ÖSTERREICH-UNGARNS LETZTER KRIEG 1914-1918
HERAUSGEGEBEN VOM ÖSTERREICHISCHEN BUNDESMINISTERIUM FÜR LANDESVERTEIDIGUNG UND VOM KRIEGSARCHIV
SECHSTER BAND
VERLAG DER MILITÄRWISSENSCHAFTLICHEN MITTEILUNGEN
WIEN
UNTER DER LEITUNG VON EDMUND GLAISE-HORSTENAU
BEARBEITET VON
EDUARD CZEGKA, FRITZ FRANEK, WALTHER HEYDENDORFF, RUDOLF KISZLING, CARL KLUMPNER, ERNST WISSHAUPT
UND GEORG ZÖBL
MIT 36 BEILAGEN
VERLAG DER MILITÄRWISSENSCHAFTLICHEN MITTEILUNGEN
WIEN.
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, Vorbehalten Copyright 1930
by Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen in Wien Einbandzeichnung von Rudolf Junk in Wien
Druck: Augustinus-Druckerei, Klosterneuburg
Der vorliegende sechste Band des amtlichen Kriegswerkes „Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914—1918“ behandelt die Begebenheiten des wohl sehr kämpfereichen, aber noch entscheidungslosen Kriegsjahres 1917. Da diesmal im Gegensatz zu bisher die Ereignisse eines Kriegsjahres bloß in einem Bande geschildert werden, mußten aus Raumgründen manche weniger belangreiche Kampfhandlungen sehr knapp zusammengefaßt werden.
Die einzelnen Abschnitte wurden von folgenden Mitarbeitern verfaßt:
„Die Entwicklung der öst.-ung. Wehrmacht im Jahre 1916“ vom Obstlt. d.BH. Dr. Franek, mit Beiträgen über Heer- und Kampfführung vom GM. d. R. Zöbl und vom Staatsarchivar Mjr. a. D. Dr. Czegka und über „Conrads Sturz und die neue Heeresleitung“ vom Generalstaatsarchivar Obst. a. D., Dr. h.c. Glaise-Horstenau;
„Winter und Frühlingsanfang 1917“ vom Archivsekretär Mjr. a. D. Wi s sh au p t (Ostfront), GM. d. R. Z ö b 1 (Südwestfront), Obstlt. d. BH. Klumpner (Balkan), Hofrat Obst. a. D. Kiszling (Westfront und große Führerentschlüsse);
„Die Mai- und Junischlachten im Südwesten“ vom GM. d. R. Zöbl (Zehnte Isonzoschlacht) und Mjr. d. R. Heydendorff (Die Junischlacht in den Sieben Gemeinden);
„Der letzte Russen an sturm“ und „Die Wiedereroberung von Ostgalizien“, beide vom Archivsekretär Mjr. a. D. Wisshaupt;
„Die letzten Schlachten auf dem rumänischen Kriegsschauplatz“ vom Staatsarchivar Mjr. a. D. Dr. Czegka, mit einer „Rückschau auf den Krieg im Osten im Sommer 1917“ vom Hofrat Kiszling;
„Das militärische Weltbild im Frühjahr und Sommer 1917“ vom Generalstaatsarchivar Dr.h.c. Glaise-Horstenau;
„Der Hochsommer 1917 an der Südwestfront“ vom GM. d. R. Zöbl;
„Die Herbstoffensive gegen Italien“ vom Hofrat Obst. a. D. Kiszling, die hierin enthaltenen Novemberkämpfe der Tiroler Heeresgruppe
FM. Conrad vom Mjr. a. D. H e y d e n d o v f f, das Kapitel „Die Kämpfe um die Dauerstellung im Dezember“ vom GM. d. R. Zöbl;
,,Der Ausklang des Kriegsjahres 1917“ vom Staatsarchivar Mjr.a.D. Dr. Czegka (Osten), Hofrat Kiszling (Westfront), Obstlt. d. BH. Klump ne r (Orient) und ,,Der Rückblick auf das Kriegsjahr 1917“ vom Generalstaatsarchivar Dr. h. c. Glaise-Hor stena u.
In gleicherweise wie bisher haben am Zustandekommen des Bandes verdienstvoll mitgewirkt: GO. d. R. S a r k o t i ć-Lovćen, Gen. d. R. Ing. Ratzenhofer, GM. d. R. Spannocchi, Generalstaatsarchivar Univ.-Prof. Dr. Bittner, Hofrat d. R. Obst. a. D. Ehnl, Hofrat d. R., Rtm. a. D. Sacken, Obst. d. R. Reiner, Regierungsrat Obstlt. a. D. Martinec und Wirkl. Amtsrat Mjr.a.D. Pi bl. Gen. d. R. Ing. Ratzenhofer muß überdies noch als Verlagsleiter besonders hervorgehoben werden.
Eine sehr wertvolle, außerordentlich dankenswerte Förderung erfuhr der Band durch den Bundeskanzler und Bundesminister für Landesverteidigung Dr. Schuschnigg, den Staatssekretär für Landesverteidigung GdI. Zehner, den ersten Sektionschef GdK. Brantner und den Chef des Generalstabes FML. Jansa. Schließlich sei den ehemaligen höheren Führern, die diesmal in besonders großer Zahl zur Durchsicht der Entwürfe gebeten wurden, für ihre Mühewaltung der wärmste Dank gesagt.
Wien, im Juli 1936.
Der Leiter der kriegsgeschicht- Der Direktor
liehen Abteilung des Kriegsarchivs des österreichischen Kriegsarchivs
Dr. h.c. GLAISE-HORSTENAU
KISZLING
Seite
Vorwort zum VI. Band..................... V
Verzeichnis der Abkürzungen...................XVII
Die Kriegspläne für das Kriegsjahr 1917
Die entscheidenden Beschlüsse bei den Mittelmächten....................3
Der Operationsentwurf des Feldmarschalls Conrad................3
Der uneingeschränkte Unterseebootkrieg..........................6
Die nächsten Entschlüsse für den Landkrieg......................8
Pläne und Konferenzen bei der Entente...............11
Der Kriegsrat im November 1916 zu Chantilly..........11
Wandlungen der russischen Angriffspläne........................12
Die militärische Lage Italiens..................................15
Balkanpläne der Entente..................18
Die Entwicklung der öst.-ung. Wehrmacht im Jahre 1916
Die Erfahrungen aus der Heer- und Kampfführung...........23
Der Krieg im Gebirge...................23
Die Kampfweise im Manövriergelände.............29
Das Verteidigungsverfahren an der russischen Front......29
Die Abwehr am Isonzo................37
Wiederaufleben des Bewegungskrieges..............40
Die Winterarbeit........................................42
Wandlungen im Aufbau und im Gefüge der Armee..........45
Die Menschenbewegung im Jahre 1916.............45
Veränderungen bei den Fußtruppen und bei der Reiterei.......49
Artillerieausbau und industrielle Entwicklung..........57
Die Entwicklung der Luftwaffe und der technischen Truppen .... 63
Conrads Sturz und die neue Heeresleitung............68
^Winter und Frühjahrsanfang 1917
Begebenheiten auf dem russisch-rumänischen Kriegstheater........75
Die Ostfront bis zum Ausbruch der Märzrevolution in Rußland .... 75
Die Lage der Heeresgruppe Mackensen...........75
Die Ereignisse in Siebenbürgen und in den Waldkarpathen ... 76
Die Lage am Südteil der Heeresfront Prinz Leopold von Bayern . . 82
Seite
Der Sturz des Zarentums..................87
Der Zustand des russischen Heeres.............93
Die Ereignisse an der Ostfront nach Ausbruch der russischen Revolution 94
Die Erstürmung des Brückenkopfes von Tobol........97
Beginn der Friedenspropaganda..............99
Plane der russischen Führung...............101
Der Südwesten im ersten Jahresdrittel 1917.............104
Die Maßnahmen der österreichisch-ungarischen Führung.......104
Die Ereignisse bei der 5. Armee................111
Begebenheiten in Kärnten und in Tirol.............116
Die Tätigkeit der Italiener..................118
Die Ereignisse in Frankreich und auf dem Balkan...........120
Winter und Frühjahr 1917 an der Westfront...........120
Der Balkan bis Ende Mai 1917................122
Der Winter in Albanien................122
Die Frühjahrsschlachten in Mazedonien...........125
Der serbische Aufstand im Moravagebiet..........127
Die großen Führerentschlüsse bis anfangs Mai..........128
Die Mai- und Junischlachten im Südwesten
Die zehnte Isonzoschlacht (12. Mai bis 5*Juni)............133
Vorbereitungen bei Feind und Freund.............133
Der italienische Angriffsplan...............133
Das Bereitstellen der k.u.k. 5. Armee............135
Der erste Waffengang (12. bis 20. Mai).............139
Der Großangriff der Görzer Armee............139
Die Kämpfe im Becken von Görz.............146
Der Nebenangriff der italienischen 3. Armee.........149
Der Ausklang des ersten Teiles der Schlacht (17. bis 20. Mai) . . 152
Der zweite Waffengang (23. bis 28. Mai)............160
Der Hauptangriff der Armee Aosta.............160
Der letzte Angriff der Görzer Armee (23. bis 26. Mai).....171
Der Gegenangriff (28. Mai bis 5. luni)............175
Rückblick......................181
Die Junischlacht in den Sieben Gemeinden..............185
Italienische Vorbereitungen..................185
Maßnahmen der Heeresgruppe FM. Conrad............187
Kampfraum und Kräftevergleich................191
Die Ortigaraschlacht (9. bis 29. Juni 1917)...........193
Der italienische Angriff am 10. und 11. Juni.........193
Der Gegenangriff des k.u.k. III. Korps am 15. Juni......196
Die Erneuerung des italienischen Ansturmes (18. und 19. Juni) . . . 200
Die Wiedereroberung des Mt. Ortigara am 25. Juni......203
Ergebnisse und Auswirkung...............207
Seite
Begebenheiten im Mai und Juni..................213
Niedergang des russischen Angriffswillens............213
Fortsetzung der Friedenspropaganda im Mai.........213
Der weitere Verfall des russischen Heeres..........216
Das Ende der Friedenspropaganda.............219
Der Sommeroffensive entgegen (Juni 1917)...........221
Versuche zur Wiederbelebung des russischen Kampfgeistes......221
Die Lage in Ostgalizien vor dem russischen Angriff (Juni 1917) . 226
Die Untätigkeit der Verbündeten Rußlands............231
Die Begebenheiten an der Westfront............231
Die Ereignisse auf dem Balkan und im nahen Orient......233
Die Doppelschlacht bei Koniuchy—Zborów und bei Brzeżany (29. Juni bis 3. Juli) 236
Der Beginn des großen russischen Angriffes (29. und 30. Juni) .... 236
Der Durchbruch der Russen im Abschnitte Złoczów (1. bis 3. Juli) . . 244
Der Abwehrsieg der Südarmee (1. bis 3. Juli)..........253
Stocken des russischen Angriffes gegen die Südarmee und den Abschnitt
Złoczów (4. bis 8. Juli).................258
Die Schlacht bei Stanislau—Kałusz (6. bis 16. Juli)...........261
Einleitung der Angriffe der 8. Russenarmee (6. und 7. Juli)......261
Der Verlust der Jutrena góra (8. bis 9. Juli)...........265
Das Vordringen der Russen bis Kałusz (10. bis 13. Juli).......271
Das Ende des Russenangriffes in Galizien (14. bis 16. Juli).....279
Tätigkeit der Russen an den Nachbarfronten.............282
Scheinangriffe in den Grenzbergen Ostsiebenbürgens, in den Waldkarpathen
und in Wolhynien (Ende Juni bis Mitte Juli).........282
Der Mißerfolg der Russenoffensive auf Wilna...........285
Die Rückeroberung von Ostgalizien
Die Durchbruchsschlacht bei Zborów................289
Operationsplan und Angriffsvorbereitungen............289
Einsturz der Russenfront zwischen Sereth und Strypa (19. bis 21. Juli) . . 294
Die Verfolgung bis an den Zbrucz (22. bis 25. Juli)..........301
Verfolgungskämpfe des Abschnittes Złoczów und der Südarmee .... 301
Der Beginn des Vormarsches der k.u.k. 3. Armee.........309
Die Fortsetzung der Verfolgung bis zum Monatsende........310
Die Südarmee vom 26. bis zum 29. Juli...........310
Verfolgungskämpfe der k.u.k. 3. Armee zwischen dem Dniester und
dem Pruth (26. bis 31. Juli).............315
Der Vorstoß aus den Karpathen..................316
Seite
Die Kämpfe bis zur Wiedereroberung von Czernowitz (31. Juli bis 5. August) 323
Die Befreiung der Bukowina (Ende Juli bis Mitte August)......323
Pläne und Befehle...................323
Die Yormarschpläne der k.u.k. 7. Armee..........325
Der Abschluß der Kämpfe in Ostgalizien..............330
Das Ringen der Südarmee um die Zbruczlinie (29. Juli bis Mitte August) . 330
Wiederaufnahme des Stellungskrieges am Zbrucz..........333
Die letzten Schlachten auf dem Rumänischen Kriegsschauplatz
Die Offensive des neuerstarkten Rumänenheeres............339
Der russisch-rumänische Operationsplan und die Maßnahmen der Mittelmächte .......................339
Die Angriffe über den Sereth und gegen die Ostgrenze Siebenbürgens . . 346
Die Artillerieschlacht bei Nämoloa^a (22. bis 25. Juli).....346
Der Einbruch der Armee Averescu in das Sovejabecken (22. bis
29. Juli)....................348
Ein neuer Angriffsplan der Mittelmächte.............358
Die letzten Tage vor der Offensive der Mittelmächte........362
Die Gegenoffensive der Mittelmächte................366
Die Schlacht bei Focsani (6. bis 13. August)............366
Die Schlacht im Ojtozgebiet (8. bis 13. August)..........374
Entschlüsse und Pläne der hohen Führung..........382
Weitere Kämpfe um die Zugänge in die westliche Moldau......383
Neuerlicher Vorstoß der Armee Eben und Abzug der Rumänen aus
dem Sovejabecken (14. bis 18. August).........383
Der Doppelangriff der Armee Eben und der Gruppe Gerok (19. bis
22. August)...................388
Letzter Vorstoß der Armee Eben und Abbruch der Offensive
(22. August bis Anfang September)...........391
Vorstoßversuche aus der Bukowina während des Monats August .... 394
Kämpfe der Armee Kövess und Pläne der Führung.......394
Die Eroberung der Höhe Dolżok durch die 3. Armee' (27. August) . 400
Der Ausklang der Sommerschlachten im Osten............401
Die Endkämpfe der Heeresfront Erzherzog Joseph an der Moldaufront
(September 1917)...................401
Vorstoß der Armee Averescu gegen die Gruppe Gerok.....401
Verzicht auf die Eroberung der Moldau...........405
Übergang zum Stellungskrieg im Osten.............407
Rückschau auf den Krieg im Osten im Sommer 1917.........408
Das militärpolitische Weltbild im Frühjahr und Sommer 1917
Bruch der Vereinigten Staaten von Nordamerika mit den Mittelmächten . 415
Kaiser Karls Friedensversuche................417
Österreich-Ungarn in den militärischen Plänen der Entente......424
Der Hochsommer 1917 an der Südwestfront
Seite
Die elfte Isonzoschlacht....................431
Die Vorboten des neuen Ringens................431
Der Angriffsplan der Italiener..............431
Maßnahmen der öst.-ung. Führung.............433
Der erste Ansturm der Italiener (18. bis 21. August)........438
Der Durchbruch auf der Hochfläche von Bainsizza-Heiligengeist (21. und
22. August).....................450
Der Befehl zur Preisga/be der Hochfläche von Bainsizza-Heiligengeist 455
Das Überwinden der Krise...............458
Der Anprall der Italiener an die neue Verteidigungsfront .... 464
Der Ausgang der Schlacht..................468
Wechselnde Entschlüsse der italienischen Heeresleitung.....468
Die Verschärfung der Kämpfe um den Mt. S. Gabriele......472
Der Gegenangriff des k.u.k. XXIII. Korps an der Küste .... 475
Fortgesetztes Ringen um den Mt. S. Gabriele.........478
Rückblick........................483
Die Ereignisse in Tirol und in Kärnten im Sommer 1917 .........487
Die Herbstoffensive gegen Italien
Die Vorbereitungen......................493
Das Entstehen der Idee und des Angriffsplanes..........493
Der Aufmarsch......................500
Die Heeresgruppe Boroevic von Mitte September bis zum Beginn der
Offensive......................505
Die Begebenheiten in Tirol und in Kärnten von Anfang September bis
zum 24. Oktober...................508
Die hohe italienische Führung zwischen der elften und der zwölften
Isonzoschlacht....................513
Die italienischen Verteidigungsstellungen.............518
Die Angriffsbefehle....................520
Die zwölfte Isonzoschlacht (24. bis 27. Oktober)............524
Die Durchbrüche bei Flitsch und Tolmein............524
Der erste Schlachttag..................524
Die Vollendung des Durchbruches (25. und 26. Oktober).....536
Cadornas Entschluß zum Rückzug...............545
Das Zurückwerfen der italienischen Nachhuten am 27. Oktober .... 550
Die Verfolgungskämpfe der Armee Below..........550
Die Ereignisse bei der Heeresgruppe Boroevic...........554
Das Ergebnis der zwölften Isonzoschlacht............557
Seite
Die Schlacht bei Codroipo-Latisana (28. Oktober bis 1. November).....562
Der Wettlauf zum Tagliamento................562
Absichten und Befehle.................562
Der Rückzug der Italiener in den Karnischen und Julischen Alpen
am 2S. und 29. Oktober...............566
Durchbruch durch die italienische Front am Torre (28. Oktober) . . 569
Fortsetzung der Verfolgung in der Ebene am 29. Oktober .... 574
Versuch eines Abschneidcns der italienischen 3. Armee........578
Entschlüsse und Befehle für den 30. Oktober.........578
Der Vorstoß auf Codroipo und Latisana (30. und 31. Oktober) . . . 581
Der Ausklang der Schlacht................590
Das Erzwingen des Überganges über den Tagliamento..........593
Vordringen der 10. Armee und der Gruppen Krauss und Stein bis an den
Tagliamento (30. Oktober bis 1. November).........593
Die Entwirrung der Lage bei der Heeresgruppe ßoroevic (l.Nov.) . 598
Der Vorstoß über den Tagliamento...............600
Die Maßnahmen der hohen Führung bei Freund und Feind .... 600
Der gewaltsame Flußübergang bei Cornino und Pinzano (2. bis 4. Nov.) 605 Die Übergangsversuche der Heeresgruppe Boroevic zwischen dem 2.
und dem 4. November...............609
Die Verfolgung bis zum Piave und in den Dolomiten (5. bis 10. November) . . 611
Maßnahmen der hohen Führung................611
Die Verfolgung bis an den unteren Piave............616
Vom Tagliamento bis zur Livenza (5. bis 7. November).....616
Die Gefangennahme der 36. und der 63. italienischen Division . . 621
Von der Livenza zum unteren Piave (8. bis 10. November) .... 622
Das Eingreifen der Heeresgruppe Conrad............626
Die italienische 4. Armee im Cadore............626
Die Vorbereitungen zur Offensive bei der Heeresgruppe Conrad . . 629
Die Verfolgung in den Dolomiten (4. bis 10. November) .... 632
Der Vorstoß gegen den Raum westlich vom Piave...........640
Entschlüsse und Befehle der Verbündeten............640
Abwehrmaßnahmen der Italiener...............644
Das Nachstoßen der k.u.k. 11. Armee auf der Hochfläche von Asiago (10.
bis 16. November 1917).................646
Der Rückzug des Nordflügels der italienischen 1. Armee.....646
Die Bereitstellung der k.u.k. 11. Armee...........647
Der erste Ansturm auf die Hochfläche von Asiago (10. bis 16. Nov.) 650
Der Vorstoß zwischen Brenta und Piave.............657
Die beiderseitigen Kräfteaufgebote und ihre Aufgaben......657
Der erste Angriff gegen den Mt. Grappa (14. bis 18. November) . 661
Der Übergangsversuch am Piave................667
Systematische Fortsetzung der Angriffe gegen die Randberge.....669
Anordnungen der hohen Führung ..........................669
Angriffe der Verbündeten in der zweiten Novemberhälfte . . . . 671
Die Einstellung der Offensive................. . 676
Seite
Die Kämpfe um die Dauerstellung im Dezember............679
Die Eroberung des Melettamassivs...............679
Ziele und Maßnahmen der Heeresgruppe FM. Conrad......679
Die Vernichtung der italienischen 29. Division........683
Die Dezemberkämpfe im Grappagebirge.............688
Die Eroberung des Col della Beretta und des Mt. Spinuccia .... 688
Die Erstürmung des Mt. Asolone..............693
Der Ausklang der Dezemberkämpfe..............695
Betrachtungen........................700
Vor- und Nachteile der Vorrückungsstreifen...........700
Die Wiederverlegung des Schwergewichtes auf den Nordflügel .... 704
Das Zusammenwirken der Südwestfront mit der Heeresgruppe Conrad . . 706
Die Einstellung der Offensive und ihr Ergebnis..........710
Der Ausklang des Kriegsjahres 1917
Der Osten im letzten Jahresviertel 1917...............717
Weiterer Verfall der Staatsgewalt und des Heeres in Rußland.....717
Ereignisse bei den Heeresfronten Erzherzog Joseph und Prinz Leopold
(Oktober bis Mitte November)..............721
Der Novemberumsturz in Rußland und seine Auswirkung.......727
Die Waffenstillstandsverhandlungen..............732
Der Vertrag von Brest-Litowsk..............732
Der Vertrag von Foc?ani................733
Zwischen Krieg und Frieden (Mitte November bis Ende Dezember) . . 737
Die Westfront im letzten Jahresdrittel 1917.............742
Der Orient im zweiten Halbjahr 1917................746
Die Begebenheiten in Albanien und in Mazedonien.........746
Die Türkei im zweiten Halbjahr 1917.............753
Rückblick auf das Kriegsjahr 1917.................755
Anhang...........................762
Personenverzeichnis und Verzeichnis der öst.-ung. und der verbündeten Truppenverbände
Personenverzeichnis......................773
Verzeichnis der öst.-ung. Truppenverbände..............781
Verzeichnis der deutschen Truppenverbände.............788
Verzeichnis der bulgarischen Truppenverbände............790
Verzeichnis der türkischen Truppenverbände.............790
Ergänzungen und Berichtigungen zu den ersten sechs Bänden.......791
Beilage
Die Kriegslage in Europa zu Land und zur See am 1. Februar 1917..........1
Die öst.-ung. Wehrmacht um die Jahreswende 1916-17..................2
Die Ostfront zwischen dem Pripiatj und der Donaumündung. Lage am 1. März 1917 3
Nebenskizze: Die Erstürmung des Brückenkopfes von Tobol am 3. April 1917 3
Lage auf dem südwestlichen Kriegsschauplatz am 1. April 1917......4
Kräfteverteilung nach der Evidenz des AOK. vom 1. April 1917 .... 4
Lage auf dem Balkan anfangs Mai 1917..............................5
Kriegsgliederungen für das Frühjahr 1917..............6
Die 10. Isonzoschlacht......................7
Lage am 12. Mai 1917....................7
Lage am 5. Juni 1917............................7
Erster Teil der 10. Isonzoschlacht..................................8
Aufstellung der Batterien bei Beginn der Schlacht....................8
Lage am 14. Mai und Einsatz der italienischen Kräfte........8
Der Großangriff der ital. 3. Armee in der 10. Isonzoschlacht. 23 bis 28. Mai 1917 . 9
Angriffsgruppierung und Hauptangriffsrichtungen der Italiener.....9
Lage im Abschnitt III am 23. Mai, 4h nachmittags..................9
24. Mai; 25. Mai vormittags; 25. Mai abends............9
Der Gegenangriff. 4. Juni morgens...............9
Lage auf dem Ostflügel der k.u.k. 4. Armee am 15. Juni 1917 (Skizze a) . . 10
Die Ortigara-Schlacht......................10
Lage am 10. Juni 1917 früh und der italienische Angriff an diesem Tage
(Skizze b)......................10
Lage am 19. Juni 1917 früh und der italienische Angriff an diesem Tage
''Skizze c)......................10
Der öst.-ung. Gegenangriff am 25. Juni 1917 nachts (Skizze d) .... 10’
Laufbild der Eisenbahntruppentransporte Jänner bis Juli 1917.......11
Der Aufmarsch bei Złoczów im Juli 1917.............11
Lage bei der Heeresgruppe Böhm-Ermolli Ende Juni 1917.........12
Kriegsgliederung für den russisch-rumänischen Kriegsschauplatz im Sommer 1917 13
Die Schlacht bei Koniuchy—Zborów und bei Brzeżany vom 1. bis 3. Juli 1917 . . 14
Die Schlacht bei Stanislau Kałusz vom 8. bis 13. Juli 1917........15
Der Verlust der Jutrena góra am 8. Juli 1917...........15
Der Einbruch der Russen bei Kalusz am 11. Juli 1917........15.
Beilage
Der Durchbruch bei Zborów. 19. bis 21. Juli 1917............16
Die Offensive der Verbündeten in Ostgalizien und in der Bukowina. 21. Juli bis
8. August 1917.......................17
Die Lage auf dem rumänischen Kriegsschauplatz am 22. Juli 1917 (Skizze 1) . . 18
Der Einbruch der Armee Averescu in das Sovejabecken (Skizze 2)......18
Die Schlachten bei Focsani und im Ojtozgebiet vom 6. bis 18. August 1917
(Skizze 3)........................18
Die 11. Isonzoschlacht......................19
Bereitstellung und Kriegsgliederung der Streitkräfte am 18. August 1917 . 19
Raumverluste im Laufe der elf Isonzoschlachten..........19
Die 11. Isonzoschlacht......................20
Aufstellung der Artillerie auf dem Schlachtfelde zwischen Tolmein und der
Wippach zu Beginn der Schlacht..............20
Der Rückzug auf den Hochflächen von Bainsizza Heiligengeist.....20
Der Mt. S. Gabriele ....................20
Der Gegenangriff des XXIII. Korps. 4. und 5. September 1917.....20
Laufbild der Eisenbahn-Truppentransporte vom 1. August bis 31. Dezember 1917 21
Die Lage am Isonzo am 24. Oktober 1917 knapp vor Beginn des Angriffes ... 22
Kriegsgliederung der an der Südwestfront stehenden Streitkräfte zu Beginn der
Herbstoffensive 1917....................23
Landschaftsbilder bedeutsamer Kampfräume der Isonzofront........25
Das Becken von Flitsch...................25
Das Becken von Tolmein...................25
Die Hermada.......................25
Die zwölfte Isonzoschlacht. Die Durchbruchsangriffe bei Flitsch und Tolmein
am 24. Oktober 1917....................26
Die zwölfte Isonzoschlacht. Ereignisse am 25., 26. und 27. Oktober 1917 ... 27
Verfolgung der Italiener durch die Verbündeten am 28. und 29. Oktober 1917 . 28
Die Schlacht bei Codroipo—Latisana. 30. und 31. Oktober 1917.......28
Die Ereignisse bei Cornino vom 31. Oktober bis 3. November 1917 .... 29
Die Verfolgung bis zum Piave und in den Dolomiten. 5. bis 10. November 1917 . 30
Der Vorstoß gegen den Raum westlich vom Piave. 11. bis 18. November 1917 . 31
Lage der Verbündeten zwischen Asiago und dem Piave am 25. Nov. 1917 . 31
Beilage
Landschaftsbilder der zwischen Asiago und dem Piave gelegenen Kampfräume . 32
Der Ostteil der Hochfläche der Sieben Gemeinden..........32
Der Gebirgsstock des Mt. Grappa von Osten her gesehen.......32
Der Gebirgsstock des Mt. Grappa von Westen her gesehen......32
Die Kämpfe um die Dauerstellung im Dezember 1917..........33
Die Eroberung des Melettamassivs am 4. und 5. Dezember 1917.....33
Die Kämpfe im Grappagebiet vom 11. bis 21. Dezember 1917......33
Die Eroberung des Col del Rosso am 23. Dezember 1917........33
Die Lage im Süd westen am 26. Dezember 1917...........33
Die Ostfront südlich vom Pripiatj am 1. Oktober 1917..........34
Die Ostfront südlich vom Pripiatj am 31. Dezember 1917.........34
Die Balkanfront Ende Dezember 1917................35
Lage in der Türkei zu Ende des Jahres 1917..............35
Zeittafel der Feldzüge und der wichtigsten Schlachten des Kriegsjahres 1917 . . 36
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AOK. = Armeeoberkommando ArtGen., ArtKmdt., ArtKmdo. = Artilleriegeneral (-kommandant, -kommando) Baon. = Bataillon Bers = Bersaglieri BrBaon., BrKomp. = Brückenbataülon (-kompagnie) Bt. = Batterie d. = deutsch D., Div. = Division Det. = Detachement Div.-Gen. = Divisionsgeneral (franz., rum.) DionsKav. = Divisionskavallerie DOHL. = Deutsche Oberste Heeresleitung DR., HR., UR. = Dragoner- (Husaren-, Ulanen-) regiment F = Feld FABrig., HFABrig., RFABrig. = Feld-(Honved-, Reserve- Feld-) artilleriebrigade FHR., FHD., FHBt. = Feldhaubitzregiment (-division, -batterie) finn. = finnisch FJB. = Feldjägerbataillon FKR., FKD., FKBt. = Feldkanonenregiment (-division, -batterie) FlakBt., Flakzug = Fliegerabwehrkanonenbatterie (-zug) Flakn. = Fliegerabwehrkanone FliegKomp., FliegAbtlg. = Fliegerkompagnie (-abteilung [deutsch]) FM. = Feldmarschall FML. = Feldmarschalleutnant Frw = Freiwilligen FsAR., FsABaon., FsAKomp., FsADet. = Festungsartillerieregiment (-bataillon, -kompagnie, -detachement) FZM. = Feldzeugmeister Gb - Gebirgs GbAR. = Gebirgsartillerieregiment GbBrig. = Gebirgsbrigade |
GbSchR. = Gebirgsschützenregiment GdA., GdI., GdK. = General der Artillerie (Infanterie, Kavallerie) GendR., GendBaon., GendSchwd. = Gendarmerieregiment (-bataillon, -schwadron) GFM. = Generalfeldmarschall GID., GKD., GKosD., GSchD. = Gardeinfanterie- (kavallerie-, -kosaken-, -schützen-) division (deutsch, russ.) Gen. = General GLt. = Generalleutnant (deutsch, ital., russ.) GO. = Generaloberst GrzJBaon, GrzJKomp. = Grenzjägerbataillon (-kompagnie) GW. = Granatwerfer H - Honvéd HaBrig., HaR. = Halbbrigade, Halbregiment Hb = Haubitze HGbAAbtlg. = Iionvédgebirgsartillerie-abteilung HHR., HHD. = Honvédhusarenregiment (-division) HID., HIBrig., HIR. = Honvédinfanterie-division (-brigádě, -regiment) HochgbKomp. = Hochgebirgskompagnie ID., IBrig., IR., IBaon. = Infanteriedivision (-brigádě, -regiment, -bataillon) IGesch. = Infanteriegeschütz JB., RJB. = Jäger-(Reservejäger-)bataiIlon (deutsch) kauk. = kaukasisch KavSchD. = Kavallerieschützendivision KD., KBrig. = Kavalleriedivision (-brigade) KJBrig., KJ R., KJB. = Kaiser jägerbrigade, -Regiment. Bataillon der Tiroler Kaiserjäger Kn = Kanone KosD. = Kosakendivision |
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KSchD.. KSchBrig., KSchR.,KSeh ArtKmdo. = Kaiserschützendivision (-brigade, -regiment, -artilleriekommando) L = Landwehr LD..LBrig. Landwehrdivision ^-brigade) Ls*. = Lnr.dsmrm LstAKomp. = Landsturmartilleriekompagnie LstSAbtlg. = Landsturmsappeurabteilung LstHusBrig.. LstHusR.. LstllusD. = Landsturmhusarenbrigade (-regiment, -division'' Ma = Marsch MG.. MGAbtlg., MGKomp. = Maschinengewehr ^-abteilung, -kompagnie [deutsch] ^ Mjr. = Major Ms = Mörser MW = Minenwerfer Obst. — Oberst Obstlt. — Oberstleutnant PB. = Pionierbataillon Pos = Positions R = Reserve RD. = Reservedivision (deutsch) RdfBrig.. RdfBaon. = Radfahrbrigade '-bataillon) |
RFKR., HRFKR. = Reservc-(Honved-reserve-)feldkanonenregiment RFIIR., HRFHR. = Reserve-(Honvćd-reserve-)feldhaubitzregiment RIBrig., RIR. = Reserveinfanteriebrigade (-regiment) rt.AAbtlg. = reitende Artillerieabteilung rt.DSchD. = reitendeDalmatiner Schützendivision rt.SchR. = reitendes Schützenregiment rt.TKSchD. = reitende Tiroler Kaiserschützendivision rum. = rumänisch SB. = Sappeurbataillon SchD., SchBrig., SchR., SchBaon. = Schützendivision (-brigade, -regiment, bataillon) SchSchBrig. = Schießschulbrigade Schwd. = Schwadron sFAR., sHFAR., sHRFAR., sRFAR. = schweres (Honvéd-, Honvédreserve-, Reserve-) Feldartillerieregiment sFHD. = schwere Feldhaubitzdivision sHbBt. = schwere Haubitzbatterie sib. = sibirisch Stawka = russische Oberste Heeresleitung StSchAbtlg. = Standschützenabteilung turk. = turkestanisch |
Bei den Truppen sind die 1918 gültigen Bezeichnungen angewendet.
DIE KRIEGSPLÄNE FÜR DAS KRIEGS JAHR 1917
VI
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Die entscheidenden Beschlüsse bei den Mittelmächten
Hiezu Beilage 1
Der Operationsentwurf des Feldmarschalls Conrad
Die grundsätzliche Auffassung, die der öst.-ung. Generalstabschef FM. Freih. v. Conrad zu Beginn des Jahres 1917 über die Fortführung des Krieges hegte, geht aus einem Satze hervor, den eine von ihm um den 10. Jänner dieses Jahres schon in seinem neuen Hauptquartier Baden bei Wien (Bd. V, S. 724) verfaßte Denkschrift enthält. „Da der Krieg“, schreibt der Feldmarschall, „in den Kämpfen dieses Frühjahres zur Entscheidung drängen wird, ist die äußerste Steigerung aller eigenen Machtmittel (personell, materiell) für diesen Zeitraum erforderlich — also nicht mehr im Sinne einer noch sehr langen Dauer des Krieges; denn fällt die Entscheidung im Frühjahr zu unsern Ungunsten, dann ist kaum mehr auf eine Wendung durch jene Kräfte zu rechnen, welche uns überhaupt noch verfügbar bleiben werden.“ Und an anderer Stelle dieser Denkschrift vermerkt Conrad, daß von den Mittelmächten jetzt sozusagen die „letzte Karte“ ausgespielt werde. Über die Art, wie diese letzte Karte ausgespielt werden sollte, gab sich der stets tatentschlossene Feldherr keinem Zweifel hin. Ein Abwarten der sicherlich in Aussicht stehenden Ententeoffensive lasse „dem Gegner die Zeit, den Angriff in dem ihm günstigsten Moment, an der ihm günstigsten Stelle und mit der ihm größtmöglichen Machtentfaltung zu führen“. Es gäbe keine andere Lösung, als dem Feinde im Angriff zuvorzukommen und ihm dadurch alle Vorteile vorwegzunehmen, die ihm ein Abwarten sichern müßte.
Über die Front, wo diese Entscheidung gesucht werden sollte, hatte sich Conrad in der Stunde, da er seine Denkschrift niederschrieb, noch kein abschließendes Urteil gebildet. Er dachte an die italienische Front, aber auch an Ostgalizien, wo vielleicht einem neuen russischen Angriff zuvorgekommen werden konnte, auffälligerweise aber nicht an die Westfront, obgleich er auch die ihrer Vollendung entgegengehenden deutschen Neuformationen mit in Rechnung zog.
Neben den Vorbereitungen für einen groß angelegten Angriff wollte der Feldmarschall auch den uneingeschränkten Tauchbootkrieg ein-
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setzen sehen. ,,Bei der Entschlossenheit, mit welcher England gewillt ist, den Krieg bis zum äußersten zu führen“, läßt sich der Feldmarschall vernehmen, „erübrigt sich nur, auch das Mittel des U-Bootkrieges mit aller Rücksichtslosigkeit anzuwenden — trotz der diplomatischerseits geltend gemachten Besorgnis, es würden dann auch Amerika, Holland, Dänemark usw. usw. den Krieg an uns erklären . . . U-Bootkrieg und eine Aktion zu Land sind die einzigen Mittel, die wir haben, den Krieg für uns günstig zu wenden, ehe unsere Kräfte aufgebraucht sind und ehe die Entente mit erdrückender Übermacht gemeinsam über uns herfällt.“
Wenn auch in dieser lediglich für die Operationsabteilung bestimmten Denkschrift über die Front, an der die „Aktion zu Land“ stattzufinden hätte, noch nichts gesagt ist, so ist es doch kaum zu bezweifeln, daß Conrad von Haus aus den italienischen Kriegsschauplatz vor Augen hatte. In Kenntnis der Besprechungen, die am 6. und am 7. Jänner zwischen den Heeresleitungen der Entente zu Rom abgehalten worden waren, rechnete er mit einem gleichzeitigen Angriff der Feinde an der französisch-italienischen und an der russisch-rumänischen Front, wobei er es wegen des Zustandes der Truppen wohl für möglich hielt, daß der Angriff an der erstgenannten jenem an der zweitgenannten Front vorausgehen werde. In einem Nebenangriff der Entente auf dem Balkan erblickte der Feldmarschall lediglich eine nicht unwillkommene Schwächung ihrer Hauptkräfte.
Daß in den weiten Räumen des Ostens dem Feinde noch ein größerer Erfolg winken könnte, hielt Conrad für wenig wahrscheinlich. Die Verhältnisse an der Westfront erklärte er, als er später seine Auffassungen der deutschen Heeresleitung mitteilte, nicht genügend überblicken zu können. Von den beiden Druckstellen des Feindes, die für die öst.-ung. Kriegführung in Betracht kamen, Lemberg und Triest, schien ihm die zweitgenannte jedenfalls die viel gefährlichere zu sein, wie überhaupt nach seiner Ansicht die Kriegslage auf dem Karst weitaus am gespanntesten war. Wohl hatte hier der Verteidiger in neun für ihn wie für den Angreifer gleich ruhmreichen Schlachten gegen eine bis zuletzt gewaltige Übermacht an Mann und Gerät standzuhalten vermocht. Aber das Schicksal von Triest mochte doch allmählich bedenklich werden. Ein Durchbruch des Feindes im Görzischen würde in das Abwehrgelände der Mittelmächte an empfindlichster Stelle eine Bresche schlagen und böte der feindlichen Übermacht in einem Bewegungskrieg Gelegenheit, ihre Kräfte in verderblichster Weise zu entfalten. Die Italiener zählten schon für sich allein 750.000 Feuergewehre; ihnen konnten aber von ihren
Geplante Zweifrontenoffensive gegen Italien
Alliierten noch erhebliche Verstärkungen an Mann und Kriegsgerät zugesandt werden.
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Mit solchen Erwägungen stellte sich bei Conrad von selbst die bestimmte Auffassung ein, gegen keinen anderen Feind als die Italiener zum Gegenschlag auszuholen. Ein solcher Gegenschlag schien ihm um so mehr geboten zu sein, als die öst.-ung. Südwestfront bei der Machtentwicklung des Feindes auf jeden Fall so große Verstärkungen an Truppen und Kriegsmaterial erheischte, daß es schon deshalb zweckmäßig sein mochte, gleich ganze Arbeit zu leisten, statt Angriffe an anderen Fronten durch jenen Kräftebedarf zu schwächen.
An der Ausarbeitung des Planes für die vom Feldmarschall beabsichtigte Offensive hatten Obstlt. Schneller, der Italienreferent der Operationsabteilung, und FML. Metzger Anteil. Die Stärke des italienischen Heeres wurde in diesem Entwürfe mit rund 60 Divisionen beziffert, denen im Augenblick 29 öst.-ung. Divisionen gegenüberstanden. Da man es bei einer Offensive nicht für erforderlich hielt, die Zahl der eigenen Divisionen bis zu jener des Feindes zu erhöhen, weil — abgesehen von dem höher eingeschätzten Kampfwert deutscher und öst.-ung. Truppen
— dem Angreifer der Vorteil des Masseneinsatzes in den selbstgewählten Richtungen zufiel, wollte man sich mit 45 Divisionen begnügen. Von den daher noch nötigen Divisionen sollten 13 deutsche sein; die drei von der Ostfront heranzuführenden öst.-ung. Divisionen sollten gleichfalls durch deutsche Truppen abgelöst werden.
Das hervorstechendste Merkmal des Conradschen Planes war, daß er die Offensive diesmal aus zwei Fronten vorsah: aus Tirol und dem Küstenlande. Entgegen den Plänen, die der Maioffensive 1916 (Bd. III, S. 585 ff.) schließlich zugrunde gelegt waren, sollte diesmal dem Angriff aus Südtirol ein solcher der küstenländischen Front mit einem Vorsprung von höchstens einer Woche vorausgehen. Dieser Angriff hatte den Feind „durch Kämpfe großen Stiles festzuhalten, seine Aufmerksamkeit von Tirol abzulenken, seine Linien zu durchbrechen und, wenn möglich, die ganze Julische Front ins Wanken zu bringen“. Als geeignetsten Angriffspunkt bezeichnete Conrad den Raum um Tolmein, der schon bei Friedensübungen seine Aufmerksamkeit gefesselt hatte. Von hier aus hätten unter deutscher Führung sechs Divisionen, darunter fünf deutsche, den Angriff einzuleiten und die ganze Isonzofront vorwärts zu reißen.
Der Hauptangriff war aus gleichen Gründen wie das Jahr zuvor aus der strategisch sicherlich wirkungsvollsten Richtung, aus Südtirol, gedacht. Er sollte zwischen Astico und Brenta unternommen werden. Die Angriffskräfte wären wieder in zwei Staffeln zu gliedern gewesen, in eine aus zwölf gebirgstüchtigen öst.-ung. Divisionen bestehende Stoßstaffel und eine zweite, die aus sechs besonders beweglichen deutschen Divisionen zu bestehen gehabt hätte. Den Oberbefehl über den Vorstoß aus Südtirol sollte auf jeden Fall ein öst.-ung. General (Erzherzog Eugen) führen. Deutschen Befehlshabern war je ein Armeekommando in Tirol und bei Tolmein zugedacht. Auf eindringlichsten Wunsch hätte dem Bundesgenossen gegebenenfalls auch das Heeresgruppenkommando an der Isonzofront überlassen werden können.
Der uneingeschränkte Unterseebootkrieg
Während im öst.-ung. Hauptquartier diese Pläne entworfen wurden, war in Deutschland eine für alle Vierbundgenossen äußerst schicksalsschwere Entscheidung gefallen. Deutschland hatte sich, zunächst ohne den Verbündeten zu verständigen, entschlossen, die zweite der von Conrad für die Kriegführung 1917 aufgeworfenen Grundforderungen, die Verwirklichung des uneingeschränkten U-Bootkrieges, zu erfüllen. .
Daß ein großer Teil der öffentlichen Meinung im Reiche auf diesen Entschluß hindrängte, ist im V. Bande (S. 715) schon angedeutet worden. Als vor Weihnachten 1916 über die Abweisung des Friedensanbotes der Mittelmächte kein Zweifel mehr bestehen konnte, war es für die DOHL. ein feststehender Entschluß, daß nunmehr auch von jenem schärfsten Kampfmittel entschiedener Gebrauch gemacht werden müssex). Sie stützte sich dabei auf ein Gutachten, das der Chef des Admiralstabes, Adm. v. Holtzendorff, am 22. Dezember erstattet hatte. Der Admiralstab berechnete, daß England, wenn monatlich nur 600.000 Tonnen an Handelsschiffen vernichtet würden, in fünf bis sechs Monaten auf die Knie gezwungen wäre — allerdings unt^r der Voraussetzung, daß der uneingeschränkte Tauchbootkrieg schon am 1. Februar einsetze. Der deutsche Reichskanzler Dr. v. Bethmann-Hollweg war innerlich gegen die Vorschläge der Heeresleitung eingestellt, unterwarf sich aber in der Besprechung, die am 9. Jänner in Pleß stattfand, der vom GFM. v. Hin-denburg und vom GdI. Ludendorff gestellten Forderung. Schon in den nächsten Tagen gingen die U-Boote mit versiegelten Befehlen in See.
x) Bethmann-Hollweg, Erinnerungen und Betrachtungen (Berlin 1921), II, 129 ff. und 260 ff.
Kaiser Karl und sein neuer Außenminister Graf Czernin verfolgten, ohne zunächst Bestimmtes zu erfahren, diese Vorgänge mit großer Sorge. Sie glaubten nicht an die kriegsentscheidende Wirkung der U-Bootwaffe und fürchteten die Rückwirkung auf Nordamerika, dessen Eingreifen in den Krieg für sie die sichere Niederlage bedeutete1). Nach verschiedenen, in Berlin ausgestreckten Fühlern, erschienen am 20. Jänner der Unterstaatssekretär Zimmermann und der Admiral Holtzendorff in Wien, um in zwei Sitzungen, deren erste der Kaiser leitete, das Wiener Kabinett nachträglich für den uneingeschränkten U-Bootkrieg zu gewinnen. FM. Conrad und Großadmiral Haus2) sprachen sich für die deutschen Forderungen aus, der Kaiser, Czernin und die beiden Ministerpräsidenten Graf Clam3) und Graf Tisza waren im Grunde ihres Herzens gegen sie. Zimmermann warf das schwerwiegende Argument in die Waagschale, daß ohne das neue Kampfmittel sogar die Behauptung der Westfront fraglich sein würde, — ein Argument, das Czernin zu starkem Einlenken veranlaßte. Der Kaiser wandte sich trotzdem noch in einem Handschreiben an seinen deutschen Verbündeten. Ohne daß er es wußte, erwuchs ihm im Grafen Bernstorff, dem deutschen Botschafter in Washington, in zwölfter Stunde ein eifriger Verbündeter. Bernstorff gab zu bedenken, daß Wilson entschlossen sei, seine Friedensvermittlung fortzusetzen. Deutschland ließ jedoch den amerikanischen Präsidenten zwar seine Friedensbedingungen in allgemeinen Umrissen wissen, bedauerte aber gleichzeitig, daß der an die längst ausgefahrenen U-Boote erlassene Befehl schon aus technischen Gründen nicht mehr widerrufen werden könne. Der Rubikon war, wie Bethmann-Holl-weg nach dem Kriege niederschrieb, bereits überschritten.
Der von Czernin vorübergehend erwogene Gedanke, dem uneingeschränkten U-Bootkriege fernzubleiben, wurde sehr rasch fallen gelassen. So erhielten auch die öst.-ung. Tauchboote, zwölf an der Zahl, die entsprechenden Aufträge. Die Sperrgebiete um Europa nach der Verlautbarung für den 1. Februar 1917 zeigt die Beilage 1.
!) Czernin, Im Weltkriege (Berlin 1919), 2. Aufl., 152 ff. — Werkmann, Deutschland als Verbündeter (Berlin 1932), 107 ff. — Glaise-Horstenau, Österreich-Ungarns Politik in den Kriegsjabren 1914 bis 1917 (Schwarte, Der große Krieg 1914 -1918, V, 327 ff.). — Glaise-Horstenau, Die Katastrophe — Die Zertrümmerung Österreich-Ungarns und das Werden der Nachfolgestaaten (Wien 1929), 90 ff.
2) Kriegsarchiv (Marinearchiv), Österreich-Ungarns Seekrieg 1914—1918 (Wien 1933), 341.
3) Nachfolger Koerbers als Chef der österreichischen Regierung.
Die Regierung der Vereinigten Staaten beantwortete die Erklärung des uneingeschränkten U-Bootkrieges J) am 3. Februar mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland. Wilson begann seinen Kreuzzug gegen die absolutistischen Mächte im Hohenzollernreich. Die sachlichen Folgen waren fürs erste gering, da Amerika schon bisher die Ententemächte aufs reichste mit Geld und Kriegsgerät aller Art Sowie mit sonstigen Nahrungs- und Rohstoffen versorgt hatte. Die Möglichkeit, daß die Union in die Reihe der Feindstaaten abschwenken könnte, war aber in bedenklichem Maße größer geworden.
Die nächsten Entschlüsse für den Landkrieg
Zugleich mit dem Entschluß zum uneingeschränkten Tauchbootkrieg rang sich die DOHL. aber auch zu einem außerordentlich schwerwiegenden Plane für die Kriegführung zu Lande durch. Sie verzichtete, wenigstens fürs erste, auf eine größere Angriffshandlung und war zunächst lediglich darauf bedacht, sich Verfügungstruppen sicherzustellen. Wo der Feind an der Westfront den zu erwartenden Frühjahrsangriff ansetzen werde, konnte im Jänner noch nicht wahrgenommen werden; alle Frontteile erschienen mehr oder weniger bedroht. Man konnte daher jetzt keinen Abschnitt schwächen, um einen anderen möglichst stark zu machen. Eine Abhilfe bot aber die Zurücknahme des gegen Compiegne weit vorragenden Bogens in die zwischen Arras und Sois-sons schon hergestellte kurze Sehnen-(,,Siegfried“)Stellung. Dies ermöglichte ausgiebige Truppenerspamis und machte hier allenfalls schon im Gange befindliche feindliche Angriffsvorbereitungen unwirksam. Trotz des zu erwartenden ungünstigen Eindruckes — nur Männer von dem ungeheuren Ansehen Hindenburgs und Ludendorffs konnten sich solches erlauben — befalil die DOHL. am 4. Februar, nach gründlicher, alle Maßnahmen geheimhaltender Vorbereitung, die etwa fünf Wochen währen mochte, den Rückmarsch in die Siegfriedstellung anzutreten 2).
1J Wegen ihres kleinen Aktionsradius konnten sich die k.u.k. Tauchboote außerhalb der Adria nur wenig betätigen. Die deutsche Marine verfügte am 1. Februar 1917 über 111 seetüchtige U-Boote, die bis Juni auf 132 vermehrt wurden. Hievon hatten 32 in Pola und in Cattaro ihre Stützpunkte. Mehrere von ihnen führten auf Grund eines Übereinkommens die öst.-ung. Kriegsflagge. Am 1. Februar waren in der Nordsee allerdings nur 64, in der Adria bloß 4 deutsche Tauchboote kampfbereit. Vgl. Mich eisen, Der Ubootkrieg 1914—1918 (Leipzig 1925), 48 f.
2j Kuhl, Der Weltkrieg 1914/18 (Berlin 1929), II, 59 ff.
In solcher Lage war es nicht zu wundern, daß der öst.-ung. Gstbsobstlt. Schneller, als er am 23. Jänner in Pleß die Vorschläge Conrads für eine gemeinsame Offensive gegen Italien erstattete, zwar auf keine unbedingte Ablehnung stieß, aber auch keine Zustimmung erntete. Die DOHL. erklärte, sich erst nach Abwehr der für den März im Westen erwarteten Ententeoffensive über ihre nächsten Absichten aussprechen zu können.
Als Conrad wenige Tage später, am 25., in Begleitung des Kaisers in Pleß erschien, empfing er die gleichen Eindrücke wie Obstlt. Schneller. Die Ausführungen der deutschen Generale blieben nicht ohne Eindruck auf ihn. Am 27. nach Baden zurückgekehrt, ließ er vier Tage später das Heeresgruppenkommando Tirol dennoch wissen, daß „unter gewissen Voraussetzungen, die von der Entwicklung der Gesamtlage abhängen“, der Entschluß gefaßt werden könnte, „Italien erneuert anzugreifen. In diesem Falle würde wieder ein Stoß mit sehr starken Kräften aus Südtirol, frühestens in der ersten Maihälfte geführt werden“. Hiefür sollten die erforderlichen materiellen Vorbereitungen eingeleitet werden. Die der Heeresleitung unmittelbar unterstehenden zwei Armeen am Isonzo und in Kärnten wurden lediglich angewiesen, alles für die Behauptung ihrer Stellungen vorzusorgen. Damit aber hatte Conrad die Hoffnung keineswegs aufgegeben, d.aß es ihm doch noch gelingen werde, den von ihm geplanten Schlag gegen Italien zu führen. Der Gedanke, die Entscheidung bis auf weiteres den U-Booten auf hoher See allein zu überlassen, lag dem entschlußfrohen, tatkräftigen FelcLherm allzu ferne.
Wie aus den vorstehenden Ausführungen entnommen werden kann, hielt die DOHL., wohl nicht in voller Übereinstimmung mit FM. Conrad, die Kräfte der beiden verbündeten Kaiserreiche für nicht ausreichend, um schon im Frühjahr an der West- oder an der Südwestfront zum Angriff zu schreiten. Ganz gewiß gebot aber das Kräfteverhältnis im Osten1), wo die Verbündeten fast immer doppelter Überlegenheit
*) Stärkeverhältnis am 1. Februar 1917 an der Ostfront:
41 i/o öst.-ung., 78 deutsche, 5 türkische, 4 bulgarische Infanteriedivisionen, 11 öst.-ung., 1 bulgarische, 11 deutsche Kavalleriedivisionen, Summe 128!/^ Infanterie-und 23 Kavalleriedivisionen mit rund 1,050.000 Gewehren (Karabinern).
216 russische und 15 rumänische Infanteriedivisionen (davon 47 russische und 9 rumänische in Neuaufstellung), 40 russische und 2 (in Reorganisierung befindliche) rumänische Kavalleriedivisionen, Summe 231 Infanterie- und 42 Kavalleriedivisionen mit rund 2 Millionen Feuergewehren.
Im Kaukasus standen von den Russen 15 Infanterie- und 11 Kavalleriedivisionen.
gegenüberstanden, das weitere Verharren in der Dauerstellung. Gleiches hatte auf dem Balkan zu geschehen, da GFM. Hindcnburg einem Vorschlag der Bulgaren, mit deutschen Verstärkungen zur Wegnahme von Saloniki vorzustoßen, nicht nähertrat. Schließlich hatte auch die Türkei lediglich ihren Landbesitz zu verteidigen1).
Eine ,,große strategische Bereitstellung“ nannte Hindenburg diesen völligen Verzicht auf jede angriffsweise Kriegführung zu Land. Das Schicksal der Mittelmächte mußte zunächst der jedweder Einschränkung überhobenen Tätigkeit der Unterseeboote überantwortet bleiben. Der Schwerpunkt des Krieges war hiemit auf das Meer verlegt2).
Ende Jänner kam den Mittelmächten die beunruhigende Nachricht zu, Franzosen und Italiener hätten die Absicht, die Schweiz zu überrumpeln und über sie hinweg nach Deutschland oder nach Westtirol vorzustoßen. FM. Conrad ließ sogleich alle Möglichkeiten prüfen, um gegebenenfalls der Eidgenossenschaft beizustehen. Als bestes Mittel erschien ihm die rasche Durchführung der von ihm angeregten Offensive gegen Italien. Er war jedoch auch bereit, die Schweiz unmittelbar, zunächst mit schwerer Artillerie, zu unterstützen. Auf die von Conrad dem Schweizer Oberbefehlshaber Oberst-Korpskommandanten Sprecher v. Bernegg mitgeteilten Gesichtspunkte gab dieser dem k.u.k. Militärattache in Bern gegenüber der Anschauung Ausdruck, daß im Falle eines Angriffes der Entente auf die Schweiz ihm die Franzosen als die gefährlicheren Feinde erschienen. Diesen entgegenzutreten, müßte er soviel Truppen wie nur möglich, etwa 21 Brigaden, einsetzen. Gegen Italien würde nur so viel stehen bleiben, wie zur Rückendeckung der genannten Hauptkräfte nötig wäre, etwa drei Brigaden2). Die Verteidigung der Südfront würde in diesem Falle unter Preisgabe des Kantons Tessin über die Pässe St. Gotthard, Splügen und Bernina zum Wormserjoch gelegt werden. Die Behauptung des letztgenannten, nahe der Tiroler Grenze gelegenen Überganges bliebe den Streitkräften Österreich-Ungarns überlassen.
Pläne und Konferenzen bei der Entente
Der Kriegsrat im November 1916 zu Chantilly
Schon anfangs November 1916 hatten die militärischen Führer der Entente erkennen müssen, daß das Ergebnis des Jahres keineswegs ihren ursprünglich hochgespannten Erwartungen entsprach. Diese Enttäuschung, dann die Sorge vor einer Verschärfung des deutschen U-Boot-krieges sowie die noch immer unentschiedene Haltung Nordamerikas und Griechenlands, vor allem aber die wachsenden inneren Schwierigkeiten Rußlands waren der Gründe genug, um das Erzwingen der Entscheidung im Jahre 1917 ratsam erscheinen zu lassen.
Zur Vereinbarung des hiezu nötigen Kriegsplanes versammelten sich der französische Generalissimus Joffre, der englische Reichsgeneralstabschef Sir William Robertson, der Oberbefehlshaber der britischen Truppen FM. Sir Douglas Haig, GLt. nob. Porro als Vertreter Italiens, der Russe Gen. Palitzyn, dann je ein Vertreter Belgiens, Rumäniens und Serbiens am 15. und 16. November im französischen Hauptquartier zu Chantilly. Man beschloß, die alliierten Heere auf allen europäischen Kriegsschauplätzen zur gleichen Zeit und auf möglichst breiter Front angreifen zu lassen. Um den Gegnern auf alle Fälle zuvorzukommen, sollte der Generalansturm möglichst gleichzeitig schon in der ersten Februarhälfte 1917 beginnen. Bei dieser anzustrebenden Gleichzeitigkeit war ein Spielraum von drei Wochen zugestanden.
Im besonderen wurde noch festgesetzt, daß Bulgarien durch einen Zangenangriff des auf 23 Divisionen zu verstärkenden Orientheeres und der von Norden her vorstoßenden Russen und Rumänen niederzuwerfen sei. In jenen Tagen — den Deutschen war eben der Durchbruch durch das Vulkangebirge gelungen (Bd. V, S. 523 ff.) — mochte allerdings noch niemand geahnt haben, welch traurigem Schicksal das rumänische Heer entgegenging. Im übrigen wollte man minder wichtige Abschnitte zugunsten der Hauptkampfplätze nur mit den unumgänglich nötigen Kräften bedenken. Auch sicherten sich die Konferenzteilnehmer neuerlich gegenseitige Hilfe für den Fall zu, daß eine der Mächte vom Feinde angegriffen werden würde. Hiezu hatten die Generalstäbe Frankreichs, Englands und Italiens die Möglichkeit rascher Truppen Verschiebungen schon jetzt zu studieren1).
x) Oehmichen, Essai sur la doctrine de guerre des coalitions (Paris 1927', 133 ff.
Der zu Chantilly beschlossene, selu- einfach erscheinende Kriegsplan machte aber doch noch eine Reihe von Sonderverhandlungen nötig, durch die die ursprünglichen Absichten nicht unerheblich abgeändert wurden — fürs erste in Frankreich selbst. Hier wurde der Höchstkommandierende, Gen. Joffre, Mitte Dezember durch den Gen. Nivelle ersetzt, der sich bei Verdun eben frischen Siegeslorbeer erworben hatte. Im Gegensatz zu Joffre, der eine Fortsetzung des Angriffes an der Somme geplant hatte, wo die durch die Sommerschlacht 1916 erzeugten Einbuchtungen in der deutschen Front zu umfassenden Angriffen auf beiden Ufern einluden, steckte sich Nivelle höhere Ziele. Er plante den ganzen, zwischen Arras und Reims nach Südwesten vorspringenden Bogen der Deutschen von Westen und von Süden umfassend zu bestürmen und zu zerdrücken, wobei das Schwergewicht an die Aisne gelegt werden sollte. Dies bedingte aber eine Verschiebung des Angriffsbeginnes auf den April1). Es darf hier schon darauf hingewiesen werden, daß der Angriff Nivelles gerade in jenem Raume erfolgen sollte, in dem die Deutschen ein Rückverlegen ihrer Front in Aussicht genommen hatten.
Wandlungen der russischen Angriffspläne
Sehr angriffslustig zeigte sich, trotz der bisher erlittenen ungeheuren Einbußen von viereinhalb Millionen Mann an Toten, Gefangenen und dauernd untauglich gewordenen Verwundeten2), das Zarenreich. Es wollte sich bei Einsatz einer möglichst großen Truppenzahl und mit reichlichem Kriegsgerät an dem vereinbarten Generalangriff der alliierten Staaten beteiligen. Die bis Ende 1916 bereits erfolgte Vermehrung der Infanteriedivisionen (von Nr. 128 bis Nr. 138) konnte dem Vorhaben nur förderlich sein. Überdies beschloß Gen. Gurko, der Stellvertreter des erkrankten Generalstabschefs Gen. Alexejew, vom Jänner 1917 an alle Divisionen, mit Ausnahme der Garde, von 16 auf 12 Bataillone umzustellen, wodurch die Aufstellung von 62 neuen Divisionen — allerdings, zunächst ohne Artillerie — möglich wurde. Da es aber an Offizieren und Unteroffizieren fehlte, war diese Maßnahme für das Gefüge der Truppen von großem Nachteil; es sollte noch verderbliche Folgen haben3).
Zur weiteren Entschlußfassung traten Ende Dezember im Hauptquartier zu Mohilew der Zar und Gen. Gurko mit den Befehlshabern der drei russischen Fronten zusammen; hiebei ergaben sich wesentliche Meinungsverschiedenheiten. Die Befehlshaber der Nord- und der Westfront, die Generale Rußki und Ewert, trugen, im Gegensatz zu ihrem Verhalten im Jahre 1916, viel Tatenfreudigkeit zur Schau. Sie forderten, daß die entscheidenden Kriegshandlungen nördlich vom Polesie zu führen seien. Rußki wünschte von Riga aus nach Süden vorzustoßen. Ewert glaubte mit einem von Smorgon auf Wilna geführten Hauptangriff der Sache am besten nützen zu können. An der Südwestfront wollte Brussilow auf dem kürzesten Wege gegen Lemberg angreifen1). Verfolgte somit jeder Frontkommandant seine Sonderziele, so waren sie sich doch darin einig, daß die Offensive nicht vor Ende April oder Anfang Mai beginnen könne. Für den gleichen Zeitpunkt nahm man auch die Verstärkung der rumänischen Front durch etwa 20 Divisionen in Aussicht, da man hoffte, die hiezu nötigen Bahnausgestaltungen bis dahin beendet zu haben.
Anders die Stawka; Zar und Stabschef waren zunächst gewillt, im Sinne der Beschlüsse von Chantilly noch im Winter an der rumänischen Front den Angriff gegen Bulgarien losbrechen zu lassen, der eben weitere Kräfte zurollten. Da die Frontkommandanten dagegen Einsprache erhoben, einigte man sich schließlich zu einem Mittelding. Kam der Angriff der Westmächte tatsächlich im Februar zustande, so wollte man bei jeder Heeresfront den Gegner durch Unternehmungen fesseln, die Hauptangriffe, insbesondere gegen Bulgarien, aber auf das Frühjahr verschieben. Bis dahin hoffte man auch in der Beschaffung des Kriegsgerätes um einen großen Schritt vorwärtsgekommen zu sein und die im Gange befindliche Heeresvermehrung durchgeführt zu haben2).
Die Beschlüsse von Mohilew blieben nicht unwidersprochen. Sowohl der sich wieder seiner ursprünglichen Ansicht besinnende Gen. Ewert wie der in der Krim zur Erholung weilende Gen. Alexejew trugen Bedenken gegen eine Verwendung der Masse des Zarenheeres in Rumänien, weil sich Deutschland dann auf die von Reserven entblößte russische Front werfen konnte. Nach der Meinung Alexe je ws war der Hauptangriff auf Lemberg und auf Máramaros-Sziget zu führen, indes sich die Nordfront, die anfangs Jänner bei Riga eben einen vereinzelten
Mémoires du General Broussilov. Guerre 1914—1918 (In französischer Sprache, Paris 1920), 240.
2) Gurko, 172.
und ergebnislos gebliebenen Teilangriff unternommen hatte (Bd. V, S. 5^1), mit einem Nebenangriff zu begnügen gehabt hätte1).
Die besonderen Verhältnisse Rußlands ließen eine neue Konferenz der Alliierten nötig erscheinen. Ende Jänner 1917 versammelten sich die militärischen Vertreter Frankreichs, Englands und Italiens sowie der Kronprinz Carol von Rumänien samt dem Ministerpräsidenten Bra-tianu in Petersburg. Trotz der begreiflichen Forderung Rumäniens nach baldiger Offensive gegen Bulgarien kam man — wenn man auch die Notwendigkeit eines gleichzeitigen Angriffes auf allen Fronten neuerlich betonte — zu keinem endgültigen Beschluß. Die Rumänen gewannen sogar den Eindruck, daß für die Stawka der Sereth nur eine Vorposition bedeutete, der Hauptwiderstand aber am Pruth, vielleicht sogar am Dniester gedacht war2). Auch der die Offensive gegen Bulgarien betreibende französische Gen. de Castelnau berichtete, daß von den Russen am Sereth kaum mehr als ein Scheinuntemehmen zu erwarten sei.
Schließlich verfaßte Gurko einen vom Zaren am 9. Feber genehmigten Kompromißvorschlag, in dem auch Alexejews Ratschläge berücksichtigt wurden. An der rumänischen Front, der auch noch im Jänner Verstärkungen zuflossen, hatten zunächst die Nachschubschwierigkeiten überwunden und das niedergebrochene rumänische Heer reorganisiert und ausgebildet zu werden. Als Auftakt zur allgemeinen Frühjahrsoffensive sollte dann an der rumänischen Front angegriffen und die Dobrudscha erobert werden. Ferner sah der Plan Gurkos eine Verstärkung der Südwest- und der Nordfront der Russen vor. Brussilow hatte den Hauptangriff auf Lemberg und Nebenangriffe in der Richtung auf Sokal und Máramaros-Sziget zu führen. Das Nordheer Rußkis sollte sich dagegen auf einen Hilfsangriff beschränken, während bei der Heeresgruppe Ewert lediglich kleinere Unternehmungen zur Fesselung des Gegners vorgesehen waren3).
So schien anfangs Februar Rußland alles in die Wege geleitet žu haben, um mit voller Kraft an die neuen Kriegsaufgaben herangehen zu können. Die voraussichtlichen Verluste während der kommenden Frühjahrs- und Sommerkämpfe berechnete man mit 500.000 Mann in jedem Monat, für die ruhigeren Wintermonate mit je 150.000 Streitern. Zur
Innere Schwierigkeiten Italiens
Deckung dieses ungeheuren Abganges verfügte man über zwei Millionen Mann, die zur Zeit in den Ersatztruppenteilen ausgebildet wurden. Im Frühjahr wollte man auch die Neunzehnjährigen ausheben. Mit diesen Ersätzen und mit dem monatlichen Zugang an wiedergenesenen Kranken und Verwundeten hoffte die russische Heeresleitung, den Abgang decken zu können.
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Allerdings liefen um diese Zeit in den Kreisen der Duma und der russischen Gesellschaft Gerüchte um, daß sich etwa zwei Millionen fahnenflüchtiger Soldaten daheim in den Dörfern versteckt hielten1). Auch flackerten hier und dort Aufstände und Streiks auf, und Mitglieder der Petersburger Konferenz hatten den Eindruck gewonnen, daß Rußland zu einer entscheidenden Kraftäußerung überhaupt nicht mehr fähig sein werde. Aber die leitenden politischen und militärischen Stellen schienen noch nicht zu ahnen, daß im Zarenreiche der Umsturz knapp vor der Türe stehe.
Die militärische Lage Italiens
In Italien sah man Ende 1916 dem neuen Jahre mit Sorge entgegen. Die großen Opfer, die der Krieg bis jetzt gefordert hatte, standen nicht im Einklang mit den bescheidenen Erfolgen. Bloß in Görz hatten die italienischen Truppen die Trikolore aufzupflanzen vermocht. Die Städte Triest und Trient, die Operationsziele des italienischen Heeres, lagen noch immer hinter der öst.-ung. Front, und die Bindungen, die man 1915 in London ei,ngegangen war, wurden von einem Teil des Volkes, namentlich von einer Gruppe der Sozialisten, mitunter schon als drückende Fessel empfunden.
So war die Stimmung im apenninischen Königreich gedrückt. Gegen Ende 1916 kam es in verschiedenen Städten Italiens zu Kundgebungen gegen den Krieg. Vor allem waren es die Sozialisten, die sich bedenkenlos für den Friedensschluß einsetzten, insbesondere nach Bekanntwerden des Friedensangebotes der Mittelmächte. In der Kammer kam es zu offenen Angriffen gegen die Kriegsparteien. „Dieser andauernde Feldzug gegen den Krieg, dem die Regierung nicht zu steuern vermochte, war Gift für die moralischen Energien und übte seine schädliche Wirkung auf das Heer2)." Im Gegensatz hiezu wurde die italienische Kriegsleitung nimmer müde, die üblen Geister zu bannen, die Stimmung im
]) Gurko, 117.
2) G e 1 o s o, Le battaglie di Gorizia e della Bainsizza (Rom 1929), 120.
Heere aufzurichten und mit dem Ziele, im kommenden Jahre den Krieg siegreich zu beenden, alle Kräfte und Mittel ein letztesmal aufzubieten.
G-emäß den Beschlüssen von Chantilly sollte sich auch das italienische Heer für den im Monat Februar zu unternehmenden Generalangriff bereitstellen. Doch in Italien schwankte der Wille, den Krieg vereinbarungsgemäß zu führen, nicht unerheblich. Da wurde anfangs Jänner 1917 eine neue Konferenz der Staatsmänner und Generalstabschefs der Ententemächte nach Rom einberufen. Offenbar sollte die Eintracht der Alliierten den Italienern recht sinnfällig vor Augen geführt und die öffentliche Meinung im Lande aufgerichtet werden. Auch galt es, die Kriegsziele zu überprüfen.
Unter den Konferenzteilnehmern befand sich auch Lloyd-George, ein Mann beweglichen Geistes, der seit Dezember 1916 die Geschicke Großbritanniens als Premierminister lenkte. Er griff gerne auch in militärische Fragen ein; so bezeichnete er — wie seinen Denkwürdigkeiten zu entnehmen ist — die Konferenz zu Chantilly als „eine reine Komödie“ und die bisherige Kriegführung als „talentlos“ *). In Rom überraschte er die Ratsversammlung mit der neuen Idee einer gemeinsamen Offensive der Franzosen, Engländer und Italiener durch die Julischen Alpen auf Laibach und Wien, durch die das alte Kaiserreich niedergeworfen werden sollte2).
GLt. conte Cadorna nahm diese Anregung mit Freuden auf. Er arbeitete einen Operationsentwurf aus, in dem er der Meinung Ausdruck verlieh, daß schon durch die Eroberung von Triest oder besser noch der Julischen Alpen (worunter er offenbar den Raum zwischen Triglav und Krainer Schneeberg verstand), die Savelinie bedroht und das Donaureich in eine ernste Krise versetzt werden würde. Für die Offensive verlangte er eine Unterstützung durch wenigstens 300 englisch-französische schwere Geschütze sowie durch mindestens acht Infanteriedivisionen.
Die Generalstäbe der Westmächte, die ihre Kriegspläne nach den Richtlinien Nivelles schon geschmiedet hatten, ließen sich aber in der festen Überzeugung, daß die Kriegsentscheidung auf Frankreichs Boden erkämpft werden müsse, nicht dazu bewegen, so namhafte Kräfte für einen Kriegsschauplatz abzugeben, den sie als nachgeordnet betrachteten. Sie wären bestenfalls zur Beistellung der 300 Geschütze bereit gewesen, jedoch nur bis Anfang April, weil man dann den mittlerweile auf diesen Zeitpunkt verschobenen Hauptangriff gegen Deutschland durchzuführen
Lloyd-George, War Memoirs (London 1933), II, 658.
-) Robertson, Soldaten und Staatsmänner 1914—1918 (Berlin 1927), 400 f.
gedachte. Dies paßte jedoch Cadorna nicht, weil er an der italienischen Front Kriegshandlungen großen Stils vor dem April für nicht durchführbar hielt, und ihm die Zeitspanne für den Einsatz der erbetenen schweren Artillerie als zu kurz erschien.
Die italienische Heeresleitung stellte nunmehr ihre Offensivpläne zurück. Verdrossenheit wegen des raschen Zerflatterns der von LloydGeorge erweckten Hoffnungen war nicht allein die Ursache. Das Überwiegen des Verteidigungsgedankens scheint vielmehr durch Nachrichten hervorgerufen worden zu sein, die über eine geplante gemeinsame Offensive Österreich-Ungarns und Deutschlands gegen Italien beim Höchstkommando zu Udine eingelaufen waren. Ob diese Meldungen mit den von Conrad am 23. Jänner an Hindenburg gestellten Anträgen (S. 9) irgend einen Zusammenhang hatten, kann nicht festgestellt werden. Jedenfalls ist aber die anfangs Februar in GLt. Cadoma erwachende Besorgnis bemerkenswert, „daß der Gegner im Frühjahr die Strafexpe-dition“ — so nannte man die Südtiroler Offensive des Jahres 1916 — „erneuern würde, und diesmal nicht allein mit öst.-ung., sondern auch mit deutschen* Kräften, und zwar gleichzeitig von Tirol heraus und über den Isonzo“1).
Zu dieser Zeit kam der neue französische Oberbefehlshaber, Gen. Nivelle, nach Udine. Cadorna legte ihm dar, daß das italienische Heer einem übermächtigen Angriff der beiden Mittelmächte nicht gewachsen wäre. Auf Grund dieser Rücksprache wurden im Sinne der Konferenz von Chantilly die ersten Vorbereitungen für eine etwaige Verschiebung englisch-französischer Truppen nach Oberitalien getroffen, der später noch eine bedeutsame Rolle zufallen sollte.
Im Dezember 1916 hatte die Ententefeldherren überdies die Frage beschäftigt, wie einem deutschen Durchmarsche durch die Schweiz — sei es gegen Frankreich oder gegen Italien — zu begegnen wäre. Es ist jedenfalls auffallend, daß ungefähr um die gleiche Zeit in beiden feindlichen Lagern Gerüchte über bevorstehende Verletzungen der Schweizer Neutralität durch die kriegführenden Parteien aufflackerten. Cadorna beschloß hierauf, die an der Schweizergrenze stehenden Sicherungen zu verstärken, wozu im Februar eine Brigade und einige Radfahrerbataillone nach Como verschoben wurden2). Die französische Heeresleitung plante, bei aufsteigender Gefahr an der Schweizer Westgrenze Kräfte zu versammeln und trat auch mit Bern in Verbindung. Diese
*) Cadorna, La guerra alla fronte italiana. Neudruck. (Mailand 1934), 343.
2) Ministero della guerra, Brigate di fanteria (Rom 1926), VIII, 87.
Fühlungnahme von beiden Seiten (S. 10) beunruhigte nun auch die Eidgenossenschaft; sie verstärkte ihren Grenzschutz, der nach d.er allgemeinen Mobilisierung im August 1914 (250.000 Mann) allmählich auf 30.000 Streiter herabgesetzt worden war1), durch die am 16. Jänner 1917 verfügten Einberufungen auf S6.000 Mann. Die Schweiz war eben festen Willens, sich mit der Waffe in der Hand gegen den zu wenden, der zuerst ihre Neutralität verletzen würde, mochte dieser Angriff von welcher Seite immer erfolgen. Die Gefahr ging aber vorüber. Die Erhaltung der Neutralität der Schweiz lag nicht weniger im Interesse der Entente als in jenem des Vierbundes.
Über alle diese Besprechungen und Maßnahmen berichtete Cadoma dem Ministerpräsidenten. Über die gegenseitige Hilfeleistung sei man grundsätzlich wohl einer Meinung; für den Augenblick seien jedoch keine Beschlüsse für eine tatsächliche Zusendung von Truppen und Artillerie gefaßt worden. Gen. Nivelle sei der Meinung, daß, wenn Italien in Bedrängnis gerate, eine vom französischen und vom englischen Heer an der deutschen Westfront sofort aufzunehmende Offensive die Entlastung bringen würde. Es sei gegenwärtig auch noch sehr fraglich, ob England die von Lloyd-George in Aussicht gestellte Artillerie beistellen werde. So werde Italien aller Voraussicht nach den Krieg an seiner Front allein fortführen müssen.
Trotzdem gab Cadorna den Gedanken an eine Beteiligung Italiens an der zu Chantilly vereinbarten Generaloffensive nicht auf. Er schrieb nach Rom: „Bei der hohen Bedeutung der Kriegshandlungen, die im laufenden Jahre aller Wahrscheinlichkeit nach entscheidend sein werden, müssen wir all unsere Tatkraft aufwenden und alle Hilfsquellen ausschöpfen,... um den Sieg an unsere Fahnen zu heften2).“ In der Tat wurden die Zurüstungen eifrigst fortgesetzt. Einen fest umrissenen Angriffsplan gab es im Februar 1917 beim italienischen Oberkommando aber noch nicht.
Balkanpläne der Entente
Nicht besser stand es auf dem Balkan. Hier waren zunächst die Franzosen darauf bedacht, den immer mehr unter der Bedrohung durch feindliche Unterseeboote leidenden Nachschub zu bessern. Sie forderten
\ Bordeaux, 90 f. — K u h 1, Weltkrieg, II, 74. rj Cadorna, La guerra, 349.
die Italiener auf, in Tarent eine Zwischenbasis zu errichten, von der aus die Mannschafts- und Materialtransporte an die griechische Küste nach Santi Quaranta und dann auf einer von französischen Baukräften zu erbauenden Etappenstraße über Korea nach Florina geführt werden sollten!).
. Um die Frage der Verstärkung des Orientheeres zu bereinigen > tagte am 26. Dezember 1916 eine Konferenz zu London. Hier prallten die Gegensätze zwischen England und Frankreich hart aufeinander. Die Franzosen, die bis Anfang Jänner 1917 zwei Divisionen als Verstärkung nach Saloniki gelangen ließen, forderten von England die gleiche Opferbereitschaft. Lloyd-George sah jedoch die Interessen Englands durch eine Offensive im Irak und an der Palästinafront besser gewahrt als durch einen neuen Balkanfeldzug. Er beantragte deshalb die Räumung von Monastir und das Zurückführen der Truppen in eine näher an Saloniki gelegene, günstige Verteidigungsstellung.
Da man in London über diese Streitfrage nicht ins reine kam, blieb die endgültige Schlichtung der anfangs Jänner in Rom tagenden Konferenz Vorbehalten. England fand hier seine Ansichten durch Italien, Frankreich die seinigen durch Rußland, Serbien und Rumänien unterstützt. Lloyd-George wiederholte seinen Antrag, Monastir aufzugeben und auf eine große Balkanoffensive zu verzichten. Dagegen sprachen die zu erwartenden Rückwirkungen auf die Serben und die Griechen sowie die dann eintretende Gefährdung der neuen in der Nähe der Front verlaufenden Etappenlinie.
Das Ergebnis der beiden Konferenzen war schließlich für den Balkan recht dürftig. Die Front in Mazedonien war zu behaupten; die Franzosen versprachen noch weitere zwei Divisionen dorthin abzusenden, da England und Italien jedwede Truppenabgabe ablehnten. Der bei den Engländern nur wenig beliebte Gen. Sarrail behielt zwar vorläufig noch sein Kommando bei, gewann jedoch dem englischen Gen. Milne gegenüber nur wenig an Einfluß. Bis anfangs Februar wußte Sarrail nur so viel, daß eine gemeinsame Offensive der Entente an allen Fronten geplant sei; einen strikten Angriffsbefehl hatte er aber noch nicht in Händen. Seinem englischen Untergebenen, dem Gen. Milne, war aber von London schon der gemessene Auftrag zugekommen, sich lediglich auf die reine Verteidigung zu beschränken2).
1) L a r c h e r, La grande guerre dans les Balkans (Paris 1929), 179; 188.
2) D e y g a s, L’armee d’orient dans la guerre mondiale (Paris 1932), 141. — L a r c h e r, 193.
Fnßt man das Ergebnis der um die Jahreswende 1916/17 auf beiden Seiten außerordentlich regen Verhandlungs- und Beratungstätigkeit zusammen, so ergibt sich, daß sich Deutschland für die reine Abwehr auf dem Lande und für die Offensive mit U-Booten zur See entschlossen hatte1). Da seine drei Bundesgenossen im hohen Maße von Deutschland abhängig waren, war dessen Entschluß auch für sie bestimmend. Die Ententemächte wollten, da sich der allgemeine Angriff im Februar als undurchführbar erwiesen hatte, im April an allen Fronten anstürmen. Ein fester Wille hiezu bestand anfangs Februar aber nur bei den Westmächten. Es wird in einem späteren Kapitel noch zu erörtern sein, welche Beweggründe und Ereignisse ein noch weiteres Auseinanderflattern des geplanten Generalangriffes der Entente bewirkten.
K u h 1, Weltkrieg, II, 54.
DIE ENTWICKLUNG DER ÖST.-UNG. WEHRMACHT IM JAHRE 1916
Die Erfahrungen aus der Heer- und der Kampfführung
Der Krieg im Gebirge
Als das an Ereignissen überreiche Kriegsjahr 1916 zu Ende gegangen war, ohne eine Entscheidung gebracht zu haben, mochten zahlreiche hohe Führerstellen des k.u.k. Heeres die abgelaufenen Feldzugsphasen einer Überprüfung unterzogen haben, um festzustellen, welche Leitgedanken der Kriegführung und welche Arten der hiebei angewendeten Kampf methoden sich bewährt hatten; wo das Gegenteil eingetreten war, mußte nach Neuem Ausschau gehalten werden.
Von den beiden Hauptkriegsschauplätzen, auf denen öst.-ung. Armeen fochten, hatte der eine, der südwestliche, eine durchwegs im Gebirge oder über schwierigen Karstboden verlaufende Front. Auch an der Ostfront lagen die Kampfstellungen zwischen dem Panthyrpaß und den Karpathenausläufern nordwestlich von Focsani im hohen Waldgebirge. Es ist daher verständlich, daß man sich sehr eingehend mit der Kriegführung im Gebirge befaßte. Dies schon deshalb, weil nach dem Vorhaben Conrads die Entscheidung im Jahre 1917 zunächst im Südwesten gesucht werden sollte. Hier war und blieb das Hauptproblem immer, wie man am raschesten und am sichersten aus dem Gebirge in die venezianische Ebene gelangen könnte; hiebei sollte noch angestrebt werden, daß dieser Stoß in operativ wirksamer Richtung erfolge.
Die ursprüngliche Idee Conrads für die Frühjahrsoffensive 1916 gegen Italien war ein doppelseitiger Angriff aus Südtirol heraus und über den Isonzo hinweg gewesen. An der Richtigkeit dieses Planes gab es keine Zweifel. Deshalb entwarf die I-Gruppe des k. u.k. AOK. auch den Angriffsplan für 1917, wie im vorhergehenden Abschnitt erörtert wurde, wieder nach diesem Grundgedanken. Aus Mangel an Kräften hatte man sich 1916 aber bloß mit dem Angriff aus einer Richtung bescheiden müssen. Er wurde von den Hochflächen von Lavarone und Folgaria in südöstlicher Richtung angesetzt, weil man sich hievon mit Recht eine entscheidende Wirkung versprach. Dieser Stoß gelangte jedoch in der Zeit, ehe der mächtige Verbündete Italiens, das Zarenreich, die Einstellung des Angriffes erzwang, nicht bis in die Ebene. Die verschiedenen Ursachen dafür, daß der Stoß in drei Wochen die nicht viel mehr als 20 km breite Gebirgszone nicht zu durchdringen vermochte, sind im IV. Bande eingehend erörtert worden und sollen in ihren Kernpunkten nochmals angeführt werden.
Als anfangs Februar 1916 der von FM. Conrad seit langem gehegte, außerordentlich kühne Plan zur Offensive aus Südtirol zum Entschlüsse reifte, wurde die Masse der zum Angriff erwählten Heereskörper vom russischen Kriegsschauplätze und von der Isonzofront geholt, ferner wurden auch zwei angriffsgeübte Gebirgsdivisionen vom Balkan herangeführt. Die Kriegserfahrung, die Technik der Kampfführung und nicht zuletzt die seelische Kraft dieser Truppen waren zur Zeit recht verschieden. Die Mehrzahl war an Angriffshandlungen nicht mehr gewöhnt. Es wirkte daher günstig, daß diese Truppen Gelegenheit fanden, durch mehrere Wochen ihre Kenntnisse in der Gefechtsführung aufzufrischen und im besonderen den Kampf im Gebirge zu lernen und zu üben. Die Aufgaben, die ihnen bevorstanden, waren allerdings ganz ungewöhnlicher Art. Eine Schlacht größten Stiles sollte nun im Hochgebirge geschlagen werden. Es galt aber nicht allein einen etwa 2000 m hohen und rund 20 km breiten Bergwall zu überwinden, sondern auch eine Zone stärkster, schon im Frieden angelegter, mit Panzerwerken gespickter Befestigungen zu durchbrechen. Nur mit einer sehr mächtigen Artillerie, vor allem mit Hilfe der unübertroffenen 30.5 cm-Mörser, deren Geschosse die starken Betondecken der bekannten italienischen Panzerwerke zu durchschlagen vermochten, war ein derartiges Unternehmen möglich. Der Plan Conrads war denn auch erst spruchreif geworden, als dank der außerordentlichen Leistungsfähigkeit der Kriegsindustrie eine große Zahl dieser Mörser sowie auch mehrere 38 cm- und 42 cm-Haubitzen, ferner eine reiche Menge an Schießbedarf aller Kaliber zur Verfügung standen.
Bezeichnend für die Vorbereitung dieser Schlacht war, daß der Aufmarsch der Artillerie zunächst vollkommen unabhängig von der Infanterieführung und um mehrere Wochen früher als der Aufmarsch der Infanterie eingeleitet und durchgeführt wurde. Dies war nur möglich, weil auf den Hochflächen von Folgaria und Lavarone, die gewissermaßen das Sprungbrett für die Offensive bildeten, in den österreichischen Befestigungen ein verläßlicher Schutz für den Artillerieaufmarsch gegeben war. Die Gruppierung der Artillerie wurde bemerkenswert nahe der vordersten Linie meisterhaft durchgeführt. Die Aufstellung gestattete jederzeit, Massenfeuer auf diesen oder jenen Punkt der Angriffsfelder der beiden, den Stoßkeil bildenden Mittelkorps XX und III zu legen.
Rückschau auf die Offensive aus Südtirol 1916
In dem ersten und grundlegenden Plan für die Offensive hatte der Sinn einer Durchbruchsschlacht in vollkommenster, auf Tiefenwirkung abzielender Form Ausdruck gefunden. Die Streitkräfte wurden in zwei Armeen geteilt. Eine erste, größere und mit starker Artillerie versehene Armee sollte die feindliche Front vollständig durchstoßen; eine zweite Armee sollte nachmarschieren, um dann hinter der bezwungenen feindlichen Front, hier also in der Ebene, vollkräftig zur Wirkung zu kommen. Dieser gewiß ungewöhnliche Gedanke fand nicht ungeteilten Beifall. Er ist dennoch höchst bemerkenswert und kehrt später nicht allein in neuen Plänen Conrads, sondern auch in ähnlicher Form bei anderen Heerführern wieder, so beim Angriff der Westmächte gegen die deutsche Front an der Aisne im Frühjahr 1917, bei dem Gen. Nivelle hinter den Durchbruchskräften eine Verfolgungsarmee mit sehr starker Reiterei bereit hielt.
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Auf eine Überraschung des Feindes, die bei der Anlage der Südtiroler Offensive natürlich angestrebt wurde, konnte, je länger der Beginn des Angriffes wegen der hohen Schneelage im Gebirge hinausgeschoben wurde, immer weniger gerechnet werden. Wenn das durch die Unbill des Wetters erzwungene Zuwarten immerhin auch dem Feinde zugute kam, so gestattete diese Zeit doch den Angreifern, sich auf ihr Vorhaben sorgfältigst vorzubereiten, um den voraussichtlichen stärkeren Widerstand der Italiener durch eine desto gewaltigere Kraftentfaltung zu brechen. Denn der Anblick der feindlichen Panzerwerke — einzelne waren mit freiem Auge deutlich sichtbar — übte jetzt einen um so tieferen Eindruck aus, als Berichte über die Schlacht bei Verdun (Dou-aumont und Vaux) die Schwere des Kampfes um solche Befestigungen ahnen ließen. Mochten auch die Artilleristen selbstbewußt versichern, daß sie die sperrenden Bollwerke der Italiener gründlich in Trümmer schlagen würden, so hielten die zum ersten Angriffe ausersehenen Infanterie- und Sappeurtruppen es doch für geboten, Übungen mit den Mitteln des Festungskrieges, also mit Sturmleitern, Wurfbrücken, Spreng-röhren u. dgl. m. vorzunehmen.
So wurde ein planvolles Angriffsverfahren ausgearbeitet, um den Verlauf der Offensive zu einer schwungvollen Kriegshandlung zu gestalten. Die Befestigungszonen des Feindes sollten nunmehr nacheinander und abschnittsweise zermürbt und durchbrochen werden. Man war sich darüber klar, daß die Ziele der ersten Phase innerhalb jener Grenzen zu liegen hätten, die der äußerste Wirkungsbereich der weittragenden schweren Geschütze bezeichnete. Dann sollte stehen geblieben und der Aufmarsch der Artillerie zur zweiten Kampfphase abgewartet werden. Die Kampfhandlung der Infanterie wurde im stärksten Maße an jene ihrer Schwesterwaffe gefesselt. Der Gedanke wurde vorherrschend, die mächtige Artillerie, über die man endlich einmal verfügen konnte, zur vollen Geltung zu bringen und der Infanterie vermeidbare Opfer zu ersparen. Ein Menschenleben ist mehr wert, als zehn der schwersten Bomben, so lautete die Schlagzeile in einem zu dieser Zeit gegebenen Befehl. Ferner wurden die Unterführer darauf aufmerksam gemacht, daß nur derjenige auf Anerkennung und Auszeichnung rechnen. könne, der mit möglichst geringen Opfern sein Ziel erreichte.
Das Zusammenwirken der beiden Hauptwaffen war geradezu musterhaft vorbereitet worden. Ein dichtes Netz verläßlicher Drahtverbindungen vermittelte den Verkehr zwischen den Befehlsstellen verschiedener Ordnung. Es war ermöglicht, daß auch die Führer kleiner Infanterieangriffsgruppen in steter Verbindung nicht allein mit den nächsten Batterien standen, sondern auch mit den höheren Artillerieführern und deren zahlreichen Beobachtern, die das Schlachtfeld in allen Richtungen überblickten. Dies förderte die Gefechtsführung außerordentlich. Mehr als anderswo entschied im Gebirge der Besitz einzelner von der Natur gegebener oder von Menschenhand geschaffener Stützpunkte über das Schicksal ausgedehnter Räume im Umkreis. Solche Stützpfeiler der feindlichen Front bildeten denn auch nacheinander Ziele des Angriffes, und es genügte ein Anruf des an Ort und Stelle befehlenden Infanterieführers an die Artillerie, um in wenigen Minuten ein Massenfeuer auf sie auszulösen. Durch dieses exakte Zusammenspiel blieben die Verluste der Angreifer in der Tat sehr gering.
Soweit der Ertrag der schweren Artillerie reichte, ging es ganz den Erwartungen gemäß vorwärts. Das planmäßige Angriffsverfahren bewährte sich vorzüglich. Als man jedoch an die Ertragsgrenze der Angriffsartillerie kam, drängte sich gebieterisch eine schwerwiegende Frage auf. Der Feind hatte beim Zusammenbrechen seiner ersten Verteidigungszone ungeheure Verluste erlitten, fast alle Geschütze verloren und war zumeist nicht imstande, in den hinteren Stellungen Halt zu machen. Sollte man nun stehen bleiben, um das Vorkommen der schweren Artillerie abzuwarten? Oder sollte man sogleich nachstürmen, um die nächste Bergstellung des Feindes im raschen Zugriff, also ohne Unterstützung durch die fahrende Artillerie, in Besitz zu nehmen? Das Für und Wider beschäftigte in diesen Tagen und Stunden lebhaft die höheren Führer. Indessen konnte der Antrieb zu raschem Handeln nur von unten ausgehen, von den feindnahen Truppenführern. Einige griffen schneidig zu und hatten unerwartet großen Erfolg. Andere zögerten und versäumten die gleich günstige Gelegenheit. Sie versuchten nicht, sich über jene Anordnungen hinwegzusetzen, die zu Beginn der Schlacht gegeben worden waren. Auch die früher erwähnten allgemeinen Mahnungen zur Schonung der Infanterie wirkten hemmend. Die Kriegshandlung mußte den erwünschten Schwung verlieren. Als man später kühnes Zupacken im kleinen mit der bisherigen Planmäßigkeit im großen zu verbinden suchte, wozu kleinere Abteilungen weit über das jeweilige Tagesziel hinausstoßen und wichtige Punkte in Besitz nehmen sollten, fruchtete dieses von ungefähr befohlene Aushilfsmittel nur wenig.
So geschah es, daß gerade in der Mitte der Angriffsfront, dort, wo der Durchbruchskeil am schärfsten sein sollte, ein Stillstand eintrat, während seitwärts, besonders links des Keiles, durch kühnes Zugreifen der Durchbruch in nicht vorausgesehenem Maße erweitert wurde. Wegen der großen Ausbauchung trat hier Not an Kräften ein, und damit kam dann auch die Kampfhandlung zum Stillstand. Alle Versuche der höheren Führung, die Schranken, die gegen unbedachtes Vorstürmen vormals aufgerichtet worden waren, nun zu entfernen, schlugen fehl. Der eingetretene Zeitverlust war nicht mehr einzubringen.
Bei den Kämpfen um die letzte italienische Stellung vor der Ebene tauchte auch zum ersten Male die allerdings noch nicht scharf ausgesprochene Idee eines Durchbruches im Tale auf, und zwar dort, wo sich südöstlich von Arsiero das Asticotal schon zur Ebene zu erweitern beginnt (Bd. IV, S. 331). Diese hier vielleicht etwas spät angesetzten Angriffe sowie jene, die die übrigen Pfeiler der vom Feinde südlich von Arsiero neu gebildeten Front erschüttern sollten, drangen nicht durch. An diesem, in höchst wechselvollen Kämpfen erfolgtem Ausklingen der großangelegten Kriegshandlung erkannte man, daß eine neue Durchbruchsschlacht ins Werk gesetzt werden müsse. Wegen der Ereignisse an der Ostfront kam es aber nicht mehr zu diesem Zeit und frische Kräfte heischenden Vorhaben.
Für das Frühjahr 1917 bestand der schon erwähnte Plan (S. 5),
den Stoß von der Hochfläche der Sieben Gemeinden gegen die Ebene
zu wiederholen. Zum Durchstoßen der zwischen Astico und Brenta gleichfalls etwa 20 km tiefen Gebirgszone wurden zwölf Divisionen im ersten und sechs im zweiten als nötig erachtet. Diese Anordnung der Kräfte mag eine Stütze auch in den Erfahrungen gefunden haben,
die man aus den Gebirgskämpfen am Südrande Siebenbürgens ge-wormen hatte. Hier war beim zweiten Versuche das schmale Vulkangebirge durch einen sehr gründlich vorbereiteten Durchbruchsangriff glatt durchstoßen worden, worauf der vorderen Angriffsstaffel ein großer Kavalleriekörper folgte. In Südtirol sollten an Stelle des Reitergeschwaders sechs besonders marschtüchtige Divisionen treten, denen die Erweiterung des von der Stoßstaffel erkämpften Durchbruchserfolges zufiel.
Die Kampfmethode, die das Korps Krafft im Rotenturmpaß beim Durchbohren des breiten Fogaraser Gebirges angewendet hatte, mag für den vorerwähnten Plan zum raschen Erreichen der venetianischen Ebene wenig nachahmenswert erschienen sein. Wohl hatte sich das Korps Krafft aus eigenem bis in die walachische Ebene durchgearbeitet und hiebei in erstaunlich hohem Maße seine Gefechtskraft bewahrt; es hatte hiezu aber mehr als sechs Wochen benötigt. So viel Zeit durfte man im Südwesten, wo der Italiener seine Truppen außerordentlich rasch verschieben konnte, niemals in Rechnung stellen.
In seinem Angriffsentwurf für das Jahr 1917 machte FM. Conrad des weiteren einen sehr bemerkenswerten Hinweis auf jenen Punkt, wo die italienische Isonzofront am besten und wirkungskräftigsten durchbrochen werden könnte: aus dem Raume um Tolmein. Dieser Frontteil sollte dann im Herbst 1917 noch zu besonderer Bedeutung kommen.
Für die Führung des Krieges an der Gebirgsfront im Südwesten blieb man somit den schon im Frieden gehegten und im Jahre 1916 teilweise verwirklichten Gedanlcengängen treu. Wohl hatte 1917, weil die DOHL. eine Mitwirkung deutscher Divisionen abgelehnt hatte, der Plan einer Offensive zunächst keine Aussicht auf Durchführung. Die leitenden Gedanken lebten aber fort, um zu einem späteren Zeitpunkt in die Tat umgesetzt zu werden.
Was das Kampfverfahren zur Durchführung dieser operativen Angriffspläne anbelangt, war man zur Erkenntnis gelangt, daß nur solche Angriffe im Gebirge Aussicht auf Gelingen hatten, die von starken, durch Artillerie vorzüglich unterstützten Kräften auf schmaler Front ausgeführt wurden, um in einem Zuge das feindliche Stellungsnetz zu durchstoßen. In den Auffassungen über die Verteidigung von Ge-birgsstellungen hatte das Kriegsjahr 1916 keine Änderungen gebracht.
Im Fels- und Gletschergebiet der Hochalpen, wo man nicht allein mit Menschen, sondern ständig mit den Naturgewalten im Streite lag, hatten die Verteidiger mit der wachsenden Erfahrung gelernt, unter ausgiebiger Mithilfe der Technik die Abwehranlagen, Unterkünfte und
Versorgungseinrichtungen zu verbessern (Vgl. Bd. III, S. 361 ff.; Bd. V, S. 698 ff.). Da Spreng- und Bohrarbeiten zumeist die einzigen Mittel waren, um dem Gestein die notwendigen Deckungen und Schutzräume abzugewinnen, war es naheliegend, daß Freund und Feind auch im Kampfe um beherrschende Bergspitzen gern auf gewaltige Minensprengungen griffen (Bd. IV, S. 207 ff., Bd. V, S. 689 ff.).
Die Kampfweise im Manövriergelände Das Verteidignngsverfahren an der rassischen Front
Fast zur gleichen Zeit, als die öst.-ung. Truppen in den Bergen Südtirols unter den schwierigsten Verhältnissen die Gewalt ihres Angriffes erwiesen, sollten sie im. Osten, auf dem meist ein sehr gutes Manövriergelände bietenden russischen Kriegsschauplatz, die Probe bestehen, ob sie die zweite Grundform des Kampfes, die Verteidigung, ebenso sicher beherrschten. Es ist schon gezeigt worden (Bd. IV, S. 123 ff.), wie Führung und Truppe seit Ende 1915 trachteten, aus den verflossenen Kämpfen die Lehren für die Abwehr künftiger Angriffe abzuleiten.
Zu Beginn des Jahres 1916, in der Neujahrsschlacht, war ösdich von Czernowitz und an der Strypa ein voller Abwehrsieg errungen worden (Bd. IV, S. 27 ff.). Das seither geübte Verfahren beruhte in der Hauptsache darauf, den Angreifer im Sperrfeuer, das die Artillerie vor die Hinderniszone legte, dann im Flankenfeuer der Maschinengewehre und am Widerstande der starken Grabenbesatzung sowie letzten Endes im Handgemenge zerschellen zu lassen. Brach der Feind über die erste, die Hauptwiderstandslinie, vor, so sollte er in einer nächsten Linie und an Querriegeln, die ein Ausbreiten nach der Seite zu verhindern hatten, erneute Gegenwehr der Verteidiger finden und von diesen mit Hilfe eingreifender Reserven zurückgeschlagen werden.
Widerstandskräftige Vorfeldstellungen, die die Wucht eines feindlichen Ansturmes vor der ersten Linie hätten mäßigen können, besaß dieses Abwehrsystem nicht. Die vielfach üblichen, in oder vor das Hindernis vorgeschobenen Feldwachen konnten höchstens in ruhigen Zeiten gegen eine Überrumpelung schützen.
Als die Offensive Brussilows den im Osten fast zum Dauerzustand gewordenen Stellungskrieg unterbrach, war es für die Truppe wie für die Führung des öst.-ung. Ostheeres eine gleich schmerzliche Überraschung, daß der Feind bei Luck und bei Okna über die in monatelanger, mühevoller Arbeit ausgebauten „Dauerstellungen“ einfach hinwegstürmte. Alle vorbedachten Maßnahmen und Einrichtungen erwiesen sich als ungenügend, ja manche hatten statt Nutzen nur Schaden gebracht. Die Zuversicht der Kämpfer auf die eigene Kraft sowie das Vertrauen zur Führung erlitten eine schwere Einbuße. Die Ursachen, die das Unr glück verschuldeten und erklärlich machten, sind bereits eingehend dargelegt worden (Bd. IV, S. 410 ff. und 464 ff.).
Der in der zweiten Junihälfte von den Verbündeten unternommene Versuch, dem Feinde im Bogen westlich von Łuck mit einem Angriff entgegenzutreten, mußte bald aufgegeben werden, denn die geschwächte und innerlich erschütterte 4. Armee konnte naturgemäß keine Schlagkraft mehr entwickeln. Aber auch die neu herangeführten, zumeist deutschen Divisionen, die die 4. Armee vorreißen sollten, hatten sich nach zwei Wochen festgerannt. Der Russe erwies sich nicht nur als ein Meister zähen Widerstandes, er war vielmehr ernsthaft entschlossen, die so aussichtsvoll begonnene Offensive bis zur Vernichtung des Gegners fortzusetzen. Die Stawka verfolgte dieses Ziel weiterhin mit unbeugsamer Beharrlichkeit. Immer wieder strömten den südlich vom Pripiatj fechtenden Armeen des Zaren frische Streitkräfte zu. Bis in den Oktober hinein mußten die Verbündeten in Wolhynien wie in Galizien durchschnittlich um Beginn und Mitte eines jeden Monates je einem russischen Gewaltsturm, der sich in Haupt- und Nebenangriffe teilte, die Stirne bieten.
Dank einem untrüglichen, zuverlässigen Nachrichtenmittel, den mitgelesenen Funksprüchen des Feindes, blieben seine Absichten und Zurüstungen den Heerführern der zwei Kaiserreiche nicht verborgen. Der Feind deckte damit selbst, wie noch in keinem Kriege, stets im vorhinein seine Pläne auf und gewährte seinen Gegnern die Gunst, zeitgerecht ihre Vorsorgen zu treffen. Trotzdem blieben den Mittelmächten in den Abwehrschlachten im Juli und August weitere, bittere Rückschläge und unliebsame Überraschungen nicht erspart. Unter dem harten Zugriff der Russen ging Stück für Stück des über den Winter aufgerichteten Walles verloren. Nach dem Durchbruch bei Tłumacz mußte auch die Südarmee ihre bisher ruhmvoll behaupteten Gräben räumen. Der Feind fand jeweils geschickt die schwachen Frontstellen der Verteidiger heraus und warf sie dort zurück; mitunter gelang ihm dies auch ohne diese kluge Wahl des Angriffspunktes durch die Wucht seines Anpralles allein.
Dem Angriffsverfahren, das auf französischen Anschauungen fußte, blieb der Russe treu. Unter Verzicht auf jede Überraschung schaufelte sich seine Infanterie tagelang vor der Einbruchsstelle ihre Wabengräben, sammelte sich darin während der Artillerievorbereitung und brach dann in dichten Sturmwellen vor. Im Verlauf eines Großkampfes wagte der Feind manchmal auch den Versuch, die Stürmer überfallsartig, ohne das verräterische, vorbereitende Geschützfeuer, vorstürzen zu lassen. Es war anscheinend gleichfalls Gedankengut aus dem Schatze der Ententefeldherren, wenn man sich im Hochsommer der Kavalleriemassen erinnerte und sie jetzt knapp hinter der vorbrechenden Infanterie überraschend nachsetzen ließ (Bd. IV, S. 480 und 562; Bd. V, S. 138). Gelegenheiten, das Übergewicht an Reiterei auch im großen Stile zur Geltung zu bringen, übersah Brussilow1) (Bd. IV, S. 414); die dem IV. Kavalleriekorps im Juni gestellte Aufgabe, über die Dauerstellung des Gegners hinweg in dessen Rücken vorzustoßen, scheiterte unter erheblichen Einbußen der Russen (Bd. IV, S. 367, 392 und 394).
In dem Bestreben, einen kriegsentscheidenden Erfolg über die Mittelmächte zu erringen, der sich ungeachtet aller Opfer und aller Teilerfolge nicht einstellen wollte, steigerte die russische Führung in kaum verhehltem Ingrimm beständig das Machtaufgebot an Streitern2) und Kampfmitteln. Der Zuschub modernen Kriegsgerätes jeglicher Art aus den Rüststätten der Ententeländer machte sich auf den russischen Schlachtfeldern fühlbar. In den Herbstschlachten gebrauchten die Russen Gasgeschosse und schwere Minen in reichem Ausmaße, entfalteten in der Luft eine auffallend rege Tätigkeit und gönnten sich schließlich ein Artilleriefeuer von einer Wucht und Dauer, das nach dem Urteil deutscher Führer dem im Westen üblichen kaum mehr nachstand. Die militärische Denkungsart der Westmächte, die eine Sommeschlacht entfesselt hatte, führte auch die Russen vor Kowel und Władimir-Wołyński zur Materialschlacht gewaltiger Prägung.
Da der Feind seine Stoßrichtungen im allgemeinen beibehielt und seine Durchbruchs versuche fast regelmäßig an den gleichen Abschnitten wiederholte, lernten auch die Verteidiger von Schlacht zu Schlacht, den Angreifern immer wirksamer zu begegnen. Die Oberste Führung der Mittelmächte konnte in der Hauptsache nur für die Zufuhr von Reserven und möglichst großer Mengen von Schießbedarf und sonstiger
*) D i a k o w, Brussilow und seine Reiter (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1933, 9 ff.).
2) Am 16. September 1916 griffen auf gleicher Frontbreite wie am 4. Juni bereits, doppelt so viel russische Verbände gegen die 4. Armee an (Bd. V, 401).
Kriegsmittel Vorsorgen. Nach dem starken, empfindlichen Ausfall an Streitern, den die Tage von Łuck und Okna verursacht hatten, wurde die Aufgabe sehr schwer, die unausgesetzt kräfteverzehrende Abwehr stets durch frische Verstärkungen aufrecht zu erhalten. Die im August geschaffene einheitliche Befehlsführung Hindenburgs, später des GFM. Prinz Leopold von Bayern, die schließlich von der Ostsee bis an die Karpathen reichte, gestattete, von einer Stelle aus möglichst sparsam mit den Reserven zu verfügen. An Bahnknoten versammelte Kraftgruppen, die bei Bedarf an bedrohte Abschnitte geworfen wurden, mußten durch schnelles Eintreffen im letzten Augenblick ersetzen, was man der Front von Haus aus nicht dauernd als Rückhalt geben konnte.
Der Abwehrkampf drehte sich, bis wieder die Winterruhe eintrat, um feldmäßig befestigte Stellungen. Geworfene Truppen eines Frontteiles wie zum Rückzug genötigte Nachbarn klammerten sich entweder an die nächste, dahinter vorbereitete, oft nur angedeutete Wehranlage oder sie schufen sich eine solche in dem neubesetzten, zum Widerstande geeigneten Geländeabschnitt. Ebenso wurde dem Feinde im Gegenangriff abgewonnener Boden sofort in den Befestigungslauf einbezogen. Auch weiterhin wurde ein starker, durchlaufender Schützengraben mit vorgelegtem Hindernis und Vorfeldsicherungen angelegt, und getrachtet, durch Querverbindungen ein bis zwei verteidigungsfähige Linien anzuschließen. Es entstand wieder das herkömmliche Grabennetz, das in dem leicht zu bearbeitenden Boden verhältnismäßig rasch ausgehoben werden konnte. Wurde die Wehranlage endgültig behauptet, so entstand von selbst wieder die „Dauerstellung“. Manchmal erklärte die Führung, um ihren Willen nach entschlossener hartnäckigster Abwehr kund zu tun und ihn auf die Truppe zu übertragen, eine eben erreichte Linie ausdrücklich als Dauerstellung (Bd. IV, S. 545, Bd. V, S. 161), wenngleich die meisten Einrichtungen, die man unter diesem Begriff zusammenfaßte, vor allem die viel Arbeitszeit erfordernden Kunstbauten, erst zu schaffen waren.
Für die Infanterie sowie für die gleich ihr zu Fuß fechtende Kavallerie wurde—wie auf den anderen Kriegsschauplätzen — das Maschinengewehr die ausschlaggebende Abwehrwaffe. Im Nahkampf, zum Verteidigen und Säubern der Gräben war die Handgranate das wirksamste Mittel. Durchbrach der Feind die vorderste Linie, dann hatte die Infanterie des Abschnittes ihren Wert zu erweisen. Jetzt wurde der Raum hinter dem Hauptgraben das bedeutungsvolle Gebiet, in dem die Führer der untersten Einheiten das wogende Gefecht zu leiten hatten und durch
Erfahrungen aus den Sommerschlachten 1916
einen beherzten, raschen Entschluß auch oft erfolgreich zu gestalten vermochten. Hier galt es, die augenblickliche Schwäche des in ein unübersichtliches Grabengewirr eingedrungenen Feindes auszunützen, ihn an den Querriegeln und nächsten Widerstandsbauten aufzufangen und durch einen schnellen Gegenstoß zurückzuschlagen. Gelang dies nicht, so sollte der Einbruch von der Stellungsbesatzung und ihren unmittelbaren Reserven wenigstens verläßlich eingedämmt werden. Denn nur unter dieser Voraussetzung konnte die mittlere oder hohe Führung, ohne Kräfte zu verzetteln, den immer wieder eingeschärften Grundsatz befolgen, die Lage durch einen einheitlich angesetzten, kraftvollen Gegenangriff der Eingreiftruppen wiederherzustellen.
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In der ursprünglichen Kampfform der Reiterwaffe, in der Attacke, aufzutreten, was der Feind mehrmals versuchte, war der öst.-ung. Kavallerie nicht vergönnt. Ihre Regimenter, deren Pferdestand immer mehr zusammenschmolz, wurden aber nach wie vor gern als bewegliche Reserve verwendet.
Der Hauptanteil an einer aussichtsvollen und erfolgreichen Abwehr fiel, gleich wie im Gebirge so auch im Manövriergelände, in wachsendem Maße der Artillerie zu. Die Mittelmächte durften die lebende Kraft nicht so vergeuden, wie das über scheinbar unermeßliche Menschenmassen verfügende Rußland, das seiner geduldigen Infanterie noch immer die schwersten Blutopfer zumutete. Aus dieser Erwägung mußten den Verbündeten um so mehr die schweren Maschinenwaffen, Minenwerfer und Geschütze als Gerüst des Widerstandes dienen, abgesehen davon, daß auch der Feind stets mehr auf die rein brutale Gewalt des Materials verfiel.
In dem Maße, als die öst.-ung. Truppen durch eine zunehmende Zahl deutscher Divisionen gestützt und verstärkt wurden, gewann vor allem die abstoßende Feuerkraft der Ostfront. Denn die deutschen Verbände waren mit Geschützen — auch solchen schweren Kalibers — und mit wirksamen Minenwerfern sehr gut ausgestattet und verfügten stets über ungleich reichlicheren Schießbedarf. Im günstigsten Falle vermochte das rechtzeitig einsetzende, zusammengefaßte Vernichtungsfeuer der Abwehrwaffen ein Angriffsvorhaben schon im Keime zu ersticken. Von dem übermäßigen Gebrauch flankierender Sperrfeuerbatterien, in die man allzu großes Vertrauen gesetzt hatte, kam man ab. Allmählich ging man dazu über, das Sperrfeuer frontal abzugeben. Aus den Juni-und Julikämpfen ergab sich des weitern die Lehre, für die zum Gegenangriff bestimmten Reserven auch Batterien aufzusparen.
VI 3
Der Wandel, den die Standfestigkeit der Verbündeten südlich vom Pripiatj durchmachte, drückte sich augenfällig darin aus, daß nach der planmäßigen Zurücknahme der Armee GdI. Gf. v. Bothmer an der Front kein Rückschlag mehr eintrat, und die im Herbste folgenden Abwehrkämpfe, gleich den Isonzoschlachten, zu stehenden Schlachten wurden. Dem Feinde mochte wohl noch unter riesigen Anstrengungen und großen Opfern örtlich irgendwo das Einbeulen der ersten Linie gelingen; Truppe und Führung waren gewohnt, einem solchen Zwischenfall keine übergroße Bedeutung mehr beizumessen, und verstanden sich geschickt darauf, ihn durch einen Gegenschlag rasch zu beseitigen. Die Verteidigung wurde in einem beweglicheren Geiste geführt. Als der gewaltige Ansturm des Zarenheeres im Spätherbst verebbte, war die Front der Verbündeten von der Ostsee bis an die Karpathen wieder in einen starren, undurchdringlichen Panzer gehüllt.
Nachträgliche, kriegsgeschichtliche Forschung hat in dem Streben, die Katastrophe von Łuck und Okna aufzuklären, neben ändern Ursachen und Fehlem auch auf das „starre Abwehrverfahren“, das bereits unzeitgemäß gewesen sei, verwiesen (vgl. Bd. IV, S. 412; Bd. V, S. 724). Die Erscheinung, daß sich andere Frontabschnitte, die entweder gleichzeitig oder später von den Russen nicht minder heftig angepackt wurden, erfolgreich behaupteten, noch mehr aber die Überlegung, daß die Front südlich vom Pripiatj schließlich nach fünf Monaten schwersten Ringens keine neue Abwehrform hervorgebracht hatte, sondern im Grunde genommen noch immer bei der starren Verteidigung verharrte, regen zu einer neuerlichen Überprüfung dieser Frage an. Das Ergebnis kann, wenn man der Wahrheit die Ehre geben will, doch nur lauten: nicht das Verteidigungsverfahren an sich war unzweckmäßig und veraltet, sondern trotz der vielen vorhandenen Abwehrlinien und Stellungen hat weder die Truppe unter dem überwältigendem Drucke des Feindes des-, sen ersten Einbruch zu begrenzen noch die höhere Führung mit ihren Reserven die Russen aufzufangen und zurückzuwerfen vermocht. Nicht das System, sondern Geist und Nerven haben versagt. Sobald die Fronttruppen, durch ausreichende schlagkräftige und kampfesfreudige Verbände mitgerissen und durch genügende technische Mittel gestützt, das Vertrauen auf die eigene Leistungsfähigkeit und in die Führung wieder gewonnen hatten, wurde auch die Verteidigung im guten Sinne des Wortes „starr“. Der Feind prallte davor ab, obgleich die Wucht seiner Anstürme später im Vergleich zum Juni beträchtlich stärker geworden war. Auch der Verlauf des Sommer- und Herbstfeldzuges im Osten bewies letzten Endes nur, daß dem innem Werte und dem ernsten Willen der Kämpfer sowie einer überlegten, festentschlossenen und zielsicheren Führung ausschlaggebende Bedeutung zukamen.
Inzwischen waren im Westen aus den Erfahrungen der bis tief in den November hinein währenden Schlacht an der Somme für eine zweckmäßigere Abwehr neue Ideen erwachsen, die darin gipfelten, die Verteidigung nicht mehr an die starre Linie zu fesseln, sondern in eine befestigte Fläche zu verlegen. Die vorderste Linie, die dem Trommelfeuer sehr leicht erlag, und auf deren Behaupten daher kein besonderer Wert gelegt wurde, konnte dünn besetzt werden, man klammerte sich lieber an Gräben, Stützpunkte und Flankierungsanlagen des Zwischengeländes und sah die Hauptstärke der Abwehr in den selbsttätig einsetzenden Gegenstößen. Falls diese nicht durchdrangen, wurde ein planmäßig angelegter Gegenangriff notwendig1). Solche Grundsätze rangen sich zunächst im Westen durch, wurden dort 1917 weitergebildet und erlangten im letzten Kriegsjahr eine scharf ausgeprägte Form. Von dieser „elastischen Verteidigung“ war man aber Ende 1916 im Osten noch weit entfernt. Hier hatte zunächst nur eine Auffassung des neuen Verfahrens unter dem Einfluß der deutschen Befehlsstellen, denen die neuen Ideen ja näher lagen, fast unmerklich Eingang gefunden und war noch durch den Kampferfolg selbst gerechtfertigt worden: durch Gegenschlag war anfänglicher Bodenverlust in der Regel hereinzubringen. Im allgemeinen wurde aber auf dem russischen Kriegsschauplatz die starke erste Linie, in der der Hauptwiderstand zu leisten war, nicht nur im Jahre 1917 beibehalten, sondern überhaupt nicht aufgegeben, war Ende 1916 bereits wieder vorhanden, man war an sie gebunden und konnte das ganze Stellungssystem nicht mehr neu anlegen oder umbauen.
Als nun im Winter 1917 die geänderten Ansichten zuerst durch Vorschriften der DOHL. an der Front verbreitet wurden, konnte die erwünschte größere Tiefengliederung nur beim Vervollständigen des Zwischen- und Hintergeländes durch Stützpunkte und Maschinengewehrnester sowie im Gruppieren der Maschinenwaffen und der Reserven berücksichtigt werden. Die Führer aller Grade, namentlich aber jene
x) Um unnütze Blutopfer zu vermeiden, mahnte die DOHL. gegen Ende 1916, verlorene Stellungsteile nicht bloß wegen der Waffenehre um jeden Preis zurückzuerobern, sondern Gegenstöße nur dann anzusetzen, wenn sie durch die taktische Lage gerechtfertigt seien. Eine Riegel- oder Sehnenstellung konnte ja für die Abwehr gleich gut, selbst günstiger sein, als ein früher einmal im Kampfe erreichter und nur deshalb festgehaltener Grabenzug (Bd. V, 581).
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der höheren Befehlsverbände, hatten sich das Wesen der beweglichen Verteidigung geistig zu eigen zu machen. Vorne, auf die untersten Kampfeinheiten, wirkte sich die Neuerung, praktisch betrachtet, kaum aus. Der zugewiesene Platz war wie bisher nachdrücklich zu behaupten und durfte ohne Befehl nicht verlassen werden. So blieb im Osten die starre Verteidigung, nur den zeitgemäßen Bedürfnissen angepaßt und in eine bessere Form gebracht, weiterhin in Geltung.
Obwohl die militärische Leitung der Verbündeten im Sommer 1916 mehrmals versucht hatte, selbst zur Offensive überzugehen, kam es zu keiner großzügigen, raumgreifenden Angriffshandlung. Die Gegenoffensive Linsingens blieb nur ein kurzes Zwischenspiel. Die Absicht, dem Feldzug durch einen Offensivstoß, der beiderseits vom Dniester losbrechen sollte, eine günstige Wendung zu geben, konnte nicht verwirklicht werden. Kaum hatten die beiden Obersten Heeresleitungen für derlei Zwecke mühsam einige Verfügungstruppen aufgebracht, so mußten sie an bedrohte Frontabschnitte zum Auffangen eines Russenstoßes abgelenkt werden. Das russische Riesenreich mit seiner gewaltigen Heeresmacht schrieb unbeirrt das Gesetz des Handelns vor. Ansätze der k.u.k. 7. Armee, mit bescheidenen Mitteln aus den Karpathen heraus vorzugehen, wirkten sich kaum aus. Schließlich zog der neue Kriegsschauplatz in Siebenbürgen die Reserven der Obersten Führung an sich.
Die Kriegführung der Verbündeten gegen Rußland war 1916 ein System von Aushilfen. Es gelang damit aber, die strategischen Pläne des Feindes zu vereiteln, dem ein Durchbruch großen Stiles und der Übergang zum Bewegungskrieg vorgeschwebt hatte.
Im Rahmen der großen Abwehrschlachten, aus den besonderen Bedürfnissen des Stellungskrieges heraus, entwickelten die Verbündeten in der zweiten Hälfte 1916 für Angriffshandlungen mit begrenzten Zielen ein neues, verfeinertes Verfahren. Der Wandel vollzog sich zuerst bei der Artillerie und der Minenwerferwaffe, indem man die Wirkungsmöglichkeiten dieser schweren Waffen in Verbindung mit dem Kampfgas nach einem wohl durch dachten Plane voll ausschöpfte, um der Infanterie viel ausgiebiger die Wege zu ebnen, als es bisher üblich war. Als erstes Beispiel eines Angriffes, bei dem ein neuartiger, klug berechneter Feuerplan den unter deutscher Leitung stehenden Angreifern zum Siege verhalf, kann die Eroberung des Brückenkopfes von Zarecze (18. September 1916) gelten (Bd. V, S. 410). Aber auch die Infanterie mußte dazulemen. Das reich verstrickte Grabennetz, das auf Freund- und Feindesseite das Gelände durchschnitt, bot die Gelegenheit, darauf nach
Das Entstehen der Sturmtruppen
den von den Deutschen im Westen gewonnenen Erfahrungen eine eigene Angriffstaktik aufzubauen. Diese erforderte Eigenschaften und Geschicklichkeiten, die von der Masse der nur flüchtig ausgebildeten Kämpfer nicht zu verlangen waren. Man schuf daher besonders vorgeschulte „Sturm-“ oder „Stoßtrupps“ und verband ihr Auftreten im Kampfe aufs engste mit der Tätigkeit der übrigen Waffen. Ein solcher neuartiger Angriff lief wie ein Uhrwerk ab. Alle Kampfmittel wurden, ihrer Eigenart entsprechend, in genau abgestimmter Zeit- und Reihenfolge zur vollen Wirkung gebracht. Erst des sturmreif geschossenen Bollwerkes hatten sich die Angreifer, denen manchmal auch eigens vorgebildete technische Abteilungen beigegeben waren, zu bemächtigen. Wurde ein solches Unternehmen in größerem Maßstab ausgeführt, so dienten die Sturmtruppen der übrigen Infanterie als leitende Bahnbrecher. Das Verfahren erforderte allerdings viel Zeit für Erkundungen und sonstige Vorarbeiten, für das Beschaffen des meist verhältnismäßig großen Aufwandes an Kriegsgerät und endlich für das Einüben der Truppen. Dafür aber boten derartige Angriffe, die den Gipfel der Planmäßigkeit darstellten, auch die fast sichere Gewähr des Erfolges. Neben kleinen Unternehmen, in denen die neuausgebildeten Stürmer die ersten Proben ihres Könnens ablegten, gehören in diese Reihe die am 1. November 1916 erfolgte Wegnahme des Russennestes von Witoniez (Bd. V, S. 460), dann im Jahre 1917 die Rückeroberung der Höhe Magyaros und als Glanzstück die Bezwingung des Brückenkopfes von Tobol. Die beiden letztgenannten Ereignisse werden noch behandelt werden.
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Die Abwehr am lsonzo
Einigermaßen anders als im Osten entwickelten sich die Dinge im Küstenlande, das — zumindest südlich von Görz — schon wegen seines Wegereichtums auch als Manövriergelände angesprochen werden kann. Zwar oblagen auch hier die Truppen den ganzen Winter von 1915 auf 1916 über und dann noch bis zum August dem Stellungsbau, der hier wie im Hochgebirge mit Bohrmaschinen und Sprengwerkzeugen erfolgte; aber diese Arbeiten vollzogen sich stets unter der scharfen Drohung eines feindlichen Vorstoßes. Auch hatten die Isonzoverteidiger bis zum Beginn der schweren Kämpfe im August 1916 schon fünf Schlachten schlagen müssen. Der kriegerische Geist war daher auf den blutgetränkten Feldern bei Görz und auf der Karsthochfläche von Co-men noch nicht durch abstumpfende Maulwurfsarbeit verdrängt.
Als dann in der zweiten Jahreshälfte 1916 die schweren Schlachten
— die sechste bis neunte — entbrannten, waren auch diese, gleich den früheren, mehr weniger ortgebundene Kämpfe, in denen sich der Verteidiger der stets zahlreicher und heftiger werdenden Anstürme der Italiener erwehren mußte. Wenn es nun in dem heißen, hartnäckigen Ringen dazukam, daß am Ende einer Schlacht Teile des Geländes in Feindeshand verblieben, so hatten solche Einbußen doch niemals eine tiefer greifende Wirkung im Gefolge. Selbst die größten Ergebnisse übermächtiger Anstürme des Feindes, wie die Eroberung von Görz, liefen am Ende nur auf einige im Vergleich zu anderen Kriegsschauplätzen geringfügige Frontverlegungen hinaus.
Die Formen der Abwehr hatten hier unter dem Einfluß des Karstgeländes und der zahlenmäßigen Überlegenheit des Feindes ihre eigene besondere Entwicklung genommen. Die starre Verteidigung war vom Anfang an nicht so gänzlich starr gewesen. Man gab zwar keinen Fußbreit Bodens ohne zwingende Notwendigkeit preis und kämpfte auch hier nachdrücklich um eine, um die vorderste Linie. Man war aber niemals dazugekommen, sie besonders stark auszugestalten. Dafür hatte das Gelände auf Schritt und Tritt natürliche Anklammerungsmöglich-keiten dargeboten, die nur um ein geringes mangelhafter waren als die schlecht ausgebauten Kampfanlagen. Dadurch war ganz von selbst eine beweglichere Art der Abwehr entstanden, ein Kampf, der nicht so sehr in Linien als auf mehr oder weniger tiefen Flächen geführt wurde. Diese Elastizität der Kampfführung hatte jedoch keineswegs gehindert, daß die Behauptung der vordersten Kampflinie nach wie vor erstes und oberstes Ziel blieb.
Gleichwohl hatte man hier früher als anderswo erkannt, daß eine Linie zur Verteidigung nicht genüge, daß man Stellungen haben müsse, die die Führung des Kampfes in tiefen Zonen ermöglichten. Allein da sprach der spröde Karstboden ein gewichtiges Wort mit. Was an anderen Orten in wenigen Nächten geschaffen werden konnte, erforderte hier Monate schwerster, für die meisten Truppen ungewohnter, sehr ermüdender und lästiger Arbeit.
So kam es, daß man eigentlich seit Beginn des italienischen Krieges niemals dazu gelangt war, in einer regelrechten „Stellung“ zu kämpfen. Fast ein Jahr lang hatten die Truppen an Steinriegeln oder in „angekratzten“ Gräben gefochten und in bescheidenen Unterständen, in Dolinen, unfertigen Kavernen oder natürlichen Höhlen notdürftigen Schutz vor Wetterunbill und feindlichem Massenfeuer gefunden.
Gab es bis zur ersten großen Schlacht des Jahres 1916, der sechsten Isonzoschlacht, überall wenigstens einen durchlaufenden Graben, vielfach sogar schon zweite, sogenannte ,,I b“-Linien, so sahen sich die Kämpfer nach dem Verluste der Stellungen von Podgora, Doberdö und S. Michele wieder in vielen Frontabschnitten sozusagen im blanken Karst, bestenfalls hinter Steinbrustwehren oder in seichten Gräben, geschützt von einem Hindernis einfachster Art. Die mühevolle Arbeit des Stellungsbaues begann wieder von vorne und konnte kaum Nennenswertes vollbracht haben, als schon Mitte September der siebente italienische Ansturm abgewehrt werden mußte. Trotzdem hatte das gewohnte Abwehrverfahren, allerdings unter schweren Verlusten, auch diesmal vollen Erfolg, obgleich der Feind mit gewaltigem Aufwand an Artillerie und Minenwerfern wuchtiger und nachhaltiger als früher angriff. Wo immer er in die Stellung ein drang, warfen ihn spätestens Gegenstöße von Brigade- oder Divisionsreserven wieder zurück.
Freilich verursachte diese Kampfweisc jetzt einen bedeutenden Menschenverbrauch, den zu vermindern größere Tiefengliederung verlangt wurde. Aber dazu hätte wenigstens das Gerippe einer „Stellung“ gehört. Davon war man jedoch — obgleich durch rastlose Arbeit schon manches geschaffen worden war — noch weit entfernt und daher auch die Tiefengliederung noch nicht durchgeführt, als Anfang Oktober die achte Schlacht entbrannte. Nach heißem Ringen kam auch sie an einer Linie zum Stehen, in der es wieder nur bescheidene Steinriegel, Kavernenanbrüche und höchst selten halbwegs ausgebaute Stützpunkte mit fertigen Kavernen gab. An diesem Zustande konnte bis zu der schon Ende Oktober beginnenden neunten Isonzoschlacht nichts Entscheidendes geändert werden, trotzdem die Truppe mit Aufgebot aller Kraft den Ausbau der Stellungen betrieb.
Vor der neunten Schlacht hatte man auf dem Nordrande der Karsthochfläche von Comen den Versuch einer Verminderung der Besatzung im vordersten Stellungsbereich gemacht, um nicht zu viele Menschenleben dem verheerenden Vorbereitungsfeuer der italienischen Artillerie zu opfern und um zu der schon oft vorgeschlagenen stärkeren Tiefengliederung zu kommen. Doch der Versuch mißglückte. Fast wäre es zu einem Zerreißen der Front gekommen. Nur durch aufopferndes Eingreifen der spärlichen Reserven, die hiebei einen ungewöhnlich hohen Blutzoll entrichten mußten, konnte die Front — allerdings mit einer tiefen Einbeulung — schließlich doch behauptet werden. Die mit schmerzlichen Opfern erkaufte Erfahrung ergab, daß in der Besetzung der vordersten Kampflinie eben unter jenes Maß an Truppen nicht heruntergegangen werden dürfe, das die Möglichkeit rechtzeitigen Eingreifens der Reserven gewährleistet.
Kein Wunder, daß auch nach der neunten Schlacht eine neuartige, auf elastischem Kampfverfahren beruhende Abwehr, wie sie im Westen schon festere Formen anzunehmen begann, am Isonzo noch nicht Wurzeln faßte. Das von den Italienern angestrebte Operationsziel Triest war viel zu nahe, um solche nicht ungefährliche Versuche zuzulassen.
So wurde in der langen Kampfpause von Mitte November 1916 bis in das nächste Frühjahr an der ganzen Isonzofront doch der Bau von durchlaufenden zweiten und dritten (Ib- und Ic-)Linien betrieben. Dank der jetzt schon zahlreicher vorhandenen Bohrmaschinen schuf man zahlreiche Kavernen. Dann verteilte man Maschinengewehre, Minenwerfer, Infanteriegeschütze zusammen mit den Kompagnie- und Bataillonsreserven im Gelände, das dadurch zum „befestigten Zwischengelände“ wurde; im übrigen blieb man aber entschlossen, die Linie der vordersten Kavernen so wie bisher auf das nachdrücklichste zu verteidigen.
Wiederaufleben des Bewegungskrieges
Auf den Kriegsschauplätzen, die nach ihrer Bodenbeschaffenheit den Bewegungskrieg begünstigten, war das öst.-ung. Heer im Jahre 1916 bis in den Herbst hinein in die Fesseln der Abwehr geschlagen. Da brachte der Beitritt Rumäniens zum Feindbund überraschenderweise wenigstens auf einem Teile der langen Ostfront eine Änderung: im großen Becken von Siebenbürgen und in der walachischen Ebene. Hier kam es im letzten Viertel des Jahres 1916 zu einer förmlichen „Renaissance des Bewegungskrieges“. Hiebei spielte sich die Gegenoffensive der Armeen Falkenhayn und Arz ungefähr in den gleichen Formen ab, wie die ersten Kriegshandlungen gegen Rußland im Sommer 1914.
Der ganze Plan zur Verteidigung Siebenbürgens war auf Beweglichkeit eingestellt. Schon in der ersten Phase dieses Feldzuges, als die Deckungstruppen der k.u.k. 1. Armee schrittweise gegen die befestigte Maros—Kokellinie zurückwichen, nützten sie manche Gelegenheit aus, um dem oft zaghaft vorrückenden Feinde Abbruch zu tun. Die Losgelöstheit von den Fesseln des Stellungskrieges, der für wagemutige Angriffshandlungen wenig Möglichkeiten bot, wurde hiebei von den öst.-ung. Truppen wohltuend empfunden. Hier schwand plötzlich die Sorge um mangelnde Tuchfühlung oder gar um ungeschützte Flanken.
Die Ursachen hiefür waren die den Unterschied an Kämpferzahl wettmachende Überlegenheit der Verbündeten an Kriegserfahrung, ihre reichere Ausstattung mit schwerer Artillerie, mit Maschinengewehren und Verbindungsgerät, lauter Kriegsmittel, die den Rumänen abgingen. Die lockeren Fronten gestatteten den öst.-ung. und deutschen Divisionen, ihre ungleich größere operative und taktische Wendigkeit voll und ganz zur Wirkung zu bringen.
Bei der Gegenoffensive der Verbündeten fand die überlegene Führungskunst ein ganz besonders reiches Feld der Betätigung. Nicht nur Durchbrüche durch Stellungsfronten, sondern Umfassungen und weitausholende Umgehungen zwangen den Feind, der jetzt auch offene Flanken bot, zum Rückzug. Die Schlachten und Gefechte waren von kurzer Dauer und, da sich daran schnelle und ausgreifende Verfolgungsmärsche anschlossen, auch von entscheidenden Ergebnissen. Es waren — wenn man die Schlachten des Jahres 1916 an allen anderen Fronten zum Vergleich nimmt — verhältnismäßig leichte Siege, die in Siebenbürgen erfochten wurden.
Nach den schon ungleich schwierigeren Durchbruchskämpfen am Südwall der Siebenbürger Randgebirge fand der Bewegungskrieg in der Walachei in ähnlicher Form und bei rasch abnehmender Widerstandskraft der Rumänen seine Fortsetzung. Er wurde, was Marschleistungen und Vielgestaltigkeit der Kriegshandlungen anbelangt, kaum von der großen Offensive 1915 gegen Rußland erreicht. Er erbrachte für die Verbündeten aber auch keine neuen Lehren. Die Rumänen waren es, die hier eine allerdings furchtbar harte Schule des Krieges durchzumachen gezwungen waren.
Faßt man alle vorangegangenen Ausführungen zusammen, so erhellt, daß als Ergebnis der Kämpfe des Jahres 1916 sowohl in operativer wie in taktischen Beziehung noch keine Ideen aufgetaucht waren, die das Bisherige abänderten. Im Angriffsverfahren fing die Sturmausbildung an, erhöhte Bedeutung zu gewinnen. In der Abwehrtaktik begannen die Gedanken an eine Raumverteidigung nach Geltung zu ringen, ohne schon grundlegend neue Formen hervorzubringen. Eine Beeinflussung der bisherigen Kampfformen für Angriff und Abwehr erfolgte eher noch durch organisatorische Neuerungen, durch die großzügige Ausgestaltung der Artillerie, des Maschinengewehr-, des Minenwerfer- und des Flugwesens.
Die W i n t e r a r b e i t
Als die rauhe Jahreszeit auf dem östlichen Kriegsschauplätze den ungewöhnlich wechselvollen Kämpfen des Jahres 1916 ein Ende setzte, brach für die Verbündeten eine Zeit fleißiger Arbeit an. Der Ausbau der Stellungen, der in den Pausen zwischen den Abwehrschlachten nicht in dein wünschenswerten Ausmaße hatte erfolgen können, wurde eifrigst fortgesetzt. Diese Tätigkeit war der Truppe, die nun bereits vor dem dritten Kriegswinter stand, nicht mehr ungewohnt; sie besaß darin schon großes Geschick. An Stelle der vielfach gekünstelten, ja übertriebenen Ausstattung des Kampfgrabens, die trotz allen Müh- und Zeitaufwandes unter einer ernsthaften Beschießung in nichts zerstob, trat nunmehr dauerhafte Zweckmäßigkeit. Die Hauptwiderstandslinie, der mit geflochtenen Hürden oder mit Holz ausgekleidete, ziemlich breite und mehr als mannstiefe erste Graben, war durch die üblichen Schulterwehren (Traversen) abgeteilt. Er erhielt feindwärts an der Sohle einen Auftritt für die Schützen, die nicht mehr durch Schießscharten, sondern einfach „über Bank“ zu feuern hatten. Die Schrapnelldächer waren schon im Frühjahr 1916 beseitigt worden. Vom Feinde aus besehen, sollte keine Aufschüttung den Verlauf verraten oder als Ziel dienen können. Der Erdaushub war daher zu verstreuen. Wo Grundwasser oder Sumpf das Ausheben eines Grabens ausschlossen, mußte allerdings ein Wall hochgebaut werden. Für Maschinengewehre, Grabengeschütze und Minenwerfer sowie für deren Bedienungsleute legte man schußsichere Deckungen an. Angestrebt wurde, solche Unterstände nach und nach auch für die übrige Besatzung, dann für die nächsten Reserven herzustellen, um während des feindlichen Trommelfeuers Verluste möglichst auszuschalten. Auch die Stellungsbatterien hatten zum Schutze ihrer Beobachter, Geschütze, Schießvorräte und Bedienungen in gleicher Weise vorzusorgen. Bergmännisch in die Erde getriebene „Fuchslöcher“ waren in Wolhynien wegen des vorherrschenden Sumpfbodens nur in beschränktem Maße ausführbar. Bei der Anlage wurde darauf gesehen, daß solche Unterschlupfe den sich darin Verbergenden nicht zur Falle werden konnten. In der vordersten Linie wurden nunmehr Fuchslöcher verpönt. Beton und Eisenschienen waren das bewährteste und gebräuchlichste Mittel, um Bauten selbst gegen schweren Beschuß widerstandsfähig zu machen; entsprechend getarnt, konnten sie mindestens teilweise auch über der Erde ausgeführt werden.
Eine zweite, 150—400 m entfernte und manchmal auch eine dritte Linie machten zusammen mit dazwischen und dahinter verteilten Stützpunkten die befestigte Zone der ersten Stellung aus. Mehrere Kilometer dahinter wurde eine zweite Stellung im Gelände ausgemittelt und, soweit Arbeitskräfte dazu verfügbar waren, an den wichtigsten Stellen in einfacher Weise ausgebaut. Der Abstand von der ersten Stellung mußte so bemessen sein, daß beide Wehranlagen durch die Artillerie des Feindes nicht gleichzeitig niederzukämpfen waren.
Ein äußerst wirksames Kampfmittel, dessen sich Freund und Feind immer mehr bedienten, waren Gift- und Reizgase. Über deren Verwendbarkeit wurde die Truppe unterrichtet, wichtiger war noch die Belehrung über die drohenden Gefahren und deren Abwehr. Ende Oktober 1916 führte die öst.-ung. Heeresverwaltung an der Ostfront einen Gasschutzdienst ein, der am Isonzo schon längere Zeit bestand. Feldwetterstationen hatten die atmosphärischen Verhältnisse ständig zu be-
obachten, ob sie einen feindlichen Gasangriff begünstigen oder nicht, um zeitgerecht warnen zu können. Alarmvorsorgen wurden getroffen
und Gasmasken zum Schutze der Truppen ausgegeben.
Neben allen Maßnahmen, die die unmittelbare, praktische Kampfbereitschaft der Front förderten, galt es, sich geistig für das nächste Kriegsjahr zu rüsten. Nach der schroffen Abweisung, die dem Friedensschritte der Mittelmächte vom Feindbund widerfahren war, mußte für das Frühjahr 1917 mit einer allgemeinen Offensive der feindlichen Heere, mithin auch des russischen an der Ostfront, gerechnet werden.
Der deutsche Oberbefehl, dem der größte Teil der öst.-ung. Divisionen unterstellt war — nur mehr die zwei Armeen der Heeresfront Erzherzog Joseph waren am Jahresausgang an die k.u.k. Heeresleitung gewiesen — wie nicht minder die starke Vermengung der verbündeten Truppen1), der mittleren und hohen •Kommandostellen brachten es mit sich, daß Führungsgrundsätze und taktische Ansichten des stärkeren Bundesgenossen sich immer mehr durchsetzten. Um einheitliche Auf!) An der Ostfront (Heeresgruppe Mackensen bis einschließlich Heeresgruppe Linsingen) hatten stehen
am 1. November 1916 41 ID., lH/oKD. 371 o., 51/2 ..
Österreich-Ungarn
Deutschland
Bulgarien
Türkei
Summe: S6I2ID., 18 KD.
S4i '2 ID., 14 KD.
fassungen zum Gemeingut werden zu lassen, wurden gemeinsame Offizierskurse ins Leben gerufen. Dem gleichen Zwecke, dann dem Vertiefen des gegenseitigen Verstehens diente der Austausch von Offizieren einzelner Dienststellen bis zum Kompagnieführer herab. Die erste Unterweisung im Sturmwesen empfingen öst.-ung. Offiziere und Mannschaften seit November 1916 in mehreren Lehrvorführungen an der deutschen Westfront. Zu gleicher Zeit stellte das Oberkommando Ost zunächst bei den deutschen Verbänden schon Lehrtruppen für diesen neuen Ausbildungszweig auf; die öst.-ung. Befehlsstellen folgten bald diesem Beispiel. Im Frühjahr 1917 bildeten sich die k.u.k. Armeekommandos schon selbständige Sturmbataillone. Die Divisionen konnten, wenn nicht gerade ein fertig geschulter, vereinter Lehrgang verfügbar war, die früher ausgebildeten Sturmtrupps, die grundsätzlich wieder zu ihren Regimentem traten, für besondere Unternehmungen in Kompagnien zusammenfassen. Die bisherigen „Jagdkommandos“ wurden nunmehr als entbehrlich aufgelassen.
Deutscher Einfluß erstreckte sich auch auf die weitere Schulung der in den Armeebereichen einlangenden Ersatzmannschaften1). Da sie aus der Heimat nur ungenügende Vorkenntnisse mitbrachten, wurde schon seit geraumer Zeit je eine Marschbataillonsreihe in Divisionsausbildungsgruppen gesammelt. Hier hatte der Kämpfernachschub, bevor er den Frontregimentern zufloß, durch mehrere Monate unter straffer Manneszucht stramm zu exerzieren und kriegsmäßig zu üben.
Vielfach dienten deutsche Kampfvorschriften und Lehrbehelfe, so zunächst für den neuen Gaskampf und Sturmdienst, zur allgemeinen Richtschnur. Daneben standen öst.-ung., manchmal den deutschen widersprechende Weisungen in Kraft; überdies gaben viele öst.-ung. Kommandos aus ihrem Gesichtskreis und für ihren Befehlsbereich noch weitere Anleitungen heraus. Um bei dieser verwirrenden Schriftenflut, die sich auf die Front ergoß, wieder einheitliche Auffassungen zu verbreiten, ließ das k.u.k. AOK. seit der Jahreswende eine ganze Reihe neuverfaßter Vorschriften erscheinen, in denen die bisherigen Lehren, Erfahrungen und Neuerungen niedergelegt wurden. Der militärischen Lage des Donaureiches und dem Kriegsverlauf entsprechend, fanden der Stellungskampf und die Abwehrschlacht eine gründliche Behandlung. Solche Vorschriften lehnten sich bewußt stärker an die deutschen Bestimmungen an.
Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen 1914—1918 (Berlin 1919 und 1920,, 186. — Bernhard i, Denkwürdigkeiten aus meinem Leben (Berlin 1927), 449 ff. — Litzmann, Lebenserinnerungen ^Berlin 1921), 11, 131.
Ähnlich wie im Osten diente auch an der Isonzofront die während des Winters eingetretene Kampfpause dem zweckmäßigeren Ausgestalten der Abwehr (S. 40) sowie der eingehenden Schulung der Streiter und ihrer Ersätze.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß diesmal die Winterperiode in jeder Hinsicht bedeutend besser ausgenützt wurde als der gleiche Zeitraum 1915—16. Damals hatte man fast nur gebaut, aber bei Offizier und Mann die Fortbildung im wahren Soldatenberuf vernachlässigt und dadurch das taktische Geschick der Truppe, ihre Wendigkeit in der Hand der Führer, verkümmern lassen. Jetzt wurden alle Grade des Heeres zu reger Mitarbeit eingespannt, Theorie und Praxis, kriegsgerechte Feldübungen und strammer Drill kamen in gleicher Weise zu ihrem Rechte.
So war man im Lager der zwei Kaisermächte eifrigst am Werke, um völlig gewappnet auf den Plan treten zu können, wenn der Feind das blutige Würfelspiel um die Kriegsentscheidung im Frühjahre 1917 von neuem beginnen würde.
Wandlungen im Aufbau und im Gefüge der Armee
Hiezu Beilage 2
Die Menschenbewegung im Jahre 1916
Auch im dritten Kriegsjahre hatten die Ereignisse auf den Schlachtfeldern und nicht zuletzt auch die Wandlungen der Kampfweise entscheidenden Einfluß auf die organisatorische Verfassung der Wehrmacht. Aus den Kämpfen des Jahres 1915 war die Armee schließlich neu gestärkt hervorgegangen1), und das Frühjahr 1916 hatte sie in einer Entwicklung gesehen, die in vieler Hinsicht aussichtsreich genannt werden durfte. Anfangs Mai verfügten die meisten Divisionen über ihren vollen Kämpferstand von 10.000 bis 12.000 Feuergewehren, viele überschritten ihn sogar erheblich. Insgesamt zählte die Streitmacht der Monarchie um 150 Bataillone mehr als zu Kriegsbeginn, weiters dreimal so viele Maschinengewehre, doppelt so viele Geschütze, und auch die lange Zeit so gefahrvolle Not an Munition (Bd. IV, S. 100) war, wenn nicht behoben, so doch bedeutend gemildert worden. Dabei ging die Rüstungs-
x) Vgl. Bd. IV, 90 ff., weiters Franek, Die Entwicklung der öst.-ung. Wehrmacht in den ersten zwei Kriegsjahren 'Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1933, 15 und 98 ff.).
industrie, die an diesem Aufschwünge großen Anteil hatte, erst dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft entgegen.
Wohl trübte ein Schatten dies verheißungsvolle Bild: schon waren die Grenzen der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Reiches sichtbar geworden. Hatte es doch an mannigfachen Rohstoffen und vor allem an Menschen zu mangeln begonnen! Aber selbst in dieser Hinsicht schien keine unmittelbare Gefahr zu drohen. Schon seit dem Herbst 1915 waren die Abgänge geringer als die regelmäßig eintreffenden Ersätze. Wenn es dabei blieb, konnte die Ersatzleistung bis weit ins Jahr 1917 hinein als gesichert gelten.
Gerade in diesem Punkte nahmen aber die Dinge im Jahre 1916 eine höchst bedrohliche Wendung. Mit einem Schlage warf die Brussi-lowoffensive alle Berechnungen und Pläne über den Haufen. Binnen wenigen Wochen büßte die Nordostfront mehr als 300.000 Kämpfer, fast die Hälfte ihres Feuergewehrstandes, ein, und auch die heftigst hin und her wogenden Kämpfe der folgenden Monate forderten nicht geringe Opfer1). Im Juli 1916 betrug die Einbuße durch Tod, Verwundung, Krankheit und Gefangenschaft 167.000 Kämpfer, im August noch immer 13S.000. Regimenter, die anfangs Juni 4000 und mehr Feuergewehre gezählt hatten, standen wochenlang mit einem Drittel ihres Standes in schwerstem Kampfe. Alsbald verschwanden aus der Kriegsgliederung die überzähligen (V., VI. usw.) Feldbataillone sowie eine erhebliche Zahl von Landsturminfanteriebataillonen. Aber sowohl sie als auch die Marschformationen, die im Armeebereiche noch ein paar Wochen hätten geschult werden sollen, und nun vorzeitig in den Kampf geworfen wurden, reichten bei weitem nicht aus, um alle Lücken in den Reihen der Truppenkörper zu füllen. Nur zu bald waren auch sie verbraucht, und der Ruf nach Ersätzen erscholl wieder so dringlich, wie es seit den schweren Tagen des Karpathenwinters nicht mehr der Fall gewesen war. Mit den fünf Reihen von Marschbataillonen, die nach einem sorgfältig erstellten Ersatzprogramme von Juni bis zum Jahresende vorgesehen waren2), war keinesfalls auszukommen. Denn die eiligst herbeigeführten Ersätze — im Juni zogen die ,,zweiundzwanzigsten“, im Juli eine Reihe von außertourliehen und im August die „dreiundzwanzigsten“ Marschbataillone ins Feld — wurden gar schnell von dem Wirbel der kräftezehrenden Schlachten verschlungen. Wenigstens
1 , Die gesamten Abgänge des Jahres 1916 siehe Beilage 2, Tabelle 1.
2j Schon von Ende 1915 an folgten die Marschbataillone einander nach je sechs Wochen.
die am meisten Not leidenden Truppenkörper mußten im November noch einmal „außertourliche“ Marschbataillone erhalten.
An der Südwestfront nahm zwar die gesamte Menschenbewegung ungeachtet der schwersten Kämpfe stets einen viel weniger stürmischen Verlauf, doch stieg der Kraftverbrauch im Jahre 1916 auch hier schon sehr erheblich an. Mehr als ein Drittel der gesamten Abgänge entfiel jetzt schon auf diesen Teil des Kriegstheaters ]). Eine erfreuliche Ausnahme von dieser Entwicklung des Menschenverbrauches bildete nur nach wie vor die Balkanfront und — erstaunlicherweise — auch der neue rumänische Kriegsschauplatz, dessen reichbewegte Geschehnisse, aus dem Blickfeld des Kraftverbrauches gesehen, zu einer Episode ohne größere Bedeutung wurden.
Wie in den vorausgegangenen Zeitabschnitten war auch im Jahre 1916 die Zusammensetzung der Verluste auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen nicht gleich4). Nach wie vor überwogen im Süden die blutigen Verluste, im Norden hingegen die Abgänge an Gefangenen; doch ging deren Anteil an den gesamten Abgängen ständig zurück (von
35.4 v. H. im Jahre 1914 auf 28.9 v. H. im Jahre 1915 und auf 24.9 v. H. im Jahre 1916) und selbst die großen Einbußen an Gefangenen während der Kämpfe im Sommer 19165) vermochten daran nichts zu ändern, ein Beweis dafür, daß es sich hier um ein einmaliges, wenngleich schwerwiegendes Unglück handelte.
Noch deutlicher sprach sich ein erfreulicher Rückgang bei den blutigen Verlusten aus; von je 1000 Männern, die aus den Reihen der Kämpfer ausschieden, waren nur mehr 53 gefallen und 237 verwundet, während dieser Anteil im Jahre 1915 noch 84 Gefallene und 296 Verwundete, im Jahre 1914 sogar 109 Gefallene und 365 Verwundete betragen hatte. Eine sichtliche Zunahme erfuhr nur die Zahl der wegen Erkrankungen aus der Kampffront Scheidenden.
Im großen betrachtet, kann man daher sicherlich von einer befriedigenden Wandlung der Verlustbewegung sprechen, die ohne Zweifel als Ausdruck zunehmender Kriegserfahrung sowie einer Kampfweise zu werten war, die es gelernt hatte, weit mehr als früher mit Menschenkräften zu sparen.
Aber trotz solch erfreulicher Besserung betrug doch die Gesamtzahl aller Abgänge der Armeen im Jahre 1916 noch immer 34.000 Offiziere und 1,716.000 Mann, und es stellte wahrlich keine leichte Aufgabe für die Heimat dar, den Kraftzustrom für die Armee in diesem Umfange dauernd im Fluß zu erhalten. Für Ersätze und Neuformationen waren in diesem Jahre nabe an 2.2 Millionen Männer aufzubringen. Wenngleich hiezu 34.000 Offiziere und 938.000 Mann zur Verfügung standen, die von ihrer Verwundung oder Erkrankung genesen waren und zum zweiten oder öfteren Male ins Feld zurückkehrten, so mußten doch mehr als noch einmal so viele Männer neu aus den Kraftreserven der Heimat geholt werden.
Schon hatte man hiezu die meisten Jahrgänge zweimal, manche ein drittes Mal gemustert, und im Mai die 18jährigen (Geburtsjahrgang 1S98) einberufen. Auf diese Art wurden im Jahre 1916 dem Kriegsdienste noch rund 1,400.000 Männer zugeführt; aber nun waren die Menschenreserven der Monarchie nahezu erschöpft. Das hatten die letzten Musterungen, die nur mehr sehr bescheidene Ergebnisse brachten, höchst eindringlich gezeigt. Lange Zeit schien es keinen anderen Ausweg mehr zu geben, als die Landsturmpflicht auf die 17jährigen und auf die 51- bis 55jährigen auszudehnen. Dagegen sprachen jedoch gewichtige Gründe. Abgesehen von dem bedenklichen Eindruck, den ein solcher Schritt bei Freund und Feind hervorgerufen hätte, konnte man der endlich in mächtigem Aufschwung begriffenen Kriegswirtschaft keine erheblichen Arbeitskräfte mehr entziehen, ohne ihre Leistungsfähigkeit ernstlich zu gefährden.
Glücklicherweise gelang es jedoch, auch ohne solch gefährliche Eingriffe, noch einmal, die Standes- und Ersatzkrise wenigstens notdürftig und für den Augenblick zu überwinden. Seit dem September nahmen die Verluste im Nordosten wieder ein erträglicheres Maß an. Die außer-tourlichen Marschbataillone brachten gleichfalls Erleichterung, und gegen Jahresende zählten die meisten Divisionen schon wieder 8000 bis
10.000 Feuergewehre, im Südwesten sogar noch mehr.
Der bedeutende Kraftzustrom aus der Heimat kam übrigens keineswegs mehr völlig den Ständen der mit dem Gewehre im Schützengraben stehenden Infanteriekompagnien zugute. Die vielen, stark vermehrten Kampfmittel aller Art, der unvermeidlich anwachsende Führungs-, Er-haltungs- und Versorgungsapparat und nicht zuletzt auch zahlreiche
Ausbildungskurse zogen immer mehr Menschen an sich, so daß der Stand an Kämpfern mit dem Feuergewehre, den Infanteristen im engeren Sinne, im Durchschnitte des Jahres 1916 nur ungefähr ein Drittel, im Dezember sogar nur ein Viertel des Verpflegsstandes ausmachte. Dabei ist nnoch gar nicht in Betracht gezogen, daß schon längst mannigfache Hilfsdienste im Armee- und Etappenbereiche von nichtmilitärischen Kräften oder von Kriegsgefangenen ausgeführt wurden. Um die Jahreswende 1916/17 waren es beispielsweise bei einem Gesamtverpflegsstande von 3,353.000 Köpfen schon 45.000 nicht dienstpflichtige Zivilarbeiter und 301.000 Kriegsgefangene.
Auch in der Kräfteverteilung der Monarchie zwischen den verschiedenen Schauplätzen ihres Kriegstheaters trat eine bedeutsame Verschiebung ein. Der Isonzo wurde zur öst.-ung. Hauptfront und zog immer größere Teile des gesamten Kraftaufgebotes an sich. Während anfangs 1916 bei einem Gesamtstande von 979.000 Feuergewehren und Reitern
568.000 auf die Nordostfront, 281.000 auf die Südwestfront und 130.000 auf die Balkanfront kamen, standen zu Ende des Jahres von insgesamt
852.000 Gewehren und Reitern nur mehr 452.000 im Osten (trotz Erweiterung dieser Front um den rumänischen Kriegsschauplatz), 74.000 an der Balkanfront sowie in den besetzten Gebieten und in Festungen, jedoch schon 328.000 an der Kampffront im Südwesten.
Veränderungen bei den Fußtruppen und bei der
Reiterei
Unter diesen durch Knappheit der Mittel gekennzeichneten Umständen konnte auch im Jahre 1916 von einem entschiedeneren Ausbau der Fußtruppen keine Rede sein. Ihre organisatorische Entwicklung war bis zur Jahreswende 1915/16 vornehmlich durch Gelegenheitsschöpfungen zum Ausdruck gekommen, die jedoch in ihrer Gesamtheit immerhin einen nicht zu unterschätzenden Kraftzuwachs gebracht hatten1). Eine manchmal vielleicht zu rege Neigung mancher Stellen zu improvisierten Neuschöpfungen war schließlich vom AOK. eingedämmt und dafür eine beschränktere Aufbauarbeit schon in die Richtung zukünftiger Organisationsabsichten gelenkt worden.
Großzügige Reorganisationspläne beschäftigten allerdings die in Betracht kommenden Stellen, Heeresleitung und Kriegsministerium, seit
!) Vgl. Bd. IV, 90 ff., weiters Franek, 101 ff.
langem. Nach diesen Pllinen, die 1916 schon bis in alle Einzelheiten ausgearbeitet waren, sollte die öst.-ung. Wehrmacht künftighin aus 66 Infanteriedivisionen, 12 Kavalleriedivisionen und 28 Gebirgsbrigaden bestehen, überdies noch 22 Landsturminfanteriedivisionen und 14 Landsturmbrigaden aufstellen1)- Nun stellten diese Pläne zunächst wohl nur Vorarbeiten für eine erst nach Kriegsende durchzuführende großzügige Heeresreform dar, da schon wegen der gespannten Entwicklung der Ersatzlage die Kriegszeit einer tiefgreifenden Neuordnung nicht günstig zu sein schien. Dessenungeachtet war aber doch schon bis zum Frühjahr 1916 manches geschehen, was wenigstens mittelbar zur Verwirklichung dieses Programmes beitrug6), und auch im weiteren Verlaufe des Jahres konnten bei aller Not an Mann einige wichtige, zu dauerndem Bestand ausersehene Verbände gebildet werden; so die Infanterieregimenter 105 bis 109 7), ein fünftes bh. Infanterieregiment und das Honvédinfanterie-regiment Nr. 33. Auch die Notwendigkeit, in Siebenbürgen rasch eine neue Front aufzubauen, führte zu wertvollen Neuschöpfungen, wie die Formierung von fünf neuen Brigaden, Nr. 141 bis 145, die allerdings zum Teil nur eine neue Zusammenfassung schon bestehender Einheiten darstellte. Übrigens kam es in der Entwicklungsphase, die von der zweiten Hälfte 1916 bis weit in das Jahr 1917 reichte, viel mehr darauf an, das organisatorisch Erreichte festzuhalten4), als umfangreiche Neuaufstellungen durchzuführen; man begnügte sich daher, die Pläne für den künftigen Heeresausbau wenigstens bei der Lösung zahlreicher organisatorischen Einzelfragen zu berücksichtigen8).
In mancher Hinsicht konnten bei den Fußtruppen sogar Rückbildungen nicht vermieden werden; die Krafteinbußen auf dem russischen Kriegsschauplätze waren am Ende doch nicht mehr völlig ersetzbar. Im Dezember zählte die gesamte Wehrmacht um 45 Bataillone weniger als im Mai (984 gegen 1029). Die meisten „überzähligen“ Feldbataillone der Infanterieregimenter sowie nicht weniger als 36 von 200 Landsturminfanteriebataillonen waren aus der Kriegsgliederung verschwunden.
Auch das Freiwilligenwesen hatte den Höhepunkt seiner Entwicklung bereits überschritten. Wohl bildeten die vorhandenen Verbände auch weiterhin wertvolle und willkommene Hilfe, vor allem die nun in 29 Bataillone und 21 Kompagnien gegliederten Tiroler und Vorarlberger Standschützen sowie die alpenländischen freiwilligen Schützenregimenter (zusammen neun Bataillone). Im Osten waren sogar den Bukowinaer und den ukrainischen Freiwilligen noch fünf Siebenbürger freiwillige Streifkompagnien, das sogenannte „Tigerbataillon“, zugesellt worden. Aber alle diese Verbände verfügten über keine oder nur sehr geringfügige Reserven; bei der überaus gespannten Lage des Ersatzwesens konnte natürlich nicht daran gedacht werden, die Freiwilligentruppen auf vollem Stande zu erhalten oder gar auszubauen. Der größte Freiwilligenverband, die Polenlegion, schied übrigens im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung der Polenfrage im Herbst gänzlich aus der Einflußsphäre der öst.-ung. Wehrmacht aus.
Während also der Verlauf der Ereignisse im Jahre 1916 einen organisatorischen Ausbau der Fußtruppen nicht begünstigte, führte die Entwicklung der neuen Kampf formen zu ganz erheblichen Wandlungen ihres inneren Gefüges. Neue Infanterieformationen fielen, nicht ihrem Umfange nach, sondern wegen ihrer Bedeutung, für besondere Dienste ins Gewicht. Dazu gehörten vor allem die an der Südwestfront aufgestellten Sondertruppen für den Krieg im Hochgebirge: die „Hochge-birgskompagnien“, die für besondere Unternehmungen, für Kampf und Aufklärung, für Führer- und Rettungsdienste bestimmt waren, sowie „Bergführerabteilungen“, Sammeleinheiten der erfahrensten und geübtesten Alpinisten, die zu besonders schwierigen hochalpinen Unternehmungen sowie zur Leitung und Durchführung von alpintechnischen und Bergungsarbeiten herangezogen wurden1).
Eine andere Neuerung, die bald berufen sein sollte, zum entscheidenden Träger einer neuen Kampfweise zu werden, waren die
*) Ende 1916 gab es acht Ilochgebirgskompagnien, bestehend aus je drei Infanteriezügen, einem MG-Zug, einem technischen Schwarm, zwei Telcphonpatrouillen und einzelnen Bergführerpatrouillen, weiters 12 „Bergführerabteilungen“, die 1200 der erfahrensten Alpinisten, zu „Bergführern“ ernannte Offiziere und Soldaten, vereinigten. In den ersten Monaten des Jahres 1917 erhöhte sich ihre Zahl auf 95 Offiziere und 1900 Mann in 13 Abteilungen.
,,Sturmbataillone" oder „Sturmtrupplehrbataillone“. Nach Beispielen der deutschen Westfront sollten sie vorerst hauptsächlich als Schulcinheiten wirken und im Laufe des Winters für jede Infanteriekompagnie eine bis zwei Sturmpatrouillen in der Führung des Nahkampfes mit den modernsten Mitteln ausbilden; doch man dachte auch schon daran, die Sturmbataillonc gegebenenfalls als Ganzes zur Durchführung schwieriger Angriffe heranzuziehen. Schließlich wurde in der zweiten Hälfte 1916 auch die Grenzjägertruppe in Albanien von sechs Kompagnien auf ebensoviel Bataillone ausgebaut.
Noch wichtiger vielleicht als diese bei Jahreswende 1916 zum Teil erst im Werden begriffenen Schöpfungen war jedoch die Wandlung, welche in der inneren Gliederung der Fußtruppen vor sich ging. Eben hatten Maschinengewehr und Handgranate begonnen, dem Gewehr und dem Bajonett den alten Rang als wichtigste Waffen der Infanterie entscheidend streitig zu machen. Die Vermehrung der Maschinengewehre war endlich in schnellerem Tempo vor sich gegangen. Seit Kriegsbeginn waren für diesen Zweck — die notwendigen Ersätze mitinbegriffen — 23S4 Maschinengewehrabteilungen aus der Heimat ins Feld gesendet worden, davon 1496, weit mehr als die Hälfte, allein im Jahre 1916. Ende Oktober besaß jedes Bataillon seine Maschinengewehrkompagnie zu vier Gewehren; man schritt sogleich daran, sie auf acht Gewehre zu verstärken, und durfte hoffen, diesem Ziele in kurzer Frist nahe zu kommen, weil die Steyrwerke nun schon monatlich rund 850 Maschinengewehre lieferten.
Bedeutendes Ansehen als wichtigstes Nahkampfmittel erwarb sich die Handgranate, besonders seit die deutschen Muster der „Stiel-“ und der „Eihandgranaten“ Vorlagen, welche trotz größter Wirkung so leicht von Gewicht waren, daß geübte Werfer sie bis zu 50 Meter weit werfen konnten. Zwar mußten sich die öst.-ung. Truppen noch geraume Zeit mit den schweren kukuruzförmigen „Zeitzünder-“ und den „Rohrhandgranaten“ behelfen und manche Schlacht im Jahre 1917 mit ihnen ausfechten. Es wurde jedoch mit großem Nachdruck die Erzeugung der neuen Muster betrieben, mit denen die Handgranate zu einem ausgesprochenen Angriffsmittel wurde und, als Hauptwaffe der eben im Entstehen begriffenen Sturmtruppen, mithelfen sollte, das Wesen des Infanterienahkampfes weitgehend zu verändern.
Eine nicht weniger tief greifende Wandlung bewirkte die im modernen Kampfe gewonnene Erkenntnis, daß die Infanterie in schwierigen Lagen, in denen die Hilfe der Artillerie unsicher war oder zu spät kam, im eigenen Bereiche Kampfmittel brauchte, um feindlichen Widerstand brechen oder plötzlich auftauchenden Gefahren wirksam begegnen zu können. Diesem Zwecke sollten Infanteriegeschütze, Minenwerfer und Granatwerfer dienen, die in den unmittelbaren Verband der Infanterie traten. Bis zur Jahreswende kamen 310 Züge mit dem kleinen 37 mm-Infanteriegeschütz an die Front, so daß zu dieser Zeit jedes Regiment und die selbständigen Bataillone mindestens eine Infanteriegeschützabteilung besaßen. Es bestand die Absicht, die Regimenter mit zwei solchen Zügen auszustatten.
Die neue Waffe fand bei der Truppe indes nur geteilte Aufnahme. Wohl begrüßte man allgemein die Einführung eines Kampfmittels, das die Wirkung der Artillerie ergänzen konnte, erwartete aber von dem kleinen Geschütze zumeist Leistungen wie Zerstörung von Deckungen, von betonierten Beobachtungs- und Maschinengewehrständen u.dgl. m., zu denen es nicht befähigt war. Mit einer nur „gelegentlichen“ Verwendung der Infanteriegeschütze, zu der es überdies im Stellungskriege nur selten kommen konnte, fand sich die Truppe nicht leicht ab. Fast alle Berichte gipfelten in dem Wunsche nach größerer Wirkung, größerem Kaliber und größerer Schußweite, Forderungen, die ohne Erhöhung des Gewichtes nicht erfüllt werden konnten. Einzelne Verbesserungen an Konstruktion, Organisation und Munition 9) vermochten daran nichts zu ändern. Das schwierige Problem der Infanteriegeschütze trat indessen bald weit in den Hintergrund gegenüber einer anderen Sorge, die viel dringender geworden war, die Frage der Minenwerfer.
Das Minenwerferwesen hatte sich in der öst.-ung. Armee in den ersten zwei Kriegsjahren nur wenig entwickelt. Noch im Frühjahr 1916 gab es bloß ein leiohtes Muster, das eines 9 cm-Minenwerfers, in nennenswerter Anzahl bei der Infanterie. Die vorhandenen größeren Minenwerfer spielten der Zahl nach so gut wie keine Rolle; ihre Leistungsfähigkeit war überdies gering. Da begann sich, vornehmlich an der Südwestfront, eine von Monat zu Monat zunehmende Überlegenheit des Feindes an schweren Minenwerfern auszusprechen, die (als Luftminenwerfer) nicht leicht entdeckt und — da es ja noch immer an Steilfeuergeschützen mangelte —■ nur schwer bekämpft werden konnten. Allenthalben stand man unter dem Eindruck der gewaltigen moralischen und zerstörenden Wirkung dieser Waffe, ihrer für damalige Begriffe ganz ungewöhnlichen Wurfweite von 1300 Metern *) und der großen Zahl, in der sie beim Feind in den Kampf eingriff. Wenn auch die Schätzungen übertrieben waren, die von 8000 schweren Milienwerfern bei den Italienern allein an der Isonzofront sprachen 2), so wurde doch kaum jemals die Überlegenheit des Feindes an Waffen drückender empfunden, und noch nie war das Verlangen nach einem gleichwertigen Kampfmittel so heftig aus den Reihen der Truppen erklungen wie eben der Ruf nach schweren Minenwerfern.
Die Heeresleitung hatte die Bedeutung der Minenwerfer- und überhaupt der Nahkampfmittelfrage früh erkannt und sich schon seit dem Sommer entschiedener mit einer Massenerzeugung dieser Waffe befaßt; doch hatte es lange an befriedigenden Mustern, besonders an solchen für einen schweren Minenwerfer gefehlt. Schließlich wurde im Herbst ein großer Ausbauplan für diese Waffen beschlossen3). Bei dessen Durchführung wurde auch von der bisher üblichen Einteilung der Minenwerfer abgegangen. Leichte Minenwerfer und Granatwerfer gingen in der Infanterie auf, mittlere und schwere Minenwerfer traten von den Sappeuren, zu denen sie bisher gehörten, in den Verband der Artillerie über.
Solch kräftige Ausbaupläne, die immerhin die Erzeugung von rund 900 leichten, 1200 mittleren und 1100 schweren Minenwerfern erforderten, entsprachen durchaus den Wünschen aller Truppen, die — besonders am Isonzo — schwer unter der Übermacht der Minenwerfer des Feindes litten. Es währte freilich noch geraume Zeit, bis die guten Absichten zur Wirklichkeit wurden. Ende 1916 standen neben 83 Zügen des 12 cm- und 100 Zügen des 22 cm-Minenwerfers nur leichte Minenwerfer und Granatwerfer in größerer Anzahl an der Front.
Eine weitere wertvolle Ausgestaltung erfuhr die Infanterie in
Zu dieser Zeit erreichten die öst.-ung. Minenwerfertypen nur Wurfweiten von 300 bis 600 Meter.
2) Das AOK. schätzte Mitte Oktober die Zahl der beim Feinde im Kampf stehenden Minenwerfer auf 2400, davon die Hälfte schwere; auf die Isonzofront dürften nach der gleichen Schätzung höchstens 800 schwcre italienische Minenwerfer entfallen sein.
3) Jedes Infanterieregiment erhielt einen Minenwerfer- und einen Granatwerferschwarm (zwei 9 cm-MW. und zwei tragbare GW.), weiters jede Infanteriedivision vier Züge zu je zwei 12 cm-LuftMW. und ebensoviele schwere 22 cm-MW. Eine namhafte Reserve — etwa so viel als alle Regimenter und Divisionen zusammen — sollte es dem AOK. ermöglichen, diese wirksame Waffe nach Bedarf cinzusetzen.
technischer Hinsicht durch den Ausbau der für die vielen technischen Aufgaben längst nicht mehr ausreichenden Pionierabteilungen dieser Waffe zu „technischen Infanteriekompagnien“. Den „technischen Infanteriezügen“, deren jedes Regiment so viele aufstellte, als es Bataillone besaß, wurden überdies ein „Infanteriekampfmittelzug x) und ein „Infanterietelephonzug“ angegliedert. So wurde auch das Verbindungswesen, das bisher bei der Infanterie einigermaßen zersplittert auf der Ausrüstung der Unterabteilungen mit dem Fernsprechgerät aufgebaut war, einheitlich zusammengefaßt2).
Alle diese Einführungen und Änderungen, so geringfügig sie teilweise auch scheinen mochten, hatten im Laufe des Jahres 1916 in der Gesamtheit doch das Wesen der Königin der Waffen von Grund auf verändert. Schritt für Schritt wich ihre seit Jahrhunderten bewahrte Einheitlichkeit und Gleichförmigkeit einer reicheren und verschiedenartigen Gliederung. Ihre Einheiten waren im Begriffe, zu kleinen Verbänden gemischter Waffen zu werden, eine Wandlung, die sich in der Nachkriegszeit fortsetzen sollte.
Auch an dem rein äußerlichen Bilde der Truppen gingen das zweite und das dritte Kriegsjahr nicht spurlos vorüber. Das „hechtgraue“ Soldatenkleid war nun schon überall durch ein „feldgrünes“ ersetzt, die ursprüngliche Gleichartigkeit in Farbe, Schnitt und Ausführung — und leider auch in Güte der Stoffe — einer größeren Mannigfaltigkeit gewichen. Verschwunden waren auch die langen Hosen und die schmalen Bänder, die sie an den Knöcheln umschlossen („Hosenspangen“) ; alles trug Kniehosen und die bei sämtlichen Nationen gleich beliebten Wickelgamaschen. Ebenso war der Kalbfelltornister schon überall durch den zwar unschönen, aber geräumigeren Rucksack verdrängt.
Noch ein gut Stück einstiger Buntheit der öst.-ung. Armee ging in diesem Jahre fast ganz verloren; teils aus Gründen der schnellen Erzeugung, teils wegen Mangels an den feinen kostbaren Tuchsorten wurden die Feldkleider fast nur mehr ohne „Kragenaufschläge“ geliefert. Immer seltener begegnete man den traditionellen „Regimentsfarben“, die selbst von den Offizieren vielfach nur in ganz schmalen Streifen getragen wurden.
J) In ihm waren die leichten Minenwerfer- und Granatwerferschwärme sowie zwei Scheinwerferschwärme vereinigt.
2) Die Infanterietelephonzüge setzten sich aus je einem Telephonschwarm für das Regimentskommando und für jedes Bataillon sowie aus einem Meldereiterschwarm zusammen.
Noch war der Stahlhelm — selbst zu Jahresende — ein seltener, meist nur bei Sturmformationen vorhandener Ausrüstungsgegenstand. Seine allgemeine Einführung, schon lange als unabweislich erkannt, war jedoch durch Erzeugungsschwierigkeiten gehemmt gewesen und begann erst entschiedenere Fortschritte zu machen, als man sich auf Drängen der k.u.k. Heeresleitung zur Großerzeugung des vorzüglichen deutschen Modells in österreichischen Werkstätten entschloß. Um die Jahreswende 1916 17 durfte man hoffen, daß bis Ende des Monats März schon 400.000, bis Ende des Monats Juli schon mehr als iy2 Millionen Stahlhelme bei den Truppen sein würden.
Der Kavallerie war die Bahn ihrer Entwicklung schon seit der ersten Kriegszeit durch das veränderte Wesen des Krieges und durch den Mangel an Pferden unabwendbar vorgezeichnet. Auch im zweiten und im angehenden dritten Kriegsjahre boten sich ihr keine echten Reiteraufgaben, in denen sie ihre altbewährte Eigenart hätte zur Geltung bringen können. Selbst wenn erfolgversprechende Gelegenheiten für ihren Einsatz zu winken schienen, wie es auf dem rumänischen Kriegsschauplätze der Fall war, wo tatsächlich viereinhalb öst.-ung. Kavalleriedivisionen herangezogen worden waren, führten die Ereignisse sie wieder in den ortgebundenen mühsamen Infanteriekampf, größtenteils sogar ins Gebirge.
Kein Wunder, daß die Reiterei, als es für den Ausbau der Artillerie an Pferden fehlte, wieder ein gutes Stück Weges weiter zur Angleichung an die Infanterie gedrängt wurde. Schon im Frühjahr 1916 sahen sich die Kavallerieregimenter auf vier Schwadronen zu je 110 Reitern vermindert; hingegen waren bei jeder Kavalleriedivision zwei bis drei Schützendivisionen in Bataillonsstärke formiert, die Maschinengewehre vermehrt und Infanteriegeschütze eingeteilt worden. Immer entschiedener rückte die Kampfkraft der Kavalleriedivisionen auf die Seite der zu Fuß formierten Einheiten, immer rascher vollzog sich diese Wandlung. Schon im September des Jahres 1916 mußten die Kavallerieregimenter ihre Reiterabteilungen auf eine Division beschränken und ihre Fußabteilungen auf eine volle Schützendivision erweitern1). Aber auch dabei sollte es nicht mehr lange bleiben. Die Tage der Reiterei waren gezählt.
Artillerieausbau und industrielle Entwicklung
Am ansehnlichsten war in den ersten zwei Kriegs jahren der Ausbau der Feld- und der Gebirgsartillerie fortgeschritten. Die anfangs 1915 angebahnte großzügige Neuordnung ging nun mit schnellen Schritten der Vollendung entgegen. Ende 1916 konnte jede Infanteriedivision schon über ein Feldkanonen-, ein Feldhaubitz- und ein schweres Feldartillerieregiment verfügen, und, wenn auch da oder dort eine Batterie fehlte, oder Batterien noch nicht die volle Zahl von Geschützen besaßen, so kamen doch durchschnittlich fast 60 Geschütze auf eine Division. Die ursprünglichen Pläne hatten sogar eine gewisse Erweiterung erfahren, da Fliegerabwehrkanonen-(,,Flak-“)batterien und die Minenwerferbatterien als 5. und 6. Batterien den Feldkanonenregimentern angegliedert wurden. Auch mit der Aufstellung von Gebirgsartillerieregimentern für die beiden Landwehren hatte man schon begonnen1).
Der großen Neuordnung des Artilleriewesens lag der Gedanke zu Grunde, daß vor allem die Infanteriedivision ausgiebig mit Artillerie ausgestattet werden müsse, damit sie alle an sie herantretenden Aufgaben aus eigener Kraft durchführen könne. Reiche Erfahrungen der ersten zwei Kriegsjahre bestätigten die Richtigkeit dieser leitenden Idee. Hatte man anfangs den Divisionen nur einen Teil der zu schaffenden schweren Feldartillerie geben und daneben auch die Korps mit schweren Haubitzen und Kanonen ausrüsten wollen2), so wurde auf Grund der Kriegserfahrung der Gedanke an eine Korpsartillerie bald gänzlich zu Gunsten einer Verstärkung der Divisionsartillerie fallen gelassen.
Es hat sich gezeigt, daß die Infanterie nie genug Artillerie zur Seite hatte, Artillerie, deren Wirkung nie groß genug sein konnte. Zumal das Steilfeuer gewann so überragende Wertschätzung, daß man beschloß, die schweren Feldartillerieregimenter entgegen den ursprünglichen Plänen aus drei schweren Feldhaubitzbatterien und nur einer 10.4 cm-Kanonen-batterie zu bilden. Da inzwischen die Zahl der leichten Feldhaubitzen
*) Über den Gesamtstand der Artillerie zu Ende 1916 siehe Beilage 2, Tabelle 5. Am Ausbau der Artillerie hatte die ganzen Jahre über der bei der Heeresleitung eingeteilte Gstbsobst. Pflug hervorragenden Anteil.
2) Bei Kriegsbeginn bestanden nur Ansätze einer schweren Feldartillerie in den 14 schweren Feldhaubitzdivisionen. Die ersten Pläne gingen dahin, die Infanteriedivisionen mit je einer 15 cm-Feldhaubitz- und einer 10.4 cm-Kanonenbatterie zu versehen und den Korps die gleiche Zahl von schweren Batterien für jede ihrer Divisionen zu geben. Vgl. Bd. II, 18.
vervierfacht worden war, gab es jetzt — die Gebirgsartillerie nicht eingerechnet schon doppelt so viel Haubitzen wie Kanonen, sicherlich eine bedeutende Wandlung gegen Kriegsbeginn, wo erst auf drei Kanonen eine Haubitze gekommen war. Schon wurden Stimmen laut, die solch starkes Überwiegen des Steilfeuers nicht für jeden Fall gut hießen.
Nicht weniger dringend als die Vermehrung des Steilfeuers wurde von allen Seiten eine Erhöhung der Schußweiten gefordert, ein Verlangen, dem weit schwieriger entsprochen werden konnte. Erst ganz neu konstruierte Geschütze, die bei der Festungsartillerie eingeführt wurden, hatten größere Schußweiten.
Baute sich die Organisation der gesamten leichten und schweren Feldartillerie sowie der Gebirgsartillerie gänzlich auf der Führungseinheit der Infanteriedivision auf, so stellte die schwere und die schwerste Artillerie ein Mittel in der Hand der obersten Führung dar, um je nach Bedarf eine mächtige Artilleriekraft auf jenen Teilen des Schlachtfeldes vereinigen zu können, wo es die Lage erforderte.
Den Rahmen für die Verwendung der schweren Artillerie bildete die Festungsartillerie. Ihre Gliederung hatte von Haus aus neben einer größeren Zahl von Besatzungskompagnien in den festen Plätzen, der ,,Festungsartillerie“ im engeren Sinne des Wortes, auch noch „Angriffskompagnien“ gekannt, die die schweren Batterien des Feldheeres bedienten. Die meisten der dabei in Verwendung tretenden Geschütze waren allerdings veraltet, und lange Zeit besaßen eigentlich nur die 30.5 cm-Mörser, in den ersten zwei Kriegsjahren der Zahl nach verdoppelt, wirkliche Bedeutung. Daran änderte nur wenig, daß es im Mai 1916 schon 420 schwere mobile Geschütze bei der Festungsartillerie gab; denn noch immer überwog altes Material, das ja mitunter gute Dienste leistete, im großen ganzen jedoch den modernen Anforderungen nicht entsprach.
Inzwischen waren aber einige neue, äußerst leistungsfähige und wirkungsvolle schwere Geschütze konstruiert und erprobt worden ]), so daß
*■) Bei Kriegsausbruch war — außer den leichten Geschützen — eine 42 cm-Haubitze mit Schußweite 12.7 km, Fortbringung mit Autozug, in Konstruktion. Im Jahre 1916 standen für die Großerzeugung bereit:
eine 15 cm-Haubitze M. 15 mit 11.5 km Schußweite
eine 15 cm-Kanone M. 15 mit 18.3 km Schußweite
eine 38 cm-Haubitze, mit 16 km Schußweite
eine 24 cm-Kanone mit 26 km Schußweite,
sämtliche mit Autozug fortzubringen.
die Heeresleitung nun auch an den Ausbau der schweren Artillerie schreiten konnte. Die vorliegenden Modelle hätten schon damals eine vollständige Motorisierung der ganzen schweren Artillerie ermöglicht, und es fehlte nicht an gewichtigen Stimmen, die diese Neuerung auch verlangten. Mannigfache Erfahrungen veranlaßten jedoch zu einer gewissen Zurückhaltung in dieser Frage. Nicht nur im Gebirge, wie im Lovcengebiete und in vielen Teilen Kärntens und Tirols, sondern auch auf dem nordöstlichen Kriegsschauplätze war es vorgekommen, daß motorisierte Batterien nicht hatten fortgebracht werden können. Aus Wolhynien mußten 30.5 cm- und 42 cm-Batterien abgeschoben werden, weil sie dort selbst auf Reichsstraßen nicht vorwärts kamen. Unter solchen Umständen konnte die Heeresleitung nicht darauf verzichten, in ihre Artilleriereserve, die Festungsartillerie, auch einige mit Pferden bespannte Batterien aufzunehmen.
So wurde denn im Sommer 1916 ein großzügiger Plan für die völlige Erneuerung der mobilen Festungsartillerie aufgestellt, die nunmehr 120 Batterien der modernsten schweren Geschütze umfassen sollte10). Damit schien sich eine schon seit langem begonnene Wandlung der schweren Artillerie zur beweglichen Waffe der Vollendung zuzuwenden. Bald sollte der Begriff „Festungsartillerie“, der ja nicht mehr zutraf, fallen und der Bezeichnung „schwere Artillerie“ weichen.
Zu Ende des Jahres 1916 war die Ausführung dieser großen Pläne allerdings erst wenig über die ersten Anfänge gediehen. Viel zu spärlich für den dringenden Wunsch der Truppen kam beispielsweise das Hauptgeschütz, die neue 15 cm-Haubitze, an die Front. Allein der Ausbau der Artillerie hing stets auf das engste mit der Leistungsfähigkeit der Industrie zusammen, und so viel auch schon geschehen war, um die Waffe zu verstärken, die Anforderungen waren immer noch größer. Auch jetzt blieb die industrielle und organisatorische Arbeit nicht auf die schwere Artillerie allein beschränkt. Denn wenn die Feld- und Gebirgsartillerie
!) Der Plan des AOK. für den Ausbau der Festungsartillerie sah die Einstellung folgender Batterien vor:
16 Batterien zu 4 Gesch. 15 cm-Haubitzen Al. 15 (motorisiert)
8 Batterien zu 4 Gesch. 15cm-Kanonen M. 14 (mit Pferden bespannt)
16 Batterien zu 4 Gesch. 15 cm-Kanonen M. 15 (motorisiert)
8 Batterien zu 4 Gesch. 10.4 cm-Kanonen M. 14 (mit Pferden bespannt)
48 Batterien zu 2 Gesch. 30.5 cm-Mörser M. 11 (motorisiert)
8 Batterien zu 2 Gesch. 38 cm-Haubitzen (motorisiert)
8 Batterien zu 2 Gesch. 24 cm-Kanonen (motorisiert)
8 Batterien zu 2 Gesch. 42 cm-Haubitzen (motorisiert) auch im Westen fast fertig aufgebaut war, so galt es doch, dauernd für den Ersatz unbrauchbar gewordenen oder verloren gegangenen Geräts x) zu sorgen. Und da schließlich die artilleristische Rüstung allmählich in Einklang gebracht werden mußte mit der schon erwähnten, für die Zukunft geplanten Gesamtorganisation der Wehrmacht, so war das Artillerieprogramm der Heeresleitung noch weit von der Vollendung entfernt. Wenn man berücksichtigt, daß auch die Erneuerung des leichten Feldkanonenmaterials nicht mehr lange aufgeschoben werden konnte11), so umfaßte der gesamte Bedarf für die Reorganisation der Artillerie nicht weniger als 13.300 Geschütze (davon 520 schwere), von denen um die Jahreswende 1916 17 erst 5000 (davon 90 schwere) vorhanden waren.
Die öst.-ung. Heeresleitung besaß genug trübe Erfahrungen, um zu wissen, daß sie Rüstungsforderungen, die nicht jetzt unter dem Zwange des Krieges durchgesetzt wurden, im künftigen Frieden wohl kaum erreichen werde. Aber auch von dieser Erkenntnis abgesehen, durfte sie nicht säumen, alle Kräfte der Monarchie, um deren Bestand es doch ging, bis aufs äußerste anzuspannen. Je mehr der Strom menschlicher Kräfte zu versiegen drohte, desto mehr mußten Maschinen an ihre Stelle treten, und es mußten deshalb die industriellen Kräfte zur höchsten Leistung gesteigert werden.
Die Kriegsindustrie der Donaumonarchie hatte im Verlauf des zweiten Kriegsjahres einen gewaltigen Aufschwung erfahren und strebte um die Jahreswende in allen Zweigen machtvoll dem Höchstmaß ihrer Leistungsfähigkeit zu. So stieg die Halbjahreserzeugung von 1914 bis zum zweiten Halbjahr 1916:
Gesamterzeugnis seit Kriegsbeginn
an Geschützrohren (einschl. Rohlinge) von 240 auf 3.554 9.462
an Lafetten von 148 auf 1.900 ....................6.998
an Maschinengewehren (einschl. ausländischer Typen) von
1.087 auf 3.912............................11,102
an Gewehren von 149.000 auf 630.000 ........ 2,252.000
Ende 1916 konnten monatlich 850 Maschinengewehre, 100.000 Gewehre nnd 500 Geschütze, darunter fast die Hälfte Steilfeuergeschütze, hergestellt werden. Für das kommende Jahr sahen die Lieferprogramme noch wesentliche Steigerungen vor. Der Kreis der Erzeugungsstätten war erweitert und zu den Skodawerken, den Steyrwerken und dem Arsenal wurden seit 1915 auch die Böhlerwerke und seit 1916 die Eisenwerke Witkowitz und Resica sowie die ungarische Kanonenfabrik zu Arbeiten für den Kriegsbedarf herangezogen.
So begrüßenswert es war, daß die bisher recht fühlbare Unzulänglichkeit der industriellen Kräfte der Monarchie aufgehört hatte, ein Hemmnis für den Ausbau der Wehrmacht zu bilden, so durfte sich die Heeresleitung doch keineswegs damit zufrieden geben. Ein Ende des Krieges war nicht abzusehen. Den Feinden stand die Wirtschaft der ganzen Welt zur Beschaffung von Kriegsgerät zur Verfügung. Schon hatte der Krieg begonnen, zum Materialkrieg, zum Krieg der Maschinen zu werden. Wer in dieser Entwicklung zurückblieb, mußte unterliegen.
Sicherlich ließ sich noch weit mehr als bisher aus der Industrie herausholen, wenn man sie durch langfristige Aufträge zu größeren Investitionen ermunterte. Die Heeresleitung hatte es jedoch nicht leicht, diese Auffassung zur Geltung zu bringen. Ende 1916 hatte z.B. das oben geschilderte Ausbauprogramm der Artillerie (S. 59) noch nicht die Zustimmung der Regierungen gefunden, weil es 1.3 Milliarden Kronen kostete.
Der industrielle Aufschwung dieser Zeit ist umso bemerkenswerter, als ihm die äußerst gespannte Rohstofflage nicht geringe Hemmnisse bereitete. Einem monatlichem Kupferbedarf von 3000 bis 5000 Tonnen stand nur eine Deckung von 2000 bis 3000 Tonnen gegenüber, obgleich die Metallzentrale schon 70 v. H. der Kupfervorräte aller Art aus der Privatwirtschaft herausgeholt hatte. Selbst so sinnfällige Eingriffe wie die Abnahme von Kirchenglocken, Kupferdächern und Blitzableitern lieferten bis Ende 1916 nur 6400 Tonnen Kupfer und ließen in der Folge höchstens noch die Aufbringung von weiteren 7300 Tonnen erhoffen; letzten Endes doch recht bescheidene Ergebnisse gegenüber den Mengen des Bedarfes. An Blei wurde monatlich nur wenig mehr als die Hälfte der erforderlichen Menge gewonnen. Selbst die Gewinnung von Eisen und Stahl sowie von Manganerzen erreichte bei weitem nicht die notwendige Höhe. Um den Nickelbedarf zu decken, entschloß man sich nach längerem Zögern endlich doch, die Nickelmünzen durch solche aus Eisen zu ersetzen. Im Winter 1916/17 begann schließlich auch schon Knappheit an Kohle fühlbar zu werden. Wirkte sich der Mangel vorerst noch nicht in der Industrie, sondern nur in den privaten Haushalten aus, so war doch wieder ein neuer empfindlicher Punkt der blockierten Kriegswirtschaft zu Tage getreten.
Immerhin war es bisher noch immer gelungen, durch Ausbeutung der Metallvorkommen Serbiens und Polens, durch verschiedene Aushilfen und nicht zuletzt durch die Unterstützung, die der wirtschaftlich ungleich stärkere deutsche Bundesgenosse geliehen hatte, die ärgste Not zu überwinden.
Empfindlicher als in der Waffenerzeugung machte sich die Knappheit an Rohstoffen bei der Munitionserzeugung fühlbar, wo die Beschaffung der erforderlichen Mengen von Pulver und Sprengstoffen trotz Errichtung neuer Fabriken nach wie vor auf bedeutende Hemmungen stieß. Auch konnte die Schwierigkeit noch immer nicht überwunden werden, daß die Erzeugung nicht nur an sich gesteigert, sondern auch gleichzeitig auf neue Munitionssorten für die neuen Geschütze umgestellt werden mußte. Erst mit der fortschreitenden Erneuerung des Geschützmaterials trat darin eine Erleichterung gegenüber dem Zustand von 1915 ein, in welchem Jahre für 29 Geschütztypen 100 verschiedene Munitionssorten hatten erzeugt werden müssen.
Anfangs 1916 war die Munitionslage dank der vorausgegangenen größeren Kampfpause so günstig gewesen, wie nie vorher, und für die Offensive in Tirol waren sehr ansehnliche Munitionsmengen bereitgestellt !) worden, die freilich dann auch aufgingen. Bedarf und Verbrauch an Munition wuchsen nach der Wendung, die die Ereignisse im Norden nahmen, noch mehr an. Anfang Juli forderten beispielsweise die Armeen im Nordosten an einem Tage Munitionsmengen an, die das acht- bis vierzehnfache einer Tagesleistung der gesamten Munitionsindustrie ausmachten.
Diese hatte zum Unterschied von der sonstigen Rüstungsindustrie den im Jahre 1915 genommenen Aufschwung nicht im gleichen Tempo fortzusetzen vermocht. Sie erzeugte im Sommer des Jahres 1916 wohl durchschnittlich 255.000 Artilleriegeschosse und mehr als 26 Millionen Infanteriepatronen in jeder Woche, erreichte damit jedoch nicht einmal die bescheidene Mindestforderung, die die Heeresleitung schon ein Jahr zuvor gestellt hatte, geschweige denn die Mengen, die dem tatsächlichen Bedarfe entsprochen hätten. Sehr gegen ihren Willen sah sich daher die Heeresleitung immer wieder gezwungen, den Truppen Sparsamkeit mit
1 Bis Ende März 1916 schob die Heeresleitung der 11. Armee etwa 613.000 Schuß für Geschütze bis 10 cm und 54.000 Schuß für Geschütze über 10 cm Kaliber zu.
Munition aufzuerlegen, zu einer Zeit, wo der Artilleriekampf überall schon im Zeichen der Massenwirkung stand.
Man ließ, besonders als auch Rumänien an die Seite unserer Feinde trat, kein Mittel unversucht, die Munitionserzeugung, vor allem die für die neuen Geschütze, zu steigern, so weit es nur ging; aber der Mangel an Rohstoffen und die Leistungsfähigkeit der Industrie setzten diesem Wollen seine Grenzen. Nur wenig mehr als die Hälfte einer neuen, auf eine Wochenleistung von 800.000 Artilleriegeschoßen hinauslaufenden Anforderung der Heeresleitung konnte in der zweiten Jahreshälfte erfüllt werden. Nach wie vor überstieg in den schweren Herbstkämpfen sowohl im Nordosten als auch an der Südwestfront nur allzuoft der Munitionsverbrauch die tägliche Erzeugung, ohne daß deshalb Verschwendung getrieben worden wäre.
Die Entwicklung der Luftwaffe und der technischen
T ruppen
Nicht geringe Mühe bereitete es der öst.-ung. Heeresleitung, dem großartigen Aufschwung zu folgen, den das Flugwesen im Jahre 1916 allenthalben nahm. Auch dabei spielte ebensosehr die Leistungsfähigkeit der Industrie wie das Dahinschwinden der Menschenreserven eine bedeutende Rolle. Es war sicherlich eine höchst anerkennenswerte Leistung, daß die Produktion im Jahre 1916 auf mehr als 1000 komplette Flugzeuge und 500 Reservemotoren gesteigert werden konnte1), daß man in der nächsten Zeit auf eine weitere Steigerung bis auf das Fünffache der ursprünglichen Produktion hoffen konnte und daß man auf diese Art mit der Aufstellung von zweieinhalb neuen Fliegerkompagnien in jedem Monate rechnen durfte.
Zu Anfang 1916 hatte das AOK. den Ausbau der Luftfahrtruppe auf 48 Kompagnien, und zwar für 24 Korps und für 8 Armeen je eine Kompagniie mit Aufklärungsflugzeugen, für die Armeen überdies je zwei Kompagnien mit Großkampfflugzeugen in Aussicht genommen2). Noch war dieses Programm zur Jahreswende erst zu drei Vierteln
x) Von Kriegsbeginn bis Ende 1915 waren insgesamt 408 Motoren und 512 Flugzeuggestelle erzeugt worden. Vgl. Madarász, Die k.u.k. Luftfahrtruppen im Weltkrieg (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1928, Sonderheft Luftflotten).
2) Solange eine geeignete Type von Großkampfflugzeugen noch nicht vorlag, sollten auch diese Kompagnien mit leichten Flugzeugen ausgestattet werden.
erfüllt, — es gab um diese Zeit 37 Fliegerkompagnien — als es auch schon durch die Entwicklung des Flugwesens bei den Feinden überholt war und erweitert werden mußte. Zum Glück hatte die Industrie bereits eine Leistungskraft gewonnen, auf Grund derer das Kriegsministerium die Vermehrung der Fliegerkompagnien auf 68 und überdies die Aufstellung von drei Großkampfgeschwadern bis Ende 1917 Zusagen konnte.
Die Abwehr der immer zahlreicher und tätiger werdenden feindlichen Flieger wurde durch Errichtung der Fliegerabwehrkanonenbatterien (Flakbt.) als fünfte Batterien der Feldkanonenregimenter in die Hände der Artillerie gelegt12). Die Leistungen der verschiedenen Geschütztypen, die dabei verwendet wurden, ließen jedoch noch lange Zeit viel zu wünschen übrig.
Französische Luftangriffe auf deutsche Städte hatten die Aufmerksamkeit auf das Problem des Heimat-Luftschutzes gelenkt. Solche Angriffe auf industrielle Anlagen und auf sonstige lebenswichtige Zentren waren weniger wegen des möglichen Sachschadens gefährlich, als wegen des Massenschrecks, den sie bei der Bevölkerung hervorrufen konnten. Um solche Angriffe wenigstens zeitgerecht zu erkennen, wurde vorerst an der Südwestfront und in dem dahinter gelegenen Heimatgebiete ein genau geregelter Flugbeobachtungs- und Meldedienst eingerichtet, der aus mehreren parallel zur Front verlaufenden Linien von Flugwachen und Flughauptposten bestand. Die letzte dieser Linien erstreckte sich von Knittelfeld über Stainz und Leibnitz nach Radkersburg. Wichtige Räume sollten überdies noch durch eine besondere Flugbeobachtung geschützt werden, so Wien, Wiener-Neustadt, Preßburg—Magyar Ovár, Graz und Steinamanger. Das Gebiet der Monarchie war übrigens bisher von solchen Angriffen verschont geblieben.
Soweit es die gespannte Lage des Ersatzwesens zuließ, wurden auch die technischen Truppen entsprechend den stets zunehmenden technischen Anforderungen des Krieges ausgebaut und dabei zugleich den Plänen für die zukünftige Ausgestaltung der Wehrmacht Rechnung getragen; diesen zufolge war ein Ausbau auf 18 Sappeurbataillone mit 119 Kompagnien, dann auf 14 Pionierbataillone mit 56 und auf 2 Brückenbataillone mit sechs Kompagnien in Aussicht genommen. Um die Jahreswende 1916 17 war dieses Ziel nicht nur im Wesen erreicht, sondern zum Teil sogar überschritten f), ungerechnet mannigfache Spezialabteilungen, die von Sappeuren aufgestellt und bedient wurden, wie die zahlreichen Abteilungen für die Erzeugung von elektrischem Licht- und Kraftstrom, dann für den Betrieb von Gesteinsbohrern, Ventilatoren, Pumpen und anderen technischen Anlagen.
Desgleichen hatten die Einrichtungen, die der Nachrichtenübermittlung dienten, einen Stand erreicht, der zumindest im Bereiche der mittleren und höheren Führung allen Ansprüchen gewachsen war. Im Jahre 1916 erhielten auch die Brigadekommandos eigene Brigadetelephonabteilungen.
Größere Schwierigkeiten bereitete freilich die Verbindung im eigentlichen Kampfbereiche sowie zwischen Infanterie und Artillerie, weil hier die Fernsprechleitungen stark unter der Wirkung des feindlichen Massenfeuers litten und der Fernsprecher gerade in den entscheidendsten Augenblicken versagte. Da vollbrachten wohl die braven Truppentelephonisten, die die zerschossenen Drähte im schwersten Feuer wiederherzustellen hatten, sowie die Meldeläufer, die, wenn alles andere versagte, ja immer das letzte Auskunftsmittel bildeten, wahre, nicht hoch genug zu schätzende Heldentaten. Sehr rasch lebten sich bei den Kampftruppen optische und akustische Signalmittel, wie verschiedenfarbige Leuchtraketen und aus besonderen Leuchtpistolen abzugebende Leuchtschüsse, ein, welche vornehmlich zur Verbindung zwischen Infanterie und Artillerie gute Dienste leisteten.
Unvermindert hielt die entscheidende Bedeutung an, welche dem Verkehrswesen schon seit Kriegsbeginn zugefallen war. In den schicksalhaften Kämpfen zur Eindämmung der Brussilowoffensive erwies sich der unschätzbare Wert des in harter Arbeit erweiterten galizisch-polni-schen Bahnnetzes sowie der zu einem leistungsfähigen Bahnknoten ausgebauten Anlagen von Kowel2). Es ist kaum auszudenken, wie sich das Heranführen der Kräfte zur Gegenoffensive ohne diese Einrichtungen gestaltet hätte. Sie waren in der Tat das Rückgrat der Ostfront geworden.
Wesentliche Neuerungen brachte das Jahr 1916 indessen für das Verkehrswesen nicht. Die 1915 begonnenen Arbeiten wurden fortgesetzt.
!) Es gab um diese Zeit 108 Sappeurkompagnien und 15 in der Regel zu den gleichen Aufgaben wie diese verwendbare Landsturmsappeurabteilungen, weiters 1 Sappeurspezialbataillon für den Gaskampf, dann 60 Pionierkompagnien. Der Bataillonsverband war bei Sappeuren und Pionieren fast überall aufgelöst.
2) Vgl. Ratzenhofer, Das Rückgrat der Dauerfront im Osten (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1932, 974 ff.).
Der Ausbruch des rumänischen Krieges erforderte zuerst die Räumung und die — übrigens nicht sehr nachhaltig durchgeführte — Zerstörung von 650 km siebenbürgischer Bahnlinien, die nach dem siegreichen Vormarsche ebenso wie etwa 540 km rumänischer Bahnen rasch wieder instandgesetzt und in Betrieb genommen werden mußten. Hiezu wurde im neubesetzten Gebiete als dritte k.u.k. Militärbahnbehörde das „Heeresbahnkommando Südost“ eingerichtet.
Im übrigen gewannen Feld-, Roll- und Seilbahnen in dem Maße an Bedeutung, als größere Frontteile einen stabilen Charakter annahmen. Am dichtesten war das Netz der für den unmittelbaren Frontnachschub bestimmten Feld- und Rollbahnen im Norden. Sie wurden gemischt mit Rollbahnlokomotiven und Triebwagen betrieben. Am besten bewährten sich die Feldbahn-Generatorenzüge, die aber nur in geringer Anzahl vorhanden waren. Der Feldbahn-Generatorenbetrieb wurde seit Dezember 1916 von Durazzo aus vorgetrieben und sollte auf dem albanischen Kriegsschauplatz ganz besondere Bedeutung erlangen. Einzelne Feldbahnen, z. B. die Strecke Wochein—Feistritz—Zlatorogg, wurden elektrifiziert, Die normalspurige Kraftwagenbahn Duttoule—Comen behielt ihre hohe Bedeutung für die Versorgung der Karstkämpfer. Geradezu eine Lebensbedingung für die Stellungen im Hochgebirge bildeten die Seilbahnen, die sowohl an Zahl als auch an Leistungsfähigkeit Zunahmen. Um die Jahreswende 1916 17 standen etwa 1200 km Förderseile in Betrieb.
Im großen und ganzen war es also eine recht schwierige Lage, in der die Wehrmacht der Donaumonarchie den Jahreswechsel 1916/17 erlebte. Sie ging schließlich allen Hemmnissen und Gefahren zum Trotz nach der Zahl der Einheiten im allgemeinen ungeschmälert aus einer der gefährlichsten Krisen hervor. Daß manche Improvisation verschwand, bedeutete kaum eine ernste Schwächung und wurde jedenfalls bei weitem wettgemacht durch den Ausbau vor allem der Artillerie. Es war sicherlich ein günstiger Ausblick, daß dieser Aufstieg dank der dem Höhepunkte ihrer Leistungskraft zustrebenden Industrie sich noch in voller fortschreitender Bewegung zu befinden schien.
In Wirklichkeit war man freilich den Grenzen der Entfaltungsfähigkeit schon beinahe ebenso nahe gekommen, wie bei der Heranziehung der Menschenreserven zum Kriegsdienste. Die Erschöpfung der Menschenkräfte aber war das zweite Merkmal der Lage.
Alle diese so schwer wiegenden Fragen traten so recht deutlich in Erscheinung, als anläßlich der Schaffung des gemeinsamen Oberbefehles die DOHL. auch Einfluß auf die Anspannung aller Kräfte zur Steigerung der Machtmittel der öst.-ung. Armee zu nehmen suchte. Nicht ohne neidvolle Entsagung nahm man in Tesche.n zur Kenntnis, daß der Bundesgenosse in der zweiten Jahreshälfte 1916 binnen wenigen Monaten 33 neue Divisionen aufzustellen vermochte, sowie, daß seine Industrie in allen Rüstungszweigen nicht nur das Vierfache der öst.-ung. Produktion lieferte ł), sondern auch im Begriffe stand, im Dienste des „Hindenburgprogramms“ ihre Leistung im kommenden Jahre zu verdoppeln und zu verdreifachen.
Die wirtschaftlichen Grundlagen der Monarchie waren eben doch viel zu verschieden von denen des Reiches, als daß man mit ähnlichen Ausmaßen hätte rechnen dürfen. Die öst.-ung. Heeresleitung hatte wahrlich alles getan, was in ihrer Macht stand, um die industriellen Kräfte der Monarchie zu steigern und in den Dienst des Krieges zu stellen. Aber bei allem Willen, in diesem Streben nicht zu erlahmen, durfte man sich in Teschen doch keiner Täuschung darüber hingeben und auch den Bundesgenossen nicht im Unklaren lassen, daß künftighin weder eine Angleichung der industriellen Leistungsfähigkeit an die des Deutschen Reiches, noch die Bildung neuer Kampftruppen in größerem Umfange möglich sein werde. Bis Ende 1916 waren schon 7.5 Millionen Männer, 67 v. H. aller im wehrpflichtigen Alter von 18 bis 50 Jahren stehenden, zu den Waffen gerufen worden. Davon waren etwa 700.000 gefallen und ihren Verwundungen oder Krankheiten erlegen, 600.000 undienstbar geworden, 1,500.000 in Kriegsgefangenschaft geraten, zusammen 2.8 Millionen Männer, mit denen als Kämpfer nicht mehr gerechnet werden konnte. Es war unzweifelhaft, daß künftig neue Wege beschritten werden müßten, um der Armee noch möglichst lange die notwendigen Ersätze zu sichern. Diese Aufgabe — ebenso schwierig wie wichtig — sollte bald eine neue besondere Zentralstelle, den ,,Chef des Ersatzwesens für die gesamte bewaffnete Macht“ erfordern. Über die Gründe ihrer Aufstellung wird an anderer Stelle noch einiges zu sagen sein.
Mit den aufgebotenen Kräften hatte die Heeresleitung, soweit es der fast immer die meisten Kräfte verbrauchende Ersatzbedarf zuließ,
!) Beispielsweise hatte Deutschland bis September 1916 887 schwere Batterien aufgestellt, wir 182; die Monatsleistung der Industrie betrug im Sommer 1916 dort 160 schwere Geschütze, 5500 Minenwerfer, 29.000 Tonnen Stacheldraht, — bei uns 43 schwere Geschütze, 45 Minenwerfer, 3000 Tonnen Stacheldraht. An Munition wurden in Deutschland täglich 250.000, bei uns 60.000 Artilleriegeschosse erzeugt.
auch für den Ausbau der Wehrmacht das Mögliche geschaffen, die Kampfti-uppen vermehrt1), ihre Kampfmittel vervielfacht und erneuert sowie seit Kriegsbeginn immerhin 22 neue Divisionen auf stellen können. Auf eine Fortsetzung dieses Ausbaues im Jahre 1917 mußte jedoch verzichtet werden. Dazu zwang nicht nur die allgemeine Knappheit der Menschenreserven, sondern ebenso sehr ein längst schwer empfundener Mangel an Berufsoffizieren und an „längerdienenden“ Unteroffizieren. Wenn im kommenden Jahre trotzdem eine Neuordnung des Heerwesens der Monarchie notwendig werden sollte, die auch eine Vermehrung der Infanterietruppenkörper und der höheren Verbände in sich schloß, so konnte sie nur durch Verschiebungen in deren innerer Zusammensetzung erfolgen, aber keinesfalls auf Grund wirklicher Verstärkungen.
Um so mehl' war es nötig, daß künftig Menschen — und nicht minder Pferde — durch Maschinen ersetzt würden. Die österreichischungarische Rüstungsindustrie war jedoch im Hinblicke auf die Hemmungen staatsfinanzieller Natur sowie auf dem Gebiete der Beschaffung von Rohstoffen und Arbeitskräften nur mehr beschränkter Steigerung ihrer Leistungskraft fähig.
Trotz all dieser Sorgen durfte man aber doch auch nicht ohne Zuversicht dem beginnenden Jahr 1917 entgegensehen. An Streiterzahl würde die Armee in der bestehenden Stärke voraussichtlich erhalten bleiben, an Kampfmitteln sogar noch verstärkt werden können.
Conrads Sturz und die neue Heeresleitung
Im ersten Halbjahr der Regierung Kaiser Karls kam es auch zu grundlegenden Veränderungen in der Besetzung der höchsten militärischen Posten des Reiches. Diese Veränderungen setzten mit der persönlichen Übernahme des Armeeoberkommandos durch den neuen Obersten Kriegsherrn ein (Bd. V, S. 723). FM. Erzherzog Friedrich, der seit Beginn des Krieges an der Spitze der Heeresleitung gestanden war (Bd. I, S. 58), wurde nun zum „Stellvertreter des Armeeoberkommandanten“
1_ Die Infanterie war wohl vom Höhepunkt ihres Standes, der Ende Juni 1916
— ungerechnet die Marsch-, Etappenbataillone, Besatzungstruppen, Standschützen und Freiwilligenformationen — 1030 Bataillone betragen hatte (gegen 927 bei Kriegsbeginn) wieder auf 984 zurückgegangen. Hingegen war die Artillerie von 559 auf 1241 Batterien, waren die technischen Truppen von 126 auf 183 Kompagnien und die Kraftwagenkolonnen von 41 auf 217 vermehrt wurden. Nur die Reiterschwadronen von 425 auf 311) und die Trainstaffel 'von 927 auf 858) hatten wegen des großen Pferdebedarfes der Artillerie vermindert werden müssen.
bestimmt, schon am 11. Februar 1917 aber „zur Disposition“ gestellt. Unmittelbar nach der Thronbesteigung hatte sich der Herrscher auch von den beiden greisen Generaladjutanten seines Vorgängers getrennt, den Generalobersten Graf Paar und Freih. v. Bolfras. An ihre Stelle traten der schon von einem schweren Leiden befallene FML. Ritt. v. Marterer, der zugleich die Leitung der kaiserlichen Militärkanzlei übernahm, und der lediglich zu Hofdiensten berufene GM. Prinz Lobkowitz. Als Stellvertreter wurde dem FML. Marterer der dem Kaiser seit längerer Zeit nahestehende Gstbsobst. Freih. Zeidler-Daublebsky v. Sterneck beigegeben.
Die Heeresleitung übersiedelte zu Anfang Jänner 1917 vonTeschen, wo sie seit dem ereignisreichen November 1914 geweilt hatte, in die alte Kurstadt Baden bei Wien. Der Kaiser wohnte abwechselnd in der bürgerlichen Enge des Badener „Kaiserhauses“ oder in dem eine Viertelstunde Autofahrt entfernten Schlosse Laxenburg. Der junge Herrscher widmete von Anbeginn einen großen Teil seiner Zeit der Bereisung seines Reiches und vor allem der Fronten, wo er immer und überall durch die ihm eigene Schlichtheit und Menschlichkeit zu wirken wußte. Eine seiner ersten Frontreisen galt dem geliebten, nunmehr amtlich so benannten „Edelweißkorps“, das sich, vom GdK. Fürst Schönburg befehligt, nach wie vor in den alten Stellungen auf der Hochfläche von Folgaria befand. Erzherzog Eugen, der am 15. Jänner für Verdienste im Kriege gegen Italien das Großkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens erhalten hatte, bat bei diesem Frontbesuche des Kaisers, dieselbe Dekoration anzulegen, die ihm als Ordenssouverän ohnehin zukam (IV. Bd., S. 356).
Die Zusammenarbeit mit dem Chef des Generalstabes, FM. Conrad, gestaltete sich vom ersten Augenblick an ziemlich schwierig. Der junge Kaiser hatte den Ehrgeiz, die Zügel selbst zu führen, und wurde in diesem Streben von seiner näheren Umgebung bestärkt. Immer wieder mußte es Conrad in kleineren und größeren Dingen erfahren, daß gegen ihn entschieden wurde; nicht selten sah er sich durch kaiserliche Befehle vor vollendete Tatsachen gestellt. Darunter litt der selbstherrliche Sinn des Generalstabschefs ganz außerordentlich. Der Feldmarschall hielt gegenüber seinem jungen Allerhöchsten Herrn mit Äußerungen tiefer Verstimmung nicht zurück, was wieder die schon längst bestehende Abneigung des Kaisers gegenüber Conrad noch vertiefte. Diesen persönlichen Gegensätzen, an denen auch private Gründe Anteil hatten, gesellten sich tiefgehende sachliche Meinungsverschiedenheiten bei, die auf die Dauer unüberbrückbar waren, und beim Kaiser wohl auch Bedenken, die mit der von ihm sehr bald eingeleiteten Friedenspolitik zusammenhingen und ihm die Trennung von dem mit dem Kriegsausbruch eng verknüpften Generalstabschef für zweckmäßig erscheinen lassen mochten 13). Die Kluft zwischen dem 29jährigen Herrscher und seinem 65jährigen ersten militärischen Berater wurde jedenfalls von Tag zu Tag breiter, so daß zumindestens die einigermaßen Eingeweihten in keiner Weise überrascht waren, als am 27. Februar 1917 Conrads Sturz vollzogene Tatsache wurde. Der Feldmarschall war im ersten Augenblick geneigt, jede Weiterverwendung abzulehnen. Auf ausdrücklichen, schriftlichen Wunsch des Kaisers trat er jedoch, mit dem Großkreuz des Theresienordens ausgezeichnet, an die Spitze der Heeresgruppe in Tirol, was auf die Italiener den von der öst.-ung. Heeresleitung gewünschten Eindruck für die nächste Zeit nicht verfehlte. Am letzten Februartage des Jahres 1917 verließ FM. Conrad in aller Stille die Heeresleitung, der seine starke Persönlichkeit durch zweieinhalb Jahre den Stempel ihrer Eigenart aufgedrückt hatte.
An Conrads Stelle wurde, nachdem vorübergehend auch an die Berufung des FML. Alfred Krauss gedacht worden war, der GdI. Arz v. Straussenburg zum Chef des Generalstabes ernannt14). Arz hatte zu Kriegsbeginn während der Schlacht bei Komarów das Kommando der 15. ID. übernommen, erhielt dann den Befehl über das VI. Korps, an dessen Spitze er sich bei Limanowa und auf dem Siegeszuge von Gorlice bis Brest-Litowsk hervorragend bewährte. Beim Ausbruch des Krieges gegen Rumänien fiel ihm die Aufgabe zu, die Verteidigung seiner siebenbürgischen Heimat einzuleiten. In dem darauffolgenden Feldzug legte Arz neuerlich Proben seiner Tüchtigkeit als hoher Truppenfiihrer ab. Auch beim deutschen Bundesgenossen hatte er sich großes Ansehen zu erwerben gewußt. Das Verhältnis zwischen ihm und der DOHL. blieb denn auch, mindestens so weit die persönlichen Beziehungen in Betracht kamen, bis zum Kriegsende durchaus ungetrübt.
Schon bei der Antrittsmeldung des neuen Generalstabschefs sprach der Kaiser den Wunsch aus, statt des FML. Metzger den Gstbsobst. Freih. v. Waldstätten an der Spitze der Operationsabteilung wissen zu wollen. Waldstätten war während der Südtiroler Offensive Korpsgeneralstabschef des Kaisers gewesen und besaß von daher dessen besonderes Vertrauen. FML. Metzger, den Conrad seit langem gerne als seinen Nachfolger gesehen hätte, übernahm Ende März die Führung der bei Tolmein verschanzten 1. Division.
Auch sonst traten bei der Heeresleitung auf Wunsch des Kaisers tiefgreifende Änderungen ein. Obst. v. Hranilovic wurde als Leiter der Nachrichtenabteilung durch Gstbsobstlt. Ronge ersetzt. An der Spitze der Quartiermeisterabteilung stand seit Dezember 1916 an Stelle des zum österreichischen Ernährungsminister ernannten Gstbsobst. Höfer der Gstbsobst. Ritt. v. Zeynek, der einstige Generalstabschef des GO. Freih. v. Pflanzer-Baltin. Die Führung des Kriegspressequartiers trat GM. Ritt, v. Hoen, nunmehr Direktor des Kriegsarchivs, an den Gstbsobst. Eisner-Bubna ab. Die seit Kriegsbeginn bei der Heeresleitung eingeteilten fronttauglichen Offiziere, zumal die des Generalstabes, wurden mit geringen Ausnahmen durch fronterfahrene Kameraden ersetzt, wobei man der von Tisza immer wieder geforderten „Parität“ zwischen den beiden Staaten sorgsam Rechnung trug.
Sowohl die Heeresleitung wie übrigens noch mehr das gemeinsame Kriegsministerium, zu dessen Leitung im April 1917 an Stelle des zum Kommandanten der 10. Armee ernannten GO. Freih. v. Krobatin der GdI. Edl. v. Stöger-Steiner berufen wurde, schwollen im Laufe der Zeit nach Pflichtenkreis und Personenzahl ganz gewaltig an. Dies erklärt sich nicht bloß aus der zunehmenden Ausdehnung des Kriegsgeschehens, sondern auch aus dem täglich größer werdenden Mangel an Kämpfern und Kriegsmitteln. In einer Zeit, in der die Ersatzlage außerordentlich gespannt war und die Ausgabe jedes Geschosses, jedes Bekleidungsstückes u. dgl. zu einem Verteilungsproblem wurde, mußte naturgemäß auch die Zahl der Organe gewaltig anwachsen, in deren Händen die Versorgung des Heeres mit Mann und Gerät lag. Diese kaum vermeidbare, bei allen Heeren gleichartige Entwicklung griff selbstverständlich auch auf die höheren Kommandos der Front und vor allem auf die Etappe über
— gewiß nicht zum Vorteil des moralischen Gefüges der Armee. Frontscheue, Geschäftemacher und verwandte Kriegserscheinungen fanden in dem schier unübersehbaren Verwaltungsapparat der Wehrmacht vielerlei Unterschlupf und erregten, ähnlich wie die Kriegsgewinner der Heimat, den Zorn der hungernden und darbenden Kämpfer an der Front. Der Krieg zeigte eben auch auf diesem Gebiete schon mancherlei Zeichen der Entartung.
Für die gemeinsame Überwachung und Durchführung des Menschenersatzes an der Front wurde eine eigene Zentralstelle geschaffen, der,,Chef des Ersatzwesens“ (S. 67). Diese Schöpfung, von Conrad nicht ohne Mißbehagen anerkannt, war vornehmlich dem Einfluß des ungarischen Ministerpräsidenten Tisza zuzuschreiben, der seit Kriegsbeginn immer wieder wahrnehmen zu müssen glaubte, daß der westliche Staat der Monarchie gegenüber Ungarn in der Beistellung von Kämpfern und in der Größe der Blutopfer zuriiekstünde. Gleichfalls auf Wunsch Tiszas wurde zum ,,Chef des Ersatzwesens“, der seinen Sitz in Wien nahm, der bisherige Honvédminister GO. Freih. v. Hazai bestellt, während FML. Szurmay dessen Nachfolgerschaft im ungarischen Kabinett übernahm.
Die Zusammenarbeit mit den Bundesgenossen auf dem Schlachtfeld war durch die Vereinbarungen über die Oberste Kriegsleitung (Bd. V, S. 267 und 723) geregelt. Sie wurde technisch nach wie vor durch Verbindungsoffiziere bewerkstelligt. Bei der öst.-ung. Heeresleitung wirkte seit Jänner 1915 GM. v. Cramon als deutscher Militärbevollmächtigter, dem sich später Obst. Tantiloff als Vertreter Bulgariens und GM. Pertew Pascha als Beauftragter der türkischen Heeresleitung beigesellt hatten. Von den öst.-ung. Militärbevollmächtigten bei den Bundesgenossen trat insbesondere der in Konstantinopel wirkende GM. Pomiankowski durch den Umfang seines Tätigkeitsfeldes hervor. Sachlich gilt es wohl auch für die letzten Kriegsjahre, daß bei der Entschlußfassung zu gemeinsamen Kriegshandlungen dort, wo ausschließlich militärische Erwägungen sprachen, das Einvernehmen unter den Verbündeten in der Regel nicht allzu schwer herzustellen war. Einschneidende Schwierigkeiten ergaben sich meist erst dann, wenn die politischen und wirtschaftlichen Interessen und Wege irgendwie auseinandergingen, was mit zunehmender Kriegsdauer allerdings immer häufiger vorkam.
Alles in allem war es keine geringe Last, welche die für die Kriegführung verantwortlichen Männer in Österreich-Ungarn im Frühjahr 1917 auf ihre Schultern zu nehmen hatten. Zumal der junge Kaiser und König hatte von Anbeginn schwer daran zu tragen. Kam doch bei ihm noch ein immer stärker wirkender, tragischer Pflichtenkonflikt hinzu! Einerseits hatte er als oberster Befehlshaber der im Felde stehenden Armeen nach wie vor alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die dem unverrückbar gebliebenen Ziele einer Niederwerfung der Feinde dienten. Anderseits unterlag er als Friedensbringer, der er aus tiefstem Gewissen heraus sein wollte, außen- und innenpolitisch zahlreichen Hemmungen, denen ein nur auf den Krieg eingestellter Fürst nicht ausgesetzt gewesen wäre.
WINTER UND FRÜHJAHRSANFANG 1917
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I
Begebenheiten auf dem russisch-rumänischen Kriegstheater
Die Ostfront bis zum Ausbruch der Märzrevolution
in Rußland
Hiezu Beilagen 1 und 3
Die Lage der Heeresgruppe Mackensen
Gegen Mitte Jänner des Jahres 1917 hatte die aus der bulgarischen
3.Armee, der Donau- und der 9.Armee der Deutschen bestehende Heeresgruppe GFM. v. Mackensen an der unteren Donau, am Sereth und an der Putna Dauerstellungen bezogen (Bd. V, S. 623). Ihr gegenüber standen die 4. und die 6. Armee der Russen sowie die stark hergenommene rumänische 2. Armee auf dem Nordufer dieser Flüsse. Der nicht mehr widerstandsfähige Großteil des rumänischen Heeres war hinter der Front in den Raum um Jassy zurückgenommen worden und sollte durch französische Offiziere neu gebildet und geschult werden, während die Russen die Etappe in der Moldau einzurichten hatten, um im Frühjahr gemeinsam mit dem Orientheere der Alliierten zum Angriff gegen Bulgarien schreiten zu können (S. 14).
Anfangs Jänner waren das russische XXX. Korps (71. und 80. ID.) bei der 4. Armee und das XXIX. Korps (l.SchD. und 3. kauk. SchD.) bei der 6. Armee eingetroffen. Weitere russische Kräfte wurden im Laufe des Winters in die Moldau nachgeschoben, und zwar das XLIV. Korps (57. ID. und 111. ID.) aus dem Bereiche der russischen Heeresmitte (Westfront) zur rumänischen 2. Armee und das XLV. Korps (122. und 126. ID.) von den Heeresreserven Brussilows zur 9. Armee, die anfangs Jänner der rumänischen Front angegliedert worden war. Dazu wurde bei jedem russischen Korps eine neue Division aufgestellt (S. 12), so daß die Streitmacht der Russen an der rumänischen Front bis zum Monat März auf insgesamt rund 50 Infanteriedivisionen angewachsen war. Ferner befanden sich auf diesem Kriegsschauplätze noch 13 Reiterdivisionen der Russen. Die in der Kampffront verbliebene rumänische 2. Armee zählte um diese Zeit 6 Infanteriedivisionen, die in Neuaufstellung begriffene rumänische 1. Armee 9 Infanterie- und 2 Kavalleriedivisionen.
Demgegenüber hatte die DOHL. nach der Eroberung der Walachei alle entbehrlichen deutschen Kräfte aus Rumänien an die Westfront abgezogen (Bd. V, S. 621). Außer den bereits genannten deutschen Truppenverbänden (11. bayr. ID., Kavalleriekorps GLt. Gf. v. Schmettow, 41. ID.) rollten innerhalb der Heeresgruppe Mackensen noch der Stab der deutschen 301. ID., das Generalkommando LIV und der Stab des Korps GLt. Krafft v. Delhnensingen anfangs des Jahres 1917 ab. Die bulgarische Komb. TD. traf anfangs Februar am Nordflügel der Donauarmee ein, die dafür die deutsche 217. ID. als Heeresgruppenreserve hinter den Nordflügel der 9. Armee zu entsenden hatte. Die in der Mitte der 9. Armee am Sereth anfangs Februar eingesetzte k.u.k. 7. KD. (20. KBrig.), GM. Gf. Marenzi, mit der ihr zugeteilten k.u.k. 144. IBrig. und die deutsche 109. ID. bildeten nach dem Abgange des Generalkommandos LIV die Gruppe GM. Schaer. Die öst.-ung. 11. KBrig. fand in der Etappe Verwendung. Am Nordflügel der deutschen 9. Armee wurden die öst.-ung. 73. ID. und die deutsche Alpenkorpsdivision zu einer Gruppe unter GLt. Sontag (bisheriges Korps Krafft) zusammengefaßt.
An der ganzen Front der Heeresgruppe Mackensen herrschte seit Mitte Jänner Waffenruhe. Als gegen Ende dieses Monats die Nebenarme des Sereth und die Sümpfe im Donaudelta zufroren und überschritten werden konnten, setzte eine rege Patrouillentätigkeit ein, die den ganzen Winter über anhielt, bis mit dem Nahen des Frühlings Tauwetter eintrat und mit ihm Hochwasser und Überschwemmungen wiederum jede Kampftätigkeit unmöglich machten. Ende März wurde die für den westlichen Kriegsschauplatz bestimmte Alpenkorpsdivision aus der Front der Gruppe Sontag herausgezogen und durch die deutsche 217. ID. ersetzt. Die abgekämpfte deutsche 212. ID. traf jetzt von der Westfront hinter der 9. Armee als neue Heeresgruppenreserve ein. Die Kampfeinheiten der Donauflottille, die in Turnu-Severin und in Budapest überwintert hatten, dampften auf der Donau stromabwärts nach Hirsova. Einige Monitoren wurden nach Bräila und nach Mäcin vorgezogen.
Die Ereignisse in Siebenbürgen und in den Waldkarpathen
Auf dem rechten Flügel der Heeresfront GO. Erzherzog Joseph gingen die Kämpfe um die Mitte des Monates Jänner auch nach dem Einstellen des Angriffes der Gruppe Gdl. v. Gerok noch weiter. Die inneren Flügel der rumänischen 2. Armee und der russischen 9. Armee unternahmen eine Reihe von Vorstößen, um den Raum zwischen den Bergtälern Oituzu und Susita, durch den ein Einbruch in die Serethebene möglich war, verläßlich zu verriegeln.
So sah sich die Gruppe FML. Chev. de Ruiz (deutsche 218. ID., k.u.k. l.KD.) vom 14. bis zum 17. Jänner zwischen Susita und Casinu wiederholt von russischen und rumänischen Kräften angegriffen. Am 19. vormittags brachen die Angriffswogen des Feindes noch einmal gegen den linken Flügel der deutschen 218. ID. sowie gegen die mittlerweile im Casinutal angelangte k.u.k. S.GbBrig. vor. Der Feind führte stellenweise vier Angriffe hintereinander, die aber alle unter schweren Verlusten zusammenbrachen. Vor der Gruppe GLt. Sunkel (bisheriges XXXIX. RKorps) mäßigten die Russen inzwischen ihren Druck an den Zugängen zum Ojtozpaß. Vom 20. Jänner an wurde in diesem Abschnitt die deutsche 187. ID. durch die von Lugos herangeholte 70. HID. abgelöst und nach Kézdivásárhely zurückgenommen, um auf den westlichen Kriegsschauplatz geführt zu werden. Bei strenger Kälte trat um die Monatswende im Berecker Gebirge Ruhe ein.
Aber schon anfangs Februar steigerte der Feind seine Artillerietätigkeit vor der Gruppe Gerok. Russische Flieger bewarfen die Stellungen der deutschen 218. ID. im Susitatal mit Bomben. Am 7. mußte östlich des Casinutales ein feindlicher Vorstoß von der Artillerie der k.u.k. 1. KD. abgewehrt werden. Auch FML. v. Sorsich, der erst vor wenigen Tagen den Befehl über die zwischen dem Casinu- und dem Slanictale stehenden Truppen (S.GbBrig., 71. ID., verstärkt durch ein deutsches Landsturmregiment, und 70. HID.) übernommen hatte, sah seinen linken Flügel durch vorfühlende Erkundungsabteilungen des Feindes beunruhigt. Ein rumänischer Oberst, der mit seinem Adjutanten im Abschnitt der deutschen 218. ID. übergegangen war, brachte die Nachricht, daß die Russen die durch die Abgabe deutscher Truppen eingetretene Schwächung unserer Front erkannt hätten und wieder angreifen wollten. Der Schlag werde für den 13. Februar von der russischen
9. und der rumänischen 2. Armee vorbereitet.
Die Möglichkeit, daß die Armee GdL Letschitzki gegen die Ostfront von Siebenbürgen noch Angriffe versuchen werde, vermochte dem GO. Erzherzog Joseph vorübergehend Besorgnisse einzuflößen und ihn zu veranlassen, die in der Csik befindliche 15. bayr. RIBrig. (RIR. 18) der zum Teil aus weniger zuverlässigen ungarländischen Rumänen bestehenden 70. HID. zu überweisen. Da der Südflügel der Heeresfront nunmehr von jeglicher Reserve entblößt war, trat die k.u.k. Heeresleitung am S. Februar an die DOHL. mit dem Ersuchen heran, die zum baldigen Abtransport bestimmte deutsche 187. ID. wieder freizugeben. GdI. Ludendorff glaubte nicht daran, daß die Russen noch fähig wären, im Winter durch das unwirtliche Gebirge einen großen Angriff zu führen. Immerhin erklärte er sich bereit, die Infanterie der deutschen IS7. ID. noch kurze Zeit bei Kézdivásárhely zu belassen, verlangte aber, daß diese Division durch andere Reserven bald ersetzt werde, weil sie an der Westfront nicht entbehrt werden könne. Gleichzeitig schlug GdI. Ludendorff der k.u.k. Heeresleitung vor, die von der Heeresgruppe des GO. v. Linsingen an den Isonzo abrollende k.u.k. 7. ID. vorübergehend nach Siebenbürgen abzuzweigen, falls es der Heeresfront Erzherzog Joseph unmöglich wäre, aus eigenen Kräften vorzusorgen. Dazu erklärte sich aber der Erzherzog mit dem Hinweis auf die geschwächten Gefechtsstände seiner Divisionen außerstande. Da es überdies fraglich war, ob man bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen rechtzeitig Reserven an die Ostfront Siebenbürgens werde heranbringen können, sah die Lage recht bedrohlich aus.
Am 17. Februar unternahmen die Russen nach kräftiger Artillerievorbereitung einen Vorstoß gegen den linken Flügel der Gruppe Sorsich. Die Russen wurden abgeschlagen und enthielten sich jedes weiteren ernstlichen Angriffsversuches gegen die Gruppe Gerok. Noch im Februar fuhr die deutsche 187. ID. nach dem Westen ab.
Bei der k.u.k. 1. Armee ruhten auch im Winter die Stellungskämpfe im Csik- und im Gyergyógebirge nicht völlig. Die Grenzhöhen vom Mt. Nemira bis zum Mt. Fältueanu, die Pässe von Gyimes, Békás und Tölgyes waren die Ausgangspunkte zahlreicher Scharmützel, sofern nicht der Winter sein Recht forderte und Frost und Schneefall alle Patrouillengänge sowie jegliche Artillerietätigkeit unterbanden.
GdI. v. Arz nützte die Zeit verhältnismäßiger Ruhe aus, um die vermischten Verbände innerhalb seiner Armee allmählich zu ordnen. Schon anfangs Jänner kehrte die 73.HIBrig. vom Südflügel der 7. Armee zu ihrer Stammdivision, der 37.HID., zurück. Auch wurden die beim XI. Korps eingeteilten Reiter der 10. KD. um diese Zeit zur 1. Armee herangezogen und zur Sicherung des unwegsamen Geländes nördlich des Gyimespasses verwendet. Die bisher in Reserve befindliche 3. KD. trat in den Abschnitt von Bélbor am äußersten Nordflügel des k.u.k. XXI. Korps in die Front. Von Ende Jänner an wurde die 31. ID., GM. Lieb, dem XXI. Korps zugeführt und dafür die 10. bayr. ID. an die 2. Armee abgegeben.
Auch die Befehlsverhältnisse innerhalb der 1. Armee wurden nunmehr neu geregelt. GdI. Litzmann (Generalkmdo. des XXXX. RKorps), der bisher im Gyergógebirge das k.u.k. XXI. Korps mit den dazugestoßenen deutschen Unterstützungen geführt hatte, übernahm den Befehl über den rechten Armeeflügel in der Csik, bestehend aus dem k.u.k. VI. Korps (deutsche 225. ID., 39. HID., 24. ID.), aus der durch die k. u. 16. LstlBrig. (Reste der 61. HID.) verstärkten 8. bayr. RD. und aus der 10. Kavalleriedivision. Die den Nordflügel der 1. Armee bildenden Truppen, 72. ID., 31. ID., 37. HID. und 3. KD., wurden zum
XXI. Korps, FML. Freih. v. Lütgendorf, vereinigt. Ende Februar wurde auf Wunsch des GO. Erzherzog Joseph und mit Zustimmung der DOHL. die Gruppe Gerok (Generalkmdo. des deutschen XXIV. RKorps) der 1. Armee unmittelbar unterstellt und das VIII. Korpskmdo., FZM. Ritt, v. Benigni, von der 3. Armee nach Bereczk geführt, wo es innerhalb der Gruppe Gerok den Befehl über die bisherige Gruppe Sorsich am Ojtez-paß übernahm.
Die Eingliederung der Gruppe Gerok in die 1. Armee war jetzt möglich geworden, weil der bisherige Armeekommandant, GdI. Arz, der rangjünger als der GdI. Gerok war (Bd. V, S. 517), am 27. Februar vom Kaiser Karl nach Baden berufen worden war, um, wie schon erwähnt (S. 70), an Stelle des FM. Conrad die Dienstgeschäfte des *Chefs des Generalstabes zu übernehmen. An Stelle des GdI. Arz ernannte der Kaiser den bisherigen Führer der 11. Armee, GO. Rohr, zum Kommandanten der 1. Armee. Rohr traf am 4. März in Székely-Udvarhely, dem Hauptquartier des 1. Armeekmdos., ein.
Bei der k.u.k. 7. Armee in den Waldkarpathen wurden Mitte Jänner nach dem Einsatz der 51. HID. am Südflügel des XI. Korps die 24. IBrig. und der Stab der 12. ID., FML. Edl. v. Hinke, aus dem Abschnitt südlich von Dorna Watra und Jacobeny verschoben. FML. Hinke übernahm an Stelle des GM. Edl. v. Leiter den Befehl über die am Nordflügel des Korps Habermann kämpfenden Truppen, die 23. IBrig. und die Brigade Obst. Papp mit den als Ersatz für die 10. KD. eingesetzten Reitern der
5. Honvédkavalleriedivision. Die im Nordabschnitt des XI. Korps stehende 8. KD. wurde dem Südflügel des von FZM. v. Scheuchenstuel befehligten k.u.k. I. Korps angegliedert.
Am 27. Jänner um Mittag griff die Armee Letschitzki mit zwei Divisionen, der 78. und der 65. des XXVI. Korps, nach einer heftigen Feuervorbereitung beiderseits der Straße Valeputna—Jacobeny den schon so oft bestürmten Nordflügel des k.u.k. XI. Korps an. In dichten
Wellen stürzte sich der Feind durch den Mestecänescipaß auf den Abschnitt des Eisenbahntunnels und drückte die Gruppe FML. Hinke fast bis an die Straße im Tal der Goldenen Bistritz zurück. Unter Einsatz aller am Nordflügel des XI. Korps vorhandenen Kräfte gelang es dem FML. Edl. v. Habermann, den Einbruch des Feindes auf dem Südhang der Berge abzudämmen. Bei der Abwehr erlitten besonders die Brigade Papp, die 5. HKD. und die Infanterieregimenter 57 und 100 schwere Verluste.
Am 29. und am 30. Jänner suchte das russische XXVI. Korps aufs neue gegen Jacobeny durchzubrechen. Auf den Höhen nordwestlich des Mestecänescipasses blieben die Angriffe im Sperrfeuer der gutgeleiteten öst.-ung. Batterien liegen. Südöstlich des Passes vermochten die in Massen anrennenden Russen der Gruppe FML. Hinke abermals Gelände zu entreißen. Die vom Verteidiger versuchten Gegenangriffe scheiterten.
Das 7. Armeekmdo. sandte den Kommandanten der deutschen 1. ID., GM. Paschen, mit fünf Bataillonen seiner Division in den Nordabschnitt des XI. Korps und erteilte dem deutschen General die Weisung, die alten Stellungen am Mestecänescipaß zurückzuerobern. GM. Paschen ließ jedoch schon am 31. Jänner das 7. Armeekmdo. wissen, daß er mit den vorhandenen Kräften lediglich den linken Flügel des XI. Korps stützen könne, und bat um weitere Verstärkungen. Nun trat GO. v. Kövess an die k.u.k. Heeresleitung mit dem Ansuchen heran, der 7. Armee eine frische Division zu überweisen. Er begründete seine dringliche Bitte damit, daß der gefährdete Verteidigungsabschnitt bei Jacobeny andauernd starke Kräfte beanspruche, es fehle daher auf der weitausgedehnten Front der 7. Armee an einer Reserve, die auch für die erfolgreiche Abwehr der im Frühjahr zu erwartenden Offensive der Russen erforderlich sei. Das XI. Korps müsse seine ursprüngliche Stellung zurückerobern, weil der Feind die Straße im Bistritztal beherrsche. Nach dem Abschluß des Unternehmens würde das 7. Armeekmdo. eine Reserve freimachen und die ihr vorübergehend überwiesene Division der k.u.k. Heeresleitung wieder zurückstellen.
Erzherzog Joseph, der am 26. Jänner seinen Standort von Legesvár nach Maros Vásárhelv verlegt hatte, schloß sich dem Ansuchen des 7. Armeekmdos. an, zumal es ihm an der ganzen Heeresfront ebenfalls an einer Reserve gebrach. Indes auch die k.u.k. Heeresleitung hatte an der Ostfront keine Reserve verfügbar. Auf ihre Bitte an die DOHL., die aus der Gruppe Gerok herausgelöste deutsche 187. ID. wieder freizugeben, erhielt sie den schon vorher erwähnten Bescheid, daß auf den Abtransport dieser Division nicht verzichtet werden könne (S. 78); doch werde GFM. Mackensen die 76. RD. in der ersten Märzhälfte bei Ploesci bereitstellen, um sie erforderlichenfalls nach Siebenbürgen entsenden zu können. Nun sollte sich die Heeresfront Erzherzog Joseph selbst eine Reserve bilden, die nach Meinung der k.u.k. Heeresleitung dem Südflügel der 1. Armee zu entnehmen war. Demgegenüber führte GO. Erzherzogjoseph in einem am 3. Februar der k.u.k. Heeresleitung vorgelegten Bericht aus, daß es bei den schwachen Gefechtsständen kaum möglich sein werde, der 1. Armee Kräfte zu entnehmen. Alle ihre Truppenkörper hätten bei dem strengen Winterwetter in ihren notdürftigen Deckungen erhebliche Krankenabgänge zu verzeichnen. Die hinter der Front vorhandenen Marschformationen seien noch nicht einreihungsfähig, die Vervollständigung der Stellungen dürfe nicht durch Truppenabgaben verzögert werden. Auch müßten die am Südflügel der 1. Armee in Feindeshand gefallenen Höhen zurückerobert werden. Die Vorbereitungen zu diesem Unternehmen, die ebenso dringlich wären, wie die Rückeroberung der Mestecänescistellung, würden bereits getroffen.
So blieb dem GO. Kövess nichts anderes übrig, als mit den eigenen Mitteln den Angriff bei Jacobeny vorzubereiten. Dazu ließ er die dem Nordflügel des XI. Korps zugeteilten Reiter der 5.HKD. durch die
6. KD. ersetzen, während die abgekämpfte 24. IBrig. der deutschen l.ID. als Ersatz für ihre Truppenaushilfen zur Verfügung gestellt wurde. GM. v. Puchalski, der neuernannte Kommandant der 12. ID., übernahm vorübergehend den Befehl über den Südflügel des Karpathenkorps.
Am 12. Februar griffen bei Jacobeny ostpreußische Grenadiere der l.ID., das Bataillon 111/56 der k.u.k. 12. ID. sowie Teile des IR. 157 der deutschen 117. ID. unter der Führung des GM. Paschen an und entrissen dem Feinde auf dem Mestecänescipaß einen Teil der alten Stellungen des k.u.k. XI. Korps 1). Wirkungsvolles Artilleriefeuer verhalf zum Gelingen des sorgfältig vorbereiteten Unternehmens. Die Russen verloren 1200 Gefangene, 12 Maschinengewehre und 6 Minenwerfer. Allerdings vermochten die Angreifer den Feind nicht vom Ostausgang des Eisenbahntunnels zu vertreiben. In zweitägigem Ringen behauptete jedoch die Gruppe GM. Paschen ihren Geländegewinn wider heftige Gegenstöße der Russen.
Am 27. Februar, nach Zuweisung von Schießbedarf für die Artillerie, wurde der Angriff fortgesetzt. Wiederum eroberte die Gruppe GM. Paschen auf den Höhen nordöstlich von Jacobeny Grabenstücke der
a) Gottberg, Das Grenadier-Regiment Kronprinz Nr. 1 im Weltkrieg (Oldenburg/Berlin 1929), 62 ff.
Russen. Sie brachte mehr als 1300 Gefangene ein, erreichte nahezu alle früheren Stellungen des XI. Korps und schlug in ihren neuen Linien eine Reihe von Gegenstößen ab. Nur der Stützpunkt am Ostausgang des Eisenbahntunnels, von ostpreußischen Grenadieren erstürmt, mußte neuerlich geräumt werden. Am 1. März versuchte der Feind die am Mestecänescipaß verlorenen Stellungen zurückzuerobern. Noch einmal rannte das XXVI. Russenkorps in dichten Wellen gegen den Nordflügel des Korps Habermann an, zerschellte aber an dem wirksamen Abwehrfeuer unserer Artillerie.
Während die zermürbenden Stellungskämpfe bei Jacobeny entbrannten, unternahm die 64. ID. des russischen XVIII. Korps der Armee GdK. Kaledin bei Kirlibaba nur ganz vereinzelte Entlastungsvorstöße mit schwächeren Kräften. Hier glückte den Sturmtrupps der k.u.k. 59. ID., gleichwie jenen des Karpathenkorps auf dem Gebirgswall zwischen dem Prislopsattel und dem Smotrecrücken mancher Überfall auf die russischen Vortruppen. Gegen die Mitte des deutschen XXV. RKorps rafften sich Truppen des russischen XI. Korps am 24. Februar nach langer Artillerievorbereitung zu einem stärkeren Angriff auf dem Tar-tarenpaß auf und drangen vorübergehend in einzelne Grabenstücke der k.u.k. 34. ID. ein. Am nächsten Tag brachen neue Angriffsversuche der Russen schon im Sperrfeuer unserer Artillerie zusammen.
Abgesehen von diesen Gefechten waren an der Heeresfront GO. Erzherzog Joseph während des ganzen Winters keine besonderen Kampfhandlungen zu verzeichnen. Aber dieser Krieg ohne größere Kämpfe verbrauchte dennoch unverhältnismäßig viele Menschen durch Krankheiten und durch Verluste bei Patrouillengängen. Der Winter war hart, im Gebirge herrschte im Februar eine grimmige Kälte bis zu 29° Celsius; Erfrierungsfälle waren nicht selten. Auf den Höhen hatte die Truppe viel zu leiden. Die Verpflegung war im Verhältnis zu den geforderten Anstrengungen knapp. Zuweilen wurde die Versorgung der Streiter in den höchstgelegenen Abschnitten wegen Schneeverwehungen sogar unmöglich. Recht schwierig gestalteten sich die Verhältnisse auch im März, als die Schmelzwasser zu Tal brausten und die Zugangswege zu den Stellungen in Sumpf verwandelten.
Die Lage am Siidteil der Heeresfront Prinz Leopold von Bayern
An der langen Front vom Pantyrpaß bis zum Pripiatj standen die ersten Monate des Jahres 1917 ebenfalls im Zeichen des Stellungskrieges. Die Gefechtstätigkeit beschränkte sich auch hier im großen ganzen auf gelegentliche Kanonaden, auf kleine Patrouillenuntemehmen zu Er-kundungs- und Zerstörungszwecken sowie auf eine mehr oder minder rege Arbeit der Flieger.
Im Verteidigungsabschnitt der 3. Armee, zwischen den Karpathen und dem Dniester, herrschte im Jänner winterliche Ruhe. Zuweilen stießen Patrouillen der k.u.k. 5. ID. aus den Höhenstellungen in das Quelltal der Bystrzyca Sołotwińska herunter und hoben dort russische Posten aus. Eine Stoßabteilung des HIR. 28 der 42. HID. durchwatete am 20. Februar die Bystrzyca Sołotwińska und erstürmte den von russischen Vortruppen besetzten Ort Lachowce. Besonders unternehmungslustig zeigten sich die Stoßtrupps der Gruppe FML. v. Hadfy (21. SchD. und 48. RD.) bei Stanislau und bei Jezupol. In diesen Abschnitten kam es im Verlaufe des Winters zu zahlreichen Scharmützeln im Zwischengelände. Auch die Russen blieben nicht müßig. Ihre Jagdkommandos waren sehr tätig und griffen wiederholt die Feldwachen des k.u.k. XIII. Korps (42. HID. und 36. ID.) bei Solotwina und bei Bohorodczany an. Überaus rege waren die Erkundungsabteilungen der Russen auf dem Südflügel ihrer 7. Armee. Hier waren Stanislau und die Frontstrecke Jezupol—Halicz vom Februar an der Ausgangspunkt ihrer Unternehmungen. Auch die Kanonaden der russischen Artillerie lebten in diesen Abschnitten wiederholt auf. GdI. Schtscherbatschew rüstete vielleicht zu einem Angriff auf den Nordflügel der k.u.k. 3. Armee. Diese besaß auf ihrer langen Front außer der im Raume von Kałusz in Neuaufstellung begriffenen 15. ID. und den Reitern der 2. KD. am Südufer des Dniester keine Reserve. Anfangs März ließ der Heeresgruppenkommandant, GO. v. Böhm-Ermolli, die 21. SchD. im Abschnitt von Stanislau durch die nun wieder verwendungsbereite 15. ID. und Ende des Monats die 48. RD. durch die zuerst genannte Division ablösen. Die 48. RD. gelangte als Heeresgruppenreserve hinter den Nordflügel der 3. Armee, während die Reiter der 2. KD. bei Rozniatów hinter der Armeemitte zu versammeln waren.
Bei der Südarmee wurde am 28. Jänner das zwischen der Nara-jówka und der Złota Lipa eingesetzte türkische XV. Korps (deutsche 36. RD., 19. und 20. ID. der Türken) von Truppen des sib. VII. Korps angefallen. Die Russen vermochten in die Stellungen der Türken einzudringen, doch gelang es dem Verteidiger, den eingebrochenen Feind aus den Gräben zu werfen. Von Mitte Februar an kam es an der Narajówka und an der Złota Lipa bei Brzeżany zu lebhaften
Stellungskämpfen. Starke Erkundungsnbteilungen der Russen stießen des öfteren gegen die Vorpostenstellungen des türkischen XV. und des k.u.k. XXV. Korps (bisheriges Korps FML. Hofmann) vor. Auch im März hielten diese Vorfeldkämpfe an. Russische Ferngeschütze begannen Brzeianv zu beschießen. Die Stadt wurde auch von russischen Fliegern mit Bomben heimgesucht, was unsere Flieger mit Überfällen auf Podhajce und auf Kozowa vergalten. Bei Lipnica dolna unternahmen die Russen in der Nacht auf den 14. März gegen die Stellungen der 36. RD. einen wirkungslosen Gasangriff. Zugleich mit dem Abblasen von Gas setzte ein lebhaftes Feuer der russischen Artillerie ein. Die feindliche Infanterie blieb jedoch in ihren Gräben. Es schien, als ob die Russen im Frühjahr wiederum bei Brzeżany angreifen wollten, um sich den Weg nach Lemberg zu öffnen. Die Stoßtrupps des XXVII. RKorps (deutsche 119. ID., 75. RD., 53. RD.) entfalteten an der Narajówka, jene des k.u.k. XXV. Korps (54. und 55. ID.) an der Złota Lipa eine rege Tätigkeit, um die Kräfteverteilung der Russen festzustellen.
Verschiedene Truppen Verschiebungen und Ablösungen innerhalb der Südarmee dienten außerdem dem Zwecke, eine deutsche Division als Reserve auszuscheiden und den Verteidigungsabschnitt von Brzeżany durch deutsche Truppen zu verstärken. Dem k.u.k. XXV. Korps wurde der ganze Abschnitt von der Höhe Łysonia bis Koniuchy überwiesen und die freigewordene 38. HID. an den südlichen Armeeflügel verschoben. Diese Division und zwei bayrische Landsturmregimenter wurden am Südflügel des XXVII. RKorps eingesetzt. Dafür gab dieses Korps die deutsche 119. ID. und die 75. RD. ab. Die Letztgenannte kam als Armeereserve nach Rohatyn und Bursztyn; die 119. ID. wurde bei Brzeżany in die Front zwischen dem türkischen XV. und dem k.u.k. XXV. Korps eingeschoben.
Der k.u.k. 2. Armee wurden von Ende Jänner an die Truppen der 10. bayr. ID. allmählich zugeschoben und am Südflügel des k.u.k. V. Korps an Stelle der nach Siebenbürgen abrollenden 31. ID. eingesetzt ('S. 79). Ende Februar ging das noch beim XVIII. Korps befindliche k. k.LstIR. 1 der l.LstlBrig. zur 5. Armee an den Isonzo ab. Im Abschnitt Złoczów flammten inzwischen lebhafte Stellungskämpfe auf. Am 10. Februar drang eine Abteilung des XVII. Korps der 11. Russenarmee nördlich der Straße Zborów—Złoczów in die Gräben der deutschen 195. ID. ein, wurde aber alsbald hinausgeworfen. In der Nacht auf den 13. sprengten die Russen bei Zwyżyn einen Minenstollen, vermochten sich aber in den beschädigten Gräben der 33. ID. nicht festzusetzen.
Am 14. brachten Stoßtrupps der deutschen 197. ID. an der Bahn Złoczów—Tarnopol aus der russischen Stellung fast 300 Gefangene ein. Ein größeres Sturmtruppunternehmen bei Zwyżin, ausgeführt am 22. Februar von Stoßtrupps der k.u.k. Infanterieregimenter 12 und 83 und des deutschen RIR. 233, führte zu einem vollen Erfolg; der Feind mußte mehr als 300 Gefangene sowie zwei Maschinengewehre in den Händen der Angreifer lassen. Am 12. März gelang es bei Hukalowce den Stoßtrupps der deutschen 195. ID., nach wirksamer Vorbereitung durch Artillerie- und Minenwerferfeuer im kühnen Anlauf überraschend in die feindliche Stellung einzudringen und mit 250 Gefangenen zurückzukehren. Wiederholt mußten in den Verteidigungsabschnitten Złoczów und Brody aber auch Erkundungsabteilungen der Russen abgewiesen werden. Russische Flieger bewarfen die Stellungen der 106. LstlD. westlich von Brody mit Bomben, die deutschen und die öst.-ung. Kampfgeschwader antworteten mit gleichem gegen Radziwiłow.
Die Gruppe GdI. v. Eben (Abschnitt Złoczów) hatte bis Mitte März die Truppen der deutschen 195. ID. mit dem Stabe der deutschen 197. ID. als Heeresfrontreserve aus der Front herauszulösen. Der Nordflügel der Gruppe Eben erhielt dafür zwei Bataillone des k.u.k. IX. Korps und ein deutsches Jägerbataillon zugewiesen. Bei Podhorce war überdies eine zusammengesetzte Division aus fünf deutschen Bataillonen und aus drei Batterien des k.u.k. V. Korps zusammenzuziehen. Ende März wurde dem k.u.k. XVIII. Korps die abgekämpfte deutsche 15. LD. von der Westfront als Ersatz für die dem südwestlichen Kriegsschauplätze zugedachte 106. LstlD. zugeführt.
Im Bereiche der Heeresgruppe Linsingen blieb die Lage in den Wintermonaten im großen und ganzen unverändert. Die Kampftätigkeit beschränkte sich am oberen Styr und am Stochod wie in den Verteidigungsabschnitten Ostgaliziens auf Artillerie- und Minenwerferfeuer, auf Feldwachkämpfe und auf kleinere Unternehmungen der Jagdkommandos im Vorfelde, wobei die öst.-ung. und die deutschen Sturmtrupps meist die Oberhand hatten und die angriffslustigeren waren.
Die Mitte des Abschnittes Lipa (Generalkmdo. des deutschen
XXII. RKorps, GdK. Eugen v. Falkenhayn) wurde seit Mitte Jänner als Abschnitt Buzany (deutsche 22. ID. mit zugeteilter halber 20. HID.) bezeichnet. Mitte Februar traf die zweite Brigade der 20. HID., dieSl.HI-Brig., von der 5. Armee ein. Ein Regiment dieser Brigade wurde mit der Stammdivision im Abschnitt Buzany vereinigt, das andere der deutschen 215. ID. überwiesen. Die 7. ID. ging an den Isonzo ab.
