwager Konstantin dafür, daß kein bulgarischer Soldat griechischen Boden betreten
x) P a 1 é o 1 o g u e, II, 85 f.
2) Das Zaristische Rußland im Weltkriege, 145 ff. und 223 ff.
3) Robertson, 322.
werde1). Venizelos wurde am 5. Oktober wieder verabschiedet. Die neue Regierung stellte die Verpflichtung, Serbien Hilfe zu bringen, in Abrede, weil sich das Bündnis nur auf einen Balkanzusammenstoß, nicht aber auf einen solchen mit einer Großmacht beziehe; Griechenland werde auch weiterhin neutral bleiben, die Neutralität aber gegenüber der Entente besonders wohlwollend handhaben, wie schon das stillschweigende Dulden der Landung in Saloniki beweise.
Der serbische Generalstab war, zumal seit Beginn der bulgarischen Mobilisierung, in höchstem Maße unruhig geworden. Er warf den Gedanken auf, den Bulgaren im Angriff zuvorzukommen und sie während ihrer Aufrüstung zu überfallen2), stieß mit diesem Plane aber auf den schärfsten Widerstand der Alliierten, namentlich auch Rußlands, das sich bis in die ersten Oktobertage hinein der Hoffnung hingab, das bulgarische Volk werde sich doch noch der völkischen, religiösen und historischen Bande besinnen, die es mit dem Zarenreiche verknüpften, und über den Kopf des Königs und der Regierung hinweg seine eigenen Wege gehen3). Gemäß den bestimmten Wünschen der alliierten Groß’ machte wurden die serbischen Posten an der bulgarischen Grenze bei Androhung der Todesstrafe verhalten, jede Herausforderung der Bulgaren unbedingt zu unterlassen. Gleichzeitig wurde Sofia noch einmal unter stärksten Druck gesetzt — selbstverständlich vergebens. Schließlich forderten am 4. Oktober in einer auf 24 Stunden befristeten Note die Entente-Großmächte von Bulgarien ungesäumten Bruch mit Deutschland, Einstellung der Rüstungen und Abschub aller im Lande aufgetauchten deutschen Offiziere. Bulgarien lehnte ab; die Ententegesandten verlangten ihre Pässe. Der Zar Ferdinand und das Kabinett Radoslawoff hatten sich stärker erwiesen als die gewiß recht machtvolle russenfreundliche Partei in Bulgarien, auf die die Alliierten so große Hoffnungen gesetzt hatten.
Das Fernbleiben Rußlands, Rumäniens, Griechenlands und Italiens veranlaßte nun die Westmächte zu dem Entschlüsse, stärkere Kräfte nach Saloniki zu senden. Wohl dauerte im Artois und in der Champagne der am 20. September aufgenommene Kampf, der zum erstenmal in
x) K u h 1, Weltkrieg, I, 286.
2) Mit ähnlichen Gedankengängen beschäftigte sich auch Gen. Sarrail, der zu ihrer Ausführung die französisch-englische Orientarmee allein vier Korps stark haben wollte. N é d e f f, Les opérations en Macédoine. L’epopee de Doiran 1915—1918 (Sofia 1927), 10.
3) Serb. Gstb. W., VIII, 284 ff.; Paléologue, II, 77 ff.; Das Zaristische Rußland im Weltkriege, 223 ff.; G r a s s e t, La Tragédie des Dardanelles (Paris 1931), 229ff.
besonders deutlicher Weise den Charakter der „Materialschlacht“ trug, noch in wechselnder Heftigkeit fort. Aber den Anfangserfolgen, die die gewaltig überlegenen Angreifer zu erringen vermocht hatten, war keinerlei Entscheidung gefolgt. Die Abwehrmauer der Deutschen wies vorübergehend nicht ungefährliche Breschen auf, stand aber in ihrer Gesamtheit unerschütterlich fest. So war es nun Joffre selbst, der sich vor Mitte Oktober nach London begab, um dort den letzten Widerstand der Engländer gegen eine Erweiterung des Saloniki-Unternehmens zu überwinden. Der Entschluß, bei Saloniki nunmehr unter dem Befehl des französischen Gen. Sarrail allgemach 150.000 Mann zusammenzuziehen, wurde den Machthabern nicht wenig durch die wachsende Erkenntnis erleichtert, daß man schließlich doch Gallipoli werde räumen müssen. Für die Serben hatte diese Botschaft im Augenblick allerdings keinen besonderen Wert. Sie standen seit Tagen in schwerer Schlacht, die über das nächste Schicksal des Landes entscheiden sollte, ehe es der Entente gelingen konnte, irgendeine Hilfe zu senden.
Die militärische Lage in Serbien und Montenegro zu Anfang Oktober
Unterdessen hatten die Serben im Laufe des Monats September erhebliche Teile ihres Heeres an die Ostfront verschoben (S. 193). Um die Monatswende stand in Nordwestserbien, an der Drina und an der Save, die aus der Užicegruppe, der Sokolbrigade, der DonD.II, der DrinD.II und der MorD.II zusammengesetzte 1. Armee unter dem Woiwoden Misić. Im Abschnitt von Belgrad verfügte Gen. Živkovič zwischen Ostruž-nica und Grocka in einer Front von 50 km nur über 20 Bataillone dritten Aufgebotes und über 75 Geschütze1). Von Grocka donauabwärts bis Prahovo waren etwa 24 Bataillone (Braničevo- und Krajinadetachement) der 3. Armee, Gen. Jurišič-šturm, in weitgespannter Postenkette verteilt, während zwei Divisionen (DonD.I und DrinD.I) bei Semendria—Palanka an der Pforte des Moravatales versammelt waren. Bei Knjaževac, Zaječar und Negotin stand die unter Gen. Gojkovic neugebildete Timokarmee-gruppe (Negotiner Gruppe, KombD., ŠumD.II und Truppen des dritten Aufgebots). Die bei Niš, Pirot, Vlasotince und Vran je aufmarschierten Streitkräfte (Tumbagruppe, MorD.I, TimD.I, ŠumD.I, KD., Vlasina-gruppe) bildeten die vom Woiwoden Stepanovic geführte 2. Armee. Bei Egri-Palanka, im Bregalnica- und im Vardartal schützten 31 Bataillone
i) Serb. Gstb.W., IX, 66.
unter dem Gen. Popovic die Ostgrenze Mazedoniens; 13 Bataillone hielten den Nordosten Albaniens zwischen Prizren und Tirana besetzt. Die Tim-D.II stand zur Verfügung der Heeresleitung bei Vk. Sopot an der Bahn südlich von Belgrad.
Die Montenegriner waren in drei Gruppen (Lovcen-, Herzegowina-und Sandžakgruppe) an der Grenze von der Küste bis zum Lim aufgestellt. Eine vierte Gruppe befand sich Ende Juni in Nordalbanien.
Schon seit Juli bemühten sich die Serben, wenigstens die an der oberen Drina stehenden Montenegriner unter ihren unmittelbaren Befehl zu bekommen. König Nikola lehnte die wiederholten Vorschläge mit dem Himveis auf die ungünstige Stimmung seiner Truppen ab. Auch Drohungen halfen nichts, so daß man auf serbischer Seite den Herrscher der Schwarzen Berge schon des Einverständnisses mit Österreich-Ungarn bezichtigte. Allerdings lauteten die Nachrichten, die im September über die moralische Verfassung der Montenegriner beim serbischen Generalstab einlangten, außerordentlich ungünstig. So begnügte man sich schließlich mit der unmittelbaren Unterstellung der südlich von Višegrad stehenden montenegrinischen Brigade unter serbisches Kommando1).
Die Unklarheit der Lage und die schon geschilderten Einflüsse der Entente hatten schließlich dazu geführt, daß die serbischen Streitkräfte in zwei ziemlich gleich starke Teile zerfielen, deren einer das Land im Norden und Nordwesten, der andere gegen Osten zu verteidigen hatte. Was den Gegner anlangte, so rechnete die serbische Heeresleitung an der Drina nur mit einem Angriff von etwa vier Landsturmbrigaden, in Syrmien mit dem Auftreten von vier durch deutsche Hilfstruppen verstärkten Divisionen. Aus diesem Raum erwartete sie, am Saveabschnitt Obrenovac— Šabac, den Hauptangriff, den Woiwode Mišič mit seiner 1. Armee zurückzuschlagen hatte. An der Donau befürchtete der serbische Generalstab zunächst kein größeres gegnerisches Unternehmen. Der Aufmarsch großer Truppenmassen gegenüber der Moravapforte war seinen Fliegern bis anfangs Oktober fast verborgen geblieben. Um so schmerzlicher war die Überraschung, als am 5. Oktober der Donner der einsetzenden Artillerieschlacht doch den Beginn einer Donaubezwingung durch die Gegner verkündete.
Das kleine Savekönigreich stand vor einem der schwersten Abschnitte seiner Geschichte, lediglich die versprochene Hilfe seiner Verbündeten gab ihm Hoffnung zum unausbleiblichen Waffengange.
x) Die montenegrinische Armee zählte Ende September 50.000 Mann und 134 Geschütze.
Die letzten Vorbereitungen für den Donau-und Saveübergang (29. September bis 5. Oktober)
Hiezu Beilagen 9 und 10
Am 29. September erhielten die Armeen Kövess und Gallwitz vom Heeresgruppenkmdo. Mackensen die Befehle für den Übergang. Die deutsche 11. Armee hatte „sich zunächst in den Besitz der Donau zwischen Semendria und Báziás zu setzen und nach Gewinnung des Südufers unter Sicherung der Übergangsstellen und der rückwärtigen Verbindungen sogleich den Vormarsch beiderseits der Morava gegen die Linie Palanka—Zabari—Petrovac anzutreten“. In Übereinstimmung mit den Bewegungen der 11. Armee, hieß es in dem Heeresbefehle Mackensens dann weiter, werde die an der serbisch-bulgarischen Grenze aufmarschierende bulgarische 1. Armee mit vier Divisionen gegen die Linie Paraćin—Niš vorgehen. Die k.u.k. 3. Armee hatte „sich zunächst in den Besitz der Bergstellung südlich und südöstlich von Belgrad zu setzen“. Hiezu sollte sie „nach gründlicher artilleristischer Vorbereitung durch gemeinsamen Angriff ihrer Hauptkräfte (VIII. Korps und XXII. RKorps, fünf Divisionen) die Donau überwinden und die ungefähre Linie ... Kneže-vac—... Avala—... Ritopek gewinnen“. Gleich nach dem Einrücken in diese Linie sollte die Armee Kövess in das südlich davon gelegene Bergland vorgehen und möglichst bald den Abschnitt Arangjelovac—Kovačevac erreichen, um starke serbische Kräfte auf sich zu ziehen und so den entscheidenden Vorstoß der 11. Armee zur vollen Wirkung kommen zu lassen. Überdies erhielt GdI. Kövess den Auftrag, das k.u.k. XIX. Korps, dessen 53. ID. allerdings erst im Anrollen war, mit den Hauptkräften bei Kupinovo, mit einer schwächeren Gruppe bei Boljevci über die Save zu setzen und dann westlich der Kolubara zunächst nach Süden vorbrechen zu lassen, um die dort befindlichen serbischen Kräfte zu binden und deren Eingreifen gegen die rechte Flanke der 3. Armee zu verhindern. Später sollte das XIX. Korps je nach dem Verhalten des Feindes, etwa über Lazarevac auf Arangjelovac, an den rechten Flügel der 3. Armee herangezogen werden. Mackensen wies auch darauf hin, das k.u.k. AOK. werde möglichst starke Kräfte der an der Drina in Bosnien stehenden Truppen zu einem Vorstoß über Višegrad auf Užice ansetzen und diese Operation mit dem Vorgehen der 3. Armee in Einklang bringen. Diese Truppen, die 62. ID., FML. v. Kaiser, und die ihr anfänglich unterstellte Gruppe GM. Streith, ließ die Heeresleitung, um
Unklarheiten zu beseitigen, am 29. gleichfalls unter den Befehl des GdI. Kövess treten. Schließlich war der Bau von Kriegsbrücken bei Belgrad, über die Zigeunerinsel, bei Boljevci und bei Kupinovo vorzubereiten. Als Zeitpunkt für den Beginn der Kriegshandlung faßte Mackensen den 5. oder 6. Oktober ins Auge. #
Unterdessen näherte sich auch die Versammlung der k.u.k. 3. und der deutschen 11. Armee der Vollendung. Der Eisenbahnaufmarsch hatte allerdings nicht programmgemäß abgewickelt werden können; wegen der geänderten Entschlüsse über die Verwendung der 12., der 37., der 39. und der 41. Division war er vielfachen Veränderungen unterworfen worden. Auch war die Leistungsfähigkeit der zu beiden Seiten der Donau befindlichen Bahnen verschieden. Der Aufmarschraum der 3. Armee war verhältnismäßig gut ausgestattet; jener der 11. konnte südlich von Temes-vár zum Teil nur auf wenig leistungsfähigen Bahnen erreicht werden (Bd. I, Beilage 3). Trotzdem kam man zu einer Tagesdurchschnittsleistung von 37 Zügen, und in 32 Tagen wurden 1181 Hundertachser ans Ziel gebracht. Das war die doppelte Traňsportmasse bei halber Tagesintensität in der vierfachen Zeit wie beim Aufmarsch für den Durchbruch bei Gorlice (Bd. II, S. 316).
Während der nunmehr mit größtem Eifer betriebenen Vorbereitungen ergaben sich anfangs Oktober verschiedene Schwierigkeiten, die eine Verschiebung des Überganges um eine kurze Zeit erwünscht erscheinen ließen. Die 11. Armee bat um mehr Übergangsmittel als vorhanden waren. Auch mußte die Absicht, das XIX. Korps einen Tag vor den Hauptkräften der 3. Armee angreifen zu lassen, fallengelassen werden, da die ersten Staffeln der 53. ID. erst am 4. Oktober abends Ruma erreichen konnten. Überdies meldete GdI. Sarkotić an diesem Tage, daß die Verbände der 62. ID. zum Angreifen noch nicht befähigt seien, und schlug vor, den Vorstoß gegen Užice erst durchzuführen, wenn sich die Hauptkraft der 3. Armee dem oberen Tal der Westlichen Morava nähere.
Unterdessen waren auf dem Wege über die Verbindungsoffiziere aus Bulgarien Meldungen eingelangt, die zu besagen wußten, daß die bulgarische Mobilisierung wahrscheinlich etwas längere Zeit beanspruchen werde, als im Vertrage vorgesehen war. Trotzdem verbot sich den Streitkräften der Mittelmächte ein späteres Austreten. Jeder Tag, den man früher losbrach, war für die Sicherheit der Türkei wertvoller Gewinn. Auch Klima und Wetter trieben zur Eile an. Man mußte mit dem Ausbruch der herbstlichen „Kossava“-Stürme rechnen, die selbst den Bestand schwerer Schleppschiffbrücken auf der Donau gefährden konnten.
Zu Anfang Oktober verdichteten sich überdies die Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Landung britischer und französischer Truppen bei Saloniki zur Gewißheit (S. 196). Schon am 24. hatten die Gesandten Englands und Rußlands dem bulgarischen Ministerpräsidenten mit dieser Entsendung gedroht1). Am gleichen Tage hatte König Konstantin die Aufrüstung seines Heeres verfügt, und es war in den folgenden zwei Wochen bei allem Bemühen der Deutschen, Griechenland in der Neutralität zu halten, doch noch nicht ausgeschlossen, daß sich dieses gegen Bulgarien wenden mochte. Erst die Entlassung des Ministerpräsidenten Venizelos bot beruhigende Aufklärung.
Am 4. Oktober bestimmte Mackensen, daß die Offensive am 6. aufzunehmen sei. An diesem Tage sollten die Truppen an der Drina und bei Jarak vorbrechen und die bei den einzelnen Armeen vorgesehenen Scheinangriffe einsetzen. Für den 7. Oktober wurde der Übergang der 3. Armee — XIX. Korps, XXII. RKorps und VIII. Korps — und des
X. RKorps der 11. Armee befohlen. Das IV. RKorps sollte am nächsten Tage, das III. Armeekorps frühestens zu gleicher Frist folgen.
Ein gewaltiges Aufgebot stellte sich in diesen Tagen zum Überfall auf Serbien bereit. Die Heeresgruppe Mackensen und die bulgarische
2. Armee zählten zusammen 350 Bataillone und 1400 Geschütze, denen die Serben nur 275 Bataillone und 654 Rohre entgegenzusetzen vermochten. An der Save-Donaufront und an der Drina im besonderen sollten sich 143 Bataillone und 362 Geschütze der Serben mit 202 Bataillonen (darunter allerdings 85 vom Landsturm) und 990 Geschützen der verbündeten Mittelmächte messen. In Belgrad selbst verfügten die Serben nur über 20 Landsturmbataillone und 75 Kanonen gegen 66 Bataillone und 273 Geschütze (darunter 108 schwere) der Armee Kövess. Es war unleugbar ein ungleicher Kampf, auf den es Serbien nunmehr ankommen ließ.
Die Vorbereitungen bei der k.u.k. 3. Armee
Entsprechend den am 29. September erlassenen Befehlen Mackensens konnten am 30. vom 3. Armeekmdo. die noch unter Leitung des Obersten Dáni ausgearbeiteten Einzelanordnungen für den Übergang ausgegeben werden. Darnach hatten das VIII. Korps (57. und 59. ID., Landsturminfanteriebrigaden GM. Haustein und GM. Mrázek) östlich von Semlin die
x) Das Zaristische Rußland im Weltkriege, 154; die beiden Gesandten, Bax-Ironside und Sawiński, sprachen schon damals von 150.000 Ententestreitern, die für den Balkan bestimmt seien. Vgl. S. 10.
Donau, das deutsche XXII. RKorps (43. und 44. RD.) die Save über die Kleine und Große Zigeunerinsel zu überschreiten. Nach dem Erreichen des Südufers hatten die beiden Korps die Linie Zarkovo—Dedinje—Vk. Vracar zu gewinnen und sodann bis auf die Höhe Petrovo brdo, auf jene südlich von Jajince und südöstlich vom Slancebach vorzurücken, in welcher Linie ein Brückenkopf geschaffen werden sollte. Als Grenze zwischen den beiden Armeekörpern war die von Belgrad zur Höhe Avala führende Straße bestimmt. Die Brigade Mrázek vom VIII. Korps hatte östlich von Semlin die Donau zu sichern und die ersten Kämpfe auf dem serbischen Ufer durch Feuer zu unterstützen; dann sollte sie auf Dampffähren nach Belgrad überschifft werden. Die dritte, dem XXII. RKorps zugeteilte Division, die deutsche 26., hatte als Armeereserve in den Raum westlich von Semlin zu gelangen und bei Ostružnica einen Angriff vorzutäuschen. Am ersten Kampftag, am 5.Oktober, sollte das Einschießen der Artillerie, am Nachmittag des zweiten Tages das Wirkungsschießen stattfinden. In der folgenden Nacht waren die Übergangsstellen unter leichtem Artilleriefeuer zu halten. Gleichzeitig sollte die Donauflottille das Fahrwasser von Minen säubern. Am dritten Tag um 2hl0 früh war das Artilleriefeuer auf das höchste zu steigern, und es sollten unter seinem Schutze die ersten Überschiffungsstaffeln um 3h auf dem serbischen Ufer landen. Jedes Korps hatte sobald als möglich eine Kriegsbrücke zu schlagen, das VIII. Korps bei Belgrad stromabwärts der zerstörten Eisenbahnbrücke, das XXII. RKorps über die Große Zigeunerinsel.
Dem k.u.k. XIX. Korps wurde im Sinne der Weisungen der Heeresgruppe Mackensen befohlen, einen Tag vor dem Übergang bei Belgrad mit seinen Hauptkräften bei Kupinovo und mit einer schwächeren Gruppe bei Boljevci die Save zu überschreiten. Den Übergang sollte die in der oberen Save befindliche Monitorengruppe unterstützen. Gleichzeitig hatte die Gruppe FML. Sorsich bei Jarak, jene des GM. Streith in der Gegend von Bijeljina und die Masse der 62. ID. nächst Visegrad in Serbien einzubrechen, um möglichst starke feindliche Kräfte auf sich zu ziehen. Die weitere Bewegung dieser Heereskörper war mit dem Fortschreiten der Hauptkraft der 3. Armee in Einklang zu bringen und ihre Vereinigung bei Užice beabsichtigt.
Für die Stromübergänge wurden vom 3. Armeekmdo. zugewiesen: Dem VIII. Korps (außer seinen 4 technischen Kompagnien und 3 Kriegsbrückenequipagen) unter Obst. Mischek 4 Sappeur- und 6 Pionierkompagnien, 11 Kriegsbrückenequipagen mit 2 Zeugsreserven sowie die bei Semlin bereitgestellten Überschiffungsmittel (60 Zillen, 14 Plätten, 13 Motorboote und 16 Dampffähren).
Das deutsche XXII. RKorps hatte den nördlichen Donauarm mit eigenen Mitteln zu übersetzen; 65 Pontonteile wurden ihm. vom VIII. Korps zur Verfügung gestellt, mit denen der Südarm der Save überbrückt werden sollte.
Das XIX. Korps erhielt (außer seinen 3 technischen Kompagnien) für den Übergang bei Boljevci 4 Pionierkompagnien, 14 Kriegsbrückenequipagen und 30 Pontonteile, für jenen bei Kupinovo unter Obstlt. Hamböck 5 Pionierkompagnien, 16 Kriegsbrückenequipagen mit 1 Zeugsreserve und 35 Pontonteile, während der Gruppe FML. Sorsich 1 Pionierkompagnie mit 3 Kriegsbrückenequipagen, der Gruppe GM. Streith 2 Pionierkompagnien und 6 Kriegsbrückenequipagen, endlich der 62. ID. 1 Pionierkompagnie und 4 Brückenequipagen zugeführt wurden.
Eifrigst wurde an den letzten Vorbereitungen für den Übergang gearbeitet. Die Divisionen des VIII. Korps sollten wegen Fliegersicht erst im letzten Augenblick an die Übergangsstellen vorgeschoben werden. FZM. v. Scheuchenstuel entschloß sich, die Überschiffung der Save bei Semlin mit der 59. ID. aus der zuströmenden Donau und von ihrem Ostufer aus zu beginnen und seine zweite Division, die 57., von Alt-Banovce aus auf Dampffähren folgen zu lassen. GdK. v. Falkenhayn, der Kommandant des XXII. RKorps, stellte in den ersten Oktobertagen unauffällig die 43. ID. bei Surčin, die 44. RD. bei Karlovčič—Deč und die 26. ID. bei Prhovo bereit. Zu gleicher Zeit versammelte FML. Trollmann hinter der die Save sichernden 206. LstlBrig. die Brigade GM. Schwarz bei Subotište—Ogar und zog die 205. LstlBrig. nach Ašanja heran. Für die noch aus Bosnien unterwegs befindliche 53. ID. wurde der Raum von Ogar—Platicevo—Tovarnik für den Aufmarsch bestimmt. FML. Sorsich stand bereits am 2. Oktober mit der Masse seiner Gruppe (Landsturmetappenbrigaden Obst. Ybl und GM. Schiess) bei Šasinci und Hrtkovci aufgeschlossen; bis zur Drinamündung sicherten vier Landsturmbataillone.
Allerdings ließen jetzt verschiedene Schwierigkeiten die Verschiebung der Operation um eine kurze Zeit erwünscht erscheinen; doch Mackensen setzte am 4. Oktober endgültig fest, daß das Einschießen am folgenden Tage zu beginnen habe. Der Übergang sollte demnach am 7. Oktober durchgeführt werden.
Die Bezwingung der Grenzströme
(5. bis 11. Oktober)
Hiezu Beilage 11
Der Übergang in die Macva (6. Oktober)
Am 6. Oktober nachmittags steigerte sich das tags zuvor aufgenommene Geschützfeuer gegen die serbischen Uferstellungen zu gewaltiger
Wucht. „Von Orsova bis Višegrad lief der Donner der deutschen und österreichischen Geschütze. Am gewaltigsten donnerte die Artillerieschlacht bei Semendria und Belgrad, wo die Serben die stärksten Burgen hatten; aber auch bei Tekija gegenüber von Orsova, bei Ram, Obrenovac und Šabac lag schweres Feuer auf den serbischen Uferwerken. Alle Kaliber vom Gebirgsgeschütz bis zum 42cm-Mörser waren vertreten und schleuderten ihre Geschosse auf die alten Ringmauern Belgrads und Semendrias sowie auf die modernen Grabenanlagen und Betonwehren der serbischen Uferfesten. Die Mauern sanken, Semendria geriet in Brand, Belgrads Vorstädte fielen in Schutt, Schützengräben und Betonkeller füllten sich mit Leichen. Doch der Serbe wich trotz der grauenvollen Wirkung dieser unerhörten artilleristischen Gewalt nicht aus den Trümmern, sondern deckte sich in den Bauwerken der erhöhten Südufer der beiden Ströme, in den Kukuruzfeldern der Niederungen und den toten Winkeln des Berglandes und erwartete den Anlauf des Feindes. Er erwiderte das feindliche Feuer nach Kräften, hielt den Wasserspiegel und die flachen Nordufer der Donau, der Save und der Drina unter scharfer Aufsicht und machte sich bereit, seine dünnen Linien beizeiten zurückzunehmen und den übersetzenden Feind mit rasch geballten Kräften an der entscheidenden Stelle in den Strom zurückzuschleudern *).“
Schon am 6. früh hatte der Vorstoß der österreichischen und ungarischen Landsturmtruppen in die von der DonD.II (1. Armee) gedeckte Mačva begonnen. Die Gruppe GM. Streith stieß östlich von Megjaši (nordöstlich von Bijeljina) nur auf schwache serbische Flußsicherungen, die nur geringen Widerstand leisteten; doch war es nicht leicht, in dem dichten Gestrüpp der von zahlreichen Wasseradern durchzogenen Drinaauen vorwärts zu kommen. Die wenig marschgeübten Landstürmer gelangten nicht über den östlichen Flußarm hinaus. Sie mußten sich gegen Abend überdies serbischer Gegenstöße von Badovinci her erwehren. GM. Streith zog daher aus dem Abschnitt von Zvornik, wo die serbischen Sicherungsabteilungen vor dem Artilleriefeuer auf die rechten Talhöhen zurückgewichen waren, zwei 'Bataillone zur Übergangsstelle heran. Diese Unterstützungen konnten jedoch erst nach zwei Tagen eintreffen. Währenddessen verstärkten sich die Serben bei Badovinci durch eine Abteilung der DonD.II und hielten die Gruppe Streith an der Drina fest.
Der Gruppe FML. Sorsich gelang es am 6. Oktober, bei Jarak im feindlichen Feuer die Save zu übersetzen und bis an die Dammstraße Drenovac—Mitrovica vorzudrinpen. Die Landsturmbataillone schufen sich
O
dort einen Brückenkopf und hielten den von Šabac her zu Hilfe geeilten Abteilungen der DonD.II stand. Die in der oberen Save befindlichen Kriegsfahrzeuge, der Monitor Szamos und der armierte Dampfer Una, die bei diesem Kampfe mitgewirkt hatten, gerieten am 6. nachmittags bei ihrer Talfahrt zum XIX. Korps in das Feuer der bei Šabac aufgestellten serbischen Artillerie, wobei die Szamos beschädigt wurde22).
Am gleichen Tage hätte auch die bei Visegrad sich sammelnde Gruppe FML. Kaiser vorstoßen sollen. Es waren aber weder die Truppen noch der aus Wolhynien anrollende Stab der dort aufgelösten 62. ID. (S. 158) zur Stelle. Die geringe Kampfkraft der dem FML. Kaiser zugedachten Bataillone ließ es überhaupt bedenklich erscheinen, das Unternehmen in seiner Vereinzelung durchzuführen. Das 3. Armeekmdo. glaubte jedoch, auch von der Heeresleitung in diesem Sinne beeinflußt, auf den Vorstoß gegen Užice nicht verzichten zu können. So wurde der Übergang bei Visegrad für den 7. in Aussicht genommen.
Der Übergang des XIX. Korps über die Save (6. bis 8. Oktober)
Am 6. war die Masse des k.u.k. XIX. Korps zwischen Progar und Boljevci dicht an das Nordufer der Save herangerückt. Entgegen dem ausdrücklichen Befehle hatte FML. Trollmann als Übersetzstelle seiner rechten Gruppe (17. GbBrig. und LstlBrig. GM. Schwarz, beide unter dem Kommandanten der 53.ID., GM. v.Pongrácz) nichtKupinovo, sondern Progar gewählt. Hier konnte wohl der Angriff gegen die Saveschlinge umfassend geführt werden, dafür war aber die Gangbarkeit des serbischen Ufergeländes durch Sumpf stark beschränkt. Als linke Gruppe sollte die 205. LstlBrig., GM. v. Reinöhl, gleichzeitig bei Boljevci übersetzen. Die erst heranrückenden Landsturmgebirgsbrigaden 20 und 21 waren als Korpsreserve bei Ašanja zu sammeln. Der nächtliche Anmarsch der Truppen zu den Übergangsstellen wurde durch ein Gewitter sehr erschwert. Gegen Mitternacht traf die Monitorgruppe bei Progar ein. Szamos steuerte zwar nur mit den Maschinen, seine Havarie hinderte ihn aber nicht, bei der Beschießung der feindlichen Uferstellungen kräftig mitzuwirken. Wegen Verspätung einer Abteilung stießen die ersten Staffeln der Gruppe GM. Pongrácz am 7. erst gegen 4h früh ab. Dann aber machte der Übergang gute Fortschritte; schon um 7h stand die ganze
x) Wulff, Österreich-Ungarns Donauflottille in den Kriegsjahren 1914—1916 (Wien 1918), 117.
17. GbBrig. auf dem Südufer. Die zuerst gelandeten Truppen waren inzwischen in der Saveschlinge bis knapp an Krtinska vorgedrungen, blieben aber hier gegenüber den im Ort eingenisteten Serben im Sumpfe liegen. Teile der Brigade Schwarz wurden der 17. GbBrig. nachgezogen, um den Angriff weiter vorzutragen. Allein die Serben behaupteten sich bei Krtinska trotz andauernder Artilleriebeschießung.
Gegenüber von Boljevci landeten schon um 3hl° früh die ersten Truppen der 205. LstlBrig. auf dem Südufer. Sie drangen bis an den Nordrand von Zabrež vor. Hiebei wurde die Brigade Reinöhl immer heftiger von der serbischen Artillerie aufs Korn genommen. Bis zum Nachmittag gelang es zwar, alle Bataillone und auch die Artillerie der Brigade zu übersetzen, aber die von Obrenovac herbeigeholte DrinD.II hielt den Angreifer schließlich doch in der Saveschlinge von Zabrež fest. Immerhin konnte am 7. abends bei Boljevci und in der Nacht auf den
8. bei Progar eine Brücke über die Save geschlagen werden.
Die Eroberung von Belgrad (6. bis 11. Oktober)
Bei der Hauptkraft der 3. Armee traf die Infanterie des XXII. R-Korps am 6. abends wegen des weiten, anstrengenden Anmarsches zum Teil stark ermüdet bei ihren Einschiffungsstellen gegenüber der Westfront von Belgrad ein. Die links aufmarschierte 43. RD. sollte über die beiden Zigeunerinseln hinwegsetzen, die 44. mit Teilen über die Westhälfte der Großen Zigeunerinsel, mit ihrer Masse stromaufwärts davon das serbische Ufer gewinnen.
Beim VIII. Korps rückte die 59.ID., FML. Snjarić, am 6. von Indjija nach Alt-Banovce, wo sie auf Dampffähren eingeschifft und oberhalb von Semlin auf das linke Donauufer gebracht wurde. Nach Einbruch der Dunkelheit marschierten die Truppen an die Überschiffungsstellen, die
18. GbBrig. in den Uferraum beim Finanzwachhaus Neu-Borča, die
9. GbBrig. mit der Masse auf die Reiherinsel. Zwei Bataillone, das III. des IR. 74 und das IV. des IR. 84, wurden in Semlin bereitgestellt. Die Division sollte auf dem Belgrader Donauufer am Fuße der alten Stadtfeste Kalimegdan und weiter abwärts landen. Da südlich der Kožara-insel versenkte Schiffe das Ufer verlegten, ergaben sich zwei Landungsstellen. Die in Semlin bereitgestellte Gruppe sollte am 7. um 2hl0 früh, das Bataillon 111/74 südlich und das Bataillon IV/84 nördlich der Großen
Kriegsinsel, zum serbischen Ufer fahren und beim Nebojseturm oberhalb der versenkten Schiffe landen. Vom Südostrand der Reiherinsel hatte das IV. Bataillon des IR. 87 um 2h45 früh unterhalb der versenkten Schiffe das Südufer zu gewinnen. Die nach dem Übergang freigewordenen Pontons sollten das III. Bataillon des IR. 49 von der Kožarainsel an die obere und den Rest der 59. ID. an die untere Landungsstelle als zweite Übersetzstaffel überschiffen. Die 57. ID. lag seit dem 6. früh im Raum von Neu-Banovce. Die 6. GbBrig. sollte am 7. früh in Alt-Banovce auf Dampf fahren eingeschifft werden und den Befehl zur Talfahrt abwarten, die 2. GbBrig. vorläufig zur Einschiffung bereitstehen. Die LstlBrig. Haustein hatte zunächst als Korpsreserve in Semlin zu verbleiben.
Die Säuberung des Donau-Savewinkels von Minen wurde durch die Flottille im Verein mit der Flußminenabteilung, Pioniermotorbooten und Scheinwerfern erst unmittelbar vor dem Übergang bewerkstelligt.
Die Gunst des Geländes war ausgesprochen auf Seite der Serben, da das flache, meist eingesehene linke Ufer der Ströme vom rechten beträchtlich überhöht wurde. Dieses Übel erschwerte dem Angreifer schon den Artillerieaufmarsch. Im Bereiche des k.u.k. VIII. Korps bot rechts der Donau nur die von Surčin bis Semlin verlaufende Bodenstufe der schweren Artillerie Gelegenheit zu verdeckter Aufstellung. Auf dem linken Donauufer mußten sich die Batterien vielfach hinter den Ortschaften verbergen. Dem Korps standen insgesamt 70 schwere und mehr als 90 leichte Geschütze zur Verfügung1). Das rechts benachbarte deutsche XXII. RKorps wurde bei seinem Vorgehen von 32 schweren und 170 leichten Geschützen unterstützt.
Von den dem Gen. Zivkovic unterstehenden 20 Bataillonen und 75 Geschützen standen zwischen Mirijevo und dem Finanzwachhaus Jarac 6 Bataillone und 26 Rohre2). Selbstverständlich riefen die Serben bald nach dem Übergang der Verbündeten auch alle entbehrlichen Bataillone aus den Nachbarabschnitten des Belgrader Verteidigungsbezirkes herbei. Einen starken Tagmarsch hinter der Front stand bei Vk. Sopot die Tim-D.II als Reserve der Heeresleitung eingreifbereit.
Am 7. Oktober um 2h30 früh eröffnete die Artillerie des Angreifers gegen die Landungsstellen schwerstes Feuer. Zehn Minuten darauf wurde das Ziel verlegt. Scheinwerfer gossen ihr Licht über das weitere Ufer-
x) (R o d i ć), Die Eroberung von Belgrad 1915 (7. Heft der Österreichisch-ungarischen Kriegsberichte, Wien 1917, 17ff.).
2) Serb. Gstb. W., IX, 66 ff.; Obst. Lazarevic in der Belgrader „Vřeme", 9. Oktober 1931.
gelände. Kurz darauf sollte die erste Staffel der mit Truppen vollbesetzten Pontons auf serbischem Boden anlegen.
Es fiel lcichter Regen. Nach und nach verstummte das Feuer der Geschütze, und außer dem rastlosen, magisch wirkenden Spiel der Scheinwerfer herrschte hüben und drüben unheimliche Ruhe. Die in Belgrad wütenden Brände spiegelten sich auf den Stromflächen und die immer stärker auflodernden Flammen beleuchteten das den Kalimegdan umfließende Wasser fast taghell. Lange harrten die Beobachter vergebens auf die verabredeten Lichtsignale der zu landenden Truppen. Endlich nach 4h tauchte im hellerleuchteten Donauarm südlich der Großen Kriegsinsel eine lange Pontonkette auf, die langsam dem serbischen Ufer unterhalb der Feste zuruderte. Unmittelbar nachher wurden die in ihren Fahrzeugen dichtgedrängten und wehrlosen Angreifer auch noch von feindlichen Lichtkegeln erfaßt und, vollkommen ins Helle gebracht, mit überwältigendem Feuer überschüttet, an dem auch englische Marinegeschütze und französische 15cm-Kanonen Anteil hatten. Einige Dreiteiler versanken samt ihrer Besatzung im Strom, andere trieben führerlos stromab.
Es war das Bataillon 111/74, das ungeachtet des Feuerregens unentwegt und zielsicher seinen Landungsstellen zusteuerte.
Sein tapferer Führer, Obstlt. Méttelét, dessen Fahrzeug regen- und sturmgepeitscht als erstes anlegte, führte die bis über die Knie im Wasser watende Mannschaft im heftigsten feindlichen Feuer sofort zum Sturm gegen den Bahndamm vor. Nach wütendem Handgemenge, an dem auf serbischer Seite auch syrmische Freiwillige teilhatten, vermochte sich das Bataillon an der Bahnlinie festzusetzen1).
Mühsamer ging die Überschiffung des Bataillons IV/84 vonstatten, von dem nur einige Züge das serbische Ufer erreichten, während der Rest abgetrieben wurde.
Die Serben richteten unterdessen ihre ganze Aufmerksamkeit auf die von den Scheinwerfern beleuchtete Gruppe des Obsdt. Méttelét. Diesen Augenblick ausnützend, fuhren die unermüdlichen Pioniere2) das vom Obstlt. Peter befehligte Bataillon IV/87 unbemerkt unter dem Lichtkegel dem serbischen Ufer zu. Die gelandeten schwachen Kräfte der
9. GbBrig. überwältigten rasch die an den Uferrand vorgeschobenen
x) Obstlt. Anatol Méttelét erhielt für diese Tat das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.
2) Die Pionierbataillone Nr. 1, 3, 4, 5 und 6 des österreichischen Bundesheeres begehen in der Erinnerung an den Donauübergang bei Belgrad am 7. Oktober ihren Gedenktag.
serbischen Besatzungen und setzten sich vor dem steilen Eisenbahndamm zu Füßen des Kalimegdan fest. Unterdessen konnten auch von den bei Neu-Borča bereitgestellten Truppen der 18. GbBrig. zwei Bataillone ohne besondere Schwierigkeiten übersetzt werden. Dann mußten freilich alle weiteren Übergangsversuche eingestellt werden. Mehr als zwei Drittel der Pontons waren gesunken, zerschossen oder abgetrieben worden.
Westlich von Belgrad gelang es dem deutschen XXII. RKorps, unter dem Schutz von Artillerie und der am nördlichen Savedamm verteilten Minenwerfer und Maschinengewehre noch vor Morgengrauen ein Bataillon auf das Südufer beim Finanzwachhaus Jarac und zehn Kompagnien auf die Große Zigeunerinsel überzusetzen. Dann machten, wie beim VIII. Korps, der aufsteigende Morgen und die großen Verluste jede weitere Überschiffung unmöglich. Erst am frühen Nachmittag gelang es zwei deutschen Kompagnien, die Kleine Zigeunerinsel zu gewinnen, die durch einen Damm mit dem ungarischen Ufer verbunden war. Auf der Großen Insel drangen die gelandeten Truppen, unterstützt von den Monitoren, in erbitterten Nahkämpfen bis zu den über den südlichen Savearm führenden zwei Stegen vor1).
Nicht minder schwer rangen tagsüber die am Nordrand von Belgrad gelandeten 14 öst.-ung. Kompagnien. Gen. Zivkovic, der Verteidiger Belgrads, bot alle seine Reserven auf2) und versuchte, den Angreifer in den Strom zu werfen. Die Artillerie des VIII. Korps konnte bei diesem Kampfe nicht unterstützend eingreifen, lagen doch die beiden Gegner am Eisenbahndamm einander ganz nahe gegenüber; auch gelang es nicht, durch Lichtsignale mit der gelandeten Infanterie die Verbindung aufzunehmen. Derart vereinsamt, klammerten sich die Vorhutkompagnien der k.u.k. 59. ID. an die Uferböschung fest. Schon am Vormittag gebrach es an Schießbedarf, und in den Schützenketten hatten die serbischen Geschosse breite Lücken gerissen. Am frühen Nachmittag standen kaum mehr als 2500 Streiter in einer 4000 Schritt langen Linie einem überlegenen Feinde gegenüber. In dieser äußerst bedenklichen Lage brachten die Donaumonitoren die erste Hilfe. Sie kreuzten seit der dritten Nachmittagsstunde in zwei Gruppen zu zwei und drei Schiffen hinter der Großen Kriegsinsel und bekämpften mit ihrer Artillerie die serbischen schweren Batterien auf dem Kalimegdan und auf dem Vk. Vračar. Die Flottille hatte vollen Erfolg, da sie als Zielscheibe das Feuer der
x) Regenaue r, Der Übergang über Donau und Save im Oktober 1915 (Deutscher Offiziersbund, Berlin, Jhrg. 1925, 1102).
2) Serb. Gstb. W., IX, 66 ff.
feindlichen Geschütze von der arg bedrängten Infanterie auf sich zog und dadurch deren Ausharren ermöglichte. Erst als die feindlichen Batterien mit Einbruch der Dunkelheit ihr Feuer einstellten, verließen die teilweise schwer beschädigten Monitoren die Walstatt1).
Gen. Zivkovic hatte in seiner gefährdeten Lage schon am Vormittag um Zusendung der TimD.II gebeten; die Heeresleitung willfahrte seinem Wunsche. Die ersten Bataillone der Division traten noch vor Einbruch der Dunkelheit in den Kampf. Sie trafen die Verteidiger der Hauptstadt schon in einer ziemlich-bedenklichen Verfassung an. Noch über Mittag hinaus war man ziemlich zuversichtlich gewesen. Da hatte das Eingreifen der öst.-ung. Monitoren die Wendung zum Schlimmen gebracht2). Gen. Zivkovic wurde aus der Front bestürmt, die stark erschütterte Truppe nicht länger dem verheerenden Front- und Flankenfeuer auszusetzen, sondern hinter die Stadt zurückzunehmen. Der General lehnte dies ab, erbat aber von der Heeresleitung neben der TimD.II eine weitere Division und außerdem schwere Artillerie. Die Heeresleitung hielt jedoch die Lage bei Belgrad noch nicht für so kritisch und befahl daher am 8. früh, nach Einlangen der ganzen Timokdivision den Feind im Gegenangriff zu werfen. Ihre Zuversicht sollte sich jedoch als Täuschung erweisen.
Unter dem Schutze der Nacht konnten die Verbündeten die Über-schiffung ihrer Truppen fortsetzen. Beim k.u.k. VIII. Korps brachten die nie versagenden Pioniere in zahlreichen Fahrten fast die ganze Infanterie der 9. GbBrig. auf serbischen Boden. Ferner konnten auch weitere Teile der 18. GbBrig. aufs Südufer geworfen werden, so daß am Morgen des 8. etwa 27 öst.-ung. Kompagnien am Nordrand von Belgrad standen. Die Serben waren nicht mehr imstande, diese Streitmacht in die Donau zurückzuwerfen; doch verhinderte ihre Artillerie neuerlich die Fortsetzung des Übergangs. Wieder mußten die öst.-ung. Truppen den ganzen Tag über in schwerem Feuer ausharren. An einen Sturm auf die Stadt war nicht zu denken, da die Artillerie den serbischen Stellungen hinter dem Eisenbahndamm nicht beizukommen vermochte.
Während sich die Bataillone der infolge einer Verwundung des FML. Šnjarič durch GM. v. Hrozný geführten k.u.k. 59. ID. am Bahndamm vor dem verzweifelt kämpfenden Feind behaupteten, griff die deutsche 44. RD. schon am Morgen des 8. auf dem Südufer der Save an und rollte im Laufe des Tages die serbischen Stellungen südlich der
1) Wulff, 103ff.
2) Obst. Lazarevic in der „Vreme“.
Großen Zigeunerinsel auf. Dadurch wurde der Kampf auf der Insel wesentlich erleichtert. Gegen Mittag fiel der westliche und am Nachmittag der östliche der beiden zum serbischen Ufer führenden Stege unversehrt in die Hand der deutschen Truppen. Die deutsche 44. RD. setzte hierauf den Angriff gegen Belgrad von Westen her fort und nahm abends noch die Nordhänge des Banovoberges.
Bei den am Nordrande von Belgrad fechtenden k.u.k. Truppen war es inzwischen dem Obstlt. Peter am Nachmittag gelungen, durch Lichtsignale mit der Donauflottille Verbindung aufzunehmen. Die Monitoren Leitha und Körös zerstörten durch das Feuer ihrer Flachbahngeschütze die von den Serben knapp südlich vom Eisenbahndamm besetzten Häuser1). Nun führte Obstlt. Peter die buntgemischten Abteilungen seines Abschnittes zum Sturme vor. Dieser kühne Vorstoß riß alle anschließenden Truppen mit2). In erbittertem Häuserkampfe drangen die Bataillone der 59. ID. in den östlich des Kalimegdan bergwärts führenden Stadtteil von Belgrad ein und riegelten die Straßen ab.
Als es Nacht wurde, verstummte überall das Feuer der serbischen Geschütze. Unermüdlich wanderten wieder die Pontons und Fähren, von den Pionieren gerudert, über die beiden Ströme und brachten den Rest der Infanterie der 59. ID. und auch der beiden deutschen Reservedivisionen — bis auf Teile der 43. — ans serbische Ufer. Damit war das große Werk vollbracht: der Übergang bei Belgrad war geglückt! Die Serben hatten nach zweitägigem tapferem Ringen ihre Uferstellungen preisgeben müssen.
Nun sah Gen. Zivkovic die letzte Möglichkeit geschwunden, die Stadt noch länger zu halten. Am 9. bald nach Mitternacht rief er seine hart mitgenommenen Bataillone in die Linie Vk. Vračar—Žarkovo—2e-leznik—Ostružnica zurück, die in der zehnten Vormittagsstunde besetzt wurde. Die TimD.II war am linken Flügel in den Kampf getreten.
Schon im Morgengrauen dieses dritten Schlachttages war ein Bataillon der 43. RD. kampflos in den südlichen Teil von Belgrad eingedrungen; es hatte den Konak, die Residenz der serbischen Könige, besetzt. Zur gleichen Zeit waren Abteilungen der k.u.k. 59. ID. den Kalimegdan hinangestiegen. Seit 6h früh wehte auf dem aus der Türkenzeit stammenden Gemäuer, wie schon öfter in der Geschichte, die altehrwürdige schwarzgelbe Fahne.
1) Wulff, 104.
2) Obstlt. Franz Peter, der Kommandant des Baons. IV/87, wurde für diese Waffentat mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet.
Eine Abteilung des Obstlt. Peter stellte die Verbindung zu den Deutschen beim Konak her. Im Laufe des Vormittags gewannen die 44. und die 43. RD. die Linie Banovo brdo—Topčider; die 9. GbBrig. der 59. ID. rückte durch die menschenleeren Straßen von Belgrad und erreichte gegen Mittag den Südrand der Stadt. Hier fanden die öst.-ung. Truppen Anschluß an das deutsche XXII. RKorps. Links von der 9. GbBrig. bemächtigte sich zur gleichen Zeit die 18. GbBrig., GM. Škvor, nach leichten Kämpfen mit serbischen Nachhuten der Südostausgänge der serbischen Hauptstadt. Belgrad war erobert.
Gen. Zivkovic holte am Nachmittag mit derTimD.II über Žarkovo zu einem Gegenschlag aus. Er faßte die auf die Banovohöhe gelangten deutschen Truppen in der Flanke, wurde aber von zwei Regimentern der 44. RD. zurückgeschlagen. Nun drang die 43. RD. über Topčider gegen die Dedinjehöhe vor, wo sich die Serben trotz der grauenvollen Wirkung des deutschen Artilleriefeuers zu behaupten vermochten. Auf dem linken Flügel des VIII. Korps wurde am Nachmittag ein Bataillon der 18. GbBrig. eilends auf die von den Serben offenbar voreilig geräumte Höhe Vk. Vračar vorgeschoben, um diesen Rücken noch vor einer von Südosten anrückenden feindlichen Gruppe zu besetzen. Dies gelang auch. Es kam aber am Abend noch zu wechselvollen Kämpfen, da sich die Serben des preisgegebenen Stützpunktes wieder bemächtigen wollten. Schließlich konnte sich die linke Flügelgruppe der 18. GbBrig., unterstützt vom flankierenden Feuer zweier Monitoren und der am nördlichen Donauufer sichernden LstlBrig. Mrázek, am Westrande des Höhenrückens behaupten.
Während die Masse des XXII. RKorps und die beiden Brigaden der k.u.k. 59.ID. im Verlaufe des 9. Belgrad und die Linie Banovo brdo—Topčider—Vk. Vračar gewannen, schafften Pontons und Dampffähren neue Verstärkungen über die Donau und die Save. Die 6. GbBrig. der 57. ID. war schon am Morgen von Alt-Banovce nach Belgrad überschifft worden, ihr folgte die 2. GbBrig.; in der Nacht auf den 10. rückte die vom FML. Heinrich Goiginger geführte 57. ID. links von der 59. ID. in die Front ein; die LstlBrig. Haustein kam als Korpsreserve nach Belgrad. Nun galt es, die Serben in das Hügelland südlich und südöstlich der Stadt weiter zurückzudrängen, um den Donauweg zur
11. Armee zu öffnen. Daß man dabei auf den hartnäckigsten Widerstand stoßen werde, mußte bestimmt erwartet werden, da die Flieger bereits neue befestigte Stellungen in den Bergen und zerklüfteten Tälern südlich von Belgrad entdeckt hatten. So entschloß sich GdI. Kövess, erst die
Save und die Donau überbrücken zu lassen und schweres Geschütz heranzuziehen, ehe er den Angriff weiterführte.
Ganz im Sinne dieser Absichten erhielt die 3. Armee in der Nacht auf den 10. Oktober vom GFM. Mackensen die Weisung, den bisherigen Erfolg ohne Übereilung auszugestalten und nach gründlicher Artillerievorbereitung den Angriff in der eingeschlagenen Richtung fortzusetzen. Planmäßiges Vorgehen und nachhaltiger Druck werde am ehesten den Donauweg für die Zufuhr des so dringend nötigen Brückengeräts zur
11. Armee freimachen. Das XIX. Korps sollte zunächst den ihm gegenüberstehenden Feind durch festes Anfassen fesseln, der Schutz der rechten Flanke der 3. Armee werde ihm erst später zufallen. Die deutsche
26. ID. hatte als Armeereserve am 10. nach Semlin und Surčinzu rücken.
Vor dem XXII. RKorps hielt der Feind am 10. früh noch immer die Dedinjehöhe, deren Besatzung durch Einstellung von zwei neu-herangeführten Haubitzbatterien verstärkt worden war. Der deutsche Korpskommandant, GdK. v. Falkenhayn, wollte den Angriff erst am 11. vormittags nach planmäßigem Artillerieschießen fortsetzen. Die Kriegsbrücke über den nördlichen Savearm war wohl inzwischen fertig geworden, sie mußte aber für schweres Geschütz verstärkt werden. Nun räumten die Serben schon am 10. vormittags unter der Wirkung der deutschen Feldgeschütze die Dedinjehöhe. Die beiden Divisionen des XXII. RKorps stießen sofort nach und erreichten bis zum Abend die Linie Zarkovo—Banjica. Durch diesen Erfolg wurde auch die links benachbarte 9. GbBrig. ein Stück vorgerissen. Auch die 18. GbBrig. konnte, sich nicht damit begnügen, das Eintreffen der schweren Artillerie abzuwarten und griff noch bei Einbruch der Dunkelheit den vor ihrer Front auf die Höhe Zeleno brdo zurückgewichenen Feind an.
Vor der 57. ID. standen die Serben am 10. auf dem Vk. Vračar-rücken noch fest. Da aber vom nördlichen Donauufer und durch die Monitoren eine flankierende Artilleriewirkung zu erwarten war, glaubte FZM. Scheuchenstuel seinen linken Flügel weiter vorschieben zu können und gab der 57. ID. die südöstlich des Slancebaches aufragenden Höhen als Ziel. Die Serben kamen aber diesen Absichten zuvor, indem sie den nördlich der Höhe Vk. Vračar an die Donau angelehnten linken Flügel der 6. GbBrig. angriffen. Obwohl die feindliche Artillerie diesen Vorstoß wirksam unterstützte, kam der Angriff um Mittag zum Stehen und endigte schließlich mit einem Rückzug auf Lipar, wobei die zurückweichenden Serben wieder unter dem Flankenfeuer der Monitoren erhebliche Verluste erlitten. Am Nachmittag räumte die 6. GbBrig. mit dem noch auf dem Vk. Vracarrücken eingenisteten Feinde auf und erstürmte seine gut ausgebauten Befestigungen.
Gen. Zivkovic hatte sich noch im Laufe des Tages entschlossen, seine Truppen auf die Höhen beiderseits des Slancebaches—A 279 (Ekme-kluk)—Höhen bei Jajince—Petlovobrdo—Zeleznik—Ostružnica abzusetzen; diese neue Stellung sollte am 11. früh bezogen sein. Von der Heeres-: leitung forderte der General neuerliche Verstärkungen. ,,Es ist daher“, meldet er in beweglichen Worten, „unbedingt nötig, sofort eine ganze Division hieher zu senden, damit geringeren Aushilfen oder mit dem Einsatz von Truppenteilen nichts gedient ist. Schon ist es unmöglich, ein Regiment der Front als Reserve auszuscheiden, da sonst die vordere Linie allzu schütter würde. Einige Regimenter sind auf die Hälfte, sogar auf ein Drittel ihres Standes gesunken. .. Man darf nicht vergessen, daß fünf Tage ohne Unterlaß heiß gekämpft und die heimatliche Scholle Schritt für Schritt verteidigt worden ist; all dies im Bereiche der deutschen schweren Geschütze und der österreichischen Monitoren, deren verheerendes Feuer die Nerven von Offizier und Mann bis zur Unerträglichkeit erschütterte. Daher möge man mir glauben, daß unbedingt eine ganze Division zur Unterstützung herangeführt werden muß. Unsere Truppen haben an den Orten, an denen sie nicht dem verheerenden Feuer der deutschen Batterien ausgesetzt waren, mit Erfolg Angriffe abgewehrt und auch gegen überlegene Feinde tatkräftig Gegenstöße geführt. .
Dieser Hilferuf des Gen. Zivkovic verhallte nicht erfolglos. Als in der Nacht auf den 11. sein rechter Flügel in die neuen Stellungen einrückte, wurde er dort von zwei herangerückten Regimentern aus den Verbänden der 2. Armee aufgenommen.
Der Führer des k.u.k. VIII. Korps, FZM. Scheuchenstuel, befahl für den 11. Oktober der 57. ID., vorerst auf Lipar und dann auf die Höhen südlich vom Slancebach vorzustoßen, erhielt aber vom 3. Armeekmdo. die ausdrückliche Weisung, diesen Tag noch zur Vorbereitung des weiteren Angriffes auszunützen. Indes setzten die Serben in der Nacht auf den 11. ihre Front vor dem VIII. Korps ab. FML. Goiginger drängte am nächsten Morgen mit der 57. ID. dem weichenden Feinde auf die Höhen nordwestlich des Slancebaches nach. Auf die Nachricht davon entschloß sich FZM. Scheuchenstuel, auch die 59. ID. vorrücken zu lassen. Diese Division sollte die Höhe A279 (Ekmekluk) nehmen und unter Aufrechterhaltung des Anschlusses an das XXII. RKorps mit ihrem rechten
i) Serb. Gstb. W., IX, 149.
Flügel den Drehpunkt für das beabsichtigte Aufschwenken des bisher nach Osten gewandten VIII. Korps gegen Südosten bilden.
Am schwenkenden Nordflügel des VIII. Korps wurde noch am 11. ziemlich viel Raum gewonnen. Die 2. GbBrig., Obst. Panzenböck, erreichte unter schwächerem serbischem Artilleriefeuer die Höhen beiderseits des unteren Slancebaches, die vom Obst. v. Hellebronth geführte 6. GbBrig. die Osthänge des Ekmekluk. Diese Höhe wurde vom linken Flügel der 59. ID. schon am frühen Nachmittag kampflos erstiegen; der rechte Flügel dieser Division schob sich an die von den Serben besetzte Strazarahöhe heran und wartete das Eingreifen des benachbarten deutschen XXII. R-Korps ab. Dieses stand zwischen Banjica und nördlich von Zeleznik. Um den Druck hier allenfalls verstärken zu können, wurde die über die Save nachgezogene 26. ID. dem GdK. Falkenhayn unterstellt.
Mit der bis zum 11. Oktober abends erkämpften Höhenlinie hatte die Hauptkraft der Armee Kövess jene brückenkopfartige Stellung gewonnen, die den sicheren Besitz von Belgrad gewährleistete und gleichzeitig auch die Stromschleife gegen Süden abriegelte. Die Opfer an Blut und Leben hielten sich bei den an der Eroberung Belgrads beteiligten Heereskörpern dank der trefflichen Vorbereitung und dem vorzüglichen Zusammenwirken von Infanterie, Artillerie, Pionieren und Donaumonitoren in erträglichen Grenzen. Am meisten hatte die 59. ID. gelitten; sie meldete bis zum 9. Oktober einen Abgang von mehr als 1000 Streitern, gleich viel, wie das ganze XXII. RKorps verloren hatte. Über die zweifellos sehr beträchtlichen Verluste des Feindes liegen keine zahlenmäßigen Angaben vor. Seine Einbuße an Gefangenen betrug über 1700 Mann. Dazu ließ der Serbe 22 Geschütze und zahlreiches Kriegsgerät in den Händen des Angreifers.
Daß die Serben sowohl der Zahl ihrer Streiter wie ihrer Ausrüstung nach hinter ihren Gegnern weit zurückstanden, ist nicht in Abrede zu stellen. Die Schwäche des Feindes aufzuspüren und auszunützen, gehört schließlich zur Aufgabe der Führung jeglichen Grades. Die Überlegenheit an Artillerie, die Geschütze der wackeren Donauflottille mitinbegriffen, wurde denn auch von den Verbündeten von Anbeginn gründlich ausgenützt. Sie konnte aber nicht hindern, daß zumal die ersten Infanteriestaffeln des k.u.k. VIII. Korps fast vierundzwanzig Stunden lang zweifellos in ziemlich drückender Minderheit fochten, dies gegen einen Feind, der vor dem vollen Einsatz seiner körperlichen und moralischen Kräfte nicht zurückschreckte. Erst vom 9. Oktober an hatten sich die Verhältnisse für den Angreifer stündlich gebessert; nun konnte auch die infante-ristische Überlegenheit zur Geltung gebracht werden. Der Erfolg blieb denn auch nicht aus. Zusammenfassend darf wohl gesagt werden, daß die Geschichtschreibung diese Strombezwingung nach Vorbereitung und Durchführung den schönsten Beispielen solcher Unternehmungen zuzählen wird. Der öst.-ung. Wehrmacht im besonderen, die ihr Lieblingslied vom „Prinz Eugenius, dem edlen Ritter“ seit Jahresfrist nicht nur an die Ruhmestat dieses großen Heerführers, sondern auch an das Mißgeschick der ersten serbischen Feldzüge im Weltkriege erinnerte, wurde die Wiedergewinnung von „Stadt und Festung Beigerad“ zur ersehnten Genugtuung für unverdient erlittene Schicksalsunbill.
Der Donauübergang der deutschen ll.Arm.ee (6. bis 12. Oktober)
Während die 3. Armee Belgrad eroberte, erzwang sich die Armee GdA. Gallwitz zwischen Ram und Semendria den Übergang.
Am 6. Oktober begannen bei Orsova die befohlenen Scheinbewegungen der Gruppe des FML. Fülöpp unter lebhaftem Artillerie- und Infanteriefeuer. Bei Palánk setzten zur gleichen Zeit Patrouillenboote die ersten Infanteriekräfte des deutschen X. RKorps auf das serbische Ufer über. Am nächsten Tag überschiffte die Masse dieses Korps, ohne auf ernsten Widerstand zu stoßen, beiderseits von Ram die Donau und besetzte bis zum Abend das Orljakmassiv als Brückenkopf und Ausgangsstellung für den weiteren Angriff. Dem auf der Temesinsel zum Übergang am 8. bereitgestellten IV. RKorps gelang es noch am 7., schwache Kräfte zu überschiffen, die von den Serben am Nordfuße der Höhe Kostolac festgehalten wurden. Das III. Korps bereitete an diesem Tage den schwierigen Übergang bei dem befestigten Semendria noch durch Artilleriefeuer vor1).
Am 8. Oktober erweiterte das X. RKorps seine Brückenkopf Stellung bei Ram. Dem IV. RKorps glückte es, die gesamte Infanterie auf das Südufer zu bringen und unter heftigen Kämpfen auf der Höhe Kostolac festen Fuß zu fassen. Inzwischen schickte sich das III. Korps an, am 9. früh die Donau zu überschreiten. Ihm standen hiezu neben deutschem Brückengerät 4 öst.-ung. Kriegsbrückenequipagen, 100 Donauzillen, 6 Motorboote, 50 öst.-ung. Pontonteile und 1 Dampfer mit 6 Schleppkähnen zur Verfügung. Die Truppen wurden nördlich der Semendrianer Insel
*) Jochim, Der Feldzug in Serbien (Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 335ff.); Gallwitz, 379ff.
unter dem Schutze der dort eingenisteten Infanterie, Maschinengewehre und Gebirgsbatterien eingebootet. Die Pioniere, deren Pontons um die Südwestspitze der Semendrianer Insel angesetzt waren, hatten gegen die reißende Strömung des durch starke Niederschläge angeschwollenen Stromes besonders schwer anzukämpfen. Nur acht Pontons mit 150 Mann der 25.RD. konnten flußaufwärts von Semendria bis zum serbischen Ufer durchdringen. Die übrigen wurden abgetrieben und landeten unter dem Feuer der serbischen Batterien an der Nordseite der Insel. Die deutsche 6. ID., die an der Nordspitze der Insel vorbei stromabwärts übersetzt wurde, war mehr vom Glücke begünstigt. Sie gelangte ohne besondere Schwierigkeiten an das andere Ufer, vertrieb die schwachen Sicherungsabteilungen und nahm Kulic. GdI. v. Lochow, der Befehlshaber des
III. Korps, zog nun die 25. RD. zur Landungsstelle der 6. ID. heran und ließ sie westwärts gegen Semendria einschwenken. In der Nacht gelang es, die kleinen, westlich von Semendria gelandeten Abteilungen, die sich tagsüber hart am Südufer behauptet hatten, zurückzuholen. Die Mitte und der linke Flügel der deutschen 11. Armee waren inzwischen trotz wachsenden Widerstandes der Serben weiter südwärts vorgedrungen. Am 9. abends erreichte das IV. RKorps die Linie Dubravica— Petka—Klenovnik; das X. RKorps focht um diese Zeit im Raume Kliče-vac—Zatonje.
Am 10. Oktober gewann das III. Korps zwischen der Jezava und Morava langsam Raum nach Süden. Das IV. RKorps drang kämpfend bis Batovac—Bradarci vor, während das X. RKorps die Anatemahöhe erstürmte und die Linie Kličevac—Höhen nördlich Popovac erreichte. Auf dem äußersten linken Flügel der 11. Armee räumte der Serbe wegen des heftigen Artilleriefeuers der Gruppe Fülöpp seine Uferstellungen gegenüber Orsova, hielt aber die Höhenränder noch besetzt. Am rechten Flügel der 11. Armee erzwang sich die 25. RD. des III. Korps am 11. den Übergang über die Jezava, nahm die von den Serben tapfer verteidigte alte Festung Semendria und drang dann weiter nach Westen und Süden vor. Die 6. ID. warf den Feind am 11. in hartem Ringen über Lipe zurück und erreichte am 12. mit dem linken Flügel die Morava in der Höhe von Brežani. Vom IV. RKorps drang die 11. bayr. ID. schon am 11. in diesen Ort ein. Hier steigerten sich die Kämpfe am 12. aufs äußerste, da sich auch die Einwohner an dem Widerstand leidenschaftlich beteiligten. Die 105. ID. stieß beim Vorgehen eine Wegstunde nördlich von Požarevac gleichfalls auf zähesten Widerstand, der auch am 12. noch nicht gebrochen werden konnte. Die nachgezogene 107. ID. eroberte die feindlichen Stellungen bei Bubušinac. Das X. RKorps erreichte am
12. nach Kämpfen die von Pozarevac nach Popovac führende Straße.
Schon am 8. Oktober hatte sich die serbische Heeresleitung entschließen müssen, die 3. Armee durch die seit 6. bei der Timokarmee-gruppe im Raume Knjaževac stehende Heeresreserve der Ostfront, die ŠumD.I, zu verstärken. Sie sollte am linken Flügel vor Semendria eingesetzt werden, um die Ostflanke und den Rücken der Belgrader Verteidigungsgruppe zu sichern. Außerdem wurde aus sechs Kompagnien und den Schwadronen der ŠumD. I und der DrinD.I eine neue Kampfgruppe (Kavalleriebrigade) gebildet und ebenfalls vor Semendria in die Front eingeschoben.
Kämpfe bei Višegrad, Bijeljina, Jarak und Progar (7. bis 11. Oktober)
Während die 11. Armee und der Ostflügel der 3. Armee in hartem Kampfe südlich der Donau Boden gewannen, war den öst.-ung. Streitkräften an der Drina und mittleren Save kein Erfolg beschieden. Bei der 62. ID. hatte der vom FML. Kaiser für den 7. Oktober geplante Drina-übergang auf den 8. verschoben werden müssen (S. 204). Die ersten Überschiffungsstaffeln gelangten glücklich auf das serbische Ufer, dann wurde aber der weitere Übergang wegen des feindlichen Feuers unmöglich. FML. Kaiser, der sehr richtig die Aussichtslosigkeit des Unternehmens erkannte, ließ die gelandeten Landstürmer noch im Morgennebel wieder auf das linke Ufer zurücknehmen, was allerdings nur unter sehr schweren Einbußen gelang.
Nach diesem Mißerfolg entschloß sich der Führer der noch immer nicht voll versammelten 62. ID., von weiteren Unternehmen vorläufig abzusehen. Es fehlte an schwerer Artillerie, um die gut ausgebauten serbischen Uferstellungen mit Erfolg bekämpfen zu können, auch war eine verstärkte Zuweisung von Brückengerät nötig. In Unkenntnis der üblen Verfassung dieser Division befahl zwar das 3. Armeekmdo., den Drinaübergang ehestens zu erneuern, da die Lage ein Hinausschieben des Angriffs nicht zulasse, mußte dann aber dem FML. Kaiser doch den notwendigen Aufschub bewilligen.
Die Gruppe GM. Streith, die im Raume von Megjaši den östlichen Drinaarm trotz plötzlich einsetzenden Hochwassers an zwei Stellen überbrückt hatte, konnte sich am 7. und am 8. Oktober neuerlicher serbischer Vorstöße aus Badovinci glücklich erwehren (S. 203). Der Versuch, den gewonnenen Brückenkopf zu erweitern, blieb aber nach geringem Erfolg stecken. Am 9. wurden die auf dem rechten Flügel über die Drina gelangten schwachen Landsturmabteilungen von den herbeieilenden Truppen der DonD.II wieder an den Fluß zurückgedrängt und nahezu aufgerieben. Auf dem linken Flügel der Gruppe Streith arbeiteten sich indessen zwei Bataillone ein Stück gegen Crnobarski salaš heran. Aber auch diese Kampfgruppe wurde am 10. von den Serben angefallen und mußte sich mit den erreichten Stellungen begnügen. Zu gleicher Zeit (8. und 9. Oktober) wurde auch die Gruppe FML. Sorsich von Abteilungen der DonD.II angegriffen. Sie hielt sich aber in dem von ihr bei Jarak auf dem rechten Ufer der Save geschaffenen Brückenkopf trotz Überschwemmung und ungenügender Versorgung.
Beim XIX.Korps sollten am 8.Oktober GM. Reinöhl mit der 205.LstlBrig. und GM. Pongrácz mit der 17. GbBrig. und der LstlBrig. Schwarz die Linie Obrenovac—Skela gewinnen und dadurch die Brücken bei Boljevci und bei Progar sichern. Weder über Zabrež noch über Krtinska drang der Angriff durch. Wenn auch die DrinD.II dem k.u.k. XIX.Korps nur verhältnismäßig schwache Kräfte entgegenstellen konnte, so boten doch die beiden genannten Ortschaften Gelegenheit zu hartnäckigem Widerstand, wobei auch in der Saveschlinge gegenüber von Progar ausgedehnte Sümpfe die Verteidigung unterstützten. Obendrein überschwemmten die plötzlich eingetretenen Regengüsse das Anland der Save und gefährdeten die Brücken. Auf dem Westflügel der Kampfgruppe GM. Pongrácz konnte die LstlBrig. Schwarz im Sumpfe nicht vorwärts kommen. Der Ostflügel fand günstigere Angriffsverhältnisse. Dort faßte GM. Pongrácz am 9. seine Kräfte zu einem neuerlichen Vorstoß zusammen. Die Brigade Reinöhl hatte inzwischen südlich von Boljevci unter dem wachsenden Gegendruck der Serben so schwer gelitten, daß sie von der neuangekommenen 21. LstGbBrig. abgelöst werden mußte. Am 10. ließ FML. Trollmann auf Drängen des 3. Armeekmdos. den Angriff fortsetzen. Die wackere 21. LstGbBrig., Obst. Hugo Fischer v. See, erstürmte den Bahnhof von Zabrež, konnte aber den Serben den Ort nicht entreißen. Ebenso brachten die ermüdenden und opferreichen Versuche des GM. Pongrácz, aus der Saveschlinge von Progar hervorzubrechen, gegen Krtinska hin nur geringen Raumgewinn. Am 11. Oktober nötigte das steigende Hochwasser das XIX. Korps fast zu völliger Untätigkeit.
Aber schon am 12. Oktober entspannen sich beim XIX. Korps neue, erbitterte Kämpfe. Die 21. LstGbBrig. schritt am frühen Nachmittag zum Sturm auf Zabrež, wurde aber zurückgeschlagen. Durch den Sumpf der
Saveschleife von Progar drangen Truppen der 20. LstGbBrig. in die serbischen Schanzen nordwestlich von Krtinska ein; zur gleichen Zeit arbeiteten sich zwei Bataillone der Brigade GM. Schwarz von Nordosten an den Ort heran. Nun wollte FML. Trollmann den Angriff auf Krtinska fortführen lassen, das 3. Armeekmdo. stimmte aber dieser Absicht nicht zu. Es gedachte vielmehr Kräfte nach Belgrad abzuziehen; das XIX. Korps sollte sich daher mit dem erkämpften Boden begnügen.
Die vor Krtinska haltenden Landsturmbataillone wurden in der Nacht, auf den 13. und am folgenden Morgen von den letzten Reserven der DrinD.II angegriffen. Sie brachten zwar den feindlichen Ansturm zum Stehen, ihre Verluste waren aber so bedeutend, daß sie in die Ausgangsstellungen vom 12. Oktober zurückgenommen werden mußten. Der Feind, der auch gegen die 21. LstGbBrig. vorstieß, schien sich nicht unerheblich verstärkt zu haben.
Die Kämpfe der Hauptkraft der 3. Armee um den Austritt aus der Strom schleife von Belgrad
(12. bis 17. Oktober)
Hiezu Beilage 11
Das Hochwasser, das den Angriff des XIX. Korps zum Stillstand brachte, wirkte schon hemmend genug; nun erwuchs den hilfsbedürftigen Serben noch in der Kossava ein sehr erwünschter Bundesgenosse. Sie steigerte sich zum Orkan und gefährdete die Verbindung der bei Belgrad kämpfenden Heereskörper der Mittelmächte mit dem Nordufer. Von der Großen Zigeunerinsel war zwar am 10. Oktober neben der unversehrt gewonnenen Floßbrücke eine Pontonbrücke geschlagen worden. Am 14. sollte auch über den Nordarm eine zweite Kriegsbrücke gebaut werden. Doch der Sturm machte den Verkehr auf den Brücken zeitweilig unmöglich, so daß die Zufuhr über die Save und über die Donau nur mehr durch Dampffähren aufrecht erhalten werden konnte. Trotzdem errang die Hauptstoßgruppe der 3. Armee neue Erfolge. Die dem XXII. RKorps über die Save nachgezogene deutsche 26. ID. nahm am 12. in den späten Nachmittagsstunden Železník, die 44. RD. bemächtigte sich der Höhe Petlovo brdo, die 43. RD. drang bis in den Nordteil von Jajince vor.
Dem Angriffe der deutschen Truppen schloß sich auch der rechte Flügel des k.u.k. VIII. Korps an, wo die 9. GbBrig. nach heftigen Kämpfen ihre vordere Linie bis in die Ortsmitte von Vk. Mokrilug vortrug. Hierauf rückte die 18. GbBrig. vom Ekmekluk ein Stück gegen Südosten vor. Die 57. ID. wurde von der serbischen Artillerie auf dem Nordhang der südlichen Begleithöhen des Slancetales festgehalten. Ein Mitwirken der Donauflottille, durch deren Feuer die südlich des Slance fechtenden Bataillone des Gen.Zivkovic hätten in der Flanke gefaßt werden können, war noch nicht möglich, da das Hochwasser und die Kossava die Säuberung der Fahrrinnen von den Minen verzögert hatten. Aus demselben Grunde konnte auch Mackensens Befehl, Schlepper von Pancsova zur
11. Armee nachDunadombó durchzubringen, noch nicht ausgeführt werden.
Für den 13. Oktober beabsichtigte GdK. Falkenhayn, der Führer des XXII. RKorps, den Angriff nur mit der 43. RD. fortzuführen; sie hatte östlich des Topčiderskabaches nach Süden vorzubrechen. Im Einklänge damit sollte beim VIII. Korps die 59. ID. die Höhe 1 km östlich von Kumodraž angreifen und die 57. ID. die serbische Front südlich des Slancebaches durchstoßen. Nachdem nach ruhig verlaufener Nacht erkundet worden war, daß die Serben ihren Westflügel von der deutschen Front abgesetzt hatten, rückten am 13., entgegen der ursprünglichen Absicht, vom XXII. RKorps die 26. ID. bis vor Ostružnica und auf die Höhen südlich von Zeleznik, anschließend daran die 44. und die 43. RD. mit ihren Vortruppen bis in die Höhe von Resnik vor. Auf den Flöhen nördlich von Pečani, Sremčica und von Rušanj stellte sich die TimD.II wieder zum Kampfe.
Vor dem VIII. Korps hielt der Feind am 13. früh seine alten Stellungen, Links, im Anschluß an die 43. RD., setzte GM. Hrozný am Vormittag die 9. GbBrig. zum Stirnkampf gegen die Höhe östlich von Kumodraž an, während die 18. GbBrig. über Vk. Mokrilug womöglich flankierend vorgehen sollte. Obwohl alle verfügbaren Kräfte ausgespielt wurden, blieb das Ziel unerreicht; nur der Nordteil von Kumodraž konnte gegen Abend gewonnen werden. Von da verlief die Front über das Südende von Vk. Mokrilug und südlich vom Ekmekluk bis zum Anschluß an die 57. ID., die mit ihrer Artillerie den Angriff auf Kumodraž unterstützte und die starken Befestigungen des Feindes auf der Rückenlinie südlich des Slancebaches beschoß. Gegen diese Höhen richtete sich nachmittags das Feuer von zwölf schweren Batterien. In den Kampf griffen auch die im Donausicherungsdienst stehenden Teile der Brigade GM. Mrázek durch flankierendes Artilleriefeuer ein. Doch der Serbe wich trotz der grauenvollen Wirkung dieser Beschießung nicht aus seinen Stellungen. Die tapfer angehende 57. ID. mußte wieder zum Spaten greifen; nur auf dem Westteil der genannten Rückenlinie wurde eine Schanze genommen. Einer Fortführung des Angriffes bedurfte es indessen nicht mehr. Durch das
XXII. RKorps waren die Stellungen der Serben bei Vk. Mokrilug und nordöstlich davon überflügelt worden. Zivkovic nahm daher in der Nacht auf den 14. seine ganze Gruppe, die mittlerweile durch je ein Infanterieregiment der TimD.I und der MorD.I (2. Armee) verstärkt worden war, auf die Höhenlinie -<>294 und A337 südöstlich von Sremcica— Avala—Waldkuppen südöstlich von Leštani—Grocka zurück. Zur Stützung seines linken Flügels wurde die von Ub auf das Ostufer der Kolubara herangezogeneMorD.il (bisher bei der 1. Armee) beiMeljak versammelt1).
Die k.u.k. Heeresleitung hatte schon am 9. beim 3. Armeekmdo. angeregt, das XIX. Korps, das in dem überschwemmten Anland der Save gegen Obrenovac nicht vorwärts gekommen war, über Belgrad an den Ostflügel der 3. Armee heranzuziehen. Obwohl auch Mackensen bei einer Besprechung mit Kövess in Neusatz am 12. ganz im Sinne Conrads entschied, wurde diese Truppenverschiebung wegen der großen Verkehrsschwierigkeiten dem 3. Armeekmdo. lediglich zur Erwägung anheimgestellt. Sollte sich dieses, hieß es in den von Mackensen am 13. erteilten Weisungen, im Sinne der Anregung von oben entschließen, so müßten die vom XIX. Korps bisher erkämpften Übergänge trotzdem unbedingt festgehalten werden. Aufgabe des Korps bleibe auch weiterhin die Sicherung der rechten Armeeflanke. Falls der Feind die Drinalinie räume, so sollten alle westlich der Kolubara stehenden Kräfte sofort vorgehen. Die Gruppen Streith und Sorsich wären dann gegen Šabac zu vereinigen und hätten mit Teilen des XIX. Korps den Vormarsch in der Richtung Ub—Lazarevac fortzusetzen.
Noch am 13. Oktober erhielt das XIX. Korps durch den GdI. Kövess den Auftrag, nur die zum Festhalten des erkämpften Bodens nötigen Kräfte in den beiden Saveschlingen von Progar und Boljevci zurückzulassen, mit den anderen Truppen aber auf der Kriegsbrücke über die Zigeunerinsel an den Westflügel der 3. Armee heranzurücken. Der Feind sollte im Glauben gelassen werden, bei Skela und Zabrež starke Kräfte vor sich zu haben, weswegen auch die Verschiebung zu verschleiern war. Ferner wurden die Gruppen Streith und Sorsich sowie die westlich der Kolubara verbleibenden Kräfte des XIX. Korps im Sinne des erwähnten Heeresgruppenbefehles angewiesen, auf Ub—Lazarevac vorzustoßen, falls der Serbe die Drinafront räumte oder schwächte. Daß er dagegen den Übergang bei Visegrad weiter verteidigen würde, um Užice zu decken, mußte angenommen werden; die 62. ID. hatte jedes Abziehen der dort kämpfenden feindlichen Kräfte zu verhindern.
i) Serb. Gstb. W., X, 4.
Alle diese Maßnahmen trugen der Vorstellung Rechnung, daß auch der Feind Truppen aus Nordwestserbien abziehe, um die von Belgrad und von Semendria südwärts weichenden Armeen zu verstärken. Das XXII. RKorps und das VIII. Korps wurden daher erinnert, daß es sich darum handle, die Linie Arangjelovac—Kovačevac so bald wie möglich zu erreichen. Die über Belgrad anrückenden Truppen des XIX. Korps sollten hinter dem rechten Flügel der Hauptkraft nachfolgen und deren Flankenschutz in der Linie Obrenovac—Lazarevac übernehmen.
Trotz dieses drängenden Befehles und obwohl die Serben ihre Front in der Nacht auf den 14. Oktober vor dem ganzen Ostflügel der 3. Armee Zurücknahmen (S. 221), brachte dieser Tag keinen wesentlichen Raumgewinn. Die Kossava hatte sich noch nicht gelegt, der ganze Nachschub über die Save stockte; so blieb das XXII. RKorps stehen. Das VIII. Korps schob sich am Vormittag ein Stück nach Süden vor und klärte auf. Die Belgrader Armeegruppe hielt die Höhen südöstlich von Sremčica, die das umliegende Hügelland um 200 m überragende Kuppe der Avala sowie die Höhen zwischen Leštani und Grocka stark besetzt und suchte den Gegner durch Artilleriefeuer von ihren neuen Stellungen fernzuhalten. GdI. Kövess entschloß sich, den Hauptstoß mit drei Divisionen (44. und 43. RD. sowie 59. ID.) in der Richtung über den Petrov grob und über Vrčin zu führen. Er bestimmte die Linie Avalahöhe—Bahn östlich Ripanj als Grenze zwischen den Vorrückungsräumen des XXII. R- und des VIII. Korps und forderte gründliche artilleristische Vorbereitung des Angriffes auf den Avalaberg, der nötigenfalls auch von der 43. RD. im Sturm genommen werden sollte. Die deutsche 26. ID. stand für diesen Angriff noch nicht zur Verfügung, da sie bis zum Einlangen des XIX. Korps die rechte Flanke sichern mußte. Am linken Flügel des VIII. Korps sollte sich die 57. ID. zunächst nur an den Feind heranschieben.
Dieser Absicht stimmte das Heeresgruppenkmdo. zwar zu, forderte aber, daß eine Seitenabteilung längs der Donau auf Grocka vorstoße, um den Wasserweg zur 11. Armee zu öffnen. Denn die Armee Gallwitz hatte noch immer keine sichere Brückenverbindung mit dem Nordufer, da die Serben die Donau zwischen Semendria und Belgrad nach wie vor beherrschten. Das bei Pancsova angesammelte Brückenmaterial konnte daher nicht herangeführt, der Nachschub zur 11. Armee wegen des Kos-savasturmes nur mittels dreier kleiner Dampffähren kaum zureichend durchgeführt werden1). Mit zunehmender Spannung blickte das Heeresgruppenkmdo. nach dem linken Flügel der 3. Armee.
a) Schwärt c, Der deutsche Landkrieg, II, 344f.; Rcgenaucr, 1103.
Am 15. Oktober schritt Kövess zum Angriff gegen die Avalalinie. Die Kossava war noch immer nicht abgeflaut. Sie peitschte die Donau zu so hohen Wellen, daß die Monitoren nicht in den Kampf am Ostflügel der 3. Armee eingreifen konnten. Auch der Verkehr über die Save war am 15. fast vollkommen unterbunden; die Kriegsbrücken waren überflutet und die Fähren bedroht. Dadurch wurde der Uferwechsel der mittlerweile vom XIX. Korps bei Surčin eingelangten Gruppe GM. Reinöhl (20. LstGb- und 205. LstlBrig.) einstweilen unmöglich.
Trotz dieser ungeheuren Schwierigkeiten war aber die Stimmung der Truppen und der Führer zuversichtlich. Am 14. hatte man die Nachricht erhalten, daß die Bulgaren zum Angriff übergegangen waren. Daher konnte die serbische Nordfront nur mehr von den noch westlich der Kolubara stehenden Truppen Zuzug erhalten. Gegen diese Gefahr schützte die 26. ID. bei Zeleznik die Angriffsfront, auf deren rechtem Flügel die 44. RD. am 15. vorgeschobene serbische Kräfte über die Höhen beiRušanj in leichten Kämpfen zurück drückte; die 43. RD. gewann noch am Vormittag Pinosava. Mühsame Angriffsarbeit wurde unterdessen durch die Infanterie der k.u.k. 59. ID. verrichtet. Die schweren Batterien des VIII. Korps konnten gegen die Avalahöhe nicht rechtzeitig in Stellung gebracht werden, weil der anhaltende Regen alle Wege tief aufgeweicht hatte; für einen Teil der Artillerie mußte der zeitraubende Umweg über Belgrad in Kauf genommen werden. Obwohl die schweren Geschütze am
15. nicht mehr zur Wirkung kamen, rang sich dennoch die 9. GbBrig. bis zum Nachmittag unter dem serbischen Flankenfeuer an den Nordfuß des Avalaberges und an den Südrand von Beli Potok heran; die 18. GbBrig. konnte erst bei Einbruch der Dunkelheit auf gleiche Höhe vorgehen. Am
16. im Morgengrauen wollte GM. Hrozný die Avalastellung stürmen.
Bei der 57. ID. sollte am 15. die 2. GbBrig. auf dem Ostflügel die Höhe lV2km südwestlich von Ritopek nehmen und gegen Grocka aufklären. Die 6. GbBrig. hatte zur Verbindung mit der 59. ID. zunächst nur ein Bataillon vorzusenden. Als die 2. GbBrig. bei Ritopek nur schwachen Widerstand fand, entschloß sich FML. Goiginger, den Angriff bis auf die Höhe -cj>- 300 (nördlich von Zaklopača) fortzuführen und in den Raum, der sie von der 59. ID. trennte, die ganze 6. GbBrig. einzuschieben. Da diese Brigade jedoch erst am Abend Leštani erreichte, mußte sich die in der linken Flanke ungeschützte 2. GbBrig. mit dem erzielten Bodengewinn begnügen.
Als die Armee Kövess am 15. mit dem Angriff auf die Avalalinie begonnen hatte, hoffte Gen. Zivkovic noch, den Gegner auf Belgrad zurückwerfen zu können. Der Angreifer sollte durch einen Stoß der MorD. II, die bereits an den linken Flügel der Belgrader Verteidigungsgruppe herangezogen worden war (S. 221), über Železnik in der Westflanke gefaßt und gleichzeitig von der TimD.IIund den anderen Truppen in der Front bedrängt werden1). Allein dieser Plan ließ sich nicht verwirklichen. Einmal hatte sich das deutsche XXII. RKorps am 15. von den serbischen Hauptstellungen noch ferngehalten, und dann erhielt Zivkovic in der Nacht auf den 16. den Befehl, die MorD.II wegen der Lage an der bulgarischen Front sofort zur Timokarmeegruppe nach Niš zu entsenden. Tags darauf brach das deutsche XXII. RKorps zum Angriff vor. Die 44. RD. erstürmte die bewaldete Höhe des Petrov grob, während die 43. RD. an der Westflanke der Avala nach Süden vordrückte. Dieser Raumgewinn kam auch der weitgedehnten 26. ID. zustatten. Der vor ihr stehende Feind zog südwärts ab, und die Division rückte ihm bis über Sremčica und auf die Höhen nordöstlich von Pećani nach. Hinter dem rechten Flügel des XXII. RKorps folgte die Gruppe GM. Reinöhl, die mit dem Abflauen der Kossava am 15. früh auf das südliche Saveufer herangezogen worden war. Ferner wurde die im Donausicherungsdienst freigewordene Brigade GM. Mrázek bei Belgrad überschifft und die Brigade GM. Haustein hinter das VIII. Korps geschoben; solcherart war Sorge getragen, beim Austritt aus der Save- und Donauschleife beide Flügel der Angriffsfront verlängern zu können. Der Ostflügel konnte übrigens schon in allernächster Zeit mit der Unterstützung der Flottille rechnen, deren eine Monitorendivision bereits vor Pancsova lag.
Auf dem rechten Flügel des VIII. Korps setzte GM. Hrozný am 16. die 59. ID. erst am Vormittag zum Sturm auf den Avalaberg an, da die Artillerie zu ihrer Vernichtungsarbeit gegenüber der starken Stellung der Serben noch einige Zeit benötigte. Nach hartem Ringen entriß die 9.GbBrig. am Nachmittag dem Feinde eine Vorkuppe und den Rücken südöstlich von Beli Potok. Dagegen konnte weiter links die 18. GbBrig. wegen Flanken-und Rückenfeuers über den Nordostausgang von Zuce nicht hinauskommen. Nun bemühte sich die 9. GbBrig., unterstützt durch den Rest der Divisionsreserve, die Südkuppe der Avala zu nehmen; dies gelang jedoch nicht, da die zugewiesene schwere Mörserbatterie wegen zahlreicher Blindgänger im aufgeweichten Boden nicht die erhoffte Wirkung erzielt hatte.
Aber der Verlust des Petrov grob sowie der starke Druck der 43. RD. westlich an der Avala vorbei zwang die Serben, auch diese Höhenstellung und die östlich anschließende Front in der Nacht zu räumen. Am 17. Ok
i) Serb. Gstb.W., XI, 45 ff.
tober erreichten in der Verfolgung des geschlagenen Feindes die 26. ID. Vk. Mostanica, die 44. RD. die Höhen -<>- 294 und A337 und die 43. RD. die Eisenbahnstation Ripanj. Das VIII. Korps folgte den Serben erst während der Dämmerung über den Avalaberg und über die Höhenlinie hinaus, die sich nördlich von Zaklopača hinzieht. Eine entlang der Donau über Grocka entsendete Aufklärungsschwadron fand den Weg südöstlich des Ortes noch versperrt. Das 3. Armeekmdo., das um Mittag die Verfolgung befahl, nahm wohl an, daß sich der Feind erst an der Ralja zu abermaligem Widerstand stellen werde. Doch wurden noch im Verlaufe des Tages zwischen Grocka und Ripanj neue Stellungen aufgeklärt, an denen die Serben eifrig schanzten. Da man diese Front stark besetzt wähnte, wurden die ermüdeten Divisionen mit Einbruch der Dämmerung angehalten, um einen nächtlichen Kampf zu vermeiden.
Mit demErreichen der gewonnenen Linien hatte sich die Armee Kövess den Austritt aus der großen Stromschleife südlich von Belgrad erzwungen. Die Serben hatten in diesem siebentägigen erbitterten Ringen um das bastionsartig gegen die Donau und die Save vorspringende Bergland wohl zum Gegenstoß wider die offene gegnerische Westflanke angesetzt (S. 224), mußten aber in letzter Stunde infolge der Bedrängnis an ihrer Ostfront darauf verzichten. In zäher Verteidigung hatten die serbischen Truppen vor der 3. Armee große blutige Verluste erlitten und zahlreiche Gefangene eingebüßt; aber auch der Sieger hatte keinen geringen Tribut leisten müssen. So verzeichnete das k.u.k. VIII. Korps 658 Tote und 6299 Verwundete, das XXII. RKorps 524 Tote und 2320 Verwundete.
Das Vordringen der Armee Gallwitz beiderseits der
Morava (13. bis 17. Oktober)
Die Armee Gallwitz war bisher südlich von Semendria und von Požarevac in verlustreiche Kämpfe verwickelt worden (S. 215), bei denen die Nachschubsorgen eine besonders hemmende Rolle spielten. Noch ohne Brückenverbindung, konnte bei neuerdings heftig einsetzender Kossava das Übersetzen des umfangreichen, viele Pferde und Fahrzeuge, aber wenig Mannschaften zählenden Trosses und der Munitionskolonnen nur äußerst mühsam vor sich gehen. So waren unter anderem am 13. Oktober früh vom IV. RKorps einige schwere Batterien, alle Munitions- und Ver-pflegstrains, die Reitpferde aller Truppenführer sowie Teile der Artilleriebespannung noch auf dem Nordufer der Donau. Die Verbände der deutschen 11. Armee kämpften daher mit nur notdürftigst bespannter Artillerie und mit geringer Munition gegen einen überaus hartnäckigen Feind. GdA. Gallwitz erklärte sich also am 13. Oktober einverstanden, daß sein rechter Flügel, das III. Korps, das ihm aufgetragene Vorgehen auf schob; auch führte er die ermüdeten Truppen des IV. RKorps an diesem Tage nicht mehr über die Schanzen vor Požarevac, obwohl eine günstige taktische Lage erreicht war und die Stadt von den Serben bereits geräumt wurde. Auch vom deutschen Ostflügel setzte sich der Feind ab. Nur vor dem rechten Flügel hielt sich die von der bulgarischen Grenze herangeführte ŠumD.I hartnäckig, um nicht Flanke und Rücken der südlich von Belgrad kämpfenden Heeresabteilung preiszugeben. Obwohl das III. Korps wider diesen zähen Feind im unübersichtlichen Gelände bisher nur schrittweise vorzudringen vermocht hatte, wurden in den folgenden Tagen die Höhen südwestlich und südlich von Semendria erstürmt und die Serben bis auf die nördlichen Talhöhen der Ralja zurückgedrängt. Auch die Armeemitte, das IV. RKorps, stieß über Požarevac dem langsam weichenden Feinde gegen Süden nach. Vor dem X. RKorps räumten die Serben erst am 14. Oktober ihre Höhenstellungen auf der Lipovača, und am 16. wurden sie aus ihren Befestigungen südlich von Smoljinac vertrieben.
Am 17. Oktober aber wirkte sich die rückgängige Bewegung der Serben vor der 3. Armee auch vor dem rechten Flügel der Armee Gallwitz aus. Die ŠumD.I war im Abzüge auf die Höhen südlich der Ralja. Das III. Korps folgte bis an den Fluß; anschließend erreichte das IV. R-Korps eine Linie südlich von Požarevac und das X. RKorps, in der linken Flanke durch Seitenhuten gedeckt, nach hartnäckigem Kampfe die Gegend südlich von Makci.
Durch das Absetzen des rechten Flügels von der Donau und durch die jüngsten Fortschritte bei den anderen Teilen war die 11. Armee in eine einheitlich nach Süden gerichtete Linie gelangt; außerdem ermöglichte das Abflauen der Kossava nunmehr einen befriedigenden Nachschub. Damit waren endlich sowohl taktisch als auch technisch die Grundlagen für ein geschlossenes Vorgehen der ganzen Armee gegeben, und GdA. Gallwitz zögerte nicht, seine Streiter zum allgemeinen Angriff aufzurufen. Wie bedrohlich der deutsche Vorstoß beiderseits der Morava für die Gesamtlage der Serben war, zeigt der Entschluß ihrer Heeresleitung vom 13. Oktober, die Nordfront neuerdings auf Kosten der Ost-und Westfront zu stützen: die Kavalleriedivision der 2. Armee und ein Infanterieregiment der Uzicegruppe wurden nach Aleksandrovac (südlieh von Požarevac) befohlen und am 16. Oktober im Abschnitte der neugebildeten Kavalleriebrigade (S. 217) in die Front geschoben. Diese Schwächung der Ostfront kam aber wieder den Bulgaren zugute.
Das Eingreifen der Bulgaren (14. bis 17. Oktober)
Hiezu Beilagen 12 und 13
Am 11. Oktober führten die Bulgaren im Nordwestwinkel ihres Landes mit serbischen Sicherungstruppen einen Grenzzwischenfall herbei, um Grund zum Beginn der Feindseligkeiten zu haben, nachdem Serbien schon zwei Tage vorher die diplomatischen Beziehungen zu Bulgarien abgebrochen hatte. Die Regierung zu Sofia erklärte nunmehr, daß Bulgarien herausgefordert worden sei und sich im Kriegszustand mit Serbien befinde. Am 14. Oktober schritten daher die beiden bulgarischen Armeen zum Angriff. Die 1. Armee, GLt. Bojadjieff, die dem Oberbefehl Mackensens unterstellt war (S. 190), wurde angewiesen, mit der Masse der 6. ID. das befestigte Zaječar zu nehmen und mit einer Nebengruppe über Negotin vorzugehen, um durch Säuberung des Donauufers den Stromweg freizumachen. Die 8. und die 9. ID. sollten über Knjaževac auf Niš vorstoßen, während die 1. ID. zunächst das befestigte Pirot zu nehmen hatte, um dann im Einklänge mit der Hauptkraft der Armee zu manövrieren. Die bulgarische 2. Armee, Gen. Todoroff, die der bulgarischen Heeresleitung unterstellt blieb (S. 190), hatte in das Vardartal vorzustoßen, um die Bahnlinie nach Saloniki möglichst bald zu unterbrechen.
Während der ersten Kämpfe auf den hohen Grenzrücken der Stara und der Vidlic planina, wo der Südflügel der Timokarmeegruppe (Šum-D.II) und die serbische 2. Armee die Abwehr übernommen hatten, bemächtigte sich am 15. Oktober die Hauptkraft der bulgarischen 1. Armee der Übergänge südöstlich von Knjaževac (Sv. Nicolai -fr 1444) und südöstlich von Pirot, kam aber, durch Regen, Schnee und Nebel behindert, in den folgenden Tagen nur wenig vorwärts. Auch die nördliche Flügelbrigade der 1. Armee konnte den Hochwasser führenden Timok bei Negotin erst am 16. Oktober überschreiten und hatte noch am 20. den südlich dieses Ortes durch die Negotiner Gruppe geleisteten zähen Widerstand nicht zu überwinden vermocht, während die beiden anderen Brigaden der 6. ID. östlich der Feste Zaječar von der serbischen KombD. überhaupt noch auf bulgarischem Boden festgehalten blieben. Dagegen verzeichnete die 2. Armee im mazedonischen Grenzgebiete, das nur durch schwächere serbische Kräfte verteidigt wurde, bedeutenden Raumgewinn. Schon am 16. Oktober stießen die Bulgaren bis an das an der Grenze zwischen der 2. Armee und dem Kommandobereiche Neuserbiens gelegene und nur schwach besetzte Vranje durch, womit die Bahnverbindung nach Saloniki unterbrochen war1). Die 3. ID. besetzte bereits Kriva Palanka, während die 7. ID., die über das schwer gangbare Grenzgebirge in das Bregalnicatal gewiesen war, Carevo-selo erreichte und mit ihrer Masse über Pehcevo vordrang. Unterdessen hatte die Kavalleriedivision, die östlich von Kjustendil vereinigt imd bereitgestellt worden war, nach Carevo-selo nachzurücken und nach der Einnahme von Kočana durch die 7. ID. an den Vardar bis Veles vorzustoßen2).
Lage und Führerentschlüsse bei Freund und Feind
Mitte Oktober
So groß die Fortschritte der Verbündeten auf allen Teilen des Kriegsschauplatzes auch waren, so standen die Serben doch noch immer zwischen der 11. und der 3. Armee. Allerdings war es bei der gegenseitigen Annäherung dieser beiden Armeen trotz der Verseuchung der Donau durch Minen in der Nacht zum 15. geglückt, zwei armierte Dampfer und einen Minensucher nach Semendria durchzubringen. In der folgenden Nacht gelang wieder ein Transport, und am 17. wurde eine Schleppschiffbrücke zur 11. Armee gefahren. Allein solange der Donauweg nicht völlig geöffnet war, konnten weder den Bulgaren noch den Türken Munition und Waffen auf dem Wasserwege zugeführt werden, woran beide Bundesgenossen großen Mangel litten3). Auch war dadurch, daß der linke Flügel der 3. Armee in dem schwierigen Berggelände südlich von Belgrad unter hartnäckigen Kämpfen eine Rechtsschwenkung ausführen und sich dabei ausdehnen mußte, um entlang der Donau der 11. Armee die Hand reichen zu können, das k.u.k. VIII. Korps begreiflicherweise zurückgeblieben. Dies wirkte aber verzögernd auf den rechten Flügel der 11. Armee ein, weil sich dieser dauernd gegen den noch in seiner Flanke stehenden Feind (Belgrader Armeegruppe) zu schützen hatte. Überdies war auf dem äußersten linken Flügel der Donaufront eine Einwirkung der schwachen Gruppe FML. Fülöpp nicht zu erwarten, so daß sich Gallwitz beim weiteren Vorgehen auch noch gegen das zu Über-
F e y 1 e r, Les campagnes de Serbie 1914 et 1915 (Paris), 96.
2) Nédeff, 7.
8) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 347.
raschungen wie geschaffene Bergland im nordöstlichen Serbien hin sichern mußte, was weitere Kräfte verschlang. Da jedoch die Entente bei Saloniki täglich neue Kräfte ans Land warf und ein baldiges Eingreifen dieser Hilfstruppen an der serbischen Front doch noch nicht ausgeschlossen war, mußte auf Seite der Mittelmächte und ihrer Verbündeten eine möglichst rasche Entscheidung angestrebt werden.
Schon am 13. Oktober hatte GdI. Falkenhayn der k.u.k. Heeresleitung vorgeschlagen, die 3. Armee durch Truppen aus der italienischen Front zu verstärken. Drei Tage später bat auch GM. v. Seeckt, die Landsturmbrigaden 205, 206 und GM. Schwarz durch eine vollwertige Infanteriedivision zu ersetzen. Da auch bereits GM. Konopicky das Steckenbleiben des XIX. Korps auf die geringe Leistungsfähigkeit der Landsturmtruppen zurückgeführt hatte, fanden die Vorschläge des deutschen Bundesgenossen in Teschen vorbereiteten Boden. Am 17. verfügte die Heeresleitung den Austausch der 206. LstlBrig. durch die 10. GbBrig., die von der Isonzofront heranzuführen war. Weitere Kräfte von der italienischen Front abzugeben, lehnte GO. Conrad ab. Doch gedachte er die ursprünglich zur Ablösung der 17. ID. bestimmte 3. ID. (S. 166) für den Balkankriegsschauplatz zur Verfügung zu stellen. Da aber die Russen Mitte Oktober zu neuen Angriffen schritten, konnte auch diese Division einstweilen nicht freigemacht werden. So mußte sich Falkenhayn in der Befürchtung, das Vorgehen in Serbien könnte eine Verzögerung erleiden, selbst helfen und das bereits aus Tirol in die Vogesen rollende Alpenkorps zur Heeresgruppe Mackensen abdrehen.
Indessen wurde das serbische Hauptquartier zu Kragujevac von schweren Sorgen bedrückt. Schon am 13. Oktober, an dem zu jeder Stunde die Nachricht vom Vormarsche der Bulgaren einlangen konnte, mußte der greise Woiwode Putnik auf seine neuerlichen Hilferufe vom französischen Militärattache Obst. Fournier erfahren, daß Gen. Sarrail keineswegs gesonnen sei, seine eben gelandeten Truppen paketweise nach Norden zu führen, sondern daß er vorerst ihre Versammlung abwarten wolle. Denn es war sein Plan, die französisch-englische Armee erst nach gründlicher Vorbereitung in das weg- und hilfsmittelarme mazedonische Kampfgebiet gegen den Südflügel der Bulgaren vorzusenden. Den Serben hingegen wurde empfohlen, sich mit aller Kraft einer Vereinigung der Heeresmacht Mackensens mit jener der Bulgaren entgegenzustemmen1).
Tags darauf begann der Angriff der Bulgaren, der just auf seinem Südflügel rasch entscheidende Erfolge brachte. Die serbische Heeres-
x) F e y 1 e r, 89 £.
leitung sah sich deshalb gezwungen, ihre Ostfront zu verstärken. Vom westlichen Flügel der Belgrader Armeegruppe (S. 224) wurde die MorD.II am 16. Oktober zur Timokarmeegruppe befohlen und durch drei Bataillone der Sokolbrigade verstärkt. Das Krajinadetachement, bisher bei der 3. Armee, hatte nur schwache Kräfte (zwei Bataillone und eine halbe Batterie) an der Donau zu belassen und nach Verstärkung durchTeile der zur Auflösung bestimmten Negotiner Gruppe die Richtung von Te-kija zu decken, während deren andere Teile in den Verband einer neuen Knjaževacer Gruppe traten. Die Vlasinagruppe wurde durch ein Kavallerieregiment der 2. Armee und durch ein Infanterieregiment der 3. Armee auf Divisionsstärke gebracht; sie sollte als heeresunmittelbare „Südliche Morava-Gruppe“ den Raum bei Vranje vom Feinde säubern, um die durch die Bulgaren unterbrochene Bahnlinie nach Saloniki für die dort gelandeten Ententetruppen zu öffnen. Da diese jedoch noch nicht schlagfertig waren und voraussichtlich auch nicht mehr rechtzeitig im Kampfraume an der Donau eingreifen konnten, Mackensen dagegen bereits im Begriffe war, seine Hauptkräfte gegen Mittelserbien zusammenzuführen, mußte Woiwode Putnik rechtzeitig die Folgerungen aus dieser bedrohlichen Lage ziehen. Schon am 15. Oktober wies er die 3. Armee und die Belgrader Armeegruppe an, bei einem aufgezwungenen Rückzuge die Morava aufwärts und über Natalinci (20 km östlich von Arangjelovac) zurückzuweichen, indes sich die 1. Armee über die Kolubara auf Arangjelovac und auf Grn. Milanovac zurückzuziehen und die Westflanke der Hauptkräfte zu decken hätte. An geeigneten Abschnitten sei der Vormarsch des Gegners aufzuhalten, um Zeit für die englisch-französische Hilfe zu gewinnen. Die Užicegruppe hatte vor Višegrad auch weiterhin standzuhalten.
Im Sinne dieser Weisungen der serbischen Heeresleitung nahm Gen. Živkovič seine arg hergenommenen Truppen ln der Nacht auf den 17. aus der schon durchbrochenen Avalalinie (S. 224) auf die Höhen südlich von Vranic (fr-191), nördlich von Parcani und südöstlich von Vrčin (A290) zurück. Nun gab es auch für die in Nordwestserbien stehende
1. Armee kein längeres Ausharren mehr. Woiwode Misić rief die in der Mačva und bei Obrenovac haltenden Kräfte (DonD.II und DrinD.II) über die Kolubara mit der Absicht nach Lazarevac, sie dann dem von Belgrad südwärts vordringenden Gegner in die Flanke zu werfen. Zur Sicherung des Rückzuges sollten Nachhuten der DrinD.II an der Beljanica halten, während die Sokolbrigade zur Deckung der noch standhaltenden Užicegruppe vorläufig westlich von Valjevo zu verbleiben hatte.
Der Vorstoß gegen Mittelserbien
(18. Oktober bis 6. November)
H i e z u B e i 1 a g e n 13, 14, 15 u n d 16
Vordringen der 3. und der 11. Armee bis auf den Kosmaj und bis an die Jasenica (18. bis 22. Oktober)
Während die Hauptkraft Mackensens den zurückweichenden Serben nachdrängte, hatte sich auch FML. Sorsich entschlossen, bei Drenovac neuerlich anzugreifen, um den dort gewonnenen Brückenkopf zu erweitern (S. 218). Wegen der fortschreitenden Überschwemmung nahmen aber die technischen Vorbereitungen einen solchen Umfang an, daß der Angriff immer wieder hinausgeschoben werden mußte. Als die Gruppe Sorsich endlich am 17. vorstieß, fand sie nur mehr geringen Widerstand und rückte am 18. bis Pričinovič (5 km westlich von Drenovac). Die bei Badovinci stehende Gruppe GM. Streith mußte am 16. die Kriegsbrücke über die Drina wegen des Hochwassers abtragen, um sie weiter flußabwärts neu einzubauen. Dadurch wurde die von den Serben bisher vollkommen abgeriegelte Gruppe Streith erst am 18. flott. Im Sinne der vom Heeresgruppenkmdo. am 13. erteilten Weisungen (S. 221) vereinigten sich nun Sorsich und Streith am 19. vor Šabac und besetzten tags darauf kampflos den Ort. Mit den abziehenden Serben war jede Fühlung verlorengegangen. Das 3. Armeekmdo. forderte noch am 20. die Vorrückung „im verstärkten Tempo“ gegen Ub und die Entsendung einer stärkeren Abteilung aller Waffen gegen Valjevo. Der Weitermarsch konnte jedoch erst für den 22. in Aussicht genommen werden, denn die ursprünglich nur für den Etappendienst ausgerüsteten Truppen litten recht empfindlich unter den ungeheuren Schwierigkeiten des Nachschubes. Zwar sollte von Klenak-Šabac ein besser geregelter Nachschub eingerichtet werden, als er durch die Mačva möglich war. Doch die Vorsorgen dafür waren unzulänglich und die notwendigen Aushilfen brauchten viel Zeit. Überdies hatten die Gefechte bei Drenovac der Gruppe FML. Sorsich 760 Streiter an Toten und Verwundeten gekostet, 200 Mann waren gefangen worden. Die Gruppe GM. Streith hatte bei Badovinci 600 Kämpfer eingebüßt.
Ähnlich erging es dem XIX. Korps. Nachdem FML. Trollmann die 20.LstGbBrig. und die 205.LstlBrig. nachWesten hatte verschieben müssen (S. 223), standen die 53. ID., GM. Pongrácz (17. GbBrig. und LstlBrig. Schwarz), im Brückenkopf von Progar, die 21. LstGbBrig. in jenem von Boljevci. Die 206. LstlBrig. war aus dem Savesicherungsdienst von der
Gruppe Sorsich abgelöst worden, um an den Isonzo abbefördert zu werden. Die in den überschwemmten Saveschlingen haltenden Truppen waren durch Cholera, Ruhr und Malaria heimgesucht worden. Als man am 17. vormittags des Rückzuges der Serben gewahr wurde, traten die arg hergenommenen Landstürmer die Verfolgung an. Krtinska war geräumt, Skela und Obrenovac wurden von feindlichen Nachhuten noch gehalten. Die geringe Schlagkraft der Nebengruppen der Armee Kövess ließ befürchten, daß die aus der Macva und von den Drinahöhen entronnenen Serben das südwärts vordringende XXII. RKorps über Ub — Lazarevac in der Flanke angreifen könnten. Mackensen erteilte daher am 17. der 3. Armee die Weisung, die neuangekommene 10. GbBrig. mit der 20. LstGbBrig. zum Vormarsch zu vereinigen und auch die 17. GbBrig. über Belgrad sowie die 21. LstGbBrig. über Obrenovac zur Hauptkraft der 3. Armee heranzuziehen. Zur Sicherung der Saveübergänge bei Progar und bei Boljevci sollte nur mehr die Brigade GM. Schwarz verwendet werden.
Am 18. vermochte sich die 21. LstGbBrig. aus der Saveschlinge von Zabrež bis an den Nordrand von Obrenovac vorzuarbeiten. Die zur Deckung der rechten Flanke des XXII. RKorps über die Große Zigeunerinsel vorgezogene Gruppe GM. Reinöhl erreichte am Abend mit der
20. LstGbBrig. eine Höhe südlich von Obrenovac; die westlich davon über die Kolubara führende Brücke war verbrannt. Schwächerer Feind war über den Fluß südwärts abgezogen; doch fand ein Bataillon der 205. LstlBrig. die nur teilweise abgebrochene Eisenbahnbrücke westlich von Obrenovac noch besetzt. Der Ort fiel der 21. LstGbBrig. erst in der Nacht auf den 19. in die Hand.
Unterdessen waren das XXII. RKorps und das VIII. Korps vor den neuen Verteidigungslinien des Gen. Zivkovic angekommen (S. 230). Die deutsche 26. ID. warf am 18. schwächeren Feind über Bacevac zurück und stand am Abend im Angriffe gegen die Höhe südlich des Ortes. Zu ihrem Flankenschutz hatte die Division an der Straße östlich von Vranic Truppen zurücklassen müssen, weil am Nachmittag stärkere serbische Kräfte auf eine Höhe nordwestlich von Vranic vorgerückt waren. Diesem Feinde sollten nunmehr Teile des XIX. Korps entgegenrücken. Links von der 26. ID. nahmen die 44. und die 43. RD. feindliche Vorstellungen in der Gegend südlich von Ripanj.
Beim VIII. Korps wurde am 18. die Vorrückung durch serbisches Geschützfeuer sehr erschwert; ein Teil der eigenen Artillerie konnte auf den immer schlechter werdenden Wegen erst im Abenddunkel vorgezogen werden. Bis dahin hatten sich die 59. und die 57. ID. kämpfend an die feindlichen Hauptstellungen herangeschoben, die über die Höhen nördlich von Ralja über A 290 auf die Erhebungen nördlich von Begal-jica verliefen. Da der rechte Flügel der 11. Armee (S. 226) am 17. Oktober bereits bis an die Ralja vorgedrungen war, obwohl der Ostflügel der Belgrader Armeegruppe noch an der Donau bei Grocka stand, forderte das Heeresgruppenkmdo. den ehesten Zusammenschluß der inneren Flügel der beiden Armeen. Daher wurde am äußersten Ostflügel der 3. Armee die LstlBrig. Haustein eingesetzt. Sie sollte noch am 18. über Grocka hinausgelangen. Um ihr vorwärtszuhelfen, hatte der Westflügel der Armee Gallwitz den noch immer an der Donau haltenden Feind im Rücken zu fassen. Wirklich stieß die Brigade Haustein bei Grocka durch und bemächtigte sich am Nachmittag, vortrefflich unterstützt durch das Feuer der Monitoren, der Höhe südlich des Ortes. Eine Landsturmhusarenschwadron schlug sich zu einer vom deutschen III. Korps zur Aufnahme der Fühlung mit der 3. Armee entsandten Abteilung durch.
Am 19. gedachte FZM. Scheuchenstuel den Angriff auf die serbischen Hauptstellungen anzusetzen, wobei die Brigade Haustein in Ausnützung ihres Erfolges flankierend eingreifen sollte. Demgegenüber nahm GdI. Kövess den Hauptstoß erst für den 20. Oktober in Aussicht, da das XXII. RKorps die Vorbereitungen für einen planmäßigen Angriff nicht früher vollendet haben konnte. Doch blieb es dem VIII. Korps freigestellt, schon am 19. anzugreifen. Um dem XXII. RKorps größere Bewegungsfreiheit nach Süden zu ermöglichen, sollte zum Schutze der rechten Flanke nunmehr das ganze XIX. Korps herangezogen werden. FML. Trollmann hatte seine Hauptkraft an das XXII. RKorps anzulehnen und eine Nebengruppe auf die Straße über Stepojevac zu entsenden. Die 21. LstGbBrig. war ehestens auf das östliche Kolubaraufer zu ziehen, die Masse der Brigade Schwarz hatte nach Obrenovac zu rücken.
Am 19. erreichte GM. Pongrácz mit der Hauptkraft der 53. ID. (20. LstGbBrig. und 205. LstlBrig. der bisherigen Gruppe GM. Reinöhl) kampflos den Ort Vranic und trat dort mit dem rechten Flügel des XXII. RKorps, der 26. ID., in enge Fühlung. Auch die Mitte dieses Korps, die 44. RD., schob sich etwas näher an den Feind heran, während die
43. RD. stehenblieb. Trotzdem entschloß sich GM. Hrozný, der Führer der östlich anschließenden 59. ID., zur Wegnahme einer feindlichen Vorstellung auf Höhe -c>- 316, die die Straße nach Ralja sperrte. Der bereits in Fluß gekommene Angriff der 59. ID. mußte jedoch wegen des starken Feuers der serbischen Geschütze wieder gebremst werden. Erst am Nachmittag begannen die Serben unter der Wirkung der schweren Batterien des VIII. Korps zu wanken; gegen Abend nahm die Division die von ihr angegriffenen Stellungen. Obwohl dieser Vorstoß und gleichzeitige Fortschritte auf dem rechten Flügel der 11. Armee ein Vorgehen der 57. ID. erheischten, blieb FML. Goiginger bei seinem Entschluß, erst am 20. vorzurücken. Er rechnete damit, daß die ihm noch gegenüberstehenden Serben ihre starken Befestigungen alsbald räumen müßten, weil sie bereits von zwei Seiten überflügelt waren.
Die deutsche 11. Armee erzwang sich am 19. Oktober mit dem
III. Korps den Übergang über die Ralja bei Kolari und kämpfte mit dem
IV. und dem X. RKorps anschließend bereits in der Linie Poljana—Kula. Dadurch sah sich Zivkovic in der rechten Flanke bedroht und ging in der Nacht auf den 20. auf die Höhenlinie zurück, die sich südlich von Lisovič, Parcani, Ml. Požarevac und Umčari hinzieht.
Vor Mitternacht war beim GdI. Kövess, der am 18. sein Hauptquartier nach Belgrad vorverlegt hatte, ein Befehl des Heeresgruppen-kmdos. eingetroffen, der die 3. Armee zu schnellem Vormarsch anwies. Vor allem sollte der linke Flügel des VIII. Korps verstärkt und rasch vorgeführt werden, damit der rechte Flügel der 11. Armee nicht mehr gezwungen sei, größere Teile zur Sicherung der Flanke zurückzuhalten, wodurch das Vorgehen der Armee Gallwitz aufgehalten werde. Anzustreben sei, am 20. mit dem linken Flügel des VIII. Korps womöglich Umčari zu erreichen.
In ungesäumt aufgenommener Verfolgung stieß die deutsche 26.ID. noch am 20. Oktober die TimD. II bis über den Rücken südlich von Lisovic zurück, die 43. RD. vertrieb serbische Nachhuten aus Parcani und bemächtigte sich am Abend der Höhen südlich dieser Ortschaft, während die 44. RD. bis auf die Höhe westlich von Parcani vordrang. Dieser bedeutsame Raumgewinn veranlaßte den FML. Trollmann, die 53. ID. zur Beschleunigung des Vorgehens anzueifern. Ihre Vortruppen säuberten denn auch im Verlaufe des Tages den Raum bis zum Unterlauf der Beljanica, der von den Nachhuten der DrinD. II besetzt war. Die Hauptkraft der 53. ID. gelangte am 20. bis in die Gegend bei und östlich von Konatice, der Rest des XIX. Korps war aber noch weit abgeblieben. Alle Brücken über die Kolubara und über die Tamnava waren von den Serben abgebrochen worden. Die 21. LstGbBrig., die bei Obre-novac über die Kolubara ging, konnte daher ihre Versammlung bei der Übergangsstelle erst am Abend vollenden. Die Brigade Schwarz rückte bis Obrenovac nach; die 17.GbBrig., die über Belgrad undjakovo nachgezogen worden war (S. 232), nächtigte in Ostružnica. Ein Großteil der Artillerie des XIX. Korps stand noch auf dem Nordufer der Save.
Beim VIII. Korps überschritt am 20. Oktober die 59. ID. den vom Feinde geräumten Höhenrücken nördlich des Ortes Ralja; anschließend erreichte die 57.ID. nach kurzem, heftigem Kampfe mit serbischen Nachhuten schon am Morgen die Höhe A290 (5 km südöstlich von Vrčin). Durch den Feind nicht belästigt, konnten beide Divisionen im Laufe des Nachmittags bis an die obere Ralja vorgeführt werden; die Brigade Haustein gelangte bis Umčari. Da Gallwitz die zahlenmäßig gleich starke serbische 3. Armee nach erbitterten Kämpfen zu beiden Seiten der Morava bereits bis in die Linie Vk. Krsna—Azanja—Golobok—Aleksandro-vac—Orljevo zurückgeworfen hatte, hoffte das 3. Armeekmdo., auf den Höhen südlich der oberen Ralja auf keinen nachhaltigen Widerstand zu stoßen. Falls dies zutraf, sollte am 21. bis in die Linie Sibnica—Höhe -<í>- 313 nördlich des Kosmaj—Vlaška—Dubona vorgerückt werden.
In der Tat zog sich die Armeegruppe Zivkovic bis zum 21. morgens auf die vorbereitete Kosmajstellung zurück, die in derselben Linie verlief, die Kövess als Vorrückungsziel angegeben hatte. Die aus der Mačva und von Obrenovac zurückbefohlenen Teile der serbischen 1. Armee waren mittlerweile bereits hinter der unteren Turija (DrinD.II) und bei Lazarevac (DonD.II) eingelangt. Ihnen folgte, von Norden kommend, das zur Deckung der rechten Flanke des XXII. RKorps bestimmte k.u.k. XIX. Korps. Am 21. nachmittags erreichte die Hauptkraft der 53. ID. unter leichten Kämpfen das Südufer der Beljanica und schob ihre Vortruppen an die untere Turija heran. Hinter der Division Pongrácz folgten die 21. LstGbBrig. und die 17. GbBrig.; GM. Schwarz führte seine Brigade bei Obrenovac über die Kolubara. Dagegen konnte die am Abend in Semlin eingelangte 10. GbBrig. (S. 229) wegen der Kossava noch nicht überschifft werden; auch bereiteten die Südoststürme der schweren Artillerie des XIX. Korps beim Übergang über die Save langen Aufenthalt.
Das XXII. RKorps war tagsüber an die neuen feindlichen Stellungen auf den Höhen beiderseits von Sibnica herangekommen. Das VIII. Korps überschritt ungehindert die Niederung der Ralja und faßte mit der 59. ID. bis zum Abend südlich von Vk. Sopot im Vorgelände des Kosmaj festen Fuß. Die 57. ID. warf südlich der Ralja serbische Vortruppen unter leichten Kämpfen zurück. Die weitere Vorrückung kam jedoch im heftigen Artilleriefeuer, das dem Angreifer von den Hängen bei Vlaška entgegenschlug, zum Stehen. Schlüsselpunkt der serbischen Stellung vor dem linken Flügel des VIII. Korps war die Höhe knapp östlich von
Vlaška. Weiter östlich verlief die feindliche Linie bis zur Erhebung A281 mit einer vortrefflichen Vorstellung nördlich von Dubona, die noch nach eingebrochener Dunkelheit vom ungarischen LstlR. 1 der Brigade Haustein dem Feinde im Sturme entrissen wurde.
Wie seinerzeit die Avalalinie in der Avalahöhe, so hatte auch die neue serbische Front in dem 624 m hohen Kosmaj einen mächtigen Mittelpfeiler. Für den 22. Oktober befahl GdI. Kövess den Angriff auf die Kosmajstellung. Das XXII. RKorps hatte mit möglichst starkem rechtem Flügel von Sibnica gegen Venčani durchzustoßen, das XIX. Korps diesen Angriff mit seinen vorderen Brigaden in der Flanke zu decken und mit den sonst verfügbaren Kräften den rechten Flügel des XXII. RKorps zu unterstützen; das VIII. Korps sollte seinen Schwerpunkt möglichst auf den linken Flügel verlegen. Diese letzte Bestimmung trug dem Umstande Rechnung, daß sich serbische Reiterei zwischen der 3. und der
11. Armee einzuschieben schien.
In der rechten Flanke des XXII. RKorps drängte am 22. Oktober die Division Pongrácz Vortruppen der DrinD.II unter kleineren Gefechten vom nördlichen Turijaufer zurück und setzte sich auf den Höhen knapp südlich dieses Baches fest. Die anderen, schon sehr ruhebedürftigen Brigaden des XIX. Korps, die 21.LstGbBrig. und die 17. GbBrig. sowie die Brigade Schwarz, blieben an diesem Tage noch außerhalb des Kampfbereiches, denn sie gelangten über den Raum südlich von Vranic nicht hinaus. Die 10. GbBrig. stand noch bei der Übergangsstelle an der Donau. Die Lage des XIX. Korps war in jeder Beziehung mißlich. Indes die zwei vorderen mit dem Feinde bereits kämpfenden Brigaden nur 6270 Gewehre zählten, kamen die nachrückenden Truppen nur sehr langsam vorwärts, denn die Artillerie und der Troß blieben auf den durch das andauernde Unwetter grundlos gewordenen Wegen stecken. So erschien eine vielleicht notwendige Entfaltung größerer Kampfkraft bei der bestehenden Tiefengliederung in den nächsten Tagen unmöglich. Daher beantragte FML. Trollmann beim 3. Armeekmdo., die Vorrückung wenigstens einen Tag einzustellen, um sein Korps aufschließen lassen zu können. Von einem Stehenbleiben konnte aber keine Rede sein; der Antrag wurde abgewiesen.
Am 22. Oktober entriß das XXII.RKorps der TimD.II in erbitterten Kämpfen nicht nur ihre hartnäckig verteidigten Hauptstellungen, sondern gewann noch darüber hinaus beträchtlich Raum. Schon bald nach Mittag tobte der Kampf um Sibnica. Im Laufe des Nachmittags gelang es, den Erfolg auszubauen; abends verlief die deutsche Front zwischen Arapovac und dem Südhang der Kosmajhöhe. Durch diesen wuchtigen
Vorstoß verlor das deutsche Korps fast jeden Anschluß; um ihn wiederherzustellen, nahm die 59. ID. ihren rechten Flügel zwar ein Stück nach Süden vor, blieb aber dennoch fast 4 km hinter dem linken Flügel der
43. RD. zurück.
Der Masse des VIII. Korps setzte der Feind auf den Höhen östlich des Kosmaj bis Dubona noch heftigen Widerstand entgegen; die 57.ID. beschränkte sich daher am 22. tagsüber lediglich auf Artilleriekämpfe, obwohl die links benachbarte deutsche 25. RD. auf dem rechten Flügel der 11. Armee den Angriff schon bis Azanja vortrug und eine deutsche Seitenhut Selevac besetzte. Der vor der k.u.k. 57. ID. stehende Feind war dadurch in seiner rechten Flanke bedroht. Da auch das XXII. RKorps neuerlich im günstigen Fortschreiten war (S. 236), durfte das VIII. Korps wohl hoffen, daß ihm ein verlustreicher Infanterieangriff auf die starken feindlichen Höhenstellungen wieder erspart bleiben würde, obwohl dieses „Abwarten des Erfolges beim Nachbar“ vom 3. Armeekmdo. als ein „Fehler“ bezeichnet werden mußte.
Auf dem äußersten rechten Flügel der Armee Kövess war es mittlerweile dem FML. Kaiser bis zum 14. Oktober gelungen, die mobile Festungsbrigade Obst. v. Dominie westlich von Višegrad und die 9. LstEtBrig., Obst. Edl. v. Spindler, bei Rogatica zu versammeln. Damit standen ihm zu dem für den 17. geplanten Drinaübergang neun Bataillone zur Verfügung; doch konnten die der neuzusammengestellten 62. ID. zugewiesenen schweren Batterien bis zu diesem Tage nicht herangeführt werden, so daß sich FML. Kaiser trotz des Drängens des 3. Armeekmdos. entschließen mußte, den Flußübergang abermals hinauszuschieben. Am 20. war die am Vorabend eingelangte schwere Artillerie endlich feuerbereit. Aber der nunmehr für den 21. angeordnete Vorstoß über die Drina mußte wegen des Hochwassers neuerdings um einen Tag verschoben werden.
Die serbische Heeresleitung hatte inzwischen am 19. Oktober die Weisungen für den schon angekündigten Rückzug der an der oberen Drina stehenden Užicegruppe und für ihr Zusammenwirken mit der nach Valjevo zurückgerufenen Sokolbrigade erlassen; die Zugangswege über Valjevo und Užice nach čačak waren von diesen Truppen zu verteidigen. Zur Sicherung der Übergänge bei Višegrad verblieben nur schwache Kräfte der Užicegruppe und die ihr nunmehr unterstellte montenegrinische (Donjo Vasojevic-) Brigade.
Bei der Armee Gallwitz, die am 21. Oktober die serbischen Stellungen in der Linie Golobok—Aleksandrovac (S. 226) angreifen sollte, ging es an diesem Tage nicht vorwärts. Beim rechten Flügelkorps wurde die
25. RD. im Dorfe Selevac in erbitterte Straßen- und Häuserkämpfe verwickelt, an denen sich auch die Frauen beteiligten. Während die Mitte der Armee sich auf Erkundungen beschränkte, wurde der linke Flügel heftig angegriffen. Denn hier bemühte sich Gen. Jurišic-šturm, mit der von der Belgrader Armeegruppe eingetroffenen MorD.II, die ursprünglich für die Ostfront bestimmt war, den Ostflügel der 11. Armee zu werfen; doch vergebens. Am nächsten Tage, am 22., erstürmten die deutschen Regimenter die Stellungen der serbischen 3. Armee bei Golobok— Aleksandrovac—Orljevo. Das deutsche III. Korps drängte in scharfer Verfolgung nach und gewann abends schon die Höhen nördlich und nordöstlich von Palanka; die geschlagenen serbischen Truppen, die ŠumD.II und die Kavalleriedivision, wichen über die Jasenica zurück. Dadurch und auch durch das Vordringen des XXII. RKorps auf Sibnica (S. 236) wurde die Aufstellung der Belgrader Gruppe neuerlich beiderseits überflügelt. Für Zivkovic gab es daher auch in der KosmajStellung kein Halten mehr. Noch am 22. abends ordnete er den ungesäumten Rückzug seiner Gruppe an die Kubršnica an, während der Woiwode Misić, der Führer der 1. Serbenarmee, die Masse seiner Streitmacht (DrinD.II und DonD.II) in die vorbereiteten Stellungen bei Arangjelovac zurücknahm. Hier und an der Jasenica sollte dem andringenden Gegner wieder standgehalten werden. Die Zugangswege über Lazarevac nach Rudnik in den Rücken der neuen Front hatten Teile der 1. Armee zu sichern, während die noch bei Valjevo haltende Sokolbrigade erst nach „aufgezwungenem Rückzug“ nach Grn. Milanovac auszuweichen hatte.
Unterdessen flammten auch bei Visegrad die Kämpfe abermals auf.
Für die Serben überraschend, begann am 22. Oktober zeitlich früh der Vorstoß der k.u.k. 62. ID. über die hochangeschwollene Drina. Südlich von Visegrad gelang es der 9. LstEtBrig., zwei Bataillone ungefährdet zu überschiffen, dagegen erlitt die bei der zerstörten Straßenbrücke und weiter nördlich angesetzte Brigade Obst. Dominie schwere Verluste. Sie konnte bis 9hvorm. nur etwa 300 Mann übersetzen. Dann hob sich der Talnebel, und nun machte das heftige serbische Artilleriefeuer jedes weitere Überschiffen unmöglich. Im Verlaufe des Tages glückte es der
9. LstEtBrig. nach Abwehr mehrerer Gegenstöße, die südlich von Visegrad kämpfenden Montenegriner zurückzuwerfen. Gleich auf die Kunde von dem Zurückweichen der Montenegriner rief der Woiwode Misić alle noch auf den Drinahöhen kämpfenden Abteilungen der Užicegruppe gegen Užice zurück und befahl der montenegrinischen Brigade, auch die Verbindungen über Priboj—Nova varoš—Sjenica zu decken.
Die Kämpfe der Bulgaren vom 18. bis zum 22. Oktober
Auf dem Nordflügel der bulgarischen 1. Armee hatte sich die Lage der 6. ID. (S. 227) vor Zaječar wegen des nachhaltigen Widerstandes der Serben kaum verändert. Auch die Hauptkraft der Armee verzeichnete aus gleicher Ursache nur mäßigen Raumgewinn. Die 8. ID. konnte mit der Masse erst am 22. Oktober den angeschwollenen Timok nördlich von Knjaževac überschreiten, während ihr Südflügel nur bis vor die Stadt gelangte. Anschließend stand die 9. ID. östlich und südöstlich von Kamenka. Auf den Höhen östlich von Pirot kämpfte mittlerweile die 1. ID., von der eine Gruppe in der Richtung gegen Leskovac vorstieß.
Beachtenswertere Erfolge waren hingegen der bulgarischen 2. Armee beschieden. Bei ihr gelang es der 3. ID. am 18. Oktober, die serbischen Höhenstellungen westlich von Kriva Palanka zu nehmen, worauf sie gegen Kumanovo vordrang, das am 20. erreicht wurde. Am 22. Oktober stand die 3. ID. mit je einer Brigade bei Vranje und bei Skoplje, während ihre dritte Brigade gegen Bujanovac rückte, um von dort aus die Übergänge des Karadag zu sichern. Die 7. ID. erreichte nach äußerst mühsamen Märschen an diesem Tage Kumanovo. Die Kavalleriedivision hatte inzwischen schon am 19. Oktober Veles erreicht und die Verbindung mit einem Infanterieregiment der 7. ID. bei Strumica hergestellt, das mit Teilen in das Vardartal vorgedrungen war. Diese bulgarische Abteilung stieß am 22. Oktober bei Hudova auf die französische 156. ID., die Gen. Sarrail am 14. von Saloniki über Gjevgjeli vorgesandt hatte. Bei diesem Gefecht mißlang wohl der Versuch der Bulgaren, die den Franzosen als Nachschublinie dienende Bahn zu zerstören1). Aber auch die französische 156 ID. wagte wegen ihrer vereinzelten Lage noch nicht, durch das enge Vardartal weiter vorzustoßen. Zum ersten mahnte die zweifelhafte Haltung der griechischen Truppen zur Vorsicht, und dann war es der gleichfalls schon gelandeten englischen 10. ID. noch verboten, serbischen Boden zu betreten2).
Weniger günstig lagen die Kampfverhältnisse auf dem Nordflügel der Bulgaren bei Negotin. Die hier fechtende rechte Flügelbrigade der 1. Armee kam nicht vorwärts. Gen. Bojadjieff richtete nach Temesvár die Bitte, das Vorgehen der Gruppe Fülöpp bei Orsova möglichst zu beschleunigen. Da es auch im Interesse der 11. Armee lag, daß das unüber-
x) N é d e f f, 11.
2) L a r c h e r, La grande guerre dans les Balkans (Paris 1929), 84.
sichtliche Waldgebiet in ihrer offenen Ostflanke vom Feinde gesäubert wurde, ordnete das Heeresgruppenkmdo. zunächst die Verstärkung der Gruppe bei Orsova durch zwei Bataillone der 3.Armee an. FML.Fülöpp unternahm aber schon am 22. Oktober, ehe diese Verstärkung eingetroffen war, einen Übergangsversuch, der jedoch im serbischen Artilleriefeuer scheiterte, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil die rumänischen Scheinwerfer die Uferstellen beleuchteten und dadurch die Vorkehrungen der herangeführten deutschen schweren Artillerie verrieten1).
Maßnahmen der serbischen Heeresleitung und des Generals Sarrail bis zum 22. Oktober
Der bei Višegrad der Division Kaiser geglückte Drinaübergang verfehlte nicht, auf die serbische Heeresleitung nachhaltigen Eindruck zu machen. Sie forderte den montenegrinischen Waffenbruder auf, von den im Sandžak stehenden Truppen stärkere Verbände dem über die Drina vorstoßenden Gegner entgegenzuwerfen. Außerdem erbat sich der Woiwode Putnik eine weitere montenegrinische Brigade, um die Zugangswege vom oberen Tale der Westlichen Morava ins Becken von Novipazar zu sichern.
Zur gleichen Zeit wurden auch die in Mazedonien stehenden schwachen serbischen Kräfte durch die bulgarische 2. Armee arg bedrängt; desgleichen stand die Ostfront am Timok unter starkem gegnerischem Druck. Wegen all dieser mißlichen Umstände und wegen des Durchbruches der Deutschen auf Palanka (S. 238) sah sich Putnik gezwungen, den auf Arangjelovac—Svilajnac weichenden Nordarmeen am 22. Oktober vorbereitende Weisungen für einen etwaigen weiteren Rückzug zu geben. Hienach sollten die 3. Armee und die Armeegruppe Zivkovic, in deren Verband die ŠumD.II zu treten hatte, nötigenfalls in eine Stellung nördlich von Ćuprija—Jagodina—Kragujevac zurückgehen, während im Einklang damit die Masse der 1. Armee (DrinD.II und DonD.II) über Rudnik—Grn. Milanovac auf Kraljevo und die Užicegruppe mit der Sokolbrigade gegen čačak zurückzu weichen hatten2).
Zum Schutze der Landesmitte wollte also der Woiwode Putnik seine Hauptstreitkräfte in geschlossener Front den von Norden und Osten andringenden Feinden zur Schlacht stellen, um dem Hilfsheere der Westmächte noch eine letzte Frist zu erkämpfen, die es diesem ermöglichen
*) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 353.
2) Serb. Gstb. W., X, 248 f.
sollte, von Saloniki durch das Vardartal nach Niš und auf den Donaukriegsschauplatz zu gelangen und dort in letzter Stunde doch noch einen Umschwung der Lage herbeizuführen.
Doch auch Gen. Sarrail, der Führer der erst in Bildung begriffenen französisch-englischen „Orientarmee“, befand sich nach seiner am 12.Oktober in Saloniki erfolgten Ankunft in einer schwierigen Lage. Hatte er ursprünglich eine mit den Serben gemeinsam auszuführende Offensive gegen Sofia im Auge gehabt, so schrumpfte seine Aufgabe nach mehrfachen Abänderungen schließlich auf die „Sicherung der Verbindung zwischen Saloniki und Serbien gegen bulgarische Unternehmungen“1) zusammen. Wegen des raschen Vordringens der bulgarischen 2. Armee und des noch sehr geringen Truppenstandes der Orientarmee konnte Sarrail aber auch an die Ausführung dieses Auftrages nicht denken. Er begnügte sich, vorerst soweit als möglich im Vardartale vorzurücken, in der Absicht, die Serben durch örtliche Angriffe gegen die Bulgaren zu entlasten. Hiezu sollte die schon nördlich von Gjevgjeli stehende 156. ID. (S. 239) diesen Raum behaupten, indes die eben im Ausladen begriffene französische 57. ID. den Befehl erhielt, nach Krivolak vorzustoßen. Die englische 10. ID., die ihre Weisungen noch aus London erhielt, durfte zunächst nur wenig über Saloniki nach Norden vorrücken, um den Rücken der Franzosen zu decken.
Der erste E i n k r e i s u n g s ve r s u c h (23. Oktober bis 6. November)
Der Plan Mackensens
Am 22. Oktober hatten sich die Hauptkräfte der 3. und der 11. Armee jenem Abschnitte genähert, der am 29. September von Mackensen als erstes Angriffsziel bezeichnet worden war (S. 198 und Beilage 9). Der rechte Flügel der 3. Armee war auf Kanonenschußweite an Lazarevac herangekommen. Die Mitte stand auf einen Tagmarsch vor Arangjelovac und der linke Flügel 12 km vor Kovačevac. Die Armee Gallwitz kämpfte mit ihrem rechten Flügel sogar schon vor den Toren von Palanka, ihr linker etwa 10 km nördlich von Petrovac. Weitab von der gegen die genannten Orte vordringenden Hauptmacht Mackensens standen die mit den Truppen des GM. Streith vereinigte Gruppe Sorsich südöstlich von x) L a r c h e r, 84.
III 16
Šabac, die 62. ID. noch bei Višegrad. Im Südosten des Kriegstheaters mühte sich die bulgarische 1. Armee ab, die sich verzweifelt wehrenden Serben aus dem Timoktal und von Pirot zu verdrängen, indes die 2. Bulgarenarmee mit ihren Divisionen bereits Vranje, Kumanovo und Skoplje erreicht hatte; ihre Kavalleriedivision stand bei Veles. Die serbischen Nordarmeen nahm man im Hauptquartier Mackensens im abschnittsweisen Rückzug auf Kragujevac an. Die aus der Mačva und von Obreno-vac zurückgehenden Kräfte wurden im Raume Lazarevac—Lajkovac vermutet. Wie lange das serbische Ostheer noch vor den Bulgaren halten werde, stand dahin. Jedenfalls ließ die Umstellung der Serben im Dreiviertelkreis eine völlige Einkesselung möglich erscheinen, wenn alle Heeresteile der Verbündeten konzentrisch vorrückten. Eine sonderliche Störung dieses Manövers durch die von Saloniki vorrückenden Ententestreitkräfte
— den eingelaufenen Nachrichten zufolge eine englische und zwei französische Divisionen unter Gen. Sarrail — war zunächst noch nicht zu besorgen, da die Lage der 2. Bulgarenarmee zur Zeit derart günstig war, daß es möglich zu sein schien, die 7.ID. aus dem Kampfraume bei Kumanovo herauszuziehen, um sie entlang des Vardar gegen Süden zu wenden. Gegen einen wahrscheinlichen Vorstoß von Saloniki durch das Strumatal in der kürzesten Richtung auf Sofia sicherte sich die bulgarische Heeresleitung, indem sie die 2. ID. allmählich gegen das Strumatal verschob. Überdies war die im Raume um Sofia aus mazedonischen Flüchtlingen gebildete 11. ID. mit ihren ersten Staffeln bereits im Anrollen gegen Kjustendil.
GFM. Mackensen wollte sich denn auch diese große Erfolgsmöglichkeit nicht entgehen lassen. Am 22. abends befahl er den Generalen Kövess und Gallwitz: „Mit dem Ziel, die serbischen Hauptkräfte nach der Mitte des Landes zusammenzudrängen und dort entscheidend zu schlagen, setzen die Armeen ihren Vormarsch, wie folgt, fort: 3. Armee in die Linie Rudnik—Šatornja—Božurnija—Natalinci; 11. Armee in die Linie Sara-novo—Svila jnac—Subotica.“ Des weiteren wurde der 3. Armee auf getragen, „ihren rechten Flügel stark zu halten, um die Umfassung des Feindes von Westen, sei es nördlich oder bei Kragujevac, sei es im westlichen Moravatal, einzuleiten“. Das XIX.Korps sollte hiebei auch fernerhin die Flanke der 3. Armee decken und hiezu über Lazarevac—Moravci gegen Grn. Milanovac vorgehen, indes die westlich der Kolubara von Šabac auf Valjevo angesetzte Gruppe Sorsich dem Korps Trollmann als weitere Seitendeckung zu dienen hatte. Der 62. ID. verblieb die Aufgabe, von Višegrad auf Užice vorzustoßen. Die 11. Armee wieder sollte ihren linken
Flügel möglichst bald auf Ćuprija vorgehen lassen, um dem rechten Flügel der Bulgaren die Hand zu reichen. Da in der Donauschleife südlich von Orsova noch immer feindliche Abteilungen hielten, stellte Mackensen für den linken Flügel der 11. Armee neue, allerdings erst heranzuführende Kräfte in Aussicht. Die bulgarische 1. Armee wurde angewiesen, mit der Mitte (8. und 9. ID.) unentwegt gegen das Moravatal vorzudringen, um den vor Zaječar und Pirot fechtenden Divisionen (6. und 1. ID.) vorwärts zu helfen.
Die nächsten Kämpfe der Verbündeten wurden daher geführt, um sich den Eingang in das Becken der Westlichen Morava zu erzwingen, an dessen Rändern man einen entscheidenden Widerstand erwartete.
Vordringen der 62. ID. östlich von Visegrad (23. bis 28. Oktober)
Am 23. Oktober konnte zwar der bei Visegrad gewonnene Brückenkopf von der 62. ID. etwas erweitert und von den Pionieren eine Brücke über die hochangeschwollene Drina geschlagen werden. Auch vermochte FML. Kaiser am 25. ein Bataillon in das Tal des Rzaw bis Dobrunj vorzuschieben. Allein während sich die Serben von den Höhen östlich von Visegrad gegen Užice zurückzogen, erhielten die südlich der Stadt fechtenden Montenegriner die 1. Sandžakdivision als Verstärkung (S. 238). Wegen des dort sich fühlbar machenden kräftigeren Widerstandes beschloß FML. Kaiser, zur Sicherung des Vorstoßes auf Užice zunächst die 6 km südöstlich von Visegrad sich erhebende Suha gora (1128) zu nehmen und die Montenegriner aus seiner Flanke an den Lim zurückzutreiben. Auch dem kommandierenden General in BHD., GdI. Sarkotić, war die Gefahr nicht entgangen, die der 62. ID. von Süden her drohte. Er schlug deshalb am 24. dem k.u.k. AOK. einen Vorstoß der Gruppen GM. v. Vuchetich und Obst v. Zhuber von Goražde über die Drina hinweg gegen den Lim vor. Einen Mißerfolg dieser schwachen, ungenügend ausgerüsteten Kräfte besorgend, lehnte das AOK. den Antrag wohl ab, befahl aber, die Gruppe Obst. Zhuber zum unmittelbaren Flankenschutz der 62. ID. über Visegrad auf Uvac und Rudo anzusetzen. Demgegenüber machte GdI. Sarkotić geltend, daß vor allem der Feind von der Bahn Ustiprača—Visegrad vertrieben und die gesprengte Eisenbahnbrücke bei Megjegja hergestellt werden müsse, denn sonst könne der Nachschub für stärkere, über Vardište gegen Osten vorstoßende Kräfte nicht gesichert werden. So erwünscht dem GO. Conrad die Öffnung des Schienenweges bis Vardište auch war, beharrte er dennoch auf seinem Befehl, die Gruppe Obst. Zhuber zur Vertreibung der im Raume nördlich des Lim die Verbindungen der 62. ID. bedrohenden Montenegriner sogleich über Višegrad heranzuführen. Teilunternehmen an der Strecke Ustiprača—Megjegja durch die Gruppe Vuchetich oder durch andere Truppen sollten dem Landeschef Bosniens unbenommen bleiben.
Das Beharren des AOK. in der Frage der Verwendung der Gruppe Obst. Zhuber trug den mittlerweile eingetretenen Ereignissen Rechnung. Am 27. Oktober waren nämlich die Montenegriner zum Angriff gegen die Südflanke der 62. ID. übergegangen. Der Feind wurde jedoch abgeschlagen und die Suha gora von der 9. LstEtBrig. im Sturme genommen. In Fortsetzung des Gegenstoßes versuchte FML. Kaiser am 28., die Montenegriner gegen den Lim abzudrängen. Die linke Flanke wurde durch Grenzjäger vor Vardište gegen ein nördlich von Mokragora befindliches serbisches Infanterieregiment gedeckt. Der Angriff der 62. ID. stieß aber auf hartnäckigen Widerstand. Es gelang zwar unter heftigen, bis zum Morgen des 29. andauernden Kämpfen, südlich von Dobrunj Fortschritte zu erzielen, aber den Montenegrinern flössen von Foča Verstärkungen zu, und sie setzten sich auf den nächsten Höhen wieder fest.
Abgesehen von diesen zum Schutze der rechten Flanke notwendigen Unternehmungen, wurde die Division Kaiser auch durch das Stocken jeglichen Nachschubes bei Višegrad festgehalten. Die Trainfuhrwerke standen noch westlich der Drina, die so stark gestiegen war, daß die Brücke in der Nacht zum 28. abgebrochen werden mußte. Es konnte nur der allerdringendste Bedarf mittels eines Seilzuges über die Lücke in der steinernen Straßenbrücke nachgeschafft werden. Von einer regelmäßigen Verpflegung war daher keine Rede mehr. Dazu kam die schlechte Witterung. Auf den Bergen lag bereits Schnee, was die einer Winterausrüstung entbehrenden Landstürmer bitter empfanden.
Die Kämpfe der 3. Armee bei Arangjelovac (23. bis 25. Oktober)
Im Sinne der von Mackensen am 22. erteilten Weisungen (S. 242) wurden bei der k.u.k. 3. Armee die neuen Vorrückungsziele gegeben. Das VIII. Korps hatte mit dem linken Flügel entlang der Linie Vk.Krsna— Kusadak—Natalinci, das XXII. RKorps über Arangjelovac und beiderseits der von Progoreoci nach Rudnik führenden Straße vorzugehen, während das XIX. Korps westlich davon über Lazarevac und durch das
Ljigtal gegen Grn. Milanovac ausholen sollte. Das XXII. RKorps hatte seine Hauptkraft auf dem rechten Flügel zu halten und damit zu rechnen, daß es nach dem Erreichen der Linie Rudnik—Šatornja seine drei Divisionen über Rudnik gegen Grn. Milanovac zu führen haben werde. Den Vormarsch wollte GdI. Kövess so gestalten, daß alle drei Korps die Linie Banjani—Rudnik—Natalinci gleichzeitig erreichten; die Gruppe Sorsich sollte zur selben Zeit einen Tagmarsch über Valjevo hinausgelangt sein.
In Wirklichkeit konnten aber diese Absichten nicht durchgeführt werden. Das noch stark in die Tiefe gegliederte XIX. Korps (S. 236) mußte vorerst im Hinblick auf einen möglichen Flankenstoß der noch im Raume Lazarevac—Lajkovac vermuteten serbischen Kräfte (DrinD.II und DonD.II) zusammengeschlossen werden (S. 221). Die Division Pongrácz (205. Lsti- und 20. LstGbBrig.) verblieb daher am 23. auf den Höhen südlich der unteren Turija, die 17. GbBrig. in Borak; die 21. LstGbBrig. und die LstlBrig. GM. Schwarz marschierten südwärts in den Raum von Stepojevac. Das Abflauen der Kossava ermöglichte der 10. GbBrig. (S. 235) endlich den Übergang über die Donau und das Nachrücken bis Ostružnica. Über Ub wurde mit der Gruppe Sorsich, die am 23. nach überaus beschwerlichen Märschen auf den tief aufgeweichten Wegen ohne Troß die Gegend von Banjani erreichte, die Verbindung hergestellt. Die Aufklärer des XIX. Korps meldeten den Raum diesseits der Kolubara zwischen Lajkovac und Slovac vom Feinde frei.
Auch vor dem östlichen Armeeflügel, der am 23. mehr als 10 km nach Süden vorrückte, hatten die Serben die Nacht zum Abzüge benützt. Das XXII. RKorps gewann kampflos die Höhen bei Venčani und östlich davon, die 59. ID. des VIII. Korps die Gegend westlich von Megjulužje. Die 57. ID. warf am Morgen nach kurzem Kampfe schwache Nachhuten, erreichte weiter unangefochten Kovačevac und Vk. Krsna. Die LstlBrig. Haustein wurde als Korpsreserve auf einer Höhe südlich von Vlaška belassen, die LstlBrig. Mrázek als Armeereserve nach Gjurinac vorgezogen. Der große Raumgewinn der Hauptfront der 3. Armee am 23. hatte beim Stillstand des XIX. Korps eine bedeutende Rechtsschwenkung zur Folge gehabt. Für den 24. wurde dem XXII. RKorps und dem VIII. Korps die Linie Lazarevac—Arangjelovac—Ratari als Ziel gegeben, die Armeereserve nach Vk. Mladenovac gewiesen.
FML. Sorsich blieb am 24. mit seiner Gruppe stehen, um die abgebliebenen Trains herankommen zu lassen. Als er dann zum Vormarsch mit der Hauptkraft gegen Valjevo, mit einer schwächeren Kolonne über Ub angewiesen wurde, entschloß er sich, wegen der schlechten Wege nur mit einer nach Süden vorgeschobenen Seitenabteilung geradenwegs auf Valjevo zu marschieren, mit der Masse aber diesen Ort über Ub zu erreichen, wohin schon der Nachschub eingeleitet worden war. Dafür sprachen auch die Aufklärungsergebnisse, wonach die Serben Valjevo bereits am Vortage geräumt hatten.
Das XIX. Korps fand bei seiner Vorrückung am 24. das Vorgelände von Lazarevac vom Feinde frei und rückte mit der 20. LstGbBrig. entlang der Kolubara unangefochten noch eine Wegstunde darüber hinaus. Seltsamerweise konnte auch weiter südwärts mit den Serben keine Fühlung gewonnen werden. Dagegen stießen die auf dem linken Flügel Trollmanns vorrückenden Truppen, die 205. LstlBrig. und die 21. LstGbBrig.,. dann das XXII. RKorps sowie die 59. ID. des VIII. Korps allenthalben auf die westlich von Progoreoci und über die Höhen knapp nördlich von Arangjelovac verlaufenden neuen Stellungen, die der Woiwode Misić mit dem Kern der serbischen 1. Armee (DonD.II und DrinD.II) hatte besetzen lassen.
Die auf dem linkenFlügel desKorps Scheuchenstuelvorgehende57.ID. gelangte am 24. unter leichten Kämpfen bis in die ihr als Tagesziel vorgezeichnete Linie Maskar—Ratari. Über die südlichen Talhänge der Kubršnica kamen jedoch die Aufklärer nicht hinaus. Hinter dieser Front hielten bei Topola und bei Natalinci größere Trainparks der Serben, die von den Fliegern der k.u.k. 3. Armee erfolgreich bombardiert wurden. Auch wußten die Flieger über lebhaftes Schanzen auf den Höhen beiderseits von Arangjelovac zu melden. Grund genug für den Beschluß des 3. Armeekmdos., den gegenüberstehenden Feind anzugreifen, ehe er seine neuen Stellungen auszubauen vermochte, und über sie hinaus bis in die Linie Dudovica—Topola vorzustoßen. Allerdings stand diesen Führerwünschen die traurige Tatsache entgegen, daß der Nachschub mit dem unentwegten Vorgehen nicht mehr Schritt halten konnte. Die technischen Truppen und Militärarbeiterabteilungen waren infolge des vollkommenen Mangels an Schotter und sonstigem Baumaterial auch bei Einsatz aller ihrer Kräfte nicht imstande, auf den durch das Regenwetter und durch den großen Verkehr in einen immer trostloseren Zustand geratenen und breiartigen Kotstreifen gleichenden Wegen *) andauernde Verbesserungen zu erreichen; nach jeder neuen Fahrt von Lastautos oder Trainwagen war die letzte Arbeit wieder zunichte. Die Fuhrwerke aller Art versanken bis zu den Achsen im Schlamm, und der Pferdeverbrauch steigerte sich in
x) GdA. v. B e r e n d t, Der General von der Artillerie bei einem Armee-Oberkommando (Artilleristische Rundschau, Berlin, Jhrg. 1928, 203).
beängstigendem Maße. Ähnliche Schwierigkeiten behinderten auch den Vormarsch der anderen Heereskörper. Bei der 11. Armee brauchte die Artillerie für einen Kilometer durchschnittlich eine Stunde1).
Unter solchen Verhältnissen bat das XXII. RKorps am 24. das 3. Armeekmdo., eine kurze Kampfpause einzuschalten. Doch Kövess gab der vorgebrachten Bitte im Hinblick auf die Gesamtlage nicht statt. Übrigens hoffte man, die erheblichen Schwierigkeiten des Nachschubes bald überwinden zu können.
Das 3. Armee-Etappenkmdo. war bemüht, die Vorbedingungen hie-für zu schaffen. Wohl war die gesprengte Eisenbahnbrücke über die Save zwischen Semlin und Belgrad trotz eifrigster Herstellungsarbeiten noch für längere Zeit unbenützbar, dafür überspannten aber drei Kriegsbrücken bei Semlin, Zabrež und Semendria die Grenzströme. Freilich war der Verkehr auf ihnen oft durch Stürme gefährdet und täglich' durch Stunden ganz eingestellt, wenn die für die Dampferfahrten nötigen Durchlässe geöffnet werden mußten. Immerhin war es aber möglich, auf diesen Brücken — der Bau einer vierten über die Große Zigeunerinsel war geplant — und mittels Dampffähren den Nachschub auf das südliche Ufer der beiden Ströme zu bewerkstelligen. Für den Weitertransport bis möglichst nahe an die Front war bei dem unbeschreiblich schlechten Zustand der Straßen und Wege die rascheste Nutzbarmachung der bestehenden Schienenwege dringend notwendig. Für das XIX. Korps, das auf Zabrež basiert wurde, kam die Schmalspurbahn im Tal der Kolubara in Betracht, die mit überschifftem Material wieder benützbar gemacht werden sollte. Man hoffte, am 28. Oktober Lajkovac zu erreichen. Von dort wollte man durch eine Pferdefeldbahn bis 2. November die Verbindung mit Lazarevac herstellen.
Eine zweite Pferdefeldbahn sollte von Grocka her bei Vk. Mladeno-vac die Vollbahn Belgrad—Vk. Plana erreichen, die als Nachschublinie für das VIII. Korps gedacht war. Vorläufig ging der Betrieb mit dem wenigen erbeuteten Material und überschifften Lokomotiven und Wagen nur bis Ripanj, da dort die Strecke durch die Sprengung der hohen Viadukte südlich des Ortes auf lange Zeit unterbrochen war. Bisher war es nur gelungen, südlich der Lücke mit Pferdezug täglich 70 Tonnen weiterzubefördern. Um diese auf 320 Tonnen steigern zu können, sollte eine zerlegte Lokomotive im Straßentransport herangebracht werden, falls es nicht möglich war, eine solche von Semendria über Vk. Plana nach Vk. Mladenovac zu leiten. In der Richtung über Arangjelovac schien selbst
!) Gallwitz, 408.
bei Versagen der von Vk. Mladenovac dorthin führenden Schmalspurbahn die Aufrechterhaltung des Nachschubes durch Lastautos und Pferdetrains verbürgt, mit denen man sogar bis über die Linie Boljkovci— Rudnik—Lužnice auszukommen hoffte.
Der deutschen Nebenetappe wurde die Mitbenützung der Vollbahnstrecke eingeräumt, was für das XXII. RKorps eine Schlagweite von 30 km über Arangjelovac hinaus ergab.
So setzte die 3. Armee am 25. Oktober früh ihre Vorrückung fort. Die Gruppe Sorsich erreichte mit ihrer rechten Seitenabteilung Valjevo ohne Kampf; die Masse gelangte, durch Brückenzerstörungen vielfach aufgehalten, nicht über Ub hinaus. Die westlich der Kolubara aufklärenden Landsturmhusaren des XIX. Korps übersetzten östlich von Lajkovac auf einer notdürftig hergestellten Brücke den Fluß und drangen bis Zupanjac vor. Da auch der Raum südlich davon vom Feinde frei war, wurde die Brigade GM. Schwarz nach Županjac befohlen. Ungehindert konnten am Nachmittag Sicherungen noch weiter nach Süden vorgeschoben werden. Die 21. LstGbBrig. drängte nach schwerer Angriffsarbeit den Feind von den Höhen südöstlich von Lazarevac zurück. Im Anschluß ostwärts schob sich die 205. LstlBrig. in die Gefechtslinie ein. Die übrigen Truppen des XIX. Korps erreichten Vreoci. Auf dem rechten Flügel des XXII. RKorps stand tagsüber die deutsche 26. ID. in schwerem Kampfe um Höhenstellungen südlich von Progoreoci, die die nach Rudnik führende Straße beherrschten. In den Kampf der Württemberger griff am Abend die Artillerie der rechts benachbarten 205. LstlBrig. unterstützend ein. Die 44. RD. eroberte feindliche Verschanzungen östlich von Progoreoci, Die 43. RD. nahm Arangjelovac und erreichte die Höhen südlich der Stadt, wohin Mišič seinen rechten Flügel (DrinD.II) abgebogen hatte.
Während das XXII. RKorps am 25. um den Besitz der von der serbischen 1. Armee hartnäckig verteidigten Wald-und Kuppenstellungen von Progoreoci und von Arangjelovac sehr schwer zu kämpfen hatte, war das k.u.k. VIII. Korps im fließenden Vorgehen. Am 24. Oktober hatte der rechte Flügel der Armee Gallwitz den Jasenicaabschnitt bei Palanka überschritten und die auf dem linken Flügel der serbischen 3. Armee fechtende ŠumD.II gegen die Rača zurückgestoßen. Dadurch sah sich Zivkovic abermals überflügelt und wich in der Nacht auf den
25. von der Kubršnica auf Natalinci—Topola zurück. Vor der 59. ID. des k.u.k. VIII. Korps standen aber am nächsten Morgen noch serbische Nachhuten östlich von Arangjelovac. GM. Hrozný wartete das für 10h vorm. angesagte Vorgehen der benachbarten deutschen 43. RD. nicht ab.
Er griff schon früh den Feind an und vermochte mit seinen tapferen Truppen, unterstützt durch deutsche Artillerie, bis auf das Südufer der oberen Kubršnica vorzudringen. Die 57. ID., die mit dem bereits gegen die Rača vordringenden deutschen III. Korps Verbindung hielt, gelangte am 25. ohne wesentliche Kämpfe bis an den Nordostrand von Topola und bis auf die Höhen nördlich von Natalinci.
Der zurUmfassung der Serben bestimmte rechte Flügel der 3. Armee begann somit gegen den linken Flügel zurückzubleiben. Das Oberkmdo. Mackensen drängte auf ein schnelles Vorgehen des XXII. RKorps. GdI. Kövess befahl für den 26. Oktober die Fortführung des Angriffes an der ganzen Front mit starkem rechtem Flügel. Dem FML. Trollmann wurde bedeutet, daß die Verlegung des Schwergewichts auf seinen Westflügel so lange nötig sei, als aus dem Raume südlich und südwestlich von Laza-revac Gefahr drohe. Dort vermutete man also noch immer bedeutende Kräfte der serbischen 1. Armee.
Verfolgung der Serben durch das Rudnikgebirge bis zum 28. Oktober
Woiwode Misić hatte unterdessen die Sokolbrigade aus ihrer Aufstellung östlich von Valjevo auf den Rudnikpaß befohlen, um die Straße nach Grn. Milanovac zu decken. Seine übrigen Streitkräfte, die DrinD.II und die DonD.II, wollte er aus den Wäldern der südlich von Arangjelo-vac aufragenden Höhe Venčac (A 675) dem vorgeprellten linken Flügel der k.u.k. 3. Armee entgegenwerfen, um diesen zurückzuschlagen. Allein die Lage der ŠumD.II zwang Živkovič zu weiterem Rückzug in das Quellgebiet der Rača. Daher mußte auch Misić am 26. unter dem Schutze zäh haltender Nachhuten hinter die obere Jasenica an den Nordrand des Rudnikgebirges zurückweichen.
Beim GdI. Kövess war am 26. vormittags ein Heeresgruppenbefehl eingetroffen, der die 3. und die 11. Armee zur Fortsetzung der Verfolgung anwies. Nächstes Ziel für die 3. Armee war die Linie Vujanhöhe (südlich von Grn. Milanovac)—Cerovac (an der Straße Arangjelovac— Kragujevac), für die 11. Armee jene von Vojinovac—Brzan—östliche Talhöhen der Morava bis Drenovac A 277. Zum Schutze der rechten Heeresflanke hatte sich das XIX. Korps zu staffeln und über Ivanovci rechts hinter dem XXII. RKorps zu folgen. Zu gleichem Zwecke war die Gruppe Sorsich nach Valjevo zusammenzuziehen. Mochte auch noch so sehr schnelles Vorgehen der beiden äußeren Flügel anzustreben sein, um die
Einkesselung der Serben bei Kragujevac zu erreichen, so durfte deshalb doch nicht die Mitte zurückgehalten werden. Denn durch scharfes Nachdrängen sollte es dem Feinde unmöglich gemacht werden, in neuen Stellungen sich zu geordnetem Widerstand einzurichten.
Bei der Gruppe FML. Sorsich rückten am 26. Oktober die beiden vorderen Brigaden Obst. Franz (früher Obst. Ybl) und GM. Schiess an die Kolubara auf Lajkovac—Slovac vor. Die Gruppe Streith wurde mit der Hauptkraft über Ub nachgezogen, ein Teil unter Obst. v. Hausser erreichte die Gegend nördlich von Valjevo, das schon am 25. von Vortruppen besetzt worden war (S. 246). Auch beim XIX. Korps erreichten die Brigaden die ihnen allerdings schon am 25. gesteckten Marschziele kampflos. Am 26. abends stand die 53. ID. (LstlBrig. Schwarz, 20. und
21. LstGbBrig.) beiderseits der Straße bei Dudovica; dahinter folgten die übrigen Truppen, die 10. und die 17. GbBrig. sowie die 205. LstlBrig., in der zweiten Linie. Die schlecht versorgten Truppen waren durch den Vormarsch schon stark hergenommen. Das Auf schließen der immer wieder abreißenden Fuhrwerkskolonnen schien geboten zu sein. Teile der leichten Artillerie waren erst im Laufe des Tages mit übermüdeten Pferden eingerückt; von der schweren Artillerie kam die letzte Batterie nur bis Železník. FML. Trollmann bat das 3. Armeekmdo. für den 27. neuerlich um einen Rasttag. Da das XIX. Korps nach den Befehlen des Heeres-gruppenkmdos. (S. 249) ohnehin in das Staffelverhältnis gewiesen war, schien die Gewährung der Bitte möglich.
Auf dem rechten Flügel des XXII. RKorps hatte die 26. ID. schon nachts den Serben eine Höhe.entrissen. Früh überrannte diese Division eine feindliche Nachhut und erreichte am Nachmittag Kalanjevci. Von der
44. und der 43. RD. wurde der Feind ebenfalls in erbitterten Kämpfen geworfen; die beiden deutschen Divisionen gewannen die Linie nördlich von Trešnjevica.
Beim VIII. Korps bestand am 26. die Neigung, den linken Flügel als Drehpunkt zu verhalten, da mit der allgemeinen Vormarschrichtung auf Kragujevac der 3. Armee eine Linksschwenkung vorgeschrieben war. Die 59. ID. hatte die Höhen westlich von Topola zu nehmen, die 57. ID. nur mit dem rechten Flügel ein Stück vorzugehen. Zur Verstärkung des rechten Korpsflügels wurde vom FZM. Scheuchenstuel die gesamte verfügbare schwere Artillerie (eine Kanonen- und vier Haubitzbatterien) bei der 59. Division vereinigt. Unterstützt durch die Artillerie der 57. ID., drang der von seiner Verwundung genesene FML. Šnjaric mit seiner Division bis an den Südrand von Topola vor. Auch die östlich davon vorgehenden Nachrichtenabteilungen der 57. ID. gewannen Raum. Die Brigade Haustein rückte nach Zagorica, die Brigade Mrázek nach Beljevac.
Alle drei Korps der 3. Armee standen am 26. Oktober abends in gerader, gegen Süden gekehrter Frontlinie aneinandergereiht. Diese durch das langsame Vorgehen des XIX. Korps erreichte Lage bedeutete zwar eine Verbesserung der bisherigen Gruppierung; im Sinne der Weisungen Mackensens mußte nun aber weiter auf eine Linksschwenkung hingezielt werden. Die befohlene Rückwärtsstaffelung des Westflügels konnte sich aus der Einschaltung des erbetenen Rasttages (S. 250) für das XIX. Korps von selbst ergeben. Auf diese Gruppierung hätte aber das 3. Armeekmdo. kein besonderes Gewicht mehr gelegt, da nach den Aufklärungsergebnissen der rechte Flügel nicht mehr bedroht zu sein schien. Eine gewisse Sicherung bot ja ohnehin die rechts hinausgeschobene Gruppe Sorsich.
FML. Sorsich hatte nach dem ihm erst am 27. Oktober früh zugekommenen Armeebefehl seine Gruppe „zunächst nach Valjevo zusammenzuziehen“. Die Ausführung dieser Weisung war bereits angebahnt; die Brigaden Streith, Franz und Schiess erreichten am 27. ihre Marschziele ohne Störung. Das Detachement Obst. Hausser wurde bis in die Gegend nördlich von Bačevci vorgeschoben. Reiterpatrouillen fanden die Straße bis halben Weges nach Rogačica von den Serben frei und stießen auf der Straße nach Užice erst südlich von Ražana auf eine kleine feindliche Abteilung.
Die Tätigkeit des XIX. Korps beschränkte sich am 27. darauf, Sicherungstruppen vorzutreiben; erst auf dem Rajacriicken wurden serbische Linien beobachtet. Den übrigen Truppen der 3. Armee brachte der 27.Oktober beträchtlichen Raumgewinn. Das XXII. RKorps sollte besonders auf dem stark zu haltenden Westflügel schnelles Vorgehen anstreben, um die Umfassung eines im Raume von Kragujevac standhaltenden Feindes zu erreichen, doch durften andrerseits weder die Armeemitte noch der Ostflügel aufgehalten werden. Diesen Weisungen gemäß drang das XXII. R-Korps am 27. im Kampf mit Nachhuten im Nordwestteile des Rudnik-gebirges bis in die Linie Rudnik—Šatornja vor. Auf dem rechten Flügel des k.u.k. VIII. Korps kam die Vorrückung erst im Laufe des Vormittags in Fluß, obwohl die Serben aus ihren Stellungen südlich von Topola schon in der Nacht abgezogen waren. Die Kamenica war durch Hochwasser plötzlich unpassierbar geworden, was eine Verschiebung der 59. ID. westwärts gegen den Oberlauf des Flusses notwendig machte; Truppen des XXII. RKorps waren wieder im Nebel zu weit ostwärts geraten, so daß es zu einer argen Vermengung der Verbände kam. Die 59. ID.
gewann schließlich im Anschluß an die 43. RD. bis an den Nordrand des Rudnikgebirges Raum. Die 57. ID. rückte östlich von Topola über die hochangeschwollene Jasenica und setzte sich, fast ohne auf feindlichen Widerstand zu stoßen, auf den Höhen südlich der Niederung fest. Vor der Front des VIII. Korps standen die Serben in starken Stellungen beim Orte Vlakča und weiter östlich in einer Linie südlich der obersten Rača.
Am 27. Oktober früh, als Kövess seine Hauptstreitkräfte gegen das Rudnikgebirge in Bewegung setzte, hatte nach viertägiger Unterbrechung der Regen wieder kräftig eingesetzt. Sogar kleinere Wasserläufe waren zu nicht unbeträchtlichen Hindernissen geworden; auf den tief aufgeweichten Straßen blieben Geschütze, Munitions- und Verpflegswagen stecken. Das XXII. RKorps meldete, daß vor einem Weitermarsche über die Linie Rudnik—Šatornja die Troßkolonnen erst anschließen müßten, wozu voraussichtlich zwei Tage notwendig seien.
Demgegenüber hielt es das 3. Armeekmdo. trotz aller Schwierigkeiten für möglich, die Vorrückung fortzusetzen, denn es hoffte, daß bei gründlicher Ausnützung der Vorräte des Landes die schwierige Verpflegs-lage wie bisher erträglicher gemacht werden könnte. Allerdings war nicht zu erwarten, daß die auf dem rechten Armeeflügel kämpfenden Truppen im Rudnikgebirge vom Lande zu leben vermöchten. Bei allem Bestreben, die Verfolgung in Fluß zu halten, durfte daher der Bogen nicht überspannt werden, was in dem vom GdI. Kövess für den 28. ausgegebenen Armeebefehl deutlich zum Ausdruck kam. Darnach sollten die vorderen Brigaden des XIX. Korps den Raum Banjani—Slavkovica erreichen, die anderen Truppen anschließen. Das XXII. R- und das VIII. Korps hatten nach Möglichkeit dem Feind an den Fersen zu bleiben und durch Aufklärungsabteilungen scharfe Fühlung mit ihm zu halten. Die Gruppe Sorsich sollte am 28. bei Valjevo verharren und südwärts aufklären.
Diese Absichten konnten nur den Beifall des Heeresgruppenkmdos. finden, denn man hatte gerade erfahren, daß die serbische Nationalbank und das Reichsarchiv noch kurz vor Unterbrechung der Eisenbahn von Nis nach Saloniki gebracht worden seien und von dort nach Monastir geleitet werden sollten, wohin auch die serbische Regierung zu übersiedeln gedenke. Im Hafen von Saloniki seien am 21. Oktober sieben englische und französische Transportdampfer mit vielen Truppen eingetroffen. Das Anrollen von Truppenzügen gegen die serbische Grenze dauere an1). Unter solchen Umständen schien gerade jetzt eine rasche Entscheidung bei Kragujevac geboten zu sein. Alle Kräfte mußten diesem
*) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 357.
militärisch wichtigen Punkte zustreben. Um die überangestrengten Truppen anzuspornen, ließ GFM. Mackensen verlautbaren, daß die Vereinigung der 3. und der 11. Armee mit der ihm unterstehenden bulgarischen 1. Armee bereits vollzogen sei (S. 243); alle drei Armeen seien im besten Fortschreiten, die Donauflottille liege vor Orsova zum Vorbrechen über das Eiserne Tor bereit. Einer Anerkennung der Leistungen des k.u.k. VIII. Korps wurde die Erwartung weiterer Anspannung beigefügt; dem XXII. RKorps wurde eröffnet, daß ein zweitägiger Stillstand ausgeschlossen sei und die Nachschubschwierigkeiten überwunden werden müßten. Das XIX. Korps sollte, nach rechts hinten gestaffelt, auf Grn. Milanovac vorrücken. FML. Sorsich hatte mit seiner Hauptkraft von Valjevo über Kozjerići vorzugehen, um mit der 62. ID. im Raume östlich von Užice Verbindung zu gewinnen. Eine Seitenabteilung war auf čačak zu entsenden. Von der durch das 3. Armeekmdo. in Teschen für Verfolgungszwecke erbetenen Reiterei waren in Belgrad eben drei Schwadronen des DR. 5 eingelangt; hievon wurden eine über Lazarevac zum XIX. Korps, die beiden anderen zur Gruppe Sorsich gesandt. Zu dieser sollten noch weitere sechs in Aussicht gestellte Schwadronen, das kombinierte Kavallerieregiment Obst. v. Bolla, gelangen.
Im Sinne der vom 3. Armeekmdo. bereits ergangenen Weisungen ließ FML. Sorsich am 28. seine Gruppe noch bei Valjevo stehen, um die Vorteile zerstreuter Gruppierung in dem an Lebensmitteln armen Gebiete ausnützen zu können. Am Nachmittag erreichte ihn der Befehl zum Vormarsch gegen Užice und čačak. Mit Rücksicht auf die Gefahren eines vollkommenen Abreißens des Nachschubes und wohl auch in der Hoffnung, den Betrieb auf der Bahn Zabrež—Valjevo bald eröffnen zu können, sollte jedoch Sorsich zunächst nur alle Vorbereitungen für den Vormarsch treffen, so daß über Befehl ohne Verzug angetreten werden konnte.
Beim XIX. Korps kam wohl am 28. die Vorrückung wieder in Fluß, doch hemmten Regen, grundlose Wege und Überschwemmungen in den Niederungen abermals alle Bewegungen. So konnte das Korps Trollmann, obwohl es vom Feinde völlig unbehelligt blieb, seine Marschziele nur teilweise und nur unter den größten Mühseligkeiten erreichen. Besondere Marschhindernisse hatte die durch das obere Ljigtal nach Slavkovica gewiesene LstlBrig. Schwarz zu überwinden. Im überschwemmten Tal mußten die zerstörten Brücken wiederhergestellt werden, und die Straße wurde erst nach zahlreichen Pölzungen und Vorbereitungen für die Artillerie passierbar. Die erste Abteilung traf spät am Abend in Slavkovica ein, und die anderen Bataillone folgten nach stundenlangen Zwischenzeiten.
Bei der Erschöpfung der Truppen konnte der Rücken Rajac im Anschluß an die Sicherungslinie der mit der Vorhut bis Boljkovci gelangten 53.ID. (20. und 21. LstGbBrig.) nicht mehr besetzt werden; nur die rechte Seitenhut erreichte den Suvobor. Die 205. LstlBrig., die 10. und die 17. GbBrig. fanden im Raum um Moravci ein dürftiges Nachtlager. Weit dahinter folgte die Artillerie.
Bei der Tatsache, daß die k.u.k. Verbände auf dem rechten Flügel der 3. Armee bisher in gar keine größeren Kampfhandlungen verwickelt und in der letzten Zeit überhaupt vom Feinde weit abgeblieben waren, mußten die geringen Anforderungen, die in den letzten Befehlen an die Gruppe Sorsich und an das XIX. Korps gestellt worden waren, ihre besondere Begründung haben. Sie lag in den Einwänden der Unterführer, daß die materiellen Vorbereitungen durchaus nicht im Einklänge zu einer vielleicht operativ notwendigen Anspannung der Kräfte der Truppen stünden. Die Verbände waren in der Not der Stunde zum Bewegungskrieg aufgerufen worden, obwohl sich die Heeresleitung ihrer mangelhaften Ausrüstung bewußt war. Die mindere Tauglichkeit vieler Landstürmer schuf zahlreiche Nachzügler, unter denen sich schon viele Barfüßler befanden. Eben durchdrang das XIX. Korps das Gebiet, in dem vor Jahresfrist das Unheil über eine öst.-ung. Armee hereingebrochen war; die materiellen Schwierigkeiten mahnten in der Erinnerung an jene Katastrophe alle Befehlsstellen, auf der Hut zu sein und durch richtiges Abwägen der von der Truppe geforderten Leistungen auch örtliche Rückschläge zu vermeiden.
Auf Seite der Serben hatte in den Tagen vom 23. bis zum 27. Oktober der Woiwode Mišič immer wieder gehofft, die 1. Armee aus dem Rudnik-gebirge dem rechten Flügel der Armee Kövess entgegenwerfen zu können; zur Bereitstellung sollte sich die Belgrader Armeegruppe nördlich der oberen Jasenica halten. Putnik, der bereits am 23. Weisungen für einen etwaigen Rückzug bis an die Westliche Morava ausgegeben hatte, stimmte am 25. Oktober nun doch diesen Entschlüssen bei und verschob sogar das bereits anbefohlene Abgehen eines Infanterieregiments zur schwerbedrängten „Südlichen Morava-Gruppe“. Am folgenden Tage wurde jedoch dieser Plan zunichte, da die Belgrader Armeegruppe über die Jasenica weichen mußte. Noch empfindlicher war der Rückschlag auf dem linken Flügel der 3. Armee, wo die ŠumD.I über die Rača geworfen wurde und durch ein Infanterieregiment der Belgrader Armeegruppe eiligst verstärkt werden mußte. Diese Schwächung konnte wieder nur durch Verbände der 1. Armee ausgeglichen werden. Am 27. Oktober sah sich die serbische Heeresleitung überdies gezwungen, die Verschiebung der DonD.II nach Priština gegen die das Kosovo polje bedrohenden Bulgaren anzuordnen1).
Am Tage darauf setzte sich aber das XXII. RKorps vor den Stellungen der weitausgedehnten DrinD.II fest, und die 26. ID. vertrieb mit Teilen der 44.RD. die Sokolbrigade aus dem Rudnikpaß. Auf dem linken Flügel des XXII. RKorps gelang es der43.RD., die bei Str. Selo Masloševo über die angeschwollene Srebrnica führende Brücke zu gewinnen. Der Feind stand der Division dicht gegenüber auf den Hängen des südlichen Ufers. Die Deutschen litten unter den Stockungen des Nachschubes. Bei den immer schlechter werdenden Wegen mußten selbst zahlreiche Gespanne der Artillerie zurückgeschickt werden, die die nördlich der Bahnlinie Lazarevac—Arangjelovac steckengebliebenen Munitions- und Ver-pflegswagen vorzuholen hatten.
Von der 59. ID. des k.u.k. VIII. Korps wurden am 28. östlich von Šatornja serbische Vortruppen geworfen. Die Höhen südwestlich von Vlakča blieben aber im Besitze des Feindes. Die 57. ID. überschritt am Nachmittag auf rasch gebauten Brücken im feindlichen Feuer die sumpfige Račaniederung und vermochte die südlichen Talhänge zu gewinnen. Eine Vorrückung über diese Linie hinaus war vorerst nicht ratsam, da die Serben sich noch hielten und da ihre Artillerie von der Höhe südlich von Čumic mit Flankenfeuer drohte. Weit hinter der Front des VIII. Korps wurden die Brigaden Mrázek und Haustein bei Topola und Natalinci zur Herstellung der Wege verwendet.
Der Widerstand, dem das XXII. RKorps und das VIII. Korps am 28. Oktober begegneten, ließ die Vermutung aufkommen, der Serbe werde sich vor Kragujevac zur Entscheidungsschlacht stellen wollen. GdI.Kövess drängte in dem am 28. abends ausgegebenen Armeebefehle beide Korps, die Verfolgung trotz aller Schwierigkeiten möglichst im Flusse zu lassen. Der Westflügel wurde aber noch immer verhalten. Die Erwägung, daß die Serben ihn doch noch anfallen könnten, sprach dabei mit, obwohl die Aufklärung bereits ergeben hatte, daß die Regimenter der DrinD.II und der DonD.II vor der Armeemitte standen und daß daher solche Abwehrmaßnahmen kaum mehr notwendig waren. Die Wahl der ferneren Vormarschrichtung für die zwei westlichen Divisionen des XXII. RKorps über Grn. Milanovac hinaus wurde noch von den weiteren Nachrichten über den Feind abhängig gemacht. Dieser Ort war bis zum Eintreffen der Spitzen des XIX. Korps vom XXII. RKorps zu besetzen. Vom Vorschreiten des
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letztgenannten Korps wurde das Vorgehen des XIX. Korps abhängig gemacht. Für dieses galt als Anhaltspunkt, ,,in sich selbst wieder gestaffelt, nicht weiter als höchstens 15 bis 20 km gegen den rechten Flügel des XXII. RKorps“ zurückzustehen. Eine von Mionica über den Suvobor-rücken vorgehende Kolonne der Gruppe Sorsich konnte dem XIX. Korps gegenüber etwas Zurückbleiben, die Hauptkraft der Gruppe Sorsich aber sollte den Raum von Požega bald erreichen. Der Weg über den Maljen-rücken war zu sichern, die Verbindung mit der 62. ID. bald aufzunehmen.
Im Sinne dieser Weisungen wurden sowohl beim XIX. Korps wie auch bei der Gruppe Sorsich die Befehle für den 29. gegeben. Beim 3. Armeekmdo. bestand die Hoffnung, die beiden stark abhängenden Flügelgruppen doch noch zur Wirkung zu bringen, da die Serben noch immer im Rudnikgebirge und weiter östlich davon zum Ausharren entschlossen schienen. Die vom 3. Armeekmdo. am 28. abends erteilten Befehle waren aber durch die Ereignisse bereits überholt.
Das Vordringen der Armee Gallivitz und der beiden bulgarischen Armeen vom 23. bis zum 28. Oktober Hiezu Beilage 14 Bei der Armee Gallwitz erreichte am 23. Oktober die rechte Seitenabteilung den Ort Azanja und vermittelte die Verbindung mit dem linken Flügel der 3. Armee. Das III. Korps kam bis in die Linie beiderseits von Palanka. Östlich anschließend drangen das IV. und das X. RKorps über Vk. Popovac und Ranovac vor. Schritt für Schritt mußte den zäh haltenden Serben ihr unter schweren Opfern verteidigter heimatlicher Boden abgerungen werden.
Nach den letzten Weisungen des Heeresgruppenkmdos. (S. 242), die eine Einkesselung der Serben in ihrer Landesmitte zum Ziele hatten, sollte die 11. Armee nach Südwest einschwenken und, beiderseits der Morava vorgehend, zunächst der Linie Saranovo—Svilajnac—Subotica zustreben. In der Verfolgung dieses Zieles stieß der rechte Flügel der Armee Gallwitz am 26. Oktober bis über die Rača vor, die Mitte erreichte Svilajnac—Bobovo, während der stark auseinandergezogene Ostflügel, beiderseits der Mlava vorgehend, die Höhen 12 km südöstlich von Petrovac gewann und mit einer Abteilung ostwärts gegen Majdanpek strebte, um die dortigen Kupferbergwerke zu besetzen.
Am 26. wurde von Mackensen ein scharfes Einschwenken des östlichen Armeeflügels über Jagodina gefordert und gleichzeitig auch im Einklänge mit Kövess ein Stoß der Mitte der 11. Armee auf Kragujevac zur Erwägung gestellt23). Das bedeutete aber für Gailwitz ein gleichzeitiges Verstärken seiner beiden Armeeflügel, was erst nach dem Besitz des Bergstockes zwischen Morava und Resava durchführbar zu sein schien.
Schon am 27. Oktober entschied sich Gallwitz für den Stoß auf Kragujevac, da das rasche Vorgehen des östlichen Flügels der 3. Armee seinem rechten Flügel zugute kam, und da andrerseits die Witterungsverhältnisse eine rechtzeitige Umfassung des Feindes mit dem Ostflügel aussichtslos machten. Für den 28. Oktober ordnete der Armeeführer an, eine Division des IV. RKorps zum III. Korps auf das westliche Moravaufer zum Stoß nach Süden zu verschieben. An diesem Tage überschritt das III. Korps bereits die untere Lepenica, anschließend nahm das IV. RKorps die Höhen in der Linie Radošin—Sedlari—Covdin. Zur Sicherung des linken Flügels wurde das vom 28. an bei Ung. Weißkirchen eintreffende deutsche Alpenkorps bestimmt; ein Teil dieses divisionsstarken Korps wurde unter Obst. v. Below nach Orsova geleitet.
Hier hatte die Gruppe Fülöpp am 23. Oktober nach kräftigem Wirkungsschießen ihrer durch deutsche Batterien verstärkten Artillerie die Donau überschifft und die südlichen Uferhöhen dem schwachen Feinde leicht zu entreißen vermocht, denn die Masse des Krajinadetachements war bereits an den Timok abgezogen (S. 230). Am 25. erreichte die Vorhut Fülöpps die von den Serben verlassenen Orte Podvrška und Kladovo und traf tags darauf bei Brza Palanka auf bulgarische Reiter. Nun war die unmittelbare Verbindung mit der verbündeten Nachbararmee hergestellt und die Donau freigelegt. Sofort erschienen Minensucher, um die Fahrrinne durch das Eiserne Tor den schon bereitgestellten Munitionstransporten für Bulgarien und die Türkei zu öffnen24). Allerdings lagen in den rumänischen Gewässern von Turnul-Severin bis Prahovo russische Torpedoboote, die aber auf die bei der rumänischen Regierung erhobenen Vorstellungen zurückgezogen wurden25).
Der rechte Flügel der bulgarischen 1. Armee hatte am 24. Oktober Negotin genommen und rückte der nach Südwesten ausweichenden Krajinagruppe nach. Vor der 6. ID. hielt die KombD. noch immer Zaječar, dagegen mußten die Serben (die neugebildete Bucjan- und die Knjaževac-gruppe) am 25. der 8. ID. Knjaževac nach zähem Widerstand überlassen. Südlich davon erlitt jedoch an diesem Tage die 9. ID. eine empfindliche Schlappe, da die Masse der 2. Armee, ŠumD.II und Teile der TimD.I, um Niš zu schützen, gegen Osten einen wuchtigen Gegenschlag führte. Der linke Flügel der 1. Bulgarenarmee, die l.ID., focht am
26. noch um die Höhen südlich von Pirot. Im anschließenden Kampfraum der bulgarischen 2. Armee war eine Gruppe in Divisionsstärke unter Befehl des GM. Ribaroff von Vranje im Vormarsche in nördlicher Richtung gegen Leskovac, das durch die fast gleichstarke „Südliche MoravaGruppe“ verteidigt wurde.
So günstig sich alle diese Fortschritte für die Verbündeten anließen, so schien doch die Entscheidung vor Kragujevac zu fallen, ehe der rechte Heeresflügel der Bulgaren über Zaječar auf Paraćin vorrücken und die Serben auch von Südosten und von Süden her umklammern konnte. Die bulgarische Heeresleitung wurde daher am 26. von Mackensen ersucht, die Mitte der bulgarischen 1. Armee durch eine in Aussicht gestellte neue Division zu verstärken. Räumten die Serben auch dann Zaječar noch nicht, so sollten der bei Negotin fechtenden bulgarischen Brigade Kräfte der bisherigen Gruppe FML. Fülöpp und auch des deutschen Alpenkorps zugesandt werden und diese Truppen unter deutscher Führung (Obst. Below) gegen Zaječar von Norden vorgehen. Die anderen Truppen Fü-löpps hatten die Donauschleife von Orsova von den herumstreifenden serbischen Banden zu säubern sowie die Donauschiffahrt und die hinteren Verbindungen der Abteilung Below zu sichern.
Unterdessen machte sich aber das Vordringen der 3. und der 11. Armee von Norden her geltend. Am 27. begannen die Serben an ihrer ganzen Ostfront den Rückzug. Die Bulgaren, 1. Armee und Gruppe Ribaroff, rückten in Zaječar und in Pirot ein und drückten in der Richtung auf Paraćin—Niš—Leskovac vor.
Die 2. Bulgarenarmee hatte unterdessen ihren raschen Vormarsch gegen Westen in der Absicht fortgesetzt, einen auf Skoplje gerichteten Rückzug der Serben zu unterbinden und den Feind in das Bergland westlich von Kumanovo zurückzuwerfen1). Bis zum 28. gewann die 3. Bulgarendivision gegen schwachen serbischen Widerstand Kumanovo und Skoplje, Teile der 7. ID. erreichten Veles. Über die Orientarmee, die für die Südflanke der Bulgaren zu einer empfindlichen Bedrohung werden konnte, waren Nachrichten eingelaufen, daß 35.000 Franzosen und 15.000 Engländer in Saloniki gelandet wurden, die aber noch nicht operationsbereit seien. Tatsächlich trafen Teile der von Štip nach Süden reitenden bulgarischen Kavalleriedivision schon vor Krivolak auf die Spitzen der
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französischen 57. ID., die sich hier bis zum Herankommen weiterer Kräfte festzusetzen hatte. Die britische 10. ID. hatte am 27. Oktober endlich die Bewilligung zum Betreten serbischen Bodens erhalten und befand sich im Vormarsche nach Doiran.
Die etwa 50.000 Mann starke Heeresmacht Sarrails war somit auf eine Front von 70 km Ausdehnung verteilt. Hinter ihr bei Saloniki aber standen starke griechische Kräfte (III., I. und IV. Korps1), die eine immer feindseligere Haltung einnahmenund dem Verkehr zur französischenglischen Front, der Einrichtung der Verbindungen und der Ausgestaltung von Saloniki als Etappenhauptort große Schwierigkeiten bereiteten.
Die Schlacht bei Kragujevac (29. Oktober bis 1. November)
Hiezu Beilage 16
So war die allgemeine Lage, als in der Nacht auf den 29. Oktober beim 3. Armeekmdo. ein Heeresbefehl Mackensens eintraf, der Kövess darauf hinwies, daß die Bedrohung der rechten Flanke nach den letzten Nachrichten gering sei, und daß zu ihrem Schutze die Gruppe Sorsich ausreiche. Mit allen Kräften sei jetzt das Vorkommen des XIX. Korps auf čačak zu betreiben und dorthin auch die verfügbar zu machende Kavallerie (S. 253) des rechten Flügels vorauszusenden. Die Umfassung des Feindes durch das Tal der Westlichen Morava gewinne dauernd an Bedeutung und habe Aussicht auf Gelingen.
Im Sinne dieser Weisungen rückte FML. Trollmann am 29. Oktober gegen Grn. Milanovac vor. Die auf dem rechten Flügel des XIX. Korps vorgesendete 10. GbBrig. erreichte Planinica, wohin auch die 205. LstlBrig. nachzurücken hatte. Die LstlBrig. Schwarz und die 17. GbBrig. gelangten bis in die Gegend von Banjani. Die an der Spitze der 53. ID. vorrückende 20. LstGbBrig. vertrieb schwächeren Feind bei Kalimanići und mußte in ihrer linken Flanke Vorstöße der Sokolbrigade abwehren.
Obwohl nur ein Bruchteil desXIX.Korps am 29.Oktober in Kämpfe verwickelt worden war, hatte sich die materielle Lage ungemein verschärft. Die Truppen waren ohne Verpflegung. Was GM. Pongrácz über die Notlage seiner Brigaden berichtete, galt auch für alle anderen: „Ein mehrtägiger Stillstand ist ehestens unbedingt notwendig, um die Trains wieder instand zu setzen, die Bäckereien heranzuziehen und die Staffeln mit Brot zu dotieren.“ FML. Trollmann, der angewiesen worden war, i) N é d e f f, 22.
čačak schnellstens zu erreichen, meldete seinem Armeekommandanten über die so mißliche Lage. Er gedachte den 30. zum Aufschließen der Truppen in diesem schwierigen Gelände und zum Heranziehen des Trosses auszunützen. Als er jedoch erfuhr, daß die benachbarte deutsche 26. ID., vom Rudnikpaß vordringend, sich bereits Grn. Milanovac nähere, entschloß er sich doch, die Vorrückung fortzusetzen. Allerdings konnten den einzelnen Brigaden für den 30. nur nahe Ziele gesteckt werden.
Auf dem rechten Flügel des XIX. Korps schob sich die 10. GbBrig. am 30. Oktober bis in die Gegend von Teočin. Die 17. GbBrig., die vorstoßen sollte, um dem noch bei Grn. Milanovac stehenden Feind von Westen her den Rückweg zu verlegen, drang nicht durch; dagegen warf die 20. LstGbBrig. serbische Nachhuten von den Höhen nordwestlich von Grn. Milanovac zurück, wobei sechs Geschütze erbeutet wurden. Damit war die Beute dieser Brigade in den letzten zwei Kampftagen auf zehn Geschütze und auf 200 Gefangene gestiegen.
Unterdessen hatte der rechte Flügel des XXII. RKorps (26. ID. und Teile der 44. RD.) am 29. Oktober die serbische Sokolbrigade von den Höhen südlich von Rudnik auf Grn. Milanovac zurückgeworfen. Der linke Flügel (43.RD.) bemächtigte sich an diesem Tage der Stellungen auf den Höhen östlich des Rudnikpasses. Am 30. nachmittags nahm der rechte Flügel des XXII. RKorps nach heftigem Kampfe Grn. Milanovac, während die Höhen östlich der Stadt noch von der DrinD.II gehalten wurden. Über 10 km nordöstlich vom rechten Flügel des XXII. RKorps entfernt, stand die 43. RD. zur selben Zeit in der Höhe von Ramaća, nachdem sie den Bergkamm des Rudnikgebirges überwunden hatte.
Das k.u.k. VIII. Korps war am 29. im Vorgehen gegen serbische Stellungen an der obersten Rača, erzielte aber nur geringen Raumgewinn, weil der Feind über schwere Geschütze verfügte und die artilleristische Vorbereitung des Angriffs wegen des dichten Nebels kaum zur Geltung kam. Gegen den rechten Flügel der 59. ID. richteten sich im Verlaufe des Tages sogar Gegenstöße der Serben. Für den 30. ordnete FZM. Scheuchenstuel die Fortsetzung des Angriffes an. Die Entscheidung sollte bei der 59. ID. fallen, der die gesamte schwere Artillerie des VIII. Korps und auch die Batterien der im zweiten Treffen befindlichen LstlBrig. Mrázek zugewiesen wurden. Die 57. ID. hatte den gegenüberstehenden Feind zu binden.
Wegen des dichten Nebels mußte am 30. früh das Artillerieschießen hinausgeschoben werden. Als sich nach 9h vorm. zeigte, daß die Serben ihre Stellungen geräumt hatten, ließ FZM. Scheuchenstuel seine beiden
Divisionen auf die Höhen von Čumic vorgehen. Von dort wurden serbische Nachhuten durch Geschützfeuer vertrieben. Härteren Widerstand fand nur der entlang der Straße nach Kragujevac vorrückende linke Flügel der 57. ID. Hier wurde in gemeinsamem Angriff mit einer Seitenabteilung des deutschen III. Korps die Sobovicahöhe erobert.
Der rechte Flügel der Armee Gallwitz nahm am 29. Oktober zwar die Höhen nördlich von Vojinovac, kam aber im Flankenfeuer nicht weiter, da der östliche Flügel der 3. Armee nicht in gleiche Höhe gelangte. Beim IV. RKorps verzögerte sich der Uferwechsel der für einen Stoß auf Kragujevac (S. 257) bestimmten 105. ID., da die Moravabrücke bei Markovac beschädigt war. Das X. RKorps, vor dem der Feind in der Nacht abgezogen war, rückte bis auf die Höhen von Troponje und mit dem linken Flügel an die Resava bei Subotica. Gallwitz hoffte, mit diesem Korps südwärts Raum zu gewinnen, um es entweder gegen die Flanke der feindlichen Hauptstellung bei Kragujevac oder gegen die vor den Bulgaren nach Paraćin weichenden Serben wirken zu lassen1). Am 30.Oktober drängte der rechte Flügel der 11. Armee den Feind beiderseits der Lepenica in seine Hauptstellung, die nur wenige Kilometer nördlich von Kragujevac verlief. Das Mittelkorps kam über Brzan hinaus. Zwischen der Morava und der Resava hielt der Feind stärker, als man angenommen hatte, so daß das X. RKorps nicht über Vk. Popovic vorkam.
Die Entscheidung schien unmittelbar bevorzustehen. Im Osten drang die bulgarische 1. Armee gegen Paraćin und gegen Niš vor. Im Tale der Südlichen Morava hatte die bulgarische 2. Armee dem serbischen Heere den Weg zu den Ententetruppen verlegt. Von Norden drängten Kövess und Gallwitz in konzentrischem Vormarsch auf Kragujevac vor. Der rechte Flügel der 3. Armee näherte sich bei Čaěak bereits dem Tale der Westlichen Morava. Dem serbischen Heere blieb nur die Wahl zwischen ungesäumtem Ausweichen in das unwegsame Bergland im Südwesten des Landes und der Annahme einer Entscheidungsschlacht bei Kragujevac. Diese Lage kam den Plänen Mackensens genugsam entgegen. Es handelte sich ihm jetzt darum, das serbische Heer mit schnellen, vernichtenden Schlägen zu treffen und einzukreisen. Dazu erließ er am 30. die richtunggebenden Befehle.
Die Gruppe Sorsich sollte die rechte Flanke der 3. Armee bei Požega decken und die Verbindung mit der 62. ID. östlich von Višegrad herstellen. Das rechte Flügelkorps der 3. Armee, das k.u.k. XIX., hatte Čaěak zu erreichen und von dort nach Südosten in das Tal der West*) Gallwitz, 422. .
liehen Morava einzuschwenken, um dem Feinde über Kraljevo den Rücken abzugewinnen und ihm ein Entweichen nach Südwesten unmöglich zu machen, indes die Masse der 3. Armee, das XXII. R- und das VIII. Korps, die Umfassung im Westen vollenden und, nach Südosten eindrehend, über die Linie Guncati(23 km südöstl. von Grn.Milanovac)—Westrand von Kragujevac vorstoßen sollte. Die 11. Armee hatte den Hauptangriff über Kragujevac zu führen und mit dem linken Flügel östlich der Morava zur Umfassung auf Ćuprija auszuholen. Das Alpenkorps sollte im Moravatale nachgezogen werden, die Gruppe Below (S. 257), die noch bei Brza Palanka nördlich von Negotin stand, über Zlot nach Paraćin rücken. Die bulgarische 1. Armee wurde angewiesen, die Linie Paraćin— Kruševac zu gewinnen, um an der bei Kragujevac erwarteten Entscheidung mitzuwirken und die Einkreisung des serbischen Heeres zu vollenden. Ihr linker Flügel sollte im Tal der Südlichen Morava Vordringen.
Das XIX. Korps kam jedoch am 31. Oktober nicht so schnell vorwärts, wie es die Ausnützung der Lage forderte. Es konnte nicht einmal die Mindestforderung, wenigstens eine Brigade nach čačak vorzubringen, erfüllt werden. Durch die Ungunst der Wege und des Wetters gestaltete sich die Versorgung der ohnehin schon Mangel leidenden Truppen immer schwieriger. FML. Trollmann mußte sich daher am 31. damit begnügen, die Hauptkraft seines Korps bei Grn. Milanovac und westlich davon aufschließen zu lassen.
Auch sonst brachte der mit so großer Spannung erwartete 31. Oktober eine schmerzliche Enttäuschung. Das XXII. RKorps nahm die Höhen östlich von Grn. Milanovac und drang mit dem linken Flügel über Ra-maća bis an die nach Kragujevac führende Straße heran, ohne jedoch
— wie bisher — auf zähen Widerstand zu stoßen. War es schon auffallend, daß der Serbe den Angreifer in diesem Abschnitt so nahe an sein einziges Arsenal herankommen ließ, so mußte der geringe Widerstand nördlich von Kragujevac noch mehr überraschen.
Beim VIII. Korps war die 9. GbBrig. der 59. ID. hinter die rasch vorrückende 43. RD. gekommen. Die 18. GbBrig. gewann unter leichten Kämpfen Anschluß an die nach Süden vordringende 43. RD. Die 57. ID. schob sich, ebenfalls ohne wesentliche Kämpfe, über Lužnice und westlich davon gegen die Stellungen nördlich von Kragujevac heran. Die auf ihrem linken Flügel vorausgeeilte 2. GbBrig. erstürmte schon gegen Mittag in schneidigem Angriff 7 km nördlich der Stadt an der Straße nach Rača einen feindlichen Stützpunkt, wobei sie den Serben etwa 250 Gefangene abnahm. Dann stieß die Brigade bis auf die Höhen bei Divostin nach.
Das auf dem rechten Flügel der Armee Gallwitz fechtende III. Korps nahm am 31. Oktober die Verschanzungen an der Nordfront von Kragujevac, ohne scharfe Gegenwehr zu finden; die Armeemitte erreichte die Begleithöhen beiderseits des Moravatales nördlich und östlich von Bagrdan, während dem östlichen Armeeflügel an der Resava vor den zäh haltenden Serben ein wesentlicher Erfolg versagt blieb.
Von Kragujevac schallte am 31. deutlich der Donner von Sprengungen herüber. Der Serbe zerstörte seine Munitionsbestände und die Fabriken des Arsenals. Überall waren von den Fliegern Rückmärsche erkannt worden. So wußte man bereits um Mittag im Hauptquartier Mackensens, das am 30. nach Semendria verlegt worden war, daß sich die Hoffnungen auf einen großen Erfolg nicht erfüllen werden. Die Serben hatten anscheinend die ihnen drohende Gefahr erkannt und suchten durch schnellen Rückzug nach Süden ihre bei Kragujevac zusammengedrängten Streitkräfte der Einkreisung zu entziehen. Nur vor dem linken Flügel der 11. Armee hielten sie sich noch verzweifelt, um ihren vor den Bulgaren in südwestlicher Richtung zurückweichenden Kräften (Timokarmeegruppe und 2. Armee) den Rücken zu decken. Die Heeresgruppe Mackensen stand damit vor einer neuen Lage. Am 31. nachmittags wurde von ihrem Befehlshaber an die 3. und an die 11. Armee die Weisung zur schärfsten Verfolgung erlassen.
Beim XIX. Korps fand am 1. November nur die 20. LstGbBrig. auf den Höhen westlich von Brgjani durch Nachhuten der Sokolbrigade Widerstand, die bei ihrem beschleunigten Rückzug zwei Geschütze und auch Gefangene zurücklassen mußte, weil ihr Teile der 17. GbBrig. in Flanke und Rücken gekommen waren. Eine vorausgesandte Abteilung dieser Brigade langte gegen lh nachm. und eine Stunde später die 10. GbBrig. vor čačak an. Die Serben hatten um diese Zeit schon die Stadt geräumt und die Moravabrücken hinter sich abgebrochen. Um 4h nachm. konnten die Verfolger mit dem Übergang beginnen. Die 10. GbBrig. und die nachrückende 20. LstGbBrig. nächtigten im Orte. Sicherungen wurden auf die Höhen südlich und westlich der Stadt und in das Tal der Morava vorgeschoben. Die Masse des XIX. Korps ging an diesem Tage über Grn. Milanovac nicht hinaus. Neben den bisher vor dem XIX. Korps festgestellten serbischen Kräften tauchten auch montenegrinische Abteilungen auf.
Das XXII. RKorps erreichte am 1. November, ohne auf Feind zu stoßen, die Höhen nordöstlich von čačak und den Raum am Eingang in das Gružatal. Anschließend daran gewann die auf dem rechten Flügel des k.u.k. VIII. Korps vorrückende 59. ID., gleichfalls ohne Kampf, Za-bojnica. Eine vom Ostflügel der 57. ID. vorausgesandte Nachrichtenabteilung drang in Kragujevac ein und hißte um 8h früh auf der Kaserne die schwarzgelbe Fahne, was zu einer unerfreulichen Auseinandersetzung zwischen den Verbündeten führte; denn schon am frühesten Morgen hatte eine Bürgerabordnung den Deutschen die Übergabe der Stadt schriftlich mitgeteilt und bereits um 4h früh waren die ersten Truppen (25.RD.) unter Huldigung der verängstigten Bürgerschaft in die Stadt eingerückt1).
Am Nachmittag verdrängte die 57. ID. nach kurzem, aber heftigem Gefechte feindliche Nachhuten von einer Höhe am Südwestausgange von Kragujevac. Links von ihr schob der rechte Flügel der Armee Gallwitz (III. Korps) seine Vortruppen auf die Höhen südlich der Stadt. Das IV. R-Korps erreichte unter schweren Kämpfen die Höhenlinie westlich von Bagrdan und den Ort selbst, der den Schlüsselpunkt der serbischen Stellung gebildet hatte. Auch vor dem östlichen Flügel, im Quellgebiet der Resava, leisteten die Serben, die Gefahr eines gegnerischen Vorstoßes auf Paraćin erkennend, erfolgreichen Widerstand.
Aus den zuletzt eingelangten Meldungen hatte man im Hauptquartier Mackensens den Eindruck gewonnen, daß die von drei Seiten zusammengepreßten serbischen Nordarmeen bereits in vollem Rückzug auf Kraljevo und auf Kruševac seien. Flieger meldeten die Gegend von Po-žega und von čačak frei vom Feinde und hatten in den Tälern bei Kraljevo, Ćuprija, Stalać und Niš Stauungen von serbischen Fuhrwerksmassen beobachten können. Offenbar zog der Feind seine Kräfte bei Kraljevo— Kruševac—Aleksinac zusammen, um, wie Gefangene behaupteten, südlich dieser Linie von neuem Widerstand zu leisten.
Der geringe Raumgewinn bei der bulgarischen 1. Armee ließ das Eingreifen ihres rechten Flügels kaum mehr erhoffen, bevor die Entscheidung bei Kragujevac gefallen war. Da nunmehr ein Durchstoß weiter südlich, gegen Aleksinac—Niš, aussichtsreicher erschien, wurde die bulgarische Heeresleitung von Mackensen schon am 25. Oktober ersucht, eine in Aussicht gestellte neue Division in dieser Richtung einzusetzen. Dadurch hoffte man auch, die Räumung von Zaječar zu erzwingen.
Die Erfolge der Hauptkraft der Verbündeten machten sich aber inzwischen auch vor der bulgarischen Front fühlbar, wo die Serben am
27. Oktober bei Zaječar und bei Pirot sich absetzten und unter hinhaltenden Gefechten langsam zurückwichen, so daß die bulgarische 1. Armee erst am 31. Oktober etwa die Linie Osnić—Šumán Topla—Izvor—Vrandol Gallwitz, 425f.
—Dol erreichte. Bei der bulgarischen 2. Armee stand die 3. ID. in mehreren Gruppen in der Linie Vranje—Gnjilane—Varoš, um einen serbischen Durchbruch nach Süden zu verhindern. Die gegen Saloniki sichernde 7. ID. nahm am 30. Oktober mit einer Brigade Veles und die Höhen westlich davon, am 31. besetzte sie Gradsko und die wichtige Eisenbahnbrücke über die Černá. Die Kavalleriedivision, deren vor Krivolak angelangte Teile offenbar durch Infanterie abgelöst worden waren, folgte den vom Vardar gegen Prilep weichenden serbischen Truppen. Die 5. ID. und die mazedonische 11. ID., die mit ihren Hauptkräften bereits bei Kumanovo und bei Štip standen, wurden am 1. November der 2. Armee unterstellt; diese sollte einerseits gegen Priština vorstoßen, andrerseits Mazedonien gegen Angriffe der Orientarmee sichern.
Entschluß der serbischen Heeresleitung zum Rückzug (31. Oktober)
Noch am 29. Oktober versuchte die serbische Heeresleitung, den Gen. Sarrail zu einem raschen Vorgehen der französischen Truppen über Veles und durch das Ovče polje gegen Skoplje zu bewegen, und Putnik hoffte, durch einen Vorstoß von Heeresteilen aus dem Kosovo polje nach Südosten die Verbindung mit seinen Verbündeten herzustellen. Zu diesem Zwecke waren bereits die DonD.II der 1. und die MorD.I der 2. Armee nach Priština befohlen worden. Die Schwächung der 1. Armee mußte aber wegen der bedrängten Lage der Nordfront vorläufig aufgeschoben werden; auch dieTimokarmeegruppe (mit der Bučjangruppe) und die2. Armee (mit der neugebildeten Svodjgruppe) mußten nach harten Kämpfen dem übermächtigen Drucke der Bulgaren nachgeben und wichen fechtend zwischen Timok und Morava gegen Paraćin und Niš aus. Zu diesen rückgängigen Bewegungen der Hauptfronten gesellte sich noch die wachsende Gefahr an den äußersten Flügeln, wo einerseits Mackensen bereits im Begriffe stand, bei čačak die wichtigste Eingangspforte in das Tal der Westlichen Morava zu sprengen, indes auf der anderen Seite die Bulgaren durch einen Vorstoß gegen das Kosovo polje sogar die Verbindung mit Bitolj und Durazzo bedrohten1).
Als die Verbündeten in geschlossener Front am 31. Oktober vor Kragujevac anlangten, mußte Putnik vorbereitende Weisungen für den Fall eines aufgezwungenen Rückzuges ausgeben. Darnach hatten die
1. Armee über Kraljevo und durch das Ibartal auf Raška, die Belgrader Armeegruppe über Kruševac—Kuršumlija auf Prepolac, die 3. Armee
i) Serb. Gstb. W., XI, 18.
und die Timokarmeegruppe über Paraćin—Ražanj—Ribare auf Grebac (nördlich von Prokuplje) zurückzuweichen. Nachhaltiger Widerstand war bei Kraljevo und im Mündungswinkel der beiden Moravaflüsse zu leisten, um den Verpflegs- und Munitionskolonnen Zeit für den Rückzug aus dem Tale der Westlichen Morava und von Niš zu erkämpfen. Der 2. Armee mutete Woiwode Putnik ein kühnes Manöver zu: sie sollte mit ihrem Nordflügel den Raum westlich von Niš so lange halten, bis die Timokarmeegruppe und die 3.Armee Prokuplje erreicht hatten; dann hatte sie eiligst nach Süden herumzuschwenken, um die von Leskovac über Lebane nach Priština führende Marschlinie zu sperren1).
Dieser schwerwiegende Entschluß Putniks bedeutete nichts weniger als die völlige Preisgabe des Zentralraumes Serbiens, der die Kraftquellen des nationalen Widerstandes in sich barg. Elf Monate vorher hatte sich hier das Schicksal zugunsten Serbiens gewendet (Bd. I, S. 716 ff.). Jetzt bot sich nur mehr die Möglichkeit, südwestlich von der tiefen* durch die Westliche und die Südliche Morava gebildeten Talfurche Gegenwehr zu leisten. Doch auch diese Aufstellung des Serbenheeres auf dem Nordostabfall des unwirtlichen Gebirges, das sich von Požega gegen Vranje hinzieht, war schon durch das Vordringen der 2. Bulgarenarmee in der Südflanke ernstlich bedroht. Nur rasches Eingreifen der anglo-französischen Salonikiarmee konnte diese Gefahr beseitigen.
Der zweite E i n k r e i s u n g s v e r s u c h (2. bis 6. November)
Das Vordringen der Verbündeten bis an die beiden Moravaflüsse
Im Sinne der Weisungen Putniks zog sich am 1. November die DrinD.II der serbischen 1. Armee unter Nachhutkämpfen vor dem östlichen Flügel der Armee Kövess (57., 59. ID. und 43. RD.) auf die Höhen südwestlich von Kragujevac bis südlich von Knie zurück. Die dem Woi-woden Mišic wieder unterstellte DonD.II nahm auf den Nordhängen des Kotlenikgebirges vor der 44. RD. Aufstellung, während die von der
26. ID. von Grn. Milanovac zurückgeworfene Sokolbrigade auf den Talhöhen östlich von čačak Stellungen bezog2). Vor dem XIX. Korps war die über Požega herangezogene Užicegruppe darauf bedacht, auf den Höhen südlich von čačak sowie mit einem abgezweigten Bataillon bei Ivanjica die Armeeflanke zu decken. Als der Gegner bei čačak (S. 263)
1) Serb. Gstb. W., XI, 67 f.
2) Ebenda, XI, 74 ff.
über die Morava setzte und bei den serbischen Troßmassen in Slatina eine Panik ausbrach, raffte Misić ein Regiment der DonD.II zusammen, um es im gemeinsamen Angriff mit der Užicegruppe auf Čaěak einzusetzen.
Um bei einer Entscheidung im Moravatal rascher schlagfertig zu sein, hatte FML. Trollmann unterdessen dem 3. Armeekmdo. vorgeschlagen, die beiden zurückgebliebenen Brigaden (205. und LstlBrig. Schwarz) stehenzulassen, dafür aber deren Verpflegsstaffel den vorderen Brigaden zu überweisen. GdI. Kövess stimmte zu, und Trollmann ordnete am 2. früh den Vormarsch der 21. LstGbBrig. und der 17. GbBrig. bis in den Raum unmittelbar nördlich von čačak an; die 10. GbBrig. und die 20. LstGbBrig. sollten auf den Höhen südlich und östlich der Ortschaft, wo sich serbische Infanterie gezeigt hatte, zur Abwehr feindlicher Gegenstöße bereit sein. Die eingelaufenen Fliegermeldungen (S. 264) ließen indessen beim 3. Armeekmdo. die Hoffnung erwachen, die flüchtenden serbischen Trains im Moravatal fassen zu können. GdI. Kövess befahl dem XIX. Korps, noch am 1. November die 10. GbBrig. und die 20. LstGbBrig. entlang des südlichen Moravaufers gegen Kraljevo Vorgehen zu lassen und die hinteren Brigaden soweit als möglich heranzuziehen. Das XXII. RKorps und das VIII. Korps sollten in Fortsetzung der Verfolgung die Linie Bresnica—Grošnica gewinnen. Übereinstimmend mit diesem Befehle ordnete aber auch GFM. Mackensen den Vormarsch gegen Kraljevo mit den vorderen Brigaden des XIX. Korps südlich der Morava an, während die 26. ID. nördlich des Flusses vorstoßen sollte. Im Schlußabsatz dieses Heeresgruppenbefehles hieß es: „Baldiges Erreichen von Kraljevo und Abdrängen des Feindes von seiner dortigen Rückzugsstraße nach Süden ist von entscheidender Bedeutung.“ Mit der Aufforderung „Landesmittel auszunützen“, um vom Nachschub unabhängig zu sein, gab das 3. Armeekmdo. diesen Befehl für das XIX.Korps weiter. Mackensen und Kövess hofften, durch solche Maßnahmen die Hauptkraft der serbischen Nordarmee doch noch im Mündungswinkel der Westlichen und der Südlichen Morava einkreisen zu können.
Nun war aber schon in der Nacht zum 2. beim XIX. Korpskmdo. eine Meldung des GM. Pongrácz eingetroffen, die einen ungesäumten Weitermarsch der Brigaden nach čačak fraglich erscheinen ließ. Von der 20. LstGbBrig. waren erst drei Bataillone ohne Fuhrwerk nach čačak übersetzt worden, da der Reitsteg für Artillerie und Trains umgebaut werden mußte. Selbst der Übergang der Infanterie konnte erst im Laufe des Vormittags durchgeführt sein.
Um 12h30 nachm. verfügte FML. Trollmann, daß wenigstens die nach čačak gelangte Reiterei mit Infanterie und Maschinengewehren auf Wagen und ein fahrbarer Geschützzug auf Kraljevo vorgetrieben werden, um die dort angehäuften serbischen Trains in Unordnung zu bringen. Aber selbst das war noch nicht ausführbar, da zur Zeit weder Kavallerie noch Artillerie über den Fluß konnten. GM. Edl. v. Droffa, der Führer der
10. GbBrig., wollte die marschfähigen Teile der 10. und der 20. GbBrig. so weit gegen Kraljevo vorschieben, wie es ihr Kräftezustand erlaubte. Die
17. und die 21.Brigade hatten nach čačak nachzurücken. Die Abgabe der Verpflegsstaffel der beiden stehengebliebenen Brigaden (Schwarz und 205.) für die Versorgung der vorderen Brigaden brachte nur den einzigen Gewinn, daß deren täglicher Bedarf um einen Tagmarsch weiter von den Fassungsstellen vorgeschoben werden konnte.
Trotz dieser ungeheuren Schwierigkeiten des Nachschubes ordnete FML. Trollmann im Einvernehmen mit dem 3. Armeekmdo. den Abmarsch von tunlichst stark zu haltenden Abteilungen, „womöglich einer Brigade“, unter einheitlicher Führung, „soweit es die Verfassung der Truppen erlaubte“, gegen Kraljevo an. Auf den Höhen südlich von čačak hatte mittlerweile serbische Artillerie das Feuer gegen die 10. GbBrig. eröffnet. Der Übergang bei čačak konnte von den Tragtieren nicht vor 10h vorm., von den fahrenden Batterien erst gegen Abend benützt werden. Obst. Günste, der Generalstabschef des XIX. Korps, erhob daher gegen die erlassenen Befehle Einwendungen; doch forderte das
3. Armeekmdo. im Hinblick auf die Weisung des Heeresgruppenkmdos., die dem Vorwärtskommen des rechten Flügels gegen Kraljevo entscheidende Bedeutung beimaß, die äußerste Anstrengung, selbst auf die Gefahr, daß „die Hälfte der Truppen liegenbliebe“.
Bald nach dem Abmarsche der 20. LstGbBrig. gegen Zablače—Slatina wurde die auf den Höhen südlich von čačak zur Sicherung des Überganges zurückgelassene 10. GbBrig. von der serbischen Užicegruppe, allerdings ohne Erfolg, angefallen. Doch gelang es den Serben, die gegen Zablace vorrückende 20. LstGbBrig. schon westlich dieses Ortes zum Stehen zu bringen. Abends mußte die Brigade sogar gegen čačák zurückgehen und durch Teile der 17. und der 21. GbBrig. verstärkt werden.
Wie sehr aber das Heeresgruppenkmdo. auf eine äußerste Leistung des Westflügels drängte, zeigte die am Nachmittag beim 3. Armeekmdo. eingelangte Weisung, die Gruppe Sorsich auf Požega und die zurückgebliebenen Brigaden des XIX. Korps auf čačak zu vereinigen. „Vormarsch auf Kraljevo muß im Fortschreiten bleiben.“ Das 3. Armeekmdo. konnte diesen Befehl nur weitergeben. FML. Trollmann verfügte für den 3. November den Vorstoß der 20. und der 21. LstGbBrig. möglichst weit gegen Kraljevo; die 10.GbBrig. sollte den südlich von čačak stehenden Feind werfen und die Flanke des XIX. Korps decken. Dazu wurden ihr alle in čačak eintreffenden schweren Batterien unterstellt. Die 17. GbBrig. hatte als Korpsreserve in čačak zu verbleiben, wohin auch die Brigade Schwarz zu rücken hatte. Die 205. LstlBrig. sollte näher herangezogen werden.
Östlich des XIX. Korps suchte am 2. November das deutsche XXII. RKorps die Straße čačak—Kragujevac zu gewinnen, um von dort aus in das Tal der Morava einzuwirken. Die 26. ID. stieß südlich von Bresnica auf die serbische Sokolbrigade und die DonD.II, deren Widerstand am 2. nicht mehr gebrochen werden konnte. Während die 44. RD. etwas zurückgeblieben war, schob sich die 43. RD. in der Gegend südwestlich von Knie an die Stellungen der DonD.II heran. Vorgeschobene Teile der 43. RD. hatten in den Morgenstunden südöstlich dieser Ortschaft ein feindliches Lager überfallen. Die hierauf von drei Seiten geführten serbischen Gegenstöße wurden blutig abgewiesen, 350 Gefangene eingebracht und vier Geschütze erbeutet. Beim weiteren Vordringen der vorgeschobenen Gruppe im Gružatal entspannen sich mit dem linken Flügel der DrinD.II schwere Kämpfe, die den Deutschen keinen Raum-gewrinn mehr brachten.
Beim VIII. Korps gelangten Vortruppen der 59. ID. nordöstlich von Knie bis an die nach Kragujevac führende Straße heran. Unter dem Schutze von Nachhuten hatte sich der rechte Flügel der DrinD.II aus diesem Raume zurückgezogen. Überaus hartnäckig wurde indessen weiter östlich in dem bewaldeten und von vielen Wasserläufen zerlegten Bergland südlich von Kragujevac gefochten, in welchem die Gruppe Živ-kovic festen Fuß gefaßt hatte. Die 57. ID. griff den linken Flügel dieser serbischen Armeeabteilung an, konnte jedoch in mühseligem Kampfe nur wenig Boden gewinnen.
Auch die deutsche 11. Armee, vor der nunmehr neben der serbischen 3.Armee noch die Belgrader Armeegruppe stand, gewann am
2. November nur wenig Gelände und mußte sich auf ihrem Ostflügel sogar scharfer Angriffe erwehren.
Das deutsche Alpenkorps erreichte die Gegend um Svilajnac; seine Verwendung im Berglande Nordostserbiens kam nicht mehr in Frage, da dieser Raum inzwischen vom Feinde frei war und überdies bereits die Flügelanlehnung mit den Bulgaren bevorstand. Daher hielt GdA. Gallwitz eine Verstärkung seines Ostflügels nicht mehr für dringend, und er entschloß sich, das Alpenkorps seinem Frontteil westlich der Morava zuzuschieben, um durch einen Druck in der Richtung auf Kruševac in den Rückzug der vor den Bulgaren weichenden Serben hineinzustoßen1).
In der Nacht auf den 3. langten beim 3. Armeekmdo. die Befehle Mackensens für die Verfolgung in das Gebirge südlich der Morava ein. Darnach hatte die Gruppe Sorsich, die inzwischen den Raum nördlich von Požega erreicht hatte, über diesen Ort auf Ivanjica zu rücken. Die von dieser Gruppe zur Verbindung mit der 62. ID. nach Užice entsandte LstEtBrig. Obst. Hausser sollte mit den zwei zurückgehaltenen Landsturmbrigaden (205. und Schwarz) als Gruppe Reinöhl vereinigt werden und gegen Westen sichern. Zwei Brigaden (10. und 17. GbBrig.) hatten als Gruppe GM. Droffa durch das Gebirge auf Ivanjica und die 53. ID. (20. und 21. LstGbBrig.) unter GM. Pongrácz auf Kraljevo vorzustoßen, wohin auch die 26. ID. und die 44. RD. des XXII. RKorps angesetzt wurden, während die 43. RD. durch das Gružatal östlich davon vorzudringen hatte. Das VIII. Korps sollte den noch vor dem deutschen
III. Korps haltenden linken Flügel der Armeegruppe Zivkovic umfassen. Das in Semlin eingetroffene kombinierte Kavallerieregiment (S. 253) war nach čačak zu senden.
Nach diesen Weisungen rechnete das Heeresgruppenkmdo. noch mit der Möglichkeit, die vor der 11. Armee haltende Masse des serbischen Heeres durch Einschwenken des VIII. Korps und des XXII. RKorps im Moravatale fassen zu können. Diese Hoffnung sollte sich aber nicht erfüllen.
Da die 10. GbBrig. in der Nacht auf den 3. südlich von čačak von Teilen der Užicegruppe angefallen wurde, konnte die Gruppe GM. Droffa erst nach artilleristischer Vorbereitung und Gruppierung der Infanterie um lh nachm. zum Angriff gegen die Höhen südwestlich von čačak schreiten. Der linke Flügel der Serben wurde zwar nach heißem Kampfe zurückgedrängt, doch hielt sich der Feind noch auf einem Rücken südlich von čačak. Die 53. ID. war schon früh mit ihrem linken Flügel im Moravatale ein Stück gegen Zablaće vorgedrungen, ihr rechter Flügel wurde zurückgehalten, um erst im Einklänge mit der Gruppe Droffa anzugreifen. Um 10h vorm. mußte ein serbischer Vorstoß gegen die entlang der Straße von Zablaće vorgehenden Teile der 20. LstGbBrig. durch vereinigtes Artilleriefeuer niedergehalten werden. Als GM. Pongrácz die durcheinandergeratenen Verbände entwirrt hatte und am Nachmittag gleichzeitig mit der Nachbargruppe Droffa angriff, kam sein rechter *) Gallwitz, 428.
Flügel (21. LstGbBrig.) bald zum Stehen. Unterdessen mußte der linke Flügel (20. LstGbBrig.) demDrucke überlegener serbischer Kräfte weichen. Die arg bedrängte 20. LstGbBrig. wurde durch Teile der 17. GbBrig. verstärkt und vermochte sich in weiterer Folge der bis in die Nacht andauernden feindlichen Gegenstöße zu erwehren.
Auch beim XXII. RKorps kam es am 3. zu schweren Kämpfen. Auf dem rechten Flügel konnte die 26. ID. über die von der Sokolbrigade verteidigte Höhe bei Tavnik nicht in das Moravatal eindringen. Die
44. RD. entriß der DonD.II in hartem Ringen die nördlichen Höhen des Kotlenik, während die 43. RD. im Gružatale hinter Nachhuten der Drin-D.II flott vorwärts kam.
Vor dem k.u.k. VIII. Korps und vor dem rechten Flügel der deutschen 11. Armee waren die Serben (Armeegruppe Belgrad, verstärkt durch ŠumD.I) in der Nacht auf den 3. abgezogen. Die 59. und die 57. ID. drangen in dem unwegsamen Berglande südlich von Kragujevac bis über den Raum von Grošnica hinaus, ohne auf den Feind zu stoßen.
Bei der deutschen 11. Armee setzte das III. Korps, um rascher vorwärtszukommen, seine beiden Divisionen (25.RD.und 6.ID.) entlang der Straße über Sabanta an und erreichte die Höhen südlich davon bis Slatina. In den Raum nordöstlich kamen noch die Vortruppen der ll.bayr. ID. des IV. RKorps, während die 105. ID. von Bagrdan her Jagodina erreichte und zahlreiche Gefangene einbrachte. Östlich der Morava näherten sich die 107. und die 103. ID. bis auf 10 km Ćuprija. Der linke Flügel der 11. Armee, die 101. ID., war noch etwas zurück. Nun wich der Feind am 3. auch vor ihm. Große Truppen- und Wagenkolonnen strömten im Moravatale über Paraćin südwärts. Nur in dem Gebirge zwischen dem Timok und der Morava wehrten sich die Serben noch immer verzweifelt wider den Druck der Bulgaren; anscheinend wollten sie ihren Nordarmeen Zeit für den Rückzug über die Westliche Morava verschaffen.
In solcher Lage feuerte GFM. Mackensen in einem am 3. abends ausgegebenen Befehle seine Armeen abermals zur unermüdlichen Verfolgung an. Die 11. Armee hatte im rücksichtslosen Vorgehen von Norden nach Süden bis in die Linie Vk. Drenova—Kruševac—Aleksinac vorzustoßen, um den vor dem rechten Flügel und vor der Mitte der bulgarischen 1. Armee stehenden Feind abzuschneiden. Die 3. Armee sollte, wie bereits befohlen, mit dem XXII. RKorps rasch in das Tal der Westlichen Morava eindringen und dann flußabwärts in den Rücken der von Kragujevac weichenden Serben vorstoßen. Sobald das XXII. RKorps und das III. Korps zusammenrückten, war das aus der Front gedrängte k.u.k.
VIII. Korps mit den freigewordenen Teilen hinter den linken Flügel des XXII. RKorps zu ziehen.
Dem XIX. Korps blieb die Aufgabe, von čačak auf Kraljevo und gemeinsam mit der Gruppe Sorsich in vorgreifender Verfolgung rücksichtslos in das Gebirge südlich der Westlichen Morava auf Ivanjica vorzugehen, wozu auch die ursprünglich nach Užice befohlene LstlBrig. Schwarz nachzuführen war. FML. Sorsich, der ursprünglich bei Požega zu verbleiben gedachte, weil der Zustand seiner äußerst mangelhaft bekleideten, vielfach sogar des Schuhwerkes entbehrenden Mannschaft zur Vorsicht mahnte, erreichte am 3. wegen mehrfacher Brückenzerstörungen erst zu später Stunde die Gegend knapp südlich des eben genannten Ortes. Am 4. wollte Sorsich nur bis zu den Höhen nördlich von Arilje vorrücken, um hier das Herankommen des XIX. Korps an den Bjelicabach abzuwarten. Dem Feldmarschalleutnant standen nur 7800 Gewehre, durchwegs ursprünglich bloß für den Etappendienst bestimmte Landsturmtruppen, und 27 altartige Geschütze für den schwierigen Bewegungskrieg im Gebirge zur Verfügung. Auch war ihm die Lage bei čačak unbekannt.
Immerhin hatte das Vorbrechen von Teilen des Korps Trollmann über čačak auf das Südufer der Westlichen Morava den Feind stark beunruhigt. Um der drohenden Umfassung von Westen her auszuweichen, entschloß sich Misić in der Nacht auf den 4., die serbische 1. Armee über die Morava auf die Höhen südlich von Kraljevo zurückzunehmen1). Die Užicegruppe hatte auf den Höhen südlich von Kačuliče die Zugänge nach Kraljevo und in das Ibartal zu verteidigen.
Als nun am 4. vormittags dem FML. Sorsich bekannt wurde, daß der Feind vor dem XIX. Korps zurückzuweichen begonnen habe, wurde der Entschluß, auf den Höhen nördlich von Arilje zuzuwarten, natürlich unhaltbar. Um Mittag entsendete Sorsich Patrouillen der LstEtBrig. Franz und zwei Kompagnien ausgewählter Leute der Brigade Streith, um dem zurückstrebenden Feinde die Rückzugsstraße nach Ivanjica abzuschneiden. Die Hauptkräfte der Gruppe, die Brigaden Streith, Schiess und Franz, hatten den Vortruppen zu folgen. Die Schwierigkeiten des Nachschubes durch das überschwemmte Becken von Požega sowie das Gebirgsgelände hemmten aber das Unternehmen, so daß Sorsich bis zum 5. erst die Gegend von Stupčeviči erreichen konnte. Die vorausgesandten Abteilungen waren inzwischen südlich dieser Ortschaft auf eine den Weg nach Ivanjica sperrende Höhenstellung der Serben gestoßen. Desgleichen
i) Serb. Gstb. W., XI, 125.
fanden die Erkundungsabteilungen der Brigade Hausser die von Užice südwärts führenden Wege bei Mačkat und bei Zbojštica vom Feinde noch gesperrt. Dagegen konnte die Verbindung mit der 62. ID. über den Sargansattel aufgenommen werden.
Sosehr auch GdI. Kövess am 4. früh zu raschem Vorgehen drängte, so brachte dieser Tag dem XIX. Korps weder auf Kraljevo noch auf Ivanjica den erwünschten Raumgewinn. Wohl leisteten die Serben nur mehr mit schwachen Nachhuten Widerstand, aber die Übermüdung der schlecht versorgten Truppen, die hier zum erstenmal ein ernstes Gefecht zu bestehen hatten, nötigte den FML. Trollmann, nur nahe Angriffsziele zuzuweisen. Die Gruppe GM. Droffa (10. und 17. GbBrig.) erhielt bei ihrer Vorrückung aus Südwesten serbisches Artilleriefeuer und kam am
4. über die Brezjakhöhe nicht hinaus. Die im Talgrund südöstlich von čačak fechtende Gruppe GM. Pongrácz (20. und 21. LstGbBrig.) konnte nach 36stündigem Kampfe dem abziehenden Feinde überhaupt nur mit Vortruppen folgen, denn Teile der 20. LstGbBrig. waren durch starke Verluste kampfunfähig geworden; einzelne Batterien hatten sich fast ganz verschossen, die Munitionskolonnen waren leer.
Die Räumung des Moravaschrankens durch die Serben
Am 5. erreichte die Masse der Gruppe Droffa Zivica; eine linke Kolonne, die über den Rücken der Jelica planina vorrückte, stieß auf stark verschanzten Feind, der dem Angriff zäh standhielt. GM. Pongrácz hatte zwei Bataillone und zwei Gebirgsbatterien gegen eine Höhe südwestlich von Kačulice, die 20. LstGbBrig. entlang der Straße gegen Slatina angesetzt; der Rest der 21.LstGbBrig. und die schwere Artillerie hatten als Divisionsreserve Zablaće zu erreichen. Während sich nun die rechte Seitenkolonne der Gruppe GM. Pongrácz an die feindlichen Stellungen westlich von Kačulice heranschob, drückte die 20. LstGbBrig. den Feind in schwerem Kampfe gegen Slatina zurück. Am Abend kam der linke Flügel dieser Kampfgruppe durch frisch eingesetzte serbische Kräfte in Bedrängnis.
Dieses Vordringen des Feindes gegen den linken Flügel der 53. ID. und insbesondere der am Nachmittag beobachtete Anmarsch einer feindlichen Kolonne von Kraljevo her erweckten beim XIX. Korpskmdo. den Eindruck eines bevorstehenden größeren Gegenschlages der Serben auf čačak. FML. Trollmann bat daher um die Zurückgabe der nach Požega entsandten LstlBrig. Schwarz (S. 272) und trat auch an die benachbarte deutsche 26. ID. mit dem Ersuchen heran, den Raum von Slatina unter Artilleriefeuer zu nehmen.
Diese Sorgen vor einem Rückschlag waren auch durch die äußerst mißliche materielle Lage des XIX. Korps begründet. Die Verpflegung mußte dem Korps von der Eisenbahnstation Slovac (nordöstlich von Valjevo) über 100 km weit auf Wagen, zum Teil von Ochsen gezogen, durch das Gebirgsland auf elenden Wegen nachgeführt werden. Einer von den neun Etappentrainzügen war bereits als vollkommen undienstbar ausgeschieden worden, und auch die anderen hatten schon starke Einbußen an Pferden und Fuhrwerken zu verzeichnen. Die im Bau befindliche Feldbahn von Lajkovac gegen čačak hatte am 5. November erst Moravci erreicht, war also noch 50 km von ihrem Endpunkt entfernt. So war die Ernährung der Truppe in den letzten Tagen nur durch zufällige Aufbringung von Lebensmitteln in čačak möglich gewesen; die Ergänzung der angegriffenen Vorräte vor dem Eintritt in das Gebirge, wo man nicht mehr vom Lande leben konnte, war dringend geboten. Keinen Aufschub mehr vertrug auch die Heranziehung von Kälteschutzmitteln. Nur Munition war in letzter Zeit, aber stark auf Kosten der Nahrungszufuhr, nachgeschoben worden. Kein Wunder, wenn die Leistungsfähigkeit der Truppen fühlbar im Abnehmen war. FML. Trollmann erachtete es daher als seine Pflicht, mit aller Dringlichkeit einen so langen Operationsstillstand zu erbitten, bis die Mängel in Ausrüstung und Nachschub behoben sein konnten.
Auf serbischer Seite stemmten sich die Nachhuten der 1. Armee verzweifelt wider den von Norden andringenden Gegner, um den zurückstrebenden Heeressäulen den Durchmarsch über die Brücken bei Kraljevo zu erkämpfen. Am Nachmittag entrissen die entlang der Straße Mrča-jevci—Kraljevo vorrückenden Spitzen der 26. ID. und der 44. RD. den serbischen Nachhuten eine wichtige Höhe. Allerdings vermochte die Vorhut der noch stark in die Tiefe gegliederten 26. ID. am 4. nicht mehr in das Moravatal einzudringen und die Brücke bei Miločaj zu nehmen, aber die 43. RD. stürmte im Gružatale eine Sperrstellung, nahm 1200 Serben gefangen und stand am Abend nur noch wenige Kilometer vom Talausgange entfernt.
Am 5. schoben sich die 26. und die 44. Division bis an den Fluß beiderseits von Miločaj heran, fanden das südliche Ufer besetzt und konnten im Kreuzfeuer serbischer Batterien den Übergang nicht erzwingen. Die Vortruppen der durch das Gružatal und entlang der rechtsufrigen Höhen vordringenden 43. RD. langten gegen Mittag westlich von Vita-novac und weiter flußabwärts am Moravaufer ein. Feldhaubitzen feuerten auf den Bahnhof von Kraljevo, wo noch reger Zugsverkehr herrschte.
Unterdessen war auch das k.u.k. VIII. Korps an die Morava herangekommen. Durch das reich gefaltete Gelände südlich von Kragujevac drängten die beiden Divisionen des Korps Scheuchenstuel am 4. November den Serben nach. Die 59. ID. nahm unter leichten Nachhutkämpfen die Höhen von Godačica; die 57. ID. erreichte auf Saumwegen die Gegend westlich von Zupanjevac. Tags darauf, am 5., stiegen die Verfolgungskolonnen der 59. ID. in das Tal der Morava ab. Die 9. GbBrig. traf um Mittag östlich von Vitanovac, die 18. GbBrig. am Nachmittag bei Stubal ein. Ihr Geschützfeuer auf die Höhen südlich des Flusses wurde von den Serben nicht erwidert. Vor der Front der 57. ID., die mit ihren müden Truppen bis in die Gegend von Prevest gelangte, wurden starke Kolonnen im Abmarsch auf Medvegje beobachtet.
Bei der Armee Gallwitz kam vom 4. November an die Verfolgung überall in Gang. Feindliche Nachhuten versuchten sie zwar aufzuhalten, wurden aber meist nach kurzen Gefechten geworfen. Am 5. abends stand die 11. Armee ungefähr in der Linie Belušič—Obřež—Izvor (15 km östlich von Paraćin). Der Raum östlich davon war vom Feinde frei, so daß die Fühlung mit dem rechten Flügel der bulgarischen 6. ID. hergestellt werden konnte.
Der beabsichtigten Umfassung durch das XXII. RKorps hatte sich die serbische 1. Armee durch den Rückzug auf Kraljevo rechtzeitig entzogen. Noch hoffte aber Mackensen, die nördlich von Medvegje—Kruše-vac—Ražanj stehenden feindlichen Kräfte (Belgrader Armeegruppe und
3. Armee) in Flanke und Rücken fassen zu können. Dazu wies er am 5. um Mittag den GdI. Kövess an, mit dem XXII. RKorps im Tale der Westlichen Morava flußabwärts tief in das Gedränge von Truppen und Wagen hineinzustoßen und die Verfolgung auf den von Kraljevo nach Süden und Südwesten führenden Wegen nur der Kavallerie und kleinen gemischten Abteilungen zu überlassen. Das VIII. Korps hatte hinter der 43. RD. an der Straße nach Kraljevo zusammenzuschließen, um weiterhin in südlicher Richtung angesetzt zu werden. Die über Kragujevac folgende Brigade Mrázek war heranzuziehen.
GdI. Kövess trachtete zunächst die Moravabrücke östlich von Kraljevo zu nehmen. Dies wurde um lh3ü nachm. befohlen. Gleichzeitig traf dieser Befehl vorbereitende Maßnahmen für den Ostmarsch des XXII. Runa den Westmarsch des VIII. Korps, um das notwendig gewordene Kreuzen der Kolonnen und den schwierigen Durchzu^ über die Morava-
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brücken zu regeln. Das XXII. RKorps sollte die 26. ID. und die 44. RD. über Kraljevo, die 43. RD. nördlich der Morava vorgehen lassen. Vorerst allerdings mußten Teile der 43. RD. westwärts angesetzt werden; sie hatten Kraljevo zu nehmen und dem XXII. RKorps den Übergang über die Morava zu öffnen.
Um diesen Flußübergang der Verbündeten zu verhindern, beabsichtigte Misić noch am 5. November, mit der DonD.II, der die Užicegruppe unterstellt wurde, das XIX. Korps auf der Jelica planina anzugreifen und auf čačak zurückzuwerfen, während die DrinD.II den Moravaabschnitt bei Kraljevo halten sollte. Dieser Plan wurde aber bald zunichte, da die Moravabrücke östlich von Kraljevo noch am 5. abends von Teilen der 43. RD. erstürmt wurde und die Vorrückung der Deutschen von der sich verzweifelt wehrenden DrinD. II erst vor der Stadt zum Stehen gebracht werden konnte. In solcher Lage mußte sich Misić zur Verteidigung der Höhen beiderseits des nördlichen Ibartales entschließen; von der serbischen Heeresleitung wurde ihm anbefohlen, mit einem Infanterieregiment die Zugänge, die von Ivanjica gegen Südosten nach Užce führen, zu sichern1).
Im Hauptquartier zu Semendria war es durch die während der letzten Tage eingelaufenen Meldungen zur Gewißheit geworden, daß die Serben vor der 3. und der 11. Armee bereits in das Gebirge südlich der Wasserlinie Kraljevo—Kruševac—Aleksinac eingetreten waren. Viele Anzeichen deuteten auf die zunehmende Auflösung des serbischen Heeres hin.
Auch vor der bulgarischen Front lockerte sich in den ersten Novembertagen der bisher so zähe Widerstand der Serben. Am 4. erreichte der nördliche Flügel der bulgarischen 1. Armee Lukovo. Ihre Mitte stieß gegen das Becken von Niš vor, wo die Serben erst nach harten Kämpfen die Vorstellungen der Nord- und der Ostfront der Festung preisgaben. Gegen Niš war auch ein Teil der bulgarischen 1. ID. von Pirot her unter fortwährenden Kämpfen im Vormarsch, während sich die Masse im Vordringen gegen Leskovac befand, dem sich eine Gruppe der 2. Armee am
4. November schon auf 14 km genähert hatte. Am 5. drang der rechte Flügel der bulgarischen 1. Armee bis Krivivir vor und stellte in der Richtung Paraćin den Flügelanschluß mit den deutschen Truppen her (S. 275). Die bulgarische 9. und Teile der 8. ID. besetzten das von den Serben geräumte Niš. Dagegen fand die 1. ID. östlich von Leskovac heftigen Widerstand. Obwohl im Kampfraume der bulgarischen 2. Armee sowohl die serbischen Angriffe bei Prilep und Veles wie auch die der Franzosen
i) Serb. Gstb. W., XI, 172ff.
südlich von Strumica abgewiesen werden konnten, reichten die dort befindlichen Kräfte nach Meldungen der bulgarischen Heeresleitung doch nicht aus, um eine entscheidende Wendung herbeizuführen. Dennoch schien eine Verstärkung der bei Strumica kämpfenden Truppen durch die weiter östlich im Strumatale stehende bulgarische 2. ID. wegen der Nachschubschwierigkeiten derzeit nicht geboten zu sein.
So war es noch immer Mackensens Plan, den Feind durch die bereits eingeleitete überholende Verfolgung und durch konzentrisches Nachdrängen von Norden und Osten her im Gebirge südwestlich der beiden Moravaflüsse abzuschneiden und zu vernichten. Noch am 5. abends befahl das Heeresgruppenkmdo., daß die k.u.k. 62. ID. mit zwei Brigaden des XIX. Korps die Deckung der rechten Flanke in der Linie Visegrad— Užice—Požega zu übernehmen und die ihr gegenüberstehenden Montenegriner auf Nova varoš zurückzudrücken habe. Das Vorgehen der 53.ID. (20. und 21. LstGbBrig.) im Tale der Westlichen Morava nach Osten war wie bisher anzustreben; die übrigen Brigaden des XIX. Korps und die Gruppe Sorsich sollten sich in der Richtung auf Ivanjica vereinigen und dann auf Sjenica vorgehen. Das XXII. RKorps hatte, wie schon befohlen, durch das Tal der Westlichen Morava auf Kruševac vorzustoßen, um die noch nördlich des Flusses befindlichen serbischen Kräfte abzuschneiden und den Anschluß an das deutsche III. Korps zu gewinnen. Das k.u.k. VIII. Korps hatte über Kraljevo auf Novipazar vorzudringen. Der Einsatz des herankommenden Kavallerieregiments Obst. Bolla blieb dem 3. Armeekmdo. überlassen.
Die 11. Armee sollte mit einer Division des X. RKorps bis Aleksinac nachstoßen, um dem vor der bulgarischen 1. Armee zurückweichenden Feinde den Rückzug zu verlegen. Mit den anderen Divisionen hatte das Korps nach Aleksandrovac vorzugehen. Das III.Korps und das IV.R-Korps sowie das südlich von Kragujevac eingetroffene Alpenkorps waren bis zur Straße Trstenik—Kruševac vorzuziehen.
Die bulgarische 1. Armee erhielt die Weisung, mit dem rechten Flügel über Kruševac nach Kuršumlija vorzugehen, die Mitte war auf Pro-kuplje, die linke Flügeldivision auf Leskovac anzusetzen, um möglichst viele Teile des Feindes noch an der Südlichen Morava abzuschneiden und dann die Verfolgung der nach Südwesten entkommenen Abteilungen in der Richtung auf Novipazar—Mitrovica fortzusetzen. Vor allem hatte aber die bulgarische 2. Armee mit ihren südlich von Priština und bei Vranje stehenden Kräften einen Durchbruch der Serben nach Süden zu -den Ententetruppen zu verhindern.
Dem 3. Armeekmdo. war zunächst die rasche Einnahme von Kraljevo Hauptsache; darum wurden auch die gegen die westliche Flanke der serbischen Moravafront drückenden Teile des XIX. Korps entgegen den Befehlen aus Semendria noch nicht gebremst und auch die 43. RD. im Angriff auf Kraljevo belassen. Auch bei der Heeresleitung in Teschen und bei der DOHL. hatte die anbefohlene Auswechslung des XXII. R-Korps und des VIII. Korps (S. 277) Bedenken ausgelöst. Falkenhayn legte auf die Nachricht von dem Falle von Niš noch am 5. dem GFM. Mackensen nahe, jede Verzögerung der Operationen zu vermeiden. So befahl Mackensen am 6. vormittags in Abänderung der ursprünglich gegebenen Weisungen, daß sich das XXII. RKorps zunächst in den Besitz von Kraljevo und des südlichen Moravaufers zu setzen habe. Der dort noch haltende Feind sollte vertrieben und seine Verfolgung beiderseits der Straße Kraljevo—Raška aufgenommen werden. Das VIII. Korps war nunmehr in seinem Vorgehen gegen das Moravatal zu belassen. Mit dem rechten Flügel hatte es über Trstenik zu verfolgen.
An der Front nahmen die Ereignisse unterdessen schnellen Verlauf. Die Vortruppen der Gruppe FML. Sorsich besetzten am 6. die Höhen beiderseits der Moravica bei Radaljevo. Beim XIX. Korps führte die serbische Užicegruppe zur Verschleierung ihres Rückzuges noch während der Nacht einen kräftigen Stoß gegen den rechten Flügel der k.u.k. 53. Division. Tags darauf stiegen die Bataillone der 10. GbBrig. auf die Höhen westlich von Kačulice empor, und die 53. ID. schob sich im Moravatale auf Slatina vor, um dem XXII. RKorps den Übergang bei Kraljevo zu erleichtern. Zahlreiche Leichen auf dem Kampffelde des Vortages gaben Zeugnis von der Erbitterung der jüngsten Kämpfe.
Während auf dem rechten Flügel des XXII. RKorps die Übergangsversuche der 26. ID. bei Miločaj von den Serben bis zum Nachmittag vereitelt wurden, gelang es der Spitzenbrigade der 44. RD., schon am Morgen den Angriff bis an den Nordrand von Kraljevo vorwärtszutragen. Nachstoßende Abteilungen nahmen in hartnäckigen Straßenkämpfen die Stadt und erbeuteten 130 Geschütze, große Munitionsvorräte und sonstige Kriegsmittel. Obwohl alle Moravabrücken bei Kraljevo zerstört waren, konnte sich die genannte Brigade der 44. RD. noch nachmittags auf dem Südufer des teilweise furtbaren Ibar angesichts des Feindes festsetzen. Teile der Brigade hatten überdies westwärts angegriffen, wohin sich gegen Abend auch die 26. ID. wandte, nachdem sie sich den Übergang über die Brücke bei Miločaj erzwungen hatte. Die zweite Brigade der 44. RD. wechselte oberhalb von Kraljevo das Ufer. Die 59. ID. des
VIII. Korps, deren Vortruppen bei Stubal standen, schloß am 6. auf und unterstützte den ganzen Tag mit ihrer Artillerie den Kampf der benachbarten deutschen 43. RD. Die Vortruppen der 57. ID. erreichten das Moravatal bei Trstenik. Die Brücke bei diesem Orte wurde beim Herannahen der ersten Patrouillen von den Serben gesprengt.
Während die Armeen Kövess und Gallwitz gegen den Abschnitt Kraljevo—Kruševac vordrangen, wurde die 62. ID. bei Višegrad noch immer von den Montenegrinern festgehalten. Am 27. Oktober hatte FML. Kaiser wegen Hochwassers die Drinabrücke abbrechen lassen. Es konnten daher die von der k.u.k. Heeresleitung herangeführten Verstärkungen (Gruppe Obst. Zhuber) und auch die noch zurückgebliebenen Troßfuhrwerke nicht über den Fluß gebracht werden. Die auf den Grenzhöhen fechtenden Truppen, die auch schon sehr unter den Unbilden der Witterung litten, erhielten nur mehr die halbe Verpflegung.
Trotz dieser wachsenden Schwierigkeiten setzte FML. Kaiser den am 28. begonnenen Vorstoß gegen den Lim fort (S. 244). Nach wechselvollen, überaus hartnäckigen Kämpfen gelang es der beiderseits der Straße Dobrunj—Uvac angesetzten 9.LstEtBrig., die Montenegriner bis aufBjelo-brdo und auf die Höhen westlich davon zurückzudrängen. In der Nacht auf den 31. brachten die braven Landstürmer wiederholte Angriffe des Feindes zum Stehen. Am nächsten Morgen wurden sie aber von rechts umfaßt. Obst. Spindler hoffte bis zum Einlangen der Verstärkungen, die ihm von der Brigade Dominie zugesandt wurden, standhalten zu können. Allein am Vormittag schlug ein neuerlicher Angriff der Montenegriner den rechten Flügel der 9. LstEtBrig. unter Verlust von vier Geschützen zurück, und um Mittag war die ganze Brigade nach hartnäckiger Gegenwehr im Rückzug. Nach Angaben der Montenegriner hatten die hier eingesetzt gewesenen ungarischen Landsturmbataillone 800 Tote und Verwundete und 300 Gefangene verloren1).
FML. Kaiser warf nun alle verfügbaren Kräfte aus dem Brückenkopf von Višegrad den vordringenden Montenegrinern entgegen. Endlich konnte am 31. Oktober der Übergang der Gruppe Obst. Zhuber beginnen. In den beiden nächsten Tagen (1. und 2. November) glückte es, alle weiteren Vorstöße des Feindes bei Drinsko und südlich des Ortes Vardište abzuweisen.
Nach diesem Mißerfolg zogen sich die Montenegriner in der Nacht auf den 3. gegen den Lim zurück. Die schon arg hergenommenen Truppen der 62. ID. vermochten sich nun wieder zu erholen, zumal auch nach
i) Serb. Gstb. W., XI, 139.
Herstellung einer fliegenden Brücke ausreichende Verpflegung über die Drina nachgeschafft werden konnte. Der für den 7. November angesagte Wiederbeginn der Offensive mußte aber noch hinausgeschoben werden, weil die schon sehnsüchtigst erwartete Verstärkung der schwachen Artillerie noch immer nicht eingetroffen war.
Am 6. November hielt die montenegrinische Sandžakgruppe mit je drei Brigaden bei Rudo und bei Priboj und mit je einer Brigade bei Kokina und auf dem Javor, zwei Brigaden standen als Reserve in dem Raume um Plevlje26).
Die deutsche 11. Armee gelangte am 8. mit dem III. Korps bis Zalo-govac. Das IV. RKorps hatte in der Nacht Varvarin gestürmt, stieß dann weiter südlich stehende serbische Kräfte zurück und gewann nördlich von Kruševac das Moravatal. Das X. RKorps gelangte nach Stalać und hatte seinen linken Flügel gegen die vor den Bulgaren zurückweichenden Serben nach hinten gestaffelt27), während die von Osten her vorrückenden Teile des bulgarischen Nordflügels noch viel weiter nördlich bei Paraćin und Ćuprija eintrafen. Am 6. wurde auch die aus Teilen des Alpenkorps bestehende Gruppe Below, die vorübergehend der bulgarischen 1. Armee unterstellt war, nach Paraćin in Marsch gesetzt, um dort wieder in den Verband der 11. Armee zu treten. Die Gruppe Fülöpp hatte bei der Säuberung des Donauwinkels Zusammenstöße mit serbischen Banden. Bei der bulgarischen 1. Armee wurden die Divisionen am 6. November angewiesen, ihren Vormarsch bis an die Südliche Morava fortzusetzen, sich dort zu befestigen und für die weitere Vorrückung im Sinne der letzten Weisungen Mackensens (S. 277) vorzubereiten28). Die bulgarische l.ID. hatte sich bei Leskovac zum Abmarsch auf den mazedonischen Kriegsschauplatz bereitzustellen.
Im nördlichen Kampfraume der bulgarischen 2. Armee hatte die Gruppe GM. Ribaroff (3. ID.) am Südausgange des Beckens von Leskovac vorläufig stehenzubleiben29), während die anderen Brigaden über Gnjilane und Ferizovic gegen Priština vorstoßen sollten, um die von Norden weichenden Serben dort zu überholen. An der Südfront (7. ID., Teile der 11.ID. und Kavalleriedivision), gegenüber der Armee Sarrail, war Ruhe. Eine neueintreffende Brigade der 11. ID. kam nach Veles, eine Brigade der 5. ID. erreichte Kočana.
Von den beiden Moravaflüssen bis an die Albaner Berge
(6. November bis anfangs Dezember)
Hiezu Beilagen 16, 17, 18 u n d 19
Die Verfolgung durch das Kopaonik - und Jastrebacgebirge (6. bis 24. November)
Führerentschlüsse bei den Verbündeten nnd bei den Serben
Am 5. November hatte GdI. Falkenhayn sein wichtigstes strategisches Ziel, die Öffnung des Donauweges und die Herstellung der Landverbindung mit der Türkei, erreicht. In Sistov und in Ruščuk waren an diesem Tage die ersten Munitionsdampfer eingetroffen. Die Serben waren bis in das Gebirge südlich der Westlichen Morava zurückgeschlagen, aber der Feldzug darum noch nicht zu Ende. Da es dem rechten Flügel der Heeresgruppe Mackensen nicht gelungen war, die Pforten ins Moravabecken rasch genug aufzureißen, und die Bulgaren noch um den Übergang über die Südliche Morava kämpften, konnte das Serbenheer weder bei Kragujevac noch in der Moravagabel eingekreist werden. Es war mit seinen Hauptkräften bereits südwärts in das Gebirge entwichen und sollte nun durch ein scharfes Nachdrängen auf Novipazar, auf Mitrovica und auf Priština vernichtet werden. Bei diesem konzentrischen Vorgehen mußte sich aber alsbald die Notwendigkeit ergeben, Kräfte auszuscheiden, da große Truppenmassen in dem unwirtlichen und wegarmen Kopaonik-gebirge nicht mehr bewegt und auch nicht mehr mit Munition und Verpflegung versorgt werden konnten.
Bei einem Gedankenaustausch, den Conrad und Falkenhayn am 6. November in Pleß pflogen, wurde vereinbart, „die gemeinsam mit Bulgarien begonnene Offensive auf dem Balkan nach Niederwerfung Serbiens auch gegen die bei Saloniki gelandeten Ententetruppen weiterzuführen“1). Aber wenn auch Falkenhayn diesem von Conrad befürworteten Plane zustimmte, so tat er dies doch nur unter dem Vorbehalt, „daß es gelingen werde, das serbische Heer in allernächster Zeit gänzlich zu erledigen, und daß die feindliche Landung in Saloniki nicht den Charakter einer großange-
!) Nach einem späteren, vom 19. November datierten Schreiben Conrads an Falkenhayn.
legten Balkanaktion der Entente annehmen würde“1). Falkenhayn verspürte eben wenig Neigung, auf einem sogenannten „Nebenkriegsschauplatz“ stärkere Kräfte festzulegen; er wollte mit Rücksicht auf die Gesamtlage möglichst bald jeden Mann, der in Serbien verfügbar wurde, wieder an den deutschen Fronten einsetzen2). Im übrigen waren die Verbündeten einig, daß Montenegro und Albanien besetzt und die Haltung Rumäniens geklärt werden müsse; von Griechenland sollte mit Rücksicht auf seine schwierige Lage wenigstens erreicht werden, daß es die zum Rückzug auf griechisches Gebiet gezwungene Orientarmee zum Verlassen des Hafens von Saloniki nötigen würde.
Auf serbischer Seite hatte der Woiwode Putnik am 5. November der
2. Armee befohlen, die Zugangswege nach Prepolac, nach Kuršumlija und nach Prokuplje zu verteidigen. Sobald die 3. Armee, gedeckt durch die im Raume westlich von Niš haltende Timokarmeegruppe, Prokuplje erreicht hätte, sollte die 2. Armee zur Sicherung des Zuganges über Lebane nach Priština südwärts verschoben werden. Vorerst hatten aber die aus dem Frontbogen Aleksinac—Kruševac—Kraljevo langsam weichenden Nordarmeen dem andringenden Gegner im Jastrebacgebirge sowie auf den Höhen beiderseits des Rasina- und des Ibartales zähesten Widerstand zu leisten; denn noch immer hoffte die serbische Heeresleitung auf einen rettenden Vorstoß der Orientarmee. Am 6. November trat der Prinzregent Alexander an Sarrail erneut mit der schon mehrmals vorgebrachten Bitte heran, die bulgarische Front in Mazedonien anzugreifen, während zwei serbische Divisionen aus dem Kosovo polje gegen Skoplje vorstoßen sollten. Hiezu stand die MorD.I schon bereit, während die Verschiebung der MorD.II von der 3. an den Südflügel der 2. Armee verfügt wurde.
Die Kämpfe um die "Calengen südlich der Morava (6. bis 11. November)
Zur Fortführung der Offensive erteilte GdI. Kövess am 6. nachmittags dem FML. Trollmann den Befehl, die Gruppe FML. Sorsich (LstEt-Brig. Schiess und Gruppe Streith) und das XIX. Korps (10. und 17. GbBrig., 20. und 21. LstGbBrig. und LstlBrig. Schwarz) in der Richtung auf Ivanjica zu vereinigen und dann auf Sjenica vorzuführen. Die aus
1) Siehe auch: C r a m o n, 37 ff.; Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 391 ff. Förster, 175 ff.
2) Falkenhayn, Heeresleitung, 154ff.
der Gruppe Hausser bei Užice, der 205. LstlBrig. und aus Teilen der LstEtBrig. Franz bei Požega neuzubildende Gruppe GM. Reinöhl wurde der 62. ID. unterstellt.
Im Sinne der vom 3. Armeekmdo. erteilten Befehle schoben sich am 7. die Gruppe FML. Sorsich entlang der Moravica und die Gruppe GM. Droffa (17. GbBrig. und Teile der 10. GbBrig.) über Kotraža gegen Ivanjica vor, ohne auf den Feind zu stoßen. Denn das von der Užicegruppe abgezweigte serbische Bataillon war gegen den Javor gewichen. Dagegen kamen die Masse der 10. GbBrig. und die Gruppe GM. Pongrácz (20. und 21. LstGbBrig.) nördlich und nordöstlich von Kaona vor den starken Höhenstellungen der serbischen DonD.II, der nunmehr alle westlich des Ibar befindlichen serbischen Streitkräfte unterstellt waren, zum Stehen. Am 8. ließ FML. Trollmann seinen rechten Flügel bei Ivanjica halten, da die auf Nova varoš gewiesene Gruppe Reinöhl zum Vormarsche noch nicht versammelt war. Die Gruppe Pongrácz entriß am 8. dem Feinde nach heftigem Kampfe einen Teil der hartnäckig verteidigten Stellungen bei Kaona.
Tags darauf, am 9. vormittags, erhielt FML. Trollmann auf Befehl Mackensens vom 3. Armeekmdo. die Weisung, die 10. GbBrig. über die Höhen von Mlanca auf Ušče vorzusenden, um dem im Ibartale zurückgehenden Feind den Rückweg abzuschneiden. Nun hatte aber der Woi-wode Mišič inzwischen zwei Regimenter nach Ušče und in das Gebirge nördlich der Studenica abgezweigt, um Rücken und Flanke der serbischen
1. Armee zu decken. Überdies sollte von den bei Priboj stehenden montenegrinischen Kräften eine Brigade gegen Ivanjica vorstoßen, während das von dort südwärts abgezogene serbische Bataillon auf die Höhen südöstlich davon gewiesen wurde. Dieses Bataillon wurde aber am 9. November durch die Brigade Schiess von den Höhen südlich von Ivanjica vertrieben. Die 10. GbBrig., die FML. Trollmann über diesen Ort auf Ušče entsenden wollte, wurde beim Anmarsche wieder in einen Kampf verwickelt und vereinigte ihre zerstreuten Bataillone auf einer Höhe südlich von Dubac. Bei der Gruppe Pongrácz schlug indessen die 21.LstGbBrig. die auf dem linken Flügel der DonD.II eingesetzte montenegrinische Brigade der Užicegruppe über Kaona zurück, während weiter östlich der äußerst verlustreiche Angriff der 20. LstGbBrig. gegen neue Höhenstellungen des Feindes keinen Erfolg erzielte.
Am 10. faßte bei der Gruppe Sorsich die Brigade Schiess unter Deckung durch die Gruppe Streith gegen Westen auf einem Höhenkamm (1221m) südwestlich von Ivanjica Fuß. Die kriegsmüde montenegrinische
Lovčenbrigade hatte hier den Befehl, auf Ivanjica vorzustoßen, unausgeführt gelassen und sich wieder zurückgezogen. Zu ihrer Verstärkung mußte die Kolašinbrigade, die letzte Reserve der Montenegriner, aus Prijepolje nach Javor entsendet werden1). Indes wagte es aber auch die Gruppe Sorsich wegen des äußerst schwierigen Nachschubes und ihrer vereinsamten Lage nicht, in dem unwegsamen Gebirge die Vorrückung fortzusetzen und blieb vorläufig bei Ivanjica stehen.
Die 10. GbBrig. setzte sich am 10. im Nordostteile des Čemerno-rückens fest, wohin sich auch serbische Truppen von der Studenica heranschoben. Vor dem linken Flügel des XIX. Korps wich der Feind auf den Rücken der Troglav planina zurück, jedoch mußte die Gruppe Pongrácz noch den Widerstand serbischer Nachhuten brechen und kam daher am 10. über Kaona nicht hinaus. Die bei diesen Gefechten zersprengte montenegrinische Brigade konnte nur mehr mit Mühe auf dem Troglav versammelt werden, da sie sich weigerte, weiterzukämpfen.
Die 17. GbBrig. und die nachgezogene LstlBrig. Schwarz waren inzwischen hinter dem rechten Flügel herangekommen. Von den sieben Brigaden des Korps Trollmann waren aber wegen der ungeheuren Nachschubschwierigkeiten nur mehr vier, die Brigade Schwarz, die 17., die 21. und die 10., bewegungsfähig. Mit den zuerst genannten drei Brigaden wollte FML. Trollmann die Vorrückung auf Sjenica fortsetzen, mit der
10. GbBrig. aber dem bei Bogutovac gegenüber dem XXII. RKorps noch standhaltenden Feind in die Flanke stoßen.
Während die Brigade Schwarz, die 17. GbBrig. und die 21. LstGbBrig. am 11. nach Ivanjica rückten, griff GM. Droffa nach vorzüglicher artilleristischer Vorbereitung mit vier Bataillonen den auf dem Südteil des Cemernorückens stehenden Feind von Westen her an. Im Nebel und im heftigen Schneetreiben nahm die tapfere 10. GbBrig. um 4h30 nachm. die dortigen Schanzen. Der Serbe wehrte sich verzweifelt und setzte sich auf einer weiter ostwärts gelegenen Höhe wieder fest, um die auf der Troglav planina fechtende DonD.II vor Umfassung zu schützen. Solange auf diesem Gebirgsstock noch stärkerer Feind hielt, schien es dem FML. Trollmann nicht ratsam zu sein, gegen Ort und Höhe Javor vorzugehen. Seinem Vorschlag, vorerst mit der Masse seines Korps den Feind vom Rücken des Troglav zu vertreiben und die Vorrückung gegen den Javor-rücken nur mit der Brigade Schwarz und der 17. GbBrig. weiterzuführen, stimmte das Armeekmdo. zu, gedachte aber zur Unterstützung der 10. GbBrig. die 21.LstGbBrig. westlich von der 10.GbBrig. anzusetzen, während
i) Serb. Gstb. W., XI, 315.
die 20. LstGbBrig. nötigenfalls dem rechten Flügel des benachbarten deutschen XXII. RKorps vorwärtshelfen sollte.
Dieses Korps hatte den Feind beiderseits der Straße Kraljevo—Raška zu verfolgen und dann auf Novipazar vorzugehen (S. 278). Unmittelbar südlich von Kraljevo hielten aber an den Zugängen in das Ibar- und Ribnicatal serbische Nachhuten die Verfolger auf und begannen erst am
7. nachmittags auf die von der serbischen 1. Armee in der Linie Kaona— Bogutovac und weiter östlich bezogenen Stellungen zu weichen. Im Verlaufe der beiden nächsten Tage (8. und 9. November) schob sich das XXII. RKorps, teilweise kämpfend, an die neuen Stellungen des Feindes heran. Am 10. ließ GFM. Mackensen das XXII. RKorps wissen, daß „vom schnellen Vorstoß über Raška auf Novipazar der ganze Enderfolg des Feldzuges“ abhänge. Indessen war dem XXII. RKorps an diesem Tage kein wesentlicher Raumgewinn beschieden. Sein rechter Flügel warf zwar Teile der DonD.II auf die Troglav planina zurück, aber bei Bogutovac konnte der zähe Widerstand der Serben noch nicht gebrochen werden. Erst in der Nacht auf den 11. gab Mišič die Ibarpforte bei Bogutovac preis und nahm seinen rechten Flügel auf die Stolovi planina zurück, um den Anschluß an die zurückgedrängte Hauptkraft wiederzugewinnen. Das XXII. RKorps stieß bis auf die Höhen südlich von Bogutovac nach und erreichte mit seinem linken Flügel im Ribnicatale vor der DrinD.II die Ortschaft Cerovak.
Das k.u.k. VIII. Korps war am 6. nachmittags durch den GdI. Kövess angewiesen worden, mit dem rechten Flügel über Trstenik durch das Tal der Morava nach Osten zu verfolgen. Dieser Befehl war aber durch die Ereignisse schon überholt. Die Vortruppen der deutschen
II. Armee drangen noch am 6. in das Tal der Westlichen Morava ein. Vor ihnen zog der Feind schon über Kruševac und Kaonik nach Süden und Südwesten in die Berge ab. Ein Vorstoß des VIII. Korps von Trstenik nach Osten kam jetzt zu spät, um noch erhebliche Teile des serbischen Heeres abzuschneiden. GFM. Mackensen befahl daher am 6. abends der
3. Armee, auf beiden Ufern der Morava nur noch Teile des VIII. Korps gegen Kruševac so weit vorzuführen, bis dem benachbarten deutschen
III. Korps der Austritt aus dem Gebirge gelungen war. Die 59. ID. hatte sofort nach Süden über Rugjinci auf Paklenik vorzugehen, um die Wege bei Brus und bei Blaževo (im oberen Toplicatale) zu sperren.
Diese Division hatte sich schon am 6. nachmittags vergeblich bemüht, ein Bataillon bei Stubal über die Morava zu bringen. Der Fluß war hoch angeschwollen, und die reißende Strömung vereitelte alle Übergangsversuche. Erst am 7. nachmittags glückte es der 59. ID., drei Kompagnien zu übersetzen. Diese vom FML. Šnjarič ausgeschickten Nachrichtenabteilungen hatten auf den südlichen Talhängen keinen Feind mehr gegenüber. Die 57. ID. stand am 7. um Mittag bei Medvegje auf den nördlichen Uferhöhen aufgeschlossen. Auch dieser Division gelang es, auf kleinen Kähnen Patrouillen auf das Südufer zu entsenden. Aber es war unmöglich, die von den Serben völlig zerstörte Brücke bei Trstenik für Geschütze und Fuhrwerk schnell genug wieder benützbar zu machen, und so mußte das Herankommen des Brückengeräts abgewartet werden.
Die deutsche 11. Armee war am 7. November mit dem rechten Flügel des III. Korps bei Vk. Drenova an die Morava herangekommen, während die Spitzen der nördlich und nordöstlich von Kruševac über den Fluß gesetzten Divisionen des IV. RKorps (105. und 107. ID.) in diese von den Serben geräumte Stadt eindrangen und Tausende von Gefangenen einbrachten. Das X. RKorps war mit seinen beiden Divisionen an die Südliche Morava oberhalb von Stalać gelangt. Ein am Abend dieses Tages von Mackensen eingelangter Befehl ordnete den Rückmarsch des III. Korps (6.ID. und 25.RD.) und des IV.RKorps mit der 11. bayr. und der 105.ID. in das südliche Banat an. Dieser Befehl löste die deutsche 11. Armee so gut wie auf, da auch das Alpenkorps in den Verband der Armee Kövess zu treten hatte.
Um den an der Westlichen Morava teilweise ins Stocken geratenen Vormarsch wieder in Fluß zu bringen, drängte Mackensen noch in der Nacht auf den 8. November die 3. Armee neuerlich zu energischem Vorgehen: „Der rechte Flügel der 11. Armee hat heute das Tal der Westlichen Morava erreicht, Kruševac genommen und die Verfolgung über Kruševac in südwestlicher Richtung angetreten. Damit ist die Aufgabe des VIII. Korps, im Tal der Westlichen Morava weiter nach Osten vorzustoßen, hinfällig geworden. Es kommt nunmehr für dieses Korps in erster Linie darauf an, schnell die gestern gegebenen Ziele der Straßengabel bei Brus und Blaževo zu erreichen, flüchtende serbische Kräfte abzuschneiden, um die Früchte der bisherigen Erfolge zu ernten.“
Aber auch an den folgenden Tagen wurde das Vorgehen des VIII. Korps durch mehrfache Widrigkeiten gehemmt. Bei der 57.ID. konnten zwar kleine Abteilungen auf Faßflößen über die Morava überschifft werden, aber diese Art des Überganges war nur bei Trstenik möglich, da das übrige Ufergelände völlig versumpft war. Überaus langsam ging auch der Anmarsch der Kriegsbrückenequipagen mit den völlig erschöpften Pferden auf den elenden Straßen vonstatten. Die durch das Gružatal, die einzige Nachschubslinie des VIII. Korps, hinunterfahrenden Kolonnen mengten sich mit dem von Kragujevac nach Kraljevo heranrückenden deutschen Alpenkorps. Zudem mußte das Bauholz für die Herstellung eines Steges über die gesprengte Brücke bei Trstenik erst von Kraljevo die Morava herabgeflößt werden; auch von čačak schwammen die Pontons zweier Brückenequipagen für das VIII. Korps talwärts; das dazugehörige Material mußte aber mit den Brückenwagen auf dem weiten Weg über Kraljevo herangeschafft werden.
Unter solchen Erschwernissen konnten bei der 57. ID. bis zum 9. abends erst fünf Kompagnien auf das Südufer übersetzt werden. Als am Tage darauf der Steg bei Trstenik hergestellt war, bedienten sich seiner viereinhalb Bataillone. Die 59. ID. überschiffte bis zum 11. die 9. GbBrig.; am Abend waren die Kriegsbrückenequipagen eingetroffen, und nun konnte endlich mit dem Bau einer Kriegsbrücke bei Trstenik begonnen und die Wiederaufnahme der Verfolgung für den 12. morgens festgesetzt werden. Die Vortruppen der 57. ID. waren unterdessen auf den Höhenkamm südlich der Morava emporgestiegen. Vom Feinde fehlte auch dort jedwede Spur; ebenso war der Raum vor der 59. ID. feindfrei, da sich die DrinD.II bereits auf die Stolovi planina un$ auf die bis Goč reichenden Höhen östlich davon zurückgezogen hatte.
Bei der deutschen 11. Armee traten am 8. November die 103. und die 107. ID. in das Gebirge südlich von Kruševac ein, während die 101. ID. am Ostufer der Südlichen Morava mit der bulgarischen 6. ID. Fühlung nahm und angewiesen wurde, am 9. über Stalać anzuschließen, da nunmehr ein Vorstoß gegen Aleksinac überflüssig geworden war. Die anderen Divisionen erreichten an diesem Tage Aleksandrovac und Stitari. GdA. Gallwitz setzte hierauf die Masse des X. RKorps gegen Kuršumlija an, um den aus der Gegend von Prokuplje zurückgehenden Serben den Weg zu verlegen. Am 11. standen die 103. und die 107. ID. auf den Höhen südöstlich von Aleksandrovac gegenüber den Nachhuten der Belgrader Armeegruppe, und die über Kruševac nachgerückte 101. ID. vereinigte ihre über Kaonik entsandten Gruppen südwärts gegen Ribare, von wo aus die serbische 3. Armee den Rückzug gegen Prokuplje eingeleitet hatte. Von allen deutschen Divisionen wurden zahlreiche Gefangene eingebracht sowie elf Geschütze erbeutet. Mackensen hatte noch am Abend das Vorgehen mit ganzer Kraft auf Kuršumlija und auf Prokuplje anbefohlen.
Auf serbischer Seite hatte die Belgrader Armeegruppe auf den Höhen südöstlich von Aleksandrovac die Zugänge nach Kuršumlija so lange zu halten, bis die serbische 3. Armee Prokuplje erreicht hatte.
Die Ereignisse in Mazedonien bis zum 11. November Hiezu Beilage 17
Während die Hauptkraft Mackensens, die Armeen Kövess und Gallwitz, die Serben bereits in das Gebirge südlich der Westlichen Morava gedrängt hatte, blieb der erwartete Druck der 1. Bulgarenarmee von Osten her nahezu aus. Die Masse der Streitmacht Bojadjieffs hatte zwar schon am 7. November die Südliche Morava zwischen Aleksinac und Niš erreicht, wurde aber dort wegen des Mangels an Brückengerät und durch die Gegenwehr der Timokarmeegruppe aufgehalten. Erst am 10. vermochten Teile der bulgarischen 6. ID. bei Aleksinac den Fluß zu übersetzen, indes ihn die 9. ID. bei čečina durchfurtete. Dagegen hatte die
1. ID. schon am 8. November bei Leskovac das linke Moravaufer erreicht; sie behauptete sich dort gegen die serbische 2. Armee.
Die Nordgruppe der bulgarischen 2. Armee, die mit der Gruppe des GM. Ribaroff gegen Leskovac deckte und mit je einer Brigade der 5. und der 3. ID. bei Gnjilane und bei Kačanik stand, um einen Durchbruch der Serben zur Orientarmee zu verhindern, erhielt am 6. den Befehl zum konzentrischen Angriff gegen das Kosovo polje. Doch die Serben — Bregalnica- und Vardardivision1), verstärkt durch die herangeführte MorD.I — verteidigten sich am 8. und 9. mit Löwenmut und schritten tags darauf sogar selbst zum Angriff, der die Bulgaren in die Abwehr zurückzufallen nötigte. Zur Verstärkung der namentlich bei Gnjilane und Kačanik bedrängten Bulgaren wurde die Gruppe Ribaroff nach Süden gezogen, und GM. Ribaroff übernahm den Befehl über die ganze Nordgruppe der 2. Bulgarenarmee.
Nicht weniger bedenklich lauteten zunächst auch die Berichte der bulgarischen Heeresleitung über die Ereignisse in Mazedonien, denn hier war Gen. Sarrail, um den Serben Hilfe zu bringen, anfangs November zur Offensive geschritten.
Sein Plan war, mit drei französischen Divisionen im Vardartal und mit vier, allerdings erst vom 5. November an in Saloniki eintreffenden englischen Divisionen, die nach Bitolj vorgezogen werden sollten, gegen Skoplje vorzustoßen. Die englische 10. ID. sollte unterdessen den Raum zwischen Vardar und Doiransee schützen. Mittlerweile nahmen die Ereignisse in Mittelserbien aber einen so raschen Verlauf, daß auf ein rechtzeitiges Wirksamwerden der geplanten Entlastungsoffensive, die mit voller Kraft erst nach vollständiger Ausladung der Engländer, also erst
!) In Hinkunft als BregD. und VardD. bezeichnet.
anfangs Dezember, hätte erfolgen können, nicht mehr gerechnet werden konnte. Sarrail beschied sich daher, mit den am linken Flügel zur Hand befindlichen Franzosen (57. ID. und die seit 1. November im Ausschiffen begriffene 122. ID.) gegen Veles vorzustoßen, um den Serben wenigstens eine moralische EntlasUing zu bringen1).
In der Tat gelang es den Franzosen, in bis zum 9. November währenden Kämpfen sich der Übergänge bei Gradsko zu bemächtigen und auf dem linken Cernaufer festen Fuß zu fassen. Dies förderte das Streben Sarrails, bis zur Straße Veles—Prilep vorzudringen und mit jenen schwachen serbischen Kräften Verbindung herzustellen, die nördlich von Prilep die bulgarische Reiterei am weiteren Vordringen hinderten.
Am 9. November war aber der Höhepunkt des französischen Angriffes erreicht, ohne daß dieser die verzweifelte Lage der Serben zu erleichtern vermocht hätte. Denn jetzt legten sich starke Teile der 7., der 5. und der 11. ID. der Bulgaren im Halbkreis um die im Vardar-Černawinkel fechtenden Franzosen herum. Überdies wurde auf einen von Falkenhayn gutgeheißenen Antrag der bulgarischen Heeresleitung die
8. ID. von der 1. zur 2. Armee in Marsch gesetzt. Andere Teile der
11. Bulgarendivision, denen die 2. ID. zu Hilfe eilte, schützten die Grenzhöhen südlich von Strumica.
Die nicht zu Unrecht düster gehaltenen Berichte Sarrails an die französische Regierung, zu denen sich Nachrichten über die Versammlung einer 100.000 Mann starken Türkenarmee unter Befehl des GFM. Freih. von der Goltz in Thrazien gesellten, riefen denn auch in Paris am
11. eine recht ernste Beurteilung der Lage in Mazedonien hervor. Sie führte zur Erkenntnis, daß die Orientarmee das Unheil, das über den serbischen Bundesgenossen hereingebrochen war, nicht mehr werde abwenden können. Tags darauf erhielt Gen. Sarrail den Befehl, die Offensive einzustellen. Zugleich hatte er Vorbereitungen für den Rückzug hinter die serbisch-griechische Grenze zu treffen, dessen Durchführung sich die französische Regierung aber noch vorbehielt2).
Meinungsverschiedenheiten zwischen besehen nnd Pleß
Während die Entente den Vorstoß der Orientarmee nach Mazedonien bereits aufgab, hatte unter den Heerführern der Verbündeten der
!) Ministěre de la guerre, Les armées franęaises dans la grande guerre (Paris 1923), VIII, Text, 225ff., künftig zitiert als „Franz. Gstb. W.“.
2) Ebenda, VIII, Text, 273; Annex, Nr. 478.
Meinungsstreit um die großen Ziele des Balkanfeldzuges eingesetzt. GO. Conrad war zwar mit einer Kräfteverminderung der bulgarischen
1. Armee zugunsten der Front in Mazedonien einverstanden (S. 289), hatte aber durch den öst.-ung. Verbindungsoffizier aus Semendria schon am 7. erfahren, daß Mackensen angewiesen worden sei, entbehrlich werdende deutsche Kräfte aus der Front auszuscheiden, um sie im Banat und in Syrmien der DOHL. zum Abtransport auf den westlichen Kriegsschauplatz zur Verfügung zu stellen. Hiefür waren die 11. bayr. ID. und die 25. RD., dann die 6. ID. und die 105. ID. mit den Stäben des
III. Korps und des IV. RKorps in Aussicht genommen (S. 286). Überdies leitete Mackensen noch am 7. die Ablösung des XXII. RKorps durch das über Kragujevac nach Kraljevo unterwegs befindliche Alpenkorps ein. Die 26. ID. war sofort freizumachen und so frühzeitig wie möglich über Belgrad in den Einladeraum Indjija—Ruma zu verlegen. Die übrigen Truppen des XXII. RKorps, die 43. und die 44. RD., hatten zwar ohne Säumen die Verfolgung auf Raška fortzusetzen, aber auch sie sollten der DOHL. in Syrmien zur Verfügung gestellt werden.
Gegen diese Absichten erhob GO. Conrad sofort Einspruch. Er telegraphierte am 7. an Falkenhayn, daß sie beide tags vorher in Pleß das Herausziehen von Divisionen aus dem serbischen Unternehmen erst dann in Aussicht genommen hätten, bis Mackensen das serbische Heer völlig niedergerungen habe. Dieses Ziel sei aber noch nicht erreicht. Es schien Conrad vielmehr, als ob die Serben planmäßig dem Amselfelde (Kosovo polje) zwischen Mitrovica und Priština sowie dem Raume von Novipazar zustrebten, um sich dort zu erholen und wieder zur Verteidigung einzurichten. Die Beckenreihe Nova varoš, Sjenica und Mitrovica—Priština müsse daher von so starken Kräften erreicht werden, daß das serbische Heer „verläßlich und vollständig geschlagen werden“ könne. Im Schlußsätze seines Telegramms sprach sich Conrad mit Berufung auf die im September getroffenen Vereinbarungen (S. 190) dagegen aus, daß ohne vorheriges Einverständnis der Verbündeten dem GFM. Mackensen wichtige Befehle erteilt werden.
Falkenhayn antwortete noch am 7. abends, daß er Mackensen keine Anweisung über den Zeitpunkt des Herausziehens von Kräften und deren Stärke gegeben habe, sondern es sei ihm einfach „unsere gestrige Verabredung mitgeteilt und das Weitere völlig überlassen worden“. Auch beabsichtige der Generalfeldmarschall, hieß es in dem Schreiben Falkenhayns weiter, vorläufig nur zwei Divisionen, die bei der Verfolgung durch das Gebirge nicht mehr vorgeführt werden könnten, aus der Front zu ziehen. Weitere zwei Divisionen sollten folgen, wenn die Verhältnisse östlich des Kopaonikgebirges geklärt sein würden, das XXII. RKorps aber erst dann, wenn die verbündeten Armeen in der Linie Raška— Priština zusammenschlossen. Vorher werde allerdings eine Division des XXII. RKorps durch das für den Gebirgskrieg geschulte Alpenkorps ersetzt werden.
Schon am 8. wurden die 26., die 6. und die 11. bayr. ID. aus der Front gezogen und an die Save und Donau in Marsch gesetzt. Die Gene-ralkmdos. des III. Korps und des IV. RKorps blieben mit der 25. RD. und der 105. ID. zunächst noch zur Verfügung des GFM. Mackensen im Tale der Westlichen Morava. Das Abrücken der deutschen Kräfte gab GO. Conrad den Anlaß, bei GdI. Kövess anzufragen, ob das serbische Heer bereits so sehr geschwächt sei, daß es nicht mehr zu einem Gegenschlage ausholen könne. Ferner ersuchte Conrad den Führer der 3. Armee um eine offene Darlegung des physischen und moralischen Zustandes der ihm unterstehenden Truppen, ihrer Verpflegs- und Munitionsausrüstung und der Möglichkeiten des Nachschubes aller Armeebedürfnisse.
In seiner Antwort bezifferte GdI. Kövess die Verluste der Serben seit dem Donauübergang mit 30 bis 35 vom Hundert. Er wies auch auf die steigende Zahl der Gefangenen und die zahlreichen entlaufenen serbischen Soldaten hin, die in ihre Heimat zurückzukehren versuchten, setzte aber einschränkend hinzu, daß von einer Auflösung des serbischen Heeres vor der Front der 3. Armee noch nicht die Rede sein könne. Allerdings hielt er die Serben zu einem größeren Gegenschlag in der nächsten Zeit nicht mehr für fähig, da deren Verbände beim Rückzuge ohne Zweifel durcheinandergeworfen und gelockert worden seien. Auch vertraute Kövess bestimmt darauf, daß an der Stärke seiner Truppen jeder serbische Gegenstoß zusammenbrechen würde. Munition sei genügend vorhanden, da der Verbrauch in der letzten Zeit nicht bedeutend war. Außerordentlich groß seien jedoch die Schwierigkeiten des Nachschubes, der zu den jetzt schon 80 km von den Endpunkten der Bahn entfernten Truppen durch das schwach besiedelte Waldgebirge kaum mehr durchgeführt werden könne.
Ähnlich beurteilte das Heeresgruppenkmdo. Mackensen die Lage. Was nach den bisherigen verlustreichen Gefechten von dem serbischen Heere noch übriggeblieben sei, werde weiterkämpfen, solange es noch Nahrung und Munition habe. Durch den Verlust der Verbindung zum Hafen von Saloniki sei aber die Versorgung der Serben mit Munition unmöglich geworden. Zahlreiche Gefangene sagten aus, daß die serbische
Heeresleitung nach Skutari zu gehen gedenke. Dies ließ vermuten, daß die Serben entschlossen waren, sich durch Albanien und Montenegro an die Adria durchzuschlagen. Es werde auch davon gesprochen, daß das serbische Heer nach Italien gebracht werden solle.
Die k.u.k. Heeresleitung schenkte aber den Gefangenenaussagen keinen Glauben, sie rechnete vielmehr mit einem Versuch der Serben, nach Süden zu den Franzosen und Engländern durchzubrechen. GO. Conrad schrieb daher am 9. November an Falkenhayn, daß die verbündeten Armeen anscheinend mit dem auf Novipazar—Priština zurückweichenden Gros der serbischen Armee nicht mehr in Fühlung ständen und dieses bereits einen größeren Vorsprung in der allgemeinen Richtung auf Novipazar—Priština gewonnen haben mochte. Der Vorsprung der Serben werde sich aber noch vergrößern, weil die konzentrisch von der Westlichen und Südlichen Morava auf Novipazar—Priština angesetzte Verfolgung über schwer gangbare und verkehrsarme Gebirge führe, in denen stärkere feindliche Nachhuten nachhaltigen Widerstand zu leisten vermögen. Dazu sei bei der fortgeschrittenen Jahreszeit Schneefall zu erwarten, der eine weitere Verzögerung bringen würde. Diese Verhältnisse kämen einem Versuch der Serben, zu den Ententetruppen durchzubrechen, sehr zustatten, der, wenn er gelang, für spätere serbische Operationen eine sichere Basierung auf Saloniki versprach. Für den Durchbruch käme die allgemeine Richtung Priština—Veles in Betracht. Man müsse also damit rechnen, daß die Serben die Masse ihrer Kräfte auf dem Kosovo polje zusammenziehen könnten, um dann unter Deckung der Flanke und des Rückens gegen die Linie Kalkandelen—Skoplje—Kumanovo vorzubrechen. Das hiebei zu durchziehende Gebiet sei im allgemeinen gangbar. GO. Conrad schätzte die Masse des serbischen Heeres noch auf 150.000 Gewehre, die auf 32.000 Bulgaren der Nordgruppe der bulgarischen 2. Armee treffen würden. Eine Verstärkung dieser bulgarischen Gruppe durch Teile der gegen die Ententetruppen (80.000 Gewehre) stehenden Kräfte hielt er nicht für möglich. Conrad schlug daher vor, daß von den wegen Raummangels freiwerdenden deutschen Kräften wenigstens zwei Divisionen durch das Tal der Südlichen Morava in den Raum zwischen Niš und Leskovac verschoben werden sollten, um sie in etwaige Kämpfe südlich und südöstlich von Priština eingreifen zu lassen. Am Schlüsse seines Schreibens erklärte er: „Unser Ziel im jetzigen Balkankrieg muß es nebst der Niederwerfung Serbiens sein, die Entente bei allen Balkanstaaten völlig zu diskreditieren. Ehe wir anderswo positiven Zielen nachgehen können, scheint mir das volle, sichere Erreichen dieses Zieles entscheidend, weil wir nur dadurch einen Anschluß Griechenlands und Rumäniens an unsere Feinde und einen daraus entstehenden Umschwung: der
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Gesamtlage verhindern können.“
Aber schon hielt Falkenhayn die Serben zu einem großen Ausfall zu den Ententetruppen nicht mehr für befähigt. Er wies am 9. in seinem Antwortschreiben an Conrad darauf hin, daß ein Vorstoß des Feindes über Priština auf Veles nicht durch deutsche Divisionen verhindert werden könne, da diese ja erst aus dem Tal der Westlichen Morava nördlich von Kruševac den Vormarsch über Niš antreten müßten und überhaupt nicht dorthin zu gelangen vermöchten. Denn die aus der Linie Kraljevo—Kruševac—Niš—Leskovac auf das Amselfeld führenden Wege seien durch das XXII. RKorps, das VIII. Korps, das X. RKorps und durch die bulgarische 1. Armee schon derart in Anspruch genommen, daß es fraglich sei, ob für diese Truppenmassen der Nachschub werde aufrecht erhalten werden können. Der Gefahr eines Durchbruches der Serben würde am besten durch eine rücksichtslose Verfolgung auf Priština begegnet werden. Größere Wahrscheinlichkeit habe aber ein Rückzug der Serben über Novipazar und Ipek. Auch dagegen helfe nur ein Mittel: Möglichst scharfes Vor drängen der aus Raška und auf Mitrovica angesetzten starken Verbände. „Aber selbst wenn es diesen nicht mehr glücken sollte, die feindlichen Hauptkräfte zu fassen, glaube ich nicht“, fügte Falkenhayn bei, „daß eine serbische Armee über die montenegrinische Grenze entkommen wird, vielmehr könnten sich nur die Reste einer Armee ohne nennenswerte Artillerie und Trains dorthin retten. Dies werden wir unter den gegebenen Verhältnissen niemals ganz zu verhindern imstande sein.“
Am 9. November langten auch die Weisungen der DOHL. in Teschen ein, durch die Mackensen beauftragt wurde, alles Weitere zu veranlassen; damit war der Meinungsstreit zwischen den beiden Heerführern aber nur unterbrochen worden; er lebte nach wenigen Tagen wieder auf.
Das Kesseltreiben der Verbündeten gegen das Amselfeld (Kosovo polje)
(12. bis 24. November)
Hiezu Beilagen 16, 17 und 18
Die Lage des serbischen Heeres am 11. November
Am 11. November sah Putnik die Frist verstrichen, die er, mit dem serbischen Heere über die Morava langsam rückwärts schreitend, bis zum Eingreifen der Ententetruppen zu erstreiten suchte. Die bei Višegrad kämpfende 62. ID. — so beurteilte man damals bei der serbischen Heeresleitung die Lage — drohte nach Südosten vorzustoßen und die Verbindungen durch den Sandžak Novipazar nach der Ostküste der Adria abzuschneiden. Das XIX. Korps hatte Ivanjica erreicht und war im Begriffe, auf Javor vorzugehen. Hier und bei Višegrad konnten dem andringenden Gegner nur montenegrinische Truppen, die Sandžakgruppe, entgegengestellt werden. Starkem Druck war auch die von Kraljevo auf beiden Ufern des Ibar zurückweichende serbische 1. Armee (DrinD.II mit der Banjagruppe am rechten Flügel, DonD.II mit der Užice- und der Studenicagruppe am linken Flügel) in der Front und in den beiden Flanken ausgesetzt. Der Gegner drang schon in ihren Rücken gegen die Studenica und durch das Ribnicatal auf Ušče vor. Aber noch schlimmer war die Lage in dem Winkel zwischen der Westlichen und der Südlichen Morava. Dort mußte die Belgrader Armeegruppe (ŠumD.I und TimD.II) vor den von Kruševac vorstrebenden Verfolgern das Rasinatal aufwärts auf Blace weichen. Dadurch sah sich die noch weiter nordöstlich befindliche serbische 3. Armee (Braničevogruppe, DrinD.I und DonD.I) von Westen umgangen; sie zog sich über die Hänge des Jastrebacgebirges zurück. Um ihren Rücken zu schützen, verteidigte die Timokarmee-gruppe (Krajinagruppe und KombD.) die Stellungen bei Mramor mit dem Mute der Verzweiflung. Inzwischen zog sich aber im Süden die Kette der Verfolger immer enger zusammen.
Am 8. drängten die Bulgaren bei Leskovac über die Morava (S. 288) und stießen in den beiden nächsten Tagen den rechten Flügel der
2. Serbenarmee (TimD.I, ŠumD.II, MorD.II, Kavallerie di vision und Südliche Morava-Gruppe) bis über den Pustabach zurück. Die Lage dieser Armee wurde noch erschwert, weil ihr Troß den über Lebane nach Priština führenden Weg nicht benützen konnte und mit den Fuhrwerksmassen der Timokarmeegruppe und der 3. Armee im Toplicatale zusammenströmte. Die serbische Heeresleitung befahl der 2. Armee, bis zum äußersten standzuhalten, und setzte drei Divisionen (TimD.I, ŠumD.II und MorD.II) zu einem mächtigen Gegenangriff an, um die Bulgaren von der wichtigen Rückzugsstraße Prokuplje—Kuršumlija fernzuhalten. Allein die Bulgaren (Nordgruppe der bulgarischen 2. Armee) suchten auch durch das Leskovicatal und über Kačanik in das Becken von Priština zu gelangen. Die MorD.II sollte daher nach dem Vorstoß auf Leskovac sofort zur Verstärkung der in den neuen Gebieten fechtenden Truppen (BregD. und VardD., MorD.I und eine im Anmarsch befindliche kom-
binierte Gruppe) über Lebane nach Süden geworfen werden, um die Bulgaren auf Vranje—Kumanovo zurückzuschlagen.
Von der Orientarmee, die gemeinsam mit schwachen serbischen Kräften des Divisionsbereiches Bitolj noch immer bei Izvor—Gradsko und auf den Höhen östlich des Vardar südlich von Strumica wider die Südgruppe der bulgarischen 2. Armee kämpfte, kam am 11. die Kunde über einen Rückschlag. So war mit einem rettenden Vorstoß der Ententetruppen über Veles auf Skoplje kaum mehr zu rechnen. Die serbische Heeresleitung zog die Folgerungen aus dieser Lage und entschloß sich, mit den Nordarmeen aus dem Gebirge zwischen der Westlichen und der Südlichen Morava auf das Amselfeld zu entweichen. Aus diesem historischen Gefilde nach Südosten vorbrechend, sollte sich dann das serbische Heer selbst über Skoplje zur Armee des Gen. Sarrail durchschlagen. Die Befehle für den schwierigen Rückzug ergingen schon am 11. November. Die 1. Armee blieb wie bisher auf Raška—Mitrovica gewiesen. Die Belgrader Armeegruppe hatte über Kuršumlija—Prepolac, die 3. Armee über Kuršumlija und längs der Košanica in das Becken von Priština zurückzugehen. Die Rückendeckung sollte zunächst die Timokarmeegruppe bei Prokuplje besorgen, dann aber noch vor der 3. Armee nach Priština abrücken, während die Krajinagruppe bei Kuršumlija bis zum Überschreiten der Toplica durch die Hauptkraft zu halten hatte. Die 2. Armee sollte unter hinhaltenden Kämpfen über Lebane auf Priština zurückgehen1).
Weiteres Vordringen der Heeresgruppe Mackensen im Gebirge (11. bis 18. November)
Während die Serben schon im Begriffe waren, auf das Amselfeld zu entweichen, hatte nun endlich das k.u.k. VIII. Korps die Schwierigkeiten beim Überschreiten der stark angeschwollenen Morava überwunden (S. 287). Am 11. November war auch der Brückenschlag bei Višegrad über die Drina gelungen. Die Gebirgsausrüstung der k.u.k. 62. ID. war in den letzten Tagen ergänzt und ihre Artillerie verstärkt worden. So kam am
12. die allgemeine Verfolgung bei der k.u.k. 3. Armee auf Nova varoš— Sjenica—Raška wieder in rascheren Fluß. Bei der 62. ID. drängten an diesem Tage die aus dem Stellungskrieg erlösten Brigaden Dominie, Spindler und Zhuber montenegrinische Vortruppen bei Drinsko und südlich von Vardište zurück. Tags darauf griff die Division die feindlichen Hauptstellungen an und erzielte auch teilweisen Erfolg. Als nun aber
i) Serb. Gstb. W., XII, 18 ff. .
FML. Kaiser am 14. den Vorstoß gegen den Lim fortsetzen wollte, waren die Montenegriner schon abgezogen. Trotzdem kam die 62. ID. in den nächsten Tagen durch das verschneite Gebirge nur langsam gegen den Lim und den Uvac vorwärts.
Die Gruppe GM. Reinöhl, die angewiesen worden war, zur Sicherung der rechten Flanke der 3. Armee auf Nova varoš vorzugehen, entsandte wohl schon am 7. von Užice und Požega Nachrichtenabteilungen gegen Süden, trat aber erst am 11. mit ihren Hauptkräften die Vorrückung an, da Sorsich trotz des Drängens des 3. Armeekmdos. erst das Einlangen des Kavallerieregiments Obst.Bolla abwarten wollte. Am 13. stand Reinöhl mit seinen Truppen erst auf den Höhen von Mačkat und südlich von Zbojštica.
Auf dem Westflügel des XIX. Korps mußten am 12. Vortruppen der Brigade Streith, die bereits den Mučanj vom Feinde gesäubert hatten, vor anrückenden montenegrinischen Verstärkungen wieder ein Stück nach Norden zurückweichen. Auf den Höhen östlich davon standen die Brigaden Schiess und Schwarz einer serbischen Abteilung gegenüber, die noch die Straße nach Javor sperrte. Die 17. GbBrig. erreichte nach äußerst schwierigem Marsche den Raum von Ivanjica; Vortruppen dieser Brigade warfen schwächere feindliche Abteilungen in die Berge südöstlich von Ivanjica zurück. Die 10. GbBrig. stürmte nachmittags die Höhe Košutica (südlich des Troglav). Ein weiteres Vorgehen auf Ušče warden durch die Unbilden der Witterung erschöpften Truppen aber nicht mehr möglich. Die Masse der 21. LstGbBrig. rückte der 10. GbBrig. nach; vor der 20. LstGbBrig. waren die Serben aus ihren Stellungen südlich von Kaona auf den Kom (Nordteil des Troglav) zurückgegangen. Es stand zu erwarten, daß der Feind auch diese Höhe alsbald räumen werde, denn er war durch die 10. GbBrig. schon von Süden her umgangen. Allerdings war es dem GM. Droffa nicht gelungen, bis auf Ušče vorzudringen, doch hatte das Vorgehen der 10. GbBrig. augenscheinlich die Serben auch vor dem XXII. RKorps schon zum Rückzuge bewogen. In solcher Auffassung schien dem 3. Armeekmdo. eine unmittelbare Unterstützung des XXII. RKorps durch das XIX. Korps nicht mehr nötig zu sein; es wies den FML. Trollmann an, die 20. und die 21. LstGbBrig. bei Ivanjica zu vereinen. So zog FML. Trollmann am 13. seine Hauptkräfte bei Ivanjica zusammen und stieß mit der Brigade Schwarz und der Masse der 17. GbBrig. an der Straße nach Javor vor, wo sich der Feind nach dem Verlust einer Höhe bei Kosovica zu neuem hartnäckigem Widerstand stellte. Die 10. GbBrig. vermochte auch am 13. den Angriff auf Ušče nicht weiter vorzutragen. Die Brigade hatte in den letzten zwei Kampftagen 675 Streiter verloren und war in ihrer vereinsamten Lage im Halbkreis vom Feinde umgeben.
Das XXII. RKorps (44. und 43. RD.) drang im Verlaufe des 12. und
13. November unter fortgesetzten Kämpfen gegen die Nachhuten der DonD.II und der DrinD.II im Ibar- und im Ribnicatale nur langsam vor. Das Alpenkorps folgte in beiden Tälern nach. Das k.u.k. VIII. Korps erreichte am 13. in Fortsetzung der am Tage zuvor wieder aufgenommenen Verfolgung mit der 59. ID. Ploča. Die Division fand bei der Vorrückung nur bei Paklenik kurzen Widerstand. Die 57. ID. ging mit dem linken Flügel zur Sicherung der Flanke des schon tief im Gebirge vordringenden deutschen X. RKorps am 13. bis Brus vor.
Dieses Korps der deutschen 11. Armee war mit seinen beiden Divisionen (107. und 103.) über Stitari auf Kuršumlija gewiesen, wo es im Verein mit den von Osten heranrückenden Bulgaren die noch im Jastrebac-gebirge und bei Mramor befindlichen serbischen Kräfte einkreisen sollte. Allein die Gruppe Zivkovic leistete, um der serbischen 3. Armee und der Timokarmeegruppe den Rückzug über Prokuplje zu ermöglichen, an der Straße nach Kuršumlija erbitterten Widerstand. In schweren Kämpfen rang sich das X. RKorps bis zum 13. bis Blace vor. Die 101. ID. hatte Mackensen unterdessen aus dem Moravatale gegen Ribare entsandt. Am
12. stieß sie im Jastrebacgebirge auf den Feind, den sie sofort angriff.
Unterdessen hatte die Hauptkraft der serbischen 2. Armee (TimD.I, ŠumD.II, MorD.II) am 11. die bis an den Pusta gelangten Teile der bulgarischen 1. ID. zurückgeschlagen. Am darauffolgenden Vormittage fielen nach Mitteilung aus Sofia „mindestens vier serbische Divisionen unter Führung des Königs und des Kronprinzen“ — in der Tat waren es nur drei (S. 294) — die Masse der bulgarischen 1. ID. an und erzwangen deren Rückzug auf Leskovac. Eiligst wurde nun die auf dem Marsche nach Mazedonien bis Niš gekommene bulgarische 8. ID. (S. 276) an die Durchbruchsstelle herangezogen. Gleichzeitig wurde die bulgarische 9.ID. eindringlichst aufgefordert, endlich die Morava zu überschreiten, um den auf Leskovac vordringenden Feind in die Flanke zu stoßen.
Die bulgarische Heeresleitung hielt die Lage durch den Rückschlag bei Leskovac nicht für gefährdet, doch vermutete sie, daß der Serbe diesen Vorstoß unternommen habe, um bei einem Durchbruch über Vranje im Rücken gesichert zu sein. Der gleichen Ansicht war auch GdA. Gallwitz. Er meinte: „Der Rückschlag konnte den Serben für das Abschieben weiterer Kräfte nach Süden recht förderlich sein.“ Es sei daher „mehr mit den Flügeln der gemeinsamen Armeen zu arbeiten und im Süden von den Bulgaren ein stärkerer Riegel vorzuschieben gewesen1)“. Vor allem aber war es GO. Conrad, der den Eindruck gewann, der Schlag gegen die Bulgaren sei nur der Auftakt zu einem großen Ausfall der Serben nach Süden. Auch schien es ihm, wie er dies noch am 12. in einem Telegramm an Falkenhayn aussprach, daß „die serbische Hauptkraft die volle Kampfkraft noch keineswegs eingebüßt“ habe. Er riet, die noch im Tale der Westlichen Morava hinter der 11. Armee stehenden beiden Divisionen (25. RD. und 105. ID.) wieder gegen die Serben einzusetzen.
Die Ereignisse hatten inzwischen bei der 11. Armee schon zum Einsatz eines Teiles der bereits ausgeschiedenen und als überflüssig erachteten Kräfte geführt. Die 101.ID. war durch ein Regiment der 105.ID. verstärkt worden; sie sollte möglichst rasch auf Prokuplje durchstoßen, um die vor der bulgarischen 1. Armee anscheinend noch immer südwestlich von Aleksinac und von Niš ausharrenden Serben (Timokarmee-gruppe) abzuschneiden. Die Masse der 105. ID. hatte über Kruševac dem bei Blace schwer ringenden X. RKorps zu folgen.
Erst am 13. erhielt GO. Conrad durch Falkenhayn Kenntnis, daß schon Teile der 105. ID. eingesetzt waren. Doch gaben ihm die vom deutschen Chef des Feldeisenbahnwesens mittlerweile getroffenen Vorsorgen wegen des Abtransportes der 26., der 6. und der ll.bayr. ID. Anlaß, Falkenhayn um Einblick in dessen Pläne hinsichtlich der Verwendung der aus Serbien nordwärts abrückenden drei deutschen Divisionen zu bitten. Falkenhayn verbarg wohl seine Absichten, wenn er dem Verbündeten antwortete: „Verwendung der verfügbaren drei deutschen Divisionen läßt sich noch nicht übersehen.“
In Teschen herrschte der Eindruck, der Serbe wolle zu den Ententetruppen durchbrechen, noch weiter vor, obwohl sich die Lage der bulgarischen 1. Armee schon am 13. überraschend gebessert hatte. An diesem Tage sahen deutsche Flieger auf allen von Prokuplje und von Kuršumlija nach Süden und Südwesten führenden Straßen serbische Fuhrwerksmassen und auch Truppensäulen zurückströmen.
Um diese verheißungsvolle Lage auszunützen, setzte die 101. ID. nach Überwindung des Widerstandes südlich des Grebacsattels die Verfolgung auf die Höhen nördlich von Prokuplje fort, obwohl die Feldartillerie abgeblieben war und nur die wenigen Gebirgsbatterien zu folgen vermochten. Die bulgarische 6. ID., die am 12. die Morava bei Aleksinac mit stärkeren Kräften überschritten hatte, erreichte mit ihrer
*) Gallwitz, 445.
Masse Kulina; sie stand also am 13. abends noch hinter der deutschen 101. ID. Auch der bulgarischen 9. ID. war jetzt endlich der Übergang bei čečina geglückt; zwei ihrer Brigaden traten den Vormarsch auf Prokuplje an, die dritte ging mit der 1. Division von den Höhen südwestlich von Leskovac in der Richtung auf Bojnik—Lebane vor. Der linke bulgarische Flügel vermochte die Serben noch vor dem Eintreffen der anmarschierenden 8. ID. gegen Westen zurückzudrücken.
Bei der Nordgruppe der bulgarischen 2. Armee waren mittlerweile je eine Brigade der 3., der 5. und der 7. ID. im Raume von Gnjilane' bereitgestellt worden, um am 14. November westwärts über diesen Ort vorzustoßen; eine vierte Brigade bei Kačanik sollte inzwischen noch standhalten.
GFM. Mackensen, der durch die vorliegenden Fliegermeldungen von dem Rückzug der Masse des serbischen Heeres auf Priština unterrichtet wurde, hatte unterdessen den Entschluß gefaßt, das Schwergewicht der 3. und der 11. Armee mehr nach dem linken Flügel zu verlegen, um mit starken Kräften in den Kampf der bulgarischen 2. Armee eingreifen zu können1). Dazu sollte das XIX. Korps über das Javorgebirge und die Golija planina auf Novipazar, das XXII. RKorps über Raška auf Mitrovica, das VIII. Korps über das Kopaonikgebirge auf Mitrovica—Babinmost (nordwestlich von Priština) und die 11. Armee über Kuršumlija auf Priština angesetzt werden. Die bulgarische 1. Armee erhielt die Weisung, mit der 9. und der 1. ID. im Anschluß an das X. RKorps vorzudringen und von Osten gegen Priština vorzustoßen, während die bulgarische 2. Armee mit ihrer nördlichen Gruppe aus der Linie Gnjilane— Kačanik, also von Süden her, Priština anzugreifen hatte.
Diese von der Heeresgruppe am 13. erlassenen Weisungen lösten allerdings beim 3. Armeekmdo. schwere Bedenken aus, da weder aus dem Raume des XIX. noch aus dem des VIII. Korps von der Artillerie und von den Trains benützbare Wege zu den neuen, weiter ostwärts abgesteckten Angriffszielen führten. Günstiger waren die Verhältnisse für das XXII. RKorps, wenn es von Raška gegen Mitrovica vorging.
GdI. Kövess machte das Heeresgruppenkmdo. noch am 13. auf die dem XIX. und dem VIII. Korps drohenden und kaum zu überwindenden Schwierigkeiten aufmerksam und führte aus: ,,Es ist demnach kaum anders möglich, als die Korps erst gradaus weiter vorrücken und dann linksum machen zu lassen, um die befohlenen Ziele zu erreichen. Der zweite Teil dieser Bewegung stellt sich gegenüber Montenegro als ein
!) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 376 f.
Flankenmarsch dar, der entsprechende Sicherungsmaßnahmen erfordert.“ Auch gab der Armeeführer zu bedenken, daß sich die einzelnen Armeekörper mit den ihnen zur Verfügung stehenden Transportmitteln nicht weiter als 60 km, im günstigsten Falle, wenn Lastautos vorwärts kämen, 80 km vom Endpunkte der Bahn entfernen könnten. Da die im Tale der Westlichen Morava Vorgefundenen Lebensmittel aufgebraucht waren und man im Gebirge nur wenig Nahrung finden konnte, schien dem 3. Armeekmdo. die Versorgung der Truppen in ihrer gegenwärtigen Stärke in der Linie Nova varoš—Mitrovica selbst dann noch in Frage gestellt, wenn die Bahn von Stalać ins Moravatal hinein bis čačak oder Užice in Betrieb gesetzt und die Feldbahn über Grn. Milanovac bis čačak vorgebaut werden könnte. Umsomehr galt dies, wenn Teile der 3. Armee dann noch gegen Priština bewegt werden sollten.
Im Hauptquartier zu Semendria trug man diesen berechtigten Vorstellungen insofern Rechnung, als am 14. für das XIX. Korps die Straße von Ivanjica über Javor nach Sjenica als Vormarschlinie bestimmt wurde. Gleichzeitig erklärte das Heeresgruppenkmdo., es habe dem XIX. Korps die Richtung von Sjenica auf Novipazar unter der Voraussetzung gewiesen, daß es dort zu einem größeren Kampf kommen werde. Sei aber eine Sicherung gegen Montenegro nötig, so sei das XIX. Korps bei Sjenica am rechten Orte. Die Entscheidung über die weitere Verwendung des Korps könne und brauche zur Stunde (14. November) noch nicht getroffen werden. Für das XXII. RKorps komme es zunächst darauf an, Raška bald zu gewinnen und von dort entweder im Ibartale oder über Novipazar auf Mitrovica weiterzugehen. Das VIII. Korps könne die Straße Kuršumlija—Priština nicht benützen, da sie von der 11. Armee belegt werde. Für das Korps bleibe nur die Möglichkeit, nach Erreichen der Straße über Blaževo durch das Ibartal nach Mitrovica zu marschieren, Voraussichtlich werde es die Straße früher als das XXII. RKorps erreichen und habe dann Anschluß nach links an die 11. Armee zu suchen. Der Grundgedanke der am 13. erlassenen Weisungen sei, „wo immer möglich, die umfassende Bewegung gegen die Kosovoebene durchzuführen“. Dazu war gedacht, das XIX. Korps von Westen, die Hauptkraft der Armee Kövess (XXII. R- und VIII. Korps) von Norden und von Nordosten gegen die Linie Mitrovica—Priština und die 11. Armee von Norden gegen Priština zu führen, während die Bulgaren von Osten und von Süden Vordringen sollten. Durch Ernährungsschwierigkeiten dürfe das Vordringen der im Raume Nova varoš—Mitrovica manövrierenden
3. Armee nicht verzögert werden; gegebenenfalls seien Teile der Armee zurückzuhalten, um den dem Feinde an den Fersen haftenden Truppen die Vorräte der vorderen Linie zu überlassen.
Unter heftigen Kämpfen, trotz der grimmigen Kälte in verschneitem Hochgebirge auf mangelhafte Unterkünfte und meist sogar auf Freilager angewiesen, ohne geregelte Verpflegung, strebten nun die Verfolgungskolonnen der Armeen dem historischen Amselfelde zu, wo man den tapferen, zähen Feind doch noch einzukreisen hoffte, was die Heeresgruppe Mackensen bisher zweimal vergeblich versucht hatte.
Beim XIX. Korps vermochte die Gruppe FML. Sorsich im Angriff auf die starken montenegrinischen Stellungen südöstlich von Presjeka am 14. und auch am 15. November nicht durchzudringen. Am 16. aber glückte es ihr nach mühseligen Kämpfen, die Höhen nördlich von Javor zu nehmen. Wegen der Übermüdung der Truppen konnte der Erfolg jedoch nicht ausgenützt werden; die Brigaden Streith, Schwarz und die
17. GbBrig. nächtigten in den eroberten Stellungen. Hinter dem linken Flügel der Gruppe Sorsich war inzwischen die 20. LstGbBrig. über Ivanjica nachgerückt. Die 21. LstGbBrig. war im mühseligen Vormarsch über die verschneiten Höhen zwischen Bratljevo und čečina. Die auf Ušče entsandte 10. GbBrig. hatte schon am 14. den Anschluß an die rechte Kolonne des deutschen XXII. RKorps gefunden, dem sie unterstellt wurde.
Im gemeinsamen Vorgehen mit einem Regimente des deutschen Alpenkorps erreichte die 10. GbBrig. hinter einer Gruppe der DonD.II bis zum 16. November die Studenica. Durch das Ibartal drang die Vorhut der 44. RD. unter heftigen Kämpfen gegen Teile der DonD.II über Ušče bis auf die Höhen südlich von Bagaši vor. Die Masse des Alpenkorps rückte über die Höhenrücken östlich vom Ibar und erzwang sich am 16. gegen Nachhuten der DrinD.II den Übergang über die Jošanica. Die 43. RD. wurde aus der Front gezogen und bei Kraljevo versammelt.