Bei der k.u.k. 4. Armee wurde Mitte Jänner das LIR. 429 der deutschen 10. LD. aus der Front des Korps FML. Szurmay (öst.-ung. 11. ID., deutsche 10. LD.) herausgelöst und an Stelle des nach Mitau abrollenden RIR. lOO als neue Heeresfrontreserve ausgeschieden. Am 10. Februar übernahm FML. Lukas den Befehl über dieses Korps, das die Nummer XXIV erhielt. FML. Szurmay wurde an Stelle des zum Chef des Ersatzwesens (S. 72) ernannten GO. Hazai Honvedminister. GdI. Křitek übernahm am 26. Jänner den Befehl’über das k.u.k. X. Korps (2. ID., halbe 13. SchD.), das bisher zum Abschnitt Luga (Generalkmdo. des deutschen VI. Korps, GdI. Riemann) gehört hatte und nunmehr dem
4. Armeekmdo. unmittelbar unterstellt wurde. Anfangs März erfolgte auf Wunsch des Oberkommandos Ost bei der 4. Armee ein Kommandowechsel. GO. Tersztyánszky wurde wegen Gegensätzlichkeiten mit dem Heeresgruppenkommando Linsingen durch den GO. Freih. v. Kirchbach ersetzt und übernahm an dessen Stelle den Befehl über die k.u.k. 3. Armee.
In zahlreichen kleinen Gefechten maßen sich auch im Bereiche der k.u.k. 4. Armee die öst.-ung. und die deutschen Sturmabteilungen mit den Vortruppen der Russen. So gelang es am 26. Februar der deutschen
224. ID. bei Swiniuchy, nach einer Minensprengung in den zerstörten feindlichen Graben einzudringen. W'eiter nördlich bei Bubnow schlugen sich wiederholt Patrouillen der k.u.k. 11. ID. mit feindlichen Streifabteilungen herum. Am 18. Februar versuchte der Russe vergeblich, ein 'Grabenstück der 11. ID. durch eine Minensprengung zu nehmen. Im Abschnitt nördlich von Szelwow überfielen des öfteren Stoßtrupps der
13. SchD. und der 2. ID. russische Feldwachen und wiesen feindliche Jagdkommandos ab. Auch bei dem verstärkten deutschen VIII. Korps (15. und 16. ID. der Deutschen, k.u.k. 29. ID.) am obersten Stochod wurden wiederholt russische Vorposten ausgehoben. Am 2. März abends gelang es Stoßtrupps der 29. und der 16. ID., nach wirksamer Vorbereitung durch Artillerie- und Minenwerferfeuer, in kühnem Anlauf westlich von Woronczyn auf mehr als zwei Kilometer Breite und einem Kilometer Tiefe in die feindlichen Stellungen einzudringen und nach gründlicher Zerstörung der russischen Gräben mit mehr als 100 Gefangenen und vier Maschinengewehren zurückzukehren. Am
14. März brachten bei Witonież Stoßtrupps des k.u.k. IR. 94 aus der russischen Stellung neuerdings Gefangene und vier Maschinengewehre als Beute ein.
Im Abschnitt Kowel (Generalkmdo. LV, GdK. v. Bernhard!) entflammten bald an der Bahnlinie Łuck—Kowel, bald bei Mielnica und weiter den Stochod abwärts kleine Kämpfe im Vorfeld. Den Stoßtrupps der deutschen 92. ID. sowie jenen der k.u.k. 4. ID. und der 26. und 45. SchD. glückte mancher Handstreich auf die russischen Vortruppen und Feldwachstellungen. Im Monat März wurde die deutsche 92. ID. am Südflügel des k.u.k. II. Korps durch die im Bereiche der Armeegruppe Bernhardi neuaufgestellte sächsische 45. LD. ersetzt und als Heeresfrontreserve nach Władimir-Wołyński verlegt.
An diesem Kleinkrieg im Vorfeld waren auch die k. k. 26. SchBrig. und das k.u.k. XII. Korps (35. ID.) im Bereiche der Heeresgruppe GO. v. Woyrsch an der Szczara sowie das k.u.k. IR. 63 der 35. ID. im Verbände der deutschen Armeeabteilung GdI. Freih. v. Scheffer-Boyadel an der Bieriezina beteiligt.
Bei Riga entflammte Ende Jänner eine neue Schlacht (S. 14). An der Aa schritt der linke Flügel der deutschen 8. Armee, GdA. v. Scholtz, mit Verstärkungen vom Stochod am 23. zum Angriff, um die anfangs des Monats verlorenen Stellungen zurückzuerobern. Das Ringen endete am 3. Februar trotz heftiger Gegenstöße der russischen 12. Armee, GdI. Dimitriew, mit einem Erfolg für die Deutschen.
Der Sturz des Zarentums
Seit im Anfang des Jahres 1917 die Vorstöße Letschitzkis bei Jacobeny und die Versuche Dimitriews, auf Mitau vorzudringen, gescheitert waren, rafften sich die Russen zu keinem größeren Angriff gegen die Wehrstellung der verbündeten Mittelmächte mehr auf. Wohl hätten ursprünglich im Februar die russische 5. Armee bei Dünaburg, die 10. bei Smorgon und die 7. bei Stanislau zur Endastung der alliierten Westmächte angreifen sollen. Aber die den verschiedenen Abschnitten von der Stawka anbefohlenen kurzen Schläge wurden nicht ausgeführt, weil die Alliierten selbst mit den Vorbereitungen nicht fertig geworden waren und ihre Generaloffensive auf den April hinausschieben mußten. Als Zeitpunkt für den Beginn des allgemeinen Angriffs des russischen Heeres hatte die Stawka den l.Mai vorgesehen (S. 13). Sie hoffte, bis dahin mit den Angriffsvorbereitungen fertig zu werden. Schon im März war der Großteil der in Neuaufstellung begriffenen 62 Divisionen vorhanden. Das russische Heer war jetzt auf 2800 Bataillone und auf 1277 Schwadronen angewachsen und hatte damit seinen Höchststand seit Kriegsbeginn erreicht. An der Front hatte sich bis zum Jänner 1917 die Zahl der Geschütze auf 5459 leichte und 1946 schwere vermehrt. Munition war reichlich vorhanden, an Gewehren gab es neben russischen auch österreichische, japanische und französische. In den Vereinigten Staaten waren große Bestellungen an Kriegsgerät gemacht worden; an Maschinengewehren waren bei den Armeen im Felde insgesamt 15.000 vorhanden, die Neuaufstellung von Batterien und von 100 Maschinengewehrkompagnien war beabsichtigt. Aus England und Frankreich trafen zahlreiche Flugzeuge ein, aus Frankreich überdies Artillerieinstruktoren x).
Rußlands Wirtschaftslage war allerdings eine sehr schwierige geworden. Das Transportwesen war in Unordnung geraten; es fehlte an Kohle. Die Arbeiterschaft war kriegsmüde, die Propaganda gegen den Krieg, gegen die alte Ordnung im Zarenreiche hatte an Stärke zugenommen. An der Front sah es wohl besser aus, aber auch dort begann sich bereits eine tiefgehende Wandlung zu vollziehen.
Mitte Februar legte der Kommandant der russischen Nordfront, GdI. Rußki, der Stawka einen Bericht vor, in dem es hieß, daß der gute Geist der Truppe im Schwinden und aus dem kaiserlichen Heere eine „Miliz“ geworden sei. Bei einem Angriff an der Nordfront im Jänner 1917 hatte sich die 4. Spezialdivision geweigert, die Schützengräben zu verlassen. Schlimme Zeichen der Auflehnung wurden vom VII. sib. Korps an der Südwestfront gemeldet. Schon vollzog sich an der Front von Riga bis Reni, hier zögernd, dort drängender, der gärende Riesenprozeß der Auflösung als natürliche Folge der furchtbaren Anstrengungen, die dem russischen Heere in unzähligen Schlachten zugemutet worden waren.
Es kann hier nicht unternommen werden, alle Ursachen und Veranlassungen darzulegen, die Rußland zur Katastrophe des Jahres 1917 führten. Das russische Heer hatte unter den Siegesschlägen der verbündeten Mittelmächte im Sommer 1915 schwere Wunden erhalten. Zu der Tatsache der Niederlagen selbst kamen ihre Auswirkungen, die sich vom Sommer 1915 an im Volke und Staate bemerkbar machten. Das Leben der breiten Masse des russischen Volkes war bisher in der Heimat vom Kriege noch nicht unmittelbar berührt gewesen; bisher hatten nur die fremdstämmigen Grenzvölker im Westen unter den Schrecken des Krieges zu leiden gehabt. Nun aber überschwemmten Millionen zwangsweise angesiedelter Flüchtlinge ganz Rußland. Sie trugen die Kunde von den Ereignissen an der Front in die entlegentsten, bisher künstlich
i; Knox, II, 510 ff.
von allen ungünstigen Nachrichten abgesperrten Orte und brachten so zugleich mit ihrem namenlosen Elende den Keim der Unzufriedenheit und der Auflehnung gegen die Regierung, die dieses Unglück nicht hatte verhindern können. Den Generalen wurde Unfähigkeit und der Verwaltung, namentlich der des Heeres, Mißwirtschaft bei der Versorgung der Truppe mit Waffen und Munition vorgeworfen. Im Volke begann es zu gären, man verlangte von dem verhaßten absolutistischen Regiment freiheitliche Zugeständnisse. Der Ruf nach einem verantwortlichen Ministerium wurde immer häufiger, die gesellschaftlichen Kräfte gerieten in Bewegung, und es mußte ihnen Gelegenheit zur Betätigung gegeben werden. Es entstanden Organisationen, die die veraltete Bürokratie unterstützten, überwachten oder ersetzten und damit die Axt an den morschen Baum des Verwaltungsapparates legten.
Um die Leistungsfähigkeit der Kriegsindustrie zu steigern, wurde neben dem Kriegsministerium ein „Sonderausschuß“ für die Versorgung des Heeres gebildet, in dem Vertreter der Industrie und der Selbstverwaltung sowie Mitglieder der Duma bestimmenden Einfluß gewannen. Die „Kriegsindustriekomitees“ waren mit Vertretern der Arbeiterschaft durchsetzt, der Landschafts- und Städtebund betätigte sich in der Fürsorge für die Kranken und Verwundeten. Alle diese Körperschaften arbeiteten mit finanzieller Unterstützung aus Staatsmitteln, benützten diese Gelder aber auch zur Organisierung ihrer Kräfte gegen den Staat. Sie wurden der Zufluchtsort für die unendliche Schar der Drückeberger, sie bildeten die Kanäle, durch die die revolutionäre Propaganda den Weg zur Truppe fand.
Die Offensive im Sommer 1916 brachte unter schweren Blutopfern Raumgewinn, änderte aber an der Kriegslage nichts; sie gewann zwar Rumänien für die Verbündeten und rettete Italien, aber nicht Rußland, das sich für die Entente verblutete. Die Mobilisierung der Kriegsindustrie mit Hilfe der gesellschaftlichen Kräfte hatte das kriegsmüde Volk und das Land dem versprochenen Siege nicht näher gebracht. Dazu kam im Herbst 1916 die Enttäuschung über Rumänien. Erbittert wurde der Kampf der politischen Richtungen um die Macht im Staate fortgesetzt. Er verzehrte die Kräfte, statt sie gegen den äußeren Feind zusammenzufassen und zu verstärken. Zündstoff hatte die schwache Staatsleitung mit ihrer erwiesenen Unfähigkeit in reichlichem Maße geliefert. Bürgerliche Imperialisten standen in schärfster Opposition zu den Friedensfühlern, die die Regierung Stürmer zu den Mittelmächten ausgestreckt hatte. Im November wurde das konservative Ministerium
Stürmer gestürzt (V. Bd., S. 717). Der Mangel an Nahrungsmitteln in den Städten lieferte willkommene Agitationsmittel zur Aufhetzung des städtischen Proletariats. Die Redner der äußersten Linken übten schärfste Kritik an den Maßnahmen der Regierung, wandten sich gegen die aussichtslose Fortsetzung des Krieges und verlangten die Beseitigung der reaktionären Herrschaft des Zaren und seiner Generale.
Um die Reformbewegungen nicht aus der Hand zu verlieren und um einer Machtergreifung durch die Radikalen vorzubeugen, machten sich die bürgerliche Mitte und die gemäßigten Sozialisten zum Sprachrohr weitgehender Wünsche. Auf der anderen Seite ließen die Vertreter der Reaktion den Zaren nicht aus den Händen. Der englische Botschafter Sir George Buchanan erhob dagegen wiederholt Vorstellungen; er legte noch Ende Jänner dem Zaren eine Änderung seiner Politik nahe. Der Zar konnte sich aber zu Reformen nicht entschließen. Er wurde auch aus dem Großen Hauptquartier gewarnt; denn das Heer hatte bereits das Vertrauen zur kaiserlichen Regierung verloren. Die Heimatbriefe der Soldaten waren angefüllt mit Äußerungen über die „deutsche“ Zarin. Die Soldaten würden nicht mehr kämpfen, wenn die Anarchie im Innern des Reiches zunehme. Die Ermordung des einflußreichen Wundermönches Rasputin am 30. Dezember und das Unterbleiben einer Verfolgung der Mörder warf ein Schlaglicht auf die ungesunden Verhältnisse am Zarenhofe. Die Gärung des Jahres 1915 war Ende 1916 schon zu einer ausgesprochen aufrührerischen Stimmung geworden, die jeden Augenblick zur Revolution führen konnte.
Zu Beginn des Jahres 1917 nahmen die Teuerungsunruhen in den russischen Großstädten überhand; Hunger quälte das Land. In den ersten Märztagen traten in Petersburg die Arbeiter in den Ausstand. Ein Teil der Petersburger Garnison weigerte sich, auf die Streikenden zu schießen. Der Dumapräsident Rodsjanko ersuchte den Zaren um die Bildung einer neuen Regierung. Als Antwort vertagte Nikolaus II. am
10. März die Duma, worauf diese am 12. beschloß, den kaiserlichen Befehl zu mißachten und beisammenzubleiben. Am gleichen Tage noch wurde ein „Provisorischer Ausschuß zur Aufrechterhaltung der Ordnung“ gebildet, in dem Rodsjanko, Gutschkow, Miljukow und Kerenski die führenden Männer waren. Gleichzeitig trat neben diesem provisorischen Exekutivkomitee der vertagten Duma ein „Provisorischer Vollzugsausschuß der Sowjets und Arbeiterdeputierten“ zusammen. Die überwiegende Mehrheit der Petersburger Garnison ging zu den Revolutionären über. Vergebens suchte das Dumakomitée durch Befehle und Aufrufe den Aufstand der Truppen einzudämmen und den Gehorsam wiederherzustellen. Die Soldaten verließen ihre Kasernen, sie ent-waffneten die Offiziere, beteiligten sich an den Kämpfen auf den Straßen und verbrüderten sich mit dem Volke. Vertreter der einzelnen Truppenkörper wurden in den Sowjet entsendet, der von nun an den Namen: „Rat der Arbeiter- und Soldatendelegierten“ tragen sollte. Am 14. März wurde unter Vorsitz Sokolows die gemeinsame Sitzung der Arbeiter- und Soldatendelegierten eröffnet und der Beschluß gefaßt, daß die Petersburger Garnison in politischen Fragen lediglich dem Sowjet unterstehe; der „Militärkommission der Duma“ sei nur soweit zu gehorchen, als deren Anordnungen nicht im Widerspruch zu den Beschlüssen der Sowjets stünden. Außerdem wurde vereinbart, bei allen Truppeneinheiten Vertreter in den Rat der Arbeiterdelegierten zu wählen. Ferner wurde unter anderem zum Beschlüsse erhoben, daß die Soldaten außerhalb des Dienstes in ihrem politischen, bürgerlichen und privaten Leben dieselben Rechte genießen sollten wie alle übrigen Bürger :).
In der Nacht auf den 15. März teilte GdI. Rußki, in dessen Hauptquartier in Pskow sich Nikolaus II. befand, im Aufträge des Zaren dem Dumapräsidenten Rodsjanko mit, daß der Kaiser die Absicht habe, Rodsjanko die Bildung eines den gesetzgebenden Körperschaften verantwortlichen Ministeriums zu übertragen. Aber die Sowjets und die Linke der Duma forderten bereits die Absetzung des Zaren und die Ernennung seines Bruders, des Großfürsten Michael Alexandrowitsch, zum Regenten für den unmündigen Zarewitsch. Der Dumapräsident Rodsjanko erklärte daher dem Zaren, daß seine Vorschläge jetzt nicht mehr genügten und daß es um die Dynastie gehe. Die russische Oberste Heeresleitung in Mohilew, wo GdI. Alexejew anfangs März seinen Dienst als Chef des Generalstabes vom GdK. Gurko wieder übernommen hatte, war der Ansicht, daß nur die Abdankung des Zaren Rußland vor dem Untergange retten könne. Am 15. März telegraphierte Alexejew den Oberbefehlshabern der Fronten, daß nach Mitteilung des Dumapräsidenten Rodsjanko die Einwilligung des Zaren zur Einführung eines parlamentarischen Ministeriums die Volksleidenschaften kaum mehr zurückhalten würde. Der Krieg könne zum siegreichen Ende führen, wenn gemäß den Forderungen der Duma der Zar zugunsten seines Sohnes auf den Thron verzichte und der Großfürst Michael Alexandrowitsch die Regentschaft übernehme. Die Generale Brussilow und Ewert
x) Smilg-Benario, Der Zusammenbruch der Zarenmonarchie (Wien 1927), 209 ff.
sowie Sacharow, der Gehilfe des die rumänische Front befehligenden Königs Ferdinand von Rumänien, meldeten unter Bekundung ihrer unwandelbaren Ergebenheit und Liebe für Thron und Vaterland, daß es für den Zaren geboten wäre, der geschaffenen Lage Rechnung zu tragen, den Beschluß der Duma entgegenzunehmen und abzudanken. Auch der Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch sprach sich für die Abdankung des Zaren aus. GdI. Alexejew gab die Telegramme an den Kaiser weiter und bat ihn, dem allgemeinen Wunsche zu entsprechen. Nachdem GdI. Rußki dem Zaren in Pskow den Inhalt seines Gespräches mit Rodsjanko und die Stellungnahme seines höchsten Generals vorgetragen hatte, dankte der Zar für sich und seinen Sohn, von dem er sich nicht trennen wollte, zugunsten seines Bruders, des Großfürsten Michael Alexandrowitsch, ab. Vor seiner Abdankung ernannte er noch den Fürsten Lwow zum Ministerpräsidenten im neuen Kabinett und den Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch zum Höchstkommandierenden.
In die „provisorische“ Regierung, die sich nach der Abdankung des Zaren unter dem Präsidium des Fürsten Lwow bildete, traten Mil-jukow als Außenminister und Gutschkow als Kriegs- und Marineminister ein. Miljukow verkündete noch am 15. März die Thronentsagung des Zaren; er bewog aber auch den Großfürsten Michael Alexandrowitsch zum Verzicht. Die neuen Machthaber Rußlands befürworteten eine Politik des bedingungslosen Zusammengehens mit Frankreich und England; sie waren bereit, die abgeschlossenen Bündnisverträge heilig zu halten und riefen das russische Volk und die Armee zum Kampfe gegen die „reaktionäre Macht der Mittelmächte“ auf. England, Frankreich und Italien beeilten sich, am 25. März die revolutionäre russische Regierung anzuerkennen und ließen das schwache, nicht mehr bündnisfähige Zarentum und damit auch den bis zuletzt bündnistreuen Zaren fallen.
An der Front nahm der dem Einfluß der radikalen Elemente rasch erliegende neue Kriegsminister Gutschkow noch im Monat März zahlreiche Änderungen vor. Mehrere Armeekommandanten, siebenundzwanzig Korpskommandanten und viele Divisionäre wurden ihrer Stellung enthoben. GdK. Kaledin, der Kommandant der 8. Armee, und GdI. Letschitzki, der Kommandant der 9. Armee, verzichteten auf ihre Posten. GLt. Klembowski, der Gehilfe Alexejews, und der Generalquartiermeister Lukomski schieden aus der Obersten Heeresleitung. GdI. Rußki blieb Oberbefehlshaber der Nordfront, GdK. Brussilow an der Spitze der Südwestfront, GdK. Gurko bekam die Fühlung der Westfront. An der kaukasischen Front wurde GdI. Judenitsch Befehlshaber. Die vom Zaren verfügte Betrauung des Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch mit dem Oberbefehl wurde von der provisorischen Regierung widerrufen, GdI. Alexejew von den Heeresfront- und Armeekommandanten zum Höchstkommandierenden gewählt. Gegen seine Wahl sprach sich der Präsident der Reichsduma Rodsjanko aus, der den GdK. Brussilow für den Posten des Höchstkommandierenden empfahl. Doch wurde Alexejews Wahl von der Provisorischen Regierung bestätigt1).
Der Ztistand des russischen Heeres
Als GdI. Alexejew nach dem Sturze des Zaren den Dienst als Höchstkommandierender übernahm, traten die verheerenden Wirkungen der Revolution im russischen Heere schon erschreckend zutage. Die im Inneren des Reiches stehenden zahlreichen Ersatztruppen meuterten. Die Offiziere wurden verjagt. Die Baltische Kriegsflotte hatte sich den Revolutionären angeschlossen. An der Front erschienen Sowjetabordnungen und besuchten sogar die Schützengräben zur „Aufklärung“; alle Truppenkörper wählten Soldatenräte. Die Todesstrafe wurde im Heere abgeschafft, ein großer Teil der Infanterie gehorchte nicht mehr, nur die Artillerie und die Kavallerie blieben noch halbwegs verläßlich.
Auch die wirtschaftliche Lage des russischen Heeres hatte sich seit dem Ausbruche der Revolution verschlechtert. In der Rüstungsindustrie waren durch die Streiks schwere Schäden eingetreten. In der Etappe herrschte große Unordnung. Die Eisenbahnstationen waren mit Güterzügen verstopft. Die Lokomotiven waren ohne Kohle. Die Armeen hatten mit großen Verpflegsschwierigkeiten zu kämpfen. Die Zuschübe an Kriegsgerät stockten. Die neuaufgestellten Batterien und die Fuhrwerke der neuen Divisionen konnten nicht bespannt werden, weil sich die Bauern in den Dörfern wegen des Frühjahrsanbaues weigerten, die Pferde für das Heer beizustellen.
In der Stawka herrschte tiefe Niedergeschlagenheit. Man fragte sich zunächst, ob nicht der Gegner die jetzige Schwäche des Heeres
x) K n o x, II, 553 ff. — Gurk o, 198 ff. — Zajontschko wskij, Feldzug 1917, 39 ff. — Frantz, Rußland auf dem Wege zur Katastrophe (Berlin 1926). — Spannocchi, Das Ende des Kaiserlich Russischen Heeres (Wien 1932), 38 ff. — Paléologue, Am Zarenhofe während des Weltkrieges (München 1926), II, 384 ff.
— Die Februarrevolution 1917. Dokumente der Stawka, des Höchstkommandierenden und des Stabes der Oberkommandanten der Armeen der Nordfront (in russ. Sprache, Krassnij Archiv).
zu einem Schlage gegen Rußland ausnützen werde. Unter dem Einfluß der meuternden Baltischen Flotte nahm die Ordnung zumal an der Nordfront rasch ab. GdI. Rußki besorgte, daß die Deutschen Riga angreifen und vielleicht im Rücken der Nordfront an der baltischen Küste Truppen landen würden, um auf Petersburg vorzustoßen. Er verstärkte daher die schwachen Besatzungen auf den Inseln Dagö und Ösel sowie am Moonsund durch Teile des in Finnland stehenden XLII. Korps. Dazu forderte er noch zum Schutze der Nordflanke des Heeres vier Korps von der Stawka. Der Höchstkommandierende, GdI. Alexejew, erteilte hierauf am 22. März der Westfront zunächst den Befehl, zwei Divisionen, die 112. und die 132. ID., nach Riga zu entsenden.
Ani selben Tage eröffnete der Kriegsminister Gutschkow, daß ein Ersatz der Mannschaftsabgänge bei den Feldarmeen durch die Ersatztruppen nicht vor drei bis vier Monaten möglich sein werde. Alexejew verkannte nicht, daß sich unter diesen trostlosen Zuständen das russische Heer bis zum Sommer auf die reine Verteidigung werde beschränken müssen. In seinen Berichten, die er Ende März der provisorischen Regierung vorlegte, verwies er mit eindringlichen Worten auf das Drängen der Alliierten, die Mitte April zum Angriff schreiten wollten. Rußland werde sich diesem Angriff auch im Mai nicht anschließen können. Es gäbe jetzt, angesichts der Gefahr eines deutschen Vorstoßes, nur die einzige Aufgabe, Reserven hinter den Fronten bereitzuhalten. Alexejew beschwor die Provisorische Regierung, mit den strengsten Mitteln die Ordnung im Volke, im Heere und in der Flotte wieder herzustellen. Die Deutschen würden binnen wenigen Monaten bis nach Petersburg Vordringen, wenn die Anarchie im Innern des Landes zunehme. Das wäre dann „das Ende des Krieges, das deutsche Joch, der Bürgerkrieg!'1 *).
Die Ereignisse an der Ostfront nach Ausbruch der russischen Revolution
Die Lage der Mittelmächte war unmittelbar vor dem Ausbruch der russischen Revolution zwar nicht so bedrohlich wie zu Ende August 1916, aber sie war immerhin ernst genug. Die Front im Osten stand wohl gesichert, aber nennenswerte Kräfte konnte sie weder nach dem west-
1/ Die Stawka und das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten (in russ. Sprache, Krassnij Archiv, XXIX, 34 ff). — Zajontschkowskij, Feldzug 1917, 29 ff. und 41 ff.
liehen noch nach dem südwestlichen Kriegsschauplatz abgeben, um dort eine Offensive zu ermöglichen. Die Stimmung in der Heimat war nach dem Hungerwinter 1916/17 schlechter geworden. Dazu kam der Bruch der Vereinigten Staaten von Amerika mit Deutschland. In diese schwere Zeit fiel im März die Revolution in Rußland. In welchem Umfange dieses weltgeschichtliche Ereignis eine Schwächung der Kampffähigkeit des russischen Heeres und damit eine wesentliche Entlastung für die Mittelmächte bringen würde, war in den ersten Tagen aber noch nicht zu übersehen.
Um sich Klarheit über die Zustände beim Feinde zu verschaffen, entfalteten die öst.-ung. und die deutschen Sturmtrupps an der ganzen langgestreckten Front von Riga bis zum Schwarzen Meere eine rege Tätigkeit. Das Verhalten der Russen war verschieden. Am 15. März, an dem Miljukow die Abdankung des Zaren verkündete, stiegen rote Fahnen aus den Schützengräben der Russen. Die Muschiks verließen vielfach ihre Gräben und winkten zum Gegner hinüber. An vielen Stellen der Front enthielten sie sich von diesem Zeitpunkt an aller Feindseligkeiten und suchten Verhandlungen anzuknüpfen. Abordnungen kamen zu unseren Gräben herüber. Ganz offenherzig sprachen die russischen Soldaten über die Verhältnisse hinter ihren Linien; sie erzählten, sie würden ihre Offiziere absetzen und Soldatenräte wählen. Mtit ihrer neuen Regierung waren sie im allgemeinen einverstanden, sie erklärten aber, nicht mehr angreifen zu wollen, und schlugen ihren Gegnern vor, es ebenso zu machen, damit auf diese Weise der Krieg am schnellsten beendet werde. An anderen Stellen wieder verhielten sich die Russen nach wie vor feindselig, namentlich ihre Artillerie, wenn sie von französischen und englischen Offizieren befehligt wurde. Die Artillerie zog sich allerdings dadurch nicht selten die Feindschaft der im Graben stehenden Infanterie zu. •
So waren an der Ostfront im Monat März Zustände besonderer Art eingetreten. An vielen Stellen herrschte völlige Waffenruhe, an anderen wieder gab es Artilleriezweikämpfe, Gasschießen, Gas- und Fliegerangriffe. Die öst.-ung. und die deutschen Truppen führten in diesen Wochen eine Reihe schon seit langem zur Verbesserung der Front sorgfältig vorbereiteter Unternehmen durch.
So wurde am 8. März an der Ostgrenze Siebenbürgens im Verteidigungsabschnitt der k.u.k. 1. Armee und der Gruppe GdI. Litzmann der Höhenkamm Magyaros in einer Ausdehnung von vier Kilometern den Russen entrissen. Teile der 39. HID., der 24. ID., der deutschen
225. ID. und der S. bayr. RD. waren an diesem siegreichen Gefechte unter der Führung des Kommandanten der 39. HID., GM. v. Breit, beteiligt. Ungefähr 1000 Gefangene, 17 Maschinengewehre und 5 Minenwerfer mußte die 49. ID. des XXIV. Russenkorps in den Händen der Angreifer lassen1). Ein schwächlicher Gegenangriff der Russen, am 9. früh unternommen, blieb schon im Sperrfeuer unserer treffsicher schießenden Artillerie liegen.
Zwei Wochen später, am 23. März, gelang es Teilen der k.u.k. 24. ID., den 1343 m hohen Grenzkamm Sólvomtár zu nehmen. Aber-
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mals wurden 500 Gefangene und ein Maschinengewehr als Beute eingebracht. Am 27. verbesserte auch die deutsche 225. ID. südlich vom Uztal durch die Erstürmung des Mt. Farcu ihre Stellungen. Vergeblich mühte sich die russische 49. ID. unterdessen, in zweimaligem Ansturm am 26. und am 27. die Höhe Magyaros der 39. HID. wieder zu entreißen. Auch die Versuche der Russen, am 26. die Höhe Sólyomtár und am 1. April den Mt. Farcu zurückzugewinnen, endeten dank dem Abwehrfeuer unserer Artillerie mit einem Mißerfolg des Feindes.
Auf dem rechten Flügel der k, u. k. 7. Armee drangen am 30. März Stoßtrupps der 12. ID. bei Jacobeny in die russischen Stellungen ein und kehrten mit 100 Gefangenen zurück. Am selben Tage stieß bei Kirlibaba ein Jagdkommando der 59. ID. erfolgreich in die russischen Gräben. Auch bei allen übrigen öst.-ung. und deutschen Armeen der Heeresgruppen Böhm-Ermolli und Linsingen wurden im Monat März und bis in den April hinein zahlreiche Stoßtruppsuntemehmen ausgeführt, besonders in den Kampfabschnitten bei Stanislau, Brzeżany, Zborów, Brody sowie östlich von Władimir-Wołyński und Kowel. Besondere Erwähnung verdient ein erfolgreiches Unternehmen im Befehlsbereiche der deutschen Armeeabteilung GdI. Scheffer-Boyadel bei Zabieriezina an der Bieriezina. Hier überrannten am 21. März Teile des k.u.k. IR. 63 und Truppen des deutschen XVII. RKorps nach mächtiger Artillerievorbereitung die vorderste russische Linie in einer Breite von vier Kilometern und stießen dann noch zwei Kilometer tief bis in die zweite feindliche Stellung vor. Mehr als 220 Gefangene, zwei Revolverkanonen, sechs Maschinengewehre und einige Minenwerfer verlor die überraschte ll.sib. SchD. der 10. Russenarmee bei diesem Kampfe. Aber alle diese Zusammenstöße waren gleichsam nur das Vorspiel zu der schweren Katastrophe, die das III. Korps der russischen 3. Armee bei Tobol am Stochod anfangs April ereilte.
1/ L i t z m a n n, II, 149 f.
Die Erstürmung des Brückenkopfes von "Cobol Hiezu Nebenskizze auf Beilage 3
Preußische Landwehr, öst.-ung. und bayerische Reiter des Kavalleriekorps GdK. Freih. v. Hauer (deutsche l.LD., k.u.k. 9. KD., bayr. KD.) hatten im August 1916 den Russen das Überschreiten des Stochods bei Tobol nicht zu verwehren vermocht (Bd. V, S. 592). Für den Sommer 1917 mußte damit gerechnet werden, daß der Feind einen neuen Stoß auf Kowel durch einen Angriff aus dem Brückenkopf von Tobol begleiten würde, um so die Stochodfront von Norden aufzurollen. Dies bedeutete mindestens die dauernde Bindung starker Kräfte vor dem russischen Ausfallstor und für die entscheidenden Kampftage möglicherweise eine Zersplitterung der wenigen verfügbaren Heeresreserven. GO. Linsingen beabsichtigte daher schon seit dem Herbst 1916, den Brückenkopf wieder zu nehmen. Dazu sollte das Korps Hauer durch zwölf Bataillone, durch Artillerie und Minenwerfer verstärkt werden. Zu Beginn des Jahres 1917 mußten aber die schon weit gediehenen Vorarbeiten für das Unternehmen unterbrochen werden, weil die russischen Angriffe bei Riga, die Verwendung eines großen Teiles der für Tobol bestimmten deutschen Truppen an der Aa nötig machten. Erst im Februar konnten die Vorbereitungen für den Angriff wieder aufgenommen werden und in diesem Monat trafen auch die Verstärkungen ein, zwei Regimenter der deutschen 86. ID., ein Regiment der deutschen 91. ID. sowie Teile der k. k. 26. SchD. und der deutschen 92. Division. Dazu waren 78 deutsche und 18 öst.-ung. Batterien, rund 300 Geschütze, und ungefähr 100 Minenwerfer verfügbar. GdK. Hauer entschloß sich, zunächst den südlichen Teil des mehr als zwölf Kilometer breiten Brückenkopfes und dann erst den nördlichen Teil anzugreifen. Er legte auch besonderes Gewicht darauf, einen Zeitpunkt für den Angriff zu wählen, in dem der Stochod und sein Anland durch das Hochwasser unüberschreitbar würden. Am 28. Februar fiel Tauwetter ein. Nun setzte GdK. Hauer den 4. März als Angriffstag fest. Da aber der 3. wieder starke Kälte brachte, faßte GdK. Hauer den Entschluß, den Angriff noch aufzuschieben und auf das Frühjahrswetter zu warten.
Den Russen waren indessen die Angriffsvorbereitungen des Gegners nicht verborgen geblieben. Sie unternahmen am 27. März auf die Stel-' lungen der deutschen l.LD. und der k.u.k. 9. KD. bei Borowna einen Gasangriff, verbunden mit einem Gasschießen ihrer Artillerie. Die Gasmasken gewährten völligen Schutz. Hin Vorstoß der russischen Infanterie erfolgte nicht.
Am 2S. März trat endlich im Stochod das lang erwartete Hochwasser ein. Nun erteilte GdK.Hauer dem Kommandanten der deutschen
1. LD., GdI. v. Jacobi, den Befehl, am nächsten Tag den Angriff auf den von Truppen des russischen III. Korps besetzten Brückenkopf von Tobol durchzuführen. Das Unternehmen mußte aber wegen eines Wassereinbruches in die Bereitschaftsgräben der l.LD. noch einmal verschoben werden und wurde schließlich für den 3. April festgesetzt.
GdI. Lesch, der Kommandant der 3. Russenarmee, erwog noch am 29. März, ob er nicht den Brückenkopf räumen solle. Der Führer des russischen III. Korps war dagegen, weil der Brückenkopf starke Kräfte des Gegners fessele. Auch fühlte sich der russische Korpskommandant stark genug, um dem drohenden Ansturm zu widerstehen. Er hatte den Großteil der 5. SchD. und Teile der 27. und der 75. ID., insgesamt 1712 Bataillone, im Brückenkopf stehen und verfügte außerdem noch auf dem rechten Stochodufer über 12 Vb Bataillone als Reserve.
In der Nacht auf den 3. April trat der Stochod über die Ufer, das Hochwasser riß einen Teil der Brücken weg. Um 6hfrüh begann das Artilleriefeuer der Gruppe Jacobi. Die Telephon- und Befehlsstellen, die Lagerräume der Reserven und die Batteriestellungen der Russen wurden mit Gas- und Sprenggranaten beschossen. Um 7h 30 vorm. setzte das Wirkungsschießen ein. Die russischen Wälle, auf dem Sumpfboden aufgesetzt, wurden durch das Feuer niedergerissen; das Hochwasser ergoß sich in die Gräben. Auch die Brücken und die Laufstege über den Stochod wurden, sofern sie nicht schon von den Fluten des Flusses fortgerissen waren, vom Feuer erfaßt, das sechs Stunden lang auf den Brückenkopf niederhagelte.
Um lh 12 nachm. trat die Hauptstoßgruppe — die verstärkte deutsche 172. IBrig. — unter der Führung des GdI. Jacobi zum Angriff gegen den südlichen Teil der Brückenkopfes an. Im ersten Sturmanlauf wurde die Mitte der russischen 5. SchD. durchbrochen; dann wurden deren beide Flügel im Rücken gefaßt. Um 4h20 nachm. brach die nördliche Stoßgruppe (vier deutsche Landwehrbataillone und das österreichische Bataillon I SchR. 10) zum Angriff vor, der völlig glückte. Rudka Czerwiszcze und Tobol wurden genommen. Die Russen fluteten aus ihren zerschlagenen Gräben unter dem Feuer unserer Artillerie an den hochgehenden Stochod zurück. Um 7h abends, der Mond stand bereits am Himmel, stießen bei Stare Czerwiszcze auch schwere Reiter und
Ulanen der bayr. KD., teilweise bis zur Brust in Wasser und Schlamm des Sumpfes versinkend, an den Stochod vor, wo die Russen um 10h3° nachts ihre letzte Brücke bei Rudka Czerwiszcze sprengten.
Nur Trümmer des russischen III. Korps hatten sich auf das rechte Ufer des Stochod zu retten vermocht; viele Russen ertranken bei der Flucht im Flusse. Mehr als 12.000 Streiter hatte die Armee Lesch verloren, davon waren über 9000 den Siegern als Gefangene in die Hände gefallen, die Beute betrug 15 Geschütze und 200 Maschinengewehre15).
Beginn der Friedenspropaganda
Der öst.-ung. und der deutsche amtliche Heeresbericht beschränkten sich darauf, diesen glänzenden Erfolg mit möglichst zurückhaltenden Worten zu verzeichnen, um — wie der deutsche Reichskanzler Beth-mann-Hollweg die DOHL. ersucht hatte — Friedensaussichten nicht zu stören. Hierauf verbot GFM. Hindenburg, der Ende Februar sein Hauptquartier von Pleß nach Bad Kreuznach hinter die Westfront verlegt hatte, weiterhin jedes größere Unternehmen an der Ostfront. Das deutsche Auswärtige Amt hatte durch seine Vertreter mit Auslandsagenten der neuen Machthaber Rußlands Unterhandlungen angeknüpft, während der junge Kaiser Karl nach neuen Wegen Ausschau hielt, um » zu einem Verständigungsfrieden zu gelangen. Der öst.-ung. Außenminister und der deutsche Reichskanzler standen sehr unter dem Eindruck der russischen Revolution. Beide befürchteten gleiches für ihre Länder. Anderseits erweckte der Umsturz in Rußland die Hoffnung, mit diesem Reiche zu einem Sonderfrieden zu kommen. Alles sollte daher vermieden werden, was im russischen Heere den Kampfgeist hätte neu erwecken können. Die öst.-ung. und die deutschen Truppen an der Ostfront erhielten von ihren Heeresleitungen ganz bestimmte Verhaltungsvorschriften. Grundsatz war, jede Feindseligkeit mit einem entsprechenden militärischen Gegenunternehmen zu vergelten, im übrigen aber die Russen ungestört zu lassen.
Die DOHL. hatte wohl um Mitte April erwogen, an der Ostfront mit den Streitkräften des GFM. Prinzen Leopold von Bayern einen
x) Suhrmann, Geschichte des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 31 im Weltkriege (Oldenburg-Berlin 1928), 273 ff. — Bruchmüller, Die deutsche Artillerie in den Durchbruchsschlachten des Weltkrieges (Berlin 1921), 53 ff. —
Z a j o n t s c h k o w s k i j, Feldzug 1917, 47 ff.
schlagartigen Angriff durchführen zu lassen. Doch diesem Plane stand die Unzulänglichkeit der verfügbaren Kräfte ebenso entgegen wie die Abneigung des Reichskanzlers gegen jedwede Reizung der Russen. Zur selben Zeit lagen allerdings auch keine Anzeichen für einen bevorstehenden russischen Ansturm vor. Aber es mußten noch immer 43 öst.-ung., rund SO deutsche, 3 bulgarische und 5 türkische Divisionen im Osten belassen werden, damit man gegen alle Fälle gerüstet war. Die DOHL. und die k.u.k. Heeresleitung organisierten noch im Monat April bei den Heeresgruppen Prinz Leopold von Bayern, Erzherzog Joseph und Mackensen eine einheitliche Friedenspropaganda. Sie sollte, von Schützengraben zu Schützengraben arbeitend, die innere Zersetzung des russischen Heeres vollenden *).
Österreichische, ungarische und deutsche Zeitungen, Flugblätter und Aufrufe wurden nun den Russen übermittelt, um sie zu Waffenstillstandsverhandlungen bereit zumachen. Diese Propaganda von Schützengraben zu Schützengraben verfehlte jedoch im allgemeinen ihren Zweck. Wohl wurde es auf der ganzen Front von Riga bis zum Schwarzen Meere allmählich friedlicher, und während der russischen Ostern um die Mitte des Monats April ruhten die Feindseligkeiten fast völlig. Russische Soldatenabordnungen besuchten unsere Gräben. Dies gab unserem Nachrichtendienst die willkommene Gelegenheit, die Evidenz über die « gegenüberstehenden feindlichen Truppen zu überprüfen und richtigzustellen. Es fehlte aber auch nicht an Verbrüderungsversuchen, die allerdings von unseren Befehlsstellen mit großer Strenge verboten wurden, um ein Übergreifen der revolutionären Ideen auf die k.u.k. Truppen zu verhindern16). Dieser höchst eigenartige Zustand, halb Krieg, halb Waffenstillstand, löste überhaupt bei den niederen Kommandos ein Gefühl der Unklarheit und der Unsicherheit aus, namentlich bei solchen mit Truppen slawischer Nationalität. Doch trotz aller geäußerten Bedenken bestand man höheren Ortes auf der Fortsetzung der Frontpropaganda.
So entspannen sich an verschiedenen Stellen von Dolmetschern geführte Gespräche. Es wurde den Russen eröffnet, wenn sie Verhandlungen zu pflegen wünschten, sollten sie Parlamentäre entsenden. Aber es
gelang bis anfangs Mai nirgends, offizielle Waffenstillstandsverhandlungen anzuknüpfen. Noch hatte die russische Führung die Gewalt nicht völlig verloren, russische und an die Front entsandte englische Offiziere versuchten allerorts, den unerwünschten Verkehr zwischen den beiderseitigen Fronten zu verhindern.
Pläne der russischen Führung
Die Stawka hatte sich anfangs April entschlossen, schon Mitte Mai zum Angriff zu schreiten. Die Überlegung, daß die Gegner dem russischen Heere im Angriff zuvorkommen könnten, und daß ihm, wenn es bis zum Sommer in der Abwehr verharrte, der Kampf nicht erspart bleiben werde, führte die Stawka zu diesem geänderten Beschluß. Die Heeresfrontkommandanten, Brussilow und der an die Stelle Ewerts getretene Gurko, schlossen sich den Anschauungen der Stawka an. Auch Gen. Sacharow, der Gehilfe des Königs Ferdinand von Rumänien, sprach sich für einen baldigen Angriff aus. Alexejew unterrichtete hierauf den Kriegsminister Gutschkow von den neuen Beschlüssen der Stawka und legte dar, daß Rußland trotz der schwierigen Lage kein Recht habe, bis zum Sommer untätig zu bleiben. Die Niederlage bei Tobol habe klar gezeigt, daß die russischen Truppen in der Verteidigung keinen hohen Kampfwert mehr besäßen. Die Schwierigkeiten des Transportwesens erlauben Rußland keine raschen Truppenverschiebungen; solche seien aber für eine erfolgreiche Verteidigung unerläßlich. Ein sichtbarer Erfolg, durch einen Angriff errungen, werde den Kriegswillen aufs neue entfachen und sei auch ein willkommenes Mittel, die Truppe dem verderblichen Einfluß der revolutionären Propaganda zu entziehen. Auch dürfe man nicht die Alliierten die ganze Last des Angriffes allein tragen lassen. Wenn Rußland erst im Sommer von den Deutschen angegriffen werden würde, dann könnten die bis dahin erschöpften Alliierten das Land nicht mehr durch eine kraftvolle Entlastungsoffensive unterstützen.
Nur der Oberbefehlshaber der Nordfront, GdI. Rußki, war anderer Meinung. Er erklärte, daß man dem russischen Heere so lange keinen Angriff zumuten dürfe, als nicht die Ersätze an Streitern eingetroffen wären und der Nachschub an Verpflegung und Kriegsgerät wieder in Ordnung sei. Er war auch der Sorge wegen eines Angriffes der Deutschen auf Riga sowie wegen einer Landung ihrer Truppen an den Küsten des baltischen Meeres nicht ledig geworden, seitdem er die Nachricht über die kräftesparende Frontverkürzung im Westen (S. S) und über die Neuaufstellung von 13 deutschen Divisionen erhalten hatte. Gen. Rußki meldete der Stawka, die Deutschen werden vielleicht 40 Divisionen zusammenziehen, um sich den Weg nach Petersburg zu bahnen. Es sei daher geboten, den ganzen russischen Angriffsplan überhaupt umzustellen. Das Schwergewicht der Operationen sei auf den nördlichen russischen Heeresflügel zu verlegen und der Schutz der Nordflanke einer ganzen Armee zu übertragen.
Demgegenüber wollte Gen. Alexejew den Hauptstoß in der Richtung auf Lemberg führen und lehnte, dem einmal gefaßten Plane getreu, eine weitere Verstärkung der Nordfront auf Kosten der Südwestfront ab. Hier müßten — so antwortete er dem Gen. Rußki — auf alle Fälle starke Reserven bereitgehalten werden, um sie in die Moldau verschieben zu können, wenn Rumänien nicht mehr an der Seite Rußlands weiterkämpfen wolle. Die Nordfront mit ihren 500 Bataillonen und 420.000 Streitern hingegen hielt der Höchstkommandierende für stark genug, um einem nur 250 Bataillone und 200.000 Mann starken Gegner standhalten zu können. Er befahl, das XLII. Korps in Finnland durch zehn Bataillone und eine Kavalleriedivision von der kaukasischen Front zu verstärken. Überdies erhielt Gen. Rußki das Recht, zum Schutze der Küste bei Riga auch jene Truppen zu verwenden, die zur Reserve des Höchstkommandierenden gehörten; auch wurde ihm die Flotte im baltischen Meere unterstellt. Die Schwarze Meerflotte hatte sich bereitzuhalten, um den linken Flügel -der rumänischen Front zu unterstützen.
Alexejew gab sich der Hoffnung hin, daß sich der Zustand des russischen Heeres bis Mitte Mai gebessert haben werde. Um diese Zeit wollte er dann auf allen Fronten den Angriff beginnen. Als Ziele wurden der Nordfront Mitau, der Westfront Wilna gesetzt.
An der Südwestfront wollte Brussilow auf dem kürzesten Wege gegen Lemberg vorstoßen. Sein Plan ging dahin, mit dem linken Flügel der 11. Armee aus der Front beiderseits von Zborów über Złoczów und Gliniany vorzugehen. Zudem beabsichtigte er, mit dem rechten Flügel der 11. Armee einen Angriff von Brody aus die Bahnlinie entlang zu führen. Der ihm schon seit Ende Dezember unterstellten Besonderen Armee wies er die Aufgabe zu, während des Angriffes auf Lemberg den gegenüberstehenden Gegner festzuhalten, um ihn an Truppenverschiebungen zu hindern. Mit dem linken Flügel sollte die Besondere Armee auf Milatyn und auf Sokal, mit dem rechten gegen Wladimir-
Wołyński vorstoßen. Die 7. Armee hatte mit ihrem rechten Flügel aus der Front Baranówka—Potutory—Mieczyszczów über Brzeżany und Bobrka ebenfalls auf Lemberg vorzudringen und die Verbindungen des Gegners mit Westgalizien und in die Karpathen zu bedrohen. Zugleich hatte die 7. Armee mit ihrem linken Flügel zwei Ablenkungsangriffe zu führen, den einen südlich von Mieczyszczów und den anderen auf Halicz, welcher Ort erobert werden sollte.
Während der Offensive auf Lemberg hatte die 8. Russenarmee gegen die Karpathen zu sichern. Auch sie sollte zum Angriff schreiten, mit ihren Hauptstreitkräften auf der Paßstraße von Körösmezö auf Má-ramaros-Sziget und mit schwächeren Kräften auf dem Pantyrpaß und von Szybeny aus mit Umgehung der Czornahora auf Ruszpolyana.
GdI. Alexejew war nicht einverstanden damit, daß Brussilow an mehreren Punkten gleichzeitig angreifen wolle und empfahl ihm, an der gewählten Hauptstoßrichtung möglichst starke Kräfte aufzubieten. Demgegenüber erklärte Brussilow, daß ihm nach den Erfahrungen der Sommeroffensive 1916 ein Angriff auf der ganzen Front als der beste Weg zum Erfolg erscheine.
Mit halbem Herzen und nagendem Zweifel in der Brust, ob die moralischen Kräfte des russischen Heeres noch zur offensiven Führung des Krieges reichen würden, sahen die Befehlshaber der russischen Heeresfronten dem Angriffsbeginn entgegen. Gen. Brussilow meldete am 24. April, daß trotz aller Anstrengungen der Zersetzung der Armee durch die revolutionäre Propaganda noch nicht Einhalt getan werden konnte. Gen. Gurko war der Ansicht, daß es besser wäre, auf den Angriff der Westfront gegen Wilna zu verzichten, als ihn mit unzureichenden Kräften durchzuführen. Gen. Rußki hatte inzwischen neuerdings eine Verstärkung des nördlichen russischen Heeresflügels gefordert und schließlich den Höchstkommandierenden von der Notwendigkeit der Verlegung einer ganzen Armee in den Raum zwischen Riga und Reval zu überzeugen vermocht, obwohl über eine Landungsoperation der Deutschen hinter der Nordfront keine sicheren Nachrichten Vorlagen.
Schweren Herzens entschloß sich der Höchstkommandierende am
22. April, eine Umstellung der Kräfte vorzunehmen. Brussilow hatte das in Łuck als Heeresfrontreserve stehende I. Korps (22., 24., 161. ID.) und Gurko den Stab der 1. Armee mit dem XXXVII. Korps (120. ID.) an die Nordfront abzugeben. Aus diesen Truppenverbänden sowie aus der 121., der 135. ID. und der 4. DonKosD. wurde in Livland und Estland eine neue 1. Armee zur Verteidigung der Zugangswege nach Petersburg gebildet. Die Westfront wurde nach Norden bis zur Düna und nach Süden bis zum Pripiatj verlängert und an Stelle der bisherigen 1. Armee, deren noch verbliebene Truppen zum Teil zur 5. Armee, zum Teil zur 10. traten, die neugebildete 3. Armee (X., XX., XXXV. Korps) südlich der Düna eingesetzt. Die letztgenannte Armee hatte die Wege nach Polock zu decken. Die Truppen der früheren 3. Armee, deren Kommandant, GdI. Lesch, nach der Niederlage bei Tobol abgesetzt worden war, traten zur 2. Armee der Westfront und zur Besonderen Armee der Südwestfront über1).
Bis Anfang Mai hatte sich die Lage im Osten noch keineswegs geklärt. Die russischen Heerführer schmiedeten wohl Angriffspläne, aber es war noch ganz ungewiß, ob die Truppen die Befehle hiezu auch ausführen würden. Dagegen standen die Mittelmächte in fast unverminderter Stärke völlig kriegsbereit da. Sie betrieben aber eine Tätigkeit, die dem Wesen des Krieges zuwiderlief. Sie hatten es wohl erreicht, daß die Russen während des Ansturmes der alliierten Armeen im Westen und auf dem Balkan Ruhe hielten. Die Russen zum Abschluß eines Waffenstillstandes zu bewegen, war ihnen jedoch bisnun nicht geglückt. Dazu mochte — wie schon vorhin erwähnt — manchen Kommandanten öst.-ung. Truppen mit solcher Mannschaft, die innerlich nicht mehr fest zum Reiche stand, das unheimliche Gefühl beschlichen haben, daß das Gift der Zersetzung auch in den eigenen Reihen Eingang finden könnte.
Die in der Front stehenden rumänischen Regimenter verhielten sich gegen unsere Friedenspropaganda völlig unzugänglich.
Der Südwesten im ersten Jahresdrittel 1917
Hiezu Beilage 4
Die Maßnahmen der österreichisch-ungarischen
Führung
Der von der k.u.k. Heeresleitung gemäß den Weisungen Conrads zu Beginn des Jahres 1917 neuerlich entworfene Plan für eine entscheidungsuchende Offensive gegen Italien (S. 5) übte auf die tatsächlichen Maßnahmen zur Stärkung der Abwehrfront im Südwesten keinen Einfluß aus. Denn schon wenige Tage, nachdem die Konferenz der Entente-Zajontschkowskij, Feldzug 1917, 44 ff.
machte in Rom stattgefunden hatte, erfuhr man vom Vorhaben der Feinde (S. 4). Der nunmehr von der Nachrichtenabteilung des Oberkommandos für alle Fronten einheitlich geleitete Nachrichtendienst meldete zugleich mancherlei über die rasch wachsende Aufrüstung des italienischen Heeres. Es gab also kaum einen Zweifel, daß man eine neue mächtige Offensive Italiens zu erwarten habe, und einige Anzeichen sprachen dafür, daß diese Ende Februar oder anfangs März, mehr oder weniger gleichzeitig mit jener der Franzosen und Engländer an der Westfront, losbrechen dürfte.
In Berücksichtigung dieser drohenden Gefahr sprach FM. Conrad Ende Jänner die Vermutung aus, ,,daß die Italiener diesmal ihren Angriff nicht nur auf den Raum zwischen Salcano und dem Meere, sondern auch im Raum nördlich davon (Plava—Tolmein) führen“ dürften. GO. v. Boroevic bestritt diese Anschauung nicht, er blieb aber weiterhin der festen Überzeugung, daß „der feindliche Hauptangriff zweifellos wieder auf der Karsthochfläche südlich der Wippach“ stattfinden werde. Bald nach diesem Meinungsaustausch horchte man am 6. Februar Funksprüche ab, die zwischen Rom und Petersburg gewechselt wurden. Sie vervollständigten das Bild über die Absichten der Feinde. Nun konnte man nahezu mit Sicherheit damit rechnen, daß der Angriff der Franzosen an der Westfront nicht vor Ende März und jener der Italiener, die sich — wie man jetzt erfuhr — verpflichteten, binnen drei Wochen zu folgen, kaum vor Mitte April beginnen werde. Von Rußland hörte man allerdings nicht mehr, als daß es hoffe, Ende April bereit zu sein. Diese vom Radiohorchdienst aufgefangenen Depeschen waren äußerst wertvoll, denn nun brauchte man in den nächsten Wochen keine Störung der in Gang befindlichen Abwehrmaßnahmen zu besorgen. Die drei Führer an der Südwestfront wurden dementsprechend angewiesen. Im besonderen wurde das Heeresgruppenkommando Erzherzog Eugen verständigt, daß die eigenerseits in Aussicht gestellte Offensive in absehbarer Zeit nicht werde ausgeführt werden. Die hiefür eingeleiteten Maßnahmen seien aber fortzusetzen, wobei auftauchenden Gerüchten von eigenen Angriffsabsichten nicht entgegenzutreten wäre. Die 10. Armee bekam den Befehl, in der bisher geübten Tätigkeit fortzufahren. Die 5. Armee allein erhielt ausführlichere Weisungen. FM. Conrad schrieb den Entwurf und Kaiser Karl unterfertigte zum erstenmal als Armeeoberkommandant einen operativen Befehl. Darin hieß es: „Nach wie vor muß als großes Ziel vor Augen bleiben, daß die zur Abwehr der italienischen Hauptanstrengungen berufene 5. Armee in die zu erwartenden schweren Frühjahrskämpfe mit standesstarken, möglichst ausgeruhten Verbänden, in vollendeten Verteidigungsanlagen und in jeder Beziehung gründlichst vorbereitet eintreten soll. Das Armeekommando wird die Erreichung dieses Zieles vor allem dadurch zu fördern haben, daß die Entspannung der Lage ausgenützt wird, um Truppen aus dem Feuerbereiche herauszunehmen und in der Ablösung nach einem bis Ende März reichenden Plane vorzugehen, der eine ausgiebige Retablierung und Ausbildung mehrerer höherer Verbände ermöglicht.“ Dann wiederholte Conrad, auf die letzte Meinungsäußerung des GO. Boroevic über die vermutete Stoßrichtung des Feindes eingehend, daß „bei selbstverständlicher Voraussetzung des italienischen Hauptangriffes im unteren Isonzogebiet, angesichts der zunehmenden Kraftentfaltung des italienischen Heeres, mit einer Erweiterung des feindlichen Angriffes nach Norden hin, also mit einem verstärkten Druck gegen die Räume von Plava und Tolmein, gerechnet werden muß“. Ein Erfolg des Feindes bei Plava würde, wenn er gegen Südosten übergreife, Einfluß auf die Lage östlich von Görz gewinnen. Zur Eroberung des Brückenkopfes von Tolmein könne sich der Italiener aus politischen Gründen verlockt sehen. Die Heeresleitung sei gegenwärtig nicht imstande, jene Räume durch neue Kräfte zu schützen. Es sei also notwendig, daß das Armeekommando Vorkehrungen treffe, wenn auch nur, um nötigenfalls im Raume von Tolmein eine stärkere Artillerie rasch in Stellung bringen zu können. Ein Teil der künftighin der Armee noch zurollenden Batterien müsse dorthin dirigiert werden. Die Entscheidung darüber, wann eine stärkere Reserve für den Nordabschnitt bereitzustellen sein werde, bleibe dem Armeekommando überlassen.
Ferner wurde GO. Boroevic in Kenntnis gesetzt, daß die demnächst nördlich von Triest eintreffende 7. ID. als Reserve der Heeresleitung zu gelten habe. Das Armeekommando könne zwar diese Division, ebenso wie es mit der 41. HID. geschehen war, in den Rundlauf der Ablösungen einbeziehen, doch müßten dann immer wieder zwei Divisionen an der Südbahn als Reserve der Heeresleitung bereitstehen. Diese Beschränkung des Verfügungsrechtes mochte dem GO. Boroevic wenig Zusagen. Die Heeresleitung sah sich aber zu der Maßnahme genötigt, weil ihr anderswie keine Heeresreserven zu Gebote standen. Waren doch im Gegensatz zu anderen Heeren während des letzten Jahres — von fünf für den rumänischen Kriegsschauplatz bestimmten Brigaden abgesehen (S. 50) — keine neuen Heereskörper aufgestellt worden; auch war das Freimachen von Kräften aus anderen Frontabschnitten nicht leicht. Die Heeresgruppe in Tirol war nicht nur ausgeschöpft, sondern sie bedurfte sogar in naher Zeit, sobald der strenge Winter vorbei sein werde, der Verstärkung. Auch aus der 10. Armee in Kärnten war nichts mehr herauszuholen. Ebenso wenig vermochte man dem Balkankriegsschauplatz irgend eine Kraft zu entziehen. Hier trat sogar der Fall ein, daß anfangs März das IR. 102 von der Isonzofront eiligst nach Belgrad zum dortigen Generalgouvernement gefahren werden mußte, weil südwestlich von Nis eine Aufstandsbewegung ausgebrochen war. Allerdings konnte das Regiment binnen vierzehn Tagen wieder zurückgesendet werden. Es blieb somit nur die Ostfront, aus der im Dezember die 41. HID. und in der zweiten Hälfte des Februar die 7. ID. herausgelöst und nach dem Südwesten verlegt worden waren. Bei ihrem weiteren Bemühen konnte die Heeresleitung wieder nur nach Kräften der Ostfront Ausschau halten.
Am 25. Februar gab GFM. Hindenburg, dem jetzt die hohe Verantwortung der Obersten Kriegsleitung zustand, schriftlich nach Baden bekannt, daß die Südwestfront vorläufig in der Verteidigung zu verbleiben habe. Damit entfielen etwa noch vorhandene Beweggründe zur Verstärkung des Südwestens auf Kosten der Ostfront, die die gleiche Aufgabe hatte. Die erbetenen kleineren Abgaben für die Süd Westfront wurden genehmigt. So gelangte das k. k. LstIR. 1 zur 5. Armee und das FJB. 31 zur 10. Armee. Wegen der Überweisung noch einer ganzen Infanteriedivision sowie einer Gebirgsbrigade gab es aber Schwierigkeiten. Der Generalfeldmarschall gab zu bedenken, daß von der Heeresgruppe Mackensen schon zwei türkische Divisionen nach Transjordanien hatten abgezogen werden müssen; daher sei es nicht zulässig, dieser Heeresgruppe noch weitere nennenswerte Kräfte zu entnehmen. Auch die Heeresfront Erzherzog Joseph, die ohnedies sehr gestreckt sei, dürfe nach Meinung des Feldmarschalls nicht geschwächt werden. Die Heeresfront des Prinzen Leopold von Bayern hinwieder müsse wegen des starken Zurüstens der Russen darauf bedacht sein, die Festigkeit der polnisch-galizischen Front zu gewährleisten und ähnlichen Gefahren wie im Jahre 1916 vorzubeugen.
Das Abschätzen der für jeden der drei Hauptkriegsschauplätze erforderlichen Abwehrkräfte war eben wegen der sowohl im Westen als im Südwesten wie auch im Osten der Zahl nach sehr großen Überlegenheit der Feinde (siehe Tabelle auf Beilage 1) eine schwer lösbare Aufgabe. Von den gesamten öst.-ung. Streitkräften, die, in 71 Infanteriedivisionen und 13 selbständige Brigaden gegliedert, rund 780.000 Feuer-ge wehre und 7200 Geschütze zählten, standen zu Frühjahrsbeginn etwa zwei Fünftel an der Südwestfront, nicht ganz drei Fünftel im Osten, der Rest, etwa ein Fünfzehntel, an der Balkanfront (S. 49).
Die Ende Februar bei der k.u.k. Heeresleitung vorgenommenen Veränderungen wirkten sich mittelbar auch auf die Südwestfront aus. FM. Conrad hatte in Bozen den Befehl über die Heeresgruppe in Tirol zu übernehmen, die von nun an seinen Namen führte. Zum Generalstabschef der Heeresgruppe wurde GM. Richard Müller ernannt. FML. Alfred Krauss wurde Kommandant des I. Korps. FM. Erzherzog Eugen kehrte nach einjähriger Abwesenheit nach Marburg zurück, wo das „Kommando der Südwestfront“ am 16. März wieder errichtet wurde. Dem Erzherzog wurde jetzt GM. Konopicky als Generalstabschef beigegeben. Das Tätigkeitsfeld des wiedererstandenen Kommandos war um einiges beschränkter als in der ersten Zeit seines Bestehens. Auch die 10. Armee wechselte den Führer. An die Stelle des mit der Armeeführung betrauten FML. Scotti trat am 12. April GO. Freih. v. Krobatin, der seit Kriegsbeginn die schwere Amtslast des Kriegsministers getragen hatte. Der bisherige Befehlshaber des XV. Korps, GdI. Stöger-Steiner, wurde Kriegsminister (S. 71). An seine Stelle als Korpskommandant trat FML. Scotti. Bei der 10. Armee, bei der die Divisionen und Brigaden bis-nun dem Armeekommando unmittelbar unterstellt waren, übernahm am 26. April GdI. Erzherzog Peter Ferdinand, der seit September 1914 kein Kommando mehr geführt hatte, den Befehl über die östliche Hälfte der Armee (93. ID. und 59. GbBrig.). Am gleichen Tage stellte das k.u.k. AOK. das an der russischen Front entbehrlich gewordene IV. Korps-kmdo., FML. v. Hordt, der 10. Armee zur Verfügung und wurden ihm dort anfangs Mai die im Westabschnitt stehenden Divisionen 92 und 94 unterstellt. Unverändert blieb der Führerstab der 5. Armee; doch wurde zur einheitlichen Leitung der auf der Karsthochfläche angehäuften Abwehrkräfte ein neues, das „Abschnittskommando III“ in Sesana aufgestellt und dem bisherigen Führer des XVI. Korps, FZM. Wurm, übertragen. Das Kommando des XVI. Korps übernahm FML. Králiček.
Mitte März fand die Oberste Kriegsleitung die Möglichkeit, eine Division der Westfront zu entnehmen, um sie an der Ostfront zur Ablösung einer öst.-ung. Division einzusetzen. Auf diese Art konnte in den ersten Tagen des April die 106. LstlD. bei der 5. Armee eintreffen. Ferner wurden nun auch noch die Feldjägerbataillone 17 und 25 bei der k.u.k. 25. ID. herausgelöst und zur 10. Armee gefahren. Gegen die Abgabe einer ganzen Gebirgsbrigade aus den Ostkarpathen nach
Tirol gab es aber noch immer Bedenken. Die Oberste Kriegsleitung empfahl, an deren Stelle die österreichischen Teile der in Lublin untätig stehenden polnischen Legion zu beanspruchen. Dies erschien der öst.-ung. Heeresleitung aber nicht genehm, da damit der strittigen militärpolitischen Frage über die Gestaltung Polens und dessen Heeres vorgegriffen worden wäre. Schließlich wurde in der zweiten Hälfte April anstatt der gewünschten Gebirgsbrigade die k. k. 26. SchBrig. aus dem Bereiche „Ober Ost“ genommen und nach Tirol gebracht, wo nach eingetretener Schneeschmelze feindliche Unternehmungen um so eher erwartet werden mußten, als die Italiener in bedeutender Übermacht gegenüberstanden und nach neueren Nachrichten Vorbereitungen für einen Angriff trafen.
Als nun die Generaloffensive der Verbandmächte, wie noch erörtert werden wird, am 9. April mit dem Großangriff der Engländer bei Arras begann, mochte man den Ansturm der Italiener für Ende April erwarten.
Das öst.-ung. AOK. gab die ihm von Kreuznach aus mitgeteilten wesentlichen Merkmale des englischen Angriffsverfahrens dem GO. Boroevic bekannt, da man annehmen konnte, daß die Italiener ein ähnliches Verfahren anwenden mochten. Als kennzeichnende Erscheinungen des Angriffes wurden genannt: vorhergehende Luftangriffe größten Stils; drei bis fünf Tage Wirkungsschießen, dann sechs bis acht Stunden Trommelfeuer, auch auf die hinteren Linien und Beobachtungsstellen; Massenverwendung schwerer Minen und Gasgeschosse, diese namentlich gegen Batterien nahe der Front. Ferner wurde berichtet, man habe die betrübliche Erfahrung gemacht, daß die Abwehrartillerie mit ihrer Munition gespart und dadurch manchenorts den Zeitpunkt zur größten Kraftentfaltung versäumt hätte. Auch daß die Verteidigung der nötigen Tiefe entbehrte, wäre von erheblichem Nachteil gewesen.
Zugunsten der Artillerie am Isonzo hatte die Heeresleitung ausreichende Vorsorgen getroffen. Der Armee waren im Laufe des Winters
15 leichte und 5 schwere Feldbatterien sowie mehrere schwere und schwerste Batterien der Festungsartillerie zugewiesen worden (Beilage 6). Dem GO. Boroevic wurde lediglich aufgetragen, außerhalb der Kampfzone eine starke, bewegliche Artilleriegruppe bereitzuhalten. Der Schießbedarf wurde nach den Erfahrungen an der Westfront vermehrt, so daß im Armeebereich zur Verfügung standen: 2450 Schuß für jede Feldkanone, 1770 Schuß für jede Feldhaubitze, 710 und 1580 Schuß für jede schwere Feldhaubitze älterer und neuer Erzeugung, endlich 730
Schuß für jede schwere Feldkanone. Man berechnete, daß diese Geschoßmenge für eine zwanzigtägige Schlacht ausreichen werde.
Die Befestigungen boten nach einem Berichte des Armeekommandos im Abschnitt des voraussichtlichen feindlichen Angriffes zwischen Sal-cano und dem Meere in der ersten Stellung (I) ein System wechselnd starker, durchaus guter Anlagen. Der Schaffung schußsicherer Unterstände (Kavernen) war die größte Bedeutung beigemessen worden. Man hatte hierin so bedeutende Fortschritte erzielt, daß in allen Abschnitten bei rechtzeitigem Heranführen der Reserven mit deren vollständiger, gesicherter Unterbringung gerechnet werden konnte. Der Bau der zweiten Stellung (II) war hingegen im April noch sehr im Rückstand. Ihr war keine nennenswerte Widerstandskraft zuzusprechen. Es mangelte zu ihrer Herstellung an geschulten Arbeitskräften.
Der Bericht hob hervor, daß die auf der Hochfläche von Comen gelegenen Befestigungen im Bereiche des VII. Korps am stärksten seien. Allerdings hätten die Verteidigungseinrichtungen der Front östlich vom Fajtihrib bis Kostanjevica nur einen Kilometer Tiefe und könnten daher von der feindlichen Artillerie in allen Linien gleichzeitig bekämpft werden. Auf einen halben bis anderthalb Kilometer hinter der letzten Linie dieser ersten Stellung lag hier, gleichfalls im wirksamen Geschützertrag des Feindes, als hinterste vorbereitete Verteidigungslinie die erst angefangene zweite Stellung. In der Front des XXIII. Korps war der Abschnitt von Kostanjevica bis zur Senke von Jamiano sehr schwach. Besonderen Schwierigkeiten begegnete anscheinend der Anschluß an den inneren Flügeln der beiden Korps. Im Bereiche des XVI. Korps vor Görz waren die teilweise gut ausgebauten Linien der ersten Stellung wegen der Bodenbeschaffenheit zumeist gegen Wetter und Geschoßwirkung weniger widerstandsfähig. Dies galt auch für die in Angriff genommene, drei bis vier Kilometer dahinter liegende zweite Stellung.
Seit dem Rücktritt Conrads neigte die Heeresleitung, nun mit dem Kommando der Südwestfront und jenem der 5. Armee vollständig gleichgestimmt, der Anschauung zu, daß die italienische Offensive gegen den Südabschnitt der Isonzofront gerichtet sein werde. Im Zusammenhange mit dem gegebenen Werturteil über die Befestigungen dieses Abschnittes wurde Mitte April, also kurz vor dem voraussichtlichen Zeitpunkt der Eröffnung des feindlichen Angriffes, die Lage geprüft und versucht, die mögliche Entwicklung der bevorstehenden Schlacht zu ergründen. In Baden nahm man an, daß die Italiener imstande wären, mit ihren erheblich vermehrten Infanterie- und Artilleriekräften „die ganze Front zwischen Salcano und. dem Meere“ anzugreifen. Ein tiefgegliederter Stoß sei am Nordteil des Hochlandes von Comen, gegen das VII. Korps, am wirkungsvollsten, aber auch am schwierigsten, denn gerade dort stehe der Feind von den öst.-ung. Linien am weitesten ab. Nach seinem bisherigen Tun zu urteilen, sei es daher wahrscheinlicher, daß er einen starken Stoß gegen den empfindlichen Frontteil Kostanjevica—Jamiano richten werde. Nach den Erfahrungen aus den früheren Isonzoschlach-ten und auch aus jenen der letzten Tage an der Westfront müsse trotz; aller getroffenen Vorsorgen mit Einbrüchen auf mehrere Kilometer Tiefe gerechnet werden. Dennoch dürfe die Zuversicht nicht leiden, selbst wenn die feindliche Offensive möglicherweise erst in der Linie Triješnek—Hermada zum Stehen gebracht werden könne. Dies sei allerdings die äußerste Grenze. Gäbe es dann keine Reserven mehr, so wäre Triest gefährdet.
Solche Überlegungen veranlaßfen den neuen Chef des Generalstabes, GdI. Arz, am 14. April die Oberste Kriegsleitung zu ersuchen, sie möge dafür sorgen, daß an der Ostfront zwei öst.-ung. Divisionen bereitgestellt würden, die im Falle gebieterischer Notwendigkeit ohne Zeitverlust an den Isonzo gefahren werden könnten. In der Antwort machte GdI. Ludendorff geltend, daß aus dem Osten bereits vier öst.-ung. Divisionen an die italienische Front und vier deutsche Divisionen an die Westfront ohne Ersatz abgegeben worden seien. Die DOHL. sei nunmehr wegen der schweren Kämpfe in Frankreich genötigt, abgekämpfte Truppen gegen vollwertige der Ostfront auszutauschen. Um diese Front nicht allzu sehr zu schwächen, wäre ein ähnlicher Austausch zwischen Osten und Südwesten in Aussicht zu nehmen, also erst nach Beginn der Schlacht am Isonzo angezeigt. Das Kommando „Ober Ost“ mache sich anheischig, für ein solches Verfahren das k.u.k. X. Korps bereitzuhalten. Im äußersten Bedarfsfalle gedenke Ludendorff überdies, das deutsche Alpenkorps an die Südwestfront zu werfen.
Die Ereignisse bei der 5. Armee
Nach der neunten Isonzoschlacht hatte die Spannung auf der Karsthochfläche noch eine Zeit hindurch angehalten. Wenige Tage, nachdem das Kampfgetöse verklungen war, lösten die Italiener ihre vorderen Truppen ab, und es schien, daß sie sich durch langsames Vorschieben von Sappen und Laufgräben zu einem neuen Angriff bereit machten.
Angaben von Gefangenen und Überläufern ließen vermuten, daß ein solcher im Abschnitte zwischen der Wippach und dem Meere um den 20. November herum bevorstehe. Aber ein Unternehmen, das am 19. von Stoßtrupps des VII. Korps südlich Biglia zur Aufklärung durchgeführt wurde, überraschte sichtlich den Feind und bewies, daß er nicht angriffsbereit sei. Seine emsige Tätigkeit galt vielmehr der Abwehr, und schon Ende November hatte er in den zuletzt gewonnenen Landstreifen eine geschlossene Kette von Schützengräben aufgeworfen, die den öst.-ung. Stellungen auf etwa 800 m gegenüber lagen. Diese „Respektdistanz“ war nur an der Wippach geringer. So ging man in einen Zeitlauf des Stillstandes über, der fast ein halbes Jahr dauern sollte.
Im Niemandsland spielten sich in der Folge Patrouillenkämpfe ab. Mit Befriedigung konnte der Führer des VII. Korps, FML. v. Schariczer, in einem zu Ende des Jahres erstatteten allgemeinen Bericht hervorheben: „Versuche des Gegners, unsere vor der Front befindlichen Feldwachen zu vertreiben, so insbesondere am 28. und 30. November und mehrmals in der ersten Dezemberwoche, sind ausnahmslos von der braven Infanterie abgewiesen worden. Die aufmerksame, energische Tätigkeit unserer Artillerie hat ferner zur Folge, daß die Italiener sich bei Tag nicht mehr zu zeigen wagen und ihre Angriffslust sichtlich einbüßen.“ Gleich zuversichtlich berichteten die benachbarten Korps.
Selbstverständlich waren die k.u.k. Truppen nicht minder als der Feind am Werke, die Widerstandskraft der Stellungen zu erhöhen. Die im Laufe des Winters und bis Mitte Mai erzielten Fortschritte im Stellungsbau an der Isonzofront zeigt die Beilage 7.
Mit Bedacht wurde darauf gesehen, daß die im Feuerbereich stehenden Truppen zeitweise durch Reserven abgelöst wurden, um sie aufzufrischen, gelegentlich zu schulen und den soldatischen Geist zu beleben. Sicherlich konnten damit nicht alle Schäden ferngehalten werden, die im Laufe eines langen und harten Stellungskrieges die Mannszucht beeinträchtigt hatten. Klagen hierüber wurden von manchen Unterführern einige Male nicht ohne Grund ausgesprochen. Ungeachtet solcher Einzelfälle, die vor allem in Fahnenflucht bestanden, blieben aber die Zersetzungserscheinungen völlig gebannt, die zu dieser Zeit nicht allein im russischen Heere, sondern auch in Frankreich und Italien wahrzunehmen waren. Auf eine von der Heeresleitung anfangs April gestellte Anfrage über etwa auftretende zersetzende Einflüsse auf den Geist und die Stimmung der Truppe lauteten die Antworten aller Führer des Südwestens aus voller Überzeugung verneinend.
Trotz der in der Monarchie immer mehr fühlbar werdenden Knappheit an waffenfähigen Männern blieb der Zufluß an Ersatzmannschaft (Marschformationen) groß genug, um die Truppenkörper aufzufüllen und auf vollem Kriegsstand zu erhalten. Einige Bataillone konnten sogar im Laufe des Winters fünfte und sechste Kompagnien errichten. Da ferner im Laufe der langwährenden Zeit des Stillstandes der Zufluß die Abgänge überwog, ergab sich ein Überschuß an ausgebildeten Marschformationen. Die Gefechtsstärke der Infanterie der 5. Armee stieg in derZeit vom 1. Jänner bisl.Mai von 125.000 auf 156.000 Feuergewehre; die Stärke der Marschformationen wuchs auf 70.000 Mann an1). Dabei waren die Verluste verhältnismäßig groß. In den bezeichneten vier Monaten zählte man 2844 Tote, 12.540 Verwundete, 371 Vermißte und nicht weniger als 52.270 Kranke. Diese hohe Zahl an Kranken gibt Zeugnis, daß die Rüstigkeit der Mannschaften im Abnehmen begriffen war, was zum Teil auch auf Mängel in der Verpflegung zurückgeführt werden muß.
Die beträchtlichen blutigen Verluste, die sich auf die einzelnen Tage des genannten Zeitabschnittes ziemlich gleichmäßig verteilten, waren größtenteils durch das Artilleriefeuer hervorgerufen, das trotz der eingetretenen Kampfpause Tag für Tag über das erstarrte Schlachtfeld rollte. Bezeichnend hiefür ist ein Bericht, den GO. Boroevic im Jänner der Heeresleitung erstattete. Diese hatte die Armee angewiesen, die 41. HID. in nächster Zeit nicht in der Front einzusetzen, weil deren Truppen mit der Eigenart der Kampfführung im Karstgelände noch nicht vertraut seien. Daraufhin antwortete Boroevic, daß gerade jene Truppen, die von anderen Kriegsschauplätzen kämen, schon frühzeitig eingesetzt werden müßten, damit sie sich in die eigentümlichen Kampfverhältnisse einlebten, denn das Geschütz- und Minenwerferfeuer erreiche am Isonzo eine Heftigkeit, die im Osten unbekannt sei. Er fügte hinzu: „Viele von der Ostfront hiehergelangte Offiziere gehen so weit, zu behaupten, daß das russische Trommelfeuer dem hiesigen normalen Artilleriefeuer gleiche.“ Mochte dieser Vergleich auch nicht in allem zutreffen, so gewährt er dennoch annähernd einen Begriff, wie der in den Tagesmeldungen dieser Zeit oftmals wiederkehrende Satz: „Normales Artilleriefeuer“ zu deuten ist, und was sich am Isonzo zutrug, wenn es hieß: „Trotz ungünstiger Witterung herrscht sehr lebhafte
x) Vom 1. Jänner 1917 an wurden die einreihungsfähigen Marschtruppen nicht mehr in den Feuergewehrstand eingerechnet. Dadurch erklärt sich die Differenz zu den im Bd. V, S. 683, Anm. 3, mitgeteilten Zahlen.
Gefechtstätigkeit“ — oder, so wie am 12. Jänner: „Bei guter Sicht ist das feindliche Feuer außerordentlich lebhaft, die Italiener schießen schwere Gasgranaten; ihre Flugzeuge kreuzen über das Schlachtfeld, eines wurde im Luftgefecht abgeschossen.“
Zu größeren Infanteriekämpfen kam es in den ersten vier Monaten des Jahres allerdings nicht. Hingegen wurden kleine Unternehmen, die den Zweck hatten, den Kampfgeist der Truppen wachzuhalten, den Verlauf der Stellungen zu bessern und Gefangene einzubringen, wiederholt durchgeführt. So stießen am 18. Jänner Sturmtrupps der 28. ID. gegen den Fajtihrib vor, wobei 150 Italiener in Gefangenschaft fielen. Eine Woche später brachen Jagdkommandos des SchR. 20 in eine feindliche Vorstellung südöstlich von Görz ein und holten sich 100 Gefangene und drei Maschinengewehre. In den letzten Jännertagen glückten den Sturmtrupps der Regimenter 91 und 71 sowie des k. k.LstIR.2 ähnliche Unternehmen bei Görz und bei Kostanjevica; man zählte 200 Gefangene. Trotz der seit Anfang Februar schärfer gewordenen Kälte stießen am 7. Teile des IR. 86 bei Tolmein mit Erfolg vor. In der Nacht auf den 10. gab es eine ganze Reihe kleiner Angriffe, durch die mehrere feindliche Grabenstücke erobert, 650 Italiener gefangen und zehn Maschinengewehre erbeutet wurden. Hiebei taten Abteilungen des IR. 87 das ihre bei Salcano, solche des IR. 41 und des k. k. LstlR. 22 an der Wippach, schließlich solche des SchR. 23 und des k. k. LstIBaons. IV/39 bei Görz. Den größten Anteil an diesen Unternehmen hatte das Bataillon 111/85, das allein italienische Stellungen in der Ausdehnung von 1000 Schritten beim Bahnhof von Görz erstürmte. Um den eroberten Graben wurde dann in den nächsten Tagen erbittert gekämpft, wobei sich auch das Bataillon IV SchR. 37 auszeichnete, das noch 300 Gefangene einbrachte. Sturmtrupps des Bataillons IV/80 hatten am 11. Februar Erfolge beim Mrzli vrh. An diesen Tagen gab es auch sehr rege beiderseitige Fliegertätigkeit mit zahlreichen Bombenwürfen und Luftgefechten.
Auch die Italiener waren in Kleinkämpfen rührig. Sie stießen des öfteren an verschiedenen Stellen vor, wobei es ihnen mitunter gelang, die Verteidiger zu überraschen. Ein dauernder Gewinn, der offenbar auch gar nicht gewollt war, war ihnen freilich nirgends gegönnt. In den nächsten Wochen, bis etwa Mitte März, kehrt dann in den Lagemeldungen der bekannte Satz: „Normales Artilleriefeuer“ öfters wieder. Erfolgreiche Patrouillenunternehmen gab es am l.März bei Tolmein (IR. 80), am 3. bei Görz (IR. 24 und SchR. 20) sowie am 8. bei Kostanjevica (HIR. 32).
Am 12. und am 13. März unternahmen die Italiener auf der Karsthochfläche bei Kostanjevica anscheinend einen Probeangriff, indem sie zunächst ihre sichtlich stark angewachsene Artillerie und zahlreiche neue Minenwerfer spielen ließen und dann mit der Infanterie vorstießen. Bei Jamiano drang eine Abteilung in die Stellung der 7. ID. ein. Sie mußte aber den Graben vor dem Gegenstoß der eingreifenden Reserven alsbald wieder räumen. Die Geschütze setzten danach ihr sehr lebhaftes Feuer noch einige Tage zornig fort, um später wieder in ein planmäßiges Einschießen und Zerstören bestimmter Örtlichkeiten des Anlandes überzugehen. Bei dieser Gelegenheit wurde zum ersten Male die Anwesenheit mehrerer sehr weittragender 15 cm-Kanonen festgestellt, die, nach dem Merkzeichen der aufgelesenen Geschoßsprengstücke zu urteilen, englischer Herkunft gewesen sein mochten.
Während des um die Mitte März herrschenden Schönwetters war die Fliegertätigkeit wieder sehr rege. Es kam wiederholt zu Luftkämpfen. Italienische Flugzeuggeschwader belegten vornehmlich Nabresina mit Bomben; die öst.-ung. Flieger übten Vergeltung über den Standorten der feindlichen Kommandos. Man hatte zu dieser Zeit erfahren, daß der Führer der 2. Armee sein Stabsquartier von Cormons nach Cividale verlegt habe, und daß in Cormons das Kommando der ,,Zona di Gorizia“ errichtet worden sei.
In den letzten Märztagen stieg die Gefechtstätigkeit, insbesondere auf der Karsthochfläche, wieder an. Feindliche Vorstöße im Raume von Kostanjevica wurden glatt abgewiesen. Ein am 26. abends durch die Artillerie gut vorbereitetes Unternehmen des Bataillons 11/100 bei Biglia an der Wippach gelang hingegen vortrefflich. Die schneidigen Schlesier und Nordmährer eroberten eine feindliche Vorstellung, nahmen 500 Italiener gefangen, erbeuteten zwölf Maschinengewehre sowie drei Minenwerfer und trotzten auch in den nächsten Tagen allen Versuchen des Feindes, die Stellung zurückzugewinnen. Ein Vorstoß von Sturmtrupps des Bataillons IV/64 westlich von Jamiano brachte wieder einige Dutzend Gefangene ein. Ebenso glückten in den nächsten Tagen den Sturmtrupps des VII. Korps mehrere kleine Unternehmen, durch die der Feind immer wieder aufgeschreckt, aber auch herausgefordert wurde, seine Artillerie in lebhafte Tätigkeit zu setzen. Die Verluste der
5. Armee im März betrugen 762 Tote, 3692 Verwundete, 12.525 Kranke und 95 Vermißte.
Anfangs April setzten wegen des herrschenden Sturmes und Regens auch diese Kleingefechte aus. Merkwürdigerweise hielt die Ruhe auch nach dem Eintreten besseren Wetters und dann bis in die ersten Maitage an. Nur ein einziges Unternehmen am 12. April, ausgeführt durch Abteilungen der 14. ID., bei dem 150 Italiener gefangen wurden, ist zu verzeichnen. Die Kämpfe in der Luft waren in diesem Monat um so lebhafter, als beide Gegner sich bemühten, Einblick in die feindlichen Maßnahmen zu gewinnen. Die Italiener warfen Bomben auf Triest. Ein Gegenangriff auf Venedig wurde auf Befehl des Kaisers unterlassen.
Begebenheiten in Kärnten und in Tirol
Am Oberlauf des Isonzo, in Kärnten und in Tirol verging der Winter stiller als im Vorjahre. Offenbar war die im ersten Kriegswinter noch sprühende Angriffslust der Italiener im Erlöschen. Auf Seiten der öst.-ung. Truppen gab es hinwieder keinen Anlaß, aus den selbstgewählten Stellungen herauszutreten, vor denen der Feind sich in mehr oder weniger großem Abstand ruhig verhielt. Die von der Heeresleitung im Jänner gehegten Offensivpläne waren nur dem Führer in Tirol angedeutet worden, der daraufhin lediglich Pläne vorbereitete, sichtbare Maßnahmen aber, die das Vorhaben hätten verraten können, unterließ.
Bei der 10. Armee ist nur ein Gefecht erwähnenswert, das am 14. Februar von Teilen des FJB. 30 beim Lahnerjoch (10 km westlich vom Plöckenpaß) mit dem Einbringen von 40 Gefangenen und einiger Beute endete. Bei der Heeresgruppe in Tirol lagen die Brennpunkte der gegenseitigen Bekämpfung kleiner Gruppen auf dem Pasubio, an mehreren Stellen der Hochflächen, in der ValSugana und im Gebiete des Rollepasses sowie in der Gegend des Mt. Sief. Im Suganertale überfielen am 12. Februar Teile des Bataillons X/14 eine feindliche Stellung und brachten 90 Gefangene ein1). Am selben Tage unternahm im Tonale-gebiet das Reservebataillon II '37 einen Überfall, der zur Gefangennahme von zwei Dutzend Alpini führte.
In der ersten Märzwoche rührten sich die Italiener in den Fassaner Alpen plötzlich stärker. Bei gleichzeitiger lebhafter Beschießung des ganzen Frontabschnittes zwischen der Marmolata und dem Colbricon griffen sie die C. di Costabella überraschend an und setzten sich in den Besitz dieses 2738 m hohen Gipfels. Die Verteidiger verloren über 50 Mann, zwei Maschinengewehre und ein Geschütz. Ein bald darauf
1/ E h n 1, Das X. Bataillon des oberösterreichischen IR. Ernst Ludwig Großherzog von Hessen und bei Rhein Nr. 14 (Wien 1932), 56 f.
gegen die C. di Bocche geführter Angriff der Italiener wurde hingegen glatt abgewiesen; ebenso ein Überfall gegen den Colbricon. Wieder aufkommendes Schlechtwetter verhinderte die zur Wiedereroberung des Costabella eingeleiteten Maßnahmen. So konnte erst am 16. März zum Gegenangriff geschritten und der schneebedeckte Berggipfel zurückgewonnen werden. Die Einbuße des Feindes war seltsamerweise unsern vor einigen Tagen erlittenen Verlusten vollkommen gleich.
An dem oft umstrittenen Mt. Sief ließen die Italiener am 6. März, ähnlich wie im Vorjahre unter dem ColdiLana, eine gewaltige Mine springen. Aber der Anschlag ging diesmal fehl. Der aufgerissene Sprengtrichter öffnete eine Kluft zwischen den beiden Stellungen und hinderte die bereitgestellten Angriffstruppen, die sogleich unter heftiges Artilleriefeuer genommen wurden, an der Ausführung ihres Vorhabens1). In der zweiten Märzwoche tobten Frühlingsstürme. Warme und kalte Luftströmungen mengten sich und peitschten Regen und Schnee einher.
In diesen Tagen gingen im Hochgebirge zahlreiche Lawinen nieder, und der weiße Tod kam häufig zu seinem Rechte. In Kärnten wurde der Kommandant der 57. GbBrig., GM. Freih. v. Henneberg, am 8. März unweit von Deliach im Gailtal beim Abgehen der Stellungen verschüttet und einige Tage später mit zerschmettertem Haupt aufgefunden. Der Frühlingsbeginn zeigte sich in den Bergen durch neue Schneefälle und Lawinengänge an, die wieder zahlreiche Opfer forderten. Dies führte zu einem vollständigen Stillstand der Gefechtshandlungen. In den ersten Apriltagen steigerten sich die traurigen Verluste durch Schneestürze. Am 3. April, dem bösesten Tag, gab es in Kärnten und Tirol über 200 Verschüttete.
Am 12. März übernahm FM. Conrad in Bozen das Heeresgruppenkommando. Im Angesichte der von ihm so geliebten Berge Tirols, die Italien dem Stammlande entreißen wollte, stellte sich beim Feldmarschall um so lebhafter der Wunsch nach Vergeltung ein. Gerade bei seinem Eintreffen in Tirol ging die Kunde von der Umwälzung in Rußland durch die Welt. Da griff der Marschall zur Feder und schrieb dem neuen Oberkommando, er halte es für wahrscheinlich, daß Rußlands Heer nun der Desorganisation verfallen und zu keinen größeren Kriegshandlungen mehr fähig sein werde. Daher würden namhafte eigene Kräfte im Osten frei, und die von ihm im Jänner vorgeschlagene Offensive gegen Italien könne nun durchgeführt werden. Allein, die Dinge waren noch lange nicht so weit gediehen.
x) S c h e m £ i 1, Col di Lana (Bregenz 1935), 315. ,
Die Tätigkeit der Italiener
Im Laufe des Februars wurden in Italien Stimmen laut, die eine gegnerische Offensive vom Isonzo her verkündeten. Die Heeresleitung ließ daher die an der Südtiroler Front in Reserve bereitgehaltenen schweren Artilleriegruppen an die Julische Front fahren und wies zugleich die 2. und die 3. Armee an, nicht einen Fußbreit Bodens preiszugeben.
Zu Beginn des Monats März sprach sich Gen. Cadorna mit aller Bestimmtheit darüber aus, daß er von jeder angriffsweisen Kriegshandlung abstehen müsse, insolange als die Mittelmächte nicht durch das französisch-englische und das russisch-rumänische Heer angegriffen und gefesselt sein würden, und dadurch die Italien drohenden Gefahren gebannt wären. Diese Erklärung erweckte im Lager der Westmächte Argwohn. Gen. Nivelle stellte am 21. März an das französische Kriegsministerium die Forderung, daß es im Wege einer diplomatischen Intervention bei der italienischen Regierung auf Gen. Cadorna einen Druck ausübe, damit er sich an die seinerzeit getroffenen Vereinbarungen halte, denn „die Offensive des italienischen Heeres sei unerläßlich, sowohl für das Gelingen der ganzen gemeinsamen Kriegshandlung als auch für Italien selbst“1).
Dieses Mahnen war schon gar nicht geeignet, die Bedenken der italienischen Heeresleitung zu zerstreuen. Gerade im März traten Ereignisse ein, die nicht allein in Italien, sondern auch in Frankreich und England beklemmend wirkten: der Ausbruch der russischen Revolution und der fast zur selben Zeit erfolgte Abmarsch der Deutschen aus einem vorspringenden Stellungsbogen in die kürzere Sehnenstellung, wovon später noch die Rede sein wird. Die Westmächte sahen sich genötigt, den Beginn ihrer Offensive zu verschieben.
Cadorna hielt es nun für höchst wahrscheinlich, daß freigewordene deutsche Schlagkräfte dem öst.-ung. Heer zu einem gemeinsamen Angriff gegen Italien beitreten würden. Ein immer wieder auftauchendes Gerücht von einem bevorstehenden Durchmarsch der Deutschen durch die Schweiz, das auf die im Jänner 1917 neuerlich erfolgte teilweise Mobilisierung der Eidgenossenschaft zurückzuführen sein mag (S. 78),
*) de C i v r i e u x, Pages de verité. L’offensive de 1917 et le commandement du général Nivelle (Paris 1919 , 124. — Alberti, L’azione militare italiana nella guerra mondiale (Rom 1924j, 70 ff.
sowie die Nachricht, daß GO. Conrad die Führung in Tirol übernommen habe, verstärkten die Befürchtungen vor dem Rückenangriff. Daher wurden an der italienisch-schweizerischen Grenze neue Verschanzungen aufgeworfen und besetzt, weiters gegenüber von Südtirol und im Raume zwischen Vicenza, Monselice und Padua vier Divisionen bereitgestellt. In den politischen Kreisen der Hauptstadt wiederholte sich das unwürdige Schauspiel, das im vergangenen Jahr während der Südtiroler Offensive namentlich von den Sozialisten aufgeführt worden war. Cadorna mußte nach Rom eilen, um die Geängstigten zu beruhigen.
Ende März kam der Generalstabschef des englischen Heeres, Gen. Robertson, nach Italien. Cadorna drang in ihn, eine unmittelbare Unterstützung auch für den Fall notgedrungener Abwehr zu erwirken. Aber er erhielt die gleiche Antwort, wie einige Wochen früher vom Gen. Nivelle1). Erst im April, als dann auch Gen. Foch im Aufträge des neuen französischen Kriegsministers Painlevé ins italienische Hauptquartier kam, wurde eine Vereinbarung getroffen, derzufolge Italien
16 englische 15 cm-Haubitzbatterien und 35 französische schwere Geschütze erhielt.
Um indessen für jeden Fall gewappnet zu sein, stellte sich die italienische Heeresleitung in den ersten Apriltagen eine allgemeine Reserve in der Stärke von zehn Divisionen bereit, die sie vornehmlich den Armeen am Isonzo entnahm. Zugleich wurde die Front auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden abermals verstärkt. Erst als Mitte April die Heere der Westmächte gegen die deutsche Front anrannten, atmete man in Italien erleichtert auf. Gleichzeitig scheint dem italienischen Generalstab auch von anderer Seite die Sorge wegen eines österreichischdeutschen Angriffes genommen worden zu sein. Nunmehr, am 19. April, gab das italienische Höchstkommando Weisungen für den nächsten Großangriff am Isonzo. Es sollten aber noch Wochen vergehen, ehe der Kampf begann.
Für diese neue Offensive stand das italienische Heer zahlenmäßig stärker da, als im Jahre vorher. Im Laufe des Winters waren 151 neue Bataillone aufgestellt worden, von denen 96 zur Bildung von acht neuen Divisionen verwendet wurden. Die Artillerie erfuhr eine Vermehrung um 52 leichte, 166 schwere und 44 Gebirgsbatterien. Die Zahl der schwersten Geschütze stieg vom Mai 1916 bis Mai 1917 von 1180 auf 2100. Zahlreiche Maschinengewehre und großkalibrige Minenwerfer kamen hinzu.
1) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 352.
Mit diesem seht* erheblichen Zuwachs an Einheiten ging- allerdings nach übereinstimmenden italienischen Quellen ein Absinken des inneren Wertes der Truppen einher. „Ihr moralischer Halt konnte kaum als mittelmäßig bezeichnet werden Dieses Sinken äußerte sich zunächst durch eine wachsende Zahl an Drückebergern und Überläufern. Dann kam es im März bei einem Truppenkörper und anfangs Mai bei einer Brigade zu offenen Gehorsamsverweigerungen. Die Heeresleitung griff nun mit fester Hand ein, um einer verderblichen Ausbreitung dieser Zersetzungserscheinungen zu steuern. Dennoch müssen diese wenigen Fälle als Vorboten jener Krise angesehen werden, von der das italienische Heer im Herbst 1917 befallen werden sollte. Zur Schlacht im Mai traten die Truppen noch in guter moralischer Verfassung an.
Die Ereignisse in Frankreich und auf dem Balkan
Winter und Frühjahr 1917 an der Westfront Hiezu Beilage 1
Während sich die Kampftätigkeit auf dem französischen Kriegsschauplatz im Februar und im März in mäßigen Grenzen hielt, herrschte hinter der Front regste Tätigkeit. Zwischen Arras und Soissons bereiteten die Deutschen durch Ausbau der Siegfriedstellung und durch planmäßige Zerstörung der vor ihr gelegenen Straßen, Bahnen, Ortschaften, kurz all dessen, was dem Feinde nützlich sein konnte, ihren Rückzug vor. Auf der Gegenseite rüsteten die beiden Westmächte zur Offensive. Um die Tätigkeiten des französischen und des englischen Heeres in Übereinstimmung zu bringen, traten die Führer am 26. Februar in Calais zu einer Beratung zusammen. Den beiden Ministerpräsidenten Briand und Lloyd-George glückte es, die Bedenken des englischen Oberkommandos gegen eine Unterstellung des britischen Heeres unter französischen Oberbefehl zu überwinden. Der Generalissimus Nivelle erhielt die Befugnis, die Operationen der englischen und der französischen Angriffsarmeen in Einklang zu bringen. Die Engländer sollten anfangs April von Arras gegen Cambrai angreifen, indes die Franzosen etwas später über die Aisne hinweg durch die deutschen Stellungen nach Norden vorbrechen wollten.
1 j Baj M a c a r i o, Kuk—611 Vodice M. Santo (Mailand 1933,, 32.
Schon Ende Februar berichtete der englische Nachrichtendienst über einen bevorstehenden Rückzug des deutschen Heeres aus dem gegen Compiegne vorspringenden Stellungsbogen. Nivelle wollte daran aber nicht glauben. Im übrigen vertröstete er die Engländer am 6. März damit, die gemeinsame Offensive sei derart angelegt, daß selbst bei einem Rückzuge der Deutschen in die durch Flieger festgestellte hintere Stellung diese sowohl vom englischen als auch vom französischen Angriffsraume her aufgerollt werden würde1).
Am 16. März waren die Deutschen im ganzen Abschnitt zwischen Arras und Soissons verschwunden. Drei Viertel der Front, die angegriffen hätte werden sollen, waren jetzt ausgeschaltet; nur an den äußersten Flügeln der Stoßgruppen blieb der Angriff noch ausführbar. Es mußte ein neuer Entschluß gefaßt werden, dies um so mehr, als der Umsturz in Rußland und das Widerstreben Cadornas gegen ein gleichzeitiges Losschlagen die Gesamtlage der Entente sehr erheblich verändert hatte. Wohl erklärten die Vereinigten Staaten von Amerika am
6. April an Deutschland den Krieg, aber auf eine Hilfe durch das erst in Bildung begriffene Heer der Union war noch lange nicht zu rechnen.
Mitte März vollzog sich in Frankreich auch ein Regierungswechsel. Dem Ministerpräsidenten Briand folgte Ribot, der Painlevé als Kriegsminister in sein Kabinett berief. Dieser forderte von Nivelle, die geänderte militärische Lage zu berücksichtigen. Auch erhoben Politiker Einsprache gegen die bevorstehende Offensive, die ihnen keinen Erfolg verhieß. Bei einem Kriegsrat zu Compiegne, der unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik abgehalten wurde, mußte Nivelle seinen Angriffsplan sogar gegen die Zweifel der Heeresgruppenkommandanten verteidigen. Doch nichts vermochte Nivelles Zuversicht zu erschüttern. Nachdem sein Demissionsangebot abgelehnt worden war, bestimmte er, daß die Engländer — wie geplant — am 9. April mit dem Infanterieangriff zu beginnen hätten. Der Hauptangriff der Franzosen wurde für den 16. April anberaumt.
Dem Ansturm der 1. und der 2. Armee der Briten war ein beträchtlicher Anfangserfolg beschieden, hauptsächlich deshalb, weil die deutschen Reserven zu weit zurückgehalten worden waren. Um die Front vor einem Durchbruch zu bewahren, wurden die deutschen Divisionen östlich und nordöstlich von Arras planmäßig um etwa fünf Kilometer zurückgenommen. Hier festigte sich der deutsche Widerstand sehr rasch. Drei weitere im April und anfangs Mai unternommene An
i) Churchill, Weltkrisis 1916—18 (Wien 1928), I, 267.
griffe konnten fast ohne weitere Raumeinbuße abgeschlagen werden.
Die Franzosen hatten eine ganz gewaltige Heeresmacht aufgeboten. Die 6. und die 5. Armee in vorderer Linie, die 10. Armee und zwei Kavalleriekorps dahinter zur Ausbeutung des von Nivelle als sicher erwarteten Durchbruches und überdies die 1. Armee als Heeresreserve standen an der Aisne bereit, um zwischen Soissons und Reims die deutsche Front zu durchstoßen. Von den Deutschen, die aus dem zurückgenommenen Frontbogen die ausgesparte 1. Armee vor Reims zwischen der 7. und der 3. Armee eingesetzt hatten, waren in klarer Erkenntnis der hier drohenden Gefahr alle Maßnahmen zur Abwehr getroffen worden.
Nach zehntägiger artilleristischer Feuervorbereitung schritten die Franzosen am 16. April zum Sturm. Doch schon am Abend des zweiten Schlachttages war das Schicksal des Durchbruchsangriffes entschieden: er war mißlungen. Nun mußte sich Nivelle, der versprochen hatte, es nicht mehr wie an der Somme zu einer kräftezehrenden Dauerschlacht kommen zu lassen, doch zur Führung von Teilangriffen entschließen. Sie setzten Ende April ein und wurden im Mai mehrfach erneuert; doch nirgends war ihnen ein entscheidender Erfolg beschert. Die Schlacht war für die Franzosen endgültig verloren1).
Dieser Mißerfolg, der die Franzosen im April und im Mai 61.000 Tote gekostet hatte, erschütterte die Stellung Nivelles. Am 15. Mai wurde er durch den erst jüngst zum Chef des Generalstabes ernannten Gen. Pétain ersetzt, dessen Generalstabschef Gen. Foch wurde2). Pétain trat ein schweres Erbe an; das innere Gefüge des französischen Heeres begann sich bedenklich zu lockern.
Der Balkanbis Ende Mai 1917
Hiezu Beilage 5 Der Winter in Albanien
In Albanien stand nach wie vor das vom GdI. Trollmann befehligte XIX. Korps. Dessen 47. ID., GM. Ritt. v. Weiss-Tihanyi, hielt mit der 14. GbBrig. die Vojusafront und sicherte mit Teilen weiter im Osten den Raum beiderseits des Osum. Noch weiter östlich sperrten
1) Kuhl, Weltkrieg, II, 83 ff.
2) Palat, 379. • albanische Freischaren unter ihrem Führer Salih Butka die von Korea nach Westen und nach Süden führenden Wege. Die zweite Gebirgs-brigade dieser Division, die 20., stand in dem außerordentlich armen Gebirgsland südöstlich von Elbasan; sie hatte zwei Bataillone bis an den Abschnitt zwischen Ohrida- und Maliksee vorgeschoben. Die 20. GbBrig. hielt Verbindung zum Westflügel der bulgarisch-deutschen Front, zur Gruppe des deutschen Obst. Thierry, der mit der bulgarischen 3. KBrig., einem österreichischen Landsturmbataillon und zwei öst.-ung. Gebirgsbatterien die Landenge zwischen dem Ohrida- und dem Prespasee sperrte. Den Küstenschutz an der Adria versahen die gleichfalls zur 47. ID. gehörende 211. LstlBrig. und die dem XIX. Korps-kmdo. unmittelbar unterstellte Gruppe Obst. Babic.
Den öst.-ung. Truppen stand an der Vojusa das italienische Expeditionskorps (verstärkte 38. ID.) gegenüber. Korea hielt eine französische Brigade besetzt. Im Raume zwischen den albanischen Seen sicherten Teile der französischen 156. ID. den Westflügel des Orientheeres des Gen. Sarrail.
Sarrail sali sich anfangs Jänner veranlaßt, diesem seinem Westflügel mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Veranlassung hiezu war die Notwendigkeit, die neue, von Santi Quaranti über Korea laufende Etappenlinie zu sichern, dann die Absicht, die durch das Seengebiet nach Griechenland führende Verbindung der Mittelmächte zu unterbinden. Hiezu wurde die neu angekommene französische 76. ID. in diesen Raum gelenkt. Da auch die Italiener ihr Expeditionskorps durch eine Infanterie- und eine Territorialbrigade sowie durch einige Batterien verstärkten, verschob sich das Kräfteverhältnis zu ungunsten des k.u.k. XIX. Korps, das sich wegen der kaum behebbaren Nachschubschwierigkeiten und der schlechten Gesundheitsverhältnisse ohnehin in einer recht schwierigen Lage befand. Die Verstärkung durch ein Landsturmbataillön fiel nicht ins Gewicht. Um wenigstens die Feuerkraft an der Landfront zu erhöhen, wurden die im Küstenschutze stehenden Gebirgsbatterien durch Geschütze der Festung Skodra (Skutari) ersetzt und den Gebirgsbrigaden zugewiesen.
Schon bald nach Neujahr machte sich der verstärkte Druck der Franzosen in Südalbanien fühlbar. Ihre vom 10. bis zum 14. Jänner gegen die Čeravastellung südlich vom Ohridasee geführten Angriffe konnten aber von der 20. GbBrig. mit Unterstützung der Gruppe Thierry abgewiesen werden. Nur die am Südufer des Ohridasees sich erhebende Klosterhöhe mußte französischen Kolonialtruppen überlassen werden.
Von Ende Jänner an flammte in den Bergen westlich von Korea der Kleinkrieg auf, da die Franzosen die diese Stadt ständig bedrohenden Albaner zurückzuwerfen trachteten. Die durch ein Grenzjägerbataillon abgelösten und nach Süden verschobenen Banden Salih Butkas vermochten aber noch immer südwestlich von Korea beim Passe Cafa Kjarit die nach Liaskovik führende feindliche Nachschubstraße zu unterbinden. Als Mitte Februar die französische 76. ID. eingriff, mußten die sich wacker wehrenden Albaner schließlich weichen. Damit riß auch die Verbindung mit Griechenland ab. Die k.u.k. Heeresleitung löste deshalb die von einem deutschen Offizier in Pogradec geleitete Stelle zur Unterstützung der den Mittelmächten günstig gesinnten griechischen Freischaren auf. Die auf die Vergewaltigung Griechenlands abzielenden Bestrebungen der Entente hatten hiemit einen neuen Erfolg zu verzeichnen.
Die durch neugebildete Banden verstärkten Albanerkompagnien stießen aber wieder gegen Korea vor und vermochten sich nach wechselvollen Gefechten im April schließlich auf den Höhen von Moskopolje zu behaupten!). Dahinter sicherte die noch verstärkte Ostgruppe der 14. GbBrig. die im Raume zwischen den Flüssen Tomorica und Devoli gegen Gramši führenden Wege. Diese nunmehr als Gruppe 1/47 bezeich-nete Ostgruppe wurde jetzt vom Obst. v. Spaics geführt und unterstand unmittelbar dem Kommando der 47. Division. Die 20. GbBrig. samt der jetzt vom Obst. Böttner befehligten, an die Cerava vorgeschobenen Gruppe wurde angewiesen, gegen einen etwaigen Angriff überlegener Feinde wenigstens den Kamiarücken und die Enge bei Pogradec zu behaupten. Mit der Gruppe Thierry war eine wechselseitige Unterstützung vereinbart worden. Um die Befehlgebung bei der 47. ID. zu erleichtern, wurde sie der Sorge um den Küstenschutz enthoben. Die beiden Küstenschutzgruppen träten unter das neugebildete Küstenabschnittskommando Albanien, GM. v. Eckhardt. Die 211. LstlBrig. wurde Korpsreserve.
Der Einspruch Italiens gegen die Besetzung albanischen Gebietes durch französische Truppen veranlaßte die französische 76. ID., ihre Angriffe gegen die 20. GbBrig. einzustellen. Die Division wandte sich hierauf anfangs März gegen die Landenge zwischen dem Ohrida- und dem Prespasee in der Absicht, von hier aus den Westflügel der bulgarisch-deutschen Front zu bedrohen und dadurch die geplante Wegnahme der Monastir im Norden umgebenden Höhen zu erleichtern. Ihre Angriffe begannen am 12. März und erreichten am 18. und am
J) V e i t h, Der Feldzug in Albanien (Schwarte, V, 532).
23. März die größte Stärke. Nach Einsatz mehrerer türkischer Bataillone und einer Gebirgsbatterie vermochte Obst. Thierry seine Stellung völlig zu behaupten. Die öst.-ung. Einheiten hatten an der Abwehr verdienstvoll mitgewirkt. Auch nördlich von Monastir konnten die Kämpfe am 27. März durch einen Gegenangriff deutscher Bataillone — von dem Verlust der die Stadt beherrschenden Höhe A 1248 abgesehen — erfolgreich abgeschlossen werden.
Anfangs April begrenzte das XIX. Korpskmdo. den Befehlsbereich der 47. ID. durch eine über die Gebirgsrücken Mali Siloves und Tomor sowie durch das Osumtal verlaufende Linie; die östlich davon stehenden Truppen hatten die Gruppe I/XIX des FML. v. Gerhauser zu bilden.
Die Früh]ahrsschlachten in Mazedonien
An der mazedonischen Front war der Winter ohne besondere Ereignisse verlaufen. Mit Frühjahrsanfang mußten aber die Bulgaren und die Deutschen eines feindlichen Ansturmes gewärtig sein. Sie durften ihm mit Zuversicht entgegensehen, weil ein gleichzeitiges Eingreifen russisch-rumänischer Heeresteile von Norden her wegen des Umsturzes in Rußland wenig wahrscheinlich war. Dies und die Unlust Englands und Italiens, für französische Balkaninteressen neue Opfer zu bringen, sowie die Erschöpfung der Serben hinderten Sarrail, seine zahlenmäßige Überlegenheit einem großen, entscheidenden Schlage nutzbar zu machen. Deshalb besaß auch sein ursprünglicher, nach der Konferenz von Chantilly (S. 11) gefaßter Plan, die gegnerische Front durch Teilvorstöße zu erschüttern und im Falle eines Erfolges mit der Heeresreserve entweder durch die Engen von Rüpel oder Demirkapija auf Sofia vorzudringen, nur mehr wenig Gegenwartswert. Das Orientheer mußte sich gemäß der Ende Februar zu Calais festgelegten Richdinien damit begnügen, möglichst viele Kräfte der Mittelmächte zugunsten der Westfront zu binden. Gen. Sarrail hoffte, dies durch eine Bedrohung der im Vardartale führenden Verbindungen der Bulgaren, etwa in den Richtungen auf Negotin und auf Gradsko, am zweckmäßigsten erreichen zu können.
Als der Beginn der großen Offensive im Westen festgesetzt worden war, erhielt auch Sarrail den Auftrag, am 15. April loszuschlagen. Mithin schien — wenn schon die Russen ausfielen, und Italien noch immer Zurückhaltung übte — wenigstens zwischen der West- und der
Ealkanfront eine Übereinstimmung der Kampfhandlungen möglich zu werden; doch auch das Orientheer vermochte aus verschiedenen Ursachen den Stichtag nicht einzuhalten. Der als Ablenkungsangriff gedachte Vorstoß zweier britischer Divisionen zwischen Dojransee und Vardar, dem ein durch Seestreitkräfte unterstütztes Nebenunternehmen zwischen dem Tahinosee und dem Meere vorangegangen war, konnte erst am 25. April losbrechen. Er erzielte bloß einen Anfangserfolg und blieb — weil unausgenützt — ohne Einfluß auf den Verlauf der Schlacht der Hauptkräfte. Diese griffen mit der aus Franzosen und Venizelisten zusammengesetzten Varcfargruppe am 5., mit der aus Serben, Franzosen, Italienern und Russen bestehenden Černagruppe wegen des andauernden Schneetreibens sogar erst am 9. Mai an1). Bis dahin hatte ein Großteil des englischen Erfolges gegenüber bulgarischen Gegenangriffen wieder aufgegeben werden müssen. Wohl aber vermochten die inneren Flügel der Vardargruppe und der serbischen 2. Armee einen kleinen Raumgewinn zu erringen.
Der Schwung der nach längerem Artilleriefeuer am 9. Mai zum Angriff antretenden Černagruppe wurde durch die ungünstigen Nachrichten über den Verlauf der Ententeoffensive in Frankreich sehr beeinträchtigt. Sogar die bisher ungeschmälerte Angriffslust der Serben ließ zu wünschen übrig, da auf sie die enge Verbindung mit den kriegsmüden Russen nicht ohne Einfluß geblieben war. Auch wirkten die stets sinkenden Kampfstände der Serben auf ihre Stimmung niederdrückend. Die zur Auffüllung in Aussicht gestellten 12.000 öst.-ung. Gefangenen slawischer Nationalität trafen erst Mitte Mai in Saloniki ein. Kein Wunder, daß es der jetzt unter dem Oberbefehl des GdA. Scholz stehenden bulgarisch-deutschen Heeresgruppe, die außer starker deutscher Artillerie und Sondertruppen nur 24 deutsche Bataillone in ihren Reihen zählte, ohne nennenswerte Raumeinbuße glückte, den Ansturm abzuwehren. Am 23. Mai brach Sarrail die ergebnislos gebliebene Schlacht ab. Auch in den albanischen Seenengen war ein am 8. Mai vorgetragener französischer Angriff vor den öst.-ung. und bulgarischen Stellungen zerschellt.
Das jetzt als XVI. Korps bezeichnete italienische Expeditionskorps begnügte sich damit, seine Front nach Osten bis Herseg südlich von Korea auszudehnen und dadurch die Lücke zum französischen Westflügel zu schließen. Die Italiener schoben aber auch Kräfte über die
1 j Großer Generalstab, Der große Krieg Serbiens zur Befreiung der Serben, Kroaten und Slowenen ("Belgrad 1924;, XXII, 220 ff.
griechische Grenze nach Süden vor und besetzten, ohne auf Widerstand zu stoßen, die Stadt Janina.
Der serbische Aufstand im Moravagebiet
Hiezu Übersichtskarte des südöstlichen Kriegsschauplatzes, Beilage 2 des I. Bandes
Nach der Eroberung Serbiens durch die Verbündeten im Spätherbst 1915 war die Befriedung des Landes, besonders die des gebirgigen und bewaldeten Südteiles, nicht völlig durchgeführt worden. So kam es, daß sich namentlich in dem Südostserbien umfassenden bulgarischen Verwaltungsgebiet, wo die Internierung der zurückgebliebenen wehrfähigen Männer unterlassen worden war, Banden bilden konnten. Als nach der Kriegserklärung Rumäniens die Besatzungstruppen geschwächt worden waren, nahm die Tätigkeit der Banden wesentlich zu. Sie erhielt einen besonderen Antrieb, als von Saloniki aus ein Aufstand vorbereitet wurde, der mit der Frühjahrsoffensive des Orientheeres zugleich losbrechen sollte. Da die Bulgaren zu Anfang 1917 die Assentierung der kriegsdiensttauglichen Serben ausschrieben, erhoben sich die serbischen Freischaren schon Ende Februar. Etwa 1000 Aufständische überfielen und vernichteten in Kuršumlje eine bulgarische Kompagnie, schlugen Entsatztruppen bei Prokuplje zurück und drangen gegen Niš vor. Nun wandten sich die Bulgaren an das k.u.k. Militär-Generalgouvernement in Belgrad um Hilfe1).
Der Generalgouverneur, GdI. Freih. v. Rhemen, bot alle ihm zur Verfügung stehenden Streitkräfte zur Niederwerfung des an seiner Bereichsgrenze entflammten Aufstandes auf. Es waren dies drei Marschkompagnien der nach Serbien verlegten Ersatzbataillone, ferner zwölf Streifkompagnien, ein Gendarmeriebataillon, eine Batterie und ein aus Eisenbahnsicherungen gebildetes Landsturmbataillon. Da dies nicht ausreichend schien, lenkte das AOK. von der Isonzofront noch das IR. 102 (zwei Bataillone) und eine Gebirgsbatterie, aus Bosnien das Grenzjägerbataillon III, ein Feldgendarmerie- und ein Etappenbataillon nach Serbien. Alle diese Kräfte (5100 Gewehre, 40 Maschinengewehre und 12 Geschütze) wurden unter Befehl des beim Militär-Generalgouvernement eingeteilten Obstlt. v. Jarmy gestellt.
*) Kcrchnawe, Bandenkrieg und Bandenbekämpfung im serbischen Okkupationsgebiete (Mil.wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1929, 20 ff., 185 ff.).
Der erste Schlag wurde, von Brus ausgehend, gegen Blace geführt. Am 15. März eroberte die Streitmacht Jármys, den gleichfalls vorrückenden Bulgaren um ein bis zwei Tage vorauseilend, die Stadt Kur-šumlje. Nun wurde ein Kesseltreiben gegen die im Gebirge östlich von Raška sich herumtreibenden Komiten unternommen. Am 18. März war das ganze westliche Besatzungsgebiet der Bulgaren von den Aufständischen gesäubert. Die Ruhe war, allerdings nur vorübergehend, hergestellt. Das IR. 102, das sich hier besonders bewährt hatte, wurde wieder an den Isonzo zurückgeführt.
Die großen F ü h r e r e n t s c h 1 ü s s e bis anfangs Mai
Die von den Ententemächten in den Konferenzen von Chantilly, Rom, Petersburg und Calais vereinbarte Generaloffensive an allen Fronten war nicht zustande gekommen. Der Sturz des Zarentums hatte in Rußland eine völlig neue Lage geschaffen. Das Heer war zur Stunde unfähig, zum Angriff zu schreiten. Damit war die ganze Ostfront der Entente lahmgelegt. Italien hatte sich bisnun abwartend verhalten. Wohl hatte Cadorna am 19. April, als er annehmen durfte, daß alle deutschen Reserven durch die englisch-französischen Angriffe in Frankreich gebunden wären und daher ein österreichisch-deutscher Flankenstoß aus Tirol nicht zu befürchten sei, den Entschluß zum neuerlichen Ansturm gegen die öst.-ung. Isonzofront gefaßt. Doch der erst für Mitte Mai angesetzte Angriff wurde der seinerzeit vereinbarten Gleichzeitigkeit der Kriegshandlungen, auch bei Einrechnung des zugestandenen Spielraumes von drei Wochen, nicht gerecht. Auch die Leistungen des vielsprachigen Orientheeres Sarrails entsprachen nicht den Erwartungen der Westmächte. Es war wohl mit seinen Hauptstoßgruppen am 5. und am
9. Mai losgebrochen; von dem ganzen Unternehmen, das Angriffe an verschiedenen Frontabschnitten ohne ausgesprochene Schwerpunktbildung vorsah, konnte jedoch ein durchschlagender Erfolg nicht erhofft werden.
Lediglich die Franzosen und die Engländer hatten an den getroffenen Vereinbarungen festgeh alten und waren Mitte April zum Angriff geschritten. Über Anfangserfolge waren sie aber im wesentlichen nicht hinausgekommen. Der erstrebte Durchbruch war mißglückt. Die bis zum Unterlauf der Maas reichenden Ziele lagen noch weit hinter der deutschen Front.
Um aus dieser schwierigen Lage einen Ausweg zu finden, traten die Staatsmänner und Heerführer Englands und Frankreichs am 4. Mai in Paris zu einer Beratung zusammen. Die Konferenz wurde noch um-düstert durch die Sorgen, die die unerwartet großen Erfolge der deutschen Tauchboote bereiteten.
In klarer Erkenntnis der vorhin skizzierten Kriegslage beschlossen die Konferenzteilnehmer, trotz aller obwaltenden Schwierigkeiten die Angriffe an der Westfront doch fortzusetzen, um bei den Deutschen nicht den Eindruck eines von ihnen errungenen Abwehrsieges aufkommen zu lassen. Allerdings reichten die Mittel für eine neuerliche große Offensive nicht mehr aus. Aber durch Teilangriffe sollten die Reserven des Gegners gefesselt und seine Fronttruppen zermürbt werden. Damit hofften die Führer der Westmächte, die kritische Zeit bis zum Eintreffen der amerikanischen Armee zu überstehen. Sie verhehlten sich allerdings nicht, daß bis dahin noch Monate verstreichen würden. Ob dann die nötigen Schiffe für den Transport noch vorhanden sein würden, stehe dahin.
Nicht ohne schwere Sorgen hatte der französische Generalissimus Nivelle, dessen Stellung schon stark erschüttert war, der diesmal vornehmlich von den Engländern geforderten Erneuerung der Angriffe zugestimmt. Der französischen Heeresleitung waren die Anzeichen einer tiefgehenden Gärung im Franzosenheere nicht entgangen, die durch die schweren Verluste in der Aprilschlacht und durch die Enttäuschung über das Ausbleiben des als sicher verheißenen Sieges in den Regimentern hervorgerufen worden war. Schwere Stunden standen Frankreich bevor. Die Engländer hinwieder beschlossen, das Schwergewicht nach Flandern zu verlegen, um sich in den Besitz der belgischen Küste zu setzen, die den Deutschen als Stützpunkt für ihre U-Boote und als Ausgangsstelle für ihre Luftangriffe gegen England diente. So währte es noch Wochen, ehe die Heere der Westmächte zu neuen Angriffen anzutreten vermochten.
Das deutsche Westheer durfte mit stolzer Genugtuung auf die östlich von Arras und an der Aisne erfochtenen Abwehrerfolge blicken. Hiebei waren allerdings alle bereitgehaltenen Verfügungstruppen eingesetzt worden. Als der Deutsche Kronprinz, ohne von den Disziplinwidrigkeiten im französischen Heere Kenntnis erlangt zu haben, den Antrag stellte, dem errungenen Siege einen Gegenangriff folgen zu lassen, mußte die DOHL. unter Hinweis auf den Mangel an schlagbereiten Kräften ablehnen.
Der deutsche Abwehrsieg war nur möglich geworden, weil die Russen Ruhe gehalten hatten. Obst. Hoffmann, der Stabschef des Oberbefehlshabers Ost, hielt, wie er am 17. April bei einer Besprechung zu Kreuznach meldete, die Moral und die Kampfkraft des russischen Heeres durch die Revolution wohl stark erschüttert. Gegen einen Angriff der Verbündeten würde es sich jedoch wehren. Die deutschen militärischen Führer meinten nun, die Zersetzung durch einen Angriff beschleunigen zu können. Die im Osten stehenden Kräfte reichten hiefür aber nicht aus, und Reserven standen der DOHL. — wie schon erwähnt — nicht zur Verfügung. Ein großer Angriff mußte daher unterbleiben.
Dies lag auch ganz im Sinne der deutschen politischen Leitung. Sie hatte die seit langem im stillen ersehnte russische Revolution begrüßt, weil sie hoffen zu können glaubte, daß Rußland bald aus der Reihe der Feindmächte ausscheiden werde. Nun besorgte sie, ein Angriff werde die Zersetzung des russischen Heeres eher aufhalten als fördern; daher sollte Rußland überhaupt nicht gereizt, sondern auf gütlichem Wege friedensgeneigt gemacht werden. Dieser Ansicht neigte auch Kaiser Karl zu, wie er dem deutschen Bevollmächtigten, GM. Cramon, gelegentlich einer Audienz am 26. April eröffnete 17).
Die Oberste Kriegsleitung der Verbündeten war daher anfangs Mai der Ansicht, daß keine Nötigung bestünde, von dem gefaßten Plane, das Schwergewicht der Kriegführung auf das Meer zu verlegen, abzugehen. Sie wurde darin durch die Leistungen der Tauchboote, denen die Rolle einer Ausfallstruppe aus der großen belagerten Festung zufiel, noch bestärkt. In der Tat hatten die U-Boote in den ersten drei Monaten ihres uneingeschränkten Wirkens die erhoffte Vernichtung von je 600.000t feindlichen Schiffsraumes im Monat noch überboten. Im Februar wurden 781.000, im März 885.000 und im April sogar 1,091.000 Tonnen versenkt18). Erst bis der Tauchbootkrieg die Ernährungs- und Versorgungsschwierigkeiten der Feinde erheblich vergrößert, und wenn ihre Heere sich durch fruchtlose Angriffe müde gerungen haben würden, dann mochte man an entscheidender Stelle zum Gegenschlage ausholen. Bis dahin erwarteten die Heere der Mittelmächte in voller Zuversicht die nächsten Anstürme ihrer Feinde.
DIE MAI-UND JUNISCHLACHTEN IM SÜDWESTEN
(12. Mai bis 5. Juni)
Vorbereitungen bei Feind und Freund Hiezu Beilage 7
Der italienische Angriffs'pla7t
Die bedeutende Vermehrung der Kräfte gestattete der italienischen Heeresleitung im Jahre 1917 am Isonzo einen erheblich größeren Einsatz an Truppen und Gerät als zu den bisher unternommenen Offensiven. Hingegen war die strategische Lage des italienischen Heeres seit Mai 1916 viel ungünstiger als zuvor, da es ihm trotz mehrerer Versuche nicht gelungen war, die feste Sperrmauer auf den Hochflächen von Arsiero und Asiago wiederzugewinnen, die vormals einen sicheren Rückenschutz geboten hatte. Die Heeresleitung sah sich weiterhin genötigt, beträchtliche Kräfte dauernd vor Südtirol festzulegen, und diejenigen, die vorschlugen, noch vor der im Frühjahr geplanten großen Isonzoschlacht den drohend vor Thiene und Bassano stehenden Gegner anzugreifen, um ihn in die Enge von Rovereto zurückzutreiben, fanden zustimmendes Verständnis. So wurden denn zwei Pläne nebeneinander erwogen: einer für die Hauptoffensive am Isonzo, ein zweiter für einen Angriff gegen Südtirol. Jener gewann in den am 19. April von der Heeresleitung erlassenen Weisungen bestimmte Form. Dieser sah einen Zangenangriff gegen die Eckpfeiler der Südtiroler Hochlandstellung vor, einerseits gegen den mächtigen Col santo, anderseits gegen den Ge-birgsstock, der im Mt. Kempel gipfelt. Dieser Plan wurde zu einem späteren Zeitpunkt als die zehnte Isonzoschlacht ins Werk gesetzt.
An der Isonzofront hatten die Italiener schon im März einen ersten Schritt zu der in Aussicht genommenen Entscheidungsschlacht getan. Die Heeresleitung hatte das VI. und das VIII. Korps, ferner die 12. ID. und das in Reserve gehaltene XXIV. Korps von der 2. Armee abgetrennt und unter der Bezeichnung ,,Zona di Gorizia“ dem GLt. Capello unterstellt. Dieser General war willensstark, aber auch eigenwillig. Nach der Eroberung von Görz, die ihm dem Ruhmestitel „Sieger von Görz“ eingetragen hatte, war er wegen Unbotmäßigkeit gemaßregelt worden. Nun kam Capello durch die Berufung zum Führer einer Armee wieder zu Ehren. Im April wurde auch das II. Korps in die „Zona di
Gorizia“ einbezogen, hingegen der Befehlsbereich der verkleinerten
2. Armee nordwärts über das an der Kärntner Grenze stehende und bisher „Karnische Gruppe“ genannte XII. Korps ausgedehnt. Es standen somit von der Adria bis zur Wippach die 3. Armee, GLt. duca d’Aosta, dann die „Görzer Armee“, wie die Zona di Gorizia weiterhin bezeichnet werden wird, bis zur Ortschaft Ajba (bei Canale) und von da bis zum Piaveursprung beim Mt. Peralba die 2. Armee, GLt. Piacentini. Weiter westlich und um Tirol herum blieben die Befehlsbereiche der 4., der 6. und der 1. Armee unberührt.
Der Heeresleitung standen anfangs Mai 59 Divisionskommandos x) mit 110 Infanteriebrigaden, 21 Bersaglieriregimentern, 4 selbständigen Bersaglieribataillonen, 88 Alpinibataillonen und etlichen Finanzwachbataillonen zur Verfügung. Ferner gab es vier Kavalleriedivisionen. Insgesamt zählte man rund 850 Bataillone19), 8200 Maschinengewehre, 3000 leichte und 2100 schwere Geschütze 20), dazu die von England und Frankreich geliehenen schweren Batterien; endlich noch 1500 großkalibrige Minenwerfer.
Etwa die Hälfte der genannten Streitkräfte sollte an der genannten Entscheidungsschlacht teilnehmen, die diesmal nicht allein zwischen dem Meere und Görz entbrennen, sondern ebensoweit nach Norden bis über Canale hinausgreifen, also einen Raum von 50 km Breite in ihre Fessel schlagen sollte. Der 3. Armee mit 16 Divisionen (186 Bataillonen) war die Hauptaufgabe zugewiesen, nämlich der entscheidende Durchbruch mit dem ersten Ziele Trsteli und Hermada. Daneben hatte die Görzer Armee die Aufgabe, sich mit 12 Divisionen (146 Bataillonen) der Linie Kuk a611—Mt. Santo—Mt. S. Gabriele—Mt. S. Marco zu bemächtigen. Als Heeresreserve waren bereitgestellt: 40 Bataillone, 8 Schwadronen und 6 Batterien im Friaul, ferner noch 30 Bataillone, die während der Schlacht von der Tiroler Front an den Isonzo gefahren wurden. Als Stichtag für den Beginn der Schlacht wurde der 7. Mai festgesetzt.
Gemäß den Weisungen vom 19. April hatte die Kriegshandlung in drei Phasen vor sich zu gehen. Zunächst sollte ein mächtiges Geschützfeuer an der ganzen Front einsetzen, dann die Armee Capello nach kürzerem Vernichtungsfeuer überraschend zum Angriff vorbrechen und zuletzt die, 3. Armee zum entscheidenden Schlag ausholen. Durch dieses Verfahren sollte der Gegner irregeführt und dazu verleitet werden, seine Reserven in falsche Richtung zu lenken. Zur Vervielfältigung der Artilleriewirkung wurde eine Anzahl von schweren, aber gut beweglichen und gesondert gruppierten Batterien zu einem eigenartigen Wechselspiel angewiesen. In der ersten Phase der Schlacht hatten 53 solcher Batterien der Görzer Armee und 18 der 3. Armee bei ihren Armeen zu wirken. Zur zweiten Phase hatte sich die Gruppe der 3. Armee rasch in die Zone von Görz zu verschieben und dort einzugreifen. Zur dritten, der entscheidenden Phase, sollte dann die genannte Artilleriegruppe zurückkehren, und zugleich auch jene der Armee von Görz an die 3. Armee überstellt werden.
Durch dieses sinnreiche, aber auch sehr gekünstelte, die gesamte Handlung in enge Schranken zwängende Manöverx) sollten bei der Armee Capello anfänglich 988 Geschütze t^id rund 400 Minenwerfer, hingegen bei der 3. Armee in der entscheidenden letzten Phase nicht weniger als 47 schwerste, 733 schwere und 470 leichte Geschütze sowie 584 Minenwerfer in Wirkung treten2).
Das Bereitstellen der k. ic. k. 5. Armee
Als der April zu Ende ging, war die Zeit gekommen, in der man jeden Tag auf den Großangriff der Italiener gefaßt sein mußte. Wohlgerüstet stand die 5. Armee abwehrbereit. Noch niemals hatte GO. v. Boroevic ein so mächtiges Werkzeug zur Verfügung gehabt.
Die vom Hochgebirgsstock des Krn bis zur Adriaküste in einer Länge von 64 km sich erstreckende Armeefront war in vier große Abschnitte geteilt. Der Abschnitt I war mit seinem Nordende auf den Felsen des Krn verankert. Südwärts fielen die Stellungen schroff ins Isonzotal ab; sie überquerten zweimal den Fluß und bildeten dadurch den Brückenkopf von Tolmein. Dann zogen sie am Ostufer des Isonzo hin. Bei der Ortschaft Auzza an der Mündung des Avščekbaches fand
x) Capello, Note di Guerra (Milano 1920) II, 52 f. Hier unterzieht Gen. Capello dieses Manöver einer sehr scharfen Kritik.
2) Nach Rivista di Artigleria e Genio, Oktoberheft 1933, 1357.
der 24 km lange Abschnitt I seine südliche Begrenzung. Er war vom XV. Korps, FML. Scotti, besetzt, das aus der 50. und der 1. ID. bestand und insgesamt 19 Infanteriebataillone sowie 40 Batterien zählte.
Südwärts von Auzza folgten die den Abschnitt Ha bildenden Stellungen dem Laufe des westwärts ausgebuchteten Isonzo. Bei Salcano, wo der Fluß nach einer scharfen Wendung in die Ebene von Görz tritt, lag die Südgrenze dieses Abschnittes, der 20 km maß und vom XVII. Korps, FML. v. Fabini, verteidigt wurde. Dieses hatte Ende April 22 Bataillone, wovon 13 dem Landsturm angehörten, und 42 Batterien. Kurz vor der Schlacht erhielt FML. Fabini noch fünf Landsturmbataillone zugewiesen. Dennoch mußte der Abschnitt, besonders an seinem Nordteil, wo die 62. ID. stand, als verhältnismäßig schwach besetzt bezeichnet werden. Etwas besser lagen die Dinge auf dessen Südflügel, der, durch die 57. ID. gebildet, die nördlichen Eckpfeiler des Beckens von Görz, die Höhen Mt. Santo und Mt. S. Gabriele, festhielt.
Den zwischen Salcano und der Wippach errichteten, 11 km messenden Abschnitt Ilb sperrte das kräftige, 35 Infanteriebataillone und 85 Batterien zählende XVI. Korps, dessen Führung im März FML. Králiček vom FZM. Wurm übernommen hatte. Ungewöhnlich stark bemessen war die Verteidigung des Abschnittes III, der die Stellungen auf der Karsthochfläche in sich schloß; in der geschlungenen, rund 19 km langen Front zwischen der Wippach und der Adria waren das
VII. Korps, FML. v. Schariczer, und das XXIII. Korps, FML. Edl. v. Schenk, eingenistet. Sie bestanden au,s je drei Divisionen und waren dem Abschnittskmdo. III unterstellt. Der Führer dieses Abschnittes war FZM. Wurm, dem Obst. Edl. v. Körner als Generalstabschef und Obst. Janečka als Artillerieführer zur Seite standen. Die Streitmacht auf der Karsthochfläche betrug 69 Bataillone und 174 Batterien.
Insgesamt standen somit anfangs Mai in der 50 km langen Front zwischen Auzza und dem Meere, die alsbald zum Schlachtfeld werden sollte, 126 Bataillone und 301 Batterien. Hinter der Front waren bereitgestellt: die 24. LstGbBrig. mit ihren fünf Bataillonen bei Ternová, und die zuletzt eingetroffene, in Wiederaufrüstung begriffene 106. LstlD. mit 12 Bataillonen und 8 Batterien im Raume südöstlich von Idria; ferner 4 Divisionen, u.zw.: die 43. SchD., die 16., die 48. und die dem FZM. Wurm unmittelbar unterstellte 10. ID., auf der Karsthochfläche, etwa im Dreieck Comen—Sesana—Triest. Die Batterien dieser vier Divisionen, die zusammen 49 Bataillone zählten, waren vorne in Stellung.
Die Anhäufung der Kräfte auf der Karsthochfläche zeigt eindeutig, daß das Armeekommando vorausschauend annahm, der Feind werde den Hauptangriff auf dem Südflügel führen. Diese Anschauung war nicht zuletzt aus den Berichten gewonnen worden, die der Nachrichtendienst über die Lage der gegenüberstehenden feindlichen Kräfte bot. Man wußte, daß die italienische 3. Armee im Raume zwischen derWippach-mündung und dem Meere zusammengeballt worden war, und daß im Gebiete von Görz Gen. Capello die Führung einer besonderen Armee übernommen hatte. Verborgen blieb allerdings die im April erfolgte Erweiterung des Befehlbereiches Capellos nach Norden bis zur Gegend von Ronzina (S. 133). Die Kenntnis davon hätte einen Fingerzeig dafür gegeben, dem Abschnitt Ha erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Die ersten Maitage vergingen in beklemmender Stille; es war die schwüle Ruhe vor dem aufsteigenden Gewitter. Die Italiener verbargen sorgfältig die letzten Vorkehrungen und ließen ihre Artillerie möglichst schweigen. Das regnerische Wetter kam ihnen zustatten. So konnten die Beobachter keine nennenswerten Änderungen beim Feinde wahrnehmen.
Indessen gab es nunmehr Überläufer in reicher Zahl, die nicht allein den nahen Beginn der Offensive anzeigten, sondern auch anzugeben wußten, daß die Schlacht auf verbreiterter Front, also auch im Gelände weit nördlich von Salcano, vorbereitet werde. Die nach Aufklaren des Wetters wieder eifrig ausschauenden Flieger konnten nun im Gebiete des Kolovrat und der Korada zahlreiche neue Truppen-und Troßlager feststellen. Am 7. Mai enthüllten sich gegenüber dem k.u.k. XVII. Korps überdies zahlreiche neue Batterien durch ihr heftiges, besonders gegen die Standorte der Reserven und höheren Kommandos gerichtetes Feuer.
Die Meinung, die der frühere Chef des Generalstabes, FM. Conrad, schon im Februar ausgesprochen hatte (S. 106), schien sich zu bestätigen. Am 9. Mai drahtete GO. Boroevic nach Marburg, die deutlicher werdende Bedrohung des XVII. Korps, dem bis jetzt größtenteils nur eine beobachtende Rolle zugedacht gewesen sei, erheische die Bereitstellung einer entsprechend starken Armeereserve hinter diesem Korps; die in dessen Bereich stehende Landsturmbrigade werde nicht genügen. Das Armeekommando plane daher, um sich vor unliebsamen Überraschungen zu bewahren und den Kampf an der ganzen Front nähren zu können, die Bereitstellung einer Division in der Gegend von Ternová. Es stünden dann an großen Reserven drei Divisionen hinter dem Abschnitt III, eine hinter dem XVI. und eine hinter dem XVII. Korps.
Das seit Ende März zwischen dem 5. Armeekommando und der Heeresleitung wieder eingeschobene „Kommando der Südwestfront“ in Marburg stimmte dem Vorschläge des GO. Boroevic nicht zu, denn gerade jetzt war ihm von Baden bedeutet worden, daß dem Südwesten höchstwahrscheinlich keine weiteren Verstärkungen zugeführt werden könnten. Daher müsse auf genauestes Haushalten mit den Kräften das allergrößte Gewicht gelegt werden. Erzherzog Eugen ordnete am
10. Mai an, „daß jede Verschiebung der großen Reserven zu unterbleiben habe, solange konkrete Anzeichen fehlen, daß die Lage eine Veränderung erfahren und das Kräfteverhältnis in den einzelnen Abschnitten sich wesentlich verschoben hätte. Dem Bedürfnis, auch den nördlichen Armeeflügel — wenn die Lage es erfordere — unterstützen zu können, habe das Kommando der Südwestfront durch Vorziehen der 106. LstlD. in den Kantonierungsraum von Wippach bereits Rechnung getragen.“
Indessen hatte das 5. Armeekmdo. schon einige Vorkehrungen zur Verstärkung des XVII. Korps eingeleitet. Es hatte die ihm bisher unbeschränkt unterstehende k. k. 24. LstGbBrig. dem genannten Korps zur Verfügung gestellt und von Temova auf das Hochland von Bainsizza abrücken lassen. Als dann beobachtet wurde, daß der Feind gegenüber von Auzza am Isonzo Vorbereitungen zu einem Flußübergang treffe, wurde im besonderen der 62. ID. ein Regiment dieser Brigade zugewiesen. Ferner erhielt das benachbarte XV. Korps den Befehl, an seinem Südflügel Reserven bereitzuhalten und, wenn nötig, die 62. ID. zu unterstützen.
Eine dritte Maßnahme, das beabsichtigte Herübernehmen von noch vier Infanteriebataillonen des XV. Korps in den Bereich des XVII. Korps mußte aber unterbleiben. Denn das zur Ablösung dieser vier Bataillone bestimmte SchR. 37, das im April auf nachdrücklichen Wunsch des FML. v. Zeidler wegen Unverläßlichkeit aus der Görzer Front herausgezogen worden war, um dann beim XV. Korps einen voraussichtlich weniger gefährdeten Abschnitt zu besetzen, gab neuerlich Grund zu Beschwerden. Zwei Offiziere und dreizehn Mann dieses dalmatinischen Truppenkörpers waren gleich nach Wiedereintritt in die Front übergelaufen. Es erschien jetzt unerläßlich, das Regiment zur Wiederherstellung von Zucht und Ordnung gänzlich auszuscheiden. Die dem XVII. Korps zugedachten vier Infanteriebataillone mußten beim XV. Korps verbleiben. Dies und der vorerwähnte Einwand des Kommandos der Südwestfront hatten zur Folge, daß die Absichten des 5. Armeekmdos. nur unvollständig verwirklicht wurden.
Während also die Anzeichen für ein kraftvolles Unternehmen gegen das XVII. Korps merkbar Zunahmen, konnten solche vor dem XVI. Korps und dem Abschnitt III, trotz scharfer Beobachtung, nicht wahrgenommen werden. Dessenungeachtet hielt Boroevic an der Meinung fest, daß der feindliche Hauptschlag gegen den südlichen Armeeflügel geplant sei und in aller Heimlichkeit vorbereitet werde. Diese Überzeugung hielt ihn davon ab, an die Stelle der 106.LstID., deren Verschiebung ihm nicht zugebilligt worden war, eine jener vier Divisionen zu setzen, die hinter dem Südflügel auf der Karsthochfläche bereit standen. Am
10. Mai trat wieder auffallende Ruhe an der Front ein, die auch am
11. Mai anhielt. Mochten die Italiener zuguterletzt ihr Vorhaben aufgegeben oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben haben? Diese Frage wurde beim 5. Armeekmdo. ernstlich besprochen. Die allgemeine Kriegslage war auf Seiten der Entente keineswegs günstig. Weder den Engländern noch den Franzosen war der große Durchbruch an der Westfront gelungen. Rußland erschien durch die Vorgänge im Innern geschwächt. Also konnten es sich die Italiener überlegt haben, mm allein, ohne mittelbare Hilfe ihrer Bundesgenossen, ans Werk zu gehen.
Da, am 12. Mai morgens, lösten sich alle Zweifel. Kaum daß das erste Licht den Anbruch des Tages verkündete, erscholl an der ganzen Front von Tolmein abwärts bis zum Meere lebhafter Kanonendonner, der alsbald zu unerhörter Heftigkeit anschwoll. Die Schlacht begann.
Der erste Waffengang (12. bis 20. Mai)
Hiezu Beilage 8
Der Großangriff der Görzer Armee
Der Kommandant der Görzer Armee, GLt. Capello, sah seine Aufgabe vornehmlich darin, dem Gegner die nördlichen Eckpfeiler des Beckens von Görz, die Bergklötze Mt. S. Gabriele und Mt. Santo, zu entwinden. Dadurch sollte dem VIII. Korps (7., 24. und 48. ID.), das sein Schwergewicht zunächst auf die Eroberung der sanften Höhen östlich von Görz zu legen hatte, ein Eindringen in das Wippachtal ermöglicht werden. Zur Besitznahme der eben genannten, durch den Dolsattel geschiedenen Eckpfeiler setzte Capello das VI. Korps (8. und 10. ID.) aus dem Gebiete von Salcano zum Stirnangriff an. Da nun die Gipfelreihe Mt. Santo ^682, Vodice ^ 652 und Kuk A 611 einen geschlossenen, schwer angreifbaren Gebirgszug bildet, der aber im Norden gegen Plava stufenweise abfällt, hatte das II. Korps (3., 47. und 60. ID.), aus dem Brückenkopf von Plava und über Zagora vorstoßend, zuerst den Kuk und den Vodice, vielleicht auch den Kobilek -<}>- 627, zu erobern, um dann dem VI. Korps auf dem Mt. Santo die Hand zu reichen. Die gewiß schwierige Aufgabe des II. Korps gedachte der Korpsführer durch ein ausholendes Manöver seines linken Flügels zu erleichtern. Dazu sollte die kampftüchtige, aus Bersaglieri und Alpini zusammengesetzte 47. Division zwischen Canale und Loga den Isonzo überwinden und in südlicher Richtung über die Ortschaft Vrh gegen den Jelenik A 788 kräftig vorstoßen. Einige Tage vor Beginn der Schlacht wünschte aber Gen. Capello, daß die Kraftausgabe für den gedachten Flankenstoß beschränkt werde, weil er irrigerweise wähnte, der Gegner habe sich vor der Mitte des II. Korps bedeutend verstärkt. Es gab Meinungsverschiedenheiten und zuguterletzt trat der Kommandant des II. Korps, der an der Erfolgsmöglichkeit des nun rein frontalen Angriffes zweifelte, von seinem Posten zurück. Er wurde am 13. Mai durch den Generalstabschef Capellos, den GLt. Badoglio, ersetzt. Dadurch gewann dieses Korps einen tatkräftigen Führer und zugleich die Handlung bei Plava an Gewicht, indem der frühere Armeegeneralstabschef seinen Wünschen nach Verstärkung Geltung zu verschaffen wußte. Das Unternehmen auf dem linken Flügel wurde eingeschränkt. Auch die Aufgabe des äußersten Südflügels der Görzer Armee, der im allgemeinen im Einklang mit dem Nordflügel der 3. Armee auf Biglia Vordringen sollte, war zuletzt nicht genau umschrieben.
Außer den genannten Heereseinheiten standen am 12. Mai bereit: die 53. ID. hinter dem II. Korps, die 11. ID. hinter dem VIII. Korps, und nordwestlich von Cormons, wo Gen. Capello sein Hauptquartier hatte, das XXIV. Korps (23. und 49. ID.). Fenier gelangten auch in den Bereich der Görzer Armee, zunächst noch zur Verfügung der Heeresleitung, die drei Brigaden starke 20. ID. und eine Alpinigruppe sowie die 2. KD., der außer der Reiterei und zwölf Radfahrbataillonen auch eine Infanteriebrigade unterstand. Gen. Capello verfügte im ganzen über 146 Infanteriebataillone und 990 Geschütze. Hievon traten anfänglich etwa 70 Bataillone und 550 Geschütze gegen das k.u.k. XVII. Korps (S. 136) in den Kampf. Der Angreifer war hier dem Verteidiger etwa dreifach überlegen. Gegen das k.u.k. XVI. Korps setzte Capello zunächst rund 40 Bataillone und 440 Geschütze ein. Die Überlegenheit war hier nicht sehr erheblich.
Die Lage des k.u.k. XVII. Korps war in den zwei Divisionsabschnitten recht ungleich. Im Bereiche der vom GM. Novak v. Arienti befehligten 62. ID. lag diesehr schwach besetzte Kampflinie der 205. Lst-IBrig., Obst. Edl. v. Lewandowski, von Auzza flußabwärts bis Descla— Britof knapp am Isonzo. Südlich anschließend gab es zwei Stellungen nahe hintereinander. Die erste Stellung umkränzte die Höhen östlich von Plava und den Kukrücken auf halbem Hange, um erst bei Vodice 652 die Kammlinie zu erreichen. Sie war von der 121. IBrig., Obst. Kouff, besetzt. Ihr gegenüber hatten sich die Italiener schon in den ersten Kriegswochen auf dem Ostufer des Isonzo eingenistet. An Bemühungen, den Feind aus dem Brückenkopf zu vertreiben, hatte es nicht gefehlt. Sie hatten stets mit großen Verlusten geendet und wurden seit Monaten nicht mehr wiederholt. Jede Bewegung auf dem feindwärts abfallenden Hang wurde von den Batterien auf der Korada und auf dem Mt. Sabotino unter Flankenfeuer genommen. Darunter litten auch die Schanzen und es hatte nicht an Vorschlägen gefehlt, die Hauptwiderstandslinie auf den Kamm des Kukrückens zu verlegen, wo die zweite Stellung errichtet war. Allein, dies wäre einer freiwilligen Preisgabe eines Geländestreifens gleichgekommen und hätte dem Feinde den Eintritt ins Isonzotal abwärts von Plava öffnen können. Das Armeekommando hatte sich daher für die Beibehaltung der vorderen Kampflinie entschieden.
Von der kahlen Höhe Vodice, die noch im Bereich der 62. ID. lag, führt eine Bergbrücke in nordöstlicher Richtung zum Hochland Bain-sizza—Heiligengeist hinüber. Diese Bergbrücke und der Westrand des genannten Hochlandes war durch Stützpunkte befestigt. Hier hatte das dem XVII. Korps zuletzt zugewiesene LstlR. 11 Aufstellung genommen.
Südlich von der 62. ID. stand die 57. ID., GM. Edl. v. Hrozný. Ihre Hauptstellung zog sich auf dem Rücken vom Vodice zum Mt. Santo hin, überquerte den Dolsattel, über den die Straße aus dem Kessel von Britof hinab nach Salcano führt, und umrahmte dann den Westhang des Mt. S. Gabriele. Die Front der 57. ID. war im Nordteil durch die 5. IBrig., Obst. Freih. v. Albori, im Süden durch die 18. IBrig., Oberst Laxa, gut besetzt.
In dieser Lage nahm das XVII. Korps am 12. Mai den Kampf mit dem übermächtigen Feind auf. FML. Fabini, der von Chiapovano aus die Verteidigung leitete, verfügte zunächst nur über das LstlR. 27 als Reserve. Doch am Abend erfuhr er, daß die 106. LstlD. nach Ternová vormarschieren werde. Das ungemein heftige feindliche Zerstörungsfeuer dauerte die ganze Nacht fort, steigerte sich am 13. und wurde schließlich am 14. zum Trommelfeuer. Es bedeckte alle Stellungen und ihr Anland bis weit zurück mit bestimmter Richtung auf die Standorte der höheren Befehlsstellen. Der Schaden war groß. Vielenorts wurden die Hindernisse zerstört, die Gräben verschüttet. Auch die Verluste waren nicht gering. Dennoch vermochte dieser andauernde, zermürbende Eisenhagel den harten Willen der todesmutig ausharrenden Verteidiger nicht zu brechen. Die zwar mit hinreichendem Schießbedarf versehene, aber in diesem Abschnitte nicht sehr zahlreiche Abwehrartillerie erwiderte das Feuer die ganze Zeit hindurch und brachte dem Feinde schon Verluste bei, ehe er noch aus den Ausfallsgräben hervorbrach. Endlich, am 14. Mai zu Mittag, erhob sich die italienische Infanterie.
Schon am ersten Tag der Schlacht hatte GO. Boroevic aus der Heftigkeit und Ausdehnung des italienischen Artilleriefeuers die Breite des vom Feinde gewählten Angriffsfeldes erkannt. Es gab keinen Zweifel, die außerordentlich große Zahl neuer Batterien, die vom 12. Mai auf den Bergen vor dem XVII. Korps aufblitzten, konnten dort nicht allein zu ablenkender Tätigkeit in Stellung gegangen sein. Der Generaloberst bat daher das Kommando der Südwestfront neuerlich, die 106-LstID. freizugeben, und ordnete am späten Abend, nachdem er die Zustimmung erhalten hatte, den schon erwähnten Vormarsch aus der Gegend von Wippach in jene von Ternová an. An Stelle der 106-LstID. hatte eine Brigade der 43. SchD. von Senosetsch in die leer gewordenen Unterkünfte bei Wippach und Hl. Kreuz abzurücken. Nach Durchführung dieser Verschiebungen war am 13. Mai nachts jene Gruppierung der großen Reserven erreicht, die das Armeekommando schon etliche Tage früher in Aussicht genommen und höheren Orts beantragt hatte (S. 137). Indessen währte das heftige Artilleriefeuer an der Front zwischen Auzza und dem Meere unablässig Tag und Nacht fort.
Wo wird der Hauptstoß stattfinden? Das war jetzt die Frage. Man konnte dem Italiener nicht zumuten, daß er in 50 km Breite gleichmäßig stark anzugreifen beabsichtige. Die Meinung ging dahin, daß das im Nordabschnitt gegen die Hochfläche von Bainsizza in Gang befindliche Unternehmen der Ablenkung unserer Kräfte dienen mochte, indessen der feindliche Hauptschlag wahrscheinlich doch gegen den Südflügel, Richtung Triest, geplant sei.
Da am 13. noch kein Infanterieangriff stattfand, konnte an diesem Tage im Abschnitt III die 9. ID. durch die 16. ordnungsgemäß abgelöst werden. Darnach standen am 14. Mai die 9., die 10. und die 48. ID.
sowie eine halbe 43. SchD. in Reserve auf der Karsthochfläche von Comen—Sesana. Jetzt erhielt das Armeekommando auch die erfreuliche Mitteilung, daß noch zwei Divisionen vom russischen Kriegsschauplätze ankommen würden (S. 111). Es waren dies die 24. ID., die auf Ersuchen des GO. Boroevic an der zum Nordflügel heranführenden Bahn bei Pod-melec unweit von S. Lucia ausgeladen werden sollte, und die 35. ID., die mit der Südbahn hinter den Südflügel zu leiten war.
Nach dem zweieinhalbtägigen Feuerorkan entbrannte am 14. Mai mittags — nur den Bereich des k.u.k. XV. Korps unberührt lassend — an der ganzen Isonzofront der Kampf der Infanterie.
Aus dem Brückenkopf von Plava brandete der erste tief gegliederte Angriff der durch Bersaglieri verstärkten 3. Division heran. Zugleich setzte die Spitzenbrigade der 60. ID. nahe bei Zagora über den Isonzo und stürmte gegen die Schanzen bei den Ruinen dieser kleinen Ortschaft vor. Um die vorspringende Bastion auf der „blutigen“ Kote 383 wurde heftig gerungen. Zweimal gelang es den Italienern, in die Gräben einzudringen, aber die heldenmütigen Streiter des ungarländischen Infanteriebataillons 11/52 vertrieben den Feind immer wieder. Bei Zagora rangen die Dalmatiner des IR. 22 gegen große Übermacht; doch auch sie wichen nicht. So konnte die 62. ID. am Abend melden, daß an ihrer ganzen Front alle ersten feindlichen Angriffe abgeschlagen seien.
Das nahezu gleichzeitige Unternehmen der italienischen 10. ID. gegen den Mt. Santo und den Mt. S. Gabriele zerschellte im vortrefflich geleiteten Abwehrfeuer der Artillerie. Der Feind flutete die Berghänge gegen Salcano hinab. So lautete denn auch der Nachmittagsbericht der 57. ID. befriedigend. Da schrillte plötzlich die Meldung auf, der Feind stehe auf dem Mt. Santo. Das Korpskommando alarmierte seine Reserven sowie die 110. LstlBrig. der eben bei Ternová nach ermüdendem Marsch eingetroffenen 106. LstlD. und ließ sie gegen den Mt. Santo vorrücken. Doch ehe es noch zum Eingreifen dieser Truppen kam, war der böse Spuk vorüber. Die Brigade- und Divisionsreserven hatten zugegriffen und noch während der Nacht den Berg zur.ückerobert. Teile des durch die Überraschung in Gefangenschaft geratenen k. u. Lst-IBaons. 111/25 wurden befreit.
Dieser aufregenden, aber doch glücklich beendeten Episode war italienischerseits ein bemerkenswertes Vorspiel vorangegangen. Der Kommandant der zum Angriff gegen den Mt. Santo angewiesenen Brigade hatte seinerzeit geplant, von Salcano aus ein Regiment frontal etwa über den zum Kloster führenden Schlangen weg anzusetzen, das zweite Regiment aber im Isonzotal nordwärts durchzuziehen, um es dann zur Überraschung des Gegners, im Gestrüpp des Westhanges verborgen, zur Höhe aufsteigen zu lassen. Der Vorschlag wurde höherenorts nicht gutgeheißen; aber man gestattete dem Brigadier, ein Bataillon auf dem angegebenen Schleichwege auszusenden J). Es ergab sich nun, daß gerade nur dieses Bataillon den erwähnten Erfolg heimbrachte, der ihm dann allerdings aus Mangel an ausreichender Unterstützung wieder entglitt, indessen alle übrigen, vom italienischen VI. Korps in der Nacht sowohl gegen den Dolsattel als auch gegen den Mt. S. Gabriele erneuerten Angriffe mißlangen. Ein abermaliger, in den Morgenstunden des 15. Mai angesetzter Massenstoß gegen die zuletzt genannten Höhen prallte im Vernichtungsfeuer der Artillerie an der tapferen Abwehr der Steiermärker des IR. 87 und des FJB. 9 derart blutig ab, daß die Italiener es fortan unterließen, diese Eckpfeiler auf dem Südflügel des XVII. Korps wieder anzutasten.
Hingegen war es dem italienischen II. Korps nach den ersten vergeblichen Versuchen schließlich in der Nacht auf den 15. geglückt, die den Brückenkopf von Plava umschließende Klammer gewaltsam zu öffnen, mehrere völlig zerschossene Schanzen der Hangstellung bei Za-gora und Zagomila in hartem Kampfe zu erobern und, sich südwärts ausbreitend, an die Höhenstellung -<^535—Kuk Aóll—Vodice-<>-652 heranzuarbeiten. Von Tagesanbruch an berannte der Feind diese Stellung. Aber die hier aufgestellten Bataillone der 121. IBrig. ließen nicht locker und behielten im verbissenen Kampfe, an dem die Artillerie des Verteidigers nicht minder kräftig als die des Feindes mitwirkte, schließlich doch die Oberhand. Der Großteil der Hangstellung blieb allerdings endgültig verloren. Nur in ihrem Nordteil leisteten noch immer das Bataillon II 52 auf der „blutigen“ Kote und das k. u. Landsturmbataillon VI'4 bei Globna heldenhaft Widerstand gegen den auch hier mit Übermacht anstürmenden Feind. In diesen schweren Kämpfen in der Korpsmitte verblutete die 121. IBrig. zusehends. Zum Ersatz der hohen Verluste waren frische Kräfte erforderlich. Sie zu beschaffen, bereitete dem Korpskommando nicht geringe Verlegenheit; denn gleichzeitige Ereignisse auf dem Nordflügel übten eine ablenkende Wirkung.
Dort hatte der Feind — den Morgenmeldungen zufolge — bei Bodrez und Loga den Isonzo überschritten und ging in südlicher Richtung vor. Die Meldung wirkte um so mehr beunruhigend, als frühere Nachrichten besagt hatten, die Italiener planten in diesem Raume ein
x) B a j - M a c a r i o, Kuk, 43.
großes Unternehmen. In der Tat war es dem Feinde in der Nacht gelungen, eine Brücke zu schlagen, und mit zwei Bataillonen das am Isonzo-ufer in völlig zerstampften Gräben ausharrende k. k. LstIBaon. III/409 zu überwältigen. Des Morgens griffen die Batterien und Reserven der 205. LstlBrig. sowie Teile des auf dem Hochlandsrand bereitgehaltenen k. k. LstlR. 11 ein, so daß der Feind sehr rasch zum Stehen gebracht war; überdies wurde seine Brücke im Granatfeuer zerstört. So war denn schon am 15. abends die Gefahr gebannt. Aber der erste besorgniserregende Eindruck hielt länger an und fand in der Folge dadurch Nahrung, daß die Italiener noch ein Bataillon übersetzten. Die Überschätzung des feindlichen Vorhabens führte dazu, daß auch das k. k. LstlR. 27 in den vermeinüich bedrohten Raum geleitet wurde, womit die ganze 24. LstlBrig. ausgespielt war. Auch ein Infanteriebataillon, das vom XV. Korps herüberkam, wurde hier festgehalten.
Durch diese, dem Feinde geglückte Ablenkung der Kräfte geriet das Korpskommando, als es sich genötigt sah, die heftig angegriffene und wirklich bedrohte Korpsmitte zu stützen, in schwere Verlegenheit. Das Armeekommando war durch die Dringlichkeit der vom Korps gestellten Bitten um Verstärkungen einigermaßen betroffen. Es überließ ihm schon am 15. morgens die 110. LstlBrig., auf die das Korpskommando allerdings schon selbst gegriffen hatte, um den Mt. Santo zuversichtlich zu halten. GO. Boroevic befahl daher, daß das im Idriatal bei Slap ruhende SchR. 37 auf die Hochfläche von Bainsizza vorzurücken habe und unterstellte zwei Bataillone dieses Regiments nun dem Korpskommando1). FML. Fabini zog diese beiden Bataillone und das k. k. LstlR. 31 der vorgenannten Brigade zur Korpsmitte heran.
Ungeachtet der großen Verluste, die die Italiener im Laufe des 14. und 15. erlitten hatten, versuchten sie in der Nacht zum 16. neuerlich, sich der ,;blutigen“ Kote und des Kuk—Vodicerückens zu bemächtigen. Aber hier wie dort scheiterte ihr Vorhaben. Nun setzte Gen. Badoglio noch eine Brigade der 53. ID. und Teile der 47. ID. ein. Nach einem heftigen Trommelfeuer stürzten sich zusammengeballte Kräfte auf die gerade noch im letzten Augenblicke durch das LstlR. 31 verstärkte 121. IBrig.2). Die braven Landsturmmänner wehrten sich heldenmütig, warfen den an einzelnen Stellen eingebrochenen Feind in wütendem Handgemenge hinaus, aber schließlich siegte die gewaltige
!) Fabini, Die Kämpfe um die Hochfläche von Bainsizza (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1933, 334 ff.).
2) Die 121. IBrig. bestand zur Hälfte aus Landsturm (siehe Beilage 6).
Übermacht der Italiener. Da griff am Nachmittag das herbeigeeilte k. k. LstIR.6 ein. Nach einem kurzen, gut zusammengefaßten Feueranfall der Artillerie stürmten die tapferen Egerländer und entrissen dem Feinde den blutig errungenen Lorbeer. Nur kleine Grabenstücke nächst -cj'- 535 und 524 blieben in seiner Hand.
Die Einfügung von zwei Regimentem der 106. LstlD. in den Befehlsbereich der 121.IBrig. veranlaßte das Korpskommando, dem Kommandanten dieser Division, GM. Kratky, die Führung der Korpsmitte zu übertragen. Der Befehlsbereich des GM. Novak-Arienti wurde auf die 205. und die 24. LstlBrig. eingeschränkt.
Gegenüber der 57. ID. wiederholte das italienische VI. Korps mit der 10. und Teilen der 8. ID. die Angriffe gegen den Mt. Santo und die Sattelstellung bei -c^- 503; das Unternehmen scheiterte jedoch im wohlgeleiteten Sperrfeuer der starken Artillerie und an der tapferen Haltung der verstärkten 5. Brigade.
Die Kämpfe im Bechen von Görz
Während die Armee des Gen. Capello in den ersten drei Tagen der Angriffshandlung auf dem linken Flügel einen allerdings nur bescheidenen Erfolg erzielen konnte, war ihr rechter Flügel im Becken von Görz trotz allen Bemühens nicht um einen Schritt vorwärts gekommen. Das hier mit drei verstärkten Divisionen ins Treffen geschickte
VIII. Korps war an der unüberwindlichen Mauer des k.u.k. XVI. Korps vergeblich angerannt.
Dieses seit Ende März vom GdI. Králiček befehligte Korps stand am 12. Mai in fester Haltung abwehrbereit. Den nördlichen Flügel bildete die seit Jahr und Tag vom FML. Zeidler geführte 58. ID., die aus der 4. und der 5. GbBrig. zusammengesetzt war. Nach den zuletzt vorgenommenen Ablösungen verfügte die 4. GbBrig., GM. Adalbert v. Dáni, über je zwei Bataillone des Wiener LstIR. 1 und des Linzer Lst-IR. 2, ferner über das IBaon. III, 85 und das k. k. LstlBaon. 42. Die 5. GbBrig., Oberst Prey, war aus dem IR. 96, dem SchR. 23 und je einem Bataillon des IR. 28 und des k. k. LstIR. 1 sowie aus dem FJB. 2 zusammengesetzt. Der rechte Flügel' der 58. ID. hielt die Bastion von Sv. Katarina am Fuße des Mt. S. Gabriele, die Mitte stand unweit vom Görzer Friedhof bei Grazigna und sperrte in gutgebauten Schanzen auf der Höhe^v 174, dann bei Tivoli und auf der Höhe-<i>- 171 das Rosental. Der linke Flügel war auf der Höhe S. Marco A 227 fest verankert.
Südlich des Bahndreieckes von St. Peter, über Sober und über die Bodenwellen östlich des Vertojbicabaches bis zur Wippach bei Biglia sich erstreckend, hatte die westungarische 14. ID., GM. v. Szende, vor etwa Monatsfrist die 43. SchD. abgelöst. Sie war regelmäßig gegliedert und jetzt durch das LstlR. 22 verstärkt1). Vier ihrer Infanteriebataillone waren so wie drei der 58. ID. als Korpsreserve ausgeschieden.
Es war für das XVI. Korps keine Überraschung, als am 12. Mai morgens die italienischen Batterien und Minenwerfer die große Kanonade eröffneten. Darauf war man schon seit Tagen gefaßt gewesen. Die Heftigkeit und die Dauer des Eisenhagels, durch den große Teile der Verschanzungen vollständig zerschlagen und an manchen Stellen schließlich in ein richtiges Trichterfeld verwandelt wurden, übertraf allerdings alle Erwartungen. Die mächtige Artillerie des Verteidigers blieb indessen nicht müßig. Sie hielt die italienische Infanterie nieder, die sich in den Ausfallsgräben bereitstellte, und es gelang ihr auch, das feindliche Geschützfeuer zeitweise zu dämpfen. Auf beiden Seiten wurden auch Gasgeschosse verwendet.
Geschlossener und gleichzeitiger als gegen das XVII. Korps gingen am 14. mittags die feindlichen Sturmwellen im Görzer Becken vor. Der Hauptangriff war gegen die 58. ID. gerichtet; die Absicht des Feindes, über die Höhe von Sv. Katarina und über S. Marco durchzubrechen, war unverkennbar. Gegen die Schanzen bei Sv. Katarina rannten zwei Regimenter an. Sie erlitten schon im Sperrfeuer schwerste Verluste und wurden dann gänzlich abgewiesen. Bei Grazigna drangen einzelne Kompagnien durch, doch unterlagen sie dann im Kampfe Mann gegen Mann. Vier Brigaden griffen die Verteidigungsabschnitte Rosental und S. Marco an. Hier wie dort wogte grimmiger Kampf bis in die Nacht hinein. Das SchR. 23 erlitt große Verluste, konnte aber schließlich dem Feinde noch innerhalb der ersten Kampfzone Halt gebieten. Auf dem Mt. S. Marco gewannen die Italiener eine Schanze. Bei der 14. ID. wurde nur der Nordflügel entschieden angegriffen. Die Höhe bei Sober war hier Brennpunkt der Handlung. Die Italiener konnten keinen Erfolg erzielen. Gegenüber den anderen Frontteilen dieser Division zeigte der Feind nicht den entschlossenen Willen zum Angriff. Er zögerte, weil er offenbar die in Aussicht gestellte Einwirkung der Nachbararmee vermißte. Ein Angriffsversuch aus der Ortschaft Vertojba heraus zersplitterte schon im Artilleriefeuer. GdI. Králiček, der schon im Laufe des Nach-
x) Die LstlR. 1, 2 und 22 gehörten der k. k. 1. LstBrig. an, deren Kommando zu dieser Zeit ausgeschaltet war.
mittags die Korpsreserven näher zur Front marschieren ließ und eine Verstärkung der 5S. ID. auch durch ein Bataillon der 14. ID. vornahm, erbat sich vom Armeekommando die 86. SchBrig. als neue Korpsreserve. GO. Boroevic willfahrte dieser Bitte. Die Brigade rückte abends bis Cernizza vor. An ihrer Stelle gelangte am 15. nachts das Kommando der 43. SchD. mit der 59. IBrig. in den Raum um Hl. Kreuz.
Am 15. Mai erneuerte der nimmermüde Feind die Angriffe im Abschnitte zwischen Grazigna und Vertojba. Er vermied es aber, nochmals gegen die mächtigen, mit Maschinengewehren gespickten Stellungen auf den Bergfüßen des Mt. S. Gabriele vorzugehen, wo die Brigade Milano übel zugerichtet worden war1). Die Kämpfe im Panowitzer Wald sowie bei der Höhe -<{>-171 und um den Mt. S. Marco wurden mit größter Erbitterung bis zum Abend durchgefochten. In hervorragender Haltung vereitelten die bewährten Truppen der 58. ID., unter denen namentlich das dalmatinische SchR. 23 hervorgehoben zu werden verdient '), alle Anstrengungen des Feindes. Wiederholte feindliche Vorstöße gegen den Nordflügel der 14. ID. bei Sober und Vertojba wurden von Bataillonen der westungarischen Infanterieregimenter 71 und 76, deren zweites zum Teil dem heutigen Burgenlande entstammte, völlig abgewiesen.
Wie am Vortage griffen abermals unsere Fliegerkompagnien in den Erdkampf ein. Sehr unangenehm machten sich aber auch die ,,Ca-proni" fühlbar 21), die, niedrig kreisend, mit ihren Maschinengewehren und Bomben namentlich die Batterien angriffen. Die wenigen Flugzeugabwehrgeschütze konnten sie nicht verscheuchen. Dieses üble Spiel wiederholte sich auch in den nächsten Tagen.
Beharrlich versuchte das italienische VIII. Korps am 16. Mai noch einmal den Durchbruch zu erzwingen. Sieben Brigaden waren auf dem Angriffsfelde dieses Korps schon in den Kampf getreten. Nun kamen zwei frische hinzu. Bei Damber, südlich von Sv. Katarina, wurde die Brigade Emilia eingesetzt. Sie ging mit frischem Mut an die Aufgabe heran, deren Ausführung ihrer Vorgängerin, der Brigade Milano, so übel bekommen war. Im schneidigen Anlauf gelang es ihr, das gesteckte Ziel teilweise zu erreichen. Aber sie konnte sich des Erfolges nicht lange erfreuen. Das Wiener LstIBaon. IV/39 ging, ungeachtet der beträchtlichen Übermacht des eingedrungenen Feindes, unverzagt zum Gegenangriff über und gewann nicht nur die Stellungen zurück, sondern brachte auch noch 500 Gefangene ein.
In der Mitte des Angriffsfeldes waren die Brennpunkte der Kämpfe die gleichen wie am Vortage. Die in diesem Raume hinzugekommene Brigade Cuneo vermochte dem bereits schwächer werdenden Schwung der anderen vier Brigaden keinen neuen Antrieb zu geben. Die unerschütterliche Zähigkeit der öst.-ung. Truppen war nicht zu überwinden. Auch vor der 14. ID. scheiterten alle Angriffsversuche des Feindes. Als schließlich am Abend ein letzter Vorstoß beiderseits vom Rosental mißlang, mußte das italienische VIII. Korpskommando seine Angriffe einstellen lassen.
Der Nebenangriff der italienischen 3. Armee
Die Armee des Herzogs von Aosta eröffnete am 12. Mai zur selben Stunde wie die Armee von Görz das Artilleriemassenfeuer, so daß das Armeekommando in Adelsberg den Eindruck gewann, die Schlacht entbrenne an der ganzen Front von Tolmein hinab bis zum Meere. Dieser Eindruck hielt, da die Italiener ihr Zerstörungswerk fortsetzten, auch am 13. Mai unvermindert an. Die Schäden an den Befestigungen waren recht beträchtlich. Hingegen blieben die Verluste in mäßigen Grenzen, da die Besatzungen nunmehr in den Schutzbauten guten Unterstand fanden. Stunde um Stunde harrten die alarmbereiten Verteidiger auf das Zeichen zur Besetzung der Schützengräben, in die unablässig Granaten und Minen einschlugen. Der am meisten gefährdete Teil der Karstfront war der vorspringende Abschnitt zwischen Hudilog und der Trigonometerhöhe 208, der unter Kreuzfeuer genommen werden konnte. Übrigens stand dort der Feind auch sehr nahe und hatte gedeckte Sammelräume hinter sich. Man nahm daher an, daß seine Hauptstoßrichtung etwa von Oppacchiasella auf Lukatić und Selo weisen werde. Als am 14. vormittags das feindliche Zerstörungsfeuer sich auf ein Höchstmaß steigerte, meldete das Abschnittskommando III, es sei der Auffassung, daß ein feindlicher Durchbruchsversuch den Fajtirücken entlang sowie zwischen Hudilog und der Höhe a208 bevorstehe.
Allein die italienische 3. Armee sollte nach den Weisungen ihrer Heeresleitung in der zweiten Phase der Schlacht bloß mit dem linken Flügel entschieden angreifen, um dem rechten Flügel der Armee Capello
beizustehen. Daher schritt am 14. mittags nur das XI. Korps zum Angriff, wobei dessen 21. ID. an der Wippach und auf den Hängen zum Fajti hrib zunächst die am 26. März verlorene Stellung bei der Höhe -cjv 126 wiedergewinnen wollte (S. 115), während die 22. ID. auf eine Eroberung der Höhen^>-464--(>-363 abzielte. Die 4. ID. dieses Korps, die
im Winkel vor Kostanjevica stand, sowie die Divisionen des XIII. und des VII. Korps sollten, um den Gegner zu beunruhigen, mit einzelnen Bataillonen vorstoßen.
Die Angriffe trafen die 44. SchD., GM. Schönauer, und die 17. ID., GM. Ströhe r. Mit bewun de rnswertem Gleichmut hatten die Truppen dieser beiden Divisionen den zweitägigen Eisenhagel über sich ergehen lassen. Als sich nun arp 14. Mai zu Mittag die italienische Infanterie zum Sturme erhob, traten ihr Söhne der Alpenländer und Magyaren beherzt entgegen. Bei der 44. SchD., wo im Kampfabschnitt des Kärntner GbSchR. 1 ein Teil der Schanzen und der Unterstände durch das Trommelfeuer zusammengestürzt war, gelang den Italienern ein Einbruch. Aber die Verschütteten rafften sich bald wieder auf. Sie vertrieben die Eindringlinge und verfolgten sie sogar über die vorderste Linie hinweg. Die zum Nachrücken bereiten hinteren italienischen Angriffsstaffeln schreckten nun davor zurück, in das vor die öst.-ung. Linien dicht niederprasselnde Sperrfeuer hineinzugehen. Sie blieben liegen. Dem gegen die 17. ID. vorgehenden Feind war kein besseres Los beschieden. Nach einem ersten Angriffsversuch, der mißglückte, bearbeitete die feindliche Artillerie nochmals die Stellungen auf dem östlichen Fajti hrib und auf der Kote 363, woraufhin sich die schon gelichteten Reihen der 22. ID. wieder zum Sturme anschickten. Aber auch diesmal scheiterte ihr Vorhaben, denn die tapferen Magyaren — vor allem jene des im Brennpunkt des Kampfes stehenden IR. 39 — wichen nicht um einen Schritt zurück. Schließlich sahen die Angreifer ein, daß sie sich vergeblich abmühten, und ließen, als es Abend geworden war, von weiteren Angriffen ab. Gegen die 41. HID. hatten nur einzelne Bataillone Teilangriffe unternommen, die glatt abgewiesen wurden.
Ähnliche Vorstöße waren auch bei den Divisionen des k.u.k. XXIII. Korps verspürt worden, doch der mit äußerster Spannung erwartete Großangriff war ausgeblieben. Man war der Meinung, daß der Feind vor diesem Korps, dank dem außerordentlich wuchtigen Gegenfeuer der trefflich geleiteten Artillerie, nicht zur Entfaltung seiner Kräfte gelangt sei und erwartete sein Vorgehen für den kommenden Morgen. Indessen hielten die Beobachter auch am 15. Mai vergebliche
Ausschau. Nur kleine feindliche Gruppen traten da und dort aus den Schützengräben hervor, um eiligst umzukehren, sobald die Artillerie ihnen einige wohlgezielte Lagen entgegenschickte. Dank der reichen Ausstattung mit Schießbedarf konnten die feindlichen Sturmgräben zeitweise tüchtig beschossen werden. Dadurch — so dachte man — mochte dem Feinde die Unternehmungslust genommen worden sein.
Das k.u.k. VII. Korps hatte sich hingegen neuer Angriffe zu erwehren, die allerdings weniger entschlossen geführt wurden als am Vortage. Wieder hämmerten die italienischen Batterien und Minenwerfer mehrere Stunden auf die Stellungen der 17. ID., während sich Infanterieketten vorarbeiteten, die dann kühn zum Sturme schritten. An einigen Stellen kam es zum Handgranatenkampf, auch zum Handgemenge, wobei die Ungarn die Oberhand behielten. Die Angriffskraft der Italiener war schon im Erschlaffen. In der Nacht, die diesem vierten Schlachttage folgte, verstummten Geschütze und Gewehre. In der Dunkelheit tauchten auf dem blutgetränkten Schlachtfeld Gestalten auf, die offenbar bemüht waren, die zahllosen Schwerverwundeten und Toten aufzulesen und zu bergen.
Am nächsten Tage rafften sich die Italiener nur noch zu örüichen Vorstößen auf. Bei Spacapani an der Wippach versuchten sie zu Mittag einen Überfall, der von den Schützen der 44. SchD. leicht abgewiesen wurde. Zur selben Zeit bemerkte man bei der 17. ID., daß der Feind, kriechend und in kleinen Sprüngen voreilend, sich in den Karstlöchern vor der Höhe -c>- 378 scheinbar zu einem neuen Angriffe sammle. Dieses Unterfangen wurde durch die angerufenen Batterien sehr bald vereitelt. Vor dem XXIII. Korps beschränkten sich die Italiener wieder nur auf einige kleinere Unternehmen, so in der Gegend von Hudilog, die keine andere Wirkung übten, als unser Geschützfeuer auszulösen. Am späten Abend erfolgte dann noch eine zweistündige heftige Kanonade gegen die Front der 16. ID. in der Senke von Jamiano. Der Zweck dieses Tuns fand keine Erklärung. Von nun an trat auf der ganzen Karsthochfläche Ruhe ein. Diese durch vermindertes Donnern der Geschütze und kürzeres Rasseln der Maschinengewehre gekennzeichnete Pause hielt auch über die nächsten Tage an.
Die italienische 3. Armee hatte ihre Aufgabe nicht zu erfüllen vermocht. Der erwartete Einfluß des Unternehmens auf den rechten Flügel der Nachbararmee blieb aus. Wohl aber hinterließ die beim Gegner hervorgerufene außerordentlich lebhafte Gegenwirkung, vor allem die Wucht seines Abwehrfeuers, einen so starken Eindruck beim 3. Armeekommando, daß es der Durchführung des folgenden Hauptangriffes mit Sorge entgegensah. Der Herzog von Aosta schlug unter diesem Eindrücke der Heeresleitung eine Änderung der ursprünglich festgesetzten Schlachtordnung vor.
Auf Seite der Verteidiger hinwieder fand man nicht bald eine Erklärung für das Verhalten des Feindes auf der Karsthochfläche, von dem man im Anschluß an die zweitägige Artillerievorbereitung anderes erwartet hatte. Das Gesamtbild, das man sich vordem über den Verlauf der Schlacht gemacht hatte, erschien völlig verzerrt. GM. Anton Ritt. v. Pitreich, damals Chef der Operationsabteilung des Armeekommandos in Adelsberg, berichtet, daß die Nacht zum 16. Mai eine der sorgenvollsten der ganzen, langandauernden Schlacht war1).
Die beim k.u.k. XXIII. Korps plangemäß für den 15. Mai festgesetzt gewesene Ablösung der 28. ID. durch die 10. ID. war unterblieben. Erst als der Stillstand wider alles Erwarten an der ganzen Karstfront anhielt, begann am 21. nachts der unerläßlich gewordene Austausch der genannten Divisionen.
Der Ausklang des ersten TZeiles der Schlacht (17. bis 20. Mai)
Die italienische Heeresleitung sah sich schon am 16. Mai zu einer Änderung der Schlachtordnung veranlaßt, denn die Ereignisse nahmen nicht den in den Richtlinien vom 19. April erwarteten Verlauf. Nach Anschauung des Heerführers schränkte sich die Kriegshandlung der Görzer Armee zusehends auf das Gebiet Kuk—Mt. Santo ein, wo das II. Korps einige beachtenswerte Erfolge erzielt hatte, wogegen die Angriffe im Becken von Görz scheinbar des Nachdruckes entbehrten. Nun war im Angriffsplan vorgesehen, daß die dritte Phase der Schlacht ohne Unterbrechung aus der zweiten Phase hervorgehen und sich zu einer geschlossenen Angriffshandlung entwickeln sollte. Das Versagen der Mitte vereitelte diesen Plan; der einseitige Angriff der Görzer Armee mußte in der Folge den Zusammenhang mit jenem der 3. Armee verlieren. Auf Grund dieser Erwägungen ordnete Cadorna an, daß Gen. Capello die Angriffe seines linken Flügels zwar noch fortsetzen solle, sie jedoch mit der Eroberung des Kuk und des Mt. Santo oder schon „mit dem Erreichen einer günstigen taktischen Lage“ zu
1 j P i t r e i c h, Die zehnte Isonzoschlacht, (S c h w a r t e, V, 372).
beenden habe. Sodann werde der Großangriff an der Front südlich vom Mt. Santo bis zur Meeresküste durchzuführen sein, wobei die 3. Armee die vorgeschriebenen Ziele behalten, die Armee des Gen. Capello aber kraftvoll im Becken von Görz — den Mt. S. Gabriele mitinbegriffen — neuerlich anzugreifen haben werde. Die ursprünglich vorgesehene Umstellung der Artillerie wurde nunmehr in der Weise abgeändert, daß nicht die um Görz bereitgehaltenen gut beweglichen Batterien (S. 135), sondern der Großteil der auf dem linken Flügel, beim II. und beim VI. Korps eingesetzten mittleren und schweren Batterien zur 3. Armee überzutreten hatten1). Als Zeitpunkt für den Beginn der solcherart abgeänderten dritten Phase der Schlacht wurde der 20. Mai in Aussicht genommen.
Bemerkenswert ist es, daß zu dieser Zeit das 3. Armeekmdo. dem Gen. Cadorna einen vollständig entgegengesetzten Vorschlag unterbreitete. Der Herzog von Aosta wies unter dem Eindrücke des Mißerfolges vom 14. und 15. Mai auf die außerordentlichen Schwierigkeiten hin, die seiner Armee bevorstünden, und empfahl, von der Offensive auf der Karsthochfläche Abstand zu nehmen. Er machte sich zugleich anheischig, der Armee Capello, die schon Erfolge heimgebracht habe, Kräfte abzugeben, damit sie die Entscheidung herbeiführe.
Auf Gen. Capello, der wahrscheinlich von dem Antrage des
3. Armeekommandos Kenntnis erhalten und infolgedessen eine Erweiterung seiner Ziele auf der Bainsizza in Aussicht genommen hatte, wirkte der Befehl der Heeresleitung wie ein kalter Wasserstrahl2). Mißmutig legte er am 17. Mai dem Höchstkommando in Udine dar, daß die Munition für das vorgezeichnete Angriffsfeld unzureichend sei. Er müsse sich auf die Eroberung des Kuk und des Mt. Santo beschränken und auf eine Erneuerung der Angriffshandlung im Becken von Görz ebenso verzichten, wie auf die beabsichtigte Erweiterung des geglückten Ablenkungsunternehmens am linken Flügel, bei Bodrez und Loga3). Ja, er entschloß sich sogar, die hier schon auf das linke Isonzo-ufer gelangten Bataillone zurückzurufen.
Es war kein Zufall, daß in diesen Tagen auch auf der anderen Seite, beim Armeekommando in Adelsberg, eine Änderung in der Auffassung der Lage eintrat. Noch am 16. mittags hatte GO. Boroevic dem FML. Fabini gedrahtet, er sei über die Vorgänge auf dem Mt. Santo
!) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 368.
2) Baj-Macario, Kuk, 57.
3) Capello, II, 58 f.
und auf dem Mt. Kuk sehr erstaunt. Dort sei es aus ungeklärter Ursache schwachem Gegner gelungen, Vorteile zu erringen. Die Reserven würden nicht zweckmäßig verwendet; die Verbände wären stark durcheinander geworfen. Das XVII. Korps werde vom Armeekommando keine Reserven mehr erhalten; es müsse sogar damit rechnen, solche abzugeben. Aber noch ehe vierundzwanzig Stunden vergangen waren, sah sich der Armeeführer veranlaßt, dem XVII. Korps ein weiteres Bataillon des XV. Korps sowie die beiden noch als Armeereserve zurückbehaltenen Bataillone des SchR. 37 zu unterstellen, und ferner den Aufstieg der 59. IBrig. (von der 43. SchD.) aus dem Wippachtale auf das Hochland von Ternová anzuordnen.
Der Grund zu dieser Sinnesänderung lag darin, daß die feindlichen Angriffe im Görzer Becken am 16. Mai nachmittags merkbar abflauten, in der Nacht ganz zum Stillstand kamen und des anderen Morgens nicht wieder auflebten, wogegen die Kämpfe beim XVII. Korps die ganze Zeit fortdauerten und scheinbar sogar noch an Heftigkeit Zunahmen. Auch neuere Nachrichten über die Verteilung der feindlichen Kräfte scheinen das Armeekommando umgestimmt zu haben.
In der Tat wogte in der Nacht auf den 17. Mai auf dem Kuk-rücken schwerster Kampf, bei dem die heldenhaften Egerländer des LstlR. 6 wiederholte Einbrüche in erbittertem Handgemenge abwehrten. Die Übermacht des Feindes kam immer schärfer zur Geltung. Gegen die gelichteten Reihen der 121. IBrig., die an dieser Stelle durch das LstlR. 6 und zuletzt nur noch durch die zwei ersten Bataillone des SchR. 37 verstärkt worden waren, trat italienischerseits schon die fünfte Brigade ins Gefecht. Die feindliche Artillerie, besonders jene auf der Korada, wirkte verheerend in Flanke und Rücken der ganz erschöpften Verteidiger, und bald nach Mittag besiegelte ein neuer, keine Opfer scheuender machtvoller feindlicher Stoß das Heldentum der tapferen Scharen, die trotz argen Wassermangels und dürftiger Verpflegung drei Tage lang um den Kukrücken gestritten hatten. Indessen war es noch immer nicht gelungen, den bei Bodrez über den Isonzo gekommenen Feind, dessen Stärke man allerdings weit überschätzte (S. 145), zurückzuwerfen.
Der Verlust der Kukhöhen übte auf die Führung einen starken Eindruck. FML. Fabini war sogleich entschlossen, von Vodice aus die Rückenlinie entlang vorstoßend, die verlorenen Stellungen zurückzugewinnen. Allein das Armeekommando, dem eine allzu hastige Befehlsgebung mißfiel, gab dem Korpsführer folgenden Bescheid: „Bei zuverlässiger
Festhaltung des linken Isonzoüfers zwischen Auzza und Descla ist mit Rücksicht auf den Zustand der dortigen Truppen von weiteren Offensivstößen in diesem Raume abzusehen. Im Gefechtsraume Plava—Kuk hat als Richtschnur für die Gefechtsführung dortselbst zu gelten, daß die Linie Descla—östlicher Höhenrand des Rohotp.—Vodice—-<^-652 unbedingt zu behaupten sein wird. Wenn sich bis morgen früh die Verhältnisse für die Wiedergewinnung des Kukrückens günstig gestalten sollten, steht es dem Korpskommando frei, sein Verhalten darnach zu regeln. Es diene dem Korpskommando zur Kenntnis, daß vor dem 19. Mai früh, wie sich die Verhältnisse auch immer gestalten mögen, eine weitere Verstärkung nicht erfolgen kann.“ Inzwischen ordnete das Armeekommando das Vorziehen der weit hinten im Raume südlich von Idria aufrüstenden Artilleriebrigade der 106. LstlD. an sowie die Überstellung von zwei 15 cm-Haubitzbatterien des Abschnittes III an das XVII. Korps, und schließlich noch am Abend des 17. Mai den Abmarsch der 48. ID. von der Karsthochfläche in den Raum Hl. Kreuz— Heidenschaft, wo sie sich bereithalten sollte, um gegebenenfalls auf das Hochland von Ternová weiterzumarschieren. Da ferner zu dieser Zeit die ersten Bataillone der für den Nordflügel der Armee bestimmten 24. ID. in Podmelec eintrafen und auf die Hochfläche von Bainsizza abrückten, ergab sich im Abschnitt Ila — so hieß der Befehlsbereich des XVII. Korps — eine Anhäufung von Kräften, die bald fünf Divisionen erreichten. Es erschien wünschenswert, die Befehlsverhältnisse neu zu regeln. Daher entsandte GO. Boroevic das ihm von der Heeresleitung Ende April zur Verfügung gestellte XXIV. Korpskmdo., GdI. Lukas, nach Chiapovano, damit es sich im Bereiche orientieren und später das Abschnittskommando übernehmen könne.
Seltsamerweise war das Ereignis, das den letzten Anstoß zu den
geschilderten weitreichenden Maßnahmen der öst.-ung. Führung ge
geben hatte, der Verlust des Kukrückens, aus einer örtlich begrenzten, ja sogar vereinzelten Angriffshandlung der Italiener hervorgegangen. An der ganzen übrigen Front war die Görzer Armee am 17. Mai untätig geblieben. Gen. Capello hatte diesen Tag dem Ordnen und Umstellen
seiner Kräfte gewidmet. Die erfolgreiche Gruppe auf dem Kuk ging
denn auch über die erreichte Kammlinie nicht weiter vor. Infolgedessen trat abends auch hier Ruhe ein. FML. Fabini unterließ, nach neuerlicher Aussprache mit dem Armeekommando, den beabsichtigten Gegenangriff. Dem ganz vereinzelt auf der „blutigen“ Kote noch immer ausharrenden Bataillon 11/52 wurde die Preisgabe dieser Stellung und die
Verstärkung jener bei der Höhe -<>- 363 in Paljevo befohlen, von wo die neue Verteidigungslinie, das Rohottal überquerend, gegen die Höhe -ę- 652 nordwestlich vom Kobilek zu führen hatte. Die vom Bataillone zurückgelassenen Patrouillen wußten den Feind am ganzen 18. Mai die nächtlicherweile vollzogene Räumung zu verschleiern.
Im Becken von Görz, wo der Tag in auffallender Ruhe verlaufen war, unternahm nach Einbruch der Dunkelheit eine italienische Brigade ohne jede Artillerievorbereitung einen überfallsartigen Angriff gegen den Abschnitt Damber—S. Marco; aber die wachsamen Verteidiger ließen sich nicht überraschen und wiesen den Feind ab.
Als Ziel für die am 18. Mai mit ganzer Kraft wiederaufzunehmende Kriegshandlung hatte Gen. Capello dem II. Korps die Eroberung des Rückens Vodice—Mt. Santo vorgezeichnet. Namentlich der wuchtige Bergklotz652, der zwischen dem Weiler Vodice und dem Sattel -<>-503 emporragt und dessen Bedeutung für die Kampfführung durch einen Blick in die Karte überzeugend hervortritt, sollte bezwungen werden. Hiezu wurden neben der 53. ID. noch die von der 47. ID. herübergeholte 6. Alpinigruppe im ersten Treffen und die 12. Alpinigruppe dahinter bereitgestellt.
Nach einem bei Tagesanbruch unternommenen und vollständig mißglückten Angriff gegen den Mt. Santo, erfolgte nach vierstündigem Zerstörungsfeuer gegen 10h vorm. der erste feindliche Sturm bei Vodice und gegen die Höhe-<>'652. Er wurde zurückgeschlagen; einzelne kleine Abteilungen, die bis in die Verteidigungslinie vordrangen, mußten sich ergeben. Auch ein zweiter, bald darauf wiederholter Angriff wurde unter kräftiger Mitwirkung der Artillerie abgewiesen. Die Italiener erlitten große Verluste, ließen aber dennoch nicht locker und rannten neuerlich gegen die tapferen Streiter der 106. LstlD. an. Am Nachmittag gelang es ihnen endlich, sich in den Besitz der Kuppe zu setzen,. Ein schneidiger Gegenstoß des k. k. LstlR. 32 warf sie jedoch zurück. Das Kampfgetümmel dauerte bis tief in die Nacht hinein und endete mit einem Siege der Verteidiger. Inzwischen hatten die Alpini auch den Sattel -<>- 503 angegriffen. Sie waren an dem heldenhaften Widerstand des k. k. LstlBaons. 40 abgeprallt.
Indessen war nach beschwerlichem Nachtmarsch die 59. IBrig. (IR. 24 und 41) bei Ternová eingetroffen. Nur mit Widerstreben willigte das Armeekommando ein, daß diese Brigade in den Abendstunden näher an das Gefechtsfeld • ,,zur unbedingten Festhaltung des Raumes Vodice—Mt. Santo“ herangezogen werde. GO. boroevic mahnte zugleich das Korpskommando zu größter Zurückhaltung. Die Lage im Abschnitte gestatte keine weiteren Experimente. Alles sei daran zu setzen, keinen Schritt Boden mehr aufgeben zu müssen. Es erscheine zweckmäßiger, die Kampflinie von Haus aus stark zu besetzen, anstatt durch zu weit zurückgehaltene Reserven blutige Gegenangriffe zu führen.
Diese Mahnung erschien dem auf dem Schlachtfelde weilenden und mit der Entwicklung der Lage besser vertrauten Korpskommando nicht sehr zeitgemäß1). Dessenungeachtet befahl FML. Fabini die Ablösung der im besprochenen Kampfraum stehenden Truppen durch die 59. IBrig., Oberst Kosel. Dieser Austausch konnte gerade noch rechtzeitig durchgeführt werden. Ein um Mitternacht den Italienern geglückter Einbruch auf der Höhe -c>- 652 wurde bereits von dem bukowinaischen IR. 41 im Gegenangriff ausgeglichen. In dieser Nacht war es endlich auch möglich geworden, die gelichteten und ermatteten Bataillone der Brigade Obst. Kouff durch die zweite Brigade der 106. LstlD., die 111. LstlBrig., abzulösen. Die Verluste der zurückgezogenen Einheiten waren außerordentlich hoch. Sie erreichten bei einzelnen Truppenkörpern bis zu 60 v. H. des Gefechtsstandes.
Die nächsten Tage waren wieder von wechselvollen Kämpfen, vornehmlich um den Höhenrücken Vodice—Mt. Santo, erfüllt. Die Ausdauer, mit der die Italiener ihr Ziel zu erreichen suchten, verdient nicht weniger Bewunderung als die Zähigkeit, mit der sich die aus allen Teilen der Donaumonarchie stammenden Truppen verteidigten. Kaiser Karl, der am 18. Mai an der Isonzofront weilte, erließ einen Befehl, in dem es hieß: „Heute, während des zehnten Ansturmes der italienischen Armee, war ich Augenzeuge der Kämpfe, die meine ,Isonzo-Armee‘ neuerlich zu bestehen hat. Euch tapfer und mit todesmutiger Zähigkeit schlagend, daher erfolgreich wie bisher, werdet ihr unter der bewährten Führung eueres Armeekommandanten und aller erprobten Führer dem Feinde auch diesmal die Stirne zu bieten wissen. Der herrliche Geist und die zuversichtliche Stimmung der vielen Truppen, die ich heute persönlich begrüßen konnte, bürgen mir dafür. Der Herr der Heerscharen führe meine brave ,Isonzo-Armee‘ zu Ruhm und Sieg!“ Am 19. Mai vormittags wurde der vor der Vodicehöhe liegende Feind durch kräftiges Feuer der Verteidigungsbatterien in Schach gehalten. Erst nachmittags erhob er sich zum neuen Ansturm. Es war nicht zu verhindern, daß er in die völlig zerschossene Verteidigungsstellung eindrang. So kam es zum schweren Ringen mit Bajonett und x) Fabini, Bainsizza, 348.
Handgranaten. Die „Einundvierziger“ hielten durch, die Italiener mußten wieder zurück.
Mittags übernahm GdI. Lukas die Gefechtsleitung im Abschnitt Ha. Dem XVII. Korpskommando oblag fortan bloß die Führung der beiden nördlichen Divisionen, der 106. und der 62., während die südliche 57. ID. unmittelbar dem Abschnittskommando unterstellt wurde. Zur einheitlichen Leitung der Artillerie hatte das Armeekommando den Oberst Scheucher des Artilleriestabes entsandt. Die 106. FABrig. konnte nun nach ungemein beschwerlichem Marsch ihre Batterien auf der Bain-sizza in Stellung bringen.
Im übrigen war es an diesem Tage im ganzen Armeebereiche zu keinen ernsten Kämpfen gekommen. Es ergaben sich keine Anhaltspunkte zur Klarstellung der weiteren Absichten des Feindes. Nur so viel schien sicher, daß die Italiener Verstärkungen gegen den Raum Höhe-<^652—Mt. Santo heranführten. Die Ereignisse der letzten Tage lenkten die Aufmerksamkeit immer wieder auf den Abschnitt Ila. Den dort aufgetretenen Feind schätzte man auf acht Divisionen. Nichtsdestoweniger hielt die Spannung auch im Becken von Görz, wo man ebenfalls acht Divisionen festzustellen glaubte, sowie vor der Karstfront, vor der etwa vierzehn Divisionen gemeldet wurden, unvermindert an. Das Armeekommando, dem nunmehr ein neuerlicher feindlicher Ansturm gegen den Südflügel „nicht ausgeschlossen“ erschien, berichtete am 19. Mai nach Marburg und Baden, daß es zur Nahrung des Kampfes auf der Hochfläche von Bainsizza noch die 48. ID., die in der letztvergangenen Nacht nach Temova marschiert war, sowie die soeben anrollende 24. ID. zur Verfügung habe. Die zwei noch auf der Karsthochfläche von Comen bereitstehenden Eingreifsdivisionen müßten unbedingt zur Behauptung des Wippachtales und der Karsthochfläche aufgehoben bleiben. Es wäre daher gut, schon jetzt zu erwägen, was der Isonzo-armee zugeführt werden könnte, „falls die Schlacht sich sehr in die Länge zöge“. Indessen verfügte GO. Boroevic noch am 19. Mai abends die Verschiebung der 60. IBrig. (halbe 9. ID.) von der Gegend bei Comen in jene von Hl. Kreuz, mit der Begründung, daß dadurch die Brigade näher zum Abschnitt Ila gelange, ohne zugleich ihren Abstand von der Karstfront zu vergrößern. Die angerufene Heeresleitung traf in den nächsten Tagen in der Tat Vorsorgen zur Verstärkung der Isonzoarmee.
Am späten Abend erhielt das Kommando in Adelsberg von der Heeresleitung die auffallende Mitteilung, der italienische Kriegsbericht vom 19. Mai gebe kund, daß die Italiener bei Loga und Bodrez auf das westliche Isonzoufer zurückgegangen seien. Der tatsächlich am 18. Mai nachts erfolgte Rückzug war der Aufmerksamkeit der dort stehenden Landstürmer entgangen.
Im Laufe der Nacht zum 20. Mai waren endlich alle Batterien der 106. FABrig. auf der Bainsizza aufgefahren. Sie verstärkten die Morgengrüße, die ihre Waffengefährten dem Feinde entgegensandten. Dessenungeachtet ließen sich die Italiener von ihrem Vorhaben nicht abhalten, das diesmal der Eroberung des Mt. Santo galt. Der auf dem westlichen Berghang hinangeführte Sturmangriff gegen die 5. IBrig. blieb zuerst im Sperrfeuer stecken; dann raffte sich der zähe Feind wieder auf, und nun gelang es ihm an mehreren Stellen unweit der Klosterruine, in die zerschlagenen Verteidigungsstellungen einzudringen. Aber er konnte sich dort nicht behaupten; denn die Abschnittsreserven kamen heran und eroberten die Stellung zurück. Bei diesem Gegenangriff zeichnete sich namentlich das südsteirische LstIBaon. 111/26 aus. Gleich darauf setzte allerdings die feindliche Artillerie wieder mit heftigstem Vernichtungsfeuer ein, das den tapferen öst.-ung. Bataillonen beträchtliche Verluste eintrug. Doch auch unsere Batterien blieben nicht müßig und unterbanden jede Bewegung des Feindes. Erst als die sinkende Nacht das Geschützfeuer schwächer werden ließ, versuchten die tapferen Italiener nochmals vorzubrechen, — diesmal an der ganzen Front von Vodice bis zum Dolsattel. Es war ein Todeslauf, der ihnen schwerste Opfer kostete. Mit diesem Gefecht schloß der dem Gen. Capello seinerzeit vorgeschriebene Großangriff ab. Die nächsten Tage verliefen verhältnismäßig ruhig. Spätere, nach dem 23. Mai wieder auflodernde Kämpfe im Gebiete des Vodice und Mt. Santo sowie bei Görz, entsprangen jener Nebenaufgabe, die der Görzer Armee in der dritten Phase der Schlacht zufallen sollte.
Die Italiener hatten sehr große Verluste erlitten. Allein im engen Kampfraum um Vodice, wo drei Brigaden und zwei Alpinigruppen (zusammen 26 Bataillone) ins Gefecht getreten waren, verloren sie 464 Offiziere und über 11.000 Mann J). Aber auch die Abgänge der öst.-ung. Truppen waren nicht gering. Das XVII. Korps verlor in der Zeit vom 12. bis zum 20. Mai 1600 Tote, 8370 Verwundete und 2450 Vermißte, ferner 12 leichte Geschütze und 6 Minenwerfer; beim XVI. Korps zählte man 860 Tote, 3150 Verwundete und 930 Vermißte; beim Abschnitt III: 770 Tote, 4010 Verwundete und 150 Vermißte.
Pinchetti, Isonzo 1917 (Mailand), 94.
Die Verminderung des Gefechtsstandes der Isonzoarmee betrug, wenn man die in dieser Zeit angefallenen 6500 Kranken hinzurechnet, beinahe 30.000 Mann. Nun standen bei der Armee noch rund 65.000 Mann in den Marschformationen zur Verfügung. Sie erschienen aber nich: ausreichend, um die noch bevorstehenden Verluste, die man vorausschauend mit 60.000 Köpfen bezifferte, zu ersetzen. Die Heeresleitung hielt es demnach für notwendig, der Isonzoarmee baldigst neue Kräfte zuzuführen, und ersuchte am 23. Mai die Oberste Kriegsleitung, noch zwei Divisionen der Ostfront auszulösen, um sie nach dem Südwesten überführen zu können. So kamen anfangs Juni die 21. SchD. und etwa Mitte Juni die 12. ID. zur Isonzo-Armee.
Der zweite Waffengang (23. bis 28. Mai)
Der Hauptangriff der Armee Aosta Hiezu Beilage 9
Die italienische Heeresleitung hatte die Einwendungen des Gen. Capello gegen das Einbeziehen seines rechten Armeeflügels in die Schlachtordnung der dritten Phase anerkennen müssen; denn es war ihr nicht möglich gewesen, den Schießbedarf für die Görzer Armee in dem ausbedungenen Ausmaße zu vermehren (S. 153). Sie entband daher Capello von der am 16. Mai befohlenen Teilnahme an dem entscheidungsuchenden Hauptangriff. Die 3. Armee hatte nun allein mit verstärkter Kraft zwischen der Wippach und dem Meere anzugreifen. Ihr Führer durfte jedoch mit gleichzeitigen Ablenkungsangriffen des Nachbarn im Becken von Görz rechnen, insbesondere mit einer kräftigen unmittelbaren Unterstützung durch seine Artillerie. Die beiden Armeekommandanten sollten hierüber das Einvernehmen pflegen. Der Herzog von Aosta mochte den Zeitpunkt für den Beginn der Handlung festsetzen ’). Die 3. Armee wurde bedeutend verstärkt, und zwar bezeichnenderweise durch drei Brigaden, die früher der Görzer Armee zugewiesen worden waren, sowie durch mehrere Brigaden, die Mitte Mai von der Tiroler Front herübergeholt wurden. Außerdem kamen noch zahlreiche mittlere und schwere Batterien der Armee Capello zu der des Herzogs von Aosta. Dadurch erreichte die 3. Armee einen Gefechtsstand von 246 Bataillonen. Die Zahl 1 Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 371.
der Geschütze wird mit 1250, jene der Minenwerfer mit 584 angegeben1). Diese ungeheure Masse von Menschen und Mitteln wurde auf einem Gefechtsfelde von rund 18km Breite eingesetzt!
Das gleichzeitige Unternehmen der Görzer Armee ging über das Maß eines Ablenkungsuntemehmens weit hinaus. Offenbar wollte Gen. Capello das in der zweiten Phase nicht erreichte Ziel, die Eroberung des Mt. Santo, nun in letzter Stunde verwirklichen und zugleich auch dem einmal von der Heeresleitung ausgesprochenen Wunsch nach einem stärkerem Druck im Görzer Becken Rechnung tragen (S. 153). Die Kampfhandlung in den bezeichneten Gebieten gewann daher das Merkmal sehr ernster Angriffe.
So begann denn am 23. Mai am Isonzo ein Großkampf mit einer Kraftentfaltung, wie sie diese Front kennen zu lernen bisher noch niemals Gelegenheit gehabt hatte. Mit einem Schlage war von Plava bis zum Meere in einer Breite von 40 km die Schlacht entbrannt. Sehr rasch erfaßte GO. Boroevic die Lage. Schon um 8hvorm. meldete er: ,,Mit heutigem Tage scheint der zwreite Teil des blutigen Ringens beginnen zu wollen; es dürfte sich diesmal vornehmlich auf der Karsthochfläche abspielen.“ Und in der Tat lenkte die Schlacht nunmehr in jene Bahn ein, auf der man sie von allem Anfang an erwartet hatte.
Indessen war freilich eine sehr ins Gewicht fallende Verschiebung der großen Reserven eingetreten. Hinter der Karstfront standen jetzt nur die 17. IBrig. und die Masse der eben aus der Kampflinie geschiedenen 28. Division. Das Eintreffen der 35. ID. war erst angekündigt. Im ersten Treffen standen nach wie vor die sechs Divisionen des VII. und des XXIII. Korps. Da nach den vorangegangenen Kämpfen erwartet werden konnte, daß das VII. Korps imstande sein werde, aus eigener Kraft standzuhalten, war dem FML. Schariczer vom Abschnittskommando III bedeutet worden, daß er keinesfalls auf Verstärkungen rechnen dürfe. Der Korpsführer bildete sich daraufhin eine Reserve aus fünf Bataillonen, die er den unterstehenden Divisionen entzog. Das Urteil über die Widerstandkraft des XXIII. Korps lautete nicht anders. Dessen Lage war jedoch insoferne schwieriger, als seine Front weit vorsprang. Besonders der Abschnitt zwischen Hudilog und der Trigono-meterhöhe 208, vor dem die Italiener sehr nahe standen und auch die Möglichkeit hatten, große Kräfte nahe bereitzustellen, galt schon immer als der gefährdetste der ganzen Karstfront. Dessenungeachtet sah FML. Schenk, der in den Herbstschlachten des Vorjahres mit seinen Truppen
*■) Pinchetti, 64 und 98.
nicht um einen Schritt zurückgewichen war, dem feindlichen Angriffe mit voller Zuversicht entgegen. Das Korps hatte drei Divisionen mit 25 Bataillonen in der Front und 8 Bataillone als Korpsreserve ausgeschieden. 5 von der 10. ID. und 3 von der 7. Division. Es konnte auf Verstärkung rechnen.
Es war ein Mißgeschick, daß die ursprünglich für den 15. Mai vorgesehene, dann aufgeschobene Ablösung der 28. ID. durch die 10. ID. erst am 21. und 22. nachts erfolgte. Als am Morgen des 23. Mai äußerst heftiges Geschütz- und Minenwerferfeuer einsetzte, befanden sich noch zwei Bataillone und das Kommando der 28. ID. im Frontabschnitt, so daß FML. Schneider Edl. v. Manns-Au die Führung behielt. Auch bei der 7. ID. war die Ablösung des IR. 37 durch das IR. 38 gerade in der Nacht auf den 23. Mai erfolgt, in der die italienische Artillerie das Einleitungsfeuer begann.
Die Beschießung nahm mit jeder Stunde zu und erreichte alsbald eine auch auf diesem Kriegsschauplatz noch nie gekannte Stärke1). Unter dem Schutze dieses Feuers arbeitete sich die italienische Infanterie vor. Bei Kostanjevica schien es, daß sie schon vormittags zum Angriff schreiten wolle. Dies löste Sperrfeuer aus. Von Mittag an war auch die Artillerie des Verteidigers in voller Tätigkeit. Das ganze Karstland dröhnte und stöhnte im Donner der Geschütze und im Krachen der Geschosse.
Um 4h nachm. erfolgte der Großangriff der Infanterie. Gegen den rechten Flügel und die Mitte des k.u.k. VII. Korps liefen die 63. und die 22. ID. Sturm. Ihre Angriffe zerschellten — so wie acht Tage vorher — teils im Artillerie- und Maschinengewehrfeuer, teils im erbitterten Handgranatenkampf. Wo die Italiener in die vorderste Stellung einzudringen vermochten, so auf der Höhe -<^379, wurden sie durch sofort einsetzenden Gegenstoß zurückgeworfen. Anders bei Kostanjevica. Hier gelang der verstärkten 4. ID. gegen die 41. HID. ein glatter Durchbruch. Die Italiener drangen in den zerschossenen Ort ein und faßten auf der Kirchhofhöhe festen Fuß. Weiter kamen sie allerdings nicht,
Für ein Urteil über die Heftigkeit des Feuers ist neben der mitgeteilten Anzahl an schweren Waffen auch deren Feuergeschwindigkeit bedeutsam. Der öst.-ung. Artillerie war auf Grund reicher Erfahrungen vorgeschrieben, daß im „lebhaften Dauerfeuer“ jedes leichte oder mittlere Geschütz 30 bis 40 Schuß in der Stunde abgeben könne. Die italienische Artillerie dürfte mit der gleichen Feuergeschwindigkeit geschossen haben. Demnach mochten während des zehnstündigen Vorbereitungsfeuers mehr als eine halbe Million Artilleriegeschosse und Minen auf die öst.-ung. Stellungen eingefallen sein.
denn die Honvéd raffte sich bald wieder auf und begegnete den Eindringlingen durch schneidig geführte Gegenangriffe. Die Kämpfe um Kostanjevica dauerten bis in die späten Abendstunden an. Erst dann konnte FML. Schamschula melden, daß der Feind vollständig zurückgeschlagen und die erste Linie völlig wiedergewonnen sei. Da anzunehmen war, daß der feindliche Durchbruchsversuch wiederholt würde, stellte FML. Schariczer ein Bataillon der Korpsreserve der 41. HID. zurück und zwei Bataillone der 17. ID. nordöstlich vonVojščica bereit.
Die Masse der Armee Aosta — das XIII. und das VII. Korps — hatte sich aber auf das k.u.k. XXIII. Korps gestürzt. Gegen die 25 Frontbataillone dieses Korps gingen im ersten Treffen die 31. ID. mit vier Brigaden, die 34., die 33. und die 16. ID. mit je drei sowie die 45. ID. mit zwei Brigaden vor. Dank dieser gewaltigen Übermacht gelang es den Italienern, die durch das zehnstündige Vernichtungsfeuer zermürbten Verteidiger an mehreren Stellen schon im ersten Anlauf zu überrennen. Der erste Durchschlag erfolgte bei Lukatič, wo das IR. 98 auf dem Südflügel der 10. ID‘. erst vor wenigen Stunden die ihm fremden Stellungen übernommen hatte. Bald darauf durchstieß der Feind in der Senke von Jamiano den linken Flügel der 7. ID., wo das IR. 38 ebenfalls erst in der vergangenen Nacht das IR. 37 abgelöst hatte. Die in der Mitte und auf dem rechten Flügel dieser Division fechtenden drei Bataillone wurden in Flanke und Rücken gefaßt und gefangen. In beängstigend kurzer Zeit war die ganze Mitte des XXIII. Korps förmlich herausgerissen.
Unverzagt eilten indessen die nächsten Reserven vor. Dem 4. Bataillon des so übel weggekommenen IR. 98 gelang es, bei Lukatič die lb-Linie zurückzugewinnen. Hier deckte es den linken Flügel des böhmischen IR. 21, das seinen stark vorspringenden Abschnitt von Hudilog gegen alle feindlichen Anstürme gehalten hatte. Tollkühn warf sich bei der 7. ID. das Bataillon 1/68 dem Feind entgegen, der unablässig durch die geschlagene Bresche vorging. Es gelang diesem schneidig geführten Bataillon, nicht nur die erste Linie zu erreichen, sondern sogar noch darüber hinauszustoßen, wobei es 700 Gefangene einbrachte. Freilich opferte es sich dabei selbst auf. Das Bataillon zählte nur mehr 100 Streiter. Diese kühne Tat bewirkte aber, daß der Strom der feindlichen Massen in Verwirrung geriet und zeitweilig aufgehalten wurde. Beim Durchbruch in der Senke von Jamiano war auch der rechte Flügel der 16. ID., GM. Adalbert v. Kaltenborn, mitgerissen worden. Ein Bataillon und das Kommando des IR. 2 waren in Gefangenschaft geraten.
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Auch hier griffen die Reserven entschlossen ein, und das 4. Bataillon des ebengefiannten Siebenbürger Regimentes gewann die verlorenen Stellungen bei Kote 144 wieder zurück. 800 Gefangene blieben in seiner Hand. Bei Komarje stellte sich indessen das Bataillon I 38 dem schon über Jamiano vordringenden Feind entgegen. Die Mitte der 16. ID. (Bataillone II 2, I 62, III 64) hatte mittlerweile bei Pietra rossa allen feindlichen Anstürmen getrotzt. Der linke Flügel, das IR. 31, führte einen schweren Kampf, weil hier die Artillerieunterstützung infolge einer Verkettung widriger Umstände ausblieb.
Da das furchtbare feindliche Zerstörungsfeuer alle Drahtverbindungen an der Kampffront zerrissen hatte und auch die Läufer erschlagen wurden, blieben das Korpskommando wie auch die Divisionsführer vornehmlich auf Meldungen der von der Hermada ausschauenden Artilleriebeobachter angewiesen. Mit Beginn des italienischen Massensturmes war die Kampfzone in Staub und Rauch gehüllt. Erst allmählich, dann aber überhastet und alarmierend langten beim Korpskommando oft sehr übertriebene Augenblicksbilder ein. So wurde in überstürzender Folge gemeldet, die Front bei Lukatič sei durchbrochen, die Infanterie weiche gegen Veršič zurück, feindliche Massen strömten nach und ähnliches mehr. Um 5h nachm. hieß es, daß der Feind schon die Linie Höhe 235—Jamiano in östlicher Richtung überschreite und eine halbe Stunde später, daß auch der linke Flügel der 16. ID. durchbrochen sei. Das Korpskommando hatte schon am Vormittag einen Teil seiner Reserven vormarschieren lassen. Nun wies es eiligst der 10. ID. zwei Bataillone, der 7. ID. ein Bataillon zu und gebot den Divisionsführern, die erste Linie zurückzugewinnen. Aber der Lauf der Ereignisse eilte rascher als gedacht. Schon schien die Artillerie in den vorderen Stellungen bedroht zu sein. FML. Sehneider-M.anns-Au wurde jetzt angewiesen, seine Reserven zum Schutze der Batterien in den Veršičriegel vorzuschieben. Gleich darauf erhielt GM. Edl. v. Schmid, Führer der 7. ID., den neuerlichen Befehl, es werde ihm das IR. 37 unterstellt und zur Pflicht gemacht, den Feind aus dem Brestovicatal hinauszuwerfen, „mindestens aber die K-Linie zu halten“ ^ Die einzigen hinter der Front stehenden größeren Reserven, die Brigaden der 28. ID., wurden angewiesen, sich bereitzustellen, und zwar die SS.IBrig. im Raume östlich von Nabresina, die 56. IBrig. südlich von Comen; überdies ließ das Abschnittskommando III
1/ Der Veršičriegel lag westlich des gleichnamigen Ortes. Die K-Linie war die von Kostanjevica nahezu geradlinig über Brestovica dl. zur Hermada führende Aufnahmsstellung.
die 17. IBrig. um eine Wegstunde in den Raum zwischen den beiden vorgenannten Brigaden vorwärtsrücken.
Indessen war es Abend geworden. Bei Hudilog hielten das hervorragend tapfer fechtende IR. 21 und das Bataillon I V/98 weiterhin allen Angriffen stand. Das Bataillon 11/11 und ein halbes Bataillon IV/47 lagen im Veršičriegel1). Den Kampfabschnitt befehligte Obst. Edl. v. Lunzer, Kommandant der 20. Brigade. Um etwa 7h drangen die Italiener neuerlich in Lukatič ein. Zur selben Zeit erreichten ihre vorderen Regimenter die Kuppen -<J>-247, -cj>-241 und-<>-235 auf der Fornaza westlich von Selo, wo sich ihnen zwei Bataillone des IR. 55, zwei des IR. 15 und eines vom IR. 37, allerdings nicht in geschlossener Ordnung, entgegenwarfen. Um diese Kuppen auf der Fornaza wurde bis in die Nacht hinein gekämpft; doch blieben sie schließlich im Besitz des Feindes. In der Senke von Jamiano standen das Bataillon 1/38 sowie die eingetroffenen Bataillone IV/38 und 111/15 in der lc-Linie im Kampfe mit überlegenen feindlichen Kräften. Die Mitte der 16. ID. hielt noch immer ihre erste Stellung. Indessen war aber der linke Flügel zurückgeworfen worden. Hier hatte das IR. 31 nach hartem Ringen die Höhe -<j>-77 schließlich preisgeben müssen. Nur wenige Überlebende dieses braven siebenbürgischen Regimentes sowie einige Sappeurzüge, die ihren Kameraden beigesprungen waren, fanden sich in der genannten lc-Linie bei S. Giovanni und beim Nordtunnel wieder, wo drei frische Kompagnien, die letzte Reserve der 16. ID., zu ihnen stießen.
Die Nacht senkte sich über das Schlachtfeld. Mit festem Willen verfolgte FML. Schenk noch immer das Ziel, den eingebrochenen Feind zurückzuschlagen. Noch um 10hnachts befahl er die Bereitstellung aller Reserven zu einem geschlossenen Gegenangriff rittlings des Weges von Selo zur Trigonometerhöhe 208. Allein es zeigte sich, daß das Zusammenführen der zum Teil schon in den Kampf getretenen und erschöpften Bataillone auch deswegen nicht möglich war, weil man über die Lage noch immer kein klares Bild gewinnen konnte. Das IR. 37, das nach seiner Ablösung weit zurückmarschiert war, traf sehr ermüdet erst in der Nacht bei Str. Lokva ein. Daher entschied sich das Korpskommando, dem jetzt die Weisung des Abschnittskommandos III zuging, vor allem den Besitz der Artillerieschutzstellung Kostanjevica—Korite— Fornaza—Flondar zu sichern und dazu auch die noch in der ersten Stellung haltenden Teile des Korps in die bezeichnete Linie zurückzunehmen. Zur Durchführung des erst um Mitternacht ausgegebenen
x) Vogelsang, Das steirische IR. 47 im Weltkrieg (Graz 1932^, 554 ff.
Befehles mußten mehrere Batterien der 7. und der 16. ID. zurückfahren. Trotz der sehr kurz bemessenen Zeit gelang der Stellungswechsel, so daß nur vier gesprengte Feldkanonen und zwei Grabenmörser in die Hände des Feindes fielen.
In dieser Nacht rückte die nunmehr dem XXIII. Korps unterstellte
17. IBrig. nach Vojščica dl. und Birhula vor und die 55. IBrig. hinter die Hermada heran. Die 56. IBrig. blieb im Raume südlich von Comen stehen, damit sie sich endlich einmal ausruhen könne. Auf Befehl des Armeekommandos marschierte ferner die 60. IBrig. von Hl. Kreuz im Wippachtale wieder auf die Karsthochfläche in den Raum Kopřiva und Krajna Vas zurück. Auch die 4S. ID. wurde vom Nordflügel herübergezogen. Zunächst kamen das Divisionskommando und die 12. GbBrig. von Ternová herunter ins Wippachtal; die 11. GbBrig. sollte folgen. Da endlich das Eintreffen der 35. ID. in Sankt Daniel angekündigt war, konnte man den nächsten Ereignissen immerhin wieder mit Beruhigung entgegensehen. GO. Boroevic legte der Heeresleitung dar, daß man es ,,gegenwärtig mit mindestens 32 feindlichen Divisionen zu tun habe, die gegen den Südflügel zu immer enger massiert“ seien. Diesem Massenansturm habe die Armee bisher standzuhalten gewußt. Die eintreffende 35. ID. stelle die letzte „für die Nahrung des Kampfes ab 26. Mai noch intakte Kraft dar“. Von der weiteren Heftigkeit des feindlichen Ansturmes werde es daher abhängen, inwieweit damit das Auslangen gefunden werden könne. Daraufhin bot die Heeresleitung alles auf, um die schon eingeleitete Überführung von Streitkräften der Ostfront zur Isonzoarmee zu beschleunigen und das Kommando der Südwestfront wies die 10. Armee und die Heeresgruppe in Tirol an, Reserven für eine rasche Abbeförderung bereitzustellen.
Kaum daß das erste Morgengrauen den 24. Mai ankündete, begann der Kampf von neuem. Er wurde durch das IR. 37 entfesselt, das, dem um Mitternacht erhaltenen Befehle gehorchend, nun von Selo gegen die Kuppen auf der Fornaza vorging. Das schon am Vorabend begonnene Ringen um diese Höhen in der Mitte des XXIII. Korps — es handelte sich hier nicht um eine befestigte Stellung — entwickelte sich ganz nach Art eines Begegnunggefechtes, denn auch die Italiener strebten nach ihrem Besitz, um darüber hinweggehen zu können. Beim ersten Kampfakt kamen unsere Truppen dem Feinde zuvor. Noch schwieg die Artillerie, als die ersten Gefechtsgruppen des IR. 37 in der Dunkelheit die Bewegung antraten. Ein Bataillonskommandant schilderte sein Erlebnis mit wenigen ungeschminkten Sätzen: „Ich führe das Bataillon persönlich. Vor -(>-247 stoßen wir auf Italiener. Kurzes Feuer — begeistertes Darauflosgehen meiner Leute. Durchbruch! Mehrere hundert Italiener werfen die Waffen weg und ergeben sich. Sofortige Aufnahme der Verfolgung. Kote 241 in Sturm genommen. Italiener ergeben sich. Meine Leute sind kaum mehr zu zügeln. Sie wollen bis in die gestern aufgegebene Stellung vorwärts gehen. Ich halte sie zurück, weil wir weit vorgeprellt sind und keine Verbindung haben. Es ist heller Tag geworden. Schwere Granaten schlagen um uns ein. Es ist ein Massenfeuer, wie ich es noch nie erlebt habe. Auch hinter uns bersten die Geschosse. Wir können uns nicht rühren. Um 7h feindlicher Angriff. Wir wehren ihn ab. Ich habe nur mehr ein Maschinengewehr. Neuerliches Massenfeuer über uns. Es gibt keine Deckungen. Die Mannschaft verkriecht sich, wird getötet, verwandet. Ich liege mit einigen Leuten in einem Sprengtrichter auf Kote 241. Eine Granate schlägt ganz knapp neben mir ein und verschüttet einige Leute. Wir graben sie aus und verlassen die Grube. Gegen llh läßt das Feuer nach. Ich will die Mannschaft sammeln, doch es ist vergeblich. Plötzlich taucht die italienische Infanterie auf. Es fallen einige Schüsse — ich finde mich in einem italienischen Lazarett wieder1).“
Zu Mittag waren die vielgenannten Höhen im Besitz des IR. 37. Zu dieser Zeit stellte sich die 17. IBrig., Oberst Chwostek, bei Selo zum Vorgehen bereit. Sie hatte in der Früh beim Korpskommando den Befehl erhalten, mit dem linken Flügel über Höhe -<>-235 auf Lukatič durchzustoßen. Als die Brigade die Bewegung antrat, ging eben ein mörderischer Eisenhagel über die vor ihr liegenden Höhen nieder, und bald darauf wich das IR. 37 zurück. Jetzt warfen sich die Bataillone der 17. IBrig. auf den nachdrängenden Feind und eroberten gemeinsam mit den Resten des genannten Regimentes die Höhe zurück; doch auch der Feind setzte frische Kräfte in den Kampf, der mit aller Erbitterung bis zum Abend weitergeführt wurde.
Gleichzeitig mit diesem schweren Ringen um die Korpsmitte gingen scharfe Kämpfe um die Flondarstellung einher. Hier stemmten sich die sehr gelichteten Reihen der 16. ID. dem Feinde entgegen, der kurz vor Mittag mit starken Kräften vorging. Zunächst gelang es den Italienern, in der Furche von Jamiano bis Klariči durchzustoßen. Ein Gegenangriff, der auf Befehl des Korpskommandos von den Bataillonen
III bh. 3 der 28. ID. und I 91 der 17. IBrig. durchgeführt wurde, brachte den Wiedergewinn der lc-Linie. Nach mehrstündiger Vorbereitung !) Aus einem vom GdI. Schcnk zur Verfügung gestellten Brief.
durch die Artillerie ließen die Italiener am Nachmittag neuerlich Welle um Welle gegen die ganze Front der 16. ID. vorgeben. Wuchtig war der Anprall des Feindes, aber auch hart der Widerstand des Verteidigers. In erbittertem Handgemenge warfen die Bataillone III'2 und IV/77 den auf der Höhe -ý- 146 und bei Flondar eingedrungenen Feind hinaus. Ein übriges tat die zielsicher schießende Artillerie, die weitere italienische Angriffe vereitelte.
Auf dem rechten Korpsflügel, dessen Führung vormittags der Kommandant der dort eingesetzten 10. ID., FML. Lischka, vom FML. Schneider-Manns-Au übernahm, hatte an diesem schweren Kampftage das IR. 21 bei Hudilog, fest wie ein Fels im Meere, den heranbrandenden Stürmen des Feindes wieder unbeugsam standgehalten. Erst nach Einbruch der Dunkelheit wurde Hudilog befehlsgemäß geräumt und der Hauptwiderstand in den Veršičriegel verlegt.
Die Kämpfe dieses Flügels standen im innigen Zusammenhang mit denen des VII. Korps. Bei diesem war es wieder der Raum um Kostan-jevica, wo der Feind um jeden Preis durchbrechen wollte. Mit teilweise frisch herangebrachten Brigaden setzten die Italiener im Laufe des Vormittags vier, sodann, nach neuerlicher Artillerievorbereitung, nachmittags fünf Massenstürme an, die teils im Sperrfeuer, teils in wütenden Handgranatenkämpfen Mann gegen Mann zusammenbrachen. Kein Italiener vermochte die la-Linie zu betreten. Nicht so hartnäckig waren neue Angriffe gegen die 17. ID., bei der es nur auf der Höhe-^378 zum Handgemenge kam. Andernorts zerschellte der Feind schon im Abwehrfeuer der Artillerie; so auch vor der 44. SchD., die alle Angriffe glatt zurückwies.
Die Italiener hatten sonach am 24. Mai an der ganzen Front des Armeeabschnittes III keinen Fortschritt erzielen können. Das Abschnittskommando ermittelte, daß bisnun 40 Regimenter angegriffen hatten, und rechnete damit, daß der Feind noch über beträchtliche frische Truppen verfüge. Neue schwere Kämpfe waren vornehmlich beim XXIII. Korps zu gewärtigen. FZM. Wurm ließ daher den FML. Schariczer wissen, daß er auch weiterhin mit seinen Kräften allein auskommen müsse, und wies den FML. Schenk an, ehetunlichst zuerst die 7. ID., die sehr große Verluste erlitten hatte, herauszuziehen und mit Marschformationen aufzufüllen. Dasselbe sollte dann auch mit der 16. ID. geschehen. An größeren Reserven standen noch zur Verfügung: die 60. IBrig., die in den Raum südlich von Comen vorrückte und in der Nacht mit der Spitze nach Vale gelangte, ferner von der 28. ID., deren Führung FML.
Schneider-Manns-Au zu Mittag wieder übernommen hatte, die 56. IBrig. hinter der Hermada und die noch nicht eingesetzten Teile der 55. IBrig. in der 2a-Linie am Westfuße der Hermada. Des weiteren war die 12. GbBrig. im Anmarsch nach Comen.
Das beim XXIII. Korps auch in der Nacht fortdauernde lebhafte Gefecht verhinderte die Auslösung der Reste der 7. Division. Also mußten deren verstreute Truppen noch einen dritten schweren Schlachttag in der Gefechtslinie überstehen. Die italienische 3. Armee legte vom 25. Mai an das Schwergewicht eindeutig auf den Südflügel. Da sie sich den Weg zur Hermada sowohl durch Kostanjevica als auch über die Bastion von Hudilog hinweg nicht hatte öffnen können und auch die neu errichtete Mauer Veršič—Fornaza nicht niederreißen konnte, versuchte sie, ihr Ziel geradeaus über Flondar und Medeazza zu erreichen.
Nördlich der Senke von Jamiano hielten die zwölf Bataillone des Obst. Chwostek (17. IBrig. und Reste der 7. ID.) den ganzen Tag über die am Vortage erreichte Linie. Selbst ein nach 4h nachm. gegen den ganzen Südflügel einheitlich vorbrechender mächtiger Angriff, der zu einem Durchbruch der Flondarstellung führte, war nördlich des Bresto-vicatales gescheitert. Als dann an dieser Stelle endlich Ruhe cintrat, konnten die Trümmer der 7. ID. aus der Front gezogen werden, worauf um Mitternacht das 9. IDKmdo., GM. Ritt. v. Gruber, den Befehl im Gefechtsraume von Selo übernahm. Die 7. ID. hatte 190 Offiziere, 5200 Mann und 41 Maschinengewehre verloren.
Auch die 16. ID. hatte tagsüber mehrere Vorstöße abgewehrt. Erst der vorerwähnte Massenangriff nach 4h nachm. brachte die im dreitägigen Kampfe stark gelichteten, aber noch immer erbittert sich wehrenden Bataillone dieser Division zum Weichen. Da eilten Teile der
28. ID. herbei und warfen sich dem Feinde entgegen. Hiebei zeichnete sich das Bataillon III 11 ganz besonders aus, indem es die Höhe knapp westlich von Medeazza zurückeroberte und nicht weniger als 1200 Gefangene einbrachte1). Zugleich lähmte das wuchtig einschlagende Feuer der Verteidigungsartillerie die Stoßkraft der Italiener, während kühn eingreifende Infanterieflieger das Vorwärtsgehen ihrer Reserven verzögerten. Bei all dem handelte es sich darum, den Feind so lange aufzuhalten, bis sich der vom XXIII. Korpskommando sofort in Aussicht genommene Gegenangriff geltend machen würde. Allein, noch bevor diese Absicht verwirklicht werden konnte, brach die Nacht an. FML. Schenk
J) Der Kommandant dieses Bataillons, Hauptmann Stanislaus Wieroński, erhielt für diese Waffentat das Ritterkreuz des Militär-MariaTheresien-Ordens.
Hatte dem FML. Schneider-Manns-Au die einheitliche Gefechtsführung aller Truppen (28. ID., 16. ID. und 60. IBrig.) im Abschnitt zwischen dem Brestovicatal und dem Meere aufgetragen und gleichzeitig befohlen: „Gegenangriff Direktion mit dem rechten Flügel über das Nordende Brestovica DI.—Klariči. Zweck ist die Wiedergewinnung der lc-Linie. Äußerstenfalls ist die Hermadastellung unbedingt zu behaupten.“ Der Abschnittskommandant FZM. Wurm verfügte den Vormarsch der 12. GbBrig. hinter die 60. IBrig. nach Klane und die Verstärkung der steirischen freiwilligen Schützen, die vom Küstenschutz nach S. Giovanni gesandt worden waren und dort hervorragend an der Abwehr mitgewirkt hatten. Damit waren aber auch alle Mittel erschöpft. Beruhigend wirkte es immerhin, daß am Abend schon sechs Bataillone der anrollenden 35. ID. bei St. Daniel eingetroffen waren, und daß zwei von Kämten kommende Bataillone des IR. 28 bei Prosecco ausluden.
Im Laufe des 26. Mai verdichteten sich die feindlichen Angriffe wieder auf dem Südflügel der Armee. Am Vormittag rüttelten die Italiener zwar auch an der Front des VII. Korps; doch konnten sie gleich wie am Vortage nirgends einen Erfolg erzielen. Dasselbe geschah vor dem Nordflügel des XXIII. Korps, wiewohl dieser einer festgefügten Stellung entbehrte. Die hier bis 6h nachm. andauernden Kämpfe, bei denen sich das IR. 91 ganz besonders hervortat, erforderten daher beträchtliche Opfer.
Kritisch wurde aber die Lage auf dem Südflügel. Am frühen Morgen war hier der bereits erwähnte, vom FML. Schneider-Manns-Au eingeleitete Gegenangriff zur Wiedergewinnung der Flondarstellung in Fluß gekommen. Er führte zunächst zur neuerlichen Eroberung der Höhen nördlich von Flondar und westlich von Medeazza, wobei viele hunderte Gefangene eingebracht wurden. Das IR. 11 erbeutete allein 16 Maschinengewehre und das steirische IR. 47 zeichnete sich nicht weniger aus1). Bei S. Giovanni hatte der Angriff jedoch nicht durchzudringen vermocht.
Die bei Medeazza errungenen Vorteile gingen indessen nachmittags wieder verloren; denn die Italiener hatten eine gewaltige Übermacht herangeführt, um im Angesichte der Hermada, ihres heißersehnten Zieles, nun die Entscheidung zu erzwingen. Im wütenden, hin- und herwogenden Kampfe kam schließlich die Schlacht auch hier im freien Felde zwischen der Flondarstellung und der 2a-Linie, die am Westfuße der Hermada errichtet war, zum Stehen.
1/ V o g e 1 s a n g, 560 ff.
Die Ereignisse dieses Tages hatten die Sorge wegen der ferneren Entwicklung der Schlacht auf dem Südflügel der Armee um ein weiteres vermehrt. Das Armeekommando hatte zu Mittag dem VII. Korps befohlen, alle noch verfügbaren Reserven dem XXIII. Korps abzugeben. Dafür sollte das XVI. Korps zwei Bataillone dem VII. Korps überlassen. Dem GdI. Lukas wurde aufgetragen, die 11. GbBrig. unter allen Umständen bis spätestens 29. Mai in das Wippachtal abzusenden. Endlich hatte das XV. Korps sogleich zwei Bataillone zur Abbeförderung an den Südflügel der Armee auf die Bahn zu setzen. Der Kommandant der Südwestfront, FM. Erzherzog Eugen, befahl der Heeresgruppe in Tirol, die bereitgestellten sechs Bataillone, die Infanterieregimenter 73 und 64, sofort abzusenden. Die Heeresleitung verständigte den GO. Boroevic, daß die Spitze der nächsten Division schon am 30. eintreffen werde. Auch mehrere Batterien wurden vom XVI. und vom XV. Korps, die des zweitgenannten mit der Eisenbahn, zum XXIII. Korps abgesendet.
In Erwartung weiterer schwerer Kämpfe hatte ferner das Kommando der Isonzoarmee die Weisung erlassen, daß angesichts der Notwendigkeit, mit den Menschen zu sparen, „blutige Gegenangriffe zur Gewinnung lokaler Erfolge im offenen Gelände, die infolge der hinlänglich erwiesenen feindlichen Übermacht bald wieder illusorisch werden“, zu unterlassen seien. In diesem entscheidenden Ringen verbürge nur der Kampf in den festgefügten Stellungen Erfolg. Kämpfe im freien Gelände seien daher, wo nur immer angängig, zu vermeiden.
Indessen waren aber auch die Kräfte des Feindes erschöpft. Bereits in der Nacht auf den 27. Mai ebbte die Gefechtstätigkeit auf der Karsthochfläche merklich ab und lebte auch am kommenden Tage — gegen alles Erwarten — nicht wieder auf. Im Gebiete nördlich von Görz tobte jedoch die Schlacht weiter. '
Der letzte Angriff der Görzer Armee (23. bis 26. Mai)
Wie bereits erwähnt wurde, ging die gleichzeitig mit dem Massenangriff der italienischen 3. Armee angelegte Kriegshandlung der Görzer Armee weit über das Maß eines Ablenkungsunternehmens hinaus. Es war also vollkommen zutreffend gewesen, wenn GO. Boroevic am 23. abends meldete, die Schlacht tobe von der Meeresküste nordwärts bis über Pl^va hinaus mit einer Heftigkeit, „wrie sie die Isonzofront bisher noch nicht kennen zu lernen Gelegenheit hatte“.
Im Becken von Görz setzte der Feind am 23. nachmittags nach „beispielloser Artillerievorbereitung gegen den ganzen Abschnitt von Grazignia bis Biglia“ zum Massenangriff gegen die 58. ID., insbesondere gegen die Höhen beiderseits des Rosentales, an. Nur knapp südlich dieses Tales gelang es ihm, nach mehreren vergeblichen Anstürmen, schließlich in die erste Linie einzudringen. FML. Zeidler, der auf der Walstatt am Isonzo wahrlich auf schwere Erlebnisse zurückblicken konnte, meldete, daß, gemessen an der Stärke des Feuers und an der Heftigkeit der Angriffe, „der heutige Tag der schwerste seit Beginn der Schlacht war“. Dieser Tag endete mit einem Mißerfolg des italienischen VIII. Korps, das dann am 24. nur ein heftiges Geschützfeuer unterhielt, um schließlich am 25. Mai ein letztesmal sein Glück zu versuchen. Wieder schwelte über dem Schlachtfelde infolge des von beiden Seiten unterhaltenen Artillerie- und Minenwerferfeuers ein Gemisch von Rauch, Staub und Stickgasen, und wieder entstieg der Stätte des Verderbens ein voller Sieg der Verteidiger. An manchen Stellen mußte der Feind allerdings erst im erbitterten Nahkampf überwunden werden. Hiebei hatten sich durch ihr Ausharren und ihren besonderen Opfermut namentlich das IR. 96, die Schützenregimenter 20 und 22 sowie abermals das Wiener LstIBaon. IV, 39 hervorgetan. Mit einem letzten, schon nach Einbruch der Dunkelheit unternommenen Sturmversuch eines italienischen Regimentes gegen die heißumstrittenen Schanzen auf der Höhe -o 171 fand die Schlacht im Görzer Becken für diesmal ein Ende.
Mit nicht geringerer Ausdauer wurde der zweite Teil der Schlacht im Hochland nördlich von Görz geführt. Dort waren während der zweitägigen Kampfpause vom 21. und 22. Mai die abgekämpften Truppen der 106. LstlD. herausgezogen worden. Darnach standen in der Mitte des Abschnittes Ha die 59. IBrig. und daneben die frisch eingesetzte 47. IBrig., Obst. Edl. v. Wieden, die an der Spitze der 24. ID. eingetroffen war. Dahinter waren von der 48. ID. das 11. GbBrigKmdo., Obst. Fischer v. See, mit dem IR. 79 bereitgestellt, während die 12. GbBrig. bei Temova lagerte. Die Artillerie war in den letzten Tagen durch den Einsatz der 106. FABrig. und anderer Batterien, im ganzen um 48 leichte, 22 mittlere und 4 schwere Geschütze, vermehrt worden. Obwohl die Befestigungen in der zuletzt bezogenen Linie bei Vodice und nordwärts sehr mangelhaft waren, erschien die Lage im Abschnitt gefestigt, so daß sich das Armeekommando dort von ernsten Sorgen befreit fühlte.
Laut Fliegermeldungen waren die großen Zeltlager hinter dem Kolovratrücken verschwunden. Bei Plava hatten die Italiener eine vierte
Kriegsbrücke gebaut. Gegenüber dem Nordflügel des XVII. Korps war vollständige Ruhe eingetreten. Auf dem Kukrücken warfen die Italiener Schanzen auf. Wiewohl man also mit einem Stillhalten beim Feinde rechnen durfte, mußte man dennoch neuer Angriffe gewärtig sein. Zugleich zog jetzt auch FML. Fabini einen großen Gegenangriff gegen Plava in Erwägung.
Die am 23. Mai vom II. und vom VI. Korps der Italiener wieder aufgenommenen Angriffe zielten offenbar auf die Eroberung des Rük-kens Vodice—Mt. Santo ab. Namentlich die Höhe -<>- 652, deren große Bedeutung für die Weiterentwicklung der Kriegshandlung auf der Bainsizza auch dem Feinde nicht entging, wurde der Schauplatz heftiger, wechselvoller Kämpfe. So wie an der ganzen Isonzofront begannen die neuen Angriffe nach einem mehrstündigen Vorbereitungsfeuer erst gegen 4h nachmittags. Der in mehreren Linien hintereinander in einer Breite von nahezu vier Kilometern vorgehende Feind wurde bei Vodice und beim Sattel -<>- 503 restlos abgeschlagen. Auf dem Mt. Santo drang er in die Stellung ein, doch mußte er nach dem Eingreifen von Teilen der 11. GbBrig. nach blutigem Handgemenge wieder weichen. Am 24. Mai in den Vormittagsstunden bereiteten sich die Italiener zum neuen Angriff vor, um dann vornehmlich die Vodicehöhe zu berennen. Sie eroberten die kahle Höhe, allein ein Gegenangriff der Gruppe Obst. Fischer (IR. 45 und Bataillon I 79) entriß sie ihnen wieder. Am darauffolgenden Tage in den Abendstunden fand das erbitterte Ringen seine Fortsetzung und machte den Einsatz von Teilen der Infanterieregimenter 9 und 77 notwendig, wonach der Führer der 24. ID., FML. Urbarz, von GM. Kratky die Gefechtsleitung in diesem Abschnitt übernahm.
Indessen war es dem Feinde in der Nacht gelungen, in die sogenannte Paljevostellung bei der Kote 363 einzudringen. Es erschien fast unglaublich, daß sich die tapferen Verteidiger dieser vereinzelt vorspringenden Schanze so lange hatten halten können. Nun wurde die schon vorbereitete Riegelstellung bei Descla besetzt. Am 26. gegen Mitternacht versuchte es der Feind, ohne Artillerievorbereitung die Vodicehöhe überraschend zu gewinnen. Es gelang ihm nicht. Der neue Tag brachte einen Stillstand und ermöglichte einige Änderungen in der Aufstellung der Truppen. Die 59. IBrig., die mit den Infanterieregimentern 24 und 41 so wacker standgehalten hatte, wurde durch die 48. IBrig., GM. Göttlicher, ersetzt, so daß nun die 24. ID. voll eingesetzt war und mit ihrer Artilleriebrigade, die eben eintraf, die Behauptung des Abschnittes weiterhin gewährleistete.
Am 2S. Mai wurden zwei Angriffe gegen die genannte Division abgewiesen. Ebenso wurde der Feind abgeschlagen, der am Vormittag den Mt. Santo und ein zwcitesmal am Abend gleichzeitig auch die Sattelhöhe -^503 berannte.
Auf der vielumstrittenen Höhe 652 hatte sich ein ganz eigenartiges Kampfverfahren herausgebildet. Hierüber weiß GdI. Fabini *) zu berichten: „Der Feind stand am westlichen, wir am östlichen Rande. Unseren Patrouillen gelang es nach wirkungsvollem Vernichtungsfeuer bei einem Vorstoß unschwer, den Feind von da zu vertreiben; dadurch wurde feindliches Sperrfeuer vor unsere Patrouillenstellung ausgelöst, dem bald ein starker Angriff folgte. Unsere Patrouillen wichen rasch in die Hinterhangstellung aus, und der weitergehende feindliche Angriff brach in unserem Sperrfeuer zusammen. Dann war die Platte wieder leer.“
Ein derart geführtes Gefecht entbrannte auch am 29. nachmittags und dann wieder am Abend, bis endlich am 30. Mai beide Gegner die Nutzlosigkeit ihres Beginnens einsahen und fortan auf den Besitz des kahlen Gipfels verzichteten.
Zur richtigen Würdigung dieser schweren Kämpfe bedarf es einiger erläuternder Worte über die Beschaffenheit des Kampfplatzes. Hierüber berichtet GM. Pitreich: „Die Hochfläche von Bainsizza, namentlich aber die umschließenden Höhen, weisen im allgemeinen denselben Charakter des Geländes auf, wie er im Süden unter dem Namen ,Karst4 zum Begriff geworden ist: meist nackter, kahler, undurchdringlicher Steinboden. Nur stellenweise fand sich eine dünne Humusschichte vor. Die Hänge waren ganz kahl oder doch nur dürftig mit Gestrüpp bewachsen. Wasserarm und schwer gangbar, waren diese bis zu 1000 m steil aufragenden, rauhen Felshochflächen von Lom, Kal, Bainsizza und Ternová mehr oder weniger Wüsteneien, die allein schon durch ihre Beschaffenheit den Verteidigern die schwersten Mühen und Entbehrungen auferlegten. Bei der weiten Entfernung der Eisenbahnstationen bildete die Versorgung der Truppe auf diesen unwirtlichen Höhen ein Problem für sich. Nicht nur der rechtzeitige Zuschub von Kriegsmitteln, sondern namentlich auch jener von Reserven im Augenblicke der Gefahr vollzog sich unter den größten Schwierigkeiten. Im Vertrauen auf das Hindernis der Isonzoschlucht vor dem größten Teile der Front, abseits der direkten Vorrückungslinie auf Triest und Laibach, hatte man sich bisher bei der Ausgestaltung dieses Raumes für den Großkampf
1 j Fabini, Bainsizza, 355.
auf dürftige Improvisationen beschränkt. So war denn auch von einer ,Stellung1 nach modernen Begriffen nicht im entferntesten die Rede. Dazu hatte es stets an Mitteln, namentlich personeller Natur, gefehlt. Man war über das veraltete Liniensystem nicht viel hinausgekommen. Auf manchen Strecken fehlte selbst ein solches1).“ Hieraus mag man ersehen, welch unendliche Schwierigkeiten den Truppen und Führern auf dieser Walstatt erwuchsen.
Der Gegenangriff (28. Mai bis 5. Juni)
Hiezu Beilagen 9 und 7
Die am 27. Mai eingetretene Entspannung ermöglichte ein ruhiges Abwägen der Lage Die Zählung der bisher vom Feinde in den Kampf geworfenen Truppenkörper ergab, daß er die Mehrzahl seiner Kräfte bereits ausgespielt hatte. Vielleicht ging die Schlacht schon ihrem Ende entgegen. Jedenfalls war die Unterbrechung der feindlichen Angriffe ein Gewinn; denn nun trafen bei der Isonzoarmee in rascher Folge die Züge mit den Truppen der 35. ID. ein und in der Nacht auf den 28. Mai auch die Infanterieregimenter 64 und 73, die aus Tirol kamen.
An Stelle der zuletzt zur Armee gelangten Heereskörper sowie der 12. ID. und der 21. SchD., deren Eintreffen angekündigt war, sollten auf Befehl der Heeresleitung wenigstens drei abgekämpfte Divisionen an die Ostfront abgegeben werden. Das Armeekommando plante in diesem Zusammenhange eine Umstellung der Kräfte. Das XVII. Korps sollte fernerhin aus der 21. SchD. und der 106. LstlD. bestehen; die 62. ID. war der Heeresleitung zur Verfügung zu stellen. Das XXIV. Korps, dessen Kommandant, GdI. Lukas, zugleich die Führung über den ganzen Abschnitt Ila — das XVII. Korps mitinbegriffen — behielt, sollte die 24. und die 57. ID. in sich schließen. Beim XVI. Korps waren nur kleine Umstellungen beabsichtigt; die 86. SchBrig. war herauszulösen und mit der 59. IBrig. zu vereinen. Die dadurch wiederhergestellte 43. SchD. sollte Armeereserve im Wippachtale werden. Das VII. Korps erlitt keine Veränderung. Hingegen hatte das XXIII. Korps künftighin aus der 9., der 35. und der 48. ID. zu bestehen. Es hatten darnach die 10., die 12. und die 28. ID. als Armeereserve auf der Karsthochfläche zu bleiben, während die 7., die 16. und die 62. ID., wieder hergestellt und mit Marschformationen aufgefüllt, nach dem Osten abgehen sollten.
x) Anton P i t r e i c h, Zehnte Isonzoschlacht, (Schwarte, V, 373).
Am 2S. Mai vormittags — in der Ferne läuteten die Pfingstglocken — flackerte das Gefecht im Karstlande noch einmal auf. Bei Sonnenaufgang griff ein bei Kostanjevica „möglicherweise aus Nervosität“ begonnenes Artillerie- und Gewehrfeuer bis auf die Truppen bei Medeazza über. In Erwartung eines Angriffes wurden Reserven vorgeschoben. Allein es erfolgten nur einzelne örtliche Vorstöße; darunter ein solcher von etwa drei Bataillonen gegen S. Giovanni. Der Feind wurde von der Artillerie rasch erfaßt und vom FrwSchBaon. Marburg IV übel zugerichtet. Er büßte über 800 Gefangene ein. Zu Mittag trat dann an der ganzen Karstfront wieder Ruhe ein. Gefangene sagten aus, daß am
29. Mai der letzte große Angriff folgen werde, und ein Vorgefundener italienischer Befehl ließ gleiches erwarten. Indessen verliefen die nächsten Tage, ohne daß es zu großen Kämpfen kam. Die Tätigkeit des Feindes, die seine Kräfte in einzelnen Vorstößen erschöpfte, schien planlos geworden zu sein.
Die italienische Heeresleitung hatte am 28. Mai den Befehl zum Abbrechen der Offensive gegeben, „die tatsächlich schon an der ganzen Front im Ermatten war“ x). Der Befehl schrieb vor, daß der gewonnene Vorteil festzuhalten und eine Verbesserung der Ausgangslage für eine künftige Offensive durch örtliche Unternehmen anzustreben sei. Als Ziele solcher Unternehmen wurden dem VII. Korps das Erreichen einer Linie vor der Hermada angegeben, von der aus später die Er^ oberung des Berges in einem einzigen Anlauf erfolgen mochte, und dem XIII. Korps die Besitznahme der Linei Kostanjevica—Stara Lokva. Ferner wurde die Eroberung des Mt. Santo empfohlen. Der Gen. Capello war einigermaßen betroffen, daß die Heeresleitung nunmehr Bestrebungen für durchführbar hielt, die im Laufe der großen Kriegshandlung nicht hatten verwirklicht werden können. Auch der Herzog von Aosta hatte ernste Bedenken. Anstatt Pläne für die Durchführung solcher Unternehmen zu unterbreiten, wurde daher dem Gen. Cadoma vorgeschlagen, „nichts zu tun“2). Die Heeresleitung gab sich damit zufrieden. Sie befahl nun, daß die Görzer Armee vom l.Juni an die Bezeichnung „2. Armee“ anzunehmen habe, wobei ihr Bereich bis zum Becken von Tolmein auszudehnen war. Ferner wurde eine Umstellung der Kräfte verfügt. Die 2. Armee hatte darnach aus dem IV., dem VI., dem XVIII. und dem XXIV. Korps zu bestehen, die 3. Armee aus den Korps VII, XI, XIII und XXV. Da diese Armeen je neun Divisionen behielten, er-
1 P i n c h e 11 i, 117.
2, Capello, II, 70 f.
übrigten zur Verfügung der Heeresleitung zehn Divisionen und sieben Brigaden. Sie sollten in zwei fast gleich starken Gruppen hinter den beiden Armeen versammelt werden. Das XII. Korps an der Kärntner Front wurde der Heeresleitung wieder als „Zona Carnia“ (Kamische Gruppe) unmittelbar unterstellt. Die Kommandos der 10., der 21. und der 27. ID. und fünf Brigaden sowie mehrere Gruppen schwerer Artillerie hatten auf die Hochfläche der Sieben Gemeinden abzugehen.
Indessen reifte bei der k.u.k. Isonzoarmee der Entschluß zu einem kräftigen Gegenangriff auf dem Südflügel. Schon am 26. Mai hatte FML. Schenk dem Armeekommando gegenüber die Notwendigkeit der Wiedergewinnung der lc-Linie betont. In der Begründung hieß es, daß diese Linie leichter zu behaupten sein werde als die Stellung Kostan-jevica—Hermada—Duino, weil die Artillerie dort ihre volle Kraft entfalten könne, wogegen ihr dies im nahen Vorfeld der Hermada nicht gut möglich sei. FZM. Wurm stimmte der Darlegung zu, woraufhin das XXIII. Korpskmdo. einleitende Befehle für den beabsichtigten Angriff gab. Ein gleichzeitiger, vom Abschnittskommando an die Armeeleitung erstatteter Bericht betonte Ziel und Zweck des Vorhabens, zu dem FZM. Wurm vorschlug, die 35. ID. und die 12. GbBrig. einzusetzen. Unter dem Eindrücke des zu dieser Zeit nördlich vom Mt. Santo wieder entbrannten Kampfes, der unter anderem auch die befohlene Ablösung der dort angesetzten 11. GbBrig. vorläufig in Frage stellte, antwortete GO. Boroevic, daß ,,bei voller Billigung des Gedankens mit dessen Ausführung zugewartet werden müsse, bis Artillerie- und Infanteriekräfte zur sicheren Durchführung dieses Unternehmens beigestellt werden“ könnten.