Das gegen das Kopaonikgebirge vorgehende k.u.k. VIII. Korps vertrieb am 14. mit der 9. GbBrig. Abteilungen der DrinD.II von den Höhen südwestlich von Ploča. Das Gros der 59. ID. war an diesem Tage in den Raum südwestlich von Brus gewiesen; die 57. ID. rückte ohne Kampf gegen die Toplica vor. Am 15. überschritt die 59. ID. ohne Widerstand den Osthang der 1783 m hohen Šiljača. Die 57. ID. erreichte unter zeitweiligem Geschützfeuer der Serben das Toplicatal und nahjtti mit ihren Vortruppen um Mittag nach kurzem Kampfe den 1152 m hohen Lučak.
Am 16. schob die 59. ID. die 18. GbBrig. nach Blaževo vor; zur Sicherung, der Westflanke verblieb die 9. GbBrig. in dem von ihr am 15. erreichten Raum und wartete das Herankommen der im Staffel links hinter dem Alpenkorps nachrückenden Gruppe Obst.Below ab. Die 57. ID. entsandte auf der Straße gegen Kuršumlija eine Nachrichtenabteilung; diese stieß auf den Feind, konnte ihn ein Stück werfen, kam dann aber vor feindlichen Verstärkungen zum Stehen.
Am nächsten Tag (17. November) gedachte FZM. Scheuchenstuel mit dem VIII. Korps stehenzubleiben. Die Artillerie und die Trains waren noch weit hinten und vermochten über Brus hinaus der Infanterie in das Kopaonikgebirge nicht mehr zu folgen. Munition und Verpflegung mußten mittels Tragtiere auf Saumwegen nachgeschoben werden. Eine ausreichende Versorgung schien überhaupt erst durch das Ibartal über Raška möglich zu sein. FZM. Scheuchenstuel sah sich genötigt, die Brigade Haustein, die hinter dem VIII. Korps folgte, in das Moravatal zurückzuziehen. Am 16. abends erteilte das 3. Armeekmdo. im Aufträge Mackensens dem VIII. Korps den Befehl, die 59. ID. oder wenigstens die 18. GbBrig. nach Košutica in das Ibartal abzuzweigen, um dem vor dem XXII. RKorps bei Raška haltenden Feind den Weg nach Mitrovica abzuschneiden.
Das deutsche X. RKorps (103. und 107. ID.) hatte am 14. nach harten Kämpfen einen Teil der Stellungen der Armeegruppe Zivkovic bei Blace genommen und am folgenden Tag die Höhen auf halbem Wege zwischen Blace und Kuršumlija erreicht. Die 101. ID. stürmte schon am
14. die Höhen südlich von Prokuplje, von wo sich die Nachhuten der serbischen 3. Armee zurückzogen. Am 15. stieß sie das Toplicatal aufwärts und warf den bei Belonjin haltenden Feind; zahlreiche Gefangene, Geschütze und viel Kriegsgerät fielen ihr dabei in die Hände. Am 16. abends waren die über Blace herangezogene deutsche 105. ID. (S. 298) und die 101. ID. schon nördlich von Kuršumlija angekommen, wo serbische Kräfte, um den Rückzug nach Priština zu decken, nochmals äußersten Widerstand leisteten1).
Die von der Südlichen Morava vorgehende bulgarische 1. Armee (6., 9., 1. und 8. ID.) hatte am 14. November die Verfolgung gegen Priština aufzunehmen und stand am 15. südlich von Prokuplje—Lebane und weiter südöstlich davon der Timokarmeegruppe und der serbischen
2. Armee gegenüber. Die 6. ID., durch den zusammenstrebenden Vormarsch freigeworden, wurde in den nächsten Tagen zum Abrücken nach Süden bereitgestellt. Teile der 8. ID. marschierten im Tal der Südlichen Morava über Vranje ab.
Die südlich von Priština fechtende Nordgruppe der bulgarischen
x) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 378.
2. Armee (Teile der 3., der 7. und der 5. ID.) warf am 15. die VardD. und die MorD.I bei Gnjilane zurück, vermochte aber bei Kačanik an der Bahn Skoplje—Priština nicht durchzudringen. Die serbische BregD. verteidigte hier die Zugänge nach Priština—Prizren mit großer Hartnäckigkeit.
Kämpfe in Mazedonien vom 12. bis zum 16. November Hiezu Beilagen 17 und 18
Von der in Mazedonien fechtenden Hauptkraft der 2. Bulgarenarmee war eine etwa fünf Bataillone starke Abteilung in das Becken von Kal-kandelen (Tetovo) eingedrungen. Sie breitete sich am 16. bis Gostivar aus und stellte sich dann zum Vormarsch gegen Prizren bereit. Die verstärkte Kavalleriedivision vermochte nach mehrtägigen Kämpfen durch eine nach Westen ausgreifende Umgehung am 16. die Serben, Truppen des Bitolj-Divisionsbereiches, von Prilep nach Süden abzudrängen.
Hitziger ging es auf dem westlichen Černaufer zu, wo die Bulgaren nach dem Zurückfallen Sarrails in die Verteidigung vom 13. an zum Angriff schritten. Die Masse der 5. ID. und Teile der 7. und der 11. Division entrissen hiebei den Franzosen Gradsko und drückten sie näher an die Černá zurück1). Östlich vom Vardar bis südwestlich von Strumica, wo Teile der 7. und der 11. ID. standen, trat keine Änderung ein. Weiter östlich schützte die 2. ID. südlich von Strumica und im Struma- und Mestatale die Grenze sowohl gegen die englische 10. ID. wie gegen die Griechen. Denn bei Drama, bei Seres und nördlich von Saloniki zog König Konstantin starke Teile seines Heeres zusammen, deren zweifelhaftes Verhalten den Ententetruppen begründeten Anlaß zu ernster Besorgnis gab. Dies mag auch der Grund gewesen sein, daß die vom,
10. November an in Saloniki eintreffende englische 22. ID. den Marsch zur Kampffront nicht antrat.
Diese höchst mißliche Lage der Orientarmee, die auch der bulgarischen Heeresleitung nicht unbekannt geblieben sein mochte, machte es dieser nicht schwer, zu erklären, daß ihre 2. Armee — wie bisher — alle Angriffe der Orientarmee abschlagen werde, wenn die von den Deutschen zugesagten Verstärkungen, vor allem schwere Artillerie, einlangten. Sehr peinlich wurde allerdings die Verpflegslage, weil die Bahn über Pirot—Niš noch nicht wiederhergestellt war. Deshalb konnte auch auf die Entsendung von stärkeren deutschen Verbänden nach Mazedonien in absehbarer Zeit nicht gerechnet werden.
i) Franz. Gstb. W., VIII, Text, 275 ff.; Né d eff, 15.
Vormarsch der Verbündeten bis an die Linie Uvac—Nova varoš—Sjenica und bis an die Eingangspforten ins Amselfeld (17. bis 19. November)
Das enge Zusammenrücken der 3. und der 11. Armee im Tale der Westlichen Morava hatte — wie schon erwähnt — zum Ausscheiden von erheblichen deutschen Kräften geführt. Dies bot GO. Conrad am 15. November Anlaß, dem GdI. Falkenhayn vorzuschlagen, eine der aus der Front gezogenen deutschen Divisionen zu Ablösungszwecken nach Galizien zu entsenden. Falkenhayn lehnte ab. Er hatte am 16. bei einer Unterredung mit Mackensen in Semendria von den immer größer werdenden Verpflegsschwierigkeiten des k.u.k. VIII. Korps im Kopaonik-gebirge erfahren und beantwortete Conrads Vorschlag mit dem Gegenantrag, eine Division des VIII. Korps nach Galizien zu führen.
GO. Conrad war aber keineswegs damit einverstanden. Er antwortete dem GdI. Falkenhayn noch am 16. November, daß gerade durch die Vormarschrichtung des gebirgsgewohnten VIII. Korps die Möglichkeit gegeben wäre, deutsche und bulgarische Truppen für den Südflügel freizumachen, wo „wir südlich Priština nicht stark genug sein können“. Da sein Ersuchen, eine deutsche Division für Galizien abzugeben, aus unbekannten Gründen abgelehnt worden sei, so müsse er nun aus der wolhynisch-ostgalizischen Front Streitkräfte, ohne sie ersetzen zu können, an den Isonzo führen, wo die Italiener in der vierten Isonzoschlacht gerade in diesen Tagen mit großer Übermacht Görz und die Hochfläche von Doberdö bestürmten.
Am 15. hatte Conrad von der Nachrichtenabteilung der Heeresgruppe Mackensen die Meldung erhalten, daß stärkere Teile des serbischen Heeres im Rückzug auf Priština schon einen großen Vorsprung vor den Verfolgern gewonnen hätten. Dadurch konnte es den Serben wohl gelingen, wieder kampfkräftige Verbände zu bilden. Auch vermutete man jetzt bei der Heeresgruppe, daß die Serben wegen der großen Verpflegsschwierigkeiten nicht den Weg über das Gebirge nach Montenegro suchen würden, sondern anscheinend einen letzten verzweifelten Versuch wagen wollten, „in geschlossener Masse von Priština nach Süden durchzubrechen“.
Trotz der großen Anstrengungen eines sechswöchigen Bewegungskrieges waren die Verluste der 3. Armee bisher nicht allzu schwer gewesen. Nach einer Berechnung des 3. Armeekmdos. hatte die 3. Armee, ohne das XXII. RKorps, seit dem 1. Oktober 12.4 v. H. an Toten und Verwundeten verloren; 2.4 v. H. waren vermißt. Der Anteil der einzelnen Armeeverbände an diesen Einbußen war freilich sehr verschieden; die größten blutigen Verluste hatte das VIII. Korps mit nahezu 27 v. H.; der Krankenabgang betrug im Durchschnitt nur 3 v. H. — auffallend wenig in Anbetracht der Jahreszeit und der vollbrachten Leistungen. Das XXII. RKorps meldete 26.5 v. H. Tote und Verwundete, 1.85 v. H. Vermißte. Die öst.-ung. Truppen der 3. Armee zählten jedoch Mitte November bei einem Verpflegsstand von 156.037 Mann nur mehr 79.123 Gewehre und 2121 Reiter. Dieses ohnehin schon recht ungünstige Verhältnis sollte jetzt noch eine rasche Verschlechterung erfahren.
Am 17. November trat starker Schneefall ein, der die wenigen Wege und Saumpfade unbrauchbar machte. Dazu nahm auch die Kälte zu, so daß die in den unwirtlichen Teilen des Gebirges manövrierende 3. Armee in den kommenden Tagen viele hundert Streiter durch Erfrierungen verlor.
Im Sinne des von Mackensen am 14. erteilten Befehles (S. 301) verfügte GdI. Kövess am 15., daß vom VIII. Korps Teile der Brigade Mrázek und die Brigade Haustein, vom XXII. RKorps die 43. RD., vom XIX. Korps die Brigaden Streith und Schiess nötigenfalls Zurückbleiben sollten. Der Gruppe Reinöhl und der 62.ID. wurde die Wahl der zurückzulassenden Truppen freigestellt; sie waren vom Heeresgruppenkmdo. beauftragt worden, zur Sicherung der rechten Flanke der 3. Armee auf Nova varoš vorzustoßen (S. 296). Am 15. ließ GdI. Kövess beim FML. Kaiser anfragen, ob nicht zur Verbesserung ihrer Verpflegslage ein Vorgehen über den Lim hinaus zur Gewinnung der Bahnstrecke Ustiprača— Uvac angezeigt wäre.
Die Frage der Öffnung der bosnischen Ostbahn beschäftigte übrigens auch die k.u.k. Heeresleitung, die am 16. den GdI. Kövess anwies, nach dem Zurückwerfen der Montenegriner über den unteren Lim die Gruppe Obst. Dominie wieder dem Kommandanten in BHD. zur Verfügung zu stellen. Diese Gruppe hatte dann die Verbindungen der auf Nova varoš gewiesenen 62. ID. am unteren Lim bis Uvac zu sichern und sollte auch am Zurückwerfen der bei Megjegja eingenisteten Montenegriner nach Möglichkeit mitwirken. GdI. Sarkotić wollte am 20. mit einigen Bataillonen von Goražde aus über die Drina auf Čajnice—Me-talkasattel vorstoßen.
Nun aber wurde die 62. ID. durch den am 17. plötzlich eintretenden Wettersturz am Lim festgehalten. Bei Višegrad mußte die Kriegsbrücke wegen des Hochwassers abermals abgebrochen werden. Die Montenegriner hatten den Übergang bei Uvac zerstört. Bis zum 17. abends gelang es dort nur, zwei Kompagnien der 9. LstEtBrig. zu übersetzen. Als am 18. über einen neu erbauten Steg Verstärkungen auf das linke Ufer des Uvacflusses nachgerückt waren, konnte Priboj besetzt werden. Von hier aus gewann die 62. ID. Anschluß an die Gruppe GM. Reinöhl, die am 18. kampflos, aber nach sehr beschwerlichem Marsche, den Raum nördlich von Nova varoš erreicht hatte. Am gleichen Tage verfügte ein Heeresgruppenbefehl in Abänderung der ursprünglich erlassenen Weisungen, daß die Gruppe Reinöhl und die 62. ID. den Schutz der rechten Flanke der 3. Armee am Lim bis Nova varoš zu übernehmen haben. Damit schien es nun möglich zu sein, die 62. ID. an dem geplanten Vorstoß auf Čajnice mitwirken zu lassen. Die üble Verpflegslage machte jetzt die Besitznahme der Bahnstrecke Ustiprača—Uvac schon sehr dringend; allein die Division Kaiser konnte am 19. nicht weiter südwärts vorstoßen, da die nötigen Zillen zum Überschiffen des reißenden Lim sogar für Patrouillen fehlten. Die Gruppe Reinöhl war inzwischen bis Nova varoš und Bistrica vorgedrungen; ihre rechte Seitenkolonne, die Brigade Hausser, hatte in den letzten drei Wochen nur vom Lande gelebt, und die Truppen hatten bloß die halbe Brotmenge erhalten.
Vor dem XIX. Korps wichen die Montenegriner seit dem 17. November stetig zurück; auch ihre Nachhuten leisteten kaum mehr Widerstand. Unter den größten Anstrengungen hasteten die Landsturmbrigaden des Korps Trollmann dem Feinde nach, um das Becken von Sjenica möglichst bald zu erreichen. In rastloser Verfolgung gelangte das Korps am 17. bis Javor, am 18. bis in die Gegend von Kukovica (10 km nördlich von Sjenica). Die linke Seitenkolonne (21. LstGbBrig.) drang bis Crče und am 19. bereits bis Dugapoljana vor, während die Brigade Schwarz in Sjenica einrückte.
Das XIX. Korps hatte in diesen Tagen Hervorragendes geleistet und in glänzender Weise die Besorgnisse widerlegt, die namentlich von deutscher Seite über die Leistungsfähigkeit der meist kampfungeübten Landsturmtruppen gehegt worden waren (S. 191). GFM. Mackensen sprach ihm seine vollste Anerkennung aus. Nun aber durfte an eine weitere Verfolgung durch das Gebirge nach Süden vorläufig nicht mehr gedacht werden, da das Notdürftigste an Nahrung erst herangebracht und auch der Nachschub von Schuhen und Kälteschutzmitteln abgewartet werden mußte.
Auch beim XXII. RKorps, das in den verschneiten Gebirgen zu beiden Seiten des Ibar gleichfalls nur sehr mühsam vorwärts kam, machten sich die Schwierigkeiten des Nachschubes empfindlich fühlbar. Um die Verfolgung auf Novipazar aufrecht erhalten zu können, mußten die Troßkolonnen der 43. RD. den in der vorderen Linie eingesetzten Divisionen (44. RD. und Alpenkorps) zugewiesen und die 43. RD. von Kraljevo nach Kragujevac an den Endpunkt der Vollbahn zurückgenommen werden.
Am 17. erreichten die 10. GbBrig. und ein deutsches Jägerregiment den Raum nördlich von Kruševica, die Vorhut der 44. RD. und die Masse des Alpenkorps die Gegend nördlich und östlich von Pavlica im Ibartale; die nachrückende Gruppe Obst. Below gelangte bis an den Oberlauf des Josanicabaches. Tags darauf drang die rechte Kolonne des XXII. RKorps bis östlich von Kruševica vor. Die Vorhut der 44. RD. näherte sich im Ibartale Raška. Das Alpenkorps gelangte auf die Höhen südöstlich von Pavlica. Am 19. kam das XXII. RKorps mit der mittleren Kolonne bis Raška, während die 10. GbBrig. Novipazar zustrebte und das Alpenkorps in das Ibartal östlich von Raška herabstieg.
Das an die obere Toplica gelangte k.u.k. VIII. Korps hatte, wie schon erwähnt, am 16. abends den Auftrag erhalten, mit der 59. ID. nach Košutica (10 km südöstlich von Raška) vorzugehen, um den vor dem XXII. RKorps stehenden Feind abzuschneiden. Um dieser Weisung zu entsprechen, plante FML. Šnjarič, am 17. früh mit der 18. GbBrig. von Blaževo nach Košutica zu marschieren, während die noch im Raume südwestlich von Brus stehende 9. GbBrig. den Nordteil des Kopaonikgebirges überschreiten und in den bei Košutica erwarteten Kampf der
18.GbBrig. eingreifen sollte. Aber die beiden Brigaden konnten das ihnen gesteckte Ziel nicht erreichen.
Am 17. November wuchs die Kälte, und ein eisiger Sturm brachte dichten Schnee. Die Soldaten, leicht gekleidet und schlecht genährt, vermochten diesen Unbilden nicht standzuhalten. Groß war das Elend bei der 9. GbBrig., die nach elfstündigem Marsche in einem Tale am Ostfuße des Kopaonikgebirges wider den Schneesturm und die grimmige Kälte Schutz suchen mußte. Und der 18. GbBrig. erging es nicht besser; auf völlig vereistem Saumweg marschierend, erreichte sie unter unsäglicher Mühsal die Gegend 5 km östlich von Košutica. Die meisten Truppen mußten wieder im Freien übernachten, und für den, der in der harten Kälte vom Schlaf übermannt wurde, gab es kein Erwachen mehr. Dreißig Opfer forderte der weiße Tod. Gegen tausend zählte die Zahl jener, die mit erfrorenen Gliedmaßen oder krank von diesem Leidensweg in die Spitäler zurückgebracht werden mußten. Nicht wenige waren überdies von den vereisten Hängen des Kopaonikgebirges abgestürzt.
Weniger hart vermochte der Wettersturz der abwartenden 57. ID.
zuzusetzen. FML. Goiginger nahm die 2. GbBrig. von den unwirtlichen Höhen in das schützende Toplicatal zurück. Die Aufklärer der Division stießen am 17. erst bei Lukovo auf Sicherungen der Serben.
Das VIII. Korps hatte sich bisher aus seinen Gebirgsverpflegsstaffeln noch leidlich verpflegen können; ob aber der Nachschub bei einem weiteren Vorstoßen über das tief verschneite Gebirge nach Süden auch nur notdürftig durchführbar sein würde, war zweifelhaft. Unter dem Eindrücke des bösen Wettersturzes baten die beiden Divisionäre ihren Korpskommandanten, den erschöpften Truppen eine Ruhepause zu gewähren. FZM.Scheuchenstuel trug den außerordentlichen Schwierigkeiten Rechnung und ließ die 57. ID. sowie die 9. GbBrig. am 18. in den erreichten Räumen stehen. Beide Divisionen hatten ihre fahrenden Batterien und Munitionskolonnen in das Tal der Westlichen Morava abzuschieben. Auch die Brigade Haustein, die der 57. ID. nachgerückt war, sollte in den Raum westlich von Kruševac zurückmarschieren.
Die 18. GbBrig. setzte am 18., allen Mühsalen zum Trotz, das Vorgehen fort, warf ein Regiment der DrinD.II zurück und drang bis in die Gegend östlich von Košutica vor. Flieger hatten noch am Vormittag serbische Kolonnen beobachtet, die im Ibartale nach Süden strebten. In der Nacht auf den 19. wies die 18. GbBrig. zwei serbische Angriffe aus südlicher Richtung ab, wobei der Feind schwere Verluste erlitt, aber sich durch Gegenstöße seine Bedränger doch einigermaßen vom Leibe zu halten vermochte. Am nächsten Morgen setzte GM. Škvor die Vorrückung fort und erreichte das Ibartal bei Košutica. Die 18. GbBrig. erbeutete 200 Fuhrwerke mit viel Kriegsmaterial. 2000 Serben streckten die Waffen.
Vor dem auf Kuršumlija vorgehenden deutschen X. RKorps trat die Armeegruppe Živkovič schon in der Nacht auf den 17. den Rückzug nach Prepolac an. Kuršumlija wurde am Tage darauf von der 103. ID. besetzt. Am 19. gewannen sie und die 101. ID. Prepolac und die Höhen östlich davon.
Die auf Priština angesetzte bulgarische 1. Armee (9. und 1.ID. sowie Teile der 8. ID.) kämpfte am 18. am Nordhang der Goljak planina wider die sich verzweifelt wehrende serbische 2. Armee. Die Nordgruppe der bulgarischen 2. Armee stand noch bei Kačanik und Gnjilane. Von den beiden über Vranje vorrückenden Brigaden der bulgarischen 8.ID. wurde eine nach dem zweitgenannten Orte befohlen, die andere sollte über Kumanovo nach Skoplje marschieren.
So hatten die 3. und die 11. Armee am 19. November in rastloser Verfolgung durch das Gebirge schon die allgemeine Linie Rudo—Priboj—
Nova varoš—Sjenica—Raška—Prepolac erreicht. Die Bulgaren näherten sich Priština von Nordosten und von Süden her. Nach den Aussagen serbischer Gefangener waren westlich des Ibar nur montenegrinische Kräfte und einige serbische Bataillone dritten Aufgebotes über Nova varoš und Sjenica zurückgewichen. Vor den anderen Frontabschnitten der 3. Armee war die serbische 1. Armee auf Novipazar und Mitrovica abgezogen. Nach diesen Nachrichten rechnete GFM. Mackensen mit Bestimmtheit, daß sich die Masse des serbischen Heeres (Belgrader Armeegruppe, 3. Armee, Timokarmeegruppe und 2. Armee) von Kuršumlija und Leskovac nach Priština gewandt habe. Man erfuhr überdies beim Heeresgruppenkmdo. aus Aussagen serbischer Gefangener, die bei der bulgarischen 2. Armee eingebracht worden waren, daß die serbische Heeresleitung nunmehr die Absicht habe, von Priština im allgemeinen nach Süden durch das Tal des Cmi Drin über Di'ora—Ochrida und Monastir zu den Ententetruppen durchzubrechen. Die Armeen der Verbündeten hatten sonach alles daranzusetzen, dem schon in Auflösung begriffenen Feind in schärfster Verfolgung in das Amselfeld nachzudrängen, um ihm den Todesstoß zu versetzen und zu verhindern, daß er sich zur Sarrailarmee retten, erholen und später als neuer Feind wieder auftreten könne.
Allerdings konnten jetzt die Operationen gegen die Serben nicht mehr mit allen Truppen der 3. und der 11. Armee durchgeführt werden. Denn schon wuchsen die Entfernungen zu den Bahnendpunkten Valjevo, Jagodina und Kragujevac auf 130 km an, wobei die nach Grn. Milanovac vorgebaute Feldbahn erst am 21. November fertiggestellt sein konnte. Ein Bahnbau Višegrad—Užice war in absehbarer Zeit nicht durchführbar; schon die Wiederherstellung der Drinabrücke bei Megjegje erforderte mindestens zweieinhalb Monate Bauzeit. Die Strecke bei Ustiprača lag überdies noch im Feuer montenegrinischer Geschütze; der Sargan-sattel war nur durch einen Tunnel zu überwinden und ein Gegenbau der durch hohes Gebirge führenden Bahn von Užice auch nicht möglich. An die Anlage einer Bahnverbindung von Užice nach Mitrovica oder von Kraljevo nach Mitrovica konnte wegen der außerordentlichen Bauschwierigkeiten ebensowenig gedacht werden; selbst der Plan, eine Pferdefeldbahn von Uvac nach Nova varoš zu bauen, mußte auf gegeben werden. Hinfällig wurde auch die Absicht, von Kruševac nach Brus eine Feldbahn auszulegen, da über die Mramorhöhe nur ein Saumweg führte. Somit blieb nur die Möglichkeit eines Feldbahnbaues von Kraljevo nach Raška übrig, obwohl auch die Straße im Ibartal sehr schmal und es vorläufig noch unmöglich war, das Betriebsmaterial nach Kraljevo vorzuschaffen. Eine Erleichterung des Nachschubes war nur dadurch zu erhoffen, daß die Kopf station der Vollbahn vorgetrieben und von Stalać her die Bahn im Tal der Westlichen Morava bis čačak in Betrieb gesetzt würde. Die Feldbahn Lajkovac—Grn. Milanovac gedachte man über čačak gegen Ivanjica vorzubauen.
Um die am Feinde verbleibenden Truppen verpflegen zu können, wurden am 19. November beim XIX. Korps die Brigaden Schiess und Streith nach čačak zurückbefohlen. Zur gleichen Zeit wurden die für den Gebirgskrieg ungeeigneten Landsturmbrigaden Franz der Gruppe Reinöhl und Mrázek des VIII. Korps aufgelöst. Beim VIII. Korps mußte die ganze 57. ID. im Raume südwestlich von Brus verbleiben, damit deren Gebirgsverpflegsstaffel der 59. ID. überwiesen werden konnten.
GFM. Mackensen hatte schon am 17. begonnen, die 44. RD. sowie die 105.ID. aus der Front zu nehmen. Die bereits in das Banat und nach Syrmien abgeschobenen Divisionen, die 6. und die 26. ID. sowie die
11. bayr. ID., zu denen der Stab des III. Armeekorps trat, sollten nach dem westlichen Kriegsschauplatz abrollen. In ihre Ruhequartiere hatten die im Tal der Westlichen Morava befindlichen Divisionen (43., 25. und 107.) zu rücken. Das Kommando über die in der Front verbleibenden Divisionen, die 101. und die 103., sollte sodann das Generalkmdo. des IV. von dem des X.RKorps übernehmen. Die 105. ID. hatte nachNiš zu gelangen, um im Sinne einer mit den Bulgaren getroffenen Abmachung (S. 11) nach Varna und Burgas überführt zu werden, weil dort eine Beschießung durch russische Kriegsschiffe große Beunruhigung hervorgerufen hatte.
Neuerliche Vereinbarungen zwischen Conrad und Falkenhayn und wachsende Mißhelligkeiten
(18. bis 23. November)
GO. Conrad hatte im Sommer nicht ohne Zögern dem Drängen Falkenhayns nachgegeben und dem Angriff auf Serbien zugestimmt (S. 8). Als jedoch der gewaltige Feldzug zu voller Entfaltung gekommen war, gab es für ihn nur noch eine Lösung: auf dem Balkan völlig reinen Tisch zu schaffen. Dieser bestimmten Meinung hatte er gegenüber dem Bundesgenossen am 6. November mündlich und drei Tage darauf neuerdings schriftlich Ausdruck verliehen. Es sollten nicht bloß die Serben, sondern auch die bei Saloniki gelandete Orientarmee der Entente nachdrücklich abgetan werden. Seine Anregung, den Schlag gegen die ins
Amselfeld gewichenen Serben dadurch zum größten Erfolg zu steigern, daß man südöstlich von Priština möglichst starke Kräfte zum Angriff gegen Nordwesten ansetzte, war jedoch nur insofern auf fruchtbaren Boden gefallen, als die in dieser Gegend kämpfenden Teile der bulgarischen 2. Armee durch zwei Divisionen der 1. Armee —die 8. und die 6.ID.
— verstärkt werden sollten. Von diesen Divisionen konnte die zweitgenannte allerdings erst nach dem 20. aus dem Raume südwestlich von Nis in Marsch gesetzt werden. Dagegen hatte Conrads Wunsch, auch zwei deutsche Divisionen der 11. Armee diesen Weg nehmen zu sehen, bei Falkenhayn kein Gehör gefunden. Zu seinem Mißbehagen mußte Conrad vielmehr erfahren, daß sein reichsdeutscher Kollege vier seiner Divisionen (ll.bayr., 6., 26. und 25.) von der Front Mackensens abzog und hinter die Donau zurückführte, ohne über die Absichten, die er mit dieser Maßnahme verband, etwas zu verraten. Obgleich sich Falkenhayn bei der Besprechung am 6. ausdrücklich zu den von Conrad vertretenen Feldzugszielen bekannt hatte, obsiegte in diesem, je tiefer es in den November hineinging, das gewiß nicht ganz unberechtigte Gefühl, daß der deutsche Generalstabschef doch nicht mehr mit ganzem Herzen bei der Sache sein mochte. Eine ohne vorherige Verabredung Mitte November plötzlich unternommene Reise Falkenhayns ins Hauptquartier Mackensens bestärkte Conrad noch in diesen Gefühlen. Sollte, besorgte er und besorgten — wie dies wenigstens der k.u.k. Verbindungsoffizier im Hauptquartier Hindenburgs, Gstbshptm. v. Fleischmann, meldete — die deutschen Generale im Osten, auch dieser Feldzug wie der im Westen und im Osten zu einem unentschiedenen Schützengrabenkampf versanden ?
In einer am 18. an Falkenhayn gesandten Denkschrift schrieb sich Conrad seine Besorgnisse von der Seele. Er kam in der Einleitung wieder auf die zwingende Notwendigkeit zurück, nicht nur die Serben völlig aus dem Felde zu schlagen, sondern auch die Ententetruppen, deren Unternehmen nach den sich verdichtenden Meldungen „großen Stil“ zu gewinnen scheine, und wies auf den entscheidenden Einfluß hin, den die in solchen Belangen gefaßten Entschlüsse auf die wankenden Neutralen, Griechenland und Rumänien, ausüben würden. Das Stärkeverhältnis schien ihm für die Verbündeten noch nicht ungünstig zu liegen. Auf Feindesseite kämen zu den 150.000 serbischen und den 17.000 nicht gebundenen montenegrinischen Gewehren im Augenblick zunächst 84.000 französische und englische, die nach zuverlässigen Nachrichten allerdings auf 250.000 vermehrt werden sollten. Diesem Aufgebot stünden fürs erste 264.000 bulgarische sowie 116.000 deutsche und öst.-ung. Streiter gegenüber, denen im Notfälle für den Kampf gegen die Entente noch 80.000 „angeblich verfügbar werdende“ Türken beigesellt werden konnten1).
Könne, so führte Conrad in der Folge aus, bei den Verbündeten bis auf weiteres immer mit einer entsprechenden Überzahl gerechnet werden, so entspräche die Gruppierung der Kräfte auf der Walstatt keineswegs den tatsächlichen Bedürfnissen. Nicht zu Unrecht schrieb er den Serben die Absicht zu, einen Durchbruch zu den bis südlich von Veles gelangten Ententetruppen zu versuchen, indes gegen Norden nur mehr oder minder starke Nachhuten zurückgelassen werden sollten. Dagegen ballten sich die Hauptkräfte der Verbündeten in den südlichen Grenzgebirgen Altserbiens 2) zusammen, während der Riegel, den die bulgarische 2. Armee nach Eintreffen der beiden von der 1. kommenden Divisionen aufrichten konnte, wohl hinreichen mochte, einen über Prizren und Priština versuchten Durchbruch der Serben aufzuhalten; aber zu einem erfolgreichen, den Feind in der empfindlichsten Richtung treffenden Angriff war sie doch wahrscheinlich zu schwach. Mit Bedauern gedachte Conrad seines am 9. gestellten, aber unerfüllt gebliebenen Antrages, in diesem wichtigen Raume auch deutsche Kräfte einzusetzen; immerhin sei es möglich, das Versäumte noch dadurch einigermaßen nachzuholen, daß man das bei Kraljevo aus der Front gezogene XXII. RKorps bei der bulgarischen 1. Armee einsetzte und dadurch zwei weitere Divisionen dieser Armee für den Raum südöstlich von Priština freimachte.
Mochte es solcherart gelingen, das Serbenheer noch in zwölfter Stunde entscheidend zu schlagen und von den Alliierten endgültig abzutrennen, dann mußte nach Conrads Meinung ungesäumt daran gedacht werden, gegen diese Front zu machen; das konnte entweder an der Straße Tetovo—Skoplje—Kumanovo—Kriva Palanka oder, wenn die Ententearmee inzwischen schon über Skoplje hinausgekommen war, in den Becken von Prizren, Vranje und Kjustendil geschehen.
Noch war diese von Conrad gewohnterweise größtenteils eigenhändig entworfene Denkschrift nicht abgegangen, als die Nachricht einlangte, daß von der Heeresgruppe Mackensen zwei weitere Divisionen
— die 43. des XXII. RKorps und die 107. — nordwärts abgingen. Conrad
*) Über eine etwaige Beistellung dieser türkischen Streitmacht — es handelte sich offenbar um in Thrazien aufmarschierte Heeresteile — scheint damals mit Konstantinopel verhandelt worden zu sein. Näheres war weder der Literatur noch den Akten zu entnehmen.
2) Unter „Altserbien“ wird hier das Gebiet des Königreiches vor dem Jahre 1913 verstanden; im serbischen Sprachgebrauch wurde diese Bezeichnung auf SerbischMazedonien angewandt.
beeilte sich, in einer Nachschrift gegen diese neuerliche Schwächung der Balkanstreitkräfte Verwahrung einzulegen, und erinnerte Falkenhayn, daß am 6. November1) ausdrücklich vereinbart worden sei, stärkere deutsche Kräfte erst nach völliger Niederwerfung des serbischen Heeres abzuziehen; zudem entspreche es dem Geiste dieser Vereinbarung, die Balkanarmeen auch weiterhin so stark zu halten, daß sie mit den inzwischen erheblich angewachsenen Ententetruppen fertig werden könnten.
Falkenhayn beschränkte sich zunächst darauf, das Abziehen der Balkandivisionen durch den Hinweis auf die schwierige Versorgungslage fern der Bahn zu begründen. Dabei konnte er sich der sarkastischen Bemerkung nicht enthalten: „Die von Eurer Exzellenz in dem Schreiben vom 18. November besprochenen Operationen sind also, was die deutschen Truppen anlangt, völlig unausführbar, es sei denn, daß Eure Exzellenz eine besondere Lösung der Nachschubfrage gefunden haben. Um Mitteilung derselben bitte ich, bevor ich mich zu Eurer Exzellenz Gedanken äußern kann.“
Conrad begnügte sich zuerst damit, seinem reichsdeutschen Kollegen zu antworten, er könne „über Durchführbarkeit weiterer Operationen und hiefür notwendige Vorsorgen umsoweniger bestimmte Angaben machen“, als er ,,auch nicht annähernd wisse“, welche Kräfte Falkenhayn diesem Zwecke zu widmen gedenke. Tags darauf, am 20., kam er aber
— er hatte inzwischen erfahren, daß nebst den schon angeführten sechs Divisionen und der für den Schutz der Küsten bei Varna und Burgas bestimmten 105. auch noch die 44. RD. aus der Front Mackensens gezogen werden sollte — auf die Gedankengänge seiner Denkschrift vom 18. zurück. Zugleich beklagte er sich bitter, von der DOHL. über ihre Pläne so im unklaren gelassen zu werden. Ihm liege nichts ferner, als sich um die Entschlüsse Falkenhayns mehr zu kümmern, als es die gemeinsame Sache erfordere. Aber das allmähliche Abziehen von acht Divisionen aus Serbien berühre seine Mitverantwortung an der Kriegführung und das Schicksal seiner Truppen so sehr, daß er auf eine klare Aussprache dringen müsse. Die zur Kennzeichnung der Stimmungen eben angeführte, etwas spitze Bemerkung Falkenhayns beantwortete Conrad mit dem Hinweis, daß er, der „die Balkanverhältnisse seit Jugend auf“ kenne, dieser „sehr gütigen Erinnerung“ nicht bedurft habe, aber seine Vorschläge erst zu erstatten vermöge, bis es Falkenhayn „genehm“ sei, sich zu den bisherigen Anträgen zu äußern.
*) In dem im Kriegsarchiv erliegenden Entwürfe der Denkschrift heißt es — offenbar irrtümlich — „9. November“.
Die von Conrad gewünschte Aussprache fand noch am gleichen Tage in Teschen statt. Sie betraf alle Kriegsschauplätze. Was den Balkan anlangte, so nahm Falkenhayn wohl schon damals an, daß der Serbe nicht nach Süden durchbrechen, sondern gegen Westen und Nordwesten weichen werde. Mit dieser Auffassung scheint sich dem deutschen Generalstabschef, abgesehen von den sonstigen, nur in längerer Zeit überwindlichen Hindernissen, eine weitere Erwägung über das Verstärken der bulgarischen 2. Armee erübrigt zu haben. Ansonsten stimmte er in den Feldzugszielen den Vorschlägen Conrads im wesentlichen zu, mit der Einschränkung allerdings, daß wegen der Wiederherstellung der Bahnen an eine Aufnahme des Angriffes gegen die Ententearmee vor dem 20. Dezember nicht gedacht werden könne; allzuviel, meinte er, werde übrigens von dieser Seite her die Zeit über nicht zu besorgen sein, da durch die beschränkten Landungseinrichtungen in Saloniki starker Kraftzustrom unmöglich gemacht sei.
Den Aufmarsch gegen das feindliche Orientheer scheint Falkenhayn in drei Gruppen vorgeschlagen zu haben. Auf dem rechten Flügel hätten vier öst.-ung. Divisionen (62. ID., XIX. Korps, eine Division des VIII.) die Deckung gegen Montenegro und Albanien zu übernehmen gehabt und auch gegen einen Vorstoß italienischer Kräfte, die gegebenenfalls in Santi Quaranta oder San Giovanni di Medua ans Land geworfen werden mochten. Im Ovce Polje sollten vier deutsche, eine bis zwei öst.-ung. und drei bulgarische, bei Kjustendil drei bulgarische Divisionen aufmarschieren, wobei es Falkenhayn allerdings nicht für fraglos hielt, daß der bulgarische Verbündete gegen die Entente mitmarschieren werde. Dafür war zwischen den beiden Generalstabschefs abermals, allerdings wieder mit Vorbehalt, von 80.000 mitwirkenden Türken die Rede. Conrad scheint angeregt zu haben, man möge bei einem Aufmarsch gegen die Ententearmee den bei Kjustendil gedachten linken Flügel durch aus der Front Mackensens genommene und über Sofia heranzuführende deutsche Divisionen verstärken. Falkenhayn wußte zu berichten, daß Griechenland die Zusage gegeben habe, ein Einrücken der Verbündeten nicht als Kriegsfall zu betrachten, wenn die Entente Bulgarien vorher angegriffen hatte.
War solcherart durch die Besprechung vom 20. nachmittags das Einvernehmen zwischen den beiden Generalstabschefs wenigstens äußerlich wiederhergestellt, so blieb in ihnen doch ein starker Bodensatz gegenseitiger Verstimmung zurück. Dies erweist auch eine Note, die Falkenhayn zwei Tage später ohne neuen Anlaß an Conrad richtete und in der er sich noch einmal gegen alle von diesem bei der letzten Besprechung vorgebrachten Beschwerden verwahrte. Hatte Conrad eine der aus der Front Mackensens entnommenen deutschen Divisionen für Galizien erbeten, so erklärte Falkenhayn, „leider keine Abhilfe schaffen zu können“, da es sich ausschließlich um den „Verantwortungsbereich“ seines österreichischen Kollegen handle. Was die ins Banat zurückgeführten Kräfte anlangt, so sei die DOHL. durch frühere Vereinbarungen keineswegs verpflichtet gewesen, deutsche Truppen länger als unbedingt nötig „in Serbien hungern und ... dem Flecktyphus ausgesetztzu lassen“. Auch die Ausführbarkeit des von Conrad am 9. aufgeworfenen Gedankens, deutsche Divisionen in den Raum südöstlich von Priština zu werfen, bestritt Falkenhayn aufs neue mit dem Hinweis auf die Entfernung, die Versorgungsschwierigkeiten und auf die starke Überlastung der von Leskovac nach Vranje führenden Straße. Bezeichnenderweise schloß Falkenhayn seine Erörterungen mit der Entschuldigung: „Wenn ich hin und wieder etwas akademisch geworden bin, so bitte ich darüber hinwegsehen zu wollen. Es ist mir nicht gelungen, alle Themata, die ich zu behandeln hatte, auf andere Weise klarzustellen.“
Conrad gab in seiner kurzen Erwiderung die Versicherung, mit seinen früheren Ausführungen keine Polemik, sondern nur eine Klärung der Meinungen beabsichtigt zu haben; im übrigen sei jeder weitere Meinungsaustausch zwecklos, da es sich schon um Vergangenes handle. In dem einen Punkte stimme er Falkenhayn zu, daß über ein etwaiges gemeinsames Vorgehen gegen die gelandeten Ententestreitkräfte erst in beiläufig vier Wochen zu beschließen sein werde.
Daß bei diesen nicht gerade erquicklichen Auseinandersetzungen die Verschiedenheit der Charaktere und Temperamente, wie sie durch GLt. Cramon in seinem Buche L) so plastisch geschildert wird, eine erhebliche Rolle spielte, ist sicherlich nicht in Abrede zu stellen. Die Mißhelligkeiten zwischen den beiden Chefs fußten aber doch auch auf starken sachlichen Gegensätzen, wie sie nun einmal in Koalitionskriegen unvermeidlich sind. Für Falkenhayn sank, zumindest seit die Verbindung nach Konstantinopel geöffnet war, die Balkanhalbinsel wieder völlig in die Rolle eines Nebenkriegsschauplatzes zurück2). Er mochte sich von Tag zu Tag aufs neue in seinem Gewissen fragen, ob es die Interessen Deutschlands und die Lage im Westen noch rechtfertigen
!) Cramon, 22 ff.
2) Falkenhayn, Heeresleitung, 152 ff.; Z w e h 1, Erich v. Falkenhayn (Berlin 1926), 161.
konnten, der deutschen Kampf- und Volkskraft in den Bergwüsten Mazedoniens zu den schon dargebrachten Opfern noch weitere schwere aufzuerlegen. Im Gegensatz hiezu gehörte für Conrad eine möglichst radikale Lösung der Balkanfragen, an denen sich ja der Weltkrieg entzündet hatte, zu den Kernproblemen seines Vaterlandes, womit es ihm sicherlich auch erleichtert wurde, die Bedeutung dieses Kriegstheaters für die Gesamtkriegführung in all ihrer sich erst beim Zusammenbruch erweisenden Schwere zu erkennen. Solcherart sahen die beiden maßgebenden Generale der Mittelmächte die Ereignisse auf dem Balkan in einer so stark verschiedenen Belichtung, daß auch weniger entgegengesetzte Temperamente der Gefahr tiefgehender Meinungsverschiedenheiten ausgesetzt gewesen wären.
Die Schlacht auf dem Amselfelde (19. bis 24. November)
Hiezu Beilagen 16 und 18
Putniks Plan für den Durchbruch nach Süden
Am 15. November, als die Heeresgruppe Mackensen in die allgemeine Linie Javor—Ušče—Kuršumlija—Lebane gelangt war (S. 301), hatte der Woiwode Putnik den ungesäumten Rückzug der serbischen Armeen nach Mitrovica—Priština befohlen. Er durfte nicht länger den schon beschlossenen Durchbruch nach Süden (S. 282) hinausschieben, da sich der Halbkreis der gegnerischen Kräfte um ihn herum immer mehr verengte und er die Masse seiner Truppen auf so beschränktem Raume nicht mehr länger ernähren konnte. Nachrichten aus den neuen Gebieten sagten ihm, daß die MorD.I und die VardD. unter schwersten Verlusten von Gnji-lane zurückgeschlagen worden seien. Nur mit Mühe konnte sich die BregD. in der Enge von Kačanik behaupten. Im Süden von Prizren, dem neuen Standort des serbischen Hauptquartiers, wich die Tetovogruppe vor den andringenden Bulgaren über Gostivar zurück (S. 303). Nicht zu Unrecht völlige Einkreisung befürchtend, warf Putnik die MorD.II von der 2. Armee gegen Gnjilane. Als die auf dem Rückzuge von Kuršumlija nach Priština vorausgeeilte Timokarmeegruppe das Amselfeld erreichte, wurde sie zur Unterstützung der schwer bedrängten BregD. sofort gegen Kačanik befohlen; ihr folgte die Kavalleriedivision von der 2. Armee.
Putnik plante nun, mit den bei Gnjilane befindlichen Truppen (MorD.I und II, VardD.) die Übergänge des Karadag zu gewinnen und mit der Timokarmeegruppe, der BregD. und der Kavalleriedivision die Enge von Kačanik zu öffnen, um sich über Skoplje zur Orientarmee durchzuschlagen. Um den von Norden und Nordwesten andringenden Gegner aufzuhalten und für den Südstoß die nötige Zeit und Bewegungsfreiheit zu erkämpfen, hatten sich die 2., die 3. und die 1. Armee auf den Randhöhen des Amselfeldes zur Verteidigungsschlacht zu stellen. Die Armeegruppe Živkovič wollte Putnik aus der Nordfront herauslösen und gleichfalls zum Stoß über Kačanik einsetzen1).
So sollte es nach den Entschlüssen der serbischen Heeresleitung auf der klassischen Walstatt, dem Amselfelde, wo die Serben in der denkwürdigen Schlacht am 28. Juni 1389 unglücklich gegen die Türken kämpften, neuerlich zum Waffengang kommen. Aber auch diesmal blieb den serbischen Helden der Erfolg versagt. Denn nach den sechswöchigen aufreibenden Kämpfen, die das tapfere serbische Heer, ohne jede Aussicht auf Erfolg unter furchtbarsten Entbehrungen und Anstrengungen langsam zurückweichend, hatte führen müssen, um für Franzosen und Engländer Zeit zum Herankommen zu gewinnen, war seine Widerstandskraft bereits gebrochen. Auf dem qualvollen Rückzuge durch das unwirtliche Gebirge fielen Tausende ab; sie streckten die Waffen oder gingen jämmerlich zugrunde. In den Marschsäulen begann der Hungertyphus zu wüten, die Rückzugsstraßen waren durch die Kadaver verendeter Pferde und anderer Zugtiere, durch die Trümmer von Heeresgerät und unzähliger Wagen eingesäumt. Wohl opferten sich Nachhuten auf, um den Gegner aufzuhalten. Allein unerbittlich mit aller Kraft drängten die Verfolgungskolonnen Mackensens gegen das Amselfeld nach, um dem Feinde dort den Todesstoß zu versetzen.
Vordringen der Armeen Kövess und Gallivitz bis Novipazar und bis vor Mitrovica
(19. bis 22. November)
Um diese Ziele möglichst bald zu erreichen, wollte GFM. Mackensen seine dem Amselfelde zunächst stehenden Heeresteile dorthin zusammenführen und befahl am 19. November dem GdI. Kövess, mit dem VIII. Korps
— bei Entsendung einer linken Seitenabteilung auf Dren — ohne Zeitverlust durch das Ibartal auf Mitrovica vorzugehen. Das XXII. RKorps hatte nach dem Erreichen von Raška ein Detachement nach Novipazar vorzuschieben. Das Alpenkorps war so nachzuführen, daß bei stärkerem i) Serb. Gstb.W., XII, 143, 193 und 247.
Widerstande des Feindes auf dem Amselfelde sein Eingreifen gewährleistet wurde. Das Generalkmdo. des XXII. RKorps und die 44. RD. sollten nunmehr erst dann nach Kral je vo zurückgenommen werden, wenn ihr Verbleiben in vorderster Linie nicht mehr nötig erschien. Die Armee Gallwitz hatte mit dem X. RKorps (101. und 103. ID.) längs der Straße Kuršumlija—Priština vorzudringen. Den Armeeführern wurde besonders ans Herz gelegt, ja nicht in der Verfolgung zu erlahmen. Die bulgarische 1. Armee wurde angewiesen, im Verein mit der über Gnjilane und Ferizovic vorgehenden Nordgruppe der bulgarischen 2. Armee die Serben bei Priština zu stellen und ihnen den Rückzug nach Südwesten über Prizren und nach Westen über Rudnik—Ipek zu verlegen. Sollte der Feind auf den westlichen Uferhöhen des Sitnicaabschnittes Widerstand leisten, so war er anzugreifen und so lange zu fesseln, bis die 11. Armee von Norden her eingreifen konnte.
Vor der Armee Kövess hatte die serbische 1. Armee am 19. November, beiderseits des Ibar südwärts ziehend, mit ihrer Masse (DrinD.II und DonD.II) die Sočanica erreicht und sich dort neuerdings zur Abwehr bereitgestellt. Zum Schutze ihrer linken Flanke wurden die über Sjenica zurückgegangenen Teile der montenegrinischen Sandžakgruppe nach Osanica herangezogen, während östlich von Novipazar die Užice-gruppe Aufstellung genommen hatte. Zur Sicherung der rechten Armeeflanke mußten Kräfte ins Labtal ausgeschieden werden, da der linke Flügel der benachbarten Armeegruppe 2ivkovic bereits bis auf die Höhen südlich des Prepolacsattels zurückgeglitten war1).
GdI. Kövess hatte für den 20. November vom XXII. RKorps die 10. GbBrig. nach Novipazar und das Alpenkorps nach Mitrovica gewiesen. Die 59. ID. des VIII. Korps hatte gleichfalls nach Mitrovica zu rücken. Die anderen Truppen der 3. Armee wurden aus Verpflegsrücksichten zurückbehalten, die 57. ID. bei Brus, die deutsche 44. RD. bei Raška, von wo aus sie samt dem Stabe des XXII. RKorps nunmehr doch nach Kral je vo zurückzumarschieren hatte.
Die im Deževatale vorrückende rechte Kolonne des XXII. RKorps (10. GbBrig., verstärkt durch ein Jägerregiment des Alpenkorps) drang am 20. bis auf eine Wegstunde vor Novipazar vor, ohne auf den Feind zu stoßen. Um 5h nachm. erreichte das vorausgeeilte deutsche Jägerregiment die Stadt. Im Arsenale wurden 50 alte Mörser, 8 Kanonen und viel Kriegsgerät erbeutet. Die montenegrinischen Verbände, die bei Novipazar gestanden waren, hatten sich mittlerweile nach Ribarić und
i) Serb. Gstb.W., XII, 246.
Rožaj zurückgezogen, um die nach Berane und nach Ipek führenden Verbindungen zu sichern.
Von der 59. ID. stieß die 18. GbBrig. am 20. im Ibartale bis über Dren vor und warf serbische Sicherungen zurück. Das nachrückende Alpenkorps gelangte nur um 5 km über Raška hinaus, die schwer hergenommene 9. GbBrig. nach Blaževo.
In der Nacht auf den 21. vertrieb das nach Novipazar vorausgeeilte deutsche Jägerregiment die serbische Užicegruppe von den Höhen östlich des Ortes. Im Laufe des Tages rückte die 10. GbBrig. in Novipazar ein, wohin GLt. v. Krafft auch die vom 3. Armeekmdo. nach Mitrovica gewiesene Masse des Alpenkorps entsandte. Da sich die serbische Užicegruppe südöstlich von Novipazar bei Han Rogoźna wieder stellte, wollte GLt. Krafft am nächsten Morgen (21. November) diesen Feind angreifen und in das Amselfeld zurückwerfen, während die ihm nunmehr unterstellte 10. GbBrig. Sicherungen gegen Ribarić vorzuschieben hatte. Mit dem Ausholen des Alpenkorps bis über Novipazar war allerdings GdI.Kövess nicht einverstanden, da er es näher bei der 18. GbBrig. gewünscht hätte.
Bei dieser Brigade kam es am 21. November zu heftigen Kämpfen. GM. Škvor warf die im Ibartale festgesetzten Teile der serbischen
1. Armee (DonD.II) bis Sočanica zurück, stieß dann aber auf neue Gegenwehr. Denn die Serben leisteten verzweifelten Widerstand, um Zeit für das Bergen der in Mitrovica aufgestapelten Kriegsvorräte zu gewinnen1). Dennoch überrannten in der Nacht auf den 22. das II. Bataillon des IR. 60 und das FJB. 15 die neue feindliche Stellung. Außer 200 Gefangenen blieben 6 Geschütze und 4 Maschinengewehre in ihren Händen. Wohl versuchte Mišič den immer bedrohlicher vordrängenden Gegner zurückzuwerfen, allein die beiden tapferen öst.-ung. Bataillone wiesen alle feindlichen Gegenstöße ab. Die 18. GbBrig. stand am 22. früh schon in der Flanke der serbischen Gruppe bei Han Rogoźna, gegen die das Alpenkorps Vorgehen wollte. Trotzdem die 9. GbBrig. noch weit zurückgeblieben war und man über den Feind östlich vom Ibar keine Nachrichten hatte, entschloß sich FML. Šnjarič, mit der 18. GbBrig., die sehr rasch Raum gewonnen hatte, gegen Mitrovica weiter vorzustoßen. Die nach dem Ordnen der Verbände um Mittag aufbrechende Brigade erreichte kampflos Košutovo, mit einer vorgeschobenen Abteilung fechtend ein Gehöft 7 km nördlich von Mitrovica. Die 9. GbBrig. war am 22. bis in die Gegend von Sočanica gefolgt.
Über das Alpenkorps nur notdürftig unterrichtet, legte GdI. Kövess
i) Serb. Gstb. W., XII, 299.
am Nachmittag dem GLt. Krafft nahe, von Novipazar auch auf Mitrovica vorzustoßen und wies ihn gleichzeitig an, nach Süden in der Richtung auf Rudnik nur dann stärkere Kräfte zu entsenden, wenn bestimmte Nachrichten über den Rückzug starker Serbenkräfte von Mitrovica auf der Straße nach Ipek vorlägen. Der gleichen Anschauung war auch das Heeresgruppenkmdo., denn durch ein Ausholen durch die Gebirgswüste nach Süden würde dem Feinde kaum mehr rechtzeitig der Rückzug von Mitrovica verlegt werden können.
GLt. Krafft hatte unterdessen schon Teile der 10. GbBrig. von Novipazar nach Süden vorgeschoben, die auf den Höhen westlich von Jabla-nica feindliche Besatzungen wahrnahmen. Die Hauptkraft des Alpenkorps warf am 22. den Feind von den Höhen bei Han Rogoźna. Am nächsten Tag wollte GLt. Krafft den Vorstoß nach Mitrovica fortsetzen, um bei einem etwaigen Kampfe der 59. ID. mitzuwirken. Ob der Feind den Ort verteidigen oder räumen werde, konnte von den Fliegern freilich noch nicht erhoben werden.
Inzwischen hatten sich im Kampfraume der Armee Gallwitz wichtige Ereignisse abgespielt. Obwohl durch das Herausziehen von Verbänden (S. 310) die Regelung der Marschbewegungen immer schwieriger wurde und auch der am 19. November angeordnete Wechsel des General-kmdos. des X. RKorps (GLt. Kosch) mit dem des IV. RKorps (GLt. v. Winckler) während der wichtigsten Phase der Verfolgung nicht förderlich wirken konnte1), blieben die Erfolge bei den Kampftruppen nicht aus. Die 103. ID. hatte mit drei Bataillonen ausgesuchter Leute, deren jedes mit zwölf tragbaren Maschinengewehren ausgerüstet wurde, die Verfolgung fortgesetzt und die Höhe Prepolac genommen, während die 101. ID. östlich davon auf gleiche Höhe vorstieß; es wurden fast 1000 Gefangene der Armeegruppe Živkovič eingebracht. Gleichzeitig wurde auch vom rechten Flügel der bulgarischen 1. Armee (9. ID.) die serbische 3. Armee bis auf die nördlichen Randhöhen des Beckens an der Brvenica geworfen, wodurch die Armeegruppe Živkovič auch im Rücken bedroht wurde. Und dies just zur Stunde, als ihr Führer von der serbischen Heeresleitung den Befehl erhielt, sich zu geeigneter Zeit aus der Nordfront herauszulösen, um nach Süden gegen Kačanik abzurücken. Noch hoffte nämlich der Woiwode Putnik auf den Erfolg eines Durchbruches nach Süden. Wohl versuchte Živkovič tags darauf einen Verzweiflungsschlag gegen den rechten Flügel des X. RKorps (103. ID.) westlich von Prepolac, wobei er aber einen Verlust von fast 2000 Mann an Toten und Gefan-
x) Der tatsächliche Kommandowechsel erfolgte erst am 23. November.
genen erlitt. Ähnlich erging es der 3. Armee vor der bulgarischen 9. ID., die in ihrem Abwehrkampf von der 101. ID. unterstützt wurde. Noch am 20. November mußte die Armeegruppe Zivkovic in das obere Labtal und die serbische 3. Armee wegen der äußerst kritischen Lage der benachbarten 2. Armee bis an die Brvenica zurückgehen. Tags darauf drang das X. RKorps bei geringerem Widerstand der Serben im Labtale südwärts vor und besetzte mit der 103. ID. Podujevo, mit der 101. ID. die Ebene nördlich der unteren Brvenica. An diesem Flusse stießen die deutschen Bataillone am 22. November auf heftigen Widerstand und kamen nur schrittweise vorwärts; dennoch erreichte die 101. ID. bis zum Abend die Höhen bei Šarban (10 km nördlich von Priština), während die 103. rechts dahinter im Labtale vorrückte. Die 105. ID. mußte zur besseren Versorgung von Niš nach Kruševac zurückgenommen werden.
Die vom deutschen X. RKorps zurückgeschlagene Armeegruppe Zivkovic (TimD.II und ŠumD.I) hatte während der letzten Kampftage derartige Verluste erlitten, daß sie mit den ihr verbleibenden 2500 Gewehren !) kaum mehr fähig war, die wichtigste Pforte ins Kosovo polje zu sperren. Der überraschende Vorstoß der Deutschen im Labtale brachte übrigens die Gesamtheit des serbischen Heeres in eine verzweifelte Lage, da dessen schwer bedrängte Streiterscharen südlich und südöstlich von Priština auch im Rücken gefährdet wurden.
Durchbruch sv er such der Serben südöstlich von Priština und Entschluß zum Rückzug an die Adria
(19. bis 24. November)
Zum Durchbruch nach Süden und Südosten setzte Putnik gegen die Enge von Kačanik und gegen die Zegovac planina die Timokarmeegruppe (BregD., KombD., Krajinagruppe und Kavalleriedivision), gegen die Veliká planina die Truppen aus den neuen Gebieten (MorD.I, VardD., MorD.II und eine kombinierte Gruppe) an. Diese Kräfte stießen größtenteils schon am 19. November aus dem Amselfelde gegen die südöstlichen Randhöhen vor, die von der Nordgruppe der bulgarischen 2. Armee unter Gen. Ribaroff verteidigt wurden. Ihre verzweifelte Lage erkennend, errangen die serbischen Kämpfer mit dem Aufgebot ihrer letzten Kräfte unter schwersten Opfern auch Erfolge. Eiligst drehte aber die über Ku-manovo angerückte Masse der bulgarischen 8. ID. nach Gnjilane ab, und schon am 21. November wurden die Serben nach zweitägigem erbittertem i) Serb. Gstb. W., XII, 303.
Ringen zurückgedrängt. Auch weiter nördlich erstritten sich die inneren Flügel der bulgarischen Armeen am 21. und 22. November beiderseits der Leskovica etwas Raum. Auf der Straße von Skoplje—Priština, bei Ferizovic, vermochten die Bulgaren jedoch keinen Schritt Boden zu gewinnen; auch ihr Versuch, mit einer Gruppe von Tetovo über die Šar planina gegen Prizren vorzustoßen, scheiterte an der Ungunst der Witterung. Freilich war es auch den Serben nicht gelungen, sich den Weg über Kačanik nach Süden zu öffnen.
Während Gen. Popovic, der Führer der serbischen Truppen in Mazedonien, noch um den Besitz der Žegovac planina und um die Enge von Kačanik kämpfte, hatte die serbische Heeresleitung ihren Plan, nach Süden zur Orientarmee durchzubrechen, bereits aufgeben müssen. Denn auf ein Eingreifen der Ententetruppen war längst nicht mehr zu hoffen. Sarrail kam über den Mündungswinkel der Černá nicht hinaus und hatte bereits am 12. aus Paris den Befehl erhalten, die Offensive einzustellen (S. 289).
Vor allem aber mußte sich jetzt die serbische Heeresleitung zum Rückzug hinter die Sitnica entschließen. Schon näherte sich der von Norden vordringende Gegner Mitrovica, schon hatte er sich den Austritt in das Labtal erstritten und bedrohte den Rücken der nach Süden und Südosten gewandten serbischen Durchbruchstruppen, ja sogar die Hauptrückzugsstraße über Prizren.
Noch am 21. November erließ Putnik seine Befehle für den Rückzug über die Sitnica auf die westlichen Randhöhen des Amselfeldes. Hiebei betonte der serbische Heerführer, daß der Durchbruch nach Süden hauptsächlich wegen der Untätigkeit der Verbündeten gescheitert sei1). Der Führer der serbischen 1. Armee hatte sofort eine Division (DrinD.II) über Ipek nach Rožaj zu entsenden, um die Straße von Novipazar nach Andrijevica zu decken, da die montenegrinischen Sandžaktruppen bis an die Tara zurückgingen und die Flanke des serbischen Heeres preisgaben. Die Masse der 1. Armee (DonD.II und Užicegruppe) hatte auf die Höhen südwestlich von Mitrovica, die Armeegruppe Zivkovic auf die südwestlich von Vučitrn, die 3. Armee auf die čičavica planina, die
2. Armee auf Goleš brdo, die Truppen aus den neuen Gebieten auf die Nerodimka planina und schließlich die Timokarmeegruppe auf den Hodža Balkan zurückzugehen. Gleichzeitig wurden die Heeresteile auf Ipek, Djakova und Prizren basiert, denn es stand bereits mit unerbittlicher Klarheit ein neuer Entschluß der serbischen Heeresleitung fest: Um der völligen Vernichtung auf dem Amselfelde zu entgehen, mußte das ser-
i) Serb. Gstb. W., XII, 320.
bische Heer durch die Gebirge Albaniens und Montenegros an die Ostküste der Adria zurück. Nur damit war die Möglichkeit gegeben, früher oder später mit den Resten des serbischen Heeres an der Seite der Entente, wo es auch sein mochte, wieder um die heißgeliebte Heimat zu kämpfen.
Mit dem fürs erste in Aussicht genommenen Ziel Andrijevica wurden durch den am 23. erlassenen Rückzugsbefehl als Marschlinien bestimmt: für die 1. Armee und die Armeegruppe Zivkovic die Straße über Ipek, für die 3. Armee die über Rugova und für die 2. die über Plav; für die Truppen aus den neuen Gebieten der Weg überDjakova und über Prizren nach Skutari und endlich für die Timokarmeegruppe jener über Prizren, Kula Lums, Dibra, Elbasan nach Durazzo. Da aber von Prizren durch die albanischen Berge nur Saumpfade führten, sollte die gesamte, anderwärts nicht verwendbare Artillerie des Heeres auf der Straße über Ipek nach Andrijevica abgeschoben werden. Die Gebirgsartillerie sollte bis zum äußersten ausgenützt werden; dann waren die Geschütze zu vergraben oder unbrauchbar zu machen1).
Schließlich verständigte Putnik noch am gleichen Tage den montenegrinischen Waffengenossen, auf den er sich aber nicht mehr ganz verlassen zu können glaubte, von seinen Entschlüssen.
So kam es am 23. November auf dem Amselfeld nicht zum Durchkämpfen der Schlacht bis zur Entscheidung, nicht zur Einkreisung des serbischen Heeres, wohl aber noch zu blutigen Gefechten mit Nachhuten, die sich vor Mitrovica und vor Priština den von Norden und von Osten vorwärtsstrebenden Verfolgungskolonnen der Verbündeten noch einmal entgegenstellten, um den Übergang über die Sitnica zu decken.
Die auf dem linken Flügel des serbischen Heeres kämpfende montenegrinische Javorgruppe wich am 23. vor der von Novipazar nach Rudnik gewiesenen 10. GbBrig. gegen Rožaj zurück. Die Vortruppen des GM. Droffa stießen dem weichenden Feind bis Ribarić nach. Vor der Hauptkraft des Alpenkorps, das am 23. auf dem Wege nach Mitrovica die Gegend von Izvori erreichte, hatte sich die serbische Uzicegruppe schon in der vorhergehenden Nacht zurückgezogen. Am 24. wollte GLt. Krafft mit der 10. GbBrig. über čečevo gegen Rudnik und mit der Masse des Alpenkorps in das obere Ibartal nach Pridvorica vorstoßen, um im Sinne seiner ursprünglichen Absicht noch gegen die serbische Nordflanke einwirken zu können.
Mit diesem Plan war GdI. Kövess jetzt einverstanden, da Mitrovica
i) Serb. Gstb.W., XIII, 27.
mittlerweile von der 59. ID. genommen worden war. Eine in der Nacht auf den 23. bei der 59. ID. eingelaufene Meldung, daß Mitrovica schon geräumt sei, hatte sich zwar nicht bestätigt. Vorgeschobene Bataillone der 18. GbBrig. waren auf den nördlich des Ortes hingelagerten Höhen auf den Feind gestoßen. Eine Häusergruppe im Ibartale nordwestlich von Mitrovica war gegen 10hvorm. im Sturm genommen worden. Rasch entschlossen war die 18.GbBrig. dem weichenden Feinde gefolgt, wobei sie in der rechten Flanke am Westufer des Ibar von zurückflutenden serbischen Abteilungen begleitet wurde. Auf den Höhen nördlich von Mitrovica aber stellte sich die DonD.II zu neuem Widerstande, worauf FML. Šnjarič den weiteren Angriff auf den nächsten Morgen hinausschob, da ihm ein Vorgehen wegen der gänzlich offenen Westflanke vorläufig nicht ratsam zu sein schien.
Mittlerweile zogen sich aber die Serben über die Sitnica zurück. Tatsächlich konnte gegen 10h30 nachts das III. Bataillon des IR. 31 in Mitrovica eindringen. Am 24. zeitlich früh marschierten die 18. GbBrig. und bald darauf die 9. GbBrig. in die Stadt ein, in der neben 13 Geschützen, 6 Maschinengewehren und Munition aller Art 7 teilweise zerstörte Lokomotiven und 130 verwendbare Eisenbahnwaggons erbeutet wurden. Albaner und Türken begrüßten die Sieger. Leider winkte den erschöpften Kriegern keine Beute an Lebensmitteln, denn die Serben hatten die Vorräte, die sie nicht mehr wegschaffen konnten, vernichtet.
Am 24. nachmittags bezog die 59. ID., deren 9. GbBrig. noch eine serbische Nachhut vertreiben mußte, südlich von Mitrovica eine brückenkopfartige Stellung. Ein Bataillon der 18. GbBrig. ging im Sitnicatale vor und gelangte ohne Kampf bis über Vučitrn hinaus. Mit den beiden Nachbarkorps bestand noch keine Verbindung.
Die 10. GbBrig. konnte am selben Tage in schwierigem Vormarsch auf vereisten Saumpfaden nur bis Tabalija im Ibartale gelangen, die Spitzenbrigade des Alpenkorps stand am Abend in Pridvorica.
Dem über die Brvenica vorrückenden deutschen IV. RKorps (103. und 101. ID.) hatten die Serben zur Deckung ihres schwer bedrohten Rückzuges zwar noch einige schnell zusammengeraffte Truppen entgegengeworfen; die 101. ID. drang jedoch auch am 23. unaufhaltsam vor. Am Nachmittag langte die Division auf den letzten Anhöhen vor Priština an. Von Osten nahten Vortruppen der bulgarischen 1. Armee. Die Serben waren überall im Rückzug. Eine deutsche Reiterpatrouille hatte schon um Mittag die Stadt erreicht. Am Abend zogen die deutschen Truppen in Priština ein. Hier fielen dem Verfolger noch 7000 Gefangene (darunter 2000 Verwundete), 6 Geschütze, große Mengen an Kriegsgerät, Weizen, Hafer, Petroleum und Öl in die Hände. Auch eine größere Zahl öst.-ung. Gefangener wurde befreit1). Am Tage darauf rückte das
IV. RKorps westwärts bis zur Sitnica vor und sandte Sicherungsabteilungen gegen die čičavica planina und gegen den Goleš brdo. Der Serbe beschoß zwar den Bahnhof von Priština am 24. noch mit Artillerie, doch zeigten sich vor der deutschen Front nur mehr vereinzelte Abteilungen.
Auch dem XIX. Korps, das am 19. Sjenica und Dugapoljana erreicht hatte — es sollte ursprünglich von Westen gegen Novipazar einschwenken (S. 299) —, hatte die Not an Verpflegung ein Halt aufgezwungen. Die Landsturmbrigaden Schiess und Streith mußten von Ivanjica nach čačak zurückbefohlen werden (S. 305). Eine wesentliche Erleichterung brachte aber diese Maßnahme nicht. Es war dem FML. Trollmann nicht möglich, den schwachen montenegrinischen Kräften, die sich plündernd von Dorf zu Dorf über Sjenica gegen Bijelopolje zurückgezogen hatten, durch das bis zu 1600 m emporragende, weglose Gebirge nach Süden nachzustoßen. Der Nachschub mit Wagen versagte. So blieb nur übrig, mit den Truppen bei Sjenica (17. GbBrig., LstlBrig. Schwarz, 20.LstGbBrig.) und bei Dugapoljana (21. LstGbBrig.) stehenzubleiben und abzuwarten, bis Trägerkolonnen ausgerüstet waren. Einstweilen schob FML. Trollmann Aufklärer gegen die montenegrinische Grenze vor. Sie stießen am 24. bei Trešnjevica auf Sicherungen der Montenegriner, die tags darauf von einer den Vortruppen nachgesandten gemischten Abteilung vertrieben wurden. Der Feind stellte sich jedoch bald wieder.
Mit der Einnahme von Mitrovica und Priština hatte Mackensen das Ziel erreicht, das er seinen Armeen am 18.November gesetzt hatte (S.317). Nun war eine Operationspause dringend nötig. Die Truppen waren seit mehr als eineinhalb Monaten fast ohne Unterbrechung in Bewegung und brauchten einige Ruhe. Auch war der Nachschub zu ordnen. Die Armeen kämpften nach wie vor mit den größten Nachschubschwierigkeiten. Das Wenige, was man auf der Verfolgung in dem unwirtlichen Gebirgslande gefunden hatte, war aufgezehrt; die vielen Tausende von serbischen Gefangenen, die man abzuschieben hatte, waren kaum mehr zu ernähren.
Das Heeresgruppenkmdo. Mackensen beabsichtigte nicht, die Serben in die albanischen Berge zu verfolgen. Nach den vorliegenden Meldungen der Flieger vermutete das Heeresgruppenkmdo. vor dem Alpenkorps nur schwächeren Feind im Rückzuge auf Rudnik, während auf der Straße von Stimlja auf Prizren starke Truppen- und Wagenkolonnen
x) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 386f.
zurückströmten. Nach den Angaben gefangener serbischer Offiziere mochten von ihrem Heere noch 20.000 bis 30.000 Mann übriggeblieben sein, welche Zahl sich später als viel zu tief gegriffen erwies. Diese Reste sollten von den Bulgaren verfolgt werden.
GFM. Mackensen wies am 23. den Gen. Bojadjieff an, mit seinem rechten Flügel über Vragolija gegen Prizren einzuschwenken, um dem noch bei Ferizovic vor dem rechten Flügel der bulgarischen 2. Armee haltenden Feind in den Rücken zu kommen. Dem GdI. Kövess eröffnete das Heeresgruppenkmdo. am 24., daß das Alpenkorps nicht über das Ibar-tal vorzuführen, sondern nach Mitrovica heranzuziehen sei. Nach Abschluß der noch laufenden Kriegshandlung, die für die 3. und die 11. Armee im wesentlichen im Amselfeld zu beenden war, sollten das IV. RKorps (101. und 103. ID.) und das Alpenkorps im Tal der Südlichen Morava um Leskovac versammelt werden. Mit dem Beginn des Abmarsches hatte das Alpenkorps in den Verband der 11. Armee überzutreten.
Des weiteren führten die neuen Weisungen des Heeresgruppenkmdos. aus: Die bulgarische 1. Armee verfolgt mit dem rechten Flügel von Priština auf Prizren, übernimmt für das IV. RKorps, welches noch in die Linie Priluž—Vragolija vorgeht, die Sicherung im Sitnicatal und löst dann auch noch das k.u.k. VIII.Korps ab, womit ihr auch der Schutz der Straße Rudnik—Ipek zufällt. Die 59. ID. setzt zunächst den Vorstoß über Mitrovica—Vučitrn so lange fort, bis sie auf deutsche und bulgarische Kräfte im Sitnicatal trifft, und ist dann auf Mitrovica zurückzunehmen. Die 57. ID. verbleibt zunächst in ihrer jetzigen Aufstellung südöstlich von Brus und östlich von Blaževo. Das Alpenkorps ist, sobald es nordwestlich von Mitrovica keinen Feind mehr vor sich hat, anzuhalten und zunächst zwischen Novipazar und Mitrovica zu belassen, bis sein Abmarsch befohlen wird. Gegen Rudnik ist zunächst nur so weit vorzugehen, als es zur eigenen Sicherheit erforderlich ist.
Der Vorstoß nach Plevlje (30. November bis 2. Dezember)
Hiezu Beilage 16
Am 19. November, an dem Tage, an dem die mit der Sicherung der rechten Flanke der Heeresgruppe Mackensen betrauten öst.-ung. Truppen (62. ID. samt Gruppe GM. Reinöhl) den Limabschnitt Rudo— Priboj und Nova varoš erreichten (S. 306), legte GM. Seeckt dem 3. Armee kmdo. nahe, über den Lim bis in die Linie Boljanić—Plevlje—Prijepolje vorzugehen, um eine größere Sicherheit der von Sarajevo nach Uvac führenden Bahn gegen Überfälle zu schaffen und gleichzeitig einen Druck auf die Montenegriner auszuüben.
GdI. Sarkotić, der Kommandierende der Truppen in BHD., hatte schon früher beschlossen, mit der aus Sicherungstruppen Bosniens neugebildeten Gruppe GM. Blechinger (3Va Bataillone und 2Vs Batterien) die Drina bei Megjegja zu überschreiten; er beabsichtigte, nach dem Einlangen der ihm von der 62. ID. wieder überwiesenen Brigade Obst. Zhuber von Goražde über Čajnice bis auf den Metalkasattel vorzustoßen. Im Zusammenhang damit hatte GdI. Kövess am 18. die 62. ID. angewiesen, mit der Sicherung der Armeeflanke die Besitznahme der Bahnstrecke Ustiprača—Megjegja—Uvac zu verbinden und den für den 20. geplanten Drinaübergang der Gruppe GM. Blechinger zu unterstützen.
Nach einem regen Gedankenaustausch zwischen dem Heeresgruppen-kmdo., dem 3. Armeekmdo., der 62. ID. und dem kommandierenden General in BHD. ging der Plan schließlich dahin, mit einer aus Truppen Bosniens in der Stärke von vier bis fünf Bataillonen unter FML. v. Rol-linger neuzubildenden Gruppe von Westen über Goražde—Čajnice auf den Metalkasattel vorzustoßen, indes die 62. ID. mit der Gruppe Obst. Zhuber aus dem Limabschnitt Ruao—Uvac gegen Boljanić—Plevlje und die Gruppe GM.Reinöhl (205. LstlBrig. und LstEtBrig.Hausser) von Nova varoš gegen Prijepolje, allenfalls dann nach Westen gegen Plevlje anzugreifen hatten.
GO. Conrad erklärte sich am 21. November mit diesem Unternehmen einverstanden, war doch durch einen Vorstoß in den nördlichen Teil Montenegros die Öffnung der Straße im Limtale, der Eisenbahn Ustiprača—Uvac sowie der Straße Goražde—Plevlje—Sjenica und damit eine wesentliche Erleichterung der schwierigen Verpflegslage zu erwarten. Allerdings konnte der doppelseitige Angriff, der gegen die zwischen der Drina und dem Lim noch stehenden montenegrinischen Streitkräfte geplant war, nicht mehr mit dem großen Kesseltreiben gegen die Serben zeitlich zusammenfallen, da die vorgeschrittene Jahreszeit und das unwirtliche Gebirge größere Vorbereitungen forderten. Von der 3. Armee mußten eine Pionierkompagnie und drei Brückentrains der Gruppe Rol-linger für den Drinaübergang bei Goražde überwiesen werden; auch bat GdI. Sarkotić die k.u.k. Heeresleitung, die zur Bildung der Gruppe FML. Rollinger aus Sarajevo, Mostar und Castelnuovo abgezogenen Bataillone durch andere Kräfte zu ersetzen. Schließlich meldete FML. Kaiser, daß er überhaupt erst nach Schaffung von sicheren Verbindungen über den Lim bis Plevlje vorstoßen könne.
GM. Blechinger hatte unterdessen am 20. November mitseiner sch wachen Gruppe unter geringer Gegenwehr der Montenegriner die Drina bei Megjegja überschritten und drang tags darauf in den Drina-Limwinkel ein. Vor ihm und auch weiter im Süden gab der Feind die Drinafront auf. Auch gegenüber von Goražde und selbst vor Foča ließen auflodernde Brände auf den Beginn des montenegrinischen Rückzuges schließen.
Nun drängte GO. Conrad in einem am 22. erlassenen Befehle auf rasches Losschlagen; GdI. Kövess möge nicht erst den Vorstoß von Goražde ab warten. Wenn der Angriff über den Lim möglichst kraftvoll geführt werde, dann werde sich das erstrebte Freimachen der Bahnlinie nach Uvac und der Straße Goražde—Plevlje von selbst ergeben. Der Vorstoß über Goražde werde auch wegen Mangel an Trainausrüstung und bei den schon aufs äußerste in Anspruch genommenen bescheidenen Kräften des Kommandierenden in BHD. nur von örtlicher Wirkung sein. Hingegen stünden der 3. Armee die aus der Front gezogenen Brigaden Streith, Schiess und Haustein zur Verfügung. Sollte das 3. Armeekmdo. einen weitergehenden Vorstoß über die obere Drina für notwendig erachten, dann müßten diese überschüssigen Kräfte über Višegrad an die Drina verschoben werden.
GdI. Kövess meldete hierauf, daß die genannten Brigaden ihre Nachschubskolonnen dem XIX. und dem VIII. Korps hatten abgeben müssen, also zur Zeit unbeweglich seien. Die k.u.k. Heeresleitung wollte aber diese Kräfte nicht völlig brachliegen lassen und faßte am 22. November den Gedanken, wenigstens Teile davon zu einem Handstreich gegen den Lovcen zu verwenden. Dieses Unternehmen war ohne weitreichende Trainausrüstung möglich, da der Nachschub bis in die Bocche di Cattaro zur See und mit der Bahn durchführbar war.
Der Entschluß zum Angriff auf den Lovcen und zum Einbruch
in Montenegro
Noch am 23. November ließ GO. Conrad das Kriegshafenkmdo. in Castelnuovo und auch den GdI. Sarkotić wissen, daß die Montenegriner durch den Druck der 3. Armee aus dem Sandžak Novipazar wohl gezwungen wären, Truppen von der herzegowinisch-dalmatinischen Grenze nach Norden zu verschieben. Die Gunst dieser Lage könne vielleicht zu einem überraschenden Angriff von Cattaro aus auf den Lovcen ausgenützt werden. Das AOK. würde hiezu eine Landsturminfanteriebrigade mit Gebirgsartillerie, dann zwei 30.5 cm-Mörserbatterien, nötigenfalls auch eine 42 cm-Haubitze und für Beobachtungszwecke eine Fliegerkompagnie zur Verfügung stellen. FML. v. Weber, der Kommandant in den Bocche, meldete hierauf, daß im Lovcengebiet noch 6000 bis 8000, nach einer Meldung aus Cetinje sogar 10.000 Montenegriner stünden und bisher keinerlei Truppen abgezogen worden seien. Es müßte daher die mobile Besatzung der Festung für den Angriff auf den Lovcen durch zehn für den Gebirgskrieg ausgerüstete und geschulte Bataillone verstärkt werden. Sollten aber die Montenegriner ihre Lovcenposition schwächen, dann würde die Hälfte der erbetenen Verstärkungen genügen. Das Unternehmen wäre am besten in dem Augenblicke anzusetzen, wenn die 3. Armee über die Nordgrenze in Montenegro eindringen werde. Wegen des Wintereinbruches sei jedoch die eheste Durchführung des Angriffes geboten.
Während sich also GO. Conrad schon mit der Absicht befaßte, den Lovcen zu erobern, mußte der Vorstoß in den nördlichen Teil von Montenegro noch hinausgeschoben werden. Die 62. ID. stand am 21. November mit je einer Brigade bei Nv.Rudo, Uvac und Priboj, die Gruppe Reinöhl bei Bistrica und Nova varoš. Südlich vom Lim hielt die montenegrinische Sandžakgruppe mit mehreren Brigaden. Priboj und die Straße im Limtale lagen noch unter dem Feuer der montenegrinischen Geschütze. Der bei Bistrica sichernden Brigade Obst. Hausser konnten daher die dringend erbetenen Nahrungsmittel nicht zugeschoben werden. Seit drei Wochen war diese Brigade ohne Nachschub und mußte lediglich vom Lande leben, die letzten zwei Wochen hatten ihre Truppen nur mehr die halbe Brotmenge erhalten.
So wollte FML. Kaiser vorerst die Montenegriner aus dem Lim-abschnitt südlich von Uvac vertreiben. Als am 22. nachmittags der Abzug der Montenegriner von Priboj gemeldet wurde, ordnete FML. Kaiser, obwohl nur ganz ungenügendes Überschiffungsgerät bei Uvac vorhanden war, den unverzüglichen Flußübergang der 9. LstEtBrig. an.
An der Drina war die der 62. ID. zugewiesene Gruppe GM. Blechinger auch am 22. bei ihrer Vorrückung gegen Süden auf keinen Feind gestoßen; ebenso hatte eine Abteilung der bosnischen Drinasicherung, GM. Vuchetich, ohne von den Montenegrinern daran gehindert zu werden, eine Höhe südlich von Goražde besetzt. Am 23. gelangten schwache Gruppen der 62. ID. bei Priboj und bei Uvac über den Lim; bei Nv. Rudo mußte an diesem Tage noch das Eintreffen der Brückenkähne abgewartet werden. Die Gruppe Reinöhl schob von Nova varoš Aufklärungsabteilungen gegen Prijepolje vor, wo der Feind die Brücke verbrannt hatte.
So war die Lage, als dem FML. Kaiser vom 3. Armeekmdo. die Leitung des Einbruches in den Nordwestteil Montenegros, den ehemaligen Sandžak Novipazar, übertragen wurde. Die Not an Verpflegung und die ungenügende Ausrüstung bildeten auch weiterhin die oberste Sorge dieses Führers. Die Herstellung der Bahn Višegrad—Uvac und einer Überfuhr bei Megjegja waren frühestens am 29. November zu erwarten. FML. Kaiser nahm daher erst den 1. Dezember für den Beginn des Vorstoßes auf Plevlje in Aussicht. Bis dahin wollte er zur Sicherung der Bahnarbeiten, der Nachschublinie für Reinöhl und für den Brückenschlag auf dem Südufer des Lim bei Rudo, Ustibar, Priboj und Prijepolje kleine Brückenköpfe anlegen lassen. Auch traf er Anordnungen zur Anhäufung von Lebensmitteln in Rudo und Uvac sowie für die Ergänzung der Winterausrüstung und des Schuhwerkes. Dann sollte die Offensive in breiter Front beginnen: die Gruppe Blechinger auf Čajnice, die Brigade Zhuber von Rudo auf Boljanić, schließlich die 62. ID. und die Gruppe Reinöhl von Ustibar und von Prijepolje auf Plevlje.
Dieser Angriffsplan des FML. Kaiser erfuhr insofern noch am 23. eine Abänderung, als GdI. Sarkotić die Gruppe GM. Blechinger von Megjegja nach Goražde dirigierte, um sie von dort mit den Sicherungstruppen des GM. Vuchetich unter dem Befehle des FML. Rollinger am 25. gegen Čajnice vorgehen zu lassen. Bei Goražde stand kein Feind mehr; GM. Blechinger konnte von diesem Orte aus Čajnice auf einer guten Straße erreichen. Obwohl damit auf die einheitliche Leitung der Offensive gegen Plevlje zunächst verzichtet wurde, stimmte das 3. Armeekmdo., hauptsächlich um überflüssige Verhandlungen zu vermeiden, diesen Maßnahmen zu.
Als am 24. November Priština und Mitrovica gefallen waren (S. 324), drängte die k.u.k. Heeresleitung neuerlich auf rasches Losschlagen der Truppen des FML. Kaiser. Dieser setzte nunmehr den Beginn der Offensive für den 30. fest. Eine kürzere Frist war kaum möglich, da die 62. ID. und die Gruppe Reinöhl vom Lande lebten. Nun aber befanden sich die Montenegriner schon auf dem Rückzuge vom Lim gegen die Tara, gegen Hum, Nefertara, Mojkovac und gegen Bijelopolje1). Die Höhen nördlich von Plevlje und von Jabuka wurden aber noch von stärkeren Nachhuten gehalten. Flieger der 3. Armee beobachteten am 25. diese Bewegungen und meldeten, daß die Straße von Goražde nach Čajnice vom Feinde frei sei. Auf dieser drangen Vortruppen der Gruppe GM. Blechinger vor und erreichten am 27. kampflos den Metalkasattel.
i) Serb. Gstb. W., XII, 319.
Dahinter folgte die Hauptkraft und besetzte Čajnice. Südöstlich des Me-talkasattels, bei Boljanić, und südlich der Čehotina, bei Čelebic, wurden in den nächsten Tagen durch die Aufklärer nur mehr schwächere feindliche Kräfte festgestellt.
Die Erkundungsabteilungen der 62. ID. stießen am 27. am Nordrande der Hochfläche von Plevlje auf eingegrabenen Feind; er schien jedoch nicht stark zu sein, da nach den vorliegenden Meldungen zwei montenegrinische Brigaden von Prijepolje und Plevlje bereits auf Ja-buka abgezogen waren. So entschloß sich FML. Kaiser, den Vormarsch nach Plevlje zu beschleunigen.
Bei Schneesturm und grimmiger Kälte traten am 28. vier Bataillone der 62. ID. von Ustibar aus die Vorrückung an. Der Weg nach Plevlje führte durch ein schluchtenreiches, 1400 m hohes Gebirge und war lediglich für Tragtiere gangbar. Im tiefen Schnee kamen die Vortruppen der 62. ID. über Zabrnica nur langsam gegen die Grenze des Landes der Schwarzen Berge vorwärts, wo sie am 30. beim Aufstieg gegen den Nordrand der Hochfläche von Plevlje auf harten Widerstand stießen. In Kämpfen, die teilweise bis zum Einbrüche der Dunkelheit andauerten, wurden die feindlichen Sperrstellungen gestürmt. Vor Plevlje nahm der Feind aber neuerlich Stellung.
Unermüdlich hatten unterdessen vier andere Bataillone daran gearbeitet, die im Limtale nach Prijepolje führende, tief verschneite Straße fahrbar zu machen. Am 29. langte der Brückentrain in Prijepolje ein; am selben Tage war auch der erste Eisenbahnzug nach Uvac abgegangen. Nun durften die 62. ID. und die Gruppe Reinöhl endlich Lebensmitteltransporte erwarten. Am 30. überschritt Reinöhl auf einer Kriegsbrücke bei Prijepolje den Lim. Er war beauftragt, seine Vorhut gegen Jabuka vorauszusenden. Den kommandierenden General in BHD. hatte Kaiser ersucht, mit der Gruppe Blechinger auf Boljanić vorzustoßen; doch machte sich das Vorgehen der beiden umfassenden Flügelgruppen am 30. noch nicht fühlbar. Die Gruppe Blechinger wurde nunmehr auf Anregung Mackensens dem FML.Kaiser unterstellt. Damit waren alle gegen Plevlje konzentrisch vorrückenden Kräfte wieder unter einheitliche Leitung gebracht.
Am 1. Dezember sollte die über Ustibar nachrückende Festungsbrigade Obst. Dominie zur Hauptkraft der 62. ID. stoßen. GM. Blechinger erreichte an diesem Tage kampflos Boljanić und nahm nach leichtem Geplänkel die montenegrinische Defensivkaserne in Gotovusa. Die gegen Plevlje vorrückenden Teile der 62. ID. trafen nördlich von Plevlje und vor Jabuka noch auf Widerstand. Am Nachmittag wurden aber schon die Höhen südlich von Jabuka durch die Gruppe Reinöhl genommen. Bei Plevlje gelang es erst am Abend, die montenegrinischen Nachhuten, die Sprengungen im Orte deckten, völlig zu vertreiben. Voreilende Patrouillen der 62. ID. gelangten noch am 1. bis an die Čehotina, wo alle Brücken zerstört waren. Am nächsten Morgen besetzte die Division Kaiser das von den Montenegrinern völlig ausgeplünderte Plevlje. Die einrückenden Truppen wurden von den Bewohnern des durch ein Menschenalter von Österreich-Ungarn besetzt gewesenen Städtchens freudig begrüßt.
Die Straße Čajnice—Boljanić—Plevlje—Jabuka war nun fest im Besitze der 62. Division. Auf den Höhen südlich der Čehotina standen noch montenegrinische Nachhuten. Dies führte zum Entschluß, in der Nacht auf den 3. das Tal zu überschreiten und zur Sicherheit von Plevlje jenseits einen Brückenkopf zu schaffen. Die Durchführung dieser Absicht gelang. Damit hatte die verstärkte 62. ID. die ihr vorerst zugedachte Aufgabe vollkommen erfüllt. Die Brigade Zhuber gelangte nun wieder nach Bosnien und trat am 3. den Rückmarsch nach Goražde an; ihr folgte am 5. auch die Gruppe Blechinger, die durch die in BHD. neugebildete und für das Gebirge ausgerüstete 209. LstlBrig. ersetzt wurde.
Der Niederbruch der serbischen Armee und ihr Rückzug an die Adria
Hiezu Beilage 19
Der 25. November 1915 traf die Trümmer des serbischen Heeres in einem letzten Kampfe auf den Höhen westlich des Amselfeldes und östlich von Prizren. Der Troß und die Masse der Artillerie drängten seit zwei Tagen den Städten Ipek und Djakova im Metojabecken zu. Von Novipazar her bedrohten Deutsche und Österreicher, im Süden noch gefährlicher die Bulgaren Flanke und Rücken. Nun hieß es für den Woiwoden Putnik, die seit mehr als achtundvierzig Stunden gefaßte Absicht vollends in die bittere Tat umzusetzen. Es gab für das aus tausend Wunden blutende, zerfetzte und zerrüttete Heer nur mehr eine Rettung: die Gewinnung der Küstenebenen von Skutari, Alessio und Durazzo. Die Hauptkräfte — 1.Armee, Gruppe Zivkovic, 3. und 2. Armee — hatten durch die Metoja sowie über Andrijevica und Podgorica nach Skutari zu weichen, die Truppen aus den neuen Gebieten über Djakova, Prizren, Spas und Skutari nach Alessio zu gelangen. Die Deckung gegen Norden war durch die 1. Armee bereits eingeleitet. Im Süden sollte die im allgemeinen über
Dibra auf Tirana und Elbasan gewiesene Timokarmeegruppe die Flankendeckung teilweise durch Offensivstöße in der Richtung auf Gostivar lösen, wo die Albanische und die Tetovogruppe der Serben noch zähe hielten. Im Einklang mit ihr hatten die nach ßitolj gewichenen Abteilungen zu trachten, über Prilep die Verbindung mit den Franzosen aufrecht zu erhalten. Die Heeresleitung führte der Truppe in eindringlichen Worten vor Augen, daß nur die Wahl zwischen einem unerhört entbehrungsreichen, aber doch Rettung verheißenden Rückzug und einer schimpflichen Waffenstreckung auf freiem Felde offengestanden sei.
Dieser Aufruf hatte jedoch nur mehr begrenzte Wirkung. Die Truppe war körperlich und seelisch zu stark heruntergekommen, als daß es ohne Zeichen schwerster Auflösung abgegangen wäre. Gleich zu Anfang des Rückzuges blieben Hunderte und Tausende von abgehärmten und in Fetzen gekleideten Soldaten zurück, die sich, vom Hunger auf die Suche nach Lebensmitteln getrieben, in die Berge schlugen oder zum Gegner übergingen, wobei mitunter sogar die eigene Kampflinie mit verzweifeltem Ungestüm durchbrochen wurde. Wenn sich trotzdem in den Becken von Ipek und Djakova, an den Rückzugslinien der Hauptkraft, noch erhebliche Streitermassen zu sammeln vermochten, so war dies einzig der Tatsache zu danken, daß die Verbündeten nicht mehr nachdrängten.
Der äußerste rechte Flügel der Verbündeten, die Gruppe Kaiser, kam, gegen Plevlje einschwenkend, für einen Druck auf die serbischen Rückzugswege nicht in Betracht. In der Mitte der Verfolgungsfront gingen am 25. November die Hauptkräfte des Alpenkorps bei Pridvorica im oberen Ibartale, der 59. ID. bei Mitrovica und des deutschen IV. RKorps bei Priština befehlsgemäß zur schwer verdienten Ruhe über. Nur schwache Abteilungen blieben am Feinde. Die vom XIX. Korps ausgesandten Nachrichtenabteilungen stießen an der montenegrinischen Grenze südlich von Sjenica auf Vorposten der von der 1. Serbenarmee in den Raum Rožaj— Berane geworfenen DrinD.II, die sich noch bis Ende des Monats an ihre Karstfelsen klammerten. Beim Alpenkorps erstieg am 25. ein Bataillon der 10. GbBrig. die Šuha planina, von der aus die von Mitrovica gegen Westen zurückeilenden serbischen Marschsäulen noch mit Infanteriefeuer erreicht werden konnten. Tags darauf traten die vorgeschobenen Sicherungsabteilungen der Brigade in diesem Raume mit der DonD.II in Gefechtsberührung. Die 59. ID. säuberte am 25. die Höhen knapp südlich von Mitrovica von den Nachhuten der eben genannten Serbendivision, klärte südwärts gegen Klina auf und stellte im Raum westlich von Priština die Verbindung mit dem IV. RKorps her.
Am 27. trat das Alpenkorps den Rückmarsch nach Kraljevo an. Am gleichen Tage marschierte auch die 103. ID. über Kuršumlija nach Les-kovac ab. Am 29. folgte die 101. ID. nach. Die 10. GbBrig. gelangte in den gleichen Tagen nach Novipazar, ihre Sicherungen standen am oberen Ibar. Die 59. ID. verblieb bei Mitrovica, die 57. bei Brus. Der in Mackensens Befehl vom 24. verfügten Ablösung des k.u.k. VIII. Korps durch bulgarische Truppen hatte die k.u.k. Heeresleitung ihre Zustimmung versagt, da sie das Gebiet entlang und nördlich der Linie Mitrovica— Ipek^Skutari als ausschließlich öst.-ung. Interessensphäre betrachtet wissen wollte. Durch Conrad am 26. in solchem Sinne unterrichtet, wies Falkenhayn den GFM. Mackensen zum Widerruf seiner Weisung an.
Diese in Aussicht genommene Ablösung wäre wohl auch deshalb für die nächste Zeit unausführbar gewesen, da sich die bulgarische 1. Armee, deren rechter Flügel in der Verfolgung des Feindes gegen Priština vorzugehen gehabt hätte, durch quälenden Verpflegsmangel nachgerade lahmgelegt sah. Um so härter setzte bei Prizren, Djakova und im Tal des Weißen Drin die 3. ID. der 2. Bulgarenarmee dem in diese Räume gewiesenen Südflügel des serbischen Heeres zu. Immer wieder stießen die Bulgaren zwischen dem 28. November und dem 3. Dezember in das Gewirr von Truppen, Geschützen, Fuhrwerken und Flüchtlingen hinein, schlugen jeden Widerstand nieder und brachten gewaltige Massen an Gefangenen und an Kriegsbeute ein. Erst am 4. ließen sie von dem gegenüber einem gehaßten Feinde geübten Vergeltungswerk ab, indem sie, dem Rufe ihrer Heeresleitung folgend, zum Kampf gegen die Orientarmee nach Süden abzogen.
Der altersschwache Serbenkönig, der Prinzregent, Ministerpräsident Pašič, Putnik und der russische Geschäftsträger Fürst Trubetzkoi waren dem flüchtenden Heere vorausgezogen. Sie hatten den gleichen, kürzeren, aber beschwerlicheren Gebirgspfad eingeschlagen, den im Oktober 1912 eine fliegende serbische Kolonne, alles zerstörend und niedermetzelnd, marschiert war, um in sechs Tagen die Adria zu erreichen. Am 7. Dezember langte der König in einem Büffelwagen, der totkranke Woiwode Putnik in einer von Soldaten getragenen Sänfte zu Skutari an.
Die Verbindung zwischen ihnen und den Armeeführern war seit dem Verlassen des Amselfeldes abgerissen. Erschüttert sahen die Generale Stepanovič, Jurišič-šturm, Mišič und Zivkovic in Ipek durch lange, bittere Tage und Nächte den gespensterhaften Heereszug an sich vorüberhasten. Die Streiterscharen schmolzen wie der Schnee in der Frühlingssonne dahin. Fahnenflucht, Entkräftung und Erfrierungen, Flecktyphus und andere Krankheiten rissen immer aufs neue klaffende Lücken. Die Regimenter zählten höchstens einige hundert Mann. Viele Soldaten hinkten barfuß einher. Sie waren in Fetzen gehüllt, mehr nackt als bekleidet. Tiefste Entmutigung und schwerster Groll sah aus den abgehärmten Gesichtern, Groll gegen das bittere Schicksal, vor allem aber gegen die mächtigen Bundesgenossen, die Serbien in der Stunde höchster Not so vollständig im Stiche gelassen hatten. Verärgert verzeichnet ein französischer Verbindungsoffizier in seinem Tagebuch die vielen erbitterten, nicht selten in deutscher Sprache gehaltenen Zurufe, die er auf diesem entsetzlichen Rückzuge immer wieder aus der Marschsäule zu hören bekam. Und ein serbischer Emigrant brach wenige Wochen später in die Klage aus: „Die Alliierten, vor allem die Engländer, an die man am meisten appellierte und denen man sich am meisten antrug, haben uns in den schwersten und schlimmsten Augenblicken im Stiche gelassen, als die Hilfe am dringendsten nottat und uns mit Erfolg geholfen werden konnte. Dieses Bündnis nützt keineswegs uns und unseren Interessen, jeder von den westlichen Bundesgenossen hat nur sich und seinen Vorteil im Auge und sucht den anderen soviel wie möglich auszubeuten1).“ Das war die Stimmung im ganzen serbischen Heere.
Dennoch fand sich, als Ende November die Truppen der Mittelmächte aus Novipazar und dem Amselfelde nicht nachdrängten, im Kriegsrate zu Ipek in dem General Misić, dem Sieger von Arangjelovac (1914), ein Mann, der sich dafür einsetzte, dem Schicksal noch einmal die Stirne zu bieten und mit von ungefähr zusammengerafften Kräften ähnlich wie vor Jahresfrist einen Gegenschlag wider die auch schon ermatteten Bedränger zu führen. Er blieb aber mit diesem Antrag allein, und als am 3. Dezember die Bulgaren bis Djakova gekommen waren, da fiel für die in Ipek versammelten Generale der letzte Zweifel weg, ob der Rückzug nicht doch am Ende noch gebremst werden könne2). Nun verließen auch die serbischen Nachhuten ihre Grenzstellungen gegenüber von Novipazar.
x) Wendel, Der Kampf der Südslawen um Freiheit und Einheit (Frankfurt 1925), 688 ff.
2) Die Montenegriner hatten nicht nur die Flanke der Serben mehr oder minder preisgegeben, sondern ihnen gegenüber auch mit Spott nicht gespart. Entrüstet wiesen, die serbischen Generale im Kriegsrat den hämischen Vorwurf des Stammesbruders zurück, das serbische Heer habe lediglich vor Schlangen das Weite gesucht. Zugleich scheiterte der Versuch der Montenegriner, die heranbrausende Flut des weichenden Heeres von ihrem Lande fernzuhalten. Die serbischen Führer hielten an der gewählten Rückzugslinie über Andrijevica fest (Serb. Gstb.W., XIII, 163).
Mit dem Eintritt ins Gebirgsinnere und mit zunehmendem Winter vervielfältigten sich die Leiden, von denen die Trümmer des Serbenheeres in diesen furchtbaren Wochen heimgesucht wurden. Sie erreichten Mitte Dezember den Gipfel des kaum noch Ertragbaren. Die DrinD.II verzeichnet in diesen Tagen innerhalb von zweimal 24 Stunden einen Verlust von 981 Mann, und ihr Führer fordert am 19. Dezember mit Ungestüm, daß dem „ruchlosen Martyrium“ ohne Zögern ein Ende bereitet werden müsse. Auch die Leichen von tausenden Weibern, Kindern und Greisen säumten den Weg. Wer lebend liegen blieb, fiel der Blutrache der Arnauten zum Opfer1).
Das serbische Machtaufgebot mag während des Herbstfeldzuges 1915 samt den Ersätzen 340.000 Streiter betragen haben; der Gesamtverlust wird mit 94.000 Toten und Verwundeten angegeben2). Von den ungefähr
70.000 Verwundeten ist wohl der größte Teil in Gefangenschaft geraten. Die Zahl der von den Armeen der Mittelmächte (3. und 11.) eingebrachten Gefangenen betrug bis Ende November 120 Offiziere und 124.000 Mann; bei den Bulgaren etwa 50.000 Mann. Gewaltig war die Kriegsbeute. Die beiden erstgenannten Armeen hatten dem Feinde 397 Geschütze, 48 Maschinengewehre, 12 Minenwerfer und 208 Munitionswagen abgenommen. Die Bulgaren mögen etwa 200 Rohre3) erbeutet haben. Eine Unmenge von Waffen aller Art und von Kriegsgerät ist durch die Serben vernichtet, manches Stück auch — in der nicht unberechtigten Hoffnung auf Wiederkehr — vergraben worden.
Die Opfer der Verbündeten hielten sich in erträglichen Grenzen; sie waren in weit höherem Maße durch Mühsale und Entbehrungen aller Art wie durch Waffenwirkung hervorgerufen worden. Eine einigermaßen verläßliche Gesamtziffer läßt sich nach den vorhandenen Angaben nicht bieten. Die öst.-ung. Streitkräfte mögen 18.000 Mann an Toten, Verwundeten und Vermißten eingebüßt haben.
J) Serb. Gstb. W., XIII, 339 und 346. Das Los der serbischen Armee hatten auch zahlreiche öst.-ung. Offiziere und Soldaten geteilt, die im Jahre 1914 in Gefangenschaft geraten waren und bereits ein Jahr schwerster Entbehrungen hinter sich hatten. Der größere Teil wurde allerdings schon vor dem Rückzug des Heeres über Albanien abgeschoben und nach Italien gebracht. Eine nicht unbeträchtliche Zahl konnte sich auch zu den Verbündeten durchschlagen. Vel. u. a. Weiland, In Feindeshand (Wien
1931), II, 5ff.
2) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 390.
3) In den Geschützzahlen sind die zahlreichen alten, vielleicht noch aus der Türkenzeit stammenden Kanonen nicht inbegriffen, die von den Serben in den von den Verbündeten eroberten Orten zurückgelassen wurden.
Die Führungs fragen im Herbstfeldzug 1915 gegen Serbien
Mit Fug und Recht hatte sich Falkenhayn in einer am 31. Oktober 1915 an Conrad gerichteten Note den „Urheber des serbischen Unternehmens und insbesondere des bulgarischen Anteils daran“ nennen dürfen. Er war es auch gewesen, der dem Feldzug sein erstes Ziel steckte: die Öffnung des Landweges nach dem schwer bedrohten Konstantinopel. Diesem Ziele war auch der Aufmarsch der Verbündeten gegen Serbien auf den Leib geschrieben. Zwei Armeen der Mittelmächte, die k.u.k. 3. und die deutsche 11., marschierten an der Nordgrenze, eine bulgarische, die 1., an der Ostgrenze Altserbiens auf. Dank dieser von den beiden Endpunkten der Bahn Belgrad—Caribrod ausgehenden Zangenwirkung gelang es nach heftigen, bei den Bulgaren nicht ohne Wechselfälle abgehenden Kämpfen, bis zum 25. Oktober die Serben von der Donaustrecke Belgrad—Prahovo zu vertreiben und vierzehn Tage später, am 9. November, auch von der Bahnlinie selbst zurückzudrücken. Hatte schon die Öffnung des Donauweges die Möglichkeit zu Kriegstransporten nach Bulgarien und nach der Türkei aufgetan, so konnte nun auch ungesäumt an die Wiederherstellung des überall gründlich zerstörten Schienenstranges geschritten werden, der allerdings erst vom 14. Jänner 1916 an seiner ganzen Länge nach benützbar sein sollte, womit dann der durchgehende Zugsverkehr nach Konstantinopel aufgenommen werden konnte.
Mit der örtlichen Gewinnung der Bahn wäre aber selbst bei grundsätzlicher Beschränkung auf die Ziele Falkenhayns noch nicht genug getan gewesen. Die Serben hatten bisher wohl jeden Schritt heimatlichen Bodens zähe verteidigt und dabei sicherlich auch schwere Opfer gebracht. Trotzdem war nicht zu verkennen, daß ihr Streben vor allem dahin ging, sich durch hinhaltendes Verfahren so lange als vollwertiges Machtwerkzeug zu behaupten, bis die ihnen aufs bestimmteste versprochene Ententehilfe herangekommen sein konnte. Es war daher für die Angreifer unter allen Umständen geboten, das serbische Heer zu vernichten, noch ehe es sich mit der französisch-britischen Orientarmee vereinigt hatte.
Sehr zustatten gekommen war dieser Notwendigkeit schon bisher das entschiedene Handeln der 2. Bulgarenarmee, die unter ihrem tatkräftigen Führer Todoroff südlich von der 1. in Mazedonien manövrierte. Sie hatte am 16.Oktober Vranje, am 19. Veles, am 20. Kumanovo gewonnen und damit die Verbindung zwischen den Serben und Saloniki unterbrochen. Eine nachhaltigere Wirkung der Streitkräfte Todoroffs gegen Norden, das ist in den Rücken der serbischen Armee, kam aber fürs erste schon wegen der Entfernung nicht in Betracht, vor allem jedoch deshalb, weil sich die Bulgaren gegenüber den langsam auf Gradsko heraufziehenden Ententedivisionen ausreichend decken mußten. Andrerseits war die Flankenwirkung der bulgarischen 1. Armee, seit sich die Serben gegen den Mittelraum von Kragujevac zurückgezogen hatten, bei ihrer durch den Aufmarsch bedingten engen Nachbarschaft zur deutschen
11. schon stark beeinträchtigt, und sie wurde es, je weiter sich die Walstatt nach Süden schob, nur noch mehr. Es war aber auch eine Folge des lediglich eine Kriegshandlung mit begrenzten Zielen einleitenden Aufmarsches, wenn gleichzeitig die Armeen Gallwitz und Kövess stark zusammengedrängt beiderseits der durchs Morava- und Ibartal führenden Hauptrückzugslinie südwärts schritten, ohne daß sich ihnen die Möglichkeit bot, wenigstens vom rechten Flügel aus gegen die Flanke und den Rücken des Feindes auszugreifen. Einige Abhilfe hätte nur von Višegrad aus die 62. ID. schaffen können, die in der den Serben sehr gefährlichen Richtung auf Užice angesetzt war. Aber diese Division bestand aus Landsturm letzten Aufgebots und wurde weder mit der hochgehenden Drina noch mit dem hier auch zahlenmäßig überlegenen Feinde fertig.
Solcherart war der Heeresgruppe Mackensen, als sie — noch vor der vollen Gewinnung der Bahn — in den letzten Oktobertagen das Serbenheer bei Kragujevac, an den Kraftquellen des Landes, zum erstenmal einkreisen wollte, der durchschlagende Erfolg versagt geblieben. Und ebenso vermochten sich die Serben eine Woche später südlich der Moravagabel der neuerlich versuchten tödlichen Umschlingung zu entziehen. Zusammengeballt und ineinandergeschoben, zwängten sich nachher die Heeressäulen der Verbündeten, den Feind frontal zurückdrückend, in die unwirtlichen Grenzgebirge zwischen Altserbien und Mazedonien hinein. Von Tag zu Tag wurden die eigentlichen Kampfgruppen nach der Zahl der Abteilungen schwächer, und ebenso rasch wuchs die Tiefe der Schlachtordnung, weil es Raum und Versorgung der Truppen so forderten.
Falkenhayn hatte noch während der Schlacht bei Kragujevac gegenüber Conrad geklagt, das Entweichen des Feindes werde in erster Linie dem Versagen des über Užice und Požega angesetzten Druckes durch die 62. ID. zuzuschreiben sein. Nicht ohne Gefühl der Genugtuung nahm Conrad diese Bemerkung seines reichsdeutschen Kollegen zur Kenntnis, wies sie doch auf eine der Schwächen des ganzen Feldzugsplanes hin, der die geographisch gegebene Umfassungsmöglichkeit nicht voll ausgenützt hatte. Die Aufmarschräume, die zur Verfügung standen,
Bosnien, Syrmien, das Banat und Bulgarien, umschlossen die Grundstellung der feindlichen Kräfte im Dreiviertelkreis. Der durch Falkenhayn entworfene Aufmarsch machte sich diesen Vorteil aber nur in begrenztem Ausmaße dienstbar. Wieso sich im Osten des Kriegstheaters die Flankenwirkung der Bulgaren zumindest im Wirkungsbereich der Heeresgruppe Mackensen verhältnismäßig rasch verflachte, ist schon oben angedeutet worden. Ebenso ging aus der Darstellung hervor, daß der öst.-ung. Generalstabschef, sosehr er sich längst zur Führung des Hauptangriffes beiderseits von Belgrad bekannte, des öfteren auf eine wesentlich bessere Ausnützung der bosnischen Flankenstellung hindrang. So hatte er es nur ungern gesehen, daß Mackensen während des Aufmarsches aus eigenem Entschluß das an der Drina sich sammelnde XIX. Korps nach Syrmien rief. Was im besonderen die ursprünglich bei Višegrad zusammengezogene 53. ID. dieses Korps anlangte, so kam Conrad in seiner am 29. Oktober der eben erwähnten Klage Falkenhayns entgegengesetzten Antwort in bemerkenswerter Weise darauf zurück: ,,Ich habe es trotz meiner Überzeugung unterlassen, in dieser Richtung auf das Heeresgruppenkmdo. Mackensen einzuwirken, und mich damit genau an die Bestimmungen der Militärkonvention [vom 6. September] gehalten, um Auseinandersetzungen mit Eurer Exzellenz möglichst aus dem Wege zu gehen. Für die wichtige Stoßrichtung Valjevo—Užice hätte ich gerne starke, angriffsfähige Kräfte eingesetzt, wenn es damals die Lage auf den anderen Kriegsschauplätzen zugelassen hätte, und ich gedenke dies auch zu tun, sobald die jetzige dritte ... Isonzoschlacht siegreich beendet ist1). Bisher vermochte ich nur — bei voller Entblößung Bosniens und der Herzegowina — die 62. ID. zu improvisieren und die aus Grenzschutztruppen formierte Gruppe Sorsich, deren Teilnahme an der Offensive ursprünglich nicht vorgesehen war, notdürftig operationsbereit zu machen. Der Einsatz des deutschen Alpenkorps, welches Eure Exzellenz der Tiroler Front entzogen haben, wäre meines Erachtens in der Richtung über Valjevo oder Užice für den großen Zweck wirksamer gewesen als an den inneren Flügeln der 11. und der bulgarischen Armee, wo sich der Zusammenschluß durch das naturgemäße Ausweichen der Serben aus der Nordostecke von selbst ergibt.“
x) Das deutsche Reichsarchiv teilte in einem Schreiben vom 5. Jänner 1932 mit, daß die vom Heeresgruppenkmdo. Mackensen angeordnete Verschiebung der k.u.k. 53. ID. von Višegrad nach Syrmien — soweit aus den in Potsdam erliegenden Akten hervorgeht — im wesentlichen auf ein „sehr bedauerliches Mißverständnis“ zurückzuführen gewesen sei.
Wenn Conrad hier auf die nicht sehr glückliche Verwendung des Alpenkorps zu sprechen kommt, so haben ihm die Ereignisse sicherlich recht gegeben, so sehr die Ungeduld der DOHL., den Feind beiderseits von Orsova so rasch wie möglich von der Donau zurückzutreiben, an sich begreiflich war. Falkenhayn zögerte denn auch nicht, seinem österreichischen Kollegen in der Erwiderung vom 31. unumwunden zuzugestehen: „Wenn Eure Exzellenz schließlich meinen, das Alpenkorps wäre in Bosnien am Platz gewesen, so teile ich diese Ansicht durchaus.“ In Pleß wurde wohl die Verlegung des divisionsstarken Korps von Báziás nach Višegrad erwogen; sie hätte jedoch, berechnete man bei der DOHL., 17 Tage gedauert und wurde daher unterlassen.
Wären das Alpenkorps und allenfalls noch die 10. GbBrig., die erst sehr spät in die Kampffront des XIX. Korps einrückte, von Haus aus über das Ende der bosnischen Ostbahn nach Višegrad geleitet worden, so hätten diese für den Gebirgskrieg besonders geeigneten und ausgerüsteten Heereskörper, die 62. ID. mitreißend, Bedeutendes, ja vielleicht sogar Entscheidendes zu vollbringen vermocht. Da zuletzt auch der Verlauf der Isonzokämpfe eine Schwächung der Armee Boroevic nicht mehr gestattete, sollte die Angriffsrichtung über Višegrad trotz ihrer Wichtigkeit auch weiterhin das Stiefkind der Führung bleiben. Die Vernachlässigung beim Aufmarsch ließ sich bei der schlechten Bahnlage und den noch ungünstigeren Wegverhältnissen eben nicht mehr gutmachen.
Der solcherart dem Gedanken eines Vernichtungssieges nicht voll entsprechende Ansatz der Kräfte hatte, darüber kann kaum ein Zweifel herrschen, seine letzte Ursache doch in der grundsätzlichen Einstellung des deutschen Generalstabschefs zu den Feldzugszielen. Neigte er überhaupt mehr zu einer „Ermattungs-“ als zur „Vernichtungsstrategie“ hin, so war ihm der Balkan schon gar ein Nebenkriegsschauplatz, auf dem man sich mit der Erreichung beschränkter Ziele begnügen konnte. Diese Einstellung zu den Grundfragen des Krieges lebte im Unterbewußtsein Falkenhayns sicherlich auch dann noch fort, als er — beiläufig seit dem 6. November — dem von Conrad verfochtenen Doppelziel, mit den Serben und der Orientarmee Sarrails abzurechnen, offiziell zustimmte. Dazu kamen die zunehmenden Schwierigkeiten dieses „ekelhaften“ Feldzuges, wie sich Falkenhayn einmal Conrad gegenüber ausdrückte, denen der Gedankenflug des öst.-ung. Generalstabschefs in einzelnen Fragen, wie der einer unmittelbaren oder mittelbaren Verstärkung der bulgarischen 2. Armee durch deutsche Truppen der 11. (S. 292 und 312), ja wirklich nicht immer Rechnung getragen haben mochte.
Inzwischen war auf dem Rückzug ins historische Amselfeld der serbischen Heeresleitung die sehr schmerzliche Enttäuschung geworden, daß allen Verprechungen zum Trotz die Ententetruppen Sarrails die Vorrückung bei Gradsko plötzlich eingestellt hatten. Es blieb den Serben nur mehr der verzweifelte Entschluß offen, sich selbst zu ihren wortbrüchig gewordenen Alliierten durchzuschlagen. Aber die Kräfte der schon stark zermürbten Divisionen reichten nicht mehr hin, den kühnen Plan auszuführen — der Tragödie letzter Akt war der Rückzug der Serben nach Montenegro und Albanien an die Adriaküste; damit war auch der dritte Einkreisungsversuch der Gegner in zwölfter Stunde vereitelt.
Noch war dem serbischen Heere, ehe es in die versumpften Küsten -ebenen niederstieg, ein furchtbares Golgatha beschieden. Und man mag sich ausmalen, wie es erst gekommen wäre, wenn Österreich-Ungarn sein Lovcenunternehmen um fünf oder sechs Wochen früher angegangen hätte, als es — anfangs Jänner 1916 — tatsächlich geschah. Die Vorbedingungen wären vielleicht gegeben gewesen. Was bei den Montenegrinern an Kampfwillen noch vorhanden gewesen ist, hatte durch den Anblick der Schauerbilder, die der Rückzug der Serben bot, einen schweren Stoß erhalten. Die verhältnismäßig geringe Zahl von Fußvolk und Artillerie, die zur völligen Niederwerfung Montenegros nötig sein mochte, hätte sich an der Front gegen Serbien wohl rechtzeitig freimachen lassen. Eine solche Teiloffensive, über Skutari hinausgeführt, wäre aller Wahrscheinlichkeit nach befähigt gewesen, dem aus dem Gebirge heraustretenden Serbenheer den Todesstoß zu versetzen. Aber dieses letzte Schicksal blieb der tapferen Armee König Peters erspart. Sie war zerrissen, ver hungert, in Trümmer geschlagen, sie hatte ihre Heimat verloren, aber sie lebte und konnte den Alliierten unter schweren Vorwürfen den entschiedenen Willen kundtun, nach einer Atempause und nach entsprechender Aufrüstung wieder in die gemeinsame Phalanx einzurücken. Serbien verblieb auch weiterhin in der Front des Vielverbandes.
Trotz dieses unvollständigen Ergebnisses konnten die Truppen der Verbündeten, als sie südlich von Novipazar und im Amselfeld ihre Gewehre zu kurzem Halt auf den eroberten Boden stellten, mit ihren Leistungen wahrlich zufrieden sein. Es waren vielleicht weniger die Opfer durch die Waffen des Feindes als die furchtbaren Mühsale und Entbehrungen, die Gelände und Winter den Kämpfern auferlegt hatten und den Feldzug zu einem der schwierigsten des Weltkrieges werden ließen. Ebenso war aus dem Blickfeld der obersten Führung das Erreichte nicht zu unterschätzen. Den Mittelmächten stand der Weg zu ihren bulgarischen und türkischen Bundesgenossen offen, indes dem Feinde die Verbindung von Saloniki nach Prahovo, die für die Russen weit wichtiger war, als man in Teschen und Pleß annahm, rettungslos unterbunden war. Die Erwartungen Falkenhayns waren voll erfüllt worden.
Dennoch durfte sich Ende November 1915 der aufmerksame Beurteiler der Tatsache nicht verschließen, daß sich die Balkanprobleme in ihrer Gesamtheit seit dem Beginn des Angriffes auf Serbien eher verwirrt denn vereinfacht hatten. Um die Dardanellen brauchte den Mittelmächten ja gewiß nicht mehr so bange zu sein wie etwa noch im August; aber es ließ sich noch keineswegs Voraussagen, ob der Feind das Unternehmen schon völlig aufgeben werde. Jedenfalls hatte er sich von Saloniki aus eine zweite Ausfallstellung geschaffen, die im Augenblick noch tief nach Mazedonien hineingriff und — ganz abgesehen von der Bedrohung Bulgariens — nicht zuletzt im Hinblick auf die beiden noch neutralen Balkanstaaten größte Aufmerksamkeit verdiente. Rumänien war durch die Niederlage Serbiens zwar wieder nachdenklich geworden, und seine Neigung, sich an die Seite der Entente zu stellen, hatte sich gewiß abgeschwächt; ein voll vertrauenswürdiger Nachbar war es für Ungarn und Bulgarien aber auch jetzt noch keineswegs geworden. In Griechenland hatte die Rücksichtslosigkeit, mit der die Entente gegen die Neutralität des Landes vorgegangen war, wohl dazu geführt, daß sich Volk und Heer immer stärker zur Politik des Königs bekannten; aber Venizelos und sein Anhang arbeiteten doch emsig weiter im Dienste der Entente. Konnte es schon in diesen Belangen unliebsame Überraschungen geben, so mußte man überdies mit der Möglichkeit rechnen, daß sich Italien, gestützt auf Valona, auf dem Westbalkan weiter auszubreiten versuchte.
So sahen sich die Mittelmächte und ihre Verbündeten, als der ereignisreiche November 1915 seinem Ende zuging, auf dem Balkan wahrlich vor keine leichten Fragen gestellt. Dazu kam noch die Erschwernis teils sachlicher, teils persönlicher Verstimmungen zwischen den Bundesgenossen. Bulgarien drängte offenkundig an die Westküste der Adria und rief damit das Mißtrauen Conrads wach, der diese Gebiete ausschließlich dem Einfluß Österreich-Ungarns Vorbehalten wissen wollte. Zwischen Conrad und Falkenhayn bestanden Spannungen, die von Tag zu Tag den vollen Bruch bringen konnten. Es war sonach keine sonderlich günstige Atmosphäre, in der eines der schwierigsten Kriegsprobleme gelöst oder doch dessen günstige Lösung vorbereitet werden sollte.
DIE HERBSTSCHLACHTEN AN DER ITALIENISCHEN FRONT
Hiezu Beilagen 13, 27, 38 und 39 des II. Bandes, dann Beilage 22 sowie Skizze 9a des III. Bandes
Die Absichten der italienischen Heeresleitung zu Anfang September 1915
Die ersten Schlachten Italiens im Weltkriege hatten nicht nur den Italienern selbst, sondern auch ihren Alliierten schwere Enttäuschung beschert. Statt gegen das Donaureich den Todesstoß zu führen und damit auch Deutschland von der oberitalienischen Flankenstellung her in den Rücken zu treffen, hatte sich das frisch aufgerüstete Heer Viktor Emanuels unter dem ehernen Gebote eines nach Zahl und Rüstung weit unterlegenen Verteidigers entweder an der Reichsgrenze oder wenige Kilometer jenseits festgerannt, ohne trotz zweier schwerer Schlachten und zahlreicher opfermutig geführter Gebirgskämpfe irgendwo auf einen nennenswerten Erfolg verweisen zu können. Wohl aber war es der gegnerischen Wehrmacht in der gleichen Zeit ungesühnt möglich gewesen, gemeinsam mit den Deutschen Schlag auf Schlag gegen den russischen Koloß zu führen, und nun, da der Herbst ins Land zu gehen begann, schickten sich die beiden Mittelmächte noch an, unbekümmert um die Flankenbedrohung durch Italien, im Vereine mit den Bulgaren den Ereignissen auf dem Balkan eine Wendung in ihrem Sinne zu geben.
In dieser wenig befriedigenden Lage erschien anfangs September 1915 der französische Generalissimus Joffre zu einem kaum übermäßig freudig begrüßten Besuche im italienischen Hauptquartier1). Binnen kurzem sollte im Westen der große Sturm der ersten „Materialschlacht“ losbrechen; Italien durfte nach der Meinung der Alliierten bei diesem großen Ansturm auf den Gegner nicht zur Seite stehen, sondern mußte, während Briten und Franzosen im Artois und in der Champagne auf die deutsche Front einhämmerten (S. 193), seine Streiterscharen gegen das habsburgische Heer zu neuem Kampfe auf rufen. Aber Generalleutnant Cadorna beschränkte sich auf allgemeine Zusicherungen. Sein Heer war durch die eben abgeflaute zweite Schlacht am Isonzo so schwer getroffen,
!) Call veil, 134f.
daß er ihm einen neuen Angriff erst nach gründlichen Vorbereitungen zuzutrauen wagte, Vorbereitungen, die noch lange Wochen dauern konnten. Die Sorge, bei der Eroberung von Triest möglichst sicher zu gehen, drängte beim italienischen Generalstabschef jeden anderen Gedanken in den Hintergrund. Gegenüber der Sehnsucht nach dem Besitze von Triest mußten auch etwaige gemeinsame Interessen des Vielbundes und seiner Kriegführung zurücktreten30). Da es Cadorna überdies nicht für ausgeschlossen hielt, daß Österreich-Ungarn sich nach der Abkehr von den Russen auf Italien werfen könnte, lehnte er auch — im Gegensatz zu dem Ministerpräsidenten — die Entsendung italienischer Abteilungen auf Nebenkriegsschauplätze zunächst noch ab31). Nur in den Venetien umsäumenden Gebirgen sollten die Angriffe fortgesetzt werden, da das Herannahen des Winters jeden Aufschub bedenklich erscheinen ließ.
So kam es, daß im September und in der ersten Oktoberhälfte das Feuer des Krieges nur in den Julischen Alpen und in den Bergen Südtirols, für ein paar Tage auch auf dem Karnischen Kamm, höher emporschlug, indes es am mittleren Isonzo und zwischen den Felsblöcken von Doberdö lediglich unter der Asche fortglomm. Diese teuer erkaufte Atempause mußte dem Verteidiger selbstverständlich überaus willkommen sein. Bot sie ihm doch die ersehnte Gelegenheit, die außerordentlich lückenhafte, von ungefähr zusammengeraffte Rüstung einigermaßen den mächtigen Forderungen des Krieges anzupassen, der ebenso gegen einen weit überlegenen Feind wie gegen kaum weniger gefährliche Naturgewalten zu führen war.
Die Einrichtung der öst.-ung. Isonzofront
Die Hauptsorge der öst.-ung. Führung lenkte sich naturgemäß auf die Isonzofront. So wichtig sicherlich die Behauptung der Südtiroler Bastion und der Einbruchswege ins Puster- und ins Drautal auch war, so war doch die Gefahr, in diesen Räumen überraschend ins Mark getroffen zu werden, für den Verteidiger, wie schon die ersten Kämpfe erwiesen hatten, unvergleichlich geringer. Vor allem war dem Feinde — als Ausnähme konnten höchstens die übrigens auch von mächtigen Bergketten durchzogenen Hochflächen südlich des Suganatales gelten — in den engen Gebirgsschluchten und auf den schmalen Kämmen die Möglichkeit benommen, große Massen aufzubieten und damit die an und für sich gegebene Überlegenheit an Streitern und Kampfmitteln entscheidend zur Geltung zu bringen. Auch boten sich dem Verteidiger überall von der Natur vorgezeichnete zweite und dritte Stellungen, in denen Stöße des Feindes, wenn ihnen schon ein Anfangserfolg beschieden war, verhältnismäßig leicht aufgefangen werden konnten. Von den Operationszielen der Italiener lag wohl das Drautal ziemlich nahe von der Grenze, Bozen dafür um so weiter. Selbst für das von Osten, Süden und Westen bedrohte Trient, das von zwischen den Werken aufgeführten starken Feldstellungen umgürtet war, bestand nach den Erfahrungen der ersten Kämpfe keinerlei immittelbare Gefahr.
Wesentlich anders bot sich die Lage bei Görz und am unteren Isonzo dem Verteidiger dar. Triest, das Ziel der italienischen Wünsche, lag von der Mitte der Karstfront nur etwa 30, vom Südflügel der öst.-ung. Karststellungen nur 21 km entfernt. Der Verlust dieser Stadt wäre für den Verteidiger nicht bloß eine Einbuße an Geltung gewesen. Fiel Triest in die Hände der Italiener, dann war die Südflanke des von den Mittelmächten gegen Westen aufgerichteten Abwehrwalles aufgerissen und die Übermacht des Feindes konnte sich ins Laibacher Becken und über die Hochflächen von Kroatien ergießen; auch das Schicksal des Hauptkriegshafens Pola und seiner für die Flotte unentbehrlichen Rüstwerkstätten wäre über kurz oder lang besiegelt gewesen.
Diese erdgebundenen Gegebenheiten zwangen dem Verteidiger das Gesetz seines Handelns auch weiterhin auf. Da eine völlige Überwindung der gespannten Lage durch einen großen Angriff wohl für das ganze Jahr 1915 nicht mehr in Rechnung gezogen werden konnte (S. 8), blieb nur eines übrig: dem Angreifer jeden Schritt des kostbaren Kampfbodens mit dem Aufgebot der letzten Kraft streitig zu machen. Allerdings brauchte, allgemein betrachtet, auch dies nicht in reiner Abwehr zu geschehen. Etwaige Entlastungsstöße aus geeigneten Frontabschnitten vermochten gegebenenfalls sehr wohl die Angriffskraft des Feindes zu schädigen, die eigene Abwehr zu stärken und auch bessere Bedingungen für diese zu schaffen. Zumal die Lage auf der Hochfläche von Doberdö mochte, wie Erzherzog Eugen schon Ende Juli in einem Bericht an die Heeresleitung betont hatte, in mehr als einer Hinsicht zu einem solchen Entschlüsse herausfordern.
Der Zug der Abwehrstellungen hatte sich in diesem Teile der Walstatt als äußerst ungünstig erwiesen, da sie durch das zusammengefaßte Feuer der feindlichen Artillerie in beide Flanken und in den Rücken genommen werden konnten. Freilich hatte sich im weiteren Verlaufe der Kämpfe der vorspringende Bogen durch die Preisgabe der besonders ausgesetzten Stellungen zwischen S. Martino und Vermegliano etwas abgeflacht. Er verlief nun von der Wippachmündung über den Westhang des Mt. S. Michele und an S. Martino westlich vorbei zur Höhe A 118 (Mt. dei sei Busi), wodurch Kräfte erspart und die nach Westen gegen die Tiefebene vorspringenden, durch den Feind leicht umfaßbaren Abhangsrücken des Karstes vor der Front gelassen wurden. Allerdings war damit der umfassenden Feuerwirkung des Italieners noch keineswegs begegnet; auch boten sich dem Feinde auf dem das Innere der Hochfläche überragenden Rande günstige Beobachtungspunkte für seine in der Ebene aufgefahrene Artillerie.
Die weiter hinten ausgemittelten, durchaus unfertigenVerteidigungs-linien waren für die Gefechtsführung noch ungünstiger. Die zweite Linie ließ eine Umfassung des Mt. S. Michele zu, die dritte war durch diesen und den Westrand des Vallonetales überhöht und gab außerdem Görz preis. Sosehr demnach ein Ausharren in der gegebenen Lage geboten war, so konnte auf dieses doch nur dann mit einiger Bestimmtheit gerechnet werden, wenn es gelang, dem Angreifer eine der seinigen annähernd ebenbürtige Artillerie (samt entsprechender Munition) entgegenzustellen und die durch den mörderischen Karstkrieg gerissenen Lücken immer wieder ungesäumt aufzufüllen. Beide Voraussetzungen waren aber in absehbarer Zeit kaum gegeben.
Daher wurden denn auch Erwägungen über eine etwaige Frontverbesserung durch einen Vorstoß mit begrenzten Zielen angestellt. Schon im August hatte das VII. Korpskmdo. einen Teilangriff beantragt, durch den die Abwehr bis in die Linie Ronchi—Bestrigna vorgeschoben werden sollte (Bd. II, S. 760). Nun kam das Kommando der Südwestfront darauf zurück und verlangte vom 5. Armeekmdo. Bericht über die Kräfte, die für solche Frontverbesserungen anstrebende Vorstöße auf dem Karst und aus dem Görzer Brückenköpfe nötig sein mochten.
Drei nach der Richtung und dem nötigen Kraftaufwande verschiedene Möglichkeiten kamen in Frage. Ein Vorstoß auf dem Südflügel über Monfalcone konnte die den Karst flankierende feindliche Artillerie vertreiben, die eigene Front strecken, dem Südflügel das Eingraben in der weichen Erde der Ebene ermöglichen und sogar dem nördlich davon angreifenden Feind die Flanke abgewinnen. Ein Angriff gegen Sagrado Sdraussina vermochte vielleicht den Italiener vom Karstrand in den Isonzo zu werfen. Durch ein Unternehmen aus dem Brückenköpfe von Görz konnte der feindlichen Flankierung aas dem Hügellande ein Ende bereitet und Rückenfreiheit für die Verteidigung von Görz erlangt werden.
Nach der Gesamtlage war wohl ein Vorstoß über Monfalcone am lohnendsten. Zu seiner Ausführung wäre außer der nötigen Artillerie und der damals eben verfügbaren 8, ID. (Bd. II, S. 782) noch eine weitere vollkräftige Division notwendig gewesen. Aber GdI. Boroevic hatte gegen das Vorverlegen seines linken Flügels in die Ebene trotz der eben erwähnten Vorteile deshalb Bedenken, weil er besorgte, daß in der dicht bestandenen, unübersichtlichen „italienischen Kultur“ die Gefechtsführung allzu stark leiden könnte. Er ließ höchstens einen Vorstoß aus dem Görzer Brückenkopf gelten, dessen Durchführung aber mindestens fünf frische, natürlich nicht zur Hand befindliche Divisionen geheischt hätte. Im Grunde genommen entsprach ein elastischeres, beweglicheres Kampfverfahren in der Verteidigung dem Wesen dieses zähen, harten, rücksichtslosen Führers1) ja überhaupt weniger als das unerbittliche Festhalten an jedem Fußbreit Bodens. Bei dieser Art von Kampfführung ist es denn auch im großen bis zur zwölften Isonzoschlacht geblieben.
Kämpfer und Kampffeld
Die zweite Isonzoschlacht hatte Boroevic mit 125 Bataillonen und 143 Batterien (davon 25 schweren) gegen 290 Bataillone und 209 Batterien (darunter 47 schwere) der Italiener durchgefochten. Die Verluste waren außergewöhnlich groß gewesen; die Bataillone kehrten aus der „Hölle von Doberdö“ als zusammengeschmolzene, zerfetzte Häuflein in die notdürftigen Rastunterkünfte zurück. In schwerster Sorge mußten sich alle höheren Befehlsstellen fragen, ob die 5. Armee, ob die ganze Wehrmacht und die Volkskraft des Reiches eine öftere Wiederholung dieser entsetzlichen Opfer zu ertragen vermöchten.
Vor allem hieß es, den Heereskörpern am Isonzo möglichst reichen Ersatz an Mannschaft und Offizieren zuzuführen. Die nördlich der Wippach eingenisteten Divisionen, in deren Front nicht so tiefe Lücken geklafft hatten, waren durch Marschbataillone verhältnismäßig rasch aufgefüllt. Dagegen reichten die auf der Hochfläche von Doberdö ein-
J) Vgl. Glaise-Horstenau, Svetozar Boroevic von Bojna (Neue Österreichische Biographie, I. Bd., Wien 1923, 110f.).
gesetzten Ersätze nicht aus, die Reihen des Verteidigers vollends zu schließen. Zumal die 20. HID. litt auch weiterhin unter starker Blutleere. Insgesamt fehlten in diesem heißumstrittenen Kampfraum zu Beginn der dritten Isonzoschlacht noch nahezu 27.000 Mann auf die Sollstärken.
Neben der Auffüllung der schon eingesetzten Verbände war selbstverständlich auch anzustreben, das Kräfteverhältnis zwischen Freund und Feind durch Heranführen neuer Heereskörper zugunsten des Verteidigers zu ändern. Aber das Wollen erwies sich bei den großen Anforderungen, die der Dreifrontenkrieg an die oberste Führung stellte, größer als das Können. Das III. Korps, das mit der 22. SchD.*) und der 28. ID. Ende August eingetroffen war (Bd. II, S. 702 und 792), und die (mit der 60. IBrig.) sechs Regimenter zählende 106. LstlD., die ihr anfangs September nachfolgte (S. 14), bedeuteten zwar einen wertvollen Zuwachs an Kraft. Dieser wurde aber durch Truppenabberufungen empfindlich aufgewogen. Die 93. ID., die erst Mitte August durch Eingliederung der drei Kaiserschützenregimenter in den schütteren Rahmen der noch verbliebenen Stammbataillone neu zusammengefügt worden war, verfiel Ende des gleichen Monats der Auflösung2); Kaiserschützen und Artillerie hatten Ende August nach Tirol abzugehen. Desgleichen war die aus Kaiserjägern bestehende 8. ID. in den Befehlsbereich des GdK. Dankl bestimmt. Sie bestieg anfangs Oktober mit der Masse im Wippachtale, mit der 58. GbBrig., die vorübergehend an den Kämpfen bei Tolmein teilgenommen hatte, in Podmelec die bereitgestellten Züge. Im allgemeinen galt die Weisung, daß die Tiroler Truppen bis zu ihrem Abgehen vom Isonzo nur bei äußerster Bedrängnis in die Front geworfen werden durften.
Schließlich zog die Heeresleitung im September noch die 57. und die 59. ID. auf den Balkan ab. Überdies wurde von den Divisionskavallerien der in Kärnten und am Isonzo befindlichen Divisionen nur je eine Schwadron zurückbehalten; der Überschuß von zwölf Schwadronen wurde je zur Hälfte nach Serbien (S. 253) und in die Bukowina abgesendet. So kam es, daß die Isonzofront anfangs Oktober nach der Zahl der Heereskörper schwächer dastand als Mitte August beim Ausgang der zweiten Schlacht.
J) Die 44. SchBrig. der 22. SchD. wurde bei der Armeegruppe GdK. Rohr eingesetzt (S. 40).
2) Die in der 185. IBrig. der 93. ID. eingeteilten Marschbataillone des III. Korps wurden ihren eingetroffenen Stammregimentern zugewiesen, das Brigadekmdo. gleich dem Divisionskmdo. aufgelöst.
Um so wichtiger war es, sonst alles zur Behauptung der Abwehr vorzusorgen, was unter den gegebenen Verhältnissen denkbar war. Fürs erste war eine den voraussichtlichen Hauptangriffsrichtungen des Feindes Rechnung tragende Kräftegruppierung zu treffen. Hiezu wurde das
III. Korps an Stelle der 57. ID. im Südteil der Karsthochfläche in die Front gestellt, wodurch dem VII. Korpskmdo., in dessen Bereich die 59. ID. durch die 106. LstlD. ersetzt wurde, die Last der Befehlsgebung im Abschnitt III zur Hälfte abgenommen wurde1). Der Kampfraum zwischen Wippach und Meer wurde in die Abschnitte III a - VII. Korps
— und Illb — III. Korps — geteilt. Südlich davon übernahm der Stadtkommandant von Triest, GM. Alexander Ritt. v. Wasserthal, den Befehl über den Abschnitt IV vom 94. IDKmdo., das ohne Truppen nach Kärnten verlegt wurde.
Dem XVI. Korps wurde zur Verstärkung der Besatzung im Görzer Brückenkopf die mit der 106. LstlD. eingetroffene 60. IBrig. zugewiesen. Das XV. Korps erhielt als Ersatz für die abgehenden Kaiserjäger die 14. GbBrig., die bisher beim VII. Korps in Reserve gestanden war.
Zweifellos kam den einzelnen Abschnitten der Isonzofront eine verschiedene Bedeutung zu. Der Forderung nach erhöhter Abwehrkraft auf dem Karst war man durch dichte Besetzung gerecht geworden. Beim
III. Korps standen anfangs Oktober die 187. IBrig. und die 28. ID. samt der 19. LstGbBrig. in der Front, die halbe 22. SchD. in Reserve. Der 16 km lange Abschnitt III b wurde demnach von 29 Bataillonen verteidigt, was auf einen Frontmeter 1.8 Feuergewehre ergibt. Noch besser war der Abschnitt III a (VII. Korps) bedacht, in dem die 106., die halbe
17. und die 20. Division in erster Linie, eine verstärkte Brigade in Reserve standen. Den bloß 9 km Breite messenden Frontraum hatten 37 Bataillone zu schützen; auf den Frontmeter entfielen 3.2 Feuergewehre. Das 26 Bataillone starke XVI. Korps hatte den längsten Abschnitt — 33 km - zu beschirmen mit 0.8 Feuergewehren auf einen Meter. An den beiden Brennpunkten des Mittelabschnittes der Isonzofront, bei Görz und bei Plava, stieg die Besatzungsdichte aber auf 1.8 Gewehre. Beim XV. Korps, das mit 25 Bataillonen ebenso viele Kilometer Front besetzt hielt, kam auf den Meter durchschnittlich ein Mann. Als Armeereserve stand dem GdI. Boroevic nur die halbe 61. ID. (16. LstGbBrig.) in Schönpaß zur Verfügung. Die 10. GbBrig. dieser Division ging vom 18. Oktober an nach Serbien ab (S. 229).
x) Das IR. 27 der 28. ID. mußte nach Kärnten abgegeben werden. Als Ersatz wurde das IR. 96 der fünf Regimenter starken 17. ID. der 28. überwiesen.
Herrschte hinsichtlich der Truppen Verteilung Einverständnis zwischen den höheren Befehlsstellen, so standen sowohl die Heeresleitung wie das Frontkommando der opferreichen Gefechtsführung der ersten Schlachten keineswegs kritiklos gegenüber. In mehrfachen Anweisungen wurden Richtlinien über eine Änderung des Kampfverfahrens erlassen, durch die ein gleicher Erfolg um einen geringeren Preis erzielt werden sollte. Im Vordergründe stand begreiflicherweise die technische Ausgestaltung des Schlachtfeldes. Ihr hatte sich von Anbeginn die Ungunst des schwer bearbeitbaren Karstgeländes hindernd in den Weg gestellt. Im Frieden war eine Befestigung dieses Raumes zum Teil aus Geldmangel, zum Teil aus Rücksicht auf den italienischen Verbündeten unterblieben, dies, obgleich die beiden Partner an der Gebirgsfront keineswegs die gleiche Rücksicht walten ließen. Während der Aufrüstung Italiens im ersten Kriegsjahre hatte sich der Ballhausplatz schärfstens gegen jeden Versuch gestellt, das Versäumte nachzuholen. So mußten die Isonzo-verteidiger die ersten Schlachten und oft auch die späteren hinter rasch aufgeschlichteten Steinriegeln durchkämpfen.
„Das Grundelement für die Karstverteidigung“, schreibt der seinerzeitige Chef der Generalstabsabteilung der 5. Armee, GM. Pitreich, indem er teilweise schon über die hier behandelte Phase des Isonzokrieges hinausgreift1), „konnte nichts anderes bilden wie das natürliche Karstloch in seiner ganz verschiedenen Lage, Tiefe und Ausdehnung. Eine Reihe von solchen unregelmäßigen Vertiefungen und seichten Löchern erhielt als Brustwehr und zur Verbindung untereinander eine aus losen Steinen zusammengetragene Mauer in 60 bis 80 cm Dicke vorgelagert, die allenfalls noch mit Sandsäcken gekrönt war und so eine verdeckende Schartenhöhe von durchschnittlich 1.2 m erreichte. Das war die Kampflinie. Jede einfallende Granate warf diese Mauer ein und verursachte Steinsplitterung. Um sich gegen diese etwas zu schützen, wurden diese Mauern durch die Kampftruppen mit der Zeit so reichlich traversiert, daß sich zwei bis vier, oft auch nur einzelne Plänkler gewissermaßen in einem eigenen Steinkasten befanden. Teilweise waren diese ,Nester1 zum Schutze gegen Witterungseinflüsse mit Brettern und Dachpappe eingedeckt. Die Verankerung des vorgelagerten dürftigen Hindernisses begegnete stets den größten Schwierigkeiten. Aber selbst diese Steinriegel boten in den kommenden Schlachten keinen ausreichenden Schutz. Waren hinter der Kampflinie keine größeren Löcher vorhanden, so boten
J) P i t r e i c h, Der österreichisch-ungarische Bundesgenosse im Sperrfeuer (Klagenfurt 1930), 239ff.
wieder nur Mauern und Steinriegel mit Flugdächern den zunächst bereitzuhaltenden Reserven Unterstand. Mauern mußten die sonst üblichen Lauf- und Verbindungsgräben ersetzen, sollten gegebenenfalls ein Rückhalt sein. Hinter losen Mauern und Steinriegeln erfolgte der Verkehr und die Versorgung der Kampftruppe. Und unter solchen Mauern fand manches Menschenleben ein unerwartetes Ende. Das war das ,steinerne Meer‘ von Doberdö, die äußere Aufmachung des Inferno.“
Wie schwer ein solch aufreibender Kampf hinter unzulänglichen, ja die Todesgefahr noch erhöhenden Brustwehren auf die Dauer auch die Moral der Truppe belasten mußte, hatte sich zumal seit dem Augenblicke gezeigt, da in der zweiten Isonzoschlacht zum erstenmal schwere italienische Brisanzgeschosse in die schütteren Schützenketten der Karstöde eingeschlagen und aus dem aufgewühlten Steinboden Felsblöcke und Steinsplitter in gewaltigen Fontänen todbringend um sich geschleudert hatten. Zu allem Überfluß ließen auch der Zug und die sonstige Anlage der ersten notdürftigen Deckungen viel zu wünschen übrig. Nicht selten waren es Landsturmtruppen gewesen, deren noch kriegsunerfahrene Führer den Verlauf dieser Verteidigungslinie bestimmt hatten, und technisches Personal und technische Leitung arbeiteten, meist aus der Heimat herbeigeholt, nach den Lehren der Friedenszeit, die durch die blutigen Erfahrungen des Krieges längst überholt worden waren.
Darüber, daß der Hauptwiderstand auch weiterhin in der ersten Linie zu leisten sein werde, waren sich alle Befehlsstellen einig. Entsprach diese Auffassung an und für sich damals noch den für alle Kriegsschauplätze aufgestellten Grundsätzen, so sprachen auf dem Karst noch besondere Erwägungen dafür: die Enge des Schlachtfeldes und die Schwierigkeiten des Stellungsbaues, die eine Zusammenfassung aller Kräfte auf eng umschriebene Aufgaben erheischten. Ebenso stimmten die Anschauungen darin überein, daß der Karstkämpfer sein Heil nicht mehr hinter lose aufgeschichteten Steinhaufen, sondern in möglichst tief in den ungebärdigen Boden gesprengten und gebohrten Gräben zu suchen habe. Natürlich konnte die Herstellung solcher Deckungen nur zum geringeren Teil Aufgabe der Kampftruppen sein. Es mußten technische Truppen, Arbeiterabteilungen, manchmal — in Stunden höchster Not — auch brave russische Kriegsgefangene1), herbeigeholt werden und elektrische Gesteinsbohrer, Sprengmittel aller Art, darunter auch flüssige
Die Verwendung Kriegsgefangener zu solchen Arbeiten war zweifellos völkerrechtswidrig. Doch sind solche Verstöße bei allen am Kriege beteiligten Mächten vorgekommen.
Luft, die nahe hinter der Front in eigenen Anlagen erzeugt wurde, fahrbare elektrische Beleuchtungszüge sowie andere Errungenschaften der Technik beim Stellungsbau in ihre Rechte treten1). In der Frage der Aufteilung der technischen Gruppen und Geräte kam ein längst bestehender Gegensatz zwischen dem Befehlshaber der 5. Armee und dem Generalstabschef der Südwestfront zu offenem Ausbruch. Boroevic sah in dem sachlich gewiß gerechtfertigten Wunsche des Frontkommandos, die technischen Gruppen nicht als gesonderte Formationen, sondern unter der Leitung der vor allem am Stellungsbau interessierten Führer zu verwenden, und noch mehr in dem Bestreben des Marburger Hauptquartiers, die Durchführung dieses Wunsches durch besondere Organe überwachen zu lassen, einen unerträglichen Versuch des Generalstabschefs, in die Befugnisse des Armeekmdos. einzugreifen. Nur mit Mühe gelang es der Heeresleitung, die Kluft — allerdings mehr äußerlich — zu überbrücken.
Bemerkenswerterweise stieß der Stellungsbau auch bei der Truppe selbst auf gewisse Widerstände, die erst allmählich überwunden wurden. Hieß es für sie doch, dieser Arbeit zuliebe auf die wenigen Ruhe- und Nachtstunden zu verzichten, die ihr der Kampf und der Sicherungsdienst gönnen mochten2). Auch ist es klar, daß das Werk bei allem Aufgebot an Kräften viel langsamer fortschritt, als es die Kampflage gefordert hätte. Als der Feind in der zweiten Oktoberhälfte zum drittenmal gegen die öst.-ung. Stellungen anzurennen begann, war nur gerade das Allernotwendigste geschehen.
Mit der Einrichtung der vordersten Linie war es selbstverständlich nicht getan. Es mußten auch Deckungen für Reserven, Stellungen für die Artillerie sowie Verbindungsgräben geschaffen werden, wobei man nicht versäumte, die zahlreichen Dolinen und Karsthöhlen nutzbringend zu verwerten.
„Selbst in dieser Steinwüste gab es“, schreibt GM. Pitreich3), „auch Oasen, die für die Karstverteidiger die größte Rolle spielten. Das waren die großen und tiefen Karstlöcher, ,Dolinen' genannt. Dort gab es, an die feindwärtigen Steilränder angeklammert, doch einigen Schutz gegen
a) Die Elektrizität wurde damals auch zum erstenmal an geeigneten Stellen, so bei Tolmein und bei Görz, zum Laden der Drahthindernisse mit Starkstrom verwendet; der Nutzen für die Verteidigung war geringer als man erhofft hatte.
2) Veith, Die Isonzoverteidigung bis zum Falle von Görz (Mil. wiss. Mitt., Jhrg. 1931, 1052).
3) Pitreich, Sperrfeuer, 240f.
das höllische Feuer. Dort fand man stellenweise sogar auf dem Grunde des Bodens einigen Humus, der einerseits lebendes Grün sprießen ließ und andrerseits entschwundenes Leben notdürftig zu verhüllen vermochte. Dort wurden die bescheidensten Existenzbedingungen zur köstlichsten Quelle des dringendsten Lebenserfordernisses. Dort rückwärts in der Doline war vor allem, zum Unterschiede von der furchtbaren Wüste vorne, ,Leben‘ zu finden. Von dort aus leiteten die niederen Kommandostellen Tag und Nacht die Verteidigung und Versorgung der ihnen anvertrauten Kampfzonen. Aus den dort nächtlicherweile aufgestapelten Vorräten war der Bedarf an Wasser, Verpflegung, Munition und sonstigem Kriegsmaterial zu decken. Dort fand der wunde Krieger erste sachgemäße Hilfe, die seine Abgabe in rückwärts gelegene Heilanstalten ermöglichte oder ihm wenigstens die Qual seiner letzten Stunde erleichterte ... Nichts war unter solchen Umständen natürlicher, als gerade im Bereiche dieser Kraftzentren durch tieferes Eindringen in die umschließenden Felswände die beschränkte Zone sicheren Daseins zu erweitern. Dort wurde also mit besonderem Eifer gehämmert, gebohrt und gesprengt. Wie schwer es aber war, auf diese einzig mögliche Art endlich bombensichere Unterkünfte zu schaffen, zeigt der Umstand, daß bis zum Beginne der nächsten Schlacht [der dritten] auf der ganzen Karsthochfläche — eingerechnet die dort erschlossenen Höhlen — erst knapp 2000 Mann auf diese Weise Schutz finden konnten. Alles übrige hatte sein Leben unter einfachen Bretterdächern mit Erd- und Sandsackauflage — kaum regen- und splittersicher — zu fristen.“
Weit hinten wurden die Ortschaften als Erholungsquartiere verwendet und, wo es solche nicht gab, Barackenlager eingerichtet. Die Truppen genossen die hier winkenden Wohltaten aber viel, viel seltener, als es erwünscht gewesen wäre. Der Mangel an Streitkräften hielt sie immer wieder weit über Gebühr in den Stellungen fest.
Die Waffen der Verteidigung
Neben dem Ausbau des befestigten Gefechtsfeldes sollten die zahlreichen Kampfmittel, die das Zeitalter der Technik dem blutigen Völkerkriege allenthalben bot, dem Verteidiger Stärke und Rückhalt leihen. An der Spitze dieser Kampfmittel stand das Geschütz mit all seinen Spielarten von der kleinkalibrigen Grabenkanone bis zum schwersten Mörser und zum schwersten Schiffslangrohr. Es war besonders Boroevic,
der im Hinblick auf die artilleristische Überlegenheit des Feindes immer
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wieder die Forderung nach Vermehrung der Geschützmassen allen anderen Wünschen voranstellte. Die übergeordneten Befehlsstellen verschlossen sich der Berechtigung dieses Verlangens nicht. Als Hauptgeschütz wurden, wie das Frontkommando in einer Denkschrift hervorhob, 15 cm-Haubitzen, dann mittlere Flachbahngeschütze und möglichst viele moderne Feldhaubitzen benötigt, wogegen ein Mehr an Feldkanonen nicht dringend war.
Die Heeresleitung plante, möglichst bald den überwiegenden Teil der auf anderen Kriegsschauplätzen freiwerdenden modernen Artillerie und der artilleristischen Neuerzeugnisse im Südwesten zu verwenden. Da aber die mobilen schweren Batterien im Sommer 1915 zur Bezwingung der großen russischen Festungen benötigt wurden, konnten der 5. Armee als unmittelbare Hilfe vorerst nur drei 10.4 cm-Kanonenbatterien und eine 30.5 cm-Mörserbatterie zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig wurden Verhandlungen über den Ankauf schwerer Geschütze im Auslande angeknüpft und das k.u.k. Flottenkommando ersucht, Marine-und sonstige schwere Geschütze, die etwa in der Seefestung Pola entbehrlich waren, an die Armee abzugeben.
Dem Notruf der Südwestfront hatte die Marineverwaltung bereitwilligst entsprochen. Sie stellte als Fernkampfartillerie eine 12 cm- und acht 15 cm-Marinekanonen bei, deren Einbau in Beton noch im August beendet werden konnte. Damit erhielt die 5. Armee den Grundstock zu einer Flankierungsgruppe nächst der Hermadahöhe, die in einer ganzen Reihe späterer Schlachten mit ausschlaggebendem Erfolge an der Abwehr der italienischen Großangriffe gegen den Südflügel mitwirkte.
Aber auch ältere brauchbare Geschütze aus den Festungen wurden an den Isonzo gebracht, um das Feuer gegen die feindliche Infanterie und die im Nahbereiche stehende italienische Artillerie zu verstärken, welche Aushilfe sich durchaus bewährte. Schließlich wurden zahlreiche 9 cm-Feldkanonen und Gebirgskanonen M. 99 der 5. Armee zugewiesen, um als Sturmabwehrartillerie bei Nahangriffen oder zur Flankierung von Stellungsteilen Verwendung zu finden.
Hand in Hand mit der Vermehrung der Artillerie durch den Zuschub von anderen Fronten her und durch Neuaufstellungen ging die Umbewaffnung vieler Batterien mit neuzeitlichen Gebirgskanonen, Feldhaubitzen und schweren Feldhaubitzen M. 15, deren Großerzeugung eben jetzt in Gang gekommen war1). Die Umbewaffnung erforderte
x) Die Verwendung der vor dem Kriege von ausländischen Staaten bestellten, aber durch den Kriegsausbruch nicht mehr abgelieferten neuzeitlichen Geschütze war schon früher erfolgt (China- und Türkeibatterien).
bedeutende organisatorische Maßnahmen verschiedener Art und neben der allmählichen Ablösung der Batterien viel Zeit für die Ausbildung der Truppe mit dem neuen Material. Die Umbewaffnung wurde erst im Frühjahre 1916 abgeschlossen.
Trotz der bis Mitte Oktober durchgeführten, nicht unerheblichen Vermehrung der Artillerie am Isonzo konnte die notwendige Zahl der gerade hier sehr erwünschten Steilfeuerbatterien nicht in genügendem Umfange erreicht werden.
Die Gesamtzahl von 462 Geschützen (darunter 62 mittlere und schwere), die am Ende der zweiten Schlacht32) eingestellt waren, konnte bis Anfang Oktober auf 604 Rohre (darunter 108 mittlere und schwere), also um ein Viertel, erhöht werden.
Die Erfolge der Artillerie in den Sommerschlachten und in den Kämpfen am oberen Isonzo hatten den Beweis erbracht, daß sie gelernt hatte, in engster Zusammenarbeit mit der Infanterie Vorzügliches zu leisten. In den Karpathenkämpfen hatte oft das gegenseitige Verständnis gelitten; hier am Isonzo war zwischen den beiden Hauptwaffen das beiderseitige Vertrauen und Zusammenwirken unter dem furchtbaren Druck der Ereignisse in geradezu vorbildlicher Vollendung zustande gekommen. Dabei hatte sich die Artillerie vollkommen den Eigentümlichkeiten des Kriegsschauplatzes angepaßt. Sie widerstand der naheliegenden Versuchung, die an sich überaus wertvollen Erfahrungen der Westfront kritiklos auf Verhältnisse zu übernehmen, für die sie nicht zutrafen. So blieb am Isonzo, als im Westen längst das flankierende Sperrfeuer durch frontales ersetzt wurde, das erstgenannte durchaus aufrecht, und zwar mit allergrößtem Erfolge33).