Begreiflich war der Wunsch des Korpskommandos, den Gegenstoß möglichst bald durchzuführen, damit der Feind nicht Gelegenheit hätte, sich zu verschanzen und frische Kräfte einzusetzen. Sein am 28. Mai verfaßter und später ergänzter Befehl sah einen planmäßigen, in zwei Phasen am 1. und am 2. Juni durchzuführenden Angriff vor.s Zuerst sollte die Gruppe FML. Schneider-Manns-Au die Flondarstellung gewinnen, dann auch die 9. ID. vorstoßen. Das Armeekommando legte nicht weniger Gewicht auf eine gründliche Vorbereitung, die ihm allerdings erst nach vollständiger Klärung der Lage verbürgt erschien. Deshalb mußte der Beginn des Gegenangriffes auf den 4. Juni verschoben werden.
Inzwischen wurden die Verbände umgestellt und geordnet. Die 10. ID. erhielt das IR. 73 zugewiesen. Die 9. ID. entließ die noch in ihrem Abschnitte verbliebenen Reste der 7. ID. (IR. 37) und stand am 3. Juni mit dem IR. 30 und dem IR. 91 in der Front. Die Gruppe FML. Schneider-Manns-Au, von der die 16. ID., schon ausgeschieden war, zog nun auch die Truppen der 28. ID. zur Retablierung hinter die Hermada zurück und bildete zwei Angriffsgruppen: eine bei Medeazza unter Befehl des Führers der 12. GbBrig., GM. Prinz Schwarzenberg, mit den Bataillonen dieser Brigade und zwei Bataillonen des IR. 63; die andere bei S. Giovanni, bestehend aus dem IR.28 (S. 170) und dem Bataillon I 51, das die steirischen Schützen ablöste. Die allerdings nicht geschlossene Masse der 35. ID. blieb zunächst Armeereserve. Der Umgruppierung und Verstärkung der Artillerie wurde die größte Sorgfalt gewidmet, um das Gelingen des Vorhabens zu gewährleisten. Für die zweckvolle Indienststellung der zahlreichen Batterien wurde Obst. Janečka berufen, der sich als Artillerieführer des Abschnittes III schon große Verdienste erworben hatte *).
Um die Monatswende nahmen auch die Italiener in Ausführung der schon erwähnten Befehle der Heeresleitung verschiedene Umstellungen ihrer Kräfte vor. Die Bewegungen waren für die öst.-ung. Artillerie ein Anreiz, dem Feinde möglichst Schaden zuzufügen. Die italienischen Batterien hinwider versuchten, dieses Feuer zu dämpfen. So kam es zeitweise zu lebhaften Kanonaden, die wechselseitig den Anschein erweckten, als dienten sie der Vorbereitung neuer Angriffe.
Am 3. Juni wurde die Aufmerksamkeit des Feindes in besonderem Maße auf das Becken von Görz gelenkt. Dort war bei S. Marco ein örtlich bedeutsames Grabenstück in Feindeshand geblieben. Der Kommandant des Wiener LstIBaons. IV 39 machte sich erbötig, diese Schanzen zurückzuerobem. Die Absicht gelang über alle Maßen gut. Die Wiener eroberten die Stellung, nahmen 600 Italiener gefangen und erbeuteten 9 Maschinengewehre2).
Indessen war der im Hermadaabschnitt vorbereitete Angriff reif zur Durchführung geworden. Zur Ablenkung des Feindes unternahm zunächst beim VII. Korps die 17. ID. am 3. spät abends einen Vorstoß gegen den Fajti hrib. Die tapferen „Neununddreißiger“ eroberten den sehr festen italienischen Stützpunkt auf der Trigonometerhöhe 432 und holten sich 350 Gefangene sowie ansehnliche Beute. Vor Tagesanbruch räumten sie dann die Stellung, um dem vereinten feindlichen Artilleriefeuer zu entgehen. Am 4. Juni zeitlich früh brach nun der Angriff der Gruppe FML. Schneider-Manns-Au los1). Nur 40 Minuten dauerte die Artillerievorbereitung, aber sie war von solcher Wucht, daß der Feind zermalmt wurde. Knapp vor 5hfrüh ging die Infanterie vor; es waren insgesamt sechs Bataillone im ersten Treffen. Der überraschte Feind leistete keinen erheblichen Widerstand, doch wirkte seine Artillerie sehr verderblich. Schon im ersten Anstürme erreichten die Bataillone der 12.GbBrig. (IBaon. 1/3, FJB. 21 und bh. FJB. 6) die Flondarstellung, während das Prager IR. 28, das einen ausgedehnten Angriffsraum vor sich hatte und durch stärkere Gegenwirkung des Feindes gehemmt wurde, seine Aufgabe in zwei Phasen löste. Vormittags setzte es sich in den Besitz der Höhe-<{>-110 beim Südtunnel und am Abend, nach Einbruch der Dunkelheit, eroberte es auch den Nordtunnel, über den die lc-Linie hinwegging. Damit war die ganze Flondarlinie, das Ziel des Angriffes der Gruppe Schneider, wiedergewonnen. Der Feind hatte nicht weniger als 7000 Mann in den Händen der Angreifer lassen müssen. Erheblich war auch die Beute an Kriegsmaterial. Das seinerzeit gemaßregelte IR. 28 hatte sich über alle Erwartungen gut geschlagen. Es hatte in diesem Gefechte fast zwei Drittel seines Gefechtsstandes geopfert: 8 Offiziere und 300 Mann waren tot, 21 Offiziere und 870 Mann verwundet.
Es war anzunehmen, daß der Feind den Versuch unternehmen werde, die arge Schlappe wieder gutzumachen. Deswegen wurde die Masse der 28. ID. in Bereitschaft gehalten. Einzelne, an diesem Tage von den Italienern unternommene Gegenstöße gewannen zwar keine Bedeutung, doch der Feind zog, wie man beobachten konnte, von allen Seiten Kräfte auf das Gefechtsfeld heran. Am 5. Juni beim Morgengrauen eröffnete die italienische Artillerie starkes Feuer sowohl auf die verlorene Flondarstellung als auch besonders heftig auf die Fornaza, wo sich die 9. ID. bemühte, den hier westwärts vorspringenden Teil der lc-Linie zu gewinnen. Die Italiener führten des Morgens und auch des Abends Gegenstöße, durch die Wechsel volle Kämpfe hervorgerufen wurden, die aber weder den Truppen der 9. ID., noch dem Feinde Gewinn brachten. Hingegen vermochte die 10. ID., bei der nunmehr
!) Dem FML. Schneider Edl. v. Manns-Au wurde für die hervorragende Führung des Gegenangriffes diis Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens verliehen.
das Egerländer IR. 73 in die Front getreten war, den ganzen Veršič-Riegel zu besetzen. Die Zahl der seit dem Vortage in Gefangenschaft geratenen Italiener erhöhte sich auf 10.000 Mann.
In der Nacht auf den 6. Juni wurden in der Flondarstellung die stark verbrauchten Truppen der 12. GbBrig. durch das IR. 62 der
35. ID. abgelöst. Auf der Fornaza stieß die 9. ID. bald nach Tagwerden nochmals zur Eroberung der Höhe -<{>-235 vor; die 1000 eingebrachten Gefangenen gehörten sonderbarerweise zehn verschiedenen Regimentern an. Dieser Angriff löste neue Kämpfe aus, bei denen es sich immer wieder um den Besitz der bekannten Kuppen auf der Fornaza drehte. Am Abend meldete der Führer dieser Division, GM. Gruber, nach den Erfahrungen der letzten Tage habe das sehr starke feindliche Artilleriefeuer bei den Angriffen einen so großen Kräfteverbrauch hervorgerufen, daß ihre Fortsetzung nicht ratsam sei. Er beantrage daher, sich mit
dem Besitz der Linie -<J>-247--c{>-241 zu begnügen. Das Korpskommando
befahl hierauf, die erreichte Stellung sei, wenn der Auftrag nicht durchgeführt werden könne, festzuhalten. Damit war das tagelange grimmige Ringen auf der Fornaza endgültig abgeschlossen; denn auch die Italiener griffen nicht mehr an.
Als am 5. Juni die Sonne unterging, war die letzte, diesmal jedoch nicht von den Italienern eingeleitete Phase der großen Schlacht zu Ende. Der Rückschlag übte auf die italienische Heeresleitung einen niederschmetternden Eindruck aus, der nicht allein durch den Verlust des unter größten Opfern gewonnenen Geländestreifens hervorgerufen wurde, sondern viel mehr noch durch die recht bedrückende Erkenntnis, daß der Geist der Truppe gelitten habe. Hierüber berichtet Gen. Capello: ,,Bei diesem Anlasse trat zum ersten Male in großem Ausmaße und in besorgniserregender Art ein sehr schwer wiegender Fall ein, der klar aufzeigte, wie weit die Unterhöhlung des Kampf willens der Truppe fortgeschritten war. Gegenüber dem feindlichen Angriffe leisteten einige unserer Einheiten gar keinen Widerstand, im besonderen gingen drei Regimenter, ohne gekämpft zu haben, zum Feinde über1).“ Die Heeresleitung wurde durch dieses Ereignis darauf aufmerksam, daß der Geist der Truppe unter Einflüssen, die vom Hinterlande ausstrahlten, eine Veränderung erfahren habe, und Gen. Cadorna führte bei der Regierung Klage darüber, daß der Ausbreitung der zerstörenden Propaganda staatsfeindlicher Parteien so wenig Hemmnisse entgegengestellt würden -).
1) Capello, II, 62.
2) Cadorna, La Guerra, Neudruck 1934, 379.
Rückblick
Das geschilderte dreiwöchige Ringen übertraf die vorhergegangenen neun Isonzoschlachten in allen Abmessungen um ein Vielfaches. Im Rahmen der großen, allgemeinen Offensive, die der Vierverband in schroffer Verneinung des Friedensangebotes der Mittelmächte beschlossen hatte, hofften die Italiener, beim zehnten Angriff am Isonzo die Kriegsentscheidung — koste es, was es wolle — zu erzwingen. Obwohl Rußland sich ohnmächtig zeigte, die seinerzeit getroffenen Vereinbarungen einzuhalten, und wenngleich die Frühjahrsoffensive der Westmächte schon als gescheitert angesehen werden konnte, schritt Italien nach einigem Zögern an die Ausführung des gewaltigen Vorhabens.
Sechs Monate hindurch hatte die italienische Heeresleitung alle Kräfte des Landes aufs höchste angespannt, um den Erfolg verbürgen zu können. Die ältesten und die jüngsten, bisher nicht verpflichteten Mannschaftsjahrgänge waren unter die Fahnen gerufen, die Erzeugung von Kriegsgerät und Schießbedarf mit Hochdruck betrieben worden. Derart konnte die Heeresleitung bei Belassen namhafter Sicherungstruppen in der Flanke und im Rücken nicht weniger als 280.000 Frontstreiter sowie 2200 Geschütze und etwa 1000 Minenwerfer in die Entscheidungsschlacht einsetzen.
.Allein, der gewaltige Anlauf, der mit einem Hochlied des Sieges ausklingen sollte, endete mit einer schweren Enttäuschung. Das Angriffsheer büßte rund 36.000 Tote und 96.000 Verwundete nebst 27.000 Gefangenen ein und gewann nur einen ganz unbedeutenden Geländestreifen. Die k.u.k. Isonzoarmee konnte hingegen einen neuen großen Abwehrsieg in die Geschichte des öst.-ung. Heeres vermerken, der bei einem Feuergewehrstand von 165.000 in den Kampf getretenen Streitern mit einer Einbuße von 76.300 Mann erstritten wurde, von denen 7300 durch Tod, 45.000 durch Verwundung und 23.400 durch Gefangenschaft ausgeschieden waren.
Die Mehrzahl der Opfer fiel durch die Wirkung der Artillerie, die sowohl an Zahl wie an Gattung bedeutend mächtiger war als in den früheren Isonzoschlachten. Die öst.-ung. Artillerie zählte rund 1400 Geschütze und rund 500 Minenwerfer. Sie verschoß die ungeheure Menge von 37.800 t Munition. Die Italiener mögen wohl noch weit größere Massen verfeuert haben. Wenn die durch die Verluste gekennzeichnete Wirkung der öst.-ung. Artillerie bedeutend größer war als die der italienischen, so wird dies zunächst mit dem Mißverhältnis begründet, das sich zwischen dem Angreifer und dem in Deckung liegenden Verteidiger ergibt. Aber die unübertroffene Leistung der öst.-ung. Batterien mag wohl auch in der geschickteren Führung, im besseren Schießen und im tüchtigeren Verhalten begründet sein. In wenigen Sätzen faßte ein Befehl des Führers auf dem Karsthochland die Leistung der Kanoniere zusammen: „Übereinstimmend anerkennen und loben die Führer und die Infanterie das hervorragende Verhalten und das opfermutige Mitwirken der braven Artillerie. Tag und Nacht in Bereitschaft und im Kampfe stehend, gelang es ihr wiederholt, Angriffe schon im Keime zu ersticken. Es kam öfters vor, daß Batterien im schweren Kampfe bis zum letzten Augenblick ausharrten, durch den Gegner überrannt wurden, sich im Handgranatenkampf des Feindes erwehrten, dann weiter schossen oder Umgruppierungen in tadelloser Art durchführten, um den Kampf fortzusetzen. Andere Batterien rissen ihre Geschütze aus der Stellung, um direkt im Nahkampf schießen zu können.“
Es hieße ein altes Loblied wiederholen, wollte man den Opfermut der öst.-ung. Infanterie neuerlich preisen. In der Schilderung der Kämpfe wurden nur Fälle besonders rühmenswerter Taten hervorgehoben. Nicht weniger bewunderungswürdig war aber auch das stumme Heldentum, das ini tagelangen Erdulden des schrecklichen Trommelfeuers erkannt sein will. Die nach dem überraschend schnell erfolgten Durchbruch auf dem Südflügel der Armee von mancher Seite aufgeworfene Frage, ob ein schwachmütiges Versagen der betroffenen Truppen vorliege, wurde nach eingehender Prüfung der Umstände verneint, obwohl bei diesem Anlasse über 6000 Mann in Gefangenschaft geraten waren. Jedenfalls hatte es sich gezeigt, daß die eingreifenden Bataillone der Reserven, die denselben Truppenkörpem wie die vorne Durchbrochenen angehörten, nicht einen Augenblick zögerten oder gar schwankten, dem Feinde an den Leib zu rücken. Bezeichnend ist es ferner, daß die Truppen gerade dort, wo die gut ausgebaute, schutzbietende Stellung verloren gegangen war, im offenen Gelände überaus beherzt kämpften und sich der feindlichen Infanterie weit überlegen zeigten. Der zuletzt durchgeführte Gegenangriff auf dem Südflügel erbrachte den schlagenden Beweis hiefür.
Ganz hervorragend verhielten sich auch die Sappeure und die Pioniere, die, nach monatelanger Arbeit an den Befestigungen für die Infanterie, dieser auch im Kampfe wiederholt tapfer zur Seite sprangen. Ebenso verdienen die Leistungen der Verbindungstruppen, die oft in schwerstem Feuer hinausgehen mußten, um zerstörte Drahtleitungen wiederherzustellen, ganz besondere Würdigung. Ferner ist der Fuhrwerks- und der Kraftwagentrosse zu gedenken, die ohne Ruh und Rast den Kampftruppen Schießbedarf, Verpflegung und auch Wasser unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen zuführten1).
Über die Tätigkeit der Flieger stehen bemerkenswerte Daten zur Verfügung. An 14 Flugtagen (einige Tage während der Schlacht konnten die Flugzeuge wegen des ungünstigen Wetters nicht aufsteigen) wurden mit durchschnittlich 64 Flugzeugen 711 Feindflüge unternommen, 210 Luftkämpfe ausgefochten, 10 t Bomben abgeworfen und die feindliche Infanterie wiederholt mit Maschinengewehren angegriffen. Ferner wurden 22 italienische Flugzeuge abgeschossen und zahlreiche andere beschädigt. Die eigenen Verluste waren allerdings auch nicht gering.
Auch der Küstenschutz war während der Schlacht lebhaft tätig gewesen. Neben dem erwähnten unmittelbaren Eingreifen der Freiwilligen Schützen bei S. Giovanni kamen auch die Küstenbatterien wiederholt zum Wort, indem sie das Annähem italienischer Monitore verhinderten, die zum Zerstören der Bahnlinie bei Prosecco und Opcina ausgelaufen waren. Dem damals laut gewordenen Wunsch, daß die k.u.k. Kriegsmarine von See aus auf dem Südflügel des Schlachtfeldes mitwirken möge, konnte die Admiralität nicht entsprechen; denn die Küstengewässer waren durch Seeminen vollständig verseucht. Weit entfernt, in der südlichen Adria, wo die Feinde eine Unterseebootsperre quer über die Otrantostraße ausgelegt hatten, fand am 15. Mai ein Seegefecht einer k.u.k. Kreuzerflottille gegen italienische und englische Schiffseinheiten statt, bei dem unsere Kriegsmarine ein neues Lorbeerblatt in den Kranz ihrer ruhmvollen Vergangenheit setzte 2).
Hatten sonach alle Truppen und Waffengattungen freudig ihren Beitrag an der Abwehr des weit überlegenen Feindes geleistet und hatte namentlich die Infanterie große Opfer gebracht, so bestand der Anteil der höheren Führung an diesem Gelingen zuerst im sorgfältigen Vorbereiten und dann im geschickten Leiten der Verteidigung, die ein Anpassen an die wechselnde Lage erforderte.
!) Die Kraftfahrkompagnien des öst. Bundesheeres begehen im Erinnern an die Verdienste der ehemaligen Autotruppen um die Isonzoverteidigung am 27. Mai ihren Gedenktag.
. 2) Kriegsarchiv (M a r i n e a r c h i v), Österreich-Ungarns Seekrieg 1914 bis 1918 (Wien 1929/33), 376. Dem kühnen Führer der Flottille, Linienschiffskapitän Nikolaus Horthy de Nagybánya wurde auch für dieses Unternehmen das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens verliehen.
Für die Heeresleitung war es durchaus nicht leicht gewesen, der Isonzofront Kräfte zuzuführen, da sie bei solchem Vorhaben stets die mögliche Entwicklung der Lage an den anderen Fronten in Erwägung ziehen mußte. Darum hatte sie sich so lange wie möglich das Verfügungsrecht über zwei im Bereiche der Isonzoarmee bereitgehaltene Divisionen Vorbehalten und auch mit dem Überführen von zwei.weiteren Divisionen aus dem Osten bis zuletzt gewartet. Dem Armeekommando in Adelsberg mochte die erwähnte Beschränkung hinderlich erschienen sein; sie wurde jedoch zeitgerecht aufgehoben, so daß aus ihr kein Nachteil entstand. Dagegen war das Eingreifen des Kommandos der Südwestfront, das seinerseits auf eine Division der Reserven Beschlag legte, nicht recht begründet und behinderte den Führer am Isonzo in einem entscheidenden Augenblicke an der beabsichtigten Verstärkung des Nordflügels. Wäre diese Division um einige Tage früher freigegeben und gemäß dem Wunsche des Armeekommandos auf dem Hochlande nördlich Görz bereitgestellt worden, so hätten die Ereignisse im Gebiete von Plava möglicherweise einen anderen Verlauf genommen und nicht jene äußerst beunruhigende Wirkung ausgelöst, die den Armeeführer bewog, weit mehr Kräfte in den bedrohten Raum zu entsenden, als ursprünglich vorgesehen worden war. Dies führte zu einer erheblichen Verminderung der hinter dem Südflügel bereitgestellten Reserven.
Als dann auf diesem Flügel ein allerdings unerwartet rascher Einbruch des Feindes erfolgte, entstand hier eine der schwersten Krisen, die die Isonzoarmee je zu bestehen hatte. Dennoch wußte man auch diese Krise zu überwinden. So wie das unmittelbar betroffene Korpskommando und das Abschnittskommando rasch eingriffen, um der Flut Herr zu werden, riß auch der Armeeführer die in den Nordabschnitt entsandten und dort noch nicht eingesetzten Teile der Armeereserve an den Südflügel zurück. Im Verein mit den vom Kommando der Südwestfront und von der Heeresleitung herangeführten Kräften wurde dann dem Feinde nicht allein Halt geboten, sondern ihm auch der blutig errungene Lorbeer wieder entwunden1).
Dem siegreichen Feldherm, GO. Svetozar Boroevic v. Bojna, wurde nach Abschluß der Schlacht für „Operationen am Isonzo in den Jahren 1915 bis 1917“ das Kommandeurkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens verliehen.
1) Eine besonders eindrucksvolle Darstellung der Karstkämpfe gewährt neuestens das belletristische, aber in den Stimmungen durchaus wahrheitsgetreue Buch „Karst“ von Abel (Salzburg 1934,.
Die Junischlacht in den Sieben Gemeinden
Hiezu Skizze a der Beilage 10
Italienische Vorbereitungen
Kaum war der Kampflärm der zehnten Isonzoschlacht in den ersten Junitagen abgeklungen, als schon die italienische Führung zu neuen Schlägen gegen die Südtiroler Bastion ausholte. Es waren seit langem erwogene und sorgfältig ausgearbeitete Pläne, die nun zur Ausführung gelangen sollten (Bd. V, S. 111).
In den oftmals erneuerten Anstürmen im Juni und Juli .1916 war es den Italienern nicht gelungen, die Truppen der Heeresgruppe Erzherzog Eugen aus den nach Einstellung der Offensive bezogenen neuen Dauerstellungen zwischen Brenta und Etsch zu verdrängen. Die Hauptanstrengungen des Feindes hatten den Abwehrlinien auf dem Nordteil der Hochfläche von Asiago mit dem Ziele Kempeirücken und dem Raume des Pasubio zur Wiedergewinnung des Col Santo gegolten. Nur bei Erreichung dieser Ziele war nach Überzeugung Cadornas der Rücken der am Isonzo angreifenden Streitkräfte gegen Rückschläge, wie sie das italienische Heer im Mai 1916 getroffen hatten, ausreichend gesichert. Wenn sich nun im Sommer und Herbst dieses Jahres das Hauptaugenmerk der italienischen Führung dem Isonzo zuwandte, wo in vier Schlachten der Versuch gemacht wurde, Raum gegen Triest zu gewinnen, so war Cadorna trotzdem nach wie vor entschlossen, bei günstiger Gelegenheit die Angriffe gegen die oben erwähnten Abschnitte der Südtiroler Front, diesmal jedoch nach sorgfältigster Vorbereitung, zu erneuern x). In dieser Absicht bestärkten ihn die nicht unbedeutenden räumlichen Fortschritte, die im August zwischen Görz und dem Meere erzielt worden waren; denn die Rückenbedrohung durch die öst.-ung. Streitkräfte in Südtirol mußte um so empfindlicher werden, je mehr Raum gegen Osten die Italiener am Isonzo gewannen.
Die hartnäckigen Angriffe, die das italienische V. Korps im September und Oktober 1916 gegen die Pasubiostellungen geführt hatte, brachten zwar schließlich örtliche Erfolge, aber dem angestrebten Ziele war der Angreifer dadurch nicht näher gekommen. Der vom Kommando der Truppen der Hochflächen, GLt. Mambretti, sorgfältig vorbereitete Angriff zwischen dem Grenzkamm und Asiago mußte wegen
J) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 379.
des frühzeitigen Wintereinbruches in der ersten Novemberhälfte unterbleiben. Die italienische Führung entschloß sich daher, beide AngriffsUnternehmen im späten Frühjahr 1917, nach Abschluß der Schneeschmelze, durchzuführen. Zuerst sollte die am 1. Dezember 1916 aus den Truppen des XVIII. Korps im Suganertale und jenen des bisherigen Kommandos der Hochflächen (XX. und XXII. Korps) gebildete 6. Armee den Angriff mit dem Ziele Kempeirücken beginnen. In einem späteren Zeitpunkte hatte der Angriff des nunmehrigen Ostflügels der 1. Armee gegen die Pasubiostellungen einzusetzen.
Diesem Programm entsprechend erhielt die italienische 6. Armee von der Mitte des Monates März angefangen die ersten Truppenzu-schübe. zunächst zwei Alpinigruppen aus dem Krngebiete. Ein namhafter Teil der für die Kampfhandlung auf der Hochfläche von Asiago bestimmten Verstärkungen sollte jedoch unter Ausnützung der für rasche Kräfteverschiebungen günstigen geographischen Lage erst kurz vor Angriffsbeginn aus dem Friaul herangezogen werden, um sich derart die Überraschung des Gegners zu sichern. Wohl wurden aber auch diese Kräfte wie ein Teil der schweren Angriffsartillerie erst nach Beendigung der für die zweite Hälfte des Monates Mai geplanten neuerlichen Angriffsschlacht am Isonzo verfügbar.
Anfangs Juni waren für den bevorstehenden Angriff auf der Hochfläche von Asiago zehn Divisionen versammelt und gegen 1500 Feuerschlünde in Stellung gebracht1). Die italienische Heeresleitung hatte mit diesem mächtigen Kräfteaufgebot an der kaum 14 km langen Angriffsfront ein Höchstausmaß infanteristischer Streitkräfte zusammengezogen, mit dem die der 6. Armee zur Verfügung gestellten artilleristischen und materiellen Mittel durchaus Schritt hielten. Diese Kräftezusammenfassung berechtigte nach Meinung des italienischen Höchstkommandos
!) Gliederung der italienischen 6. Armee am 10. Juni 1917:
Val Sugana XVIII. Korps (15. und 51. ID.) 29 Bataillone
Nordteil der Hochfläche XX. Korps (52., 29., 10. und 21. ID.) 61 Bataillone
XXII. Korps (13., 25., 27. und 57. ID.) 51 Bataillone
Asiago -Asticotal XXVI. Korps (12. und 30. ID.) 24 Bataillone
Summe 165 Bataillone
Die Kommandos der 10., der 21. und der 27. ID. standen noch Mitte Mai im Isonzoraum siehe Beilage 6 , jenes der 57. ID. als Neuaufstellung in der venetia-nischen Ebene.
Unter den zur 6. Armee gelangten Verbänden befanden sich an Neuformationen 32 Bataillone 5i ■_> Brigaden), ferner 12 Bataillone (2 Brigaden), die abgekämpft vom Isonzo eingelangt waren.
bei den überaus sorgfältig getroffenen Angriffsvorbereitungen und der erhofften Überrumpelung des Gegners zu weitgehenden Erwartungen.
Der Angriff sollte sich nach einem genau vorgezeichneten Plane vollziehen. Den Hauptstoß hatte das XX. Korps den Nordrand der Hochfläche von Asiago entlang zu führen; von seinen Kräften war die nunmehr aus 20 Alpinibataillonen bestehende 52. ID. zum Angriff gegen den Frontábschnitt Mt. Ortigara—Mt. Campigoletti bestimmt, die 29. ID. hatte beiderseits des Mt. Forno vorzustoßen. Vom südlich anschließenden XXII. Korps sollten die 13. ID. die öst.-ung. Stellungen im Raum Mt. Zebio—Cra. Zebio, die 25. ID. aber gegen den Mt. Dorole angreifen. Waren die Breschen geschlagen, sollte sich das XX. Korps des ganzen Nordrandes der Hochfläche bis zur C. Portule bemächtigen, das XXII. Korps den Ostsaum der unteren V. Galmarara erreichen1). Für die Nahrung des Stoßes war durch tiefgestaffelte Reserven vorgesorgt; denn hinter jedem dieser beiden Korps waren je zwei Divisionen der Reserven bereitgestellt..
Die beiderseits anschließenden Verbände hatten die Hauptangriffsgruppe durch begleitende Vorstöße und Täuschungsunternehmen zu unterstützen, und zwar das XVIII. Korps im Suganertale südlich der Brenta, das XXVI. Korps über die untere Assa hinweg.
Maßnahmen der Heeresgruppe FM. Conrad
Schon geraume Zeit, bevor das Eintreten der Schneeschmelze größere Kampfhandlungen in den Bergen ermöglichte, hatte sich das Heeresgruppenkommando in Bozen mit der Wahrscheinlichkeit neuerlicher italienischer Angriffe gegen Tirol befaßt. Von den hiefür in Betracht kommenden Abschnitten der Südtiroler Front war es wohl vor allem der Nordteil der Hochfläche von Asiago, wo auf der Grundlage der schon im vergangenen Spätherbst wahrgenommenen feindlichen Angriffsvorbereitungen neue Anstürme zu gewärtigen waren (Bd. V, S. 699). Tatsächlich lieferten die der öst.-ung. Führung zur Verfügung stehenden Nachrichtenquellen bereits seit Anfang April andauernd Hinweise darauf, daß die italienischen Vorbereitungsmaßnahmen in diesem Raume wieder in vollem Umfang aufgenommen worden waren.
FM. Conrad hatte kurz nach Übernahme des Kommandos in Tirol der Überzeugung Ausdruck verliehen, daß die italienische Fühlung
x) Ministero della guerra, Le Medaglie d'oro (Roma 1926), III (1917), 69 /17. ' ihre an der Tiroler Front stehenden ansehnlichen Kräfte, ein Drittel des Feldheeres, sicherlich gelegentlich des nächsten Ansturmes im Isonzoraum zu einem nachdrücklichen Schlag gegen Tirol ansetzen werde. Zur verläßlichen Abwehr eines nachhaltigen, aus der Tiefe genährten Angriffes war nach seiner Überzeugung die Zuweisung von drei Brigaden an die Heeresgruppe erforderlich. Auf derlei Erwägungen näher einzugehen, schien den Vorgesetzten Kommandos in Marburg und Baden zu diesem Zeitpunkte, mitten im Gebirgswinter, jedoch noch verfrüht zu sein.
Mitte April wurde es möglich, die aus den Schützenregimentern 14 und 25 bestehende 26. SchBrig. nach Tirol zu bringen; aber Conrad fand diese Verstärkung nicht für ausreichend und erneuerte bei dieser Gelegenheit ebenso wie bei einem Besuche des Allerhöchsten Oberbefehlshabers in Bozen am 22. April seine Bitte, der die k.u.k. Heeresleitung aber wegen der Lage am Isonzo und der ungeklärten Verhältnisse im Osten auch weiterhin nicht entsprechen konnte.
Dieser Zwiespalt der Meinungen zwischen den für die Behauptung von Tirol verantwortlichen Stellen und der für die Gesamtkriegführung maßgebenden Heeresleitung ist vollkommen begreiflich. Er nahm im Laufe der Geschehnisse immer mehr an Schärfe zu, da sich sowohl das Kommando der Südwestfront als auch die Heeresleitung gegen die stets drängender werdenden Anforderungen des Heeresgruppenkommandos ablehnend verhielten.
FM. Conrad, mit seinen geliebten Tiroler Bergen innig verwachsen, für deren Verteidigung er im Frieden, weit vorausdenkend, die Vorbedingungen geschaffen hatte, fühlte sich für die Festhaltung des weit nach Süden vorspringenden Raumes zwischen der Brenta und den Judi-carien als der wichtigsten Bastion seines Befehlsbereiches ganz besonders verantwortlich. Er war zudem der schon erwähnten Meinung (S. 117), der Ausbruch der Revolution in Rußland müsse alsbald die Lage an der Ostfront so grundlegend ändern, daß einer Verstärkung der Tiroler Front nichts mehr im Wege stünde, ja, daß sogar die Wiederaufnahme des Gedankens eines Stoßes aus Tirol heraus in absehbarer Zeit zu erwägen sei. Erzherzog Eugen als Befehlshaber der gegen Italien kämpfenden Streitkräfte war hingegen von der überragenden Wichtigkeit des Isonzoraumes voll durchdrungen und mußte daher die an anderen Fronten spärlich verfügbar werdenden Kräfte der 5. Armee zuführen, der auf jeden Fall in Kürze eine neuerliche schwere Kraftprobe bevorstand. Das AOK. in Baden endlich, auf das Einvernehmen mit der DOHL. als der Obersten Kriegsleitung angewiesen, war gezwungen, den noch ganz ungeklärten Verhältnissen im Osten Rechnung zu tragen und daher auf das Anfordem öst.-ung. Kräfte aus dieser Front zunächst zu verzichten.
Zudem teilten die hohen Kommandos in Baden und Marburg die Überzeugung, daß die der Heeresgruppe FM. Conrad zur Verfügung stehenden Truppen für die Behauptung Tirols vorerst ausreichen müßten. In Tirol stand ja — ebenso wie beim Feind — ein Drittel der für den südwestlichen Kriegsschauplatz verfügbaren Kräfte *). An dieser Beurteilung änderten auch die sich immer mehr verdichtenden Nachrichten über ein Zusammenziehen starker italienischer Truppen auf der Hochfläche von Asiago nichts. Das Heeresgruppenkommando war daher nach wie vor auf seine eigenen Reserven angewiesen und mußte zunächst darauf bedacht sein, für baldige Verstärkung des III. Korps zu sorgen, gegen das sich der zu erwartende Angriff wohl zuerst richten mochte.
Am 12. Mai brach die zehnte Isonzoschlacht los. Der für die gleiche Zeit erwartete Angriff gegen Tirol, für den die Jahreszeit noch verfrüht war, blieb aber aus. Die Lage erfuhr für die Heeresgruppe Conrad noch eine weitere Entspannung, als einzelne, bisher an der Tiroler Front eingesetzt gewesene italienische Brigaden nunmehr am Isonzo ermittelt wurden. Um weitere Verschiebungen in dieser Richtung möglichst abzubremsen, erhielt Bozen den Befehl, durch erhöhte Tätigkeit, Scheinangriffe und Täuschungsmaßnahmen den Feind zu binden.
So wurden in den Tagen zwischen dem 19. und dem 24. Mai an zahlreichen Stellen der Südtiroler Front örtlich begrenzte Stoßtruppunternehmen ausgeführt. In größerem Maßstabe fanden seit längerem vorbereitete Vorstöße auf dem Pasubio und im Gebiete des Colbricon statt, die zusammen mit kleinen Unternehmen in der Vallarsa, auf dem
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1) Stände am 1. Mai 1917 | ||||||||||||||||||||||||||||||
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Borcolapaß und bei Laghi, bei Canove und auf dem Civaron (Val Su-gana'l an 700 Gefangene, 10 Maschinengewehre und drei Granatwerfer einbrachten.
Zu Beginn der zehnten Schlacht hatte die Heeresgruppe Conrad noch zwei Bataillone zugeschoben erhalten; gegen Ende Mai mußte sie jedoch Kräfte an die in schwerem Kampf stehende Isonzoarmee abgeben. So erhielt sie am 25. und 28. Mai den Befehl, zusammen neun Bataillone zur 5. Armee abzusenden, die durch abgekämpfte Einheiten ersetzt werden sollten. Um raschen Abtransport zu ermöglichen, mußte auf bereitgestellte Reserven gegriffen werden 22). Die Heeresgruppe war nunmehr um ein Bataillon schwächer als zur Zeit der Winterruhe. Diese Verminderung seiner Kräfte erschien dem Heeresgruppenkommando bedenklich; denn die Rührigkeit des Feindes auf den Hochflächen der Sieben Gemeinden, das den mitgehörten feindlichen Funksprüchen zu entnehmende bedeutende Anwachsen der Verpflegsstände der italienischen 6. Armee, der Einsatz neuer Funkstationen und das Erscheinen des bisher bei Görz verwendeten XXVI. Korpskommandos, das ebenfalls durch den Abhorchdienst bekannt wurde, konnten nur als Anzeichen des bevorstehenden Angriffsbeginnes gewertet werden. FM. Conrad sah sich daher am 3. Juni veranlaßt, nochmals auf die bedrohliche Lage in den Sieben Gemeinden hinzuweisen und Verstärkungen über das Ausmaß der abgegebenen Anzahl von Bataillonen hinaus zu erbitten, zumal auch der in Aussicht gestellte Ersatz durch abgekämpfte Einheiten unterblieben war.
Wie berechtigt diese Besorgnisse Conrads waren, beweist die Zusammensetzung der zu dieser Zeit in Südtirol verfügbaren spärlichen Reserven: bei der 18. ID. (ValSugana) ein Bataillon, beim III. Korps (Hochfläche von Asiago) zwei Bataillone; das 11. Armeekommando hatte sechs und das Heeresgruppenkommando drei Bataillone in Reserve.
Inzwischen war die zehnte Isonzoschlacht zu Ende gegangen. Das Kommando der Südwestfront war nunmehr in der Lage, bis zum 8. Juni dem Drängen Conrads nach Verstärkungen, das in den letzten Tagen wegen der einlangenden Nachrichten über das unmittelbare Bevorstehen des italienischen Angriffes immer nachhaltiger geworden war, Folge zu geben. Neun Bataillone wurden nach Tirol verschoben 23). Dieser Kraftzuwachs ermöglichte es dem Feldmarschall, eine gleiche Anzahl von
Bataillonen der 11. Armee zuzuweisen, zumal für den äußersten Notfall der Zufluß von „Teilen der einstweilen wegen Fleckfiebers in Kroatien kontumazierten 73. ID. in Aussicht gestellt worden war.
In artilleristischer Hinsicht war das Möglichste geschehen, um den bedrohten Frontabschnitt durch Abgaben aus ruhigeren Bereichen der Heeresgruppe und durch Ausrüstung neuer Batterien zu stärken. Die Kampfpause in den zum Teil noch im Bergwinter steckenden übrigen Frontteilen Tirols erleichterte derartige Verschiebungen.
Bis zum 9. Juni ergaben Beobachtung und Nachrichten ein ziemlich klares Bild über die Absichten des Feindes. Zahlreiche Überläufer berichteten fast übereinstimmend, daß der Angriff zwischen der Reichsgrenze und Asiago spätestens am 12. beginnen werde. Umfangreiche neugeschaffene Zeltlager, große Lagerfeuer, sehr lebhafter nächtlicher Kraftwagenverkehr hinter der feindlichen Front, das Auffahren und Einschießen zahlreicher neuer Batterien, die am 6. Juni einsetzende italienische Luftsperre, verbunden mit einem Fliegereinbruch nach Trient und Bozen, waren unverkennbare Anzeichen des Bevorstehenden, die durch die mitgelesenen Funksprüche ergänzt wurden. Die auf dem gleichen Wege ermittelte Ausgabe des italienischen Angriffsbefehles an alle vier Korpskommandos der 6. Armee ließ den großangelegten Umfang des Unternehmens erkennen. Vor allem schienen aber die auf dem Nordteil der Hochfläche von Asiago stehenden Divisionen des k.u.k. III. Korps, die 6. ID. und die 22. SchD., überaus bedroht zu sein. Die Hoffnungen der Italiener, den Gegner überraschen zu können, waren zunichte geworden, weil sie für die Geheimhaltung ihrer Pläne zu wenig vorgesorgt hatten.
Kampfraum und Kräfte vergleich
Die Hochfläche von Asiago steigt an ihrem Nordrande, dem sogenannten Grenzkamm — hier zog sich die Reichsgrenze hin — zu ihrer größten Höhe an. Ihr nördlicher Abfall stellt sich, vom Suganertal aus besehen, vielfach wie eine mehr als 1000 m hohe Felsmauer dar. Der im Mai 1916 von den öst.-ung. Angreifern gewonnene Ostteil des Kammes bis zum österreichischen Grenzzwickel der Barricata war bald darauf im Juni nach hartnäckigen Kämpfen wieder geräumt worden (Bd. IV, S. 667 ff.). Die Italiener hatten in der Folge die von ihnen besetzte C. Maora zu einem mächtigen Bollwerk und Verbindungsknoten ihrer Front auf der Hochfläche mit jener im Suganertale ausgestaltet.
Zwischen derC.Maora und derS'^km westlich davon aufragenden C. Dieci verflacht sich der Grenzkamm zu einer breiten Senke, die durch den quergelagcrten Bergklotz des Mt. Ortigara in zwei Teile getrennt •wird. Über die so entstandenen Einsattelungen, westlich die Porta Lepozze, östlich die Porta Maora, führen gangbare Querverbindungen von der Hochfläche zum Suganertale, von denen jedoch die letztgenannte, zwischen den Fronten liegend, für die Benützung nicht in Frage kam.
Die öst.-ung. Abwehrstellung verlief, von Süden kommend, über den Mt. Campigoletti, auf dem Ostrande der beiden Kuppen des Mt. Ortigara zur Porta Maora und, westlich der Val Maora, als „Caldiera-stellung“ gegen den Civaron.
Im Abschnitte Campigoletti meisterhaft ausgebaut, war hingegen die Stellung auf dem Mt. Ortigara weder taktisch noch technisch auf der Höhe. Von der C. Maora überhöht, nur auf vom Feinde voll eingesehenen und bestrichenen Zugangswegen erreichbar, litt dieser Stellungsteil unter den schwierigen Zuschubverhältnissen, da er von der Hochfläche aus über Dosso del Fine versorgt werden mußte. Diese Nachteile, verbunden mit der eintretenden Notwendigkeit, die Besatzung abzulösen, hatten eine verhängnisvolle Rückständigkeit des Ausbaues der Verteidigungsanlagen zur Folge. Schließlich verlief die Abschnittsgrenze zwischen dem III. Korps und der 18. ID. entgegen allen taktischen Grundsätzen auf dem Grenzkamm, so daß an wichtigster Stelle kein einheitliches Kommando vorhanden war.
Die kahlen, stark verkarsteten Grenzkammhöhen westlich der C. Maora hatten durch die einjährigen Kämpfe immer mehr den Charakter eines Trichter- und Schuttfeldes angenommen. Die zahlreichen größeren und kleineren Dolinen, zum Teil noch schneeerfüllt, spielten bei den folgenden Kämpfen, ähnlich wie in den Karstschlachten, eine wichtige Rolle; der meist an der Oberfläche durch Pikrin verfärbte Schnee war oft das einzige Mittel zur Beschaffung von Trinkwasser. Kleine Felsstufen boten zwar Deckung, erschwerten aber die Fortbewegung.
Der von den Abwehrstellungen bis zum Kempeirücken reichende kahle Gürtel bannte jeden Verkehr zur Front in die Nachtstunden; im Gegensatz hiezu fanden die Italiener in der hinter ihren Stellungen vorhandenen ausgedehnten Waldzone Deckung gegen Sicht für den Verkehr ihrer Reserven, für die Versammlung größerer Truppenmengen vor dem Angriff sowie für Freilager.
Die schwierige Lage des Verteidigers wurde durch das Zahlenverhältnis der beiderseitigen Kräfte noch verschärft. Die italienische 6. Armee trat in dem Raume zwischen dem Grenzkamm und Asiago mit
112 Bataillonen in den Kampf, von denen allerdings vorerst nur ein Bruchteil eingesetzt wurde. Demgegenüber verfügte der Verteidiger in den Stellungen zwischen dem Grenzkamm und Asiago am 9. Juni abends über 21 Bataillone; an Reserven waren insgesamt 14Bataillone bereitgestellt, 71/2 Bataillone befanden sich im Anmarsche, so daß zur Abwehr des Angriffes 42V2 Bataillone, etwas mehr als ein Drittel der Feindesstärke, verfügbar waren.
Ähnlich war es um die Verhältnisse der beiderseitigen Artillerie bestellt. Die k.u.k. 11. Armee zählte bis zum 15. Juni in jenem Teile ihrer Front, dem die italienische 6. Armee gegenüberstand, 400 Geschütze, davon 246 leichte, 48 mittlere, 17 schwere, 6'5 Stellungsgeschütze und 24 Fliegerabwehrkanonen. Die vorerwähnten 1500 italienischen Feuerschlünde (S. 186), bei denen wohl zahlreiche Minenwerferbatterien eingerechnet sind, bedeuteten auch hier eine dreifache Überlegenheit des Feindes.
Der Kräfte vergleich ergibt ein für den Verteidiger noch viel ungünstigeres Bild, wenn man den eigentlichen Hauptkampfraum der Schlacht, den Abschnitt zwischen dem Nordabsturz des Grenzkammes und dem Mt. Campigoletti in Betracht zieht. In diesem Frontteil waren am 10. Juni früh drei Bataillone der 6. und der 18. ID. eingesetzt, dahinter drei Bataillone Reserve der 6. Division. Der gegen diesen Abschnitt angreifenden italienischen 52. ID. standen zunächst 20 Bataillone zur Verfügung. Die Korpsreserve bestand beim k.u.k. III. Korps für dessen ganze Front aus drei Bataillonen, das italienische XX. Korps verfügte allein in dem oben erwähnten Frontteil über zwölf Bataillone der 10. Division.
Die Ortigaraschlacht (9. bis 29. Juni 1917)
Der italienische Angriff am 10. tind, 11. Juni Hiezu Skizze b der Beilage 10
Am 10. Juni, einem trüben und regnerischen Tage, setzte um 5h früh das italienische Geschütz- und Minenwerferfeuer schlagartig gegen die ganze Front des k.u.k. III. Korps, GdI. Ritt. v. Krautwald, ein. Der
Stellungszug der 6. ID. und der 22. SchD. stand bald unter besonders heftigem Zerstörungsfeuer, unter dem die Kampfanlagen und die Hindernisse arg litten. Aber auch die Artilleriestellungen und die Räume bis weit hinter der Front, die Anmarschwege und die Reservelager sowie die Standorte der höheren Befehlsstellen wurden heftigst beschossen, wobei zum Teil Gasgranaten verwendet wurden.
Der Nordflügel der 6. ID. und der anschließende Südflügel der
18. ID. waren bald stark in Mitleidenschaft gezogen. Während das FJB. 7 auf dem Mt. Campigoletti in seinen ausgebauten Stellungen hinreichend Schutz vor dem Massenfeuer fand, häuften sich beim FJB. 20 auf dem Mt. Ortigara die Verluste. Insbesondere erzielten die italienischen schweren 24- und 40 cm-Minenwerfer (Bd. V, S. 632) äußerst empfindliche Wirkung.
In den Nachmittagsstunden schritten die Italiener an zahlreichen Stellen der Front des III. Korps zum Angriffe. Erfolge hatten sie jedoch nur gegen den Nordflügel aufzuweisen. Hier gelang es den angreifenden Alpinibataillonen unter Ausnützung des Nebels und unter dem starken Feuerschutze ihrer Artillerie und Minenwerfer über die zwischen den beiderseitigen Stellungen liegende Tiefenfurche bis in die schußtoten Räume vor den öst.-ung. Linien zu gelangen. In diesen Sturmstellungen sammelten sich in den Mittagsstunden starke Kräfte an. Sie versuchten schon nach 2h nachm., in die fast eingeebneten Abwehrstellungen des Abschnittes Ortigara einzudringen. Dem küstenländischen FJB. 20, das diesen Frontteil mit drei Kompagnien besetzt hielt, war noch vor Mittag das 3. Bataillon des salzburgischen IR. 59 aus der Divisionsreserve zur Verstärkung zugewiesen worden. Das Bataillon mußte sich gruppenweise durch das dichte Sperrfeuer Vorarbeiten und langte erst in den Nachmittagsstunden geschwächt in den Stellungen an, in denen die Jäger bisnun alle Angriffe abgeschlagen hatten1).
Hartnäckig vorwärtsstrebend, waren indessen Welle auf Welle des italienischen Angriffsstaffeis herangekommen, und die zahlenmäßig bedeutende Übermacht wurde immer fühlbarer. Schließlich gelang den Italienern der Einbruch auf der Höhe -<>-2007; die Reste des hier stehenden Reservebataillons 111/37 wurden nach Norden abgedrängt. Dadurch konnte der Angriff gegen den Mt. Ortigara nunmehr auch von Nordosten herangetragen werden. Nachdem beide Bataillonskommandanten
1j H o e n, Geschichte des salzburgisch-oberösterreichischen k.u.k. Infanterieregimentes Erzherzog Rainer Nr. 59 für den Zeitraum des Weltkrieges 1914—1918 (Salzburg 1931), 549 ff.
des Abschnittes Ortigara gefallen waren, bemächtigten sich die Italiener der Nordkuppe Höhe -<^-2071. Trotz der erlittenen schweren Verluste vermochten aber die Reste der Abschnittsbesatzung sowohl die Hauptkuppe des Mt. Ortigara, Höhe 2105, zu halten, als auch einen weiteren Raumgewinn des Feindes gegen Westen zu verhindern. Der ungleiche Kampf hatte auch die Italiener schwere Opfer gekostet; daher begnügten sie sich mit dem errungenen Erfolg.
Daß der Mt. Ortigara gehalten werden konnte, war vor allem der zähen Ausdauer des krainischen FJB. 7 im Abschnitte Campigoletti zu danken. Gegen diesen liefen zwei Alpinibataillone vergebens Sturm; sie mußten trotz des Einlangens von Verstärkungen unter schweren Verlusten die Angriffe einstellen.
An den übrigen Teilen der Korpsfront hatten die Italiener nirgends mit gleicher Wucht wie auf dem Grenzkamm angegriffen. Örtliche Einbrüche gelangen dem Feinde am 10. Juni auf dem Mt. Forno, wo ihn ein sogleich angesetzter Gegenstoß des steirischen IR. 27 hinauswarf, ferner westlich der Cra. Zebio. In diesem schon seit Jahresfrist heiß umstrittenen Kampfgebiete hätte die Sprengung einer großen Minenanlage den Angriff einleiten sollen, aber die italienische Mine ging durch einen Blitzschlag schon am 8. Juni hoch, der Verteidiger besetzte den Trichter und nahm den Italienern, die schwere Verluste an Offizieren erlitten hatten, weitere Erfolgsaussichten in diesem Abschnitte x). Ein örtlicher Einbruch, der nach einer am 10. Juni vorgenommenen kleineren Sprengung an dieser Frontstelle glückte, wurde durch die hier stehenden steiermärkischen Schützenregimenter 3 und 26 wieder wettgemacht.
Auch weiter südlich hatten die Stellungen der 22. SchD. schwer unter dem Massenfeuer gelitten; starke Angriffe der Italiener gegen den Mt. Dorole, den Mt. Interotto und bei Camporovere wurden teils durch Sperrfeuer, teils im Nahkampfe abgewiesen. Bei der Gruppe Obst. Vidossich war ein örtlicher Einbruch in die Stellungen der Zillertaler Standschützen bei Rotzo bald bereinigt.
Der Erfolg des Tages war für die Italiener dennoch nicht unbedeutend, und nur mit Mühe gelang es, das zwischen der 6. und der 18. ID. aufgerissene Loch verläßlich zu schließen. Eine Fortsetzung des Stoßes am 11. oder 12. konnte für den Verteidiger verhängnisvoll werden,
1) Brigate di Fanteria, VI, Brig. Catania, 89. Die Explosion erfolgte während einer Orientierung für den beabsichtigten Angriff und kostete die Italiener 22 Offiziere und 100 Mann.
da er Gefahr lief, daß die eben erst nur notdürftig hergestellte Front gänzlich zerrissen werde. Der auf dem Grenzkamm befehligende italienische Divisionär war in der Tat entschlossen, den Stoß am 12. fortzuführen; es sollten sechs Bataillone gegen die C. Dieci und in den Rücken der Ortigarastellung vorgehen1). Zum Glück für den Verteidiger wurde jedoch die 52. ID. angewiesen, sich zunächst auf örtliche Verbesserungen zu beschränken; trotz dieses Auftrages erlahmte die Kampftätigkeit auch an den folgenden Tagen nicht.
Gegen den gefährdeten Raum auf dem Grenzkamm eilten die nächsten Reserven heran. Während die 18. ID. ihre Südflanke durch Heranschieben des Bataillons X/14 in den Raum nordöstlich der C. Dieci zu sichern trachtete2), setzte die 6. ID. noch am 10. abends das Bataillon
IV 14 auf der Höhe -(>-2051 östlich der Porta Lepozze ein, wo der Feind am Vortage zum Stehen gebracht worden war. Zwei Kompagnien dieses Bataillons und eine Kompagnie des FJB. 20 wiesen am 11. früh einen starken italienischen Angriff gegen die steil abfallende Nordseite des Mt. Ortigara ab.
FM. Conrad hatte schon am 10. Juni in einer dringenden Depesche, mit der er der Heeresleitung das Losbrechen des seit langem erwarteten italienischen Ansturmes meldete, darauf hingewiesen, daß die der Heeresgruppe zur Verfügung stehenden Kräfte nur zur Abwehr des ersten Stoßes ausreichen würden, und demnach Verstärkungen rasche-stens nötig seien. Das AOK. bemerkte in seiner Antwort, daß es von seiner Überzeugung, auf der die Abwehr gegen Italien aufgebaut sei, daß die Entscheidung im Isonzoraum falle, auch jetzt nicht abgehen könne. Ein Teilangriff von zehn italienischen Divisionen auf der Hochfläche von Asiago berechtige nicht zu einschneidender Schwächung der 5. Armee; im Nordosten könnten gegenwärtig keine Kräfte freigemacht werden. Eine von Conrad am 11. vorgelegte Würdigung der Lage an der italienischen Front vermochte angesichts der Gesamtlage an der Entscheidung der Heeresleitung nichts zu ändern.
Der Gegenangriff des k.u.k. III. Korps am 15. Juni
Das k.u.k. 6. IDKmdo., FML. Edl. v. Mecenseffy, hatte noch am 10. Juni außer dem bereits eingesetzten Bataillon 111/59 und dem zur Porta Lepozze befohlenen Bataillon IV; 14 noch das Bataillon 11/14 auf
rj Como Dagna Sabina, L'Ortigara (Mailand 1934), 87.
2) Ehnl, 57 ff.
den Nordflügel verschoben, um das abgekämpfte FJB. 20 ablösen zu können1). Dieser Truppenwechsel fand, gestört durch wiederholte kleinere, aber tatkräftig geführte Vorstöße der Italiener, in den Nächten auf den 12. und auf den 13. Juni statt. Es standen nunmehr auf dem Nordflügel der 6. ID. (12. IBrig.): das FJB. 7 im Abschnitte Campigoletti, anschließend auf dem Osthange des Mt. Ortigara das Bataillon 11/14. Hakenartig nach Westen zurückgebogen auf dem Nordhang dieses Berges war 111/59 in Stellung; den westlichen Abschluß der nach Verlust der Lepozzestellung entstandenen Ausbuchtung stellte das Bataillon IV/14 auf der Höhe -cj>-2051 her. In diesen Linien wurden die oben erwähnten italienischen Teilangriffe vom 11. bis zum 13. Juni abgewiesen; im übrigen waren beide Teile fieberhaft bemüht, sich wenigstens notdürftig verteidigungsfähige Stellungen zu schaffen.
Entlang der übrigen Korpsfront war nur der Stellungsteil zwischen dem Mt. Zebio und dem Mt. Dorole in den Abendstunden des 12. Juni das Ziel eines tiefgegliederten Angriffes, der von der 43. SchBrig. mühelos abgewiesen wurde.
Das III. Korpskmdo., GdI. Krautwald, hatte noch am 11. Juni die 6. ID. angewiesen, die gegenwärtigen Stellungen um jeden Preis zu halten und spätestens am 14. das Verlorene im Gegenangriff zurückzugewinnen. Auch das Heeresgruppenkommando betonte in einer am 12. Juni an das 11. Armeekmdo. ergangenen Weisung, der geplante Gegenangriff auf den Grenzkamm sei ehestens durchzuführen, da auf die baldige Vertreibung des auf Porta Lepozze eingedrungenen Feindes größter Wert gelegt werde. Für die geplante Kampfhandlung wurden die verfügbaren Reserven entsprechend nachgeführt. Bis zum 14. Juni abends — der Angriff war auf den 15. verschoben worden — gelangte das FJB. 23 zur 12. IBrig.; das BataillonIV/27, die aus der Assastellung (Gruppe Obst. Vidossich) herausgelösten Bataillone I und 111/14 sowie das vom XIV. Korps 2) beigestellte 2. Bataillon desTJR.4 waren Reserven der 6. Division. Der 22. SchD. standen zwei Kaiser-
1) IR. 14: Ein Buch der Erinnerung an große Zeiten 1914—1918 (Linz 1919), 100 ff., 246 ff.
2) In den Monaten Dezember 1916 und Jänner 1917 hatten in Südtirol folgende Umbenennungen stattgefunden. Die bisherige 8. ID. führte seit 9. Dezember die Bezeichnung „Kaiserjägerdivision“, deren Brigaden (58. GbBrig. und 180. IBrig.) hießen seit 16. Jänner „1.“ und „2. Kaiserjägerbrigade“; schließlich wurde Ende Jänner das bisherige XX. Korps, GdK. Schönburg, in „XIV. Edelweißkorps“, das bisherige Korps Roth an der Dolomitenfront in „XX. Korps“ umbenannt. Schließlich wurde die bisherige 3. ID. vom 2. Mai an als „Edelweißdivision“ bezeichnet.
Schützenbataillone (II. und III./KSchR. I) zur Verfügung. Das III. Korps-kmdo. hatte fünf Bataillone, das 11. Armeekmdo. fünfeinhalb, das Heeresgruppenkommando drei Bataillone in Reserve.
Auf italienischer Seite hatte das XX. Korpskmdo. am 12. angeordnet, daß die beiden auf dem Nordflügel der 52. ID., im Raume Lepozze—Ortigara, kämpfenden Alpinigruppen durch eine Brigade der 10. ID. abzulösen seien. Dieser Wechsel verzögerte sich wegen der Kämpfe am 12. und am 13. Juni und war daher eben im Gange, als der öst.-ung. Gegenangriff erfolgte.
Diesem war als erstes Ziel die Wiedergewinnung der Höhe -c^-2071 gesetzt; in weiterer Folge sollte der ganze ehemalige. Abschnitt Lepozze zurückerobert werden. Die verfügbare Vorbereitungszeit war aber zu kurz bemessen, um Führern und Truppen der insgesamt 3 V? Bataillone starken Angriffsstaffel ausreichende Kenntnis des größtenteils unbekannten Geländes und sorgfältige Vorbereitung des Zusammenwirkens mit der Artillerie zu ermöglichen. So hatte das am 15. Juni um 2h30 früh nach kurzer Feuervorbereitung einsetzende Angriffsunternehmen nur vorübergehend Erfolg. Wohl gelang es den Sturmpatrouillen und der ersten Welle der Oberösterreicher und Salzburger, auf der Höhe -<{>-2071 in die feindlichen Linien einzudringen und zahlreiche Maschinengewehre zu erbeuten; die eben abgelösten italienischen Bataillone warfen sich aber entschlossen in den Kampf, und nach erbittertem Handgemenge mit der erdrückenden Überzahl der Italiener mußten die eben noch erfolgreichen Angreifer unter Preisgabe ihrer Beute und unter schweren Verlusten in die Ausgangsstellungen weichen.
Bei Morgengrauen legte die italienische Artillerie heftiges Feuer auf die öst.-ung. Ortigarastellungen. Dann versuchten die Italiener, allerdings vergebens, ihren nächtlichen Abwehrerfolg durch hartnäckige Angriffe gegen den Mt. Ortigara und die Höhe -<{>-2051 zu einer Verbreiterung der Einbruchsstelle vom 10. Juni auszunützen. Nach schweren, den ganzen Tag über währenden Kämpfen ließen beide Teile erst mit Eintritt der Dämmerung die Waffen sinken, um im stillschweigenden Einvernehmen die zwischen den Stellungen liegenden Verwundeten zu bergen. Der heiße Kampftag hatte die Angriffsgruppe des k.u.k. III. Korps an 6000 Mann gekostet, das Herauslösen der sehr erschöpften und erschütterten Bataillone aus der Kampffront war eine dringende Notwendigkeit geworden.
Dementsprechend wurden in der Nacht auf den 16. Juni das Bataillon III, 59 an der Ortigara-Nordfront durch 111/14, das Bataillon IV/14 auf Höhe -<>-2051 in der folgenden Nacht durch 1/14, schließlich am 18. das Bataillon 11/14 an der Ostfront des Mt. Ortigara durch das 2. Bataillon des TJR. 4 abgelöst1).
Das 11. Armeekmdo. war fest entschlossen, den Gegenangriff ehestens zu wiederholen; denn die Gefahren, die den Abwehrstellungen auf der Hochfläche von Asiago ebenso wie der Front in der Val Sugana gegenüber dem vom Feinde auf dem Grenzkamm vorgetriebenen Keile drohten, waren zu offensichtlich. Dieser Absicht schloß sich auch FM. Conrad an, der am 16. Juni zur Orientierung beim III. Korpskmdo. weilte. Weitere Reserven in den Frontteil auf dem Grenzkamm zu verschieben, erschien ihm jedoch zu bedenklich, denn die unverminderte Drohung der italienischen 6. Armee gegen die ganze Front auf der Hochfläche von Asiago fand nunmehr eine wesentliche Verschärfung durch die deutlich erkennbaren Angriffsvorbereitungen gegen den Raum zwischen der Zugna Torta und dem Pasubio. Schließlich erforderte in diesen Tagen ein Mißerfolg an der Tiroler Westfront entsprechende Vorsorgen.
Im Adamellogebiete hatten sich die Italiener im April 1916 des ausgedehnten Gletschergebietes zwischen der Reichsgrenze und dem Kamme Crozzon di Lares—Crozzon di Fagorida bemächtigt (Bd. IV, S. 204 ff., weiters Skizze 4 und Beilage 6 dieses Bandes). Auf dem Südteile dieses Kammes verblieb der Como di Cavento (3400 m) als vorgeschobener Beobachtungsposten im Besitze der Truppen des Rayons III. Hier stand im Juni 1917 eine Kaiserjägerstreifkompagnie; zudem waren in mühevoller Arbeit zwei Gebirgskanonen auf diese Spitze geschafft worden, deren Feuer den Italienern wegen der Wirkung in den Rücken ihrer Stellungen und wegen der Unterbindung des Tagesverkehres über die Gletscher überaus lästig fiel. Am 15. Juni führten weit überlegene Kräfte, ein Alpinibataillon und Skiabteilungen, nach heftigstem Artilleriefeuer ein umfassendes Unternehmen gegen diesen vorgeschobenen Posten aus, das zum Verlust der Bergspitze und zum Untergange der Besatzung führte; die Geschütze fielen nach Sprengung in Feindeshand. Bevor es sich herausgestellt hatte, daß sich der Feind mit diesem Erfolge zufriedengab, hatte das 11. Armeekmdo. aus seinen kärglichen Reserven das Radfahrerbataillon Obstlt. Edl. v. Schönner dem betroffenen Rayon III zugeschoben, um ein weiteres Vordringen des eingebrochenen Feindes verhindern zu können.
x) IR. 14, Ein Buch der Erinnerungen, 256 f.
Die Erneuerung des italienischen Ansturms (18. und 19. Juni)
Hiezu Skizze c der Beilage 10
Die italienische Führung sah sich durch den am 15. Juni errungenen Abwehrerfolg in ihrem Entschluß bestärkt, den Versuch vom 10. Juni zu erneuern, um die mit so großem Aufwand an Kräften und Kampfmitteln auf der Hochfläche von Asiago angestrebten Ziele vielleicht doch noch zu erreichen. Wiederum sollte im ganzen Raum zwischen dem Grenzkamm und der Assaschlucht bei Asiago angegriffen werden; der Hauptstoß fiel wie am 10. Juni dem XX. Korps am Nordflügel der Angriffsstaffel zu. Die 52. ID., zu deren 20 Alpini- und 6 Infanteriebataillonen noch ein Bersaglieriregiment kam, die also nunmehr über 29 Bataillone verfügte, hatte den Stoß entlang und südlich des Grenzkammes zu führen. Die 29. ID. bekam wiederum den bisnun vergeblich berannten Raum um den Mt. Fomo als Ziel.
Die 52. ID. wurde in zwei Angriffssäulen angesetzt1). Von der rechten sollte sich eine Gruppe von vier Bataillonen, in westlicher Richtung vorstoßend, zunächst der Höhe -Ą- 2051 und des dahinter liegenden Sattels der Porta Lepozze bemächtigen. Die Hauptkraft dieser Kolonne, in der Stärke von elf Bataillonen, hatte den von Nord und Ost umklammerten Mt. Ortigara zu nehmen, gegen den überdies noch von Südosten her fünf Bataillone der Südkolonne angesetzt wurden, während drei Bataillone den Gegner auf dem Mt. Campigoletti zu binden hatten. Der nördlichen Kolonne waren drei Gebirgsbatterien und drei Sappeurkompagnien, der südlichen vier selbständige Maschinengewehrkompagnien, drei Gebirgsbatterien und eine Sappeurkompagnie beigegeben. In der bis zum 10. Juni als erste Linie besetzten Stellung verblieben vier Bataillone und zwei Maschinengewehrkompagnien; die Divisionsreserve zählte zwei Bataillone. Schließlich wurde der 52. ID. am 19. eine weitere Infanteriebrigade zur Verfügung gestellt, von der zwei Bataillone noch am gleichen Tage eingriffen.
Dieser gegen den Nordflügel der 6. ID. zusammengeballten Angriffsmasse von 35 Bataillonen konnte das k.u.k. III. Korps entgegenstellen : im Abschnitte Lepozze das Bataillon 1/14, im Abschnitte Ortigara die Bataillone III/14 und II 'TJR. 4, im Abschnitte Mt. Campigoletti nach wie vor das FJB. 7. Hinter diesen vier Frontbataillonen standen
1'j Como Dagna Sabina, 173 ff.
IV2 Bataillone in Reserve, weiters waren noch 3 V2 Bataillone als Divisionsreserve verfügbar. Dies ergibt 9 öst.-ung. gegenüber 35 italienischen Bataillonen, also eine vierfache Überlegenheit des Feindes. An weiteren Reserven waren vorhanden: beim III. Korpskmdo. 7 Bataillone (davon waren zwei völlig abgekämpft,), als Armeereserve 3 Bataillone; eine gleiche Anzahl war Heeresgruppenreserve.
Die Feuervorbereitung der Italiener begann am 18. um 8h früh gegen die ganze Angriffsfront und steigerte sich gegen Mittag zum Trommelfeuer. Wiederum lagen die Stellungen der 6. ID., ferner jene der 43.SchBrig. im Raume der Cra. Zebio zugleich unter dem Zerstörungsfeuer der Artillerie und heftigem Minenfeuer; wiederum wirkten die italienischen schweren Geschütze bis weit hinter die Front. Das Vorfühlen feindlicher Abteilungen wurde im Laufe des Tages allenthalben vereitelt. Um 7h nachm. scheiterte ein stärkerer Angriff gegen den Abschnitt Mt. Forno im zusammengefaßten Feuer der Abwehrartillerie.
Am schwersten litten die Truppen auf dem Nordflügel der 6. ID. unter dem feindlichen Massenfeuer, das in verminderter Heftigkeit auch über Nacht anhielt. In den durch die zehntägige Beschießung zertrümmerten und verschütteten Kampfanlagen auf dem Mt. Ortigara, namentlich aber in den neuen, durch Steinriegel oder im Felsboden kaum angedeuteten Gräben auf dem Nordhange dieses Berges und bis zum Felsabbruch nördlich der Höhe -<>-2051 häuften sich die Verluste in kaum mehr ertragbarem Ausmaße. Gegen diesen Frontteil brandete am
19. Juni um 6hfrüh der Ansturm der italienischen Massen heran. Der vielfachen Überlegenheit erlagen zuerst die Kaiserjäger, die eben die Stellungen auf der Ostfront des Mt. Ortigara übernommen hatten. Die den Stoß fortsetzenden italienischen Bataillone faßten dann das auf dem Nordrande des Berges kämpfende Bataillon 111/14, das noch bei Morgengrauen drei italienische Vorstöße abgewehrt hatte, im Rücken, und bald war auch das Schicksal dieser drei Kompagnien besiegelt. Fast 1000 Gefangene, 14 Maschinengewehre und fünf Kanonen *) meldeten die Italiener als Beute.
Zwischen den auf der Höhe-cj>-2051 ausharrenden Oberösterreichem des Bataillons 1/14, denen es gelang, alle Angriffe gegen ihre Front abzuwehren, und dem FJB. 7, das seine Stellungen auf dem Mt. Campigoletti und von hier bis auf den Südwesthang des Ortigara unerschütterlich behauptete, klaffte eine breite Lücke. Hier weiter nach Westen
x) Nach öst.-ung. Meldungen gingen nur zwei Infanteriegeschütze verloren.
vorzudringen, gelang den Italienern wegen des vom Mt. Campigoletti flankierend herüberschlagenden und vom Hange der C. Dieci frontal niederhagelnden Maschinengewehrfeuers nicht; auch vereinigte die Abwehrartillerie ihr Feuer auf die verlorengegangene Ortigarakuppe. Die zunächst befindlichen Reserven der 6. ID. eilten zur Schließung der Lücke herbei; in fast deckungslosem Gelände faßte schwerstes Minenfeuer ganze Abteilungen des FJB. 23, das alsbald zerschlagen war, und des Bataillons IV, 14. Immerhin war bis zum Abend die unmittelbare Gefahr beschworen, zumal die Italiener sichtlich daran gingen, den Mt. Ortigara in ihren Stellungszug einzubauen.
Der Kommandant der italienischen 52. ID. hatte nach Eroberung des Mt. Ortigara die Absicht, zum Angriff gegen den Mt. Campigoletti zu schreiten. Die von dort ausgehende Flankenwirkung hatte die Ausnützung des Erfolges der Angriffsgruppe bisher verhindert. Das XX. Korpskmdo. erließ jedoch schon am 19. Juni abends Befehle für das Zurückfallen in die Verteidigung; nur die 52. ID. hatte nötigenfalls örtliche Stellungsverbesserungen zu erkämpfen24).
Die Nachricht vom Verluste des Mt. Ortigara war den höheren öst.-ung. Befehlsstellen in einer Form zugekommen, die schwerste Befürchtungen auslösen mußte. Nach den ersten Meldungen war einerseits bereits die C. Dieci bedroht, anderseits sollte das FJB. 7 auf dem Mt. Campigoletti in Flanke und Rücken gefaßt sein. Die Erleichterung, die sich einstellte, als sich beide Nachrichten als falsch erwiesen, war sehr verständlich; denn der Besitz des Mt. Campigoletti war bei der Geländegestaltung die unerläßliche Grundbedingung für jedes Unternehmen, durch das die verlorengegangenen Stellungsteile wiedergewonnen werden sollten. Daher war das unerschütterliche Festhalten des FJB. 7 in seinem selbstgeschaffenen Stellungsnetz 25) von entscheidender Bedeutung für den schließlichen Ausgang der Schlacht26).
Die in der folgenden Nacht auf dem Grenzkamm einlangenden
Reserven, zunächst das Bataillon III/KSchR. II der 6. ID. und das Bataillon X/14 der 18. ID., bannten die Gefahr für diesen Abschnitt.
An den anderen Frontteilen des k.u.k. III. Korps war es am 19. sowohl im Raume des Mt. Fomo als auch zwischen dem Mt. Zebio und dem Mt. Dorole zu italienischen Angriffen gekommen, die im Abwehrfeuer zusammenbrachen. Der entschiedene Angriffs wille und der entschlossene Einsatz der starken Kräfte, die der italienischen Führung zur Verfügung standen, blieben an diesem Tage, mit alleiniger Ausnahme bei der auf dem Mt. Ortigara fechtenden 52. ID., völlig aus; aber auch an der letztgenannten Stelle wußte die italienische Führung wie am 10. Juni die von der schneidig angreifenden Infanterie errungenen örtlichen Erfolge nicht auszunützen.
Schließlich brachte der 19. Juni den Einbruch italienischer Fliegermassen nach Südtirol; 145 Flugzeuge warfen 572 t Sprengstoffe ab. Diesem Fluggeschwader, dem 61 Kampfflieger angehörten, vermochte die k.u.k. 11. Armee nur 26 Flugzeuge, darunter 3 Kampfflieger, entgegenzustellen.
FM. Conrad erneuerte auf Grund der von der Hochfläche von Asiago einlangenden Nachrichten am 19. Juni sein Verlangen nach Zuweisung von Reserven und erhielt sogleich die Zusage, daß von der aus Kroatien anrollenden 73. ID. das Kommando, FML. Ludwig Goigin-ger, und eine Brigade nach Südtirol gelangen würden. Sie sollten jedoch vorerst nahe der Bahn belassen werden, um im Bedarfsfalle möglichst rasch der Isonzoarmee zugeschoben werden zu können, der die zweite Brigade zugewiesen worden war.
Die am 19. Juni abends eintretende Kampfpause auf dem blutgetränkten Gefechtsfelde zunächst des Grenzkammes ermöglichte die Ablösung der hier stehenden, in heldenhafter Pflichterfüllung zusammengeschmolzenen Bataillone der 12. Brigade. So lösten das Bataillon III/KSchR. II die Besatzung der neuen Riegelstellung westlich vom Mt. Ortigara, ein Halbbataillon X/14 das 1. Bataillon des gleichen Regiments auf der Höhe -cj>- 2051 ab.
Die Wieder er obeneng des Mt. Ortigara am 25. Jimi
Hiezu Skizze d der Beilage 10
Bei der entscheidenden Wichtigkeit, die das seit dem 10. Juni auf
dem Grenzkamm an die Italiener verloren gegangene Gelände für die
Abwehrfront in Südtirol hatte, waren der Konimandant der 6. ID., FML. Mecenseffy, ebenso wie der Kommandant des III. Korps, GdI. Krautwald, schon am 19. Juni fest entschlossen, ehestens zum Gegenangriffe zu schreiten1). Daß dessen Durchführung erst nach sorgfältigster Vorbereitung mit frischen Truppen zu unternehmen sei, war allen Befehlsstellen klar; über die hiefür nötigen Kräfte gingen die Meinungen jedoch auseinander. Das 11. Armeekmdo. hatte unter dem Eindrücke der ersten Alarmmeldungen am 19. Juni mittags den Einsatz einer frischen Division für unerläßlich gehalten. FML. Mecenseffy forderte mindestens sechs Bataillone, welche Zahl nach Meinung des III. Korpskmdos. bei der schwierigen Versorgung das Höchstmaß an Kraftzuschuß darstellte. Der Zuschub reichlicher MunitionsVorräte für die fast verschossenen Batterien mußte Hand in Hand mit dem Heranführen von Verstärkungen gehen2).
Die Vorbereitungen für den Gegenangriff hatte der Kommandant der 98. Kaiserschützenbrigade, Obst. v. Sloninka, zu treffen, der in der Nacht auf den 22. Juni die Führung des Nordflügels der 6. ID. vom Mt. Campigoletti bis zum Bruchrand nördlich der Höhe -<>-2051 übernahm. Das Verhalten des Feindes, der nur mehr am 20. seine Batterien in lebhafter Feuertätigkeit hielt, sich aber sodann emsig dem Ausbau seiner neuen Stellungen widmete, gestattete die ruhige Durchführung aller nötigen Vorbereitungen. Am 22. Juni wurde dem eben in Tirol eingelangten Kommandanten der 73. ID., FML. Ludwig Goiginger, als Führer einer korpsunmittelbaren Gruppe die Leitung der gesamten Kampfhandlung übertragen, nachdem ihm FM. Conrad gelegentlich seiner Meldung die Wichtigkeit seiner Aufgabe mit folgenden Worten dargetan hatte: ,,Die Lepozzestellung muß wieder genommen werden, sonst ist die ganze Front nicht mehr zu halten3).“
Für die Kampfhandlungen standen zur Verfügung: von der 18. ID. das Bataillon X/14, von der 6. ID. die Bataillone 1/14, I/KSchR. I, III/KSchR. II, das FJB. 7, zwei Bataillone des IR. 57, das halbe Sturmbataillon der 11. Armee, eine Sappeurkompagnie und drei Trägerkompagnien, ferner alle Batterien der 6. und der 18. ID., die zur Wirkung Sloninka, Die Kämpfe um die Ortigara—Lepozzestellung [Unsere Kaiserschützen] (Hall i. T. 1927), welches Buch neben L ü t z o w, Die Ortigarakämpfe (Halli. T. 1922,, eingehend die Ortigaraschlacht schildert.
2) Die Artilleriegruppe auf dem Nordflügel der 6. ID. hatte am 10. Juni 1601, am 15. bis zum Mittag 196 t, am 18. Juni 164 t und am 19. 250 t verfeuert (Sloninka, 11, 13, 20).
3) S 1 o n i n k a, 28.
in den Angriffsraum befähigt waren, zusammen 60 leichte sowie 31 mittlere und schwere Geschütze, schließlich 12 Minenwerfer.
Die Frage des Angriffstages war bei dem langwierigen Munitions-zuschub nicht leicht zu lösen. Da die Zeit drängte, um dem Feind nicht einen gründlichen Ausbau seiner Stellungen zu gestatten, entschloß man sich, von einer lang währenden Feuervorbereitung abzusehen und den Angriff nur von einem kurzen, orkanartigen Feuerstoß einleiten zu lassen. Hiefür und zur Durchführung der vom 22. Juni an unternommenen wiederholten Feuerüberfälle, die den Feind alarmmüde machen sollten, genügten die bis zum 24. abends einlangenden Munitionsvorräte, so daß der 25. Juni als Angriffstag bestimmt werden konnte.
Auf italienischer Seite war noch in der Nacht auf den 20. eine Infanteriebrigade der 10. ID. eingesetzt worden, um jene Truppen, die am meisten gelitten hatten, aus der Front lösen zu können. Sonach standen in dem neugewonnenen Frontbogen, der in drei Abschnitte geteilt wurde, folgende Kräfte : im nördlichen Abschnitte zwischen der Höhe -<>-2007 und der Höhe-<>-2071 (Lepozze) sieben Bataillone; in der Mitte (Mt. Ortigara) vier Bataillone, im südlichen Abschnitte wieder sieben Bataillone. Auf den Mt. Ortigara wurden drei Gebirgsbatterien vorgezogen. In Reserve befanden sich zehn Bataillone; der Rest der 52. ID. lag in Erholungslagern nahe der alten Stellung. Dieses Zusammenballen der Kräfte wurde den Italienern zum Verderben.
Für den Angriff, der nach der Geländegestaltung nur frontal vom Westen her möglich war, wurden von vornherein nur schwächere, aber unbedingt verläßliche und gebirgsvertraute Abteilungen ausersehen. Es wurde sogar darauf verzichtet, alle zur Verfügung stehenden und diesen Vorbedingungen entsprechenden Truppen in die Angriffsstaffel einzubeziehen. Um im Falle des Mißlingens des Angriffes wenigstens die Ausgangsstellungen verläßlich behaupten zu können, blieben diese durch das FJB. 7 und Teile der Bataillone III/KSchR. II und X/14 besetzt.
Die Angriffsstaffel, für deren Bereitstellung ein schwieriger, dem Feinde die Flanke weisender Anmarsch hinter dem Mt. Campigoletti unvermeidlich war, wurde in drei Gruppen geteilt. Die nördliche (zehn Sturmpatrouillen, das Bataillon I KSchR. I, dahinter ein Halbbataillon 111/57) hatte die Höhe -<{>-2071 und die mittlere (sieben Sturmpatrouillen, 2V2 Kompagnien des Bataillons III/KSchR. II, das zweite Halbbataillon 111/57) den Mt. Ortigara zu nehmen, während die südliche Kolonne (sechs Sturmpatrouillen) aus dem Abschnitte Campigoletti in
x) Como Dagna Sabina, 192 ff.
nordöstlicher Richtung in den Rücken des Mt. Ortigara vorstoßen sollte. Die als hintere Wellen eingeteilten Kompagnien des Bataillons 111/57 sollten sich nach dem Einbruch in der italienischen Stellung festsetzen, während die vorderen Wellen in einem Zuge in die alten öst.-ung. Stellungen an den Osthängen der beiden Ortigarakuppen vorzustoßen hatten. Der nördlichen und der mittleren Gruppe folgten noch drei Kompagnien des Bataillons II/57 mit dem Aufträge, Munition und Handgranaten vorzubringen.
Die Artillerie, deren Leitung Obst. Ritt. v. Romer der 18. FABrig. übernahm, hatte nach zusammengefaßtem kurzem Zerstörungsfeuer gegen die anzugreifenden Stellungen langsames, mit Gaswirkung vermischtes Sperrfeuer in die Niederung östlich vom Mt. Ortigara zu legen und die wichtigsten feindlichen Batterien zu vergasen.
Das Artilleriefeuer begann nach Bereitstellung der Angriffsstaffel programmgemäß am 25. Juli um 2h30 früh und war von überwältigender Wirkung. Hinter der Feuerwand arbeiteten sich die Angriffswellen an den feindlichen Drahtverhau heran und begannen dessen Zerstörung. Als um 2h l0 das Feuer vorverlegt wurde, brachen die Sturmpatrouillen in die italienische Stellung auf dem Mt. Ortigara ein. Weniger glatt vollzog sich der Einbruch auf der Höhe -<>-2071, wo einige unentwegt feuernde italienische Maschinengewehre und ein Flammenwerfer mehrmaligen Anlauf nötig machten, bis auch hier die Schützen an das Aufräumen der Gräben gehen konnten. Der in unsere ehemalige Stellung auf dem Ostrande der Höhen forgesetzte Stoß traf hier auf mit Reserven vollgepfropfte Gräben und Stollen. Durch das vorangegangene Massenfeuer empfindlichen Verlusten ausgesetzt, streckten hier viele Hunderte von Italienern die Waffen, da das Sperrfeuer jede Rückzugsmöglichkeit verriegelte.
Kaum hatten sich die Sieger in den zertrümmerten alten Stellungen notdürftig eingerichtet, als mit Tagesanbruch stärkstes italienisches Vergeltungsfeuer niederhagelte und die während des Angriffs geringen Verluste auf ein Vielfaches steigerte. Auf der besonders ausgesetzten Höhe -<^2071 erreichten die Einbußen 50 v. H. des Standes, aber die Schützen harrten trotzdem aus. In den Abendstunden versuchte dann der Feind, mit Hilfe zusammengeraffter Reserven, die den Kaiserschützen um ein Vielfaches überlegen waren!), in verzweifelten Anläufen das Schlachtenglück zu wenden, aber diese Versuche scheiterten
!) Laut Ministero de 11a guerra, Alpini (Rom 1930), griffen am 25. Juni wenigstens sieben Alpinibataillone an.
ebenso wie die am 26. Juni nach 3h früh wiederholten Anstürme. In den Morgenstunden erlahmte das italienische Feuer.
„Bei Tagesanbruch endlich — nach mehr als vierundzwanzigstün-digem Kampfe — stellte der Feind auch hier das Feuer ein. Nur kleine Kaliber feuerten noch bis Mittag weiter. Er hatte die Partie endgültig verloren gegeben. Die heldenmütigen Kaiserschützen und einige in ihren Reihen kämpfende Waffenbrüder anderer Truppen hatten, unterstützt von einer vorzüglichen Artillerie, das Schwerste vollbracht — sie hatten die Stellung nicht nur mit Elan genommen, sondern diesen fast dek-kungslosen Trümmerhaufen mit beispielloser Todesverachtung, Zähigkeit und Disziplin auch im verheerendsten feindlichen Feuer gegen alle Angriffe behauptet1).“
Noch war die in der Porta Maora liegende Kuppe -c>- 2007 in den Händen des Feindes, da ein frontaler Angriff gegen diese kleine Festung verlustvoll gescheitert war. Um den Zusammenhang mit der Caldiera-stellung der 181.IBrig. sicherzustellen, mußte auch dieser letzte Rest des italienischen Raumgewinnes zurückerobert werden. In der Nacht auf den 30. Juni gelang es nach sorgfältiger Erkundung einer tatkräftig geführten Kompagnie des Bataillons X/14, von der Höhe -cJj- 2071 absteigend, dem Feind in überraschendem Vorstoß unter geringen Opfern die schwer zugängliche Kuppe abzunehmen und ihn gegen die C. Maora zurückzudrücken 2).
Reiche Beute war dem Angreifer seit dem 25. Juni zugefallen. An 70 Offiziere und 2000 Mann betrug die Zahl der Gefangenen, 12 Geschütze, 62 Maschinengewehre (darunter fünf eigene), 5 Minenwerfer, 5 Sprengröhrenwerfer und über 3000 Gewehre wurden eingebracht.
Ergebnisse und Auswirkung
Die von der italienischen Führung schon seit langem vorbereitete Kampfhandlung großen Stiles zur Wiedergewinnung des Kempeirückens hatte in dreiwöchigem hartem Ringen zuerst bescheidene Fortschritte gebracht. Sie endete dann aber mit einem vollständigen Mißerfolg, der in Anbetracht der überaus empfindlichen Verluste, die die Unternehmung Italien gekostet hatte, das Seinige dazu beitrug, die Stimmung des italienischen Heeres auf das Ungünstigste zu beeinflussen. Die italienische 52. ID. verlor allein 660 Offiziere und 15.000 Mann; 350 Offiziere
x) S 1 o n i n k a, 38.
2) Ehnl, 65.
und 7000 Mann büßte die Infanterie der übrigen Divisionen an der Angriffsfront ein1). Mit 1000 Offizieren und über 22.000 Mann2) erreichten die italienischen Verluste jene einer Isonzoschlacht; davon entfielen aber zwei Drittel auf einen 2 km breiten Frontstreifen. Man muß sich dies vergegenwärtigen, um das Entsetzen und den Schmerz über die vergebens hingeopferte Blüte der italienischen Alpinitruppen zu verstehen, die sich fortab in Italien um den Namen „Ortigara“ woben.
Die Verluste des k.u.k. III. Korps in der Abwehrschlacht — 251 Offiziere und 8577 Mann — wurden der Hauptsache nach von jenen zehn Bataillonen getragen, die im Raume Ortigara—Lepozze in vorbildlichem Opfermut einen Großteil ihres Standes einbüßten. Die Verluste der Heeresgruppe FM. Conrad im Verlaufe des Monates Juni zeigt die folgende Übersicht:
|
Heereskörper |
Offizie |
r e |
Mann | ||||||||
|
tot |
verw. |
krank |
verm. |
Summe |
tot |
verw. |
krank |
verm. |
Summe | ||
|
E |
III. Korps |
26 |
154 |
«5 |
71 |
376 |
966 |
6167 |
3627 |
1444 |
12.204 |
|
< |
18. ID., XIV. Korps, Gr. Etschtal, Rayon III |
2 |
13 |
39 |
5 |
54 |
74 |
665 |
2090 |
100 |
2.929 |
|
XX. Korps, Rayone I und II |
5 |
11 |
26 |
— |
42 |
68 |
361 |
1634 |
3 |
2.066 | |
|
Summe |
33 |
178 |
190 |
76 |
477 |
1108 |
7193 |
7351 |
1547 |
17.199 | |
|
ab krank |
190 |
ab krank |
7.351 | ||||||||
|
blutige Verluste u. Gefang. |
287 |
blutige Verluste u. Gefang. |
9.848 | ||||||||
An den Feind gingen verloren: 25 Maschinengewehre, 3 Minenwerfer, 3 Granatwerfer, 2 Infanteriegeschütze 3), 2 Kanonen.
Die aufopfernde Abwehr und der mit sparsamer Kraftentfaltung erfolgreich geführte Gegenschlag sowie die besondere Wichtigkeit des umstrittenen Raumes verleihen der Ortigaraschlacht eine über ihren Umfang weit hinausgehende Bedeutung. Es geschah hier zum ersten Male, daß verhältnismäßig schwache öst.-ung. Sturmpatrouillen einer
Zusammengestellt aus Le Medaglie d’oro, III, 71, dann aus „Brigate di fanteria“, „Aipini“, „Bersaglieri“.
2) C a b i a t i, La battaglia dell’ottobre 1917 (Mailand 1933), 102, gibt die italienischen Verluste Ln der Ortigaraschlacht gleichfalls mit 22.000 Mann an.
3; Vgl. Fußnote lj auf S. 201.
überwältigenden Übermacht gegenüber einen so durchschlagenden Erfolg errungen hatten, ein Beweis dafür, daß ausgesuchte, für einen besonderen Zweck eingeschulte, umsichtig und schneidig geführte Truppen auch einen an Zahl und Ausrüstung weit überlegenen Feind niederzuringen vermögen, wenn sie nur zweckmäßig angesetzt und vom Willen zu siegen erfüllt sind.
Außer den geschilderten Ursachen des Unterliegens der Italiener sind es wiederum die gleichen Vorgänge wie in allen früheren Kämpfen, die den Feind des Erfolges beraubten. Das Unterbleiben der Ausnützung örtlicher Einbrüche scheint allerdings nach der Veröffentlichung des Gen. Como Dagna Sabina nicht allein in der mangelnden Tatkraft der niederen Führung, die den Entschluß zum Durchbruch um jeden Preis nicht finden konnte, sondern auch in der Gängelung durch die höheren Befehlsstellen zu liegen.
Cadorna führt das Mißlingen dieser Kampfhandlung, abgesehen von Führungsfehlern und der Ungunst des Wetters, vor allem auf den verminderten Kampfgeist der Truppen zurück, da sich nur wenige Einheiten, darunter die Alpini der 52. ID., den zersetzenden Einflüssen umstürzlerischer Propaganda zu entziehen gewußt hätten1).
Das Scheitern der italienischen Frühjahrsoffensive auf der Hochfläche von Asiago hatte eine starke Entlastung der Heeresgruppe Conrad zur Folge. Vor allem war bald zu erkennen, daß die in ihren Vorbereitungen sehr weit gediehene italienische Unternehmung gegen den Raum zwischen dem Etschtal und dem Borcolapaß aufgegeben worden war. Die kleinen Plänkeleien an den Tiroler Nebenfronten während des großen Ringens südlich der Val Sugana fallen unter das Maß. Nur zwei italienische Felssprengungen im Rayon V sind zu erwähnen. Hier sprengten die Italiener am 20. Juni ein Felsband auf dem Lagazuoi, ohne daß dies, ebenso wie eine neuerliche Sprengung am 29., unsere Abwehrstellungen in Mitleidenschaft gezogen hätte. Die Aufmerksamkeit der italienischen Führung wendete sich sichtlich wieder dem Isonzo zu.
An der Kärntner Front hatten die Italiener sowohl während der 10. Isonzoschlacht als auch während der Ortigaraschlacht zeitweise Angriffsabsichten vorgetäuscht, offenbar, um das Abziehen von Kräften dieser Front zu behindern. Die Unternehmen bestanden vornehmlich in gesteigerter Artillerietätigkeit, aber auch in örtlichen Vorstößen kleinerer Abteilungen. Die Verteidiger übten mit ihren Batterien Vergeltung
') Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 382.
und vollführten des öfteren Sturmtruppsunternehmen. So wurde am 22. Mai von Patrouillen des IR. 7 die italienische Besatzung auf dem Plöckenpaß überfallen und niedergemacht.
Mitte Juni nahm das Wirkungsschießen der feindlichen Artillerie im Gebiete des Plöcken einen solchen Umfang an, daß das 10. Armee-kmdo., GO. Krobatin, ein größeres Vorhaben der Italiener für bevorstehend erachtete. Allein die erwarteten Angriffe blieben aus. Es erfolgten nur Vorstöße kleinerer Abteilungen, die durch die wachsamen Frontbesatzungen leicht abgewehrt wurden. Dagegen führte ein am 17. Juni zur Aufklärung durchgeführter Kleinangriff von Sturmtruppen des bh. IR. 4 zur Eroberung einer italienischen Vorstellung auf dem Rombon, wobei zwei Dutzend Gefangene eingebracht wurden.
Die Kriegsgliederung der 10. Armee änderte sich in diesem Zeitabschnitte durch die Abgabe von 41/2 Bataillonen (IR. 28 [2], IBaon. III 57, FJB. 20 und ein Halbbaon. des IR. 96) sowie einiger Batterien an die Isonzoarmee und an die Heeresgruppe in Tirol. Ende Juni zählte die Armee 33 Bataillone und 11 Hochgebirgskompagnien, wobei das Kärntner IR. 7 x), das bh. IR. 4 und das südsteirische LstlR. 26 den Grundstock der kamischen Grenzwacht bildeten.
Bartels, Aus der Geschichte des Khevenhüller Regimentes 1691—1918 (Graz 1932).
DER LETZTE RUSSENANSTURM
Niedergang des russischen Angriffswillens Fortsetzung der Friedens'pro'paganda im Mai Hiezu Beilagen 4, 11 und 12
Auf der ganzen Kampffront von Riga bis zum Schwarzen Meere herrschte seit April 1917 Waffenruhe. Eifrig betrieben die öst.-ung. und die deutschen Nachrichtentrupps von Schützengraben zu Schützengraben eine rege Propaganda, um dem kriegsmüden Muschik die Friedensgeneigtheit der Mittelmächte klarzumachen und ihn gleichzeitig von der Nutzlosigkeit der Fortführung des Krieges zu überzeugen. Eine Weile hatte es denn auch den Anschein, als ob es auf diesem Wege gelingen werde, mit dem russischen Heere zu einem Waffenstillstand und mit Rußland überhaupt zum Frieden zu kommen. Bis Ende April hatten sich schon die Soldatenkomitees von mehr als hundert russischen Divisionen mit unseren Nachrichtentrupps in Verhandlungen eingelassen, an vielen Stellen der Front hatten die russischen Truppen die Erklärung abgegeben, nicht mehr angreifen zu wollen. Ihre höheren Führer zeigten sich jedoch gegen alle Annäherungsversuche unzugänglich. Offenbar war dies ein Erfolg der Entente, der die russische Regierung noch Gefolgschaft leistete, und die seit längerer Zeit bei allen höheren russischen Kommandos Überwachungsoffiziere unterhielt. Auch die russische Artillerie und die Fliegertruppe hatten sich von Anfang an den Verhandlungen an der Front und unserer Propaganda gegenüber völlig ablehnend verhalten. Die russischen Kanoniere nahmen trotz des Widerspruches ihrer Infanterie verhandelnde Gruppen unter Feuer. So entwickelten sich an den Kampffronten im Osten immer unklarer werdende, die Manneszucht schwer gefährdende, unhaltbare Zustände. Sie veranlaßten den Oberbefehlshaber Ost, anfangs Mai bei der DOHL. zu beantragen, die Schützengrabenpropaganda, die schon als Schwäche ausgelegt werde, möge eingestellt werden, falls es nicht in kurzer Zeit gelingen sollte, mit russischen Führern Verhandlungen anzuknüpfen. Das Kommando der deutschen Südarmee regte um dieselbe Zeit sogar die Wiederaufnahme der vollen Kampftätigkeit an.
Die Heeresleitungen der verbündeten Mittelmächte verhehlten sich keineswegs die Schattenseiten dieser eigenartigen Waffenruhe; sie schien ihnen aber geboten zu sein, um wirklich vorhandene Verständigungsmöglichkeiten nicht zu zerstören. Auf Anregung der DOHL. war der Propagandadienst bereits Ende April angewiesen worden, den friedensfreundlichen russischen Soldatenkomitees nahezulegen, daß sie von ihren höheren Führern den Abschluß eines drei- bis vierwöchigen Waffenstillstandes fordem mögen, um auch den Fronttruppen die Teilnahme an den Wahlen für die Sowjets zu ermöglichen. Der k.u.k. Chef des Generalstabes, GdI. Arz, hatte allerdings wenig Hoffnung, auf dem Wege des „unverbindlichen Geplauders“ von Schützengraben zu Schützengraben zu Verhandlungen mit höheren russischen Kommandanten zu kommen. Aus diesem Grunde hatte er schon am l.Mai dem GFM. Hindenburg vorgeschlagen, durch die drei Oberbefehlshaber der Ostfront, Prinz Leopold von Bayern, Erzherzog Joseph und GFM. Mackensen, gleichzeitig ein offizielles Waffenstillstandsangebot unmittelbar an die Stawka zu richten. Ging diese darauf ein, dann sollten 48 Stunden nach dem Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen bevollmächtigte Vertreter der Heeresleitungen und Regierungen zusammentreten, um allgemeine Friedensverhandlungen einzuleiten. Die Antwort des GFM. Hindenburg war zustimmend, doch meinte er, daß vorerst mit allen verbündeten Heeresleitungen die Bedingungen eines Waffenstillstandes zu vereinbaren wären. Auch ließ er das AOK. wissen, daß eine etwaige Forderungs Rußlands an Deutschland, während des Waffenstillstandes keine Truppen Verschiebungen vorzunehmen, abgelehnt werden müßte.
Noch in der ersten Hälfte Mai wurden von den Heeresleitungen der verbündeten Mittelmächte die Bedingungen für einen Waffenstillstand mit Rußland entworfen. Sie gingen von dem Streben aus, zu einer Verständigung mit diesem Staate zu kommen. Der Grundgedanke war: Einstellung der Feindseligkeiten in den Linien, die zurzeit gehalten wurden, auf der ganzen Front zwischen dem Schwarzen Meere und der Ostsee sowie im Kaukasus. Der Seekrieg im Schwarzen Meere und in def Ostsee sollte ebenfalls eingestellt werden. Die Heeresleitungen der Mittelmächte wollten sich verpflichten, ihre Truppen während des Waffenstillstandes nicht zu verstärken und keine größeren Truppenverschiebungen für einen Angriff auf die russische Front vorzunehmen. Der Entwurf wurde dem türkischen und dem bulgarischen Oberkommando zugesandt und erhielt nach längerem Meinungsaustausch deren Zustimmung.
Eine dringende Notwendigkeit, mit Rußland unter allen Umständen in baldige offizielle Waffenstillstandsverhandlungen einzutreten, hielt die DOHL. allerdings vom militärischen Standpunkt aus nicht für gegeben. Ihre Beurteilung der Kriegslage war zuversichtlich. Der U-Bootkrieg hatte im April über alles Erwarten gut gewirkt. Gegen Mitte Mai war der große Angriff der Franzosen an der Aisne und auch in der Champagne (S. 122) zum Stehen gekommen. Die DOHL. hoffte, die in der nächsten Zeit zu erwartenden neuen Angriffe der Entente ebenfalls abwehren zu können. GdI. Arz hatte für die Front am Isonzo dieselben Hoffnungen. Die Wirren in Rußland erleichterten die Kriegslage. Die DOHL. war überzeugt, daß das russische Heer noch auf längere Zeit kampfunfähig bleiben werde. Man konnte seine Zersetzung begünstigen, im übrigen die Entwicklung der Verhältnisse an der Ostfront mit Ruhe abwarten.
Um die russische Front noch mehr auszuschalten, setzten unsere Nachrichtentrupps die Friedenspropaganda eifrigst fort. Über die Richtlinien dieser Propaganda gab es allerdings zwischen den Heeresleitungen und den Regierungen der Mittelmächte manche Meinungsverschiedenheit auszugleichen, die vor allem die Kriegsziele betrafen. Die Deutschen brachten in Frankreich gefangene Russen an die Ostfront herüber, und übergaben sie ihren Kameraden, auf die sie im ententefeindlichen Sinne einwirken sollten. Diese Heimgeschickten konnten nicht genug über die Kriegsmüdigkeit der Franzosen erzählen, die nur von ihren Führern zum Angriff getrieben würden.
Das russische Heer vermochte sich in seiner hoffnungslosen Ohnmacht während des seit dem 9. April 1917 tobenden Generalsturmes der Westmächte und beim zehnten Sturmlauf der Italiener am Isonzo nicht zum Kampfe aufzuraffen. Die Heeresleitungen in Baden und in Kreuznach nützten die Waffenruhe an der Ostfront dazu aus, um im Südwesten und Westen abgekämpfte Divisionen gegen ausgeruhte aus dem Osten umzutauschen. Auch wurden die vierten Geschütze fast aller deutscher Batterien und die ganze Artilleriereserve an die bedrängten Fronten in Frankreich abgezogen.
Im April rollte aus Ostgalizien die deutsche 195. ID. nach dem Westen. Das k.u.k. IV. Korpskmdo. gelangte Ende dieses Monats auf den südwestlichen Kriegsschauplatz (S. 108). Die deutsche 15. ID. wurde von der wolhynischen Front nach Brest-Litowsk abgeschoben, während die k. k. 26. SchBrig. aus dem Bereiche der Heeresgruppe Woyrsch schied, um nach Südurol zu gelangen (S. 109). Im Mai wurden an deutschen Verbänden aus Siebenbürgen das Alpenkorps und aus Ostgalizien die
36. und die 48. RD. sowie die 119. und die 10. bayr. ID. an die Westfront abgezogen. Nach der Abfahrt der 36. RD. und der 119. ID. trat an Stelle der letztgenannten die von der Arrasfront gekommene 24. (sächsische) RD. in die Front der Südarmee; für die 36. RD. wurde die hinter der Front stehende 75. RD. eingesetzt. Als Reserve des Oberbefehlshabers Ost traf Ende Mai die 4. ErsD. hinter der Südarmee ein. Die k.u.k. 2. Armee erhielt im Mai an Stelle der 195. und der
10. bavr. ID. zwei abgekämpfte Westdivisionen, die 12. LD. und die 223. Division.
An öst.-ung. Divisionen wurden im Monat Mai und anfangs Juni aus den Karpathen die 12. ID., aus der Csik die 24. ID., aus Ostgalizien die 21.SchD. und von der Szczara die 35. ID. an die Südwestfront abgezogen. Die k.u.k. 4. Armee gab das XXIV. Korpskommando ebenfalls an die Südwestfront ab. Außerdem stellte sie die deutsche 16. ID., wie schon vorher die 15., dem Oberbefehlshaber Ost zur Verfügung. Nach dem Abtransport der beiden genannten Divisionen nach Brest-Litowsk wurden die von dort gekommene deutsche 7. LD. und die bisher hinter der Front des XXII. Korps stehende deutsche 86. ID. am Nordflügel der 4. Armee eingesetzt. Die neuaufgestellte sächsische 45. LD. wurde dem Abschnitt Kowel an- Stelle der deutschen 92. ID. überwiesen, die Reserve des Oberbefehlshabers Ost wurde. Die deutsche 47. LD. gelangte anfangs Juni von der Westfront nach Kalusz und ging Ende des Monats als weitere Reserve des Oberbefehlshabers Ost nach Lublin ab. Die deutsche 9. Armee in Rumänien stellte anfangs Juni die k.u.k. 73. ID. der Südwestfront zur Verfügung und erhielt dafür die abgekämpfte 62. ID. überwiesen.
Der weitere Verfall des rassischen Heeres
Am 1. Mai hatte der Radiohorchdienst der k.u.k. Heeresleitung eine Funkdepesche des GdI.Alexejew aufgefangen, worin er dem englischen Oberkommandanten, der sich eben mit den Plänen zur Fortsetzung der steckengebliebenen Offensive beschäftigte, die Hilfe der ganzen russischen Macht zusicherte; doch sollte dies erst geschehen, wenn die Witterung es gestatten würde. In Wirklichkeit war die russische Armee seit Ende April völlig kampfunfähig geworden. Die katastrophale Emährungslage hatte den Kriegsminister Gutschkow genötigt, sämtliche Militärpflichtigen, die über 40 Jahre alt und in den Ersatztruppen eingeteilt waren, für landwirtschaftliche Arbeiten zu entlassen und am 23. April ausnahmslos alle Soldaten im Alter von über 43 Jahren vom Militärdienst zu befreien. Die Masse der Entlassenen, die sich auf die Eisenbahnstationen stürzten, zerrüttete auf lange Zeit das Transportwesen. Aber nur dadurch, daß hunderttausende Soldaten in ihre heimatlichen Dörfer zurückkehrten, konnten einzelne Truppenteile an der Front, die unter besonders schlechten Nachschubverhältnissen litten, vom Hungertode bewahrt werden.
Mit dem russischen Heere ging es weiter bergab. Die Munition war knapp, für Pferde gab es nur ein Pfund Hafer im Tag. Die Zahl der Fahnenflüchtigen und der sonstigen Drückeberger ging in die Millionen. Tausend Mann starke Ersatztransporte kamen mit nur wenigen hundert Leuten an der Front an. Die Eisenerzeugung war durch Einführung des Achtstundentages und wegen der Weigerung der Arbeiter, Überstunden zu leisten, auf 40 v. H. gefallen. An der Front nahm die Kriegsmüdigkeit zu. Abordnungen der Sowjets erschienen bei Riga in den Stellungen der 5. Armee. In Dünaburg tauchten Matrosen und Arbeiter aus Kronstadt zur Aufklärung auf. Man ermutigte die Soldaten zu Verhandlungen mit dem Gegner. Arbeiterabordnungen besuchten die deutschen Schützengräben, und Soldatenkomitees verteilten Proklamationen. Die Disziplinargewalt der Vorgesetzten wurde vom Kriegsminister eingeschränkt, und den Soldatenkomitees das Recht zu Verhandlungen mit den politischen Parteien erteilt. Damit hoffte man die Kampfbegeisterung zu heben, erreichte aber das Gegenteil: eine weitere Zunahme der Indisziplin.
Die Bolschewiken setzten ihre Wühlereien an der Front und in der Heimat fort. In der breiten Masse des Volkes 'wuchs die Auflehnung gegen Gutschkow und Miljukow, die sich zu den imperialistischen Kriegszielen der Entente bekannten. Schießereien und Umzüge der Sowjets blieben an der Tagesordnung. Die bolschewistische Presse forderte einen Friedensschluß ohne „Annexionen und Kontributionen“, was weiterhin ein noch oft berufenes Schlagwort werden sollte. Dagegen suchten sozialistische Führer der Ententeländer das russische Volk für die Verwirklichung der demokratischen Ideale zum Kampfe gegen die Mittelmächte anzuspornen. Gleichzeitig griffen die Ententeregierungen im Mai zu wirksameren Mitteln. Sie drohten, ihre Kriegsmateriallieferungen und Kredite einzustellen, wenn nicht bald die Manneszucht im Heere wieder hergestellt werde und Rußland nicht den Beweis dafür erbringe, daß seine Armee wieder zu einer neuen, entscheidenden Offensive, „zum Siege“, fähig sei.
Allein das russische Heer vermochte sich noch nicht aus seiner Tatenlosigkeit zum Kampfe aufzuraffen. Am 7. Mai meldete GdK. Brussilow dem Höchstkommandierenden: „Die innere Verfassung der mir unterstehenden Armeen hat sich in letzter Zeit infolge der unaufhörlichen Propaganda der Deutschen und auch durch das verderbliche Eindringen der Politik in die Truppen bedeutend verschlechtert, und ich muß gestehen, daß auf diese Weise, trotz der von allen Truppenkommandos ergriffenen Maßnahmen, der Zerfall der Armee droht.“
Der schwindende Glaube des Oberbefehlshabers der Südwestfront an eine siegreiche Zukunft veranlaßte den Höchstkommandierenden am 11. Mai, dem Kriegsminister zu schreiben: „Ich hatte damit gerechnet, daß gegen Mitte Mai die schwere moralische Erkrankung, die unsere Armee ergriffen hat, soweit werde nachgelassen haben, daß wir zum Angriffe schreiten können und daß nach dem ersten Erfolge der verlöschende kriegerische Geist der Truppen wieder aufleben werde.“ Der Brief schloß: „Wir machen alles, was wir können, um den Angriff durchzuführen, aber es steht zu befürchten, daß der allgemeine Zustand der Masse der Soldaten unseren guten Willen und unser aufrichtiges Streben zunichte machen kann.“
Vergeblich hatten die höheren Führer des russischen Heeres darauf bestanden, daß die Regierung die Rechte und Pflichten der Soldaten gesetzlich umschreibe. Gutschkow betraute mit dieser Aufgabe einen Ausschuß, dem in der Mehrheit Vertreter der Arbeiter und Soldaten angehörten. Unter ihrem Drucke kam nun ein Entwurf zustande, der nur von Rechten, aber nicht von Pflichten sprach. Allen Militärpflichtigen sollte es darnach erlaubt sein, an jeder politischen, nationalen, religiösen, wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Organisation teilzunehmen. Außerhalb des Dienstes war jedem Militärpflichtigen volle Redefreiheit zugestanden. Der militärische Gruß sollte abgeschafft und die Bestrafung der Militärpflichtigen durch ihre Vorgesetzten verboten werden. Sämtliche Armeeführer waren entschieden gegen die Einführung dieser „Deklaration der Soldatenrechte“, die den schon bestehenden Zustand gesetzlich anerkannt hätte. Alexejew erklärte, daß sie der letzte Nagel zum Sarge der russischen Armee sein würde. Der Deklaration wurde so große Bedeutung beigemessen, daß darüber im Hauptquartier in Mohilew am 13. Mai unter dem Vorsitze des GdI. Alexejew eine Beratung stattfand, an der die Oberbefehlshaber der russischen Fronten, der am 3. Mai zum Gehilfen des Kommandanten der Rumänischen Front ernannte Gen. Schtscherbatschew und der rumänische Generalstabschef Gen. Presan teilnahmen. Alle hohen russischen Generale sprachen sich einhellig gegen die Verlautbarung der Deklaration aus. Sie fuhren nach Petersburg, um den Machthabern die verzweifelte Lage der Armee zu schildern und um die sofortige Zurückziehung der Deklaration zu bitten. Diese Vorsprache fand am 17. statt, blieb aber ohne Ergebnis. Die Generale reisten noch nachts in ihre Hauptquartiere zurück.
Tags darauf, am 18. Mai, wurde auf Betreiben des englischen Botschafters Buchanan und des nach Petersburg entsandten französischen Rüstungsministers Albert Thomas, eines Sozialisten, die russische Regierung umgebildet. Das neue Kabinett brachte bürgerliche und sozialistische Männer ans Ruder. Die Koalition sollte Rußland wieder an den Kriegswagen der Entente spannen. Ihr radikalstes Mitglied, Kerenski, war ein gefügiges Werkzeug in den Händen der Ententediplomaten. Er wurde an Stelle Gutschkows zum Kriegsminister ernannt1).
Bei der Besprechung zu Mohilew war auch über die großen Richtlinien für eine Offensive des russisch-rumänischen Heeres beraten worden, die als Auftakt zu einem neuerlichen Ansturm der Westmächte gedacht war. Den ersten Hieb sollte ungefähr um den 1. Juli das russische Südwestheer in Ostgalizien führen. Angriffe an der rumänischen und an der russischen Westfront sollten folgen. Dadurch glaubte man, den im Frühjahr nicht zustandegekommenen gleichzeitigen Generalangriff der Entente doch noch in die Wege leiten zu können2). Die große Frage war allerdings, ob die Soldaten den Angriffsbefehl auch befolgen würden.
Das Ende der Friedenspropaganda
Die Heeresleitungen der verbündeten Mittelmächte hatten unterdessen einen großen Versuch unternommen, mit Rußland zu Waffenstillstandsverhandlungen zu kommen. Am 12. Mai, zwei Tage vor dem russischen l.Mai alten Stils, erließen die drei Oberbefehlshaber der
1) Gurko, 216 ff. — Das russische Heer von 1917 und die Revolution (Wissen und Wehr, Berlin, Jhrg. 1922, 234 ff.). — Spannocchi, 82 ff. — Zajontschko w s k i j, Feldzug 1917, 63 ff.
2) Winogradsky, La guerre sur le front oriental en Russie — en Rou-manie (Paris 1926), 334. — D a b i j a, Armata romanä in räsboiul mondial (1916— 1918), IV (Manuskript, in das durch das Entgegenkommen des Verfassers das Kriegsarchiv noch vor der Drucklegung Einsicht nehmen konnte).
Ostfront, Prinz Leopold von Bayern, Erzherzog Joseph und GFM. Mackensen mit Funkspruch an die gegenüberstehenden russischen Kommandanten eine Einladung zu Waffenstillstandsverhandlungen. Den besonders „infizierten“ Divisionen sollten außerdem durch Parlamentäre offizielle Verhandlungsvorschläge überbracht werden. Auf beiden Wegen kam man nicht zum Ziele. Im Bereiche der Heeresfront Erzherzog Joseph entsandten die 7. und die 1. Armee am 19. Mai zahlreiche Parlamentäre. Wohl fanden sie bei den jüngeren russischen Offizieren und bei der Mannschaft meist eine freundliche Aufnahme; doch suchten die höheren russischen Kommandos wie bisher die Annäherung mit allen Mitteln zu verhindern. Einzelne Unterhändler wurden mit Schüssen empfangen, andere gefangen genommen, einer während der Besprechung verwundet. Nur ein Parlamentär drang bis zum russischen 9. Ar-meekmdo. vor, wo er aber die ablehnende Antwort erhielt, es sei Sache der Regierungen und nicht der Soldaten, Frieden zu schließen1).
Auch im Bereiche des Oberbefehlshabers Ost und des GFM. Mackensen hatten die Annäherungsversuche zur Gefangennahme und Verwundung von Unterhändlern geführt. Die zwiespältige Haltung der Russen kam besonders im Kampfabschnitt von Dünaburg zutage. Eine russische Offiziersabordnung erklärte, Gen. Dragomirow sei bereit, über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Als der deutsche Unterhändler in Dünaburg vor dem Gen. Dragomirow erschien, gewann er sofort den Eindruck, daß der russische General keineswegs für Verhandlungen zu haben sei. Es wurde nur zugesagt, einen Brief an die russische Regierung zu übernehmen, in dem sich der Oberbefehlshaber Ost zu Waffenstillstandsverhandlungen bereit erklärte. Der deutsche Parlamentär, der am 14. Mai dieses Schreiben überbringen sollte, wurde nicht mehr hinter die russischen Linien gelassen. Ein russischer Fähnrich nahm zwar den Brief zur Weiterleitung in Empfang, doch blieb eine Antwort aus.
War auch der Versuch, Verhandlungen mit höheren russischen Führern anzuknüpfen, nicht geglückt, so war es doch bei vielen russischen Divisionen mit den Soldatenkomitees zur Vereinbarung einer Waffenruhe gekommen. Nun verbot GdI. Alexejew, Parlamentäre zu empfangen und Verhandlungen zu führen, die als Verrat bezeichnet wurden. Gleichzeitig setzten die russischen Führer hohe Geldpreise für das Einbringen von Gefangenen und das Abschießen von Unterhändlern aus. Trotzdem war die Zahl der russischen Divisionen, die sich mit dem Gegner in Verhandlungen eingelassen hatten, bis Ende Mai auf 165 von
1/ R o n g e, Kriegs- und Industrie-Spionage (Wien 1930), 273 ff.
insgesamt 240 gestiegen; ihrer 38 hatten die Erklärung abgegeben, nicht mehr angreifen zu wollen J).
Aber es war jetzt doch schon zu erkennen, daß das Ausbleiben einer bestimmten Erklärung der Mittelmächte über ihre Kriegsziele, das Mißtrauen der Russen, die bisher vertrauensvoll verhandelt hatten, immer mehr erregte. So meldete GO. Erzherzog Joseph schon am 19. Mai, daß die Russen bei den Besprechungen mit unseren Unterhändlern allerorts ihrer Befürchtung Ausdruck gegeben hätten, die Mittelmächte würden einen Waffenstillstand an der Ostfront nur zum Niederwerfen Frankreichs ausnützen, um sodann über Rußland herzufallen und es seiner schwer errungenen Freiheit wieder zu berauben. Die mit großem Geschick und ohne ängstliche Wahl von Mitteln betriebene Gegenpropaganda der Entente gewann sichtlich an der russischen Front die Oberhand. Von Ende Mai an rechneten die Heeresleitungen in Baden und in Kreuznach mit einem Wiedererstarken, wenn auch vielleicht nur von Teilen des russischen Heeres, und mit einer neuerlichen Offensive der Russen. Der deutsche Reichskanzler bekannte sich jetzt zur Auffassung, daß eine zu auffällig unterstrichene Friedensbereitschaft zur Erfolglosigkeit verdammt sein würde; der auf ihr ruhende Schein hoffnungsloser Erschöpfung der Mittelmächte könne nur die Kräfte des Feindes von neuem beleben2).
GdI. Arz schrieb am 28. Mai dem k.u.k. Minister des Äußeren, Gf. Czernin: ,,Die Mittel der verbündeten Armeen zur Fortsetzung der
Friedenspropaganda sind nunmehr erschöpft.....Erhöhter Einfluß
der russischen Führer lasse es ratsam erscheinen, nunmehr die großzügige militärische Propaganda, die verbraucht ist, fallen zu lassen und sich wieder auf die Frontpropaganda kleinen Stils zu beschränken.“
Der Sommeroffensive entgegen (Juni 1917)
Hiezu Beilage 12
Versuche zur Wiederbelebung des russischen Kampfgeistes
Als der große Angriff der Westmächte im Laufe des Monats Mai zu versanden drohte, da waren wiederum Nachrichten aus Paris in das
!) Ron ge, 273.
2) Ludendorff, 353.
russische Hauptquartier gekommen, die Deutschen würden Petersburg angreifen (S. 102). GdI. Alexejew glaubte jedoch nicht mehr recht daran, daß der Gegner bei der gewaltigen Übermacht der 1. und der 12. Armee — 274 russische Bataillone gegen 99 deutsche — imstande sein werde, ein so großes Unternehmen auf Petersburg zu Land und zugleich vom Meere her durchzuführen. Er besorgte vielmehr, daß die zum Schutze von Petersburg an der Südküste des Finnischen Meerbusen bereitgestellten Truppen in einem Raume festgelegt seien, wo die Deutschen nichts Ernstliches unternehmen würden. Einen deutschen Angriff zwischen Riga und Smorgon hielt er jedoch für möglich; er entschloß sich daher, aus den Streitkräften der 1. und der 12. Armee vier bis fünf Divisionen auszuscheiden, um sie im Raume von Polock als Heeresreserve bereitzustellen.
GdI. Dragomirow, der Ende Mai an Stelle Rußkis Oberbefehlshaber der Nordfront geworden war, sprach sich für einen Stoß von Dünaburg und zugleich von Smorgon in der Richtung gegen Kowno aus, der günstige Aussichten dann biete, wenn zugleich die Armeen der Westfront angreifen würden. GdI. Alexejew genehmigte diesen Plan; er verzichtete auf die Versammlung einer Heeresreserve bei Polock und stellte der Westfront die im Monat März an den Kampfabschnitt bei Riga entsandten Truppen (112. und 132. ID.) mit einer Artilleriebrigade wieder zur Verfügung. Ende Juni oder anfangs Juli hoffte Alexejew, die Offensive endlich beginnen zu können. Auf allen Fronten sollte angegriffen werden. Sein Plan war es jetzt, den Hauptschlag nördlich vom Pripiatj zu führen. Aber das, was Alexejew und Gutschkow nicht fertig gebracht hatten, das russische Heer aus seiner Ohnmacht zu erwecken, in die es seit dem Ausbruche der Revolution verfallen war, sollten Kerenski und Brussilow vollbringen.
Kerenskis erstes Ziel war, aus der Armee wieder ein brauchbares Machtmittel zu schaffen. Er kündigte sofort nach seinem Amtsantritte strenge Bestrafung aller Fahnenflüchtigen an, die bis zum 28. Mai nicht eingerückt seien. Allerdings konnte er sich doch nicht von allen revolutionären Neuerungen freimachen. So verlautbarte er denn gleichzeitig die „Erklärung der Soldatenrechte“ (S. 218) und einen Befehl, betreffend die „Offensive von Heer und Flotte“. Er glaubte, daß die Erklärung der Soldatenrechte die Kampfstimmung heben werde. Aber die Begeisterung, die der Ukas bei der Masse der Soldaten weckte, wurde durch den Befehl über die Offensive wieder gedämpft. Während die alten Offiziere von der Wiederaufnahme des Kampfes eine Festigung ihres schon völlig geschwundenen Ansehens erhofften, erhoben die Truppen, namentlich die Infanterie, gegen eine etwaige Schmälerung ihrer errungenen Freiheit entschieden Einspruch.
Zahlreiche neue Personaländerungen in den höchsten Befehlsstellen, die die neuen Machthaber Rußlands vomahmen, steigerten noch die Unruhe in dem zum Großteil haltlos gewordenen Heere. Am 5. Juni wurde Brussilow an Stelle Alexejews zum Höchstkommandierenden ernannt. Zugleich wurde GdK. Gurko, weil er die „Soldatenrechte“ nicht anerkannte, seines Kommandos enthoben. Der Generalstabschef der Heeresleitung, Denikin, übernahm noch im Juni das Kommando der Westfront. Brussilows Nachfolger im Kommando der Südwestfront wurde Gutor, der Führer der 11. Armee. An Stelle Kaledins bekam Ivor-nilow, der Gouverneur von Petersburg, den Befehl über die S. Armee1). Das Kommando der 7. Armee wurde dem Gen. Bjelkowitsch an Stelle Schtscherbatschews übertragen. Gen. Erdeli übernahm wenige Tage vor dem Beginn der Offensive die 11. Armee. Die Nordfront wurde, wie schon erwähnt, seit dem Rücktritt Rußkis von Dragomirow geführt.
Der neue Höchstkommandierende unterstützte Kerenski in seinen Bestrebungen, den Kampfgeist der kriegsmüden russischen Soldaten wieder zu entfachen. „Unsere Feinde“ — so hieß es in seinem ersten Befehle — „sind mit unseren Friedensbedingungen, keine Annexionen und keine Kontributionen, nicht einverstanden, und darum bleibt uns keine Wahl und kein anderer Ausweg als der, dem Feinde mit der Gewalt unseres Schwertes den Frieden und unsere so gemäßigten Bedingungen aufzuzwingen.“
Schon anfangs Juni ließ Kerenski die Stawka wissen, daß er einer baldigen Wiederaufnahme der Angriffshandlungen mit Zuversicht entgegensehe. Brussilow gedachte, die Offensive der südwestlichen Armeen, die den Hauptangriff in Ostgalizien zu führen hatten, am 23. Juni und die der anderen Fronten am 28. Juni einsetzen zu lassen. Er verstärkte die Südwestfront aus dem Bereiche der rumänischen Front durch das XLV. Korps und das V. Kavalleriekorps. Als Kerenski darauf fragte, wann er die Front bereisen solle, um den Kampfgeist der Soldaten wieder zu wecken, meldete ihm Brussilow am 15. Juni: „Ich habe von der Nordfront einen sehr gemischten Eindruck gewonnen. Die Westfrontist besser. Trotzdem beabsichtige ich am 25. Juni, an der Südwestfront entscheidend anzugreifen. Früher geht es nicht. Ich glaube, daß
x) Gen. Kornilow hatte sich der Gefangenschaft in Österreich durch die Flucht entzogen und war wieder in Dienst gestellt worden (Vgl. Bd. II, 337).
wir Aussicht auf einen Erfolg haben1)." Da die Kriegsmüdigkeit bei den Armeen der Nord- und Westfront besonders groß war, beschloß Kerenski, vorerst die Truppen der Südwestfront aufzusuchen.
Am 16. gab der Oberbefehlshaber der Südwestfront, GdI. Gutor, seine Angriffsbefehle heraus. Demnach sollte der Schwerpunkt der Operation bei der 11. und der 7. Armee liegen, die die Front des Gegners in den Richtungen über Złoczów—Gliniany und Brzeżany—Bobrka auf Lemberg zu durchstoßen hatten. Die Besondere Armee sollte durch Scheinangriffe gegen Kowel und Wladimir-Wolyński möglichst viele Kräfte des Gegners auf sich ziehen, während die 8. Armee den Auftrag erhielt, die Angriffe in den Karpathen zu decken und mit dem rechten Flügel das Tal der Łomnica zu besetzen, um dann weiter über Kałusz auf Bolechów vorzudringen. Als Reserve hinter der 7. und der 11. Armee wurden das I. und das II. Gardekorps, das XLV. Korps, das
II. und das V. Kavalleriekorps bestimmt. Der Beginn des Angriffes war nunmehr endgültig für die 11. und die 7. Armee am 29. Juni, für die 8. Armee am 7. Juli vorgesehen.
Für die Nordfront mußte Brussilow den Angriff auf den 18., für die Westfront auf den 16. und für die rumänische Front auf den 22. Juli verschieben. Er begründete diese Maßnahme am 26. Juni in einem Telegramm an Kerenski mit dem Hinweis, daß die Truppen nicht angreifen wollten. Schließlich wurde die Offensive für die Nordfront auf den 22. und für die Westfront auf den 19. Juli endgültig festgesetzt. Inzwischen sollten die Truppen für den Angriff gewonnen, und sollte eine Umstellung der Streitkräfte vorgenommen werden. Die im Laufe der Monate März und April zum Schutze von Petersburg an die Küsten des Finnischen und des Rigaischen Meerbusens entsandten Truppen der 1. Armee (I. und XXXVII. Korps) wurden an die Düna zur 5. Armee geschoben. Die letztgenannte hatte den Hauptschlag zu führen. Das
l.Armeekmdo. gelangte nach Suczawa in der Bukowina, um nach Verlängerung des Abschnittes der 8. Armee bis zum Dniester, die Führung am linken Flügel der Südwestfront zu übernehmen.
Kerenski besuchte inzwischen die Depottruppen, er bereiste die verschiedenen Frontabschnitte und hielt zündende Reden, die die russische Soldatenmasse bewegen sollten, zur Rettung der neu errungenen Freiheit, die „vom deutschen Militarismus bedroht“ werde, die Offensive zu ergreifen und die militärische Macht der Mittelmächte zu brechen. Die Begeisterung, mit der Kerenski, der zum Helden und Abgott
yj Zaj ontschko wskij, Feldzug 1917, 66.
des neuen Rußland geworden war, und von dem man sagte, er allein könne Rußland retten, an vielen Orten empfangen wurde, erweckte den Glauben, daß sich die russischen Soldaten vielleicht doch zu neuem, heldenmütigem Kampfe aufraffen würden. Allein die von den Massen Kerenski dargebrachten Huldigungen sowie die vielen Szenen, bei denen feierlich geschworen wurde, fürs Vaterland zu sterben, waren vielfach Schall und Rauch. Die russische Armee, vor allem der Bauer, wollte nicht weiterkämpfen.
So war es trotz aufopfernder Bemühungen aller Befehlsstellen der 7. und der 11. Armee bis knapp vor Beginn des Angriffes nicht gelungen, die gesamte Infanterie für den Angriff zu gewinnen. Beim VI. Korps erklärten die Soldaten, daß man wohl angreifen, im Falle des Mißlingens aber den Korpsstab töten werde. Vergeblich hatte Kerenski bei jeder Armee „Delegierte“ eingesetzt, welche die Führer in der Aufrechterhaltung der Manneszucht unterstützen sollten. Am 28. Juni
mußte das II. Kavalleriekorps aufgeboten werden, um ein seit langem widerspenstiges sibirisches Regiment, das sich verschanzt hatte, zu entwaffnen. Kerenski besuchte in diesen Tagen vor dem Angriff die als besonders unzuverlässig bekannte 2. Gardedivision. Die Rufe „Bourgeois“, „Nieder mit dem Krieg“, „Nieder mit allem“ bewiesen, daß auch sein Einfluß auf die Fronttruppen kein allzu großer war.
1 Kerenski hielt es für notwendig, daß die Offensive durch den zur Zeit in Petersburg tagenden ersten Allrussischen Kongreß der Arbeiter und Soldatenräte unterstützt werde. Am 25. Juni nahm auch der Kongreß einen Beschluß über den Krieg an, worin von der Provisorischen Regierung eine Abänderung der Verträge mit den Verbündeten und der Verzicht auf die Eroberungspolitik gefordert wurde. Der Kongreß erklärte aber, die russische Demokratie sei verpflichtet, die Kampfkraft der Armee mit allen Mitteln zu fördern, so lange dem Krieg durch die internationalen Bemühungen der Demokratie kein Ende gesetzt sei;
denn der Zusammenbruch der russischen Front würde eine Niederlage für die russische Revolution und einen schweren Schlag für die Sache der internationalen Demokratie bedeuten. Im übrigen war der Kongreß der Ansicht, daß die Frage der Offensive nur von rein strategischen Gesichtspunkten entschieden werden müsse 27).
Die Lage in Ostgalizien vor dem russischen Angriff (Juni 1917)
Hiezu Beilage 12
Bis in die zweite Hälfte des Monats Mai hatte an den Kampffronten im Osten Waffenruhe geherrscht. Der Propagandakrieg zwischen den Schützengräben ging trotz aller Schwierigkeiten noch weiter. Angriffsvorbereitungen konnten von unseren Fliegern zunächst nur in Ostgalizien bei Kozowa und Liatyn festgestellt werden. Ein vom GdK. Brussilow für den 18. Mai angeordnetes Unternehmen gegen Brzeżany ist aber nicht durchgeführt worden, weil sich die russische Infanterie anzugreifen geweigert hatte. Ein Anzeichen einer nahe bevorstehenden Offensive der Russen bildete jedoch die rasche Zunahme der feindlichen Fliegertätigkeit. Russische Kampfflugzeuge und Fesselballons vermehrten sich ständig; die zahlenmäßige Überlegenheit der feindlichen Flieger bereitete den Fliegern der Verbündeten immer größere Schwierigkeiten, obwohl der Feind an Angriffsfreudigkeit und Schulung weit hinter ihnen zurückstand.
Von Anfang Juni an belebte sich die Gefechtstätigkeit der russischen Artillerie an der ganzen Ostfront, namentlich im Bereiche der Heeresgruppe GO. Böhm-Ermolli. Bei den Russen konnten jetzt viele neue Batterien wahrgenommen werden. Im Bereiche der Südarmee mehrten sich auch die Aussagen russischer Unterhändler und Überläufer über einen bevorstehenden Angriff. Verliefen auch die hiefür bezeichneten Tage — der 4., dann der 14. Juni — noch ruhig, so wiesen doch die Ablösung angriffsunlustiger Divisionen durch von der Propaganda unberührte Truppen, der Bau von Bahnen, von umfangreichen Munitionslagern, von Brücken über den Dniester und über die Bystrzyca Nadworniańska sowie die Verstärkung der Artillerie auf die möglichen Angriffsrichtungen der Russen hin. Es waren dies die Räume bei Zborów und Brzeżany und südlich des Dniester bei Stanislau und Solot-wina, mithin an den nach Westen führenden großen Vormarschstraßen. Von Tag zu Tag wurde auch das Verhalten der russischen Infanterie gegen die noch immer fortgesetzte Propagandatätigkeit ablehnender und
feindseliger. Die Steigerung der Kampftätigkeit war jedoch zunächst vornehmlich der russischen Artillerie zuzuschreiben, während die Infanterie für Angriffsunternehmen scheinbar noch nicht zu haben war.
Mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgten die Armeen der Heeresgruppe Böhm-Ermolli die Vorgänge bei den Russen. Am 14. Juni machte die k.u.k. Heeresleitung die öst.-ung. Armeen an der Ostfront auf eine Umgruppierung der russischen und der rumänischen Streitkräfte aufmerksam. Starke Reserven stünden hinter der russischen Front bei Riga und bei Smorgon, zwischen Brody und Halicz und bei Jacobeny. Diese Truppen Versammlungen und auch die Ernennung Brussi-lows zum Höchstkommandierenden ließen eine neuerliche Offensive der Russen erwarten. Ob aber die russische Infanterie auch wirklich vorwärts zu bringen sein werde, erscheine noch zweifelhaft; doch bemühe sich der die Front bereisende Kriegsminister Kerenski, die Manneszucht und den Geist im russischen Heere wieder zu heben. Es stehe nunmehr fest, daß durch die Friedenspropaganda von Front zu Front ein Waffenstillstand mit Rußland und die Trennung dieses Staates von der Entente nicht herbeigeführt werden könne. Wie groß dennoch die Kriegsmüdigkeit der Russen sei, zeige ein durch einen englischen Vertrauensmann dem deutschen Gesandten in Bern bekanntge worden er Bericht des englischen Botschafters Buchanan, in dem es hieß, daß das russische Heer für militärische Operationen größeren Stils nicht mehr in Betracht komme. Nur für den Fall eines englisch-französischen Sieges an der deutschen Westfront sei es denkbar, daß Teile der russischen Armee sich zu einem Vorstoß bewegen ließen.
Das Heeresgruppenkommando Böhm-Ermolli beurteilte allerdings die Lage ernster und glaubte annehmen zu können, daß die Russen wirklich die Absicht hätten, in Ostgalizien größere, einheitlich angesetzte Angriffe durchzuführen. Nur bei Stanislau und vielleicht auch bei Solotwina schien sich der Feind mit Teilangriffen begnügen zu wollen. Anders am Südflügel der 2. Armee und bei der Südarmee. Der Feind, der vor der letztgenannten Armee schon seit Beginn seiner Angriffsvorbereitungen nahezu doppelt überlegen war, zog für die Durchführung seines Angriffes noch weitere Kräfte heran.
Anfangs Juni erschien das VII. sib. Korps bei Podhajce, das um Kolomea in Ruhestellungen gestanden war. Das II. Gardekorps, bisher östlich von Brody in Reserve, marschierte Mitte des Monats über Tarnopol nach Süden und erreichte gegen den 25. ebenfalls die Umgebung von Podhajce; hinter ihm rückte das von Norden herangezogene
I. Gardekorps über Tarnopol gegen Westen. Im Raume beiderseits von Zborów ballten sich drei Russenkorps, das VI., das XLIX. und das XVII., zusammen. Unterdessen wurde das VII. sib. Korps in auffallend dichter Massierung südlich Brzeżany auf dem westlichen Ufer der Złota Lipa in die Front der russischen 7. Armee eingeschoben und an seiner Stelle das XXXIV. Korps von Monasterzyska, wohin es von Kolomea her gelangt war, nach Podhajce und Umgebung verlegt. Russische Heereskavallerie (das II. Kavalleriekorps) wurde ebenfalls aus dem Raum südlich vom Dniester nach Norden, zunächst in die Gegend von Bu-czacz, geschoben. Aus dem Hinterland folgte noch das V. Kavalleriekorps nach.
Alle diese Bewegungen, die durch russische Funksprüche im Einklang mit den Erkundungen unserer Aufklärungsflieger einwandfrei festgestellt wurden, ließen im Zusammenhang mit den sich mehrenden Aussagen von Gefangenen und Überläufern keinen Zweifel mehr darüber aufkommen, daß die Russen diesen Angriff mit ganz besonderer, alle früheren Offensiven weit übertreffender Gründlichkeit vorbereiteten. Die Furcht vor den Folgen eines etwaigen Mißlingens mag dabei die Hauptrolle gespielt haben. Um die russische Infanterie ganz sicher für den Angriff zu gewinnen, wurde ihr noch versprochen, daß die gegnerischen Stellungen so zusammengeschossen werden würden, daß man durch sie mit „geschultertem Gewehr“ werde hindurchmarschieren können.
Im auffallenden Gegensatz zu den umfangreichen Angriffsvorbereitungen der Russen blieb in der zweiten Hälfte Juni die Gefechtstätigkeit gering, auch die der russischen Artillerie. Diese Tatsache konnte indes nur dahin gedeutet werden, daß trotz der großen Menge an Artilleriemunition, die der Feind nunmehr zweifellos angehäuft hatte, ein Überfluß nicht vorhanden war, und daß die feindliche Artillerie möglichst lange unerkannt bleiben wollte.
GdI. Bothmer, der Führer der Südarmee, hatte auf die sich mehrenden Angriffszeichen hin vom Oberbefehlshaber Ost eine Verstärkung an Artillerie und Infanterie erbeten und erhalten. An Artillerie wurden der Südarmee im Laufe der zweiten Hälfte Juni insgesamt 22 Batterien, darunter 12 schwere, und ausreichende Munition zugeführt. Außerdem wurden im Laufe des Monats Juni fast alle leichten Feldhaubitzbatterien wieder auf vier Geschütze gebracht. An Infanterie stand bei der Südarmee in Reserve zunächst nur die Ende Mai eingetroffene deutsche
4. ErsD. zur Verfügung des Oberbefehlshabers Ost. Sie hatte in Frankreich schwer gelitten und bedurfte zur Wiederherstellung ihrer vollen Gefechtskraft noch der Ruhe. Die Ablösung der Mitte Juni nach Kleinasien abbeförderten türkischen 19. ID. durch die neu überwiesene deutsche 15. RD. verminderte die infanteristische Kraft der Südarmee um drei Bataillone, brachte dagegen eine geringe Verstärkung der Feldartillerie. Durch Verschmälerung des besonders schwierigen Abschnitts der 75. RD. auf den Höhen ösdich von Lipica Dolna wurde ein weiteres Infanterieregiment zur Verfügung des Armeekommandos gewonnen und in Lipica Gorna bereitgestellt. Endlich traf Ende Juni als weitere Reserve des Oberbefehlshabers Ost die sächs. 241. ID. bei der Südarmee ein. Sie wurde im Narajówkatal bei Kurzany untergebracht. Als Gruppenkommando für die bevorstehende Abwehrschlacht wurde der Armee Bothmer das am linken Flügel der k.u.k. 7. Armee befindliche Generalkommando des XXV. RKorps zur Verfügung gestellt. Die 7. Armee erhielt dafür von der Isonzofront das k.u.k. XVII. Korpskmdo., FML. Fabini, überwiesen. Das Generalkommando des XXV. RKorps traf am 27. Juni in Rohatyn ein und übernahm am 28. den Befehl über die
15. und die 24. RD. im Abschnitt Rohatyn. Alles in allem standen Ende Juni im Bereich der Südarmee auf einer Breite von 65 Kilometern 6i/2 deutsche, 3 öst.-ung. und 1 türkische Division zur Abwehr des russischen Ansturmes bereit.
Das Schwergewicht des russischen Angriffes wurde gegen den Frontraum zwischen Lipica Dolna an der Narajówka und Perepelniki östlich von Złoczów, also gegen die Mitte und den Nordflügel der Südarmee sowie gegen die südliche Hälfte des nördlich anschließenden Abschnittes Złoczów der 2. Armee (Generalkommando des deutschen
I. Armeekorps, GdI. v. Winckler) erwartet. In diesen Räumen ließ die Zusammenballung der Korps VI, XLIX, XVII und des I. Gardekorps der Russen erkennen, daß der Feind beabsichtige, beiderseits der Straße Tarnopol—Zborów durchzubrechen. Man nahm an, daß die bisher gegen die k.u.k. 33. ID. bei Zwyżyn (12km nordwestlich von Zalośce) unterhaltene rege Gefechtstätigkeit der Russen nur Täuschungszwecken dienen sollte. , !
In Erwartung des bevorstehenden russischen Angriffes hatte das Heeresgruppenkommando Böhm-Ermolli die Ende Mai eingelangte deutsche 223. ID. in den Raum zwischen Bohutyn und Pluhów hinter das bedrohte IX. Korps gestellt; die deutsche 237. ID. war Ende Juni von Brest-Litowsk nach Złoczów im Anrollen. Die sächs. 96. ID. war hinter dem V. Korps und die LeibHusBrig. hinter dem XVIII. Korps untergebracht. Die bei Lemberg in Aufstellung begriffene österreichische
12. reit. SchD. unterstand noch der k.u. k. Heeresleitung.
Gegen den Nordflügel der Südarmee (k.u.k. XXV. Korps) und den Südflügel des Abschnittes Złoczów (k.u.k. IX. Korps und deutsche 197. ID.) mit zusammen fünf Frontdivisionen stellte die russische
11. Armee S1 o Divisionen ins erste und 2 Divisionen in das zweite Treffen. Das I. Gardekorps und die 1. TransbaikalKosD. lagerten Ende Juni noch westlich von Tarnopol. Da mit Rücksicht auf die ausreichenden Reserven bei der k.u.k. 2. Armee die Überlegenheit der Russen nicht so bedeutend war, hoffte das Armeekommando, den feindlichen Ansturm erfolgreich abwehren zu können.
Auch für den Fall eines Angriffes gegen die 3. Armee, der Ende Juni allerdings wenig Wahrscheinlichkeit hatte, wurde durch die Bereitstellung von zwei neu angekommenen Divisionen, der deutschen 83. ID. und der k.u.k. 16. ID., hinter dem Nordflügel für die Abwehr ausreichend vorgesorgt.
Bei der Südarmee und der 2. Armee hatte man etwa vom 25. Juni an den Eindruck, daß der feindliche Ansturm unmittelbar bevorstehe. Die russische Infanterie war jedenfalls um diese Zeit, der Masse und Gliederung nach, bereit, anzugreifen. Aufgefangene Funksprüche und die Aussagen von Gefangenen ließen darauf schließen, daß der schon mehrmals verschobene russische Angriff nunmehr endgültig auf den 29. Juni festgesetzt sei.
Das beste Gegenmittel hätte sicherlich darin bestanden, den Russen mit einem schnellen Angriff zuvorzukommen. Im Mai, als mit dem Hervortreten Kerenskis die Gefahr wuchs, daß sich das russische Heer wieder festige, erwog man in Kreuznach einen solchen Plan. Damals wäre es noch möglich gewesen, das russische Heer in verminderter Kampfkraft zu treffen. GdI. Ludendorff ging darauf jedoch nicht ein, denn er wollte nicht die schwere Verantwortung übernehmen, daß wirklich vorhandene Aussichten, mit Rußland ohne weiteres Blutvergießen zum Frieden zu gelangen, zerstört würden. Jetzt aber, Ende Juni, fielen diese Bedenken weg. Der Oberbefehlshaber Ost, Prinz Leopold von Bayern, wollte sich daher auch nicht auf die Abwehr beschränken, sondern plante, die feindliche Offensive mit einem Gegenschlage zu vergelten. Hiefür nahm er die von Złoczów längs des oberen Sereth auf Tarnopol führende Stoßrichtung in Aussicht, weil hier eine Umfassung des südlich davon stehenden Teiles des russischen Heeres erreicht werden konnte. Je mehr Truppen die Russen zu ihrem Angriffe an der
Front zwischen Zborów und den Karpathen anhäuften, desto größer mußte der Erfolg werden. Mit den Vorbereitungen für den Gegenstoß sollte aber erst begonnen werden, bis der Feind tatsächlich angegriffen und sich an den Wehr stell ungen der Heeresgruppe Böhm-Ermolli festgerannt hätte.
Die DOHL. billigte diesen Plan und war bereit, die Kräfte für den Gegenstoß entsprechend stark zu halten, um, wenn möglich, eine entscheidende Wirkung zu erreichen und den Widerstand Rußlands endgültig zu brechen. Hierzu waren Verstärkungen nötig. Mehr als sechs Divisionen konnten aber an der Westfront nicht entbehrt werden. Auch dies war schon ein schwerer Entschluß, da am 7. Juni der englische Angriff bei Wytschaete erfolgte und zu erwarten war, daß eine große Offensive in Flandern folgen würde. Der Abtransport und die artilleristischen Vorbereitungen waren so geordnet, daß etwa Mitte Juli der Gegenstoß angesetzt werden konnte. Zwei Wochen früher rafften sich in der Tat die 11. und die 7. Russenarmee in Ostgalizien zu ihrem letzten Massensturrn auf1).
Die Untätigkeit der Verbündeten Rußlands
Die Begebenheiten an der Westfront Hiezu Beilage 1
Ö
Waren im April die Heere der beiden Westmächte entgegen den getroffenen Vereinbarungen, an allen Fronten möglichst gleichzeitig anzugreifen, schließlich doch vereinzelt in die Schranken getreten, so fügte es sich Ende Juni, daß nun die Russen, als sie sich endlich in Ostgalizien zu einem großen Durchbruchsangriff anschickten, von ihren Verbündeten allein gelassen wurden.
Daß die Italiener nach der sehr verlustreichen zehnten Isonzo-schlacht und nach ihren ergebnislosen Angriffen in den Sieben Gemeinden einer Ruhepause bedurften, war verständlich. Aber auch die Franzosen verharrten in völliger Tatenlosigkeit. Der Grund hiefür war, daß sich die Stimmung im französischen Heere nach den fruchtlosen und sehr verlustreichen Anstürmen an der Aisne immer mehr ver-
x) Ludendorff, 345. — Hoffmann, Der Krieg der versäumten Gelegenheiten (München 1923), 177 f. — K u h 1, Weltkrieg, II, 106.
schlechterte. Sichcrlich zum Teil auch hervorgerufen durch die revolutionären Ereignisse in Rußland, kam es nach dem 20. Mai zu offenen Meutereien, zuerst bei den in Reserve stehenden Truppen, dann auch an der Front. Insgesamt wurden 16 französische Korps vom zersetzenden Geist erfaßt. Bei 75 Infanterieregimentern, 23 Jägerbataillonen, 12 Artillerie-, 1 Dragoner- und 2 Kolonialregimentern sowie bei den Senegalschützen gab es offene Widersetzlichkeiten. Zwei in Frankreich stehende russische Brigaden, die den Gehorsam verweigerten, wurden in ihren Lagern umzingelt und durch Geschützfeuer zur Befehlsbefolgung gezwungen. So gab es anfangs Juni, wie der französische Kriegsminister Painlevé schreibt, zwischen Soissons und Paris nicht mehr als zwei verläßliche Divisionen 1).
Die französische Heeresleitung griff nun sehr tatkräftig durch; 150 Meuterer wurden zum Tode verurteilt, davon allerdings bloß
23 hingerichtet3). Der neue Generalissimus Pétain ließ es aber auch an Belehrung der Irregeleiteten und an der Abstellung der Mißstände, die zu den Auflehnungen geführt hatten, nicht fehlen. Dadurch vermochte er bis zum Juli den Geist des Franzosenheeres wieder merklich zu bessern. Der Kriegsminister Painlevé gab der Kammer am 7. Juli das Versprechen, daß mit ehrgeizigen, unüberlegten und schlecht vorbereiteten Angriffen ein Ende gemacht werden würde. Es glückte der französischen Heeresleitung aber auch, den durch die Meutereien herbeigeführten Schwächezustand zu verbergen. Was hätte geschehen können, wenn die Deutschen etwa zu Anfang Juni von den Vorgängen im französischen Heere Kenntnis erlangt hätten! ßoch der sonst meist gut unterrichtete deutsche Nachrichtendienst erfuhr seltsamerweise von den Meutereien nichts. Sie blieben eines der wenigen wohlbehüteten Geheimnisse des Krieges3).
Bei diesem Zustand des Franzosenheeres war es nur natürlich, daß, als sich die Engländer anfangs Juni zum Angriff in Flandern anschickten und die Franzosen zur gleichzeitigen Teilnahme aufforderten, Pétain auf Anraten seiner Unterführer diese Angriffe erst für den Juli in Aussicht stellte. Ihm widerstrebte es überhaupt, sich vor dem Eintreffen der Amerikaner in ein größeres Angriffsunternehmen einzulassen. Er stimmte aber gerne einer Verlängerung der französischen Front nach Norden zu, um das britische Heer zu einem wuchtigen Stoß
1) Painlevé, Comme j’ai nommé Foch et Pétain (Paris 1925), 132 ff.
-') Palat, 433.
3, Kuhl, Weltkrieg, II, 99.
zu befähigen. Selbst wenn das diesem Stoß gesteckte Ziel, die Wegnahme der deutschen U-Bootstützpunkte ander belgischen Küste (S. 129), nicht erreicht werden sollte, mochte den Deutschen wenigstens die Möglichkeit genommen werden, sich anderen Zielen zuzuwenden.
Am 7. Juni brachen die Engländer bei Wytschaete (12 km südlich von Ypern) vor und fügten den Deutschen empfindliche Verluste bei; es blieb aber bei diesem Anfangserfolg. Allerdings war die Lage der deutschen 4. Armee (siehe Beilage 1) auch nachher sehr gespannt, weil ihr außer der Verteidigung der Landfront noch die Sicherung der flandrischen Küste und Vorkehrungen gegen allfällige Landungen in Holland zufielen1). Die Engländer hielten an dem Plane eines Vorstoßes in Flandern fest, gedachten jedoch nicht, ihre Flotte aufs Spiel zu setzen. Die vorübergehende Angriffsunfähigkeit des Franzosenheeres und die weiteren Erfolge des deutschen U-Bootkrieges — im Mai wurden 869.000 und im Juni 1,016:000 Tonnen feindlichen Schiffsrauines versenkt — nötigten die Engländer geradezu, neuerlich anzugreifen. Sie bereiteten ihr Vorhaben aber mit aller Gründlichkeit vor. Dadurch entstand gerade um die Monatswende Juni-Juli eine Kampfpause auf dem Nordflügel der Westfront. Das südlich anschließende Franzosenheer war aus den schon erörterten Gründen unfähig, mit den Russen zugleich anzugreifen.
Die Ereignisse auf dem Balkan und im nahen Orient
Auf dem Balkan hielt in Albanien der italienische Druck im Quellgebiet der Tomorica an (S. 120 und Beilage 5). Um sich endgültig davon zu befreien, unternahm FML. Gerhauser anfangs Juni einen kräftigen Vorstoß, der den ganzen Raum nördlich von Osum bis über Gradiska hinaus vom Feinde säuberte. Wegen Nachschubschwierigkeiten mußte das XIX. Korpskmdo., GdI. Trollmann, das in gutem Fluß befindliche Unternehmen anhalten.
Die wachsende Bedeutung, die auch die Alliierten dem albanischen Kampfraume beimaßen, bestimmte die k.u.k. Heeresleitung, gemeinsam mit der DOHL. das Unterbinden der von Biklište über Korea nach Santi Quaranta führenden feindlichen Nachschublinie zu erwägen. Auch an einen Angriff auf Valona dachte man damals. Da die Rücksicht auf die anderen Fronten eine Verstärkung des k.u.k. XIX. Korps jedoch
!) Kuhl, Weltkrieg, II, 116.
verbot, erhielt dieses Mitte Juni die Weisung, sich auch weiterhin nur auf die Behauptung der Vojusafront zu beschränken. Das vorerwähnte Unternehmen, für das die Vorbereitungen fortzusetzen waren, wurde für spätestens Mitte Oktober anberaumt. Außerdem erhielt das XIX. Korps Befehl, möglichst starke Artillerie in die Front zu stellen und die noch nördlich vom Semeni stehenden Kampftruppen (211. LstlBrig.) vorzuziehen. Der seit Mitte Juni vom FML. v. Bekić befehligte Küstenschutz sollte lediglich die Umschlagplätze S. Giovanni di Medua und Durazzo sowie die nördlich von Kava ja knapp an der Küste führende Nachschublinie decken. In den übrigen Küstenabschnitten waren nur Beobachter zu belassen, südlich vom Skumbi zum Schutze der in seinem Tale führenden Rochadelinien neue Stellungen zu erkunden und stützpunktartig auszubauen.
Das geringe Ergebnis der Frühjahrsoffensive der Ententeheere an der Westfront und in Mazedonien sowie das Ausbleiben des vereinbart gewesenen russisch-rumänischen Begleitangriffes veranlaßten die Alliierten, jetzt wenigstens die griechische Frage zu ihren Gunsten zu lösen. Vorwände hiefür waren bald gefunden. Man beschuldigte das königliche Griechenland, die Forderungen der Entente nicht erfüllt zu haben, und sprach auch nach der Abrüstung des hellenischen Heeres von Aufstandsvorbereitungen im Rücken des in Mazedonien fechtenden Orientheeres. Die venizelistische Nebenregierung wechselte dagegen mit Paris Sympathiedepeschen, bot der Entente ein Militärbündnis an und entsandte ihre Vertreter in die Hauptstädte von Frankreich, England und Rußland.
Inzwischen hatten sich die beiden Westmächte und Italien dahin geeinigt, in Griechenland einen Regimewechsel zu erzwingen. Am 12. Juni wurde König Konstantin zur Abdankung veranlaßt, nachdem die auf Morea internierte Armee vom übrigen Land abgeschlossen und ein Athen bedrohendes Landungskorps bereitgestellt worden war. Da auch der Kronprinz als zu wenig ententefreundlich galt, bestieg der zweitgeborene Königssohn, Prinz Alexander, den Thron.
Am 25. Juni kehrte Venizelos als griechischer Ministerpräsident nach Athen zurück. In einer Proklamation verhieß er dem Volke, ,,an der Seite der demokratischen Nationen für die Freiheit der Welt kämpfen zu wollen“ und begann sofort mit dem Wiederaufbau des griechischen Heeres. Eine französische Militärmission stand ihm hiebei zur Seite. Ende Juni wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen den Mittelmächten und der neuen griechischen Regierung abgebrochen.
Nicht ohne bedeutungsvolle Ereignisse verlief das erste Halbjahr 1917 im nahen Orient. In der Nacht auf den 11. März glückte es den Engländern, die Schlappe von Kut-el-Amara wettzumachen und Bagdad den Türken zu entreißen. Die türkische 6. Armee vermochte schließlich 150 km nördlich dieser Stadt wieder festen Fuß zu fassen. Schon am 17. März reiste der türkische Vizegeneralissimus Enver Pascha nach Kreuznach, um die Hilfe Deutschlands für die Rückeroberung Bagdads zu erbitten. Man sagte ihm weitgehende Unterstützung zu. Die türkische 6. Armee sollte mit der um Aleppo zu versammelnden 7. Armee die Heeresgruppe Yildirim (Blitz) bilden. Die DOHL. stellte das neuzubildende „Asienkorps“, das k.u.k. AOK. eine Anzahl von Gebirgsbatterien bei. Die Kriegshandlung wurde für Oktober 1917 in Aussicht genommen. Zum Oberbefehlshaber wurde GdI. Falkenhayn bestimmt, der am l.Mai das Kommando über die von ihm bisher befehligte deutsche 9. Armee abgab und sodann nach der Türkei abreiste1). Die Schwerfälligkeit des türkischen Verkehrswesens und die Ereignisse in Syrien verzögerten jedoch die zeitgerechte Bereitstellung der Heeresgruppe in Mesopotamien.
In Syrien standen die Türken in einer Stellung südlich von Gaza (siehe Band V, Beilage 34), die unbedingt zu halten sie entschlossen waren. Nachdem die Engländer ihre Eisenbahn entsprechend weit vorgebaut hatten, verstärkten sie ihr Expeditionskorps und versuchten zweimal, die syrische Front der Türken zu durchbrechen. Jedoch blühte in beiden Gazaschlachten (26.—27. März und 19.—20. April 1917) den Engländern kein Erfolg. An der geglückten Abwehr hatten auch zwei öst.-ung. Batterien, die 1. HbBt. GbAR. 4 und die 2. HbBt. GbAR. 6, ruhmvoll Anteil genommen.
Den in Aussicht stehenden Einsatz der neu zu bildenden griechischen Armee an der Salonikifront benützte England als willkommenen Anlaß, seinen Truppenstand in Mazedonien zu verringern und dafür seine Heeresmacht in Syrien zu verstärken. Trotz des Einspruches der französischen Heeresleitung, die auf die bisherigen englischen Klagen über Versorgungsschwierigkeiten in Mazedonien die seit der Unterwerfung Griechenlands eingetretene Besserung ins Treffen führen konnte, blieb das englische Oberkommando diesmal fest. Es zog im Juni eine Division ab, der im August eine zweite folgte. Dies gab dem britischen Reichsgeneralstab die Möglichkeit, den schon seit langem geplanten Angriff aus Jerusalem ernsthaft in die Wege zu leiten.
*) Z w e h 1, Erich von Falkenhayn (Berlin 1926), 266 f.
Die Doppelschlacht bei Koniuchy-Zborów und bei Brzeżany
^29. Juni bis 3. Juli)
Hiezu Beilagen 12, 13 und 14
Der Beginn des großen russischen Angriffes (29. und 30. Juni)
Ende Juni des Jahres 1917 standen die Truppen der russischen Südwestfront auf denselben Kampfstätten, auf denen ein Jahr zuvor ihre Offensive versandet war, wieder zu einem mächtigen Angriff bereit. Der neue Oberbefehlshaber der südwestlichen russischen Heeresfront, GdI. Gutor, der mit der Aufgabe beauftragt worden war, die öst.-ung. und die deutschen Wehrstellungen in Ostgalizien zu durchbrochen und Lemberg zu erobern, hatte zwischen dem oberen Lauf der Flüsse Strypa und Narajówka auf einer Frontbreite von etwa 65 km 31 Divisionen mit 800 leichten, 158 mittleren und 370 schweren Geschützen aufgeboten1). Der Hauptangriff war vom Südflügel der russischen
11. Armee zwischen Grabkowee und Byszki, also beiderseits von Zborów und Koniuchy zu führen, um zunächst das westliche Ufer der oberen Złota Lipa zu gewinnen; von da aus sollte der Angriff in nordwestlicher Richtung über Złoczów—Gliniany vorgetragen werden. Einen zweiten, noch mächtigeren Schlag hatte der Nordflügel der russischen 7. Armee zwischen Kuropatniki und der Höhe Popielicha bei Mieczyszczów über Brzeżany ebenfalls in nordwestlicher Richtung auf Bobrka zu führen (S. 103). Zur Entlastung des Hauptstoßes sollten rechts das V. sib. Korps an der Graberka bei Zwyżin, links das
XII. Korps am Dniester bei Jezupol und Stanislau zu Nebenangriffen vorbrechen.
Für den Hauptangriff stellte die 11. Armee die 35. ID. des XVII. Korps, das XLIX. Korps (4. und 6. finn. SchD., 82. ID., tschechoslowakische SchBrig.), und das VI. Korps (2. finn. SchD., 4., 16., 151.
1j Nach Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin, 115. — Demgegenüber gibt K n o x, II, 641, die artilleristische Stärke der russischen Angriffsarmeen in Ostgalizien mit über 693 leichten und 337 schweren Geschützen an.
und 155. ID.) bereit. An Reserven waren bei Jezierna das I. Gardekorps (l.und2.GD.) und die 1. TransbaikalKosD. verfügbar. Außerdem sollte bis anfangs Juli das V. Korps (7. und 10. ID.) bei Tarnopol bereitgestellt werden. Dahin wurde auch das im Verbände der russischen 9. Armee befindliche XLV. Korps (122., 126. und 194. ID.) gefahren. Die russische 7. Armee hatte in der Front das XLI. Korps (3., 5.Trans-amurGrenzwachD., 74. und 113. ID.), das VII. sib. Korps (12., 13. sib. SchD. und 108. ID.), das XXXIV. Korps (19. sib. SchD., 23., 104. und 153. ID.). und das finn. XXII. Korps (1., 3., 5. finn. SchD. und 159. ID.) eingesetzt. Das II.Gardekorps (GardeSchD., 3.GD.), die Polendivision, zwei Radfahrerbataillone, das II. Kavalleriekorps (9. KD. und komb. KD.) und das V. Kavalleriekorps (11. KD. und 3. OrenburgKosD.) standen im Raume von Podhajce und Buczacz in Reserve.
Die Masse der russischen Angriffstruppen setzte sich aus finnischen und aus sibirischen Regimentern zusammen. An besonderen Verbänden waren der 11. Armee eine aus tschechoslowakischen Überläufern und Gefangenen gebildete Schützenbrigade, der 7. Armee eine polnische Division und zwei neuaufgestellte Radfahrerbataillone beigegeben. Daß die tschechoslowakische Brigade bei Zborów gegenüber der zum überwiegenden Teil aus Mannschaften tschechischer Nationalität zusammengesetzten k.u.k. 19. ID. eingesetzt worden war, sollte sich alsbald als ein kluger Schachzug der russischen Führung erweisen. Die Einreihung der tschechoslowakischen Brigade in die Front entsprach aber, wie an anderer Stelle noch gestreift werden wird, auch einem längst gehegten Wunsche der im Auslande tätigen tschechischen Politiker, die die Anerkennung der Tschechoslowaken als verbündete Nation sowie der tschechoslowakischen Legionen als verbündete und mit ÖsterreichUngarn und Deutschland in regelrechtem Kriege befindliche Armee durch die Alliierten erringen wollten. Die 11. Armee besaß 50, die 7. Armee 70 Flugzeuge. Die meisten Divisionen hatten je ein schlechtes und unzuverlässiges Regiment. Die Artillerie und die Kavallerie galten als verläßlich.
Die artilleristische Vorbereitung sollte ursprünglich fünf Stunden dauern; dann hatte der Infanterieangriff zu beginnen. Auf Einspruch des französischen Beraters des Oberbefehlshabers der Heeresfront in artilleristischen Fragen wurde aber beschlossen, den Artillerieangriff der
11. und der 7. Armee nicht gleichzeitig erfolgen zu lassen. Deshalb hatte die artilleristische Vorbereitung bei der 11. Armee am 29. Juni bei Tagesanbruch, bei der 7. Armee 24 Stunden später einzusetzen.
Der Beginn des Infanterieangriffes war für beide Armeen für den
1.Juli, 9hvorm., befohlen.
Am 29. Juni erließ der an der Front eingetroffene Kriegsminister Kerenski einen Befehl, in dem er die Armee mit flammenden Worten zum Kampfe aufrief: „Soldaten! Das Vaterland ist in Gefahr. Die Freiheit ist bedroht, die Revolution steht vor dem Zusammenbruch. Es ist Zeit, daß die Armee ihre Pflicht erfüllt. Euer Generalissimus [Brussilow], der auf so viele Siege zurückblickt, ist der Ansicht, daß jeder Tag, der eine weitere Verzögerung bringt, dem Feinde zugute kommt, und daß ein einziger entscheidender Schlag seine Pläne zunichte machen kann. Deshalb fordert er in vollem Bewußtsein seiner großen Verantwortlichkeit, im Namen des freien Volkes und der Provisorischen Regierung
die Armee auf, die Offensive zu ergreifen.....Ich befehle euch:
Vorwärts!1)“
Die Heeresgruppe GO. Böhm-Ermolli, gegen die sich der Ansturm der Russen hauptsächlich richten sollte, gliederte sich Ende Juni in drei Armeen. Die auf dem rechten Flügel stehende, von den Karpathen bis 2um Dniester reichende k.u.k. 3. Armee, GO. Tersztyańszky, hatte in der Front die vier öst.-ung. Infanteriedivisionen 5, 42, 36, 15 und die 2. KD.; in Reserve, hinter dem Nordflügel, die deutsche 83. und die öst.-ung. 16. Division. Die Südarmee unter tjdl. Bothmer stand nördlich vom Dniester bis Koniuchy auf dem Westufer der Narajówka und zu beiden Seiten der Złota Lipa. Sie deckte die von Pomorzany und Rohatyn nach Lemberg führenden Verbindungen. Vier deutsche Divisionen, 53., 75., 15. und 24. RD., drei öst.-ung., 38.HID., 55., 54. ID., und die türkische 20. ID. standen in der Front, zwei deutsche, die 4. ErsD. und die 241. ID., in Reserve. Die k.u.k.
2. Armee hielt unter dem unmittelbaren Befehl des Heeresgruppenkommandanten in der Linie Koniuchy—Zborów—Presowce—Harbu-zów—Batków—Zwyżyn, am Graberka—Luhabschnitt sowie westlich und nordwestlich von Brody. Sie hütete mit ihrem rechten Flügel Bahn und Straße Złoczów—Lemberg. ■ In der Front hatte sie die 197. ID., die 12. und die 15. LD. der Deutschen und die fünf öst.-ung. Infanteriedivisionen 19, 32, 33, 27, 25 sowie die öst.-ung. 4. KD. stehen. Zwei deutsche Divisionen, die 223. und die 96. ID., bildeten die Reserve. Die deutsche 237. ID. rollte gerade über Lemberg nach Złoczów heran. In Lemberg war außerdem die k. k. 12. reit. SchD. verfügbar. Der rechte Flügel war als Abschnitt Złoczów dem komman-
1) Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin, 144 f.
dierenden General des deutschen I. Armeekorps, GdI. Winckler, unterstellt. Vorbereitungen für den Verteidigungskampf waren seit langem getroffen; die Erfahrungen der großen Abwehrschlachten im Westen waren dabei verwertet worden. Führer und Truppen sahen dem russischen Angriff mit Vertrauen entgegen.
Am 29. Juni steigerte sich bei der Südarmee und am Südflügel der k.u.k. 2. Armee im Abschnitt Złoczów das russische Artilleriefeuer, das in den letzten Tagen immer mehr zugenommen hatte, zum planmäßigen Zerstörungsfeuer; es richtete sich hauptsächlich gegen die Stellungen der 24. RD. und der 55. ID. in der Gegend von Brzeżany sowie gegen den linken Flügel der 54. ID., dann gegen die 19. ID. beiderseits des Ortes Koniuchy. Auch von der k.u.k. 33. ID. bei Zwyżyn kamen Meldungen über auffallend starkes Artilleriefeuer der Russen. Selbst weit hinter der Front liegende Unterkunftsorte, wie Brzeżany und Urmań, sowie die Brücken über die Złota Lipa wurden von schwerem Steilfeuer heimgesucht. Schon am Morgen stellten unsere Flieger fest, daß die zahlreichen Lager, die sich hinter der russischen Front befunden hatten, von Truppen frei seien. Offenbar hatten die Russen ihre Reserven näher an die Front herangeschoben. Das Feuer hielt mit geringen Unterbrechungen den ganzen Tag über an. Am Nachmittag meldeten die 55. und die 54. ID. sowie die k.u.k. 19. ID. „Trommelfeuer“ auf die Höhe Łysonia und auf die Stellungen bei Koniuchy. Von der 24. RD. traf die Nachricht ein, daß der Feind das Tal der Zlota Lipa südlich von Brzeżany vergase.
Unsere Artillerie legte starkes Zerstörungsfeuer auf die russische Artillerie. Südlich von Szybalin und östlich von Koniuchy bekämpfte sie bereits Ansammlungen feindlicher Infanterie. Die Abhorchstationen der Verbündeten nahmen an verschiedenen Stellen wahr, daß von der russischen Infanterie der Wunsch geäußert wurde, heute noch zum Angriff zu schreiten; doch kam es nur mehr gegen den Nordflügel der k.u.k. 54. ID. bei Koniuchy um 11h nachts zu einem kurzen Vorstoß der Russen, der im Feuer der Verteidigungsartillerie vor den Hindernissen zusammenbrach.
Das Feuer der feindlichen Artillerie hatte schon am 29. gezeigt, daß die Russen viel mehr Geschütze und vor allem beträchtlichere Munitionsmengen einzusetzen hatten als im Jahre 1916 und daß das Feuer bedeutend planmäßiger geleitet werde als damals. Durch die Beschießung hatten namentlich die vorderen Stellungen der 54. und der
19. ID. beträchtlichen Schaden erlitten. Sie konnten aber während der
Nacht ausgebessert werden. Auch waren die Verluste trotz der andauernden Beschießung noch gering geblieben Die Stimmung der Infanterie war gehoben und zuversichtlich, obwohl die tagsüber herrschende ungewöhnlich drückende Hitze sich sehr unangenehm fühlbar machte.
An der Narajówka sowie in den Kampfabschnitten südlich vom Dniester und westlich von Brody war es am 29. ruhig geblieben. Immerhin trat doch ein unverkennbarer Unterschied im Verhalten des Feindes gegenüber den letzten Wochen zutage. Die Angriffsvorbereitungen der Russen und Gefangenenaussagen wiesen darauf hin, daß der längst geplante Angriff nunmehr beginne. GdI. Bothmer meldete diese Auffassung schon um 8hvorm. dem Heeresgruppenkommandanten GO. Böhm-Ermolli und dem Oberbefehlshaber Ost.
GFM. Prinz Leopold von Bayern stellte daraufhin die deutsche 241. ID. und die 4. ErsD. der Südarmee zur Verfügung. GdI. Bothmer zog diese beiden in Reserve befindlichen Divisionen näher an die Front heran. Die im Raume zwischen Rohatyn und Bursztyn befindliche
4. ErsD. hatte in der Gegend südlich von Puków aufzuschließen und sich mit allen Teilen marschbereit zu halten, die bei Narajów Miasto stehende 241. ID. zwei Regimenter an die Złota Lipa, in die Gegend von Brzeżany, vorzuziehen.
Auch GO. Böhm-Ermolli machte sich zur Abwehr des russischen Angriffes bereit. Er überwies die hinter dem Südflügel der 2. Armee untergebrachte deutsche 223. ID. und das IR. 19 der k.u.k. 33. ID. dem Abschnitt Złoczów. Abends wurde ein Bataillon der deutschen 223. ID. hinter den äußersten Südflügel der k.u.k. 19. ID. in ein Waldlager südlich von Helenka geschoben und ein Bataillon des deutschen Landwehrregiments 32 am Ostrand der Mulde von Koniuchy bereitgestellt. Am 30. früh sollten alle Truppen der 223. ID. hinter den Südflügel des vom FML. Kletter befehligten k.u.k. IX. Korps gelangen.
Im Laufe des 29. nachmittags war streng vertraulich an das Heeresgruppenkommando Böhm-Ermolli und an das Kommando der Südarmee ein Heeresbefehl des Oberbefehlshabers Ost ergangen, in dem es hieß, daß geplant sei, die bevorstehende russische Offensive durch eine Gegenoffensive im Abschnitt Złoczów zu beantworten. Der Gegenschlag sollte unter Einsatz von zwei Generalkommandos, von sieben bis acht frischen deutschen Divisionen, einschließlich der gerade anrollenden 237. ID., und von 30 schweren Batterien mit dem linken Flügel den Sereth entlang in der allgemeinen Richtung auf Tarnopol geführt werden (S. 230). Da der endgültige Entschluß zu dieser Gegenoffensive erst vom tatsächlichen Einsetzen des russischen Angriffs abhängig gemacht wurde, meldete GdI. Bothmer noch am 29. abends dem Oberbefehlshaber Ost, daß über diesen Angriff nun kein Zweifel mehr bestehen könne.
Während der Nacht auf den 30. Juni flaute das russische Artilleriefeuer fast völlig ab. Der Schlagfertigkeit der Truppe und der Verteidigungsfähigkeit der Stellungen kam dies in hohem Maße zustatten. Gegen 5h morgens begann das Feuer von neuem und steigerte sich südlich von Brzeżany, bei der 24.RD., schon in den ersten Vormittagsstunden zu einer gewaltigen Artillerieschlacht, die auf den rechten Flügel der k.u.k. 55. ID. und auch auf die Abschnitte der 15. RD. sowie der türkischen 20. ID. Übergriff. Die Stellungen der 75. RD. an der Narajówka blieben auffallenderweise der Hauptsache nach verschont, so daß die Artillerie dieser Division großenteils zur Bekämpfung der gegen die Türken wirkenden russischen Batterien herangezogen werden konnte. Durch russische Überläufer wurde bekannt, daß die der 75. RD. gegenüberstehende russische 52. ID. sich endgültig geweigert habe, am Angriff teilzunehmen.
Unsere Batterien blieben fast ganz unbehelligt. Der Russe beschränkte sich gegen sie auf lebhaftes, aber erfolgloses Streufeuer. Einzelne Batterien wurden mit zahlreichen Gasgranaten belegt, jedoch gleichfalls ohne irgend nennenswerte Wirkung. Trotz Unterlegenheit in der Zahl hielten die deutschen und öst.-ung. Flieger die feindlichen Luftstreitkräfte derart in Schach, daß diese für die Feuerleitung größtenteils ausfielen. Das Hauptziel der russischen Batterien war wieder die Gegend von Brzeżany, also die Front der deutschen Südarmee, die bei den Angriffen des Jahres 1916 den zähesten Widerstand geleistet hatte. Auch schwerste Eisenbahngeschütze wurden von den Russen eingesetzt. Ihr Feuer richtete sich vor allem gegen die Stellungen der 15. und der 24. RD. sowie der k.u.k. 55. ID., wo sich sehr bald die Abschnitte Obręczowa, Dzikie Lany auf dem westlichen, Łysonia auf dem östlichen Zlota Lipaufer als voraussichtliche Haupteinbruchspunkte kennzeichneten. Auch die Übergänge über die Złota Lipa bei Brzeżany lagen wiederum zeitweise unter schwerstem Steilfeuer.
Schon am Vormittage wurden vor den Einbruchsstellen Ansammlungen russischer Infanterie durch gutliegende kurze Vernichtungsfeuerwellen zerstreut. Beim Abschnitt Rohatyn (deutsches XXV. RKorps) bestand der Eindruck, daß der Feind sich etwa um 9h vorm. zum Angriff bereitgestellt hatte, in der vernichtenden Gegenwirkung unserer
Artillerie aber seine Gräben nicht habe verlassen können; jedoch wurden neue Anzeichen für einen Angriff gegen die Łysonia beobachtet. Die russische Infanterie überschritt in kleinen Trupps das Ceniówkatal südlich von Szybalin.
Im Laufe des Nachmittags mehrte sich die Tätigkeit der russischen Infanterie. Die Artillerieschlacht schwoll in der Gegend von Brzeżany zu einer Stärke an, wie sie der Osten noch nicht erlebt hatte. Nachdem die vordersten Verteidigungsstellungen teilweise in Trichterfelder verwandelt worden waren, brach nachmittags russische Infanterie an verschiedenen Stellen vor, wurde aber durch das Abwehrfeuer in ihre Gräben zurückgetrieben. Südlich von Mieczyszczów gingen russische Abteilungen wiederholt gegen die Stellungen der Türken vor; von deren Sperrfeuer gefaßt, fluteten sie bald in Unordnung teilweise bis gegen ihre zweite Stellung zurück.
Zu größeren Angriffsunternehmen der Russen kam es auf der Höhe Łysonia und im westlich anstoßenden Abschnitt Złota Lipa der 24. Reservedivision. Nach stärkstem Trommelfeuer brach der Feind stellenweise unter dem Schutz von Nebelbomben gegen 5h nachm. aus seinen Gräben vor, drang auch in einem schmalen Raume südlich der Łysonia ein, wurde aber alsbald in seine Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Ein nach 7h abends gegen die Höhe Łysonia neuerlich geführter Angriffsversuch kam im deutschen Sperr- und Vernichtungsfeuer über die ersten Ansätze nicht hinaus. Das starke feindliche Artilleriefeuer gegen die Höhe Łysonia hielt bis in die Nacht hinein an. Auf den übrigen Teilen der Stellungen beiderseits der Złota Lipa und ZAvischen ihr und der Narajówka begann die feindliche Artillerietätigkeit gegen 6h abends bedeutend abzuflauen. Der Südflügel der Armee Bothmer hatte nur mäßiges Feuer erhalten, Angriffsvorbereitungen sprachen sich dort nirgends aus.
Beim k.u.k. XXV. Korps, FML. Hofmann, stand der rechte Flügel der 55. ID. im Bereich des russischen Angriffsstreifens zwischen der Złota Lipa und der Straße Brzeżany—Kozowa. Die Russen verwendeten auch dort Nebelbomben, vermutlich, um die gegen die Lyso-niahöhe geführten Angriff gegen das Flankenfeuer der Artillerie der 55. ID. zu decken, die bei ihrer Abwehr kräftig mitwirkte. Eine ähnliche Erscheinung zeigte sich bei Baranówka und Kuropatniki. Dort entwickelten sich gleichzeitig mit dem Angriff gegen die Łysonia dichte, schwarze Rauchwolken, die sich im Ceniówkatal ausbreiteten und wohl einen Vorstoß vortäuschen sollten.
Auch auf dem linken Flügel des k.u.k. XXV. Korps bei Koniuchy erneuerten die Russen am 30. in der Früh die Beschießung, die den ganzen Tag währte, sich auch auf die zweiten und dritten Linien richtete und gegen Norden auf einen großen Teil der Stellungen des k.u.k. IX. Korps der k.u.k. 2. Armee ausdehnte. Um 4h nachm. brach die russische Infanterie in mehreren Wellen gegen die Stellungen des k.u.k. IR. 81 auf dem Nordflügel der 54. ID. vor. Der Angriff zerschellte im rechtzeitig einsetzenden Sperrfeuer, die Russen fluteten bis hinter ihre dritte Linie zurück. Ein schwächerer, um 6h abends wiederholter Vorstoß scheiterte ebenfalls. Von da ab flaute bei Koniuchy die Gefechtstätigkeit erheblich ab.
Auch der 30. Juni war ein drückend heißer Tag. Nachmittags gingen zahlreiche, teilweise schwere Gewitter nieder, so daß die Fliegertätigkeit stark beeinträchtigt war.
Die Wirkung des feindlichen Feuers gegen die Stellungen auf dem linken Flügel des XXV. RKorps war erheblich. Auf der Łysonia waren die vordersten Gräben in ein Trichterfeld verwandelt, die Hindernisse verschwunden. Die Stellungen der Korps Hofmann und Kletter hatten weniger gelitten; doch waren auch dort die Laufgräben und die Telephonverbindungen stark beschädigt. Die Verluste hatten sich gesteigert, blieben aber noch immer erträglich. Die Stimmung der Truppe war gut und zuversichtlich geblieben, da und dort wurde bereits die Ansicht laut, daß der große rassische Angriff heute schon erfolgt und gescheitert sei. GdI. Bothmer konnte sich dieser Auffassung allerdings nicht anschließen. Feindliche Massen, die offensichtlich für den Angriff bereitstanden, waren noch nirgends aufgetreten. Es war daher anzunehmen, daß es sich in den Hauptkampfabschnitten nur um Aufklärungsvorstöße nach englisch-französischem Muster gehandelt habe und daß der Massenansturm noch bevorstände. Schließlich teilte der Oberbefehlshaber Ost am 30. abends mit, daß die Durchführung des Gegenangriffes im Abschnitt Złoczów nunmehr beschlossen sei und die Transportbewegung hiefür begonnen habe.
In der Nacht auf den 1. Juli richteten sich kurz vor 2h ohne erkennbare Artillerievorbereitung westlich der Zlota Lipa gegen die Stellungen der 24. und den linken Flügel der 15. RD. Angriffe, die aber ausnahmslos im Vernichtungs- und Sperrfeuer zusammenbrachen. Im übrigen verlief die Nacht, abgesehen von mäßigem, auch mit Gasgranaten untermischtem Störungsfeuer, ruhig. Die Truppen konnten sich in den Trichterfeldern auf der Höhe Łysonia zur Abwehr einrichten und mit Verpflegung und Munition versorgt werden. Die Verwundeten wurden geborgen. Wie das k.u.k. XXV. Korps am Morgen sogar meldete, konnten die Stellungen im großen und. ganzen wieder instand gesetzt und auch die Hindernisse vor dem Nordflügel der 54. ID. bei Koniuchy in Ordnung gebracht werden; während der Nacht waren keine Verluste eingetreten.
Der Durchbruch der Russen im Abschnitt Złoczów
(1. bis 3. Juli)
Am 1. Juli, nach zweitägiger Artillerieschlacht, erhoben sich die Russen zum Angriff, der mit großer Gewalt über die Mitte und den linken Flügel der Südarmee und über das IX. Korps der k.u.k.
2. Armee hereinbrach. Während Gen. Bjelkowitsch die Masse der von ihm geführten 7. Armee bei Brzeżany anstürmen ließ, hatte der Befehlshaber der 11. Armee, Gen. Erdeli, am 1. Juli nicht alle auf seinem Südflügel vorhandenen Kräfte aufgeboten. Er setzte vorerst zwischen Zborów und Byszki nur vom XLIX. Korps die 6. finn. SchD. und vom
VI. Korps die 2. finn. SchD., sowie die 4. und die 16. ID. zum Stoße an. Die 155. ID. hatte sich bereit zu halten, um im Falle des Durchdringens durch die aufgesprengte Bresche zum Angriff vorgeführt zu werden. Sturmtruppunternehmen der 4. finn. SchD. bei Zborów sollten die Aufmerksamkeit des Gegners von der über Koniuchy zielenden Hauptstoßrichtung ablenken.
Der russische Angriff kam dem Verteidiger von Brzeżany und von Koniuchy nicht überraschend. Russische Überläufer hatten sich an verschiedenen Stellen der Front eingefunden und den großen Massensturm für den 1. Juli früh angekündigt. Mißlang der Sturm, so sollte er mittags wiederholt werden. Die Artillerie der 54., der 19. und der 32. ID. gab daher um 3h 30 früh Vernichtungsfeuer auf die russischen Gräben ab. Der russische Angriff unterblieb darauf, dafür vergaste die feindliche Artillerie Koniuchy, einzelne Ortschaften hinter der Front des IX. Korps sowie mehrere Batterien der 32. Division. Nach v 4hvorm. setzte feindliches Geschützfeuer auch auf die Stellungen bei Koniuchy und bei Zborów ein und steigerte sich nach 5h früh plötzlich zu furchtbarer Gewalt.
Um 9h vorm. brachen Massenangriffe des VI. und des XLIX. Korps der Russen gegen die Stellungen bei Koniuchy mit voller Wucht los.
Trotz des Sperrfeuers der öst.-ung. Artillerie drangen die südlich des Meierhofes von Koniuchy stürmenden Russen der 16. ID. auf dem äußersten Nordflügel des k.u.k. XXV. Korps, FML. Hofmann, in die erste Stellung der vom GM. Edl. v. Severus befehligten 54. ID. ein. Es gelang den Grabenbesatzungen des IR. 81, den Feind hinauszuwerfen. Neuerliche Anstürme der Russen durchbrachen jedoch die Linien dieses Regiments und drangen auf der Hochfläche gegen den nach Koniuchy steil abfallenden Höhenrand vor. Nunmehr traten die Regiments- und die Brigadereserven (Bataillon 111/81, Ukrainische Legion und das Sturmbataillon der 54. ID.) von Koniuchy aus zum Gegenangriff an. In diesem Augenblick sah man aber Russen aus nördlicher Richtung durch den breitgestreckten Ort Koniuchy gegen den Nordflügel der 54. ID. vorgehen, gleichzeitig schwiegen die im Raume um Koniuchy stehenden öst.-ung. Batterien.
Starke Massen der russischen 4. ID. waren inzwischen beiderseits des Meierhofes Koniuchy vorgestürmt und hatten dort das am Südflügel der k.u.k. 19. ID., FML. Böltz, stehende bh. IR. 1 trotz tapferer Gegenwehr durchbrochen. Sehr schnell gelangten die vorstürmenden Russen in die Mitte des Dorfes Koniuchy und schwenkten von dort nach Norden und Süden ein. Die Geschütze der bei Koniuchy befindlichen Batterien mußten gesprengt werden. Hiedurch wurde aber das Sperrfeuer sehr dünn. So gelang es dem Feinde, auch den Nordflügel der 54. ID. zu überrennen und, im Verein mit den von Norden kommenden Russen, das IR. 81, die Ukrainische Legion sowie das Sturmbataillon der 54. ID. von zwei Seiten her zu fassen und zum größten Teil gefangenzunehmen.
Zwischen den bei Byszki noch feststehenden Truppen der 54. ID. und dem k.u.k. IX. Korps bei Koniuchy klaffte nunmehr eine mehrere Kilometer breite Lücke, hinter der augenblicklich nichts mehr stand, was das weitere Vordringen des Feindes hätte aufhalten können. Nur einzelne Versprengte besetzten den Waldrand westlich vom Südende von Koniuchy. Dort im Walde befand sich als Korpsreserve das IR. 88. Auf Befehl des hier anwesenden Korpskommandanten, FML. Hofmann, setzte sich das Regiment in Bewegung, um den Byszki-Riegel zu besetzen, oder am Südflügel der 19. ID. zum Gegenangriff zu schreiten. Unterdessen hatten sich die Sturmkolonnen der 4. Russendivision, die beim Meierhof Koniuchy eingebrochen waren, auch nach Norden gewendet und rollten den Südflügel der k.u.k. 19. ID. auf. Gegenstöße der noch im Koniuchytale befindlichen Brigade- und Divisionsreserven zeitigten keinen dauernden Erfolg. Der Kommandant des IX. Korps, FML. Kletter, befahl von seiner Korpsreserve ein Infanteriebataillon zum Gegenangriff auf Koniuchy.
Doch nicht dort, sondern weiter nördlich hätte ein Teil der Kampfreserven verwendet werden sollen, denn die 6. finn. SchD. des russischen XLIX. Korps bedrängte auch die Mitte der k.u.k. 19. Division. Der geplante Gegenangriff gegen Koniuchy blieb daher aus. Dieser Hauptstützpunkt an der Nahtstelle der Südarmee und der k.u.k.
2. Armee befand sich am Vormittag bereits völlig in Feindeshand. Schon drangen die Russen in die östlich der Złota Lipa gelegenen Wälder ein. Hier warf sich das k.u.k. IR. 88 dem Feinde entgegen und vertrieb ihn aus der am Waldrande vorbereiteten zweiten Stellung. Allein für*
ein weiteres Vortragen des Gegenangriffes gegen die von weit überlegenen feindlichen Kräften besetzten Höhen, die das Tal' von Koniuchy beherrschten, war das IR. 88 zu schwach. Daher mußte zunächst
das vom Abschnittskommando Złoczów in das Tal von Koniuchy herangeführte IR. 173 der deutschen 223. ID. abgewartet werden. Nach dessen Eintreffen sollte am Nachmittag im Verein mit dem IR. 473 der deutschen 241. ID., das GdI. Bothmer von Szumlany auf Dryszczów in Marsch gesetzt hatte, die Wiedereroberung der verlorengegangenen Stellungen durchgeführt werden.
Das Eintreffen der beiden deutschen Regimenter 173 und 473 verzögerte sich aber wegen der außerordentlich schwülen Hitze in den Mittagsstunden erheblich. Unterdessen nahm der feindliche Durchbruch bei Koniuchy immer größeren Umfang an. Der rechte Flügel der k.u.k. 19. ID. befand sich im Rückzug auf die zweite ^Stellung. Die Russen hatten ganz Koniuchy genommen und begannen bereits kurz nach Mittag die Hänge westlich der Ortschaft zu ersteigen. In solcher Lage wurde der Gegenangriff auf die verlorenen Stellungen aussichtslos. Es kam zunächst nur darauf an, den feindlichen Stoß aufzufangen. Das k.u.k. IR. 88, das mittlerweile eingetroffene deutsche IR. 173 und ein deutsches Landwehrbataillon besetzten mit den Trümmern der k.u.k. 38. IBrig. die vorbereiteten zweiten Stellungen am Waldrande westlich von Koniuchy und brachten dort den russischen Angriff zum Stehen. Das am Nachmittag von Żabin auf das Schlachtfeld herangezogene IR. 144 der deutschen 223. ID. vertrieb noch vor Einbruch der Nacht die bereits in den Kobylariegel eingedrungenen Russen. Das k.u.k. XXV. Korps bog am Abend bei Byszki seinen linken Flügel zurück und bildete im Anschluß an die mit dem Großteil ihrer
Truppen nunmehr am Südflügel des k.u.k. IX. Korps eingeschobene deutsche 223. ID. östlich von Dryszczów eine neue Linie.
Die k.u.k. 32. ID., FML. Ritt. v. Willerding, hatte am l.Juli vormittags das gegen die Höhe Mogiła bei Zborów gerichtete Sturmtruppenunternehmen der 4. finn. SchD. erfolgreich abgeschlagen. Gegen den benachbarten linken Flügel der k.u.k. 19. ID. hatten sich hierauf Anzeichen eines unmittelbar bevorstehenden Angriffes der Russen bemerkbar gemacht. An diesem gefährdeten Abschnitt befanden sich nur verhältnismäßig spärliche öst.-ung. Kampfreserven. GO. Böhm-Ermolli stellte zwar im Laufe des 1. nachmittags dem Abschnitt Złoczów seine Heeresgruppenreserve, die hinter dem V. Korps versammelte deutsche 96. ID., zur Verfügung, und GdI. Winckler sandte das ErsR. 29, den Rest der 223. ID., von Ryków nach Żabin. Diese deutschen Truppen konnten aber erst ehestens vom 2. Juli früh an hinter dem k.u.k. IX. Korps eintreffen.
Die Angriffsdivisionen der 11. Russenarmee hatten wohl am l.Juli ihr Tagesziel, die Höhen östlich der Złota Lipa bei Urmań, nicht erreicht, immerhin aber einen bedeutenden Anfangserfolg errungen. Als die ersten Nachrichten über die Eroberung von Koniuchy kamen, da wähnte Kerenski, bereits einen großen, entscheidenden Sieg errungen zu haben und sandte noch am l.Juli an den Ministerpräsidenten Lwow ein Telegramm, in welchem er als Auszeichnung für die siegreichen Regimenter bei der Regierung die Verleihung von roten Fahnen erbat. Der Ministerpräsident Fürst Lwow sagte sie bereitwillig zu und erklärte in seinem Antworttelegramm: „Der l.Juli hat der ganzen Welt die Kraft der revolutionären Armee gezeigt, die aufgebaut ist auf demokratischer Grundlage und durchdrungen ist von dem Ideal der Revolution1).“ Der Jubel war voreilig. Die Angriffstruppen hatten schwere Verluste erlitten; unter diesem Eindruck sollte ihre Kampffreudigkeit nur allzu bald versiegen.
Am 2. Juli wollte Gen. Erdeli, der Führer der russischen 11. Armee, den Erfolg, den er bei Koniuchy errungen hatte, weiter ausbauen. Vom XLIX. Russenkorps hatte die 4. finn. SchD. die Höhe Mogiła bei Zborów anzugreifen, die 6. finn. SchD. die Höhen südlich von Hodów zu erreichen. Die zwischen diesen beiden Divisionen eingeschobene tschechoslowakische Schützenbrigade sollte sich zunächst abwartend verhalten. Gewann der Angriff der 4. finn. SchD. Raum, dann hatte der rechte Flügel der Tschechoslowakei! die gegnerische Stellung zu durchbrechen
x) Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin, 115 f.
und die Höhen südöstlich von Jezierzanka zu gewinnen. In ähnlicher Weise sollte der linke Flügel der Brigade im Anschluß an ďie 6. finn. SchD. zunächst in der Richtung auf das Gehöft Cecówka angreifen. Die russische 82. ID. sollte vermutlich hinter den inneren Flügeln der tschechoslowakischen Legion und der 4. finn. SchD. folgen. Die 35. ID. des XVII. Russenkorps hatte beiderseits der Straße Zborów—Złoczów vorzustoßen, das VI. Korps seine bisher von Erfolg begleiteten Angriffe fortzusetzen, um auch die Höhen auf dem östlichen Ufer der Zlota Lipa zu gewinnen.
Heftiges Artilleriefeuer leitete am 2. Juli den vierten Schlachttag ein. Die Russen verwendeten jetzt nach Einsatz der Artillerie des
I. Gardekorps viel mehr Batterien als bisher; dem mächtigen Feuer vermochten die Fuchslöcher der Verteidigung nicht mehr standzuhalten. Viele stürzten ein, die Mannschaft, die in ihnen Schutz gesucht hatte, wurde verschüttet.
Schon um 4h 15 früh drangen die Russen in dichten Massen aus dem Nordteil von Koniuchy gegen die deutsche 223. ID. vor. Sie wurden abgewiesen und vermochten bis zum Nachmittag trotz mehrfacher Versuche weder gegen die 223. ID. noch gegen die 54. ID. vorzubrechen. Auch der Nordflügel der Budapester 32. ID. wurde um 9hvorm. beiderseits der Straße Złoczów—Zborów von zwei Vorstößen der russischen
35. ID. (XVII. Korps) getroffen, die aber zerschellten.
Unterdessen brach die 4. finn. SchD. gegen die Höhe Mogiła vor, worauf auch die tschechoslowakische Brigade vorwärtsstürmte. In den überaus hartnäckigen Kämpfen, die um die Höhe Mogila entbrannten, gelang es der k.u.k. 32. ID., den ersten feindlichen Ansturm zu brechen. Die neuerlich angreifenden Russen der 4. finn. SchD. bemächtigten sich aber des Dorfes Presowce und umfaßten etwa um llh30vorm. die Höhe Mogila von Norden.
Die Tschechoslowaken waren unterdessen an der Nahtstelle der 32. und der 19. ID. tief eingebrochen. Sie waren dann hügelan gegen Jezierzanka vorgedrungen. Während sich die Ungarn am Südflügel der 32. ID. abriegelten, wichen am Nordflügel der 19. ID. die Bataillone des Pilsner IR. 35 weit nach Westen zurück. Einzelne Gruppen leisteten noch tapferen Widerstand, andere verloren den Halt, flüchteten zurück, viele wurden gefangengenommen1).
Hinter der 19. ID. standen an Reserven nur zwei Halbbataillone, die den vorwärtsstürmenden Feind nicht aufzuhalten vermochten. Zu
1j Klecanda, Bitva u Zborova (Prag 1927), 31 ff.
allem Unglück konnten die im Bereiche der deutschen 223. ID. stehenden Batterien der 19. ID. dem FML. Böltz nicht zur Verdichtung des Sperrfeuers auf dem linken Flügel zur Verfügung gestellt werden, weil sie gerade im entscheidenden Augenblick mit der Abwehr eines aus Koniuchy gegen den Südflügel des IX. Korps gerichteten russischen Massensturmes beschäftigt waren. Unterdessen nahm der Durchbruch bei der k.u.k. 19. ID. immer größeren Umfang an. Gegen Mittag befanden sich der Nordflügel und die Mitte dieser Division in aufgelöstem Zustand im Rückzug auf ihre zweite Stellung. Hier versuchte FML. Böltz vergeblich, mit den Trümmern seiner Division neuen Widerstand zu leisten.
Auf dem Südflügel der k.u.k. 32. ID. waren Truppenteile der 64. IBrig. nach dem Verlust von Presowce ebenfalls bis über die zweite Stellung hinaus aufZarudzie an der Mala Strypa gewichen. In die Bresche von Presowce schoben sich die Regimenter der 4. finn. SchD., und südlich an der Höhe Mogiła vorbei drängten durch die auf dem Nordflügel der 19. ID. breitaufgesprungene Lücke die Tschechoslowakei! sowie die frisch eingesetzten Truppen der russischen 82. Division die Höhen von Jezierzanka empor. Die eingekreisten Verteidiger der Mogilahöhe — es waren dies Teile des IR. 86 — klammerten sich indessen noch immer an ihren Stellungen fest und harrten auf Entsatz. Sie forderten durch Signale und Leuchtraketen Feuerunterstützung, die aber ausblieb, da die im Raume von Presowce stehenden Batterien nach dem Durchbruch der Russen zurückfahren mußten, um nicht in Feindeshand zu fallen. Wohl gelang es Truppenteilen der 32. ID., gegen lh^o nachm. im Gegenstoß den Feind aus Presowce hinauszuwerfen; die Lücke zwischen diesem Ort und den bei Zarudzie fechtenden Truppen konnte aber nicht wieder geschlossen werden. Etwa um 2h nachm. ging die bis zum letzten Augenblick tapfer verteidigte Mogitahöhe verloren. Der Russe führte zahlreiche Gefangene weg und drang nun in Massen über die Höhen südwestlich von Zborów gegen die Mala Strypa vor. Nun mußte Presowce wieder aufgegeben werden.
Auch auf dem Südflügel der 19. ID. war inzwischen die Lage unhaltbar geworden, obwohl alles aufgeboten wurde, um einer Einkreisung des bei Jozefówka stehenden südböhmischen IR. 75 vorzubeugen. Dieses Regiment wich über die zweite Stellung bis auf Hodów und auf die Höhen südlich davon. Nun war das am Nordflügel der deutschen 223. ID. standhaltende IR. 144 ebenfalls der feindlichen Einkreisung ausgesetzt und mußte in die zweite Stellung, der linke Flügel sogar gegen die dritte Stellung zurückgebogen werden, um den Anschluß an die zertrümmerte k.u.k. 19. ID. wiederherzustellen. In diesem höchst kritischen Augenblick traf endlich das ErsR. 29, das sich nach ermüdendem Nachtmarsch erst gegen Mittag von Żabin in Bewegung gesetzt hatte, auf dem Schlachtfelde ein. Der Großteil dieses deutschen Regiments stützte bei Hodów die wankende Front; ein Bataillon vertrieb den Feind, der bereits in Trawotloki eingedrungen war, und stellte die Verbindung mit dem auf Zarudzie zurückgegangenen rechten Flügel der k.u.k. 32. ID. wieder her.
Das Abschnittskommando Złoczów hatte in den Vormittagsstunden gehofft, die Lage doch noch meistern zu können. Dazu sollte das deutsche ErsR. 29 im Verein mit zwei Regimentern der nach Pomorzany unterwegs befindlichen deutschen 96. ID. unter Leitung des Kommandanten dieser Division, GM. Friedrich v. der Decken, zum Gegenangriff schreiten und die verlorenen Stellungen zurückerobem. Aber auch dieser Gegenangriff wurde nicht ausgeführt. Die vom Abschnittskommando Złoczów dem k.u.k. IX. Korps überwiesenen Regimenter der 96. ID. trafen erst im Laufe des Nachmittags in Żabin ein. Der Angriff der Russen machte jetzt keine Fortschritte mehr. Daher begnügte sich GdI. Winckler damit, die Sachsen der 96. ID. in die Front einzuschieben. Bis zum Einbruch der Dunkelheit war die neue Stellung zwischen Hodów und Zarudzie durchlaufend besetzt sowie verläßlicher Anschluß an die 223. ID. und die k.u.k. 32. ID. hergestellt.
Gegen den linken Flügel der letztgenannten Division war am Nachmittag die 35. Russendivision nach kräftigem Artilleriefeuer neuerlich vorgebrochen. Der Feind vermochte auch südlich der Straße nach Złoczów die Front einzudrücken; doch gelang es dem tapferen Verteidiger alsbald, den Einbruch aufzufangen und das verlorene Gelände zurück-zuerobem. Bei Koniuchy erfolgten ebenfalls am Nachmittag gegen die 223. ID. und die anschließenden Teile der 54. ID. neue russische Angriffe. Der Feind stieß hier mit Panzerautos vor, wurde aber überall abgewiesen.
Am 2. Juli abends lag die Verteidigung im Abschnitt Złoczów etwa 5 km westlich der bisherigen Linie Koniuchy—Zborów. Das k.u.k. IX. Korps hatte viel von seiner Gefechtskraft eingebüßt. Von den mehr als 16.000 Streitern, die ihm am 30. Juni in der Front zur Verfügung gestanden waren, hatte es jetzt nur mehr 6700 j). Die beiden arg her*) An Beute verzeichnete die 11. Russenarmee insgesamt mehr als 14.000 Gefangene und 31 Geschütze.
genommenen öst.-ung. Divisionen 19 und 32 wurden daher auf Weisung des Oberbefehlshabers Ost noch in der Nacht auf den 3. durch deutsche Truppen abgelöst, was reibungslos durchgeführt werden konnte. Sie wurden auf Antrag des FML. Kletter hinter die Front bis in den Raum von Dunajów zurückgezogen, wohin am 4. auch das IX. Korpskmdo. verlegt wurde, damit es sich besser der Schulung und Wiederherstellung der Kampfkraft seiner in ihrem innersten Gefüge schwer getroffenen Truppen widmen könne.
An Stelle des k.u.k. IX. Korps standen vom 3. Juli an auf dem rechten Flügel des Abschnittes Złoczów nur deutsche Truppen, die 223. und die 96. Division. Zur Stützung der Front wurde dem GdI. Winckler auch die neuangekommene deutsche 237. ID. überwiesen und ihm des weiteren das Generalkommando LI zur Verfügung gestellt, das am 4. Juli den Befehl über die 223. und die 96. Division übernahm. Die von Lemberg nach Złoczów herangeführte k. k. 12. reit. SchD. verschob GO. Böhm-Ermolli nach Podhorce hinter die Mitte des k.u.k. V. Korps.
Die Russen, die am 1. und am 2. Juli gleichfalls schwere Verluste erlitten hatten, zeigten seit dem 3. auf dem Kampffelde zwischen Koniuchy und Zborów keine Lust zu weiteren Angriffen. Sie befestigten sich in den gewonnenen Linien. Gen. Gutor gruppierte seine Truppen zu einem neuen Stoß, der unter Einsatz des I. Gardekorps in der Richtung auf Żabin geführt werden sollte, um den Erfolg gegen die k.u.k.
2. Armee weiter auszubauen1).
Die Verantwortung für den schweren Rückschlag, den die Verbündeten bei Zborów erlitten hatten, trifft sicherlich die beiden böhmischen Infanterieregimenter 35 und 75. Das IR. 75 bestand zu 82 v. H. aus Tschechen, meist Bauernsöhnen aus der Neuhauser Gegend; es hätte bisher zu keinerlei Klagen Anlaß geboten, sondern sich auch in besonders kritischen Stunden wacker gehalten. Die 35er stammten aus dem Pilsener Industriebezirk und dem anschließenden Böhmerwaldgebiet; 61 v. H. waren Tschechen, 39 v. H. Deutsche. Die tschechischen Industriearbeiter hatten sich gegenüber der antimilitaristischen und nationalen Werbearbeit weniger widerstandsfähig erwiesen als ihre bäuerlichen Landsleute. Dennoch konnten auch bei ihnen durch die gerichtliche Untersuchung Fälle des Einverständnisses mit der gegenüberstehenden tschechoslowakischen Brigade nicht nachgewiesen werden, und die reiche tschechische Literatur über den Tag von Zborów bestätigt diese
x) Zajontschko wskij, Feldzug 1917, 70. •
Wahrnehmung. Ebenso ist erwiesen, daß bei beiden Regimentern zuerst zahlreiche Abteilungen Widerstand leisteten. Dieser Widerstand ließ jedoch nach, als den Kämpfern von Feindesseite her die vertrauten Klänge der Muttersprache ins Ohr tönten und als sie gewahr wurden, Landsleute gegen sich zu haben. Nunmehr ergaben sich große Teile der beiden Regimenter ohne weitere Gegenwehr den Eindringlingen. Die Gesamtverluste am 1. und 2. Juli betrugen bei den drei Bataillonen des IR. 35: 59 Offiziere und 1642 Mann, bei den vier Bataillonen des IR. 75: 54 Offiziere und 2821 Mann. Von diesen Verlusten entfiel ein Teil wohl schon auf die Schlacht vom l.Juli. Die Masse des Abganges bestand jedoch aus Gefangenen, deren das IR. 75 allein 2300 aufwies. Die Legionäre büßten 159 Mann durch Tod und 1000 Mann durch Verwundung ein; sie hatten keinen Gefangenen zurückgelassen.
Rein militärisch betrachtet, wurde der Tag von Zborów durch den bald einsetzenden Gegenstoß der Verbündeten zu einer vorübergehenden Episode in dem gewaltigen Laufbild des Kriegsgeschehens, aber politisch sollte er für Österreich-Ungarn und seine Völker der Schicksal-haftigkeil nicht entraten. Zum erstenmal während des Weltkrieges waren Bürger des Donaureiches gegen dessen Heer in größeren Abteilungen als Mitstreiter des Feindes aufgetreten. Die Nachricht hierüber verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die ganze Welt und fand in allen Lagern ein starkes Echo. Bei den Ententemächten führte sie dem Schlagwort von der Befreiung der „durch Habsburg unterdrückten Völker“ neue Nahrung zu. Bei den Verbündeten Österreich-Ungarns stärkten sie das Mißtrauen in die Widerstandskraft des habsburgischen Heeres und Reiches. In der Donaumonarchie wurde sie am selben Tage in alle Windrichtungen getragen, an welchem dei junge Kaiser seinen wohlgemeinten, später noch zu berührenden Strafnachlaß für politische Verbrechen verkündete. Sie machte tiefsten Eindruck auf die Völker, die in der Treue zum Staate wankten, und rief einen Sturm der Entrüstung unter den unverbrüchlich Treuen hervor. Im Wiener Parlament, das einige Wochen zuvor zum erstenmal wieder zusammengetreten war, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf der bewährte langjährige österreichische Minister für Landesverteidigung, GO. Friedrich Freih. v. Georgi, zurücktrat. Das Heer der heutigen tschechoslowakischen Republik feiert den Tag von Zborów als seinen Geburtstag — nicht zu Unrecht, da erst nach dieser Schlacht Rußlands Widerstand gegen den von Masaryk und seinen Mitarbeitern betriebenen großzügigen Ausbau der tschechischen Legionen völlig schwand.
Der A b w e h r s i e g der Südarmee
(1. bis 3. Juli)
Hiezu Beilage 14
Das Ziel, das sich Gen. Bjelkowitsch, der Führer der russischen 7. Armee, für den l.Juli gesteckt hatte, war, die Mitte der deutschen Südarmee beiderseits von Brzeżany auf beiden Ufern der Złota Lipa zu durchbrechen. Im Verein mit dem auf der Nahtstelle der Südarmee und der k.u.k. 2. Armee über Koniuchy angesetzten Angriff sollten durch einen mächtigen Stoß von Süden her die auf dem östlichen Ufer der Złota Lipa stehenden Teile der Südarmee vernichtet und deren Mitte und Nordflügel zertrümmert werden. Indem 12 km langen Raume vom Orte Szybalin bis zur Popielichahöhe standen in erster Linie das XLI. Korps (113. ID., 5. und 3. TransAmurGrenzwachD., 74. ID.), das
VII. sib. Korps (komb. sib. SchD., 108. ID.), das XXXIV. Korps (19. sib. SchD., 23. ID.), das finn. XXII. Korps (5., 3. und 1. finn. SchD.) und das III. kauk. Korps mit der 52. ID., zusammen etwa zwölf Divisionen. Davon waren zum entscheidenden Angriff gegen die Höhen Dzikie Lany und Łysonia fünf Divisionen sehr tief gegliedert und in sehr schmalen Abschnitten angesetzt. Die 19. sib. SchD. und die 108. ID. standen zunächst in Reserve und sollten erst im Verlauf des Angriffes eingeschoben werden. Die auf den Flügeln der Stoßgruppe eingeteilten Divisionen, die 52. und die 113., hatten offenbar den Auftrag, die Flanken zu sichern und je nach dem Fortschreiten des Angriffs vorzugehen. Als Reserve standen im Raume um Trościaniec die 159. und die 153. ID., bei Rybniki die 108. ID. bereit. Das II. Gardekorps war in der Gegend von Bożyków, das II. Kavalleriekorps bei Nasów und bei Roków als Armeereserve bereitgestellt.
Um 10'hvorm. setzten nach vierstündigem Trommelfeuer die Massenangriffe der 7. Russenarmee gegen die Mitte der Südarmee bei Brzeżany ein. Auf dem linken Flügel weigerte sich die russische 52. ID. zu stürmen. Die an derNarajówka stehende 75. RD. konnte daher ihr Hauptaugenmerk auf die Mitwirkung beim Kampfe der türkischen 20. ID. richten. Die 3. und die 5. finn. SchD., denen in zweiter Linie noch die 1. finn. SchD. und die 159. ID. folgten, drangen auf die Türken ein. Die Stellungen südöstlich der Höhe Popielicha und die Höhen südlich von Mieczyszczów werden wie im Jahre 1916 die Brennpunkte des
Kampfes. An beiden Stellen vermochten die Angreifer in die vordersten Gräben einzudringen. Mit größter Zähigkeit wehrten sich aber die Türken und schlugen in erbittertem Ringen bis zum Sonnenuntergang den Feind aus ihren Stellungen heraus.
Gegen die 15. RD. stürmten Teile der 5. finn. SchD., die ganze
23. ID. und die 19. sib. SchD. vor, vermochten aber die Höhe Obręczowa nicht zu nehmen. Am Nachmittag erneuerten die Russen den Sturm und drangen jetzt in die zerschossenen Stellungen der Deutschen ein; aber an den Gegenstößen der kleinen Reste der Kampfreserven und an den Maschinengewehrnestern der Tiefenzone brach sich der neue Massenangriff. Während die Artillerie stärkstes Feuer hinter den eingebrochenen Feind legte und so das Nachführen russischer Reserven unterband, stellte sich die Divisionsreserve — es waren zwei deutsche Bataillone — zum einheitlichen Gegenangriff bereit und warf den Feind gegen Abend in einem einzigen Anlauf aus den verlorenen Stellungen hinaus. In Auflösung und unter schwersten Verlusten fluteten die Russen die Hänge der Obręczowa zurück.
Noch gewaltiger war der Ansturm gegen die deutsche 24. RD. und gegen den rechten Flügel der nördlich anschließenden, vom GM. Ritt. v. Unschuld geführten k.u.k. 55. Division. In ihrem Bereiche lagen die beiden Schlüsselpunkte für den Durchbruch nach Brzeżany: die Dzikie Lany auf dem westlichen, die Łysonia auf dem östlichen Ufer der Zlota Lipa. Gegen die durch die Wucht des Trommelfeuers in ein Trichterfeld verwandelten Stellungen auf der Dzikie Lany richteten sich die Anstürme des VII. sib. Korps (komb. sib. SchD. und 108. ID.). Auf schmalem Raume, in vielen Wellen hintereinander und mit tiefgestaffelten Unterstützungen dichtauf, bestürmten die Russen dort den rechten Flügel der 24. Reservedivision. Das vorderste Grabensystem bis zur dritten Linie ging verloren, erst an dieser Linie und den dahinter liegenden Stützpunkten brach sich die Wucht des Stoßes. Gegen Abend gelang es dem Feinde jedoch mit Hilfe der frisch eingesetzten 108. ID., auch am Osthang der Dzikie Lany die dort angeklammerten dünnen Linien der 24. RD. trotz tapferer Gegenwehr zu durchstoßen, von dort aus die Stellungen nach Norden aufzurollen und in das Dorf Posuchów einzudringen. Der Gegenstoß der letzten Kampfreserven und zusammengeraffter Reste der Grabenbesatzungen warf die Russen zwar aus dem Dorfe hinaus, doch war mit diesem Einbruch im Tale der Zlota Lipa auch die Behauptung des wichtigen Stützpunktes auf der Dzikie Lany äußerst schwierig geworden.
Noch bedenklicher gestaltete sich die Lage auf dem linken Flügel der Sachsen und auf dem rechten Flügel der nördlich benachbarten k.u.k. 55. ID. im Abschnitt der Höhe Łysonia. Stundenlang hatte dieser Stellungsteil unter einem vernichtenden Hagel schwerer und schwerster Kaliber gelegen. Der erste Graben verschwand unter diesem Feuer völlig, der Lysoniawald verwandelte sich in ein Wirrnis zerfetzter Äste und Baumstämme, an eine Leitung des Kampfes durch die unteren Führer war nicht mehr zu denken. Zur gleichen Stunde wie auf der Dzikie Lany, um 10h vorm., brach auch auf der Łysonia der Sturm der russischen Infanterie los. Die 74. ID. und die 3. TransAmurGrenz-wachD. setzten sich in dichten Massen gegen die stark gelichteten Linien der 24. RD. in Bewegung. Auch hier glückte dem Feind der erste Einbruch. Er setzte sich südlich der Łysonia in den Besitz des ersten und des zweiten Grabens und drang mit Teilen bis in die dritte Linie ein. Nach Norden und Süden einschwenkend, rollte er die anschließenden Abschnitte auf. Ein kräftig geführter Gegenstoß der Divisionsreserve der 24. RD. stellte bis Mittag die Lage wieder her.
Hartnäckiger hielt sich der Feind auf der Łysonia selbst. Dort hatte sich der russische Einbruch auf dem äußersten linken Flügel der
24. RD. und auf dem rechten Flügel des nördlich anschließenden HIR. 308 der k.u.k. 55. ID. bis nahe an den Südrand des Waldes östlich von Brzeżany hin ausgedehnt, wo ihn rasch herbeigeeilte Divisionsreserven zunächst zum Stehen brachten. Ein weiteres Vordringen des Gegenangriffes war aber bei der mehrfachen Überlegenheit der Russen nicht möglich. Blutig und ergebnislos wogte der Kampf in den ersten Nachmittagsstunden hin und her, als gegen Abend ein von frischen Kräften unternommener Massenstoß der Russen den Sachsen die letzten Kampfgräben auf der Lysoniahöhe entriß und sich von dort aus sowohl weiter gegen Südwesten als auch gegen Norden Bahn brach !).
Auf dem Nordflügel des HIR. 308 und vor dem links benachbarten HIR. 309 war zwar das erste Vorgehen der Russen gegen Mittag im Artilleriefeuer der 55. ID. schon an der Ceniówka ins Stocken geraten. Aber gleichzeitig mit dem neuen Angriff gegen die 24. RD., etwa um 6h abends, gingen auch gegen den rechten Flügel der k.u.k. 55. ID. frische Kräfte der Russen vor. Sie durchbrachen die erste Stellung des HIR. 308 und drangen von Südwesten her tief in den Wald östlich von Brzeżany ein. Der Feind entbehrte aber nunmehr der Unterstützung
:) Anspach-Flach, Das Kgl. Sachs. Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 107 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Heft 45, Dresden 1927), 188 ff. u. 399 ff.
durch seine Batterien, die außerstande waren, gegen das ihrer Beobachtung entzogene Kampffeld auf dem Westhang der Łysonia zu wirken, während ebendort die russische Infanterie in dem Bereich unseres gut geleiteten Artilleriefeuers lag. Diesem Umstand sowie der trefflichen Haltung der gegen eine erdrückende Überlegenheit ringenden Honvéd und Sachsen und dem eben noch rechtzeitigen Einsatz der letzten Reserven war der Umschwung zu danken, der bei Brzeżany in den letzten Abendstunden zugunsten der Verteidiger eintrat und den schon nahezu geglückten Durchbruch des Feindes in eine schwere Niederlage für die Russen verwandelte.
Im Hochwald südöstlich von Brzeżany schlossen sich die Trümmer des HIR. 308, versprengte Sachsen, die Regimentsreserve des HIR. 309 und die Divisionsreserve der k.u.k. 55. ID., das Honvédbataillon 1/31, zum Gegenstoß zusammen, warfen mit letzter Kraft die Russen über die dritte Linie und entrissen ihnen im Laufe der Nacht nach blutigen Nahkämpfen den ganzen zweiten sowie den größten Teil des ersten Grabens. Damit war die Lage auf dem rechten Flügel des k.u.k. XXV. Korps wieder völlig hergestellt.
Auf dem linken Flügel der 24. RD., im Abschnitt Łysonia und auf der Dzikie Lany, befanden sich am l.Juli abends noch beträchtliche Teile der ersten Stellung in Feindeshand. Die Truppen des Verteidigers hatten schwer gelitten, die Verbände waren stark durcheinandergemischt; dagegen verfügten die gegenüberliegenden Russen noch über zahlreiche starke Reserven, die bisher nicht eingegriffen hatten, so das II. Gardekorps und einzelne Divisionen des VII. sib. und des XXXIV. Korps. Zwar hatte GdI. Bothmer bereits kurz nach Mittag ein Regiment der 4. ErsD. auf Lastkraftwagen nach Brzeżany in Bewegung gesetzt. Noch mehr Kräfte hinter der Front der Türken wegzuziehen, schien, da auch dort die Angriffe der Russen fortgesetzt werden konnten, nicht ratsam zu sein. Ein Regiment allein konnte aber im Falle eines größeren Durchbruches beiderseits der Złota Lipa nicht genügen, um Schwereres hintanzuhalten. Trotzdem lehnte es GdI. Bothmer im Vertrauen auf die Kampfkraft seiner Truppen ab, die Verteidigung in eine am Nordrand des Waldes Łysonia und bei den Ortschaften Posuchów—Olchowiec vorbereitete hintere Stellung zurückzunehmen.
Obgleich Brussilow der 7. Armee befohlen hatte, die Angriffe fortzusetzen, beschränkte sie sich der Südarmee gegenüber am 2. Juli im wesentlichen darauf, die gewonnenen Stellungen zu behaupten. Die schwere Erschöpfung nach der blutigen Schlacht des Vortages verbot den Russen die Wiederaufnahme des Kampfes. Bei der türkischen
20. Division und der 15. RD. kam es überhaupt nicht mehr zu Infanteriekämpfen. Die feindliche Artillerietätigkeit nahm allmählich wieder die Stärke des gewohnten Störungsfeuers an. Auf der Dzikie Lany und der Łysonia war die Lage dagegen noch nicht dazu angetan, die Kampftätigkeit sofort ruhen zu lassen.
Frühzeitig begann am 2. Juli die deutsche und die öst.-ung. Artillerie mit der planmäßigen Beschießung der Stellungsteile, die sich noch in Feindeshand befanden. Die auf der Łysonia zusammengewürfelten Bataillone der 24. und der 15. RD. sowie der 241. ID. entrissen dem Feinde in zähem Grabenkampfe beträchtliche Teile der zweiten und der ersten Linie. Auch auf der Dzikie Lany begann bereits gegen Mittag die Wiedereroberung des verlorenen Geländes. Hier gelang es bis zum Abend, die zweite und die erste Linie fast vollständig wieder zu nehmen; nur auf dem Osthang des Berges verblieb ein ziemlich ausgedehnter Stellungsteil in Feindeshand.
Wenn auch der feindliche Angriff gegen die Südarmee am 2. geruht hatte, so mußte doch mit dessen Fortsetzung gerechnet werden. Um die 24. RD. zu entlasten und die außerordentlich schwierigen Kampfverhältnisse auf der Łysonia unter gemeinsame Leitung zu bringen, entschloß sich GdI. Bothmer am 2. abends, den Abschnitt zwischen der Złota Lipa und der Straße Brzeżany—Kozowa dem Kommandanten der 241. ID., GM. Fortmüller, zu unterstellen.
Die Nacht auf den 3. Juli verlief verhältnismäßig ruhig. Dagegen kam es am darauffolgenden Tag auf der Dzikie Lany und der Łysonia zu neuen heftigen Kämpfen. Auf der Dzikie Lany stieß der fortgesetzte deutsche Angriff auf den Gegenangriff der neu eingesetzten russischen 153. ID. und rang sich am Osthang des Berges nur ein Stück vor. Auf der Höhe selbst wurden auch die letzten Reste des ersten Grabens endgültig vom Feinde gesäubert. Auf der Łysonia nahm der blutige, erbitterte Nahkampf im Trichterfeld seinen Fortgang. Schweres Artilleriefeuer lag den ganzen Tag über auf dem linken Flügel der 24. RD. und dem rechten der k.u.k. 55. Division. Ein starker russischer Angriff auf der Łysonia wurde in den Nachmittagsstunden abgewiesen. Der Tag endigte mit der Wiederherstellung einer zusammenhängenden Front, deren Verlauf im wesentlichen der ehemaligen vordersten Verteidigungslinie folgte.
Die Schlacht von Brzeżany konnte mit dem 3. Juli als abgeschlossen betrachtet werden, denn die nächsten Tage brachten keine größeren
Gefechte mehr. Die Armee Bothmer hatte einen vollen Abwehrsieg erfochten, dessen Bedeutung bald klar zutage treten sollte. Sie hatte die Stoßkraft der bei weitem stärkeren Offensivgruppe des Feindes gebrochen und dadurch aufs wirksamste den Schlag vorbereitet, zu dem die Heeresgruppe Böhm-Ermolli bereits auszuholen begann.
Die blutigen Verluste der Russen gegenüber der Südarmee in den bisherigen Kämpfen wurden auf 40.000 Mann geschätzt, darunter 13.000 durch Tod. Auch die Verteidiger hatten schwer gelitten. Sie verloren vom 29. Juni bis zum 5. Juli bei den deutschen Truppen der Südarmee 33 Offiziere und 834 Mann durch Tod, 80 Offiziere und 2607 Mann durch Verwundung; 28 Offiziere und 1862 Mann waren vermißt. Bei den öst.-ung. Truppen waren 8 Offiziere und 328 Mann gefallen, 37 Offiziere und 1876 Mann verwundet, 77 Offiziere und 2230 Mann vermißt; bei den Türken 8 Offiziere und 528 Mann tot, 37 Offiziere und rund 1900 Mann verwundet, kein Offizier und nur 53 Mann vermißt1).
Voll Vertrauen und stolz auf den schwer erkämpften Sieg sahen die verbündeten öst.-ung., deutschen und türkischen Truppen der Südarmee neuen Kämpfen entgegen.
Stocken des russischen Angriffes gegen die Südarmee und den Abschnitt Złoczów '
(4. bis 8. Juli)
Auf dem Schlachtfelde von Brzeżany dauerten die blutigen Nahkämpfe auf der Dzikie Lany noch mehrere Tage hindurch an. Vor allem wurde urn ein Russennest auf dem Osthang erbittert, aber ergebnislos gerungen. Die Russen setzten dort in kurzem Wechsel nacheinander frische Divisionen ein, wohl um ihre ungünstige, am steilen Hang klebende Stellung auf die Höhe vorzuschieben. GdI. Bothmer warf Teile der 4. ErsD. in den Kampf, um dem Feinde den letzten Geländegewinn, der noch in seiner Hand geblieben war und der ihm als Ausgangspunkt für weitere Unternehmungen dienen konnte, wieder zu entreißen. Die Bataillone der 4. ErsD. stießen am 5. Juli auf einen starken Angriff der neu eingesetzten russischen 3. GID., der zwar zum Stehen gebracht wurde, aber auch der Angriffstätigkeit der Deutschen bis auf
1j An Beute verzeichnete die russische 7. Armee am 1. Juli abends 23 Offiziere, 1214 deutsche, 577 öst.-ung. und 191 türkische Mannschaftspersonen als Gefangene.
weiteres ein Ziel setzte. Die endgültige Säuberung des Russennestes auf der Dzikie Lany mußte einem sehr gründlich vorzubereitenden, zusammengefaßten Angriff der 4. ErsD. Vorbehalten bleiben, die am 7. Juli den bisherigen Abschnitt der 24. RD. übernahm. Die letztgenannte sollte wegen ihrer schweren Verluste an die ruhige Narajówka-front verlegt werden.
Auch auf der Łysonia war der Kampf noch nicht völlig zu Ende. Die Russen hielten sich mit kleinen, aber tapferen Besatzungen, die aus dem Ceniówkatal immer wieder aufgefrischt wurden, im Trichterfeld des bewaldeten Südhanges der Lysoniahöhe. Handgranaten- und Bajonettkämpfe dauerten mit geringen Unterbrechungen an, führten beiderseits zu empfindlichen Verlusten und zermürbten in Verbindung mit der inzwischen eingetretenen schlechten Witterung zusehends die schon hart mitgenommenen Truppen der 241. Division. GdI. Bothmer beschloß daher, auch auf der Łysonia zu einem gründlich vorzubereitenden Angriff zu schreiten und die Russen vom Westufer der Ceniówka zu vertreiben, das ihnen schon wiederholt als Ausgangsstellung für geglückte Angriffe gedient hatte. Als Zeitpunkt wurde der 15. Juli, der Tag des voraussichtlichen Beginnes der im Abschnitt Złoczów in Zurüstung befindlichen Gegenoffensive ins Auge gefaßt. Das Unternehmen auf der Łysonia und die Vorbereitungen dafür konnten dann gleichzeitig die Aufmerksamkeit des Feindes von der gewählten Hauptangriffsstelle ablenken.
Indessen hatte es noch keineswegs den Anschein, als ob die Russen auf die Erneuerung ihrer Angriffe bei Brzeżany verzichtet hätten. GdI. Bothmer wies denn auch am 5. Juli ausdrücklich auf die Notwendigkeit neuer Abwehrmaßnahmen hin. Er war der Auffassung, daß sich die russische Heeresleitung bei Brzeżany noch nicht geschlagen geben dürfe, wenn sie ihr mühsam behauptetes Ansehen nicht aufs schwerste gefährden wollte. Das Auftreten des russischen II. Gardekorps südlich von Brzeżany, zahlreiche Feuerüberfälle der russischen Artillerie und die stets wiederkehrenden Abhorchmeldungen über beabsichtigte Angriffe schienen die Anzeichen eines bevorstehenden neuen russischen Schlages bei Brzeżany zu sein. Alit allem Nachdruck wurde daher die Bekämpfung der unvermindert starken feindlichen Artillerie fortgesetzt. Die Bahnhöfe von Kozowa und Krzywe wurden mit schwerem Flachfeuer belegt. Dabei gelang es am 8. Juli einem deutschen
24 cm-Geschütz, die großen Munitionslager bei Kozowa zur Explosion zu bringen, die, wie sich später zeigte, fast völlig vernichtet wurden.
Feuergarben und Rauchwolken waren die ganze Nacht hindurch und an den folgenden Tagen deutlich sichtbar.
Da die Schlacht bei Brzeżany und die anschließenden Kämpfe die Reserven Bothmers, die 4. ErsD. und die 241. ID., völlig aufgebraucht hatten, bedeutete es eine wesentliche Entlastung für die Südarmee, daß ihr vom Oberkommando Ost das Eintreffen der aus Siebenbürgen heranrollenden 8. bayr. RD. in der zweiten Juliwoche bei Rohatyn in Aussicht gestellt wurde.
Zunächst setzte die russische 11. Armee alles daran, um ihren Erfolg gegen die k.u.k. 2. Armee weiter auszubauen. Schon am 4. und am 5. Juli wurden Truppenansammlungen hinter der russischen Front im Raume nördlich der Linie Kuropatniki—Olesin erkannt. Aufgefangene Funksprüche ergaben außerdem die Anwesenheit des russischen
I. Gardekorps in der Gegend von Zborów, wohin es von Tarnopol aus gezogen worden war1). Am 6. Juli holte die 11. Russenarmee unter Einsatz dieses Korps westlich und südwestlich von Zborów neuerdings zu einem Schlage gegen die k.u.k. 2. Armee aus. Der Angriff zerschellte unter schweren Verlusten für die Russen an dem Widerstand der deutschen Divisionen 223 und 96, die im Abschnitt Złoczów frisch eingesetzt worden waren.
Der Kommandant der Südarmee, GdI. Bothmer, hatte sich mittlerweile zu einer gründlichen Umgruppierung seiner Streitkräfte entschlossen, um für die Abwehr allfälliger neuer Angriffe, die in erster Linie südlich von Brzeżany zu erwarten waren, gerüstet zu sein. Vor allem sollte die noch völlig frische 75. RD. in die Gegend von Brzeżany als Armeereserve gezogen werden, um dort je nach der Entwicklung der Lage zur Abwehr oder zur Mitwirkung bei dem geplanten Angriffsunternehmen auf der Łysonia zur Hand zu sein. Den Abschnitt der 75. RD. sollte die 53., deren Abschnitt die 24. RD. übernehmen.
Während diese Umgruppierung innerhalb der Südarmee eingeleitet wurde, schuf ein Durchbruch der Russen durch die k.u.k. 3.Armee südlich vom Dniester bei Stanislau eine neue, unerwartete und auch nicht unbedenkliche Lage2).
J) Lt. L. d. R. Emil Popper des IR. 83 erhielt für ein erfolgreiches Erkundungsunternehmen bei Batków, das wichtige Nachrichten über den bevorstehenden russischen Angriff ergab, und für eine im Jahre 1916 als Fähnrich vollbrachte ordenswürdige Tat das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.
2) Armee-Oberkommando der Kaiserlich Deutschen Südarmee, Der Feldzug Ln Ostgalizien 1917 (Ostgalizische Feldzeitung 1918).
Die Schlacht bei Stanislau—Kałusz
(6. bis 16. Juli)
. Hiezu Beilage 15
Einleitung der Angriffe der 8. Russenarmee
(6. und 7. Juli)
Mit dem neuen, schweren Fehlschlag, den die russische 11. Armee am 6. Juli bei Zborów getan hatte, brach die Angriffskraft der Russen gegen die k.u.k. 2. Armee endgültig zusammen. Aber noch gaben die Russen ihren Offensivgedanken nicht preis, sie verlegten nur seine Durchführung auf einen anderen Schauplatz.
Am 6. Juli, am selben Tage, da die Russen zum letztenmal die k.u.k. 2. Armee bestürmten, trat die russische 8. Armee bei Stanislau zum Angriff an. Hierzu hatte Gen. Kornilow das sechs Divisionen starke
XII. Korps (H., 19., 56., 117., 164. ID., 1. TransAmurGrenzwD.) und auch starke Kavallerie (3. kauk. KosD., kauk. Einheimische KosD.) bereitgestellt, um auf Kalusz durchzubrechen Gen. Komilows Angriffsplan ging offenbar dahin, die Front der k.u.k. 3. Armee beijamnica auseinanderzusprengen, in die Niederung des Pawełczebaches einzudringen und die Höhe Jutrena góra von Norden her zu umfassen. Gleichzeitig hatte eine zweite Angriffsgruppe beiderseits der Straße Stanislau—Majdan durchzustoßen und die Jutrena góra von Süden her anzugreifen. Teilvorstöße des XXXIII. Korps (2. und 4. TransAmurGrenzwD.) im Dniestertale und des XVI. Korps (41., 47., 160. ID., 7. und 9. KD.) auf den Ausläufern der Karpathen sollten den Hauptangriff unterstützen1).
Der Kommandant der k.u.k. 3. Armee. GO. Tersztyánszky, rechnete schon seit längerem mit einem russischen Angriff rittlings der Straße und Bahn Stanislau—Kalusz, möglicherweise auch längs der beiden von Nadworna über Krasna nach Dolina führenden Straßen, weil die Russen bei Stanislau wie bei Solotwina schon auf dem westlichen Ufer der Bystrzyca Sołotwińska im Besitze von günstigen Ausfallsstellungen waren. Es war anzunehmen, daß die .Russen den Hauptschlag in der Stoßrichtung Stanislau—Kalusz führen würden. Als Reserven des Heeres*) Martinów, Kornilow (Versuch eines militärischen Umsturzes) (in russischer Sprache, Moskau 1927), 23 f. — K n o x, II, 627 f. — Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin, 117. — Zajontschko wskij, Feldzug 1917, 70.
gruppen- und des 3. Armeekmdos. waren die deutsche 83. ID., GLt. Stumpff, und die k.u.k. 16. ID., GM. Adalbert Kaltenborn, hinter der nunmehr XXVI. Korps benannten Gruppe Hadfy im Raume östlich von Kalusz bereitgestellt. Um auch die Zugangswege nach Dolina zu sichern, hatten das XIII. Korps x) und die dem 3. Armeekmdo. unmittelbar unterstehende 5. ID., GM. v. Felix, den größeren Teil ihrer Reserven um Rosulna versammelt. In der Front der 3. Armee standen somit auf einer Breite von rund 100 Kilometern vier öst.-ung. Infanteriedivisionen (5. ID., 42. HID., 36. und 15. ID.) und die durch ein deutsches Landsturmregiment verstärkte öst.-ung. 2. KD. zur Abwehr bereit.
Das Stellungssystem der 3. Armee ist aus der Beilage 15 ersichtlich. Im Abschnitt westlich von Stanislau bildete die Höhenlinie der Jutrena góra einen natürlichen starken Stützpunkt auf dem rechten Flügel des k.u.k. XXVI. Korps. Von hier aus konnte die von Stanislau nach Kalusz führende Bahn und Straße gesperrt werden. Aber gerade dieser Teil war die Achillesferse der Armeefront, weil hier die erste Stellung am Fuße des sich stetig abflachenden Osthanges verlief und von der am östlichen Ufer liegenden Höhe Ścianka, wo viele feindliche Batterien Stellung genommen hatten, flankierend beherrscht wurde. Es hatte nicht an Stimmen gefehlt, die sehr bald auf diesen Übelstand hinwiesen. Um diesem Abschnitte eine erhöhte Widerstandskraft zu verleihen, wurde die zweite Stellung in zwei Linien, die eine auf der Kammlinie der Jutrena góra und die andere auf der Hochfläche von Dumka angelegt. Auch GO. Tersztyánszky erkannte die diesem Abschnitt anhaftenden Mängel. Er beschloß daher schon anfangs Mai, die vorderste Kampfstellung der 15. ID. auf den halben Osthang der Jutrena góra zurückzuverlegen. Wegen der geringen Arbeitskräfte schritt aber der Bau der neuen Stellung nur langsam vorwärts. Sie war zu Beginn der Kämpfe anfangs Juli noch nicht fertig. Nach dem Ausbau der neuen Stellung wäre auch eine zweckmäßigere Aufstellung der Artillerie der 15. ID. möglich gewesen, die zum größten Teil knapp hinter der Kammlinie der Jutrena góra eingebaut werden mußte, weil auf dem flach verlaufenden und von den Russen eingesehenen Osthang keine verdeckten Räume für Battenestellungen vorhanden waren. Westlich der Jutrena góra in der Niederung des Pawelczebaches konnten die Batterien nicht auffahren, weil der Geschützertrag nicht ausgereicht hätte, um noch die feindliche
1j Das XIII. Korps führte seit deďn 23. Juni FML. Schenk, der bisherige Kommandant des am Isonzo stehenden XXIII. Korps, der seinen Dienstposten mit dem FML. v. Csicserics getauscht hatte.
Artillerie bekämpfen zu können. Auch hätten die Flachbahngeschütze den steilen Westhang der Jutrena góra nicht überschießen können. So blieben trotz erkannter Mängel die Stellungen der 15. ID. unverändert1).
Während die Schlachten bei der k.u.k. 2. und bei der Südarmee entbrannten, verfolgte GO. Tersztyánszky mit gespanntester Aufmerksamkeit die Angriffsvorbereitungen der Russen gegenüber der k.u.k.
3. Armee. Die 8. Russenarmee schob Kräfte auf ihrem Nordflügel zusammen. Schon am 2. Juli erreichte die aus den Karpathen herangezogene russische 11. ID. Stanislau. Die 3. kauk. KosD., bisher vor dem Südflügel der 5. ID. in Stellung, wurde in den ersten Julitagen durch die 9. KD. abgelöst und gleichfalls nach Norden verschoben. In Delatyn tauchte am 5. Juli die russische 7. KD. auf, die bald nach Nadworna rückte. Alle diese Bewegungen konnten durch abgehorchte feindliche Funksprüche und durch Aufklärungsflieger einwandfrei festgestellt werden. Zudem ließen die Zunahme des Feuers der feindlichen Artillerie, der Bau von Stegen über die Bystrzyca Solotwińska sowie das Vortreiben von Sappen beiderseits der Stanislauer Straße keinen Zweifel darüber bestehen, daß hier alsbald der russische Angriff einsetzen werde. Als jedoch am 6. Juli wachsende Kanonade die beginnende Schlacht ankündigte, verfügten weder GO. Tersztyánszky noch FML. Hadfy hinter dem am meisten bedrohten Abschnitt bei Stanislau über eine geschlossene Reserve, denn sie hatten die Regimenter und Bataillone der deutschen 83. und der k.u.k. 16. Division einzeln an die Front des XXVI. Korps herangezogen. Die zerstreute Gruppierung der Korps-und Armeereserven ist aus der Beilage 15 ersichtlich. Zwei Bataillone des deutschen IR. 330 befanden sich seit dem 2. Juli bei der Südarmee in Bursztyn und waren am 6. noch nicht eingerückt. Der größere Teil der Artillerie der 83. ID., sechs Batterien, war bei der 2. KD. eingesetzt. Alles in allem waren von der 83. ID., der bisherigen Heeresgruppenreserve, nur mehr zwei Bataillone des IR. 329 mit dem Divisionsstab im Raume südlich von Sapanów verfügbar. Die neu angekommene k.u.k. 16. ID., die an der zehnten Isonzoschlacht teilgenommen und viel an Gefechtskraft eingebüßt hatte, zählte nur neun Bataillone, ihre Artillerie war auf der Karsthochfläche von Comen zurückgeblieben.
Am 6. Juli vor Morgengrauen überfielen die Russen im Bereiche des XIII. Korps bei Lachowce die Feldwachenlinie der kroatischen 42. HID., GM. Mihaljevic; die Vorposten räumten befehlsgemäß ihre Stellungen. Als der Angreifer weiter vorstieß, erfaßte Abwehrfeuer aus Kiszling, Sommerfeldzug 1917.
Geschützen und Maschinengewehren seine Bataillone und brachte sie unter starken Verlusten noch vor den Hauptstellungen der „Domobranzen-division“ zum Stehen. Aber nicht dort, sondern gegen den Südflügel des XXVI. Korps ballte Kornilow seine Kräfte zum vernichtenden Schlage. Von 7h früh an lag das Feuer der russischen Artillerie auf den Höhen westlich von Stanislau. Nachdem die russischen Kanoniere bis um 1h nachm. die Stellungen, die Verbindungsgräben und die Batterien der 15. ID., GM. Adolf v. Aust, beschossen hatten, begannen beiderseits der Stanislauer Straße größere Erkundungsvorstöße der feindlichen Infanterie, die von dem Verteidiger abgeschlagen wurden. Doch hatte das IR. 65 bei Jamnica nicht unerhebliche Verluste erlitten. FML. Hadfy verstärkte hierauf den Nordflügel der 15. ID. durch ein Bataillon seiner Korpsreserve. Auch GO. Böhm-Ermolli sorgte für eine Verstärkung des bedrohten Abschnittes bei Stanislau. Er stellte die beiden bei Sapanów stehenden Bataillone des deutschen IR. 329 dem 3.Ar-meekmdo. zur Verfügung. Außerdem sandte er den Rest der 83. ID., das IR. 330, von Bursztyn über den Dniester nach Majdan, wohin im Aufträge des GO. Tersztyánszky von der Armeereserve das IR. 2 der 16. ID. mit dem Stabe der 31.IBrig., Obst. v. Spiess, zu rücken hatte.
Am 7. Juli versuchten Abteilungen des XVI. Russenkorps vergeblich, aus dem Quelltal der Bystrzyca Solotwińska die Feldwachen der
5. ID. anzugreifen. Ein dort um 10h abends sich wiederholender Vorstoß wurde vom tapferen schlesischen IR. 1 abgewiesen. Im Abschnitte bei Stanislau richtete die feindliche Artillerie wiederum Zerstörungsfeuer auf die Stellungen der 15. Division. Nach neuerlichen Erkundungsvorstößen kam es am Nachmittag zu einem größeren Angriffsunternehmen des russischen XII. Korps. Der stärkste Druck galt dem Stellungsteil bei Jamnica. Hier drangen die Russen an mehreren Stellen ein, wurden aber nach kurzer Zeit von den Besatzungstruppen (IR. 65 und Teile des deutschen IR. 331) aus den Gräben hinausgeworfen. Die Stellungen der
15. ID. hatten jedoch durch die Beschießung bereits stark gelitten. Bei Jamnica waren die vordersten Gräben in ein Trichterfeld verwandelt. Die Verluste hatten bedenklich zugenommen und die Truppen waren durch den zweitägigen Kampf erschöpft. Drei Russendivisionen waren jetzt gegenüber dem Südflügel des k.u.k. XXVI. Korps einwandfrei festgestellt, die 19. bei Jamnica, die 11. bei Stanislau und die 117. bei Zagwożdż. GM. Aust bat um Verstärkungen. GO. Tersztyánszky sandte ihm ein Bataillon des deutschen IR. 330, das eben von der Südarmee nach Majdan eingerückt war.
Der Verlust der Jutrena góra (8. bis 9. Juli)
In der Nacht auf den 8. Juli hielt das feindliche Zerstörungsfeuer gegen die Stellungen der 15. ID. mit kurzen Unterbrechungen an. Im Morgengrauen drangen Stoßtrupps der russischen 19. ID. im überraschenden Angriff gegen Jamnica vor, vermochten aber den hartnäckig verteidigten Ort dem IR. 65 nicht zu entreißen. Nördlich von Jamnica mußten Teile der Korpsreserve, das deutsche Bataillon 11/331, eingesetzt werden, um die in die deutschen Gräben eingebrochenen Russen herauszuschlagen. Während bei Jamnica erbittert mit Bajonett und Handgranaten gekämpft wurde, sammelten sich beiderseits der Stanislauer Straße, dicht vor den zerschossenen Stellungen der Regimenter 66 und
5, die Angriffstruppen der 11. und der 117. Russendivision in den vorgetriebenen Sappen zum Angriff.
Um 10hvorm. steigerte sich das russische Geschützfeuer plötzlich auf der ganzen Front der 15. ID. zu größter Gewalt. Jamnica und Uhrynów dl. wurden durch Steilfeuer heimgesucht, die Höhe Jutrena góra — sie beherrschte die nach Kalusz führende Straße und die Eisenbahnlinie — wurde von schweren Geschossen zerwühlt. Die Bereitschaftsräume der Reserven und die Batteriestellungen bei Pawelcze wurden vergast.
Um 10h 30 vorm. erhoben sich die Angriffsdivisionen des XII. Russenkorps unter dem jungen Revolutionsgeneral Tscheremisow zum Sturm. In dichten Massen wälzte sich die mehrfache feindliche Übermacht gegen die vom Trommelfeuer zermürbten Bataillone der 15. ID. heran. Jamnica wurde von der russischen 19. ID. wütend angefallen und diesmal im ersten Anlauf genommen. Das Bataillon 1,60, das FML. Hadfy von seiner Korpsreserve dicht hinter den Kampfabschnitt des IR. 65 vorgeschoben hatte, wurde von den tief in die Niederung des Pawelczebaches einbrechenden Russen umgangen und von der feindlichen Übermacht überwältigt. Auch die in der Mitte und am Südflügel der 15. ID. stehenden Regimenter 66 und 5 waren mittlerweile von den beiderseits der Stanislauer Straße vorstoßenden Russen der 11. und der 117. Division durchbrochen worden. Wohl versuchten hier die Verteidiger im Verein mit Teilen des deutschen IR. 330, den Feind aus den verlorenen Stellungen herauszuschlagen. Allein der Gegenangriff wurde von den neu einbrechenden russischen Massen von Süden gefaßt und der ganze rechte Flügel Hadfys aus der ersten Stellung zwischen Jamnica und Zagwożdż in die zweite Stellung auf der Höhenkante zu beiden Seiten der beherrschenden Jutrena góra zurückgeworfen. Nur eine tapfere Gruppe des IR. 60 klammerte sich noch trotzig an das Westufer der Bystrzyca Sołotwińska, bis sie, von den ringsum flutenden Massen des Angreifers völlig eingeschlossen, im ungleichen Kampfe erlag.
Immer tiefer drang unterdessen der Stoß der 19. Russendivision in die Niederung des Pawelczebaches. Der Russe umfaßte die Jutrena góra von Norden, er überschwemmte die Westhänge des Bystrzycatales und erreichte die zweite Stellung am Höhenrand. Die im Raume des Ortes Pawelcze stehenden Batterien, die wegen des schnellen Einbruches der Russen zum größten Teil nicht mehr zurückgenommen werden konnten, fielen in Feindeshand.
Gegen Mittag waren die Trümmer der 15. ID. im aufgelösten Rückzug über die Niederung des Pawelczebaches gegen Westen. Die erste Stellung und die erste Linie der zweiten Stellung westlich von Stanislau und die Jutrena góra, der Hauptstützpunkt des rechten Flügels des k.u.k. XXVI. Korps, befanden sich in der Hand des Feindes. GM. Aust mühte sich, mit den Trümmern seiner Division und mit den herbeieilenden Reserven an den östlichen Waldrändern der Hochfläche von Dumka eine neue Front zu bilden und die heftig nachdrängenden Russen am weiteren Vorwärtskommen zu verhindern.
Das deutsche IR. 331 war durch den feindlichen Durchbruch bei Jamnica in eine sehr bedrängte Lage gekommen. Es mußte, von Umfassung bedroht, Front gegen Süden nehmen und ging dann auf die Höhenränder westlich von Cięzów zurück. Auf dem äußersten linken Flügel des k.u.k. XXVI. Korps nahm die 2. KD., GM. Freih. v. Abele, vor schwächeren russischen Begleitangriffen ihre Feldwachen in die Hauptstellung westlich von Jezupol zurück. GM. Abele zog seine Reserven hinter dem rechten Flügel zusammen, der im Anschluß an das deutsche IR. 331 in die zweite Stellung zurückgenommen werden mußte. Der rechte Nachbar der durchbrochenen 15. ID., die 36. ID., GM. Nöhring, behauptete seine vordersten Linien an der Bystrzyca Sołotwińska. Nur seinen linken Flügel mußte GM. Nöhring wegen des feindlichen Durchbruches auf die Höhen von Posiecz zurückbiegen. Schwache Reserven des XIII. Korps und der 36. ID. brachen um 4h nachm. in wirksamer Richtung gegen Uhrynów gm. zum Gegenangriff vor, kamen aber schon im Raume südlich von Rybno zum Stehen. Auch der Einsatz eines weiteren Bataillons der 36. ID. brachte keinen Erfolg1).
Hätte der Russe nach dem Durchbruch der ersten und zweiten Stellung den Angriff rasch weiterzuführen vermocht, so hätten ihm wohl die in zusammenhanglosen Gruppen aufgelösten Verbände der 15. ID. und die verstreut in die zurückweichende Front eingesetzten Reserven den Weg über die Hochfläche von Dumka und über die dort vorbereitete zweite Linie der zweiten Stellung nicht verlegen können. Aber die Russen hatten hohen Blutzoll gezahlt und lagen beutemachend auf den eroberten Hängen westlich der Bystrzyca Sołotwińska. Nur schwächere Kräfte folgten vorsichtig dem zurückgeschlagenen Gegner in die ungeheuren Wälder, die sich nördlich und südlich von Dumka ausbreiten.
Der in Verwirrung gebrachte Verteidiger vermochte das Schwächemoment des Angreifers unmittelbar nach erfolgtem Einbruch nicht auszunützen. Wohl hatte der Kommandant des XXVI. Korps, FML. Hadfy, schon auf die erste Kunde vom Einbruch der Russen vier Bataillone der deutschen 83. ID., die ihm GO. Tersztyánszky zur Verfügung gestellt hatte — es war der Rest der Heeresgruppenreserve — dem GM. Aust mit dem Aufträge überwiesen, die verlorenen Stellungen zurückzu-e robe m. Als dieser Befehl erging, waren aber bereits zwei Bataillone über die auf der Hochfläche von Dumka vorbereitete Stellung bis an den Waldrand westlich der Pawelczeniederung vorgezogen und dort in den Kampf verwickelt worden. GM. Aust gebot daher nur über zwei Bataillone der 83. Division. Da auch die wenigen Batterien, die sich aus dem Getümmel hatten retten können, wegen ihres Stellungswechsels vorläufig nicht eingreifen konnten, schien ein Gegenangriff auf die verlorenen Stellungen aussichtslos. Es kam dem GM. Aust daher zunächst nur darauf an, die Trümmer seiner Division und die eingeschobenen Reserven zu neuer Abwehr zu ordnen.
GO. Tersztyánszky ließ jedoch auf die Nachricht, daß die Jutrena góra verloren sei, um 2h 30 nachm. an den GM. Aust den Befehl ergehen, den Gegenangriff unverweilt durchzuführen. Er überwies ihm das nach Majdan herangezogene IR. 2 der 16. ID. mit dem Stabe der 31.IBrig. und sandte noch weitere Teile seiner Armeereserve in die vorbereitete Stellung auf der Hochfläche von Dumka. Auch stellte er
*) Von einem Mitkämpfer, Aus den Kämpfen des k.u.k. Infanterieregiments Nr. 52 in der Schlacht bei Stanislau, 6.—8. Juli 1917 (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1934, Juli/Augustheft).
den Kampfabschnitt nördlich der Bahnlinie unter die Leitung des Führers der S3. ID., GLt. Stuinpff. Die gefahrdrohende Lage rief den Armeekommandanten an die Kampffront. Er fuhr nach Majdan, dem Standorte des 15. IDKmdos., wohin sich auch der Korpskommandant, FML. Hadfy, begeben hatte, und stieg selbst in einem Fesselballon auf, um Einblick auf das Schlachtfeld zu gewinnen.
Während sich auf dem eingedrückten rechten Flügel Hadfys im Laufe des Nachmittags drei ziemlich zusammenhanglose Gruppen —es waren dies Reste der 15. ID. und einzelne deutsche Kompagnien unter dem Oberstbrigadier Gombos bei Hucisko, dann Teile der 83. und. der
16. ID. unter GM. Aust an der Straße nach Stanislau und schließlich das deutsche IR. 331 mit Trümmern des k.u.k. IR. 65 unter dem deutschen GM. Georgi — im Raume nördlich der Eisenbahn zum einheitlich gedachten Gegenangriff bereitstellten, rüstete Tscheremisow zum neuerlichen Ansturm. Er gruppierte starke Kräfte seines XII. Korps zwischen Jamnica und Cięzów, offenbar, um über die von den Deutschen besetzte Höhe Płóski in das Tal der Łukowica einzubrechen. Auch führten die Russen schon am Nachmittag auf der Straße von Stanislau starke Kavallerie gegen die Hochfläche von Dumka zur Verfolgung vor.
Die mittlerweile bei Dumka zum Gegenangriff auf die Jutrena góra bereitgestellte Gruppe Obst. Spiess (Teile der 16. und der 83. ID.) wartete indessen ab, bis der Rest der Artillerie der 15. ID., sechs Batterien, das Feuer eröffnen konnte. Auch wurden die Linien des XXVI. Korps noch im Laufe des Nachmittags von russischen Vortruppen angegriffen. Erst gegen $h abends schritt Obst. Spiess mit vier Bataillonen die Stanislauer Straße entlang zum Gegenangriff. Die russischen Vortruppen wurden zurückgedrängt, die Niederung des Pawelczebaches überschritten und der steile, bewaldete Westhang der Jutrena góra erstiegen. Unterdessen war aber der Nordflügel des XII. Russenkorps gegen das deutsche IR. 331 nördlich der Bahnlinie vorgegangen und nach heftigem Ringen in die deutschen Linien eingebrochen. Im Hinblick auf die Bedrohung von Norden her brach die Gruppe Spiess den aussichtslosen Kampf ab und ging auf die Hochfläche von Dumka zurück.
Nicht besser erging es der am Südflügel der 15. ID. aus den Trümmern dieser Division und aus einzelnen Kompagnien der 83. ID. gebildeten Gruppe Obst. Gombos. Sie schloß sich trotz der großen Erschöpfung der Truppen dem Vorgehen der Gruppe Spiess an, vermochte aber nicht, bis über die Niederung des Pawelczebaches vorzudringen. Im weiteren Verlauf des Kampfes, der sich bis in die Nacht hinein fortsetzte, gelang es den Deutschen, die nördlich der Bahnlinie in ihre Gräben eingedrungenen Russen zurückzuwerfen.
Als der Heeresgruppenkommandant, GO. Böhm-Ermolli, von dem unglücklichen Ausgang des Kampfes Kenntnis erhielt, war er sehr besorgt, daß die 2. KD. von den Russen in den Dniester geworfen, die
3. Armee von der Südarmee abgedrängt und Bothmer von Süden her überflügelt werden könnte. Um Halicz und die wichtigen Höhen südlich dieser Stadt behaupten zu können, empfahl er noch am 8. Juli dem GO. Tersztyánszky, das IR. 31 der 16. ID. aus dem Raume östlich von Kalusz nach Wiktorów zu verschieben und den linken Armeeflügel mit allen noch verfügbaren Kräften zu verstärken. GO. Tersztyánszky unterstellte dem Führer der 83. ID., GLt. Stumpff, den ganzen Abschnitt von der Bahnlinie bis zum Dniester und sandte ihm neben dem IR. 31 noch das Armeesturmbataillon als Verstärkung. Das Bataillon 1/62, der Rest der Armeereserve, wurde als Rückhalt für das XXVI. Korps nach Majdan vorgezogen. Um den großen Geschützverlust der 15. ID. wieder halbwegs wettzumachen, mußten die 38. HID. der Südarmee mit zwei und das XIII. Korps mit vier Batterien aushelfen.
Schon am 9. Juli früh gab GO. Tersztyánszky Weisungen für die Zurücknahme der 3. Armee auf das westliche Ufer der Łomnica und in eine von Nowica südwärts bis zur Höhe Kosmarka góra verlaufende Linie für den Fall aus, als die Stellungen auf der Hochfläche östlich des Lukawicabaches nicht gehalten werden könnten. Der Rückzug war aber erst auf ausdrücklichen Befehl des Armeekmdos. und unter dem Schutze der Nacht anzutreten. Noch aber hoffte GO. Tersztyánszky, daß das XXVI. Korps in den jetzt bezogenen Linien weiteren Widerstand leisten werde. Er* war der Auffassung, daß der Feind seinen Angriff erst am 10. Juli wieder aufnehmen werde, und ließ sich daher von seinen Unterführern über die Aussichten der Abwehr an diesem Tage Meldung erstatten.
Das XIII. Korps und die 5. ID. berichteten, daß sich die Truppen in sehr guter Verfassung befänden und feindliche Angriffe mit Sicherheit abwehren dürften. Demgegenüber hatten die Truppen des XXVI. Korps, namentlich die Regimenter der 15. ID., ihre Gefechtskraft fast völlig eingebüßt. Von den 7700 Feuergewehren dieser Division, die am 3. Juli bei Beginn der Schlacht in der Front eingesetzt waren, hatten sich bis zum 9. früh nur mehr 800 Mann gesammelt; außerdem hatte die Division 43 Geschütze verloren. Auch die Verbände der deutschen 83. ID. waren stark zusammengeschmolzen und selbst die Regimenter der
Ib. ID., die noch an den Nachwirkungen der zehnten Isonzoschlacht litten, waren nicht mehr auf voller Höhe ihrer Gefechtskraft. Zudem waren die vorbereiteten Stellungen auf der Hochfläche östlich der Luka-wica nicht fertig ausgebaut. Zusammenfassend beurteilte das XXVI. Korpskmdo. die Lage dahin, daß die Abwehr eines russischen Angriffes mit stark überlegenen Kräften nicht mit Bestimmtheit erwartet werden könne, und hielt die Zuweisung von drei frischen Regimentern für nötig.
Die wenig zuversichtliche Meldung des FML. Hadfy konnte das
3. Armeekmdo. nicht bestärken, in den zurzeit erreichten Linien weiteren Widerstand zu leisten; man erwog daher am 9. Juli ernstlich, einem wenig aussichtsreichen Kampf am 10. Juli auszuweichen und die Front während der folgenden Nacht in die dritte Stellung an der Łomnica zurückzunehmen. Da aber machte der Feind einen Strich durch die Rechnung.
Die überraschende Schnelligkeit des Erfolges ermutigte Komilow, den Angriff in der Richtung auf Halicz und Kalusz fortzusetzen. So gab er dem XII. Korps den Befehl, noch am 9. Juli bis an den Łuko-wicabach und auf Hucisko vorzudringen. Das XXXIII. Korps im Dnie-stertale sollte diesen Angriff gegen Halicz decken, während der rechte Flügel des XVI. Korps die Höhen westlich von Bohorodczany in Besitz zu nehmen hatte1).
Am Nachmittag gingen Truppen des XXXIII. Korps aus dem By-strzycatale gegen die 2. KD. vor. GM. Abele vermochte sich jedoch mit seinen Husaren- und Ulanenschützen auf den Höhen südlich von Halicz zu behaupten. Örtliche Einbrüche des Feindes konnten durch Gegenstöße wettgemacht werden. Unterdessen stürzte sich aber der rechte Flügel des Korps Tscheremisow auf das IR. 331 und brach auf der Höhe Płóski in die deutschen Linien ein. GLt. Stumpff warf dem Feinde seine Reserven, das k.u.k. IR. 31 der 16. ID. und das Armeesturmbataillon, entgegen. Der Gegenangriff erzielte anfangs Raumgewinn. Es gelang aber nicht mehr, die Russen von den Hängen der Ploskihöhe zu vertreiben. Der Gegenangriff kam vor der feindlichen Übermacht zum Stehen.
Beiderseits der Straße Stanislau—Kalusz hatten die Russen den Angriff im Laufe des Nachmittags bis an die Kampflinien der Gruppe GM. Aust herangetragen. Da sich die Truppen des k.u.k. XXVI. Korps einem neuerlichen Ansturm des Feindes nicht mehr gewachsen fühlten, erteilte GO. Tersztyánszky um 5h 30 nachm. mit Zustimmung des Heeresgruppenkommandos und des Oberbefehlshabers Ost den Befehl, im Zajontschkowskij, Feldzug 1917, 70 f.
Laufs der Nacht in die schon angegebenen Linien zurückzugehen. Früher als vorgesehen, mußte aber ein großer Teil der 3. Armee unter dem Drucke des Feindes kämpfend zurückweichen. Denn um 7h abends bemächtigte sich der linke Flügel des XII. Russenkorps bereits der Höhen zwischen Posiecz und Hucisko und warf den abgebogenen linken Flügel der 36. ID. und die Gruppe Obst. Gombos zurück. Die letztgenannte befand sich schon um 7h 30 abends bei Mysłów in aufgelöstem Rückzug über die Lukwa, ohne an diesem Abschnitt — wie befohlen — eine Zwischenstellung zu beziehen. Die Russen drückten besonders stark beiderseits der Straße Stanislau—Kalusz und der Eisenbahnlinie vor. Da der rechte Flügel der Gruppe GLt. Stumpff auf der Höhe Płóski eingedrückt und von Süden durch Umfassung bedroht war, blieb nichts anderes übrig, als auch die ganze Front bis zum Dniester in einem Zuge über die Lukawica und die Lukwa an die Łomnica zurückzunehmen.
Nun war die k.u.k. 3. Armee zum zweitenmal durchbrochen und die Südarmee überflügelt. GdI. Bothmer bog daher seinen äußersten rechten Flügel, die 38. HID., gegen Poplawniki zurück. Er mußte mit Angriffen der Russen an derNarajówka rechnen. Die Südarmee war jedoch entschlossen, ihre Stellungen unter allen Umständen zu behaupten.
Das Vordringen der Russen bis Kałusz (10. bis 13. Juli)
Noch einmal war über die galizische Front der Verbündeten eine Krise hereingebrochen, die nicht ohne Rückwirkung auf die Südarmee blieb und die Angriffspläne des Oberbefehlshabers Ost zunichte zu machen drohte. Noch am 9. Juli mußten die aus dem Bereiche der k.u.k. 1. Armee, aus Siebenbürgen, im Antransport gegen Rohatyn befindliche 8. bayr. RD. sowie die für den Durchbruchsangriff im Raume um Złoczów bestimmte deutsche 16. RD. gegen Kałusz und Halicz zur Unterstützung der k.u.k. 3. Armee abgedreht werden. Da diese deutschen Verstärkungen aber erst in einigen Tagen und sehr langsam eintreffen konnten, und der Russe beiderseits der Straße Stanislau—Kałusz scharf nachdrängte, mußte die Südarmee mit einigen sofort verfügbaren Reserven aushelfen. Hierzu wurden das RIR. 104 der 24. RD., das eben erst aus der Schlacht gezogen worden war und kaum mehr als halbe Gefechtskraft besaß, ferner das RIR. 250 der 75. RD. und einige Feld-und schwere Batterien bestimmt und unter dem Befehl des Führers der 4S. RI Brig., Obst. Gf. Wuthenau, mit Lastkraftwagen und in Gewaltmärschen an die untere Łomnica entsandt.
GO. Tersztyánszky forderte seine Divisionen auf, in der vorbereiteten dritten Stellung standzuhalten, um Zeit zu gewinnen, bis die herbeieilenden Reserven eintreffen würden. Er beschloß, die Brigade Wuthenau der Gruppe GLt. Stumpff zur Verfügung zu stellen. Die
16. RD. war nach Wojniłów vorzuziehen und die 8.bayr. RD. möglichst weit vorne bei Kalusz auszuladen, um mit ihr die stark hergenommene 15. ID. stützen oder zum Gegenangriff schreiten zu können, falls die Front neuerlich durchbrochen werden sollte. Ferner war es seine Absicht, die 2. KD. aus der Front herauszulösen, um sie bei Nowica als Reserve für das XIII. Korps zu versammeln, während die 36. ID. das IR. 53 bei Kalusz zur Verfügung des XXVI. Korps zu stellen hatte.
In der Nacht auf den 10. Juli verlegte GO. Tersztyánszky sein Hauptquartier von Kalusz nach Bolechów. Eine leichte Entspannung der Lage schien am nächsten Tage einzutreten. Dem XIII. Korps war es gelungen, geordnet durch die großen Waldungen an der Łukwa abzuziehen. Die Truppen hatten hinter diesem Wasserlauf Stellung bezogen. Das hart mitgenommene XXVI. Korps konnte sich, wenn auch nur notdürftig, in der vorbereiteten dritten Stellung auf dem Westufer der Łomnica einrichten. Die Russen hatten am Vormittag noch nicht an die neue Front der 3. Armee herangefunden.
Der schwere Rückschlag bei Stanislau wirkte sich unterdessen in einem Wechsel der höheren Kommandanten aus. GO. Tersztyánszky wurde am 10. Juli seines Amtes enthoben und der bisherige Kommandant des X. Korps, GO. Křitek, zum Führer der 3. Armee ernannt. Ferner hatte FML. Hadfy mit dem GdI. v. Csanády, dem Kommandanten des in Siebenbürgen stehenden VI. Korps, den Dienstposten zu tauschen. Da nunmehr weitere deutsche Kräfte bei der k.u.k. 3. Armee eingesetzt wurden, erschien dem Oberbefehlshaber Ost auch die Zuweisung eines höheren deutschen Generals erforderlich, und so wurde GdI. Litzmann, der bisher bei der 1. Armee ein Gruppenkommando geführt hatte, mit seinem Stabe, dem Generalkmdo. des XXXX. RKorps, zur 3. Armee eingeteilt.
Die schwere Erschöpfung der Russen nach viertägiger Schlacht verbot ihnen am 10. Juli zunächst, die Angriffsbewegung fortzuführen. Ein Funkspruch Kerenskis mahnte indes Kornilow, den Feind nicht zu Atem, nicht zum Eingraben kommen zu lassen. Nun trieb Kornilow zur Eile an. Noch am Nachmittag ließ Tscheremisow die 3. kauk. KosD., die 165. und die 117. ID. aufbrechen, um sich den Weg über die Łomnica nach Kałusz zu bahnen. Die 11. und die 19. ID. hatten in der Richtung auf Wojniłów vorzustoßen. Die Gelegenheit schien günstig zu sein, den bisherigen Erfolg zu einer völligen Niederlage des Gegners zu gestalten. Halicz fiel am 10. in die Hand der Russen. Vielleicht genügte auch ein rascher Stoß, um die Stadt Kalusz in Besitz zu nehmen. Im Bereiche des XVI. Russenkorps waren im Laufe des Nachmittags vorgetriebene Aufklärungsabteilungen hinter der oberen Lukwa wieder auf den zurückgewichenen Gegner gestoßen. Westlich von Grabówka gelang es gegen Abend russischen Vortruppen, auf dem Südflügel der 36. ID. in die unausgebauten Stellungen einzudringen. Sie wurden durch einen raschen Gegenstoß örtlicher Reserven wohl hinausgeworfen; doch die Schwäche der Stellung war von den Russen erkannt.
Als Kornilow in der Nacht auf den 11. Juli seine Angriffsdivisionen gegen die Łomnica vorführte, um in Kałusz einzudringen und sich den Weg auf Wojniłów zu bahnen, da hielten auf dem westlichen Ufer nur mehr von empfindlichen Verlusten zermürbte und von der Schlacht schon hart mitgenommene öst.-ung. und deutsche Truppen. GO. Tersztyánszky hatte noch am 10., knapp vor seinem Abgehen, den Befehl gegeben, am Nordflügel der k.u.k. 3. Armee eine dem Armeekommando unmittelbar unterstellte Gruppe unter dem Befehl des Führers der im Antransport befindlichen 16. RD., GLt. Sieger, zu bilden. Sie hatte aus der 83. ID., GLt. Stumpff, der 16. RD., der Brigade Wuthenau und aus dem deutschen LstlR. 34 zu bestehen. Die 2. KD. wurde als Armeereserve in den Raum nördlich von Kałusz gewiesen. Dem k.u.k. XXVI. Korps sollten zunächst die Reste der 15. und die ganze 16. ID. sowie zwei Bataillone des IR. 53 der 36. ID., ferner das deutsche IR. 330 und das Armeesturmbataillon verbleiben. Den Befehl über die in der Front bei Kalusz stehenden Truppen führte das 15. IDKmdo., GM. Aust. Es sollte bald durch das 16. IDKmdo., GM. Adalbert Kaltenborn, abgelöst werden. Nach dem Eintreffen der Ersätze waren die abgekämpften Regimenter der 15. ID. und das IR. 31 der 16. ID. aus der Front zu ziehen, um sie wieder aufzufrischen. Die vom 11. Juli an eintreffende 8. bayr. RD. sollte sich als Armeereserve im Raume westlich von Kalusz versammeln.
Die Verbände waren namentlich in diesem Abschnitt stark vermischt und auch die Befehlsverhältnisse sehr verworren. Die neuemannten Kommandanten der 3. Armee und des XXVI. Korps waren am
11. Juli noch nicht eingetroffen. GO. Tersztyánszky hatte das Armeekommando einstweilen an den FML. Schenk übergeben, der auch das
XIII. Korps führte. GM. Aust kommandierte außer seiner 15. ID. auch das XXVI. Korps.
Bei Kalusz waren am 11. Juli morgens heftige Kämpfe entbrannt. Dem Vorhutregiment der 164. Russendivision gelang es, durch die Häusergruppen und Gärten von Podmichale gedeckt, unbemerkt an Kałusz heranzukommen. Mangelhafte Sicherung der schlafmüden Stellungsbesatzungen begünstigte das Unternehmen. Gegen 7h früh sahen sich das deutsche IR. 330 und das k.u.k. IR. 5 am Ostrande der Stadt plötzlich von den Russen überfallen. In breiten Wellen und ohne jegliche Artillerievorbereitung drangen die Angreifer in die Stellungen ein. Vorübergehend scheint es herbeieilenden Reserven gelungen zu sein, den überraschenden Angriff aufzuhalten. Neuerliche Anstürme der nachrückenden feindlichen Massen durchbrachen jedoch die Linien der beiden Regimenter. Die Russen breiteten sich in Kalusz rasch aus und drangen auf die Höhen nördlich der Stadt vor. Die Trümmer des rechten Flügels des k.u.k. XXVI. Korps wichen gegen Kropiwnik zurück. Die Russen führten zahlreiche Gefangene weg und schlugen zum drittenmal eine breite Lücke in die wankende Front des k.u.k. XXVI. Korps. Ein Teil der im Raume um Kałusz stehenden Batterien wurde infolge des Durchbruches eine leichte Beute des Feindes. Vergeblich suchte das IR. 53 der 36. ID., das sich hinter der Nahtstelle der 36. und der 15. ID. befand, durch einen Vorstoß von Westen her, die Lage zu retten. Als die Not am höchsten stieg, schritten das IR. 31 der 16. ID. und das Armeesturmbataillon von Norden her zum Gegenangriff und drangen mit Teilen des deutschen IR. 329 wieder in Kalusz ein.
FML. Schenk hatte sofort auf die erste Meldung vom Einbruch hin den am Morgen eingetroffenen GLt. Sieger aufgefordert, die 16. RD. nach Kopanka zu entsenden, um sie zum Gegenangriff auf Kalusz anzusetzen. Auch aus Lemberg langte um 10h30vorm. der Befehl des GO. Böhm-Ermolli ein, im Verein mit dieser Division und unter der unmittelbaren Leitung des Armeekommandanten die Wiedereroberung der verlorenen Stellungen durchzuführen. Allein, von der 16. RD. war augenblicklich nur ein Bataillon verfügbar, das GLt. Sieger von Woj-łinów nicht wegziehen wollte, da auch an der unteren Łomnica feindliche Anstürme drohten. Daher verlangte GLt. Sieger eine Frist, um die mit dem Großteil ihrer Truppen noch im Anmarsch befindliche 16. RD. versammeln und geordnet zum Gegenangriff bereitstellen zu können. Unterdessen nahm der Durchbruch der Russen bei Kałusz immer größeren
Umfang an. Die in die Stadt eingedrungene Gruppe des Verteidigers wich nach erbittertem Kampfe vormittags vor dem übermächtigen Drucke der Russen auf Mościska zurück, wohin sich auch die am linken Flügel des k.u.k. XXVI. Korps fechtenden Reste der 15. ID. im aufgelösten Zustand im Rückzug befanden. Zwischen dem linken Flügel des XXVI. Korps und der Gruppe GLt. Sieger klaffte nunmehr eine breite Lücke in der Front. Der rechte Flügel der 83. ID. mußte daher auf die Höhe Kopanka A 365 abgebogen werden. Hinter ihm wurden die Regimenter der 16. RD. herangeschoben.
Auf Befehl des zeitweiligen Armeekommandanten, FML. Schenk, der auf das Schlachtfeld vorgeeilt war, waren unterdessen die auf Kro-piwnik gewichenen Truppen des XXVI. Korps wieder gegen Kalusz vorgegangen und hatten zwischen der Łomnica und dem Siwkabach Stellung genommen. Hier und bei Mościska wurden die Marschformationen der 42. HID., der 15. ID. und der 2. KD. in den Kampf geworfen. Dem eintreffenden Kommandanten der 8. bayr. RD., GM. Jehlin, übertrug FML. Schenk den Befehl über diesen Abschnitt. Für ein weiteres Vortragen des Gegenangriffes waren aber die in den Kampf geworfenen Ersatztruppen sowie die Trümmer der 16. und der 15. ID., die ihre Gefechtskraft fast völlig eingebüßt hatten, zu schwach. Es sollte daher die vom Nordflügel heranzuziehende 2. KD., ein Bataillon der
36. ID. und die noch im Antransport nach Dolina befindliche S.bayr.RD. abgewartet werden, um dann im Verein mit der 16. RD. und unter einheitlicher Leitung des GLt. Sieger am 12. Juli an die Wiedereroberung von Kalusz zu schreiten.
Gegen Abend begannen die 117., die 11. und die 19. ID. der Russen die Gruppe GLt. Sieger an der unteren Łomnica anzugreifen. Der stärkste Druck der Russen richtete sich gegen die Brigade Wuthenau bei Slobódka und gegen den auf die Höhe Kopanka abgebogenen rechten Flügel der Gruppe GLt. Sieger. Die Russen wurden durch Artilleriefeuer abgeschlagen und fluteten in ihre Ausgangsstellungen zurück; doch wurde wegen der Besorgnisse um den Südflügel der Armee Bothmer der Großteil der Truppen der 2. KD. an der Łomnica belassen.
Während der Kampf bei Kalusz tobte und das 3. Armeekmdo. alle Mühe hatte, dort ein Unheil abzuwenden, mußte die Zurücknahme des
XIII. Korps und der 5. ID. in die auf dem Hügelgelände südlich der Łomnica angelegte dritte Stellung vorbereitet werden. Die wiederholten örtlichen Angriffe des XVI. Russenkorps am 11. Juli gegen die unaus-gebaute Verteidigungslinie am Łukwabache konnten fast immer nur im Gegenstoße abgewehrt werden. Die Kämpfe verhinderten den Ausbau der Stellungen. Unter diesen Umständen erschien es ratsam, den Südflügel der Armee, mit Ausnahme des IR. 1, das auf den Höhen südlich von Jasień zu verbleiben hatte, in die dritte Stellung zurückzunehmen. Das Heeresgruppenkommando stimmte zu. In der Nacht auf den 12. wurden die Bewegungen ohne wesentlichen Zwischenfall durchgeführt. Nur die 42. HID. mußte sich im Kampfe vom Feinde lösen. Durch die Verschmälerung des Abschnittes des XIII. Korps konnten zwei Bataillone und sieben Batterien gewonnen und bei Nowica bereitgestellt werden.
Als Komilows rechter Flügel am 11. Juli in Kalusz eindrang und die Höhen westlich der unteren Łomnica bestürmte, rückte auch die Gefahr für die rückwärtigen Verbindungen der Südarmee in bedenkliche Nähe. Der russische Angriff bedrohte die Stadt Stryj und damit den Mittelpunkt des gesamten Nachschubes der Südarmee. Da ferner das wichtige Rohölgebiet von Drohobycz und Borysław gefährdet war, entschloß sich der Oberbefehlshaber Ost, die inzwischen ebenfalls im Antransport nach Złoczów befindliche deutsche 20. ID. und die bayr. KD. zur Unterstützung der 3. Armee gegen Żurawno abzudrehen. Durch diese Truppenentsendungen auf Kosten der bei Złoczów zu versammelnden Stoßgruppe wurde aber der in diesem Abschnitt geplante Durchbruch ernstlich in Frage gestellt. Der Oberbefehlshaber Ost erwog daher, die Gegenoffensive bei Złoczów fallen zu lassen, wenn es auch den neuerlich zugewiesenen Verstärkungen nicht gelingen sollte, die
3. Armee zu stützen1).
Auch GdI. Bothmer wurde in dieser Frage gehört. Er vertrat den Standpunkt, daß an dem einmal gefaßten Plane festgehalten werden müsse und dürfe, weil die Russen so starke Kräfte, um ihre bisherigen Erfolge operativ auszunützen, nicht früher zur Stelle haben könnten, als bis die zur 3. Armee abgezweigten deutschen Divisionen eingetroffen sein würden. Ferner meinte Bothmer, daß die vor seinem Südflügel beobachteten Kräfte Verschiebungen der Russen in die Gegend von Stanislau die Aussichten des operativen Erfolges für den Durchbruch bei Złoczów sichtlich vergrößerten. Auch der in die Erwägungen einbezogene Gedanke, die geplante Gegenoffensive in den Raum südlich des Dniester zu verlegen, konnte von Bothmer nicht befürwortet werden, weil dort die schwierigsten Gelände- und Wegeverhältnisse sowie die
x) Nowak, K. F., Die Aufzeichnungen des Generalmajors Max Hoffmann (Berlin 1929), II, 178 f.
ungünstigen Nachschublinien, hauptsächlich aber die nicht entscheidende operative Richtung eines Gegenstoßes einen durchschlagenden Erfolg ausschlossen.
Die Tage vom 12. bis zum 15. Juli brachten indessen noch keine Besserung der Lage bei der k.u.k. 3. Armee.
Die Russen konnten allerdings am 12. bei Kalusz zunächst nicht weiter Vordringen. Im Westen verhinderte die durch heftige Regengüsse hochangeschwollene Łomnica weiteres Ausbreiten. Im Norden hatten sich die Deutschen auf den Höhen bei Kopanka festgesetzt. GO. Křitek, der am 12. vormittags das Kommando der 3. Armee übernahm, erkannte sogleich die nicht unbedenkliche Lage, in der sich die Russen im Bogen bei Kałusz befanden. Er war der Auffassung, daß für die 3. Armee nichts weiter zu befürchten sei, wenn die Gruppen Jehlin und Aust sowie die auf der Höhe Kopanka stehenden Truppen der 83. ID. den feindlichen Einbruch verläßlich abriegelten. Er gab sich aber keiner Täuschung hin, daß vor dem Eintreffen ausreichender und stoßkräftiger Verbände ein Gegenangriff auf Kałusz keine Aussichten auf Erfolg haben würde. Es sollten daher zunächst die noch heranzuführenden Truppen der 16. RD., der 8.bayr. RD. und die ebenfalls im Antransport zur k.u.k. 3. Armee befindliche deutsche 20. ID. sowie die bayr. KD. abgewartet werden. Das Heeresgruppenkommando war mit einem weiteren Hinausschieben des Gegenangriffes einverstanden und verfügte noch, daß die deutsche 20. ID. möglichst rasch als Rückhalt für die Gruppe GLt. Sieger nach Kopanka und die bayr. KD. zur Stützung der Front des XIII. Korps zu verwenden seien. Die Leitung des geplanten Unternehmens bei Kałusz sollte der am 13.nachmittags eintreffende GdI. Litzmann übernehmen.
Noch am 12. Juli vormittags wurden einzelne Bataillone der 8. bayr. RD. in den Kampfabschnitt beiderseits der Straße Kałusz—Dolina eingeschoben. Auf den Höhen von Kopanka wurde jetzt an Stelle der hart mitgenommenen 83. ID. der Großteil der 16. RD. eingesetzt. '
Als Kornilow am 12. Juli nachmittags mit seinem Nordflügel zu neuem Angriff schritt, um von Kałusz aus in das Tal der Siwka und von Bludniki auf Wojłinów durchzubrechen, stieß er überall auf eisernen Widerstand. Bei Kalusz setzten die bayrischen und die oberungarischen Bataillone der Gruppe Jehlin dem weiteren Vorrücken ein Ziel1). Auch konnten die stürmenden Russen infolge der starken Beherrschung
1)Jaud und Weech, Das K. B. Reserve-Infanterie-Regiment 19 (München 1933), 154 f.
des breiten Dniestertales durch unsere Artillerie in die Linien der k.u.k. 2. KD. nicht eindringen.
Südlich der Łomnica gelang es aber den Russen, die Front der k.u.k. 3. Armee noch einmal zum Wanken zu bringen. Schon am 12. schoben sich die Divisionen des XVI. Russenkorps, die 47., die 160. und die 41. ID., verstärkt durch Kavallerie, gegen das k.u.k. XIII. Korps auf der breiten Hügelflur über der Łomnica zwischen Jasień und No-wica heran. Versuche der 41. Russendivision, über die Höhe Werch babski in das Tal der oberen Łomnica einzubrechen, verhinderte das IR. 1 der 5. ID. mit kraftvoller Entschlossenheit.
Beim 3. Armeekmdo. erwartete man, daß sich der stärkste Angriff der Russen gegen den vorspringenden Stellungsteil der 36. ID. bei No-wica richten werde. Es wurde deshalb ein Bataillon der 36. ID. und ein Bataillon der 8. bayr. RD. von der Gruppe GM. Jehlin hinter die Mitte des XIII. Korps verschoben und eine Brigade der eben bei Dolina eingelangten bayr. KD. in den Raum südlich von Rozniatów verlegt.
Schwere Regengüsse durchweichten die Fluren, schwellten die Wasserläufe und verzögerten am 13. die Zurüstungen Komilows zum neuen Angriff. Erst um lh nachm. griff die 47. ID. nach kurzer, aber sehr starker Vorbereitung durch die Artillerie den linken Flügel der 36. ID., GM. Nöhring, bei Nowica überfallsartig an. Die Russen durchbrachen die Stellung der Kroaten. Gegenstöße schwacher örtlicher Reserven brachten keinen Erfolg. Hingegen scheiterte ein gleichzeitiger, beiderseits der Straße bei Łdziany gegen den linken Flügel der 42. HID., GM. Mihaljevic, losbrechender Angriff im Abwehrfeuer der Verteidiger. Die Korpsreserve, drei Bataillone, vermochte dem Einbruch bei Nowica Schranken zu setzen. Gegen 5h nachm. aber drang ein neuerlicher Vorstoß der Russen bei Landestreu in die Linien der 36. ID. ein. Hier wurden einzelne Bataillone und Kompagnien der 42. HID. in den Kampf geworfen. Sie stellten die Lage halbwegs wieder her. Da neue Anstürriie des Feindes gegen die 36. ID. erwartet werden mußten, setzte GO. Křitek das eben in Żurawno einlangende Spitzenregiment der deutschen 20. ID. und das Armeesturmbataillon von Kopanka über Kropiwnik nach dem bedrohten Abschnitt in Marsch.
Nach diesen neuerlichen Rückschlägen ließ der Oberbefehlshaber Ost das Heeresgruppenkommando Böhm-Ermolli wissen, daß man aus den letzten Kämpfen den Eindruck gewonnen habe, die öst.-ung. Truppen der 3. Armee hätten nicht mehr den festen Willen zum Ausharren in der Pflicht. GO. Böhm-Ermolli und GO. Křitek richteten einen sehr scharfen Appell an die kroatischen Regimenter der 36. ID., ihren bisher glänzenden Ruf nicht aufs Spiel zu setzen, und wiesen sie zum Ausharren an, da in den nächsten Tagen genügend Verstärkungen zur Stelle sein würden. Die Lage beim XIII. Korps war aber noch nicht sichergestellt, und die Haltung der Truppen ließ neue Einbrüche des Feindes befürchten; daher schien es dem Heeresgruppenkommando geboten, eine etwaige Zurücknahme des XIII. Korps hinter die Łomnica in Erwägung zu ziehen. GO. Křitek vertrat aber den Standpunkt, daß die Höhen östlich dieses Flusses festgehalten werden müßten, weil in der durch die Zurückverlegung der Front gewonnenen geringen Zeit viel zu wenig frische Truppen eingetroffen sein würden, um die Verteidigung wesentlich besser gestalten zu können.
Das Ende des Russenangriffes in Galizien (14. bis 16. Juli)
Für die Russen bedeutete der am 13. Juli bei Nowica erzielte Einbruch in die Kampflinien des k.u.k. XIII. Korps den Höhepunkt und zugleich das Ende ihrer Offensive. Zwar wiederholten sie noch am 14. ihre Vorstöße in den Ausläufern der Karpathen, auf der Höhe Lopata und bei Jasień gegen die 5. ID. und bei Łdziany gegen den linken Flügel der 42.HID.; auch im Abschnitt der 36. ID. auf den Höhen bei Nowica dauerten die Kämpfe noch mehrere Tage an. Aber alle diese vereinzelten und schwächlichen Vorstöße der Russen scheiterten schon an dem Abwehrfeuer der Verteidiger. Die 8. Russenarmee begann sichtlich zu ermatten, sie hatte in der so verheißungsvoll begonnenen Offensive fast 40.000 Streiter verloren.
Es war ein sehr gefährliches Unternehmen, das Gen. Komilow in die Wege geleitet hatte, als er von Stanislau über Kalusz vorstieß. Wegen der Mißerfolge der benachbarten 7. Armee konnte ein rasches Vordringen der 8. Armee 'eine ungünstige Lage herbeiführen. Der Höchstkommandierende, Gen. Brussilow, erkannte die Gefahr und forderte mehrmals den Oberbefehlshaber der südwestlichen Front, Gen. Gutor, und den Gen. Komilow auf, den Hauptschlag nicht in der Richtung auf Halicz und Kalusz, sondern in der Richtung auf Rohatyn zu führen. Aber Kornilow beachtete diese Warnungen nicht. In völliger Verkennung der Lage, nur nach politischen Erfolgen strebend und angespornt durch die Begeisterung, die sein Sieg bei Stanislau in ganz Rußland hervorgerufen hatte, führte er den Angriff in der Richtung auf Halicz und Kalusz weiter durch1). Indessen war bereits am 7. Juli die 11. Russenarmee nach dem letzten vergeblichen Versuche, auf Złoczów durchzubrechen, zur Verteidigung übergegangen. Der ursprünglich aufgestellte Plan fiel damit zusammen. Die 11. und die 7. Armee, denen bei der Offensive die Hauptrolle zugedacht gewesen war, hatten nur Mißerfolge zu verzeichnen gehabt, während sich die 8. Armee in ein gefährliches Abenteuer eingelassen hatte.
Freilich ließ noch Mitte Juli das Verschieben russischer Truppen nach Süden vor den rechten Flügel der Armee Bothmer das Heeresgruppenkommando Böhm-Ermolli vermuten, daß die Russen ihre anfangs verhältnismäßig schwache, anscheinend nicht auf einen operativen Durchbruch berechnete Stoßgruppe nach dem überraschenden Erfolg bei Stanislau verstärken wollten. Damit entspannte sich aber anderseits die Lage vor der k.u. k. 2. Armee, wo schon vom 10. Juli an Abwehrmaßnahmen des Feindes erkannt wurden. Vor der Südarmee wurden am 11. und 12. Juli russische Kolonnen im Marsche gegen Süden beobachtet, am 14. konnte die Verlegung des Kommandos des II. russischen Gardekorps nach Toustobady festgestellt werden. Bothmer war unter diesen Umständen in der Lage, nach und nach die ganze 75. RD. auf das südliche Dniesterufer zu ziehen, wo sie im Abschnitt an der Straße Słobódka—Wojłinów bis zum Dniester eingesetzt wurde und wiederholte Angriffsversuche der Russen von Halicz her abwies. Ihren früheren Abschnitt bei Lipica Goma übernahm am 13. Juli, wie vorgesehen (S. 260), die 53. ID., die durch die 24. RD. ersetzt wurde.
Das Heeresgruppenkommando Böhm-Ermolli ordnete am 14. Juli innerhalb der k.u.k. 3. Armee eine Umgruppierung der Streitkräfte und eine Neuordnung der Befehlsverhältnisse an, um für etwaige neue Angriffe im Raume südlich des Dniester gerüstet zu sein. Um die einheitliche Kampfführung beiderseits vom Dniester, in jenem Raume, der für den Zusammenhang mit der Südarmee von größter Bedeutung war, zu ermöglichen, wurde der von der 75. RD. übernommene Abschnitt vom Dniester bis zur Straße Słobódka—Wojniłów der Südarmee angegliedert. Die abgekämpfte 15. ID. rollte zur Heeresfront Erzherzog Joseph ab, die hiefür die 37. HID. an die Heeresfront Böhm-Ermolli abgeben sollte. An Stelle des mit seiner Division abgehenden GM. Aust übernahm der Kommandant der k.u.k. 16. ID., GM. Adalbert Kaltenborn, der bisher kein Kampfgruppenkommando geführt hatte, den Befehl über den Gefechtsabschnitt bei Kałusz. Das XXVI. Korps, dessen
x) Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin, 117.
neuer Konimandant, GdI. Csanády, am 15. Juli einrückte, bestand nunmehr aus der k.u.k. 16. ID., der deutschen 16. RD. und der halben
2. Kavalleriedivision. GdI. Litzmann übernahm die aus dem XIII. Korps und der 8. bayr. RD. zusammengesetzte Gruppe in der Mitte der
3. Armee. Ihm wurden auch die eben über Dolina anrollenden Verstärkungen, die deutsche 20. ID. und die bayr. KD., unterstellt.
Am 15. Juli ging die deutsche 16. RD. zu Gegenstößen über und schob ihre zwischen dem Siwkabach und der Höhe Kopanka verlaufenden Linien ein Stück nach Süden vor. Auch eine bewaldete Höhe südwestlich der Kopanka wurde genommen, die aber nach hartem Ringen wieder in den Besitz des Feindes kam. Die Russen waren jedoch in einer bedenklichen Lage, da sie unter dem wachsenden Drucke der Deutschen in den hochangeschwollenen Wasserlauf der Łomnica geworfen werden konnten. Unter diesen Umständen räumten die Russen in der Nacht auf den 16. Juli die Stadt Kałusz und wichen auf Pod-michale zurück. Die Mitte der 3. Armee konnte nun ihre Kampflinien wieder in die dritte Stellung vorverlegen. Im Abschnitt der 36. ID. bei Nowica dauerten die Nahkämpfe noch einige Tage hindurch weiter an, bis auch dort das letzte Russennest gesäubert war1). Damit hatte die 8. Russenarmee alle ihre in der Schlacht bei Kalusz errungenen Vorteile wieder aufgeben müssen.
Der Höchstkommandierende Brussilow hatte inzwischen am 15.Juli dem Gen. Kornilow noch einmal den Befehl gesandt, den Hauptangriff in der Richtung auf Rohatyn zu führen2). Aber es war bereits zu spät dazu. Die erste Begeisterung war schnell verflogen und die Zersetzung der Armee, die den Glauben an den Sieg und damit den inneren Halt verloren hatte, nicht mehr aufzuhalten. Der Oberbefehlshaber der Südwestfront nahm noch eine letzte Umgruppierung vor. Der Schwerpunkt der neugeplanten Offensive sollte bei der 8. -und der 11. Armee liegen. Er stellte dem Gen. Kornilow das II. Gardekorps und das II. Kavalleriekorps zur Verfügung. Das XLV. Korps wurde bei Tarnopol und das XXV. Korps bei Rudnia als Heeresfrontreserve bereitgestellt. Doch alle Bemühungen, den neuen Angriff zur Durchführung zu bringen, scheiterten an dem Widerstand der Truppen. Größere Einheiten lehnten es ab, neue Stellungen einzunehmen. Der revolutionäre Geist konnte
2) Bei diesen Kämpfen erwarb sich Hptm. Gottlieb Vojaček des IR. 16 das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.
2) Martinów, Kornilow, 23 f. — Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin. — Zajontschko wskij, Feldzug 1917, 70 f.
die Manneszucht nicht ersetzen, wenn der Führer zum Angriff rief. Die Offensive konnte nicht begonnen werden. Die k.u.k. 2. Armee hatte inzwischen zum Gegenschlag bei Zborów gerüstet. Er war wegen der ungünstigen Witterung und durch die Erfolge Komilows verzögert und gefährdet, aber vom Oberbefehlshaber Ost und vom GFM. Hinden-burg nicht aufgegeben worden. Am 17. Juli begann bereits das Einschießen der öst.-ung. und der deutschen Batterien für den Angriff im Abschnitt Złoczów.
Die schwere Krise der galizischen Front war überwunden.
Tätigkeit der Russen an den Nachbarfronten
Scheinangriffe in den Grenzbergen Ostsiebenbürgens, in den Waldkarpathen und in Wolhynien
(Ende Juni bis Mitte Juli)
Hiezu Beilagen 1 und 3
Zur Entlastung der auf Lemberg gerichteten Offensive hatte der Oberbefehlshaber der Südwestfront, GdI Gutor, im Laufe des Monats Juli auch in den Karpathen und in Wolhynien eine erhöhte Kampftätigkeit der russischen Truppen vorgesehen. Die in den Waldkarpathen stehenden Teile der 8. Russenarmee, das XI., das XXIII. und das XVIII. Korps, hatten Kornilows Angriff im Dniesterlande gegen Süden zu decken. Die Besondere Armee in Wolhynien sollte den Gegner binden und ihn verhindern, Kräfte nach Lemberg abzuziehen1).
Auch vor den Pässen Ostsiebenbürgens rührten sich die Rumänen und die Russen von Ende Juni an wieder, namentlich richtete sich ihr Geschützfeuer in den Bereczker Vorbergen auf die Verteidigungsstellungen der Gruppe Gerok, griff aber auch gelegentlich auf die Kampflinien der Gruppe Litzmann und des k.u.k. XXI. Korps auf den Oststufen des Csik- und Gyergyógebirges über. Ernstere Ereignisse kündigten sich schon anfangs Juli im Frontabschnitt der Gruppe Ruiz an. Vor dem linken Flügel der deutschen 218. ID. stellte sich am 5. Juli feindliche Infanterie zu einem Vorstoß bereit, konnte aber wegen der vernichtenden Wirkung der deutschen und öst.-ung. Batterien ihre Gräben nicht verlassen.
1J Zajontschkowskij, Feldzug 1917, 66.
In den Waldkarpathen verstärkte sich das Störungsfeuer der russischen Artillerie bei Dorna Watra, Jacobeny, Kirlibaba und auch im Ludowagebiet am Czarny Czeremosz. Anfangs Juli stieß der Feind in diesen Frontteilen und auch auf dem Jablonicapaß mit kleinen Abteilungen gegen die Stellungen der Gruppe Ivrauss, des Karpathenkorps und des k.u.k. XVII. Korps vor, wurde indes durchwegs von den Verteidigern abgewiesen. Trotz der erhöhten feindlichen Tätigkeit waren aber auf dem linken Flügel der Armee Kövess keine Anzeichen eines bevorstehenden größeren Angriffes zu erkennen. Das Artilleriefeuer der Russen wurde nicht stärker als bei den gewöhnlichen Stellungskämpfen, und es zeigte sich keine Vermehrung an schweren Kalibern. An vielen Stellen der Front verharrte die russische Infanterie in völliger Ruhe; die Propaganda von Schützengraben zu Schützengraben ging im Bereiche der Heeresfront Erzherzog Joseph noch immer weiter.
Das Heeresfrontkommando mußte allerdings mit neuen Unternehmungen der Russen in den Kampfabschnitten von Dorna Watra, Jacobeny und Kirlibaba rechnen, weil dort das XXVI. Russenkorps schon wiederholt versucht hatte, die große Querverbindung der 7. Armee im Tale der Goldenen Bistritz abzuschneiden. GO. Erzherzog Joseph suchte denn auch durch eine neue Kräftegruppierung auf dem rechten Flügel der Armee Kövess dieser Gefahr nach Möglichkeit Rechnung zu tragen.
An Reserven standen dem Heeresfrontkommandanten nur die 7. ID. zur Verfügung, die Mitte Juni an Stelle der 12. ID. vom südwestlichen Kriegsschauplatz nach Des herangeführt worden war. Sie hatte in den Kämpfen am Isonzo schwer gelitten und ihre volle Verwendungsfähigkeit anfangs Juü noch nicht ganz wiedererreicht. Es war daher geplant, die im Verbände des k.u.k. XVII. Korps in ruhiger Front stehende deutsche 117. ID. durch die 7. ID. ablösen zu lassen und an den rechten Armeeflügel zu verlegen, um die bei Jacobeny eingesetzte Kavallerie der Gruppe Krauss durch kampfkräftigere Truppen ersetzen zu können. Ferner bat Erzherzog Joseph Ende Juni die k.u.k. Heeresleitung, der
7. Armee ein Korpskommando zu überweisen, um ihm den Befehl über die 59. ID. und die 40. HID. im Kampfabschnitt von Kirlibaba zu übertragen. GdI. Arz nahm dafür das noch immer bei der Heeresgruppe Woyrsch befindliche XII. Korpskmdo., GdI. Henriquez, den GdK. Hauer oder auch das IV. Korpskmdo., FML. Hordt, in Aussicht, forderte aber am 29. Juni den Erzherzogjoseph auf, Artillerie und andere entbehrliche Kräfte an die Heeresgruppe Böhm-Ermolli abzugeben. Erzherzog Joseph war bereit, 13 schwere und 18 leichte Haubitzbatterien der Heeresgruppe Böhm-Ermolli zuzuführen, außerdem eine Infanterie- und eine Kavalleriedivision. Am 2. Juli bestimmte die k.u.k. Heeresleitung die S.bayr. RD., mit Ausnahme der bei der Gruppe Gerok stehenden Teile, zum Abtransport gegen Rohatyn (S. 271). Erzherzog Joseph gab nun entsprechend weniger Batterien an die Heeresgruppe Böhm-Ermolli ab. Als Ersatz für die Bayern mußte jetzt die 7. ID. der 1. Armee überwiesen werden. Die geplante Umgruppierung innerhalb der 7. Armee war dadurch unmöglich geworden. Nach dem Antransporte der k.u.k. 7. KD. aus Rumänien nach Siebenbürgen konnte anfangs Juli nur das nach Bereczk abgezweigte RIR. 11 der deutschen 117. ID. in den Abschnitt von Jacobeny herangezogen werden. Die aus der Front herausgelöste 8. KD. kam dafür Mitte Juli in den Raum nordöstlich von Máramaros-Sziget.
Im Bereiche der Heeresgruppe Linsingen nahm die Kampftätigkeit der Russen von Ende Juni an gegen die Wehrstellungen der k.u.k.
4. Armee und gegen den Südflügel Bernhardis von Tag zu Tag zu. Das russische Störungsfeuer richtete sich vornehmlich gegen die deutsche 108. ID. und gegen die k.u.k. 11. ID. im Abschnitt Ługa, dann gegen die ganze Front des deutschen VIII. Korps am oberen Stochod. Aber auch aus dem Abschnitt Lipa des deutschen XXII. RKorps und von den Divisionen des k.u.k. II. und des XXII. Korps am mittleren Stochod wurde feindliches Artilleriefeuer gemeldet. Die Russen verschossen bei Kisielin und bei Bol. Porsk viel Gasmunition, außerdem war ihre Fliegertätigkeit sehr rege. Die öst.-ung. und die deutschen Batterien und Flugzeuggeschwader wirkten heftig dagegen. Anfangs Juli schien es im Abschnitt Kowel zu einem ernsteren Unternehmen der Russen zu kommen. In der Nacht auf den 3. sammelte sich die russische Infanterie westlich des Stochod vor den Vorpostenstellungen der deutschen 107. ID. und der k.u.k. 4. ID. zum Angriff, vermochte aber im Sperrfeuer unserer Artillerie nicht vorzubrechen. Von Mitte Juli an flaute die Gefechtstätigkeit der Russen an der wolhynischen Front, abgesehen von vereinzelten Kanonaden und kleinen Patrouillenstreifen, wieder ab und hörte schließlich ganz auf. Die in Władimir-Wolyński gesammelte deutsche 92. ID. rollte inzwischen mit der Bahn nach Złoczów; auch wurde die deutsche 22. ID. aus dem Abschnitt Buzany herausgelöst, um ebenfalls in den Abschnitt Złoczów abzurücken. Damit war die Absicht der Russen gescheitert, dem Gegner einen beginnenden Angriff auf Władimir-Wołyński und auf Kowel vorzutäuschen und seine Kräfte in Stellungskämpfen zu binden.
Der Mißerfolg der R u s s e n o f f e n s i v e auf Wilna
Nördlich vom Pripiatj hatten Kerenski und Brussilow die für anfangs Juli geplante Offensive über Wilna auf Kowno (S. 222) erst zu entfesseln vermocht, als der große Angriff auf Lemberg bereits zusammengebrochen war. Der neue Oberbefehlshaber der Westfront, Gen. Denikin, hatte sich entschlossen, mit dem rechten Flügel der 10. Armee aus dem Raume von Molodieczno über Smorgon vorzustoßen. Die nördlich davon befindliche 3. Armee sollte diesen Angriff unterstützen, die
2. Armee nach Maßgabe des Vormarsches der 10. Armee in der Richtung auf Slonim vorgehen. Als Reserven für den Schlag über Smorgon wurden zwei Korps, das X. und das XX., im Raume von Molodieczno versammelt. Zugleich mit dem Angriffe Denikins hatte auch der neue Oberbefehlshaber der Nordfront, Gen. Klembowski, mit dem linken Flügel seiner 5. Armee die Offensive über Dünaburg in der Richtung auf Wilna zu eröffnen, während der rechte Flügel dieser Armee aus dem Brückenkopf von Jakobstadt heraus einen Hilfsangriff führen sollte. Der demoralisierten 12. Armee an der Rigaer Front konnte nur die Aufgabe zugedacht werden, den Gegner durch Störungsfeuer der Artillerie zu beunruhigen und seine Kräfte zu binden1).
Der in Verbindung mit der Offensive in Ostgalizien beabsichtigte Angriff gegen die deutschen Wehrstell'ingen nördlich vom Pripiatj mußte aber, weil die Truppen nicht angreifen wollten, hinausgeschoben werden (S. 224). An der Nordfront befand sich die 12. Armee in einem Zustand der Auflösung. Auch die Divisionen der 5. Armee waren nicht in der Verfassung, einen wuchtigen Schlag zu führen. An der Westfront gelang es wohl durch außerordentliche Anstrengungen der Kommandostäbe, die 10. Armee schließlich in die Ausgangsstellung für den Angriff zu bringen; jedoch in welcher moralischen Verfassung waren ihre Truppen! Ein großer Teil weigerte sich von Haus aus, in den Kampf zu ziehen. Eines der drei Korps dieser Armee, die den entscheidenden Schlag zu führen hatten, marschierte auf, das zweite zögerte durch zwei bis drei Wochen, und das dritte Korps war überhaupt nicht dazu zu bewegen, in die Ausgangsstellung zu gehen2).
Nach vielfachen Verzögerungen hatte der Höchtkommandierende die Offensive für die Nordfront auf den 22. und für die Westfront
*) Zajontschko wskij, Feldzug 1917, 76.
2) Spannocchi, 122.
auf den 19. Juli festgesetzt. Am letztgenannten Tage begann das Zerstörungsfeuer der russischen Artillerie zwischen der Bieriezina und der Wilija gegen den linken Flügel der deutschen Armeeabteilung Scheffer-Boyadel und den rechten Flügel der deutschen 10. Armee. Nach mächtigem Trommelfeuer schritten am 21. Juli südlich von Smorgon acht Divisionen der 10. Russenarmee zum Angriff. Der Hauptstoß erfolgte bei Kriewo gegen die beiden südlichen Divisionsabschnitte der deutschen 10. Armee. In einer Breite von 5 km und einer Tiefe von 2 km vermochten die Russen am 22. in die dünnen Linien einer Landwehrdivision einzudringen. Die Lage war ernst, doch gelang es den Deutschen, die Artillerie um den Einbruchsraum zusammenzuziehen und die Russen zur Preisgabe des eroberten Bodens zu zwingen.
Im Abschnitt der Armeeabteilung D brachen am 23. Juli nach fast dreitägiger Artillerieschlacht beiderseits der Bahnlinie Dünaburg—Wilna sechs Divisionen der 5. Russenarmee tief gegliedert gegen die deutschen Stellungen vor. Bis auf einzelne kleine Einbruchsstellen, die in den nächsten Tagen durch die Stellungstruppen gesäubert wurden, blieb die gesamte Front unversehrt. Ein schwächlicher russischer Vorstoß, der sich am 22. und am 23. Juli südwestlich von Jakobstadt gegen die Mitte der deutschen 8. Armee richtete, wurde glatt abgewiesen.
Die Stimmung der russischen Angriffstruppen war durch diese verlustreichen und ergebnislosen Kämpfe tief erschüttert. Überall machten sich bei der 10. und der 5. Armee Widersetzlichkeit, Meutereien und revolutionäre Kundgebungen bemerkbar. So mußte denn der Höchstkommandierende schon am 23. Juli den Oberbefehlshabern der beiden Heeresfronten nördlich vom Pripiatj den Befehl erteilen, von jedem weiteren Angriff abzusehen. Im Bereiche der deutschen 10. Armee und auch der Armeeabteilung D konnte in den nächsten Tagen aus Gefangenenaussagen und aus den Meldungen der Flieger festgestellt werden, daß die Russen einen Teil ihrer Argriffstruppen aus der Front herauszogen und anscheinend nach Süden als Verstärkung für ihre mittlerweile in Ostgalizien zertrümmerte und in Auflösung begriffene Front abbeförderten28).
DIE RÜCKEROBERUNG VON OSTGALIZIEN
Die Durchbruchsschlacht bei Zborów
Operationsplan und Angriffs Vorbereitungen Hiezu Beilage 16
Ende Juni, als schon im Winkel zwischen dem Sereth und demDniester Schlachtengewitter heraufzogen, hatte sich die DOHL. entschlossen, den seit langem vom Oberbefehlshaber Ost ins Auge gefaßten Plan eines Durchbruches der russischen Front in der Richtung Złoczów—Tarnopol auszuführen (S. 243). Der Gegenschlag sollte das von Kerenski zu neuer Offensive gegen die friedensbereiten Mittelmächte aufgerufene russische Revolutionsheer, wenn es irgendwie ging, endgültig aus dem Felde schlagen und so den Mittelmächten nach Osten hin freie Hand schaffen. Die k.u.k. Heeresleitung, von diesem Vorhaben des deutschen Bundesgenossen unterrichtet, konnte eine Offensive, die Ostgalizien und die Bukowina befreite, nur freudig begrüßen.
Am 27. Juni traf beim Oberbefehlshaber Ost, GFM. Prinz Leopold von Bayern, der Befehl des Deutschen Kaisers ein: daß, „falls die Russen bei der Heeresgruppe Böhm-Ermolli angreifen würden, diese Gruppe zum Angriff über den Nordteil der Gruppe Złoczów auf Tarnopol vorzugehen habe, um die Russen zu schlagen und etwa die Linie Czernowitz—Tarnopol zu erreichen“. Hindenburg und Ludendorff stellten dem Oberbefehlshaber Ost für diesen Angriff ein Generalkommando und sechs Divisionen aus dem Westen in Aussicht. Andere Kräfte, darunter ein zweites Generalkommando, starke Kavallerie und auch schwere Artillerie rollten bereits von den nördlichen Armeen des Prinzen Leopold von Bayern in der Richtung gegen Lemberg heran, oder sollten dorthin noch gefahren werden.
Noch am 29. Juni ließ der Oberbefehlshaber Ost an den GO. Böhm-Ermolli die Mitteilung ergehen, daß man plane, den bevorstehenden russischen Angriff im Abschnitt Złoczów durch eine Gegenoffensive zu beantworten. Hiezu sollten sieben bis acht frische deutsche Divisionen, einschließlich der schon anrollenden 237. ID., eine Kavalleriedivision, dann die schon bei der 2. Armee befindliche Leibhusarenbrigade, und 30 schwere Batterien (S. 240) eingesetzt werden. Den Hauptangriff wolle man aus dem Abschnitt der k.u.k. 33. ID. mit dem linken Flügel den Sereth entlang, einen Nebenangriff über die Höhen knapp nördlich von Zborów führen. Nach Maßgabe des Fortschreitens der Kriegshandlung sollten sich auch die weiter südlich stehenden Teile der Heeresgruppe an der Offensive beteiligen. Die deutschen Verstärkungen sollten jedoch erst beigestellt werden, wenn die Heeresgruppe tatsächlich angegriffen wurde.
Als am 30. Juni über den russischen Angriff kein Zweifel mehr bestehen konnte, ließ GFM. Hindenburg unverzüglich die Truppenverschiebungen beginnen. Aus dem Westen rollten das Generalkmdo. des XXIII. RKorps, die 1. und die 2. GID., die 5. und die 6. ID. sowie die 16. RD., aus Litauen das Generalkmdo. LI gegen Lemberg heran. Weitere Kräfte sollten folgen, und zwar die 20. ID. aus dem Westen, die 232. ID. aus Litauen und die bayr. KD., • verstärkt durch eine komb. KavBrig. und zwei Jägerbataillone, aus Wolhynien. Die Heeresfront Erzherzog Joseph stellte 22 Batterien, darunter 13 schwere, zur Verfügung und machte überdies in den ersten Julitagen auf Befehl der k.u.k. Heeresleitung die 8. bayr. RD. für den Angriff frei. Mehr zu geben, schien der Heeresleitung zur Zeit nicht möglich, da alle verfügbaren Heeresreserven zur Abwehr eines neuen Ansturmes der Italiener am Isonzo bereitgehalten werden mußten.
Noch in den letzten Junitagen hatten der Oberbefehlshaber Ost und das Heeresgruppenkommando Böhm-Ermolli mit den Angriffsvorbereitungen begonnen, mit deren Durchführung der Kommandant des Abschnittes Złoczów, GdI. Winckler, beauftragt wurde. Die artilleristischen Vorbereitungen und das Heranführen der Truppen mußten etwa 14 Tage in Anspruch nehmen und konnten daher nicht vor Mitte Juli beendet sein. Schon am l.Juli setzte aber die im vorigen Kapitel geschilderte russische Offensive ein. Dii Erfolge des Feindes gegen den Südflügel der 2. Armee zwangen den Oberbefehlshaber Ost, die für den Gegenangriff bestimmte 237. ID. dem Abschnitt Złoczów zu überweisen und das gerade eingetroffene Generalkmdo. LI an Stelle des k.u.k. IX. Korpskmdos. in die Front zu stellen (S. 251). Als der Einbruch der Russen bei Zborów durch deutsche Truppen aufgefangen war, aber die starken feindlichen Angriffe gegen die Südarmee noch weiter gingen, erteilte der Oberbefehlshaber Ost am 3. Juli dem GO. Böhm-Ermolli die Weisung, daß die Gegenoffensive zu beginnen habe, sobald die für den ersten Stoß erforderlichen Kräfte eingetroffen seien. Es sollte nicht auf den Aufmarsch der zuletzt anrollenden Kräfte — die 20. und die 92. ID. sowie die an Stelle der 232. ID. verfügbar gemachte 42. ID. — gewartet werden. GFM. Prinz Leopold von Bayern bestimmte den 12. Juli für den Beginn des Gegenschlages bei Zborów. Demgegenüber hielt es GO. Böhm-Ermolli für ratsam, die Offensive erst mit völlig versammelten Kräften zu beginnen, zumal der Aufmarsch der Artillerie am 12. Juli noch nicht beendet und die schwere Artilleriemunition bis dahin noch nicht herangeschafft sein konnte. Diesen berechtigten Bedenken vermochte sich der Oberbefehlshaber Ost nicht zu verschließen und er setzte nun den 14. Juli für den Beginn des Angriffes fest.
Eifrig rüstete die Führung zur Gegenoffensive. Da drohten in der zweiten Juliwoche die schwerwiegenden Ereignisse bei der k.u.k. 3. Armee die Pläne des Oberbefehlshabers Ost zunichte zu machen. Gelang es nicht, den Angriff der Russen südlich vom Dniester zum Stehen zu bringen, und ging der Rückzug der 3. Armee über die Łomnica weiter, so waren Stryj, der Hauptetappenort der Südarmee, und die für die Kriegsführung wichtigen Ölquellen von Drohobycz bedroht. In dieser Gefahr mußten die 8. bayr. RD. und di^ bayr. KD. sowie zwei von den sechs Divisionen (16. RD. und 20. ID.), die Ludendorff aus der schwerringenden Westfront gelöst hatte, um im Osten zur Offensive übergehen zu können, nach Süden abgedreht werden. Überaus schwer fiel es dem GFM. Prinzen Leopold von Bayern, die bayr. KD. zum Stützen der Front der k.u.k. 3.Armee verwenden zu müssen. Er hatte diese mit besonderer Liebe ausgerüstete und durqh eine komb. KavBrig. sowie durch zwei Jägerbataillone verstärkte Division mit der Leibhusaren-brigade zu einem Kavalleriekorps vereinigen wollen, um es nach dem Durchbruche der feindlichen Front bei Zborów über den Sereth werfen und östlich des Flusses zu überholender Verfolgung nach Süden Vorgehen zu lassen. Nun stand er vor der Frage, ob man den Angriff bei Złoczów überhaupt werde durchführen können. Falls es nicht gelang, die 3. Armee durch die deutschen Verstärkungen zu stützen, dann mußte man vielleicht mit den bis zum 15. Juli in der Gegend von Złoczów versammelten Truppen hinter der Front der Südarmee nach Süden abmarschieren, um die über Kalusz vordringenden Russen in der Flanke anzufallen (S. 276).
Trotz der schweren Krise, von der die k.u.k. 3. Armee heimgesucht wurde, hielt der Oberbefehlshaber Ost an seinem ursprünglichen Plane fest, den Sereth entlang in die Flanke des südlich dieses Flusses stehenden Teiles des russischen Heeres vorzustoßen. Schon am 3. Juli hatte er als Ersatz für das bei Zborów eingesetzte Generalkmdo. LI das Generalkmdo. des Beskidenkorps bestimmt. Während der schweren
Kümpfe der 3. Armee Ließ er an Stelle der nach Süden abgelenkten l(i. RD. die 42. ID. beschleunigt abbefördern und ordnete schließlich auch noch den Abmarsch der 22. ID. von der Lipa nach Złoczów an. Allerdings mußte der Angriffsbeginn auf den 16. Juli verschoben werden, da die ersten Staffeln der 42. ID. frühestens vom 14. an in Lemberg eintreffen konnten.
Am 14. Juli begab sich GFM. Prinz Leopold mit seinem engsten Stabe aus dem Hauptquartier Brest-Litowsk nach Złoczów, um den kommenden Ereignissen näher zu sein. Eine Wendung der Lage kündigte sich inzwischen an. Am Dniester begann der Angriff der Armee Kornilow zu ermatten. Bei Brzeżany hatten die starken feindlichen Angriffe aufgehört. Die Russen zogen vor der Mitte der Armee Bothmer Kräfte aus der Front, offenbar, um sie Kornilow zuzuführen. Auch vor dem Abschnitt Złoczów nahmen sie nach dem vergeblichen Ansturm am 6. Juli Umgruppierungen vor. Auf dem Südflügel ihrer 11. Armee wurden anscheinend das V. Korps mit drei Divisionen und das 1. Gardekorps in die Front geschoben, hingegen das XLIX. Korps mit seinen drei ausgebluteten finnländisehen Divisionen, ferner die 82. ID. und die tschechoslowakische SchBrig. in Reserve gestellt. Vor der k.u.k. 33. ID., also an der gewählten Haupteinbruchsstelle, traten Mitte Juli an Stelle der 22. sib. SchD. frische Streiter, Truppen des aus Wolhynien herangeführten XXV. Korps, in die Front. Das von der rumänischen Front herangezogene XLV. Korps gelangte nach Trembowla. Anscheinend trafen die Russen bei Złoczów bereits Abwehrmaßnahmen, vielleicht erwarteten sie einen deutschen Schlag bei Kałusz oder verlegten das Schwergewicht ihrer Kräfte auf das nördliche Dniesterufer zur Wiederaufnahme der Offensive. Diese Lage forderte die eheste Durchführung des Gegenangriffes, um den Feind noch im Augenblick der größten Schwäche, nach abgeschlagenem Angriff, zu treffen. Da trat ein neues Erschwernis hinzu. Die seit dem 12. Juli niederströmenden schweren Regengüsse durchweichten alle Straßen und Wege, ließen die Gewässer steigen, überschwemmten die Niederungen des Sereth und der Strypa und machten einen neuerlichen Aufschub der Kriegshandlung unvermeidlich. Als am 16. Juli wieder trockenes Wetter eintrat, wurde der 19. endgültig für den Beginn des Gegenschlages festgesetzt.
Für den Hauptangriff marschierte hinter der k.u.k. 33. ID. im Abschnitt zwischen Harbuzów und Zwyżyn das XXIII. RKorps unter GdI. v. Kathen mit drei Divisionen (1. und 2. GID., 6. ID.) auf. Dahinter standen die 5. und die 22. ID. der Deutschen unter dem Generalkmdo. LI, württ. GLt. v. Berrer, bereit. Ihre Aufgabe war es, dem rechten Angriffsflügel zu folgen, um nach Südosten und nach Süden einzuschwenken und die russische Stellung aufzurollen. Die k.u.k. 33. ID. hatte sich nach gelungenem Angriff hinter dem linken Flügel zu sammeln und am Sereth die Sicherung gegen Norden zu übernehmen. Für einen Nebenangriff, der südlich der Haupteinbruchsstelle zu führen war, wurde aus der 197., GLt. Wilhelmi, und der 237. ID., aus zwei Regimentern der k.u.k. 32. ID. und einem Regiment der k.u.k. 19. ID. die Gruppe Wilhelmi gebildet. Ihre Aufgabe war zunächst nur die Wegnahme der Höhen nördlich von Zborów. Südlich davon hatte das Generalkommando des Beskidenkorps an Stelle des Generalkommandos LI den Befehl über die 96. und die 223. ID. übernommen. Als Reserve des Oberbefehlshabers Ost wurden bei Złoczów die 42. und die 92. ID. der Deutschen sowie die verstärkte Leibhusarenbrigade gesammelt. Insgesamt waren für den Hauptangriff sieben deutsche und eine öst.-ung. Infanteriedivision sowie eine Kavalleriebrigade, für den Nebenangriff l2/3 deutsche Infanteriedivisionen und drei k.u.k. Infanterieregimenter aufgeboten.
Die k.u.k. Heeresleitung sah nicht ohne Bedauern, daß bei dem bevorstehenden großen Offensivunternehmen, durch das nicht nur die Scharte von Zborów ausgewetzt, sondern auch Ostgalizien befreit werden sollte, so wenig öst.-ung. Truppen an entscheidender Stelle eingesetzt waren. Unter Hinweis auf die vor den Heeresgruppen Linsingen und Mackensen vorgenommenen Kräfteverminderungen der Russen bemühte sich Gdl.Arz am 7. und 8. Juli, bei der DOtłL. die Beiziehung weiterer k.u.k. Truppen zum Angriff zu erreichen. Da der Oberbefehlshaber Ost aber eben die deutsche 22. ID. aus der Front Linsingens gezogen hatte und die Lage in Rumänien nicht geklärt war, ging man deutscherseits auf diese gewiß berechtigten Wünsche nicht weiter ein.
Das nächste Ziel für den Hauptangriff bei Złoczów waren Zalośce und die Höhen nördlich von Zborów. Die russischen Stellungen sollten in erster Linie durch Minenwerfer sturmreif gemacht werden. Der Artillerie war die Niederhaltung der feindlichen Artillerie und die Bekämpfung der hinteren russischen Linien zugedacht. Es war die Absicht, im Verlaufe der Operationen den Nachdruck immer mehr auf den linken Flügel zu legen, diesen längs der gegen Nordosten sichernden Seenlinie des Sereth zu führen und dann den in ihrem Angriff gescheiterten russischen Armeen die rechte Flanke abzugewinnen. Die
Südarmee sollte durch Drohung mit einem Angriff den Feind über die Angriffsrichtung täuschen und seine Kräfte binden ,).
Einsturz der Russenfront zwischen Sereth und S t r y p a
(19. bis 21. Juli)
Hiezu Beilage 16
Als die deutschen Angriffsdivisionen hinter den Stellungstruppen des Abschnittes Złoczów zum Gegenschlag aufmarschierten, nahm der Oberbefehlshaber der russischen Südwestfront, GdI. Gutor, seine letzte Umgruppierung vor (S. 281). Er verstärkte die Armee Kornilow durch das II. Gardekorps und das II. Kavalleriekorps zu einem neuen Angriff, der beiderseits vom Dniester auf Rohatyn und Żydaczów geführt werden sollte. Die 7. Russenarmee hatte bei Brzeżany den Gegner mit Artillerie kräftig zu bekämpfen und seine Kräfte zu binden. Die 11. Armee sollte den Stoß auf Złoczów erneuern und den Abschnitt an der Złota Lipa gewinnen. Als Verstärkung wurde der 11. Armee das XXV. Korps zugeführt und überdies das XLV. Korps als Heeresfrontreserve bei Trembowla versammelt. Die neugeplante Offensive bei der 8. und 11. Armee sollte am 13. Juli beginnen29). Allein alle Bemühungen der russischen Heeresleitung scheiterten an dem Widerstand der Truppen, die es ablehnten, noch einmal anzugreifen (S. 281). Inzwischen kam der
19. Juli heran.
Um diese Zeit hatte die von der Polanka bis in die Gegend nördlich von Kozowa reichende 11. Russenarmee (I. turk. Korps, VII. Kavalleriekorps, XXXII., V. sib., XVII.,XLIX., V. Korps, I. GKorps, VI., XXV. Korps, 11. kauk. KosD., 1. TransbaikalKosD.) auf ihrem linken Flügel fünf Korps in der Front und zwei in Reserve stqhen. Die 7. Russenarmee bestand jetzt nur mehr aus vier Korps (XLI., VII. sib., XXXIV. und finn. XXII.) und aus der 3. Orenburger Kosakendivision.
Als die Batterien der deutschen Südarmee am 17. Juli die russische Artillerie und die feindlichen Infanteriestellungen zwischen Lipnica Dolna und Koniuchy kräftig zu beschießen begannen, und am 19. Stoßtrupps der k.u.k. 54. ID. in das Dorf Byszki eindrangen, erblickten die Russen darin offenbar die Anzeichen eines bevorstehenden Angriffes gegen ihre 7. Armee. Die Gegenwirkung der russischen Artillerie wurde erheblich gesteigert. Mehrfach wurde beobachtet, daß der Russe seine Stellungen stark besetzte und Verstärkungen heranzog, die dann, von unserer Artillerie gepackt, sichtbar Verluste erlitten. Der beabsichtigte Zweck, den Feind über die Angriffsrichtung zu täuschen und seine Kräfte zu binden, schien somit vollkommen erreicht zu sein.
Am 19. Juli um 3h früh eröffneten 600 Geschütze sowie 180 schwere und mittlere Minenwerfer zwischen Zborów und Zwyżyn eine überwältigende Kanonade, die zunächst als Gasschießen, dann als Zerstörungsfeuer sieben Stunden lang gegen die russischen Batterien und Infanteriestellungen wütete. Um 10h vorm. brachen die vier Divisionen des GdI. Kathen (deutsche 6. ID., 1. und 2. GID., k.u.k. 33. ID.) zwischen Perepelniki und Zwyżyn zum Angriff vor und durchstießen in einem Zuge sämtliche vor ihnen liegende russischen Kampflinien. Schon nach wenigen Minuten war die erste russische Stellung durchbrochen und gegen Mittag auch die zweite Stellung überschritten. Wohl schlug dem Angreifer anfangs noch schwaches Artilleriefeuer und auch Gewehrfeuer entgegen, aber bald stellten die russischen Batterien ihr Feuer ein und traten den Rückzug an. Die deutsche 6. ID. überschritt schon um 10h 20 vorm. den Sereth, nahm Harbuzów und drang dann bis gegen Trościaniec vor. Die l.GID. erreichte den Wald von Brodki. Die Truppen des XXV. Russenkorps flüchteten, von dem Rückzug eines meuternden Regiments der 6. GrenD. mitgerissen, in der Richtung auf Zalośce zurück1).
Nur in Zwyżyn hielten Gruppen der 6. sib. SchD. noch hartnäckig stand, aber von Süden und Südosten her drang das linke Flügelreg^-ment der 2. GID., Kaiser Franz2), von Norden das k.u.k. IR. 19 der 33. ID. mit Bajonett und Handgranaten in den Ort ein. Die 2. GID. erreichte fechtend den Sereth und erstürmte noch am Nachmittag Ra-tyszcze. Rechts von dem deutschen XXIII. RKorps drang inzwischen das Korps des GLt. Berrer (5. und 22. ID.), allerdings durch Stauungen und Kreuzungen mit den hinteren Teilen der 6. ID. in der stark versumpften Serethniederung aufgehalten, mit der 5. ID. in südöstlicher Richtung gegen den Ort Olejów vor. Der Feind, dessen Aufmerksamkeit
1) Knox, II, 653 ff.
2) Rieben, Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiment (Oldenburg-Berlin 1929 , 384 ff.
offenbar durch das starke Artilleriefcuer und durch die Stoßtruppenunternehmen bei der Südarmee abgelenkt worden war, wurde völlig überrascht und zog sich auch vor diesem Korps eilig zurück. Zwei deutsche Regimenter der Gruppe GLt. Wilhelmi waren schon eine Stunde vor dem Angriff der Korps Kathen und Berrer zum Sturme angetreten und hatten dem XVII. Russenkorps die Höhen bei Zborów entrissen. Um diesen Angriff zu unterstützen und den Feind zu täuschen, waren auch Stoßtrupps der 223. ID. vorgegangen. Sie drangen in Koniuchy ein und zogen starke russische Reserven auf sich, vor deren Gegenangriffen das Dorf wieder geräumt wurde.
Wider Erwarten schnell hatten die Angriffsgruppen des Abschnittes Złoczów ihr Tagesziel erreicht. Schon ihrem ersten Ansturm war der Feind erlegen und fluchtartig unter dem vernichtenden Feuer der Angriffsartillerie zurückgegangen. Er schien auch schon vor der rechts und links anschließenden 197. ID. und vor der 12. LD. seine Front abzubauen. Gegen den Nordflügel des XXIII. RKorps herangeführte russische Verstärkungen hatten nicht eingegriffen. Ein von Süden über Lopuszany angesetzter russischer Gegenstoß wurde von Teilen der deutschen 5. ID., die um 3h nachm. die Höhe nördlich von Olejów gewonnen hatte, glatt zurückgeworfen.
In dem Bestreben, den errungenen Erfolg kräftig auszunützen und dem Feinde keine Zeit zu lassen, sich erneut festzusetzen, erteilte GdI. Kathen bald nach 5h nachm. seinen Divisionen den Befehl, die Verfolgung fortzuführen. Unaufhaltsam stießen die Angreifer dem weichenden Feinde gegen Süden und Südosten nach. Das Korps Berrer drang mit der tiefgestaffelten 22. ID. abends in die Wälder von Hukalo wee ein und nahm die Höhe Jamny sowie die Erhebungen um Olejów, ohne auf nennenswerten feindlichen Widerstand zu treffen1). Die 5.ID. entriß dem Feinde in Nachtkämpfen das hartnäckig verteidigte Dorf Brzowica. Auch von den Truppen des XXII. RKorps wurden die ersten Kampfziele weit überschritten. Die 6. ID. erreichte trotz des am Spätnachmittag einsetzenden strömenden Regens die Gegend von Bialo-kiemica; die 1. GID. gelangte nach dem Orte Załośce. Die 2. GID. und die k.u.k. 33. ID. schwenkten gegen Ratyszcze an die Serethfront auf.
Der Durchbruch war vollkommen geglückt und in die feindliche Front eine 20km breite Bresche geschlagen. 2900 Gefangene, darunter
1 Schmidt und Ahlhorn, 2. Kurhessisches Infanterie-Regiment Nr. 82 'Oldenburg-Berlin 1922), 87 ff. — Clausius, Infanterie-Regiment v. Wittich ^3. Kur-heisisches Nr. 83 Oldenburg-Berlin 1926,, 105 ff.
zwei Regimentskommandanten, und 83 Offiziere, ferner 10 Geschütze waren die Beute des Tages.
Am 20. Juli ging der Angriff planmäßig weiter. Die Gruppe Wilhelmi sowie die Korps Berrer und Kathen stießen, um den rechten Flügel schwenkend, weiter gegen Südosten vor, brachen rasch den Widerstand einzelner russischer Gruppen und erzielten südlich vom Sereth einen neuerlichen Raumgewinn von 16 km Tiefe in der einstürzenden Russenfront. Der Kommandant der russischen 11. Armee, Gen. Erdeli, warf seine Reserve, das XLIX. Korps, in die zurückflutenden Massen, vermochte aber der Katastrophe nicht mehr zu begegnen. Ein großer Teil der russischen Soldaten lehnte es ab, zum Gegenangriff zu schreiten und verlor schon durch das Artilleriefeuer des Gegners den Halt. Das XVII. Korps räumte, ohne Widerstand zu leisten, seine Stellungen und auch das I. GKorps, das gerade in der Front durch das V. Korps abgelöst worden war, zog eigenmächtig ab. Dadurch war das V. Korps in der Nordflanke durch Umfassung bedroht und mußte in die Linie Koniuchy—Kuklińce zurückgenommen werden1).
Als am 20. Juli nachmittags das Beskidenkořps (223. und 96. ID.) das seine Stellung abbrechende V. Russenkorps angriff und Augustówka und Jozefówka erreichte, befahl GdI. Bothmer dem k.u.k. XXV. Korps die Wiedereinnahme der alten österreichischen Stellung östlich des Koniuchybaches, um das Vorwärtskommen der am rechten Flügel des Beskidenkorps um das Dorf Koniuchy schwer kämpfenden 223. ID. zu erleichtern. Gegen Mitternacht war Byszki nach kurzem Handgemenge in den Händen der k.u.k. 54. Division. Damit war auch der linke Flügel der Südarmee in Bewegung gekommen. Auf dem übrigen Teil der Armeefront trafen die sehr rege streifenden Patrouillen überall noch auf stark besetzte Gräben; auch wurde erkannt, daß sich hinter der russischen Front lebhafter Wagen- und Autoverkehr abspielte. GdI. Bothmer setzte am 20. nachmittags alle seine verfügbaren Fliegerverbände zum Angriff auf Tarnopol an. Mit Bomben und Maschinengewehrfeuer überfielen die Flugzeuge die auf den Straßen der Stadt im Rückzug sich stauenden Truppen und Fuhrwerke des Feindes und vergrößerten die herrschende Verwirrung. In der Nacht auf den 21. Juli löste GdI. Bothmer die 15. RD. aus dem Frontabschnitt des XXV.RKorps, um auf den nördlichen Armeeflügel, dem beim weiteren Vordringen entscheidende Bedeutung zufiel, eine Reserve zu haben -).
*) Zajontschkowskij, Feldzug 1917, 78 ff.
-) Oberkommando der Südarmee, Der Feldzug in Ostgalizien 1917.
Für den 21. Juli befahl GdI. Winckler seinen vier Korps, den Stoß in südwestlicher Richtung fortzusetzen. Der Oberbefehlshaber Ost stellte von seinen Reserven dem Abschnitt Złoczów für den Flankenschutz am Sereth die 92. ID. zur Verfügung. Dafür war die mittlerweile beiderseits von Załośce gegen Nordosten eingesetzte LeibHusßrig. zur Verfolgung der geschlagenen Russen freizumachen. Die 42. ID. sandte Prinz Leopold dem vorwärtsstürmenden XXIII. RKorps nach. Er schuf sich in der deutschen 20. ID., die aus dem Bereiche der k.u.k. 3. Armee beschleunigt nach Jezierna zu befördern war, eine neue Reserve.
Der Oberbefehlshaber der russischen Südwestfront, Gen. Gutor, hatte am 20. Juli der 11. Armee den Befehl erteilt, auf der ganzen Front zwischen Sereth und Strvpa zum Gegenangriff zu schreiten. Das nunmehr der 7. Armee unterstellte VI. Korps sollte seinen rechten Flügel auf Budyłów zurücknehmen, um dann von Süden her in Flanke und Rücken des eingebrochenen Gegners vorzustoßen. Der Höchstkommandierende, GdI. Brussilow, sandte dem Führer der russischen 11. Armee ein Telegramm, in dem er einen Aufruf an die revolutionären Soldaten richtete, Tarnopol dem Gegner nicht preiszugeben und die deutsche Gegenoffensive aufzuhalten. Gleichzeitig erging an Kornilow der Befehl, den Angriff in der Richtung auf Rohatyn aufzunehmen. Auch sollte jetzt die bei Smorgon und Jakobstadt beginnende russische Offensive (S. 286) den Armeen in Galizien Entlastung bringen1).
Allein am 21. Juli morgens setzten die Verbündeten den Druck zwischen Strypa und Sereth in südöstlicher Richtung fort. Die Hauptangriffsgruppe des GdI. Winckler (Gruppe Wilhelmi, Korps Berrer und XXIII. RKorps) stieß entlang der Straße nach Tarnopol und auf dem südlichen Serethufer kraftvoll vor und brach, allerdings unter hartnäckigen Gefechten mit den Nachhuten des Feindes, jeden Widerstand. Vor dem Nordflügel des Abschnittes Złoczów flüchtete das XVII. Russenkorps in wirren Massen planlos über den Sereth. Das russische V. Korps sah sich von den vorwärtshastenden deutschen Verfolgungskolonnen bei Jezierna umfaßt und nach Süden abgedrängt. Es wich über Kozłów auf Myszkowice zurück. Das russische VI. Korps hingegen bot, obgleich seine Verbindung mit dem weichenden V. Korps verlorengegangen war, den Deutschen im Strypagrund bei Budyłów noch die Stirne.
In der Richtung auf diesen Ort war dem k.u.k. XXV. Korps der Armee Bothmer für den 21. Juli zunächst die Fortführung derAngriffs-
Xj Zajontschko wskij, Feldzug 1917, 79.
bewegung in engster Fühlung mit dem Beskidenkorps befohlen worden. Schon am 21. vormittags bezeichnete aber ein Befehl des Gdl. Bothmer an den FML. Hofmann als nächste Aufgabe für das k.u.k. XXV. Korps, den feindlichen Widerstand nördlich der für den Feind sehr wichtigen Bahnlinie Kozowa—Tarnopol zu brechen. Die linke Flügeldivision, die 54. ID., GM. Severus, setzte sich nachmittags in den Besitz der Höhen bei Ceniów und erreichte am Abend bereits Olesin. Die 55. ID., GM. Unschuld, schloß sich diesem Vorgehen an und gelangte mit ihren Vortruppen bis in die Gegend südwestlich von Olesin. Die deutsche 241. ID. unterstützte mit ihrer Artillerie den Übergang der 55. ID. über die Ceniówka; die ihr am linken Flügel unterstellte k.u.k. 129. IBrig. konnte abends gleichfalls diesen Bach überschreiten. Der Rest der 241. Division fand dagegen ebenso wie die anderen Teile der Armee Bothmer noch hartnäckigen Widerstand. Die Flieger, die am
21. aufgestiegen waren, nahmen jedoch vor dem XXV. RKorps, GLt. v. Heineccius, und dem k.u.k. XXV. Korps lebhafte rückgängige Bewegungen auf den Straßen und Bahnen wahr. Allenthalben leuchteten hinter der russischen Front Brände von Ortschaften und Lagern auf, wie immer ein untrügliches Zeichen dafür, daß der Rückzug des Feindes auch vor dem ganzen Nordflügel der Armee Bothmer bereits im Gange sei.
Im Bereiche des Abschnittes Złoczów waren die Angriffsdivisionen des Beskidenkorps, der Gruppe GLt. Wilhelmi sowie der Korps Berrer und Kathen am 21. abends bereits bis nach Budyłów, Kozłów und auf die Höhen westlich von Tarnopol vorgedrungen. Dadurch waren das VI. und das XLI. Korps der 7. Russenarmee von Norden umklammert und gezwungen, ihre Stellungen zwischen der Strypa und Złota Lipa preiszugeben. Unter dem Schutze von Nachhuten gingen die beiden Russenkorps in der Nacht auf den 22. Juli gegen Süden bis über die Bahnlinie Kozowa—Tarnopol zurück. Das V. Korps sammelte sich südlich von Tarnopol im Serethtal bei Myszkowice; zwischen ihm und dem rechten (VI.) Korps der 7. Armee war die Front weit aufgerissen, ohne daß es möglich gewesen wäre, diese Bresche rasch und verläßlich zu schließen.
Als der russische Höchstkommandierende am 21. Juli das Unheil bereits über die 7. Armee hereinbrechen sah, gab er den Befehl, den beabsichtigten Angriff gegen Rohatyn aufzugeben. Gleichzeitig gestat-. tete er dem Gen. Kornilow, die 8. Armee zurückzunehmen, falls auch ihr durch die Umklammerung von Norden Gefahr drohe. Auch der
bei Smorgon begonnene russische Angriff sollte eingestellt werden, wenn er keinen raschen Erfolg brächte, und dafür das X. Korps von der Westfront nach Galizien entsendet werden. Aber nach dem schweren Mißerfolge bei Smorgon weigerten sich die Truppen des X. Korps, den bedrängten Armeen in Galizien zu Hilfe zu kommen. Allerdings standen in Ostgalizien noch zwei Korps, das XLV. und das XXXIV. Korps, hinter der 7. Armee in Reserve. Diese beiden Korps sollten die zwischen der 7. und der 11.Armee aufgerissene Bresche schließen. Bevor sie jedoch das Kampffeld erreichten, brach neues Unheil über die Russen herein.
Mit dem Durchbruche der russischen Front zwischen Sereth und Strypa hatte Prinz Leopold das erste Ziel der Gegenoffensive vollkommen erreicht. Durch die nun anschließende Kriegshandlung sollte die westlich vom Sereth stehende russische Front nach Süden aufgerollt und der Feind bis zum Dniester und darüber hinaus bis zum Fuß der Waldkarpathen ins Wanken gebracht werden.
Um die weiteren Kriegshandlungen in die gewollten Bahnen zu lenken, hielt der Prinz Leopold die Herausgabe von neuen Weisungen für notwendig. Nach Osten sollte der Angriff nicht über Tarnopol und die den Besitz der Stadt sichernden Höhen auf dem östlichen Sereth-ufer fortgeführt werden. Als Flankenschutz nach Nordosten hatten auf dem Westufer des Sereth die 2. GID. in der Gegend nordwestlich von Tarnopol, die 92. ID. beiderseits von Zalośce und die k.u.k. 33. ID. noch weiter links, zwischen Ratyszcze und Zwyżyn, starke Feuerstellungen auszubauen und ausreichend zu besetzen. Hingegen war der Angriff mit starkem linkem Flügel und mit dem Schwergewicht in südöstlicher Richtung fortzusetzen. Die Südarmee und die 3. Armee sollten sich dem Vorgehen der Stoßgruppe des GdI. Winckler anschließen, sobald der Feind vor ihrer Front zu weichen beginne. Dem rechten Flügel des Abschnittes Złoczów wurde als Vormarschziel Strusów am Sereth gegeben, als Trennungslinie für die Verfolgung der Südarmee und der Armee Tersztyánszky der Dniester bestimmt. Dem Abschnitt Złoczów wurde ferner aufgetragen, bei der zu erwartenden Verengung des Angriffsstreifens Reserven zur Verfügung des Oberbefehlshabers auszuscheiden. Schließlich war die am Südflügel der Armee Bothmer stehende 75. RD. durch die deutsche 83. ID. abzulösen. Die erstgenannte mußte wegen des Einbruches der Russen bei Smorgon (S. 286) vom 23. Juli an in den Bereich der deutschen 10. Armee abtransportiert werden.
Die Verfolgung bis an den Zbrucz
(22. bis 25. Juli)
Hiezu Beilage 17
Verfolgungskämpfe des Abschnittes Złoczów und der
Südarmee
In der Nacht auf den 22. Juli sammelten sich die hinter den Sereth geflüchteten Korps — XXV., XVII., XLIX. und das I. GKorps — der 11. Russenarmee zwischen Załośce und Tarnopol zu neuem Widerstand. Das aus der Gegend von Trembowla heranbefohlene XLV. Korps erreichte mit seinen vordersten Truppen gleichfalls schon den Raum von Tarnopol. Das V. Korps, das von Kozłów südwärts auf Myszkowice gewichen war, machte auf dem Ostufer des Sereth wieder halt. Nach wie vor klaffte aber zwischen Mikulińce und der Strypa eine große Lücke in der russischen Front. Auf dem Nordflügel der 7. Russenarmee befanden sich die Divisionen des VI. und des XLI. Korps in übereiltem Rückzuge über die Bahnlinie beiderseits Kozowa nach Süden und gerieten durcheinander. Auch begann jetzt das finn. XXII. Korps seine Front bis Slawentyn abzubauen, worauf die 8. Russenarmee ihren Nordflügel (III. kauk. Korps) gegen Nosów zurücknahm1).
Als der Feind am 22. Juli bis zur Zlota Lipa und darüber hinaus bis zur Narajowka den Rückzug anzutreten begann, gab der Oberbefehlshaber Ost um Mittag neue Weisungen (S. 300) für die weiteren Operationen heraus. Das Ziel war zunächst die Vernichtung möglichst großer Teile der im Winkel zwischen dem Sereth und dem Dniester eingeklemmten russischen Kräfte. GFM. Prinz Leopold von Bayern befahl hiezu die Weiterführung des Angriffes in südöstlicher Richtung. Der Schwerpunkt mußte jetzt auf die Südarmee übergehen, der vom
23. Juli abends an die Gruppe GLt. Wilhelmi (197., 237. ID. und drei k.u.k. Infanterieregimenter der 19. und der 32. ID.), das Beskidenkorps (96. und 223. ID.) sowie die verstärkte Leibhusarenbrigade unterstellt wurden. Dem Abschnitt Złoczów verblieben neben der aus der k.u.k. 33. ID. und der deutschen 92. ID. neugebildeten Gruppe GLt. Melior noch das XXIII. RKorps (6. ID., 1. und 2. GID.) sowie das Korps Berrer (22. und 5. ID.), endlich die ihm zur Verfügung gestellte deutsche x) Zajontschko wskij, Feldzug 1917. 79 ff.
42. Division. GdI. Winckler hatte mit seinem rechten Flügel die Sereth-linie zwischen Trembowla lind Tarnopol zu gewinnen.
Für den Nordflügel der Südarmee ordnete GdI. Bothmer im Sinne der neuen Weisungen des Oberbefehlshabers Ost an, daß das k.u.k. XX Y. Korps, das den Angriff bisher aus der alten Stellung in östlicher Richtung geführt hatte, ebenfalls in scharf südöstlicher Richtung auf Bur-kanów eingedreht werde. Diese Stoßrichtung mußte den vor dem Nordflügel der Südarmee zurückflutenden Feind (VI. und XLI. Korps) von seinen Rückzugslinien abtrennen und auf die Verbindungen der weiter südlich stehenden Korps werfen. Auch hatte diese Operationsrichtung den Vorteil, daß es dem Feinde unmöglich gemacht wurde, die von Norden nach Süden streichenden Flußabschnitte der Zlota Lipa, des Koropiecbaches und des Sereth als Nachhutstellungen auszunützen.
Der Führer der 7. Russenarmee, Gen. Bjelkowitsch, suchte am
22. Juli mit dem von Podhajce an seinen rechten Flügel herangeführten XXXIV. Korps die bereits klaffende Lücke zwischen dem Sereth und der Strypa zu schließen. Aber die Verfolger waren rascher. Die Gruppe Wilhelmi und westlich von ihr das Beskidenkorps schwenkten am 22. über Kozłów und Budylów scharf nach Südosten ein und überschritten schon an diesem Tage die Bahnlinie Kozowa—Tarnopol. Dabei drängte sich allerdings der linke Flügel der Südarmee mit dem den Russen scharf nachstoßenden Beskidenkorps zusammen. Es kam zu Marschkreuzungen und die k.u.k. 54. ID. gelangte hinter den rechten Flügel <223. ID.) des Beskidenkorps. Raumgreifend gestaltete sich hingegen die Verfolgung der k.u.k. 55. ID.; sie hatte am 22. nur schwächeren Widerstand russischer Nachhuten auf den Höhen südwestlich von Kozowa zu überwinden und erreichte abends die Gegend zwischen diesem Orte und Uwsie.
Gegen Morgen begann das finn. XXII. Korps gegenüber dem Abschnitt Rohatyn (deutsches XXV. RKorps) seine Stellungen beiderseits der Zlota Lipa zu räumen. Alle Divisionen des XXV. RKorps (241. ID.,
4. ErsD., 20. türk. ID.) drängten nach, wobei das Überschreiten des eigenen und des feindlichen Grabennetzes einige Schwierigkeiten bereitete. Die Artillerie der 241. ID. kam auf der nach Kozowa führenden Straße, die von Truppen und Trains des k.u.k. XXV. Korps verstopft war, nur langsam vorwärts. Dieses Abbleiben der Batterien war die Ursache, daß der feindliche Widerstand auf der Hügelflur zwischen der Złota Lipa und dem Koropiecbach vom XXV. RKorps bis zum Abend nicht mehr gebrochen werden konnte.
Gegenüber dem deutschen XXVII. RKorps (53. RD., 24. RD., 38. HID., 83. ID. und deutscher Landsturm) räumte das III. kauk. Korps am 22. vormittags, von Norden beginnend, seine Stellungen. Die 53. RD. stieß dem Feinde sofort bis auf die Höhen östlich der Narajowka nach und ermöglichte dadurch auch der 24. RD. das Überschreiten des Flusses1). Vor der 38. HID. und der deutschen 83. ID. südlich vom Dniester hielt der Feind noch stand; in der Nacht auf den 23. erstürmte die vom GM. v. Molnár befehligte 38. HID. jedoch die Höhen östlich von Bolczowce.
Damit löste sich am 22. Juli bereits die ganze russische Front vom Dniester bis zum Sereth. Das war das unerwartete und unerfreuliche Ergebnis der großen Sommeroffensive, zu der sich das revolutionäre Rußland aufgerafft hatte. Das Unheil, das jetzt durch den großen Gegenangriff der Mittelmächte über die russischen Armeen Galiziens hereingebrochen war, blieb nicht ohne schwerwiegende Folgen für Rußland. Schon Mitte Juli waren in Petersburg bolschewikische Unruhen ausgebrochen, die die Entsendung von Truppen der Westfront in die Hauptstadt nötig machten. Die bolschewikische Strömung drohte jetzt alles mitzureißen. Einstweilen vermochte sich allerdings Kerenski noch zu behaupten. Er wurde am 20. Juli an Stelle des Fürsten Lwow Ministerpräsident der Provisorischen Regierung neben seinem Amt als Kriegsminister. Da die revolutionäre Begeisterung allein nicht imstande gewesen war, dem Angriff der Mittelmächte erfolgreich zu begegnen, suchte jetzt Kerenski, mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet, den alten Soldatengehorsam, die Manneszucht und die Befehlsgewalt im zerrütteten Heere wiederherzustellen. Er hielt strenge Musterung unter den Generalen. Gutor büßte die Niederlage der 11. und der 7. Armee mit seiner Enthebung. Gen. Kornilow, der Sieger über die k.u.k. 3. Armee, wurde an Stelle Gutors zum Oberbefehlshaber der südwestlichen Armeen ernannt. Gen. Erdeli, der bisherige Kommandant der 11. Armee, erhielt den Befehl über die Besondere Armee, während ihr bisheriger Führer, Gen. Balujew, die 11. Armee und Gen. Tscheremisow die 8. Armee übernahmen.
Gen. Kornilow, der neue Oberbefehlshaber der Südwestfront, erkannte sofort, in welche außerordentlich schwierige Lage die 7. Armee durch die deutsche Umklammerung geraten war. Nachdem am 22. der Versuch des XXXIV. Korps, bei Kozowa das Vordringen des Gegners
r Winzer, Das Kgl. Sächs. Res.-Infanterie-Regiment Nr. 243 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Dresden 1927), 193 ff.
aufzuhnlten, mißlungen war, und das XXII. Korps sowie das III. kauk. Korps ihre Stellungen geräumt hatten, entschloß sich Kornilow, die
7. Armee noch in der Nacht auf den 23. bis in die Linie Mikulińce— Burkanów—Olesza—Monasterzyska zurückzuführen. Im Zusammenhang mit diesen Bewegungen hatte die zu weit vorgedrungene 8. Armee ihre Front auf Monasterzyska, in den Raum westlich von Stanislau, auf Nadworna und nach Tartarów, an den oberen Pruth zurückzunehmen. Die in den Waldkarpathen stehenden Korps XI, XX11I und XVIII der
S. Armee traten am 23. Juli in den Verband der neugebildeten 1. Armee über ’).
Aber auch in den von Kornilow angegebenen neuen Linien gab es kein Halten mehr. Unter leichten Kämpfen mit feindlichen Nachhuten stießen am 23. Juli die Verfolgungskolonnen des Abschnittes Złoczów südlich von Tarnopol bis an den Sereth vor. Das Korps Berrer setzte sich an diesem Tage mit seinen Vortruppen bei Mikulińce— Strusów bereits auf dem rechten Ufer fest. Südlich von Tarnopol erreichte die auf dem rechten Flügel des Korps Kathen kämpfende deutsche 6. ID. den Sereth. Auf den Höhen westlich von Tarnopol traf die 1. GID. auf zähen Widerstand, der nicht gebrochen werden konnte. Die Russen hielten einen Brückenkopf bei Tarnopol stark besetzt. GdI. Winckler beschloß daher, den Angriff auf die Stadt planmäßig vorzubereiten. Hiezu wurde die 42. ID. hinter die 1. GID. gestellt. Nordwestlich von Tarnopol wurde am 23. die 2. GID. am Sereth eingesetzt, links von ihr die 92. ID. in die Front beiderseits Zalośce eingeschoben, und bei Ratyszcze der rechte Flügel der k.u.k. 33. ID. nach Südosten gestreckt (S. 300).
Während der Südflügel der k.u.k. 2. Armee zwischen Strusów und Ratyszcze nach Osten und Nordosten gegen sich versteifenden Widerstand Front machte, schwenkten die Gruppe Wilhelmi und westlich von ihr das Beskidenkorps zwischen dem Sereth und der Strypa immer mehr nach Süden ein, um den flüchtenden Feind durch unausgesetzten Druck auf die rechte Flanke vollends aufzurollen. Am 23. um Mittag stießen die Gruppe Wilhelmi und das Beskidenkorps in ihrer Verfolgung auf den Widerstand des Feindes. Aber das XXXIV. Russenkorps, verstärkt durch die 104. ID., vermochte den Gegner nicht lange aufzuhalten. Kampflos verließen tausende russischer Soldaten ihre Gräben. Das XXXIV. Korps, das zwischen Mikulińce und Burkanów aufgestellt war, um die Flanke der 7. Armee vor Umzingelung zu retten, flüchtete
1 Zajontschko wskij, Feldzug 1917, 82 f. Smilg-ßenario, Von Kerenski zu Lenin, 117.
auf Trembowla und Brykula Str. zurück, worauf auch die übrigen Teile der 7. Armee, das VI., das XLI., das VII. sib. und das finn. XXII. Korps ihren Rückzug von Burkanów und Podhajce auf Olesza und Monasterzyska fortsetzten.
So fand die Südarmee am 23. Juli an ihrer ganzen Front im allgemeinen nur geringen Widerstand. Auf ihrem Nordflügel drang das zwischen der Strypa und dem Koropiecbach nach Süden vorstoßende k.u.k. XXV. Korps an diesem Tage bis auf die Höhen ösdich von Podhajce vor. Die 54. ID. warf am Abend westlich von Burkanów ein zum Kampf sich stellendes russisches Regiment, stürmte Burkanów und war am 24. Juli um 2hfrüh im Besitze des Waldes östlich der Stadt.
Vom XXV. RKorps kam die 241. ID. wegen des aufgeweichten Bodens nur langsam vorwärts; ihre Artillerie hing noch immer weit zurück. Die 4. ErsD. und die 20. türk. ID. brachen im Laufe des Tages hartnäckigen feindlichen Widerstand an der Straße nach Podhajce; die Erstgenannte bemächtigte sich abends der Stadt. Die 53. RD. und die
24. RD. des XXVII. RKorps erreichten am Abend ohne wesentliche Kämpfe die anbefohlene Linie Zamalów—Horożanka. Auch die38.HID. und die südlich vom Dniester fechtende deutsche 83. ID. konnten am
23. Juli den Vormarsch beginnen. Damit war die ganze Front der Südarmee in Bewegung gekommen. Die 38. HID. bemächtigte sich auf dem nördlichen Dniesterufer der Höhe Magsa. Die 83. ID., die bereits um Mittag südlich des Flusses Halicz und die untere Lukawica erreicht hatte, wurde wieder der k.u.k. 3. Armee unterstellt. Die 20. türk. ID., die im August nach der Türkei rückbefördert werden sollte, schied GdI. Bothmer als Reserve aus. Die Gruppe Wilhelmi, das Beskidenkorps und die Leibhusarenbrigade traten am 23. abends unter den Befehl der Südarmee. Von der 3. Armee rollte jetzt die auf ihrem linken Flügel befindliche 75. RD. zur Heeresgruppe Eichhorn ab (S. 300), wo die Russen bei Smorgon in die Kampflinien einer deutschen Landwehrdivision eingebrochen waren (S. 286).
Die noch zu schildernden Angriffe, die die Russen um diese Zeit nördlich vom Pripiatj, die Rumänen im Siebenbürger Grenzgebirge sowie in der Moldau führten, brachten der Süd Westfront keine Entlastung mehr; denn bei ihr waren nicht nur drei Armeen im Rückzug, sondern die in Ostgalizien erlittene große Niederlage löste die letzten Bande militärischer Ordnung. Die Stawka machte wohl verzweifelte An .strengungen, um die Gegenoffensive der Mittelmächte aufzuhalten. Schon am 24. Juli befahl der Höchstkommandierende den nördlich vom
Pripiatj stehenden Armeen, den Angriff einzustellen. Dafür sollte der Oberbefehlshaber der Westfront das X. Korps nach Galizien senden (S. 2S6 , während die rumänische Front das 'III. Kavalleriekorps nnd das XXIX. Korps dorthin abzugeben hatte. Kornilow erhielt den Befehl, fünf bis sechs Divisionen aus den nicht angegriffenen Frontabschnitten seines Befehlsbereiches auszuscheiden und an die Durchbruchsstelle zu entsenden. Allein, die Masse des russischen Heeres wollte nicht mehr weiterkämpfen. Befehle, die gegeben wurden, fanden nicht mehr den Gehorsam. Tausende von Soldaten desertierten. Allein in einer Nacht fing das ,,Todesbataillon“ der 11. Armee im Gebiete von Woloczysk 12.000 Fahnenflüchtige verschiedener Regimenter ein. Zuchtlose Soldatenhorden veranstalteten auf ihrem Rückzug Plünderungen und Greueltaten, warfen die Brandfackel in die Lager, die hinter der russischen Front in Ostgalizien allenthalben angehäuft waren.
Der neuernannte Oberbefehlshaber der Südwestfront, Gen. Kornilow, forderte vom Höchstkommandierenden und von der Provisorischen Regierung die sofortige Einführung der Todesstrafe im Bereiche der kämpfenden Armeen. Ohne die Zusage der Regierung abzuwarten, gab er den Befehl, die Fahnenflüchtigen zu erschießen. Man veranstaltete in diesen Tagen Massenhinrichtungen, wobei auf den Leichen der Erschossenen zur Abschreckung Zettel mit der Aufschrift „Deserteur“ angebracht wurden1).
Aber alle strengen Maßnahmen, die ergriffen wurden, um die Zucht und Ordnung im russischen Heere wiederherzustellen und den Vormarsch des Gegners aufzuhalten, waren vergeblich. Unter dem Schutze der letzten kampfwilligen Verbände ging die Masse der 7. Russenarmee und der rechte Flügel der 8. Armee am 24. Juli gegen Süden auf Budzanów, Przewloką, Barysz und auf Niżniów zurück. Unermüdlich drängten die Verfolgungskolonnen der Armee Bothmer dem ins Laufen gekommenen Feinde nach, um die Vernichtung möglichst großer Teile der zwischen dem Sereth und dem Dniester eingeklemmten feindlichen Kräfte zu erreichen. Auf dem linken Flügel der Südarmee brach die Gruppe Wilhelmi am 24. feindlichen Widerstand auf den Höhen südlich von Darachów. Das Beskidenkorps wies verzweifelte Gegenstöße der Russen nächst der Mogilahöhe östlich von Burkanów und bei Chmielówka ab. Die Leibhusarenbrigade, die bisher am oberen Sereth Sicherungsdienste geleistet hatte, griff in einem Gefecht der 96. ID., die
l/ Zajontschkowskij, Feldzug 1917, 82 ff. — Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin, 118.
bis Mogielnica vorgedrungen war, wirksam gegen Flanke und Rücken des Feindes ein. Abends erhielten die preußischen Husaren vom GdI. Bothmer die Weisung, in das Serethtal vorzustoßen, um die Brücke von Budzanów zu nehmen.
Beim k.u.k. XXV. Korps wies die k.u.k. 54. ID. am Vormittag im Verein mit der deutschen 223. ID. einen kurzen Vorstoß von zwei bis drei russischen Regimentern nordwestlich von Brykula Str. zurück. Die 55. ID. hatte bei ihrem Übergang über die Strypa nur schwachen Widerstand zu überwinden. Die Gegend östlich von Bobulińce wurde erreicht und in der Nacht an der Straße Buczacz—Dobropole durch Feldwachen ein Angriff von Panzerautomobilen abgewiesen. Die sächs. 241. ID. des
XXV. RKorps konnte wegen großer Ermüdung der Infanterie und schlechter Bespannung der Artillerie ihre nördlich von Przewloką gelegenen Marschziele nur mit Vortruppen erreichen. Die 4. ErsD. hingegen warf feindliche Nachhuten zurück, die westlich von Przewloką und westlich von Olesza hartnäckigen Widerstand leisteten, und vermochte weit vorwärts der befohlenen Ziele in die Orte Jezierzany und Przewłoka einzuziehen.
Beim XXVII. RKorps hatten die 53. und die 24. RD. nur leichtere Kämpfe zu bestehen. Die 53. RD. setzte sich am späten Abend noch in den Besitz von Monasterzyska und war damit über ihr Tagesziel weit hinausgekommen. Lediglich die 38. HID. hatte am Nachmittag westlich von Byszów stärkeren Widerstand zu brechen. Der sich am Abend östlich von Uście Zielona erneut stellende Feind entzog sich dem beabsichtigten Angriff durch Abmarsch.
Für den 25. Juli befahl GdI. Bothmer die Fortführung der Verfolgung. Er unterstellte die Gruppe Wilhelmi und die Leibhusarenbrigade dem Beskidenkorps, das sich in den Besitz von Janów zu setzen und auf die Höhen nördlich dieses Ortes vorzustoßen hatte, um den rechten Flügel der inzwischen bei Trembowla heftig kämpfenden k. u.k.
2. Armee zu entlasten. Die Leibhusarenbrigade sollte in der Richtung auf Czortków angesetzt werden, um die wichtige Bahnlinie Buczacz— Czortków zu unterbrechen.
Das Beskidenkorps stieß am 25. Juli westlich von Budzanów auf ziemlich heftigen Widerstand und hatte aus der Gegend südlich von Trembowla starke Vorstöße der Russen abzuwehren. Teile der 197. und der 237. ID. überschritten den Sereth und nahmen Janów. Dagegen konnte die stark besetzte Höhe nördlich der Ortschaft nicht genommen werden. Der Angriff der Leibhusarenbrigade auf das vom Feinde noch besetzte Kossów kam nicht mehr zur Durchführung, da der Russe nach dem Hintreffen des von der Brigade als Unterstützung erbetenen Bataillon? der 54. ID. abgezogen war.
Das k.u.k. XXV. Korps erreichte am 25. in Fortsetzung der Verfolgung Laszkowce und die Gegend nordöstlich von Buczacz. Das Korps hatte nur auf seinem rechten Flügel, bei Pilawa, zu kämpfen gehabt. Mit Rücksicht auf die Erschöpfung der Truppe wurde von einem weiteren Vorgehen abgesehen. Das XXV. RKorps sollte am 25. Buczacz dem Feinde entreißen, stieß aber auf heftige Gegenwehr westlich und nordöstlich der Stadt. Die 4. ErsD. überschritt die Strypa, um den bei Buczacz haltenden Feind von Norden anzugreifen und drängte sich dabei mit der 241. ID. zusammen. Auf die Nachricht vom Vorgehen feindlicher Kräfte von Süden auf Jezierzany wurden Teile der in Reserve gestellten 20. türk. ID. wieder vorgezogen. Der russische Widerstand konnte an diesem Tage vom XXV. RKorps nicht mehr gebrochen werden; das XXVII. RKorps erreichte dagegen kampflos den Koropiec-bach östlich von Monasterzyska und östlich von Niżniów.
Während die 7. Russenarmee und der rechte Flügel der 8. unter Nachhutgefechten gegen Süden bis auf die Linie Budzanów—Buczacz — Niżniów zurückwichen, hatte sich der Südflügel der 11. Armee am Sereth zur Gegenwehr ermannt. Gen. Balujew, der neue Kommandant der russischen 11. Armee, warf dem Korps Berrer, das am 24. Juli zwischen Trembowla und Ostrów den Fluß überschritt, seine Reserven, die Petrowski (1.) Gardebrigade und die 151. ID., entgegen. Allein GLt. Berrer, der auf seinem Südflügel die deutsche 42. ID. eingesetzt hatte, entriß den Russen in erbitterten Kämpfen die Wälder und Dörfer auf dem linken Serethufer und warf den Feind am 25. Juli nördlich von Trembowla bis über die Bahnlinie zurück. Die am rechten Flügel des Korps Kathen kämpfende deutsche 6. ID. stieß nun ebenfalls über den Sereth vor. Sie verdrängte Truppen des V. Russenkorps und der tschechoslowakischen Schützenbrigade und gewann die Höhen südöstlich von Tarnopol. Als die Verteidiger des Brückenkopfes von Tarnopol, das I. GKorps, den Rückzug des V. Korps an den Gnieznaabschnitt gewahr wurden, räumten auch sie ihre Stellungen und überließen die Stadt dem Gegner. Die preußische l.GID., Prinz Eitel Friedrich von Preußen, drängte dem weichenden Feinde auf dem Fuße nach und bemächtigte sich noch am 25. Juli vormittags der Stadt. Tags darauf, am
26. Juli, setzten sich die Garderegimenter in Gegenwart des zum Besuche der verbündeten Truppen an der Front weilenden Deutschen
Kaisers in den Besitz der Höhen nördlich und nordöstlich von Tarnopol. Zugleich gewannen die 6. ID. und die Divisionen des Korps Berrer den Gnieznaabschnitt und den Ort Trembowla. Das dem Abschnitt Złoczów gesteckte Ziel war damit erreicht und der erforderliche Brückenkopf bei Tarnopol gewonnen.
Der Beginn des Vormarsches der k.u.k. 3. Armee
Am 23. Juli, an welchem Tage die 8. Russenarmee ihre Stellungen an der Łomnica und darüber hinaus bis in die Waldkarpathen räumte (S. 304), hatte sich auch die k.u.k. 3. Armee dem Vormarsch angeschlossen. GO. Böhm-Ermolli erteilte an diesem Tage dem GO. Křitek den Befehl, die Verfolgung der Russen zwischen Dniester und Pruth aufzunehmen. Die 3. Armee sollte zunächst die anfangs Juli verlorengegangenen Stellungen an der Bystrzyca Solotwińska wiedergewinnen. Beim weiteren Vorgehen wollte man den Schwerpunkt auf den linken Armeeflügel verlegen, um möglichst rasch in der Richtung auf Horo-denka vorzudringen. Hiezu war auf diesem Flügel eine Stoßgruppe unter GdI. Litzmann, bestehend aus der 8. bayr. RD., der k.u.k. 16. ID., der 16. RD. und der 83. ID. der Deutschen sowie aus der k.u.k. 2. KD., zu bilden. Die bayr. KD. war bereitzuhalten, um in der Richtung auf Czernowitz vorausgeschickt zu werden. Man hoffte, daß es ihr vielleicht gelingen werde, Teile der aus den Karpathen zurückgehenden Russen zu fassen. Im übrigen hatte die k.u.k. 3. Armee entbehrliche Kräfte abzugeben. So wurde die deutsche 20. ID. zur Gruppe Złoczów geleitet (S. 298) und hinter ihr noch vom 23. Juli an die 75. RD. zur Heeresgruppe Eichhorn abbefördert (S. 300). Das entbehrlich gewordene k.u.k.
XXVI. Korpskmdo., das in FML. Edl. v. Horsetzky einen neuen Führer erhalten hatte, rollte am gleichen Tage zur 7. Armee ab, wo es im Kampfabschnitt bei Kirlibaba den Befehl über die 59. ID. und die 40. HID. zu übernehmen hatte.
Noch am 23. Juli überschritt die k.u.k. 3. Armee die Łomnica. Die in ihren früheren Armeeverband nun wieder zurückgetretene deutsche 83. ID. (S. 305) erreichte an diesem Tage auf dem südlichen Dniesterufer Halicz und Jezupol. Feindliche Nachhuten, die sich hier und vor Stanislau auf der Jutrena Góra stellten, wurden geworfen. Am Abend waren die alten Stellungen der k.u.k. 3. Armee an der Bystrzyca Solotwińska erreicht.
Die S. Russenarmee gab Stanislau und Nadworna preis und setzte noch im Laufe des 24. und des 25. Juli eilends ihren Rückzug über die Bystrzyca Nadworniańska a.uf Tłumacz, Ottynia und auf Mlodiatyn fort, um nicht zwischen Dniester und Pruth abgeschnitten zu werden. Die 5. Armee folgte. Nachhuten der Russen, die auf dem Ostufer der Bystrzyca Sołotwińska den Vormarsch zu verzögern suchten, wurden am 24. von der Gruppe Litzmann geworfen. Die k.u.k. 16. ID. nahm Stanislau ein. Südlich davon überschritt das k.u.k. XIII. Korps noch die Bystrzyca Sołotwińska. Die k.u.k. 5. ID. erreichte am 24. bereits Nadworna und drang am 25. in das Pruthtal ein. Am 26. gewannen das IR. 13 und Teile der bayr. KD. bereits Kolomea zurück. Das XIII. Korps und die Gruppe Litzmann erreichten an diesem Tage unter Kämpfen mit russischen Nachhuten die Orte Chocimierz, Jezierzany und Olesza1).
Die Fortsetzung der Verfolgung bis zum Monatsende
Hiezu Beilage 17
Die Sfuiarmee vom 26. bis zum 29. Juli
Als die Russen am 24. Juli ihren raschen Rückzug vor der Südarmee fortsetzten und selbst auf der ganzen Front zwischen Dniester und Waldkarpathen zurückwichen, sahen Hindenburg und Ludendorff die Möglichkeit, die Operationen bis an den Zbrucz weiterzuführen und dadurch den Feind aus Ostgalizien zu vertreiben. Noch am 24. erteilte daher GFM. Prinz Leopold von Bayern im Einverständnis mit der DOHL. dem GO. Böhm-Ermolli die Weisung, mit dem linken Flügel der Südarmee möglichst weit über den Sereth hinaus in der Richtung auf Husiatyn und Kamieniec-Podolski vorzudringen. Eine Anfrage des Heeresgruppenkommandos Böhm-Ermolli, ob die Voraussetzungen für diese Operationen innerhalb der Südarmee gegeben seien, beantwortete GdI. Bothmer am 25. Juli abends zustimmend. Der Abschnitt Złoczów erhielt nun den Auftrag, eine geeignete Stellung in der Linie Gnila-bach—Grzymałów—Skałat—Borki Wk., dann gegen den Sereth nördlich von Tarnopol zu gewinnen und die nördliche Flanke der Südarmee zu sichern.
1 Roth, Das K. B. Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 23 (München 1927), 12^ ff. — Frauenholz, Das K. B. 2. Kürassier- und Schwere Reiter-Regiment München 1921 , 279 ff. — Litzmann, II. 162 ff.
Unterdessen hatte der rechte Flügel des Abschnittes Złoczów bei Tarnopol bereits den Sereth überschritten (S. 308). Hier und auch vor dem Nordflügel der Armee Bothmer wichen die geschlagenen russischen Divisionen in Unordnung zurück. Vor dem Südflügel der Armee Bothmer und auch vor der k.u.k. 3. Armee schien sich hingegen der Rückzug des Feindes in ziemlicher Ordnung zu vollziehen. Angesichts dieser Lage war das Heeresgruppenkommando Böhm-Ermolli der Ansicht, daß die in der Front südlich von Buczacz befindlichen russischen Heereskörper, namentlich das III. kauk. Korps, das II. GKorps, das XXXIII., das XII. und das XVI. Korps zum Teil wenigstens noch ziemlich kampfkräftig seien. GO. Böhm-Ermolli hielt es daher immerhin noch für möglich, daß Truppen der 8. Russenarmee über den Dniester nach Norden verschoben würden, um durch einen Vorstoß gegen die Südarmee den Vormarsch gegen den Zbrucz aufzuhalten. Deshalb wurde die 3. Armee am 25. Juli angewiesen, durch kraftvolle Fortsetzung des Vormarsches der Gruppe Litzmann auf Horodenka und durch festes Zufassen die
8. Russenarmee zu schlagen und dadurch den Feind zu hindern, starke Kräfte über den Dniester gegen die Flanke der Südarmee zu werfen.
GdI. Bothmer ordnete in seinem am 26. Juli vormittags erlassenen Befelile für die Fortsetzung der Kriegshandlung an, daß als Hauptziel die Vernichtung möglichst großer Teile der feindlichen Kräfte diesseits des Zbrucz zu gelten habe. Hiezu sollte das Beskidenkorps mit starkem linkem Flügel längs der Tajna auf Husiatyn vorstoßen. Der k.u.k. 2 Armee, die dieser Bewegung nicht zu folgen hatte, wurde die Sicherung der linken Armeeflanke Bothmers bis Iwanówka übertragen. Von da ab mußte das Beskidenkorps zunächst selbst für den Flankenschutz sorgen. Im weiteren Verlauf war hiefür die vom 27. Juli an südlich von Trembowla eintreffende deutsche 20. ID. in Aussicht genommen (S. 298). Diese Division wurde nunmehr der Südarmee unterstellt. Die Leibhusarenbrigade hatte zunächst die Stadt Czortków zu erreichen, um dann unmittelbar unter den Befehl der Südarmee zu treten und gegen den Zbrucz zwischen Germakówka und Husiatyn vorzugehen.
Der Vormarsch der Südarmee gegen den Zbrucz vollzog sich unter leichten Kämpfen mit russischen Nachhuten. Als am 25. Juli Tarnopol fiel und alle Versuche der Armee Balujew, den Angriff des Gegners am Sereth aufzuhalten, mißlungen waren, gab der Oberbefehlshaber der Südwestfront, Gen. Kornilow, wieder den Befehl zum Rückzug. Die Mitte und der rechte Flügel der 11. Russenarmee wichen auf die Linie Czernichowce—Skałat—Grzymałów zurück. Südlich anschließend wurde die 7. Armee hinter den Gnilabach und hinter den Zbrucz, die b. Armee auf die Linie Skala —Krzywcze, an den Dniesterabschnitt westlich von Usicie Biskupie bis Zaleszczyki und südlich des Flusses auf Kissileu zurückgenonunen. Der rechte Flügel und die Mitte der neugebildeten 1. Armee hatte die Stellungen in den Waldkarpathen zu räumen, um im Anschluß an die 8. Armee in der Linie Śniatyn -Kuty, am Biłyj Czeremosz und auf den Bergrücken Tomnatik und Capul, wieder Front zu machen. Kornilow stellte dem vordrängenden Gegner zuerst bei den Orten Chorostków, Czortków, Jagielnica, Latacz, Nież-wiska und Kolomea und dann bei Grzymałów, Kopczyńce, Jezierzany, Zaleszczyki und Horodenka starke Nachhuten von Infanterie, Kavallerie und Panzerwagen entgegen; denn er wollte Zeit für den Rückzug hinter den Zbrucz gewinnen. Auch fürchtete Kornilow, daß der Nordflügel der S. Armee durch den andauernden Druck des Verfolgers gegen Südosten von den südlich des Dniester befindlichen Heereskör-pem abgeschnitten werden könnte. Die Truppen der 7., der 8. und der 1. Armee erhielten daher den Befehl, am Grenzfluß Zbrucz und in den angegebenen Linien südlich vom Dniester den Vormarsch des Gegners endlich zum Stehen zu bringen, damit nicht auch noch die Bukowina preisgegeben und der rechte Flügel der rumänischen Heeresfront zurückgenommen werden müßten 1).
Die Armee Bothmer setzte am 26. Juli die Verfolgung gegen den Zbrucz fort. Gegenüber dem Beskidenkorps gab der Feind an diesem Tage bei Budzanów das östliche Serethufer auf. Nur belästigt durch Kavallerie und Panzerkraftwagen, erreichten die deutschen Angriffsdivisionen die Gegend beiderseits von Kobylowloki. Auch das k.u.k. XXV. Korps kam tagsüber kampflos vorwärts. Des nachts aber mußte die 54. ID. durch einen Angriff den bei Skorodyńce das östliche Serethufer besetzt haltenden Feind vertreiben. Die Leibhusarenbrigade überfiel am 26. abends eine russische Nachhut westlich von Czortków und folgte dem fliehenden Feind bis auf das östliche Serethufer. Bei dem vom GLt. Heineccius befehligten XXV. RKorps (bisher Abschnitt Rohatým kam der beabsichtigte Angriff auf Buczacz nicht mehr zur Durchführung, da die Russen in diesem Abschnitt schon in der Nacht auf den 26. den Rückzug angetreten hatten. Unter geringen Kämpfen mit feindlicher Kavallerie gewann die Masse des XXV. RKorps die Gegend von Dżuryn. Das XXVII. RKorps kam, aufgehalten durch zahlreiche feindliche Reiterschwärme und wegen Wegzerstörungen nur langsam
J) Zajontschkowskij, Feldzug 1917, 85 ff.
vorwärts, erreichte aber am Abend die in der Gegend westlich von Jazłowiec und Potok Zloty gelegenen Marschziele.
Am 27. Juli hatten die 223. und die 96. ID. des Beskidenkorps bei Kopczyńce feindlichen Widerstand zu brechen, ebenso die mit dem Schutz der linken Flanke betraute 237. ID. westlich und nördlich von Chorostków. Die Divisionen des k.u.k. XXV. Korps fanden bei Czortków die Serethbrücken abgebrannt und mußten den Fluß durchfurten. Sie erreichten kampflos ihre Marschziele östlich und südöstlich von Czortków. Die vorausgesandte Leibhusarenbrigade drang östlich vom Sereth wegen des Widerstandes feindlicher Kavallerie und auch wegen des russischen Artilleriefeuers nur langsam vor. Es gelang ihr jedoch, die Niezlawa bei Czarnokońce Wielki zu überschreiten. Das XXV. und das XXVII. RKorps erreichten, nur durch schwache Kavallerie belästigt, ihre Marschziele. Das Erstgenannte schob bei Jagielnica Vortruppen über den Sereth. Die 20. türk. ID. wurde wieder in die vordere Linie gezogen und gewann die Gegend von Bazar.
Ein Befehl des GO. Böhm-Ermolli ordnete am 27. Juli abends das Beziehen der Dauerstellung am Zbrucz an. Der Südarmee wurde hiebei überlassen, ihre Stellungen noch über den Fluß hinüber vorzuschieben. GdI. Bothmer hatte dies beantragt, weil das Beziehen einer Stellung am westlichen Zbruczufer wegen der vielen Flußwindungen und der Überhöhung vom Ostufer her nicht sehr zweckmäßig erschien. Auch konnten bei einem Vorgehen über den Zbrucz hinweg die zahlreichen, im Tale liegenden Ortschaften für die Unterbringung der Truppen voll ausgenützt werden. Demgemäß befahl GdI. Bothmer am 28. Juli seinen Korps, von Germakówka bis zur Gnilamündung noch so weit über den Zbrucz vorzugehen, als es notwendig sei, damit die Artilleriebeobachtung in das Vorgelände gesichert und der für den Ausbau der ersten Stellung nötige Abstand vom Flusse gewonnen werde. Der gegen den Ort Chotin im Winkel zwischen Zbrucz und Dniester vorspringende Teil Galiziens sollte durch Vortruppen des XXVII. RKorps gesäubert werden.
Das Beskidenkorps brach am 2S.Juli geringen Widerstand russischer Nachhuten und erreichte an diesem Tage bereits bei Husiatyn den Zbrucz. Die ursprüngliche Absicht des Korps, noch am Abend stärkere Kräfte über den Fluß zu werfen, mußte allerdings aufgegeben werden, da die näheren Erkundungen kräftigen Widerstand des hier in einer alten Stellung auf dem östlichen Ufer stehenden Feindes erwarten ließen. Die dem linken Flügel der Armee Bothmer dichtauf folgende 15. RD. erreichte Czabarówka, die 20. ID. hatte indessen den Anschluß an das Beskidenkorps noch nicht gefunden.
Die Leibhusarenbrigade stieß am 28. von Czarokońce Wielki östlich der Niezlawa gegen Süden vor und veranlaßte dadurch den an diesem Gewässer stehenden Feind, seine Stellungen zu räumen. Nachdem die Leibhusaren erneuten feindlichen Widerstand gebrochen hatten, drangen sie in Borszczów ein. In der Mitte der Südarmee gelangten unterdessen die Divisionen des k.u.k. XXV. Korps und des deutschen XXV. RKorps ohne Kampf über die Niezlawa und näherten sich dem Zbrucz.
Auf dem Südflügel des XXVII. RKorps traf die 38. HID. am
2S. abends nördlich von Zaleszczyki auf den Feind. Es ergab sich aus Gefangenenaussagen, daß der Russe beabsichtige, bei diesem Orte ein Korps auf das nördliche Dniesterufer hinüberzuwerfen. Für den 29. Juli früh wurde daher vom GdI. Bothmer die Wegnahme des Brückenkopfes von Zaleszczyki befohlen.
Während das Beskidenkorps in unausgesetzter Verfolgung bis an den Zbrucz vorstieß, schob sich der rechte Flügel des Abschnittes Złoczów im Laufe des 26. und des 27. Juli über den Gnieznaabschnitt noch so weit vor, daß die Benützung der Bahnlinie Trembowla—Husiatyn gesichert war. Mit den Hauptkräften (42., 22., 5., 6. ID., 1. GID.) wurde der Vormarsch am 28. Juli in der Linie Hleszczawa—Borki Wk.— Czystylów (am Sereth nordwestlich von Tarnopol) eingestellt. Nur einzelne Abteilungen stießen dem bis hinter die Gniła zurückweichenden Feinde nach.
GO. Böhm-Ermolli hatte unterdessen am 27. Juli Weisungen für den Fall erlassen, als die Russen auch vor dem Nordflügel des Abschnittes Złoczów sowie vor dem V. und dem XVIII. Korps zurückgehen sollten. Räumte der Feind dort seine Stellungen, so war ihm sofort bis an die Reichsgrenze von Leszniów (nördlich von Brody) bis Gontowa und dann nach Süden bis zum Anschluß an den Tarnopoler Brückenkopf zu folgen. Es war dies im allgemeinen jene Linie, die im Juli 1916 vor der Schlacht bei Brody von der k.u.k. 2. Armee gehalten worden war. Es zeigte sich aber bald, daß die Russen hinter dem Sereth beiderseits von Załośce und vor der übrigen Front der 2. Armee ihre bisherigen Stellungen stark besetzt hielten und auf dem rechten Flügel ihrer 11. Armee nicht an einen Rückzug dachten. Von Hłuboczek Wk. am Sereth entfernte sich die neue russische Front auf einige Kilometer von jener der Verbündeten und verlief südöstlich von Zbaraż; erst südlich von Touste näherten sich wieder die beiden Fronten.
VerfoIgiiJigskämpfe der k. n. k. 3. Armee zwischen dem Dniester und
dem Pruth
(26. bis 31. Juli)
Die südlich vom Dniester vordrängende k.u.k. 3. Armee hatte am
26. Juli abends Kolomea genommen und die Linie Chozimierz—Olesza erreicht (S. 310). Am nächsten Tage stieß die im Pruthtal in der Richtung auf Śniatyn vorausgesandte bayr. K valleriedivision den Russen bis Zablotów nach1). Das k.u.k. XIII. Korps gewann die Gegend von Ku-laszkowce. Die Gruppe GdI. Litzmann hatte unterdessen den feindlichen Widerstand bei Jezierzany und Olesza gebrochen. Rastlos verfolgten die Divisionen der Gruppe den zurückweichenden Feind. Sie erreichten am
27. abends unter Gefechten mit russischen Nachhuten bereits Iiorodenka und Uścieczko. GdI. Litzmann wollte beim weiteren Vorgehen mit starkem linkem Flügel in der Richtung auf Kuczurmik und Okna durchstoßen2). Da der Feind seit dem 23. Juli auch vor dem Nordflügel der k.u.k. 7. Armee seine Stellungen räumte, erteilte der Oberbefehlshaber Ost am 27. Juli dem Heeresgruppenkommardo Böhm-Ermolli den Befehl, mit starken Abteilungen des rechten Flügels der 3. Armee den Pruth zu überschreiten und die Verfolgung auch südlich dieses Flusses aufzunehmen.
Dadurch sollte der Zusammenhang mit den Kampfhandlungen des linken Flügels der Heeresfront Erzherzog Joseph sichergestellt und der k.u.k. 7.Armee das Heraustreten aus den Tälern der Waldkarpathen erleichtert werden. Mit dieser Aufgabe wurde die k.u.k. 5. ID., GM. Felix, beauftragt. Sie wurde am 29. der 7. Armee unterstellt und auf Storozynetz gewiesen. Das k.u.k. XIII. Korps erhielt die Weisung, je nach der Lage die gegen Czernowitz vordringenden bayrischen Reiter oder die 5. ID. zu unterstützen.
Am 28. und auch am 29. Juli hatte die 3. Armee auf der ganzen Front zu kämpfen; denn westlich der Linie Śniatyn—Kissileu—Zaleszczyki hatten die Nachhuten von drei Russenkorps (XVI., XII. und XXXIII.) Front gemacht. GO. Křitek befahl dem k.u.k. XIII. Korps für den 29. Juli, den gegenüberstehenden Feind lediglich festzuhalten und im übrigen zu warten, bis er durch das Vorgehen der 8. bayr. RD.
*) Hutschenreuther, Das K. B. 1. Chevaulegers-Regiment im Weltkriege 1914-19 (München 1922), 92 ff.
2) Litzmann, II, 168 ff.
locker geworden sei. Diese Division und auch die k.u.k. 16. ID. mußten am 29. Juli bei Kissileu Gegenstöße der Russen abweisen. In der Nacht auf den 30. Juli räumte jedoch der Feind unter dem Drucke der beiden nördlichen Divisionen der Gruppe Litzmann (16. RD. und 83. ID.) zwischen Dniester und Pruth seine Stellungen. Unterdessen hatte der linke Flügel der Armee Bothmer, die 38. HID., am 29. den Brückenkopf Zaleszczyki von Norden her genommen. Der 30. Juli sah die 16. RD. und die S3. ID. bereits im Angriff zwischen Zaleszczyki und Zastawa. Die Gruppe Litzmann erstritt sich an diesem Tage Doroschoutz und Weren-czanka und gewann am 31. den Ort Zastawa. Das k.u.k. XIII. Korps war unterdessen bis über Śniatyn hinausgelangt. Die Hartnäckigkeit des feindlichen Widerstandes nahm in diesen Tagen dauernd zu.
Der V o r m a r s c h d e r k.u.k. 7. Armee bis an die Moldawa und an den Czeremosz
'24. bis 30. Juli)
Hiezu Beilage 17
Am 24. Juli schloß sich auch die k.u.k. 7. Armee von ihrem Nordflügel aus dem Vormarsch an. Das Heeresfrontkommando Erzherzog Joseph hatte ursprünglich die Absicht gehabt, den Angriff der 7. Armee sogleich nach dem geglückten Durchbruch bei Złoczów mit einem kraftvollen Vorstoß gegen Kuty einzuleiten. Zur Durchführung dieses Angriffes fehlten aber die erforderlichen Kräfte, weil — wie noch ausgeführt werden wird — der rechte Flügel der Heeresfront im Bereczker Gebirge eben eine Krise zu überwinden hatte. Die 7. Armee mußte sich daher darauf beschränken, von ihrem Nordflügel an staffelweise vorzurücken.
Der Vorstoß aus den Karpathen war kein leichtes Unternehmen. Er mußte mit getrennt marschierenden Heeressäulen vornehmlich im Zuge und beiderseits jener Täler geführt werden, deren Lauf mit der gewünschten Angriffsrichtung zusammenfiel. Auch waren in dem wegearmen Waldgebirge große Schwierigkeiten beim Nachschübe zu erwarten. Da der Troß mit den nur wenig leistungsfähigen Pferden nicht ausreichte, bat das 7. Armeekmdo. die k.u.k. Heeresleitung um Lastkraftwagenkolonnen. Überdies sorgte man vor, die zerstörten Eisenbahnstrecken hinter der vorrückenden Armee rasch wiederherstellen zu können.
Schon am 19. Juli, am Tage des Beginnes der Gegenoffensive bei Złoczów, hatte Erzherzog Joseph dem GO. Kövess den Befehl erteilt, Vorbereitungen für die Verfolgung der Russen zu treffen. Es hatten vorzustoßen: das XVII. Korps, FML. Fabini (30. und 34. ID., 8. KD.), in der Richtung auf Berezów—Kosmacz, das deutsche Karpathenkorps, GLt. Conta (200. und 1. ID.), auf Kuty -und Wiznitz, und schließlich das XXVI. Korps, FML. Horsetzky (40. HID., 59. ID.), auf Seletin am Oberlauf der Suczawa.
GO. Kövess beabsichtigte, den Hauptstoß mit dem Karpathenkorps durchzuführen. Dazu wollte er dieses Korps durch das RIR. 22 der deutschen 117. ID. verstärken, die sich noch im Bereiche des XVII. Korps befand (S. 283). Ein ^ngriff der 7. Armee in der Richtung auf Kuty—Wiznitz fand auch die volle Zustimmung der DOHL., da man sich von ihm einen wirkungsvollen Einfluß auf die Operationen der Heeresgruppe Böhm-Ermolli versprach.
Bereits am 22. Juli nachts erfuhr das Heeresfrontkommando aus einem mitgelesenen russischen Funkspruch, daß das XI. Russenkorps vor dem k.u.k. XVII. Korps am nächsten Tag den Rückzug beginnen werde. Tatsächlich konnten schon am 23. Juli Teile der 16. IBrig., GM. Sallagar, am Pantyrpaß mit der Vorrückung beginnen. Am 24. erstürmten Truppen der 30. ID., FML.Jesser, und der 34. ID., GM. Edl. v. Luxardo, die Höhen nordwesüich des Jablonicapasses. Beide Divisionen stießen tags darauf durch das obere Pruthtal bis Mikuliczyn vor und drangen am 26. über Kosmacz in das Pistyńkatal ein.
GO. Kövess hatte inzwischen am 25. Juli den Befehl zur Aufnahme der Offensive mit dem Schwergewicht auf dem linken Armeeflügel in der Richtung gegen Czernowitz ausgegeben. Als Vorrückungsziele erhielten das XVII. Korps den Raum südlich von Kolomea, das Karpathenkorps Wiznitz—Kuty, das XXVI. Korps Czudin (südwestlich von Storożynetz), und die Gruppe FML. Alfred Krauss Suczawa und Ra-dautz. Diese letztgenannte, auf dem rechten Flügel der k.u.k. 7. Armee stehende Gruppe setzte sich aus der Kavalleriegruppe FML. Freih. v. Apór (ll.HKD., 6. KD., 5. HKD., und ein Regiment der deutschen 117. ID.) und aus dem XI. Korps, FML. Habermann (74. HID. und 51. HID.), zusammen.
Das Heeresfrontkommando ließ die in nordöstlicher Richtung angesetzte Offensive zunächst laufen, war sich aber darüber im klaren, daß die 7. Armee, sobald sie sich den Gebirgsausgängen nähere, scharf die Richtung nach Osten werde nehmen müssen. Der Wunsch des Erzherzogsjoseph wäre es freilich gewesen, einen entscheidenden Stoß aus der Gegend von Jacobeny in der kürzesten Richtung über Kimpolung auf Czernowitz im Zusammenhang mit dem gegen den Dniester— Zbruczwinkel gerichteten Angriff der Südarmee zu führenL). Durch entschiedenes, schnelles und rücksichtsloses Vorgehen in diesen beiden operativ sehr wirksamen Richtungen wären erhebliche Teile der 8. Russenarmee zwischen Dniester und Pruth abgeschnitten worden. Da aber dem Erzherzog die hiezu erforderlichen Kräfte, mindestens drei frische Divisionen, fehlten, trat er am 24. Juli an die k.u.k. Heeresleitung mit dem Ansuchen heran, der 7. Armee Verstärkungen zuzuführen. Im Hinblick auf die äußerst gespannte Lage am Isonzo ließ sich dieser Wunsch jedoch nicht erfüllen. Erzherzog Joseph mußte sogar die Stoßkraft der k.u.k. 7. Armee durch Abgabe von Truppen schwächen. Denn ani
22. Juli waren Rumänen und Russen gegen den Südflügel der k.u.k. 1. Armee vorgebrochen; sie brachten die Gruppe Gerok in starke Bedrängnis. Die 8. KD., die eben beim XVII. Korps in die Front gestellt worden war, das RIR. 22 der 117. ID., das GrenR. 3 der 1. ID., das Sturmbataillon der Heeresfront, einige Batterien und auch die 7. KD. mußten daher vom 23. Juli an nach Siebenbürgen a,bbefördert werden. Die andauernd schwierige Lage der Gruppe Gerok machte es sogar notwendig, bis Monatsende noch die Masse der 117. ID. an den südlichen Flügel der Heeresfront zu entsenden.
Inzwischen war am 25. Juli auch die deutsche 200. ID. des Karpathenkorps, GLt. Boeß, in Bewegung gekommen. Sie entriß den Nachhuten des abziehenden XXIII. Russenkorps die Baba Ludowa, überstieg die Gipfelkette, gewann das Czeremosztal und stieß am 28. über Żabie auf Uście Putilla vor2). Vor der am Südflügel des Karpathenkorps stehenden deutschen 1. ID. und weiter südlich davon hielt der Russe zunächst stand. Bei Kirlibaba, im Frontabschnitt der 59. ID., und bei Jacobeny, auf dem linken Flügel der Gruppe Krauss, entfaltete der Feind sogar eine sehr rege Gefechtstätigkeit.
Die 1. Russenarmee war mit ihrem rechten Flügel (XI. Korps) und mit ihrer Mitte (XXIII. Korps) vom Karpathenwall bis in die Linie
1 K i s z 1 i n g, Sommerfeldzug 1917.
- Ehrenfort h, Die Geschichte des Res.-Jäger-ßataillons 17 (Berlin 1926), 51 ff.
Śniatyn—Kuty und hinter den Bilyj Czeremosz zurückgegangen. Mit dem linken Flügel (XVIII. Korps) blieb sie in den Gipfelstellungen auf dem Tomnatikrücken und auf dem Gebirgsstock des Capul stehen, um die Flanke der 9. Armee nicht zu entblößen (S. 282). Aber schon am
26. Juli entriß die 40. HID., GM. Edl.v. Nagy, der russischen 43. ID. die Höhenstellungen des Capulstockes. Nun baute der Feind auch im Moldawagebiet seine Front ab. Die deutsche 1. ID. und das XXVI. Korps traten am 27. den Vormarsch an. Allerdings kamen die Divisionen des FML. Horsetzky (40. HID. und 59. ID.) und die deutschen Truppen der 1. ID., durch feindlichen Widerstand aufgehalten, über die breiten, von Urwald bewachsenen Bergrücken zwischen der Goldenen Bistritz und der Moldawa nur langsam hinweg.
Das Heeresfrontkommando wies nun am 27. Juli den GO. Kövess an, die Angriffsdivisionen der 7. Armee scharf nach Osten einzudrehen und bei der weiteren Vorrückung die Front auf Suczawa und auf Czerno witz zu nehmen.
Der Oberbefehlshaber der russischen Südwestfront, Gen. Kornilow, forderte am 28. Juli die 1. Russenarmee auf, nur in höchster Bedrängnis mit dem linken Flügel an die Moldawa und mit der Mitte an die Putilla zurückzugehen. Zugleich stellte der Höchstkommandierende das XXIX. Korps, das ursprünglich von der rumänischen Front als Verstärkung nach Ostgalizien hätte verschoben werden sollen (S. 306), hinter dem rechten Flügel der 9. Armee bereit. Dem XXVI. Korps dieser Armee wurde die in das Moldawatal langsam zurückweichende 43. ID. unterstellt !).
Am 30. Juli konnten die drei Kavalleriedivisionen der Gruppe Apór (5.HKD., 6. KD., ll.HKD.) um ihren rechten Flügel nach Osten gegen das Putnatal einschwenken; denn der Feind (rechter Flügel des russischen XXVI. Korps) wich bei Czokanestie auf Valeputna zurück. Kämpfend bahnten sich unterdessen die 59. ID., FML. Pichler, und die 40. HID. über das unwirdiche Gebirge den Weg in das Moldawatal nach Breaza und Moldawa (Ort), indes die deutsche 1. ID. die russische
37. ID. vom Tomnatikrücken vertrieb und bei dem Orte Schipoth in das Suczawatal hinabstieg.
Hart bedrängt sahen sich in den letzten Julitagen die Mitte (XXIII. Korps) und der linke Flügel (XI. Korps) der 1. Russenarmee, die ungeschlagen vom Karpathenwall bis an den Czeremosz zurückgegangen war. Am 28. Juli überschritt die k.u.k. 5. ID., geführt von GM. Felix,
’) Zajontschko wskij, Der Feldzug 1917, 90 ff.
bei Zablotów den Pruth (S. 315) und erreichte tags darauf bei Russisch Banilla das Ostufer des Czeremosz. Das k.u.k. XVL1. Korps drang unterdessen durch das Pistvnkatal auf Kuty vor. Die deutsche 200. ID. stieß über Uście Putilla talwärts. Sie überwand am 29. bei Rostoki den Widerstand von Truppen des XXIII. Russenkorps und faßte tags darauf das XI. Korps bei Wiznitz in der Südflanke. Die am Unterlauf des Czeremosz überflügelten Russen wichen noch am 30. vormittags nach Osten; denn sie fürchteten, abgeschnitten zu werden. FML. Fabini folgte mit seinem Korps und mit der ihm nun zugeteilten 5. ID. dem Feinde auf dem Fuße.
Die Kämpfe bis zur Wiedereroberung von C z e r n o w i t z
;31. Juli bis 5. August)
Am 29. Juli hatte Kerenski im Großen Hauptquartier zu Mohilew eine Besprechung mit den Oberbefehlshabern der Fronten abgehalten. Die Führer des russischen Heeres beschworen Kerenski, alle Soldatenkomitees abzuschaffen und die unbedingte Befehlsgewalt der Offiziere wieder herzustellen. Ein Entschluß wurde jedoch nicht gefaßt; denn die in Mohilew anwesenden Regierungsvertreter lehnten die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Hebung der Manneszucht und des Kampf willens ab1). Drei Tage nach dieser Konferenz wurde Gen. Brussilow seines Postens enthoben und Kornilow, der in den letzten Kriegshandlungen durch seine Tatkraft in den Vordergrund getreten war, zum Höchstkommandierenden ernannt. Nach diesem Wechsel in der Führung des russischen Heeres bekleideten in rascher Folge die Generale Balujew, Denikin und W'olodtschenko die Stelle des Oberbefehlshabers der Südwestfront.
Die Kriegslage besserte sich für die Russen jedoch nicht, und die Ereignisse an der Südwestfront nahmen ihren verhängnisvollen Fortgang. Ende Juli ermannte sich zwar die geschlagene 7. Armee unter Seliwatschew und die 8. Armee unter Tscheremisow am Grenzfluß Zbrucz zu neuem Widerstand. Südlich vom Dniester vermochten sich aber die Korps XXXIII, XVI und XII der 8. Russenarmee, die bei Nepolokoutz, bei Werenczanka und bei Doroschoutz den Vormarsch des Gegners auf Czemowitz aufhalten sollten, nicht zu behaupten.
Während der äußerste Südflügel der Armee Tscheremisow auf den Höhen östlich von Sniatvn am 30. und am 31. Juli dem ihm verfolgen-
lj K n o x, II., 667 f. Zajontschko wskij, Feldzug 1917, 87 ff. -Spannocchi, 115 ff.
den k.u.k. XIII. Korps Halt gebot, mußten die südlich vom Dniester kämpfenden Heereskörper dem starken Drucke der Gruppe Litzmann abermals weichen. Am 31. erreichten die Siebenbürger der 16. ID., GM. Adalbert Kaltenborn, und die Deutschen der 16. RD., GLt. Sieger, bereits Zastawna (S. 316). Unter andauernden Kämpfen und verzweifelten Gegenstößen gegen die 8. bayr. RD. zogen sich nun die Russen vor der ganzen Front der Armee Křitek Schritt um Schritt gegen die Stadt Czernowitz zurück.
Schulter an Schulter mit dem Südflügel der Armee Tscheremisow rang das XI. Korps der 1. Armee auf dem südlichen Pruthufer; es stellte sich am 31. Juli bei Unter-Stanestie den Divisionen des FML. Fabini entgegen. Nachdem aber der Nachbar zur Rechten bis auf den Höhenrand von Kuczurmik zurückgewichen war, räumte auch das XI. Russenkorps in der Nacht auf den 1. August seine Stellungen und ging in den Raum nordwestlich von Storożynetz zurück. Weiter südlich leistete das langsam zurückweichende XXIII. Korps im waldigen Quellgebiet des Serethflusses der deutschen 200. ID. noch Widerstand und sperrte die Zugänge in das nun breiter werdende Tal.
Die rastlose Verfolgung hatte die öst.-ung. und die deutschen Heereskörper der Armeen Bothmer, Křitek und Kövess bereits um mehr als 100 Kilometer über die Kopfstationen der Eisenbahnen hinausgeführt. In dem durchmessenen ostgalizischen Lande waren die Felder wegen der langen Russennot unbestellt; die ohnehin entkräfteten Pferde fanden so gut wie keine Nahrung. Der Nachschub begann zu versagen. Der Bahnbetrieb konnte wegen der vielen zerstörten Brücken vorläufig nicht näher an die Front geführt werden. Die mit den wenig leistungsfähigen Pferden bespannten Troßkolonnen konnten dem Vormarsch nicht mehr folgen.
Trotzdem drängten die Angriffsdivisionen der Armee Křitek und der Gruppe Fabini auf allen Straßen gegen Czernowitz vorwärts. Am 1. August und am folgenden Tage tobte zu beiden Seiten des Pruth und weiter im Norden, bis zum Dniester, ein heftiger Kampf1). Der neue Höchstkommandierende der Russen, Kornilow, hatte dem Führer der
8. Armee befohlen, Czernowitz unter allen Umständen mindestens sechs Tage zu halten, damit die großen Kriegsvorräte, die in der Stadt angesammelt waren, gerettet werden könnten. Tscheremisow zog alle noch
x) Li diesen Kämpfen und für die Erstürmung des Jablonicapasses am 24. Juli S. 317) erwarb sich der Obstlt. und Kommandant des IR. 32, Otto Redlich v. Redensbruck, das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.
kampffähigen Divisionen heran, um den Angreifer möglichst lange von der Hauptstadt des Buchenlandes fern zu halten.
Von der Gruppe GdI. Litzmann ging die k.u.k. 16. ID. noch am 1. August gegen die stark besetzten Westhänge des bewaldeten Berggeländes östlich von Kuczurmik zum Angriff vor. Die Deutschen der lb. RD. unterstützten die Division GM. Adalbert Kaltenborn durch einen Stoß gegen des Feindes nördliche Flanke. Noch weiter nördlich, am Dniester, brachte die deutsche 83. ID. das XXXIII. Russenkorps in arge Bedrängnis. Glühende Sonne brannte auf die Kämpfer nieder. Trotz der außerordentlich großen Hitze und der Zähigkeit des Feindes erreichten die Sturmwellen der Gruppe Litzmann am Abend Walawa, den Hügelrand vor Kuczurmik und Okna. Am 2. August früh wurde der Kampf fortgesetzt. Die Russen konnten sich wider den kräftigen Druck der Divisionen des GdI. Litzmann nicht mehr behaupten. Am Nachmittag begann der Feind seine Stellungen zu rävmen. Die Gruppe Litzmann drängte den Russen über Walawa, Kuczurmik und Pohorloutz scharf nach. Das XIII. Korps kämpfte unterdessen noch bei Schipenitz, ohne den Widerstand des Feindes brechen zu können.
GdI. Litzmann bildete nun aus der k.u.k. 16. ID. und der 16. RD. eine Stoßgruppe, um mit ihr in südlicher Richtung bis auf Czemowitz durchzudringen, und beauftragte die 83. ID. mit dem Flankenschutze gegen Osten.
Während zwischen dem Dniester und dem Pruth mit aller Anstrengung gerungen wurde, drückte die Gruppe Fabini am 2. August nordwestlich von Storożynetz unter mächtigem Artillerieeinsatz die Russenstellung ein. Dem Führer der russischen 8. Armee bot sich kein Mittel mehr, um die starken Schläge des Gegners abzuwehren. Er gab, im Norden durch die Gruppe Litzmann umklammert, Czernowitz auf und befahl den Rückzug gegen die Linie Chotin—Bojan.
Am 3. August vor Morgengrauen betraten Vortruppen der 42. HID., GM. Mihaljevic, von Norden und der Gruppe Fabini von Osten her Czernowitz. Die 5. ID. dieser Gruppe drang das südliche Pruthufer entlang vor und rückte am Vormittag, mit dem Heeresfrontkommandanten an der Spitze, in die zum drittenmal befreite Hauptstadt der Bukowina ein. Die 3. Armee und die Gruppe Fabini stießen noch am 3. den weichenden Russen nach. Die Gruppe Litzmann gewann eine von Topo-routz entlang der bessarabischen Grenze bis zum Dniester verlaufende Linie, indes das XIII. Korps über Rarancze und Mahala vordrang.
Am 4. August wurde von der 3. Armee die Vorrückung noch fortgesetzt. GO. Křitek wollte die Angriffshandlungen an diesem Tage abschließen und zwischen dem Dniester und dem Pruth eine von Raszków über Szylowcy nach Bojan verlaufende Dauerstellung beziehen. Während sich die Gruppe Litzmann ohne nennenswerten Widerstand über die Reichsgrenze vorschob und bessarabisches Gebiet betrat, stieß der Südflügel, das XIII. Korps, zwischen Kalinkowcy und Bojan auf eine von erheblichen Kräften gebildete feste Russenfront. Truppen dieses Korps bemächtigten sich noch am Abend des Westrandes der beherrschenden Höhe Dołżok.
Tags darauf, am 5. früh, setzte jedoch ein kräftiger Gegenstoß der Russen ein. Der Dołżok ging wieder verloren. Die k.u.k. 36. ID. wich zurück und entblößte die rechte Flanke der anschließenden 8. bayr. RD., die von den nachstoßenden Russen umfaßt wurde. Reserven — es waren die Jägerbataillone der inzwischen zur Gruppe Litzmann zurückgetretenen bayr. KD. — eilten herbei und brachten den Feind zum Stehen*).
Die Befreiung der Bukowina (Ende Juli bis Mitte August)
Hiezu Beilage 17
Pläne und Befehle
Während die Südarmee bis an den Zbrucz vorstieß, und die 3. Armee auf Czernowitz vordrang, dachten die Heeresleitungen der Verbündeten daran, den errungenen Sieg weiter auszubeuten. Man hoffte, über den Sereth und aus der Bukowina in die Moldau hinein Vordringen zu können, um auch diesen letzten Teil Rumäniens zu erobern. Allerdings ließ die DOHL. am 31. Juli das k.u.k. AOK. wissen, daß diese aussichtsreiche und bedeutungsvolle Operation nur dann ausführbar sein werde, wenn die Stoßkraft aller Truppen zu einem rücksichtslosen Vordringen an den Pruth ausreichte. Die Zweifel Ludendorffs bezogen sich offensichtlich auf die öst.-ung. Verbände, von denen einige bei Zborów und bei Stanislau geringere Festigkeit gezeigt hatten. Auch mußte sich dem Generalquartiermeister die Frage aufdrängen, ob man sich durch einen so weit ausgreifenden Vorstoß nicht zu sehr von den Eisenbahnen Hutschenreuther, 95.
entferne, die vielfach gründlich zerstört waren und erst wieder hergestellt werden mußten 1).
Die DOllL. hatte dem GM.Sceckt bekanntgegeben, daß sie den GFM. Mackensen angewiesen habe, mit der deutschen 9. Armee über den unteren Sereth in die Moldau einzubrechen. Die Absicht des Ilee-resfrontkommandos Erzherzog Joseph war nun vorläufig, mit den Hauptstreitkräften der k.u.k. 7. Armee, sobald sie die Ausgänge aus dem Gebirge erreicht haben würden, scharf nach Südosten in der Richtung über Radautz auf Suczawa cinzuschwenken, um, unterstützt durch den linken Flügel der 1. Armee, den Angriff zunächst bis an den Sereth weiterzuführen. Dadurch sollte die russische 9. Armee, die noch tief im Gebirge stand, aufgerollt werden.
Entsprechend diesem Plane hatte das lieeresfrontkommanclo bereits am 27. Juli den GO. Kövess angewiesen, bei der weiteren Verfolgung mit der 7. Armee die Richtung auf Czernowitz und Suczawa zu nehmen. Streitkräfte, die auf dem linken Armeeflügel hinter den rechten Flügel der 3. Armee geraten und dadurch frei würden, waren nach Süden zu verschieben. Die am 29. Juli gegebenen Weisungen des GO. Kövess bestimmten den Raum zwischen Pruth und Sereth für den Vormarsch des k.u.k. XVII. Korps und der ihm zugeteilten 5. Division. Das Karpathenkorps sollte hingegen mit der 200. ID. die Richtung über Ber-hometh, Moldauisch Banilla und Petroutz auf den Ort Sereth, mit der
1. ID. über Schipoth, Seletin und Oberwikow auf Radautz nehmen, während das k.u.k. XXVI. Korps über Russisch Moldawitza auf Solka und die Gruppe Krauss mit ihrem linken Flügel über Kimpolung und Gurahumora vorzustoßen hatten.
Da verlangte die k.u.k. Heeresleitung, daß Erzherzog Joseph den Schwerpunkt der Kriegshandlung auf den Nordflügel der k.u.k. 7.Armee verlege. Denn es war der Plan der Verbündeten, eine große Offensive zwischen Dniester und Sereth in die Moldau hinein, in der Richtung über Dorohoiu zu führen. Hiezu sollten die Südarmee durch einen von der Zbruczmündung nach Süden geführten Angriff die 3. Armee vorreißen, die 7. Armee hingegen durch einen Vorstoß ihres stark gehaltenen Nordflügels zwischen Pruth und Sereth dem Feinde ein Halten am Ostufer des letztgenannten Flusses unmöglich machen. Dem k.u.k. AOK. schwebte gewissermaßen eine Wiederholung des Durchbruches bei Złoczów vor, wobei jetzt der linke Flankenschutz durch den Pruth gebildet werden sollte. Das Heeresfrontkommando Erzherzog Joseph
1 Ludendorff. 347 f. A r z, 163.
wollte ebenfalls in die Moldau, aber nur südlich vom Sereth, einbrechen und den Feind nach Südosten werfen, um ihn dann von Norden her zu umfassen. Doch es konnte nicht, wie GO. Böhm-Ermolli bei der Gegenoffensive von Złoczów, mit ausgiebigen Verstärkungen und mit einer gründlichen Vorbereitungsmöglichkeit rechnen. Überdies begann der Nachschub bereits zu stocken. Das Heeresfrontkommando wollte-sich daher zunächst mit einem Stoß unmittelbar in die Flanke des vor dem Nordflügel der 1. Armee stehenden Feindes und mit dem Erreichen des Sereth begnügen1).
Als die k.u.k. Heeresleitung am 31. Juli dem Heeresfrontkommando den Befehl gab, mit dem XVII. und dem Karpathenkorps im Raume zwischen Pruth und Sereth vorzugehen und mit dem XXVI. Korps und der Gruppe Krauss die Richtung auf die Städte Sereth und Suczawa zu nehmen, da richtete das Heeresfrontkommando nach Baden die Bitte, die an die 7. Armee bereits ausgegebenen Anweisungen aufrecht halten zu dürfen. Denn ein auf allen Straßen südlich vom Sereth rasch angesetzter Angriff von sechs Infanterie- und drei Kavalleriedivisionen gegen die Linie Folticeni—Leorda werde eher zum Ziele führen, als ein Stoß mit engzusammengeballten Kräften von bloß fünf Infanteriedivisionen aus dem Raume südlich von Czernowitz. Die k.u.k. Heeresleitung stimmte dem jedoch nicht zu. Sie war der Auffassung, daß jetzt ein Vorgehen gegen den Feind vor der 1. Armee weniger dringend sei als eine Unterstützung des k.u.k. XVII. Koirps, und befahl dem Erzherzog Joseph am 1. August nochmals, daß mit starkem linkem Flügel zwischen Sereth und Pruth vorgerückt werden müsse. GO. Kövess wurde hierauf angewiesen, bereit zu sein, die Gruppen der 7. Armee mehr nach Norden zu führen, damit das Karpathenkorps nördlich der Stadt Sereth einschwenken könne.
Die Vormarschkämpje der k.u.k. 7. Armee
Vor der k.u.k. 7. Armee hatten die Russen bis zum 30. Juli am Czeremosz und an der Moldawa gehalten (S. 319). Als sie diese Abschnitte preisgeben mußten, und als das XI. Korps ihrer 1. Armee zwischen Sereth und Pruth ostwärts bis an die Reichsgrenze wich, setzten das XXIII. und das XVIII. Korps dem Vorgehen des Gegners zunächst in der Linie Czudyn—Frassin—Russisch Moldawitza —Kimpolung und
1) Kiszling, Sommerfeldzug 1917.
schließlich zwischen den Städten Sereth. Radautz und Gurahumora neuen Widerstand entgegen. Die 9. Russenarmee bog ihren rechten Flügel XXVI. und II. Korps) von Bergrücken zu Bergrücken bis Kimpolung und Gurahumora zurück und deckte hier die Nordflanke der ru ssi sch -ru mänisehen Front.
So vollzog sich der Vormarsch der k.u.k. 7. Armee unter zahlreichen Gefechten. Die Divisionen der aus dem Karpathenkorps und aus dem k.u.k. XXVI. Korps am 29. Juli neugebildeten Gruppe des GLt. Conta kamen in dem unwirtlichen, dünnbesiedelten Waldgebirge nur langsam vorwärts. In diesen Tagen brannte die sengende Julisonne in die engen, von steilen Hängen eingeschlossenen und mit dichtem Wald bestandenen Täler und vermehrte die Anstrengungen der nach dem langen Stellungskrieg marschungewohnten Truppen in außergewöhnlichem Maße. Tägliche Kämpfe zwangen stets zu schwierigen L'mgehungen in den unwegsamen Wäldern.
Die 200. ID. rückte durch das ausgedehnte Waldgebiet des Kleinen Sereth vor. Sie durchschritt am 30. Juli Berhometh, am 31. trat sie nach schweren Naehhutgefechten bei Mihowa und am 1. August bei Moldauisch Banilla neuerlich ins Gefecht. Die 1. ID., die von Schipoth in das Suczawatal eindrang, kam am 30. Juli bis über Seletin hinaus und stieß dann vor Frassin auf zähen Widerstand. Die 40. HID. warf unterdessen den Feind im Brodinatal zurück und griff am 2. August in den Kampf der l.ID. bei Falkeu ein, welcher Ort genommen wurde. Mühsam mußte sich die k.u.k. 59. ID. von Breaza den Weg quer durch das Gebirge nach Russisch Moldawitza bahnen. Hier erzwang sich die Division am 2. August nach schweren Kämpfen den Übergang über die Moldawitza.
Auf dem linken Flügel der Gruppe Krauss war die ll.HKD., GM.v.Jóny, am 29. Juli südöstlich von Breaza in das Moldawatal eingedrungen. Die Honvedschützenschwadronen gewannen hierauf über die Höhen nordöstlich von Fundul Moldowi langsam Raum und erreichten am 1. August die Gegend von Sadowa, wo sie neuerlich zähen feindlichen Widerstand fanden. Die 6. KD. und die 5. HKD. hatten am 29. Juli aus dem Mestecänesciabsehnitt die Vorrückung angetreten und tags darauf Valeputna und die Waldhöhen südöstlich davon gewonnen. Diese beiden Kavalleriedivisionen brachen sich sodann unter der Führung des GM. Edl. v. Schwer über Pozoritta und über die südlichen Begleithöhen des Moldawatales nach Osten Bahn. Am 2. August drang die
5. HKD. in Kimpolung ein.
Unterdessen hatten die Russen am 30. Juli auch ihre Stellungen vor der am linken Flügel des XI. Korps stehenden 74. HID. aufgegeben. Die 74. HID., GM. v. Grallert, vermochte aber erst nach dreitägigen Kämpfen die feindlichen Nachhuten vom Mt. Gruiu in das Bistritztal zu werfen. Vor dem Südflügel des k.u.k. XI. Korps, vor der 51. HID., begann die russische Front am 31. Juli locker zu werden. Der Feind verwehrte jedoch auf den Höhen westlich und südlich von Holda der nachstoßenden 51. HID., GM. v. Benke, den Zugang in das Bistritztal.
Während die Gruppe Krauss und das Korps Horsetzky noch im Gebirge kämpften, trat die Masse des Karpathenkorps am 3. August bei Bilka und Petroutz aus dem Waldgebiet in das freie Gelände. Das Heeresfrontkommando wollte nun die 1. und die 200. ID. nach Südosten einschwenken lassen. Vom Oberbefehlshaber Ost war am 2. August die Nachricht eingelangt, daß es der 3. Armee an der Stoßkraft fehle, die Offensive in die Moldau hinein fortzuführen. Abgesehen davon sei auch der unbedingt notwendige Nachschub nicht gewährleistet, da die Bahn hinter der 3. Armee einstweilen nur bis Stanislau in Betrieb sei. Diese Armee werde daher die Offensive einstellen und mit ihrem rechten Flügel bei Bojan eine Dauerstellung beziehen müssen.
Bei dieser Lage der k.u.k. 3. Armee hielt das Heeresfrontkommando Erzherzog Joseph den ihm aufgetragenen Angriff nördlich vom Sereth auf Dorohoiu nicht mehr für erfolgverheißend. Erzherzog Joseph sah sich veranlaßt, wiederum den Stoß mit den Hauptkräften der 7. Armee in südöstlicher Richtung, aus der Front Sereth (Stadt)— Gurahu-mora auf Folticeni und Leorda, ins Auge zu fassen. GFM. Mackensen gedachte jetzt, wie noch näher ausgeführt werden wird, mit dem linken Flügel der deutschen 9. Armee aus dem Raume von Focsani, den Sereth entlang, nach Norden vorzustoßen. Durch diesen gleichzeitigen Angriff von Norden und Süden her sollte der gegenüber der 1. Armee befindliche Feind zunächst hinter den Sereth zurückgedrängt werden. Dazu wurde GO. Kövess noch am 3. August angewiesen, mit den inne ren Flügeln der Gruppen Krauss und Conta die Richtung auf Suczawa zu nehmen, während* das XVII. Korps, hinter dem Nordflügel gestaffelt, die Verbindung mit dem k.u.k. XIII. Korps bei Bojan aufrecht-zuerhaltsn und den Schutz der linken Flanke für die Gruppe Conta zu übernehmen hatte.
Das Heeresfrontkommando Erzherzog Joseph hielt nunmehr einen raschen Vorstoß über Suczawa für dringend geboten; denn es war festgestellt worden, daß die Russen dorthin Verstärkungen heranzogen.
Dies ließ vermuten, daß der Feind einen Gegenschlag zu führen gedenke oder seine Nordflanke schützen wolle, um seine jetzige Front im Gvergvó- und im Csikgebirge halten zu können.
Noch am 2. August trat GM. Seeckt an die DOFIL. mit dem Ersuchen heran, sie möge die k.u.k. 3. Armee zum Vorgehen veranlassen, um den Vorstoß der Armee Kövess wirkungsvoller zu gestalten und auch, um den Besitz von Czernowitz besser zu sichern. Auf Grund dieser von der DOHL. genehmigten Anregung gab GO. Böhm-Ermolli am 3. August dem GO. Křitek den Befehl, die Front der 3. Armee bis in die Linie Kliszkowcy Nowosielica vorzuverlegen. Dadurch sollte die linke Flanke der 7. Armee gedeckt und ihr Bestreben, die für die weiteren Operationen so wichtige Bahnlinie Czernowitz—Suczawa zu gewinnen, gefördert werden.
Gegenüber dem von GM. Seeckt beantragten Vorstoß im Raume südlich vom Sereth, auf Folticeni und Leorda, hielt aber die k.u.k. Heeresleitung daran fest, daß das Karpathenkorps vor allem dem k.u.k. XVII. Korps vorwärtshelfe und in stetem Anschluß an dieses aus dem Raume nördlich der Stadt Sereth in südöstlicher Richtung vorstoße. Entsprechend dieser von der k.u.k. Heeresleitung immer wieder dringend gestellten Forderung wurde schließlich dem Karpathenkorps die Weisung gegeben, den Feind zunächst aus dem Raume Sereth (Stadt)—Mihäileni—Oprischeny zurückzuwerfen und sodann unter Mitwirkung des k.u.k. XVII. Korps nördlich des Flusses Sereth in der Richtung auf Bucea und Leorda durchzustoßen.
In Ausführung dieser Befehle rückte das Karpathenkorps von Bilka und Petroutz auf Sereth vor, wo sich die Russen einen Brückenkopf geschaffen hatten1). Die deutsche 1. ID. entriß dem Feinde am 6. August abends nach erbittertem Kampfe den Ort St. Onufry, erzielte aber in dem am nächsten Tag fortgesetzten Angriffsgefecht keine weiteren Erfolge. Die Russen behaupteten den Brückenkopf und die Stadt Sereth. Die 200. ID., die dem vor der 1. ID. stehenden Feind in den Rücken fallen sollte, kam südwestlich von Tereblestie zum Stehen. Mit dem linken Flügel griff sie am 7. August bei Oprischeny in das Gefecht ein, um dem k.u.k. XVII. Korps beizustehen.
Dieses Korps war nach der Einnahme von Czernowitz vor einer durchlaufenden russischen Stellung festgelaufen, die sich südlich von Bojan über Mamornita—Terescheny auf Oprischeny—Tereblestie da-
1 Dorndorf, Infanterieregiment Herzog Karl von Mecklenburg-Streiitz Nr. 43 Oldenburg Berlin 1923,, 129 ff.
hinzog. Der von FML. Fabini ursprünglich für den 6. beabsichtigte Angriff auf diese Russenfront mußte wegen Munitionsmangels auf den
9. August hinausgeschoben werden. Auch das k.u.k. XIII. Korps der
3. Armee, das am 5. zunächst bis in die Linie Ryngacz—Ostrand von Bojan hätte vorgehen sollen, sah sich nach dem Verluste des Dołżok (S. 323) zum Halten gezwungen und mußte den Angriff zur Zurückeroberung dieser beherrschenden Höhe planmäßig vorbereiten.
Allgemeine Knappheit an Artilleriemunition machte sich immer mehr fühlbar; schwer hatten insbesondere die in dem dünnbesiedelten Gebirge kämpfenden Verbände unter den Nachschubschwierigkeiten zu leiden. Trotzdem hatte die hinter der 1. ID. bei Bilka und weiter südlich bei Mardzina in das Hügelland gelangte 40. HID. am 5. August nordwestlich von Radautz eine feindliche Stellung zu erstürmen vermocht. Auch die Stadt Radautz fiel in die Hand dieser Division, der es am 6. und 7. August noch glückte, bis Hadikfalva vorzudringen.
Die von Russisch Moldawitza her durch das Gebirge vorgehende 59. ID. kam unterdessen gegen Solka und Glitt heran. FML. Horsetzky setzte diese Division am 7. August auf Solka und die Höhe Ciota zum Angriff an. Diese Linie wurde am 8. August nach hartem Kampfe auch genommen; die Höhe Ciota ging allerdings bald darauf wieder verloren.
Während das am 6. August wieder armeeunmittelbar gewordene k.u.k. XXVI. Korps, zuerst mit der 40. HID. und dann mit der 59. ID., das offene Hügelgelände bei Radautz und Arbora erreichte, waren die Divisionen der Gruppe Krauss noch weit im Gebirge abgeblieben. Am
3. August stand die 11. HKD. und die Kavalleriegruppe GM. Schwer (6. KD. und 5. HKD.) noch bei Kimpolung im Kampfe. Tags darauf erreichte die 11. HKD. Frumossa im Moldawitzatal und verdrängte den Feind von den Höhen Afinetul und Bobeica nördlich von Warna. Die Kavalleriegruppe GM. Schwer nahm am 6. August nach hartem Gefecht die Höhen Mgr. Cailor und Mgr.bätrina und am 8. den Ort Warna. Im Raume von Gurahumora behauptete sich jedoch der rechte Flügel der 9. Russenarmee, das XXVI. Korps, und hielt den Zusammenhang mit dem auf dem linken Flügel der 1. Armee fechtenden XVIII. Korps aufrecht.
Die 74. HID. des k.u.k. XI. Korps hatte sich in der ersten Augustwoche in das Waldgebirge nördlich und östlich der Bistritza weiter vorgearbeitet und schließlich noch die Höhenlinie Vacäria—Sturzul Hrebin südlich von Slatiora und bei Crucea genommen. Südlich der 74. HID. war die 51. HID. mit dem linken Flügel erst nach heftigen
Kämpfen beim Orte Holda auf die östlichen Begleithöhen der Bistritza vorgedrungen. Ihr rechter Flügel säuberte das Neagratal vom Feinde und warf russische Nachhuten von der Höhe Arsita und vom Vrf. G.'inei. Die Gruppe Krauss vermochte aber nach diesem mühsam errun-gegen Erfolgen die feindliche Front nicht mehr weiter aufzureißen. Der rechte Flügel der 9. Russenarmee klammerte sich auf den Höhen westlich von Gurahumora fest und sperrte dem Angreifer die Täler, die aus dem Gebirge in das Becken von Folticeni führen.
Der Abschluß der Kämpfe in Ostgalizien
Das Ringen der Südarmee um die Z b r u c z 1 i n i e
,29. Juli bis Mitte August Hiezu Beilage 17
Gdl. Bothmer hatte für den 29. Juli die Korps der Südarmee angewiesen, den Übergang über den Zbrucz zwischen der Gnilamündung und Skala zu erzwingen (S. 313). Der Widerstand der Russen erwies sich aber stärker, als man vermutet hatte. So gelang es beim Beskidenkorps nur der 197. ID., nach harten Kämpfen bei Husiatyn den Fluß zu überschreiten. Die Fortsetzung des Angriffes mußte auf den 30. Juli verschoben werden, um das Herankommen der nötigen Munition abzuwarten. Die 237. und die 20. ID. sicherten unterdessen im Anschluß an die 2. Armee die linke Flanke der Armee Bothmer x).
Das k.u.k. XXV. Korps mußte sich am 29. Juli den Zugang zum Zbrucz gegen einen Feind erkämpfen, der westlich von Skala noch das Westufer verteidigte. Die k.u.k. 54. ID., GM. Severus, nahm den östlich vom Zbrucz in einer Flußschlinge gelegenen russischen Ortsteil des Dorfes Zbrzyż. Da sich die Stellungen der Russen auf diesem Flußufer als sehr stark erwiesen, begnügte man sich mit diesem örtlichen Einbruch.
Im Bereiche des Korps Heineccius (XXV. RKorps) hatten die 241. ID und die 4. ErsD. am 29. Juli bei Turylcze zähen feindlichen Widerstand zu brechen. Beide Divisionen erreichten am Abend die Höhen des westlichen Zbruczufers. Die türkische 20. ID. griff im Verein mit der von Norden herangekommenen Leibhusarenbrigade den bei
1 Oberkommando der Südarmee, Der Feldzug in Ostgalizien 1917.
Wolkowce stehenden Feind, an und warf ihn. Das XXVII. RKorps gelangte am 29. kampflos in die Linie Korolowka—Gródek. Die 38. HID., GM. Molnár, eroberte Zaleszczyki (S. 316).
Der hartnäckige Widerstand, den die Südarmee am 29. Juli am Zbrucz gefunden hatte, ließ vermuten, daß sich der Rückzug der Russen hier seinem Ende näherte. Die Russen hatten offensichtlich sehr viel Kavallerie zur Entlastung der Infanterie ihrer 7. und ihrer 8. Armee in die Front eingeschoben. Aus aufgefangenen Funksprüchen und aus den Aussagen der Gefangenen konnten in diesen Tagen gegenüber der Mitte der Heeresgruppe Böhm-Ermolli, im Raume zwischen der Eisenbahnlinie Tarnopol—Woloczysk und Kamieniec-Podolski, 13 bis 15 russische Kavalleriedivisionen wahrgenommen werden. Sie hatten durch die Kämpfe nicht gelitten, denn sie waren in ihrer Mehrzahl hinter der Front gestanden.
Auch die strengen Maßnahmen, die der neue Höchstkommandierende, Gen. Kornilow, ergriffen hatte, um die militärische Zucht wiederherzustellen, waren nicht ohne Erfolg geblieben. Die russischen Soldaten ließen sich bewegen, in den neuen Wehrstellungen, an der Grenze von Altrußland, auszuharren. Die zurückgehenden Divisionen der 7. Russenarmee bezogen hinter dem Zbrucz eine durchlaufende Verteidigungslinie und stellten sich dort entschlossen dem Verfolger entgegen. Die Trümmer des XII. Korps und des III. kauk. Korps der 8. Armee schlugen sich noch verzweifelt im Winkel zwischen Zbrucz und Dniester. Hier wurde das Kavalleriekorps des Gen. Baron Wrangel eingesetzt, um den Stoß abzuwehren, der in südöstlicher Richtung unmittelbar in den Rücken der südlich vom Dniester kämpfenden Armeekörper zielte1).
Am 30. Juli entbrannten an der ganzen Front der Südarmee heftige Kämpfe. Im Abschnitt des Beskidenkorps mußten an diesem Tage russische Gegenstöße, die sich gegen den linken Flügel der 237. ID. richteten, abgewiesen werden. Der Angriff dieser Division gegen die Höhen südlich von Holeniszczów unterblieb wegen ungenügender artilleristischer Vorbereitung. Die 197. ID. vermochte nördlich von Husiatyn ihren Erfolg vom Vortage nicht mehr zu erweitern, behauptete aber die gewonnene Stellung gegen heftige Gegenstöße des Feindes. Der 96. ID. und der 223. ID. gelang es, bei Zielona auf dem östlichen Flußufer Fuß zu fassen. GdI. Bothmer stellte seine Armeereserve, die 15. RD., dem Beskidenkorps zur Verfügung. Sie wurde zwischen der 237. ID. und der 197. ID. eingesetzt.
x) Zajontschko wskij, Feldzug 1917, 90 f.
Das k.u.k. XXV. Korps begnügte sich am 30. Juli damit, die feindlichen Stellungen zu erkunden und den am nächsten Tag beabsichtigten Angriff vorzubereiten. Beim Korps Heineccius konnte die 241. ID. erst am Abend südlich von Skala einige Bataillone über den Fluß werfen. Die 4. ErsD. gewann nach heftigen Kämpfen bei Turylcze die Höhen östlich vom Zbrucz. Ein weiteres Vordringen scheiterte am zähen Widerstand des Feindes. Die''türkische 20. ID. erstürmte nach hartem Ringen das Dorf Niwra auf dem östlichen Ufer, wurde aber nachts durch einen Gegenstoß zurückgeworfen.
Die 53. RD. des XXVII. RKorps erreichte am 30. Juli Krzywcze. Sie stieß am Bilkibach auf den Feind, der mit Hilfe der 24. RD. noch am Abend vom Westufer vertrieben wurde. Die 38. HID. warf feindliche Kräfte über den Dniester zurück. Sie kam, ebenso wie die 24. RD., auf den schlechten Wegen nur langsam vorwärts.
Der vom GdI. Bothmer für den 31. Juli erlassene Armeebefehl verfügte die Fortführung der Angriffe. Vortruppen der Korps sollten bis an den nächsten Parallelfluß, den Zwaniec, vorgeschoben werden. Die verfügbare Artilleriemunition reichte aber nicht aus, die russischen Verschanzungen sturmreif zu schießen. Der Angriff des Beskidenkorps blieb daher auf den Höhen nördlich von Husiatyn sowie vor der Linie Szydłowce—Zielona liegen, ohne wesentlichen Erfolg erzielt zu haben. Nicht besser erging es am 31. Juli dem k.u.k. XXV. Korps. Nördlich vom Orte Skala stießen die auf das Ostufer vorgedrungenen Teile der 55. ID., GM. Unschuld, auf zähen Widerstand; sie mußten in der Nacht auf den 1. August wieder zurückgenommen werden. Nur das Dorf Zbrzyż konnte von der 54. ID. auf dem Ostufer behauptet werden.
Das XXV. RKorps mußte wegen der auch durch Flieger bestätigten Stärke des Feindes und wegen der großen Knappheit an Artilleriemunition auf die Durchführung eines größeren Angriffsunternehmens verzichten, jedoch vermochten die 241. ID und die 4. ErsD. ihre Brük-kenkopfstellungen südlich von Skala etwas vorzuschieben. Die türkische
20. ID. setzte sich noch in der Nacht auf den 3.1. Juli abermals in den Besitz von Niwra.
Das XXVII. RKorps, GdK.v. Krug, schritt am 31. Juli vormittags nach kräftiger Artillerievorbereitung zum Angriff auf die vom russischen Kavalleriekorps Wrangel besetzte Stellung am Bilkibach. Der Vorstoß gelang *). In der Mitte durchbrochen und bei Germakówka in der rechten Flanke umfaßt, wich der Feind eilig zurück. Die Divisionen Winzer, 198 ff. .
des XXVII. RKorps folgten dichtauf und erreichten nach neuem Kampf an der Zbruczmündung die Linie Zalesie—Mielnica.
GdI. Bothmer entschloß sich indessen im Hinblick auf die geringen Erfolge und die teilweise unter nicht unerheblichen Verlusten gescheiterten Angriffe seiner Armeemitte, den weiteren Vorstoß über den Zbrucz bis zum Eintreffen ausreichender Munition aufzuschieben. Das
XXVII. RKorps hatte den Winkel zwischen Dniester und Zbrucz vom Feinde noch zu säubern und sobald als möglich eine deutsche Division als Armeereserve bei Germakówka bereitzustellen, das Beskidenkorps die 197. ID. gleichfalls als Armeereserve aus der Front herauszuziehen. Die Leibhusarenbrigade wurde dem XXV. RKorps unterstellt.
Der Oberbefehlshaber Ost sah mit dem Erreichen des Grenzflusses Zbrucz die Aufgabe der Südarmee als gelöst an. Er gab daher am
2. August dem GdI. Bothmer die Weisung, den Angriff über den Zbrucz nicht mehr weiterzuführen und auf dem westlichen Flußufer eine Dauerstellung zu beziehen. Sicherungsabteilungen waren in dem eroberten Gelände östlich des Flusses zu belassen.
Wiederaufnahme des Stellungskrieges am Zbrucz
Die 7. Russenarmee war offensichtlich bestrebt, die auf das östliche Zbruczufer vor gedrungenen Abteilungen der Armee Bothmer wieder über den Fluß zurückzuwerfen. In den Nächten vom 1. auf den 2. und vom 2. auf den 3. August sah sich das Beskidenkorps bei Husiatyn heftig vom Feinde angegriffen. Der erste Vorstoß scheiterte völlig, der zweite brachte dem Feinde geringe Vorteile. Beide Angriffe hatten ihm sehr erhebliche Verluste eingetragen. Nach der Abwehr des zweiten Russenangriffes räumten die Deutschen planmäßig den Brückenkopf von Husiatyn. Sie hielten aber die beiden anderen, südlich und nördlich von Zielona gewonnenen Brückenköpfe auch weiterhin besetzt.
Im Bereiche des k.u.k. XXV. Korps vollzog sich unterdessen der Übergang in die Dauerstellung ohne Kämpfe. Um so heftiger wurden die bei Turylcze auf dem östlichen Zbruczufer stehenden Truppen des XXV. RKorps in der Nacht auf den 5. August bedrängt; es konnten jedoch die vom Feinde hiebei gewonnenen Vorteile am 5. August zum Teil wieder wettgemacht werden. Auf Grund der für die Linienführung der Dauerstellung ergangenen Befehle beließ das XXV. RKorps nur noch östlich von Turylcze Truppen auf dem linken Zbruczufer und räumte in der Nacht auf den 6. August die übrigen Brückenköpfe.
Das XXYI1. RKorps setzte in den ersten Augusttagen die Säuberung des Winkels zwischen Zbrucz und Dniester noch fort. Unter hartnäckigen Gefechten konnten bis zum 3. August abends die in den Flußschleifen des untersten Zbrucz gelegenen Ortschaften Młynówka, Czarnokozińce, Kudryńce und Zawale genommen werden. Außerdem griff das XXVII. RKorps mehrfach mit Teilen seiner Artillerie flankierend in die Kämpfe der k.u.k. 3. Armee auf dem südlichen Dniester-ufer ein. Am 7. August nachmittags stießen überlegene russische Kräfte überraschend gegen die bei Wygoda vorgeschobenen Abteilungen der
38. HID. vor und drängten sie auf die Hauptstellung zurück.
In den nächsten Tagen unterhielt die russische Artillerie am Zbrucz allenthalben noch lebhaftes Störungsfeuer. Bald nahm aber die Gefechtstätigkeit den Charakter des Stellungskrieges an oder sie ruhte vollkommen.
In einem am 5. August ausgegebenen Befehle des GdI. Bothmer war die als Dauerstellung auszubauende Linie festgelegt worden. Der Anschluß rechts, an die k.u.k. 3. Armee, sollte bei Dźwinigród am Dniester hergestellt werden. Von der Gegend südöstlich von Paniowce bis südlich von Husiatyn hatte die Dauerstellung das westliche Zbruczufer entlang zu verlaufen; auf dem Ostufer des Flusses blieben lediglich die Brückenköpfe Puhlaki und beiderseits von Zielona als vorgeschobene, im Falle eines ernsten Angriffes der Russen zu räumende Vorstellung schwach besetzt, ebenso der Ort Husiatyn. Von diesem Orte ab sollte die neue Abwehrstellung über Wasylkowce—Niżborg Str.— Soroka—Kluwińce bis zum Anschluß an die k.u.k. 2. Armee verlaufen. Der linke Flügel der Südarmee sollte aus seiner jetzigen Kampfstellung in die neue Linie erst zurückverlegt werden, bis sie einigermaßen ausgebaut sei.
GdI. Bothmer hatte befohlen, daß innerhalb der Südarmee drei Frontabschnitte gebildet werden sollten: auf dem rechten Flügel das Generalkommando des XXVII. RKorps mit der 38.FIID., der 24. und
53. RD., in der Armeemitte das k.u.k. XXV. Korps mit der 55. und der
54. ID. und schließlich auf dem linken Flügel das Generalkommando des Beskidenkorps mit der 223. ID., der 15. RD., der 241., der 96. und der 237. ID. sowie zunächst noch mit Teilen der k.u.k. 19. und der k.u.k. 32. Division. Aus diesen beim Beskidenkorps befindlichen öst.-ung. Truppen (IR. 23, 70, SchR. 29) und aus den Artilleriebrigaden der 19. und der 32. ID. wurde eine Division gebildet, über die das bisherige 32. Divisionskmdo., FML. Willerding, die Führung übernahm.
Die türkische 20. ID. schicd am 10. August aus dem Verbände des XXV. RKorps, um mit der Bahn nach Konstantinopel abbefördert zu werden. Die 197. ID. mußte GdI. Bothmer an den Abschnitt Złoczów abgeben. Überdies waren die deutsche 20. ID., die Leibhusarenbrigade, das Generalkommando des XXV. RKorps sowie der größte Teil der schweren Artillerie zu anderweitiger Verwendung aus der Front herauszulösen. Die 4. ErsD. wurde als Armeereserve zunächst hinter dem XXVII. RKorps, nach dem Abmarsch der deutschen 20. ID. hinter dem Beskidenkorps bereitgestellt.
Gegen die vom Oberbefehlshaber Ost anbefohlene Abgabe einer weiteren deutschen Division als Heeresgruppenreserve erhob GdI. Bothmer Einspruch. Er verwies vor allem darauf, daß durch eine weitere Verdünnung der Front die Sicherung des eroberten Gebietes nicht mehr gewährleistet sei, erklärte sich jedoch bereit, die beim Beskidenkorps eingeteilten öst.-ung. Truppen zur Verfügung zu stellen. Die Heeresgruppe Böhm-Ermolli war hiemit einverstanden. An Stelle der komb. 32. ID. wurde die 241. ID., die ursprünglich die 197. ID. hätte abiösen sollen, am linken Flügel des Beskidenkorps eingesetzt. Am 8. August verzichtete der Oberbefehlshaber Ost jedoch auf die befohlene Abgabe des Generalkommandos des XXV. RKorps. Hiedurch wurde es möglich, die Armeefront Bothmers in vier Abschnitte zu teilen. Diese Neugliederung wurde verwirklicht, indem die auf dem rechten Flügel de.s Beskidenkorps stehenden Divisionen (223. ID. und 15. RD.) am 12. August als Abschnitt Czortków unter dem Befehl des Generalkommandos des XXV. RKorps traten.
Im Verlaufe der Gegenoffensive hatte sich das Heeresgruppenkmdo. Böhm-Ermolli mehrmals bemüht, die Truppen des k.u.k. IX. Korps, die nach dem bei Zborów erlittenen schweren Rückschlag wieder halbwegs kampffähig waren, wieder in die Front stellen zu dürfen und ihnen damit Gelegenheit zu neuer Bewährung zu geben. Der Oberbefehlshaber Ost war aber hiefür nicht zu gewinnen. Die 19. ID. blieb daher noch weiter Reserve hinter dem XVIII. Korps, die 64. IBrig. hinter dem V. Korps und das IX. Korpskmdo. ohne Verwendung. Erst als das IX. Korpskmdo. in GdI. Edl. v. Koennen-Horák einen neuen Kommandanten erhielt, wurde ihm am 15. August der Befehl über den von der k.u.k. 33. ID. und der deutschen 92. ID. besetzten Abschnitt bei Załośce übertragen.
Die anfangs August von der 4. Armee zur Heeresgruppe Böhm-Ermolli nach Zborów abrollende k.u.k. 11.TD. hatte die 2. GID. abzulösen. Diese und die neueintreffende deutsche 232. ID. sollten zunächst dem Abschnitte Złoczów als Reserve dienen. Die 2. GID. und das Generalkmdo. LI wurden gegen Mitte August über Cholm nach Norden abbefördert. Bald folgten die l.GID. und das Generalkommando des XXIII. RKorps. Alle diese Truppen waren, wie noch ausgeführt werden wird, für eine Unternehmung gegen Riga bestimmt.
Mit dem Erreichen des Grenzflusses Zbrucz und nach der Rückeroberung des größten Teiles der Bukowina war der Schwung der Gegenoffensive der Verbündeten im wesentlichen aufgezehrt. Verursacht wurde dieses Verebben fürs erste durch die Schwierigkeiten im Nachschub, namentlich an Schießbedarf, dann aber auch durch das unerwartet rasche Erstarken des Widerstandes der Russen, die hartnäckig die Grenzen ihres Reiches verteidigten. Dennoch sollten die in der Bukowina stehenden Streitkräfte der Verbündeten alsbald neuerlich zum Angriff aufgerufen werden, der Bresche schlagen sollte für das Eindringen von Nordwesten her in die Moldau, in de rem Südteil schon seit der letzten Juliwoche erbitterte Kämpfe im Gange waren.
DIE LETZTEN SCHLACHTEN AUF DEM RUMÄNISCHEN KRIEGSSCHAUPLATZ
Der russisch-rumänische Operationsplan und die Maßnahmen der Mittelmächte
Hiezu Skizzen 1 und 2 der Beilage 18
Im Rahmen der von der Stawka für das Jahr 1917 entworfenen großzügigen Angriffspläne war auch der Rumänischen Front des Königs Ferdinand eine wichtige Rolle zugedacht; die allgemeine Frühjahrsoffensive im Osten sollte durch einen Angriff zur Rückeroberung der Dobrudscha eröffnet werden (S. 14). Nachdem aber das russische Reich Mitte März durch die Revolution schwer erschüttert worden war, schränkte Gen. Sacharow, der Stabschef der Rumänischen Front, die Angriffsziele ein und bezeichnete am 21. März als Hauptzweck der nächsten Kriegshandlungen, den Gegner durch Teilvorstöße jeder Armee zu binden und am Abziehen von Kräften zu hindern. Als Träger des Angriffes waren die drei russischen Armeen ausersehen, wogegen die 2. Rumänenarmee nur eine unterstützende Aufgabe übernehmen sollte. Der Kommandant dieser Armee, der Gen. Averescu, wandte sich hierauf an seinen König und legte dar, daß die seinen Streitkräften zugemessene, nebensächliche Rolle der Leistungsfähigkeit der Truppen nicht entspreche. Mit Rücksicht darauf, daß die rumänische 2. Armee nach beendetem Heeresaufbau ebenso wie die russischen Nachbararmeen dem Gegner unbedingt weit überlegen sein werden, bat der General, ihm jetzt, wo es sich um die Befreiung des Heimatbodens handle, die Möglichkeit zu einer kraftvollen Angriffshandlung zu gewähren1).
Der kriegerische Geist der russischen Divisionen an der Rumänischen Front war aber ebenso rasch gesunken, wie an allen anderen Fronten; die Frühjahrsoffensive war deshalb unterblieben. Als Mitte Mai die Oberbefehlshaber in Mohilew Kriegsrat hielten (S. 219), tauchte nochmals der Plan auf, unten im Süden, die Donau entlang, den Wall der Mittelmächte zu sprengen und die Dobrudscha zurückzuerobem. Das rumänische Hauptquartier versprach sich jedoch von dem Unternehmen wenig Erfolg, und der Generalstabschef Presan setzte bei der Stawka seinen Vorschlag durch, die deutsche 9. Armee bei Nämo-loasa zu durchbrechen, um möglichst viel Gebiet der Walachei zurückzugewinnen 2). In diesem Sinne gab Gen. Schtscherbatschew, der den
1) Dab i j a, IV, 31 ff.
2) Kiritzesco, 290.
Geil. Sacharow als oberster russischer Führer der Rumänischen Front abgelöst hatte (S. 218), am 30. Mai die vom König Ferdinand genehmigten Weisungen aus. Ln ganzen Befehlsbereich waren Angriffshandlungen aufzunehmen, um den Gegner vollständig zu lähmen und im besonderen seine Streitkräfte im Raum Nämoloasa—Focsani zu vernichten. Diese Hauptaufgabe wurde der rumänischen 1. Armee zugewiesen, die zwischen der 4. und der 6. Russenarmee in die Front zu rücken und die deutschen Wehrstellungen in der Richtung auf Röm-nicu-Särat einzuschlagen hatte. Die südlich anschließende russische
6. Armee sollte mit ihrem Westflügel bis zum Unterlauf des Buzeu angreifen, den Rumänen die linke Flanke schützen und weiterhin womöglich auf Bräila Vordringen. Rechts vom rumänischen Stoßkeil hatte die 4. Russenarmee die Mgr. Odobesci zu erobern und durch Vordringen bis an den Milcovbach die deutsche Stellung bei Focsani unhaltbar zu machen. Die rumänische 2. Armee hatte mit dem linken Flügel den Widerstand der Gruppe Gerok zu überwinden und dann nach Süden bis ins Putnatal vorzustoßen. Schließlich sollte die russische 9. Armee durch örtliche Vorstöße die k.u.k. 1. Armee fesseln und an der Abgabe von Reserven hemmen. Für den Beginn der Offensive wurde nach zweimaliger Verschiebung der 22. Juli in Aussicht genommen30).
In der Zwischenzeit betrieb man die Vorbereitungen mit großem Eifer. Die französische Militärmission unter Gen. Berthelot hatte das rumänische Heer neu aufgerichtet (S. 75) und nach den Erfahrungen des Westens in einer zeitgemäßen Fechtwcise, im Zusammenspiel der Waffengattungen und im Gebrauch der neuartigen Kampfmittel unterwiesen. Um die Schulung der Artillerie hatten sich auch russische Offiziere bemüht. Frankreich steuerte den Hauptteil des erforderlichen Kriegsgerätes bei. So schwang sich die 1916 zusammengebrochene Streitmacht des Königreiches wieder zu einem vollwertigen Kriegswerkzeug empor. Auf den rumänischen Soldaten hatte der Niedergang bei den benachbarten Russen in keiner Weise abgefärbt; das neugekräf-tigte Heer war von bestem Geiste beseelt und begehrte, die erworbenen Kenntnisse bei der Rückeroberung des Vaterlandes zu bezeugen2). Von den 15 Infanteriedivisionen waren bis zum Sommer 1917 zehn vollkommen schlagbereit und wurden vom rumänischen Oberkommando zum Einsatz bestimmt. Die 2. Armee, Gen. Averescu, (1., 3., 6., 8. ID. und 2. Cälärasibrigade), war auch während der Reorganisation in der Front verblieben. Um die Monatswende Juni—Juli rückte nunmehr auch die 1. Armee, Gen. Cristescu, die aus den Divisionen 5, 9, 12, 13, 14, der Grenzerbrigade, beiden Kavalleriedivisionen und der 1. Cälärasibrigade bestand, in die Serethlinie zwischen die 4. und die 6. Russenarmee ein und übernahm den Abschnitt bei Nämoloasa. Die rumänische
7. ID. war Heeresreserve. Das I. Korps (2., 4. und 11. ID.), im Mannschaftsstand durch Kriegsseuchen sehr geschwächt, war noch nicht aufgefüllt und hatte den Ausbau fortzusetzen; desgleichen wurden auch zwei Divisionen des V. Korps (10., 15. ID.) noch zurückgehalten.
Den Heerführern der Mittelmächte gelang es nicht so leicht, die Absichten des Feindes zu durchschauen. Am 27. Juni hatte die DOHL. die Lage dahin beurteilt, daß zwischen den Karpathen und dem Schwarzen Meere ein Ansturm des Feindes gegen die Heeresgruppe Mackensen noch nicht nahe bevorstehe, aber jedenfalls zu erwarten sei. In der rumänischen Ebene sei mit einem Hauptangriff zwischen Bräila und Nämoloasa zu rechnen, der von Teilangriffen gegen die Dobrudscha und gegen Focsani begleitet sein mochte. Ob sich der Feind auch gegen den Trotusu- und Oituzuabschnitt wenden werde, bleibe fraglich; in den Karpathen seien Vorstöße etwa bei Kirlibaba möglich.
In der ersten Juliwoche gewann GFM. Mackensen schon eindrucksvollere Anzeichen. Bei der 9. Armee, die jetzt an Stelle des in die Türkei berufenen GdI. Falkenhayn GdI. Eben befehligte, erhielten der von Türken, Bulgaren und der k.u.k. 145. IBrig. besetzte Abschnitt des GenKmdos. LII (früher Donauarmee, GdI. Kosch) sowie die Mittelgruppe Schaer (deutsche 109. und öst.-ung. 92. ID.) lebhaftes Geschützfeuer; in der Luft entspannen sich rege Kämpfe. Der Feind baute in dem Frontvorsprung, der vor Nämoloasa auf das rechte Serethufer Übergriff, neue Brücken über den Fluß. Hinter den russisch-rumänischen Linien nahm der Verkehr auf Straßen und Bahnen stark zu. Der öst.-ung. Generalstabschef, GdI. Arz, glaubte hingegen am 8. Juli noch an keine größere Operation der Russen gegen die Serethlinie, da sie dort das XXIX. Korps mit drei Divisionen und anscheinend auch das XLVII. Korps zurückzogen. Arz regte bei Hindenburg an, aus Rumänien gleichfalls Kräfte für Ostgalizien herauszulösen. Ludendorff erklärte jedoch namens der DOHL., die Feindlage sei noch nicht klar zu übersehen; man müsse abwarten, ob die russischen Verbände auch wirklich abbefördert würden.
In den nächsten Tagen festigte sich bei Mackensen die Überzeugung, daß der Feind zu einem ernstgemeinten Schlag ausholen werde. Die Deutschen trafen Gegenmaßregeln. Die Heeresgruppenreserve, die 7(i. RD., wurde bei der Armee Eben hinter die Naht des Korps GdI. Kosch und der 115. ID. gestellt. Die der 9. Armee von der Isonzofront zugeführte k.u.k. 62. ID., GM. v. Brunswik (S. 216), ersetzte um die Monatsmitte bei der Gruppe Gallwitz die deutsche 212. ID., damit diese mit ihrer Hauptkraft den Türken am rechten Heeresflügel als Rückhalt dienen könne. Dem weniger gefährdeten I. RKorps wurden noch möglichst viele Truppen entnommen, die den bedrohten Frontteilen zugeschoben wurden. Am linken Flügel der Gruppe des preuß. GM. v. Gallwitz wurde im Einvernehmen mit der Heeresfront Erzherzog Joseph für deren anschließende Gruppe Gerok eine gemischte Abteilung (2 Bataillone, 3 Schwadronen, 1 Batterie) bereitgestellt. Der Feind hatte inzwischen unverdrossen an seiner Angriffsgruppierung weitergearbeitet, vor der Durchbruchsstelle ein reichverzweigtes Grabennetz ausgehoben und seine Geschütze fleißig spielen lassen. Die Verbündeten blieben die Antwort, namentlich gegenüber den erkannten Sammelräumen, nicht schuldig und trachteten, die Ausladeorte der Rumänen und Russen in Brand zu stecken. Nach dem 20. Juli erwartete das Heeresgruppenkommando Mackensen den Angriff der Feinde mit Sicherheit im Raume Voinesti—Nämoloasa.
Bei der Heeresfront Erzherzog Joseph wurde die 7. Armee, GO. Kövess, seit Anfang Juli an den alten Druckstellen der Front von den Russen, offenbar im Zusammenhang mit der in Ostgalizien eröffneten Offensive, mit stärkerem Artilleriefeuer angefallen. Diese Versuche des Feindes wie auch seine örtlichen, schwächlichen Infanterievorstöße waren aber aLs Ablenkungsunternehmen nicht zu verkennen. Auch bei der 1. Armee, GO. Freih. v. Rohr, beschränkte sich die Gefechtstätigkeit zunächst auf das gegenseitige Störungsfeuer der Batterien. Das Heeresfrontkommando ließ sich jedoch nicht abhalten, durch die der Armee Kövess zugeführte 7. ID. (S. 283) bei der Gruppe Litzmann der
1. Armee die bayrische 8. RD. zu ersetzen und diese der Heeresgruppe Böhm-Ermolli zur Verfügung zu stellen (S. 284). Als GdI. Litzmann mit seinem Stabe ebenfalls dorthin abging (S. 272), wurde dem FML. Lipośćak der Befehl über die 7. ID., die k. u. 16. LstlBrig. und über die
10. KD. übertragen. Das VI. Korps, dessen Führer, GdI. Csanády, auf Geheiß der Heeresleitung mit jenem des XXVI. Korps, FML. Hadfy, zu tauschen hatte, trat unmittelbar unter das 1. Armeekommando.
Mit großer Eifer sammelte man bei der Heeresfront alle Nachrichten, die über die Stimmung und das nächste Vorhaben des Feindes Aufschluß geben konnten. Überläufer und Unterhändler mißten wohl vieL von Kriegsmüdigkeit und Angriffsweigerungen in den russischen Reihen zu berichten. Auch glaubte man, den rumänischen Soldaten eine gedrückte Stimmung anzumerken. Um den Feind moralisch zu schwächen und weiter ruhig zu erhalten, ließ das Heeresfrontkommando in den Gräben des Feindes die Erinnerung verbreiten, daß die Russen es gewesen seien, die die an der Ostfront eingetretene Waffenruhe durch ihren Angriff in Galizien unterbrochen und damit der Friedensbereitschaft der Mittelmächte gespottet hätten. Man mußte aber bald erkennen, daß weder dieses Mittel noch der Hinweis, das neue Rußland habe sich nur im Interesse der Entente in weitere, zwecklose Blutopfer gestürzt, nicht verfingen. Um so mehr Beachtung verdienten die Maßnahmen der feindlichen Führung. Um die Monatsmitte wurde die Artillerie vor der Gruppe Gerok verstärkt und begann sich auffällig gegen die deutsche 218. ID. einzuschießen. Hinter der Front setzten bei Rumänen und Russen große Truppenbewegungen ein. Wenn die Russen auch das anscheinend ziemlich zersetzte XLV. Korps vom linken Flügel ihrer 9. Armee nach hinten zogen, so zeigten doch die sonstigen, in der Kampflinie bleibenden Verbände, auch vor dem k.u.k. XXI. Korps, in ihrem Gehaben wieder feindseligeres Verhalten.
So kam das l.Armeekmdo. am 13. Juli zu der Anschauung, es werde gegen die ganze Gruppe Gerok, wahrscheinlich auch gegen das
VI. Korps, ein Angriff geplant. Das k.u.k. AOK. kündigte dem Heeresfrontkommando den Zuschub der abgekämpften 15. und der 16. ID. (ohne Artillerie) an (S. 280) und befahl, beide Divisionen durch Ersätze der 1. und der 7. Armee aufzufüllen, sie hierauf an ruhigen Frontstrecken einzusetzen, dafür aber eine kampfkräftige Division an den Oberbefehlshaber Ost abzugeben. Dagegen erhob GO. Erzherzog Joseph beim Chef des Generalstabes, GdI. Arz, Einspruch1). Der Erzherzog erklärte, daß er bisher stets bereitwillig Kräfte, soferne solche entbehrlich waren, an andere bedrohte Fronten abgetreten habe, so noch jüngst die 8. bayr. RD. und die Batterien an die Heeresgruppe Böhm-Ermolli, ferner 19.000 ausgebildete Ersatzmänner an die Isonzoarmee. Jetzt seien
x) FM. Erzherzog Joseph, Der Weltkrieg, wie ich ihn sah (in ungarischer Sprache, Budapest 1931), V, 70 ff. Das umfangreiche Werk bringt fast den gesamten dienstlichen Schriftwechsel des Heeresfrontkommandos ins Ungarische übersetzt.
die Fronttruppen durch Abgaben für Erntearbeiten ohnehin geschwächt. Für größere Kampfhandlungen reiche der Geschoßvorrat nicht aus; dies sei hier besonders gefährlich, da im wegarmen Gebirgslande das Vorbringen von der Bahn bis zur Batterie viel Zeit brauche. Ein Angriff des Feindes auf den rechten Flügel der 1. Armee stehe fast sicher bevor. Zur Abwehr werde, was möglich sei, vorgekehrt werden; aber bei einem gleichzeitigen Angriff an mehreren Stellen könne sich das Heeresfrontkommando „nur auf die Festigkeit der Frontbesatzung selbst verlassen", denn beiden Armeen fehle es an genügenden Reserven. Der Auftrag, die neu zugewiesenen Divisionen sowie die 7. ID. aus den Mannschaftsbeständen der Heeresfront zu ergänzen, bedeute ein Schwächen der Kampflinie, da der Grundsatz, nur völlig ausgebildete Leute einzureihen, beibehalten werden müsse. Das Auffüllen der drei Divisionen werde daher längere Zeit dauern und auf Kosten der übrigen Verbände gehen. Die Verminderung der Kampfkraft habe nunmehr das äußerste Maß erreicht, „wenn nicht überschritten“, innerhalb dessen der Befehlshaber die Verantwortung für das Behaupten der Front eben noch tragen könne.
In der Antwort aus Baden wurde dem Erzherzog entgegengehalten, daß er jetzt im Juli vergleichsweise dem Feinde mit mehr Kräften, Kampfmitteln und in besser ausgebauten Stellungen als im Dezember 1916 entgegenzutreten vermöge; es dürfe auch nicht vergessen werden, daß die Lage nach einer elften Isonzoschlacht „gebieterisch zwingen“ könnte, der Heeresfront sogar alle einreihungsfähigen Ersätze (11.000 Mann) abzuziehen. Nur an der Kärntner Front (10. Armee) sei das Verhältnis zwischen den eigenen und den feindlichen Kräften für uns besser als in Siebenbürgen, sonst durchwegs wesentlich ungünstiger. Die Führer aller Grade und die Truppen der Mittelmächte hätten mit diesen Gegebenheiten zu rechnen. „Sie sind unabänderlich. — Wir müssen riskieren und müssen dabei mit Zuversicht in den Kampf treten.“
Am 15. Juli sah sich der Heeresfrontkommandant bewogen, der Gruppe Gerok das Befehlsrecht über das vom Nordteil der 7. Armee nach Bereczk verlegte IR. 157 der deutschen 117. ID. einzuräumen und alle Beschränkungen, die dem Gruppenführer in bezug auf die Kampfhandlungen seiner Streiter auferlegt waren, aufzuheben, damit dieser offenbare Angriffsvorbereitungen des Feindes in jeder Weise vergelten könne. GdI. Gerok erwartete Vorstöße, die von Überläufern für den 18. Juli angesagt wurden, im Susita- und im Casinugebiet sowie im Oituzu- und im Slänictale. Aus den Divisionen der Gruppe Ruiz und des VIII. Korps wurden möglichst viel Abschnittsreserven ausgeschieden und hinter der langgestreckten Abwehrlinie bereitgestellt. Vom IR. 157 wurden zwei Bataillone in das Sovejabecken, eines in den Ojtozpaß nach Sosmezö vorgezogen. Schließlich konnte noch auf die 1300 Schützen der 7. KD. gegriffen werden, die aus der Walachei nach Kézdivásárhely herangeholt worden war (S. 284) und hier die Umwandlung ihrer Regimenter in reine Fußtruppen vom ahm.
Am 16. verhielt Erzherzog Joseph aus Besorgnis um seinen rechten Heeresflügel die Armee Kövess, mit der in Reserve genommenen 8. KD. die noch beim XVII. Korps verbliebenen Truppen der deutschen 117. ID. (RIR. 22) nebst dem Divisionsstabe des GM. Seydel. beschleunigt abzulösen. Ob die Division noch, wie seit langem geplant, bei der Gruppe Krauss gesammelt werden könnte (S. 283), oder ob die letzten Teile über Des nach Bereczk zur 1. Armee abzubefördern wären, hing von der nächsten Entwicklung der Ereignisse ab. Sowohl das XVII. Korpskmdo. als auch GO. Kövess wiesen nachdrücklich auf die durch diese Maßnahmen bedingte Schwächung der Front hin. Das Heeresfrontkommando konnte sich den vorgebrachten Beweisgründen nicht verschließen, aber dennoch keine Abhilfe schaffen.
Der 18. Juli ging bei der Gruppe Gerok kampflos vorüber, weil die Russen — wie es hieß — nicht zum Angriff zu bewegen waren; dieser wurde aber für die nächsten Tage angekündigt. In Baden glaubte man jedoch, da die Russen seit einiger Zeit von der Rumänischen Front Kräfte abbefördert oder zurückgezogen hatten, nicht recht an eine große Offensive des Feindes. Auch aus dem Einsatz der, wie man meinte, „kaum als sehr kampfkräftig zu betrachtenden rumänischen Divisionen“ wollte man nicht auf „große Angriffsabsichten'4 schließen, hielt aber örtliche Anstürme einzelner Divisionen gegen die Gruppe Gerok für möglich. Die Heeresleitung gestattete auch nur, die Erntearbeiter des VIII. Korps und der l.KD. einzuberufen.
Am 19. Juli wies Erzherzog Joseph die 7. Armee an, auf Teilangriffe bedacht zu sein, falls sich der in Galizien gegen die Russen eingeleitete, machtvolle Schlag auf die Karpathenfront auswirke. In weiterer Folge sei an eine scharfe Verfolgung zu denken, und es wären hiezu frühzeitig und rücksichtslos, selbst durch Entblößen minder wichtiger Frontteile, Truppen zusammenzuziehen. Bei der 1. Armee trafen inzwischen die Anfänge der 15. ID. samt den zugehörigen Marschkompagnien ein; nach dem notwendigsten Festigen de.r Verbände sollten durch ihren Einsatz beim XXI. Korps zunächst sechs Bataillone der 37. HID. freigemacht werden. Das Heeresfrontkommando erachtete am 21. Juli den Abschnitt Gerok mit den vorhandenen Eingreiftruppen und gestützt auf die Nahtreserve der 9. Armee, für genügend gestärkt. Es bezweifelte nur einigermaßen, ob die russische Führung ihre Soldaten binnen wenigen Tagen zum Losschlagen umstimmen könne. Auf diese Frage gaben aber die Kanoniere des Feindes eine vernehmliche Antwort, indem sie auf die Stellungen Geroks und darüber nach Norden hinaus auch auf die 31. ID. imd die 3. KD. des XXI. Korps ein lebhaftes Feuer eröffneten.
Der Vorabend der russisch-rumänischen Offensive war somit angebrochen. Sie war das letzte Glied aus der Kette von Gewaltschlägen, die von der Stawka aus dem Gedanken der „Generaloffensive auf ganzer Front“ seit 1916 gegen die Mittelmächte entfesselt wurden. Das angestrebte, gleichzeitige Angreifen der russischen Heeresfronten war freilich nie zu erzielen gewesen. Auch jetzt, im Hochsommer 1917, als bereits die Provisorische Regierung Kerenski das Erbe des Selbstherrschers aller Reußen angetreten und die Kriegsmacht Rußlands zum allgemeinen Großangriff angespornt hatte, erfolgten die Anstürme der Südwestfront, der Westfront und schließlich der Rumänischen Front zeitlich hintereinander.
Die Angriffe über den Sereth und gegen die Ostgrenze
Siebenbürgens
Die Artillerieschlacht bei Nämoloasa (22. bis 25. Juli)
Für das Ringen um die Walachei standen dem König Ferdinand von Rumänien überlegene Streitkräfte zu Gebote. Die fünf Armeen seiner Heeresfront umfaßten 47 Infanterie- und 11 Kavalleriedivisionen l). Mackensen und Erzherzog Joseph verfügten vom Schwarzen Meere bis in die Waldkarpathen, wo der Befehlsbereich der Rumänischen Front mit dem rechten Flügel der 9. Russenarmee westlich des Mestecanescipasses vor der 11. HKD. endete, nur über rund 28 Infan-terie^ und 8 Kavalleriedivisionen. War auch dem größeren 'Feile der 9. Russenarmee bei der Offensive keine besondere Aufgabe zugedacht,
rj Die fünf Rumänendivisionen, die noch nicht verwendbar waren, sind nicht mitgezähli.
und mochte auch die Kampflust mancher russischer Verbände nur mäßig sein, so blieben den Angreifern doch noch reichliche Kräfte, um an den gewählten Druckstellen eine erhebliche Übermacht zusammenzuballen. Der bulgarischen 3. Armee, Gen. Nerjezoff, und dem rechten Flügel der Armee Eben (GenKmdo. LII und 115. ID.) stand bis Crän-geni die russische 6. Armee, Gen. Zurikow, mit dem Schwergewicht am Serethunterlauf gegenüber. Rechts angrenzend hatte die rumänische
1. Armee, Gen. Cristescu, im Frontknie vor Nämoloasa das III. Korps mit der 13. und der 14. ID. im ersten und mit der 5. ID. im zweiten Treffen als Durchbruchskeil gruppiert. Ein neugebildetes VI. Korps (9. ID., 1. Cälärasibrigade und russische 80. ID.) schloß von Nämo-loäsa bis Movileni an. Hinter den beiden Korps hielt Cristescu noch die 12. ID., die Grenzerbrigade und beide Kavalleriedivisionen zur Auswertung des erhofften Erfolges bereit.
Dieser gewaltigen Masse hatten bei den Verbündeten vor allem die Gruppe BehrL) (deutsche 109. und öst.-ung. 92. ID.) und die rechts benachbarte 115. ID. die Stirne zu bieten. Die Reserven der Verteidiger waren spärlich. Den beiden deutschen Divisionen und der bulgarischen Komb. ID. des Korps Kosch diente je ein Regiment der 76. RD. als Rückhalt; der k.u.k. 92. ID., GM. Edl. v. Krasel, waren zwei Bataillone des I. RKorps zugewiesen. Das rumänische Oberkommando verfügte noch über die 7. ID. und hinter der 6. Russenarmee über das XXIX. Korps (1. SchD., 7. SchD., 3. kauk. SchD.) und über das
III. Kavalleriekorps (10. KD., 1. DonKosD., TerekKosD.) als Heeresreserven. Die vom Gen.Ragosa befehligte russische 4. Armee wandte sich mit ihren acht Infanteriedivisionen und einer Kavalleriedivision gegen das deutsche I. RKorps, GLt. v. Morgen, und gegen die Gruppe Gallwitz. Der rechte Flügel der Russen reichte zur k.u.k. 1.Armee hinüber bis vor den halben Abschnitt der 218. ID. der Gruppe Gerok.
Am 22. Juli schwoll das Artilleriefeuer des Feindes gegen viele Stellen der Heeresgruppe Mackensen, besonders gegen die Mitte der 9. Armee, beträchtlich an. Ihr Führer schob daher noch das nördlich von Römnicu-Särat stehende deutsche IR. 42 auf Kraftwagen der Gruppe Behr zu. Am 23. ging der Feind zum Wirkungsschießen über. Seine Batterien hämmerten auf die Mitte und den rechten Flügel der Armee Eben ein, während das gegen die Armee Nerjezoff sowie gegen das Korps Morgen und den Abschnitt Gallwitz gerichtete Feuer offenbar
*) Die bisherige Gruppe Schaer wurde nunmehr durch den neuernannten Führer der 109. ID., den preuß. GLt. v. 13ehr, befehligt.
nur ablenken sollte. Dieses Vorbereitungsfeuer währte drei Tage und erreichte einen an der rumänischen Front bisher nicht gekannten Stärke-irrad. Gecen den Einbruchsraum vorNämoloasa wüteten 600 Geschütze;
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sie verbrauchten 170.000 Geschosse mit einem Gesamtgewicht von 2000 TonnenJ). Die Verteidiger erwiderten mit einem kräftigen Vernichtungsfeuer auf die Sammelräume der Stürmer und wähnten, den Angriffswillen der feindlichen Infanterie, als sie nach dem 25. Juli nicht anging, gebrochen zu haben. In Wirklichkeit war aber Kerenski dem König von Rumänien überraschend in den Arm gefallen. Die russische Regierung, sehr bestürzt über den Niederbruch ihres Heeres in Galizien, gebot am 25. ihren auf dem rumänischen Kriegsschauplatz fechtenden Armeen, die begonnene Offensive einzustellen. Das rumänische Oberkommando mußte schweren Herzens auf das Fortsetzen der Kriegshandlung verzichten, in die man große Hoffnungen gesetzt hatte. So waren nur gewaltige Munitionsmengen vergeudet worden; die Schlacht bei Nämoloasa wurde nicht durchgekämpft. Der von Gen. Schtscherbatschew an die russischen Armeen gerichtete Befehl sprach von einem nur „vorübergehenden“ Abbrechen der Offensive, um die Kampfkraft des Heeres für die Zukunft zu sichern. Mit allen Mitteln sei zu trachten, neuerdings eine „eiserne“ Manneszucht zu schaffen 2).
Der Einbruch der Armee Averescu in das Sovejabecken '22. bis 29. Juli)
Bei der zwischen dem Susita- und dem Casinutale vor der öst.-ung. Armee Rohr stehenden rumänischen 2. Armee, die 56 Bataillone,
16 Schwadronen und 66 Batterien mit 316 Geschützen zählte, hatte Gen. Averescu den Angriff seit langem sorgfältig vorbereiten lassen. Während der schwach gehaltene rechte Flügel, das IV. Rumänenkorps (8. und halbe 6. ID.) den Gegner, die k.u.k. 8. GbBrig. und die 1. KD., im Casinugebiet durch Vorstöße fesseln sollte, hatte links davon das
II. Rumänenkorps (die halbe 6. und die 3. ID., denen die 1. ID. und die 2. Cälärasibrigade als Reserve dienten) den Hauptschlag zu führen. Die Wehrstellung der deutschen 218. ID. war bei Märästi zu zertrümmern und zunächst bis Cámpurile und Gäurile vorzudringen. Gegen die Südhälfte der auf 28 km ausgedehnten 218. ID. war von Racoasa
1) Kiritzesco, 308 ff. Winogradsky. 361 ff.
Dabija, IV, 104.
bis Iresci das kampfgewohnte VIII. Russenkorps der 4. Armee (15.,
14. ID. und Teile der 3. turk. SchD.) angesetzt, das zur Unterstützung des rumänischen Sturmblockes die Anschlußlinie Gäurile—Iresci zu gewinnen hatte. Nach dem Erreichen dieser ersten Durchbruchsziele wollte Averescu die Artillerie nachziehen, das festhaltende IV. Korps auf gleiche Höhe mit der Hauptkraft bringen und sodann, links einschwenkend, den Angriff bis an die obere Putna vortragen1).
GdI. Gerok war in seinem Südabschnitt, den die Gruppe Ruiz (l.KD. und deutsche 218. ID.) zu verteidigen hatte, dem rumänischrussischen Aufgebot von sechs Divisionen und einer Reiterbrigade sehr unterlegen. Er verfügte als Rückhalt für die das Sovejabecken östlich umspannende und hauptsächlich auf Stützpunkte verteilte, dünne Frontbesatzung bloß über fünf Bataillone, was in dem schwierigen Berggelände nicht viel bedeutete. Die Nahtreserve der Nachbararmee Eben (2 Bataillone, 3 Schwadronen, 1 Batterie) stand im Putnatal bei Colacu. Etwas günstiger war das Kräfteverhältnis im Casinu- und im Oituzu-gebiet beim k.u.k. VIII. Korps, dessen zwei verstärkte Divisionen drei bis vier feindliche vor sich hatten. Geroks Reserve am Ojtozpaß bestand allerdings nur aus einem deutschen Bataillon (S. 345).
Die Abwehrfront der Verbündeten verlief in dem hohen, wenig zugänglichen Waldgebirge dort, wo die Offensive im Winter erstarrt war. Mit den geringen Kräften der Verteidiger konnte während der halbjährigen Ruhepause bis zum Juli nur die erste Stellung ausgebaut werden. Die 218. ID. entbehrte einer zweiten Stellung. Die l.KD. hatte ein kurzes Stück nordwestlich des Susitaknies fertiggebracht, doch fehlte der Anschluß zum VIII. Korps, bei dem die aus den Herbstkämpfen des Vorjahres stammenden Wehranlagen vom Runculmare A 1108 bis zum N. Sándor A 1640 als zweite Stellung dienen konnten. Zwischen den Orten Ojtoz und Bereczk war überdies eine Paßsperre vorhanden. Recht schwierig war in dem weiträumigen Gebirgslande der Nachschub zu bewältigen, ob es sich nun um das Zuführen von Reserven oder um die Versorgung der Kampftruppen handelte. Das VIII. Korps war auf die eine Paßstraße angewiesen, die an die in Bereczk endende Vollbahn anschloß. Zur 8. GbBrig. der 7. ID. und zur Gruppe Ruiz führte aus der Háromszék überhaupt kein gebauter Fahrweg. Die Lebensader für das Sovejabecken war ein aus schmalspurigen Wald- und aus Seil-
x) D a b i j a, IV, 61 ff. — Kiritzesco, 311 ff. — Winogradsky, 352 ff.
Stoenescu, Batalia de la Märästi (Bukarest 1930). — Kiszling, Die Kämpfe der k.u.k. 1. Armee im Sommer 1917 (ungedruckte Arbeit).
bahnen zusammengesetzter Strang, der den 30 km breiten Wall des Bereczker Gebirges überquerte und sich nach vorne mehrfach verästelte.
Am 22. Juli nach Mitternacht leiteten die rumänischen Kanoniere mit einem Feuerüberfall auf die Gruppe Ruiz das Zerstörungswerk der Artillerie ein, das besonders dem Raume beiderseits des Susitatales galt. Die Batterien des VIII. Russenkorps fielen in die Kanonade ein, die, durch Pausen kaum unterbrochen, bis in die Abendstunden hinein andauerte. Die russische 9. Armee hatte nicht nur gegen das öst.-ung. VIII. Korps, FZM. Benigni, im Oituzu- und im Slänicabschnitt ein kräftiges Artilleriefeuer aufgenommen, sondern ließ die Geschütze an der Front der Armee Rohr bis vor die Mitte des vom FML. Lütgendorf befehligten XXI. Korps spielen. Die nur vereinzelt und behutsam vortastende feindliche Infanterie konnten die Verteidiger überall ohne Mühe abschütteln. Das Heeresfrontkommando ersah noch keine Gefahr und befahl dem 1. Armeekmdo., die 7. KD. mit der Bahn der 7. Armee zuzuführen, damit GO. Kövess bei der Gruppe Krauss das GrenR.3 der deutschen 1. ID. ablösen und dem Korps Conta zurückgeben könne. Demi dieses hatte für einen Vorstoß nach Norden zu rüsten. Die Heeresleitung drängte den Erzherzog Joseph, die 37. HID. ehestens für die Heeresgruppe Böhm-Ermolli freizumachen.
Nach Weisung des Gen. Averescu unterhielt seine Artillerie auch während der Nacht auf den 23. ein Störungsfeuer; sie ging am Tage zu gesteigertem Wirkungsschießen über. Am linken Flügel half der russische Nachbar tüchtig mit. Aber auch die 9. Armee erfüllte ihre Aufgabe, den Gegner niederzuhalten. Schon in den Morgenstunden mußte die k.u.k. 10. KD. der Gruppe Lipoščak russische Eindringlinge aus einem Stellungsstück verjagen. Bei Gerok vereitelte das Korps Benigni alle Vorstöße der Russen; desgleichen wehrte die 218.ID., GM. v. Nostitz, an vier Stellen vorstrebende Rumänen ab. Averescu hielt am Abend die der deutschen Abwehr geschlagenen Breschen für ausreichend und rief seine Streiter für den nächsten Tag zum Sturm auf1).
Auch während der Nacht schwiegen vor Gerok die feindlichen Batterien nicht; am 24. Juli um 3h früh überschütteten sie nochmals wuchtig, auch mit Giftgasen, die Stellungen und das Hintergelände. Um 4h schritt die Infanterie zum Sturm. Das russische VIII. Korps mit seiner Übermacht durchbrach am Südflügel nach hartem Kampfe das gegenüberstehende deutsche Regiment der Division Nostitz. Die Batterien des Abschnittes hielten wacker aus, versäumten den Zeitpunkt
1 D a b i j a. JV, 88 ff.
zum Abfahren und fielen daher zum Großteil in Feindeshand. Die rumänische 3. ID. erstürmte um 6h3° das befestigte Dorf Märästi und im Verein mit der halben 6. ID. trotz aller Gegenwehr der Deutschen den nach Nordwesten streichenden Höhenrücken. Das hier fechtende Regiment der Verteidiger mußte gleichfalls zurück. Das letzte Regiment der Division behauptete jedoch auf dem Nordflügel seine beherrschenden Höhen gegen die Vorstöße, die von Teilen der 6. Rumänendivision versucht wurden.
Die Größe des Einbruches war anfänglich nicht zu erkennen. Bis Mittag wurde der rechte und der Mittelabschnitt der 218. ID. ungefähr auf die Linie Vidra—Gäurile—östlich Cámpurile zurückgedrückt. Von hier bis zum festhaltenden Nordflügel bestand nur lose Verbindung. Die südlich der Susita eingeleiteten Gegenangriffe konnten nicht durchdringen, weil wegen des Verlustes der Batterien die Feuerunterstützung fehlte, die feindliche Artillerie dagegen das Kampffeld wirkungsvoll beherrschte. Ebenso mußte ein nördlich des Tales beabsichtigter Gegenangriff unterbleiben, weil der Feind selbst weiter angriff, und die Verteidiger ihre verfügbaren Kräfte zum Füllen der Lücken und Auffangen der Stöße benötigten.
Nach Ansicht Geroks waren die gelichteten Truppen bei Cämpu-rile einem zu erwartenden, erneuten Anprall der überlegenen Rumänen nicht mehr gewachsen; der ausharrende Nordflügel der 218. ID. hatte eine schlecht gesicherte Ostflanke. Reserven vermochten nicht mehr rechtzeitig und vor allem nicht in ausreichender Stärke herangebracht zu werden. Der Feind konnte durch einen längs der Susita geführten, erfolgreichen Stoß den festgebliebenen Frontteilen der Gruppe Ruiz in den Rücken fallen und die 1. KD. ihrer Artillerie berauben. GdI. Gerok gedachte daher, den noch stehenden Westteil der Gruppe Ruiz, mit dem linken Flügel als Drehpunkt, zurückschwenken zu lassen und in der Verlängerung des Susitatales von Rotilesci bis zum D. Arsitei -c[>- 513 eine neue, nach Osten gerichtete Front zu bilden. Diese Rückbewegung sollte abends erfolgen.
Der Feind griff aber schon nachmittags die sehr schüttere Mitte der 218. ID. wieder an und brach nördlich von Gäurile durch. Um die Division vor einer Vernichtung zu bewahren, beschloß Gerok, die ganze Gruppe Ruiz während der Nacht vom Feinde abzusetzen und nach Westen zurückzunehmen. Die l.KD. hatte in die zugewiesene Linie zu weichen, die 218. ID. auf den letzten Höhenzug abzurücken, der das Sovejabecken im Osten umsäumt. Es war dies zum größten Teile die zwar erkundete, aber nicht ausgebaute zweite Stellung. Die deutsche 9. Armee übernahm die Aufgabe, zur Verbindung eine Höbe nordwestlich von Colacu zu besetzen und ließ zum Schutze ihrer eigenen linken Flanke durch die bei der Gruppe Gallwitz bereitgehaltene Reserve an der Putna von Bura bis Colacu einen Riegel bilden.
Beim VIII. Korps hatte die 8. GbBrig., Obst. Rath, durch kräftiges Vergeltungsfeuer die Rumänen mit ihren geplanten, ablenkenden Unternehmen nicht aufkommen lassen. Auf der Mgr. Casinului A1167 schlug das IR. 82 abends überfallsartig vorbrechende Russen ab. Im übrigen setzten sie der Armee Rohr hauptsächlich mit Geschützfeuer zu. Der 31. ID. des Korps Lütgendorf gewannen sie vorübergehend eine ldeine Vorfeldstellung ab. Das 1. Armeekmdo. sah sich aber doch bewogen, seine Reserve, das Bataillon H/44, dem XXI. Korps freizugeben und ihm ein deutsches Bataillon der 225. ID. zuzuschieben.
Es war außerordentlich schwer, der hartbedrängten 218. ID. zu helfen; zum ersten, weil keine Reserven zur Hand waren, und auch wegen der abgeschiedenen Lage des Sovejabeckens und seiner mißlichen Zugänge. Gerok sandte der Gruppe Ruiz das deutsche Bataillon von Sosmezö (S. 345) und das Bataillon I V/24 der S.GbBrig. zu. Die Heeresfront hatte, da die 7. KD. eben zur Armee Kövess abrollte, nur das dort durch die 8. KD. ausgelöste RIR. 22 der deutschen 117. ID. verfügbar (S. 345), das aber auch dem Karpathenkorps zugedacht war. Dieses Regiment sowie ein neuaufgestelltes Sturmbataillon der Heeresfront und sechs Batterien waren zunächst die einzigen Truppen, die Erzherzog Joseph der Gruppe Gerok zuführen konnte. Dabei sollte aber anderseits die 7. Armee, deren linker Flügel sich gerade jetzt im Anschluß an die Heeresgruppe Böhm-Ermolli zur Verfolgung der Russen anschickte (S. 316), für ein kraftvolles Nachdrängen verstärkt werden. Den zwiespältigen Forderungen der Lage, die aus den karg bemessenen Streitkräften gleichzeitig nach zwei Seiten, hier zur Abwehr und dort zum Angriff, Verstärkungen erheischte, wurden die Entschlüsse der Heeresfront nun auf einige Wochen unterworfen. Überdies begannen sich die DOHL. und die öst.-ung. Heeresleitung jetzt im Hinblicke auf die siegreichen Fortschritte in Ostgalizien mit neuen, großzügigen Plänen zu befassen, die auf die Mitwirkung der Erzherzogfront rechneten; davon soll der nächste Abschnitt handeln.
Vor dem 29. Juli war auf die für Gerok bestimmten Eingreiftruppen nicht zu bauen. Bis dahin mußte die Gruppe Ruiz trachten, durch elastische Verteidigung dem Feinde das Vordringen möglichst zu verwehren, ohne die vorhandenen,, schwachen Kräfte gänzlich zu verbrauchen. Wichtig war es, den Flügelanschluß an die deutsche 9. Armee dauernd zu wahren.
Die Gruppe Ruiz konnte, durch den Feind nicht belästigt, ihre neue Stellung beziehen. Das Bataillon IV/24 und vier Schwadronen deckten, indem sie als Nachhut bei Rotilesci noch am 25. abends das Susitatal sperrten, den Abzug der 1. Kavallerie division. Die Rumänen waren, ihre Artillerie nachziehend, nur vorsichtig gefolgt, verloren daher vielfach die Fühlung mit dem Gegner und blieben über dessen neue Widerstandslinie vorerst im unklaren. Gen. Averescu setzte seine l.ID., bisher Armeereserve, zwischen der 6. und der 3. ID. ein. Zu ernsteren Gefechten kam es am 25. Juli nur am Bruchpunkt zwischen der alten und der neuen Abwehrlinie, wo die Rumänen das HR. 14 und das benachbarte Bataillon 1/15 der 8. GbBrig. anfielen, sich aber eine Schlappe holten.
Nachmittags ging dem Gen. Averescu der ganz unerwartete Befehl der rumänischen Heeresleitung zu, die Offensive einzustellen (S. 348). Die 2. Armee sollte sich im errungenen Raum gut verschanzen und ihre Kräfte so gruppieren, daß sie einem Angriff des Gegners unter günstigen Bedingungen widerstehen konnten. Averescu erhob sofort Einspruch. Abgesehen davon, daß der treffliche Kampfgeist der Truppen sinken mochte, wenn sie jetzt unmittelbar nach einem mit großen Blutopfern erkauften Erfolge gleich wieder in die Abwehr hätten fallen sollen, war auch das Gelände für die Wahl einer Dauerstellung sehr ungünstig. Man hätte dem Gegner einen starken, beherrschenden Höhenzug überlassen, hinter dem im Sovejabecken ein vorteilhafter Verkehrsweg entlang lief. Das rumänische Hauptquartier schenkte dem Armeeführer Gehör und gestattete, den Angriff bis zum Erreichen einer guten Widerstandslinie fortzusetzen. Demnach hatte an der Moldaufront nur die 2. Rumänenarmee weiterhin anzugreifen. Auf ein ausgiebiges Mitwirken des russischen VIII. Korps war aber nach dem hemmenden Befehl der Kerenskiregierung kaum mehr zu rechnen.
Averescu wies seine Divisionen zur Verfolgung an. Das VIlI. Russenkorps scheint den Auftrag erhalten zu haben, an der Putna zwischen Iresci und ValeaSäri aufzuschwenken und die linke Flanke der Rumänen zu decken. Ob die Russen noch Willens waren, die Mgr. Odobesci zu erobern (S. 340), ist nicht festzustellen, nach den späteren Ereignissen aber kaum anzunehmen. Jedenfalls hielten sie den 25. Juli über die deutsche 217. ID. unter starkem Feuer, und GdI. Eben mußte die Nordflanke seiner Armee durch das Einschwenken des Feindes gegen den Putnariegel bedroht sehen. Die Führung erwartete hier einen Angriff auf die 217. ID. und schob dem GM. Gallwitz zur Stützung des Enken Flügels ein Regiment, das bisher als Armeereserve hinter der öst.-ung. 92. ID. gestanden war, auf Kraftwagen zu. Die k.u.k. 62. ID. schied aus der Gruppe Gallwitz aus und wurde dem I. RKorps unterstellt. Auch Erzherzog Joseph fühlte sich veranlaßt, noch weitere Kräfte für den Südflügel verfügbar zu machen. Von der 7. Armee sollte die S. KD. der Gruppe Gerok zugesandt werden, von der 1. Armee die durch die 15. ID. ausgelöste 74. HIBrig. mit dem Stabe der 37. HID., GAL Háber. Die Heeresleitung in Baden stimmte zu, zunächst alle verfügbaren Kräfte der Heeresfront der Gruppe Gerok zuzuwenden; allenfalls sollte auch das verfolgende XVII. Korps der 7. Armee schwächer gehalten werden.
Am 26. Juli griffen die Rumänen zeitlich früh die geschwächte 218. ID. neuerlich an und warfen sie von der Kammlinie zwischen D. Gheigheleu 850 und D. Rachitasu mc. -9- 892 herunter. Gerok mahnte hierauf um 8h 45 vorm. den Divisionsführer, beim Zurückgehen auf den Anschluß nach rechts zu achten und eine Höhe südlich von Bärsesci zu besetzen. Der Südflügel, der nach links der Anlehnung bereits entbehrte, hatte dem Feinde ein Vordringen gegen die Flanke der Armee Eben zu verwehren. Die Mitte der Division hatte das obere Putnatal beiderseits von Tulnici, der linke Flügel die Straße Lepsa— Soveja zu sperren. Die l.KD. sollte mit Rücksicht auf die 8. GbBrig. den Westrand des Susitatales bis zum Abend halten.
Diese vom Feinde erzwungene Rücknahme in eine völlig unaus-gestaltete Linie bot aber keine Gewähr dafür, daß die neue Front nicht noch am gleichen Tage eingeschlagen und dann der 1. KD. der Rückzug erschwert werden würde. Da es am Westrand des Sovejabeckens nur recht ungünstige Batteriestellungen gab und überdies die 8. GbBrig. in eine ausgesetzte Lage geraten war, entschloß sich Gerok schon mittags, die Widerstandslinie der Gruppe Ruiz auf den östlichen Kamm des Bereczker Gebirges zu verlegen, was auch ein Zurückschwenken der 8. GbBrig. in eine von der Mgr. Casinului quer über das Casinu-tal zum Mt. Rěsboiului -c^-1014 verlaufende Linie bedingte. Südlich davon besetzte die l.KD. mit je einer Gruppe den Mt. Chinusu -<}>-981 und die Höhe La Prafärie -<j>- 1042. Die Division Nostitz faßte noch im Laufe des Nachmittags auf dem Höhenzug Tiua Neagrä -</- 1165 bis Tulnici Fuß, ohne daß der Feind störend auftrat. Die bisherige rechte
Flügelgruppe trat zur 9. Armee über und verlängerte deren Flankenschutz. Gerok nahm die 218. ID. und die 1. KD. unter seinen unmittelbaren Befehl; der Gruppenverband Ruiz wurde aufgelöst.
Nach dem neuerlichen Rückschlag bei der Gruppe Gerok griff der Chef des Generalstabes, GdI. Arz, ein. Er empfahl der Heeresfront, außer den bereits rollenden Verstärkungen (RIR. 22 der 117. ID., halbe 37. HID., 8. KD.) noch die 7. KD. und möglichst viele deutsche Truppen von der 7. Armee heranzuziehen und Teile dieser Kräfte im Einvernehmen mit Mackensen auch von Focsani her über Mera gegen die linke Flanke des VIII. Russenkorps anzusetzen. Erzherzog Joseph hatte inzwischen die 7. KD. von der 7. Armee schon zurückberufen. Als nächster Zuschub kam das GrenR. 3 der deutschen 1. ID. und das letzte Regiment der 117. ID. (RIR. 11) aus dem Bereich der Gruppe Krauss in Betracht. Das AOK. teilte der DOHL., die schon dringlich für die Stützung der 218. ID. eingetreten war, die getroffenen Maßnahmen mit und schlug vor, die von der Heeresgruppe Linsingen zur
2. Armee rollende halbe 13. SchD. nach Siebenbürgen weiterzuleiten. Schließlich wurde noch die gebirgsgewohnte 73. ID., die einzige Reserve der Südwestfront, für den rumänischen Kriegsschauplatz angeboten, allerdings nur im Tausch gegen eine schlagkräftige Division, die nach Ansicht des GdI. Arz am ehesten der Heeresgruppe Linsingen zu entnehmen war; denn wegen des Bevorstehens einer elften Isonzoschlacht konnte Erzherzog Eugen auf eine Eingreifdivision nicht verzichten. Die DOHL. entschied sich hierauf für die 13. SchD., die zur deutschen 9. Armee gefahren wurde. Da die Russen ihre Front vor der Armee Kövess nach Südosten weiter abbauten, erließ auch GO. Rohr voraus schauende Weisungen, um vom linken Flügel an vorerst mit dem XXI. Korps eine scharfe Verfolgung aufzunehmen, falls der Rückzug des Feindes auf die Siebenbürger Grenze übergreifen sollte.
König Ferdinand von Rumänien sprach seiner 2. Armee für die Rückgewinnung heimatlichen Bodens Dank und Anerkennung aus und riet dem Gen. Averescu, noch den rechten Flügel auf die Mgr. Casinului vorzuschieben und die allgemeine Widerstandslinie der Armee so zu wählen, daß dem Gegner im Sovejabecken keinerlei Bewegungsfreiheit mehr zustehe1). Averescu befahl daher, um das erworbene Gebiet zu sichern, für den nächsten Tag, die von der Mgr. Casinului nach Süden streichende Bergkette und südlich von Negrilesci die Höhen auf dem linken Putnaufer bis zum Flügel der Nachbararmee Ragosa in Besitz
i) Dabija, IV, 115 ff.
zu nehmen. Die Cälärasibrigade hatte mit ihren Panzerautos über So-veja hinaus aufzuklären31).
Am 27. vormittags besetzte das IV. Rumänenkorps die von der
S.GbBrig. und der l.KD. geräumten Stellungen und fühlte dann gegen deren neue Front vor. Vom rumänischen I. Korps griff die 1. ID. nachmittags die Höhen südwestlich von Soveja an und zwang die schon sehr zusammengeschmolzene 218. ID., bis zur Gabelung des Lepsa-und Putnatales zurückzugehen. Die 1. KD., die mit zwei unterstellten Bataillonen der 8. GbBrig. noch über 4000 Feuergewehre zählte, erhielt von Gerok den Auftrag, am nächsten Morgen von der Sboina Neagrä A 1374 einen Entlastungsstoß nach Südosten zu führen. Der rumänische Südflügel, die 3. ID., breitete sich bei Bársesci aus und nötigte die Armee Eben, ihre äußerste Flügelgruppe noch weiter zurückzubiegen, so daß die Fühlung zur Gruppe Gerok nun doch verloren ging. Um die Verbindung aufzunehmen, entsandte die 9. Armee drei Schwadronen in den Raum von Häulisca. Von dort bis zur Bahnstation Putna, wo der rechte Flügel der 218. ID. das Tal deckte, klaffte eine Lücke.
Das rumänische Oberkommando sah seine Absichten im großen erfüllt und befahl noch am Abend, die Offensive wegen der allgemeinen Lage an der Ostfront und besonders in Galizien endgültig einzustellen. Gleichwohl trat aber bei der 2. Armee noch keine Ruhe ein. Gen. Averescu hatte die angestrebten Ziele in der Hauptsache erreicht, aber der Nordflügel hing noch ab, da der russische Nachbar zu wenig mitgeholfen hatte. Das IV. Rumänenkorps erhielt daher für den 28. Juli den Auftrag, noch die Gipfellinie Mgr. Casinului—Mt. Rěsboiului zu nehmen. Die 8. ID. versuchte denn auch nach heftigem Artilleriefeuer, die Mgr. Casinului und den nach Südosten streichenden Rücken zu erobern. Während die Rumänen von Osten her angriffen, sollte nach einer Vereinbarung mit dem XXXX. Russenkorps eine ausgesuchte Stoßtruppe, ein sogenanntes „Todesbataillon“, von Norden her den Berg angehen; doch die russische Mannschaft versagte. Nachmittags stürmte ein rumänisches Regiment singend und mit Trommelschlag mehrmals gegen das k.u.k. IR. 82 an, fand aber an den auf heimischem Boden fechtenden Széklem unbeugsame Gegner2).
Auch die rumänische 6. ID. setzte zum Angriff gegen die Kavalleriedivision Ruiz an. Als deren Stoßgruppe nach 5hfrüh befehlsgemäß (S. 356) gegen die Tiua Neagrä vorrückte, traf sie bald auf überlegenen Feind, nahm das Gefecht zwar an, wurde aber zurückgedrängt. Auch die übrigen Teile der l.KD. wurden angefallen und gegen 7hmorgens im Nordabschnitt eingedrückt. Die geringen Reserven vermochten keinen Umschwung herbeizuführen. Der Divisionsführer sah sich daher veranlaßt, den Rückzug auf den Hauptkamm Mt. Sboina Neagrä A 1374— Mt. Limba Vecinä -<J>- 1257 anzuordnen. Der Feind erreichte aber, nicht locker lassend, den Höhenkamm gleichzeitig mit den Husaren und drängte einige Schwadronen zur 8. GbBrig. ab. FML. Ruiz befahl hierauf, die Truppen beiderseits der Kuppe Sboina Verde -Ą- 1376 zu sammeln, was unter dem Schutz von Nachhuten gelang. Die 8. GbBrig. mußte jetzt ihren rechten Flügel vom Mt. Rěsboiului zurückbiegen und nach Westen bis zur Drahtseilbahn verlängern. Die deutsche 218. ID. wie die gegenüberstehende 1. Rumänendivision richteten sich in ihren Stellungen ein. Der Südflügel Averescus, Teile der 3. ID., drückten den noch nördlich der Putna fechtenden linken Abschnitt der Abwehrflanke der deutschen 9. Armee gegen den Fluß zurück.
Die Lage bei Gerok war sehr ernst. Flieger beobachteten, wie starke Kolonnen des Feindes über Soveja gegen Westen und dem Mt. Rěsboiului zustrebten; bei Rotilesci war viel Reiterei. Die Verbündeten mußten darauf gefaßt sein, daß die beiden erschütterten Divisionen Geroks noch mehr nach Westen gedrängt werden würden, ehe die zuströmenden Verstärkungen den Stoß auffangen konnten. Dann mußte sich auch die zwischen der 1. und der 9. Armee gähnende Lücke verbreitern und ein Einschwenken des Feindes nach Süden gewann an Wahrscheinlichkeit. GdI. Eben versteifte auch seinen Flankenschutz an der Putna durch ein Regiment der 76. RD., das er von der jetzt nicht mehr bedrohten Serethfront heranholte. Anderseits konnte der Feind aber vor der Armee Rohr die Absicht hegen, durch fortgesetzten Druck gegen Westen und Nordwesten die Stellung des Korps Benigni im Ojtozabschnitt aus den Angeln zu heben. Die hier stehenden Russen zeigten wohl keine Angriffslust, dennoch war GdI. Gerok um die Sicherung der Paßstraße sehr besorgt und bemühte sich, rasch Kräfte an den Cläbucul A 1364 zu stellen. Das bereits eingetroffene 3. Bataillon des HIR. 13 wurde auf diese Höhe und das Sturmbataillon der Heeresfront auf Sboina Verde gewiesen. Um den übrigen anrollenden Truppen den Bahnumweg über Sepsi Szt. György zu ersparen, lud man sie schon in Sepsibükszad aus und fuhr sie mit Kraftwagen über Kézdivásárhely nach Gelencze und Bereczk. Das 1. Armeekmdo. verstärkte die Gruppe Gerok durch das Bataillon 1/69 der 31. ID., durch ein deutsches Bataillon der 225. ID., das vorübergehend dem XXI. Korps zugeteilt worden war
iS. 342'/ sowie durch das HIR. 18 der 37. Honvéddivision. Erzherzog Joseph zog von der 7. Armee noch den Stab und Batterien der deutschen 117. ID. heran. Dadurch wurde es möglich, sowohl die Masse dieser Division wie die der 37. HID. am rechten Heeresflügel wieder zu sammeln. Der Führer der letztgenannten, GM. Háber, hatte den Befehl über den Abschnitt zwischen dem Casinu- und dem Lepsatal, mithin auch über die 1. KD., zu übernehmen. Bis zum Eintreffen des Generals trat die 1. KD., die nunmehr GM. Edl. v. Pollet (7. KBrig.) befehligte, unter das VIII. Korpskommando.
FZM. Benigni trachtete, die brüchige Widerstandslinie und den übermäßig nach Westen verlängerten Haken der 8. GbBrig. mit eigenen Mitteln zu festigen. Die Korpsreserve, ein halbes Bataillon deutscher Landstürmer und drei Halbbataillone der 70. HID. sowie der 71. ID., wurden eilig herangeschoben und verliehen der Front am 29. Juli besseren Halt. Der Feind begnügte sich mit Störungsfeuer und setzte erst am Spätnachmittag beiderseits des Casinutales Erkundungsstöße an, die von der 8. GbBrig. abgeschlagen wurden. GdI. Gerok beabsichtigte, mit einem Teile der zufließenden Verstärkungen die Abwehr zu versteifen, mit der Hauptkraft aber aus dem Ojtozgebiet heraus einen Gegenschlag zu führen.
Ein neuer Angriffsplan der Mittelmächte
Während an der Gebirgsumwallung Siebenbürgens und in der Walachei das Dröhnen des Geschützes die rumänisch-russische Offensive einleitete, entwarfen die obersten Heerführer Österreich-Ungarns und Deutschlands bereits neue, weitausgreifende Pläne. Am 24. Juli hatte GFM. Hindenburg in Baden beantragt, den bei der Heeresgruppe Böhm-Ermolli gegen die Russen erzielten Erfolg im Osten dadurch zu einem entscheidenden Schlag auszugestalten, daß nunmehr auch die Heeresfront Erzherzog Joseph zum Angriff übergehe und den Feind bis an den Sereth zurückwerfe. Zugleich war GFM. Mackensen von der DOHL. angewiesen worden, nach der Abwehr des gegen seine Front gerichteten Ansturmes ,,in Sonderheit die Rumänen“ am Unterlauf des Sereth anzupacken. Man hoffte, dadurch die ganze Karpathenfront des Feindes ins Wanken zu bringen, womöglich bis an den Pruth Vordringen zu können und den Kriegswillen Rußlands und Rumäniens endgültig zu brechen. Auf Weisung der k.u.k. Heeresleitung hatte auch Erzherzog Joseph, wie bereits angeführt wurde (S. 316), noch am 24. Juli der 7. Armee befohlen, sich aus der erstarrten Front heraus dem Angriff ihres linken Nachbars anzuschließen; ebenso sollte die 1. Armee handeln, sobald der Stoß des Feindes gegen ihren rechten Flügel abgeschlagen sei.
Mackensen beabsichtigte, mit starken Kräften aus der Mitte der
9. Armee heraus bei Nämoloasa über den Sereth vorzubrechen und sodann zwischen diesem Flusse und dem Pruth vorzustoßen. GdI. Eben erließ am 26. Juli einen grundlegenden Befehl zur Bildung der Angriffsmasse. Über die Art, wie die geplanten Kriegshandlungen Mackensens und des Erzherzogs Joseph in Einklang zu bringen seien, herrschte in den nächsten Tagen ein reger Meinungsaustausch zwischen den deutschen und den öst.-ung. Befehlsstellen. Als der Erzherzog am 27. Juli die Absicht kundgab, mit der 7. Armee, nachdem sie die Waldkarpathen verlassen hatte, zwischen Suczawa und Czernowitz auf rumänisches Gebiet vorzudringen und die 1. Armee auf Bacäu anzusetzen, bedeutete die DOHL. dem Generalstabschef des Heeresfrontkommandos, GM. Seeckt, die 1. Armee habe scharf nach Osten zu stoßen, um verläßlicher mit Mackensen zusammenzuwirken. Die Aufgabe beider Heere gipfle darin, „wenn unsere Kräfte hiezu ausreichen, die Moldau in Besitz zu nehmen“.
Am 28. Juli wandte sich GdI. Arz an die DOHL. mit der Bitte, wegen der gespannten Lage auf dem Südflügel der Armee Rohr die deutsche 9. Armee baldigst angreifen zu lassen; Eile täte vor allem deshalb not, weil die der Gruppe Gerok zulaufenden Verstärkungen bis zum Eingreifen noch viel Zeit benötigten. Um Gerok unmittelbar zu helfen, wurde angeregt, die Stoßrichtung über Panciu gegen den Bahnknoten Agiudu-nuou zu wählen, da hiedurch die Lebensader der Rumänen in der Sovejaniederung abgeschnitten würde. Gleichzeitig vollzog sich beim Stabe Mackensens ein Umschwung in der Beurteilung der Lage. Der Nachbar zur Linken hielt dem andauernden Drucke des Feindes nur mühsam stand, der als Flankenschutz aufgebaute Putnariegel wurde immer länger und erforderte bereits zwölf Bataillone, drei Schwadronen und neun Batterien; nicht mitgerechnet das ihm noch zugehende Regiment der deutschen 1. ID., das die Armee Kövess abgegeben hatte (S. 355). Als nun in Bukarest beim Stabe Mackensens bekannt wurde, daß die vom Erzherzog Joseph zur Stützung des rechten
Flügels eingeleiteten Gegen Vorsorgen frühestens in fünf Tagen wirksam werden könnten, war zu besorgen, daß der Feind sich mit etwa zwei Divisionen gegen Westen abriegeln und mit Übermacht (man nahm drei rumänische und zwei russische Divisionen an) entweder der Mgr. Odobesci bemächtigen oder nach Süden vorstoßen mochte. In beiden Fällen war es aber unvermeidbar, die Heeresreserve, die sich um Römnicu-Särat zum Angriff über den unteren Sereth sammelte, gegen Norden einzusetzen. Das Verschieben dieser Verbände in den Raum um Focsani war daher nicht mehr zu umgehen, und Mackensen kam zu dem geänderten Entschluß, von liier aus auf dem Westufer des Sereth nach Nordosten anzugreifen. So wurde gezwungener weise die ursprünglich weiter im Osten geplante Angriffsrichtung aufgegeben.
In diesem Sinne erließ auch die DOHL. am 29. Juli an die Heeresgruppe Mackensen den Befehl, den Stoß gegen die Linie Bältaretu— Panciu zu führen und bis Agiudu-nuou vorzubrechen, um den in das Sovejabecken vorgeprellten Feind vernichtend zu treffen; überdies war, um den Krieg in das Flachland der Moldau hinüberzutragen, ein Brückenkopf über den Sereth gegen Tecuciu vorzubauen. Die Heeresfront Erzherzog Joseph beschloß, an'dieser Offensive mit dem rechten Flügel der 1. Armee teilzunehmen, wobei die Gruppe Gerok mit dem öst.-ung. VIII. Korps aus dem Ojtoztal in der Richtung auf Onesci anzugreifen hatte. Dieser Stoß, zusammen mit dem Vorgehen der Armee Eben, sollte auch der 218. ID. und der 1. KD. Luft machen. Mitbestimmend für die Wahl der Angriffsrichtung war, daß man sich dadurch einen starken Eindruck auf die Stimmung der drei wenig kampffreudigen Schützendivisionen des XXXX. Russenkorps erhoffte, das dem Korps Benigni gegenüberlag. Das Gelände war verhältnismäßig nicht schwierig und wurde nach Osten hin offener; die Angreifer standen auf den das Gefechtsfeld beherrschenden Höhen. Kam man rasch in das untere Trotusutal, so konnte man auch die Nachschublinie des russischen XXIV. Korps unterbinden. Im großen besehen, war die ganze, von den Mittelmächten eingeleitete Kriegshandlung, durch die man die Rumänen aus dem letzten, ihnen verbliebenen Gebiete ihres Landes vertreiben wollte, als ein gewaltiger Zangenangriff entworfen. Der rechte Arm faßte von Focsani nach Norden zu, und als linker Arm sollten die Streitkräfte der Verbündeten aus der Bukowina, nach Südosten einschwenkend, entgegendrücken. In kleinerem Maßstab sollte der Vorstoß Geroks aus dem Ojtozgebiet zusammen mit jenem Mackensens den in das Sovejabecken vorgebrochenen Feind ebenfalls zwischen eine
Zange pressen. Der Nachteil, daß der Hauptangriff aus der Walachei westlich vom Sereth in dem schmalen Landstreifen zwischen Fluß und Gebirge geführt werden mußte und daher für das angestrebte Gewinnen der Moldau nicht so wirksam ausfallen konnte wie ein Vorgehen im Flachlande zwischen Sereth und Pruth, wurde bewußt in Kauf genommen, weil der Gruppe Gerok auf andre Art die so nötige Entlastung nicht zu bringen war. Hätte man geahnt, daß Averescu seine Ziele am Südflügel schon erreicht hatte und nur mehr die engbegrenzte Aufgabe lösen wollte, der Dauerstellung einige Stützpfeiler einzuverleiben, so hätte Mackensen seinen ursprünglichen Plan wohl beibehalten.
Das rumänische Oberkommando hatte am 27. Juli, als es nochmals den Abbruch der Offensive und beiden Armeen eine nachdrückliche Verteidigung vorschrieb (S. 356), dem Gen. Averescu die 7. und die
12. ID., die'hinter der 1. Armee bereitgestanden waren, zugewiesen, damit er seinen Nordflügel bis zum Dafténatal ausdehnen und das XXXX. Russenkorps ablösen könne. Dieses Korps sollte bis zum 4. August verfügbar sein. Die Armee Cristescu hatte insbesondere den auf dem rechten Serethufer gelegenen Abschnitt sicher zu behaupten. Die 80. Russendivision war der Armee Ragosa zurückzugeben.
Inzwischen sah das Kommando der Rumänischen Front eine neue Gefahr aufsteigen. Es war zu befürchten, daß die zwei öst.-ung. Armeen, die 3. und die 7., die in der Bukowina täglich Fortschritte machten, an der Landesgrenze nicht stillhalten, sondern in die nördliche Moldau einfallen würden. Als Gegenvorsorge beabsichtigte daher König Ferdinand, im Norden seines Landes eine starke „Manövriermasse“ zu sammeln, um dem vorrückenden Gegner in die Flanke zu fallen. Ein Kriegsrat, der am 3. August in Jassy unter dem Vorsitz des Königs und unter Beiziehung des Ministerpräsidenten Bratianu tagte, erwog bereits, die obersten Regierungsstellen und das Hauptquartier unter dem Zwang des Gegners nach Südrußland zu verlegen. Das wichtigste, seinerzeit aus Bukarest geborgene Staatseigentum, der Barschatz der Nationalbank, sowie Archivbestände, Kunstwerke und sonstige Werte der Museen, wurden bereits nach Moskau gebracht1).
Die in der nördlichen Moldau zu bildende Kraftgruppe (drei russische Korps, je eine rumänische und russische Reiterdivision) sollte durch eine tiefgreifende Neugliederung der Front gewonnen werden. Die in der Zeit vom 1. bis 5. August erflossenen Befehle2) bestimmten,
*) Kiritzesco, 328 ff.
2) D a b i j a, IV, Maraseęti ^Manuskript).
daß die 6. Russenarmee sich nach rechts bis Liesci, also über den von der rumänischen 1. Armee gehaltenen Abschnitt, zu strecken habe. Hiedurch wurden alle Verbände des Gen. Cristescu frei, der aus der Heeresreserve noch die rumänische 10. ID. zugewiesen erhielt und zwischen Liesci und Clipicesci das XXX. und das VII. Russenkorps der Armee Ragosa ersetzen sollte. Die rumänische l.KD. war nach Norden abzusenden. Da das verbleibende VIII. Russenkorps mit drei Divisionen und der Transamur-Grenzwachreiterdivision unter Cristescus Befehl zu treten hatte, sollte sich aus der Umgruppierung, die bis zum 10. August durchzuführen war, ergeben, daß an der vom König befehligten Front die Heeresmacht seines Reiches, beide Armeen aneinandergeschlossen, zwischen der 6. und der 9. Russenarmee den Mittelblock bildeten.
Beim Stabe Mackensens war man anfangs August, als der Druck des Feindes aus dem Sovejabecken gegen die Nordflanke der Heeresgruppe aufhörte und man nach dem vermeintlichen Abziehen des VIII. Russenkorps an dessen Stelle nördlich des Putnariegels ausschließlich Rumänen annahm, wieder geneigt, zum ursprünglichen Gedanken zurückzukehren und den Angriff aus der walachischen Ebene zwischen dem Sereth und dem Pruth vorzutragen. Auf diese verheißungsvollere Stoßrichtung zurückzukommen, schien auch deshalb angezeigt zu sein, weil die DOHL. der Armee Eben an Verstärkungen außer der halben k. k.
13. SchD. noch das deutsche Alpenkorps zusagte. Mit Rücksicht auf die Ausladezeiten dieser zwei Verbände hätte jedoch die Kriegshandlung nicht vor dem 9. August beginnen können. GFM. Hindenburg legte aber Wert darauf, die Offensive, wie vorgesehen, am 6. August einsetzen zu lassen, offenbar deshalb, um einen Einklang mit einem neuerlich geplanten Vorstoß aus der Bukowina zu erzielen (S. 327 ff.). Da ferner die Reserven bereits bei Focsani versammelt und alle Vorarbeiten in diesem Raume weit gediehen waren, blieb man bei dem geplanten Angriff in der Richtung auf Agiudu-nuou.
Die letzten Tage vor der Offensive der Mittelmächte Iliezu Skizzen 1 und 2 der Beilage 18
Während die hohen Führer bei Freund und Feind ihre Blicke in die Zukunft richteten, ruhten an der Front die Waffen um örtlicher Vorteile willen nicht. Bei den Rumänen ließ Gen. Averescu, dem Drängen seiner Heeresleitung folgend, in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli vorerst zwei russische Regimenter der 6. SchD. durch Truppen seiner
2. Armee ablösen, da die zugewiesenen rumänischen Divisionen noch nicht eingelangt waren. Der Führer des IV. Korps setzte seinen ganzen Eifer daran, die dem Nordflügel als Ziel vorgezeichneten Höhenstellungen (S. 356) zu erringen. Hiezu blieb eine Brigade der 8. ID. vor der Mgr. Casinului; die andere hatte sich am 29. südlich vom Casinutal an die k.u.k. 8. GbBrig. herangearbeitet, durchstieß tags darauf eine schwache Frontstelle der Verteidiger und entriß ihnen nachmittags den Mt. Rěsboiului. Obst. Rath mußte seine Truppen gegen den Cläbucul und an den linken Hang des Casinutales zurücknehmen. Der Erfolg spornte den Feind an, auch die Mgr. Casinului zu bezwingen. Die rumänische 16. IBrig. fiel die Verteidiger bis in die Nacht hinein mehrmals heftig an, wurde jedoch stets abgeschlagen. Die Angreifer setzten sich aber auf den Nebenkuppen dieses das Umgelände beherrschenden Höhenstockes fest. Im Abschnitt der l.KD. hatte der Korpsführer, FZM. Benigní, das Sturmbataillon der Heeresfront ausgesandt (S. 357), den Mt. Sboina Neagrä zurückzugewinnen. Die Truppe stieß jedoch halben Weges auf eine vorgeschobene Abteilung der rumänischen 6. ID.; sie drängte diese zwar auf die Hauptstellung zurück, mußte aber schließlich, da sie von mehreren Batterien angefaßt wurde, in die Ausgangsstellung rückberufen werden.