Die wirksame Bekämpfung besonders lästiger feindlicher Batterien durch zielsicheres Feuer schwerer Batterien, die Zerstreuung oder Zersprengung feindlicher Ansammlungen für einen Angriff, der darnach oft gar nicht zur Ausführung kam, das besonders treffliche flankierende Sperrfeuer leichter Kaliber, in dem italienische Nahangriffe wiederholt zusammenbrachen, — all dies legte Zeugnis ab, in welch hohem, anerkennenswertem Maße unsere Artillerie sich ihrer schweren Aufgabe gegenüber der an Zahl, Wirkungsfähigkeit und Munitionsaufwand weit überlegenen feindlichen gewachsen zeigte.
Die Beobachtung sowie die sichere gegenseitige Verständigung der Waffen, die schlagartige Auslösung des Feuers auf jeden gewünschten Punkt war geradezu mustergültig organisiert und klappte bewunderungswürdig1).
Auf zweckmäßige Gruppenbildung, engste Fühlungnahme mit der Infanterie und Haushalten mit der nur in bescheidenen Mengen verfügbaren Munition wurde größtes Gewicht gelegt2). Immer wieder erinnerte die Heeresleitung an die zwingende Nötigung, mit der Munition zu sparen und für Stunden des Höchstbedarfes Reserven anzulegen.
Der Artillerie traten die anderen modernen Schießwaffen zur Seite. Die Einstellung einer zweiten Maschinengewehrabteilung bei allen Feldbataillonen wurde zuerst — im September — bei der 5. Armee in Angriff genommen. Gleichzeitig erhielt jede Kompagnie eine Anzahl von Zielfernrohrgewehren. Die Zahl der für den Graben- und Sappenkampf besonders wertvollen Minen- und Granatwerfer wurde erhöht und auch durch neue Modelle vermehrt. Kleinkalibrige Infanteriegeschütze, Flammenwerfer, verbesserte Handgranaten, Gewehrgranaten und leicht tragbare Stahlschutzschilde für besonders ausgesetzte Posten vervollständigten, von der Truppe, im Anfang wenigstens, nicht immer vertrauensvoll begrüßt und verwendet, das Arsenal der Karstverteidiger, das allerdings auch jetzt noch einen Vergleich mit dem der Angreifer nicht im entferntesten zuließ3).
Ganz besonders empfindlich blieb dieser Vorsprung in der Rüstung
J) Die Angaben der vorangehenden drei Absätze stützen sich auf Veith, Die Isonzoverteidigung, 1053.
2) Die Heeresleitung gab am 3. September eine Zusammenstellung über die Leistungsfähigkeit der Munitionserzeugung in der Monarchie an alle Armee- und Korpskmdos. zur Kenntnis mit der Absicht, den höheren Führern die Notwendigkeit des Sparens mit Munition vor Augen zu halten und fortgesetzte große Anforderungen als nicht erfüllbar, daher zwecklos, zu verhindern. Täglich wurden 40.000 bis 50.000 Schuß aller Kaliber erzeugt, sonach entfielen für jedes Geschütz im Tage 10 bis 12 Schuß.
3) Im August 1915 wurden von der 91. ID. in Tirol 1000 Stück Dragoner- und Feuerwehrhelme zum Schutz gegen die Splitterwirkung der Artilleriegeschosse erbeten. Solches Schutzes hätte selbstverständlich auch der Karstkämpfer bedurft. Es sollte aber noch länger als ein Jahr dauern, ehe reichsdeutsche Konstrukteure in dem für das heutige deutsche Kriegerbild so charakteristischen Stahlhelm eine ebenso glückliche wie ästhetisch wirkende Lösung erfanden.
des Italieners auch auf dem Gebiete des Luftkrieges. Italien konnte vom Mai an seine gesamten Luftstreitkräfte mit vorzüglichen Typen von Land- und Seeflugzeugen sowie mehrere Lenkluftschiffe gegen unsere Südwestfront und insbesondere an der Hauptfront am Isonzo verwendenx). Die wenigen öst.-ung. Fliegerkompagnien waren zwar sehr rührig und behaupteten bis zum Beginne der italienischen Herbstoffensive noch die Luftüberlegenheit, vermochten aber bei ihrer geringen Zahl kaum alle verlangten Aufgaben zu lösen. Zu ihrer Entlastung, vornehmlich zur Ergänzung der Artilleriebeobachtung, erhielt die 5. Armee im August und September einige Fesselballonabteilungen zugewiesen.
Die ivirtschaftliche Versorgung der Isonzofront
Der Kriegsschauplatz am Isonzo gehörte zu den ärmsten Gebieten der einstigen Donaumonarchie. Nur das untere Wippachtal südlich von Görz zeigte noch einen Abglanz des Reichtums der venetianischen Ebene, die sich vom unteren Isonzo gegen Westen hin erstreckt. Dem Karst nördlich von Görz und noch mehr dem von Doberdö mangelte alles, wessen Truppen zu ihrem Unterhalt bedurften. Auf dem von Doberdö mußten selbst Holz und Wasser herangeführt werden. Die Wasserversorgung gehörte zu den schwierigsten Aufgaben wirtschaftlicher Art, die auf dem Karst zu lösen waren. Sie war für Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Isonzokämpfer von entscheidender Bedeutung. In sanitärer Hinsicht sei erwähnt, daß sich im Sommer 1915 vorübergehend die Cholera als gefährlicher Gast in den Stellungen und Lagern der Isonzokämpfer eingefunden hatte; sie nahm aber kaum irgendwo den Charakter einer Epidemie an und wurde nach wenigen Wochen ganz vertrieben.
Mit den Wintervorsorgen hatte es etwas länger Zeit als an der Gebirgsfront, wo darüber Näheres zu sagen sein wird; auch der Umfang dieser Vorsorgen brauchte nicht so groß zu sein. Wohl aber heischten die dieser Gegend eigenen Herbst- und Winterstürme der Bora, die in schneidender Kälte über die Karstflächen hinwegfegen, rechtzeitige Aus-
x) Italien verfügte bei Kriegsbeginn über 15 Squadrillen Landflugzeuge, eine Anzahl von Wasserflugzeugen und 8 Lenkluftschiffe. Hievon standen der italienischen Führung am Isonzo jederzeit 12 Squadrillen, alle Seeflugzeuge und 4 Lenkluftschiffe zur Verfügung. Demgegenüber hatten die öst.-ung. Streitkräfte Mitte Oktober am Isonzo bloß vier, in Kärnten nur eine und in Tirol zwei Fliegerkompagnien zu je 4 bemannten und 2 unbemannten Flugzeugen. Das öst.-ung. Seefliegerkorps (etwa 30 Seeflugzeuge) war in mehreren Stationen von Triest bis Cattaro auf 600 km Küstenfront verteilt.
gäbe wärmerer Uniformen sowie sonstige Schutzmaßnahmen zur Erhaltung des Gesundheitszustandes von Mann und Offizier.
Die erfolgreiche Versorgung der Karstkämpfer mit Wasser war eine Leistung von höchster Bedeutung. Zunächst galt es, die Hochfläche von Doberdö zu versorgen. Dies erfolgte in ihrem südlichen Teile durch ein Pumpwerk aus dem dort befindlichen kleinen See; im nördlichen Teile durch Zufuhr aus dem Wippachtale. Gleichzeitig wurde auf der Hochfläche von Comen der Bau einer eigenen Wasserleitung nach einem grundlegenden Friedensprojekt für die Karstbewässerung begonnen. Mit der Zeit führten Stränge dieser Wasserleitung, die teilweise durch natürliche Quellen, teilweise durch Zisternenzüge gespeist wurde, bis Brestovica, Nova Vas, Oppacchiasella und selbst bis gegen den Mt. S. Michele, dem außerdem von Merna aus eine Pumpanlage Wasser zuführte. Später erst begann man mit dem Bau einer Hochquellenleitung von Nanos über Batuje—Dörnberg, von wo ein Pumpwerk das Wasser der Hochfläche zuführte. Diese Arbeiten wurden aber erst im Jahre 1916 beendet.
Die Hauptlebensader für die Versorgung der Front im Görzischen und auf der Karsthochfläche bildete die aus dem Innern der Monarchie heranführende leistungsfähige Südbahn, die sich in Opčina, knapp nördlich von Triest, mit der Staatsbahnlinie Triest—Görz kreuzte. Von diesem Bahnknoten führte die Südbahn über Nabre-sina gegen Monfalcone zur Front längs der Steilküste des Karstes und im Feuerbereiche der in den Lagunen der Sdobbamündung befindlichen Marinegeschütze. Sie versorgte, ungeachtet häufiger Fliegerangriffe und Beschießungen der Bahnanlagen, den Südflügel der 5. Armee und hielt nachts den Verkehr sogar bis Duino-Sistiana aufrecht.
Von Opčina führte nordwärts quer über die Karsthochfläche und dann herab ins Wippachtal die Staatsbahnlinie nach Görz. Auf ihr erfolgte der Zuschub in den Abschnitt des XVI. Korps, von den Stationen Reifenberg und Dörnberg auch auf den nördlichen Teil des Karstes. Dauernder Endpunkt der Bahn im Görzer Becken war die Station Ovčja Draga (Volčja Draga), doch wurden in dringenden Fällen Züge in kühner, nächtlicher Fahrt oft auch bis in den Staatsbahnhof von Görz vorgeführt.
Unter den allerungünstigsten Nachschubverhältnissen hatten in den Sommerschlachten die Truppen auf der weit aus der Front vorspringenden Hochfläche von Doberdö gefochten. Um die Versorgung dieses Abschnittes zu erleichtern und den Zuschub von den bisherigen Endpunkten der Vollbahnen zu verkürzen, entschloß sich die Quartiermeisterabteilung zum Bau einer Kraftwagenbahn, die, von der Staatsbahnstation Duttoule-Skopo ausgehend, die Karsthochfläche von Comen der Länge nach durchzog und etwas westlich von Kostanjevica endete. Der Bau dieser Bahn wurde sofort nach dem Abflauen der zweiten Isonzoschlacht am 10. August begonnen, der erste Teil der Strecke bis Comen schon am 5. September, die Fortsetzung bis Kostanjevica am 25. desselben Monates vollendet und in Betrieb genommen. Die Züge dieser normal-spurigen Bahn bestanden aus benzinelektrischen Triebwagen und zehn Anhängern mit einer Nutzlast von 60 Tonnen. Sie bildete in der Folge die wichtigste Zuschubslinie für die Truppen auf dem Karst in allen Isonzoschlachten bis zum Zurückwerfen der Italiener im Herbst 19171). Weiter nördlich beim XV.Korps wurden die über Wocheiner Feistritz herangeführten Züge bis St. Luzia geleitet. Vom 22. September an zwang feindliches Artilleriefeuer dazu, die Auswaggonierung nach Podmelec zurückzuverlegen.
J) Der Bau einer Motorfeldbahn von Ovčja Draga über Biglia ins Vallonetal wurde geplant. Es kam aber nicht mehr zu ihrem Bau.
Die Einrichtung der Alpenfront
Für den Krieg im Gebirge und insbesondere für den in den Alpen war die Wehrmacht Österreich-Ungarns — nicht zuletzt dank dem Wirken ihres Generalstabschefs Conrad v. Hötzendorf — mehr vorbereitet als irgendeine Armee der Welt. Der Grundsatz früherer Epochen, daß das Gebirge für die Kriegführung nur als „Durchzugsland“ in Betracht komme, war von den Lehrmeistern der Armee längst über Bord geworfen worden. So hatten denn auch die zusammengewürfeltenTruppen, die im Frühjahr und im Sommer 1915 die ersten Kämpfe in den Julisch-Karnischen Alpen, in den Dolomiten, auf der Hochfläche von Vielgereuth— Lafraun (Folgaria—Lavarone) und auf den gletschergekrönten Grenzriesen Westtirols auszufechten gehabt hatten, voll ihren Mann gestellt. Dennoch bot jeder Tag in den Felsschluchten, zwischen den Dolomitentürmen und im ewigen Schnee neue Erfahrungen und Lehren, die von den Truppen und ihren Führern beherzigt und ausgewertet werden mußten. Zudem stand der Winter vor der Türe, der die Kriegführung — wie Erzherzog Eugen schon im Juli in nachdrücklichen Weisungen hervorgehoben hatte — vor neue, schwere Aufgaben stellte.
Wohl konnte das Alpengebirge auch in Hinkunft nicht der Schauplatz so gewaltiger Massen- und Materialschlachten werden, wie man sie am unteren Isonzo oder gar in Nordfrankreich erleben sollte. Was aber etwa dadurch den Kampfhandlungen im Gebirge an Wucht abgehen mochte, das wurde durch die gewaltigen Hemmnisse, die eine gigantische Natur der Führung und Nahrung des Alpenkrieges entgegensetzte, und durch das oftmalige verheerende, viele Menschenopfer fordernde Wüten entfesselter Elemente in beträchtlichem Ausmaße wettgemacht.
Diesen Unterschied bekam schon der einzelne Kämpfer entscheidend zu fühlen. Wohl verfügte das Habsburgerreich in seinen alpenländischen Regimentern und Bataillonen über Truppen, die allen Anforderungen des Krieges im Hochgebirge, ihrer engeren, heißgeliebten Heimat, vollauf gewachsen waren, und die Heeresleitung zeigte sich denn auch seit dem Ausbruch des italienischen Krieges bestrebt, diese Truppenverbände möglichst zahlreich an der Alpenfront oder doch gegenüber dem neuen Feinde einzusetzen, womit sie ihnen auch den sehnlichsten Wunsch erfüllte. Aber die gespannte Lage an anderen Fronten und mitunter auch deren Festigkeit erlaubten es weder damals noch später, dieses Streben zum allein geltenden Grundsatz zu erheben. Zudem hätten bei aller
Schütterkeit der Besetzung diese Truppen der Zahl nach kaum hingereicht, die 500 km lange Alpenfront ausschließlich durch sie allein zu speisen. Es war unvermeidlich, neben ihnen und den eines geregelten Ersatzes entbehrenden und daher zusammenschmelzenden Landstürmern, Standschützen und sonstigen Freiwilligen auch Truppenteile aus anderen Gauen des Reiches unter die Gebirgskämpfer einzureihen. Hiebei stellte sich heraus, daß auch der Sohn des Flachlandes und der Industriebezirke, so er überhaupt zum Soldaten taugte, den gewöhnlichen Anforderungen des Gebirgskrieges ausreichend gewachsen war, wenn man ihn nur dafür schulte und vorbereitete. „Denn die Ausbildung des Gros der im Gebirge operierenden Truppen“, schreibt ein im alpinen Kriege besonders erfahrener Offizier *), „braucht nicht viel weiterzugehen, als den Mann für die ungewohnte Bewegung widerstandsfähig zu machen und ihn über die typischen Gefahren des Gebirges und ihre Vermeidung aufzuklären... Gerade jene Teile des Gebirgslandes, Hochebenen, Pässe, Täler, in denen Massenentfaltungen, daher auch Kampfhandlungen größeren Stils möglich sind, gehören im großen ganzen nicht zu den mit technischen Fertigkeiten zu bewältigenden Gebieten.“
Anders stand es um den alpinen Krieg im engeren Sinne des Wortes. Er war das besondere Betätigungsfeld der für ihn geschaffenen Hoch-gebirgs- und Bergführerkompagnien, die sich fast ausschließlich aus besonders gebirgsgewohnten Söhnen der Alpenwelt, Hochtouristen, Bergführern usw. zusammensetzten. „Nur zähe, moralisch und physisch starke, ganze Soldaten, hart und womöglich berggewohnt, nur solche, die die Berge lieben, aber auch den Tücken und Hinterhalten des ewig wachenden und ewig drohenden Berggeistes gewachsen sind, erscheinen tauglich zur erfolgreichen Führung des Alpenkrieges. Gesundheit an Körper und Seele bedingen einander wechselseitig. Der Alpenkämpfer muß daher stark im Wollen und Vollbringen, stark im Ertragen aller Widerwärtigkeiten sein... Zu diesen Erkenntnissen haben wir unsere Alpenkämpfer erzogen; freilich waren dieselben im Frieden vielfach Gemeingut unserer prächtigen Kaiserjäger- und Kaiserschützenregimenter. Aber die Not der Zeit ließ diese hervorragenden Eigenschaften meist nicht in den Bergen zur Entwicklung gelangen, wofür die Soldatenfriedhöfe in Russisch-Polen und in den Pripetsümpfen beredtes Zeugnis ablegen... Wir mußten daher, als der italienische Krieg ins Rollen kam, so ziemlich von vorne beginnen, erzielten aber Hochgebirgs- und Bergführerkompagnien, deren
1) Oblt. i. d. Res. Dr. Rudolf Freih. v. S a a r in „IR. 14, Ein Buch der Erinnerung an große Zeiten 1914—1918“ (Linz 1919), 346 ff.
herrliche Leistungen in den Alpen vorbildlich bleiben für alle Zeiten1).“ Während die Kriegführung in den Regionen des ewigen Schnees im Wesen die Domäne der Hochgebirgskompagnien bildete, fiel den Bergführerkompagnien mehr der alpine Mentordienst bei den anderen Truppen zu. An zahlreichen Punkten hinter der Front wurden besondere alpine Kurse veranstaltet; großes Gewicht wurde auf die Ausbildung möglichst vieler Skifahrer gelegt.
„Hand in Hand mit alldem ging noch eine ausgedehnte alpine Propaganda; Flugschriften, Merkblätter, Instruktionen machten Offizier und Mann mit dem ABC des Alpinismus bekannt. Der erzieherische Erfolg aller dieser Maßnahmen war ein schlagender: Steppensöhne, Städter, Mittelgebirgler — alle erlernten im notwendigsten Maße die Anpassung an das Gebirge, verloren die abergläubische Scheu vor den Bergen . .. Furchtbar und verborgen lauert das Verderben in den Bergen. Hüllt es sich nun in das weiße Gewand der Lawine, donnert es herab im alles zermalmenden Steinschlag, zuckt es nieder im lohenden Blitze, gähnt es empor aus der geborstenen Tiefe blauer Eisströme, fegt es in Mark und Bein verzehrendem Eishauch über die Schneefelder oder schleudert es von jäher Wand den Kletternden nach losgelöstem Griff rücklings in die Tiefe — nirgends tritt es mit offener Stirn dem Eindringling entgegen. Versteckt und geduckt wartet es sprungbereit auf sein Opfer. Wehe dem, der es nicht voraussieht. Das hatte der einzelne zu lernen! Über das hinaus war die Sicherung des Lebens der Truppen höchste Aufgabe der Bergführerformationen .. ,2)“
Neben der Eingewöhnung der Truppen in den Gebirgsdienst war es vor allem der Stellungsausbau, der die besondere Aufmerksamkeit der Führer aller Grade auf sich lenken mußte. Mit der technischen Einrichtung des Kampffeldes sah es gegen Ende des Sommers vielfach nicht erheblich besser aus als am Isonzo; zumal dort, wo die steten Kämpfe dem Verteidiger keine Zeit zum Sprengen und Graben gelassen hatten, hatte man sich mit sehr wenig bescheiden müssen: „ein in den Felsen
*) Lempruch, Der König der deutschen Alpen und seine Helden (Stuttgart 1925), 33. — Was hier für die Kaiserjäger und Kaiserschützen gesagt ist, gilt selbstverständlich auch für die anderen alpenländischen Regimenter und Bataillone.
2) IR. 14, ein Ehrenbuch der Erinnerung, 347, dem auch weiterhin alle unter Anführungszeichen gesetzten Stellen dieses Abschnittes entnommen sind, soweit dies nicht besonders vermerkt ist. In der belletristischen Literatur finden sich eindrucksvolle Schilderungen des Alpenkrieges bei Schöpflin, Ich bin gesund —■ es geht mir gut (Weidlingau-Wien 1931), und bei T r e n k e r, Berge in Flammen. Ein Roman aus den Schicksalstagen Südtirols (Berlin 1931).
gesprengter, ziemlich seichter Graben mit einer Brustwehr aus Sandsäcken, davor Drahthindernisse1).“ Dabei stand man an einzelnen Punkten dem Feinde so nahe gegenüber, daß man das Weiße seiner Augen sehen konnte.
Da hieß es nun entschlossen an die Arbeit gehen und ein Werk der Kriegstechnik in Angriff nehmen, das, ohne je fertig zu sein, von Monat zu Monat nach Umfang und Mannigfaltigkeit wuchs und an dessen unablässiger Vervollkommnung der einfache Schütze und Landsturmarbeiter ebenso seinen Anteil haben sollte wie der geschulte Sappeur und der leitende Ingenieuroffizier. Tiefe Gräben mit Zwischenwällen spalteten Joche, Hochflächen und Grate. Steinumgürtete Beobachtungsposten krönten die Gipfel und die Dolomitentürme oder bohrten sich in den ewigen Schnee. Tiefe Keller und lange Galerien wurden in den Leib der Alpenriesen gesprengt. Lagen die Kavernen dem Feinde zu, dann lugten hinter den Scharten Geschützrohre und Maschinengewehre hervor; waren sie vom Feinde abgekehrt, dann dienten sie den Truppen als Unterkunft und Magazin und wurden so wohnlich wie möglich eingerichtet. Auch Baracken waren an die Felswände geklebt oder bargen sich in stillen Tälern vor den Blicken des stets wachsamen Feindes. Tiefe Verbindungsgräben und -Stollen verbanden die Felsstellungen untereinander und mit den Unterkünften, schmale, dem Stein abgerungene, durch Seile notdürftig gesicherte Felssteige führten aus dem Tale zu ihnen empor. So gestaltete sich allmählich die Umwelt des Alpenkämpfers in mühevoller, kräfteraubender, gefährlicher Arbeit; eine Umwelt, die er nur für wohlgezählte Tage mit der Rast in einem der zu seinen Füßen liegenden Gebirgsdörfer oder Barackenlager oder gar mit einer ,,Re-tablierung“ in der Drauniederung oder im sonnendurchwärmten, rebenumgrenzten Etschtale tauschen durfte. Kam es zu einer solchen ,,Reta-blierung“, in der man aus einem Höhlenbewohner wieder Mensch wurde, dann erwies sie sich meist als Vorbotin kommender noch schwererer Tage.
In betreff der artilleristischen Ausstattung der Gebirgsfront und der Angriffs- und Abwehrwaffen, deren Verwendung in Betracht kam, kann auf das bei der Isonzofront Gesagte verwiesen werden, wobei es sich von selbst versteht, daß die Bestückung der Gebirgsfront wesentlich hinter der des Isonzoschauplatzes zurückstehen mußte. Zu bemerken wäre vielleicht, daß sich im Hochgebirge den neuzeitlichen Kampfmitteln auch wieder solche aus längst vergangenen Epochen beigesellten: künstliche Lawinen und Felsstürze, Steinbatterien u. dgl. m. Daneben
x) H o e n, Geschichte des IR. 59, 392.
kam der Minenkrieg, allerdings unter Anwendung aller Errungenschaften der modernen Sprengtechnik, in einzelnen Fällen zu furchtbarer Geltung.
Der Übermittlung von Nachrichten und Befehlen dienten — selbstverständlich neben dem Meldemann mit und ohne Skier und neben dem auf Straßen gewiesenen Kraftwagen — Fernsprecher, Fernschreiber und Blinkergerät, die der Truppe in möglichstem Ausmaße zugeführt werden mußten. Der Nachschub sollte durch Kraftwagen aller Typen tunlichst nahe an die Stellungen herangebracht werden. Überall hinter der Front setzte emsiger Straßenbau ein, der im Laufe der Jahre schöne, den Krieg überdauernde Ergebnisse zeitigte. Tiefer im Gebirge hatten den Motor der Gebirgswagen, der Karren, der Schlitten, das unermüdliche Tragtier abzulösen. Versagten sie alle, kam der Mensch an die Reihe. „Endlose Trägerkolonnen stampften in eintönigem Trott, die Last auf dem Rücken, tagein, tagaus die schmalen Serpentinensteige vom Tal zur Höhe. Schritt um Schritt und Tritt um Tritt, wie ein mechanisch getriebenes Gefüge. Willenlos, seelenlos ging es bergauf, bergab. In Schnee und Regen, Sturm und Wetter, im glühenden Sonnenbrände, im sengenden Eissturm.“ In dieses stille Heldentum, das ungezählte Opfer durch feindliche Geschosse und durch die Naturgewalten forderte, teilten sich die Truppen mit besonderen Trägerabteilungen, sowie mit den Einwohnern und auch wieder mit russischen Kriegsgefangenen, deren melancholische Gesänge dann wohl ab und zu bei einer kurzen Rast von den Bergwänden widerhallten.
Zum unentbehrlichen Rüstzeug jeglichen Nachschubes im Gebirge begann frühzeitig die Seilbahn zu werden, deren Stränge alsbald den ganzen Raum hinter der Front mit einem sich immer mehr erweiternden Netz umspannten. Von dem einfachen, mit Menschenkraft betriebenen Aufzug und Bremsberg zur Versorgung kleiner Kräfte auf unzugänglichen Zinnen über die motorisch bewegten Feldseilbahnen, die bei Überwindung großer Höhenunterschiede tiefe Schluchten überspannten und oft kilometerweit ins Gebirge reichten, bis zur leistungsfähigen Schwerseilbahn waren mannigfaltige Typen vertreten, die mit der Fortdauer des Krieges und dem Anwachsen des Materialbedarfes an Zahl und Leistungsfähigkeit Zunahmen. „Was so an animalischer Arbeit erspart wurde, geht in die Millionen Pferdekräfte ... Und welche Lasten schleppten die luftigen Gebilde! Kanonen und Maschinen wurden wie Verpflegung und Munition durch sie befördert. Den schweren Bahnen vertraute man auch den Personenverkehr an. Unbeeinflußt von der
Witterung, vom Feinde wohl beschossen, doch verhältnismäßig unempfindlich, stellten diese Bahnen die Vorbedingung für jeden dauernden Gebirgskampf dar.“
„Trotz dieser Behelfe war natürlich an einen gänzlichen Ausschluß der animalischen Zuschubkräfte nicht zu denken. Andrerseits kostete die Anlage der Verkehrsmittel unendliches Menschenmaterial, das unablässig an ihrer Herstellung arbeitete. So vereinfachte und erleichterte wohl der technische Ausbau der Nachschublinien und -mittel die Versorgung, er machte aber niemals das durch die Terrain Verhältnisse aufgebotene Übermaß von Arbeits- und Hilfskräften wett, das in einem starken zahlenmäßigen Kontrast zu dem Kampfstande der Armee verblieb. Man kann wohl sagen, daß im Gebirge auf die Erhaltung jedes einzelnen Plänklers in der Front mindestens fünf Mann des Etappenraumes entfielen34).“
Der Kampf gegen den Alpenwinter
Zumal im Winter erwies sich die Seilbahn als besonderes Geschenk des Schicksals. Der Alpenwinter kam früh und hüllte nicht selten schon vom Oktober an für lange Monate Berg und Tal in eine mitunter sechs und acht Meter tiefe Schneedecke ein. Dann sanken die Stellungen unter, der Lauf der Pfade war nur mehr durch eigens eingesetzte Stangen erkennbar, die Ausgänge der Kavernen und Baracken wurden durch hohe Schneewälle verbarrikadiert. An die Stelle der in Stein gehauenen Schützengräben trat ein wohl gegen Sicht, aber kaum ernsthaft gegen Waffenwirkung sichernder Schneegraben. Schnee- und Eisgänge hatten die Felsstollen zu ersetzen. Unablässig mußte an der Freimachung der Saumpfade und Stellungseingänge gearbeitet werden. Die Besatzungen der Höhenstellungen konnten mitunter wohl erheblich vermindert, fast nie aber ganz eingezogen werden. Die Truppe sprach sich selbst gegen solche Maßnahmen aus, weil sie den feindlichen Skipatrouillen nicht die für Beobachtung und Sichtverhinderung besonders geeigneten Punkte zu leichter Beute werden lassen wollte.
Grimmen Feinden hatten die Tausende und Abertausende von Kämpfern entgegenzusehen, die dem Alpenwinter im weiten Rund vom
Krn bis zum Ortler in Stellungen in 2000 und 3000 m Höhe trotzen sollten. Einmal zeigt er seine Macht durch grausame Kälte, durch Schnee- und Eisstürme, dann wieder dadurch, daß ein Föhn über Nacht Tauwetter bringt und Wasserstürze und Gießbäche entfesselt, die alles mitreißen, was ihnen in den Weg kommt. Einmal legt er Berg und Tal in Eisfessel, dann wieder sendet er Schnee-, Gesteins- und Erdlawinen. Oft ist der Alpenkämpfer über Nacht von aller Umwelt abgeschnitten — auf viele Stunden und selbst Tage ganz auf sich und seine eigene Kraft gewiesen. Da hieß es denn schon frühzeitig mit der Ausgabe von Winterkleidung, Kälteschutzmitteln, Schneereifen, Schneemänteln, Schwarmöfen, Heiz- und Leuchtbedarf beginnen, und es mußten auch in der Front oder möglichst nahe hinter ihr Munition, Verpflegung, technisches Gerät, Arzneien aufgestapelt werden, damit die Besatzung auch dann ihr Leben fristen konnte, wenn die Verbindung nach hinten und zum Nachbarn abgerissen war.
Der gefährlichste und unbezwingbarste Feind, durch den die Elemente den Alpenkämpfer bedrohten, war wohl die Lawine, die ganzen Abteilungen von einer Minute zur anderen den sicheren Tod bringen konnte. Auch hier galt es, rechtzeitig das Möglichste vorzusorgen. Eigene Fachleute wurden zur Durchforschung des Geländes nach „Lawinenstrichen“ berufen und legten auf Grund wissenschaftlicher Wetterbeobachtung genaue Regeln für den Verkehr in durch Lawinen besonders bedrohten Gegenden fest. Die Beachtung, die dieser Gefahr geschenkt wurde, war allerdings nicht immer und überall die gleiche. Auch da mußte manches bittere Lehrgeld gezahlt werden, bis die Mahnungen und Warnungen der Gebirgsgewohnten überall das verdiente Gehör fanden. „Nun erst wußte man es ... Die Lage der Baracken wurde geprüft, der Zug der Straßen verfolgt. Warnungstafeln berieten den unkundig Wandernden; Ubikationen wurden verlegt; Schutzbauten, Dämme, Sporne, Zäune aufgeführt; Straßen wurden zeitweise gesperrt, Wege überhaupt verboten, Patrouillen auf Ski und Schneeschuhen durchquerten das Gelände, Schwächliche und Ängstliche wurden von Bergführern begleitet. Rettungs- und Sanitätsstellen wurden geschaffen; Erfahrung und Technik verbanden sich — nicht umsonst — gegen den weißen Tod ..
Auch durch alle diese vorbeugenden Maßnahmen konnte der Alpenwinter selbstverständlich seiner Mühsale, Schrecknisse und Todesgefahren keineswegs entkleidet werden. Aber sie sollten ihn doch einigermaßen erträglich machen und der Truppe jene Kampffähigkeit bewahren, der sie bedurfte, um die Front auch in schwerster Zeit gegenüber einem
Feind zu halten, der sich die Vorbereitung und Schulung für den Alpenkrieg nicht weniger angedeihen ließ und zumal in seinen Alpini hervorragende, den schwierigsten Lagen gewachsene Gebirgstruppen und in seinen technischen Abteilungen die besten Mineure der Welt besaß.
Die Gebirgskämpfe im Frühherbst 1915
(Anfang September bis Mitte Oktober)
Vergebliche Angriffe der Italiener bei Tolmein und Flitsch
Hiezu Beilage 20
Wenn es nach den Plänen Cadornas mit der Wiederaufnahme des Großangriffes am unteren Isonzo auch noch seine Weile haben sollte, so legte der Leiter der italienischen Kriegführung doch Gewicht darauf, daß diesem Angriffe durch die Gewinnung der nördlich anschließenden Räume von Tolmein und Flitsch früh genug die entsprechende Schulterfreiheit in der linken Flanke geschaffen werde. Daher mahnte er schon am 2. September die in Frage kommenden Führer, ehestens an die ihnen längst aufgetragene Eroberung der genannten Räume und der zwischen ihnen auf ragenden Bergwelt des Krn zu schreiten.
Auf das Drängen des Feldherrn unternahmen Erkundungstruppen der 7. ID. schon am 4. und 5. einige nächtliche Vorstöße gegen die Tolmeiner Stellungen der k.u.k. 1. ID., ohne jedoch Erfolge zu erzielen. Ebenso scheiterte ein Vorstoß, den die Italiener bei Dolje unternahmen, um sich für einen Überfall zu rächen, den tags zuvor an dieser Stelle Abteilungen der k.u.k. 3. GbBrig. unternommen hatten.
Am 9. um die Mittagsstunde setzte dann der Südflügel des italienischen IV. Armeekorps, die durch ein Infanterieregiment der 33. ID. sowie durch acht Alpini- und vier Bersaglieribataillone verstärkte 7. ID., zum Hauptangriff gegen denTolmeiner Brückenkopf an1). Die bis in die Nacht fortdauernden Anstürme wurden von der durch zwei Bataillone des KJR. 1 verstärkten 8. GbBrig. des XV. Korps und, wie schon in früheren Kämpfen, durch die von der Hochfläche von Lom her zielsicher flankierenden Batterien überall zurückgeschlagen. Vor den Höhen A 588 und Sv. Maria deckten Hunderte von toten und verwundeten Italienern das Kampf feld.
]) Ministero della guerra, L’esercito italiano nella grande guerra (1915—1918) — ferner als „Ital. Gstb.W.“ zitiert — (Rom 1927), II, Text, 311 ff.
Am 12. brandete — nach einem 24stiindigen Artilleriefeuer in damals noch nicht gekannter Stärke — der italienische Angriff zum zweitenmal die Tolmeiner Hügel hinan. Fünfmal rannten die Italiener unter der Führung ihrer tapferen Offiziere Sturm, aber alles Mühen und alle Opfer waren vergebens. Die zwei Kaiserjägerbataillone sowie die Bataillone IV/53 und IV/58, Kroaten und Ostgalizianer, hielten unverrückbar stand.
Inzwischen hatten die Italiener auch an den inneren Flügeln ihres
IV. Armeekorps und der Karnischen Gruppe den Angriff aufgenommen. Der italienischen Führung handelte es sich hier, im Flitscher Raume, zunächst darum, den Javorček und den Rombon zu erobern. Hiedurch sollte der Eingang in das Koritnica- und das Sočatal aufgeriegelt werden. Nach dem Gelingen dieses Stoßes hätte die Bersaglieridivision die Höhen zwischen den genannten Tälern zu gewinnen, die Gruppe Gen. Giardina hingegen als nunmehriger rechter Flügel der Karnischen Gruppe gemeinsam mit den Truppen von Nevea gegen den Predilpaß vorzugehen gehabt.
Der Beginn des Angriffes verzögerte sich, weil das Eintreffen von Verstärkungen und die Neuordnung der schweren Artillerie abgewartet werden mußten. Auf den Stellungen der 44. SchD. und auf den Sperren lag freilich schon einige Tage ununterbrochen Artilleriefeuer wechselnder Stärke. Werk Hermann und zwei mit den Werksgeschützen außerhalb der Sperre angelegte Batterien, die seit Mitte Juli unter dem Feuer schwerster Kaliber standen, wurden seit Anfang September besonders heftig beschossen, blieben aber trotz zahlreicher Treffer kampffähig. Die in der zweiten Septemberwoche zunehmende Heftigkeit des Bombardements im Raume Rombon—Vršič sowie feindliche Ansammlungen und Bewegungen vor der Front deuteten auf den baldigen Wiederbeginn der italienischen Anstürme hin.
In der Tat brach am 11. September die italienische Infanterie, 21 Bataillone in vier Gruppen gegliedert, im Raume Rombon—Lipnik gegen den 6Vs Bataillone starken Verteidiger vor1). Während die im Felsengewirr vor der Rombonstellung sich mühsam heranarbeitenden Italiener durch das zusammengefaßte Feuer unserer Batterien niedergehalten wurden und die Vorbewegung auf dem Rombonhang und im Flitscher Talkessel sofort stockte, nisteten sich Bersaglieriabteilungen auf dem Südhange des Javorček unterhalb der Verteidigungsstellungen ein. Das bewährte St. Pöltener SchR. 21 schlug bis zum Abend drei ungestüme, sehr scharfe Vorstöße gegen die Vršičvorstellung in erbitterten Nahkämpfen
x) Nach einer noch unveröffentlichten Studie des Majors Heydendorff über die Kämpfe der 87. SchBrig. am obersten Isonzo.
zurück. Gegen den linken Flügel der Division fühlten nur italienische Erkundungsabteilungen vor.
Auch am nächsten Tage blieben alle Versuche der Italiener, gegen den Rombon und die Hangstellungen vorzustoßen, erfolglos, und am Abend des 12. war der Angriff gegen diesen Berg als gescheitert anzusehen. Aber auch die Angriffsversuche entlang des Südrandes des Flitscher Kessels und gegen die Vršičvorstellung, diesmal auf dem Hange geführt, mißlangen.
Am 13. September versuchten die auf dem Javorčekhange eingenisteten Italiener vergeblich, diesen Berg zu nehmen; in der folgenden Nacht zwangen auf dem Nordflügel der 183. IBrig.1) (südlich des Lipnik) zwei Vorstöße des Linzer SchR. 2 die im Vorgelände der Hangstellung angeklammerten Alpini, auf die Kammstellung zurückzugehen.
Am 14. und 15. September widerhallte das Flitscher Becken vom Orkan des neuerlich aufgenommenen Massenfeuers der italienischen Geschütze. Alle österreichischen Höhenstellungen und die Anmarschlinien hinter der Front standen im Granatenhagel der mächtigen, im Halbkreise vom Neveasattel über Saga bis Ravne aufgestellten feindlichen Artillerie, die mit gleichbleibender Heftigkeit bis in die Dunkelheit feuerte2).
Unter dem Schutze des zusammengefaßten Feuers schob sich in den nächsten Tagen die italienische Infanterie aus dem Slateniktale noch näher gegen die Stellungen am Javorček und Vršič heran. Allem Anscheine war nach den bisherigen Mißerfolgen auf dem schwer zu erklimmenden Rombon als nächstes Ziel der Javorček gewählt worden. Mit dessen Eroberung wäre die Vršičvorstellung abgeschnitten und auch der Lipnik unhaltbar geworden. Aber die am 15. September nachmittags einsetzenden Anstürme wurden bis zum Abend im Handgranatenkampfe zurückgeschlagen und endeten für den Feind ohne Erfolg. Doch machte sich jetzt die Unzulänglichkeit unserer Artillerie an Zahl und Schußweite in schwer erträglicher Weise geltend. Es war mit den wenigen schweren Geschützen — vier 15 cm-Haubitzen und zwei 24cm-Mörsern — ganz unmöglich, die vielen schweren italienischen Batterien einigermaßen erfolgreich zu bekämpfen. Die standhaft ausharrende Infanterie bezahlte
*) Die 183. IBrig. ist in der Kriegsgliederung nicht aufgenommen, weil sie bis zum Stichtag, der für die Zusammenstellung der Streitkräfte im Südwesten gewählt wurde, dem 15. Oktober 1915, bereits aufgelöst war.
2) Das Gebirgsgeschütz auf dem Lipnik ist vom Feinde an diesem Tage allein mit über 100 15 cm-Granaten bedacht worden.
diesen Mangel mit unverhältnismäßig großen Verlusten. Zwar wurde der 44. SchD. mit Rücksicht auf die Gefahr weiterer Angriffe ein Bataillon der Armeegruppenreserve für den äußersten Notfall zur Verfügung gestellt, der Ruf nach schwerem Geschütz jedoch verhallte, ohne zunächst Gehör zu finden.
Am 16. schritt der Nordflügel des italienischen IV. Korps nach Einsatz von Verstärkungen aus der Tiefe des Flitscher Beckens nochmals zum allgemeinen Angriff gegen die Front Ravelnik—Javorček—Vršič. Gegen die Talstellungen östlich von Flitsch gewann er tagsüber nur wenig Raum. Auf dem Westhange des Javorček waren nachmittags italienische Abteilungen vor den Stellungen auf gehalten worden; östlich vom Javorcekgipfel setzten sich gegen Abend aus dem Slateniktale angreifende Bersaglierikompagnien, nachdem Hindernisse und Gräben durch Trommelfeuer zerstört worden waren, in einem schmalen, etwa zugsbreiten Abschnitte der Vorstellung fest, ohne jedoch den Stoß gegen die Hauptstellung auf dem Sattel selbst fortzuführen.
Nach kurzer Nachtruhe tobte der Kampf in den Morgenstunden weiter. Starke italienische Vorstöße gegen die Stellungen im Tale und auf den Westhängen des Javorček brachen zusammen; aber auch die im Morgengrauen dreimal wiederholten Gegenangriffe zur Wiedergewinnung der verlorenen Vorstellung gelangen nicht, veranlaßten indes die Italiener, ihre Angriffs versuche vorläufig abzubrechen.
Nach dem Scheitern der Unternehmung gegen die Höhe Javorček sollte am 17. die italienische Talgruppe den Durchbruch versuchen. Verstärktes schweres Feuer gegen die Talstellungen und die Batterien der Sperre setzte ein; die gegen den Ravelnik und nördlich davon gegen den Rombonfuß in den Nachmittagsstunden versuchten Angriffe, die stellenweise bis knapp an die Hindernisse herangetragen wurden, scheiterten im Abwehrfeuer. Hier eilte der Italiener bis in seine Ausgangsstellungen zurück, verfolgt vom Feuer des Verteidigers.
Noch einmal beschoß die vereinigte feindliche Artillerie mit äußerster Heftigkeit durch mehrere Stunden den Javorček; aber kein Angriff folgte mehr. Nur Ansammlungen vor der Front deuteten auf die geplante Fortsetzung des Kampfes hin. ^
Die Gefechtskrise der 44. SchD. machte nun doch eine wenigstens vorübergehende Zuteilung von schwerer und weittragender Artillerie notwendig. Noch am 17. September wurde eine schwere Haubitz- und eine Kanonenbatterie von der 5. Armee in Marsch gesetzt, ein schwerer Mörser von der 48. ID. in den Raum von Raibl zurückgestellt und die bereits befohlene Abgabe einer Haubitzbatterie vorübergehend widerrufen. Allerdings gelangte diese Verstärkungsartillerie erst nach dem Abschluß der Kämpfe zur Wirkung.
Denn schon am 18. September bei Tagesanbruch setzten die hier vereinigten und mit Beharrlichkeit geführten Elitetruppen Italiens noch ein letztes Mal zum Sturme an, um wenigstens die Talstellungen und den Ravelnik im Flitscher Becken zu nehmen. Es war vergeblich. Die vormittags mehrmals wiederholten heftigen Vorstöße brachen unter schwersten Blutopfern zusammen; 400 Gefangene mit mehreren Offizieren blieben in der Hand der heldenmütigen Verteidiger des Ravelnik1).
Am Nachmittag richtete die feindliche Artillerie ein mehrstündiges Zerstörungsfeuer gegen den Rombon und den Javorček. Ein im Abendnebel gegen die Vršičvorstellung unternommener Überfall scheiterte. Dafür gelang es hier unseren Sappeuren in der Nacht auf den 19. September, den italienischen Sappenangriff, der, dem Gelände entsprechend, durch Vorschieben von Sandsackwällen geführt wurde, durch eine umfangreiche Sprengung zum Stillstand zu bringen.
Am 19. früh zeigte das Zurückgehen der italienischen Angriffstruppen aus den Sturmstellungen und das Abflauen des feindlichen Artilleriefeuers an, daß dem Angriffsunternehmen des Feindes der Atem genommen war. Die mit weitgesteckten Zielen und starken Kräften unternommene italienische Spätsommeroffensive im Raume Rombon—Krn— Tolmein, die Mitte August begonnen hatte, war hiemit gescheitert. Keines der Ziele war erreicht worden; die Besetzung des vor der österreichischen Front liegenden Flitscher Beckens und des Caninmassivs, die Einnistung auf den Südhängen des Javorček und des Rombon waren die kärglichen Ergebnisse des großen Unternehmens. Dagegen hatten die Truppen des Verteidigers, ihnen voran die besonders hart mitgenommene 44. SchD., aus den Abwehrerfolgen neue Kraft für das weitere Ringen geschöpft.
Nach dem Abschluß der Kämpfe bei Flitsch schien es, daß italienische Kräfte aus dem Becken nordwärts gegen die 92. ID. verschoben
J) Dieser kleine Hügel einen Kilometer östlich von Flitsch glich nach der viertägigen schweren Beschießung einer wüsten Kraterlandschaft. Seine Besatzung — eine Kompagnie des SchR. 21 und eine Halbkompagnie des FJB. 20 — vollbrachte Wunder der Tapferkeit. Sämtliche Maschinengewehre bis auf eines waren durch Artillerietreffer zerstört; trotzdem wurden feindliche Massenstürme mit Gewehr und Handgranate immer wieder abgewehrt. Nach Aussagen der gefangenen Offiziere hatten die Italiener am 17. und 18. September 500 bis 600 Tote und Verwundete vor dem Ravelnik allein verloren. Die Angabe im Ital. Gstb. W., II, Text, 318, daß es hier zu heftigen Gegenangriffen des SchR. 21 gekommen sei, trifft nicht zu.
würden. Dort hatte die feindliche Infanterie während der letzten Wochen, langsam vortastend, Fühlung mit den vorgeschobenen Sicherungen des Unterabschnittes Raibl gewonnen. Diese kleinen Landsturmabteilungen wichen vor dem stets mit Übermacht auftretenden Feinde auf die Hauptstellung in der Linie Rombon -Moženca—Schlichtei—Krumbach- Wischberg zurück, um auf den gefährdeten Iiochgebirgsspitzen nicht umgangen und abgeschnitten zu werden. Vom 25. September an unterband länger andauerndes schlechtes Wetter mit Regen- und Schneestürmen jede Gefechtstätigkeit in diesen unwirtlichen Hochgebirgen.
Im Raum um Tolmein war unterdessen in den letzten Septembertagen der Kampf noch einmal heftig aufgeflammt. Die Italiener stießen gegen Dolje, den Vodil vrh und den Mrzli vrh vor, wurden aber teils schon durch Artilleriefeuer, teils im Ringen von Mann gegen Mann abgeschlagen. Nur ein Grabenstück an der Südwestecke von Dolje blieb in ihrer Hand. Ebenso waren verschiedene Vorstöße, die der Feind in der ersten Oktoberhälfte unternahm, zum Scheitern verurteilt. Allerdings hatte es den Anschein, als sollten diese Unternehmungen den Auftakt für einen größeren Angriff bilden. Aus diesem Grunde stellte das XV. Korps-kmdo. die bewährte 14. GbBrig., die ursprünglich zur Korpsreserve bestimmt war, bis zum 11. Oktober bei der 50. ID., zwischen der 3. und der 8. GbBrig. bei Dolje in die Front. Die 58. GbBrig., an deren Stelle die 14. dem Korps beigegeben worden war, wurde mit ihren zwei Kaiserjägerregimentern vom 4. Oktober an bei Podmelec zur Fahrt nach Tirol auf die Bahn gesetzt. An weiteren Verstärkungen konnten dem XV. Korps, da sich über dem mittleren und unteren Isonzo immer schwärzere Gewitterwolken zusammenzogen, in der ersten Oktoberhälfte nur mehr zwei Feldkanonenbatterien und ein schwerer Mörser zugestanden werden.
Inzwischen hatten auch die Truppen des Verteidigers von Tolmein nicht geruht, den Feind durch verschiedene, manchmal — zu besserer Überraschung — ohne artilleristische Vorbereitung unternommene Überfälle zu beunruhigen, wobei stets auch Gefangene und einige Beute eingebracht wurden1). Ein Unternehmen, das vom XV. Korps schon Ende August zur Wiedergewinnung der vordersten Stellungen am Westhange
*) Wie der Feind unsere Unternehmungen einschätzte, kann aus dem Tagesbericht Cadornas über unseren am 10. Oktober unternommenen Vorstoß ersehen werden. Er sprach von einem „Angriff starker Kräfte auf dem Mrzli vrh und bei Dolje“, welcher unter „schweren Verlusten“ abgewehrt wurde. Tatsächlich waren an dem Unternehmen am 10. Oktober nur eine Kompagnie des IR. 80, ein Zug des IR. 30 und eine Patrouille des IR. 18 beteiligt. Die Gesamtverluste dieses Tages waren am Mrzli vrh insgesamt 5 Tote, 4 Verwundete, bei Dolje 1 Verwundeter.
der Höhe A 588 angeordnet worden war, hatte sich allerdings vor allem durch den anfangs Oktober bei der 1. ID. eingetretenen Führerwechsel
— an die Stelle des FML. v. Bogat trat FML. Schmidt-Fussina - so stark verzögert, daß ihm der dritte Isonzoangriff der Italiener zuvorkommen sollte.
Dafür war es den benachbarten Kärntner Truppen im September gegönnt gewesen, einen Angriffserfolg von nicht unwesentlicher Bedeutung zu erringen.
Die Kämpfe auf dem Karnischen Kamm
Hiezu Beilage 39 des II. und Beilage 21 des III. Bandes
Die Eroberung des Findenigkofls
In den ersten Septembertagen war die vom GdK. Rohr schon sehnsüchtig erwartete 12. GbBrig., Oberst Prinz Schwarzenberg, vom Isonzo ins Gailtal verlegt worden. Bis zum 6. September hatte sie die zwischen der Köderhöhe und der Straniger Spitze in der Front stehende 57. GbBrig. abgelöst, die zunächst nach Rattendorf gelangte. Die Brigade Obst. Schwarzenberg bildete nunmehr den linken Flügel der 48. ID., in deren Verband sie kriegsgliederungsgemäß gehörte.
Mit dem Eintreffen der 12. GbBrig. konnte an die Ausführung der seit Kriegsbeginn gehegten Absicht, den ungünstigen Zug der Front östlich vom Plöckenpaß durch die Gewinnung der noch vom Feinde besetzten Grenzhöhen zu verbessern, geschritten werden. Denn abgesehen davon, daß der Feind Einblick auf die Plöckenstraße hatte, waren noch immer vom Promos aus das ganze für den Nachschub wichtige Angerbachtal seiner Länge nach, die südlich davon angelegten Gräben aber sogar im Rücken dem italienischen Artilleriefeuer ausgesetzt. Auch gefährdete das Feuer schwerer italienischer Geschütze, das durch auf den Grenzhöhen postierte Beobachter geleitet wurde, die Arbeiten beim Bau der Bahnstrecke Hermagor—Kötschach.
Ein Stirnangriff gegen den uns besonders lästigen Abschnitt Promos —Hoher Trieb war nach den Geländeverhältnissen schwierig und versprach wenig Erfolg. Unter günstigeren Bedingungen konnte der von den Quelltälern des Chiarso umschlossene Gebirgsstock des Findenigkofls angegangen werden. Ein hier erzielter Erfolg mochte weitere Unternehmen einleiten, die zur Gewinnung des ganzen Karnischen Hauptkammes geplant waren. Denn hier, auf dem Ostflügel der 48. ID., bot der waldbestandene Raum Gelegenheit zur Bereitstellung von Truppen und zur Umfassung des ersten Angriffszieles; außerdem schlossen die Nordabstürze des Mt. Zermula eine unmittelbare Gefährdung der Südflanke des Angreifers durch den Feind nahezu aus.
Unbemerkt von diesem gelang bis zum 13. September die Verstärkung der Artillerie und die Gruppierung der Kräfte im Angriffsraume. Nach vorzüglicher Vorbereitung durch Artillerie und Minenwerfer griffen am 14. Teile der 12. GbBrig. schneidig und mit vollem Erfolge die starken Befestigungen des Feindes an. Während Tinsere Artillerie die italienischen Batterien niederhielt oder zum Stellungswechsel zwang, vermochten die um 9hvorm. unter dem Schutze des auf den feindlichen Verschanzungen liegenden Artillerie- und Minenfeuers vorbrechenden Angriffsstaffeln der 12. GbBrig. — sieben Kompagnien von vier verschiedenen Bataillonen — bis 3h nachm. den Italiener vom Paß Lodinut, vom Findenigkofl, von der Cm. V. di Puartis und vom Rücken weiter östlich zu werfen und den ganzen Bergstock zu besetzen. Etwa 100 Italiener, darunter 3 Offiziere, wurden gefangengenommen. Die Verluste der Angreifer betrugen 38 Tote und 129 Verwundete. Der Besatzung des Fin-denigkofls stand der Einblick in die am Südhang eingebettete Talgabelung des oberen Chiarso offen; diese hatte ihre Bedeutung als bequemer Sammelraum des Feindes eingebüßt. Die durch unseren Vorstoß entstandene Lücke in der italienischen Front wurde tags darauf durch eiligst herangeführte Reserven zwischen dem Hohen Trieb und dem Oberlauf des Chiarso geschlossen. Ein Gegenangriff der Italiener blieb aus. Wohl aber richtete sich ihr Artilleriefeuer in der nächsten Zeit vornehmlich gegen die durch unsere Truppen erstürmten Stellungen.
Während der Abschnitt II, GM. Fernengel, von diesen Ereignissen unberührt blieb, hatte die 92. ID. (Abschnitt III) durch das Wiederaufflammen der Kämpfe am oberen Isonzo (S. 369) zu leiden. Denn von Mitte September an griff die gegen die 44. SchD. gerichtete heftige Beschießung auch auf die Stellungen der 92. ID. und auf die Sperre Mal-borgeth über. Als am 16. zum erstenmal Tarvis mit etwa 200 Geschützbomben belegt wurde, rief dies bei der Bevölkerung eine Panik hervor. Der Ort wurde in wilder Hast geräumt, die allgemeine Verwirrung in die im beschossenen Teile untergebrachten Befehlsstellen und Trains hineingetragen. Da seit dem Verlust der letzten Grenzhöhen südwestlich von Malborgeth und der Entdeckung unseres hinter den feindlichen Stellungen befindlichen und den Italienern bisher unbekannten Beobachtungspunktes auf dem Jöf di Montasio (Bramkofel) keine Möglichkeit zur
Feststellung und Bekämpfung der italienischen Fernkampfbatterien bestand1), konnten diese auch weiterhin fast täglich ihr Feuer auf Tarvis und die benachbarten Orte richten.
Neugliederung der Armeegruppe Rohr und mißglückte Angriffsunternehmen
Es war schon seit langem der Wunsch des GdK. Rohr gewesen, in jeden seiner vier Verteidigungsabschnitte eine ganze Division zu stellen. Als seiner Bitte um die heimische 6. ID. nicht willfahrt werden konnte (S. 14), zog er auf Anregung des Kommandos der Südwestfront in dem bisher wenig gefährdeten Abschnitt II alle Landsturmbataillone zusammen, über die das bei der 5. Armee freigewordene 94. IDKmdo., FML. Kuczera, am 25. September den Befehl übernahm. Die den wichtigen Abschnitt beiderseits des Kanaltales schützende 92. ID. — jetzt unter GM. Fernengel wurde aus der 59. und der 57. GbBrig. gebildet. Das 184. IBrigKmdo. wurde aufgelöst. Desgleichen das den Südabschnitt der 44. SchD. auf dem Nordabhang des Krn befehligende 183. IBrigKmdo.; an seine Stelle trat das 44. SchBrigKmdo. der 22. SchD., dem die beiden Gebirgsschützenregimenter 1 und 2 unterstellt wurden.
Um den Wunsch des GdK. Rohr nach aus Innerösterreich sich ergänzenden Truppen wenigstens teilweise zu erfüllen, wurde das zur 28. ID. gehörende Grazer Hausregiment Nr. 27 Ende September gegen das aus der ungarischen Tiefebene (Debreczen) stammende und daher im Hochgebirge weniger verwendbare IR. 39 des VII. Korps ausgewechselt.
Durch die Neugliederung der Armeegruppe wurden nach und nach fast drei Viertel aller Bataillone und ein beträchtlicher Teil der Artillerie in Bewegung gesetzt. Außerdem hatten mehrere Gebirgsbatterien für die Offensive gegen Serbien abgegeben und andere wieder wegen Umbewaffnung mit neuen Geschützen — wenn auch nur vorübergehend — der Front entzogen werden müssen. Untätigkeit des Feindes und das trübe, regnerische, jede Sicht verwehrende Wetter, das in der zweiten Hälfte September herrschte, ermöglichte es der Armeegruppe Rohr trotzdem, die mit der Neugliederung verbundenen Ablösungen und Märsche bis anfangs Oktober ohne nennenswerte Störung abzuschließen (Beilage 21). Am äußersten rechten Flügel erfuhr der Bereich der Armee-
J) Die Aufklärung und Beobachtung durch Flieger war bei dem Fehlen steigfähiger Flugzeuge durchaus unzulänglich. Neue Apparate waren zwar im September zugewiesen worden, doch entsprach die Fliegertätigkeit erst nach Ausstattung mit geeignetem Funkgerät (Oktober) den gestellten Erwartungen.
gruppe noch eine Verengerung, da wegen der abnehmenden Bedeutung des Raumes um Lienz die Westgrenze bis an den Steinkarspitz, den Ausgangspunkt der tirolisch-kärntnerischen Grenze, gerückt wurde. Andrerseits kam dem Ostfliigel der Armeegruppe die am 26. September erfolgte Eröffnung der Straße über den Mojstrovkapaß zugute, weil jetzt eine ungefährdete Zufuhr zur 44. SchD. (Abschnitt IV) möglich wurde.
Auf Seite der Italiener blieb — entgegen den vom Armeegruppen-kmdo. Rohr Ende September gehegten Besorgnissen wegen eines etwaigen Angriffes — alles unverändert. Den Westabschnitt des als Karnische Gruppe (Zona carnia) bezeichneten italienischen XII. Korps bildete die aus je einer Infanterie- und einer Alpinibrigade, dann aus Bersaglieri-und Finanzwachbataillonen gebildete 26. ID.; den Ostabschnitt hielt die gleichfalls zu gleichen Teilen aus Infanterie und Alpini zusammengesetzte 24. ID. besetzt. Vor der 44. SchD. standen Teile der 33. ID. und die verstärkte Bersaglieridivision. Allen vom Mt. Peralba bis zum Seebachtal stehenden italienischen Truppen war im allgemeinen bloß die Behauptung ihrer Stellungen aufgetragen. Demgemäß hielt sich auch ihre Kampftätigkeit in engen Grenzen.
In den regendunklen Nächten der zwei letzten Septembertage begannen italienische Abteilungen gegen den bisherigen „Friedenswinkel“ der karnischen Front nördlich und nordwestlich von Pontafel vorzutasten, worauf vom 1. bis zum 6. und am 9. Oktober mehrere und zum Teile heftige Abend- und Nachtangriffe durch Sturmtruppen bis zu Bataillonsstärke folgten. Doch die hier im Unterabschnitt Ost der 94. ID. zum erstenmal in der Front eingesetzten freiwilligen Schützen und die übrigen Truppen vermochten den Feind zumeist schon durch Infanterienahfeuer zurückzuschlagen, wobei die Italiener erhebliche Verluste erlitten.
Vor dem Abschnitte der 92. ID. räumte der Feind, durch Schneestürme und die Kälte des strengen Vorwinters gezwungen, einige im August und in den ersten Septembertagen besetzte Spitzen und Grate auf den Südwesthängen des Wischberges und ging auf die Höhen an der Reichsgrenze zurück.
Auf österreichischer Seite hatte die Absicht, der Eroberung des Findenigkofls den Angriff auf den Hohen Trieb folgen zu lassen, wegen der Truppen Verschiebungen, insbesondere wegen des späten Eintreffens des IR. 27, bis anfangs Oktober vertagt werden müssen. Da war aber die beste Zeit für Hochgebirgsunternehmungen bereits verstrichen. Der Vorstoß, der unter dem Schutze vorgeschobener Sicherungen von drei kleinen Gruppen (insgesamt fünf Kompagnien der 12. GbBrig.) gegen den Hohen Trieb geführt werden sollte, litt unter der Ungunst des Wetters. Die am 9. Oktober einsetzende artilleristische Vorbereitung mußte wegen des einfallenden Nebels unterbrochen werden. Die im Hochgebirge mehr wie sonst unerläßliche Überraschung des Feindes glückte nicht. Der am 12. Oktober nach einer am Vortage wiederholten Beschießung von Teilen der 12. GbBrig. angesetzte Angriff stieß sowohl in der Front als auch bei der südlich ausbiegenden Umfassungsgruppe auf den starken-Widerstand der gewarnten und vorbereiteten Italiener; dieser konnte bis in die Nachtstunden nicht gebrochen werden. Außerdem waren die nahe am Feinde zu überschreitenden Tiefenlinien durch Regengüsse und die nachfolgende Schneeschmelze zu hochangeschwollenen Wildbächen geworden, so daß sich der Führer der 48. ID., FML. Gabriel, angesichts dieser vielen Hemmnisse schließlich zum Abbruch des Angriffes und zur Zurücknahme der Truppen genötigt sah. Nach Belassung schwacher Sicherungen am Feinde wurden in der Nacht zum 13. Oktober die drei Angriffsgruppen mit geringen Verlusten wieder in ihre Ausgangsstellungen geführt.
Von ähnlichem Mißgeschick war die seit Juni beabsichtigte Unternehmung der 92. ID. verfolgt. Ihr Ziel war die Wegnahme des gegen die Front der Division vorspringenden Stellungsbogens auf der Reichsgrenze vom Zweispitz über den Mittagskofel bis einschließlich des Köpfach, wobei es vornehmlich darum ging, geeignete Beobachtungspunkte für den Einblick ins Dogna- und ins Fellatal zu erlangen.
Das andauernde Regenwetter schob das Unternehmen bis Mitte Oktober hinaus. Als es endlich am 18. begann, war zwar eine vorübergehende Aufheiterung eingetreten, aber gleichzeitig hatte die große Herbstoffensive Cadornas am Isonzo ihren Anfang genommen und auch die Tiroler Front wurde wieder angegriffen, was die energische Durchführung des von der 92. ID. geplanten Angriffes beeinträchtigte.
Der in Anbetracht der verfügbaren Kräfte etwas großzügig angelegte Plan ging dahin, mit einem Bataillon aus dem Fellatale von Norden gegen die Höhen Granudaberg—Marcilla vorzugehen und dadurch Kräfte des Feindes zu binden, während durch das Seiseratal gegen die Höhenlinie Mittagskofi—Köpfach drei Kolonnen zu je einem Bataillon vorzustoßen hatten. Dieser Hauptangriff wurde jedoch von Süden her durch italienische Maschinengewehre flankiert, die auf dem fast unangreifbaren Bramkofel eingenistet waren. Dies, dann die für den breiten Angriffsraum unzulängliche Stärke der eigenen Artillerie, die zu geringe zahlenmäßige Überlegenheit der Angriffstruppen und andere abträgliche
Begleitumstände ließen den Angriff zu keinem Erfolge reifen. Unterdessen hatte das Kommando der Südwestfront den GdK. Rohr schon am
19. Oktober wissen lassen, daß eine Verstärkung der Armee Boroevic notwendig werden mochte. Dies war ein Grund mehr, das wenig aussichtsreiche Unternehmen der 92. ID. einzustellen. Um unnötige Verluste zu vermeiden, wurden die Truppen in der Nacht auf den 20. Oktober aus dem Kampfe gelöst.
Der Forderung nach Truppenabgaben hatte das Armeegruppen-kmdo. auch in den früheren Schlachten stets in selbstlosester Weise entsprochen. Es war selbstverständlich, daß auch jetzt alles geschehen mußte, um den Erfolg am Isonzo zu sichern. Schon am nächsten Tage wurde die Bereitstellung mehrerer Bataillone gemeldet, und bis zum 24. Oktober rollten drei Bataillone und zwei schwere Batterien zur 5. Armee, eine schwere Haubitzbatterie nach Tirol. Die Unternehmung gegen die Höhen Zweispitz und Mittagskofel aber war damit endgültig aufgegeben.
Die Verteidigung Tirols im Frühherbst 1915
Hiezu Beilagen 13 und 27 des II. Bandes, dann Skizze 9b des
III. Bandes
Die zweite Dolomitenoffensive der Italiener
Schon um die Monatswende August-September hatte die italienische Heeresleitung ihre beiden, die Südtiroler Bastion umklammernden Armeen daran gemahnt, daß die ihnen bei Kriegsbeginn vorgeschriebenen Kampfziele noch vor dem Eintritt des Winters zu erreichen seien. Diese Ziele waren für die in den Dolomiten kämpfende 4. Armee der Einbruch in das Pustertal, wo es eine der Hauptlebensadern der Tiroler Landesverteidigung abzuschneiden galt, für die 1. Armee die Gewinnung der Hochflächen von Vielgereuth (Folgaria) und Lafraun (Lavarone), von denen der Weg nach Trient und in weiterer Folge nach Bozen führte.
Gegenüber diesen Angriffsaufgaben des Feindes hatte die Tiroler Landesverteidigung unter dem Oberbefehl des GdK. Dankl auch weiterhin den heimatlichen Boden zähe festzuhalten.
Das Verhältnis der einander entgegenstehenden Streitkräfte war ungefähr das gleiche wie im Sommer geblieben.
- Die erste Septemberwoche zog ins Land und noch immer zeigte Gen. Nava, der Führer der italienischen 4. Armee, wenig Lust, seine Dolomitenkämpfer zu neuen größeren Angriffen vorzureißen. Ungeduldig forderte Cadorna am 8. eine Meldung über die für diesen Monat noch geplanten Unternehmen ab. Fünf Tage darauf antwortete Nava, daß es ihm unmöglich sein werde, noch vor dem Eintritt der kalten Jahreszeit die Aufgaben zu lösen, die seiner Armee bei Kriegsbeginn vorgezeichnet worden waren. Selbst das Erreichen nahe gesteckter Ziele glaubte der Armeeführer nicht versprechen zu können. Immerhin wies er das I. Korps an, unter Bedrohung der Sextner Sperren die Besitznahme des Mt. Piano, der nördlichen Abfallsrücken des Mt. Cristallo und des Ausganges des Gottrestales bei Rufiedo (auch Rufredo genannt) anzustreben und so den Durchbruch gegen Toblach vorzubereiten. Das IX. Korps sollte die Begleithöhen des Travenanzestales und den Gebirgsstock Col di Lana— Mt. Sief—Settsass bezwingen, um sich den Weg ins Abteital und weiterhin gegen Bruneck zu öffnen1).
Den Auftakt dieser breit eingeleiteten Offensive hatte ein in der dunklen und stürmischen Nacht auf den 6. September und bei Morgengrauen unternommener Vorstoß der italienischen 10. ID. beiderseits der Kreuzbergstraße gebildet. Doch der Angriff zerschellte allerorts unter schweren Verlusten2) an der scharfen Gegenwehr der im Abschnitt Sexten eingesetzten österreichischen und bayrischen Truppen der 56. Gb-Brigade. Bereits mittags war der Kampf zu ihren Gunsten entschieden.
Bei dem nun folgenden Hauptangriff ging das IX. Korps dem I. voran und versuchte zwischen dem 16. und dem 28. September vornehmlich im Travenanzesgebiet Boden zu gewinnen, indes es sich weiter westlich mit einem näheren Heranrücken an die Col di Lana-Stellung vorläufig begnügte. Hiebei gelang es Teilen der italienischen 17. ID., sich am
18. September der Tofanal zu bemächtigen; doch alle weiteren Versuche, tiefer in das Travenanzestal einzudringen, mißlangen.
Beim I. Korps, dessen 2. ID. sich mit Alpini zwischen dem 6. und dem 14. vergeblich um die Bezwingung des Mt. Cristallo bemüht hatte, wurde am 19. neuerlich ein allgemeiner Angriff gegen diese Felsstellungen und gegen den Mt. Piano eingeleitet. Wieder blieben alle Anstrengungen ohne Erfolg, und nachdem am 26. ein letzter Versuch, den Mt. Piano zu erstürmen, gescheitert war, wurden die Angriffe eingestellt. Hiemit fand die völlig ergebnislos gebliebene zweite Dolomitenoffensive ihr Ende.
!) Ital. Gstb.W., II, Text, 362 f.
2) Die Einbußen betrugen beim Verteidiger an Toten und Verwundeten 6 Offiziere und 41 Mann, bei den Italienern (laut Tosti, La guerra Italo-Austriaca, 1915—1918 [Mailand 1927], 121) etwa 1000 Mann; außerdem fielen 450 Italiener in Gefangenschaft. — Vgl. auch Ital. Gstb.W., II, Text, 368 f., sowie [Czernin-Mor-zin], Dolomitenwacht (Innsbruck 1917), 52ff.
Ebenso erfolglos war die am 17. September begonnene Beschießung der Pustertalbahn, insbesondere des Bahnhofes von Sillian. Obwohl der Feind bis zum 7. Oktober ungefähr 1000 Schüsse abgegeben hatte, blieb der Verkehr aufrecht; denn der angerichtete Schade war äußerst gering.
Am 25. September wurde Gen. Nava seines Amtes enthoben und durch Gen. Robilant, den bisherigen Führer des im Krngebiet fechtenden
IV. Korps, ersetzt.
Die nun bis Mitte Oktober anhaltende Ruhe, der sich der Rayon IV (90. ID.) schon den ganzen September hindurch hatte erfreuen dürfen, ermöglichte zwischen dem 10. und dem 15. Oktober die reibungslose Ablösung des Alpenkorps (S. 229) durch die Kaiserjäger.
,,Sehr ungern sah man das Scheiden dieser kampfgestählten Kameraden, nachdem sie vier Monate lang mit den österreichischen Soldaten Freud und Leid treu geteilt hatten ... Manches schlichte Kreuz auf steiler Bergeshöhe kündet noch heute dem Dolomitenwanderer vom Heldentod deutscher Soldaten1).“
Von der an Stelle des Alpenkorps tretenden 8. ID. gelangten das
4. KJR. mit dem 58. GbBrigKmdo. in das Pordoigebiet, die 96. IBrig. (1. und 3. KJR.) in das obere Abteital, indes das 2. Regiment im Ostabschnitt der Dolomiten Verwendung fand. Den Befehl über die Rayone
IV und V übernahm das aus Wolhynien nach Brixen verlegte XIV. Korps-kmdo., GdI. Roth. Das 8.IDKmdo., FML. v. Fabini, wurde jedoch, damit die im Südosten Tirols eingelebten und bewährten Kommandoverhältnisse nicht zerstört zu werden brauchten, ohne seine Truppen nach Calliano verlegt, wo es im Rayon III (Südtirol) den Befehl über die 181. und die 180. IBrig. sowie die Gruppe Obst. Ritt. v. Ellison übernahm. Das Landesverteidigungskmdo. hatte schon am 22. September seinen Standort von Innsbruck nach Bozen vorverlegt, um im Winter nicht Gefahr zu laufen, durch den oft tief verschneiten Brenner von der Front abgeschnitten zu werden. Mit Begeisterung begrüßte die deutsche Walterstadt den Oberbefehlshaber des Landes in ihren Mauern2).
Die Kämpfe vor Vielgereuth
Die Steigerung des italienischen Geschützfeuers gegen die Hochfläche von Vielgereuth, die schon im ersten Drittel des September eingesetzt hatte und dann anhielt, ließ feindliche Angriffsabsichten erkennen.
x) Das Standschützenbataillon Dornbirn im Weltkrieg (Dornbirn 1927), 54.
2) Pichler, Der Krieg in Tirol 1915/1916 (Innsbruck 1924), 64.
Sie richteten sich zunächst gegen den weit vorgeschobenen Posten auf dem Coston, der noch immer nur von einer Kompagnie des oberösterreichischen Bataillons X/14 besetzt war. Wohl vermochte diese kleine Schar am 14. September einen Angriff von zwei italienischen Bataillonen der 9. ID. abzuweisen. Doch nun schritten die Italiener zur Einkreisung der auch unter quälendem Wassermangel leidenden Besatzung. Trotzdem schlug sie am 18. wieder einen Angriff zurück. Mangelhafte Verbindung in dem unübersichtlichen, mit Gebüsch durchsetzten Gelände ließ das 180. IBrigKmdo. erst am 21. die allseitige Umklammerung des Coston erkennen. Da Reserven nicht sofort zur Hand waren, konnte ein Entsatzversuch erst am 22. unternommen werden; er mißlang gegen die feindliche Übermacht. Am 23. fiel der Rest der eingeschlossenen Coston-verteidiger in Gefangenschaft, nachdem ihr Versuch, sich durch den etwa drei Regimenter starken Feind durchzuschlagen, gescheitert war1). Der rechtzeitig erteilte Befehl zur Räumung der völlig ausgesetzten Vorstellung hätte den heldenhaften Verteidigern dieses traurige Los erspart.
Der italienische Angriff gegen die den Werken vorgelegte Linie Mt. Maronia—Plaut^Durer, die, obwohl noch nicht zusammenhängend ausgebaut, dennoch nachhaltig zu verteidigen war, erfolgte erst zehn Tage nach dem Falle des Coston. Es konnten daher doch einige Ergänzungen der Abwehrmaßnahmen, insbesondere das Heranholen von Verfügungstruppen, getroffen werden. Der bisher ziemlich gleichmäßigen Beschießung der Stellung folgte am 3. Oktober ein mächtiger Feueranfall, dem sich bald darauf der Infanterieangriff anschloß. Doch nur auf der Höhe Plaut kam der Feind bis an das Drahthindernis heran. An den beiden folgenden Tagen erneuerten die Italiener ihre opferreichen Anstürme — wieder vergeblich. Am 7. richtete sich der Stoß gegen die Höhe Pioverna, wobei dem Feinde ein Einbruch in die Stellung gelang. Doch herangeholte kleine Reserven warfen die eingedrungenen Abteilungen wieder hinaus. Dasselbe Schicksal erlitt ein zweiter Angriff, indes ein dritter schon im Abwehrfeuer erlahmte. Noch einmal, am 8., mußten die tapferen Verteidiger — vor allem Vierzehner, dann Kaiserschützen und Tiroler Landsturm — Proben ihrer Standhaftigkeit erbringen, bis der Feind sein nutzloses Stürmen aufgab.
Weniger heiß ging es vor den Werken von Lafraun her, wo die italienische 34. ID. den Weg sappenartigen Heranarbeitens beschritten hatte.
Im Val Sugana sowie weiter nördlich bis zum Kreuzspitz verharrte die italienische 15. ID. in vollständiger Untätigkeit.
*) Tosti, 115.
V orf eidunternehmen im Raume westlich der Bisch
Während im Etschtale von Anfang September bis Mitte Oktober völlige Ruhe herrschte, ließen weiter westlich, im VallediLedro und im Chiesetal, lebhafte Bewegungen der Italiener einen Angriff gegen die Westfront von Riva und gegen die Sperrwerke von Lardaro möglich erscheinen. Bei dem Truppenmangel in Tirol vermochte das Kommando des Rayons III als Gegenmaßnahme lediglich die Artillerie auf dem Mt. Nozzolo -<>-2034 (südöstlich von Lardaro) zu verstärken. Nun konnten das voraussichtliche Angriffsgelände des Feindes im Val dei Concei, dann seine Sammelräume bei und östlich von Tiarno und im Chiesetal beunruhigt werden.
An der Westfront Tirols stand die Durchführung der von beiden Seiten geplanten Unternehmen ganz besonders unter dem Drucke der Zeit.
Bei der Ende August gegen den Tonale geführten Offensive (Bd. II, S. 786) hatten sich die Italiener der Pt. diAlbiolo bemächtigt und dadurch eine überhöhende Stellung in der Nordflanke der Paßsperren gewonnen. Diesen Gipfel zurückzuerobern war das Ziel eines am 23. September von fünf kleinen Kaiserschützenabteilungen mit Erfolg ausgeführten Angriffes. Wohl brachte am 3. Oktober ein Gegenangriff die Höhe vorübergehend wieder in italienischen Besitz, bis ein in der folgenden Nacht von den Tirolern ausgeführter Überfall den Feind endgültig vertrieb.
Im Ortlergebiet widerstand die Besatzung des Mt. Scorluzzo am
20. und 21. September nach starker Feuervorbereitung unternommenen italienischen Angriffen. Dagegen scheiterte ein am 29. September von der österreichischen Besatzung des Stilfserjochs gegen die italienischen Stellungen eingeleiteter Vorstoß an der Ungunst des Wetters1).
Kühne Hochgebirgsgefechte, die auch an die touristische Leistungsfähigkeit der Kämpfer außergewöhnliche Anforderungen stellten, spielten sich zur gleichen Zeit zwischen Königs- und Zufallspitze ab. Hier hatten die Italiener auf einer Felsrippe im Cedehgletscher ein Geschütz emporgeseilt, mit dem sie die Halle- und die Schaubachhütte, die als alpine Stützpunkte besondere Wichtigkeit hatten, unter Feuer nahmen. (Siehe Skizze 9 b, dann Bd. II, Beilage 27.) Um nun den lästigen Feind zu vertreiben, überwanden kühne Kletterpartien der 53.HaBrig. 3600m hohe Felsgrate, gelangten in den Rücken der Geschützbedeckung und zwangen diese und das Geschütz am 21. September zum Abzug.
*) L e m p r u c h, 18 f.
Noch kühner war ein Unternehmen, das das Halbbrigadekmdo. gegen die im obersten Val Furva gelegene Capanna Cedeh durchführen ließ, weil es diesen Raum als Ausgangspunkt italienischer Vorstöße ansah. Hiezu wurden zwei schmalspurige Geschütze in 36 Stunden von Gomagoi in das Mortelltal und von hier in zwölf stündiger Seilzugarbeit auf den Passo Cevedale geschafft. Durch ihr Feuer und den Vorstoß einer schneidigen Standschützenabteilung, die über den Cedehgletscher vorging, wurde am 24. September die italienische Besatzung der Capanna Cedeh vertrieben und die Schutzhütte in Brand gesteckt. Das obere Val Furva blieb von nun an durch unser Geschützfeuer bedroht.
(18. Oktober bis 4. November)
Hiezu Beilagen 22, 23, 24 und 25 sowie Skizzen 10 und 11
Der Operationsplan Cadornas für die Herbstoffensive
Regierung und Volk Italiens begannen nach mehr als viermonatiger opferreicher Kriegführung ungeduldig zu werden und verlangten dringend einen sichtbaren militärischen Erfolg. Jene brauchte einen solchen, weil nicht nur von der regierungsfeindlichen und kriegsabgeneigten Sozialistenpartei1) die Wiedereröffnung des italienischen Parlaments für den 1. Dezember gefordert wurde, sondern wreil auch die Kriegsbegeisterung, die ursprünglich weite Kreise erfaßt hatte, einer müden, fast hoffnungslosen Gleichgültigkeit gewichen war.
Der September ging zu Ende. Da noch immer keine Anzeichen für den von Cadorna befürchteten öst.-ung. Angriff wahrgenommen werden konnten (S. 346) und die großzügige Verstärkung und Ergänzung der italienischen Streitkräfte inzwischen nahezu vollendet war, entschloß sich die Heeresleitung um die Monatswende, die allgemeine Offensive Mitte Oktober wiederaufzunehmen.
Die außerordentliche militärische Kraftanspannung der öst.-ung. Monarchie auf den Kriegsschauplätzen im Osten und auf dem Balkan, wo der Angriff gegen Serbien am 8. Oktober begonnen hatte, bestärkte die italienische Führung in der Annahme, daß jetzt der günstige Augenblick gekommen sei, die k.u.k. Streitkräfte mit großer Überlegenheit
*) Im September und Oktober war es in den italienischen Industriegebieten mehrfach zu größeren Arbeitseinstellungen gekommen.
anzufallen, da die öst.-ung. Führung kaum in der Lage sein werde, zeitgerecht genügende Verstärkungen heranzuführen1). Cadorna beabsichtigte, den einmal begonnenen Angriff ohne Unterbrechung bis zur Entscheidung durchzukämpfen und für diese große Kraftprobe die gesamten verfügbaren Streitkräfte und Mittel des Königreiches aufzubieten2). In den elf Wochen nach der zweiten Isonzoschlacht wurden die sehr umfangreichen Rüstungen zum neuen Waffengange durchgeführt. Zunächst mußten die in den Sommerschlachten ausgebluteten Divisionen frisch aufgefüllt und in den Ruheräumen nach den bisherigen Kriegserfahrungen für den Kampf geschult werden. Alle neuzeitlichen Kampfmittel, darunter auch solche französischer und englischer Herkunft, wurden in großen Mengen an die Front gebracht. Von besonderer Bedeutung war die Vermehrung an Maschinenwaffen, die Aufstellung zahlreicher schwerkalibriger Minenwerferabteilungen, die Einführung von Stahlhelmen, dann die Ausrüstung der Infanterie mit tragbaren Stahlschutzschilden, Sprengröhrenwerfern, verbesserten Handgranaten und schließlich der besonders beschleunigte Ausbau der Luftstreitkräfte.
Im August und im September wurde die italienische Artillerie durch viele schwere und schwerste Batterien verstärkt. Hiezu entnahm die Heeresleitung einen großen Teil der Festungs- und Küstengeschütze den Werken von Verona, Venedig und den permanenten Befestigungen der Tagliamentolinie. Endlich vervollständigten schwere Batterien von der Tiroler Front, französische 26 cm-Haubitzen und zahlreiche großkalibrige Marinelangrohre das gewaltige Artillerieaufgebot des italienischen Heeres am Isonzo. Gleichzeitig hatte der für die Offensive notwendige Schießbedarf aufgestapelt werden müssen3).
Die in den Sommerschlachten erreichten Linien der Italiener wurden zu durchlaufenden Kampfgräben ausgestaltet und hinter diesen starke Rückhaltstellungen, vielfach in Beton, mit schußsicheren Unterständen ausgebaut. Während der Kampfpause beschränkte sich die italienische Kampftätigkeit am mittleren und unteren Isonzo auf kleinere Stoßtruppunternehmen und auf das planmäßige Heranarbeiten an unsere Stellungen mittels Sappen, offenbar als Ergebnis der Erfahrungen nach den so verlustreichen Angriffen.
x) Ital. Gstb. W., II, Dokumente, 462.
2) Ital. Gstb. W., II, Text, 466 f.; Cadorna, La guerra, I, 147, 15~, 155 f.
3) Bis zum 17. Oktober war eine Alillion Artilleriegeschosse bereitgelegt, darunter vielfach Erzeugnisse französischer und englischer Firmen. Es entfielen demnach für jedes Rohr im Durchschnitt 725 Schüsse.
Indessen ließ sich Cadorna, obwohl aus Paris und London auf ehesten Beginn des allgemeinen Angriffes des italienischen Heeres gegen die österreichische Front zur Entlastung der in Not geratenen Serben gedrängt wurde, nicht dazu bestimmen, früher loszugehen, bevor die erforderlichen Munitionsmengen bereitgestellt waren1). Erst als dies geschehen war, gab das italienische Höchstkommando den Befehl zum Angriff für den 18. Oktober.
Den Hauptschlag gegen die Isonzofront sollten etwa zwei Drittel der italienischen Heeresmacht führen. Die 2. und die 3. Armee, hinter denen starke Heeresreserven bereitgestellt wurden, hatten zunächst Görz zu erobern, dessen Gewinnung zu den populärsten Kriegsforderungen Italiens zählte. Die 1. und die 4. Armee sollten gleichzeitig mit dem Beginn der Operationen im Küstenlande Tirol von Süden und Osten her energisch angreifen. Der 1. Armee wurde wieder die Besetzung der Hochflächen von Folgaria und Lavarone, der 4. Armee abermals der Durchbruch ins Pustertal aufgetragen. Diese mit dem Hauptschlag im Görzischen gleichzeitig beginnenden Angriffe sollten, gemeinsam mit Teilvorstößen an der Kärntner Front, ein Verschieben von öst.-ung. Kräften an den Isonzo verhindern.
Im italienischen Plan für die Hauptoffensive am Isonzo waren zwei aufeinanderfolgende Phasen vorgesehen: In der ersten sollten die nördlich und südlich von Görz bastionsartig vorspringenden öst.-ung. Frontabschnitte bei Plava und auf dem Karst durch mächtige Flügelangriffe überwältigt und ostwärts auf die Hochfläche von Bainsizza sowie auf jene von Doberdö zurückgedrängt werden, um den Brückenkopf von Görz, vor dem unterdessen die Vorbereitungen für den eigentlichen Hauptangriff getroffen wurden, von beiden Seiten zu umfassen. Erst mit dem Fortschreiten der Unternehmen an den Flügeln sollte in der dann einsetzenden entscheidenden zweiten Kampfphase ein gewaltiger Stirnangriff die dünne Wand des Verteidigers zwischen dem Mt. Sabotino und der Wippachmündung durchbrechen und der Isonzo flußabwärts von Görz überschritten werden2). Der am oberen Isonzo stehende linke Flügel der italienischen 2. Armee hatte die Hauptangriffe durch eine tatkräftige Wiederaufnahme der im September unterbrochenen Offensive zu unterstützen.
Diesem Plane gemäß hatte die italienische Heeresleitung ihre Hauptkräfte mit folgenden Aufgaben in Friaul bereitgestellt:
1) C a d o r n a, La guerra, I, 153.
2) Ital. Gstb. W., II, Text, 417.
Der linke Flügel der 2. Armee, das verstärkte IV. Korps1), hatte an seine frühere selbständige Aufgabe, die Eroberung der Beckenlandschaften am oberen Isonzo und des dazwischen liegenden Krnmassivs, bei Beginn der allgemeinen Offensive nun zum dritten Male heranzugehen. Ihm fiel auch der Schutz der am mittleren und unteren Isonzo kämpfenden Hauptkraft gegen etwa im Bereiche der Kärntner Sperren bereitgestellte oder mit der Bahn gegen Tolmein herangeführte gegnerische Kräfte zu.
Die Armeemitte, die aus dem zwischen Doblar und Anikova auf dem rechten Ufer des Isonzo frisch eingeschobenen VIII. Korps und dem südlich davon eingesetzten II. Korps bestand, hatte mit jenem zunächst den Flußübergang zwischen Auzza und Canale zu erkämpfen und sich der Höhen, die den westlichen Steilrand der Hochfläche von Bainsizza bildeten, zu bemächtigen. Das II. Korps war beauftragt, gleichzeitig aus dem engen Brückenkopf von Plava vorzustoßen und vor allem die den ganzen Talbogen beherrschende Höhe Kuk A 611 zu nehmen. Dies deshalb, um in der Folge, durch das mittlerweile auf der Hochfläche von Bainsizza Fuß fassende VIII. Korps links gesichert, in südöstlicher Richtung über den Mt. Santo und Mt. S. Gabriele hinweg in die Flanke und den Rücken des Görzer Abschnittes vorzustoßen.
Der rechte Armeeflügel, welcher aus der 4. ID., dem verstärkten
VI. Korps und den in diesem Raume bereitgehaltenen Armeereserven bestand, sollte vorerst die Erkundung und artilleristische Vorbereitung für den Hauptstoß auf Görz durchführen; erst bis die Armeemitte bei Plava und die 3. Armee auf der Karsthochfläche vorwärts gekommen waren, sollte zu einer noch zu bestimmenden Frist der Durchbruch im Abschnitte Mt. Sabotino—Podgora beginnen.
Bei der 3. Armee hatten die auf ihrem Nordflügel westlich vom Isonzo zurückgehaltenen Kräfte gleichzeitig mit dem Beginn des Angriffes auf Görz den Fluß zunächst der Wippachmündung zu überschreiten und die linke Flanke der auf dem Karst vordringenden Hauptkräfte zu schützen.
Diese Hauptkräfte standen vor dem Beginn des Angriffes eng zusammengeschlossen am Karstrande von Peteano bis zur Küste bei Monfalcone. Ihr linkes Flügelkorps, das verstärkte XIV., hatte den Mt. S. Michele zu nehmen; auf dem.rechten Flügel sollte das verstärkte
VII. Korps durch einen umfassenden Angriff von Süden her den Höhen-
x) Es bestand aus der 7., 8., 33. und der Bersaglieridivision, der Brigade Aosta und den brigadestarken Alpinigruppen A und B, zusammen 77 Bataillone (Cadorna, La guerra, I, 152).
rand der Hochfläche von Doberdö zwischen dem Mt. Cosich und dem Debeli vrh gewinnen. Dann erst hatte die Armeemitte, das X. Korps, den Angriff im engen Anschluß an die beiden Flügelkorps über das Vallonetal auf die Höhen von Oppacchiasella und auf die Hermada vorzutragen.
Die Verfügungstruppen der Heeresleitung, das XI. und das XIII. Korps mit zusammen vier Infanteriedivisionen, standen im Raume um Palmanova zum Einsätze sowohl bei Görz als auch auf dem Karst bereit. Dahinter stand am Tagliamento und teilweise im Küstenschutz das Kavalleriekorps des GLt. Grafen von Turin, dessen Bersaglieribataillone, Batterien und Maschinengewehre jedoch auf die Front aufgeteilt waren.
Die vom GLt. Frugoni geführte italienische 2. Armee zählte 163 Bataillone und 654 Geschütze, die 3.Armee, unter dem Befehle des Herzogs von Aosta, 125 Bataillone und 546 Geschütze; die Heeresreserve 49 Bataillone und 172 Geschütze. Einschließlich der schweren und mittleren Artillerie mit 305 Rohren1) standen somit der öst.-ung. Front vom Rombon bis zum Meere rund 25 Infanterie- und 4 Kavalleriedivisionen mit zusammen 338 Bataillonen und 1372 Geschützen gegenüber2).
Der Auftakt zum Großkampf am Isonzo
Schon in den Richtlinien, die die Heeresleitung Ende September an das Kommando der Südwestfront erlassen hatte, war klar die Ansicht ausgesprochen, das italienische Heer werde vor dem Einbrüche des Winters sicherlich noch einmal mit stärkster Kraft am Isonzo angreifen. Wohl habe der feindliche Generalstab das Aufflammen der Schlacht im Westen (S. 193) untätig vorübergehen lassen; umsomehr werde der italienische Ansturm spätestens kurz nach dem Beginn des neuen Feldzuges gegen Serbien (S. 200) einsetzen.
Eine Bestätigung dieser Auffassung lieferte bereits in den darauffolgenden Tagen der Abhorchdienst. Die feindlichen Funksprüche, die seit Anfang Oktober abgehorcht wurden, ließen keinen Zweifel mehr übrig, daß ein italienischer Großangriff unmittelbar bevorstehe. Man erfuhr von der Ergänzung der höheren Stäbe, von der Vorverlegung hoher Befehlsstellen im Bereiche der Armee Aosta, vom Vorziehen der Maschinengewehrabteilungen und des Brückentrosses des Kavalleriekorps
1) Hievon 35 Geschütze gegenüber dem k.u.k. XV. Korps, 100 bei Plava und vor Görz, 170 für den Angriff gegen die Karstbastion.
2) Ital. Gstb.W., II, Text, 418.
an die Front und vom Eintreffen starken Ersatzes an Mann und Material. Gleichzeitig stellte die Artillerieaufklärung zahlreiche neue schwere Batterien westlich und südwestlich von Görz fest, und von den Aussichtspunkten auf dem Mt. S. Michele, dem Mt. Sabotino und dem Kuk, die weiten Einblick in die Tiefebene boten, wurde lebhaftester Verkehr auf den an die Front führenden Bahnen und Straßen gemeldet. Die übereinstimmenden Aussagen der Gefangenen und der wegen des bevorstehenden Angriffes sich immer zahlreicher einfindenden Überläufer1) sowie Kundschaftsnachrichten über scharf befristete Kriegslieferungen vervollständigten das Bild. Und es war darnach begreiflich, daß man einen vorgeblichen Befehl des italienischen 2. Armeekmdos., der dem k.u.k. Generalstab über die Gesandtschaft zu Bern in die Hände gespielt worden war, sofort als Täuschungsversuch erkannte. Nach allem, was man in den letzten Wochen bei den Italienern beobachtet hatte, und auch bei der Gesamtkriegslage war diesem auch militärisch nicht sehr glücklich verfaßten Schriftstück, das eine Einstellung der italienischen Angriffe bis zum Frühjahr 1916 vortäuschen sollte, von Haus aus der Stempel der Unglaubwürdigkeit aufgedrückt2).
Am 8. Oktober setzte der Feind starke Luftstreitkräfte zur Erkundung an. Artillerieflieger leiteten das Einschießen seiner zahlreichen neuen schweren Batterien. Am gleichen Tage erfolgten Fliegerangriffe gegen die Standorte höherer öst.-ung. Befehlsstellen, insbesondere gegen das III. und das VII. Korpskmdo.; gegen die Mitte des Monates kam es zu den ersten Erkundungsgefechten. Im Bereiche des XV. Korps fühlten am 13. bei Tolmein, am 14. auf dem Mrzli vrh schwache italienische Abteilungen vor. Gegenüber dem Nordflügel des XVI. Korps waren Vorbereitungen für einen Flußübergang zu erkennen. Das Einschießen der im Raume Mossa—Moraro—Mt. Fortin angesammelten Geschützmassen ließ allmählich erkennen, daß der Hauptangriff gegen den Mt. S. Michele gerichtet werden mochte.
Auch auf dem Südflügel der k.u.k. 5. Armee, deren Kommando am 14. September nach Adelsberg vorverlegt worden war, begannen am 14. Oktober nachmittags feindliche Erkundungsvorstöße gegen eine Vorstellung des rechten Flügels der 20. HID., die den Mt. S. Michele zu verteidigen hatte. Die von heftigem Artilleriefeuer begleiteten Annäherungsversuche wurden am 15. fortgesetzt und erweiterten sich am 16. zu einem regelrechten Angriff von drei bis vier Regimentern gegen den
x) Bei Tolmein waren binnen drei Tagen 54 Italiener zu uns übergelaufen.
2) Vgl. darüber auch Ital. Gstb. W., II, Dokumente, 461.
Mt. S. Michele. Diese dreitägige gewaltsame Erkundung brachte den Italienern keinen Erfolg. Sie hatten auch die von einigen Honvédkom-pagnien verteidigte, nur flüchtig ausgebaute Vorstellung nicht zu nehmen vermocht. Am 17. begnügte sich der Feind zunächst damit, diesen Abschnitt, insbesondere den Mt. S. Michele, durch seine Artillerie weiter bearbeiten zu lassen. Nach dem Einbrüche der Dunkelheit unternahmen etwa sechs Kompagnien einen Überfall gegen Peteano, der jedoch an den Hindernissen unserer Vorstellung im Feuer der Besatzung niederbrach.
Mit diesen Ereignissen auf- dem Nordflügel des VII. Korps hing wahrscheinlich das Heranbringen von Brückengerät in den Isonzo-abschnitt gegenüber der Wippachmündung zusammen. Die einwandfreie Beobachtung feindlicher Vorbereitungen für einen Flußübergang an dieser Stelle und bei Ronzina, 4 km nordöstlich von Canale, veranlaßten das 5. Armeekmdo., dem XVI. und dem XV. Korps aufzutragen, sie mögen die etwaigen Übergangsstellen unter zusammengefaßtes Feuer nehmen und auch die Reserven entsprechend auf stellen.
Schon in der zweiten Oktoberwoche, als sich die Anzeichen für einen baldigen Beginn der feindlichen Offensive mehrten, wurden die Kampfstellungen mit Verpflegsvorräten versorgt, weil man nach den an der deutschen Westfront gemachten Erfahrungen mit einem mehrtägigen Zerstörungsfeuer rechnen mußte, das den laufenden Zuschub unterbinden mochte.
Am 17. nachmittags begann im Raume von Tolmein die allgemeine Beschießung unserer Kampfstellungen. Sie hielt auch nachtsüber an. In den anderen Abschnitten hatte das Feuer nachgelassen. Abends standen die italienischen Streitkräfte in der Front vom Rombon bis zum Meere in den gewählten Angriffsräumen überall in naher, stellenweise in engster Gefechtsfühlung mit den öst.-ung. Truppen. Nur die tiefe Schlucht des Isonzo zwischen Selo und Descla, zwischen Zagora und dem Mt. Santo, sowie das breite Schotterbett des Flusses abwärts von Görz bis zum Karstrande legten zwischen die Fronten etwas mehr Raum.
Die Gruppierung der italienischen Kräfte war durch die öst.-ung. Befehlsstellen im allgemeinen zutreffend erkannt worden. Nur der Einsatz des VIII. Korps am mittleren Isonzo sollte eine Überraschung bedeuten.
Den feindlichen Streitkräften gegenüber hielten die Truppen der
5. Armee und der 44. SchD. die Front am Isonzo mit zusammen 12 Infanteriedivisionen, die 137V2 Bataillone und 634 Geschütze zählten. Es waren insgesamt 128.600 Feuergewehre gegenüber den auf 300.000 bis
350.000 geschätzten der Italiener.
Die siebzigstfindige artilleristische Vorbereitiing and die Kampf ereignisse
während dieser Zeit (18. bis 21. Oktober)
Am 18. Oktober, pünktlich um die Mittagsstunde, brach schlagartig der gewaltige Orkan des aus Geschützen aller Kaliber geschleuderten italienischen Massenfeuers an der ganzen Isonzofront von den schneebedeckten Gipfeln des Krn bis zur Küste der Adria los. Jetzt gab es keinen Zweifel mehr: die dritte Schlacht war entbrannt.
Bald waren die ganzen Kampfstellungen und ihr Hintergelände in Rauch und Flammen gehüllt. Das italienische Artilleriefeuer richtete sich vor allem gegen die Kampfanlagen. Aber auch die Aufstellungsplätze der Reserven, die Anmarschwege, die Standorte höherer Führer einschließlich jener der Korps, endlich die Batterien wurden, soweit man sie erkannte, dauernd unter schwerem Feuer gehalten. Die gewaltige Beschießung am ersten Schlachttage vermochte den Deckungen und Hindernissen noch nicht allzusehr beizukommen; nur der vorspringende Teil der Front auf dem Karst wurde stärker zerschossen. Obwohl es während der bis zum 21. Oktober dauernden dreitägigen Artillerievorbereitung noch nirgends zu entscheidenden Angriffen kam, ließen schon vom 18. an Infanterievorstöße kleineren Umfanges den Verteidiger die Umrisse des italienischen Schlachtplanes erkennen. Während der Feind gegen den ganzen Frontabschnitt II noch keinerlei Angriffsversuche unternahm, kam es an den Flügeln der 5. Armee bereits zu Infanteriekämpfen.
Zuerst flammten diese auf der Karsthochfläche auf. Hier waren im Abschnitte des VII. Korps schon in den frühen Nachmittagsstunden italienische Ansammlungen vor der Front beobachtet worden. Kurz darauf stießen starke Abteilungen, unterstützt von der zwischen Mossa und dem Mt. Fortin aufgestellten, vielfach flankierenden Artillerie, wiederholt gegen die Vorstellungen der 20. HID. auf dem Nordhange des Mt. S. Michele vor. Bis zum Abend scheiterten hier alle feindlichen Bemühungen ebenso wie die von Westen her gegen den Gipfel des Mt. S. Michele und die Kampfstellungen auf und bei Kote 111 unternommenen Überfallsversuche mehrerer italienischer Bataillone.
Nach dem Abflauen des Gefechtes fand dann in der Nacht auf den
19. bei der auf dem Südflügel des VII. Korps stehenden 106. LstlD. die geplante Ablösung der 111. durch die 110. LstlBrig. statt.
Auch am oberen Isonzo kam es nach stärkster Beschießung nachmittags und in den Abendstunden wiederholt zu schwächeren Infanterieangriffen auf dem Krn und gegen den Westhang des Vodil vrh. Der Feind hatte keinen Erfolg; dafür fügte ihm unser Mörser- und Minenwerferfeuer auf die italienischen Sammelräume in den Bergfalten vor der Front beträchtliche Verluste bei. Auch die Alpinibataillone, die bei Tolmein vorfühlten, mußten von ihrem Beginnen bald wieder ablassen. Ebenso blieb das feindliche Artilleriefeuer gegen die 7. GbBrig. flußabwärts von Selo wirkungslos, wo man allerdings auch keinen ernsten Angriff erwartete.
Während des ganzen Tages hatten unsere Flieger einen auffallend regen Truppen verkehr hinter der italienischen Front wahrgenommen. Im Reccatale marschierten stärkere Kräfte in der Richtung auf Plava; von der Reichsgrenze westlich dieses Ortes bis gegen Cividale konnten große Truppenlager beobachtet werden.
In der Nacht auf den 19. flaute das feindliche Feuer ab; nur auf die Hochfläche von Doberdö hämmerten die italienischen Geschütze weiter los, so daß die Ausbesserung der bereits arg zerschossenen Verschanzungen sehr behindert war. Bei Ronzina, wo das XV. und das XVI. Korps aneinanderstießen, verriet deutlicher Lärm das Heranschaffen von Pontons und Überschiffungsmitteln an den Fluß.
Mit Anbruch des Tages schwoll das feindliche Zerstörungsfeuer wieder zu großer Heftigkeit an. Es wurde nunmehr auf die vom Feinde schon in den früheren Schlachten bevorzugten vier Kampffelder zusammengefaßt und vernichtete den größten Teil der Verteidigungsanlagen auf den Hügeln im Tolmeiner Becken, bei Plava, im Görzer Brückenkopf unci am Rande des Karstes.
Zum ersten Male traten starke italienische Luftstreitkräfte planmäßig in Verwendung. Kampf- und Bombenflieger, dann auch Lenk-luftschiffe griffen bei Tag und Nacht oft immittelbar in den Kampf gegen Erdziele ein. So suchte am 19. morgens ein starker Luftangriff unser Flugfeld bei Aisovizza östlich von Görz heim. Innerhalb von zwei Stunden warfen Fliegergeschwader mehr als 100 Bomben ab, wobei zwar nur geringe Verluste an Menschen, aber erhebliche Sachschäden an dem kostbaren und dürftig vorhandenen Gerät erzielt wurden.
Die italienischen Luftangriffe kehrten von nun an immer wieder. Sie richteten sich nicht bloß gegen Kampf- und Reservestellungen, höhere Kommandos, marschierende Kolonnen und Trosse; auch viele Bahnhöfe, namentlich die von Nabresina und Opčina, dann Ortschaften und Städte, wie Görz und Triest, wurden ihr Ziel. Aus Mangel an ausreichenden Abwehrmitteln mußten die Verteidiger diese Unternehmen duldend über sich ergehen lassen. Denn die wenigen, an der langen Front verteilten Abwehrbatterien waren ganz unzureichend, und die drei Fliegerkompagnien der 5. Armee hatten vorwiegend für die Aufklärung, nicht aber für den Kampf geeignete Flugzeuge1).
Die feindliche Infanterie verhielt sich am 19., dem zweiten Schlachttage, noch zurückhaltender als tags zuvor. Um die Mittagsstunde verstummte auch das Artilleriefeuer fast auf der ganzen Front auf etwa drei Stunden; während dieser Zeit wurde ein zwar heftiges, aber ziemlich erfolgloses Infanterie- und Maschinengewehrfeuer aus den italienischen Stellungen abgegeben. Bei Mainizza zersprengte unsere wachsame Artillerie italienische Abteilungen, die, in den Auen verdeckt, Pontons an den Fluß zu bringen versuchten.
Die Hoffnung der in den dürftigen und zerschossenen Stellungen ausharrenden Kämpfer, daß der dritte Schlachttag ihnen mit dem Beginn des allgemeinen Infanterieangriffes die Erlösung aus der endlosen, nervenerschütternden Höllenorgie des feindlichen Artilleriefeuers bringen werde, erfüllte sich nicht. Auch am 20. Oktober schritt die italienische Infanterie noch immer nicht zu dem erwarteten, ja ersehnten Sturme. Das Bombardement ging weiter, stellenweise zu kurzem, stoßartigem Trommelfeuer gesteigert. Auf dem Mt. Sabotino und auf der Podgora-höhe traten jetzt auch schwere Minenwerfer in Tätigkeit, die bedeutende Schäden an den Hindernissen und Deckungen anrichteten. Am empfindlichsten war aber das Kreuzfeuer, das schwere italienische Batterien aus dem Raume von Mossa und Küstengeschütze aus der Gegend der Sdobba-lagunen gegen den Abschnitt des Mt. S. Michele lenkten.
Zur Vorbereitung des allgemeinen Ansturmes, der nach den Aussagen von Gefangenen für den nächsten Vormittag in Aussicht genommen war, pirschten sich am Abend zahlreiche mit Stahlhelmen, Stahlschutzschilden, Sprengröhren und Handgranaten ausgerüstete feindliche Trupps2) vor, um in die Hindernisse vor unseren Kampfgräben,
x) Hiezu kam noch die Bora, ein von Nordosten über die steil abfallenden Hochlandränder zur Ebene und zum Meere herabwehender Fallwind, der in diesen Gegenden sehr häufig als Sturm hart über dem Boden dahinjagt, um sich bald nach dem Erreichen der Ebene zu verlieren. Dadurch war die Verwendung unserer kargen Mittel für den Luftkampf nicht nur wesentlich erschwert, sondern oft auch ganz unmöglich gemacht, während die italienischen Flieger bereits auf 1000 m Höhe ungestört ihren Aufgaben nachgehen konnten.
2) Vogelsang, Das steirische Infanterieregiment 47 im Weltkrieg (Graz
1932), 346. Einzelne der italienischen Sprengpatrouilleure waren nahezu wie die Kriegsknechte des Mittelalters geharnischt. Sie trugen eine 21/2 kg schwere Stahlhaube, die infolge der Nähe der beiderseitigen Stellungen von der italienischen Artillerie nicht zerstört werden konnten, Lücken zu sprengen. Fast überall gelang es, diese Stoßtrupps unschädlich zu machen. Eine nachts in den Flußauen bei Mainizza zur Hälfte fertiggestellte Kriegsbrücke wurde durch die Artillerie des XVI. Korps zerstört. Bei der 17. ID. konnte die Ablösung der Frontbrigade durch die aus der Ruhestellung in die erste Linie gelangende 33. IBrig. durchgeführt werden.
Waren unsere Verluste am ersten und zweiten Tage der Beschießung noch verhältnismäßig gering, so hatte am 20. die fortschreitende Zerstörung der Kampfanlagen die Verteidiger vielfach jeglichen Schutzes beraubt. Deckungslos lagen sie, dem Feuer preisgegeben, in Trichtern und Dolinen; besonders bei den verhältnismäßig dicht aufgestellten Kämpfern auf dem Karst traten empfindliche Verluste ein. Die Nächte wurden zur Ausbesserung der entstandenen Schäden eifrigst ausgenützt, obwohl die feindliche Beschießung fortdauerte.
Aus der Aufstellung der feindlichen Artillerie und ihrer Feuerverteilung konnte mit größter Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, daß der italienische Hauptangriff gegen das VII. Korps gerichtet sein werde. Dies bewog das Armeekommando, sich in den bisherigen Reserven des III. Korps, der halben 22. SchD. und dem IR. 96, die bei Selo zusammengezogen wurden, eine Verfügungstruppe zu schaffen.
Die Abwehr kämpfe zwischen Flitsch und Plava (21. bis einschließlich 24. Oktober)
Hiezu Beilage 22
Als das planmäßige Bombardement nach dreitägiger Dauer die öst.-ung. Stellungen von Flitsch bis Plava vollkommen zerstört zu haben schien, setzte am 21. Oktober um die Mittagsstunde die italienische Infanterie zum Sturme an. Auf dem äußersten Nordflügel der 5. Armee mühte sich eine drei bis vier Bataillone starke Angriffsgruppe der italienischen 33. ID. vergeblich ab, die den Krngipfel östlich im Halbrund umschließenden Felsspitzen und Grate zu erklimmen. Bei ihrer Abwehr zeichnete sich besonders das in den Kämpfen auf dem Krn bewährte Bataillon 11/34 aus. Weiter südlich, auf dem schon viel weniger schwierigen Mittelgebirgsrücken des Mrzli vrh, versuchten Teile der
deren Stirn- und Seitenteile 6 mm stark waren, und einen aus ineinandergeschobenen Stahlplatten bestehenden, graugrün gestrichenen schweren Brustpanzer, an dem, gleichartig hergestellt, zum Schutze der Oberschenkel Beintaschen angebracht waren.
italienischen 8. ID. und Alpinibataillone die Hindernisse vor unseren Kampfgräben zu überwinden. Mit Feuer, stellenweise im Nahkampfe und durch Gegenstöße, vermochten die Bataillone der 15. und der 3. GbBrig. den Feind allseits zurückzuschlagen.
Am Nachmittage wiederholten die Italiener nächst der Krnscharte ihre Vorstöße, indes sich ihre Sturmkolonnen auf dem Mrzli und Vodil vrh in erbitterten, bis zum Abend dauernden Kämpfen erschöpften. Die Verteidiger behaupteten durchwegs ihre Stellungen.
Auch im Abschnitte der nördlich vomKrn anschließenden 44. SchD., die den linken Flügel der Armeegruppe Rohr bildete, vermochte die am obersten Isonzo zwischen dem Rombon und dem Vršič angreifende verstärkte Bersaglieridivision trotz größter Tapferkeit nirgends Raum zu gewinnen. Dort war schon am 19. ein schwacher Vorstoß gegen die Talstellungen bei Flitsch gescheitert. Am 20. Oktober frühmorgens wurden die überraschend in die Vršičvorstellung eingebrochenen Italiener in hartem Kampfe Mann gegen Mann vom bewährten SchR. 21, wie schon oft in den früheren Kämpfen, zurückgeworfen. Der zähe Feind ließ sich durch diese ersten Mißerfolge nicht abschrecken. Nach starkem Trommelfeuer stieß er tags darauf, am 21., gegen Mittag auf dem Hang des Javorček vor, ohne jedoch durchzudringen. Am Nachmittag wiederholte er den Angriff ein zweites Mal — mit dem gleichen Mißgeschick. In der Nacht auf den 22. Oktober versuchten die sehr tätigen Verteidiger, die Italiener, die sich im Verlaufe der Kämpfe nahe vor den Hindernissen festgesetzt hatten, mit Handgranaten, Rollbomben1), Minen-und Granatwerferfeuer sowie durch abgesprengte Steinlawinen zurückzudrängen oder wenigstens niederzuhalten. Der wegen der starken Übermacht des Angreifers recht bedrohliche Nachtangriff konnte auf diese Art verhindert werden. Als aber der Morgen graute, vereinigten alle italienischen Batterien nochmals ihr Feuer auf den kampfumtobten Berg. Bald hüllte eine von Feuerblitzen durchzuckte Rauchwolke die Höhenstellungen vollkommen ein. Auf dem feindwärts vorspringenden Westhange, wo auch Rückenfeuer aus der Richtung von Flitsch einschlug, vermochte eine feindliche Abteilung einzudringen. Reserven vom Kärntner GbSchR. 1 warfen sich dem Eindringling entgegen und säuberten im
J) Hiezu wurden tempierte schwere Wurfminen verwendet. Rollbomben waren gerade in dieser Gegend ein altes Kampfmittel der öst. Armee. Schon im Jahre 1809 wurden sie von der Besatzung der Werke auf dem Predil und bei Malborgeth verwendet und gehörten zu deren Ausrüstung (Veltzé, Österreichs Thermopylen 1809 [Wien, Leipzig 1909], 40).
Bajonettkampf unsere Gräben; dann trat bis zum Abend Ruhe ein. Erst im Dunkel, zwischen 9h abends und Mitternacht, wagte der beharrliche Feind noch drei Vorstöße; doch auch diese konnten abgewiesen werden. Nun zwangen die einsetzenden Schneestürme und Erschöpfung den Angreifer zu einer längeren Unterbrechung seiner Angriffe1).
Gegen den Brückenkopf von Tolmein hatte am 21. Oktober mittags der italienische Infanterieangriff begonnen. Hauptziel war hier wie immer die Wegnahme der Hügel im Tolmeiner Becken. Die bis in die Nacht von etwa 15 Infanterie- und Alpinibataillonen viermal wiederholten Anstürme wurden nach heftigen Nahkämpfen, die sich zum Teile schon in unseren Stellungen abspielten, schließlich doch überall von der 8. GbBrig. abgewehrt.
Während vor der 7. GbBrig. zwischen Selo und Auzza alles ruhig blieb, versuchten Teile des italienischen VIII. Korps bei Loga, Ajba und Bodrež den Isonzo in Booten zu überschiffen. Hiezu sollte ein Regiment der 27. ID. am 21. Oktober um lh nachts einen Flußübergang bei Bodrež vortäuschen, die Hauptkraft dieser Division aber gleichzeitig überraschend, ohne Artillerievorbereitung, das andere Isonzoufer bei Loga und Ajba gewinnen. Die geräuschvolle Einleitung des Unternehmens hatte es jedoch dem Verteidiger längst verraten, und als die ersten feindlichen Staffeln den Übergang durchführten, wurden sie und die am Ufer bereitgestellten Truppen durch das Abwehrfeuer der 13. GbBrig. gefaßt und zersprengt. Bis zum Morgengrauen war der Übergangsversuch vollends gescheitert. Die Wiederholung des Flußüberganges an gleicher Stelle am darauffolgenden Abend, diesmal aber nach mehrstündiger ausgiebiger Artillerievorbereitung, mißlang gleichfalls im Feuer des schon gewarnten Verteidigers.
Nun wurden hier weitere Versuche, den Flußübergang zu erzwingen, zunächst eingestellt. Das italienische 2. Armeekmdo. wollte den Uferwechsel des VIII. Korps, sobald das II. Korps Raum gewonnen hatte, auf den schon bestehenden Übergängen bei Plava durchführen lassen. Denn nach dem Angriffsplan (S. 387) sollte vor allem der kleine Brückenkopf auf dem Ostufer des Isonzo bei Plava2) den Ausgangspunkt für einen Görz von Norden umfassenden Flügelangriff bilden. Die artilleristische Vorbereitung hiezu hatte eine unserer Artillerie vielfach über-
x) Einzelheiten über diese verlustreichen, aufreibenden Kämpfe bringt ihr Mitkämpfer Benito Mussolini in ,,Mein Kriegstagebuch“ (in deutscher Sprache, Wien 1930), 68 ff.
2) Ital. Gstb.W., II, Dokumente, 377.
legene Masse feindlicher Batterien1) am 18. Oktober begonnen. Am 21. um 7hvorm. legte sie ihr zusammengefaßtes Feuer auf den von Descla über Globna und auf die viel umstrittene Höhe -<>-383 bis Zagora verlaufenden, vorspringenden Stellungsbogen. Hier sollte das italienische
II. Korps den um den Brückenkopf gelegten eisernen Ring des Verteidigers sprengen und, mit der 32. ID. über Paljevo, mit der 3. ID. gegen den KukAóll vorstoßend, die das Isonzotal beherrschenden Höhen gewinnen. Aber die von mehreren Bataillonen dreier Regimenter angesetzten Vorstöße blieben im treffsicheren Abwehrfeuer ohne Erfolg und wurden an diesem Tage nicht mehr wiederholt.
Somit waren sämtliche Angriffe gegen den Nordflügel der k.u.k. 5. Armee am ersten Kampftage mißglückt.
Während am 22. Oktober schwächere Vorstöße im Hochgebirgs-abschnitte gegen die vom GM. Edl. v. Wieden befehligte 15. GbBrig. bald zusammenbrachen, wurde um den Mrzli vrh schwer gerungen. Auf seinem Gipfel schlug das IBaon. IV/802) alle Anstürme vor den Stellungen ab. Hingegen mußten auf den Hängen des Mrzli und des Vodil vrh die eingedrungenen Abteilungen der Alpinigruppe A von den Reserven der 3. GbBrig., GM. Geřabek, sowie von Abteilungen der 14. GbBrig., Obst. Heinrich Hausser, in erbitterten Nahkämpfen überwunden werden, ehe der Feind vom Kampfe abließ und in seine Gräben zurückwich. Auch im Tolmeiner Becken richteten sich nach mehrstündigem heftigstem Artilleriefeuer neuerliche Sturmangriffe der verstärkten 7. ID. gegen die Höhen Sv. Maria und A 588. Mit Unterstützung durch unsere Batterien, die vom Hochland südlich von S. Luzia das Angriffsfeld wirksam flankierten, vermochte die 8. GbBrig., GM. Wossala, den mit fast dreifach überlegenen Kräften geführten Vorstößen standzuhalten.
Das italienische VIII. Korps blieb nach dem am Vortage erlittenen Mißgeschick ganz untätig. Dafür setzte, unterstützt durch zahlreiche Bombenangriffe aus der Luft, die vor allem dem Raume hinter der Front galten, bei Plava schon im ersten Morgendämmern die Beschießung wieder ein. Dann griffen Regimenter der 32. und der 3. ID. durch mehrere Stunden den Abschnitt Globna—Zagora an. Beim dritten Sturm-
x) Nach dem Ital. Gstb. W., II, Text, 418, standen auf den Plava in weitem Bogen umschließenden Höhen von Kambresko bis zu den Hügeln von St. Florian 100 mittlere und schwere Geschütze, von denen ein Großteil in den Raum von Plava wirken konnte. Im gleichen Frontraum auf unserer Seite verfügte die 18. ID. im Abschnitt von Auzza bis zum Mt. S. Gabriele über insgesamt 1 schweres und 18 mittlere Geschütze, von denen aber nur etwa die Hälfte gegen Plava zu wirken vermochte.
2) Es hatte schon am ersten Kampftage ein Drittel seines Standes verloren.
angriff drang der Feind schließlich bei Zagora ein. Da warfen sich in schneidigem Gegenstoß die Wiener Edelknaben des Bataillons IV/4 auf die kaum zu Atem gekommenen Italiener und schlugen sie nach kurzem, verlustreichem Kampfe vollends aus den Gräben zurück1). Eine Wiederholung der italienischen Vorstöße wurde durch heftige Feuerüberfälle der Artillerie auf die Sammelräume der feindlichen Truppen bei Plava verhindert. Zur Vergeltung vereinigte die italienische Schwerartillerie vom westlichen Isonzoufer ihr Feuer auf unsere Linien; die feindliche Infanterie blieb jedoch ruhig.
Am 23. Oktober flammte der Kampf im Abschnitte zwischen dem Isonzo und dem Mrzli vrh, der immer mehr zum Brennpunkt der Kämpfe beim XV. Korps wurde, schon um 5h früh von neuem auf. Der Feind versuchte hier um jeden Preis durchzudringen; er ließ den zuerst angesetzten acht Bataillonen nach und nach weitere Verstärkungen folgen. Nach den tagsüber und die ganze Nacht dauernden, hin- und herwogenden Kämpfen, die meist bis zum blutigen Handgemenge gediehen, fiel am Morgen des 24. Oktober, als das letzte Bataillon der Korpsreserve eingesetzt wurde, die Entscheidung zu unseren Gunsten: der Angreifer wurde aus allen Einbruchsstellen endgültig hinausgedrängt. Der heldenmütige Kampf hatte auf beiden Seiten sehr große Opfer gefordert2).
Die am 23. Oktober gegen Sv. Maria durchgeführten Unternehmen des Feindes mißglückten; dagegen zerstörten die italienischen Geschütze mittags die letzten erhalten gebliebenen Hindernisse und Deckungen auf der Höhe A 588, worauf sich mehrere Bataillone unserer Stellungen bemächtigten. Dem sofortigen Gegenstoß der Reserven der 8. GbBrig. hielt der Feind jedoch nicht stand; er gab die schwer erkämpfte Kuppe wieder preis. Aber mit staunenerregender Beharrlichkeit griffen seine Truppen abends und nachts noch mehrere Male den heißumstrittenen Hügel an, doch vermochten die erschöpften Bataillone der k.u.k. 1. ID., FML. Schmidt-Fussina, die nunmehr im Trichterfeld verlaufende erste Linie zu behaupten.
Zwischen Selo und Descla hielt die Ruhe im Isonzotale auch an diesem Tage an. Bei Plava setzte das italienische II. Korps sein Durchbruchsunternehmen fort. Von den ans Isonzoufer angelehnten Flügeln des Brückenkopfes aus versuchten vormittags tiefgegliederte Sturmscharen bei Zagora in südöstlicher, bei Globna in nordöstlicher Richtung
1)Hoen, Waldstätte n-Z i p p e r e r und Seifert, Die Deutschmeister, 578 f.
2) An den Kämpfen auf dem Vodil vrh und bei Dolje waren außer der 14. GbBrig. je ein Bataillon der 3. und der 15. GbBrig. beteiligt.
Raum zu gewinnen. Sie vermochten nirgends den Wall der Verteidiger zu durchdringen; aber unsere Verluste wurden bedenklich größer. Von 3h nachm. an wirkten stundenlang alle Geschütze gegen die kaum mehr erkennbaren Kampfanlagen der 1. GbBrig. und ihr Hintergelände. Am Abend bis gegen Mitternacht folgten noch mehrere Massenangriffe. Am Nordflügel der Brigade drang der Italiener in Teile der Stellung bei Globna ein; in ungesäumtem Gegenstoß wurde die Einbruchsstelle wieder besetzt. Überdies zersprengte unser Geschützfeuer noch vor dem Einbruch der Nacht die westlich und nördlich von Globna an den Fluß herangeführten Verstärkungen und Übergangsmittel.
Mit Zähigkeit setzte der Feind auch am 24. seine Vorstöße zur Gewinnung des Talknotens von Tolmein fort. Die am Vortage auf den Raum Dolje—Vodil vrh beschränkten Angriffe dehnten sich nordwärts auf den Mrzli vrh aus und dauerten den ganzen Tag an. Um 9hund um llhvorm. führte der Feind seine Streitermassen zum Sturm auf diese heißumstrittenen Höhen vor. In äußerst hartnäckigen Nahkämpfen behielten die Truppen der 3. und der 14. GbBrig. jedoch schließlich die Oberhand, warfen den Angreifer den Hang hinunter und brachten zahlreiche Gefangene ein. Der neue Mißerfolg, der dem Feinde schwere Opfer gekostet hatte, löste eine scharfe Beschießung des vergeblich angegriffenen Raumes aus, die alle Gräben zerstörte. Durch unausgesetztes Feuer auf die Anmarschwege wurde versucht, den für die Entscheidung ausersehenen Angriffsraum abzusperren. Todesverachtend erklommen die durch Reserven verstärkten Truppen der italienischen 8. ID. und Bataillone der Alpinigruppe A am Spätnachmittage die blutgetränkten Hänge und überwanden die zerstörten Hindernisse im Sturm. In furchtbar erbitterten Einzelkämpfen gelang es den Verteidigern dennoch, den tapferen Feind abermals zurückzuschlagen.
Auch vor dem Brückenköpfe von Tolmein war das Kriegsglück der hier vom Morgen bis Abend schwer ringenden italienischen 7. ID. nicht hold. Denn die von den Bataillonen der Alpinigruppe B, einem Bersaglieriregiment und einer Infanteriebrigade von neuem unternommenen Versuche, sich der Höhen Sv. Maria und A 588 zu bemächtigen und den Flügelstützpunkt bei Selo zu erobern, blieben ohne Erfolg.
Während die Stellungen der 7. und der 13. GbBrig. zwischen Selo und Descla beschossen wurden, ohne daß ein Angriff erfolgt wäre, hatte diel.GbBrig., GM. Novak v. Arienti, am 24. abermals schwer zu kämpfen. Nach der mit Artillerie und Minenwerfern bis zum Nachmittage fortgeführten Beschießung dieses Abschnittes brach bei Zagora die italienische
Infanterie in dichten Massen vorübergehend in unsere Stellungen ein. Wieder waren es die Deutschmeister, die — unterstützt durch die Brigadereserve und das aus dem nichtangegriffenen Nachbarabschnitt herbeigeeilte Dalmatinerbataillon 111/22 — den Italiener mit einbrechender Dämmerung in schwungvollem Gegenangriff warfen. Bei Globna wurde noch ein nächtlicher Vorstoß vereitelt, dann trat an der ganzen Front von Plava bis zum Rombon eine kurze Kampfpause ein.
Blieben die Kampfhandlungen am oberen Isonzo nach der Stärke der beteiligten Kräfte auch hinter jenen auf der Hochfläche von Doberdö zurück, so bildeten sie doch nicht weniger ein Ruhmesblatt für die öst.-ung. Isonzokämpfer. Den Leistungen entsprach der hohe Blutzoll, den sie zu entrichten gehabt hatten. Bis zum 24. Oktober betrugen die Verluste des k.u.k. XV. Korps 650 Tote, 2000 Verwundete und 260 Vermißte. Die des nicht minder todesmutigen Angreifers waren wohl freilich wesentlich höher.
Das Ringen auf der Karsthochfläche (21. bis einschließlich 27. Oktober)
Hiezu Beilagen 22, 23 und 26a sowie Skizze 10
Die Kämpfe am 21. und 22. Oktober
Die öst.-ung. Führung hatte bis zum 21.Oktober früh aus vielen Anzeichen schließen können, daß der allgemeine Angriff der bereitgestellten italienischen Divisionen gegen die Karstbastei von Doberdö unmittelbar bevorstehe. Abgehorchte Ferngespräche atmeten Siegeszuversicht, und die letzten Beobachtungen bestätigten die Beendigung der Vorbereitungen zum Sturm.
Als sich das italienische Artilleriefeuer um 9hvorm. zu größter Wucht steigerte, setzten auch unsere Batterien mit heftigem Vernichtungsfeuer gegen die Sammelräume vor der Front ein. Aus den Trümmern der zerschossenen Deckungen spähten die überlebenden Horch- und Beobachtungsposten durch das entnervende Höllenfeuer und den stickigen Qualm der schweren Geschoßexplosionen in quälender Erwartung nach den ersten feindlichen Sturmwellen aus. Endlich, kurz nach 10hvorm., brach die italienische Infanterie an der ganzen Karstfront zum Angriff vor.
Das Unternehmen gegen die Hochfläche von Doberdö leitete der Herzog von Aosta gemäß dem allgemeinen Plane von Norden her gegen den Raum Mt. S. Michele—S. Martino, von Süden her gegen den Steilrand des Karstes zwischen Vermegliano und den Hügeln von Monfalcone mit starken Flügelangriffen ein.
Die ersten Schützenketten, die sich unserer Vorfeldstellung am Nordhang des Mt. S. Michele bei Peteano näherten, wurden bald in ihre Gräben zurückgetrieben. Da die durch das feindliche Feuer völlig eingeebnete Vorfeldstellung ihren Zweck als Sicherungslinie der Hauptstellung in den vorangegangenen Erkundungsgefechten vollauf erfüllt hatte, wurde ihre Besatzung, um unnütze Verluste zu vermeiden, in die Hauptstellung zurückgenommen.
Während jetzt mehrere Fliegerangriffe gegen die als Kommandostandorte angesehenen Örtlichkeiten hinter der Front einsetzten, stieß gleichzeitig die Hauptkraft des italienischen XIV. Korps, die 28. und die verstärkte 30. ID., zu einem Massenangriff mit vier Brigaden nebeneinander auf etwa nur zwei Kilometer Frontbreite gegen den Mt. S. Michele und beiderseits der Straße nach S. Martino vor. Aus den Ruinen des Dorfes und den Resten der zerfallenen Verteidigungsanlagen, in denen man nach der gewaltigen Beschießung kaum einen lebenden Kämpfer anzutreffen wähnte, schlug aber ganz überraschend starkes Infanterie-und Maschinengewehrfeuer in die Massen der anstürmenden Italiener. Der unerwartete Widerstand und das jetzt überdies zielsicher einschlagende Artilleriesperrfeuer hemmten das Vordringen der angreifenden Regimenter. Nur auf der Westkuppe des Mt. S. Michele und auf seinem Abhang gegen S. Martino zu gelangten die vordersten Wellen vorübergehend bis in die durch die 20. HID. verteidigten Stellungen. Hier tobte der Kampf, den der Feind durch bedeutende Verstärkungen nährte, mit größter Erbitterung zunächst noch fort. Erst dem ungestümen Gegenangriff der Reserven gelang es, die eingedrungenen italienischen Abteilungen bis zum Nachmittage von der Höhe herabzuwerfen, wobei 20 Offiziere und ein halbes Tausend Mann als Gefangene zurückblieben. Spät nachmittags fühlten aus dem schon am Morgen zugleich mit der Vorfeldstellung verlassenen Peteano zögernd mehrere italienische Bataillone gegen die Hauptstellung auf dem Nordhange des Berges vor und setzten sich einige hundert Schritte vor der Front fest.
Schon der erste Kampf auf dem Mt. S. Michele hatte große Opfer gefordert. Hunderte gefallener und verwundeter Italiener bedeckten das Kampffeld. Aber auch die 20. HID. hatte schwer geblutet; zwei ihrer Regimenter (HIR. 1 und 17), welche die Hauptlast des Kampfes getragen hatten, waren auf die Hälfte ihres Standes gesunken, ein wahrlich nicht geringer Preis für das Halten der Hauptstellung.
Zur gleichen Stunde wie auf dem Mt. S. Michele schritten die italienischen Divisionen überall sonst an der Karstfront zum Angriffe. Bei der 17. ID. wehrte die in der Front stehende 33. IBrig., Obst v. Soós, alle Angriffe der italienischen 19. ID. ab und vernichtete die an zwei Stellen bis in die Kampfgräben gelangten Sturmtrupps im Nahkampfe. Besonders empfindlich litt der nächst der Kote 111 vorspringende linke Flügel dieser Division unter schwerem Flankenfeuer, das starke Opfer heischte und Hindernisse und Deckungen völlig zertrümmerte.
Bei der südlich bis zum Mt. dei sei Busi anschließenden 106. LstlD. war der Sturm der italienischen 20. ID. in blutigen Nahkämpfen im großen ganzen gescheitert. Nur in den zwei mittleren Bataillonsabschnitten vermochten sich kleinere Trupps des Feindes einzunisten. Ein Teil der verlorenen Gräben konnte zurückgewonnen werden, um den Rest datierten die Kämpfe auch nachts an. Die zum ersten Male an der Karstfront im Großkampfe fechtenden Landsturmregimenter hatten sich brav geschlagen; ihre verhältnismäßig großen Verluste waren auf die Unvertrautheit mit der diesem Kriegstheater eigenen Kampfweise zurückzuführen.
Im ganzen hatte das k.u.k. VII. Korps schon am ersten Schlachttage eine Einbuße von 800 Toten, 3000 Verwundeten und 800 Vermißten zu verzeichnen1).
Am Nachmittag war das Ringen an der Front des VII. Korps abgeflaut. Um die 20. HID. zur verläßlichen Behauptung ihres wichtigen Abschnittes zu befähigen, wurde ihr das Banater IR. 43 von der Korpsreserve zugeführt.
Während der Nordflügel der italienischen 3. Armee den Vallone-abschnitt durch die Eroberung des Mt. S. Michele zu erreichen trachtete, sollte der Südflügel vor allem, etwa in der Linie Mt. Cosich—Debelivrh— Höhe A 121, den Rand des Karstes und die Höhen bei Monfalcone und östlich davon gewinnen, um durch fortgesetzten Druck von Süden her die Wirkung eines Zangenangriffes zu erzielen und die Räumung der aus der Front vorspringenden Hochfläche von Doberdö zu erzwingen.
Vom italienischen VII. Korps war hiezu die durch eine kombinierte Brigade und ein Infanterieregiment verstärkte 14. ID. rittlings der Straße Selz—Doberdö zum Angriff gegen den Karstrand bereitgestellt. Die Division sollte mit ihrer Hauptkraft im Stirnangriff die öst.-ung. Stellungen durchbrechen und gegen Doberdö vorstoßen, indes die kombinierte Brigade in einem den südlichen Karstrand flankierenden Stoß die Höhen
x) Erzherzog Joseph, Der Weltkrieg, wie ich ihn sah (in ungarischer Sprache, Budapest 1928), II, 485.
Mt. Cosich—Debeli vrh zu gewinnen hatte. Zur Unterstützung dieses Unternehmens war eine Brigade der südlich anschließenden 16. ID. beauftragt, die Linie Mt. Cosich—Debeli vrh von Süden her frontal anzugreifen. Der rechte Flügel der letztgenannten Division sollte die Hügelstellungen östlich von Monfalcone (-<> 121) und die vorgeschobene Straßensperre auf der Erhebung -&21 bei Bagni nehmen.
Auch hier begann um 10hvorm. der allgemeine Angriff. Auf dem äußersten Südflügel und in der Mitte des k.u.k. III. Korps vermochten die Landstürmer der 187. IBrig. und der 19. LstGbBrig. bis zum Abend alle Vorstöße mühelos abzuwehren. Beim Straßenknie -<!> 45 nördlich von Selz brach der erste, sehr schneidig geführte Ansturm, nachdem er bis in unsere Stellung gelangt war, dank einem rechtzeitig angesetzten Gegenstoß des Verteidigers zusammen. Die kurz darauf im gleichen Raume beiderseits der Straße mit starken Kräften wiederholten Angriffe der 14. ID. schlugen die Steirer der 56. IBrig., GM. Hugo Schmid, blutig zurück. In den ersten Nachmittagsstunden wurde die in der Talniederung östlich von Selz vorrückende kombinierte italienische Brigade von unserem Artilleriekreuzfeuer gefaßt und zum Weichen gezwungen. Mit dem Scheitern dieses Vorhabens schien die feindliche Angriffslust vorläufig erschöpft. Ein Bersaglieribataillon, das einen Überfall gegen unsere Stellungen bei A 121 durchführen wollte, wurde durch konzentrisches Artilleriefeuer zu Boden geworfen. Überhaupt kann das Hauptverdienst bei der Abwehr aller Angriffe gegen die Mitte und den Südflügel des k.u.k. III. Korps damals und auch bei den späteren Ereignissen ganz besonders der vorzüglich flankierenden Wirkung der Batterien auf der Hermada-höhe und jener bei Duino zugesprochen werden.
In der Dämmerung konnten starke Bewegungen vor der Front und der Anmarsch langer Marschsäulen aus der Ebene gegen die Isonzo-brücken beobachtet werden. Nach der Aussage eines gefangenen Offiziers bestand beim Feinde die Absicht, unsere Karststellungen in der Nacht auf den 22. unbedingt zu nehmen, wozu starke Kräfte bereitgestellt wurden. Das VII. Korpskmdo. unterstellte darauf das LstlR. 25 dem 106. LstlD-Kmdo. und zog von den übrigen Korpsreserven das IR. 46 in den Raum Marcottini—Devetaki, das LstlR. 6 nach Oppacchiasella—Nova Vas vor. In einem Befehle an seine Divisionäre betonte der Korpskommandant, Erzherzog Joseph, seinen Willen, die bisnun mit so viel Opfern eingerichtete und behauptete Stellung um jeden Preis zu halten, etwa verlorene Teile aber wiederzuerobern.
GdI. Boroevic, der den schweren Kampf vormittags vom Gefechts-
Standpunkt des VII. Korpskmdos. aus beobachtet hatte, ordnete in der Erkenntnis, daß nunmehr ein Ringen allergrößten Stiles um den Besitz der Karsthochfläche begonnen habe, nachmittags die Verlegung der Armeereserve von Selo hinter den meistgefährdeten Abschnitt des VII. Korps an. Überdies begann die 206. LstlBrig. am 21. Oktober abends in Opcina einzutreffen.
Die Verluste des ersten Kampftages waren den harten Kämpfen entsprechend hoch genug gewesen. Die Karstverteidiger hatten 950 Tote, 3800 Verwundete und etwa 800 Vermißte zu beklagen.
Die ganze Nacht auf den 22. Oktober wurde schwer gekämpft. Nur bei der 20. HID. konnte das Abklingen des Kampfes zur Ablösung der am stärksten mitgenommenen Teile1) durch das am Abend einlangende IR. 43 benützt werden. Das HIR. 4 kam nach Cotiči als Divisionsreserve. Bei der 17. ID. säuberten Stoßtrupps des IR. 39 und des FJB. 24 nachts ein Grabenstück, in dem sich der Feind am Abend eingenistet hatte. Somit waren die Stellungen in der Mitte und auf dem Nordflügel des VII. Korps fest in eigener Hand.
Bei der 106. LstlD. führte der nächtliche Gegenangriff von Bataillonen der Landsturminfanterieregimenter 25 und 31 zur Wiedergewinnung eines Teiles der am Tage verlorenen Stellungen. Nur nördlich vom Mt. dei sei Busi, wo der Feind in der etwa 200 Schritte breiten Einbruchsstelle zahlreiche Maschinengewehre aufgestellt hatte, kam man bis zum Morgen nicht ans Ziel, weil die über die freie Karstfläche angreifenden Abteilungen von schwerem Feuer niedergehalten worden waren2). Hier mußten sogar um 4hvorm. mehrere, durch starke italienische Kräfte zur Erweiterung des Einbruches unternommene Vorstöße abgewehrt werden, wozu alle verfügbaren Reserven der Division eingesetzt wurden.
Da dem Italiener im Abschnitte des vom FML. Ritt. v. Krautwald befehligten k.u.k. III. Korps der Durchbruch bei Tage nicht geglückt war, hoffte er, durch vehemente Nachtangriffe die für den ersten Kampftag vorgesehen gewesenen Ziele zu erreichen. Gleich nach dem Dunkelwerden setzten an der Straße nördlich von Selz mehrere starke Vorstöße ein, die aber bis Mitternacht niederbrachen.
Besonders wichtig schien dem Führer des italienischen VII. Korps
*) Das HIR. 1 bildete nur mehr ein kampffähiges Bataillon. Es wurde nachts am Nordende des Vallone gesammelt.
2) Das LstlR. Teschen Nr. 31 im Weltkriege, Mitteilungen des Kameradschaftsverbandes des ehem. LstlR. Teschen Nr. 31 (Folge 4/1928).
die Wegnahme der Hügel östlich von Monfalcone, da von hier aus einerseits leichter der Flankenstoß gegen Doberdö und die Vallonefurche geführt werden konnte, sich andrerseits aber auch günstige Aussichten zu einer späteren Umfassung der im Stirnangriff schwer überwindbaren Westhänge der Hermada eröffneten. Die mit Einbruch der Nacht auf dem Westhange der Höhe A 121 und nächst dem Bahnhof von Monfalcone bereitgestellten Truppen der italienischen 16. ID. griffen alsbald die Kampflinien der 19. LstGbBrig. an. Nach viermal mißglücktem Stürmen drang der Feind im fünften Anlaufe knapp nördlich der Bahn in den Kampfgraben ein. Die zur Säuberung angesetzten schwachen Reserven vermochten zunächst nicht durchzudringen. Der den Gegenangriff persönlich führende heldenmütige Brigadier, Obst. Drennig, fiel tödlich verwundet. Der Kampf dauerte, ohne eine Entscheidung zu bringen, die ganze Nacht hindurch fort.
Am 22. Oktober reifte die Schlacht auf dem Karst zu ungeheurer Wucht und Heftigkeit. Vom ersten Tagesgrauen an lagen die Räume vom vordersten Graben bis weit ins Hintergelände in Feuer und Rauch gehüllt, und der Einschlag tausender schwerer und schwerster Geschosse ließ weithin den Karstboden erbeben1).
Der Herzog von Aosta hatte dem XIV. Korps für den weiteren Angriff noch eine Brigade zugewiesen. Der Führer dieses Korps zog überdies die bisher zurückgehaltene 29. ID. in der Nacht auf das Ostufer des Isonzos heran und stellte sie bei Peteano auf schmälstem Raume tiefgegliedert zum Angriff bereit. Zwischen der Wippachmündung und S. Martino brachen vormittags die drei teilweise verstärkten Divisionen zum Sturm gegen den Mt. S. Michele vor. Auf dem Nordhange und auf dem Gipfel des Berges vermochten das HIR. 3 und das erst wenige Stunden früher eingesetzte IR. 43 den Massenangriff bis llhvorm. im Nahkampf mit Handgranaten oder im Gegenstoß, unterstützt durch die rasch mit dem Sperrfeuer eingreifenden Batterien, zurückzuschlagen. Ebenso mißlang in den Mittagsstunden ein zweiter großer Angriff, dessen Vorbereitung in den Falten und Mulden des Bergfußes und in den Flußauen beobachtet worden war.
Hingegen drangen am Morgen mehrere feindliche Bataillone im
x) Das Donnern des Trommelfeuers war an manchen klaren, windstillen Herbsttagen infolge einer merkwürdigen Brechung des Schalles in hohen Luftschichten an bestimmten Orten Hunderte von Kilometern weit von der Front als dumpfes Rollen zu hören, und erschüttert mochte die Bevölkerung in der Heimat auf einsamer Höhe oder in stillen Tälern dem fernen, unheimlichen Geschehen lauschen.
ersten Anläufe in die Stellungen der 81. HIBrig. nordwestlich von S. Martino ein. Der Gegenangriff des HIR. 17, der durch Teile des IR. 43 unterstützt wurde, blieb stecken. Gegen Mittag mußten die Trümmer des HIR. 17, das im Kampfe verheerende Verluste erlitten hatte, dem übermächtigen feindlichen Drucke in die zweite Stellung am Westrand von S. Martino weichen. Dies zwang auch die 17. ID., die alle bisherigen Angriffe erfolgreich abgewehrt hatte, zum Zurückbiegen ihres rechten Flügels in die zweite Linie. Zum Schließen der auf dem linken Flügel der Honvéddivision aufgerissenen Lücke wurde das HIR. 4 in die Front geworfen und das eben abgelöste, im Vallonetal sich sammelnde HIR. 1 an seine Stelle nach Cotiči wieder vorgeführt. Die 17. ID. erhielt ein weiteres Bataillon des die Korpsreserve bildenden IR. 46 unterstellt; sie hatte ein Durchbrechen der Front am Flügelanschluß zur 20. HID. unbedingt zu verhindern.
Während dieser Ereignisse hatte auch die 106. LstlD. schwere Angriffe des italienischen X. Korps abzuwehren. Wohl waren alle Stürme im Bereiche des Mt. dei sei Busi an der festen Haltung des Landsturmes und im zusammengefaßten Abwehrfeuer niedergebrochen; aber in der Mitte des Divisionsabschnittes vermochte der Angreifer neuerlich Fuß zu fassen. Durch Abbiegen der Front und durch zahlreiche Gegenstöße gelang es, dem Aufrollen der Front Einhalt zu tun und die Stellung bis zum Eintreffen von Verstärkungen zu halten1). Auf die Meldung des Divisionärs über die Kampflage und den Zustand der Truppen, deren Widerstandskraft nahezu erschöpft war, wurde dem FML. Kletter das Verfügungsrecht über das Egerländer LstlR. 6 eingeräumt und daran vom Korpskommandanten die Erwartung geknüpft, daß es mit dieser bewährten Truppe gelingen werde, nicht nur die Stellungen zu behaupten, sondern auch die verlorengegangenen Teile wiederzugewinnen.
Bald war der südliche Eckpfeiler des k.u.k. VII. Korps, der Mt. dei sei Busi, neuerlich das Ziel italienischer Massenstürme. Aber die Mährer des LstlR. 25 wehrten sie ab, und das Kreuzfeuer der Batterien des III. und des VII. Korps hielt in den zurückflutenden Bataillonen des Angreifers blutige Ernte.
Nachmittags zwang die Erschöpfung beider Gegner zu kurzer Ruhe. Das k.u.k. VII. Korps traf Vorbereitungen für die abends geplanten Gegenangriffe. Nur der Orkan der Artillerieschlacht tobte weiter.
Die Wucht der Kämpfe, der Kräfteverbrauch und die zunehmende
!) Das LstlR. Teschen Nr. 31 im Weltkriege, Mitteilungen des Kameradschaftsverbandes des ehem. LstlR. 31 (Folgen 4/1928 und 1/1929).
Ermattung unserer Truppen bedingten den Einsatz des größten Teiles aller Reserven und erheischten dringend den Zuschub von Verstärkungen in den besonders gefährdeten Raum des VII. Korps, gegen den sich eine noch zusehends wachsende feindliche Übermacht zusammenballte1). Schon am 22. vormittags hatte das 5. Armeekmdo. die Verlegung der 16. LstGbBrig. von Schönpaß nach Ranziano befohlen und den Korps das Heranziehen und Einreihen der voll ausgebildeten Marschformationen für den Bedarfsfall überlassen.
Als kurz nach Mittag der Kommandant der 20. HID., GM. v. Lu-kachich, dringend um Zuweisung von drei Bataillonen als Reserve ins Vallonetal bat und diese Bitte mit dem Hinweis begründete, sich für das Ausharren seiner Truppen im Einbruchsraume bei S. Martino über die kommende Nacht mit Rücksicht auf die außergewöhnlichen Verluste nicht mehr verbürgen zu können, wurde auf Antrag des Erzherzogs beim Armeekmdo. die Ablösung der 81.HIBrig. durch die 16. LstGbBrig. genehmigt. Diese sollte zur Wiedergewinnung der vordersten Linie bei S. Martino verwendet werden. Das 61. IDKmdo. blieb zur Verfügung des Armeekmdos. in Ranziano.
In den verhältnismäßig ruhigen Nachmittagsstunden zog der Italiener vor dem Nordflügel des VII. Korps fortwährend starke Kräfte über die Brücken von Gradisca vor. Die Ansammlungen am Fuße des Karstes ließen das Eingreifen von Teilen der Verfügungstruppen der Heeresleitung in absehbarer Zeit vermuten.
Die 17. ID. hatte sich nachmittags mehrerer Vorstöße zu erwehren, und vor der 106. LstlD. trieb die Artillerie feindliche Ansammlungen auseinander. Beim III. Korps wurde der Feind, der sich nachts auf den Hügeln südlich von der Höhe A 121 eingenistet hatte, von der jetzt vom Oberst Pilar befehligten und durch ein Bataillon der Divisionsreserve (Bataillon 11/47) verstärkten 19. LstGbBrig. bis 10hvorm. aus seiner Einbruchsstelle geworfen2), wobei Gefangene von fünf italienischen Regimentern eingebracht wurden.
Um lh nachm. brach der erwartete und in seiner Vorbereitung beobachtete Angriff gegen die ganze Landfront des III. Korps los. Die mit bemerkenswerter Tapferkeit heranstürmenden tiefgegliederten italienischen Truppen mähte das zusammengefaßte Abwehrfeuer aller Waffen
x) Beim VII. Korps waren bis zum Nachmittag des 22. Oktober etliche 20 Offiziere und über 600 Gefangene von 18 verschiedenen italienischen Truppenkörpern eingebracht worden.
2) Vogelsang, 346 ff.
noch vor dem Erreichen unserer Hindernisse nieder. Beim Straßenknie östlich von Ronchi, auf der Steinbruchhöhe bei Selz, vor der Höhe A121, überall brachen sich die feindlichen Wellen und fluteten dann, zum Teil in regelloser Flucht, in ihre Gräben und darüber hinaus zurück, während die Artillerie blutige Furchen in die fliehenden Reihen riß1). Nur stellenweise kam es zum Nahkampfe; so auf der Höhe A121, wo die Verteidiger, aufrecht stehend, in geradezu an die Antike gemahnendem Heroismus, Felsblöcke und Steine auf die Angreifer schleuderten.
Noch zwei kurz aufeinanderfolgende Angriffe gegen den Abschnitt der 28. ID., FML. Edl. v. Schneider, mißlangen. Schließlich drang, schon im Dunkeln, eine italienische Angriffsgruppe in die Gräben südlich der Höhe A 121 ein. Hier trat ihr abermals in einem glänzend geführten Gegenschlag das steiermärkische Bataillon 11/47 entgegen und warf den Feind den steinigen Hang hinab. Mit diesem Erfolge trat an der ganzen Front des k.u.k. III. Korps Ruhe ein. Es hatte seinen altüberlieferten Ruf als „eisernes Korps“ von neuem bestätigt. Die Kampfanlagen waren durchwegs arg beschädigt und die blutigen Verluste beträchtlich, aber die Stimmung der Truppen gehoben2). Die Kampfführung war beim
III. Korps bisher sehr sparsam gewesen; von den Divisionsreserven war nur ein Bataillon in den Kampf eingesetzt worden. Das IR. 96 stand noch als Reserve unangetastet hinter dem Südflügel. Die nächsten Tage verliefen an der Front des III. Korps gegenüber den auf das höchste gesteigerten Kämpfen beim VII.Korps ruhig und ohne besondere Ereignisse.
Um die halbe 22. SchD. bei Segeti als Eingreiftruppe der höheren Führung zu erhalten, plante das Armeekmdo., die eben eintreffende 206. LstlBrig., die (bis auf zwei ihrer Bataillone) für den Kampf wenig geeignet war, im Küstenabschnitt der 187. IBrig. einzusetzen und sich dafür aus den vier kampfkräftigsten Bataillonen dieser Brigade eine Armeereserve bei Selo zu schaffen. Das Frontkommando in Marburg verfügte gleichzeitig den beschleunigten Abtransport des bei der Verlegung des Regiments noch zurückgebliebenen Bataillons IV/39 und des IX. Marschbataillons des SchR. 3 von der Kärntner Front an den Isonzo.
Das Ergebnis der zweitägigen, mit dem größten Kraftaufwande geführten italienischen Angriffe war gering. Außer dem Einbeulen der vordersten Linie auf dem linken Flügel der 20. HID. bei S. M&rtino in
x) Ital. Gstb. W., II, Text, 457. Die hier angreifende 16. ID. verlor am 21. und am 22. Oktober 4000 Mann.
2) Das krairjische MaBaon. X/17 wollte aus der vordersten Linie nicht abgelöst werden, obwohl es mehrere Tage im schwersten Kampfe gestanden war.
der Breite von etwa einem Kilometer war es dem Feinde gelungen, sich noch in drei schmalen Frontstücken im Abschnitte der 106. LstlD. einzunisten.
Auf dem Karst waren bisher Truppen von achteinhalb italienischen Divisionen festgestellt worden. Mit dem Eingreifen der Heeresreserven — also weiteren drei bis vier Divisionen und mehreren Brigaden, deren Anwesenheit festgestellt wurde — war zu rechnen. Trotz der feindlichen Verluste mußte die k.u.k. Führung den eigentlichen entscheidenden Angriff erst für die nächsten Tage erwarten, da der Feind auf dem Wege zu seinem Hauptziele, dem Mt. S. Michele, gerade hier einige, wenn auch nur sehr geringe Erfolge errungen hatte. Die Fliegeraufklärung fand die Truppenlager hinter der feindlichen Front stark gemindert oder geleert, was auf das Heranführen aller Kräfte an die Front zum entscheidenden Kampfe deutete.
Bei der 20. HID. und bei der 106. LstlD. sollten in der Nacht auf den 23. Oktober die Einbruchsstellen vom Feinde gesäubert werden. Bei S. Martino war geplant, mit Teilen der 16. LstGbBrig. den Gegenangriff zur Wiedergewinnung der Stellungen durchzuführen. Die Lage bei der 20. HID. änderte sich aber bis zum Morgen des 23.Oktober nicht. Während der Bereitstellung der für das Unternehmen bestimmten Truppen ergaben sich Reibungen, so daß die erst in der Morgendämmerung ins Gefecht tretenden Honvéd- und Landsturmbataillone mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten und die starke feindliche Gegenwehr nicht zu überwinden vermochten. Hingegen gelang es dem bewährten Egerländer LstlR. 6, einen Teil der vom Feind besetzten Gräben zurückzugewinnen. Um die noch verbliebenen feindlichen Nester wurde die Nacht hindurch gekämpft; feindliche Angriffe konnten allenthalben, zuletzt, um 5h früh, auf der Höhe A 118, abgewehrt werden. Ein italienisches Lenkluftschiff warf während des nächtlichen Ringens zahlreiche Bomben auf die Stellungen und die dahinter liegenden Orte ab.
Die öst.-ung. Heeresleitung hatte die Kunde vom Beginn des Großkampfes am Isonzo nicht ohne ernste Besorgnis aufgenommen, die aber vermindert wurde, als auf die Anfrage, ob die im Südwesten zur Verfügung stehenden Kräfte dem neuen Angriff der italienischen Heere gewachsen sein würden, aus Marburg eine zuversichtliche Antwort einlangte. Sowohl GdI. Boroevic als auch das Frontkommando im Südwesten waren der Ansicht, daß es gelingen werde, die eben stattfindenden Angriffe am Isonzo und in Tirol (S. 379 ff.) erfolgreich abzuwehren. Ob dies auch bei voraussichtlich längerer Dauer der Schlacht möglich sein werde, vermochten die beiden Führer nicht vorauszusagen. Übereinstimmend meinten sie, daß entscheidende Ereignisse im Südwesten nur am Isonzo zu erwarten wären, und hielten für diesen Fall eine Verstärkung der 5. Armee für sehr notwendig. Der Heeresleitung mußte daran gelegen sein, daß die Front im Südwesten auf die Dauer den Anstürmen mit Sicherheit gewachsen blieb. Ihrem Festhalten kam die allergrößte Bedeutung zu. Deshalb war, so schwer die Auslösung von Kräften an den anderen Fronten fiel, von Teschen schon am 22. Oktober dem 7. Armeekmdo. aufgetragen worden, den beschleunigten Abtransport der 6. ID. an den Isonzo zu veranlassen. Mit diesem Kraftzuwachs hoffte man zunächst alles getan zu haben, tim bei Aufrechterhaltung der Verbände die Verluste zu ersetzen und etwaigen Schlachtkrisen verläßlich zu begegnen.
Um für den äußersten Notfall wenigstens über kleine Reserven zu verfügen, hatte Erzherzog Eugen schon am 18. Oktober in Tirol und in Kärnten einige an ruhigen Frontabschnitten augenblicklich entbehrliche und schlagfähige Bataillone an den Bahnstationen für den raschen Abtransport zur 5. Armee bereitstellen lassen (S. 379). Da am Isonzo schon am zweiten Schlachttage ein Teil der Korpsreserven verbraucht war und die Kämpfe eine lange Dauer voraussehen ließen, wurden diese Bataillone jetzt in den Mittelraum von Görz herangezogen, wo sie am 24. und am 25. Oktober eintreffen sollten (S. 379).
Die Schlachtkrise auf dem Mt. S. Michele (23. und 24. Oktober)
Hiezu Skizze 10
Am 23. Oktober hob sich im Kampf um den Mt. S. Michele die erste Phase der Schlacht zu höchster Spannung. Abermals hatte der Herzog von Aosta seine Korps durch neue, von der Heeresleitung zugewiesene Divisionen verstärkt und den Kampf fortsetzen lassen. Dem italienischen
XIV. Korps wurde die 21., dem VII. Korps die 31. ID. zugeführt. Auch diesmal sollten die beiden Flügelkorps den Angriff einleiten. Nachdem jedoch der volle Mißerfolg des VII. Korps und seine außergewöhnlichen Verluste in den Kämpfen vom 22. im Hauptquartier des Herzogs bekanntgeworden war, änderte er seine Befehle am Morgen des 23. dahin ab, daß der Angriff an diesem Tage nur mit den Nord- und Mittelkorps durchzuführen sei.
Das italienische XIV. Korps griff mit der 29. ID. gegen Boschini, mit der durch die halbe 23. ID. und einige Bersaglieribataillone verstärkten 30. ID. den Mt. S. Michele und mit der 28. ID. S. Martino an. Die entscheidende Bedeutung wurde aber dem Angriff des X. Korps beigemessen. Es war ausersehen, im Raume zwischen der Ruine -fr 143 und dem Mt. dei sei Busi die Mitte der Karstfront zu durchbrechen und dadurch den steckengebliebenen Südflügel der Armee, das VII. Korps, mitvorzureißen. Die 21. ID. wurde an den Isonzoübergängen bei Gra-disca und Sagrado zum Eingreifen bereitgestellt.