Seit dem 31. Juli vereinigten die Rumänen ihr ganzes Bemühen auf die Eroberung des Casinuluigipfels, des einzigen Punktes, der ihnen in der Reihe ihrer Angriffsziele noch fehlte. Heftige Stöße gegen die Nordostseite des hart umstrittenen Berges leiteten den Tag ein. Mit Handgranaten schlug das IR. 82 die Stürmer zurück. Da alle gegen die beherrschende Spitze gerichteten Versuche gescheitert waren, trachtete der Feind, nachmittags die Südflanke des von drei Seiten umklammerten Széklerregiments vom Casinutal her aufzurollen. Rasch eingreifende Reserven konnten den Feind wieder werfen und die Stellung, die nur etwas abgerundet wurde, behaupten. FZM. Benigni wies dem Abschnitt das Bataillon 1/69 zu, das am nächsten Tage, aLs der Feind im Casinutal neuerdings ungestüm angriff, im Verein mit dem Nachbarbataillon 111/35 der 8. GbBrig. durch einen Gegenstoß, der bis in die rumänische Stellung vordrang, die Lage wiederherstellte.
Am 1. August abends ließ Gen. Averescu die aussichtslosen Kämpfe um das Bergmassiv einstellen. Damit fand die Offensive der rumänischen 2. Armee ihr Ende. Größer als der Erfolg auf dem Schlachtfelde, den Gegner um 20 km zurückgeworfen, ihm ansehnliche Verluste zugefügt32) und etwa 500 Geviertkilometer Boden abgenommen zu haben, war der moralische Gewinn des Rumänenheeres. Das Vertrauen der Soldaten auf ihre eigene Kraft kehrte wieder. Auch der Gegner mußte sich eingestehen, daß die feindlichen Führer und Kämpfer nunmehr ein beachtenswertes Geschick im Kriegshandwerk erwiesen hatten. Das wichtigste Ergebnis für die Folgezeit bestand aber darin, daß Averescu durch den Vorstoß ins Sovejabecken — nach rumänischer Bezeichnung die Schlacht bei Märästi — den Feldherren der Mittelmächte die Entschlußfassung für ihre nächste Offensive empfindlich durchkreuzt hatte (S. 360).
Die nächsten Tage widmete Gen. Averescu den befohlenen Ablösungen. Die rumänische 7. ID. übernahm vom Südflügel der 9. Russenarmee den Abschnitt bis zum Dafténatal, und die 12. ID. machte in der rumänischen Armeemitte die 6. ID. frei, die hierauf südlich vom Ojtoz-bach zwischen die 7. und die 8. ID. eingeschoben wurde. Beide Korps der Rumänen umfaßten somit je drei Divisionen; die Cälärasibrigade (S. 348) war wieder hinter die Front gezogen worden.
Der Gruppe Gerok kam diese Zeitspanne für das Festigen der Front und zum Bereitstellen der Kräfte sehr zugute. Als das Kommando der 37. HID., GM. Háber, am 1. August abends den Befehl über den Abschnitt zwischen dem Lepsa- und Casinutal übernahm, standen hier außer den fünf Husarenregimentern der l.KD., die unterstellt wurden, vier Bataillone der 74. HIBrig., eineinhalb der S.GbBrig., ein Sturmbataillon, zwei deutsche Kompagnien und zehn Batterien. Zwei Bataillone des HIR. 14 kamen als Rückhalt zur 8. GbBrigade. Soweit es möglich war, wurden die vermengten Truppenteile, auch bei der 218. ID., geordnet und kleine Einheiten ihren Stammverbänden zugeführt.
Der Wechsel in der feindlichen Frontbesatzung wurde von den Verbündeten bald erkannt, und Gerok erwartete, bei dem bevorstehenden Angriff nunmehr auf stärkeren Widerstand zu stoßen. Da man sich bei der Armee Rohr den Russen gegenüber noch immer auf Abwehr und Vergelten von Herausforderungen beschränkt hatte, wurde ausdrücklich betont, daß gegen die Rumänen voller und scharfer Kriegszustand einzutreten habe. Kaum hatten diese die Ablösungen im großen beendet, so begannen auch mit dem 3. August ihre Angriffe im Casinu-gebiet wieder aufzuleben. Sie spielten sich immer in gleicher Weise ab: heftiges Geschützfeuer gegen den mit Kavernen versehenen Gipfelstützpunkt und gegen den nach Südosten streichenden Abfallrücken, sodann Anstürme tiefgegliederter Wellen am Nordhang des Casinutales. Doch die Verteidiger, IR. 82, Bataillon II1/35 und HIR. 14, trotzten, oft im Handgemenge, allen Anstrengungen des Feindes. Das Behaupten der Mgr. Casinului, dieses Eckpfeilers des Korps Benigni, trug nicht unwesentlich dazu bei, daß die Gruppe Gerok ihren Angriff vorbereiten konnte. Stoßtrupps tasteten die Stellungen des Feindes ab.
Auf Wunsch der DOHL. hatte die deutsche 9. Armee das anrollende Alpenkorps, ohne das Eintreffen aller Teile abzuwarten, von Focsani nach Nordosten auf Racoasa anzusetzen, um der Gruppe Gerok das Heraustreten aus der Siebenbürger Grenzumwallung zu erleichtern. Die deutsche Gebirgstruppe konnte am 8. oder 9. August eingreifen; damit war auch der Zeitpunkt für den Angriff im Ojtoztal gegeben. An diesem, vom öst.-ung. VIII. Korpskmdo. zu leitenden Vorstoß hatten die 70. HID. und die 71. ID., ferner zwischen beiden eine neugebildete Kampfgruppe unter dem Führer der deutschen 117. ID., GM. Seydel, teilzunehmen. Es war ein buntes Gemenge von Truppen beider Heere, die zu dieser Division zusammentraten. Zu zwei Bataillonen des HIR. 313 der 70. HID. und zu der bayr. 15. RIBrig. (RIR. 18 und deutsches LstlR. 36), die alle schon im Abschnitt lagen, kamen noch das RIR. 11, das aus den Vogesen heranfahrende württembergische Gebirgs-bataillon und starke Artillerie. Gleichzeitig mit dem Korps Benigni sollten die von der Gruppe Gerok im Juli an den linken Flügel der Armee Eben abgedrängten Teile der 218. ID., denen ein Brigadekommando vorgesetzt und das GrenR. 3 zugeführt wurde (S. 355), in der Richtung auf Tulnici und Negrilesci vorstoßen und so den Anschluß an den Stammverband gewinnen. Hierauf sollten sich die 218. ID. und die 37. HID., der am 5. August die 8. GbBrig. unterstellt wurde, der allgemeinen Vorbewegung nach Osten anschließen.
Sobald man im Ojtozgebiet an Stelle der Russen die kampfesfreudigeren Rumänen wußte, wurden dem VIII. Korps auch die öst.-ung. Kavalleriedivisionen 7 und 8 unterstellt. Um die Befehlsgebung zu vereinfachen, wurden deren Truppen unter je einem Brigadier wie Infanterieregimenter zusammengezogen. Die aus der 7. KD. gebildeten zwei Bataillone kamen zur 70. HID., die vier Bataillone der 8. KD. wurden der 71. ID. zugewiesen.
Erzherzog Joseph wies den GdI. Gerok noch besonders an, den Angriff zuverlässig am S. August zu beginnen, selbst wenn noch nicht alle Truppen oder Kampfmittel zur Stelle wären; später Kommende hätten als Reserve zu dienen. Da man hoffte, daß die Offensive der Armee Eben und die der Gruppe Gerok die ganze Gebirgsfront des Feindes lockern werde, gab das l.Armeekmdo. auch seinen übrigen Korps den Auftrag, ungesäumt die Vorrückung aufzunehmen, falls die Russen abzögen. Um vollbesetzte Stellungen anzugehen, dazu war die Armee Rohr allerdings zu schwach, da alle entbehrlichen Kräfte zu Gerok abgegangen waren. Immerhin konnte der äußerste Nordflügel —
3. KD.1) und 15. ID. — bis zum 5. August im Einklang mit der verfolgenden Nachbararmee Kövess (S. 330) etwas vorschwenken.
GdI. Eben hatte die Mitte und den rechten Flügel seiner 9. Armee aufs äußerste gestreckt und beim I. RKorps die 216. ID. links neben der k.u.k. 92. ID. des Abschnittes Behr (nunmehr als „Gruppe Rimnic“ bezeichnet) durch aus der Etappe geholten Landsturm freimachen lassen, so daß insgesamt vier Divisionen um Focsani versammelt wurden. Mit der 76. RD., die zwischen der 12. bayr. und der 89. ID. in die Front rückte, verstärkte GLt. Morgen seine Stoßgruppe. Die dahinter aufgestellten Divisionen 212, 216 und 115 sollten dem Stoß weiteren Antrieb gewähren. Von der k. k. 13.SchD., FML. Edl. v. Kaiser, die aus der 25. SchBrig. und der 13. FABrig. bestand, war die Masse der Kampftruppen am 5. August im Raum um Urechesci eingetroffen; die Batterien wurden auf die drei Angriffsdivisionen des Korps Morgen verteilt. Die Anfänge des divisionsstarken Alpenkorps, GLt. Sontag, entstiegen in Focsani den Zügen.
Die Gegenoffensive der Mittelmächte
Die Schlacht bei Focsani ^6. bis 13. August)
Hiezu Skizze 3 der Beilage 18
Die ganze Angriffshandlung der deutschen 9. Armee (S. 360) sollte sich in zwei Zeitabschnitten abspielen. Zuerst war nach Norden bis in die Linie Bältäre^u (mit Brückenkopf auf dem linken Serethufer)—
1/ Sacken, Geschichte des k.u.k. Dragoner-Regimentes Friedrich August König von Sachsen Nr. 3, II, Wien, 1927) 475 ff.
Märäsesti—Panciu vorzustoßen. Sodann sollte der linke Armeeflügel dem Feinde die Gebirgsausgänge verriegeln und mit zwei Divisionen den Druck nach Norden fortsetzen, während eine starke Angriffsgruppe von fünf Divisionen, nach rechts gut gestaffelt, den Brückenkopf über den Sereth und den Birlat bei Tecuciu gegen Osten bis in die Linie Movileni—Matca—Negrilesci erweitern sollte. Die deutsche Führung nahm an, dadurch den um seine Verbindungen besorgten Feind am Serethunterlauf zum Weichen zu nötigen. Sollte er aber aus dieser Flankenbedrohung wider Erwarten nicht die gewünschten Folgerungen ziehen, so konnte man ihn aus der Ausfallspforte von Tecuciu um so mehr im Rücken fassen. Hiezu hoffte man auch Kräfte vom Nordflügel freizubekommen, sobald die dort sowie vor dem Südteil der Armee Rohr haltenden Russen und Rumänen durch die ins Trotusutal vordringende Gruppe Gerok zum Abzug gezwungen würden.
Der Angriff der Armee Eben, die hiezu insgesamt zehn Divisionen verwenden konnte, traf die 4. Russenarmee, die das VII. und das VIII. Korps (zusammen fünf Divisionen) in der Front, die vom XXX. Korps verbliebene 71. Infanterie- und die Transamurreiter-Division dahinter stehen hatte. Als Reserve war aber auch die 1. Rumänenarmee zu werten, die am 6. August früh im Südteil ihrer neu zugewiesenen Frontstrecke (S. 362) eine verstärkte Reiterdivision eingesetzt hatte, und mit der Hauptmacht (vier Divisionen) gegen Tecuciu heranmarschierte. Die Spitze, die 5. ID., war in Bältäretu angelangt; abends sollte mit dem Ablösen des VII. Russenkorps begonnen werden1). Mit diesen rumänischen Streitkräften verfügte auch der Feind gleich dem Gegner über zehn, in einigen Tagen allenfalls über mehr als elf Divisionen, wobei nicht übersehen werden darf, daß diese je 12—14 Bataillone zählten, während bei den Deutschen die Divisionen in der Regel nur neun Bataillone stark waren.
Mit der bald auf vier Divisionen verstärkten Angriffsgruppe schlug GLt. Morgen am 6. August zwischen Fäurei und Rädulesti in die Russenfront eine 10 km breite Bresche und brachte seine Mitte um etwa 3 km vorwärts2). Der an den Sereth angelehnte Teil der 34. Russendivision war zwar geflüchtet, hatte aber doch die Brücken in Brand gesteckt, so daß es den Angreifern nicht glückte, sich stürmender
x) K i r i t z e s c o, 325 ff. D a b i j a, IV, Märäsesti (Manuskript).
-’) Morgen, Meiner Truppen Heldenkämpfe (Berlin 1920), 123 ff. Ort-1 e p p, Die Kämpfe in der Moldau im Sommer 1917 (Nachrichtenblatt der 76. Reserve-Division, Hanau 1930 1935).
Hand gleich der nächsten Flußübergänge zu bemächtigen. Die vorderste Division der Rumänen führte, um ihren Bundesgenossen beizuspringen, auf dem linken Serethufer Batterien auf, die mit Schrägfeuer in den Kampf eingriffen. Überdies gingen Truppen auf das westliche Ufer über und schlossen bis zum Abend an Stelle der geworfenen Russen die Widerstandslinie. Da das rumänische Hauptquartier den Gen. Cristescu anwies, den Nachbarn jegliche Hilfe zu gewähren, ließ der Armeeführer über Nacht im Anschluß an seinen durch Kavallerie gesicherten Abschnitt das Ostufer des Sereth bis Cosmesti durch eine weitere Division als Rückhalt für den jenseits fechtenden, bereits gestützten Russenflügel besetzen. In diese Aufstellung, die das Schlachtfeld überhöhte und eine für die Artillerie vorzügliche Abwehrflanke bot, hatten auch die schweren Batterien der rumänischen Armeegeschützreserve einzufahren. Die Russen zogen ihre 71. ID. nach Märäsesti heran.
Der linke Flügel des deutschen Stoßkeiles, die 89. ID., haftete noch an der Dauerstellung. Hier sollte am 7. August der Druck vermehrt werden, wozu GdI. Eben dem GLt. Morgen eine Division der Armeereserve überließ. Die k.u.k. 62. ID., die bisher nur mit ihren Batterien die deutschen Nachbarn unterstützt hatte, war bereit, sich am nächsten Tag dem Vorgehen der 89. ID. anzuschließen. Die öst.-ung. Division und die deutsche 217., die beide die Putnalinie hielten, traten unter den Befehl des bayr. GLt. Ritt. v. Wenninger, der mit dem Stabe des XVIII. RKorps eingetroffen war. Die k. k. 13. SchD. rückte nach Focsani.
Auf Geheiß der DOHL. hatte das Korps Morgen, nachdem der überraschende Serethübergang nicht gelungen war, am 7. August einen gewaltsamen Ufer Wechsel nicht mehr zu versuchen, sondern bloß den Stoß nach Norden fortzusetzen. Während eine Division nach rechts deckte, rang sich der Angriffskeil weiter vorwärts und drohte, sich zwischen die inneren Flügel der Russen und Rumänen hineinzubohren. Diese antworteten mit Gegenstößen, konnten den Deutschen aber nicht verwehren, am Nordufer der Susita Fuß zu fassen. Neue rumänische Truppen versteiften die zurückgedrängten Reihen. Weiter links erzielten die Angreifer mit Hilfe einer frischen Division gegen die zäh widerstrebenden Russen des VII. Korps nach Nordwesten einen Raumgewinn, der sich aber noch nicht bis zur öst.-ung. 62. ID. auswirkte.
Der starke Widerstand des Feindes, der täglich frische Kräfte heranbrachte, nötigte dem GFM. Mackensen einen neuen Entschluß ab. Der Gedanke, in der zweiten Phase der Angriffshandlung über Tecuciu in die Moldau vorzudringen, wurde aufgegeben. GdI. Eben erhielt den Auftrag, den Serethschutz zwei Divisionen anzuvertrauen und den Hauptstoß, um ihn dem zermürbenden Flankenfeuer der rumänischen Batterien zu entziehen, mit drei Divisionen in erster und einer in zweiter Linie nach Nordwesten gegen die Linie Deocheti—Clipicesci weiterzuführen. Das Schwergewicht war auf den linken Flügel der Angriffsgruppe zu verlegen. Deshalb war auf dem Südufer der Putna eine starke Artillerie aufzustellen, wozu auch die Batterien des Alpenkorps dienen mußten. Dieser derart geänderte Angriffsplan bezweckte, die Russen zu schlagen, um hierauf der 2. Rumänenarmee den Rückzug aus dem Sovejabecken durch das Susita- und Zäbräuttal zu verwehren und so im Zusammenwirken mit der am 8. August aus dem Ojtozgebiet vorbrechenden Gruppe Gerok die im Gebirge steckenden Kräfte des Feindes abzufangen.
Das rumänische Oberkommando drängte den Gen. Cristescu, im Einvernehmen mit dem russischen Armeeführer Ragosa die Lage ehestens wiederherzustellen, damit die geplante Kräfteversammlung in der nördlichen Moldau (S. 361) nicht behindert werde. Cristescu zog seine letzten zwei Divisionen an den Sereth heran und durfte auch über die Heeresreserve, die Grenzerbrigade, verfügen. Spät nachts trug sich das Oberkommando schon mit dem Gedanken, die inneren Flügel der russischen 4. und der rumänischen 2. Armee aus dem Sovejabecken zurückzunehmen, um aus der verkürzten Front Streiter zu erübrigen, doch ging man davon auf Einspruch des Gen. Averescu wieder ab.
Am 8. August konnte die Mitte des Korps Morgen, die wie der rechte Flankenschutz unter dem zusammengefaßten Feuer der rumänischen Serethbatterien empfindlich litt, wegen des entschlossenen Widerstandes der Rumänen das Bahnknie südlich von Märäsesti nicht erreichen. Aber auch die Russen hatten sich verstärkt und stemmten sich den zwischen Susita und Putna vorgehenden Deutschen mit Macht entgegen. Schließlich behielten dennoch die Angreifer die Oberhand, und ihr Nordflügel eroberte Bätinesti. Jetzt konnte auch der Großteil der öst.-ung. 62. ID., FML. Brunswik, über die Putna hinweg kämpfend vorschwenken.
So war der Einbruch nunmehr auf 20 km Breite und an der tiefsten Stelle auf 6 km ausgeweitet worden. Aber dieses, mit sehr erheblichen Verlusten erkaufte Ergebnis wie auch die 3300 Gefangenen und die
17 Beutegeschütze vermochten die deutsche Führung darüber nicht hinwegzutäuschen, daß die Fortschritte der Angriffsgruppe, die dem sich unerwartet zäh schlagenden Feinde mühsam abgerungen worden waren, nicht den gehegten Hoffnungen entsprachen. Beim Stabe Mackensens keimte sogar die Idee auf, den Stoß auf dem westlichen Serethufer, wo jetzt das Eingreifen der ganzen 1. Rumänenarmee mit Gewißheit anzunehmen war, nur mehr bis in die angestrebte Linie zu führen, sodann aber die Angriffstruppen rasch umzugruppieren und den Flußübergang — wie ursprünglich geplant — bei Nämoloasa ins Werk zu setzen. Bevor man aber diese, nach der Lage an sich aussichtsreichere Stoßrichtung einschlagen konnte, mußte man schon wegen des vereinbarten Einklanges mit der Gruppe Gerok, die ihren Angriff bereits eröffnet hatte, die begonnene Kriegshandlung weiterlaufen lassen. Noch konnte sich die erwünschte Zangenwirkung (S. 361) einstellen.
Den beharrlichen Kraftanstrengungen der Deutschen gegenüber blieb auch die feindliche Führung nicht müßig. So wurde die Armee Averescu am 8. August verhalten, ihren linken Flügel bis Iresci zu strecken, um aus der angrenzenden Armee Ragosa binnen zwei Tagen die 14. und die 15. ID. des VIII. Russenkorps verfügbar zu machen. Der Führer der 1. Rumänenarmee, Gen. Cristescu, bereitete mit seinen Kräften einen Gegenangriff vor.
Am 9. August erreichten die deutschen Divisionen, den hartnäckigen Feinden Schritt um Schritt abringend, nördlich der Susita ungefähr die von Bältäretu über Tisita nach Satul Noü führende Straße. Auch die öst.-ung. 62. ID. kam anfänglich mit der benachbarten 115. ID. gegen Nordwesten gut vorwärts. Der die Putna entlang vorgehende linke Flügel der Division Brunswik hatte bereits Tifesti genommen, da warf ein starker Gegenschlag der Russen die des Bewegungskrieges ungewohnten Landstürmer unter empfindlichen Einbußen, auch an Gefangenen, wieder zurück. Die Truppen klammerten sich teilweise an ihre alte Putnastellung, standen aber jenseits des Flusses mit dem linken Flügel des I. RKorps nur in loser Verbindung. Damit kein ernster Rückschlag eintrete, schob GLt. Wenninger, der Führer des XVIII. RKorps, das nordwestlich von Focsani versammelte Alpenkorps, GLt. Sontag, schleunig hinter die 62. Division. Der Einsatz dieser Kemtruppe war ohnehin schon beschlossen gewesen. GLt. Sontag sollte am nächsten Tag durch die von den öst.-ung. Truppen gehaltene Linie über Satul Noü nach Muncelu vorstoßen und weiterhin gemeinsam mit den Nachbarverbänden die Russen nach Nordwesten aufrollen. Da auch das I. RKorps während des Tages einem starken Gegendruck der Russen ausgesetzt gewesen war, wurde abends die 12. bayr. ID., die unterdessen
aus dem Serethschutz gelöst worden war, dem linken Flügel des GLt. Morgen zugeführt. Dafür rückte die k. k. 13.SchD. nach Fäurei.
Am 10. August trachtete der Feind, durch einen breitangelegten Gegenangriff die Freiheit des Handelns an sich zu reißen. Die zwischen dem Sereth und der von Nord nach Süd verlaufenden Bahnhauptstrecke losbrechenden Massenstürme der Rumänen stellten die Standfestigkeit der Deutschen auf eine harte Probe. Auch die Russen setzten westlich der Bahn dem linken Flügel Morgens heftig zu. Die jetzt in die Verteidigung gedrängten Verbündeten behaupteten sich in wechselvollen Kämpfen. Von dem links anschließenden XVIII. RKorps halfen die * Spitzen des Alpenkorps bei der Abwehr mit. Dies trug auch dazu bei, im Abschnitt der k.u.k. 62. ID. die Lage zu festigen; Tifesti konnte wieder besetzt werden. Der Angriff des Alpenkorps verzögerte sich jedoch um einen Tag.
GdI. Eben war nach dem Abschlagen der für den Feind überaus verlustreichen Anstürme entschlossen, dessen augenblickliche Schwäche sofort auszunützen. Daher wurden für den 11. August zwei Angriffe angeordnet, die gleichzeitig nach verschiedenen Richtungen vorzutragen waren. Das XVIII. RKorps hatte mit dem zwischen die 115. und die öst.-ung. 62. ID. eingeschalteten Alpenkorps den Stoß auf Panciu zu führen, und das I. RKorps zur Entlastung der Nordfront die 12. bayr. ID. auf Märäsesti vorzutreiben. Aber auch Gen. Cristescu hatte die Hoffnung, durch den begonnenen Gegenschlag einen Umschwung herbeizuführen, nicht auf gegeben. Er verfügte über genug frische Truppen und befahl, am 11. mindestens günstige Ausgangsstellungen für den später geplanten Hauptstoß zu gewinnen. Die Grenzerbrigade rief ein dringlicher Befehl des Oberkommandos nachts ab; sie war auf Kraftwagen der bedrängten Armee Averescu zuzusenden. Bei den Russen schied die sehr gelichtete, zudem nicht mehr kampfwillige 34. ID. des
VII. Korps aus der Front; die zwei abgelösten Divisionen des VIII. Korps hatten die Gegend um Panciu erreicht.
Unter dem ungestümen Druck des I. RKorps, das am 11. August längs der Bahn und der Reichsstraße vorstieß, fluteten die Russen zurück und entblößten die rechte Flanke der Rumänen. Diese klammerten aber ihren abgebogenen Flügel an den Bahnhof von Märäsesti und boten mit dem Mute der Verzweiflung den Bedrängern Einhalt. Beim XVIII. RKorps schritt die Gruppe Sontag (Alpenkorps und die unterstellte öst.-ung. 62. ID.) vormittags zum Angriff. Die Deutschen warfen, nachdem sie durch einen Gegenstoß der Russen nur vorübergehend
aufgehalten worden waren, den Feind auf das Nordufer der Susita zurück und kamen bis vor Satul Noü. FML. Brunswik rückte mit seinen schwachen Bataillonen*) auf dem schmalen Landstreifen links von der Putna flußaufwärts vor und erreichte Vitanesti.
Am 11. August abends enthob das rumänische Hauptquartier den Gen. Cristescu seines Amtes und übertrug dem Gen. Grigorescu, der sich im Vorjahre als Verteidiger des Ojtozgebietes bewährt und in den laufenden Kämpfen die Abwehr als Korpsführer geleitet hatte, den Befehl über die 1. Armee. Auch der neuemannte Armeekommandant sollte im Verein mit den Russen und mit der am nächsten Tage eintreffenden 10. ID. (S. 362) den Gegner Zurückschlagen, um die Lage * wiederherzustellen. Weitere Verstärkungen wurden zugesagt. Gen. Grigorescu wies seine neugegliederten Streitkräfte (das V. Korps westlich des Sereth als Angriffsgruppe, das III. Korps vom Brückenkopf Bältä-retu stromabwärts als festhaltende Sicherung) entsprechend an. Da langte um Mitternacht vom Oberkommando der Rumänischen Front ein Befehl des Gen. Schtscherbatschew ein. Die rumänische 1. Armee wurde dem Gen. Ragosa untergeordnet. Um diese neugebildete Armeegruppe zu entlasten, hatte die russische 6. Armee im Brückenkopf von Nämoloasa Kräfte zusammenzuziehen und den Gegner durch Angriffe zu fesseln. Gen. Ragosa sah die erste und wichtigste Aufgabe der ihm anvertrauten russisch-rumänischen Verbände darin, die stetig vordringenden Deutschen unbedingt zum Stehen zu bringen; erst nachher sei an ein Wiedergewinnen der verlorenen Linien zu denken. Bei Panciu wurde die Russenfront durch die 15. ID. und im übrigen durch die auf beide Korps (VII und VIII) verteilten Transamurreiter gestützt. Grigorescu hatte als Nahtreserve beider Armeen mindestens eine Brigade bereitzuhalten.
Die ziemlich erschöpften Divisionen des GLt. Morgen beschränkten sich am 12. August darauf, den nördlich der Susita erstrittenen Grabenzug zu verbessern, der im allgemeinen vom Bahnknie südlich von Märäsesti dem nach Westen laufenden Schienenstrang folgte. Die 216. ID. hatte einen Schlag gegen die rumänische Brückenkopfstellung vor Bäl-täretu vorzubereiten. Das Schwergewicht des Angriffes lag jetzt gänz-
lieh beim XVIII. RKorps. GLt. Wenninger durfte in der eingeschlagenen, für den Feind empfindlichsten Richtung nicht locker lassen. GLt. Sontag stieß daher mit dem Alpenkorps, ungeachtet der russischen Gegenwehr, machtvoll über Panciu vor und riß rechts die deutsche 115., links die öst.-ung. 62. ID. mit. Diese trieb den Feind, Teile der 103. Russendivision, zwischen Susita und Putna zurück und eroberte Clipiqesti. Die Landstürmer brachten 600 Gefangene ein, büßten aber selbst an die 1000 Mann ein. Auqh der rechte Flügel der deutschen 217. ID. konnte die Putna überschreiten. Die Russen, namentlich ihr erschüttertes VII. Korps, wichen nach Norden. Der rumänische Armeeführer mußte, um nicht von seinem Nachbar getrennt zu werden, neuerlich den Westflügel verlängern.
Am 13. August früh wollte Gen. Ragosa im Anschluß an die von den Russen gehaltene Linie Iresci—Deocheti auch die Rumänen bis Modruzeni (am rechten Serethufer) zurücknehmen. Grigorescu sträubte sich jedoch, bei hellem Tag, vor den Augen des Gegners, einen 3 bis 6 km breiten Streifen des opfervoll verteidigten Bodens samt Märäsesti preiszugeben. Er erklärte zuversichtlich sowohl dem rumänischen Generalstabschef Presan wie dem Gehilfen des Heeresfrontkommandos, Gen. Schtscherbatschew, die königliche Armee könne ihre Stellungen behaupten. Schtscherbatschew vertraute daraufhin dem Gen. Grigorescu den ganzen Kampfabschnitt bis Iresci an, also auch das VIII. Russenkorps. Das völlig abgekämpfte russische VII. Korps war durch Rumänen zu ersetzen. Die Front sollte vorerst verläßlich gefestigt werden. Hierauf sollte Grigorescu, gestützt auf frische Verstärkungen (rumänische 15. ID., zwei Kavalleriebrigaden zu Fuß, 124. Russen division), alle verfügbaren Truppen zu einem einheitlichen Gegenangriff zusammenzufassen. Die Armee Averescu hatte eine Division in das obere Zäbräuttal zu stellen. Gen. Ragosa wurde abberufen und hatte in Bacäu den Befehl über einige Korps der 9. Russenarmee zu übernehmen. Die
6. Russenarmee, Gen. Zurikow, erhielt neuerlich den Auftrag, bei Nämoloasa kräftig anzugreifen.
Die Russen hatten auch schon am 11. August am Serethunterlauf auf die Armee Eben (Gruppe Rimnic sowie komb. ID. der Bulgaren und k.u.k. 145. IBrig.) ein lebhaftes Geschützfeuer eröffnet, das in den folgenden Tagen auf die Donaulinie Übergriff, an der die nunmehr von Gen. Sawoff befehligte 3. Bulgarenarmee wachte. Bei den Bulgaren und Türken des Korps Kosch entspannen sich rege Gefechte im Vorfelde. Dem Feinde gelang es aber nicht, die deutsche Führung abzulenken.
Wie die Russen und Rumänen, so benützten auch die Verbündeten auf der Walstatt vor Focsani den 13. August, um sich für neue Kämpfe zu rüsten. Das XVIII. RKorps blieb weiterhin der Hauptträger des Angriffes. GLt. Wenningcr erhielt die 13.SchD. zugewiesen, die dem Alpenkorps als rechte Flügelstaffel zu folgen hatte. Das SchR. 1 und das aus Tirolern italienischer Volkszugehörigkeit gebildete KJB. Südtirol marschierten abends nach Bätinesti; das SchR. 24 blieb im Raum um Fäurei. Die 62. ID., jetzt dem preuß. GM. v. Gallwitz, Führer der 217. ID., unterstellt, nahm am Morgen mit dem rechten Flügel Väleni. Gemeinsam mit der 217. ID. wurde nördlich von Clipicesci das Gelände zwischen Putna und Susita von Russen gesäubert.
Freund und Feind hatten bereits durch eine volle Woche erbittert und unter schweren blutigen Einbußen miteinander gerungen. Hüben wie drüben versuchte die hohe Führung, eine Entscheidung zu erzwingen. Am 14. August sollte die Schlacht mit neuer Wucht entbrennen.
Die Schlacht im Ojtozgebiet
(8. bis 13. August)
Während GFM. Mackensen von Focsani nach Norden vorstieß, sollte Erzherzog Joseph die Gruppe Gerok aus den Siebenbürger Grenzbergen nach Osten vorbrechen lassen. Die dem öst.-ung. VIII. Korps1),
1 Kräftegruppierung des VIII. Korps:
71. ID.: 142. IBrig., bh. IR. 5 '4\ Fußregiment der 8. KD. (4)
73. IlIBrig., IBaone. II 82, I und III HIR. 18, II HIR. 33, III/HIR. 314, III'HIR. 315
Nebengruppe, IHR. 33 21-}), Sturmbaon. der Ileeresfront
11.000 Feuergewehre, 34 mittlere und schwere Minenwerfer, 80 leichte,
S schwere Geschütze
deutsche 117. ID.: 15. bayr. RIBrig., bayr. RIR. 18 (3), IBaone. i/RIR. 11, württ. GbBaon., II/LstlR. 36; II und III HIR. 313, '
Nebengruppe, IBaone. II RIR. 11, I und IIl/LstlR. 36
8200 Feuergewehre. 22 mittlere und schwere Minenwerfer, 64 leichte, 8 schwerc Geschütze
70. HID.: 207. HIBrig., IBaone. I HIR. 313, I und II'HIR. 314, I und II HIR. 315, Fußregiment der 7 KD.
5100 Feuergewehre, 50 leichte Geschütze.
Korpsunmittelbar: 33 schwere Geschütze.
Summe des VIII. Korps: 24.300 Feuergewehre, 56 M>nenwerfer, 194 leichte und 49 schwere Geschütze.
Im Anmarsch: IBaon. II 'HIR. 18, halbes DR. 14; IBaon. III 'RIR. 11; 1900 Feuergewehre.
FZM. Benigni, übertragene Aufgabe lautete, die Front des Feindes möglichst rasch in der Richtung auf Ocna und Onesci aufzureißen. Als erstes Ziel strebte der Korpsführer an, die Gebirgsenge des Ojtoztales hinter sich zu bringen und Grozesci zu erreichen1). Im Hinblick auf das Gelände und auf die beschränkten Streitkräfte wurde südlich der Paßstraße der breit ausladende und nach Osten abfallende Höhenrücken, auf dem die 71. ID. in Stellung war, als Angriffsfeld gewählt. Von hier ausgehend hatte FML. Edl. v. Goldbach mit der verstärkten 71. ID. im ersten Anlauf bis auf die Kammlinie des D. Lesuntului (zwischen Curita und Ojtuzu) vorzustoßen. Die deutsche 117. ID., GM. Seydel, hatte im Anschluß beiderseits des Ojtoztales, mit der Hauptkraft auf dem Bergzug der Nordseite, vorzurücken. Rechts und links von den Angreifern sollten die Nachbarn (37. und 70. HID.) den Feind durch Stoßtruppunternehmen ablenken. Solche ließ das 1. Armeekmdo. auch weiter nördlich beim VI. Korps ins Werk setzen. Um dem Schauplatz der kommenden Ereignisse näher zu sein, verlegte GO. Rohr sein Hauptquartier von Székely Udvarhely nach Czik Szereda.
Der Angriff des Korps Benigni wandte sich gegen die 6. und die
7. ID. des IV. Rumänenkorps, an das nach Nordwesten der linke Flügel der 9. Russenarmee mit der 2. ID. des XXIV. Korps anschloß2). Am
8. August, um 10hvorm., nachdem die Artillerie durch mehrere Stunden vorgearbeitet hatte, drangen die Angreifer der 71. ID., die 142. IBrig., Obst. Waňek, unter den Augen des Heeresfrontkommandanten, GO. Erzherzog Joseph, in die erste Stellung des Feindes ein. Beim weiteren Vorgehen wogte der Kampf um die waldigen Kuppen mit den sich widersetzenden Rumänen hin und her. Deshalb scheute sich der Divisionsführer, FML. Goldbach, die hinter der 142. IBrig. bereitgestellte 73.HIBrig., Obst. Hodula, frühzeitig auszuspielen, was auch der anwesende Generalstabschef der Heeresfront, GM. Seeckt, guthieß. Auch wollte die 71. ID. auf das Feuer der schweren Batterien noch nicht verzichten; diese sollten aber, sobald der Durchbruch der öst.-ung. Stoßmasse gelungen war, noch der jenseits des Oituzu schon sturmbereiten Hauptkraft der 117. ID. den Weg bahnen. Endlich, als sich die Angreifer der Talsohle des Lesuntubaches näherten und auch die angrenzende deutsche Nebengruppe Raum gewonnen hatte, erhielt die 73. HIBrig. in
Unter Verwertung ungedruckter Arbeiten von Max Pit reich über die damaligen Kämpfe des VIII. Korps, und von Kiszling, Die Kämpfer der k.u.k. 1. Armee.
K i r i t z e s c o, 346 ff.
den ersten Nachmittagsstunden den Befehl zum Vorrücken. Sie folgte aber nicht der vorderen Brigade Waňek, sondern wurde zwischen dieser und der ein Regiment starken Südgruppe Goldbachs zu einem nach rechts ausholenden Flankenstoß gegen den D. Lesuntului -<^ 677 angesetzt. Während beide Brigaden, am Westrand des Lesuntutales angelangt, hier die im unübersichtlichen Waldgelände auseinandergeratenen Verbände ordneten, fand der Feind genügend Zeit, sich auf dem ändern Ufer zu neuerlichem, kräftigem Widerstand festzusetzen. Gegen diesen drang auch die Brigade Hodula, als sie noch abends eine dem D. Lesuntului vorgelagerte Höhe nehmen wollte, nicht mehr durch. Die 71. ID. mußte sich mit der erreichten Bachlinie begnügen; am Nordflügel war das bh. IR. 5 bis an den Westrand von Heresträu gekommen. Nachmittags war es höchste Zeit, der 117. ID. die Mitwirkung der schweren Artillerie zu überlassen, sollte der Angriff des GM. Seydel noch in Schwung kommen. Gegen Abend erstürmten deutsche Bataillone den Vrf. Ungureana -tj>- 779.
In dem Nachbarabschnitte hatte die 70. HID. am Vrf. Pravila feindliche Kräfte gebunden. Von den vier beim VI. Korps, GdI. Hadfy, durchgeführten Unternehmen glückte nur jenes am rechten Flügel; die deutsche 225. ID., GM. v. Woyna, vermochte im Gebiet des Mt. Cleja russische Gräben ihrer Abwehrlinie einzuverleiben. Im Bereich der 37. HID. entspannen sich, wie schon an den Vortagen, um die Mgr. Casinului lebhafte Kämpfe. Die deutsche 218. ID. fühlte an mehreren Stellen gegen die Rumänen vor, die sich ziemlich ruhig verhielten; war doch ihr II. Korps auf Geheiß des Oberkommandos *) damit beschäftigt, durch Truppen der 1. und der 3. ID. die Russen an der Putna abzulösen (S. 370). Der rumänische Armeeführer, Gen. Averescu, hatte sich während des Tages auf dem Gefechtsfelde seines angegriffenen IV. Korps eingefunden und Reserven hingeleitet. Am nächsten Tage sollten die 6. und die 7. ID. ihre verlorenen Stellungen durch einen Gegenstoß zurückgewinnen 2).
Am 9. August ließ FZM. Benigni den Angriff fortsetzen. FML. Goldbach hatte den Feind vom Lesuntuluirücken zu werfen, GM. Seydel gegen die Höhe D. Cosna -<j>- 788 vorzurücken. Die inneren Flügel beider Divisionen sollten bis Grozesci und damit aus der letzten Enge des Ojtoztales heraus gelangen. Die Nachbarn hatten die Flanken des Stoßkeiles zu sichern.
1) D a b i j a, IV, 169 ff.
2) Ebenda, 177 und 182.
Indes waren die Rumänen am 9. früh mit ihrem Gegenhieb schneller zur Hand und drängten die 71. ID. zurück, so daß diese fast den ganzen Raumgewinn des Vortages einbüßte. Der Angriff des VIII. Korps mußte neu vorbereitet werden. Von den Reserven erhielten FML. Goldbach ly? Honvédbataillone nebst dem halben DR. 14, GM. Seydel ein deutsches Bataillon zugewiesen. Der Spätnachmittag brachte dann einen Erfolg. Die 73.HIBrig., nunmehr von Obst. Lörinczy befehligt, durchbrach die Rumänen nördlich des D. Chirosurilor -c^-843, ließ schwächere Kräfte gegen diesen Gipfel, ein Bataillon gegen die Glasfabrik im Talschluß des Curitabaches vorgehen und rollte mit der Hauptkraft die Stellung des Feindes gegen den D. Lesuntului auf. Die Brigade Waňek ging den Höhenzug im Stimangriff an. Bis zur Dunkelheit war im allgemeinen der Westrand der Waldzone zwischen !der Glasfabrik und Heresträu erreicht. Nördlich des Oituzu drückte die deutsche 117. ID. den Feind ebenfalls nach Osten zurück. Gleichwohl waren aber am Ende des zweiten Kampftages die ersten, der Hauptangriffsgruppe gesteckten Ziele noch nicht gewonnen.
Der Ansturm des Korps Benigni hatte die Rumänen heftig erschüt- ‘ tert. Außer den blutigen Verlusten hatten sie an den beiden Tagen über 1000 Mann an Gefangenen eingebüßt. Die zahlreichen Einbrüche in die Wehrstellung machten diese unhaltbar und bewogen den Führer des IV. Korps, seine Front, vom oberen Dafténatal angefangen, in die vom Vrf. Ciresoaia quer über den Ungureanarücken und den D. Lesuntului zur Höhe nordwestlich der Mgr. Casinului verlaufende Linie zurückzuverlegen. Die Rückbewegung sollte über Nacht erfolgen; inzwischen war aber diese Linie westlich der Glasfabrik schon vom Gegner durchlöchert. Gen. Averescu raffte zur Stützung seines IV. Korps, das an Reserven nur mehr über die Marschbataillone der Divisionen verfügte, alle erlangbaren Kräfte zusammen. Die 2. Cälärasibrigade wurde nach Onesci herangezogen; aber auch das II. Korps mußte, obwohl es den rechten Flügel der Armee Ragosa zu übernehmen hatte, noch Truppen nach Norden abgeben L).
Die Streiter des Korps Benigni waren gleichfalls geschwächt und sehr ermüdet. Frische Kräfte waren nicht zur Hand, sonst hätten die Verbündeten aus der kritischen Lage des Feindes mehr Vorteile ziehen können. Für den 10. August befahl GdI. Gerok, den weichenden Rumänen Verfolger an die Fersen zu heften. Das Korps Benigni baute den
x) Die rumänischen Divisionen 1—10 waren im Vergleich zum Gegner sehr stark, denn sie umfaßten je vier Infanterie- und ein Jägerregiment oder 14 Bataillone.
errungenen Erfolg zunächst im engeren Bereich aus. Die von den Rumänen zäh verteidigte Straßenenge zwischen Heresträu und Grozesci wurde gesäubert. Die 73. HI Brig. drang, den Widerstand des Feindes schrittweise überwindend, zur Glasfabrik vor. Der Südteil der 71. ID. gewann auf der zur Stellung der 8. GbBrig. streichenden Rückenlinie Boden. Deshalb versuchte auch die S. GbBrig., ihrem Nachbarn von der Mgr. Casinului aus nach Norden die Hand entgegenzustrecken; es gelang aber nur, die Gipfelstellung auf die nächstliegenden Kuppen auszuweiten. Die deutsche 117. ID. warf den Feind auf die D. Cosna zurück und kam im Ojtoztal bis an den Westrand von Grozesci. Da die Rumänen vor der 70. HID. freiwillig abgezogen waren, trat FML. Sorsich die Verfolgung an. Eine Talgruppe, die verstärkte 20. KBrig., erreichte den Ort Slänic. Die 207. HIBrig. nahm die Höhe Pravila A 875, stieß jedoch vor dem Vrf. Ciresoaia auf Gegenwehr. Beim benachbarten VI. Korps räumten die Russen vor der deutschen 225. ID. den ganzen Bergstock des Mt. Cleja.
Im Südabschnitt der Gruppe Gerok, vor der 218. ID., hielten die Rumänen noch; das Kommando der Heeresfront gewann aber den Eindruck, daß sie bereits den Troß aus dem Sovejabecken abschöben. Die gleichzeitigen heftigen Gegenangriffe der Rumänen gegen die deutsche 9. Armee (S. 371) ließen vermuten, daß der Feind aus der Falle des Sovejagebietes durch das Susitatal heraus wolle und sich hiezu nach Süden Luft zu schaffen suche. Da sollte der für den 11. August angesetzte Nordoststoß des XVIII. RKorps dazwischenfahren (S. 371).
Das rumänische Oberkommando, durch die Offensive der Mittelmächte nach zwei Seiten zur Abwehr genötigt, ließ die in die nördliche Moldau marschierende l.KD. (S. 362) zur bedrängten Armee Averescu abzweigen und schob dieser noch die Grenzerbrigade, die als Heeresreserve hinter der 1. Armee stand (S. 371), sowie einige russische Einheiten zu. Zugleich wurde dem Armeeführer bedeutet, daß dies die letzten, verfügbaren Kräfte seien, die damit ihrer eigentlichen Bestimmung entzogen würden; auch der zweckwidrige Einsatz und vorzeitige Verbrauch der Marschtruppen wurde gerügt. Da Averescu noch vor wenigen Tagen seinem Oberkommando das freiwillige Aufgeben des Sovejabeckens widerraten hatte, wurde der Zeitpunkt für diese Maßnahme jetzt seinem Ermessen überlassen; denn nach der Gesamtlage war eine Frontverkürzung, um die Südhälfte der 2. Armee noch rechtzeitig aus dem Sack herauszubringen, nicht mehr zu vermeiden. Averescu traf Vorsorgen für ein Rückverlegen des II. Korps. Der Führer des
IV. Korps wurde angewiesen, alle zuströmenden Verstärkungen zu einem gut vorbereiteten Gegenangriff zusammenzufassen1).
Am 11. August sollte die Division Goldbach die Höhen nordwestlich von Mon. Casin, die Division Seydel den Cosnagipfel nehmen. Der 71. ID. kam jedoch die 6. Rumänendivision zuvor. Sowohl die Brigade Waňek, noch mehr aber die Brigade Lörinczy mußten sich wiederholter, heftiger Anfälle erwehren; bei der Glasfabrik dauerte der erbitterte Kampf, in welchem sich das HIR. 18 entschlossen behauptete, bis in die Abendstunden.
Unterdessen hatte die 117. ID. knapp nach Mittag durch das würt-tembergische Gebirgsbataillon als Bahnbrecher die Höhe Cosna 788 bezwungen2). GM. Seydel erhielt den Befehl, mit dem rechten Flügel ins Ojtoztal zu drücken, um die 71. ID. zu entlasten. Nachmittags eroberten die Deutschen noch die Nebenkuppe der Cosna, und das dem GM. Seydel unterstellte HIR. 313 drang in den langgestreckten Ort Grozesci ein. Jetzt konnte sich auch der Anschlußflügel der 71. ID. Vorarbeiten. Die 70. HID., FML. Sorsich, focht gleichfalls glücklich. Das Fußregiment der 7. KD. unter dem Brigadier Obst. Freih. Regner v. Bleyleben erkämpfte sich, mit dem UR. 2 als Vorhut, den Austritt aus dem Slänictal und besetzte westlich vor Gura Slänicului eine Höhe, die das Trotusutal, Ocna gegenüber, beherrschte. Die 207. HIBrig., Obst. Guilleaume, hatte mit dem HIR. 314 den Vrf. Ciresoaia -<J> 772 genommen und stieg nunmehr abends nach Nordosten gegen Mesurilor ab. Ein Halbbataillon sicherte den breiten Vorrückungsraum nach links gegen das Dafténatal. Maschinengewehre bestrichen bereits die Straße am Trotusu. Die rechte Brigade der 7. Rumänendivision zog sich teilweise schon auf das linke Flußufer zurück. Die Angreifer konnten sich der Hoffnung hingeben, Ocna, das greifbar vor den Augen lag, und bald auch Onesci zu erreichen. Das Nachbarkorps Hadfy wurde aufgefordert, mit der 225. ID. auf dem Plaiul Ciunget nach Nordosten gegen die Russen vorzugehen.
Der erfolgreiche Vorstoß der Divisionen Sorsich und Seydel hatte die Krise beim IV. Rumänenkorps aufs höchste gesteigert. Die schweren Batterien fuhren bereits nach Onesci ab, die anderen Batterien bezogen hintere Stellungen. In diesem Augenblicke ärgster Gefahr hasteten die Reserven heran. Die aus der 1. KD. gebildeten Fußbataillone wurden
1) Dabij a. IV, 191 ff.
2) Sproesser, Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschiitzen 'Stuttgart 1933), 196 ff.
in die zwischen der 7. und der 6. ID. aufgesprungene Lücke geworfen und bremsten den Ungestüm der deutschen Division. Andere, gegen Grozesci angesetzte Eingreiftruppen drängten das HIR. 313 aus dem Dorfe hinaus.
Spät in der Nacht mahnte das rumänische Hauptquartier den Gen. Averescu, die Lage auf dem rechten Flügel um jeden Preis wiederherzustellen. Beim Stabe des Armeeführers ließen die eintreffenden Truppen-zuschübe sowie die schwächer werdenden Anstürme des Gegners das Gefühl zunehmender Erstarkung aufkommen. Averescu entschloß sich zu einem Gegenschlag, der am 13. August einsetzen sollte. Dringend erschien dem General jedoch, das Trotusutal mit seinen wichtigen Verkehrsadern zu schützen, die schon sehr bedroht waren. Deshalb wurde noch für den 12. mit den Russen ein Vorstoß aus dem Raum Dafténa— Ocna nach Südwesten vereinbart. GdI. Gerok überließ dem VIII. Korps das von der deutschen 218. ID. überstellte, zur 117. ID. gehörende RIR. 22 und befahl, vorerst die Flußübergänge bei Ocna und Mesurilor in die Hand zu nehmen.
Am 12. August rückte die Division Sorsich näher an den Trotusu heran. Die 20. KBrig. mußte sich bald beiderseits des Slänicbaches zum Kampfe entwickeln und wurde hier aufgehalten. Die 207. HIBrig. kam mir ihren Landstürmem bis Mesurilor und erhielt schon den Auftrag, am jenseitigen Ufer die Bahnstrecke zu sprengen. Da brach nachmittags ein Gegenstoß der verstärkten 7. Rumänen- und der 2. Russendivision los. Die schwache Honvédbrigade (vier Bataillone) wurde in dem ausgedehnten Waldgebiet unter erheblichen Verlusten auf die Höhe Cire-soaia zurückgeworfen. Die 20. KBrig. wich abends bis zur Ortsmitte von Slänic zurück und suchte von hier die Verbindung zu den Nachbarabschnitten aufzunehmen. Die deutsche 117. ID. mußte sich auf der Cosna kräftig zur Wehr setzen. Bei der Division Goldbach hatte die 73. HIBrig., vor allem das gelichtete HIR. 18, die größte Mühe, die westlich der Glasfabrik hartnäckig anrennenden Rumänen abzuwehren. Der bei der 70. HID. erfolgte Rückschlag konnte die Angriffsgruppe des VIII. Korps in der linken Flanke gefährden. FZM. Benigni wies daher von seiner einzigen Reserve, dem erst anmarschierenden RIR. 22, zwei Bataillone der 117. ID. und eines der 70. HID. zu. Das 1. Armeekmdo. hatte inzwischen das noch bei der Gruppe Liposćak verbliebene HIR. 15 der 37. HID., das Heeresfrontkommando ein neugebildetes Sturmbataillon verfügbar gemacht.
Der rumänische Armeeführer Averescu hatte außer der Aufgabe, mit seinem IV. Korps dem Gegner den Austritt aus dem Gebirge zu sperren, noch die Sorge um den Südflügel des II. Korps. Hier drohte unter dem Druck der Deutschen der Anschluß zu den abbröckelnden Russen verloren zu gehen. Die 3. ID. wurde deshalb verhalten, auf rückgängige Bewegungen beim Nachbar gut zu achten und eine starke Nahtreserve bereitzustellen1).
Am 13. August ging Gen. Averescu mit dem ganzen IV. Korps zum Gegenangriff über. Der rechte Flügel der 7. ID. im Verein mit Russen suchte die Erfolge des Vortages weiter auszubauen. Die geschwächten Bataillone der 70. HID. vermochten sich, mit einem deutschen Bataillon als Rückhalt, im Ciresoaiagebiet nur mühsam zu behaupten. Wegen der unsicheren Lage schob das VI. Korps seinem rechten Flügel auf dem Mt. Cleja Reserven aus dem Uztal zu, sah aber von dem weiter westlich geplanten Vorstoß (S. 379) ab. Die mit einigen Honvédkompagnien vermengten Kavallerieschützen wurden bei Slänic gleichfalls bedrängt; die deutsche 117. ID. mußte ihren linken Flügel abbiegen. Gegen die Cosnastellung stürmten die Rumänen mit Teilen der 7. ID. und mit der durch Jäger- und Grenzerbataillone verstärkten l.KD. von drei Seiten umfassend an. Die Verteidiger mußten schließlich den Gipfel dem Feinde überlassen und sich an die dahinter gelegenen Höhen anklammern. Die Division Goldbach hatte mit der 6. Rumänendivision gleichfalls einen schweren Strauß auszutragen. Mit äußerster Anstrengung wurde südlich des Lesuntului ein Einbruch ab gedämmt. Am rechten Flügel versuchte eine rumänische Kemtruppe, die Grenzerbrigade (vier Bataillone), dem HIR. 33 den D. Chiosrilor -cj>- 843 zu entreißen, fand aber an den Kroaten unbeugsame Gegner.
Gen. Averescu hatte durch seinen Gegenschlag, wenn auch der Geländegewinn auf der Cosna und nördlich davon bescheiden war, doch den Gegner von der Besitznahme des Trotusutales abgehalten. Zudem waren die Streitkräfte des öst.-ung. VIII. Korps derart hergenommen, daß hier zunächst nur an das Ordnen der Verbände und an das Festhalten der Stellungen zu denken war. Von dem eben eintreffenden HIR. 15 wurden das Spitzenbataillon der 70. HID., das nächstfolgende Honvédbataillon und das Bataillon 1/69, das von der 8. GbBrig. abgezogen worden war, der 71. ID. zugewiesen, damit sie bei der 73.HIBrig. das durch die schweren Kämpfe bei der Glasfabrik völlig erschöpfte HIR. 18 und die nicht weniger hergenommenen Bataillone III/HIR. 314 und III/HIR. 315 auswechseln könne.
J) Dabija, IV, 217 ff.
Entschlüsse und Pläne der hohen Führung
Inzwischen vereinbarten die beiden Heeresleitungen und die Frontbefehlshaber der Mittelmächte neue Richtlinien für die Fortsetzung der Offensive gegen Rumänien. Der linke Flügel der Armee Eben hatte die Fortschritte des XVIII. RKorps auszuwerten und am 14. August die Höhen bei Muncelu zu nehmen. Hielten die Rumänen trotzdem vor der Gruppe Gerok das Sovejabecken noch immer fest, so war der Nordoststoß nach Racoasa weiterzuführen. Dem Kommando der Heeresfront Erzherzog Joseph kam es vornehmlich darauf an, den Feind, auch wenn er abzog, im Einklang mit der deutschen 9. Armee noch südlich des Trotusuabschnittes abzufassen. Der Gruppe Gerok wurden daher entsprechende Angriffstreifen vorgezeichnet. Die 218. ID. und die l.KD. hatten dem weichenden Feinde nach Soveja zu folgen. Die 37. HID. mit der S. GbBrig. sollte zwischen den Linien Mt. Resboiului—Gura Vai und Mgr. Casinului—Mon. Casin vorrücken. Nördlich davon, beim VIII. Korps, war der linke Flügel der 71. ID. von Grozesci auf den Ort Casinu und jener der 117. ID. von dem D. Cosna auf Onesci anzusetzen. Der 70. HID. fiel der Flankenschutz zu. War der Raum um Mon. Casin erreicht, so wollte man die südlich davon stehenden Kräfte nach Nordosten verschieben, um dem Waldgebiet auszuweichen und baldmöglichst stark zum Trotusu zu kommen. Man machte sich auch schon Gedanken, wie die Offensive weiterzuführen wäre, wenn es einerseits gelingen sollte, die Russen und Rumänen über den Fluß zurückzuschlagen, und wenn anderseits der Angriff der Deutschen bis Agiudu-nuou fortschreite. In diesem Falle beabsichtigte das Heeresfrontkommando, mit Teilen des VIII. Korps und mit der 225. ID. die Linie Trotus (Ort) — Vrf. Ciresoaia—Plaiul Ciunget nach Norden zu sperren. Die Hauptkraft Geroks (37. HID., 71. und 117. ID., 8. KD.) sollte aus dem unteren Ca-sinutal nach Norden aufschwenken und zwischen Ci juta und Onesci den Trotusu überqueren. Die 218. ID. und die l.KD. waren als Reserve durchs Casinutal nachzuziehen. Jenseits des Trotusu sollte sodann im Hügelgelände vom Sereth bis zur Tazläumündung ein Riegel gezogen werden, um die Armee Eben zu befähigen, die Kriegshandlung auf das östliche Serethufer zu übertragen. Hiezu glaubte das Heeresfrontkommando, nach dem Erreichen der genannten Linie auch von sich aus eine bis zwei Divisionen beisteuern zu können.
Um diesen hochstrebenden Zukunftsplänen zur Wirklichkeit zu verhelfen, galt es, wieder das Schlachtenglück zu versuchen.
Auf der Seite des Feindes hatte Gen. Averescu am 13. August früh erfahren, daß sein Nachbar Ragosa unter dem Druck des Gegners die ganze Front zwischen dem Sereth und dem Gebirge zurücknehmen wolle (S. 373), nunmehr war es höchste Zeit, das Sovejabecken zu räumen, denn die Zufuhrwege durchs Susita- und Zäbräuttal waren nicht mehr frei. Das rumänische II. Korps hatte daher in der Nacht auf den 14. den vorbereiteten Rückzug (S. 378) auf die Sehnenstellung Mt. Rěsboiului—D. Rachitasu mc.—Vizantia—Iresci anzutreten. Die 1. ID. konnte ausgespart werden und war auf Befehl des Oberkommandos am Talschluß des Zäbräut zu sammeln. Dem IV. Korps wurde eine tätige Gegenwehr vorgeschrieben; die auf halben Stand gesunkenen Grenzer waren durch die 2. Cälärasibrigade auszutauschen1).
Weitere Kämpfe um die Zugänge in die westliche
Moldau
Neuerlicher Vorstoß der Armee Eben und Abzug der Rumänen aus dem
Sovejabecken
14. bis 18. August)
Hiezu Skizze 3 der Beilage 18
Am 14. August lebte die Schlacht nördlich von Focsani wieder mächtig auf. Die deutsche 9. Armee griff in zwei Richtungen an. Die 216. ID. des I. RKorps entriß den Rumänen durch einen geschickten Schlag die Brückenkopfstellung vor Bältäretu. Der Feind konnte nur spärliche Trümmer seiner 5. ID. auf das Ostufer des Sereth retten2). Dem XVIII. RKorps fiel die Aufgabe zu, scharf in die Täler der Susita und des Zäbräut hineinzustoßen. Das Alpenkorps gewann gegen die Russen über Panciu hinaus Raum. Die dahinter zum Ablösen bereitgestellte
10. Rumänendivision fing jedoch den Anprall der Deutschen auf3). Da das Alpenkorps im Fortschreiten vom linken Flügel des I. RKorps abrückte, hatte die k. k. 13.SchD. über Nacht in die sich ergebende Lücke zu treten. Zugleich sollte FML. Kaiser dem GLt. Sontag die Flanke
decken; denn es war erkundet worden, daß der Feind nordwestlich
!) Dabija, IV, 225 ff. — Kiritzesco, 353 ff.
2) Morgen, 124 f. O r t 1 e p p, Die Kämpfe in der Moldau, 1935, Heft 4.
3) Dabija, IV, Märäsesti ManuskriptV Kiritzesco, 337 ff.
von Panciu eine größere Truppenmacht, vermutlich zu einem Gegenstoß, ansammele. Links vom Alpenkorps bewegte sich auch die schwache Division Brunswik etwas vor. Die deutsche 217. ID. begegnete bei Iresci hartem Widerstand. Gen. Averescu hatte sein hier angrenzendes II. Korps über Nacht aus dem Sovejabecken zurückgenommen (S.383)1), war aber eifrig darauf bedacht, die Naht zwischen seiner Armee und dem
VIII. Russenkorps der Armee Grigorescu nicht sprengen zu lassen. Den Abzug der Rumänen hatten die Führer der Mittelmächte schon längst erwartet. Die als Putnariegel verwendeten Kräfte (Gruppe Obst. Gf. Keller), denen der Armeeführer, GdI. Eben, bereits entbehrliche Truppen entnommen hatte, folgten sogleich dem weichenden Feinde nach und trachteten, auch der deutschen 218. ID. der Gruppe Gerok die Hand zu reichen.
Am nächsten Tag wollte die deutsche 9. Armee den Erfolg des I. RKorps vervollständigen und mit dem XVIII. auf die Höhen bei Muncelu und Iresci, womöglich auch bis Racoasa, gelangen. Die Entlastungsversuche der 6. Russenarmee, die am Unterlauf des Sereth bei der Buzeumündung und gegen die Gruppe Rimnic (deutsche 109. und k.u.k. 92. ID.) Gas abschoß sowie an der Donau die bulgarische Armee Sawoff weiter beunruhigte (S. 373), verfehlten den angestrebten Zweck; GFM. Mackensen ließ sich dadurch nicht verleiten, das Gewicht seines Nordflügels zu mindern.
GdI. Gerok war über den Rückzug der Rumänen aus dem Soveja-gebiet keineswegs überrascht. Schon im Lauf der letzten Tage hatten vorfühlende Stoßtrupps der 218. ID. wahrgenommen, daß sich die Gegenwirkung der feindlichen Artillerie verringere. Die 218. ID., GM. Nostitz, und die 37. HID., GM. Háber, wurden daher angewiesen, auf den offenbar bevorstehenden Rückzug des Feindes gut zu achten. Sie vermochten auch am 14. August den Rumänen unmittelbar zu folgen. Die Deutschen erreichten, Nachhuten des Feindes verjagend, abends Soveja. Die 37. HID. trat aus ihren Gebirgsstellungen gleichfalls den Vormarsch an. Die l.KD. rückte über den Mt. Sboina Neagrä, die 74. HIBrig. gegen den Mt. Rěsboiului vor. Ein Versuch der 8. GbBrig., einen nördlich der Mgr. Casinului liegenden Gipfel zu nehmen, mißglückte jedoch; dadurch war erwiesen, daß der Feind nicht gewillt war, auch nördlich des Casinutales zurückzugehen.
Beim VIII. Korps herrschte nach den schweren Kampfestagen verhältnismäßig Ruhe. Nur bei der 70. HID. mußte westlich der Höhe
!) Dabija, IV, 233 ff.
Ciresoaia ein kleiner Einbruch des Feindes mit Hilfe einiger Kompagnien der benachbarten 225. ID. wettgemacht werden.
Das rumänische Oberkommando erkannte klar, daß sich der nach Norden drückende Angriffskeil des Gegners zwischen die Armeen Grigorescu und Averescu hineinzubohren drohe. Die 1. Armee hatte daher „um jeden Preis“ den Weg nach Norden zu verrammeln und mit Hilfe der eintreffenden Verstärkungen (S. 373) und der bei der 2. Armee ausgeschiedenen 1. ID. (S. 383) einen Gegenschlag vorzubereiten; die erschütterten Verbände des VIII. Russenkorps waren durch Rumänen zu ersetzen. Die 2. Armee sollte ehestens die Lage am rechten Flügel wiederherstellen. Averescu schrieb dem IV. Korps eine tätige Abwehr vor und wies das II. Korps an, mit der Nahtreserve (S. 381) den russischen Nachbar (103. ID.) kräftig zu unterstützen.
Am 15. August säuberte das I. RKorps den Mündungswinkel zwischen Susita und Sereth vollends von den Rumänen, die den Verlust des Brückenkopfes von Bältäretu mit 3500 Gefangenen und 16 Geschützen bezahlten und ihre fast vernichtete 5. ID. zum Auf füllen abschieben mußten. Um den Deutschen das Nachdrängen zu vereiteln, sprengte jedoch der Feind die eiserne Bahn- und Straßenbrücke. Die Wiener Schützendivision rückte in den Kampfabschnitt vor Panciu ein und zog ihre bisher den deutschen Divisionen zugeteilten Batterien heran. Das Alpenkorps arbeitete sich nördlich der Susita gegen die Höhen von Munoelu vor; aber wo die Russen wankten, dort stemmten sich den Angreifern die nunmehr von beiden Armeeführern, Grigorescu und Averescu, ins Gefecht geworfenen Rumänen kräftig entgegen. Der Feind leistete auch in seiner alten Abwehrstellung Iresci—Racoasa der deutschen 217. ID. starken Widerstand.
Der Südteil der Gruppe Gerok setzte den Vormarsch mit der Aufgabe fort, die frühere Dauerstellung zu gewinnen. Rumänische Nachhuten suchten die Kolonnen aufzuhalten. Nachmittags entwickelten sich an der neuen Widerstandslinie des Feindes ernste Kämpfe. Die 12. Rumänendivision machte der deutschen 218. ID. nördlich von Soveja den D. Rachitasu mc. streitig. Als die Deutschen auch am folgenden Tage nicht durchdrangen, hauptsächlich, weil die schweren Batterien wegen der Brückenzerstörungen nicht nachgekommen waren, wurde die Bezwingung des Gipfels planmäßig vorbereitet. Von der 37. HID. entriß die 74. HIBrig. der rumänischen 8. ID. bis zum 16. August den Mt. Rěs-boiului; die weiter vorstrebenden Angreifer fanden aber sonst überall zähe Gegenwehr. Zudem wurden die Streitkräfte des GM. Háber durch die Abgabe der l.KD. geschwächt, die Erzherzog Joseph zum Freimachen der 31. ID. (XXI. Korps) forderte, um mit dieser die 7. Armee zu verstärken. Drei Regimenter der l.KD. schieden sofort aus der Front.
Die Teilerfolge, die von der deutschen 9. Armee am 14. errungen worden waren, und der Abzug der Rumänen aus dem Sovejabecken ermunterten den GdI. Eben, die Kriegshandlung weiterzuführen. Sie war so gedacht, daß das I. RKorps zunächst die Linie Märäsesti — Deocheti zu gewinnen hatte, während das XVIII. RKorps das Höhengelände bei Iresci und Muncelu nehmen und im weiteren Verlauf nach Nordwesten in der Richtung auf den Ort Pralea vorstoßen sollte, um der Gruppe Gerok das Erreichen des unteren Trotusu zu erleichtern. Dadurch hoffte man starke Kräfte der 9. Armee frei zu bekommen und mit diesen bei Nämoloasa in die Moldau einbrechen zu können (S. 370 und 382). Der Angriff, an dem bei Gerok das Korps Benigni teilzunehmen hatte, wurde vom Erzherzog Joseph und von Mackensen einvernehmlich für den 19. August festgesetzt. Bis dahin konnten beim I. RKorps die erwarteten schweren Batterien und beim öst.-ung. VIII. Korps die zugewiesenen Verstärkungen (deutsches IR. 157 der 117. ID. und das Bataillon II 373 der 225. ID., die alle der 218. ID. zugeteilt waren, sowie das Bataillon I HIR. 11 von der 39. HID. des VI. Korps) eingetroffen sein.
Auf Seite des Feindes hatte der rumänische Generalstabschef, Gen. Presan, am 15. August abends beim Führer der 1. Armee, Gen. Grigorescu, angefragt, wann er zum Gegenangriff schreiten werde. Für diesen Fall dürfe er auch auf die 1. ID. der 2. Armee (S. 385; rechnen. Presan gedachte, zuerst einen Gegenschlag auf dem Hauptkampfplatz bei Märäsesti zu führen, und wollte darnach Kräfte ins Ojtozgebiet verschieben. Grigorescu erklärte jedoch, vor den gewaltigen Anstrengungen des Gegners müsse er sich auf die Abwehr beschränken. Die Verteidiger seien sehr zusammengeschmolzen, die Reserven gering. Es wäre nicht ratsam, die letzten Verfügungstruppen zu einem Gegenangriff vorzeitig auszuspielen; denn der Gegner könne auch über die benachbarte 6. Russenarmee am unteren Sereth herfallen. Presan mußte seinem Armeeführer beipflichten und mahnte nur, auf die schwächste Stelle, auf den rechten Flügel, wo noch Teile des VIII. Russenkorps in der Front standen, besonders zu achten. Wenn die rumänischen Divisionen durch die Marschregimenter aufgefüllt würden, dürfe nicht vergessen werden, daß man dabei auf die letzte Menschenreserve des Landes greife. Gen. Grigorescu ließ bei den auf dem westlichen Sereth-ufer stehenden Rumänendivisionen für die nächsten Tage örtliche Vorstöße ausarbeiten. *Die frisch eingetroffene 15. ID. verteilte er hinter die beiden Flügel der Kampffront. Gen. Averescu bildete zur Unterstützung seines Nachbars hinter den Anschlußflügeln beider Armeen aus der halben 1. ID. und sonstigen Truppen eine Kraftgruppe; eine Brigade der 1. ID. zog er nach Onesci.
In Jassi, dem Sitz des Oberkommandos und der Regierung, war inzwischen die größte Besorgnis um die Zukunft des Landes gewichen, da es gelungen war, die Offensive der Mittelmächte bisher aufzuhalten. Man stellte das Abschieben von Staatsgütern nach Rußland ein ‘).
Vor der Wiederaufnahme des Angriffes gruppierte die deutsche
9. Armee ihre Kräfte um. Beim X VIII. RKorps schob GLt. Wenninger die 217. ID. zwischen die k. k. 13. SchD. und das Alpenkorps ein. Südlich der Susita wurde die abgekämpfte öst.-ung. 62. ID. durch deutsche Truppen des bisherigen Putnariegels ersetzt; die Gruppe Keller (S. 384) kam mit den von der 218. ID. des Abschnittes Gerok stammenden Bataillonen am 18. August wieder unter den zuständigen Befehlsverband. Das von der deutschen 1. ID. herangebrachte GrenR. 3 trat die Rückfahrt zur Armee Kövess an. Die 62. ID. wurde dazu bestimmt, in den nächsten Tagen auf dem rechten Flügel des Korps Morgen, anschließend an dessen Landsturmgruppe (S. 366), die deutsche 212. ID. bei Ciuslea aus dem Serethschutz zu lösen.
Bei der Gruppe Gerok wollte das Korps Benigni am 19. August vor allem die Höhe D. Cosna zurückerobern. Um aber die Aufmerksamkeit des Feindes von dort abzulenken und der 71. ID. zugleich eine günstigere Ausgangslage zu verschaffen, wurden beide Brigaden des FML. Goldbach am 16. zwischen Grozesci und der Glasfabrik zu einem Angriff mit beschränktem Ziele angesetzt. Es war der Waldrand östlich des Lesuntuluirückens und nördlich der Fabrik zu erreichen. Nach zweistündigem Artilleriefeuer durchbrachen die Angreifer den Feind und warfen die 6. Rumänendivision und die 2. Cälärasibrigade zurück. Die angestrebte Linie war um 9 h vorm. gewonnen und wurde voll behauptet, obwohl die Rumänen mit zusammengerafften Kräften wiederholte Gegenstöße versuchten. Der Erfolg, an dem das HIR. 15 sowie vom Fußregiment der 8. KD. die Schwadronen des DR. 14 2) und des UR. 12
J) Dabija, IV, Märäsesti (Manuskript) und 247. K i r i t z e s c o, 339. — Winogradsky, 372.
2) Foerster-Seyffertitz, Geschichte des k.u.k. Dragonerregimentes Fürst zu Windischgraetz Nr. 14 im Weltkriege 1914 1918 Wien 1922 , 285 ff.
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namhaften Anteil hatten, drückte sich in 1600 Gefangenen aus, die neun verschiedenen Regimentern und Marschtruppen dreier Divisionen angehörten; ein Zeichen, daß der Feind die bereits eine Woche währenden Abwehrkämpfe nur mit bunt zusammengewürfelten Streitern zu nähren vermochte.
Der Doppelangriff der Armee Eben and der Gruppe Gerok (19. bis 22. August)
Hiezu Skizze 4 der Beilage 18
Am 19. August griff das I. RKorps der Armee Eben mit drei Divisionen die Frontstrecke Märäsesti—Deocheti an. Nachmittags waren die gesteckten Ziele fast erreicht, da schritten die Reserven des V. Rumänenkorps gegen die geschwächten Stürmer zum Gegenstoß. Die 12. bayr. ID. wurde durchbrochen, und dadurch die Flanke der links angrenzenden 115. ID. bedroht; die Deutschen waren genötigt, in die Ausgangsstellung zurückzuweichen. Vom XVIII. RKorps hatte sich die 13. SchD., FML. Kaiser, der vorgehenden 115. ID. in der Richtung auf Deocheti angeschlossen und war auf Teile der rumänischen 10. ID. gestoßen. In dem mit Weingärten und Maisfeldern bedeckten Hügelgelände entspann sich ein schwerer Kampf. Schließlich glitten die beiden Schützenregimenter 1 und 24, die an die 1000 Mann einbüßten, in die am Morgen innegehabten Gräben zurück1). Das Ergebnis des Tages war ein Mißerfolg; nur der von der 76. RD. eroberte Bahnhof von Märäsesti konnte behauptet werden.
Etwas besser schnitt die Gruppe Gerok ab. Den durch vier deutsche Bataillone (S. 386) verstärkten Sturmblock des Korps Benigni bildeten die 71. und die deutsche 117. Division. Beide hatten nach Osten, u.zw. FML. Goldbach in der Richtung auf Piscu Purgarepj 453 und GM. Seydel über D. Cosna auf D. Buhociu -<>-413 vorzudringen. Die 70. HID., zu der inzwischen das Bataillon I HIR. 11 getreten und überdies die zwei Bataillone des HIR. 313 von der 117. ID. zurückgekehrt waren, hatte die Nordflanke des Hauptangriffes zu sichern. Hiezu sollte FML. Sorsich die Platte nördlich vom Vrf. Ciresoaia und die schon einmal, am 11. August, erreichte Höhe nördlich des unteren Slänicbaches in Besitz nehmen. Da die verfügbare Artillerie, vor allem die dem VIII. Korpskmdo. unmittelbar unterstehenden schweren Batterien, nicht aus-
1 Sichelstiel, Geschichte des k. k. Schiitzenregimentes Wien Nr. 24 (Wien 1928,, 141 ff.
reichten, um allen drei Divisionen gleichzeitig die Wege zu ebnen, hatten am Morgen zuerst die beiden Flügelabschnitte, Goldbach und Sorsich, vorzubrechen. Sobald dann Batterien frei wurden, um beim Sturmreifschießen gegen die Cosna mitzuwirken, sollte mittags die 117. ID. den Doppelgipfel angehen.
Als nächstes Ziel trachtete die 71. ID., die Höhe D. Mälaiului -<J>- 493 zu gewinnen. Die inneren Flügel beider Brigaden durchbrachen vormittags die Vorstellung des Feindes, kamen aber vor seiner Hauptlinie zum Stehen, als die schweren Batterien ihr Feuer von hier abwandten und vor die 117. ID. verlegten. Diese entriß nach der Mittagsstunde den Rumänen die ganze Cosnastellung *) und schob auch den rechten Flügel nördlich von Grozesci vor. Der wuchtige Anprall hatte die rumänische l.KD. arg erschüttert; ihre Abwehrkraft drohte zu erlahmen. Als erste Hilfe zog Gen. Averescu die 2. Cälärasibrigade von der benachbarten 6. ID. herüber imd sandte aus Onesci einige Bataillone zu, so daß den Deutschen Einhalt geboten werden konnte2). Nachmittags nahm die 71. ID. den unterbrochenen Angriff nochmals auf. Sie vermochte aber vor der zähen Gegenwehr der Rumänen, die auf Kraftwagen Grenzerbataillone herangefahren hatten, keinen nennenswerten Fortschritt zu erzielen. Bei der 70. HID. gestaltete sich der Kampf tagsüber recht wechselvoll. Das Endergebnis war, daß im Anschluß an die 117. ID. die Fronteinbuchtung zwischen dem Ort Slänic und dem Vrf. Ciresoaia ausgeglichen und auf dem Gipfel selbst die Stellung verbessert wurde. Der beim Kampf um den Berg vorübergehend bedrängten 207. HIBrig. war der linke Flügel der 20. KBrig. mit dem DR. 12 zu Hilfe gekommen und hatte die ins Stocken geratene Angriffsbewegung wieder in Fluß gebracht.
Südlich des Casinutales hatte sich die 37. HID. vergeblich bemüht, eine am Vortag nördlich des Mt. Rěsboiului verlorene Höhe zurückzunehmen. Ihre Stoßtrupps fanden auch an anderen Stellen überall stark besetzte Linien.
Solcherart war das Korps Benigni wieder in den Besitz des Cosna-stockes gelangt und konnte von hier aus das Tal des Trotuęu dauernd bedrohen; es war aber nicht geglückt, die Front des Feindes aufzureißen. Am nächsten Tag sollte FML. Goldbach den Angriff in der Richtung auf Mon. Casin fortsetzen und GM. Seydel die östlichen Ausläufer des Co^narückens gewinnen.
S p r o e s s e r, 211 ff.
2) Dabija, IV, 259 ff.
Die deutsche 9. Armee mußte sich vorerst damit begnügen, bei den beiden Angriffskorps die Verbände zu ordnen. Die Führung war aber trotz des am 19. erfolgten Rückschlages entschlossen, die Kriegshandlung weiterzuführen. Der russischen 6. Armee traute GFM. Mackensen, obwohl sie seit einer Woche den Bulgaren und Türken stärker zusetzte und obgleich die deutsche 109. ID. im Abschnitt Rimnic gerade einen Einbruch wettmachen mußte, doch keine ernsten Angriffsabsichten zu. Aus dem äußerst hartnäckigen Widerstand und aus der Kräfteanhäufung des Feindes vor dem Nordflügel der Armee Eben war zu schließen, daß der Stoß des XVIII. RKorps den Feind an einer empfindlichen Stelle getroffen hatte. Hs wurde daher der Plan festgehalten, nach der erforderlichen Neugliederung der Stoßkräfte und nach dem Einsatz der mittlerweile eingelangten schweren Batterien mit dem I. RKorps mindestens Märäsesti zu nehmen und mit dem XVIII. RKorps in die Linie Movi-lita—Muncelu zu gelangen und hiedurch eine Bedrohung des im Gebirge stehenden II. Rumänenkorps wenigstens anzubahnen. Die Kriegshandlung mit diesen eingeschränkten Zielen fortzusetzen, erachtete GFM. Mackensen auch deshalb für notwendig, damit der Feind nicht etwa glaube, durch seinen örtlichen Erfolg die Entschlußfassung der Deutschen entscheidend beeinflußt zu haben. Ein Hinaustragen der Offensive über den bezeichneten Abschnitt hing davon ab, ob die DOHL. die von Mackensen erbetenen Verstärkungen zuzuweisen vermochte.
Am 20. August begann beim Korps Morgen die Umgruppierung. Die unterstellte öst.-ung. 62. ID., FML. Brunswik, übernahm den zugewiesenen Serethabschnitt östlich von Fäurei (S. 387). Der Feind verhielt sich, abgesehen von Kanonaden, auffallend untätig. Auch er wechselte Truppen aus und ersetzte am rechten Flügel des VIII. Russenkorps die hergenommene 103. durch die frische 124. Division. Die Transamurreiter marschierten nach Norden ab. Die vom rumänischen Hauptquartier aus dem Ausbildungslager herangebrachte 11. ID. war um Tecuciu eingetroffen und schob Teile hinter den von Kavallerie besetzten, festhaltenden Ostflügel der 1. Rumänenarmee. Dem hier befehligenden Führer schärfte Gen. Grigorescu besonders ein, darauf zu achten, ob etwa Vorbereitungen der Deutschen für einen Serethübergang zwischen Rädulesti und Liesci zu erkennen wären.
Bei der Gruppe Gerok wurde bis zum 22. August heftig gekämpft. Nördlich von Soveja brachte die deutsche 218. ID., GM. Nostitz, am 20. die das Susitatal beherrschende Höhe D. Rachitasu mc. (S. 385) in ihre Gewalt und behauptete sich hier sowie an der Talsperre im Nahkampf gegen alle Anstürme der Rumänen. Südlich des Ojtoztales wollte der Feind der 71. ID. den Raumgewinn des Vortages streitig machen, er kam aber gegen die Verteidiger nicht auf. Zur Rückeroberung der Cosna hatte Gen. Averescu. aus den bei Onesci noch verfügbaren Reserven, Teilen der 1. ID. und der Grenzerbrigade, eine Stoßgruppe zusammengerafft. Tiefgegliederte Stürmerreihen berannten am 20. und 21., keine Verluste scheuend, die Höhenstellungen der Division Seydel, zerschellten jedoch an der unbeugsamen Abwehr.
Letzter Vorstoß der Armee Eben und Abbruch der Offensive (22. August bis Anfang September)
Am 22. August ging dem GFM. Mackensen von der DOHL. die bedeutsame Weisung zu, der Offensive „vorläufig“ ein Ziel zu setzen, denn wegen der schweren Kämpfe auf dem westlichen Kriegsschauplatz und wegen der ungünstigen Ersatzlage in der Heimat könne der starke Kräfteverbrauch der 9. Armee in absehbarer Zeit nicht behoben werden. Auf die Eroberung von Märäsesti sei zu verzichten, da der Besitz des Ortes weder eine Lebensfrage noch eine Ersparnis an Truppen bedeute. Nur Muncelu und die Vorberge nördlich davon seien zur Beherrschung der Straße nach Racoasa noch zu gewinnen. Für diesen Angriff möge man alles zusammenfassen, was an Infanterie und Artillerie verfügbar werde. Sollten die Rumänen dann, der beiderseitigen Gefährdung durch die Armee Eben und durch die Gruppe Gerok nachgebend, das Bergland räumen, so behalte sich die DOHL. den Entscheid vor, ob der Druck den Gebirgsfuß entlang fortzusetzen oder ob die Kriegshandlung endgültig abzuschließen sein werde.
Das 1. Armeekmdo. hatte schon vorher erwogen, wie mit eigenen Mitteln die Gruppe Gerok zu verstärken wäre, um ihren Angriff im Einklang mit der 9. Armee weiter in Fluß zu erhalten. Als nächste Aushilfe wurden daher dem VIII. Korps, da die Regimenter 82 und bh. 5 sowie das zur 31. ID. gehörende Bataillon 1/69 sehr zusammengeschmolzen waren, für die 71. ID. das k.u. LstlR. 17 der 16. LstlBrig. und das von der Heeresgruppe Linsingen eingetroffene Bataillon III/76 zugewiesen. Das zu gleicher Zeit eingelangte Bataillon 11/101 wurde der Gruppe Lipośćak überlassen, um ihr das Auslösen bei der 16. LstlBrig.
1) Die Bataillone III76 und 11/101 waren bei der Heeresgruppe Linsingen von der 20. HID., die für die Isonzofront bestimmt wurde, abgezweigt worden.
zu erleichtern. Der Kraftzuwachs von 2000 Gewehren, den die Gruppe Gerok erhielt, erschien ausreichend, den Angriff von der Glasfabrik in der Richtung auf Mon. Caęin vorzutragen. Als Mackensen dem Erzherzog Joseph am 23. August mitteilte, daß der Nordflügel der 9. Armee voraussichtlich am 28. über Muncelu vorstoßen werde, wurde Gerok beordert, gleichfalls für diesen Tag angriffsbereit zu sein. Gerok schrieb der 117. ID. als nächstes Ziel eine Anhöhe knapp nördlich von Grozesci vor, die den rumänischen Artilleriebeobachtern Einblick in die Talenge bis Heresträu bot; die 71. ID. sollte den Malaiuluirücken bezwingen. Von einer ausgiebigeren Verstärkung der Infanterie versprach sich Gerok einen wirksameren Erfolg — tief in den Feind hinein.
Jedoch schon am 24. August drahtete die DOHL. an Mackensen und an den Generalstabschef der Heeresfront Erzherzog Joseph, GM. Seeckt, daß die Lage am Isonzo das Einstellen der Kampftätigkeit und das Freimachen des Alpenkorps bedingen werde. Auch die 117. ID. und das württembergische Gebirgsbataillon wären aus der Front zu ziehen. Die DOHL. ersuchte zugleich, den Verlauf der gewählten Dauerstellung mitzuteilen, hielt aber an dem für den 28. geplanten Angriff noch fest. GM. Seeckt bezeichnete als Verteidigungslinie der Gruppe Gerok im allgemeinen die bereits erreichte Front. Diese war nur zwischen dem Curita- und dem Ojtoztal noch etwas vorzuverlegen, was mit dem Angriffsplan des VIII. Korps übereinstimmte. Im Sinne der von der DOHL. eingelangten Weisungen befahl das Heeresfrontkommando am 25. August dem 1. Armeekmdo., nach beendigter Offensive die Württemberger in Reserve zu stellen und den Ersatz der 117. ID. durch die 39. HID. ins Auge zu fassen. Erzherzog Joseph beabsichtigte, die 117. ID. der
7. Armee zuzuführen, vor der die Russen in der nördlichen Moldau starke Kräfte sammelten. Schließlich wollte das Heeresfrontkommando noch die 37. HID. gegen die 51. oder die 74. HID. der 7. Armee austauschen.
Aber diese Pläne sollten nicht mehr verwirklicht werden. Die öst.-ung. Heeresleitung mußte ihre ganze Obsorge der schwer gefährdeten Isonzofront zuwenden; Unternehmungen im Osten, die nur ein Glätten der Front bedeuteten, mußten zurücktreten. Am 25. August ersuchte Gdl.Arz die DOHL., ihm die halbe 13.SchD. für den südwestlichen Kriegsschauplatz zu überlassen. Tags darauf drahtete der Generalstabschef dem Erzherzog Joseph, dem von der Armee Eben für den 28. geplanten Vorstoß auf Muncelu komme nur örtlicher Wert zu; daher sei der gleichzeitige Angriff der Gruppe Gerok zu unterlassen. Der
Heeresfront war dieser Auftrag nicht unerwünscht, denn sie sah darin eine Möglichkeit, die 117. ID. bald zur 7. Armee zu bringen. Die 1. Armee wurde sogleich verhalten, die erreichten Linien zur Dauerstellung auszugestalten. Nur kleine Frontverbesserungen seien noch zulässig. GO. Rohr veranlaßte, daß die 117. ID. samt dem württembergischen Ge-birgsbataillon abgelöst wurde. Ihren Abschnitt sowie jenen der 70. HID., die nicht mehr kampfkräftig zu sein schien, hatte die benachbarte deutsche 225. ID., GM. Woyna, zu übernehmen. Ihr wurden zwei ihrer Bataillone, die seit den Julitagen noch bei der 218. ID. (Gruppe Keller) standen, zurückgegeben und überdies die bayr. 15. RIBrig. unterstellt. Dafür sollte Gerok das Bataillon I/HIR. 11 und das k. u. LstlR. 17 dem
VI. Korps überweisen, das im Tausch für die 225. ID. die 70. HID. erhielt. Die Fußregimenter der 7. KD. nebst dem deutschen LstlR. 36 hatten zur 218. ID. abzugehen, um den nur schwach besetzten Südflügel zu verstärken. Durch diese vielfachen TruppenVerschiebungen, die naturgemäß einige Zeit beanspruchten, wurde auch das sehr notwendige Ordnen der arg vermengten Divisionsverbände angebahnt. Nur die 37. HID. blieb geteilt. Am 27. erhielt das Heeresfrontkommando die Weisung, die 117. ID. für eine Verwendung auf einem anderen Kriegsschauplatz bereitzustellen. Bis zur Abfahrt war sie hinter der Front Geroks aufzufrischen und für die künftige Aufgabe zu schulen.
Am 28. August gelang es dem rechten Flügel der 117. ID., knapp vor ihrer Ablösung, noch die kleine Rückfallskuppe nördlich von Gro-zesci (S. 392) zu nehmen. Südlich des Ortes holten sich zu gleicher Zeit Sturmtrupps des bh. IR. 5 aus einem rumänischen Stellungsteil einige Dutzend Gefangene. Bei der deutschen 9. Armee begann planmäßig der letzte Vorstoß. Der Führer des XVIII. RKorps, GLt. Wenninger, griff mit dem Alpenkorps und mit der links davon neben dem Südflügel Geroks eingesetzten 216. ID. auf Muncelu und Iresci an. Die Wiener Schützendivision und die 115. ID. deckten die rechte Flanke des Stoßkeiles. Der neu entfachte Kampf brannte durch einige Tage weiter, da sowohl die rumänische 1. Armee wie der Anschlußteil der Armee Averescu kräftige Gegenschläge führten. Das rumänische Oberkommando wollte die Front um keinen Preis zerreißen lassen1). Das Unternehmen brachte den deutschen Angreifern auf den Höhenzügen östlich der genannten Orte einen mäßigen Geländegewinn und über 1500 Gefangene ein, übte aber auf den Feind nicht die erwünschte, weiterreichende Wirkung aus. Die halbe Schützendivision FML. Kaiser war, während
') D a b i j a, IV. Märäsesti Manuskript) und 282 ff. K i r i t z e s c o. 360 ff.
ihre Nachbarn zur linken heftig fochten, nach und nach aus der Front gezogen worden; bereits am 30. August rollten die ersten Truppenzüge an die Südwestfront ab. Das KJB. Südtirol war auf Geheiß der öst.-ung. Heeresleitung für die k.u.k. 92. ID. zurückzulassen. Im Tausch 'für das k. u. LstIR. 1 erhielt diese Division noch das k. k. LstlBaon. 44 der 53. ID., die jetzt aus Wolhynien ebenfalls an den Isonzo abbefördert wurde. Schon vorher war der 92. ID., die nur über einzelne zugeteilte Batterien verfügt hatte, die von der öst.-ung. 10. Armee zugeführte, bisherige 94. RFABrig. eingegliedert worden.
Am 3. September befahl GdI. Eben dem I. und dem XVIII. RKorps, die Angriffe einzustellen und die eroberten Linien für dauerndes Festhalten auszubauen. An demselben Tage erließ auch der rumänische Armeeführer, Gen. Grigorescu, einen Befehl gleichen Inhalts. Die fast einen Monat währende, blutige Doppelschlacht bei Bocsani und im Ojtoz-gebiet erlosch. Die Idee der DOHL, über den Sereth in die Moldau einzufallen, war am Widerstand der Rumänen gescheitert. Diese konnten als Endergebnis den Erfolg buchen, mit der „Abwehrschlacht bei Märäsesti“ den Mittelmächten den Weg zur völligen Niederwerfung und Eroberung des Landes verrammelt zu haben ’).
\'orstoßversuche aus der B u k o w i n a während des Monats August
Hiezu Beilage 17
Kämpfe der Armee Kövess und Pläne der Führung
Am 6. August hatte Kaiser Karl das von der Russennot befreite Czernowitz aufgesucht und den Führer der öst.-ung. 7. Armee, GO. Kövess, zum Feldmarschall ernannt. Der Armee Kövess war nach der Zurückeroberung der Bukowina (S. 323 ff.) eine neue Aufgabe gestellt. Sie sollte im Zusammenhang mit den Operationen Mackensens in die obere Moldau eindringen (S. 362). Auf dem linken Armeeflügel trat nach mannigfachen Verzögerungen die Gruppe Fabini (30., 34. und 5.ID.) am 9. August zum Angriff an, um zunächst die stark besetzte Russenfront zwischen Oprischeny und Mamornitza einzustoßen (S. 328 f.). Die knappen Geschoßvorräte der Batterien beeinträchtigten die Feuervor-Kiritzesco. 370 ff.
bereitung. So vermochte denn auch der Feind (russisches XI. Korps und Teile des XXIII.) durch seine zahlreichen Geschütze und Maschinengewehre dem Nordflügel der Gruppe Fabini den Durchbruch zu verwehren. Bei Terescheny schien aber der Vorstoß geglückt; hier wichen die Russen zurück. Die 30. ID., FML. Jesser, verfolgte den fliehenden Feind kraftvoll bis über Preworokie. Nun brachen aber starke Reserven der Russen zum Gegenstoß vor und drängten die 30. ID. nach erbittertem Kampfe wieder zurück. Das ganze XVII. Korps mußte schließlich unter dem heftigen Druck der Russen in seine Ausgangsstellungen zurückgenommen werden. Die Verluste des ergebnislosen Angriffes betrugen an Toten, Verwundeten und Vermißten mehr als 3500 Streiter. Davon entfiel etwa die Hälfte auf die 30. Division.
GLt. Conta hatte bereits am 5. August drei Bataillone der 200. ID. neben dem rechten Flügel des XVII. Korps angreifen lassen; diese Gruppe war jedoch zu schwach, um den Divisionen Fabinis vorwärtszuhelfen, und blieb vor den, von den Russen stark besetzten Orten Oprischeny und Tereblestie liegen. Als nun am 9. August die 30. ID. vor den vordringenden Russen zurückweichen mußte, sandte GLt. Conta alle Truppen der 200. ID. in den Raum westlich von Oprischeny, um sie bei einem neuerlichen Ansturme des Feindes zum Gegenstoß einsetzen zu können.
Auf dem Südflügel des Karpathenkorps rang die deutsche 1. ID. unterdessen vergeblich um den Brückenkopf, der die Stadt Sereth im Westen umgab. Vom XXVI. Korps nahm die 59. ID., FML. Pichler, am 9. August nach hartem, langandauerndem Kampfe die Höhen zwischen Solka und Glitt und drang tags darauf bis Arbora und Burla vor (S. 329). Die 40. HID., FML. Nagy, verhinderte bei Hadikfalva Vorstöße der Russen über die Suczawa. FML. Horsetzky wollte sich nun der Höhe Ciota südöstlich von Burla bemächtigen, um sodann mit der Hauptkraft seines Korps zunächst auf Kalafindestie (östlich von Hadikfalva) und später zwischen den Flüssen Sereth und Suczawa in südöstlicher Richtung auf Hantesti und gegen die Stadt Suczawa vorzudringen. Durch einen am 10. August erlassenen Armeebefehl wurde der Korpsführer angewiesen, starke Reserven hinter seinem linken Flügel zu bilden. Der beabsichtigte Angriff auf die Höhe Ciota sollte jedoch nur dann ausgeführt werden, wenn er Erfolg versprechen würde. Falls sich der Feind jedoch gegenüber dem XXVI. Korps schwächte, war sofort anzugreifen. Denn die Hauptaufgabe des FML. Horsetzky blieb, der Gruppe Krauss das schwierige Vorgehen aus dem Gebirge zu erleichtern.
Auf dem linken Flügel dieser Gruppe hatte die ll.HKD., GM. Jóny, dem Feinde am 8. August die Höhe Bobeiea südwestlich von Solka entrissen. Die Kavalleriegruppe FML. Schwer (5. HKD. und 6. KD.) nahm noch die Höhen östlich von Warna und die Mgr. bätrina *). Schon am 9. mußte aber ein eroberter Stützpunkt südlich der Mgr. bätrina dem Feinde wieder überlassen werden. Die ll.HKD. kämpfte an diesem Tage noch uni den Bergrücken Stermnina nördlich von Warna. Dreimal fiel liier der Russe am 11. abends — allerdings ohne Erfolg — die Fußabteilungen der Honvédhusaren an. Am 12. erwehrte sich auch der Südflügel der 59. ID. bei Solka eines feindlichen Vorstoßes.
Im Bereiche des öst.-ung. XI. Korps erzielte der Nordflügel der 51. HID., GM. Benke, östlich von Mädeiu am 8. August noch geringen Raumgewinn. Tags darauf erstritt sich die 74. HID., GM. Grallert, nach erbittertem Kampfe einen russischen Stützpunkt nördlich des Mt. Mäzanaiu und schlug im Tale nördlich der Höhe Hrebin angreifende Russen ab. Bei der benachbarten 1. Armee, GO. Rohr, hatte die 3. KD., anschließend an die 51. HID., am 6. August das HR. 8 gegen Borca (im Bistritztal) vorgetrieben. Ebenso konnte auch die 15. ID., GM. Aust, nordöstlich von Bélbor während der nächsten Tage, von den übrigen Regimentern der 3. KD. unterstützt, ihre Höhenstellungen auf rumänischen Boden etwas vortragen. In der Linie Mt. Stejaru—Mt. Grien-tiesul mr. und auf dem vom Mt. Stege zum Tölgyespaß streichenden Grenzrücken begegneten jedoch die inneren Flügel der beiden öst.-ung. Armeen entschlossenem Widerstand der Russen. Mitte August änderte das XXI. Korpskmdo. in diesem Gebiet die Frontbesetzung, indem es die 15. ID. auf dem Nordflügel beließ und rechts daneben die 3. KD. beiderseits des Tölgyespasses einsetzte. Südlich davon hatte die von der Gruppe Gerok herangeholte l.KD. die 31.ID. freizumachen (S. 386).
Inzwischen war bei der k.u.k. 7. Armee wegen der schon mehrfach hervorgehobenen Schwierigkeiten der Versorgung (S. 336) und wegen des wachsenden Widerstandes der Russen ein Stillstand in den Kampfhandlungen eingetreten. GM. Seeckt berichtete am 9. August auch der DOHL., daß man den Angriff bis über den Sereth hinaus wegen des unzureichenden Nachschubes nicht werde weiterführen können. Der Bahnbetrieb über Kalusz bis Stanislau werde erst am 16. August aufgenommen werden und dessen Weiterführung bis Czernowitz sei noch
*j In den Kämpfen der 6. KD. bei Warna erwarb sich Quirin Freih. Duval de Dampierre, Obst. und Kommandant des DR. 11, das Ritterkreuz des MilitärMaria Theresien-Ordens.
nicht abzusehen. GM. Seeckt bat daher bei der DOHL. um den Zuschub von Kraftwagenkolonnen.
Die öst.-ung. Heeresleitung hatte indessen das Heeresfrontkommando Erzherzog Joseph am 9. August neuerlich angewiesen, den schwerringenden Nordflügel der 7. Armee durch das Karpathenkorps zu verstärken, um zwischen Pruth und Sereth einen durchschlagenden Erfolg zu erzwingen. Demgegenüber hielt es GO. Erzherzog Joseph' für nötig, die auf das nördliche Serethufer abgezweigten Kräfte (200. ID.) alsbald wieder freizumachen, um mit dem Karpathenkorps den Druck südlich des Flusses fortsetzen zu können. Man hoffte, daß sich dadurch auch die Russenfront vor der Gruppe Krauss lockern werde. Da aber zu besorgen war, daß das XVII. Korps einem neuerlichen Ansturm der Russen erliegen werde, falls der Feind den Pruth entlang vorstoße, ging nach Baden die dringende Bitte, dem Nordflügel der 7. Armee Verstärkungen zuzuführen. Dadurch sollte die Sicherheit von Czernowitz gewährleistet und auch die Wiederaufnahme des Angriffs ermöglicht werden.
GdI. Arz antwortete am 12. August dem Erzherzog Joseph, die Kriegslage gestatte es nicht, an die 7. Armee die erbetenen frischen Kräfte abzugeben. Nun legte GM. Seeckt in einem nach Baden abgesandten Telegramm seine Auffassung dar, daß durch den Einsatz der allerdings nur zwei Regimenter zählenden deutschen 1. ID. wohl der linke Flügel der 7. Armee, das Korps Fabini, entlastet würde. Es müßte aber dann dem XXVI. Korps ein Raum von über 40 km Frontbreite überwiesen werden, denn die schwache Gruppe Krauss vertrage keine Dehnung nach Norden. Gegenüber dem XXVI. Korps befanden sich — falls es auch den Frontabschnitt der deutschen 1. ID. übernahm — fünf Russendivisionen, die noch durch das bei Folticeni eintreffende XXXX. Korps (S. 361) verstärkt werden konnten. Die vom rumänischen König zum Schutz seines nördlichen Landesteiles eingeleiteten Maßnahmen (S. 361) wurden allmählich fühlbar. Auch mit dem Einsatz des bei Doro-hoiu festgestellten II. Kavalleriekorps mußte gerechnet werden. Es war daher verständlich, wenn GM. Seeckt darauf hinwies, daß das Korps Horsetzky kaum imstande wäre, einem Angriff dieser starken feindlichen Kräfte standzuhalten. Er meldete der öst.-ung. Heeresleitung, die deutsche 1. ID. könne erst auf das Nordufer des Sereth verlegt werden, bis die Wehrstellungen des XXVI. Korps besser ausgestaltet sein würden.
GdI. Ludendorff hatte unterdessen am 10. August den Erzherzog
Joseph ersucht, von weiteren Angriffen der Korps Fabini und Conta vorläufig abzusehen und sich mit der Verteidigung des gewonnenen Gebietes zu bescheiden. Denn die DOHL. hatte sich an der langen, quer durch Europa laufenden Ostfront, hoch oben im Norden, einem neuen Ziele zugewandt, um den Russen einen besonders fühlbaren Schlag zu versetzen. Bereits am 4. August war an die deutsche 8. Armee der Befehl ergangen, einen Dünaübergang und die Einnahme von Riga vorzubereiten. Von dieser Stoßrichtung, aus der die Russen eine Bedrohung von Petersburg herauslesen konnten, versprach sich Ludendorff einen besonders großen Erfolg. Daher wurden dieser Kriegshandlung verfügbare deutsche Kräfte in erster Linie dienstbar gemacht (S. 335 f.). Mittlerweile sollten südlich vom Dniester zunächst die Bahnen ausgebaut werden. Nach dem Schlag auf Riga gedachte Ludendorff die dort freigewordenen Truppen wieder nach Süden zu fahren und die Eroberung der Moldau fortzusetzen l).
Das Heeresfrontkommando Erzherzog Joseph hielt hingegen trotz aller Hemmnisse an der Absicht fest, in der Bukowina weiter nach Osten zu drücken. Noch war der östliche Landeszipfel in Feindeshand. Der Erzherzog beschloß, die 31. ID. des XXI. Korps aus Siebenbürgen (S. 396) an den Nordflügel der 7. Armee heranzuziehen, um den steckengebliebenen Angriff wieder in Gang zu bringen. Dorthin sollte auch das GrenR. 3 der deutschen 1. ID. gelangen, sobald es von der deutschen 9. Armee zurückgekehrt sein werde (S.387). GM.Seeckt regte überdies bei der DOHL. an, durch deutsche Eisenbahntruppen die Arbeitskräfte hinter der Front zu vermehren, damit die zerstörte Strecke nach Czernowitz rascher betriebsfähig werde. Durch örtliche Unternehmen hatte sich die Armee Kövess eine günstigere Ausgangslage für die künftige allgemeine Vorrückung zu schaffen. Nach einem von der öst.-ung. Heeresleitung genehmigten Antrag des Erzherzogs Joseph übernahm GdI. Krauss am 16. August den Befehl über den Nordflügel der 7. Armee (XVII. Korps und Karpathenkorps), während die bisher von diesem General geführte Südgruppe (XI. Korps, Kavalleriegruppe Schwer, 11. HKD.) dem Korpskommandanten, FML. Habermann, übergeben wurde.
In der zweiten Hälfte des Monats August loderten bei der 7. Armee an einigen Stellen lebhaftere Gefechte auf, so auf dem nunmehr vom FML Gf. Herberstein befehligten linken Flügel (6. KD., 5. und 11. HKD.) der Gruppe I labermann und auch im Abschnitt der 59. ID. auf der Höhe Ciota. Diese Kämpfe zeitigten jedoch keine nennenswerten Ergebnisse.
1) Ludendorff, 379 ff.
GdI. Krauss bereitete unterdessen einen neuen Angriff auf die Russenfront zwischen den Flüssen Sereth und Pruth vor. Die Geschoßmengen der Artillerie gestatteten aber nicht, die schon von Natur aus starken, Czernowitz bedrohenden Stellungen der Russen mit einem Schlage zu nehmen. Deshalb sollte vorerst dem Feinde die beherrschende Höhe Czardaki nordöstlich von Terescheny entrissen werden.
Nur langsam flössen der Armee Kövess die in Aussicht gestellten Verstärkungen zu. Das GrenR. 3 (S. 398) traf erst gegen Ende August in Fratautz ein und wurde bei Hadikfalva in die Front zwischen der 40. HID. und der deutschen 1. ID. eingeschoben. Die k.u.k. 31. ID. rollte um diese Zeit über Körösmezö nach Zabłotów.
Am 25. August meldete GM. Seeckt der DOHL. die leitenden Ideen für den beabsichtigten großen Angriff in die obere Moldau. Der Hauptschlag sollte darnach aus der jetzigen Front des XVII. Korps in der Richtung auf Dorohoiu geführt werden. Das nächste Ziel war die Linie Herta—Mihäileni. Dann sollte der Stoß den Sereth entlang weitergeführt werden und dadurch die Russenfront vor der 7. Armee von Norden aufgerollt sowie auch dem XI. Korps der Weg nach Folticeni geöffnet werden. Für den Hauptangriff zwischen Sereth und Pruth waren vom Heeresfrontkommando die Divisionen 5, 34, 30 und 31, ferner die deutsche 200.ID. und die 117. der 1.Armee (S.392) ausersehen. GM.Seeckt richtete an die DOHL. das Ansuchen, noch vier deutsche Divisionen zur Verfügung zu stellen, da er ein Machtaufgebot von mindestens zehn Divisionen, darunter vier öst.-ung., für einen durchschlagenden Erfolg nötig erachtete. Die Offensive sollte erst beginnen, sobald die Bahnlinie bis Czernowitz wieder hergestellt wäre, was nicht vor Mitte September zu erwarten stand. Bis dahin hatte die 1. Armee 14 Batterien an die 7. Armee abzugeben.
Das Kommando der russischen Südwestfront hatte in der zweiten Augusthälfte seine Armeen neu gegliedert. Die etwa vor Monatsfrist von dem Südteil der 8. Armee abgespaltene 1. Armee (S. 304) wurde aufgelassen. Ihre Korps traten zumeist wieder zur 8. Armee zurück, so daß diese zusammen mit dem Nordflügel der 9. gegen die öst.-ung. Armeen Kövess und Křitek die Moldaugrenze deckte. Hinter dieser Front sammelten die Russen dauernd starke Kräfte an. Der Stab der
1. Armee übersiedelte nordwärts nach Dubno und übernahm von der übermäßig angeschwollenen 11. Armee den rechten Flügel (I. turk., XXXII., V. sib. Korps, VII. Kavalleriekorps).
Die Eroberung der Höbe Dołżok durch die 3. Armee [21. August'
Im Nachbarbereich der Heeresgruppe Böhm-Ermolli, bei der 3. Armee, waren die Tage seit dem 6. August unter gegenseitigen Kanonaden verlaufen. Am 10. August trug der Oberbefehlshaber Ost dem Armeeführer, GO. Křitek, die Wiedereroberung der Höhe Dołżok auf, die mit ihrer starken russischen Besatzung Czernowitz bedrohte. Für den Angriff wurde dem nunmehrigen Kommandanten des öst.-ung. XIII. Korps, GdI. Csanády, die Gruppe GLt. Sieger, bestehend aus der
8. bayr RD. und der 16. RD., überwiesen. Als Ersatz hiefür hatte das XIII. Korps die k.u.k. 36. ID. ohne Artillerie an die Gruppe Litzmann, jetzt Gruppe „Zastawna“ genannt, abzugeben.
Nach sorgfältiger Vorbereitung wurde der Angriff auf den Dołżok am 27. August ausgeführt. Das Unternehmen glückte vollkommen. Die
16. RD. und die 8. bayr. RD. durchbrachen unter der Führung des GLt. Sieger die starke Höhenstellung1). Die 16. RD. drehte nach der Eroberung des Dołżok nach rechts ein und rollte die russischen Linien nach Süden auf, wo sich nun auch die auf dem rechten Flügel des XIII. Korps stehende 42. HID., GM. Mihaljevic, dem Vorgehen anschloß. Als gegen Abend die 8. bayr. RD. links schwenkend nach Norden vorstieß, um noch eine Höhe nördlich vom Dołżok zu gewinnen, ging auch der Nordflügel des XIII. Korps, die 2. KD., GM. Abele, zum Angriff über. Schließlich war die Russenfront in einer Breite von über 5 km und bis zu einer Tiefe von 3 km eingedrückt; das für die Dauerstellung in Aussicht genommene Gelände war nunmehr fest in den Händen der Angreifer. 1000 Gefangene, sechs Geschütze und viel Kriegsgerät waren die Beute der Sieger. Der Feind hatte auch schwere, blutige Verluste erlitten, hingegen waren die Einbußen der Angreifer, dank der wohlüberlegten, ausgiebigen Vorarbeit durch Artillerie und Minenwerfer vergleichsweise gering.
Weiterhin verharrten die Armeen der Heeresgruppe Böhm-Ermolli gleich jenen Linsingens in starrer Abwehr. An der langen Front vom Dniester bis zum Pripiatj war von den Russen nach ihrer Niederlage in Ostgalizien, allem Ermessen nach, kaum mehr etwas zu besorgen.
1 j J a u d und W e e c h, 170 f. — Rot h. Das K. B. Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 23 'München 1927), 142 ff.
Beide Heeresleitungen der Mittelmächte zogen daher aus dieser zur Ruhe gekommenen Walstatt möglichst viel kampfkräftige Divisionen ab. Den im August vom Oberkommando Ost nach dem Norden abbeförderten deutschen Verbänden (S. 335 f.) folgten bis zum Monatsende noch die 20. und die 42. ID. sowie rund 20 schwere Batterien. Von der Heeresgruppe Linsingen ging das Generalkommando des deutschen
VI. Korps, das bisher im Abschnitt Luga den Südflügel der öst.-ung.
4. Armee geführt hatte, nach Kurland ab. Am Nordflügel der 4. Armee, nunmehr als Abschnitt Turya bezeichnet, wechselte das an die Westfront berufene Generalkommando des deutschen VIII. Korps am 30. August mit jenem des XII. RKorps. Aus der 2. Armee schied die öst.-ung. 19. ID. (S. 335) und aus dem Abschnitt Kowel (Generalkmdo. LV, GdK. Bernhardi) die 53. ID. für die Südwestfront.
Der Ausklang der Sommerschlachten im Osten
Die Endkämpfe der Heeresfront Erzherzog Joseph an der Moldaufront
(September 1917)
Hiezu Beilagen 17 und 18
Vorstoß der Armee Averescu gegen die Gruppe Gerok
Während bei der Heeresgruppe Mackensen nach dem Abbruch der Offensive (S. 394) im September der herkömmliche Stellungskrieg in seine Rechte trat, gab es bei der Heeresfront Erzherzog Joseph noch Kämpfe kleineren Ausmaßes. Besondere Beachtung verdienten die Veränderungen, die an der Russenfront zwischen dem Dafténatal und dem Dniester erkennbar wurden. In der letzten Augustwoche war die verbreiterte 8. Russenarmee mit dem rumänischen Oberkommando in Funkverkehr getreten. Aus dem Raum Dorohoiu—Suczawa meldeten sich das
XXIX. Korps, das von der 6. Russenarmee stammte, und das X. Korps, das von der russischen Westfront gekommen war; um Folticeni sam-melte^sich das aus dem Ojtozgebiet gelöste XXXX. Korps (S. 364). Der Stab der 9. Armee rückte nordwärts nach Botosani und pflanzte sich somit vor der Armee Kövess auf. In der Tat war zugleich mit der Umgliederung der russischen Südwestfront auch der Befehlsbereich der südlich angrenzenden Rumänischen Front neu geregelt worden. Für den Gen. Ragosa war, anschließend an die Armee Averescu, aus Teilen der bisherigen 9. Armee vom Dafténatal bis südlich der Moldawa eine neue 4. Armee gebildet worden (S. 372), die das XXIV., das XXXVI., das II. Korps und die Transamur-Grenzwachreiterdivision umfaßte. Der Vorstoß der Gruppe Gerok hatte zur Folge gehabt, daß auch das anfangs August zur ,,Manövrierarmee“ nach Norden verlegte
XXX. Korps (S. 362) wieder in den Raum Baeäu—Ocna gebracht wurde. Zur neuen 9. Armee, zwischen der Moldawa und dem Sereth, gehörten die Korps XXVI, XVIII, XXXX, XXIX und X; die drei letztgenannten und das VI. Kavalleriekorps waren frisch zugeführte Verstärkungen. Die nördlich davon stehende 8. Russenarmee wurde der Rumänischen Front zugeschlagen, so daß die Befehlsgewalt über die in sechs Armeen gegliederten Streitkräfte, die vom Schwarzen Meere bis zum Dniester rumänischen Boden beschirmten, nunmehr in der Hand des Königs Ferdinand vereinigt war. Diese Heeresmacht zählte am 4. September 70 Infanteriedivisionen sowie 12 Kavalleriedivisionen in der Front1). Die verbündeten Mittelmächte verfügten im gleichen Raum über 44 Infanterie- und 11 Kavalleriedivisionen.
Durch die Gegenoffensive der deutschen 9. Armee und der Gruppe Gerok war der rumänischen 2. Armee ihr im Juli erkämpfter Raumgewinn zum größten Teile wieder abgenommen und der Frontbogen im Sovejabeeken verkürzt worden. Gleichzeitig hatte das Korps Benigni gegen Ocna und Onesci Fortschritte gemacht und sich der das Ojtoz-und Släniegebiet beherrschenden Höhen bemächtigt. Damit war die Voraussetzung gegeben, bei entsprechendem Kräfteeinsatz gegen die Täler des Trotusu und Sereth vorzubrechen. Ersteres wurde vom Vrf. Cire-soaia und von der D. Co§na aus schon durch Artilleriefeuer bestrichen, ohne daß es jedoch gelungen wäre, den Bahnverkehr bei Ocna völlig zu unterbinden. Die vorverlegte Front des öst.-ung. VIII. Korps war aber auch länger geworden; der vorspringende Winkel lud den Feind zu umfassenden Angriffen ein. Die Gesamtlage am Südflügel der Armee Rohr hatte sich demnach gegenüber der Zeit vor der rumänischen Offensive nicht gebessert. Das Sorgenkind der Führung blieb nach wie vor der Abschnitt der deutschen 218. Division. Ihre Frontstrecke maß noch immer 26 km, die durch drei Regimenter nicht zu verteidigen waren. Deshalb war die Division durch die 7. KD. und durch das deutsche LstlR 36 verstärkt worden (S. 393). Dieses Regiment sollte in der zweiten ł) D a b i j a, IV, Märäsesti (Manuskript).
Septemberwoche durch die 8. KD., die bei der 71. ID. auszulösen war, ausgetauscht werden.
Die Schwäche der k.u.k. 1. Armee war auch dem rumänischen Oberkommando nicht entgangen. Man beschloß, mit der Armee Averescu noch einen Schlag zu führen. Der Angriffsraum sollte so gewählt werden, daß er nicht bloß einen örtlichen Erfolg, sondern nachher noch eine größere Wirkung verbürge. Als solche Stelle wurde die Höhe Ciresoaia ausersehen, mit deren Fall der ganze Bergzug nördlich des Slänictales in rumänische Hände gelangen mußte. Das zweite Ziel des Angriffs, das Cosnamassiv, konnte der Gegner sodann schwerlich noch behaupten1). Gen. Averescu hatte schon Ende August mit der benachbarten 4. Russenarmee ein gemeinsames Unternehmen gegen die Höhe Ciresoaia für die nächste Zeit vereinbart2). Nunmehr wurde der 9. Sep-ber zum Losschlagen bestimmt. Von Norden her wurden die 49. ID. des XXIV. Russenkorps und mehrere Sturmbataillone angesetzt, während der rechte Flügel des IV. Rumänenkorps mit der inzwischen hier vereinigten 1. ID. von Osten anzugreifen hatte. Artilleriefeuer an der Front bis zum Casinutal sowie Scheinangriffe zwischen D. Cosna und der Glasfabrik sollten den Gegner ablenken.
Den Nordflügel des Korps Benigni beschirmte vom Dafténatal bis zum Slänicbach die erst kürzlich in die Stellung eingerückte deutsche 225. ID., GM. Woyna (S. 393). Auf dem D. Cosna, der jetzt in den Bereich der 71. ID. fiel, lag das IR. 82. Die Regimenter der 8. KD. wurden eben abgelöst. Am 9. September früh leiteten die Rumänen in Gegenwart des Königs Ferdinand den Angriff mit einem dreistündigen Artilleriefeuer auf die Einbruchsstelle ein. Grozesci und Heresträu wurden mit Reizgas beschossen. GM. Woyna erkannte bald, daß ein ernster Angriff bevorstehe und zog sofort seine spärlichen Reserven heran. Das VIII. Korps-Kmdo. schob gleichfalls Kräfte zu und behielt auch die freiwerdenden Regimenter der 8. KD., die zur 218. ID. abgehen sollten, zurück.
Da die Bereitstellung der Angreifer früh bemerkt wurde, konnten die Verteidiger den Feind, noch bevor er zum Sturm antrat, durch zusammengefaßtes Artilleriefeuer erschüttern. Als dieser dann mit geringem Schwung gegen die Ciresoaia vorbrach, genügten Handgranaten und Maschinengewehre zur Abwehr. Die russischen Todesbataillone drangen vorübergehend in die Pravilastellung ein, waren aber bald zurückgeworfen. Neuerliche Angriffsversuche gegen die 225. ID. er-
x) Kiritzesco, 367 ff.
-) Dabija, IV, 279 ff., 298 ff.
stickten im Feuer der Deutschen. Die Cosnastellung wurde von den Rumänen heftig beschossen. Nachmittags berannten sie in mehreren Wellen die inneren Flügel der Regimenter 82 und bh. 5, um die kleine Kuppe nördlich von Grozesci wieder in Besitz zu bringen. Doch auch hier trotzten die Székler wie vorher auf der Mgr. Casinului allen Anstrengungen des Feindes. Noch weniger erreichte dieser südlich des Ojtoztales mit seinen Scheinvorstößen. Nur der an die 225. ID. angrenzenden 70. IIID. rangen die Russen einen kleinen Vorteil ab; sie setzten sich auf einer Höhe südlich des Vrf. Baba Rea -<J)- 968 fest. Auf die Rückeroberung wurde verzichtet.
Der 10. September war mit gegenseitigen, lebhaften Kanonaden ausgefüllt. Am nächsten Tag griffen die Rumänen wieder ungestüm an und brachen östlich der Höhe A 772 in 100 m Breite ein. Ein Gegenstoß zwang die Angreifer zum Weichen. Die Russen machten sich nur mit ihren Batterien und vorfühlenden Patrouillen bemerkbar. Auf die Mitteilung des russischen Armeeführers Ragosa, daß sein XXIV. Korps den Angriff einstelle, brach auch Gen. Averescu die begonnene Kriegshandlung ab. Sobald FZM. Benigni diesen Frontraum außer Gefahr sah, ließ er die halbe 8. KD. ins Sovejabecken abrücken. Diese Truppen nahmen dort zusammen mit jenen der 7. KD. der deutschen 218. ID. den rechten Flügel ab. Der Befehl über den Abschnitt wurde am 24. September dem Führer der 7. KD., FML. Marenzi, übertragen.
Freund und Feind waren von den schweren Sommerkämpfen stark erschöpft; nur mehr vereinzelt flackerte bei der Gruppe Gerok ein lebhafteres Gefecht auf. So versuchten rumänische Stoßtrupps am
17. September, in verschiedene Frontstellen der 218.ID. und der 37. HID. einzudringen, wurden aber allseits abgewiesen. Am nächsten Tag überschüttete die 6. Rumänendivision, da Averescu eine Frontberichtigung gefordert hatte, den Abschnitt der 71. ID. östlich des D. Lesuntului plötzlich mit starkem Geschützfeuer. Hierauf wurde eine schwach besetzte Strecke des HIR. 15 durch den Vorstoß mehrerer Bataillone überrannt. Die Angreifer drangen bis zur Höhe -<$- 677 vor, doch riegelten kleine Reserven den Einbruch ab. Der Divisionsführer, FML. Goldbach, konnte nur auf das 2. Bataillon des k. u. LstlR. 17 greifen, das zum Abmarsch bereitgestellt war, um zur 16. LstlBrig. zurückzukehren S. 393). Mit Hilfe der wenig geschulten Landstürmer wurde sodann der verlorene Stellungsteil gänzlich zurückgewonnen.
Verzicht aitf die Eroberung der Moldau
Bei der öst.-ung. 7. Armee kam in den ersten Septembertagen die 31. ID., FML. Lieb, von Zablotów als Verstärkung des XVII. Korps, FML. Fabini, nach Storożynetz heran. Auch trafen jetzt die Batterien der 1. Armee ein (S. 399). Die vom GM. Luxardo befehligte 34. ID. des XVII. Korps konnte am 3. September gegen Abend den überraschten Russen die Höhe Czardaki (S. 399) nordöstlich von Terescheny entreißen. Der Angreifer bemächtigte sich hierauf auch noch des nördlich der Höhe gelegenen Grenzkammes. Mehrere hundert Gefangene wurden eingebracht; aber schon am 4. zeitlich früh mußte die 34. ID. vor russischen Gegenstößen westwärts in ihre Ausgangsstellung weichen und den größten Teil der eroberten Gräben wieder preisgeben.
Den hohen Führern erwuchsen jetzt Besorgnisse um das k.u.k.
XXVI. Korps. Auffallend starkes Störungsfeuer der russischen Artillerie lag auf den Stellungen des Korps Horsetzky. Durch aufgefangene Funksprüche der Russen, durch unsere Aufklärungsflieger und durch Aussagen der Überläufer konnten zwischen Sereth und Moldawa hinter der Russenfront die Massen dreier Korps (X., XXIX., XXXX.) festgestellt werden. Starke Heeresreiterei (VI. Kavalleriekorps) sammelte sich bei Suczawa. Das Heeresfrontkommando rechnete mit einem ernsten Angriff des Feindes auf das Korps Horsetzky. Um die Sicherung der eroberten Bukowina zu gewährleisten, stellte der Oberbefehlshaber Ost die 8. bayr. RD. und die bayr. KD. (ohne die beiden Jägerbataillone) dem Erzherzog Joseph zur Verfügung. Diese beiden Heereskörper wurden über den Pruth nach Süden hinter das bedrohte XXVI. Korps verschoben. Auch die Hauptkraft der 31. ID. kam dorthin; nur ein Regiment verblieb im Bereiche der 34. Division. Als weitere Verstärkung setzte GFM. Prinz Leopold von Bayern vom Nordflügel der Südarmee die 4. ErsD. (S. 335) nach Czortków in Marsch, von wo sie nach Czernowitz zu rücken hatte.
Erzherzog Joseph hatte inzwischen aus den ihm und dem GFM. Mackensen seit Ende August zugegangenen Weisungen (S. 391 ff.) ersehen müssen, daß die oberste Führung der Mittelmächte von dem Plan, die Moldau zu erobern, immer mehr abrückte. Der Erzherzog war, wie er am 1. September dem Chef des Generalstabes, GdI. Arz, fernmündlich erklärte, sogar geneigt, sich dem Oberkommando Ost zu unterstellen, falls von diesem die notwendigen Kräfte für die Gewinnung der
Moldau zu erhalten wären. Denn Erzherzog Joseph wollte diese Kriegshandlung, die er für den gesicherten Besitz Siebenbürgens und der Bukowina unbedingt geboten hielt, nicht gerne aufgeben1). Nachdem aber die Heeresgruppe Mackensen am 3. September in die Verteidigung gefallen war, mußte auch Erzherzog Joseph schweren Herzens dem FM. Kövess am 5. September eröffnen, daß im Hinblick auf die allgemeine Kriegslage vorläufig auf alle Offensivpläne verzichtet werden müsse. Für die Abwehr des erwarteten Russenangriffes gegen die Bukowina wurde das XXVI. Korps der Gruppe Krauss unterstellt, deren Befehlsbereich nunmehr vom Pruth bis zur Moldawa reichte.
Auf dem Südflügel der öst.-ung. 3. Armee übernahm GdI. Litzmann am 6. September den Abschnitt von Czernowitz mit der ihm überwiesenen k.u.k. 5. ID. südlich vom Pruth und mit der deutschen 83. ID., der 16. RD. sowie der k.u.k. 2. KD. nördlich des Flusses. Die 3. Armee, GO. Křitek, trat von der Heeresgruppe Böhm-Ermolli zur Heeresfront Erzherzog Joseph über. Diese wurde dadurch nach Norden bis an den Dniester erstreckt, so daß ihr der Schutz des ganzen Buchenlandes anvertraut war. Der Sitz des Heeresfrontkommandos wurde in der zweiten Monatshälfte aus Maros Vásárhely nach Klausenburg verlegt.
Die lebhafte Artillerietätigkeit der Russen vor der Gruppe Krauss dauerte bis Mitte September an; doch raffte sich die Infanterie des Feindes gegen das XXVI. Korps zu keinem Angriff auf. Die starken Truppenanhäufungen der Russen gegenüber der 7. Armee hatten offenbar nur bezweckt, ein Vordringen des Gegners in die nördliche Moldau zu verhindern. Das Heeresfrontkommando gedachte noch die wenig vorteilhaften, südlich vom Pruth gelegenen Kampflinien der 34. und der 5. ID., die von den Stellungen der Russen überhöht wurden, vorzuverlegen. Mitte September wurden hiefür die Vorbereitungen aufgenommen. Der geplante Angriff sollte im Abschnitt der 34. ID. mit einem Durchbruch eröffnet, hierauf die Russenstellung gegen den Pruth aufgerollt werden. GdI. Litzmann, der mit der Ausführung dieses schwierigen Unternehmens betraut wurde, forderte als Verstärkung zwei Divisionen, da er die 16. RD. an den Oberbefehlshaber Ost abgeben sollte. Die Heeresfront hatte jedoch für den Angriff am Pruth keine Reserven.
Nach der ,,Kerenski-Offensive“ hatte der glänzende Gegenschlag der verbündeten Mittelmächte auf Tarnopol im Juli und anfangs August fast ganz Galizien und die Bukowina von der Russenherrschaft befreit. Mehr als 42.000 Gefangene, 257 Geschütze, 546 Maschinengewehre,
1, Erzherzog Joseph, V, 446.
191 Minenwerfer und 50.000 Gewehre waren die Beute der Sieger. Dem Kommandanten der siegreichen Heeresgruppe, GO. Eduard von Böhm-Ermolli, wurde für die hervorragende Leitung dieser Kriegshandlung das Kommandeurkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens verliehen.
Nach diesen großen Erfolgen war aber nicht nur die Kraft der öst.-ung. Truppen, sondern auch die der deutschen Streiter wegen der Anstrengungen und des Mangels an Verpflegung verbraucht. An der Grenze der Moldau waren die Kämpfer genötigt, haltzumachen. Über frische Kräfte, die der Offensive hätten neuen Antrieb gewähren können, verfügten die Verbündeten nicht. Zudem rissen die Verbindungen zu den weit hinten endenden Bahnen und der Nachschub versagte.
Die DOHL. setzte unterdessen im Norden der Ostfront den Angriff auf Riga ins Werk. Schon am 3. September, zwei Tage nach dem Übergang über die Düna, eroberte die deutsche 8. Armee den russischen Brückenkopf und die Stadt Riga. Die 12. Russenarmee war geschlagen. Um Rußland noch weiter in Atem zu halten, faßte die DOHL. nun einen Schlag gegen Jakobstadt ins Auge. Auch dieses Unternehmen glückte den Deutschen am 21. und am 22. September x).
Übergang zum Stellungskrieg im Osten
Der Beginn der Offensive auf Riga hatte sich gegen den Willen der DOHL. sehr verzögert, was gleichfalls ein Grund dafür gewesen war, daß der Angriff aus der Bukowina nicht mehr aufgenommen werden konnte2). Vor allem aber hatte die schon seit der zehnten Isonzoschlacht äußerst gespannte Lage an der Südwestfront, die sich während der noch zu schildernden elften Schlacht weiter verschärfte, der Kriegsleitung der Mittelmächte den Entschluß aufgedrängt, an Stelle der kräftezehrenden Abwehr durch einen machtvollen Schlag gegen Italien einen Umschwung herbeizuführen. Vor dieser neuen, großen Idee mußten andere Pläne zurücktreten. Da der harte Kampf auf dem westlichen Kriegsschauplatz dem deutschen Heer eine andauernde, schwere Belastung auferlegte, konnten Streiter und Kriegsmittel gegen Italien nur aus dem Osten entnommen werden; daher galt es, hier die Kriegshandlungen zu beenden. Die Front vom Schwarzen Meere bis zum Pripiatj
J) Schwarte, Der deutsche Landkrieg, III, 3 15 ff. FC u h 1, Der Weltkrieg,
II, 140 ff. Ludendorff, 383 ff.
2) Ludendorff, 382 ff.
stellte nunmehr einen großen Kraftspeicher dar, der jetzt hauptsächlich für die Isonzofront ausgenützt wurde und als Ersatz höchstens abgekämpfte Verbände, zumeist aus dem Westen, erhielt. Die schon im August eingeleiteten Truppenabgaben dauerten bis anfangs Oktober.
Aus dem Bereich der deutschen 9. Armee folgte im September das Alpenkorps der k. k. 13. SchD. (S. 394) auf dem südwestlichen Kriegsschauplatz. Aus der Heeresfront Erzherzog Joseph schied zunächst das württ. Gebirgsbataillon, dann wurde am 14. September das I. Korps-Kmdo., GdI. Krauss, aus der Bukowina abberufen. Ende des Monats folgten die beiden Jägerbataillone der bayrischen KD. und die gebirgs-gewohnte 200. ID., die beim Karpathenkorps durch die öst.-ung. 31. ID. ausgelöst worden war. Endlich kam noch die 117. ID. der Gruppe Gerok daran. Der 2. Armee, die schon zahlreiche deutsche Kräfte für das Unternehmen gegen Riga abgegeben hatte, wurden für den Abschnitt Złoczów im Laufe des September andere deutsche Verbände (6., 33. RD., 14. bayr. ID. und bayr. Ei'sD.) zugeschoben; dafür rollten aber noch die deutsche 5. und die öst.-ung. 33. ID. an den Isonzo ab. Die Heeresgruppe Linsingen stellte dorthin die 20. HID. bei, die in dem Abschnitt Lipa (Generalkmdo. des XXII. RKorps) durch die, von der
2. Armee überwiesene 32. ID. ersetzt wurde. Ferner fuhr vom Nordflügel der 4. Armee die 29. ID. nach dem Süden, an deren Stelle die 12. rt. SchD. und die deutsche 2.KD. traten. Schließlich wurden aus dem Abschnitt Kowel auch das II. KorpsKmdo., FML. Kaiser, und die 4. ID. der Südwestfront zur Verfügung gestellt; den Abschnitt bezog die vom Oberkommando Ost herangeführte deutsche 22. Landwehrdivision.
Die drei Heerführer, Prinz Leopold von Bayern, Erzherzog Joseph und Mackensen wachten weiter im Osten. Rußland wurde im Innern von neuen, heftigen Zuckungen erschüttert. Die Kampftätigkeit trat sehr zurück; die Mittelmächte nahmen auch die Frontpropaganda wiederauf.
Rückschau auf den Krieg im Osten im Sommer 1917
Die in den verschiedenen Konferenzen für das Frühjahr 1917 in Aussicht genommenen Kriegshandlungen der Russen — Hauptstoß auf Lemberg, Nebenangriffe gegen Mitau, Sokal, Máramaros-Szigeth und gegen die Bulgaren (S. 14f.) — hatten vornehmlich wegen des Sturzes des Zarentums und wegen des darauffolgenden Erschlaffens des Kampfwillens im Russenheere nicht ausgeführt werden können. Als es der
Beredsamkeit des neuen Machthabers im revolutionären Rußland, des Ministerpräsidenten und Kriegsministers Kerenski, endlich gelungen war, die kriegsmüden Muschiks hochzureißen, war es schon Juli geworden. Mittlerweile hatten die Armeen der Westmächte, namentlich jene Frankreichs, im April bei Arras und an der Aisne nutzlos geblutet (S. 120ff.). Im Südwesten hatten der Mitte Mai unternommene zehnte Ansturm der Italiener am Isonzo und ihre darauffolgenden Teilangriffe in Tirol (Ortigara) die Lage nicht nennenswert zu ändern vermocht. Auf dem Balkan beschränkten sich die Alliierten überhaupt auf die Festhaltung des besetzten Raumes. Die im November 1916 zu Chantilly geforderte Gleichzeitigkeit des Generalansturmes an allen Fronten war somit 1917 noch weniger als im Vorjahre verwirklicht worden.
Als anfangs Juli die Russen und drei Wochen später die Rumänen nun endlich in die Schranken traten, folgten Hieb und Gegenhieb einander; denn die Führer der Heere der Mittelmächte hatten Angriffspläne gefaßt, für deren Ausführung vorangehende Anstürme der Russen zum Teil sogar die Voraussetzung waren. So kam es im Sommer 1917 auf den blutgetränkten Gefilden Ostgaliziens, in der Bukowina und in der südlichen Moldau zu wildwogenden, überraschungsreichen Kämpfen.
Zu diesen Überraschungen zählte unter anderem das wechselvolle Verhalten des Russenheeres; seine Kampfkraft versiegte rasch nach kurzem Aufflackern des Angriffswillens, um bei der Verteidigung der Reichsgrenze wieder zu erstarken. Die reorganisierte und im neuzeitlichen Angriffsverfahren geschulte rumänische Armee schlug sich dagegen durchwegs unerwartet gut. Das k.u.k. Heer zeigte aber neue Sprünge in seinem Gefüge. Bei Zborów und bei Stanislau versagten wieder einzelne Regimenter mit tschechischem, slowakischem, ruthe-nischem und serbokroatischem Ersatz. Dies erbrachte neuerlich den Beweis dafür, daß die Verwendung von Truppenkörpern mit überwiegend slawischer Mannschaft gegen Rußland immer schwieriger wurde, je länger der Krieg dauerte und je größer die nationalen Spannungen im Innern des fast zur Hälfte von Slawen bewohnten Donaureiches wurden (Bd. I, 2. Aufl., S. 44 und Bd. V, S. 15).
Bei der gegen Lemberg gerichteten Offensive des russischen Süd westheeres glückte der rechten Mittelarmee am l.Juli ein Einbruch in die Wehrstellung der k.u.k. 2. Armee, der aber durch herbeieilende deutsche Reserven bald abgeriegelt wurde. Der Massenansturm der dichtgeballten linken Mittelarmee bei Brzeżany zerschellte jedoch an der festen Haltung der Verbündeten. Die künstlich aufgepeitschte
Kampfbegeisterung dieser Russenarmee verflog nur zu rasch wegen der hohen Blutopfer, die. sie in diesem Kampfe hatte bringen müssen.
Noch vor dem Losbrechen des von den Mittelmächten erwarteten russischen Angriffes hatten sich diese zu einem Gegenschlag entschlossen, bei dem die erfolgreiche Abwehr des feindlichen Ansturmes den Auftakt zu bilden hatte. Da dies programmgemäß eingetreten war, sollte mm mit rasch herbeigeführten deutschen Divisionen von Złoczów aus in der Richtung auf Tarnopol die gelockerte russische Front durchbrochen werden. Hiebei hatte die Stoßgruppe mit dem linken Flügel längs der einen günstigen Flankenschutz gegen Norden bildenden Teichreihe am Oberlaufe des Sereth vorzugehen.
Mitten während der Vorbereitungen für diesen Durchbruchsangriff entriß aber Kornilow, der Führer der 8. Russenarmee, der k.u.k. 3. Armee den westlich von Stanislau gelegenen Schlüsselpunkt der Stellung und verfolgte mit einer von den Russen sonst nie geübten Raschheit die Verbündeten bis über Kalusz hinaus. Die Lage erschien nun so kritisch, daß sogar erwogen wurde, statt bei Złoczów die Feindesfront zu durchbrechen, mit der Stoßgruppe nach Süden zu eilen, um durch einen Flankenangriff den die k.u.k. 3. Armee verfolgenden Russen Einhalt zu gebieten. Indessen kam die Armee Kornilow vornehmlich wegen Nachschubschwierigkeiten von selbst zum Stehen. Der Ausführung des Durchbruchsangriffes bei Złoczów stand nun nichts mehr im Wege.
Die auf schmaler Front (20 km) angesetzte, aber tief gestaffelte Stoßgruppe warf die Russen ohne viel Mühe zurück. Schon am ersten Tage, am 19. Juli, war der taktische Durchbruch geglückt. Sechs Tage später fiel Tarnopol. Der schräg gegen die russische Front weiterwirkende Druck, dessen Schwergewicht unablässig mehr nach Süden verlegt wurde, veranlaßte bald auch die vor der Südarmee stehenden russischen Korps zum Aufgeben ihrer Stellungen. Und nun erwuchs aus dem seinerzeitigen Rückzug der k.u.k. 3.Armee sogar ein Vorteil, weil die nunmehr gegen die Nordflanke der bis Kalusz vorgedrungenen S. Russenarmee wirkende Bedrohung jetzt auch diese Armee zum eiligen Rückzug zwang1). So stürzte die ganze Russenfront bis zum Walle der Karpathen ein.
Während nun die Verbündeten die Russen aus Ostgalizien verdrängten, schritt der Feind in der südlichen Moldau zum Angriff. Träger des Angriffsgedankens war hier das neuerstarkte Rumänenheer, das darauf brannte, gemeinsam mit den Russen die Linien der Heeres-
11 Kiszling, Der strategische Durchbruch ('Mil. wiss. Mitt., Jhrg. 1933, 89 ff.).
gruppe Mackensen zu durchbrechen und sodann womöglich die Walachei und die Dobrudscha zurückzuerobern. Den Hauptschlag hatte die rumänische 1. Armee bei Nämoloasa zu führen. Die 2. Rumänenarmee sollte in das Becken von Soveja einbrechen und, nach Süden einschwenkend, die Front der deutschen 9. Armee aufrollen. Den unter dem Oberbefehl des Königs Ferdinand in der Rumänischen Front stehenden drei Russenarmeen waren Begleituntemehmen zugedacht.
Knapp vor dem für den 25. Juli anberaumten Beginn des Angriffes der rumänischen 1. Armee, dem eine gewaltige Kanonade vorangegangen war, verbot Kerenski aus Bestürzung über den Zusammenbruch des russischen Südwestheeres in Galizien seinen in der Moldau stehenden Armeen die Mitwirkung und vereitelte hiedurch die Offensive des vom König von Rumänien befehligten Heeres. Tags vorher jedoch hatte Gen. Averescu mit der rumänischen 2. Armee den schwachen Südflügel der k.u.k. 1.Armee schon durchstoßen und war plangemäß in das Becken von Soveja eingebrochen. Averescus weiterem Vordringen wurde nun vom König gleichfalls Einhalt geboten.
Jetzt holten die Mittelmächte in der Moldau zum Gegenschlag aus. Durch einen über den Unterlauf des Sereth hinweg und aus der Bukowina heraus geführten Zangenangriff sollte die Moldau erobert werden. Die Rumänen ganz aus dem Felde zu schlagen und sich in den Besitz der Getreidevorräte dieses fruchtbaren Landes zu setzen, waren die Triebfedern für dieses Unternehmen.
Wegen des Einbruches der Rumänen in das Sovejabecken wurde der Hauptstoß, der ursprünglich auch über Nämoloasa geplant gewesen war, weiter westwärts nach Focsani verlegt. Durch einen von hier nach Norden geführten Angriff sollte einerseits die rumänische 2. Armee zur Preisgabe ihrer drohenden Flankenstellung gezwungen, anderseits ein besseres Zusammenwirken mit dem im Ojtozgebiet nun gleichfalls zum Angriff schreitenden Südflügel der k. u k. 1. Armee erreicht werden.
Der am 6. August losbrechende Ansturm der deutschen 9. Armee erzielte gegen die nicht sonderlich widerstandskräftige 4. Russenarmee wohl einen beachtenswerten Anfangserfolg. Das geplante Hinübergreifen auf das östliche Serethufer, das zur Aufrollung der ganzen Feindfront bis zur Mündung dieses Flusses führen sollte, glückte aber nicht. Überdies rückte von Nämoloasa her die hier herausgelöste rumänische 1. Armee nach Westen heran, um an Stelle der Russen nördlich von Focsani in die Front zu treten. Sie vermochte nun den Kampf zu nähren, und in opfervollem Ringen gelang es den Rumänen, den Verbündeten den
Weg im Serethtale dauernd zu verriegeln. Für die Rumänen bleibt die „Schlacht bei Märäsesti“ — wie sie die Rumänen nennen — ein Ruhmesblatt in der Geschichte des Weltkrieges. Ähnlich wie bei Focsani mußten sich die Verbündeten auch im Ojtozgebiet mit einem geringen Raumgewinn begnügen.
Unterdessen hatten die Verbündeten die Bukowina von den Russen gesäubert und am 3. August in Czernowitz Einzug gehalten. Die Bestrebungen, in der Richtung auf Dorohoiu in die nördliche Moldau einzudringen, um sie im geplanten Zusammenwirken mit der Heeresgruppe Mackensen zu erobern, schlugen aber ebenso fehl, wie Übergangsversuche der Südarmee am Zbrucz. Einem weiteren Vordringen nach Bessarabien und nach Podolien setzten die Russen schon an der Reichsgrenze wider alles Erwarten einen nicht zu überwindenden Widerstand entgegen. Überdies erwies sich, daß die Angriffe der Verbündeten in der Bukowina und bei Focsani, die etwa 300 km voneinander entfernt unternommen wurden, viel zu weit auseinander lagen, um sich in ihren Wechselwirkungen gegenseitig zu fördern. Nach diesen Schlachten verebbte das nach längerer Pause wieder entflammte wechselvolle Ringen im Osten.
Mit dem Ergebnis der Sommerfeldzüge 1917 gegen die Russen und Rumänen konnten die Mittelmächte, insbesondere die von den Ereignissen im Osten und Südosten unmittelbarer berührte k.u.k. Heeresleitung zufrieden sein. War die Eroberung der Moldau auch nicht geglückt, so waren doch Ostgalizien bis auf einen schmalen Grenzstreifen zwischen Brody und Husiatyn und die Bukowina bis auf den südöstlichsten Winkel befreit worden. Dabei hatte das Russenheer so offensichtliche Merkmale des Verfalles gezeigt, daß neuerliche Angriffe der Russen kaum mehr zu besorgen waren. Schließlich waren auch die Anstürme der jetzt ungleich tüchtigeren Rumänen entschieden abgewehrt worden.
Am 3. September eroberten die Deutschen Riga und schufen sich auf dem östlichen Dünaufer einen Brückenkopf. Hiedurch wurde einesteils jedwede Bedrohung durch die Russen von dorther ausgeschaltet, anderseits eine Ausfallspforte zum Vormarsch gegen Petersburg geschaffen. Nachher wurden die überschüssigen Divisionen nach dem Westen und dem Südwesten abbefördert. Das russisch-rumänische Kriegstheater verlor trotz der noch immer gewaltige Kräfte beanspruchenden, 1850 km langen Front entschieden an Bedeutung. Das Schwergewicht glitt endgültig auf den französischen und auf den italienischen Kriegsschauplatz hinüber.
DAS MILITÄRPOLITISCHE WELTBILD IM FRÜHJAHR UND IM SOMMER 1917
Bruch der Vereinigten Staaten von Nordamerika mit den Mittelmächten
Die weitere Schilderung der Kriegsereignisse erheischt einen Blick auf die Bühne des politischen Weltgeschehens. Die Frühlingsmonate des Jahres 1917 waren reich an tiefeinschneidenden Wandlungen. Dem Entschlüsse Deutschlands, nunmehr zur Waffe des uneingeschränkten Tauchbootkrieges seine Zuflucht zu nehmen, war gefolgt, was die Warner in Österreich-Ungarn, an ihrer Spitze Kaiser Karl, gefürchtet hatten: am 3. Februar hatten die Vereinigten Staaten von Amerika unter ihrem selbstherrlichen Präsidenten Woodrow Wilson die diplomatischen Beziehungen zu den Mittelmächten abgebrochen (S. 8)1). Bei den starken wirtschaftlichen Interessen, die das amerikanische Kapital am Siege der Entente hatte, wäre dieses Ereignis den beiden Kaisermächten auf die Dauer wohl kaum erspart geblieben; immerhin wäre es beträchtlich später eingetreten.
Sechs Wochen nach dem diplomatischen Bruche Amerikas mit den Mittelmächten schienen sich dann allerdings die etwaigen Nachteile der amerikanischen Feindschaft durch die erste russische Revolution auszugleichen (S. 87 ff.). Blieben die in Rußland zur Macht gelangten Gewalten auch weiterhin unter dem bestimmenden Einfluß der Westmächte und ihrer Vertreter, so mochte doch das russische Heer so tief ins Mark getroffen sein, daß ein völliger Wiedergewinn der alten Kampfkraft kaum mehr zu gewärtigen war. Mit diesem Urteil sollten die Führer der Mittelmächte grundsätzlich recht behalten. Wohl flackerte, angefeuert durch die demagogische Kunst Kerenskis, der Kampfwille des Muschiks im Frühsommer 1917 in der Hügel- und Bergwelt Ostgaliziens noch einmal vorübergehend auf. Aber der Gegenschlag, den Prinz Leopold von Bayern bei Złoczów vorbereitet hatte (S. 289ff.), ließ binnen wenigen Stunden den Angriffsgeist der Russen zusammenbrechen. Diese räumten, wie in den vorigen Kapiteln eingehend geschildert wurde, eiligst die noch besetzt gehaltenen Teile Ostgaliziens und die Bukowina, um
1) Die diplomatischen Vertreter der Union in der Türkei und in Bulgarien verblieben auch weiterhin in den Hauptstädten dieser Länder.
sich dann allerdings hinter der Grenze, auf vaterländischem Boden, wieder einigermaßen zu neuer Widerstandskraft aufzuraffen.
Um so größere Bedeutung hatte denn auch die amerikanische Hilfe für die Westmächte gewonnen. Die Vereinigten Staaten hatten — wie bereits ausgeführt (S. 121) — zwei Monate nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen, am 6. April, an Deutschland den Krieg erklärt1). Dieser Akt war schon in den nächsten Wochen für alle amerikanischen Staaten, ausgenommen Mexiko, Columbia, Venezuela, Paraguay, Argentinien und Chile, beispielgebend geworden, ohne daß sie freilich anders als in wirtschaftlicher Beziehung am Kriege teilnahmen. Überdies gelang es in diesen Wochen endlich, Japans Widerstand gegen einen Eintritt Chinas in den Krieg zu überwinden. Schon um die Jahreswende war Großbritannien, erfaßt von höchster Sorge um die Lage im Mittelmeer, mit Japan wegen Beistellung eines Geschwaders für die europäischen Gewässer in Verhandlungen eingetreten. Am 16. Februar ging Japan auf die Vorschläge Englands ein, wofür dieses die Ansprüche des ostasiatischen Kaisertums auf die deutschen Pazifikinseln nördlich vom Äquator anerkannte, während die südlichen Inseln Australien zufallen sollten. Frankreich ließ sich am 1. März die Billigung dieses Vertrages durch die Zustimmung Japans zur Teilnahme Chinas am Kriege abkaufen. Japanische Geschwader tauchten alsbald in der Südatlantik und im Mittelmeere auf. China brach am 14. März die Beziehungen zu Deutschland ab. Am 14. August erklärte es an die Mittelmächte den Krieg. Zwei Wochen vorher hatte sich auch Siam der Entente angeschlossen.
Da am 30. Juni, wenige Wochen nach der von den Westmächten erzwungenen Abdankung des Königs Konstantin, auch Griechenland unter der Schattenherrschaft des Königs Alexander und unter der Ministerpräsidentschaft des ränkesüchtigen Venizelos die Beziehungen zu den Mittelmächten abbrach (S. 234), standen 25 Staaten des Vielverbandes wider den zu einer belagerten Festung gewordenen Vierbund.
Die Alliierten begrüßten den neuen Bundesgenossen Amerika, der den etwaigen Ausfall Rußlands früher oder später wettmachen konnte, mit jubelnder Begeisterung und schickten Sonderabordnungen übers Meer. Die Vereinigten Staaten verfügten noch nicht über eine kriegsbereite Armee; aber sie rüsteten zu Wasser und zu Land in gewaltigen Ausmaßen. Sie führten am 29. April einen an die allgemeine Wehr-
1j An Österreich-Ungarn erklärte Nordamerika erst am 7. Dezember 1917 den Krieg.
pflicht heranreichenden Dienstzwang ein und beschlossen am 4. Mai die Aufstellung eines Heeres, das zunächst eine Million vortrefflich ausgerüsteter Streiter, bald aber ihrer viel mehr zählen sollte. Die Volksvertretung bewilligte aus den Kriegsgewinnen, die dem Lande zuflossen, Milliardenkredite. Ein von den Kriegslasten noch völlig verschont gebliebenes Neunzigmillionenvolk zeigte die unerbittliche Entschlossenheit, alle militärischen, wirtschaftlichen und moralischen Kräfte für den Kampf gegen Deutschland aufzubieten!
Mit dem Wirksamwerden dieser Hilfe auf der Walstatt mußte es allerdings noch sein Bewenden haben. Am 15. Juni erschien der militärische Vertraute Wilsons, Gen. Pershing, in Paris, um das militärische Eingreifen der Vereinigten Staaten mit den Westmächten zu verabreden. Pershing ließ die Alliierten wissen, daß es Absicht seiner Regierung sei, erst mit vollgerüsteten, kampffähigen Armeen in Frankreich einzugreifen; die Union werde am 1. Juli 1918 mit einer Million Streitern, in den darauffolgenden Monaten mit einer weiteren Million zur Stelle sein.
Kaiser Karls Friede ns versuche
Wenn Reichs- und Heeresleitung in Deutschland den militärischen Kräftezuwachs, den die Entente durch die Vereinigten Staaten erhielt, fürs erste gering bewerteten, so gaben ihnen die Erklärungen Pershings in gewissem Sinne recht. Die Berechnungen über die zahlenmäßige Stärke fielen wegen des gleichzeitigen Umsturzes in Rußland zunächst sogar zugunsten der Mittelmächte aus — besonders, wenn man zugleich die Hoffnungen auf den U-Bootkrieg mit in Rechnung stellte. Umso stärker fielen freilich von Anbeginn die moralischen Folgen ins Gewicht, die sich aus dem Zusammenfallen der Kriegserklärung Amerikas mit der russischen Revolution für die Völker ergaben. Frohlockend konnten die Westmächte verkünden, daß nun auch in der Welt der Geister eine vollendete Scheidung eingetreten sei: hie alle Demokratien der Erde, dort die halbfeudalen Monarchien Mitteleuropas und die türkische Theokratie! Wilson predigte seinen Kreuzzug gegen die ,,militari,sch-autokratischen Gewalten“ in Deutschland und schleuderte seinen Bannfluch wider sie übers Meer. In Rußland erlebten die Heilslehren der bürgerlichen Revolution von 1789 ihre Auferstehung, und aus den Tiefen der Massen klangen noch unduldsamere Botschaften herauf, die an Marx und die Pariser Kommune anknüpften. Diese Sturzwellen gleißender, verlockender Ideen schlugen von West und Ost über den hungernden und darbenden Völkern der Vierbundmächte zusammen und fanden allenthalben Widerhall zuerst in Tausenden und dann auch in Millionen von Herzen.
In Deutschland wurde die längst rissig gewordene Einheit der Nation durch diese Brandung der Ideen schwer erschüttert. So sehr das „Hindenburg-Programm“ und der „Vaterländische Hilfsdienst“ zur Hebung der materiellen Kräfte des Heeres beitrugen, so wenig waren erhebliche Nachteile volkswirtschaftlicher und sozialer Natur zu vermeiden gewesen. Die Kriegskosten wuchsen unter einer großzügig betriebenen Preis- und Lohnpolitik ganz beträchtlich. Leichterworbener Reichtum wirkte inmitten großen Elends durch den von ihm entwickelten Luxus aufreizend. Haßte der Rüstungsarbeiter der Heimat von Tag zu Tag mehr den „satten Bourgeois“, unbekümmert darum, ob es sich um alten Wohlstand oder Kriegsgewinnertum handelte, so erregte er für seine Person wieder den Neid des Frontkameraden, der um unvergleichlich geringeres Entgelt stündlich seine Haut zu Markte tragen mußte und dabei Frau und Kind einem unbestimmten Schicksal preisgegeben sah. Während im Frühjahr 1917 das Westheer in schwerste Kämpfe verwickelt war, kam es in Berlin und anderwärts zu gewaltigen Ausständen. Immer wieder flackerten in Hinkunft bald da, bald dort wilde Streiks empor. Wie sehr selbst der Geist der Wehrmacht gefährdet war, bewies eine Matrosenverschwörung, die im Juli 1917 aufgedeckt wurde und bei der auch Abgeordnete der „Unabhängigen Sozialdemokratie“ die Hand im Spiele hatten. „Spartakus“ erhob sein Haupt1).
Mit der Aufhebung des Klassenwahlrechtes in Preußen, mit Kriegszielfragen und Friedensresolutionen befaßten sich die auf offener Bühne wirkenden politischen Kreise. Der Reichskanzler Bethmann-Hollweg mußte dem Kandidaten der Heeresleitung, Georg Michaelis, Platz machen. Der erbitterte Kampf für und wider die Friedensresolution vom 19. Juli, in der sich die „Mehrheitsparteien“ (Zentrum, Demokraten und Mehrheitssozialisten) gemäß den Heilsbotschaften aus West und Ost für einen Verständigungsfrieden ohne gewaltsame Gebietserwerbungen und ohne Entschädigungen aussprachen, zeigte deutlich, wie schwer sich das deutsche Volk schon in den durch den Krieg aufgeworfenen Problemen zurechtfand. Seinen Führern gelang es nur sehr unvollständig, den Schlagworten, die sinnbetörend aus dem Lager der Feinde herüber-
1/ Vergl. u. a. V o 1 k m a n n. Der Marxismus und das deutsche Heer im Weltkriege 'Berlin 1925;, 129 ff.
klangen und durch tausend Kanäle Eingang fanden, gleich wirksame Parolen entgegenzusetzen. Niemand klärte das deutsche Volk darüber auf, was wirklich war, was drohte und was kommen mußte. Weder die Rufer nach dem „größeren Vaterland“ noch die Wortführer des „Verteidigungskrieges“ besaßen die demagogische Kraft eines Lloyd-George oder eines Clemenceau. Der Krieg drohte seinen Sinn zu verlieren in den Augen der Massen und auch in denen der geistigen Kreise. Es fanden sogar Männer ein Echo, die, aus Deutschland geflüchtet, von neutralem Boden aus alle mit dem Krieg zusammenhängende Schuld in Wort und Schrift auf ihr verratenes Vaterland häuften. Die feindliche Wühlarbeit verfehlte nicht, aus solchen Zeugnissen größten Vorteil zu ziehen. Ungezählte Deutsche wurden an der guten Sache ihres Vaterlandes irre.
Bei den Völkern der Verbündeten Deutschlands zeitigte der Krieg, wenn auch abgestuft, ähnliche wirtschaftliche und soziale Folgen. In Österreich-Ungam empfing überdies die nationale Revolution einen heftigen Auftrieb. Noch in den ersten Monaten der Regierung des Kaisers Karl hatten die Slawenführer — gewiß zum Teil aus politischer Zweckmäßigkeit — ein durchaus reichs- und dynastiefreundliches Verhalten an den Tag gelegt. Dies zeigte sich auch nach der Ententekundgebung vom 12. Jänner 1917 (Bd. V, S. 718), änderte sich aber nach dem Sturz des Zarentums und dem Bruche Wilsons mit den Mittelmächten auf einen Schlag. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse wurde in Österreich Ende Mai 1917, seit Kriegsbeginn zum ersten Male, das Parlament einberufen. Die Vertreter der Tschechen beeilten sich, einen eigenen tschechoslowakischen Staat zu fordern, der einerseits auf Grund des böhmischen Staatsrechtes die auch drei Millionen Deutsche umschließenden Länder der Wenzelskrone, anderseits aber auf Grund des Naturrechtes und unter Mißachtung des ungarischen Krönungseides1) die oberungarische Slowakei umfassen sollte. Einen kaum geringeren Stellungswechsel vollzog ein großer Teil der Polenführer. Die neuen Männer Rußlands hatten sofort nach dem Sturze des Zaren den Polen das volle Selbstbestimmungsrecht zuerkannt. Die Nation hatte nunmehr von einem Siege der Entente weit besseres zu erhoffen als von einem solchen der Mittelmächte. Diese Erwägung konnte auch auf die Parteien der österreichischen Polen nicht ohne Eindruck bleiben.
*) Auf Betreiben des ungarischen Ministerpräsidenten Tisza hatte sich Kaiser Karl schon am 30. Dezember 1916 in Budapest zum Apostolischen König von Ungarn krönen lassen.
Die Slowenen und Dalmatiner gaben im Wiener Parlament ähnliche Erklärungen wie die Tschechen ab, wobei das Bekenntnis zu Monarchie und Herrscherhaus bei jenen wie bei diesen vielfach nur mehr ein Lippenbekenntnis war. Die Südslawen Österreichs trafen sich mit ihren Brüdern in Ungarn, Kroatien-Slawonien und Bosnien in ihren nationalen Wünschen. Nicht ohne weitgehenden Einfluß auf die Stimmung in diesen Gebieten blieb der Pakt, den am 20. Juli 1917 der serbische Ministerpräsident Pasić zu Korfu mit dem südslawischen Emigrantenführer Trumbić über die Bildung eines gemeinsamen Staates der Serben, Kroaten und Slowenen abgeschlossen hatte. Bei den Nord- wie bei den Südslawen gestaltete sich das bis dahin ziemlich lockere Verhältnis zwischen den politischen Führern im Inland und der Emigration in den folgenden Monaten so enge, daß sich jene daran gewöhnten, nur mehr nach den Weisungen der in Feindesland auf die Zerstörung des Reiches hinarbeitenden Nationalkomitees zu handeln.
Die Deutschen Österreichs, die Bewohner der niederösterreichischen und steirischen Industriegebiete, der Alpenlande und der böhmischen Randgebirge, litten schwerer als irgend ein anderes Volk des Reiches unter der Knappheit an Lebensmitteln. Die Magyaren in den Ebenen Ungarns schöpften im Vergleich zu ihnen noch aus dem Vollen. Dennoch machten sich auch bei ihnen Kräfte des sozialen Umsturzes in zunehmendem Ausmaße fühlbar. Kleinbauern und Landarbeiter wandten sich gegen die Besitzer großer Latifundien und riefen nach Grund und Boden. Das durch die Rüstungsarbeit stark angewachsene Industrieproletariat heischte Hebung der Lebenshaltung und politische Rechte.
Der Kaiser und König Karl nahm sich alle Mühe, die im Schmollwinkel stehenden Völker und Volksschichten durch den Abbau der Kriegsmaßnahmen und der Ausnahmsjustiz, durch Wiedergutmachung von Harten und Unrecht und durch einen ehrlich gemeinten Kampf gegen Unzukömmlichkeiten aller Art sowie durch eine möglichst gleichmäßige Aufteilung der Kriegslasten wieder mit dem Staate zu versöhnen. Auch die am 2. Juli für die Länder diesseits der Leitha erlassene „Amnestie“ zugunsten politischer Verbrecher (S. 252), die unter anderem den Tschechenführer Kramař dem politischen Leben wiedergab, sollte diesem edlen Ziele dienen, mochte sie unmittelbar immerhin durch das Streben veranlaßt gewesen sein, im Abgeordnetenhaus eine Debatte über wirkliche und angebliche Übergriffe der Militärjustiz zu verhindern. Die Führer der „Nationalitäten“ haben dem Kaiser seine guten Absichten nicht gedankt. Die Deutschen in Heer und Heimat wurden stark verstimmt; die Volkstümlichkeit des Herrschers erhielt den ersten bedenklichen Stoß.
In Ungarn berief der König im Mai 1917 das einer tiefergreifenden Wahlreform entschieden widerstrebende Kabinett Tisza ab1). Er ersetzte es zunächst durch ein Ministerium Moritz Eszterházy, dem schon im August eine Regierung Wekerle folgte. Wekerle brachte der Nation die grundsätzliche Zustimmung des Herrschers zur Teilung der gemeinsamen Wehrmacht für die Zeit nach dem Kriege als Morgengabe mit.
In gleicher Weise wie dem friedlichen Zusammenleben seiner Völker galten die heißen Bemühungen des jungen Kaisers auch der Wiederherstellung des Friedens nach außen. Er war darin mit seinem Außenminister Graf Czernin, der im Dezember 1916 den Baron Burián abgelöst hatte, eines Sinnes. Beiden Männern schien, da sich die Kluft zwischen Deutschland und der feindlichen Welt durch den U-Bootkrieg noch bedenklich erweitert hatte, Österreich-Ungarn am ehesten als Wegbereiter des Friedens berufen zu sein. Zwar war, nicht bloß unter den Feinden, sondern auch unter den Freunden des Donaureiches, schon lang vor dem Kriege viel über dessen auf die Dauer kaum vermeidbaren Zerfall gesprochen worden. Auch war die wachsende Begehrlichkeit der Nachbarn nach österreichischem und ungarischem Boden der Einkreisungspolitik der Entente im letzten Jahrzehnt vor 1914 sehr zustatten gekommen. Verträge, die das Friedensproblem stark belasteten, waren vor dem Beitritt Italiens und Rumäniens zum Vierbund (Bd. II, S. 283 f. und Bd. V, 228 ff.) abgeschlossen worden. Dennoch bestand weder zu Kriegsbeginn, noch in den ersten Kriegsjahren auf der Seite der Alliierten, zumal der Westmächte und auch Italiens -), der entschiedene Wille, die Zertrümmerung des Donaureiches anzustreben oder auch nur zu fördern. Das mußten die verschiedenen Emigrantenführer, Masaryk nicht ausgenommen, immer wieder erfahren, und nicht zu Unrecht bezeichnete einer der engsten Vertrauten des britischen Premiers, der Burengeneral Smuts, den gegen Österreich-Ungarn gerichteten Satz der Ententenote vom 12. Jänner 1917 (Bd. V, S. 718) ein Jahr später als einen ,,Bluff". In den maßgebenden Kreisen von Paris, London und Rom war man einer „Balkanisierung“ des Donauraumes durchaus abgeneigt. Die amtliche Politik dieser Staaten war die längste Zeit hindurch gegen eine Vernichtung des Habsburgerreiches eingestellt, wobei Italien lediglich insoferne eine Ausnahme machte, als es an der Donau keine Großmacht
0 E r é n y i, Graf Stefan Tisza (Wien 1935), 323 ff.
->v Glaise-Horstenau, Die Katastrophe, 114 ff.
mehr, sondern nur eine Mittelmacht sehen wollte. Wohl aber forderte die Entente die Trennung Österreich-Ungarns von Deutschland, die zugleich mit einer weitgehenden Föderalisierung der Monarchie und einer Stärkung der Slawen gegenüber den Deutschen und den Magyaren Hand in Hand hätte gehen müssen. Erst die zunehmende Erkenntnis, daß ein Abspalten des Donaureiches von Deutschland nicht zu erreichen, dieses aber am leichtesten durch die Vernichtung des Verbündeten ins Herz zu treffen sein werde, mußte die Westmächte dem Gedanken, das Habsburgerreich zu zertrümmern, allgemach näher bringen. Aus dieser Tatsache erwuchs für Österreich-Ungarns Bündnispolitik ein tragischer Zwiespalt. Auf der einen Seite sah es sein Dasein und seine Zukunft von Woche zu Woche stärker auf die Spitze der deutschen Bajonette gestellt; auf der anderen mußte jeder deutsche Sieg, der nicht kriegsentscheidend war, die Freunde des Donaureiches, deren es im Westen noch immer in erheblicher Zahl gab, immer mehr in die Arme seiner Feinde treiben und sie verlocken, mit der die Zerstörung anstrebenden Emigrantenpolitik gemeinsame Sache zu machen —■ wie es denn auch wirklich in der Folge geschehen sollte.
Als den meistgeeigneten Mittler auf Feindesseite betrachtete das Wiener Kabinett zunächst Frankreich 33). Dem Streben, dieses für den Friedensgedanken zu gewinnen, galten die Vermittlungsversuche, bei denen der aus französischem Fühlen in der belgischen Armee dienende Prinz Sixtus von Bourbon-Parma, ein Bruder der Kaiserin und Königin Zita, die Hauptrolle spielte (Februar bis Mai 1917), und wenige Wochen später die übrigens vom französischen Generalstab angeregten Besprechungen zwischen dem öst.-ung. Diplomaten Grafen Revertera und dem französischen Major Grafen Armand (August 1917). Inzwischen war Czernin, um Frankreich friedensgeneigt zu machen, eifrig bemüht, den deutschen Bundesgenossen zu Zugeständnissen an der Westgrenze, auf elsaß-lothringischem Boden, zu bewegen, wofür er vorübergehend zugunsten Deutschlands auf Kongreßpolen und damit auch auf die austropolnische Lösung verzichten wollte. In einer vom 12. April datierten Denkschrift an den Kaiser, die vor allem zum Gebrauch gegenüber dem Bundesgenossen bestimmt war, deren Inhalt aber später durch Unvorsichtigkeit oder Vertrauensbruch auch in die Presse der Entente gelangte, schilderte er die Lage der Monarchie in den düstersten Farben. Ebenso hatte Czernin bei der Friedensresolution des deutschen Reichstages (S. 418) die Hand ein wenig im Spiele, und im August trachtete Kaiser Karl, den Deutschen Kronprinzen in einem Briefe für seine Friedenspläne zu gewännen.
Die Vermittlung des Prinzen Sixtus, deren Einleitung übrigens dem deutschen Verbündeten, allerdings ohne Nennung des Vermittlers, mitgeteilt worden war r), war jedoch inzwischen, wenn aus keinem anderen Grund, so jedenfalls an dem sehr heftigen Widerstand Italiens gescheitert, von den im Londoner Vertrag anerkannten „Aspirationen“ etwas nachzulassen, während Österreichs Kaiser höchstens zu einer Abtretung von Welschtirol geneigt gewesen wäre. Ebenso führten die Besprechungen Revertera—Armand, über deren Verlauf die deutsche Reichsregierung ständig unterrichtet wurde, wegen der unannehmbaren Bedingungen, die für einen allgemeinen Frieden von der Entente an Deutschland gestellt wurden, zu keinem Ergebnis. Wesentlich weniger schwer waren die an Österreich-Ungarn bei einem Sonderfrieden gestellten Forderungen; was man dem Habsburgerreich an Gebieten zugunsten der Genossen des Vielverbandes abnehmen wollte, versprach man ihm aus reichsdeutschem Besitz zu ersetzen. Aber ein solches Ausspringen der Donaumonarchie aus dem Bündnis kam aus mehrfachen Gründen nicht in Frage; der Versuch wäre in der Donaumonarchie, so lange Deutschland aufrecht stand, wohl auch von schweren inneren Erschütterungen begleitet gewesen, denen sie erst recht nicht standgehalten hätte.
Wie diese Friedensversuche blieben auch andere Bestrebungen erfolglos, unter ihnen vor allem der von hohem Verantwortungsbewußtsein getragene Friedensschritt des Papstes Benedikt XV. im August und September 1917 2). Am 9. Oktober schnitt Kühlmann, der deutsche Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, alle Erwägungen über ein Opfer Deutschlands im Westen durch sein in die Volksvertretung gerufenes „Nein, nein, niemals!“ für die weitere Kriegszeit ab. Auch zu einer namentlich durch den Papst befürworteten Erklärung über die
Protokoll über die am 16. März 1917 zwischen Czernin und Bethmann-Hollweg zu Wien geführten Besprechungen (Haus-Hof- und Staatsarchiv).
-) Vgl. u. a. Lama, Die Friedensvermittlung Papst Benedikt XV. und ihre Vereitlung durch den deutschen Reichskanzler Michaelis (München [ 1932J), und die Gegenäußerungen von MontgeLas ,.Ein Schlußwort“ (Berliner Monatshefte, Jhrg. 1932, 1125 ff.).
Zukunft Belgiens vermochte sich die deutsche Regierung, bestärkt durch die Heeresleitung, nicht durchzuringen, da sie das belgische Faust pfand nicht vorzeitig preisgeben wollte.
Österreich - Ungarn in den militärischen Pläne n d c r
Entente
Die Besonderheit der internationalen Lage Österreich-Ungarns spiegelte sich auch in der Rolle wider, die das Reich diese Zeit über in den militärischen Erwägungen der Entente spielte. Zumal LloydGeorge hatte sich schon auf der Konferenz zu Rom, Ende Dezember 1916, nachdrücklich für den Einsatz starker Kräfte der Alliierten zu einer gemeinsamen Isonzooffensive ausgesprochen (S. 16). Seiner Überzeugung nach war durch einen solchen Angriff die gegnerische Phalanx an ihrer empfindlichsten Stelle zu treffen. Der britische Premier hatte von der militärischen Widerstandskraft des Donaureiches eine sehr geringe Meinung, die vielfach auf falschen Voraussetzungen fußte, so auf der Ansicht, daß die italienische Infanterie der gegnerischen mora lisch überlegen, die italienische Artillerie jedoch der des Gegners zahlenmäßig unterlegen gewesen sei 34). Begreiflicherweise nahm der italienische Generalstabschef die Aufmerksamkeit, die Lloyd-George der Isonzo-front zuwandte, dankbar zur Kenntnis. Doch dachte er, wenn er in jenen Wochen von einer Ententehilfe für das venezianische Kriegstheater hörte, weit mehr als an einen Angriff an die Abwehr einer von den Mittelmächten gemeinsam unternommenen Offensive, die er damals für sehr wahrscheinlich hielt. Die ganze Frage kam jedoch fürs erste über ein Studium am grünen Tisch nicht hinaus, da die französischen und die englischen Militärs mit ihrem Plan zu einem großen Angriff in Frankreich den Sieg davontrugen.
Die Vorbereitungen zu diesem Angriff durchkreuzte Hindenburg zunächst durch seinen überraschenden Rückzug in die Siegfriedstellung (S. 120 . Drei Wochen später flammte dennoch die Doppelschlacht bei Arras und in der Champagne auf (S. 121f.j. Inzwischen schwand auch Cadornas Befürchtung wegen einer gemeinsamen Offensive der Mittelmächte gegen das italienische Heer. Dieses trat am 12. Mai, als die Schlachten im Westen bereits abgeebbt waren, zu seinem zehnten Isonzo
1 Lloyd-George, Mein Anteil am Weltkrieg Mn deutscher Sprache. Berlin 1934, II, 182 und 195.
angriff an. Die Schlacht endete nach manchen örtlichen Erfolgen mit dem sieggekrönten Gegenstoß, den die öst.-ung. Truppen am 3., 4. und 7. Juni bei Selo auf dem Karst unternahmen (S. 178 f.).
Unterdessen hatten die schweren Erschütterungen in der französischen Armee (S. 232) und die England durch den U-Bootkrieg drohenden Gefahren die Aufmerksamkeit des britischen Premiers neuerlich auf Österreich-Ungarn als Angriffsziel gelenkt. Bestärkt wurde er hierin einerseits durch die mehrfachen Unterredungen, die er mit dem Prinzen Sixtus hatte, anderseits durch das Italien und Österreich-Ungarn gleicherweise eigene Widerstreben, einander in der Gebietsfrage entgegenzukommen. Sir Rennel Rodd, der britische Botschafter in Rom, hatte im April an seinen Regierungschef geschrieben, daß Österreich-Ungarn nicht gewillt sei, an Italien Landbesitz abzutreten; nach einer gemeinsamen Offensive der Entente gegen das Donaureich werde dieses wohl eher zu Abtretungen geneigt sein, womit die Vorbedingungen für einen Sonderfrieden geschaffen wären. Lloyd-George stimmte diesen Gedankengängen zu; er sagte sich, ein Ausspringen Österreich-Ungarns würde auch die Türkei und Bulgarien zu gleichem Tun nötigen, worauf Deutschland in völliger Vereinsamung geschlagen werden könnte *).
Der britische Generalstabschef Robertson und der Feldmarschall Haig, seit dem Jahreswechsel Befehlshaber der englischen Streitkräfte in Frankreich, hatten ihren Blick jedoch seit längerem wie gebannt auf die deutschen Stellungen bei Ypern gerichtet, weil diese den entscheidend wichtigen U-Boothafen von Zebrügge deckten; die Entscheidung lag nach ihrer Ansicht in dieser Richtung. Für die französische Kriegsleitung bestand begreiflicherweise kein Anlaß, sich diesen englischen Plänen zu widersetzen, deren Ausführung ja doch die durch die innere Heereskrise noch mitgenommenen französischen Fronten unmittelbarer entlasten würde, als ein gemeinsamer Angriff am Isonzo. Dem blutigen Ringen der Flandernschlacht ging am 7. Juni die Sprengung des Wytschaetebogens durch die Engländer voraus, bei der die Deutschen empfindliche Verluste an Mann und Gerät erlitten.
Nebenbei verschloß sich jedoch Foch, wie sich bei der Besprechung mit Gen. Robertson, anfangs Juni 1917, erwies35), keineswegs völlig den
Erwägungen des britischen Regierungschefs in bezug auf die italienische Front; Italien könne, wenn man ihm mit schwerem Geschütz und entsprechenden Munitionsmengen beispränge, sehr wohl in der Lage sein, gemeinsam mit dem damals zu seinem letzten Angriff rüstenden Rußland das kriegsmüde Donaureich zum Verlassen des Bündnisses zwingen.
ln der Tat hatte sich Cadorna noch vor der zehnten Isonzoschlacht mehrmals an die beiden Westmächte mit der Bitte um schweres Geschütz gewendet. Er verlangte mindestens hundert Rohre mit entsprechender Munition. Am 16. Juli schrieb er an Foch, daß sein Heer wegen der eingetretenen Munitionskrise kaum befähigt sein werde, vor Ende August den Angriff wieder aufzunehmen. Foch gab der Meinung Ausdruck, das Eisen in Italien so lange zu schmieden, als es warm sei36) zumal sich immer wieder zeige, daß Österreich-Ungarn einem Sonderfrieden nicht abgeneigt sei. Pétain ließ einige Batterien nach Venetien abgehen.
Wenige Tage später aber fuhr das Vergeltungsschwert der Verbündeten bei Złoczów in die mühsam aufgepeitschten Sturmsäulen der Russen hinein, und wieder einige Tage darauf hatte Foch den Eindruck, daß der Russe nun nicht mehr als kampffähiger Bundesgenosse in Betracht kommen könne. Als sich am 24. Juli die Staatsmänner der Alliierten neuerlich in Paris zu einer Beratung zusammenfanden, vertrat Foch die Auffassung, daß es nun an der Zeit sei, alle an den anderen Fronten irgendwie entbehrlichen Kräfte zur Abwehr in Frankreich zu versammeln und sie dort festzuhalten, bis der Amerikaner kommen würde. Der bewegliche Waliser Lloyd-George hingegen vermochte den Zusammenbruch Rußlands noch nicht als vollendete Tatsache anzuerkennen, kam aber gleichzeitig wieder auf seine Lieblingsidee zurück, sich mit vereinten Kräften auf Österreich-Ungarn zu stürzen und durch dessen Bezwingung den etwaigen Ausfall Rußlands wettzumachen.
Gen. Cadorna griff die Anregung des britischen Ministerpräsidenten gerne auf, unterstrich die mannigfaltigen Möglichkeiten, die sich für die Alliierten aus einem gemeinsamen Isonzoangriff ergäben, und forderte für einen solchen, wenn er kriegsentscheidend wirken solle, eine Verstärkung durch 10 Infanteriedivisionen und 400 Geschütze37). Robertson stimmte nun wohl grundsätzlich zu, jedoch erst für die Zeit nach der unmittelbar bevorstehenden Flandernoffensive, deren Ausklang seiner Ansicht nach nicht vor Ende November zu erwarten war. Sonnino berichtete über das unmittelbare Bevorstehen einer neuen Isonzooffen-sive, die jedoch wegen des Mangels an Kampfmitteln nicht entscheidend sein werde. Lloyd-George sprach sich neuerlich für den Einsatz britischer und französischer Streitkräfte inVenetien aus. Gen. nob. Albricci als Vertreter Cadornas erklärte, daß als äußerste Frist für eine solche gemeinsame Offensive auf dem italienischen Kriegstheater nur die letzten Augusttage in Betracht kämen. Wäre diese Offensive bis dahin nicht durchzuführen, dann müsse man sich bis Mitte Mai 1918 bescheiden. Die Regierungschefs luden die Generalstäbe ein, die Vorbereitungen für einen Frühjahrsangriff in Venetien zu treffen. Foch und Robertson beschlossen die Beistellung von je fünf Divisionen und 200 Geschützen durch jedes der beiden Heere. In einem Schreiben vom 21. August, als die Italiener bereits zum elften Male die Isonzofront berannten, kam Foch dem Gen. Cadoma gegenüber auf diese Abmachung zurück, wobei er betonte, daß die beiden Italien zugedachten Armeen der Alliierten unter den Oberbefehl der italienischen Heeresleitung treten würden.
Mit diesen Zusicherungen stellten die Westmächte ihrem italienischen Bundesgenossen einen Wechsel auf die Zukunft aus, der allerdings ganz anders, als geplant, eingelöst werden sollte.
Inzwischen hatte in den blutgetränkten Ebenen Flanderns ,,die hunderttägige Schlacht“ begonnen, deren Schrecken und Leiden die von Verdun und der Somme noch überbieten sollten. Eingeleitet wurde sie am 22. Juli durch ununterbrochenes Feuer aus 2300 Geschützen, das sich am 31. früh zu erdbebenartiger Kraft steigerte. Dann brachen um 6h50 auf einer 40 Kilometer breiten Front beiderseits von Ypern von zwei britischen und einer französischen Armee zunächst 15 Divisionen (14 britische, 1 französische) gegen drei deutsche Korps vor. Nach drei Tagen waren an einigen Stellen die Verteidiger etwas zurückgedrängt, dann war die Wucht des Ansturmes gebrochen. Nachdem am 15. an einem anderen Teile der Front, bei Arras, vier kanadischen Divisionen ein kleiner Einbruch gelungen war, folgten am 16. und am 22. August neue Großkampftage in Flandern1). Aber deutsche Tapferkeit und das neue Abwehrverfahren versagten auch diesmal nicht. Als Ende August die erste Phase der Flandernschlacht ihrem Ende entgegenging, hatten die Engländer auf 20 km Frontbreite unter gewaltigsten Opfern einen Raumgewinn von anderthalb Wegstunden erzielt.
Montgelas in der Propyläen-Weltgeschichte, X (Berlin 19 3 31, 427 f.
Hern von dieser Walstatt war am 20. August an der Nordfront von Verdun auf Zuruf der Alliierten auch der französische Poilu nach langem Stilliegen wieder aus seinem Graben vorgestürmt. Er drückte nördlich der Feste auf beiden Maasufern die deutschen Stellungen um 2 bis 4 km zurück. Die Bedeutung dieses Ereignisses war nicht in diesem örtlichen Erfolg zu suchen, sondern darin, daß es die Wiedergenesung des französischen Heeres nach den schweren Fiebern des Spätfrühlings verriet.
Zugleich mit diesen Kämpfen hatte England mit größter Tatkraft seine Gegenzüge wider den uneingeschränkten U-Bootkrieg aufgenommen. Allenthalben wurden scharfe Maßnahmen ergriffen: Rationierung, Einfuhrverbot für alle entbehrlichen Dinge, Beschlagnahme neutralen Schiffsraumes, der mit der Zeit bis zur Hälfte britischen Bedürfnissen dienstbar gemacht wurde, Bau von Holzschiffen, gründliche Umstellung der landwirtschaftlichen und bergbaulichen Erzeugung, eifrigster Ausbau der U-Bootwehr mit technischen Mitteln aller Art. Zudem sprangen die Vereinigten Staaten sofort helfend bei, indem sie vom Juni an alles überschüssige Getreide nach England führten und zugleich auch ihrerseits den Bau von Holzschiffen in größtem Umfange betrieben.
Des weiteren kamen die Alliierten überein, bis zum Eingreifen der Amerikaner die Erzeugung von schwerem Geschütz, Giftgranaten, Flugzeugen und Kampfwagen in ihren Rüstwerkstätten auf ein Höchstmaß zu steigern. Wenn es je in den letzten Monaten Augenblicke wirklichen Kleinmutes gegeben hatte — sie waren nun, nicht zuletzt dank der zähen Entschlossenheit von Männern wie Ribot, Painlevé, Foch und Pétain in Frankreich, wie Lloyd-George und Robertson in England, überwunden. Allerdings darf man eins nicht vergessen: während etwa der deutsche Gelehrte dem deutschen Soldaten mit dem Bleistifte in der Hand vorrechnete, daß er auch in den Tümpeln, Überschwemmungsfeldern und wassergefüllten Trichtern Flanderns nur einer gewissen Menge von Kalorien an Nahrungszufuhr bedürfe und nicht um eine mehr, zogen Engländer und Franzosen, und auch die Italiener am Isonzo, immer wieder reich gesättigt und aufs beste bekleidet in die Schlacht. Sie lebten im Vergleich zu den Streitern des Vierbundes noch immer im Überfluß. Der von der Entente immer heftiger betriebene Ideenkrieg änderte nichts an der Tatsache, daß das Ringen um den Sieg aus dem Reiche des Geistigen und Ethischen immer mehr in die Ebene des Materiellen herabsank.
DER HOCHSOMMER 1917 AN DER SÜD WESTFRONT
Die Vorboten des neuen Ringens Hiezu Beilage 19
Der Angriff spinn der Italiener
Die Ablehnung der Alliierten, Heereskörper zur Verstärkung beizustellen, nötigten die italienische Heei'esleitung, im August 1917 den blutigen Strauß am Isonzo noch einmal allein aufzunehmen. Das zahlenmäßige Verhältnis war für den Angreifer noch immer recht günstig, zumal er in der Kampfpause sechs neue Infanteriedivisionen (Nr. 64— 69) und zahlreiche schwere Batterien mit viel Munition einzustellen vermochte.
Für den neuen Angriff gab die italienische Heeresleitung keine ausführlichen schriftlichen Weisungen aus, wie etwa für die zehnte Isonzoschlacht, die nur hemmend gewirkt hatten und alsbald abgeändert werden mußten. Gen. Cadoma beschränkte sich diesmal auf allgemeine Richtlinien. Die künftige Kriegshandlung sollte von der 2. und der 3. Armee gleichzeitig durchgeführt werden. Die 3. Armee behielt als Ziel die Eroberung des Karstlandes von Comen. Die 2. Armee hatte die Hochfläche von Ternová zu gewinnen und sich zur Erleichterung dieser Aufgabe vorerst der Hochfläche von Bainsizza zu bemächtigen. Gegen den Brückenkopf von Tolmein konnten Ablenkungsangriffe geführt werden. Im übrigen wurde den Unterführern freie Hand gelassen. Zum Unterschied von der während der zehnten Schlacht von der Heeresleitung gehegten Befürchtung, daß ein Stillstand der Mitte im Görzer Becken die Einheitlichkeit der Kriegshandlung gefährde, war nunmehr ausdrücklich vorgesehen, daß im Abschnitt zwischen der Wippach und Salcano zunächst kein entscheidender Angriff geführt werde.
Die Richtlinien der Heeresleitung, die offenbar ein Eingehen auf die Anschauungen des Führers der 2. Armee, des Gen. Capello, zeigen, wurden durch diesen General recht willkürlich aufgefaßt und abgeändert. Seine Blicke richteten sich gegen den Brückenkopf von Tolmein, den zu erobern er sich als „Hauptziel“ vornahm. Auf diese Weise erweiterte
sich das Angriffsfeld wieder um ein gutes Stück gegen Norden. Ende Juli gab Gen. Capello die genauen Weisungen für die Vorbereitung zur Durchführung des Angriffes der 2. Armee. Die Anordnungen der 3. Armee waren nicht viel verschieden von denen für die zehnte Schlacht und können hier übergangen werden. An den Befehlen des Gen. Capello ist bemerkenswert, daß der Hauptangriff von den Korps II, XXIV und XXVII „mit von Süden gegen Norden anwachsender Kraft durchzuführen war“. Das auf dem rechten Armeeflügel fechtende VI. Korps sollte nur zum Scheine bei Grazigna angreifen. Der linke Armeeflügel, das verstärkte IV. Korps, hatte den Mrzli vrh zu gewinnen und nebenbei den Gegner vor seiner ganzen Front durch Teilangriffe zu fesseln.
Der Großangriff dieser Armee sollte in drei Phasen vor sich gehen. In der ersten sollte das XXVII. Korps die Linie St. Luzia—Lom Hoje—Levpa erreichen. Das XXIV. und das II. Korps hatten den Höhenrand Vrh—Jelenik—Kobilek—Mt. Santo zu gewinnen. In der zweiten Phase sollten das II. und das XXIV. Korps ostwärts etwa um drei Kilometer fortschreiten, während das XXVII. Korps durch Stirnangriff und gleichzeitige Umfassung von Süden her den Brückenkopf von Tolmein zu erobern hatte. Zur Brreichung dieses Zieles sollte auch das IV. Korps beitragen, indem es sich vom Mrzli vrh her auf der Kammlinie gegen Süden auszubreiten hatte, während frische Kräfte, die Gen. Capello zwischen dem IV. und dem XXVII. Korps einzufügen gedachte, den Schloßberg erobern und in das Becken von Tolmein einbrechen sollten. An der zweiten Phase hatte auch das VI. Korps teilzunehmen, dem ein mit aller Entschiedenheit gegen den Mt. S. Gabriele auszuführender Angriff zugedacht war.
Bemerkenswert ist, daß das ursprünglich von der Heeresleitung der 2 Armee vorgeschriebene Hauptziel, die Eroberung der Hochfläche von Temova, in den Anordnungen des Gen. Capello erst ganz zum Schlüsse vorkam. Es hieß hier: „Nach dem Erreichen der angegebenen Objekte wird die vollständige Beherrschung der Niederung Idria—Chiapovano und die Eroberung der Hochfläche von Ternova angestrebt werden“1). Der Armeeführer bemerkte noch, daß die Kampfleitung nicht im angegebenen Rahmen erstarren, sondern sich vielmehr der jeweiligen Lage anpassen werde, um ieden Erfolg, wo immer sich ein solcher einstelle, durch raschen Einsatz frischer Kräfte auszuwerten. Dieser Absicht entsprechend wurden die Reserven, insbesondere mehrere bewegliche Artilleriegruppen, bereitgestellt.
1 C a p e 11 o. II, 100 f.
Anfänglich hatte die Heeresleitung die Bereitstellung von 46 Divisionen, vermehrt um 1700 mittlere und schwere Geschütze, für die Schlacht vorgesehen. Von diesen Kräften sollten der 3. Armee 20 Divisionen und 700 Geschütze, der 2. Armee 18 Divisionen und 85.0 Geschütze zugewiesen werden. Die Mitte bei Görz wurde mit 4 Divisionen und 150 mittleren und schweren Geschützen bedacht; weitere 4 Divisionen sollten die Heeresreserve bilden. Alsbald entschloß sich die Heeresleitung, den Krafteinsatz an der Julischen Front auf das Höchstmaß zu steigern, indem sie 51 Divisionen (das heißt 600 von den verfügbaren 887 Bataillonen), dazu 2400 mittlere und schwere Geschütze, sowie 1700 Minenwerfer bereitstellte. Die 1200 Feld- und Gebirgsgeschütze mitinbegriffen, stieg darnach die Zahl der schweren Waffen auf 5200 Rohre. Ferner standen zweieinhalb Kavalleriedivisionen zur Verfügung. •
Maßnahmen der öst.-ung. Führung
An der Isonzofront war die während der zehnten Schlacht herrschende Hochspannung nach dem Abflauen der Kämpfe nur langsam gewichen. Die Wucht des feindlichen Ansturmes war so eindrucksvoll gewesen, daß die Verteidiger die lähmende Wirkung, die ihr an der Adriaküste geführter Gegenstoß auf den Feind übte, nicht zu erkennen vermochten38). Man hielt sogar eine baldige Erneuerung des italienischen Großangriffes für wahrscheinlich.
Der anschließenden Offensive der Italiener in Südtirol (Ortigara) maß man keine besondere Bedeutung zu. Die Isonzofront wurde nach wie vor als das Hauptangriffsziel des Feindes angesehen, und seine vorübergehende Abkehr von dieser Front war sogar willkommen. Hier galt es nunmehr, die Tage der Ruhe bestens zu nützen, um das Kampffeld möglichst zu befestigen, die zerschlagenen Schanzen wieder instand zu setzen und neue Anlagen zu schaffen. Die Tatsache, daß die Italiener in der zehnten Schlacht den Angriffsraum nordwärts bis Canale erweitert hatten, zwang dazu, diesem Raume erhöhte Bedeutung beizumessen. Bisher war dieses die Hochfläche von Bainsizza—Heiligengeist und Bäte umfassende Gebiet nur dürftig bedacht gewesen. Um so nachdrücklicher wurde daher jetzt die beschleunigte Ausgestaltung gefordert. Die Öde dieses Karstlandes, die Wegarmut und der Wassermangel bereiteten ernste Sorgen. Gewaltige Schwierigkeiten mußten überwunden werden, um den jetzt bedeutend vermehrten Truppen auch nur den bloßen Aufenthalt in diesem entlegenen Gebiet zu ermöglichen. Hervorgehoben sei der Bau einer neuen Verbindungsstraße von der Bahnstation Grahova über Bukovo nach Reka zu der im Idriatal laufenden Straße und von Tribuša nach dem Orte Chiapovano.
Hier waren überdies die Verteidigungsanlagen sehr mangelhaft. Namentlich die Stellung zwischen Descla und Vodice, die erst während der zehnten Schlacht besetzt worden war, mußte von Grund auf neu gebaut werden, und zwar im Angesicht des Feindes, der vom Kukrücken und von der Höhe -<^ 652 das Gelände überblickte. Begreiflich ist es, daß die Frage erwogen wurde, diese Höhen den Italienern wieder zu entreißen. Die Heeresleitung forderte hierüber Aufklärung; GO. Boroevic riet aber in einem am 16. Juni erstatteten ausführlichen Bericht von einem solchen Unternehmen ab. Hiezu würden mindestens zwei frische Divisionen und eine ansehnliche Artillerieverstärkung notwendig sein. Diese Kräfte könne er in eigenem Wirkungskreis nicht freimachen. Nach der allgemeinen Lage sei mit baldigen neuen Angriffen des Feindes zu rechnen; denn er träfe unausgesetzt Vorbereitungen zur Fortsetzung der Offensive. Vielleicht handle es sich nur mehr um Tage, bis der Kampf wieder losbräche. Die Isonzoarmee müsse daher ohne Unterbrechung zur Abwehr bereit sein, um sich keinen unliebsamen Überraschungen auszusetzen.
Der Armeeführer gab bei diesem Anlasse seiner Meinung über die mögliche Entwicklung eines neuen feindlichen Angriffes Ausdruck. Der Italiener beabsichtige nach wie vor die Eroberung der Stadt Triest. Dieses Bestreben mochte auch das nächstemal nicht auf den kürzesten Weg über die Hermada und Comen beschränkt bleiben. Ablenkungsvorstöße seien wieder gegen den Abschnitt Descla—Mt. Santo, eventuell auch noch weiter nördlich gegen den Raum Krn—Tolmein zu gewärtigen. Diesem Gesichtspunkte entsprechend habe er seine Kräfte gruppiert. „Diese Kräfte lassen das weitere Durchhalten erhoffen; sie befähigen aber angesichts der feindlichen Übermacht keineswegs zu initiativen Handlungen größeren Stils.“
Aus diesen Ausführungen erhellt mit aller Deutlichkeit, daß der Führer der Isonzoarmee sich in die seit zwei Jahren geübte abwartende Rolle des Verteidigers tief eingelebt hatte, und daß er aus verschiedenen
Gründen der Kunst des Manövers abhold war1). So war denn auch ein von den Führern auf der Karsthochfläche schon vor Beginn der zehnten Schlacht in Erwägung gezogener Plan zu einem „Hieb aus der Parade“, zu einem sofortigen Gegenstoß nach der ersten Abwehr des feindlichen Angriffes, vom Armeeführer rundweg abgelehnt worden. Dieser Einstellung entsprechend, hatte GO. Boroevic auch gezögert, die Einwilligung zu dem dann am 4. Juni ausgefochtenen Gegenangriff an der Küste zu geben. Die andauernde Sorge, eintretende Verluste nicht ersetzen zu können, legte allerdings der Führung Zurückhaltung auf. Beim Vergleich der beiderseitigen Kräfte zeigte es sich, daß das Verhältnis der eigenen Kräfte zu jenen des Feindes mindestens wie eins zu zwei blieb, obgleich die Italiener in der zehnten Schlacht erwiesenermaßen bedeutend größere Verluste erlitten hatten als die Isonzoarmee. Während aber italienische Brigaden, die als zerschlagen galten, sehr bald wieder mit vollen Ständen an der Front auftauchten, war das Wiederherstellen der eigenen Verbände schwierig. Das Sammelbecken der Marschformationen mußte fast ganz ausgeschöpft werden, und der Zufluß neuer Ersatzmannschaft blieb gering. Die Heeresleitung vermochte den Bitten um sogenannte „außertourliche Marschformationen“ kaum zu entsprechen.
Im Laufe des Juni wurden drei abgekämpfte Divisionen, die 7., die 16. und die 62. ID., nach dem Osten abbefördert, Während der zehnten Schlacht waren die 24. und die 35. ID. sowie drei einzelne Infanterieregimenter, nach ihnen auch die 12. ID. und die 21.SchD. eingetroffen. Einige Einheiten mußten im Juni nach Tirol abgesendet werden. Am l.Juli wies dann die Isonzoarmee nur um eine Division mehr auf als zu Beginn der zehnten Schlacht. Ihre Gliederung und ihre Gefechtsstärke Mitte August sind der Beilage 19 zu entnehmen.
Die Juliereignisse in Galizien machten es der Heeresleitung unmöglich, Kräfte aus dem Osten an den Isonzo zu verlegen. Da war es nun Aufgabe des Kommandanten der Südwestfront, FM. Erzherzog Eugen, bei sorgfältiger Prüfung der Lage und der Maßnahmen des Feindes, den Bedarf an Abwehrkräften für Tirol sowie für den Isonzo abzuwägen. Die Ortigaraschlacht hatte ihn veranlaßt, das 73. IDKommando mit der 2. GbBrig. (Bataillone IV/20, I 21, 1/90, FJB. 12 und bh. FJB. 8) von Laibach nach Tirol zu verlegen. Am 13. Juli wurden diese Einheiten zurückbeordert und dadurch die 73. ID. als Reserve der Südwestfront bei Laibach wieder vereinigt. In dem Maße wie dann die Wahrschein-
x) Vgl. Glaise-Horstenau, Svetozar Boroevic von Bojna (Neue österreichische Biographie, I, Wien 1923, 109 ff.).
lichkeit eines neuerlichen Vorhabens der Italiener gegen Tirol geringer wurde, hingegen ihre Drohung am Isonzo wuchs, verfügte Erzherzog Eugen die Überführung von Kräften von jener zu dieser Front.
Noch Mitte Juli mußte die Heeresgruppe FM. Conrad sechs Batterien und abermals sechs Bataillone (IR. 57 und SchR. 36) abgeben. Schließlich sollte sie ,,alle halbwegs entbehrlichen Kräfte für eine Abbeförderung bereitstellen, da der Beginn einer neuen Isonzoschlacht in der letzten Juliwoche erwartet“ werde. FM. Conrad stellte weitere drei Bataillone (II 51, III 57 und FJB. 23) sowie drei Batterien zur Verfügung. Zugleich sah er sich aber veranlaßt, seinem Bedenken gegen eine weitere Schwächung der Tiroler Front Ausdruck zu geben, denn die ganze Heeresgruppe stelle „nur mehr einen dünnen Schleier vor, den der Gegner durch lokale Truppenkonzentrierungen überall, wo es ihm beliebt, zerreißen kann“. Auch die 10. Armee in Kärnten erhielt am 20. Juli den Befehl, „vorläufig“ zwei Bataillone (V 47 und VI bh.4) an der Bahn bereitzuhalten.
Nicht nur einlaufende Nachrichten über den Feind, sondern auch seine im Juli zunehmende Rührigkeit am Isonzo mußten als Vorzeichen einer neuen Schlacht gewertet werden. Derartige Merkmale waren das Auftauchen neuer Batterien, die lebhaftere Tätigkeit seiner Flieger und örtliche Vorstöße von Sturmabteilungen. Unter diesen sei nur ein Gefecht erwähnt, das sich am 16. Juli im Morgengrauen bei Veršič <2i2km südwestlich von Kostanjevica) entspann. Die Italiener bemächtigten sich eines Teiles der Stellung der 12. ID., wurden aber im Laufe des Tages hinausgeworfen.
Der für Ende Juli erwartete italienische Großangriff blieb aber aus. In der ersten Augustwoche gab es an der ganzen Südwestfront kein nennenswertes Ereignis. Es fiel jedoch auf, daß die Italiener an verschiedenen Orten der Tiroler Front vorspringende Stellungsteile räumten, so in den Fassaner Alpen und in der Vallarsa, und zugleich, offenbar um das Abziehen von Kräften zu verschleiern, an anderen Orten kleine Unternehmungen durchführten. Am 7. August war Erzherzog Eugen der Auffassung, daß die elfte Isonzoschlacht nahe bevorstehe, und befahl dem FM. Conrad, außer den zuletzt bereitgestellten drei Bataillonen noch weitere vier zur Verfügung zu halten. Die 10. Armee mochte hingegen ihre Bataillone behalten, da jetzt die Meinung aufkam, der Feind könne auch an der Kärntner Front offensiv werden. Wieder verging eine Woche voll spannender Erwartung. Vom 14. August an nahm die Tätigkeit der italienischen Artillerie außerordentlich zu. Mit
Hilfe von Fliegerbeobachtern beschossen weittragende Batterien die Aufstellungsplätze der Reserven, die Anmarschwege und die Standorte der höheren Führer. Das Kommando des XXIV. Korps, das schon am
11. August Ziel eines schweren Fliegerbombenangriffes gewesen war, übersiedelte von Chiapovano nach Lokve. Ein großes Munitionslager bei Grapa südöstlich von Tolmein wurde getroffen und flog in die Luft. Das XV. Korpskmdo., das zunächst noch bei Podmelec ausharrte, sah sich schließlich genötigt, ebenfalls den Standort zu wechseln und ging nach Hudajužna, um nicht vollkommen ausgeschaltet zu werden.
In diesen Tagen höchster Spannung fand ein Vorfall zunächst wenig Beachtung, der sich auf dem äußersten Nordflügel der Armee ereignete, und der wegen der staunenswerten Kühnheit der daran Beteiligten hervorgehoben zu werden verdient. Schon Wochen vorher hatte die Besatzung des Krn die Vermutung ausgesprochen, daß die Italiener unter der Erde einen Stollen Vortrieben. Ein zur Feststellung berufener Sappeuroberleutnant erkannte die große Gefahr, in der die Besatzung schwebte und ging sofort ans Werk, um mit seinen 30 Sappeuren dem Feind entgegenzuarbeiten. Mitte August stieß die unter größter Lebensgefahr im Felsen bohrende Schar richtig auf die schon zur Sprengung vorbereitete Mine. Sie wurde knapp vor der Zündung unwirksam gemacht; die maßlos erstaunten italienischen Mineure wurden aus den Stollengängen verjagt1). Durch die tollkühne Tat wurde nicht allein die Besatzung des Km vor namenlosem Unheil bewahrt, sondern auch der Feind derart überrascht, daß er von einem offenbar als Auftakt zur elften Isonzoschlacht beabsichtigten Sturm gegen die bezeichnete, bedeutsame Bergstellung absah2).
Um die Mitte August stieg die Zahl der italienischen Überläufer von Tag zu Tag. Mit dem Ruf: „Auf nach Mauthausen!" 5) kamen mancherorts ganze Trupps herüber. Das war ein sicheres Zeichen, daß der Großangriff unmittelbar bevorstehe. Es zeigte sich aber zugleich, daß der Geist bei den italienischen Truppen gelitten hatte. Die Angaben der Gefangenen und das Verhalten der Artillerie ließen den Beginn des Angriffes für den 18. August fast mit Sicherheit Voraussagen.
Wolf-Schneider v. Arno, Der Minenkampf am Krn 1917 (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1936, 1 ff.).
2) Oberleutnant i. d. R. Gjuro Hoffmann des SB. 13 wurde in Würdigung dieser tollkühnen Tat mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet.
3) In Mauthausen befand sich ein vornehmlich für Italiener bestimmtes Kriegsgefangenenlager.
Der erste Ansturm der Italiener 18. bis 21. August)
Hiezu Beilagen 19 und 20
In der Tat begann am 18. August die italienische Artillerie, ihr Zerstörungsfeuer auf die ganze Front der Isonzoarmee, von der Küste nordwärts bis zum Alrzli vrh, zu legen. Hinter den unter dem Eisenhagel zerfallenden Brustwehren harrte die Infanterie in den Unterständen Stunde um Stunde. Heiß brannte die Augustsonne über das öde Land. Der Abend brachte Abkühlung, aber weiter rollte der Donner der Geschütze. Als nach einer grauenvollen Nacht der neue Tag anbrach, liefen beim Armeekommando von allen Teilen der Front Meldungen ein, die italienische Lifanterie schreite zum Angriff. Selbst auf dem nördlichsten Armeeflügel, der in den früheren Schlachten unberührt geblieben war, entspannen sich lebhafte Kämpfe. Hier griff die italienische 46. ID. die Stellungen auf dem Mrzli vrh an, die von der
3. GbBrig. hartnäckig und schließlich mit vollem Erfolg verteidigt wurden. Vor dem Brückenkopf von Tolmein, den die Mitte des XV. Korps hielt, führte die italienische 19. ID. Scheinangriffe, die sehr rasch auch als solche gewertet wurden und keinen sonderlichen Eindruck übten. Um so ernster gestaltete sich der Ansturm des Feindes gegen den linken Flügel des genannten Korps und insbesondere gegen den rechten Flügel des XXIV. Korps.
Wie bereits ausgeführt, hatte Gen. Capello, der Führer der italienischen 2. Armee, das Schwergewicht seiner gewaltigen Übermacht, zunächst fünf Divisionen, gerade auf jenen Raum gelegt, wo er den schwächsten Widerstand erwarten konnte, auf den Isonzoabschnitt zwischen Selo und Descla (S. 432). Hier standen die 22. LstGbBrig. der 1.ID. und, flußaufwärts von Loga, die 21. SchD. in sehr schütterer Aufstellung. Dank einer sehr gründlichen Vorbereitung vermochten die Italiener den Isonzo, der als beachtenswertes Hindernis der Stellung des Verteidigers vorlag, im Schutze der Nacht und bei reicher Verwendung von künstlichem Nebel zu überschreiten. Sie schufen nach verhältnismäßig rascher Überwältigung der Uferposten alsbald eine für die Verteidiger ernste Lage. Cadorna bezeichnete diese Flußbezwingung als eine der „glänzendsten Leistungen, die vom Gen. Capello klug vorbereitet und von den Truppen heldenhaft durchgeführt worden sei“ x). In der Tat war die Vorbereitung sehr gründlich gewesen. Auf der zum Übergang gewählten, rund 12 km langen Fiußstrecke war der Einbau von nicht weniger als elf Brücken und drei Stegen vorgesehen worden. Zum Heranführen des Gerätes waren neue Straßen vom Kolovrat-rücken hinab ins Tal angelegt und besondere, gummibereifte Fuhrwerke angeschafft worden. Gen. Caviglia, der Führer des italienischen XXIV. Korps, berichtet ferner, daß er mehr als eine Woche damit verbracht habe, die Einzelheiten der Wehranlagen des Gegners zu ermitteln, wobei ihm ein aus den österreichischen Stellungen bei Canale herübergekommener Überläufer tschechischer Nationalität, der sich fälschlich als Hauptmann aus^ab, begleitete und wertvolle Angaben machte2).
Trotz alledem gelang das großangelegte Unternehmen nicht in vollem Umfange. Im Angriffsabschnitt Selo—Ronzina des XXVII. Korps, das die 22. ID. und sechs Alpinibataillone über den Isonzo werfen sollte, konnten nur zwei Brücken und ein Steg errichtet werden. Der Versuch, drei weitere Brücken einzubauen, scheiterte an der Wachsamkeit der Verteidiger. Aber auch die bei Doblar geschaffenen Übergänge standen bald unter lebhaftem Geschützfeuer, wodurch Stauungen entstanden. Die ganze Anlage des Unternehmens war von Haus aus vornehmlich durch das Scheitern des Brückenbaues bei Javor erheblich gestört. Man suchte Auswege, wollte die Kolonnen umlenken. Die Befehlgebung versagte, die Truppen kamen von ihrem Ziele ab. Es entstand eine völlige Wirrnis. Und die zwei schwachen ungarischen Landsturmbataillone V/4 und IX/19 der 22. LstGbBrig., die die 6 km lange Uferstrecke bewachten, kämpften trotz des schauerlichen Eisenhagels, der auf sie niederschmetterte, am Abend zum Teil noch in den vordersten Gräben, zum Teil auf den nahen Uferhöhen. Der Kommandant des XV. Korps, FML. Scotti, ließ wegen der Bedrohung des linken Flügels das SchR. 37 aus dem Idriatal auf die Hochfläche von Lom aufsteigen. Es war ein Glück für den Feind, daß dieses Regiment nicht gleich zur Stelle war. „Ein sofortiger Gegenangriff hätte die Italiener gewiß über den Fluß zurückgejagt3).“
Weniger Reibungen gab es beim Übergang des italienischen XXIV. Korps, das zum Flußübergang zwischen Loga und Descla die durch zwei Alpinibataillone verstärkte 47. Bersaglieridivision und die 60. ID.
x) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 399.
• 2) Caviglia, La battaglia della Bainsizza (Milano 1930), 62.
3) Pinchetti, 230.
bereitgestellt hatte. In dem genannten, von der 21. SchD. verteidigten Abschnitt gelang es den Italienern in der Nacht auf den 19. August vier Brücken und zwei Stege zu schlagen. Allerdings mußte der beabsichtigte Bau einer fünften und sechsten Brücke bei Canale und bei Morsco wegen des gegnerischen Artilleriefeuers unterbleiben. So konnten die Bersaglieri noch vor Tagesanbruch in großer Zahl das linke Ufer gewinnen und dann die 42. SchBrig. (zunächst das SchR. 28) überwinden, während die 60. ID. der Italiener an der tapferen Gegenwehr der 41. SchBrig. abprallte. Die westböhmischen Schützen nahmen hiebei den bei Krestenica über den Fluß gelangten italienischen Abteilungen zahlreiche Gefangene und auch Maschinengewehre ab.
Der Kommandant der 21. SchD., GM. Haas, hatte zeitgerecht Gegenmaßnahmen eingeleitet. Allein, die zur Wiedergewinnung der Stellungen heranbefohlenen Reserven (SchR. 8) gerieten beim Vorgehen in ein derartiges Trommelfeuer, daß nur Teile das Hochbecken von Vrh erreichten. Sie vermochten dort nicht zu verhindern, daß der Feind den Höhenrand gewann. Wegen der Zerstörung aller Drahtverbindungen war es für die Gefechtsführung schwierig, ein Bild über die Lage zu gewinnen. Insbesondere konnte man nicht erfahren, wie die Lage bei Canale sei. In der Tat hielten Teile des 2. Bataillons des SchR. 28 noch bis zum 20. morgens ihre Stellungen und wurden erst überwunden, als ihnen der Feind von Norden her in den Rücken kam. Den sehr spärlich einlaufenden Meldungen war am Abend nur zu entnehmen, daß die Truppen im allgemeinen in der Linie Morsco—Vrh—Höhe -c>- 716 stünden. Daß der von der Höhe Fratta gegen Auzza hin angelegte Riegel von einzelnen verwegen tapferen Abteilungen noch gehalten wurde, stellte sich erst am nächsten Tage heraus, ln der Nacht traf das IR. 77 der 24. ID., die vom Armeekommando dem GdI. Lukas zur Verfügung gestellt worden war, in Humarji ein und gruppierte seine beiden Bataillone in der Dunkelheit beiderseits der Straße nach Vrh.
Inzwischen hatte die Masse des italienischen Fußvolkes, von zahlreichen Kampffliegern begleitet, die 36 km lange geschlossene Front von Descla abwärts bis zum Meere vergeblich bestürmt. In der Mitte des XXIV. Korps hielt die 106. LstlD. in den dürftigen und nun völlig zerschlagenen Schanzen am Östhang des Rohottales stand. Auf dem linken Flügel des Korps drangen die Italiener auf der Vodicehöhe und nördlich des Dolsattels in die Stellungen ein. Sie wurden aber durch entschlossene Gegenangriffe der 43. SchD. und der 57. ID. rasch hinausgeworfen. Selbst die mit Bomben und Maschinengewehren eingreifenden
Flieger vermochten die Verteidiger nicht einzuschüchtern. Auch alle folgenden Angriffe des II. und des VI. Korps der Italiener (3., 53., 8., 11. und 24. ID.) wurden im Raume Vodice—Mt. S. Gabriele in trefflichem Zusammenwirken von Infanterie und Artillerie abgewiesen.
Weit weniger gefährlich war der Ansturm gegen die festgefügte Front des XVI. Korps, das, gleichwie in der zehnten Isonzoschlacht, das Becken von Görz beherrschte. Hier wirkt.? der Feind in den ersten Morgenstunden zuerst durch reiche Verwendung von Gasgeschossen. Dann folgte ein halbstündiges Trommelfeuer, worauf die Truppen des italienischen VIII.Korps (7., 10., 48. und 59. ID.) zum Angriff vorbrachen. Nur an wenigen Stellen gedieh der Kampf bis zum Handgemenge. Zumeist gebot ihnen schon die Artillerie ein donnerndes Halt. Im regen Wechsel zwischen frisch auflebendem Trommelfeuer und neuen Vorstößen wurde der Kampf bis zum Abend fortgesetzt, um endlich mit zunehmender Dunkelheit sein Ende zu finden.
Entschieden und mit voller Wucht griff südlich der Wippach die Armee Aosta an. Auch hier leiteten die Italiener den Großangriff mit einer ausgiebigen Vergasung des Anlandes und einem heftigen Trommelfeuer gegen die ganze Front des Abschnittes III ein. Dieser nunmehr vom GdI. Henriquez befehligte Abschnitt stand in ganz ähnlicher Gruppierung wie in der zehnten Isonzoschlacht zur Abwehr gerüstet. Beim VII. Korps, FML. Schariczer, befanden sich nach wie vor die 44. SchD. und die 17. ID., ferner an Stelle der 41. HID. die 48. ID. in der Front. Das XXIII. Korps führte jetzt FML. Csicserics. Die Stellung dieses Korps war durch Weiterentwicklung und Verbindung der Linie 2a (Beilage 8) mit einigen Schanzen auf der Fornazzaplatte und zum sogenannten Veršičriegel hergestellt worden. Sie war durchaus nicht so widerstandsfähig wie die nördlich anschließende alte Stellung, die das
VII. Korps schon seit vielen Monaten besetzt hielt und vortrefflich ausgestaltet hatte. Auf dem Südflügel des XXIII. Korps stand die hervorragend bewährte 28. ID., in der Mitte die 35. ID., deren Truppen Ende Mai und anfangs Juni schon die Härte der Karstkämpfe zu fühlen bekommen hatten, während der rechte Flügel von der 12. ID. besetzt war, die auf diesem Kriegsschauplätze noch nicht gekämpft hatte. Hinter der Front des Abschnittes III standen im Raume S. Daniel — Sesana—Opcina von den großen Reserven der Armee die 9. und die 73. ID. sowie die 41. HID., während sich die 10. ID. als Reserve des Kommandos der Südwestfront im Becken von Laibach erholte.
Als nun am 19. früh die italienischen Infanteriemassen (XI., XXV.,
XXIII. und XIII. Korps mit je drei Divisionen in der Front) zum Sturm losbrachen, wiesen das VII. Korps und die Mitte und der Südflügel des
XXIII. Korps den ersten Anlauf glatt ab. Bei der 12. ID. gelang es jedoch dem Feinde, in die Stellung bei Veršic einzudringen, wo es zu schweren, anhaltenden Kämpfen kam. Die Gegenstöße der zunächst befindlichen Reserven genügten nicht, um die feindlichen Massen wieder zurückzuwerfen. Der hierauf eingeleitete Gegenangriff der Divisionsreserve kam in dem mörderischen, nach hinten verlegten Massenfeuer des Feindes nicht recht zur Entwicklung. Die Lage dieser Division wurde daher zusehends schwieriger. Indessen mußten sich auch alle übrigen Divisionen neuer Angriffe erwehren; denn der Feind hatte den ersten Mißerfolg rasch überwunden und zu neuen Schlägen ausgeholt. Die Höhen südlich von Biglia, der Raum um den Fajti hrib und die südlich hievon gelegenen Höhen 383 und -<^-363 sowie Kostanjevica, wurden beim VII. Korps Brennpunkte heißer Kämpfe.
Südlich des Brestovicatales rangen die 35. und die 28. ID. mit dem weit überlegenen Feind. In höchster Erbitterung wogte den ganzen Tag über der Kampf, in den auch stellenweise Flieger eingriffen. Am hartnäckigsten wurde um den Besitz der Höhe 126 südlich von Biglia, um den Veršičriegel und die Flondarstellung gestritten. Wieder hatte es sich gezeigt, mit welchen Schwierigkeiten die Ausgestaltung einer allen Anforderungen des modernen Abwehrverfahrens entsprechenden Stellung im felsigen Gelände bei nächster Nähe des Feindes verbunden ist. Trotz aller während der verflossenen zwei Monate aufgewendeten Mühen war es nicht gelungen, alle Schwächen des Veršičriegels und der Flondarstellung rechtzeitig zu beheben. Diese Mängel traten nun scharf zutage; sie kosteten reichlich Blut. Immerhin gelang es schließlich sowohl der 35. wie der 28. ID., sich im allgemeinen in der vordersten Linie zu behaupten, von der nur ein kleiner Stellungsteil zwischen den beiden Tunnels bei S. Giovanni verlorenging. Hier war es vor allem die flankierende Wirkung der schweren Geschütze aus der Gegend der Sdobba, welche die Lage unhaltbar gemacht hatte. Im Bereiche der 12. ID. endete der Kampf am Abend mit der Behauptung der Linie lc auf der Stara lokva.
Selbst vom Meere her hatte der Feind diesmal versucht, wirksamer in den Gang der Schlacht einzugreifen. Er hatte seine schweren Geschütze an der Sdobba und in der Gegend von Monfalcone wesentlich vermehrt und hielt damit die linke Flanke sowie das Hintergelände der Hermada und den ganzen Küstenstrich bis Opcina kräftigst unter
Feuer. Hiedurch wurde um die Mittagszeit die Bahnverbindung bei Opcina vorübergehend unterbrochen. Tagsüber kreuzten mehrere feindliche Schiffe in Respektdistanz vor dem Golf von Triest. Einzelne Schüsse der Küstenartillerie hielten sie von jedem Annäherungsversuch ab. Erst um 7h abends gelang es einem englischen Monitor, einige Schüsse auf Triest abzugeben. Gleich darauf zogen sich die feindlichen Schiffe in Eile wieder zurück und kamen bald außer Sicht. _
Mit nicht geringer Spannung hatte das Armeekommando die Ereignisse verfolgt. Daß der Feind sein Schwergewicht diesmal von Anfang an auf den Südflügel legte, wirkte beruhigend. Überraschungen nach Art der in der zehnten Isonzoschlacht erlebten waren also nicht zu befürchten. Der erste große Ansturm war abgewehrt. Der feindliche Einbruch auf dem Nordflügel beim XXIV. Korps schien nicht gefährlich zu sein. Allerdings konnte man den Umfang des feindlichen Vorhabens in diesem Raume nicht ermessen. Man konnte hoffen, daß die Lage beim XXIV. Korps mit Beihilfe der 24. ID. bald wieder hergestellt werden würde. Für jeden Fall wurde die Verschiebung des SchR. 36 aus dem Wippachtale in den Raum von Lokve anbefohlen; vier aus Tirol anrollende Bataillone (IR. 64 und Bataillon 1/63) und eines aus Kärnten (V/47) wurden nach Grahova geleitet. Ferner erhielt die 73. ID. den Befehl, vom Südflügel der Armee zunächst ins Wippachtal abzumarschieren. An ihrer Stelle hatte auf Anordnung des Kommandos der Südwestfront die 10. ID. von Laibach nach S. Daniel befördert zu werden. Auch die Heeresleitung traf nunmehr, da die Schlacht begonnen hatte, Vorkehrungen zur Verstärkung der Isonzoarmee, indem sie ihr aus dem Osten die 19. ID. zurollen ließ. Zur Klärung der Lage trug bei, daß man im Laufe des Tages Gefangene von 33 verschiedenen Brigaden eingebracht hatte, woraus man schließen konnte, daß ein erheblicher Teil der feindlichen Kräfte schon ausgespielt und wohl auch abgenützt worden war.
Indessen sollte sich die Hoffnung auf Wiederherstellung der Lage an den inneren Flügel des XV. und des XXIV. Korps am 20. August nicht erfüllen. Von Tagesanbruch an legte die italienische Artillerie wieder schwerstes Feuer auf das Hochland von Bainsizza und Lom. Es war nicht möglich, die in der Nacht herangeführten Truppen mit den Resten der 42. SchBrig., die sich, geführt vom GM. Edl. v. Großmann, zum Teil noch in den Stützpunkten der zweiten Linie verzweifelt wehrten, zu vereinen, geschweige denn die Reserven durch den Eisenhagel zu einem geschlossenen Gegenangriff vorwärts zu führen. Die wenigen eigenen Batterien waren nicht imstande, das feindliche Feuer 211 dämpfen. Immerhin entsprangen wütende Infanteriekämpfe, die sich an diesem sonnendurchglühten Tag im Gebiet von Vrh abspielten, vornehmlich dem Antriebe der öst.-ung. Truppen, da die Italiener sich darauf beschränkten, den gewonnenen Höhenrand festzuhalten, um den Einbruchsraum, wenn möglich, seitlich zu erweitern. Diese Zurückhaltung des Feindes hatte zur Folge, daß man unsererseits die Zahl der im Kampfraum beiderseits des Avščektales eingesetzten feindlichen Kräfte unterschätzte. Man glaubte, drei Brigaden vor sich zu haben. „Diesen gegenüber stehen“ — so berichtete das Armeekommando am Abend — „nördlich der Avščekschlucht in Rückhaltstellung vom Höhenrücken südlich Log, über Siroka Njiva ausbiegend, am Westhange von der Trigonometerhöhe 703 bis gegen Levpa die Reste des ungarischen Landsturmbataillons IX 19, das SchR. 37, dann eine Kompagnie des IR. 53 und eine Kompagnie des IR. 5. Jene Gruppe, die heldenmütig den Riegel Auzza—Fratta bis zum Nachmittag besetzt gehalten hatte, mußte nun auch zurückgenommen werden1). Im Anstiege auf das Kal-plateau befindet sich das Bataillon II 66. Die aus Tirol und Kärnten eintreffenden fünf Bataillone können nach anstrengenden Anmärschen im Raume von Kal, wohin sie disponiert sind, nicht vor dem 22. abends versammelt sein.“ Südlich der Avščekschlucht versuchten die Reste der Schützenregimenter 8 und 28, ferner je zwei schon stark gelichtete Bataillone der Regimenter 77 und 45 nach den vergeblich unternommenen Gegenangriffen in der Stellung Levpa—Höhe -<J>-716—Kuk A 711— Morsko neuen Rückhalt zu gewinnen. Hier war auch ein Bataillon des LstlR. 32 und ein Bataillon des SchR. 6 eingesetzt worden. Dahinter waren im Raume Humarji—Podlešče nach anstrengendem Marsche das IR. 10 (zwei Bataillone) und das IR. 9 (drei Bataillone) eingetroffen. Ein Bataillon des IR. 9 mußte zur Stützung des linken Flügels des
XXIV. Korps für alle Fälle östlich von Britof zurückgelassen werden. Für einen vom Kommando der Südwestfront befürworteten, „ehestens durchzuführenden“ Angriff standen somit nur fünf noch vollwertige, aber marschmüde Bataillone zur Verfügung. Alle übrigen Einheiten hatten bereits große Verluste erlitten.
Das Armeekommando sah sich daher veranlaßt, anzuordnen, daß von weiteren allenfalls geplanten Gegenstößen abzusehen sei. Alle Kraft
1, Dem Hauptmann Johann Iskrić des IR. 86, Kommandanten des k. u. Lst-IBaons. V '4, wurde für die hervorragend tapfere Führung der Gruppe das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens verliehen.
sei dazu zu verwenden, um die Linie Morsko—Kuk A 711 -Levpa bis zu dem von Kolk nach Nordost streichenden Rücken zuverlässig bis zum Eintreffen neuer Reserven zu halten.
Die italienische 2. Armee hatte sonach am 20. August den Einbruchsraum nur ganz unwesentlich zu erweitern vermocht. Der vornehmlich auf die Eroberung des Brückenkopfes von Tolmein abzielende Plan des Gen. Capello war durch das Steckenbleiben des XXVII. Korps so gut wie gescheitert. In Erwartung des Flankenstoßes der 22. ID. hatte die 19. Division vor dem Brückenkopf wieder nur Scheinangriffe durchgeführt, die natürlich ohne jede Wirkung blieben. Auch das Unternehmen der 46. ID. im Gebiete des Mrzli vrh erreichte nicht den am Vortag gezeigten Nachdruck und zeitigte keinen Erfolg. Beim italienischen XXIV. Korps hinwieder sah sich die 47. ID. durch die Tätigkeit des Gegners und wegen des Versagens ihres linken Nachbars am Vorgehen gehemmt. Auch ihr Bestreben, der fast vollständig auf dem Westufer des Isonzo zurückgebliebenen 60. ID. Luft zu machen, war nicht geglückt. Gen. Capello hatte schon am 19. abends den genannten beiden Korps Verstärkungen zugewiesen, doch waren diese nicht zeitgerecht eingetroffen. Die vom II. Korps im Abschnitt südlich von Descla wieder aufgenommene Angriffshandlung hatte gleichfalls des Nachdruckes entbehrt. Im Vernichtungsfeuer der Abwehrartillerie hatten sich die im Rohottale versammelten Angriffstruppen nicht völlig zu entwickeln vermocht. Nur gegen Rutaršče und Vodice stürmten sie mehrmals vor. Sie wurden aber jedesmal zurückgeschlagen. Auf der Höhe -Ą- 652 und auf dem Sattel 503 lagen sich beide Gegner den ganzen Tag über sprungbereit gegenüber, ohne daß es zu einem entscheidenden Handeln gekommen wäre. Gegen den Mt. Santo hatte sich bereits am Morgen ein Angriff des italienischen VI. Korps gerichtet, der im rechtzeitig einsetzenden Abwehrfeuer bald zusammenbrach. Um die Mittagszeit erneuerte Angriffe gegen den Mt. Santo und gegen den Mt. S. Gabriele wurden wieder blutig abgewiesen. Darnach erlahmte auch in diesem Abschnitt der Kampf.
Im Wippachtale hatte sich inzwischen das italienische VIII. Korps in Teilangriffen gegen Grazigna und Panowitz und mehrmals auch gegen
S. Marco, Sober und Vertojba erschöpft. Obwohl alle diese Anstürme während des Tages glatt abgewiesen worden waren, wurden sie bis tief in die Nacht hinein hartnäckig wiederholt. Um Mitternacht drang der Feind im Panowitzer Wald in die Stellung ein. Bevor jedoch der Morgen graute, hatte ihn die tapfere 1. LstlBrig., die trotz angebotener
Ablösung auf ihre Bitte in der ihr zugewiesenen Verteidigungszone belassen worden war, wieder geworfen. Di^ festgefügte Front des XVI. Korps überhob die Armeeleitung jeder weiteren Sorge.
Dies konnte man hinsichtlich des Abschnittes III nicht im gleichen Maße behaupten. Erbittert war liier auch am 20. August weitergekämpft worden. Mit anerkennenswerter Ausdauer suchte die italienische 3. Armee ihrem Aufträge nachzukommen. Gegenüber dem k.u.k.
VII. Korps waren alle ihre Anstrengungen völlig vergeblich. In den ersten Morgenstunden hatte das Eingreifen des GbSchR. 2 die gefährdete Lage auf dem äußersten rechten Flügel der 44. SchD. wieder vollständig bereinigt. Unermüdlich bemühte sich der Feind, den Verlust wettzumachen; es war vergebens. Auch alle Anstürme gegen den linken Flügel der 44. SchD. und gegen die einladendsten Angriffspunkte im Raume der 17. und der 48. ID. scheiterten an der tapferen Gegenwehr.
Wesentlich schwieriger hatte sich die Lage des XXIII. Korps gestaltet, wiewohl sie zu einer unmittelbaren Gefahr keinerlei Anlaß bot. Die am Vortage bei der 12. ID. entstandene Einbeulung sollte ausgeglichen werden. Das Divisionskommando hatte den Rest seiner Truppen während der Nacht zum Gegenangriff bereitgestellt, gleichzeitig aber auch aus Besorgnis um die durch den Pferdemangel unbeweglich gewordene Artillerie die Zurücknahme einiger, weit vorne befindlicher Batterien angeordnet. Diese Störung im eir.gelebten „System der Feuermauer“ rächte sich. Der in den ersten Morgenstunden angesetzte Gegenangriff drang nicht durch. Kurz darauf griff aber der Feind die 12. ID. neuerlich an und warf sie zurück. Ihre Reste setzten sich nun in der von der Stara lokva gegen Kostanjevica verlaufenden Riegelstellung fest. Hiedurch war auch die nördlich benachbarte 48. ID. gezwungen, ihren linken Flügel gegen diese Riegelstellung abzubiegen. Südlich der Straße nach Brestovica vermochte sich die standhafte 35. ID. trotz der schweren Bedrohung ihres Nordflügels in der Linie la auf den Höhen von Flondar zu halten. Um diese Höhen wurde im Laufe des ganzen Nachmittags bis tief in die Nacht hinein erbittert gekämpft, wobei die Siebenbürger Truppen glänzende Proben ihrer Tapferkeit ablegten. Ebenso wacker und zäh schlug sich im Küstenabschnitt die 28. Division. Dort war der Tag mit einem Gegenangriff zur Wiedergewinnung der Linie la nächst dem Tunnel von S. Giovanni eingeleitet worden. Inzwischen griffen aber die Italiener ihrerseits mit aller Wucht an. Nach wechselvollen schweren Kämpfen hielt der rechte Flügel dieser Division im Anschluß an die 35. ID. bei Flondar auf den Höhen westlich von Medeazza. Weiter südlich bis zum Meere wurde die Linie la vollständig behauptet. Die Division hatte namentlich wieder unter dem schweren Feuer der italienischen Küstenartillerie sehr zu leiden x). Auch der Einbruch der Dunkelheit machte den im unmittelbaren Vorfelde der Hermada entbrannten Kämpfen kein Ende. Hartnäckig strebten die Italiener darnach, ihr Ziel zu erreichen, ungeachtet der großen Verluste, die sie dabei erlitten. Während der Nacht wurde noch insbesondere auf der Höhe 146 nächst Flondar und zwischen den beiden Tunnels bei S. Giovanni mit aller Erbitterung weitergekämpft.
Auch die Flieger hatten «wieder in den Kampf eingegriffen; sie waren eifrigst bestrebt, durch Bomben und Maschinengewehrfeuer unmittelbar Waffenhilfe zu bringen. Überdies kam es zu mehrfachen Fliegerkämpfen, wobei fünf feindliche Flieger abgeschossen wurden. Die Zahl der gefangenen Italiener hatte sich an diesem Tage bereits auf 5600 erhöht, die 40 verschiedenen Brigaden angehörten. Auch über 30 Maschinengewehre waren eingebracht worden.
War schon die Lage auf dem Nordflügel des Schlachtfeldes bedrohlich und der Stützung bedürftig, so zehrte nun der wiederholte Ansturm auf den Südflügel bedenklich am Marke des Verteidigers. Schon mußte zur Stützung der 12. ID. die Masse der 9. ID. herangezogen werden, von der Teile bereits in die erstgenannte eingeschoben worden waren. Zum Eingreifen auf dem Südflügel stand zur Stunde nur mehr die 41. HID. bereit. Die 73. ID. war im Marsche nach Norden, die 10. ID. noch im Anrollen, ebenso wie die erste Staffel der zugesagten Aushilfe aus Kärnten und Tirol.
Nach dem nächtlichen Kampfe auf dem Karsthochland griffen die Italiener am 21. August gleich bei Tagesanbruch die ganze Front des Abschnittes III neuerlich hartnäckig an. Ein Massenangriff folgte dem anderen. Kein Angriffspunkt der etwa 16 km langen Front dieses Abschnittes blieb von fortgesetzten Stößen des Feindes verschont. Am schwersten war wieder der Südflügel heimgesucht. Heldenhaft rangen dort die 28. und die 35. ID. in ihren Stellungen westlich der Hermada. Fortwährend wogte der Kampf zwischen den Linien la und lc hin und her; Stoß und Gegenstoß folgten einander nahezu ununterbrochen. Schon war der Feind bis Medeazza vorgedrungen, als es doch noch gelang, ihn wieder zu vertreiben. Mit beispielgebender Hartnäckigkeit fochten Teile des siebenbürgischen IR. 63 um die Höhe 146 bei Flondar39). So blieb denn der Kampf bis zum Einbruch der Dunkelheit auf den engen Raum zwischen den Linien la und lc beschränkt. Aber die Reste der eingesetzten Truppen der 28. ID. waren derart erschöpft, daß sie schließlich in der Nacht über die Linie lc zurückwichen. Zwar konnte diese Linie alsbald wieder besetzt werden, jedoch der vom Divisionär für den 22. August geplante Gegenangriff vorwärts der Linie lc mußte unterbleiben. Nördlich der Brestovicafurche hatten indessen die durch die 9. ID. gestützten Reste der 12. ID. in der Riegelstellung Stara lokva— Kostanjevica allen wütenden feindlichen Anstürmen gegenüber zu behaupten. Die artilleristische ,,Feuermauer“ war dort wiederhergestellt worden und zeigte ihre vernichtende Wirkung auf den Feind. Zu Mittag hatte das Kommando der 9. ID. den Befehl in diesem Unterabschnitte übernommen. Nach Einbruch der Dunkelheit konnte die Ablösung der Reste der 12. ID. fortgesetzt werden; der vorübergehende Schwächezustand dieses Frontteiles war nun wieder behoben.
Glänzend hatte das VII. Korps seine Stellung behauptet, trotzdem der Feind auch gegen dieses Korps seine ganze Übermacht entfaltet hatte. Namentlich nachmittags rannte er hier mit dem Mute der Verzweiflung an. Sein Streben, die 48. ID. bei Kostanjevica endlich zu erschüttern und auf diese Weise in den Rücken der Hermada zu gelangen, war begreiflich. Er scheute kein Mittel, um zu seinem Ziele zu gelangen. Aber alles war vergeblich. So oft auch die Italiener in die vorderste Linie der Stellung einbrachen, immer wieder wurden sic gezwungen, diese raschestens zu verlassen. Wie in allen vorangegangenen Kämpfen erwiesen auch bei diesem Generalangriff der italienischen 3. Armee die lange erstrebten Höhen 363,378 und ^ 464 (Fajti hrib) ihre alte Anziehungskraft in besonderem Maße. Trotz Vergasung und Anwendung aller Mittel konnte der gegen die 17. ID. vorbereitete Angriff dank der wachsamen Artillerie des Verteidigers im Laufe des Vormittags nicht recht in Fluß kommen. Erst nachmittags gelang es den Italienern, zunächst nach mörderischer Feuervorbereitung gegen den Stützpunkt -cJ>-378 anzustürmen. Ihre Massen drangen tiefgestaffelt vor. Obgleich die ersten Wellen niedergemäht wurden, gelang es den nachfolgenden endlich doch, in der Linie la Fuß zu fassen. Gar bald machte aber das tapfere IR. 39 mit den Eindringlingen reinen Tisch. Kurze Zeit darauf ging der zähe Feind einerseits gegen die Höhe -cj>- 363, anderseits gegen den Fajti hrib los. Beide Angriffe brachen aber bereits im Abwehrfeuer zusammen. Trotz dieser Mißerfolge rafften sich die Italiener am Abend nochmals zu einem neuerlichen Ansturm gegen die ganze Front der 17. ID. auf, der stellenweise zum erbitterten Handgemenge führte; wieder zeichneten sich neben den 46ern die 39er ganz besonders aus1). Erst in der Nacht stellte der Feind sein vergebliches Bemühen ein. Nicht minder scharf hatte sich die 44. SchD. am Nordflügel des Abschnittes III zu wehren. Bei dieser bildeten immer wieder die Höhenstellung am Abhang des Fajti hrib und der Stützpunkt -<J>-126 nordwestlich von Spa-capani die Hauptangriffsziele. Auch hier trat erst spät am Abend Ruhe ein. Ein wesentlicher Anteil an der zuletzt völligen Vereitelung der feindlichen Bestrebungen war dem hervorragenden Wirken der Artillerie zuzuschreiben. Besonders die Art, wie sie jedem Angriff bereits zu begegnen trachtete, bevor er noch zum Sturme ausreifte, war musterhaft.
Im Wippachtale hatte an diesem vierten Tage der Schlacht das italienische VIII. Korps seine Anstrengungen vornehmlich gegen die Front Biglia—St. Peter gerichtet, wahrscheinlich deshalb, um den Großangriff der 3. Armee mittelbar zu unterstützen. Die tapferen Westungarn der 14. ID. wichen aber nicht um einen Schritt zurück. Die 58. ID. schlug unterdessen zwei schwächliche Angriffsversuche beiderseits vom Rosental zurück. Nachmittags ebbte dann das Gefecht vor dem k.u.k. XVI. Korps merklich ab.
Gegen die Front Mt. S. Gabriele—Vodice rannten die Italiener nur nooh einmal in den ersten Morgenstunden an. Die schneidig in mehreren Linien vorwärtsgehende Brigade Forli stieß beim Dolsattel auf die nicht weniger tapferen Bataillone 11/22 und I 87 der k.u.k. 57. ID.; sie mußte nach blutigem Handgemenge wieder zurück, erlitt empfindliche Verluste und war nicht mehr imstande, den Angriff zu erneuern, obgleich die italienische Artillerie wieder Zerstörungsfeuer abgab und ein Fliegergeschwader den Raum um Britof ausgiebig mit Bomben belegte. Auf der Höhe -c^- 652 und bei Vodice wehrte am Vormittag das
J) Dem Major Konstantin Popovits, Kommandanten des Bataillons IV/39, wurde für „äußerst aktive und initiative Verteidigung der Höhenlinie bei ^ 378“ das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens verliehen.
bukowinaische IR. 41 der 43. SchD. zwei heftige Angriffe ab, woraufhin sich die Kampfhandlung beiderseits auf Geschützfeuer beschränkte.
Der Durchbruch auf der Hochfläche von Bainsizza — Heiligengeist
(21. und 22. August)
Während die festgefügte Armeefront vom Meere nordwärts bis Vodice und Descla den feindlichen Anstürmen auch am vierten Tage der Schlacht ausdauernd widerstand, kam die rund um den feindlichen Einbruchsraum bei Canale und Auzza rasch zusammengewürfelte Abwehrfront am 21. August ins Wanken. Die am Vortage vom GM. Großmann im Raume um Vrh geführten Gegenangriffe hatten zwar den nebenbei auch durch Schwierigkeiten des Nachschubes gehemmten Feind in Schach gehalten, aber sowohl die ohnehin schon erschütterten Truppen der 42. SchBrig. als auch die herbeigeeilten Teile der 24. ID. waren aus dem Kampfe erheblich geschwächt herausgegangen. Die Verbände waren stark durcheinander geraten, und die Wiederherstellung der Ordnung sehr schwierig. Die in der Nacht etwa an der Linie Morsko— Kuk A 711—Stara sv. duha neugebildete Abwehrfront konnte keinen festen Halt verbürgen. Schlimm stand es namentlich auch um den Kampfabschnitt, der von Stara sv. duha quer über das Avščektal gegen Levpa führte und durch einige von einzelnen Kompagniegruppen besetzte Schanzen gekennzeichnet war. Er lag im Befehlsbereich des XV. Korps, dessen linker Flügel sich nur dank des wenig tatkräftigen Vorgehens des Gegners mit einigen Bataillonen hier und in der von Levpa nördlich über Siroka Njiva nach Log errichteten' Stellung behauptet hatte. Das Armeekommando übertrug die Sicherung des genannten Abschnittes dem k.u.k. XXIV. Korps, das dann den Führer der 24. ID. mit dieser Aufgabe betraute. FML. Urbarz, der kurz vorher die Gefechtsleitung auf der Bainsizza übernommen hatte, sah sich infolgedessen zu einer Umstellung seiner Reserven genötigt, wodurch die klare Befehlgebung litt. Unterdessen marschierte das vom Armeekommando dem XXIV. Korps zuletzt unterstellte SchR. 36 mit zwei Bataillonen von Lokve nach Lokovec. Der Korpsführer und zugleich Kommandant des jetzt von den Südhängen des Alt. S. Gabriele in weitem Bogen bis Levpa hinreichenden Abschnittes Ila ließ ferner zwei Bataillone des SchR. 20 der 43. SchD. nach Bäte rücken.
In der geschilderten Aufstellung mußten die Verteidiger dem Feinde entgegentreten, der am 21. August darauf ausging, mit ganzer Kraft den Zielen zuzustreben, die er am Vortage nicht erreicht hatte. Gen. Capello hatte schon für den 20. August befohlen, daß das II. Korps entschlossen gegen den Jelenik vorstoße, um der 60. ID. den Isonzo-übergang zu ermöglichen, daß ferner das durch zwei frische Brigaden verstärkte XXIV. Korps raschestens vorwärts gehe, und daß das
XXVII. Korps mit starkem linkem Flügel nachdrücklich gegen Lom angreife. Dieses Korps wurde zugleich durch eine Brigade und eine Reihe schwerer Batterien der mobilen Artilleriereserve verstärkt. Der Armeeführer hatte ferner das XIV-, Korps von Cormons ins Judriotal aufwärts rücken lassen.
Das große materielle Übergewicht der Italiener fand in dem am
21. morgens wieder einsetzenden, überaus heftigen Artilleriefeuer schlagenden Ausdruck. Die Infanterie ging auf der Hochfläche von Bainsizza zunächst nur zögernd vor. Das Zusammenwirken der beiden Waffen war offenbar gestört. Erst nach wiederholtem Umlegen der Feuerwalze kam die stockende Bewegung in Fluß, dann folgte allerdings Welle auf Welle. Mittlerweile griffen die Italiener an der Linie Morsko—Descla— Vodice schon vormittags kräftigst an. Im Rohottal prallten sie an der unbeugsam standhaltenden 106. LstlD. ab. Das südmährische LstlR. 25 zeichnete sich südlich von Rutaršče besonders aus, indem es den zum Teil schon über unsere ersten Stellungen hinwegstürmenden Feind heldenmütig entgegentrat und zurückschlug. In der Riegelstellung bei Descla wehrten sich Bataillone des Egerländer SchR. 6; weiter nördlich focht nicht weniger tapfer das böhmische SchR. 7 gegen weit überlegenen Feind. Der bei Morsko im rechten Winkel abgebogene rechte Flügel dieses Regiments erlebte schwere Stunden. Als die Italiener den umfassenden Druck verstärkten, und es ihnen zugleich gelang, den linken Flügel des Regiments zu durchbrechen, mußte es schließlich die Uferstellung aufgeben. Nur Reste dieses trefflichen Truppenkörpers fanden den Weg zurück und versuchten in einer etwa von Rodež zum Kuk A711 gedachten Linie neuen Widerstand zu leisten. Allein es war vergeblich. Die Masse der italienischen 60. ID., die sich in der Nacht gegen Norden verschoben hatte, erzwang sich den Aufstieg zur kahlen Kukhöhe, die, seit vielen Stunden unter vereinigtem Feuer der schweren Artillerie stehend, einem lodernden Vulkan glich. Zu dieser Zeit, um etwa 3h nachm., stürmten auch von Norden her dichte Alassen den Berg hinauf. Die ausgebluteten Verteidiger, vornehmlich Kompagnien des westgalizischen IR. 45, wurden umzingelt und fast vernichtet. Die zerschlagenen Truppen der beim Kuk und rittlings der Straße Vrh—Bäte fechtenden Gruppe Obst. Freih. v. Véver wichen gegen den Jelenik zurück. Nun mußten auch die auf dem Westhang der bezeichneten Höhen sich noch anklammernden Reste der 41. SchBrig. den Kampf aufgeben.
Im Buschwald, der die Höhen beiderseits der Straße Vrh—Humarji bedeckt, kam es zu sehr wechselvollen Kämpfen. Nördlich der Straße war der Feind durchgebrochen. Stara sv. duha dürfte in seinen Besitz gelangt sein. Auf den Höhen südlich der Straße wogte der Kampf hin und her. Nur so viel konnte man am Abend feststellen, daß der Kolk -(^ 856 sicher im Besitz des Verteidigers sei. Die Lage mußte dem Führer der 24. ID. um so bedenklicher erscheinen, als wiederholt alarmierende Meldungen einliefen, die erst nach Stunden überprüft werden konnten und sich dann als irrig erwiesen. Auch ein Gerücht, daß die Italiener den linken Flügel des XV. Korps nördlich Levpa durchstoßen hätten und auf Kal vorgingen, hielt die Führer lange Zeit in Atem und ver-anlaßte den FML. Urbarz, seine letzten Reserven gegen Kal in Marsch zu setzen.
Trotz all dem Ungemach, das dieser Tag dem XXIV. Korps gebracht hatte, beurteilte GdI. Lukas die Lage mit beherrschter Ruhe. Am späten Abend berichtete er, der Kampf spiele sich in einem Raume ab, wo die feindliche Artillerie ihre von drei Seiten umfassende Wirkung voll entfalten könne. Insbesondere gelte dies für die Höhe Jelenik, die offenbar das nächste Angriffsziel des Feindes sein werde.. In Erkenntnis der Bedeutung dieses Raumes habe er alle verfügbaren Reserven eingesetzt. Die Widerstandskraft der dort kämpfenden Truppen könne aber nicht als unbegrenzt angesehen werden und die Verluste im offenen Gelände seien ganz bedeutend. Das Korpskmdo. müsse daher die Lage als schwierig bezeichnen und halte ein rasches Eingreifen frischer Kräfte für. notwendig.
Unterdessen war schon zu Mittag vom Armeekommando der Befehl eingelangt, daß dem Korps die 73. ID. unterstellt werde, um die Lage im Raume „Morsko—Vrh—Levpa—Log wiederherzustellen“. Der beim GdI. Lukas eingetroffene Kommandant dieser Division, FML. Ludwig Goiginger, werde nach Weisung des XXIV. Korpskmdo. die Führung über alle Truppen im angegebenen Raum zu übernehmen haben.
Dieser Auftrag sah voraus, daß die genannte Linie beim Einsetzen der 73. ID. noch von unseren Truppen besetzt wäre. Dies traf jedoch am Abend nicht mehr zu. Dennoch besprachen die beiden Generale Lukas und Goiginger den Plan zu einem großen Gegenangriff, zu dem die jetzt erst nach Lokve vormarschieren de 73. ID. allerdings frühestens am 23. morgens bereitgestellt sein konnte. Es stand kein Mittel zur Verfügung, um die Truppen rascher auf das Gefechtsfeld heranzubringen, da das Armeekommando einer Bitte um Lastkraftwagen nicht willfahren konnte. Nebenbei sei bemerkt, daß die Italiener gerade während dieser Schlacht mehrere Brigaden mit Kraftwagen auf dem Kampfplatz vorführten.
Dem XXIV. Korps blieb also nichts übrig, als in den vorauszusehenden neuen Kämpfen nur mit seinen eigenen, zermürbten Truppen auszuharren. Die Italiener waren entschlossen, den Angriff bis zum vollständigen Durchbruch weiter zu führen. Gen. Capello hatte zwischen seinem XXVII. und seinem XXIV. Korps das XIV. Korps (49. und
64. ID.) eingeschoben und am 21. abends die Unterführer aufgerufen, mit aller Kraft vorwärts zu gehen. Das XIV. Korps sollte das obere Čepovantal nördlich der Ortschaft Chiapovano erreichen. Aus der Richtung und der Entfernung des Zieles ist zu erkennen, daß der Armeeführer in großzügiger Weise an seinem Plane festhielt, den Brückenkopf von Tolmein durch Einschwenken des rechten Flügels des XXVII. Korps über Lom zu bezwingen. Zugleich gewann das italienische XXIV. Korps, das, von seiner ursprünglichen Aufgabe abweichend, die Richtimg mehr gegen Südosten und Süden einseblug, bei Verfolgung seiner Ziele größere Bewegungsfreiheit. Der Führer dieses Korps konnte sich mit Recht rühmen, bisher als einziger bedeutsame Erfolge erzielt zu haben. Das ihm rechts benachbarte II. Korps stockte noch immer. Am folgenden Tage sollte es endlich Luft bekommen.
Wie GdI. Lukas vorausgesehen hatte, wurde am 22. August namentlich der durch die Höhen Jelenik und Kolk gekennzeichnete Gefechtsabschnitt zum Schauplatz überaus schwerer Kämpfe. Ähnlich wie am Vortage über den Kukgipfel, prasselte nun von Tagesanbruch an schwerster Eisenhagel auf den Jelenik nieder, ihn in eine Wolke von Rauch und Stickgas hüllend. Wieder wartete die italienische Infanterie ab, bis das Zerstörungswerk ihrer Artillerie vollendet war, um dann am Nachmittag, in dichte Massen geballt, den letzten Widerstand der verzweifelten Verteidiger zu brechen. Auch auf dem Kolkrücken vermochten die Italiener im ersten Anlauf die Höhe zu erreichen. Hiei: wurden sie aber durch Gegenangriff zurückgeschlagen. Das erbitterte Ringen um diesen Rücken dauerte bis in die Nacht hinein, zu welcher
Zeit die Spitzenbataillone der 73. ID. in das Gefecht eingriffen und dieses zugunsten der Verteidiger entschieden.
Der im Zusammenhang mit dem Verlust der Höhe Jelenik erfolgte Durchbruch des Feindes an der Straße nach Bäte konnte jedoch nicht mehr wettgemacht werden. Die Lage war gefährlich. Glücklicherweise nützte sie der Feind nicht aus. Er blieb bei Bäte und vor der Hohe -<^-747 stehen. Während sich nun Teile der 41. SchBrig. noch immer auf der von der Höhe 747 gegen Descla abfallenden Bergrippe behaupteten, war die Mitte der 106. LstlD. bei Rutaršče unter den neuerlichen Anstürmen des Feindes zusammengebrochen. Die zerschlagenen Bataillone dieser Division mußten zurückgenommen werden. Vier Tage hatten die tapferen Landsturmmänner im furchtbaren Geschütz- und Minenfeuer den feindlichen Anstürmen getrotzt. Daß sie jetzt zurück mußten, erschütterte sie sehr. ,,Die Verluste sind enorm! Ich habe mit meinem Regiment meine Pflicht bis zum äußersten getan“; diese Worte schrieb ein Regimentskommandant, kurz bevor er sich zum Rückzug gezwungen sah. Die zertrümmerten Schanzen waren mit Toten und Verwundeten gefüllt. Wahrlich, die Landstürmer hatten ihre Pflicht erfüllt! Nur wenige konnten den schweren Weg den Berg hinangehen, der unablässig vom Feinde beschossen wurde. Andere.blieben und wehrten sich gleichwie ihre Kameraden vom SchR. 6 bei Descla noch am kommenden Tage. Alle Verbindungen versagten. Man griff zu dem fragwürdigen Hilfsmittel, einen Flieger auszusenden, der Zettel mit der Aufschrift „Richtung Südost gegen Ravne“ über den Kampfraum ausstreute.
Das Herstellen einer neuen Gefechtslinie, die von Vodice über die Höhe Planva -<j>- 652 und die Höhe -Ą- 747, dann scharf abbrechend nach Bäte und von hier wieder abbiegend zum Kolkrücken gedacht war, gestaltete sich äußerst schwierig.
Die vom FML. Goiginger noch zu Mittag gehegte Absicht, die 73. ID. am kommenden Tage an der Linie Jelenik—Kolk—-<^716 geschlossen einzusetzen und dann zum Gegenangriff zu schreiten, mußte wegen der geschilderten Ereignisse fallen gelassen werden. Man sah sich gezwungen, die nach drei ermüdenden Nachtmärschen am 22. vormittags bei Lokovec eintreffende Division ohne Rast in den Raum Bäte—Lahka weitermarschieren zu lassen, um der Gefahr einer Erweiterung des feindlichen Durchbruches zu begegnen. Das war die Aufgabe, die nunmehr dem FML. Goiginger zufiel, wofür ihm außer der 73. ID. die Reste der 21. SchD. und die 24. ID. unterstellt wurden.
Gegen die Abschnitte der 57. ID. und der 43. SchD. hatte der Feind an diesem Tage keinen ernsthaften Angriff geführt, wohl aber seine Artillerie kräftig feuern lassen. Der rechte Flügel des XXIV. Korps beiderseits des Avščektales war unberührt geblieben. Nördlich von Levpa, beim Veliki vrh A 703 und. bei Siroka Njiva hatten die Italiener den linken Flügel des XV. Korps wieder unter stärkstes Vernichtungsfeuer genommen und dann mehrmals angegriffen. Die zur Verstärkung der 1. ID., FML. Metzger, herangeführten und bei der 22. LstGbBrig. eingesetzten Truppen, zuerst das SchR. 37, dann das IR. 64 sowie die Bataillone V/47 und I 63, hatten den Feind abgewiesen und zurückgeschlagen. Dem italienischen XXVII. Korps war also auch am vierten Schlachttage kein Erfolg beschieden gewesen ').
Der Befehl zur Preisgabe der Hochfläche von Bainsizza—Heiligengeist
Am 22. August abends herrschte in Adelsberg gedrückte Stimmung. Das XXIV. Korps meldete, daß der Feind schon die Ortschaft Bäte erreicht habe. Die mit der Entsendung des FML. Goiginger und mit dem Einsatz der 73. ID. auf der Bainsizza verbundene Absicht mußte als gescheitert angesehen werden. Der „Kampf um Zeitgewinn“, der einen geordneten Aufmarsch und Einsatz dieser Division ermöglichen sollte, war mißglückt. Ihre Bataillone mußten in aller Hast voreilen, um den Feind zum Stehen zu bringen. Damit war aber die letzte in greifbarer Nähe des nördlichen Schlachtfeldes vorhandene Kraft ausgespielt. Gelang es dem Feind, auch diese Truppen zu überwinden, dann blieb kein Mittel mehr, um eine ernste Niederlage zu verhüten. Durfte man zuwarten und hoffen, daß der letzte Einsatz glücken werde? Die Übermacht des Feindes stieg von Tag zu Tag. Seine Artillerie beherrschte mit unabwendbar vernichtender Wirkung den ganzen Kampfraum.
GO. Boroevic stand vor einem schweren Entschlüsse. Im Becken von Görz, beim XVI. Korps, war die Schlacht zwar zum Stillstand gekommen, aber an der Küste rüttelte der Feind noch immer heftig am Tore von Triest. Sowohl das VII. als auch das XXIII. Korps berichteten über heftige Kämpfe. Vornehmlich an den schon oft genannten Brennpunkten dieses blutigen Schlachtfeldes ging es wieder heiß her. Die Truppen wehrten sich hervorragend tapfer. Unter anderen zeichneten sich auch die Bataillone I 93 und II 100, sowie das Wiener FJB.21 bei der Verteidigung der Höhen südlich von Kostanjevica aus.
P i n c h e 11 i, 253.
Am Abend wußte man, daß alle Angriffe auf den Abschnitt III abgeschlagen worden waren, aber man hatte keinen Anhaltspunkt dafür, daß der Feind von weiteren Unternehmungen ablassen werde. Daher lag jeder Gedanke ferne, den hinter diesem wichtigen Frontteil noch vorhandenen Reserven Teile für den schwer bedrohten Bainsizza-abschnitt zu entnehmen.
In den Morgenstunden war der Oberste Kriegsherr, Kaiser und König Karl, in Adelsberg gewesen und hatte unter vier Augen mit dem Armeeführer die Lage eingehend besprochen. Dann war er auf die Hochfläche von Ternová gefahren, um das Schlachtfeld zu schauen. Zufällig zur gleichen Stunde blickte der König von Italien von den Höhen jenseits vom Isonzo über die Walstatt1). Nachmittags fuhr der Kaiser nach Laibach zurück, ohne sich beim Armeekommando nochmals aufgehalten zu haben. Der in Begleitung des Monarchen erschienene Chef des Generalstabes, GdI. Arz, hatte sich dem GO. Boroevic gegenüber geäußert, daß der gute Fortschritt an der Russenfront es ermöglichen werde, mit stärkerer Kraft gegen Italien aufzutreten. Es sei ein größerer Entlastungsstoß am Isonzo aus dem Raume Tolmein—Flitsch in der Richtung auf Cividale geplant. Diese Absicht fände aber noch an der Abneigung des Kaisers, an der Isonzofront namhaftere deutsche Streitkräfte eingreifen zu lassen, starken Widerstand. Vielleicht gelänge es unter dem Drucke der Ereignisse der eben tobenden Schlacht, die das Bedürfnis nach einer derartigen Gegenaktion in erhöhtem Maße zeitigen würd^, dieses Widerstreben zu beseitigen.
Der damalige Leiter der Operationsabteilung der Isonzoarmee, Obst. Anton Pitreich, der die vorstehenden Sätze aufgezeichnet hat, ist der Meinung, daß diese Ausführungen des GdI. Arz auf den Armeekommandanten bedeutsamen Eindruck geübt haben. Um 9h abends berief GO. Boroevic den Generalstabschef FML. v. le Beau und den Obst. Pitreich zu sich und eröffnete ihnen ganz unvermittelt seinen Entschluß; das ganze Hochland von Bainsizza—Heiligengeist aufzugeben. Die Front des XXIV. Korps sei, mit dem linken Flügel auf den Mt. S. Gabriele gestützt, an den Nordrand des Hochlandes von Ternová und an den Ostrand des Čepovantales zurückzunehmen; das XV. Korps habe den linken Flügel in die Linie Log—Hoje—Koren—Spilenka—Frata zurückzuschwenken.