Den öst.-ung. Truppen war es in den am Vormittag des 23. Oktober entbrannten Kämpfen überall gelungen, die Stellungen zu behaupten und die wiederholten italienischen Angriffe abzuweisen. Besonders zeichnete sich das IR. 43 aus, das Massenstürme vielfach überlegener Kräfte auf dem Mt. S. Michele zurückschlug, wobei auf der Westkuppe erschienene Bersaglieriabteilungen in einem durch unsere Batterien glänzend unterstützten Gegenstoß hinabgeworfen wurden. Nordwestlich von S. Martino verhinderten das HIR. 4 und das ungarische LstlR. 17 wütende italienische Durchbruchsversuche aus dem vom Feinde gewonnenen Teil unserer ersten Stellung. Eine vorübergehende Krise entstand, als eine schwere Bombe das 81. HIBrigKmdo. außer Gefecht setzte. Der Kommandant des vorgenannten LstlR. 17, Obst. Fiebich-Ripke, übernahm an Stelle des gefallenen Oberstbrigadiers v. Weeber das Kommando. An der Straße Sdraussina—S. Martino wogte der Kampf ohne Entscheidung stundenlang hin und her. Die an ihrer ganzen Front von doppelter Übermacht hart bedrängte 17. ID. schlug die zähe angreifenden Italiener der 28. und der
19. ID. in erbitterten Bajonett- und Handgranatenkämpfen nächst den Kuppen-<>-111 und-<>-197 mit großen Verlusten zurück, wobei das blutige Ringen die letzten Reserven verschlang. Unter besonders schwierigen Verhältnissen focht die 106. Division. Die zahllosen, um ihre vorspringende Front herum aufgestellten feindlichen Geschütze und Minenwerfer warfen ihre Verderben bringenden Geschosse tonnenweise auf die armseligen, zum Teile längst nicht mehr vorhandenen Verteidigungsanlagen. Mittags erhob sich der Feind aus seinen Deckungen und bestürmte die ganze Front. Vor dem Mt. dei sei Busi zerschellte sein Angriff im Feuer unserer Batterien. In der Mitte der Division vermochten sich feindliche Trupps abermals an zwei Stellen festzusetzen. Auch hier mußten die letzten Reserven in den Kampf geworfen wrerden. Die Landstürmer der 106. ID. hatten bisher den weit überlegenen feindlichen Angriffen unter schwersten Verlusten standgehalten. Nun war die Lage kritisch geworden, denn die Widerstandskraft der auf die Hälfte zusammengeschmolzenen Regimenter war so sehr gesunken, daß bei fortdauerndem feindlichem Drucke eine
Katastrophe befürchtet werden mußte. Um eine Überspannung der Kräfte zu vermeiden, erbat der Erzherzog dringend die Unterstellung der halben 22. SchD., um die durch die bisherigen schweren Kämpfe ermattete 106. LstlD. ablösen zu können.
Von 4h nachm. an begann ein neuerlicher allgemeiner Angriff gegen die Front zwischen S. Martino und dem Mt. dei sei Busi. Auf dem Mt. dei sei Busi stürmten frische italienische Verstärkungen viermal gegen unsere, dem Flankenfeuer besonders ausgesetzten und vollkommen eingeebneten Stellungen vor. Nur dem starken Rückhalt, den unsere Batterien durch ihre wirksame Unterstützung den verzweifelt fechtenden Landsturmtruppen verliehen, war es zu danken, daß auch diesen fortgesetzten Vorstößen widerstanden wurde. Weiter nördlich kam es bei der 17. ID. tim die Kote 111 ebenfalls zu heißen Kämpfen, die bis zum Morgen des 24. Oktober andauerten.
Seinem Kampfauftrage gemäß wiederholte das italienische X. Korps abends nochmals den bisher mißglückten Versuch, die gegnerische Front zu durchbrechen. Beim Einbruch der Dunkelheit stand somit das ganze k.u.k. VII. Korps neuerlich im heftigsten Kampfe.
Der Landsturm rang bis zur Ablösung mit seiner letzten Kraft dem übermächtigen Feind in stundenlangen Nahkämpfen einen Teil der verlorenen Gräben ab. Das rechtzeitig erkannte Heranströmen von italienischen Reserven, die den Durchbruch in dem aufgelockerten Frontabschnitt zu erzwingen hofften, konnte wieder durch das treffsichere Feuer der Artillerie gestört werden.
Die Verluste des VII. Korps konnten bei dem größten Teile der Regimenter auf die Hälfte ihres Standes geschätzt werden. Wie in den früheren Schlachten, war es abermals der Abschnitt des Mt. S. Michele, der den weitaus größten Verbrauch an Kräften aufzuweisen hatte und deshalb eingehende Vorsorgen für die Ablösung und den Ersatz der erschöpften Kämpfer heischte. Es stand außer Zweifel, daß der Italiener gerade hier nicht nachgeben, sondern trotz aller Opfer die Anstrengungen zur Erreichung seines taktischen Hauptzieles, der Eroberung des Mt. S. Michele, bis zum Einsätze der letzten verfügbaren Reserven fortsetzen werde.
In der Nacht auf den 24. Oktober löste die 43. SchBrig. der 22. SchD. die in der vordersten Linie kämpfenden Truppen der 106. LstlD. ab. Die steirischen Schützen bildeten zwischen der 17. und der 28. ID. unter Beibehaltung der auf dem Mt. dei sei Busi und auf dem Nordflügel des Divisionsabschnittes im eigenen Besitz verbliebenen vordersten Gräben eine geschlossene und verteidigungsfähige Front. Von der 106. LstlD. wurde das noch schlagkräftige LstlR. 6 als Korpsreserve im Vallonetal zurückbehalten, die anderen Teile hatten in die Erholungsquartiere von Segeti, Lokvica und Hudi Log abzugehen.
Durch Zuweisung der ganzen 16. LstGbBrig. bei der 20. HID. und der halben 22. SchD. im Südabschnitte des VII. Korps war dieses in der Lage, die dringendsten Ablösungen zu bewirken und wenigstens einige kampffähige Reserven zu bilden. Das von Kärnten eingelangte Bataillon IV/39 und das vom XVI. Korps angesichts der schweren Not auf dem Karst aus eigenem Antrieb zur Verfügung gestellte Bataillon 111/69 kamen zur 17. Division. Damit hatte das 5. Armeekmdo. alle seine Verfügungstruppen ausgespielt und man sah in Adelsberg dem von der Heeresleitung angekündigten Eintreffen der 6. ID. mit um so größerer Spannung entgegen, als eine auch nur vorübergehende Entnahme von Kräften aus den Bereichen des XV. und des XVI. Korps bei dem damaligen Stande der Kämpfe in diesen Abschnitten und bei der noch ungeklärten Lage im Görzischen nicht ratsam zu sein schien. Die Versammlung der abgelösten vier Bataillone der 187. IBrig. als neue Armeereserve bei Selo konnte aber erst am 24. Oktober beendet sein. Von diesem Tage an sollten auch die vom Kommando der Südwestfront aus Kärnten und aus Tirol herangeführten 5V2 Bataillone in Ovčja Draga ausgeladen werden1).
Erzherzog Eugen hatte am 22. und am 23. Oktober das 5. Armeekmdo. und die Führer der drei südlichen Korps an der Front aufgesucht und gewann aus dem Meinungsaustausch sowie durch die persönliche Beobachtung der Kämpfe die Überzeugung, daß es dem Feinde nicht gelingen werde, die Front wesentlich einzudrücken oder gar zu durchbrechen. Manche Anzeichen deuteten darauf, daß die Schlacht auf der Karsthochfläche ihren Höhepunkt vorläufig erreicht hatte; freilich standen dem zähen Angreifer noch genügend unverbrauchte Kräfte zur Verfügung, um mit einer letzten großen Kraftanspannung wenigstens noch einen Teilerfolg zu erringen.
Zur ausreichenden Versorgung mit Schießbedarf hatte die öst.-ung. Heeresleitung zu Beginn der Schlacht die gesamten beim Nordheere
Von der Armeegruppe GdK. Rohr kamen die Bataillone III/18, 11/37 und IV/77; aus Tirol die Bataillone I/KJR. 2, II/KSchR. II und das 1/2 I. ResBaon./IR. 29. Die letztgenannten durften nur dann eingesetzt werden, wenn vor dem Eintreffen der 6. ID. eine Krise dazu zwingen sollte, da sie als Hochgebirgstruppen für die Verwendung in den Alpen erhalten bleiben sollten. Sie traten auch tatsächlich nicht in Verwendung.
entbehrlichen Vorräte eilends der Front im Südwesten zugeführt. Nun sollte strenge Sparsamkeit mit der Artilleriemunition einsetzen, weil man bis Ende des Monates keine weiteren Zuschübe erhoffen durfte. Das Haushalten mit der Munition war an der Isonzofront aus den früheren Schlachten eingebürgert. Es ließ sich aber während des schweren, tagelangen Ringens, in welchem die unter der Hauptlast des Kampfes fast zusammenbrechende Infanterie stets nach der Artillerie rief, nicht auf dem festgesetzten Mindestmaß halten.
An Ersätzen wurden bei den nicht unmittelbar am Feinde stehenden Truppen die XIV., beim VII. Korps bereits die XV. Marschformationen eingereiht; trotzdem blieben die Tru.ppenkörper des letztgenannten Korps noch weit unter den Sollständen.
In der Nacht auf den 24. Oktober führte der Italiener seine Angriffe mit größtem Truppeneinsatze fort. Nachdem der Micheleabschnitt sich nachmittags bedingter Ruhe erfreut hatte, begannen kurz nach Sonnenuntergang heftige Vorstöße der italienischen 29. ID. gegen den Nordhang des Berges. Erst beim fünften Sturmlauf, schon gegen Morgen, gelang es der Übermacht, unterstützt durch die mächtige Flankenwirkung vom Mt. Fortin, sich im vordersten Graben zwischen der Bahn und der Straße einzunisten. Da es mittlerweile hell geworden war, überließ man das schmale Frontstück dem Feinde und besetzte hundert Schritte dahinter die zweite Linie. Die Italiener gaben sich mit dem Erfolg zufrieden und unterließen hier fast eine Woche lang jeden weiteren Angriff. Auf dem Südflügel der 20. HID. wurde während der Nacht die 81.HIBrig. durch die 16. LstGbBrig. abgelöst.
Auch bei der 17. ID. wurde die Nacht hindurch hart gerungen. Östlich von der Ruine -fr 143 hatten sich feindliche Abteilungen in den vordersten Gräben festgesetzt. Bevor noch die zwei der Division zugedachten Verstärkungsbataillone (S. 413) im Bereiche der Division eingetroffen waren, warf das in den harten Kämpfen der letzten Tage arg mitgenommene IR. 39 mit Teilen desFJB.24 in einem beispiellos schneidig geführten Gegenangriff bis 7h früh den überlegenen Feind aus den Stellungen heraus. Über 200 Gefangene von fünf Regimentern wurden dabei eingebracht. Die Division hatte bisher mit drei Regimentern — das IR. 43 stand auf dem Mt. S. Michele — ihren ganzen Abschnitt fest behauptet. Für die Ablösung des IR. 39 und des FJB. 24, die beide sehr gelitten hatten, wies das Korpskmdo. dem FML. v. Gelb das noch ziemlich unverbrauchte LstlR. 6 zu und stellte an dessen Stelle als Korpsreserve das LstlR. 25 nach Mikoli ins Vallonetal.
Auf dem Südflügel des VII. Korps konnten die geplanten Ablösungen nach dem Abflauen der nächtlichen Kämpfe durchgeführt werden. Die steirischen Schützenregimenter 3 und 26 stellten je zwei Bataillone in die Front, den Rest bei Doberdö in Reserve. Das Kommando des Abschnittes übernahm GM. Schön.
Der Vormittag des 24. Oktober brachte den müden Kämpfern eine unverhoffte und sehr willkommene Kampfpause. Auch die Beschießung durch Artillerie hatte, ausgenommen gegen den Mt. S. Michele, merkwürdigerweise stark nachgelassen. Aber es war noch verfrüht, die Stoßkraft der feindlichen Streitkräfte für erschöpft zu halten.
Der feindliche Armeeführer setzte nun alles auf die letzte Karte, um, koste es, was es wolle, den Mt. S.Michele in seinen Besitz zu bringen. Er holte zu einem gewaltigen Schlage aus. Beim italienischen XIV.Korps wurde die ganze 21. ID. zwischen der 30. und der 28. ID. im Raume nordwestlich von S. Martino eingeschoben. So standen am 24. Oktober früh im Raume zwischen dem Isonzo und der Höhe -fr 197 etwa viereinhalb Divisionen zu neuerlichem Sturm bereit. Auch das anschließende X. Korps war durch die 31. ID. verstärkt worden. Am 24. mittags trommelten Hunderte von Geschützen aller Kaliber auf den Abschnitt des k.u.k. VII. Korps; sie steigerten ihr Feuer bis 3h nachm. zu bis dahin noch nicht gekannter Stärke. Dann erhoben sich an der ganzen Front vom Isonzo bis zum Mt. dei sei Busi die italienischen Sturmsäulen aus ihren Gräben. Mit starken und tiefgegliederten Reserven brachen sie los, während aus der Ebene weitere Regimenter über die Isonzobrücken her anmarschierten. Die Wucht geschlossener Massen sollte anscheinend den erschöpften Verteidiger erdrücken und die Front durchbrechen.
Das vorzügliche Zusammenwirken aller Waffen brachte bis zum Abend den gegen den Mt. S. Michele von schätzungsweise sieben bis acht Regimentern gleichzeitig geführten Massenstoß vor unseren Linien zum völligen Zusammenbruch. Ähnlich wie der Nordflügel des VII. Korps wurde auch die 17. ID. und die 43. SchBrig. von starken Truppenmassen angegriffen, und auch dort vermochte der Italiener nirgends Raum zu gewinnen. Auch zum Erfolge dieses letzten Großkampftages im ersten Abschnitte der Schlacht hatte die Artillerie, trotz der wiederholten Fliegerangriffe gegen die Batteriestellungen, wesentlich beigetragen. Sie hatte richtigerweise fast die ganze Feuerkraft auf die Sturmabwehr gerichtet. Nach gleichlautenden Meldungen aus der ganzen Kampffront war ihre Wirkung auf die angreifenden Massen überwältigend. Wenn es auch ganz unmöglich war, die der Zahl nach mehrfach überlegene italienische Artillerie niederzukämpfen, so wurden doch wenigstens die am gefährlichsten wirkenden Batterien zum Schweigen gebracht.
An einzelnen Stellen setzten sich die erbitterten Nahkämpfe durch die Nacht bis zum Morgen des 25. Oktober fort. Besonders hartnäckig wurde bei der Ruinenhöhe gefochten, wo der letzte italienische Ansturm um 4h früh scheiterte. Zur selben Zeit brachen auch noch bei S. Martino stürmende Abteilungen zusammen.
In den Schlußphasen dieser gewaltigen letzten Kraftäußerung der italienischen 3. Armee zeigten sich bereits panikartige Erscheinungen bei den zurückflutenden Angriffstruppen. Die Krise der Oktoberschlacht auf dem Karst, die am 24. Oktober nachmittags ihre Höhe erreicht hatte, konnte als überwunden gelten. Die vorderste Verteidigungslinie war im großen behauptet worden. Westlich von S. Martino wurde die zweite Stellung beibehalten und auf die Wiedergewinnung der etwa 200 bis 400 m weiter vorne befindlichen ursprünglichen ersten Linie verzichtet. Die Opfer wären in keinem Verhältnis zum Erreichten gestanden. Die k.u.k. Streitkräfte mußten ihre Kämpfer für den sicheren Fortgang der Schlacht erhalten. Die übrigen kleinen Einbeulungen der Front waren und blieben vollkommen bedeutungslos.
Die dreitägige Kampfpause auf dem Karst (25. bis einschließlich 27. Oktober)
Die Erschöpfung der Truppen zwang Cadorna, am 24. Oktober abends für die Armee des Herzogs von Aosta eine kurze Unterbrechung der Angriffe anzubefehlen. Nach dem Ordnen der Verbände, dem Ersatz der Menschenverluste und der verschossenen Munition sowie nach dem Heranziehen frischer Truppen sollte die Schlacht fortgesetzt werden. Auch wollte Cadorna das Schieß verfahren der Artillerie bessern1). Denn trotz des ungeheuren Munitionsverbrauches in der ersten Woche der Schlacht hatte der Verteidiger überall standgehalten. Die große Überlegenheit der Italiener an Geschützen war nicht zur Geltung gekommen. Man schob die Schuld auf qualitative Mängel des Geschützmaterials, der Munition und auf nichtgenügende Ausbildung der Artillerieführer. Tatsächlich dürfte die Feuerleitung ziemlich schematisch gearbeitet haben, denn das Feuer verteilte sich auf einen großen Raum und machte den Eindruck der Starrheit, ein rasches Anpassen an die einzelnen Kampfhandlungen konnte nur selten beobachtet werden.
*) Cadorna, La guerra, I, 158.
Die Verluste des Angreifers waren außerordentlich schwer und zweifellos größer als die des Verteidigers. Die beiden italienischen Armeen am Isonzo verloren in der Zeit vom 21. bis zum 27. Oktober, also in der ersten Schlachtphase, 39.000 Mann1).
Bei der k.u.k. 5.Armee wurde die Ruhe nach dem Abflauen der Kämpfe zur Ablösung eines Teiles der Fronttruppen und zur Einreihung der Ersätze, vor allem aber zur Wiederherstellung der vollständig zerstörten Hindernisse und Deckungen benützt. In der Nacht auf den 25. wurde eine Reihe von Truppen aus der Front des VII. Korps in die Rastlager hinter das Vallonetal verlegt. Das LstlR. 6 gelangte auf dem linken Flügel der 17. ID. in die Front.
Am 25. Oktober standen dem 5. Armeekmdo. außer den am Abend dieses Tages bei Ranziano versammelten fünfeinhalb Bataillonen aus Tirol und Kärnten nur noch die vier bei Selo bereitgcstellten Landsturmbataillone als Armeereserve zur Verfügung. Die vom 27. Oktober an im Wippachtale eintreffende 6. ID. war im Raume um Schönpaß zu versammeln; das LstlR. 26, von der Sicherheitsbesatzung in Pola, war der 5. Armee vom Frontkmdo. zugewiesen worden und sollte bis zum
29. Oktober beim XV. Korps in Podmelec eintreffen. Die auf die Wiederherstellung der vollen Kampfkraft abzielenden Bestrebungen konnten aber nur teilweise verwirklicht werden, da der Kampf schon am 28. Oktober aufs neue mächtig emporloderte.
Die Vorbereitungen zum Angriff auf Görz
Während der Nordflügel der italienischen 2. Armee mit voller Kraft gegen die öst.-ung. Stellungen am oberen Isonzo angestürmt war und die 3. Armee mit dem k.u.k. III. und dem k.u.k. VII. Korps ineiner viertägigen erbitterten und sehr blutigen Schlacht um den Besitz der Hochfläche von Doberdö gerungen hatte, war der Görzer Brückenkopf zunächst bis zum 23.Oktober gegenüber von Pevma und der Podgora auch von schweren Minenwerfern planmäßig weiterbeschossen worden, ohne daß es zu anderen Kampfhandlungen gekommen wäre. Die große Zahl der vor dem Brückenköpfe angesammelten schweren Batterien und Minenwerfer läßt die Vermutung zu, daß der Feind von der Stärke der Verteidigungsanlagen und ihrer Besatzung übertriebene Vorstellungen hatte. Dies drückt sich auch durch die in der italienischen Kriegsliteratur immer wiederkehrende Bezeichnung „befestigtes“ oder „verschanztes Lager von
i) Ital. Gstb. W., II, Text, 467.
Görz“ aus. Diese Bezeichnung ist nicht richtig und sinnstörend. Über die taktisch ungünstige Anlage der Stellungen bei Görz wurde das Wesentliche bereits früher gesagt (Bd. II, S. 438). Zur Kennzeichnung der Dürftigkeit der vorhandenen Kampfanlagen genügt es nachzutragen, daß es auf dem Mt. Sabotino Ende Oktober Abschnitte gab, in denen die Hauptstellung aus einer Reihe von halbmannstiefen Schützenmulden bestand.
Erst am 23. Oktober kam es zu wuchtigen Erkundungsvorstößen stärkerer Verbände vornehmlich gegen den nördlichen und südlichen Eckpfeiler der Görzer Front, den Mt. Sabotino und die Podgorahöhe. Auf jenem drangen nachmittags unter starkem Feuerschutz einzelne Trupps der Italiener durch die vom fünftägigen Artilleriefeuer im Hindernis gerissenen Lücken in die zerschossene Kampflinie ein. Scharfe Gegenstöße kleiner Reserven der 60. IBrig. warfen sie bei Oslavija zurück, indes auf dem Mt. Sabotino auch in der Nacht weitergekämpft wurde, bis Teile des IR. 30 und des SchR. 37 die Stellungen vom Feinde vollends säuberten. Neu war in diesen Kämpfen, daß die Italiener zum ersten Male Artilleriegeschosse mit giftigen Explosionsgasen verwendeten.
Am 24. früh wiederholte der Feind die Vorstöße gegen den Mt. Sabotino und bei Oslavija. Durch Überfall in unsere Gräben gelangte italienische Abteilungen vermochten dem Gegenangriff nicht standzuhalten und wichen bald zurück. Ein neuerlicher Versuch von Truppen der verstärkten 4. ID., sich nach ausgiebiger Artillerievorbereitung des Mt. Sabotino zu bemächtigen, wurde schon während der Bereitstellung durch unsere Batterien vereitelt, wobei besonders das Flankenfeuer vom jenseitigen Isonzoufer, aus dem Bereiche der 18. ID., dem Feinde besonders empfindliche Verluste beifügte. Überdies blieben einige hundert Gefangene in unserer Hand. Das Mißlingen der gewaltsamen Erkundungen am 23. und am 24. Oktober schreckte die feindliche Führung davon ab, vor dem allgemeinen Angriffe auf Görz weitere Einzelvorstöße gegen den Nordflügel des Brückenkopfes anzubefehlen.
Dagegen verstärkte der Feind am 24. sein Artilleriefeuer gegen die Podgora; große Truppenansammlungen im Hügelgelände nördlich von Lucinico deuteten auf einen bevorstehenden Angriff. Ein solcher unterblieb jedoch zunächst, wahrscheinlich wieder wegen der Wirkung unserer Batterien gegen die Bereitstellungsräume. Erst am folgenden Tage kam es nach einem mehrstündigen Bombardement der Stadt und der Podgora zu einem Angriff von etwa acht bis zehn Bataillonen gegen diese Höhe. An der glänzenden Haltung des dort eingesetzten Dalmatiner SchR. 23 scheiterten alle Angriffe.
Auch ein am 26. wiederholter Versuch blieb für den Angreifer ohne jeden Erfolg, denn in der Nacht auf den 27. Oktober wurde der Feind, der sich einige Stunden vorher auf dem Südhange der Podgora eingenistet hatte, abgeriegelt und ausgehoben. Vor den übrigen Abschnitten erstickten unsere Batterien jegliche Angriffsvorbereitung schon im Keime. Der 27. Oktober verlief ohne .wesentliche Ereignisse. Der Feind tastete stellenweise gegen unsere Hindernisse vor, ohne daß es zu einer größeren Kampfhandlung gekommen wäre. Dagegen wurde Görz beschossen, wodurch Schäden an zahlreichen Häusern und blutige Verluste unter der in der Stadt zurückgebliebenen Bevölkerung zu beklagen waren.
Fortsetzung der italienischen Durchbruchsversuche bei Tolmein und bei Plava
(25. bis 29. Oktober)
Während auf dem Karst die Erschöpfung beiden Parteien eine mehrtägige Kampfpause gebot, war den k.u.k. Truppen am oberen Isonzo keine Ruhe gegönnt. Der von einem Tag zum anderen mögliche Eintritt des Hochgebirgswinters im Krngebiet hätte sofort jede größere Kampfhandlung unterbunden. Dies zwang den Feind zu hartnäckigen Versuchen, sich noch rasch der heißumstrittenen Felsspitzen und Grate östlich vom Krngipfel zu bemächtigen. Der erste dieser Versuche, ein Überfall am 25. Oktober vor Anbruch des Tages, scheiterte gegenüber der 15. GbBrig. an der Wachsamkeit der Truppen. Ein Angriff am frühen Vormittag mißlang ebenso wie ein am gleichen Tage nachmittags mit kräftiger Artillerieunterstützung von mehreren Bataillonen geführter letzter Vorstoß gegen die zäh in ihren Felsennestern ausharrenden Streiter des GM. Wieden. Tags darauf kam es noch ein letztes Mal zu schwächeren Vorstößen auf dem Krn. Das Abwehrfeuer zwang die italienischen Sturmtruppen an den Hindernissen zum Rückzug. Am 27. Oktober setzte heftiges Schneetreiben ein, das jede Bewegung in dem schwierigen Hoch-gebirgsgelände hemmte. Damit endeten die Kampfhandlungen im Krngebiet für längere Zeit.
Bei Tolmein war der Vormittag des 25. Oktober ruhig verlaufen und gewährte den müden Verteidigern nach den harten Kämpfen der vorangegangenen Tage die verdiente Rast. Nachmittags setzte ein allgemeines Geschützfeuer auf unsere Stellungen vom Mrzli vrh bis zur Talenge bei Selo ein, dem ein Nachtangriff auf dem Vodil vrh folgte. Der in einem Teil der Kampfgräben ein gebrochene Feind wurde von den bereitgehaltenen Reserven nach heftigem Kampfe zur Preisgabe seines Gewinnes gezwungen. Gegen den Tolmeiner Brückenkopf und bei Plava hatte die italienische Infanterie am 25. nicht angegriffen.
Aber schon am 26. Oktober flackerten die Kämpfe an allen Brennpunkten der Front nördlich von Görz wieder auf. Im Tolmeiner Becken griff in den Morgenstunden eine aus Infanterie-, Alpini- und Bersaglieri-bataillonen gebildete Gruppe in Divisionsstärke die 8. GbBrig. an. Diese hielt dem wuchtigen Stoße stand und warf auch beim zweiten Male die anstürmenden Bataillone im Handgemenge zurück, wobei zahlreiche Gefangene in unserer Hand verblieben. Zwischen Ronzina und Ajba planten die Italiener offenbar neuerlich einen Übergangsversuch, denn sie bemühten sich, auf den vom Kolovratrücken steil abfallenden Wegen Überschiffungsmittel heranzubringen, doch wußte dies unsere Artillerie zu verhindern. Bei Plava wiederholte das italienische II. Korps nach eintägiger Kampfpause sein am 24. Oktober so verlustreich gescheitertes Unternehmen, die Front der k.u.k. 1. GbBrig. zu durchbrechen. Gewaltiges Trommelfeuer bereitete den Sturm vor. Tatsächlich vermochten feindliche Abteilungen abends nach erbittertem Ringen über Globna in die vollständig zerstörten Gräben einzudringen. In den nun bis zum Mittag des 27. andauernden, außerordentlich opfervollen Kämpfen gelang es schließlich dem Verteidiger, die alten Linien fast in ihrer ganzen Ausdehnung wiederzugewinnen. Aus einigen Grabenstücken, in denen sich der Feind noch hielt, schoß ihn die Artillerie bis zum Abend durch langsames Zielfeuer heraus1).
Am 27. Oktober wiederholten nach eintägiger Rast die Bataillone der italienischen 8. ID. und der Alpinigruppe A den zwei Tage früher mißlungenen Angriff zwischen Dolje und dem Mrzli vrh. Vor Dolje wurden sie dreimal abgewehrt, nördlich davon vermochte sich eine Abteilung auf dem nach Südosten gegen Dolje verlaufenden Abhangsrücken des Mrzli vrh festzusetzen. Die Reserven der 3. und der 14. GbBrig. drängten sie bis Mitternacht in mühevollen Kämpfen wieder hinaus, so daß bis auf ein Grabenstück bei der Kuppe -fr 854 alle Teile der vordersten Linie am Morgen wieder in unserem Besitze waren. Im Tolmeiner Becken hielt der Feind Ruhe; einen Überfall gegen Selo erstickte unsere Artillerie.
*) Tosti, 100. Bei Plava verloren die 3. und die 32. ID. der Italiener vom 24. bis zum 27. Oktober 78 Offiziere und 1890 Mann an Toten und Verwundeten. Die k.u.k. 1. GbBrig. hatte im gleichen Zeiträume etwa 20 Offiziere und 550 Mann Verluste an Toten und Verwundeten.
Als am 28. Oktober die Schlacht im Görzischen und auf dem Karst zu größter Wucht emporschlug, versuchte der Führer der italienischen Truppen am oberen Isonzo, GLt. Tassoni, mit dem Einsatz aller Kräfte noch ein letztes Mal vor dem sich bereits ankündigenden Einbruch des rauhen Gebirgswinters den wichtigen Talknoten von Tolmein in seinen Besitz zu bringen. Vom Morgen des trüben Herbsttages an griffen mit rühmlichster Tapferkeit die seit vielen Tagen im Kampfe stehenden Kerntruppen der Alpinigruppen A und B, dann jene der 7. und der 8. ID. an der ganzen Front vom Mrzli vrh bis Selo an. Zum Herzstück der Kämpfe wurde der Frontteil zwischen dem Mrzli und dem Vodil vrh, wo eine starke Gefechtsgruppe ausgesuchter Bataillone wiederholt vorstieß, um den Teilerfolg vom Vortage nächst -fr 854 zu erweitern, wobei ihnen aber kein Erfolg beschieden war. Erst mittags brach ein neuer, durch starke Reserven genährter Massenstoß an den inneren Flügeln der 3. und der 14. GbBrig. in die Kampfgräben ein. Nach viel-stündigem erbittertem Ringen Brust an Brust gelang es den eilends zusammengerafften kleinen Brigade-, Divisions- und Korpsreserven, bis zum Morgen des 29. die ursprüngliche Lage im großen und ganzen wiederherzustellen und den zähen Feind den Hang hinabzudrängen.
Die gleichzeitigen heftigen Anstürme gegen die Hügelstellungen der 8. GbBrig. konnten völlig abgewehrt, zum Teil sogar schon in der Vorbereitung durch die auf der Lomhochfläche auf gestellten, zielsicher flankierenden Batterien niedergehalten werden.
Der Einsatz aller Reserven in den Kämpfen zur Behauptung des Mrzli vrh und Vodil vrh und die Erschöpfung der Tag und Nacht ohne Rast und Ruh fechtenden Truppen führten beim XV. Korps zu einer Gefechtskrise. Dem vom Korpskommandanten, FML. v. Stöger-Steiner, schon früher gestellten Ansuchen um eine Verstärkung durch vollwertige, gebirgsgewohnte Abteilungen konnte sich nun das 5. Armeekmdo. nicht mehr verschließen. Es alarmierte zunächst am 28. Oktober bei Ranziano die drei aus Kärnten herangeführten Bataillone1) (111/18,11/37, IV/77) und sandte sie mit bereitgehaltenen Zügen nach Podmelec, wo sie vom 30. früh an ausgeladen wurden. Der Kommandant der 50. ID., GM. Tunk, verwendete die neuen Kräfte zum Ablösen der am meisten mitgenommenen Teile der Front bei Dolje und auf dem Mrzli vrh. Doch war die Not an schlagfähigen Reserven so groß, daß man zwei der eben aus dem Kampf gelösten Bataillone im ruhigen Abschnitt der 7. GbBrig.
J) Sie bildeten mit den aus Tirol herangezogenen Bataillonen die kombinierte Brigade Obst. Konstantin Ritt. v. Wasserthal.
wieder in die Front stellte und dafür von dort zwei vollkräftige Bataillone in den mehr bedrohten Kampfraum rücken ließ. Als weitere Verstärkung wurden anStelle des dem XV. Korps schon am 26. zugewiesenen LstlR. 26, dessen Eintreffen sich verzögert hatte1), am 29. Oktober die zweieinhalb Tiroler Bataillone (I/KJR. 2, II/KSchR. II, % RBaon. IR. 29) von Ranziano der ersten Staffel nachgesendet. Da die Kämpfe beim XV. Korps indessen abgeflaut waren, konnten die Tiroler Bataillone noch in der Fahrt umgelenkt und dem GdK. Dankl zurückgestellt werden.
Mit dem Abklingen des mißglückten Durchbruchsversuches am oberen Isonzo wandte sich der Feind wieder dem langsamen, methodischen Angriffsverfahren zu. Die Kampfhandlungen ruhten nun längere Zeit, da der Bergwinter mit starken Schneefällen eingesetzt hatte. Nur am 30. Oktober störte noch der Überfall durch ein italienisches Regiment gegen Sv. Maria die winterliche Ruhe, die zunächst bis gegen das Ende November anhielt2).
Am 2. November bildete die 50. ID. aus den aneinanderstoßenden Flügelabschnitten der 3. und der 14. GbBrig., in deren Bereich bisher, zwischen Mrzli vrh und Vodil vrh, die Hauptangriffe státtgefunden hatten, einen neuen Abschnitt unter dem Befehle des Obst. Wasserthal.
Es erübrigt noch, die Ereignisse der letzten Oktobertage im Abschnitte zwischen Selo und Plava zu streifen. Als der erwartete Erfolg bei Plava, wo das italienische VIII. Korps nach der Erweiterung des Brückenkopfes auf das Ostufer des Isonzo übergehen sollte, ausgeblieben war, nahm der Kommandant der italienischen 2. Armee, GLt. Frugoni, die am 21. Oktober zurückgestellte Absicht eines gewaltsamen Überganges in der Gegend von Canale wieder auf. Am 27. Oktober hatte die 27. ID. den gewagten und ungewöhnlichen Versuch unternommen, den Flußübergang
1) Das LstlR. 26 war noch nie im Kampfe gestanden — es hatte bisher zur Besatzung des Kriegshafens von Pola gehört — und war nach Bewaffnung (russische Gewehre), Ausrüstung (keine Fahrküchen) und Bekleidung (altartige dunkelfarbige Montur) als Kampftruppe nicht geeignet. Es wurde nach seinem Eintreffen im Armeebereiche zunächst hinter dem nicht angegriffenen linken Armeeflügel bei Selo bereitgestellt und ausgerüstet.
2) Das k.u.k. XV. Korps hatte vom 25. bis zum 29. Oktober einen Gesamtverlust von rund 4000 Mann. (900 Tote, 2800 Verwundete und 300 Vermißte.) Es brachte in diesem Zeitabschnitt 12 Offiziere und 850 Mann gefangen ein. Das Ital. Gstb.W. macht von den Kämpfen bei Tolmein gegen Ende Oktober keine Erwähnung. Die Verluste der schneidig und zähe angreifenden Alpinigruppen A und B, der 7. und der 8. ID. dürften sehr schwer gewesen sein. T o s t i gibt über die Kämpfe bei Sv. Maria (S. 107) an, daß die dort im Rahmen der 7. ID. eingesetzte Brigade Valtellina vom 26. bis zum 30. Oktober 39 Offiziere und 700 Mann verloren habe.
mit einer Abteilung von auf das Ostufer vorgesendeten freiwilligen Schwimmern zu sichern und dann erst mit der Überschiffung zu beginnen. Das Unternehmen schlug fehl.
Am 29. kam es zu einem letzten Übergangsversuch. Aber schon vor Morgengrauen zerstörte eine kleine vorgesendete Abteilung der k.u.k. 13. GbBrig. eine italienische Wurfbrücke bei Ajba. Als die Italiener nach fünfstündiger Artillerievorbereitung zwischen Loga und Bodrež gegen Mittag bei hellem Tage auf einer größeren Anzahl von Booten und Pontons den Fluß übersetzen wollten, wurden diese durch Geschütz- und Maschinengewehrfeuer so gründlich zerschlagen, daß jeder weitere Versuch, den Fluß in diesem Abschnitte zu überschreiten, von nun anunterblieb.
Das zweite Aufflammen der Schlacht (28. bis 30. Oktober)
Hiezu Beilage 24
Die beiderseitige Lage zu Beginn der neuen Kämpfe
Die drei ruhigen Tage vom 25. bis zum 28. Oktober waren ein Atemholen zu dem entscheidenden Schlage, den die italienische Heeresleitung nach vollzogener Ordnung ihrer Verbände und mit frischen Verstärkungen um jeden Preis zu führen beabsichtigte.
Schon in den letzten Tagen der vorangegangenen Kämpfe waren die 21. ID. des italienischen XI. Korps und die 31. ID. des XIII. näher an die Front herangezogen und die erstgenannte zum Teil eingesetzt worden. Beide Divisionen wurden während der Kampfpause ganz in die Front gestellt. Auch beim italienischen VII. Korps wurde eine Brigade der Korpsreserve im Abschnitte der 14. ID. eingeschoben, so daß diese Division nunmehr aus vier Brigaden bestand. Schließlich löste eine Brigade der Armeereserve die halbe 16. ID. auf dem Südflügel der italienischen 3. Armee ab. Zur Ergänzung der mithin zur Hälfte ausgespielten Verfügungstruppen war von der Heeresleitung die schon am Beginne der Schlacht vorbereitete Verlegung der 9. ID. von der 1. und der 10. ID. von der 4. Armee aus der Tiroler Ostfront in den Raum westlich von Cormons verfügt worden. Die 10. ID. war bis zum 28. Oktober eingetroffen, die 9. ID. kam erst am 2. November bei Manzano an.
Da die bisherigen Flügelangriffe nördlich und südlich von Görz auf bedeutende Schwierigkeiten gestoßen waren, sollten nunmehr Erfolge an den Flügeln nicht erst abgewartet, sondern solche durch einen geradewegs auf die Gewinnung von Görz zielenden Angriff in sinnfälliger, die schon ungeduldig gewordene öffentliche Meinung befriedigender Weise errungen werden. Hiezu sollte das den rechten Flügel der italienischen
2. Armee bildende VI. Korps, GLt. Capello, mit drei Divisionen die Höhen vom Mt. Sabotino über Oslavija bis zum Südende der Podgora angreifen; gleichzeitig hatte die verstärkte Armee des Herzogs von Aosta den Mt. S. Michele zu erobern. Links vom VI. Korps sollte das II. den dünnen Schleier der öst.-ung. Verteidigung bei Plava zerreißen. Der Beginn der Angriffe war zuerst für den 27., dann aber für den 28. Oktober festgesetzt worden.
Der Verteidiger hatte mittlerweile auf dem Karst die beabsichtigte Neugruppierung und Ablösung der Kräfte nur zum Teile durchführen können. Es standen bei der vom GM. Lukachich befehligten 20. HID. von Norden nach Süden die 39., die 81.HIBrig. und die 16. LstGbBrig. bis zur Nordwestecke von S. Martino; dort schloß die 17. ID. an. Von der 20. HID. war aber nur ein Honvédregiment eingesetzt. Das IR. 43 und das IBaon. 111/69 waren auf dem Mt. S. Michele noch in vorderster Linie zurückbehalten worden, während die Hauptkraft der Honvéd-division, zehn Bataillone stark, die tiefgegliederten Reserven des Abschnittes bildete. Nach Weisungen des Korpskmdos. war die Kirchenhöhe von S. Martino zu einem festen Bollwerk auszugestalten und von der vordersten Stellung auf der Ostkuppe des Mt. S. Michele an S.Martino östlich vorbei eine neue Zwischenlinie zur zweiten Verteidigungsstellung durch die Reserven der Division auszubauen. Auf dem linken Flügel der 17. ID. war die 111. LstlBrig. eingeschoben. Das IR. 39 stand als Divisionsreserve bei Marcottini. Die Verbände waren also noch stark vermengt.
Die 22. SchD. hatte bei ihrem Einsatz in die Front eine äußerst schwierige Kampflage vorgefunden. Die Ablösung mußte in den heißesten Stunden der Karstschlacht durchgeführt werden. Die ursprünglichen Stellungen waren zum Teil überhaupt nicht mehr erkennbar. In der Mitte des Divisionsabschnittes hatte sich der Feind festgesetzt; nur auf dem rechten Flügel und auf dem Mt. dei sei Busi konnten die auch hier schwer beschädigten Kampfanlagen bei der Ablösung wirklich übernommen werden. So erlitten die Schützen schon in den ersten Tagen, ohne daß sie besondere Kämpfe zu bestehen hatten, starke Verluste. Die vorderste Kampflinie mußte aber unter allen Umständen behauptet werden. So schufen nun die Grazer und Marburger Schützen, die dem Feinde im offenen Karstgestein vielfach auf Nahkampfentfernung gegenüberlagen, in zähem Kampfe, unter unsäglichen Mühen und Leiden und in verhältnismäßig kurzer Zeit vor Doberdö neue Stellungen.
Auf der südlichen Hälfte der Karsthochfläche blieb die Truppen Verteilung im großen unverändert; ebenso weiter nördlich beim XVI. und beim
XV. Korps. Von den Armeereserven sammelte sich die anrollende 6. ID. im Wippachtale bei Schönpaß; die vier Landsturmbataillone der Armeereserve standen nach wie vor bei Selo.
Das Ringen vor Görz und die Begleitkäm-pje bei Plava (28. bis 30. Oktober)
Bei Plava, wo die Bataillone der 1. GbBrig. seit einer Woche die täglichen überlegenen Angriffe des italienischen II. Korps aufgefangen und alle Stellungen behauptet hatten, vereinigte die italienische Artillerie von der Korada und den umliegenden Höhen her ihr mörderisches Feuer abermals auf unsere Linien. Mehrmals am Tage versuchte die zäh angreifende 3. ID., sich in den gänzlich zerschossenen Gräben bei Zagora einzunisten, die die Besatzung auf die Dauer der Beschießung befehlsgemäß geräumt hatte. Jedesmal verdrängte sie unser Gegenangriff, zuletzt schon in der bald hereinbrechenden Dunkelheit. Auf der Höhe -<J>- 383 und bei Globna wurde die italienische 32. ID. durch Abwehrfeuer schon vor den Hindernissen abgewiesen.
Die nach wie vor sehr gespannte Lage bei Plava, wo nach Aussagen Gefangener starke italienische Kräfte zur Fortführung der Angriffe bereitstanden, erforderte das Heranführen aller verfügbaren Truppen in den gefährdeten Raum. Der Kommandant der 18. ID., GM. Stracker, ließ die ausgebildeten Marschkompagnien auf dem nicht angegriffenen Südflügel einsetzen, um ausgeruhte Fronttruppen für den Brennpunkt der Kämpfe freizumachen. Hiedurch konnten bei der Division 20 Kompagnien in Reserve genommen werden.
Der Kampf um die knapp am Westufer des Isonzo sich hinziehende Hügelkette, die Görz vom Feinde trennte, begann am 28. früh mit einer gewaltigen Steigerung der seit dem 18. andauernden Artilleriebeschießung, die gegenüber den Eckpfeilern des Brückenkopfes, dem Mt. Sabotino und der Podgorahöhe, zu einem alles vernichtenden Trommelfeuer wurde. Längst waren Hindernisse und Kampfgräben zerstört, als das italienische VI. Korps in den ersten Nachmittagsstunden an der ganzen Front zum Sturme schritt. Auf dem Mt. Sabotino gingen Kerntruppen, die verstärkte 4. ID. und die Grenadierbrigade, vor. Ihre vordersten Angriffswellen erreichten im linken Unterabschnitt bei Oslavija die zerschossenen Gräben, aus denen sie jedoch von der Besatzung zurückgeschlagen wurden. Die Hauptmasse der feindlichen Angriffsgruppe wurde in der Vorrückung vom sehr wirksamen Maschinengewehrfeuer gefaßt und erlitt auch im Flankenfeuer der aus dem Hochland nördlich vom Mt. Santo herüberwirkenden und vorzüglich eingeschossenen Artilleriegruppe der 18. ID. sichtliche Verluste. In ungestümer Hast ging hier der Rückzug des Feindes in die deckenden Räume der Ausgangsstellungen vonstatten, womit die Angriffe der Italiener vorläufig ihr Ende fanden. Erst nach mehreren Tagen, nachdem der Feind durch eine Brigade der aus dem Cadore eingetroffenen 10. ID. verstärkt worden war, nahm er den Kampf um dieses wichtigste Bollwerk des Brückenkopfes wieder auf.
Am 28. nachmittags stieß vor dem Südflügel des Brückenkopfes die italienische 12. ID. gegen die Podgora vor. Hier war die Geländegestaltung für die Verteidigung infolge der mangelnden Rückenfreiheit ungünstig; zudem bot das vielfach unübersichtliche und uneingesehene Vorfeld dem Angreifer vorteilhafte Bereitstellungsmöglichkeiten. Da schweres Minenwerferfeuer überdies die Hindernisse hinweggefegt und die auf dem westlichen Hange hinziehenden Kampflinien verschüttet hatte, gelang es den stürmenden italienischen Regimentern, einzudringen und sogar an zwei Stellen die Kammlinie der Podgora knapp südlich der Höhe A 240 zu erreichen, von wo aus die Angreifer das ersehnte Ziel ihres harten Ringens, die Stadt Görz, im Scheine der untergehenden Sonne unmittelbar zu ihren Füßen liegen sahen. Da warfen sich fünf Kompagnien des Dalmatiner SchR. 23, das die Podgora verteidigte, auf die feindliche Übermacht und in glänzendem, vom Sturmsignal der Hörner begleitetem Gegenangriff warfen sie den Italiener den Hang wieder hinunter.
In der Mitte des Görzer Abschnittes führte die italienische 11. ID. gegen die Höhen von Oslavija—Pevma—Grafenberg einen Angriff, der von starken Reserven vorgerissen wurde. Bevor jedoch die mitunter sehr dichten Massen des Angreifers an die da und dort noch vorhandenen Reste des Hindernisses heranzustürmen vermochten, zwang sie das vernichtende Kreuzfeuer unserer Batterien zum Weichen. Als der Tag zur Neige ging, war vor Görz überall tiefe Ruhe eingetreten.
Für die k.u.k. 58. ID. war der 28. Oktober ein Ehrentag. Ganz besonders hatten sich die Dalmatiner der vom GM. Nöhring befehligten 5. GbBrig. und Teile der ostgalizischen 60. IBrig., Obst. de Brunfaut, ausgezeichnet, die auf den vom Feind begehrtesten Punkten stärkster Übermacht standgehalten und dabei ein halbes Tausend Gefangene eingebracht hatten. Dank vorbedachter Gefechtsführung und dem seit den Sommerschlachten unablässig betriebenen Stellungsausbau unter besonderer Einflußnahme des der Geniewaffe entstammenden Divisionärs, GM. Erwin Zeidler, waren die Verluste trotz der gewaltigen Wirkung der italienischen Geschütze und Minenwerfer in mäßigen Grenzen geblieben.
Das Kommando der Südwestfront befürchtete aus mehrfachen Anzeichen eine nachhaltige Fortsetzung der vehementen Angriffe auf den Görzer Brückenkopf. Zu dessen unbedingter Behauptung wurde daher noch am 28. Oktober abends dem XVI. Korps das Verfügungsrecht über das mit den ersten Bahnstaffeln der 6. ID. eingelangte IR. 17 eingeräumt, mit dem Vorbehalt allerdings, es nicht zu Ablösungen zu verwenden. Das Regiment gelangte abends in den Raum von Görz. Die Führung des
XVI. Korps, dessen 33 km lange Front von Auzza bis zur Wippachmündung reichte und dem Ende Oktober sieben Divisionen gegenüberstanden, war durch geschickte Verteilung ihrer Truppen in der Lage, mit den wenigen Verbänden das Auslangen zu finden und trotzdem in jedem der beiden Divisionsabschnitte, bei Bedachtnahme auf die gebotenen Ablösungen der in vorderster Linie kämpfenden Bataillone, je 20 Kompagnien in Reserve zu stellen.
Am 29. Oktober war, obwohl die italienische Heeresleitung in einem am Abend zuvor an das 2. und das 3. Armeekmdo. gerichteten Befehle die entschiedene Fortführung der wiederbegonnenen Offensive für diesen Tag ausdrücklich befohlen hatte, ein erhebliches Nachlassen der Angriffswucht und eine wesentliche Einschränkung der bisherigen Angriffsfront zu bemerken1).
Nach dem nächtlichen Zurückwerfen der italienischen 3. ID. bei Zagora durch Bataillone der 1. GbBrig., wobei mehr als 200 Gefangene eingebracht wurden, beschränkte sich die feindliche Tätigkeit nördlich vom Görzer Brückenkopf auf eine mäßige Beschießung des ganzen Raumes, insbesondere der Abschnitte von Globna und Zagora. Auch am 30. Oktober kam es hier zu keinen weiteren Kampfhandlungen.
Im Abschnitte von Görz hatte die Beschießung am Morgen wieder eingesetzt und dauerte den ganzen Tag an. Die befürchteten Massenstürme blieben jedoch aus, obwohl auf dem Felskegel des Mt. Sabotino in kurzer Zeit weit über 2000 schwere Granaten einschlugen und auch die Stadt Görz selbst wiederholt stark beschossen und mit Fliegerbomben beworfen wurde, was Brände und neuerliche Verluste unter der Bevölkerung verursachte. Auf dem Mt. Sabotino kam es zu einem Vorstoß
1) Ital. Gstb. W., II, Text, 472.
einiger Bataillone, der vor den Hindernissen zum Stehen gebracht werden konnte. Ansammlungen am Fuße des Westhanges wurden durch einige Mörserbomben zersprengt. Die italienische 4. ID. war offenbar zu einem entschiedenen Unternehmen zunächst nicht befähigt und wartete Verstärkungen ab.
So nahm das italienische VI. Korps den Kampf südlich von Oslavija allein auf; aber die Unterlassung eines einheitlichen Vorgehens gegen den ganzen Brückenkopf rächte sich sehr bald. Die Versuche der 11. ID., auf den Höhen von Pevma einzudringen, scheiterten im flankierenden Artilleriefeuer, und die hier vorgetriebenen Truppen flüchteten bald wieder zurück.
Die 12. Division ging die Podgora an, wo es ihr gelang, aus den ganz nahe herangekommenen Sturmstellungen abermals in einem kurzen Grabenstück unserer Stellung nächst der Höhe A 240 Fuß zu fassen. Hier widerstand die 5. GbBrig. in stundenlangem aufreibendem Kampfe der Übermacht. Mit Gewehr, Bajonett und Handgranate machte sie jeden weiteren Vorstoß des tapfer angreifenden Feindes zunichte und brachte noch zahlreiche Gefangene ein. Der Armeeoberkommandant, FM. Erzherzog Friedrich, der bei der 58. ID. weilte und den Kampf auf der Podgora vom Gefechtsstand des Artilleriekommandanten der Division beobachtete, war Augenzeuge der wütenden Nahkämpfe. Der zunächst der kleinen Einbruchsstelle bis zum Abend hin und her schwankende Kampf endete schließlich durch einen von den Reserven der 5. GbBrig. geführten Gegenangriff, der dem Feinde seinen Gewinn vom Morgen wieder entriß. In den Abendstunden wurden zahlreiche, Hand- und Gashandgranaten werfende Stoßtrupps vor den Kampfgräben blutig abgewehrt, worauf der Feind in der Nacht an der ganzen Front in seine Deckungen zurückwich.
Auch hier hatte sich die Artillerie ein Hauptverdienst an dem Erfolge der schweren Kampftage vor Görz durch die ausgezeichnete Unterstützung der hart ringenden Infanterie erworben. Daß die wenigen, durch die tagelange Beschießung und die Kämpfe erschöpften Bataillone zu dem nachhaltigen Widerstande überhaupt noch fähig waren, konnte der durchdachten und vollendet eingerichteten Artillerieorganisation im Görzischen zugeschrieben werden, die, von ihrem Führer, Obstlt. Grund, geleitet, allen Anforderungen der jeweiligen Lage stets gewachsen war und dem aufreibenden Kampfe den besten Rückhalt verlieh.
Als die italienische Heeresleitung am 29. abends den Eindruck gewann, daß die schneidigen und zähen, aber sehr verlustreichen Angriffe der beiden letzten Tage bei Görz und, wie noch später ausgeführt werden soll, auch auf dem Karst unentschieden endeten, wurden am 30. Oktober die Kämpfe im großen abermals vorübergehend eingestellt; nur an den bekannten Druckpunkten der Front fortgesetzt, blieben sie auf zwar engbegrenzte, aber sehr scharfe Vorstöße beschränkt. So brach im Südteile der Podgora am 30. Oktober vormittags nach zusammengefaßter Artillerie- und Minenwerferwirkung eine Gefechtsgruppe, mehrere Bataillone stark, in unsere Linien ein. Nach wechselvollen Kämpfen säuberten die Reserven der kampferprobten Brigade GM. Nöhring bis zum Morgengrauen des folgenden Tages wieder die Einbruchsstellen. Bei Pevma drängten Teile der 4. GbBrig., Obst. Adalbert v. Dáni, in kühnem Vorstoße den Feind, der sich zu nahe an unsere Stellungen herangearbeitet hatte, zurück und zerstörten seine Deckungen. Die dreitägige Beschießung unserer Gräben und unserer Reserven in der Brückenschanze von Lucinico durch schwerstes Geschütz blieb ganz erfolglos.
Der Kampf um den Mt. S. Michele in den letzten Oktobertagen
(28. bis 30. Oktober)
Südlich der Wippach begann am 28. Oktober vormittags ein mächtiges Bombardement, das nach mehrstündiger Dauer die in den letzten Tagen notdürftig instand gesetzten Kampfanlagen sturmreif schlug. Kurz nach Mittag steigerte sich das Feuer immer mehr, und nach heftigem Trommelfeuer trat die Hauptkraft der italienischen 3. Armee an der nur 7 km breiten Front zwischen Peteano und dem Mt. dei sei Busi mit sieben Divisionen1) und gleichzeitigem Einsatz starker Fliegerverbände, die gegen die Ortschaften und Kommandostandpunkte zu wirken hatten, zum Angriff an.
Nach dem italienischen Angriffsplan für die 3. Armee hatte ihr Nordkorps, das XIV., mit seinen vier Divisionen als Hauptziel wieder den Mt. S. Michele, dessen Besitznahme durch einen von Süden umfassenden Durchbruch mit dem stark gehaltenen rechten Flügel über S.Martino angestrebt werden sollte. Das in der Mitte angesetzte X. Korps hatte mit starkem linkem Flügel den Durchbruch des XIV. Korps in der Gegend des Flügelanschlusses östlich der Ruine -<J>-143 zu unterstützen und in der Folge mit einer Rechtsschwenkung den Mt. dei sei Busi von Norden her abzuschnüren. Das VII. Korps auf dem Südflügel sollte die Erfolge der anderen abwarten und sich dann der Vorrückung anschließen.
1) XIV. Korps (29., 30., 21. und 28. ID.), X. Korps (19., 31. und 20. ID.); insgesamt 16 Brigaden. •
In dem am Nachmittag sich entwickelnden Ringen vermochten die Truppen der 20. HID., vor allem wieder das südungarische, aus Mannschaft rumänischer Zunge bestehende IR. 43, auf dem Mt. S. Michele und jene der 17. ID. südwestlich von S. Martino den immer wieder durch anscheinend unerschöpfliche Reserven genährten Angriffen und Massenstößen zähesten Widerstand entgegenzustellen. Erst gegen Abend war der übermächtige Feind mit Teilen der 28. und der 19. ID., die die inneren Flügel der beiden angreifenden Korps bildeten, in einigen Gräben auf dem linken Flügel der 17. ID. eingedrungen. Weiter südlich versuchten die Sturmscharen der 31. ID. nächst der Kote 111 den weit vorspringenden Bruchpunkt im Zuge der Abwehrstellungen einzudrücken; doch warfen die steiermärkischen Schützen den mehrmals in ihren Stellungen eingebrochenen Feind zurück und nahmen ihm dabei etliche hundert Gefangene ab.
Mit Rücksicht auf die Bedrängnis im Raume östlich der Ruinenhöhe unterstellte das VII. Korpskmdo. der 22. SchD. das aus der zusammengeschmolzenen 110. LstlBrig. vorübergehend gebildete kombinierte Landsturmregiment und ließ das in Segeti alarmierte FJB. 24 in den gefährdeten Abschnitt rücken. Die Armeereserve hatte von Selo nach Segeti zu marschieren. Alle bisnun von der 6. ID. eingetroffenen Teile hatten sich in ihren Quartieren für ein etwa notwendig werdendes Eingreifen marschbereit zu halten.
Unterdessen war aber der kritische Nachmittag überwunden worden, und als sich die Nacht auf die Walstatt senkte, tobte der Kampf nur noch bei der 17. ID. fort, wo die wütenden Vorstöße frischer italienischer Kräfte, die den Einbruchsraum erweitern und die öst.-ung. Front durchbrechen wollten, in erbittertem Ringen vereitelt wurden. Als der Sturmlauf um Mitternacht aufhörte, entschloß sich FML. Gelb, mit den bis zum Morgen des 29. bereitgestellten Reserven der 17. ID. den ermüdeten Angreifer durch einen Gegenstoß aus dem Einbruchsraum zu werfen und die alten Kampfgräben wieder zu besetzen.
Der Anmarsch starker Kolonnen aus der Richtung von Cormons, der beobachtet wurde, das Ergebnis der Fliegeraufklärung und die Aussagen zahlreicher, am 28. eingebrachter Gefangener ließen darauf schließen, daß der Feind den Angriff am 29. mit starken Kräften wiederholen werde. Dieser Wahrscheinlichkeit gegenüber verfügte das VII. Korpskmdo. über keine voll schlagfertigen Reserven. Bei den aus der Front gezogenen Truppen der 20. HID. wurden die eben herangeführten Ersätze eingereiht, die 17. ID. hatte das kaum erholte IR. 39 wieder einsetzen müssen, und die Truppen der 106. LstlD. waren eigentlich überhaupt noch nicht zur Ruhe gekommen. Aber auch das 5. Armeekmdo. verfügte bis zur Versammlung der 6. ID. nur über die vier bei Segeti als Reserve ausgeschiedenen Landsturmbataillone.
Die Stoßkraft und der Angriffswille der Armee des Herzogs von Aosta waren trotz der vieltägigen, kräftezehrenden und wenig erfolgreichen Kämpfe noch ungebrochen. Am 29. vormittags traten die feindlichen Divisionen nach mehrstündiger schwerer Beschießung an der ganzen Nordfront des Karstes von neuem zum Sturme an. Nächst der nördlichen Gipfelkuppe des Mt. S. Michele vermochte die italienische
30. ID. Fuß zu fassen, doch zwang der Gegenstoß der 39. HIBrig. den Angreifer zur baldigen Räumung der gewonnenen Gräben. Das IR. 43 hielt den Gipfel des Berges fest, und nächst S.Martino erwehrte sich die 17. ID. aller Angriffe, die teilweise schon in der Entwicklung durch unsere Batterien niedergehalten werden konnten. Das vorerwähnte Säuberungsunternehmen auf dem linken Flügel dieser Division war nur teilweise geglückt; dort und südlich davon, bei der 43. SchBrig., hatten die Verteidiger einen besonders schweren Stand, und mehrmals im Laufe des Tages wurde die Lage hier äußerst bedenklich. Die Führer der italienischen 28. ID. und des X. Korps hofften, ihren Anfangserfolg vom 28. nächst der Ruinenhöhe und bei der Wegkote 111 mit dem rücksichtslosesten Einsatz großer Truppenmassen zu einem Durchbruch der öst.-ung. Front auszugestalten und den ganzen vorspringenden Stellungsbogen von der Kote 111 an bis zum Mt. dei sei Busi aufzurollen. Immer neue Truppen warf der Feind in die Schlacht. Drei großangelegte Sturmangriffe der 20. ID. wies das Marburger SchR. 26 ab, und in erbitterten Nahkämpfen Mann gegen Mann gelang es dem linken Flügel der Division FML. Gelb im Anschluß an die 43. SchBrig., Obst. Merten, den Durchbruch zu verhindern und gegenüber den von den Italienern nördlich der Kote 111 besetzten Gräben eine feste und geschlossene Front zu bilden. Das Korpskmdo. unterstellte das letzte Bataillon seiner Reserve der 17. ID.; dafür wurde die halbe Armeereserve, zwei Landsturmbataillone der Gruppe bei Segeti, ins Vallonetal hinter den Mt. S. Michele befohlen.
Bei der 20. HID. vermochte der nachmittags abgewiesene Feind nach dem Einbruch der Dunkelheit vorübergehend östlich von Peteano einzudringen, wurde aber neuerlich zurückgetrieben. Während bei der
22. SchD. nachts Ruhe eingetreten war, führte bei der 17. ID. der vom IR.39 und vom FJB. 24 unternommene Nachtangriff zu einem vollen Erfolge; sämtliche in den Kämpfen der beiden letzten Tage in Feindeshand gefallenen Gräben wurden zurückgewonnen und dadurch die italienischen Hoffnungen auf einen baldigen Durchbruch zunichte gemacht. Die in der wiederaufflammenden Schlacht gegen das k.u.k. VII. Korps anstürmenden sieben Divisionen hatten bisher nur ganz unbedeutende und vollständig zerschossene Grabenstücke zu besetzen vermocht, dagegen aber eine starke Einbuße an ihrer Kampfkraft erlitten1). Der greise Oberste Kriegsherr richtete denn auch in einem Heeres- und Flottenbefehl an die schwer ringende Wacht im Süd westen des Reiches Worte höchster Anerkennung.
Abends traf das von Nabresina anmarschierende LstlR. 26 in Selo ein. Gleichzeitig rückte — durch die Ereignisse bei Görz abberufen — das vom XVI. Korps seinerzeit zur Verfügung gestellte IBaon. 111/69 nach Vogersko ab.
Wie bei Görz und bei Plava ließ die Wucht der Kämpfe am 30. und am 31. Oktober auch auf dem Karst stark nach. Am 30. brach eine Angriffsgruppe nächst Peteano bei der 39. HIBrig. in ein schmales Grabenstück ein; der nächtliche Gegenstoß der Brigadereserven drang zwar nicht durch; doch gelang es, den Feind in der Einbruchsstelle allseits abzuriegeln. Westlich von S. Martino schlug die 17. ID. einen Überfall italienischer Regimenter mit Gewehr und Handgranaten ab. Bei der 22. SchD. kam es bei der Nähe von Freund und Feind zu andauernden Kämpfen mit Handgranaten.
Der Führer des k.u.k. VII. Korps, GdK. Erzherzog Joseph, dessen ausgesprochen magyarische Einstellung sonst den deutschösterreichischen Truppen nicht immer gerechte Beurteilung widerfahren läßt, bringt in seinem ungarisch geschriebenen Werke „Der Weltkrieg, wie ich ihn sah“ eine auch die Eigenart des Krieges trefflich kennzeichnende Schilderung des Ringens der steirischen Schützen, indem er über den 30. Oktober 1915 schreibt2):
„. .. Eine ähnliche Meldung erhielt ich heute vom Kommandanten der
22. SchD., der zunächst hervorhebt, daß von der 43. SchBrig. seit dem
23. Oktober das SchR. 3 610 Mann, darunter 121 Tote, das SchR. 26 403 Mann, darunter 77 Tote, verloren haben. Die meisten Verluste entstanden in jenen Unterabschnitten, die ohne Deckungen übernommen werden mußten. Trotzdem nun schon sechs Nächte mit aller Tatkraft gearbeitet wird, konnten in diesem Teile der Stellung bisher nur Deckungen
x) Nach dem Ital. Gstb. W., II, Text, 483, hatte die südlichste Flügelbrigade des XIV. Korps allein in den zwei Kampftagen 30 Offiziere und 1500 Mann verloren.
2) Erzherzog Joseph, II, 550 ff.
für liegende, im besten Falle für kniende Schützen hergestellt werden. Unter solchen Verhältnissen und bei dem verheerenden Feuer der Schwerartillerie dürfte die 43. SchBrig. in acht bis zehn Tagen vernichtet sein. Die Stellung ist dann nicht mehr zu halten.
Über den moralischen Zustand meldet der General [GM. Schön]]): ,.... Der Feind liegt uns 100 bis 200 Schritte gegenüber, nur an zwei Stellen etwa 300 Schritte, an mehreren Stellen bloß 40 bis 50 Schritte, an einer Stelle sogar nur 3 Schritte. Die Leute haben in den letzten sechs Tagen bei Nacht überhaupt nicht, bei Tag nur vorübergehend schlafen können. Das gilt auch für die Brigadereserven, weil diese vom Einbruch der Nacht bis zum Morgengrauen im feindlichen Feuer Verpflegung, Material und vieles andere in die Stellungen tragen müssen.
Die Eindrücke in den Kampfgräben stellen selbst die stärksten Nerven auf eine harte Probe. Abgesehen von dem immer mit Steinschlag verbundenen schweren Feuer, das bei Tag und bei Nacht unaufhörlich auf den Stellungen liegt, wirken noch manche andere Umstände auf die Truppen lähmend ein. Die Leute liegen oft tagelang neben Verwundeten oder Toten, die einschlagenden schweren Granaten decken die oft unmittelbar hinter der Stellung ausgehobenen, bei dem Mangel an Erde meist seichten Gräber auf und schleudern die in Verwesung begriffenen Leichenteile in der Stellung herum, die überdies von zahlreichen Ratten bevölkert wird. Die Leute bekommen in zwei bis drei Tagen einen solchen Ekel, daß ihnen jegliche Lust zum Essen vergeht. Dazu können sie sich, solange sie in Stellung sind, nicht reinigen (Wassermangel). Viele Verwundete verkriechen sich, um Deckung zu finden, in den nächsten Dolinen und gehen, wenn sie nicht gleich aufgefunden werden, dort elend zugrunde.
In den vom Feinde eingedrückten Mittelabschnitten fanden die ablösenden Schützenregimenter überhaupt keine Besatzung vor. Die Reste derselben kauerten gruppenweise, seelisch ganz niedergebrochen, in einigen Dolmen. Ein Landsturmkompagniekommandant hatte nur mehr sechs Mann seiner Kompagnie bei sich. .. Doberdö steht oft im Feuer schwerer Artillerie und ist nur mehr ein Trümmerhaufen. Was aus den Menschen in diesem Feuer werden kann, zeigt die Meldung eines Offiziers vom LstlR. 31. In die in einer Doline Schutz suchende Halbkompagnie schlug eine schwere Granate ein. 19 Mann blieben auf der
Diese hier auszugsweise wiedergegebene Meldung entstand auf Grund der in der Nacht auf den 30. Oktober in der Kampfstellung des SchR. 26 gesammelten Eindrücke und Erfahrungen dieses damals die 22. SchD. befehligenden Generals.
Stelle tot, 26 waren verwundet, der Rest lief wie verrückt hin und her, schrie wie wahnsinnig oder wälzte sich verzweifelt auf dem Boden...
Die Schützenregimenter 3 und 26 sind von einem solchen seelischen Zustande noch weit entfernt. Sie kämpfen mit vorbildlicher Selbstaufopferung, dabei in voller Erkenntnis, daß sie es mit einem an Zahl weit überlegenen Feind zu tun haben. Ihre Haltung leidet in keiner Weise dadurch, daß sie im Nahkampfe gegen dreifache Übermacht kämpfen müssen/
Auf Grund dieser Meldung, die gewiß nicht im Mangel an Selbstvertrauen wurzelt — sie verdankt im Gegenteil ihr Entstehen einzig und allein der Sorge um die Truppe, denn die 22. SchD. ist wirklich eine bewunderungswürdig tüchtige, verläßliche Truppe und ihr Führer einer unserer hervorragendsten, tapfersten Generale —, blieb mir nichts übrig, als alle Kommandanten aufzufordern, ihre Stellungen auszubauen und auszuharren.“
Während die Schlacht auf dem nördlichen Teile der Karsthochfläche Ereignisse zeitigte, die das Grauen der Hölle Dantes zu übertreffen vermochten, erfreute sich die Front des k.u.k. III.Korps insofern einiger Ruhe, als es hier nur zu schwachen feindlichen Vorstößen an der Straße Selz—Doberdö und auf dem La Rocca-Rücken östlich von Mon-falcone gekommen war, die von unserer Artillerie mühelos vereitelt wurden. Die Batterien des III. Korps liehen der Abwehr vor der 22. SchD. oft und wirksam ihre Hilfe. So dämpfte das Feuer der schweren Batterien des VII. und des XVI. Korps am 30. und am 31. Oktober auch erfolgreich das Feuer der italienischen schweren Artillerie aus dem Raume südwestlich von Görz und vom Mt. Fortin.
In der Nacht auf den 31. wurde das bei der 20. HID. seit dem 22. Oktober mittags eingesetzte IR. 43 durch ein Honvédregiment abgelöst. Es hatte neun Tage den kampfumtobten Gipfel des Mt. S. Michele im Dauerfeuer schwerster Kaliber und gegen zahlreiche weit überlegene Angriffe bei Tag und Nacht behauptet und kehrte nun, zusammengeschmolzen und ausgeblutet, in das Reservelager von Segeti zurück, wohin gleichzeitig auch das IR. 61 der 17. ID. zur Einreihung der Ersätze verlegt wurde. Auf dem Nordflügel des VII. Korps verblieb nun die 20. HID. mit der 16. LstGbBrig.; sie schied fünf Bataillone als Reserve aus. Bei der 17. ID. sollte die nach dem Abflauen des Kampfes eingesetzte 111. LstlBrig. bis zum 4. November aus der Front gezogen werden. Desgleichen hatte die bei der 22. SchD. zu Ablösungszwecken eingeteilte 110. LstlBrig. später in ein Erholungslager zu gelangen.
Beurteilung der Lage und Ablösungspläne beim 5. Armeekommando
zu Ende Oktober
Seitdem der Winter in den Julischen Alpen seinen Einzug gehalten hatte, war das 5. Armeekmdo. der unmittelbaren Sorge um seinen Nordflügel enthoben. Auch ließ dort die Erschöpfung des Angreifers und das Eintreffen der dem k.u.k. XV. Korps zugeschobenen Verstärkungen auf absehbare Zeit eine ruhigere und gesichertere Lage erhoffen.
Weit schwieriger war es um den mittleren und unteren Isonzo bestellt. Zwar hatte auch hier der Eintritt schlechter Witterung und die Ergebnislosigkeit der fast zwei Wochen dauernden Schlacht eine Stockung der bisherigen Großangriffe des Feindes gebracht, aber nach allen Beobachtungen und Nachrichten konnte mit der baldigen gänzlichen Einstellung der so großzügig begonnenen Offensive Cadornas keinesfalls gerechnet werden. Denn von den im Isonzogebiet erkundeten italienischen Divisionen fehlten in der Front noch immer zwei, die 22. und die 25., und außerdem liefen bei den öst.-ung. Befehlsstellen Nachrichten über die Schwächung der anderen italienischen Armeen zugunsten der Isonzofront ein. Man konnte auch nicht annehmen, daß der Feind die mit so großen Opfern erkaufte enge Kampfberührung mit dem Verteidiger wieder preisgeben und die Offensive ohne einen einzigen für die Heimat sichtbaren Erfolg abbrechen werde. Die ungeheure Ansammlung von Kräften und Kampfmitteln an der Isonzofront deutete vielmehr darauf hin, daß Cadorna bei seinem Entschlüsse verharren werde, den Kampf als aufreibende Dauer- und Materialschlacht bis zur vollständigen Zermürbung des Verteidigers fortzuführen, der auf drei großen Kriegsschauplätzen aufs äußerste beansprucht war und deshalb nur mehr über sehr beschränkte Mittel verfügen konnte. Auch geboten die eindrucksvollen Fortschritte der Mittelmächte auf dem Balkan, den bedrängten serbischen Verbündeten zu entlasten.
Auf dem Karst verursachte die dauernde, sehr enge Berührung mit dem an Zahl bedeutend überlegenen Feinde und die durch den Mangel an schützenden Deckungen und Verbindungsgräben bedingte Abschließung der Truppen vorderster Linie in dem fast durchwegs vom Feinde eingesehenen und von seiner Artillerie verheerend bestrichenen Gelände westlich vom Vallonetal schon in kampflosen Zeiten einen unnatürlich großen Verbrauch an lebender Kraft. Trotzdem hielt der Armeekommandant GdI. Boroevic an seinem Entschlüsse, keinen Schritt eigenen Bodens ohne Zwang preiszugeben, fest und wies schweren Herzens alle nur von der Sorge um die Truppe eingegebenen Anträge auf eine Verlegung der Front in die am Westrande des Vallone vorbereitete und teilweise ausgebaute, taktisch in mancher Hinsicht günstigere zweite Stellung (Debeli vrh—Crni hrib—Marcottini—Westrand S.Martino—Mt. S. Michele) ab. Er befahl, in der dermaligen vordersten Kampflinie unter allen Umständen auszuharren. Die schwierigen Kampfverhältnisse auf dem Karst versuchte das Armeekmdo. durch eine bleibende Gruppierung der Divisionen in den einzelnen Abschnitten zu erleichtern. Die Truppe und ihre Führer sollten in der Front immer wieder in ihnen vertraute und eingelebte Verhältnisse gelangen. Dadurch erhoffte man auch eine Verstärkung der Widerstandskraft zu erreichen.
Hiezu war geplant, zunächst die 20. HID. durch die ganze 6. ID.1) abzulösen, was bei dem hohen Kampfwert der Division Schönburg die Bereitstellung einer weiteren Reserve dahinter entbehrlich gemacht hätte. Die hiedurch freiwerdende und bisher noch nicht übermäßig in Anspruch genommene 16. LstGbBrig. sollte nach kurzer Erholung zur brigadeweisen Ablösung der 17. ID. verwendet wrerden. Zum Verstärken der Besatzung im Abschnitte der 22. SchD. sollte das bestens eingenistete III. Korps, das seit den ersten Tagen der Schlacht nicht mehr ernstlich angegriffen worden war, vier Bataillone beistellen, worauf dann auch die ganze 106. LstlD., deren gegenwärtiger Kampfwert trotz aller bewiesenen Tapferkeit wegen der starken Verluste, der geringen Zahl an Offizieren und des Mangels an einreihungsfähigen Ersätzen auf den eines Regiments herabgesunken war, rückverlegt werden konnte.
Nach entsprechender Erholung sollte die 6. ID. neuerlich durch die
20. HID., die 22. SchD. durch die 106. LstlD. abgelöst werden; die 17.ID. hatte in ihrem Verteidigungsraum wieder auf sich allein angewiesen zu bleiben. Dem Armeekmdo. wären sodann die 6. ID. und die halbe 22. SchD. sowie die 16. LstGbBrig. als Verfügungstruppen zu Gebote gestanden.
Während der kurzen Kampfpause stellte die Fliegeraufklärung keine Änderung im Belag der bekannten Truppenlager des Feindes westlich des Isonzo fest. Schon hatte Boroevic das Vorziehen der 6. ID. für den 1. November in den Raum von Ranziano anbefohlen, damit die Ablösung der 20. HID. am 2. abends beginnen könne — als am letzten Oktobertage nachmittags eine heftige Beschießung der ganzen Front und Angriffe bei Plava und auf dem Karst die am 1. November beginnende Entscheidungsphase der dritten Isonzoschlacht einleiteten.
Das vorübergehend dem XVI. Korps zugewiesene IR. 17 sollte gleichzeitig wieder zur Division einrücken.
Höhepunkt und Krise der dritten Isonzoschlacht
(l.sbis 4. November)
Hiezu Beilage 25 sowie Skizze 11
Neuerliche Durchbruchsversuche bei Plava
Die feindliche Heeresleitung glaubte in den letzten Tagen Anzeichen für ein Nachlassen des Widerstandes an der öst.-ung. Front wahrgenommen zu haben; sie hielt die gegnerische Verteidigung für schwer erschüttert und rechnete mit einer etwaigen Zurücknahme einzelner Frontabschnitte in hintere Stellungen. Am 31. Oktober gab das von Siegeshoffnungen erfüllte italienische Oberkmdo. seinen Armeen am Isonzo die Befehle zur Aufnahme des entscheidenden Kampfes mit allen verfügbaren Kräften. „Nach zweckentsprechender Umgruppierung und Neuordnung der Truppen“, so lautet der Einleitungssatz der Angriffsweisung Cadornas1), „ist die Zeit gekommen, die Früchte des auf den Feind ausgeübten Druckes zu ernten und jetzt entschlossen die entscheidende Phase der Offensive zu beginnen.“
Die am 1. November von Plava bis zum Mt. dei sei Busi wieder auflodernden schweren Kämpfe entwickelten sich zum Höhepunkt der nun schon vierzehn Tage dauernden Schlacht. Auf den äußersten Flügeln der k.u.k. 5. Armee kam es nur zu unbedeutenden Ereignissen.
Den letzten entscheidenden Kampf um den Besitz von Görz leiteten abermals heftige Angriffe bei Plava und auf der Karsthochfläche ein. Immer wieder versuchte die italienische Führung durch hier errungenen Raumgewinn in die Flanke des Brückenkopfes zu gelangen und dessen Fall durch Umfassung zu erleichtern. Daher blieb auch bei dem nun einsetzenden letzten Versuch, die Schlacht um jeden Preis mit einem Erfolge zu beenden, die dem italienischen II. Korps seit Kriegsbeginn gestellte Aufgabe unverändert.
Das nördlich von Plava anschließende VIII. Korps hatte aber seinen Auftrag, den Isonzo zu überschreiten und den Steilabfall der Hochfläche von Bainsizza zu gewinnen, bisher nicht zu erfüllen vermocht. Im Gegensätze zum südlichen Nachbarkorps stellte es trotzdem mit Ende Oktober alle weiteren Versuche, sein Ziel zu erreichen, überhaupt ein und fiel, mit Ausnahme schwacher, höchstens als Scheinangriffe zu wertender Unternehmen, in nahezu vollständige Untätigkeit. Da es an einem einheitlichen Zusammenwirken zwischen dem VIII. und dem II. Korps mangelte, erwuchsen nun dem auf sich allein angewiesenen II. Korps
x) Ital. Gstb.W., II, Dokumente, 388.
naturgemäß große Schwierigkeiten. Immerhin waren es acht Infanterieregimenter, von einer gewaltigen Artillerie unterstützt, die auf bloß drei Kilometer Front gegen die k.u.k. 1. GbBrig. angesetzt wurden. Ihnen vermochte GM. Novak v. Arienti nur 6, später 8 Bataillone, außerdem 8V2 Batterien (5 leichte, 3 mittlere und y2 schwere) entgegen zu stellen.
Nach einer zweitägigen Pause begann am letzten Oktobertage die feindliche Artillerie die Stellungen, die Beobachtungsräume und das Hintergelände unter anhaltendes schweres Feuer zu nehmen. Eine italienische Gefechtsgruppe, nach abgehorchten Ferngesprächen je ein Regiment der 3. und der 32. ID., griff gegen Abend den Westrand von Zagora an, brach aber nach einstündigem Nahkampf das Gefecht ab, um nach Einbruch der Dunkelheit den Vorstoß zu wiederholen. Als auch dieser scheiterte, trat nachts Ruhe ein. Starke vor Globna und vor der viel umstrittenen Höhe -<>383 bereitgestellte Kräfte wurden von unseren Batterien unter ausgiebiges Feuer genommen.
Im Morgengrauen des 1. November überfiel unter dem Schutze des Regens und Nebels eine feindliche Angriffsgruppe ohne Artillerievorbereitung unsere Kampfgräben bei Zagora, wobei die überraschte Besatzung eine nicht unbeträchtliche Einbuße an Gefangenen erlitt. Auch nördlich anschließend gelang es dem Feinde, im Verlaufe der am Vormittag fast an der ganzen Front der 18. ID. entbrannten Kämpfe bei Paljevo und südlich davon einzudringen, während seine Sturmkolonnen vor der Höhe -<>383 und bei Globna zusammenbrachen. Die Reserve der
1. GbBrig. vermochte im Gegenangriff die Paljevostellung vom eingedrungenen Feind zu säubern.
Indessen strömten ununterbrochen frische italienische Reserven gegen die anderen Einbruchsstellen heran, um hier gegen den Kuk A 611 durchzubrechen und die Stellungen beiderseits aufzurollen. Unsere auf der Hochfläche von Bainsizza aufgestellten Batterien sandten Lage auf Lage in die bei Plava auf engem Raume zusammengedrängten Truppen des Feindes und vereitelten neue Angriffe gegen Paljevo sowie gegen die Höhen -fr 383 und fr 363. Zur Wiederherstellung der ursprünglichen Lage bei Zagora wurden zwei Bataillone angesetzt, die in den Abendstunden den Italiener teilweise zur Räumung des völlig zerschossenen, dem Erdboden fast gleichgemachten Ortes zwangen1).
*) In diesen Kämpfen zeichnete sich Hauptmann Emil Fey als Kommandant einer Kompagnie des Bataillons IV/4 besonders aus. Für die Wiedereroberung und das Festhalten der Zagorastellung wurde ihm das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens zuerkannt.
Im Laufe des 2. November führte der Feind abermals neue Truppen ins Gefecht, vermochte ihm aber keine entscheidende Wendung mehr zu geben. Bis zum Abend schwankte das erbitterte Ringen hin und her. Mit beginnender Dunkelheit traten nach kurzer Artillerievorbereitung dreieinhalb Bataillone der k.u.k. 18. ID. zum Gegenstoß an und warfen die Italiener aus allen Gräben wieder heraus1). Nur bei Zagora klammerten sich die zähen Kämpfer der feindlichen 3. ID. an einem Stellungsteil fest.
Der zähe und erbitterte Kampf bei Zagora nahm am 3. seinen Fortgang. Es gelang unseren Truppen wohl, einige Gräben nördlich des Ortes zurückzugewinnen, aber bald mußten bei Paljevo überlegene italienische Vorstöße, die tagsüber achtmal wiederholt wurden, abgewehrt werden. Da die an den Kämpfen bei Plava meistbeteiligten vier Bataillone bis zu 40 v. H. des Standes eingebüßt hatten, mußten sie in den beiden folgenden Nächten abgelöst werden, wozu sämtliche Reserven der 18. ID., bis auf vier Marschkompagnien, herangezogen wurden. Außer dem der Division am 3. November abends vorübergehend zugeführten Bataillon 11/17 war für den 4. überdies die Ankunft der aus dem Bereiche der Armeegruppe Rohr vom Kommando der Südwestfront der 5. Armee zugeschobenen Bataillone 11/57 und III/bh. 2 angekündigt, die zur Stützung der Division verwendet werden sollten.
Das italienische II. Korps hatte seinen vom Mittag des 3. November bis in die Nacht zu verzweifelten Angriffen vorgetriebenen Truppen überraschenderweise am nächsten Tage Halt geboten und die Einbruchsstelle im Trümmerfelde von Zagora zu befestigen befohlen. Da warf sich um 9h30 abends unerwartet das Baon. 111/22 aus eigenem Antrieb in verwegener Entschlossenheit auf den Italiener, stürmte seine Stellungen und entriß dem verwirrten Feind in raschem Zugriff nicht nur die vielumstrittenen Ortsruinen, sondern schlug in der Nacht auf den 5. November eine Reihe scharfer Gegenstöße zurück.
Nun trat bei Plava Ruhe ein. Andauernd starke Niederschläge und die eingetretene Kälte beeinträchtigten den Gesundheitszustand der Truppen, hatten aber auch ein vollständiges Erlahmen der feindlichen Tätigkeit zur Folge. Das Gesamtergebnis der fünftägigen, sehr verlustreichen Angriffe des italienischen II. Korps gegen die 1. GbBrig. war die Besetzung einer unbedeutenden Vorfeldstellung westlich von Zagora.
Der an diesem Tage beim Gegenangriff verwundete Kommandant der 1. GbBrig., GM. Novak v. Arienti, führte den Befehl über seine Truppen bis zum 4. November weiter, dann übernahm das Kmdo. der 1. GbBrig. Oberst Teuš.
Die Durchbruchsversuche auf der Hochfläche von Doberdö anfangs November (31. Oktober bis einschließlich 2. November)
So wie bei Plava das II. Korps, hatte auf dem Karst die italienische 3. Armee den im Operationsplan vorgesehenen entscheidenden Angriff in der Frontmitte auf den Görzer Brückenkopf durch die Wiederaufnahme des allgemeinen Kampfes zu unterstützen.
Da der unmittelbare Stirnangriff gegen den Mt. S. Michele sowie alle Umfassungsversuche bisher nicht geglückt waren, schien die italienische Führung nunmehr einen Durchbruch auf der Karsthochfläche anzustreben. Es ist möglich, daß dieser Entschluß durch die vor den inneren Flügeln des XIV. und des X. Korps östlich der Ruine -fr 143 vorübergehend errungenen kleinen Vorteile ausgelöst wurde, die zu einem großen Erfolge ausreifen mochten, wenn es nach dem Einsätze von Verstärkungen gelang, die Front des Verteidigers in diesem Raume zu durchstoßen. Tatsächlich bestanden die Kampfhandlungen der italienischen 3. Armee vom 1. bis zum 4. November aus einer Reihe von Durchbruchsversuchen gegen die sattelartige Senke südlich von S. Martino und den Raum östlich der Ruine -c^ 143.
Das Feuer hatte schon am 31. Oktober früh begonnen und wuchs, sich besonders gegen die eben genannten Abschnitte verdichtend, vom Mittag dieses Tages zu stärkstem Trommelfeuer an. Um 4h nachm. brach auf dem Nordhange des Mt. S. Michele, um 6h nachm. nächst der Kote 111 je eine divisionsstarke Gruppe zum Sturme vor. In der Dämmerung des bald zur Neige gehenden Herbsttages waren die Vorstöße, die das entscheidende letzte Ringen dieser Schlacht auf dem Karst einleiteten, überall gescheitert. Die 20. HID. hatte hiebei allerdings nicht unerhebliche Verluste erlitten. Ihr Führer, GM. Lukachich, gewann den Eindruck, daß seine Truppen nach den schweren letzten Kämpfen einem neuen überlegenen Ansturm nicht mehr den nötigen Widerstand leisten mochten, und bat um Verstärkungen. Noch lehnte jedoch das 5. Armeekmdo. die Bitte des VII. Korpskmdos. ab, ihm hiefür Teile der Armeereserve zu unterstellen, weshalb der Erzherzog Joseph das eben ins Rastlager verlegte IR. 43 wieder ins Vallonetal vorziehen mußte.
Der allgemeine italienische Angriff war für den 1. November mittags befohlen. Von den Heeresreserven erhielt der Herzog von Aosta die bei Crauglio stehende 22. ID. des XI. Korps zugewiesen. Die ersten Vorstöße längs des Isonzo und gegen den Mt. S. Michele konnten in den
Vormittagsstunden mühelos zurückgeschlagen werden. Dann steigerte die italienische Artillerie ihr Feuer zu beispielloser Wucht gegen den Abschnitt des k.u.k. VII. Korps, und alsbald schritten die sieben in der Front stehenden Divisionen zum entscheidenden Angriff. Die linke Flügeldivision des italienischen XIV. Korps stieß, um die Aufmerksamkeit des Verteidigers abzulenken, längs des Isonzo vor; die 30. und die
21. Division stürmten, in vielen dichten Linien tief gegliedert, gegen die vier Gipfelkuppen des Mt. S. Michele an, während den drei Brigaden der 28. Division die Hauptaufgabe zufiel, die Front südlich der Straße nach S. Martino zu durchbrechen. Im engen Anschluß an diese Division griff der linke Flügel des X. Korps, die verstärkte 19. ID., die Höhe östlich von der Ruine -<>- 143 an. Gleichzeitig bedrängten die beiden anderen Divisionen des X. Korps, die 31. und die 20., den zwischen der Wegkote 111 und dem Mt. dei sei Busi vorspringenden Teil unserer Kampffront.
Schon nach kurzem Ringen konnte der Massensturm beinahe überall aufgehalten werden. Mit seinen letzten Kräften stemmte sich der von den Dauerkämpfen erschöpfte Verteidiger den schier endlos heranbrandenden feindlichen Sturmwellen entgegen und vermochte den gewaltigen Stoß zwischen dem Isonzo und dem Südrand von S. Martino abzuschlagen. Im verheerenden Sperrfeuer der Batterien und der Maschinengewehre fluteten die Massen des Angreifers zurück.
Besonders heftig wogte das Ringen im Abschnitte der k.u.k. 17. ID.; östlich der Ruinenhöhe, wo das Trommelfeuer seine stärkste Wirkung erreicht und alle Hindernisse und Deckungen hinweggefegt hatte, brach der Feind in unsere Linien ein. Begünstigt durch einen Gewittersturm, der dem Verteidiger jede Sicht verwehrte, vermochten mehrere Regimenter der 28. und der 19. Division in die Gräben der Temesvárer Division einzudringen, nachdem sie die überlebenden Reste der schwachen Besatzung überrannt hatten. Tollkühn und mit beispielloser Todesverachtung warfen sich das IR. 39 und das FJB. 24 dem weit überlegenen Feind entgegen und drängten ihn im Gegenangriff bis zum Einbruch der Dunkelheit fast aus allen gewonnenen Gräben wieder heraus, worauf die Italiener zurückwichen. Nur in einem Stück der Stellung vermochten sie sich zu behaupten. Die benachbarte 22. SchD. hatte dem Ansturm durchwegs standgehalten; ihre Artillerie hatte oft unterstützend im Höhepunkt der feindlichen Angriffe bei der 17. ID. eingegriffen. Nun erst — am Abend — ließ das 5. Armeekmdo. die 6. ID. in den Raum von Ranziano rücken. Das IR. 17 verblieb beim XVI. Korps als Rückhalt bei Görz.
Die Truppen des k.u.k. VII. Korps hatten abermals eine gewaltige Kraftprobe gegen eine mehrfache Übermacht glänzend bestanden1). Sie hatten den harten Kampf in der Hoffnung durchgefochten, daß nach der Abrechnung mit dem Feinde die Stunde der Erlösung aus aller Pein des Großkampfes schlagen werde. Jetzt, nach dem siegreichen Überwinden des Angriffes, waren die Kämpfer so erschöpft, daß sie zu einer weiteren Kraftanspannung nur durch die zähe Willensstärke ihrer Führer verhalten werden konnten. Bisher hatte es in der schon zwei Wochen dauernden Schlacht entweder gar keine oder nur geringe, ganz unzulängliche Ablösung gegeben. Da auch in den Nächten, wenn nicht gekämpft wurde, alle Leute an der Ausbesserung der Hindernisse und zerstörten Deckungen arbeiten mußten, waren manche Abteilungen kaum noch kampffähig. Vor allem fehlte den Truppen der Schlaf. Aber noch war das Ende der Schlacht nicht gekommen; noch harrten schwere Prüfungen und Leiden des Isonzoverteidigers.
Das Armeekmdo. nahm den Wiederbeginn der Schlacht und die Tatsache, daß auf der Karsthochfläche neuerdings, wenn auch nur ganz geringe Frontstücke an den Feind verlorengegangen waren, zum Anlaß, um bei Anerkennung der bewiesenen Standhaftigkeit doch auf die Pflicht der Isonzoarmee hinzuweisen, die gegenwärtigen Stellungen gerade in dem Augenblick zu halten, da die Entscheidung auf dem Balkan heranreifte. Dem VII. Korps wurde die Einflußnahme aller Führer auf die Truppen vorderster Linie besonders eingeschärft. Um die Kampfkraft der Truppen unter den zweifellos schwierigen Verhältnissen im Abschnitte III a auf einem Höchstmaß zu erhalten, war es außerordentlich wichtig, den Ablösungen, dann der entsprechenden Wiederauffrischung und der richtigen Verwendung der spärlichen Reserven ein besonderes Augenmerk zuzuwenden.
Die entscheidenden Kämpfe und damit den Höhepunkt der Schlacht brachte der 2. November. Das um 7h vorm. einsetzende Massenfeuer der italienischen Artillerie zerstörte binnen kurzem die in der Nacht allenthalben notdürftig ausgebesserten Hindernisse und Sandsackdeckungen !) Eine Zusammenstellung der Gefechts Verluste der 5. Armee für die Zeit vom Beginn der Schlacht bis einschließlich des 1. November ergab:
Abschnitt I: 1.312 Tote, 594 Vermißte, 3.167 Verwundete, zusammen 5.073 Mann
„ II: 1.125 „ 611 „ 4.212 „ „ 5.948 „
„ lila: 3.551 „ 4.086 „ 11.313 „ „ 18.950 „
„ IHb: 654 „ 27 „ 1.766 „_„ 2.447 „
Zusammen: 6.642 Tote, 5.318 Vermißte, 20.458 Verwundete, zusammen 32.418 Mann Hiezu noch in der gleichen Zeit 4052 Kranke, daher Gesamtverlust 36.470 Mann.
und verursachte empfindliche Verluste. Nur zeitweilig von mächtigen Sturmangriffen feindlicher Divisionen unterbrochen, dauerte der Feuerorkan bis in die späten Nachmittagsstunden an. Vor der 20. HID. vermochten rasch und zielsicher einsetzende Feuerüberfälle unserer Batterien Ansammlungen und schwächere Angriffsversuche zu zerstreuen. Die Hauptbestrebungen der mit frischen Reserven vorgetragenen Angriffe des italienischen XIV. und des an diesem Tage hauptsächlich eingreifenden X. Korps richteten sich vor- und nachmittags wieder gegen den Abschnitt östlich der Ruinenhöhe mit der offenkundigen Absicht, einige örtliche Erfolge zu einem Durchstoßen der hier scheinbar nachgiebigen Front auszunützen.
Nach wiederholt abgewehrten Massenstürmen und lange hin und her wogenden Nahkämpfen war es den in den Kampf geworfenen bedeutenden Verstärkungen des Italieners gelungen, sich nachmittags im Abschnitte der 17. ID. an drei Stellen neuerlich festzusetzen. Keine frischen Kräfte und keine Verstärkungen standen dem abgekämpften Verteidiger zur Verfügung, um den überlegenen Feind, dem das Gelingen des Durchbruches schon sicher zu sein schien, aufhalten zu können. Da raffte der Divisionär, FML. Gelb, die todmüden, immer wieder in den Kampf geworfenen und nachher hinter der Front zu neuer Abwehr bereitgestellten Reste der Reserven seiner 33. IBrig. und der 111. LstlBrig. zu einem letzten Gegenangriff zusammen und entriß dem schon auf den nahen Sieg hoffenden Feind den so schwer und opferreich erkämpften Erfolg dieses Tages.
Bei der 22. SchD., die unter dem Flankenfeuer der italienischen Artillerie besonders zu leiden hatte, verhinderte das bewährte Kreuzfeuer der Batterien des III. und des VII. Korps zwei im Raume um Reaipuglia vorbereitete Angriffe der italienischen 20. Division. Als der regentrübe Allerseelentag zur Rüste ging, war die Angriffskraft der bisnun mit unglaublicher Zähigkeit anstürmenden italienischen Divisionen zwar noch nicht gebrochen, aber immerhin doch so erlahmt, daß aus vielfachen Anzeichen ein Nachlassen des in den beiden letzten Großkampftagen unerhört schweren Druckes erwartet werden konnte. Demgegenüber fiel unser Raumverlust östlich der Ruine, wo die erste Linie ein wenig zurückgebogen wurde, unters Maß.
Nun war die Ablösung der Fronttruppen mit Rücksicht auf die Verluste, den Kräfteverfall und die voraussichtliche Fortsetzung der Schlacht mit neu herangeführten feindlichen Einheiten unaufschiebbar geworden. Aber gerade dies veranlaßte den GdI. Boroevic, die geplante
Ablösung des Nordflügels des VII. Korps durch die 6. ID. vorerst nur abschnittsweise durchführen zu lassen, um für unvorhergesehene Krisen in den nächsten Tagen doch noch eine frische, wenn auch schwache Armeereserve hinter den so schwer bedrohten Abschnitten von Görz und des Mt. S. Michele verfügbar zu haben. Im Hinblick auf das nun wahrgenommene Auftreten von bisher an der Tiroler Front angesetzten italienischen Kräften im Görzischen konnte die öst.-ung. Führung die Lage in den dort gleichfalls angegriffenen Abschnitten als minder gefährlich ansehen und daher den Landesverteidigungskommandanten von Tirol anweisen, sich fortan in seinem Bereiche durch entsprechende Verwendung der Kräfte selbst zu behelfen.
In der Nacht auf den 3. November lösten die Feldjägerbataillone 7, 8 und 9 der 6. ID. zwischen dem Isonzo und dem Gipfel des Mt. S. Michele die HIR. 3 und 4 ab, die zunächst im Vallone als Divisionsreserve zurückgehalten wurden und später nach Ranziano gelangten. Bei der am stärksten mitgenommenen 17. ID. wurde das IR. 61 nach nur zweitägiger Erholung an die Stelle des durch die zahlreichen Gegenangriffe stark geschwächten IR. 39 wieder in die Front gestellt. Als Armeereserve verblieben das IR. 7 und das bh. IR. 2 bei Ranziano, je zwei Landsturmbataillone im Vallone und bei Kostanjevica.
Vom 3. November an nahm die Heftigkeit der Kämpfe auf dem Karste ab. Abgesehen von der Ermattung beider Gegner, beabsichtigte Cadorna, um den zur Entscheidung heranreifenden Kampf um Görz zu nähren, die beim XIV. Korps eingesetzte 21. ID. in der Nacht auf den 3. aus der Front zu ziehen und sie seiner vor dem Brückenköpfe schwer ringenden 2. Armee zuzuführen.
Höhe und Abklang des Ringens vor Görz (1. bis 4. November)
Der letzte Oktobertag war nach dem für den Verteidiger erfolgreichen Ausgange der vorangegangenen Kämpfe vor Görz nahezu vollkommen ruhig verlaufen. Es war aber nur ein kurzes Atemholen des Feindes zur letzten Anstrengung, sich in den Besitz der heißumstrittenen Stadt zu setzen.
Vom Morgengrauen des 1. November lagen die Umrisse der Hügelkette von Lucinico bis zur Felsspitze des Mt. Sabotino in den auflodernden Flammen ungezählter schwerster Minen- und Granateinschläge. Schon um 7hvorm. begann das Vorgehen der italienischen Infanterie.
Die 4. ID., die nach dem für sie so verlustreichen 28. Oktober erheblich verstärkt worden war, leitete die Schlacht durch einen mächtigen Vorstoß gegen den Nordflügel des Brückenkopfes ein. Beiderseits der Kammlinie ging gegen den Gipfel A 609 die halbe 10. ID., auf dem Südhange die Grenadierbrigade (halbe 13. ID.) vor. Der mit Ungestüm unternommene Ansturm blieb, ebenso wie die folgenden Versuche, diesen Schlüsselpunkt der Görzer Verteidigung zu erobern, im Abwehrfeuer der 60. IBrig. und der die Infanterie trefflich unterstützenden Artillerie ohne Ergebnis. Ein gleiches Schicksal war den am 2. November mit frischen Kräften wiederholten Sturmläufen beschieden. Bis zum Abend vermochte der Italiener nördlich vom Piumicabache an keinem Punkte in die Stellung einzudringen; die Verluste zwangen ihn hier, in der Nacht auf den 3. seine müden und ausgebluteten Regimenter zurückzunehmen und vorläufig auf weitere Angriffe zu verzichten. Früher als in den ändern Abschnitten war vom Feinde der Kampf um den Mt. Sabotino aufgegeben worden; fest und ohne Raumeinbuße hielt der Verteidiger seine Felsenstellungen auf dem kampfumtobten Berge.
Kurz nach dem Beginn der eben geschilderten Kämpfe auf dem Nordflügel stießen südlich anschließend die Hauptkraft der italienischen 11. und Teile der 4. ID. gegen die Mitte des Brückenkopfes, die Höhen von Oslavija—Pevma, und die verstärkte 12. ID. gegen den Podgorarücken vor. Die ersten Angriffe wurden abgewehrt; dann vereinigten die feindlichen Batterien ihr Feuer auf schmale Vorrückungsräume. Als die Hindernisse und Kampfgräben an den gewählten Einbruchsstellen auch mit Unterstützung zahlreicher schwerster Minenwerfer vollständig zerstört waren, setzte die italienische Infanterie zum Angriff an. Auf den Höhen von Pevma, wo die 4. GbBrig. sqhon einige Tage vorher die nahe herangekommenen Italiener zurückgedrängt hatte, brachen die stürmenden Linien des Angreifers im Sperrfeuer zusammen und fluteten bald zurück. Hingegen vermochten die inneren Flügel der 11. und der 12. ID., begünstigt durch einen starken Gewitterregen, in unsere vollständig eingeebneten Stellungen auf der Podgora westlich von Grafenberg und auf der Bergnase -c|>-184 nächst Lucinico einzudringen. Die Lage schien angesichts der feindlichen Übermacht — fünf italienische Regimenter gegen drei Bataillone der 5. und ein Bataillon der 4. GbBrig. — sehr kritisch geworden zu sein. Eilends wurden die noch verfügbaren Brigade- und Divisionsreserven, darunter zwei Bataillone des der 58. ID. zugewiesenen IR. 17, über den Isonzo an die meistbedrohten Punkte vorgezogen; in mühevollen nächtlichen Kämpfen wurden bis zum Morgen des 2. November unsere Gräben vom Feinde gesäubert und zahlreiche Gefangene eingebracht. Nur westlich der Höhe -<>-184 vermochte sich in einem Grabenstück der vordersten Linie eine kleine Abteilung der italienischen
12. ID. zu behaupten.
Die ersten Morgenstunden des 2. November sahen wieder starke italienische Kräfte gegen die ganze Front vor Görz Sturm laufen. Der
11. ID., die sich schon am 1. November knapp an unsere Hindernisse auf der Höhe -<>-188 und auf dem Kirchenrücken von Oslavija herangearbeitet hatte, gelang es mit einigen Bataillonen, nach langem erbittertem Kampfe gegen Mittag im Orte und nächst der Kirche von Oslavija Fuß zu fassen. Hingegen brachen aur den Höhen westlich von Pevma und vor der Kuppe fr188 die angreifenden Sturmsäulen im flankierenden Artilleriefeuer nieder. Am ärgsten wütete der Kampf am 2. abermals auf der Podgora, wo nach dem Massenfeuer der italienischen Schwerartillerie und der Minenwerfer starke Kräfte zum Angriff schritten. Wohl fluteten die ersten Wellen im Kreuzfeuer unserer Batterien und Maschinengewehre zurück, aber nach einigen besonders hartnäckig wiederholten Anläufen glückte dem Feinde westlich vom Gipfel A 240 und auf dem der umfassenden Feuerwirkung besonders ausgesetzten Südflügel neuerlich ein Einbruch. Das zu größter Heftigkeit gesteigerte italienische Geschütz- und Minenwerferfeuer riß bei den dort fechtenden Truppen empfindliche Lücken. Da die Verteidigungsanlagen völlig eingeebnet waren, spielten sich die harten Kämpfe bis zum Einbrüche der Dunkelheit im Trichtergelände zwischen der ersten und zweiten Linie ab. Der nächtliche Gegenangriff zweier Bataillone der Divisionsreserve warf den Feind aus dem Zwischengelände heraus, und im Laufe der Nacht war es der 5. GbBrig. möglich, mit teilweiser Benützung der im allgemeinen auf der Kammlinie der Podgora hinziehenden zweiten Linie wieder eine zusammenhängende, feste Kampffront herzustellen. Einige hundert Gefangene fielen in dem blutigen Ringen in unsere Hand. Die am Kampfe beteiligten Truppen der k.u.k. 58. ID. hatten rund ein Viertel ihres Standes eingebüßt; der Feind mochte bei seinen hartnäckig wiederholten Sturmläufen noch einen wesentlich größeren Hundertsatz an Opfern beklagt haben.
Auf dem Südflügel der k.u.k. 60. IBrig. war es bis zum Abend nicht gelungen, den Feind, der sich bei Oslavija festgesetzt hatte, zu vertreiben. Nun setzte GM. Zeidler seine letzte Reserve, ein Bataillon des Dalmatiner SchR. 37, zum Gegenangriff ein. Das Unternehmen, durch den Kommandanten des Schützenregiments, Obstlt. Brückner, geleitet, hatte bis zum Morgen des 3. November einen vollen Erfolg. Die vorderste Linie auf dem Kirchenrücken wurde wiedergewonnen, zwei eigene Positionsgeschütze konnten unversehrt zurückerobert und auch hier nebst vielem Kriegsgerät etliche hundert Gefangene eingebracht werden1). Die italienische 11. ID. war durch die ihr zugefügten Verluste so geschwächt, daß sie durch die zweite Brigade der 10. ID. abgelöst werden mußte. Der Unterabschnitt Oslavija bis zur Höhe -<J>-188, diese mitinbegriffen, wurde mit einer Besatzung von zwei Bataillonen der 4. GbBrig. angegliedert.
Der Kampf um Görz hatte seinen Gipfel erklommen. Ohne Unterbrechung ließ GLt.Capello, der Kommandant des italienischen VI. Korps, seine Divisionen den mörderischen Kampf fortführen und trieb sie auch am 3. November zum Sturme auf die durchwegs schwer zerschossenen Stellungen vor Görz. Er glaubte guten Grund für die Annahme zu haben, daß die Widerstandskraft des Verteidigers erschüttert sei und endlich doch erlahmen müsse; auch wußte er, daß die italienische Öffentlichkeit von Tag zu Tag die Einnahme von Görz mit größter Spannung erwarte.
Aber auch die Führer und die Truppen des Verteidigers waren sich dessen bewußt, daß es jetzt ums Ganze ging.
Wieder bildete die Podgora den Brennpunkt der Schlacht im Görzischen. Während auf dem Mt. Sabotino der Angriff eingestellt worden war, bei Pevma Ablösungen in der feindlichen Front durchgeführt wurden, hatte der Feind südlich von der Straße Grafenberg—St. Florian nochmals alle verfügbaren Kräfte zum letzten, entscheidenden Stoß angesetzt. Der Kampf löste sich in eine Reihe von mit äußerster Erbitterung geführten Einzelgefechten auf. Westlich von Grafenberg schlug das Bataillon 11/52 auf dem linken Flügel der 4. GbBrig. nicht weniger als sechs mit Todesverachtung geführte Stürme ab; beim siebenten Anlauf warfen die Reste der zusammengeschmolzenen Angriffsgruppe die Waffen fort und ergaben sich. Auch auf dem Gipfel der Podgora nächst A240 scheiterten alle Nahangriffe unter schweren Verlusten. Hingegen vermochten Teile der italienischen 12. ID. neuerlich auf dem südlichen Abhangsrücken bei Lucinico einzubrechen und sogar vorübergehend über die Höhe -<}>■ 184 vorzudringen. Dort spielten sich die Nahkämpfe in dem durch die andauernden Regengüsse der letzten Tage metertief verschlammten Trichterfelde ohne jede höhere Gefechtsführung ab. Von
*) Unter den Gefangenen war auch ein Truppenkommandant. Aus dem erbeuteten Sprengstoff konnten bei der 58. ID. 6000 Handgranaten gefüllt werden.
einem planmäßigen Gegenangriff mußte zunächst abgesehen werden. Schon glaubten die müden italienischen Kämpfer den letzten Widerstand des Gegners gebrochen zu haben und das allerletzte Stück ihres Leidensweges nach dem ersehnten Görz frei vor sich liegen zu sehen, als am 4. November früh die ganz auf sich allein gestellten, ausgebluteten Grabenbesatzungen und ihre kampferprobten Unterführer, durch einige Batterien treu unterstützt, den nicht minder erschöpften, aber weniger harten Feind in zähem Kampfe noch einmal Schritt um Schritt aus den Stellungen auf der Podgora zurückdrängten. Als um die Mittagsstunde dieses Tages nach mehrtägigem Regen die Sonne durch das Gewölk brach, war die heißumstrittene Höhe fest in unserer Hand und nur in einem schmalen Stück am Westhange hielten sich noch wenige Italiener.
Während hier der opferreiche Kampf vormittags zu einem durchaus erfolgreichen Abschluß geführt worden war, hatten nördlich der Höhe A 240 die feindlichen Angriffstruppen schon am Vorabend den Kampf abgebrochen und sich zurückgezogen. Mit Stolz durfte die Besatzung des Brückenkopfes auf ihre Taten blicken. Sie hatte einer mehr als dreifachen Übermacht standgehalten. Außer den beiden Dalmatiner Schützenregimentern 23 und 37 hatten sich die ungarischen Bataillone 11/52 und 111/69 sowie das krainische IR. 17 besonders ausgezeichnet'. Die Slowenen von Nr. 17 hatten fast die Hälfte ihres Standes eingebüßt. Die Bataillone der 4. und der 5. GbBrig. hatten hier, entsprechender Rückenfreiheit entbehrend, fast jedes Festsetzen des Feindes in den Kampfgräben durch sofort mit kleinsten Reserven geführte, aber blitzschnell einsetzende Gegenstöße vereitelt und größere Einbrüche mit Gegenangriffen beantwortet, die der Kampf- und Manövrierfähigkeit der Truppen bis zur niedersten Einheit herab das beste Zeugnis ausstellten. Die Verteidigung des Brückenkopfes fand — wie nicht genug hervorgehoben werden kann — ihre wertvollste Unterstützung in der Tätigkeit der Artillerie des XVI. Korps, deren besonderes Verdienst das rasche Niederschlagen der Angriffe auf dem Mt. Sabotino und auf den Hügeln von Pevma war.
Das Gesamtergebnis der Durchbruchsversuche bei Görz in der dritten Isonzoschlacht bestand in der dauernden Festsetzung des Feindes in einem Teil der vordersten Gräben unserer Stellung auf den Westhängen der Höhen -<>-184 und A240, was aber für die taktische Lage beider Gegner ohne jeden Belang blieb. Der an sich gewiß geringfügige Erfolg kostete den Angreifer etwa 300 Offiziere und 10.000 Mann1).
i) Ital. Gstb. W., II, Text, 477.
Diese Verluste und die allgemeine Erschöpfung seiner Truppen zwangen ihm eine mehrtägige Kampfpause und die Zurücknahme der Angriffsdivisionen aus der engsten Gefechtsberührung mit dem Verteidiger auf.
GdI. Boroevic, mit Lob sonst nicht allzu freigebig, erklärte nach dem Abschluß der Kämpfe vor den in Görz versammelten Offizieren„ es sei ihm ein Herzensbedürfnis, den Truppen der 58. ID. für ihre unübertrefflichen Leistungen zu danken. Sie hätten in der dritten Schlacht ihre Heldentaten der früheren Schlachten übertroffen. Während der fünfmonatigen Kämpfe sei es die 58. ID. gewesen, die, obwohl im wichtigen Brückenkopf stehend, dem Armeefülirer am wenigsten Sorge bereitet habe; dies sei ebenso der vorzüglichen Führung wie den unvergleichlichen Truppen zu danken.
Das Ausklingen der dritten Isonzoschlacht auf dem Karst (3. und 4. November)
Für den 3. November waren die Gefechtsaufträge für die Korps und Divisionen der italienischen 3. Armee unverändert geblieben. Das XIV. Korpskmdo. hatte die abgelöste 21. ID. (S. 444) durch eine Brigade der Korpsreserve ersetzt.
Auf dem Nordhange des Mt. S. Michele hatte in der Nacht auf den
3. November die Ablösung der 39. HIBrig. durch drei Feldjägerbataillone der 6. ID. begonnen. Während der etwas flüchtigen Übergabe des Abschnittes durch die Honvédtruppen ereilte eines der neu in die Front gelangenden und mit den schwierigen Verhältnissen noch unvertrauten Jägerbataillone ein Mißgeschick. Es stieß, nachdem sich die Führerpatrouillen des abzulösenden Honvédregiments in der Dunkelheit verloren hatten, mit Teilen über den zu besetzenden vorgeschobenen Stellungsteil hinaus unmittelbar auf die hier eingebogene feindliche Stellung und erlitt in dem von drei Seiten abgegebenen verheerenden italienischen Abwehrfeuer überaus schwere Verluste. Die Folge war, daß im Verlaufe der sich entwickelnden Kämpfe der äußerst ungünstige, von beiden Seiten umfaßte kleine Stellungsteil, dessen Auflassung schon vom Kommando der Honvéddivision beim Erzherzog Joseph beantragt worden war, nunmehr geräumt und 50 Schritte dahinter eine neue Stellung bezogen wurde. Der nachstoßende Feind konnte überall zurückgetrieben werden. Die Stellung auf dem Mt. S. Michele verlief nun knapp westlich der durch die vier Gipfelkuppen gebildeten Kammlinie und vom Nordgipfel genau nordwärts an den Isonzo.
Der um 2hnachm. an der ganzen Front des k.u.k. VII. Korps entbrannte allgemeine Angriff blieb überall vor dem Erreichen unserer Stellungen stecken, und auch die nächtlichen Versuche des Angreifers, die Front nördlich und südlich von S. Martino zu durchbrechen, scheiterten durchwegs.
Gegen den Abschnitt des k.u.k. III. Korps stießen, begünstigt durch starke Gewitter, nach zwölf tägiger Kampfpause Teile des italienischen VII. Korps vor. Die 19. LstGbBrig. vermochte, wie auch schon am Beginne der nun schon achtzehn Tage dauernden Schlacht, den Feind abzuweisen. Das Feuer der Geschütze und Maschinengewehre zersprengte seine Sturmsäulen und trieb die Reste wieder zurück.
Am 4. November flammte die Schlacht noch einmal auf. Zwischen Peteano und dem Nordgipfel des Mt. S. Michele zersplitterte ein Vorstoß im zusammengefaßten Feuer vor den Abwehrstellungen. Im Raume
S. Martino—Kote 111 vermochte die 17. ID. eine Reihe wütender Angriffe abzuschlagen, wobei sich das IR. 61 besonders hervortat. Dann legte der Italiener schwerstes Flanken- und Rückenfeuer von Süden her auf S. Martino und den Südhang des Mt. S. Michele ; doch folgte zunächst kein Angriff mehr. In der Nacht auf den 5. November wurden kleinere Ablösungen durchgeführt und zwei Bataillone der Korpsreserve zur Stützung der 17. ID. hinter deren Südflügel bereitgestellt.
Vom 18. Oktober bis zum 4. November hatten die Kämpfe in fast ununterbrochener Heftigkeit gewütet. Dennoch war es dem Angreifer nicht geglückt, auch nur das erste Ziel seiner bisher gewaltigsten Offensive zu erreichen: Görz war noch fest in der Hand der Verteidiger. Wohl war es den Italienern, die überall mit rühmenswertem Opfermut und kaum erlahmender Zähigkeit angriffen, da und dort geglückt, die Abwehrlinien des Gegners einzubeulen. Aber sie zu zerreißen, blieb ihnen versagt. Immer wieder sandte der Verteidiger von ungefähr zusammengeraffte Reserven vor, um den eingebrochenen Feind entweder durch einen aus mehreren Richtungen angesetzten Gegenstoß zu werfen oder doch, wenn die Rücksicht auf die eigenen Kräfte oder italienischer Widerstand Angriffe verboten, den Einbruch sicher abzuriegeln. So stand, beim ersten Abklingen dieses gewaltigen Ringens, an der Ausdehnung des Kriegstheaters gemessen, die Mauer des Verteidigers noch dort, wo sie zu Beginn auf gerichtet worden war1).
1) Der einigermaßen wahrnehmbare Geländegewinn des Feindes beschränkte sich am Ende der Schlacht auf das Einnisten in der vordersten Linie am Hange nordwestlich von Dolje, in der Vorstellung westlich von Zagora, in Grabenstücken auf dem West-
Überaus empfindlich waren bei Freund und Feind die Opfer, die man seit dem Beginn der Schlacht dargebracht hatte. Einzelne öst.-ung. Truppenkörper hatten fast die Hälfte ihres Kämpferstandes eingebüßt. Die k.u.k. 5. Armee hatte, die 44. SchD. mitinbegriffen, rund 42.000 Streiter verloren1). Auch auf italienischer Seite gab es Regimenter mit 50 v. H. Mann Verlusten. Die Einbuße der 2. Armee betrug 24.800 Streiter (15V2V. H.), die der 3. Armee 42.200 (30Vsv. H.), die beider Armeen zusammen 67.000 Mann, das sind fast 23 v. H.2).
Die k.u.k. Heeresleitung hat in ihrer amtlichen Berichterstattung die Kämpfe vom 18. Oktober bis zum 4. November in den Begriff „dritte Isonzoschlacht“ zusammengefaßt, eine Bezeichnung, die auch in die Geschichtsschreibung überging. Diese Begriffsbildung war unter dem Eindruck der am 5. eingetretenen Kampfpause erfolgt, in Unkenntnis der weiteren Ereignisse. Doch sollte sich in der Folge erweisen, daß diese „dritte Schlacht“ nicht ein in sich abgeschlossenes Kampfereignis war, sondern nur den ersten Teil einer Reihe mehrtägiger Schlachten darstellte, die bis in den Dezember hinein ihre blutige Fortsetzung fanden.
hange der Podgora bei den Höhen A 240 und -<>-184; auf dem Karst gewann der Angreifer die von uns vor Beginn der Großangriffe geräumten Vorfeldstellungen von Peteano und auf dem Nordwesthange des Mt. S. Michele, dann ein etwa 1 km langes Stück der vordersten Stellung westlich von S. Martino, ein ebenso langes Stück östlich der Ruinenhöhe -<>-143 und einzelne Grabenstücke der ersten Linie zwischen der
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Kote 111 und A118. Im übrigen blieb die Front unverändert. *) Die Verluste verteilen sich auf die einzelnen Abschnitte: | |||||||||||||||||||||||||
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Zusammen: tot 8.228, vermißt 7.201, verwundet 26.418, zusammen 41.847 |
Die Verlustziffern der 44. SchD. sind errechnet. In den Zahlen der Vermißten sind die Kriegsgefangenen und die vor der Front gebliebenen, nicht geborgenen Toten und Verwundeten enthalten. Hiezu kamen im Zeitabschnitte der Schlacht 6000 Kranke. Die zurückgebliebene Bevölkerung von Görz hatte bis zum Ende der dritten Isonzoschlacht Verluste von 50 Toten und 70 Verwundeten zu beklagen.
2) Diese Gesamtverluste teilen sich wie folgt auf (Ital. Gstb. W., II, Text, 492; Dokumente, 413):
Offiziere: tot 498, vermißt 110, verwundet 1.456, gefangen 51, zus. 2.100 Mannschaft: „ 10.235, „ 9.514, „ 42.834, „ 2.300, „ 64.900
In der Zahl der Vermißten dürften viele Gefangene enthalten sein, da beim k.u.k. VII. und beim k.u.k. XVI. Korps allein vom 18. Oktober bis zum 4. November 92 Offiziere und 3800 Mann an italienischen Gefangenen eingebracht wurden.
Die Gebirgskämpfe im Spätherbst 1915
(Mitte Oktober bis Ende November)
Die Ereignisse an der Kärntner Front Hiezu Beilage 21
WenigeTage, nachdem Cadorna — am 1. Oktober — die beidenlsonzo-armeen von seinen Angriffsabsichten gegen die küstenländische Front verständigt hatte (S. 386), rief er auch die im Gebirge angesetzten Heereskörper zu „energischen Teilangriffen“ auf. Zweck dieser Begleitunternehmungen war, „den Gegner zu binden und ihn am Verschieben von Kräften zu hindern“1). Da zu dieser Zeit die öst.-ung. Streitkräfte auf dem Balkan und in Ostgalizien in heftige Kämpfe verwickelt waren und kaum Truppen abzugeben vermochten, ließ — nach Ansicht Cadornas — diese gespannte Lage des Gegners die italienischen Angriffe besonders aussichtsreich erscheinen.
Die Karnische Gruppe (kombiniertes XII. Korps) ei'hielt im besonderen den Befehl, außer den schon erwähnten Teilangriffen auch noch durch Artillerie die vom Nordflügel der 2. Armee im Flitscher Becken auszuführende Offensive zu unterstützen2).
Der frühe Eintritt des Winters in den Bergen Kärntens sowie das Gleichgewicht der Kräfte, die längs des Grenzkammes vom Rombon bis zur Steinkaarspitze (an der Tiroler Ostgrenze) einander gegenüberstanden (Bd. II, S. 765 f.), bewirkten, daß hier wenige Tage nach dem Beginn der dritten Isonzoschlacht nahezu jede Kampftätigkeit eingestellt wurde. Einige an den bisherigen Brennpunkten der Kärntner Front angesetzte Ablenkungsvorstöße der Italiener waren viel zu schwach, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Die am 20., 21. und 22. Oktober jedesmal nach mehrstündiger Artillerievorbereitung gegen die Höhenstellungen und Übergänge im Gebiete des Mt. Peralba, auf dem Kleinen Pal, bei Pontafel und nächst dem Mittagskofel angreifenden italienischen Truppen vermochten nirgends in unsere Abwehrstellungen einzudringen. Sie wurden überall an den Hindernissen abgewiesen und zogen sich, nachdem sie erhebliche Einbußen erlitten hatten, in ihre Linien zurück. In den letzten Oktobertagen brannte der Feind ohne erkennbaren Grund
1) Ital. Gstb.W., II, Text, 549; Dokumente, 456 f. und 461.
2) Ital. Gstb. W., II, Text, 582; Dokumente, 495.
einen großen Teil der im Fellatale zwischen den Fronten gelegenen Ortschaften nieder1).
Nur im Becken von Flitsch und auf seinen östlichen Randhöhen war es bei der 44. SchD. im Einklang mit den von der italienischen 2. Armee am oberen Isonzo unternommenen Angriffen in den Tagen vom 20. bis zum
27. Oktober zu lebhaften Kämpfen gekommen, die auch noch im November hie und da wieder aufflackerten.
Mit dem Wettersturz in den letzten Oktobertagen war der Winter in den Karnischen Alpen eingezogen, und bald versanken alle Kampfanlagen unter einer tiefen Schneedecke. Auf Monate hinaus beschränkte man sich nun beiderseits auf Kleinunternehmungen ohne wesentliche Bedeutung; bei Freund und Feind war der Kampf gegen die Unbilden des Hochgebirgswinters in den Vordergrund aller Handlungen getreten.
Die Stärke der Armeegruppe GdK. Rohr2) bot dem Frontkommando in Marburg die sehr willkommene Möglichkeit, Kräfte zur Unterstützung der schwer ringenden 5. Armee an den Isonzo abzuziehen. Gleich zu Beginn der Schlacht hatte die Armeegruppe ohne Rücksicht auf die Vorgänge an ihrer Front fünf Bataillone und zweieinhalb Batterien (S. 379 und 410) abgeben müssen3); kaum waren diese Truppen abgerollt, als um die Monatswende neuerlich ein dringender Ruf nach Verstärkungen für die 5. Armee an GdK. Rohr erging. Am 3. November sandte die Armeegruppe zwei Bataillone nach Podmelec. Damit war wohl das Höchstmaß dessen, was ohne Gefährdung der Verteidigung Kärntens abgegeben werden konnte, erreicht. Denn schon jetzt hätte der Mangel an Reserven es sehr fraglich, wenn nicht unmöglich gemacht, etwaige örtliche Mißerfolge auszugleichen oder Ablösungen vorzunehmen. Trotzdem erhielt die Armeegruppe den Befehl zur Bereithaltung weiterer Kräfte für eventuelle Abgaben. Bis zum 8. November schied das Armeegruppenkmdo. eine Reserve aus, die aus einem bosnisch-herzegowinischen Bataillon der 48., zwei Landsturmbataillonen der 94. und zweieinhalb Infanteriebataillonen der 92. ID. bestand4). Gleichzeitig wurden als Ersatz für die bisher abgegebenen Bataillone aus den voll-
1) Pontafel, Pontebba, Leopoldskirchen und Lußnitz.
2) Mitte Oktober war das Verhältnis der öst.-ung. Streitkräfte zu den italienischen in Kärnten wie etwa 1:1, in Tirol 1:2, am Isonzo l^/o.
3) Die IBaone. IV/39, 111/18, II/37, IV/77 und MaBaon. IX/SchR. 3, ferner eine 10.4 cm-Kanonen-, eine 15 cm-Haubitz- und eine halbe 24 cm-Mörserbatterie, davon die Haubitzbatterie nach Tirol.
4) III/bh. 3 in Kirchbach, k. k. LstlBaone. 40 in Rattendorf, 41 in Hermagor,
IBaone. IV und V/27 und i/o 11/57 in und bei Tarvis. ' ausgebildeten Marschformationen allmählich zahlreiche überzählige Kompagnien aufgestellt1). Dies ermöglichte Teilablösungen und die Schulung der im andauernden Stellungskrieg schwerfälliger gewordenen Truppen.
Die Fortdauer der Angriffe bei der 5. Armee erforderte schließlich Mitte November die Abgabe der bei Tarvis bereitgehaltenen zwei Bataillone des IR. 27 und einer Haubitzbatterie sowie gegen Ende des Monates die Überlassung eines Halbbataillons der 44. SchD. an das
XV. Korps im Krngebiet. Neben diesen nicht unbedeutenden Truppenabgaben (seit Beginn der Herbstschlachten neun Bataillone) erheischte die Fortführung der Materialschlacht am Isonzo auch die Überlassung alles entbehrlichen, auf ge speicherten Schießbedarfs und sonstiger Vorräte an die Isonzofront. Schon vermochte die Armeegruppe GdK. Rohr ohne Bedenken alles Erforderliche zur Stützung des Widerstandes bei der Nachbararmee abzugeben, da seit Mitte November außergewöhnlich starke Schneefälle, Lawinenstürze und große Kälte2) jede feindliche Unternehmungslust hemmten.
Anscheinend litten die italienischen Truppen — soweit sie nicht den Alpengegenden entstammten — noch mehr unter den Unbilden des Winters, da mit dem Eintritt der strengen Kälte eine merkliche Zunahme der feindlichen Überläufer einsetzte.
Allgemeiner Angriff auf Tirol (18. Oktober bis 21. November)
Hiezu Beilage 27 des II. Bandes und Skizze 12 des III. Bandes
Zur Unterstützung des am 18. Oktober beginnenden Ansturmes gegen die Isonzofront ließ Cadorna gleichzeitig seine beiden auf dem linken Heeresflügel stehenden Armeen, die 1. und die 4., gegen die Tiroler Gebirgsstellungen angreifen, um auch hier die Kräfte des Gegners zu binden; hiebei sollte nochmals die Eroberung der Hochfläche von Folgaria—Lavarone und der Durchbruch ins Pustertal versucht werden. Diese Angriffe richteten sich mit Ausnahme des schon mit Schnee und Eis bedeckten Ortlergebietes gegen alle Abschnitte Südtirols.
J) Bis zum 8. November 20, bis Ende des Monats 30 Kompagnien.
2) Mitte November sank die Temperatur auf 19 Kältegrade. Die Kampfstellungen lagen stellenweise mehrere Meter tief im Schnee. Vom 11. bis zum 20. November waren trotz aller Vorkehrungen an der Kärntner Front 2 Mann erfroren, 18 erlitten Erfrierungen dritten Grades, 138 solche zweiten Grades und 128 leichtere Erfrierungen.
Allseits leitete ein vom 18. Oktober an gesteigertes Artilleriefeuer diese Offensive ein.
Im Tonalegebiet führte der Feind am 29. und am 30. wirkungslose Scheinangriffe.
Heftiger ging es im Chiesetal zu, wo der Feind, nachdem sein Artillerieaufmarsch endlich beendet war, am 18. gegen die auf dem Mt. Melino und auf der C. Palone gelegenen Vorstellungen zum Angriff schritt. Um diesen Vorpositionen nicht das Schicksal des Coston zu bereiten (S. 382), erhielten ihre Verteidiger den Befehl zum Rückzug auf die Hauptstellung. Die Besatzung des Mt. Melino konnte am 19. ihre Gräben räumen. Jene der C. Palone wollte den vordringenden Feind aber vorerst abweisen. Hiedurch wurde die Besatzung festgehalten; die weit überlegenen Italiener vermochten in die Stellung einzudringen, wobei ein Teil der sich wacker wehrenden Verteidiger in Gefangenschaft geriet. Dem Rest glückte es, sich durchzuschlagen. Auf einen Angriff gegen die Hauptstellung ließ es die italienische 6. ID. nicht ankommen.
Auch im Abschnitt Riva kam es nur zu Vorfeldkämpfen. Unterdessen hatte GdK. Dankl am 20. einen Befehl erlassen, daß vor der Hauptabwehr gelegene Stellungen nur als Beobachtungspunkte zu betrachten seien. Hierauf wurden die Verschanzungen bei Casina und auf dem Dosso del Remit (7 km südöstlich von Riva), die der Feind bestürmte, am 23. Oktober planmäßig geräumt. Dagegen mißlang es dem Italiener, gegen die Bahnstation von Mori vorzudringen und unsere nahe der Hauptwiderstandslinie südlich von Rovereto auf der Höhe Marsilli haltenden Vortruppen zu vertreiben.
Ebenso ergebnislos blieben die Anstrengungen, die das italienische
V. Korps mit seiner auf dem Nordflügel zusammengeballten Hauptkraft (9., 35. und 34. ID.) gegen die Hochfläche richtete. Unsere Stellungen vor Folgaria, namentlich auf der Pioverna, wurden am 20. und 21. bestürmt. Doch an dem stahlharten Widerstand der 180. IBrig., GM. Edl. v. Verdross, zerschellten alle Angriffe des Feindes. Auch die Verteidigungslinie östlich von Lavarone wurde jetzt heftiger als früher durch feindliche Artillerie bekämpft; Truppenansammlungen deuteten auf einen bevorstehenden Angriff hin. Doch als in der Nacht auf den 25. Oktober die italienischen Sturmkolonnen sich durch unsere Scheinwerfer entdeckt sahen, fiel der Feind wieder in das planmäßige, schrittweise Heranarbeiten mit Sappen zurück. Die Ende Oktober erfolgte Verlegung der italienischen 9. ID. an den Isonzo bereitete allen etwaigen Angriffsabsichten des V. Korps vollends ein Ende.
Die dritte Dolomitenoffensive (18. Oktober bis Ende November)
Am 4. Oktober hatte das italienische Höchstkmdo. der 4. Armee noch im besonderen den Befehl erteilt, während des dritten Ansturmes gegen die Isonzofront (S. 386) „energische Teilangriffe zu führen und dadurch gegnerische Kräfteverschiebungen zu verhindern“. Gleichzeitig sollte aber eine Division für die Absendung an den Isonzo bereitgestellt werden. GLt. Robilant, der neue Führer der 4. Armee, bestimmte hiezu die im Sextner Abschnitt stehende 10. Division. Der Ostflügel seiner Armee kam daher für den Angriff nicht mehr in Frage. Mit dem durch die 1. ID. verstärkten IX. Korps (18. und 17. ID.) wollte Robilant wieder versuchen, den Einbruch in das Abteital zu erzwingen. Die 2. ID. des I. Korps sollte sich wie bisher um die Nordabhänge des Mt. Cristallo und um den Mt. Piano bemühen1).
In der ersten, vom 18. bis zum 31. Oktober währenden Kampfphase richtete nun das IX. Korps gegen den Raum zwischen Arabba und der Tofanall zahlreiche Angriffe, deren Zahl und Richtung, soweit sie von den öst.-ung. Truppen gemeldet wurden, in der Skizze 12 schematisch dargestellt sind2).
Der Brennpunkt der Kämpfe war der Col di Lana, der von der italienischen 18. ID. und dem linken Flügel der 17. angegriffen wurde. Hier vermochte der Feind, der sonst überall Mißerfolge erlitt, den einzigen, allerdings höchst bescheidenen Raumgewinn zu erzielen. Am 22. und am 25. Oktober erstritt er sich je eine kleine, aber wichtige Felsenstellung. Am 29. ging er sodann gegen die 1500 Schritte südöstlich der Col di Lana-Spitze angelegte Infanteriestellung vor, die von einigen Kompagnien der Kaiserjägerregimenter 3 und 4 und von reichsdeutschen Maschinengewehrschützen verteidigt wurde. Als die Besatzung durch das andauernde Feuer bereits 60 v. H. an Verlusten erlitten hatte und keiner ihrer Offiziere mehr unverwundet war, gelang es dem mit äußerster Beharrlichkeit angreifenden Feinde, in den völlig zerschossenen Graben einzudringen3). Von einem Rückeroberungsversuch sah der Verteidiger in Anbetracht der äußerst geringen Reserven ab.
!) Ital. Gstb. W., II, Dokumente, 461 f.; Text, 549ff.
2) Vgl. hiezu auch P e n g o v, Die Kämpfe um den Col di Lana 1915/16 (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1923, 430ff.).
3) Schemfil, Das k.u.k. 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger im Weltkrieg 1914—1918 (Bregenz 1926), 246ff.
Ende Oktober verglommen die Gebirgskämpfe in dem einsetzenden Schneefall. Sie hatten auf beiden Seiten schwere Opfer gefordert1).
Anfangs November erhielt das italienische IX. Korps den Befehl, zur Unterstützung der die Isonzofront noch immer bestürmenden Hauptkraft des Heeres neuerlich die österreichischen Dolomitenstellungen anzugreifen. Jetzt wurde auch die 1. ID. in die vordere Linie gestellt. So loderten an der ganzen Dolomitenfront zwischen dem 7. und dem 21. November wieder harte Kämpfe auf.
Von neuem entspann sich um den Col di Lana ein wütendes Ringen. Hiebei gelang es einem am 7. überraschend angreifenden Bataillon der italienischen 18. ID., die Col di Lana-Spitze zu erobern. Doch gut sitzendes Artilleriefeuer hinderte den Feind an der Erweiterung seines Erfolges, und abends warf ihn ein schneidiger Angriff des V. Bataillons des KSchR. III wieder hinunter2). Die Italiener gaben sich jedoch noch nicht zufrieden. Bis zum 11. November folgte Stoß auf Stoß, und nach einer durch Schneefall auf gezwungenen Kampfpause nahmen Teile der
18. ID. am 20. und 21. November aus Schneestollen heraus wieder ihre Angriffe auf. Doch alles war vergeblich. Der italienische Kriegshistoriker Tosti schreibt über diese Kämpfe: „Am 10., 20. und 21. November leisteten die Brigaden Alpi und Calabria [bildeten die 18. ID.] auf dem Kalvarienberge des Cadore neuerlich schweren blutigen Tribut; sie mußten sich damit begnügen, sich unterhalb des Gipfels einzunisten3).“
Doch auch an den anderen Teilen der Dolomitenfront schlugen alle italienischen Angriffe fehl. Dafür durfte sich das X. Bataillon von RainerInfanterie rühmen, im Dreizinnengebiet am 30. Oktober dem Feinde die Höhe Sextenstein (knapp südlich des Toblinger Knotens) entrissen zu haben4). Sie mußte allerdings zwei Tage später wieder dem Feinde überlassen werden.
Das Endergebnis der dritten Dolomitenoffensive kennzeichnet wohl am besten der schon genannte italienische Kriegshistoriker selbst, wenn er schreibt:
x) Die Italiener beziffern die Einbußen, die ihre etwa 12.500 Köpfe starke Angriffsgruppe des IX. Korps vom 18. bis 31. Oktober erlitten hatte, mit 6400 Mann (Ital. Gstb. W., II, Text, 551). Da ihr kaum 4300 Gewehre der Division Pustertal gegenübergestanden waren, sind die Verluste der Italiener um ein Drittel größer, als die Kopfzahl des Verteidigers betrug. Die österreichischen Abgänge beziffern sich in der gleichen Zeit auf etwa 1800 Mann.
2) Feurstein, Dolomitenkämpfe (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1925, 513).
3) Tosti, 123.
4) H o e n, Geschichte des IR. 59, 397 ff.
„Große Schneestürme haben uns schließlich gezwungen, in diesen martervollen Stellungen eine Kampfpause eintreten zu lassen. Fünf Monate währenden Angriffen war es nicht beschieden gewesen, die gegnerischen Sperrstellungen in dieser Hochgebirgszone zu durchbrechen und so die große Verbindungsarterie zwischen dem Trentino und dem Herzen der Monarchie abzuschnüren ... Wir mußten uns begnügen, unsere Abwehrstellung im Cadore etwas verbessert zu haben...1).“
(10. November bis 14. Dezember)
Hiezu Beilagen 26a, 26b, 27 und 28 sowie Skizzen 13 bis 16
Entschlüsse der italienischen Heeresleitung
Das bisherige Mißgeschick des italienischen Heeres hatte nicht unerheblich auf die außen- und innenpolitische Lage des Königreiches zurückgewirkt. Die außenpolitischen Schwierigkeiten spiegelten sich seit geraumer Zeit in der Presse der Westmächte ab, in der man immer wieder hämische Bemerkungen über die geringen Leistungen des neuen Verbündeten antreffen konnte. Hatten schon die Russen, während sie von den Armeen der Mittelmächte über Lemberg, Warschau und Brest-Litowsk zurückgetrieben wurden, vergeblich auf eine Entlastung durch die Italiener gehofft, so erlebte nun das kleine Serbien die gleiche Enttäuschung. Schon war seine Armee aus dem Herzen des Landes verdrängt (S. 286), ohne daß ihm der Ansturm der Italiener am Isonzo irgendwelche Erleichterung gebracht hätte.
Neben dem begreiflichen Wunsche der Alliierten, Italien möge den Druck am Isonzo möglichst stark weiterwirken lassen, trat an Cadorna neuerlich der aus Paris und London kommende Wunsch heran, doch endlich dem Beispiele der Westmächte zu folgen und gleichfalls Truppen auf dem Balkan einzusetzen. Dieses Begehren wurde auch durch den Außenminister Sonnino unterstützt, dem es dabei allerdings weniger um eine Unterstützung für Serbien zu tun war als um die Wahrung der Ansprüche, die sein Vaterland auf die Ostküste der Adria erhob. Schon schien es nicht ausgeschlossen zu sein, daß sich wenigstens ein Teil des serbischen Heeres im Falle einer neuerlichen Niederlage nach Albanien zurückziehen werde. Zudem hatten die Franzosen zu verstehen gegeben,
i) Tosti, 124.
daß sie an der albanischen Küste erscheinen würden, wenn Italien fernblieb; Grund genug für die italienische Außenpolitik, der Besetzung Albaniens durch königliche Truppen das Wort zu reden.
Cadorna aber, der bisher seine gesamten Streitkräfte mit Ausnahme der Besatzung Lybiens und der wenigen in Valona stehenden Bataillone1) auf dem Hauptkriegsschauplatz zusammengehalten hatte, hegte gegen ein gesondertes Auftreten in Albanien schwere militärische Bedenken. Wenn schon ein unmittelbares Eingreifen auf dem Balkan unvermeidlich war, so konnte gegebenenfalls, wie er im Gegensatz zu seiner früheren Ablehnung Mitte Oktober in Paris mitgeteilt hatte, ein italienisches Armeekorps von 30.000 Mann nach Saloniki geworfen werden. Freilich hatte er es auch mit dieser Entsendung nicht besonders eilig. Nach wie vor lag ihm ein Erfolg an der Isonzofront über alles am Herzen — ein Erfolg, der auch aus innerpolitischen Gründen außerordentlich dringend war.
Es hatte im Frühjahr keine geringe Mühe gekostet, das im Grunde wenig kriegslustige italienische Volk für die „Intervention“ zu entflammen. Nur die Hoffnung auf einen leichten Sieg, der die Verwirklichung vielberufener, von Staatsmännern und Dichtern gleich feurig verkündeter Ziele bringen mochte, hatte die Nation schließlich in der Zeit vor Pfingsten mitzureißen vermocht. Nun waren aber Wochen, waren Monate, war fast ein halbes Jahr vergangen, ohne daß sich eine dieser Hoffnungen erfüllt hätte. Die ganze Zeit über hatte man in den Presseberichten der Heeresleitung vergeblich die Freudenbotschaft über die Befreiung von Triest, von Trient, ja selbst nur von Görz gesucht. Statt dieser klingenden Namen las man immer wieder die gleichen, unscheinbaren Örtlichkeiten, die kaum auf der Karte zu finden waren, deren stete Wiederkehr aber jedenfalls verriet, daß die Armee, statt rüstig auszuschreiten, fast nur auf der Stelle trat. Dafür gingen jedoch in der Heimat Frauen ohne Zahl in Schwarz gehüllt; es gab kaum mehr eine Familie, die nicht einen Toten zu betrauern gehabt hätte. Zu Krüppeln Geschossene bevölkerten zu Tausenden die Spitäler. An jede jener kleinen Örtlichkeiten
J) In Lybien waren die Italiener um diese Zeit von den Eingeborenen aus dem ganzen besetzten Gebiet unter verlustreichen Kämpfen zur Räumung des Landesinneren gezwungen worden und vermochten sich mit ihren Truppen — insgesamt etwa 27 Bataillonen Infanterie, einem kombinierten Kavallerieregiment und 38 Geschützen — zu Ende des Jahres gerade noch an zwei Punkten der Küste, in Tripolis und Homs, zu behaupten (Cadorna, Altre pagine sulla grande guerra [Mailand 1926], 47 ff.).
In Valona standen 3 Bersaglieribataillone und 2!/o Batterien (Ital. Gstb. W., III, Text, 79 ff.).
auf dem Karst, bei Oslavija, am mittleren und oberen Isonzo knüpfte sich hundertfältiges Leid, das in den Palästen nicht minder wie in den ärmsten Hütten wohnte. Aus dem leichten, triumphreichen Siegeszug ins Herz Innerösterreichs war eine bitter schwere, opferreiche, nervenzermürbende Dauerschlacht geworden. Dem Freudentaumel der Pfingst-tage war ein Allerseelen der Ernüchterung gefolgt.
Da konnte es nicht wundernehmen, wenn Regierung und Generalstab dem Wiederbeginn der Parlamentstagung, der für den 1. Dezember angesetzt war, mit einiger Sorge entgegensahen; man hatte mit schwerer Kritik und heftigen Anklagen — und zwar nicht bloß von seiten der Opposition — zu rechnen und so auch mit einer weiteren Verstimmung der öffentlichen Meinung.
Noch fehlten allerdings bis zur Einberufung des Parlaments drei Wochen. Kabinett und Heeresleitung stimmten darin überein, daß diese Frist, so gut es ging, noch ausgenützt werden müsse. Cadorna nennt in seinem Buche über den Krieg1) die Zeit der Herbstschlachten die schwierigste des ganzen ersten Kriegsjahres. Aber mochten die Eindrücke auch hart gewesen sein — die Lage ließ es zu Anfang November noch nicht zu, für den Rest des Jahres schon die Flinte ins Korn zu werfen. Entscheidend für den Entschluß zur Wiederaufnahme des Kampfes war die Hoffnung auf einen baldigen Zusammenbruch des so viel schwächeren Gegners. Wohl war an die Eroberung von Triest und Trient, an den Stoß ins Herz des Gegners für diese kurze Spanne Zeit nicht mehr zu denken. Aber ein Siegespreis, dem zum mindesten die moralische Wirkung nicht versagt geblieben wäre, winkte doch nach wie vor verhältnismäßig nahe: Görz. Aus dieser Erwägung formte Cadorna seinen Entschluß. Es sollte, ehe der Winter einbrach, der Versuch gewagt werden, diesen Siegespreis zu erringen; und gelang es nicht bis Ende November, dann sollte durch Fortführung des Kampfes über den kritischen 1. Dezember hinaus doch wenigstens der Wille zum Erfolg bewiesen werden. War diese Episode vorüber, dann war es noch immer Zeit, an Entsendungen auf den Balkan zu denken.
Die Verwirklichung dieser Absichten drückten dem Ringen, das am 10. November aufs neue auf dem Karst und am Isonzo entbrannte, den Stempel seiner Eigenart auf. Es war ein Kampf, der dem Angreifer nicht so sehr durch militärische wie durch politische Gegebenheiten aufgezwungen wurde, und dem man in den Reihen des Verteidigers mit Recht den Namen der „Parlamentsschlacht“ gab.
x) Cadorna, La guerra, I, 156 ff.
Angriffsplan ttnd Bereitstellung der italienischen Kräfte Hiezu Beilage 27
Die Erschöpfung aller Angriffstruppen, die Notwendigkeit des Ord-nens der Verbände, der Ersatz der Verluste und das außerordentlich schlechte Wetter hatten zwar Cadorna am 4. November abends veranlaßt, die Einstellung des Angriffes zu befehlen; die Armeen wurden jedoch angewiesen, sich für die ungesäumte Wiederaufnahme der Kämpfe vorzubereiten und jedenfalls den Druck auf die öst.-ung. Front unaufhörlich weiterwirken zu lassen, was dann auch geschah.
Vom 5. bis zum 10. November wurden die am meisten abgekämpften italienischen Truppen — vor allem jene der 3. Armee — durch frische, ausgeruhte Divisionen abgelöst, verstärkt und in teilweise neuer Gruppierung für den Kampf bereitgestellt. Der Italiener pflegte seine hohen Verluste stets sofort aus den hinter der Front bereitgehaltenen Ergänzungen zu ersetzen, wobei die Einreihung im Drange der Not vielfach ohne Rücksicht auf die Bodenständigkeit der Mannschaften erfolgte. Die italienische Artillerie verfügte noch immer über scheinbar unbegrenzte Munitionsmengen, denn trotz der langen Dauer der Schlacht ließ während der Kampfpause das feindliche Artilleriefeuer an den Brennpunkten der Kämpfe nur unbedeutend nach.
Daß zu Anfang November die gesamten Machtmittel ÖsterreichUngarns auch an allen anderen Fronten seiner weiten Kriegsgebiete gebunden waren, war dem italienischen Oberbefehlshaber bekannt. Er schloß daraus, daß es der öst.-ung. Heeresleitung augenblicklich schwerfallen müßte, ja vielleicht überhaupt nicht möglich wäre, die nach den Aussagen von Gefangenen sehr geschwächte 5. Armee rasch durch Verstärkungen zu stützen. Bevor also noch die kurze Kampfunterbrechung sich zugunsten des Verteidigers auszuwirken vermöchte, rief Cadorna den Großteil seiner Streitkräfte abermals zum Kampfe auf, der am 10. November beginnen sollte.
Die geringen Aussichten auf Erfolge in den schon winterlichen Bergen am oberen Isonzo und die schwierigen Angriffsverhältnisse im Raume von Monfalcone veranlaßten die italienische Führung, den eigentlichen Kampfraum auf die Front von Plava bis zum Mt. dei sei Busi einzuschränken. Nördlich und südlich von diesem Abschnitte sollten nur mehr kräfte binden de Unternehmen erfolgen, während die entscheidenden Angriffe diesmal nur gegen den Brückenkopf von Görz und auf dem Nordteil der Hochfläche von Doberdö geplant waren. Die Angriffsziele für die italienischen Armeen am Isonzo waren unverändert geblieben. Als erstes Ziel für die Armee Frugoni galt nach wie vor die Eroberung des Brückenkopfes von Görz, die durch Begleitangriffe aus dem Raum bei Plava unterstützt werden sollte; die italienische 3.Armee hatte vor allem den Mt. S. Michele zu gewinnen.
Auch der Angriffsplan selbst unterschied sich nur wenig von dem für die vorangegangene Schlacht. Entsprechend der Einengung des Kampfraumes hatten die beiden nördlichen Korps der 2. Armee, das verstärkte IV. und das VIII., zusammen rund sieben Divisionen, zunächst nur ein Abziehen gegnerischer Kräfte vom oberen Isonzo zu verhindern, sich aber für die Fortsetzung des Angriffes bereitzuhalten, sobald es besondere Umstände erforderten1). Der wesentliche Unterschied für den Angriff der beiden südlichen Korps der 2. Armee gegenüber ihren früheren Aufgaben bestand darin, daß dem VI. Korps der Angriff gegen den Südteil des Brückenkopfes mit dem Schwerpunkt bei Oslavija aufgetragen war, während dem II. Korps die vielseitige und umständliche Aufgabe zufiel, mit seinem rechten Flügel, der 4. ID., den Angriff des
VI. Korps gegen Oslavija durch einen Vorstoß zwischen dem Piumica-bach und der Straße St. Florian—Höhe -<>■ 188 zu begleiten, die gegnerischen Kräfte am Mt. Sabotino zu binden und mit der Hauptkraft, der 3. und 32. ID., den Angriff aus dem Brückenkopf von Plava gegen den Kuk (A611) fortzusetzen.
Das Hauptgewicht war demnach auf die Gewinnung des Rückens Höhe -<$- 188—Kirche 172 von Oslavija gelegt, wo die inneren Flügel der beiden Korps gemeinsam anzugreifen hatten; der Angriff auf der Podgora sollte erst beginnen, sobald bei Oslavija und auf dem Mt. S. Michele, wo der linke Flügel der 3. Armee vorging, Erfolge erzielt worden wären. Ein ernstes Unternehmen gegen den Nordflügel des Brückenkopfes, den Mt. Sabotino, war diesmal nicht vorgesehen, da angeblich die Zeit drängte und die für die Vorbereitung des Angriffes notwendigen Zerstörungsmittel nicht rechtzeitig verfügbar waren2). Die italienische Führung mochte wohl gehofft haben, daß der gefürchtete Berg wie eine reife Frucht dem Sieger zufallen werde, sobald der geplante Durchbruch auf dem Oslavija-rücken bis an den Isonzo gediehen war.
Die italienische 3. Armee hatte mit ihrer Hauptkraft, dem XI. und dem XIII. Korps, den Angriff zur Gewinnung des nördlichen Teiles der Hochfläche von Doberdö gleichzeitig mit dem der 2. Armee gegen Görz
*) Ital. Gstb. W., II, Dokumente, 418.
2) Ital. Gstb. W., II, Text, 496.
wiederaufzunehmen. Hiezu sollte das XI. Korps mit drei Divisionen gegen den Mt. S. Michele aus nordwestlicher Richtung, das XIII. Korps mit zweieinhalb Divisionen gegen die vorspringenden Karststellungen im Raume Höhe -fr 197—Wegkote 111 von Westen her vorgehen. Der Südflügel der Armee, das VII. Korps, hatte den Hauptangriff durch lebhafte Gefechtstätigkeit in geeigneten Frontabschnitten zu unterstützen1).
In der Verteilung der italienischen Streitkräfte traten während der Kampfpause nur wenig Änderungen ein.
Auf dem Nordflügel der italienischen 2. Armee wurde die Hauptkraft des VIII. Korps aus dem Isonzotale bei Canale nordwärts verschoben; es marschierte vor dem Südflügel des Tolmeiner Brückenkopfes auf. Die 7. ID. wurde vom IV. Korps abgetrennt und dem VIII. unterstellt. Somit stand vom Rombon bis zum Isonzo westlich von Tol-mein in der im wesentlichen unveränderten Kräfteverteilung das IV. Korps mit der Bersaglieridivision samt der Brigade Aosta, mit der 33. ID., der
8. ID., den Alpinigruppen A und B; anschließend das VIII. Korps mit der 7. ID. vor Sv. Maria, mit der 13. ID. vor der Höhe A588 und einem Regiment der 27. ID. auf dem Westufer des Isonzo zwischen Doblar und Anikowa; die Masse dieser Division als Korpsreserve auf demKolowrat-rücken westlich von der Höhe A 588. Die Aufstellung des II. und des
VI. Korps der Italiener war im großen unverändert geblieben.
Bei der Armee des Herzogs von Aosta wurden vom 4. bis zum 7. November das XIV. Korps (die 29. ID. nicht inbegriffen) durch das XI. und das X. Korps (ausgenommen die halbe 20. ID.) vom XIII. Korps abgelöst. Hinter dem XI. Korps stand als Reserve die halbe 9. ID. (Brigade Palermo) bei Versa. Auch beim italienischen VII. Korps war ein Großteil der Truppen abgelöst worden. An Stelle der 14. ID., die nach Aquileja und Pieris verlegt worden war, stand zwischen dem Mt. dei sei Busi und Monfalcone die 23. ID., anschließend bis ans Meer die 16. Division. Eine Brigade der 16. ID. war Reserve bei Villa Vicentina.
Als Verfügungstruppen der italienischen Heeresleitung standen in Erholungsquartieren das X. Korps bei Strassoldo, das XIV. Korps bei Ajello und die von der 1. Armee herangeholte halbe 9. ID. bei Manzano.
Somit waren am oberen Isonzo 7Vs, bei Plava 2, bei Görz 4y2 und um die Karstbastion rund 10 Infanteriedivisionen, mit den Heeresreserven und den korps- und armeeunmittelbaren Truppen (selbständige Ber-saglieri-, Radfahrer- und Grenzfinanzbataillone) zusammen 28 Divisionen zur vierten Isonzoschlacht bereitgestellt.
*) Ital. Gstb. W., II, Text, 504; Dokumente, 429.
Die k.u.k. 5. Armee in Envartung neuer Angriffe Hiezu Beilage 27
Wenn auch die Wucht der feindlichen Anstürme gegen das Ende der dritten Isonzoschlacht merklich nachgelassen hatte, durfte der Verteidiger nach der ganzen Lage doch nur mit einer vorübergehenden Unterbrechung der Schlacht rechnen. Auf die baldige Wiederaufnahme der italienischen Angriffe wiesen die Ablösungen und starken Truppenansammlungen in und hinter der feindlichen Front hin, an der nirgends eine Schwächung der Kräfte festzustellen war. Überdies rollten nach Kundschaftsnachrichten auf allen Bahnen Italiens Züge mit Verstärkungen, Munition und Kriegsgerät an den Isonzo. Der unausgesetzte nächtliche Lärm von Fuhrwerken und Kraftwagen hinter den feindlichen Linien deutete unverkennbar auf die Bereitlegung des für die Fortführung des Großkampfes benötigten gewaltigen Schießbedarfes hin, was auch von den Überläufern bestätigt wurde.
Von der öst.-ung. Heeresleitung waren jedoch irgendwelche Verstärkungen für die bevorstehenden Kämpfe zunächst nicht zu erwarten. Man hielt in Teschen die 5. Armee nach Abschluß der dritten Isonzoschlacht1) trotz der gewaltigen Verluste noch für genügend stark, um nach Heranführung etlicher Bataillone aus Tirol und aus Kärnten die italienische Sturmflut wenigstens eine Woche lang ohne den Zuschub von stärkeren Kräften aufhalten zu können. Die Hauptsorge des Armeeführers Boroevic galt demnach der Bildung neuer Reserven im ganzen Armeebereiche und der Wiederherstellung der gesunkenen Kampfkraft seiner Divisionen. Durch Rückverlegung in Rastlager und Erholungsunterkünfte, wo den Truppen Ruhe und der bis zur Erschöpfung entbehrte Schlaf nebst reichlicher Verpflegung gewährt wurden, hoffte die Führung nach dem Einreihen der Ersätze die volle Schlagfertigkeit der abgekämpften Verbände bis zum Beginn des erwarteten nächsten Angriffes wieder zu erreichen. Durch die Aufteilung der Marschformationen konnten die Regimenter des am meisten hergenommenen VII. Korps auf
!) Die Gesamtverluste in der dritten Isonzoschlacht waren bei den öst.-ung. Streitkräften trotz der längeren Dauer und größeren Erbitterung der Kämpfe verhältnismäßig hinter jenen der zweiten Schlacht zurückgeblieben. Zu erklären war dieser günstige Umstand teilweise durch den Fortschritt in der Ausgestaltung des Kampffeldes, vornehmlich aber durch die zweckmäßigere Gruppierung der Kräfte sowie durch die wohlüberlegte Verwendung der Reserven, wobei man hauptsächlich ein Vermengen der Verbände, soweit es im Großkampfe überhaupt möglich war, verhindert hatte-, dadurch war Ruhe in der Gefechtsführung erzielt worden.
etwas mehr als den halben, die der anderen Korps fast auf den vollen Kriegsstand gebracht werden.
, Auf Antrag des 5. Armeekmdos., einzelne nur in einem loseren Verbände zusammengewürfelte, feldbrauchbare Marsch- und Landsturmbataillone durch Überweisung an gleichsprachige Truppenkörper alteingelebter Verbände besser auszuwerten, wurde vom AOK. inTeschen die Auflösung der 206. LstlBrig. genehmigt (S. 44). Von ihren Truppen gelangten bis Mitte November zwei Bataillone des SchR. 37 in den Verband der 56. IBrig., zwei österreichische Landsturmbataillone wurden zur Auffüllung der Kampf stände der 111. LstlBrig. und die beiden ungarischen Landsturmetappenbataillone zur Bildung des III. Baons. des k.u. LstlR. 29 der 16. LstGbBrig. verwendet. Auch das in allen bisherigen Kämpfen vorzüglich bewährte kombinierte X. Marschbataillon des IR. 17 ging in seinem Regimente auf; das steirische LstlBaon. 154 — die einzige feldverwendungsfähige Truppe der Besatzung von Triest — wurde der
6. ID. für Ergänzungszwecke zugewiesen.
In der Truppenverteilung der 5. Armee traten bis zum Beginn der neuen Kämpfe einige Änderungen ein. Im Abschnitte des XV. Korps war am 7. November das k. k. LstlR. 26 in Podmelec eingetroffen und löste in der Nacht auf den 10. im ruhigen Lomabschnitt zwei Bataillone der
7. GbBrig. ab, die als Divisionsreserve zunächst nach Šlap gelangten. Da zwei der vom 5. Armeekmdo. als Armeereserve in Aussicht genommenen drei Bataillone aus Kärnten nordwestlich von Tolmein in der Front standen und nicht ohne Schwierigkeiten ersetzt werden konnten, stellte das XV. Korps die Bataillone 11/37, 1/98 und das XI. MaBaon. des IR. 28 östlich von Sta. Luzia bereit.