Obst. Pitreich, der sich die unermeßliche Tragweite dieses Entschlusses vergegenwärtigte, stellte den Antrag, zuzuwarten, bis die
v; Caviglia, La battaglia della Bainsizza, 96.
Morgenmeldungen eingetroffen sein würden. GO. Boroevic war damit einverstanden. Als dann diese Meldungen keine klärende Wendung der Lage brachten, wurde am 23. August um 9h vorm. der schwerwiegende Befehl ausgegeben. Mit dem Zurücknehmen der Front sollte in der Nacht auf den 24. August begonnen werden.
Vorweg sei gesagt, daß der Rückzug nicht bis zu Ende durchgeführt wurde. Dessenungeachtet drängt sich die Frage auf, welche Überlegungen den GO. Boroevic dazu bewogen haben mögen, eine tso bedeutsame Maßnahme ins Auge zu fassen, die unter Umständen die Bedrohung des Brückenkopfes von Tolmein und der einmündenden Aufmarschwege erhöhen konnte, die also der vom Chef des Generalstabes ausgesprochenen Absicht zu einem Gegenangriff aus diesem Brückenkopf zuwiderlief. Es ist wenig wahrscheinlich, daß der Armeeführer, auf die weiteren sonderbaren Andeutungen des GdI. Arz eingehend, eine Gefahr geradezu heraufbeschwören wollte. Aber es ist durchaus möglich, daß ihm bei Erkennen der Notwendigkeit eines Rückzuges der Gedanke aufkam, der neuen Abwehrlinie die Form einer Zange zu geben, wobei die südwärts gekehrte Front Log—Hoje — Koren—Frata des XV. Korps den einen Arm und die nordwärts gerichtete Front Mt. S. Gabriele—Lokve des XXIV. Korps den anderen Arm bilden mochte. Ging der Feind mitten durch an die Cepovan-furche heran, so hätte ihm ein späterer Gegenangriff aus dem Raume südlich von Tolmein heraus sehr gefährlich werden können. Voraussetzung hiefür war allerdings, daß die gedachte Zangenstellung bis dahin unbedingt erhalten blieb.
Gegenüber der Heeresleitung rechtfertigte der Armeekommandant seinen Entschluß mit der Meldung, daß im Einbruchsraum vor dem XXIV. Korps schon dreizehn italienische Brigaden festgestellt worden seien. Neue Kräfte kämen hinzu. Der Feind habe offenbar die Absicht, gegen Süden vorzudringen, um in der Folge das XVI. Korps aufzurollen. Seiner Übermacht gegenüber seien die sich im bedrohten Raume wehrenden Truppen bedenklich zusammengeschmolzen; es fehle ihnen die Kraft, unter der vernichtenden Tätigkeit der weit überlegenen feindlichen Artillerie die Stellungen auf die Dauer zu behaupten. Dies erfordere einen durchgreifenden Entschluß. Durch den eingeleitetcn Rückzug würde dem raschen Kräfteverbrauch gesteuert und zugleich die Absicht des Feindes vereitelt; er würde genötigt sein, seine Batterien im schwierigen Gelände vorzufahren; daraus ergäbe sich ein wertvoller Zeitgewinn.
Die Heeresleitung forderte das Kommando der Südwestfront zur Stellungnahme auf. FM. Erzherzog Eugen drahtete, daß er sich „leider der Auffassung des Armeekommandos anschließen“ müsse, weil keine Aussicht mehr bestehe, durch den beabsichtigt gewesenen Gegenangriff der 73. ID. eine durchgreifende Besserung der Lage auf der Hochfläche herbeizuführen, und auch deshalb, weil die zusammengeschmolzenen Kräfte kaum hinreichen mochten, um eine Stellung etwa an der Waldzone westlich des Čepovantales zu behaupten.
Nunmehr richtete GdI. Arz an GFM. Hindenburg unter Darlegung der eingetretenen Lage die Bitte, eine Verschiebung von vier oder fünf Divisionen vom russischen Kriegsschauplatz an die Isonzofront verfügen zu wollen. Dazu bemerkte der Chef des Generalstabes, daß nach seinem Dafürhalten nunmehr „zwei Hauptkriegsziele“ im Vordergrund stünden: die Sicherung von Triest gegen italienische Einwirkung und die Sicherung von Czernowitz gegen eine Wiedereroberung durch die Russen. Da die Offensive des GFM. Mackensen bei Focsani eingestellt werde (S. 394) und auch das geplante Unternehmen gegen Riga wegen des Verhaltens der Russen — wie man damals in Baden meinte — einigermaßen an Aussicht verloren habe, wäre es angezeigt, die 4., die 29. und die 33. ID. sowie die 46. SchD. und die 145. IBrig. durch Strek-kung der Nachbardivisionen sowie durch Einschieben der für das Rigaer Unternehmen bestimmten Kräfte für den Südwesten freizumachen.
Das Überwinden der Krise
Nach einer verhältnismäßig ruhig verlaufenen Nacht rollte am 23. August von Tagesanbruch an wieder der Donner der Geschütze über das Schlachtfeld. Die Blicke der höheren Führer waren auf das Hochland von Bainsizza gerichtet. Dort befand sich die wunde Stelle der Armeefront. Zeitlich morgens ging im Befehlsbereiche der 24. ID. auf dem Kolkrücken die Höhe <J>- 833 verloren. Das Bataillon I 21 und das bh. FJB. 4, beide von der 73. ID., eroberten die Höhe im Sturm zurück und behaupteten diese sowie auch den Gipfel -cj>- 856 weiterhin gegen alle feindlichen Angriffe. Damit war ein Prellstein gesetzt, der ein weiteres Vorschieben des am Vortage von den Italienern an der Straße Vrh—Bäte eingetriebenen Keiles verhinderte. Die südlich um Bäte herum einen Halbkreis bildenden Reste der 21. SchD. blieben infolgedessen ziemlich unbelästigt. Dem GM. Kratkv und seinen Unterführern war es im Laufe der Nacht gelungen, die Reste der 106. LstlD. in eine vom rechten Flügel der 43. SchD. bei Vodice über die Hohe Planva -Ą- 652 zur Ortschaft Dragovice gezogene, allerdings nicht geschlossene Linie zurückzunehmen. Die Landstürmer hatten unter dem Feuer der schweren Artillerie viel zu leiden, sie blieben aber in den ersten Tagesstunden von Angriffen verschont; denn so manche der vor der genannten Linie zurückgebliebenen Gruppen machten den Italienern noch viel zu schaffen, ehe sie sich in ihr Schicksal ergaben. Bemerkenswert ist, daß eine solche Gruppe auf der bedeutsamen Höhe -<^-747 noch bis Mittag ausharrte. Zu dieser Zeit begannen die Italiener aus den Bergfurchen vor der 106. LstlD. hervorzuquellen. Sie griffen namentlich die Planvähöhe wuchtig an und drängten schließlich nach mehrstündigem Gefecht die erschöpften Landstürmer gegen die Höhe Kobilek -({>-627 zurück.
Indessen war um etwa 10h vorm. bei den Korpskommandos und beim Gruppenführer FML. Goiginger der Armeebefehl zum Rückzug eingetroffen. Er bestimmte, daß vom 23. abends an der linke Flügel des
XV. Korps in die Linie Log—Hoje—Koren—Spilenca—Frata -<J>- 909 zurückzubiegen und daß das XXIV. Korps in die Linie Mt. S. Gabriele — Zagorje—-c^-664—Zavrh zurückzunehmen sei. Dieses Korps habe ferner auch den Ostrand des Čepovantales von Zavrh bis zur Frata -<J>- 909 zu besetzen und namentlich die aus diesem Tal nach Lokve und nach Podčepovna aufsteigenden Straßen zu sichern.
Der Rückzugsbefehl überraschte die von ihm betroffenen Führer. Als erster griff FML. Goiginger zum Fernsprecher. Er schilderte dem Armeekommando die Lage „als zurzeit nicht mehr sehr beunruhigend“, bezeiehnete den Rückzug über das Čepovantal für gefährlich und beantragte, äußerstenfalls nur bis auf die Höhen westlich dieses Tales zurückzugehen1). Sodann besprach er sich mit den beiden Korpskommandanten, die alsbald übereinkamen, den Rückzug zunächst nur bis zur Linie Log—Mešnjak—Iloje— Höhe -ej>- 814 (südwestlich von Kal) Vrhovec— A 878—Madoni—WH. Kal—Zagorje—Mt. S. Gabriele durchzuführen. Im besonderen meldete FML. Scotti nach Adelsberg, daß die Sicherheit des Tolmeiner Brückenkopfes die Wahl einer möglichst weit vorne gelegenen Widerstandslinie erheischc, während GdI. Lukas seiner Absicht dahin Ausdruck gab, daß er in der gewählten Linie auch in den
Ludwig Goiginger, Die Krisis in der 11. Isonzoschlacht Österr. Wehrzeitung 1921, Folge 36\
kommenden Tagen Widerstand leisten und nur im äußersten Falle das Čepovantal überschreiten wolle. Es war ein besonderes Verdienst des FML. Goiginger, sich mit seinen Anschauungen rasch bei den beteiligten Korpskommandos durchgesetzt zu haben. Die Ausführungen Goigingers sowie jene der Korpskommandanten wurden vom Armeekommandanten sehr freudig aufgenommen und veranlaßten ihn, den am 22. abends gefaßten Entschluß schon am 24. vorm. abzuändern.
Diese Sinnesänderung dürfte wohl schon durch die bereits am 23. August abends fühlbar gewordene Entspannung vorbereitet worden sein. Angriffe gegen den linken Flügel des XV. Korps waren verhältnismäßig leicht abgewiesen worden. Das Vorgehen des Feindes beiderseits des Avščektales entbehrte allen Nachdruckes. Auch das italienische XXIV. Korps, das bisher die größte Tätigkeit entfaltet hatte, schien zu erlahmen. Ein am Nachmittag gegen den Kolkrücken erneuerter Vorstoß wurde rasch vereitelt; dann trat hier Ruhe ein. Der Abschnitt Vodice—Mt. Santo—Mt. S. Gabriele stand zwar zeitweise unter lebhaftem Geschützfeuer, er wurde aber nicht angegriffen. Nur im Umkreis des Kobilek spielten sich auch nachmittags schwere Kämpfe ab. Hier befand sich allerdings eine gefährliche Stelle. Aber es gelang den Italienern nicht, die bedeutsame Höhe dauernd in Besitz zu nehmen. Die Truppen, die, unter schwerstem Eisenhagel ausharrend, den Ko-bilekabschnitt hielten, verdienten höchste Bewunderung. In der belobenden Anerkennung des Armeekommandos wurden das Bukowinaer IR. 41, das Dalmatiner SchR. 22 und das mährische LstlR. 25 besonders hervorgehoben. Von der 73. ID. mußte in diesem Kampfraum nur ein Bataillon bei Dragovice eingeschoben werden, während zwei Bataillone des IR. 57, die vom XVI. Korps dem XXIV. Korps zugeschickt worden waren, am Abend noch in Reserve standen.
Im Görzer Becken hatte der Stillstand angehalten, während südlich der Wippach neue Kämpfe erst nachmittags auflebten, dabei aber nicht das Merkmal eines geschlossenen, einheitlich geführten Angriffs zeigten. Das VII. Korps hatte mehrere Vorstöße glatt abgewiesen. Beim XXIII. Korps hatte die Wachsame Artillerie ein Vorbrechen des Feindes gegen die 9. ID. verhindert. Mit größerem Nachdruck stießen die Italiener gegen die Stellungen am Fuße der Hermada (Linie lc) vor. Allein ihr Bemühen war vergeblich. Die siebenbürgische 35. ID. hielt ebenso stand wie die tapfere 28. ID., bei der das böhmische IR. 11 und die Steiermärker des IR. 47, die wieder das furchtbare Geschützfeuer der schweren Sdöbba-batterien über sich ergehen lassen mußten, wirklich „Übermenschliches“ leisteten1). Als es nun zu dunkeln begann, verstummte plötzlich das Getöse der Schlacht, als wäre das Signal „Feuer einstellen'4 gegeben worden.
Tatsächlich hatte die italienische Heeresleitung schon am 22. August befohlen, daß die 3. Armee die Kriegshandlung unterbreche, die erreichten Ziele sicherstelle, die Kräfte ordne und sich für eine Wiederaufnahme des Angriffes bereithalte. Zugleich war ihr aufgetragen worden, den Gegner zu binden, um ein Abziehen seiner Kräfte nach Norden zu verhindern. Die letzten Angriffe auf dem Karste und an der Küste waren sonach wahrscheinlich der Absicht entsprungen, in letzter Stunde womöglich noch einen Erfolg heimzubringen.
Am 23. abends stellte sich beim Armeekommando in Adelsberg zwar noch unbestimmt, aber doch schon fühlbar das Empfinden ein, daß die Schlacht ihren Höhepunkt überschritten habe. Unsicher war jetzt nur noch die Lage auf dem Hochland von Bainsizza, wo der Rückzug eingeleitet war. Als am 24. morgens die Führer dieses Abschnittes meldeten, daß die Loslösung vom Feinde im Laufe der Nacht ungestört vollzogen werden konnte und das Besetzen der neuen Widerstandslinie günstig fortschreite, gewann der Armeekommandant seine alte Zuversicht wieder und ließ das XV. und das XXIV. Korps wissen, daß er in Aussicht nehme, die von den Korpskommandanten gewählte Abwehrfront dauernd festzuhalten. In den um etwa 10hvorm. ausgegebenen Richtlinien unterstrich er die Vorzüge der bezeichneten Linie. Sie sei kürzer als jene auf dem Ostrande des Cepovantales, in ihr gäbe es schon einige Deckungen und Kavernen und die Artillerie fände bessere Bedingungen zur Unterstützung der Infanterie. Auch sei der Besitz des genannten Tales mit seinen Wasserspendern, Unterkünften und Straßen vorteilhaft. Es sei also dringend erwünscht, die jetzt eingenommene Stellung dauernd zu behaupten. Doch hänge dies vornehmlich vom Zustand und vom Selbstvertrauen der Truppen, dazu natürlich auch vom Verhalten des Feindes ab. Die Korpskommandanten wurden angewiesen, darüber zu berichten.
Obgleich GO. Boroevic erst am 25. August abends den endgültigen Befehl für das dauernde Stehenbleiben auf dem Hochlande von Bainsizza und von Lom gab, war mit den erwähnten Weisungen die entscheidende Wendung schon ausgesprochen, die dann zur vollständigen Überwindung der Krise führen sollte. Dazu trug der Feind nicht wenig bei, indem er die Gelegenheit zu einer durchgreifenden Erweiterung seines Erfolges ungenützt vorüberziehen ließ. Der Gen. Caviglia erhebt
ł) Vogelsang, 616.
daher gegenüber der Armeeleitung den Vorwurf, sie habe das Herannahen des entscheidenden Augenblickes nicht vorausgesehen und es versäumt, hinreichende Kräfte zur Verfolgung des geschlagenen Gegners bereitzustellen1). Tatsächlich befanden sich im Armeebereich außer den schon eingesetzten Truppen noch über hundert frische Bataillone. Allein es ist offensichtlich, daß auch Caviglia sowie die anderen Korpskommandanten das Heranreifen des Erfolges nicht wahrgenommen hatten. Wahrscheinlich begann die Stoßkraft der Italiener zu dieser Zeit schon zu erlahmen. Dies kann daraus gefolgert werden, daß die Angriffshandlung schon am 23. August des Nachdruckes entbehrte, und daß der Armeekommandant die Korpsführer für den 24. zu sich berufen hatte, um die Lage zu besprechen.
Während dieser Unterredung traf bei den italienischen Führern die überraschende Meldung ein, der Mt. Santo sei erobert worden. Die Korpsführer eilten auf ihre Plätze zurück und nahmen jetzt erst die durchgreifende Änderung der Lage wahr.
Den öst.-ung. Nachhuten war es gelungen, den Feind am 24. mehrere Stunden hinzuhalten. Er verschoß noch einige Tonnen Munition auf die verlassenen Stellungen, bevor er die am Vortage vergeblich bestürmten Höhen Kobilek und Kolk erstieg; erst gegen Mittag setzte er den Fuß auf den Vodice und auf den Mt. Santo. Das Zögern der Italiener kam den Abziehenden sehr zustatten und ermöglichte es, daß arge Stockungen der in der Nacht durcheinander geratenen Artillerie- und Troßkolonnen schließlich behoben werden konnten. Als italienische Flieger heranbrausten und mit Bomben und Maschinengewehren -eine auf der Straße zwischen Podlešče und Chiapovano entstandene Verwirrung zu erhöhen hofften, war das Ärgste schon überwunden. Im Laufe des Nachmittags tasteten sich feindliche Patrouillen an die neue Abwehrlinie heran. Sie störten nicht. Zu einem ernstlichen Kampf kam es im Laufe dieses Tages nur um die besetzt gebliebenen Stellungen auf dem Westhang des Mt. S. Gabriele. Dort stieß die Brigade Palermo unter dem Schutze mächtiger Artillerie entschlossen vor. Aber das tapfere FJB. 9 warf den bis in die tiefe Nacht hinein immer wieder anrennenden Feind jedesmal zurück.
Abgesehen davon, daß dieser Kampf auch den rechten Flügel des
XVI. Korps bei Sv. Katarina in Mitleidenschaft zog, herrschte im Becken von Görz im allgemeinen Ruhe. Mit besonderer Befriedigung nahm man
J) Caviglia, La battaglia della Bainsizza, 101 f. Vgl. auch Baj M a c ar i o. La crisi della Bainsizza Rom 1933).
wahr, daß der am Vorabend auf dem Karste und an der Küste eingetretene Stillstand weiter anhielt. Der Feind verschanzte sich und schien Ablösungen vorzunehmen. Drückende Hitze breitete sich über das verstummte Schlachtfeld. Nun war es endlich möglich, den Überlebenden der tapferen 35. ID. eine redlich verdiente Erholung zu gewähren. Ihre Ablösung durch die 10. ID. wurde eingeleitet. Noch völlig unverwendet blieb dann die 41. HID., die für jeden Fall hinter dem linken Flügel der Isonzoarmee bereitstand. Die 12. ID. befand sich im Raume um Gabrovica zur Retablierung. Für den Südflügel der Armee schien wohl keine Gefahr mehr zu bestehen. Entscheidend für die weitere Entwicklung war, ob die stark abgekämpften Truppen auf dem Hochland von Bainsizza imstande sein würden, bis zum Eintreffen neuer Zuschübe durchzuhalten. Von der Ostfront rollte die 19. ID. heran, deren Kampfwert allerdings nicht hoch eingeschätzt wurde, und anschließend an diese die 53. ID., zunächst nur mit ihren drei ungarischen Landsturmregimentern. Von Tirol wurden das IR. 50 und das 26. SchBrigkom-mando mit den Schützenregimentern 25 und 14 erwartet.
Um diese Zeit war der vom Chef des Generalstabes schon mündlich angezeigte Befehl der Heeresleitung eingetroffen, der die Teilung der Isonzofront in eine 1. und eine 2. Isonzoarmee vorschrieb, wobei GO. Boroevic mit seinem Stab in Adelsberg zum Heeresgruppenkommando erhöht wurde. Zum Führer der 1. Isonzoarmee, die das XXIII., das VII. und das XVI. Korps umfassen sollte, wurde GO. Freih. v. Wurm, zu dessen Generalstabschef Obst. Körner ernannt. Mit dem Kommando der 2. Isonzoarmee, die zunächst aus dem XXIV. und dem XV. Korps zu bilden war, wurde GdI. Henriquez betraut und ihm Obst. Freih. v. Salis-Samaden als Generalstabschef beigegeben. Ferner stellte die Heeresleitung ein neuformiertes IV. Korpskommando, an dessen Spitze der bewährte Führer des XIV. Korps, GdK. Schönburg, berufen wurde, sowie ein vom FML. Kosak zu führendes Gruppenkommando zur Verfügung. Die neuen Kommandos hatten anfänglich nur die Führung auf dem Schlachtfelde zu übernehmen, die materielle Versorgung sollte in Adelsberg vereint bleiben.
Das bisherige IV. Korpskmdo. in Kärnten wurde in „Gruppe GdI. Hordt4' umbenannt. Das XIV. Korps in Tirol übernahm GdI. v. Martiny, der seit den Tagen von Łuck auf eine Wiederverwendung gewartet hatte. Die Neueinteilung im Küstenlande sollte erst mit dem Eintreffen und nach Einführung der neuen Kommandanten von Fall zu Fall in Kraft treten.
Der Anprall der Italiener an die neue Verteidigungsfront
Nachdem auf der Hochfläche von Bainsizza die Truppen aus der Zone des schweren Artilleriefeuers herausgeführt worden waren, lebte ihr alter Kampfgeist rasch wieder auf. Dank der geringen Tätigkeit des Feindes am 24. August war das Besetzen der neuen Widerstandslinie und das Ordnen der Verbände trotz mancher Reibungen, die vornehmlich der Unübersichtlichkeit des Geländes entsprangen, verhältnismäßig gut vonstatten gegangen. Die Artillerie hatte allerdings ungewöhnliche Schwierigkeiten zu überwinden, da es ihr an Pferden mangelte; es dauerte daher noch einige Tage, bis alle Batterien aufgefahren und feuerbereit waren.
Gemäß den ergangenen Weisungen wurde eine neue Gruppierung angenommen. Der Südflügel des XV. Korps besetzte unter Befehl des Kommandanten der 22. LstGbBrig., Obst. v. Colerus, die Linie Selo— Mešnjak—Kal. Diese Brigade bestand nunmehr aus dem IR. 64, dem SchR. 37 und den Infanteriebataillonen V 47, 1/63, 11/66, Vl/bh. 4 sowie dem k. u. LstIBaon. IX/19. Bei der Ortschaft Kal schloß das XXIV. Korps mit der Gruppe FML. Ludwig Goiginger an. Diese zerfiel in den von Kal bis zur Höhe -c|>- 895 (östlich von Kuščarji) reichenden Unterabschnitt FML. Urbarz, der aus drei Bataillonen der 47. IBrig. und drei der 10. GbBrig. gebildet war, und in den anschließenden Unterabschnitt GM. Haas, der fünf Bataillone der 2. GbBrig. in sich schloß und bei Madoni an die 43. SchD. grenzte. Als Gruppenreserve wurden die Reste der Regimenter 10, 45 und 77 und des SchR. 36 in rund fünf Bataillonen zusammengefaßt. FML. Fernengel mit zehn Bataillonen der 43. SchD. und zwei Bataillonen des IR. 57 sperrte zwischen Madoni und Zagorje den Eingang ins Cepovantal, während dem GM. Hrozný mit den zehn Bataillonen der 57. ID. die Verteidigung des Abschnittes Zagorje—Mt. S. Gabriele überantwortet war. Als Reserve für das ganze XXIV. Korps waren die Bataillone 11/20 und 111/55 der 73. ID. sowie ein Bataillon des IR. 57 bei Lokve aufgestellt.
Es standen also am 25. August an der 22 km messenden Linie Log— Mt. S. Gabriele 52 Bataillone, deren Mehrzahl schon hart gekämpft und beträchtliche Verluste erlitten hatte. Nicht verwendungsfähig waren die 21. SchD. und die 106. LstlD.; jene sollte sich in der Umgebung von Chiapovano durch Einreihen von Marschformationen wieder aufrichten. Die letztgenannte hatte ein gleiches bei Nemci und Lokve zu tun.
Am Vormittag vom Armeekommando über den Verteidigungswert der neuen Linie befragt (S. 461), legte FML. Scotti neuerlich in eindringlicher Form dar, daß das Stehenbleiben auf dem Hochlande von Lom und von Bainsizza in möglichst großem Abstand von der Čepovanfurche eine „Lebensfrage“ für den Brückenkopf von Tolmein sei. Gleichermaßen unterstrich FML. Goiginger diese Notwendigkeit; er berichtete, daß die gewählte Widerstandslinie Kal—Madoni günstig sei. Sie könne dauernd gehalten werden, doch müsse für ihre technische Ausgestaltung und eine ausgiebige Verstärkung, namentlich an Artillerie, vorgesorgt werden. Der Mißerfolg der letzten Tage sei „neben dem Versagen einiger Truppenkörper1) der gewaltigen, mehr als dreifachen Überlegenheit der italienischen Artillerie und Minenwerfer zuzuschreiben“. Diese hätten nicht allein physisch verheerend gewirkt, sondern auch entmutigend, weil die Truppen eine Unterstützung durch gleichwertige Kampfmittel vermißten.
Im genannten Abschnitt war vorderhand ein Massenfeuer der feindlichen Artillerie nicht zu befürchten. Es schadete also nicht, daß hier keine ausgebauten Stellungen vorhanden waren. Im Gegenteil, die Truppen fanden sich im natürlichen Gelände sogar besser zurecht als im Gewirr der Wälle und Gräben. Freilich mußte damit gerechnet werden, d.aß die Gefechtslinie Schwankungen unterworfen sein werde. Damit konnte man sich aber um so leichter abfinden, als das Armeekommando selbst die Preisgabe des ganzen Hochlandes nicht für unmöglich gehalten hatte. Solcher Auffassung mochte auch das XXIV. Korpskmdo. gewesen sein, als es anordnete, daß unter feindlichem Druck allenfalls bis an den Westrand des Cepovantales zurückgegangen werden dürfe. Indessen sollten die Truppen der 73. ID. bald den Beweis erbringen, daß sie eines so weiten Spielraumes nicht bedurften.
Dort, wo die neue Widerstandslinie an die alte Stellung anschloß, im Süden beim Mt. S. Gabriele und im Norden bei Log und Mešnjak, standen die Verteidiger weiterhin im Wirkungsbereich der italienischen Artilleriemassen. In diesen Räumen behielten daher die Kampfhandlungen das Merkmal der härtesten Materialschlacht. Namentlich der heißumstrittene Mt. S. Gabriele wurde zu einer Stätte der Vernichtung und des Verderbens.
Auf Seite der Italiener erreichten am 24. August abends das II. Korps die Linie Gargaro—Bitež und das XXIV. Korps die Front
*) Gemeint waren offenbar die beiden Schützenregimenter 8 und 28. Eine spätere Untersuchung zeigt aber, daß der Vorwurf nicht ganz gerechtfertigt war.
Slemo—Trušnje. Das XIV. Korps hatte Levpa durchschritten und rückte gegen Koprivšče vor. Dem XXVII. Korps war es wegen der glücklichen Ereignisse im Süden endlich möglich gewesen, den rechten Flügel gegen Hoje in Bewegung zu setzen. Die starke Mitte dieses Korps, die
65. ID. und die 5. Alpinigruppe, hatte indessen vergeblich versucht, in die Ortschaft Mešnjak einzudringen und die Höhe -cf>- 549 südlich von Log zu erstürmen. Der tapfer durchgeführte Angriff war durch die Artillerie des XXVII. und des XIV Korps gut vorbereitet und unterstützt worden, „aber es gab in diesem Gebiete keinen Angriff, auf den nicht ein Gegenangriff gefolgt wäre, und so war es weder am 24. noch in den folgenden Tagen möglich, irgend einen Erfolg zu erringen“ x).
Am 25. August kam es wieder bei Mešnjak, bei Hoje und um die Höhe -<J>- 549 zu lebhaften Kämpfen. Sie brachten den Italienern keinen Erfolg. Gegen die Gruppe FML. Goiginger entwickelte der Feind starke Kräfte, führte aber keinen geschlossenen Angriff. Auf dem Vrh Scur-6- 814 (südwestlich von Kal), bei Vrhovec, bei Podlešče und bei Kuščarji, ferner bei Podlaka entspannen sich örtliche Gefechte, die nachmittags bei Podlešče und bei Podlaka größeren Umfang annahmen. Der Feind wurde überall zurückgewiesen, manchenorts erst nach Handgemenge. Hiebei taten sich das FJB. 12 und das Bataillon Ill/bh. 1 besonders hervor.
Die an die Gruppe Goiginger südlich anschließende 43. SchD. hatte sich in der neuen Lage noch nicht ganz zurecht gefunden. Als ihr die Ansammlung von etwa 18 feindlichen Bataillonen in der Gegend nördlich von Madoni gemeldet wurde, befürchtete sie, daß ihre nördlich des Cepovantales aufgefahrenen Batterien in Gefahr kommen könnten. Das hievon verständigte Korpskommando wendete sich an FML. Goiginger und erhielt von diesem entschlossenen Führer kurzerhand bündig zur Antwort, „was hinter den eben angreifenden feindlichen Truppen folge, könne nicht beurteilt werden; er werde den Angriff abwehren. Ein Zurückgehen ist keineswegs notwendig.“
An diesem Tage war die 18. IBrig. der 57. ID. auf dem Mt. S. Gabriele von der italienischen 11. ID. sehr heftig angegriffen worden. Nach erbittertem Ringen mußte ein Teil der Stellung auf dem Westhange aufgegeben werden. Die Linie lb auf dem Nordgipfel des im Trommelfeuer lodernden Berges Wurde aber von Teilen des IR. 87 und des ungarischen Landsturminfanteriebataillons 1/2 zähe gehalten, indessen das FJB. 9 im Südteil der Hangstellung weiterhin ausharrte.
J) Geloso, 152 f.
Dieses Geschehen auf dem Mt. S. Gabriele hatte den GdI. Lukas bewogen, die zwei Bataillone der 73. ID., die als Korpsreserve bei Nemći und Lokve zurückgehalten worden waren, dem GM. Hrozný zur Verfügung zu stellen. Sie marschierten nach Voglarji. Damit schwand für den FML. Goiginger die Aussicht, die beiden Bataillone zurückzubekommen. Da er für den kommenden Tag einen größeren Angriff des Feindes erwartete, bat er, ihm das nächste in Grahova eintreffende Regiment zuzuweisen. Allein das Korpskommando konnte dieser Bitte noch nicht willfahren. Das eben einlangende IR. 50 wurde vielmehr mit Zustimmung des Armeekommandos als Korpsreserve nach Lokve und Chiapovano geleitet.
In der Nacht auf den 26. August unterbrach ein erfrischender Gewitterregen die Kampfhandlungen. Als der neue Tag anbrach, setzten die Italiener die Angriffe gegen den linken Flügel des XV. Korps fort. Wieder würde die Höhe -<J>- 549 südlich von Log hart umstritten, wo die Bataillone V/47 und I/SchR. 37 heldenmütig Widerstand leisteten1). Bei Mešnjak gelang es den Italienern durchzubrechen. Sie wurden aber zurückgeworfen und mußten sich mit dem Besitz des Westteiles dieser verstreuten Ortschaft begnügen. Gegen die Gruppe Goiginger verbrauchten die Italiener ihre Kräfte in Teilstößen, ohne irgend einen bleibenden Erfolg zu erzielen. Es war ihnen offenbar noch nicht möglich gewesen, ihre Batterien auf das Ostufer des Isonzo zu bringen. Vormittags gelang es ihnen, in schneidigem Anlauf den Vrh Scur zu ersteigen; aber die hier fechtende 47. IBrig., die allerdings nur 2300 Feuergewehre zählte, eroberte alsbald den kahlen Bergrücken zurück. So wie am Vortage waren die Höhen zwischen Vrhovec und Madoni wieder Schauplatz wechselnder Gefechte, in denen die öst.-ung. Truppen schließlich die Oberhand behielten.
Im Gebiete des Mt. S. Gabriele wurde die Absicht des Feindes merkbar, den Berg von Norden her zu umfassen. Truppen in der Stärke etwa einer Division gingen näher an den Eingang zum Čepovantal und an Zagorje heran. Nachmittags nahmen sie nach kräftiger Vorbereitung durch die Artillerie die Höhe -<{>- 561 südlich vom WH. Kal in Besitz. Von der italienischen 8. ID. stürmte zu Mittag eine in vielen Linien tief gegliederte Brigade aus dem Dolsattel gegen den Veliki Hrib vor, während die andere Brigade von Westen her den Stirnangriff über Kra-marca erneuerte; aber die tapferen Bataillone der 18. IBrig. wichen nicht um einen Schritt zurück und nahmen den Italienern sogar
1) Pichler, Das V.'47. Bataillon in Vogelsang. IR. 47, 784.
230 Gefangene ab. Als es dunkelte, verebbte das Vernichtungsfeuer der beiderseitigen Artillerie — allerdings nur für kurze Nachtstunden.
So war wieder ein Tag glücklich überwunden. Dies bedeutete für das Heeresgruppenkommando sehr viel, denn sein ganzes Sinnen konnte allein nur darauf gerichtet sein, Zeit zu gewinnen. Noch am Vormittag dürfte sich GO. Boroevic trüben Aussichten hingegeben haben, als er der Heeresleitung die Frage vorlegte, was geschehen solle, „falls die Armee ungeachtet ihrer heroischen Anstrengungen die gegenwärtige Lage nicht mehr aufrecht zu erhalten vermöchte“. Er wisse sich frei von Pessimismus, wenn er Weisungen für diesen äußersten Fall erbitte. Das tropfenweise Eintreffen einzelner Truppenkörper in großen Abständen sei nur ein momentaner Notbehelf, der die Lage im großen nicht wesentlich ändern könne.
Möglich wäre aber auch, daß GO. Boroevic mit dieser Depesche vornehmlich die vom Chef des Generalstabes am 22. August angedeuteten Absichten fördern wollte. Das Kommando der Südwestfront gab ihr in seiner anschließenden Meldung jedenfalls die Deutung, daß alle Umstände dazu drängen, „mit der italienischen Armee abzurechnen, was nur durch eine Offensive möglich“ sei.
Der Ausgang der Schlacht
Wechselnde Entschlüsse der italienischen Heeresleitung
Wie schon ausgeführt wurde (S. 461), hatte Gen. Cadorna am 22. August angeordnet, daß die 3. Armee die Kriegshandlung unterbreche. „Das Ergebnis des ersten Angriffsprunges, der für gewöhnlich der fruchtbringendste ist, war zu gering“, schreibt der Marschall nach dem Kriege. Er befürchtete, daß ein besseres Ergebnis nur mit großen Verlusten und Schäden für die Truppen zu erkaufen wäre1). Nunmehr sollte durch Verstärkung des Druckes der 2. Armee, die schon ansehnliche Erfolge verzeichnen konnte, eine vorteilhafte Rückwirkung auf die Kriegshandlung der 3. Armee mittelbar ausgelöst werden. Zu diesem Zwecke wurde am 22. August dem Herzog von Aosta aufgetragen, in nächster Zeit zwei Divisionen sowie eine größere Anzahl mittlerer und schwerer Batterien und Minenwerfer an die 2. Armee abzugeben. Die Artilleriemasse der 2. Armee stieg dadurch auf 1550 mittlere und 1 C a d o r n a, La guerra, Neudruck 1934, 406.
schwere neben 850 leichten Geschützen an1). Gen. Capello hinwider erhielt den Befehl, die Kriegshandlung fortzusetzen und das VIII. Korps neuerlich in die Angriffsfront einzubeziehen, wodurch auch das Hindernis auf den Höhen östlich von Görz weggeräumt werden sollte.
In seinen Denkwürdigkeiten wendet sich Cadorna gegen die ihm von „böswilliger Seite“ unterschobene Zumutung, er sei mit der angegebenen Maßnahme von seinem ursprünglichen Entwürfe „Laibach— Triest“ abgekommen. Zum Gegenbeweis führt er an, die Heeresleitung habe am 26. August die Armeeführer darüber unterrichtet, daß einerseits die Mittel für ein gleichzeitiges Fortführen der Kriegshandlung nicht hinreichten und anderseits die bisherigen. Ereignisse auf dem Hochland von Bainsizza den Gegner nicht notwendigerweise zur Verminderung seiner Widerstandskräfte auf dem Karste zwingen müßten. Es werde deshalb erforderlich sein, der 3. Armee zur Wiederaufnahme des Großangriffes namhafte Artillerie und alle entbehrlichen Minenwerfer von der 2. Armee zu überstellen. Die Armeekommandanten sollten hierüber das Einvernehmen pflegen, und der Herzog von Aosta möge den Zeitpunkt bestimmen, wann er die Kriegshandlung, deren Beschleunigung erwünscht sei, werde wieder beginnen können2).
Offenbar nahm Gen. Cadorna am 26. August an, daß die 2. Armee ihr Ziel, das Hochland von Temova, demnächst erreichen werde. Auch Gen. Capello scheint große Hoffnungen gehegt zu haben, als er an diesem Tage dem XXIV. Korps eine Kavalleriedivision und drei Radfahrbataillone zur Verfügung stellte. Der Korpsführer sah sich allerdings genötigt, die Reiterei im Isonzotal zu belassen, weil es auf dem Hochland von Bainsizza an Wasser mangelte3). Die schöne Zuversicht sollte auch sonst nicht belohnt werden.
Am 27. August konnten nirgends Fortschritte erzielt werden. Die Mitte auf dem Hochland von Bainsizza sah sich einer nun schon durch zahlreiche Batterien gestärkten Abwehrfront gegenüber, wogegen sie selbst noch immer einer hinreichenden Artillerieunterstützung entbehrte. Auch im Lomgebiet konnte kein Boden gewonnen werden. Der Raum um den Mt. S. Gabriele wurde wieder heftig beschossen. Ein Angriff, der zu Mittag gegen diesen nunmehr zum Schlüsselpunkt der Front gewordenen Berg eingeleitet worden war, scheiterte. Das VIII. Korps im Görzerland bereitete ein neues Unternehmen durch kräftiges Feuer
1) Gel oso, 116.
2) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934. 412.
3) C a v i g 1 i a, La battaglia della Bainsizza, 109.
vor und arbeitete sich an die gegnerischen Stellungen heran. Hiebei prellten einzelne Abteilungen vor und holten sich blutige Köpfe. Schwüler Südwind hatte an diesem Tage starke, die ganze Nacht anhaltende Regengüsse gebracht. Es war eine Erquickung für alle, die auf diesem öden Bergland ihre schwere Pflicht erfüllten.
Aber auch am 28. August, der im südlichen Bereich der italienischen 2. Armee zu einem Großkampftag werden sollte, scheiterten alle Bemühungen der mit anerkennenswerter Zähigkeit vorgehenden Italiener. Der Angriff drückte mit seinem Schwergewicht gegen den Mt. S. Gabriele und strahlte nördlich bis über die Höhen von Madoni und südlich bis jenseits des Mt. S. Marco aus. Zugleich wurden die Vorstöße auf dem Hochlande von Bainsizza und von Lom kräftig fortgesetzt. Namentlich das XXVII. Korps bemühte sich noch einmal, den schon lange erstrebten Durchbruch gegen Lom zu erreichen. Es gelang ihm nach kräftiger Artillerievorbereitung, mit dem rechten Flügel die Höhen südlich vom Orte Hoje zu ersteigen, nicht aber, sich dort zu behaupten. Bei Mešnjak drang eine Sturmkolonne bis in die Nähe von Dolgi Laz durch, mußte aber am Abend zerschlagen umkehren. Bei Madoni und vor dem Eingang zum Cepovantal verbluteten in vergeblichen Anstürmen die Brigaden Teramo, Aquila und Campobasso gegen den linken Flügel der Gruppe Goiginger und gegen die 43. SchD., die durch das IR. 57 verstärkt worden war. Im Hauptangriffsgebiete wurde der Mt. S. Gabriele der Mittelpunkt heftiger Kämpfe. Vom Tagesanbruch an bearbeiteten die italienischen schweren Batterien den bedeutsamen Eckpfeiler mit ganzer Kraft. Zu Mittag begannen Anstürme der Infanterie sowohl von Norden als auch von Westen her. Das Ringen, namentlich um den Nordgipfel Veliki hrib, dauerte bis in die Nacht hinein und endete damit, daß die beiden Gegner schließlich mit der letzten Granate in der Hand auf Wurfweite voreinander erschöpft liegen blieben. Ebenso grimmig war der Kampf an der Linie Sv. Katarina—Mt. S. Marco geführt worden. Namentlich im Panowitzerwald, wo den Brigaden Gaeta und Bergamo das Linzer LstlR. 2 entgegentrat, und beim Mt. S. Marco, wo die mutig vorstürmenden und von kühnen Fliegern begleiteten Brigaden Porto Maurizio, Piemonte und Jonio es mit den tapferen, kriegsgehärteten Männern des FJB. 2, des k. k. LstlR. 51 und des IR. 96 zu tun bekamen, war es scharf hergegangen; doch blieben alle Stellungen im Besitz der Verteidiger. So hatte denn auch das Eingreifen des VIII. Korps in den Kampf der italienischen 2. Armee keinen Gewinn gebracht.
Fruchtlos blieb die Kriegshandlung dieser Armee auch am 29. August. Nach dem Scheitern eines letzten Vorstoßes bei Hoje und bei Mešnjak wurde das Unternehmen auf dem Hochland von Bainsizza und von Lom zu Mittag eingestellt. Damit schloß die Tätigkeit der italienischen Korps XXVII, XIV und XXIV ab, nachdem das IV. Korps auf dem Nordflügel schon seit seinem ersten mißglückten Unternehmen gegen den Mrzli Vrh geruht hatte. Die Kriegshandlung wurde jetzt nur noch vom II., vom VI. und vom VIII. Korps im Schwergewichtsraum um den Mt. S. Gabriele fortgeführt. Bei diesem Korps traten in den nächsten Tagen mehrere frische Brigaden, darunter auch solche, die früher der 3. Armee zugehörten, in den Kampf. Wie sehr das Hochgefühl nachwirkte, das die Italiener beim Erkennen des gegnerischen Rückzuges erfüllte, zeigte sich am 29. August, als eine aus zwei Infanteriebataillonen, einer Schwadron und einer Gebirgsbatterie gebildete „fliegende Kolonne“ versuchte, von Britof durch die Pforte beim WH. Kal in das Cepovantal einzudringen1). Zu solchem Beginnen war die Zeit wohl schon lange vorbei. Immerhin war es ein schneidiges Stück, als die Gebirgsbatterie bei der Höhe -<J>- 5612), wenige hundert Meter vor dem IR. 24 der 43. SchD., Stellung bezog, und als die Schwadron hoch zu Roß gegen das WH. Kal vorritt. Vergeblich stießen die Italiener auch gegen Zagorje vor, wo ihnen der linke Flügel der 43. SchD. sowie das Bataillon 111/69 der 5. IBrig. einen üblen Empfang bereiteten. Sehr heftig wurde wieder um den Mt. S. Gabriele gestritten. Trotz mehrfacher Anstürme der Italiener gaben die zähen Verteidiger — es waren immer wieder dieselben Bataillone der
18. IBrig. —■ nicht nach. Im Görzer Becken trat das VIII. Korps erst nachmittags neuerlich an, offenbar deshalb, um der Artillerie mehr Zeit für die Zermürbung des Gegners zu geben. Allein es war eine Täuschung. Die Angriffe kamen nicht über die erste Linie hinaus. Bei eintretender Dunkelheit und dem nun einsetzenden Regen verstummte endlich das Kampfgetöse.
Nun entschloß sich die Heeresleitung, den Großangriff der 3. Armee gänzlich aufzugeben. Drückender Mangel an Schießbedarf zwang den Gen. Cadorna, auf diese Kriegshandlung zu verzichten. Zugleich schrieb er am 29. August der 2. Armee, daß der überaus große Verbrauch an Menschen und Mitteln es erheische, auch das Vorhaben dieser Armee zunächst auf solche in Gang stehende Unternehmen einzuschränken,
x) Brigate di Fanteria, VIII, 193.
-) Die Höhe ist in manchen Karten fälschlich mit «>■ 661 bezeichnet.
die noch zur örtlichen Verbesserung der Gefechtslage dienen könnten. Für späterhin habe jedoch Gen. Capello einen entscheidungsuchenden Angriffsplan zu überlegen und vorzubereiten, der den ganzen Block der gegnerischen Verteidigung im Görzer Becken zu Fall bringen müsse. Gemeint sei der Raum zwischen der Wippach und dem Südrand des Hochlandes von Temova, den Mt. S. Gabriele und den Mt. S. Daniele mitinbegriffen. Der Heerführer fügte bei, daß diese Kriegshandlung mit höchster Tatkraft und unter stärkster Artilleriewirkung durchzuführen sein werde und für Mitte September in Aussicht genommen sei1).
Dieser Befehl enthielt die endgültige Absage an Gen. Capello in bezug auf die von ihm bisher hartnäckig verfolgte Angriffsrichtung gegen Tolmein. Er entschloß sich nun, den Absichten der Heeresleitung zum Teil vorgreifend, den im Gange befindlichen Angriff gegen den Mt. S. Gabriele sogleich fortzusetzen, nicht allein deswegen, weil die Heeresleitung davon eine spätere Einwirkung der 2. Armee auf die Kriegshandlung der 3. Armee erhoffte, sondern auch deshalb, weil der wuchtige Bergklotz die Straße aus dem Isonzotal über den Dolsattel in das Becken von Britof sperrte 2).
Die Verschärfung der Kämpfe um den Mt. S. Gabriele
Seit dem Rückzuge auf dem Hochlande von Bainsizza und von Lom waren nun fünf Tage vergangen. Als vom 26. August an frische Kräfte bei der Isonzoarmee, allerdings nur „tropfenweise“ — wie GO. Boroevic es nannte — eintrafen, und auch die Auffrischung der zerschlagenen Divisionen Fortschritte machte, besserte sich die Lage mit jedem neuen Tage. Am 29. August konnte man schon mit dem Vollgefühl wiedergewonnener Sicherheit jede Gefahr, die für das Hochland bestand, als überwunden betrachten. Es galt als feststehend, daß die neue Frontlinie auf dem genannten Hochland dauernd gehalten werden müsse; daher wurden alle verfügbaren Mittel eingesetzt, um die Stellung technisch auszugestalten.
Am 29. August übernahm GdK. Schönburg das Kommando über den Abschnitt Ha, der von der Ortschaft Kal bis Sv. Katarina reichte. Wegen der Räumung des Mt. Santo hatte der Mt. S. Gabriele, der schon immer als Stützpfeiler des Schrankens vor dem Wippachtalbecken von
Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 414.
-) Capello, 131.
Wichtigkeit war, noch an Bedeutung gewonnen, da er nun auch als vorgeschobenes Bollwerk für die Verteidigung des Hochlandes von Ternová diente. Ursprünglich nur vom Westen her angreifbar, wurde der wuchtige, grau in den Himmel ragende Bergklotz seit dem 25. August durch die italienischen Sturmwellen auch von Norden her umbrandet. Die Verteidigung gegen Angriffe aus dieser Richtung war nicht allein deswegen schwierig, weil die technischen Abwehranlagen dafür nicht geschaffen waren, sondern auch, weil nunmehr an Stelle der ursprünglich im Becken von Britof und hinter dem Mt. Santo postierten, durch ihr Seitenfeuer vortrefflich wirkenden eigenen Batterien solche des Feindes Aufstellung nahmen.
Die Zahl der von den Italienern zur Bekämpfung des Gabrieleabschnittes eingesetzten Batterien stieg von Tag zu Tag, bis schließlich neben der leichten Artillerie nicht weniger als 700 mittlere und schwere Geschütze sowie einige hundert Minenwerfer vereint waren. „Es war dies, bezogen auf die Ausdehnung des Zielraumes, die größte Anhäufung von Feuerschlünden während des Krieges“1).
So rückte der schon seit dem 24. August heftig umtobte Mt. S. Gabriele immer stärker in den Mittelpunkt der Schlacht, die andernorts schon im Erlöschen war. Nach viertägigem Ringen hatten die Italiener am 29. abends eine Schanze bei der Nordkuppe -<J>- 526 erobert. In der folgenden Nacht entrissen die „Siebenundachtziger“ dem Feind einige von ihm eroberte Grabenstücke und nahmen dabei etwa 100 Mann gefangen. Tags darauf bemächtigten sich die Italiener neuerlich eines etwa 200 Schritte langen Stellungsteiles. Nun sollte das 1. Bataillon des vor kurzer Zeit aus Tirol eingetroffenen IR. 50 den Gegenangriff führen; aber dieses Vorhaben scheiterte. Unverzagt trotzten unterdessen in den anderen Abschnitten die im furchtbaren Eisenhagel zusammenschmelzenden Scharen der Bataillone 11/34 und IV/20 sowie des IR. 87 dem neuerlich anstürmenden Feinde. In der Nacht und dann am 31. August vormittags hielt sich das Artilleriefeuer in mäligen Grenzen. Zu Mittag schwoll es wieder an, und nach dreistündigem Trommeln begann der Kampf der Infanterie von neuem. Der Feind vermochte die beim Veliki hrib geschlagene Bresche um ein Stück zu erweitern. Zunächst kämpfende Teile des IR. 87 sowie die in der Nacht herangeführten Bataillone II und 111/50 schritten zum Gegenangriff. Die Stellung konnte jedoch nicht ganz zurückerobert werden. Indessen waren Vorstöße des Feindes bei Kramarca und Zagorje glatt abgewiesen worden.
') Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 415.
Am 1. September morgens saß der Italiener noch auf dem Veliki hrib. Andauerndes Vorschieben starker feindlicher Kräfte aus dem Isonzotal gegen den Dolsattel und von da auf den Westhang des Mt. S. Gabriele und auch gegen den Veliki hrib sowie das andauernde schwere Geschütz- und Minenfeuer ließen weitere Angriffe erwarten. Um diesen zu begegnen, entschloß sich der Kommandant der 18. IBrig., Obst. Laxa *), von dem zur allmählichen Ablösung des IR. 87 bei Rav-nica eingetroffenen Egerländer LstlR. 6, das nach Einreihen der Marschtruppen wieder in zweieinhalb Bataillone gegliedert war, ein Bataillon bei Tag auf den Ostrand des Mt. S. Gabriele vorzuschieben. Der erwartete Angriff erfolgte jedoch nicht, obgleich die italienische Artillerie mit dem Beschießen des Gabrieleabschnittes fortfuhr. Am 2. September nahm das Feuer ab. Die ,,Siebenundachtziger“ engten den feindlichen Einbruch auf dem Veliki hrib ein und verhinderten abends dessen Wiedererweiterung. Allmählich trat etwas Ruhe ein. Nun wurde dieses prachtvolle südsteirisohe Regiment abgelöst. Es hatte den schwersten Kampf durchgestanden, „den je ein österreichischer Truppenkörper gekämpft hat“2).
Verglichen mit dem Geschehen auf dem Mt. S. Gabriele waren die Kampfhandlungen dieser Tage an der übrigen Front des Abschnittes Ila unbedeutend. Um diesen einen Schlüsselpunkt der Front verdichtete sich das Sinnen und Sorgen aller höheren Führer, und brennend war die Frage, ob der Eckpfeiler weiter gehalten werden könne. Niemand konnte dafür einstehen. Der Divisionskommandant, GM. Hrozný, berichtete am 2. September: „Die Erfahrungen der bisherigen Kämpfe zur Festhaltung des Gabriele verpflichten mich, nochmals zu melden, daß diese Stellung, und zwar besonders der Veliki hrib, wegen der außerordentlich ungünstigen taktischen Lage, keine Dauerstellung ist und bei Fortdauer der gegenwärtigen ununterbrochenen starken feindlichen Angriffe kaum länger standhalten kann.“ Auch der Führer des Abschnittes Ila sah sich gezwungen, zu berichten, daß das Halten des Mt. S. Gabriele „nicht voll gewährleistet“ werden könne. Es stünden jetzt zwar schon Truppen in hinreichender Zahl zur Verfügung, aber im gegebenen Falle bedürfe man Truppen ganz besonderen Kampfwertes.
Dem Obersten des Generalstabskorps Wladimir Laxa wurde für die hervorragende Leitung der Verteidigung des Mt. S. Gabriele das Ritterkreuz des MilitärMaria Theresien-Ordens verliehen.
2) V e i t h, Die Isonzoverteidigung vom Falle von Görz bis zur Eroberung von Karfreit (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1932), 652.
Die dem Abschnitt zugewiesenen Divisionen, die 19. und die 53. ID., seien nicht „karstgewohnt“. Auch das von Tirol kommende SchR. 25 könne hier nicht verwendet werden, weil es bereits bei der Gruppe Goiginger an wichtiger Stelle eingesetzt worden sei. Das siebenbürgische IR. 50, das mehr als ein Jahr im Stellungskrieg in Tirol war, sei nicht kampfgeübt; das erste auf dem Mt. S. Gabriele eingesetzte Bataillon dieses Regimentes habe in der Nacht auf den 31. August versagt. Die Truppen der 18. IBrig., die durch den tagelang nicht unterbrochenen schweren Kampf vollständig erschöpft seien, müßten aber endlich abgelöst werden. Das Bataillon 1/87 zähle nur mehr 185 Gewehre, auch die anderen Bataillone hätten sehr stark gelitten. Das Abschnittskommando beabsichtige die Ablösung nach und nach durch die Regimenter der erprobten und nun wiederhergestellten 106. LstlD. vorzunehmen. Allerdings seien bei dieser Division etwa vierzig von Hundert junge, nie im Felde gewesene Soldaten. Es wäre daher sehr erwünscht, wenn für den Mt. S. Gabriele ein frischer, erprobter Truppenkörper zur Verfügung gestellt werden könnte. Das Armeekommando antwortete, daß der Mt. S. Gabriele unbedingt gehalten werden müsse; denn es handle sich um einen Kampf um Zeitgewinn bis zum Losbrechen der geplanten Gegenoffensive, für die der Besitz des Mt. S. Gabriele eine Vorbedingung sei. Zugleich ließ der Armeeführer das GbSchR. 2 der 48. ID. vom Karstland dem GdK. Schönburg überstellen. Das Kommando der Südwestfront hatte schon angeordnet, daß das oberösterreichische IR. 14 von Tirol an den Isonzo gefahren werde.
Der Gegenangriff des k.u.k. XXIII. Korps an der Küste
Auf dem Karste und an der Küste begnügten sich die Italiener seit dem 24. August mit Artilleriefeuer und kleinen Unternehmen, die über das Maß örtlicher Gefechte nicht hinauskamen. Manchmal allerdings wurde das Schießen so lebhaft, als gelte es der Vorbereitung neuer Angriffe. Auch Flieger schwirrten über den Stellungen und warfen Bomben ab, sobald sie eine Batterie entdeckt zu haben glaubten. Doch die Verteidiger ließen sich nicht täuschen; zu deutlich sprachen die mit jedem neuen Morgen vermehrt auftauchenden Drahtverhaue, daß der Feind keine Angriffe vorbereite, sondern eher solche von der Gegenseite befürchte. Erfahrungen aus der zehnten Schlacht hatten die Italiener gelehrt, auf der Hut zu sein. Gen. Cadorna empfahl dem 3. Armeekmdo., um die erzielten Vorteile des XXIII. und des XIII. Korps nicht zu verlieren, das Sperrfeuer in Front und Flanke bestens zu organisieren; er schloß sein Schreiben mit folgenden Worten: „Wir müssen uns vor Augen halten, daß uns auf dem Karste Truppen gegenüberstehen, die ganz besonders in der Ausführung überraschender Angriffe geschult sind“ 1).
Tatsächlich waren in den öst.-ung. Reihen solche Bestrebungen rege. FML. Csicserics, der das Erbe des FML. Schenk angetreten hatte, plante, so >vie dieser es in der zehnten Isonzoschlacht unternommen hatte, bei erster Gelegenheit den Feind anzugreifen und zurückzuschlagen. Auch die Beweggründe für dieses Vorhaben waren die gleichen wie am 4. Juni: die Linie lc, in die das k.u.k. XXIII. Korps zurückgedrückt worden war, lag zu nahe am Fuße der Hermada, um der Artillerie volle Kraftentfaltung zu ermöglichen. Namentlich die Flachbahngeschütze waren hier so gut wie ausgeschaltet. FML. Csicserics hatte sich daher entschlossen, sobald es der Kräftezustand der Truppen gestatten werde, zum Gegenangriff zu schreiten. Sein Plan war, auf der ganzen Korpsfront mindestens die Linie la zu gewinnen. Allein, gelegentlich einer mit dem Abschnittskommandanten, GO. Wurm, in Sesana abgehaltenen Besprechung wurde diese Ansicht dahin abgeändert, daß nur im Hermadaabschnitt die Linie la anzustreben sei, hingegen im Seloabschnitt der Rückgewinn der Linie lc genügen werde. Das Abschnittskommando bestimmte ferner, daß über die bezeichneten Ziele nicht hinausgegangen werden solle; denn es müsse vermieden werden, daß die 12. ID. und die Hälfte der 41. HID., die auf jeden Fall als allgemeine Reserven zurückgehalten werden müßten, in den Kampf hineingezogen würden.
Der Korpskommandant besprach sein Vorhaben mit den Divisionsführern und ordnete am 29. an, daß das Unternehmen nach gründlicher Vorbereitung am 4. September durchzuführen sein werde. Den Hauptangriff im Hermadaabschnitt habe wieder FML. Schneider-Manns-Au zu leiten, wozu ihm die Truppen der 28. und der 35. ID. sowie zwei Regimenter der 12. ID. zur Verfügung stehen sollten. Gleichzeitig habe der Kommandant der 41. HID., FML. Schamschula, mit zwei Regimentern dieser Division bei Selo zur Wiedereroberung der Linie lc vorzustoßen. Die Leitung der Artillerie oblag dem Obst. Freih. v. Janečka. Dieser regte an, nach einem schlagartigen Feuerüberfall auf der ganzen Karstfront eine Pause von zehn Minuten einzuschalten, woraufhin der An-
x) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 408.
griffsraum eine halbe Stunde lang unter allerstärkstes Vernichtungsfeuer genommen werden sollte. Das Korpskommando nahm diesen Vorschlag in seine Befehle auf und betonte ausdrücklich, daß das Gelingen des Unternehmens zum großen Teile von der zielsicheren Arbeit der Artillerie sowie dem pünktlichen, entschlossenen Vorgehen der Infanterie abhänge.
Die Vorbereitung des Angriffes konnte ungestört durchgeführt werden, da in den Tagen um die Monatswende kein bedeutsames Ereignis an der Front die Maßnahmen störte. Am 3. September abends war alles für das Unternehmen bereit. Obwohl der Infanterie nach den schweren Kämpfen der ersten Schlachttage nur eine kurze Erholungszeit gegönnt gewesen war, trat sie voll Zuversicht an. Am 4. September frühmorgens war die Angriffsgruppierung beendet. Die Artillerie er-öffnete planmäßig das Feuer. Im fahlen Mondlicht, das nach und nach der Morgendämmerung wich, platzte schwerer Eisenhagel über dem Feinde. Um 5h30 erhob sich die Infanterie, stürmte vor, und eine Stunde später hatte sie im Hermadaabschnitt die Linie la fast überall erreicht. Bei der Eroberung des südlichen Eisenbahntunnels, in dem die Italiener einen sicheren Unterstand gefunden hatten, spielten sich Ereignisse ab, die zu den erschütterndsten Erlebnissen des Krieges gehören. Der Geschichte des IR. 47, das am Gegenangriff hervorragenden Anteil hatte, ist zu entnehmen, daß beim Tunneleingang eine gewaltige Explosion erfolgte, die zum Unheil für die dadurch eingeschlossenen Italiener wurde. Nur wenige konnten flüchten, um in ihrem Gegner diesmal einen hilfsbereiten Retter zu finden. Der im Innern des Tunnels wütende Brand währte volle zwei Tage. Dann erst konnte man zahlreiche verkohlte Leichen italienischer Soldaten aus Schutt und Trümmern hervorholen1).
Das Unternehmen der Gruppe Schneider-Manns-Au hatte sie bisher nur wenig Verluste gekostet. Es war mit solcher Raschheit durchgeführt worden, daß der verblüffte Feind sich erst spät zu Gegenmaßnahmen aufzuraffen wußte. Kaum war es Ihm glaubhaft, daß der in viertägigem heißem Ringen eroberte Boden nun mit einem einzigen Zugriff des Gegners fast ganz verloren sein sollte. Indessen hatte die Honvéd auf der Seloplatte beim ersten Sprung ihr Ziel verfehlt. Wohl war es ihr gelungen, in Selo einzudringen; am Westrand dieser zerstörten Ortschaft stieß sie aber auf eine undurchdringliche Feuerwand zahlreicher Maschinengewehre. Nach vergeblich gebrachten großen
1) Vogelsang, 624 f.
Opfern mußte sie schließlich am Abend in die Ausgangsstellung zurückkehren. Wenige Stunden zuvor war der Feind vor dem Hermadaabschnitt zum Gegenangriff geschritten; er hatte südlich von Flondar wieder ein Stück der Linie la zu gewinnen vermocht. Teile des IR. 51 und des IR. 62 sowie das Bataillon 11/47 warfen sich den Italienern entgegen; bis zum Einbruch der Dunkelheit glückte es ihnen aber nur, die neue Einbruchsstelle abzuriegeln. Hierauf befahl der Korpskommandant dem FML. Schneider-Manns-Au, am nächsten Tage den Kampf um die Linie la fortzusetzen und stellte ihm noch das ganze IR. 15 zur Verfügung. FML. Schamschula sollte inzwischen neue Versuche, die Linie lc zu gewinnen, unterlassen.
Am 5. September bei Tagesanbruch wurde im Hermadaabschnitt der Angriff fortgesetzt und im prächtigen, schwungvollen Vorstoß wieder die ganze Linie la erreicht. Die Ereignisse dieses Tages nahmen dann einen ähnlichen Verlauf wie am Vortage, doch gelang es den Italienern diesmal nicht mehr, in die vorderste Linie einzubrechen, die fortan trotz mehrfacher Anstürme des Feindes im Besitze des k.u.k. XXIII. Korps blieb.
Mit dem geschilderten Gegenangriff schloß die Schlacht auf dem Südflügel ab. Die Verluste der Italiener waren zweifellos sehr groß. An Gefangenen allein büßten sie 163 Offiziere und 6620 Mann ein. Die anhaltende Ruhe in diesem Abschnitt ermöglichte es sodann, die 28. und die 35. Division abzulösen, die sich gleichermaßen ihrer großen Taten rühmen konnten.
Fortgesetztes Ringen um den Mt. S. Gabriele
Die italienische Heeresleitung hatte sich am 1. September veranlaßt gesehen, den drei Tage vorher bekanntgegebenen Zeitpunkt für den Beginn des Großangriffes im Görzer Becken auf Ende September zu verschieben, weil sie befürchtete, daß der erforderliche Schießbedarf bis Mitte des Monats nicht herbeigeschafft werden könnte l). Zur Sicherung vor unvorhergesehenen Zwischenfällen ^durften die Vorräte für die mittleren und schweren Batterien nicht unter eine festgesetzte Grenze sinken, und nun war man schon nahe an diese Grenze angelangt. Der Führer der 2. Armee war jedoch der Meinung, daß die Eroberung des Mt. S. Gabriele nicht aufgeschoben werden dürfe, und trieb zur Fort-
1) Vgl. Fußnote *) auf S. 472. * setzung dieses begrenzten Unternehmens um so mehr an, als der erhoffte Erfolg für das spätere, größere Vorhaben der Heeresleitung von Nutzen sein mußte1). Er ordnete daher die Erneuerung des Angriffes schon für den 4. September an.
Dieser überraschend angelegte Angriff traf die Verteidiger in einem Augenblick der Schwäche. Gerade in der Nacht auf den 4. September war die Mehrzahl der schwer geprüften Truppen der 57. ID. zunächst durch zwei Regimenter der 106. LstlD. ersetzt worden. Diese Landsturmdivision hatte bei ihrem Heldenkampfe im Rohottale außerordentlich große Verluste erlitten (S. 459). Nach kurzer, kaum hinreichender Auffrischung mußte sie nun an höchst bedeutsamer Stelle wieder in die Front treten; denn man hatte wenig Vertrauen in die
19. ID., die schon vor Tagen, aber mit nur sechs Bataillonen, vom russischen Kriegsschauplatz eingetroffen war.
Die k. k. Landsturminfanterieregimenter 6 und 31, zusammen 2500 Feuergewehre zählend, hatten die Stellung auf dem Mt. S. Gabriele kaum bezogen und sich im Dunkel der Nacht auch wohl kaum zurecht finden können, als bei Morgengrauen überraschend der italienische Sturmangriff einsetzte. Die Schanzen auf der Erhebung -<^-552 gingen verloren und alsbald auch der Hauptgipfel A 646. Mehr als 1000 Mann fielen in Gefangenschaft. Die Lage war plötzlich sehr kritisch geworden. Rasch griff die trefflich geleitete Abwehrartillerie ein und legte dem Feind, der schon den Osthang hinabstieg, eine Feuerwand vor. Das Divisionskommando befahl das mährische LstlR. 25 zum Gegenangriff. Langsam aber nicht zaghaft arbeitete sich das in viele kleine Gruppen aufgelöste Regiment durch die nun vom Feinde auf den Ostfuß des; rauchenden Berges gelegte Feuerzone vorwärts. Zu Mittag war der Gipfel zurückgewonnen. Aber auch von der Westseite erstiegen neue italienische Kräfte den S. Gabriele, und so kam es zu einem für beide Gegner äußerst verlustreichen Ringen, bei dem die Schanzenreste, die Kavernen und Unterstände mehrmals den Besitzer wechselten. Am Abend meldete GM. Hrozný: „Die Lage ist etwas geklärter. Die Truppen des rechten Flügels der 18. IBrig., es sind dies zurückgelassene Teile des IR. 87 und des IR. 50 sowie des Landsturmbataillons 1/2, ferner Teile des LstlR. 6 und des GbSchR. 2, stehen in der alten Stellung bis knapp nördlich -<J>- 526. Von da verläuft die Kampflinie auf dem Osthang zur Trigonometerhöhe 646, dann weiter unverändert zum rechten Flügel der 58. ID.“
ł) Capello, Per la verita 'Mailand 1920), 48 ff.
Am 5. September fand das grimmige Ringen seine Fortsetzung. Das LstlR. 32 und zwei Bataillone des IR. 24 von der 43. SchD. schritten zu neuem Gegenangriff. Auch die Italiener sandten frische Regimenter in den Kampf. Und beide Artillerien hämmerten weiter. Als es endlich Abend wurde, zeigte es sich, daß der Kampf an derselben Linie wie am Vortage zum Stillstand kam. Die Reste des IR. 50 wurden zurückgenommen. Da man erkannte, daß der Feind abermals neue Kräfte heranführte, mußte mit der Fortsetzung des Kampfes gerechnet werden. Also bat das Divisionskommando, ihm das k. u. LstlR. 6 zur Verfügung zu stellen. Es war dies das Spitzenregiment der 53. ID., die in diesen Tagen vom russischen Kriegsschauplatz eintraf. Wie erwartet, setzten am 6. September morgens in der Tat wieder Massenangriffe ein. Der Kampf wütete bis zum Abend fort und endete schließlich damit, daß die Stellungen von den mit bewundernswerter Zähigkeit ausharrenden Truppen behauptet wurden. Am 7. September setzten die Italiener nur noch einmal zum Angriff an, der scheiterte. Ihre Artillerie feuerte jedoch unablässig mit kaum verminderter Heftigkeit weiter.
Gen. Capello mußte sich später bittere Vorwürfe gefallen lassen, daß er auf dem Mt. S. Gabriele Regiment auf Regiment ins Verderben geschickt habe. Die Opfer müssen wohl außergewöhnlich groß gewesen sein. Da das Unternehmen dennoch nicht zum erwarteten Erfolg geführt hatte, schlug Gen. Capello vor, den hartnäckigen Verteidiger durch ein unablässig bei Tag und Nacht fortgesetztes Massenfeuer aller Batterien und Minenwerfer zur Verzweiflung zu treiben und zur Übergabe zu zwingen. Es sollte ein Feuerkranz um den Berg gelegt werden, der den Gegner vollkommen einschloß und ihm jede Zufuhr und Unterstützung unterband40). Obgleich Gen. Cadorna Zweifel hegte, ob diese „Feuerbelagerung“ Erfolg haben werde, stimmte er dem Versuche zu.
Die Berichte des 57. IDKommandos, das die Führung im Abschnitt trotz Ablösung aller seiner Truppen beibehielt, brachten am 8., 9. und
10. September unter anderem immer wieder den einfachen Satz: das schwere Feuer halte in unverminderter Heftigkeit an. In diese wenigen Worte war ein Geschehen gekleidet, das furchtbarer kaum gedacht werden kann. Eine belebte Schilderung sei hier am Platze 41): „Tiefblau war der Himmel, tropische Hitze brütete über der Landschaft. Heiß und trocken klang das Brüllen der Geschütze, die Stunde für Stunde das gleiche Ziel beschossen. Von allen Seiten heulte es und winselte es heran, krachte es in das splitternde Gestein. Schottermassen wurden hochgerissen, hin und wieder ein Sandsack, ein Träger, ein Stück Wellblech, ein Hindernisstab, — wurden hochgerissen, schlugen polternd auf, lagen reglos, bis der nächste Einschlag sie aufs neue durcheinanderwarf. Menschen kauerten in dieser Hölle, da die Doppelposten der Infanterie, dort ein Artilleriebeobachter. Ihre Augen waren gerötet, stumpf ihr Blick; die Monturen übersät mit Steinsplittern, die Helme verbeult. Der Berg war in den Pestgeruch der Verwesung gehüllt, in süßlichen, unsagbar widerlichen Gestank. Leichen moderten auf seinen Hängen, Freund und Feind. Niemand konnte sie holen. Manchmal schrie ein in dem Trichterfeld Verlorener auf, schrie stundenlang um Hilfe und Wasser, um-Erbarmen. Aber nur selten hörte man ihn. Das Dröhnen und Krachen verschlang alles. Es zertrommelte das Gehör und nahm von dieser Erde, was ohnedies nicht zu retten war. Die anderen, die vielen, hockten in den Kavernen und warteten und warteten. Männer, denen Kampf und Leidertragen nicht von Jugend auf im Blute lag. Hier wurden sie hart und unerbittlich wie das Schicksal, das ihnen an die Kehle griff. Der Berg war ihr Schicksal. Nur Haß war in ihnen und der unbeugsame Wille, das Leben so teuer wie möglich zu verkaufen an den Feind, — an diesen Feind, den ihre Lippen mit jedem Donnerschlag da draußen verfluchten.“
Drei Tage dauerte die Feuerbelagerung. Etwa 45.000 Schuß wurden allein für diesen Zweck verschossen. Als aber am 11. und 12. September die Regimenter der Brigaden Foggia und Girgenti Ausschau hielten, um die, wie sie hofften, zu blutiger Reife gelangte Frucht einzuholen, stießen sie auf härtesten Widerstand, ja zu ihrer Überraschung sahen sie sich — wie später noch auszuführen sein wird — sogar selbst angegriffen.
Begreiflich ist es, daß die öst.-ung. Führer bis zur Heeresleitung hinauf das Geschehen rund um den bedeutenden Eckpfeiler der Isonzofront mit ernster Sorge verfolgten. GO. Boroevic hatte am 5. September gemeldet, daß dieser Raum trotz der ungeheuren Opfer und ungeachtet aller ergriffenen Maßnahmen möglicherweise nicht weiter behauptet werden könne. Aber er sei festen Willens, auch in solchem Falle das nächst bedrohte XVI. Korps nicht etwa freiwillig zurückzunehmen, sondern nur dessen Nordflügel abzubiegen und den Widerstand fortzusetzen. Unterdessen trafen das oberösterr. IR. 14 und die 20. HID. ein, wodurch sich die Aussichten bedeutend besserten. Auch konnte man wegen des offenkundig außerordentlichen Kräfteverbrauches beim Feind annehmen, daß seine Tätigkeit endlich erlahmen müsse. Es war nun die Absicht, das IR. 14 einzusetzen, um die Lage auf dem Mt. S. Gabriele zu bereinigen. Da die Unterführer jedoch über die Art und Weise der Durchführung noch nicht ganz schlüssig waren, befahl GO. Boroevic, mit dem Unternehmen zuzuwarten, bis eine kräftige, planmäßig zusammengefaßte Artilleriewirkung gewährleistet sei. Die Batterien der 20. HID. sollten jedenfalls zugezogen werden. Zugleich wurde dem GdK. Schönburg die 39. HIBrig. (Honvédinfanterieregimenter 1 und 17) unterstellt, um dem Vorhaben den nötigen Rückhalt zu geben und die gedachte spätere Ablösung aller noch unter der Führung des 57. IDKom-mandos stehenden verschiedentlichen Truppen anzubahnen. Dann sollte das k. u. LstlR. 6 der 53. ID. an FML. Goiginger abgegeben werden, damit diese Division mit der Ablösung der 73. ID. beginnen könne. Die abermals vollständig abgekämpfte 106. LstlD., die kaum mehr als 1000 Feuergewehre zählte, war in den Raum von Haidenschaft zurückzuziehen, wo sich auch die Reste der 57. ID. einfanden. Sie hatten beide außergewöhnlich hohen Blutzoll entrichtet.
Am 9. September mahnte GO. Boroevic noch einmal, den Gegenangriff auf den Mt. S. Gabriele nicht zu überstürzen. Allein die Nerven der Unterführer waren durch das aufrüttelnde Geschehen so sehr beansprucht, daß das am Osthange des Mt. S. Daniele schon seit dem 8. September bereitstehende IR. 14 in der Nacht vom 10. auf den
11. September losgelassen wurde, noch bevor alle Vorbereitungen vollendet waren. Um 8h abends trat das in zwei Gruppen geteilte Regiment die Bewegung an. Im Irrlichtertanz der allseits aufblitzenden Granaten verzögerte sich der Anmarsch; er wurde beim Aufstieg über Stock und Stein derart gehemmt, daß zur Stunde, da die eigene Artillerie befehlsgemäß einen halbstündigen Feuerüberfall durchführte, die Kompagnien noch nicht in der Sturmstellung eingetroffen waren. Nach Hellwerden sah sich die der Höhe -c^- 552 zustrebende Gruppe genötigt, das Unternehmen auf die folgende Nacht zu verschieben. Die andere Gruppe ging indessen gegen die -cj>- 448 vor. Sie erstürmte die Schanzen, mußte sie aber bald wieder preisgeben, und es kostete ihr Mühe, dem nachdrängenden Feind in der Ausgangsstellung Halt zu gebieten. In der Nacht auf den 12. September wurde der Angriff gegen die Höhe 552 weiter vorbereitet und dann noch vor Tagesanbruch
überfallsartig durchgeführt. Von jungen Offizieren überaus schneidig geführt, erstürmten die tapferen Oberösterreicher die Höhe, nahmen 600 Italiener gefangen und erbeuteten 12 Maschinengewehre 1).
Das Unternehmen des IR. 14 war gerade zu jener Zeit erfolgt, da sich der durch Alpini verstärkte Feind anschickte, die Frucht seiner Feuerbelagerung einzuholen. So entwickelten sich am 12. September wieder sehr schwere Kämpfe, in die von beiden Seiten die Geschützmassen rücksichtslos hineinschossen. Erst nach stundenlangem Ringen, namentlich um den Gabrielegipfel, mußten die Italiener einsehen, daß ihr opfervolles Beginnen gescheitert war. Nach einem letzten Sturmversuch am 13. September nahm das Artilleriefeuer allmählich ab, ohne daß die Kämpfe um den „Monte del morte“, wie die Italiener den Mt. S. Gabriele nannten, schon völlig zum Stillstand gekommen wären2).
Rückblick
Die elfte Isonzoschlacht wurde, wie die meisten ihrer Vorgängerinnen, von beiden Gegnern als Sieg gefeiert. Daß die Gewinnung der Hochfläche von Bainsizza durch die Abwehr des schon sicher scheinenden Durchbruches mehr als aufgewogen wurde, und daß zumal die Größe der objektiven Leistung in dieser Abwehr dem Verteidiger das berechtigte Bewußtsein des Sieges gab, ist zweifellos. So empfanden denn auch die öst.-ung. Truppen einmütig die Schlacht als Sieg, und ihre Stimmung entsprach diesem Empfinden. Auf italienischer Seite kamen dagegen, trotz des bedeutenden Raumgewinnes, die Enttäuschung über den trotz aller Verheißungen ausgebliebenen Enderfolg und die Erkenntnis von der alle Erwartungen übersteigenden Zähigkeit des Gegners sowohl in den Reihen der Armee als auch in der öffentlichen Meinung des Landes unverkennbar zur Geltung. Trotzdem mochte in Baden und in Udine die Lage umgekehrt beurteilt werden. Die k.u.k. Heeresleitung zumal durfte sich über die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß ihr Sieg ein Pyrrhussieg und allem menschlichen Ermessen nach der letzte Abwehrsieg gewesen war. Gründe für diese Auffassung gab es mehr als genug. Die
J) IR. 14, Ein Buch der Erinnerung, 265 ff. In Erinnerung an die Wiedereroberung des Mt. S. Gabriele durch das k.u.k. IR. 14 feiert dessen Nach folge regiment im österreichischen Bundesheer, das oberösterreichische Infanterieregiment Nr. 14, den 12. September als Gedenktag.
2) Schwarte, V, 442.
Verluste der elften Isonzoschlacht betrugen über 10.000 Tote, mehr als 45.000 Verwundete und rund 30.000 Vermißte; die 20.000 Kranken mitinbegriffen, betrug der Gesamtabgang 110.000 Mann. Mochte auch die Einbuße des italienischen Heeres eine weit größere gewesen sein, so war doch der Abgang so empfindlich, daß das schon bestehende Mißverhältnis der Kräfte immer schwerer ins Gewicht fiel. In ÖsterreichUngarn war man schon längst genötigt, als Ergänzungsmannschaft fast nur mehr die wieder kampffähig gewordenen Verwundeten heranzuziehen; an eine volle Auffüllung der Stände war somit kaum mehr zu denken. Der mit jeder Schlacht zunehmende Menschenverbrauch mußte schließlich die Verteidigung derart schwächen, daß ihr Zusammenhalt verlorenging. Es blieb also kein anderer Weg, als zum Gegenhiebe auszuholen, um sich von dem andauernden Drucke zu befreien. Daß dieser Gedanke schon zu Beginn der elften Schlacht bestanden hat, wurde bereits dargelegt (S. 456).
Der Geländeverlust auf dem Hochlande von Bainsizza hatte gar keine üblen Folgen. Im Gegenteil, die Zurücknahme der Verteidigungslinie hatte sogar zu einer Verkürzung der Front geführt. Anders wäre es gewesen, wenn der Rückzug bis hinter das Čepovantal fortgesetzt worden wäre. Dem glücklichen Umstand, daß die Italiener am 23. August und auch an den nächstfolgenden Tagen die Gunst der Lage nicht erkannten, namentlich aber dem rühmenswerten Eintreten bewährter Unterführer war es zu verdanken, daß die sehr ernste Krise dieser Tage überwunden wurde. In diesem Zusammenhange ist wohl auch zu bedenken, daß ein Rückzug bis an den Nordrand des Temovaner Hochlandes die Verteidigung des Gabrieleabschnittes außerordentlich erschwert, wahrscheinlich sogar zu dem Verluste dieses bedeutsamen Eckpfeilers geführt hätte; denn man muß bezweifeln, ob die von drei Seiten bestürmten Helden vom Mt. S. Gabriele einem gleichzeitigen Angriffe auch noch aus nordöstlicher Richtung hätten standhalten können. Von dem Besitz dieses Gipfels hing aber das Schicksal der Verteidigung im Görzer Becken und der geplanten Gegenoffensive ab. Wenn ein Gipfel es verdient, ein Heldendenkmal zu tragen, so ist es der Monte S. Gabriele. Unvergänglich wird mit dem Namen dieses Berges das Heldentum der ruhmreichen k.u.k.Armee verknüpft bleiben; aber auch der Feind von damals braucht sich der Erinnerung an die Kämpfe, die den Berg umtobten, wahrlich nicht zu schämen. Es gab Tage, an denen die Entscheidung über diesen Eckpfeiler auf des Messers Schneide stand, und es gab immer wieder beherzte Führer aller Grade, die die Zuversieht neu belebten. GdK. Schönburg gehörte zu diesen und wurde hiefür mit dem Kommandeurkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet.
Beim Schlußangriff gegen den Mt. S. Gabriele trieben die Italiener die Materialschlacht auf die Spitze. Aber auch sonst war der Einsatz an schweren Waffen auf ein bis dahin an der Isonzofront noch nicht gekanntes Höchstmaß gesteigert worden, und dem entsprach auch der Verbrauch an Schießbedarf. Auf öst.-ung. Seite wurden in der Zeit vom 18. August bis zum 6. September von den leichten Geschützen anderthalb Millionen Schuß abgegeben, von den mittleren über ein Viertel Million, von den schweren Mörsern 22.000 Schuß. Der Munitionsverbrauch der elften Schlacht überstieg jenen der zehnten um ein volles Drittel. Auch die Abnützung der Geschütze gibt Zeugnis von der ungeheuren Anspannung aller Mittel in dieser schweren Schlacht. An die 38 v. H. der Geschütze waren unbrauchbar geworden; 36 Geschütze gingen verloren 1). Auch diese Zahlen nötigten, auf Mittel zu sinnen, die dem unfruchtbaren, verzehrenden Abwehrkampf ein Ende bereiten konnten; sonst war ein Zerreißen der Isonzofront allen Ernstes zu besorgen.
Es hieße oft Gesagtes wiederholen, wollte man über den Geist und die Haltung der Truppen hier nochmals Einzelheiten bringen. In einem später erbeuteten, vom Kommando der italienischen 3. Armee ausgegebenen umfangreichen Behelf über das öst.-ung. Heer findet sich folgende bemerkenswerte Stelle: „Angegriffen, schlägt sich die Truppe sowohl wegen der Disziplin, wie auch wegen des Instinktes der Selbsterhaltung. Die Propaganda des Hasses gegen die Italiener ist eindringlich und unermüdlich. Die Vermehrung der Prozente an Mannschaft slawischer Nationalität — wir haben jetzt vor unserer Front 60 Prozent Slaven, 16 Prozent Magyaren, 13 Prozent Deutsche und 11 Prozent Rumänen2) — könnte den Glauben erwecken, daß die Truppen von geringerer Widerstandsfähigkeit wären. Doch hat uns die Erfahrung gelehrt, daß sich dieselben Slawen, die sich an den anderen Fronten in Massen ergeben, an unserer Front mit besonderer Hartnäckigkeit schlagen. Es genügt, die Tschechen zu erwähnen, die sich mit unerreichter Zähigkeit
*) Nach P i n c h e 11 i, 296, sollen die Italiener 145 Geschütze erobert haben. Hier sind jedenfalls die Infanteriegeschütze und Grabenmörser mitgerechnet. Die Angaben über die Zahl der erbeuteten Geschütze weichen in den verschiedenen italienischen Darstellungen nicht unerheblich voneinander ab.
2) Die angegebenen Hundertteile waren annähernd richtig.
gewehrt haben und sich in den Kavernen lieber erschlagen ließen, statt sich zu ergeben ł).“
Für das italienische Heer bedeutete die elfte Isonzoschlacht eine ernst zu nehmende Einbuße nicht allein an lebender Kraft, sondern namentlich auch am inneren Gehalt. Wenn diese Schlacht, nach den Worten des Marschall Cadorna „in Italien und außerhalb des Königreiches wie eine der großartigsten Operationen des europäischen Krieges gefeiert wurde und auch größte moralische Wirkungen auslöste“ 2), so war dies nur Schein und Selbsttäuschung, denn gewiß wäre eine Niederlage von so ungeheurem Ausmaß, wie sie die Italiener im Oktober und November 1917 erleben sollten, nicht möglich gewesen, wenn in den vorhergegangenen Schlachten das Heer nicht schon sehr stark mitgenommen worden wäre. Der in Zahlen faßbare Verlust an Streitern Italiens betrug in der elften Schlacht 40.000 durch Tod und 108.000 durch Verwundung, 18.000 waren vermißt.
Die elfte Isonzoschlacht war die letzte Angriffshandlung des italienischen Heeres im Küstenlande. Durften nach ihrem Abschluß die Italiener auch darauf himveisen, dabei den größten Raumgewinn von allen Isonzoschlachten errungen zu haben, so hatten sie in den zweieinhalb Jahren seit Kriegsbeginn bis zu ihrem heißersehnten strategischen Ziel Triest aber doch erst ein Drittel des Weges zurückgelegt; bloß zwölf Kilometer maß der größte, von Sagrado bis Kostanjevica gemessene Fortschritt der Front und zehn Kilometer jener östlich von Plava auf der Hochfläche von Bainsizza—Heiligengeist (vgl. Nebenskizze auf Beilage 19).
Die geringe Größe dieses unter ungeheuren Hekatomben erfochtenen Gewinnes einer noch dazu meist öden Karstlandschaft wird noch sinnfälliger, wenn man das Anwachsen des Kräfteaufgebotes während dieser dreißig Monate in Betracht zieht. Mit 18 Divisionen und 750 Geschützen waren die Italiener zur ersten Schlacht im Juni 1915 angetreten, mit 51 Divisionen sowie 5200 Geschützen und Minenwerfern gingen sie in die elfte Schlacht. Natürlicherweise wuchsen auch die öst.-ung. Streitkräfte erheblich an; doch wie bescheiden nahmen sich ihre Zahlen aus! — 8 Divisionen mit 354 Geschützen nahmen im Juni 1915 den Kampf am Isonzo auf, während in der elften Schlacht 24 Divisionen mit 1880 Geschützen und 300 Minenwerfem dem Feind die Stirn boten.
1 j Vgl. Anton P i t r e i c h, Der österreichisch-ungarische Bundesgenosse im Sperrfeuer (Klagenfurt 1930).
2) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934. 424.
Heer und Volk Italiens erkannten auch immer mehr die Ergebnislosigkeit ihrer bisherigen opferreichen Bemühungen. Mangel an Zuversicht griff um sich und lockerte das Gefüge der italienischen Heeresteile am Isonzo. Just zu diesem Zeitpunkt holten die Mittelmächte zum Gegenschlag aus, dessen Schilderung der Inhalt des nächsten Hauptabschnittes bilden soll.
Die Ereignisse in Tirol und in Kärnten im Sommer 1917
Anfangs Juli nahm das Heeresgruppenkommando FM. Conrad wahr, daß der Feind Kräfte von der Tiroler Front abziehe. In den Sieben Gemeinden näherte sich die Gruppierung des Feindes immer mehr jener Besetzung, die er vor der Ortigaraschlacht innegehabt hatte. Auch von der Etschtalgruppe der 11. Armee liefen ähnlich lautende Meldungen ein. Truppenansammlungen in der Nähe der Eisenbahnstationen und reger Zugsverkehr von der Tiroler Front an den Isonzo enthüllten deutlich die nächsten Absichten des Feindes.
Da sonach an der Tiroler Front in den nächsten Wochen keine feindliche Angriffshandlung größeren Stiles zu besorgen war, kam der Heeresgruppe die Aufgabe zu, die Isonzoarmee in der zu erwartenden elften Isonzoschlacht mittelbar zu unterstützen. FM. Conrad vertrat die Ansicht, daß ein größeres, wenn auch im Maße der vorhandenen Streitkräfte begrenztes Unternehmen den Feind binden, sogar dessen Kräfte anziehen und dadurch von der Julischen Front ablenken würde. Namentlich ein Vorstoß zur Eroberung des Pasubioklotzes mochte auf den Feind tiefen Eindruck üben und zugleich der Heeresgruppe nicht nur örtlichen Vorteil für die Verteidigung bringen, sondern auch für späterhin, falls eine neue Offensive aus Tirol zustande käme, von bedeutsamen Nutzen sein. Der Angriff gegen den Pasubio wurde daher in allen Einzelheiten überlegt.
Die Heeresleitung war derartigen Gedankengängen nicht abgeneigt; allein sie hielt es angesichts der zunehmenden Ansammlung feindlicher Kräfte vor der Isonzoarmee für unerläßlich, diese Armee zu verstärken. Da sie aus der Ostfront keine Reserven abziehen konnte, wies sie den FM. Erzherzog Eugen an, die erwünschten Truppenverschiebungen im Bereiche des Südwestfront nach eigenem Ermessen durchzuführen. Wie bereits dargelegt wurde, mußte also FM. Conrad eine Reihe von Einheiten an die Isonzoarmee abgeben (S. 435 f.).
Anfangs Juli standen insgesamt 155 Bataillone, 8000 Standschützen und rund 1400 Geschütze in Tirol. Bis zum Beginn der elften Isonzo-schlacht wurden 15 Bataillone und mehrere Batterien abbefördert. Da die Frontlinie 340 km maß, und die Italiener schätzungsweise 250 Bataillone davor stehen hatten, erschien die Durchführung des Pasubio-unternehmens gewagt. Um die Landesverteidigung nicht zu gefährden, mußte Conrad von jeder Angriffshandlung absehen. Er bat, eine weitere Schwächung der Tiroler Front zu unterlassen, weil andernfalls der Feind geradezu ermuntert werden könnte, sich gegen Tirol zu wenden, dessen Eroberung er um so lebhafter anstreben mochte, je mehr sich der Krieg dem Ende, also einem Friedensschluß, zuneigte. „Der Idee, daß man in Tirol eine Schlappe hinnehmen müsse“, schrieb Conrad Ende Juli, „kann ich mich nicht anschließen, weil ich der Ansicht bin, daß wir über genug Kräfte verfügen, um bei deren entsprechender Verteilung sowohl am Isonzo als in Tirol siegreich zu bleiben. Ich kann ferner nicht umhin, der Erwartung Ausdruck zu geben, daß es nach den Erfolgen gegen Rußland und den zu gewärtigenden am Isonzo dazu kommen wird, daß Italien den vernichtenden Stoß erhält, bei dem ein Vorbrechen aus Tirol, wie im Frühjahr 1916, zu entscheidender Bedeutung gelangen muß. Bedingung aber hiefür ist, daß bis dahin die Lage in Tirol unter allen Umständen aufrecht erhalten bleibt.“
An der Kampflinie fanden im Juli und in der ersten Augusthälfte keine erwähnenswerten Gefechtshandlungen statt. Zeitweise aufflak-kemdes Gewehr- und Geschützfeuer und an manchen Orten Gefechte kleiner Abteilungen vermochten die Verteidiger nicht zu beunruhigen. Indessen stellte die durch den Radiohorchdienst geförderte Beobachtung zuverlässig fest, daß die Italiener in der Zeit von Ende Juni bis Mitte August 17 Brigaden abgezogen hatten. Da das Eintreffen der Mehrzahl dieser Brigaden in Friaul angezeigt wurde, also die Bedrohung gegen die Isonzoarmee zunahm, wogegen eine Gefahr für Tirol aufgehoben erschien, ordnete das Kommando der Südwestfront an, daß FM. Conrad abermals mehrere Einheiten zur Absendung bereitstelle.
Als dann die elfte Isonzoschlacht begonnen hatte, wurden zunächst vier Bataillone (IR. 63 und IBaon. 1/64) abbefördert. Unter dem Drucke der Ereignisse auf dem Hochland von Bainsizza befahl FM. Erzherzog Eugen, alle in Tirol entbehrlichen Truppen freizumachen. Dies konnte nunmehr angesichts der erkannten Tatsache, daß die Italiener ihre Kampflinie auf der Hochfläche von Asiago zurückverlegten, ohne Besorgnis in größerem Maße geschehen. Das IR. 50 mit vier Bataillonen und das SchR. 25 rollten alsbald ab. Noch vor Ende des Monats August folgten das 26. SchBrigKmdo. und das SchR. 14.
Trotz dieser Abgaben wurden in der Zeit vom 21. bis zum 30. August zahlreiche Sturmtruppunternehmen durchgeführt und dabei über 300 Gefangene und 6 Maschinengewehre eingebracht. Ein besonders kühnes Unterfangen war die Eroberung der Trafoier Eiswandgipfelstellung auf dem Ortler. Seit Jahr und Tag standen die kühnen Männer — zumeist Kaiserschützen —, denen die Bewachung des höchsten Gebirgs-stockes Tirols anvertrauf war, im stummen Kampf gegen die Unbill der gewaltigen Natur und waren dabei unermüdlich bestrebt, die Lage der Abwehrstellung zu verbessern. Mitte März hatten sie durch einen in monatelanger Arbeit unter dem ewigen Gletschereis geschlagenen Stollen die „Hohe Schneid“, die 3 km südlich des Stilfser Joches liegt, den Italienern entrissen. Nach dem gleichen, allerdings langwierigen aber erfolgversprechenden Verfahren sollte dann der Trafoier Eiswandgipfel, südlich der Ortlerspitze, dessen Höhenmarke 3553 m aufwies, erobert werden. Ende August war der Bau des etwa 2 km langen Eistunnels so weit fortgeschritten, daß die kühne Hochgebirgskompagnie ausfallen und zum Sturme schreiten konnte. Der Überfall gelang. Der 30 Mann zählende italienische Posten wurde samt und sonders gefangen, der eroberte Gipfel rasch in Verteidigungszustand versetzt. Aber die Kameraden der gefangenen Alpini sannen auf Vergeltung. Drei Tage später stiegen sie ungeachtet des Maschinengewehrfeuers, das ihnen entgegenschlug, todesmutig über den Südgletscher aufwärts und eroberten die Eiswandspitze zurück1).
Solche kleine Unternehmungen der Tiroler Landesverteidiger vermochten aber nicht, den Feind zu binden. Es zeigte sich, daß er unablässig Truppen an den Isonzo verlegte, und zwar in viel weitergehendem Maße, als er dies in der zehnten Schlacht getan hatte. Während die Italiener im Mai an 300 Bataillone vor Tirol belassen hatten, sank jetzt die Zahl bis auf 220, wobei überdies von jedem zurückgebliebenen Bataillon je 75 Mann der jüngsten Jahrgänge zur Ergänzung der Isonzo-verbände abgegeben wurden. Es war dies ein Beweis, daß die italienische Heeresleitung im August entschlossen war, bis zum äußersten zu gehen, um den Erfolg am Isonzo zu erzwingen. Der Verminderung der Streitkräfte vor Tirol Rechnung tragend, verfügte sie dann Mitte September, daß die 6. Armee aufgelöst werde. Das Val Suganagebiet mit
rj Le mp ruch, Der König der deutschen Alpen und seine Helden (Stuttgart 1925,, 102 f. — Alpini, 456 f.
dem XVIII. Korps trat in den Befehlsbereich der 4. Armee, das „Kommando der Hochflächen von Asiago“ wurde wiederhergestellt und der
1. Armee angegliedert42).
Dementsprechend konnte auch die Heeresgruppe Conrad weitere Kräfte für die große Entscheidungsschlacht abgeben. Bis Ende August hatte sie 2S Bataillone und 17 Batterien abgesendet. Nun wurde anfangs September noch das IR. 14 abbefördert, dem — wie noch ausgeführt werden wird — eine Reihe von Einheiten folgte.
In Kärnten herrschte im besprochenen Zeitabschnitt im allgemeinen Ruhe. Auf dem linken Flügel der 10. Armee kam es bei der 93. ID. zur Zeit des Beginnes der elften Isonzoschlacht zu örtlichen Gefechten, die offenbar der Absicht des Feindes entsprangen, die Verteidiger abzulenken. Dessenungeachtet konnte die 10. Armee zwei Bataillone an die Isonzoarmee zeitgerecht abgeben.
DIE HERBSTOFFENSIVE GEGEN ITALIEN
Hiezu Beilagen 21, 22, 23, 24 und 25
Das Entstehen der Idee und des Angriffsplanes
Schon nach der zehnten Isonzoschlacht, die zwar mit einem erfolgreichen Gegenangriff öst.-ung. Truppen auf dem Südflügel ihr Ende gefunden hatte, waren die Kommandos der Isonzoarmee und der Südwestfront sowie das k.u.k. AOK. zur Erkenntnis gekommen, daß die Isonzoarmee dem außerordentlich kräftezehrenden Kampfverfahren schließlich doch erliegen werde. Ein elastisches Absetzen oder ein Ausweichen kam wegen der Nähe von Triest, dem heißersehnten Angriffsziel der Italiener, nicht in Frage. Durchstieß der Feind die Front und pflanzte er seine Fahnen auf der Hermada auf, dann waren Triest und die Anlehnung an das Meer verloren; der linke Flügel wäre in der Luft gehangen, denn für eine Verlängerung fehlte es an Kräften. Durch ein solches Durchbrechen der Isonzofront hätten die Italiener aber auch in den Hauptwall, der die einer belagerten Festung gleichenden Mittelmächte umgab, eine entscheidende Bresche geschlagen, die der Entente die langersehnte Gelegenheit bieten konnte, ihre Übermacht an Streitermassen und Kampfmitteln frei zu entfalten1).
Diese Gefahr konnte nur ein an der Isonzofront erfolgender großer Gegenangriff beseitigen, der die Italiener weit zurückwarf. Hiefür mangelten aber noch viel mehr die erforderlichen Truppen. Da schien sich Ende Juli durch die erfolgreiche Gegenoffensive der Verbündeten in Ostgalizien das Blatt wenden zu wollen. Die Heeresleitung in Baden hielt es für möglich, daß Rußland im Jahre 1917 nicht mehr die Kraft für großangelegte Offensiven aufbringen werde, und wollte die hiedurch im Osten gewonnene Sicherheit für einen Schlag gegen Italien ausnützen. •
In einer vom 31. Juli datierten Denkschrift beurteilte die k.u.k. Heeresleitung die möglichen Angriffsrichtungen. Jene aus Tirol heraus erachtete sie als die für den Feind empfindlichste, die ihm sogar eine Katastrophe bereiten könnte. Sie zweifelte jedoch daran, die erforderlichen gebirgsgeübten Truppen — mindestens zwölf Divisionen — selbst *) Konopicky und G 1 a i s e, Vom Isonzo zum Piave (Schwarte, V. 424V bei größter Bereitwilligkeit der an der Ostfront befehligenden deutschen Heerführer aufbringen zu können. Auch der zeitraubende Eisenbahnaufmarsch, bei dem schließlich doch alle Transporte auf der einzigen Strecke Franzensfeste—Trient zusammenlaufen mußten, löste erhebliche Bedenken aus.
Anders verhielt es sich am Isonzo. Hier standen schon 20 Divisionen und eine starke Artillerie. Die k. u k. Heeresleitung glaubte jedoch, daß die Isonzoarmee im Stirnangriff selbst bei Einsatz von wesentlichen Verstärkungen auch unter sehr großen Opfern kaum einen großen Erfolg würde erzielen können. Einen solchen hielt sie „nur durch ein Aufrollen der italienischen Isonzofront aus dem Raume Tolmein— Flitsch“ für möglich. Es ist dies derselbe Raum, auf den FM. Conrad in seiner Denkschrift vom 23. Jänner 1917, wenn auch in einem etwas anderen Zusammenhange, hingewiesen hatte (S. 5). Der deutsche Bevollmächtigte, GM. Cramon, berichtete über diesen Angriffsplan schon am 1. August an seine Heeresleitung mit dem Beifügen, daß man von Baden aus gegebenenfalls deutsche Waffenhilfe erbitten werde1). Die am 31. Juli einsetzende Flandemoffensive der Engländer machte es jedoch der DOHL. zunächst unmöglich, Truppenabgaben zuzusagen. Die am 20. August bei Verdun losbrechenden Angriffe der Franzosen erhöhten die Spannung an der Westfront.
Cadomas Zurüstungen für einen neuen Ansturm, die klar erkannt wurden, nötigten auch die hohen öst.-ung. Führerstellen, vorerst die Abwehrmaßnahmen am Isonzo zu vervollständigen. Am 17. August begann die elfte Schlacht, die an Gewalt alle früheren übertraf. Durch die Tapferkeit unserer Truppen war es wohl gelungen, die Mitte und den Südflügel der Isonzofront fast völlig zu behaupten. Der Nordflügel war aber in eine unvorbereitete Linie zurückgedrückt worden. Ihre Behauptung in einer neuen Entscheidungsschlacht wäre zumindest mit besonders hohen Verlusten verbunden gewesen. Glückte die Abwehr aber nicht, dann wäre der Brückenkopf von Tolmein verloren gewesen und mit seinem Verlust die ganze Isonzofront unhaltbar geworden.
Als am 25. August die schwerste Krise der elften Schlacht überwunden zu sein schien, faßte GdI. Arz am gleichen Abend die feste Absicht, noch vor dem Winter jenen Gegenangriff zu unternehmen, den er drei Tage vorher dem GO. Boroevic in Aussicht gestellt hatte (S. 456). Nur einen solchen Angriff hielt er für geeignet, die Gefahr, von einem zwölften Ansturm der Italiener durchbrochen zu werden, „radikal“ Schreiben des Generals Cramon vom 12. Oktober 1920 an GO. Arz.
zu beseitigen. Als Angriffsrichtung kam jetzt schon gar nur jene vom Isonzo her in Betracht. Bei der Anhäufung feindlicher Kräfte im Küstenlande und bei der durch den Verlust der Hochfläche von Bainsizza entstandenen schwierigen Lage wäre andernfalls zu besorgen gewesen, daß man am Isonzo überwältigt würde, ehe ein Stoß aus Südtirol vermocht hätte, dies mittelbar zu verhindern. Dazu sprachen neben den sonst schon angeführten Gründen gegen den Angriff aus Tirol auch noch die schon vorgeschrittene Jahreszeit und für den am Isonzo die leichtere Möglichkeit, die Truppen zu versorgen.
Da im Küstenlande 40 italienische gegen 21 öst.-ung. Divisionen im Kampfe standen, hätten zu einem frontalen Angriff mindestens noch 20 Divisionen herangeführt werden müssen. Drei öst.-ung. Divisionen (19. ID., 20. HID. und 53. ID.) waren zur Verstärkung der Isonzofront und erforderlichenfalls zur Teilnahme an der Offensive bereits im Anrollen von der Ostfront (S. 401). Es wären sonach noch 17 Divisionen nötig gewesen. Auf soviel Kräfte glaubte man nicht rechnen zu können. Aber auch bei einer bescheideneren Vermehrung der Angriffskräfte war die Mitwirkung des Bundesgenossen unerläßlich. Diesen wollte man dazu bewegen, daß er der Isonzofront acht Divisionen zuführe und mit fünf ebensoviele öst.-ung. Divisionen im Osten ablöse. Um der auf 3000 Geschütze geschätzten italienischen Artillerie kraftvoll entgegenwirken zu können, sollten die 1800 eigenen Geschütze um 1000 vermehrt werden. In all diesen Fragen war eine Einigung mit der DOHL. ehestens erforderlich.
Der Angriff war so gedacht, daß bei gleichzeitigen Täuschungsunternehmen deutscher Truppen an der Tiroler und der Kärntner Front der Hauptschlag von öst.-ung. und deutschen Divisionen aus dem Raume Tolmein—Flitsch in der allgemeinen Richtung auf Cividale ausgeführt werden sollte1). Als Auftakt hielt man zunächst die Bereinigung der Lage auf der Hochfläche von Bainsizza durch Wiedergewinnung der alten Stellungen am Isonzo für erforderlich. Dann sollte bis in die Linie Pta. di Montemaggiore—Mt. Lupia—Azzida—Plava—Salcano vorgedrungen werden. Es war also zunächst bloß an eine weitgehende Stellungsverbesserung gedacht, welche die Isonzoarmeen in einen für die Abwehr günstig gelegenen Abschnitt bringen sollte.
Kaiser Karl war durch die persönlichen Eindrücke, die er am
22. August an der Isonzofront empfangen hatte, gleichfalls von der
l) Schwarzleitner, Karfreit 'Österreichische Wehrzeitung, Jhrg. 1921, Folge 23).
Notwendigkeit eines befreienden Gegenangriffes überzeugt worden. Er hatte aber, nicht zuletzt aus politischen Gründen, Bedenken, deutsche Truppen auf dem italienischen Kriegsschauplätze kämpfen zu lassen, und bat daher den Kaiser Wilhelm in einem am 26. August abgesandten Schreiben, öst.-ung. Divisionen im Osten durch deutsche für die Südwestfront freizumachen. ,,Du wirst mich sicher verstehen“, hieß es weiter, „wenn ich ein besonderes Gewicht darauf lege, die Offensive gegen Italien nur mit meinen Truppen zu führen. Meine ganze Armee nennt den Krieg gegen Italien ,unseren Krieg1. Jeder Offizier hat von Jugend auf das von den Vätern ererbte Gefühl, die Sehnsucht in der Brust, gegen den italienischen Erbfeind zu kämpfen. Würden uns deutsche Truppen auch auf diesem Kriegsschauplätze helfen, so würde dies niederdrückend, auf die Begeisterung lähmend wirken. Nur deutsche Artillerie, besonders schwere, würden ich und meine Armee auf dem italienischen Kriegsschauplätze begrüßen1).“
Am 29. August traf GM. Waldstätten, der Chef der Operationsabteilung des AOK., in Kreuznach ein, um bestimmte Vorschläge zu erstatten. GdI. Ludendorff zeigte zunächst wenig Neigung, darauf einzugehen. Ihm wäre es lieber gewesen, durch Fortsetzung der Angriffe in der Bukowina und bei Focsani die Moldau zu erobern und den Widerstand des Russenheeres zu brechen2) (S. 398). Allenfalls hätte sich dann Rumänien zum Friedensschluß veranlaßt gesehen. Auch glaubte Ludendorff, wegen der noch im Gange befindlichen Flandernschlacht nicht genügend Kräfte freimachen zu können. Auf den Vorhalt des GM. Waldstätten, daß eine Verbesserung der Lage am Isonzo für ÖsterreichUngarn von entscheidender Bedeutung sei, verfügte GFM. Hindenburg, daß ein deutscher Beauftragter die Angriffsverhältnisse an Ort und Stelle zu erkunden habe. Hiezu wurde der im Gebirgskrieg sehr erfahrene bayrische GLt. Krafft, zurzeit Stabschef einer Heeresgruppe an der Westfront, bestimmt.
Am 1. September sandte Kaiser Wilhelm an seinen Verbündeten ein Antwortschreiben, worin er eröffnete, es sei ihm unmöglich, seine operative Reserve, die nach dem Siege bei Złoczów eben Riga angreife, die aber auch jeden Augenblick zur Abwehr im Westen bereit sein müsse, durch Ablösung öst.-ung. Divisionen im Osten festzulegen. Dies „würde zu einer ernsten Gefahr für unsere gesamte Kriegführung werden". Lasse es aber die Gesamtlage und ein Erfolg des Angriffes
x, Ins Italienische übersetzt bei C a b i a t i, Ottobre 1917, 27 f.
2) Ludendorff, 383 f.
auf Riga sowie die Jahreszeit zu, dann sollte dem Gedanken einer Isonzo-Offensive „nähergetreten und sie gemeinsam mit Truppen unserer beiden Armeen durchgeführt werden“.
Gleichfalls am 1. September unterrichtete der aus Kreuznach rückgekehrte GM. Waldstätten in Marburg die maßgebenden Referenten des Kommandos der Südwestfront und des Heeresgruppenkommandos Boroevic von der geplanten Offensive, und tags darauf verständigte die k.u.k. Heeresleitung das Frontkommando in Marburg von der Absicht, der Heeresgruppe Boroevic außer der ihr schon zurollenden
13. SchD. und der 20. HID. noch weitere acht bis neun Divisionen zuzuführen, mit denen „aus dem Raume von Tolmein die Offensive in der allgemeinen Richtung Cividale zu ergreifen sein“ werde. Hiefür waren schon jetzt die materiellen Vorbereitungen mit „allergrößter Energie“ zu treffen.
Dem GdI. Arz, der auf die Mitwirkung deutscher Divisionen schon wegen ihrer reicheren Ausstattung mit Artillerie, Fliegern und besonderen Kampfmitteln größten Wert legte, war es indessen geglückt, das Widerstreben des Kaisers Karl gegen die Teilnahme deutscher Truppen an der geplanten Offensive zu beseitigen. In einem am 5. an den Deutschen Kaiser abgesandten Schreiben gab Kaiser Karl der Hoffnung Ausdruck, die verbündeten Kräfte bald gegen den Feind im siegreichen Vordringen zu sehen.
Mittlerweile hatte GLt. Krafft mit seinem kleinen Stabe die Erkundungen im Isonzoraume beendet. Er wurde vom k.u.k. Gstbsmjr. Sigismund Ritt. v. Schilhawsky, dem Italienreferenten der Operationsabteilung des AOK., geführt, der auch die beiden Operationsentwürfe vom 31. Juli und 25. August verfaßt hatte. Am 8. September erstattete Krafft in Kreuznach Bericht und empfahl die Isonzo-Offensive, obwohl „sie unter den obwaltenden Schwierigkeiten an der Grenze des Möglichen lag“1). Nun ging auch GFM. Hindenburg auf die Vorschläge des neuerlich in Kreuznach anwesenden GM. Waldstätten ein. Die Durchführung wurde beschlossen, und Waldstätten durfte nach Baden die so bedeutsame Depesche mit dem für die Offensive gewählten Deckworte absenden: „Waffentreue gesichert!“
Von deutscher Seite wurden zur Teilnahme an der Offensive bestimmt: das bisherige 6. Armeekmdo., GdI. Otto v. Below, das jetzt die Nummer 14 erhielt, das III. bayr. Generalkmdo., GLt. Freih. v. Stein, das Generalkmdo. LI, württ. GLt. v. Berrer, sechs Infanteriedivisionen (5.,
x) Krafft, Der Durchbruch am Isonzo (Oldenburg 1926), I, 18.
12., 26., 117., 200. ID. und Alpenkorps), eine Anzahl von Jäger- und Sturmbataillonen, die später zur deutschen Jägerdivision vereinigt wurden, dann sehr starke Artillerie, Minenwerfer, Flieger und sonstige Armeetruppen. Von öst.-ung. Einheiten wurden zu den schon zwischen Tolmein und Flitsch stehenden Heereskörpern (XV. Korps mit 1. und 50. ID., dann vom Ostflügel der k.u.k. 10. Armee die 93. ID., die nach Austausch einiger Bataillone *) als 55. ID. bezeichnet wurde) noch das
I. Korpskmdo., GdI. Alfred Krauss, aus der Bukowina, die Edelweißdivision und die 22. SchD. aus Tirol sowie die 4., die 29. und die 33. ID. von der Ostfront herangezogen. Zur Ablösung der beiden Divisionen aus Tirol wurde die 19. ID., die auf 15 Bataillone zu verstärken war, vom Isonzo zur 11. Armee abbefördert.
Als die Offensive gegen Italien grundsätzlich beschlossen war, wurde am 10. September die Art ihrer Durchführung zwischen Baden und Kreuznach vereinbart, worauf zwei Tage später die Südwestfront die erforderlichen Befehle erhielt. Den Oberbefehl über die aufgebotenen Angriffskräfte übernahm ausdrücklich Kaiser Karl, obwohl er seit Dezember 1916 ohnehin Armeeoberkommandant war. Die 'Truppen in Tirol und in Kärnten wurden dem unmittelbar an ihn gewiesenen FM. Conrad unterstellt, und zwar die Rayone I und II an der Tiroler Westfront, die 11. Armee und die 10. Armee, in die das bisher selbständige XX. Korps eingegliedert werden sollte. Das Kommando der Südwestfront, FM. Erzherzog Eugen, hatte die am Isonzo operierenden Kräfte zu befehligen, und zwar das verstärkte k.u.k. I. Korps mit drei öst.-ung. Divisionen und der deutschen Jägerdivision, die deutsche 14. Armee mit sechs deutschen und drei öst.-ung. Divisionen, die Heeresgruppe Boroevic mit der 2. Isonzoarmee (zehn Divisionen) und der 1. Isonzoarmee (elf Divisionen), schließlich die drei öst.-ung. Divisionen starke Heeresreserve.
Mit diesen Kräften sollte die Südwestfront an einem noch zu bestimmenden Tage zwischen dem 10. und 20. Oktober die Offensive ergreifen, um „die Italiener über die Reichsgrenze, wenn möglich bis über den Tagliamento zurückzuwerfen“. Hiebei erhielt die deutsche 14. Armee als erste Aufgabe „Nehmen des Gebirgsstockes der Ježa und damit die italienische Front zu durchbrechen“, während sich die 2. Isonzoarmee „mit starkem nördlichem Flügel, das verstärkte I. Korps gegen Bergogna—Karfreit dem Angriff anschließen“ sollten. Hiezu wurde
3) Vier Landsturmbataillone wurden gegen das IR. 7 der 94. ID. umgetauscht; überdies erhielt die 55. ID. das bh. IR. 2 der 6. ID. zugewiesen.
der DOHL. vorgeschlagen, das I. Korps bis zum Erreichen dieses Raumes dem 14. Armeekmdo. taktisch zu unterstellen; später, wenn das Korps die Westflanke der 14. Armee zu decken haben werde, sollte es wieder dem Kommando der Südwestfront unmittelbar untergeordnet sein. Durch diesen Angriff hatten die 14. Armee und die 2. Isonzoarmee vorerst die Linie Cividale—Mt. Sabotino zu erreichen. Der 1. Isonzoarmee wurde kräftiges Anfassen des Feindes aufgetragen, um ihn am Verschieben von Truppen gegen unsere Hauptstoßrichtung zu hindern. Auf die Wichtigkeit des Behauptens der Hochfläche von Lom, wovon die Ausführbarkeit der Offensive abhing, wurde GO. Boroevic nachdrücklich aufmerksam gemacht.
Als sich am 15. September GdI. Below und sein Stabschef GLt. Krafft beim Erzherzog Eugen in Marburg meldeten, kam es zur ersten Aussprache über die bevorstehende Kriegshandlung. Der deutsche Armeeführer, gestärkt durch das Kraftgefühl, so vorzügliche und ausgewählte Truppen zu befehligen, vertrat im Gegensatz zu den hohen k.u.k. Befehlsstellen, die vornehmlich eine Vorverlegung der eingebuchteten Abwehrfront in die Linie Cividale—Mt. Sabotino im Auge hatten, die Auffassung, daß der Feind nicht bloß „wenn möglich“ über den Tagliamento zu werfen sei, sondern er richtete seine Absichten über dieses Ziel hinaus 43). Denn mit jedem Schritt über den Tagliamento hinweg mußte ein weiterer Teil der Kärntner und der Tiroler Front der Italiener Zusammenstürzen. Dadurch konnten die öst.-ung. Verteidigungslinien wesentlich verkürzt werden und der Wehrmacht der Donaumonarchie noch weit mehr fühlbare Erleichterungen erwachsen als durch das Erreichen der von der k.u.k. Heeresleitung kürzer gesteckten Ziele.
Als Leitlinie der Offensive nahm GdI. Below die Richtung von Tolmein über Gemona und Tarcento gegen den Tagliamentoabschnitt Cornino—Pinzano in Aussicht. Das Schwergewicht lag somit von allem Anfang an auf dem rechten Flügel der 14. Armee. Diese erhielt deshalb als erstes Ziel „die Linie Höhen nördlich von Cividale, Reichsgrenze nordwestlich der Korada“. Sie sollte so auch das Überschreiten des Isonzo durch den rechten Flügel der 2. Isonzoarmee erleichtern, die, mit der 14. Armee gleichzeitig angreifend, eine Linie zu erreichen hatte, die von der Reichsgrenze nordwestlich von der Korada zum Mt. Santo verläuft. Die Gruppe Krauss hatte nicht bloß eine örtlich gebundene Flankendeckung bei Karfreit und Bergogna zu bilden, sondern auch
i) Krafft, I, 31.
weiterhin die rechte Flanke der 14. Armee zu schützen, sich somit der Vorbewegung anzuschließen.
Im Sinne dieser Anträge Belows und der Weisungen des k.u.k. AOK. erließ der Erzherzog Eugen am 18. September die erforderlichen Befehle. Sie leiteten den letzten gemeinsamen Waffengang großen Stils ein, den die beiden Mittelmächte jetzt dazu unternahmen, Italien einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Der ursprüngliche Plan für die zwölfte Isonzoschlacht, die der bedrängten küstenländischen Front bloß eine Entlastung bringen sollte, war zur Anlage einer Offensive mit weitgesteckten Zielen ausgebaut worden, was allerdings anfangs nicht allen beteiligten höheren Führerstellen in vollem Umfang klar geworden war.
Der Aufmarsch
Die für die Offensive gewählten Ausgangsräume litten an dem Nachteil, daß ein Heranführen der Truppen und sonstigen Angriffsmittel mit Bahn bis in die Nähe der Kampfstellungen nicht möglich war. Die von Aßling durch den Wocheiner Tunnel in das Bačatal führende, an sich schon nicht sonderlich leistungsfähige Bahn war wegen der Gefährdung durch italienisches Weitfeuer nur zwischen Podbrda und Grahova benützbar. Die Strecke Villach—Tarvis war für Ausladungen großen Stils wohl geeignet; sie konnte aber nur dem für den Angriff bei Flitsch bestimmten I. Korps zugute kommen. Der Aufmarsch zum Angriff wurde deshalb in zwei Zeitzügen geplant. Zuerst sollten die mit Bahn herangeführten Divisionen in größeren, um die Ausladeorte gelegenen Räumen versammelt werden, wo sie ihre Ausbildung und Ausrüstung für den Gebirgskrieg zu vervollständigen hatten. Indessen sollten die Angriffsartillerie, die Munition, das erforderliche Kriegsgerät und die Verpflegung in die Ausgangsstellungen geschafft werden. Der Anmarsch und der Einsatz der Infanterie hatte — schon wegen der Geheimhaltung — erst zum Schluß zu erfolgen.
Da im Westen und im Osten mehrere Angriffsdivisionen erst aus der Front gelöst werden mußten *), konnte der Massentransport nicht vor dem 20. September beginnen. Es wurde errechnet, daß er sich in etwa 30 Tagen abwickeln werde. Den Angriffsbeginn setzte man daher für den 22. Oktober fest. Über die tatsächlich erfolgten Eisenbahnbewegungen unterrichtet die Beilage 21.
Als Aufmarschräume der Verbände der deutschen 14. Armee, deren Kommando nach Krainburg zu gelangen hatte, wurde für vier Divisionen das Savetal zwischen Laibach (dieses nicht inbegriffen) und Mojstrana, für zwei Divisionen der Raum bei Klagenfurt und östlich davon bestimmt. Die Heeresreserve hatte sich im Laibacher Becken, das I. Korps im Raume Tarvis—Villach zu versammeln. Das Alpenkorps hatte zu Täuschungszwecken mit seiner Infanterie und mit Gebirgsartillerie vorerst im Raume um Trient auszuladen; die anderen Teile waren sogleich bis Aßling zu führen. Gleichfalls zur Irreführung des Feindes sollten kleine deutsche Abteilungen in Triest Quartiere für größere Einheiten vorbereiten.
Die Bahnanlagen in den genannten Räumen gewannen eine besondere Bedeutung. Schon die zehnte Isonzoschlacht, noch viel mehr aber die elfte gaben Veranlassung zu Stationserweiterungen und Rampenbauten an der Strecke Aßling—Grahova. Da die kurze Bahnstrecke südlich des Wocheiner Tunnels samt der Seilbahn Grahova—Tribuša für die Versorgung der bei Tolmein und auf der Hochfläche von Bainsizza kämpfenden Truppen jedoch nicht ausreichte, wurde auch auf die weitab liegenden Bahnhöfe von Krainburg, Bischoflack und Unt. Loitsch gegriffen. Zum Vorführen der hier ausgeladenen Güter war von Bischoflack auf der Kirchheimer Straße bis Flotaule eine am 28. September fertiggestellte Pferdefeldbahn, von Unt. Loitsch über Idria bis Straža eine motorisierte Feldbahn erbaut worden. Letztgenannte wurde am 18. Oktober dem Betrieb übergeben, wenige Tage später aber durch einen Erdrutsch unbenützbar; sie vermochte daher für den Aufmarsch bei Tolmein fast gar nichts zu leisten.
Dem Frontabschnitt Krn—Flitsch—Rombon dienten die aus der Wochein über den Bogatin -cj>- 2008 gegen die Krnstellung führende Feld- und Seilbahn, weiters die von Kronau über den Mojstrovkapaß bis an das Ostende des Flitscher Beckens und die von Tarvis nach Raibl führenden Seilbahnen; die letztgenannte hatte in einer durch einen Bergwerksstollen führenden Elektrokleinbahn bis zum Orte U. Breth eine Fortsetzung.
All diese Verkehrsanlagen kamen nun dem Aufmärsche zugute, genügten aber noch bei weitem nicht. Es mußte deshalb auch auf die Straßen gegriffen werden. Nach Tolmein führten aus dem Krainburger
Becken nur zwei schmale, meist lediglich für eingeleisigen Verkehr geeignete Gebirgsstraßen, die eine über den Sattel von Podbrda, die andere über jenen von Kirchheim. Die Straße von Loitsch über Idria mündete schon bei Straža in die Kirchheimer Straße ein. Auf diesen in Tagesetappen geteilten und mit rasch erbauten Ausweichen versehenen Straßen wurde nun ein fahrplanartiger Verkehr eingerichtet. Wegen der Flieger wurde nur bei Nacht an die Front marschiert. In ähnlicher Weise bereitete das I. Korpskmdo. den Vormarsch seiner Truppen auf der P re diler Straße und jener über den Mojstrovkapaß vor.
Die erste Berechnung der zu bewältigenden Aufmarschtransporte hatte einen Bedarf von 1900 Zügen ergeben, das wären 64 Militärzüge im Tag gewesen, wozu noch 15 bis 20 Züge für den unentbehrlichen Personen-, Zivilverpflegs- und Bahnregieverkehr im unmittelbaren Ausladeraum kamen. Durch unerwartete Steigerung des deutschen Nachschubes und zahlreicher Einzeltransporte, dann wegen später noch hinzutretender Artillerie wuchs die Transportmenge in den dreißig Tagen auf 2400 rein militärische Züge an. Sie enthielten rund 100.000 Waggons, also etwa ein Drittel des für Kriegstransporte geeigneten Wagenstandes der Monarchie. Die Mächtigkeit dieser Bewegung, deren Abwicklung eine Glanzleistung des Feldeisenbahnwesens war, läßt sich am besten daran ermessen, daß der Aufmarsch im Sommer 1914 gegen Rußland täglich auf allen sieben nach Galizien führenden Bahnlinien 120 Militärzüge umfaßte, wobei der Zivilverkehr gänzlich eingestellt war. Jetzt, im Oktober 1917, hatte zum Beispiel der Bahnhof Laibach allein im Tage rund 120 Zugsabfertigungen und darüber auf allen einmündenden Strecken und nach beiden Seiten zu bewältigen. Von geringfügigen Verkehrsunfällen abgesehen, wickelte sich diese Massentransportbewegung klaglos ab.
Für den Aufmarsch der Artillerie waren bereits bis zum 19. September die Feuerstellungen ermittelt worden, worauf, wie schon erwähnt, die Batterien samt zugehöriger Munition möglichst unauffällig in die hiefür bestimmten Räume gebracht wurden. Die Vermehrung der Artillerie an der Südwestfront betrug rund 1500 Geschütze sowie 420 mittlere und schwere Minenwerfer, hievon 460 Geschütze und 216 Minenwerfer der Deutschen. Diese Vermehrung kam fast ausschließlich den Einheiten im Angriffsraume zu (14. Armee samt I. Korps und Nordflügel der 2. Isonzoarmee), denen insgesamt 1720 Geschütze zugeführt wurden. Hiefür hatten auch die 1. Isonzoarmee und in geringem Maße die Heeresgruppe Conrad Abgaben leisten müssen. Schließlich kam noch die Schießschulbrigade von Hajmáskér zur 14. Armee, wo sie ihre Ausbildung am Feinde fortsetzen konnte.
Die am 24. Oktober bei der 14. Armee wirkende Artillerie zählte 1678 Geschütze und 44 Minenwerferbatterien (-komp.), und bei der gleichfalls zum Angriff befohlenen Gruppe Kosak 424 Geschütze und 23 Minenwerferbatterien. Insgesamt standen am Angriffstag zwischen dem Rombon und dem Meere 3540 Geschütze und 78 Minenwerferbatterien (-komp.).
An öst.-ung. Munition wurde vom 8. September bis 16. Oktober rund eine Million Schuß zugeschoben, darunter 10 v. H. Gasmunition. Zu ihrer Verfrachtung benötigte man allein 2000 Waggons oder rund 60 Züge zu je 60 Achsen. Durch diese Zuweisungen — die Höhe der deutschen Zufuhren ist nicht bekannt — sollte der Munitionsvorrat beim Korps Krauss, bei der 14. Armee und beim Nordflügel der
2. Isonzoarmee auf 1000 Schuß für jedes leichte Feld-(Gebirgs-)geschütz, 800 für jede schwere Haubitze, 500 für jede 10.4 cm-Kanone und 200 für jeden 30.5 cm-Mörser gebracht werden. Für die anderen Teile der Heeresgruppe Boroevic wurde eine um etwa .ein Viertel geringere Munitionsausrüstung vorgesehen.
Um die Artillerie wieder voll bewegungsfähig zu machen, erhielt die Heeresfront Erzherzog Eugen 30.000 Artilleriezugpferde zugewiesen1). Trotzdem begegnete das Auffahren der Batterien, namentlich im Gebirge, nicht geringen Schwierigkeiten. Vielfach mußte Infanterie mithelfen. Bei der Gruppe Krauss trugen Infanteristen bis in die letzte Nacht vor dem Angriff die Artilleriegeschosse in die auf den Bergen gelegenen Batteriestellungen; dennoch konnte der vorgesehene Schießbedarf nicht überall voll bereitgelegt werden. Größere Ausfälle ergaben sich beim Nordflügel der 2. Isonzoarmee.
Das vom 10. Oktober an fast andauernd von Regengüssen begleitete sehr schlechte Wetter vermehrte die Schwierigkeiten des Aufmarsches. Es hinderte aber die feindlichen Flieger, zu weitreichenden Aufklärungsflügen aufzusteigen. Überdies dämpften die frühzeitig eingetroffenen deutschen Kampfflieger sehr bald den Unternehmungsgeist der italienischen Piloten.
Die^ technischen Kräfte der Heeresfront Erzherzog Eugen wurden
Samt 136 fahrenden und 49 Tragtierstaffeln sowie 6400 losen Pferden betrug die Pferdevermehrung bei der Heeresfront Erzherzog Eugen 68.000, bei der Heeresgruppe Conrad, bei der auch Vorbereitungen bescheidenen Umfanges getroffen wurden, 16.000 Pferde. Fast alle Pferde waren wegen Futtermangels unterernährt um 16 Sappeur-, 1 Brücken- und 45 Baukompagnien sowie um 41 Kriegsbrückenequipagen vermehrt. Letztgenannte wurden wegen des Gebotes, nur Kampftruppen in die vorderen Staffel der Marschsäulen einzuteilen, weit hinten eingereiht, was sich noch als nachteilig erweisen sollte. Die Zuteilung von zahlreichen Telegraphenabteilungen, Sanitätsanstalten, 34 Autokolonnen, 30.000 Kriegsgefangenen als Arbeiter, von viel Baugerät und der erforderlichen Verpflegung vervollständigten die mit großer Umsicht betriebenen Vorsorgen.
Das Vorziehen der Infanterie hatte nach einem genau festgelegten Marschplane am 16. Oktober zu beginnen und nahm von Bischoflack bis Tolmein durchschnittlich sechs Nachtmärsche in Anspruch. Die 12. und die 26. ID. der Deutschen hatten vorher aus dem Klagenfurter Becken noch den Karawankenwall auf dem Seeberg- und dem Loiblpaß zu überschreiten. Teile des Alpenkorps, die in den ersten Oktobertagen von Tirol in die Wochein verschoben worden waren, gelangten von hier auf einem Gebirgspfad nach Podbrda. An der Front hatten die Divisionen nach Ablösung der sich sodann zusammenschiebenden Stellungstruppen die in der Beilage 22 verzeichnete Ausgangslage einzunehmen. Trotz der sehr gründlichen Vorbereitungen bereitete das elende Wetter dem Vormarsche doch erhebliche Schwierigkeiten. Da sich weiters beim I. Korps und bei der gleichfalls zum Angriff bestimmten Gruppe Kosak der 2. Isonzoarmee (S. 503) wegen des langsamen und verspäteten Zuschubes der Artillerie und der Munition die Angriffsvorbereitungen verzögerten, wurde der Vormarsch mitten während seiner Durchführung zwei Tage lang angehalter. Der Beginn der Offensive wurde schließlich für den 24. Oktober festgesetzt.
In der ersten Oktoberhälfte hatte es vorübergehend den Anschein, als ob das ganze Unternehmen durch die zu dieser Zeit in Flandern tobenden sehr schweren Kämpfe beeinträchtigt werden würde. Zwei anfangs zur Verstärkung der 14. Armee bereitgestellte deutsche Divisionen (195. und 28. ID.) wurden in den Strudel der Kämpfe im Westen gerissen. Auch die bei der Heeresfront Erzherzog Joseph in der Bukowina entbehrlich gewordene, sehr gebirgstüchtige 8. bayr. RD., die der Gruppe Krauss zugedacht war, wurde Mitte Oktober statt nach Flitsch nach Frankreich geführt. Am 10. Oktober eröffnete die DOHL., daß sie die über die Divisionsartillerie hinaus zugewiesenen Feld- und schweren Batterien sogleich nach den ersten Angriffstagen abziehen werde, und am 12. drahtete sie, daß die 14. Armee auch mit der baldigen Abgabe an Infanterie rechnen müsse. Als die Schlacht im Westen um den 18. abflaute, gestand die DOHL. das Verbleiben aller Truppen uneingeschränkt wieder zu. Diese Nachricht hinterließ bei GdI. Below aber doch den Eindruck, daß die DOHL. die Teilnahme der 14. Armee an der Offensive baldmöglichst beendet wissen wolle1). Um so mehr ging das
14. Armeekmdo. mit Feuereifer daran, die Vorbereitungen derart zu treffen, daß sie einen vollen Erfolg verbürgten.
Unbestritten bleibt das große Verdienst, das sich der Chef des Generalstabes, GdI. Arz, und sein Chef der Operationsabteilung, GM. Waldstätten, dadurch erwarben, daß sie die Offensive trotz der unzähligen Schwierigkeiten überhaupt zustande brachten.
Die Heeresgruppe Boroevic von Mitte September bis zum Beginn der Offensive
Hiezu Beilage 20
Als am 18. September der erste schriftliche Befehl des Erzherzogs Eugen für die Offensive in Adelsberg eintraf, standen die beiden Armeen des GO. Boroevic noch ganz unter den Nachwirkungen der elften Schlacht. Insbesondere auf dem Mt. S. Gabriele dauerte der Kampf noch fort. Nach dem Einsätze des IR. 14 schien die Behauptung des blutgedüngten Berges wohl gesichert zu sein. Als die 57. ID. samt dem Regiment Hessen am 17. die Stätte ihres ruhmreichen Wirkens verließ, blieb der Berg der an ihre Stelle tretenden verstärkten 20. HID. anvertraut, die sich aber — wie noch ausgeführt werden wird — noch weiterer italienischer Angriffe erwehren mußte.
Der genannte Befehl des Kommandos der Südwestfront trug der Heeresgruppe Boroevic auf, mit der am Nordflügel stark zu haltenden
2. Isonzoarmee „den Angriff gleichzeitig mit der deutschen 14. Armee aufzunehmen und vorerst die Linie Reichsgrenze nordwestlich Korada— Mt. Santo zu erreichen“. Der 1. Isonzoarmee fiel die schon erwähnte Aufgabe des Bindens feindlicher Kräfte zu. Die Heeresgruppe hatte das XV. Korps am 3. Oktober und die 13. SchD. am 12. an die Armee Below abzugeben, sich aus überzähligen Truppen eine neue Division zu bilden und überdies vor Beginn der Offensive eine Division von der
1. zur 2. Isonzoarmee zu überstellen.
Diese Aufträge bereiteten der Heeresgruppe nicht unerhebliche
i) Krafft, I, 36 f.
Schwierigkeiten. GO. Boroevic sah seine nächste Aufgabe nach wie vor in der unbedingten Behauptung der an vielen Stellen noch nicht gefestigten Front, weil dies eine der Grundbedingungen für die gesicherte Vorbereitung der Offensive war. Die anbefohlene Beteiligung der
2. Isonzoarmee am Angriff warf in Adelsberg das Problem auf, ob die Heeresgruppe dem Durchbruchsangriff der 14. Armee den Vortritt zu lassen und sich ihm staffelweise anzuschließen haben werde oder ob sich d-er Nordflügel der Heeresgruppe unmittelbar am Durchbruch zu beteiligen habe1). Letzteres war vornehmlich vom artilleristischen Standpunkt schwierig, da doch beide Isonzoarmeen ihre Stellungen unbedingt behaupten und überdies den Schein eines allseits erfolgenden Angriffes erwecken sollten. Hiefür reichte die Artillerie der Heeresgruppe allein nicht aus.
Zuletzt beschloß GO. Boroevic, auf dem Nordflügel der 2. Isonzoarmee eine aus der 73. ID. und der 35. ID. bestehende Angriffsgruppe unter FML. Kosak zu bilden. Die 73. ID. hatte vom 10. Oktober an die Nummer 60 zu führen. Die bloß acht Bataillone zählende 35. ID., die am
12. Oktober die 13. SchD. ablöste, wurde durch das schon bei Lom stehende IR. 64 und das Bataillon 1/63 auf zwölf Bataillone gebracht. Zuweisungen an Artillerie durch das k.u.k. AOK. und Abgaben der Armee Wurm, wodurch die 2. Isonzoarmee um rund 400 Geschütze und 200 Minenwerfer verstärkt wurde, ermöglichten es, bei der Gruppe Kosak eine zur Not ausreichende Feuerkraft zu vereinigen. Hinter die Angriffsgruppe Kosak wurde noch die 57. ID. gestellt. Da das Kommando der Südwestfront diese Kraft samt der — wie später noch erwähnt werden wird — der 2. Isonzoarmee zugewiesenen 29. ID. aber noch immer für zu schwach hielt, wurde die 28. ID. vom Südflügel der Heeresgruppe nach Chiapovano verschoben. Dem sich lange hinziehenden Zweifel über den Angriffsbeginn der Gruppe Kosak bereitete das Kommando der Südwestfront am 21. Oktober dadurch ein Ende, daß es ausdrücklich befahl, der Infanterieangriff Kosaks habe mit jenem des nördlich anschließenden XV. Korps der 14. Armee gleichzeitig zu beginnen.
Die 1. Isonzoarmee bemühte sich, dem Feinde an der ganzen Front ernsthafte Vorbereitungen vorzutäuschen. Hiezu begann schon am 15. Oktober ein einheitlich geleitetes Einschießen der gesamten Artillerie, dem drei Tage später vom Südflügel aus schweres Fernfeuer gegen Grado folgte. Wegen der geringen Geschützzahl erhielt die 1. Isonzoarmee für dieses Täuschungszwecken dienende Schießen für jede Division täglich
x) Anton P i t r e i c h, Manuskript.
1500 Schuß zugestanden, indes die Divisionen der 2. Isonzoarmee im Tage nur 1000 Schuß verbrauchen durften. Überdies wurden Angriff s-unternehmen im Wippachtale und zur Wegnahme der Westkuppe des Fajti hrib vorbereitet, die in zeitlicher Übereinstimmung mit dem Durchbruch bei Tolmein erfolgen sollten.
Von den Heeresreserven, die anfänglich durch die Heeresgruppe Boroevic zu versorgen waren, wurde die 33. ID. bei Laibach, die 4. bei Ob. Laibach und die 29. ID. aus Raumgründen zunächst bei Haidenschaft untergebracht. Letztgenannte diente hiemit eigentlich schon mehr den Zwecken der Heeresgruppe Boroevic, wurde ihr auch anfangs Oktober unterstellt und hinter den Nordflügel in den Temowaner Wald verschoben, um nötigen Falles der Gruppe Kosak als Verstärkung zu dienen. An Stelle der 29. ID. trat die 13. SchD. zur Heeresreserve über. Die ganze Heeresreserve (4., 33. ID. und 13. SchD.) wurde sodann zur Regelung ihres Vormarsches und ihrer Versorgung an das 14. Armee-kmdo. gewiesen. Diesem wurde zur materiellen Versorgung der eingeteilten öst.-ung. Truppen die neuaufgestellte Quartiermeisterabteilung 6 beigegeben. Die Artillerie der 4. und der 33. ID. hatten an der artilleristischen Vorbereitung des Durchbruches bei Tolmein mitzuwirken. Die als Verfügungstruppe aus der Front gelöste 43. FABrig. wurde mit Bahn zum I. Korps nach Flitsch verschoben. Die Reserve der Heeresgruppe Boroevic .hatte die bei Haidenschaft stehende 106. LstlD. zu bilden. Da zur anbefohlenen Aufstellung einer neuen Division keine Kräfte zur Verfügung standen, wurden die 1. und die 187. LstlBrig. als 63. ID. zusammengezogen, deren Masse bei der 58. ID. östlich von Görz in der Front stand.
Die Kampfereignisse am Isonzo hielten auch nach dem 15. September die Verteidiger in Atem, die Vorbereitungen zur Offensive wurden dadurch allerdings nicht beeinträchtigt. Der Brennpunkt der Ereignisse war wieder der Mt. S. Gabriele. Am 19. September wurde die liier seit zwei Tagen in der Front stehende 20. HID. in den Abendstunden vom Feinde berannt. Obwohl der Angriff überfallsartig, ohne vorangehende Feuervorbereitung unternommen wurde, schlug er vollkommen fehl und vermehrte nur die ohnehin schon ungewöhnlich hohen Einbußen des Feindes. Ein gleiches Mißgeschick widerfuhr ihm auf der Hochfläche von Bainsizza vor dem Abschnitt der 21. SchD., die eben durch die 53. ID. abgelöst wurde. Der 22. September sah diese Division im Vorstoßen, um die von ihrer Vorgängerin bei Kuščarje verlorenen vordersten Gräben zurückzugewinnen. Das Unternehmen erzielte aber nur einen halben
Erfolg. Die sehr abgekämpfte 21. SchD. wurde bald darauf als Reserve hinter den Südflügel der 1. Isonzoarmee verschoben.
Am 28. flammte der Kampf von neuem auf. Die nach kurzen Feuerstößen am Vor- und am Nachmittag unternommenen Angriffe der Italiener wurden von der 20. HID. abgeschlagen. Nachts ging aber die viel umkämpfte Geschützkaverne samt dem nördlich anschließenden, bis zur Straßenkote 367 sich hinziehenden Graben verloren. Am 30. verbreiterte sich der Kampf auf die ganze Front des seit dem 18. aus der 20. HID. und der 43. SchD. bestehenden IV. Korps und auf den Südflügel des XXIV. Korps, das die 53. und die 24. ID. in der Front und die 9. knapp dahinter in Reserve stehen hatte. Alle angegriffenen Frontteile konnten behauptet werden, bei der 53. ID. waren hiezu Gegenstöße erforderlich. Am 30. vertrieb die 20. HID. den Feind auch aus der Ge-schützkaveme und nahm allseits die vorderste Kampflinie in Besitz1).
An den beiden ersten Oktobertagen war die Kaverne wieder das Ziel hartnäckiger, aber schließlich doch ergebnislos verlaufender italienischer Anstürme, wobei der Feind sogar 6 Offiziere und 400 Mann in den Händen der wackeren Verteidiger lassen mußte. Aus der Reihe der sich noch bis zum 20. Oktober fortsetzenden Kämpfe um den Mt. S. Gabriele sollen nur ein am 6. zwischen 5h und 10h vormittags wiederholt unternommener Angriff und ein in der Nacht vom 8. auf den 9. versuchter Überfall Erwähnung finden; beiden Unternehmungen des Feindes blieb ein Erfolg versagt. Desgleichen schlug die 60. (früher 73.) ID. am 15. bei Mešnjak einen gegen die Mitte ihres Abschnittes gerichteten italienischen Angriff ab.
Die Begebenheiten in Tirol und in Kärnten von Anfang September bis zum 2 4. Oktober
Hiezu Beilage 4
Der Heeresgruppe FM. Conrad erwuchs für die bevorstehende Offensive die undankbare Rolle, Kräfte abzugeben und dennoch die Vorbereitungen für einen Angriff vorzutäuschen. In der Tatsache, daß der Feind der Heeresgruppe Conrad in ungefähr doppelter Stärke gegenüberstand, lag eine besondere Erschwernis der Aufgabe.
GM. Richard Müller, der Generalstabschef des Feldmarschalls,
y) Obst. Karl Kratochwil v. Szentkereszthegy, Kommandant der 81. HIBrig., erwarb sich hiebei das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.
wurde schon am 2. September nach Marburg berufen und über den Plan zur Offensive unterrichtet. Tags darauf erhielt die Heeresgruppe die Weisung, das Edelweißdivisionskommando und sieben Bataillone, die alle dem XIV. Korps zu entnehmen waren, zum Abgehen bereitzustellen. Das 11. Armeekmdo. bestimmte hiefür das IR. 59, das 3.KJR. mit je drei Bataillonen und das Bataillon I/KJR. 4, die durch andere Truppen des Edelweißkorps aus der Front gelöst und in Trient, Aldeno und Caldonazzo untergebracht würden. Hier war ihnen bis zur Abbeförderung eine kurze Frist zur Erholung und Angriffsschulung gegönnt1).
Am 12. September erhielt die Heeresgruppe den Befehl, weitere 15 Bataillone (hievon sechs der Kaiserschützen und neun des III. Korps) samt einem Divisionskommando abzugeben, wofür als Ersatz die 19. ID. vom Isonzo nach Tirol verschoben wurde. Das Heeresgruppenkommando befahl, das 22. SchDKmdo. samt der 43. SchBrig. (SchR. 3 und 26), die 98.KSchBrig. (KSchR. I und II) und das bh. IR. 2 der 6. ID. abzubefördern. Der Entzug von (samt dem IR. 14) 25 gebirgstüchtigen Bataillonen, wofür die nicht gleichwertige 19 ID. statt mit 15 nur mit 121/o Bataillonen eintraf2), empfand FM. Conrad als empfindliche Schwächung, insbesondere, als er noch zum Abgeben von 5 Gebirgs-, 2 schweren Haubitz- und iy2 Mörserbatterien verhalten wurde. Wohl rollte vom 15. September an gleichzeitig mit der 19. ID. das deutsche Alpenkorps in Tirol ein; es durfte hier aber nur bis Anfang Oktober bleiben.
Nun meldete vom 15. September an die 11. Armee über Verstärkungen des Feindes vor dem III. Korps; das XX. Korps wußte über außerordentlich starken Autoverkehr von Süden gegen Cortina d’Ampezzo und Alleghe zu berichten. Diese bedrohlichen Anzeichen wurden vermehrt durch einen am 18. erfolgten Überfall der Italiener im Suganertale.
An diesem Tage um lhnachts durchstießen fünf Bataillone nach Überrumpelung der Feldwachen die Stellung der k.u.k. 18. ID. und drangen in Carzano ein. Der Überfall konnte gelingen, weil einige pflichtvergessene Angehörige des Bataillons V bh. 1, darunter ein Reserveoberleutnant slowenischer Nationalität, in verräterischer Weise die zum Teil österreichische Uniformen tragenden Feinde führten.
Jene fünf Bataillone waren die vorderste Stoßstaffel der in zwölf Sturmsäulen angesetzten italienischen 15. ID., die durch zugeteilte Rad-
x) S c h e m f i 1, 3. KJR. im Weltkrieg, 466. — H o e n, IR. 59 im Weltkrieg. 572.
2) Das IR. 81 kam nur mit eineinhalb statt mit drei, das IR. 50 bloß mit drei statt mit vier Bataillonen nach Tirol.
fahrbataillone, Panzerkraftwagen, Autobatterien und motorisierte Abteilungen zu einem tiefen, bis Trient reichenden Durchstoß im Suganer-tale befähigt werden sollte. Gelang das Unternehmen, dessen Anregung zum Teil von den Überläufern ausgegangen war, so gedachte man zur Ausweitung des Erfolges auf die bis Feltre gestaffelt in Reserve stehende 62. ID. zu greifen1). Das Eindringen der Feinde wurde aber bald bemerkt, und die stehengebliebenen Flügel zunächst der Einbruchsstelle riegelten sich ab. Hierauf eilten kleine Reserven selbsttätig noch vor dem Morgengrauen von allen Seiten herbei und führten einen konzentrischen Gegenangriff gegen den Feind, der in der Absicht, nach Borgo vorzustoßen, schon bis in die Nähe der Batterien gelangt war. Er wurde — schwerste Verluste erleidend — bald zurückgeschlagen. Schon vormittags war die frühere Lage wiederhergestellt, ehe noch die eiligst herangeführten Divisions- und Armeereserven eingetroffen waren2). Der von den Italienern im Bunde mit den verräterischen Überläufern unternommene Vorstoß war völlig gescheitert und hatte Cadorna um hochfliegende Hoffnungen betrogen.
Einen Tag nach dem Überfall der Italiener bei Carzano sprengten sie auf dem Colbricon (südwestlich vom Rollepaß) eine große Mine. Am 20. September unternahmen sie einen starken Angriff gegen unsere Sief Stellung, der ihnen aber nur schwere Verluste eintrug. Am 21. versuchten sie auf der Marmolata die Wegnahme eines größeren Teiles unserer Verteidigungsanlagen, mußten sich aber bloß mit dem Gewinn einer Kaverne begnügen.
Diese auffallenden Anzeichen italienischer Regsamkeit veranlaßten den FM. Conrad, in einem eingehenden Bericht auf die Gefahren einer weiteren Schwächung der Besatzung Tirols hinzuweisen. Am l.Juli hatte er noch über 155 Bataillone und 1417 Geschütze verfügt; jetzt unterstanden ihm nur mehr 116 Bataillone (hievon bloß 69 vollwertige) und 1296 Geschütze, denen schätzungsweise 253 Bataillone und 2000 Geschütze gegenüberstanden. Im besonderen wies der Marschall auf die
v) P i n c h e 11 i, 329 ff. — Pettorelli-Lalatta. „I.T.O.“ (Mailand 1931), 145 ff. — Derselbe, II sogno di Carzano (Bologna 1926), 83 ff. — Pivko, Carzano in slowenischer Sprache, Marburg 1924). — Schreiben des Marschalls Cadorna vom 5. Jänner 1927 an GdA. Krafft.
2) Hoen, Waldstätten-Zipperer und Seifert, Die Deutschmeister Wien 1928;, 725 ff. — Feichtmeier, Nachtgefechte (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1926, 142 ff.). — Die Verluste der Italiener betrugen, insoweit festzustellen war, 17 Offiziere und 896 Mann an Toten und Gefangenen. Der Verteidiger hatte bloß 10 Offiziere und 306 Mann an Toten, Verwundeten und Vermißten eingebüßt.
Vielsprachigkeit der meisten Bataillone hin sowie auf die sich bedenklich mehrenden Fälle von Fahnenflucht und Überlaufen zum Feinde, wofür der Grund bei der Mannschaft nicht selten im Hunger, bei Offizieren aber fast immer in der nationalen Gesinnung zu suchen war.
Trotzdem bestand das Kommando der Südwestfront auf allen anbefohlenen Truppenabsendungen und auf der Durchführung von Maßnahmen zur Täuschung des Feindes. Von diesen versprach sich der Marschall allerdings keinen großen Erfolg. Als der Feind am 27. und am 28. September im Adamellogebiet und in den Judicarien zu größeren Stoßtruppuntemehmen losbrach, bot sich Gelegenheit, bei der durchwegs geglückten Abwehr auch zwei Bataillone des deutschen Alpenkorps mitwirken zu lassen. Als dieses Korps vom 30. an nach der Wochein abfuhr1), kamen von der Westfront drei deutsche Sturmbataillone, von denen eines beim XIV. Korps auf dem Pasubio, eines beim III. auf der Ortigara und das drittQ im Abschnitt Pustertal bei Peutelstein und auf dem Mt. Piano zur Durchführung von Vorfeldunternehmen eingesetzt wurden. Auf dem letztgenannten Berge wollte man hiebei von der auf dem steilen Nordhang gelegenen Stellung bis auf den flachen Oberteil gelangen. Dem am 22. Oktober unternommenen Angriff war aber kein Erfolg beschert.
Von Mitte Oktober an funkten überdies zwischen dem Gardasee und dem Suganertale 21 deutsche Radiostationen irreführende Befehle, und schließlich erhoffte man sich aus der vom 15. bis zum 23. Oktober währenden Anwesenheit des Kaisers Karl in Bozen eine Täuschung des Feindes.
Die Ansammlung starker italienische1' Kräfte im Suganertale — es wurden vier Infanterie-, zwei Bersaglieribrigaden sowie einige Al-pini- und Radfahrerbataillone festgestellt — ließ mit Recht an einen Erfolg der versuchten Irreführung der Italiener glauben. Diese Masse des Feindes bedeutete jetzt aber schon eine Gefahr und veranlaßte das Heeresgruppenkommando, das seit dem 3. Oktober der Heeresleitung unmittelbar unterstellt war, alle an ändern Stellen entbehrlichen Reserven eiligst ins Suganertal heranzuführen. Überdies bat FM. Conrad am
20. Oktober den in Bozen weilenden Chef des Generalstabes um sechs Bataillone von der russischen Front. Solche waren zur Stunde zwar nirgends verfügbar, aber einige Tage später erging der Befehl, die im Osten entbehrliche 9. KD. samt dem Kommando des Kavalleriekorps Hauer nach Tirol zu führen. Die nach Tirol anrollende 9. KD. wurde
*) Ein deutsches Jägerbataillon blieb noch etwa zwei Wochen in den Judicarien.
jedoch am 29. Oktober zur 7. Armee abgedreht, kurz darauf das Kommando des Kavalleriekorps Hauer aufgelöst. Mittlerweile begann aber die 12. Isonzoschlacht und löste an der Südostfront von Tirol die Spannung, die in den letzten Wochen auf ihr gelastet hatte.
Nicht minder schwierig lagen die Verhältnisse bei der die Grenze Kärntens und das Quellgebiet des Isonzos deckenden, schon seit langem sehr schwach gehaltenen 10. Armee. Sie hatte an das von ihrem Ostflügel aus vorbrechende I. Korps die für einen Angriff im Gebirge auszustattende 55. ID. abzugeben und überdies mit den übrigen Kräften die rechte Flanke dieses Korps durch einen Begleitangriff zu schützen.
Zur Vereinfachung der Befehls Verhältnisse hatte die 10. Armee das den Ostabschnitt befehligende Gruppenkommando GdI. Erzherzog Peter Ferdinand am 10. September nach Tirol abzusenden, wo es am 16. in Meran den Befehl über die Rayone I und II übernahm. Vom 20. an unterstand der Abschnitt Flitsch dem mittlerweile hier eingetroffenen
I. Korpskmdo., das bis 3. Oktober, ehe es zur 14. Armee übertrat, an das k.u.k. 10.Armeekmdo. gewiesen war Dieses stattete nun in selbstloser Weise das Korps Krauss mit gebirgstüchtigen Feldbataillonen, Hochgebirgskompagnien, Bergführern, schweren Batterien und Kriegsgerät aller Art aus. Diese Schwächung minderte aber die Fähigkeit der 10. Armee, dem Feinde — wie gefordert — an anderer Stelle einen drohenden Angriff vorzutäuschen und noch Kräfte für ein Begleitunternehmen zu erübrigen.
Bereits am 8. September hatten Freiwillige Kärntner Schützen am Granudaberge (südwestlich von Malborgeth) durch einen schneidigen Vorstoß dem Feinde erheblichen Abbruch getan. Nun brachen zu dessen Irreführung am 18. Oktober von allen Frontabschnitten der zu beiden Seiten vom Plöckenpaß stehenden 94. ID. Sturmtrupps vor. Auf dem Kl. Pal glückte es den Abteilungen des FJB. 8, in die italienischen Stellungen einzubrechen; ein Großteil der Besatzung fiel den tapferen Jägern zum Opfer. An den ändern Stellen lösten die Sturmtrupps heftiges Abwehrfeuer der Italiener aus, das im Plöckenraume, wo stets eine Spannung bestand, noch einige Tage anhielt.
Schließlich wurde vereinbart, zur unmittelbaren Unterstützung des Korps Krauss Teile der 59. GbBrig. im Seebachtale gegen den Nevea-sattel vorbrechen zu lassen, was aber nur im Zusammenwirken mit einer vom Rombon über die Prevalascharte vorstoßenden rechten Seitenabteilung des Korps Krauss Erfolg versprach. Mehr konnte die bis aufs äußerste geschwächte 10. Armee nicht leisten. Sie besaß fast durchwegs
minder angriffstüchtige Bataillone. Hievon waren nicht einmal alle in der Abwehr verläßlich. Am 2. Oktober liefen von dem aus trachomkranker Mannschaft des Esseger IR. 78 gebildeten Bataillon VII/104 zwei Offiziere und 22 Mann zum Feinde über.
Obwohl nach Abgabe des Flitscher Abschnittes das in Villach gelegene Hauptquartier des 10. Armeekmdos. schon ganz seitwärts von seinem Armeebereiche lag, behielt GO. Krobatin seinen Standort bei. Von der ursprünglich beabsichtigt gewesenen Unterstellung des die Dolomitenfront schützenden XX. Korps unter das 10. Armeekmdo. (S. 498) war man abgekommen, um eingelebte Befehls- und Nachschubverbindungen nicht ändern zu müssen.
Die hohe italienische Führung zwischen der elften und der z wö lften Isonzoschlacht
Nach der elften Isonzoschlacht, in der den Italienern die Eroberung der Westhälfte der Hochfläche von Bainsizza geglückt war, hatte Gen. Cadorna geplant, den Angriff nach gründlicher Vorbereitung Ende September vom Südteil dieser Hochfläche aus über die Ausläufer des Ter-nowaner Waldes weiterzuführen. Alsbald änderte er aber sein Vorhaben. Bestimmend hiefür war, daß die 300.000 Mann, die die Italiener in der zehnten und in der elften Schlacht eingebüßt hatten, wegen des abnehmenden Zustromes an Ergänzungen in absehbarer Frist nicht ersetzt werden konnten, dann die Voraussicht, daß das Auffüllen der Munitionslager längere Zeit beanspruchen werde. Das wasser- und wegearme Gebiet, auf dem die Mitte der 2. Armee nunmehr stand, konnte nicht ohne weiteres als Ausgangsraum für eine neue Offensive eingerichtet werden. Auch mochten den italienischen Generalstabschef — wenngleich sich die Armee im August aufopfernd geschlagen — die zunehmenden Disziplinwidrigkeiten, die noch zu besprechen sein werden, von einer neuen Kraftprobe abgehalten haben. Des weiteren stand der Zusammentritt der Kammer bevor, die stets strenge Rechenschaft forderte, ob die gebrachten Blutopfer mit dem Ausmaße der Eroberungen im Einklang standen. Auch wußte man von erheblichen Verstärkungen des Gegners bei Chiapovano. Schließlich besorgte man, daß der Niederbruch des russischen Fleeres die öst.-ung. Heeresleitung befähigen mochte, noch weitere freigewordene Divisionen an den Isonzo zu werfen.
Aus all diesen Gründen und unter Hinweis auf die durch Aussagen von Überläufern begründete Möglichkeit eines gegnerischen Angriffes erließ das italienische Höchstkommando am 18. September an die 2. und die 3. Armee den Befehl, alle Angriff^Vorbereitungen einzustellen und sich für eine ,,bis zum äußersten“ gehende Abwehr einzurichten x). Wohl auch hiemit im Zusammenhange plante Cadorna, am mittleren Tagliamento eine Reservearmee von 200 Bataillonen zu bilden, um allfälligen Angriffen von Tirol oder vom Küstenlande her kräftig entgegentreten zu können. Die hiefür am 3. Oktober erlassenen Befehle kamen aber wegen des Widerstrebens der Armee- und Korpskommandanten, Truppen abzugeben, nicht zur Ausführung2).
Den Entschluß, nunmehr in die Abwehr zu fallen, teilte Cadorna am 21. September den beiden Westmächten mit. Er fühlte sich auch ihnen gegenüber zur Einstellung der Offensive berechtigt, da er der Meinung war, die Ende Juli in Paris eingegangene Verpflichtung, eine Offensive großen Stils zu führen, mit der elften Schlacht voll eingelöst zu haben. Cadorna begründete seinen Entschluß, in die Verteidigung zurückzufallen, damit, daß der Gegner am Isonzo Verstärkungen erhalten habe, und daß sich die Verluste der Italiener seit Anfangs Mai — die Kranken inbegriffen — auf 720.000 Mann beliefen3). Die Preisgabe des Angriffsgedankens verstimmte aber die Verbündeten Italiens, die an eine Offensive der Mittelmächte im Südwesten nicht glauben wollten. Sie zogen daher einen Großteil der beim italienischen Heer befindlichen schweren Batterien (200 Geschütze) ab.
Inzwischen begannen Nachrichten über die Mitte September erfolgte Sperrung der österreichischen Grenze gegen die Schweiz, über das Erscheinen einer bayrischen Division in Südtirol und über Truppenverschiebungen von Trient weg die italienische Heeresleitung schwer zu beunruhigen. Cadorna überprüfte hierauf selbst die Abwehrmaßnahmen an der Tiroler Front sowie den Straßen- und Befestigungsbau auf dem Gebirgsstock der Grappa. Dann wandte Cadorna sein Augenmerk der Isonzofront zu, an der wegen der zufließenden öst.-ung. und deutschen Verstärkungen mit örtlichen Angriffen gerechnet werden mußte. Insbesondere galt Cadomas Interesse der Hochfläche von Bainsizza.
Hier war der Führer der 2. Armee, Gen. Capello, den am 10. Ok-
xj Cadorna. La guerra, Neudruck 1934, 420f.
-) Relazione della commissione d’inchiesta. Dall’Isonzo al Piave weiterhin als ,,Bericht der Untersuchungskommission“ bezeichnet fRom 1919), I, 30.
3) Robertson, 442.
tober erlassenen Weisungen des Höchstkommandos, auf der Hochfläche von Bainsizza nur die Feldbatterien und die leicht beweglichen Geschütze mittleren Kalibers zu belassen, nicht nachgekommen. Er wollte sich auch nicht dazu verstehen, einen sich voraussichtlich durch ein kurzes Zerstörungsfeuer ankündigenden Angriff der Österreicher lediglich durch ein Gegenvorbereitungsfeuer niederzuhalten. Der sehr tatfreudige, aber auch eigenwillige Armeeführer beharrte darauf, daß der geglückten Abwehr unverzüglich ein Gegenangriff zu folgen habe. Er beließ daher Kräftegruppierung und Artillerieaufstellung im allgemeinen unverändert und verständigte seine Korps, daß gegebenen Falles im Gegenangriff der Mt. S. Gabriele, Ravnica und der Ostrand der Bainsizza zu gewinnen sein werden44).
Aus dieser Verschiedenheit der Ansichten ergab sich ein lebhafter Meinungsaustausch zwischen Cadorna und Capello, der mit einem am 20. Oktober erlassenen Befehl der Heeresleitung seinen Abschluß fand. In diesem Befehl wurde die 2. Armee verständigt, daß im Falle eines gegnerischen Angriffes auf eine großangelegte Gegenoffensive aus Rücksicht auf die schwachen Stände und wegen Ergänzungsschwierigkeiten verzichtet werden müsse. Die 2. Armee, deren Stärke für die bloße Abwehr aber völlig ausreichend zu sein schien, wurde lediglich ermächtigt, örtliche Gegenangriffe solchen Umfanges auszuführen, wie im Hinblick auf die gebotene Sparsamkeit mit den Kräften noch verantwortet werden konnten45).
Dieser Befehl, der eine tiefgreifende Änderung der Aufstellung der 2. Armee hätte auslösen sollen, langte gleichzeitig mit Nachrichten über das unmittelbare Bevorstehen eines insbesondere gegen die 2. Armee gerichteten Angriffes ein. Weitgehende Verschiebungen erschienen nunmehr undurchführbar. Gen. Montuori, der Vertreter des vorübergehend erkrankten Gen. Capello, ordnete daher nur kleine Truppenverschiebungen an, die zum Teil ebensowenig verwirklicht wurden wie die erwogene Rückverlegung taktisch ungünstig gelegener Frontteile im Flitscher Becken und auf den Hängen des Mrzli- und des Vodil vrh.
Hatten die bisher eingelaufenen Nachrichten in Udine immer mehr die Auffassung gefestigt, daß aus dem Raume Flitsch—Tolmein ein Angriff drohe, an dem auch starke deutsche Kräfte teilnehmen würden,
so brachten der 20. und der 21. Oktober schon fast völlige Klarheit. An diesen Tagen waren nördlich von Tolmein drei öst.-ung. Offiziere — einer tschechischer, die beiden ändern rumänischer Volkszugehörigkeit — zum Feinde übergelaufen und machten ganz konkrete Angaben. Ein Korps werde bei Flitsch, starke Kräfte sollten aus dem Raume zwischen dem Krn und Lom vorbrechen, mit dem Ziele, die Linie Mt. Mia—Matajur— Kolovrat zu gewinnen. Die k.u.k. 50. ID. werde zwischen dem Krn und dem Isonzo, die deutsche 12. ID. von Dolje aus im Isonzotal, weiter südlich das angeblich drei Divisionen starke Alpenkorps und die 200. ID. gegen die Ježa angreifen. Drei weitere deutsche Divisionen stünden dahinter in Reserve. Der Angriff werde durch ein Gasschießen eingeleitet werden, dem ein anderthalbstündiges, namentlich mit Minenwerfern auf die Infanterielinien ausgeführtes Zerstörungsfeuer folgen soll. Als Angriffstag sei der 25. oder der 26. Oktober in Aussicht genommen, er könne aber auch vorverlegt werden x). Die Überläufer erwähnten schließlich noch, daß sich die Angriffe nach Süden bis zum Meere ausdehnen würden. -
Um sich über die getroffenen Verteidigungsmaßnahmen Überzeugung zu verschaffen, hatte Cadorna schon am 19. Oktober zwei Oberste seines Stabes zur 2. Armee entsandt. Die Berichte, namentlich die über das IV. und das XXVII. Korps, lauteten, auch was die moralische Verfassung der Truppen anbelangt, durchaus zuversichtlich. Die beiden Oberste meldeten übereinstimmend, daß an der Front keine Anzeichen eines bevorstehenden Angriffes wahrzunehmen seien; auch ein planmäßiges Einschießen habe bisnun nicht stattgefunden.
Cadorna tat aber noch ein übriges: er fuhr am 22. selbst zu den beiden am meisten bedroht erscheinenden Korps IV und XXVII. Auf die Bedenken, die der Führer des IV. Korps äußerte, befahl Cadorna sogleich die Verschiebung der im Natisonetal nördlich von Cividale stehenden 34. ID. des VII. Korps zum IV. nach Karfreit. Diese Division war durch die 62. von der Tiroler Front zu ersetzen. Ansonsten hegten die beiden Korpsführer keinerlei Bedenken.
Auch im großen erlaubte das Kräfteverhältnis, dem gegnerischen Ansturm vertrauensvoll entgegenzusehen. Die in Udine angestellten Berechnungen über die Truppenstärke der Verbündeten ergaben — neun deutsche Divisionen mitgerechnet —■ 53 gegnerische Divisionen mit 645 Bataillonen, hievon vor der 3. Armee 71/2 Divisionen mit 92, vor der 2. Armee 28 Divisionen mit 329 Bataillonen; den Rest vermutete Cadorna. La guerra, Neudruck 1934, 431 ff.
man in Kärnten und in Tirol. Demgegenüber betrug die Streitmacht Italiens 63 Infanteriedivisionen mit 856 Bataillonen. Hievon zählte die 3. Armee 9 Divisionen mit 108 Bataillonen und 1196 Geschützen, die 2. Armee 25 Divisionen mit 353 Bataillonen und 2430 Geschützen. An der Gebirgsfront (Karnische Gruppe, 4. und 1. Armee sowie selbständiges III. Korps) hielten 22 Divisionen mit 281 Bataillonen die Stellungen besetzt. Von den 114 Bataillonen der Heeresreserve standen nur 15 hinter der Tiroler Front; 3 Divisionen mit zusammen 39 Bataillonen waren zum Eingreifen bei der 2. Armee bereit, 4 Divisionen mit 60 Bataillonen hinter der 3. Armee gruppiert. Von den 4 Kavalleriedivisionen war die
1. zum größten Teil auf die Korps der Isonzofront aufgeteilt, die 2. stand als Heeresreserve am Natisone. Die beiden ändern verließen eben ihre weit hinter der Front gelegenen Erholungsquartiere, um gegen den Isonzo vorzumarschieren1).
Wie aus vorstehenden Ausführungen erhellt, war die italienische Heeresleitung über den bevorstehenden Angriff der verbündeten Mittelmächte im allgemeinen gut unterrichtet. Sie erwartete sehr zutreffend den Hauptstoß aus dem Raume zwischen Flitsch und Lom mit dem Schwergewicht über Tolmein; sie rechnete aber irrigerweise auch mit Angriffen weiter südlich bis zum Meer. Die Täuschungsmaßnahmen der 1. Isonzoarmee trugen somit die erwünschten Früchte. Die Kräftegruppierung der Italiener entsprach aber selbst der eben erwähnten, nicht voll zutreffenden Annahme nur annähernd, weil ein erheblicher Teil .der Heeresreserve hinter der weniger bedroht erscheinenden 3. Armee aufgestellt war. Dies ist erstaunlich, weil das italienische Höchstkommando über die Zahl und die Verteilung der gegnerischen Divisionen eine ziemlich richtige Vorstellung hatte. Da die italienische 3. Armee und der Südflügel der 2. zunächst gar nicht angegriffen wurden, sollte die verfügte Aufstellung der Armee- und Heeresreserven, deren Masse im Raume zwischen Palmanova, Cormons und Cividale zusammengeballt war, noch schwerwiegende Folgen haben. Den Zeitpunkt für das Losbrechen der Offensive wußten die Italiener zunächst nicht. Hier erwies es sich als außerordentlich zweckmäßig, daß die Verlautbarung des Angriffsbeginnes vom Kommando der Südwestfront erst am 22. Oktober erfolgte. Am 23. entnahmen die Italiener mitgehörten Telephongesprächen, daß der Beginn der gegnerischen Feuervorbereitung für den 24. Oktober, 2hfrüh, angesetzt sei2). Im Vertrauen auf die Stärke
*) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 440ff.
2) Bericht der Untersuchungskommission, II, 43.
ihrer Verteidigung traf die italienische Führung aber keine weiteren Maßnahmen.
Die italienischen Verteidigungsstellungen Hiezu Beilage 24
Das ganze Küstenland war, soweit es sich im Besitze des Feindes befand, von einem ungeheuren Stellungsnetz überzogen. Die Mehrzahl der vielen Gräben war von den Italienern bei den Angriffen ausgehoben worden. Daher waren sie auch im Raume um Görz und auf der Hochfläche von Comen am dichtesten. Aus Gründen der Vorsicht hatte die italienische Heeresleitung aber auch schon vom Kriegsbeginn an hintere Stellungen anlegen lassen, die teilweise sogar jenseits der Reichsgrenze lagen. Im gebirgigen Teil* der Isonzofront nördlich von Plava, wo im Vergleich zu den gewaltigen Schlachten, die bei Görz und auf der Karsthochfläche getobt hatten, weniger hartnäckig gefochten worden war, gab es natürlich auch weniger Stellungen. Die vorhandenen gewannen aber durch das Gebirgsgelände eine besondere Stärke; sie waren —- namentlich die hinteren — unabhängig von den während des Kampfes aufgetretenen Forderungen in Berücksichtigung der möglichen gegnerischen Angriffe angelegt worden.
Diesen zu beiden Seiten des oberen Isonzos im Angriffsraume der deutschen 14. Armee gelegenen Stellungen kam nun bei der bevorstehenden Offensive eine besondere Bedeutung zu. Sie waren durch Fliegeraufnahmen und zum Teil durch unmittelbare Sicht den öst.-ung. Befehlsstellen bekannt und wurden auf Karten so eingezeichnet, wie es die Beilage 24 zeigt.
Die vorderste Stellung vom Wischberg A 2660 bis zum Mt. S. Gabriele lag unseren Verteidigungsanlagen meist knapp gegenüber; sie bestand in den Tälern aus mehreren hintereinander angelegten, von den Berghängen aus flankierten Linien, so im Seebachtale vor dem Nevea-sattel, im Becken von Flitsch und gegenüber dem Nordteil des Tol-meiner Brückenkopfes. Vor dessen Südteil trat die feindliche Stellung, das von Ciginj nach Selo führende Tal freilassend, weit zurück und krönte den von der Höhe Ježa A 929 über den Hrad vrh A687 gegen Doblar sich hinziehenden Rücken. Ihr waren auf den gegen das vorgenannte Tal abstreichenden bewaldeten Abfallsrücken bastionsartige Befestigungen vorgelagert. Am schwächsten war die erste Stellung der
Italiener naturgemäß auf der Hochfläche von Kal, wo sie erst seit dem Verebben der elften Schlacht im Entstehen war.
Die zweite Stellung zog sich von der Enge bei Saga über den Po-lounik zum Vršič A 1897, dann vom Km über die Pleča -<J>-1304, bei Selišče das Isonzotal überquerend, auf den Kolovrat. Die dritte Stellung, vielfach nur bruchstückweise angelegt, verlief vom Ucceatale westlich von Saga über den Stol A 1668, den Starijskivrh A 1136, den Volnik A 793 nach Idersko und bildete, das Isonzotal nördlich und südöstlich von Karfreit sperrend, einen Brückenkopf um diesen Ort. Die Fortsetzung zog sich von Luico über den Kolovratrücken zur Ježa.
Das Stück des Kolovratrückens zwischen der Grenzhöhe A 1114 und der Ježa war eine Schlüsselstellung, denn von hier zweigten — abgesehen von der gegen Doblar streichenden ersten Stellung — noch je eine Verteidigungslinie auf die beiden, den Judrio begleitenden Höhenzüge ab. Die östliche verzweigte sich von der Korada A 812 auf die verschiedenen Höhenrücken des Coglio; die westliche verlief über das stark befestigte Castel del Monte westlich der Reichsgrenze bis zur Ebene. Dahinterliegende Befestigungsanlagen bei Azzida sperrten das Natisonetal vor dem Austritt aus dem Gebirge. Vergleichsweise schwach war das Hintergelände der italienischen Front auf der Hochfläche von Bainsizza bedacht. Als zweite durchlaufende Stellung konnte hier eigentlich erst die auf dem westlichen Isonzoufer von Doblar bis Plava verlaufende Stellung gelten, die bis zur elften Schlacht die vorderste war, weiters das zwischen dem Isonzo abwärts von Plava und dem Rohot-bache gelegene Stellungsnetz, das nach der zehnten Schlacht als Ausgangsstellung für den Angriff auf die Bainsizza gedient hatte.
Wollte man, wie es die Absicht war, mit der deutschen 14. Armee bis in die Linie Gemona—Höhen nördlich von Cividale—Reichsgrenze nordwestlich der Korada Vordringen, so war das rasche Bezwingen des Stellungsknotens auf der Rückenlinie zwischen der Höhe A 1114 und der Ježa von ausschlaggebender Bedeutung, denn von hier aus konnte man die auf beiden Judrioufem angelegten Stellungen von Norden her aufrollen und auch in das befestigungsfreie Gelände nördlich von Cividale Vordringen. Für den Vorstoß der Gruppe Krauss, die den Schutz der rechten Flanke der 14. Armee zu besorgen hatte, wurden die Befestigungen bei Saga und auf dem Stol zu Angelpunkten. Jene mußten genommen werden, damit dann starke Teile durch das Ucceatal gegen Westen Vordringen könnten. Der Besitz des Stolrückens war wichtig, damit diese im Ucceatale vormarschierenden Truppen nicht zu besorgen hätten, von dort in der südlichen Flanke angefallen zu werden; auch konnten nur dann die bis Karfreit gelangten Kräfte über Robić durch das Natisonetal gegen Cividale vorbrechen.
Vorstehende Erwägungen hatten einen bestimmenden Einfluß auf die Abfassung der Weisungen für den Angriff.
Die Angriffsbefehle Hiezu Beilage 24
Die Masse der Infanterie der 14. Armee rückte erst am 22. Oktober in die genauestem ermittelten Ausgangsräume ein. Sie hatte daher nur wenig Zeit, um sich mit ihren meist sehr schwierigen Angriffsaufgaben vertraut zu machen. Um das Einrücken dieser neuen Truppen in die Stellung nicht zu verraten, hatten deutsche Vorkommandos und Erkunder die österreichische Kappe zu tragen. Die öst.-ung. Truppen, die im Flitscher Becken das bh. IR. 4 der 55. ID. ablösten, erhielten den Fes, und der Imam des Regiments ließ auf dem Rombon inmitten alpenländischer Kämpfer auch weiterhin seinen Ruf zum Gebet erschallen.
Die Anweisung für die Durchführung des Unternehmens erfolgte durch eine ganze Reihe von Befehlen. Diesen waren Besprechungen zwischen den höheren Kommandanten vorausgegangen. Sehr bedeutungsvoll waren jene, die die beiden verantwortlichen Männer des deutschen 14. Armeekmdos., GdI. Below und GLt. Krafft, mit dem Kommandanten des I. Korps, GdI. Krauss, geführt hatten. Alle drei Generale waren sich darüber einig, daß der Tagliamento nicht das Mindestziel der Offensive sein konnte; ihre Absichten reichten im Gegensatz zu jener der k. u.k. Heeresleitung darüber hinaus. Aus den Darlegungen des GdI. Krauss war im besonderen zu entnehmen, daß er gewillt war, die Italiener zu überrennen, nicht mehr zum Stehen kommen zu lassen und den Stol in einem Zuge zu nehmen ]).
Da GLt. Krafft nach gelungenem ersten Durchbruch eine neue Abwehrfront des Feindes auf den Höhen östlich von Cividale, mit dem linken Flügel etwa auf dem Mt. Juanes, erwartete, sollte das I. Korps den italienischen Nordflügel umfassen. In der Folge gedachte man dieses Korps nach rechts in die Venetianer Alpen Vordringen zu lassen,
Krafft, I, 31. — Krauss, Die Ursachen unserer Niederlage, 2. Aufl.
München 1921), 220. — Derselbe, Das Wunder von Karfreit (München 1926), 24 f.
um die italienische Front vor der 10. Armee zum Einsturz zu bringen. GdI. Krauss meinte hingegen, daß es zweckmäßiger wäre, wenn sein Korps gegebenenfalls nach links einschwenken würde, um die italienische 3. Armee abzuschneiden. Schließlich blieb es bei den Absichten des deutschen Armeekommandos. Die von diesem festgelegten Angriffsrichtungen, die Vorrückungsstreifen und die ersten, von den Divisionen womöglich in einem Zuge zu erreichenden Abschnitte sind aus der Beilage 24 zu entnehmen.
GdI. Below, dessen Armee die Hauptträgerin des Angriffes war, stellte ihr mit Befehl vom 4. Oktober die Aufgabe, den Feind „aus dem für die Verteidigung ungünstigen Karstgebiet heraus und hinter den Tagliamento“ zurückzuwerfen. Hiezu sollte die 14. Armee „die feindliche Front bei Flitsch und Tolmein durchbrechen, um dann zunächst die Linie Gemona—Gegend Cividale zu gewinnen“. Die Armee hatte „von Anfang an dauernd den Nachdruck auf den rechten Flügel“ zu legen. Um nach geglücktem Durchbrechen der ersten feindlichen Stellung bis in die vorbezeichnete Linie Vordringen zu können, erachtete GdI. Below „den einwandfreien Besitz der verbindenden Talstraße Flitsch—Saga—Karfreit—Tolmein“ für unerläßlich. Hiezu sollte „die Linie Canin—Pta. di Montemaggiore—Mt. Mia—Mt. Matajur—Mt. S. Martino—Mt. Hum—Tribild. sp.—Höhen von Kostanjevica in ununterbrochenem, Tag und Nacht fortgesetztem Vordringen als erstes Ziel erreicht werden“. Diese Höhen wurden deshalb als Ziele bestimmt, weil man sie als die Hauptstützpunkte des von den Italienern teilweise bereits eingerichteten hinteren Verteidigungsabschnittes ansah und der Mt. Mia sowie der Mt. Matajur überdies die Torpfeiler des Natisone-tales waren, durch das man raschestens in die Ebene gelangen wollte i).
Beim Vorstoßen von diesen Höhen gegen die Linie Gemona—Cividale erwartete man eine starke Gegenwirkung des Feindes, hauptsächlich gegen den rechten Armeeflügel sowie von dem großen Straßen-knotenpunkt Cividale her. „Es kommt alles darauf an“, hieß es in dem Armeebefehle Belows weiter, „dem Feinde nicht Zeit zu lassen, in einer Flankenstellung auf der Hochfläche von Juanes oder nordöstlich Cividale nachhaltigen Widerstand vorzubereiten oder zu leisten.“
Der deutsche Armeeführer gab seinen Truppen für das bevorstehende schwierige Unternehmen auch taktische Lehren. „Grundsatz für jede Angriffshandlung im Gebirge“, schrieb er, „ist Gewinnen und Innehalten der Höhenlinien, um auf den Landbrücken zum nächsten
') Schreiben des GdA. Krafft vom 17. März 1926 an den GdI. Alfred Krauss.
Ziel zu gelangen. Vermeintliche Umwege auf den Höhenlinien sind einem Überschreiten von Tälern und tiefen Schluchten vorzuziehen. Dies kostet mehr Zeit und größere Anstrengungen. Die Täler sind zum raschen Nachziehen geschlossener Reserven, der fahrenden Artillerie und für den Nachschub zu benützen. Jede Höhenkolonne muß freien Auslauf nach vorwärts haben; dadurch ergeben sich immer Möglichkeiten, einem etwa hängengebliebenen Nachbar durch Einschwenken in den Rücken seines Gegners weiter zu helfen.“ Nach diesem Befehle bekannte sich das deutsche 14. Armeekmdo. somit im wesentlichen zu der im öst.-ung. Heere eingelebten Höhentaktik. GdI. Krauss hingegen legte das Hauptgewicht auf den „Durchstoß im Tale“, weil hier rasches Vorwärtskommen möglich sei; auf den Höhen sollte der Feind nur scharf angepackt werden. Allerdings hat, wie sich zeigen wird, auch eine deutsche Division durch einen planmäßigen Talstoß entscheidende Erfolge erzielt1).
Gleichzeitig mit diesen allgemeinen Weisungen wurden auch die Angriffsgruppen gebildet und ihnen ganz bestimmte Aufgaben gestellt.
Die Gruppe GdI. Krauss (k.u.k. I. Korpskmdo. mit Edelweißdivision, 22. SchD., 55. ID. und deutscher Jägerdivision) hatte den Hauptstoß im Flitscher Tale über Saga in einem Zuge bis auf den Stol zu führen und gleichzeitig die Hänge des Rombon und des Canin bis zum Skutnik zu säubern. Eine starke linke Kolonne hatte den Vršič zu nehmen, dann über Ravna, Karfreit bis Staro Selo vorzustoßen, um das Karfreiter Becken zu öffnen, hiezu — wenn nötig — die Stolstellung von Osten her aufzurollen und dann in der Richtung auf den Mt. Carnizza anzugreifen. Im weiteren Verlauf war für die versammelte Kraft der Gruppe Krauss als Hauptstoßrichtung Monteaperta und der Mt. le Zuffine vorgezeichnet. Teilkräfte der Gruppe Krauss hatten zum Schutz der rechten Flanke der Armee von Saga auf Resiutta und Venzone anzugreifen. Der linke Flügel der 10. Armee sollte sich, wie schon erwähnt ('S. 512), durch ein Unternehmen gegen den Neveasattel diesem Angriff anschließen. Als gemeinsames Ziel für die inneren Flügel der 10. Armee und der Gruppe Krauss wurde das Fellatal von Pontebba bis Gemona bezeichnet.
Für die Gruppe GLt. Stein (III. bayr. Korpskmdo. mit k.u.k. 50. ID., deutscher 12. ID., Alpenkorps und deutscher 117. ID.) galt als erstes Hauptangriffsziel der Mt. Matajur. Hiefür war unerläßliche
rj L e q u i s, Einiges zum „Wunder von Karfreit“. (Deutscher Offizier-Bund, Berlin. Heft 10 von 1927.)
Vorbedingung die rasche Wegnahme des Stellungsknotens bei A 1114. Im weiteren Verlauf sollten die Gruppen Krauss und Stein zur Besitznahme des Höhenstockes Mt. Juanes Zusammenwirken.
Die Gruppe GLt. Berrer (deutsches Generalkmdo. LI. mit der 200. und der 26.[1. württembergischen] ID.) hatte sich nach Wegnahme des Ježablockes und Vorstoß über Drenchia und Höhe La Glava zunächst des Mt. S. Mat'tino (Kapelle A 965) zu bemächtigen. Der Einsatz der in zweiter Linie gehaltenen Division wurde auf dem linken Flügel über den Mt. Hum gegen den Mt. S. Maria Mna. empfohlen. Die vordere Division hatte die Vorrückung vom Mt. S. Martino auf dem Rücken gegen den Mt. S. Bardolomeo fortzusetzen.
Die von der Gruppe FML. Scotti (k.u.k. XV. Korpskmdo. mit k.u.k. 1. und deutscher 5. ID.) zuerst zu lösende Aufgabe war, der 2. Isonzoarmee das Überschreiten des Isonzos zu erleichtern; daher hatte sie als erstes Angriffsziel mit der 1. ID. die Höhe Globočak und den Ort Kostanjevica zu nehmen. Die Division zweiter Linie, die deutsche 5. ID., war auf der Landbrücke von Srednje nachzuziehen, und es sollte ihr die für die ganze Gruppe geltende Hauptrichtung auf Castel del Monte gegeben werden. Das Herüberziehen der 1. ID. von Kostanjevica auf den Mt. S. Giovanni glaubte man vom Vordringen der
2. Isonzoarmee abhängig machen zu sollen.
Von der Heeresgruppe Boroevic hatte die auf dem Nordflügel der
2. Isonzoarmee gebildete Gruppe FML. Kosak (60. und 35. ID.) über den Avščekgraben hinweg die Höhe von Vrh zu erobern. Hiedurch sollte der hier stehende starke Feind am Eingreifen in den Durchbruchsraum der 14. Armee gehindert werden. Die Eroberung von Vrh galt aber auch als Vorbedingung für den Uferwechsel im Raume Auzza— Ronzina. Um dieses Überschreiten des Isonzos zu erleichtern, hatten sich einige Bataillone der 57. ID. mit Gebirgsartillerie und Brückengerät am linken Flügel des XV. Korps dem Angriff der 1. ID. anzuschließen. Nach vollzogenem Uferwechsel hatte die ganze 57. ID. den Kolovrat-rücken endang auf die Korada vorzustoßen; ihr sollten die 28. und die 29. ID. folgen. Zur Führung dieser sonach aus drei Divisionen bestehenden Gruppe, die zwischen dem XV. Korps und der Gruppe Kosak eingeschoben werden sollte, war das vom russischen Kriegsschauplatz herangeholte II. Korpskmdo., GdI. Kaiser, das am 19. Oktober in Bre-sowitz (7 km westlich von Laibach) eingetroffen war, in Aussicht genommen. Das XXIV. Korps hatte sich dem Angriffe der Gruppe Kosak anzuschließen.
Als Reserve des Südwestfrontkommandos standen im Bereiche der 14. Armee die 33. und die 4. ID. sowie die 13. SchD. bereit. Es war geplant, sie mit einigem Abstand über Tolmein und St. Luzia nach Karfreit nachzuführen. Von hier aus konnten sie je nach Bedarf die Gruppe Krauss oder die Gruppe Stein verstärken. Die Führung vermochte daher das Schwergewicht des Stoßes noch zu vermehren.
Das ganze Unternehmen war somit als ein großer Durchbruchsangriff aufgebaut, der in "Staffeln nach rechts vorwärts Raum zu gewinnen und den Zweck hatte, den Feind mit der stärksten Gruppe im Norden tief zu durchstoßen und am Tagliamento zu überholen. Für den ersten Ansturm waren in der vorderen Linie acht Divisionen (fünf öst.-ung. und drei deutsche) der 14. Armee angesetzt. Links neben ihnen griffen auch noch zwei Divisionen der Heeresgruppe Boroevic an. Den acht Angriffsdivisionen folgten in zweiter Linie vier deutsche Divisionen und schließlich die aus drei öst.-ung. Divisionen gebildete Heeresreserve. Die Verbündeten waren somit dem Feinde im Durchbruchsraum fast doppelt überlegen, indes die Stärke der Heeresgruppe Boroevic nicht ganz zwei Drittel jener ihres gegenüberstehenden Feindes betrug1).
Zur Einleitung des Angriffes sollte am Angriffstag von 2h bis 4h 30 früh Gas geschossen werden, um die Besatzung der vordersten italienischen Kampfgräben zu erledigen und die erkannten feindlichen Batterien lahmzulegen. Für 6h 30 früh war der Beginn des Vemichtungs-schießens der Artillerie angesetzt, dem sich um 7h früh jenes der Minenwerfer beizugesellen hatte. Um 8hfrüh hatte die Infanterie bei Tolmein, eine Stunde später die bei Flitsch zum Sturme anzutreten.
(24. bis 27. Oktober)
Die Durchbrüche bei Flitsch und Tolmein Hiezu Beilagen 2 4, 25 und 26
Der erste Schlachttag
Das seit Wochen regnerische Wetter besserte sich auch am 24. Oktober nicht. Noch nachts setzte ein feiner Sprühregen ein, dem nach
a) Pohl, Die Kriegführung der Mittelmächte gegen Italien (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1926, 157).
vorübergehender Aufheiterung des Himmels heftige Regengüsse und auf den Höhen Schneestürme folgten. Berg und Tal waren nebelverhangen. Die Feuervorbereitung der genau eingeschossenen Batterien des Angreifers wurde dadurch aber wenig beeinträchtigt. Pünktlich um 2h früh begann an der ganzen Angriffsfront die schauerliche Symphonie der Artillerieschlacht. Zunächst wurde gegen die erkannten feindlichen Batterien und gegen die ersti Stellung Gas geschossen. Die Artillerie des Feindes antwortete sofort, und seine mächtigen und zahlreichen Scheinwerfer suchten nervös unsere Batterien und unsere vordersten Linien ab. Alsbald wurde das italienische Feuer schwächer und auch die Scheinwerfertätigkeit nahm ab. Das Gas hatte offensichtlich gut gewirkt und hinderte die italienische Artillerie, das anbefohlene ,,Gegenvorbereitungsfeuer“ gegen unsere dicht aufgefüllten Sturmstellungen abzugeben1). Es hätte der Angriffsinfanterie schwere Verluste zufügen und dadurch eine empfindliche Störung des ganzen geplanten Unternehmens hervorrufen können.
Nach der vorgesehenen zweistündigen Feuerpause setzte um 6h 30 früh schlagartig das Vernichtungsfeuer aller Angriffsbatterien ein, das sich gegen die italienischen Stellungen, di;s bekannten Standorte der Befehlsstellen, Munitionslager, Anmarschwege und auf die gefürchteten Kavernengeschütze richtete. Samt dem Feuer der nach einer halben Stunde mitwirkenden Minenwerfer erzielte die artilleristische Vorbereitung überall — außer gegen hochgelegene Felsstellungen — die erstrebte Wirkung. Der Feind erwiderte nur mehr schwach; der Talnebel hinderte ihn besonders daran, seine in verdeckten Flankierungsanlagen eingebauten Kanonen und Maschinengewehre gegen die vorstürmende Infanterie spielen zu lassen. Dies kam dem Angreifer sehr zugute.
Für den Angriff im Raume bei Flitsch hatte GdI. Krauss von allem Anbeginn an den Durchstoß im Isonzotale in Aussicht genommen gehabt2). Daher setzte er jetzt die 22. SchD., GM. Rudolf Müller, als tiefgegliederte Stoßgruppe im Tale an; sie sollte, alle drei feindlichen Stellungen durchbrechend, in einem Zuge bis auf den Stol Vordringen. Um im Tale zwischen Flitsch und dem Fluß jeden feindlichen Widerstand auszuschalten, wurde hier das deutsche Pionierbataillon Nr. 35 mit seinen besonders wirksamen Gasniinenwerfern eingesetzt. Hinter der 22. SchD. hatte die Masse der Edelweißdivision, GM. Edl. v. Wieden, zu folgen, um nach dem Erreichen von Saga den Stoß durch das Tal der Uccea
1) Cabiati, Ottobre 1917, 117.
2) Krauss. Wunder von Karfreit, 13.
nach Westen fortzuführen. Die vom Obst. Spiess befehligte 216. IBrig. dieser Division hatte den Feind vom Rombon hinunterzuwerfen, Plužne und die Prevalascharte zu nehmen und beim Angriff der 59. GbBrig. der
10. Armee gegen den Neveasattel mitzuwirken. Der 55. ID. war aufgetragen, unterstützt vom linken Flügel der 22. SchD., am ersten Tag die vorderste italienische Stellung auf dem Vršič zu durchstoßen und dann den Ostteil des Polounikrückens zwischen Jama pl. und Krasji vrh sowie den Sattel bei Pianina za Kraju zu nehmen. Ihr weiteres Ziel war Karfreit, von wo aus sie auf den Stolrücken, nach Creda und auf den Mt. Mia Abteilungen vorzutreiben hatte; allenfalls war durch sie auch der Mt. Matajur zu besetzen, wenn dies noch nicht das Korps Stein getan haben sollte. Die deutsche Jägerdivision hatte der Hauptstoßgruppe im Tale zu folgen und über Saga nach Karfreit zu rücken.
Um 9h vorm. brachen die vordersten Abteilungen der 22. SchD. aus ihren Sturmstellungen vor und vermochten sich bald der ersten italienischen Gräben zwischen der Steilstufe nördlich von Flitsch und der Straße zu bemächtigen. Südlich davon war jedes Leben ausgelöscht, denn das deutsche Gas hatte verheerend gewirkt*). Nach Überwältigung der noch Widerstand leistenden Abteilungen der italienischen 50. ID. erstürmten das Marburger SchR. 26 2) und Tiroler Kaiserschützen die Ruinen des Ortes Flitsch. Weiter vordringend wurde, nachdem Teile des Grazer SchR. 3 eingesetzt worden waren, gegen lh nachm. auch die zweite Stellung durchbrochen. Bis zum Abend war Plužne genommen; die jetzt durch die Masse der 98. KSchBrig. verstärkte Spitze des Stoßkeiles war bis zur abgebrochenen Brücke bei Pod Čelom vorgedrungen. Teile des SchR. 3 besetzten nun auch die dritte Stellung. Die mittlerweile hereingebrochene Nacht, der wildschäumende Bokabach und das auf der Talenge von Pod Čelom liegende Feuer der eigenen Artillerie, mit der eine Verständigung nicht gelang, hinderten die 22. SchD., noch während der Nacht nach Saga vorzurücken. Sie hatte insgesamt 3000 Gefangene, 36 Geschütze und 50 Maschinengewehre eingebracht3).
1j Heydendorff, Der Gaswerferangriff bei Flitsch am 24. Oktober 1917 Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1934, 311 ff.).
2) Dem Kommandanten des SchR. 26, Obstlt. Florian Freih. v. Pasetti, wurde für die hervorragende, initiative Führung seines tapferen Regiments das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens zugesprochen.
3) In Erinnerung an das hervorragend tapfere Verhalten der SchR. 3 und 26 feiert das Nachfolgeregiment im österreichischen Bundesheere, das steierische Alpenjägerregiment Nr. 9, das die Überlieferung der beiden Regimenter zu pflegen hat, den 24. Oktober als Gedenktag.
Der Brigade Obst. Spiess war es wegen des Schneetreibens und der Ungangbarkeit des vereisten Felsgeländes nicht möglich gewesen, in die italienische Rombonstellung einzudringen. Auch hatte die Artillerie mit ihren unter anderen atmosphärischen Verhältnissen ermittelten Richtelementen nicht ausreichend gewirkt. Die Angriffstruppen, die nur mit größter Mühe bis vor die unversehrten Drahthindernisse gelangt waren, wurden schließlich in ihre Ausgangsgräben zurückgenommen. Ähnliches Mißgeschick traf auch die 59. GbBrig. im Seebachtale. Um der 216. IBrig. vorzuhelfen, wurden einundeinhalb Bataillone der Talgruppe über Plužne gegen den Rücken der Rombon Verteidiger angesetzt. Die im Tale nachrückende 217. IBrig. der Division Wieden gelangte bis Flitsch. Die deutsche Jägerdivision rückte im Sočatale mit ihren Anfängen bis Za Otoke nach.
Die 55. ID., GM. Schwarzenberg, die wegen des schlechten, auch die Genauigkeit des Artilleriefeuers beeinträchtigenden Wetters erst um 9h3° vorm. zum Angriff vorbrach, war vom Glück weniger begünstigt als die 22. Schützendivision. Der unmittelbar nach einer Sprengung gegen den Vršič unternommene Angriff führte wohl zur Besitznahme der dortigen vordersten Gräben. Vom Aufrollen der Stellung bis zur Vrata mußte aber wegen des Schneetreibens, der Vereisung des Bodens und starken italienischen Feuers Abstand genommen werden. Der über die Dol pl. gegen den Sattel bei Planina za Kraju geführte Vorstoß der Hauptangriffsgruppe traf auf eine voll besetzte und tapfer verteidigte hintere Stellung und drang nicht durch. Die Angreifer hatten sogar Mühe, sich hier gegen die in den ersten Abendstunden einsetzenden Gegenstöße der italienischen 43. ID. zu behaupten. Das Bataillon IV/7 vermochte jedoch bis knapp unter den Grat des Polounik-rückens zwischen Jama pl. und Krasji vrh vorzudringen46).
Obwohl die 55. ID. wegen der vorhin erwähnten Widrigkeiten ihr Tagesziel nicht zu erreichen vermocht hatte, wirkte sich ihr Vorgehen doch in bedeutsamer Weise aus. Die ersten übertriebenen Meldungen der italienischen 43. ID. über die bei Pianina za Kraju erlittenen Mißerfolge, die wegen Zerstörung der Telephonverbindung nicht mehr richtiggestellt werden konnten, hatten das italienische 50. IDKmdo. veranlaßt, die bisher behaupteten Stellungen bei čezsoča, auf der Jama pl.
und die dritte Stellung bei Saga räumen zu lassen. Dies kam der Talgruppe der Gruppe Krauss im hohen Maß zugute. Der Aufstieg auf den Stol war freigegeben.
Im Hauptangriffsraum bei Tolmein trat die Infanterie schon um 8h früh zum Angriff an. Die'am rechten Flügel des Korps Stein stehende, vom GM. Geřabek befehligte 50. ID. hatte in ihrem ausgedehnten Frontabschnitt zwischen dem Krn und dem Vodil vrh zunächst Nebenaufgaben zu erfüllen. Sie sollte den Feind nördlich vom Isonzo binden, ihm die Möglichkeit zu flankierendem Wirken nehmen und dadurch der deutschen 12. ID. und dem Alpenkorps das Vordringen gegen das erste Hauptziel, den Mt. Matajur, erleichtern.
Nach einer Minensprengung glückte es der Nordgruppe der 50. ID., dem Feinde die Krnplatte zu entreißen und die Krnspitze A 2245 abzuschnüren. Südlich davon durchbrach die 3. GbBrig. unter Obst. Edl. v. Tlaskal die Hangstellung und drang schon um llhvorm. in das Dorf Krn ein. Die links anschließende 15. GbBrig., Obst. Koschak, rückte trotz heftigen feindlichen Geschützfeuers auf dem Rücken des Mrzli vrh vor, entriß dem Feinde die Vorkuppe A 1186 und rollte mit einem Bataillon die italienische Stellung nach Süden bis Gabrije auf. Dadurch kam auch der Angriff des rechten Flügels der deutschen 12. ID. in Fluß, dessen erster Anlauf von Dolje her nicht durchgedrungen war. Die italienische 46. ID. zog sich nun in die vom Kozljak über die Pleča und Vršno nach Selišče verlaufende zweite Stellung zurück. Im schneidigen Nachstoß und durch Aufrollen von Norden und von Süden her entriß die Brigade Koschak dem Feinde auch den Südteil dieser hinteren Verteidigungslinie.
Die deutsche 12. ID., GM. Lequis, stand mit je einem Regiment bei Dolje und vor dem Tolmeiner Schloßberg bereit; das dritte Regiment war Reserve südöstlich von Tolmein. Nachdem die k.u.k. 15. GbBrig. bei Gabrije und das Alpenkorps bei St. Daniel der Division das Vorbrechen ermöglicht hatten, stieß sie auf beiden Isonzoufern talaufwärts vor. Sie nahm die erste und die hintere Stellung, eroberte Batterien und erreichte bereits um lh nachm. Idersko. Hier wechselte das auf dem Nordufer vorgegangene Regiment herüber, und nun stieß die 12. ID. unaufhaltsam gegen Karfreit vor, wo die letzte zur Hand befindliche Reserve des italienischen IV. Korps, die vordere Brigade der 34. ID., noch einen Widerstand versuchte.
Inzwischen war auch die 15. GbBrig. der k.u.k. 50. ID. auf dem Nordufer weiter vorgerückt und stand am Abend bei Ladra und
Idersko. 7000 Gefangene und. 90 Geschütze waren in die Hand der tapferen 50. ID. gefallen, die durch ihr sehr schneidiges Vorgehen entscheidenden Einfluß auf den Erfolg des ersten Angriffstages genommen hatte.
Ein Halbbataillon und eine Gebirgsbatterie der 50. ID. hatten sich der deutschen 12. ID. angeschlossen, deren scharf zugreifendes Spitzenregiment um 4h nachm. in Karfreit eindrang und 2000 Italiener zu Gefangenen machte. Der der italienischen 43. ID. erteilte Befehl, mit ihren Reserven von Dreženca aus nach Süden gegen die Flanke des im Isonzotal vordringenden Gegners vorzustoßen, kam wegen der sich überstürzenden Ereignisse nicht zur Ausführung. Ein verstärktes deutsches Bataillon stieg zur Sicherung der linken Flanke gegen Luico bis Golobi auf, wo es allerdings Mühe hatte, sich gegen überlegenen Feind zu behaupten1).
In Karfreit liefen den Deutschen noch zahlreiche aus dem Krn-gebiet zurückflutende italienische Abteilungen in die Hände, darunter auch der Kommandant der 43. Division. Ungeachtet der bisherigen Anstrengungen — die 12. ID. war bereits 15 km tief hinter die feindliche Front vorgedrungen — setzte die Division den Vormarsch fort. Die Vorhut erreichte um V2llh nachts die Reichsgrenze südlich von Robič; sie hatte unter zahlreichen Kämpfen 23 km Marsch zurückgelegt. Die Masse der Division bezog in Creda und in Staro Selo Nachtquartier. 15.000 Gefangene, 100 Geschütze und zahlreiches sonstiges Kriegsgerät waren der vorläufige Siegespreis der Division. Ihr unbekümmert uni Flanke und Rücken bis tief ins Herz des feindlichen Stellungsnetzes geführter Stoß gehört zu den kühnsten und erfolgreichsten Taten des Weltkrieges 2).
Inzwischen war auch das vom bayr. GM. Ritt. v. Tutschek befehligte Alpenkorps mit Erfolg an seine besonders schwierige Aufgabe geschritten. Es trat gleichfalls mit zwei Regimentern in vorderer Linie und mit einem in Reserve aus dem Abschnitt Sv. Maria gegen die Höhe A 1114 zum Angriff an.
Die vorderste italienische Stellung bei St. Daniel und bei Woltschach wurde schon im ersten Ansturm überrannt. Dann begann der Aufstieg auf den beiden über Kovačičpl. und über A732 abstreichenden Bergrücken. Der rechts vorgehenden Kolonne glückte es bis zum Mittag
ri Fiedel, Geschichte des Infanterie-Regiments von Winterfeldt (2. Oberschlesisches'' Nr. 23 Berlin 1929 , 202 ff.
2) Krafft, I, 59.
durch geschicktes, teils frontales, teils umfassendes Vorgehen, die zweite Stellung bei Kovacic pl. und bei Foni zu durchstoßen und hiebei zahlreiche Batterien zu erobern. Als auch die Höhe Hevnik gefallen war, richtete sich der Angriff gegen die festungartig ausgebaute Höhe A 1114. Schweres Artilleriefeuer scheuchte die Verteidiger, eine Brigade der 19. ID., in ihre Deckungen; dann brachen bayrische Stoßtrupps in die ringförmige Befestigung ein. Um 5h 30 nachm. war die Höhe A 1114, der eine Schlüsselpunkt der italienischen Kolovratstellung, im Besitz der Deutschen1). Die Eroberer befanden sich hier allerdings in einer sehr ausgesetzten Lage, denn das links vorgehende Regiment war bei der Rückfallkuppe A 732 vor der in Wald und Gestrüpp verdeckt angelegten Stellung hängen geblieben. Alle Umfassungs- und Umgehungsversuche hatten bis zum Einbruch der Nacht keine Änderung der Lage herbeizuführen vermocht. Das dritte Regiment rückte der erfolgreichen rechten Kolonne auf den Hevnik nach.
Die Reserve der Gruppe Stein, die 117. ID., wurde hinter dem Alpenkorps nachgezogen und erreichte wegen der starken Verstopfung der Straßen erst am 25. früh Tolmein, wo sie vor dem Weitermarsch zu kurzer Ruhe überging.
Von den beiden hintereinander aufgestellten Divisionen des Korps Berrer, dem die Eroberung der Höhe Ježa vorgezeichnet war, stand die vordere, die vom GM. Ernst v. Below geführte deutsche 200. ID., im Mittelteil des Tolmeiner Brückenkopfes. Ihr Angriffsgelände war ebenso schwierig als jenes des Alpenkorps. Auch bei ihr hatten die beiden Regimenter des ersten Treffens auf je einem Abfallrücken dem Angriffsziele zuzustreben. Insoweit sich die ersten Schützenlinien nicht schon am Abend vorher an die vordersten Gräben der Italiener herangeschoben hatten, wurde die Talsohle bei Čiginj in der Früh hinter der Feuerwalze rasch durchmessen und die Reihe der ersten Verschanzungen erstürmt. Beim Angriff auf die Höhe blieb das rechte Regiment vor der zweiten Stellung bei A428 liegen; dafür glückte dem linken der Wurf. Im engen Anschluß an den südlichen Nachbar erklomm es unter fortgesetzten Kämpfen bis 2h nachm. die Rückenlinie. Nach Norden aufschwenkend, nahm es eine Stunde später eine Vorkuppe der Ježa und in den Abendstunden die gleichfalls mit allen Mitteln der Befestigungskunst ausgebaute Ježahohe selbst. Hiemit war der zweite Knotenpunkt des italienischen Stellungsnetzes im Besitze der Das Königlich Bayerische Infanterie-Leibregiment im Weltkriege 1914-1918.
314 ff.
200. ID., der 99 Geschütze, 75 Maschinengewehre, 45 Minenwerfer und Tausende von Gefangenen in die Hände gefallen waren. Das Regiment der Divisionsreserve folgte abends auf dem Jesenjakrücken nach. Die deutsche 26. ID. kam nach ermüdendem Marsche auf der durch den regen Verkehr sehr überlasteten Idriastraße zum größten Teil erst während der Nacht nach St. Luzia.
Die südlichste Angriffsdivision der 14. Armee war die k.u.k. l.ID., FML. Metzger, des XV. Korps. Sie hatte sich im äußersten linken Teil des bisher von ihr verteidigten Brückenkopfes zusammengeschoben. Gleich der 50. ID. seit zweieinhalb Jahren am oberen Isonzo im Stellungskrieg stehend, hatte auch der 1. ID. bisher weder eine ausgiebige Erholung gegönnt noch Gelegenheit zur Ausbildung geboten werden können. Jetzt fiel der l.ID. eine schwierige Doppelaufgabe zu: Angriff nach Westen zum Durchstoß der feindlichen Stellungen und Vordringen nach Südwesten, um der 2. Isonzoarmee den Weg über den Fluß zu öffnen. Die erstgenannte Aufgabe, über Cemponi und Jazne bis in die zweite Stellung zwischen Bizjaki und Avška vorzustoßen und dann nach Kostanjevica zu rücken, hatte die 7. GbBrig. zu lösen. Die 22. GbBrig. sollte zunächst den Hrad vrh erstürmen und sodann Hand auf die Isonzobrücken zwischen Ronzina und Loga legen; zur Unterstützung hatten ihr vier Bataillone und zwei Gebirgsbatterien der 57. ID. unmittelbar zu folgen.
Noch während der Nacht hatten sich die Angriffsbataillone der 1. ID. über das Niemandsland an die Bergfüße herangeschoben. Der sodann am 24. folgende, bergauf geführte Angriff gestaltete sich sehr verlustreich, weil die vielfach im Walde gelegenen Stellungen von den Minenwerfern der großen Entfernung halber und von der Artillerie der schweren Beobachtungsmöglichkeit wegen nicht hatten gründlich zerstört werden können. Dennoch brachen die ersten Sturmabteilungen der vom Obst. Budiner befehligten 7. GbBrig. schon zwischen 10h und llhvorm. beim Bildstock631 und nördlich davon in die feindliche erste Stellung ein. Hier gruppierte sich die Brigade zum weiteren Angriff, um über die Talfurche hinweg gegen die zweite Stellung vorzudringen. Unterdessen war die 22. GbBrig., Obst. v. Hellebronth, bei A 606 gleichfalls in die vorderen italienischen Verschanzungen eingedrungen, und um 4h nachm. war auch der Hrad vrh in ihrem Besitz.
Die gegen die zweite Stellung vorgehende Brigade Budiner traf außer auf die aus der ersten Stellung geworfenen Alpinibataillone der
19. ID. noch auf eine frische Brigade der Reserve des XXVII. Korps.
Dennoch glückte es schneidig vorstürmenden Stoßtrupps, bei A781 in die Schanzen einzudringen und den Feind nach Süden aufzurollen J). Um 6h abends wurden sodann nach wirkungsvoller Feuervorbereitung2) die Gräben zwischen Pušno und Srednje von der Masse der Brigade gestürmt und nach bis in die Nacht währendem Nahkampfe erobert. Ein breiter Einbruch in die zweite Stellung des Feindes war der trefflichen 1. ID. des FML. Metzger geglückt. Nur der stark befestigte, hoch aufragende Globačak hielt sich noch. Die 1. ID. hatte demnach schon am ersten Kampftage bei Überwindung von insgesamt 900 m Steigung und einem Raumgewinn von 5 km Tiefe zwei italienische Stellungen durchstoßen und im Rahmen des großen Durchbruches „eine Leistung ersten Ranges vollbracht“ 3). Sie konnte über eine Beute von 77 Geschützen und 32 schweren Minenwerfern sowie über 4600 eingebrachte Gefangene Meldung erstatten.
Die deutsche 5. ID. rückte, als sie vom günstigen Fortschreiten der Division Metzger Kenntnis erhielt, bald nach und nächtigte mit zwei Infanterieregimentern und Gebirgsartillerie bei Čemponi, mit dem Rest bei St. Luzia. Die vorgeschobene Gruppe der 57. ID. erreichte spät nachts die östliche Rückfallkuppe des Hrad vrh und Selo.
Die auf dem Nordflügel der 2. Isonzoarmee stehende Gruppe FML. Kosak war bei ihrem Angriffe vom Glück weniger begünstigt. Der rechte Flügel der 60. ID., FML. Ludwig Goiginger, drang wohl über den vor seiner Stellung liegenden waldigen Talgraben vor und nahm etwa 450 Italiener der 65. ID. gefangen. Südlich von Hoje eroberte die vom FML. v. Podhoránszky befehligte 35. ID. die ganze erste Stellung des Feindes und führte 43 Offiziere und 1230 Mann der italienischen 64. ID. als Gefangene ab. Die 60. ID. mußte aber vor starken Gegenangriffen bald in ihre Ausgangsstellung weichen. Nachmittags versuchten der Südflügel der 60. ID. und die 35. ID. neuerlich vorzubrechen, um wenigstens bis an den Avščekgraben heranzukommen. Der Angriff, der
rj Dem Leutnant Árpád Bertalan des bh. FJB. 3, der sich bei der Erstürmung der italienischen Stellungen in hervorragender Weise auszeichnete. wurde das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens zugesprochen.
Zur Erinnerung an das besonders erfolgreiche Verhalten des bei der 1. ID. eingeteilt gewesenen FKR. 4 feiert dessen Nachfolgetruppenkörper, das Wiener leichte Artillerieregiment (früher Brigadeartillerieabteilung) Nr. 1, den 24. Oktober als Gedenktag. "
3) Krafft, 1, 81. Dem FML. Joseph Metzger wurde für die hervorragende Führung seiner Division nach seinem im Jahre 1921 erfolgten Ableben das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens zuerkannt.
auf unerschütterten Feind stieß und von der eigenen Artillerie nicht ausreichend vorbereitet worden war, drang nicht durch.
Weiter südlich vermochte sich das IR. 30 der 60. IBrig. auf dem Kirchenrücken von Sv. Tomaz festzusetzen. Die Stoßtruppunternehmen der 24. ID. lösten starke Besetzung der italienischen Stellungen und heftiges Abwehrfeuer aus. Teile der 53. ID. vermochten bei Kuščarji dem Feinde einige Gräben zu entreißen und diesen Gewinn zu behaupten Gleiches glückte der 20. HID. auf dem Mt. S. Gabriele.
Die Verbündeten konnten mit dem Ergebnis des ersten Schlachttages vollauf zufrieden sein. Auf einer Breite von 32 km war die italienische Front aufgerissen. Von Flitsch gegen Saga war bereits die dritte Stellung durchstoßen. Westlich von Karfreit standen die An-, greifer sogar schon hinter der ganzen Befestigungszone. Die Reste der italienischen Frontdivisionen, die im Krngebiet noch die erste Stellung hielten, waren dadurch bereits abgeschnitten. Durch diesen Erfolg wurde eine der Leitideen des Operationsplanes verwirklicht, die offenbar auch darauf hinauslief, den auf dem östlichen Isonzoufer stehenden italienischen Heeresteilen durch tiefe Vorstöße gegen Saga und Karfreit den Rückzug zu verlegen1). Auf dem Kolovratrücken hatten sich die Angreifer zu Herren der Knotenpunkte des italienischen Stellungsnetzes gemacht. Die unerwartet große Zahl der Gefangenen sowie die ungeheure Beute ließen die Größe des Erfolges und die Erschütterung des Feindes ermessen.
Das in Krainburg weilende Kommando der deutschen 14. Armee hatte über die glänzenden Anfangserfolge seiner Divisionen Meldung erhalten. Vom Vordringen der 12. ID. über Karfreit hinaus und von der Eroberung der wichtigen Höhen A 1114 und Ježa hatte es bis zum Abend jedoch keine Kenntnis. Da der Angriff aber überall den vorgezeichneten Zielen rastlos zustrebte, sah sich GdI. Below nicht veranlaßt, weitere Befehle zu geben.
Der Kommandant der 2. Isonzoarmee, GdI. Henriquez, plante, den Angriff der Gruppe Kosak am 25. unter Einsatz von Reserven wiederholen zu lassen. Da sich aber Mangel an Schießbedarf einstellte, und die 35. ID. wegen ihrer außerordentlich geringen Stände2) die eroberte
x) Horsetzky, Zum Durchbruch von Tolmein 1917 (Schweizerische Monatsschrift für Offiziere aller Waffen, Frauenfeld, Jhrg. 1927, Hefte 2 und 3).
2) Das IR. 51 meldete einen Stand von 15 Offizieren und 155 Feuergewehren, das IR. 62 58 Offiziere und 806 Feuergewehre. Beim IR. 63 zählten zwei Bataillone zusammen bloß 300 Mann; nur das IR. 64 hatte noch 55 Offiziere und 1413 Gewehre.
Feindstellung während der Nacht sogar wieder aufgegeben hatte, wurde es für aussichtsreicher gehalten, das Schwergewicht auf das westliche Isonzoufer zu verlegen. Die Masse der 57. ID. hatte am 25. dorthin abzurücken, um, an die 1. ID. anschließend, im Streifen zwischen dem Isonzo und der Linie Selo—Kostanjevica, in dem schon ihre vorgeschobene Gruppe stand, anzugreifen. In den durch den Uferwechsel der 57. ID. freigewordenen Raum hatte die 28. ID. mit je einer Brigade nach Kal (östlich von Selo) und nach Dol (im Gepovantale) zu gelangen. Hinter ihr hatte die Masse der 9. ID. (17. IBrig.) an das schon nördlich des Fahrweges Chiapovano Inf.—Podlešče stehende IR. 80 aufzuschließen.
Beim Feinde wurden die höheren Kommandos erst spät und unvollständig von der Katastrophe unterrichtet, die am 24. Oktober mit elementarer Gewalt über den Nordflügel der italienischen Isonzofront hereingebrochen war. Das tief nach hinten auf Befehlsstellen und Wegknoten niederschlagende Feuer weittragender Kanonen der Verbündeten hatte alle Verbindungen unterbrochen.
Auf die Nachricht vom erfolgreichen Angriff des Gegners bei Flitsch und Tolmein wurde dem VII. Korps — wie schon seit Tagen vorgesehen — die Besetzung des Kolovratrückens mit der Front nach Norden anbefohlen. Der König gab dem Korpsführer um llhvorm. noch persönlich Anweisungen. Die 3. ID. rückte hierauf mit der Spitzenbrigade auf die Rückenlinie nördlich von Drenchia, die beiden anderen Brigaden hingen im Cosizzatale zurück. Von der 62. ID. besetzte die eine Brigade den Mt. Matajur, die andere rückte nach Luico, wo sie mit der Seitenhut der deutschen 12. ID. zusammenstieß. Diese schwache Abteilung zurückzuwerfen und 700 m tief in das Isonzotal gegen die vorrückenden Deutschen hinabzustoßen, dazu hatte sich der Führer des italienischen VII. Korps bei dem dichten Nebel nicht zu entschließen vermochtJ).
Die letzte intakte Reserve des IV. Korps, die zweite Brigade der 34. ID., die nach Bergogna im Anmarsche war, wurde abends angewiesen, den Stol zu besetzen und die Täler bei Creda und Stupizza abzuriegeln. Die am 24. bei Nimis (3 km östlich von Tarcento) eingetroffene 7. Alpinigruppe hatte auf die Pta. di Montemaggiore zu rücken.
Um auf dem schwer gefährdeten Nordflügel der überstarken, 26 Divisionen zählenden 2. Armee eine straffe Befehlgebung sicherzu-
1) Bericht der Untersuchungskommission, II, 137.
stellen, wurden das VII. Korps und die beiden durch den Ansturm des Gegners zertrümmerten Korps IV und XXVII dem Glt. Montuori untergeordnet, der bis zum 23. Oktober zeitweilig die 2. Armee befehligt hatte (S. 515); ihm führte die Heeresleitung noch die 53. ID. ihrer Reserve zu. Diese Division sollte gleichfalls zur Sperrung des Natisonetales bei Stupizza verwendet werden. Gen. Capello, der sein Hauptquartier von Cormons nach Cividale verlegte, trennte aber die auf dem östlichen Isonzoufer stehenden Divisionen 65, 22 und 64, die sich des Angriffes der Gruppe Kosak erwehrt hatten, vom XXVII. Korps ab und schlug sie dem XXIV. zu*).
Als am Abend eine Hiobsbotschaft nach der ändern in Udine einlangte, wurde man um den noch feststehenden Nordflügel der auf dem östlichen Isonzoufer stehenden Front besorgt. Das Höchstkommando befahl um 9h 30 nachts, die auf der Hochfläche von Bainsizza stehenden Truppen in die Hauptwiderstandslinie zurückzuführen. Der Südflügel des XXVII. Korps sowie das XXIV. und das II. Korps rückten noch in der Nacht in die Linie Globočak—Vrh—Mt. Santo ab. Der Riß in der Front verbreiterte sich dadurch allerdings um weitere
19 Kilometer. Um den linken Eckpfeiler dieser neuen Verteidigungslinie besonders zu verankern, wurde die aus zwei Bersaglieribrigaden bestehende 47. ID. des XXVIII. Korps gegen den Globočak in Marsch gesetzt. Die Heeresleitung unterstellte dem GLt. Capello noch das XXX. Korps (16. und 21. ID.) der Heeresreserve, das nach Nimis gelangen sollte, sie traf Vorsorgen zur Absendung der 60. ID. nach Ber-gogna2), ließ auch zwei Divisionen an der Tiroler Front zum Abrollen bereitstellen und wies die 3. Armee an, gleichfalls zwei Divisionen der in ihrem Bereich befindlichen Reserven zur Unterstützung der 2. Armee bereitzuhalten.
Eine Stunde vor Mitternacht verlautbarte das Höchstkommando noch die Linien, in denen im Falle weiteren Zurückweichens tatkräftig Widerstand geleistet werden sollte: 1) Pta. di Montemaggiore—
Stol—Starijski vrh—Staro Selo—Mt. Matajur—Kolovratrücken—Ježa — Globočak, 2) Pta. di Montemaggiore—Mt. le Zuffine—Mt. Lupia—Mt. Mia—Mt. Matajur—Mt. S. Martino—Mt. Hum—Globočak, und 3) Pta. di Montemaggiore—Mt. le Zuffine—Mt. Carnizza—Mt. Juanes—Mt. Madlessena—Mt. Purgessimo—Castel del Monte—Korada. Alle drei Verteidigungslinien nahmen somit von der Pta. di Montemaggiore ihren
*) Cabiati, Ottobre 1917, 148.
2) Ebenda, 151.
Ausgang, woraus schon die von Cadorna diesem Berge zugemessene Bedeutung erhellt. Schließlich befahl Cadorna, die Tagliamentobefestigun-gen instand zu setzen und zwei neue Brückenköpfe zu erbauen1). Doch all diese Maßnahmen zur Aufrichtung einer hinteren Verteidigungsfront sollten sich als undurchführbar erweisen.
Die Vollendung des Durchbruches ^25. und 26. Oktober)
Hiezu Beilage 27
Bei der Gruppe Krauss hatte die Vorhut der 22. SchD. nach mühevollem Überschreiten des Torrente Boka um 3hfrüh den Vormarsch angetreten. Da der Feind, schwache Reste der 50., der 43. und der 46. ID., verstärkt durch einige frische Bataillone, sich auf die Sperrung des Ucceatales und auf die Besetzung des Stol beschränkte, kam die Vorhut noch vor Tagesanbruch unangefochten nach Saga, aus welchem Ort die Italiener unter Zurücklassung zahlreicher Geschütze knapp vorher eiligst abgezogen waren. Die Vorhut der 22. SchD. bezog sodann bei Serpenizza eine Stellung zur Absperrung des Isonzotales gegen Osten.
Hinter der Vorhut nachrückend, schickte sich der Kommandant der 98. KSchBrig., Obst. Sloninka, mit dem KSchR. I und dem 1. Bataillon des KJR. 3 zur Eroberung des Stol an. Dieser Gruppe hatte die Masse der 22. SchD. zu folgen. Die 217. IBrig. der Edelweißdivision sollte nach Uccea Vordringen. Die 216. IBrig. hatte bereit zu sein, dem Feinde nach Räumung seiner Stellungen nachzustoßen. Der 55. ID. wurde vom
I. Korpskmdo. entschiedenes Vordringen auf Karfreit aufgetragen. Die deutsche Jägerdivision, der jetzt die drei deutschen Sturmbataillone aus Tirol nachgeführt wurden, hatte über Flitsch im Isonzotale zu folgen.
Erfreulicherweise heiterte sich das Wetter endlich auf. Die Sonne trat hervor und durchwärmte die übernächtigen und durchnäßten Krieger.
Die in drei Kolonnen aufsteigend.; Gruppe Sloninka eroberte bis zur Mittagszeit die Vorberge des Stol, den Hum und den Prvi Hum. Auf diese Bedrohung hin begann der Feind um 6h nachm., den Rückzug
einzuleiten2). In den ersten Nachtstunden entrissen die unaufhaltsam
1 Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 486 f.
2 Bericht der Untersuchungskommission, I, 136 f.
vordringenden Kaiserschützen der zurückgelassenen italienischen Nachhut den Sattel A 1450 und brachten 400 Italiener als Gefangene ein. Am 26. Oktober um 3h früh standen sie auf dem Gipfel des Stol A 1668, dessen Behauptung Cadorna noch 36 Stunden vorher als besonders wichtig bezeichnet hatte1). „Das Unglaubliche war geglückt!“ schreibt GdA. Krafft in seinem Werke über den Durchbruch am Isonzo. „Durch kühnes, rasches Zufassen hatten die tapferen Schützen die gewaltige Bergstellung ohne jede nennenswerte Mithilfe der Artillerie erstürmt. Sie hatten buchstäblich ihren Auftrag erfüllt, durch Tag und Nacht unentwegt im, Vorgehen zu bleiben, bis die für den Erfolg des Angriffes aus dem Flitscher Becken entscheidende Stellung in ihrer Hand war2).“
Das Bataillon I/KJR. 3 rückte nun sogleich auf der Rückenlinie gegen die Pta. di Montemaggiore weiter. Die Kaiserschützen stiegen gegen Süden ab, drangen schon um 7h früh in Bergogna ein, wo ihnen 5000 überraschte Italiener als Gefangene und namhafte Beute in die Hände fielen. GM. Müller war mit der Masse seiner Division über den Stolsattel nach Bergogna gefolgt. In der Erkenntnis, daß rasche Verfolgung viel Blut spare, setzte er nach einer mehrstündigen Rast i$ den ersten Nachmittagsstunden die Vorrückung gegen Westen fort. Nachdem italienische Nachhuten bei Platischis geworfen waren, drangen die Vortruppen der 43. SchBrig. trotz der durch eine Straßensprengung verursachten Verzögerung bis auf den Mt. le Zuffine und den Mt. Ca-vallo vor, welche Höhen sie knapp vor einem heranhastenden italienischen Regiment des IV. Korps in Besitz nahmen. Die übrigen Teile der Brigade nächtigten in Platischis. Die 98.KSchBrig. erreichte spät abends den Ort Montemaggiore.
GM. Wieden, der mit der 217. IBrig., Obst. Edl. v. Mollinary, durch das Ucceatal vorzudringen hatte, durchbrach schon um llhvorm. die Talstellung. Nachdem das Bataillon 1/14 eine Vorkuppe der Höhe Skutnik und eine Kaiserjägerkompagnie den Mt. Caal A 1296 erstürmt hatten3), war der Widerstand des Feindes im Ucceatal gebrochen. Die 217. IBrig. gelangte nach ermüdendem Marsche am 25. abends bis in das Dorf Uccea und setzte nach einer kurzen Nachtruhe tags darauf noch in der Dunkelheit den Vormarsch fort. Zwei Bataillone der „Hessen“ mit einer Gebirgsbatterie drangen, nachdem das 1. Bataillon
J) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 488.
2) Krafft, I, 106.
3) IR. 14, Ein Buch der Erinnerung, 127. Sehe m f i 1, KJR. 3 im Weltkrieg, 472.
in den Morgenstunden die Spitze des Skutnik A 1719 erklommen hatte, in das obere Resiatal ein und erreichten am 26. den Mt. Sounovich und den Ort Stolvizza. Je ein Bataillon des IR. 14 und des KJR. 3 nebst zwei Gebirgsbatterien hatten auf der in der Karte eingezeichneten Straße nach Resiutta vorzudringen; sie kamen auf immer schlechter werdendem Wege bis auf den Nižki vrh. Um dem fächerförmig auseinanderstrebenden Korps Krauss in der Hauptrichtung ein Schwergewicht zu geben, dann aber auch, um die Zahl der im Becken von Karfreit sich zusammendrängenden Divisionen zu verringern, hatte dieser Kolonne die vom preuß. Obst. v. Wodtke befehligte deutsche Jägerdivision samt der fahrenden Artillerie zu folgen. Das KJR. 3 (2. und 4. Bataillon) samt einer Gebirgsbatterie hatte über den P. diTana-mea und die Forcella Musi nach Venzone zu rücken.
Teile dieses Regiments bemächtigten sich am 26. früh des Tana-meapasses. Als die auf der Pta. di Montemaggiore vereinzelt stehende 7. Alpinigruppe das Anrücken mehrerer gegnerischer Kolonnen bemerkte, entschloß sie sich zum Rückzug. Das auf dem Grat herankommende 1. Bataillon der Dreierkaiserjäger vermochte hierauf noch vor Einbruch der Abenddämmerung eine italienische Nachhut zu vertreiben und den Gipfel zu besetzen47). Diese Begebenheit sollte die Entschließungen der italienischen Heeresleitung noch in entscheidender Weise beeinflussen. Das Kommando der Karnischen Gruppe, durch die Erfolge des Korps Krauss sehr beunruhigt, hatte bereits am 25. abends seine spärlichen Reserven und die ihm vom Höchstkommando zur Verfügung gestellte 8. Alpinigruppe, im ganzen sechs Bataillone und vier Batterien, in das Resiatal gelenkt.
Die deutsche Jägerdivision erreichte am 26. abends, durch stehengebliebene Beutegeschütze und Gefangenenzüge erheblich aufgehalten, das Tal östlich vom Dorfe Uccea. Als sich herausstellte, daß die in der Karte eingezeichnete, von Uccea über den Nižki vrh ins Resiatal führende Straße nur ein steiler Saumpfad war, wurde die fahrende Artillerie wieder nach Serpenizza zurückgeschickt. Sie konnte erst später durch das Natisonetal ihren Divisionen nachgeführt werden 48).
Vor der 216. IBrig. waren die Italiener während der Nacht auf den 25. vom Rombon abgezogen und hatten eine hintere Stellung auf
dem Vratni Vrh besetzt. Teile des IR. 59, die westlich vom Vratni Vrh gegen die Prevalascharte vorgingen, mußten an dem kräftigen Widerstand erkennen, daß der Feind auch hier zur Abwehr entschlossen sei. Inzwischen waren die Italiener auf dem Vratni Vrh vollkommen umstellt worden; am 26. Oktober in der Früh, als sie es für aussichtslos ansahen, sich durchschlagen zu können, ergab sich die ganze Besatzung in der Stärke von 40 Offizieren und 880 Mann1). Insgesamt waren bei der 216. IBrig. in den drei ersten Kampftagen gegen 2000 Gefangene und 4 Geschütze eingebracht worden.
Die nördlich anschließende 59. GbBrig. hatte bei ihrem am 25. im Seebachtale unternommenen Angriffe keinen Erfolg. Sie mußte sich damit bescheiden, die Wegnahme der vom Feinde noch festgehaltenen Prevalascharte durch die Brigade Spiess abzuwarten. Dann mochte die italienische Stellung auf dem Neveasattel von selber fallen.
Die 55. ID., die am 25. bei Tagesanbruch die am Vortage ohne • durchschlagenden Erfolg angegriffene Stellung geräumt fand, stieß in die Becken von Ravna und Dreženca nach. Die Höhen Krasjivrh, Vršič und Vrata fielen nach Kampf mit italienischen Nachhuten. Am
25. abends stand die Division, die 4000 Gefangene, 70 Geschütze und 1000 Tragtiere der italienischen 43. ID. mitführte, in Idersko und Karfreit. Tags darauf erreichte sie, ohne ins Gefecht zu treten, Sedula und Borjana östlich von Bergogna. ■
Bei der 50. ID. bemächtigte sich die Nordgruppe am 25. der Krn-spitze und — im Vereine mit Teilen der 55. ID. — der Höhe Kozljak. Die 3. GbBrig. sammelte sich am Nachmittag bergabwärts; sie war durch den Abtransport der Gefangenen, deren Zahl 10.000 schon überschritten hatte, stark in Anspruch genommen. Die 15. GbBrig. erreichte mit der Masse am Abend Robić; zwei Bosniakenbataillone stiegen auf den Mt. Mia auf. Die 50. ID. wurde am 25. abends der Gruppe Krauss überwiesen, um diese zu einem kräftigen Vordringen über Platischis gegen Tarcento zu befähigen.
Die Masse der deutschen 14. Armee ging am 25. daran, die Cividale im Norden und im Nordost'en umgebenden Höhen zu bezwingen.
Bei der Gruppe Stein zog die deutsche 12. ID. zunächst die zurückbehaltenen Reserven in die vordere Linie nach Golobi vor, um die hier gegen eine bedeutende Überlegenheit kämpfende Seitenabteilung (S. 529) zu verstärken. Die im Natisonetal südlich von Robić fechtenden Bataillone hatten am Morgen den Angriff frisch eingetroffener Regimenter !) H o e n, IR. 59 im Weltkrieg, 607.
der italienischen 53. ID. abzuwehren. Auch das deutsche Alpenkorps, das seine Reserve auf die Höhe A 1114 herangezogen hatte, mußte hier in der Früh heftige, von Truppen der 19. und der 3. ID. der Italiener ausgeführte Angriffe abschlagen. Indessen durchbrach die tags vorher bei A 732 hängengebliebene linke Kolonne die italienische Stellung und erstieg bis 11h vorm. den von der Slemenkapelle A869 gekrönten Schlußrücken.
Nun ging es an das Aufrollen der italienischen Kolovratstellung. Durch sehr geschicktes, zum Teil in schußtoten Räumen erfolgendes Vorgehen von Abteilungen des Alpenkorps wurde zunächst der Kuk A 1243 genommen. Dann glückte es im Verein mit den bei Golobi stehenden Bataillonen der deutschen 12. ID., die sich bis jetzt gegen zahlreiche Angriffe einer Bersaglieribrigade der 62. ID. hatten wehren müssen, die Masse dieser Brigade gefangenzunehmen. Das vorderste Bataillon des Alpenkorps drang noch von Osten her gegen den Mt. Matajur vor, dessen nördlicher Vorberg schon am 25. um 7h30früh von einer Kompagnie der 12. ID. erstiegen worden war. Bei dieser Division zählte man am Abend dieses Tages schon gegen 10.000 Gefangene, die ihr von allen Seiten, namentlich von Norden her, von den abgeschnittenen Teilen des italienischen IV. Korps zugeströmt waren.
Die in zweiter Linie nachfolgende 117. ID. gelangte am 25. abends nach Kamno und Selišče.
Bei der Gruppe Berrer säuberte die deutsche 200. ID., deren zurückgebliebene rechte Angriffssäule schon bei Morgengrauen auf der Ježahohe eingetroffen war, zum Teil gemeinsam mit der südlichen Gruppe des Alpenkorps den Raum südlich der Höhe A 1114. Sie gewann bis zum Abend Trinco, Prapotnizza und Clabuzzaro und stellte sich für den am nächsten Tag gegen den Mt. S. Martino und den Mt. Hum zu richtenden Angriff bereit. Die fahrende Artillerie der 200. ID. sowie die des Alpenkorps wurden über Idersko gegen Luico hera’n-geführt. Die zweite Division der Gruppe Berrer, die 26. ID., die am 26. in die vordere Linie rücken sollte, bezog mit je einem Infanterieregiment bei Jesenjak, in Čiginj und in Modrejce Nachtquartier.
Die Gruppe Scotti hatte am 25. die Angriffe zur Eroberung der Höhen Globočak und Mt. Hum fortzusetzen. Ihr weiteres Vorrücken in südwestlicher Richtung sollte der 2. Isonzoarmee, deren rechte Flügeldivision, die 57. ID. der Gruppe Kosak, schon auf das westliche Isonzoufer gelangte, das Vordringen über die Hochfläche von Bainsizza erleichtern.
Die k.u.k. l.ID. griff den Globočak an und vermochte nach hartem Kampfe gegen das italienische XXVII. Korps, der die Truppen des FML. Metzger durch blutige Verluste etwa ein Sechstel ihres Standes kostete, die Höhe um llhvorm. zu erstürmen. Die 7. GbBrig. kam hierauf nicht mehr weit über die eroberte Höhe hinaus. Die 22. GbBrig. setzte sich noch in den Besitz von St. Paul. 4000 Gefangene und 60 Geschütze waren der Siegespreis der tapferen 1. Division. Die vordersten Bataillone der 57. ID. gelangten nach Ronzina; die Masse dieser Division reichte bis nach Selo zurück.
Die deutsche 5. ID. hatte sich nördlich der k.u.k. 1. in die Front einzuschieben, um am 26. den Mt. Hum von Osten her zu nehmen. Das Spitzenregiment überschritt aber noch am 25. den Judrio und arbeitete sich, durch feindliches Feuer stark gehemmt, bis nahe an den Mt. Hum heran. Die beiden ändern Infanterieregimenter gelangten nach Srednje und Pušno. Die fahrende Artillerie blieb in Čiginj zurück, um je nach der Lage über Idersko—Luico oder über Doblar nachgezogen zu werden.
Durch den von der Armee Below am 25. Oktober erfochtenen Erfolg hatten sieh die beiden von Flitsch und von Tolmein ausgegangenen Durchbruchsangriffe nach vorne zu einem großen Durchbruchskeil zusammengeschlossen. Das deutsche Armeekommando in Krainburg war durch eingelangte Nachrichten und Meldungen ziemlich zutreffend über die Begebenheiten unterrichtet. Es glaubte allerdings, daß noch keine starken Reserven (angeblich nur zwei Brigaden) gegen die 14. Armee eingesetzt worden seien; stärkere Kräfte (vier Brigaden) hätten die Front vor der 2. Isonzoarmee verstärkt. Da die Kampfkraft der geschlagenen italienischen Divisionen wegen der ungeheuren Geschützverluste nur mehr gering eingeschätzt wurde, war diese eingetretene Schwächung des Feindes noch mehr ein Anreiz zu schärfstem Nachdrängen. Deshalb erhielt die Gruppe Krauss am 25. abends als nächste Ziele Resiutta, dann die Höhenlinie Pta. di Montemaggiore—Mt. le Zuffine—Mt. Carnizza. Die drei anderen Korps sollten die Randberge Mt. Juanes und Mt. Madlessena (Gruppe Stein), Mt. Purgessimo (Gt'uppc Berrer) und die Höhen um Castel del Monte (Gruppe Scotti) gewinnen, auf denen im besonderen das Kommando der Südwestfront einen starken neuen Widerstand des Feindes erwartete.
Von'den Armeereserven hatte die 13. SchD., die der Gruppe Stein als Ersatz für die an die Gruppe Krauss abgegebene 50. ID. zugewiesen wurde, am 26. nach Woltschach zu rücken. Die 33. und die 4. ID., die am 25. nach Grahova und nach St. Veitsberg vorgezogen worden waren, hatten wegen der bei Tolmein noch nicht entwirrten Verkehrsstockung am 26. in den zwei genannten Orten zu verbleiben.
Für das weitere Vordringen im Natisonetal hatte die deutsche
12. ID. der Gruppe Stein und die jetzt schon zum Korps Krauss gehörende k.u.k. 50. ID. gemeinsames Angreifen vereinbart. Die inneren Flügel sollten über Stupizza und Höhe <i>-872 südöstlich vom Mt. Juanes vorgehen.
Vbn der vorne stehenden 15. GbBrig. der 50. ID. stießen die zwei Bataillone des bh. IR. 1 vom Mt. Mia herab gegen das Natisonetal. Sie kamen den gegen die Reichsgrenze angreifenden Italienern in Flanke und Rücken und brachten dadurch die Entscheidung. Der Feind wich zurück. Nun vermochten die vorderen Bataillone der Division Lequis vorzurücken, denen noch ein Regiment von Luico her und die fahrende Artillerie folgten; sie erreichten um 2hnachm. Stupizza und Loch und stiegen unter Kämpfen mit Abteilungen des zurückweichenden italienischen XXVIII. Korps bis zum Abend zur Höhe -Ó- 872 auf. Zwei andere Bataillone der 15. GbBrig. umgingen die Predolschlucht im Norden und besetzten den Mt. Lupia, Robedišče und Prossenicco. Eine zur Aufklärung vorgesandte Kompagnie der 50. ID. erreichte am 26. abends den Mt. Juanes, vertrieb die dort stehende rechte Flügelabteilung des IV. Korps und fand die in unseren Karten eingezeichnete Panzerbefestigung unfertig und unbesetzt. Sie trat mit den auf der Höhe -<j>- 872 eintreffenden Deutschen in Verbindung. Der Rest der 15. GbBrig. stand bei Logje, Podbela und Creda; die 3. GbBrig. wurde am 26. abends bei Karfreit und Ladra vereinigt.
Unterdessen kamen auch die Ereignisse östlich vom Natisone rasch in Fluß. Ein Bataillon des Alpenkorps war noch vor Sonnenaufgang gegen den Mt. Matajur aufgestiegen, der von einer Brigade der italienischen 62. ID. besetzt war (S. 534). Teile des Bataillons erstürmten nach Kampf mit dem sich hartnäckig wehrenden Feinde den Gipfel und machten 100 Offiziere und 4500 Mann zu Gefangenen; überdies wurden 14 Geschütze und zahlreiche Maschinengewehre erbeutet1). Hiemit war wieder einer der Angelpunkte des Durchbruchsraumes in den Besitz der Verbündeten gefallen.
Das Alpenkorps trat nun in drei Kolonnen die Vorrückung gegen Südwesten an, um das ihm vorgezeichnete Ziel, den Mt. Madlessena, zu gewinnen. Nachdem mehrere Nachhutstellungen des Feindes im
x) Sproesser, 282 ff.
Rieccatale bezwungen worden waren, traf das Korps gegen Abend nördlich von Azzida ein, wo es auf Teile des italienischen XXVIII. Korps stieß, die hier zur Sperrung der zusammenmündenden Täler eine Stellung bezogen hatten. Das bei Luico verbliebene Regiment der 12. ID. rückte über den Südhang des mittlerweile eroberten Mt. Matajur vor und vereinigte sich bei Pulfero mit seiner Division, von der eine gemischte Abteilung gleichfalls gegen die Ortschaft Azzida vorgetrieben worden war.
Die 117. ID. marschierte am 26. von Kamno nach Robić nach. Von der 13. SchD. traf das vorderste Regiment in Woltschach ein; die Masse der Division hing bis ins Idriatal zurück.
Beim Korps Berrer eroberte die 200. ID. am Vormittag nach kurzem, fast verlustlosem Kampfe den Mt. S. Martino und rückte sodann über den Mt. S. Bardolomeo vor. Westlich davon näherte sich das Alpenkorps dem Orte Azzida. Die sich in die Kampffront einschiebende 26. (württembergische) ID., GLt. v. Hofacker, erreichte mit dem vordersten Regiment Mersod. sp.; die hinteren Teile erstreckten sich auf dem vom Mt. S. Maria Mna. gekrönten Rücken bis Crai.
Beim k.u.k. XV. Korps erstürmte das vorderste Regiment der vom GM. v. Wedel geführten deutschen 5. ID., durch das eigene Artilleriefeuer eher gehemmt als unterstützt, am Vormittag den von der italienischen 3. ID. verteidigten Mt. Hum. 80 Offiziere, darunter zwei Brigadekommandanten und 3500 Mann sowie 61 Geschütze und 51 Maschinengewehre fielen dem erfolgreichen deutschen Regiment in die Hände1), das bei seinem Angriff von einem Bataillon der 200. ID. von Norden her begleitet worden war. Bei der nachmittags fortgesetzten Vorrückung der 5. ID. gewannen ihre Spitzenabteilungen noch den Mt. S. Giovanni. Die fahrende Artillerie steckte in dem von Doblar nach Norden führenden Tale.
Die k.u.k. l.ID. eroberte im Vordringen gegen Südwesten um llhvorm. Kambreško und stand am Abend in Britof amjudrio und bei St. Jakob nordöstlich der Korada. Auf dieser hatte die 47. Bersaglieri-division des XXVII. Korps eine Verteidigungsstellung bezogen. Südöstlich anschließend über die Höhe Planina und das Dorf Plava bis Paljevo standen die sieben sehr durcheinandergewürfelten Divisionen
10, 49, 22, 30, 64, 65 und 68 des italienischen XXIV. Korps. Gegen sie war am 26. die k.u.k. 57. ID., GM. Hrozný, vorgerückt. Sie war
*) Schöning, Leib-Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm III. 1. Bran-denburgisches) Nr. 8 (Oldenburg 1924), 256.
seit dem Morgen dieses Tages dem II. Korpskmdo., GdI. Kaiser, unterstellt, das noch die Divisionen 9, 28 und 29 über den Isonzo vorzuführen hatte.
Der in der Nacht auf den 25. Oktober begonnene Rückzug der Korps XXIV und II der Italiener ermöglichte auch der 2. Isonzoarmee die Vorrückung. Die Gruppe Kosak stieß bei der Wiederholung des am ersten Schlachttage nicht durchgedrungenen Angriffes, am 25. früh nur mehr auf Nachhuten, die keinen nachhaltigen Widerstand leisteten. Die über Canale im Isonzotale zurückhastenden Hauptkräfte des italienischen XXIV. Korps wurden von den Fliegern der 2. und der
1. Isonzoarmee sehr empfindlich heimgesucht; in 119 Feindflügen wurden auf sie Bomben im Gesamtgewichte von 6i/L>t abgeworfen. Am Abend erreichte der rechte Flügel der k.u.k. 60. ID. Loga, die inneren Flügel der 60. und der 35. ID. gelangten bis vor Vrh. Das XXIV. Korps, GdI. Lukas, vermochte jetzt gleichfalls vorzudringen und kam mit der 24. ID. bis vor Bäte, mit der 53. ID. bis vor Sveto. Die 43. SchD. des IV. Korps gewann Madoni und trieb Nachrichtenabteilungen gegen Vodice und den Mt. Santo vor. Während der Nacht begann der Feind auch südlich des Westendes des Čepovantales abzubauen.
GO. Boroevic hatte die 2. Isonzoarmee am 25. Oktober angewiesen, mit dem rechten Flügel über Auzza und Ronzina energisch vorzugehen. Daraufhin wurden noch am selben Tage hinter der bis Ronzina und Selo gelangten 57. ID. die 28. und die 9. ID. in den Raum nördlich und westlich von Kal, die 29. ID. bis Chiapovano Inf. nachgeführt.
Da sich das italienische XXIV. Korps in der Nacht auf den 26. fast ganz auf das westliche Isonzoufer gezogen hatte und auch die Masse des II. Korps am 26. zwischen Zagora und dem Mt. Santo das Ufer wechselte, vermochte die 2. Isonzoarmee die Verfolgung an diesem Tage fortzusetzen. Sie vollzog sich allerdings unter heftigen Kämpfen mit italienischen Nachhuten, so bei der 35. ID. um den Kuk A 711, bei der 24. ID. um den Jelenik A 788 und bei der 53. ID. um den Kobilek 9- 627. Die Beute der Gruppe Kosak in den drei Schlachttagen betrug 200 Geschütze, überdies waren 15.500 Gefangene eingebracht worden. Das XXIV. Korps konnte über die Erbeutung von 24 Geschützen, 34 Maschinengewehren und über 1260 Gefangene Meldung erstatten.
Am 26. abends standen vom II. Korps die 57. ID. bei Nekovo Grn. und Dl., dahinter die 28. ID. bei Ronzina und Auzza, die 9. in Avšček und Levpa und die 29. in Kal. Von der Gruppe Kosak war die 60. ID. von Canale aus bis Liga und Mia. Zell auf den Kolovrat aufgestiegen;
die 35. ID. erreichte zwischen den Orten Morsko und Bodrež den Isonzo. Die 24. ID. des XXIV. Korps drang bis vor Descla vor; die 53. ID. war bis zum Abend zu beiden Seiten des von Ravne nach Vodice führenden Fahrweges in heftige Kämpfe verstrickt. Eine Nachrichtenabteilung dieser Division und ein den ändern Truppen weit voraneilendes Bataillon des SchR. 22 der 43. SchD. entrissen der auf dem Ostufer verbliebenen italienischen 8. ID. die Höhe A 652 südlich von Vodice; die Masse der 43. SchD. gelangte bis Slatna, Gargaro und Britof. Die
20. HID. meldete, daß der ihr auf dem Westhange des Mt. S. Gabriele gegenüberstehende Feind noch emsig an seinen Stellungen baue.
Vor der 1. Isonzoarmee zeigte sich der Feind am 25. sehr beunruhigt und beantwortete die geringste Bewegung mit heftigem Sperrfeuer. Namentlich der Nordflügel des k.u.k. XXIII. Korps östlich von Selo, wo in der Tat ein Unternehmen geplant war, wurde das Ziel solch heftiger Feueranfälle. Am 26. konnte der Rückmarsch von zahlreichen italienischen Troßabteilungen, von Batterien und auch von Infanterie beobachtet werden. Zur Fesselung des Feindes brach die 17. ID., GM. Ströher, nach einem schon früher genau vorbereiteten Plane um 4h nachm. vor und entriß dem italienischen XI. Korps die Trigonometer-höhe des Fajti hrib und den südlich anschließenden Stellungsteil; 3500 Italiener wurden in die Gefangenschaft abgeführt.
Am Abend des dritten Schlachttages- war das italienische Stellungsnetz zwischen dem Rombon und dem Mt. Santo von den beiden siegreichen Armeen Below und Henriquez in 50 km Breite und — zwischen dem Krn und dem Mt.Juanes gemessen — in einer Tiefe von 20km völlig durchstoßen. Die Verbündeten standen schon vor der dritten und letzten der von Cadorna am 24. Oktober bezeichneten Linien (S. 536), in denen die italienische 2. Armee energischen Widerstand leisten sollte. Auf der Pta. di Montemaggiore und auf dem Mt.Juanes waren Abteilungen des unaufhaltsam vorstürmenden Korps Krauss aber sogar schon in diese Linie eingedrungen. Dies veranlaßte die italienische Heeresleitung zu Entschlüssen von weittragender Bedeutung.
Cadornas Entschluß zum Rückzug
Als am 25. Oktober die italienische 2. Armee vor den unausgesetzten Angriffen der öst.-ung. und deutschen Truppen Höhe um Höhe und Stellung um Stellung verlor, fuhr ihr Führer, GLt. Capello, dessen Gesundheitszustand sich neuerlich verschlechtert hatte, in den ersten
Nachmittagsstunden zur Berichterstattung nach Udine. Er beschwor Cadoma, keine frischen Truppen mehr in die verlorene Schlacht zu werfen, sondern die Armee raschestens vom Feinde loszulösen und hinter den Tagliamento zurückzuführen. Cadorna pflichtete dieser Ansicht bei, beauftragte Capello jedoch, seine Lagebeurteilung schriftlich niederzulegen.
Capello hob nun den tiefen Durchbruch beim IV. Korps, den starken Druck des Gegners auf Luico und den Verlust der Ježa hervor, wodurch auch die Front auf der Hochfläche von Bainsizza unhaltbar geworden sei. Des weiteren tadelte er die Haltung der Truppen, von denen viele in geradezu „lächerlicher Weise“ Widerstand geleistet hätten*). Um die noch vorhandenen Regimenter dem Vaterlande zu erhalten, erachtete es Capello als die schmerzlichste, in diesem Augenblick aber auch als die beste Lösung, unter dem Schutze von Nachhuten wenigstens bis an den Torre, allenfalls sogar bis an den Tagliamento, zurückzugehen.
Nachdem sich Capello vergewissert hatte, daß das Oberkommando an der Ausarbeitung der Rückzugsbefehle arbeite, gab er in Cividale die Richtlinien für den Rückzug an den Tagliamento aus. Bei dieser Rückbewegung sollte zunächst in der gegenwärtigen Kampffront, sodann in der vom Höchstkommando bezeichneten dritten Verteidigungslinie und schließlich am Torre vorübergehend Widerstand geleistet werden. Nach Erlassen dieser Weisungen übergab Capello wegen seiner Erkrankung das Armeekommando an GLt. Montuori, der bisher den linken Flügel der Armee befehligt hatte.
In Udine war man inzwischen wegen der zu erwartenden Rückwirkungen des Rückzuges auf die noch östlich von Görz und auf der Hochfläche von Comen haltende 3. Armee und wegen der hiebei kaum zu vermeidenden Einbuße an schwerem Geschütz schwankend geworden. Am 25. um 8h30 abends wurde der neue Armeeführer, GLt. Montuori, befragt, ob er den Rückzug für unerläßlich ansehe. Nach Anhörung seiner Korpskommandanten meldete Montuori, er halte einen letzten Widerstand in der Linie Pta. di Montemaggiore—Mt. Purgessimo—Korada für möglich. Hierauf gab Cadorna den schon vorbereiteten Rückzugsbefehl nicht aus und wies die 2. Armee zum äußersten Widerstand auf den genannten Randbergen an2).
r Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 490. -- Capello, II, Beilage 68, 391.
2) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 495.
Zur leichteren Lenkbarkeit der übergroßen Armee wurden zwei Befehlsgruppen gebildet. Die Korps IV, XXVIII, VII und XXVII wurden dem GLt. Etna, die südlich anschließenden Korps XXIV, II und VI dem Gen. Ferrero unterstellt, wobei das letztgenannte Korps im besonderen zum Rückzug in den Brückenkopf von Salcano angewiesen wurde. Das östlich von Görz stehende VIII. Korps hatte in den Verband der 3. Armee zu treten. Entgegen den Warnungen Capellos, die noch vorhandenen Reserven einzusetzen, wurden zur Stärkung der Front die 21. ID. dem IV. Korps, die 23. und die 25. ID. dem XXVIII., je eine Brigade der 60. ID. dem VII. und dem XXVII., die 30. ID. dem XXIV. Korps und die 16. ID. dem Gruppenkommando GLt. Etna unterstellt. Das Kommando des XIV. Korps scheint an der Front vorübergehend ausgeschaltet worden zu sein. Eine Brigade der 13. ID. wurde hinter das XXIV. und das II. Korps geschoben. Hiemit waren von den 195 Bataillonen der Reserven, die am 24. früh hinter der 2. Armee gestanden hatten, 131 Bataillone ausgespielt.
Die 3. Armee wurde von Cadorna angewiesen, den Abschub der schweren Artillerie in den Raum von Treviso zu beginnen und das Zurücknehmen der Front in die Linie des Vallonetales und der Isonzo-brückenköpfe bis einschließlich Görz vorzubereiten.
Als bis zum 26. früh in Udine keine weiteren Unglücksnachrichten eintrafen, begann Cadorna neuen Mut zu schöpfen. Dessen ungeachtet wurden von der Heeresleitung planmäßig alle Vorbereitungen für den Rückzug an den Tagliamento fortgesetzt. Die vom GLt. Tassoni befehligte Karnische Gruppe erhielt aus den Heeresreserven die 63. ID. zugewiesen. Der 2. Armee wurden noch die 20. ID. und die 2. KD. in Aussicht gestellt, dafür sollte sie die ganz zerschlagenen Divisionen 34 und 50 sofort zur Auffrischung zurückziehen. Der Kommandant der
2. Armee beabsichtigte, die seiner linken Gruppe zugewiesene 16. ID. nach Torreano, die 10. ID. des XXIV. Korps und die zweite Brigade der 13. ID. nach Corno di Rosazzo und Manzano als Reserve zu stellen.
Bald liefen aber wieder neue Hiobsbotschaften bei der Heeresleitung ein. Diese veranlaßten Cadorna am 26. nachmittags, die Befehle für den Fall eines nicht mehr vermeidbaren Rückzuges auszugeben. Dieser durfte allerdings erst auf seinen ausdrücklichen Befehl angetreten werden. Cadorna nahm sich vor, den Rückzug anzuordnen, sobald der Gegner die Pta. di Montemaggiore genommen haben werde. Denn die Entfernung von diesem Berge bis zu den Tagliamento-brücken bei Cornino und Pinzano war ohnehin nur mehr halb so groß wie der Weg, den der rechte Flügel der 2. Armee und die 3. Armee von der vordersten Kampflinie bis zu den Brücken bei Codroipo und La-tisana zurückzulegen hatten J).
Nach diesen Weisungen Cadornas war der Karnischen Gruppe, die schon am 26. mit dem Zurücksenden der schweren Batterien nach Spi-limbergo zu beginnen hatte, der Rückzug in die ,,Karnischen Voralpen“ zugedacht, womit das Gebirge südlich und westlich vom oberen Tagliamento gemeint war. Die Werke auf dem Mt. Festa -£-1071 (4 km westlich von Venzone), aber auch die noch östlich vom Tagliamento bei Resiutta gelegenen Höhen sollten unbedingt behauptet werden. Die
2. Armee hatte auf das westliche Tagliamentoufer zwischen dem Ge-birgsfuß und den Brücken westlich von Codroipo, die 3. Armee in den Raum südlich davon bis zum Meere zurückzugehen. Beim Rückzug, der unter dem Schutze starker Nachhuten zu erfolgen hatte, sollten die 2. und die 3. Armee am Torre einen Zwischenhalt einschalten. Die Zuweisung der 20. ID. an die 2. Armee wurde aufgehoben. Diese Division und die 33. wurden als „Spezialkorps“ zusammengefaßt und zur Sicherung der Brücken über den mittleren Tagliamento eiligst dorthin gelenkt. Hiemit waren bis auf die hinter der 3. Armee stehende 4. ID. und eine Brigade der 2. Armee alle Verfügungstruppen ausgespielt.
Die 4. Armee hatte gleichfalls die Rückbewegung damit einzuleiten, daß sie die schwere Artillerie in die Ebene nach Pederobba und Montebelluna zurücksandte. Sie hatte Vorbereitungen zu treffen, um gegebenen Falles in eine Linie zurückzugehen, die von der Wasserscheide zwischen Tagliamento und Piave (hier Anschluß an die Kamische Gruppe) über die Sperren von Pieve di Cadore, den Talursprung des Maěbaches, den Colle Duran A 1736, die Talsperren von Agordo, über S. Martino di Castrozza und die Höhe Remitte A 1785 (nördlich von Lamon) zum Nordteil der Hochfläche von Asiago verläuft49).
Schließlich berichtete Cadorna über die hereingebrochene Katastrophe, die getroffenen Maßnahmen und den Willen, am Gebirgsrand Widerstand zu leisten, dem Kriegsminister. Er verschwieg ihm auch nicht die Größe der bisherigen Verluste, und daß sich etwa zehn Regimenter in Massen ergeben hatten, ohne zu kämpfen. Für den Ersatz der Verluste bat er um Zusendung von Ergänzungen an den Piave50).
Wohl hatte Cadorna am 26. nachmittags die Armeeführer Montuori und Herzog von Aosta wissen lassen, daß die Stellungen auf den Randbergen nördlich von Cividale, bei Görz und am Vallone um den Preis jeglichen Opfers zu halten seien. Im Grunde genommen war es ihm seit dem Verlust des Stol, wie er in einem nach dem Kriege an GdA. Krafft gerichteten Briefe eröffnet1), doch nur mehr um Zeitgewinn zu tun, weil er den sofortigen Rückzug eines Heeres von einer Million Streiter samt dem seit zweieinhalb Jahren aufgestapelten Kriegsgerät durch die bloß 50 km breite Ebene nicht für ausführbar hielt.
Als Cadorna jedoch am 27. Oktober bald nach Mitternacht die Meldung über den Verlust der Pta. di Montemaggiore erhielt, da schwand bei ihm jede Hoffnung, die Front noch weiter behaupten zu können. Er beschloß, die 3. und die 2. Armee sowie die Karnische Gruppe hinter den Tagliamento, weiters die 4. Armee so weit zurückzuführen, daß bei einem etwaigen weiteren Rückzug alle Armeen bis in die vom Altissimo über den Mt. Grappa zum Piave führende letzte Verteidigungslinie ungefähr gleich lange Wege zurückzulegen haben würden 2).
Um 2h 30 früh erhielt zuerst die Karnische Gruppe den Befehl zum Rückzug, der im Sinne der schon erlassenen Weisungen auszuführen war. Zwanzig Minuten später trug der Draht den Rückzugsbefehl zur
3. Armee. Die 2. Armee wurde um 3h 20 früh hievon verständigt. Ihr wurde im besonderen eingeschärft, zur Rettung des Heeres die schon mehrfach genannte, über Lusevera, Mt. le Zuffine, Mt. Madlessena, Mt. Purgessimo und Korada zum Mt. Sabotino führende Linie nachhaltig zu verteidigen. Der Rückzug sollte sodann vom linken Flügel aus beginnen. Die Korada und der Mt. Sabotino waren ,,bis zum äußersten“ zu halten, um das ungestörte Loslösen des VI. und des VIII. Korps zu ermöglichen. Zuletzt wurden die 4. und die 1. Armee angewiesen; sie hatten sich wegen des Flügelanschlusses im Abschnitt zwischen dem Mt. Civetta A 3220 (südöstlich von Alleghe) und derCimaMaora (südöstlich von Borgo) selbst zu einigen. Der 4. Armee wurde noch die Vorbereitung der Verteidigung auf dem Mt. Grappa übertragen.
In einem Nachtrag wurde der Brückenkopf von Codroipo der
3. Armee, jener von Pinzano der 2. Armee zugewiesen. Die aus dem Hinterland herangezogenen Kavalleriedivisionen 3 und 4 wurden nach Pordenone und Motta di Livenza gewiesen. In die erstgenannte Stadt
!) Krafft, II, 278.
2) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 498.
hatte auch das 2. Armeekmdo., in die zweite das 3. Armeekmdo. zu gelangen. Cadorna begab sich am 27. nachmittags mit seiner Operationsabteilung nach Treviso; der andere Teil der Heeresleitung übersiedelte nach Padua1).
Das Zu rück werfen der italienischen Nachhuten am 2 7. Oktober
Hiezu Beilage 27 Die Verfolgungskämpfe der Armee Belotv
Das rasche Vordringen der Armeen Below und Henriquez nach Westen und Südwesten ließ am 26. Oktober in Baden die Auffassung reifen, daß — wemi der Feind vor der 1. Isonzoarmee nicht bald abzöge — es möglich werden könnte, ihn noch östlich vom Tagliamento schwer zu schädigen. Voraussetzung hiefür war, daß der Angriffsschwung der 14. Armee durch Zuführen von Reserven erhalten blieb. Da aber die hinteren Divisionen, namentlich die Heeresreserven, wegen der noch immer sehr starken Beanspruchung der Straße im Isonzotal nicht nachgeführt werden konnten, versuchte man eine Verstärkung der 14. Armee durch Verengung ihres Angriffsstreifens zu erreichen. Die südliche Armeegrenze sollte daher, wie die k.u.k. Heeresleitung am
26. um lh nachm. befahl, weiter nach Norden in die Linie Torrente Co-sizza—Natisone bis Cividale verlegt werden. Als Ziel der 14. Armee wurde das „Erreichen der Linie Gemona—Cividale mit starkem rechtem Flügel“ bezeichnet.
Bei dieser Verengung wären aber die am Feinde stehenden Gruppen Berrer und Scotti zugunsten der 2. Isonzoarmee aus der Front herausgedrückt worden. Das deutsche 14. Armeekmdo. erhob Einspruch dagegen, und das Kommando der Südwestfront bestimmte hierauf als neue Grenze zwischen den Bereichen der Generale Below und Boroevic die Linie Judrio—Colobrida—Firmano—Orzano—Ortsmitte von Udine— Tomba—S. Odorico am Tagliamento—Pozzo.
Mit dem gleichen Befehle der Heeresleitung wurden jene Teile des
I. Korps, die über die Prevalascharte in das Raccolanatal vorstoßen sollten, sowie die Edelweiß- und die deutsche Jägerdivision, die ins Resiatal gelangten, der 10. Armee unterstellt; als Armeegrenze wurde eine
1) Bericht der Untersuchungskommission, I, 197 ff.
durch die Höhen Skutnik, Mt. Sounovich, Mt. Musi, Mt. Plauris gekennzeichnete Linie bestimmt. Allerdings sollte dies erst eintreten, sobald die 10. Armee, die auf Amaro und Stazione per la Camia gewiesen wurde, die Möglichkeit hatte, diese Truppen über Chiusaforte zu versorgen. Das 14. Armeekmdo. erblickte aber in der Abtrennung der beiden Divisionen eine höchst unerwünschte Schwächung seiner Kraft1).
Dem vor der 1. Isonzoarmee stehenden Feinde sollte ein planmäßiges Abziehen nicht gewährt werden. Die Armee des FZM. Freih. v. Wurm sollte daher im entsprechenden Zeitpunkt mit zusammengeballter Kraft in der Richtung über Görz gegen Cormons angreifen, wozu auch die in Reserve gehaltene 106. LstlD. heranzuziehen war. Diese Maßnahme kam auch einer Anregung Ludendorffs entgegen, der es für wünschenswert hielt, daß der im Gebirge fechtende Feind solcherart vernichtend getroffen werde.
Der Kommandant der italienischen 2. Armee, GLt. Montuori, hatte für den 27. angeordnet, daß jedes Korps zehn schlagkräftige Bataillone mit leichter Artillerie als Nachhut in der Stellung auf den Randbergen zu belassen habe. Alle übrigen Truppen — die Artillerie voraus — waren zunächst hinter den Torre zurückzuführen. Als die Truppen der deutschen 14. und der 2. Isonzoarmee nach einer verhältnismäßig ruhigen Nacht am 27. sehr zeitlich früh wieder ihre Vorrückung aufnahmen, trafen sie auf diese Nachhuten, stellenweise aber auch auf feindliche Hauptkräfte, die den Rückzug noch nicht angetreten hatten.
Beim Korps Krauss setzte GM. Wieden im Sinne der vom deutschen 14. Armeekmdo. am 26. eflassenen Weisungen alles daran, um möglichst rasch Resiutta und Venzone zu erreichen und dadurch den vor der 10. Armee stehenden Feind abzuschneiden. Hiezu drang die Gruppe Wieden in drei Kolonnen vor. Sowohl dem über Stolvizza als rechte Kolonne vorrückenden IR. 14 (zwei Bataillone) als auch der von Uccea überGnivizza vormarschierenden deutschen Jägerdivision, der das dritte Bataillon des IR. 14 und ein Kaiserjägerbataillon als Vorhut voranschritten, war S. Giorgio als Ziel gesteckt. Hier hatten stärkere feindliche Kräfte der Karnischen Gruppe, darunter auch schon Teile der herangeführten 63. ID., eine Sperrsteilung bezogen. Der Feind besaß auch mehrere Batterien, indes der Angreifer nur über fünf Gebirgs-geschütze mit sehr wenig Munition verfügte. Die rechte Kolonne entriß dem Feinde die Höhen Tolsti vrh und A 9822) in dem Streben,
1) Krafft, I, 135.
2) IR. 14, Ein Buch der Erinnerung, 128 f.
von hier aus einen Handstreich auf die Sperre Chiusaforte zu unternehmen. Die Vorhut der Hauptkolonne trat abends östlich von S. Giorgio ins Gefecht, indes die deutsche Jägerdivision mit den Anfängen bis Gost gelangte. Von der linken Kolonne mußte das Bataillon II/ KJR. 3 einem heranhastenden Alpinibataillon neuerlich den Tanameapaß entreißen; es drang sodann bis Musi vor und schob sich bei Nacht und Sturm bis nahe an die Forcella Musi hinan. Das von der Pta. di Monte-maggiorc auf dem Kamm nach Westen rückende Bataillon I/KJR. 3 gelangte wegen des fürchterlichen Unwetters nicht viel über den Mali vrh A 1558 hinaus !).
Rechts von der Division Wieden erneuerte die 216. IBrig. am 27. ihr Bemühen, die Prevalascharte in Besitz zu nehmen. Das Unternehmen mißglückte jedoch abermals wegen der starken Gegenwehr des Feindes und des außergewöhnlich schweren winterlichen Unwetters, das auf den Höhen niedergegangen war. Dieses hatte bei den ihm schutzlos preisgegebenen Truppen zahlreiche Erfrierungen herbeigeführt2). Dafür vermochte die 59. GbBrig. der 10. Armee trotz zähen Widerstandes des Feindes und heftiger Regenschauer die vier im Seebachtale hintereinander liegenden Stellungen zu durchbrechen. Im Sinne der vom Höchstkommando erlassenen Befehle für den Rückzug gingen nach Einbruch der Dunkelheit die Truppen der italienischen 36. ID. aus dem Raccolana-und dem Dognatale sowie von Pontebba zurück. Kurz darauf räumte auch die italienische 26. ID. ihre auf dem Karnischen Kamm zwischen Pontebba und dem Mt. Peralba gelegenen Stellungen3).
Von den übrigen Divisionen der Gruppe Krauss traf die 22. SchD. am 27. auf die Nachhuten des italienischen IV. Korps. Die 98. KSchBrig. entriß ihnen gegen Abend Monteaperta; die 43. SchBrig., unterstützt von einigen Abteilungen der 50. ID., erstürmte den Mt. Jauer. Die Masse der 15. GbBrig. (Division Gei"abek) rückte in der Richtung auf die Orte S. Gervasio und Attimis vor, die ihr als Marschziele angegeben worden waren. Sie traf auf Truppen der 21. und der 34. ID. der Italiener, die ursprünglich Auftrag hatten, dem Gegner den Eintritt in die Ebene über den Sattel von Canebola durch einen Gegenangriff zu verwehren. Im Sinne der am Morgen eingetroffenen Weisungen für den Rückzug beschränkten sich die Italiener dann auf die Verteidigung der Höhen Mt. Nagrad und Mt. Carnizza, die ihnen die Brigade Koschak und das
S c h e m f i 1, KJR. 3 im Weltkrieg, 480.
2) H o e n, IR. 59 im Weltkrieg, 610 ff.
3) Bericht der Untersuchungskommission, I, 180 und 205.
vorgeschobene Bataillon III/7 der 55. ID. bis zum Abend nach hartem Kampfe und fast ohne Unterstützung durch Artillerie entriß. Die siegreichen Bataillone sahen bereits die italienische Ebene vor sich liegen.
Die 3. GbBrig. gelangte bis Platischis und Prossenicco. Die 55. ID. nächtigte als Korpsreserve in Borjana und Creda.
Von den beiden Mittelkorps der deutschen 14. Armee, die im allgemeinen in westlicher Richtung gegen den Straßenabschnitt zwischen Colloredo und dem Nordrand von Udine Vordringen sollten, war dem Korps Stein der Streifen nördlich der Linie Togliano—Ziracco— Grions—Feletto—Plaino, dem Korps Berrer der Raum südlich davon zugewiesen worden. Die Eroberung von Cividale fiel daher dem Korps Berrer zu. Dessen ungeachtet strebten auch Teile der beiden Divisionen Steins dieser Stadt zu. Die Richtungen, die die Angriffe am 27. Oktober nahmen, wurden daher vielfach von den Unterführern bestimmt.
Immerhin vermochte GLt. Stein die Masse der deutschen 12. ID. zum Vorrücken vom Mt.Juanes gegen Faedis zu veranlassen, wohin ein Regiment unter Verfolgungskämpfen bis zum Abend gelangte. Andere Teile der Division nächtigten in Masarolis, die Artillerie mit etwas Infanterie in Sanquarzo ösdich von Cividale. Vom Alpenkorps erstürmte eine Kompagnie schon um 10h vorm. den stark befestigten Mt. Madles-sena. Hiemit war das letzte Bollwerk, das Cividale im Norden schützte, gefallen. Drei Bataillone des Alpenkorps griffen nun diese von Nachhuten des italienischen XXVIII. Korps verteidigte Stadt an und drangen um 3h nachm. in sie ein. Der Feind hatte knapp vorher eiligst den brennenden Ort verlassen. Am Abend vermochte GM. Tutschek alle Abteilungen des Alpenkorps am Bergfuß zwischen Campeglio undTagliano zu sammeln. Die deutsche 117. ID. rückte von Robić nach Stupizza nach, die 13. SchD. gelangte mit ihren vordersten Truppen in den Raum Robić—Sužid; die übrigen Teile waren wegen der noch immer nicht behobenen Straßen Verstopfungen weit abgeblieben.
Beim Korps Berrer sollte die auf Cividale angesetzte 200. ID. zuwarten, bis der der Stadt östlich vorgelagerte und sehr stark befestigte Mt. Purgessimo von der deutschen 26. ID. von Norden her genommen war. Die Bereitstellung und die Angriffsvorbereitungen dieser Division verzögerten sich jedoch. Von Ungeduld getrieben, faßte nun ein Jägerregiment der 200. ID. die Höhe von Westen an. Dies ließ den Widerstand des Feindes rasch erlahmen. Ehe noch der Mt. Purgessimo von den Württembergern der 26. ID. erstürmt worden war, wandte sich die 200. ID. gegen Cividale, das sie hinter den Bataillonen des Alpenkorps durcheilte; Teile rückten bis in die Nacht hinein bei strömendem Regen noch nach Ziracco, Grions und Remanzacco vor. Die 26. ID., die schließlich den Mt. Purgessimo im Westen umgangen hatte und in den ersten Nachmittagsstunden durch einen Rückenangriff bezwang, durchschritt sodann gleichfalls Cividale. Vorgeschobene Teile drangen noch bis Selvis und Premariacco vor. Außer reicher Beute fielen den Württembergem 6000 Gefangene in die Hände.
Dem Korps Scotti war für den 27. zunächst die Eroberung der von Castel del Monte gekrönten Höhe vorgezeichnet, wozu die deutsche 5. ID. auf der Rückenlinie anzugreifen hatte. Die k.u.k. 1. ID. sollte zuerst das Judriotal vom Feinde säubern und sodann — wenn erforderlich — von Osten her gegen Castel del Monte vorgehen. In weiterer Folge hatte das Korps über Firmano, Orzano nach Udine vorzurücken.
Das Spitzenregiment der 5. ID. eroberte um 4h nachm. allein den stark ausgebauten und von einer Nachhut des italienischen VII. Korps hartnäckig verteidigten Mt. Spigh; hiebei streckten über 3000 Italiener ihre Waffen. Die 1. ID., die den Kolovratrücken dem II. Korps überlassen und auf das westliche Judrioufer hinüberwechseln sollte, fand alle Brücken über den hochangeschwollenen Wildbach zerstört. Außerdem schlug starkes feindliches Artilleriefeuer von der Korada herüber, das mit den zur Hand befindlichen zwei Gebirgsgeschützen nur wenig wirkungsvoll erwidert werden konnte. Um unnötige Verluste zu vermeiden, wartete die Division bei Britof und Melina die Dunkelheit ab. Dann erst rückte sie in den zugewiesenen Nächtigungsraum Colobrida—S. Pietro di Chiazzacco—Mišček ab, den sie wohl ohne Kampf, jedoch sehr spät nachts, mit Teilen sogar erst am 28. vormittags, erreichte. Unterdessen hatte das vordere Regiment der deutschen 5. ID. spät nachmittags im scharfen Nachdrängen auch Castel del Monte erstürmt und weitere 600 Gefangene eingebracht. Das Regiment nächtigte auf dem Kampffelde. Die beiden anderen Regimenter rückten nach Janich und auf den Mt. S. Giovanni nach. Die Artillerie erreichte auf der Höhenstraße erst den Raum knapp südlich der Ježa. Die Division war somit auf
20 km Länge auseinandergezogen.
Die Ereignisse bei der Heeresgruppe Boroevic
Das Kommando der 2. Isonzoarmee war bereits am 26. Oktober mittags der Ansicht gewesen, daß sich der Feind vor der Armee im
Rückzug befände und einen nachhaltigen Widerstand erst in der Linie Korada—Planina—Verhovlje—Mt. Sabotino leisten werde. Fielen die Höhen Korada und Planina, so mußte auch die weiter gegen Osten sich hinziehende Verteidigungslinie Zusammenstürzen. Deshalb wurde das
II. Korps zur raschen Wegnahme der Korada, die Gruppe Kosak zur Eroberung der Planina angespornt. Das XXIV. und das IV. Korps sollten gegen den Isonzo abwärts von Plava Vordringen.
Die Befehlgebung in dem schmalen Raume zwischen Judrio und Isonzo, wo sich nach dem Abschwenken der 1. ID. noch immer fünf Divisionen zusammendrängten, vollzog sich jedoch unter nicht unerheblichen Schwierigkeiten. Die höheren Kommandos waren weit abgeblieben und die Fernsprechleitungen wurden oft unterbrochen. Jedoch im Drange nach vorwärts führten die Unterführer selbsttätig ihre Truppen gegen den Feind, ohne auf Befehle zu warten.
GdI. Kaiser, der Führer des II. Korps, wies den FML. Schneider-Manns-Au an, mit der 57. und der 28. ID. die Korada anzugreifen. Die erstgenannte Division befand sich bereits auf dem Kolovratrücken. Die 28. ID. hatte während der Nacht den Isonzo bei Auzza überschritten und war sodann gegen Kambreško aufgestiegen. Die 9. ID. hatte dieser Gruppe als Reserve zu folgen. Die 29. ID. wurde am 27. in Auzza angehalten, um im Bedarfsfalle der 14. Armee als Verstärkung zu dienen. Von der Gruppe Kosak waren drei Bataillone der 60. ID. zeitlich früh von Liga und Mia. Zell auf dem Schlußrücken gegen die Korada vorgebrochen. Ihnen folgte nun die 57. Division. Die Masse der 60. ID. ging auf dem Osthang des Kolovratrückens vor. Die 35. ID. begann bei Morsko in Booten und bei Canale über eine Brücke den Isonzo zu überschreiten.
Der Angriff gegen die von der 47. Bersaglieridivision des XXVII. Korps verteidigte Korada gewann wegen der starken Feuerwirkung des Feindes nur langsam Raum. Dazu litt unsere Infanterie Mangel an Schießbedarf, denn der Nachschub war wegen Verstopfung der Straßen nicht nachgekommen. Da italienische Überläufer von der bei ihren Truppen herrschenden großen Verwirrung zu berichten wußten, ergriff FML. Ludwig Goiginger gegen Abend den Befehl über alle zwischen Judrio und Isonzo fechtenden Truppen, um durch sofortigen Angriff die Korada zu nehmen. Hiezu sollten die 57. und die 60. ID. auf dem Rücken von Nordosten her Vordringen, die 35. ID. und wenigstens die vordere Brigade der 9. ID. von Süden her diese Höhe umfassen.
Unterdessen hatten die Verteidiger der Korada die Nachricht vom
Fall des Mt. Purgessimo erhalten und begannen auf Befehl des XXVII. Korpskmdos., um 9h abends den Rückzug nach Pradamano (südöstlich von Udine) einzuleiten. Als dann die 57. ID. kurz nach Mitternacht gegen die Korada angriff, vermochte sie den letzten Widerstand italienischer Nachhuten zu überwinden und sich des Gipfels zu bemächtigen. Die 60. ID. verbrachte die Nacht bei Kamenca, die 35. bei Ložice. Vor ihnen wich das italienische XXIV. Korps zurück, das Nachhuten auch auf dem östlichen Isonzoufer zurückgelassen hatte.
Gegen diese Nachhuten und gegen die den Rückzug des II. Korps schützende italienische ,67. ID. drang das k.u.k. XXIV. Korps mit den inneren Flügeln seiner beiden Divisionen auf Plava vor. Die 24. ID., FML. Urbarz, entriß dem Feinde nach hartem Kampfe die Höhe -cj>-535 südlich von Paljevo und gewann abends Plava, wo noch während der Nacht eine Brigade über eine unzerstörte Brücke das Ufer wechselte. Die 53. ID. vertrieb vormittags den Feind vom Rohotbach und nahm dann durch Angriff von Ost und Süd trotz des starken, vom westlichen Isonzoufer herüberschlagenden italienischen Artilleriefeuers den steil aufragenden Kuk A 611. Die hierauf gegen den Fluß absteigenden Patrouillen fanden alle Übergänge zerstört. Da wegen des Hochwassers ein Brückenbau viel Zeit erfordert hätte, verschob sich die Division mit der rechts stehenden Brigade noch am Abend gegen Plava, um hier am 28. Oktober hinter der 24. ID. den Isonzo zu überschreiten. Der Rest der Division nächtigte bei Vodice.
Beim IV. Korps säuberte die 43. SchD. den Monte Santo von feindlichen Nachhuten und stand abends überall am Ostufer des hochange-schwollenen Flusses. Die 20. HID. drängte dem über Salcano auf das Westufer weichenden italienischen VI. Korps scharf nach und entriß ihm in Handgranatenkämpfen alle auf dem Westhang des Mt. S. Gabriele angelegten Stellungen.
Von den hinteren Divisionen des II. Korps nächtigte die 28. ID. in Podbreg und Kambreško, die 9. ID. an der Talstraße zwischen Ajba und Ronzina und die 29. ID. in Auzza und Levpa. ^
Die bisherige Beute der 2. Isonzoarmee betrug 42 schwere, 25 mittlere und 220 leichte Geschütze. Das IV. und das XXIV. Korps hatten insgesamt 3500 Italiener als Gefangene abgeführt.
Bei der 1. Isonzoarmee hatte sich die 17. ID. am 27. früh in ihrer tags zuvor eroberten neuen Stellung (S. 545) zunächst eines nach starker Feuervorbereitung unternommenen italienischen Gegenangriffes zu erwehren; er wurde von der Infanterie, durch schlagartig einsetzendes
Sperrfeuer vortrefflich unterstützt, glatt abgeschlagen. Dann begann sich die 17. ID. zur Fortsetzung des Vorstoßes bereitzustellen.
Mittlerweile mehrten sich die Anzeichen eines bevorstehenden Rückzuges des Feindes, wie zahlreiche Sprengungen hinter der feindlichen Front, Rückmarsch langer Troß- und Artilleriekolonnen und dergleichen mehr. FZM. Wurm befahl daher nachmittags den allgemeinen Angriff auf der Hochfläche von Comen, wobei vorläufig der Ostrand des Vallone durch staffelweises Vorgehen des VII. und des XXIII. Korps gewonnen werden sollte.
Um 4h nachm. brachen die 17. und die 48. ID. zum Angriff vor, der — wie am Vortage — durch Fliegergeschwader unterstützt wurde. Da das feindliche Artilleriefeuer schwächer als sonst war, vermochte die Infanterie in einem Zuge bis auf die Pečinka A 291 vorzudringen und hiebei fast 9000 Gefangene einzubringen. Die hierauf vorstoßende 44. SchD. entriß dem Feinde den Volkovnjak A284.
Die Leichtigkeit, mit der dieser Erfolg erfochten wurde, ergab sich teilweise daraus, daß der Herzog von Aosta im Sinne der für den Rückzug hinter den Tagliamento ausgegebenen Weisungen des Höchstkommandos seinen Korps am 27. befohlen hatte, unter Zurücklassung je einer Brigade als Nachhut nach Einbruch der Dunkelheit an den Westrand des Vallone zurückzugehen. In der darauffolgenden Nacht vom 28. auf den 29. sollte dann die Hochfläche von Doberdö geräumt werden. Auf die düsteren Nachrichten über die Vorgänge bei der 2. Armee wurde später auf den Zwischenhalt am Vallone verzichtet.
Das italienische VIII. Korps hatte Görz zu räumen und sich hinter den Isonzo zurückzuziehen. Der wachsamen k.u.k. 58. ID. war diese Rückbewegung nicht entgangen. Das kroatische IR. 96 drängte unter lebhaften Kämpfen nach und setzte sich kurz nach Mitternacht in den Besitz von Görz, auf dessen zerschossenem Kastell es die kaiserliche Fahne hißte. Bei der 14. ID. stürmte das FJB. 11 in der Nacht über die noch brennende Brücke bei Mainizza über den Isonzo und faßte mit Patrouillen auf dem Mt. Fortin festen Fuß.
Das Ergebnis der zwölften Isonzoschlacht
Am Abend des vierten Schlachttages waren die Italiener im ganzen Kampfraum zwischen dem Mt. Peralba und dem Meere im Rückzuge; ein 160 km langes Stück der von ihnen bis zum 24. Oktober gehaltenen
Front war eingestürzt. Die italienische 2. Armee war vernichtend geschlagen. Die Zahl der Gefangenen, die sie eingebüßt hatte, betrug schon mehrere Zehntausend, und viele hundert Geschütze hatte sie den siegreichen Gegnern überlassen l). Sie zeigte alle Anzeichen beginnender Auflösung. Dazu waren nahezu alle Heeresreserven aufgebraucht, was der italienischen Heeresleitung die Möglichkeit benahm, den Gang der Kriegshandlungen zu beeinflussen. Das Heil lag nur mehr in einem möglichst raschen Rückzug hinter den durch Regengüsse zu einem gewaltigen Hindernis gewordenen Tagliamento.
Bei den Verbündeten, die einen der eindrucksvollsten Siege der Kriegsgeschichte erfochten hatten, war das Korps Krauss am 27. im unaufhaltsamen Vordringen gegen Resiutta, Venzone und Gemona; sein linker Flügel stand am Höhenrande vor Tarcento. Die beiden Mittelkorps Belows waren bei Cividale bereits in die Ebene vorgebrochen; ihre Vortruppen eilten bei Nacht und Regensturm bis an den Torre vor. Der linke Flügel der deutschen 14. Armee und die 2. Isonzoarmee hatten dem Feinde die starke Höhenstellung Castel del Monte—Korada— Mt. Santo entrissen. Wegen der Zertrümmerung ihrer 2. Armee traten die Italiener auch vom Karnischen Kamm und von der Hochfläche von Comen den Rückzug an und gaben den Armeen Krobatin und Wurm den Weg zur Verfolgung frei. Zudem verfügten die Verbündeten am 27. noch über sehr starke Reserven. Neun Divisionen (deutsche 117. ID.,
13. SchD., 4., 33., 28., 9., 29. ID., lOó.LstID. und 21. SchD.) folgten noch unangetastet der vorderen Kampflinie nach; überdies war die 55. ID. vorübergehend in die zweite Linie getreten. Diese starken Verfügungstruppen gaben der hohen Führung die volle Berechtigung, westlich vom Tagliamento liegende Ziele ins Auge zu fassen.
Die ungewöhnliche Größe des erfochtenen Erfolges hatte seine Ursache zunächst in der äußerst gewissenhaften, bis ins einzelne gehenden geistigen und materiellen Vorbereitung des Durchbruchangriffes. Die verantwortlichen Führer beim deutschen 14. Armeekmdo. und bei dem eine gewisse Sonderstellung genießenden k.u.k. I. Korpskmdo. waren auf Grund reicher Kriegserfahrung von der Erkenntnis durchdrungen, daß eine aus mehreren Stellungen bestehende Verteidigungszone niemals in abschnittsweisen Einzelschritten, sondern nur in einem großen Ruck, der über die letzte Befestigungs- und Artillerielinie hinaus ins freie Gelände gelangt, durchstoßen werden kann. Alle ihre Maßnahmen
x) Nach dem öst.-ung. Pressebericht vom 27. Oktober waren bis dahin 60.000 Gefangene und 500 Geschütze eingebracht und 26 Flugzeuge abgeschossen worden.
zielten daher darauf hin, dieser Forderüng zu entsprechen. Insbesondere wurden den Divisionen der vordersten Linie weitgesteckte Angriffsziele bekanntgegeben, was sich aufs beste bewährte, weil bei dem unerwartet raschen Vordringen zeitraubende Verzögerungen durch Warten auf neue Befehle vermieden wurden. Innerhalb der vorgezeichneten Angriffsstreifen drangen die Divisionen unbekümmert um die Nachbarn unaufhaltsam vor. Der kühne Kampfgeist, der alle Führer vom höchsten bis zum niedersten erfüllte, brachte einen ungeheuren Schwung in die ganze Angriffshandlung. In edlem Wetteifer errangen öst.-ung. und deutsche Divisionen Erfolge, die man in solch kurzer Zeit und in einem derartig schwierigen Gelände früher kaum für möglich gehalten hätte. Das selbsttätige Handeln der Unterführer bis zum Sturmtruppkommandanten war es, das hier die größten Triumphe feierte.
Die höchste Anerkennung wird dem Angreifer durch den Feind selbst, durch die italienische Untersuchungskommission, zuteil, die bei ihren gewissenhaft durchgeführten Arbeiten in vorurteilsfreier Weise auch das Verhalten des Gegners erörtert. Sie hebt die große Kriegserfahrung der Heere der Mittelmächte hervor, ihre Geschicklichkeit in der Vorbereitung und Verschleierung der Angriffsmaßnahmen, die Kunst, den Wetteifer zwischen öst.-ung. und deutschen Truppen auszunützen, was ihnen schon gegen Rußland, gegen Serbien und gegen Rumänien große Erfolge eingetragen habe; sie rühmt die Vorteile einer einheitlichen Führung im Durchbruchsraume durch einen oft bewährten Armeekommandanten und schließlich die wahre Tollkühnheit einzelner T ruppenverbände.
„Mit dem Freimut, der demjenigen zusteht, der den Endsieg erfocht“, läßt sich weiter die Untersuchungskommission vernehmenl), „müssen wir anerkennen, daß der gegnerische Angriffsplan genial und äußerst kühn war, und daß er mit Scharfsinn, Entschlossenheit und nach einem bisher nicht bekannten Verfahren durchgeführt wurde, wobei sich die Überraschung, die Grundlage jeder Kriegshandlung, nicht so sehr durch die Wahl des Angriffsraumes als durch die Raschheit in der Ausnutzung des ersten Erfolges ergab. Der Gegner wußte diesen über alles Erwarten weit hinausgehenden ersten Erfolg bis zum äußersten auszunützen, indem er ohne Ruh und Rast und unbekümmert um die Gesetze der Kriegskunst die Verfolgung aufnahm und bis zur letzten Grenze der menschlichen Leistungsfähigkeit forttrieb. Er vereitelte dadurch, daß wir uns in Rückhaltstellungen wieder aufrafften.
1V( Bericht der Untersuchungskommission, TI, 552.
Schließlich muß auch anerkannt werden, daß der Gegner mit großartigem strategischem Blick, die Gegebenheiten der Lage völlig beherrschend, die Hauptkräfte immer dort vorführte, wo es für uns am gefährlichsten war.“
Die Angriffsvorbereitungen der Verbündeten waren darauf abgestimmt worden, einen unerschütterten, zur nachhaltigen Verteidigung entschlossenen Feind zu bezwingen. Die auch von italienischer Seite hervorgehobene Gründlichkeit dieser Vorbereitungen sowie die Güte der Truppen und ihr fester Angriffswille boten die Gewähr dafür, daß aller Wahrscheinlichkeit nach ein Erfolg auch gegen einen Feind erzielt worden wäre, der zäheren Widerstand geleistet hätte, als es im Oktober 1917 der Fall war. Zur Überraschung der Angreifer setzten sich die Italiener aber vielfach nur matt zur Wehr. Dies begünstigte das Vordringen der Verbündeten und vergrößerte ihren Erfolg.
Die Ursachen des moralischen Niederbruches des italienischen Fleeres reichen eigentlich bis zum Eintritt des Königreiches in den Weltkrieg zurück. Damalsi wurde wohl die Armee mobilisiert, aber nicht das Volk von der Notwendigkeit des bewaffneten Eingreifens überzeugt. Die methodische Kriegführung Cadornas verlängerte den Krieg und vermochte keinen entscheidenden Erfolg zu erzielen. Nach elf Isonzoschlachten betrug der größte Raumgewinn, von Sagrado bis Kostanjevica gemessen, bloß zwölf Kilometer! Das war für 21/2 Jahre Krieg zu wenig. Dabei hatte das Heer schwere Blutopfer gebracht. Etwa 300.000 Tote und 740.000 Verwundete betrug der Ausfall an Kämpfern vom Kriegsbeginn bis nach der elften Isonzoschlacht1). Wie in allen Heeren, so waren unter diesen Opfern die besten Offiziere und die tapfersten Soldaten. Als die Heeresleitung neue Regimenter in großer Zahl aufstellte, fehlte es an den erforderlichen erfahrenen Führern. Diese Neuaufstellungen verwässerten somit den inneren Gehalt des Heeres. So kam es, daß schon während der zehnten Isonzoschlacht einzelne Regimenter sich schwachmütig gezeigt hatten (S. 180).
Die elfte Isonzoschlacht hatte auch keine Kriegsentscheidung gebracht, und, als nach ihrem Abschluß der Übergang in die Dauerstellung befohlen wurde, löste die Aussicht, noch einen Kriegswinter im Schützengraben verbringen zu müssen, stellenweise tiefe Niedergeschlagenheit aus. Die vom Hinterlande aus betriebene defaitistische Propaganda, genährt durch die Revolution in Rußland, unterhöhlte
1; Zusammengestellt nach dem Bericht der Untersuchungskommission, II, Tabelle 33.
weiter dje Moral der Truppe und vergrößerte die Zahl der Deserteure, deren es am 1. November 1917 i;m Hinterlande etwa 66.000 gab1). Auch die Unbeliebtheit mancher Führer, so namentlich des wohl sehr tatkräftigen, aber auch kaltherzigen Kommandanten der 2. Armee, GLt. Capello, trug zu dem geringen Kampfwillen der gerade im Angriffsraum der Verbündeten stehende^ Truppen der italienischen 2. Armee bei. Dies macht es erklärlich, daß während der zwölfte,n Isonzoschlacht zahlreiche Regimenter vollkommen versagten und vor weitaus schwächeren Abteilungen der Angreifer oft schon riach kurzer Gegenwehr die Waffen streckten.
Eine weitere Ursache der Niederlage war auch der häufige Wechsel der Kommandanten. Von den Maßregelungen durch Enthebung vom Kommandp wurden bis zum Oktober 1917 307 Generale und Oberste betroffen. In zehn Monaten stürzten 24 Korpskommandanten. Ein Infanterieregiment, das 144., hatte im Oktober 1917 den 41. Kommandanten seit Kriegsbeginn. Kein Wunder, daß, wenn eine Truppe in eine kritische Lage gestellt war, es dem Führer nicht selten am erforderlichen Wagemut, an der Verantwortungsfreudigkeit zu selbständigem Handeln fehlte2). Die italienische Heeresleitung hatte den moralischen Niedergang des Heeres wohl schon frühzeitig erkannt und war entschlossen dagegen eingeschritten; jedoch — wie die Ereignisse während der zwölften Isonzoschlacht ergaben — ohne Erfolg.
Dies berührt auch die Frage der höheren Führung. Ohne auf die verschiedenen Fälle einzugehen, wo zweckmäßigeres Handeln der Unterführer die Lage im einzelnen hätte zum Besseren wenden können, soll nur die Frage der Armee- und Heeresreserven herausgegriffen werden. Obwohl Cadorna über den Raum, aus dem der Angriff der Verbündeten bevorstand, zutreffend unterrichtet war, hatte er — wie schon erwähnt (S. 517) — d'iie starken Verfügungstruppen zu weit im Süden stehen lassen. Als dann der tiefe Einbruch der Verbündeten erfolgte, wurden alle Reserven tropfenweise eingesetzt, aber fast immer nur in dem Streben, den Gegner aufzuhalten. Der Gedanke, die Lage durch einen von starker Hand geführten Gegenschlag der Armee- und Heeresreserven zu wenden, lag dem italienischen Höchstkommando ferne. Cadorna hatte sich offenbar die Erkenntnisse, die sich aus früheren
!) Krafft, I, 164.
2) Über den moralischen Zustand des italienischen Heeres geben sehr ausführlichen Aufschluß der Bericht der Untersuchungskommission, II, 442 bis 537, und Cabiati, Ottobre 1917, 96 bis 105.
großen Abwehrschlachten des Weltkrieges ergeben hatten, nicht zu eigen gemacht. Er scheint allerdings auch bereits das Vertrauen zu seinem Heere, ein so schwieriges Gegenunternehmen wagen zu können, verloren gehabt zu haben x). #
Die Schlacht bei Codroipo — Latisana
(28. Oktober bis 1. November)
Hiezu Beilage 28
Der Wettlauf zum Tagliamento Absichten und Befehle
Im Laufe des 27. Oktober hatten die höheren Befehlsstellen der Verbündeten den Eindruck gewonnen, daß der Feind binnen kurzem alle östlich des Tagliamento befindlichen Heeresteile hinter diesen Fluß zurücknehmen werde. Gründe für diese Annahme waren — abgesehen vom raschen, vielfach fluchtartigen Zurückweichen der geschlagenen italienischen 2. Armee — das Abbauen der italienischen Funkstationen vor der 1. Isonzo- und der 10. Armee, weiters die Beobachtung, daß die Italiener auf der Hochfläche von Comen, die im Laufe der Zeit dort aufgestapelten gewaltigen Vorräte an Kriegsgerät verbrannten und sprengten. Der Feuerschein der Explosionen war am Abend sogar in Adelsberg wahrzunehmen. Blieben nun die Divisionen der schon weit vorgedrungenen deutschen 14. Armee in raschem Vormarsch, so konnten sie mindestens ebenso schnell an den Tagliamento gelangen, wie die Masse des noch südlich vom Durchbruchsraume stehenden italienischen Heeresteiles. Neue große Erfolge schienen zu winken.
Erzherzog Eugen erließ daher am 27. Oktober um 7h20 abends an die 14. Armee und an die Heeresgruppe Boroevic einen Befehl, in dem es hieß: „Durch rasche Besitznahme des Tagliamentoüberganges westlich Codroipo ergibt sich die Möglichkeit, dem Feinde den Rückzug zu verlegen. Demnach hat der linke Flügel der 14. Armee über Udine, Richtung Codroipo, vorzugehen. Für das Vorgehen der Heeresgruppe GO. Boroevic über die Linie Udine—Cervignano folgen seinerzeit auf Grund der sich bis dahin ergebenden Lage Befehle.“
1 j Schreiben des Marschalls Cadorna vom 30. September 1926 an GdA. Krafft.
Diese Weisung war offenbar durch die Meldung über ein am 27. zwischen den Kommandos der deutschen 14. und der 2. Isonzoarmee getroffenes Übereinkommen ausgelöst worden, demzufolge die 14. Armee ihren linken Flügel auf die Brücken von Codroipo ansetzen werde. Denn die 2. Isonzoarmee, in deren Vorrückungsstreifen Codroipo fiel, die aber noch zwischen der Korada und dem Mt. Santo im Kampfe stand, hätte schwerlich rechtzeitig bei Codroipo eintreffen können, um der zurückflutenden italienischen 2. Armee den Übergang über den hochange-schwollenen Fluß zu verlegen1). Nunmehr wurde die Abschnittsgrenze zwischen der 14. Armee und der Heeresgruppe Boroevic aus der Linie Udine—S. Odorico—Pozzo (S. 551) zur Bahnlinie Udine—Codroipo— Casarsa nach Süden verschoben. Um die Armee Below zu kraftvollem Vordringen zu befähigen, verstärkte sie der Erzherzog Eugen durch die
4. und die 33. ID. der Heeresreserve. Zu gleichem Zwecke hatte GO. Boroevic die 29. ID. und nach Zulässigkeit auch das IV. Korps für die Verschiebung zur 14. Armee bereitzustellen.
Hier ist zu erinnern, daß die seinerzeit in Kreuznach getroffenen Vereinbarungen eine Waffenhilfe der deutschen 14. Armee nur bis zum Erreichen des Tagliamento vorgesehen hatten. GdI. Below hatte aber stets im Sinne gehabt, bei einem großen Siege seine Armee auch über diesen Fluß hinwe|g vorzuführen2). Er wies daher, obwohl die Zustimmung der DOHL. noch ausstand, seine Korps am 27. Oktober um 10h nachts an, die Tagliamentobrücken bei Ragogna, Dignano und Codroipo zu gewinnen, ehe sie der Feind zerstöre. Hiezu wurden die Gefechtsstreifen links durch folgende Linien festgelegt: für die Gruppe Krauss Colloredo—S. Daniele (Südrand)—Vacile; für die Gruppe Stein Plaino— Silvella—Gradisca; für die Gruppe Berrer Chiavris—S. Marco—Coder-na—Arzenutto und für die Gruppe Scotti durch die bereits genannte Bahnstrecke Udine—Codroipo—Casarsa di Delizia.
GdI. Henriquez hatte am 27. nachmittags über die Kampfereignisse bei seinen Korps noch keine genauen Nachrichten. Er hielt aber einen Widerstand des Feindes auf der Korada und dem Mt. Sabotino nicht mehr für wahrscheinlich und stellte seiner Armee die Aufgabe, „den Feind in südwestlicher Richtung, linker Flügel hart an Cormons vorbei, in die Ebene zu verfolgen“. Hiebe ihatte sich das II. Korps der Höhen zwischen Ipplis und Corno di Rosazzo zu bemächtigen. Das XXIV. Korps sollte mit der Masse auf die Höhen nördlich von Cormons rücken, indes
!) Krafft, I, 159.
-) Ebenda, I, 158; II, 75.
nach Hum und Podsabotin nur schwache Verbindungsabteilungen zu entsenden waren. Die zwischen den beiden Korps befindliche Gruppe Kosak hatte über Nebola vorzurücken und je nach der Gefechtslage rechts oder links einzugreifen. Die 29. ID., deren Überweisung an die
14. Armee in Aussicht genommen war, hatte bei Levpa und Kal, das IV. Korps bei Salcano stehen zu bleiben; dieses sollte erst dann ausgeschieden werden, sobald die beiden Isonzoarmeen westlich vom Isonzo miteinander in Verbindung getreten wären.
FZM. Wurm hatte für den 28. dem XVI. Korps das Vorstoßen über Görz auf Cormons, dem VII. Korps entschiedenes Ausnützen seines bisherigen Erfolges und Vordringen bis zum Vallone und dem XXIII. Korps das Vorgehen auf Monfalcone befohlen. Das Vorrücken der
1. Isonzoarmee hatte trotz der Schwächung zu erfolgen, die dadurch entstand, daß auf Befehl der Heeresleitung vom 27. Oktober die 21. SchD. und die 106. LstlD. samt ihren Artilleriebrigaden nach Tirol abzusenden waren, sobald der Feind vor der Armee wich. Diese Anordnung des k.u.k. AOK. erging zur gleichen Zeit, zu der FM. Conrad um Verstärkung bat, um sich — wie er bereits am 26. nach Baden hatte melden lassen — im geeigneten Augenblick der Offensive anschließen zu können1). Da der Vorstoß aus Südtirol jedoch erst in zehn bis vierzehn Tagen erfolgen konnte, es aber wünschenswert war, die Italiener schon jetżt eine Bedrohung von dort befürchten zu lassen, hatten die deutschen Funkstationen in Südtirol ihren Täuschungszwecken dienenden Verkehr ■fortzusetzen.
Die von den hohen Befehlsstellen der Verbündeten am 27. abends getroffenen Verfügungen bezweckten sonach, mit der deutschen 14.Armee raschestens die Tagliamentobrücken zwischen Ragogna und Codroipo zu erreichen. Die 2. Isonzoarmee sollte aus dem Hügelgelände des Coglio nach Südwesten bis an den Höhenrand zwischen Ipplis und Cormons Vordringen, indes die 1. Isonzoarmee mit rein westlicher Stoßrichtung den Feind verfolgen sollte. Die schwache 10. Armee wurde über Amaro und Tolmezzo in das Quellgebiet des Tagliamento gewiesen. Überdies wurden die ersten Maßnahmen getroffen, um dem Feinde von der Hochfläche der Sieben Gemeinden aus in die Flanke zu fallen.
Auf Seite der Italiener hatten die 2. und die 3. Armee im Sinne der
i'l GdA. Krafft schreibt, daß ein Vorstoß aus Südtirol auch vom deutschen 14. Armeekmdo. am 27. in Baden angeregt wurde (Krafft, I, 135 und 156). In den Akten des k.u.k. AOK. war jedoch hierüber kein Hinweis aufzufinden.
Weisungen Cadornas abschnittsweise hinter den Tagliamento zurückzugehen (S. 549). Der Karnischen Gruppe war der ohne Zwischenhalt auszuführende Rückzug in die im Tagliamentoknie gelegenen Vorberge der Venetianer Alpen aufgetragen worden. Allerdings dachte Cadorna nicht an eine nachhaltige Verteidigung hinter dem nur durch das augenblickliche Hochwasser zu einem Hindernis gewordenen Tagliamento. Er wollte hier lediglich der zerschlagenen 2. Armee eine kurze Atempause gewähren, dann aber — wie er es schon seit dem 24. Oktober abends im Sinne hatte — das Heer bis auf den Gebirgsstock der Grappa und hinter den Piave zurückführen. Die vier intakten Korps der 3. Armee allein schienen ihm aber zu schwach zu sein, um allenfalls die 75 km lange Flußstrecke der Meduna und des Tagliamento zwischen dem Mt. Corda (10 km nordwestlich vom Ort Meduno) und dem Meere verläßlich zu halten. Auch besorgte er einen gleichzeitigen Angriff der Heeresgruppe Conrad aus Südtirol, der im Falle des Gelingens dem noch im östlichen Venetien haltenden italienischen Heere den Rückzug verlegen mußte. Daher sollte am Tagliamento nur ein Kampf um Zeitgewinn geführt werden1').
Gen. Montuori teilte die von ihm befehligte 2. Armee in drei Gruppen, die bis zum 28. Oktober früh eine Zwischenstellung bezogen haben sollten. Links hatte Gen. Etna (IV. Korps sowie 16. und 21. ID.) im Anschluß an die Karnische Gruppe von Trasaghis bis Qualso Stellung zu beziehen. Die 2. KD. hatte im besonderen die Niederung des Torre zwischen Tarcento und Nimis zu schützen. Die Mittelgruppe des Gen. conte Petitti (XXVIII., VII. und XXVII. Korps) sollte hinter dem Torre von Qualso bis Pradamano, dann auf den Hügeln bis Manzano haltmachen. Von hier bis Podgora hatte die rechte Gruppe, Gen. Ferrero (XXIV.,
II. und VI. Korps), mit nach Norden gerichteter Front zwischen Manzano und Podgora das Abziehen der 3. Armee zu sichern. Den Befehl für die Fortsetzung des Rückzuges hinter den Tagliamento behielt sich der Armeeführer vor, der sein Hauptquartier vorübergehend nach Codroipo verlegte.
Der Kommandant der 3. Armee, Herzog von Aosta, erkannte am
27. abends die durch den Durchbruch des Gegners bei Cividale seiner Armee drohende schwere Gefahr, abgeschnitten zu werden. Er verzichtete daher auf die geplant gewesene abschnittsweise Räumung der Karsthochfläche und traf alle Maßnahmen, um den weiteren, rasch durchzuführenden Rückzug hinter den Tagliamento gegen Osten und
x) Cadornas Schreiben vom 30. September 1926 an den GdA. Krafft.
Norden zu sichern. Hiezu hatte die auf vier Brigaden verstärkte 4. ID. in den am unteren Torre und am Sdobba (Unterlauf des Isonzo) angelegten Brückenköpfen den Abmarsch der Armee zu decken. Weiters sollten je eine Brigade der vier Korps, unter einheitliches Kommando gestellt, in einer hinteren, von S. Maria la Longa über Palmanova und Torre Zuino zur Aussamündung sich hinziehenden vorbereiteten Verteidigungslinie eine zweite Nachhutstellung beziehen.
Die Verteidigung des Tagliamentoabschnittes fiel nach der Weisung Cadornas bis Trasaghis der Karnischen Gruppe, von hier bis ausschließlich der Brücken bei C. Pte. d. Delizia (westlich von Codroipo) der 2. Armee und weiter nach Süden bis zum Meere der 3. Armee zu. Das Spezialkorps (20. und 33. ID.) wurde, wie schon erwähnt (Ś. 548), auf der Bahn nach Pinzano geführt, um die als besonders wichtig angesehenen Übergänge zwischen diesem Ort und Comino zu schützen *).
Dei■ Rückzug der Italiener in den Karnischen und ]idischen Alpen am 28. und 29. Oktober
Der 28. Oktober sah die Verbündeten trotz eines schauderhaft stürmischen und regnerischen Wetters im ganzen Raume zwischen dem Plöckenpaß und dem Meere allerorts in raschem Vormarsch.
Bei der k.u.k. 10. Armee waren die vom GO. Krobatin für den Angriff eingeleiteten Truppenverschiebungen noch nicht durchgeführt, als der gegenüberstehende Feind am 28. abends den Rückzug hinter den oberen Tagliamento anzutreten begann. Der wachsamen 94. ID., FML. Edl. v. Lawrowski, die im Falle eines Zurückweichens der Italiener bis Paluzza Vordringen sollte, entging das Lockerwerden des Feindes nicht. Am Abend erstürmte das Kärntner FJB. 8 den Gr. Pal; noch in der darauffolgenden Nacht trat die 25. GbBrig. durch den Plöckenpaß den Vormarsch nach Tirnau an. Am 29. abends zog die 94. ID., die jetzt dem 10. Armeekmdo. unmittelbar unterstellt wurde, in die vom Feinde eben verlassenen Orte Paluzza und Paularo ein. Sie hatte bereit zu sein, nunmehr in westlicher Richtung vorzurücken, wobei die noch auf dem Karnischen Kamm zwischen dem Mt. Peralba und dem Wolayersee stehende Gruppe des Obst. Edl. v. Fässer den Drehpunkt bilden sollte.
Der östliche Flügel der 10. Armee wurde dem GdI. Hordt unterstellt. Die 29. GbBrig. sollte durch das Aupatal nach Moggio vorstoßen.
r Bericht der Untersuchungskornmission, I, 189 ff.
Sie setzte sich am 28. in den Besitz von Pontebba und erreichte am 29. Grauzaria. Die auf Resiutta gewiesene 59. GbBrig. nahm am 28. mit der Nordgruppe den Somdognasattel; die Südgruppe drang in das Raccolanatal ein und erreichte mit Vortruppen Saletto. Tags darauf nächtigte diese Brigade in Chiusaforte, nachdem die Besatzung dieser starken italienischen Sperrfeste trotz des Befehles, bis zum Äußersten Widerstand zu leisten, vor dem k.u.k. FJB. 30 die Fahne gestrichen hatte1).
Die Karnische Gruppe der Italiener wurde vom 29. Oktober an als XII. Korps dem 2. Armeekmdo. unterstellt, damit der weitere Rückzug von diesem einheitlich geleitet werden könne. Von den Divisionen des Korps erreichten am 29. abends die 26.Ampezzo, die 36. und die Masse der 63. das rechte Tagliamentoufer südlich von Villa Santina und von Tolmezzo. Die Fellabrücke bei Stazione per la Carnia wurde zerstört. Teile der 63. ID. samt einigen Alpinibataillonen gingen bei Braulins über den Fluß und sprengten die dortige Tagliamentobrücke2).
Im Zusammenhang mit dem Rückzug des italienischen XII. Korps begann am 29. auch der rechte Flügel der italienischen 4. Armee sich vom Gegner abzusetzen und gab das Winkler- und das Tilliacherjoch frei.
Die am Nordflügel der Armee Below vorstrebende Gruppe Krauss setzte am 28. den außerordentlich schwierigen Gebirgsmarsch fort, um das untere Fellatal und die Ebene bei Gemona und Tarcento zu erreichen.
Bei der durch die deutsche Jägerdivision verstärkten Edelweißdivision vermochten am 28. die rechte Höhenkolonne nördlich von S. Giorgio einige Bergstellungen, die Talgruppe diesen Ort selbst zu nehmen. Tags darauf warf GM. Wieden zunächst italienische Nachhuten zurück; er machte sich abends zum Herrn von Resiutta. Der Ausgang ins Fellatal war erzwungen. Das KJR. 3, das als linke Kolonne über Musi vorgerückt war, bemächtigte sich am 28. des westlich davon gelegenen Überganges, der Forcella Musi, und öffnete sich dadurch den Abstieg nach Venzone. Am 29. stand die Vorhut der Dreierkaiserjäger bei der Costa Majaron 3).
Ein Nachlassen des Schneesturmes im Rombongebiet ermöglichte es der 216. IBrig. am 28., endlich an die Prevalascharte heranzukommen. Die tapferen Verteidiger, denen durch das Vordringen der 59. GbBrig. der Rückweg verlegt war, ergaben sich; rund 200 Italiener und 6 Geschütze fielen in die Hände des IR. 59, das in diesem wilden Fels-
1) Bericht der Untersuchungskommission, I, 222.
2) Murar i, Un episodio di guerra nelle prealpi carniche (Mailand 1935), 92.
3) S c h e m f i 1, KJR. 3 im Weltkrieg, 486.
geländc außergewöhnlichen Entbehrungen ausgesetzt gewesen war1). Die Masse der Brigade Spiess rückte sodann der Gruppe Wieden nach und nächtigte am 29. in Saga.
Die 22. SchD. setzte am 28. den Vormarsch von Monteaperta und Platschitis zunächst bis Villanova fort und trieb je ein Bataillon zum Sattel beim Kreuz-Ą- 1093, 3km östlich von Gemona, und nach Vedronza vor. Dann schob sie sich — ohne ein Geschütz — gegen die italienische Befestigungsgruppe auf dem Mt. la Bernadia heran, deren Kern das Panzerfort Lonza war. Die Werke waren aber unbestückt und fielen schon nach einem kurzen Gefecht in die Gewalt der rasch zugreifenden Schützen. Vorhuten, die hierauf noch bis Tarcento vorstießen, fanden abends in dem wildschäumenden Torre mit der vom Feind gesprengten Brücke ein unüberschreitbares Hindernis. Das Feuer mehrerer noch auf dem Westufer haltender Alpinibataillone schlug herüber.
Am 29. rückte die 98. KSchBrig. der Division Müller nach Monte-nars. Das Bataillon vom Sattel beim Kreuz -Ą- 1093 drang in Gemona ein und brachte hiemit den Mittelpunkt des befestigten Lagers „Friuli Nord“ in unseren Besitz. Kurz darauf sprengten die Italiener die Werke auf der Höhe A 571 östlich von Ospedaletto. In der Nacht flog — wie schon erwähnt — auch die nach Braulins führende Brücke in die Luft. Die Masse der 22. SchD. gelangte am 29. abends nach Bau eines Notsteges nach Tarcento und schob Vortruppen gegen die von verschiedenen kleinen Orten gekrönten Höhen bei Buja vor.
Die 50. ID., die wegen der hochangeschwollenen Sturzbäche alle Pferde hatte zurücklassen müssen, erreichte am 28. unter unbedeutenden Plänkeleien die für den 27. vorgezeichnet gewesenen Marschziele S. Gervasio und Attimis. Tags darauf vermochte sie lediglich zwei Bataillone bis Martinazzo vorzutreiben. Die Masse der Division mußte in
S. Gervasio die Fertigstellung von Übergängen über den Hochwasser führenden Torrente Comappo abwarten. Die 55. ID., die am 28. in Platschitis genächtigt hatte, kam am 29., hinter der 22. SchD. nachrückend, nach Nimis und Molmentet.
GdI. Krauss, der am 29. in Nimis eintraf, konnte mit besonderer Genugtuung auf die Leistungen und Erfolge seiner Truppen blicken. Seine Gruppe hatte den Feind in sechstägigen Kämpfen und Märschen durch schwierigstes Gebirgsgelände mit dem rechten Flügel über die Fella und den Tagliamento geworfen und sich mit dem linken Flügel den Austritt in die Ebene erzwungen.
J) H o e n, IR. 59 im Weltkrieg, 613 f.
Durchbruch durch die italienische Front am "Corre (28. Oktober)
Neue durchschlagende Erfolge waren am 28. Oktober der über Cividale und östlich davon vorbrechenden Masse der Armee Below be schieden.
GLt. Stein hatte der deutschen 12. ID. den Abschnitt von Majano bisPagnacco, dem Alpenkorps jenen von hier bis Udine als Ziel gegeben. Der Vormarsch der weit auseinandergezogenen Divisionen gestaltete sich wegen der reißenden Torrenten, die vor und zwischen den Truppenteilen zu Tale stürzten, ganz besonders schwierig. Dafür erleichterte der rasche Rückzug des Feindes anfangs den Vormarsch der Deutschen; kampflos kam die 12. ID. von Faedis bis nach Savorgnano und Primu-lacco, wo ihr der Torre Halt gebot. Das Alpenkorps, das von Ronchis und Ziracco aus den Hügeln bei Torreano zustreben sollte, vermochte nur mit den vordersten Abteilungen Belvedere und Salt zu erreichen. Hier bei Salt setzten sich diese durch raschen Zugriff noch in den Besitz der unbeschädigten Brücke und drangen bis Godia vor. Die deutsche 117. ID. rückte in die vom Alpenkorps verlassenen Quartiere nach. Die
13. SchD. schloß im Raume Robič—Sužid auf.
Bei der Gruppe Berrer waren die beiden Divisionen in der stürmischen Regennacht vom 27. auf den 28. Oktober fast ununterbrochen weitermarschiert, um die vom Armeekommando vorgezeichnete Linie Plaino—Nordrand von Udine zu erreichen. Die überGrions vorrückende 200. ID. überrannte im Morgengrauen mit ihrer Vorhut über den hier furtbaren Torre hinweg den Feind bei Beivars und riß hiemit die Front des italienischen VII. Korps auf. Nach Abwehr eines Reiterangriffes gelangte das Spitzenbataillon um 10hvorm. an den Nordrand von Udine heran. Im Inneren der Stadt, die vom Großteil der Bevölkerung verlassen war, plünderten italienische Soldaten und lichtscheues Gesindel die herrenloisen Wohnungen und Läden. Das deutsche Bataillon drang nun in Udine ein und hatte inmitten der zahlreichen zu Gefangenen gemachten Italiener um so mehr einen schweren Stand, als von Süden und Osten her Abteilungen des italienischen XXVII. Korps die Deutschen aus der Stadt zu werfen versuchten. Nach Eintreffen weiterer deutscher Truppen wurde jedoch Udine völlig in Besitz genommen. Abends stand die 200. ID. nordwestlich davon bei Feletto Umberto und Colugna.
Die deutsche 26. ID. überwand gleichfalls noch in den Morgendämmerung östlich von S. Gottardo den Torre. Hiebei fand der Korpsführer, GLt. Berrer, der im Kraftwagen über die eigenen Vortruppen hinaus vorgefahren war, den Heldentod1). Die 26. ID. erweiterte sodann den Einbruch in der italienischen Front und stand am Abend in Udine. Der Führer der Division, GLt. Hofacker, übernahm an Stelle Berrers das Kommando über die Gruppe.
Dui'ch den tiefen Einbruch der 200. und der 26. ID. war die italienische 2. Armee in zwei Teile gespalten. Die Gruppen Etna und Petitti (IV., XXVIII., VII. und XXVII. Korps) wichen im Laufe des
28. in die Linie Tarcento—Tavagnacco—S. Vito di Fagagna zurück. Die Gruppe Ferrero (XXIV., II. und VI. Korps) stand abends aber noch immer in der Linie Buttrio in Piano—Manzano—Podgora. Die von Udine nach Codroipo führende Straße war somit von kampfkräftigen Truppen völlig entblößt; und gerade auf dieser Straße hasteten Troß- und Artillerieabteilungen der 2. Armee sowie unzählige mit Hausrat beladene Fuhrwerke der verängstigten Bevölkerung gegen die Übergänge bei C. Pte. d. Delizia, die jedoch im Bereiche der 3. Armee lagen. Massenschreck und mangelnde Verkehrsregelung brachten es während der Nacht mit sich, daß sich die Fuhrwerke vor den Brücken ineinander unentwirrbar verkeilten. Alsbald setzte sich diese Verkehrsstockung auf der ganzen Reichsstraße über Codroipo bis Campoformido fort und bildete ein etwa 20 km langes Hindernis.
Gegen die vom GLt. Ferrero befehligte rechte Flügelgruppe der italienischen 2. Armee drangen das Korps Scotti und die 2. Isonzoarmee vor. Von der Gruppe Scotti, die über Udine gegen den Tagliamento zwischen Rivis und der Bahnbrücke bei C. Pte. d. Delizia gewiesen war, kam die deutsche 5. ID. mit der Masse kampflos nach Remanzacco und Orzano; ein Regiment erreichte sogar Udine. Die k.u.k. 1. ID. vermochte wegen verschiedener Verzögerungen erst um 4h nachm. gegen ihre Marschziele Selvis und Cerneglons anzutreten und gelangte daher mit den Anfängen nur bis Firmano; sie blieb somit erheblich hinter der deutschen 5. ID .zurück.
Bei der 2. Isonzoarmee zwängten sich am 28. nach der Eroberung der Korada das II. Korps und die Gruppe Kosak im Mündungswinkel des Judrio und der Recca zusammen. Vom II. Korps, GdI. Kaiser, erreichte die 57. ID. den Raum Dolegna—Vercoglia, die 28. ID. Prepotto, Colobrida und Senico; Teile der 28. hingen noch bis Ajba am Isonzo
i) Krafft, II, 40.
nach. Die Kriegsbrücke bei Auzza mußte wegen des Hochwassers abgetragen werden. Die gleichfalls von der Korada absteigende 60. ID. der Gruppe Kosak gewann Venco. Die 35. ID., die zeitlich früh einen noch südwestlich von Plava haltenden Feind vertrieb, rückte bis S. Lorenza di Nebola.
Das XXIV. Korps, GdI. Lukas, dessen 24. ID. bis zum 28. früh bei Plava vollzählig auf das westliche Isonzoufer übergegangen war, drang über Verhovlje bis auf die Höhen nördlich von Cormons vor und brachte 60 italienische Offiziere und 3000 Mann als Gefangene ein. Die der. 24. nachfolgende 53. ID. erstieg kämpfend die Höhen bei Quisca und Hum. Sie hatte Fühlung mit der am rechten Flügel der 1. Isonzoarmee vorgehenden 58. ID., die Görz im Straßenkampfe säuberte und durch eine Umgehung von Norden her sich nach hartem Kampfe in den Besitz der in früheren Isonzoschlachten vielumstrittenen Podgorahöhe setzte. Das IV. Korps, von dem Honvédabteilungen den Mt. Sabotino erstiegen, blieb im allgemeinen stehen.
Vor der 2. Isonzoarmee hielt die Gruppe Ferrero befehlsgemäß mit nach Norden gewandter Front an der Bahnlinie Pradamano—Görz. Hiebei stand das italienische XXIV. Korps am linken Flügel bis Cormons, das II. von hier bis westlich von Lucinico und das VI. bei diesem Dorfe in hakenförmiger Aufstellung.
GLt. Montuori wollte, obwohl seine Armee bei Udine durchbrochen war, am Torre und in der Linie Pradamano—Lucinico auch noch am 29. bis zum Abend Widerstand leisten, offenbar, um das Abfließen des Trosses zu ermöglichen. Hiebei sollten örtliche Einbrüche des Gegners nicht Anlaß zum allgemeinen Rückzug geben, sondern abgeriegelt werden. Den Rückzug hinter den Tagliamento, der mit den am Gegner stehenden Divisionen erst am 29. nachts anzutreten, war, wollte er mit den Gruppen Etna und Petitti in einem Zuge, mit der Gruppe Ferrero in zwei Märschen ausführen lassen, wobei letztgenannte die nach Vis-cone und Versa führenden Straßen mit der 3. Armee gemeinsam benützen sollte. Eine an die Heeresleitung gerichtete Bitte Montuoris, der 2. Armee auch den Übergang über die Brücken westlich von Codroipo zu gestatten, wies Cadorna ab1).
Der Rückzug der 2. Armee, insbesondere ihres rechten Flügels, mußte sich demnach sehr schwierig gestalten, dies um so mehr, als das Hochwasser die Brücke bei Bonzicco beschädigt und die Kriegsbrücken bei S. Odorico und Rivis abgerissen hatte. Um seinem rechten
*) Bericht der Untersuchungskommission, I, 210 f.
Flügel doch den Übergang bei Codroipo zu ermöglichen, setzte sich Montuori mit dem 3. Armeekmdo. unmittelbar ins Einvernehmen1). Unterdessen wälzte sich bereits ein Strom von Fuhrwerken, flüchtenden Soldaten und Landesbewohnern den Brücken zu. Der Rückzug bot bei der 2. Armee immer mehr das Bild der Auflösung.
Bei der 1. Isonzoarmee erfocht die 58. ID. des XVI. Korps den schon erwähnten Erfolg auf der Podgorahöhe. Das Gefecht dauerte bis zum Morgengrauen des 29. und trug der Division des FML. Freih. •v. Zeidler eine Beute von über 2000 Gefangenen, 16 Geschützen und 20 Maschinengewehren ein. Die 14. ID. wurde bei Mainizza durch das Hochwasser auf dem Ostufer aufgehalten. Die Divisionen 44, 17 und 48 des VII. Korps erreichten den Isonzo zwischen der Wippach-mündung und S. Pietro d. Isonzo. Von der Mitteldivision vermochte das IR. 39 noch vor einem den Isonzo neuerlich anschwellenden Wolkenbruch rasch auf das Westufer überzugehen. Vom südlich anschließenden XXIII. Korps nahmen Vortruppen der 41. HID. bereits um 7hfrüh den Bahnhof von Monfalcone. Abends stand diese Division bei Turriaco, die 10. ID. vor den gesprengten Brücken bei Pieris und die
12. bei S. Canziano. Da die Italiener den Isonzodamm bei Cassegliano durchstochen hatten, war südlich davon das Anland des Flusses überschwemmt.
Die vor der Armee Wurm zurückhastende italienische 3. Armee hatte am 28. bereits um 10h30vorm. den Isonzo hinter sich gebracht. Am Abend ließen sich das XI. Korps bei Castions di Strada, das XXIII. bei S. Giorgio di Nogaro, das VIII. nördlich von Palmanova und das XIII. südlich davon zu einer kurzen Nachtruhe nieder. Die 1. KD. und die 4. ID. bezogen an den Unterläufen des Torre und des Isonzo eine Nachhutstellung. Östlich des Nordflügels dieser Nachhut stand aber noch fast die ganze Gruppe Ferrero der 2. Armee.
Das lange Ausharren der Gruppe Ferrero entsprach den Wünschen Cadornas, da es dadurch möglich zu werden schien, die 3. Armee ohne nennenswerte Einbuße auf das schützende Westufer des Tagliamento zu bringen. Ihr Führer, der Herzog von Aosta, bemühte sich auch sehr darum. Er wies das VIII. Korps an, etwaige Flankenstöße des Gegners von Udine her durch Gegenangriff abzuwehren; der l.KD. wurde der Schutz der Flanke zwischen Mortegliano und dem Tagliamento aufgetragen. Schließlich sollten alle vier Korps je eine Brigade als zweite Nachhut ausscheiden. Diese weitgehenden Sicherungsmaßnahmen waren
*) C a b i a t i, Ottobre 1917, 243.
durchaus gerechtfertigt; denn das Einströmen ungeordneter Massen von Truppen und Trains der 2. Armee in den Bereich der 3., die Gefährdung der Brücke bei Madrisio durch das Hochwasser, das auch den geplanten Bau von vier Notbrücken verhinderte, und insbesondere das rasche Vordringen des Gegners über Udine hatten für die 3. Armee bereits eine recht bedrohliche Lage geschaffen.
Im Gegensatz zu den schweren Sorgen im italienischen Lager herrschte in den Hauptquartieren zu Baden und Marburg sowie im engen Gefolge des Kaisers Karl, der mit dem Chef des Generalstabes am 28. un,d am 29. die hohen Befehlsstellen der Isonzofront besuchte* gehobene Stimmung. Sehr genau war man über die Ereignisse des Tages allerdings nicht unterrichtet. Man wußte, daß Cividale, die Korada und Görz erobert worden seien. Italienischen Funksprüchen war die bevorstehende Räumung von Udine und Osoppo zu entnehmen. Auch erfuhr man aus dem italienischen Heeresbericht, daß der linke Flügel der 2. Armee in den Julischen Alpen durchbrochen worden war, man las in ihm auch die ungewöhnlich scharfen Tadelsworte, mit denen Cadorna das Verhalten mancher Truppen dieser Armee geißelte. Da man in Baden annahm, daß der Feind nun den linken Flügel seiner 2. Armee verstärken werde, stimmten die k.u.k. Heeresleitung und das Kommando der Südwestfront darin überein, daß die bisher zurückgehaltenen Reserven (13., 4. und 33. ID.) raschestens dem eigenen Nordflügel nachgeführt werden sollten.
Allgemein erscholl jetzt der Ruf nach Kavallerie, Radfahrern und Panzerautos für eine schnelle Verfolgung. Das I. Korpskmdo. hatte schon am 18. Oktober darum gebeten, ebenso die deutsche 5. ID., als sie sich Cividale näherte. Die k.u.k. Heeresleitung verfügte aber über keine berittenen Kavalleriedivisionen mehr. Die wenigen Radfahrerkompagnien standen im Pustertal und an der Küste, und Panzerautos hatten wir fast keine. Zweifellos hätte man — wenn frühzeitig eingeleitet — solche Truppen (allenfalls aus dem Heere des Verbündeten) bereitstellen können. Man hatte einen so großen Erfolg aber nicht erwartet. Es bleibt auch fraglich, ob die Reiterei durch die angepferchten Täler rechtzeitig hätte durchkommen können.
Erzherzog Eugen beabsichtigte, wie er am 28. die Heeresleitung und die Generale Boroevic und Below wissen ließ, den beiden Isonzo-armeen nach dem Erreichen der Linie Udine—Cervignano wieder rein ost-westlich verlaufende Vorrückungsräume zuzuweisen, und als Grenze zwischen der deutschen 14. und der 2. Isonzoarmee die Linie Südrand
Udine—Tomba—S. Odorico—Pozzo zu bestimmen. Die südlich dieser Linie manövrierenden Divisionen Belows sollten unter Befehl des GO. Boroevic treten und durch dessen nachfolgende Divisionen ersetzt werden. Auch plante der Erzherzog, sich das Korps Krauss wieder unmittelbar zu unterstellen.
Das allgemeine Streben der hohen Führung am 28. war somit auf eine rasche Verfolgung in westlicher Richtung gerichtet, um die Flußübergänge in Besitz zu nehmen und den Nordflügel der Heeresfront zu verstärken. Man befaßte sich demnach bereits auch in Baden und Marburg mit dem Gedanken, die Verfolgung über den Tagliamento hinweg fortzuführen. Der Chef des Generalstabes scheint sich jedoch an diesem Tage, wie er sich gelegentlich seines Besuches in Adelsberg beim Heeresgruppenkommando vernehmen ließ, damit noch nicht sehr befreundet gehabt zu haben1).
Fortsetzling der Verfolgung in der Ebene am 29. Oktober
Das deutsche 14. Armeekmdo. erließ für den 29. keine neuen Befehle. Es erhoffte, daß sich bei den Italienern, trotz ihres Vorsprunges von einem Tage, am Tagliamento große Stauungen ergeben würden, und daß es dadurch möglich sein werde, ihnen dort neuen Abbruch zu tun2). GdI. Below verließ mit dem engeren Stab am 29. früh Krainburg, um sich nach Cividale zu begeben. Unterdessen setzten auch seine Korps der Mitte und des linken Flügels die Verfolgung fort.
Von der Gruppe Stein, bei der der Armeebefehl vom 27. abends am
29. früh noch immer nicht eingelangt war, hatten die beiden vorderen Divisionen nördlich und südlich der Linie Fagagna—Rodeana—Spilim-bergo vorzudringen und sich der Übergänge über den Tagliamento zu bemächtigen. Die deutsche 12. ID. gelangte bis Caporiacco, das Alpenkorps bis Fagagna und S. Vito di Fagagna. Die 117. ID. rückte bis Sa-vorgnano und Primulacco, die 13.SchD. nach Povoletto und Ronchis nach.
GLt. Hofacker erhielt am 29. früh von dem am 27. erlassenen Armeebefehl Kenntnis, der seine Gruppe in den durch die Linien Plaino— Silvella—Gradisca und Chiavris—S. Marco—Arzenutto abgegrenzten
!) Tagebuchaufzeichnungen des GM. Anton Ritt. v. Pitreich, damals Chef der Operationsabteilung des Heeresgruppenkommandos Boroevic.
2) Krafft, II, 48.
Vorrückungsstreifen gewiesen hatte. Die 200. ID. erreichte unter leichten Gefechten Cisterna und Flaibano. Aufklärer fanden den Tagliamento noch immer undurchwatbar und die Brücke bei Bonzicco zerstört vor. Die 26. ID. kam fast kampflos bis Meretto di Tomba und stellte Vorposten am Tagliamento auf.
Bei der Nord- und der Mittelgruppe der italienischen 2. Armee vollzog sich der Rückmarsch dank dem eiligen Tempo der Truppen ohne sonderlichen Druck durch den Gegner. Allerdings entledigten sich die Flüchtenden gerne aller sie belastenden Ausrüstungsgegenstände, mitunter auch der Waffen, was die Verfolger sinnfällig die Größe ihres Erfolges erkennen ließ. Da das Hochwasser die Brücke bei Bonzicco zerstört hatte, wies GLt. Montuori die Gruppe Etna auf Cornino, die Gruppe Petitti, die bei Bonzicco hätte übergehen sollen, zur Brücke bei Pinzano und die Gruppe Ferrero auf Codroipo. Das italienische IV. Korps ging nun mit der Masse bei Cornino über den Tagliamento; die Reste des VII. Korps und das XXVIII. überschritten bei Ragogna den Fluß. Zwei Divisionen des IV. Korps, die 16. und die 34. ID., bezogen am Ledrakanal und bei S. Daniele d. Friuli, das XXVII. Korps im Anschlüsse bis Villanova eine brückenkopfartige Aufstellung. Die 2. KD., die die von Udine heranrückenden Deutschen durch mehrere tapfere Angriffe aufzuhalten versucht hatte, stand abends gleichfalls am Ledrakanal bei Majano. Das Spezialkorps richtete sich auf dem Westufer zwischen Peonis und Pinzano zur nachhaltigen Verteidigung einJ).
Die Südgruppe der Armee Montuori hatte sich der Vorstöße der Gruppe Scotti zu erwehren. FML. Scotti war am 28. von Slap nach Kambreško nachgeritten und hatte mit der deutschen 5. ID. keine Verbindung. Der Führer dieser Division, GM. Wedel, der wegen des weiten Abbleibens der k.u.k. 1. ID. mit der Möglichkeit italienischer Flankenstöße rechnete, plante, am 29. zuerst in Udine aufzuschließen, nach Süden und Südwesten aber bloß Sicherungen vorzutreiben. Unterdessen war das Spitzenregiment schon gegen Codroipo aufgebrochen und erreichte, durch die Straßenverstopfungen vielfach aufgehalten, nach Zurückwerfen einer italienischen Kavalleriebrigade am Abend Basaglia-penta. Das zweite Regiment kam unter leichten Gefechten bis Campo-formido. Das dritte aber wurde südlich von Udine in lebhafte Kämpfe verstrickt, in die auch ein Bataillon der 1. ID. eingriff, indes die Masse dieser Division bis an den Ostrand von Udine gelangte.
Weit hinter der Front vermochten am 29. endlich auch die Divi-
x) Bericht der Untersuchungskommission, I, 217 ff.
sionen der Heeresreserve (33. und 4. ID ) mit dem Nachrücken zu beginnen. Sie gelangten bis Tolmein und Woltschach.
Der Vorstoß der deutschen 26. ID. und der Gruppe Scotti in der Richtung gegen Codroipo störte sehr empfindlich das vom GLt. Ferrero geplante Rückzugsmanöver. Das XXIV. Korps hätte mit der Bersaglieri-division zwischen Pasian di prato, mit zwei Infanteriedivisionen zwischen Mortegliano, Pozzuolo und Campoformido und mit zwei weiteren Divisionen zwischen Basagliapenta und Meretta di Tomba Stellung nehmen sollen, um das Abfließen der zwei ändern Divisionen dieses Korps, ferner des II. und des VI. Korps sowie des Nordflügels der 3. Armee über Codroipo zu schützen.
Diese etwas umständlichen Bewegungen kamen aber nicht in der vorgesehenen Weise zur Durchführung. Die Bersaglieridivision wurde südlich von Udine durch den Gegner recht unsanft angefaßt; das Besetzen der anderen Nachhutstellungen durchkreuzten die deutschen Regimenter der 26. und der 5. Division. Am Abend standen drei italienische Divisionen zwischen Basagliapenta und Mortegliano. Die Ber-saglieri lösten sich nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Gefecht, in das sie westlich von Pradamano verwickelt worden waren. Von der 1. KD. stand eine Brigade in Pozzuolo, die andere war — wie vorhin gesagt — gegen Codroipo geworfen worden. Drei Divisionen des XXIV. Korps und eine des II. zwängten sich durch die vollgepfropften Straßen von Codroipo und über die Brücken auf das westliche Taglia-mentoufer. Die Masse des II. Korps näherte sich um Mitternacht Mortegliano; das VI. Korps marschierte südlich davon auf den beiden nach Codroipo führenden Straßen.
Den Brücken westlich von Codroipo strebten aber auch die beiden nördlichen Korps der 3. Armee zu. Um mit ihnen rasch und gesichert den Uferwechsel vornehmen zu können, bat der Herzog von Aosta Cadorna, der rechte Flügel der 2. Armee möge in seiner nach Norden gerichteten Schutzstellung möglichst lange verharren. So schoben sich das XI. und Teile des VIII. Korps der 3. Armee vor das VI. der 2. Armee ein. Die Masse des VIII. mußte die Nacht auf den 30. Oktober, so wie die vorhergehende, noch immer nördlich von Palmanova verbringen. Die beiden südlichen Korps, das XIII. und das XXIII., hatten am 29. den Tagliamento erreicht und begannen über die zur Not wiederhergestellte Brücke bei Madrisio und über die bei Latisana den Übergang. Den Rückmarsch sicherten gegen Osten hin die vier Nachhutbrigaden in der Linie Palmanova—Aussamündung. Sie gingen in der Abenddämmerung an die Stella zurück und überließen der 4. ID., die am Cormorbach Stellung bezogen hatte, den Rückenschutz1). Die Korps VI, II und VIII standen am 29. abends demnach noch feindwärts dieser Nachhut.
Die Heeresgruppe Boroevic setzte am 29., stellenweise unter Verfolgungskämpfen, den Vormarsch fort. Wegen ihres sehr geringen Pferdebestandes beim Troß und auch bei der Artillerie galt für sie als Richtlinie, vom Lande zu leben, Bespannungen und Truppentrains durch Beutepferde und Beitreibungen zu improvisieren.
Bei der 2. Isonzoarmee kam das II. Korps mit der 28. ID. bis Ceme-glons und Pradamano, mit der 57. bis Buttrio und Oleis. Die Gruppe Kosak bezog mit der 60. ID. in Percotto, Camino und Soleschiano, mit der 35. in Corno di Rosazzo und Venco, mit der 9. in Nebola und Ver-coglia Nachtquartier. Beim XXIV. Korps wurde die 24. ID. bei S. Giovanni di Manzano durch die gesprengte Bahnbrücke aufgehalten. Die 53. ID., die in Verfolgungsgefechten dem Feinde 1800 Mann und 40 Geschütze abnahm, zog unter dem Jubel der Bevölkerung in Cormons ein.
In diese Stadt rückte mittags auch die 58. ID. der 1. Isonzoarmee, die nach Abschluß des Kampfes um die Podgorahöhe, der bis zum
29. Oktober früh gewährt hatte, 2000 Gefangene, 16 Geschütze und 20 Maschinengewehre als Beute meldete. Die zweite Division des XVI. Korps, die 14. ID., die bei Mainizza den Isonzo überschritten hatte, kam unter leichten Kämpfen mit der Vorhut bis Fratta; der Nächti-gungsbereich der Division dehnte sich bis Farra. Von der neugebildeten 63. ID., GM. Ritt. v. Soretić, wurde die Masse der Truppen nach Görz verlegt. Kaiser Karl selbst hielt, begleitet vom Chef des Generalstabes und vom GO. Boroevic, hoch zu Roß an ihrer Spitze Einzug in die rückeroberte Stadt. Das VII. Korps hatte Aufenthalt durch die zerstörten Brücken. Erst zu Mittag wurde die Eisenbahnbrücke bei Sagrado benützbar, über die bis zum Abend die Infanterie der 44. und der halben 48. ID. das Ufer wechselte. Beim XXIII. Korps wurde gleichfalls erst am frühen Nachmittag ein Steg bei Pieris fertig. Ihn benützte zuerst eine zusammengesetzte Abteilung der 10. ID., die noch über Cervignano nach Torre Zuino marschierte. Dann setzte am 29. noch ein Infanterieregiment der 10. ID. über den Fluß. Das Kommando des Abschnittes Triest traf die ersten Maßnahmen, um den Küstenschutz über Duino hinaus zu verlängern.
Am 29. abends befand sich der in Friaul stehende Teil des italie:) C a b i a t i, Ottobre 1917, 257.
nischen Heeres in einer außerordentlich kritischen Lage. Die 2. Armee war völlig entzweigerissen. Ihre Masse, zwölf zum Teil bis auf geringe Reste zusammengeschmolzene Divisionen, standen im Tagliamentobogen zwischen Ampezzo und Spilimbergo. Vier Infanteriedivisiojien und die 2. KD. schützten auf dem Ostufer in einer brückenkopfartigen Aufstellung die Übergänge bei Cornino und Pinzano. Das aus allerdings unbestückten Werken bestehende verschanzte Lager „Friuli Nord“, das diesen Zwecken hätte dienen können, war bei Gemona und Tarcento bereits eingedrückt1).
Die Südgruppe der 2. Armee stand noch mit allen zwölf Divisionen auf dem östlichen Tagliamentoufer zwischen Codroipo und dem Torre. Sie hatte, gleich den beiden nördlichen Korps der 3. Armee, über die Brücken bei C. Pte. d. Delizia das Ufer zu wechseln. Diesen fünf italienischen Korps (XXIV, II, VI, XI, VIII) standen die Gruppen Hofacker und Scotti zwischen dem Tagliamento und Udine gefahrdrohend in der Flanke, indes die schon bis an den Torre und an den Natisone vorgedrungene 2. Isonzoarmee ihnen auf den Fersen folgten. Um die beiden südlichen Korps der 3. Armee (XIII und XXIII), die bei Madri-sio und Latisano schon mit dem Übergang begannen und durch eine zweifache Nachhut gegen das Nachdrängen der 1. Isonzoarmee geschützt waren, mochte man weniger besorgt gewesen sein. Ob aber die oben angeführten fünf Korps aus dem tiefen, nach Osten nachhängenden Sack würden entschlüpfen können, das war die bange Frage, die die italienische Führung am 29. abends besonders schwer bedrücken mußte.
Versuch eines Abschneidens der italienischen 3. Armee Entschlüsse und Befehle für den 30. Oktober
Von der bis zum 29. abends eingetretenen Lage konnten sich die hohen Befehlsstellen der Verbündeten wegen der schlechten Drahtverbindungen kein klares Bild machen. Gewitterneigung erschwerte den Funkverkehr. Dazu saßen die Kommandos der 1. und der 2. Isonzoarmee noch in Sesana und Unt. Loitsch, das der Heeresgruppe Boroevic
in Adelsberg, das 10. Armeekmdo. in Villach, und das Kommando der Südwestfront in Marburg. Nur GdI. Below war am 29. nach Cividale
a) Heydendorff, Die Rolle der Tagliamentobefestigungen 1915—1917 (Mil.
wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1934, 390 ff.).
vorgefahren. Hier kam ihm ein besonderer Antrag des GLt. Hofacker zur Fortführung der Offensive zu.
Hofacker hatte die sehr zutreffende Vorstellung, daß sich seine Gruppe und die des GLt. Stein tief in die Front des Feindes eingebohrt hätten, und daß Teile der italienischen 2. Armee und die ganze 3. noch östlich vom Tagliamento ständen. Hofacker vertrat die Meinung, daß es nach Besitznahme von Codroipo durch einen nach Süden auf Latisana gerichteten Stoß möglich werden müßte, erhebliche Teile des feindlichen Heeres abzuschneiden. Hiezu gedachte Hofacker die 200. ID. auf Codroipo anzusetzen, die 26. und die 5. ID. aber zu beiden Seiten der Stella nach Süden vorstoßen zu lassen. Mit der 5. ID., die am 29. mit ihrem Vorgesetzten Gruppenkommando Scotti nicht in Verbindung stand, hatte Hofacker das unmittelbare Einvernehmen bereits selbst gepflogen.
Das Kommando der deutschen 14. Armee stimmte der Ansicht Hofackers im allgemeinen zu. Es vermeinte aber, in der Verfolgung der vollständig geschlagenen italienischen 2. Armee doch auf das Westufer des Tagliamentos gelangen zu können. Ein dort nach Süden geführter Stoß müßte naturgemäß einen noch viel größeren Erfolg zeitigen, als ihn Hofacker anstrebte. Da ein schnelles Überschreiten des jetzt von reißendem Wasser ausgefüllten breiten Flußbettes jedoch nicht sicher war, sollte auch auf dem Ostufer gegen Latisana vorgegangen werden. Für diesen Plan, der beiden Möglichkeiten Rechnung trug, erließ GdI. Below am 29. Oktober um 10h nachts in Cividale die erforderlichen Befehle.
Nach diesen sollten die Gruppen der Generale Krauss, Stein und Hofacker zwischen dem Gebirgsfuß und S. Vito al Tagliamento über diesen Fluß hinweg die Verfolgung „bis zur Vernichtung des italienischen Heeres fortsetzen“. GdI. Below nahm diesen Entschluß auf sich, obwohl für eine Vorrückung über den Tagliamento die Zustimmung der DOHL. noch nicht eingelangt war. Die Gruppe Scotti, verstärkt durch die 117. ID. der Gruppe Stein, hatte „über die Linie Basagliapenta—Pozzuolo—Lau-zacco in der allgemeinen Richtung auf Latisana vorzustoßen“. Außerdem wurden die 4. und die 33. ID. der Heeresreserve zum Nachrücken bis nach Robič und Karfreit angewiesen1).
Von dem vom GdI. Below am 29. abends erlassenen, die 2. Isonzoarmee sehr wesentlich berührenden Befehl konnten wegen des Mangels an Verbindungen die Kommandos der Südwestfront, der Heeresgruppe Boroevic und der 2. Isonzoarmee nicht verständigt werden. Ebenso hatte
Krafft, II, 66 f., 72 ff. — Hofacker, Die Krisis der italienischen Armee im Oktober 1917 (Militär-Wochen-Blatt, Berlin 1921, Heft 12).
man in Marburg von den Räumen, die die 14. Armee am 29. gewonnen hatte, keine Kenntnis. Man wußte nur, daß sie über Cividale hinaus vorgedrungen war, und daß die Armee Henriquez den Torre erreicht hatte. Erzherzog Eugen plante nun gleichfalls, die Offensive über den Tagliamento fortsetzen zu lassen, wollte die nächsten Ziele aber erst bestimmen, nachdem er von der Lage bei der 14. Armee Kenntnis erlangt haben würde. Es ergingen daher am 29. von Baden und Marburg keine neuen Weisungen. Die Heeresleitung verfügte lediglich die Absendung der 43. SchD. in ihre ostgalizische Heimat. An ihrer Statt wurde die
9. ID. dem IV. Korps zugewiesen. Dieses Korps und die 29. ID. sollten vom Heeresgruppenkommando Boroevic als Reserve der Südwestfront nach Udine nachgeführt werden.
Da sich die Heeresgruppe Boroevic der Linie Udine—Cervignano näherte, sah ihr Führer die ihm mitgeteilte Absicht des Kommandos der Südwestfront, nunmehr die Armeen wieder in rein westlicher Richtung vorrücken zu lassen, als Befehl an. Dementsprechend wies er der 2. Isonzoarmee den Raum südlich der Linie Orzano—Ortsmitte Udine—Tomba—S. Odorioc—Pozzo und der 1. Isonzoarmee jenen südlich der Linie Cormons—Medeuzza—S. Maria la Longa—Mortegliano— S. Vidotto als Vorrückungsstreifen zu. Nach diesen Befehlen mußte es am 30. an den inneren Flügeln der Armeen Below und Henriquez zu Kolonnenkreuzungen kommen.
Das italienische Höchstkommando legte naturgemäß das Hauptgewicht darauf, seine noch östlich vom Tagliamento befindlichen Divisionen bei Vermeiden aller nicht der Sicherung des Rückzuges dienenden Gefechte möglichst rasch hinter den schützenden Fluß zu bringen. Hier hatten sich die noch kampfkräftigen Einheiten am Westufer zur Verteidigung einzurichten, um den zerschlagenen Teilen der 2. Armee das Abfließen in das als Erholungsraum gedachte Gebiet zwischen Brenta und Bacchiglione zu ermöglichen1). Hiebei sollte die 2. Armee der Ge-birgsfront erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden, insbesondere dem Abschnitt zwischen dem durch ein noch bestücktes Werk gekrönten Mt. Festa und dem Ort Ragogna.
Cadorna hegte auch Besorgnisse für die Tiroler Front; ein Durchbruch in diesem Raum konnte die völlige Einkreisung des Heeres bedeuten. Daher sollte die 3. Armee ein Korps zu zwei Divisionen nach Brescia und eines zu drei Divisionen in den Raum südlich der Sieben Gemeinden nach Thiene, Bassano und Cittadella verschieben.
x) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 513.
Die Fortsetzung des Rückzuges an den Piave anzubefehlen, behielt sich Cadorna vor. Er plante — wie schon angeführt (S. 565) — die neue Verteidigungsfront hinter dem Unterlauf des Piave und auf den Höhen zwischen dem Mt. Grappa und dem Altissimo aufzubauen. Hiezu sollte die 3. Armee mit vier Korps (hiebei das VI. von der 2. Armee) vom Meere bis zum Montello, die 4. Armee mit ebenso vielen Korps und vier von den Franzosen angekündigten Divisionen zwischen dem Montello und dem Mt. Grappa, die 1. Armee westlich davon Stellung nehmen.
Die Nachricht von der katastrophalen Niederlage der Italiener löste in den Hauptstädten und. bei den Heeresleitungen der beiden Westmächte Bestürzung aus. In Paris sprach man von einem Sedan des italienischen Heeres. Nicht ohne Schuldbewußtsein, die von Italien früher erbetene Waffenhilfe nicht gewährt zu haben, beriet man über die jetzt zu treffenden Maßnahmen. Man kam überein, den Italienern Kräfte zuzuschieben, weiters die in Flandern und nordöstlich von Soissons im Gange befindlichen Angriffe verstärkt fortzusetzen, um dadurch womöglich deutsche Truppen aus Italien abzuziehen. Am 29. Oktober waren die ersten Staffel französischer und englischer Divisionen auf dem Wege nach Venetien. Der französische Generalstabschef, Gen. Foch, reiste am 28. Oktober selbst ins italienische Hauptquartier1).
Der Vorstoß auf Codroipo und Latisana (30. und 31. Oktober)
Das rasche Vordringen der Verbündeten über Udine hinaus erfüllte den GLt. Ferrero mit größter Besorgnis, denn es vermochte das Abfließen seiner drei Korps über die Brücken westlich von Codroipo empfindlich zu stören. Zur Sicherung des Flußüberganges seiner Gruppe bestimmte Ferrero mit Zustimmung des Herzogs von Aosta das VIII. Korps der 3. Armee. Dessen 59. ID. hatte in der Linie Villaorba—Basagliapenta—Lestizza eine Brückenkopfstellung zu beziehen. Zum unmittelbaren Schutz der Brücken wurden nebst anderen Verbänden Marschformationen in der Stärke von 4000 Mann bestimmt. Die Masse des VIII. Korps (7. und 48. ID.) und die l.KD. hatten überdies zur Abschwächung des gegnerischen Druckes auf Codroipo mit drei Gruppen
*) Foch, II, S. XXXVI. — H. M., La vérité sur la guerre 1914—1918 (Paris 1930), II, 93. — Her bill on, Souvenirs d’un officier de liaison pendant la guerre mondial (Paris 1930), 155 f. — P a 1 a t, La part de Foch dans la Victoire (Paris 1930), 118 von Süden her in der Richtung auf Campoformido, Orgnano undPasian Schiavonesco Gegenangriffe auszuführen1).
Von der Gruppe Hofacker blieb die Masse der 200. ID. am 30. zunächst in ihren Quartieren. Teile schoben sich näher an den Tagliamento heran. Die 26. ID. drang vonMeretto diTomba gegen Codroipo vor. Rechts von ihr, das Ufer entlang, rückten je ein Bataillon der beiden Divisionen vor. Diese zwei Bataillone durchbrachen die Brückensicherung des Feindes, die südlich der permanenten Werke aufgestellt war, und stürmten kühn durch die bei • den Übergängen zusammengeballten feindlichen Massen hindurch bis auf die Brücken vor. Die Straßenbrücke war aber schon zerstört. Die Eisenbahnbrücke und die südlich davon eingebaute Kolonnenbrücke wurden vom Feinde knapp vor den Deutschen gesprengt. In der Hand der beiden Bataillone blieben 12.000 Gefangene.
Nach der Brückensprengung war für Freund und Feind ein weiterer Übergang um so weniger möglich, als bei Föhn neuerlich niedergehende Regengüsse den Fluß noch mehr ansteigen ließen. Vorher hatte am 30. nur die 67. ID. des XXIV. Korps das Westufer zu erreichen vermocht. Die später herankommenden italienischen Kolonnen sahen sich bemüßigt, nach Süden umzukehren.
Die 26. ID. hatte indessen um Codroipo einen harten Kampf zu führen. GLt. Ferrero, der in der Stadt sein Hauptquartier hatte, leitete selbst die Verteidigung. Endlich, nach Einbruch der Dunkelheit, neigte sich der Sieg den Württembergern zu, die 15.000 Gefangene einbrachten. Die Menge des erbeuteten Kriegsgerätes war gar nicht zu übersehen, Die Reste der italienischen 59. ID., die Hauptträgerin des Widerstandes gewesen war, wichen nach Süden aus.
Bei der zum Stoß nach Südwesten bestimmten Gruppe Scotti hatten die deutsche 5. ID. in zwei Kolonnen über Rivolto und Flambro auf Rivignano, die 117. ID. über Pozzuolo und Talmassons auf Torsa und die k.u.k. 1. ID. über Mortegliano vorzurücken. Die 5. ID. kam unter lebhaften Kämpfen gegen mitunter noch von Osten nach Westen marschierende italienische Kolonnen und, sehr oft aufgehalten durch das die Straßen versperrende italienische Kriegsgerät, erst am Abend nach Rivolto, Bertiolo und Flambro. Hier verebbte ihr Angriffsschwung. Von der 117. ID. stieß das ihrer Haupttruppe weit vorausgeeilte Vorhutregiment vor Pozzuolo auf die zweite Brigade-der italienischen l.KD., die hier auf die zum Gegenangriff nach Norden befohlene Brigade des
1) Bericht der Untersuchungskommission, I, 241 ff. — C a b i a t i, Ottobre 1917, 272.
VIII. Korps wartete. Von der k.u.k. l.ID. brach die 7. GbBrig. schon bei Tagesanbruch von S. Gottardo nach Mortegliano auf; die 22. GbBrig. folgte in größerem Abstand nach.
Gegen den Vorrückungsraum der Gruppe Scotti schob sich von Osten her das k.u.k. II. Korps heran. Es hätte im Sinne eines vom Kommando der 2. Isonzoarmee am 29. abends erlassenen Befehles mit dem rechten Flügel vom Südrand Udine über Tomba gegen denTaglia-mentoabschnitt S. Odorico—Rivis rücken sollen. Der Korpskommandant, GdI. Kaiser, hatte nachts aber vom Stoß Scottis nach Südwesten Kenntnis erlangt. Um eine Vermengung der Kolonnen zu verhindern, hielt er seine beiden Divisionen an der von Udine nach Palmanova führenden Bahn an und ließ beim 14. Armeekmdo., das nach Udine übersiedelt war, um Abhilfe bitten.
GdI. Below, von dem raschen Herankommen der 2. Isonzoarmee überrascht, verstand sich sofort dazu, die 117. und die l.ID. wieder nach Westen in den Raum nördlich der Bahn Udine—Codroipo zurückzudrehen. Die 5. ID., die Latisana am nächsten war, sollte gleiches aber nur dann tun, wenn sie den Eindruck gewinnen sollte, daß keine erheblichen Teile des Feindes mehr östlich vom Tagliamento ständen1).
Auf diese Weisung hin hielt FML. Scotti die Masse der 117. ID. in Udine an. Sie rückte abends, unter Zurücklassung eines Regiments als zeitweilige Besatzung, nach Basagliapenta und Blessano. Von der
l.ID. wurde die 22. GbBrig. nach Pasian di Prato abgedreht. Das Vorhutregiment der 117. ID. war um Pozzuolo mit der diesen Ort hartnäckig verteidigenden italienischen Reiterei in einen ernsten Kampf verwickelt. In dieses Gefecht griffen von Carpeneto her Teile der deutschen 5. ID., von Osten anmarschierend die 10. GbBrig. der 60. ID. der Gruppe Kosak und von Süden her eine Brigade des italienischen VIII. Korps ein. Die Italiener, ganz besonders die tapferen Reiter, versuchten zu Fuß und zu Pferd ihrer Angriffsaufgabe nachzukommen, bis sie schließlich gegen 5h nachm. den Anstürmen der Verbündeten erlagen; 800 Mann fielen als Gefangene der an diesem Tage besonders erfolgreichen 10. GbBrig. in die Hände. Die 7. GbBrig. der l.ID., die in Mortegliano auf ein Regiment der 47. Bersaglieridivision gestoßen war, vermochte dieses nach heißem, für beide Teile verlustreichem Kampfe erst abends aus dem Dorfe zu werfen. Die mittlere und die linke Kolonne des italienischen VIII. Korps ließen von der Vorrückung ab, als sie westlich von Pozzuolo auf deutsche Truppen stießen.
!) Krafft, II, 88.
Durch das Abschwenken der Masse der Gruppe Scotti, vor der am
30. gegen 20.000 Italiener die Waffen gestreckt hatten, war für das
II. Korps wenigstens der Raum südlich der Bahn freigeworden. Abends gelangten die 28. ID. nach Campoformido, Carpeneto und Basaldella und die 57. ID., der die 10. GbBrig. den Schauplatz ihres Sieges überließ, nach Pozzuolo und Terrenzano. Nur die sehr ermüdete 7. GbBrig. der 1. ID. blieb in Mortegliano. Die weitab stehende deutsche 5. ID. wurde von diesen Verschiebungen nicht betroffen.
So war durch einsichtsvolle Maßnahmen der Generale Below, Kaiser und Scotti am 30. eine Vermengung der beiden Korps wohl vermieden worden. Ein Nutznießer dieser Rücksichtnahme Belows war — wie sich noch erweisen wird — aber auch der Feind!
Der Gruppe Kosak war als Vorrückungsziel das östliche Taglia-mentoufer zwischen Rivis und C. Pte. d. Delizia (diese nicht inbegriffen) zugewiesen. Noch vor Antritt des Vormarsches glückte es der 10. GbBrig. der 60. ID., der von Norden her zurückweichenden Bersaglieri-division 30 Offiziere und 2000 Mann als Gefangene abzunehmen. Das spätere erfolgreiche Eingreifen dieser Brigade in das Gefecht bei Pozzuolo ist schon geschildert worden (S. 583); sie nächtigte knapp östlich dieses Ortes, die 2. GbBrig. nordöstlich davon. Die 35. ID. kam bis Risano und Percotto. Die schon zum IV. Korps gehörende 9. ID. gewann den Raum um Manzano.
Das XXIV. Korps, das den Brücken bei C. Pte. d. Delizia zustreben sollte, erreichte mit der 24. ID. Lavariano und Persereano, mit der 53. ID., die durch zerstörte Brücken vor den Wildbächen Torre und Natisone sehr aufgehalten worden waren, die Orte Trivignano und Viscone.
Die beiden südlichen Korps der 2. Isonzoarmee hatten somit am 30., durch die Nachbarn unbehindert, in ihren Vormarschstreifen nach Westen vorzurücken vermocht. Die ganze Front der Armee, deren Divisionen zwischen Campoformido und Viscone nach links zurückgestaffelt waren, wies jedoch eine scharf nach Südwesten gerichtete Front auf. Von dem als Reserve der Südwestfront zurückbehaltenen IV. Korps standen die 29. ID. und die 20. HID. wie am Vortage in Chiapovano und Salcano. Die 43. SchD. rüstete für den Abmarsch nach den Einladebahnhöfen.
Die 1. Isonzoarmee hatte sich südlich der Linie Cormons—Trivignano Udinese—Mortegliano—S. Vidotto vorzubewegen. Da hier wegen der breiten Sumpf Zonen sehr wenige Straßen von Osten nach Westen
führen, Flieger im Raume östlich der Linie Palmanova—Grado keinen Feind mehr sichteten, sollten die Korps weiterhin nur mit je zwei Divisionen vorrücken. Je eine Division hatte in Palmanova, in Strassoldo und südlich von Cervignano zurückzubleiben.
Das XVI. Korps erreichte ohne Kampf mit der 58. ID. Viscone, Ghiopris und Borgnano, mit der 14. Palmanova. Die 63. ID. hielt noch bei Görz. Vom VII. Korps standen abends die 44. und die 48. ID. in Bagnaria und Strassoldo, Vortruppen in Gonars. Die 17. ID. war bei Gradisca zurückgeblieben. Vom XXIII. Korps war das vorgeschobene Detachement am 30. in S. Giorgio di Nogaro eingezogen, Patrouillen streiften bis nach Zellina und Carlinoi. Die Masse der 10. ID. erreichte Cervignano'. Aus Mangel an Brücken über den Isonzo begann die 12. ID. ihre Truppen bei Isola Morosini zu überschiffen. Die 41. HID. hielt noch bei Pieris und Turriacco auf dem östlichen Isonzoufer.
Für den Südflügel des italienischen Heeres bedeutete der 30. Oktober den Höhepunkt der Krise, die er beim Rückzug über den Tagliamento durchzustehen hatte. Wegen des Verlustes der Brücken westlich von Codroipo mußten sich die hieher gewiesenen Kolonnen gegen die beiden letzten Übergänge bei Madrisio und bei Latisana zurückziehen. Deshalb ballten sich die völlig durcheinandergewürfelten Verbände der Korps II, VI, VIII, XI und XXIV im ,Raum zwischen Varmo, Torsa, Muzzana und dem Tagliamento zusammen. Sie waren nur durch die von Pozzuolo zurückgegangene Infanteriebrigade des VIII. Korps bei Flambro und Talmassons und durch Teile der 4. ID. westlich von S. Giorgio di Nogaro gesichert. Das XIII. und das XXIII. Korps erreichten bei Madrisio und bei Latisana das westliche Ufer.
Durch einen Stoß, wie ihn GLt. Hofacker beabsichtigt hatte, wäre den noch auf dem Ostufer befindlichen Italienern höchstwahrscheinlich der Rückzug verlegt worden. Aber auch der tatsächlich in der Richtung gegen Latisana angesetzte Angriff der Gruppe Scotti hätte den Feind in die übelste Lage bringen können, wenn die deutsche 5. ID. ihr Ziel Rivignano erreicht hätte und die beiden ändern Divisionen nicht abgedreht worden wären.
GdI. Below war am Abend dieses Tages über die Lage seiner Armee und über jene des k.u.k. II. Korps im allgemeinen zutreffend unterrichtet. Von der Sprengung der Brücken westlich von Codroipo hatte er keine Kenntnis; er hatte allerdings auch wenig Hoffnung mehr, diese Übergänge unversehrt in die Hände zu bekommen. Der Kampfverlauf am 30. Oktober und im besonderen die hohe Zahl von 60.000 eingebrachten Gefangenen ließen ihn richtig erkennen, daß noch starke Teile des feindlichen Heeres östlich vom unteren Tagliamento standen, denen der Rückweg über Codroipo aber schon verlegt war. Er konnte nach der Meinung Belows, der vom Vorhandensein einer Brücke bei Madrisio nichts wußte, nur über Latisana erfolgen.
Der Führer der 14. Armee kam nun wieder auf den Gedanken eines dorthin zu richtenden Vorstoßes zurück, durch den der Feind neuerlich schwer geschädigt werden konnte. Below glaubte, diese Erfolgsmöglichkeit nicht unausgenützt lassen zu dürfen, wenngleich er wußte, daß sein linker Flügel hiebei tief in den Vorrückungsraum der 2., ja sogar in jenen der 1. Isonzoarmee hineingeraten werde. Eine Rückfrage in Marburg oder in Adelsberg war undurchführbar, weil es noch immer an Drahtverbindungen mangelte. Below entschloß sich daher, auf eigene Verantwortung den Flankenstoß anzubefehlen. Er wurde darin noch durch eine seltsamerweise von der DOHL. eingelangte Depesche bestärkt, in der es hieß, daß „das Eintreffen von Teilen der 14. Armee vor Latisana für die Vernichtung der Italiener von entscheidender Bedeutung werden könne“1).
FML. Scotti erhielt nun den Auftrag, die Verfolgung am 31. mit der 117. und der 1. ID. auf Latisana fortzusetzen. Die deutsche 5. ID., die zur Furt bei Varmo vorzurücken hatte, wurde der Gruppe Hofacker überwiesen und sollte ihr bei ihrem Angriff über die Brücken bei C. Pte. d. Delizia von Süden her beistehen. Von dem der 200. ID. schon am 30. erteilten Auftrag Hofackers, von S. Odorico hinter der 26. ID. nach Süden zu rücken, um zwischen dem Tagliamento und der Stella gegen Latisana vorzustoßen, hatte man in Udine keine Kenntnis.
Aber noch eine zweite Gruppe setzte am 31. zum Stoß auf Latisana an. FML. Goiginger, der Kommandant der 60. ID., hatte am 30. nachts von dem der Gruppe Scotti erteilten Auftrag Kenntnis erlangt. Er beurteilte die Lage ähnlich wie das 14. Armeekmdo. und entschloß sich gleichfalls, aus der beim Feinde herrschenden Verwirrung durch einen nach Südwesten gerichteten und „bis Treviso“ fortzusetzenden Vorstoß größtmöglichen Nutzen zu ziehen. Da er ebenfalls der Verbindung mit seinem Vorgesetzten Gruppenkommando Kosak entbehrte, ergriff er als rangältester Divisionär die Befehlgebung und wies seine 60. ID. über Pozzuolo, Flambro auf Varmo, die 35. ID. über Mortegliano (Westteil), Talmassons aufRivignano und die benachbarte 24. ID. des XXIV. Korps über Mortegliano (Ostteil), Torsa, Ariis auf Campomolle; die 9. ID.
i) Krafft, II, 99.
sollte nach Risano nachrücken. Damit der Vorstoß nicht vereinzelt bleibe, forderte er auch noch das II. Korps auf, sich ihm anzuschließen.
So traten am 31. früh die 200. und die 5. ID. Hofackers, die beiden Divisionen Scottis und, auf Befehl Goigingers, vier Divisionen der 2. Isonzoarmee zum Flankenstoß nach Süden und Südwesten an, indes alle ändern Teile der Heeresgruppe Boroevic in ausgesprochen westlicher Richtung weitermarschierten.
Beim Feinde setzten die Truppen des Südflügels in ununterbrochenem Rückmarsch bei Madrisio und Latisana den Uferwechsel fort. Der Regen hatte aufgehört; die Flüsse führten aber noch immer Hochwasser. Zum Schutze des Rückzuges waren am 31. vier Brigaden als Nachhuten in der Linie Belgrado—Romans und an der Stella ausgeschieden J). Auf diese Nachhuten trafen die vordringenden Verbündeten.
Die 200. ID., die, an Codroipo westlich vorbei, nach Süden rückte, kam mit der Vorhut unter leichten Kämpfen bis Gradiscutta. Hieher gelangte auch die 5. ID., die mit Teilen abends noch bis Madrisio vorstieß, um jenseits des Flusses zur Unterstützung der 26. ID. auf S. Vito al Tagliamento einzuschwenken.
Die Gruppe Scotti, die wegen Ermüdung der Truppen erst am späten Vormittag aufbrach, wurde durch andere, von Osten nach Westen rückende Kolonnen vielfach aufgehalten. So vermochte die 117. ID. nur bis Flambruzzo und Ariis zu gelangen; die Vorhut hastete allerdings noch bis Madrisio. Von der k.u.k. 1. ID. kam die von Pasian di Prato aufbrechende 22. GbBrig. nur bis Pozzuolo. Die 7. GbBrig. marschierte im Sinne eines früheren Befehles von Mortegliano nach Campoformido und Pasian di Prato. Die 1. ID. fiel somit beim Stoß nach Südwesten aus.
Um so raumgreifender schritt die 60. ID. aus. Sie drang über Romans, das die italienische Nachhut bereits geräumt hatte, bis Madrisio vor und traf mit der 10. GbBrig. um 8h 30 abends vor der vom Feinde in Brand gesteckten Brücke ein. Das Feuer wurde gelöscht und noch nachts die Wiederherstellung der am Westende überdies gesprengten Brücke in Angriff genommen. Am 1. November früh sahen sich die vorbauenden Pioniere nur etwa 30 Meter vom westlichen Ufer getrennt, von dem nur ganz schwaches Geschützfeuer herüberschlug. Da erhielt die 60. ID. den strikten Befehl des FML. Kosak, sofort nach Norden in den Raum nördlich der Straße Codroipo—C. Pte. d. Delizia abzurücken. Unbegreiflicherweise nutzte FML. Goiginger die Gunst des Augenblicks nicht aus und ließ von der Flußüberschreitung ab, der eigentlich nichts x) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 517.
mehi' im Wege stand. Hiemit blieb die Möglichkeit unausgenutzt, die hier noch gar nicht gefestigte italienische Uferverteidigung zu durchstoßen und auf dem Westufer die Rückmarschlinie des Feindes zu unterbinden.
Die vor neuen Erfolgen stehende 60. ID. wurde angehalten, weil sich jetzt doch die vom GO. Boroevic erlassenen Weisungen, in denen die Vorrückungsstreifen bis zum Tagliamento festgesetzt waren (S. 580), fühlbar zu machen begannen. Eine Stütze erwuchs dem GO. Boroevic bei diesem Entschluß in einem vom Erzherzog Eugen am 30. erlassenen Befehle, demzufolge bei der Fortsetzung der Offensive jede Armee in dem ihr zugewiesenen Vorrückungsraum den Tagliamento zu überschreiten habe; der 14. Armee wurde als südlichste Marschlinie die von Pozzo ausgehende, über Pordenone, Prata, Fontanella nach Tezze führende Straße zugewiesen. Nach einer ändern, ebenfalls am 30. ergangenen Verfügung des Erzherzogs, sollten jene Divisionen der 14. Armee, die sich in den Bereich der Heeresgruppe Boroevic eingeschoben hatten, unter Befehl des Generalobersten treten, der dafür in zweiter Linie nachfolgende Divisionen gleicher Zahl an GdI. Below abgeben sollte. Da mit diesen Befehlen jene Verfügungen, die für den Vorstoß auf Latisana erlassen worden waren, nicht im Einklang standen, ergab es sich am 31., daß bei allen Korps der 2. Isonzoarmee Marschänderungen vorgenommen werden mußten.
Das II. Korpskmdo. hatte in der Nacht auf den 31. von den Verfügungen Belows und Goigingers für den Stoß auf Latisana Kenntnis erlangt. Die Verlockung war groß, sich diesem erfolgversprechenden Unternehmen anzuschließen. Dennoch glaubte GdI. Kaiser, den wiederholten und nachdrücklichen Befehlen des Kommandos der 2. Isonzoarmee, ohne jede Rücksicht auf das Verhalten der 14. Armee am Marsch nach Westen im zugewiesenen Streifen festzuhalten, nicht entgegenhandeln zu dürfen. Er beschloß jedoch, um den Südstoß nicht zu stören, sein Korps erst nach dem Vorbeimärsche der Divisionen Scottis durch Cam-poformido an den Tagliamento zwischen S. Odorico und Rivis rücken zu lassen. Als nachmittags gelegentlich einer Besprechung in Udine beim 14. Armeekmdo. dessen Stabschef, GLt. Krafft, die Freihaltung des Raumes am Tagliamento für die 14. Armee und, um neuerliche Kolonnenkreuzungen zu vermeiden, das sofortige Anhalten des II. Korps forderte, verstand sich GdI. Kaiser auch dazu. Allerdings war mittlerweile die
28. ID. bis nach Tomba, Blessano und Bressa, und die 57. ID. nach Orgnano, Campoformido und Basaldella gelangt. Das II. Korps hatte somit dem ihm vom 14. Armeekmdo. erteilten Befehle entsprochen und dennoch die Marschrichtung gegen Westen eingehalten.
Der vom FML. Kosak für den 31. Oktober erlassene Befehl zum Vormarsch in den Flußabschnitt Rivis—C. Pte. d. Delizia gelangte nicht zu den Divisionen. Wohl aber führte sie FML. Goiginger, wie schon ausgeführt wurde, auf eigene Verantwortung gegen Latisana vor. Als FML. Kosak am 31. davon erfuhr, traf er alle Maßnahmen zum Umlenken seiner Truppen. Die 9. ID. wurde im Raume Pozzuolo—Risano zum Halten gebracht. Die 35. ID. konnte noch rechtzeitig nach Basag-liapenta und Nespoledo abgedreht werden. Die 60. ID. bekam den Befehl zum Marsch nach Norden aber erst am 1. November früh in Madrisio.
Die vom FML. Urbarz befehligte 24. ID. des XXIV. Korps hatte sich dem Vorgehen Goigingers angeschlossen und marschierte von La-variano über Mortegliano und Torsa nach Ariis. Hier traf sie mit der 44. SchD. des VII. Korps zusammen, die den Ort eben feindlichen Nachhuten entrissen hatte. Die gesprengte Brücke über die Stella konnte aber bis spät nachts nicht benützbar gemacht werden; daher nächtigte die 24. ID. gemeinsam mit den Teilen der 44. SchD. in Ariis und in Torsa.
FML. Urbarz, der mit dem XXIV. Korpskmdo. keine Verbindung hatte, befalil als rangälterer Divisionär am 31. früh der 53. ID., über Castions di Strada und Muzzana gleichfalls Marschrichtung auf Latisana zu nehmen. GM. v. Stöhr, der Kommandant der 53. ID., drehte hierauf seine Vorhut von Bicinicco auf Castions di Strada ab, wo sie aber schon mit Truppen des XVI. Korps zusammenstieß. Eine auf erbeutete Lastkraftwagen gesetzte Abteilung der 53. ID. fuhr sogar bis Palazzolo vor und traf die hier schon im Kampfe gegen feindliche Nachhuten stehende Vorhut der 10. ID. an. Nach dreimaligem Eingreifen des XXIV. Korps-kmdos., wodurch die Division abwechselnd nach Latisana und nach Codroipo gewiesen wurde, bezog sie schließlich in Mortegliano und Castions di Strada Nachtquartier.
Die Divisionen der 1. Isonzoarmee wurden in ihrem Vormarsche durch keine Richtungsänderungen beeinträchtigt, wohl aber durch das von Norden her erfolgende Einströmen der nach Latisana strebenden Truppen der 2. Isonzoarmee. So kreuzte den Weg der von Palmanova gegen Codroipo marschierenden 14. ID. des XVI. Korps bei Castions di Strada die 53. ID. des XXIV. Korps. Der Nächtigungsbereich der 14. ID. dehnte sich daher von Flambro bis Gonars. Die 58. ID. belegte abends den Raum um Palmanova. Der 44. SchD. des VII. Korps wurde bereits
Erwähnung getan; ihre Marschquartiere streckten sich bis Corgnolo. Die vorgeschobene Abteilung der 10. ID. traf westlich von Palazzolo auf die Nachhut der italienischen 3. Armee, die — weil sie den Stellaabschnitt zu früh geräumt hatte — wieder vorgetrieben worden war. Die Italiener, Teile der 4. und der 61. ID., wurden zurückgedrängt, deckten aber später in einer Aufstellung knapp vor Latisana das Abfließen der letzten Truppen der 2. und der 3. Armee.
Die übrigen Divisionen der 1. Isonzoarmee standen am 31. abends in den am Vortage bezogenen Quartieren. Am 31. um 9h abends wurde die Eisenbahnbrücke bei Pieris wieder für Infanterie benützbar; hierauf begann die 41. HID. mit dem Übergang. Die 12. ID. wurde bei ihrer Fluß-überschiffung am 31. durch Motorboote der Kriegsmarine unterstützt. Auch besetzte ein Landungsdetachement des Kreuzers „Admiral Spaun“ an diesem Tage Grado, das der Feind zwei Tage vorher verlassen hatte1).
Am 1. November wurde die Lage bei Latisana vollständig bereinigt. Vor dem Angriff der Vortruppen der 10. ID. zog sich die italienische Nachhut nach heftigem Straßenkampfe auf das Westufer zurück und sprengte nachmittags die Brücken. Ein durch die vorzeitige Sprengung abgeschnittenes Bataillon wurde gefangen.
Der Ausklang der Schlacht
In der Schlacht bei Codroipo—Latisana hatten die Verbündeten einen neuen, gewaltigen Sieg errungen. Die Zahl der bis zum 2. November eingebrachten Gefangenen war bei der deutschen 14. Armee allein auf 200.000 Mann gestiegen2). Die ungeheure Menge des in den Ortschaften, auf allen Straßen und auch auf Nebenwegen Vorgefundenen Kriegsgerätes war noch gar nicht zu übersehen. Eine flüchtige Schätzung sprach allein von 1700 erbeuteten Geschützen. Es währte noch Wochen und Monate, ehe die ganze Beute geordnet und ihrer Verwendung zugeführt werden konnte. Verpflegsgüter, Pferde und Fuhrwerke wurden allerdings sofort zur Deckung des eigenen Bedarfes herangezogen; sie ermöglichten es den Armeen, ohne auf Nachschub zu warten, weiter vorzurücken. Daß die von den öden Karstlandschaften kommenden
Kriegsarchiv (Marinearchiv), Österreich-Ungarns Seekrieg 1914—1918,842.
2'j Die Gruppe Krauss hatte bis zum Monatsende 45.000 Gefangene, 340 Geschütze und mehrere hundert Maschinengewehre eingebracht; 25.000 Gefangene und 120 Geschütze entfielen auf die k.u.k. 50. Division.
ausgehungerten Soldaten sich zuweilen allzu sehr an den ihnen schon fast unbekannten Genußmitteln güüich taten, soll nicht bestritten werden. Es wnrden aber raschestens Maßnahmen getroffen, um eigenmächtiges Beitreiben durch Einzelpersonen zu verhindern. Daß jedoch auch italienische Truppen und Gefangene geplündert hatten, ist bereits erwähnt worden (S. 569).
Der große Erfolg hatte sich vornehmlich durch das rasche Vorstoßen der aus dem Gebirge herausgetretenen Divisionen über Udine auf Codroipo und durch die Wegnahme der Brücken bei C. Pte. d. Delizia ergeben. Gewaltige Massen italienischer Streitkräfte, die zum Teil des festen Gefüges schon entbehrten, wurden dadurch im Mündungswinkel des Tagliamento zusammengepreßt. Die Möglichkeit, dies zu ihrer Vernichtung auszunützen, hatten feindnahe Führer schon am 29. Oktober abends erkannt. Die 1. Isonzoarmee anzuhalten und mit der 2. Isonzoarmee und mit den beiden linken Korps Belows am 30. Oktober früh nach Süden zu stoßen, hätte, wie man heute annehmen darf, das Erringen eines neuen großen Erfolges einleiten können. Die zahlreichen, aus der Linie Palmanova—Codroipo von Norden nach Süden führenden Straßen hätten ein solches Unternehmen sehr begünstigt. Wegen unzulänglicher Verbindungen zu den noch weit abgebliebenen höheren Führerstellen der Heeresgruppe Boroevic und zum Kommando der Südwestfront war es jedoch nicht dazu gekommen; und auch der tatsächlich, allerdings nur mit drei Divisionen, unternommene Südstoß wurde im Laufe des 30. in seinem Schwünge noch gemindert. Dadurch glückte es sehr bedeutenden Teilen des Feindes, über Madrisio und Latisana das rettende Westufer des zu einem breiten Strom angeschwollenen Tagliamento zu gewinnen.
Am 31. Oktober versuchten erheblich stärkere Kräfte der Verbündeten neuerlich, die auf dem Ostufer zurückgebliebenen Italiener zu fassen. Jedoch nur wenn die Verbündeten zu sehr früher Stunde bis an die Brücken bei Latisana gelangt wären, hätten sie wahrscheinlich noch ansehnlichere Reste des feindlichen Heeres abschneiden können. Sie trafen aber erst abends bei Madrisio ein; um diese Zeit war das Ostufer vom Feinde schon fast völlig geräumt. Die Verbündeten griffen hier ins Leere.
Durch das Vordringen der Gruppen Hofacker und Scotti sowie der 2. Isonzoarmee gegen Codroipo und Latisana hatte sich das Schwergewicht über die tagelang ungeklärten Bereichsgrenzen seitlich hinweg nach Süden verschoben. Am 31. abends standen die zwei genannten
Korps der 14. Armee mit allen Teilen im Bereiche der Heeresgruppe Boroevic und drei Divisionen der 2. Isonzoarmee im Vorrückungsraume der Armee Wurm. Da der Feind das ganze östliche Tagliamentoufer preisgegeben hatte, und der Übergang bei Madrisio im letzten Augenblick von uns aufgegeben worden war, lag kein Grund für ein Verharren in dieser Zusammenballung mehr vor. Dies um so weniger, als Übergangs versuche, die am 1. November von der deutschen 26. ID. bei Codroipo, von der 200. nordwestlich von Gradiscutta und von der 5. bei Madrisio unternommen worden waren, wegen der reißenden Strömung und des unzureichenden Brückengerätes erfolglos blieben1). Auf den vom Erzherzog Eugen anbefohlenen Austausch der in den Nachbarbereich geratenen Divisionen der 14. Armee durch nachfolgende Kräfte der Heeresgruppe Boroevic ging GdI. Below nicht ein2). Da jetzt aber die beiden Isonzoarmeen auch an den Tagliamento herandrängten, entstanden zahlreiche Reibungen. Diese durch die unklaren Befehlsverhältnisse recht verwirrte Lage wurde — wie noch auszuführen sein ^vird
— erst in den ersten Novembertagen bereinigt.
Der schließlich nicht voll befriedigende Ausgang der Schlacht kann die Größe des erfochtenen Sieges nicht schmälern. Tiefbewegten Herzens dankte auch Kaiser Karl in einem am 2. November erlassenen Armeebefehl allen im nunmehr befreiten Küstenlande fechtenden Kriegern. Er wandte sich im besonderen an die Isonzoarmeen und gedachte „all der glänzenden Leistungen, die seit Pfingsten 1915 von Führern und Truppen gegen Italien vollbracht worden sind“. In noch weiterreichender Rückschau hieß es dann: „An den Wachtfeuern in Friaul leben für meine Wehrmacht stolze Erinnerungen wieder auf, Erinnerungen an längst vergangene Ruhmesepochen, in denen die soldatische Jugend meines unvergeßlichen Großoheims, des Kaisers und Königs Franz Joseph, wurzelt und die von den Namen meiner Altvorderen Karl und Albrecht und von dem Radetzkys nie und nimmer zu trennen sind . . . .“
rj K r a f f t, II, 129 ff. — Von Seite des 14. Armeekmdos. wurde damals geltend gemacht, es sei nicht angängig, daß so starke deutsche Kräfte unter öst.-ung. Kommando träten. Auf Einspruch des k.u.k. AOK. bei der DOHL. gestand diese dem Kommando der Südwestfront das übrigens selbstverständliche Recht zu, deutsche Divisionen, die in den Raum einer öst.-ung. Nachbararmee gelangten, dem betreffenden Armeekommando zu unterstellen. In der Folge kam es aber nicht mehr zu einer Unterstellung einer deutschen Division unter ein öst.-ung. Armeekommando.
2) Ebenda, II, 105.
Das Erzwingen des Überganges über den Tagliamento
Hiezu Beilage 29
Vordringen der 10. Armee und der Gruppen Krauss und Stein bis an den Tagliamento
(30. Oktober bis 1. November)
Während der Südflügel der Armee Below und die Heeresgruppe Boroevic in den letzten Oktobertagen dem Feinde bei Codroipo und Latisana neuerlich eine entscheidende Niederlage beibrachten, strebten nördlich davon die Divisionen der Verbündeten dem Tagliamento zu, um ihn zu überschreiten.
Das 10. Armeekmdo. beabsichtigte, die 94. ID., FML. Lawrowski, mit der Masse zwischen Comegliano und Villa Santina, mit einer Nebengruppe bei Tolmezzo zu versammeln; die Gruppe Fässer sollte, bis der Anschluß an das XX. Korps der Heeresgruppe Conrad hergestellt war, bei Sappada und Forni verbleiben. Die Gruppe Hordt hatte zunächst bei Moggio und Resiutta auf zu schließen. In dieser Lage beabsichtigte GO. Krobatin sodann so lange zu verharren, bis die links benachbarte Gruppe Wieden ihren Vormarsch durch das Fellatal vollzogen hätte und die großen Schwierigkeiten des Nachschubes auf den vielfach zerstörten Straßen und Wegen behoben sein würden. Die k.u.k. Heeresleitung, von diesem Vorhaben Krobatins in Kenntnis gesetzt, wies den Generalobersten am 29. neuerlich zum Vormarsch in das Cadorebecken an; die Masse seiner Armee hatte aus den genannten Versammlungsräumen im Tagliamentotale, die Gruppe Fässer über den Col Rementera und über Sappada vorzurücken. Um hiebei die Übereinstimmung mit der 14. Armee zu wahren, löste die Heeresleitung die 10. Armee aus den Verband der Heeresgruppe Conrad und unterstellte sie vom 31. Oktober an dem Erzherzog Eugen.
Die 94. ID. erreichte am 30. mit der 25. GbBrig. Comegliano. Die 57. GbBrig. focht gegen Nachhuten der italienischen 36. ID. bei Ced-archis. Tags darauf gewann die Division Lawrowsjd Tolmezzo und Villa Santina. Ein weiteres Vorrücken verwehrte der Feind, der mit der 26. ID. bei Ampezzo stand, mit der 36. aber zwischen Preone und Ca-vazzo auf dem Südufer des Tagliamentos Stellung bezog und das Tal sowie die Übergänge durch Feuer beherrschte. Die in Sappada stehende
Gruppe Fässer hatte die rechte Flügelabteilung der italienischen 4. Armee vor sich, die auf dem Mt. Terzo pic. A 2334 und auf dem Mt. Curie A 2035 schanzte. Vortruppen dieses Feindes wurden von der Gruppe Fässer am 1. November aus Granvilla vertrieben. Von der Gruppe Hordt schloß die 29. GbBrig. in Moggio, die 59. GbBrig. in Resiutta auf.
Die auf dem rechten Flügel des italienischen XII. Korps stehende 63. ID. hielt den Bergfuß des Mt. S. Simeone zwischen Cavazzo und Trasaghis besetzt. Sie und die Geschütze des Sperrforts Mt. Festa verhinderten bei Tag jeden Verkehr auf den zum Teil abgesprengten Talstraßen, die von Stazione per la Carnia nach Westen und nach Süden führten.
Nun hatte GdI. Krauss noch am 28. Oktober der Gruppe Wieden befohlen, die Bahn zwischen Raccolana und Stazione per la Carnia in Besitz zu nehmen, eine stärkere Abteilung nach Tolmezzo vorzutreiben und mit der Hauptkraft beiderseits des Mt. S. Simeone nach Süden vorzugehen, wobei die diesen Berg krönenden Befestigungen durch Handstreich genommen werden sollten. Die 22. SchD. hatte nach. Gemona zu rücken und die Hand auf Osoppo und die Brücke bei Braulins zu legen. Daß diese Brücke schon gesprengt war, wußte man noch nicht.
GdI. Krauss konnte jedoch mit der Gruppe Wieden keine Verbindung erlangen. Um ihr den Austritt aus dem Fellatale zu erleichtern, wies er am 30. früh die 22. SchD. an, nach Norden vorzugehen. Wieden war unterdessen am 30. mit der nördlichen Kolonne der Edelweißdivision bis vor Stazione per la Carnia gelangt, konnte nun aber wegen des vom Westufer herüberschlagenden italienischen Feuers nicht weiter. Die Dreierkaiserjäger erreichten Venzone. Die deutsche Jägerdivision hielt noch auf der Straße zwischen Ponte und Resiutta. GM. Wieden plante, sie auf dem nördlichen Talhang nach Tolmezzo zu weisen, damit sie dann über Cavazzo und den Mt. S. Simeone vordringe. Die Edelweißdivision (217. IBrig.) sollte im Tagliamentotal nach Süden rücken.
Bald nach Mitternacht auf den 31. Oktober erhielt GdI. Krauss endlich vom GM. Wieden einen Lagebericht, dem die Schwierigkeiten eines Flußüberganges nächst der gesprengten Brücke bei Stazione per la Carnia zu entnehmen waren. Da Krauss auch über das von der 10.Armee im Tagliamentotal geplante Vorgehen unterrichtet war, wies er die Gruppe Wieden an, auf das Einschwenken über den Mt. S. Simeone zu verzichten und mit allen Teilen auf dem Ostufer südwärts nachArtegna (Edelweißdivision), Ospedaletto und Venzone (Jägerdivision) zu marschieren. Die 22. SchD., die am 30. mit Teilen Ospedaletto und Osoppo kampflos besetzt, vom Westufer aber starkes Feuer erhalten hatte, sollte am 31. ruhen.
Dem GM. Wieden glückte es, seine beiden Divisionen am 31. noch vor Tagesanbruch auf der teilweise abgesprengten und durch feindliches Feuer gefährdeten Talstraße fast verlustlos in die anbefohlenen Räume zu führen. Nur Teile der Jägerdivision konnten erst am nächsten Tage folgen. Die Edelweiß- und die Jägerdivision durften sich am 1. November wohlverdienter Rast erfreuen. Die 22. SchD. wurde an diesem Tage südwärts nach Tomba und Meis verschoben, um erforderlichen Falles der 50. und der 55. ID. beispringen zu können.
Diese beiden Divisionen hatte GdI. Krauss am 30. Oktober gegen die Brücken bei Cornino und Pinzano angesetzt. Waren diese Übergänge genommen, so sollte die 55. ID. diese Brücken mit je einer Brigade überschreiten und auf dem Westufer kleine Brückenköpfe vorbauen. Die 50. ID. hatte über beide Brücken zu folgen und sich sodann südlich der 55. im Raume Pinzano—Valeriano—Oltrerugo zu sammeln. Der 55. ID. wurde noch scharfe Aufklärung nach Nordosten aufgetragen.
Indessen durchschritt am 30. das von der 55. ID. vorgesandte Bataillon IV/bh. 4 nach heftigem Ortsgefecht Majano, entriß, durch eine Batterie und Maschinengewehre der deutschen 12. ID. unterstützt, dem Feinde die starke Stellung bei Susans und stieß bis zur Eisenbahnbrücke bei Cornino vor. Etwa 1500 Gefangene und eine Beute von 6 Geschützen und 31 Maschinengewehren sandte das tapfere Bataillon zu seiner Division zurück, die mittlerweile in Tarcento eintraf. Die 50. ID., die das Panzerwerk Tricesimo ohne Verteidiger und ohne Geschütze vorfand, erkämpfte sich gegen eine Brigade der italienischen 16. ID. bei Tomba den Übergang über den Ledrakanal und kam noch nach C. Gentilini und bis nahe an Majano heran.
GLt. Stein, der vermeint hatte, kampflos bis an den Tagliamento und vielleicht sogar über ihn hinaus gelangen zu können, sah sich am
30. in seinen Hoffnungen getäuscht. Die deutsche 12. ID., die bei Pinzano über den Fluß gehen sollte, um sodann nach Südwesten einzuschwenken, stieß bei S. Daniele sowie nördlich und westlich davon auf sehr hartnäckigen Widerstand, den sie erst gegen 4hnachm. zu brechen vermochte. Ungefähr 10.000 Gefangene und 50 Geschütze der 16. und der 34. ID. sowie der 2. KD. des Feindes blieben in der Hand der Deutschen.
Die Höhen bei S. Daniele und bei Susans waren nämlich die Schlüsselpunkte einer brückenkopfartigen Aufstellung der Italiener, in der die Divisionen 43, 16, 13 und 34 den Rückzug der übrigen Teile der 2. Armee zu decken hatten. Diese Linie war nun vom Bataillon IV, bh. 4 bei Susans und von der deutschen 12. ID. bei den Orten S.Tommaso und S. Daniele durchbrochen worden. Fluchtartig ging der Feind über die Eisenbahnbrücke bei Cornino, über eine Pilotenjochbrücke nördlich von Pinzano und über eine steinerne Straßenbrücke bei Pinzano selbst zurück. Das verfolgende Bataillon IV/bh. 4 stürmte nun über die Eisenbahnbrücke vor; mitten auf der Brücke angelangt, zwang aber starkes Feuer die tapferen Bosniaken in ihrem ungestümen Siegeslauf zu Boden. Die über S. Daniele nachstoßende deutsche 12. ID. kam indessen vor dem hochragenden und von einer Brigade des italienischen Spezialkorps besetzten Mt. Ragogna zum Stehen. So glückte es den Italienern im letzten Augenblick, die Verbündeten am Überschreiten des Flusses zu hindern. Sie vermochten daher an den beiden folgenden Tagen mit der Masse des Spezialkorps und mit den Resten der Korps VII, XXVIII, und XXVII eine Aufstellung am Westufer zwischen Trasaghis und den Brücken bei C. Pte. d. Delizia zu beziehen. Das zerschlagene IV. Korps wurde hinter das Spezialkorps in Reserve zurückgezogen.
Das Alpenkorps der Gruppe Stein sollte bei Dignano und Bonzicco den Fluß überschreiten. Es rückte am 30. in zwei Marschsäulen vor, die — ohne auf Feind zu treffen — den Fluß erreichten. Von der rechten Kolonne zweigten sodann zwei Bataillone mit vier Batterien gegen Norden ab und beteiligten sich am erfolgreichen Kampf der 12. Division. Die Masse des Alpenkorps traf weiterhin Übergangsvorbereitungen bei Bonzicco. Die nachrückende 13. SchD. erreichte Pagnacco und Feletto nordwestlich von Udine.
Mit Spannung harrte GdI. Below der Nachrichten über die erste Flußbezwingung. Bedauerlicherweise hatten alle Divisionen zu wenig Brückengerät. Das deutsche wurde erst am 28. Oktober aus Rumänien abgesendet. Die öst.-ung. Kriegsbrückenequipagen waren in den endlosen Troßkolonnen weit hinten eingeteilt -und konnten jetzt nicht Vorkommen; überdies waren sie vielfach ganz ungenügend bespannt. Da der angeschwollene Tagliamento mit einer Stromgeschwindigkeit von 6 bis 8 sm dahinfloß, und das Westufer vom Feinde stark besetzt war, schienen die Übergangsversuche nicht sonderlich aussichtsvoll zu sein. Gelang aber der Übergang, dann sollte die Armee mit stark gehaltenem rechtem Flügel am Gebirgsfuß entlang gegen Vittorio vorrücken und mit Teilen nur so weit in das Gebirge hineingreifen, um das Vorgehen in der Ebene gegen ein von den Höhen herunterschlagendes Flankenfeuer schützen zu können. Die Gruppe Krauss wurde am 30. nochmals angewiesen, sich nachdrücklich um den Übergang bei Gemona und Cornino zu bemühen. Sie sollte in weiterer Folge auf Sacile, die Gruppe Stein auf Pordenone Richtung nehmen1).
Am 31. Oktober setzten die 55., die 50. und die deutsche 12. ID. den Kampf um die Tagliamentoübergänge fort (siehe Nebenskizze auf Beilage 29). Die 55. ID., die auf Cornino gewiesen war, gelangte zunächst bis Buja und Meis. Unterdessen traf die 3. GbBrig. der 50. ID. bei der Eisenbahnbrücke ein; sie sollte hier den Fluß überschreiten, nach Pinzano vorstoßen und dadurch die dortigen Übergänge für die Masse der Division aufriegeln. Bald nachher rückte die 26. GbBrig. der 55. ID. zur Bahnbrücke heran. Beide Brigaden griffen nun nachmittags den auf der Insel Colle Clapat eingenisteten Feind an; ihr Ansturm glückte aber nicht. Kein besseres Schicksal hatte ein während der Nacht von je einem Bataillon der beiden Brigaden unternommener neuerlicher Versuch. Diese Mißerfolge ließen erkennen, daß ohne ausgiebige Feuerunterstützung durch Artillerie bei Cornino nichts auszurichten war.
Gegen den die Brücken bei Pinzano beschirmenden Feind, der in einer gut verdrahteten Stellung auf dem Mt. Ragogna stand, brachen am 31. Oktober die deutsche 12. ID. und die 15. GbBrig. der 50. ID. von Süden und Osten her zum Angriff vor; Teile der 3. GbBrig. schlossen sich von der Eisenbahnbrücke her in wirksamer Richtung dem Unternehmen an. Doch auch dieses litt unter dem Mangel einer kräftigen artilleristischen Unterstützung; die Batterien hatten zu wenig Munition. Daher vermochte sich die Brigade Bologna, der zahlreiche, auf dem Westufer aufgestellte Batterien Beistand leisteten, auf dem Mt. Ragogna zu behaupten. Sie hatte den gemessenen Befehl erhalten, „um jeden Preis und so lange als möglich Widerstand zu leisten“. Die Brücken sollten nur im Augenblicke höchster Gefahr gesprengt werden2).
Der 1.November brachte auf dem Ostufer endlich die Entscheidung. Die 50. ID. erstürmte die Gipfelhöhe des Mt. Ragogna und stieß bis zur mittleren Brücke durch. Die deutsche 12. ID. kam aber, obwohl sie ihren linken Flügel verstärkt hatte, nur schwer gegen die südliche Brücke vor. Da sprengte der Feind um llh30vorm. die beiden Brücken. Die italienische Brigade, die sich bisher auf dem Mt. Ragogna heldenmütig gewehrt hatte, gab nun den Widerstand auf; 50 Offiziere und 3000 Mann streckten die Waffen. Der hierauf von Teilen der 12. ID.
1) Krafft, II, 117.
2) Bericht der Untersuchungskommission, I, 256 f.
und einem vorgezogenen Regiment der 13. SchD. unternommene Versuch, den Tagliamento knapp südlich der gesprengten Steinbrücke zu durchfurten, erwies sich, obgleich der Wasserstand langsam fiel, noch als unausführbar. Von den nachrückenden Divisionen der Gruppe Stein erreichte die Masse der 13. SchD. am 1. November S. Daniele, die deutsche 117. ID. Flaibano.
Bei Cornino hatte der Feind noch vor Tagesanbruch die kleine Insel Colle Clapat geräumt und hierauf den zweiten Teil der von hier auf das Westufer führenden Bahnbrücke gesprengt. Die Insel, die einen guten Ausgangspunkt für die Fortsetzung des Unternehmens bot, wurde hierauf durch ein Bataillon der 3. GbBrig. besetzt.
Die in Reserve gestellte Gruppe Scotti lag am 1. November mit der 1. ID. im Raume um Udine, mit der 4. ID. in jenem um Cividale und mit der 33. ID. bei Karfreit in Ruhequartieren.
Die Entwirrung der Lage bei der Heeresgruppe Boroevic (1. November)
Die 2. Isonzoarmee versammelte sich am 1. November im Raume um Codroipo, da sie westlich davon den Tagliamento überschreiten sollte. Am Herankommen bis an den Fluß wurde sie aber durch deutsche Truppen und Trains gehindert, die alle knapp am Ufer gelegenen Ortschaften dicht belegt hatten. So blieb das II. Korps am 1. November in den am Vortag erreichten Räumen. Von der Gruppe Kosak kam die 35. ID. nach Gradisca, die 60. nach Pozzo, Goricizza und Beano; das XXIV. Korps bezog in Passariano und Rivolto Quartiere.
Vor diesen öst.-ung. Truppen stand die deutsche Gruppe Hofacker der 14. Armee am Tagliamento, und zwar mit der 26. ID. westlich von Codroipo, mit der 200. südwestlich davon und mit der 5. ID. bei Madrisio. Im Sinne der vom Erzherzog Eugen am 31. Oktober erlassenen Weisung sollte nun die Gruppe Hofacker unter Befehl des Kommandos der 2. Isonzoarmee treten. Sie wurde von diesem hiezu auch angewiesen, doch kam es nicht zur Ausführung des Befehles.
Das Kommando der 2. Isonzoarmee verlegte am 1. November sein Hauptquartier von Unt. Loitsch nach Cormons. Dadurch ergab sich die höchst willkommene Gelegenheit zu einer Aussprache mit einem höheren Generalstabsoffizier des deutschen 14. Armeekommandos. Am 1. November abends wurde in Cormons vereinbart, daß die im Raume der
2. Isonzoarmee noch mit Übergangs versuchen beschäftigten deutschen Truppen einstweilen ihre Tätigkeit fortzusetzen und dem GdI. Below unterstellt zu bleiben hatten. Die Divisionen der 2. Isonzoarmee sollten dessenungeachtet in ihren Streifen bis an den Fluß heranrücken und sich bereitstellen, um hinter den Deutschen die Vorrückung anzutreten. Jenseits des Flusses hatten sich die drei deutschen Divisionen wieder in ihren Armeebereich zu verschieben1). So glückte es durch mündliche Besprechung rasch, die Entwirrung in die Wege zu leiten.
Das Kommando der 1. Isonzoarmee hatte schon am 30. Oktober seine vorderen Divisionen zum scharfen Nachdrängen über den Tagliamento angewiesen. Jenseits des Flusses hatten zunächst aber nur das aus den Divisionen 14, 44 und 48 zu bildende VII. Korps und das
XXIII. mit der 10. ID. und der 41. HID. vorzurücken, wobei diese Divisionen auf Kosten der übrigen — 12., 17., 58. und 63. ID. — mobil zu machen waren. Diese letztgenannten hatten samt dem XVI. Korpskmdo. im Raum südlich von Palmanova zu beiden Seiten der Reichsgrenze zu verbleiben.
Am 1. November erreichte die 14. ID. des XVI. Korps Passariano und Fl ambro, die 58. ID. dehnte ihre Unterkünfte von Palmanova bis Gonars aus. Von der noch westlich von Görz stehenden 63. ID. hatte je eine Brigade nach Udine und Palmanova als Besatzung zu gelangen.
Vom VII. Korps erreichte die 44. SchD. nördlich und südlich von Madrisio den Fluß. Die Arbeiten an der beschädigten Brücke hatte nach dem Abmarsch der 60. ID. eine Pionierkompagnie der deutschen 117. ID. fortgeführt, wegen Verluste aber bald eingestellt. Der Feind war wachsam geworden und verhinderte durch Feuer jede Bewegung am Ufer. Darunter litten auch die Übergangs Vorbereitungen der deutschen 5. Division. Die k.u.k. 48. ID. stand an der Reichsgrenze bei Strassoldo, die 17. noch am Isonzo bei Sagrado.
Die an der Spitze des XXIII. Korps vordringende 10. ID. breitete sich nach der Eroberung von Latisana am Ostufer aus. Die 41. HID. nächtigte zwischen S. Giorgio di Nogaro und Cervignano. Die 12. ID. hatte ihre Überschiffung über den unteren Isonzo beendet und rückte nach Terzo und Aquileja.
Das als Reserve, der Heeresfront bestimmte IV. Korps stand am
1. November mit der 29. ID. noch in Chiapovano und Lokve, mit der 20. HID. im Raume um Görz und mit der 9. ID., die jetzt erst erfuhr, daß sie zum IV. Korps gehörte, in Pozzuolo.
i) Krafft, II, 135.
Gegenüber der Heeresgruppe Boroevic ordnete sich die italienische
3. Armee, VIII., XI., XIII. und XXIII. Korps, von den Brücken bei C. Pte. d. Delizia bis zum Meere zur Verteidigung des westlichen Taglia-mentoufers. Die zwei südlichen Korps der 2. Armee, das XXIV. und das II., sowie das jetzt zur 3. Armee gehörende VI. sammelten sich dahinter zwischen Casarsa und S. Vito al Tagliamento. Das aus den Divisionen 4, 7 und 58 neugebildete XXV. Korps wurde bei Porto-gruaro bereitgestellt.
Der Vorstoß über den Tagliamento Die Maßnahmen der hohen Führung bei Freund und Feind
Am 1. November stand abwärts von Villa Santina kein Italiener mehr auf dem östlichen Tagliamentoufer. Auf dem Westufer hielt der Feind aber scharfe Wacht und hatte bis jetzt jeden Übergangsversuch zu vereiteln vermocht. Wollten die Verbündeten ihre Vorrückung fortsetzen, so mußten alle Bestrebungen auf ein rasches Überschreiten des Tagliamentos gerichtet sein, ehe sich hier der Widerstand der Italiener versteifte.
Unterdessen hatte am 29. Oktober Ludendorff in Baden angefragt, wie man sich hier das Weiterführen der Kriegshandlung denke, wenn wegen der gespannten Lage an der Westfront fünf deutsche Divisionen dorthin abgezogen werden würden. Das Kommando der Südwestfront, zur Stellungnahme aufgefordert, meldete, daß es auch in diesem Falle die Offensive über den Tagliamento fortzusetzen beabsichtige, um den bisher erreichten Erfolg auszugestalten und eine kürzere Front herzustellen. Da die 14. Armee am weitesten voraus sei, käme — damit der Fortgang der Offensive nicht beeinträchtigt werde — eine Abgabe deutscher Divisionen erst nach erfolgtem Überschreiten des Tagliamentos in Frage. GdI. Arz drahtete hierauf am 1. November an GFM. Hindenburg, daß sich nach seiner Ansicht und nach jener des Kommandos der Südwestfront „die Operationen bis an den Piave fortsetzen lassen“.
In diesen Tagen legte auch FM. Conrad dem Oberkommando in Baden seine Gedanken über die Teilnahme seiner Heeresgruppe an der Offensive dar. Er glaubte nicht, daß es den Italienern gelingen werde, sich noch östlich vom Piave zur Schlacht zu stellen. Sollten sie aber am Westufer dieses Flusses Widerstand leisten, dann käme, um sie daran zu hindern, besonders einem über die Sieben Gemeinden geführten Stoß Bedeutung zu, für den möglichst starke Kräfte verfügbar gemacht werden sollten. Der Marschall kam somit wieder auf seinen Königsgedanken zurück und war hochgestimmt, ihn nun endlich ausführen zu können.
Die Heeresleitung sagte wohl zu, alles zu tun, um den Feind auch vom Piave zu werfen. Zur Stunde nahm sie eine weitere, über die schon eingeleitete Verschiebung der 21. SchD. und der lOó.LstID. hinausgehende Verstärkung der Heeresgruppe in Tirol jedoch nicht in Aussicht, obwohl sich bereits überblicken ließ, daß bei der Heeresgruppe Boroevic schon wegen des schmäler werdenden Raumes zunächst gar nicht alle Divisionen entfaltet werden könnten. Die vorerwähnte Ankündigung der DOHL., allenfalls fünf deutsche Divisionen abzuziehen, scheint aber auch dazu beigetragen zu haben, daß man in Baden eine Verschiebung weiterer Kräfte aus Friaul nach Tirol gar nicht in Erwägung zog, weil man die in der Ebene vorrückende Heeresmacht nicht allzu sehr schwächen wollte.
Da anfangs November mit dem Eintreffen französischer und englischer Truppen in Oberitalien gerechnet werden mußte, gab GdI. Ludendorff am 1. November dem k.u.k. AOK. seine Ansichten über die Fortführung der Offensive bekannt. Er empfahl, dem Weitermarsch bis zur Livenza den Charakter „einer geschlossenen Vorwärtsbewegung“ zu geben, „aus der jederzeit zur Schlacht übergegangen werden“ könne. Die inneren Flügel der 10. und der 14. Armee sollten stark gehalten und über die Höhen am Nordrand der Ebene vorgeführt werden, wobei die 10. Armee Richtmig auf Belluno zu nehmen hätte. Südlich der 14. Armee sollte eine Isonzoarmee, allenfalls zunächst gestaffelt, vorrücken. Die weniger beweglichen Divisionen sollten auf dem westlichen Tagliamentoufer Brückenköpfe bauen. Bei der Heeresgruppe Conrad wären der noch zu verstärkenden 11. Armee und der 10. die Höhen nördlich von Bassano sowie jene südlich von Feltre und Belluno als Ziele zuzuweisen. Schließlich bezeichnete Ludendorff das Freimachen deutscher Kräfte im Osten durch Truppen der Isonzoarmeen als dringend erwünscht. Schon am 29. Oktober hatte er angeregt, sechs bis acht der im zweiten Treffen nachfolgenden öst.-ung. Divisionen hiefür zur Verfügung zu stellen, um einige deutsche Divisionen für den Westen freizumachen.
GdI.Arz stimmte den Anregungen für die der 11. und der 10. Armee zu stellenden Aufgaben sowie dem beantragten Bau von Brückenköpfen am Tagliamento zu und bezeichnete nochmals „das Erreichen der Piave -linie als vorläufiges Ziel unserer Operationen in Venetien“.
Zu einer Abgabe von Kräften wollte sich GdI. Arz jedoch noch nicht verstehen. Er bat Hindenburg, alle sieben deutschen Divisionen an der Südwestfront zu belassen, um „im wohlverstandenen, wechselseitigen Interesse der Mittelmächte . . . die Operationen in Venetien zu einem möglichst definitiven, gedeihlichen Abschlüsse“ zu bringen. Sollten für die Westfront Kräfte jedoch dringend nötig sein, so empfahl Arz, schon wegen der gebotenen Sparsamkeit mit Kohle und Fahrbetriebsmittel eher auf die an der italienischen Front stehenden deutschen Divisionen zu greifen, wobei er aber Wert darauf legte, daß doch zwei bis drei deutsche Divisionen in Venetien verblieben. Keinesfalls wollte er einem Austausch deutscher Kräfte im Osten durch Divisionen der Isonzoarmeen zustimmen. Er gab Hindenburg zu wissen, daß dies von der k.u.k. Armee als „schwere Kränkung, als Zweifel in ihre Tüchtigkeit empfunden werden“ würde, und er glaubte es nicht verantworten zu können, wenn „wir uns auf dem italienischen Kriegsschauplätze dauernd durch deutsche Truppen vertreten ließen!“
Der Südwestfront ließ GdI. Arz am 2. November im Aufträge des Kaisers die Weisung zukommen, daß bei der vom Tagliamento zum Piave beschleunigt durchzuführenden Vorrückung der Südflügel, der auch den kürzesten Weg zurückzulegen hatte, möglichst stark gehalten werde. Am Piave sollte dann „durch kräftigen, raschen Stoß in nördlicher oder nordwestlicher Richtung dem nördlichen feindlichen Armeeflügel größtmöglicher Abbruch“ getan werden. Die k.u.k. Heeresleitung bekannte sich hiemit dazu, das Schwergewicht auf dem linken Heeresflügel zu belassen, und erhoffte sich, durch ihn den Feind vom Piave verdrängen zu können. Die vom FM. Conrad und von der DOHL. empfohlene Verschiebung von Kräften aus Venetien nach Tirol kam für das k.u.k.AOK. somit nicht mehr in Frage.
Nach einem vom Erzherzog Eugen am 30. Oktober erlassenen Befehle hatte nun jede Armee innerhalb ihres Vorrückungsstreifens den Tagliamento zu überschreiten. Der 14. Armee wurde als südlichste Marschlinie die Straße Pozzo—Pordenone—Prata—Fontanella—Tezze zugewiesen. Südlich davon hatte GO. Boroevic vorzudringen. Als Grenze zwischen der 14. und der 10. Armee wurde eine über den Mt. Simeone, Mt. Faeit, Mt. Ciuf zum Mt. Naiarda verlaufende Linie bestimmt.
Am 2. November verfügte Erzherzog Eugen die Verschiebung der Edelweißdivision und der 22. SchD. vom Korps Krauss zur 10. Armee
Diese nunmehr so verstärkte Armee sollte, um die ihr aufgetragene Vorrückung nach Pieve di Cadore aufnehmen zu können, vorerst den Feind von den Höhen südwestlich von Tolmezzo vertreiben. Von diesem Unternehmen erhoffte man sich offenbar auch eine mittelbare Förderung der bisher ergebnislos gebliebenen Übergangsversuche Belows über den Tagliamento.
In den gleichen Tagen und Stunden wurden auch im Hauptquartier der italienischen Heeresleitung schwerwiegende Entschlüsse gefaßt. Der französische Generalstabschef, Gen. Foch, der am 30. Oktober morgens in Treviso mit Cadorna die erste Besprechung hatte, eröffnete diesem, daß die französische 10. Armee unter Gen. Duchěne zunächst mit vier Divisionen im Anrollen sei. Die beiden Generalstabschefs einigten sich sodann darüber, daß am Piave eine neue Front aufzubauen sei, in der die Ententedivisionen sogleich den Montello zu besetzen hätten, den Cadorna als den am meisten gefährdeten Abschnitt ansah. Jedoch noch am selben Tage kam Cadorna wegen Nachrichten, die er über die Versammlung starker gegnerischer Kräfte im Trentinischen erhalten hatte, davon ab; er befürchtete nun eher einen österreichischen Vorstoß in den Judicarien. Hierauf willigte Foch darin ein, daß zwei französische Divisionen vorerst in Brescia und zwei in Verona ausgeladen werden sollten. Dafür wurde auf die geplant gewesene Verschiebung eines Korps der italienischen 3. Armee nach Brescia verzichtet.
Tags darauf, am 31. Oktober, traf auch der englische Generalstabschef, Gen. Robertson, in Treviso ein und brachte die Zusage, daß zunächst zwei britische Divisionen herangeführt würden. Er und sein französischer Kollege empfahlen Cadorna, dem Gegner schon das Überschreiten des Tagliamento streitig zu machen, unbedingt aber mit Hilfe der französischen und der englischen Divisionen, die vorerst weiter hinten aufmarschieren sollten, am Piave und im Trentinischen Widerstand zu leisten. Foch und Robertson verfehlten hiebei nicht, darauf hinzuweisen, daß die Truppen der Westmächte den Italienern nur einen Rückhalt zu bieten vermöchten, und daß das Schicksal Italiens von der Haltung seines eigenen Heeres abhänge1).
Unterdessen erließ Cadorna am 30. und am 31. Oktober alle für die Vorbereitung des Rückzuges nötigen Weisungen. Er bestimmte neuerlich, daß am Piave die 3. Armee mit vier Korps den Abschnitt vom Meere bis einschließlich Pte. Priula (südwestlich von Susegana) und die sechs Ententedivisionen jenen von hier bis Vidor zu besetzen
!) Palat, Foch, 120 f. Foch, XXXVI f. — C a b i a t i, Ottobre 1917, 261 f.
hätten; westlich anschließend sollte die drei Korps starke 4. Armee eine Stellung bis einschließlich der Hochfläche der Sieben Gemeinden beziehen. Cadorna regelte weiters das Übereinstimmen des Zurückwei-chens der 4. und der 2. Armee und bezeichnete als Grenze zwischen beiden die östlich vom oberen Piave verlaufende Höhenlinie Rozzo—Mt. Cridola—C. Duranno—Crep Nudo—Mt. Cavallo, des weiteren Vittorio und Nervesa. Die 2. Armee hatte — wie geplant — sodann aus der Front zu scheiden und in Reserve zu treten.
Wegen der wenigen Straßen, die der 4. Armee zufielen, wurde sie angespornt, den Rückzug zu beschleunigen und die Artillerie zuerst zurückzusenden; Troß und sonstiges Kriegsgerät durften zurückgelassen werden. Das auf dem linken Flügel der 2. Armee stehende XII. Korps wurde im besonderen angewiesen, so lange auszuharren, bis die 4. Armee, deren Durchzug durch Lorenzago auf acht Tage veranschlagt wurde, abgeflossen wäre. Die vier Kavalleriedivisionen wurden in den westlich der Meduna gelegenen ebenen Raum Vivaro— Aviano—Corde -nons verlegt. Sie sollten, als Reiterkorps vereinigt, einem den Tagliamento im Bereiche der 2. Armee überschreitenden Gegner entgegentreten.
Als Grenze zwischen der 2. und der 3. Armee hatte die Linie C. Pte. d. Delizia—S. Vito al Tagliamento—Villotta—Motta di Livenza—Oder-zo—Ponte di Piave zu gelten. Wurde der Rückzug vom Tagliamento angetreten, so hatte das Kommando der 3. Armee auch für den Schutz des Rückzuges der 2. Armee zu sorgen, wozu ihm dann das Verfügungsrecht über das Kavalleriekorps zustand1). Weisungen für den Neubau von Brücken über die Livenza und den Piave, für das Auffangen aller flüchtigen Soldaten an der Livenza und Vorsorgen für Brückensprengungen durch die Nachhuten vervollständigten die Vorsorgen für den Rückzug.
Durch die den Italienern am 1. November geglückte Abwehr mehrerer von öst.-ung. und deutschen Truppen unternommener Übergangsversuche gewann Cadorna den Eindruck, daß der Druck des Gegners nachlasse. Er begann neuen Mut zu schöpfen und befahl am 2. November der 3. und der 2. Armee, am Tagliamento möglichst lange auszuharren, um für das Ordnen der Verbände Zeit zu gewinnen. Er behielt sich vor, gegebenenfalls anzuordnen, daß an diesem Flusse sogar dauernd Widerstand geleistet werde. Doch schon die Ereignisse am
2. November und an den beiden folgenden Tagen sollten die Aussichtslosigkeit dieses Vorhabens erweisen.
J) Bericht der Untersuchungskommission, I, 249 ff, 260 ff. — Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 515 f.
Der gewaltsame Flußübergang bei Cornino und, Pinzano (2. bis 4. November)
Hiezu Nebenskizze von Beilage 28
Als der Mt. Ragogna am 1. November erobert war, befahlen die Generale Krauss und Stein ihren Divisionen, in der nun folgenden Nacht den Übergang über den Tagliamento zu erzwingen. Die deutsche Jägerdivision sollte bei Trasaghis und Braulins übergehen und dann nach Süden stoßen, um der 55. ID. bei Cornino das Übersetzen des Flusses zu erleichtern. Der 50. ID. wurde aufgetragen, bei Pinzano den Fluß zu überschreiten. Bei der Gruppe Stein hatte die deutsche 12. ID., gefolgt von der 13. SchD., gleichfalls bei Pinzano das Westufer zu gewinnen, sich hierauf nach Süden zu wenden, um dem Alpenkorps und der 117. ID. bei Bonzicco hinüberzuhelfen. Noch weiter südlich sollte die Gruppe Hofacker bei C. Pte. d. Delizia das Ufer wechseln.
Am 2. November früh mußten die Korpskommandanten aber erfahren, daß keinem der Übergangsversuche ein Erfolg beschert gewesen war. Es war klar, daß nur planmäßig angelegte Unternehmungen zum Ziele führen konnten.
GdI. Krauss beschloß nunmehr, die Jägerdivision doch wieder nordwärts nach Amaro zu verschieben, wo sich schon eines ihrer Bataillone
— allerdings auch erfolglos — mit Übergangsversuchen abmühte. Die Division sollte von dort beiderseits des Mt. S. Simeone nach Süden Vordringen, tim den Übergang der Hauptkraft der Gruppe Krauss bei Cornino zu erleichtern. Indessen war an dieser Stelle erkundet worden, daß der abgesprengte Brückenteil derart im Wasser lag, daß für einzelne Leute das Hinüberkommen möglich schien. Der Korpskommandant leitete nun selbst die erforderlichen Vorbereitungen. Er zog die Artillerie der 50. ID. heran und ließ durch sie und jene der 55. ID. vor die Übergangsstelle eine Feuerglocke legen.
Um 6h abends kletterte das bewährte Bataillon IV bh. 4 auf Leitern und über die aus dem Wasser herausragenden abgesprengten Brückenfelder, die als Notsteg benützt wurden, hinüber. Trotz lebhaften Feuers der Italiener wurde die auf dem Westufer liegende Brückenschanze und das Dorf Cornino erstürmt. Eine Kompagnie stieß in südwestlicher
Richtung sogar bis Flagogna und auf den Mt. Albignons vor1). Obwohl weit überlegene Teile des italienischen Spezialkorps wütende Gegenangriffe unternahmen, vermochten sich die todesmutigen Bosniaken zu behaupten. Sie waren die erste Truppe, die auf dem Westufer festen Fuß gefaßt hatte.
Während der Nacht und am nächsten Tage folgten auf dem gleichen halsbrecherischen und zeitraubenden Wege — ein Bataillon benötigte für den Übergang durchschnittlich fast drei Stunden — die 38. IBrig. und die 26. GbBrig. Jene drang am 3. bis S. Rocco, Somp-comino, Manazzons und auf den Mt. Santo-<J>-474 vor; die 26. GbBrig. bemächtigte sich der Orte Colle und Campeis. Hiebei wurden 70 Offiziere und 2500 Mann der Italiener als Gefangene und 10 Geschütze als Beute eingebracht. Nun konnte auch an den Bau eines festen Steges geschritten werden.
Der Vorstoß des Bataillons IV/bh. 4 hatte offenbar die Aufmerksamkeit des bei Pinzano stehenden Feindes abgelenkt. Daher glückte es Pionieren der deutschen 12. und der k.u.k. 50. ID. in der gleichen Nacht, bei C. Pontaiba mit dem Bau eines Steges zu beginnen, der am
3. um 3hnachm. fertig wurde und über den noch am selben Tage je ein Bataillon der beiden Divisionen überging.
Unterdessen hatten die zwei als Verstärkung der 10. Armee bestimmten Divisionen den Marsch nach Norden angetreten (S. 602). Als aber am 3. November abends einem mitgelesenen italienischen Funkspruch entnommen wurde, daß das italienische XII. Korps zurückzugehen habe, wurde die 22. SchD. in ihrem Nordmarsche in Gemona angehalten und wieder dem GdI. Krauss unterstellt. Da weiters entziffert wurde, die am linken Flügel des italienischen XII. Korps stehende 26. ID. habe der Gruppe Krauss in die nördliche Flanke zu fallen, wies Erzherzog Eugen die 10. Armee zum unverzüglichen Angriff an, um dieses Vorhaben des Feindes zu durchkreuzen.
GdI. Below, der die vom italienischen XII. Korps in der Linie Cornino—Vigo (bei Lorenzago) neuzubildende Abwehrfront bei Cornino schon durchbrochen wußte, entschloß sich am 3. November abends, die Verfolgung mit starkem rechten Flügel „gegen und über die Linie Lon-garone—Vittorio—Tezze“ fortzusetzen. In entsprechend abgegrenzten Streifen sollte die Gruppe Krauss (50., 55. ID., deutsche JgD. und
Redl, Die Tagliamentoforcierung bei Cornino und das Bataillon IV/bh. 4 Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1923. 157 ff.). — Krafft, II, 137 ff. — Krauss, Das Wunder von Karfreit, 63 f.
22. SchD.) den Abschnitt Mt. Citta (7 km nordösüich von Longarone)— Vittorio, die Gruppe Stein (deutsche 12. ID., Alpenkorps, 13. SchD.) den anschließenden Abschnitt bis Conegliano und die Gruppe Hofacker (deutsche 26. und 117. ID.) jenen bis Tezze erreichen. Hiezu hatte die Gruppe Hofacker vorher den Vorrückungsraum der 2. Isonzoarmee zu räumen, dann mit der 117. ID. bei Bonzicco das Alpenkorps abzulösen, östlich von Spilimbergo eine Brücke zu schlagen und die 26. ID. nach S. Vito di Fagagna zu verlegen. Als Armeereserve hatten sich die Gruppe Scotti (1., 4. und 33. ID.) im Raume Cividale—Udine—Savorgnano, die deutsche 200. ID. bei Moruzzo (10 km nordwestlich von Udine) und die deutsche 5. ID. in Udine und in Pagnacco bereitzuhalten.
Indessen stand bei Cornino die 55. ID. als erste geschlossene größere Einheit fest auf dem westlichen Ufer. Südlich von ihr schützten drei Bataillone der 12.x) und der 50. ID. in einer brückenkopfartigen Aufstellung den bei C. Pojitaiba erbauten Übergang. Da neuerlichen Übergangsversuchen bei Bonzicco wieder ein Erfolg versagt war, blieben für das Überschreiten nur die Stege bei Cornino und bei Pinzano. Die am 3. abends erlassenen Befehle der Generale Krauss und Stein regelten mm die Fortsetzung der Verfolgung und des Uferwechsels. Die 55. ID. hatte nach Cavasso und Toppo, die 50. nach Sequals undLestans und die über Cornino nachfolgende Jägerdivision über Flagogna, Anduins und S. Francesco nach Tramonti di mezzo vorzudringen. Die zuletzt genannte Division war als begleitende Höhenkolonne in Aussicht genommen und wurde verständigt, daß sie sodann über Claut nach Longarone und später voraussichtlich über Belluno nach Feltre zu rücken haben werde. Die 22. SchD. sollte über Cornino nachfolgen. Bei C. Pontaiba hatten zuerst die deutsche 12. ID., dann die 50. ID., die Artillerie der
55. ID. und schließlich die 13. SchD. den Fluß zu überschreiten.
Am 4. November früh stieß die 55. ID. noch ohne Artillerie nach Travesio vor, wo sie starken Widerstand zu brechen hatte, hiebei 2200 Italiener zur Waffenstreckung zwang und 6 Geschütze erbeutete. Dann drang sie noch bis an ihre Tagesziele Cavasso und Toppo vor und schnitt dadurch dem nördlich davon im Gebirge stehenden italienischen XII. Korps die beiden in die Ebene führenden Rückzugswege ab. Teile dieses Korps wurden vom Spitzenregiment der deutschen Jägerdivision bei Peonis, wohin es nach dem Uferwechsel statt nach Anduins vorgerückt war, angefallen und festgehalten.
J) Es war mittlerweile noch ein zweites deutsches Bataillon auf das Westufer gelangt.
Hinter dem ersten Regiment der deutschen Jägerdivision stürzte um iolh nachm. der Notsteg bei Cornino ein. Daher trat im Übergang eine Unterbrechung ein, die bis zum Morgen des nächsten Tages dauerte.
Bei Pinzano, wo der Steg wegen Ausgestaltung zu einem auch für Fuhrwerke benützbaren Übergang zunächst gesperrt war, rückten von 4h nachm. an die deutsche 12. ID., die Gebirgsartillerie der 55. ID. und ein deutsches Jägerregiment über den Fluß.
Indessen war daS schon am 3. übergegangene Bataillon 11/18 der 50. ID. nach Kampf mit italienischen Panzerwagen bis Lestans vorgedrungen; es entriß einer vierfach überlegenen, aus Radfahrern und Reiterei gebildeten feindlichen Gruppe noch den Hügel 255 nordwestlich des Dorfes. Die gleichfalls schon am 3. auf das Westufer gelangten zwei Bataillone der deutschen 12. ID. durchstießen in südlicher Richtung die lockere Front der italienischen 33. ID und drangen über Baseglia bis nahe an Spilimbergo heran. Die Masse der 12. ID. sammelte sich zwischen Valeriano und Pinzano, um noch während der Nacht nach Tauriano zu marschieren.
Von den übrigen Teilen der Gruppen Krauss und Stein warteten die 22. SchD. bei Susans, die 50. ID. östlich der Brücke bei C. Pontaiba, die 13. SchD. in S. Daniele und das Alpenkorps in Giavons und Rodeano auf den Abruf zum Übergang. Von der durch die 2. Isonzoarmee abgelösten Gruppe Hofacker erreichte die deutsche 26. ID. am 4. November Meretta di Tomba und Flaibano. Die 117. ID. war an Stelle des Alpenkorps bei Bonzicco an das Flußufer getreten, ohne den Übergang bewerkstelligen zu können. Die fünf Divisionen der Armeereserve standen am 4. abends in ihren Quartieren.
Der Führer der Nordgruppe der italienischen 2. Armee, Gen. Etna, hatte am 4. das noch durch die 16. ID. verstärkte Spezialkorps zur Rückeroberung der Talausgänge bei Paludea und Travesio aufgerufen. Als der Gegenangriff aber nicht einmal über die ersten Ansätze hinauskam, wurde das Korps hinter die Cellina zurückgenommen*). Hiemit war auch das Schicksal der 36. und der 63. ID. des italienischen XII. Korps besiegelt, dies um so mehr, als es von Norden her auch von der k.u.k. 10. Armee angefallen wurde.
Bei dieser Armee erreichte die Edelweißdivision, die — um Verluste durch das noch fortdauernde Feuer des Werkes Mt. Festa zu vermeiden — wieder während der Nacht das Engtal durchschritt, mit der 216. IBrig. am 4. früh Tolmezzo; die auf einen Umgehungsweg über
i) Cabiati, Ottobre 1917, 312.
Mogessa gewiesene 217. IBrig. kam am Abend dieses Tages nach Illeg-gio. Die 59. GbBrig. erreichte abends Villa Santina und Tolmezzo. Die
29. GbBrig. rückte bis Stazione per la Carnia vor.
Krobatins Plan war es nun gewesen, ehe er sich gegen das Cadore wandte, mit der 94. ID. zuerst den Mt. Corno und — zur Unterstützung der Gruppe Hordt — den Mt. Lovinzola zu nehmen. GdI. Hordt sollte mit der 59. GbBrig. und der Edelweißdivision über Pozzis nach Tra-monti, mit einer Nebenkraft längs des Cavazzosees nach Süden stoßen. Die 29. GbBrig., die ihre vier Trachombataillone (V., VI. und VII./104 und I./HIR. 316) zur 7. Armee in die Waldkarpathen abzusenden hatte und als Ersatz zwei Landsturmbataillone erhielt, sollte als Reserve in Moggio bleiben.
Auf den an die 10. Armee gerichteten Auftrag des Erzherzogs Eugen, sofort anzugreifen (S. 606), entriß die 94. ID. in der Tat schon am 4. der italienischen 26. ID. den Mt. Corno und vertrieb, allerdings unter erheblichen Verlusten, Truppen der 36. ID. bei Preone vom Südufer des Tagliamentos. Dieser starke Druck von Norden und Süden veranlaßte nun das italienische XII. Korps, sich mit der 36. und der 63. ID. nach S. Francesco zurückzuziehen; es hoffte, über Tramonti und die Forcella Clautana durchschlüpfen zu können. Die Südgruppe der italienischen 26. ID. sollte hiezu bei Navarons eine Sperrstellung gegen Süden beziehen. Die Nordgruppe dieser Division zog auf den Mauria-paß ab und trat in den Verband der 4. Armee x).
Die Übergangsv er suche der Heeresgruppe Boroevic zwischen dem 2. und dem 4. November
Auf einen vom Kommando der Südwestfront geäußerten Wunsch erfolgte die Ablösung der Gruppe Hofacker durch Divisionen der Heeresgruppe Boroevic, im Gegensatz zur ursprünglichen Absicht (S. 599) noch vor dem Überschreiten des Tagliamentos. Bis zum 4. November früh hatte von der 2. Isonzoarmee das II. Korps mit der 28. ID. den Flußabschnitt zwischen S. Odorico und Rivis besetzt; hinter ihr stand die halbe 57. Division. Die nur mehr 5400 Gewehre zählende Gruppe Kosak breitete sich zwischen Rivis und Goricizza aus. Vom XXIV. Korps stand die 24. ID. an den östlichen Brückenenden bei C. Pte. d. Delizia, die 53. ID. südlich davon bei S. Vidotto. Die 5. IBrig. der 57.ID.
x) Bericht der Untersuchungskommission, I, 301 f.
hielt als Armeereserve östlich von Codroipo. Die halbe 63. ID. (187. LstlBrig.) stand in Udine.
Bei der 1. Isonzoarmee hatten die 14. ID. des XVI. Korps zwischen Bugnius und Varmo, die 44. SchD. des VII. Korps bei Madrisio und die 10. ID. des XXIII. Korps bei Latisana das Ostufer besetzt. Von den anderen Divisionen standen die 58., die 48. und die 17. ID. in ihren bisherigen Räumen (S. 599). Die 1. LstlBrig. der 63. ID. rückte von Görz nach Palmanova heran. Die 41. HID. war bis Palazzolo und Muz-zana nachmarschiert. Die 12. ID. bezog in Cervignano und südlich davon Unterkünfte. In Cervignano schlug am 3. auch das Kommando der 1. Isonzoarmee sein Hauptquartier auf. GO. Boroevic übersiedelte am 4. von Adelsberg in das 6 km südöstlich von Udine gelegene Dorf Pradamano. Das IV. Korps rückte als Reserve der Heeresfront mit der 20. HID. nach Cemoglons und Buttrio, mit der 29. ID. nach Pre-mariacco; die 9. ID. verblieb in Pozzuolo.
Als GO. Boroevic am 3. November vom geglückten Übergang bei Cornino Kenntnis erhielt, spornte er seine beiden Armeen unter Hinweis darauf, daß am Tagliamento nur noch Nachhuten des Feindes stünden, zum unverzüglichen Vorbrechen über den Fluß an. In einem zweiten Befehl erinnerte der Generaloberst an die ungeheure Einbuße von 260.000 Gefangenen, 40.000 Mann blutige Verluste und von 2300 Geschützen, die der Feind seit dem 24. Oktober zu beklagen habe, und die er nur zum geringsten Teil ersetzt haben könne. Der Übergang müsse daher — wenn schon nicht als Handstreich, so doch als planmäßiges Unternehmen — gelingen.
Der Wunsch des GO. Boroevic, den Fluß bereits in der Nacht auf den 4. November zu bezwingen, war aber schon der kurzen Zeit wegen nicht erfüllbar. Wohl glückte es hier und dort, so namentlich bei der 28. ID., die seichteren östlichen Flußarme zu überbrücken. Der reißende, tiefe und im feindlichen Feuer liegende Westarm blieb unbezwungen. Das Schwergewicht wurde nun auf das XXIV. Korps gelegt, dem alle technischen Kompagnien, das geringe vorhandene Brückengerät und die mittlerweile herangekommene schwere Artillerie zugewiesen wurden. Den übrigen Korps war aufgetragen worden, das Unternehmen des
XXIV., bei dem wieder die allerdings nur 1600 Gewehre zählende 24. ID. voran sch reiten sollte, durch Scheinübergänge zu unterstützen.
Am 4. November um 7h abends begannen westlich von Codroipo unsere Geschütze die Ufer Stellungen des Feindes zu beschießen. Dann setzte als erstes das IR. 45 der vom FML. Urbarz befehligten 24. ID., teils furtend, teils mit Behelfsmitteln — es standen nur sieben Kähne und italienische Pontons zur Verfügung — südlich der Eisenbahnbrücke über den bis zu 1.3 m tiefen, reißenden und eiskalten Fluß. Nach llh^o nachts folgte auf dem gleichen Wege das IR. 77, dem sich zwei Landsturmregimenter der 53. ID. anzuschließen hatten. Das anfänglich recht lebhafte Feuer des Feindes verstummte, als unsere Infanterie auf dem westlichen Ufer festen Fuß gefaßt und die bestückten Brückenwachhäuser genommen hatte. Es wurde bald klar, daß nur italienische Nachhuten das Westufer besetzt gehalten hatten.
In der Tat hatte Cadorna schon am Vormittag, als er von der Verschlechterung der Lage im Raume westlich von Cornino Kenntnis erlangt hatte, an die 2. und die 3. Armee die Weisung erlassen, in der Nacht auf den 5. November den Rückzug an den Piave anzutreten1). Der tiefgreifende Vorstoß der k.u.k. 55. ID. bis an die Meduna war es gewesen, der letzten Endes Cadorna die Unmöglichkeit eines weiteren Ausharrens am Tagliamento erkennen ließ. Da die italienische
4. Armee, wie noch auszuführen sein wird, bereits am 3. aus den Dolomiten zurückzugehen begonnen hatte, kamen alle, im weiten Raume zwischen dem Cismone und dem Tagliamento kämpfenden Heeresteile in Bewegung. Nach viertägigem Stillstand am Tagliamento begann eine neuen Phase des Feldzuges.
Die Verfolgung bis zum Piave und in den Dolomiten
(5. bis 10. November)
Hiezu Beilage 30
Maßnahmen der hohen Führung
Noch bevor Cadorna am 4. November den Befehl zum Rückzug erließ, hatte er schon alle erforderlichen Maßnahmen für eine geregelte Rückbewegung des Heeres und für die Einrichtung des Raumes auf dem westlichen Piaveufer als starke Verteidigungsfront getroffen. So hatte er sich schon am 2. bemüht, die ungeordnete Kordonaufstellung am Tagliamento in eine tiefgestaffelte Gruppierung umzuwandeln, die auch den Rückzug an den Piave erleichtern sollte 2). Den die 2. und
*) Bericht der Untersuchungskommission, I, 297.
2) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 520.
die 3. Armee schützenden Nachhuten wurde aufgetragen, beim Rückzug zunächst in der Linie Cellinabach—Casarsa—Unterlauf des Tagliamento, weiters an der Livenza und schließlich auch am Monticano Halte einzuschalten.
Der neue Verteidigungsabschnitt sollte aus mehreren hintereinanderliegenden Linien bestehen, wozu die bereits geschaffenen Anlagen des befestigten Lagers von Treviso auszunützen waren. Zur frühzeitigen Besetzung der ersten Linie hatte die 3. Armee, der der Raum vom Meer bis Pte. Priula zufiel, je eine Brigade in die vier Korpsabschnitte vorauszusenden. Gleiches hatte die 4. Armee in dem ihr zugewiesenen Abschnitt, der von Pte. Priula über den Mt. Grappa bis S. Marino im Brentatale reichte, zu verfügen. Überdies sollten die beiden linken Korps der 3. Armee den Abschnitt zwischen Ponte di Piave und Pte. Priula vor der 2. Armee erreichen, weil diese bis dorthin einen längeren Weg zurückzulegen hatte. Die Artillerie war in entsprechender Gliederung gleichfalls frühzeitig aufzustellen. Hiezu erhielt die 4. Armee die gesamte Artillerie der 2. Armee zugewiesen. Die 3. Armee wurde durch 50 im Hinterlande neugebildete Maschinengewehrkompagnien verstärkt.
Als am 4. November an die beiden am Tagliamento stiehenden Armeen der Befehl zum Rückzug erlassen wurde, verstärkte sich bei Cadorna die Sorge um die 4. Armee, weil diese — obwohl sie um 36 Stunden früher den Rückzugsbefehl erhalten hatte — mit ihrem rechten Flügelkorps, dem I., noch bei Pieve di Cadore stand. Es konnte sich nun ergeben, daß die an ihrem linken Flügel zurückgeworfene 2. Armee so rasch wich, daß der Gegner vor dem I. Korps bei Valdob-biadene am Piave erschien. In diesem Falle hätte dieses Korps, dem die Besetzung des Montello zugedacht war, über Feltre und durch das Brentatal ausweichen müssen, was einen dreitägigen Zeitverlust bedeutet haben würde. Um solches zu verhindern, eiferte Cadorna die
4. Armee am 4. November neuerlich zur Beschleunigung ihres Rückzuges an. Die 2. Armee sollte dagegen an der Livenza ein bis zwei Tage und am Monticano noch einen Tag ausharren. Cadorna verhehlte sich allerdings nicht, daß das Tempo der 2. Armee sehr wesentlich vom Gegner beeinflußt werden würde. Im schlimmsten Fall gedachte er den Montello durch das II. und das XXIV. Korps besetzen zu lassen, da diese Korps — allerdings noch sehr erholungsbedürftig — bereits am 4. November südlich vom Montello eingetroffen waren. Schließlich wurden die 2. und die 3. Armee am 5. November angewiesen, mit Nachhuten so lange an der Livenza zu halten, bis das Höchstkommando den Befehl zur Fortsetzung des Rückzuges geben werde, damit die 3. Armee in voller Ordnung den Piaveabschnitt besetzen könne x).
Die neuerliche Verschlechterung der Lage der 2. Armee hatte Cadorna am 3. November veranlaßt, an den Ministerpräsidenten ein Schreiben zu richten, in dem er mit voller Offenheit das Unheil, das über das Heer hereingebrochen war, zugab und über dessen moralische Erschütterung keinen Zweifel bestehen ließ. Er eröffnete seiner Regierung, daß er — wenn es ihm gelingen sollte, die 3. und die 4. Armee in guter Ordnung bis an den Piave zu bringen — die Absicht habe, an diesem Flusse die letzte Karte auszuspielen und sich zur Entscheidungsschlacht zu stellen. Denn bei einem weiteren Rückzug bis an die untere Etsch oder bis an den Mincio, einem Rückzug, dem sich auch die 1. Armee anschließen müßte, würde die Masse der Artillerie eingebüßt und das Heer um den Rest seiner Schlagkraft gebracht werden. Zum Schluß schrieb Gen. Cadorna, es scheine ihm angemessen, „daß die Regierung abseits der militärischen Gründe jene Maßnahmen in Erwägung ziehe, die meine Kompetenz und meinen Pflichtenkreis überschreiten“2). Kriegshistoriker von hohem Ansehen, wie die Generale Caviglia und Segato, sind der wohl zutreffenden Meinung, daß der letzte Satz des Berichtes Cadornas nur als eine Anregung zur Einleitung von Friedensverhandlungen ausgelegt werden könne.
Indessen versammelten sich am 5. November zu Rapallo die Regierungsvertreter Englands, Frankreichs und Italiens, dann die beiden Generalstabschefs Foch und Robertson mit je zwei Generalen und als Vertreter Cadornas Gen. Porro, um über die den Italienern zu gewährende Waffenhilfe zu beraten. Auf die neuerlich vorgebrachten Besorgnisse der italienischen Heeresleitung wegen eines gegnerischen Vorstoßes über den Tonalepaß und durch das Val Camonica befahl Foch, die Ausladung der französischen 10. Armee ganz in den Raum westlich des Gardasees zu verlegen. Die weiteren Ausführungen Porros, daß den 377 in der Front stehenden italienischen Bataillonen 661 gegnerische gegenüberstünden, und daß 12 bis 15 deutsche Divisionen nach Südtirol im Anrollen seien, begegneten jedoch bei den Generalstabschefs Frankreichs und Großbritanniens berechtigtem Zweifel. Da Porro auch noch „Sicherheiten für eine erfolgreiche Abwehr am Piave“ erbat, wobei er
!) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 547 f.
2) Caviglia, Le tre battaglie del Piave (Mailand 1934), 4. — Segato, L’Italia nella guerra mondiale (Mailand 1927), I, 515.
den Wunsch nach einer aus englischen und aus französischen Divisionen gebildeten Manövriermasse äußerte, wurde die Stärke der Unterstützungsarmee auf acht, von den beiden Westmächten zu gleichen Teilen beizustellenden Divisionen erhöht1). Offenbar hat der von Foch und Robertson mißliebig aufgenommene Wunsch Cadornas, immer stärkere Kräfte der Alliierten nach Italien zu ziehen, die durch die Niederlage erschütterte Stellung Cadornas schließlich ebensowenig gebessert, wie sein verblümter Antrag auf Einleitung von Verhandlungen mit dem Gegner.
Für die siegreichen Verbündeten hatte die Erzwingung des Taglia-mentoüberganges eine Lage geschaffen, die zur Fassung neuer Entschlüsse zwang.
GdI. Ludendorff ließ am 3.November das k.u.k. AOK. wissen, daß er die Offensive in Venetien nur bis zum Piave fortzusetzen gedenke. Hierauf würden deutsche Truppen aus Venetien abgezogen werden, vorausgesetzt, daß die Entente nicht mehr als etwa acht bis zehn Divisionen nach Italien überführe. Bei dieser Gelegenheit eröffnete Ludendorff auch zum ersten Male, daß die DOHL. im Frühjahr 1918 einen Waffenerfolg im Westen anstrebe. „Hiebei werden möglichst starke deutsche Truppen verwendet. Die Teilnahme von k.u.k. Divisionen wird willkommen sein, Artillerie schon vorher jederzeit.“
Diese Zielsetzung der DOHL. wurde von Baden aus mit Absicht nicht weiter bekanntgegeben, um den Schwung der Verfolgung durch allfälliges Herausziehen von Divisionen und durch Ablösungen nicht zu beeinträchtigen 2). In Unkenntnis derselben befahl Erzherzog Eugen am
4. November die Fortsetzung der Offensive, um mindestens die Brenta zu gewinnen. Hiezu sollten sich die bereits am Feinde stehenden und die in nächster Zeit über den Tagliamento gelangenden Divisionen den Italienern an die Fersen heften, um dem Feinde ein Festsetzen am Piave unmöglich zu machen.
Im einzelnen wurde dem GO. Boroevic aufgetragen, raschestens, wenn vorerst auch nur mit einigen Divisionen, vorzudringen, und so womöglich den vor der 14. Armee zurückweichenden Feind nach Westen abzudrängen; überdies sollte der Generaloberst Venedig nehmen und im Einvernehmen mit dem Kommando der Flotte den Küstenschutz organisieren. Die 14. Armee, deren Vorrückungsstreifen im Norden zugunsten der 10. Armee verschmälert wurde, hatte ,,im unaufhaltsamen Vorstoß die Brentalinie zu erreichen“ und hiedurch auch der italienischen
!) Palat, Foch, 124.
2) Schreiben des GM. Alfred Waldstätten an das Kriegsarchiv, vom 27. März 1936.
4. Armee alle über Belluno, über Feltre und aus dem Raume zwischen Cismon und Brenta nach Süden führenden Rückzugslinien zu verlegen. Die 10. Armee sollte über Longarone und über Pieve di Cadore nach Belluno, Feltre und Primolano vorrücken und sich später, gemeinsam mit dem Ostflügel der Heeresgruppe Conrad, in den Besitz des Südrandes der Hochfläche der Sieben Gemeinden zwischen dem Mt. Buso A 810 und dem Mt. Cengio A 1351 setzen. Die drei Divisionen 9, 20 und 29 der Heeresreserve sollten im größeren Abstand hinter der 2. Isonzoarmee nachrücken.
FM. Conrad hatte schon am 29. Oktober nach Baden gemeldet, daß er am 10. November mit annähernd fünf Divisionen aus dem Raume beiderseits von Asiago in der Richtung auf Valstagna vorzubrechen gedenke. Erforderlichen Falles sollten außerdem 18 Bataillone des XX. Korps über den Rollepaß gegen Fiera di Primiero angreifen. Auf den östlich davon befindlichen Straßen waren hinter dem weichenden Feinde Detachement in Bataillonsstärke bereits angesetzt, die zu einem späteren Zeitpunkt auf Befehl der Heeresleitung in den Verband der
10. Armee treten sollten.
Gegen die befohlene Einengung des Vorrückungsraumes der 14. Armee erhob GdI. Below Einspruch, weil er die Gruppe Krauss mit vier Divisionen bereits auf der längs des Höhenfußes führenden Straße und nördlich davon angesetzt hatte. Auch besorgte er, daß die Vorrückung seiner Armee an dem starken Abschnitt zwischen Pontenelle Alpi, dem Lago di S. Croce und Vittorio zum Stocken kommen könnte, wenn nicht Kräfte von Norden her hinter diesen Abschnitt herumgriffen. Below bat, da nach seiner Meinung die 10. Armee und das XX. Korps Longarone später erreichen mußten als der Nordflügel der
14. Armee, um das Benützungsrecht der jetzt in den Bereich der 10. Armee fallenden, von Meduno über die Forcella Clautana nach Longarone führenden Straße, um mit seinen Kräften auch auf dem westlichen Piaveufer nach Süden vorstoßen zu können.
Der am 5. November im Gefolge des Kaisers Karl in Udine weilende GdI. Arz teilte die Ansicht Belows über die Wichtigkeit eines raschen Erreichens von Longarone, bezeichnete es aber als im übrigen für belanglos, ob Truppen der 10. oder der 14. Armee auf der vorerwähnten, dorthin führenden Straße den Vortritt hätten. Erzherzog Eugen gestand hierauf der 14. Armee die Mitbenützung dieser Straße zu51).
Die Verfolgung bis an den unteren Piave
Vom XLagliamento bis zur Livenza (5. bis 7. November)
Das 10. Armeekmdo. hatte von seinen schwachen Kräften die 94. ID., wie schon ausgeführt wurde (S. 593), über Lorenzago gegen Pieve di Cadore angesetzt. Die Schilderung ihrer Kämpfe wird im Zusammenhänge mit der Eroberung des Cadore gebracht werden. Die aus der 59. GbBrig. und der Edelweißdivision gebildete Gruppe Hordt sollte raschestens in das Becken von Tramonti vorstoßen, um den noch östlich davon stehenden feindlichen Kräften den Rückzug zu verlegen. Bei diesem Vormarsch, bei dem die 59. GbBrig. an die Spitze der Kolonne trat, verursachte der Übergang aus dem Quelltal des Tagliamento von Grasia nach Tramonti di sopra erhebliche Schwierigkeiten. Die Edelweißdivision vermochte am 5. abends mit der 216. IBrig-. bei Tolmezzo das Südufer zu gewinnen; die nachfolgende 217. IBrig. und hinter ihr die als Armeereserve bestimmte 29. GbBrig. gelangten nach Tolmezzo.
Bei der 14. Armee hatte die Gruppe Krauss im Sinne der vorerwähnten Erwägungen Belows (S. 615) den Befehl erhalten, Truppen ihres rechten Flügels durch das Gebirge rasch auf Longarone vorzutreiben; sie sollten auf dem westlichen Piaveufer flußabwärts drücken, um hiedurch jeden Widerstand des Feindes möglichst schnell zu brechen. Als Verstärkung erhielt die Gruppe Krauss das württembergische Ge-birgsbataillon und die drei deutschen Sturmbataillone, von denen das erstgenannte der Jägerdivision, je ein Sturmbataillon den Divisionen 22, 50 und 55 zugewiesen wurden.
GdI. Krauss befahl der Jäger division, bei Avasinis und vor dem Mt. Corno nur die nötigsten Kräfte zu belassen, mit der Masse aber über Gerchia und Chievolis nach Longarone vorzudringen. Von der Hauptkraft des Korps, die den Gebirgsfuß entlang vorrücken sollte, hatten die 55. ID. bis Montereale und die 50. bis Arba, Vortruppen bis Aviano (55. ID.), Ponte di Giulia und S. Leonardo (50. ID.) zu gelangen. Die 22. SchD. sollte nach Travesio und Manazzons folgen.
Indessen hatte sich die Jägerdivision am 5. mit einem Regiment an der vom Feinde hartnäckig verteidigten Stellung zwischen Avasinis und dem Mt. Corno festgebissen. Die Masse war im Sinne eines anderen, in seinem Ursprünge nicht mehr feststellbaren Befehlesx) durch das Azzinotal im Vorrücken gegen S. Francesco. Sie stieß bei Pielungo auf die Hauptkraft der italienischen Divisionen 36 und 63 und verwehrte ihnen, sich nach Südwesten durchzuschlagen. Diese feindliche Kolonne bog nun nach Westen in das Becken von Tramonti ab, wohin auch eine Nebenkolonne von S. Francesco über S. Vincenzo strebte2).
Das Vorrücken der 55. ID., die das Herankommen ihrer Artillerie abwartete, erlitt durch den Einsturz der Behelfsbrücke bei Cornino eine Verzögerung. Immerhin vermochte ihre Vorhut gemeinsam mit jener der 50. ID. bei Colle die Meduna zu überschreiten. Zwei andere Bataillone der 55. ID., die von Meduno aus gegen Barcis gewiesen waren, schlugen die. Südgruppe der italienischen 26. ID. bei Navarons und Poffabro zurück. Ein Bataillon rückte längs des Höhenrandes nach Montereale. Die 50. ID. und die 22. SchD. erreichten die ihnen vorgezeichneten Ziele.
Bei der Gruppe Stein marschierte die deutsche 12. ID. in zwei Kolonnen über Tesis und Vivaro, den mittlerweile abgeflossenen Torrente Cellina durchschreitend, nach S. Leonardo und S. Foca. Hier stieß sie dem von Montereale nach Süden abziehenden italienischen Kavalleriekorps in die Flanke und warf es gegen Westen zurück. Eine Seitenabteilung der 12. ID. eilte am westlichen Tagliamentoufer nach Süden, um der Gruppe Hofacker den Übergang bei Bonzicco zu erleichtern. Doch hier war der Feind schon abgezogen, und Teile der 117. ID. vermochten noch am 5. auf der wie de rherge stellten Brücke das Ufer zu wechseln. Die hinteren Divisionen der Gruppe Stein (Alpenkorps, 13. SchD.) und der Gruppe Hofacker (deutsche 26. ID.) sowie die fünf Divisionen der Armeereserve blieben in ihren Quartieren.
Die Heeresgruppe Boroevic vermochte am 5. November nun auch in breiter Front den Tagliamento zu überschreiten. Dem II. Korps der
2. Isonzoarmee, das raschestens Abteilungen nach Pordenone vortreiben sollte, um der 14. Armee das Vorwärtskommen zu erleichtern, glückte es aber nur, ein Bataillon der 28. ID. über einen bei Turrida erbauten Steg auf das Westufer zu bringen. Von der Gruppe Kosak gelangten bei Rivis einige Bataillone der 35. ID. über den Fluß, indes die 60. ID. ihre beiden Brigaden bei Goricizza vereinigte. Das XXIV. Korps setzte seine während der Nacht begonnene Durchfurtung (S. 610 f.) auch am Tage fort. Nachmittags wurde die Eisenbahnbrücke für Infanterie benützbar.
!) Krafft, II, 175.
2) C a b i a t i, Ottobre 1917, 314.
Bis zum Abend erreichte die 24. ID. Azzano Decimo und Tajedo. Die 53. ID., die am Morgen noch einige auf dem Westufer gelegene kleine Befestigungen zu bezwingen hatte, vereinigte abends die Masse ihrer Infanterie in S. Vito al Tagliamento. Eine linke Seitenabteilung rückte flußabwärts vor, um der nördlichen Flügeldivision der 1. Isonzoarmee, der 14. ID., beim Übergange beizustehen.
Der 14. ID. glückte wegen des Mangels an Kähnen aber nur die Überschiffung eines Nachrichtendetachements. Die Division stand am
5. abends noch bei Gradiscutta. Wohl aber brach die 44. SchD. unter Kampf mit feindlichen Nachhuten bei Madrisio über den Fluß vor und gewann bis zum Abend Bągnarola und Cordovado; Verfolgungsabteilungen setzten dem Feinde über Sesto nach. Die 10. ID. überschiffte nördlich und südlich von Latisana den Fluß und kam bis Portogruaro und Fossalta. Das der Division nunmehr für die Verfolgung zugewiesene halbe DR. 7, das bis jetzt im Küstenschutz gestanden war, trabte bis an den Lisonbach. Die gleichfalls überschiffte 41. HID. erreichte mit ihrer Infanterie Concordia und Giussago. Die übrigen Divisionen der Heeresgruppe warteten in ihren Quartieren das Freiwerden der Vormarschstraßen ab.
Auf Seite des Feindes waren die beiden Armeen am 5. kampflos hinter die Livenza zurückmarschiert; sie sollten hier ein bis zwei Tage halten. Am Abend stand die 3. Armee mit den Korps XXIII, XIII, XI und VIII sowie mit der wieder als Nachhut bestimmten 4. ID. am Fluß zwischen Torre diMosto und Mansuě. Je eine Brigade dieser Korps wurde schon in die künftigen Verteidigungsabschnitte an den Piave zurückgesandt. Das XXV. und das VI. Korps bezogen im Raume um Treviso Erholungsquartiere. Von der 2. Armee hatten sich die noch kampfkräftigeren Teile (XXVII., XXVIII., Spezialkorps und Masse des Kavalleriekorps) nach kurzem Zwischenhalt an der Cellina gleichfalls hinter die Livenza zurückgezogen. Die 3. KD. stand bei Aviano. Die Südgruppe der 26. ID. bezog bei Poffabro und auf der Foroella Clautana Sperrstellungen. Die schon von allen Seiten umstellten Divisionen 36 und 63 strebten dem Becken von Tramonti zu. Die anderen Korps (VII., XXIV. und II.) waren längs der Leitlinie Sacile—Cone-gliano—Montebelluna im Rückmarsch hinter den Piave.
Am 6. November erreichten die in der Ebene vordringenden Heeresteile der Verbündeten allseits die Livenza. Beim XXIII. Korps begannen die vorderen Brigaden der Divisionen 41 und 10 zwischen Torre diMosto und Corbolone mit Übergangsvorbereitungen. Tags darauf, am 7. November, waren von der unermüdlich vordringenden 10. ID. bei
S. Stino di Livenza bereits sechs Kompagnien überschifft, die sich gegen einen Gegenangriff einer italienischen Brigade behaupteten. Die 12. ID. war bis zum 7. bei Latisana aufgeschlossen; ein von ihr bis C. Villaviera vorgetriebenes Detachement sollte von der Lagunenflottille der Kriegsmarine durch den Can. Nioeloso an die Mündung der Livenza befördert werden. Beim VII. Korps erreichte die 44. SchD. am 6. abends Motta di Livenza und brachte am 7. mit Behelfmitteln das SchR. 21 über den Fluß. Die am 6. bis Sesto und Cordovado nachrückende 14. ID. wurde am 7. links von der 44. SchD. in die Front eingeschoben. Die 48. ID. erreichte am 7. Madrisio. Von dem noch weiter hinten befindlichen XVI. Korps stand die 58. ID. in Flumignano und Gonars, die 17. in Ajello und Campolongo und die 1. LstlBrig. in Palmanova.
Bei der 2. Isonzoarmee gelangte vom XXIV. Korps die 53. ID., die, weil sie nur aus ungarischen Landsturminfanterieregimentern bestand, von nun an die Bezeichnung 64. HID. zu führen hatte*), bis Quarta-rezza und Frattina. Sie mußte eine ihrer Brigaden, die frühzeitig bis Motta di Livenza und damit in den Bereich des VII. Korps gelangt war, von dort wieder abziehen. Daher blieb die Gelegenheit, noch am 6. abends über die bei Motta di Livenza befindliche, nur unvollkommen gesprengte Brücke überzugehen, unausgenützt. Die 24. ID. zog mit ihrer Vorhut am 6. in Meduna di Livenza ein. Tags darauf schoben sich beide Divisionen des XXIV. Korps näher an den Fluß heran, und zwei Bataillonen der 24. ID. glückte es, wesüich von Meduna di Livenza das Westufer zu gewinnen. Das II. Korps gelangte mit der 57. ID. bis Pa-siano und Tiezzo, mit der 28. bis Loppola; letztgenannte Division hatte das IR. 28 bis Visinale vorgeschoben. Am 7. vermochten auch zwei Bataillone der 57. ID. nordwestlich von Meduna di Livenza den Widerstand italienischer Nachhuten zu überwinden und auf dem Westufer festen Fuß zu fassen. Die Gruppe Kosak, die mit je einer Division den Korps XXIV und II zu folgen hatte, nächtigte am 7. mit der 60. ID. in Vilotta und Sbrajovacoo, mit der 35. in Fiume und Orcenico. Das IV. Korps stand am 7. mit der 20. HID. noch immer bei Buttrio, mit der 29. ID. in Pozzuolo; die 9. rückte nach Codroipo vor. Die halbe 63. ID. war nach wie vor Besatzung in Udine.
Auch der Südflügel der 14. Armee vermochte am 6. mit Vortruppen bis an die Livenza vorzudringen. Die 117. ID. der Gruppe Hofacker rückte, nachdem sie den Tagliamento bei Bonzicco überschritten hatte,
1) Dafür erhielt die an der rumänischen Front stehende 71. ID. die Nummer 53.
am 6. kampflos bis Pordenone und Tamai vor. Ihre Vortruppen erreichten Brugnera, wo die Division tags darauf nach einem Kampf mit der italienischen 49. ID. den Fluß zu überschreiten vermochte. Die nachrückende 26. ID. gelangte am 7. nach Porcia und Pordenone. Von der Gruppe Stein drang die deutsche 12. ID. am 6. von der Cellina gegen Fiaschetti, Sacile und Cavolano vor. Gegen Abend entspann sich hier mit der Nachhut der italienischen 2. Armee (Teile des Spezialkorps und der 49. ID., Reiterei und Panzerautos) ein lebhaftes, die Nacht über anhaltendes Gefecht. Am 7. glückte es sodann den Deutschen, Sacile durch eine Umgehung von Süden her zu nehmen1). Die nachfolgende
13. SchD. erreichte am 7. Roveredo in piano; das Alpenkorps überschritt bei Pinzano den Tagliamento.
Von den beiden in der Ebene vordringenden Divisionen der Gruppe Krauss kam am 6. — wie befohlen — die 50. bis S. Martino und S. Leonardo, die 55. bis Malnisio; ihre Vortruppen überschritten sogar noch die von Roveredo in piano nach Aviano führende Straße. Tags darauf schob sich im Vordringen gegen Polcenigo die 15. GbBrig. der 50. ID. vor die 55. ID. und brach in diesem Ort sehr rasch den Widerstand der italienischen 16. ID. des Spezialkorps. Bald darauf entbrannte nördlich des Livenzaursprunges ein neues Gefecht, in das außer der
15. GbBrig. und der Artillerie der 50. ID. noch Truppen der 55. ID., der deutschen 12. ID. und deutsche Flieger eingriffen. Nach vierstündigem Kampfe wurde der Feind geworfen, der etwa 1000 Gefangene in den Händen der Sieger ließ. In der Verfolgung gelangte die 15. GbBrig. bis Caneva, ihre Vorhut bis Villa di Villa. Die 3. GbBrig. erreichte den Raum östlich von Polcenigo. Die 50. ID. war somit ganz vor die 55. gelangt; diese bezog in Budoia und Aviano Quartier.
Da sich die Verbündeten schon am 7. an mehreren Stellen den Übergang über die Livenza erzwungen hatten, nahm Cadorna seine beiden Armeen bereits nach eintägigem Aufenthalt von dort zurück. Die
2. Armee sollte in der Linie Colle Umberto—Pianzano—Gajarine—Por-tobuffole neuerlich Front machen. Starke Teile der allgemeinen Nachhut wichen aber darüber hinweg bis an den Oberlauf des Monticano; es ergaben sich dadurch zwei hintereinanderliegende Nachhutlinien. Bei der 3. Armee, die das Tempo des Rückzuges selbst zu bestimmen hatte, bezogen die Nachhuten am 7. abends zwischen Oderzo und Ceggia und hinter dem Can. Piavon neue Stellungen. Die Masse der vier Korps der
3. Armee stand bereits hinter dem Piave abwärts von Pte. Priula. Das
i) Krafft, II, 185, 190 f.
II. Korps war zur Besetzung des Montello schon am 6. zur 4. Armee getreten, der auch noch das XXIV. Korps überwiesen wurde. Desgleichen wurde ihr auch das XII. Korps zugeschlagen, da dessen Rückzugslinie in ihren Bereich führte1).
Die Gefangennahme der 36. und der 63. italienischen Division
Unterdessen hatte sich aber im Becken von Tramonti das Schicksal der 36. und der 63. ID. des italienischen XII. Korps bereits erfüllt.
Da sich die deutsche Jägerdivision von diesen beiden italienischen Divisionen, die sie auch am 6. November bei Gerchia aufhielt, noch nicht hatte loslösen können, bestimmte GdI. Krauss die 22. SchD., die am 6. bei Meduno eingetroffen war, zum Vormarsch über Longarone auf Belluno und wies ihr noch das württembergische Gebirgsbataillon zu. GM. Müller beschloß nun, mit der 43. SchBrig., dem Gebirgsbataillon und zwei Gebirgsbatterien über Chievolis, Forcella Clautana und Longarone nach Belluno zu rücken, indes die 98. KSchBrig. über Ma-niago, Andreis, Barcis, durch das Calteatal, über den Sattel südlich des Mt. Tremol A 2007 und Farra den Weg nach Belluno zu nehmen hatte. Bald nach Antritt des Vormarsches vernahm GM. Müller Gefechtslärm von Tramonti di sotto her. Er bog dorthin ab und warf die schon bis hieher gelangten Teile der beiden italienischen Divisionen zurück; 1200 Italiener fielen in Gefangenschaft. Die Kolonne GM. Müller nächtigte hierauf bei Chievolis; die 98. KSchBrig. erreichte abends Maniago.
Mittlerweile vervollständigte die Gruppe Hordt, die mit der Masse von Norden her über Grasia, mit dem Bataillon 11/59 von Preone über
S. Francesco und S. Vincenzo gegen das Becken von Tramonti vordrang, die Einkreisung. Im einzelnen vermochte letztgenanntes Bataillon gemeinsam mit dem Bataillon V/7 der 59. GbBrig. bei Selva Piana nach einem bis in die Morgenstunden des 7. währenden Gefecht 5000 Italiener zur Waffenstreckung und zur Übergabe von 24 Geschützen zu zwingen. Das 1. Bataillon des KJR. 4 brachte bei Pielungo 30 Offiziere und 800 Mann als Gefangene und 34 Kanonen als Beute ein. Vor kleinen Abteilungen deutscher Jäger legten in Tramonti und Campone etwa 3000 Italiener die Waffen nieder. Insgesamt wurden 10.000 Mann als Gefangene abgeführt. Ein kleiner Rest des Feindes schlug sich in das Bericht der Untersuchungskommission, I, 337.
enge Gebirgstal nach Sei vis durch; ihn erreichte später das gleiche SchicksalJ).
Am 6. abends sah auch die Besatzung des Mt. Festa, gegen den eine Hochgebirgskompagnie der 10. Armee angesetzt war, jeden weiteren Widerstand als nutzlos an und sprengte das Werk. Es hatte durch die andauernde Beschießung des engen Tagliamentotales die Benützung der darin führenden Straße unterbunden und die dort vorrückenden Heereskörper der Verbündeten zu zeitraubenden Umwegen gezwungen. Die nach Süden abziehende Werksbesatzung lief schließlich der Jägerdivision in die Arme. Diese rückte am 7. im Sinne eines am Vortage erhaltenen Befehles nach Meduno und Cavasso.
Die weiteren Kampfhandlungen der Gruppe Hordt, die am 6. mit der Masse in Tramonti di sopra und di sotto, mit der 217. IBrig. in Grasia nächtigte, sowie jene der 22. SchD. werden im Zusammenhange mit der Eroberung des Cadore geschildert werden.
Von der Livenza zum unteren Piave (8. bis 10. November)
In den letzten Tagen der Verfolgung bemühte sich das deutsche
14. Armeekmdo., das Schwergewicht auf dem Nordflügel zu verstärken, also mehr Truppen in das obere Piavetal nach Belluno einströmen zu lassen, um dann mit ausreichender Kraft über Feltre gegen Bassano Vordringen zu können. Auch war es der Wunsch des GdI. Below, die Befehlsgewalt im oberen Piavetal nicht mit dem Kommando der 10. Armee, die gleichfalls über Belluno nach Feltre gewiesen war, teilen zu müssen 2).
Dieser Plan Belows, mit dem Schwergewicht über den Gebirgsfuß vorzurücken, um die Piavefront auf dem Westufer von Norden her aufzurollen, stand jedoch nicht im Einklang mit dem von der k.u.k. Heeresleitung am 2. November erlassenen Befehl, wonach das Schwergewicht auf den Südflügel der Heeresgruppe Boroevic zu legen war, um auf dieser in der Ebene führenden und kürzeren Vormarschrichtung die italienische Piavefront von Süden her aus den Angeln zu heben. Allerdings hatte man in Baden darauf verzichtet, die Verwirklichung dieser Absicht nachdrücklich zu betreiben; man widerstrebte aber anderseits
J) Murari, 257 f.
°-j Krafft, II, 187 f.
dem Ansinnen, weitere Kräfte aus der venetianischen Ebene der Heeresgruppe Conrad zuzuführen. Allerdings plante man, eineinhalb Divisionen von der Heeresgruppe Boroevic der Ostfront zu überweisen.
Zur Erleichterung der Führung verfügte GdI. Below am 7. eine Teilung der überstarken Gruppe Krauss; sie sollte vom 8. an nur mehr aus der 22. SchD., der Jägerdivision und dem Alpenkorps bestehen. Über die 55., die 50. und die nachzuziehende 1. ID. sollte das in Reserve stehende XV. Korpskmdo., FML. Scotti, die Befehlgebung übernehmen. Überdies wurde die 200. ID. der Gruppe Hofacker nachgesendet; die drei anderen Divisionen der Armeereserve (deutsche 5., öst.-ung. 4. und 33. ID.) hatten noch bei Udine zu verbleiben. Da GdI. Krauss aber noch vor Erhalt dieses Befehles die 55. ID. von Aviano nach Farra (10 km östlich von Belluno) senden wollte, was auch im Interesse der vom 14. Armeekmdo. so sehr gewünschten Stärkung des rechten Flügels gelegen war, hatte die 55. ID. bei der Gruppe Krauss zu verbleiben. Dafür hatte das Alpenkorps zu der am 9. November mittags neuzubildenden Gruppe Scotti zu treten.
Unterdessen erzielte die Gruppe Krauss am 8. erheblichen Raumgewinn. Die 15. GbBrig. kam am Nachmittag bis Vittorio, in welche Stadt das vorgeschobene Bataillon 11/18 schon um 9h vorm. eingezogen war. Die S.GbBrig. gelangte nach Caneva. Die schließlich doch in der Ebene vorrückende 55. ID. erreichte spät abends gleichfalls Vittorio. Die Jägerdivision bezog in St.Lucia und Aviano, das Alpenkorps inTauriano und Valeriano Quartier. Von der Gruppe Stein zog die deutsche 12. ID. nach Vertreibung italienischer Nachhuten in Godega di S. Urbano und Cordignano ein; die 13. SchD., die mit Teilen an diesem Gefechte teilgenommen hatte, nächtigte in Orsago und Sacile. Auch die von Brugnera über Gajarine vorrückende 117. ID. der Gruppe Hofacker stieß am Monticano auf Widerstand, der nachts gebrochen wurde. Die nachfolgende deutsche 26. ID. kam mit den Anfängen bis Codogně, die 200. rückte bis an die Tagliamentobrücke bei Bonzicco nach.
Bei der südlich anschließenden 2. Isonzoarmee hatte sich indessen auch das IR. 28 der 28. ID. bei Portobuffoie den Übergang über die Livenza erzwungen. Der weitere Vormarsch des II. Korps wurde durch die zahlreichen Wasserlinien mit ihren zerstörten Übergängen und durch den Mangel an Brückengerät erheblich erschwert. Dennoch standen Vorhuten am 8. November abends am Monticano, den Patrouillen an einzelnen Stellen sogar noch durchwateten. Die Masse des Korps erreichte Cornaro und Basalghelle (28. ID.), Mansuě und Fossabiuba (57. ID.).
Beim XXIV. Korps, das bei Meduna die Livenza überschritt, erzwang sich die Vorhut der 24. ID. gemeinsam mit Abteilungen der 57. ID. und der 64. HID. bei Gorgo den Übergang über den Monticano und drang noch bis Frassene vor. Die 64. HID. nächtigte östlich von Gorgo. Bei der Gruppe Kosak blieb die 35. ID. stehen, die 60. rückte nach Pravis-domini und Villutta.
Die 1. Isonzoarmee überwand am 8. den Raum zwischen der Livenza und dem Can. Piavon. Das VII. Korps erreichte nach Zurückdrängen der italienischen 4. ID. mit seinen beiden vorderen Divisionen, der 44. und der 14., Fossalta und Chiarano; die 48. stand abends in Cordovado. Auch beim XXIII. Korps hatte die Vorhut der 10. ID. Verfolgungsgefechte zu bestehen, ehe sie vor Gessalto ankam. Dieser Ort wurde abends gemeinsam mit dem von Nordosten her eingreifenden IR. 48 der 14. ID. erstürmt. Die 41. HID., die der 10. ID. über den einzigen Steg bei S. Stino gefolgt war, erreichte in der Dunkelheit Ceggia. Die weit hinten nachfolgende 12. ID. bezog in Portogruaro Unterkünfte. Das IV. Korps der Reserve der Südwestfront schob sich in den Raum Codroipo—Basagliapenta—Mortegliano vor.
Von den Italienern standen am 8. abends bereits die Hauptkräfte der 2. und der 3. Armee auf dem westlichen Piaveufer. Lediglich das Spezialkorps und die Divisionen 62, 23, 67 und 4 hielten als Nachhut noch östlich des Flusses. Da nach dem Eindringen der Gruppe Krauss in Vittorio die Verbindung zwischen der in der Ebene zurückgehenden Masse des Heeres und dem noch im oberen Piavetal steckenden I. Korps ohnehin unterbrochen war, hatten Versuche, den Gegner östlich des Flusses noch weiter aufzuhalten, keinen Zweck. Die Nachhuten wurden daher angewiesen, am 9. das Ostufer zu räumen1).
An diesem Tage gelangte die Heeresgruppe Boroevic bei trübem, regnerischem Wetter mit den Vortruppen durchwegs bis an den Piave. Das XXIII. Korps erreichte ihn zwischen Grisolera und S. Dona di Piave, das VII. nördlich anschließend bis Salgaredo. Das XXIV. und Vortruppen des II. Korps besetzten den Flußdamm zwischen Ponte di Piave und Cimadolmo. Am 10. schlossen die Divisionen der ersten Linie nach vorn auf. Die 28. ID. nahm südlich von Cimadolno noch einige Piaveinseln in Besitz. Von den hinteren Divisionen rückte am 9. die 35. ID. nach Pasiano vor. Überdies wurde das IV. Korpskmdo., samt der 29. und der 9. ID. vorgezogen, um am 12. das sehr standesschwache XXIV. Korps abzulösen. In den Verband dieses dann nach Motta di Livenza und
vj Bericht der Untersuchungskommission, I, 357.
Mansuě gelangenden Korps hatte die 20. HID. zu treten, die nach Az-zano Decimo vorgezogen wurde.
Nun verlegten sich auch die hohen Befehlsstellen nach vorne. Das Kommando der 2. Isonzoarmee kam am 10. nach Pasiano, jenes der 1. am 11. nach Portogruaro. GO. Boroevic bezog gleichfalls am 11. in
S. Vito al Tagliamento Quartier. Das Kommando der Südwestfront, das ursprünglich nach Klagenfurt übersiedeln wollte, sandte seine Quartiermacher nach Udine, wo der Generalstabschef, GM. Konopicky, bereits am 10. abends eintraf.
Bei der 14. Armee ging die 117. ID. der Gruppe Hofacker am 9. nach Überschreiten des Monticano gegen Tezze und Susegana vor. Ehe sie sich noch zum Angriff auf den bei der E. St. Susegana angelegten Brückenkopf entfaltete, räumte ihn die italienische Nachhut und sprengte die Bahnbrücke; die Straßenbrücke wurde ein Raub der Flammen. Die 26. ID. bezog in Codogně und Francenigo, die 200. in Pordenone Unterkünfte. Die Gruppe Stein erreichte den Piave am 9. mit der 13. SchD. gegenüber dem Montello. Die deutsche 12. ID. gelangte nach Pieve di Solighetto und S. Pietro di Feietto. Tags darauf stieß diese Division vor Vidor auf eine Brigade des italienischen IX. Korps. Es glückte ihr wohl nicht, den Feind — wie geplant — zu überrumpeln; aber in der Nacht auf den 11. räumte dieser auch hier das Nordufer und sprengte die Brücke. Von der neugebildeten Gruppe Scotti erreichte die im Soligotal vorgehende 50. ID. am 9. mit der 15. GbBrig. Miane und Cison di Valmarino, mit der 3. GbBrig. Vittorio; tags darauf gewann die Division die Enge des Piavetales zwischen S. Vito und Vas. Das Alpenkorps nächtigte am 9. in Aviano und am 10. in Serravalle, Vittorio und Cordignano. Die 1. ID. erreichte am 10. mit den Anfängen Aviano.
Von der Gruppe Krauss rückte die 55. ID. am 9. von Vittorio gegen Belluno vor, traf aber schon am Südende des Lago di S. Croce auf eine feindliche Nachhutstellung, die sie am selben Tage nicht zu bezwingen vermochte. Tags darauf war der Feind abgezogen. Dafür nahm die Division am Nordende des Sees ein italienisches Bataillon gefangen, das von der auf Farra vorstoßenden 98. KSchBrig. nach Süden abgedrängt worden war. Die Nacht verbrachte die 55. ID. in Castion, südlich von Belluno; die gesprengte Brücke hinderte sie daran, in Belluno einzuziehen. Die Jägerdivision rückte am 9. nach Vittorio und Cordignano und rastete hier auch am nächsten Tage.
GdI. Below, der zwei Tage in Pordenone geweilt hatte, verlegte sein Hauptquartier am 10. nach Vittorio.
Das Eingreifen der Heeresgruppe Conrad Hiezu Beilage 30
Die italienische 4. Armee im Cadore
Nach dem Zusammenbruche der Julischen Front und mit Beginn des Abbröckelns der Italiener vom Karnischen Kamm mußte nun auch die Dolomitenfront ins Wanken geraten. Hier stand in weitem Bogen vom Mt. Peralba an Kärntens Westgrenze bis zum Nordabfall der Hochfläche der Sieben Gemeinden die italienische 4. Armee, GLt. Nicolis di Robilant, mit drei Korps in der Gesamtstärke von 90 Bataillonen und 904 Geschützen!). An ihrem Ostflügel deckte das I. Korps mit der 1. ID. den Raum zwischen dem Karnischen Kamm und den Tofanen, mit einer Gruppe von fünf Alpinibataillonen das Gebiet um den Falza-regopaß. Das IX. Korps hielt den Raum zwischen dem ColdiLana und dem Tale von S. Pellegrino mit der 18., das Gebiet des Rollepasses mit der 17. Division. Das XVIII. Korps stand mit der 56. ID. in den Fassaner Alpen, mit der 15. und der 51. ID. im Suganertale.
Auf öst.-ung. Seite hielt das XX. Korps, GdI. Roth, mit der 49. und der 52. ID. die Dolomitenfront. Hiefür standen ihm 49 Bataillone 52) und 16 Standschützenabteilungen, ferner 409 Geschütze, darunter 229 ortsfeste, zur Verfügung. Das Suganertal sperrte die 18. ID. der 11. Armee mit 12 Bataillonen53), drei Standschützenabteilungen und 106 Geschützen, davon 36 unbewegliche.
Der auf den befestigten Raum von Cadore—Mae gestützten italienischen 4. Armee waren zu Kriegsbeginn wichtige Aufgaben zugeteilt worden, deren Erfüllung sie aber bisnun, nach mehr als zwei Kampfjahren, kaum nähergekommen war. Weder der oft versuchte Einbruch in das Pustertal noch der seit Mitte 1916 wiederholt angesetzte Stoß in das Fleimstal waren geglückt, und nur an wenigen Stellen dieser Hoch-gebirgsfront, wie im Gebiete der Tofanen, auf dem Col di Lana und auf dem Rollepaß, sowie auf Teilen des Fassaner Kammes hatten die
Italiener örtliche Erfolge erzielt, deren Bedeutung keinesfalls den gebrachten Opfern entsprach. Diese kärglichen, aber so schwer errungenen Vorteile aufzugeben, zögerte die italienische Dolomitenarmee bis zum allerletzten Augenblick.
Cadorna hatte schon am 26. Oktober der 4. Armee vorbereitende Weisungen für den Fall zukommen lassen, daß ein Rückzug der 2. und der 3. Armee hinter den Tagliamento das Zurücknehmen der Dolo-mitenfront auf die Linie des „äußersten Widerstandes“ — das war eine von Rozzo über die Befestigungen von Vigo, den Felsrücken des Mt. delle Marmarole, den Mt. Antelajo und den Mt. Pelmo zum Rollepaß verlaufende Linie — nötig machen würde (S. 548). Diesen Weisungen folgte am 27. Oktober der Rückzugsbefehl.
GLt. Robilant trat jedoch den anbefohlenen Rückzug zunächst nicht an, sondern traf bloß Vorbereitungen für die Ausgestaltung und Besetzung der neuen Widerstandslinie sowie für das Zurückführen des Gerätes, da er der Meinung war, die Räumung der bisnun innegehabten Stellungen und das Beziehen der neuen Linie könnten jederzeit raschestens durchgeführt werden.
Das italienische Höchstkommando mußte jedoch schon bald die Wahrscheinlichkeit in Betracht ziehen, daß die am Tagliamento gebildete neue Front nicht längere Zeit standhalten werde. Dann konnte auch das Cadore nicht weiter behauptet werden. Um die für diesen Fall nötigen Vereinbarungen zu treffen, berief Cadorna die Kommandanten der 1. und der 4. Armee für den 29. Oktober nach Treviso *); die Einzelheiten wurden am 31. Oktober bei einer neuerlichen Unterredung dieser Generale festgelegt. Trotz dieser Vorbesprechungen rechnete aber Robilant noch immer darauf, daß die Rückbewegung der 3. und der 2. Armee am Tagliamento dauernd zum'Stehen kommen werde, und zögerte daher, die Ergebnisse zweijähriger Anstrengungen preiszugeben. Dies rief bei Cadorna lebhafte Besorgnisse wach. Der Rückzug der italienischen Karnischen Gruppe (XII. Korps) hinter den oberen Tagliamento hatte die 4. Armee, wie bereits ausgeführt wurde (S. 567), schon am 29. dazu gezwungen, ihren Ostflügel abzubiegen. Setzten die am Tagliamento stehenden italienischen Armeen den Rückzug fort, so erschien es Cadorna schon damals fraglich, ob die 4. Armee noch rechtzeitig aus den Dolomitentälern werde abziehen können.
Trotz der aus diesen Erwägungen am 31. Oktober erfolgten Anweisung Cadornas, die Rückverlegung der Front zu beschleunigen, Caviglia, Le tre battaglie del Piave, 23.
setzte die 4. Armee in den ersten Novembertagen ihre Vorkehrungen mit methodischer Langsamkeit fort. Noch am 2. November glaubte GLt. Robilant das italienische Höchstkommando darauf aufmerksam machen zu müssen, daß er den Rücken der Tagliamentofront nur in den bisherigen Stellungen verläßlich sichern kömie, während in der künftig zu besetzenden Linie „äußersten Widerstandes“ wegen des Mangels an Vorkehrungen für die Versorgung der Truppen kein längeres Standhalten zu erhoffen sei.
Dieses Zögern der 4. Armee, den unvermeidlich gewordenen Rückzug anzutreten, dauerte auch dann noch an, als GLt. Robilant über die seit dem 31. Oktober eingetretene Verschärfung der Lage und die daraus entstehende Notwendigkeit, den Rückzug der Dolomitenarmee aus dem Gebirge zu beschleunigen, aufgeklärt worden war. Nun griff Cadorna entschieden ein, um die schon früher geschilderte Gefahr abzuwenden, der sich Robilant offenbar nicht voll bewußt war. Das schwierige Führungsproblem, die Rückbewegung der 4. Armee mit dem erzwungenen Rückzug der 2. Armee in Einklang zu bringen, war nur durch schleunigstes Austreten der erstgenannten unter Preisgabe des nicht mehr zu bergenden Geräts zu meistern1).
Diesen Erwägungen entsprechend, ordnete das italienische Höchstkommando noch am 2. November nachts an, daß das 4. Armeekommando die Befehle für die Rückbewegung in die neue Stellung unverzüglich auszugeben habe, und daß die Korps dieser Armee am nächsten Morgen hinter dieser Linie gestaffelt zu sein hätten. Der Ostflügel und die Mitte der Dolomitenarmee begannen am 3. November nun endlich den unvermeidlich gewordenen Rückzug in den Tälern des Ansiei, des Boite und des Torrente Mae (I. Korps) sowie im Agordinischen (IX. Korps), allerdings ohne das vom Höchstkommando für diesen Tag festgesetzte Ziel erreichen zu können. Inzwischen war die Tagliamentofront unhaltbar geworden. Dem Entschlüsse Cadomas entprechend, den nächsten nachhaltigen Widerstand am Piave zu leisten, erhielt daher die
4. Armee noch im Laufe des 3. Novembers den Befehl, den Rückzug bis zum Piave fortzuführen (S. 612).
Die von General Robilant auch diesmal erhobenen Vorstellungen galten der Befürchtung, ein allzu beschleunigter Rückzug der 2. Armee werde das Zurückziehen der 4. Armee aus dem Gebirge gefährden. Obzwar Cadorna versuchte, den Rückmarsch der 2. Armee zu verzögern, mußte er doch am 4. November die Dolomitenarmee darauf aufmerksam
!) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 526 ff.
machen, daß es sich bei der 2. Armee um eine erzwungene Rückbewegung handle, und daß die Bedrohung der Rückzugslinie der 4. Armee im Piavetal eine selbstverständliche Folge der langsamen Ausführung der Befehle des Höchstkommandos sei; die Beschleunigung des Rückmarsches mit allen Mitteln sei unerläßlich.
In der Nacht auf den 5. November kam der Rückzug der italienischen 4. Armee endlich in Schwung. Die Kolonnen des I. Korps strebten, im Osten durch die verstärkte 26. ID. des XII. Korps gedeckt, dem befestigten Raume von Cadore—Mae zu, jene des IX. Korps aus dem Agordinischen und dem Primör in den Raum von Fonzaso. Auf dem Fassanerkamm und im Suganertale hielt das XVIII. Korps zunächst seine bisherigen Stellungen. Nur die auf seinem Nordflügel stehende
56. ID. sollte nach Maßgabe der Rückbewegung des IX. Korps ihre Stellungen räumen und auf die Höhen südlich des ValCia und der Linie Canale S. Bovo—Imer zurückweichen, um die Flanke des Korps gegen Einwirkung von Norden her zu decken.
Es war allerhöchste Zeit geworden, denn schon schickte sich die öst.-ung. 10. Armee an, vom Quelltal des Tagliamento her in das Cadore einzubrechen.
Die V07'bereititiigen zur Offensive bei der Heeresgruppe Conrad
FM. Conrad hatte schon am 26. Oktober auf Grund der vom Isonzo einlangenden Nachrichten bei der k.u.k. Heeresleitung angefragt, ob die Verschiebung einer Anzahl von Divisionen vom Küstenlande nach Südtirol möglich und jetzt schon zweckmäßig wäre. An diesem Tage glaubte man in Baden jedoch noch an dem Grundsätze, alle verfügbaren Kräfte an der entscheidenden Front zu vereinen, festhalten zu müssen. Wohl aber wies das Heeresgruppenkommando am 27. Oktober das 10. und das 11. Armeekmdo. sowie das XX. Korpskmdo. an, folgende Möglichkeiten einem Vorstudium, besonders in materieller Hinsicht, zu unterziehen: allgemeines Vorgehen aus den gegenwärtigen Stellungen und Vorstoß bei Zusammenfassung mehrerer starker Gruppen innerhalb der betreffenden Heereskörper oder Stoß mit bloß einer zusammengeballten Kraft, die aus dem ganzen Heeresgruppenbereich in den Raum der 11. Armee zu verschieben wäre. Für den zweiten Fall sollte das XX. Korps eine Höchstzahl seiner besten Bataillone und alles verfügbare Kriegsgerät beistellen. Hievon wurde, wie schon (S. 615) dargelegt, die k.u.k. Heeresleitung verständigt.
Dieses Vorhaben stützte sich auf die Annahme, daß auf die Zuweisung frischer Kräfte zunächst nicht zu rechnen sein werde und daher nur ein örtlicher Stoß in Betracht käme, der aber den Feind bald und an empfindlicher Stelle treffen müsse, sollte er auf die Gesamtlage mitentscheidend einwirken. So waren einerseits rasche Versammlungsmöglichkeit und gesicherter Zuschub für die Stoßgruppe Grundbedingung, anderseits war der Stoß in einen Raum zu führen, der dauernd behauptet werden konnte und eine günstige Ausgangsstellung für weitere Angriffsunternehmen bildete.
Nach verläßlichen Nachrichten zählte das auf dem Nordteile der Hochfläche stehende italienische XX. Korps derzeit bloß 56.000 Mann gegenüber einer Stärke von 145.000 Mann während der Ortigaraschlacht. Diese erhebliche Schwächung der italienischen Kräfte zwischen dem Astico und dem Suganertale wies ebenso wie die Rücksicht auf die eben erwähnten Anforderungen auf die Hochfläche von Asiago hin. Wenn es gelang, in kräftigem Vorwärtsdringen den Südostrand der Hochfläche zu erreichen, so bestand für den Feind geringe Aussicht, die Piavefront behaupten zu können.
Auf dieser Beurteilung der Lage gründete sich in der Folge das Eingreifen der Heeresgruppe Conrad. Noch am 27. Oktober teilte der Feldmarschall dem FZM. Scheuchenstuel und dem GdI. Roth mit, daß er beabsichtige, mit den in Tirol zur Verfügung stehenden Kräften einen Angriff durchzuführen. Hiezu sei beabsichtigt, drei Divisionen westlich von Asiago zu versammeln, und zwar die schon dort stehende 19. ID., bei der die für den Angriff weniger geeigneten Truppen auszutauschen waren, ferner eine zweite Division, die aus Verbänden der 11. Armee zusammengestellt werden sollte, und schließlich eine aus neun Bataillonen des XX. Korps zu bildende Division. An artilleristischen Verstärkungen waren 43 mittlere und schwere Geschütze der
11. Armee und 12 leichte und zwei schwere Geschütze des XX. Korps in den künftigen Angriffsraum zu leiten.
Kaum war dieser Befehl ausgegeben, als eine Verständigung aus Baden einlangte, wonach der am Isonzo heranreifende große Erfolg die Verlegung von ein bis zwei Divisionen nach Südtirol erlaube und die Heeresgruppe alle Vorbereitungen zu treffen habe, um mit diesen Kräften so bald als möglich aus dem Suganertal anzugreifen. FM. Conrad wies in seiner Antwort auf die bereits eingeleiteten Vorbereitungen für einen Angriff bei Asiago hin, von wo aus die Ebene am raschesten zu erreichen sei, und erlangte die Zustimmung der Heeresleitung für diese Angriffsrichtung. Nun konnte auch der Angriffsraum entsprechend den auf fünf Divisionen angewachsenen Stoßkräften verbreitert und das Ziel bis Valstagna im Brentatale erstreckt werden.
Am 28. Oktober teilte das AOK. mit, daß die 21. SchD. und die 106. LstlD.x) für die Verlegung nach Südtirol bestimmt seien, die am gleichen Abend mit dem Verladen begännen. Zugleich wurden vier Fliegerkompagnien vom Isonzo nach Tirol verlegt. Diese Kräfte konnten bis zum 8. November in Südtirol einlangen. Je eine Division sollte südlich von Trient und im Suganertale ausgeladen werden; beide hatten in den Verband der 11. Armee zu treten. Als Angriffstag wurde der
10. November in Aussicht genommen.
Am 28. Oktober ergingen auch die Befehle für die neue Zusammensetzung der 52. ID.2); diese sollte bis zum 2. November im Etschtal nördlich von Trient versammelt und ihre Verlegung auf die Hochfläche von Asiago bis zum 5. durchgeführt sein.
Die Zusammenstellung dieser Division begegnete aber ernsten Schwierigkeiten. Ihre Bataillone waren auf der 80 km langen Hoch-gebirgsfront in ausgedehnten Stellungen zerstreut und seit langem im Stellungskrieg ohne Ablösung verwendet worden; ihre Versammlung konnte größtenteils nur im Fußmarsche, zum Teil auf verschneiten Wegen, vollzogen werden. Ebenso erforderte die Umgruppierung für den Angriff im Bereiche der 11. Armee umfangreiche Ablösungen und Verschiebungen, die bei dem zunehmenden Mangel an Bespannungen nur durch Aushilfen — den k.u.k. Armeen seit langem so wohlbekannt
— bewältigt werden konnten.
Schon am 28. Oktober machten sich Anzeichen der knapp bevorstehenden Räumung der italienischen Front in den Karnischen Alpen bemerkbar; im besonderen war der Abbau der Funkstation der italienischen 26. ID. in Paluzza bedeutsam. Diese Nachricht löste einen Befehl Conrads an die 49. ID. in den Dolomiten aus, das Abbröckeln der italienischen Front rechtzeitig wahrzunehmen und im eintretenden Falle sogleich mit Streifabteilungen nachzustoßen, um umfangreiche Straßenzerstörungen zu verhindern. Die 10. Armee war an diesem Tage zur Verfolgung in der Richtung auf den oberen Tagliamento vorgebrochen.
Am 29. Oktober erhielt FZM. Scheuchenstuel den vorbereitenden Befehl zum Angriffe. Danach waren die italienischen Linien zwischen Canove und der Höhe Katze -<}>- 1223 (nördlich von Asiago) zu durchbrechen; sodann sollte der Angriffsraum nach beiden Seiten über Gallio
und Fondi bis zum Mt. Lemmerle verbreitert und die Höhen westlich von Valstagna erreicht werden, um den Verkehr im Brentatale zu unterbinden. Die unter dem Befehle des GdI. Krautwald stehende Angriffsgruppe war aus den Divisionen 6, 19, 52, 21 und 106 zu bilden.
Die Fortschritte im Venetianischen und die an der Dolomitenfront immer deutlicher werdenden Anzeichen für einen bevorstehenden Rückzug der Italiener veranlaßten den FM. Conrad zur Ausgabe eines neuen Befehles, in welchem er seine Absicht mitteilte, im Falle einer Räumung des Cadore durch die Italiener mit der Hauptkraft des XX. Korps über den Rollepaß und durch das Cismontal gegen den Abschnitt Fonzaso— Feltre vorzugehen. Die 49. ID. sollte starke Streifabteilungen mit Artillerie vortreiben. Auf das Vorgehen in das Piavetal legte Conrad wegen der starken feindlichen Befestigungen und der zu erwartenden umfangreichen Straßenzerstörungen weniger Gewicht. Dementsprechend hatte Conrad auch schon am 30. beantragt, die 10. Armee mit Rücksicht auf das gebotene Zusammenwirken mit der deutschen 14. Armee aus seinem Befehlsbereich in jenen des Erzherzogs Eugen zu überweisen, was vom AOK. auch verfügt wurde (S. 593).
Die Verfolgung in den Dolomiten
(4. bis 10. November)
Der Abbau der italienischen Dolomitenfront war bei den Fortschritten der Verbündeten im Venetianischen um die Monatswende immer wahrscheinlicher geworden; auch aus dem Verhalten des Feindes konnte geschlossen werden, daß die Räumung des Cadore unmittelbar bevorstehe 54). GdI. Roth traf daher Vorbereitungen, um den Italienern nach Beginn des Rückzuges auf den Fersen bleiben zu können. Er ordnete für die Kräfte, die dem XX. Korps nach Abgabe der 52. ID. verblieben waren, eine Gruppierung an, die am 10. November erreicht sein sollte und die Bildung von Verfolgungskolonnen vorsah. Die
Gruppe Obst. Edl. v. Maendl (21. GbBrig.) sollte mit drei Bataillonen und einer Batterie über den Kreuzberg auf Auronzo, mit einem Bataillon von Schluderbach über Misurina in das Ansieital vorstoßen.
Weiter nach Südwesten hatte unter dem Befehl des GM. Korzer (96. IBrig.) eine Reihe von kleinen Gruppen zur Verfolgung anzutreten. Je ein Bataillon war zum Einbrüche über Peutelstein und über den Fal-zaregopaß auf Cortina d’Ampezzo anzusetzen, um von dort im Boitetal gegen Pieve di Cadore vorzugehen. Ein Bataillon und eine Batterie sollten über Buchenstein, ein Bataillon über den Fedajapaß auf Alleghe, zwei Bataillone über S. Pellegrino auf Cencenighe in das Cordevoletal einbrechen; von der letztgenannten Kolonne war aus Falcade eine Abteilung zur Unterstützung der über den Rollepaß vorgehenden Hauptkraft zu entsenden. Diese Hauptkraft, 1234 Bataillone der 49. ID. unter FML. Edl. v. Steinhart, hatte aus dem Travignolotale über den Rollepaß und Imer in das Cismontal vorzustoßen. Von der 52. ID. sollten drei Bataillone und eine Batterie im Tale des Vanoi, zwei Bataillone im Westteile der Fassaner Alpen zur Verfolgung ansetzen.
Am 4. November begann die italienische Dolomitenfront abzubrök-keln; an diesem Tage besetzten vorbrechende öst.-ung. Patrouillen die jahrelang heißumstrittenen Stellungen auf den Drei Zinnen, auf dem Mt. Piano, im Tofanagebiet und auf dem Colbricori. Am folgenden Tage war die italienische 4. Armee in vollem Rückzuge. Die dem abziehenden Feind auf dem Fuße folgenden Patrouillen trafen brennende Barackenlager, Magazine und allenthalben verstreutes Kriegsmaterial an. Die umfangreichen Zerstörungen an Brücken und Straßen hemmten jedoch die Verfolgung und zwangen die zu tatkräftigstem Nachstoßen angespornten Kolonnen vielfach dazu, sogar die Tragtiere zurückzulassen. Cortina d’Ampezzo, der Col di Lana, Caprile und S. Martino di Castrozza wurden am 5. November von den Verfolgern besetzt.
Die italienische 17. ID. war in der Nacht auf den 5. November über den Rollepaß abgezogen und ging auf Fonzaso zurück; die Deckung dieses Abmarsches durch Sperrung der Täler des Cismon und des Vanoi übernahm die 56. ID., die nun ihrerseits mit der Räumung ihrer Stellungen in den'Fassaner Alpen begann. Die beiden anderen Divisionen des XVIII. Korps hielten ihre Stellungen im Suganertal, dem Drehpunkt der zurückschwenkenden Armeefront, unverändert fest. Vier Bataillone und drei Gebirgsbatterien wurden von hier als Sicherheitsbesatzung auf den Mt. Grappa zurückgesendet55).
*) C a b i a t i, La riscossa (Mailand 1934), 51.
Am 5. November beschloß FM. Conrad, den Vorstoß starker eigener Kräfte über den Rollepaß zu unterlassen, da ihn der Feind aufgegeben hatte; die dadurch freiwerdenden Truppen hatten sich im Raume um Trient zu sammeln und von dort ehestens zur Stoßgruppe auf den Sieben Gemeinden abzurücken. Zum Vorgehen über den Rollepaß in das Primör und in weiterer Folge auf Fonzaso wurde lediglich die
9. GbBrig.1) bestimmt. Alle sodann noch verfügbaren Truppen des XX. Korps waren auf dem kürzesten Wege an die Bahn zu bringen, entsprechend auszurüsten und in den Raum um Trient zu verlegen, wo aus ihnen die 49. ID.2) neu aufzustellen war.
Mit diesem schwerwiegenden Entschlüsse verzichtete das Heeresgruppenkommando endgültig auf die Möglichkeit, dem noch im Suganertale zurückhängenden Westflügel der italienischen 4. Armee durch einen kraftvollen Stoß den Cismonfluß entlang empfindlichen Abbruch zu tun und stärkere Kräfte in den Raum von Primolano und Feltre zu bringen.
Die aus den Dolomiten abziehenden italienischen Kolonnen konnten den Rückzug unter dem Schutze ihrer Nachhuten, vom Gegner unbehelligt, bewerkstelligen. Am 5. November abends erreichte das aus dem Agor-dinischen und aus dem Primör zurückweichende italienische IX. Korps mit seinen Hauptkräften den Raum um Fonzaso und westlich von Belluno, und seine Nachhuten richteten sich in der „Linie des äußersten Widerstandes“ ein. Auf dem Ostflügel der 4. Armee erreichte die Masse des
I. Korps das Piavetal bei Pieve di Cadore und nördlich davon. Das Abfließen der dort zusammenströmenden Truppenmengen, das an den folgenden Tagen Staffel weise mit Zuhilfenahme der wenig leistungsfähigen Bahn und schleunig; herangezogener Kraftwagenkolonnen einsetzte, sollten die in der erwähnten Widerstandslinie zurückgelassenen starken Nachhuten gemeinsam mit den Festungstruppen des Cadore bis zum 10. November abends decken. Zum Schutz gegen den von Osten
x) 9. GbBrig.: Oberst Lercher, IBaone. IV/12, IV 84, IV/87, KSchR. III (3); 8 Batterien.
2) Gliederung der 49. ID. um den 10. November:
Kmdt. FML. Edl. v. Steinhart
56. GbBrig.: Obst. Gustav v. Krammer, IBaone. 111/73, I/KSchR. III, k. k. LstlBaone. 29, 160, 161 179. IBrig.: Obst. Covin, IBaon. II-SchR. 5, k. k. LstlBaone. II, III, 168, 171
Sturmbaon. 49, 9 HochgbKompagnien 211 2 Batterien
Die Division sollte am 12. November verwendungsbereit sein.
her gegen den oberen Piave heranrückenden Gegner wurden bei der im Gebirge östlich vom Piave stehenden 26. ID. des XII. Korps frische Truppen, zunächst eine Bersaglieribrigade, eingesetzt.
Die Gefahren, die der verspätete Rückzug für die italienische 4. Armee heraufbeschworen hatte, waren tatsächlich nicht gering. Die k.u.k.
10. Armee, die dem aus den Karnischen Alpen abziehenden Feind mit der Hauptkraft zunächst an den oberen Tagliamento und mit der Gruppe Obst. Fässer nach Sappada gefolgt war, hatte schon am 29. Oktober den Auftrag erhalten, westwärts in das Cadore einzubrechen (S. 616). Ungeachtet aller Schwierigkeiten, die das Gebirge, die Zerstörung der Straßen, das schlechte Wetter und der hartnäckige Widerstand feindlicher Nachhuten bereitete, stand die 10. Armee, die zum großen Teile aus Stellungstruppen zusammengesetzt und ganz unzureichend mit Beförderungsmitteln ausgerüstet war, bereits am 5. November zum Vorstoß gegen Westen bereit.
Obst. Fässer hatte am 3. den Abstieg in das oberste Piavetal begonnen, wobei noch erheblicher Widerstand zu überwinden war; das FJB. 8 bemächtigte sich an diesem Tage der Gebirgspässe südwestlich von Sappada und näherte sich dem ColRementera an der Ostfront der Festung Cadore-Mae. Die Hauptkraft dieser Gruppe eroberte am 5. den befestigten Mt. Terzo picc. und stand nun unmittelbar vor S. Stefano di Cadore. Die Hauptkraft der 94. ID. erstürmte am 5. nach hartem Kampfe den Passo della Morte. Südlich vom oberen Tagliamento war die schon geschilderte Einkreisung der Masse des italienischen XII. Korps im Gange (S. 621). Nach ihrem Abschluß konnte die Führung der Verbündeten aus diesem Raume auch die Hauptkraft der
10. Armee gegen das Cadore ansetzen.
Von der 9. GbBrig. waren sogleich nach Einlangen des Befehles zur Verfolgung am 6. November früh das Bataillon IV 84 über den Rollepaß, zwei Kaiserschützenkompagnien in das Vanoital vorgeschickt worden. Sie erreichten am Abend des gleichen Tages Fiera di Primiero und Cavria, am nächsten Tage Mezzano und Canale S. Bovo.
Die im Cordevole- und Boitetal vorgehenden Verfolgungskolonnen der 96. IBrig. gewannen gegenüber den schrittweise weichenden Nachhuten der Italiener nur langsam Raum. Am 6. wurden Alleghe undBorca besetzt. Die Kolonne im Cordevoletale erreichte nach einem Gefecht bei Listolade am 8. November Agordo, stieß aber dann bei der permanenten Straßensperre von Sasso di S. Martino auf die von starken italienischen Nachhuten besetzte Widerstandslinie, die vom Feind auftragsgemäß bis zum 10. gehalten wurde. Erst am 11. fanden Erkunder die Stellungen geräumt; der Weg in das Becken von Belluno war frei. In ähnlicher Weise liefen sich die im Boitetale verfolgenden Bataillone fest; sie konnten sich mit der 94. ID. erst na'ch deren Einrücken in Pieve di Cadore vereinigen. Die Befestigungen und die ausgedehnten, durch permanente Minenanlagen vorbereiteten Straßen- und Brückenzerstörungen hatten die Verfolgung im höchsten Maße gehemmt.
Beim italienischen I. Korps wurden am 6. November zehn Bataillone aus dem Raume von Pieve di Cadore abgeschoben; noch harrten aber namhafte Teile dieses Korps, seine Nachhuten, die Festungsbesatzung und die 26. ID. des XII. Korps, der Abbeförderung, die bei den Fortschritten der 10. Armee immer dringender wurde. Schon näherte sich an diesem Tage Obst. Fässer mit seiner durch ein Bataillon der 21. GbBrig. verstärkten Gruppe1) der Nordfront der Festung, den Werken von Vigo. Die 94. ID. schickte sich zum Angriffe gegen die Ostfront beiderseits von Passo di Mauria. an.
Am folgenden Tage, am 7. November, waren die ersten Anzeichen bevorstehender Rückbewegung auch beim Feinde im Suganertale wahrzunehmen. Das italienische XVIII. Korps bezog seine vorbereitete Hauptkampflinie beiderseits von Strigno, beließ aber starke Nachhuten in den bisherigen Stellungen.
Die 9. GbBrig., die ihre Versammlung am 6. durchgeführt hatte, trat am 7. die Verfolgung in zwei Kolonnen — über den Rollepaß und im Vanoitale — an; die Vorbewegung stockte jedoch schon am folgenden Tag. Die sechs Bataillone starke Nachhut der italienischen 56. ID. hatte sich in den vorbereiteten Stellungen am Zusammenflusse des Cis-mon und des Vanoi, auf den Höhen Viderne A 1585, Totoga-^ 1706 und Remitte A 1785 eingenistet. Die 9. GbBrig. war daher gezwungen, sich durch Entsendung einer Umgehungskolonne über das Gebirge östlich vom Cismon den Weg zu öffnen. Kostbare Zeit ging so verloren2).
Prächtige Erfolge errang die 10. Armee am 7. November. Ihre 94. ID. erstürmte nach elfstündigem Kampfe die feindlichen Stellungen beiderseits vom Passo di Mauria und zwang abgeschnittene italienische Abteilungen zur Waffenstreckung. Den Vorteil tatkräftigst ausnützend,
r) Die „Trachombataillone“ I, III und VIII; 104 der 21. GbBrig. waren nach Erreichen von S. Stefano ins Pustertal zurückgekehrt, um so wie die übrigen Trachombataillone S. 609; zur 7. Armee abbefördert zu werden.
2) W i s s h a u p t, Vom Colbricon bis Fonzaso (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1927, 523 ff.). .
stieß diese Division sogleich nach Lorenzago nach und brachte so die starken Befestigungen von Vigo zu Fall, deren Besatzungen sich, gleichwie zahlreiche Versprengte, der 94. ID. oder der von Norden eingreifenden Gruppe Obst. Fässer ergaben. Die hiebei eingebrachte Kriegsbeute war recht ansehnlich.
Am 8. November setzte die Division Ławrowski die Vorrückung auf beiden Ufern nach Süden fort und besetzte in den ersten Nachmittagsstunden nach Kampf den Ort Pieve di Cadore, wo ihr wiederum 4700 Mann und 21 Geschütze in die Hände fielen. Auch die nunmehr aus dem Boitetal anschließende Verfolgungskolonne des XX. Korps brachte noch über 1200 Gefangene ein. Stundenlang dauerten die Detonationen ringsum an, da die Italiener Werke, Munitionslager, Brücken und Straßen sprengten. Die Menge des im Tale, in den verlassenen Stellungen und in den Lagern preisgegebenen Kriegsgeräts ließ sich gar nicht abschätzen. Die 94. ID. hatte seit Beginn des Vormarsches außerordentliche Leistungen vollführt und bis zum 8. abends über 10.000 Gefangene und 97 Geschütze eingebracht — Erfolge, die durch ausdauernde Marschleistungen und scharfes Zugreifen errungen worden waren.
Den im Piavetal, zwischen Pieve di Cadore und Longarone, abziehenden italienischen Nachhuten und Truppenresten drohte inzwischen von Osten her eine neue Gefahr. Die 22. SchD., die an der Einkreisung der italienischen Divisionen 36 und 63 mitgewirkt hatte, schickte sich nun an, ihre Vorrückung mit der durch das württembergische Gebirgs-bataillon verstärkten 43. SchBrig. gegen den Ort Longarone und mit der 98. KSchBrig. über Farra und Ponte nelFAlpi gegen Belluno fortzusetzen (S. 621). Beiden Kolonnen waren in Anbetracht der Jahreszeit, der schlechten Wege und der Armut der schwach besiedelten und ausgesogenen Gebirgstäler, sowie bei den geforderten Marschleistungen, besonders schwierige Aufgaben zugefallen, deren Bewältigung jedoch mit prächtigem Schwünge gelang.
Die nördliche Kolonne näherte sich am 7. November der Forcella Clautana, die tags darauf, bei Morgengrauen, von den rasch zugreifenden Württembergern genommen wurde. Diese erreichten bis zum Abend Cimolais, die 43. SchBrig. nächtigte um Claut. Am 9. setzte GM. Müller noch vor Tagesanbruch zum Angriffe gegen die italienische Riegelstellung westlich von Cimolais an, die der Feind schon um 8hvorm. räumte, als er der Umgehungskolonnen gewahr wurde. Dieser rasch erzielte Erfolg ermöglichte die Fortsetzung der Verfolgung in einem schärferen Tempo, als ursprünglich beabsichtigt war. So setzte die aus einem Bataillon des südsteirischen SchR. 26 und dem württembergischen Gebirgsbataillon bestehende Vorhut den Marsch auf Longarone fort, obzwar das Piavetal erst als Ziel des nächsten Tages in Aussicht genommen war. Die vorgesendeten deutschen Radfahrer meldeten, daß sich im Piavetal zahlreiche italienische Truppen und Troßteile befänden; trotz schneidigen Vorgehens konnten die Radfahrer aber die Sprengung der Piavebrücke nicht verhindern. Die ihnen auf dem Fuße folgenden Vorhutkompagnien, je eine der Steirer und der Württemberger, überschritten den hochgeschwollenen Fluß auf einem teilweise überfluteten Wehr und riegelten die Talstraße südlich von Longarone ab1).
Während GM. Müller die Hauptkräfte der 43. SchBrig. trotz Ermüdung der Truppen in klarer Erkenntnis der Lage auf Longarone vorführte, gerieten die vorgeprellten Kompagnien auf dem Westufer des Piave in Bedrängnis, zumal das Dunkel der Nacht und die beim Feind herrschende Verwirrung die Lage noch erschwerten. Als die Bataillone der 43. SchBrig. und die vom Norden den Piave entlang herankommenden Vorhuten der 94. ID. in den Kampf eingriffen, streckten am 10. November bei Morgengrauen 10.000 Italiener des I. Korps, vornehmlich der Festungsbesatzungen, mit mehr als 100 Maschinengewehren, 17 Geschützen und vielem Kriegsgerät die Waffen. Wieder hatte rücksichtsloses Nachdrängen wetteifernder Truppen der Verbündeten und tatkräftige Führung glänzende Erfolge gezeitigt. Ein Teil der im Talkessel von Longarone zusammengedrängten Truppenreste des italienischen I. Korps vermochte jedoch im Laufe der Nacht das Gebirge westlich der Talstraße auf Seitenwegen zu überschreiten und sich dadurch aus der Umklammerung zu retten.
Die nach Ponte nelle Alpi angesetzte Südkolonne der 22. SchD. hatte inzwischen am 7. November zwei Alpinibataillone mit starker Gebirgsartillerie bei Barcis geworfen. Nach schwierigstem Gebirgsmarsch traf GM. Sloninka in der Nacht auf den 10. November östlich vom Lago di S. Croce ein. Er warf liier den Feind, dem in schneidigem Nachdrängen der Kaiserschützen 600 Gefangene abgenommen wurden, und drängte ein Bersaglieribataillon nach Süden ab, das — wie schon ausgeführt wurde (S. 625) — von der von Fadalto über Ponte nelle Alpi nach Belluno marschierenden 55. ID. entwaffnet wurde.
Die Gruppe GdI. Hordt — Edelweißdivision und 59. GbBrig. — hatte nach den Verfolgungskämpfen um Tramonti di sopra (S. 621) am
8. im Raume zwischen der Forcella Clautana und Chievolis genächtigt.