Beim XVI. Korps gelangte eines der von der Armeegruppe Rohr anfangs November eingetroffenen Bataillone (S. 439) zur 18. ID., das zweite blieb hinter dem Südflügel dieser Division Armeereserve. Dafür wurde das IR. 17 bei Görz wieder vereinigt; zwei Bataillone des Regiments waren Reserve für die 58. ID., ein Bataillon stand dem Armeekmdo. zur Verfügung.
Beim VII. Korps hatte die 6. ID., FML. Schönburg-Hartenstein, in der Nacht auf den 6. November den Abschnitt der 20. HID. übernommen. Den Nordhang und den Gipfel des Mt. S. Michele hielt die 12. IBrig., Obst. Rudolf Müller, mit drei Feldjägerbataillonen und dem IR. 7; den Südhang bis zur Nordwestecke von S. Martino verteidigte nach wie vor die nunmehr der 6. ID. unterstellte 16. LstGbBrig., Obst. Fiebich-Ripke (später Obst. Bernatsky). Das bh. IR. 2, zwei Bataillone der 16. LstGbBrig.
und das später aufgelöste LstlBaon. 154 bildeten die Reserve des Divisionsabschnittes zwischen Cotici und dem nördlichen Vallonetal unter dem Befehl des Kommandanten der 11. IBrig., GM. Walter Ritt. v. Schreitter. Die abgelöste 20. HID. sammelte sich bis zum 7. November im Raume um Ranziano. Die 17. ID. hatte die 33. IBrig. rechts, die 111. LstlBrig.1) links in der Front; das IR. 43, das FJB. 24 und das von der Armeereserve zugewiesene LstlBaon. 157 bildeten die Reserven der Division im Raume Devetaki—Marcottini. Die 22. SchD. hatte im Anschluß an die 17. ID. Teile der 110. LstlBrig. und die 43. SchBrig. in erster Linie stehen; dahinter zwischen Doberdö und Micoli vier Bataillone der vorangeführten beiden Brigaden als Reserve. Die Korpsreserven im Raume Lokvica— Segeti—Kostanjevica befehligte das 106. LstlDKmdo., dem das 34. IBrig-Kmdo. mit drei Bataillonen der 17. ID., das 110. LstlBrigKmdo. mit vier Landsturmbataillonen, endlich die vier zur Auflösung gelangenden Bataillone der 206. LstlBrig. unterstanden.
Dem III. Korps wurde zur Regelung der Kommandoverhältnisse an seinem Südflügel das 61. IDKmdo. unterstellt, das am 12. November den Befehl über den Abschnitt der durch das IR. 96 auf neun Bataillone verstärkten 19. LstGbBrig. übernahm. Die beiden Schützenbataillone IV/37 und V/37 der aufgelösten 206. LstlBrig. wurden im Anschluß an die
19. LstGbBrig. auf dem Westflügel der 187. IBrig. in die Front gestellt. Zwei Bataillone der letztgenannten Brigade blieben zur Verfügung des 5. Armeekmdos. in Selo und Brestovica.
Als Armeereserven standen sonach dem Armeekommando bei Beginn der vierten Isonzoschlacht zur Verfügung: drei Bataillone in Versammlung östlich von Sta. Luzia, je ein Bataillon hinter der 18. und der 58. ID., die 20. HID. im Raume um Ranziano, drei Bataillone der 187. IBrig. bei Temnica und zwei Bataillone hinter dem III. Korps, zusammen 22 Bataillone.
In der Kampfpause zwischen der dritten und vierten Isonzoschlacht wurde vom Kommando der Südwestfront alles getan, um das Mißverhältnis zwischen der Zahl der feindlichen und der eigenen Batterien wenigstens um ein Geringes auszugleichen. Es wurde eine Anzahl mittlerer Batterien von der Armeegruppe Rohr für die 5. Armee herangezogen und die Umrüstung der Batterien mit den neuen Geschütztypen beschleunigt; aus Pola wurden vier dort entbehrliche 15 cm-Kanonen-
!) Die 111. LstlBrig. wurde in der Folge durch das IR. 43 abgelöst und gelangte in das Erholungslager bei Segeti. Sie hatte seit Beginn der Herbstkämpfe 43 Offiziere und 2200 Mann verloren.
und Mörserbatterien samt Bedienung zur 5. Armee gebracht. Der Ruf nach weittragenden Rohren wurde immer wieder laut, seit die Italiener schwerste Fernkampfgeschütze in den Lagunen der Sdobbamündung aufgestellt und von dort, unerreichbar der Artillerie des Verteidigers, die ganze Karsthochfläche bestrichen hatten.
Die Ereignisse während der Kampfpause vom 5. bis zum 9. November
Die wuchtigen Angriffe der italienischen Massen in der dritten Isonzoschlacht hatten die öst.-ung. Streitkräfte an der ganzen Südwestfront so gebunden, daß die Führung sich nur mit Mühe durch Aussparung von Truppen in weniger gefährdeten Abschnitten die bescheidensten Reserven zu schaffen vermochte. Die zu Ende der dritten Isonzoschlacht und während der Kampfpause bei Görz und auf dem Karst aus der Kampffront gezogenen Truppen des XVI. und des VII. Korps waren aber zum Teile gar nicht oder höchstens minder kampffähig; zur Wiedererlangung ihrer Schlagfertigkeit durch Erholung und Einreihen der Ersätze war wenigstens eine kurze Ruhepause notwendig.
In der durchaus richtigen Erkenntnis, daß dem erschöpften und viel schwächeren Verteidiger keine Zeit zur Kräftigung und Neuordnung seiner Verbände gegeben werden dürfe, war mit dem schon erwähnten Befehl des italienischen Oberkommandos zur Einstellung der Großangriffe die Weisung an die Armeeführer ergangen, die öst.-ung. Front auch weiter unter schwerstem Drucke zu halten. Dieser Anordnung entsprachen die Kampfhandlungen in den ersten Tagen der Pause zwischen den beiden Schlachten. Vornehmlich auf der Karsthochfläche kamen die Truppen nicht zur Ruhe. Die ganze Front stand auch am 5. November unter dauerndem Feuer aller Kaliber und wurde zwischen S. Martino und dem Mt.dei sei Busi ausgiebig mit Minenwerfernund Spreng-röhren bearbeitet. Am Nachmittag gelang es einer italienischen Kampfgruppe, in überraschendem Vorstoß in die Mitte der 17. ID. beim IR. 61 einzudringen. Die vom Kommandanten der 34. IBrig., Obst. Boleslav Wolf, sofort eingeleiteten Gegenangriffe führten zwar zur Rückeroberung der meisten vom Feinde besetzten Gräben; da aber fortgesetzt neue italienische Kräfte in den Kampf eingriffen, kam es auch noch am 6. und in der folgenden Nacht zu äußerst hartnäckigen Kämpfen, in denen die bis zum 7. November früh nach und nach eingesetzten Truppen der 17. ID. (Teile der Infanterieregimenter 43, 46 und 61) und das LstlBaon. 42 der Armeereserve den eingedrungenen Feind überall zurückzuwerfen
vermochten; nur zwei Grabenstücke beiderseits vom Karrenwege Ruine 143—S. Martino verblieben den Italienern. Das IR. 61 trug die Hauptlast in diesen dreitägigen, sehr erbitterten Kämpfen, wobei es die Hälfte seines Gefechtsstandes verlor.
Im übrigen wurden auch in den folgenden drei Tagen die von unseren Truppen aufgenommenen Wiederherstellungsarbeiten durch Infanterievorstöße, Feuerüberfälle sowie durch Minenfeuer dauernd behindert.
Auf der Podgora entrissen am 6. November Sturmtrupps der 58. ID. dem Italiener ein Grabenstück, und vom Karst beschossen vorgeschobene Kanonen erfolgreich die gerade in diesen Tagen stark benützten Isonzo-brücken zwischen Sagrado und Pieris.
Am 9. November nachmittags leiteten örtliche Vorstöße des Feindes bei Plava und auf der Podgora sowie ein mächtiges Bombardement des nördlichen Karstabschnittes die vierte Isonzoschlacht ein.
Die Stellungen bei Plava wurden um 2h nachm. plötzlich mit allen Geschützkalibern kräftigst beschossen; schon um, 3 hnachm. rückten mehrere Bataillone gegen Zagora und die Höhe -c^-383 vor, mußten aber bald im Abwehrfeuer zurückweichen. Nachdem in die zu neuerlichem Vorgehen bereitgestellten italienischen Truppen einige gut sitzende Batterielagen eingeschlagen hatten, wurden für diesen Tag weitere Angriffe unterlassen.
Ungefähr zur selben Zeit unternahmen auf dem südlichen Teile der Podgora Teile der italienischen 12. ID., etwa vier bis fünf Bataillone, ohne besondere Artillerievorbereitung aus den nahe herangearbeiteten Sappen Überfälle auf die Gräben der 5. GbBrigade. Unter dem Einsatz von Reserven wiederholte der Feind bis zum Abend viermal diese Vorstöße, die im zusammengefaßten Abwehrfeuer aller Kampfmittel sehr verlustreich scheiterten. Um eine Wiederholung solcher Überraschungen dauernd zu verhindern, plante der Kommandant des Görzer Brückenkopfes, GM. Zeidler, die Zerstörung der feindlichen Sturmstellungen auf der Podgora und wies die 5. GbBrig. zur Vorbereitung eines Stoßtruppunternehmens mit diesem Ziele an.
Auch gegen die Kampfanlagen und die Reserven auf dem Monte S. Michele, im Raume östlich von der Ruinenhöhe und beiderseits des Mt. dei sei Busi steigerte sich das in den letzten Tagen erträglich gewesene Feuer der italienischen Artillerie und Minenwerfer zu außerordentlicher Stärke; gleichzeitig griffen mehrere Fliegerstaffel die Reserven, Rastlager, Befehlsstellen und Bahnanlagen (Nabresina, Prvačina) mit Bomben an. Es sollte dies die unmittelbare Einleitung zur vierten Isonzoschlacht sein.
Der allgemeine Angriff im ersten Abschnitt der Schlacht (10. bis 15. November)
Der Hauptangriff der italienischen 2. Armee auf Görz (10. bis 13. November)
Am 10. November um die Mittagsstunde begann die Schlacht nach einer nur vierstündigen Artillerievorbereitung von bisher nie gekannter Wucht mit kraftvollen Angriffen bei Plava und allgemeinen, einheitlich angelegten Massenstürmen an der rund 20 km langen Front vom Monte Sabotino bis zur Höhe A 118 gegen den Brückenkopf von Görz und auf dem Nordteil der Karsthochfläche.
Die Angriffe des verstärkten Südflügels der italienischen 2. Armee auf dem Mt. Sabotino und auf der Podgora hatten während der dritten Isonzoschlacht trotz schwerster Opfer (S. 448) gar keinen nennenswerten Erfolg gezeitigt. Eine gewisse Scheu hielt den Feind davon ab, für den neu aufgenommenen Kampf gerade die von seinen Truppen als „uneinnehmbar“ gefürchteten Eckpfeiler des Brückenkopfes abermals zum Ziele zu wählen, die als erste zu gewinnen seien. Der Hauptangriff der vor Görz bereitgestellten italienischen Kräfte sollte daher vor allem gegen die 4. GbBrig. und die 60. IBrig. bei Oslavija angesetzt werden.
Die Erfahrungen, die der Feind aus den früheren Kämpfen gewonnen hatte, äußerten sich zunächst in der geänderten Art seiner Artillerievorbereitung. Er hatte erkannt, daß von der zeitlichen und räumlichen Zusammenfassung des den Infanterieangriff vorbereitenden Feuers auf engem Raume eine unverhältnismäßig mächtigere Wirkung zu erwarten sei als von einer tagelangen Beschießung breiter und tiefer Teile des gegnerischen Kampfraumes. Die artilleristische Einleitung der einzelnen Kampfhandlungen war nunmehr zeitlich kürzer, nach Breite und Tiefe dichter zusammengefaßt und wesentlich lebhafter. Nun hatte auch am Isonzo „die Geburtsstunde des für den modernen Kampf typischen ,Trommelfeuers' geschlagen. Und ebenso entwickelte sich das Artilleriefeuer des Verteidigers endlich erst zum richtigen ,Sperrfeuer4. Im Wege der Erfahrung hatte sich die Art des Artilleriekampfes zu einem festen System ausgestaltet. Dementsprechend hatte sich auch das Zusammenwirken von Infanterie und Artillerie zur einheitlichen Kraftentfaltung erst richtig eingelebt1)“.
!) Pitreich, Sperrfeuer, 259.
Gewitterregen und Stürme hatten in den Frühstunden den Schlachtbeginn verzögert. Erst vormittags, als das Wetter etwas sichtiger geworden war, begann die italienische Artillerie die ganze Front des Brückenkopfes mit zunehmender Heftigkeit unter Feuer zu nehmen.
Nach nur dreistündiger Dauer ging das auf dem ganzen Brückenkopf liegende Zerstörungsfeuer gegen Mittag in ein einstündiges Trommelfeuer aller Geschütze und Minenwerfer über, worauf auf dem Monte Sabotino, beiderseits der Straße gegen den Kirchenrücken von Oslavija sowie gegen die Stellungen des Abschnittes Podgora Süd, beiderseits der Höhe 184, starke Angriffsgruppen vorstürmten. Die gegen den Nordflügel tapfer vorgehenden Bataillone der italienischen 4. ID. gelangten im ersten Anlauf bis vor die Hindernisse und vermochten hier sogar ein Geschütz auf etwa 50 m Entfernung von unserem Graben in Stellung zu bringen. Jetzt schlugen aber das Fernfeuer der vom Hochland nördlich des Mt. Santo herüberwirkenden Batterien des XVI. Korps und das Abwehrfeuer der 60. IBrig. in die Front und die Flanke des Angreifers und brachten Verwirrung in seine Reihen. Bald flutete die Masse in die deckenden Ausgangsräume zurück. Nicht glücklicher endete das Vorgehen der italienischen Grenadiere im Piumicatal; ihr Vorstoß gegen
S. Mauro und die damit geplante Umfassung der Höhe <i>-188 von Norden her brachen im Artillerie- und Maschinengewehrfeuer des Verteidigers zusammen. Dieser Mißerfolg sicherte dem Mt. Sabotino bei den Italienern von neuem den Ruf der Uneinnehmbarkeit, und ihre Führung stellte hier alle weiteren Angriffe ein1).
Indessen war auch das Vorgehen der Italiener gegen die k.u.k.
4. GbBrig. zur Entwicklung gekommen. Im Anschluß an den rechten Flügel der italienischen 4. ID. griff längs der Straße St. Florian—Pevma die 11. ID. mit drei Brigaden den Abschnitt Höhe 188—Grafenberg an. Aber schon in der Vorrückung erlitten die Truppen durch Artillerie-und Maschinengewehrkreuzfeuer starke Verluste und vermochten sich schließlich nur vor den Hindernissen festzusetzen.
Am zähesten gestaltete sich der Kampf wieder auf Podgora Süd, wo Gewitter und Sturm die Truppen der italienischen 12. ID. nicht abhielten, wiederholte Angriffe durchzuführen. Der Kampf tobte hier im Dunkeln bis gegen Mitternacht fort, zu welcher Zeit der in einem Grabenstück westlich der Höhe 184 eingebrochene Feind in kurzem Gegenstoß durch Reserven der 5. GbBrig. vertrieben wurde.
Am 11. November setzten die Divisionen des Südflügels der ita-i) Ital. Gstb. W., II, Text, 496.
lienischen 2. Armee den Angriff auf der neuen, verschmälerten Front Piumicabach—Podgora fort. Wieder erdröhnten vom Morgen bis zum Mittag die Geschütze; dann begann ein Angriffsunternehmen mehrerer Regimenter gegen Podgora Süd. In dem trefflich wirkenden Sperrfeuer und besonders im flankierenden Maschinengewehrfeuer scheiterten wiederholte Stürme unter schweren Verlusten. Abermals nistete sich der Feind schließlich westlich der Höhe -<J>-184 in einem Grabenstück ein, das dann im Laufe der nächsten Tage noch öfter seinen Besitzer wechseln sollte. Bei Oslavija wurde ein Ansturm mehrerer Bataillone abgewiesen; Ansammlungen zu neuen Angriffen konnten durch Artilleriefeuer zersprengt werden, worauf Ruhe eintrat. Da die Fliegeraufklärung starke Truppenlager im Raume westlich von Görz festgestellt hatte, war mit der Fortführung des Kampfes zu rechnen.
Die ersten zwei Schlachttage hatten dem Angreifer, abgesehen von der vorübergehenden Festsetzung in einem Gräbenstück auf der Podgora, gar keinen Erfolg, aber schwerste Verluste gebracht1).
Am 12. November vereinigte die um den Brückenkopf aufgestellte italienische Artillerie ihr gewaltiges Feuer gegen die Höhen von Oslavija und Pevma und gegen die ganze Podgora. Die schon am Vormittag einsetzenden Angriffe brachten dem Feinde außer dem schon erwähnten Grabenstück westlich von der Höhe -fr 184 keinen Gewinn. Mittags steigerte sich die Artillerietätigkeit zum Trommelfeuer, das einen Massenangriff von mehreren italienischen Brigaden gegen die Front Oslavija— Lucinico einleitete. Wie in den früheren Kampftagen waren die feindlichen Hauptanstrengungen gegen Oslavija und die Höhe -fr 184 gerichtet, während der Feind auf den Höhen westlich von Pevma, wahrscheinlich wegen des bekannt treffsicheren Kreuzfeuers unserer Batterien, zurückblieb. Nach wiederholten Stürmen und dem Einsatz starker Reserven drangen italienische Sturmtruppen nächst der Kirche von Oslavija in unsere Linien ein. An allen übrigen Stellen schlug der Verteidiger die italienischen Massen zurück.
Die Erschöpfung nach den wütenden Sturmangriffen nötigte am folgenden Tage die italienische Infanterie, ihre Kampftätigkeit zu verringern; um so heftiger wurden unsere Kampfanlagen in den Brennpunkten der bisherigen Kämpfe durch zahlreiche Steilfeuerbatterien und schwere Minenwerfer weiterbearbeitet. Auch die Stadt Görz war vorübergehend das Ziel schwerer Kaliber. Unauffällig und sorgfältig bereiteten das
J) Nach T o s t i, 108, meldete die Grenadierbrigade am 11. November, daß von 6000 Mann, die sie zu Beginn der Schlacht gezählt hatte, nur mehr 3200 verblieben seien.
58. IDKmdo., GM. Zeidler, und die 4. GbBrig., Obst; Dáni, die Rückeroberung des verlorengegangenen Stellungsteiles auf dem Kirchenrücken von Oslavija vor. Nach kurzer Feuervorbereitung fielen einige Kompagnien des Dalmatiner SchR. 37 und das ungarische Bataillon 111/69 unter Führung des Obst. Brückner im unaufhaltsamen Schwung über den Feind in der Einbruchsstelle her und brachten die Gräben der ersten Linie wieder in unseren Besitz. 10 Offiziere und über 500 Mann an Gefangenen blieben in der Hand der tapferen Truppen. Die zwei italienischen Brigaden, die sich hier vor der Höhe -<>- 188—Oslavija und westlich von Pevma in den letzten Tagen knapp an unsere Stellungen herangearbeitet hatten, mußten sich in ihre Ausgangsstellungen vom 10. November zurückziehen1).
Die ungünstigen Erfahrungen mit der Hangstellung auf dem westlichen Abfalle der Höhe -<>- 184 im Südteile der Podgora veranlaßten das XVI. Korpskmdo., den Hauptwiderstand daselbst um etwa 200 m nach Osten auf den Kamm zu verlegen, wo eine bereits vollkommen ausgebaute Kampfstellung vorbereitet war. Ihre Behauptung erwies sich in der Folge als bedeutend leichter und weniger verlustreich als die der Hangstellung, die von Reserven zu spät oder gar nicht erreicht werden konnte und dauernden Angriffen des mehrfach überlegenen Feindes aus den nahen Sappen ausgesetzt war, was schon früher und auch in den letzten Kämpfen neuerlich nutzlos bedeutende Opfer gefordert hatte.
Nach gründlicher, planmäßiger Zerstörung aller bisherigen Kampfanlagen wurde die Besatzung dieses Grabenstückes in den Nächten auf den 14. und den 15. ohne Störung durch die Italiener in die Kammstellung zurückgenommen. Zur besseren Beherrschung des Vorfeldes der Podgora erhielt das XVI. Korps eine Verstärkung an schweren Haubitzen.
Der Mißerfolg vom 13. November führte im italienischen Lager zu Auseinandersetzungen zwischen dem Kommandanten des bei Görz angreifenden VI. Korps, GLt. Capello, und seinem Vorgesetzten Armeeführer, GLt. Frugoni, der die ununterbrochene Fortsetzung des Angriffes auch für den 14. November befohlen hatte. Der Bericht, den Capello über die bisherigen Kämpfe an die Heeresleitung erstattete, gab ein erschütterndes Bild vom Zustande der Truppen, worauf Cadorna entschied, daß die Kampfhandlungen vor dem Brückenkopf von Görz sofort zu unterbrechen seien1).
Damit endete in diesem Raume der erste Abschnitt der vierten Isonzoschlacht. Die abgelaufenen Kämpfe waren durch die Ungunst des
!) Ital. Gstb. W., II, Text, 503.
Wetters stark beeinflußt worden. Die fast ununterbrochenen Niederschläge hatten das von vielen tausend schweren Geschossen und Minen zerwühlte Trichterfeld im Kampfgelände vor dem Görzer Brückenkopf in einen zähen, stellenweise knietiefen Morast verwandelt, der jede Bewegung hemmte. Die Wucht der mit etwa dreifacher Übermacht geführten italienischen Angriffe — den Görzer Brückenkopf hatten bisher neun Brigaden bestürmt — war dadurch zum Vorteil des Verteidigers herabgesetzt worden. Die Kämpfer, Verteidiger ebenso wie Angreifer, litten unsäglich unter der andauernden Nässe und Kälte, und die Erkrankungen mehrten sich in erschreckendem Umfange.
Die Nebenangriffe des italienischen II. Korps bei Plava (10. bis 12. November)
Bei Plava hatten gleichzeitig mit dem Hauptansturm auf Görz unterstützende Begleitangriffe des italienischen II. Korps im Abschnitte der k.u.k. 1. GbBrig. begonnen. Ihr Ziel war das gleiche wie bisher. Als Einzelunternehmen waren sie von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Gegen die drei Bataillonsabschnitte der 1. GbBrig. zwischen Descla und Zagora war abermals von der Hauptkraft des italienischen II. Korps die halbe 32. ID. für den Angriff zwischen Globna und der Höhe-<J> 383, südlich anschließend bis Zagora der Rest der 32. und die 3. ID. bereitgestellt worden.
Am 10. November zu Mittag schritt der Feind nach mehrstündiger Beschießung der Verteidigungsanlagen zum Sturm. Vor Globna, bei der Höhe -<J> 383 und bei Paljevo kam die Vorbewegung der 32. ID. und des linken Flügels der 3. ID. im gut vorbereiteten Abwehrfeuer bald ins Stocken. Dagegen vermochte eine starke Gefechtsgruppe der 3. ID. nach siebenmal wiederholten Nahangriffen gegen Abend in einem Teil des Abschnittes von Zagora Fuß zu fassen, mußte den kleinen Erfolg aber wieder preisgeben, als am 11. November in den Morgenstunden der Gegenangriff durch die Bataillone IV/4, IV/22 und ein kombiniertes Marschbataillon nicht nur den verlorenen Teil der Stellung, sondern auch einige anschließende Gräben der Italiener zurückgewann. Mit rühmenswerter Beharrlichkeit führte Gen. Garioni, der Kommandant des II. Korps, am 11. November früh frische Truppen über das ausgedehnte Leichenfeld zum Angriff gegen Zagora heran. Bataillone von vier oder fünf verschiedenen Regimentern stürmten in dem schmalen Raum bis Mittag wiederholt gegen unsere schwachen Linien und wurden jedesmal durch das vorzüglich wirkende Feuer der Maschinengewehre und Geschütze förmlich niedergemäht oder stellenweise im erbitterten Nahkampf durch Handgranate und Gewehrkolben zurückgejagt1). Endlich zog sich der zähe Angreifer in seine Gräben zurück; dafür überschüttete die feindliche Artillerie tagsüber alle Kampf- und Reservestellungen mit Feuer.
Vorstöße der Italiener gegen die Höhe -<>- 383 und den Ort Paljevo wurden durch die Batterien der 18. ID. verhindert. Es kam zum stehenden Feuerkampf, der bis zum 12. November mittags andauerte. Auch die am 12. nachmittags nach stärkster Beschießung wiederaufgenommenen Nahangriffe wurden unter schweren Verlusten zurückgeschlagen, worauf der Feind abends den Kampf völlig aufgab und Ruhe eintrat, die bis zum 18. November währte. Die 18. ID. löste ihre abgekämpften Bataillone aus der Front und vermochte noch vier Bataillone in Reserve zu stellen.
Die Abwehr der italienischen Angriffe an der Karstfront am 10. und 11. November
Der überaus heftigen Beschießung der Stellungen auf der Hochfläche von Doberdö am Nachmittage des 9. November folgten am 10. und 11. mächtige Angriffe der Armee des Herzogs von Aosta gegen die ganze Front des k.u.k. VII. Korps und auch gegen verschiedene Abschnitte des III. Korps.
An diesen beiden Großkampftagen kam es noch zu einheitlich geleiteten, allgemeinen Angriffen der feindlichen Hauptkraft gegen den größten Teil der Karstfront, während sich in den nächsten Tagen dieser Kampfphase die stark ausgebluteten Italiener nur mehr zu Teilvorstößen aufzuraffen vermochten.
Das Unternehmen wurde am 10. November vormittags durch ein dreistündiges Bombardement hauptsächlich schwerer Kaliber eingeleitet, das bedeutende Verluste und Schäden an Hindernissen und Deckungen verursachte. Schon um llhvorm. brachen, nachdem das Feuer von den vorderen Kampfgräben auf die Räume der Reserven verlegt worden war, mehrere starke Angriffsgruppen des XI. und des XIII. Korps der Italiener gegen die ganze Front des k.u.k. VII. Korps vor. Die vom abgelösten italienischen XIV. Korps zurückgelassene 29. und die frisch in die Front gestellte 22. ID. wurden in dem über Mittag andauernden heißen und mit
x) Gegen die drei- bis vierfache Übermacht fochten hier die Bataillone IV/4, IV/22, III/bh. 2 und ein kombiniertes Marschbataillon der 18. ID.
größter Erbitterung geführten Ringen von den bewährten Truppen der alpenländischen 6. ID. und der ung. 16. LstGbBrig. auf dem Mt. S. Michele und bei S. Martino zurückgeschlagen. Die Artillerie unterstützte die Abwehr in hervorragender Weise und zersprengte wiederholt zu neuen Angriffen bereitgestellte und über Sdraussina anmarschierende Reserven.
Die k.u.k. 17. ID. wehrte zwischen S. Martino und der Wegkote 111 in den Mittagsstunden alle Angriffe der 21. und der 25. ID. ab; nachmittags wiederholte der Feind mit zusammengefaßter Kraft seine Vorstöße und vermochte an zwei Stellen einzubrechen; doch warf sich ihm das tapfere, vom Obst. Joseph Ritt. v. Hiltl geführte ungarische IR. 39 entgegen und vertrieb den Feind. Ein Grabenstück westlich der Kote 111 wurde bis zum 11. früh vom FJB. 24 wiedergewonnen.
Gegen die 43. SchBrig. auf dem Südflügel des VII. Korps griffen die
31. und die halbe 20. ID. an. Die auf dem Mt. dei sei Busi und nördlich davon wiederholt vorbrechenden Sturmwellen wurden durch das zielsichere Abwehrfeuer der steirischen Schützen noch vor den Hindernisresten zum Stehen gebracht, wobei einige flankierende Batterien des FKR. 8 und der I. Division des FHR. 3 aus dem Nachbarbereiche des k.u.k. III. Korps besonders wirksam eingriffen. Die im Abschnitte dieses Korps auf den Hügeln von Monfalcone bei der Kuppe A 121 angreifenden Bataillone der italienischen 16. ID. wurden durch Artilleriefeuer binnen kurzem zersprengt. Um 5h nachm. setzte ein heftiges Gewitter den Kämpfen ein Ende und hüllte die Walstatt in völlige Finsternis.
Der letzte Gesamtangriff der italienischen 3. Armee am 11.November war nach seiner Anlage eine ziemlich schematische Wiederholung des am Vortage unternommenen. Wieder erschütterte drei Stunden lang das Trommelfeuer aus vielen hundert italienischen Geschützen von 8h bis llhvorm. die zerfurchte Karstplatte von Doberdö, worauf mittags auf der ganzen Linie der Infanterieangriff einsetzte. Die Einzelheiten dieses letzten Großkampftages lassen sich nicht genau überblicken. In ihrer Gesamtheit erklomm die Schlacht mit diesen Angriffen, die wuchtig und zähe bis zum Abend fortgeführt wurden, wieder einen ihrer Gipfel.
Auf dem Mt. S. Michele vermochten die Truppen des FML. Schönburg-Hartenstein dank der treffsicheren Unterstützung durch ihre Artillerie, deren Feuer die feindlichen Reserven in den Sammelräumen zersprengte, die anstürmenden Regimenter abzuweisen. Bei Peteano warfen Jäger und Bosniaken den an einer Stelle eingedrungenen Italiener hinaus.
Im Abschnitte der 17. ID., bei der die 111. LstlBrig., Obst. Göttlicher, in der Nacht auf den 11. November im linken Flügelabschnitt an
Stelle des IR. 43 wieder in der Front eingesetzt worden war, richteten sich tagsüber andauernde starke Angriffe gegen die Infanterieregimenter 39 und 46, die einen schweren Stand hatten; schließlich aber gelang es bis zum Abend, den weit überlegenen Feind überall zurückzuschlagen.
Beiderseits der Kote 111 kam es nach dem harten nächtlichen Ringen nur zum Feuerkampf, Dafür setzte die italienische 31. ID. zum entscheidenden Angriff im Abschnitte des Mt. dei sei Busi an; bis zum Abend wiesen die Marburger Schützen in heldenhaftem Kampfe fünf heftige Massenstürme ab.
Der Südflügel der 5. Armee, das III. Korps, erfreute sich nach den am Vortage im Keime erstickten Angriffsversuchen am 11. und in den folgenden Tagen ziemlicher Ruhe. Es kam meist nur zu Kämpfen zwischen den schweren Batterien, indes die Feldbatterien des III. Korps in das Ringen des VII. Korps wiederholt erfolgreich eingreifen konnten. An manchen Tagen wuchs die feindliche Beschießung einzelner Frontteile, so besonders auf den Hügeln östlich von Monfalcone, zu großer Heftigkeit an, doch kam es erst am 22. November wieder zu den schon erwarteten Infanterieangriffen.
Die am 11. November mächtig entbrannte Schlacht auf der Karsthochfläche und im Görzischen veranlaßte das 5. Armeekmdo. zur engeren Versammlung der hinter der ganzen Armeefront verteilten Armeereserven. Hiezu hatten die beiTolmein stehenden drei BatailloneL) am
12. und 13. November zunächst nach Chiapovano zu marschieren. Das IR. 17 sollte ehestens wieder zur 6. ID. gelangen. Die Aufstellung der übrigen Armeereserven blieb unverändert. Ihr Zustand war befriedigend, ihr Kampfstand entsprechend; nur die 20. HID. kam über die Hälfte der vorgeschriebenen Stärke nicht hinaus.
Das VII. Korpskmdo. verfügte am 12. November über das in zwei Bataillone zusammengeschlossene IR. 61 sowie über die gleich starken k. k. Landsturminfanterieregimenter 31 und 32, ferner über ein voll brauchbares Bataillon des k. u. LstlR. 29 und das zur Not verwendungsfähige IR. 43.
Zur Vergeltung der wiederholten feindlichen Fliegerangriffe auf Orte hinter unserer Kampffront wurden an der ganzen Südwestfront einheitlich geleitete Fliegerangriffe gegen geeignete Ziele — Standorte höherer italienischer Führer, wichtige militärische und wirtschaftliche Anlagen — angeordnet, die in den folgenden Tagen tatsächlich erfolgreich durchgeführt wurden.
i) 11/37, 1/98, XI. MaBaon. IR. 28.
Die italienischen Durchbruchsversuche zur doppelten Umfassung
des Mt. S. Michele (12. bis 15. November)
Hiezu Skizze 13
Nachdem die zweitägigen Angriffe der italienischen 3. Armee gegen die Front des k.u.k. VII. Korps ergebnislos geendet hatten, versuchte der Feind, das angestrebte Kampfziel, den Mt. S. Michele, durch starke, zur Umfassung von Norden führende Angriffe aus dem Raum von Peteano bei gleichzeitigem Versuch eines Durchbruches in der Mitte des k.u.k. VII.Korps (südwestlich von S.Martino) zu erreichen. Die Schlacht zerfiel damit am 12. November in eine Reihe mächtiger Einzelkämpfe, die außerordentlich zähe und mit dem Einsatz starker Kräfte fortgeführt wurden.
Am 12. November mittags wurde ein Vorstoß mehrerer italienischer Regimenter gegen den Nordhang und den Gipfel des Mt. S. Michele durch die 12. IBrig. unter hervorragender Mitwirkung der Artillerie leicht abgewiesen. Ein kurz darauf wiederholter zweiter Ansturm, der südlich von Peteano zu vorübergehendem Einbruch führte, scheiterte schließlich gleichfalls, wobei die innerösterreichischen Jägerbataillone 7 und 9 im Gegenstoß die Lage wiederherstellten. Ein dritter, mit tiefgegliederten starken Reserven vorgetragener Angriff brach im zusammengefaßten Artillerie- und Maschinengewehrfeuer des Verteidigers zusammen. Mit Eintritt der Dunkelheit flaute der Kampf ab.
Während es zwischen dem Mt. S. Michele und S. Martino lediglich zu stehenden Feuerkämpfen kam, hatte in den ersten Nachmittagsstunden der rechte Flügel der 17. ID. leichtere Vorstöße abzuwehren. Hingegen gingen zwei bis drei Regimenter gegen die 111. LstlBrig. beiderseits der Kote 111 vor; sie wurden, obwohl auch hier starke Reserven den Angriff vortrugen, bis zum Abend blutig zurückgeschlagen1). Die Front der 22. SchD. wurde nicht angegriffen. Das IR. 46, das mit Teilen seit Beginn der dritten Schlacht in der Abwehrlinie stand, wurde durch das IR. 61 abgelöst.
Da sich die Kämpfe beim k.u.k. VII. Korps immer hartnäckiger gestalteten, ordnete das 5. Armeekmdo. die Bereitstellung des IR. 17 bei St. Peter an. An Stelle dieses Regiments wurde dem XVI. Korps für den Abschnitt Görz das Baon. 111/57 der Armeereserve von Ravnica zugeführt.
x) Vor einem Kompagnieabschnitt der 17. ID. nächst dem Karrenweg S. Martino —Ruine 143 lagen gezählte 500 tote und schwerverwundete Angreifer.
Die drei zur Verfügung des Armeekommandos östlich von Sta. Luzia stehenden Bataillone gelangten am 12. November nach Chiapovano, am
13. und 14. nach Vogersko.
Am 13. November steigerten sich die Kämpfe zu größter Heftigkeit und erreichten am 14. ihren Höhepunkt, um dann abflauend in eine zweitägige Kampfpause überzugehen. Die angegriffenen Frontteile waren die gleichen wie am Vortage. Nachdem die italienische Artillerie neuerlich durch drei Stunden auf den ganzen Abschnitt des k.u.k. VII.Korps gewirkt hatte, griffen zusammengefaßte, weit überlegene Kräfte in den Abschnitten zwischen dem Isonzo und dem Gipfel des Mt. S. Michele sowie in dem Raume südöstlich der Höhe -<J>-197 bis zur Kote 111, diese inbegriffen, an. Auf dem Nordhange des Mt. S. Michele drückte der Feind ein etwa 600 Schritte breites Stück der vordersten Verteidigungslinie ein. Der zwar ungesäumt, aber mit zu schwacher Kraft angesetzte Gegenstoß eines Halbbataillons des bh. IR. 2 vermochte nicht durchzudringen, weshalb der planmäßige Gegenangriff zur Wiedergewinnung der Stellung auf die Nacht verschoben wurde, in der die Bereitstellung und das Unternehmen selbst dem mörderischen Kreuzfeuer der feindlichen Artillerie auf dem von Feindesseite durchwegs eingesehenen Hang des Mt. S. Michele entzogen werden mochte.
Im südlichen Angriffsraum mißlang in der Früh ein vereinzelter feindlicher Vorstoß mehrerer Bataillone gegen den rechten Flügel der k.u.k. 17. Division. Erst nach mehrstündigem, starkem Artilleriefeuer auf unsere Stellungen kam es am Nachmittag zu einem Massenangriff durch drei bis vier Brigaden der 21. und der 25. ID., die aber gegenüber den tapferen Truppen der k.u.k. 33. IBrig. und der k. k. 111. LstlBrig. im Nahkampfe überall den kürzeren zogen.
Um 9h abends krönten die stark gelichteten Jägerbataillone 7 und 9 den Erfolg des Tages durch einen nächtlichen Gegenangriff, in dem sie die ganze vorderste Stellung nördlich des Michelegipfels zurückeroberten und hiebei Gefangene von mehreren Regimentern der italienischen 29. ID. einbrachten.
Die Verluste dieses Tages —140 Tote und 400 Verwundete — waren beim VII.Korps nicht übermäßig hoch; hingegen ging aus der Beobachtung, besonders aber aus den abgehorchten feindlichen Ferngesprächen hervor, daß die Einbuße des Angreifers schwer gewesen war1).
!) Nach einem solchen abgehorchten feindlichen Fernspruch soll ein Bataillon von den acht bis zehn an den Kämpfen dieses Tages auf dem Karst beteiligten italienischen Regimentern 8 Offiziere und 476 Mann verloren haben.
An den anderen Teilen der Karstfront konnte der Verteidiger ablenkende Scheinangriffe, die mitunter von stärkstem Artilleriefeuer begleitet waren, ohne Mühe ab wehren.
Während am 14. November die Angriffe gegen alle übrigen Abschnitte der 5. Armee eingestellt wurden, tobte der Kampf auf dem Karst noch fort. In der Früh vermochte der Italiener im Abschnitte der 17. ID. überraschend in Bataillonsbreite beim LstlR. 25 einzubrechen. Ein weiteres Vordringen und Ausbreiten konnte dank der ausschlaggebenden Unterstützung durch die Artillerie verhindert werden. Der Gegenangriff war auch hier für den Abend in Aussicht genommen.
Am 14. gegen Mittag setzte ein neuerliches heftiges Trommelfeuer gegen die beiden vom italienischen Armeeführer gewählten Angriffsräume ein, dem mächtige Infanteriestürme folgten. Nach der blutigen Abwehr mehrerer Nahangriffe erlitt die 6. ID. um 4h nachm. südlich von Peteano eine Einbeulung in der Ausdehnung von etwa 400 Schritten. Mit Eintritt der Dunkelheit versuchten starke italienische Kräfte nördlich der Einbruchsstelle in wiederholten Stürmen ihren Gewinn zu erweitern, wurden aber durch das bh. IR. 2 zurückgeschlagen. Kurz darauf schritten die Reste des FJB. 8, des bh. IR. 2 und Teile des k. u.LstIR.17 zu einem vom Kommandanten der 12. IBrig., GM. Rudolf Müller, trefflich geleiteten Gegenangriff, durch den nach erbittertem Handgemenge die verlorengegangene Stellung in der ganzen Ausdehnung zurückgewonnen wurde. Der weichende Feind wurde sogar über die Stellung hinaus verfolgt. Feindliche Reserven, die verspätet eingriffen, mußten wieder weichen. Allmählich flaute der Kampf wieder ab.
Bei der 17. ID. versuchte der Angreifer nachmittags die gewonnenen Einbruchsstellen zu erweitern; doch gelang es, ihn abzuweisen. Ein Vorstoß gegen die 22. SchD. auf dem Mt. dei sei Busi zersplitterte im Kreuzfeuer der Abwehrbatterien des VII. und des III. Korps.
Der nächtliche Gegenangriff zur Wiedergewinnung des Frontstückes nördlich der Wegmarke 111, der durch das IR. 43, das LstlBaon. 157 der Armeereserve und durch Teile des k. k. LstlR. 25 geführt wurde, hatte keinen Erfolg. Starke feindliche Kräfte mit zahlreichen Maschinengewehren hielten den Einbruchsraum besetzt. Da es an frischen Reserven gebrach, wurde auf die Fortführung des Unternehmens verzichtet und 200 Schritte hinter dem vom Feinde besetzten vordersten Stellungsstück eine neue Verteidigungslinie gebildet. Das LstlR. 25, das in den Kämpfen die Hälfte seines Standes verloren hatte, wurde in der Nacht auf den
15. aus der Front gezogen und durch Teile des IR. 43 ersetzt. Auch beim südlich anschließenden Egerländer LstlR. 6, das seine ganze Stellung tapfer behauptet hatte, waren einzelne Kompagnien auf die Hälfte ihres Kampfstandes zusammengeschmolzen.
Die Verluste dieses Kampftages waren überhaupt sehr schwer. Das VII. Korps hatte 1400 Mann an Toten und Verwundeten nebst etwa 350 Vermißten eingebüßt. Das 5. Armeekmdo. unterstellte daher die drei bei Vogersko versammelten Bataillone dem VII. Korps. Von ihnen wies Erzherzog Joseph das Baon. 1/98 und das XI. Marschbataillon IR. 28 der
6. ID., das Baon. 11/37 der 17. ID. zu; er ließ jene nach Biglia, dieses nach Devetaki im Vallonetal rücken. Das noch nicht verwendungsfähige IR. 17 wurde nach Schönpaß und Osek zurückgezogen.
Das fünftägige Ringen um den Besitz des so heiß umstrittenen Mt.
S. Michele wurde noch am 15.November fortgesetzt, in der Nacht auf den
16. November aber beendet. Es schien, daß die feindliche Führung ihre letzten frischen Kräfte zum Durchbruch mit beabsichtigter nachfolgender Umfassung auf dem Nordhang des Mt. S. Michele vereinigt hatte, denn weiter südlich wurde in den Divisionsabschnitten nicht mehr ernstlich angegriffen.
Vom Morgengrauen des 15. November an raste der Feuerorkan der italienischen Batterien in weitem Umkreis gegen den rechten Flügel und die Mitte der Grazer Division. Schon um 7hvorm. begannen die Sturmläufe der bereitgestellten feindlichen Brigaden. Vorübergehend brach der Feind an der gleichen Stelle wie am Vortage ein. Ein Gegenstoß mehrerer Kompagnien des in diesen Kämpfen sehr bewährten k. u. LstlR. 17 warf die eingenisteten italienischen Sturmtrupps um 10hvorm. wieder hinaus; doch zwang stärkstes Kreuzfeuer schwerer feindlicher Geschütze ziir neuerlichen Räumung der vollständig zerschossenen Kampfstellungen, die überdies vom Mt. Fortin aus auf nahe Entfernung von der Flanke und zum Teil im Rücken bestrichen waren. Gegen Mittag drang ein Massenangriff in die durch das zusammengefaßte Artilleriefeuer eingeebnete Stellung ein und sogar über diese hinaus. Die sich dem Feinde todesmutig entgegenwerfenden Reste des bh. IR. 2 und des FJB. 8 sowie das LstlR. 17 vermochten, durch die Artillerie hervorragend unterstützt, den übermächtigen Feind nicht nur aufzuhalten, sondern ihn in zähem Ringen aus den verlorenen ersten Gräben wieder herauszudrängen. Nördlich dieses Einbruchsraumes bis zum Isonzo konnte die vorderste Linie nur mit Mühe gegen die fortgesetzten Angriffe behauptet werden.
Allerdings drang ein um 5h nachm. durch frische Verstärkungen vorgetragener Angriff der Italiener abermals in die so hart umkämpfte
Frontstelle ein. Dagegen scheiterten die gleichzeitig gegen den Gipfel des Mt. S. Michele unternommenen Vorstöße des Feindes. Während der Nacht durchgeführte Gegenangriffe brachten die verlorenen Teile der Kampflinie bis auf ein Grabenstück von 100 Schritt Länge wieder in den Besitz der Division Schönburg; dieses letzte Stück wurde dem Feind überlassen, da die nachherige Behauptung in dem gerade dahin besonders wirkungsvollen italienischen Geschützfeuer ungewiß und wegen des Mangels an jeglichen Deckungen sehr verlustreich gewesen wäre.
Mit diesen, zuletzt nur mehr im Abschnitt der 6. ID. sich abspielenden, besonders zähen und unablässig durch frische Truppen des Feindes genährten Kämpfen war die erste Phase der vierten Isonzoschlacht für den Verteidiger erfolgreich abgeschlossen worden. Das VII. Korps hatte seine Kampflinien im großen behauptet; geringfügige und bedeutungslose Einbuchtungen der ersten Verteidigungslinie mußten hingenommen werden, um das Mindestmaß an Kräften für die Fortführung des von den Italienern offenbar beabsichtigten Erschöpfungskampfes zu erhalten. Zum Glück schaltete der Feind eine zweitägige Kampfpause ein. Dies kam dem Verteidiger sehr zustatten, dessen Truppen, seit Tagen fast ohne Unterlaß fechtend und den schwersten Kampfeindrücken ausgesetzt, begreiflicherweise dringend einer Atempause bedurften1).
Die Maßnahmen zur Stützung der öst.-ung. Isonzofront
Noch während der dritten Isonzoschlacht hatte der Oberbefehlshaber der Südwestfront, Erzherzog Eugen, die Bereithaltung von etwa sechs Bataillonen in Tirol und von zwei weiteren Bataillonen in Kärnten für eine etwa notwendige Verlegung an den Isonzo anbefohlen. Obwohl er eine baldige Rückgabe der aus Kärnten herangezogenen fünf Bataillone beabsichtigte, wie er dies bei den ersten aus Tirol entlehnten Truppen bereits getan hatte, mußte er nun, durch die hartnäckig fortgeführten Anstürme der Italiener gezwungen, am 14. November auch die beiTarvis bereitgestellten zwei Bataillone des IR. 27 der 5. Armee ins Wippachtal zuführen.
Mit ernster Sorge verfolgte die Heeresleitung die Ereignisse im Südwesten. Nach der ganzen Lage, insbesondere im Hinblick auf die
!) Für die Heftigkeit der Kämpfe mag die Standesübersicht der 17. ID. Zeugnis ablegen. In der Zeit vom 15. Oktober bis zum 15. November verlor die Division 250 Offiziere und 11.400 Mann; ihr Kampfstand betrug am 17. November trotz Einreihen der verfügbaren Ersätze nur 7500 Mann (Schwarte, V, 172).
bevorstehende Parlamentseröffnung in Rom, mußte die öst.-ung. Führung auf weitere große Kraftanstrengungen der Italiener gefaßt sein. Es wurde von Stunde zu Stunde fraglicher, ob die Kräfte der 5. Armee dem schweren Kampfe dauernd gewachsen sein mochten. Die nach der Meldung vom 11. November verfügbaren Reserven (20.000 Gewehre) gehörten meist Verbänden an, die schon schwer gelitten hatten und nicht durchwegs die unbedingte Gewähr boten, in Krisen entscheidend eingreifen und ausharren zu können.
Trotz der Zuversicht, die dennoch aus den Meldungen von der Front herauszulesen war, und des verhältnismäßig günstig bezeichneten Zustandes der Truppen befürchtete das AOK. inTeschen, daß durch die ununterbrochene Fortdauer der Kämpfe, durch die seltene Ablösung der vorderen Truppen und durch schlechtes Wetter eine nachhaltige Erschöpfung eintreten werde; es beschloß daher, bei fortlaufender Beobachtung des Kräftezustandes der 5. Armee und des Verbrauches ihrer Reserven, Maßnahmen für die Zuführung von Verstärkungen vor dem Eintritt krisenhafter Zustände vorzubereiten.
Der weitere Fortgang der Schlacht bestimmte das AOK., am 14. November abermals anzufragen, wie viele Tage hindurch die 5. Armee nach den bisherigen Kampferfahrungen mit ihren Kräften die Front noch sicher behaupten könne, wenn die italienischen Angriffe nicht nachließen. Das 5.Armeekmdo. vermochte darauf keine eindeutige Antwort zu geben, da die Dauer des Ausharrens nicht nur vom Kraftzustand der eigenen Truppen abhing, sondern auch von der zahlenmäßigen Überlegenheit und der täglich sich bessernden Angriffstechnik des Feindes. Die 5. Armee hatte vom 18. Oktober bis Mitte November einen Abgang von rund 60.000 Streitern zu verzeichnen, hievon entfielen auf das VII. Korps allein 31.000 Mann.
Begreiflicherweise bedrückte es den Armeeführer ganz besonders, daß er trotz aller überdachten Möglichkeiten nicht in der Lage war, die im entscheidenden Raume auf dem Karst fechtenden Divisionen abzulösen. Auch die Marschformationen konnten nicht vor dem 20. eingesetzt werden. Da laut Aussage von Gefangenen die italienischen Angriffe bis 1. Dezember fortgesetzt werden sollten, könne — urteilte Boroevic — nach menschlicher Voraussicht und nach den bisherigen Kampferfahrungen die Front nur dann sicher behauptet werden, wenn für die Ablösung der im Abschnitte des VII. Korps befindlichen Divisionen außer den vorhandenen Reserven eine weitere vollkräftige Division zur Verfügung stünde. Für die anderen Abschnitte sei wenig zu besorgen, doch könne man ihnen keine Kräfte mehr entziehen. Falls auch der Zuschub von Artilleriemunition ein ausreichender bleibe, vermöge das Armeekmdo. nach wie vor zuversichtlich den weiteren Ereignissen entgegenzusehen.
Diese Meldung des 5. Armeekmdos. ergänzte das Frontkmdo. in Marburg dahin, daß die Widerstandskraft der Front am Isonzo keine unbegrenzte sei; wenn also der so überlegene Feind seine Angriffe noch durch Wochen hindurch andauernd fortsetzen würde, so möge man, falls anderwärts Kräfte verfügbar gemacht werden könnten, mit deren Absendung nicht zögern, denn jede zeitgerecht eintreffende Verstärkung könne erprobten Truppen ihre Kampfkraft erhalten, bevor sie durch das anhaltende Ringen dauernd gebrochen würde.
Darauf entschloß sich der Chef des Generalstabes, der Isonzofront die auf dem östlichen Kriegsschauplatz hinter der Südarmee als Heeresreserve stehende 9. ID. beschleunigt zuzuführen. Da aber diese Kraft zur Überwindung der bei Fortdauer der Schlacht bis zum Dezember unausbleiblichen Krisen nicht ausreichend zu sein schien, wollte GO. Conrad noch eine zweite Division, die zur 7. Armee gehörende 5. ID., folgen lassen. Um dies zu ermöglichen, ersuchte er den Chef des deutschen Generalstabes, den Ausfall bei der 7. Armee durch eine auf dem Balkan freigewordene Division zu ersetzen. Die Haltung Rumäniens verwehrte es jedoch Falkenhayn, gerade jetzt einer Schwächung der im Banat sich sammelnden Kräfte zuzustimmen. Conrad ließ hierauf trotzdem die als Reserve der 7. Armee in der nördlichen Bukowina stehende 9. IBrig. der
5. ID., ohne sie dort ersetzen zu können, eine Woche später der 9. ID. an den Isonzo folgen.
Die von Kärnten eingetroffenen Bataillone (IV/27, V/27) gelangten am 15. November, als der Kampf auf dem Nordhange des Mt. S. Michele seinen Höhepunkt erreicht hatte, als Armeereserve nach Biglia. An diesem Tage traf beim 5. Armeekmdo. die Verständigung über den Zuschub der 9. ID. ein; diese sollte in Opcina ausladen und zunächst als Verfügungstruppe des Armeekmdos. in den Raum Gorjansko—Nabresina gelangen.
In den Tagen der Kampfruhe, die durch heftiges, jede Sicht verhinderndes Schneegestöber erzwungen war, hatten am 16. und 17. November das XVI. Korps und die 20. HID. die verfügbaren Marschformationen eingereiht. Bei der 17. ID. wurde in der Nacht auf den
17. November das IR. 39 durch das IR. 46 und das k. k. LstlR. 6 durch das neu zugewiesene Baon. 11/37 abgelöst. Überdies plante das VII. Korps-kmdo., in den nächsten Tagen seine Kräfte mit dem neuerlichen Einsatz der 106. LstlD. zwischen der 17. ID. und der 22. SchD. flügelweise neu zu gruppieren und bei ausgiebiger Tiefengliederung bessere Ablösungsmöglichkeiten innerhalb der Divisionsabschnitte zu erzielen. Der Wiederbeginn der Kämpfe und die Absicht des Armeekmdos., das VII. und das III. Korps auf der Karsthochfläche auszuwechseln, ließen es jedoch vorläufig nicht zur Verwirklichung dieser Pläne kommen.
Das Auseinanderbrechen der Schlacht in mächtige Einzelkämpfe bei Görz und auf der Karsthochfläche (18. November bis 1. Dezember)
Entschluß und Plan der italienischen Führung für die weitere Fortführung des Kampfes am Isonzo
Das Ergebnis der ersten Phase der vierten Isonzoschlacht war für den Angreifer wieder durchaus unbefriedigend. Außer einzelnen Grabenstücken, die auf der Podgora, dem Mt. S. Michele und nächst Kote 111 unter schwersten Verlusten genommen worden waren, hatte nirgends nennenswerter Erfolg erzielt werden können; die Opfer drückten sich in Zahlen aus, deren Höhe in keinem Verhältnis zum Gewinn standen, und der Ausspruch eines italienischen Ministers aus jenen Tagen, ,,der Besitz von Rom habe Italien viel weniger gekostet als der einiger Quadratmeter öden Karstbodens“, war durchaus berechtigt.
Trotz der entmutigenden Berichte seiner Unterführer über den Zustand der Truppen ließ sich Cadorna jedoch nicht bestimmen, die Schlacht abzubrechen. Denn die Zeit drängte, und der erhoffte sichtbare Erfolg mußte in möglichst kurzer Frist errungen werden, sei es durch die Einnahme der Stadt Görz oder doch wenigstens durch die Eroberung des Mt. S. Michele. Auch glaubte man im italienischen Hauptquartier auf Grund von Gefangenenaussagen mit einem baldigen Zurückweichen der erschöpften öst.-ung. Truppen rechnen zu dürfen, die voraussichtlich dem unausgesetzten zermürbenden Loshämmern auf ihre Front doch nicht mehr lange standzuhalten vermochten. Diese trügerische Hoffnung bewog das italienische Oberkommando, die Offensive mit zähester Beharrlichkeit und ohne Rücksicht auf weitere Opfer fortführen zu lassen. Der nach dreißigtägigen erfolglosen Kämpfen sicherlich nicht leichte Entschluß hatte insofern seine Berechtigung, als ja dem feindlichen Feldherrn Kräfte noch in reichem Maße zur Verfügung standen. Neben den seit etwa zehn bis zwölf Tagen ruhenden Heeresreserven, dem X. und dem XIV. Korps, stand noch die 9. ID. zum Eingreifen bereit, und überdies war von der im Schnee versunkenen Tiroler Gebirgsfront noch die halbe 35. ID. (Brigade Novara) Mitte November westlich von Görz eingetroffen.
Schon am 17. November, nach ganz kurzer, auf dem Karst gar nur eintägiger Kampfunterbrechung, befahl Cadorna die Wiederaufnahme des Angriffes gegen die Front vom Mt. Sabotino bis zum Meere. Innerhalb dieses Angriffsraumes hatte er den Armeeführern die Wahl der geeignetsten Kampfziele überlassen1) und weiter keinen Einfluß auf den Plan für die Durchführung xmd das Ausmaß der an den Operationen beteiligten Kräfte genommen. Er mochte wohl gehofft haben, daß durch den Wetteifer seiner Unterführer vielleicht früher Erfolge reifen würden, als sie dem bisherigen methodischen Verfahren beschieden waren. Daher zerfiel die letzte Phase der italienischen Herbstoffensive in eine Reihe vereinzelter, aber mächtiger Erschöpfungsangriffe. Nur den Plan für die Beschießung der Stadt Görz hatte sich das Oberkommando Vorbehalten.
Die planmäßige Zerstörung der Stadt Görz durch Artillerie und Fliegerangriffe
Die Nacht auf den 18. November war an der Kampffront westlich von Görz ruhig verlaufen. Die Stille vor Anbruch der Morgendämmerung unterbrach müdes Postengeplänkel auf der Podgora. Von irgendeinem noch unversehrten Turm hatte eben die fünfte Stunde geschlagen. Da drang, kurz nach fernen, gedämpften Schlägen, ein unheimlich anwachsendes Rauschen und Heulen über die nächtliche Stadt herab und gleich darauf erschütterten gewaltige Geschoßexplosionen die Straßen und Häuser. Immer stärker schwoll das Dröhnen, Splittern und Krachen, immer mehr der schweren Kaliber im weiten Rund um Görz schleuderten ihre Geschosse in die Stadt. Hier barst ein Haus, alles Leben unter sich begrabend, dort wühlte eine schwere Bombe die Straße in der ganzen Breite auf. Alsbald mengte sich der rote Schimmer mächtiger Feuersbrünste mit dem Frühnebel des anbrechenden Tages. Schwere Rauchwolken lagen über dem ganzen Görzer Becken und hüllten Gassen und Plätze der unerbittlich heimgesuchten Stadt in dichten, düsteren Qualm.
Das Zerstörungswerk war für die Verteidiger keine Überraschung, denn schon bei Beginn der Schlacht hatten italienische Gefangene angekündigt, daß die Stadt in Trümmer geschossen werde, wenn sie nicht bis Mitte November erobert wäre.
!) Ital. Gstb. W., II, Dokumente, 435.
In dem Befehle Cadornas für die Wiederaufnahme der Angriffe nahmen — wie vorerwähnt — die Richtlinien für die Beschießung von Görz den breitesten Raum ein1). Darnach beschossen alle mittleren und schweren Batterien der 2. und der 3. Armee, die Görz erreichen konnten, von 5h früh bis 9hvorm. die Stadt. Von da an verlegte ein Teil der Batterien das Feuer auf die Kampfanlagen des Brückenkopfes zur Vorbereitung des geplanten Angriffes. Von mittags an suchten Fliegergeschwader durch zwei Stunden die Stadt heim, worauf bis zum Einbruch der Dunkelheit wieder die Artillerie in ihr Recht trat. Schon am Vormittag waren gezählte 3000 Geschosse, meist schwerer Kaliber, in allen Teilen der Stadt eingefallen2). Verhältnismäßig gering war hingegen die Wirkung des zweistündigen Luftangriffes gewesen.
Schon seit den ersten Angriffen gegen den Brückenkopf waren von der italienischen Artillerie die Kasernen und die Gebäude, in denen man Befehlsstellen oder Truppen vermutete, sowie Räume, die als Aufstellungsplätze von Batterien in Frage kamen, dann Straßenkreuzungen und Brücken fallweise unter Feuer genommen worden. Der dadurch entstandene Schaden war jedoch unbeträchtlich. Erst die planmäßige Beschießung der Stadt vernichtete außerordentlich viel wertvolles Privateigentum, während die Truppenverluste und die Schäden an militärischen Bauten belanglos blieben. Die Ausbreitung größerer Brände konnte trotz der Beschädigung der Wasserleitung verhindert werden. Wohl aber hatten mehrere große, deutlich mit dem roten Kreuz gekennzeichnete Zivilund Militärspitäler, die Landesirrenanstalt und andere rein humanitären Zwecken dienende Gebäude, die abseits jeder militärischen Einrichtung lagen, durch die Beschießung Schaden genommen.
Die italienische Führung begründete die Zerstörung der Stadt damit, daß in ihr die öst.-ung. Kommandos und Truppen bequeme und gesunde Unterkünfte fänden3), und daß sie durch die Bevölkerung fast gänzlich geräumt gewesen sei. Sicherlich hätten die Stadt und ihre ausgedehnten Vororte vielen Truppen Unterkunft bieten können, doch verfügte der Verteidiger des Brückenkopfes nur über geringe Reserven, deren Groß]) Ital. Gstb. W., II, Dokumente, 436.
2) Nach dem Ital. Gstb. W., II, Dokumente, 436, nahmen an der Beschießung von Görz alle 149 mm-Mörser- und schweren Kanonenbatterien, dann alle 21, 28 und 30.5 cm-Haubitz- und Mörserbatterien teil. Es standen hiefür fast unbeschränkte Munitionsmengen zur Verfügung. Die schweren Feldhaubitzbatterien hatten während der Beschießung von Görz die Bekämpfung der Stellungen auf der Podgora und bei Oslavija eingeleitet.
3) Ital. Gstb. W., II, Text, 518.
teil, bedingt durch die mangelnde Rückenfreiheit der Stellungen, in den Orten am Fuße des Höhenzuges knapp westlich vom Isonzo aufgestellt werden mußte. Die übrigen Reserven standen zumeist in den östlichen Vororten, zum wenigsten in der Stadt selbst. Von höheren Befehlsstellen befanden sich in Görz nur das 58. IDKmdo. und die Kommandos der 4. und der 5. GbBrigade. Die Bevölkerung der Stadt zählte noch etwa 2500 Personen gegenüber 30.000 Einwohnern vor Beginn des Krieges.
Unsere Artillerie konnte die gegen die Stadt wirkenden weittragenden feindlichen Batterien am 18. November nicht ausreichend bekämpfen, da die Sicht durch Rauch, die Feuerleitung durch die Unterbrechung der Drahtverbindungen stark gehindert war.
Mit wechselnder Stärke dauerten die Beschießung und die Fliegerangriffe weiter an und legten in wenigen Tagen eine der schönsten Städte im Süden des Reiches in Schutt und Trümmer. Aber der Zweck wurde nicht erreicht. Wenn auch von den rund 2000 Häusern der Stadt und ihrer Vororte ein Viertel vollständig zerstört und Hunderte der übrigen schwer beschädigt wurden, wobei auch wertvolle Kulturgüter und unersetzliche Kunstschätze zugrunde gingen, blieb dieses Zerstörungswerk auf die Kampfführung ohne jeden Einfluß. Die Befehlsstellen in Görz harrten auf ihrem Posten aus, und allmählich gewöhnte sich auch die zurückgebliebene Bevölkerung, die ihre Wohnstätten in die Keller fester Häuser verlegt hatte, an die fortdauernde Beschießung.
Die italienischen Dnrchhruchsversuche hei Oslavija und auf der Podgora (18. bis 24. November)
Hiezu Skizze 14
Nachdem die 4. GbBrig. am 13. November den überlegenen Feind aus Oslavija vertrieben hatte, war dieser zur Erkenntnis gelangt, daß das vielumstrittene Dorf ohne gleichzeitige Einnahme der Höhen von Pevma und des Rückens nächst der Höhe -<>- 188 dauernd nicht zu behaupten sein werde. Der Führer der italienischen 2. Armee, GLt.Frugoni, dem vom Oberkommando noch die halbe 9. ID. unterstellt worden war, gruppierte bis zum 18. November seine Kräfte vor dem Görzer Brückenkopf zum neuen Angriff. Die 4. ID. marschierte beiderseits der Straße nördlich der Höhe -<>-188 auf, anschließend die 11. ID. gegenüber dem Kirchenrücken von Oslavija und die neu eingeschobene kombinierte 9. ID. vor den Höhen von Pevma—Grafenberg; gegen die Podgora hatte die 12. ID. vorzugehen. Der starken Hauptangriffsgruppe vor Oslavija — drei Divisionen auf knappe 21/o km Angriffsfront — sollten mehrere Feldbatterien als Begleitartillerie in der vordersten Linie Rückhalt leihen. Alle höheren Führer hatten sich bei den Truppen aufzuhalten, „um durch ihre Anwesenheit die durch fortgesetzte Verluste, Entbehrungen und Krankheiten erschütterten Leute moralisch zu heben1)“. Den Befehl zum Beginn des Angriffes hatte sich der die Truppen vor dem Brückenkopf befehligende Führer des VI. Korps, GLt. Capello, Vorbehalten.
Während die Beschießung von Görz anhielt, begnügten sich am 18. und 19. November die Italiener, nach starkem Artillerie- und Minenwerferfeuer gegen die Stellungen westlich der Stadt vorzufühlen. Sie wurden vor Oslavija und Pevma durch unsere Batterien, vor der Podgora durch Gewehrfeuer zurückgetrieben. Örtliche Vorstöße auf dem Südflügel des Brückenkopfes konnten mühelos abgewiesen werden. Erst am 20. November setzte der allgemeine Angriff von mindestens zwölf italienischen Regimentern zwischen der Straße St. Florian—Pevma und der Bahn Cormons—Görz ein.
In den Vormittagsstunden vermochte der Feind bei einem Bataillon, das erst vor wenigen Stunden in die Front gelangt war, zwischen der Höhe kJ>- 188 und der Kirche von Oslavija ziemlich unvermittelt einzubrechen. Ein weiteres Vordringen wurde durch das gegen den Einbruchsraum zusammengefaßte Artilleriefeuer vereitelt. Nachmittags griffen mehrere Bataillone der italienischen 4. ID. auch den Mt. Sabotino an, vor dem seit dem ersten Tage der Schlacht Ruhe geherrscht hatte. Sie gerieten jedoch bald in das Kreuzfeuer der öst.-ung. Batterien, das sie zersprengte. Die nun vorbrechenden Reserven trieb das wirkungsvolle Maschinengewehrfeuer der 60. IBrig. zurück. Nun begnügte sich der Feind, den Mt. Sabotino aus schweren Kalibern zu bearbeiten.
Die südlich von Oslavija dreimal gegen die Höhen von Pevma vorgehenden Truppen der italienischen 11. ID. hielten das auch hier wieder vorzüglich wirkende Flankenfeuer unserer Batterien nicht aus und kehrten schließlich vor unseren Hindernissen in ihre Ausgangsstellungen zurück.
Hartnäckiger fochten die italienische 12. ID. und Teile der 9. auf der Podgora. Ein einheitlicher Massenstoß gegen den Südflügel bei der Kuppe -<>-184 wurde mit Handgranaten zurückgeschlagen; dann folgten starke Anstürme gegen die Gipfelhöhe A 240, nach deren Scheitern sich die erneuten Anstrengungen gegen den Raum -c>-184 vereinigten. Der bis
x) Z i n g a 1 e s, La guerra sull’ Isonzo nel 1915 (Rassegna dell’ esercito italiano, Jhrg. 1924, 415).
in die Dunkelheit fortdauernde Kampf endete mit der restlosen Behauptung der Kampflinie, deren leichtere Verteidigungsfähigkeit sich gegenüber jener der ursprünglichen Stellung an dem feindwärtigen Hange nunmehr erwiesen hatte.
Bei Oslavija vermochte der abends und in der Nacht auf den 21. November von 9V2 Kompagnien des SchR. 37 und vom Baon. 111/57 durchgeführte Gegenangriff nur einen Teil der verlorenen Gräben zurückzugewinnen. Die Höhe -<J>-188, die noch im Laufe des 20. November von der italienischen 4. ID. erstürmt worden war, blieb in Feindeshand.
Da für die Wiedergewinnung des Kirchenrückens von Oslavija alle Reserven der 4. GbBrig. aufgebraucht worden waren, erhielt GM. Zeidler angesichts der allgemeinen feindlichen Anstürme auf den Brückenkopf wieder das IR. 17 der 6. ID. zugewiesen. Es stand als Armeereserve in Cernizza und marschierte am 20. November abends nach Görz, von wo ein Bataillon noch in der Nacht auf den 21. November zur 4. GbBrig. gegenüber der Höhe -<> 188 in die Front gelangte.
Das 58. IDKmdo. plante die Wiedergewinnung der Kuppe -<>-188 mit dem IR. 17 für den 22. November. Am 21. sollte die Front unbedingt behauptet werden und gleichzeitig die Vorbereitung und Bereitstellung der Truppen zum Gegenangriff erfolgen. Als aber der Feind am Nachmittag des 21. nächst der Höhe -<>-188 abermals anstürmte und bald darauf mit schweren Verlusten zurückflutete, stieß ihm ein Bataillon des SchR. 37 nach und gewann den größten Teil der verlorenen Gräben zurück, wobei der Italiener einige hundert Gefangene fcurücklassen mußte. Die feindliche Angriffsgruppe vor Oslavija war bereits arg vermengt; es hatten hier Abteilungen von elf italienischen Truppenkörpern angegriffen1).
Auf dem Mt. Sabotino wagte sich der Feind am 21. November nicht mehr vor; hingegen waren die Höhen südlich von Oslavija und besonders wieder die ganze Podgora der Schauplatz heftiger Stürme und Nahkämpfe, die tagsüber bis zum Abend anhielten und mit einem völligen Mißerfolg der 9. und der 12. ID. der Italiener endeten.
In der Nacht auf den 22. übernahm das bewährte Krainer IR. 17 den Abschnitt vom Piumicabach bis Oslavija, die Kirchenhöhe hielt ein Bataillon des SchR. 37. Der Rest dieses Regiments gelangte vorübergehend in den Nordteil von Görz, dann nach Ossegliano in Erholungsquartiere, das galizische IR. 80 der 60. IBrig. wurde aus der Front gezogen und nach Gojace verlegt.
Zingales, 415.
Am 22. November wurden der ganze Brückenkopf, insbesondere der Abschnitt Oslavija und die Podgora, die Brückenschanze von Lucinico sowie auch die Stadt Görz außerordentlich heftig beschossen1). Mächtige Vorstöße auf der Podgora, die von llhvorm. an bis in die späten Nachmittagsstunden mehrmals wiederholt wurden, schlug das vereinigte Abwehrfeuer blutig nieder. Bei Oslavija blieb die Lage tagsüber unverändert. Ein Angriff von Teilen der 4. GbBrig., der in der Nacht auf den 23. ein noch in Feindeshand verbliebenes kurzes Frontstück südwestlich der Höhe-<>188 zurückgewinnen sollte, stieß auf eben vorgehende überlegene feindliche Kräfte; sie konnten zwar zurückgeschlagen werden, aber das weitere Vordringen wurde unmöglich. Nach diesen nächtlichen Kämpfen unterblieben am 23.November weitere Angriffe auf den Brückenkopf von Görz; die Beschießung und das planmäßige Heranarbeiten des Feindes an die Hindernisse hielten jedoch an.
Am 24. früh erfolgte ein Angriff von vier Bataillonen — darunter schon solcher der von Tirol herangeführten Brigade Novara der 35. ID.—, die beiderseits der Kirche von Oslavija durchzubrechen versuchten. Sie wurden von den Bataillonen 11/17 und 111/57 bis 8hvorm. aufgehalten und zum Teil im Gegenangriff in einem Stellungsstück, wo sie einzubrechen vermocht hatten, vernichtet. Vier Offiziere und 270 Mann von vier verschiedenen Regimentern wurden dabei gefangengenommen, außerdem zählte man 300 tote und verwundete Italiener vor den Stellungen der Abwehrbataillone. Daraufhin griff der Feind am 24. November nicht mehr an.
Der Abschluß der Kämpfe bei Plava (18. bis 30. November)
Seitdem die Angriffe des italienischen II. Korps bei Plava zwischen dem 10. und dem 12. November zurückgeschlagen waren, beschränkte sich die feindliche Kampftätigkeit auf die üblichen Beschießungen unserer Kampfanlagen und auf Plänkeleien.
Inzwischen hatte sich mit der Wiederaufnahme der Schlacht im Görzischen und auf dem Karst auch der Führer des II. Korps zu einem letzten Offensivunternehmen entschlossen, das am 18. begann. Sein Plan ging dahin, mit der 3. ID. die Höhen nördlich und südlich von Paljevo zu nehmen und dann erst gegen den Kuk A611 vorzurücken. Von der
32. ID. hielten Truppenteile das rechte Isonzoufer bis Anikova besetzt,
J) Görz wurde mit mehreren hundert schweren Bomben beworfen. In einer Werkstätte tötete eine 30.5 cm-Bombe 21 Landsturmarbeiter und verwundete ihrer 72.
eine Brigade war der 3. ID. zugewiesen, ein Teil der Division gegen Görz abgezogen worden.
Die Kampfhandlungen, die sich in den folgenden Tagen bei Plava abspielten, unterschieden sich von den vorangehenden dadurch, daß es nicht mehr einheitliche Angriffe starker Angriffsgruppen waren, sondern nur kleinere Unternehmen mit beschränkten Kräften, die wohl vornehmlich dem Festhalten der gegnerischen Truppen dienen sollten und nirgends die weitgesteckten Ziele erreichten.
Am 18. November kam es am Nachmittag zu Vorstößen einer Gruppe von mehreren Bataillonen gegen Zagora, die nach anderthalbstündigem Gefecht durchwegs abgewehrt waren. Am folgenden Tage wurde nach kräftigem Artillerieschießen der Angriff nachmittags durch eine ganze Brigade wiederholt. Die Hauptkraft des Angreifers wurde unter starken Verlusten zurückgeschlagen, während einige Abteilungen, die sich bei der Straßensperre westlich von Zagora eingenistet hatten, am Abend durch einen Gegenangriff zurückgeworfen werden konnten. Versuche des Feindes, auch am 20. gegen die Straßensperre vorzudringen, mißlangen.
Am 21. November früh überschifften etwa vier italienische Kompagnien überraschend den Isonzo unterhalb von Zagora und setzten sich auf dem Ostufer des Flusses fest. Ein Ausbreiten des Feindes wurde durch unser Infanteriefeuer bis zum Abend verhindert. Nachher säuberten nach sorgfältiger artilleristischer Vorbereitung die Reserven der 18. ID. das ganze Ostufer. Schließlich kam es noch am 22. November vormittags zu einem stärkeren italienischen Angriffsversuch zwischen Zagora und Paljevo, der aber bald durch das vorzüglich geleitete Abwehrfeuer der Artillerie und der Maschinengewehre erstickt wurde. In den folgenden Tagen waren nur die feindlichen Batterien und Minenwerfer tätig.
Erst am 26. November, wohl im Zusammenhange mit den — wie noch zu schildern sein wird — an diesem Tage beginnenden Angriffen des VIII. und des IV. Korps der Italiener am oberen Isonzo, schritt im Abschnitt zwischen der Höhe -t>-383 und Paljevo nach entsprechender Feuervorbereitung eine stärkere Angriffsgruppe zum Sturm, blieb aber im Abwehrfeuer vor den Hindernissen liegen. Gegen Abend zwang vor der Höhe -<>-383 ein Feuerüberfall die italienischen Kämpfer, die sich mühsam vorgearbeitet hatten, samt den Reserven zu einem hastigen und ungeordneten Rückzug. Am 27. begann um 9h vorm. ein zeitweise zum Trommelfeuer gesteigertes Bombardement gegen die eben genannte Höhe und den Ort Zagora. Die um die Mittagsstunde angreifenden drei bis vier italienischen Bataillone kamen vor der Höhe im Abwehrfeuer nicht vorwärts, und bei Zagora wiesen die Dalmatiner des Bataillons 11/22 in den ersten Nachmittagsstunden den feindlichen Angriff mit Handgranaten ab. Damit endeten im Abschnitte der k.u.k. 1. GbBrig. die Angriffshandlungen der Italiener. Lediglich die Artillerie führte auf beiden Seiten mit wechselnder, ab und zu großer Heftigkeit den Kampf bis in die ersten Dezembertage fort.
Die Zangenangriffe des XI. und des XIII. Korps der Italiener gegen den Mt. S. Michele
(18. bis 26. November)
Nach nur eintägiger Kampfruhe, die das k.u.k. VII. Korps zu Ablösungen innerhalb der 17. ID. benützte, setzte schon am 17.November früh die Beschießung seines ganzen Abschnittes durch schwere Geschütze und Minenwerfer wieder ein und dauerte bis zum Abend fort. Die dadurch angekündigten feindlichen Angriffe veranlaßten das 5. Armeekmdo., dem VII. Korps die drei restlichen, bei Temnica befindlichen Bataillone der 187. IBrig. zu unterstellen.
Mit der Ausheiterung, die am 18. November nach der winterlichen Regen- und Sturmperiode eintrat, nahm auch die Hauptkraft des Herzogs von Aosta den Kampf um den Mt. S. Michele wieder auf. In der feindlichen Gruppierung war keine wesentliche Änderung zu verzeichnen. Den entscheidenden Schlag hatte abermals das XI. Korps beiderseits des Mt. S. Michele zu führen, indes das anschließende XIII. Korps mit seinem linken Flügel im Raume östlich von der Ruinenhöhe 143 unterstützend eingreifen sollte. Jedes der beiden Korps verfügte über eine Brigade und außerdem noch über einige Bataillone als Reserven. Das italienische 3. Armeekmdo. hatte weiters je eine Brigade bei Versa und Chiopris als Verfügungstruppen stehen. Der Südflügel der 3. Armee, das VII. Korps, war an den Kämpfen, abgesehen von einem Angriffsunternehmen, das am 22. November bei Selz stattfand, nicht beteiligt.
Die Verteilung der Kräfte der k.u.k. 5. Armee auf der Hochfläche von Doberdö war ebenfalls im großen unverändert geblieben. In den nun beginnenden Kämpfen verfolgte der Feind bis zum Ende der Schlacht immer wieder die gleiche Taktik. Um kleiner örtlicher Vorteile willen vereinigte er das Feuer seiner die vorspringende Karsthochfläche umsäumenden Geschützmassen und Minenwerfer auf schmale Fronträume der öst.-ung. Stellungen so lange, bis alle Anlagen vollständig zerstört und die Besatzung weggefegt zu sein schienen. Dann besetzten feindliehe Abteilungen die zerschossenen Gräben, jedoch meist nur für so lange, bis sie der Gegenstoß traf; worauf der Vorgang sich wiederholte oder, wie es in diesen Kämpfen häufig vorkam, beide Gegner auf ein Stellungsstück unausgesetzt ihre Geschütze spielen ließen, damit keiner sich darin einnisten könne. Ein Durchbruch der ersten Stellung sollte dem bis zur Selbstvernichtung beharrlich angreifenden Feind aber an keinem Punkt der Front glücken.
Am 18. November überschütteten die italienischen Batterien vom Morgengrauen an den Mt. S. Michele mit gewaltigen Massen von Stahl und Eisen. Bald schlug der Kampf wieder zu hellen Flammen auf. Neuerlich begannen die Angriffe mit dem Versuch, die heißbegehrte steinige Höhe durch eine doppelseitige Umfassung zu gewinnen, um von hier aus sowohl Görz als auch den Karst zu beherrschen. Die stärksten Angriffe richteten sich gegen die k.u.k. 6. ID. auf dem Nordflügel des
VII. Korps. Hier war es die Gegend nächst der Bahn östlich vonPeteano und auf dem halben Hang gegen den Gipfel des Mt. S. Michele, wo sich Truppen der 29. und der 22. ID. der Italiener immer wieder bemühten, durch einen Durchbruch der Front zur Umfassung des Mt. S. Michele von Norden her zu gelangen. Es war vergebens. Zweimal glückte es dem Feinde am Vormittag, auf dem Nordhang einzudringen, beidemal warf ihn der Gegenstoß des XI. Marschbataillons des Prager IR. 28, das hiebei zwei Drittel seines Standes einbüßte, wieder hinaus; schließlich mußte die bisher unter furchtbarem Flankenfeuer gehaltene Stellung bei Tage doch geräumt werden.
Der Sturm gegen den Gipfel A275 wurde abgeschlagen; dagegen vermochte der Feind zu Mittag südlich der Bahn einzudringen. Das Gefecht wogte den ganzen Nachmittag hin und her und tobte auch die Nacht hindurch weiter. Westlich von S. Martino nächst der Höhe -<J>-197 schlug mittags die 17. ID. zwei Angriffe und nachmittags einen dritten im Nahkampf ab, wobei sich das IR. 46 unter Obstlt. Zeiss besonders auszeichnete und den Feind abends zum Zurückweichen zwang.
Am 19. unterbrach der Italiener seinen Angriff gegen den Nordflügel, versuchte aber den Mt. S. Michele durch Umfassung von Süden her zu nehmen. Den Vorstoß gegen den Südhang schlug vormittags die k. ung. 16. LstGbBrig. zurück. Nachmittags vermochte die 17. ID. östlich der Ruine-<>-143 die Angriffe der italienischen 21. ID. abzuweisen. Zur Entlastung der 6. ID. unterstellte das VII. Korpskmdo. dieser Division zwei Landsturmbataillone der 187. IBrig., die in der Nacht auf den
21. November das IR. 7 auf dem Mt. S. Michele abzulösen hatten. Dieses
Regiment wurde zur Verstärkung des Isonzoabschnittes östlich von Peteano bestimmt, wo sich die Durchbruchsversuche der Italiener immer empfindlicher fühlbar machten.
Am 20. November wiederholten sich die Versuche des Feindes, den Mt. S. Michele doppelt zu umfassen. In der Nacht war es Teilen der k.u.k. 12. IBrig. gelungen, die Einbruchsstellen auf dem Nordhang wieder zu säubern. Die 17. ID. wehrte eine drei Regimenter starke Angriff sgruppe um 8h vorm. und einen zweiten Vorstoß gegen Mittag ab. Im Laufe des Nachmittags kam es nach eintägiger Pause zu einem mächtigen Angriff an der Bahn bei Peteano und südlich von ihr. Der Kampf dauerte bis in die Nacht. Angesichts der feindlichen Überlegenheit und des überwältigenden Artilleriefeuers mußten die Reste der Besatzung eines vor der Front liegenden Stützpunktes an der Eisenbahn östlich von Peteano und eines kleinen Frontstückes am Hang zurückgenommen werden. Dieser unwesentliche Erfolg des Feindes blieb der einzige in dem tagelangen Ringen auf dem Nordflügel des VII. Korps und war mit unverhältnismäßig großen Verlusten erkauft worden. Aber die andauernd hohen Verluste der 6. ID. machten das k.u.k. VII. Korpskmdo. um die verläßliche Behauptung des Mt. S. Michele doch besorgt. Es erbat und erhielt vom Armeekmdo. die zwei Bataillone des IR. 27 zugewiesen, die seit dem 17. November in Biglia standen. Da das IR. 17 dem XVI. Korps für den Kampf bei Görz unterstellt worden war, verfügte das Armeekmdo. zunächst nur mehr über die 20. HID. als Reserve. Die
9. ID. traf seit dem 19. staffelweise in Prosecco ein und beendete die Ausladung der Truppen am 21. November.
An diesem letztgenannten Tage war es lediglich zu einem Angriff gegen den Südhang des Mt. S. Michele gekommen. Hier stießen mittags drei italienische Regimenter vor und vermochten die Mitte des k. u. LstlR. 29 westlich der Kirche 197 einzudrücken. Kräftige Wirkung der Abschnittsartillerie verhinderte ein Nachströmen von feindlichen Reserven und eine Erweiterung der Einbruchsstelle. Der Gegenangriff durch Truppen der 16. LstGbBrig. und durch Teile der Regimenter 7 und 61 konnte nicht die ganze verlorene Stellung zurückgewinnen, so daß die neue Kampflinie von der Nordwestecke von S. Martino über die Kirche •<> 197 zurückgebogen werden mußte, um dann nördlich der Kirche auf dem Südhange des Mt. S. Michele wieder in die vorderste Linie einzumünden.
Die zunehmenden Anstrengungen des Feindes, sich in den Besitz des Mt. S. Michele und von Görz zu setzen und der außergewöhnliche
Kräfteverbrauch in den angegriffenen Abschnitten veranlaßten den GdI. Boroevic, den allmählichen Einsatz der 9. ID. an Stelle der abzulösenden
28. ID. im Abschnitte des III. Korps anzuordnen; das IR. 96 war aus dem Abschnitt der 61. ID. herauszuziehen. Die 28. ID. hatte die vorhandenen Ersätze einzureihen und sich als Armeereserve im Abschnitt des III. Korps bereitzustellen. Ferner sollte das VII. Korpskmdo. sofort die Ablösung aller Truppen im Abschnitte der 6. ID. durch die ausgeruhte
20. HID. einleiten. Das XV. Korps hatte die restlichen zwei Bataillone aus Kärnten (111/18, IV/77) aus der Front zu nehmen und für die Verladung nach Ovčja Draga bereitzuhalten. Die gesamte Artillerie sollte durch die geplanten Kräfteverschiebungen nicht berührt werden.
An diesem Tage erhielt das 5. Armeekmdo. die Verständigung über das Anrollen der von der Heeresleitung zudisponierten 9. IBrig., die in Ovčja Draga vom 25. November an eintreffen und zunächst als Armeereserve im Wippachtal versammelt werden sollte.
Das Kommando der Südwestfront befahl gleichzeitig den Abtransport von vier Bataillonen aus Tirol zur 5. Armee. Diese Truppen1) kamen im Laufe des 23. November in Ovčja Draga an und wurden dem
XVI. Korps zugewiesen.
Die Erwägungen, die zu den von der Führung geplanten Neugruppierungen der Kräfte führten, entsprangen dem Willen der Heeresleitung, die ganze Verteidigungsfront unbedingt zu behaupten. Vor allem durfte ein Vordringen des Feindes in die Gegend von Rubbia nicht geduldet werden, da nicht nur die Gefahr einer wirksamen Umfassung des Mt. S. Michele hiedurch vergrößert worden wäre, sondern auch die beiden Korps, das VII. und das XVI., ihre inneren Flügel hätten bedeutend und dauernd verstärken müssen. Eine weitere Schwächung des zur Zeit nicht angegriffenen Nordflügels der 5. Armee schien nicht ratsam zu sein; denn ein neuerlicher Angriff am oberen Isonzo war noch immer möglich — in der Tat erfolgte ein solcher sehr bald —, und eine ausreichende Besetzung dieses mehr oder weniger selbständigen Abschnittes war nötig, um das Armeekmdo. auch bei größeren feindlichen Unternehmen gegen Tolmein der Sorge um die Entsendung von Verstärkungen zu überheben.
Der Grund, warum es dem Feinde gelungen war, wiederholt kleine Teilerfolge auf dem Nordflügel des VII. Korps zu erringen, lag darin, daß durch die Zurücknahme der Verteidigungsfront vom Karstrand während der Sommerschlachten das verbindende Stück vom Gipfel des
!) K. k. LstlBaone. 165, 169, TLstBaon. III und RBaon. 111/37.
Mt. S. Michele zur stehengebliebenen ursprünglichen Front am Isonzoufer zwischen Peteano und Rubbia einen nach Norden verlaufenden Haken bildete, der nicht nur auf nahe Entfernung vom Mt. Fortin, sondern auch von den feindlichen schweren Batteriegruppen aus der Gegend Mossa— Valisella andauernd Flanken-, ja sogar Rückenfeuer erhielt. Je weiter nun dieses verbindende Stück gegen die Wippachmündung zu abgebogen wurde, desto mehr war es der flankierenden Wirkung entzogen und gewann es an Widerstandskraft. Daher mußte eine günstigere Lösung für den Verlauf der unter allen Umständen zu behauptenden Linie in einem Ausgleich zwischen der gegenwärtigen steil vorspringenden und einer mehr abgeflachten Front gefunden werden. Hiezu ließ nun das
VII. Korpskmdo. von der östlichen Höhe A 275 gegen den Isonzo beschleunigt eine Rückhaltstellung ausbauen, die knapp westlich von Bos-chini vorbei gegen den Isonzo nächst der Wippachmündung führte und den genannten Forderungen entsprach. Es gelang aber dem VII. Korps auch weiterhin, die ursprüngliche, taktisch ungünstige vorderste Kampflinie im allgemeinen zu behaupten.
Die Verstärkungen ermöglichten nun eine zeitweilige Ablösung der stellenweise bis zur Erschöpfung kämpfenden Truppen. Beim Einsatz neuer, mit den Kampf Verhältnissen unvertrauter Truppen war aber große Vorsicht geboten, da sie in der Regel erst an die Gefechtsweise auf dem Karst gewöhnt werden mußten. Daher wurde die 9. ID. auf dem weniger bedeutungsvollen Südflügel in die Front gestellt, während die 28. ID. zum späteren Einsatz in einem schwierigen Abschnitt freigemacht wurde. Für die schwierigsten Abschnitte, den des Mt. S.Michele und den südlich anschließenden, sollten dann je zwei Divisionen, die sich gegenseitig abzulösen hatten, verfügbar sein. Schließlich kam dem reichlichen Zuschub von Artilleriemunition ganz besondere Bedeutung zu; die Heeresleitung trug dieser Erkenntnis, soweit sie konnte, Rechnung. Aber auch das Landesverteidigungskmdo. Tirol und das Armeegruppenkmdo. Rohr traten der 5. Armee große Mengen an Schießbedarf ab.
Der 22. November brachte die Fortsetzung des italienischen Druckes im Raume von S. Martino. In den wechselvollen Kämpfen mußte der rechte Flügel der 17. ID. um ein ganz geringes Stück an den Westrand des Ortes zurückgebogen werden; dagegen vermochten die Truppen der 16. LstGbBrig., unterstützt durch ein Bataillon des IR. 7 und durch Teile des in die Front gelangenden HIR. 17 der 20. HID., in der Nacht auf den 23. November einen Teil der am Vortage verlorenen Gräben dem Feinde zu entreißen und zu behaupten.
Nach einer Pause von neunzehn Tagen schritten feindliche Abteilungen am 22. November auch im Abschnitte des k.u.k. III. Korps zu einem allerdings vereinzelt bleibenden Angriffe. Nach starker Beschießung unserer Stellungen durch schwere Kaliber drangen vom Ostrandc des Ortes Selz her Abteilungen der italienischen 23. ID. überraschend in den Abschnitt der 56. IBrig. ein. Teile des steirischen IR. 47 warfen den Italiener im Gegenstoß sofort aus den Stellungen hinaus und nahmen ihm zahlreiche Gefangene ab1). Von nun an wurde der Südflügel der 5. Armee in der vierten Isonzoschlacht nicht mehr ernstlich angegriffen.
Am 23. November kam es abermals nördlich und südlich vom Mt. S. Michele zu erbitterten feindlichen Angriffen durch frische Kräfte. In dem wechselvollen Ringen behaupteten die Truppen der 6. ID. und der 16. LstGbBrig. ihre Stellungen. Aber die geplante Ablösung der
6. ID. war infolge der fortgesetzten Kämpfe unmöglich geworden. Die letzten großen Anstrengungen des Feindes, den Mt. S. Michele zu erobern, machten schließlich auch den Einsatz der 20. HID. notwendig, um diesen Schlüsselpunkt der Isonzofront zu behaupten. Zunächst mußten die durcheinandergeratenen Verbände wieder in Ordnung gebracht werden. In der Nacht auf den 24. November wurde das HIR. 4 an Stelle der
16. LstGbBrig. in die Front gestellt. Die Stellungen vom Isonzo bis einschließlich des Mt. S. Michele hielt FML. Schönburg-Hartenstein mit der
6. ID. und dem HIR. 3; den Abschnitt vom Mt. S. Michele bis einschließlich der Straße S. Martino—Sdraussina hatte GM. Lukachich, der Kommandant der 20. HID., mit einem Bataillon des IR. 7, den Honvéd-infanterieregimentern 4 und 17 sowie mit dem IR. 61 der 17. ID. zu verteidigen. Das HIR. 1, das vorübergehend dem XVI. Korps als Reserve unterstellt worden war, rückte am 24. November zum VII. Korps ins Vallonetal. Die abgelöste 16. LstGbBrig. gelangte nach Temnica ins Rastlager.
Der Kampf um den Mt. S. Michele ging indessen fort. Gegenangriffe, die in der Nacht auf den 24. von Teilen des IR. 61 und des HIR. 4 zur Wiederherstellung der Lage bei S. Martino unternommen wurden, vermochten nicht durchzudringen. Ein Morgenangriff der hier neueingesetzten italienischen halben 9. ID. (Brig. Palermo) brach blutig zusammen. Auf dem Nordhang begann der italienische Ansturm am 24. November erst in der dritten Nachmittagsstunde. Hier drückte der Angreifer die Stellung am Flügelanschluß des HIR. 3 und eines Bataillons des IR. 27 ein und bemächtigte sich einer kleinen Rückfallskuppe südöstlich von
1) Vogelsang, 365f.
III 32
Peteano; ein prächtig geleiteter und schneidig durchgeführter Gegenstoß der Kärntner vom Bataillon III/7 brachte sie am Morgen des 25. November wieder in unseren Besitz1), Auf der Kuppe des Mt. S. Michele wiesen die k. k. LstlBaone. 30 und 152 einen Angriff ab; nachts übernahm das HIR. 1 ihre Front. Bei S. Martino loderten kurz nach Mittag neue Kämpfe auf. Angriff und Gegenstoß wechselten in rascher Folge bis zum Abend. Um 8h3° abends gelang es, die alte Stellung im Sturme zu nehmen und zu behaupten.
Die Lage des VII. Korps erforderte die Zusammenfassung aller Kräfte bei unbedingter Herstellung geordneter taktischer Verbände. Erzherzog Joseph plante eine tiefgegliederte Neugruppierung mit vier Divisionsabschnitten. Es sollte die 20. HID. vom Nordflügel bis S. Martino, die 17. ID. bis zur Höhe -<>-164 (südöstlich von der Höhe -cj>-197), die 106. LstlD. bis südlich der Kote 111 und die 22. SchD. von da bis zum Mt. dei sei Busi stehen. Die 110. LstlBrig. war von der 22. SchD. an die 106. LstlD. abzugeben, die vier Landsturmbataillone der 187.IBrig. sollten zur 22. SchD. treten. Das Armeekmdo. genehmigte die geplanten Maßnahmen. Diese wurden trotz der fortdauernden Kämpfe bis zum 27. November durchgeführt, wobei freilich im Abschnitte der 20. HID. auch die 6. ID. verbleiben mußte, damit der nördliche Abschnitt mit dem Schlüsselpunkt der Karsthochfläche, dem Mt. S. Michele, bis zum Ende der Schlacht behauptet werden konnte.
Auch am 25. tobte der Kampf um den Mt. S. Michele fort. Das in den Frühstunden zurückeroberte Stellungsstück auf dem Nordhang des Berges mußte des wuchtigen italienischen Artilleriefeuers halber geräumt werden und gelangte erst am 26. November früh wieder in unseren Besitz. Die vielfachen italienischen Vorstöße nördlich des Gipfels und bei S. Martino konnten durch Artillerie- und Maschinengewehrfeuer zurückgeschlagen werden.
Im Abschnitte des III. Korps begann in der Nacht auf den 26. die Ablösung der 28. durch die 9. ID., und im Wippachtale rollten die ersten Staffeln der 9. IBrig. an, die sich im Raume Osek—Cernizza—Selo sammelte.
Der 26. November brachte ein merkliches Abflauen der feindlichen Angriffe; bis zum Mittag herrschte an der ganzen Front des VII. Korps verhältnismäßig Ruhe. Dann begann ein schweres Bombardement gegen die Stellungen zwischen der Bahn und dem Gipfel A275, das besonders durch das Flankenfeuer vom Mt. Fortin und von den schweren Batterien bei Valisella dem Verteidiger viele Verluste zufügte.
!) Krug, Mit den Siebenern wider den Erbfeind (Graz 1917), 22f.
Das letzte Ringen um den Erfolg (26. November bis Anfang Dezember)
Die Angriffe der Italiener am oberen Isonzo (26. November bis 1. Dezember)
Hiezu Beilage 27
In den Julischen Alpen hatte der Bergwinter in den ersten Novembertagen seinen Einzug gehalten. Schneestürme vereitelten zunächst jede Kampfhandlung auf den Höhen und im Isonzotale. Nun hatte aber Cadornas Plan für die vierte Isonzoschlacht vorgesehen gehabt, daß GLt. Frugoni mit den beiden nördlichen Korps der 2. Armee im Raume Rombon—Canale Ablenkungsangriffe durchführe und ein Abziehen feindlicher Kräfte, das durch das Wetter im Gebirge und die seit dem
29. Oktober herrschende Kampfpause begünstigt war, unbedingt verhindere. „Erst wenn die Umstände es empfehlen sollten,“ hieß es im Befehle der Heeresleitung, „haben das IV. und das VIII. Korps zu entscheidenden Handlungen überzugehen1)“, womit jedenfalls gemeint war, daß sie ihre am Beginn der Herbstkämpfe zugewiesene Aufgabe, die Eroberung der Becken von Tolmein und Flitsch sowie die Gewinnung der Höhen am Ostufer des Isonzo, fortzusetzen hatten.
Vom 10. bis zum 18. November vereitelte am oberen Isonzo äußerst rauhes und kaltes Wetter, das nach heftigen Gewittern und sintflutartigen Regengüssen in Schneestürme mit großer Kälte überging, fast jede Kampftätigkeit. Doch auch die vorübergehende Aufheiterung nach dem 18. verstrich, ohne daß es zu größeren Angriffshandlungen oberhalb von Plava gekommen wäre. Erst am 26. November — nach fast einmonatiger Kampfpause — nahmen die beiden nördlichen Korps der italienischen 2. Armee den Angriff gegen das k.u.k. XV. Korps in größerem Umfange wieder auf. Es hatte dazu allerdings erst einer scharfen Weisung Cadornas bedurft, der das Auftauchen von öst.-ung. Bataillonen aus dem Tolmeiner Abschnitte in den Kämpfen bei Görz auf das Ausbleiben des von ihm befohlenen Druckes gegen den Nordflügel der k.u.k. 5.Armee zurückführte2).
Da die Fruchtlosigkeit der bisherigen Angriffe auf der Karsthochfläche und bei Görz immer klarer zutage trat, raffte sich die italienische Führung, die auf einen Umschwung der allgemeinen Lage wohl nicht mehr
1) Ital. Gstb.W., II, Text, 494, 537.
2) Ebenda, II, Text, 537.
hoffen durfte, nochmals auf, um mit einem letzten Versuch wenigstens gegen den augenscheinlich durch Truppenabgaben geschwächten gegnerischen Nordflügel einen örtlichen Erfolg zu erringen. Damit begannen bei Tolmein Angriffe, die bis zum Abschluß der Schlacht fortgesetzt wurden.
GLt. Frugoni stellte die Masse des VIII. Korps zum Hauptangriff gegen den Brückenkopf von Tolmein, das IV. Korps mit seinem rechten Flügel (8. ID. und beide Alpinigruppen) zum Angriff im Raume Dolje— Mrzli vrh bereit; der linke Flügel des IV. Korps sollte — soweit es im winterlichen Hochgebirge möglich war — den Feind im Raume Rombon— Krn durch Vorstöße binden. Beim VIII. Korps, dem schon früher die
7. ID. unterstellt worden war, hielt ein Regiment der 27. ID. den Isonzo-abschnitt Anikova—Doblar, die 13. ID. hatte die Höhe A 588, die 7. ID. die Höhe Sv. Maria anzugreifen; der Rest der 27. ID. war Korpsreserve auf dem Kolowratrücken westlich von der Kuppe A 588.
Am 25. November leitete starke Artillerietätigkeit den Kampf gegen die Hügelstellungen bei Tolmein und gegen den Rücken Mrzli vrh— Vodil vrh ein. Vom Morgengrauen des 26. an steigerte sich das Feuer zu immer größerer Wucht. Nach kurzem Trommelfeuer schritten um 10h vorm. die Hauptkraft der 8. ID. und die Alpinigruppen A und B, zusammen etwa zwölf Bataillone, zum Sturm. Auf dem Vodil vrh brachen die Alpini schon vor dem Erreichen der Stellungen der 14. GbBrig., die jetzt vom Obst. Edl. v. Conrad befehligt wurde, im Artilleriefeuer zusammen; auf dem Mrzli vrh kam es zu Nahkämpfen, in denen es drei Bataillonen des Verteidigers1) gelang, den weit überlegenen Feind bis 2h nachm. völlig zurückzuwerfen und ihm auch einige Offiziere und über 250 Mann an Gefangenen abzunehmen.
Nachdem dieser erste Versuch des Feindes auf den Höhen gescheitert war, kam der vom VIII. Korps gegen die Hügelstellungen im Tolmeiner Becken beabsichtigte Angriff nicht mehr zur Entwicklung.
Bis zum 27. November früh hatten sich die Angriffsverhältnisse durch starken, die Nacht über dauernden Schneefall noch weiter verschlechtert; deshalb versuchte der Feind tagsüber an der ganzen anzugreifenden Front nur Ablenkungsvorstöße, die aber ohne jeden Erfolg blieben. Gegen Abend wurden die italienischen Sturmstellungen stark besetzt, und in der Nacht auf den 28. griffen Truppen der 7. ID. zweimal bei Sv. Maria an, wurden jedoch abgewiesen, wobei Gefangene von vier Regimentern in den Händen des Bataillons 111/35 der 8. GbBrig. blieben.
i) IV/30 der 3., 11/66 der 15. und 111/85 der 7. GbBrig.
Am 28.November wurde nach stärkster Artillerie-und Minenwerferwirkung um llhvorm. wieder der Höhenrücken Mrzli vrh—Vodil vrh durch eine Brigade der 8. ID. und mehrere Alpini- und Bersaglieribatail-lone angegriffen. Auf dem Mrzli vrh und auf der Rückenkuppe -c>- 854 vermochte der Verteidiger den eingebrochenen Feind durch Gegenangriffe kleiner Reserven vollends hinauszuwerfen; an der übrigen Front erlagen die Sturmwellen dem zusammengefaßten Abwehrfeuer aller Waffen. Der stellenweise in dichten Linien vorgetragene Angriff kostete den Feind einige hundert Tote und Verwundete und abermals zahlreiche Gefangene1). Aber auch die an den Kämpfen beteiligten Truppen der 3. und der 14. GbBrig. hatten bedeutende Verluste erlitten, insbesondere die beiden meistbeteiligten Bataillone 11/66 und 111/85. Das italienische
VIII. Korps, das im Bereiche der Tolmeiner Hügel der k.u.k. 8. GbBrig. gegenüberstand, kam über Tastversuche, die leicht abgewehrt wurden, nicht hinaus.
Während es am 29. November gelang, den nach starker Artilleriebeschießung neuerlich zum Angriff gegen die Höhenstellungen des Mrzli und Vodil vrh ansetzenden Feind durch das treffsichere Feuer unserer Batterien und Maschinengewehre niederzuhalten und auch Ansammlungen im Krngebiet zu zerstreuen, wurden an diesem Tage heftige Vorstöße gegen den Tolmeiner Brückenkopf geführt. Die Hügelstellungen standen vom Morgen bis zum Nachmittag unter starkem Zerstörungsfeuer, das von 3h bis 4h nachm. zu Trommelfeuer gesteigert wurde. Dann griff der Feind die Höhe Sv. Maria dreimal nacheinander mit starken, tiefgegliederten Massen an, die von der tapferen Besatzung bis zum Abend unter schweren Verlusten für den Angreifer zurückgeschlagen wurden. Am 30. wiederholte der linke Flügel des italienischen VIII. Korps, die verstärkte 7. ID., die Vorstöße auf Sv. Maria. Nachdem drei Stürme blutig gescheitert waren, trat abends Ruhe ein. Zwischen Selo und der Höhe A 588 vertrieb das zeitgerecht einsetzende Feuer unserer Batterien mehrere zum Angriff vorbrechende Bataillone der italienischen 13. ID., die in ihre Ausgangsstellungen zurückwichen.
Am 1. Dezember raffte sich der Feind zum letzten allgemeinen
x) Die Angabe bei Z i n g a 1 e s, 416, wonach der Mrzli vrh, A 1360, genommen und behauptet wurde, ist unrichtig. Vom Verteidiger wurde lediglich ein am Westhange des Mrzli vrh (vom A 1360 etwa i/2 km entfernt) feindwärts stark vorspringendes Grabenstück von 100 Schritten Länge aufgegeben und 30 bis 50 Schritte dahinter eine neue Stellung bezogen. Der Mrzli vrh, A 1360, blieb auch weiterhin stets im Besitze der k.u.k. Truppen. Im Ital. Gstb. W„ II, Text, 541, wird über den 28. November als .,Rasttag“ hinweggegangen und von den Kämpfen keine Erwähnung getan.
Angriff gegen die Front Mrzli vrh—Selo auf. Die Artillerievorbereitung dauerte von früh bis lh nachmittags. Die dann unternommenen Nahangriffe auf dem Mrzli vrh und beiderseits der Kuppe -<>-854 scheiterten an dem Widerstand der 3. GbBrig. und der Gruppe Obst. Wasserthal. Die größte Anstrengung richtete der Feind abermals gegen den Brückenkopf. Aber nur vor Sv. Maria und dem Frontstück Höhe A 588—Selo gelangte der Feind bis auf Sturmentfernung heran. Dort brachen seine Sturmwellen, durch das Feuer des Verteidigers niedergemäht, zusammen.
Ein abermaliger gewaltiger Wettersturz mit Regen und Schneestürmen, Nebel und Kälteeinbruch beendete die heftigen fünftägigen Kämpfe bei Tolmein1). Planmäßig zerstörte der Feind noch durch mehrstündiges Artilleriefeuer die größeren Siedlungen hinter unseren Stellungen, vor allem auch den Hauptort Tolmein.
Im Rahmen der vierten Isonzoschlacht sei nun kurz noch der Kampfereignisse auf dem Ostflügel der Armeegruppe Rohr gedacht.
Während das k.u.k. XV. Korps erst in den letzten Tagen der Schlacht an den eben geschilderten größeren Kämpfen beteiligt war, hatte die nördlich vom Krn anschließende 44. SchD. der Armeegruppe Rohr schon bald nach Beginn der Kämpfe und in weiterer Folge mehrere Angriffe abzu wehren.
Nach mehrstündiger schwerer Beschießung war es am 11. November zu Vorstößen der Italiener auf dem Vršič und auf dem Javorček gekommen. Nach kurzem, heftigem Kampfe vermochte die Besatzung — Ober- und Niederösterreicher der 87. SchBrig. — mittags den Angreifer in seine Stellungen zurückzutreiben. Nachmittags wurde ein neuerlicher Angriff gegen die Vršičvorstellung durch Artilleriefeuer und Rollbomben abgewehrt. Es gelang an diesem Tage überdies, die feindliche Sandsackstellung nächst dem Vršičgipfel zum dritten Male innerhalb weniger Wochen zu sprengen. Die gegen den Javorček und die Talstellungen östlich von Flitsch von den Italienern vorbereiteten Angriffe kamen überhaupt nicht zur Entwicklung.
Am 12. wiederholte der Feind sein Unternehmen im Abschnitte Javorček—Vršič. Nach einer fünfstündigen, mächtigen Vorbereitung durch Artilleriefeuer wurde ein starker feindlicher Angriff abermals von der
Über die Einstellung der Kämpfe und den Zustand der italienischen Truppen in dieser Zeit schreibt T o s t i, 108: „Wegen des schlechten Wetters wurden die Operationen eingestellt. Hier, im eisigen Isonzotale, hatten der Frost und die Stürme die ersten Erfrierungsfälle bei den Truppen verursacht, die sich nach so vielen Mühen und Widrigkeiten schließlich in einem jämmerlichen Zustand befanden.“ 87. SchBrig., GM. Richard Jellenchich, mit Unterstützung durch Teile des Kärntner GbSchR. 1 aus dem Abschnitt Obst. Edl. v. Schuschnigg zurückgeschlagen. Zwei weitere Überfälle am Abend auf dem Javorček und ein Angriff gegen die Vršičvorstellung wurden mit Gewehr und Handgranate glänzend abgewehrt, wobei sich die heldenmütige schwache Besatzung der Stellung auf dem Kamm des Vršič ganz besonders auszeichnete, freilich auch drei Viertel ihres Standes verlor.
Bis zum 18. November behinderte die Ungunst des Wetters größere Kampfhandlungen. Als sich am 18. November bei starkem Frost das Wetter zu ändern begann, kam es neuerlich zu Vorstößen auf dem Vršič und im Flitscher Becken, die jedoch bald zusammenbrachen.
Die beim XV. Korps am 26. November entbrannten Kämpfe hatten im Abschnitte der 44. SchD. eine stark erhöhte Tätigkeit der feindlichen Artillerie ausgelöst, ohne daß es zunächst zu Infanterieangriffen gekommen wäre. Erst am 28. November versuchte der Italiener einen umfassenden Angriff gegen die Vršičvorstellung, der größtenteils durch Gewehrgranatenfeuer abgewiesen werden konnte. In den folgenden Tagen kam es nur noch zu Kleinunternehmen und Artilleriekämpfen, bis auch hier der Wetterumschwung am 1. Dezember die langandauernde Winterruhe brachte.
Das Scheitern der italienischen Durchbruchsversuche gegen den Görzer Brückenkopf
(25. bis 29. November)
Hiezu Skizze 15
Am 25. November leitete andauerndes, starkes Artillerie-und Minenwerferfeuer gegen die Brennpunkte der bisherigen Kämpfe die neuerlichen, entscheidungsuchenden italienischen Angriffe bei Görz ein. Auch die Stadt selbst wurde abermals und mehr als in den letzten Tagen beschossen. Drei anscheinend zur Erkundung der Besatzungsstärke durchgeführte schwächere italienische Vorstöße konnten beiderseits der Kirche von Oslavija am Nachmittag ohne Mühe abgewiesen werden. Die von unseren Fliegern festgestellte Räumung fast aller Truppenlager im Coglio, dem Hügellande nördlich der Bahn Görz—Cormons, deutete auf das Vorziehen aller feindlichen Kräfte zur Front; Gefangene bestätigten den bevorstehenden Hauptansturm auf den Brückenkopf.
Der Beginn des allgemeinen Angriffes sprach sich am 26. schon schärfer aus. Truppen in der Stärke von etwa zwei bis drei Regimentern rannten bei Oslavija vormittags viermal und bis zum Abend noch zweimal gegen unsere Stellungen an, ohne daß ihnen ein Einbruch gelang. Bei Pevma fluteten gegen Mittag ein bis zwei Regimenter im vernichtenden Kreuzfeuer der Artillerie zurück, und eine starke italienische Angriffsgruppe, die nach vierstündiger Beschießung nachmittags südlich vom Podgoragipfel A 240 vorstürmte, erlag im Nahkampfe den ruhigen, harten, starknervigen Dalmatinern der Brigade GM. Nöhring. Die Nacht unterbrach den Kampf; nur auf dem Mt. Sabotino und in der Stadt Görz fielen von Zeit zu Zeit Granaten schwersten Kalibers ein.
Am 27. November hatte die artilleristische Vorbereitung des italienischen Angriffes noch vor dem Morgengrauen begonnen. Hunderte von Feuerschlünden aller Kaliber tobten gegen den Oslavijarücken und die Podgora. Im ersten Dämmern des Spätherbsttages kam es zum Sturm gegen die zerschossenen Gräben. Die feindliche Führung hatte zum letzten Streich auf dem engen Raum zwischen dem Mt. Sabotino und der Bahn fünf Divisionen bereitgestellt, die durch Regimenter aus dem Raume von Plava und durch armeeunmittelbare Bersaglieri-Radfahrerbataillone verstärkt waren. Der Hauptteil dieser Truppenmacht wurde zum Durchstoßen des Brückenkopfes zwischen der Höhe -<>-188 und der Kirche von Oslavija angesetzt. In wiederholten, mit größter Zähigkeit geführten Angriffen erlitt der immer wieder neue Reserven vortreibende Feind empfindliche Verluste. Als seine bis 4h nachm. wohl zum sechsten oder siebenten Male längs der Straße vorgegangenen Sturmsäulen, vom Abwehrfeuer niedergemäht, zusammenbrachen, stieß der Verteidiger aus seiner Kampffront vor und eroberte in glänzendem Anlauf den letzten Rest der am 20. November auf dem Südwesthange der Höhe -$•188 in Feindeshand gefallenen Gräben, wobei zahlreiche Gefangene eingebracht wurden. Außer den Bataillonen, die an diesem seit Beginn der Schlacht erbittertsten und blutigsten Kampf beteiligt waren1), hatte die vortrefflich geleitete Artillerie des XVI. Korps ein besonderes Verdienst an dem Erfolge des Tages. Der Italiener unterließ wegen der ungeheuren Verluste einen für die Nacht auf den 28. geplanten Massenangriff; er ersetzte seine abgekämpften Truppen (Regimenter von der 4., 9. und
10. ID.) durch frische Kräfte und beschränkte sich nachtsüber auf einen schwächlichen Vorstoß gegen die fest in unserer Hand befindliche Höhe -c>-188.
Während bei Oslavija schwer gerungen wurde, kam es vor der Mitte des Brückenkopfes zu keinem Angriff; hingegen mühten sich
x) Es waren dies die Bataillone 111/17, 111/18, IV/22 und IV/77.
Bataillone von vier italienischen Regimentern in vielstündigen harten Einzelkämpfen, den Höhenkamm bei -fr184 zu gewinnen, wo sie wieder von den Dalmatinern mit Gewehr und Handgranate abgewehrt und zuletzt, wegen Mangels an Handgranaten, wiederholt durch Steinwürfe zurückgeschlagen wurden. GM. Zeidler zog einen Teil seiner Reserven aus den Rastlagern näher an Görz heran. Das Kommando der 60. IBrig., dem nunmehr wieder der Abschnitt von Oslavija unterstand, hatte Obst. Domaschnian übernommen.
Am 28. wurde der Kampf um den Görzer Brückenkopf fortgesetzt. Vormittags vermochte der Verteidiger die bei Oslavija versuchten Stürme frischer feindlicher Truppen abzuwehren. Am heftigsten tobte die Schlacht wieder auf jenem blutgetränkten Rücken, auf dem das Frontstück zwischen der Kirche und der Straße abermals verlorenging. Die Stellungen nächst der Kirche und die Höhe -fr 188 blieben aber in unserer Hand. Abends stellte der Feind den Angriff ein. Er zog für den folgenden Tag weitere Verstärkungen, darunter Truppen der 32. ID. und die halbe 35. ID. (Brigade Novara), heran. Bei Pevma kam es nach einem mißglückten italienischen Angriff nur zu einem stehenden Feuergefecht. Auf dem Südflügel des Brückenkopfes vermochte die 5. GbBrig. neuerlich alle feindlichen Angriffe zurückzuschlagen. Hier konnten beim Angreifer schon Anzeichen wachsender Entmutigung wahrgenommen werden; zahlreiche feindliche Kämpfer hatten sich ergeben.
Der 29. November brachte vor Görz den letzten großen Angriff. Im Laufe des Vormittags vermochte die Artillerie des Verteidigers die auf nahe Entfernung angesetzten italienischen Angriffe noch zu ersticken. Erst nachmittags erfolgte nach stärkster Artillerievorbereitung ein Massenangriff mehrerer frischer Regimenter auf dem Kirchenrücken, wobei sich der Italiener nach hin und her wogenden Kämpfen schließlich in den Besitz des Raumes beiderseits der Kirche setzte. Infolgedessen bog sich die Verteidigungslinie nach dem Abschluß der heißen Kämpfe von der Höhe -<>-188 längs der Straße etwa 700 Schritte zurück und setzte sich auf dem kleinen Zwischenrücken 400 Schritte südöstlich von der Kirchenhöhe fort; knapp westlich von Oslavija erreichte sie wieder die ursprüngliche vorderste Stellung. In den anschließenden Abschnitten des Brückenkopfes leistete der Verteidiger zähen Widerstand; er brauchte keinen Schritt Bodens preiszugeben. Allerdings wurden die Höhen westlich von Pevma und Grafenberg sowie die Podgora nur mehr schwach angegriffen; dort beschränkte sich der Feind auf lebhafte Sappenarbeit und auf Artillerie- und Minenfeuer.
In der Nacht auf den 30. November konnte GM. Zeidler die an den letzten Kämpfen meistbeteiligten Bataillone, die bis zu zwei Drittel ihres Standes verloren hatten, ablösen lassen. Diese fünf Bataillone, dann das IR. 17 und ein Bataillon des IR. 80 blieben als Divisionsreserven in den Rastlagern östlich von Görz. Außerdem wurde der 58. ID. eines der aus Tirol zugeführten und dem XVI. Korpskmdo. unterstellten Bataillone überwiesen.
Der Feind gab sich mit dem Einbruch bei Oslavija zufrieden und stellte, wohl auch unter dem Einfluß des plötzlich eingetretenen schlechten Wetters, am 30. November seine Angriffe ein. Görz, die Isonzoüber-gänge sowie die Stellungen westlich der Stadt wurden auch weiterhin unter schwerem Feuer gehalten. Ein unter dem Schutze dichten Nebels am 1. Dezember von etwa vier Bataillonen längs der Straße gegen Pevma versuchter Überfall wurde leicht abgewiesen; dann trat an der Front Ruhe ein. Die heldenmütigen Verteidiger hatten sie redlich verdient. Sie hatten den mehrwöchigen, hartnäckig wiederholten Anstürmen eines weit überlegenen Feindes mit dem Aufgebote aller Kräfte standzuhalten vermocht1).
Die letzten vergeblichen Anstürme der Italiener auf dem Karst (27. bis 30. November)
Hiezu Skizze 16
Während es in den letzten Novembertagen bei Oslavija zum entscheidenden Ringen um den Görzer Brückenkopf kam, ließ auch die italienische 3. Armee in ihren hartnäckigen Angriffen auf dem Mt. San Michele nicht nach; immer von neuem führte der Herzog von Aosta seine Sturmscharen zum Kampf. Um diesen Angriffen gewachsen zu sein, ließ GdI. Boroevic die geplante Ablösung der 28. ID. und des Westflügels der 187. IBrig. zwischen Lokavac und Duino am 26. und 27. durch die
9. ID. durchführen. Die hiedurch freigewordenen, schlachterprobten Truppen der 28. ID. wurden im Raume Selo—Gor jansko als Armeereserve bereitgestellt. Gleichzeitig sammelte sich die in Ovčja Draga ausladende 9. IBrig. bei Cernizza. In der Nacht auf den 27. November wurde von der 106. LstlD., FML. Kletter, die 111. LstlBrig., Obst. Gött-
!) Dem Führer der 58. ID., GM. Erwin Zeidler, wurde für seine Verdienste um die Verteidigung von Görz im Jahre 1915 das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens verliehen. Die gleiche Auszeichnung erwarb FZM. Wenzel Wurm, Kommandant des XVI. Korps, für die Leitung der Kämpfe am Isonzo im Jahre 1915.
licher, in dem von der Höhe -<J>-164 bis etwa 800 Schritte südlich der Kote 111 reichenden Abschnitt zwischen der 17. ID. und der 22. SchD. eingeschoben.
Am 27. beschossen die italienischen Batterien insbesondere wieder die bekannten Angriffsräume auf dem Nordhang des Mt. S. Michele, bei S. Martino und bei Kote 111. Im letztgenannten Raum unternahm der Italiener erst nachmittags größere Angriffe, die aber ebenso wie Vorstöße gegen die Front der 22. SchD. und die der 17. ID. bei S. Martino unter erheblichen Verlusten für den Feind scheiterten. Gegen Abend warf die 106. LstlD. einige westlich der eben genannten Kote eingedrungene italienische Sturmtrupps aus der Stellung. Die Front nördlich von S. Martino wurde am 27. November nicht angegriffen.
Die beiden folgenden Tage, der 28. und 29. November, waren ausgesprochene Großkampftage. Seit dem 28. früh lagen alle Teile der Front des Erzherzogs Joseph unter stärkstem Feuer, namentlich schwerer und schwerster Kaliber. Östlich von Peteano, beiderseits der Straße und Bahn, beherrschten aber die k.u.k. Batterien vom VII. und vom XVI.Korps das Vorfeld so vollständig, daß die dort zum Angriffe bereitgestellten italienischen Regimenter den Kampf nicht wagten. Auf dem Mt. S.Michele brach um die Mittagszeit eine Gruppe von vier italienischen Regimentern zum Sturm vor. Das Sperrfeuer unserer Batterien schlug in ihre Reihen, der Sturm scheiterte an den meisten Stellen. Nur auf dem Nordhang des Mt. S. Michele drang der Feind in einem kleinen Frontstück ein. Bei S. Martino kam es zu blutigen Nahkämpfen, ebenso weiter südlich bei der 17. ID.; auch nächst der Kote 111, bei der 106. LstlD., rangen die Gegner in furchtbaren Einzelkämpfen. Neue Verstärkungen be-rannten die ganze Front. Sie wankte einen Augenblick. Die Artillerie vervielfältigte ihre Tätigkeit. Im schwindenden Licht der frühen Dämmerung warfen sich nun die braven Regimenter, vor allem das ungarische IR. 39 und die Egerländer vom LstlR. 6, auf den Feind und schlugen ihn so vollständig zurück, daß er schließlich in Auflösung auf seine Ausgangsstellungen zurückwich.
Südlich der 106. LstlD. wurde nicht angegriffen. Die Artillerie zerstreute feindliche Ansammlungen vor der Front. Bei Vermegliano zerstörten unsere 24 cm-Mörser versenkbare italienische Nahkampfgeschütze. Die zwei deutschen 13 cm-Fernkampfkanonen wirkten mit sichtbarem Erfolg gegen die italienischen Lagunenbatterien.
Am 29. November raffte sich der Feind zu einem letzten allgemeinen Angriff gegen den Mt. S. Michele auf; wieder entbrannten die schwersten Kämpfe. Noch vor Tagesanbruch vermochte das XI. Marschbataillon des IR. 28 die Einbruchsstelle auf dem Nordhang des Berges nach kurzem Kampfe wiederzugewinnen. Von 7h vorm. an setzte stärkstes Trommelfeuer gegen die ganze Front bis zur Kote 111 ein. In den Mittagsstunden schlugen die tapferen Honvédregimenter 1 und 4 wiederholt Stürme der Italiener gegen den Mt. S. Michele und bei S. Martino ab. Nach neuerlicher Artillerie- und Minenwerfervorbereitung kam es um 5h nachm. zu zwei in dichten Massen vorgeführten feindlichen Angriffen. In verbissenem Widerstand behauptete die 20. HID. ihre zerschossenen Stellungen; nur ein Grabenstück westlich von S. Martino blieb verloren. Nach dem zweiten gescheiterten Anlauf rissen unsere Batterien in den Reihen des in dichten Haufen weichenden Feindes klaffende Lücken.
Die 106. LstlD. schlug alle Angriffe ab, und auch die 22. SchD. behauptete durchwegs ihre Stellungen.
In der Nacht auf den 30. fanden Ablösungen der arg mitgenommenen Truppen innerhalb der Divisionsabschnitte statt. Das 5. Armee-kmdo. hatte am 29. November die seit dem 24. im Lager bei Temnica befindliche 16. LstGbBrig. des VII. Korps zur Armeereserve bestimmt.
Am 30. November versuchte der Feind um 6h früh einen überraschenden Ansturm gegen den Mt. S. Michele, der im Infanterie- und Maschinengewehrfeuer blutig scheiterte. Das feindliche Artilleriefeuer flaute an diesem Tage ab, da sich die Sichtverhältnisse durch Nebel und Regen zunehmend verschlechterten. Nur bei der 106. LstlD. versuchten gegen Abend mehrere italienische Bataillone noch einen Angriff; dieser scheiterte jedoch.
Nach gründlicher Vorbereitung gewann in der Nacht auf den 1. Dezember das IR. 46 westlich von S. Martino das tags vorher verlorene Grabenstück zurück. Am 1. Dezember beschränkte sich der Italiener auf starke Feuerüberfälle und schwächere Vorstöße gegen den Mt. S. Michele, die Höhe -<>-164 und die Kote 111, ohne aber durchzudringen.
Das Ausklingen der italienischen Herbstoffensive und die Neugruppierung der k.u.k. Streitkräfte am Isonzo
(2. bis 15. Dezember)
Hiezu Beilage 28
Am 1. Dezember war der große Ansturm der Italiener verebbt. Dieser Tag kann daher als letzter der vierten Isonzoschlacht angesehen werden. Die italienische Herbstoffensive brach jedoch nicht sofort ganz ab; der Feind führte bis zum 14. Dezember noch da und dort räumlich beschränkte Teilangriffe fort, von denen einer im Gebiet des Mt. S. Michele vom 7. an einen fast dreitägigen Kampf auslöste.
Zuerst wurde am 2. Dezember die Stadt Görz mit bisher nicht erreichter Heftigkeit beschossen, wobei sehr beträchtliche Schäden entstanden. Vom 3. bis zum 6.Dezember kam es zu starken Artilleriekämpfen und mehreren Teilangriffen gegen den Brückenkopf von Görz und auf der Karsthochfläche. Diese Kampfhandlungen bestanden in einem starken, aber vergeblichen Angriff gegen die Kirche von S. Martino, einer neuerlichen heftigen Beschießung der Stadt Görz am 4. Dezember und mehreren, von starkem Artilleriefeuer begleiteten, aber mißglückten Durchbruchsversuchen bei Oslavija.
Am 7. Dezember griffen stärkere italienische Kräfte (Truppen der
22. und der 29. ID.) die Stellungen beiderseits des Mt. S. Michele an; der Kampf griff nach und nach bis über S. Martino hinaus. Den an einer einzigen Stelle auf dem Nordhange des Mt. S. Michele eingedrungenen Feind warf das HIR. 1 in einem glänzend durchgeführten Gegenangriff wieder hinab. Am 8. Dezember drang der Italiener an der gleichen Stelle neuerlich ein, mußte aber dem Gegenstoß abermals weichen. Am 9. Dezember beendigte der Feind das dreitägige Angriffsunternehmen durch einen abermals mißlingenden nächtlichen Vorstoß auf dem Nordhang des Mt. S. Michele, worauf die Kampftätigkeit nach und nach abflaute.
In den übrigen Abschnitten kam es zu mehreren kleinen Offensivstößen. Eine italienische Torpedobootsflottille, die eine Beschießung der Küstenstellungen bei Sistiana begonnen hatte, mußte sich bald unter dem Feuer unserer schweren Batterien zurückziehen. Am 8. und am 14. Dezember glückten dem k.u.k. XV. Korps einige kleinere Unternehmen, bei denen dem Feinde ein Grabenstück bei Dolje entrissen werden konnte.
Am 15. Dezember verstummte am Isonzo der ununterbrochen durch zwei Monate dauernde Schlachtenlärm, und es trat nahezu völlige Ruhe ein. Rauhes Wetter zog über das Land, Schneestürme fegten über die Höhen, eisige Regenschauer und die Bora über den Karst. Die Unbilden des Wetters, vor allem Nässe und Feuchtigkeit, setzten Freund und Feind in diesen Wochen stärker zu als die Wirkung der Waffen.
Die k.u.k. 5.Armee hatte in den 47 Tage währenden Kämpfen gegen eine im Durchschnitte zweieinhalbfache, stellenweise sogar drei-bis vierfache Übermacht des Feindes1), dessen Truppenstärke durch raschen Ersatz der Gefechtsverluste beinahe bis zum Ende der Schlacht
!) Wie bei Oslavija, bei Plava und am Brückenkopf von Tolmein.
auf voller Höhe gehalten worden war, und dem fast unbegrenzte Mengen an Schießbedarf und an allen materiellen Mitteln zur Verfügung standen, ihre Verteidigungsstellungen siegreich behauptet. War der Raumverlust des Verteidigers schon in der dritten Isonzoschlacht gering gewesen, so beschränkte er sich in der vierten auf die Einbuße des Rückens von Oslavija zwischen der Kirche und der Straße, dann einzelner Grabenstücke auf der Podgora und am Nordhange des Mt. S. Michele sowie auf die Zurücknahme der vordersten Linie an den Westrand von S. Martino. Überdies waren einzelne Gräben zwischen S. Martino und der Kote 111 verlorengegangen; der Geländegewinn des Feindes griff jedoch nirgends über einen Kilometer in unsere Verteidigungsstellungen hinein und blieb für die weitere Gefechtsführung ohne sonderlichen Belang.
Die Verluste der 5. Armee waren in den beiden Herbstschlachten allerdings entsprechend der Stärke der beteiligten Kräfte, dem Umfang und der Dauer der Kämpfe höher als in den beiden Sommerschlachten zusammengenommen, obwohl sie nach ihrer Verhältniszahl in der zweiten Isonzoschlacht am größten waren. Vom 10. November bis zum 1. Dezember zählten an Verlusten:
Abschnitt I: 590 Tote, 295 Vermißte1), 1.238 Verwundete, zusammen 2.123 Mann
„ II: 1.277 „ 1.507 „ 4.977 „ „ 7.761 „
„ lila: 1.851 „ 3.223 „ 9.395 „ „ 14.469 „
„ IHb: 177 „ 27 „_834 _„ 1.038 „
Zusammen: 3.895 Tote, 5.052 Vermißte, 16.444 Verwundete, zusammen 25.391 Mann
Hiezu kamen vom 10. November bis zum 1. Dezember noch 8256 Kranke.
Die gesamten Gefechtsverluste der 5. Armee vom 18.Oktober bis zum
1. Dezember, einschließlich der Kampfpause vom 5. bis zum 9. November, beliefen sich auf 25.865 Tote und Vermißte, 45.826 Verwundete, zusammen 71.691 Streiter2).
Die Einbußen der Italiener betrugen in der vierten Isonzoschlacht 48.967 Mann3); hievon 7498 Tote, 7513 Vermißte, 33.956 Verwundete. Ihre Gesamtverluste während der ganzen Herbstoffensive beliefen sich auf rund 116.000 Streiter4).
!) Darunter die nichtgeborgenen Toten, Verwundeten und Verschütteten sowie die Gefangenen.
2) Vom 2. bis zum 15. Dezember kamen in der Zeit der abflauenden Kämpfe noch rund 10.000 Mann an Verlusten hinzu, wovon allerdings infolge des rauhen Wetters 5300 Kranke waren.
3) Ital. Gstb.W., II, Text, 541; Dokumente, 441.
4) Von diesen waren rund 200 Offiziere und 8600 Mann von den k.u.k.Truppen
als Gefangene eingebracht worden. '
Die Zermürbungsangriffe der Italiener gegen den Görzer Brückenkopf und auf dem Mt. S. Michele hatten in der Endphase der vierten Isonzoschlacht auf beiden Seiten zu einem Zusammenballen starker Kräfte auf engen Räumen geführt. Im Brückenkopf von Görz war die Verstärkung der Besatzung durch das Zusammenströmen besonders starker feindlicher Angriffstruppen im Raume von Oslavija begründet. Auf dem Karst war die Verdichtung der Front durch die neue Gruppierung mit vier tiefgegliederten Divisionen im Abschnitte des VII. Korps gegeben, wobei im nördlichsten dieser Divisionsabschnitte bis zum Abschluß der Kämpfe auch noch die 6. ID., als fünfte Division, in der Front verblieben war. Hüben und drüben schritt man nunmehr an die Entwirrung und an das Ordnen der durcheinandergeratenen Verbände.
Von den Armeereserven der 5. Armee waren die 9. IBrig. und die
28. ID. am Ende der Schlacht noch voll verwendungsfähig, die 16. LstGbBrig. mußte als erholungsbedürftig angesehen werden.
Die Beendigung der Schlacht ermöglichte es, in der Zeit vom 11. bis zum 15. Dezember das k.u.k. VII. Korps, wie schon lange geplant, durch die 6. und die 28. ID. abzulösen. Der nördliche Karstabschnitt (lila) sollte dem III. Korpskmdo. unterstellt werden, das das Kommando über den Frontabschnitt IIIb schon früher an das 6l.IDKmdo. übergeben hatte.
Erzherzog Eugen verfügte am 10. Dezember, daß das XV. Korps mit dem 15. Dezember in denVerband der Armeegruppe Rohr zu treten, die 14. GbBrig. jedoch der 5. Armee unterstellt zu bleiben habe.
Gleichzeitig wurde an die Rückgabe der während der beiden Schlachten allmählich aus fremden Armeebereichen oder Verbänden herangezogenen Truppen geschritten. Am 11. und 12. Dezember gingen aus dem Bereiche des XVI. Korps die drei Bataillone aus Kärnten1) an die Armeegruppe Rohr, und zwar an das XV. Korps, die vier Bataillone aus Tirol2) am 16. und 17. dorthin ab. Das IR. 17 wurde schon am 6. Dezember seiner Division zurückgestellt. Das VII. Korps sendete die Bataillone 11/37, 1/98 und das XI. Marschbataillon des IR. 28 am 6. Dezember zum XV. Korps ab. Bis Mitte Dezember waren somit alle entliehenen Verstärkungen aus dem Armeebereiche ausgeschieden. Außerdem waren das Kärntner IR. 7 und das FJB. 8 der 6. ID. an die Armeegruppe Rohr abzugeben, wofür diese Division das Bataillon III/bh. 2, dann das Kommando und die noch in Kärnten befindlichen drei Bataillone des IR. 27 zugewiesen erhielt.
1) 111/18,111/57, IV/77.
2) LstlBaone. 165,169, TLstBaon. III und RBaon. 111/37.
Das 5.Armeekmdo. stellte dem XVI. Korps als Ersatz für die abgegebenen Bataillone vorübergehend zwei Bataillone des IR. 27 und zuerst ein Regiment, später auch das zweite der 9. IBrig. für Ablösungszwecke im Brückenkopf von Görz zur Verfügung.
Die Herbstkämpfe am Isonzo als Materialschlacht
Die mit nur kurzen Unterbrechungen fast zwei Monate hindurch fortgesetzten italienischen Angriffe führten zu einer ausgesprochenen Zermürbungs- und Materialschlacht; nach dem Willen Cadornas sollte der Kampf so lange erneuert werden, bis das gesteckte Ziel erreicht war1).
Die nachfolgenden Betrachtungen und Angaben sollen ein Bild über den Aufwand und Verbrauch an Kräften und Kampfmitteln bei der k.u.k. 5. Armee in der Zeit vom 18. Oktober bis zum 15. Dezember geben. Hiebei muß hervorgehoben werden, daß sich die großen Kämpfe in den vier in Frage kommenden Kampffeldern2) auf knapp 42 km Frontlänge, wenn man jedoch die 9 km lange Front des bloß am 21. und 22.Oktober mit starken Kräften allgemein angegriffenen k.u.k. III.Korps abzieht, auf insgesamt nur 33 km Frontlänge abgespielt haben.
Die k.u.k. 5.Armee zählte am Beginn der Schlacht rund 11 Divisionen mit 125Va Bataillonen, 20 Schwadronen, 500 leichten sowie 110 mittleren und schweren Geschützen (142V2 mobilen Batterien). Ihr stand bei Beginn der Herbstkämpfe eine rund zweieinhalbfache feindliche Übermacht von 25 Divisionen mit 338 Bataillonen, etwa 130 Schwadronen, 1063 leichten und 305 mittleren und schweren Geschützen (rund 340 mobilen Batterien) gegenüber, die bis Mitte November noch um weitere zweieinhalb Divisionen (30 Bataillone) zunahm. Zum Ausgleich dieses Mißverhältnisses der Kräfte wurden dem GdI. Boroevic im Verlaufe der dritten Isonzoschlacht 27y2 Bataillone sowie 7 Feld- und mehrere mittlere Batterien zugeführt; diesen Verstärkungen folgten während der vierten Isonzoschlacht weitere 24 Bataillone, 6 Feld-, einige mittlere Batterien und einige technische Kompagnien. Insgesamt waren es 5 lVs Bataillone, von denen jedoch 2V2 Bataillone noch im Oktober nach Tirol zurückgesendet und 6 weitere Bataillone zur Auffüllung anderer Verbände aufgelöst wurden. Am Ende der Schlacht standen am Isonzo rund 28 italienischen 15 öst.-ung. Divisionen gegenüber.
x) Ital. Gstb. W., II, Dokumente, 376, und C a d o r n a, La guerra, I, 158 £.
2) Zwischen Mrzli vrh und Selo, Globna und Zagora, am Brückenkopf von Görz und auf der Karsthochfläche von Doberdö.
Die Standesveränderungen im Bereiche der 5. Armee von Mitte Oktober bis zur Abtrennung des XV. Korps sind aus folgender Übersicht zu entnehmen:
|
Am |
Offiziere |
Mann- 1 Schaft mit! ,.a r* i schinen-reuer- , , eewehre gewehr ° |
Reiter |
Ge schütze | |||
|
Stand am 15. Oktober |
3.477 |
116.159 |
340 |
2.775 |
6101) | ||
|
Abgang |
an Gefechtsverlusten und Erkrankungen |
15. -31./10. |
765 |
34.616 |
— |
— |
— |
|
1.—15./11. |
524 |
23.839 | |||||
|
16.—30./U. |
584 |
24.254 | |||||
|
1.—15./12. |
243 |
9.978 | |||||
|
zusammen |
2.1162) |
92.6872) | |||||
|
durch Änderung der Kriegsgliederung |
15./10.-30./11. |
1203) |
5.2003) |
14 3) |
1.765 4) |
365) | |
|
1.—16./12. 6) |
156 |
5.400 |
32 |
— |
— | ||
|
zusammen |
276 • |
10.600 |
46 |
1.765 |
36 | ||
|
Gesamtabgang |
2.392 |
103.287 |
46 |
1.765 |
36 | ||
|
Zuwachs |
durch Verstärkungen 7) |
1.225 |
36.840 |
99 |
192 |
56 | |
|
durch eingereihte Ersätze |
1.105 |
57.100 |
— |
— |
— | ||
|
durch genesene Kranke und Verwundete |
745 |
22.900 |
— |
— |
— | ||
|
durch Zuweisungen |
— |
— |
81 |
185 |
75 8) | ||
|
Gesamtzuwachs |
3.075 |
116.840 |
180 | 377 |
131 | |||
|
Stand am 15. Dezember |
4.160 |
129.712 |
474«) 1.387 |
705 | |||
!) Darunter 78 altartige unbespannte Sturmabwehrgeschütze.
2) Davon (zusammen): 13.738 Tote, 13.794 nichtgeborgene Tote und Verwundete, Vermißte und Kriegsgefangene, 46.625 Verwundete, 20.646 Kranke.
3) Abgabe der 10. GbBrig. zur 3. Armee am 18. und 19. Oktober.
4) Abgabe von 12 Schwadronen im Zuge der Neuorganisation der Kavallerie
bei der 5. Armee.
5) Verlegung des FKR. 32 (der 106. LstlD.) zur 7. Armee.
6) Rückgabe der Bataillone aus Kärnten an die Armeegruppe GdK. Rohr, der
Bataillone aus Tirol an das Landesverteidigungskommando.
206. LstlBrig.; 6. ID.; LstlR. 26; Kärntner Gruppe (111/18, 11/37, IV/77, 111/57, III/bh. 2); 9. ID.; 9. IBrig.; Tiroler Gruppe (k. k. LstlBaone. 165, 169, TLstBaon. III, RBaon. 111/37); IBaone. IV/27, V/27.
8) Aus Kärnten, Pola, Krakau und durch Neuaufstellungen.
9) Von den Maschinengewehren wurden während der Herbstkämpfe 113 beschädigt und unbrauchbar, 23 gingen an den Feind verloren. Von den Geschützen wurden 184 leichte, 31 mittlere und schwere durch feindliche Einwirkung oder Rohrkrepierer beschädigt. Kein Geschütz ging an den Feind verloren. Die beschädigten Maschinengewehre und Geschütze wurden zum Teil noch während der Kämpfe ersetzt.
Bei einem Stand von rund 135.000 Feuergewehren betrug der Ver-pflegsstand der 5. Armee am 1. Dezember bezeichnenderweise rund 433.000 Mann; demnach entfielen auf einen Kämpfer durchschnittlich zwei Mann für den Versorgungsdienst.
Der Verbrauch an Schießbedarf aller Art war sehr bedeutend. Vom 18. Oktober bis zum 1. Dezember wurden verschossen:
37,090.000 Infanterie- und Maschinengewehrpatronen,
706.000 Schuß Artilleriemunition (davon 110.000 für mittlere und schwere Geschütze),
16.000 Wurfminen aller Kaliber,
76.000 Handgranaten.
Besonders hervorgehoben müssen an dieser Stelle die Leistungen der technischen Truppen und aller technischen Arbeitskräfte werden. Die Arbeiten in den Kampfstellungen selbst besorgten wohl zum überwiegenden Teile die Kampftruppen und die in ihren Reihen stehenden Truppenpioniere. Die technischen Truppen waren hauptsächlich für den Kavernenbau bestimmt, arbeiteten jedoch, teils als Partieführer aufgeteilt, teils in ganzen Einheiten, besonders während der Kämpfe auch in der vordersten Linie. Die den Divisionen zugewiesenen Militärarbeiterabteilungen wurden ebenfalls zum Ausbau der Stellungen verwendet, doch oblag ihnen im besonderen das Ansammeln, Herrichten und Zutragen des technischen Materials sowie die Ausführung von Rückhaltstellungen und sonstige Arbeiten im Hintergelände.
Monatelang Nacht für Nacht bei härtester Arbeit dem feindlichen Artilleriefeuer preisgegeben, büßten die technischen Truppen — die Sappeur-, Pionier- und Eisenbahnkompagnien sowie die Arbeiterabteilungen im Truppenbereiche — an blutigen Verlusten und durch Erkrankungen die Hälfte und auch zwei Drittel ihres Standes ein.
Den in der zweiten und dritten Linie angesetzten armee- und korpsunmittelbaren Arbeiterabteilungen fielen nebst dem Ausbau der Stellungen und der Kavernen daselbst auch die Erhaltung der Straßen hinter der Front, der Bau von Baracken, die Erzeugung von Hinderniselementen und ähnliche Arbeiten zu. Sie wurden in kritischen Augenblicken ebenfalls zum Zutragen von Baustoffen und Hindernissen in die vorderste Linie verwendet. In den Erholungsquartieren hatten sie ferner Bade- und Entlausungsanlagen, Barackenbauten,elektrische Anlagen, Straßen und Bahnen aller Art herzustellen. In den Werkstätten hinter der Front wurden damals auch noch verschiedene Kampf- und Leuchtmittel, vor allem die
von den Kampftruppen sehr gewünschten und aus dem Hinterland in unzureichenden Mengen zugeschobenen Handgranaten erzeugt; außerdem Leuchtpatronen, Morgensterne, Keulen, Kampfbeile (die besonders bei einzelnen ungarischen Truppen als Nahkampfwaffe — „Fokos“ — beliebt waren), Dolche und endlich sogar Holzkanonen für die Nahabwehr.
Über 1000 Waggons an Baustoffen, Sprengmitteln und sonstigem technischen Gerät wurden der 5. Armee während der Herbstschlachten ^ugeschoben.
Äußerst schwierig und verantwortungsvoll gestaltete sich der Dienst der Verbindungstruppen in der Dauerschlacht am Isonzo. Vor allem waren es wieder die Telephonabteilungen der Infanterie und Artillerie, aber auch jene der höheren Einheiten sowie die Telegraphenformationen, die bei Tag und Nacht oft unter den schwierigsten Verhältnissen und im schwersten feindlichen Feuer die zerschossenen Leitungen immer wieder bis in die vordersten Kampfstellungen und Beobachtungspunkte herstellten, wobei besonders die Baumannschaft bedeutende Verluste erlitt. Die Verbindungstruppen hatten im Armeebereiche 3500 km Drahtverbindungen dauernd instand zu halten.
Besonders hervorgehoben sei noch die Tätigkeit der Ärzte und des Sanitätshilfspersonals, deren schwerer und aufopferungsvoller Dienst zumal in der Kampffront vollste Hingabe an ihre Pflichten und große Selbstverleugnung forderte. Die erhöhten Schwierigkeiten im deckungslosen Karstgelände, der Mangel an Lauf- und Verbindungsgräben und die außerordentlich starke feindliche Waffenwirkung erschwerten den Transport und die Versorgung der Verwundeten im höchsten Maße und zeitigten beim Sanitätspersonal der Truppen erhebliche Verluste. Dieses hatte seine schweren Aufgaben bis zur Erschöpfung klaglos erfüllt und fand bei allen Führern ausnahmslos rühmende Anerkennung.
Unermüdlich arbeiteten auch Kraftwagenkolonnen, die jede Nacht bis in die nächste Nähe der Front heranfuhren, um diese mit allem möglichen Bedarf, vor allem aber mit Munition zu versorgen, und die dann mit Verwundeten und Kranken in ihre Ausgangsorte zurückkehrten. Insgesamt wurden in den letzten zwei Schlachten 40.0001 Gerät und Kriegsmittel zu den kämpfenden Truppen gebracht und 86.000 Mann (zum überwiegenden Teil Verwundete und Kranke) zurückgefahren.
An Lebensmitteln gelangten zwischen dem 1. Oktober und dem 15. Dezember 287 Züge mit zusammen 67.500 t Nutzlast zur 5. Armee.
Daß ein so gewaltiger soldatischer und wirtschaftlicher Betrieb einen ebenso umfangreichen Ausbau des Verkehrsnetzes forderte, versteht sich von selbst. Es wurden 64.1 km Vollbahngeleise, 25.1km elektrische Kleinbahnen, 33.8 km Seilbahnen, 17.5 km Pferdefeldbahnen, 160km Straßen,. 52 km Fahrwege, 164 km Karrenwege und 95 km Saumwege neu angelegt, 411 Straßen- und 50 Fahrwegkilometer verbessert und hergerichtet. Dazu kam der Neubau von Wasserleitungen in einer Gesamtlänge von 113.2 kmr von Unterkünften für 118.100 Mann und Stallungen für 80.000 Tiere, die Einrichtung von Vorratslagern auf 14.000 m2 Fläche und die Herstellung von 502 Spitals- und sonstigen Baracken. Auch diese Zahlen zeigen, welch ungeahnte Formen der Krieg allenthalben, zumal auf dieser Walstatt, angenommen hatte.
Cadornas Heerführung und das Ergebnis der Herbstschlachten im Südwesten
Obwohl die italienische Heeresleitung für die von langer Hand vorbereiteten Herbstangriffe ihrem Gegner eine so siegverheißende Überlegenheit an Kräften und Streitmitteln entgegenzustellen vermocht hatte, wie es sich im Kriege nur selten ergab, scheiterten die geplanten Operationen, wie überhaupt alle bisherigen größeren Angriffe, doch vornehmlich an der allzu methodischen höheren Führung.
Das erste Operationsziel an der küstenländischen Front, auf die Cadorna auch schon beim Aufmarsch das Schwergewicht des ganzen Heeres gelegt hatte, war Görz. Zur Gewinnung dieser Stadt hatten Ende Juni alle von Plava bis zum Meere stehenden Divisionen gleichzeitig anzugreifen gehabt. Wegen der Unerfahrenheit der italienischen Truppen blieb den Italienern in der ersten Isonzoschlacht jedweder Erfolg versagt (Bd. II, S. 733 ff.). Zwei Wochen später setzte die italienische Heeresleitung die Masse der Armee Aosta zuerst gegen die Karsthochfläche von Doberdö an, um nach Besitznahme dieser Bastion an die Bezwingung des Görzer Brückenkopfes zu schreiten. Die Verteidiger des Mt. S. Michele behaupteten aber nach heißem, wechselvollem Ringen diese das Umgebiet beherrschende Karsthöhe. Daher kam es in der zweiten Isonzoschlacht gar nicht zum Generalangriff gegen Görz (Bd. II, S. 745ff.).
Trotz dieses Mißerfolges hielt Cadorna aucfi für die Erneuerung seiner Offensive im Herbst an dem schon im Juli gefaßten Leitgedanken fest. Er erweiterte jedoch seinen Plan, indem zuerst nicht nur die Karstbastion von Doberdö, sondern auch die Hochfläche von Bainsizza erobert werden sollte. Dann hoffte er, Görz als reife Frucht mit festem Griffe fassen zu können. Anstürme gegen die Dolomitenfront und gegen die Hochfläche von Folgaria—Lavarone, die im Sommer ergebnislos geblieben waren, sollten auch jetzt wenigstens zur Fesselung der gegnerischen Kräfte erneuert werden (S. 452).
Doch wieder blieb der heißersehnte Erfolg aus. Der Görzer Brückenkopf wurde in der ersten Phase der dritten Isonzoschlacht nicht angegriffen, obgleich die mehr als doppelte Überlegenheit der italienischen Isonzoarmeen einen gleichzeitigen Ansturm an der ganzen küstenländischen Front zugelassen hätte. Zudem verfiel der Südflügel der 3. Armee schon nach den beiden ersten Schlachttagen in nahezu völlige Untätigkeit, und die sieben Divisionen Frugonis, die nördlich von Plava bis zum Rombon standen, beteiligten sich vom 29. Oktober bis zum 26. November
— wohl auch durch frühzeitig einsetzendes Winterwetter gehemmt — überhaupt nicht an dem großen Kampfe. Der Versuch einer Eroberung von Bainsizza — später nur mehr mit unzureichender Kraft bei Plava unternommen — fiel demnach aus. Es gelang daher dem Verteidiger, die nur gegen einzelne Punkte der Isonzofront gerichteten Anstürme abzuwehren, weil er den nichtangegriffenen Abschnitten die entbehrlich erscheinenden Reserven entziehen konnte.
In der zu Ende Oktober beginnenden zweiten Phase der dritten Schlacht richtete Cadorna seine Hauptanstrengungen gleichzeitig gegen Görz und gegen den Mt. S. Michele. Das Schwergewicht des Angriffes war demnach schon nur mehr auf den Mittelabschnitt der Isonzofront verlegt worden, ohne daß die erste Voraussetzung des Planes — Wegnahme der Hochebenen von Doberdö und von Bainsizza — erfüllt gewesen wäre. Die schon ermatteten italienischen Stürmer vermochten denn auch weder hier noch dort einen Erfolg zu erzielen; nicht zuletzt deshalb, weil es an dem rechtzeitigen Einsatz frischer Reserven und an dem mitleidlosen Willen gebrach, von der Truppe die Überwindung des letzten gegnerischen Widerstandes zu fordern. Diesmal war Cadorna, vielleicht zur Unzeit, von seiner sonst so beharrlich eingehaltenen Methode abgewichen. In den gleichen Tagen hatten sich die Italiener aber auch an den Gebirgsfronten nur blutige Köpfe geholt, was den Erzherzog Eugen in die Lage versetzte, von Tirol, von Kärnten und aus dem Tolmeiner Raume Kräfte an den unteren Isonzo zu werfen.
Für die vierte Isonzoschlacht hatte der italienische Feldherr den Angriffsraum schon von Haus aus zwischen Plava und dem Mt. dei sei Busi auf die Hälfte der in der dritten Schlacht angegriffenen Front eingeschränkt und damit den ganzen Nordflügel ausgeschaltet. Aber auch an dieser engeren Front kam es nur in den beiden ersten Schlachttagen, am 10. und am 11. November, zu gleichzeitigen und allgemeinen Angriffen. Schon am 12. erlosch der vom II. Korps diesmal vereinzelt, daher aussichtslos geführte Kampf bei Plava, am 13. wurden die Angriffe bei Görz eingestellt, während auf dem Karst vom 12. bis zum
15. November sehr starke, aber nicht mehr allgemeine Anstürme im Raume des Mt. S. Michele folgten.
In der letzten Phase der vierten Isonzoschlacht, vom 18. November an, hatte Cadorna überhaupt die Leitung der weiteren Kampfhandlungen seinen Armeeführern überlassen. Görz, das erste Kriegsziel, das bis Mitte November nicht erkämpft werden konnte, wurde nach seinen Weisungen zerstört. Die italienische Führung zersplitterte somit die starke Überlegenheit ihrer Streitkräfte dadurch, daß sie den Kampf in eine Vielheit meist zusammenhangloser, allerdings noch immer recht starker Angriffe gegen schmale Frontstücke der öst.-ung. Stellungen auflösen ließ. Die Führung der anfänglich straff und einheitlich geleiteten Operationen war den Händen der italienischen Heeresleitung allmählich entglitten und mehr auf die Armeeführer übergegangen. Diese vereinigten, beschränkteren Zielen zustrebend, alle ihre Bemühungen darauf, wenigstens einen örtlichen Erfolg zu erringen. So mußte schließlich die Schlacht in einer Reihe von Einzelkämpfen ausmünden, in die, ohne Rücksicht auf Verluste, sämtliche noch verfügbaren Truppen hineingeworfen wurden; aber auch diese regellosen Angriffe zerschellten an der unerschütterlichen Mauer des Verteidigers.
Durch das Einstellen der Angriffe an den Flügeln während der dritten Isonzoschlacht und durch den geänderten Angriffsplan Cadornas für die vierte Isonzoschlacht wurden während des größten Teiles der Kämpfe etwa zehn Divisionen brachgelegt, die — wenn sich die Führung schon mit dem Unterbleiben der Angriffe in deren Abschnitten be-schied — doch immerhin mit Teilen an den entscheidenden Punkten hätten eingesetzt werden können. Daß Cadorna auch dieses unterließ, hat nicht wenig zum schließlichen Mißlingen der mit hochgespannten Hoffnungen begonnenen Herbstoffensive beigetragen.
So lag die Tragik des italienischen Heeres in seinem ersten Kriegsjahr — abgesehen davon, daß es auf einen zu den größten Opfern bereiten Gegner getroffen war — zum Großteil wohl darin, daß die höhere Führung trotz aller günstigen Voraussetzungen, unter denen Italien in den Krieg eingetreten war, aus der für sie gewiß ausnehmend günstigen Lage nicht die passenden Folgerungen zu ziehen wußte. Offensichtlich hat es Cadorna an dem Ideenreichtum gemangelt, dessen er bedurft hätte, um seinen hinter Karst- und Felsstellungen zum nachhaltigsten Widerstand entschlossenen Widerpart zu übertrumpfen.
Für den Verteidiger, die k.u.k. 5. Armee, waren die dritte und die vierte Isonzoschlacht gleich ihren zwei Vorgängerinnen reine Abwehrschlachten. Die geringen Schwankungen der Frontlinien boten auch gar keinen Anlaß, irgendwo die Kunst des Manövrierens zu ihren Rechten kommen zu lassen. Die allgemeine Lage forderte, daß man mit einem Mindestmaß an Kräften das Auslangen fand. Die schon berührte, vielfach sich einstellende Auflösung der italienischen Angriffe in Einzelhandlungen tat ein übriges, den Herbstkämpfen am Isonzo ihr Gepräge zu erteilen. Die höchsten Befehlsstellen waren vergleichsweise vielfach ausgeschaltet. Abgesehen von dem moralischen Rückhalt, den deren Willensfestigkeit bot, beschränkte sich ihre Einwirkung im allgemeinen auf die richtige Verteilung der spärlichen Reserven, über die man verfügte. In die eigentliche Leitung der Abwehr teilten sich die mittlere und die untere Führung. Die Last des Kampfes ruhte auf der Truppe, die wahrhaft Übermenschliches zu leisten hatte. In seinen Kavernen und Löchern lernte der Verteidiger zum erstenmal die Schrecknisse der „Materialschlacht“ kennen. Nach der endlosen, lange Tage und Nächte andauernden Höllenqual des italienischen Artillerie- und Minenfeuers war es beinahe eine Erlösung, wenn es zum blutigen Nahkampf kam, der mit der ganzen Grausamkeit urzeitlicher Instinkte durchgefochten wurde. Auf der Podgora wurde auf solche Weise der Feind in den acht Wochen der Doppelschlacht vierzigmal abgeschlagen; bei Oslavija gab es in der gleichen Zeit an die dreißig solcher Angriffe abzuwehren1). Überall, wo der Italiener -vor den Gräben des Verteidigers auftauchte, traf er auf eine Minderzahl. Bei Plava widerstand die k.u.k. 1. GbBrig. durch sechs Wochen mit 6 bis 8 Bataillonen den Angriffen, die das italienische
II. Korps mit 22 bis 24 Bataillonen führte — von der gewaltigen Überlegenheit an Geschützen und Minenwerfern nicht erst zu reden. Bei Oslavija setzte der Feind nach und nach Teile von 17 Regimentern, dazu mehrere Radfahrbataillone zum Durchbruch gegen etwa 10 öst.-ung. Bataillone ein, ohne mehr als eine schwache, für die weitere Gefechtsführung fast bedeutungslose Einbeulung zu erzielen.
Dabei hatte es der Verteidiger sicherlich mit keinem zu unterschätzenden Feinde zu tun. Wohl ergaben sich, was die Stoßkraft des Italieners anlangt, je nach der Landsmannschaft seiner Regimenter gewisse Abstufungen. Aber in der Gesamtheit wurde in den Berichten unserer
!) Schwarte,V, 171; vgl. auch P i t r e i c h, Sperrfeuer, 254.
Truppen immer wieder die hervorragende Tapferkeit der italienischen Infanterie und zumal ihrer Offiziere hervorgehoben. Überdies zeitigte mehrmonatige Kriegserfahrung beim Angreifer allenthalben ihre Früchte. Sowohl die Schießfertigkeit seiner Artillerie wie die Angriffstechnik des Fußvolkes hatten bemerkenswerte Fortschritte gemacht.
Die Opfer, die hüben und drüben dargebracht werden mußten, waren freilich überaus schwer. „Auf beiden Seiten mochte man sich“, schreibt ein Mitkämpfer, „eingestanden haben, daß die Sache viel, viel ernster geworden war, als man erwartet hatte. Die Italiener sprachen nicht mehr vom Spaziergang nach Wien; aber auch für die Österreicher war der Isonzo etwas ganz anderes geworden als Novara und Custoza. Die Walstatt am Isonzo hatte sich zu einer Hölle entwickelt wie für die Deutschen die schlimmsten Teile der Westfront, denen gegenüber die Abberufung auf einen beliebigen anderen Kriegsschauplatz schon Reta-blierung, Ruhe und Erholung bedeutete1).“ In der Tat hatten für den, der einmal am Isonzo gefochten hatte, andere Schlachtfelder einen guten Teil ihres Schreckens verloren. Daß dabei trotzdem auf öst.-ung. Seite Truppen, die es im Osten wiederholt an der erwünschten Widerstandskraft hatten fehlen lassen, auf dem Karst, bei Görz und in den Julischen Alpen „wie die Löwen kämpften“, ist schon in anderem Zusammenhange hervorgehoben worden.
In Sturm und Wetter, in Regen und Schnee war Mitte Dezember der Feuerbrand der Herbstschlachten am Isonzo völlig erloschen. Nach acht langen, schweren Wochen hatten Freund und Feind, zu Tode ermattet, die Waffen sinken lassen. Schon geraume Zeit zuvor war der Krieg in den Gemarkungen von Kärnten und Tirol durch einen frühen Winter in Fesseln gelegt worden. Als am Isonzo knapp vor Weihnachten die letzten Flammen in sich zusammenfielen, da lag die Doppelkette der Schützenlinien noch unverändert dort, wo sie der blutige Herbstmorgen, an dem die zweite Isonzooffensive der Italiener begann, angetroffen hatte. Und unverändert hielt ein halbes Jahr, nachdem Italien mit frischer Kraft in den Kampf gezogen war, die Abwehrfront in ihrer ganzen Ausdehnung vom Stilfserjoch bis zur Adria. Ohne Behinderung durch den neuen Feind hatte die Heerführung der Mittelmächte diese sechs ereignisreichen Monate hindurch ihren großen Zielen auf den östlichen Kriegstheatern nachgehen können: ihr Schwert war am Isonzo und in den Grenzgebirgen Venetiens unverrückbar fest eingerammt gewesen.
*) V e i t h, Die Isonzoverteidigung, 1051 f.
DER SPÄTHERBST 1915 AN DER RUSSISCHEN FRONT
(16. Oktober bis 14. November)
Hiezu Beilagen 3, 29 und 30 sowie Skizzen 17, 18 und 19
Die allgemeine Lage an der Ostfront um die Mitte des Monats Oktober 1915
In den Tagen, an denen die Entente französische und englische Truppen bei Saloniki ans Land setzte, gewann die Haltung Rumäniens für die Beurteilung der Lage an der Ostfront sowie für eine von den Westmächten sehr dringend erachtete Hilfe für die Serben erhöhte Bedeutung. Dies umsomehr, als eine Mitte September zwischen der Donaumonarchie und Rumänien entstandene Spannung, die militärisch in rumänischen Truppenverstärkungen an der Grenze ihren Ausdruck fand, nur mit Mühe hatte beigelegt werden können1). Die verbündeten Mittelmächte rechneten ferner in zunehmendem Maße damit, daß sich auch Rußland, wenigstens mittelbar, an dem Hilfsunternehmen für Serbien beteiligen werde. Vor allen Dingen stand zu erwarten, daß die Russen ihre Angriffe an der ostgalizisehen Front fortsetzen und vielleicht auch trachten würden, durch rumänisches Gebiet den südlichen Heeresflügel zu umgehen. Ob Rumänien im Falle eines russischen Einmarsches seine Neutralität behaupten oder in den Krieg an Seite der Entente eintreten werde, war unklar. Sein politisches Streben war die Erwerbung Siebenbürgens und Beßarabiens. Das eine war nur von Österreich-Ungarn, das andere nur von Rußland zu erlangen. Siebenbürgen war das ersehntere Ziel. Gewiß war, daß die Entente seit der Eröffnung des Angriffes auf Serbien ihre diplomatischen Anstrengungen in Bukarest steigerte. Die Stimmung in Rumänien neigte mehr der Entente zu. Graf Czernin, der öst.-ung. Gesandte in Bukarest, wußte um die Mitte Oktober von der immer mehr wachsenden nationalen Bewegung im rumänischen Volke zu berichten.
!) Österr.-ungar. Rotbuch. Diplomatische Aktenstücke, betreffend die Beziehungen Österreich-Ungams zu Rumänien in der Zeit vom 22. Juli 1914 bis 27. August 1916 (Wien 1916), 19ff.
Die liberalen Blätter forderten in leidenschaftlichen Artikeln von der Bukarester Regierung ungeduldig den Anschluß an die Entente1).
Angesichts dieser Gefahren ließ GdI. Falkenhayn am 13. Oktober durch GM. Cramon bei der k.u.k. Heeresleitung anfragen, welche Vorkehrungen getroffen worden seien, um die Flanke der Ostfront zu decken, falls die Russen in der Bukowina angreifen und die Rumänen in Siebenbürgen einbrechen würden. Diese Frage, die auch Ritt. v. Wiesner, der Delegierte des öst.-ung. Außenministeriums beim AOK. in Teschen, am folgenden Tage stellte, verdroß GO. Conrad geradezu. Denn zur Zeit besaß die k.u.k. Heeresleitung — wie dies Conrad in seinem Antwortschreiben an Falkenhayn gestehen mußte — außer der in Siebenbürgen aus Landsturm- und Gendarmerietruppen neugebildeten 70.HID. keine Kräfte, die den Rumänen entgegengestellt oder zur Ausdehnung des rechten Flügels der 7. Armee verwendet werden konnten.
GO. Conrad wußte sehr wohl, daß die rumänische Regierung bisher nur durch die Erfolge der Mittelmächte gegen Rußland verhindert worden war, an der Seite der Entente in den Krieg einzutreten. Deshalb hatte er auch eine Zeitlang erwogen, nach dem Einreihen der Oktoberersätze (XV. Marschbataillone des Heeres und der Honvéd sowie XIV. Marschbataillone der österreichischen Landwehr) noch einmal die Offensive gegen Rußland zu ergreifen (S. 165f.), um den Feind völlig aus Ostgalizien zu vertreiben und Rowno zu nehmen, was im September unerreicht geblieben war. Nun hatten aber die Russen trotz aller erlittenen Schläge schon während des Stoßes auf Rowno wieder eine staunenswerte Kraft gezeigt (S. 133 ff.). Ihre ständigen Angriffe hatten die im Osten eingesetzten öst.-ung. Kräfte stark in Anspruch genommen. Deutlich zu empfinden war in den letzten Kämpfen die größere Wirkung des russischen Artilleriefeuers gewesen. Mit dem Wiedererstarken des russischen Heeres und mit dem Herannahen des Winters wurden die Aussichten eines neuen Vorstoßes auf Rowno immer schlechter. Andrerseits konnten die Russen jeden Augenblick zu Entlastungsangriffen zugunsten Serbiens übergehen. Der Nordflügel am Styr, die Mitte bei Aleksiniec und der Südflügel an der Strypa schienen besonders gefährdete Abschnitte der öst.-ung. Heeresfront zu sein. Auch waren neue Anstürme der Italiener am Isonzo zu erwarten (S.384ff.). Der Kräfteverbrauch war dort sehr groß. Es mußten vielleicht schon bald Truppen von der Ostfront an den italienischen Kriegsschauplatz abgegeben werden. Bei
*) Czernin, Im Weltkriege (Berlin 1919), 127 ff.; L a r c h e r, 27; Das Zaristische Rußland im Weltkriege, 224 ff.
alldem verdienten die Ereignisse in Saloniki die volle Aufmerksamkeit der Heeresleitung. Seit der Landung der englisch-französischen Kräfte war der Umfang und das Ende des Balkanfeldzuges noch keineswegs abzusehen.
Unter diesen Verhältnissen verzichtete GO. Conrad vorläufig auf alle weiteren Offensivpläne gegen Rußland um so leichter, als es ihm jetzt vor allem galt, auf dem Balkan reinen Tisch zu machen, um dann nötigenfalls von Rumänien eine Entscheidung mit den Waffen zu erzwingen1). In der Zwischenzeit mußten allerdings auch im Hinblick auf die rumänische Gefahr unter allen Umständen Rückschläge an der Ostfront vermieden und auch die nötigsten Vorkehrungen zum Schutze der Südflanke getroffen werden.
Vorerst beeilte sich Conrad, vier Landsturmbataillone aus den Donaubrückenköpfen nach Kimpolung und nach Jakobeny zu Schanzarbeiten heranzuziehen. Wenn die Russen tatsächlich die Neutralität Rumäniens verletzten und gegen die südliche Bukowina sowie gegen das nördliche Siebenbürgen vormarschierten, sollte der rechte Flügel der 7. Armee nach Süden ausgedehnt und in einer in der Linie Czernowitz— Radautz—Suczawa—Kimpolung schon vorbereiteten Stellung dem Feinde entgegengesetzt werden. Nötigenfalls war er zum Anschluß an die Strypa-linie in die Front Kułaczkowce—Zabłotów—Lukawetz—Kimpolung zurückzunehmen, während die 70. HID. im Falle eines rumänischen Überfalles unter möglichster Verzögerung des feindlichen Vormarsches in die befestigte Maros-Kokellinie auszuweichen hatte.
Um Kräfte zur Ausdehnung des Südflügels und auch zur Abwehr neuer Russenstürme bei der Hand zu haben, forderte der in der Nacht auf den 14. Oktober ausgegebene Heeresbefehl von den Armeen in Ostgalizien und in Wolhynien das Ausscheiden starker Reserven (S. 175). Pflanzer-Baltin hatte die 6. ID. bei Kotzmann zu versammeln. Hinter dem linken Flügel der 7. Armee sollte die 39. HID. aus der Front des
VI. Korps nach Buczacz gelangen. Bothmer beabsichtigte, am Nordflügel der Südarmee die 38. HID. durch die 3.GID. abzulösen. Die 38. HID. sollte dann Heeresreserve werden. Bei der 2. Armee sollte neben den bereits in Reserve befindlichen zwei Divisionen, der 51. HID. in Złoczów und der 26. SchD. hinter den beiden Flügeln, noch mindestens eine Division als Heeresgruppenreserve nach Brody rücken. Hinter der 1. Armee war die 9. ID. an Stelle der 46. SchD. bereitzustellen. Die 4. Armee hatte die 21. SchD. für das Heeresgruppenkmdo. Linsingen verfügbar zu
!) Glaise-Horstenau, Die Katastrophe, 51.
machen. Außer dieser Division hatte Erzherzog Joseph Ferdinand die
3. ID. nach dem Einreihen der Oktoberersätze für die Südwestfront freizumachen, wohin das XIV. Korpskmdo. schon abgegangen war (S. 381). In dem Bestreben, möglichst alle aus den Alpen- und den Küstenlanden stammenden Verbände gegen Italien zu verwenden, beabsichtigte die Heeresleitung schon seit längerem den Austausch der 3. und der 6. ID. mit dem VII. Korps.
GdI. Linsingen, dessen Befehlsbereich sich über die k.u.k. 4. Armee, über die Gruppe Gerok (k.u.k. XVII. Korps, KavKorps Herberstein, XXIV. RKorps, KavKorps Hauer) und über die aus der bisherigen Bugarmee neugebildete Gruppe GdA. v. Gronau (deutsches XXXXI. RKorps, deutsche 5. KD. und GKD.) erstreckte, erwartete gegen Mitte Oktober neue russische Angriffe im Styrbogen von Czartorijsk. Verschiedene Anzeichen deuteten darauf hin, daß Brussilow seinem Nordflügel Verstärkungen zuzuführen im Begriffe war. Von der Gruppe Gerok sollten daher Teile der Polenlegion und der 11. ID. sowie die ll.HKD. hinter dem Korps Conta bei Okonsk und bei Maniewiczy versammelt werden.
Auf dem rechten Flügel der nördlich vom Pripiatj stehenden deutschen Heeresfront hatte die aus der Armee Woyrsch und aus der deutschen 9. Armee bestehende Heeresgruppe Prinz Leopold von Bayern schon Ende September ihre Dauerstellungen hinter dem Oginskikanal, hinter der Szczara und hinter dem Serwecz bezogen (S. 162). Die Heeresgruppe Hindenburg erstreckte sich von der Einmündung der Bieriezina in den Njemen bis zum Rigaischen Meerbusen. Auf ihrem rechten Flügel waren anfangs Oktober die Reste der 8. und der 12. Armee zu einer Armee, der neuen 12. unter GdI. v. Fabeck, zusammengezogen worden. Sie reichte vom Njemen bis über die Bahn Lida—Molodieczno. Nach Norden bis zur Disna schloß die 10. Armee an. Ihr linker Flügel war anfangs Oktober von der Wilija an die Litauischen Seen zurückgeschwenkt und von den nachdrängenden Russen (2. und 1. Armee) angegriffen worden. Auch der rechte Flügel der Njemenarmee, die an der Düna stand, mußte sich um diese Zeit russischer Stöße an der Straße Dünaburg—Wilna erwehren.
Das war im wesentlichen die Lage an der Ostfront um die Mitte des Monats Oktober. Es standen von Czernowitz bis zum Pripiatj in einer Ausdehnung von ungefähr 560 km an öst.-ung. Kräften 44 Infanterie- und 12!) Kavalleriedivisionen, ferner 4 deutsche Infanterie-
Die Kavalleriedivisionen 1 bis 11, die 1. LstHusBrig. und die bei der 2. Armee aus den Schwadronen der Divisionskavallerie neugebildete KavBrig. Obst. v. Beneš.
divisionen sowie 1 deutsche Kavalleriedivision in der Gesamtstärke von rund 350.000 Gewehren. An der deutschen Heeresfront vom Pripiatj bis zum Rigaischen Meerbusen waren in einer Ausdehnung von 750 km 43 deutsche Infanterie- und 9 Kavalleriedivisionen und 2 öst.-ung. Infanteriedivisionen in der Gesamtstärke von rund 360.000 Gewehren vorhanden. In Litauen und in Wolhynien, wo die Schwerpunkte der großen Angriffsbewegungen gewesen waren, standen die Truppen jetzt nicht mehr so dicht, denn allmählich wurden die Kräfte in den weitgedehnten Fronten ausgeglichen.
Bei den Russen stand im Spätherbst 1915 die Frage, wie man den Serben Waffenhilfe bringen könnte, zwingend im Vordergrund. Schon am 1. Oktober hatte der Präsident der Französischen Republik, Poincare, dem Zaren die Absicht bekanntgegeben, bei Saloniki französische und englische Truppen zu landen und gleichzeitig die Hoffnung ausgesprochen, daß sich auch Rußland an dem Hilfsunternehmen zugunsten Serbiens beteiligen werde. Erst zehn Tage später, nachdem sich der französische Botschafter Paléologue in einer Audienz neuerlich um die Teilnahme Rußlands bemüht hatte, gab der Zar seine Zustimmung, eine Truppenabteilung auf dem weiten Seeweg über Archangelsk nach Saloniki zu entsenden1).
Weder Frankreich noch Serbien waren mit dieser sehr bescheidenen Waffenhilfe zufrieden. Sie wünschten, daß Rußland eine Armee über Beßarabien in die Dobrudscha führe oder Truppen in Varna und in Burgas ans Land setze (S. 193 f.), um den Bulgaren in den Rücken zu fallen. Allein die russische Heeresleitung verhielt sich jetzt ebenso wie in den Tagen, da Frankreich und England die Mithilfe Rußlands an dem Dardanellenunternehmen erwartet hatten, zurückhaltend. Anfangs des Jahres 1915 war Rußland das Recht auf den ungeteilten Besitz von Konstantinopel von den Alliierten zugebilligt worden2). Nun blickte Rußland mit sehr gemischten Gefühlen auf das bewaffnete Auftreten der Entente im nahen Osten. Schon sah es mit großem Unbehagen bei Saloniki ein britisches Bollwerk in der Flanke des Bosporus entstehen3). Überdies fühlte sich die russische Heeresleitung nach den schweren Niederlagen und Verlusten an Menschen und Gerät zu einem schnellen
x) P a 1 é o 1 o g u e, II, 87 f.
2) A d a m o w, Die Europäischen Mächte und die Türkei während des Weltkrieges (in deutscher Sprache, Dresden 1930), I, 138ff., II, 113 ff., III, 18ff. und
IV, 16 ff.
3) F r a n t z, Rußland auf dem Wege zur Katastrophe (Berlin 1926), 88 ff.
und tatkräftigen Eingreifen auf dem Balkan außerstande. So war es nur zu natürlich, wenn sie mit gutgespielter Sorge darauf hinwies, daß die Entsendung von Kräften auf den Balkan zu einer Schwächung der Lage auf dem Hauptkriegsschauplatz führen würde1).
Dessenungeachtet setzten die Ententemächte, vor allem Frankreich, ihr Bemühen fort, Rußland zu einem bewaffneten Eingreifen auf dem Balkan zugunsten Serbiens zu gewinnen. Am 22. Oktober legte Gen. de Laguiche, der französische Delegierte im russischen Hauptquartier, dem Zaren eine Denkschrift vor, in der auf die große Bedeutung des Balkankriegsschauplatzes hingewiesen wurde. Gen. Joffre habe sich nach London begeben, um mit der englischen Regierung den Plan einer gemeinsamen Operation auf dem Balkan auszuarbeiten. Auch mit Italien hätten bereits Besprechungen begonnen, um es zur Teilnahme an dem Balkanunternehmen zu gewinnen. Aber — so hieß es dann in der Denk schrift weiter — es handelt sich nicht bloß um eine Waffenhilfe für Serbien2). Vor allem sei Rumänien, das noch immer in seiner unbestimmten Politik verharre, zum Anschluß an die Entente zu gewinnen (S. 194). Dazu hielt Frankreich eine Landung russischer Truppen an der bulgarischen Küste für wünschenswert. Für Rußland wäre natürlich ein kriegerisches Vorgehen Rumäniens wertvoll gewesen. Rußland hatte schon im Juni 1915 alle Ansprüche Rumäniens auf die Bukowina anerkannt. Darüber hinaus wollte Frankreich, daß Rußland auch noch Beßarabien dem Donaukönigreich zuspreche, um dessen Hilfe zu erkaufen. Allein Bratianu sah den günstigsten Augenblick für ein Vorgehen Rumäniens noch nicht gekommen. Auch Rußland zögerte, den Wünschen Frankreichs nachzukommen. In Anbetracht der aufgeworfenen beß-arabischen Frage hätte sich Rußland jetzt schon mit einer wohlwollenden Neutralität Rumäniens begnügt3). Das russische Heer konnte auch nach den schweren Niederlagen im Sommer keine starken Streitkräfte nach dem Balkan abgeben. Dennoch wollte Rußland Serbien nicht ganz im Stiche lassen. In dieser politischen und militärischen Zwangslage entschloß sich die russische Heeresleitung zu neuen Angriffen an der wol-hynischen und an der ostgalizischen Front. Diese Entlastungsversuche zugunsten der schwer bedrängten Serben sollten allerdings lediglich in kurzen Vorstößen bestehen.
A) Klembowski, Strategische Studie über den Weltkrieg 1914—1918 (in russischer Sprache, Moskau 1920), V. Teil, 9.
2) Ebenda, V, 9.
3) Das Zaristische Rußland im Weltkriege, 216 ff.
Die Schlacht bei Czartorijsk (16. Oktober bis 14. November)
Hiezu Skizzen 17 und 18
Russischer Durchbruch (16. bis 18. Oktober)
Von großem Angriffsgeist erfüllt, hatte sich Brussilow anfangs Oktober von Iwanow Verstärkungen erbeten und seinen Nordflügel bis in die Gegend von Kuchocka Wola ausgedehnt. Dieser Ausdehnung weit nach Norden lag der Plan zugrunde, einen Stoß nach Westen zu führen, um den Gegner aus dem nach Osten vorspringenden Styrbogen von Czartorijsk zu vertreiben und den Brückenkopf von Kolki wieder in die Hand zu bekommen. Dadurch sollte der Nordflügel der 8. Armee in eine günstigere Aufstellung gebracht und der sichere Anschluß an die
3. Armee in der Wildnis der Sumpfzone gewährleistet werden1).
Brussilow bildete aus der ihm neuzugewiesenen 2.SchD.und aus der
4. SchD. das XXXX. Korps. Dieses sollte, in der rechten Flanke durch die KavKorps Gillenschmidt und Weljassew gedeckt, den überraschenden Schlag über Czartorijsk—Kulikowiczy führen. Gleichzeitig hatte das durch die 82. RD. verstärkte XXX. Korps am Kormin anzugreifen und das XXXIX. Korps den Gegner an der Absendung von Verstärkungen zu verhindern.
Am 16. Oktober leiteten Einzelstöße der Russen gegen den Südflügel der Armeegruppe Gerok die neuen Kämpfe bei Czartorijsk ein. Truppen der russischen 4. SchD. schoben sich im Laufe des Tages unter dem Schutze der Artillerie gegen Kulikowiczy—Nowosielki heran. In diesem Abschnitt befanden sich auf dem rechten Flügel des Korps Conta die beiden ostgalizischen Infanterieregimenter 95 und 58 (22. IBrig., Obst. Gustav Fischer) in dünnen Linien am Ostufer des Styr in schwieriger Lage. Ihren brückenkopfartigen Stellungen war Wald vorgelagert, nahe hinter den Stellungen floß der Styr. Bei der k.u.k. 22. IBrig. hatte wohl jeder das Gefühl, daß das Hindernis im Rücken zum Verhängnis werden konnte. Aber zu solchen nachdenklichen Überlegungen ließ der Russe keine Zeit. Die feindliche Artillerie schoß weiter, bis sich die Dämmerung einstellte. Die Brückenkopfbesatzungen machten sich auf nächtliche Stürme gefaßt. Der Russe kam nicht. Er ließ das Artilleriefeuer in der Nacht einschlafen.
J) Broussilov, 169.
Im Styrbogen von Gzartorijsk war am 16. eine erhöhte Tätigkeit des Feindes nicht wahrzunehmen gewesen. Am 17. gegen 4h früh überschritt aber der Russe bei dichtem Nebel im Abschnitt der deutschen 1. ID. mit einigen Kompagnien den Styr. GLt. Conta hatte mittlerweile seine Korpsreserve, das deutsche IR. 41, näher gegen seinen rechten Flügel vorgenommen. Die Einbrüche in der Korpsmitte schienen belanglos zu sein. Nach kurzer Beschießung durch die deutsche Artillerie zogen sich die Russen bei Czartorijsk wieder über den Fluß zurück; doch waren sie unterdessen an den Flügeln bei Nowosiełki und bei Rafa-łowka durchgebrochen.
Vermutlich waren die Russen schon am 16. nach Einbruch dec Dunkelheit an einer schlecht gesicherten Stelle an der Naht zwischen der k.u.k. 22. IBrig. und der deutschen 1. ID. über den Styr gekommen. Die Russen hatten sich aus den von Gebüschen bedeckten Flußschleifen unterhalb von Nowosiełki unbemerkt bis in die Wälder an der Okonka durchgeschlichen. So kam es, daß ein Bataillon des deutschen IR. 41, das offenbar erst nach dem Einbruch der Russen in die Lücke eingeschoben worden war, am 17. früh im Rücken gefaßt und in der Mitte durchstoßen wurde. Überraschend drang der Feind bei Morgengrauen in Nowosiełki ein und griff gleichzeitig das am anderen Ufer fechtende k.u.k. IR. 58 in der Flanke an. In dieser Wirrnis wurden die am linken Flügel des IR. 58 kämpfenden Kompagnien von den Russen umzingelt und gefangengenommen, der Rest des Regiments suchte flüchtenden Fußes über den Styr zu entkommen.
An der Straße Komarow—Rudka sammelten sich das durchbrochene ostpreußische Bataillon (IR. 41) und die kärglichen Trümmer des IR. 58, um mit der herbeieilenden Korpsreserve, dem deutschen IR. 41, zum Gegenangriff auf Nowosiełki zu schreiten. Indessen befahl GM. Paschen, der Kommandant der deutschen 1. ID., dem Obst. Fischer, Kulikowiczy bis zum Äußersten zu halten. Allein Kulikowiczy war bereits verloren. Dort hatten die Russen am Morgen nach heftiger Beschießung die vom IR. 95 verteidigten Brückenkopfstellungen überrannt. Hunderte ruthenische Soldaten verloren den Halt und ergaben sich dem Feinde. Andere Gruppen, durch tapfere Offiziere und Unteroffiziere geführt, vermochten sich über die Stege, die den Brückenkopf mit dem Westufer verbanden, auf Komarow zurückzuziehen. Viele Leute, die sich schwimmend zu retten versuchten, ertranken im Styr.
In dem Glauben, daß sich die 22. IBrig. bereits im Rückzug auf Gradie—Kołki befände, ordnete GM. Paschen um lhi0 nachm. den Rückzug der vor Nowosiełki schwer ringenden Gegenangriffsgruppe auf Rudka an. Dieser Befehl wurde rechtzeitig vom Korps Conta widerrufen. Obst. Fischer hatte indessen auf dem Westufer des Styr eine äußerst dünn besetzte Widerstandslinie gebildet und suchte trotz des schweren Mißgeschickes, das seine beiden Regimenter getroffen, und trotz des Verlustes jeglichen Zusammenhanges mit dem links benachbarten ostpreußischen IR. 41 zwischen Komarow und Siemki standzuhalten. Dies gelang. Tapfer hielten hier die Trümmer der 22. IBrig. und harrten der über Kołki herbeieilenden Verstärkungen.
GdI. Křitek, der Führer des k.u.k. XVII. Korps, schickte im Aufträge des GdI. Gerok zwei Polenbataillone des KavKorps Herberstein, ferner zwei Bataillone und auch Artillerie der deutschen 22. ID. vom Kormin auf das Gefechtsfeld. Am Abend trafen diese ersten Verstärkungen ein. Nun sollte Obst. Fischer am nächsten Morgen Kulikowiczy zurückerobern; allein zu diesem anbefohlenen Gegenstoß konnte es nicht mehr kommen.
In der Nacht auf den 18. brachte das XXXX. Russenkorps bei Komarow, Nowosiełki und auch bei Czartorijsk Verstärkungen auf das Westufer. Starke feindliche Abteilungen drängten die zwischen der 22. IBrig. und der deutschen 1. ID. zum Gegenangriff auf Nowosiełki angesetzte Gruppe (deutsches IR. 41 und Teile des k.u.k. IR. 58) gegen Rudka und gegen Komarow zurück. Tief trieben die Russen unter dem Schutze des Morgennebels ihren Stoßkeil in der Richtung auf Bielgow vor. Die in dem Flußbogen von Czartorijsk fechtenden preußischen Regimenter wurden plötzlich aus den hinter ihren Stellungen liegenden Waldungen angegriffen. Es entspann sich ein wahrer Verzweiflungskampf. Kompagnien opferten sich auf, um überrannte Batterien und abgeschnittene Bataillone zu retten. Nur Trümmer der durchbrochenen deutschen 1. IBrig. konnten bei Kamienucha und bei Rudka wieder gesammelt werden. Die Brigade hatte viele Hunderte an Toten, Verwundeten und an Gefangenen verloren; 10 Geschütze und auch viele Maschinengewehre waren in die Hände der Russen gefallen.
Von rechts umgangen und im Rücken gefaßt, mußte nun auch die deutsche 2. IBrig. aus dem Flußbogen auf Podgatie—Miedwieże zurückgenommen werden. Im Kampfe mit zersprengten Resten der deutschen
1. IBrig. drängten die Russen gegen Mittag schon näher an Bielgow, an Kamienucha und an Rudka heran. Abgesprengt vom Korps Conta, klammerte sich die k.u.k. 22. IBrig. mit den ihr vom Kormin rasch zugeschobenen zwei deutschen Bataillonen an den Ortszugängen von
Komarow fest. Ihr linker Flügel war westwärts abgebogen und auch die rechte Flanke bedroht, da die Russen oberhalb von Kulikowiczy über den Styr gelangten. Wohl vermochte hier ein kühner Gegenstoß zweier deutscher Kompagnien die Lage noch einmal zu retten. Allein gegen Abend mußte die äußerst gefährdete Gruppe Obst. Fischer auf Siemki— Rażniczy zurückgenommen werden. GLt. Conta ließ um dieselbe Zeit in Anbetracht der Geschehnisse im Norden die deutsche 1. ID. eine Aufnahmestellung bei Kukli—Lisowo—Kostiuchnowka beziehen.
Die am Nordflügel des Korps Conta kämpfende 21. IBrig. derLem-berger 11. ID., GM. Grubić, hatte gegen Mitte Oktober ein Regiment an den Südflügel des Korps Hauer abgeben müssen, um die aus Mulczicy vorstoßenden Russen zu vertreiben. Die Masse der 21. IBrig. stand vor Rafalowka auf dem linken Styrufer. Am 16. Oktober gelang es dem IR. 55, im gemeinsamen Angriff mit der 1. KD. Mulczicy zu nehmen. In der Nacht zum 17. gelangten die Russen unterhalb von Rafalowka über den Styr und stießen im Morgennebel durch die äußerst dünn besetzte Front der 21. IBrig. in Flanke und Rücken. Die völlig überraschten Bataillone mußten unter sehr ansehnlichen Einbußen an Gefangenen auf Kostiuchnowka weichen. Hauer warf den über den Styr vordringenden Russen von Norden das IR. 55 und seine Korpsreserve, die ll.HKD., entgegen. Conta schickte der zerschlagenen 21. IBrig. zwei deutsche Bataillone zu Hilfe. Aber diese Verstärkungen vermochten die Lage auf dem Nordflügel des Korps Conta nicht mehr herzustellen. Am 18. drängte das russische Reiterkorps Gillenschmidt vor, warf das IR. 55 und die
ll.HKD. in nordwestlicher Richtung zurück und zwang sie, mit dem KavKorps Hauer gegen Galuzia und in die Gegend südlich von Jeziercy auszuweichen.
Die Lage sah überaus bedrohlich aus. Zwischen Rażniczy und Kukli klaffte eine fast 10 km breite Lücke in der Front. Der Durchbruch der Russen auf Kukli—Bielgow und das Zurückweichen des Korps Hauer setzten das Korps Conta der Gefahr völliger Abschnürung aus. Glücklicherweise hatten Linsingen und Gerok schon am 18. früh auf die erste Nachricht von dem völligen Zusammensturz der Front im Styr-bogen den Zuschub von ansehnlichen Verstärkungen eingeleitet. An GdI. Křitek, der am Kormin den aus demXVII. Korps (41. HID., 13. SchD.), aus der deutschen 22. ID., der 1. Polenbrigade und aus dem KavKorps Herberstein (4., 2. und 7. KD.) zusammengesetzten Südflügel der Armeegruppe Gerok befehligte, erging der Befehl, alle verfügbaren Kräfte nach Kołki zu entsenden. Křitek setzte noch im Laufe des 18. ein Bataillon der 22. ID., die Polenbrigade und ein Regiment (SchR. 24) der 13. SchD. nach Norden in Bewegung und ließ sich darin auch nicht durch Vorstöße der Russen gegen die 41. HID. behindern. Erzherzog Joseph Ferdinand hatte die 10. KD. und die 21. SchD., die hinter der 4.Armee als Reserve versammelt worden waren, an die Gruppe Gerok abzugeben. Auch war, obwohl die Russen die Erzherzogsarmee durch Einzelangriffe beiderseits der Bahnlinie Rowno—Kowel beunruhigten, der Nordflügel der 4. Armee bis Bogusławka auszudehnen und die 45. SchD. an der Putilowka für Křitek freizumachen.
Um der durch diesen Kräfteentzug sehr geschwächten 4. Armee — sie bestand nur mehr aus dem IX. Korps (2. und 10. ID.), dem X. Korps (3. und 4. ID. sowie 37. HID.) und der als Reserve in Łuck stehenden 24. ID. — einen Rückhalt zu geben, trat GdI. Linsingen an die Heeresleitung mit dem Ersuchen heran, die für den italienischen Kriegsschauplatz bestimmte 3. ID. vorläufig an der Putilowka zu belassen. GO. Conrad stimmte zu. Er bestrebte sich selbst auf die Nachricht, daß drei bis fünf russische Infanteriedivisionen und starke Kavallerie im Styr-bogen eingebrochen seien, die Lage wieder sicherzustellen. Noch am 18. nachmittags ergingen aus Teschen die nötigen Befehle. Böhm-Ermolli hatte die 26. SchD., die hinter der 2. Armee in Reserve stand, und Pflanzer-Baltin die 2. Polenbrigade, vom Ostflügel der 7. Armee, mit der Bahn über Lemberg nach Kowel zu schicken.
Die Einleitung des Gegenangriffes (19. bis 27. Oktober)
Am 19. Oktober früh trafen das SchR. 24 und die ersten Truppen der 21. SchD. in Kolki ein. Auf Weisung des GLt. Conta hatte Obst. Fischer unterdessen seine schwache Gruppe (zwei deutsche Bataillone, Reste der 22. IBrig.) aus dem Brückenkopf Rażniczy—Siemki wieder nach Norden in Bewegung gesetzt, um Komarow zu erreichen. Er wurde aber schon südlich der Ortschaft in heftige Kämpfe verwickelt. Starke feindliche Kräfte waren von Kamienucha über Rudka und über Kukli im Vorgehen,, wobei sie der deutschen 1. ID. noch einmal die Flanke abgewannen. Über Kolki herbeieilend, warfen sich das SchR. 24 und die Spitzenbrigade der 21. SchD. unter GM. Keki den vordringenden Russen westlich von Komarow entgegen und hemmten ihren Siegeslauf.
Noch klaffte aber zwischen dem Korps Křitek und dem bis Okonsk zurückgebogenen rechten Flügel der deutschen 1. ID. eine gefährliche
Lücke, die die 1. Polenbrigade und die nachrückende Brigade GM. Hans-mann der 21. SchD. erst am folgenden Tage schließen konnten. Doch verstanden die Russen nicht, ihren Erfolg auszunützen. Sie trieben ihren Stoßkeil nicht mit der nötigen Kraft nach Westen vor und waren augenscheinlich bestrebt, durch Angriffe in südwestlicher und nordwestlicher Richtung die geschlagene Bresche zu verbreitern.
Am 20. Oktober führte GdI. Křitek im Aufträge des GdI. Gerok die nach Rażniczy herangeführten Truppen unter dem einheitlichen Befehle des Führers der 21. SchD., GM. Podhajský, dem im Styrbogen haltenden Feinde in die Flanke. Die Gruppe GM. Keki (halbe 21. SchD., SchR. 24, drei Bataillone der deutschen 22. ID., Reste der 22. IBrig.) vermochte nicht, die Russen aus dem stark verschanzten Orte Komarow und von den Sandhöhen westlich davon zu vertreiben. Eine bittere Überraschung erlebte die Brigade GM. Hansmann. Sie sollte auf Jabłonka vorrücken, wurde jedoch auf dem Vormarsche durch die Sumpfwälder von feindlichen Kräften angefallen und wich nach schwankendem Gefecht auf Kopyli—Rażniczy zurück. Die Russen standen bereits in Gradie, Dołżyca und Sawerynowka. Die Lücke, die zwischen den Truppen Křiteks und Contas von neuem aufsprang, konnte lediglich durch die herbeieilende 1. Polenbrigade verschleiert werden.
Auch GLt. Conta, der die Stände der schwer geschädigten deutschen 1. ID. mit den ihm von Kowel rasch zugeschobenen Ersätzen wieder aufgefüllt und die k.u.k. 21. IBrig. bei Kostiuchnowka gestützt hatte, ging am 20. beiderseits der Bahn zum Angriff über. Die 1. ID. wurde beim Vorgehen von der russischen Artillerie und auch von Maschinengewehren stark beschossen und schon westlich von Miedwieże und knapp östlich von Lisowo vor russischen Stellungen zum Halten gezwungen. Am Nordflügel Contas schob die 21. IBrig. ihre dünnen Linien an den Westrand von Kostiuchnowka vor. Im Anschluß daran hielt sich das KavKorps Hauer, allerdings unter Schwankungen, in seinen weitausgedehnten Stellungen zwischen Wolka Gałuzijskaja und Jeziercy.
Am 21. Oktober wurden russische Kräfte, die sich bei Czernysz. gegen die deutsche 22. ID. herangearbeitet hatten, durch Geschützfeuer zum Rückzug hinter den Korminbach gezwungen. Weiter nördlich griff der Feind das KavKorps Herberstein an. Diese vereinzelten Vorstöße der Russen am Kormin verleiteten den GdI. Gerok in keiner Weise, die ihm von der 4. Armee zur Verfügung gestellten Truppen (10. KD. und 45. SchD.) hinter seinem rechten Flügel zurückzuhalten. Er ließ sie nach Norden weitermarschieren, um Křiteks Angriffsflügel zu verstärken.
Am 21. früh traf die 10. KD. unter GM. Viktor v. Bauer nach einem Gewaltmarsche vor Gradie—Dołżyca ein. Von ihr wurde die auf Rażniczy zurückgewichene 42. SchBrig. wieder zum Angriff vorgerissen. Diese Brigade, abgesessene Kavalleristen und polnische Legionäre warfen im gemeinsamen Vorgehen die Russen aus den moorumgürteten Dörfern Gradie, Dołżyca und Jabłonka, drückten die Spitze des russischen Durchbruchskeiles ein und drangen im Verein mit einzelnen preußischen Kompagnien von Süden und von Westen her gegen Kukli vor. Indessen schob Conta seinen bis Okonsk zurückgebogenen rechten Flügel in der Richtung auf Sobiatyn und auf Sawerynowka vor. Hier stellten sich die Russen an der Okonka verzweifelt zur Wehr. Die Mitte der deutschen 1. ID. schlug ein Russenbataillon zurück, das in Lisowo eingedrungen war. Der linke Flügel behauptete sich auf den Sandhöhen knapp westlich von Miedwie że und bei Kostiuchnowka.
Während Křitek am 22. die Masse der 45. SchD. im Brückenkopf von Rażniczy versammelte, wurde überaus heftig um den Besitz von Kukli gerungen. Die Brigade Hansmann bemächtigte sich russischer Vorstellungen an der Okonka und drang dann, unterstützt von Fußabteilungen der 10. KD. und von Teilen der 1. Polenbrigade, von Süden her in Kukli ein. Der Russe hielt sich am Nordausgang des Ortes und suchte durch Gegenstöße den Angreifer zurückzu drängen.
Beim Korps Conta verhinderten am 22. starkes Artillerie- und Maschinengewehrfeuer sowie russische Angriffe ein Vorgehen. Für den 23. befahl GdI. Gerok den allgemeinen Angriff. Křitek sollte Komarow und die Brückenköpfe Kulikowiczy und Nowosiełki zurückerobern. Conta war beauftragt, möglichst viele Kräfte auf seinem linken Flügel zusammenzufassen, um mit ihnen über Podgatie auf Czartorijsk durchzubrechen.
Křitek unterstellte alle Kräfte seines Stoßflügels dem Führer der 45. SchD., FML. Smekal. Dieser befahl der Gruppe Keki, Komarow zu nehmen, während die neuangekommenen Truppen der 45. SchD. über Rudka auf Budka vorzustoßen hatten. Gleichzeitig sollten die 10.KD. und die Brigade Hansmann im Verein mit der 1. Polenbrigade von Kukli westwärts über Budka in der Richtung gegen Czartorijsk vorgehen. Die Russen hatten mittlerweile Verstärkungen (Teile des XXX. Korps) über den Styr nach Komarow gebracht. Die Angriffsgruppen des FML. Smekal vermochten daher am 23. nicht, in die äußerst zäh verteidigten feindlichen Stellungen einzudringen. Auch beim Korps Conta konnte der für diesen Tag anbefohlene allgemeine Angriff nicht durchgeführt werden, weil die Russen an allen Teilen der außerordentlich dünn besetzten Front immer wieder durchzubrechen versuchten. Sie wurden zwar überall abgeschlagen, aber die feindlichen Angriffe machten den Einsatz der am Stoßflügel Contas bereitgestellten Reserven notwendig.
Am 24. Oktober ließ FML. Smekal seine Artillerie zu neuem Wirkungsschießen bei Komarow bereitstellen. Das zäh verteidigte Kukli fiel an diesem Tage, nachdem polnische Legionäre russische Verschanzungen nördlich der Ortschaft erstürmt hatten, endgültig in die Gewalt der Brigade GM. Hansmann. Die Polen und die rechte Flügelbrigade der deutschen l.ID. schoben ihre Linien in die Wälder von Kamienucha vor, wo der Russe immer wieder zum Gegenangriff hervorbrach. Am linken Flügel der 1. ID. wurden am 24. nachmittags feindliche Stellungen am Waldrand östlich von Lisowo genommen, die die Russen teilweise unter dem gegnerischen Druck auf Miedwieże geräumt hatten.
Am 25. um Mittag wurden durch den neuerlich angesetzten Angriff der Stoßgruppe des GM. Podhajský nach verlustreichem Kampfe die russischen Stellungen auf den Höhen westlich von Komarow in einer Ausdehnung von etwa 5 km eingenommen. Komarow konnte jedoch noch immer nicht bezwungen werden. Der linke Flügel der deutschen
1. ID. erstürmte am Nachmittag, von der Artillerie vortrefflich unterstützt, die russische Hauptstellung zwischen Lisowo und Miedwieże und drang hierauf bis an den Weg Miedwieże—Bielgow vor. Indessen wurde aber der schwachgehaltene rechte Flügel der 1. ID. durch Übermacht angegriffen und südlich vom Orte Huta Lisowskaja durchbrochen. Durch einen raschen Gegenstoß preußischer Kompagnien wurden die Russen wieder zurückgejagt. Auch der Angriffsflügel des Korps Křitek erwehrte sich der bis in die Nacht hinein angreifenden Russen.
Am 26. Oktober stellte sich der Feind in der Linie Komarow— Rudka—Kamienucha, in den dazwischenliegenden Wäldern und westlich von Podgatie. Der Angriff auf diese Stellung wurde am Nachmittag fortgesetzt, überraschendes Artilleriefeuer hinderte aber ein weiteres Vorgehen. Auch an den beiden folgenden Tagen vermochten die überaus angestrengten Truppen keine weiteren Fortschritte zu erzielen. Ihre Kraft war erschöpft. Sie hatten in den langandauernden Kämpfen schon sehr schwere Verluste erlitten.
Mittlerweile war die Hauptkraft der 26. SchD. — 52. SchBrig., Artillerie und Divisionskmdo. — über Kowel herangerollt und bei Manie -wicze versammelt worden. Linsingen unterstellte die neuangelangten Verstärkungen dem Korps Conta zur Durchführung des weiteren Angriffs, der am 27. planmäßig vorbereitet wurde.
Verdrängen der Russen aus dem Styrbogen (28. Oktober bis 14. November)
In der Nacht auf den 28. setzte GLt. Conta die 52. SchBrig. in die Mitte der deutschen 1. ID. ein, um mit ihr und mit der deutschen
1. IBrig. am 29. den Feind südlich des Weges Lisowo Czartorijsk anzugreifen. Auch Křitek war an diesem Tage wieder zum Angriff bereit. Nach sehr harten Kämpfen gelang es seiner Stoßgruppe, am 29. um Mittag in die äußerst zäh verteidigten russischen Stellungen bei Rudka und südöstlich davon einzudringen. Doch das stark verschanzte Dorf Komarow konnte dem Feinde wiederum nicht entrissen werden. Damit endete der Anlauf gegen die Südflanke der Russen im Styrbogen.
Beim Korps Conta eroberte am 29. gegen Mittag die deutsche 1. IBrig. Kamienucha. Drei Stunden später wurden Huta Lisowskaja und Bielgow durch die 52. SchBrig. erstürmt. Weiter nördlich sollte sich die deutsche
2. IBrig. dem Angriff anschließen, doch konnte sie wegen des Flankenfeuers russischer Maschinengewehre nicht auf Podgatie Vordringen.
Der rechte Flügel des Korps Conta stieß beim weiteren Vorgehen in den Sumpfwaldungen vor Budka und auf den Flugsandhöhen östlich von Bielgow auf den erbitterten Widerstand russischer Schützenregimenter. Als das ostpreußische Grenadier-Regiment Kronprinz der 1. IBrig. am
30. nach schwerem Ringen Budka erobert hatte, suchte der rechte Flügel der 52. SchBrig. die Höhen von Bielgow von Süden her zu nehmen. Die Umfassung scheiterte jedoch an den Tücken des Sumpfgeländes. Bis zu den Hüften versanken die Angreifer im Sumpf, viele gingen zugrunde.
Am 31. trat in der Lage keine Änderung ein. Mit Einbruch der Dunkelheit wurden einzelne Kompagnien der aus der Bukowina angekommenen 2. Polenbrigade in der Mitte und am linken Flügel des Korps Conta eingesetzt. FML. Lischka, der Kommandant der 26. SchD., übernahm die Führung über die im Abschnitt von Bielgow fechtenden Truppen. Am 1. November sollte wieder zum allgemeinen Vorstoß gegen die feindlichen Stellungen zwischen Komarow und Budka, auf den Höhen östlich von Bielgow und beiderseits des Weges Lisowo—Czartorijsk geschritten werden. Russische Gegenstöße verhinderten aber an diesem Tage den Angriffsflügel des Korps Křitek am Vorgehen.
Beim Korps Conta griffen die Russen im Morgengrauen den linken Flügel der 52. SchBrig. an. Der Feind wurde, teilweise im Handgemenge, abgewiesen. Dann gingen um 8h früh die Bataillone dieser Brigade und der deutschen 2. IBrig. zum Angriff über. Sie arbeiteten sich unter schweren Verlusten bis auf die nächsten Entfernungen an den Feind heran; doch war ein Einbruch in die stark ausgebaute Stellung unmöglich. Erst am 2. November nachmittags glückte der Sturm. Das Grenadier-Regiment 3 benutzte einen günstigen Augenblick, in welchem die flankierend wirkenden Maschinengewehre der Russen ihr Feuer gegen den von Bielgow drohenden Angriff richteten, und brach vor1). Es überrannte gemeinsam mit zwei Kompagnien der 52. SchBrig. die erste russische Stellung und die dahinter liegenden besetzten Reservegräben und drang auch in die noch stärker ausgebaute zweite russische Stellung südlich von Podgatie ein.
Drei Stunden hindurch hatte unterdessen das Korps Conta mit schweren, mittleren und leichten Geschützen die Höhe von Bielgow beschossen. Es war ein entsetzliches Schauspiel. Die Höhe umfing eine einzige Rauch- und Staubwolke. Um 2h30 nachm. warfen sich die beiden Regimenter der 52. SchBrig. gegen den erschütterten Feind. Der Angriff drang durch, er rollte unaufhaltsam über das von Granaten und Gräben zerwühlte, mit zerfetzten Drahthindernissen bedeckte Trümmerfeld. Was noch in den zerschlagenen Stellungen Leben hatte, gab sich willig gefangen oder versuchte, in die Wälder von Czartorijsk zu entfliehen2).
Die Schützenregimenter 9 und 10 waren nach der Erstürmung der Höhen östlich von Bielgow im weiteren Vordringen. Da brach überraschend ein mit starken Kräften ausgeführter russischer Gegenangriff aus den Waldungen von Czartorijsk hervor. Die 52. SchBrig. wich nach wirrem Kampfe auf Bielgow zurück. Dort wurden deutsche Reserven eingesetzt und die russischen Gegenangriffe aufgefangen. Durch das Zurückweichen auf Bielgow war aber eine Lücke in der Front entstanden. Als die Russen in der Nacht auf den 3. durch diese Lücke in den Rücken der deutschen
2. IBrig. vordrangen, sah sich das noch vorne haltende Grenadier-Regiment 3 zum Rückzug in die Ausgangsstellung gezwungen3).
GLt. Conta befahl schon für den 3. November die Wiederaufnahme des Angriffs, um die verlorenen Stellungen zurückzuerobern. Auch Křitek wollte an diesem Tage noch einmal die Russen bei Komarow angreifen. Allein die ermüdeten Truppen waren zu neuem Angriff nicht befähigt. Jeder Tag und jede Nacht hatten schwere Opfer gefordert. In den Sümpfen lagen Knäuel von gefallenen Soldaten, die über die Ober-
x) Schillmann, Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm I. (2. Ostpreußisches) Nr. 3 (Berlin 1924), 160.
2) Wisshaupt, Die 52. Landwehrbrigade im Weltkrieg, 349 ff.
3) Schillmann, 160f.
fläche hervorragten, auch das Niemandsland zwischen den Stellungen war bedeckt mit Toten. Schwer lastete der Druck des Stellungskrieges auf den in der vordersten Feuerlinie fechtenden Truppen. Ihr Gesundheitszustand war wegen der lang andauernden Mühsale und Entbehrungen im Sumpfgebiet und bei rauher Witterung schon sehr beklagenswert geworden. Außerordentlich schwierig war auch der Zuschub der Verpflegung, weil die Träger vielfach nur über ein freies, von den feindlichen Maschinengewehren bestrichenes Gelände in die Stellung gelangen konnten, was häufig zu Verlusten führte. Da ein Feuermachen bei der Nähe des Feindes unmöglich war, mußte das Essen kalt genossen werden. Dazu setzte allmählich eine empfindliche Kälte ein, so daß das Leben im Schützengraben zur Qual wurde. Bis auf die Haut durchnäßt, standen die Leute Tag und Nacht in den durchfeuchteten Gräben. Die Ruhr griff um sich, die Abgänge an Kranken wurden mit jedem Tag größer. Viele Leute waren so ermattet, daß sie auf Posten einschliefen.
Linsingen und Gerok erkannten wohl aus den ihnen vorgelegten Berichten die schwierigen Verhältnisse, unter denen die hartgeprüften Truppen seit vielen Tagen und Nächten leiden mußten. Trotzdem waren sie entschlossen, die Russen im Styrbogen völlig niederzuringen. Sie spornten ihre Divisionen zu neuen Anstrengungen an, forderten in allgemeinen Weisungen das unbedingte Aushalten dem zähen Feinde, dem tückischen Sumpfe und der rauhen Witterung gegenüber und verlangten überdies noch in der Erwartung weiterer Russenstürme den Ausbau der Kampfstellungen zur nachdrücklichsten Verteidigung. Wo aber eine günstige Gelegenheit sich bot, sollte sofort zum Sturme vorgegangen werden.
Die Russen kämpften unter den gleichen schwierigen Bedingungen. Brussilow hatte bereits Tausende an Toten, an Verwundeten und an Gefangenen zum Opfer gebracht, war aber noch nicht gesonnen, den Kampf aufzugeben. Er hatte von Iwanow die 101. und die 125. RD. als Verstärkung erhalten und am Kormin eingesetzt. In den Styrbogen von Czartorijsk waren im Verlaufe der Kämpfe außer dem ganzen XXXX. Korps, dem KavKorps Weljassew und der Hauptkraft des XXX. Korps auch noch Teile des XXXIX. Korps geschoben worden. Anfangs November dehnte Brussilow unter Mitwirkung des KavKorps Gillenschmidt seine Einzelstöße auf die ganze Front von Komarow bis Miedwieże aus.
Als die durch Infanterie verstärkte Reiterei des Gen. Gillenschmidt anfangs November an der Wiesiolucha und am Strumień zum Angriff schritt, war GdA. Gronau gerade im Begriffe, seine Streitkräfte umzustellen. Die in weiter Ausdehnung an der Wiesiolucha allein stehende deutsche 5. KD. sollte durch die 82. RD. abgelöst werden, um die Wege über Kamień Kaszyrskij nach Brest-Litowsk und nach Kowel besser zu decken. Noch bevor es dazu kam, sah sich die deutsche 5. KD. in der Nacht auf den 3. November plötzlich im Rücken angefallen. Russische Abteilungen waren, von Einheimischen geführt, in der Wildnis der Sümpfe unbemerkt durch die dünnen deutschen Linien geschlichen und überraschend in Kuchocka Wola eingedrungen. Es gelang aber, den Feind alsbald aus der Ortschaft zu vertreiben. Desgleichen scheiterten russische Übergangsversuche am Strumień, worauf die beim Korps Gronau anbefohlene Umgruppierung durchgeführt werden konnte.
Am 4. November holte Gillenschmidt mit seinem durch die 49. ID. verstärkten Südflügel zu einem neuen Schlage bei Kostiuchnowka aus. Die schwache 21. IBrig. der Lemberger 11. ID. wurde auf Wolczek zurückgeworfen. Bei Miedwieże schützten preußische Kompagnien die Nordflanke Contas. Vom KavKorps Hauer eilten Abteilungen der ll.HKD., vom Korps Conta polnische Legionäre herbei und warfen sich dem Feinde entgegen. Nach dreitägigem schwankendem Gefechte wurden die Russen wieder auf Kostiuchnowka zurückgedrängt.
Unterdessen blieb die deutsche l.ID. nicht müßig. Am 5. wurde der Angriff auf ihrem rechten Flügel wieder aufgenommen. Es gelang der deutschen 1. IBrig., bei Budka örtlichen Raumgewinn zu erzielen. Nun sollten auch die 52. SchBrig. und die deutsche 2. IBrig. am Nachmittag nach kurzem Massenfeuer der Artillerie zum Sturme antreten. Allein der Russe hielt seine Stellungen auf den Höhen östlich von Bielgow und westlich von Podgatie stark besetzt und schoß mit seinen geschickt aufgestellten Maschinengewehren so wirkungsvoll, daß ein Vorgehen unmöglich war. In den nächsten Tagen brachen die Schützenregimenter des XXXX. Russenkorps immer wieder zum Sturme vor und suchten mit Todesverachtung bald hier, bald dort die Linie des Gegners zu durchstoßen, um der ihnen drohenden doppelseitigen Umfassung im Styrbogen zu entgehen.
Am 7. November, lange vor Morgengrauen, drang der Feind bei Bielgow in die Sumpfstellung einer Polenkompagnie ein und drückte auch den linken Flügel der 52. SchBrig. zurück. Im Gegenstoß mußten die Russen zurückgetrieben werden. Zwei Tage später, am 9. früh, wurden Truppen der 45. SchD. bei Budka durchstoßen und dadurch auch der rechte Flügel der 52. SchBrig. von Süden her aufgerollt. Im Walde südlich von Huta Lisowskaja kam es beim SchR. 10 zu heldenhaften Kämpfen umgangener Kompagnien, die sich zum Teil heraushieben,.
zum Teil aber in Gefangenschaft gerieten. Das SchR. 9, bis zu dessen rechtem Flügel das wechselvolle Waldgefecht Übergriff, riegelte sich ab und hielt fest in der Stellung aus, bis die Reserven des FML. Lischka von Huta Lisowskaja her eingriffen und die eingedrungenen Russen zurückwarfen1).
Von einem ähnlichen Mißgeschick wurde die deutsche 2. IBrig. ereilt. Die Russen drangen am 11. zeitlich früh in die Stellungen der auf dem rechten Flügel der Brigade frisch eingeschobenen Fußabteilungen der 10. KD. und erschienen plötzlich im Rücken der links anschließenden preußischen Bataillone2). Auch diesmal konnten die umgangenen Grabenbesatzungen durch den Gegenstoß der Reserven rasch aus der kritischen Lage befreit werden. Der linke Flügel des Korps Křitek mußte sich ebenfalls bei Komarow weiterer russischer Stöße erwehren.
Während dieser aufreibenden Stellungskämpfe bereitete Gerok einen neuen Angriff vor. Die Reihen der Regimenter der deutschen l.ID. und auch der öst.-ung. Divisionen wurden durch Ersätze aus der Heimat wieder aufgefüllt, die Artillerie des Korps Conta wurde verstärkt. Auf Weisung des Heeresgruppenkmdos. Linsingen zog GLt. Conta die Hauptkräfte der deutschen 1. ID. vor Podgatie zusammen, um zwischen der Straße Lisowo—Czartorijsk und Miedwieże durchzubrechen. Im Abschnitt von Miedwieże—Kostiuchnowka wurden die 2. und die 3. Polenbrigade unter dem FML. Ritt. v. Durski vereinigt. Die 21. IBrig., durch die Polen freigemacht, wurde in der Nacht auf den 12. südlich der Straße Lisowo—Czartorijsk in der Mitte des Korps Conta eingesetzt. Die Hauptkraft der deutschen 22. ID. mußte Křitek zur Verstärkung des rechten Flügels des Korps Conta abgeben. 120 Geschütze, darunter 21 cm-Mörser, gingen in Stellung. GdI. Fath, der bisherige Brückenkopfkommandant von Wien, der am 7. November den Befehl über die auf das linke Styr-ufer herangeführten k.u.k. Divisionen — die 45. und die 21. SchD. sowie die 10. KD. — übernommen hatte, erhielt von Gerok die Weisung, sofort anzugreifen, falls die Russen aus dem Kampfabschnitt von Komarow Kräfte gegen die Stoßgruppe Conta entsenden sollten.
Unter diesen Vorbereitungen war endlich am 13. November der ersehnte Tag gekommen, der die im Styrbogen von Czartorijsk kämpfenden verbündeten Truppen aus der Qual des Stillhaltens in Kälte und Sumpf erlösen sollte. Um 8h45 vorm. begann das Wirkungsschießen. Unter dem Schutze der Artillerie arbeiteten sich die Angriffsbataillone der deutschen
!) Wisshaupt, Die 52. Landwehrbrigade im Weltkrieg, 348 ff.
2) S c h i 11 m a n n, 163 f.
1. ID. bis auf die nächsten Entfernungen an die feindliche Stellung bei Podgatie heran und traten gegen Mittag zum Sturme an. Nach hartem Ringen wurden die feindlichen Gräben von Podgatie bis Miedwieże genommen. Indessen aber raffte sich der Russe noch einmal zu einem verzweifelten Gegenstoß auf und drängte die k.u.k. 21. IBrig. zurück. Am Nachmittag mußte auch die deutsche 1. ID. einen Teil der bei Podgatie eroberten russischen Stellungen wieder räumen. Da bei dem frühen Einbruch der Dämmerung ein neuerlicher Angriff im Walde keinen Erfolg versprach, und da außerdem die Verbände stark vermischt waren, ordnete GLt. Conta die Fortsetzung des Unternehmens erst für den 14. an.
In der Nacht erfolgten hier und dort Feuerüberfälle der Russen. Es schien, als ob der Feind im Morgengrauen von den Sandhügeln von Bielgow herab zu neuem Gegenstoß vorbrechen wolle. Mit fiebernden Augen spähten die übermüdeten Grabenbesatzungen ins Vorfeld. Der erwartete Russensturm blieb aber aus. Gegen Morgen gingen Patrouillen vor. Sie fanden die russischen Verschanzungen leer.
Am 14. November brachen die Divisionen des neugebildeten Korps Fath aus ihren verschlammten Gräben hervor. Sie durchschritten das ausgebrannte Komarow, die Sumpfwälder der Okonka und schoben ihre Linien nördlich und südlich von Nowosiełki an den Styr. Die Regimenter des Korps Conta stiegen die von den Russen geräumten Höhen von Bielgow—Miedwieże empor und besetzten die Waldränder westlich von Czartorijsk. Verfolgungsabteilungen, die in das offene, leicht gewellte Flußanland weiter vordrangen, trafen in den Dörfern des Styrbogens nur auf schwache feindliche Nachhuten.
Brussilow hatte schon in der Nacht alle seine Stellungen von Komarow bis Kostiuchnowka geräumt. Er mochte offenbar, nachdem fünf russische Divisionen in den verlustreichen Kämpfen zusammengeschmolzen waren, die Hoffnung aufgegeben haben, die Front im Styrbogen wider den beharrlichen Druck des Gegners zu behaupten. Was die Streitkräfte der Verbündeten in jenen schweren Tagen seit dem 16. Oktober gegen einen überaus tapferen und zähen Feind geleistet haben, war bewunderungswürdig. Sie hatten mehr als 20.000 Gefangene, 70 Maschinengewehre und 1 Geschütz als Beute eingebracht. Über 3000 russische Leichen wurden nach dem Abzüge Brussilows in den Sumpfwäldern von Czartorijsk aufgelesen. Aber auch die verbündeten Streitkräfte hatten ansehnliche Verluste erlitten. Die im Styrbogen fechtenden öst.-ung. Divisionen hatten allein einen Verlust von rund 28.000 Mann an Toten, Verwundeten, Kranken und Vermißten zu beklagen.
Die Kämpfe bei Baranówicze (20. bis 22. Oktober)
Hiezu Skizze 19
Während der Schlacht bei Czartorijsk fanden in Wolhynien bei der
4. und bei der 1. Armee keine größeren Kämpfe statt. Der Russe unternahm nur an der Ikwa bei Murawica gegen die 40. HID. und bei Dubno im Abschnitte der 25. ID. vereinzelte Vorstöße mit schwächeren Kräften, die abgeschlagen wurden.
An der deutschen Heeresfront nördlich vom Pripiatj setzte GFM. Hindenburg bis gegen Ende Oktober seine Bemühungen fort, in den Richtungen auf Dünaburg, auf Jakobstadt und auf Riga Raum zu gewinnen. Der Russe behauptete unter Gegenstößen seine Ausfallstore an der Düna. Gegen Ende Oktober erstarrten auch die Kämpfe der deutschen 10. Armee im litauischen Seengebiet. Nördlich von ihr wurde unter GdA. v. Scholtz die nach ihm benannte Armeegruppe gebildet. Ihr linker Flügel stand an der Düna etwa halben Weges zwischen Dünaburg und Jakobstadt. Den Befehl über den nördlichsten Teil der Front und über die Küstenbewachung übernahm GdI. Otto v. Below. Aus der bisherigen Njemenarmee wurde die 8. Armee1).
Zu einem verlustreichen Waffengange kam es gegen Ende Oktober beim k.u.k. XII. Korps (16. und 35.ID.), das nunmehr vom FML. Henri-quez befehligt wurde. Das Korps stand seit Ende September in der Mitte der Armee Woyrsch (Beskidenkorps, k.u.k. XII. Korps, Landwehrkorps, Division Bredow, 119. ID.) an der Szczara und sperrte die Bahnlinie Minsk—Baranowicze (S. 160). Dieser wichtigen Front gegenüber lagen die inneren Flügel der 4. und der 3. Russenarmee (GrenKorps, IX., X. und V2 XXIV. Korps). Die Russen suchten im Laufe des Oktober fast täglich mit schwachen Kräften die Szczara zu überschreiten, und es gelang ihnen auch, bald hier, bald dort in die Stellungen des XII. Korps einzudringen. Nach kurzem Kampfe zogen sich aber die russischen Erkundungsabteilungen jedesmal wieder über den Fluß zurück.
Am 20. Oktober früh folgte nach heftiger Beschießung durch Artillerie ein starker Stoß gegen Baranowicze. In dichten Wellen überrannten Truppen des russischen X. Korps bei Litwa die ersten Stellungen der 35. ID. und drangen auch in die zweiten Stellungen ein. In großer Zahl streckte die rumänische Mannschaft des IR. 50 die Waffen. FML. v. Podhoránszky, der Kommandant der 35. ID., schob schnell seine x) L u d e n d o r f f, 139 f.
Divisionskavallerie und die ihm zugesandte Korpsreserve (k. k. LstlR. 51) in die Bresche, vermochte aber im Gegenangriff die verlorenen Gräben nicht zu erreichen. Der gefährdeten 35. ID. wurden mittlerweile die verfügbaren Truppen des deutschen Landwehrkorps und die Armeereserve (ein deutsches Landwehrregiment) zugeführt. Diese Verstärkungen trafen schon am Nachmittag auf dem Gefechtsfelde ein, und es gelang ihnen, die Reservestellungen der 35. ID. zurückzuerobern. Zwei Bataillone der k.u.k. 16. ID. und zwei Bataillone des Beskidenkorps sowie deutsche Artillerie rückten den bereits herbeigeeilten Unterstützungen nach. Am 21. konnte bei Baranowicze überdies die ganze deutsche 119. ID. bereitstehen, die GO. Woyrsch in Eilmärschen von seinem Nordflügel herbeigerufen hatte.
In der Nacht machte sich ein neuerlicher Einbruch der Russen in die aufgelockerte Front der 35. ID. geltend. Am 21. zeitig früh traf GO. Woyrsch in Baranowicze ein, um dem anbefohlenen konzentrischen Gegenangriff auf Litwa beizuwohnen. Als die deutschen Verstärkungen, vermischt mit den arg geschwächten Regimentern der 35. ID., nach kräftigem Artilleriefeuer zum Angriff antraten, warenTeile des XXIV. Russenkorps gegen die im Raume südöstlich von Baranowicze fechtende 16. ID., FML. v. Schariczer, vorgebrochen. Der Hauptstoß zielte entlang der großen Straße Sluck—Kobrin, wo die aus Rumänen zusammengesetzten Regimenter 31 und 64 standen. Gleichzeitig versuchte das III. kauk. Korps gegen die Kampffront des Beskidenkorps kurze Schläge zu führen. Von den Deutschen wurden die russischen Angriffe überall abgeschlagen. Auch hielten sich im Anschluß an den linken Flügel des Beskidenkorpis die Truppen der k.u.k. 16. ID., doch in der Mitte wurde sie auf den ersten Schlag durchstoßen. Die Trümmer des IR. 64 flüchteten aus den Stellungen an der Szczara westwärts in die Wälder. Die breite Lücke in der Front konnte durch die herbeigeeilte Divisionskavallerie nicht abgeriegelt werden. Am Mittag gestaltete sich die Lage immer kritischer. Die an der Straße Sluck—Kobrin westwärts zurückgedrängten Truppen der 16. ID. wurden aufs neue von russischen Stößen getroffen und konnten sich nur mit Mühe noch behaupten. FML. Schariczer bat das Korpskmdo. dringend um den Einsatz von Verstärkungen.
Der Gegenangriff auf Litwa hatte mittlerweile zum Erfolge geführt. Dort wurden die Russen in wenigen Stunden aus den verlorenen Stellungen der 35. ID. zurückgeworfen; die Verbündeten brachten mehr als 1600 Gefangene ein. Dadurch war es dem FML. Henriquez möglich, noch am Vormittag einen Teil der zur 35. ID. herangeführten Kräfte zur 16. ID. zurückzusenden. Auch Woyrsch schickte der arg bedrängten
16. ID. zwei Bataillone der bei Baranowicze bereitgestellten deutschen 119. ID. zu Hilfe.
Am Nachmittag schritten diese Verstärkungen entlang der Straße Kobrin—Słuck zum Gegenangriff, gleichzeitig faßten Reserven des standhaltenden Beskidenkorps den russischen Einbruchskeil von Süden her in der Flanke. Allein feindliche Gegenstöße brachten gegen Abend das Vorgehen zum Stehen. GO. Woyrsch befahl für den 22., den Gegenangriff fortzuführen. Als es tagte, wichen die Russen über die Szczara in ihre Ausgangsstellungen zurück. Damit war die Lage wohl wiederhergestellt. Doch hatten die zweitägigen schweren Kämpfe dem 22.000 Mann starken k.u.k. XII. Korps einen Verlust von mehr als 7500 Streitern gekostet. Davon zählte ein großer Teil zu den Vermißten der Regimenter
31, 50 und 64, die den anstürmenden Russen nur geringen Widerstand geleistet hatten.
Angesichts des Rückschlages bei Baranowicze war beim Kmdo. der Armee Woyrsch das Vertrauen auf den Kampfwert des XII. Korps erschüttert worden. Darum bat FML. Henriquez die Heeresleitung, dem
XII. Korps die Infanterieregimenter 62 und 82, die sich bei der 10. ID. im Verbände der 4. Armee befanden, zurückzustellen. Er wollte dafür die Regimenter 31, 50 und 64 abgeben, deren Ersatz zum größten Teil aus siebenbürgischen Rumänen bestand. Auch GdI. Falkenhayn verlangte in Teschen, daß dem XII. Korps eine widerstandsfähigere Truppe als Ersatz zugeführt werde. GO. Woyrsch regte sogar den Gedanken an, das XII. Korps in reichsdeutsche Verbände aufzuteilen, um die rumänischen Regimenter zu stärken und zu schulen. Diesen Vorschlag lehnte der öst.-ung. Generalstabschef allerdings ab, doch stellte er dem XII. Korps das IR. 62 und das beim VI. Korps befindliche IR. 63 zurück. FML. Henriquez hatte dafür das IR. 50 an das k.u.k. VI. Korps abzugeben. Anfangs November ließ GO. Woyrsch das XII. Korps den Kampfabschnitt von Gorodiszcze übernehmen, die dort freigemachten deutschen Truppen (Division Bredow) wurden in dem am meisten bedrohten Abschnitt von Baranowicze eingesetzt. Am 3. langte das IR. 62 und gegen Mitte November das IR. 63 beim XII. Korps ein. Die 35. ID. setzte sich nunmehr aus den Infanterieregimentern 51, 62 und 63, aus dem k. k. LstlR. 51 sowie aus dem k. u. LstEtMaR. 3 zusammen. Die 16. ID. bestand jetzt aus den Infanterieregimentern 2, 31 und 64, ferner aus dem k.u.k. RIR. 2, wogegen die Reserveinfanterieregimenter 31 und 64 nach dem verlustreichen Waffengange bei Baranowicze aufgelöst worden waren.
(Ende Oktober bis Mitte November)
Hiezu Beilagen 29 und 30 sowie Skizze 20
Die Gefechte bei Nowo Aleksiniec — Łopuszno (21. Oktober bis 3. November)
Der Vorstof) der Russen gegen das V. Korps
In der dritten Oktoberwoche war es Böhm-Ermollis Absicht gewesen, die Russen bei Sapanow, wo sie sich auf dem linken Ikwaufer festgesetzt hatten (S. 170 f.), über den Fluß zurückzutreiben. Dazu wurden die halbe 26. SchD. und ein Regiment der 29. ID. hinter dem rechten Flügel des XVIII. Korps bereitgestellt. Überdies sollte im Sinne des am 13. zur Bildung von Reserven erlassenen Befehles des Heeresgruppenkmdos. am Südflügel der 2. Armee durch Ausdehnung des V. Korps und durch Einschieben der Korpsreserve, des IR. 41, die 33. ID. freigemacht werden. Die Russen aber entfalteten gerade um diese Zeit vor dem V. Korps eine rege Tätigkeit und ließen die geplanten Ablösungen nicht zur Durchführung gelangen.
In einem kurzen, aber überaus kräftigen Ausfall warf sich das
VII. Russenkorps, unterstützt durch Truppen des VI. Korps, am 21. Oktober früh auf den rechten Flügel der 2. Armee1). In mehreren Wellen liefen die Russen zwischen Nw. Aleksiniec und Rostoki gegen das k.u.k. V. Korps Sturm. Nördlich von Nw. Aleksiniec durchbrachen sie nach heftigster Feuervorbereitung um die neunte Vormittagsstunde die durch frühere starke Verluste geschwächte 43. SchD.2); diezerschlagenen Bataillone dieser Division fluteten gegen Zagórze zurück. Die rechts benachbarte 33. ID. des IV. Korps, durch russische Ausfälle aus Nw. Aleksiniec in der Front arg bedrängt, bog ihren bedrohten linken Flügel zurück. Die Korpsreserve des FML. Goglia, das IR. 41, eben bei Zagórze eingelangt, wurde im Laufe des Vormittags zum Gegenangriff eingesetzt und stieß in einem Walde (Las Wereszczak) etwa 1 km westlich der verlorenen Stellung mit den Russen zusammen. Es entspann sich ein äußerst erbitterter Kampf. Nach tapferer Gegenwehr erlag das IR. 41
x) G u r k o, Rußland 1914—1917, Erinnerungen an Krieg und Revolution (Berlin 1921), HOf.
2) Die Truppen der Division waren in Ostgalizien und in der Bukowina bodenständig.
dem feindlichen Drucke und wich mit den zersprengten Resten der 43. SchD. auf Zagórze zurück.
Die 34. ID., FML. Rudolf Krauss, auf den Höhen östlich und südöstlich von Łopuszno von den Russen ebenfalls heftig angegriffen, versuchte, mit ihrem rechten Flügel den Einbruch bei der 43. SchD. abzuriegeln. Allein die immer weiter ausgreifende Überflügelung durch die Russen machte schließlich dem auf dem rechten Flügel der 34. ID. tapfer ringenden IR. 33 ein längeres Ausharren unmöglich. Allmählich rollten die Russen die ganze Front des V. Korps bis zum Dorfe Łopuszno auf. Die eine Brigade der 34. ID. (67. IBrig., GM. v. Lauingen) wich westwärts in eine vorbereitete Stellung am Rande des Czarny Las, die andere Brigade (68. IBrig., Obst. Koneczni) nordwärts auf den Höhenrand des zur Ikwa abfallenden Geländes.
Die Lage sah um Mittag recht bedrohlich aus. Zwischen den Trümmern der 43. SchD. bei Zagórze und der arg geschwächten 34. ID. am Ostrande des Czarny Las klaffte eine breite Lücke in der Front. Auf den Höhen nördlich von Rostoki—Łopuszno war die Verbindung zwischen dem V. Korps und der Gruppe FML. Kosak (27. und 29. ID.) verlorengegangen. Der 21. Oktober hatte das V. Korps 7500 Streiter gekostet.
Allerdings verstanden die Russen nicht, ihren Erfolg auszunützen. Sie setzten sich auf der Höhe östlich von Łopuszno, in Wolica und in den Waldstücken östlich von Panasówka fest und drangen im Laufe des Nachmittags nur sehr zögernd gegen Westen weiter vor. Mittlerweile führte GdK. Böhm-Ermolli dem bedrängten V. Korps Verstärkungen zu: von Radziwiłów die Kavalleriegruppe Obst. Beneš und von Niemiacz die Kavalleriegruppe Obst. v. Vécsey, die schon gegen Mitte Oktober aus den Divisionskavallerien der 2. Armee gebildet worden waren. In Eilmärschen wurden die noch nicht eingereihten Ersatztruppen (XV. Marschbataillone) der 34. ID. nach Panasówka herangezogen, um die Lücke in der Korpsmitte zu schließen.
Gegen Abend schob die 43. SchD. ihre dünnen Linien auf die Höhen östlich von Zagórze vor und besetzte wieder die von ihr aufgegebenen Reservestellungen. Rechts im Anschluß daran, auf den Höhen nordwestlich von Nw. Aleksiniec, hielt der zurückgebogene linke Flügel der
33. ID. Dort hatte FML. Schmidt-Georgenegg, der Kommandant des
IV. Korps, Teile des IR. 101, das am Morgen vom rechten Flügel des
IV. Korps nach Zagórze unterwegs war, eingesetzt. Die Lücke zwischen der 34. ID. und der 43. SchD. füllten die herbeigeeilten sechs Schwadronen des Obst. Vécsey, Marschkompagnien der 34. ID. sowie Teile des IR. 101. Auf die Nordhänge der Hügel von Łopuszno hatte FML. Kosak schon am Nachmittag alle verfügbaren Reserven der 27. und der
29. ID. geworfen und die Verbindung mit dem V. Korps wiederhergestellt. Am Abend wurde dem FML. Kosak die Brigade Obst. Koneczni der
34. ID. unterstellt.
Als die Russen am 21. Oktober früh in die Stellungen des V. Korps einbrachen, war gerade die 51. SchBrig. von Radziwiłów in ihre Einladestation Brody unterwegs gewesen, um der Masse der 26. SchD. nach Kowel zu folgen. Auf die Kunde von dem schweren Rückschlag beim
V. Korps beschloß GdK. Böhm-Ermolli, diese Brigade in Brody anzuhalten und an den rechten Flügel der Gruppe Kosak zu führen. Die Heeresleitung willigte ein. Dem FML. Kosak wurde noch am 21. abends die Brigade mit dem Aufträge zugewiesen, die Höhen von Łopuszno zurückzuerobern. Am 22. hatte überdies die 51.HID. von Złoczów in die Gegend südlich von Podkamień zu rücken und dort der 2. Armee zur Verfügung zu stehen. Das V. und das IV. Korps hatten den Gegenstoß durch Artilleriefeuer zu unterstützen und von den Flügeln aus den Gegenangriff zu begleiten, sobald Kosak Raum gewonnen haben werde. Man hoffte, dadurch den nach Westen vorspringenden russischen Angriffskeil einzudrücken und die verlorenen Stellungen des V. Korps zurückzugewinnen.
Die Gegenangriffe der Gruppen Kosak und Rozwadowski bei Łopuszno und bei Vanasówka
Die Vorbereitungen für das Unternehmen konnten am 22. Oktober ungestört durchgeführt werden, da die Russen ihren Angriff nicht mehr fortsetzten. Tags darauf, am 23. Oktober um 7h30 früh, vereinigte FML. Kosak das Feuer seiner Batterien auf die von den Russen besetzten Höhen östlich von Łopuszno. Nördlich und westlich der Ortschaft, in den Mulden und hinter dem Höhenrand des zur Ikwa abfallenden Geländes sowie in den Reservegräben am Ostrande des Czarny Las harrte die Infanterie auf das Zeichen zum Angriff. Um 8hvorm., kaum eine halbe Stunde nach Eröffnung des Wirkungsschießens der Artillerie, trat die aus Truppen der 27., der 29. und der 34. ID. sowie aus der 51. SchBrig. gebildete Stoßgruppe des FML. Kosak zum Angriff an.
Auf dem linken Flügel rang sich die sechs Bataillone starke Hauptangriffsgruppe Obst. Olbrich unter Verlusten den Nordhang der Höhe östlich von Łopuszno empor. Auf dem rechten Flügel drangen zwei
Jägerbataillone der Gruppe Obst. Koneczni im ersten Anlauf in den Nordteil von Łopuszno ein. Nun stiegen auch die angriffsbereiten Truppen der 34. ID. aus den Gräben, um dem Feind im gemeinsamen Vorgehen mit der Gruppe Obst. Koneczni ein Waldstück südwestlich von Łopuszno zu entreißen. Doch schon um 9h vorm. stockte auf der ganzen Angriffsfront das Vorgehen. Auf dem rechten Flügel gerieten die Angreifer vor dem am Höhenrande gelegenen Waldstück in starkes Feuer unsichtbarer russischer Maschinengewehre1).
Nicht besser ging es der Gruppe Obst. Olbrich. Sie wurde durch Gegenstöße der Russen von der Höhe östlich Łopuszno herab getroffen, in aufreibende Einzelkämpfe verwickelt und konnte auch nach Einsatz der letzten Reserven die Eroberung der Höhe östlich von Łopuszno nicht vollenden. Inzwischen war die Dämmerung hereingebrochen. Da ein weiterer Angriff mit den erschöpften Truppen in der Dunkelheit keinen Erfolg versprach, ließ FML. Kosak den Angriff einstellen.
Noch schien aber die Zurückeroberung des Höhenrandes südlich von Łopuszno geboten, um das eingebeulte Frontstück zwischen dein
V. Korps und der Gruppe Kosak verkürzen zu können. Dazu zog FML. Kosak die 51. SchBrig. in der Nacht auf den 25. von der Höhe östlich des Ortes Łopuszno hinter den linken Flügel der Division FML. Krauss, und dieser stellte hinter seinem rechten Flügel das IR. 29 zum Begleitangriff auf die Höhen von Wolica bereit.
Auf dem Gefechtsfelde vor Łopuszno war in den Herbsttagen ein unübersehbares Gewirr von Gräben entstanden, die im Verlaufe der Kämpfe öfters den Besitzer gewechselt hatten. Gerieten die Truppen in dieses Grabenlabyrinth, so entglitten sie der Führung. Um dies zu verhindern, sollte der Angriff nicht aus der vordersten Stellung der 34. ID. erfolgen, sondern von weiter hinten aus dem Czarny Las angesetzt werden2).
Am 25. vormittags, nach dem Wirkungsschießen der Artillerie, brach die 51. SchBrig. aus dem Walde Czarny Las in voller Ordnung hervor. Ein weites, offenes Feld war im feindlichen Artilleriefeuer zu durchschreiten, und so vermochten die Angriffstruppen nur unter Verlusten die Stellungen der 34. ID. zu erreichen. Hier endete das Vorgehen in dem Grabengewirr. Zwar versuchten einzelne Kompagnien weiter vorzudringen. Was aber aus den Gräben hervorkletterte, verfing sich in den
x) Wisshaupt, Das Gefecht bei Łopuszno (Öst. Wehrzeitung, Folgen 33, 3-1 und 37 von 1923).
2) Das Infanterieregiment 94 im Weltkrieg, 395.
eigenen Drahtverhauen und brach unter dem Feuer russischer Maschinengewehre, die in dem Wäldchen von Łopuszno versteckt waren, zusammen. Nicht viel besser erging es dem IR. 29, das durch flankierendes, von den Höhen nördlich von Wolica herüberschlagendes russisches Geschützfeuer in den Gräben der 34. ID. festgehalten wurde.
Als der zweimalige Angriff bei Łopuszno nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte, begab sich GdK. Böhm-Ermolli am 26. Oktober nach Krutniew und nach Zagórze, um in persönlicher Aussprache mit den Korpskommandanten näheren Einblick in die Verhältnisse auf dem rechten Armeeflügel zu erzielen. Hiebei gewann er die Überzeugung, daß die Russen, die im Besitze der Höhen zwischen Nw. Aleksiniec und Wolica verblieben waren, das V. Korps dauernd bedrohen konnten, und erteilte daher am 27. dem FML. Goglia den Befehl, einen Höhenrücken zurückzuerobern, der knapp westlich von der Reichsgrenze gegenüber den neuen Stellungen der 43. SchD. verlief.
GM. Ritt. v. Jordan-Rozwadowski, der Kommandant der 43. SchD., hatte allerdings zwei abgekämpfte Regimenter — das IR. 24 und das SchR. 36 — an die 14. ID. abzugeben; doch erhielt er dafür von dieser Division das IR. 76 und von der Gruppe Kosak die 51. SchBrig. zugewiesen. Überdies wurden ihm für den geplanten Angriff die gesamte Artillerie des V. Korps sowie sechs Batterien von der Gruppe Kosak und vom IV. Korps zur Verfügung gestellt. Das ergab eine Angriffskraft von rund 10.000 Gewehren, die, von etwa 90 Geschützen aller Kaliber unterstützt, in einer Gefechtsfront von etwa 3 km Breite zum Sturme antreten sollte und von ihrem Ziele nur wenige hundert Schritte entfernt war1).
GM. Rozwadowski, der den Angriff sorgfältig vorbereitete, suchte die Lösung in einem kurzen Sprunge eng zusammengefaßter Kräfte nach vorn. Er ließ knapp hinter der vordersten Stellung Gräben zur gedeckten Bereitstellung der Angriffsgruppen ausheben. Es wurden Ausfallsstufen in den Kampfgräben und Sturmgassen in den Drahthindernissen gebaut. Die Gruppe Kosak und das IV. Korps suchten durch kleine Ausfälle die Aufmerksamkeit des Feindes von den Angriffsvorbereitungen abzulenken.
Nachdem am 31. Oktober die Verstärkungen zur 43. SchD. herangeführt waren, bestimmte FML. Goglia den 1. November als Zeitpunkt für das Unternehmen. Doch grau hing der Himmel über den Höhen, Regendünste erschwerten das Einschießen und die Fliegerbeobachtung* so daß der Angriff auf den 2. verschoben werden mußte.
x) Wisshaupt, Das Gefecht bei Panasówka (Schweizerische Monatsschrift für Offiziere aller Waffen, 1932, Hefte 2, 3 und 4).
Als der Allerseelentag anbrach, zeigte sich der Russe sehr beunruhigt; er tastete mit Erkundungsabteilungen gegen das IV. Korps vor. Kosak wiederholte seine Täuschungsangriffe. Der Feind zog hinter seiner Front Reserven gegen Łopuszno. Gegen Mittag ließ GM. Rozwadowski seine Angriffstruppen — das IR. 76 auf dem linken Flügel, die Masse der 51. SchBrig. in der Mitte der 43. SchD. — in die Sturmstellungen einrücken. In den Reservegräben hinter dem rechten Flügel standen die übrigen Bataillone der 51. SchBrig., in Zagórze—Panasówka zwei Regimenter der 43. SchD. (SchR. 20 und 22) bereit.
Um 12h mittags begann das Wirkungsschießen der starken Artillerie, das um lhá5 nachm. zum Massenfeuer gesteigert wurde. Allerdings vereinigte GM. Rozwadowski nicht das Feuer sämtlicher Batterien zuerst auf den nördlichen Teil der russischen Stellung, wie dies ursprünglich vorgesehen war. Er ließ vielmehr zugleich Sammelräume hinter der russischen Front und die feindliche Artillerie durch schwere Kaliber beschießen.
Das IR. 76 griff den nördlichen Stützpunkt der Russen, ein Waldstück westlich von Wolica, an. GM. Rozwadowski baute auf die Zerstörungen durch seine Geschütze. Er zog auf die Kunde, daß das Gehölz von Wolica genommen sei, seine Divisionsreserve, das SchR. 20, von Zagórze heran, um den Erfolg auszunützen. Wohl rang sich das IR. 76 an das Waldstück von Wolica heran, aber der Angriff endete vor den russischen Drahtverhauen. Nicht besser erging es dem IR. 29 der benachbarten 34. ID., das sich dem Vorgehen angeschlossen hatte, aber nach kargem Raumgewinn zum Stehen gekommen war.
Mittlerweile ließ GM. Rozwadowski das Artilleriefeuer nach Süden verlegen, um der 51. SchBrig. den Weg in die feindliche Stellung zu bahnen. Gegen 3h nachm. warf sich das SchR. 12 dieser Brigade gegen das vorspringende Frontstück am Nordwestende des Las Wereszczak; doch die feindliche Stellung war nicht zusammengeschossen, der Widerstand der Grabenbesatzungen nicht gebrochen. Da das SchR. 12 nicht mehr vorwärts kam, ließ Obst. Ritt. v. Zygadłowicz, der Kommandant der 51. SchBrig., zwei zurückgehaltene Bataillone des SchR. 11 vorgehen, um die gefesselten Schwarmlinien fortzureißen. Allein als die Sonne sank, lagen die Angreifer noch vor den russischen Stellungen; sie gruben sich auf freiem Feld ein oder tauchten in dem von Grabenstücken zerwühlten Zwischengelände unter. Nachts scheiterten Sturmversuche, die von einzelnen Kompagnien gegen das Waldstück von Wolica unternommen wurden.
Inzwischen hatte FML. Goglia den Befehl erteilt, die stark vermengten Verbände zu ordnen und den Angriff erst am nächsten Tag, nach neuerlichem Einschießen der Artillerie, fortzusetzen. Schlechte Witterung erschwerte am 3. November abermals die Tätigkeit der Artillerie. Als endlich gegen lh nachm. das Wirkungsschießen begann, hatten die Russen längst Reserven herangeführt und ihre Stellungen stark besetzt. Die russische Artillerie schoß kräftig zurück. Die Regimenter der verstärkten 43. SchD., die dicht gedrängt die Sturmgräben füllten, erlitten erhebliche Verluste. Gegen 2h nachm. stiegen Teile des IR. 101, die schon am 21. Oktober auf dem linken Flügel der Division Rozwadowski eingeschoben worden waren, aus den Gräben, um die im Vorfeld zu Boden gepreßten Angreifer zum Sturme emporzureißen. Allein die russischen Geschütze waren nicht niedergekämpft, die feindlichen Reserven nicht zersprengt. In dem Wäldchen von Wolica sammelten sich starke Kräfte zum Gegenstoß. Rozwadowskis linker Flügel rang verzweifelt, um den dürftigen Raumgewinn zu behaupten. Am rechten Flügel arbeiteten sich zwar langsam einzelne Kompagnien des SchR. 11 näher an den feindlichen Stützpunkt am Nordwestrande des Las Wereszczak heran. Wiederholt erteilte Obst. Zygadlowicz den Befehl zum Sturm. Dieser war aber unmöglich, da die feindlichen Drahtnetze nicht zerstört und der Widerstand der russischen Besatzungen nicht gebrochen war. Der Kommandant des genannten Regiments sah sich daher gegen Abend veranlaßt, der Brigade zu melden, daß die Truppe empfindliche Verluste erlitten habe, daher ein weiterer Angriff ausgeschlossen sei. Eine ähnliche Meldung ging auch vom IR. 76 ein. Darauf gab FML. Rozwadowski die Hoffnung auf einen Erfolg auf und brach mit Zustimmung des Korps- und des Armeekommandanten den Kampf ab.
In der Nacht auf den 4. November wurden die erschütterten Angriffstruppen teils in die Ausgangsstellung der 43. SchD., teils nach Zagórze—Panasówka zurückgenommen. Die Verluste des Kampfes bei Panasówka betrugen beim IR. 76 50, bei der 51. SchBrig. 25 vom Hundert.
Russische Vorstöße an der Strypa und an der Ikwa (31. Oktober bis 11. November)
Hiezu Beilage 29
Die neuen Angriffe der Russen im Polesie und in Ostgalizien waren ungefähr zur selben Zeit unternommen worden, zu der die Italiener am Isonzo die dritte Schlacht entfesselten und die k.u.k. Heeresleitung den
Feldzug auf dem Balkan bis zur Vertreibung der Ententestreitkräfte fortzuführen gedachte. Darüber hinaus sollten vielleicht auch militärische Maßnahmen gegen Rumänien getroffen werden. Conrad und Falkcnhayn stimmten völlig überein, daß die allgemeine Kriegslage das Behaupten des gegen Rußland errichteten Abwehrwalles forderte. Aber die letzten Ereignisse bei Baranowicze, bei Czartorijsk und bei Nw. Aleksiniec hatten gezeigt, das die Russen einzelne Frontabschnitte immer wieder ernstlich zu bedrohen vermochten. So hatte sich GO. Conrad in Erwartung weiterer russischer Entlastungsangriffe in Ostgalizien veranlaßt gesehen, in einem am 28. Oktober ausgegebenen Heeresbefehle die Armeen eindringlich darauf hinzuweisen, daß jetzt die Entscheidung auf dem Balkan gesucht werde und daher alles auf das Halten der Stellungen wider die Angriffe der Russen ankomme. Vor allem sollten die Führer durch ihren persönlichen Einfluß auf die Truppe den Willen zur Abwehr stärken, zumal Rückschläge wie bei Baranowicze und bei Czartorijsk dem Ansehen des k.u.k. Heeres überaus schädlich wären. Und, abgesehen davon, zwängen die Einbrüche der Russen zu weitläufigen Verschiebungen und zum Einsatz von Divisionen, deren Entsendung auf den Balkan oder auf den Südwestkriegsschauplatz notwendig gewesen wäre.
An der Strypa war die Front auch in der zweiten Hälfte Oktober unruhig geblieben; doch kam es zunächst zu keinem ernstlichen Angriff der Russen. GdI. Bothmer ließ gegen Ende des Monats die 38. HID. auf dem Nordflügel des Korps Marschall durch die 3.GID. ablösen und stellte sie bei Sloboda Złota als Heeresreserve bereit. Auch beim Korps Hofmann traten einige Veränderungen ein. Die aus Marschformationen zusammengesetzten Regimenter bekamen die Bezeichnung: k.u.k. IR. 103 und k. u. HIR. 308, 309 und 310. Der Verband der 55. ID. wurde aufgelöst. Nunmehr bestand das Korps nur aus drei Brigaden, der 130., der 131. und der Brigade Bolzano, die nun die Nummer 132 führte.
Am 31. Oktober raffte sich die russische 11. Armee zu einem neuen Ausfall auf. Truppen des XXII. Korps griffen, von dichtem Nebel begünstigt, an der oberen Strypa bei Siemikowce die Mitte der Südarmee an. Nach heftigem Artilleriefeuer wurde gegen 5h nachm. die Strypa-front an der Naht zwischen dem Korps Marschall und dem Korps Hofmann eingedrückt. Die Reserven (Teile der 131. und 132. IBrig.), die FML. Hofmann auf das Gefechtsfeld rief, vermochten nicht, die verlorenen Stellungen zurückzuerobern. Am Abend überschritten finnische Schützenbataillone den Fluß und drangen inSiemikowce ein. Die 130.IBrig. wurde zur selben Zeit im Brückenkopf von Sosnów heftig angegriffen und mußte, von Norden her bedroht, ihren linken Flügel über die Strypa zurücknehmen.
In heftigem Ringen verging die Nacht. GM. Blum, der den Nordflügel des Korps Hofmann befehligte, suchte mit seinen buntgemischten Scharen (IR. 103, HIR. 308, freiwillige Ukrainer und SchR. 35) den in seine Flanke vordringenden Feind aufzuhalten. Am 1. November zeitig früh sollte gemeinsam mit der deutschen 48. RD. angegriffen und der Feind über die Strypa zurückgestoßen werden. Aber ehe der Gegenangriff in Gang kam, wurde der linke Flügel der Gruppe GM. Blum von den Russen neuerlich angefallen und das schwache Ukrainerregiment von anreitenden russischen Reiterabteilungen zurückgeworfen. Marschalls rechter Flügel (48. RD.) klammerte sich in der Gegend nordwestlich von Siemikowce fest und brachte den Feind zum Stehen.
Mittlerweile hatte GdI. Bothmer seine Armeereserve (drei Bataillone der 3. GID.) und die ihm von der Heeresleitung wieder zugewiesene 38.HID. dem Korps Marschall zur Verfügung gestellt. GdK. Marschall setzte diese Truppen am Nachmittag aus der Richtung von Sloboda Zlota nach starkem Artilleriefeuer zum Gegenangriff auf Siemikowce an. Darauf räumten die Russen vor dem zurückgebogenen linken Flügel des Korps Hofmann das Westufer der Strypa, führten aber aus Siemikowce Stoß auf Stoß und brachten das Vorgehen der 38. HID. zum Stehen. Am 2. setzte die 38. HID. den Gegenangriff fort und es gelang ihr, nach hartem, verlustreichem Ringen in Siemikowce einzudringen. Der wichtige Ort wurde am Morgen darauf (3. November) von den Russen zurückerobert. GdK. Marschall ließ noch einmal Siemikowce durch Artillerie beschießen und ging dann am Nachmittag mit allen auf dem rechten Flügel der Südarmee eingesetzten Truppen (38. HID., Teile der deutschen 48. RD., der 3. GID. und des Korps Hofmann) zum Angriff über. Nun wurde der Feind nach hartnäckiger Gegenwehr ostwärts über die Strypa zurückgeworfen. Abends drang die Honvéd in das brennende Siemikowce ein. Am 4. früh wurden die Russen aus den letzten Häusern der hart umstrittenen Ortschaft vertrieben. Mehrere tausend Gefangene waren den Verbündeten in die Hände gefallen.
Die Wirkung blieb nicht aus. Am 4. November ging der Russe auch vor Sosnów und vor Burkanów, wo er sich in den letzten Tagen an die Brückenkopfstellungen der 130. und der 132. IBrig. herangeschoben hatte, in seine Ausgangsstellungen gegen den Sereth zurück. Da trat der Nordflügel der russischen 9. Armee zu einem Vorstoß an.
Am 5. November gingen Teile des XI. Korps gegen die 39. HID. bei
Wiśniowczyk vor. Artilleriefeuer des Korps Arz zwang sie, zu weichen. Am 6. und am 7. abends stießen die Russen wieder vor. Das an Stelle des IR. 63 eingeschobene HIR. 306 der 202. HIBrig. schlug alle Stürme ab. Tags darauf erfolgten bei Pomorce gegen die den Südflügel des
XIII. Korps bildende 15. ID. schwache russische Vorstöße, die ebenfalls abgewiesen wurden.
Fast zur gleichen Zeit entfesselte Brussilows XVII. Korps an der Ikwa bei Sapanow erbitterte Kämpfe. Die Absicht des GdK. Böhm-Ermolli, den Russen diesen Ort und ihren Brückenkopf zu entreißen, hatte nicht verwirklicht werden können, da die hinter dem rechten Flügel des XVIII. Korps bereitgestellten Reserven zur Gruppe Kosak abberufen werden mußten. Nun suchte der Russe wieder einen Keil in die 31. ID. zu treiben. Er führte fünf Tage lang, vom 7. bis zum 11. November, Stoß auf Stoß. Doch das ungarische IR. 44 und das bh. IR. 3 behaupteten in zäher Abwehr das berannte Frontstück.
Die öst.-ung. Ostfront von Mitte November bis in die zweite Hälfte Dezember
Hiezu Beilagen 29 und 30
Anfangs November hatte die k.u.k. Heeresleitung die hinter der
1. Armee bereitgestellte 9. ID. nach Galizien in die Gegend von Kozowa verschoben. Da die 38. HID. bei Siemikowce eingesetzt worden war, schien die Bildung einer neuen Heeresreserve in Galizien nötig (S. 554). Dies umsomehr, als Flieger hinter der russischen Front im Raume nördlich der Bahn Buczacz—Czortków, auf der Straße Kamieniec-Podolski— Skala sowie bei Lipkany in der Nähe der beßarabischen Grenze Truppenansammlungen beobachteten. An der Strypa war jedoch der russische Angriff am 8. November, rascher als man erwartet hatte, verebbt, und auch vor Czernowitz blieb es vorläufig ruhig. So konnte um die Mitte des Monats die 9. ID. von Kozowa und eine Brigade der 5. ID. vom Dniester zur Stützung der arg bedrängten Isonzofront abgezogen werden (S. 483). Die Heeresleitung erwog an Stelle dieser Kräfte den Einsatz der 70. HID. an der galizischen Front. Aber ein Heranziehen dieser Division aus Siebenbürgen wurde durch das schwankende Verhalten Rumäniens verhindert. GO. Conrad trat daher am 22. November an Falkenhayn mit dem Ersuchen heran, ihm eine der im Banat befindlichen deutschen Divisionen (S. 315) zur Verfügung zu stellen. Der deutsche Generalstabschef lehnte mit der Begründung ab, daß er das Verbleiben möglichst vieler deutscher Truppen in Südungarn im Hinblick auf Rumänien für zweckmäßig erachte.
In Galizien und in Wolhynien hatte seit Mitte November, abgesehen von verschiedenen Erkundungsstößen der Russen, die namentlich im Styrbogen von Czartorijsk kleinere Gegenunternehmungen auslösten, im wesentlichen Ruhe geherrscht. Aber trotz der vielen kampflosen Tage wurden die nächsten Wochen für die Truppe eine Zeit voll Anstrengungen und Entbehrungen. Von früh bis zum Abend und, wo es bei Tag nicht ging, auch bei Nacht, mußte an dem Ausbau der Dauerstellungen für den Winter gearbeitet werden. Tag für Tag schleppten die Besatzungen die Zentnerlasten der Riesenbäume aus den unermeßlichen Forsten Wolhyniens herbei, um die losen Grabenwände mühselig mit Pfosten und Rundhölzern zu verkleiden. Früh brach der Winter herein. Mitte November war alles verschneit. Über die podolische Steppe strich ein eisiger Wind und verwehte alle Stellungen und Wege. Dann traten wieder Tauwetter und Regen ein und verwandelten alles Land in einen Morast. In den Kampfgräben stand das Wasser. Die in Schlamm und Sumpf versinkenden Truppen mußten die immer wieder einstürzenden Grabenwände und Unterstände stützen. Zudem war, besonders zur 4. Armee, der Nachschub auf den bisher nur notdürftig wiederhergestellten Bahnen gegen Kowel nur unzulänglich. Im Dezember gestaltete sich der Nachschub bei dieser Armee immer bedenklicher. War doch am 6. die Eisenbahnbrücke über die Weichsel bei Iwangorod durch einen Eisstoß beschädigt worden. Der Gesundheitszustand der Truppe war bei dem bitteren Mangel an Lebensmitteln, bei der steten, harten Arbeit an den Stellungen und bei dem aufreibenden Sicherungsdienst ausnehmend ungünstig. Die Grabenbesatzungen wurden von Ruhr, Nieren- und Gelenkskrankheiten heimgesucht. Einzelne Leute starben sogar an Entkräftung.
Unter den obwaltenden Umständen war die kurze Ruhepause schon sehr nötig, die nach dem Einreihen der Novemberersätze (XVI. Marschbataillone des Heeres und der Honvéd und XV. Marschbataillone der österreichischen Landwehr) einzelnen Divisionen durch Ablösung verschafft werden konnte. Auf Weisung der Heeresleitung versammelte Linsingen anfangs Dezember die 21. SchD. und das KavKorps Lehmann (bisheriges KavKorps Herberstein) bei Łuck als Heeresgruppenreserve, die deutsche 22. ID. ließ er nach Kołki und die k.u.k. 11. ID. ebenfalls als Heeresgruppenreserve nach Maniewicze rücken. Das XVII. Korps schied aus dem Verbände der Armeegruppe Gerok und wurde der 4. Armee unterstellt. Diese Armee setzte die bisher als Armeereserve verwendete 24. ID. am linken Flügel des X. Korps ein und dehnte ihren Nordflügel durch Einschub der 4. ID. in den ihr neuzugewiesenen Abschnitt südlich von Siemki bis zum Styr aus. Die 13. SchD. und die
4. ID. wurden wieder zum II. Korps unter dem FML. Kaiser vereinigt. Die 25. ID. der 1. Armee trat in den Verband des I. Korps. Um die Monatswende war die bei der 2. Armee zurückbehaltene 51. SchBrig. mit der Bahn in Maniewicze eingetroffen. Das Korps Fath bestand jetzt aus der 45. und der 26. SchD. und aus der 10. KD., während sich das Korps Conta aus der deutschen 1. ID. und der Polendivision FML. Durski (2. und 3. Polenbrigade) zusammensetzte. Die 1. Polenbrigade wurde dem KavKorps Hauer (1., 9. KD., ll.HKD.) angegliedert.
GdK. Böhm-Ermolli hatte Ende November hinter seiner Heeresgruppe die 32. ID. bei Zagórze, die 43. SchD. und die Reiterbrigade Beneš bei Brody, die 51. HID. in der Gegend westlich von Sapanow und schließlich die halbe 40. HID. bei Demidowka versammelt. Bei Kozowa hinter der Südarmee stand seit dem Abtransport der 9. ID. die 38. HID. bereit. Gegen Burkanów, Wiśniowczyk, Dobropole waren am 19.November noch einmal schwächere russische Kräfte vorgegangen. Sie hatten sich zwar schon am nächsten Tage wieder gegen den Sereth zurückgezogen, doch mehrten sich die Anzeichen von Truppenansammlungen vor der Front der 7. Armee, vor allem zwischen Dniester und Pruth. PflanzerBaltin ließ daher am 30. November das HIR. 306 vom VI. Korps mit der Bahn nach Horodenka bringen, um es dort mit der Hauptkraft der 202. HIBrig. zu vereinen. Hinter dem XI. Korps stand einstweilen nur die 5. HKD. zur Verfügung. Doch am 2. Dezember ordnete die Heeresleitung das Abrollen der 51. HID. zur 7. Armee an. Am 13. war diese Division bei Śniatyn versammelt.
Die k.u.k. Heeresleitung gedachte überdies noch die 21. SchD. und eine Division der 4. Armee nach Galizien heranzuführen, falls die Russen dort neuerlich angreifen sollten. Demgegenüber schlug GdI. Linsingen am 16. Dezember vor, mit fünf Divisionen einen Vorstoß gegen Rowno zu führen. Seine Vorschläge unterstützte auch Falkenhayn, sie fanden aber nicht die Zustimmung Conrads. Dieser machte geltend, daß ein Vorstoß in Wolhynien ohne Einwirkung auf einen russischen Angriff südlich von Tarnopol bleiben werde. Auch erschien ihm nach den bisherigen Erfahrungen ein Vorgehen über die versumpfte Putilowka oder über das starke Hindernis der Ikwa wenig aussichtsreich, zumal die Flüsse noch nicht zugefroren waren. Übrigens vertraute man in Teschen darauf, daß die Front einem neuerlichen russischen Ansturm gewachsen sein werde. In der Zeit der Ruhe waren die Stellungen trotz der ungünstigen Witterung immer stärker ausgebaut worden. Die Gefechtsstärken der Divisionen betrugen ohne den zur Einstellung bereiten Dezemberersatz (XVII. Marschbataillone des Heeres und der Honvéd und XVI. der österreichischen Landwehr) 7000 bis 12.000 Streiter. Einzelne Divisionen waren 15.000 Mann stark. Die 42. HID. beim Korps Korda zählte sogar 20.000 Gewehre.
Die Kräfte in den Abwehrstellungen in Wolhynien und in Galizien waren ziemlich gleichmäßig verteilt. Bei den Russen standen die Truppen jetzt anscheinend südlich von Tarnopol und vor allem zwischen Dniester und Pruth dichter als in Wolhynien. Hinter der Südarmee und hinter dem Ostflügel der 7. Armee waren vorläufig nur zweieinhalb Infanterie-und eine Kavalleriedivision als Reserve vorhanden. Aber nach den Verschiebungen in den letzten Wochen standen in Wolhynien und bei Brody fünf Infanterie- und drei Kavalleriedivisionen bereit, um nötigenfalls an die am meisten bedrohten Stellen geworfen zu werden. Wesentlich erleichtert wurde die Lage dadurch, daß Rumänien im Hinblick auf die großen Erfolge der verbündeten Mittelmächte auf dem Balkan vorläufig nicht gesonnen zu sein schien, an die Seite der Entente zu treten. Am
17. Dezember lagen in Teschen Nachrichten vor, daß die Rumänen erst im Frühjahr des kommenden Jahres loszuschlagen beabsichtigten.
Blickt man auf die Ereignisse zurück, die sich von Mitte Oktober bis Mitte November abgespielt hatten, so ist zu erkennen, daß allen Angriffen, die Iwanow im Spätherbst 1915 in Wolhynien und in Ostgalizien geführt hatte, weitgesteckte Ziele nicht zugrunde lagen. Sie sollten nur dem Zwecke dienen, die Serben zu entlasten. Iwanow mußte sich dabei auf kurze Ausfälle beschränken, die unleugbar auch taktische Anfangserfolge erzielten. Sie hatten den Gegner jedoch nicht zu veranlassen vermocht, auch nur ein Bataillon vom Balkan an die Ostfront abzuziehen.
Freilich hatte sich die k.u.k. Heeresleitung wegen des russischen Einbruches im Styrbogen genötigt gesehen, den beabsichtigten Abtransport der 3. ID. an die Südwestfront hinauszuziehen (S. 535). Die Abwehr der russischen Angriffe gestattete auch nicht, eine strategische Reserve wider die rumänische Gefahr bereitzuhalten. Umsoweniger konnte die Heeresleitung dem Wunsche Falkenhayns willfahren, als Ersatz für das im Styrbogen verbliebene Korps Conta öst.-ung. Streitkräfte an die deutsche Heeresfront nördlich des Pripiatj abzugeben.
Die zugunsten der Serben im Oktober und im November unternommenen russischen Entlastungsangriffe hatten aber nicht zu hindern vermocht, daß die in einem ruhigen Kampfabschnitt eingesetzte 6. ID. für die Südwestfront freigemacht wurde. Dieser Division folgten, wie schon erwähnt (S. 555), Mitte November, allerdings erst, als die russischen Angriffe verebbt waren, noch weitere anderthalb Divisionen (9. und halbe 5. ID.). Seit dem Falle von Brest-Litowsk waren somit von den an dem öst.-ung. Teil der Gesamtfront im Osten stehenden 45 Divisionen im ganzen nur vier Divisionen1) für den italienischen Kriegsschauplatz freigeworden. Es zeigte sich eben, daß die Ostfront, namentlich zwischen Styr und Czernowitz, trotz aller Siege im vergangenen Sommer durch die wiedererstarkenden russischen Armeen bedroht blieb.
Neue Angriffspläne der Russen
Gegen Mitte Dezember waren beim 7. Armeekmdo. Meldungen von Kundschaftern eingelaufen, die von russischen Truppenbewegungen aus dem Raume von Odessa gegen die beßarabische Grenze berichteten. Vergebens stiegen Flieger zur Klärung der russischen Absichten auf. Schneetreiben und tiefhängendes Gewölk verbargen ihnen den feindlichen Aufmarsch vor der Front der Armee Pflanzer-Baltin.
Schon am 31. Oktober hatte der Zar die Bildung einer neuen russischen 7. Armee aus drei Korps und einer Kavalleriedivision der Westfront und aus einer Kavalleriedivision der Südwestfront befohlen. Diese Armee sollte bei Odessa in der Nähe der Grenze Beßarabiens versammelt werden, um auf dem Balkan einzugreifen. Gen. Ewerth bestimmte das V. kauk., das II. und das XVI. Korps sowie eine kombinierte Kosakendivision nach Odessa. Gen. Iwanow überwies je eine Kosakenbrigade von der 8. und der 9. Armee. Den Befehl über die neuzubildende 7. Armee erhielt Gen. Schtscherbatschew, an dessen Stelle Gen. Sacharow die 11. Armee übernahm2).
Anfangs November langten die Truppen der neuen 7. Armee bei Odessa ein. Ungeduldig harrten Serbien und Frankreich auf das bewaffnete Einschreiten Rußlands auf dem Balkan. Allein die Verhandlungen mit der rumänischen Regierung wegen des Durchzuges russischer Truppen durch die Dobrudscha blieben ergebnislos. Auch konnte sich die russische Heeresleitung nicht entschließen, Truppen an der
!) 106. LstlD. samt 60. IBrig., 6. ID., 9. ID. und 9. IBrig. der 5. Division.
2) Lemke, 136 f.; Klembowski, V. Teil, 7; F r a n t z, Rußland auf dem Wege zur Katastrophe, 93.
bulgarischen Küste zu landen. Fürs erste waren die in Odessa einlangenden Truppen noch nicht operationsbereit. Es fehlte ihnen an Gewehren und Kriegsgerät, ihre Reihen mußten nach den verlustreichen Sommer- und Herbstkämpfen erst wieder aufgefüllt werden. Und dazu kam noch ein Zweites. Der Kommandant der russischen Flotte im Schwarzen Meer, der das Landungsunternehmen leiten sollte, machte schwerwiegende Bedenken geltend. Er wies auf den Mangel an Transportschiffen hin, auf die Gefahren, die dem Seetransport durch die deutschen Unterseeboote drohten, und erklärte, daß es im Winter unmöglich sein werde, die an der bulgarischen Küste gelandeten Truppen zu versorgen, da man den rumänischen Hafen Konstanza mit seinen Magazinen als Nachschubbasis nicht benützen dürfe1).
Unter diesen Verhältnissen ließ die russische Heeresleitung trotz des Drängens Serbiens und Frankreichs gegen Mitte November den Plan eines bewaffneten Auftretens auf dem Balkan fallen. Alexejew wandte sich übrigens seit den Tagen, da die Deutschen den gefährlichen Angriff auf Minsk abgebrochen hatten und nicht mehr die Zugangswege nach Petersburg bedrohten, größeren Plänen zu. Er fühlte die Entlastung, die durch die Schwächung der deutschen Ostfront zugunsten des Feldzuges in Serbien und zugunsten der Abwehr im Westen eingetreten war, und wollte die Zeit der Ruhe zur Vorbereitung eines tödlichen Schlages gegen Österreich-Ungarn ausnützen. Sein neuer Plan war von demselben Geiste erfüllt, der die russischen Armeen ein Jahr vorher bis vor die Tore Krakaus gebracht hatte2).
Der entscheidende Angriff war aus der Front Rowno—Czernowitz mit 500.000 Mann gegen Brest-Litowsk und Lemberg geplant. Mit dem zehn Korps starken linken Heeresflügel wollte Alexejew über die Pässe der Waldkarpathen in Ungarn eindringen und die Balkanfront der verbündeten Mittelmächte im Rücken bedrohen. Eine bedeutsame Rolle war den übrigen Ententestreitkräften in dem russischen Programm für diese große Angriffshandlung zugedacht. Zehn Korps sollten an der adriatischen Ostküste ans Land gesetzt werden, gegen die Donau Vordringen, Bulgarien zertrümmern, um dann in Südungarn einzufallen und bei Budapest mit den Russen die Vereinigung zu vollziehen. Gleichzeitig sollten aber auch die Italiener angreifen, während Franzosen und Engländer die deutsche Westfront anzufassen hatten. Traten die Deutschen auf den Plan, um das zusammenbrechende Österreich-Ungarn zu stützen,
*) Paléologue, I, 422 ff.; Klembowski, V. Teil, 8.
2) F r a n t z, Rußland auf dem Wege zur Katastrophe, 93.
dann war nach Alexejews Überzeugung den Italienern der Weg über Graz auf Wien, den Engländern und den Franzosen durch die deutsche Wehrstellung der Weg im Westen frei, indes das siegreiche russische Heer aus der Front Warschau—Krakau — mit einer bis nach Bistritz in Nordsiebenbürgen zurückreichenden Flankensicherung — in das Herz Deutschlands, auf Berlin, eindrang1).
Alexejews phantastische Operationsentwürfe vom Spätherbst 1915 fußten auf dem Gedanken eines konzentrischen Generalangriffes aller Verbündeten auf die umringten Mittelmächte. Auch Gen. Joffre, der französische Oberbefehlshaber, verfolgte ähnliche Pläne. Schon anfangs Oktober hatte Gen. de Laguiche die Stawka aufgefordert, einen Bevollmächtigten ins französische Hauptquartier nach Chantilly zu entsenden, um die immer dringender werdende Frage eines gemeinsamen Angriffes aller Verbündeten zu erörtern. Das russische Heer bedurfte allerdings nach den ungeheuren Verlusten an Kriegsgerät erst einer neuerlichen Aufrüstung durch die Entente und konnte daher erst nach längerer Zeit mit der ganzen Masse wieder zum Angriff schreiten. Auch empfand Rußland schwer, daß sein Ansehen auf dem Balkan durch den Niederbruch seines Schützlings Serbien stark gesunken war. Die Verbündeten, vor allem Frankreich, drängten die russische Heeresleitung zu einem bewaffneten Auftreten auf dem Balkan, um das zögernde Rumänien zum Anschluß an die Entente zu bringen. Das sicherste Mittel dazu war jedenfalls ein großer Erfolg der Russen in Ostgalizien und in der Bukowina.
So war es nur natürlich, daß Alexejew am 12. November dem Zaren vorschlug, die Odessaarmee nach Galizien zu führen und mit den wiedererstarkenden Armeen der Südwestfront loszuschlagen. Der Zar billigte diesen Plan. Mit großer Tatkraft betrieb die russische Heeresleitung die Sammlung und Ausrüstung ihrer strategischen Reserve bei Odessa. Neuausgehobene Rekruten füllten ihre Reihen. Währenddessen blieben Iwanows Armeen fast ganz untätig. Im Frontabschnitt von Wolhynien aber unternahm Brussilow häufig kleine Ausfälle, als gelte es einen neuen Vorstoß im Styrbogen. Einschiffungsübungen bei Odessa, lebhafte Truppenbewegungen an der beßarabischen Grenze, Falschmeldungen über eine bevorstehende Landung an der bulgarischen Küste sowie eine am 17. November unternommene Beschießung von Varna und Burgas durch die russische Flotte sollten die Täuschung erhöhen2).
x) F r a n t z, Rußland auf dem Wege zur Katastrophe, 93; Klembowski, V. Teil, 8.
2) Klembowski, V. Teil, 8; Lemke, 152.
Am 23. November erteilte die russische Heeresleitung dem Gen. Iwanow den Befehl, nach Ankunft der 7. Armee einen Schlag gegen den schwächsten Frontteil des Gegners in Galizien zu führen. Starke Reserven und ein Kavalleriekorps sollten bereitgestellt werden, um einen Erfolg auszunützen und nach dem Einsturz der gegnerischen Front über die Pässe der Waldkarpathen in Ungarn einzudringen. Die West- und die Nordwestfront erhielten den Auftrag, möglichst starke Kräfte auszuscheiden. Die nunmehr in zwei Korps formierte Garde wurde bei Żmerinka als Heeresreserve der Stawka bestimmt.
Ende November stand die neue russische 7. Armee bei Odessa marschbereit, ihre Artillerie war stark vermehrt worden. In aller Heimlichkeit wurde die Armee anfangs Dezember an der ostgalizischen Grenze bei Husiatyn—Woloczysk versammelt und am 12. Dezember der Südwestfront unterstellt. Iwanows Angriffsplan ging dahin, vorerst durch Stöße der durch das XI. und XII. Korps verstärkten 9. Armee zwischen Dniester und Pruth die Aufmerksamkeit des Gegners von der Strypa abzulenken. Dort hatte die 7. Armee den entscheidenden Schlag zu führen. Ihr wurde das XXII. Korps der 11. Armee und das KavKorps Dragomirow der 9. Armee zugewiesen. Gleichzeitig mit der 7. Armee hatte auch die
11. Armee an der Strypa anzugreifen und den Gegner zu schlagen. Die Mitte der öst.-ung. Heeresfront sollte vom Südflügel abgesprengt und nach Norden aufgerollt werden, indes die 8. Armee den Gegner am Styr und an der Ikwa festzuhalten hatte. Zur Verfügung des Oberbefehlshabers der Südwestfront hatte Brussilow die 2. SchD. nach Kamieniec-Podolski und die 82. RD. nach Ułaszkowce zu verschieben1).
Die neuen Offensivpläne des Gen. Alexejew hatten die weitgehende und möglichst gleichzeitige Mitwirkung aller Ententeheere zur Voraussetzung. Es wird noch zu schildern sein, inwieweit die Westmächte gewillt waren, sich an dem gigantischen Angriffsunternehmen zu beteiligen. Nahe in die Wirklichkeit gerückt war eine neue Offensive der russischen Südwestfront. Waren ihr auch recht ansehnliche Verstärkungen zugeflossen, so waren Auffüllung der Stände und Bereitstellung von Kriegsgerät aber noch so unvollkommen, daß eine Winteroffensive über die Karpathen nach den Erfahrungen des Vorjahres doch als Wagnis erscheinen mußte. Immerhin waren Mitte Dezember die Vorbereitungen hiezu so weit gediehen, daß es nur mehr des entscheidenden Befehles bedurfte, um das Losbrechen des Ansturmes auszulösen.
1) Klembowski, V. Teil, 9 f.; Lemke, 355.
DER AUSKLANG DES KRIEGSJAHRES 1915
Die letzten Ereignisse auf dem Balkan
o
Hiezu Beilagen 18, 19 und 30
Der Vier bund und die Orientarmee der Entente
In der Besprechung, die die Generalstabschefs der Mittelmächte am 20. November zuTeschen gehabt hatten, hatte Falkenhayn zwar dem Vorschläge Conrads, nach Besiegung der Serben, die sich eben im Amselfeld noch ein letztes Mal stellten, die Ententearmee Sarrails zu vertreiben, grundsätzlich zugestimmt, aber zugleich erklärt, daß die schwierige Aufmarsch- und Nachschublage ein Ansetzen dieses Angriffes vor dem 20. Dezember nicht gestatten werde (S. 314). Mußte GO. Conrad diesem Vorbehalt auch zustimmen, so widerstrebte es ihm doch, die am rechten Flügel Mackensens vorgegangene k.u.k. 3. Armee so lange Zeit über untätig in der Winteröde von Novipazar verharren zu lassen. Sein Auge war dabei auf die verworrene Lage auf dem Westbalkan gerichtet, deren Klärung seiner Ansicht nach ebensowenig wie die Vertreibung Sarrails unterlassen werden durfte. Im nördlichsten Teile dieses Gebietes standen noch immer, wenn auch mit erlahmender Kampflust, die Montenegriner mit etwa 53.000 Gewehren. Sie hatten ihre Kanonen vom Lovcen aus gegen die Bocche gerichtet und sich auch im Raume um Skutari häuslich eingerichtet. Mittelalbanien wurde vielleicht schon in den nächsten Tagen von den Trümmern des serbischen Heeres überflutet, die sich hier dann sammeln mochten. Bei Durazzo scharte der ränkesüchtige Albanerführer Essad Pascha, zwar serbenfeindlich, aber von Italien gewonnen, seine Anhänger um sich. In Valona hatten sich die Italiener einen Stützpunkt eingerichtet. Sie waren vorläufig zwar nur einige Bataillone stark, konnten aber täglich neue Kräfte ans Land werfen. Im Epirus breiteten sich die Griechen aus. Wenn die Mittelmächte auf dem Balkan wirklich ganze Arbeit leisten wollten, dann mußten auch diese verschiedenen feindlichen Positionen auf dem westlichen Teile der Halbinsel aus dem Wege geräumt werden.
In diesem Sinne hatte Conrad am 22. November zunächst den Entschluß gefaßt, die Gewinnung des Lovcen vorzubereiten (S. 328). Gleichzeitig drangen öst.-ung. Truppen im Norden Montenegros ein. Am 25. ließ im Zusammenhang mit diesen Absichten der k.u.k. Generalstabschef seinen deutschen Kollegen unter Berufung auf die Militärkonvention vom 6. September (S. 10) wissen, daß er für die nächste Zeit, in der gemeinsame Kriegshandlungen nicht geplant seien, das Mandat Mackensens als erloschen betrachte und sich das volle Verfügungsrecht über die öst.-ung. Truppen der 3. Armee Vorbehalten müsse1).
Inzwischen war aber bei Falkenhayn eine bemerkenswerte Sinnesänderung eingetreten. Er hatte sich am 23. November neuerlich auf den Balkankriegsschauplatz begeben und war dort auch mit Enver Pascha, dem Vizegeneralissimus der ottomanischen Armee, zusammengetroffen. Enver hatte am Bosporus eben die ersten, aus dem Gebiete der Mittelmächte eintreffenden Batterien begrüßen können, darunter eine k.u.k. 24 cm-Mörserbatterie, der im Dezember eine 15 cm-Haubitzbatterie folgen sollte2). Die Zuversicht der türkischen Kriegführung war dadurch so mächtig gesteigert worden, daß sie sich mit Angriffsplänen gegen die Dardanellenbedränger befaßte3). Dieser Optimismus Envers verfehlte auf Falkenhayn kaum seine Wirkung. Zudem teilte auch Mackensen die Auffassung, daß gegen die Ententearmee Sarrails rasch zuzugreifen sei, um sie vor dem Einlangen weiterer Verstärkungen schlagen zu können. Allerdings sei wegen der Versorgungsschwierigkeiten vorderhand nicht an ein Einsetzen stärkerer deutscher oder öst.-ung. Kräfte zu denken. Wohl aber könne man den genügsameren, ihren Hilfsquellen näheren Bulgaren, denen deutsche Batterien und Kriegsmittel beizugeben wären, die ungesäumte Fortführung der Offensive gegen Süden zugestehen, wenn sie sich selbst stark genug dazu fühlten4). Allem Anschein nach rechnete Mackensen, nachdem unterdessen die Serben aus dem Felde geschlagen waren, nicht mehr damit, daß die feindliche Orientarmee in ihrer vorgeschobenen Stellung im Černawinkel entscheidenden Widerstand leisten werde.
Diese Eindrücke führten auch bei Falkenhayn zu einem Gesinnungswechsel. In sein Hauptquartier zurückgekehrt, überraschte er Conrad mit dem Vorschläge, es möge nun doch die Offensive Mackensens ungesäumt weitergeführt werden. Conrad war über diesen Antrag umsomehr
1) Bei dieser Gelegenheit wies Conrad dem GdI. Falkenhayn gegenüber auch die Absicht der Bulgaren zurück, sich nördlich der Linie Mitrovica—Ipek—Skutari an einer Niederwerfung Montenegros zu beteiligen (S. 334).
2) Pomiankowski, Der Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches (Wien 1927), 138; Adam, Die österreichisch-ungarische Artillerie in der Türkei (Schwarte,
V, 560).
3) Liman v. Sanders, Fünf Jahre Türkei (Berlin 1919), 125ff.
4) Kuhl, Weltkrieg, I, 288f.
erfreut1), als die Aufgaben, die Falkenhayn den einzelnen Heeresteilen zudachte, die Sonderabsichten der öst.-ung. Heeresleitung in betreff Montenegros und Albaniens nicht gerade durchkreuzten. Nach Falkenhayns Vorschlägen sollten sich die Armeen Gallwitz, Bojadjieff und Todoroff
— die erstgenannte allerdings zunächst nur mit Teilen — von Nordwesten, Norden und Nordosten auf Sarrail werfen und ihn über die griechische Grenze zurücktreiben, die aber „unter keinen Umständen, auch nicht mit Fliegern“ überschritten werden durfte2). Die Armee Kövess hatte, um das Alpenkorps und die k.u.k. 57. ID. vermindert, durch eine bulgarische Division vermehrt, im Raume von Prizren und nördlich davon den Angriff der Hauptkräfte Mackensens in der rechten Flanke zu schützen. Am 27. November gingen, von den drei Heeresleitungen einvernehmlich beschlossen, an Mackensen die entsprechenden Weisungen hinaus.
Aber schon in den nächsten Tagen wurde Falkenhayn wieder wankend. Schon am 24. war aus der bulgarischen Front die Meldung gekommen, die feindliche Orientarmee habe die Brücke bei Gradsko gesprengt. Mochte diese Maßnahme den Verzicht auf eine weitere Vorrückung gegen Skoplje bedeuten, so sind in kurzer Folge offenbar auch Nachrichten über Rückzugsabsichten Sarrails im deutschen Hauptquartier eingelangt. Angesichts dieser Möglichkeit traten beim deutschen Generalstabschef wieder die politischen Bedenken stärker in den Vordergrund, die er von Anbeginn gegen die sich entwickelnde Kriegshandlung im Hinblick auf Griechenland hatte. Er setzte am 3. Dezember diese Besorgnisse seinem öst.-ung. Kollegen auseinander, wobei er freilich nicht in Abrede stellte, daß es von größter Bedeutung wäre, die Entente ganz vom Balkan zu vertreiben, was ,,bei unausgesetzter Fortführung der Operationen natürlich leichter sein“ würde als später.
Conrad trat gegenüber diesem Zögern entschieden für die Durchführung des Angriffes auf die Armee Sarrail in dem bisher geplanten Umfange ein. Vier Tage zuvor, am 29. November, war in Teschen eine aus Paris stammende Nachricht eingelangt, es sei die Absendung eines italienischen Hilfskorps nach Albanien beschlossen worden, das die Trümmer des serbischen Heeres aufzunehmen habe. Dieser Entschluß der feindlichen Kriegführung hatte den öst.-ung. Generalstabschef in der Auffassung noch bestärkt, daß mit Sarrail möglichst bald abzurechnen
1) C r a m o n, 37.
2) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 395f.; vgl. auch Jochim, Das Unterbleiben des Angriffes auf Saloniki (Deutscher Offiziersbund Nr. 5 von 1924).
sei, da sonst „ein kombinierter Angriff der Anglo-Franzosen von Süden und italienischer, in Albanien immerhin zu erwartender Kräfte im Verein mit serbischen Resten und Montenegrinern gegen die Bulgaren allein nur zu leicht Erfolg haben könnte“. Deshalb widerriet Conrad nicht nur der Zurücknahme deutscher Kräfte aus der Front Mackensens, sondern er empfahl, in jenen mazedonischen Gebieten, die von den Griechen den Bulgaren mißgönnt wurden, über Dojran, Gjevgjeli und Bitolj geschlossene deutsche und öst.-ung. Heereskörper ansetzen zu lassen.
Der Rückzug Sarrails nach Saloniki und die Räumung der Dardanellen durch die Entente
Am 5. Dezember sollte der Angriff gegen Sarrail beginnen, wobei der Armee Todoroff der Vortritt zugedacht war. Gen. Todoroff, der nach der Schlacht bei Priština zwei Brigaden seiner Nordgruppe (S. 334) zur Südgruppe herangezogen hatte, gedachte, mit dem rechten Flügel dieser Südgruppe, mit der 7. ID., den im Mündungswinkel der Černá haltenden Franzosen durch einen Vorstoß über die untere Černá nach Osten gegen Demirkapu den Rückzug zu verlegen. Doch noch ehe — bei einer Kälte bis zu 17° — die Truppen für dieses Unternehmen aufmarschiert waren, hatte der Franzose begonnen, seine Zelte in den unwirtlichen Gebirgen Mazedoniens abzubrechen. Den Entschluß hiezu hatte Sarrail schon am 22. November gefaßt, als durch die Niederlage der Serben auf dem Amselfeld für die Ententearmee jeder Grund zu weiterem Ausharren in vorgeschobener Stellung weggefallen war. Nach der schon erwähnten Sprengung der Brücke bei Gradsko begann der Abtransport von schwerem Geschütz und Troß. Aber erst in der Nacht auf den
4. Dezember folgten auch die Truppen. Die Bulgaren stießen sofort nach, verwickelten die Franzosen bei Demirkapu (6. Dezember) und anderwärts in scharfe Gefechte und hefteten sich ihnen bis Gjevgjeli an der griechischen Grenze an die Fersen. Am 12. traten die letzten Ententetruppen auf griechischen Boden über, den zu betreten die Bulgaren auf neuerliches dringendes Ersuchen der DOHL. unterlassen mußten.
Weiter im Westen war die bulgarische Reiterdivision gemeinsam mit einer deutschen Schwadron am 4. in Bitolj eingedrungen. Die hier zurückweichenden Serben, einige Bataillone des Bitoljbereiches, hatten es vorgezogen, statt der Richtung Saloniki die über Ohrida und Struga nach Albanien einzuschlagen. Nur etwa 1500 Serben schlossen sich auf dem westlichen Vardarufer der Ententearmee an.
Gen. Sarrail nahm seine Truppen, die nicht unerhebliche Einbußen erlitten hatten, in das auf den Höhen unmittelbar nördlich von Saloniki angelegte verschanzte Lager zurück. Die Abwehrverhältnisse waren günstig, die Gesamtlage Sarrails gab aber zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Von Norden her drohten die Bulgaren, die jeden Tag die Grenze überschreiten konnten; daß sie es nicht taten, war nur dem Abraten Falkenhayns zuzuschreiben, der alles vermeiden wollte, was die Stellung des griechischen Königs erschweren konnte. Im Osten, auf thrazischem Boden, rüsteten die Türken zur Aufstellung einer neuen Armee. Zwischen den Truppen Sarrails und den Bulgaren lag, östlich, nördlich und westlich, das Griechenheer. Die Ententemächte waren noch während des Rückzuges ihrer Expeditionsarmee aus Mazedonien bemüht gewesen, dem König Konstantin gewisse Zugeständnisse abzuringen. Der König gab die Erklärung ab, daß er den Truppen der Mittelmächte das Betreten griechischen Bodens untersagen und ihnen gegebenenfalls sogar mit den Waffen entgegentreten werde. Allerdings bezöge sich diese Zusicherung nicht auf den Fall, daß die Ententetruppen durch ihre Bewegungen die Gegner zum Betreten griechischen Bodens veranlassen; käme es dazu, dann würde die griechische Armee ausweichen und den Kämpfern das Feld freigeben. Auch könne er, erklärte Konstantin, der Anlage von Befestigungen durch die Entente in seinem Lande nicht zustimmen, wohl aber werde er die griechischen Truppen in Saloniki vermindern1). Wegen dieser unklaren Haltung der Griechen vermochten sich die führenden Männer der Entente in den Beratungen, die sie am 4., 6. und 9. Dezember in Calais, Chantilly und Paris abhielten, nur schwer zu dem Entschluß durchzuringen, die Expeditionsarmee doch bei Saloniki zu belassen.
Es ist hier sicherlich die Frage zu stellen, ob Falkenhayn im Interesse der Gesamtkriegführung gehandelt hat, als er den Bulgaren an der griechischen Grenze Halt gebot; ob er nicht die militärischen, technischen und politischen Schwierigkeiten überschätzte, die sich einem handstreichartigen Vorgehen gegen Saloniki zu jener Stunde entgegenstellten, und dadurch auf einen großen Erfolg verzichtete, der später — wenn überhaupt noch — nur unter ungleich ungünstigeren Umständen errungen werden konnte2).
J) Lärche r, 105 ff.; Oehmichen, Essai sur la doctrine de guerre des co-alitions (Paris 1927), 75 f.
2) Siehe hierüber Cramon, 38; Falkenhayn, Heeresleitung, 159; G a 11-w i t z, 520 ff.; GM. Hoffmann, Der Krieg der versäumten Gelegenheiten (München 1923), 126; K r a u s s, Ursachen, 182; K u h 1, Weltkrieg, I, 290f., u.a.m.
Wie schwach sich zu dieser Zeit die Westmächte auf dem Balkan in der Tat gefühlt hatten, erweist sich nicht bloß aus den eben gestreiften Verhandlungen zwischen ihnen und mit Griechenland, sondern auch aus der überhasteten Räumung ihrer Dardanellenstellung, die wenige Tage nach dem Rückzug Sarrails nach Saloniki erfolgte. Den unmittelbaren Anlaß gaben die Besorgnisse des britischen Kriegsministers Lord Kitchener, dem vor einem neuen Vorstoß der Türken gegen den Suezkanal bangte und der im November darob sogar die Ausschiffung von vier britischen Divisionen bei Saloniki vorübergehend eingestellt hatte. Auf sein Betreiben wurde nun auch das für beide Parteien so opferreiche Dardanellenunternehmen aufgegeben. In der Nacht auf den 20. Dezember räumten die Ententetruppen, eine Menge von Kriegsgerät zurücklassend, die Front von Anaforta, in der Nacht auf den 9. Jänner gaben sie die Südwestspitze der Halbinsel bei Seddil-Bahr, den letzten Punkt, den sie noch an den Pforten der Dardanellen besetzt gehalten hatten, den befreit auf jubelnden Verteidigern preis1). Die beiden früher genannten öst.-ung. Batterien waren bei diesem Anlaß noch ins Feuer gesetzt worden.
Das Jahresende auf dem Westbalkan
Conrads weitere Entschlüsse gegen Montenegro
Hatte sich Conrad den am 22. November beschlossenen Angriff auf den Lovcen noch mehr als örtliches Unternehmen gedacht (S. 328), so ließ die wenige Tage später einlangende Nachricht, daß im Lager der Entente die Absendung eines italienischen Hilfskorps nach Albanien beschlossen worden sei, in ihm den Entschluß reifen, nun auch in Montenegro und Nordalbanien möglichst bald ganze Arbeit zu leisten. Montenegro sollte, sobald es ging, von drei Seiten her angegriffen werden. Eine bei Cattaro erst aufzustellende Gruppe sollte über den Lovcen, die 62. ID. über die Nordgrenze Montenegros Vordringen, die Masse der k.u.k. 3. Armee zunächst die Becken von Sjenica, Ipek, Djakova und Prizren in Besitz nehmen, um von hier aus in das fast umkreiste Land einzubrechen. Besondere Bedeutung kam selbstverständlich dem Angriff auf den Lovcen zu, weil von diesem aus längs der Meeresküste vorgestoßen werden konnte und alle Rückzugslinien des Feindes abgeschnitten zu werden vermochten. So entlegen dieser Kampfraum war, so wurde die Vorbereitung doch dadurch erleichtert, daß Truppen und Kriegsgerät
x) Sie gelangten vorerst zur Erholung auf die Inseln Lemnos und Lesbos.
zur See und auf der allerdings nur schmalspurigen und eingeleisigen Bahn herangebracht werden konnten. So gab sich die Heeresleitung, als am 3. Dezember die entscheidenden Maßnahmen beschlossen wurden, der Hoffnung hin, das Lovcenunternehmen schon am 20. in Angriff nehmen zu können.
Schwieriger lagen die Dinge bei der k.u.k. 3. Armee. Die durch die Unwegsamkeit bedingten Hemmnisse im Nachschub wurden hier durch den strengen Winter noch vervielfältigt, so daß man nicht abzusehen vermochte, wann an dieser Front die Angriffsgruppen gegen Montenegro wirksam werden konnten.
Daß es der k.u.k. Heeresleitung erwünscht war, früher oder später das freie Verfügungsrecht über die jetzt noch zur Heeresgruppe Mackensen gehörende Armee Kövess zu gewinnen, war bei ihren Plänen gegen Montenegro selbstverständlich. Doch lag, wie schon angedeutet wurde, bei der Aufgabe, die dieser Armee durch die Weisungen vom 27. übertragen worden war (S. 567), vorläufig noch kein zwingender Grund vor, schon mit einem solchen Ansinnen an das deutsche Hauptquartier heranzutreten. Conrad glaubte umsomehr, seine Karten noch nicht aufdecken zu müssen, als Falkenhayn auch über die künftige Verwendung seiner aus Serbien zurückgenommenen Divisionen nichts verriet.
Gegen eine Beteiligung bulgarischer Truppen an der Offensive hatte Conrad, vorausgesetzt, daß sie sich südlich der schon erwähnten Linie Prizren—Skutari hielten, nichts einzuwenden.
Kämpfe und ’Cnippenverschiebungen an der montenegrinischen Grenze
In den letzten Novembertagen begann die k.u.k. Heeresleitung, den Zuschub der für den Lovcenangriff bestimmten Truppen und Kriegsmittel in die Wege zu leiten. Zu der Besatzung des Kriegshafens von Cattaro—Castelnuovo und einer ansehnlichen Masse schwerer Artillerie, die vom 6. Dezember an von verschiedenen Punkten herangeführt wurde, sollten noch mehrere Brigaden treten, damit dem Unternehmen die entsprechende Durchschlagskraft gesichert wäre. Am 29.November erhielten die nach čačak zurückgenommenen Brigaden Schiess und Streith (S. 328) den Befehl, nach Višegrad und Megjegja zu marschieren, wo sie, am
12. Dezember mit den letzten Truppen eintreffend, zur Fahrt nach Castelnuovo auf die Bahn gesetzt wurden. Ihnen folgten von verschiedenen Bahnstationen Ostbosniens die aus dem Sandžak Novipazar abgezogene und durch zwei Bataillone der aufgelösten Brigade Mrazek verstärkte Brigade Obst. Zhuber (S. 332), die aus der Gruppe Blechinger und aus Festungsbesatzungen neugebildete Brigade Obst. Lörinczy und schließlich die Festungsbrigade Obst. Dominie der 62. Division. Diese Division, die dadurch ihrer besten Truppe beraubt worden war, erhielt in den beiden Drinasicherungsgruppen der Generalmajore Vuchetich und Vukadinovic keine vollwertigen Ersätze. Bisher gleichzeitig von vier Stellen aus durch oft .widersprechende und zum Teil voreinander geheim gehaltene Befehle geleitet, wurde sie nun ausschließlich an das 3.Armeekmdo. und dieses wieder nur an das Heeresgruppenkmdo. Mackensen gewiesen.
Der sehr günstige Ausblick vom Lovcen in den Innenraum der Bocche ließ das k.u.k. AOK. nicht zu Unrecht besorgen, daß die Montenegriner unserer Zurüstung vorzeitig gewahr würden und dadurch in die Lage kämen, ihre Abwehrmaßnahmen zu vermehren. Um die Aufmerksamkeit des Feindes abzulenken und seine Kräfte stärker an die Nordfront seines Landes zu fesseln, wurde am 3. Dezember von Teschen aus angeregt, gemischte Abteilungen gegen die Tara vorzutreiben. Das Heeresgruppenkmdo. Mackensen ging am 5. Dezember mit seinen Weisungen über diese Forderung noch hinaus. Es verfügte, daß die von Norden her gegen Montenegro gerichtete Vorrückung der 62. ID., die zur Eroberung von Pievlje geführt hatte (S. 332), in Fluß zu halten und jene der 3. Armee von Osten her einzuleiten sei. Im einzelnen wurde der 62. ID. der Vormarsch bis an die Tara, linker Flügel bis Mojkovac, anbefohlen. Das XIX. Korps hatte nach Bijelopolje und Berane, das VIII. nach Rožaj und Ipek (Peja) vorzurücken. Mit der Westgruppe des Bulgarenheeres, der
3. ID., die den Raum Djakova—Prizren—Priština besetzen und in den Verband der Armee Kövess treten sollte, war die Befehlsverbindung herzustellen.
Als am 5. abends Meldungen über die Fortsetzung des serbischen Rückzuges eintrafen, regte GFM. Mackensen an, Teile des XIX. Korps und die 10. GbBrig. des VIII. Korps gegen Berane und Andrijevica Vorgehen zu lassen, weil namentlich dem letztgenannten Orte als dem Ausgangspunkt der nach Skutari führenden Straße erhöhte Bedeutung zukam. Dieses Unternehmen sollte von der 59. ID. nach Besetzung von Ipek durch ein Vorgehen auf Plav—Gusinje unterstützt werden.
Trotz aller dieser verlockenden Ziele war aber selbst den kampfkräftigsten Verbänden der 3. Armee während der ersten Dezemberhälfte ein wirkungsvolles Nachdrängen noch versagt, da sich der Nachschub in den letzten Tagen noch weiter verschlechtert hatte. Dadurch war die
Masse der einzelnen Armeekörper geradezu unbeweglich geworden, ja selbst die vorgetriebenen kleinen Kampfgruppen konnten nur notdürftig versorgt werden; noch immer warteten die Truppen auf den Zuschub der ersehnten Kälteschutzmittel. Im weiteren Kampfraume wurden überdies die herumstreifenden, beutelustigen Arnautenbanden zur Landplage. Obwohl man auf ihre Kriegshilfe wenigstens in beschränktem Umfange nicht verzichten wollte, mußte man doch trachten, sie vorläufig aus politischen Gründen und wegen ihrer Neigungen zu Plünderungen ohne Gewaltanwendung aus den besetzten Gebieten fernzuhalten.
Vor der 62. ID. hielten sich montenegrinische Nachhuten unverändert auf den Höhen südlich von Plevlje; sie wagten sogar am 7. noch einen Angriff. Beim XIX. Korps hatten an diesem Tage die in mehreren Kolonnen vorrückenden Vortruppen nach wiederholten Scharmützeln die Giljeva planina überschritten und die Tiefenlinie bei Suhodol erreicht; die Masse des Korps stand noch im Raume Sjenica—Dugapoljana. Im Kampfraume des VIII. Korps drängte eine Abteilung der 10. GbBrig. im oberen Ibartale montenegrinische Verbände von Ribarić gegen Rožaj zurück, die über tausend Gefangene einbüßten. Den größten Raumgewinn hatte die 9. GbBrig. der 59. ID. zu verzeichnen, die am 7. im Kampfe mit der DrinD.I1) Ipek gewann und neben 400 Gefangenen auch zahlreiches Kriegsmaterial einbrachte. Mit den südlich von Ipek eingelangten Bulgaren konnte erst tags darauf die Verbindung hergestellt werden. Erschöpfung und Abreißen des Nachschubes hatten sie ihrer Bewegungsfähigkeit beraubt. Aber auch die Massen der 3. Armee blieben durch Verpflegsschwierigkeiten für die nächste Zeit noch hinter der Front ihrer Vortruppen gebunden.
In Teschen hielt man um diese Zeit ein Eingreifen der über Pod-gorica auf Skutari zurückgehenden Serben an der montenegrinischen Westfront für wahrscheinlich. Man war überzeugt, daß die Lebensmöglichkeit des serbisch-montenegrinischen Heeres vornehmlich vom Besitze des Raumes zwischen der Adria und der Linie Cetinje—Pod-gorica—Skutari abhänge. Aus diesem Grunde sah sich GO. Conrad zu einer Verstärkung der für das Lovcenuntemehmen bestimmten Kräfte veranlaßt und verständigte am 8. Dezember das Heeresgruppenkmdo. Mackensen, daß er hiefür die 20. LstGbBrig., ferner das XIX. Korps-kmdo. und das Gruppenkmdo. FML. Sorsich benötige. An Stelle des XIX. Korps sollte die 53. ID. mit drei Brigaden (17. GbBrig., 21. LstGbBrig. und Brig. Schwarz) im Armeeverbande bleiben. Da nach Ansicht
i) Serb. Gstb. W., XIII, 222.
Mackensens der ungesäumten Abgabe nichts im Wege stand, ordnete er noch am selben Tage das Abschieben der 20. LstGbBrig. über Nova varoš—Uvac an, während er es dem 3. Armeekmdo. überließ, wann die genannten Stäbe auszuscheiden hatten. Das XIX. Korpskmdo. fuhr am
9., das Gruppenkmdo. Sorsich zwei Tage später in die Bocche.
Tatsächlich hatten die Montenegriner, denen die Vorbereitungen in der Bucht von Cattaro wirklich nicht verborgen bleiben konnten, zur Verteidigung des Lovcen bereits um serbische Waffenhilfe gebeten1). Sie hofften, mit dieser Verstärkung sich auch gegen einen übermächtigen Feind lange verteidigen zu können. Ungleich wichtiger erschienen der serbischen Heeresleitung zur Stunde jedoch die Ereignisse bei Ipek, da t durch den etwaigen Fall dieses Ortes die Rückzugslinie der serbischen Heeresmasse (siehe Beilage-29) bedroht war und gleichzeitig damit die wichtigsten Eingangspforten zur Küstenebene von Skutari dem Feinde geöffnet werden konnten. Überdies bestand bei einem Vorstoß des Gegners auf Andrijevica für die montenegrinische Nordfront die Gefahr, frühzeitig aufgerollt zu werden. Die äußerst mißliche Lage ihrer Armeen ermöglichte der serbischen Heeresleitung jedoch nur, die wegen Verstopfung der Straßen zufällig zurückgebliebene DonD.I aufzufordern, zum Schutze des auf Andrijevica gerichteten Rückzuges bei Rugova bis zur „äußersten Selbstaufopferung“ Widerstand zu leisten.
Bei den Vortruppen der k.u. k. 3. Armee verlief die folgende Woche ohne bemerkenswerte Gefechtshandlungen, so daß die anbefohlenen Truppenverschiebungen ungestört vollzogen werden konnten. Die nach Novipazar entsendete 21. LstGbBrig. wurde am 11. Dezember dem
VIII. Korpskmdo. unterstellt. Die 62. ID., die jetzt aus den Landsturmbrigaden 205, 209 und Obst. Hausser sowie den Gruppen Vuchetich und Vukadinovic bestand, hatte auf den vom 10. datierten Befehl des GdI. Kövess die Montenegriner nun endgültig über die Tara zu werfen und im oberen Limtale so lange zu sichern, bis starke Teile der 53. ID. (17. GbBrig. und Brigade Schwarz) Bijelopolje erreichten. Diese Division sollte dann womöglich noch in das Limtal südlich von Bijelopolje vorrücken. Beim VIII. Korps war vorläufig nur die Masse der 10. GbBrig. auf Rožaj vorzuführen. Das vom Heeresgruppenkmdo. am 5. geforderte entschiedene Vorgehen (S. 572) mußte aber wegen der noch immer nicht behobenen Versorgungsschwierigkeiten verschoben werden. Denn die verfügbaren Transportmittel reichten bloß zur Versorgung der 53. ID. und des VIII.Korps an Ort und Stelle aus. Ein Vormarsch des VIII. Korps
i) Serb. Gstb. W., XIII, 221. •
wurde erst nach dem Vorverlegen der Fassungsstellen von Kraljevo nach Raška möglich. Bei der 53. ID. mußte der Tragtierverkehr schon von Ivanjica aus einsetzen. Aber auch das Umlegen ihrer Verbindungen auf Uvac, den Endpunkt des südlichen Flügels der bosnischen Ostbahn, versprach erst nach Wiederherstellung der gesprengten Brücke bei Megjegja Vorteile, wobei noch zu bedenken war, daß von Uvac bis Dugapoljana nicht durchwegs fahrbare Wege führten.
GdI. Kövess vernahm am 11. Dezember mit Befriedigung, daß GdI. Sarkotić wegen der Überlastung der schmalspurigen Bahnen den Angriff auf den Lovcen bis in die Zeit zwischen 1. und 10. Jänner 1916 verschoben hatte. Selbstverständlich hatte die 3. Armee bis dahin die ihr gegenüberstehenden feindlichen Kräfte unter stetem Drucke zu halten.
Hiezu hatte die 62. ID. schon am 13. Dezember den Vormarsch angetreten und säuberte unter zahlreichen Gefechten mit montenegrinischen Nachhuten bis zum 16. den Taraabschnitt von der Mündung bis Pren-čanje. Am nächsten Tage streckte sie ihren linken Flügel bis Mojkovac; ihre 205. LstlBrig. nahm im Vereine mit Teilen der 53. ID. Bijelopolje, wo gegen 2000 Gefangene, hauptsächlich Serben der 1. Armee, eingebracht wurden. Noch größer war die Zahl der Gefangenen, die vor der Masse der 53. ID. die Waffen gestreckt hatten; sie hatte in den letzten Kampftagen ihrer 14.000 abgeschoben. Auf dem südlichen Taraufer hielten jedoch die Montenegriner vor der 62. ID. zähe alle Übergänge besetzt, und östlich von Mojkovac konnten sie erst am 24. aus ihren Stellungen vertrieben werden. Erfolgreich verteidigten sie auch gegen die 53. ID. die von Bijelopolje und Uglo gegen Berane führenden steinigen Bergpfade.
Beim VIII. Korps wurden die Vortruppen der 10. GbBrig. westlich von Rožaj durch die Montenegriner sogar bedrängt, so daß ihnen von Novipazar Verstärkungen zugeführt werden mußten. In der Folge behaupteten serbisch-montenegrinische Sicherungen die Höhen westlich von Rožaj so nachhaltig, daß von der geplant gewesenen Verschiebung der
10. GbBrig. an die Westfront Montenegros Abstand genommen werden mußte. An ihrer Stelle wurde die 21. LstGbBrig. über Kraljevo und dann mit der Bahn abgesendet. Desgleichen wurde die Verlegung der Brigade Hausser der 62. ID. in die Bocche eingeleitet, wofür die 3. Armee die bisher im Etappendienst verwendete Brigade GM. Haustein als Ersatz erhielt. Von der 59. ID. stand die 9. GbBrig. noch immer in Ipek. Sie hatte hier außer einigen im Kampfe erbeuteten noch gegen hundert verborgene Geschütze aufgefunden oder ausgegraben. Vor ihr wichen die letzten serbischen Abteilungen von Rugova gegen Plav; die 18. GbBrig. mußte, damit sie verpflegt werden konnte, in Mitrovica belassen werden.
Sämtliche Verbände der 3. Armee lebten noch immer von der Hand in den Mund, so daß die angestrebte Bildung von Verpflegsreserven im Truppenbereich für den Vormarsch keine Fortschritte machte. Die Not an Lebensmitteln erfaßte auch die Bevölkerung, namentlich im Gebiete der bulgarischen 3. ID., wo rücksichtslos beigetrieben wurde.
Mittlerweile war die Verfolgung Sarrails durch die 2. Bulgarenarmee an der griechischen Grenze zum Stillstand gekommen. Die Fortsetzung der Offensive konnte — falls sie überhaupt zustande kam — nicht vor der erst noch etliche Wochen heischenden Herstellung der Vardartalbahn erfolgen. So lange hätte die bei der Armee Gallwitz eingeteilte k.u.k. 57. ID. bei Prokuplje tatenlos verharren müssen. Andrerseits zeigte die bulgarische Heeresleitung wenig Neigung, ihre 3. ID., der sie andauernd direkte Weisungen, so auch zum Abmarsch von Prizren nach Gostivar, zukommen ließ, dem Befehle des GdI. Kövess uneingeschränkt unterzuordnen. GO. Conrad regte daher an, die 57. ID. nach Priština zu verschieben, von wo aus sie entweder die bulgarische 3. ID. abzulösen vermochte oder für den Fall der Offensive gegen Saloniki nach Skoplje rücken konnte. Am 15. Dezember erhielt die 57. ID. vom Heeresgruppenkmdo. Mackensen den Befehl zum Marsch nach Priština, wo sie mit Teilen am 22. eintraf. Bis zu Weihnachten war über die endgültige Einteilung dieser und der bulgarischen 3. ID. noch nicht entschieden.
Besondere Maßnahmen erheischten von beiden Parteien die im Kampfgebiet befindlichen Albaner. Als die Montenegriner Mitte Dezember mit ihrer Ostfront hinter den oberen Lim zurückwichen, mußten sie in diesem rein arnautischen Gebiet Aufstände befürchten. Zu deren Unterdrückung sollte der Raum möglichst lange von den Serben gehalten werden. Aber auch im nördlichen Albanien, auf beiden Ufern des Drin, nahmen die Albaner bereits eine drohende Haltung an und übten vielfach an Serben und Montenegrinern Vergeltung für die an ihnen im Jahre 1913 begangenen Greueltaten.
Doch auch in dem von öst.-ung. Truppen besetzten Raum bereiteten die zügellos herumstreifenden und streitlustigen Banden Schwierigkeiten. Man plante daher, sie in militärische Verbände zusammenzufassen und zum Kampf gegen die Feinde der Mittelmächte in Albanien zu verwenden. Mit den Vorbereitungen zur Aufstellung und weiteren Ergänzung einer albanischen Legion wurde Hassan Bei Priština betraut, der als Gegner Essad Paschas schon unter der Regierung des Fürsten Wied Justizminister gewesen war. Geplant war die Aufstellung einer Infanteriebrigade samt zwei Gebirgsbatterien und einigen Maschinengewehrabteilungen, in der die Führerstellen vom Bataillon aufwärts durch öst.-ung. Offiziere zu besetzen waren. Man hoffte, bis Anfang Jänner wenigstens ein Regiment, bis Ende Jänner die ganze Brigade aufzubringen.
Da aber sowohl bei der Aushebung und Aufstellung als auch beider Verwendung auf die Scheidung der katholischen von den islamitischen Albanern Rücksicht genommen werden mußte, sollten die Geworbenen zunächst in drei getrennten Gruppen bei Ipek—Mitrovica, Djakova und Prizren bereitgestellt und gegen die Räume von Podgorica, Skutari und Kruja eingesetzt werden. Daraus ergab sich auch, daß sie den Divisionen des VIII. Korps zur Durchführung besonderer Aufgaben angegliedert wurden.
Hilfeleistungen der Entente zugunsten der Serben Hiezu Beilage 30
Als die Reste des Serbenheeres, gefolgt von etwa 40.000 Rekruten und einer beträchtlichen Zahl sonstiger Flüchtlinge, durch die verschneiten Karstwüsten der albanischen Berge zurückfluteten, wurden sie von der Hoffnung aufrecht gehalten, an der Küste der Adria Lebensmittel, Kleider und Arzneien vorzufinden. Auch hatte die serbische Heeresleitung, aus der der todkranke Woiwode Putnik bereits ausgeschieden war1), frühzeitig ihre Kassandrarufe erschallen lassen, um von den Ententemächten eine rasche Abbeförderung der von den zweimonatigen Kämpfen und entbehrungsreichen Märschen völlig erschöpften Streiter nach einem sicheren und klimatisch günstigen Erholungsraume zu erreichen. Doch beim Eintreffen im Raume um Skutari sahen sich die Serben um die ihnen verheißene Hilfe zunächst betrogen; die Häfen von S. Giovanni di Medua und Durazzo waren fast leer. Die Westmächte hatten den Weg zur Rettung ihres Bundesgenossen nur sehr zögernd beschritten. Italiens Zurückhaltung hatte seine Ursache in der Rivalität gegen Serbien, zu dessen Gunsten es im Londoner Vertrag vom 26. April 1915 (Bd. II,
S. 283) auf einen großen Teil der adriatischen Küste hatte verzichten müssen. Englands Aufmerksamkeit war im nahen Orient und noch an die Dardanellen gefesselt. Nur Frankreich zeigte sich ernsthaft bemüht, den an allem notleidenden Serben zu helfen.
!) Die Dienste des Generalstabschefs versah von nun an der Gen. Petar Bojovic.
Offenbar auf das Drängen Frankreichs hin, hatte die italienische Regierung schon am 13. und 14. November zu Rom eine Beratung abgehalten, die sich mit einem Hilfsunternehmen zugunsten Serbiens befaßte. Dieser Beratung war auch Gen. Cadorna zugezogen worden1). Cadorna zeigte sich nun schon geneigt, Truppen in der Stärke bis zu 60.000 Mann nach Saloniki abzugeben, verhielt sich aber völlig ablehnend gegen ein vereinzeltes Unternehmen eines italienischen Heereskörpers in Albanien. Für ihn war dieses von einer im Bandenkrieg wohlgeübten Bevölkerung bewohnte Land ein Nebenkriegsschauplatz, wo irgendwie ins Gewicht fallende Entscheidungen nicht erkämpft, wohl aber Schlappen eingeheimst werden konnten. Cadorna wurde jedoch von allen Konferenzteilnehmern überstimmt und mußte einer Truppenentsendung zur Besetzung von Valona und Durazzo beipflichten, die allerdings lediglich zur Sicherung dieser beiden Hafenorte dienen sollte. In diesem Sinne lauteten die Weisungen für die Landungstruppen, die sich in der Stärke von drei Brigaden in Brindisi zur Überschiffung zu sammeln hatten.
In denselben Tagen hatte Frankreich für die Serben Hilfsmittel jeder Art gleichfalls nach Brindisi gesandt, von wo sie nach Durazzo verfrachtet werden sollten2). Doch der italienische Flottenchef, der im Sinne der am 10. Mai 1915 zwischen England, Frankreich und Italien abgeschlossenen Marinekonvention mit der Leitung der Seeoperationen an der albanischen Küste betraut worden war3), sprach sich wegen der Möglichkeit eines Vorstoßes der in den Bocche liegenden öst.-ung. Seestreitkräfte gegen eine Landung von Truppen und Gütern in Durazzo aus und schlug Valona als Basis des ganzen Unternehmens vor, von wo aus Durazzo auf dem Landwege erreicht werden sollte.
In der Tat hatte GO. Conrad am 29. November, gleich nachdem er die ersten Nachrichten über die Entsendung eines italienischen Hilfskorps nach Albanien erhalten hatte, das k.u.k. Flottenkmdo. mit der dauernden Erkundung der albanischen Küste und der Störung feindlicher Truppentransporte beauftragt. Demgemäß wurden am 5. Dezember von einer Torpedoflottille unter Führung des Kreuzers „Novara“ die im Hafen von S. Giovanni di Medua verankerten Handelsschiffe größtenteils versenkt oder schwer beschädigt, während nächst der Bojanamündung die
!) Cadorna, Altre pagine, 125 ff.
2) L a r c h e r, 115.
3) Kriegsarchiv (Marinearchiv), Österreich-Ungarns Seekrieg 1914—1918 (Wien 1929/31), 245; Franz. Gstb.W., VIII, Text, 449.
Besatzung eines aufgefahrenen französischen Unterseebootes in Gefangenschaft fiel. Ein nachts darauf von zwei öst.-ung. Kreuzern und einigen Torpedobooten in die Otrantostraße unternommener Vorstoß blieb ergebnislos. Auf der Rückfahrt wurden vor Durazzo einige Segler vernichtet1).
Die Kreuzerfahrten der öst.-ung. Kriegsschiffe nötigten die Franzosen, die für die Serben nach den nordalbanischen Häfen bestimmten Verpflegstransporte einzustellen. Jetzt stieg bei den Serben die Not aufs höchste. Dazu erfuhr ihre Heeresleitung, daß ihren vollkommen erschöpften Truppen noch der Marsch nach Valona oder gar nach Santi Quaranta zugemutet werde, weil man die Einschiffung in S. Giovanni di Medua und in Durazzo für zu gefährlich hielt. Um dieses neue Ungemach abzuwenden, richtete der serbische Thronfolger am 16. eine flehentliche Bitte an den Zaren, den Resten seines Heeres die Über-schiffung von S. Giovanni di Medua nach Saloniki zu erwirken2). Einen Teil wollte er allerdings auch dann in Nordalbanien belassen, um die Montenegriner — falls sie angegriffen werden sollten — zu stützen und solcherart von einem Sonderfrieden abzuhalten.
Am 15. Dezember nahm die italienische Flotte die Verpflegstransporte wieder auf, und die Serben rückten langsam näher zur Küste heran. Mittlerweile war auch die Überschiffung des italienischen Expeditionskorps nach Valona vollzogen. Sein Führer, der Gen. Bertotti, war aber zur Überraschung Cadornas dem Kriegsminister unterstellt worden3). Dadurch sollte offenbar Cadornas Einfluß auf die von ihm als überflüssig erachtete Operation in Albanien ausgeschaltet werden. Da die Serben noch immer einen Fußmarsch nach Valona verweigerten, wurde jetzt der Schiffstransport dorthin in Erwägung gezogen. Doch die italienische Flottenleitung lehnte dies ebenso ab wie die erbetenen Zuschübe italienischer Truppen nach Durazzo, die schon dringend nötig waren, weil sich der Druck der Bulgaren im oberen Skumbitale verstärkte und man nicht zu Unrecht besorgte, daß das Serbenheer durch einen bulgarischen Vorstoß über Elbasan entzweigeschnitten werden könnte.
Jetzt erhob Italien plötzlich Einwände gegen die Verschiebung starker serbischer Heeresteile nach Valona und forderte ihr Verbleiben nördlich des Skumbi; es erklärte, eine Verseuchung der Stadt durch die Serben zu befürchten. Nun mußte auch die Südgruppe der Serben, die
x) Kriegsarchiv (Marinearchiv), Österreich-Ungarns Seekrieg 1914—4918,246.
2) Serb. Gstb. W., XIII, 320.
3) C a d o r n a, Altre pagine, 129.
schon Marschrichtung auf Valona genommen hatte, gegen Durazzo abgelenkt werden.
Um diese Zeit tauchte in Paris der Plan auf, die Serben nach Korfu zu verlegen1). Die Nähe der Insel zu Albanien, das günstige Klima und die Möglichkeit eines wirksamen maritimen Schutzes gegen Angriffe von der See aus gaben diesem Vorschlag den Vorzug gegenüber den aufgetauchten anderen Projekten (Italien, Algerien, Inseln des Ägäischen Meeres, Saloniki). War dann die geplante Wiederaufstellung des Heeres vollzogen, konnte von hier noch immer die Verschiebung nach Saloniki bewirkt werden. Wegen der im Jahre 1864 erfolgten Neutralisierung der Insel Korfu mußten aber noch diplomatische Schritte eingeleitet werden, deren Erledigung sich über Weihnachten hinauszog.
Von Seite der öst.-ung. Flotte wurde um die Mitte Dezember nur ein einziger Störungsversuch unternommen. Da man Nachrichten hatte, daß der Serbenkönig Peter von Durazzo nach Italien überschifft werden sollte, stieß am 19. die „Novara“ gegen die Linie Durazzo—Brindisi vor2). Doch der König befand sich noch inmitten seines Heeres.
Die Pläne bei Freund und Feind zu Ende 1915
Die Kriegspläne der Entente für das Jahr 1916
Die Kriegslage in der ersten Hälfte Dezember
Als das Jahr 1915 in das zwölfte seiner für die Menschheitsgeschichte so inhaltsreichen Monate eintrat, war für beide Parteien eine Zeit schwerwiegender militärischer Entscheidungen gekommen.
Die Mittelmächte hatten seit Gorlice eine Reihe einzig dastehender Erfolge errungen. Doch von einer Kriegsentscheidung konnte noch keineswegs die Rede sein. Rußland sah sich von den Toren Mitteleuropas weit zurückgedrängt. Aber seine Armee hatte seit Mitte September auf der wolhynischen und auf der ostgalizischen Walstatt gezeigt, daß das Zarenreich noch nicht gesonnen war, das bisherige Urteil des Kriegsgottes als endgültig hinzunehmen; mehrfache Anzeichen sprachen dafür, daß — zumal gegen den Südflügel der öst.-ung. Front — neue russische Angriffe bevorstanden.
1) Franz. Gstb.W., VIII, Text, 450f.
2) Kriegsarchi v (Marinearchiv), Österreich-Ungarns Seekrieg 1914—1918,249.
An der französischen Front hatten sich die Deutschen in den gewaltigen Materialschlachten, die ihnen im Artois und in der Champagne (19. September bis Ende Oktober) aufgezwungen worden waren, in unvergleichlicher Tapferkeit den schwersten Anstürmen gewachsen gezeigt. Aber die Briten zählten gegen Ende 1915 in Frankreich 40 Divisionen statt der 6, mit denen sie ins Feld gezogen waren, und standen vor der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht für alle Unverheirateten unter 41 Lebensjahren. Die Franzosen hatten im Vergleich zu den Engländern wohl schon die letzten Tauglichen in die Front gestellt; jedoch der Aufwand an technischen Mitteln aller Art zeigte den Deutschen in unverhüllter Deutlichkeit, was es hieß, dank der unumschränkten Meerbeherrschung durch Albion Waffen, Schießbedarf und Kriegsgerät aus den Werkstätten der ganzen Welt zu beziehen.
Italien hatte seine neuen Alliierten aufs schwerste enttäuscht; seine Divisionen hielten zu Anfang Dezember trotz bitterster Opfer im allgemeinen dort, wo sie vor einem halben Jahre in den Kampf getreten waren. Aber das Übergewicht des Angreifers an Streiterzahl war noch immer erdrückend groß.
Auf der Balkanhalbinsel war seit Monatsfrist die Verbindung zwischen Ungarn und der Türkei über Serbien und Bulgarien hergestellt. Um den Besitz der Meerengen brauchte der Sultan, wenn auch der volle Rückzug des Feindes noch vierzehn Tage bis drei Wochen auf sich warten lassen sollte, nicht mehr zu bangen. Im Vardargebiet befand sich die Orientarmee der Entente, bedrängt von den verfolgenden Bulgaren, seit dem
4. Dezember im Rückzug auf Saloniki. An der Westküste der Balkanhalbinsel trieben zwischen den Montenegrinern und den in Valona ihrer Verstärkungen harrenden Italienern die Serben in wirren Haufen dem Meere zu. Aber der Landweg von Budapest nach Konstantin opel wurde noch immer von mehreren Sprungbrettern aus in der Süd- und Südwestflanke bedroht.
In den asiatischen Randgebieten des ottomanischen Reiches waren die Feinde für den Augenblick überall in die Verteidigung gedrängt. In Mesopotamien hatte Goltz Pascha an der Spitze der türkischen 6. Armee eben noch am 22. November das seit dem Frühjahr stromaufwärts vorrückende britisch-indische Expeditionskorps bei Ktesiphon unweit von Bagdad geschlagen und bei Kut-el-amara eingeschlossen. Aber sowohl hier wie im Kaukasusgebiet, wo seit dem Herbst 1915 der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch den Oberbefehl führte, rüsteten feindliche Kräfte zum Gegenschlag.
Für die militärischen Erfolge der Mittelmächte und ihrer Verbündeten in Europa war mitentscheidend geweáen, daß es der Entente im ganzen Jahre 1915 nicht geglückt war, sich zu einem einheitlichen und gleichzeitigen Angriff aufzuraffen. Den Ententemächten auch im Jahre 1916 aus der „inneren Linie“ heraus gegenüber einem solchen Unternehmen zuvorzukommen, mußte für die Kriegführung des Vierbundes maßgebendste, schicksalvollste Aufgabe sein. Im Gegensätze hiezu mußte auf Seite der Entente als oberstes Gebot betrachtet werden, zu verhindern, daß sich die räumliche und zeitliche Zersplitterung, deren sich die Alliierten im Jahre 1915 schuldig gemacht hatten, wiederhole^ und sich zu einem großen Generalangriff aufzuraffen.
Der zweite Kriegsrat von Chantilly
Am 6. Dezember traten die Bevollmächtigten der Alliierten zu entscheidenden Besprechungen über die Kriegführung des kommenden Jahres zusammen. Großbritannien wurde durch den FM. French, Rußland durch den GdK. Schilinski, Italien durch den GLt. Porro, Belgien durch den Gen. Wielemans, Serbien durch Obst. Stevanovic vertreten. Den Vorsitz führte Joffre, der einige Tage zuvor zum Oberbefehlshaber sämtlicher französischer Streitkräfte, auch der außerhalb von Frankreich kämpfenden, ernannt worden war. Der Schauplatz der Verhandlungen war wieder das französische Hauptquartier zu Chantilly.
Gen. Joffre griff auf die Vorschläge zurück, die er schon im ersten Kriegsrat von Chantilly, 7. Juli 1915, der Versammlung vorgelegt hatte. Sie bewegten sich mit dem Kriegsplan, der in der zweiten Novemberhälfte vom russischen Generalstabschef Alexejew eingesendet worden war, ungefähr auf der gleichen Linie. Ein gleichzeitiger Angriff der Alliierten an allen Fronten, in Frankreich, Rußland und Venetien ebenso wie auf dem Balkan, in Syrien und in Ägypten, sollte den zahlenmäßig weit schwächeren Vierbundsmächten im Gegensatz zu 1915 von Anbeginn die Freiheit des Handelns rauben und sie schließlich erdrücken1). Die Russen traten sogar für den alten Plan ein, stärkere Kräfte (10 Korps) in Süddalmatien ans Land zu werfen und durch diesen Stoß in den Rücken des Donaureiches auch Rumänien und Griechenland mitzureißen; sie fielen mit diesem Vorschläge jedoch durch. Dafür erschreckte
!) K u h 1, Weltkrieg, I, 383; Walentino w, Die Beziehungen zu unseren Verbündeten in militärischen Fragen während des Krieges 1914—18 (in russischer Sprache, Moskau 1920), 85.
England seine Alliierten mit der Absicht, die bei Saloniki eingesetzten britischen Truppen nach Ägypten zu überführen, wo ein türkischer Angriff über den Suezkanal zu drohen schien1). Alexejew, von diesem Plane unterrichtet, depeschierte Iswolskij, dem russischen Botschafter in Paris, er möge allen Einfluß aufwenden, um die Engländer zum Einlenken zu bringen. Joffre und der französische Ministerpräsident Briand schlossen sich den Verwahrungen Rußlands an, und GLt. Porro ließ die Briten wissen, daß die Preisgabe von Saloniki Italien voraussichtlich nötigen würde, auch Albanien zu verlassen. Da Kitchener die Räumung der Dardanellen schon beantragt gehabt hatte, so bestand hiemit die Gefahr eines vollen Verzichtes der Entente auf den Balkan2). England stimmte nun doch zu, daß Sarrail vorläufig in seiner befestigten Steilung bei Saloniki zu belassen sei, behielt sich aber vor, im Frühjahr — der türkische Angriff gegen den Suezkanal war nicht vor April zu erwarten
— die unbedingt nötigen Kräfte nach Ägypten abzuziehen.
War immerhin die grundsätzliche Entscheidung für eine allgemeine Offensive an allen Hauptfronten gefallen, so kam man bei der Wahl des Zeitpunktes schwer zu einer Einigung, die auch zuletzt kaum als solche zu bezeichnen war. Daß der Generalangriff so früh als möglich anzusetzen war, damit er etwaigen Gegenplänen des Vierbundes zuvorkam, war selbstverständlich; womöglich sollte er schon im März losbrechen. Doch erhoben sich gegen eine so frühe Frist bald allseits Bedenken. Rußland war aus dem Krieg 1915 doch so schwer erschüttert hervorgegangen, daß es — auch bei ausgiebigster Unterstützung durch die Alliierten — seine Aufrüstung mit Geschütz, Schießbedarf und Kriegsgerät nicht vor Juni abgeschlossen haben konnte. Italien brauchte, um seine Isonzofront mit der nötigen schweren Artillerie ausrüsten zu können, bis April; im Gebirge konnte der Kampf wegen des Schnees erst Mitte dieses Monats aufgenommen werden3). Auf Serbien war vorderhand überhaupt nicht zu rechnen, da sein Heer erst neu aufgestellt werden mußte. Sogar für Frankreich und England war die Frist mit März etwas kurz gesteckt, da auch ihre Heere nach den schweren Herbstschlachten dringend der Erholung und Auffüllung bedurften.
Trotzdem kam man schließlich überein, den Generalangriff grund-
x) Oehmichen, L’engagement de la coalition en Orient 1914—1916 (Revue militaire franęaise, Jhrg. 1923, Hefte 15 bis 17).
2) Walentinow, 73. — Der Entschluß zur Preisgabe der Dardanellen wurde zu London am 10. Dezember gefaßt.
3) Franz. Gstb. W., III, Text, 649; W a 1 e n t i n o w, 86.
sätzlich für den März 1916 in Aussicht zu nehmen. Konnte schon keine volle Gleichzeitigkeit erzielt werden, so hatte doch jede Armee alles daranzusetzen, den gegenüberstehenden Gegner mit ganzer Kraft so früh anzufassen, daß es ihm versagt war, Truppen nach anderen Fronten abzuschieben. In welchen Räumen auf den verschiedenen Kriegstheatern die Offensiven zu unternehmen wären, blieb offen. Sollten die Mittelmächte den Absichten der Entente durch einen Gegenzug zuvorkommen, so hatte sich die angegriffene Front nach Kräften zu wehren, indes ihr die anderen Armeen nach Möglichkeit unmittelbare und mittelbare Hilfe zu bringen hatten. Jene Macht aber, die noch einen Überschuß an Menschen hatte — damit war vor allem Rußland gemeint —, sollte schon in der Zwischenzeit alles daransetzen, den gemeinsamen Gegner durch Einzelunternehmen zu schwächen.
So trat die Entente in das Jahr 1916 mit Plänen ein, die nur zu deutlich verrieten, wie sehr ihren Armeen die Kämpfe des Vorjahres noch in allen Gliedern steckten. Aber von einer Absicht, die Flinte schon ins Korn zu werfen, war bei allen Besprechungen doch noch keine Spur wahrzunehmen. Alle Maßnahmen liefen darauf hinaus, den Krieg bis zum Siege des Vielbundes fortzusetzen.
Alexejews Befehl zum Angriff an der bukowinisch-osigalizischen Front
Nach russischer Auffassung endete der zweite Kriegsrat zu Chantilly nur mit halber Arbeit, denn der Plan Alexejews, zuerst die Donaumonarchie durch einen großangelegten doppelseitigen Angriff niederzuwerfen, um auf dem Umwege über Budapest nach Berlin zu rücken, hatte nicht den Beifall der Alliierten gefunden. Daher durfte Rußland bei einem Schlage gegen Österreich-Ungarn im Hinblick auf das Widerstreben Großbritanniens zunächst noch nicht die Unterstützung durch einen mächtigen Angriff gegen die Balkanfront des Donaureiches erwarten. Aber auch die übrigen Forderungen des russischen Generalstabschefs hatte sein Vertreter in Chantilly gegen den offenen Widerstand Italiens und den versteckten Frankreichs nicht durchzusetzen vermocht. GdK. Schilinski hatte sogar die Überzeugung gewonnen, daß sowohl Frankreich wie Italien den Erfolg des russischen Angriffes im Frühjahr 1916 erst abwarten wollten, ehe sie selbst zur Offensive schritten1).
Fast zur gleichen Zeit, da der Kriegsrat in Chantilly tagte, hatten die Bulgaren die Orientarmee über die griechische Grenze zurückge-
!) Walentine w, 86.
schlagen (S. 568). Die Trümmer des serbischen Heeres langten soeben nach einem entbehrungsreichen Rückzug durch die albanische Gcbirgs-wildnis an der adriatischen Küste ein. Rumänien zeigte wieder weit weniger Neigung, sich der Entente anzuschließen (S. 558). In Wolhynien und in Galizien standen nach russischen Berechnungen zur Zeit 300.000 bis 350.000 Streiter den Armeen Iwanows gegenüber. Nun aber vermochte der Gegner auf dem Balkan ansehnliche Kräfte freizumachen; er konnte sie nach Galizien ziehen und dort dann ein erdrückendes Übergewicht gegenüber den Armeen Iwanows entfalten1).
Darum entschloß sich die russische Heeresleitung — früher, als es ursprünglich beabsichtigt war, und ohne auf eine Offensive seiner Verbündeten gegen Österreich-Ungarns Südflanke rechnen zu können —, die Durchführung des am linken Flügel der russischen Südwestfront bereits vorbereiteten Angriffes (S. 562) nicht länger hinauszuschieben. Am 20. Dezember, an demselben Tage, an dem der serbische Thronfolger in einer Depesche den Zaren neuerlich um Rußlands Beistand bat (S. 579), erteilte Alexejew den Befehl zum Angriff gegen die beiderseits vom Dniester sich hinziehenden öst.-ung. Stellungen. War dies auch keineswegs der Auftakt zum großen Generalsturm wider die Mittelmächte, so ist es doch bezeichnend, daß es just wieder Rußland war, das trotz erlittener Niederlagen und unzureichender Rüstung als erster Streiter neuerlich in die Schranken trat2).
Die Auseinandersetzungen im Lager der Mittelmächte
Conrads Absichten gegenüber Italien
Von den beiden Generalstabschefs der Mittelmächte lenkte Conrad seine Aufmerksamkeit vor allem auf Italien. Nur schweren Herzens hatte der Generaloberst am 21. Mai 1915 (Bd. II, S. 410) auf eindringliches Verlangen Falkenhayns die Absicht fallengelassen, dem neuen Feinde im Angriffe zu begegnen. Kaum einen Monat später, am 19. Juni, legte ihm auf seine Anregung hin der Leiter der italienischen Gruppe seiner Operationsabteilung, Gstbsobstlt. Schneller, eine längere Studie über „künftige Operationen gegen Italien“ vor. Die Grundgedanken und den Zeitpunkt einer solchen Offensive gegen Italien schon so früh zu erwägen, hielt die Denkschrift deshalb für geboten, weil Angriffshandlungen großen
!) Lemke, 290.
2; K 1 e m b o w s k i, V. Teil, 9 ff.
Umfangs auf dem italienischen Kriegstheater besonderer Vorbereitungen bedurften, und weil es sich empfahl, „die DOHL. möglichst bald für bestimmte Richtlinien dieses Krieges und für einen raschen Erfolg verbürgenden Einsatz starker deutscher Kräfte zu gewinnen“. Bezeichnenderweise nahm der Verfasser der Studie schon drei Wochen nach den ersten an der Südwestfront gefallenen Schüssen als sehr wahrscheinlich an (und Conrad vermerkte seine Zustimmung), daß das feindliche Heer in absehbarer Zeit nirgendwo größere Fortschritte erzielen werde.
In strategischer Beziehung griff die Denkschrift naturgemäß auf die zahlreichen, aus der Friedenszeit stammenden Entwürfe für eine Offensive Österreich-Ungarns gegen Italien zurück1). Während jedoch diese Entwürfe stets einen umfassenden Angriff auf Venetien mit der Hauptkraft vom Isonzo her vorsahen, sprach sich die Studie nun für die Führung eines Stoßes aus dem Raume südöstlich von Trient, zwischen Etsch und Brenta, in die venetianische Ebene aus. An Gründen für diesen Antrag hob Obstlt. Schneller zwei hervor, von denen Conrad allerdings nur den ersten bedingungslos anerkannte: Mangel an Kräften wegen Bindung auf anderen Kriegsschauplätzen und gesteigerte Wirkung des Stoßes gegen den Rücken des Feindes, wenn sich dieser möglichst stark und möglichst weit vorn an der küstenländischen Front verbiß.
Selbstverständlich versprach der Ausfall aus der Südtiroler Bastion nur dann entscheidenden Erfolg, wenn eine schlagkräftige Armee möglichst rasch über Bassano—Thiene aus dem Gebirge hinausstieß. Die Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens waren in diesem Gelände sicherlich nicht zu unterschätzen. Drei besonders geeignete Korps mit viel schwerster Artillerie, modernstem Gebirgsgeschütz und ausreichenden Mengen technischer Truppen sollten die Befestigungen zwischen Vallarsa und Brenta bezwingen, ein bis zwei Divisionen über den Rollepaß gegen die Sperren an der Brenta vorgehen. Je weiter dieser Stoßkeil gegen Süden vordrang, umsomehr mußte er im Westen und im Osten auf den Schutz seiner Flanken bedacht sein. Dieser war gegen Verona durch ein Korps und in den Dolomiten durch die dortigen, um eine Division vermehrten Truppen zu besorgen. Man berechnete, daß die für den Durchbruch in Aussicht genommenen 10 oder 11 Divisionen unter günstigen Umständen die italienische Befestigungsreihe in zwei bis drei Wochen zu überwinden vermöchten, worauf sie aber für die in der Ebene entbrennenden Kämpfe kaum mehr stoßkräftig und beweglich genug wären.
x) Vgl. die Studien aus den Jahren 1906 (Conrad, Aus meiner Dienstzeit 1906—1918 [Wien 1921—1925], I, 411, 457ff.) und 1911 (ebenda, II, 64).
Daher hielt es die Denkschrift für geboten, vorzuschlagen, daß jener ersten Staffel auf den Hauptmarschlinien eine mindestens drei Korps starke zweite zu folgen hätte — also eine Maßnahme zu beantragen, die dann im Frühjahr 1916 der Kriegshandlung in der Tat ein besonderes Gepräge auf drücken sollte.
Die „Durchbruchsstaffel“, für deren Heranführen vierzehn Tage veranschlagt wurden, sollte das Eintreffen der „Marschstaffel“ nicht abwarten. Eine grobe Berechnung führte zur Annahme, daß vom Beginne der Ausladungen bis zum Erreichen der Ebene etwa fünf Wochen vergehen könnten. Nach der Denkschrift wäre mit den Ausladungen wegen der dem Gebirge eigenen Wetterverhältnisse spätestens im September 1915 zu beginnen gewesen, damit im Oktober die Entscheidung in der Ebene erkämpft werden könnte.
Für die auf 5 bis 7 Divisionen zu verstärkende Kärntner Gruppe sah die Denkschrift unter Zustimmung Conrads nur einen Nebenangriff gegen den oberen Tagliamento vor. Die Isonzoarmee sollte den Feind mit möglichst geringen Kräften binden. Die Stärke der ganzen Südwestfront war auf die Dauer der Kriegshandlung auf 28 bis 32 Divisionen veranschlagt. Eine größere Streitkraft aufzubieten, wäre nach der allgemeinen Lage wohl nur im Falle eines Sonderfriedens mit „einer Groß-, macht“ möglich1).
Habe sich das Teschener Hauptquartier „selbstverständlich“ die Leitung des Gesamtunternehmens vorzubehalten, so war der Oberbefehl über die aus zwei Armeen zu bildende „Heeresgruppe Südtirol“ dem GO. Erzherzog Eugen zugedacht — dies nicht zuletzt deshalb, weil sich die starken deutschen Kräfte, „die namentlich für die Marschstaffel erwünscht waren“, diesem Kommando reibungsloser unterstellen mochten.
Neben die Erwähnung der „starken deutschen Kräfte“ schrieb Conrad: „Das ist das große Fragezeichen!“ Und GM. Metzger vermerkte: „Kaum erreichbar!“ Trotzdem kam Obstlt. Schneller in einer zweiten, vom 11. Juli datierten Denkschrift wieder darauf zurück, wie entscheidend wichtig die deutsche Mithilfe wäre. Metzgers Randbemerkung lautet diesmal: „Mit dieser Unterstützung kann höchstens indirekt auf die Art gerechnet werden, daß die Deutschen nicht starke Kräfte von R [ußland] gegen F [rankreich] abziehen und uns so die Möglichkeit geben, gegen I [talien] ausreichende Kräfte zu wenden.“
!) Conrad, der die Denkschrift am 23. Juni, einen Tag nach der Einnahme von Lemberg, durchsah, setzte neben diese Bemerkung die bezeichnenden Worte: „Das ist eben die Hauptsache!“
Sehr bedeutsam klingt in der Denkschrift vom 11. Juli aus dem Blickfeld der späteren Entwicklung die Feststellung Schnellers, daß die „zahlenmäßige Ebenbürtigkeit im Südwesten nur im Falle eines Separatfriedens mit Rußland“ zu erreichen sein werde oder „durch den Entschluß der Zentralmächte . .., nach Übergang zur Verteidigung im Norden sich gemeinsam gegen Italien zu wenden1)“. Dann heißt es weiter: „Sollte sich Deutschland hiezu nicht entschließen und wäre ebenso die Monarchie nicht zum Mitgehen bei der Entscheidung in Frankreich bereit, sondern käme es zu dem strategisch nicht idealen, aber angesichts der beiderseitigen Sonderinteressen nicht unmöglichen Kompromiß, daß jeder der Verbündeten die zu vereinbarenden notwendigen Kräfte gegen Rußland beließe, mit den übrigen aber Deutschland gegen Frankreich, die Monarchie gegen Italien die Entscheidung anstrebte: so könnte unsererseits wohl nur mit dem Abziehen einer viel geringeren Truppenzahl gerechnet werden, als zur Herstellung des numerischen Gleichgewichtes erforderlich wäre. Gelänge es in diesem Falle, die Hälfte der Kräfte vom russischen Kriegsschauplätze, 200.000 Feuergewehre, für den Südwesten freizumachen, so wären dies zwar nach der Zahl der höheren Einheiten 20, vielleicht sogar 25 Divisionen; die Gefechtsstärke der gesamten Infanterie im Südwesten würde aber nach dieser Verstärkung doch erst 460.000 Gewehre, also drei Viertel der feindlichen, betragen. Immerhin könnte mit dieser Kraft, wenn in ihrer Vereinigung und in der Energie des Stoßes bis an die äußerste Grenze des Möglichen gegangen würde, ein Erfolg gegen den nach den bisherigen Erfahrungen entschieden moralisch schwächeren Feind mit Zuversicht erwartet werden .. .“ Mit der Randbemerkung: „Voraussichtlich ja!“ tat GO. Conrad vielleicht den ersten Schritt in der Richtung, die später zu den für das Frühjahr 1916 gefaßten Entschlüssen führen sollte; er gab auch die Möglichkeit zu, den Stoß aus Südtirol ohne unmittelbare oder mittelbare Mithilfe des Bundesgenossen ausführen zu können.
Die weiteren Erörterungen der Denkschrift galten, stets unter der Voraussetzung, daß auf anderen Kriegstheatern mindestens 20 Divisionen freigemacht werden konnten, dem Aufbau des Angriffes, seiner Sicherung in den Flanken, zumal nach der Dolomitenseite, seiner Unterstützung durch artilleristische Kräfte und schließlich der Wahl des Zeitpunktes. Das Drängen Schnellers, die Offensive möglichst noch im Jahre 1915, gegebenenfalls sogar im Winter, zu unternehmen, fand in GM. Metzger
Randbemerkung GM. Metzgers : „Dieser Entschluß ist von D [eutschland] kaum zu erwarten!“ Beifügung Conrads: „Richtig!“
einen warmen Fürsprecher, während sich Conrad in seinen Randbemerkungen zurückhaltender zeigte.
Am Schluß der Denkschrift faßte Schneller noch einmal alle Gründe zusammen, die für ein gemeinsames Vorgehen der beiden Mittelmächte sprachen. Habe man ,,die Zuversicht, noch heuer mit Italien fertig zu werden“, so könnte die Ausführung dieses Entschlusses nicht nur starke Kräfte freimachen, sondern geradezu die endgültige Entscheidung im Weltkriege bringen. Denn an der italienischen Front sei „der Vierverband am leichtesten zu sprengen, das Übergewicht am leichtesten auf die Seite der Kaisermächte zu bringen ..., jedenfalls viel eher als durch einen Angriff auf Frankreich“, wo ein voller Erfolg auch bei einem Einsatz stärkster Kräfte nicht zu erwarten sei, oder auf das räumlich ja doch nicht faßbare Rußland. „Es wäre daher“, schloß die Denkschrift, „großzügig und strategisch richtig, wenn sich die DOHL. unter vorläufiger Zurückstellung schwerer zu verwirklichender Interessen dieser Einsicht nicht verschlösse und noch heuer zum Mitgehen gegen Italien entschiede. Ein solcher Entschluß erschiene selbst mit der Zusage, gleiche Unterstützung später in Frankreich zu leisten, nicht zu teuer erkauft.“
Conrad faßte gegenüber diesen Ausführungen seine Meinung dahin zusammen, daß an eine Durchführung des Angriffes gegen Italien erst dann zu denken sein werde, wenn den anderen Fronten ohne ernste Gefährdung insgesamt 20 Divisionen entnommen werden könnten. Wohl nicht ahnend, daß Falkenhayn ein halbes Jahr später und allerdings in gründlich geänderter Lage die gleichen Argumente gegen ihn verwenden werde, schrieb er die Worte nieder: „Der Eintritt Italiens in den Krieg hat bisher nicht viel an der Gesamtkriegslage geändert, sein Ausfall würde wahrscheinlich ebensowenig Einfluß darauf ausüben ... Man muß alles für die Offensive... überdenken und vorbereiten, das Fassen eines bestimmten Entschlusses aber an die Gestaltung der Lage gegenüber den Hauptgegnern (für uns Rußland) knüpfen.“
Am 17. Juli 1915 wurde GO. Erzherzog Eugen von der Heeresleitung in diesem Sinne unterrichtet.
Darüber ging der Sommer hin, der alle Kräfte der Mittelmächte beim Feldzug gegen Rußland in Anspruch nahm, und es kam der Herbst, der den Niederbruch Serbiens brachte. Nun aber, da Rußland in seine Schranken gewiesen war und auch die Lage auf dem Balkan der Klärung entgegenreifte, drängte sich die Frage eines Angriffes auf Italien wieder stärker in den Vordergrund. Schon Mitte November hatte der k.u.k. Außenminister — offenbar nach Rücksprache mit dem Generalstabschef
— dem Deutschen Kaiser gegenüber die Angelegenheit berührt, wobei auch schon die Problemstellung der nächsten Wochen durchleuchtete: ob das Schwergewicht des Krieges auf Italien oder auf Frankreich zu verlegen sein werde1).
In den ersten Dezembertagen brachte GO. Conrad einige grundlegende Gedanken über die Durchführung eines Stoßes aus Südtirol zu Papier. Seine Erwägungen hielten sich ganz an die in den Denkschriften vom Juni und vom Juli niedergelegten Grundzüge. ,,Soll der Stoß über die Linie Bassano—San Bonifacio geführt werden, so sind 160.000 Gewehre von Haus aus erwünscht, wobei damit gerechnet wird, daß der Stoß von Verona aus und vom Osten her gefaßt werden wird, also beiderseits sukzessive durch Einsetzen entsprechender Kräfte gesichert werden muß.“ Laut einer in der Operationsabteilung verfaßten Aufstellung konnte etwa die Hälfte dieser Kämpfer aus dem Bereiche der Südwestfront zusammengerafft werden2). Bei der Beistellung der anderen Hälfte mußte, soweit nicht auf dem Balkan weitere Kräfte rechtzeitig verfügbar wurden, der Bundesgenosse einspringen. Da dieser aber sich gegen Italien nicht im Kriegszustand befand (Bd. II, S. 515) und daher für eine offensive Verwendung seiner Truppen an dieser Front nicht zu haben sein mochte, so konnte die deutsche Mithilfe wohl nur in der Ablösung öst.-ung. Heereskörper an anderen Fronten bestehen. Natürlich mußte der Hieb auf Italien schon niedergesaust sein, ehe sich Rußland zu einem neuen Großangriff aufraffte, zu dem es sich offenbar, abgesehen von den Ansammlungen am Südflügel seiner Front, schon vorzubereiten begonnen hatte. Italien müsse entweder zum Frieden gezwungen werden oder doch einen solchen Schlag erhalten, daß nicht wie bisher „300.000 [öst.-ung.] Gewehre fest gebunden“ blieben.
Am 10. Dezember nachmittags fand zu Teschen die Besprechung zwischen Conrad und Falkenhayn statt, die diese neue Phase der Kriegführung einleitete. Unmittelbare Aufzeichnungen über den Inhalt der anderthalb Stunden währenden Unterredung liegen nicht vor. Wohl aber läßt der darauffolgende Schriftenwechsel der beiden Generalstabschefs3) Schlüsse auf das Wesentlichste des Inhaltes zu. Was im besonderen Conrad anlangt, so leitete er seine Erörterungen mit dem Hinweise ein, daß es die Mittelmächte gegenüber der aus dem Vollen schöpfenden
!) Z w e h 1, 173.
2) Drei Divisionen des III. Korps, eine vom XIV., eine halbe vom XV., je eine aus der Kärntner und der Tiroler Besatzung.
3) Zum erstenmal im Wortlaut veröffentlicht bei C r a m o n, 39ff.
Entente nicht auf einen Zermürbungskrieg ankommen lassen dürften, sondern daß sie, je früher, je besser, „durch eine Aktion großen Stils eine Entscheidung herbeizuführen“ hätten. Von diesem Grundgedanken ausgehend, gab Conrad seinem reichsdeutschen Kollegen zu bedenken, daß gegen Rußland ein solches Beginnen nicht durchschlagend genug wäre, es sei denn, daß Rumänien an die Seite der Mittelmächte träte. Auch auf dem Balkan „wäre ein Erfolg gegen die derzeit dort befindlichen Ententekräfte nicht kriegsentscheidend“. Demnach stünden für den unbedingt anzustrebenden Entscheidungsschlag nur der französische und der italienische Kriegsschauplatz zur Wahl. Conrad gab nun grundsätzlich dem erstgenannten den Vorzug. Als jedoch Falkenhayn „selber die Chancen für einen solchen als jetzt nicht gegeben“ bezeichnete1), lenkte der k.u.k. Generalstabschef die Wechselrede auf den Hauptgegenstand der Beratung: Da sich wegen des deutsch-italienischen Verhältnisses eine unmittelbare Teilnahme deutscher Truppen an einem Angriff gegen Italien offenbar ausschloß, möge der Bundesgenosse an anderen Fronten acht k.u.k. Divisionen durch den Einsatz entsprechender deutscher Kräfte freimachen!
Nach den Mitteilungen, die GO. Conrad noch am gleichen Abend seiner engeren Umgebung zukommen ließ, soll in der weiteren Wechselrede Falkenhayn zwar vielerlei Einwände vorgebracht haben, dann aber doch mit der offenkundigen Absicht geschieden sein, sich mit der Frage, wie die österreichischerseits gewünschten Kräfte herbeigeschafft werden könnten, näher befassen zu wollen. Dieser Eindruck Conrads beruhte jedoch auf einem Irrtum. Vier Tage später langte von Falkenhayn, der sich inzwischen mit seinem Kaiser in den Bereich der Heeresgruppe Hin-denburg begeben hatte, eine vom 11. datierte ausführliche Ablehnung aller Vorschläge Conrads ein.
Falkenhayn verwahrte sich fürs erste entschieden gegen die Meinung Conrads, „Deutschland wolle keinen Krieg gegen Italien führen“. Deutschlands Truppen hätten — die Worte bezogen sich auf das Alpenkorps, das in den ersten Kriegsmonaten an der Dolomitenfront gefochten hatte — vom „ersten Tage an einen für Österreich-Ungarn sehr nützlichen Krieg gegen die italienischen Angreifer geführt, was man in Rom auch ganz genau“ wisse. „Auch heute“, unterstrich Falkenhayn, „würde sich Deutschland nicht einen Augenblick besinnen, an jeder Kriegshand!) So stellen sich wenigstens die Vorgänge in diesem Punkte nach einer unwidersprochen gebliebenen Stelle des Schreibens dar, das Conrad am 18. an Falkenhayn richtete. Vgl. dagegen S. 595.
lung gegen Italien teilzunehmen, wenn seine Mittel mit Rücksicht auf die Tatsache, daß es die ganze Kriegslast gegen Belgien, Frankreich und England und bei weitem die Hauptlast im Kriege gegen Rußland wie Serbien zu tragen hat, ihm dies gestatten würden und wenn eine derartige Teilnahme vorteilhaft wäre.“ Dem sei aber nicht so.
Vor allem möge bedacht werden, daß die von Conrad für den Angriff gegen Italien vorgesehene Streitmacht viel zu knapp bemessen sei und auf „gut 25 Divisionen“ anzusetzen wäre, die „bei der Eigenart des Angriffsgeländes, der jetzigen Jahreszeit und den sehr starken Befestigungen der Italiener“ besonders angriffsfähig zu sein hätten. Daß es der k.u.k. Heeresleitung gelingen werde, so viele und so gute Truppen freizubekommen, müsse ebenso bezweifelt werden wie die Aufbringung von schwerer Artillerie in solchen Mengen, daß auf 150 m des Einbruchsraumes mindestens eine Batterie käme. Gegen einen 'Versuch mit geringeren Kämpferscharen und Mitteln redeten die Erfahrungen aus der Karpathen- und der Masurenschlacht eine genug deutliche Sprache. Das gewagte Unternehmen würde aller Wahrscheinlichkeit nach höchstens zweierlei Ergebnisse zeitigen: eine katastrophale Verschlechterung der Ersatzlage in Österreich-Ungarn und eine völlige Erstarrung der deutschen Fronten, die nur dann erträglich wäre, wenn auf dem italienischen Kriegstheater die Kriegsentscheidung erfochten werden könnte. Diese sei jedoch nicht zu erhoffen. Es sei zum ersten -kaum denkbar, daß Italien bei seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Entente einen Sonderfrieden abzuschließen vermöchte. Und zum anderen würde selbst das Ausspringen eines „so wenig leistenden und so viel fordernden Teilhabers“ England und Rußland kaum sonderlich betrüben, denn „ihr Sklave“ bliebe Italien ja auch dann.
Hatte Conrad am 10. der DOHL. vorgeschlagen, deutsche Truppen im Schützengraben festzulegen, damit öst.-ung. Kräfte frei würden, so stellte am Schlüsse seiner Ablehnung — vielleicht nicht ganz ohne inneren Bezug — Falkenhayn nun den entgegengesetzten Antrag: „Nach diesen Feststellungen werden Eure Exzellenz sich nicht wundem, wenn ich empfehle, daß die k.u.k. Oberste Heeresleitung alle jene Kräfte, die sie nach unbedingter Sicherung ihrer Stellungen gegen jeden Angriff an der italienischen Grenze und in Galizien verfügbar machen kann, als Ausgleich für die bei der Heeresgruppe Linsingen südlich des Pripiatj eingesetzten deutschen Truppen1) der DOHL. überweist. Es liegt nicht in der Absicht, einen derartigen Kampfzuwachs offensiv einzusetzen.
x) Es waren dies die 1. und die 22. ID. (S. 528).
Wohl aber könnte er zur Ablösung deutscher Teile aus der Front, die dann ihrerseits für aktive Unternehmungen zur Hand wären, sehr zweckmäßige Verwendung finden. Darüber, wo diese aktiven Operationen geführt werden sollen, sind meine Erwägungen noch nicht abgeschlossen.“
In einem längeren, vom 18. Dezember datierten Schreiben bemühte sich Conrad, Falkenhayn von der Unhaltbarkeit seiner Bedenken und Einwände zu überzeugen1). Wie er abermals ausdrücklich hervorhob, war er auch weiterhin der bestimmten Ansicht, daß der Krieg in Frankreich sicherer zu beenden wäre als in Italien. Nur meine er, daß diese Unternehmen nacheinander in Angriff zu nehmen seien. Man habe den Balkanfeldzug erst nach Beendigung der Offensive gegen Rußland begonnen, werde seines Erachtens auch Italien erst angreifen können, bis vom Balkan die nötigen Kräfte freigemacht werden könnten, und werde sich nicht früher auf Frankreich werfen können, ehe Italien aus dem Feld geschlagen war. Falkenhayn möge die Italiener nicht unterschätzen; sie seien im Begriffe, auf allen Gebieten des Kriegswesens beträchtliche Fortschritte zu machen, und es wäre bei dem fortdauernden Kräfteunterschied vermessen, zu hoffen, daß sie Österreich-Ungarn „nach den vier Isonzoschlachten noch ebenso viele künftige gewinnen lassen“ würden. Auch sei zu erwägen, daß die deutschen Streitkräfte „allein für eine abschließende Entscheidung an einer der Hauptfronten im Westen oder im Osten kaum ausreichen dürften, öst.-ung. Kräfte aber für die Teilnahme an der Entscheidung oder für Ablösung deutscher Teile an anderer Stelle nicht verfügbar würden, insolange Italien nicht abgetan“ war.
Auf die Erfolgsmöglichkeiten des Angriffes aus Südtirol übergehend, die übrigens auch Falkenhayn nicht in Abrede gestellt hatte, erklärte Conrad, es gäbe an keiner anderen Front eine Angriffsrichtung von größerer Wirksamkeit und auch die Überwindung der 30 bis 40 km tiefen Gebirgszone werde, ausreichende Kräfte mit starker Artillerie vorausgesetzt, gewiß ebensowenig auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen, wie es bei der Bezwingung der Donau-Save-Linie zu erfahren war. Auch die Besorgnisse wegen der Jahreszeit bestünden nicht zu Recht, da die Vorbereitungen ohnehin bis in den März andauern würden.
Zu wissen, daß einer unmittelbaren Teilnahme reichsdeutscher Truppen an dem Unternehmen gegen Italien politisch nichts im Wege stehen würde, bezeichnete Conrad als besonders wertvoll. Deutsche Kräfte wären jedenfalls für die zweite Staffel nötig, könnten aber auch, wenn sie gebirgsgewohnt und entsprechend ausgerüstet waren,
!) C r a m o n, 40.
in der ersten sehr wohl verwendet werden. Was diese anlangte, so dachte Conrad vor allem an das Alpenkorps, die ll.bayr. ID. und etwa noch an das IV. RKorps.
Falkenhayns Entschluß zum Angriff auf Verdun
So eindringlich die Sprache Conrads in seinem Schreiben vom 18. auch gewesen sein mochte — Falkenhayn ließ sich von der Zweckmäßigkeit und Ausführbarkeit des Stoßes aus Südtirol sowie überhaupt eines Angriffes auf Italien doch nicht überzeugen. Er hatte, als er die Ausführungen des k.u.k. Generalstabschefs erhielt, seine Entschlüsse schon in ganz anderer Richtung gefaßt.
Wenn Falkenhayn am 11. Conrad geschrieben hatte, seine Erwägungen darüber, wo die nächsten „aktiven Operationen“ durchgeführt werden sollten, seien noch nicht abgeschlossen, so hatte dies den Tatsachen entsprochen. Aber seine Gedanken waren doch schon mindestens seit einigen Tagen35) entscheidend auf die Westfront gelenkt. Falkenhayn sah in Großbritannien den gefährlichsten Feind Deutschlands. Da dieser wegen der geographischen Lage schwer zu bekämpfen war und da zu einem Vernichtungsanschlag gegen sein Expeditionsheer auf französischem Boden die deutschen Kräfte auf keinen Fall ausreichend zu sein schienen, erwog Falkenhayn nun, dem britischen Imperium zunächst sein bestes Schwert aus der Hand zu schlagen: die französische Armee. Gleichzeitig mochte der U-Boot-Krieg, der zwar nach den ersten, maritim erfolgreichen Versuchen wegen der drohenden Haltung Nordamerikas eben in den letzten Monaten auf die Formen des Kreuzerkrieges zurückgeführt worden war36), aber wieder verschärft werden konnte, die Zufuhr nach England unterbinden, wodurch laut Zusicherung der Marineleitung entscheidende Erfolge erwartet werden durften37). Allerdings hielt sich Falkenhayn auch gegenüber Frankreich nicht für stark genug, die feindliche Widerstandskraft durch einen vernichtenden Ansturm brechen zu können. Er glaubte, auf dem noch nie beschrittenen Wege einer „Ausblutungsschlacht“ eher jenem Ziele näherkommen zu können.
Schon am 8. Dezember hatte Falkenhayn in einem Gespräche mit seinem ersten Gehilfen, GM. Tappen, auf Verdun hingewiesen, das wie ein Dorn in die deutsche Front hineinragte und dessen Behauptung für die Franzosen allem Anschein nach zur Prestigefrage geworden war. Dabei kam es nach den nicht alltäglichen Erwägungen Falkenhayns am Ende gar nicht so sehr darauf an, daß die Festung von den Deutschen genommen werde. Was er wünschte, waren lang andauernde Kämpfe, in denen die deutsche Führung durch möglichst sparsamen Truppeneinsatz und um so größeres Aufgebot an Artillerie erreichen sollte, daß der Feind ein Mehrfaches an Verlusten erlitt, als sie die eigenen Truppen notgedrungen in Kauf nehmen mußten.
Am 14. und 15. Dezember beriet sich Falkenhayn zu Berlin, wohin er sich nach seinem kurzen Aufenthalt an der Ostfront begeben hatte, mit dem Stabschef des Deutschen Kronprinzen, GLt. Schmidt v. Knobelsdorf, dessen Armee einen etwaigen Angriff auf die Festung Verdun durchzuführen hatte.
Auch Angriffsentwürfe anderer Führer der Westfront lagen vor. Die bisherigen Erwägungen Falkenhayns reiften nun zu einer der schicksalsschwersten Entscheidungen des Weltkrieges heran. In einer sehr umfangreichen Denkschrift setzte in den nächsten Tagen der Generalstabschef dem Kaiser seine Gedankengänge auseinander1). Dabei streifte er auch den Vorschlag Conrads, einen Angriff gegen Italien betreffend, meinte aber dazu: „Seine Verwirklichung würde lediglich Österreich-Ungarn Entlastung und Zukunfsvorteile bringen, nicht unmittelbar für den Gesamtkrieg ... Die italienischen militärischen Leistungen sind so gering, Italien bleibt unter allen Umständen... stark unter der englischen Fuchtel... Außerdem ist der Italiener derjenige unserer Feinde,. dessen innere Zustände ihm die aktive Fortführung des Krieges, wenn die öst.-ung. Armee einigermaßen ihre Pflicht weitertut, bald unmöglich machen werden...“ Ein weiteres Festlegen öst.-ung. Kräfte an der italienischen Front (wie es durch den von Conrad gewollten Angriff bedingt gewesen wäre) sei auch „im Hinblick auf ihre Aufgaben im Osten nicht erwünscht“.
Die Entscheidung des Kaisers fiel selbstverständlich im Sinne Falkenhayns. Am 24. Dezember ergingen die ersten Befehle zu den nunmehr endgültig beschlossenen „Angriffen im Maasgebiet mit der Richtung auf Verdun“, für die der Deckname „Gericht“ gewählt wurde2).
Nach der ganzen Vorgeschichte war daher der Entschluß Falkenhayns, im Jahre 1916 das Kriegsglück zunächst vor den Toren der alten
!) Falkenhayn, Heeresleitung, 176ff.
2) Wendt, 30.
Maasfeste Verdun herauszufordern, spätestens am 21. Dezember besiegelt worden1). Für den gleichen Tag hatte er seinen öst.-ung. Kollegen zu einer Zusammenkunft nach Berlin eingeladen — ob in der Absicht, ihn wissen zu lassen, daß eine für die Gesamtkriegführung gewiß schicksalhafte Entscheidung schon ohne Befragung des Bundesgenossen gefallen sei, bleibe dahingestellt. Er hat dann schließlich mit dieser Mitteilung noch gute sechs Wochen gezögert. Wie dem aber auch sein möge, Conrad bat Falkenhayn, die Besprechung bis zu dessen Rückkunft nach Pleß hinauszuschieben. Es war seiner Ansicht nach mit den Verabredungen für das Frühjahr 1916 noch nidht allzu eilig, da vorerst auf dem Balkan die dringend notwendige Klärung herbeigeführt werden mußte. Das Seinige dazu beizutragen, hatte der öst.-ung. Generalstabschef schon vor einigen Tagen begonnen.
Entschluß Conrads zum Angriff gegen Montenegro und Albanien
Auf dem Balkan konnte man die Sorge um die Dardanellen, abgesehen von den Aushilfen, die die Mittelmächte willig gaben, Mitte Dezember füglich schon den Ottomanen überlassen. Gegenüber Rumänien hatte sich die Lage des Vierbundes um diese Zeit insofern etwas geändert, als es das Königreich mit den vertragsmäßig übernommenen Pflichten, seinen Überschuß an Getreide und Rohöl den Mittelmächten zu überlassen, wieder merklich ernster nahm. Damit war der zwischen Wien und Berlin vorübergehend erörterte Gedanke eines gegen Rumänien gerichteten Ultimatums, gegen das auch sonst mancherlei Bedenken sprachen2), völlig hinfällig geworden. Sicherlich hatten in der letzten Zeit auch gewisse militärische Maßnahmen der Mittelmächte ihren Eindruck in Bukarest nicht verfehlt, so die über die Jahreswende fortdauernde Anwesenheit dreier aus Serbien zurückgenommener deutscher Divisionen und die Aufstellung einer aus zwei Divisionen3) bestehenden bulgarischen 3. Armee an der Nordgrenze Bulgariens, dessen Mitwirkung bei einer etwaigen Verwicklung mit Rumänien sich Falkenhayn und die Diplomatie der Mittelmächte einigermaßen zu sichern wußten.
Mit dem Einlenken Rumäniens fiel für die Heeresleitungen der Mittelmächte auch der letzte Anreiz weg, im kommenden Frühjahr
Wendt, 30.
2) Falkenhayn, Heeresleitung, 174.
3) 4. ID. und die aus Landsturm neu zusammengesetzte 12. Division.
noch einmal einen großen Schlag gegen Rußland zu versuchen und sich dabei vor allem der ukrainischen Kornkammer zu bemächtigen. Offenbar hielt man auch die Auswirkungen der Niederlagen, die das Zarenreich 1915 erlitten hatte1), für noch weiter vorgeschritten, als sich einige Monate später heraussteilen sollte2).
Solcherart blieben, wie GO. Conrad in einem am 16. abends mit Kurier nach Berlin abgehenden Schreiben Falkenhayn auseinandersetzte, für die Heere der Mittelmächte auf dem Balkan zwei Druckstellen übrig, eine gegen Saloniki, eine zweite gegen Montenegro und Nordalbanien. Was die Richtung Saloniki betraf, so pflichtete nun auch Conrad der Auffassung Falkenhayns bei, daß ein alleiniges Vordringen der Bulgaren die Griechen leicht zum Abschwenken auf die Seite der Entente zu bewegen vermöchte. Ein gemeinsames Vorgehen bulgarischer und deutscher Truppen gegen Sarrail käme erst in Frage, wenn sich Griechenland zum Anschluß an die Mittelmächte bekannt habe. Unterbliebe ein solcher Entschluß, so könne die weitere Sicherung der mazedonischen Südgrenze ohne Bedenken den Bulgaren allein überlassen bleiben.
Jedenfalls werde,, erörterte Conrad seinem reichsideutschen Amtsgenossen, einige Zeit vergehen, ehe sich diese Entwicklung klären konnte. Um so wichtiger sei es, auf dem Westbalkan nach dem Rechten zu sehen, wobei es fürs erste darauf ankomme, „die serbischen Reste, die Montenegriner und eventuelle italienische Kräfte in Nordalbanien“ zu schlagen. Conrad hatte dabei zwei Stoßrichtungen im Auge. Eine Kraftgruppe unter dem kommandierenden General in BHD., GdI. Sarkotić, sollte „aus den Bocche di Cattaro über das Lovcengebiet auf Podgorica—Virpazar“ vorgehen, die 3. Armee unter Kövess von Berane und Djakova auf Podgorica und Skutari. An den Südflügel der Armee Kövess wünschte Conrad wieder die nach den Abmachungen vom 27. November für Südmazedonien bestimmte k.u.k. 57. ID. angeschlossen zu wissen, da die bulgarische 3. ID. zwar noch bei Djakova Prizren stand, aber keine Miene zu machen schien, sich dem GdI. Kövess zu unterstellen. Der erwünschte Tausch sei durch GFM. Mackensen schon angeordnet. Überdies hätten gleichzeitig mit dem Südflügel der k.u.k. 3. Armee „mindestens zwei bulgarische Divisionen von Debra Ohrida über Tirana—Elbasan vorzugehen, um die in Mittelalbanien befindlichen Serben und Italiener zu schlagen“. Dieses Vorgehen der Bulgaren in Mittelalbanien würde es
x) Vgl. hiezu G o 1 o v i n e, The Russian Army in the World War (in englischer Sprache, New Haven 1931), 222ff.
2) Falkenhayn, Heeresleitung, 182f.; Z w e h 1, 176f.
möglich machen, die Griechen zum Einmarsch in das ihnen vor allem durch Italien strittig gemachte Südalbanien zu veranlassen und so doch noch an die Seite der Mittelmächte zu ziehen. In nicht mißzuverste-hender Weise betonte Conrad, daß Kövess den Feldzug nach Montenegro und Nordalbanien unmittelbar nach den Weisungen der k. u. k, Heeresleitung zu führen, also aus dem Verbände der Heeresgruppe Mackensen auszutreten haben werde.
Zur selben Stunde, da dieses Schreiben abging, erhielt der Generalstabschef der k.u.k. 3. Armee, GM. Konopicky, unter Deckschrift eine Depesche Conrads, von deren Inhalt er nur seinem Armeeführer, nicht aber dem Heeresgruppenkmdo. Mackensen Mitteilung machen durfte. Sie besagte nach einer allgemeinen Anweisung über die geplante Kriegshandlung, daß beabsichtigt sei, „die einheitliche Leitung dieser Operation dem 3.Armeekmdo. zu übertragen“ und hiezu diesem auch den GdL Sarkotić mit den an der Westgrenze Montenegros aufmarschierenden Truppen zu unterstellen. In den Bocche di Cattaro werde bis in die ersten Jännertage das XIX. Korps, FML. Trollmann, mit 33 Bataillonen und 20 schweren Batterien aufmarschiert sein; zur selben Zeit werde östlich von Trebinje Sarkotić beiläufig zwei Brigaden versammelt haben. Da laut Meldung des 3. Armeekmdos. wegen der unvermindert fortdauernden Behinderungen im Nachschub aus der wirksamen Richtung von Nordosten her nur wenige Brigaden die Offensive bis an den Skutarisee vorzutragen vermöchten, das Gesamtunternehmen aber keinem Rückschlag ausgesetzt werden dürfe, sei es zweckmäßig, die an der Nordfront von Montenegro nicht verwendbaren Kräfte allmählich an die auf eine kürzere Nachschublinie gestützte Westfront Cattaro—Trebinje abzugeben; dafür sollten die 10. GbBrig. und die Brigade Hausser der 62. ID. zur 3. Armee übertreten.
Des weiteren teilte Conrad mit, daß das 3. Armeekmdo., sobald — voraussichtlich von Ende Dezember an — die Bahnlinie Skoplje—Priština—Mitrovica für den Nachschub benützbar sein werde, anzustreben habe, drei Brigaden (59. ID. und 21. LstGbBrig.) über Ipek und Rožaj möglichst weit gegen Podgorica vorzutreiben. Auch müsse getrachtet werden, „mit der 57. ID. aus der Linie Djakova—Prizren in der allgemeinen Richtung auf Skutari vorwärts zu kommen“. Dagegen werde es von der Einrichtung des Nachschubes abhängen, ob sich auch von Bijelopolje über Kolašin Kräfte der Offensive anzuschließen haben würden.
Falkenhayn, in Berlin von der Entschlußfassung für Verdun stark in Atem gehalten, antwortete auf Conrads Schreiben vom 16. erst drei
Tage später. Er nahm von ihrem Hauptinhalt, den Offensivplänen gegen Montenegro und Nordalbanien, nur in einem Nebensatz Notiz, und zwar in einem Zusammenhang, der Conrad wenig befriedigen konnte. Von der Salonikifrage ausgehend, teilte er Conrad mit, daß die Klärung des Verhaltens der Griechen, sosehr er daran arbeite, nicht vor Anfang Jänner zu erhoffen sei. Selbst für den Fall, daß es wegen der Haltung der Griechen nicht mehr zu einem Angriff auf Saloniki komme, könnten deutsche Balkantruppen frühestens Mitte Februar für einen anderen Kriegsschauplatz verfügbar werden. Nun dränge aber die „sehr hohe Beanspruchung“ der deutschen Front nördlich des Pripiatj auf eine Erleichterung hin. Die im Banat stehenden deutschen Divisionen seien für die Westfront, gegen die Ententearmee Sarrail oder zum Niederhalten Rumäniens bestimmt. Es sei daher dringend geboten, daß die in der Note vom 11. erbetenen zwei öst.-ung. Divisionen der DOHL. zur Verfügung gestellt würden, „und zwar wenn nötig unter Verzicht auf die ... Offensivpläne gegen Montenegro und Albanien“.
Conrad antwortete noch am selben Tage, am 19. spät abends. Inhalt und Abfassung des Telegramms verraten starke Verstimmung. Die Mahnung wegen der zwei öst.-ung. Divisionen beantwortete der Generaloberst damit, daß er Falkenhayn die zwei deutschen Divisionen der Südarmee samt den Stäben der Generale Bothmer und Marschall zur Verfügung stellen werde, womit angedeutet war, daß Österreich-Ungarn fürderhin auf eine Mitwirkung deutscher Kräfte bei der Verteidigung Ostgaliziens überhaupt nicht mehr rechne. Um so entschiedener erklärte Conrad, auf die Fortführung der Offensive gegen Montenegro „selbstverständlich“ nicht verzichten zu wollen. Da im übrigen Falkenhayn auf die Ausführungen vom 16. „keine sonstigen Bemerkungen“ für nötig gehalten habe, werde Mackensen von Teschen aus ungesäumt über die Aufgabe unterrichtet werden, die GdI. Kövess nach den „direkten Weisungen“ der k.u.k. Heeresleitung durchzuführen haben werde, wobei allerdings „hinsichtlich des Einklanges mit Aktionen der bulgarischen Westgruppe1) und hinsichtlich Nachschubes“ das Einvernehmen mit der Heeresgruppe Mackensen aufrecht zu erhalten sei.
Des anderen Morgens gingen, ohne daß eine neuerliche Antwort Falkenhayns abgewartet wurde, die Weisungen in diesem Sinne an die Generale Kövess und Sarkotić sowie eine entsprechende Verständigung an Mackensen ab.
Darunter sind die gegen Tirana—Elbasan gewiesenen bulgarischen Kräfte zu verstehen.
Wenige Stunden später, am 20. nachmittags, langte wieder eine Depesche Falkenhayns ein, der sich nun doch beeilt hatte, zu den Absichten Conrads auf dem Westbalkan näher Stellung zu nehmen. Er erklärte, der Abtrennung der Armee Kövess von der Heeresgruppe des GFM. Mackensen umsoweniger zustimmen zu können, als dazu nach den bestehenden Vereinbarungen noch das Einverständnis der bulgarischen Heeresleitung eingeholt werden müßte. Wohl habe er — vorausgesetzt, daß die dadurch gebundenen Kräfte nicht anderwärts besser verwendet werden könnten — gegen „die offensive Ausübung des der 3. Armee übertragenen Flankenschutzes durchaus kein Bedenken“, aber es sei dabei doch notwendig, den Zusammenhang des militärischen Vorgehens auf dem Balkan „nicht nur durch ein Einvernehmen zwischen den führenden Generalen, sondern vielmehr durch die Aufrechterhaltung der seinerzeit fest vereinbarten Oberleitung“ zu wahren. Er könne sich nicht gut vorstellen, wie Bulgarien im gemeinsamen Rahmen zu halten sein werde, wenn sich Österreich-Ungarn „derartig wenig an ihn“ binde.
Am Schlüsse des Telegramms kommt Falkenhayn auf das Anbot, die zwei Divisionen Bothmers zurückzustellen, zu sprechen. Er wäre damit wohl sehr einverstanden, fürchte aber von einer solchen Maßnahme eine „wenig willkommene“ Rückwirkung auf die Rumänen und zumal auch auf die Russen, bei denen es ohnehin nicht an Anzeichen für neue Offensivabsichten gegen Lemberg fehle. Er bitte daher doch, „der deutschen Heeresleitung statt der deutschen Teile der Südarmee entsprechende öst.-ung. Verbände überweisen zu wollen“, diese würden „bei der Heeresgruppe Prinz Leopold eingesetzt,... von wo die abgelösten deutschen Teile an die bedrohten Stellen der Heeresgruppe Hindenburg verschoben werden sollen“.
In einem Nachtragstelegramm desselben Tages kam der deutsche Generalstabschef noch auf Conrads Zweifel wegen der bulgarischen
3. Division zu sprechen. Er wisse bestimmt, daß die Bulgaren willens seien, die Division völlig zur' Armee Kövess übertreten zu lassen; nur könne die neue Befehlsgliederung erst in Kraft treten, „nachdem der Aufmarsch für die neue Operation vollzogen sein“ werde1). Dagegen würde die bulgarische Heeresleitung gegen einen Austausch der k.u.k.
57. ID. mit der bulgarischen 3. doch wohl Bedenken erheben.
Conrad beeilte sich abermals, Falkenhayn noch am selben Abend
1) Welcher „Aufmarsch“ da gemeint ist, ist nicht ganz verläßlich festzustellen; am ehesten doch wohl der der k.u.k. 3. Armee als Flankenschutz der Heeresgruppe Mackensen.
eine Drahtantwort zukommen zu lassen. Er beharrte, was die Armee Kövess anlangte, bei seiner Lösung, die ihm auch den sichersten Flankenschutz für die Heeresgruppe Mackensen verspreche. Sicherlich sei es aber nötig, daß sich die Westgruppe der Bulgaren beteilige, ,,weil ohne dieses Vorgehen Retablierung und Versammlung der Serben und Versammlung italienischer Kräfte in Albanien ungestört vor sich gehen würden“, woraus den verbündeten Streitkräften in Mazedonien eine schwere Gefährdung erwachsen könnte. Auch Griechenland sei aufzufordern, sich am Feldzug gegen Albanien zu beteiligen und so einem Vordringen Italiens im Süden des Landes einen Riegel vorzuschieben. Das Heranziehen der k.u.k. 57. ID. an die 3. Armee müsse er bei dem unklaren Verhalten der bulgarischen Heeresleitung jedenfalls ins Auge fassen, doch sei eine Abänderung dieses Entschlusses ohne weiteres mög lieh, wenn Bulgarien eine für den Gebirgskrieg geeignete und ausgerüstete Division beistelle. Dagegen verhielt sich Conrad gegenüber dem Antrag Falkenhayns, für die deutsche Ostfront doch lieber statt der deutschen Divisionen Bothmers zwei öst.-ung. bereitzustellen, entschieden ablehnend. Während seine unmittelbare Umgebung geneigt gewesen wäre, Falkenhayn recht zu geben, erklärte Conrad diesem, daß die Bedenken, die gegen eine Schwächung der ostgalizischen Front zweifellos sprächen, bei einer Wegnahme öst.-ung. Truppen nicht geringer seien als beim Abziehen deutscher Kräfte.
Nun kam bei Falkenhayn der Groll, der sich schon seit längerem in beiden Generalen gegeneinander angesammelt hatte, fast eruptiv zum Ausbruch. Der erste Teil der Depesche, die am 22. nachmittags dem Draht überantwortet wurde, hatte den Wortlaut:
„Nach unseren festen schriftlichen Vereinbarungen sind Eure Exzellenz einseitig weder berechtigt, über die Operationen der Heeresgruppe Mackensen Bestimmungen zu treffen, noch überhaupt an die Heeresgruppe Verfügungen von Bedeutung ergehen zu lassen. Ein solches Verfahren widerspricht aber auch ebensosehr den Forderungen gedeihlichen Zusammenwirkens der Heeresleitungen, auf dem allein das Schicksal unserer Dynastien und Völker beruht, wie den Ansprüchen, die die deutsche Heeresleitung nach dem, was sie unter besonderer Berücksichtigung dortiger Interessen bisher getan hat, zu stellen befugt ist. Ich bedaure daher tief, gezwungen zu sein, gegen die Maßnahmen Eurer Exzellenz in diesem Falle förmliche Verwahrung einlegeii» zu müssen.“ Ließ diese feierliche Erklärung an Schärfe wahrlich nichts zu wünschen übrig, so wurden die Gefühle Conrads durch den Schlußsatz der
Depesche, in welchem Falkenhayn wieder, wie schon des öfteren, sein Mißtrauen gegen die Widerstandsfähigkeit öst.-ung. Truppen bekundete, kaum weniger schwer getroffen: „Wenn Eure Exzellenz meinen Anforderungen auf Gestellung von Ausgleich für die deutschen Kräfte bei Linsingen nur durch Herausziehen der deutschen Divisionen aus Galizien nachkommen zu können glauben, bin ich bei meiner Beurteilung der Gesamtlage gezwungen, die Anforderung hiemit zurückzunehmen.“
Obgleich diese unter Verbündeten nicht alltäglichen Ausfälle in Teschen so aufgefaßt wurden, wie sie gemeint waren, bemühte sich Conrad doch, seine wenige Stunden später abgehende Drahterwiderung möglichst sachlich zu halten1). Er wies zunächst darauf hin, daß für das Vorgehen der Heeresgruppe Mackensen zwei schriftliche Vereinbarungen abgeschlossen worden seien, eine vom 6. September für die Operationen gegen Serbien und eine vom 27. November für die Operationen gegen die Ententetruppen in Mazedonien. Beide Vereinbarungen hätten sonach nur für umgrenzte Aufgaben Mackensens gegolten, deren zweite mit dem Rückzug Sarrails hinter die griechische Grenze umsomehr als erfüllt betrachtet werden müsse, als die Frage eines Grenzübertrittes durch die Verbündeten auf unbestimmte Zeit offenbleiben werde. Wohl sei der Angriff gegen Montenegro und Nordalbanien in jenen letzten Vereinbarungen nicht vorgesehen gewesen, doch halte sich die Aufgabe, die dabei der k.u.k. 3.Armee zufallen werde, durchwegs im Rahmen der ihr als rechtem Flügel der Heeresgruppe Mackensen übertragenen Pflichten. Allerdings fordere die Eigenart dieser Aufgabe sowie die Nötigung, die Truppen in BHD. dem GdI. Kövess zu unterstellen, diesen wieder unmittelbar an die Verfügungen der k.u.k. Heeresleitung zu weisen. Doch werde durch eine solche Maßnahme die Kriegführung auf dem Balkan sicherlich bedeutend weniger beeinflußt, als sie es etwa
durch das Abziehen von sieben deutschen Divisionen worden sei, die
seinerzeit, während des Feldzuges in Serbien (S. 311, 326), Falkenhayn ohne Verständigung Tescfiens verfügt hatte.
„Trotz der Verwahrung Eurer Exzellenz“, führt Conrad weiter aus, „kann ich nicht einsehen, weshalb hiedurch das gedeihliche Zusammen-
x) Die Urentwürfe Conrads, in der Regel von ihm selbst geschrieben, sind viel
fach nicht mehr erhalten. Meist liegen „Reinkonzepte“ in Schreibmaschinenschrift vor, aus denen nicht erkannt werden kann, inwieweit andere Persönlichkeiten an der Entstehung des b^reffenden Dokumentes mitbeteiligt waren. Gewiß ist, daß der Chef der Operationsabteilung, GM. Metzger, seinen Einfluß stets im mildernden Sinne wirksam werden ließ (Mitteilung von ehemaligen Angehörigen der Operationsabteilung; vgl. auch C r a m o n, 45).
wirken der beiden Heeresleitungen leiden sollte, die in diesem Existenzkampf unserer Reiche gegenseitig aufeinander angewiesen sind. Daß die deutsche Heeresleitung über stärkere Kräfte verfügt als das k.u.k. AOK., ist eine feststehende Tatsache, deren wiederholte Betonung seitens Eurer Exzellenz nichts daran ändert, daß wir beide stets unser Äußerstes für die Erreichung des gemeinsamen Zieles angesetzt haben und ansetzen müssen.“
Suchte solcherart Conrad den Vorwürfen Falkenhayns in möglichst maßvollen Worten zu begegnen, so blieb er in der Sache bei seinen Anschauungen und Maßnahmen. Auch die k.u.k. 57. ID. müsse er, hieß es, nun auf Grund von Meldungen seines bei den Bulgaren eingeteilten Verbindungsoffiziers endgültig an den Südflügel der 3. Armee heranziehen. Weitere Sätze der Depesche galten dem Verhalten Bulgariens im allgemeinen. Falkenhayn hatte in seinem letzten Telegramm bezweifelt, daß die Bulgaren an einem Winterfeldzug in Albanien teilnehmen würden; er bezeichnete auch ein Abziehen stärkerer bulgarischer Kräfte von der griechischen Grenze für so lange als unzweckmäßig, solange nicht die Entscheidung über die Lage vor Saloniki gefallen sei. Diesen Bemerkungen gegenüber meinte Conrad, Bulgarien werde jede weitere Teilnahme an den Balkankämpfen lediglich von den Gebietszugeständnissen abhängig machen, in die man über den Vertrag vom 6. September hinaus etwa einwilligen wolle. In dieser Hinsicht käme Mittelalbanien in der Richtung auf Durazzo, vielleicht auch Südmazedonien in Betracht, wobei man allerdings auch an Griechenland denken müsse.
Mit einigen Worten streifte der Generaloberst schließlich noch die Aussichten einer Fortführung des Feldzuges gegen Saloniki. Gegen die Entente allein würden, meinte er, sechs bulgarische und dreieinhalb deutsche Divisionen ausreichen; träte Griechenland an die Seite des Vielverbandes, dann würden sogar die drei noch in Südungarn stehenden deutschen Divisionen keinen genügenden Kraftzuwachs zu den eben erwähnten Heereskörpern bilden.
Falkenhayns Verzicht auf die zwei deutschen Divisionen in Ostgalizien bestätigte Conrad, seinen Groll unterdrückend, mit der Wendung: „Für das Zurückziehen der Anforderung von zwei Infanteriedivisionen an die DOHL. sage ich Eurer Exzellenz verbindlichen Dank. Wir werden um so sicherer in der Lage sein, einen eventuellen russischen Angriff, der sich voraussichtlich gegen die Front in Galizien und in der Bukowina richten würde, verläßlich abzuwehren.“
Mochte Falkenhayn vielleicht noch gehofft haben, durch seine scharfen Worte seinen öst.-ung. Amtsgenossen zur Zurücknahme seiner Weisungen an Kövess zu veranlassen, so mußte ihn diese Antwort um so stärker enttäuschen.
„Falkenhayn war entrüstet,“ schreibt Cramon in seinen Erinnerungen1), „das Vorgehen Conrads wurde von ihm als Vertragsbruch aufgefaßt und auch in Sofia klipp und klar als solcher bezeichnet. Er rief mich nach Oderberg2) und sagte mir ohne Umschweife, er hätte kein Vertrauen mehr zum AOK. und wäre zu seinem Bedauern auch nicht mehr in der Lage, die Handlungsweise der Österreicher den Bulgaren gegenüber zu verteidigen. Ich warf ein. daß die Fortführung des bisher so erfolgreichen Krieges ohne das persönliche Zusammenarbeiten der beiden Chefs undenkbar wäre. Falkenhayn pflichtete mir bei, verharrte aber auf seinem Standpunkte, daß ein gedeihliches Zusammenarbeiten ausgeschlossen wäre. Es bliebe meiner Geschicklichkeit überlassen, die Sache wieder einzurenken.“
Der -persönliche Zwist zwischen Conrad und- Falkenhayn
Wenn solcherart um die Jahreswende 1915/16 der Draht zwischen den beiden Generalstabschefs gerade in den für die Kriegführung bedeutungsvollsten Wochen völlig riß, so reicht der Anlaß an sich doch wohl kaum hin, dieses für die gemeinsame Sache so abträgliche Ergebnis ganz zu erklären.
Conrads Streben, bei der Ungeklärtheit der Salonikifrage wenigstens auf dem Westbalkan einigermaßen reinen Tisch zu schaffen, muß — zumal aus dem Blickfeld dessen, was sich später auf diesem Kriegstheater begab — als berechtigt anerkannt werden. Die Lage auf dem Westbalkan war für Österreich-Ungarn und seine südöstlichen Provinzen, namentlich seit Italien sich anschickte, in Albanien stärker Fuß zu fassen, unerträglich geworden. Die Flankenstellung, die hier, an der Ostküste der Adria, der Feindbund noch innehatte, mußte aber auch für die mazedonische Front des Vierbundes zu einer schweren und andauernden Bedrohung werden, durch die jedenfalls weit mehr Kräfte gebunden worden wären, als sie das durch Rumänien im Rücken bedrohte Bulgarien hätte beistellen können. Daher vermochte auch Falken-
J) Cramon, 45.
2) Grenzstation nördlich von Teschen, die Falkenhayn nach kurzem Aufenthalt in Pleß, ohne mit Conrad zusammenzutreffen, auf einer Fahrt nach dem Balkan durchfuhr.
hayn, sosehr er seit geraumer Zeit nur mehr mit halbem Herzen zum Balkanfeldzug stand, die Berechtigung der Pläne Conrads nicht grundsätzlich in Abrede zu stellen; er mußte zubilligen, daß sie auch den Bedürfnissen der Heeresgruppe Mackensen gerecht wurden. Um so schwerer ist es zu verstehen, warum er trotzdem fortdauernd zögerte, seine uneingeschränkte Zustimmung zu geben, und sogar vorübergehend mit dem Vorschlag herausrückte, Conrad möge gegebenenfalls, um für Abwehrzwecke an der russischen Front ein paar Divisionen zuverlässig freimachen zu können, auf das montenegrinische Unternehmen ganz verzichten.
Bei den seit längerem schon recht gespannten persönlichen Beziehungen der beiden Männer war es nicht zu verwundern, daß Conrad Verdacht schöpfte, Falkenhayn wolle durch ein hinhaltendes Verfahren den Angriff gegen Montenegro unmöglich machen. Zudem begann die Zeit zu drängen. Bis zum Frühjahr war es nur mehr drei oder vier Monate hin, und der Krieg machte Anstalten, aus den Tälern und Felswüsten des Balkans wieder auf einen der Hauptschauplätze zurückzukehren. Selbstverständlich mußte dann von allen Fronten, an denen nicht die Entscheidung lag, jeder irgendwie entbehrliche Mann abberufen werden. Dies galt auch für die öst.-ung. Streitkräfte auf dem Balkan, denen vorher noch die Eroberung Montenegros und Albaniens zugedacht war. Die Frist, die der Ausführung dieses Unternehmens gesetzt war, schien also schon recht kurz bemessen. Ein weiteres Versäumnis von auch nur ein paar Tagen konnte es ganz in Frage stellen.
In dieser Bedrängnis entschloß sich Conrad, den gordischen Knoten kurzerhand zu durchhauen. Er trennte die Armee Kövess, deren Truppen er für die Eroberung Montenegros benötigte, von der Heeresgruppe Mackensen los und riß damit das uneingeschränkte Verfügungsrecht über diese Kräfte an sich. Daß der bevorstehende Feldzug auf solche Weise ein ausschließlich öst.-ung. Unternehmen wurde, konnte zugleich der ohnehin stark gesunkenen Geltung des Habsburgerreiches bei den Balkanvölkern nützen.
Wie sich Falkenhayn in Wirklichkeit zu den Balkanplänen Conrads gestellt haben mochte, ist aus den vorhandenen Akten kaum zuverlässig zu erkennen. Sicherlich stand er dem auch aus dem Schriften Wechsel über eine Offensive gegen Italien erkennbaren Streben Conrads, den überragenden Einfluß der DOHL. auf die Gesamtkriegführung etwas abzuschütteln, grundsätzlich mißtrauisch und abgeneigt gegenüber. Seine eigenen Entschlüsse für 1916 lagen damals schon ziemlich fest. Deutschland sollte alle verfügbaren Kräfte nach dem Westen führen, wohin das Schwergewicht der Kriegführung zu verlegen war. Dem öst.-ung. Heere war in diesem Konzept lediglich die bescheidene Rolle zugedacht, an anderen Fronten, zumal gegenüber Rußland, so viel wie möglich deutsche Divisionen abzulösen. Im Zusammenhang mit diesen Erwägungen, die er seinem öst.-ung. Kollegen bisher freilich nur ganz flüchtig angedeutet hatte, sah er alle Pläne Conrads mehr oder minder scheelen Auges an. Dies galt vor allem für Conrads Absichten gegenüber Italien. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß Falkenhayn aus dieser Einstellung heraus und aus anderen Gründen auch den Balkanplänen des Bundesgenossen abgeneigt war. Traf dies zu, dann hat er allerdings versäumt, es Teschen mit der gebotenen Deutlichkeit wissen zu lassen. Seine hinhaltende, undurchsichtige Art forderte im Gegenteil Conrads eigenwilliges Handeln geradezu heraus.
Im übrigen war der k.u.k. Generalstabschef in seiner Depesche vom 22. bemüht, auch das förmliche Recht zu seinem Tun nachzuweisen. In der Tat läßt sich weder aus den Abmachungen vom 6. September (S. 10) noch aus denen vom 27. November (S. 567) einigermaßen schlüssig ableiten, daß die Unterstellung der k.u.k. 3. Armee unter das Heeres-gruppenkmdo. Mackensen sozusagen auf unbegrenzte Dauer gedacht war. Nicht zu Unrecht erinnerte Conrad hiebei an die Beispielsfolgerung, die sich in diesem Belange schon aus der vor etlichen Wochen durch Falkenhayn verfügten Zurückführung deutscher Divisionen hinter die Donau ergeben hatte.
Der Hinweis Falkenhayns auf das ungünstige Vorbild, das die k.u.k. Heeresleitung mit ihrem selbständigen Vorgehen der bulgarischen gäbe, war selbstverständlich schon gar nicht geeignet, Conrad zum Einlenken zu bewegen. Diesen hatte es schon früher immer schwer verstimmt, wenn Falkenhayn die Großmacht Österreich-Ungarn mit dem Mittelstaat Bulgarien militärisch auf eine und dieselbe Stufe stellte1).
Mit alldem soll gewiß nicht gesagt sein, daß dem scharfen Vorgehen der k.u.k. Heeresleitung der Vorzug gegenüber einer einvernehmlichen Lösung zuzugestehen gewesen wäre. Die ganze Entwicklung war vielmehr tief zu bedauern; sie hatte ihren wohlgemessenen Anteil an dem Verhängnis von 1916. Aber es ist doch zu vermerken, daß in den eben geschilderten Eingriffen Conrads in die Balkankriegführung höchstens der Anlaß, gewiß aber nicht die Ursache für den Bruch zwischen den beiden Männern zu erblicken ist. Längst schon hatten sich bei der
!) Cramon, 33.
Zusammenarbeit der Generalstabschefs den sachlichen Meinungsverschiedenheiten, die sich bei der Vielfältigkeit der Aufgaben gewiß auch unter anderen Verhältnissen nicht hätten vermeiden lassen, scharfe persönliche Gegensätze beigesellt, die in der tiefgreifenden Verschiedenheit der Charaktere ihren Ursprung hatten. In einer solchen Atmosphäre hätte begreiflicherweise jeder beliebige Anlaß genügt, zu einer Entladung der angesammelten Spannungen zu führen. Dieser Augenblick war für Falkenhayn in den letzten Tagen vor Weihnachten 1915 eingetreten, in einer Zeit, in der er selbst durch seinen Entschluß zum Angriff bei Verdun die weitere Kriegführung der Mittelmächte, ohne den Bundesgenossen befragt zu haben, viel stärker festgelegt hatte, als es durch die gleichzeitigen, sachlich gewiß nicht zweckwidrigen Maßnahmen Conrads auf dem Balkan geschehen war.
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A Albrecht Theodor, Obstlt. 129 Ambrózy v. Seden Georg, Oblt. 623 Alexander ThronfolgerPrinzregent von Serbien 282, 297, 334, 579, 585 Alexejew Michael Wassil-jewitsch, russ. GdI. 54, 93, 94, 96, 166, 560, 561, 562, 582, 583, 584, 585 Aosta Vittorio Emanuele Filiberto di Savoia, duca di, ital. GLt. 388, 400, 518 Arz v. Straussenburg Artur, GdI. 132, 147, 172, 173, 555 B Bauer v. Bauernthal Viktor, GM. 535 Baumann Joseph, Obstlt. 170 Bax-Ironside Sir H. G. O., brit. Gesandter in Sofia 200 Békési Adalbert, Obstlt. 105, 106, 122 Below Ernst v., preuß. Obst. 257, 258, 262, 280, 302, 306 Below Otto v., preuß. GdI. 94, 543 Beneckendorff, s. Hinden- burg Beneš v. Czerchow Viktor, Obst. 526, 547, 557 Benigni in Müldenberg Siegmund Ritt, v., FML. 52, 67, 73,86, 87, 88, 97, 98, 99, 100, 105, 106, FZM. 123, 147, 172 Bernatsky Kornelius, Obst. 465 |
Berndt Otto, GM. 64, 65, 74, 75, 76, 78, 85, 112, 114, 118, 134, 135, 136, 137, 138, 139, 140, 179 Bertotti Emilio, ital. GM. 579 Bethmann-Hollweg Theobald v., Dr., deutscher Reichskanzler 5, 10 Birkenhain Julius Ritt, v., GM. 101, 124, 125 Bissingen und Nippenburg Ferdinand Gf. v., FML. H6 Blechinger Ferdinand, GM. 327, 328, 329, 330, 331, 332, 572 , Blum Joseph, GM. 71, 87, 99, 554 Bogat v. Kostanjevac Stephan, FML. 374 Böhm-Ermolli Eduard v., GdK. 12, 51, 58, 66, 68, 69, 85, 86, 89, 90, 91, 92, 101, 102, 103, 107, 108, 109, 111, 125, 126, 131, 132, 133, 141, 142, 147, 149, 151, 152, 157, 163, 170, 171, 179, 533, 546, 547, 548, 550, 552, 555, 557 Bojadjieff Kliment, bulg. GLt. 227, 239, 288, 326, 567 ^ Bojovic Petar, serb. Gen. 577 Bolla v. Csáford-Jobbaháza I Gedeon, Obst. 253, 277, 296 Bolzano Edl. v. Kronstätt Heinrich, Obst. 52,58,67, 68, 71, 97, 98, 99, 100, 129, 130, 147, 553, 623 Boroevic v. Bojna Svetozar, GdI. 8, 340, 349, 351, 354, 355, 379, 403, 409, 410, 435, 436, 443, 449, 464, 482, 495, 506, 512, 513, 623 |
Bothmer Felix Gf. v., bayr. GdI. 52, 58, 66, 67, 68, 72, 86,88, 89, 92, 97, 98, 100, 101, 103, 108, 110, 600, 601 Bratianu Jonel, rum. Ministerpräsident 6, 194, 528 Bredow Anatole Gf. v., preuß. GLt. 543, 545 Briand Aristide, franz. Ministerpräsident 583 Brückner Johann, Obst. 446, 472 Brudermann Adolf Ritt. v. FML. 86, 87, 99, 100 Brunfaut Alexander de, Obst. 426 Brussilow Alexej Alexan-drowitsch, russ. GdK. 54, 55, 60, 64, 70, 75, 76, 78, 93, 96, 113, 120, 133, 134, 140, 143, 144, 148, 149, 150, 155, 156, 164, 167, 169, 170, 171, 178, 179, 526, 529, 539, 542, 555, 561, 562 Burián v. Rajecz Stephan Baron, Minister des Äußern 6, 10, 589 Cadorna Luigi conte, ital. GLt. 194, 345, 346, 368, 373, 378, 380, 384, 385, Capello Luigi, ital. GLt. 424, 447, 472, 488 Conrad Edl. v. Heydendorf Julius, Obst. 500 |
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Conrad v. Hötzendorf Franz Freih., GO. 5, 7, 8, 9, 10,11, 12, 13, 14, 52, 61, 62, 64, 73, 74, 78, 80, 94,
607 Conta Richard v., preuß. GLt. 154, 160, 167, 168, 558 Cramon August v., preuß. GM. 9, 315, 524, 604 Csicserics v. Bacsány Maximilian, FML. 101, 102, 103 Czernin v. Chudenitz Ottokar Gf., k.u.k. Gesandter in Bukarest 523 Czibulka Klaudius, FML. 51, 66, 69, 70, 109, 110, 119, 123, 124, 126, 129, 147, 148, 170, 171 D - Dáni v. Gyarmata Adalbert, Obst. 190, 192, 200, 429, 472 Dáni v. Gyarmata Blasius, GM. 173 Dankl Viktor, GdK. 350, 379, 422, 444, 455 Domaschnian Georg, Obst. 505 Dominie Wilhelm v., Obst. 237, 238, 279, 295, 304, 331, 572 Dragomirow Abram Mi-chailowitsch, russ. Gen. 562 |
Drennig Franz, Obst. 405 Droffa Heinrich Edl. v., GM. 268, 270, 273, 283, 284, 296, 323 Durski v. Trzasko Karl Ritt., FML. 541, 557 E Ellison v. Nidlef Otto Ritt., Obst. 381 Enver Pascha, türk. Vizegeneralissimus 566 Erzberger Matthias, deutscher Politiker 5 Essad Pascha Toptani 565, 577 Eugen Erzherzog, GO. 347, 361, 410, 413, 481, 511, 517, 587, 589 Ewert Alexej Jermolaje-witsch, russ. GdI. 94, 559 F Fabeck Karl v., preuß. GdI. 526 Fabini Ludwig v., FML. 381 Falkenhayn Erich v., preuß. GdI. 3, 4, 5, 7, 8, 9, 11, 12, 94, 106, 107, 120, 127, 12S, 141, 142, 162, 164, 165, 182, 187, 191, 192, 229, 278, 281, 282, 289, 290, 292, 293, 298, 303, 310, 311, 313, 314, 315, 316, 334, 337, 338, 339, 340, 342, 483, 524, 545, 553, 555, 557, 558, 565, 566, 567, 569, 571, 585, 589, 590, 591, 592, 593, 594, 595, 596, 597, 598, 599, 600, 601, 602, 603, 604, 605, 606, 607 Falkenhayn Eugen v., preuß. GdK. 202, 212, 214,220, 285 Fath Heinrich, GdI. 541, 542 557 Felix Adalbert v., GM. 109, 124, 148 Ferdinand I. König der Bulgaren 195 Fernengel Johann, GM. 375, 376 Fey Emil, Hptm. 438 Fiebich-Ripke Rudolf, Obst. 411, 465 |
Fischer Gustav, Obst. 529, 530, 531, 532, 533 Fischer v.See Hugo,Obst. 218 Fleischmann Ignaz, GM. 72 Fleischmann v. Theissruck, Moritz, Hptm. 311 Fournier Pierre Victor, franz. Obst. 229 Franz Albin, Obst., 250, 251, 272, 283, 310 FJI 192, 432 French Sir John Denton Pinkstone, brit. FM. 582 Friedrich Erzherzog, FM. 141, 142, 428 Friedrich Wilhelm Kronprinz des Deutschen Reiches und Kronprinz von Preußen 595 Frugoni Pietro, ital. GLt. 388, 422, 462, 463, 472, 485, 487, 499, 500, 517, 518 Fülöpp Artur,FML. 192,215, 216, 228, 239, 240, 257, 258, 280 G Gabriel Theodor, FML. 378 Gallwitz Maximilian v., preuß. GdA., 189, 198, Gantscheff Peter, bulg. Obst. Garioni Vincenzo, ital. GLt. 473, 490 Gelb Edl. v. Siegesstern Karl, FML. 414, 430,431, 443 Geřabek Karl, GM. 397 Gerok Friedrich v., württ. GdI. 141, 153, 154, 155, GiardinaAntonino, ital.GM. 369 GillenschmidtAlexanderFe-dorowitsch v., russ. Gen. 55, 77, 83, 96, 116, 138, 139, 143, 154, 155, 167, 529, 532, 539, 540, 624 |
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Goglia Ferdinand, FML. 51, (39,90, 91, 104, 108, 109, 124, 125, 126, 149, 150, 151, 546, 550, 552 Goiginger Heinrich, FML. 211, 213, 223, 234, 308 Gojkovic Ilija, serb. Gen. 196 Goltz Colmar Freih. von der, preuß. GFM. und türk. Marsch. 289, 581 Göttlicher Karl, Obst. 82, 475, 506 Groener Wilhelm, württ. GM. 298 Gronau Hans v., preuß.GdA. 526, 539, 540 Grubić Milan, GM. 532 Grund Georg, Obstlt. 428 Günste Karl, Obst. 268 Gurko Wassili Jusefowitsch, russ. Gen. 184 H Haas Karl, GM. 80 Hadfy v. Livno Emmerich, FML. 172 Hamböck Raimund, Obstlt. 202 Hamilton Sir Jan Standich Montlith, brit. Gen. 193 Hansmann Adolf, GM. 534, 535, 536 Hassan Bei Priština, alban. Notabler 576 Hauer Leopold Freih. v., GdK. 140, 141, 142, 143, 153, 154, 155, 159, 160, 164, 167, 168, 169, 526, 532, 534, 540, 557 Hausser Heinrich, Obst. 397 Hausser v. Kapuvár Rudolf, Obst. 250, 251, 270, 273, 283, 327, 329, 574, 575, 598 Haustein v. Haustenau Heinrich, GM. 192, 200, 206, 211, 224, 233, 235, 245, 251, 255, 302, 304, 308, 328, 575 Hellebronth v. Tiszabeö Gustav, Obst. 214 Henriquez Johann Ritt, v., FML. 52, 59, 68, 73, 86, 87, 88, 97, 98, 99, 100, 105, 106, 122, 123, 147, 162, 172, 543, 544, 545 |
Ilentsch Richard, sächs. Obstlt. 188, 189, 191 Ilerberstein Herbert Gf., GM. 140, 141, 142, 143, Heydebreck Ernst Mennig v., preuß. GLt. 96, 153, 155, 159, 164, 169 Hiltl Joseph Ritt, v., Obst. 475 Hindenburg Paul v. Be-neckendorff u. v., preuß. GFM. 12, 54, 94, 128, 142, 160, 162, 183, 311, 526, 543, 591, 600 Hoen Maximilian Ritt, v., FML. 182 Hofmann Peter, FML. 52,58, 66, 67,68, 71, 72, 73, 86, 89, 97, 99, 100, 101, 103, 104, 105, 110, 119, 126, 127, 129, 130, 132, 147, 171, 174, 181, 553, 554 Hordt Theodor, FML. 124, 125 Horsetzky Edl. v. Hornthal Ernst, FML. 63, 77, 78, 79, 81, 169, 183 Hrozný Edl. v. Bojemil Joseph, GM. 209, 220, 223, 224, 233, 248 I Iswolskij Alexander Petro-witsch, russ. Botschafter in Paris 583 Iwanow Nikolaj Judowitsch, russ. GdA. 52, 54, 55, 56, 59, 66, 73, 75, 76, 93, 96,97, 122, 132,133, 156, 166, 167, 174, 175, 177, 179, 181, 182, 529, 539, 558, 559, 561, 562, 585 Januschkiewitsch Nikolai Nikolajewitsch, russ. Gen. 93 Jellenchich Richard, GM. 503 Jesser Moritz, GM. 106, 122 Joffre Joseph, franz. Gen. 4,193,196, 345, 346, 528, 561, 582, 583 |
Jordan - Rozwadowski v. Groß-Rozwadów Thaddäus Ritt., GM. 548, 550, 551, FML. 552 Joseph Erzherzog, GdK.403, 406, 407, 412, 413, 432, 440, 449, 480, 498, 507 JosephFerdinandErzherzog, GdI. 74, 75, 76, 77, 78, 82, 83, 84, 85, 111, 112, 113, 114, 115, 117, 118, 119, 121, 134, 135, 136, 137, 138, 139, 140, 142, 143, 144, 145, 146, 153, 156, 169, 179, 526, 533 Jurišic-šturm Pavle, serb. Gen. 196, 238, 334, 335 K Kaiser Julius, FML. 106,118, 557 Kaiser Edl. v. Maasfeld Franz, FML. 198, 204, 217, 237, 240, 243, 244, 279, 296, 304, 305, 327, 329, 330, 331, 332, 333 Keki Richard, GM. 533,534, 535 Kirchbach auf Lauterbach Johann Freih. v., GdI. 79, 80, 106 Kirchbach auf Lauterbach Karl Freih. v., GdK. 80, 82 Kitchener Horatio Herbert, viscount of Khartoum, brit. FM. 3, 570, 583 Kletter Ernst, FML. 406, 506 Koneczni Otto, Obst. 547, 548, 549 Konopicky Theodor, GM. 192, 229, 598 Konstantin I. König der Hellenen 14, 194, 200, 303, 342, 569 Korda Ignaz Edl. v., GdK. 88, 123, 147, 172, 558 Kornhaber v. Pilis Adolf, FML. 69 Kosak Ferdinand, FML. 132, 147, 148, 149, 150, 170, 547, 548, 549, 550, 551, 555 Kosch Robert, preuß. GLt. 320 Kövess v. Kövesshaza Hermann, GdI. 94, 95, 96, |
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161, 162, 192, 198, 199, 200, 211, 214, 221, 222, 223, 225, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 242, 245, 247, 249, 252, 254, 255, 256, 259, 260, 261, 266, 267, 273, 275, 279, 282, 285, 286, 288, 291, 297, 299, 300, 304, 317, 318, 319, 323, 326, 327, 328, 338, 567, 571, 572, 574, 575, 576, 597, 598, 599, 600, 601, 602, 604, 605 KrafFt v. Dellmensingen Konrad, bayr. GLt. 319, 320 323 Králiček Rudolf, FML. 63, 169, 176, 178 Krauss Alfred, FML. 354 Krauss Rudolf, FML. 547, 549 Krautwald v. Annau Joseph Ritt., FML. 404, 413 Křitek Karl, GdI. 154, 164, 169, 531, 532, 533, 534, 535, 536, 537, 538, 541 Kroupa Joseph, GM. 109, 119, 123, 124, 125, 126, 131, 147, 148 Kuczera Hugo, FML. 376 Kuhl Hermann v., preuß. GdI. 184 L Laguiche Pierre de, franz. BrigGen. 528, 561 Lauingen Wilhelm v., GM. 547 Lehmann Georg Edl. v., FML. 122, 556 Leopold Prinz von Bayern, bayr. GFM. 12, 94, 160, 162, 526, 600 - Lesch Leonid Wilhelmo-witsch, russ. GdI. 96 Letschitzki Platon Alexeje-witsch, russ. GdI. 55, 71,72,73,88, 97,98, 104, 106, 122, 123, 126, 171, 172 Leu Walter, preuß. Obst. 98, 100, 174 Liman v. Sanders Otto, preuß. GdK. und türk. Marsch. 4 Lindequist Artur v., preuß. GM. 52 |
Linsingen Alexander v., preuß. GdI. 141, 142, Lipošéak Anton, FML. 172 Lischka Emil, FML. 77, 537, 541 Lochow Ewald v., preuß. GdI. 216 Lörinczy Béla, Obst. 572 Ludendorff Erich, preuß. GLt. 12, 142 Lukachich v. Somorja Géza, GM. 407, 424, 440, 497 Lütgendorf Kasimir Freih. V., FML. 89,91, 109,148, 170, 171 Luxardo Eugen Edl. v., GM. 71, 72, 98, 99 M
Marschall Wolf Freih., preuß. GdK. 52, 58, 66, 67, 68, 70, 72, 73, 97, 98, 99, 100, 101, 103, 104, 105, 106, 107, 108, 109, 110, 119, 123, 124, 126, 129, 130, 147, 151, 171, 553, 554, 599 Martiny Hugo, FML. 81,83, 85,112,113,115,116,118, 119, 120, 134, 135, 136, 137, 138, 139, 144, 169, 170, 176, 180 Mecenseffy Artur Edl. v., FML. 81 |
Merten Eduard Edl. v., Obst. 136, 431 Méttelét Anatol, Obstlt. 207 Metzger Joseph, GM. 80, 155, 587, 588, 602 Millerand Alexandre, franz. Kriegsminister 3 Mischek Johann, Obst. 201 MišicŽivojin,serb.Woiwode 196, 197, 230, 238, 246, 248, 249, 254, 266, 267, 272, 276, 283, 285, 319, 322, 334, 335 Mrázek August, GM. 192, 200, 201, 211, 220, 224, 245, 251, 255, 260, 275, 304, 310, 572 Muhammed V. Kaiser der Osmanen 581 Müller Rudolf, Obst., 87, GM. 465, 479 N Napoleon I. 14, 183 Nava Luigi, ital. GLt. 379, 380, 381 Nicolis di Robilant Mario, ital. GLt. 381, 456 Nikola König von Montenegro 197 Nikolai Nikolajewitsch, Großfürst-Generalissimus 93, 581 Nikolaus II. 93, 166, 182, 194, 527, 528, 561, 579, 585 Nöhring Maximilian, GM. 426, 429, 504 Novak v. Arienti Guido, GM. 399, 438, 439 O Olbrich Alois, Obst. 548,549 P Paić Joseph Ritt, v., Obst. 80, 82 Paléologue Maurice, franz. Botschafter in Rußland 527 Panzenböck Karl, Obst. 214 Papp Daniel, Obstlt. 147,172 Paschen Konrad, preuß.GM. 530 Pašic Nikola, serb. Ministerpräsident 334 |
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Peter I. König von Serbien 297, 334, 341, 580 Peter Franz, Obstlt. 207, 210, 211 Pflanzer-Baltin Karl Freih. v., GdK. 52, 58, 59, 67, 72, 73, 78, 86, 87, 88, 97, 98,100,104,105,106, 122, 123, 127, 129, 130, 132, 133, 146, 147, 171, 173, 174, 525, 533, 557, 559 Pilar Stephan, Obst. 407 Pillepić v. Lippahora Rudolf, Obst. 130 Pitreich Anton Ritt, v., GM. 352, 354 Podhajský Alois, GM. 534, 536 Podhoránszky Eugen v., FML. 543 Poincare Raymond, Präsident der Franz. Republik 527 Poliwanow Alexej Andre-jowitsch, russ. GdI. 93 Pongracz de Szent-Miklós et Ovár Heinrich, GM. 204, 218, 231, 233, 235, 236, 245, 259, 267, 270, 273, 283, 284 Popovic Damljan, serb. Gen. 197, 322 Porro nob. dei conti di Santa Maria della Bicocca Carlo, ital. GLt. 582, 583 Potiorek Oskar, FZM. 5, 7, 187 Puhallo v. Brlog Paul, FZM. 13,51,52, 56, 57, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 73, 74, 77, 79, 80, 111, 112, 113, 114, 115, 117, 119, 150, 157, 169, 176, 177, 178, 179 Putnik Radomir, serb. Woi-wode 229, 230, 240, 254, R Radoslawoff Wassili, Dr., bulg. Ministerpräsident |
Repington Charles A’Court, brit. Obst. 184 Rerberg Fedor Sergeje-witsch, russ. Gen. 54, 78, 179 Rhemen zu Barensfeld Adolf Freih. v., GdI. 59, 67,68, 71, 72, 73, 87, 97,98, 100, 101, 103, 105, 122, 127, 129, 172, 173, 174 Ribaroff Nikola, bulg. GM. 258, 280, 288, 321 Robilant s. Nicolis Rohr Franz, GdK. 350, 374, 376, 377, 379, 395, 413, 439, 453, 454, 465, 466, 496, 502, 511, 513 Rollinger v. Rolleg Leopold, FML. 327, 330 Roth Joseph, GdI. 60, 61, 63,64, 74, 75, 76, 81, 82, 83, 112, 113, 143, 145, 176, 177, 381 Rozwadowski s. Jordan Rußki Nikolaj Wladimiro-witsch, russ. GdI. 54 Sacharow Wladimir Victo-rowitsch, russ. GdK. 559 Salandra Antonio, ital. Ministerpräsident 346 Sarkotić Stephan v., GdI. 8, 191,192,199, 243, 244, 304, 327, 328, 330, 331, 575, 597, 598, 599 Sarrail Maurice, franz. Gen. 193, 195, 196, 229, 239, 240, 241, 242, 259, 265, 280, 282, 288, 289, 295, 303, 309, 322, 340, 341, 565, 566, 567, 568, 569, 570, 576, 583, 597, 599, Sawiński Alexander Ale-xandrowitsch, russ. Gesandter in Sofia 200 Sawitsch Sergej Sergeje-witsch, russ. Gen. 54 Say Viktor, Mjr. 108 Schariczer v. Rény Georg, FML. 544 Scheuchenstuel Viktor v., FZM. 202, 212,213, 233, 246, 250, 260, 275, 302, 308 |
Schiess Karl, GM. 202, 250, 251, 272, 282, 283, 296, 304, 310, 325, 328, 571 Schilinski Jakow Grigorie-witsch, russ. GdK. 582, 584 Schmid Hugo, GM. 403 Schmidt Edl. v. Fussina Ignaz, FML. 118, 121, 139, 374, 398 Schmidt v. Georgenegg Albert, FML. 69, 91, 125, 147, 150, 151, 152, 547 Schmid tv.Knobelsdorf Konstantin, preuß. GLt. 595 Schneider Edl. v. Manns-Au Joseph, FML. 408 Schneller Karl, Obstlt. 585, 586, 587, 588, 589 Scholtz Friedrich v., preuß. GdA. 543 Schön Joseph, GM. 415, 432, 433, 434 Schönburg-Hartenstein Alois Fürst, FML. 86, 436, 465, 475, 481, 497 Schreitter v. Schwarzenfeld Franz Ritt., FML. 72, 99 Schreitter v. Schwarzenfeld Walter Ritt., GM. 466 Schtscherbatschew Dimitrij Gregoriewitsch, russ. GdI. 55, 70, 71, 97, 98, 104, 105, 106, 123, 124, 126, 150, 171, 559 Schuschnigg Artur Edl. v., Obst. 503 Schwarz Karl, GM. 191,202, 204, 205, 218, 219, 229, Schwarzenberg Felix Prinz zu, Obst. 374 Seeckt Hans v., preuß. GM. 229, 326 Sellner Edmund Edl. v., FML. 77 Škvor Franz, GM. 211, 308, 319 Smekal Gustav, FML. 56,61, 74, 75, 80, 82, 137, 138, 176, 535, 536 Šnjaric Lukas, FML. 205, 209, 250, 286, 307, 308, 319, 324 |
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Sonnino Sidney Baron, ital. Minister für ausw. Angel. 458 Soós v. Badok Karl, Obst. 402 Sorsich v. Severin Béla,FML. 192, 201, 202, 203, 218, 221, 231, 232, 241, 242, 245, 248, 249, 250, 251, 252, 253, 254, 256, 259, 261, 268, 270, 272, 277, 278, 282, 283, 284, 296, 301, 339, 573, 574 Spindler Edl. v. Narentafels Johann, Obst. 237, 279, 295 Stegemann Hermann, Geschichtsschreiber 14 Steiger Karl, GM. 624 Stelnitzki Stanislaw Felixo-witsch, russ. Gen. 65, 144 Stepanovic Stepan, serb. Woiwode 196, 334, 335 Stevanovic Nikola, serb. Obst. 582 Stöger-Steiner Edl. v. Steinstätten Rudolf, FML. 421 Stracker Karl, GM. 425 Streith Rudolf, GM.190,192, 198, 201, 202, 203, 217, 218, 221, 231, 241, 250, 251, 272, 282, 283, 296, 301, 304, 310, 325, 328, 571 Szurmay Alexander, FML. 51, 56, 57, 59, 60, 61, 63, 65, 74, 77, 79, 80, 112, 113, 114, 115, 117, 135, 139, 148, 150, 157, 159, 169, 176, 177, 178 T Tabajdi Koloman, GM. 129, 130 Tappen Gerhard, preuß. GM. 127, 595 Tassoni Giulio, ital.GLt. 421 Tersztyánszky v. Nádas Karl, GdK. 8, 188, 189, 190, 192 Teuš Isidor, Obst. 439 Tiszav. Borosjenö et Szeged Stephan Gf., ung. Ministerpräsident 5, 10,192 |
Todoroff Georgi, bulg. GM. 227, 337, 567, 568 Torino Vittorio Emanuele di Savoia Aosta, conte di, ital. GLt. 388 Tosti Amadeo, ital. Mjr. und Militärschriftsteller 457 Trollmann Ignaz, FML. 69, 91, 103, 107, 108, 109, 111, 124, 126, 147, 202, 204, 218, 219, 231, 233, 234, 236, 242, 246, 249, 250, 253, 259, 262, 267, 268, 272, 273, 274, 282, 283, 284, 296, 305, 308, 325, 598 Trubetzkoi G. Fürst, russ. Geschäftsträger am serb. Hofe 334 Tunk Eduard, GM. 81, 135, 136, 421 Turin s. Torino Urbarz Adolf, GM. 81, 83 V Vécsey Béla v., Obst. 547 Venizelos Eleutherios, griech. Ministerpräsident 14, 194, 195, 200, 342 Verdross Edl. v. Droßberg Ignaz, GM. 455 Viktor Emanuel III. 345 Vuchetich Lukas v., GM.243, 244, 329, 330, 572, 574 Vukadinovic Rafael, GM. 572, 574 \V Wächter Joseph, Obstlt. 129 Wasserthal Ritt. v. Zuccari Alexander, GM. 351 Wasserthal Ritt. v. Zuccari Konstantin, Obst. 421, 422, 502 Weber Edl. v. Webenau Viktor, FML. 329 Weeber Eduard v., Obst.411 |
Weljassew Leonid Nikola-jewitsch, russ. Gen. 116, 134, 135, 143, 155, 157, 158, 159, 164, 169, 179, 529, 539, 624 Wieden Edl. v. Alpenbach Heinrich, GM. 397, 419 Wielemans Maximilian Felix Eugen, belg. Gen. 582 Wiesner Friedrich Ritt, v., Gesandter 524 Wilhelm II. 9, 190, 194, 590, 591, 595 Wilhelm Fürst von Albanien, Prinz zu Wied 577 Willerding Rudolf Ritt, v., GM. 92 Wilson Sir Henry Hughes, brit. FM. 346 Winckler Arnold v., preuß. GLt. 320 Wolf Boleslav, Obst. 467 Wossala Ernst, GM. 397 Woyrsch Remus v., preuß. GO. 94, 95, 96, 160, 161, 526, 543, 544, 545 Wurm Wenzel, FZ M. 413, 506 Y Ybl Nikolaus Ritt, v., Obst. 202, 250 Z Zeidler Erwin, GM. 427, 446, 468, 472, 489, 505, 506 Zeiss Oskar, Obstlt. 493 Zhuber v. Okrog Alexander, Obst. 192, 243, 244, 279, 295, 327, 332, 572 Živkovic Petar, serb. Gen. Zygadłowicz Gustav Ritt, v., Obst. 551, 552 |
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I : Korps I. 51, 56, 57, 60, 61, 63, 64, 65, 74, 77, 79, 80, 113, 114, 115, 117, 135, 139, 148, 158, 557 II. 51, 60, 63, 64, 65, 74, 79, 80, 106, 118,148, 158, 557 III. 350, 351, 394, 403, 404, 406, 407, 408, 417, 434, 436, 443, 450, 451, 466, 474, 475, 476, 479, 484, 495, 497, 498, 512, 590 IV. 51, 66, 69, 70, 71, 85, 86, 89, 90, 91, 92, 101, 102, 109, 125, 126, 131, 132, 147, 148, 151, 152, 546, 547, 548, 550, 551 V. 51, 58, 59, 66, 69, 70, 71, 85, 86, 89, 90,91,92, 101, 102, 104, 107, 108, 109, 124, 125, 126, 131, 132, 148, 149, 150, 151, 152, 546, 547, 548, 549, 550 VI. 13, 14,78,107,119, 147, 151, 172, 173, 174, 181, 189, 191, 525, 545, 555, 557, 623 VII. 351,376, 390,391,394, 402, 404, 406, 407, 408, 412, 413, 414, 415, 417, 432, 434, 441, 442, 443, 444, 450, 451, 464, 465, 467, 474, 475, 476, 477, 478, 479, 480, 481, 482, 484, 492, 493, 494, 495, 496, 497, 498, 507, 508, 511, 526 VIII. 13, 88, 191, 192, 198, 200, 201, 202, 205, 206, 208, 209, 211, 213, 214, 219, 220, 222, 223, 224, 225, 228, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 244, 245, 246, 247, 248, 250, 251, 252, 253, 255, 260, 262, 264, 267, 269, 270, 271, 272, 275, 277, 278, 279, 285, 286, 287, 293, 295, 297, 299, 300, 301, 302, |
303, 304, 305, 307, 308, 310, 314, 317, 318, 326, 328, 334, 572, 573, 574, 575 577 IX. 51, 56, 57, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 74, 76, 77, 78,79, 82, 112, 113, 114, 115, 117, 118, 138. 139, 144, 148, 150, 155, 156, 158, 169, 170, 176, 177, 533 X. 51, 56,57,59,60,61,63, 64, 74, 75, 76, 77, 78, 81, 82,83, 85, 112, 113, 114, 116, 117, 118, 119, 120, 121, 134, 135, 136, 137, 138, 139, 140, 143, 144, 145, 154, 156, 157, 158, 169, 170, 176, 177, 178, 179, 180, 533, 557 XI. 88, 123, 147, 172, 173, 557 XII. 57,93, 94, 95, 96, 160, 161, 162, 192, 366, 543, 545 XIII. 52, 59, 67, 68, 71, 72, 73, 86, 87, 89, 97, 98, 99, 100, 101, 103, 104, 105, 106, 122, 127, 147, 172, 173, 174, 555, 558 XIV. 51, 56, 57, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 74, 75, 76, 78, 79, 82, 112, 113, 114, 115, 116, 118, 121, 138, 140, 143, 144, 145, 146, 154, 156, 158, 176, 177, 178, 179, 590, 623 XV. 7, 351, 360, 368, 373, 388, 389, 390, 392, 398, 400, 407, 413, 417, 421, j 422, 425, 435, 451, 454, | 465, 499, 502, 503, 509, 511, 513, 590 XVI. 7, 351, 360, 389, 390, 392, 394, 407, 413, 425, 427, 432, 434, 436, 441, 448, 451, 465, 467, 470, 472, 477, 483, 494, 495, 497, 504, 506, 507, 511, 512 XVII. 13, 14, 78, 84, 128, 129, 141, 143, 146, 154, |
157, 158, 159, 160, 164, 167, 169, 170, 180, 181, 189, 191, 526, 531, 532, 533, 535, 536, 537, 541, 556 XVIII. 51,66,69, 70,71,85, 86, 89, 90, 91, 102, 109, 110, 131, 147, 148, 149, 151, 170, 546, 555 XIX. 51, 66, 69, 70, 71, 85, 86, 89, 90, 91, 92, 102, 103, 104, 107, 108, 109, 124, 125, 126, 131, 132, 149, 190, 191, 198, 199, 200, 201, 202, 204, 205, 212, 218, 219, 221, 222, 223, 229, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 242, 244, 245, 246, 247, 248, 249, 250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 259, 260, 261, 262, 263, 266, 267, 268, 269, 272, 273, 274, 276, 277, 278, 282, 283, 284, 294, 296, 299, 300, 301, 304, 310, 314, 325, 328, 333, 339, 340, 572, 573, 598 Korps Benigni 52, 67, 73, 86, 87,88, 97, 98, 99, 100, 105, 106, 123, 147, 172 Korps Czibulka 51, 66, 69, 70 Korps Fath 542, 557 Korps Henriquez bzw. Hadfy 52, 59, 68, 73, 86, 87, 88, 97, 98, 99, 100, 105, 106, 122, 123, 147, 172 Korps Hofmann 52, 58, 66, 67, 68, 71, 72, 73, 86, 89, 97, 99, 100, 101, 103, Gruppe Kosak 147,148,149, 150, 170, 547, 548, 549, Gruppe Smekal 56, 61, 74, 75, 80, 82, 176 Gruppe Szurmay s. Szurmay (Personenverzeichnis) |
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KavKorps Berndt bzw. Herberstein bzw. Lehmann 64, 74, 75, 76, 85, 112, 114, 118, 134, 135, 136, 534 556 KavKorps Hauer 140, 141, II: K. u. k. I n f a n t e r ie-, k. k. Schützen (Lst.)-u n d k. u. H o n v é d-divisionen 1. 368, 374, 398 2. 57, 60, 61, 63, 65, 77, 78, 79,83,112,113, 115, 117, 118, 120, 121, 128, 135, 3. 51, 57, 60, 61, 63, 65, 77,78, 81, 112, 113, 115, 4. 56, 74, 82, 83, 85, 112, 5. 52, 73, 86, 98, 147, 483, 555 559 6. 14,’ 52, 73, 86, 87, 88, 99, 8. 349, 350, 381 9. 51,56, 57, 80, 114, 115, 559 10. 51,57,63,75,77,78,79, 81,115,138,139,156,158, |
158, 159, 160, 167, 168, 181, 526, 532, 540, 556 12. 14,56,57,107,123,127, 128, 129, 130, 132, 147, 151, 173, 181, 189, 199 13. Sch. 51, 57, 63, 64, 65, 75, 112, 113, 115, 116, 14. 51, 58, 69, 89, 90, 92, 101, 102, 103, 124, 131, 147, 151, 152, 550 15. 52, 59, 67, 68, 71, 72, 73, 87, 98, 104, 105, 106, 147, 173, 174, 555 16. 94, 95, 160, 161, 162, 543, 544, 545 17. 166, 229, 351, 394, 402, 404, 406, 407, 411, 412, 413, 414, 415, 417, 424, 430, 431, 432, 434, 436, 441, 443, 444, 450, 466, 467, 475, 477, 478, 479, 480, 481, 482, 483, 492, 493, 494, 496, 497, 498, 507 18. 397, 418, 425, 426, 438, 439, 465, 466, 474, 491 19. 52, 57, 58, 66, 68, 72, 97, 99, 106, 107, 108,110, 126, 127, 147, 171 20. H. 351, 389, 391, 401, 402, 404, 406, 407, 408, 409, 413, 414, 424, 430, 431, 434, 436, 440, 443, 449, 465, 466, 476, 482, 483, 494, 495, 496, 497, 498, 508 21. Sch. 51, 56, 57, 60, 61, 63, 65, 76, 77, 79, 81, 112, 113, 115, 116, 118, 119, 120, 121, 135, 137, 138, 139, 140, 143, 144, 145, 156, 158, 169, 170, 179, 189, 525, 526, 532, 533, 534, 541, 542, 556, 557 22. Sch. 350, 351, 376, 394, 408, 412, 413, 424, 430, 431, 432, 433, 434, 436, 441, 443, 466, 477, 479, 483, 498, 507, 508 24. 51, 56, 63, 75, 79, 81, 85, 112, 113, 114, 115, 116, 121, 134, 135, 137, |
138, 140, 141, 144, 145, 158, 176, 179, 557 25. 51, 61, 77, 79, 80, 82, 89, 91, 112, 114, 115, 118, 148, 149, 150, 543, 557 26. Sch. 51, 57, 65, 74, 75, 76, 77, 79, 115, 117,118, 120, 125, 128, 132, 133, 147, 149, 150, 151, 171, 176, 178, 525, 533, 536, 537, 546, 548, 557 27.51, 70, 71, 89, 92, 109, 125, 126, 129, 131, 132, 147, 148, 149, 547, 548 28. 350, 351, 376, 408, 412, 495, 496, 498, 506, 511 29.51, 69, 89, 91, 92, 109, 125, 126, 131, 132, 147, 148, 149, 171, 546, 547, 548 30. 52, 73, 87, 88, 105, 106, 122, 123, 147 31. 51, 70, 89, 91, 92, 131, 148, 170, 171, 555 32. 51, 70, 85, 89, 91, 92, 102, 104, 109, 119, 123, 124, 125, 126, 129, 130, 147, 151, 152, 172 33. 51, 58, 69, 70, 89, 90, 92, 102, 104, 108, 109, 124, 125, 126, 132, 148, 149, 150, 151, 152, 546, 547 34. 51, 58, 69, 70, 89, 90, 92, 101, 102, 103, 124, 131, 147, 148, 149, 150, 152, 547, 548, 549, 550, 551 35. 94, 95, 160, 161, 162, 543, 544, 545 36. 52, 59, 67, 68, 71, 72, 73, 87, 98, 99, 100, 104, 105, 129, 147, 172, 173 37. H. 13, 14, 88, 100, 105, 106, 107, 122, 127, 128, 129, 132, 147, 151, 166, 170, 181, 199, 533 38. H. 52, 58, 68, 97, 100, 101, 126, 129, 130, 147, 171, 525, 553, 554, 555, 557 39. H. 14, 107, 119, 127, 128, 130, 147, 172, 173, 174, 181, 189, 199, 525, 554 40. H. 51, 61, 118, 135, 139, 148, 157, 176, 178, 543, 557 |
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41. H. 13, 14, 128, 129, 141, 144, 146, 154, 157, 158, 159, 164, 167, 169, 181, 189, 199, 532, 533 42. H. 147, 172, 558 43. Sch. 51, 58, 69, 89, 90, 91,92, 102, 104, 111, 124, 125, 126, 131, 148, 150, 151, 546, 547, 550, 551, 552, 557 44. Sch. 369, 370, 371, 372, 375, 377, 390, 395, 451, 453, 454, 502, 503 45. Sch. 56, 74, 84, 85, 112, 114, 115, 116, 117, 119, 120, 121, 135, 136, 137, 138, 140, 141, 145, 156, 158, 179, 533, 534, 535, 540, 541, 542, 557 46. Sch. 51, 79, 80, 82, 112, 118, 121, 128, 132, 133, 147, 148, 157, 169, 170, 525 48. 371, 375, 378, 453 50. 373, 421, 422 51. H. 51, 69, 70, 71, 89, 90, 91, 92, 101, 102, 108, 111, 124, 126, 129, 131, 147, 150, 151, 152, 525, 548, 557 53. 189, 190, 191, 198, 199, 202, 204, 231, 233, 234, 235, 236, 245, 250, 254, 259, 270, 273, 277, 278, 339, 573, 574, 575 55. 52, 58, 66, 68, 71, 72, 89, 97, 98, 99, 101, 104, 127, 129, 147, 553 57. 14, 189, 191, 200, 202, 206, 211, 212, 213, 220, 222, 223, 225, 233, 234, 235, 237, 245, 246, 249, 250, 251, 252, 255, 260, 261, 262, 264, 266, 269, 271, 275, 279, 286, 287, 297, 301, 302, 307, 308, 310, 318, 326, 334, 350, 351, 567, 576, 597, 598, 600, 601, 603 58. 426, 427, 428, 445, 446, 447, 449, 465, 466, 468, 506 59. 14, 188, 189, 191, 200, 202, 205, 206, 208, 209, 210, 211, 213, 214, 220, 222, 223, 224, 225, 233, 234, 235, 237, 245, 246, 248, 250, 251, 255, 260, 261, 262, 264, 266, 269, |
61. 188, 351, 495 62. 51, 63, 75, 78, 79, 81, 85, 112, 113, 114, 115, 70. H. 524, 525, 555 92. 372, 375, 376, 377, 378, 379, 453 94. 377, 453 106. Lst. 13, 14, 350, 351, 391, 402, 404, 406, 407, Komb. ID. Kroupa 109,119, 123, 124, 125, 126, 131, 147 ID. Pustertal 457 Gruppe Sorsich 192, 201, 202, 203, 218, 221, 231, III: K. u. k. Kavallerie-, k. u. Honvédkavallerie-divisionen 1. 51, 78, 80, 84, 112, 116, 3. 52, 73, 86, 99, 147, 526 4. 51, 56, 57, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 74, 78, 83, 84, 85, 116, 117, 118, 135, |
136, 140, 155, 159, 169, 526, 532 5. H. 52, 73, 86, 122, 147, 153, 172, 173, 526 6. 52, 73, 86, 99, 100, 105, 122, 147, 173, 174, 526 7. 56, 61, 64, 65, 74, 77, 84,85, 116, 118, 140, 141, 155, 159, 169, 526, 532 8. 52, 68, 87, 100, 105, 106, 122, 132, 147, 172, 526 9. 78, 94, 121, 140, 141, 153, 154, 159, 167, 168, 526, 557 10. 78, 88, 121, 135, 136, 137, 138, 140, 143, 144, 166, 170, 526, 533, 534, 535, 541, 542, 557 11.H. 78, 96, 116, 137,140, 142, 153, 154, 155, 168, 526, 532, 540, 557 IV: K. u. k. Infanterie-, k. k. Schützen-, k. u. Honvédinfanterie-, k.u.k. Gebirgs-, k.u.k. Halbbrigaden 9. 52, 71, 483, 495, 498, 506, 511, 512, 513, 559 10. 52, 86 12. 465, 477, 479, 494 21. 532, 534, 540, 541, 542 22. 529, 530, 531, 533, 534 25. Sch. 135 26. Sch. 135, 136 33. 394, 402, 443, 466, 478 34. 394, 467 39. H. 424, 431, 432, 449 41. Sch. 533 42. Sch. 534, 535, 536 43. Sch. 412, 415, 431, 432, 433, 466, 475 44. Sch. 350 51. Sch. 150, 548, 549, 550, 551, 552, 557 52. Sch. 132, 536, 537, 538, 540 56. 403, 465, 497 60. 350, 351, 418, 426, 445, 446, 469, 470, 488, 489, 505, 559 61. 148 |
|
73. H. 130 75. H. 102, 108, 109, 127 81. H. 406, 407, 414, 424 87. Sch. 369, 502, 503 96. 381 121. 136 129. 68, 71, 129, 130 130. 68, 71, 553, 554 131. 52, 67, 68, 71, 73, 87, 97, 98, 99, 100, 105, 130, 147, 553 132. 553, 554 180. 381, 455 181. 381 183. 370 185. 350 187. 351,403,408,413,466, 492, 493, 498, 506 202. H. 88,98,123,147,172, 555 557 1.Gb.399, 420, 425, 427, 438, 439, 473, 492, 519 2. Gb. 206, 211, 214, 223, 262, 308 3. Gb. 368, 373, 395, 397, 398, 399, 420, 421, 422, 500, 501, 502 4. Gb. 429, 445, 447, 448, 469, 470, 472, 487, 489, 490 5. Gb. 426, 428, 429, 445, 446, 448, 468, 470, 487, 504, 505 6. Gb. 206, 211, 212, 214, 223 7. Gb. 392, 396, 399, 421, 465, 500 8. Gb. 368, 373, 396, 397, 398, 420, 421, 500, 501 9. Gb. 205, 207, 209, 211, 212, 219, 220, 223, 224, 262, 275, 287, 301, 307, 308, 319, 324, 573, 575 10. Gb. 229, 232, 235, 236, 245, 248, 250, 254, 259, 260, 263, 267, 268, 269, 270, 273, 278, 282, 283, 284, 296, 297, 301, 305, 306, 307, 318, 319, 320, 323, 324, 333, 334, 340, 351, 513, 572, 573, 574, 575, 598 12. Gb. 374, 375, 377, 378 13. Gb. 396, 399, 423 |
14. Gb. 351, 373, 397, 398, 399, 420, 421, 422, 500, 501, 511 15. Gb. 395, 397, 398, 419, 500 16. Gb. 351 17. Gb. 204, 205, 218, 231, 232, 234, 235, 236, 245, 248, 250, 254, 259, 260, 263, 267, 268, 269, 270, 273, 282, 283, 284, 296, 301, 305, 325, 573, 574, 18. Gb. 205, 208, 209, 211, 212, 219, 220, 223, 224, 262, 275, 301, 302, 307 308, 319, 324, 576 56. Gb. 380 57. Gb. 374, 376 58. Gb. 350, 373 59. Gb. 376 Komb. Bolzano 52, 58, 67, 68,71,97,98, 99, 100,129, 130, 147, 553, 623 Mobile Festungsbrig. Do-minić 237, 238, 279, 295, 304, 329, 331, 572 Gruppe Ellison 381 Brig. Papp 147 Komb. Obst. Wasserthal 421 53. Ha. 383 V: K. k. und k. u. Landsturminfanterie-, (Gebirgs-, Etappen-) brigaden K. k. 1. 51,70,89,131, 148, 171 K. u. 16. Gb. 407, 409, 413, 414, 424, 434, 436, 465, 475, 493, 494, 496, 497, 508, 511 K. u. 19. Gb. 188, 351, 403, 405, 407, 450, 466 K. k. 20. Gb. 204, 219, 223, 231, 232, 233, 236, 245, 246, 248, 250, 254, 259, 260, 263, 267, 268, 269, 270, 271, 273, 277, 282, 283, 284, 285, 296, 301, 305, 325, 573, 574 K. k. 21. Gb. 204, 218, 219, 231, 232, 234, 235, 236, 245, 246, 248, 250, 254, 259, 267, 268, 269, 270, 271, 273, 277, 282, 283, 284, 296, 301, 305, 325, 573, 574, 575, 598 |
466, 498 K. k. 111. 391, 424, 434, 443, 465, 466, 475, 477, 478, 506 K. k. 205. 190, 191, 202, 204, 205, 218, 223, 229, 231, 232, 233, 236, 245, 246, 248, 250, 254, 259, 267, 268, 269, 270, 283. 305, 327, 574, 575 ' K. k. 206. 190, 191, 202, 229, 231, 404, 408, 465, 466, 513 K. u. 209. 332, 574 Brig. Békési 105, 106, 122 Gruppe Fülöpp 192, 215, 216, 228, 239, 240, 257, 258, 280 K. u. Haustein 192, 200, 206, 211, 224, 233, 235, 236, 245, 251, 255, 302, 304, 308, 328, 575 Gruppe Lörinczy 572 K. u. Mrázek 192, 200, 201, 211, 220, 224, 245, 251, 255, 260, 275, 304, 310, 572 Brig. Schwarz 191, 202, 204, 205, 218, 219, 229, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 245, 248, 250, 253, 259, 267, 268, 269, 270, 272, 273, 282, 284, 296, 301, | 305, 325, 573, 574 Gruppe Streith 190,192,198, 201, 202, 203, 217, 218, 221, 231, 241, 250, 251, 272, 282, 283, 284, 296, 301, 304, 310, 325, 328, 571 Gruppe Vuchetich 243, 244, 329, 330, 572, 574 Gruppe Vukadinovic 572 Gruppe Zhuber 192, 243, 244, 279, 295, 327, 330, 332, 572 K. k. Et. 9. 237, 238, 244, 279, 295, 305, 329 EtBrig. v. Hausser 251, 270, 273, 283, 305, 327, 329, 574, 575, 598 EtBrig. Schiess 250, 251, 272, 282, 283, 284, 296, 304, 310, 325, 328, 571 EtBrig. Ybl bzw. Franz 202, 250, 251, 272, 283, 310 |
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VI: Kavalleriebrigaden Brig. Beneš 526, 557 l.LstHus. 51, 89, 131, 148, 526 VII: K. u. k., k. k. und k. u. Fußtruppen IR. 1. 99 IR. 2. 545 RIR.2. 545 IR. 4. 80, 149 IV. Baon. 4. 398, 400, 438, 473, 474 IR. 7. 106, 122, 444, 465, 493, 494, 496, 497, 511 III. Baon. 7. 498 IR. 8. 138 X. MaBaon. 14. 382 IR. 16. 52, 71, 104 IR. 17. 427, 436, 441, 445, 448, 465, 476, 477, 480, 489, 493, 494, 506, 511 II. Baon. 17. 439, 490 III. Baon. 17. 504 X. MaBaon. 17. 408, 465 IR 18 373 III. Baon. 18. 413,421,453, 495, 504, 511, 513 I. Baon. 22. 426 II. Baon. 22. 492 III. Baon. 22. 400, 439 IV. Baon. 22. 473, 474, 504 V. Baon. 22. 426 IR. 24. 550 IR. 25. 148 IR. 26. 58, 124 IR. 27. 351, 376, 377, 497, 511, 512 IV. Baon. 27. 453, 454, 481, 483, 494, 513 V. Baon. 27. 453, 454, 481, 483, 494, 513 XI. MaBaon. 28. 465, 476, 478, 480, 493, 508, 511 IR. 29. 549, 550, 551 I. RBaon. 29. 413, 421, 422 IR. 30. 373, 418 IV. Baon. 30. 500 IR. 31. 544, 545 III. Baon. 31. 324 RIR.31. 545 IR. 33. 547 II. Baon. 34. 394 IR. 35. 623 III. Baon. 35. 500 IR. 37. 170 |
II. Baon. 37. 413, 421, 453, 465, 476, 478, 480, 483, 513 III. RBaon. 37. 495,511,513 IR. 39. 376, 404, 414, 424, 430, 431, 441, 444, 475, 476, 483, 507 IV. Baon. 39. 408, 413, 414, 453 IR. 41. 546 IR. 42. 148 IR. 43. 402, 404, 405, 406, 411, 414, 424, 430, 431, 434, 440, 466, 467, 476, 479 IR. 44. 555 IR. 46. 403, 406, 467, 476, 477, 483, 493, 508 II. Baon. 47. 407, 408 III. Baon. 49. 206 IR. 50. 543, 545 IR. 51. 545 II. Baon. 52. 447, 448 IR. 53. 104 IV. Baon. 53. 369 IR. 55. 532 IR. 57. 173 II. Baon. 57. 439, 453 III. Baon. 57. 477, 489, 490, 511, 513 IR. 58. 529, 530, 531 IV. Baon. 58. 369 IR. 59. 60, 65, 143 X. Baon. 59. 457 IR. 60. 71 II. Baon. 60. 319 IR. 61. 434, 444, 450, 467, 468, 476, 477, 494, 497 IR. 62. 545 IR. 63. 132, 172, 173, 545, 555 IR. 64. 544, 545 RIR. 64. 545 IR. 66. 52 II. Baon. 66. 500, 501 IR. 67. 109, 147, 149 III. Baon. 69. 413, 414, 424, 432, 448, 472 IR. 74. 109 III. Baon. 74. 205, 207 IR. 75. 148 IR. 76. 550, 551, 552 IV. Baon. 77. 413, 421, 453, 495, 504, 511, 513 IR. 80. 373, 489, 506 IV. Baon. 80. 397 IR. 81. 98, 623 IR. 82. 545 IV. Baon. 84. 205, 207 |
IR. 85. 109, 131, 149 III. Baon. 85. 500, 501 IV. Baon. 87. 206, 207, 210 IR. 88. 98, 129 IR. 92. 70 IR. 93. 87 IR. 94. 70, 125 IR. 95. 529, 530, 531 IR. 96. 351, 394, 408, 495 I. Baon. 98. 465, 476, 478, 480, 511 IR. 101. 124, 547, 548, 552 IR. 103. 553, 554 KJR. 1. 368, 369, 381 KJR. 2. 373, 381 I. Baon. KJR. 2. 413, 421, 422 KJR. 3. 381, 456 KJR. 4. 373, 380, 456 FJB. 7. 444, 449, 465, 477, 478 FJB. 8. 444, 449, 465, 479, 480, 511 FJB. 9. 444, 449, 465, 477, 478 FJB. 10. 82, 118 FJB. 11. 124 FJB.15. 319 FJB. 17. 82 FJB. 20. 372 FJB. 21. 170 FJB. 24. 404, 414, 430, 431, 441, 466, 475 bh. IR. 2. 444, 465, 478, 479, 480 III. Baon. bh. 2. 439, 474, 511, 513 bh. IR. 3. 124, 131, 555 III. Baon. bh. 3. 453 SchR. 1. 117, 121 SchR. 2. 370 SchR. 3. 412, 424, 430, 432, 434 IX. MaBaon. SchR. 3. 408, 453 SchR. 5. 123 SchR. 6. 63, 143 SchR. 7. 143 SchR. 9. 79, 538, 541 SchR. 10. 79, 538, 540 SchR. 11. 551, 552 SchR. 12. 551 SchR. 13. 80 SchR. 15. 80 SchR. 20. 551 SchR. 21. 369, 372, 395 SchR. 22. 551 SchR. 23. 418, 426, 448 SchR. 24. 117,121,533,534 |
|
SchR. 26. 412, 415, 424, 430, 431, 432, 433, 434, 476 SchR. 34. 143 SchR. 35. 554 SchR. 36. 550 SchR. 37. 418, 446, 448, 472, 489 IV. Baon. SchR. 37. 465, 466 V. Baon. SchR. 37. 465, 466 KSchR. I. 350 KSchR. II. 350 II. Baon. KSchR. II. 413, 421, 422 KSchR. III. 350 V. Baon. KSchR. III. 457 GbSchR. 1. 376, 395, 503 GbSchR. 2. 376 HIR. 1. 401, 404, 406, 497, 498, 508, 509 HIR. 3. 405, 444, 497 HIR. 4. 404, 406, 411, 444, 497, 508 HIR. 7. 106 HIR. 9. 173 HIR. 11. 130 HIR. 15. 122, 123 HIR. 17. 401, 406, 496, 497 HIR. 302. 108, 110, 147 HIR. 306. 173, 555, 557 HIR. 308. 553, 554 HIR. 309. 553 HIR. 310. 553 K. k. LstIR.2. 131, 148 K. k. LstlR. 6. 403, 406,409, 413, 414, 417, 480, 483, 507 K. k. LstlR. 25. 403, 404, 406, 414, 479 |
K. k. LstlR. 26. 417, 422, 465 513 K. k. LstlR. 31. 404, 433, 476 K. k. LstlR. 32. 476 K. k. LstlR. 51. 544, 545 K. k. LstlBaon. 30. 498 K. k. LstlBaon. 35. 465 K. k. LstlBaon. 40. 453 K. k. LstlBaon. 41. 453 K. k. LstlBaon. 42. 467 K. k. LstlBaon. 152. 498 K. k. LstlBaon. 154. 465, 466 K. k. LstlBaon. 157. 466, 479 K. k. LstlBaon. 165. 495, 511, 513 K. k. LstlBaon. 169. 495, 511, 513 TLstBaon. III. 495,511,513 K. k. LstMaBaon. 7. 465 K. u. LstlR. 1. 236 K. u. LstlR. 17.411,479,480 K. u. LstlR. 29. 476, 494 III. Baon. k. u. LstlR. 29. 465 K. u. LstEtBaon. 1/29. 465 K. u. LstEtBaon. 11/29. 465 K. u. LstEtMaR. 3. 545 VIII: K. u. k. und k. u. Kavallerie DR. 2. 68 DR. 5. 253 DR. 11. 99 HR. 1. 99 HR. 7. 623 UR. 4. 99 |
UR.7. 86 Komb. Bolla 253, 270, 277, 296 KavSchD. 10. 88, 170 HKavSchD. 5. 173 IX: K.u.k. Artillerie FKR. 8. 475 FKR.32. 513 FKR. 42. 623 I. Dion. FHR. 3. 475 FH R. 14. 623 sFHD.2. 150 sFHD. 14. 623 X: Sonstige FliegKomp. 2, 4, 8, 12. 393 Kärntner Freiw. Sch. 377 Polnische Legion Durski 526, 557 1.Brig. d. Poln. Legion 13, 78, 84,116, 140, 153, 154, 159, 167, 532, 533, 534, 535, 536, 557 2. Brig. d. Poln. Legion 147, 533, 537, 541, 557 3. Brig. d. Poln. Legion 13, 78, 137, 140, 153, 154, 155, 159, 541, 557 Freiw. UkrainerR. 554 Donauflottille 201, 206, 208, 209, 210, 212, 213, 214, 220, 223, 224, 233, 253 Kreuzer „Novara“ 578, 580 Savemonitorgruppe 201,204 Monitor „Körös“ 210 Monitor „Leitha“ 210 Monitor „Szamos“ 204 arm. Dampfer „Una“ 204 |
Verzeichnis der deutschen Truppenverbände
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I: Armeekorps . III. 191,200,215,216,226, 233, 234, 237, 238, 249, 256, 257, 261, 263, 264, 270, 271, 277, 280, 285, 286, 290, 291, 310 Alpenkorps 165, 229, 257, 258, 262, 269, 270, 277, 280, 286, 287, 290, 291, 301, 302, 307, 317, 318, 319, 320, 323, 324, 325, 326, 333, 334, 339, 340, 381, 567, 591, 594 |
Beskidenkorps 95, 161, 543, 544 545 Korps Marschall 58, 66, 67, 68, 70, 72, 73, 97, 98, 99, 100, 101, 103, 104, 105, 106, 107, 108, 109, 110, 119, 123, 124, 126, 129, 130, 147, 151, 171, 553, 554 IV. R. 191, 200, 215, 216, 225, 226, 234, 256, 257, 261, 264, 271, 277, 280, 286, 290, 291, 310, 320, 324, 325, 326, 333, 594 |
X. R. 189, 200, 215, 216, |
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267, 269, 270, 271, 272, 275, 276, 277, 278, 284, |
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285, 290, 291, 293, 296, 297, 299, 300, 301, 302, 303, 304, 305, 306, 307, 312, 317, 318 XXIV. R. 141, 154, 155, 157, 158, 159, 160, 164, 165, 166, 167, 169, 181, 526, 529, 531, 532, 535, 536, 537, 538, 540, 541, 542, 557, 558, 623 XXXXI. R. 526, 540 LKorps 95, 160, 161, 543, 544 KavKorps Heydebreck 96, 159, 164 II: Infanterie-, Kavalleriedivisionen 3. G. 52, 58, 68, 89, 97, 98, 100, 104, 105, HO, 126, 130, 147, 171, 174, 525, 553, 554, 599, 601, 602, 603 1.1. 141, 154,157,158,159, 160, 167, 168, 181, 530, 531, 532, 533, 534, 535, 536, 537, 540, 541, 542, 557, 592 6.1. 191, 216, 271, 286, 2S7, 290, 291, 298, 310, 311 22.1. 141, 154, 157, 158, 159, 160, 167, 169, 181, 531, 532, 534, 541, 556, 592 |
26.1. (l.württ.) 191, 201, 202, 212, 214, 219, 220, 222, 223, 224, 225, 232, 233, 234, 245, 248, 250, 255, 260, 267, 269, 270, 271, 274, 276, 278, 290, 291, 298, 310, 311 101.1. 188, 189, 271, 277, 286, 2S7, 298, 299, 302, 308, 310, 318, 320, 321, 324, 326, 334 103.1. 188, 189, 271, 277, 286, 287, 297, 302, 308, 310, 318, 320, 321, 324, 326, 334 105.1. 188, 189, 216, 261, 271, 285, 287, 290, 291, 298, 302, 310, 313, 321 107.1. 191, 216, 271, 277, 286, 287, 297, 302, 310, 312 119.1. 543, 544, 545 11. bayr. I. 189, 216, 286, 287, 290, 291, 298, 310, 311, 594 25. R. 191, 216, 237, 238, 264, 271, 286, 287, 290, 291, 298, 310, 311 43. R. 191, 201, 202, 205, 210, 211, 212, 219, 220, 222, 223, 224, 225, 232, 233, 234, 237, 245, 248, 250, 252, 255, 260, 262, 266, 269, 270, 271, 274, 275, 276, 278, 279, 290, |
297, 301, 304, 307, 310, 312 47. R. 161 48. R. 52, 58, 66, 67, 68, 72, 89, 97, 99, 100, 126, 129, 147, 171, 554, 599, 601, 602, 603 82. R. 540 Div. Bredow 543, 545 GKav. 526 III: Infanteriebrigaden 1. 531, 537, 540 2. 531, 537, 538, 541 Brig. Leu 100 Gruppe Obst. Below 262, 282, 302, 307 IV: Fußtruppen GrenR. 1. 537 GrenR.3. 538 IR. 41. 530, 531 |
Verzeichnis der bulgarischen Truppenverbände
|
Infanterie-, Kavalleriedivisionen 1.1. 227,239,243,258,276, 277, 280, 288, 297, 299, 302, 308 2.1. 242, 277, 289, 303 3.1. 228, 239, 242, 258,265, 288, 299, 303, 334, 572, 576, 597, 600 4.1. 596 |
5.1. 265, 280,288, 289,299, 303 6.1. 227, 243, 257, 275, 280, 287, 288, 298, 299, 302, 311, 312 7.1. 228, 239,242, 258, 265, 280, 289, 299, 303, 568 8.1. 227, 239, 243, 257, 276, 280, 289, 297, 299, 302, 308, 311, 312, 321 |
9.1. 227, 239, 243, 257, 276, ; 280, 288, 297, 299, 302, 308, 320, 321 11.1. (mazedon.) 242, 265, 280, 289, 303 12.1. 596 Gruppe Ribaroff 258, 280, 288, 318, 321 Kav. 228, 239, 242, 258, 265, 280, 303, 568 |
Ergänzungen und Berichtigungen zu den ersten drei Bänden
I. Band, 1. Auflage, Seite 166, 15. Zeile von unten: Dem Worte „zurück“ ist als Fußnote2) beizufügen: ,,Der Überbringer dieses Befehles, Oblt. v. Ambroży des HR. 7. wurde für diesen kühnen Ritt mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet.“
I. Band, 1. und 2. Auflage, Seite 240, 15. Zeile von unten: Dem Worte „Isonzo-siegers“ ist als Fußnote 2) beizufügen: „Dem Kommandanten des VI. Korps, GdI. Svetozar Boroevic v. Bojna, wurde für die Schlacht bei Komarów durch das am 3. Oktober 1931 abgehaltene Ordenskapitel die Würdigkeit für das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens nachträglich zuerkannt.“
I. Band, 1. und 2. Auflage, Seite 292: Dem in der 13. Zeile von unten angeführten Worte ,,Truppen“ ist als Fußnote *) beizusetzen: ,,In den Abwehrkämpfen bei Rzyczki zeichneten sich im Verbände des XIV. Korps das FKR. 42, das FHR. 14 und die sHbD. 14 besonders aus. Ihr Nachfolgetruppenkörper im österreichischen Bundesheer, die niederösterreichische Brigadeartillerieabteilung Nr. 3, feiert den 9. September als Truppengedenktag.“
I. Band, 1. Auflage, Seite 819: In der linken Spalte ist zwischen „Altmann“ und „Andrian“ einzufügen: „Ambrózy v. Seden Georg, Oblt. 166“.
II. Band, Seite 522: In der 3. und 4. Zeile von oben sind die Worte „durch Standschützen verstärkten“ zu streichen.
II. Band, Seite 558: In der 14. Zeile von oben ist „Infanterieregimenter 35 und 81“ statt „Brigade Obst. Bolzano“ zu setzen.
In der 4. und 5. Zeile von unten hat es zu lauten: „So hatten die dem GM. Steiger vorübergehend unterstellten Infanterieregimenter 35 und 81“ statt „So hatte die Brigade Bolzano, die mittlerweile dem Korps Gerok zugeteilt worden war,“.
II. Band, Seite 781: In der 11. Zeile von oben ist „von 14ern“ statt „von 59ern“ zu setzen.
II. Band, Seite 784: In der 7. Zeile von oben ist „Rotheck“ statt „Eisenreich“ zu setzen; in der 8. Zeile von oben ist „Vierzehner“ nach dem Worte „Leibregiment1)“ einzusetzen.
II. Band, Seite 803 : In der rechten Spalte ist zwischen „Stehr“ und „Stein“ einzufügen: „Steiger Karl, GM. 558“.
II. Band, Seite 810 ist bei IR. 14 „781“ beizufügen, bei IR. 59 dieselbe Zahl zu streichen.
II. Band: Im Druckfehlerverzeichnis ist noch aufzunehmen:
Seite 266, 14. Zeile von unten: 29. ID. statt 26. SchD.
„ 271, Anmerkung x), vorletzte Zeile: 1917 statt 1918.
„ 391, 12. Zeile von unten: Iwaniska statt Iwanisko.
„ 415, 1. „ „ oben: Mai statt April.
„ 588, 2. „ „ „ GdI. statt FML.
„ 611, 5. „ „ unten: GLt. statt GM.
„ 801, rechte Spalte, 15. Zeile von oben: GLt. statt GM.
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Band: |
Druckfehler |
und |
Berichtigungen: | ||
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Seite |
12, |
19. Zeile |
von |
unten |
GLt. statt GM. |
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33 |
23, |
2. |
33 |
oben: |
GM. statt Obst. |
|
33 |
25, |
12. „ |
33 |
35 |
GdI. statt FML. |
|
55 |
27, |
26. „ |
33 |
?3 |
FML. statt GM. |
|
33 |
33, |
2. „ 8. „ |
33 33 |
33 33 |
Edl. v. statt v. Obst. statt GM. |
|
55 |
42, |
3. „ |
33 |
33 |
Edl. v. statt v. |
|
55 |
60, |
16. und |
17. Zeile von oben: „einem Notübergang bei | ||
|
„einer Kriegsbrücke |
bei Sokul“. | ||||
|
18. Zeile |
von |
oben: |
August statt September | ||
|
33 |
122, |
9. „ |
)> |
unten |
Dniester statt Sereth |
|
35 |
127, |
5. „ |
33 |
33 |
GM. statt Obst. |
|
53 |
138, |
14. „ |
33 |
33 |
Weljassew statt Gillenschmidt |
|
33 |
142, |
4- „ |
33 |
oben: |
GLt. statt GM. |
|
33 |
149, |
15. „ |
33 |
unten |
67. statt 65. |
|
^3 |
168, |
16. „ |
33 |
oben: |
Nordwesten statt Nordosten |
|
33 |
172, |
3. „ |
3) |
unten |
Ostufer statt Westufer |
|
33 |
190, |
7- „ |
33 |
oben: |
16. statt 18. |
|
33 |
191, |
6. „ |
33 |
33 |
18. statt 20. |
|
33 |
381, |
11. „ |
33 |
unten |
23. statt 22. |
|
33 |
393, |
2. „ |
3} |
oben: |
vier statt drei |
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Beilage 5, |
III. KavKps. statt IV. KavKps. | ||||
) Das Zaristische Rußland im Weltkriege (Berlin 1927), 200 ff.
) Der südöstliche Teil dieses Gebietes war den Bulgaren auch in dem am
13. März 1912 mit den Serben über die Aufteilung der Türkei geschlossenen Vertrage als „unbestritten“ zugesprochen worden, indes die Entscheidung über die nordwestliche, „bestrittene“ Zone dem Schiedsspruch des Zaren anheimgestellt wurde. Friedjung, Das Zeitalter des Imperialismus 1884—1914 (Berlin 1922), III, 176 f.
Vom 2. September an bilden die 4. und die 7. KD. das KavKorps GM. Berndt.
) Von der 43. SchD. — 2) Tritt am 2. September in den Verband der Heeres* gruppe Erzherzog Joseph Ferdinand.
Von der 5. ID.
Zum Abrollen zur Heeresgruppe Erzherzog Joseph Ferdinand bestimmt. 2) Von der 35. ID.
Gelangt in den Monaten September und Oktober zur 8. Armee. Aus der 2. u.
4. SchD. wird das XXXXI. Korps gebildet. — 2) Anfangs September 1915. — 3) Zeitweilig dem 62. IDKmdo. unterstellt.
Im Bereiche des VIII. Korps zunächst für die Donausicherung bestimmt. — 2) Vom
10. November an. Wurde am 20. November wegen Mangels an Hartfutter abgeschoben und
ist in der Endsumme der 3. Armee nicht eingerechnet. — 3) Dem 3. Armeekmdo. unterstellt.
Gefechtsstand am 1. November 19J5. Die Unterstellung erfolgte am 21. Oktober.
2) Beim Eintreffen des Alpenkorps in Südungarn Ende Oktober JOBt. mit 40 Gesch. Die Unterstellung erfolgte am 8. November.
3) Dem k.u.k. AOK. unmittelbar unterstellt.
4) Von der Nordspitze Dalmatiens bis Trsteno.
5) In jedem Abschnitt ein Kiistensdiutzbaon. in Aufstellung, im Rayon Sebenico ein mob. Baon. als Reserve, in jedem Rayon 3 Bt.
6) Mit wechselnden Kommandanten.
7) Gleichzeitig Kommandant der die Besatzung bildenden 47. ID.
) Von der 5. Armee. — 2) Im Abrollen zur 5. Armee.
Überdies unterstellt das 51. GbBrigKmdo., Obst. Edl. v. Sparber.
Vom XVI. Korps. — 2) Vom III. Korps. — 3) Bei der Kavalleriegruppe Reif= nitz. — 4) Vorübergehend in Tirol.
Aus der Siebenbürger Gsndarmeriedivision durch Zuweisung von Honvedersätcen neugebildet. — 2) Aus den wehrfähigen Arbeitern der Petrosényer Kohlenbergwerke gebildet.
) H o e n, Geschichte des salzburgisch-oberösterreichischen k.u.k. Infanterieregiments Erzherzog Rainer Nr. 59 für den Zeitraum des Weltkrieges 1914—1918 (Salzburg 1931), 334 ff.
) So hatte die in diesem Zusammenhang schon erwähnte 3. ID., FML. Horsetzky, von Tarnów bis zum Übergang in die Dauerstellung bei Olyka (4. Mai bis Ende September) eine Wegstrecke von fast 900 km Länge zu bewältigen, wobei ihr insgesamt bloß vier Rasttage gegönnt werden konnten. Diese Leistung entspricht dem in der Geschichte so viel bestaunten Marsche, den die Hauptarmee Napoleons im Jahre 1812 von Kowno bis Moskau zurückgelegt hatte.
) Falkenhayn, Heeresleitung, 119.
) H i n d e n b u r g, Aus meinem Leben (Leipzig 1920), 130.
) K a b i s c h, Streitfragen des Weltkrieges (Stuttgart 1924), 189.
) Moser, Ernsthafte Plaudereien über den Weltkrieg (Stuttgart 1925), 112ff.
) Stegemann, III, 454f.
) Gallwitz, 416.
) Diese Zuschübe an Geschützen, Schießbedarf und Fernsprechgerät wurden nicht bloß von den Türken, sondern auch von den Bulgaren sehnsüchtig erwartet.
) Schwärt c, Der deutsche Landkrieg, II, 356.
Serb. Gstb. W., XI, 220.
2) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, II, 367f.
Serb. Gstb. W., XI, 204.
*) Ebenda, XI, 205.
) Callvell, 134, bringt allerdings eine Notiz des FM. Wilson, der zufolge Joffre bei seinem Besuch in Italien Cadorna auch davor gewarnt habe, Truppen nach den Dardanellen zu senden. Daß Cadorna wirklich eine solche Absicht gehegt haben soll, ließ sich nicht nachweisen. Jedenfalls ging er ohne Bedenken auf Joffres Ratschlag ein.
) Cadorna, La guerra alla fronte italiana (Mailand 1921), I, 144.
) Von der Artillerie auf dem Karst waren nach der zweiten Isonzoschlacht von 106 Feldkanonen 44, also mehr als zwei Fünftel, von 44 Gebirgskanonen 15, etwa ein Drittel, unbrauchbar.
) Vor allem auch deshalb, weil die Armee nicht über die genügende Zahl von Batterien für frontales Sperrfeuer verfügte; das Gelände schloß ein solches an langen Steilhängen überhaupt aus, begünstigte aber flankierendes Sperrfeuer (Steilhänge des Karstes, am mittleren und oberen Isonzo usw.).
) Dieses und ein noch ungünstigeres Verhältnis war übrigens auch für andere Kriegstheater nichts Außergewöhnliches. So ergab eine Berechnung, daß bei dem nach Baranowiczi vorgeschobenen k.u.k. XII. Korps auf einen Mann des Kampfstandes wegen der langen Etappenlinie zuzeiten acht bis zehn Mann des Erhaltungsapparates kamen.
) Wendt, Verdun 1916 (Berlin 1931), 26 ff.
) Versenkung des gleichzeitig zu Munitionstransporten verwendeten Passagierdampfers „Lusitania“ am 7. Mai 1915, des Dampfers „Arabic“ im August; beidemal kamen amerikanische Bürger ums Leben.
) Falkenhayn, Heeresleitung, 181.