*) Schittenhelm, Wir zogen nach Friaul (Stuttgart 1936), 67 ff.
Am nächsten Tage erreichte die Edelweißdivision den Raum Cimolais— Claut, die 59. GbBrig. Barcis. Am 10. trafen die Anfänge der Gruppe im Piavetal ein, wo die Edelweißdivision hinter der 43. SchBrig. der 22. SchD. aufschloß. Die als Armeereserve hinter der 94. ID. nachfolgende 29. GbBrig. wurde durch den Troß der genannten Division aufgehalten, der die vom Feinde beschädigte Straße über den Passo di Mauria nur schwer überwinden konnte. Die Brigade trat erst am 10. den Marsch von Forni di sopra nach Lorenzago an.
Während sich so im Osten das Schicksal der italienischen Nachhuten im Piavetal entschied, hatte das italienische XVIII. Korps in der Nacht auf den 9. November den Rückzug im Suganertale angetreten. Der Rückmarsch dieser Truppen wurde mit möglichster Beschleunigung durchgeführt; denn die Divisionen dieses Korps waren ebenso wie die
17. ID. des IX. Korps für die Besetzung des Mt. Grappa bestimmt.
Am 9. November stellte sich die k.u.k. 18. ID. im Suganertale zur Verfolgung bereit; ihre Vortruppen erreichten Ospedaletto und Pieve Tesino. Am 10. November wurde die 1. GbBrig. auf Castel Tesino angesetzt, um der 9. GbBrig. den Weg den Cismon entlang zu öffnen. Unter dem Drucke der östlich vom Cismon angesetzten Umgehungskolonne der Brigade Lercher hatten die italienischen Nachhuten jedoch auch hier in der Nacht auf den 10. den Rückzug angetreten. Die 18. ID. erreichte schon in den Mittagsstunden nach kampflosem Vormarsch Castel Tesino und Grigno.
Im Piavetal hatte die Gruppe GM. Müller trotz aller Mühen und des nächtlichen Kampfes in frischem Siegesschwung den Vormarsch nach Süden fortgesetzt und erreichte nach einem Marsche von 24 km noch am 10. November spät abends Belluno. Die nunmehr hinter die Front gedrückte 10. Armee begann zwischen Longarone und Lorenzago ihre Verbände zu ordnen.
Die Hauptkräfte der italienischen 4. Armee waren an diesem Tage in die Grappastellungen eingerückt. Der zweifellos sehr schwierige Rückzug war, obzwar verspätet angetreten, schließlich doch ohne allzu bedeutende Einbußen durchgeführt worden, die zudem der Hauptsache nach die aus den Karnischen Alpen in das Piavetal abgeschwenkten Teile des XII. Korps und die Festungsbesatzungen betroffen hatten, demnach das Gefüge der 4. Armee nicht sonderlich erschütterten. Die Besetzung des Montello, die dem I. Korps zugedacht war, hatte allerdings das II. Korps übernehmen müssen (S. 612), weil der über Vittorio und Vidor dorthin führende Weg vom Gegner schon verlegt war.
Der Vorstoß gegen den Raum westlich vom Piave
Hiezu Beilagen 31 und 32 Entschlüsse und Befehle der Verbündeten
Als sich die Verbündeten am 9. November dem Piave näherten, gewannen sie aus dem lebhaften, vom Westufer herüberschlagenden Feuer des Feindes und aus seinen eifrigen Schanzarbeiten sehr bald den Eindruck, daß die Italiener hier zu nachhaltigem Widerstande entschlossen seien. An einen von ungiefähr zu unternehmenden Übergangsversuch war daher um so weniger zu denken, als es an Kriegsbrückengerät und Schießbedarf aller Art empfindlich mangelte. Im Becken von Belluno begann sich der Nordflügel der 14. Armee vor die 10. zu schieben. Da die Gruppe Krauss schon bis nach Feltre gewiesen war, diesem Raume aber auch der Ostflügel der Heeresgruppe Conrad zustrebte, waren neue Weisungen der hohen Befehlsstellen unerläßlich.
Das Kommando der Südwestfront schlug, um die Brenta zu erreichen, dem AOK. am 9. November einen Angriff aus zwei Fronten vor, und zwar einen systematischen Übergang über den Piave, wobei der ein geschlossenes Flußbett aufweisende Unterlauf hiefür am geeignetsten bezeichnet wurde, und einen Vorstoß aus der Linie Feltre— Castelletto (6 km nördlich von Arsiero). Diesen Angriff sollten westlich der Brenta — wie für den 12. ohnehin geplant — Teile der Heeresgruppe Conrad, zwischen Brenta und Piave die Gruppe Krauss unternehmen. Die naheliegende Heranziehung der 10. Armee ließ Erzherzog Eugen wegen der schwierigen Versorgung so vieler Heereskörper in dem an Hilfsquellen armen Gebirgsland jedoch außer Betracht und beabsichtigte, diese Armee zunächst im Cadore anzuhalten.
Die k.u.k. Heeresleitung stimmte wegen des Zustandes des italienischen Heeres, der „allseits energisches und frühzeitiges Anfassen geboten erscheinen lasse“, dem Vorschlag zu und betonte besonders die Wichtigkeit eines Angriffes zwischen Brenta und Piave, der mit jenem der Heeresgruppe Conrad möglichst gleichzeitig erfolgen sollte. Eine Bemerkung ließ erkennen, daß man in Baden die 10. Armee noch immer als „recht leistungsfähig“ ansah.
In den Erörterungen, die nun folgten, waren sich alle Befehlsstellen über die Wichtigkeit eines zwischen Brenta und Piave zu führenden Südstoßes einig. Verschieden waren nur die Ansichten über die Stärkebemessung und die Kommandoführung in diesem Raume sowie über die Verwendung der 10. Armee, namentlich ihres Kommandos. Die nächsten Entschließungen wurden keineswegs dadurch erleichtert, daß der Chef des Generalstabes vom 5. bis 18. November im Gefolge des Kaisers in Triest weilte, und an den täglichen Fahrten zu den Truppen teilnahm. Auch trafen jetzt der Deutsche Kaiser und der König von Bulgarien zu mehrtägigen Besuchen im Operationsgebiet ein.
Indessen erließ das Kommando der Südwestfront am 11. November Weisungen für die Fortsetzung der Offensive. Die Heeresgruppe Boroevic und die Masse der 14. Armee hatten, falls ihnen nicht doch ein überraschend durchgeführter Flußübergang gelingen sollte, einen planmäßigen Angriff über den Piave in der allgemeinen Richtung Südwest auszuführen. Der durch die Edelweißdivision zu verstärkenden Gruppe Krauss, die auch weiterhin dem deutschen 14. Armeekmdo. unterstellt zu bleiben hatte, wurde der Angriff zwischen Brenta und Piave aufgetragen. Der Rest der 10. Armee und die aus den Dolomiten vorrückenden Gruppen des XX. Korps sollten bei Longarone und nördlich davon angehalten und für einen späteren Vormarsch' bereitgestellt werden. Den Angriff westlich vom Cismon und der Brenta überließ Erzherzog Eugen der Heeresgruppe Conrad. Das k.u.k. AOK., von vorstehenden Anordnungen in Kenntnis gesetzt, betonte nochmals, wie wichtig ihm die der Gruppe Krauss übertragene Aufgabe erscheine, und setzte ihr das Erreichen des Mt. Tomba und des Mt. Grappa zum Ziel.
Damit war aber die Frage der Verwendung der 10. Armee noch nicht gelöst. Ihr Führer, Freih. v. Krobatin, der am 5. November zum Feldmarschall befördert worden war, wünschte zwischen Brenta und Piave befehlen zu dürfen sowie die Zuweisung des XX. Korps und der Gruppe Krauss. Überraschenderweise erhob am 13. auch FM. Conrad Anspruch auf die Befehlgebung im genannten Raume, was das AOK. mit dem Hinweis ablehnte, daß die Gruppe Krauss in erster Linie den Übergang unserer am Piave stehenden Armeen zu fördern habe, daher dem 14. Armeekmdo. unterstellt bleiben müsse. Auf die Nachricht vom Eintreffen englisch-französischer Kräfte in der Lombardei hegte FM. Conrad jetzt aber um den Raum beiderseits des Gardasees Besorgnisse — die übrigens auch vom Chef des Generalstabes geteilt wurden — und bat um Verstärkungen.
Inzwischen war vom GFM. Hindenburg die Anregung eingelangt, das Höhengelände nördlich und östlich von Verona in Besitz zu nehmen, um dem Feinde ein Halten an der Brenta, am Bacchiglione oder an der Etsch immöglich zu machen. Hiefür bot er die in den Vogesen freigewordene deutsche 195. ID. an und schlug vor, diese gebirgs-vertraute Division samt der deutschen Jägerdivision und dem Alpenkorps unter der Führung des in der Bukowina entbehrlich gewordenen Kommandos des Karpathenkorps je nach der Lage östlich oder mit Teilen auch westlich vom Gardasee vorstoßen zu lassen. Er erhoffte sich davon, daß die Entente zur Unterstützung der Italiener weitere Kräfte von der Westfront abziehen werde.
In Baden blieb man aber dabei, das Hauptgewicht auf die Eroberung des Grappastockes zu legen. Da sich in Venetien überreiche Kräfte befanden, befahl das AOK. die Verschiebung von drei Divisio-r nen in den Raum um Feltre, die dann samt der nach Trient heranzuführenden 195. ID. je nach Erfordernis zwischen Brenta und Piave oder noch weiter im Westen verwendet werden sollten. Vorerst verstärkte Erzherzog Eugen, der am 14. November sein Hauptquartier in Udine aufschlug, die Gruppe Krauss noch durch die 94. ID., die aus den marsch- und kampftüchtigsten Bataillonen der 10. Armee und aus sehr starker Artillerie neu gebildet wurde1). Die übrigen 16 Bataillone Krobatins sollten bei Belluno soweit mobil gemacht werden, daß sie an einem ruhigen Frontabschnitt Tirols eingesetzt werden könnten.
Unterdessen hatten die Befehlshaber der drei am Piave stehenden Armeen ihre Weisungen für das Erzwingen des Überganges, deren Einzelheiten noch anzuführen sein werden, erlassen. Zur Unterstützung von der See her stellte das Flottenkommando die beiden alten Panzerschiffe „Wien“ und „Budapest“, die zwei Kreuzer „Spaun“ und „Aspern“ und zwölf Torpedoboote im Triester Hafen bereit. Um die Fortsetzung der Offensive mit einem eindrucksvollen gleichzeitigen Massenüber,gang zu beginnen, wurde auf Antrag des GO. Boroevic das Unternehmen bei allen drei Armeen für den 16. November anberaumt.
x) Neue Zusammensetzung der 94. ID., FML. Ławrowski:
25. GbBrig.: GM. Ritt. v. Wasserthal, IBaon. 111/18, FJB. 8 und 30, komb. FJB., k. k. LstlBaon. 10, 3 Hochgebirgskomp.;
57. GbBrig.: Obst. v. Watterich, IBaone. V/7, VI/TKJ. 2, k. k. LstlR. 26 (3),
5 Hochgebirgskomp.;
Sturmbaon. 94;
94. RFABrig.: Obst. Mostböck mit 28 Batterien der GbAR. 3, 5, 17 und 203, dann 1 FKBt. und 7 sHbBt.
Die Festsetzung dieses verhältnismäßig späten Zeitpunktes war wegen der schwierigen Nachschubslage geboten. Das Kommando der Südwestfront hatte ohnehin ein Drittel der in der Ebene stehenden Divisionen noch östlich vom Tagliamento zurückbehalten, um die übrigen wenigstens zur Not beweglich zu machen. Dennoch ließ das Vorbringen der Munition auch für diese verringerten Kampfkräfte, des Kriegsbrük-kengerätes und der Verbindungsmittel sehr viel zu wünschen übrig. Denn am 10. November führten bloß zwei Brücken bei Görz über den Isonzo; die Fertigstellung einer dritten war erst am 20. zu erwarten1). Am 5. November war der Befehl zur Aufstellung der „Heeresibahn Südwest“, die den Betrieb auf den venetianischen Eisenbahnen führen sollte, erlassen worden. Vorläufig wurde westlich vom Isonzo mit erbeutetem rollendem Material (4 Lokomotiven und 400 Wagen), mit Schienenautos und mit Generatorzügen ein Notverkehr eingerichtet. Für den Südflügel der Heeresfront war auch der von der Kriegsmarine mit flachgehenden
x) Vor Beginn der Offensive, der zunächst bloß das Erreichen der Linie Cividale—Görz als Ziel gesetzt war, hatte der k.u.k. Feldeisenbahnchef Baukräfte und Material bereitgestellt, um diie Wocheinerbahn in Richtung Görz vorzutreiben, von der aus die neue, transporttechnisch schwer erreichbare Front versorgt werden sollte. Als sich einige Tage nach dem Durchbruch das Anwachsen, des Erfolges erkennen ließ, erwartete der Feldeisenbahnchef, die beiden Vollbahnlinien von den Kopfstationen Reifenberg und Prosecco über Görz und Monfalcone bald nach Westen vortreiben zu können. Dagegen hegte er geringe Hoffnungen, die dritte, im Gebirge führende und einer nachhaltigen Zerstörung besonders ausgesetzt gewesene Bahn Tarvis—Pontafel—Gemona rasch in Betrieb zu bringen.
Nach dem Rückzug der Italiener zeigte es sich aber, daß die beiden erstgenannten Linien, die über ein Schlachtfeld führten, auf dem zweieinhalb Jahre gekämpft worden war, sehr nachhaltig, vielfach sogar im Unterbau zerstört waren. Die Mehrzahl der Baukräfte mußte daher hier eingesetzt werden, während für die über Pontafel führende Bahn, die überraschenderweise geringe Zerstörungen aufwies, bescheidenere " Arbeitskräfte genügten. Trotz aller Anstrengungen waren aber am 9. November, als die Armeen am Piave anlangten, die Kopfstationen noch immer in Tarvis, Podmelec, Reifenberg und Prosecco. Die Front an der Piavemündung war daher 100 km, jene westlich von Vittorio etwa 150 km von den Bahnenden entfernt. Die geringe Zahl der vorhandenen Autokolonnen und Pferdetrains konnte den Nachschub nur notdürftig bewirken.
Erst am 17. November gelang die Fertigstellung einer Brücke bei Pontafel und das Vortreiben des Bahnverkehres bis Udine. Nach der am 20. erfolgten W'ieder-herstellung der Brücke bei Pieris wurde ein beschränkter Verkehr bis Latisana möglich. Auf der Hauptlinie Görz—Udine konnte der Bahnbetrieb erst am 29. November aufgenommen werden. Am 1. Dezember schoben sich die Kopfstationen nach Vittorio, Conegliano und S. Stino di Livenza vor. Der Bahnnachschub vermochte somit erst drei Wochen nach Erreichen des Piave in die Nähe der Front zu gelangen.
Barken auf den Lagunen eingerichtete Nachschubdienst von Nutzen. Daß die ununterbrochen vorrückende Gruppe Krauss und die dem weichenden Feinde im Hochgebirge nachfolgende 10. Armee am meisten von den Nachschubschwierigkeiten betroffen waren, bedarf keiner besonderen Erörterung.
Abwehrmaßnahmen der Italiener
Beim Feinde wurde in diesen Tagen eine bedeutungsvolle Entscheidung getroffen. Am 8. November abends enthob der König von Italien Cadorna seines Amtes und entsprach hiemit auch einer Forderung, die der neue Ministerpräsident Orlando bereits am 28. Oktober und die Generalstabschefs der Westmächte auf der Konferenz zu Rapallo erhoben hatten. Als Nachfolger Cadornas wurde GLt. Diaz, bisher Kommandant des XXIII. Korps, bestimmt.
Als Cadorna die Dienstgeschäfte am 9. seinem Nachfolger übergab, war der Rückzug in die neue Verteidigungsfront im wesentlichen bereits vollzogen. Die 3. Armee stand fest hinter dem Piave von der Mündung bis zum Montello. Diese Höhe selbst hatte das II. Korps besetzt. Weiter im Westen zwischen dem Gardasee und der Brenta stand die 1. Armee in ihren bisherigen Stellungen; sie mußte bloß ihren äußersten rechten Flügel zurückbiegen. Noch nicht bezogen war in dieser neuen, leicht gebogenen Front das Schlußstück zwischen Brenta und Piave. Hier, auf dem Grappastock, hatte Cadorna aber schon im November 1916 Kavernen, Straßen, Seilaufzüge und eine Wasserleitung erbauen lassen1). Die nun hierher gewiesenen Truppen der 4. Armee fanden daher ein wenigstens zur Not eingerichtetes Verteidigungsfeld vor.
Waren die Verluste der Italiener seit dem Beginn der gegnerischen Offensive, über deren Höhe an anderer Stelle Einzelheiten folgen werden, auch ungewöhnlich groß, so schienen die vorhandenen kampfkräftigen Einheiten doch ausreichend, um die neue, bloß 130 km lange Front zwischen dem Meere und Asiago, die um 220 km kürzer als die am 24. Oktober innegehabte war, behaupten zu können. Der Ausfall der Masse der 2. Armee mochte übrigens um so eher verschmerzt werden, als doch bedeutende Verstärkungen der Westmächte eintrafen.
x) C a b i a t i, La riscossa, 32.
Daher hatte auch König Viktor Emanuel eine durchaus zuversichtliche Sprache geführt, als ihm die Konferenzteilnehmer von Rapallo am
8. November in Pesdhiera den eben abgeschlossenen Pakt zur Bildung eines „Obersten Kriegsrates“, der seinen Sitz in Versailles haben sollte, zur Unterzeichnung vorlegten x). Cadorna wurde neben den Generalen Foch und Wilson als der ständige militärische Vertreter Italiens in diesem Rate bestimmt.
Über die Stärke der Italien zu gewährenden Waffenhilfe war bis-nun jedoch noch keine Einigung erzielt worden. Die Vertreter der Westmächte wollten 12 Divisionen geben, Orlando verlangte 15, Diaz 20. Vorgreifend sei gesagt, daß schließlich sechs französische und fünf englische Divisionen nach Oberitalien kamen. Auf die Forderung des Gen. Foch, dem Gegner so lange als möglich den Weg nach Feltre zu verlegen und unbedingt den Mt. Grappa zu behaupten, wies GLt. Diaz besorgt auf die schwache Besetzung des Montello hin. Da sich überdies die öffentliche Meinung Italiens über das weite Abbleiben der französischenglischen Truppen vom Kampffelde erregte, wurde am 12. ihre Vorverlegung beschlossen. Drei französische Divisionen hatten in den Raum Valdagna—Vicenza, die Engländer südlich davon in die Linie Vicenza— Montegalda vorzurücken. Nur eine französische Division sollte noch westlich vom Gardasee stehen bleiben2).
Der neuen italienischen Heeresleitung unter dem GLt. Diaz erwuchs nun die Aufgabe, den verfolgenden Gegner in der noch von Cadorna bezeichneten Linie aufzuhalten. Diaz machte sich die Pläne seines Vorgängers vollkommen zu eigen und lehnte versteckte Versuche der neuen Regierung, das neue Höchstkommando zu einer Zurücknahme des Heeres bis an die Etsch und an den Mincio zu veranlassen, mit aller Entschiedenheit ab3).
Da die Streitkräfte der verbündeten Mittelmächte in die Ebene wesdich vom Piave einzudringen strebten, die Italiener aber zur nachhaltigen Verteidigung der von ihnen bezogenen neuen Linien entschlossen waren, kam es Mitte November auf den Randbergen östlich von Asiago und am Unterlauf des Piave zu einer neuen großen Schlacht. Sie entbrannte zuerst westlich der Brenta, setzte sich dann auf dem Grappastock fort, um schließlich auch das Westufer des Piave in ihren Feuerkreis zu ziehen.
x) C a v i g 1 i a, Le tre battaglie del Piave, 11. — Painlevé, Foch et Pétain, 268.
2) Palat, Foch, 128.
3) C a b i a t i, La riscossa, 38 ff.
Das Nachstoßen der k.u.k. 11. Armee auf der Hochfläche von Asiago
(10. bis 16. November 1917)
Der Rückzug des Nordflügels der italienischen 1. Armee
Als natürliche Folge der durch den Rückzug der italienischen
4. Armee aus den Dolomiten geschaffenen Lage mußte nun auch die
1. Armee das an ihrem Nordflügel stehende XX. Korps, dessen Flanke durch die Räumung des Suganertales entblößt wurde, entsprechend zurücknehmen. Um den Anschluß zwischen der neuen italienischen Grappafront und jener auf der Hochfläche von Asiago herzustellen, war zunächst die südlich der Frenzelaschlucht verlaufende kürzeste Linie in Erwägung zu ziehen. Diese Widerstandslinie ermöglichte vor allem beträchtliche Ersparnisse an unverbrauchten Truppen, deren die italienische Führung zu diesem Zeitpunkt so dringend auf dem Mt. Grappa und am Piave benötigte. Für diese Lösung setzte sich auch der Kommandant des in diesem Raume stehenden XX. Korps ein1).
Der Frenzelaschlucht war im Norden der mächtige Bergklotz des Mt. Meletta vorgelagert, der ein von der Natur geschaffenes Bollwerk darstellt. Er war von der k.u.k. 6. ID. im Juni 1916 erst nach hartnäckigen und verlustreichen Kämpfen genommen worden (Bd. IV,
5. 334) und mußte bald darauf wegen der Rückverlegung der Front wieder geräumt werden. Das italienische XX. Korps hatte dann die Melettastellungen in jahrelanger Arbeit als hinteren Kampfraum ausgebaut. An der Nord- und der Westfront aus in den Felsen gehauenen Kampfstellungen und Unterständen bestehend, mit vorbereiteten Geschützständen ausgestattet, auf neuangelegten Straßen zugänglich und mit Wasserversorgungsanlagen versehen, bot dieser Kampfraum alle Gewähr für einen nachhaltigen Widerstand. Zudem machte die Behauptung des Melettastockes dem Gegner die Ausbreitung auf dem Nordteil der Hochfläche und die Bedrohung des Brentatales von Westen her ebenso strittig, wie sie den Rückhalt bot, um einen gegnerischen Stoß von Asiago gegen Südost in der Nordflanke fassen zu können. Daß die Stellungen südlich der Frenzelaschlucht noch nicht hinreichend ausgebaut waren, mochte schließlich zur Entscheidung der italienischen
x) Caviglia, Le tre battaglie del Piave, 25.
Führung geführt haben, das Melettamassiv in die neue Abwehrstellung einzubeziehen und die damit verbundenen Nachteile in Kauf zu nehmen, die sowohl in dem wesentlich gesteigerten Kräftebedarf als auch in der gefährdeten Lage dieses vorspringenden Stellungskeils lagen. Im Sinne der Vorbesprechung mit dem Armeekommandanten zu Treviso am 29. Oktober wies Cadorna, als er am 4. November den Rückzug der 3., der 2. und der 4. Armee hinter den Piave verfügte, auch die 1. Armee an, Vorbereitungen für das Zurückschwenken ihres rechten Flügels aus der Linie Gallio—Cima Maora auf das Melettamassiv zu treffen1).
Der ursprünglich für den 6. November in Aussicht genommene Beginn des Rückzuges auf dem Nordteil der Hochfläche und im Su-ganertale wurde schließlich auf den 7. verschoben, um den auf den Mt. Grappa gewiesenen Truppen des XVIII. Korps einen Vorsprung zu gewähren2). Die staffelweise Rückverlegung, der die Räumung der Magazine und das Zurückziehen der Artillerie vorangegangen waren, wurde beim XX. Korps in den Nächten bis zum 10. November derart durchgeführt, daß die in den Stellungen verbliebenen Nachhuten noch bis zum 9. den Eindruck voller Besetzung vorzutäuschen vermochten. Am 10. bei Morgengrauen war die italienische 29. ID. in den Melettastellungen eingerichtet. Von der 52. ID. deckten zwei Al-pinibataillone den über Barricata nach Marcesina führenden Fahrweg; vier Alpinibataillone sperrten das Brentatal, um die Verbindung mit der 4. Armee herzustellen.
Die Bereitstellung der k.u.k. 11. Armee
Aufmerksam verfolgte FM. Conrad die Fortschritte der im Venetianischen vorgehenden verbündeten Armeen. Vielleicht mochte sich doch noch Gelegenheit ergeben, frische Kräfte nach Tirol zu leiten, um den ursprünglich für den 1(\ November beabsichtigten Stoß in die Ebene nachhaltiger zu gestalten. In dem Hinweis, welche entscheidende Rolle dieser Angriffshandlung zufallen könne, gipfelte auch die Lagebeurteilung, die der Feldherr am 4. November nach Baden übermitteln ließ, um „stets den Intentionen des AOK. entsprechend handeln zu können“.
*) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 534.
2) C a b i a t i, La riscossa, 56.
Die für die vorgeschlagene Verstärkung der Kräfte in Tirol noch verfügbare Zeit war angesichts der wenigen Tage, die bis zum Angriffsbeginn verblieben, schon recht knapp bemessen. Wie Conrad in seiner Meldung ausführte, galt es, den Feind gänzlich zu schlagen, bevor die englisch-französische Hilfe wirksam werde; hiezu wäre in erster Linie der Einsatz starker Kräfte in Tirol nötig. Mit ihnen könne man entweder den beabsichtigten Stoß auf Bassano nachhaltig gestalten oder — falls der Feind bis zur Etsch weiche — den sodann bedeutsam werdenden Raum beiderseits des Gardasees verstärken. Zu diesen Vorschlägen fühlte sich Conrad angesichts der Lage in der venetianischen Ebene um so mehr berechtigt, als am 4. November auch eine Verständigung des Erzherzogs Eugen einlangte, wonach als Mindestziel die Gewinnung der Brentalinie gesteckt wurde.
Aber auch diesmal vermochte Conrad nicht die erbetenen Verstärkungen zu erlangen; am 5. November erhielt die Heeresgruppe ebenso wie die 10. Armee (S. 609 und 636) sogar Anweisung, ihre fünf Trachombataillone und auch noch die k. u. 28. LstGbBrig. (gleichfalls fünf Bataillone) ehestens zur Abbeförderung in die Bukowina bereitzustellen. Auch eine Anforderung von Marschformationen der Heeresgruppe Boroevic zur Auffüllung der durchschnittlich nur 650 Feuergewehre zählenden Bataillone der Angriffsstaffel wurde abgelehnt.
Die am 5. November vorliegenden Nachrichten des Abhorchdienstes und das Verhalten des Feindes, der seine hinteren Stellungen vom Schnee säuberte, ließen erkennen, daß die Rückbewegung der Italiener auf dem Nordteil der Hochfläche bevorstehe. Zweifellos wäre nun der sofortige Angriff der 11. Armee erwünscht gewesen, um den Feind im Beziehen der neuen Front zu stören. Daran war aber angesichts des Rückstandes in der Bereitstellung der Angriffstruppen nicht zu denken; versuchte doch das 11. Armeekmdo. schon am 4., eine Verschiebung des Angriffstermins zu erlangen. Als nun der Feind mit der Räumung des Cadore begann, stand auch eine baldige Räumung seiner Stellungen im Suganertale und nördlich von Asiago zu erwarten. Es war sogar höchstwahrscheinlich, daß dieser Rückzug noch vor dem in Aussicht genommenen Angriffstage erfolgen werde. Falls nun die Italiener ihre neue Abwehrfront zwischen Asiago und Valstagna, also südlich der Frenzelaschlucht, einrichteten, mußte die von Conrad gewählte Stoßrichtung auf Valstagna unwirksam werden. Daher erhielt das k.u.k.
11. Armeekmdo. am 6. November den Befehl, falls der Feind auf dem Nordteil der Hochfläche vorzeitig zurückweiche, den Hauptstoß nicht
gegen Valstagna, sondern über den Mt. Bertiaga, also statt gegen Osten in südöstlicher Richtung zu führen.
Diesen verschiedenen Möglichkeiten konnte in den Angriffsvorbereitungen kaum entsprechend Rechnung getragen werden. Die daraus entstehende Doppelgeleisigkeit barg die Keime des Mißerfolges in sich, die zutage traten, als die Italiener nachhaltigsten Widerstand im Melettamassiv leisteten.
Soweit sich am 8. November in Bozen übersehen ließ, waren die Einwände des GO. Graf Scheuchenstuel gegen den Angriffsbeginn am
10. vollauf gerechtfertigt. Abgesehen von der Ermüdung der Truppen wegen des beschleunigten Anmarsches war in Betracht zu ziehen, daß der Angriffsgruppe an diesem Tage noch 6V2 Bataillone und über. 100 Geschütze fehlen würden. Nach einer beim Kommando der Südwestfront eingeholten Orientierung war der Angriff gegen die Piavelinie kaum vor dem 12. November zu gewärtigen. So entschloß sich FM. Conrad am 8. November abends, an das 11. Armeekmdo. zu befehlen : „Angriffsbeginn endgültig am 12. November. Steht dann Feind noch wie jetzt, bleibt Direktion Valstagna. Geht Feind vorher zurück, dann derart folgen, daß Stoß unbedingt 12. mit Mitte über Mt. Bertiaga geführt wird.“
In Bozen hoffte man, daß die Vorbereitungen bis zum 12. November abgeschlossen sein würden; denn nicht nur die Verhältnisse auf der Hochfläche, sondern auch die Lage im großen erforderte die Einhaltung des nach Baden gemeldeten endgültigen Angriffstages.
Der Stoß aus Tirol bildete nunmehr, da sich die Anfänge der Armeen des FM. Erzherzog Eugen dem Piave näherten, eine gewichtige Vorbedingung, um die Offensive au’ch weiterhin im Flusse zu halten. Dementsprechend lautete der Befehl, den die k.u.k. Heeresleitung am 9. November nachts, also zur gleichen Zeit wie an den Erzherzog Eugen (S. 640) auch an den FM. Conrad erließ: „Zustand des italienischen Heeres erfordert allseits energisches Anfassen, und zwar allseits so rasch als möglich. Südwestfrontkommando wurde verständigt, daß Heeresgruppe am 12. aus dem Raume von Asiago in südlicher Richtung angreift. Südwestfrontkommando wurde angewiesen, daß möglichst gleichzeitig ein kräftiger Druck zwischen Piave und Brenta erwünscht erscheint.“ Auffallend ist an diesem Befehl, daß von einem Stoß in südlicher Richtung die Rede ist, der weder bisher vorbereitet, noch in der Folge versucht wurde.
Am 10. November früh hielt das 18 Bataillone starke italienische
XX. Korps mit seinen beiden Divisionen 52 und 29 die Front von den östlichen Brentahängen über den Mt. Meletta bis zum Mt. Zomo (2 km östlich von Gallio). Vom XXII. Korps stand die 2. ID. von hier bis jenseits der Ruinen von Asiago in einer seit längerem vorbereiteten Widerstandslinie, dahinter die 57. ID. in Reserve, beide zusammen 21 Bataillone zählend. Den Raum zwischen Asiago und dem Astico hielt das XXVI. Korps mit 16 Bataillonen in den bisherigen Stellungen. Diese drei Korps auf dem Ostflügel der italienischen 1. Armee unterstanden dem Kommandanten der Truppen der Hochfläche, GLt. nob. Ricci Armani, der noch sechs Bataillone in Reserve behielt; sie waren ihm am 27. Oktober aus dem Pasubioabschnitt zur Verfügung gestellt worden. Die Italiener verfügten somit auf der Hochfläche über insgesamt 61 Bataillone und etwa 400 Geschütze.
Auf öst.-ung. Seite versammelten sich zwischen dem Nordrand der Hochfläche und dem Mt. Dorole die 13 Bataillone starke Gruppe FML. Edl. v. Kletter, von hier bis zum Astico das III. Korps mit vier Divisionen, 41 Bataillonen. Die 106. LstlD. (9 Bataillone) stand als Reserve der 11. Armee im Raume Ghertele—Mt. Rover, die 49. ID. (bisher sieben Bataillone) bei Trient; von ihr wurde eine Brigade in den nächsten Tagen nach Lavarone vorverlegt. Lisgesamt wurden daher 70 Bataillone bereitgestelltx).
Beim III. Korps waren am 10. November 30.000 Feuergewehre sowie 361 Geschütze (282 leichte, 62 mittlere und 17 schwere) verfügbar.
Der erste Ansturm auf die Hochfläche von Asiago (10. bis 16. November)
Schon am 9. November bei Morgengrauen zeigte es sich, daß der Feind seine vorgeschobenen Stellungen bei Asiago geräumt hatte. Verfolgende Abteilungen des III. Korps besetzten die Höhe Katze -<>-1223
!) Gliederung der Infanterie, soweit von Beilage 23 abweichend:
Gruppe FML. Kletter: Gruppe Obst. Schotsch, IR. 81 (3), IBaon. X/14, FJB. 7; 12. IBrig., IR. 35 (3), IR. 75 (3), komb. Baon., k. k. LstlBaon. 172.
III. Korps. 6. ID.: 1. KJgBrig., KJR. 1 (3), KJR. 2 (3); 11. IBrig., IR. 17 (3), IR. 27 (3). — 19. ID.: 181. IBrig., Obst. Günste, IBaone. 1/22, 1/51, 1/102, FJB. 20,
2 HochgbKomp.; Gruppe Obst. Vidossioh, IBaone. IV undi/2V/22, IV/27, X/59, V/bh. 1, IV/KSchR. I. — 52. ID. laut Fußnote auf S. 631. — 21. SchD. laut Beilage 23, S. 17, hiezu RdfBaon. Schönner.
und den Mt. Cimon A 1768. Nach einer um 2h nachm. eingelangten Meldung des 11. Armeekmdos. schien der Rückzug des Feindes in die Linie Cm. Echer—Mt. di Val Bella—Mt. Meletta—Mt. Castelgomberto im Gange zu sein, wo die Säuberung der Gräben vom Schnee fortdauerte. GO. Scheuchenstuel wies daher den FML. Kletter an, ehestens die Vorrückung anzutreten, um die Nordflanke des III. Korps zu decken. Dieses hatte sogleich dem Feinde zu folgen und die Artillerie vorzuziehen, damit am 12. der Hauptangriff in der Richtung Mt. Bertiaga mit zusammengeballter Kraft erfolgen könne. So kam es am 10. November zu einem Nachdrängen zwischen Asiago und dem Nordrande der Hochfläche, das wohl zunächst Raumgewinn erzielte, aber dem ungeschlagen zurückgehenden Feind gefährliche Blößen bot und die noch nicht beendeten Vorbereitungen für den planmäßigen Angriff in Unordnung brachte.
Die Truppen am Nordflügel der Gruppe Kletter kamen, stellenweise bis zum Bauche in frischgefallenem Schnee watend, mühsam an die italienischen Stellungen heran; diese waren von den feindlichen Nachhuten, die noch am Vortage zu Täuschungszwecken an den Gräben gearbeitet hatten, erst nachmittags geräumt worden. Weiter südlich besetzte die Gruppe Kletter an diesem Tage die italienischen Stellungen auf dem Mt. Fiara und dem Mt. Baldo. Das III. Korps hatte frühmorgens trotz ungünstigen Wetters — es schneite heftig auf der ganzen Hochfläche — den Angriff begonnen. Schon am vorhergehenden Abend hatten Abteilungen der k.u.k. 52. ID. die geräumten italienischen Stellungen bei Canove, die 21. SchD. jene bei Camporovere besetzt; Vor
truppen waren in das in Trümmern liegende Asiago eingedrungen. Die Angriffsgruppe der 6. ID. hatte sich bis zum 10. mittags bereits des Ortes Gallio und der Kreuzhöhe -<!>- 1116 westlich des Mt. Sisemol
bemächtigt, als sie ein wuchtiger Gegenstoß in die Ausgangsstellung
zurück warf.
Bei dieser Sachlage war es klar, daß vor Beginn des Angriffes in der Richtung auf Mt. Bertiaga vorerst Sicherheit gegen Flankenangriffe aus östlicher Richtung erforderlich sei. Das 11. Armeekmdo. wies demnach den FML. Kletter und den GdI. Krautwald an, am 11. November zunächst in den Richtungen auf den Mt. Meletta und den Mt. Sisemol möglichst viel Raum nach Osten zu gewinnen. Das III. Korpskmdo. setzte nun die 21. SchD. gegen den Mt. Sisemol, die 6. ID. gegen Gallio und den Mt. Löngara an. Den Angriff gegen die letztgenannte Höhe sollten drei Bataillone der Gruppe Kletter von Norden her unterstützen.
Aber auch der 11. November brachte bei Asiago keine Fortschritte. Der 6. ID. gelang es zweimal, den Mt. Longara zu nehmen; sie mußte ihn jedoch immer wieder wegen hartnäckiger Gegenstöße überlegener feindlicher Kräfte aufgeben. Das italienische Kommando der Truppen auf der Hochfläche hatte hier seine Reservebrigade eingesetzt, die den Kampf entschied. Nennenswerte Erfolge waren nur dem Nordflügel der Gruppe Kletter beschieden, dem es trotz des tiefen Schnees in den Abendstunden mit Hilfe eines aus dem Suganertale aufgestiegenen Bataillons der 18. ID. gelang, die auf der Barricata stehenden Alpini-bataillone zu werfen, die nach großen Einbußen gegen den Mt. Lisser zurückweichen mußten.
Nach den Erfahrungen dieses Kampftages war es unschwer zu erkennen, daß sich die Italiener im Melettamassiv zu hartnäckigem Widerstande festgesetzt hatten. Die unerläßlichen Vorbedingungen für den Durchbruch in die Ebene, Sicherung der Stoßgruppe gegen Osten und Gewinnung des für die Neugruppierung der Angriffsartillerie nötigen Raumes, hatte die 11. Armee trotz aller Opfer bisher nicht erzielt. So entschloß sich GO. Scheuchenstuel, dem im Kampfraum weilenden FM. Conrad zu melden, daß er den Beginn der für den 12. November anberaumt gewesenen entscheidenden Kampfhandlung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben müsse. .
Das Heeresgruppenkommando hatte schon am 11. November vormittags dafür vorgesorgt, daß die aus dem Primör und dem Suganertale heranrückenden Kräfte raschestens in den Raum von Primolano gelangten, um von dort in den Kampf auf der Hochfläche einzugreifen. Die 18. ID., GM.v. Vidalé, in deren Verband am Vortage die 9. GbBrig. getreten war, erhielt den Befehl, ohne Rücksicht auf eine Ermüdung der Truppen noch am 11. abends die Höhen Cm. di Campo und Col di Lan zu nehmen und mit Vortruppen Arsie und Primolano zu erreichen, in welchem Raume die Division am 12. aufschließen sollte, um von dort ehestens über Enego heranzurücken. Dieser Befehl war auf die Vermutung aufgebaut, die Italiener würden nördlich von Primolano kaum mehr Widerstand leisten. Da jedoch die 18. ID. im Gegensatz hiezu nachhaltige Gegenwehr feindlicher Nachhuten brechen mußte, verzögerte sich ihr Herankommen erheblich.
Die 9. GbBrig. hatte, nachdem sie das Cismontal am 10. November geöffnet hatte (S. 639), tags darauf den Vormarsch in zwei Kolonnen fortgesetzt1). Drei Bataillone gingen östlich vom Cismon auf die Höhen
x) Wisshaupt, Vom Colbricon bis Fonzaso, 525ff.
nördlich von Fonzaso vor, drei Bataillone wurden über Lamon gegen das Panzerwerk auf dem C. di Lan angesetzt. Der Marsch gestaltete sich wegen des durchschnittenen Geländes sehr ermüdend; überdies konnten die Tragtiere wegen einer gründlichen Straßensprengung zunächst der Reichsgrenze der Truppe nicht folgen, sodaß die schweren Maschinengewehre getragen und zwei Gebirgskanonenbatterien mit Menschenzug fortgebracht werden mußten. Die Mehrzahl der Batterien marschierte in das Fleimstal zurück, um im Bahntransport über Trient in das Suganertal anzuschließen. Die östliche Kolonne erklomm nach heftigem Kampfe im Laufe der Nacht den Mt. Avena und stieg am
12. früh in die Talebene ab, wo ihr bei Feltre und Arten zahlreiche italienische Nachzügler in die Hände fielen. Das westlich vom Cismon-tal vorrückende KSchR. III besetzte am 12. das Werk C. di Lan, das noch am Vortage heftig gefeuert hatte,, dann aber von seiner Besatzung gesprengt worden war; die Kaiserschützen stiegen dann nach Fonzaso ab.
Die 1. GbBrig war am 11. wegen heftiger Kämpfe mit den italienischen Nachhuten nur langsam vorwärtsgekommen. Sie konnte erst am
12. nachmittags nach erbittertem Ringen, bei dem sich die Meraner Standschützen besonders hervortaten, das Panzerwerk Cm. di Campo überwältigen. Von dem Alpinibataillon, das hier bis zum äußersten Widerstand geleistet hatte, mußten 13 Offiziere und über 200 Mann die Waffen strecken. Die Talkolonne der 18. ID., das FJB. 22 und vier fahrende Batterien, hatte schon am Vortage die Reichsgrenze bei Tezze überschritten, die an diesem Tage von hier nach Osten bis zum Meere zurückgewonnen war. Am 13. vormittags vereinigte sich die 1. GbBrig. in Primolano.
Der 13. November sollte bei der 18. ID. zum Aufschließen und zur Rast benützt werden, der namentlich die 9. GbBrig. nach den bedeutenden Anstrengungen der letzten Zeit dringend bedurfte. Diese Brigade wurde am 13. dennoch nach Südwesten vorgezogen, kam aber nur bis Arsie. Die 18. ID., deren Einlangen auf der Hochfläche so dringend erwartet wurde, erreichte daher am 14. November nur mit der 1. GbBrig. die Hochfläche, wohin ihr am folgenden Tage die
9. GbBrig., auf die vorübergehend GdI. Krauss Anspruch erhoben hatte, über Primolano und Enego folgte.
Auf der Hochfläche waren die Kämpfe seit dem 12. neuerlich entbrannt. Das III. Korps hatte in den Morgenstunden dieses Tages den Befehl erhalten, die italienischen Stellungen vom Mt. Meletta oder zu-mindestens vom Mt. Meletta di Gallio bis zum Mt. Sisemol zu nehmen.
Erst nach deren Wegnahme gedachte FM. Conrad den Stoß über den Mr. Bertiaga zu führen. Die damit verbundene Verzögerung in der Ausführung des für den 12. November festgesetzten Hauptschlages konnte seiner Meinung nach die Gesamtlage nicht nachteilig beeinflussen, da die Heeresgruppe Boroevic und die 14. Armee am Piave noch nicht aufgeschlossen waren und daher ein Übersetzen des Flusses in den nächsten Tagen recht unwahrscheinlich erschien.
Dieses Urteil Conrads wurde durch eine am 12. eingelangte Mitteilung des Kommandos der Südwestfront bestätigt, wonach der Feind anscheinend am unteren Piave, im Raume zwischen Feltre und Bassano, sowie auf der Hochfläche von Asiago ernsteren Widerstand zu leisten beabsichtige. Sollte ein Überschreiten des Piave im abgekürzten Verfahren nicht möglich sein, so sei ein planmäßiger Angriff nötig. Der Heeresgruppe Conrad werde in dessen Rahmen, wie schon am 9. angeregt wurde (S. 649), der Angriff aus der Linie Feltre—Castelletto (nördlich von Arsiero) in südlicher Richtung, und zwar im Abschnitte westlich der Brenta, zufallen.
Das III. Korps stellte sich am 12. November vormittags zum Angriffe in östlicher Richtung bereit. Eine planmäßige Vorbereitung der Kampfhandlung war in Anbetracht der knappen Zeitspanne nicht möglich; im Grunde genommen wurde nach dem am 10. und 11. gescheiterten „Nachdrängen“ nunmehr ein gewaltsamer Angriff versucht, der gegen die wohlausgebauten, von unerschütterten Truppen verteidigten Stellungen zunächst erfolglos blieb, bis sich die vom GM. Ritt. v. Schil-hawsky befehligte 6. ID. in den Abendstunden des Mt. Longara und des Ortes Gallio endgültig bemächtigte.
Am Abend des Kampftages berichtete FM. Conrad nach Baden, der auf Störung des feindlichen Rückzuges abzielende Stoß des III. Korps habe teils wegen verfrühten Rückzuges, teils wegen des hartnäckigen Widerstandes des Feindes in seinen ausgebauten hinteren Stellungen nicht zum angestrebten Erfolge geführt. Es sei noch nicht zu ersehen, ob die Italiener die Meletta dauernd zu halten beabsichtigten oder den Hauptwiderstand hinter der Assa- und der Frenzelaschlucht zu leisten gedächten, was wahrscheinlicher wäre. Diese Ansicht teilte auch das k.u.k. 11.Armeekmdo., das dementsprechend die Gruppe FML. Kletter anwies, am 13. mit Unterstützung des Nordflügels des
III. Korps das Melettamassiv zu nehmen und den Raum bis zur Brenta und zur Frenzelaschlucht zu säubern. Für diesen Angriff wurde dem FML. Kletter vorübergehend die 110. LstlBrig. unterstellt.
Die Sicherung der Rückenfreiheit der an diesem Tage gegen die Nordfront der Melettastellungen einschwenkenden Gruppe Kletter wurde der östlich der Barricata vorgehenden Gruppe Obst. Schotsch anvertraut, die schon in den Mittagsstunden das vom Feinde geräumte Panzerwerk Mt. Lisser (A 1636) besetzte und am folgenden Tage die ganze Hochfläche östlich des Gadenatales säuberte, wodurch ein neuer Zugang zur Hochfläche, die — allerdings gesprengte — Straße überEne-go, freigemacht wurde.
Der Angriff am 13. November brachte nur unbedeutende örtliche Erfolge. Teile der 21. SchD. und der 6. ID. nahmen die Kreuzhöhe -<!>-1116 südlich von Gallio endgültig in Besitz; die Angriffe der Kaiserjäger gegen die Höhe östlich von Gallio blieben jedoch ergebnislos. Die Gruppe Kletter erzielte auf dem der Meletta westlich vorgelagerten Rücken Fortschritte; vor der Nordfront des Mt. Meletta blieben die Angriffsstaffel jedoch auf den Hängen stecken.
Während es sich nunmehr deutlich erwies, daß der Feind im Melettamassiv nachhaltigsten Widerstand zu leisten beabsichtige, den zu brechen die nächste Aufgabe der 11. Armee bilden mußte, traten neue Sorgen wegen der schon erörterten Befürchtungen Conrads um die Judicarien (S. 641) an die Führung in Tirol heran. Um sie zu bannen, stellte der Feldmarschall zunächst vier Bataillone der 49. ID., obzwar deren Verwendung auf der Hochfläche von Asiago dringend erschien, als Reserve im Etschtal bereit. Dann versuchte er von der Heeresleitung die Zuweisung von einer Brigade, bald darauf einer Division, für den Raum Vallarsa—Etschtal—Judicarien zu erlangen. Gleichzeitig wurden dort die Kommandoverhältnisse neu geregelt. Den bisherigen Rayon III übernahm das XX. Korpskmdo.; es wurde dem Heeresgruppenkommando unmittelbar unterstellt. Das 49. IDKmdo. erhielt den Befehl über die Abschnitte Adamello und Judicarien; an Verstärkungen wurden dem XX. Korps zwei Hochgebirgskompagnien, drei Landsturmbataillone und sieben Batterien zugewiesen.
Diese Neuregelung der Befehlsverhältnisse war auch für den Fall von Vorteil, als die von FM. Conrad wiederholt angeregte Unternehmung aus den Judicarien heraus zur Tat werden würde. Die vom k.u.k. AOK. anbefohlene Verschiebung von drei Divisionen aus Venetien nach Feltre und die Zuweisung der deutschen 195. ID. (S. 642) stärkten die darauf gerichteten Hoffnungen des Feldmarschalls.
Inzwischen nahmen am 14. Novembe*' die Kämpfe bei Asiago ihren Fortgang. Die 18. ID., deren Eingreifen in das Ringen um die Meletta sehnsüchtig erwartet wurde, erreichte an diesem Tage mit der 1. GbBrig. x) den Raum um Enego, die Talgruppe gelangte bis zum Dorf Qsmon. Vortruppen der 9. GbBrig. besetzten den Col Tonder A 1132. Die Gruppe Kletter kam auch an diesem Tage nicht vorwärts, zumal schlechtes Wetter und Nebel eine Unterstützung durch die Artillerie nicht zuließen. Ebenso blieben die Anläufe der 6. ID. und der 21. SchD. zwischen dem Mt. Zomo und dem Mt. Sisemol erfolglos.
Da nach einer Mitteilung des Kommandos der Südwestfront beabsichtigt war, den feindlichen Widerstand am Piave durch einen kraftvollen Stoß zwischen Brenta und Piave zu brechen, wies Conrad die 11. Armee an, Vorkehrungen für einen gleichzeitigen Angriff an einer noch zu ermittelnden Stelle zwischen der Brenta und dem Astico zu treffen, der frühestens am 17. November beginnen sollte. Die bisnun festgehaltene Absicht, von Asiago nach Südosten zu stoßen, war hiemit zunächst aufgegeben. Die 11. Armee war aber genötigt, bis zu diesem Tage die Vorbedingungen für den geplanten Vorstoß durch Wegnahme des Melettamassiv zu schaffen; die verlustreichen Kämpfe mußten also fortgesetzt werden.
Gegen die italienischen Melettastellungen wurde daher für den
15. November ein umfassender Angriff anbefohlen. Die 6. ID. sollte mit der l.KJBrig. den Mt. Zomo nehmen; sieben Bataillone der Gruppe Kletter hatten gegen die Nordwest- und Westfront der Melettastellung vorzugehen. Von der neu in den Kampf eingreifenden 18. ID. wurde die
1. GbBrig. gegen den Mt. Tondarecar A 1670 angesetzt; die ihr unterstellte Gruppe Obst. Schotsch (fünf Bataillone) sollte über das Gadena-tal und den Ort Foza in den Rücken der Italiener stoßen. Die 9. GbBrig. war an diesem Tage noch im Marsche auf Enego.
Diese, durch Ungunst des Wetters behinderte Bereitstellung der Angriffstruppen war erst um 4h nachm. beendet. Die sodann einsetzenden Angriffe führten zunächst zu nennenswerten Erfolgen am Südflügel der Gruppe Kletter, wo Teile der Infanterieregimenter 27 und 35 die italienischen Vorstellungen nördlich des Mt. Zomo im Sturme nahmen; auf dieser Höhe selbst behaupteten sich jedoch die Italiener. Bis zum späten Abend fehlten beim Armeekommando Meldungen über den Ausgang der Kämpfe um die Meletta; unter dem Eindruck der unzutreffenden Nachricht, die 1. GbBrig. habe den Mt. Tondarecar und den Mt. Badelecche A 1466 genommen, erteilte GO. Scheuchenstuel den Befehl
v) Neue Zusammensetzung: SchR. 36 (3), RBaon. IV/37, FJB. 22, k. k. LstlBaon. 164, l/oBaon. oö. FrwSchR.
zur Fortsetzung des Angriffes am 16. November, wozu die 18. ID. noch nachts die 9. GbBrig. in der Richtung auf Foza heranzuziehen hatte.
Die Kämpfe gingen daher am 16. November weiter. In den Nachmittagsstunden setzte die 1. GbBrig. neuerlich zum Angriffe gegen den Mt. Tondarecar an, ohne durchdringen zu können. Westlich der Meletta mußte die Gruppe Kletter heftige italienische Gegenangriffe abwehren. Um 9h abends erstürmte das 2. KJR. nach erbittertem Nahkampf den Mt. Zomo, mußte ihn aber wegen starker Gegenstöße wieder räumen.
Unter diesen Umständen entschloß sich das 11. Armeekmdo., die seit einer Woche im winterlichen Gebirge bei stockendem Nachschub kämpfenden Truppen, die neben bedeutenden Kampfverlusten auch erhebliche Standesabgänge infolge der Strapazen hatten1), keiner weiteren Zermürbung auszusetzen, sondern den Angriff gegen die Meletta erst nach planmäßiger Vorbereitung fortzusetzen. Hiezu mußte vor allem für ausreichende Artillerieunterstützung vorgesorgt werden. Bisher war der notwendige Stellungsweichsel eines Teiles der schweren Artillerie des III. Korps miit Rücksicht auf den geplanten Hauptangriff unterblieben und mußte nun nachgeholt werden; ebenso erforderte das Heranziehen der fahrenden Artillerie der 18. ID. in den Raum Enego— Mt. Lisser wegen der umfangreichen Straßenzerstörung einige Tage.
In der nach Baden gerichteten Meldung über diesen Entschluß des 11. Armeekmdos. bat FM. Conrad neuerlich, ihm Verstärkungen zukommen zu lassen, um durch entsprechenden Krafteinsatz die drei feindlichen Widerstandslinien auf der Hochfläche durchbrechen zu können; überdies betrieb er die Freimachung der nach der Verfolgung in den Dolomiten in den Verband der 10. Armee getretenen Teile des XX. Korps (fünf Bataillone, zwei Batterien), zumal die Heeresgruppe die 28. LstGbBrig. abgegeben hatte. Das AOK. erklärte jedoch, es sei nicht in der Lage, weitere Divisionen nach Tirol zu senden, so lange die Italiener am Piave hielten.
Der Vorstoß zwischen Brenta und Piave
Die beiderseitigen Kräfteaufgebote und ibre Aufgaben
. Während bei der Heeresgruppe Erzherzog Eugen die Verbündeten am Piave für den Flußübergang rüsteten, rückte die Gruppe Krauss am 11. November gegen Feltre weiter vor. Die 55. ID. marschierte am Süd:) Das IBaon. 111/27 hatte nur mehr einen Kampfstand von 100 Mann.
ufer des Piave nach Mel und begann hier eine Brücke zu bauen. Die 98. KSchBrig. bezog in Castion die von der 55. ID. eben verlassenen Unterkünfte. Die Jägerdivision nächtigte zwischen Ponte nelle Alpi und dem Lago di S. Croce. Nördlich vom Piave ruhte die Hauptkraft der 22. SchD. in Belluno; die Division Wieden schloß zwischen Polpet und Longarone auf. Tags darauf trat auch die Masse der 22. SchD. wieder aus, wurde aber bei Pont vor dem Torrente Cavorame durch zerstörte Brücken zum Halten gezwungen; die Edelweißdivision folgte nach Se-dico nach. Auch südlich vom Piave mußten die Truppen mit dem Weitermarsche zuwarten, weil die Brücke bei Mel noch nicht fertig war.
In dieser Lage erhielt die Gruppe Krauss, bei der wieder dieselben vier Divisionen wie bei Flitsch vereinigt waren, den Auftrag, aus der Linie Fonzaso—Feltre nach Süden vorzugehen und das Grappamassiv zu nehmen, um hiedurch den Hauptkräften den Übergang über den Piave zu ermöglichen. GdI. Krauss, der über die Absichten bei der
11. Armee, mit der er Zusammenarbeiten sollte, keine Kenntnis hatte1), nahm an, daß der Feind etwa in einer vom Mt. Tomba über den Mt. Grappa und den Mt. Pertica bis Enego verlaufenden Linie Widerstand leisten werde. Um seine Streitkräfte in das richtige Verhältnis zu bringen, wies er die Gruppe Wieden (22. SchD. und Edelweißdivision) in den Raum zwischen Feltre und Torrente Cismon, die 55. ID. nach Feltre und südlich davon; die Jägerdivision sollte an den Corde-vole folgen. Am 13. rückte hierauf die 43. SchBrig. über Feltre nach Arten, Caupo und Rasai, die 55. ID. nach Überschreiten des Piave nach Feltre. Die Edelweißdivision, die nördlich von Feltre vormarschierte, erreichte spät nachts mit der 216. IBrig. Arsie, mit der 217. IBrig. Murle. Die 98. KSchBrig. marschierte über Mel nach S. Giu-stina, die Jägerdivision über Belluno bis an den Cordevole. Durch die Besetzung von Feltre und des Flußwinkels zwischen Cismon und Brenta gelangten die Verbündeten in den Besitz der als Rochadelinie außerordentlich wichtigen Straße, die das Becken von Belluno und Feltre mit dem Suganertale verbindet.
Bis zum 13. abends ergaben die Aufklärung und mitgelesene italienische Funksprüche, daß der Feind entgegen der ursprünglichen Annahme schon auf den nördlichen Ausläufern des Mt. Grappa und auf dem Mt. Cornelia A 635 (nordwestlich von Quero) stehe, und daß das italienische XVIII. Korps mit drei Divisionen aus der Ebene nach Norden vorrücke. Unterdessen hatte GM. Rudolf Müller bereits das SchR. 26 Mitteilung des GdI. Krauss an das Kriegsarchiv vom 17. April 1936.
gegen den Mt. Peurna A 1384 und das SchR. 3 gegen den Mt. Roncone A 1166 angesetzt, damit sie am 14. diese Höhen nehmen. Zur Unterstützung des SchR. 3 wies GM. Wieden das in Giaron stehende Bataillon 11/59 gleichfalls auf den Mt. Roncone. Von der 55. ID. hatten am
13. nachmittags zwei Bataillone den Feind aus St. Maria vertrieben; deren weiteres Vordringen scheiterte aber an dem heftigen Feuer, das ihnen aus dem südlich von St. Maria befindlichen Tunnel entgegenschlug.
Im Geiste seiner Ansicht, daß im Gebirgskrieg der Stoß im Tale am raschesten Erfolg bringe, hatte sich GdI. Krauss am 12. entschlossen, den Grappastock im wesentlichen durch Durchstöße im Brenta- und im Piavetal zu Fall zu bringen. Hiezu hatte die Gruppe Wieden, zu der auch die 9. GbBrig. treten sollte, mit der Hauptkraft im Cismon- und Brentatal auf Bassano, mit einem Regiment auf dem Rücken über Mt. Roncone, Mt. PerticaA 1552 und Mt. Grappa A 1779 nach Crespano und Semonzo vorzudringen. Vom Ort Cismon sollte eine Kolonne gegen den Mt. Asolone A 1522 abgezweigt werden. Die Gruppe Schwarzenberg, 55. ID. und Jägerdivision, hatte sich, von der Artillerie der 50. ID. unterstützt, im Piavetal und an dessen westlichen Begleithängen den Weg nach Pederobba zu erzwingen; schwache Seitenabteilungen sollten über den Mt. Tomba A 870, den Mt. Pallone A 1217 und den Mt. Grappa in die Ebene vorstoßen. Erwies sich der sofortige Angriff als unausführbar und das Heranführen weiterer Batterien nötig, so behielt sich GdI. Krauss vor, den Angriffsbeginn selbst zu bestimmen.
Die vier Divisionen der Gruppe zählten 45, zum Teil schon recht standesschwache Bataillone. Die zwar starke Artillerie von etwa 60 Batterien verfügte aber über sehr wenig Munition und war — weil durch die zahlreichen Notübergänge aufgehalten — überdies bei Beginn des Angriffes noch gar nicht zur Stelle.
Der Eindruck, den GdI. Krauss bis zum 13. abends über den Feind gewonnen hatte, war der Hauptsache nach zutreffend. Das mit der Verteidigung des Mt. Grappa beauftragte XVIII. Korps war mit der Masse durch das Brenta- und das Piavetal in die Ebene zurückmarschiert, um von hier aus die neuen Stellungen aus „klaren moralischen Gründen“1) im Vormarsche zu besetzen. Der 51.ID. wurde der Mt. Asolone, der 15. der Mt. Grappa und der 56. ID. der Mt. Spinuccia A 1303 zugewiesen. Die rechts anschließende 17. ID. des IX. Korps sollte den Mt. Tomba verteidigen2). Das Sperren des Brentatales fiel — wie be-
x) Caviglia, Le tre battaglie del Piave, 275.
2) C a b i a t i, La riscossa, 101 ff.
reits ausgeführt (S. 647) — der 52. ID. des zur 1. Armee gehörenden XX. Korps zu. Da die Verteidigungsstellung auf dem Mt. Grappa der nötigen Tiefe entbehrte, mußten auf Wunsch der Generale Foch und Wilson auch die nördlichen Ausläufer, der Mt. Roncone, der Mt. Peurna und der Mt. Tomatico A 1598 besetzt werden, wohin die aus den Fassaner Alpen absteigenden Alpini- und Bersaglieribataillone der bloß sechs Bataillone und sechs Batterien zählenden 15. ID. geradewegs abrückten. Hiedurch wurde aber just die Besetzung des wichtigen Mt. Grappa sehr wesentlich geschwächt1).
Im ganzen standen vom Feinde zwischen Brenta und Piave 47 Bataillone, 12 schwere und 40 leichte Batterien, denen im November nach und nach noch 12 schwere Batterien folgten. Doch dies waren nicht mehr zermürbte Truppen, wie sie die Verbündeten nach den Durchbrüchen bei Flitsch und Tolmein vor sich gehabt hatten, sondern festgefügte Einheiten, von dem Willen beseelt, dem Gegner den Weg in die Ebene unbedingt zu verwehren.
Auf die nun zwischen Brenta und Piave entbrennenden Kämpfe übte das Gelände einen besonderen Einfluß aus. Vom beherrschenden Punkt, dem Mt. Grappa, ziehen nach Norden zu beiden Seiten des Stizzonebaches gegen Arten und Feltre zwei lange, allmählich niedriger werdende und im Oberteile waldfreie Abfallrücken hin. Hievon ist der westliche auf seinem wenn auch schmalen Oberteil gut gangbar; hier führt auch ein stellenweise fahrbarer Saumweg. Der zerklüftetere östliche Rücken umschließt gemeinsam mit einem vom Mt. Grappa über den Mt. Pallone und den Mt. Tomba nach Osten streichenden Rücken in mitunter steilen Felsabstürzen das Becken von Alano. Vom Mt. Grappa nach Westen hin senkt sich das Gelände über den Mt. Asolone zu einer kleinen Hochfläche ab, die dann ganz steil zur Brenta abbricht. Gegen Süden fällt der Grappastock steil zur Ebene ab. Eine Straße windet sich in zahlreichen Kehren über den Gipfel hinüber bis auf den Mt. Pertica.
Von den beiden Haupttälern, in denen das Durchstoßen erfolgen sollte, ist das Brentatal samt dem unteren Teil des Cismontales von Rocca bis Villa eine 20 km lange, bis zu 1000 m tiefe Schlucht, die auf der Sohle nur Raum für die Straße und die Bahn freiläßt; bloß zwischen der Cismonmündung und II Termine verbreitert sie sich auf einige hundert Schritte. Von Nordwesten her münden die gleichfalls schauerlich tiefen Schluchten des Val Gadena und des ValFrenzela ein. Der Piavedurchbruch zwischen der Sonnamündung und Pederobba zeigt
x) A s s u m, La prima difesa del Grappa (Turin 1924), 43 ff.
wohl etwas weniger scharfe Formen, bietet auf der Talsohle bis Quero aber auch recht wenig Entwicklungsraum. Erst südlich von Quero wird das Tal breiter und schließt sich wieder bei Fener.
Ein am 11. November eingetretener Wettersturz brachte auf den Höhen Schnee, in den Tälern Regen. Vom 14. früh an besserte sich das Wetter bei zunehmender Kälte, die in den Bergen die Wege und Steige vereiste.
Der erste Angriff gegen den Mt. Grappa (14. bis 18. November)
Trotz der Weisung, mit der Hauptkraft im Brentatale durchzustoßen, beließ GM. Wieden die gegen den Mt. Peurna und Mt. Roncone angesetzten Truppen (S. 659) am 14. dorthin im Angriff, weil er dem Vorgehen über die Höhen entscheidende Bedeutung beimaß. Er hielt daher auch die Edelweißdivision im Raume Arsie—Fonzaso an und ließ noch am 13. abends durch den GM. Müller, der gleicher Ansicht wie er war, seine Bedenken gegen den Talstoß dem GdI. Krauss vortragen. Dieser entschied jedoch, daß es bei der Ausführung seiner Befehle zu verbleiben habe.
Indessen konnten sich die beiden Regimenter der 43. SchBrig., bei denen noch keine Artillerie eingetroffen war, am 14. wegen des schwierigen Geländes nur mühsam bis nahe an die Linien der Italiener heranarbeiten. Erst gegen Abend vermochte das SchR. 26 den Mt. Peurna dem sich hartnäckig wehrenden Feinde zu entreißen. Die 98. KSchBrig. traf in Porzen und Rasai ein.
Bei der Gruppe Schwarzenberg war den gegen den Mt. Tomatico angesetzten zwei Bataillonen der 55. ID. kein Erfolg beschert. Dagegen glückte den im Tale vorgehenden Bosniaken der 38. IBrig. die Erstürmung des Bahnhofes von St. Maria. Nachher mußten sie sich aber gegen die westlich ansteigenden Höhen wenden, weil sie durch das von dort herüberschlagende Flankenfeuer am weiteren Vordringen gehemmt wurden. Nach schwerem Kampf entrissen sie nachmittags dem Feinde den Rücken zwischen -<{>-1178 und A1093; auf dem Mt. Cornelia und der Höhe -<J> 791 behaupteten sich die Italiener aber noch. Diese Flankenbedrohung erweckte nun auch beim GM. Schwarzenberg Bedenken gegen ein weiteres Vordringen im Tale, ohne sich vorher der Höhen bemächtigt zu haben. Die Jägerdivision, Obst. Wodtke, erreichte Feltre.
Die Kämpfe am 14. hatten nur geringe Erfolge gezeitigt. Im Brentatal hatte die Vorrückung noch gar nicht beginnen können, weil die Übergänge über den Cismon abwärts von Giaron zerstört waren, und die in den Eisenbahngalerien bei II Termine eingebauten Maschinengewehre und Geschütze die Annäherung verhinderten. Dennoch befahl GdI. Krauss — ungeachtet der Vorstellungen seiner Unterführer und einer Mahnung des deutschen 14. Armeekmdos., den Höhenangriff nicht zu stiefmütterlich zu behandeln — die Fortsetzung der Vorrückung in der von ihm vorgezeichneten Weise. Er nahm allerdings bei einem Scheitern des Angriffes im Brentatale in Aussicht, dort von der Fortführung abzusehen und das Schwergewicht in das Piavetal zu verlegen, um hier über Quero und den Mt. Tomba durchzustoßen. Offenbar hie-für hielt er die 98. KSchBrig. als Korpsreserve zurück. Dies schwächte die Stoßkraft der Gruppe Wieden, die überdies die ihr zugedachte
9. GbBrig., die am 13. in Arsie eingetroffen war, schon am 14. nachmittags wieder an die 11. Armee abgeben mußte.
Ungeachtet der ihn bedrückenden Zweifel beschloß nun GM. Wieden, am 15. mit der Masse seiner Division in die Brentaschlucht vorzustoßen. Allerdings sollte gleichzeitig GM. Edl. v. Merten mit dem SchR. 3 und dem Bataillon 11/59 auf dem westlichen Hauptrücken und das Bataillon I/'KJR. 4 voip Dorf Cismon über die Höhe A 1284 gegen den Mt. Pertica vorstoßen. Da der Feind, weil östlich vom Stizzone bedrängt, nun auch den Mt. Roncone preisgab1), vermochte die Höhen-kolorme GM. Merten am 15. bis vor den Mt. Prassolan A 1484 vorzudringen. Das Bataillon I/KJR. 4 erstürmte die Höhe A 1284. Die von Teilen des IR. 59 im Brentatale unternommenen Angriffsversuche scheiterten jedoch2). GM. Wieden wurde dadurch in seiner Überzeugung noch bestärkt, daß hier ein handstreichartiger Durchstoß nicht möglich sei. Dafür wollte er den auf den Höhen bereits errungenen Erfolg weiter ausbauen, wozu die Gruppe GM. Merten über den Mt. Pertica und den Mt. Grappa, die 216. IBrig. vom Dorf Cismon gegen die Höhe -Ą-1458 (nordwestlich vom Mt. Asolone) Vordringen sollten. Bloß die 217. IBrig. hatte im Brentatal den Durchstoß zu versuchen.
Bei der 55. ID. eroberte die auf drei Bataillone verstärkte Höhenkolonne am 15. den Mt. Tomatico, den Mt. Santo, nahm 500 Italiener gefangen und erreichte abends den schon vom SchR. 26 bezwungenen Mt. Peurna. Der 38. IBrig. blieb aber auch an diesem Tage ein Erfolg
x) Caviglia, Le tre battagiie del Piave, 275.
2) Hoen, IR. 59 im Weltkrieg, 628.
gegen den das Tal beherrschenden Mt. Cornelia und gegen die Höhe -<>-781 versagt. Für die Wegnahme dieser Höhen erschien eine kräftige artilleristische Vorbereitung unerläßlich; erst nach Eroberung dieser das Tal beherrschenden Erhebungen hielt der Kommandant der 38. IBrig., Obst. Graf Zedtwitz, den Durchstoß über Quero für ausführbar.
Das geplante Durchstoßen in den Tälern hatte somit auch am 15. keine Fortschritte gemacht, wohl aber waren die Angriffe auf den Höhen erfolgreich. Dennoch hielt GdI. Krauss an seiner Absicht fest, den Durchbruch nunmehr im Piavetal zu erzwingen. Denn hier lag offensichtlich der Schlüssel der Lage. Ließen es einerseits der drohende Winter und die elenden Verbindungen aus dem Becken Feltre—Fonzaso nach Süden ins Gebirge nicht rätlich erscheinen, noch mehr Truppen frontal in der Richtung Mt. Grappa anzusetzen, so bot anderseits das Piavetal sichtlich die größten Vorteile. Es führten darin unzerstört Straße und Bahn, das Becken Alano—Quero bot Bewegungsmöglichkeit, der Nachschub war auch für starke Kräfte durchführbar; der Schlußrücken Mt. Tomba ist 870 m hoch gegen 1779 m des Mt. Grappa, und
— nicht zu unterschätzen — es bestand die Möglichkeit einer fortdauernden Wirkung der eigenen Artillerie vom linken Flußufer her aus dem Raume S. Vito—Vidor in Flanke und Rücken des Feindes1). Krauss wurde in seinem Entschluß noch dadurch bestärkt, daß — wie noch auszuführen sein wird — ein Übergangsversuch der deutschen
12. ID. bei Vidor am 15. abends gescheitert war, und ihm ein Vordrücken auf dem Westufer um so mehr nötig erschien. GdI. Krauss befahl daher am 16. November vormittags der 55. ID., bis Alano und Faveri vorzudringen; die nachrückende Division Wodtke hatte den Mt. Tomba zu nehmen. Dann sollten beide Divisionen in der Linie Mt. Tomba—Vittorazzi—Curognabach einen Brückenkopf beziehen. Die Hauptkraft der 22. SchD. beabsichtigte GdI. Krauss gleichfalls über Feltre und Pederobba folgen zu lassen.
Der 16. November brachte der Gruppe Krauss bedeutsame Teilerfolge, aber noch immer nicht den erstrebten Austritt in die Ebene.
Die Höhenkolonne der 55. ID. näherte sich an diesem Tage der Höhe A 1611 (nach der Spezialkarte Mt. Fontana secca A 1608). Im Tale trat nach einem kurzen, aber kräftigen Feueranfall, an dem sich auch die Artillerie der 50. ID. beteiligte, die Brigade Zedtwitz bei Einbruch der Dunkelheit zum Sturm an und entriß der italienischen 17. ID. nach
x) Mitteilung des GstbsObst. Primavesi, damals Gstbschef des I. Korps, an das Kriegsarchiv (Mödling, 26. April 1936).
hartem, bis Mitternacht währendem Kampfe die Höhen nordwestlich von Quero56). Eineinhalb Stunden nach Mitternacht erstürmte ein deutsches Sturmbataillon diesen Ort selbst57). Nun war der Weg in das Becken von Alano frei, in das am 17. vor Tagesanbruch die 26. GbBrig. und später die dem Gruppenkommando Krauss wieder unmittelbar unterstehende deutsche Jägerdivision vorrückten. Teile der 55. ID. sicherten nach Westen hin gegen den auf dem Mt. Spinuccia und auf der Höhe A 1611 noch immer stehenden Feind. '
Bei der Gruppe Wieden kamen die vorderen Abteilungen der 217. IBrig. am 16. nur bis vor die Talsperre II Termine; hier gebot ihnen das unvermindert heftige Feuer halt. Das IR. 59 der 216. IBrig. zwängte sich mühsam durch das schluchtartige Tal, das von Cismon nach Südosten führt. Erst am 17. vermochten die „Rainer“ einige italienische Vorstellungen zu nehmen; gegen die von der italienischen 51. ID. auf der Höhe-<J>-1458 besetzten Gräben blieb ihnen ein Erfolg versagt.
Dafür glückte es der Höhenkolonne GM. Merten, bis nahe an ihr Ziel zu kommen. Ihre Vorhut, das nunmehr durch zwei Gebirgs-geschütze verstärkte Bataillon 1/SchR. 3, erstürmte vormittags den Mt. Prassolan und nahm dem hier fechtenden italienischen Infanteriebataillon 600 Mann als Gefangene ab. Eine Kompagnie der Grazer Schützen stürmte weiter bis zur Höhe A 1484, eine kleine Abteilung sogar noch bis über den Mt. Pertica hinaus. Wegen der ausgesetzten Lage wurde die Kompagnie jedoch zurückberufen. Unterdessen besetzte das letzte intakte Bataillon der italienischen 15. ID. den Mt. Pertica; hinter ihm stand zunächst keine Reserve mehr.
Nach Ordnung der weit auseinandergezogenen Verbände setzte das SchR. 3 um 2h nachm. die Vorrückung fort und gewann — jetzt aber schon nach Kampf — die Höhe -<{>- 1484, wo es mit Rücksicht auf die große Ermüdung der Mannschaft verblieb. Auf der Seite des Feindes kam mittlerweile am Spätnachmittag doch noch ein Alpinibataillon auf den Mt. Grappa und verstärkte die äußerst schwache Besatzung58). Als am 17. die tapfern Dreierschützen und das schon auf 200 Mann zusammengeschmolzene Bataillon I/KJR. 4 den Mt. Pertica angriffen, stießen sie bereits auf einen nicht zu überwindenden Widerstand. Auch die am
16. vom SchR. 26 gegen die Höhe A 1611 unternommenen Vorstöße waren, von keinem Erfolg begleitet. Der Zeitpunkt dafür, in einem Zuge bis auf den Mt. Grappa zu gelangen, war vorbei.
Aber auch im Piavetal, wo der Durchstoß im wesentlichen durch Überraschung des Feindes herbei geführt werden sollte, sah sich GdI. Krauss vor eine veränderte Lage gestellt. Obst. Wodtke, der Führer der Jägerdivision, hatte sich wegen des heftigen, namentlich vom Mt. Pallone herüberschlagenden Artilleriefeuers, dem seine Bataillone beim Einrücken in das Alanobecken ausgesetzt waren, zur Verschiebung der Vorrückung auf den 18. entschlossen. Als dann der Angriff losbrach, trafen die deutschen Jäger auf außerordentlich hartnäckigen Widerstand. Nur unter bedeutenden Verlusten vermochten sie sich gegen die Rückenlinie des Mt. Tomba vorzuarbeiten; der Gipfel A 870 blieb in Feindeshand. Auch dem gegen den Mt. Spinuccia aufgestiegenen württembergischen Gebirgsbataillon glückte es nicht, die dort eingenisteten Italiener zu vertreiben59). Der Angriff im Grappagebiet war auf einem toten Punkt angelangt. Es erschien aussichtslos, ihn durch von ungefähr zu unternehmende Vorstöße überwinden zu wollen.
Daß es nicht gelungen war, den Grappastock in einem Zuge zu nehmen, ist vornehmlich in der Verschiedenheit der Ansichten darüber zu suchen, wohin das Schwergewicht zu legen war2). GdI. Krauss, dem eine Wiederholung von Flitsch vorgeschwebt haben mochte, wünschte den Mt. Grappa durch Durchstöße in den beiden, diesen Höhenstock im Osten und im Westen abschließenden Tälern zu Fall zu bringen. Die Unterführer widerrieten diesem Beginnen und redeten einer Vorrückung über die Höhen das Wort. Diese Zwiespältigkeit beeinträchtigte den Erfolg.
Sicherlich stellten sich der einen wie der anderen Lösung bedeutende Schwierigkeiten entgegen. Sie waren aber hier in den beiden Tälern zweifellos erheblich größer als auf den Bergen. Im Gegensatz zu den breiten Talbecken bei Flitsch und Tolmein sind im Grappagebiet das Tal des Piave und namentlich das der Brenta ungemein eng. Das Brentatal bietet angreifenden Gruppen gar keinen, das Piavetal nur sehr geringen Entwicklungsraum. Für erfolgreiche Talstöße fehlten auch noch die erforderliche Kenntnis der feindlichen Stellungen, eine feuerbereite starke Artillerie und das so wirksame Gaswerfergerät. Den Angriff im Brentatal hielt übrigens auch GdI. Krauss bald für wenig aussichtsreich. In dem immerhin einige Angriffsmöglichkeiten bietenden Piavetal hätte der Durchstoß nur dann vielleicht glücken können, wenn GdI. Krauss seinen Willen hiezu sofort auf die Unterführer übertragen hätte. Das Vordringen der Gruppe Schwarzenberg bis Alano war aber sicherlich zum guten Teil den auf den westlichen Begleithöhen errungenen Erfolgen zu danken. Dagegen beweisen die Kämpfe der Kolonne Merten, daß einem kräftigen Angriff über die Höhen zwischen Brenta und Stizzone gegen den Mt. Grappa ein durchschlagender Erfolg hätte beschert sein können. Wäre der Kolonne Merten die 98. KSchBrig. auf dem Fuße gefolgt, statt daß sie untätig bei Rasai belassen worden war, dann wäre der Mt. Grappa höchstwahrscheinlich am 16. November von unseren Truppen erobert worden. Einem Aufriegeln der beiden Täler von den Höhen aus und einem Austritt der Gruppe Krauss in die Ebene wäre dann kaum mehr ein ernsthaftes Hindernis entgegengestanden.
Es soll aber auch nicht verneint werden, daß das Vorgehen der Gruppe Krauss, dem auch nach der in Baden herrschenden Anschauung entscheidende Bedeutung zukam, durch den Ostflügel der Heeresgruppe Conrad in wirksamerer Art hätte gefördert werden können, als es tatsächlich geschah. Hiezu hätten die 9. GbBrig. und die nördlich vom Suganertale vorrückende Masse der 18. ID. (1. GbBrig.), von denen die erstgenannte Fonzaso auch etwas früher als die Gruppe Wieden erreicht hatte, dem GdI. Krauss dauernd unterstellt und sofort auf den Mt. Grappa gewiesen werden können. Sie hätten, da es sich hier um Stunden gehandelt hat, voraussichtlich in wirksamer Weise den Kampf der Kolonne Merten um den Gipfel einleiten, vielleicht sogar vor dieser allein entscheiden können. Die Überweisung der beiden Heereskörper wäre aber Sache der Heeresleitung gewesen, die die Zweckmäßigkeit einer solchen Überstellung — wie einer am 12. November verfaßten Lagebeurteilung zu entnehmen ist — auch erkannt hatte. Dennoch stimmte sie auf ein Ansuchen des FM. Conrad noch am selben Tage zu, daß er die beiden Brigaden nach Säuberung des Flußwinkels zwischen Brenta und Cismon auf die Hochfläche von Asiago herauf ziehe.
Der Übergangs versuch am Piave
Für den Massenübergang, der für den 16. geplant war (S. 642), wurden von den drei Kommandanten der am Piave stehenden Armeen eingehende Weisungen erlassen. GdI. Below befahl der Gruppe Stein, bei Vidor einen gewaltsamen Übergang zu unternehmen, wobei ihr die Gruppe Scotti Beistand leisten sollte. Die Gruppe Hofacker hatte bei Nervesa den Übergang zu erzwingen. Das weitere Ziel der 14. Armee war die Brenta zwischen Valstagna und Piazzola. Bei der 2. Isonzoarmee wurden alle besonderen Kampf- und Übergangsmittel im Bereiche des
IV. Korps zusammengefaßt, um über S. Bartolomeo auf Treviso vorzubrechen. Das II. Korps wurde beauftragt, durch Scheinunternehmen die Aufmerksamkeit des Feindes vom Hauptübergangspunkt abzulenken. Das Kommando der 1. Isonzoarmee gab dem VII. Korps Preganziol und dem XXIII. Mogliano als Ziel. Für alle Fälle wurde das noch weit hinten stehende XVI. Korps am 13. mit der 58. ID. nach Madrisio und mit der 17. ID. nach Portogruaro und TeglioVeneto vorgezogen.
Unterdessen hatten einige vor dem 16. unternommene Flußüberschreitungen für den Massenübergang scheinbar günstige Voraussetzungen geschaffen. Beim II. Korps wurden schon vom 10. an nach und nach kleine Abteilungen auf die Papadopoliinsel vorgetrieben, die bis zum
15. abends die Stärke von drei Bataillonen erreichten. Bei der 44. SchD. gewann das GSchR. 1 am 12. bei Zenson das Westufer, erstürmte den Damm1) und vermochte sich, tags darauf durch Teile des GSchR. 2 verstärkt, gegen heftige Gegenangriffe des Feindes zu behaupten. Am 15. wurde die 44. SchD. durch die 48. ID. abgelöst; es trat nun an Stelle der Gebirgsschützen die 11. GbBrig. in dem andauernder Beschießung und wiederholten Angriffen ausgesetzten kleinen Brückenkopf. Weiter im Süden wollte sich das XXIII. Korps schon am 13. eine Ausgangsstellung auf dem Westufer schaffen. Die 10. ID. mußte die Überschif-fung bei S. Dona wegen starker Gegenwirkung aber bald einstellen. Dagegen glückte es der 41. HID. an drei Stellen, den Unterlauf des Flusses zu übersetzen und bis zum 15. in hartnäckigen Kämpfen gegen italienische Küstenschutzabteilungen in Cortellazzo, Cavazuccherina, Passarella d. so. und Chiesanuova festen Fuß zu fassen.
Der Massenübergang stand aber unter keinem glücklichen Stern.
x) Das Kärntner Alpenjägerbaon. Nr. 1 des österreichischen Bundesheeres als Nachfolgetruppenkörper des k. k. GbSchR. 1 feiert den 12. November als Gedenktag.
Der wachsame Feind hatte die Uferstellungen stark besetzt. Das Niederkämpfen seiner Maschinengewehrnester war wegen der unzureichenden Artillerie, die noch dazu über wenig Munition verfügte, und wegen des fast völligen Mangels an Minenwerfem!) nirgends geglückt. Das Über-schiffungsgerät war gleichfalls unzureichend. So kam es, daß die von der deutschen 12. ID. am 15. abends bei Vidor unternommenen Übergangsversuche scheiterten. Da dieser Übergang den Auftakt für die Flußüberschreitung der 13. SchD. und der Gruppe Hofacker bei Nervesa bilden sollte, unterblieb nun auch diese. Eine Wiederholung wurde vom GdI. Below untersagt, weil sie ohne ausreichende Munition und Über-schiffungsmittel nur zu neuen Mißerfolgen geführt hätte.
Noch tragischer verlief das Unternehmen bei der 2. Isonzoarmee, bei der den Hauptstoß über den Fluß die am 12. in die Front gestellte 29. ID. des IV. Korps durchzuführen hatte. Während der Nacht auf den
16. November waren zwei Bataillone des oftbewährten IR. 92 auf das Westufer gelangt, hatten S. Bartolomeo und Fagare erstürmt, zwei Batterien erobert und über 500 Gefangene eingebracht. Dann aber traf das Regiment eine Reihe heftiger, meist gegen seine Flanken gerichteter Gegenangriffe von weit überlegenen Teilen des XI. und des XIII. Korps der Italiener, vor denen die wackeren 92er an den Piavedamm zurückgehen mußten. Dichtes Sperrfeuer des Feindes ließ ein Überschiffen von Verstärkungen nicht zu, und für das Zurückführen der beiden am Westufer kämpfenden Bataillone fehlte es an Pontons. Was von ihnen nicht gefallen war, geriet am 17. in Gefangenschaft. Nur wenige Verwundete waren schwimmend auf das Ostufer zurückgelangt2). Die von der Papadopoliinsel vorgehenden Bataillone des II. Korps hatten den tiefen und reißenden westlichen Flußarm nicht zu übersetzen vermocht.
Nach dem Mißerfolg bei der 29. ID. unterließ das VII. Korps auf höheren Befehl den Vorstoß, der aus dem Brückenkopf von Zenson heraus hätte geführt werden sollen. Weiter im Süden setzte nur die 41. HID. des XXIII. Korps ihr beharrliches Vorarbeiten im Mündungsgebiet des Piave fort. Der Feind wehrte sich dagegen, indem er die Kriegsbrücken der 41. HID. unter andauerndes Feuer nahm und die Dämme durchstach, wodurch der Westteil der großen Piaveinsel unter Wasser gesetzt und ein weiteres Vordringen der Honvéd vereitelt wurde.
J) Die wirkungsvollen deutschen Minenwerfer waren schon abbefördert.
2) Die Verluste der beiden überschifften Bataillone des IR. 92 betrugen 764 Mann an Toten, Verwundeten und Ertrunkenen sowie 600 an Gefangenen (Der Heimat Söhne im Weltkrieg, der 92er, Jhrg. 1933, Heft 10).
Die zur Unterstützung des Überganges von Triest ausgelaufenen Schlachtschiffe „Wien“ und „Budapest“, die von 14 Torpedobooten und zwei Seeflugzeugen begleitet waren, bekämpften die italienischen Küstenbatterien bei Cortellazzo und wehrten einige von Venedig herbeige eilte feindliche Kriegsschiffe ab. Abends kehrten unsere Einheiten wohlbehalten nach Triest zurück1).
Systematische Fortsetzung der Angriffe gegen die
Randberge
Anordnungen der hohen Führung
Der erste Ansturm der k.u.k. 11. Armee und der Gruppe Krauss war Mitte November auf den die Ebene im Norden umsäumenden Höhen zum Stehen gekommen. Dies hatte auch den von der Heeresgruppe Boroevic versuchten Piaveübergang nachteilig beeinflußt. Um noch vor dem Eingreifen der englisch-französischen Verstärkungen bis an den Unterlauf der Brenta zu gelangen, hielt es die hohe Führung für unerläßlich, den Stoß zwischen Asiago und dem Piave nach Süden fortzuführen. Da der Feind vor der 11. Armee mehrere hintereinanderliegende Stellungen besaß, ein Angriff somit hier als sehr schwierig erachtet wurde, wies die k.u.k. Heeresleitung wieder auf den Raum zwischen Brenta und Piave hin.
Das Kommando der Südwestfront plante nun, wie es am 19. November nach Baden meldete, den „Piave von den Höhen südlich Feltre aus systematisch durch staffelweisen Angriff bei kräftigem Zusammenwirken der Artillerie von Ost und Nord zu öffnen“. Auf solche Weise sollte die 14. Armee zunächst den Mt. Tomba, dann die Höhen südlich des Curognabaches, den Mt. Sulder und schließlich den Montello nehmen. Allenfalls sollten hiezu der Gruppe Krauss ein oder zwei der in das Becken von Belluno verschobenen Divisionen der Heeresreserve zugewiesen werden.
Die Heeresgruppe Boroevic hatte einen neuerlichen, planmäßigen Flußübergang vorzubereiten, um sich dem Vorstoße der 14. Armee anschließen zu können. Bis dahin sollte der Feind „durch rege Tätigkeit
*) Kriegsarchiv (Marinearchiv), Österreich-Ungarns Seekrieg 1914—1918, 484 ff.
und demonstratives Verhalten . . . auch weiter in Spannung“ erhalten werden. Der Generaloberst nahm für dieses neuerliche Unternehmen den 29. November in Aussicht. Es sollte wieder vom IV. Korps und von den flußabwärts stehenden Heereskörpern durchgeführt werden. Hiezu wurde der 2. Isonzoarmee das XXIV. Korps zur Verfügung gestellt. Das XVI. Korps blieb Heeresgruppenreserve und sollte nach Maßgabe des jenseits des Piave erzielten Raumgewinnes an die Livenza folgen. Die Gruppe Kosak wurde nach dem Abmarsche der 35. ID. nach Belluno aufgelöst; die 60. ID. trat zum XXIV. Korps. FML. Kosak erhielt eine Verwendung an der Ostfront.
Bei der Heeresgruppe Conrad war auf der Hochfläche von Asiago am 21. ein Angriff von Gallio über den Mt. Sisemol auf den Mt. Bertiaga geplant, durch den die Italiener in das Asticotal und in die Ebene zurückgedrängt werden sollten. Allerdings konnte dieses Unternehmen lediglich als eine Unterstützung des Vorgehens der Gruppe Krauss angesehen werden. Ein weiterer, größerer Angriff der Heeresgruppe Conrad hing nach Ansicht des k.u.k. AOK. ganz vom Erfolg des Vorgehens zwischen Brenta und Piave ab. Würde der Feind den Piaveabschnitt räumen und hinter die Brenta oder den Bacchiglione zurückweichen, dann sollten die Italiener durch eine Offensive östlich des Etschtales auch zur Preisgabe der beiden letztgenannten Flußlinien gezwungen werden. An diesem Unternehmen hätten die drei Divisionen der Heeresreserve teilzunehmen. Trat am Piave aber keine Änderung der Lage ein, so erschien der Heeresleitung „jede weitere Aktion aus Tirol heraus ziemlich wertlos“.
In diesen Tagen wurde auch das Schicksal der 10. Armee entschieden, die zweieinhalb Jahre lang an der Kärntner Grenze treue Wacht gehalten und bei der Vorrückung trotz der geringen Offensivfähigkeit der Mehrzahl ihrer Einheiten und ihrer außerordentlich dürftigen Troßausrüstung hervorragende Leistungen vollbracht hatte. Diese Armee wurde jetzt aufgelöst. Das Armeekommando hatte nach Trient abzugehen, wo es am 22. November eintraf. Es wurde vom FM. Conrad beauftragt, einen aus dem Abschnitt der 56. SchD. mit insgesamt fünf Divisionen im Etschtal gegen Verona auszuführenden Durchbruch zu studieren. Bald darauf, am 28., hatte es die ganze West- und die Südfront von Tirol mit der Gruppe Erzherzog Peter Ferdinand, dem XX. Korps und der 56. SchD. zu übernehmen. Dem 11. Armeekmdo., das sein Hauptquartier von Trient nach Levico zu verlegen hatte, verblieben das XIV. und das III. Korps und die Gruppe Kletter. Die Quartiermeisterabteilung 10 wurde zum Etappengruppenkommando Belluno umgestaltet und hatte gemeinsam mit den Quartiermeisterabteilungen 6 und 11 die Gruppe Krauss in wirtschaftlicher Hinsicht zu betreuen. Für die einheitliche Versorgung Tirols wurde die Quartiermeisterabteilung 11 als solche des Heeresgruppenkommandos ausgestaltet.
Von den Truppen der 10. Armee kam die 94. ID. — wie bereits ausgeführt — zur Gruppe Krauss. Von der Gruppe Hordt, die ursprünglich mit allen ihren 16 Bataillonen im Fußmarsch über Primolano nach Tirol gelangen sollte, mußten noch vier Bataillone zur Verstärkung der 94. und der Edelweißdivision abgegeben werden. Im Bereiche der
11. Armee angelangt, wurde die Gruppe Hordt aufgelöst. Von den je vier Bataillone starken Brigaden hatte die 96. IBrig. die 19. ID. an der Assaschlucht freizumachen, die 59. GbBrig. kam zum XIV. Korps, und die 29. GbBrig. wurde Heeresgruppenreserve südlich von Trient. GdI. Hordt wurde Militärkommandant in Hermannstadt.
Angriffe der Verbündeten in der zweiten Novemberhälfte
Die durch die vorübergehende Einstellung des Angriffes bei der
II. Armee entstandene Kampfpause wurde wohl durch heftige Gegenstöße des Feindes zwecks Rückeroberung seiner westlich des Mt. Meletta verlorenen Vorstellungen unterbrochen; dennoch bot sie Gelegenheit, die am schwersten mitgenommenen Truppen abzulösen. Die Gruppe Kletter erhielt hiefür noch die zweite Brigade der 106. LstlD.; beim
III. Korps wurde die 6. ID. durch fünf Bataillone der 52. ID. und der 21. SchD. verstärkt.
Die Befehle des 11. Armeekmdos. für den nunmehr auf den 22. November verschobenen Angriff auf den Melettastock ergingen drei Tage vorher. Die Wegnahme dieses nördlich der Frenzelaschlucht weit nach Norden vorragenden Bergklotzes, die die Voraussetzung für den späteren Hauptangriff der 11. Armee bildete, wurde wieder der Gruppe Kletter übertragen. Hiezu hatte die verstärkte 106. LstlD. (19V2 Bataillone mit 11.000 Feuergewehren) den Mt. Meletta, die 18. ID. (11 Bataillone mit 4100 Gewehren) den Mt. Tondarecar und den Mt. Badelecche anzugreifen. Zur artilleristischen Vorbereitung standen 140 Geschütze bereit. Nach Eroberung der Meletta hatte das III. Korps die Höhen östlich von Gallio zu nehmen und sich sodann zum Stoß nach Süden beiderseits der über den Mt. Sisemol zum Mt. Bertiaga führenden Leitlinie zu gruppieren. Hiebei war den vier, 23.600 Gewehre zählenden Divisionen dieses Korps die Hauptlast des entscheidenden Vorstoßes zugedacht.
Das als erstes Tempo vorgezeichnete Unternehmen gegen den Mt. Meletta litt außer unter dem Zurückbehalten des III. Korps für den Hauptschlag noch an dem Übelstand, daß auch etwa 140 Geschütze dieses Korps schon gegen den Mt. Bertiaga in Stellung gebracht worden waren und gegen die Meletta nicht zu wirken vermochten. Die kurze Vorbereitungszeit hatte einen Stellungswechsel nicht mehr zugelassen. Dies sollte sich beim Kampf um die Meletta nachteilig fühlbar machen.
Auf italienischer Seite hatten das XX., das XXII. und das XXVI. Korps bis zum 20. je eine Brigade als Verstärkung erhalten. Darunter gab es einige Regimenter, die in der zwölften Isonzoschlacht vollkommen aufgerieben, nun aber wieder aufgefüllt worden waren; ein Zeichen erstaunlich raschen Wiedererstarkens des italienischen Heeres.
Der Angriff auf die Meletta begann am 22. bei klarem Wetter; um llhvorm. fiel jedoch Nebel ein, der die Feuerunterstützung durch die ohnehin unzureichende Artillerie unterband. Trotzdem versuchten die Bataillone Kletters in wiederholten Anläufen, den Melettastock zu bezwingen. Die 18. ID. gelangte hiebei bis vor die italienischen Drahthindernisse auf dem Mt. Badelecche und dem Mt. Tondarecar. Die 106. LstlD., FML. Kratky, vermochte die nördliche Vorkuppe des Mt. Meletta zu nehmen, und die 6. ID., die sich dem Angriff von Westen her angeschlossen hatte, erstürmte einige südwestlich des Gipfels gelegene Gräben. Der Feind, der starke Reserven heranführte, entriß jedoch durch heftige Gegenstöße der 106. und der 6. ID. ihre teuer erkauften Erfolge. Auch am 23. gelang es unsern Truppen nicht, den hartnäckigen Widerstand des italienischen XX. Korps zu brechen. Das Ringen fand erst am 24. November in den Morgenstunden ein Ende, nachdem der seit dem 22. bei der 11. Armee verweilende Kaiser Karl auf der Heimfahrt am 23. abends die vorläufige Einstellung der Unternehmung auf der Hochfläche von Asiago angeordnet hatte.
Die hier im winterlichen Gebirge schon seit zwei Wochen hart kämpfenden Truppen waren arg hergenommen und bedurften dringend einer Erholung. Die Verluste der Heeresgruppe betrugen vom 10. bis zum 24. November 562 Offiziere und 14.468 Mann *). Die 11. Armee
!) Hievon: tot 47 Offiziere, 831 Mann; verwundet 262 Offiziere, 6352 Mann; krank 239 Offiziere, 6723 Mann; vermißt 17 Offiziere, 582 Mann.
verzeichnete im ganzen Monat November einen Abgang von 23.000 kranken oder verwundeten Soldaten. Zweifellos hatte auch der Feind schwer gelitten; an der Tiroler Front hatte er vom 10. bis zum 25. November 240 Offiziere und 10.100 Mann allein an Gefangenen eingebüßt. Trotzdem hatte das italienische Heer aus dem erfolgreichen Widerstand in den Sieben Gemeinden ebenso wie aus jenem im Grappagebiet neue Zuversicht geschöpft.
Der Zeitpunkt, in dem ein Erfolg der Heeresgruppe Conrad entscheidenden Einfluß auf das Geschehen an der italienischen Front auszuüben vermocht hätte, war verstrichen. Wenn auch der Feldmarschall die Absicht, die Meletta zu bezwingen und die Italiener über die Frenzelaschlucht zurückzuwerfen, keineswegs aufgab, so konnte ihre Ausführung doch nur mehr örtliche Auswirkungen zur Folge haben. In der Tat wurden nun bei der 11. Armee alle Vorbereitungen getroffen, um am 3. Dezember den Angriff auf den Melettastock erneuern zu können; gleichzeitig wurden die durch die bisherigen Kämpfe am meisten hergenommenen Truppen zu einer kurzen Erholung zurückgezogen.
Bei der 14. Armee nahm GdI. Below nach dem unbefriedigenden Ausgang des Kampfes um den Mt. Tomba bestimmenden Einfluß auf die Führung des Kampfes im Raume zwischen Brenta und Piave, um hier doch noch den Weg in die Ebene zu erzwingen. Hiezu befahl er am 19., den lästigen, zwischen dem Col delTOrso und dem Mt.Spinuccia keilartig nach Norden vor springenden Teil der italienischen Stellung wegzunehmen. Die Eroberung des Mt. Pallone, von wo aus ein gegen den Mt. Tomba gerichteter Angriff flankiert werden konnte, war schon am 16. angeordnet worden. Weiters wurde der Befehlsbereich des GdI. Krauss eingeengt; der Raum östlich der Linie Mt. Cornelia— Mt. Tomba wurde samt der dort stehenden Jägerdivision dem FML. Scotti zugeschlagen. Dieser hatte aus der Jägerdivision und dem Alpenkorps das „Korps Tutschek“ zu bilden, das im Anschluß an die Gruppe Krauss den Durchbruchsangriff zwischen der vorgenannten Korpsgrenze und dem Piave fortzuführen hatte.
GdI. Krauss befahl der durch das württembergische Gebirgsbatail-lon verstärkten Masse der 22. SchD., bei der jetzt die Kaiserschützen in die Front zu treten hatten, die Höhe A 1611, den Mt.Spinuccia und den Mt. Pallone zu erobern; dann sollte die italienische Front gegen den Mt. Tomba hin aufgerollt werden. Der westlich vom Stizzonebach stehenden Gruppe Wieden (Edelweißdivision und SchR. 3) wurde die Wegnahme des Mt. Pertica, des Mt. Grappa und des Mt. Asolone samt seinem nordwestlichen Ausläufer aufgetragen. Die 25. GbBrig. der 94. ID. hatte am 20. von Feltre in das Stizzonetal vorzumarschieren und den Col dell’Orso zu nehmen. Die aus der Front gelöste 55. ID. wurde als Korpsreserve in den Raum um Feltre gestellt.
Den am 20. und am 21. November von der Gruppe Wieden geführten Angriffen blühte zunächst kein Erfolg. Am 22. jedoch glückte es dem SchR. 3, in kühnem Vorstoß den Mt. Pertica zu erobern und gegen wütende Gegenangriffe der Italiener zu behaupten. Dieses Regiment wurde durch die 57. GbBrig. abgelöst, worauf FML. Lawrowski die Führung seiner 94. ID. im Abschnitt zwischen dem Mt. Pertica und dem Col dell’ Orso übernahm. Im Brentatale erstürmten schneidig geführte Sturmabteilungen des IR. 14 die vom Feind bisher für uneinnehmbar gehaltene Felsgalerie bei II Termine. Tags darauf stieß das Regiment bis über S. Marino vor; gegen 480Alpini, 20 Maschinengewehre, 1 Geschütz und 15 Bombenwerfer blieben in der Hand der tapfern „Hessen". Dann vermochte aber auch diese Kemtruppe im Schluchttale der Brenta nicht weiter vorzudringen. Bei der 22. SchD. brachte am 21. das KSchR. I im Verein mit dem württembergischen Gebirgsbataillon die Höhe A 1611 in seinen Besitz und nahm dem Feinde 400 Mann als Gefangene und 23 Maschinengewehre ab; dann schob sich die 98. KSchBrig. nahe an den Mt. Spinuccia heran. Das am 25. von der 94. ID. gegen den Col dell’ Orso gerichtete Unternehmen führte aber bloß zu einer kleinen Vorverlegung der Front.
Auf dem Mt. Tomba dauerte der Kampf fort. Am 22. vermochte das Korps Tutschek, am Westflügel durch das SchR. 26 und das Bataillon I bh. 4 verstärkt, durch einen handstreichartigen Angriff die ganze Rückenlinie vom Gipfel bis zum Piave zu erobern. Der Feind klammerte sich aber am Südhang des Tombarückens fest. Ein weiteres Vordringen hätte — gleichwie auf den Grappahöhen — neuer, planmäßiger Angriffe bedurft.
Zu dieser Erkenntnis waren indes auch die hohen Befehlsstellen gelangt. Bei einer Besprechung der Armeegeneralstabschefs, die am 21. beim Kommando der Südwestfront in Udine stattfand, wurde die Anlage dieser neuen Durchbruchsschlacht beraten und als Zeitpunkt die Tage zwischen dem 28. und dem 30. November festgesetzt. Die Generale Boroevic und Below erließen am 25. die erforderlichen Weisungen.
Einer so raschen Wiederaufnahme des Angriffes standen aber außerordentliche Schwierigkeiten des Nachschubes, namentlich an Schießbedarf entgegen. Auf den nur zur Not wiederhergestellten Strecken der Heeresbahn Südwest reichte der Betrieb seit 23. November wohl schon bis Fontana Fredda (westlich von Pordenone) und Portogruaro; aber noch immer konnten dem Heeresbahnbereich über die Stationen Pon-tafel und Cervignano nicht mehr als 12 bis 16 Züge im Tage übergeben werden. Besonders schwierig gestaltete sich der Nachschub jedoch in den Frontraum, der aus den Becken Belluno—Feltre und von Fonzaso her versorgt werden mußte. Dorthin konnte man nur von Fontana Fredda über Vittorio und Belluno, oder von Toblach auf der seit 18. November in Einrichtung befindlichen Etappenlinie ins obere Piavetal gelangen, während die Aushilfen aus dem Suganertal zunächst kaum in Betracht kamen. Auf diesen Verbindungen mußten Kraftwagenkolonnen eingesetzt werden, die — weil ihre Autos meist nur mit Eisenrädern versehen waren — in kurzer Zeit die durch die Regengüsse aufgeweichten Straßen ruinierten. Die Heeresgruppe Boroevic hoffte, bei entsprechenden Bahnleistungen am 1. Dezember angriffsbereit zu sein. Die 14. Armee glaubte aber, nicht vor dem 3. oder 4. Dezember die Offensive aufnebmen zu können. Den endgültigen Zeitpunkt wollte das Kommando der Südwestfront noch bestimmen.
Indessen machten sich auch die Vorboten des Winters in recht unangenehmer Weise fühlbar. Bei der Gruppe Krauss lagen die Stellungstruppen ohne Winterbekleidung auf Schnee und nacktem Fels. Die Stände verminderten sich daher erschreckend schnell; so zählte die Edelweißdivision am 27. November nur mehr etwa 2000 Gewehre. Ablösungen erschienen dringend nötig, um den ermüdeten und standesschwachen Frontdivisionen Gelegenheit zur Auffrischung zu geben. Daher wurde die am 23. in Borgo eingetroffene 4. ID. der Heeresreserve dazu bestimmt, an die Stelle der Edelweißdivision zu treten. Es währte allerdings bis in die ersten Dezembertage, bis die Division Wieden in Fonzaso und Lamon Erholungsquartiere bezog. Die Jägerdivision wurde durch die deutsche 5. ID. abgelöst, die bisher in Udine und Codroipo zurückgehalten worden war.
Von den übrigen Divisionen der Heeresreserve wurde die 33. [D., die am 21. in Feltre eingetroffen war, dem GdI. Below als Armeereserve überlassen. Über die nach Cordignano gelangte 35. ID. erhielt Erzherzog Eugen das Verfügungsrecht. Die in Palmanova stehende 24. ID. blieb Reserve der Heeresleitung. Die 187. LstlBrig. bestieg am 24. in Krainerend (6 km östlich von Divača) die zur Fahrt in die Bukowina bereitgestellten Züge.
Unterdessen hatte GdI. Ludendorff von der Absicht, auf dem westlichen Piaveufer nochmals den Durchbruch zu versuchen, Kenntnis erlangt; er schlug vor, hiebei die deutsche 195. ID. knapp westlich des Flusses einzusetzen. Das k.u.k. AOK. stimmte dem zu und ließ die Division nach Feltre rücken. So blieb als Heeresreserve hinter der
11. Armee nur mehr die sehr erholungsbedürftige Edelweißdivision. Die Erfolgsaussichten für einen Durchbruch westlich der Brenta schwanden daher immer mehr dahin. Dennoch wurde sowohl bei der Heeresgruppe Conrad als auch bei der Südwestfront an dem Gedanken, am 3. oder 4. Dezember neuerlich zum Angriff anzutreten, festgehalten. Jedoch dazu sollte es bei der 14. Armee gar nicht und bei der 11. Armee nur mit einer viel bescheideneren Zielsetzung kommen.
Die Einstellung der Offensive
Auf der Rückreise aus dem Pustertal nach Baden hatten Kaiser Karl und der Chef des Generalstabes am 24. November in Ponte nelle Alpi eine Besprechung mit GdI. Below, der sich hiebei nachdrücklich für die Fortsetzung der Offensive einsetzte, obwohl er aus den Äußerungen des Kaisers, der eben die Einstellung des Angriffes gegen den Mt. Meletta befohlen hatte (S. 672), keine sehr hoffnungsvolle Beurteilung der Lage entnehmen mochte1). Tags darauf ließ sich der Oberste Kriegsherr in Feltre auch vom GdI. Krauss Vortrag halten. Der Führer der Truppen im Grappagebiet erklärte, über den Ausgang der Gebirgs-kämpfe nichts sagen zu können, daß er aber hoffe, vorwärts zu kommen; nur müßten die Isonzoarmeen gleichfalls angreifen, um den Feind daran zu hindern, seine Reserven gegen die Gruppe Krauss zu werfen2). Diese Äußerungen der im entscheidenden Raume befehligenden Kommandanten bestärkten den Kaiser in seinem Vorhaben, die Offensive weiterzuführen. Erzherzog Eugen und GO. Boroevic, die für den 26. November früh nach Villach berufen worden waren, erhielten hierauf vom durchreisenden Allerhöchsten Oberbefehlshaber die Weisung, die für die Fortsetzung der Offensive ohnehin schon ergangenen Befehle durchführen zu lassen3).
Krafft, II, 242.
2) Krauss, Ursachen, 241.
3) Arz, 183.
Die bei den Angriffsvorbereitungen täglich zunehmenden Schwierigkeiten ließen im Stabe des GdI. Below bald Zweifel darüber aufkommen, ob gegen die offensichtlich zum nachhaltigen Widerstand entschlossenen Italiener, bei denen bereits zehn bis dreizehn Divisionen der Franzosen und Engländer eingetroffen sein mochten, ein schneller und durchschlagender Erfolg zu erzielen sei. Schon in einer am 26. unmittelbar an die DOHL. gerichteten Denkschrift hatte das deutsche 14. Armeekmdo. auf die Gefahren hingewiesen, die sich mit jedem verlorenen Tag für den Angriff ergeben mußten.
Als nun die DOHL. von der Verschiebung des Angriffes sogar auf den 3. oder 4. Dezember Kenntnis erlangte, besorgte sie, daß der Stoß der Verbündeten auch auf die Divisionen der Westmächte treffen werde, von denen man erhebliche Teile und ein Armeekommando bereits im Raume um Vicenza wußte. Auch mußte nach dem Erzwingen des Überganges über den Piave mit einem verstärkten Widerstand und harten Kämpfen gerechnet werden. In Kreuznach hegte man Zweifel, ob hiefür unsere rückwärtigen Verbindungen, insbesondere die Bahnverhältnisse, bereits hinreichend gefestigt wären. Aus allen diesen Gründen und sicherlich auch in Berücksichtigung der für das Frühjahr im Westen geplanten großen Offensive (S. 614) fragte GdI. Ludendorff am 29. November in Baden an, „ob es unter den veränderten Verhältnissen nicht richtiger wäre, von einem weiteren Angriff abzusehen und an dem für die Verteidigung besonders günstigen Piaveabschnitt, vielleicht nach Verbesserung der Stellung des rechten Flügels und der Mitte der
14. Armee, unsere gemeinsame Offensive abzuschließen“.
Das k.u.k. AOK. sah damals die Linie Arsiero, Asticotal bis Poia-nella, Ospitale an der Brenta, diese abwärts bis östlich von Padua, dann Kanal Naviglio Brenta bis Venedig als das noch anzustrebende Operationsziel an. Sein Erreichen hätte als besondere Vorteile den Gewinn eines weiteren Streifens reichen, hochkultivierten Landes und die Möglichkeit geboten, die zwischen dem Piave und dem Astico im unwirtlichen, schon verschneiten Gebirge stehenden Truppen in die Ebene verlegen zu können. Unter Anführung der verschiedenen Möglichkeiten, wie dieser Abschnitt zu gewinnen wäre, wurde das Kommando der Südwestfront zur Stellungnahme aufgefordert. Dieses ließ sich nun hierüber noch am 29. vom 14. Armeekmdo. berichten.
GdI. Below sah die Lage jetzt noch schwieriger an als drei Tage zuvor. Er sprach insbesondere dem neuerlichen Stoß zwischen Brenta und Piave keine Erfolgsmöglichkeiten zu; er erhoffte sich aber auch vom
Vorbrechen der Heeresgruppe Boroevic über den Piave hinweg keinen weitreichenden Raumgewinn und beantragte — örtliche Stellungsverbesserungen ausgenommen — die Offensive einzustellen und eine Dauerstellung einzurichten.
Das Kommando der Südwes,tfront pflichtete dem Antrag bei. In der nach Baden gerichteten Meldung führte es noch aus, daß die durch Fluß- und Geländeverhältnisse bedingte, räumlich weite Entfernung des Hauptangriffsraumes der 14. Armee (Mt. Tomba) von jenem der Heeresgruppe Boroevic (Ponte di Piave) Nachteile in sich schließe, die zwar bisher wenig in Betracht kamen, jedoch wesentlich würden, wenn man mit der nahen Anwesenheit einer starken, schlagfertigen feindlichen Reserve, den Ententedivisionen, rechnen müsse. Sollte das AOK. der vorgeschlagenen Einstellung der Offensive zustimmen, wären noch einige Stellungsberichtigungen vorzunehmen, so zwischen Brenta und Piave nach vorwärts, am Piave selbst durch Räumung des Brückenkopfes bei Zenson.
Kaiser Karl erließ hierauf am 2. Dezember an das Kommando der Südwestfront den Befehl: „Offensive einstellen! Dauerstellung einrichten, jedoch derart handeln, daß dem Feinde bis auf weiteres intensive Vorbereitung einer allgemeinen Offensive vorgetäuscht wird. Daß die Fortsetzung der Offensive aufgegeben ist, muß strengstes Geheimnis bleiben!“
GFM. Hindenburg und FM. Conrad waren von diesem Entschluß schon am 1. Dezember unterrichtet worden. Für die Heeresgruppe in Tirol galt die Einstellung zunächst noch nicht; die 11. Armee hatte den Angriff zur Wegnahme der Meletta durchzuführen. Der Südwestfront wurde des weiteren angekündigt, daß sie sieben Divisionen, darunter drei öst.-ung., abzugeben haben werde; in diesen war die k.u.k. 24. ID. mitinbegriffen, die vorher das ganze Operationsgebiet östlich des Tagliamento abzustreifen hatte, um die sich hier herumtreibenden Marodeure, Nachzügler und Kriegsgefangenen aufzugreifen. Von den deutschen Divisionen war die 195. schon am 30. November von der DOHL. angefordert worden; sie hatte von Feltre wieder nach Trient zur Einladung zurückzumarschieren. Ihr sollten die 12., die 5. und die 26. ID. so bald wie möglich folgen. Das Kommando der 14. Armee, die beiden Generalkommandos LI und bayr. III sowie die vier gebirgs-erfahrenen Divisionen (Alpenkorps, Jägerdivision, 200. und 117. ID.) hatten bis auf weiteres auf dem italienischen Kriegsschauplatz zu verbleiben.
Die Kämpfe um die Dauerstellung im Dezember
Hiezu Beilagen 32 und 33
Die Eroberung des Meletta massivs Ziele und Maßnahmen der Heeresgruppe FM. Conrad
Der am 23. November spät abends in Bozen eingetroffene Befehl, dem gemäß weitere Unternehmungen auf den Hochflächen „vorläufig einzustellen“ waren, rief beim Heeresgruppenkommando Zweifel hervor. Der oberste Kriegsherr hatte einige Stunden früher, beim 11. Armeekmdo. weilend, dem GO. Scheuchenstuel beigestimmt, den von diesem beabsichtigten Angriff gegen das Melettamassiv nach einer zur Herbeischaffung starker Artillerie unerläßlichen Unterbrechung zu erneuern, und auch dem in ähnlichem Sinne ausklingenden Vortrag des FM. Conrad nicht widersprochen. War demnach das eingetroffene Fernschreiben bloß als eine schriftliche Bestätigung der gegebenen Zustimmung zu werten, oder enthielt es einen neuen, vielleicht aus weiterreichenden Erwägungen erfließenden Entschluß ? Zur Klärung drahtete FM. Conrad am 24. November nach Baden, er beabsichtige, den begonnenen Angriff in der Folge schon deswegen fortzusetzen, weil die jetzige Lage auf der Hochfläche auf die Dauer unhaltbar sei. Er bitte um Genehmigung seines Vorhabens und um Zuweisung einer frischen, der 4. oder der deutschen 195. Division. Die Antwort der Heeresleitung lautete, daß die Aufgabe der Heeresgruppe in Tirol auch in der Folge darin bestehe, die Italiener am Abziehen von Kräften zu hindern, „wozu durch mächtige Artilleriewirkung unterstützte Teilaktionen durchzuführen sein werden“. Der Einsatz einer frischen Division für diese Zwecke könne nicht zugestanden werden. Die im Etschtal stehende deutsche 195. ID. sei vielmehr dazu ausersehen, „um den zwischen Brenta und Piave beabsichtigten Vorstoß zu einem möglichst starken und vielleicht doch noch entscheidenden Erfolg auszugestalten“.
Der Ansicht Conrads, daß auch westlich der Brenta, also auf den Hochflächen, kräftigst vorgestoßen werden solle, wurde also nicht beigestimmt, aber es blieb dem Feldmarschall immerhin unbenommen, das Vorhaben gegen die Melettahöhen als „Teilaktion“ auszuführen. Aus dieser Auffassung heraus ordnete er an, das nächste Ziel der 11. Armee bleibe „nach wie vor die Wegnahme des Mt. Melettakomplexes und das Vortragen der eigenen Front zunächst bis an die Frenzelaschlucht“. Conrad entsprach damit in jeder Weise der vom 11. Armeekmdo. schon am 23. November ausgesprochenen und den Unterführern bekanntgegebenen Absicht, den Angriff nach neuer Vorbereitung in einigen Tagen zu erneuern. Die hiezu eingeleiteten Maßnahmen betrafen namentlich das Herbeischaffen schwerer Batterien über Primolano und Enego in den Raum um den Mt. Lisser. Da die Straße zwischen den genannten Orten stellenweise zerstört war, mußte deren Wiederherstellung abgewartet werden. So stand eine mehrtägige Kampfpause bevor, während der bei verläßlichem Festhalten der gewonnenen Linie Ablösungen durchgeführt, die Verbände geordnet und die Truppen möglichst aufgefrischt werden sollten.
Als dem FM. Conrad am 26. November vom Erzherzog Eugen mitgeteilt wurde, daß die Heeresgruppe Boroevic wahrscheinlich am 29. November den Piave gewaltsam überschreiten, gleichzeitig GdI. Below den Feind zwischen Piave und Brenta angreifen werde, hätte Conrad sein Vorhaben auf den Hochflächen gerne beschleunigt, um die Kriegshandlungen in Einklang zu bringen. Allein, obgleich sechs technische Kompagnien Tag und Nacht an der früher bezeichneten Straße arbeiteten, war die Fertigstellung nicht vor dem 30. November zu erwarten. Daher konnten auch die schweren Batterien voraussichtlich erst am
2. Dezember aufgefahren und feuerbereit sein. Conrad drahtete zurück, daß er mit dem Angriff auf die Meletta erst am 3. Dezember beginnen könne; sollten jedoch die Italiener infolge des Vorstoßes zwischen Brenta und Piave schon vor diesem Zeitpunkte auf der Hochfläche von Asiago zurückweichen, dann würde ihnen die 11. Armee mit allem Nachdruck in der Richtung auf den Mt. Bertiaga nachstoßen. In der gleichzeitigen Meldung an die Heeresleitung ersuchte der Feldmarschall abermals, ihm wenn möglich eine frische Division zuzuweisen. Der Bitte wurde aber wieder nicht willfahrt.
Die 11. Armee setzte unterdessen die Vorbereitungen eifrig fort. Da vornehmlich die arg hergenommenen Truppen der 6. ID. und der 106. LstlD. der Ablösung bedurften, hiefür aber an frischen Einheiten bloß die 179. IBrig. zur Verfügung-stand, gestaltete sich das Umstellen der Kräfte verwickelt und langwierig. Dabei erwies sich namentlich bei der Gruppe FML. Kletter die angestrebte Erholungsmöglichkeit für die jeweils aus der Front tretenden Einheiten als trügerisch, da auf dem höchst unwirtlichen, zum Teil schon schneebedeckten Hochland außer einigen von den italienischen Truppen stehengelassenen Barackenlagern keine Unterkünfte vorhanden waren, die Schutz vor der in den langen Nächten sehr empfindlichen Kälte gewährt hätten. Im übrigen befleißigten sich die italienischen Artilleristen, die erwähnten Baracken zu zerstören und zu vergasen, so daß die Mehrzahl der Truppen auf gegen Sicht geschützten Plätzen im Freien lagern mußte. Dieser Übelstand wurde einigermaßen dadurch wettgemacht, daß es den Truppen nicht an Verpflegung und Kleidung mangelte, da man namentlich in Primolano reiche Vorräte erbeutet hatte.
Indessen glückte es bis anfangs Dezember doch, die wichtigsten der angestrebten Kräfteumstellungen zu verwirklichen. Bei der Gruppe Kletter schieden die vier Regimenter der 106. LstlD. aus; sie gelangten als Armeereserve ins obere Galmararatal. An ihre Stelle traten in der Front vor dem Melettagipfel die Bataillone der 37. und der 181. IBrig. unter dem Befehl des Kommandos der 106. Division. Beim III. Korps wurde zunächst die 56. GbBrig. bei Asiago durch die 179. IBrig. ersetzt, dann die 6. ID. vor dem Mt. Zomo durch die 56. und die 13. GbBrig. sowie die Brigade Obst. Vidossich abgelöst, die dem 52. IDKmdo. unterstellt wurden. Die 6. ID. bezog den ruhigen, aber ausgedehnten Abschnitt vom Westende Asiago bis zum Asticotal Die Gruppe FML. Kletter zählte darnach 29 Bataillone, das III. Korps deren 41 und die Armeereserve 9 Bataillone. Einzelheiten der Kriegsgliederung und die Aufstellung der Infanteriekräfte anfangs Dezember zeigt die Beilage 33.
Auf Aufforderung des Heeresgruppenkommandos legte das 11. Armeekmdo. den Entwurf für die Wiederaufnahme des Angriffes vor. GO. Scheuchenstuel gedachte das Unternehmen in zwei Phasen durchzuführen. Am ersten Tage sollte der Mt. Badelecche und der Mt. Zomo angegriffen und dadurch zunächst die ausgebauchte Stellung des Feindes hufeisenförmig zusammengedrückt werden. Am nächsten Tage war dann die ganze Bergfeste der Meletta x) zu bezwingen. Als ersten Angriffstag nahm er den 3. Dezember in Aussicht, weil eine nachdrückliche Mitwirkung der schweren Artillerie nicht vor diesem Zeitpunkt gewährleistet werden konnte; ohne solche wäre aber der Erfolg fraglich und mit großen Verlusten verbunden. Dazu erwähnte der Armeekommandant noch, Seine Majestät habe ihm am 23. November persönlich
*) Die Italiener nennen das besprochene Berggebilde kurzweg „Le Melette", was etwa „die Kuppeln“ der Hochfläche bedeuten mag. Der in den österreichischen Karten als Mt. Meletta bezeichnete Hauptgipfel führt in den italienischen Karten den Namen Mt. Fior.
den Befehl gegeben, „bei den ferneren Angriffen mit größter Schonung für das Menschenmaterial zu verfahren“.
Das Heeresgruppenkommando war mit dem begründeten Aufschieben des Zeitpunktes einverstanden, nicht aber mit dem gewählten Angriffsverfahren. Es ließ den Armeeführer wissen, daß es Teilangriffe, die sich räumlich und zeitlich folgen, nicht gutheißen könne. Nach seiner Ansicht wäre das ganze bogenförmige feindliche Frontstück „gleichzeitig" von Westen, von Norden und von Osten mit je einer Division anzugreifen. FM. Conrad erinnerte sich wohl an die vor anderthalb Jahren während der Maioffensive 1916 aus Südtirol aufgekommenen und von ihm lebhaft bestrittenen Anschauungen, wenn er jetzt dem Schreiben an den Armeeführer hinzusetzte: „Ein planmäßig vorbereiteter und dann allseits mit größter Energie geführter Angriff erscheint mir eine bessere Schonung des Menschenmaterials als Teilangriffe, die keinen greifbaren Erfolg bringen. Das Armeekommando wolle melden, wie es, den Intentionen des Heeresgruppenkommandos entsprechend, den Angriff zu führen gedenke.“ GO. Scheuchenstuel legte nun dar, daß das Unternehmen deshalb in zwei Phasen geteilt werde, um das Artilleriefeuer jedesmal auf ein Höchstmaß örtlich vereinigen zu können. Ein gleichzeitiges Beschießen der ganzen feindlichen Abwehrfront würde die Artilleriewirkung zersplittern. Im übrigen könne die erste Phase als eine Vorbereitung der zweiten Phase angesehen werden, die dann, der Ansicht des Heeresgruppenkommandos vollkommen entsprechend, als „großangelegte einheitliche“ Handlung gedacht sei. Diese Darlegungen fanden in Bozen geteilte Aufnahme. Es wurde namentlich dem Bedenken Ausdruck gegeben, daß die Führung des Hauptangriffes an ein Vorspiel geknüpft werde, das ganz oder auch teilweise mißlingen könne, wodurch dann das ganze Beginnen in Frage gestellt wäre. Auf Antrag seines Generalstabschefs, GM. Richard Müller, entschied jedoch FM. Conrad, daß eine weitere Beeinflussung der Unterführer zu unterlassen sei, um deren Selbstgefühl zu schonen und die Stimmung nicht zu verderben.
In den letzten Novembertagen fand an der ganzen italienischen Front keine nennenswerte Gefechtstätigkeit statt. Die von der Heeresgruppe Boroevic und von der Armee Below für den 29. angezeigte Wiederaufnahme der Kriegshandlung unterblieb (S. 674). Am Abend teilte das Kommando der Südwestfront auf Anfrage der Heeresgruppe Conrad mit, es habe bereits am Vortage der Heeresleitung gemeldet, daß der Angriffsbeginn auf den 3. oder 4. Dezember verschoben werde.
Da hielt es der Heeresgruppenkommandant für zweckmäßig, sein Vorhaben mit jenem der Nachbarn in Einklang zu bringen, und regte dies in Baden an. Ehe aber darauf eine Antwort eintraf, kamen Verfügungen, aus denen auf die bereits beschlossene Einstellung der Offensive gegen Italien geschlossen werden konnte. Die Heeresleitung ordnete nämlich an, daß auf Ansuchen aus Kreuznach die im Bereiche der
11. Armee eingesetzten deutschen schweren Batterien abzubefördern seien, ferner, daß die deutsche 195. ID. nach Trient zurückmarschieren und dort die Züge zu besteigen habe. Dies veranlaßte den FM. Conrad, die Heeresleitung anzurufen, um ihr darzulegen, daß seinem gegen das Melettamassiv eingeleiteten Unternehmen auch in dem Falle freier Lauf gelassen werden möge, als das größere Vorhaben am Piave unterbleiben sollte. Tags darauf, am 2. Dezember, traf in Bozen der Befehl zum allgemeinen Einstellen der Kriegshandlung ein. Er gestattete aber die Fortsetzung jener eingeleiteten Unternehmen, die zur Besserung der erreichten Stellungen führen könnten.
An diesem Tage sollten sich die zum Melettaangriff herangefahrenen schweren Batterien einschießen. Allein, der über der Landschaft liegende Nebel hinderte die Beobachtung, so daß auch die ausgesandten Artillerieflieger unverrichteter Dinge heimkehren mußten. Deshalb wurde das Einschießen auf den 3. und der Beginn des Angriffes auf den 4. Dezember verlegt.
Die Vernichtinig der italienischen 29. Division
Die Führer der italienischen Truppen auf den Hochflächen sahen sich nach der Abwehr der Angriffe gegen das Melettamassiv in ihrer Absicht bestärkt, diesen Bergstock dauernd festzuhalten, obgleich er aus der allgemeinen Linie der zuletzt bezogenen Verteidigungsstellung wie eine große Bastion vorragte. Ihr Besitz verhinderte ein Vorwärtsgehen des Gegners aus dem Becken von Asiago und bot zugleich die Möglichkeit, das verlorene Gelände, das vom Melettastock beherrscht wurde, gegebenen Falles zurückzuerobern. Hier konnten starke Kräfte rasch herangeführt werden, da von Valstagna im Brentadurchbruch eine Autostraße und zwei Drahtseilbahnen nach Foza, dem Mittelpunkt des befestigten Raumes, heranführten. Dieser Bedeutung entsprechend war die 29. ID., die die Bastion zu verteidigen hatte, derart verstärkt worden, daß sie anfangs September 21 Bataillone zählte. Den linken Abschnitt vom Mt. Zomo zum Mt. Fior hielt die Brigade Perugia. In der Mitte, beiderseits des Mt. Castelgomberto, stand eine Alpiniobergruppe3). Den rechten Abschnitt, Mt. Tondarecar—Mt. Badelecche, hatte die
1. Bersaglieribrigade besetzt. Von ihren drei Regimentern war das dritte als Divisionsreserve bestimmt. Die Division verfügte ferner über 160 Geschütze. Rechts von der 29. ID., am Südhang des Mt. Badelecche an sie anschließend, standen drei Bataillone der 52. ID.; die Masse dieser Division sperrte das Brentatal. Das XX. Korpskmdo., dem die beiden Divisionen unterstanden, verfügte ferner über eine Infanteriebrigade als Korpsreserve. Links von der 29. Division hatte die
2. ID. auf ihrem rechten Flügel die Brigade Liguria auf dem Mt. Zomo eingesetzt. Die West- und die Nordfront der großen Bastion waren sehr gut befestigt. Es gab hier zahlreiche Betonbauten und im Felsen eingesprengte Kavernen. Hingegen besaß die Ostfront (Mt. Tondarecar— Mt. Badelecche), die erst Mitte November besetzt worden war, fast gar keine technischen Anlagen. Hier lag die schwache Stelle der ganzen Verteidigungsanlage, in deren Mittelpunkt der Mt. Miela A 1788 wie ein mächtiger, bestückter Wachturm emporragte.
GO. Scheuchenstuel war über die Lage beim Feinde ziemlich genau unterrichtet. Gemäß dem vom Armeekommando am 28. November gegebenen endgültigen Befehl sollte, wie schon erwähnt, der Angriff an zwei Tagen erfolgen. Am ersten Tage hatte die 52. ID. den Mt. Zomo in Besitz zu nehmen und die 18. ID. den Mt. Badelecche zu erobern, um von da aus gegen den Mt. Tondarecar im Norden sowie gegen den Sasso Rosso, der mehr als 3 km südöstlich vom Mt. Badelecche liegt, „aufzurollen“. Am nächsten Tage war dann der allgemeine, umfassende Angriff durchzuführen, wobei die 181. und die 37. IBrig. unter dem Befehl des FML. Kratky die Befestigungen auf dem Melettagipfel und auf dem Mt. Castelgomberto bezwingen sollten. Die 52. ID. sollte, falls der Mt. Zomo bis dahin bezwungen war, über Ronchi weiter vorstoßen, während die 18. ID. in der „Richtung Foza vorzudrücken und den Angriff gegen den Mt. Meletta durch eine von Südost auf den Mt. Miela vorgehende Gruppe zu unterstützen hatte“.
Ungeachtet dieses vielleicht allzu sehr ins einzelne gehenden Angriffsplanes, in dem die Schwäche der feindlichen Aufstellung in der Linie Tondarecar—Badelecche wenig Beachtung fand, kam es dank der verständnisvollen Zusammenarbeit der Unterführer dennoch zur
1'/ Die Alpiniobergruppen waren den Brigaden gleichzuhalten und bestanden aus zwei oder drei Alpirwgruppen, die drei oder vier Bataillone zählten.
Bildung eines durchschlagsfähigen Schwergewichtes vor der bezeichneten Stelle, indem FML. Kletter die 18. ID. durch das KSchR. III verstärkte, so daß deren Führer, GM. Vidalě, bis zum Angriffstage an der Linie Mt. Tondarecar—Mt. Badelecche neun Bataillone (IR. 81(3), KSchR. III (3;, FJB. 22 und 7, IBaon. X/14) in erster Linie und drei Bataillone (IV 12, IV, 84, IV 87) in Reserve bereitstellen konnte. Er beließ dabei an der Linie Mt. Tondarecar—Castelgomberto nur drei Bataillone (LstlBaon. 164 und Oö. Frw. SchBaon. sowie IBaon. IV 37). Weiter zurück stand noch das SchR. 36 in Reserve. Auch die Artilleriegruppierung in diesem Raume, die der Artillerieführer der Gruppe Kletter, GM. Ritt. v. Romer, leitete, war für eine Verdichtung des Feuers auf den Angriffsabschnitt der 18. Division zugeschnitten. Hier hatten 58 leichte, 18 mittlere und 13 schwere Geschütze sowie 16 leichte und 37 schwere Minenwerfer zu wirken1). Auf der anderen Seite der Bastion, vor dem Mt. Zomo, stellte die 52. ID. ihre 14 Bataillone bereit. In ihrem Angriffsraum hatten 70 leichte, 15 mittlere und 14 schwere Geschütze sowie etliche Minenwerfer den Sturm der Infanterie vorzubereiten. Die anderen Abschnitte der feindlichen Stellung sowie namentlich die Batterien, waren durch 40 leichte und 24 mittlere Geschütze niederzuhalten und mit Gelbkreuz- und Grünkreuzgranaten zu vergasen.
Am 4. Dezember setzte nun auf dem Ostflügel des III. Korps und' bei der Gruppe Kletter bei klarem, stürmischem Wetter um 5h morgens die Vergasung der feindlichen Sammelräume ein. Um 7h 30 vorm. steigerte sich unser Artilleriefeuer gegen den Mt. Zomo, um 9h gegen den Frontabschnitt Mt. Tondarecar—Mt. Badelecche zum Vernichtungsfeuer, dem um 10h vorm. der Infanterieangriff folgte. Bei der 52. ID. drang die erste Angriffsstaffel in die Stellung auf dem Mt. Zomo ein. Aber ein bald danach von den Italienern kräftig vorgeführter Gegenangriff zwang die Bataillone zum Zurückweichen. So war denn das Vorhaben der 52. ID. alsbald gescheitert. Anders bei der 18. Division. Hier warfen sich die Bataillone der Stoßgruppe mit Ungestüm auf die Bersaglieri, überwältigten diese und stießen ohne Rücksicht auf die Besorgnis wegen des Eingreifens heranrückender italienischer Reserven rasch über die eroberte Stellung hinweg geradeaus weiter vor. Bald nach Mittag durcheilte die Meldung der 18. ID. den Draht, der Mt. Miela sei erobert und ein paar Stunden später erhielt das Armeekommando in Levico die überraschende Botschaft, daß auch der Gipfel der Meletta erstürmt Darunter befand sich eine bayrische Minenwerferbatterie zu acht Rohren.
worden sei. Was in den Vorwochen in tagelangem blutigem Ringen nicht hatte erreicht werden können, war nun in wenigen Stunden vollbracht worden. Kaiserschützen vom III. Regiment sowie die Oberösterreicher vom Bataillon X/14 waren mit bewundernswerter Schneid über den Mt. Miela, wohin auch Egerländer Feldjäger gelangten, weiter vorgedrungen und hatten ungeachtet der von Süden anrückenden italienischen Reserven und der im Norden auf den Mt. Castelgomberto und bei der Mga. Lora stehenden Alpini die höchstbetroffenen Verteidiger der Melettaschanzen im Rücken angegriffen und nach wirrem Handgranatenkampf zur Übergabe gezwungen1).
Durch das geschilderte kühne Vorgehen wurden alle Anordnungen der höheren Führung überholt. Aus der Flut der einlaufenden Meldungen war kein klares Bild über die Vorgänge zu gewinnen. Selbst als die einbrechende Dunkelheit (etwa 4hnachm.) den Bewegungskampf zum Stillstand brachte, blieb die Lage undurchsichtig. Immerhin konnte jetzt festgestellt werden, daß der Mt. Zomo trotz neuer Versuche von der 52. ID. nicht hatte vollständig genommen werden können. Die Eroberung des Melettagipfels bestätigte sich. Überraschenderweise befand sich aber der Mt. Castelgomberto noch im Besitz des Feindes. Dagegen erschien es begreiflich, daß die Kaiserschützen und die Einundachtziger auf den Südhängen des Mt. Miela und des Mt. Badelecche noch in lebhaftem Gefecht mit Truppen standen, die über Foza und Valcapra herangerückt waren; Flieger hatten am Nachmittag eine lange Infanteriekolonne im Anmarsch dahin beobachtet. Erfreulich war nun der nächste Abendbericht des FML. Kletter, wonach die 18. ID. ihre Truppen zur Verfolgung des gegen die vorgenannten Ortschaften wieder zurückweichenden Feindes aufgerufen habe, um am kommenden Tage die beiden Bergzungen Foza—S. Francesco und Valcapra—Sasso Rosso vom Feinde zu säubern. Diese Absicht entsprach vollkommen den Wünschen des Armeekommandos, das nun auch dem III. Korps befahl, am 5. Dezember den Angriff fortzusetzen und wenn möglich auf dem Südrand der oberen Val Frenzela (Valle dei Ronchi) festen Fuß zu fassen.
Der Erfolg des ersten Kampftages überstieg die kühnsten Hoff-Einzelheiten über die Erstürmung der Meletta bringt: E h n 1, 69 ff. Die dem eigenen Antrieb erprobter Unterführer entsprungene, überaus kühne Tat fand höchste Anerkennung, indem das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens verliehen wurde: dem Major Konstantin Valentini, Kommandanten des 2. Bataillons des KSchR. III, dem Major Béla v. Szilley des HR. 15, Kommandanten des Bataillons X '14, und dem Oberleutnant Alois Windisch, Kommandanten der Maschinengewehrkompagnie X 14.
nungen. Der mächtigste Eckpfeiler des Feindes auf den Hochflächen war mit einem einzigen scharfen Schlag zu Fall gebracht worden. Viele tausende Italiener, darunter zwei Brigadegenerale, hatten die Waffen strecken müssen, zahlreiche Geschütze wurden erbeutet. Es bestand kein Zweifel, daß das gesteckte Ziel, die Frenzelaschlucht, am 5. Dezember erreicht werden würde. Daher konnte man schon jetzt daran denken, möglichst darüber hinauszugehen. GO. Scheuchenstuel gab den Unterführern seine Absicht kund, „in den nächsten Tagen die Linie Mt. Sisemol—Stenfle—Col del Rosso—Col d’Echele zu gewinnen“, weshalb es erwünscht wäre, daß das III. Korps „noch am 5. Dezember unter Mitwirkung der deutschen Batterien3) sich des Mt. Sisemol bemächtigen würde“.
In der Nacht fegte scharfer Nordwind eisigen Schnee über das Hochland. Als endlich der Morgen des 5. Dezember anbrach, erhob sich der Kampf von neuem. Beim III. Korps setzte die 52. ID. den Angriff auf den Mt. Zomo fort. Erst nach schwerem, wechselvollem Ringen gelang es ihr, den von der tapferen Brigade Liguria hartnäckig verteidigten Berg zu bezwingen. Gegenüber der Gruppe Kletter hatte sich der Feind bei C. Stona, bei Foza und bei Carpenedi zu neuerlichem Widerstand gestellt. Das Gruppenkommando konnte es nicht verantworten, mit den durch die empfindliche Kälte sowie durch die anstrengenden Kämpfe hart mitgenommenen Truppen ohne Artillerievorbereitung dem Feinde nachzustoßen. Erst um 2h nachm. ging daher die Infanterie der
18. ID. gegen den Feind vor und warf ihn nun gänzlich zurück. Das niederösterreichische Infanteriebataillon IV/84 stieß hiebei bis an die nach Valstagna hinabführende Serpentinenstraße vor und hinderte durch rasches Zugreifen die Sprengung des Tunnels an der obersten Kehre dieser Straße. Indessen waren Teile der 37. und der 181. IBrig. nach mühsamem Überschreiten der Meletta nach C. Stona gelangt und hatten die hier und bei Costalta noch ausharrenden Italiener in die Frenzelaschlucht zurückgeworfen, die dann bei II Buso von Patrouillen überschritten wurde. Während sich diese Kämpfe abspielten, ergab sich um 2h nachm. das auf dem Mt. Castelgomberto eingeschlossene Alpini-bataillon nach aussichtslosem Kampfe dem oberösterreichischen Freiwilligen Schützenbataillon.
So war denn am 5. Dezember abends das am 4. begonnene Werk beendet. Mehr als 16.000 Gefangene, 90 Geschütze, über 200 Maschinen-
1 j Es waren dies eine 15 cm-Haubitz- und zwei 21 cm-Mörserbatterien, die wegen ihrer wirkungsvollen Gelbkreuzgranaten hoch eingeschätzt wurden.
gewehre, 80 Minenwerfer und zahlreiches sonstiges Kriegsgerät blieben in der Hand der siegreichen Truppen. Die italienische 29. ID. war vernichtet. Von ihren 21 Bataillonen waren nur 2000 Mann übriggeblieben. Die vom Kommando der Truppen auf den Hochflächen mit Kraftwagen zugesandten Reserven, Brigade Verona und Brigade Regina, hatten das Schicksal der 29. Division nicht mehr zu ändern vermocht. Für den 6. Dezember beabsichtigte das 11. Armeekmdo., mit der 21. SchD. und Teilen der Brigade Vidossich den Mt. Sisemol zu nehmen. Die Gruppe Kletter sollte sich mit der 37. IBrig. und der 18. ID. südlich der Frenzelaschlucht bei Ronchi festsetzen und ihre Artillerie zur späteren Wegnahme des Col del Rosso heranziehen. Man verschloß sich indessen nicht der Ansicht, daß .der unerwartet große Erfolg noch erheblich erweitert werden könnte, daß selbst ein Durchschlag bis an den Südrand der Hochflächen möglich wäre, wenn dem Heeresgruppenkommando jetzt noch eine oder zwei ganz frische Divisionen zu Gebote gestanden hätten.
Am 6. Dezember hatte sich das Wetter ausgeheitert, doch hielt die empfindliche Kälte an. Befehlsgemäß gingen das III. Korps mit der
21. SchD. gegen den Mt. Sisemol, mit der 52. ID. gegen Stenfle und Teile der Gruppe Kletter bei II Buso zum Angriff vor. Der Mt. Sisemol wurde nach außerordentlich heftigem Nahkampf genommen, wobei sich das 4. Bataillon des KSchR. I besonders auszeichnete. Ein heftiger Gegenangriff wurde abgeschlagen; über 2000 Gefangene, viele Maschinengewehre fielen in die Hand der Schützen. Die 52. ID. konnte aber nur eine vorgeschobene Stellung nördlich von Stenfle erobern, während der Angriff der 37. IBrig. bei II Buso im starken feindlichen Feuer überhaupt nicht vorwärtskam. Da die gesteckten Ziele im großen ganzen erreicht waren, ließ das Armeekommando die Kriegshandlung 'einstellen und traf Vorbereitungen, um zu einem späteren Zeitpunkte den Col del Rosso zu erobern.
Die Dezember kämpfe im Grappagebirge Die Eroberung des Col della Berretta und des Mt.Spinuccia
Als am 2. Dezember der Befehl der Heeresleitung zum Einstellen der Offensive den Draht durchlief, befanden sich die Heeresgruppe Boroevic sowie der linke Flügel der Armee Below am Piave, während der rechte Flügel dieser Armee zwischen dem Piave und der Brenta
noch nicht jene Linie erreicht hatte, die ihm als Dauerstellung dienen konnte. Deshalb blieb bei der Gruppe Krauss die Absicht aufrecht, den ursprünglich im Rahmen der allgemeinen Offensive für den 3. oder
4. Dezember vorbereiteten Angriff nunmehr zu dem Zwecke durchzuführen, um zumindest die westöstliche Kammlinie des Grappagebirges zu gewinnen. Neue Schwierigkeiten, namentlich beim Herbeischaffen des nötigen Schießbedarfes, zwangen dazu, den Angriffsbeginn hinauszuschieben. Die verhältnismäßig rasche Abnützung der Truppe machte zudem eine Reihe von Ablösungen erforderlich. An Stelle der Edelweißdivision war anfangs Dezember die 4. ID., FML. Pfeffer, getreten (S. 675), ferner war die Ablösung der 22. SchD. durch Teile der deutschen 5. ID. eingeleitet worden. Nun wurde die am Piave beiderseits von Vidor stehende deutsche 200. ID. am 4. und 5. Dezember durch die k.u.k. 35. ID. ersetzt und über Cison di Valmarino, S. Antonio, Miel und Cesana in das Bergland südlich von Feltre herangeführt, wo sie die auf dem Mt. Fontana secca verbliebenen Teile der 22. SchD. sowie den linken Flügel der 94. ID. beim Col dell’Orso ablöste. Die einheitliche Leitung der beiden deutschen Divisionen wurde dem Führer der
5. ID., GM. Wedel, übertragen. Unverändert blieben das deutsche Alpenkorps auf dem Mt. Tomba und die 50. ID. am Ostufer des Piave bei Valdobbiadene stehen. Sie bildeten zusammen mit der 35. ID. und der bei Cison di Valmarino rastenden 1. ID. die Gruppe Scotti.
Gemäß den Anordnungen der Gruppe Krauss hatte das „Korps Wedel“ den Feind aus den Stellungen im nordwärts gewölbten Bogen Col dell’Orso—Mt. Solarolo—Haus -<J>- 1222—Mt. Spinuccia zu werfen und dann den Rücken Mt. Pallone—Mt. Meate—Mt. Boocaor in Besitz zu nehmen. Die 94. ID. sollte den Grappagipfel und den Mt. Coston erobern. Der 4. ID. wurde aufgetragen, zunächst den Mt. Asolone und den Col della Berretta zu gewinnen, dann den rechten Flügel bis zur Casera d’Anna vorzutreiben, und ihre Talgruppe — ein verstärktes Bataillon des IR. 49 — von S. Marino, wenn möglich bis Valstagna vorstoßen zu lassen. Diese Erweiterung der Aufgaben der 4. ID. wurde vorgenommen, nachdem am 5. Dezember westlich der Brenta der Ostflügel der 11. Armee den Sasso Rosso erobert und die Frenzelaschlucht erreicht hatte; eine starke Artilleriegruppe der 11. Armee konnte jetzt den Angriff der 4. ID. durch Seitenfeuer vorzüglich unterstützen. Die Gruppe Krauss verfügte im übrigen über rund 350 leichte, 100 mittlere und 10 schwere Geschütze; der Schießbedarf war jedoch sehr knapp bemessen. Auch war es schwierig, die Geschütze heranzufahren, da
keine einzige Straße zu den Höhen hinanführte. Es fehlte indessen nicht an ernstem Bemühen; so wurden unter anderen zwei 15 cm-Haubitz-batterien zum Teil mit Menschenkraft auf den Mt. Prassolan hinaufgeschleppt. .
Der Angriff hatte am 11. Dezember, und zwar bei jeder Witterung zu beginnen. Als Reserve stellte GdI. Krauss die 55. ID. nordöstlich von Feltre in Bereitschaft. Die Edelweißdivision ruhte bei Fonzaso, die 22. SchD. im Rau,me westlich von Belluno. Diese beiden Divisionen kamen für eine Wiederverwendung zunächst nicht in Betracht. Hingegen war die bei Belluno versammelte deutsche Jägerdivision dazu ausersehen, die deutsche 5. ID. nach erfolgter Frontverbesserung abzulösen. Im Raume südlich von Belluno stand ferner die 33. Division. Da sie über keine Gebirgsausrüstung verfügte, wurde sie wieder in die Ebene zurückgeleitet, wo sie dann am 12. Dezember in Ablösung deutscher Truppen an den abgesprengten Piavebrücken von Susegana eingesetzt wurde. An ihrer Stelle sandte GO. Boroevic die 60. ID. nach Vittorio, von wo sie GdI. Below am 13. Dezember nach Belluno marschieren ließ und dem GdI. Krauss unterstellte.
Die Italiener waren in der Zeit des seit Ende November anhaltenden Stillstandes im Grappagebirge nicht müßig geblieben. Die Lage der Truppen, ihr seelischer Zustand sowie auch die Einrichtung der Abwehr waren mit jedem Tage besser geworden. Anfangs Dezember hatte das französische XXXI. Korps (47., 64. und 65. ID.) den Frontabschnitt auf dem Südhang des Mt. Tomba, bei Pederobba und Cor-nuda übernommen. Südöstlich anschließend war das englische XIV. Korps (7., 23. und 41. ID.) auf dem Montello in die Front getreten. Dadurch waren nicht nur zahlreiche italienische Truppen frei geworden, sondern es hob sich auch allgemein ihr Selbstgefühl und Vertrauen.
Am 10. Dezember befanden sich gegenüber den vier im Grappagebirge zum Angriff antretenden öst.-ung. und deutschen Divisionen vom Col Caprile bis zum Mt. Asolone das italienische XXVII. Korps mit der 51. und der 59. ID., dabei zehn Alpinibataillone, im Gebiet des Grappagipfels das VI. Korps mit der 66. ID. in der Front und der VI. Alpiniobergruppe (acht Bataillone) sowie der 15. ID. in Reserve, dann im Raume Col dell’ Orso—Mt. Solarolo—Ost. Monfenera das XVIII. Korps mit der 56. und der l.ID. sowie der III. Alpiniobergruppe (acht Bataillone) in der Front und der 24. ID. in Reserve. Ferner stand das IX. Korps (17. und 18. ID.) zwischen Bassano und Asolo als Reserve des 4. Armeekommandos.
Am Morgen des 11. Dezember waren die Berge in Nebel gehüllt. Dessenungeachtet begannen in der Dämmerung die vorgerichteten Geschütze ihr Zerstörungswerk. Als dann die Infanteriekämpfe einsetzten, war die Artillerie allerdings durch den Nebel sehr behindert, dem Bewegungsgefecht zu folgen.
Bei der deutschen 5. ID. erstürmte das preußische Leib-GrenadierRegiment 8 nach Überwindung heftigen Widerstandes den Mt. Spinuccia und warf die Italiener auf dem gegen Südwesten streichenden Rücken noch weitere anderthalb Kilometer zurück. Die beabsichtigte Fortsetzung des Angriffes mußte aber unterbleiben, da die 200. ID. nach Eroberung einiger Schanzen auf dem Ostfuß des Mt. Solarolo nicht vorwärtskam und daher die rechte Flanke der Grenadiere bedroht war1). Von der 94. ID. wartete der linke Flügel vergeblich auf das Vorgehen der 200. ID. gegen den Col dell’ Orso, während die Mitte auf dem Mt. Pertica sich zu ihrer Überraschung selbst angegriffen sah und, den Feind abwehrend, stehenblieb.
Ein eindeutiger Erfolg war nur der 4. ID. beschieden. Im Verein mit dem Divisionssturmbataillon bemächtigten sich das böhmische IR. 88 und Teile des mährischen IR. 99 des Col della Berretta und der Casera Spiedon 2). Die Division gewann damit den Höhenrand ober dem Quellbecken des Val S. Lorenzo, das nach Süden in die Ebene mündet. Schon glaubten die „Neunundneunziger“, auch den Mt. Asolone erklimmen zu können, da stießen sie aber auf harten Widerstand. Alsbald mußten sie sich, gleichwie die „Achtundachtziger“, heftiger Gegenangriffe erwehren, die auch am 12. Dezember noch fortdauerten. Die Italiener hatten erkannt, daß der Verlust ihrer Hauptwiderstandslinie auf dem Höhenkamm die Gefahr eines tieferen Einbruches in das Val S. Lorenzo bedeute, und rafften alle Kräfte zusammen, um den Col della Berretta zurückzugewinnen. Auf der anderen Seite erblickte GdI. Krauss im ersten Erfolg der 4. ID. die Möglichkeit weiterer Fortschritte und entschloß sich, das Schwergewicht auf den Westflügel seiner Gruppe zu legen, da der Stirnangriff gegen den Grappaknoten auf unüberwindliche Geländeschwierigkeiten stieß. Unter diesen Umständen entspannen sich im Asolonegebiet äußerst harte und verlustreiche Kämpfe, die bis Weihnachten fortdauerten.
Am 12. Dezember abends strahlte ein Funkspruch der italienischen 51. ID. die Nachricht aus, der Col della Berretta wäre zurückgewonnen.
ł) Schöning, 274.
2) Gallian, Monte Asolone 1918 (Graz 1933), lff.
Auf eine diesbezügliche Anfrage des GdI. Krauss meldete FML. Pfeffer: „Seit der Erstürmung durch unsere Truppen haben nur noch italienische Gefangene die Höhe betreten.“ Tags darauf versuchte ein auf dem linken Flügel der 4. ID. eingesetztes Bataillon des Brünner IR. 8 den Mt. Asolone zu nehmen. Es gelang ihm nicht. Ansonsten hielten die durch Kampf und Kälte erschöpften Gegner eine Atempause. Nun stellte sich rechts vom IR. 88 das niederösterreichische IR. 49 mit zwei Bataillonen, denen eines vom IR. 8 folgte, zum Angriff bereit. Am 14. erstürmten die tapferen „Hesser" den Col Caprile, wobei sie ein ganzes Alpinibataillon zwangen, die Waffen zu strecken1). Zur gleichen Zeit ging der linke Flügel des italienischen VI. Korps gegen den Mt. Pertica und vom Mt. Asolone gegen die Casera Spiedon in der Absicht vor, das XXVII. Korps zu entlasten. Das Vorhaben wurde vereitelt. Bei der gelungenen Abwehr zeichneten sich das LstlR. 26 und das 6. Bataillon des KJR. 2 der 94. ID. besonders aus. Am Abend übernahm FML. Goiginger als Korpsführer den Befehl über die 4. und die 94. ID. sowie über die 55. ID., deren Spitze von Fonzaso gegen Cismon heranrückte. GdI. Krauss hatte den bewährten Kommandanten der 60. ID., die sich jetzt dem Städtchen Feltre näherte, zur einheitlichen Führung des rechten Flügels berufen. Da sich neuerlich Mangel an Schießbedarf drückend fühlbar machte, sollte der Angriff erst am 18. Dezember erneuert werden. Das Korps Goiginger hatte dabei die Flöhe 1440 und den Mt. Asolone in Besitz zu nehmen. Dem Korps Wedel blieb es überlassen, das nächste Angriffsziel im Rahmen der ursprünglichen Aufgabe zu wählen. Es sollte zudem so bald als möglich die 5. ID. ablösen, die vom italienischen Kriegsschauplatz abgehen mußte.
Am 15. Dezember rang sich das IR. 49 bis nahe an die Casa d’Anna heran. Auch das IR. 88 gewann im heftigen Kampfe gegen neu auftauchende italienische Reserven einigen Boden, während das IR. 99 und Teile des IR. 8 neuerliche Angriffe des Feindes abwehrten. Nun war es hoch an der Zeit, die durch blutige Verluste und harte Entbehrungen im fünftägigen winterlichen Gebirgskampf stark gelichteten Reihen der 4. ID. abzulösen. Gemäß den Anordnungen des FML. Goiginger trat die 55. ID. zunächst mit der 26. GbBrig. zwischen der 4. und der 94. ID., also vor dem Mt. Asolone und beim Mt. Pertica, in die Kampflinie. Teile des IR. 99 und ein Bataillon der 94. ID. wurden zurückgenommen. Da der Aufstieg zum Kampfraum von Cismon durch das Val Goza über einen steilen Saumweg führte, auf dem sich der
!) Ehrenbuch der Hesser, III, 29ff. — Alpini, II, 1097, 385.
ganze Zu- und Abschub der 4. ID. zusammenzwängte, konnte die zur Ablösung des IR. 88 und des IR. 49 ausersehene 10. GbBrig. der 60. ID. erst am 18. Dezember zur Stelle sein. Auch die beabsichtigte Ablösung der 94. ID. durch die 2. GbBrig. konnte nicht früher erfolgen; daher mußten die genannten Regimenter weiter ausharren.
Die Italiener, denen zwei gute Auffahrtstraßen zur Verfügung standen, führten indessen frische Kräfte auf das Schlachtfeld und hielten am 16. und 17. durch fortgesetzte Gegenstöße unsere- Truppen in Atem. Die öst.-ung. Artillerie griff hilfsbereit in die Kämpfe ein. Dadurch verminderte sich allerdings der für die Angriffshandlung des Korps Goiginger unter großen Mühen herangeschaffte Schießbedarf.
In diesen Tagen fanden bei der Armee Below weitere Umstellungen der Kräfte statt. Die 50. ID. wurde vom linken Piaveufer zurückgezogen, sodann nordwärts über den Fluß geführt und am 17. auf dem Tombarücken an Stelle des Alpenkorps eingesetzt, das dann nach Campesa und Cison di Valmarina gelangte. Dessen Führer, GM. Tutschek, übernahm jedoch an Stelle des GM. Wedel die Gefechtsleitung im Abschnitt der 200. ID. und der deutschen Jägerdivision, die am 17. die deutsche 5. ID. ablöste. Ferner marschierte die l.ID. von Cison Valmarina über Belluno in den Raum nördlich von Feltre, wo sie am 20. Dezember zur Verfügung des GdI. Krauss eintraf.
Die Erstürmung des Mt. Asolone
Am 18. Dezember zogen bei Morgengrauen düstere Wolken über das Kampffeld. Die Temperatur schwankte um den Gefrierpunkt. In den Tälern des Grappagebirges regnete es. Auf den umnebelten Bergen, von denen jetzt der Donner der Geschütze widerhallte, fiel Schnee. Er mengte sich mit dem Dampf der berstenden Bomben und Granaten, die den Angriff des Korps Goiginger einleiteten. Das unsichtige Wetter begünstigte die Annäherung der Infanterie. Fast unbemerkt kam sie an den Feind heran und überwältigte ihn im wirren Handgranatenkampf. Den Kärntnern vom IR. 7 war es Vorbehalten, den seit Tagen vergeblich berannten Mt. Asolone zu bezwingen1). Dieser glänzende Erfolg wurde durch das IR. 88 ergänzt, das die Höhe 1440 eroberte, während das IR. 49 gemeinsam mit einem Bataillon des IR. 8 neuerlich bis
*) Löhner, Monte Asolone — 18. Dezember 1917, Aus dem Tagebuch eines jungen Khevenhüllers (Österr. Wehrzeitung 1926, Folgen 10 und 11).
zur Casa d’Anna vorstieß. Vergeblich versuchten die Italiener in wiederholten Gegenangriffen die Lage wiederherzustellen. Die Sieger ließen sich ihren Gewinn nicht mehr entreißen. Ja, das IR. 7 vermochte sogar noch die Höhe östlich vom Asolonegipfel zu gewinnen, während sein Schwesterregiment in der 26. GbBrig., das bh. IR. 4, den ganzen Bergrücken, der vom Mt. Pertica nach Süden in das Val Cesilla abstreicht, vom Feinde säuberte und dann zähe behauptete. Die Verluste waren auf beiden Seiten bedeutend. Das IR. 7 allein verlor über 600 Mann an Toten und Verwundeten. Zudem litten die Truppen unter den Unbilden der Witterung und den Schwierigkeiten der Versorgung ganz außerordentlich. Namentlich die schon auf wenige hundert Mann zusammengeschmolzenen Regimenter der 4. ID., die mit bewunderungswürdiger Ausdauer seit dem 11. Dezember kämpften und litten, waren nun erschöpft. Am Abend begann ihre Ablösung durch die Bataillone der
10. GbBrig., die sogleich Gegenangriffe abwehren mußten. Die 2. GbBrig. übernahm den Kampfabschnitt der 94. ID., indem sie dort zunächst zwei Bataillone einsetzte.
Mil dem geglückten Angriff des Korps Goiginger wurden die auf dem Westflügel der Gruppe Krauss angestrebten Ziele erreicht. Ein von ungefähr aufgetauchter Gedanke, den Erfolg zu erweitern, mußte fallen gelassen werden; denn der Widerstand des Feindes erwies sich kräftiger, als man erwartet hatte. Zudem war dem Korps Tutschek wieder kein Erfolg beschieden gewesen. Der Mt. Solarolo blieb im Besitz des Feindes, der sogar mehrmals gegen die stockenden Truppen der 200. ID. vorstieß. Auch die deutsche Jägerdivision konnte trotz opferreichen Bemühens keine Fortschritte erzielen1). Unter solchen Umständen wurde befohlen, das Unternehmen einzustellen und die Dauerstellung in der erreichten Linie zu errichten. Damit war aber der Kampf noch nicht zu Ende. Der Feind führte auch am 19. Dezember heftige Gegenstöße, so namentlich beim Mt. Pertica, wo es stellenweise nachmittags zu scharfen Handgranatenkämpfen kam. Am 20. raffte er sich zum allgemeinen Gegenangriff auf. Beim Mt. Asolone, bei der Höhe -<J>- 1440, und knapp nördlich der Casa d’Anna, wurde unter dem Eisenhagel der von beiden Seiten wuchtig einschlagenden Geschoße wieder erbittert und diesmal bis zum späten Abend gerungen, ohne daß es den Italienern gelungen wäre, einen Erfolg davonzutragen. Auch das
1'/ Sproesser, 329 ff. —• Schittenhelm, 95 f. — Schönfeld t, Das Grenadier-Regiment Prinz Carl von Preußen Nr. 12 im Weltkrieg (Berlin 1924), 149. — Ehrenfort h, 80 ff.
Korps Tutschek mußte neuerlich ins Gefecht treten, um die erreichte Linie zu behaupten. Auch am 21. Dezember unternahmen die Italiener mehrere, von heftigem Artilleriefeuer begleitete Vorstöße. Erst am 22. trat, anscheinend wegen des dichter werdenden Nebels und Schneefalles, der sehr ersehnte Stillstand ein. Die Italiener, die seit dem
11. Dezember in den Kampfraum des Korps Goiginger nicht weniger als 19 Infanterieregimenter und 18 Alpinibataillone, in jenen des Korps Tutschek 14 Infanterieregimenter und 8 Alpinibataillone ins Gefecht geworfen hatten, waren nun wohl auch erschöpft. Neben hohen blutigen Verlusten hatten sie mehr als 8000 Mann an Gefangenen eingebüßt.
Das ursprünglich mit dem bescheidenen Ziel der Gewinnung einer geeigneten Dauerstellung eingeleitete Unternehmen hatte sich zu einer zwölftägigen schweren Schlacht entwickelt. Dankerfüllt für die bewundernswerte Leistung der Truppen hob Erzherzog Eugen in einem Rundschreiben hervor: „In unwiderstehlichem Drange nach vorwärts haben diese Braven, allen Unbilden der Witterung trotzend, dem schwierigen Gelände Stein um Stein abgewonnen und — unterstützt vom treffsicher geleiteten Artilleriefeuer — dem Feinde in harten Kämpfen schier unüberwindliche Stellungen entrissen.“ An erster Stelle gebührte diese hohe Anerkennung der 4. ID., die erstmalig auf dem schwierigen italienischen Kriegsschauplatz eingesetzt worden war. Aber auch die 55. ID., deren Führer, GM. Schwarzenberg, am 21. Dezember das IR. 7 auf dem Asolonegipfel besuchte und dann berichtete, das feindliche Artilleriefeuer sei ebenso heftig wie vormals auf der Karsthochfläche, verdiente volles Lob.
Der Ausklang der Dezember kämpfe
Die Heeresleitung hatte schon am 5. Dezember, als sich die Angriffe gegen den Melettastock ihrem erfolgreichen Abschlüsse näherten, beim Heeresgruppenkommando in Bozen angefragt, in welcher Linie die Dauerstellung bezogen werden würde, und damit zu erkennen gegeben, daß sie eine großzügige Erweiterung des Melettaunternehmens nicht ins Auge fasse. FM. Conrad befaßte sich nämlich angesichts des neuerlich zutage getretenen Schwachmutes des Feindes mit dem Gedanken, die Front bis an den Rand der Hochflächen bei Bassano vorzutragen, ein Gedanke, der seiner Ansicht nach dann unschwer in die Tat umzusetzen war, wenn die Heeresleitung hiefiir drei frische, stan-desstarke Divisionen zur Verfügung stellte. In Baden stand man solchen Absichten jetzt sogar weniger ablehnend gegenüber. Allein, man verfügte nicht über die erbetenen Kräfte und winkte daher ab. Conrad mußte sich damit bescheiden, das vom 11. Armeekmdo. angeregte Unternehmen zur Gewinnung der nächsten für die Überwinterung geeigneten Linie Mt. di Val Bella—Col del Rosso gutzuheißen.
Dem durch die ungünstigen Verhältnisse auf der Hochfläche und durch die empfindliche Kälte hervorgerufenen Verbrauch an Kräften wurde durch oftmaligen Wechsel der Kampftruppen entgegengewirkt. Die Ablösungen innerhalb der Heereskörper und auch dieser selbst fanden in so bunter Reihe statt, daß nur die schließlich am 23. Dezember angenommene Aufstellung dargestellt wird (Beilage 33). An diesem Tage wurde auch der Angriff zur Eroberung des Col del Rosso ausgeführt, nachdem er schon für den 15. und dann für den 20. Dezember beabsichtigt gewesen war.
Inzwischen hatte FM. Conrad die Heeresleitung neuerlich gebeten, ihm zwei gebirgstüchtige Divisionen, etwa die Edelweißdivision und die 22. SchD., zuzuweisen. Dieser Bitte kam insofern Bedeutung zu, als sie der Heeresleitung den letzten Anstoß gab, am 21. Dezember die ganze Gruppe Krauss (die genannten beiden Divisionen mitinbegriffen), dem Heeresgruppenkommando Conrad zu unterstellen. Damit wurde die vom Feldmarschall schon seit Wochen aus rein sachlichen Gründen angestrebte Einheitlichkeit der Führung an der ganzen Gebirgsfront verwirklicht. Allerdings mußte gerade jetzt das Unternehmen der Gruppe Krauss im Grappagebiet wegen der ungeheuren Geländeschwierigkeiten eingestellt werden; auch war nunmehr die Jahreszeit schon zu weit fortgeschritten, um an eine neue Angriffshandlung zu denken, die im Sinne der früheren Ansichten Conrads etwa gleichzeitig und beiderseits des Brentatales hätte geführt werden sollen. Die Eingliederung der Gruppe Krauss in die Heeresgruppe Conrad erfolgte übrigens nur zu dem Zwecke, um die Versorgung der Divisionen jenseits des Cismon und der Brenta über die Nachschubwege des Suganertales zu gewährleisten.
Der Befehlsbereich der Heeresgruppe Conrad wurde sonach am
22. Dezember bis zur Ostgrenze der Gruppe Krauss ausgedehnt, doch blieb diese Grenze zunächst noch unbestimmt. FM. Erzherzog Eugen gedachte sie nach Ablösung der noch westlich des Piave kämpfenden deutschen Divisionen durch öst.-ung. Truppen und nach Überstellen der auf dem Tombarücken stehenden 50. ID. an die Gruppe Krauss, vom Piaveknie knapp nördlich von Quero ausgehend, auf der Kammlinie des gegen den Lago di S. Croce streichenden Gebirges zu ziehen. Dadurch wären dann zehn Divisionen zur Heeresgruppe Conrad gelangt. Diese Neuordnung mußte die Nachschubwege dieser Heeresgruppe, namentlich die Bahn im Suganertal, außerordentlich belasten, weshalb eine eingehende Prüfung der aufgeworfenen Fragen notwendig erschien, die dann zu langwierigen Erörterungen führte.
Unterdessen trat der linke Flügel der 11. Armee zur Eroberung der Linie Mt. di Val Bella—Col del Rosso— Col d’Echele an. Das Unternehmen war besonders gründlich vorbereitet worden. An Artillerie standen 440 leichte, 100 mittlere und 10 schwere Geschütze feuerbereit. In der Nacht auf den 23. Dezember wurden zunächst die Batterien und die Sammelräume des Feindes ausgiebig mit Stickgasgranaten beschossen. Am Morgen schritten dann die inneren Flügel des III. Korps und der Gruppe Kletter zum Angriff, und zwar: die 6. ID. mit der
12. IBrig. (IR. 17 und 27) und der Brigade Obst. Vidossich (Bataillone 1/51, 1,102, 1/27, X 59, FJB. 20 und Hochgebirgskomp. 22), daneben die 18. ID. mit der 9. GbBrig. (KSchR. III und Bataillone IV/S7, IV 84 und IV 12) in der Front und mit der 181. IBrig. (fünf Bataillone) in Reserve.
Das Wetter war dem Unternehmen nicht ungünstig. Auf dem Kampffelde lag etwa 20 cm hoher Schnee. Die Artillerieführer konnten von ihren auf den Melettahöhen günstig gelegenen Aussichtspunkten das Zerstörungsfeuer gegen die im Schnee deutlich sichtbaren Ziele vorzüglich lenken. Die Infanterie hatte unter diesen Umständen ein verhältnismäßig leichtes Spiel. In kurzer Zeit eroberte sie die ganze von der italienischen 2. ID. (Brigaden Livorno, Verona und Toscana) verteidigte erste Linie. Bei Stoccareddo geriet die Brigade Verona an den Abstürzen der Frenzelaschlucht in die Klemme und mußte zum größten Teil die Waffen strecken1). Nur vereinzelt raffte sich der Feind zu Gegenstößen auf. Bald nach Mittag waren alle Angriffsziele erreicht. Das Bataillon IV/87 ging sogar darüber hinaus und besetzte den Mt. Me-lago. Es wurde aber später zurückgerufen, weil es der höheren Führung nicht im Sinne lag, die Kriegshandlung weiterzuführen, so sehr der Erfolg dieses Tages dazu einladen mochte. Man brachte mehr als 8000 Italiener als Gefangene ein.
In den nächsten Tagen versuchten die Italiener die verlorenen Höhen zurückzugewinnen. Regimenter der Brigaden Pisa, Regina und
*) Brigate di Fanteria, IV, 138, 152.
Sassari sowie Bersaglieri traten in den Kampf. Das Tagebuch der
11. Armee verzeichnet, daß die mehrmals wiederholten Gegenangriffe „nur den Erfolg zeitigten, daß sich die Gefangenenzahl um weitere 2000 Mann erhöhte“. Die Kampfhandlungen der Heeresgruppe Conrad waren hiemit abgeschlossen. In den letzten Dezembertagen wurden unerläßliche Ablösungen durchgeführt.
Die im Zusammenhang mit der allgemeinen Neuordnung an der Südwestfront erfolgte Überweisung der Gruppe Krauss an FM. Conrad führte nach eingehenden Erwägungen und Aussprachen der beteiligten Führer schließlich dazu, daß die Gruppe Krauss zunächst mit den Divisionen 1, 22, 28, 55 und 60 sowie der Edelweißdivision von der Armee Below abgetrennt und vom FM. Conrad dem 11. Armeekmdo. unterstellt wurde. Die 50. ID. auf dem Tombarücken blieb in der Gruppe Scotti bei der Armee Below. Die Grenze zwischen dieser und der Heeresgruppe Conrad war noch nicht endgültig festgesetzt, als der Mt. Tomba Schauplatz neuer Kämpfe wurde.
Diesmal war es der Feind, der das schon erlöschende Feuer der Schlacht neu entfachte. Am 27. und 28. Dezember versuchten stärkere feindliche Erkundungsabteilungen auf dem Tombarücken vorzustoßen. Sie wurden abgewiesen. Am 29. lag tagsüber ununterbrochen starkes Feuer auf den Stellungen der 50. Division. Tags darauf steigerte es sich zum Vernichtungsfeuer. Unter gleichzeitigem Einsatz eines Fliegergeschwaders ging um 4h nachm. französische Infanterie tiefgestaffelt zum Angriff vor. In wechselvollem Ringen gelang es der französischen 47. Alpenjägerdivision, in die Linie der Verteidiger auf dem Mt. Tomba und bei der 715 einzubrechen. Da GdI. Below über die Lage bei der
50. ID. bis spät abends keine verläßliche Meldung erhalten konnte, befahl er, sofern es sich nur um einen örtlichen Einbruch handle, die Lage durch Gegenstoß wiederherzustellen. Andernfalls, wenn etwa ein größerer Teil unserer Stellungen verloren gegangen sein sollte, wäre von einem Gegenangriff zunächst abzusehen. Am 31. Dezember stellte es sich heraus, daß die 50. ID. stärker gelitten hatte, als angenommen worden war. Da die nächsten Reserven nicht hinreichten, um die frühere Stellung zurückzuerobern, befahl GdI. Below, die schon bereitgestellten deutschen Truppen nicht einzusetzen, sondern den Tombarücken aufzugeben. Die neue Hauptverteidigungsstellung sollte in der Linie Mt. Spi-nuccia—Uson—Südrand Quero eingerichtet werden; davor war ein Vorfeld bis an den Ornigobach festzuhalten. Die 50. ID. war sehr stark mitgenommen worden. Ihr Verlust betrug 500 Tote, 1000 Verwundete und 1600 Vermißte. Die Ablösung dieser Division war daher geboten. Indessen konnte die neue Stellung ohne besondere Schwierigkeiten bezogen werden, da die Franzosen über den Tombarücken nicht weiter vorgingen.
Diese erste Kampfhandlung französischer Truppen auf dem italienischen Kriegsschauplatz wurde damals viel besprochen. Die Franzosen wiesen auf dieses Unternehmen als ein Muster eines modernen Angriffsverfahrens hin, und gaben der Auffassung Ausdruck, daß der hier angetroffene Feind viel minderwertiger sei als jener, den sie an der französischen Front zu bekämpfen gewohnt seien. Der italienische Militärschriftsteller Gen. Caracciolo tritt dieser Auffassung entgegen und legt dar, daß die französische 47. Division ihren Erfolg in erster Linie dem außerordentlich starken Einsatz an Artillerie (450 Geschütze) zu verdanken hatte1).
Während im Dezember die geschilderten Kämpfe auf den Hochflächen der Sieben Gemeinden und im Grappagebirge sich abspielten, verharrte der Frontabschnitt am Piave im allgemeinen in Ruhe. Die Gefechtstätigkeit beschränkte sich auf einzelne kleine Unternehmen. So wurde die Anwesenheit unserer Truppen auf dem Westufer des Piave im Brückenkopf von Zenson von den Italienern unangenehm empfunden, weshalb sie wiederholt Vorstöße unternahmen, die zwar fruchtlos blieben, aber von den Verteidigern immerhin manches Opfer forderten. Als man wahrnahm, daß der Feind durch Einsatz schwerer Geschütze und Minenwerfer Größeres vorhabe, erwog man die Räumung des Brückenkopfes. Diese erfolgte denn auch am 26. Dezember. Mit Befriedigung meldeten dann die Beobachter noch durch mehrere Tage, der Feind beschieße weiterhin die verlassene Brückenkopfschanze. Etwas lebhafter ging es im Mündungsgebiet des Piave zu. Hier stand die
41. HID. auf dem Westufer des Hauptarmes, aber noch nicht unmittelbar am Sile, dem zweiten Mündungsarm. Am 9. Dezember griff die Honvéd den Feind bei Capo Sile an und warf ihn über den Fluß zurück, wobei sie etwa 200 Gefangene einbrachte. Aber am nächsten Tage setzten sich die Italiener doch wieder auf dem Ostufer fest. Das Gefecht lebte mehrmals neuerlich auf. Am 18. Dezember gelang es einem Honvédbataillon, sogar über den Sile vorzustoßen. Da es aber nicht möglich war, ihm weitere Kräfte nachzusenden, mußte es am 20. auf das Ostufer zurückgenommen werden. Nach und nach wuchs die Tätigkeit der feindlichen Artillerie an. Hier meldeten sich auch wieder die be*) C a b i a t i, La riscossa, 226 f.
rüchtigten Schiffsgeschütze, die einst an der Sdobbamündung gestanden waren und den Verteidigern der Hermada so hart zugesetzt hatten. Deshalb erging der Ruf an die k.u.k. Kriegsmarine, irgendwie an der Küste einzugreifen. Allein dazu war die Flotte aus verschiedenen Gründen, vornehmlich wegen der Minen- und Unterseebootgefahr, nicht in der Lage. Es gab hiefür eine eindringliche Warnung, als am 10. Dezember ein italienisches Unterseeboot unsere Minensperre vor Triest durchschlich und das im Hafen vor Anker liegende ältere Schlachtschiff „Wien“ versenkte.
Vor- und Nachteile der Vorrückungsstreifen
Für die eben geschilderte große Angriffshandlung, die die Heere der Mittelmächte im Herbst 1917 aus den Julischen Alpen quer durch Venetien bis an die Tore Venedigs führte, ist vor allem kennzeichnend geworden, daß sie um ein Vielfaches über den Rahmen hinauswuchs, der ihr ursprünglich gesteckt war. Nach der allerersten Absicht sollte ein kurzer Gegenstoß die Isonzofront von dem schweren Drucke befreien, der zumal im Süden seit dem Sommer auf ihr gelastet hatte. Zur Erreichung dieses Zieles konnte die Gewinnung der beherrschenden Höhen nördlich von Cividale und des Mt. Sabotino genügen; hatte man diese, dann war auch der italienische Südflügel mindestens jeglicher Bewegungsfreiheit in der Richtung auf Triest beraubt (S. 495). Aber schon bei den Vorbesprechungen veranlaßte der Aufwand an Truppen und Mittel, die jedenfalls benötigt wurden, die Generalstäbe der Verbündeten, das Ziel weiterzustecken; der Italiener „sollte über die Reichsgrenze, wenn möglich bis über den Tagliamento“ zurückgeworfen werden (S. 498). Doch auch bei diesem Ziele blieb es nicht. Der katastrophale Zusammenbruch des Feindes gab der Verfolgung einen Schwung, dem auch am Tagliamento nicht Halt geboten werden konnte. Aus einem LTnternehmen, das, an der Ausdehnung des großen Kriegsgeschehens gemessen, nach den ursprünglichen Absichten nur eine größere Stellungsberichtigung geworden wäre, wurde so in nicht ganz vier Wochen eine Angriffshandlung von gewaltiger Ausdehnung, eine der größten und erfolgreichsten Offensiven in der Geschichte des Weltkrieges.
Der erste Akt dieser weitgreifenden Kriegshandlung war der Durchbruch bei Flitsch und Tolmein. Die Wahl des einspringenden Winkels der Front als Durchbruchstelle hatte sich schon bei Gorlice (1915), am Szurdukpaß (1916) und bei Zalośce (1917) gelohnt. Sie erwies sich auch hier als überaus zweckmäßig. Im Gegensatz zu Angriffen aus einer geraden oder einer ausspringenden Front führt der Vorstoß aus einem einspringenden Winkel zu Beginn der Kampfhandlung zu einer Verkürzung der Front. Den so wichtigen Flankenschutz kann der Stoßkeil fürs erste unbekümmert den noch stehenden Frontteilen überlassen. In weiterer Folge wird er von Truppen besorgt, die wegen der Frontverkürzung aus der eigenen ersten Linie verdrängt worden sind1). Alle diese Vorteile waren auch beim Durchbruch der Verbündeten am oberen Isonzo fühlbar. Das Unternehmen wurde mit größter Gewissenhaftigkeit vorbereitet. Die Truppe stürmte mit einem unvergleichlichen Schwung in das italienische Stellungsnetz hinein. Regnerisches und nebeliges Wetter erleichterten in den ersten Kampfstunden das Vordringen in den Haupttälem. Die Angreifer standen in den entscheidenden Räumen bereits tief im Feinde, als dieser, obgleich durch Verräter gewarnt, des über ihn hereingebrochenen Unglücks erst gewahr wurde. Nach kaum 36 Stunden unaufhörlichen Kämpfens und Marschierern waren die wichtigsten Stützpunkte des italienischen Stellungsnetzes, der Stol, der Mt. Matajur, die Höhen Ježa und Globočak, genommen. Am vierten Schlachttage gewann die Armee Otto Below bei Cividale die Ebene, und das Erscheinen von Kaiserjägern auf dem Montemaggiore gab Cadorna den letzten Anstoß, seine Stellungen am Isonzo endgültig aufzugeben und den schon vorbereiteten Rückmarsch hinter den Tagliamento antreten zu lassen. Damit schlug auch den Karstkämpfern die Stunde der Erlösung aus dem opferreichen Stellungskampf zweier Jahre. Am 28. wurde auf dem Kastell des wiedereroberten Görz die schwarzgelbe Fahne hochgezogen.
Auf Seite der Verbündeten war für die Fortführung der Angriffsbewegung jedem Heereskörper ein Vorrückungsstreifen mit entsprechend weitgestecktem Ziele vorgezeichnet worden. Diese schon erprobte Maßnahme hatte sich zunächst auch diesmal bewährt. Bei dem raschen Vordringen der Angriffstruppen und dem oftmaligen Abreißen jeglicher Verbindung zu den höheren Befehlsstellen wäre es häufig unmöglich gewesen, die unterstehenden Heereskörper rechtzeitig mit Weisungen zu versorgen. Allerdings sollten bei der Hast, mit der die Ereignisse x) Kiszling, Der strategische Durchbruch, 81 ff.
abliefen, auch die Nachteile einer solch vereinfachten Befehlgebung nicht ausbleiben.
Als der 29. Oktober zur Neige ging, hatten sich die Anfänge der 14. Armee, über Udine himvegstürmend, aufwärts von Codroipo bereits dem Tagliamento genähert, während die Heeresgruppe Boroevic um diese Zeit erst die Reichsgrenze südlich von Cormons zu überschreiten begann. Die 2. Armee der Italiener war vor den Heersäulen der Verbündeten zertrümmert gegen den Tagliamento gewichen, indes weiter südlich ihre 3. Armee auf ihrem Rückzuge von Görz und vom Karst noch weit gegen Osten zurückhing. Gewaltige Massen der Italiener waren sonach südlich der Linie Codroipo—Cormons von den Verbündeten überflügelt!
Die in die Augen springenden Erfolgsmöglichkeiten, die sich aus dieser Lage ergaben, wurden von den feindnahen Korps- und Divisionsführern und auch von dem seinen Truppen an den Fersen bleibenden Armeekommando Below rasch erkannt. Am 30. Oktober schickten sich zunächst fünf Divisionen der Gruppen Hofacker und Scotti zu einem Vorstoß gegen Codroipo und Latisana an, bei dessen Gelingen Teile der italienischen 2. und die Masse der 3. Armee abgeschnitten werden konnten. Hofackers Württemberger nahmen Codroipo und legten die Hand auf die allerdings zerstörten Brücken westlich dieses Ortes. Die zahlreichen, auf diese Übergänge gewiesenen italienischen Truppenteile mußten nach Südwesten abbiegen, wo ihnen außer den Brücken von Latisana noch eine bei Madrisio — den Verbündeten allerdings unbekannt — zur Verfügung stand.
Das gleichzeitige Vordringen der drei Divisionen Scottis gegen Latisana wurde an diesem Tage jedoch schon erheblich vom System der „Gefechtsstreifen“ in Mitleidenschaft gezogen. Das Erscheinen des zur
2. Isonzoarmee gehörenden II. Korps, GdI. Kaiser, in ihrem Vorrückungsraum veranlaßte Below noch am 30., diesen Divisionen, die von Udine in stark südlicher Richtung vorzustoßen gehabt hätten, eine mehr südwestliche Stoßrichtung zuzuweisen (S. 583); dadurch wurde der Druck, den sie auf die Nordflanke der dem unteren Tagliamento zuströmenden Italiener auszuüben vermochten, merklich geringer. Allerdings waren die eben erwähnten Maßnahmen Belows wohl auch noch durch ein zweites beeinflußt: durch den von ihm gleichfalls am 30. zunächst noch ohne Zustimmung der Heeresleitungen gefaßten Entschluß, die Offensive möglichst bald über den Tagliamento hinauszutragen.
Als nun aber am 30. abends von den Kampffeldern südwestlich von Udine bereits 60.000 Gefangene und eine Unmenge von Beute gemeldet wurden, und überdies ein Fernspruch der DOHL. auf die Erfolgsmöglichkeiten bei Latisana hinwies, kehrte GdI. Below doch wieder teilweise zu seinen ersten Absichten zurück. Die zwei Divisionen Hofackers sollten zwar bereits, ähnlich wie weiter nördlich seit dem 30. die Gruppen Stein und Krauss, mit der Bezwingung des Tagliamento befaßt sein. Dafür gesellte sich den wieder auf Latisana gewiesenen Divisionen Scottis links wertvolle Bundesgenossenschaft bei. Der Führer der k.u.k. 60. ID., FML. Ludwig Goiginger, hatte aus eigenem Entschluß den Befehl über drei weitere, bei Pozzuolo eingelangte Divisionen ergriffen und schloß sich dem Unternehmen Scottis an, freilich auch schon mit weniger gegen Latisana, als weit darüber hinaus gerichtetem Blick; denn er wollte über den Tagliamento in der Richtung Treviso vorstoßen. Die stark ermüdete Gruppe Scotti kam im Sinne des Flankenstoßes nur teilweise zur Geltung. Goiginger erreichte hingegen mit seiner 60. Division am 31. abends die nur an ihrem Westteil abgebrochene Brücke von Madrisio und vermochte diese in der Nacht bis auf ein Feld von 30 m Länge wiederherstellen zu lassen — als ihn am 1. November früh der strikte Befehl der Heeresgruppe zum Abrücken gegen Codroipo ereilte.
Diese gewiß überraschende Maßnahme ist ausschließlich der völligen Unkenntnis zuzuschreiben, die in dem weit zurückgebliebenen Hauptquartier des Heeresgruppenkommandos über die Verhältnisse bei Madrisio herrschte. Wohl aber hätte FML. Goiginger, einer der erfolgreichsten Truppenführer des öst.-ung. Heeres, die Reihe seiner Waffentaten um eine besonders glänzende vermehren können, wenn er in jenem Augenblick den auf unzulänglichen Voraussetzungen beruhenden Befehl seines Oberkommandierenden nicht befolgt hätte, sondern seinem Entschlüsse treugeblieben wäre. Er hätte entweder durch einen Südmarsch auf dem rechten Flußufer den Übergang von Latisana völlig abzuriegeln vermocht oder die Spitze einer starken Angriffsgruppe bilden können, deren Aufgabe es gewesen wäre, den nördlich von
S. Vito al Tagliamento über den Fluß weichenden italienischen Korps den Weg an den Piave zu verlegen. Unter allen Umständen wäre der Übergang über den Tagliamento schon am 1. November geöffnet gewesen. Die Ursache für die bei Madrisio erfolgte Unterlassung des Flußüberganges ist nicht zum geringsten Teile darauf zurückzuführen, daß es das Kommando der Südwestfront und das Heeresgruppenkommando Boroevic verabsäumt hatten, rechtzeitig auf die Wichtigkeit hinzuweisen, „irgendwo über den Tagliamento zu kommen“1).
1) FML. Konopicky an das Kriegsarchiv, Wien, 2. Mai 1936.
Derlei Betrachtung, in einem wissenschaftlichen Werke sicherlich nicht unangebracht, kann den bei Codroipo und Latisana trotz mancher Reibungen errungenen Sieg gewiß nicht verkleinern. Mit Recht schloß der öst.-ung. Generalstabsbericht am 1. November seinen Rückblick auf die Ereignisse mit den Worten:
,,. .. Solcherart hat die zwölfte Isonzoschlacht in achttägiger Dauer zu einem über alles Maß glänzenden Erfolg geführt. Die österreichischen Küstenlande sind befreit, weite Strecken venetianischen Bodens liegen hinter den Fronten der Verbündeten. Der Feind hat in einer Woche über 180.000 Mann an Gefangenen und 1500 Geschütze eingebüßt . .. .“
Die Wieder Verlegung des Schwergewichtes auf den
Nordflügel
Das Kommando der Südwestfront hatte einem Südstoß gegen Latisana und einer hiebei möglichen Gefangennahme noch einiger tausend Italiener keine besondere Bedeutung beigemessen. Ihm erschien es •— wie oben erwähnt — wohl besonders wichtig, an irgendeinem Punkt das westliche Tagliamentoufer zu erreichen, um dort einen neuen großen Erfolg zu erringen1), hatte aber unterlassen, dies rechtzeitig zu befehlen. Es begrüßte daher in freudiger Überzeugung das Vorhaben Belows, die Offensive entgegen den noch geltenden Befehlen über den Tagliamento fortzuführen (S. 563). Vornehmlich dem Einflüsse des Erzherzogs war es zu danken, daß sich nun auch GdI. Arz, der sich ursprünglich mit den Ende Oktober erzielten Erfolgen zufrieden geben wollte, gleichfalls für die Fortführung des Angriffes aussprach und am 2. November im Aufträge des Kaisers die entsprechenden Weisungen erließ (S. 602). Hiebei war daran gedacht, den südlichen Heeresflügel, der bis zum Piave den kürzesten Weg zurückzulegen hatte, möglichst stark zu halten. Er sollte dadurch befähigt sein, nach Überschreiten dieses Flusses in nordwestlicher Richtung vorzustoßen. Hiedurch hätte es möglich werden können, nicht nur große Teile der 3. und der 2., sondern auch der noch im Gebirge steckenden 4. Armee der Italiener abzuschneiden.
Inzwischen hatten aber die nachgeordneten Befehlsstellen am Tagliamento die Entwicklung schon in anderer Richtung festgelegt. GO. Boroevic hatte darauf gedrungen, den beiden Isonzoarmeen die ihnen zugewiesenen Gefechtsstreifen zurückzugewinnen. Das Kommando der rj FML. Konopicky an das Kriegsarchiv, Wien, 30. März 1936.
Südwestfront glaubte, unnötige Truppenverschiebungen an der Front am besten dadurch zu vermeiden, daß es die in den Bewegungsraum der Heeresgruppe Boroevic abgeschwenkten Heereskörper der 14. Armee dem GO. Boroevic unterstellen und der Armee Below dafür nachrückende Divisionen der Heeresgruppe zuweisen wollte (S. 588). Diese Absicht stieß aber beim deutschen Armeeführer auf Gegenvorstellungen, und so geschah es, daß die gegen Madrisio angesetzten Divisionen der Gruppen Hofacker und Scotti und auch die der knapp vor dem Übergang stehenden Gruppe Goiginger — im Gegensatz zur 1. Isonzoarmee durchaus mit ausreichenden Bespannungen ausgestattet und daher für einen raschen Vorstoß viel eher geeignet — schon wieder flußaufwärts abgerückt waren, ehe der Heeresbefehl vom 2. November einlangte, der ein weiteres Vordringen mit stark gehaltenem Südflügel forderte (S. 602). Unterdessen hatte am Abend dieses Tages die Division Schwarzenberg bei Cornino eben den ersten Fuß auf das westliche Tagliamento-ufer gesetzt und so die Flußbezwingung eingeleitet. Das Kommando der Südwestfront konnte daher am 3. November mit Berechtigung auf den am Vorabend eingelangten Heeresbefehl die Bemerkung setzen: „Momentan gegenstandslos. . . die Verhältnisse zwingen vorläufig, das Schwergewicht auf den nördlichen Flügel zu verlegen.“ Auch die Heeresleitung beschied sich1). Die Heeresgruppe Boroevic wurde zwar am 3. noch zur Verstärkung des Südflügels verhalten; es kam aber weder am Tagliamento noch auch am Piave bei der 1. Isonzoarmee zu einer merkbaren Zusammenfassung der Kräfte. Wie sehr dennoch ein starker Südflügel bedeutende Erfolge zu erringen vermocht hätte, bewiesen das Gelingen des Übergangs der 44. SchD. bei Zenson und der Raumgewinn der 41. HID. im Mündungsgebiet des Piave. Ein italienischer Kriegshistoriker steht nicht an, zu wähnen, daß ein starker Südflügel der 1. Isonzoarmee ohne sonderlichen Aufenthalt die von ungefähr zusammengerafften italienischen Küstenschutzabteilungen überrennen und bis Venedig, dessen militärische Räumung anfangs November bereits eingeleitet war, Vordringen hätte können2).
x) Im Gegensatz zum Kaiser und zum Generalstabschef war der Stellvertreter des Zweitgenannten, GM. Waldstätten, vom Anbeginn der Auffassung, daß das Schwergewicht wieder auf den rechten Flügel der Armee Below zu verlegen sei (GM. Waldstätten an das Kriegsarchiv, 27. März 1936). Für eine solche Kräftegruppierung sprach sicherlich die Tatsache, daß die zahlreichen zu überschreitenden Wasserlinien zunächst dem Gebirgsausgang leichter zu überqueren sind als in dem erheblich breiteren Unterlauf.
2) Valori, La guerra italo-austriaca 1915 — 1918 (Bologna 1920), 397.
Zwischen dem 1. November, an dem FML. Goiginger von Madrisio abberufen wurde, und dem 4., an dem sich der Druck der bei Cornino und Pinzano aufs rechte Tagliamentoufer gesetzten Kräfte der 14. Armee erst fühlbar machen konnte, war überdies eine für den feindlichen Feldherrn sehr wertvolle Spanne Zeit verlaufen. Cadorna benützte sie, den weiteren Rückzug hinter den Piave und auf den Grappastock in die Wege zu leiten. Dieser Rückzug ging denn auch im wesentlichen planmäßig und, abgesehen von der Einkreisung zweier Divisionen bei Tramonti (S. 621 f.), ohne größere Einbußen vonstatten. Die drei Tage später erfolgte Gefangennahme von 10.000 Mann bei Longarone ist auf das Schuldkonto des Kommandos der italienischen 4. Armee zu setzen.
Bei den in der Verfolgung begriffenen Verbündeten lag das Schwergewicht jetzt) wieder auf dem Nordflügel der 14. Armee. Dieser hatte teilweise über die Randberge der Venetianer Alpen, teils ihren Fuß entlang vorzurücken. Er mußte im Vergleich zur 1. Isonzoarmee einen erheblich längeren und schwierigeren Weg bewältigen und daher trotz erstaunenswürdiger Marschleistungen und kühner Waffentaten später als jene am Piave eintreffen. Nach dem Erreichen von Vittorio und Longarone gelangte er in den Raum, in welchem sich der Piave und die Brenta am stärksten nähern und in engen, zum Teil schluchtartigen Tälern den Weg in die Ebene bahnen. Hier war es, wo der rechte Flügel der Armeen des Erzherzogs Eugen, die auf dessen Befehl mindestens noch bis an die Brenta vorzurücken hatten, mit dem linken Flügel der Heeresgruppe Conrad in Tuchfühlung trat.
Das Zusammenwirken der Süd Westfront mit der Heeresgruppe Conrad
FM. Conrad hatte sehr früh mit den Vorbereitungen zur Mitwirkung an der großen Offensive begonnen. Er ballte alle an der Dolo-mitenfront irgendwie entbehrlichen Kräfte und die zwei, allerdings recht schwachen Divisionen, die von der Isonzofront herangeführt wurden (21. SchD. und 106. LstlD.), auf dem Hochland der Sieben Gemeinden zusammen, um nach Beendigung der Bereitstellung von Asiago gegen Valstagna, demnach in geradewegs östlicher Richtung vorzustoßen. Dieser Plan entsprang der Hoffnung, daß es möglich sein werde, den noch in den Dolomiten steckenden Italienern den Rückweg durch die Brentaschlucht zu verlegen.
Der Rückzug der Italiener ging aber rascher vonstatten, als es Conrad erwartet hatte. Dieser nahm nun auch eine zweite Angriffsrichtung in Aussicht: südöstlich über den Mt. Bertiaga gegen Bassano. Andere Stoßrichtungen wären die über Arsiero oder — wie es Hinden-burg vorgeschlagen hatte — den Gardasee entlang gewesen. Gelegentlich dachte Conrad sogar, und zwar für den Fall, als sich der weichende Gegner erst in der Linie Verona—Venedig stellte, an einen Durchbruch in den Judicarien. In jeder der drei letztgenannten Möglichkeiten hätte aber eine noch festgefügte Abwehrfront des Feindes durchstoßen werden müssen, wozu weder die Streitkräfte noch die Kampfmittel Conrads ausreichten; auch ein Eingreifen der heranrollenden deutschen 195. ID. hätte daran kaum etwas geändert. Auf jeden Fall legte der Feldmarschall besonderes Gewicht darauf, mit seinen verhältnismäßig schwachen Kräften in Anlehnung an den Flügel der Truppen des Erzherzog Eugen anzugreifen und damit offenbar den Schwung, der diesen Truppen noch innewohnte, auch für sein eigenes Vorgehen auszunützen.
Die k.u.k. Heeresleitung hatte den Absichten Conrads eine vergleichsweise nicht allzu große Aufmerksamkeit geschenkt. Sie beschränkte sich darauf, die Kommandos in Marburg und in Bozen von den bestehenden Plänen wechselseitig zu unterrichten und setzte den Erzherzog Eugen am 9. November noch dahin in Kenntnis, daß zur Unterstützung des von Conrad für den 12. in Aussicht genommenen Angriffes ein „möglichst gleichzeitiger, kräftiger Druck im Raume zwischen Brenta und Piave erwünscht“ sei.
Die italienische 1. Armee wich mit ihrem Ostflügel aber noch vor dem 12. November zurück und vermochte sich ziemlich unangefochten auf dem Melettastock festzusetzen. Die wider dieses Bollwerk Mitte November unter dem Befehl Conrads geführten Angriffe mißglückten, und auch das Vorgehen der Gruppe Krauss im Grappagebiete erlahmte (S. 695), bevor der Austritt in die Ebene erzwungen war. Ebenso scheiterten am 15. und am 16. die Übergangsversuche, die am Piave unternommen wurden.
In rückschauender Erkenntnis darf man sagen, daß es in dieser letzten Feldzugsphase geboten gewesen wäre, alle rasch erlangbaren Kräfte eiligst in den Raum zwischen Piave und Brenta zu werfen und hier in der von der Heeresleitung gewünschten Entschiedenheit durchzubrechen, ehe der Widerstand des Feindes erstarkte. Außer den in diesem Raume schon angesetzten Truppen wären noch die 9. und die
1. GbBrig. der 11. Armee und die später ohnehin zur Gruppe Krauss tretende 94. ID. der 10. Armee entsprechend früh zuzuweisen gewesen. War in weiterer Folge durch die Aufriegelung des Piaveschrankens der Weg bis zur Brenta frei, dann konnte man gegebenenfalls alle im Befehlsbereich des Erzherzogs Eugen entbehrlich gewordenen Kräfte der Heeresgruppe Conrad überweisen, die dann auch die Brentafront durch einen Flankenangriff aus den Angeln heben mochte. Durch solch abschnittweises Vorgehen, das der Heeresleitung bei der am 13. November verfügten Verschiebung von drei Divisionen der Heeresreserve nach Feltre vielleicht vorgeschwebt war, hätte man, einen nicht allzu zeitigen Einbruch des Winters in den Bergen vorausgesetzt, möglicherweise noch bis an die Etsch gelangen können.
Nachdem der Versuch, die italienische Grappastellung im Schwünge der Verfolgung zu überrennen, mißglückt war, lohnte sich eine Wiederholung wohl kaum mehr, da das Gelände einen großzügigen Artillerie-aufmarsch außerordentlich erschwerte und auch der Nachschub sehr im Argen lag. Das hatten die schweren Kämpfe, die im Dezember bloß um einer Stellungsverbesserung willen entbrannt waren (S. 695), mit aller Deutlichkeit erwiesen. Für eine planmäßig angelegte Durchbruchsschlacht hätte sich dann wohl der Raum der 11. Armee, in den die Suganertalbahn und vortreffliche Anmarschstraßen führten, besser geeignet. Selbstverständlich wäre ein solches Unternehmen, wenn es auch die Piavefront des Feindes zum Einsturz bringen sollte, mit erheblich stärkeren Kräften durchzuführen gewesen, als sie FM. Conrad unter seinem Befehl hatte. In diesem Zusammenhang ist überhaupt die Frage zu streifen, inwieweit es möglich gewesen wäre, die Stoßgruppe Conrads von Friaul und Venetien her stärker mit Truppen zu bedenken, als es in Wirklichkeit geschah. Nach fachmännischer Berechnungx) wäre es durchführbar gewesen, bis Ende November zugleich mit der deutschen 195. ID. noch zwei Divisionen vom Isonzo mit der Bahn zur 11. Armee zu befördern. Auch hätten Kräfte auf der Rochadestraße von Vittorio über Belluno, Feltre und Primolano in Fußmärschen in das Suganertal verschoben werden können, so sie nicht auf dem Wege dahin, wie es in der Tat geschah, anderen Zwecken (Ablösungen u. dgl.) dienstbar gemacht wurden. Grundsätzlich ist wohl zu bemerken, daß auch ein mit stärkeren Kräften unternommener Angriff auf dem Hochland der Sieben Gemeinden kein leichtes Spiel gehabt hätte. Dafür sprechen die Erfahrungen aus der Maioffensive des Jahres 1916. Nicht minder lassen der am 22. November beim Angriff gegen die Meletta eingetretene Miß-x) General Ing. Ratzenhofer an das Kriegsarchiv, Wien, 3. April 1936.
erfolg (S. 672) sowie die gewaltigen Anstrengungen, die die Wegnahme dieses Gebirgsstockes am 4. und 5. Dezember forderten (S. 685 f.), die Schwierigkeiten ermessen, die ein in die Tiefe greifender Durchbruch in dem verkarsteten Waldgebirge südlich von Asiago zu überwinden gehabt hätte. Die .Anlage einer solchen neuen Durchbruchsschlacht, so-ferne sie der hereinbrechende Winter überhaupt gestattet haben würde, hätte aber sicherlich wochenlanger Vorbereitungen bedurft.
Wie immer man sich im übrigen zu solchen Möglichkeiten stellen mag, so drängt sich doch wohl die Erkenntnis auf, daß die Tätigkeit der obersten Leitung der Kriegshandlung zumal in diesen entscheidenden Tagen und da wieder namentlich an der Nahtstelle zwischen den Truppen des Erzherzogs Eugen und des FM. Conrad die geboten gewesene Regelung des Zusammenwirkens der einzelnen Heeresteile vermissen ließ. Ungenügende Kenntnis über die Vorgänge an den Brennpunkten der Kämpfe hatte dem k.u.k. AOK. eine solche Regelung allerdings auch sehr erschwert. Rückschauende Betrachtung kommt an der Tatsache freilich nicht vorbei, daß Truppe und mittlere Führung auf dem großen Siegeszug vom Isonzo zum Piave die glanzvollsten Leistungen vollbrachten, daß jedoch in der Tätigkeit der hohen und höchsten Führung zweifellos die eine oder die andere Lücke wahrzunehmen ist. Von den vor Beginn der Offensive an der Isonzofront befehligenden Armeekommandos war es lediglich das deutsche 14., das seinen Divisionen ungesäumt an den Fersen blieb und auch die Fühlung mit den vordersten Truppen fast nie verlor. Dieses schon vor Riga erprobte Kommando bewährte sich denn auch weiterhin über den von Kreuznach gesteckten Rahmen hinaus als der treibende Geist. Dagegen vermochten sich die Kommandos der Isonzoarmeen und der Heeresgruppe Boroevic
— gewiß eine Folge des zweieinhalb Jahre dauernden, von ihnen hervorragend geleiteten Stellungskrieges — zu Beginn der Offensive nur schwer von der gewohnten Arbeitsstätte und von der eingelebten Arbeitsweise zu trennen. Das Abreißen der Verbindung zu den vorstürmenden Truppen in wichtigen Augenblicken war die unvermeidliche Folge ]). Auch die Einrichtung der obersten Leitung entsprach nicht allen Bedingungen. Daß es den kaiserlichen Oberbefehlshaber zu den kämpfenden
!) In einem später an das k.u.k. AOK. gelangten Bericht des Feldtelegraphenchefs wurde geltend gemacht, daß den Telegraphenbauabteilungen durch die „Austauschaktion“ alle felddiensttauglichen Leute entzogen worden seien. Die als Ersatz eingestellten mindertauglichen Landstürmer seien beim Vormarsch den Anforderungen eines beschleunigten Vorbaues von Leitungen körperlich nicht gewachsen gewesen.
Truppen drängte, entsprach seinem soldatischen Denken und wohl auch dem Wunsche, aus der Stickluft der politischen Sorgen in die reinere Atmosphäre der Armee zu flüchten. Die Sorglosigkeit, mit der er dabei auch Gefahren nicht aus dem Wege ging, zeugte für die oftbewährte Unerschrockenheit des jugendlichen Herrschers. W.ohl aber war es kaum zweckmäßig, daß auch der Generalstabschef den Obersten Kriegsherrn grundsätzlich auf allen seinen Frontfahrten begleitete, indes der Arbeitsapparat in Baden bei Wien fernab seinen Pflichten oblag. Da GdI. Arz auf solche Weise als Begleiter des Kaisers tagsüber fast unablässig den Standort wechselte, und die Verbindung zwischen Baden und dem im Küstenland zurückgebliebenen Hofzug fast nur in den Abendstunden und zur Nachtzeit erfolgreich wirken konnte, kam es vor, daß sich dringende Entscheidungen um halbe und ganze Tage verzögerten, und daß die darauf fußende Befehlsgebung sehr oft vom ungestümen Fluß der Geschehnisse überholt wurde. Gewiß hatte der Generalstabschef auch für sein stetes Verbleiben in der Umgebung des Kaisers triftige Gründe. Aber ihr Gewicht wurde doch zweifellos von den Nachteilen überwogen, die daraus für die Führung der einander hastig folgenden Kriegshandlungen erwuchsen.
Die Einstellung der Offensive und ihr Ergebnis
In der Literatur ist auch mehrfach die Frage behandelt worden, ob es durch eine Fortführung der Offensive möglich gewesen wäre, den Italiener völlig in die Knie zu zwingen1). Hiezu ist vor allem zu sagen, daß die Angriffsbewegung schon wegen der in Oberitalien eingetroffenen französischen und englischen Divisionen, die damals in Kreuznach und Baden auf mindestens zwölf geschätzt wurden, nicht ohne erhebliche Verstärkung der eigenen Kräfte fortzuführen gewesen wäre. Da um diese Zeit alle im Osten stehenden öst.-ung. Divisionen eingesetzt oder in der Ablösung deutscher Heereskörper begriffen waren, hätte diese Verstärkung nur aus deutschen Divisionen bestehen können. Mit ihnen hätte sich dann möglicherweise eine völlige Niederwerfung Italiens erzielen lassen.
Aber die DOHL. war längst daran, die für das nächste Frühjahr geplante große Entscheidungsoffensive vorzubereiten, zu der auch der letzte, irgendwie entbehrliche Mann herangezogen werden sollte2).
!) Krauss, Ursachen, 220. — K u h 1, II, 219.
2) Ludendorff, 432 ff.
GdI. Ludendorff hatte bereits am 3.November in Baden seinen Offensivplan angekündigt und damals schon den Piave als das anstrebenswerte Ziel in Venetien bezeichnet. Als dieser Fluß erreicht war, zeigten die deutschen Heereskörper, deren Befehlshaber von den Ansichten der obersten Führung wohl schon wußten, im Gegensatz zu früher keine sonderliche Neigung mehr, den Angriff noch vorwärtszutragen. Schließlich war es denn auch das 14. Armeekmdo., das den Antrag zur Beendigung der Kriegshandlung stellte.
Damit war der große Feldzug zu einem, aus dem Blickfeld der höchsten Kriegführung gesehen, nicht vollauf befriedigenden Abschluß gelangt1). Er war mit einem vergleichsweise außerordentlich begrenzten Ziele aufgenommen worden und in kurzer Zeit weit über diesen Rahmen hinaus gediehen. Die ursprüngliche Zielsetzung hatte vielleicht zur Folge, daß der nun einmal allein vollen Erfolg verheißende Vernichtungsgedanke auch im weiteren Verlauf der Kriegshandlung nie zu völliger Geltung kam. Die italienische 2. Armee wurde durch den Durchbruch von Flitsch-Tolmein zerschlagen. Die 3. Armee wäre bei Latisana ins Mark zu treffen gewesen. Durch einen Vorstoß über Madrisio gegen Nordwesten hätten die Reste der 2. und die Masse der zu lange im Gebirge verbliebenen 4. Armee abgeschnitten werden können. Diese sicherlich gegebenen Möglichkeiten blieben ungenützt. Es wurden wunderbare Leistungen im Kampfe um Stellungen, um Berge und Flußlinien und auch im Marschieren durch Tag und Nacht vollbracht; aber das große Manöver kam dabei wohl in bedeutsamen Augenblicken zu kurz. Das feindliche Heer entging der Vernichtung, der es mehr als je ausgesetzt war.
Vergleicht man jedoch die Hochspannung, die im Sommer 1917 am Isonzo geherrscht hatte und von einer Stunde zur anderen zu einer Katastrophe hätte führen können, mit dem im November auf der italienischen Walstatt Erreichten, so kann man den verbündeten Heeresleitungen das Recht zubilligen, daß sie am Schlüsse des Feldzuges mit dem Erfolge zufrieden waren. In stolzem Wettstreit, der sich bei gemeinsamem Vorgehen stets fühlbar gemacht hatte, waren die Truppen der verbündeten Mittelmächte vom Isonzo an den Piave vorgestürmt. Sie durcheilten in siebzehn Tagen einen 120 km tiefen Raum, mußten dabei immer wieder stark befestigte Bergstellungen oder Hochwasser führende, vom Feinde gehaltene Flußlinien bezwingen. Die weit geschwungene Front vom Astico bis zur Adria bei Monfalcone hatte Hindenburg, 263.
384km betragen; von Mitte November an zählte sie nur mehr 140km und hatte sich also fast auf ein Drittel verkürzt. Die Front in Venetien lag hinter einem starken, übersichtlichen Flußhindernis. Die neugewonnenen Gebirgsstellungen zwischen Asiago und dem Piaveknie bei Quero waren wohl unbequem, aber doch gewiß zu behaupten. Die Frontverkürzung machte das Herausziehen der deutschen Divisionen leicht, die nach dem Auftreten von Ententestreitkräften in Oberitalien mit dem stolzen Bewußtsein abziehen konnten, auch ihrer Westfront mittelbar Erleichterung gebracht zu haben. Sie gestattete aber auch das Ausscheiden zahlreicher Verfügungstruppen, die in Erholungsquartieren rasten konnten. Der Nachschub an die Front in der Ebene war nach Betriebsaufnahme auf dem ganzen Netz der Heeresbahn Süd-West gesichert (S. 643). Überdies gestattete das reiche Straßennetz nach Wiederherstellung der Brücken die volle Ausnützung des mechanischen Zuges. Der Nachschub an die Gebirgsfront zwischen Brenta und Piave war dagegen schwierig und blieb stets unzulänglich. Um das Vollbahnstück im oberen Piavetal zwischen Vigo und Feltre für den Nachschub auszunützen, wurde eine von Niederdorf ausgehende, im Höhlen stein tale führende Feldbahn über Schluderbach hinaus vorgebaut, die südlich von Cortina d’Ampezzo an eine italienische Schmalspurbahn und später an einen Seilaufzug anschloß, daher nur geringes leisten konnte. Der Hauptnachschub mußte von Vittorio nordwärts über S. Croce nach Ponte nelle Alpi zur Bahn vorgebracht werden, um dann aus dem Becken Feltre—Fonzaso mit Tragtieren und Trägem zur Hochgebirgsfront zu gelangen.
Die Größe des erfochtenen Sieges offenbarte sich in nichts deutlicher als in den Einbußen, die der Feind erlitten hatte. In der Zeit vom 24. Oktober bis zum 10. November hatte er 10.000 Mann durch Tod, 30.000 durch Verwundung und 293.000 durch Gefangennahme verloren. An die 350.000 Flüchtlinge und Versprengte füllten die Etappe und das Hinterland. Der Gesamtabgang an Kämpfern hat demnach fürs erste 700.000 Mann betragen. Bis zum 20. November stieg diese Zahl, wenn man die Kranken dazurechnet, nach amtlichen italienischen Quellen auf 800.000 1).
Diese gewaltigen Verluste bedingten naturgemäß auch eine Verringerung der Zahl der Heeresverbände. Bis zum 24. November wurden 22 Infanteriebrigaden, 3 Bersaglieriregimenter, 3 selbständige Bersaglieri-bataillone, 15 Alpinibataillone sowie zahlreiche Maschinengewehrkompagnien und Batterien aufgelöst. Der Verlust an Artilleriegerät betrug
1) Bericht der Untersuchungskommission, I, 373 f.
3150 Geschütze und 1732 Minenwerfer; rund 7000 Geschütze und 2400 Minenwerfer hatte das italienische Heer zu anfang Oktober 1917 besessen1). Überdies gingen 300.000 Gewehre, 3000 Maschinengewehre und 2000 Maschinenpistolen verloren.
Gewaltig waren die Vorräte an Verpflegung, Bekleidung, Sanitätsmaterial usw., die den Verbündeten auf ihrem Vormarsche in die Hände fielen. Die Soldaten der Mittelmächte, längst auf die schmälste Kost gesetzt, konnten plötzlich, wenn auch nur für kurze Zeit, wieder aus dem Vollen schöpfen, und die eine oder andere Lebensmittelsendung erreichte auch die Hungernden in der Heimat. Zum Schaden der Armee war bei den eng umgrenzten Kampfzielen zu Beginn des Feldzuges auch der Beutedienst nur unvollkommen organisiert, so daß ziemliche Mengen an Vorräten ungenützt zugrunde gingen.
Die Verluste der Verbündeten sind nicht genau zu erfassen. Die Heeresgruppe Boroevic meldete vom 24. Oktober bis zum 1. Dezember einen Abgang von 2353 Mann durch Tod und 12.343 durch Verwundung; 5709 Mann galten als vermißt2). Der Stand der bei der 14. Armee eingeteilten öst.-ung. Divisionen (die vordem zur 10. Armee gehörende 94. ID. miteinbezogen) verminderte sich in der gleichen Zeit um 16.400 Mann. Da die deutschen Divisionen an Streiterzahl etwas schwächer waren, können ihre Abgänge auf 15.000 Mann beziffert werden. In den Verlustmeldungen der Heeresgruppe Conrad sind für die Zeit vom 10. bis 24. November 878 Tote, 6614 Verwundete, 6962 Kranke und 599 Vermißte ausgewiesen. Die Gesamtverluste der Verbündeten mögen sich in den fünf entscheidenden Feldzugswochen daher auf 70.000 Mann belaufen haben3).
Die Offensive der Verbündeten war vor der von Cadorna gewählten Verteidigungslinie zum Stillstand gekommen. Gerechtes Urteil wird dem Chef des italienischen Generalstabes zubilligen, daß er nach dem jähen Zusammenbruch der 2. Armee von sich aus alles getan hat, das Heer in seiner Gesamtheit vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren, und daß in diesem Zusammenhang seine Entschlußfassung und seine Befehlgebung durchaus ihren Zwecken entsprachen. Als er die
J) Bericht der Untersuchungskommission, II, Tafel 14. — Rivista di Artiglieria e Genio, Jhrg. 1933, Oktoberheft. — Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 82.
2) Hiebei sind die Verluste der noch während der Operationen an die Ostfront entsandten 43. SchĘ). und der 187. LstlBrig. nicht mitinbegriffen.
3) Über die Verluste der nach Tirol verschobenen Teile der 10. Armee liegen keine Meldungen vor.
Befehlsgewalt an seinen Nachfolger übergab, waren die grundlegenden Anordnungen für die Wahl der neuen Abwehrlinie bereits erlassen. Die Verkürzung der Kampffront kam hiebei natürlich auch dem italienischen Heere zustatten. Es konnte den Ausfall der 2. Armee verschmerzen und fand, wenn auch durch die Aussicht auf die Hilfe der Alliierten moralisch gestützt, dennoch aus sich selbst heraus die Kraft, den verfolgenden Gegnern Halt zu gebieten.
Die italienische Heeresleitung war überdies bemüht, die ungewöhnlich hohen Verluste möglichst rasch zu decken. Am 24. November waren bereits 170.000 Ersatzmänner, 50.000 Genesene und 80.000 Urlauber an die Front gesandt worden; gleiches geschah mit 300.000 Versprengten und Fahnenflüchtigen, die vorerst in Sammellagem vereinigt wurden. Die gelichteten Verbände konnten somit noch im Jahre 1917 mit insgesamt 600.000 Mann auf gefüllt werden1). Für den Ersatz der verlorenen Waffen sorgten die ziemlich leistungsfähige Industrie Italiens sowie die gewaltigen Rüstwerkstätten der Westmächte und ihres neuen amerikanischen Bundesgenossen.
Der wirtschaftliche und moralische Wiederaufbau des italienischen Heeres erhielt, abgesehen von der Unterstützung durch die Alliierten, auch aus dem Innern des Landes mächtige Impulse. Das Kabinett Bo-selli, das seit Juni 1916 am Ruder war, wurde gestürzt. An seine Stelle trat die Regierung Orlando. Unter ihrer Förderung gründeten Senatoren und Deputierte im Dezember 1917 den „Fascio della difesa na-zionale“, der die entschlossene Fortführung des Kampfes auf seine Fahne schrieb und unter dieser alle zu seinem Programm stehenden Kräfte versammelte. So konnte es geschehen, daß ein fast in Auflösung begriffenes Heer in wenigen Wochen wieder zu einem achtbaren Feind geworden war, der sich entschlossen zeigte, das Spiel noch keineswegs verloren zu geben.
Die Truppen der Mittelmächte hatten auf dem Siegeszug vom Isonzo zum Piave Großes geleistet. Stolz und gehobenen Sinnes rüsteten sich Österreich-Ungarns Kämpfer in ihren neuen Stellungen in den Vicentinischen Alpen und am Piave für den vierten Kriegswinter. Das in Venetien stehende Heer hatte durch seinen Sieg einen ungeheuren Auftrieb erhalten. Dieses von der Truppe ausgehende Kraftgefühl stärkte auch die Heeresleitung, die dessen bedurfte, um mit Zuversicht und Festigkeit die für das kommende Entscheidungsjahr nötigen Entschlüsse fassen zu können.
Bericht der Untersuchungskommission, I, 374.
DER AUSKLANG DES KRIEGSJAHRES 1917
Der Osten im letzten Jahresviertel 1917
Weiterer Verfall der Staatsgewalt und des Heeres
in Rußland
Im großen russischen Reiche waren dem kurzen kriegerischen Aufschwung, zu dem Kerenski das Heer im Hochsommer aufzustacheln vermocht hatte, bald neue innere Wirren gefolgt, die das schwererschütterte Staatswesen nicht zur Ruhe kommen ließen. Der von Kerenski ernannte Höchstkommandierende, Gen. Kornilow (S. 320), vertrat nachdrücklich die Ansicht, daß der Kriegszustand mit den Mittelmächten nur aufrechtzuerhalten sei, wenn die Befehlsgewalt und eine straffe Manneszucht im Heere, selbst mit den schärfsten Mitteln, zugleich aber auch die Ordnung im ganzen Staate wiederhergestellt würden. Die Vorschläge des Generals fanden in dem britischen Botschafter Buchanan einen eifrigen Fürsprecher; denn begreiflicherweise lag der Entente viel daran, daß Rußland nicht aus dem Kriege ausspränge60). Auch Kerenski war von der Notwendigkeit überzeugt, daß die Wehrmacht durch strenge Maßnahmen wieder aufgerichtet werden müsse 61); er war auch auf einen Teil der Forderungen Komilows eingegangen, scheute aber davor zurück, den militärischen Führern zu einer Machtfülle zu verhelfen, die sich gegen die Regierung wenden könnte. So bildete sich zwischen dem durch die Revolution emporgehobenen Staatslenker und dem Oberbefehlshaber — beide Männer waren von grundverschiedener Wesensart — ein immer schärferer Gegensatz heraus, der letzten Endes zu einem Streit um den Besitz der Armee wurde 62). Auf den tatkräftigen General, der seine Forderungen in sehr bestimmten Ton kleidete, blickten die Offiziere und die bürgerlichen Kreise als den Retter Rußlands. Dies bestärkte in Kerenski den Argwohn, daß die hohen Offiziere auf eine Militärdiktatur hinarbeiteten63).
In Kornilows Programm spielte die Unterstellung des Petersburger
Militärbezirkes unter die Stawka eine große Rolle; diese Maßnahme wurde mit allenfalls notwendigen Kriegshandlungen im Bereiche des Finnischen und des Rigaschen Meerbusens begründet. Schon anfangs August war die russische Heeresleitung vom französischen Geheimdienst verständigt worden, daß die Deutschen gegen Riga ein größeres Unternehmen vorbereiteten. Als angebliche Gegenvorsorge ließ Kornilow gegen Monatsende das III. Kavalleriekorps (l.DonKosD., UssuriKosü.) und die Kauk. Einheim.KosD. von der Südwestfront hinter die Nordfront verlegen. In Wahrheit wollte der Höchstkommandierende jedoch mit diesen noch verläßlich scheinenden Truppen in Petersburg den wachsenden Einfluß gewinnenden Sowjet beseitigen1).
Als die Deutschen die Offensive an der Rigafront begonnen hatten (S. 407), bestand Kornilow darauf, daß ihm der Militärbezirk Petersburg zum Schutze der Hauptstadt unterstellt werde, und daß die Regierung auch alle übrigen militärischen Forderungen erfülle. Unter dem Ernst der Lage zeigte Kerenski Entgegenkommen und war auch einverstanden, daß die Kavallerie zum Schutz der Regierung nach Petersburg entsendet werde, um den bei der Verkündigung der Heeresreformen von Seite der Bolschewiken zu erwartenden Unruhen begegnen zu können. Das Befehlsrecht über die Garnison der Hauptstadt und das Handhaben des Belagerungszustandes behielt sich jedoch die Regierung vor. Kornilow forderte jetzt im Hinblick auf den drohenden Bolschewikenaufstand als beste Lösung vom Ministerpräsidenten die Übergabe der gesamten Militär- und Zivilgewalt, den Rücktritt des Ministeriums und gab die Absicht kund, selbst ein Kabinett zu bilden. In der Nacht vom 8. auf den 9. September sprach Kerenski die Absetzung des Generals aus und forderte den Generalstabschef der Stawka, den Gen. Lukomski, auf, einstweilen den Oberbefehl zu übernehmen; dieser lehnte jedoch ab2). Am 9. September brandmarkte der Ministerpräsident in einer öffentlichen Kundgebung das Vorgehen Kor-nilows als Anschlag gegen die Staatsgewalt. Als Oberbefehlshaber wurde der Kommandierende der Nordfront, Gen. Klembowski, bestimmt. Kornilow weigerte sich, von seinem Posten abzutreten und wandte sich gleichfalls mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit. Die Provisorische Regierung, hieß es in dem Schriftstück, stehe unter dem Druck des bolschewikischen Komitees und handle im Einverständnis
r) Martinów, 56 ff.
Lukomski, Erinnerungen des Generals A. S. Lukomski (Berlin 1923), I,
220 ff.
mit den Deutschen. Er, Gen. Kornilow, Sohn eines Kosakenbauern, erkläre, daß er nichts für sich, sondern nur die Erhaltung des großen Rußland erstrebe; er schwöre, daß er das Volk zum Siege über den Feind führen werde, bis der Zusammentritt der gesetzgebenden Versammlung es dem Volke ermöglichen werde, selbst die neue Staatsform zu bestimmen. Bevor er aber Rußland den Händen seines Erbfeindes, den Deutschen, ausliefere, ziehe er vor, auf dem Schlachtfeld zu sterben1). Die Heerführer stellten sich in der Mehrzahl auf die Seite Kor-nilows, Klembowski nahm den Oberbefehl nicht an. Trotzdem aber hatte Kornilow verspielt. Er hatte zwar die Generale, Stäbe und den Großteil der Offiziere für sich, die Soldatenmass.e schlug sich jedoch unter dem Einfluß des Frontkomitees auf die Seite Kerenskis. Der Zentralrat der Arbeiter, Soldaten und Bauern zu Petersburg, wiewohl er sonst der Provisorischen Regierung reichlich Schwierigkeiten zu bereiten pflegte, hatte seine Anhänger sofort zum heftigsten Widerstand gegen das Vorhaben Komilows aufgerufen, um die Früchte der Revolution zu verteidigen. Dem III. Kavalleriekorps wurde der Schienenweg nach der Hauptstadt gesperrt, der Geist der Truppe überdies durch Sendlinge umgestimmt.
Versuche, zwischen den beiden Machthabern Rußlands zu vermitteln, worum sich auch Gen. Alexejew sowie die Vertreter der Ententestaaten bemühten2), schlugen fehl. Am 12. September übertrug die Regierung dem Ministerpräsidenten Kerenski auch den militärischen Oberbefehl; Gen. Alexejew ließ sich herbei, als Generalstabschef nach Mohilew in die Stawka zu fahren, um den völligen Zerfall des Heeres zu verhindern und das Los des Gen. Kornilow und seiner Anhänger zu mildern3). Kornilow, Lukomski, dann der Kommandierende der Südwestfront, Gen. Denikin, zwei seiner Armeeführer und eine Reihe sonstiger Offiziere wurden verhaftet.
Als alter und erfahrener Soldat machte Gen. Alexejew noch einen letzten Versuch, die fortschreitende Auflösung der russischen Wehrmacht zu hemmen. Er berichtete am 15. September nach Petersburg, das Heer sei zu keiner größeren Kampfhandlung mehr geeignet, höchstens zu kleinen Unternehmen einzelner Regimenter, allenfalls noch einzelner
x) Martinów, 100. -- Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin. 213ff. — Spannocchi, 176.
2) B o r i s s o w, General Michael \\;assiljewitsch Alexejew (Wojcnnij Sbornik. Belgrad 1922, 2. Heft). — Buchanan, 227 ff.
3' Martinów, 153 ff.
Divisionen. Die Regierung müsse sich entscheiden und zu strengen Gesetzen aufraffen, falls sie noch auf eine Kampffähigkeit rechnen wolle64). Dieser Mahnruf verhallte wirkungslos. Nach etwa zehntägiger Tätigkeit schied Alexejew aus der Stawka. Zum Nachfolger ernannte Kerenski den Gen. Duchonin. An der Nordfront wurde Klembowski durch den Revolutionsgeneral Tscheremisow ersetzt; als Befehlshaber der Westfront behauptete sich noch Balujew, desgleichen überdauerte an der Rumänischen Front Gen. Schtscherbatschew, der dem König Ferdinand zur Seite stand, alle politischen Schwankungen. Auch eine Reihe von Armeeführern war ausgewechselt worden; im allgemeinen wurden jetzt beim Besetzen von Führerstellen nicht mehr militärische, sondern revolutionär-politische Eigenschaften geschätzt.
Die Südwestfront wurde dem Gen. Wolodtschenko (S. 320) anvertraut, da er dem inzwischen entstandenen Nationalrat der Ukraine (Rada) genehm war. Zu den vielen Schwierigkeiten, die sich vor der Provisorischen Regierung seit ihrem Bestände auftürmten, gehörten die Bestrebungen russischer Randländer, das Gefüge der bisherigen Reichseinheit zu lockern oder zu sprengen. Schon im Frühjahr 1917 war in der Ukraine der Wunsch nach Selbständigkeit erwacht65). Er-äußerte sich anfänglich in der Forderung, ukrainische Truppen in eigenen Korps (VI., XXXIV.) unter stammeszugehörigen Führern zusammenzufassen; schließlich wurde geltend gemacht, daß der Bereich der Südwestfront kein russischer, sondern ein ukrainischer sei. Auch in Bessarabien hatten Führer rumänischen Volkstums eine Strömung entfacht, um das Gebiet als staatliches Sonderwesen von Großrußland zu scheiden66). Der finnländische Landtag erstrebte die volle Unabhängigkeit seines Landes; die Kerenski-Regierung beantwortete zwar dieses Verlangen mit der Auflösung der Körperschaft und mit verstärkter Besetzung des Gebietes, trotzdem führten die Landesvertreter den politischen Kampf gegen die russische Zentralmacht weiter67).
Die Provisorische Regierung hatte durch die Niederwerfung des „Komilow-Aufstandes“ an Macht nicht gewonnen68); im Gegenteil, diese glitt immer mehr in die Hände der örtlichen Sowjets über, in denen die radikale Linksströmung, zu Petersburg durch Lenin und
Trotzki vertreten, überwiegenden Einfluß erhielt. Die Soldatenmassen an den Fronten wurden gleichfalls immer radikaler, ihr Mißtrauen gegen die Offiziere wuchs. In ganz Rußland gärte es. Mit größter Mühe brachte Kerenski anfangs Oktober ein neues, das vierte Koalitionskabinett zustande, dem Trotzki sofort die schärfste Gegnerschaft ansagte. Eine Erklärung der Regierung verkündete, sie strebe den Abschluß eines allgemeinen Friedens unter Ausschluß jeder Vergewaltigung an. Darüber werde sie sich demnächst bei einer Zusammenkunft der interalliierten Mächte auf Grundlage der von der russischen Revolution verkündeten Grundsätze zu verständigen trachten. Im Interesse des Friedens werde die Regierung alle ihre Kräfte vereinen, um die gemeinsame Sache der Verbündeten zu unterstützen, das Land zu verteidigen und jedem Versuch, Rußland einen fremden Willen aufzuzwingen, energisch .entgegenzutreten1). Die Botschafter Englands, Frankreichs und Italiens forderten jedoch vom Ministerpräsidenten in entschiedener Form, die Kampffähigkeit des Heeres zu heben2) und durch Taten zu beweisen, daß die Regierung gesonnen sei, ihren Willen an der Front wie im Hinterlande durcJhzusetzen. Damit werde sich Rußland die vollste Unterstützung der Alliierten wahren. Kerenski mußte erwidern, er werde diese Vorstellungen geheimhalten, da die Bekanntgabe im Lande die größte Entrüstung hervorrufen würde. Er vermochte nur eine unbestimmte Zusage zu geben, daß Rußland den Krieg weiterführen werde. Die Zustände im Heer und im Hinterlande, die trostlose Bahn- und Verpflegslage drängten, den Krieg zu beenden.
Ereignisse bei den Heeresfronten Erzherzog Joseph und Prinz Leopold
(Oktober bis Mitte November)
Hiezu Beilage 34
Die gegen Rußland und Rumänien aufgebotenen Streitkräfte der Mittelmächte hielten im Osten weiter Wacht (S. 408). Aufmerksam verfolgten die Heeresleitungen und die hohen Befehlsstellen an der Front die Vorgänge im russischen Reiche und deren Auswirkungen auf die Kriegslage. Der Nachrichtendienst, für den die Russen selbst durch ihre Funksprüche nach wie vor die wertvollsten Angaben beisteuerten,
r' Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin, 254ff.
2; Buchana n, 233 ff.
VI 46 vermochte über die innerpolitischen Parteikämpfe in dem aufgewühlten Staate ein ausreichendes und zutreffendes Bild zu liefern. Nach den Schlägen, die die Deutschen im September dem russischen Nordheere (S. 407) zugefügt hatten, brauchten die -Verbündeten wohl nicht mehr damit zu rechnen, große Angriffshandlungen führen zu müssen. Nicht so leicht und klar war aber von Führung und Truppe zu beurteilen, was sie im besonderen dem jeweils gegenüberstehenden Feinde Zutrauen durften. Ließ der durch die Propaganda mit den Russen unterhaltene Verkehr ihre Infanterie teilweise als eine kriegsmüde, kampfesunwillige, politisierende Soldatenmasse erscheinen, die ihre Offiziere absetzte und verfolgte, so hatten doch andere Waffen, namentlich Artillerie und Flieger, mehr militärischen Gehalt bewahrt und scheuten, wenn schon das Fußvolk fast untätig verharrte und nur seine Gräben bewachte, vom Kampfe noch keineswegs zurück. Das Gleiche galt von neugebildeten, besonders ausgewählten Sturmabteilungen.
Anfangs Oktober gab das Kommando der Heeresfront Erzherzog Joseph Leitgedanken für das weitere Verhalten aus. Bei der 1. Armee seien für die nächste Zeit nur kleine Unternehmen des Feindes, so besonders im Ojtozgebiet, zu erwarten, von Seite der Rumänen sei aber auch ein größerer Angriff nicht ausgeschlossen. Gegen die 7. Armee scheine der Russe augenblicklich keine Angriffsabsichten zu hegen, seine Kräftegruppierung (S. 405) erlaube ihm aber eine plötzliche Entschlußänderung. Eine verläßliche Abwehr müsse daher vorbereitet sein. Beide Armeeführer wurden angewiesen, bisher stark beanspruchte Divisionen durch mehr geschonte auszuwechseln, die Kräfte in die Tiefe zu gliedern und rasch verschiebbare Reserven auszuscheiden. Auch vor der k.u.k. 3. Armee, vor Czernowitz, standen erhebliche Russenkräfte.
Bei der 1. Armee waren mittlerweile alle Truppen der 8. KD. ins Sovejabecken gelangt (S. 404); die Verteidigungsabschnitte der Gruppe Marenzi (7., 8. KD.) und der deutschen 218. ID. wurden am 3. Oktober der zur Heeresgruppe Mackensen gehörigen deutschen 9. Armee zugeschlagen. Weitere Neugliederungen innerhalb der 1. Armee folgten. Aus dem XXI. Korps löste GO. Rohr durch Strecken der Nachbardivisionen die 3. KD. aus, die um die Monatsmitte den rechten Flügel der 70. HID. (VI. Korps) übernahm. Dieser Abschnitt, der als Flankenschutz für die Gruppe Gerok wichtig war, wurde der deutschen 225. ID. (Gruppe Woyna) und diese unmittelbar dem Befehle Geroks unterstellt ; dem k.u.k. VIII. Korps wurde die südlich benachbarte 37. HID. eingegliedert. Das Kommando der Gruppe Liposćak erhielt nunmehr die
Bezeichnung Kommando des IX. Korps, nachdem diese bisher im Bereiche der- 2. Armee bestandene Befehlsstelle dort aufgelassen worden war. Der Feind beschränkte sich auf gelegentliches Störungsfeuer seiner Batterien und auf Patrouillengeplänkel.
Mehr Obsorge des Heeresfrontkommandos erheischten die 7. und die 3. Armee. Das 7. Armeekmdo. übersiedelte am 1. Oktober von Kimpolung nach Kuty. Zu Beginn des Monats wurde die anfangs für die Isonzofront bestimmte bayr. 8. RD. der 7. Armee auf Wunsch der DOHL. nach dem Westen abbefördert (S. 504). Als Ersatz rückte die bayr. KD. aus dem Bereich des XXVI. Korps zum Karpathenkorps; die zur 3. Armee abgezweigte 1. preuß. KBrig. wurde jedoch zur Heeresgruppe Mackensen in die Walachei abgesendet. Am 3. Oktober verjagte beim k.u.k. XXVI. Korps die deutsche 4. ErsD. (S. 405), die in der zweiten Septemberhälfte die Front nördlich der 40. HID. bezogen hatte, die Russen aus Obermilleschoutz und fügte die neugewonnene Stellung der Abwehrlinie ein. Der Feind vergalt dies in den nächsten Tagen mit einem ausgiebigen Artilleriefeuer zwischen den Flüssen Suczawa und Sereth. Am 6. Oktober griff er nordwestlich der Stadt Sereth beim Karpathenkorps die inneren Flügel der deutschen 1. und der öst.-ung. 31. ID. an und durchstieß bei Waschkoutz überraschend die vorderste Linie. Die Angreifer, die 31. Russendivision, die auch zwei „Tanks“ verwendet hatten, konnten erst durch den Einsatz stärkerer Kräfte
— etlicher öst.-ung. und deutscher Bataillone — zurückgeschlagen werden1). Die deutsche 4. ErsD. wurde nunmehr dem Karpathenkorps untergeordnet, dessen Führer, GLt. Conta, schon seit der Abberufung des GdI. Krauss (S. 408) auch über das angrenzende XXVI. Korps als Gruppenkommandant gebot, damit das wichtige Frontstück an der Moldaugrenze von einer Hand gelenkt werde.
Am 10. Oktober deutete das Heeresfrontkommando den Armeeführern Kövess und Křitek an, daß möglicherweise die Offensive in die Moldau wieder aufgenommen werde; zur Vorbereitung sei der Raum zwischen der Suczawa und dem Pruth durch Flieger rege aufzuklären. Schon am 16. teilte jedoch die DOHL. mit, an das Unternehmen sei in absehbarer Zeit nicht zu denken. Der Generalstabschef der Heeresfront, GM. Seeckt, faßte sein Urteil über die Russen zurzeit dahin zusammen, daß man ihrer militär-politischen Leitung trotz des Friedensbedürfnisses der Massen noch immer Angriffspläne Zutrauen
1 j Die k.u.k. 31. ID. büßte 12 Maschinengewehre und über 1200 Mann ein, wovon der Großteil auf das IR. 44 entfiel.
dürfe. Die Ausführbarkeit hänge wesentlich von der Stimmung der Truppen ab. Diese sei schwer zutreffend zu beurteilen; denn wie wandelbar sie sei, habe der Sommer in Galizien bewiesen. Die 9. Russenarmee scheine derzeit verhältnismäßig fest in der Hand ihrer 'Führer zu liegen; die Mannschaft sei im Gegensatz zu deren Gebaren an anderen Fronten gegen die Propagandaversuche sehr zurückhaltend. Der Kleinkrieg im Vorfelde halte eine gewisse Spannung aufrecht.
Am 21. Oktober hieß die öst.-ung. Heeresleitung den Erzherzog Joseph, vier Kavallerieregimenter oder eine geschlossene KD. zum Abgehen nach Tirol bereithalten; hiefür wurde die 2. KD., die bei der 3. Armee als Reserve ausgeschieden war, in Aussicht genommen. Tags darauf wandte sich GdI. Arz an die DOHL., das Oberkommando Ost möge vom Nordflügel der Heeresgruppe Linsingen den Stab des Kavalleriekorps Hauer und die 9. KD. zur Verfügung stellen. Die Tiroler Front sei für die Isonzooffensive von Truppen sehr entblößt worden, ein Angriff der Italiener auf das Suganertal sei nicht unwahrscheinlich. Die DOHL. gab zu bedenken, daß GM. Seeckt jetzt Vorstöße der Russen als Hilfe für Itab'en möglich erachte; gleichwie die 7. Armee über die bayr. KD. als bewegliche Reserve verfüge, wäre die 2. KD. der 3. Armee zu belassen. Das AOK. versprach hierauf, nachdem ihm die 9. KD. zugesagt worden war, die 2. KD. nur im dringendsten Falle abzuziehen.
Seit dem 23. Oktober steigerten die Russen ihr Gesohützfeuer auffallend gegen das XXVI. Korps (59. ID. und 40. HID.) der 7. Armee. Die hohe Führung rechnete nunmehr mit einem Entlastungsangriff der Russen zugunsten der Italiener und traf Gegenvorsorgen. Das AOK. ließ das Polnische Hilfskorps1) aus Przemyśl zur 3. Armee abrollen, damit dieser allenfalls die Abgabe der 2. KD. an den südlichen Nachbar erleichtert werde. Erzherzog Joseph führte der 7. Armee von der Gruppe Gerok die bayr. 15.RIBrig. (ein Regiment mit Artillerie) zu. Auf Geheiß der DOHL. hatte das Oberkommando Ost bei der Heeres-
1/ Die einstige Polenlegion (Bd. V, S. 436), Ende September 1916 in Polnisches Hilfskorps“ umbenannt, sollte, nachdem die Mittelmächte am 5. November dieses Jahres die Errichtung eines Königreiches Polen verkündet hatten, den Grundstock zu einer polnischen Nationalarmee abgeben. Der Gedanke mußte aber
im Sommer 1917 falleneelassen werden, denn der Werbeaufruf hatte im Lande ö -
nur geringen Widerhall gefunden; von den eingerückten Leuten verweigerten viele den Eid. Zwischen Piłsudski und dem deutschen Generalgouverneur, GdI. v. Beseler, kam es zum Bruch. Der Nationalheld und spätere Marschall wurde auf die Festung Magdeburg gebracht. Die verwendbar scheinenden Truppen (rund 10.000 MannN gruppe Böhm-Ermolli eine deutsche gemischte Brigade verladebereit zu halten.. Der Feind war vor der Armee Kövess weiterhin sehr rege und beschoß namentlich das XXVI. Korps anhaltend mit Artillerie. Auch die russische Infanterie zeigte größere Wachsamkeit; besondere Anzeichen eines bevorstehenden Angriffes waren jedoch nicht wahrzunehmen. Immerhin entschloß sich die öst.-ung. Heeresleitung, auch noch die unterdessen bei der Heeresgruppe Linsingen auf die Bahn gesetzte 9. KD., die auf der Fahft nach Tirol bereits Lundenburg erreicht hatte (S. 512), in die Bukowina abzudrehen; die Spitze lief am 31. Oktober bei Czernowitz ein. In den ersten Novembertagen waren die Division, ebenso die bayrischen und polnischen Zuschübe, vollzählig versammelt. Mittlerweile war aber die Wahrscheinlichkeit eines Russenansturmes bereits geschwunden, und am 6. November konnte die Lage vor der 7. Armee als entspannt angesehen werden.
Auch bei den Heeresgruppen Böhm-Ermolli und Linsingen drückte sich der Kriegszustand nur mehr in Kanonaden, gelegentlichen Luftkämpfen und vereinzelten Unternehmen von Stoßtrupps aus. Aus der Gliederung der russischen Südwestfront verschwand anfangs Oktober die im August gebildete 1. Armee (S. 399); ihre Korps traten zu den Nachbararmeen über, der Armeestab übernahm einen Abschnitt der Nordfront. Bei der Heeresgruppe Böhm-Ermolli setzte die deutsche Heeresleitung den eingeleiteten Austausch der Streitkräfte fort (S. 408). Die Südarmee gab bis Ende Oktober gegen die neuzugeführte deutsche 10. ErsD. die 24. RD. des XXVII. RKorps und ferner vom Nordflügel den Stab des Beskidenkorps für den westlichen Kriegsschauplatz ab. Die Frontstrecke (Abschnitt „Jablonow“) übernahm das Generalkmdo. des XXV. RKorps, während dessen bisherigen Abschnitt „Czortków“ der Führer der 15. RD. zu befehligen hatte. Beim k.u.k. XXV. Korps wurde im Zuge eines umfassenden Neubaues des öst.-ung. Heeres, der im nächsten Bande ausführlich behandelt werden wird, die 55. ID. in
des Polnischen Hilfskorps wurden im Herbst nach Przemyśl verlegt, die öst.-ung. Staatsangehörigen der Legionäre in das k.u.k. Heer rückversetzt und der verbleibende Rest in eine gemischte Brigade zusammengefaßt. Ende Oktober waren zwei Infanterieregimenter marschbereit. — Vgl. Lipiński, Der große Marschall (Einleitung zu Josef Piłsudski, Erinnerungen und Dokumente [Essen 1935 J, I, 41 ff.). — Hausner, Die Polenpolitik der Mittelmächte und die öst.-ung. Militärverwaltung in Polen während des Weltkrieges (Wien 1935), 78 ff. — M i t z k a, Die k.u.k. Militärverwaltung in Russisch-Polen, bei Kerchnawe, Die Militärverwaltung in den von den öst.-ung. Truppen besetzten Gebieten (Carnegiestiftung, öst.-ung. Serie, Wien 1928), 40 f.
155. ID. (später 155. HID.) umbenannt und die 54. ID. in eine k. k. SchD. umgewandelt. Sie erhielt das von der 4. ID. (S. 408) im Osten zurückgelassene SchR. 30 und sarfdte dafür das IR. 88 an die italienische Front nach. .
Bei der 2. Armee gingen aus dem Abschnitt „Złoczów“ im Wechsel mit der bayr. ErsD. die deutsche 22. und für die bayr. 14. die deutsche 6. ID. nach dem Westen. Durch die Abgabe der k.u.k. 33. ID., die durch die deutsche 33. RD. ersetžt worden war, war im Abschnitt „Olejow“ auch das k. u.k. IX. Korpskmdo. entbehrlich geworden (S. 723). Der Führer, FML. Kletter, erhielt ein Kommando in Südtirol (S. 650). Am Nordflügel der Heeresgruppe Linsingen übernahm nach dem Abgang des GO. Hauer und der 9. KD. ein deutscher General den Abschnitt „Tobol“.
Nachdem die Deutschen den im September vorgenommenen Nordteil ihrer Ostfront durch die Einnahme des Brückenkopfes von Jakobstadt nach rechts gesichert hatten, sorgten sie noch für den Schutz ihrer linken Flanke. Am 12. Oktober begann das wohlvorbereitete Unternehmen zur Besetzung der dem Meerbusen von Riga vorgelagerten Inseln Ösel, Dagö und Moon x). Obwohl die Stawka vom Vorhaben des Gegners wußte, vermochten die russischen Land- und Seestreitkräfte keinen entschlossenen Widerstand zu leisten. Binnen einer Woche waren die Verteidiger von der Inselgruppe vertrieben; die Baltische Flotte der Russen zog sich zurück. Mit dieser Kriegshandlung endete Rußlands Teilnahme am Weltkrieg. „Die Russen haben damals aufgehört, ein beachtenswerter Gegner zu sein“2).
Ende Oktober ausgegebene Richtlinien des GFM. Prinz Leopold von Bayern verfügten, an den alten Frontbereichen den Stellungs- und Wegebau auf das Erhalten des Bestehenden zu beschränken und an den neuen Frontstrecken (bei der deutschen 8. Armee und in Galizien) nur eine erste Stellung mit einer Tiefenzone anzulegen. Der Krafteinsatz in der vordersten Linie sei möglichst gering zu bemessen, dafür seien aber aus den frei werdenden Truppen starke Reserven zu bilden und diese eifrig zu schulen. Als Ziel der Frontpropaganda, die wieder trachten sollte, bei den Russen Boden zu gewinnen, galt jetzt, die Friedenswünsche im Feindesheere zu fördern.
Am 3. November trafen die beiden Heeresleitungen Vereinbarungen
!) Tschischvvitz, Armee und Marine bei der Eroberung der Baltischen Inseln im Oktober 1917 (Berlin 1931).
2) Zajontschkowskij, Feldzug 1917, 107ff. ' auf weite Sicht. Da der französische Kriegsschauplatz andauernd viel Kräfte verzehrte, die DOHL. aber auch — wie bereits dargelegt wurde (S. 710) — im Frühjahr 1918 im Westen einen großen Schlag zu führen gedachte, waren von der Mitte des Monats an vorerst die deutschen Verbände der Heeresfront Erzherzog Joseph freizumachen. Ihnen hatten jene der Heeresgruppe Böhm-Ermolli zu folgen. Das AOK. in Baden wies hierauf der Heeresfront, die nur die 2. und die 9. KD. für Ablösungen verfügbar hatte, folgende Kräfte zu: die 43. SchD., FML. Fernengel, von der Isonzofront (S. 580), ferner aus Tirol zehn Trachombataillone (S. 609 und 636) mit dem 63. IDKmdo., GM. v. Soretić, und die fünf Bataillone zählende k. u. 28. LstGbBrig., Obst. Lähne. Nach dem Abgang der letzten deutschen Division waren aus dem Bereich der Heeresfront auch der deutsche Stab des Erzherzogs sowie die Generalkommandos Conta, Gerok und Litzmann abzubefördern. Die 7. Armee hatte, dem im Vormonat erhaltenen Auftrag (S. 722) entsprechend, innerhalb der Gruppe Habermann für den wichtigen Abschnitt Kimpolung den Tausch der 5. HKD. und der 6. KD. (Gruppe Herberstein) mit der
51. HID. eingeleitet. Zur Heeresgruppe Linsingen kehrte die deutsche
42. ID. von Ösel zurück und löste im Abschnitt Kowel die 107. ID. ab.
Die Gefechtstätigkeit bestand auch im Monat November noch in Artillerieduellen und Luftkämpfen; offenbar suchte die russische Führung, im Bewußtsein ihrer militärischen Schwäche, sich wenigstens durch eifrige Luftaufklärung vor gegnerischen Überraschungen zu sichern. Am 12. nahmen bei der Heeresgruppe Woyrsch im Abschnitte des k.u.k. XII. Korps von den letzten dort verbliebenen öst.-ung. Truppen Stürmer des IR. 18 und die Pionierkomp. 2/2 an einem erfolgreichen Vorstoß teil.
Inzwischen hatten sich in Rußland Ereignisse von großer Tragweite abgespielt.
Der Novemberumsturz in Rußland und seine Auswirkung
In Rußland hatte der Verfall des Heeres und der Staatsgewalt noch zugenommen1). Anfangs November entbrannte ein scharfer Kampf zwischen Kerenski und den Bolschewiken. Während Kerenski und die Generale, gedrängt von der Entente, noch immer am Kriege
1) K a k u r i n, Der Zerfall der Armee im Jahre 1917 (Zentralnij archiv, Das Jahr 1917 in Dokumenten und Aufzeichnungen, herausgegeben von Pokrowskij und Jakowlew, Moskau und Leningrad 1925).
festzuhalten suchtenx), konnten die radikalen Linkskreise den kriegsmüden Massen die willkommene und viel schlagkräftigere Losung des Friedens entgegenstellen2). Der Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat bildete ein kriegsrevolutionäres Komitee, das die Gewalt in der Hauptstadt an sich riß, das einberufene Vorparlament verjagte und vom 7. auf den 8. November die Regierung stürzte. Nach kurzem Versuch eines bewaffneten Widerstandes mußte Kerenski fliehen. Um die Soldaten zu gewinnen, verkündeten die neuen Machthaber als Programm: sofortiges Angebot eines demokratischen Friedens (ohne gewaltsamen Landerwerb oder Entschädigungen), Übergabe der Herrengüter an die Bauern, Übernahme der gesamten Macht durch die Sowjets. Ein Funkspruch trug den Friedensvorschlag in die Welt hinaus. An die Spitze des Staates trat Lenin, Volkskommissar für Äußeres wurde Trotzki, den Oberbefehl über das Heer erhielt statt des geflüchteten Kerenski der bisherige Generalstabschef Duchonin. '
Die Vorgänge in Rußland wurden, da man sich dort auch im innerpolitischen Zwiste fleißig der Funksprüche bediente, auf unserer Seite bald bekannt. Schon am 12. November tauchten auf russischen Gräben vor der 40. HID. (7. Armee) weiße Fahnen auf, bald folgten solche an der Siebenbürger Grenze vor dem k.u.k. IX. und dem XXI. Korps sowie an anderen Frontstellen. Allerdings nahm russische Artillerie öfters diese ersten Friedensfühler unter Feuer. Die Truppen der Mittelmächte wurden nun angewiesen, dort, wo die Russen friedlich seien, auch jede feindselige Tat zu unterlassen. Sollten einzelne Russen verbände einen Waffenstillstand wollen, so seien solche Wünsche an die hohen Dienststellen weiterzuleiten. Den Unterhändlern des Feindes sei aber klar zu machen, daß ein wirklicher Waffenstillstand nur zwischen den Regierungen geschlossen werden könnte. Von unserer Seite sei jedes Drängen nach einem baldigen Frieden ebenso zu vermeiden wie eine Stellungnahme für Lenin oder alles, was als Einmengung in innere Verhältnisse Rußlands gedeutet werden könnte.
Dort begann nochmals, wie vorher unter Kerenski, zwischen der neuen Staatsgewalt und der Stawka ein Kampf um das Heer. Dieses befand sich noch immer in der Hand der Generale, soweit deren Be-
x) Buchanan, 237: Es galt, „Rußland bei der Stange zu halten (wenn wir auch nicht erwarten konnten, daß es im Kriege eine mehr als passive Rolle spielen werde), denn seine großen Ressourcen durften nicht den Deutschen zugänglich werden“. _
2) Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin, 258ff.
fehlsbefugnisse durch die vom Petersburger Sowjet abhängigen oder zunehmend beeinflußten Soldatenkomitees nicht geschmälert oder aufgehoben waren. In der Nacht vom 20. auf den 21. November erhielt der Höchstkommandierende Duchonin von den Volkskommissaren den Auftrag, unverzüglich mit den Gegnern zwecks Einstellens der Feindseligkeiten in Verbindung zu treten1). Trotzki schlug allgemein sämtlichen kriegführenden Staaten vor, an allen Fronten sofort die Waffen niederzulegen und Friedensverhandlungen aufzunehmen. Den Mittelmächten wurde das Angebot durch den Äther übermittelt.
Gen. Duchonin weigerte sich jedoch, namens des Rates der Volkskommissare, der vom Auslande nicht als Regierung anerkannt sei, Verhandlungen mit dem Gegner anzuknüpfen. Sofort setzten die neuen Staatslenker durch Fernspruch den ungehorsamen General ab und ernannten den Kriegsminister, Reservefähnrich Krylenko, zum Nachfolger. Bis zu dessen Eintreffen blieb Duchonin auf seinem Posten. Die in Rußland weilenden Vertreter der Ententemächte mußten nun doch zu dem in alle Welt hinausgesandten Friedensvorschlag Stellung nehmen. Die maßgebendere Macht im Reiche schien die Stawka zu sein, und daher überreichten die bei dieser beglaubigten Militärbevollmächtigten am 23. November dem Gen. Duchonin eine gemeinsame Note, die sich gegen eine Verletzung des Vertrages vom 5. September 1914 scharf verwahrte. Rußland hatte sich damals verpflichtet, weder einen Sonderfrieden einzugehen, noch allein die Kriegshandlungen abzubrechen. Einen gleichen Schritt unternahmen auch die Ententediplomaten in Petersburg. Duchonin fühlte sich in seinem Widerstand gegen die Räteregierung bestärkt, zumal auch andere Befehlshaber ihm beistimmten, und sich Krylenko' nicht unterordnen wollten. Lenin und Trotzki erklärten sich hingegen am 24. November in einem Runderlaß „An Alle!“ durch alte Verträge nicht gebunden und forderten neuerlich auf, den Völkerkampf beizulegen.
Den Mittelmächten konnten die aus Rußland herüberklingenden Wünsche nur genehm sein; boten sie doch Aussicht, das jahrelange Ringen im Osten zu beenden und namhafte Streitkräfte für den Schlußkampf freizubekommen. Erzherzog Joseph und Prinz Leopold wurden angewiesen, die Friedenssehnsucht der Russen auszunützen und deshalb den Waffengebrauch auf das notwendige Vergelten von Feindseligkeiten
x) Spannocchi, 181 ff. — Buchanan, 251 ff. — G u k o w s k i j, Die Entente und die Oktoberrevolution (in russischer Sprache, Moskau-Leningrad 1931), 55 ff. — Am Vorabend des Waffenstillstandes (Krassnij Archiv, XX11I), 195ff.
einzudämmen. Anzustreben sei, überall dort, wo sich der Feind hiezu geneigt zeige, eine kurzfristige Waffenruhe abzuschließen und eine solche dann auf größere Bereiche auszudehnen. Sollten die Russen einen Waffenstillstand für die ganze Ostfront anbieten, so hatte das Oberkommando Ost die Verhandlungen zu leiten. Beide Heeresleitungen vereinbarten hiefür einen Vertragsentwurf. Damit der Geist der Truppen von den Russen nicht ungünstig beeinflußt und Verbrüderungen der Soldaten hintangehalten würden, war der Verkehr mit dem Feinde streng zu regeln und zu überwachen.
Schon am 25. November konnte Erzherzog Joseph nach Baden melden, daß die 32. Russen division vor Czernowitz um eine Waffenruhe bitte. Das 3. Armeekmdo. brachte dann mit dem XI. Russenkorps für den ganzen Abschnitt der Gruppe Litzmann ein Abkommen zustande, das am 29. in Kraft trat. Bei der 4. Armee einigte man sich zunächst mit zwei russischen Divisionen der Besonderen Armee; ebenso waren nördlich des Pripiatj örtliche Verhandlungen von Front zu Front in Gang gekommen.
Inzwischen hatte sich Krylenko zum russischen Nordheere begeben, den dortigen Befehlshaber nebst einigen widerstrebenden Generalen abgesetzt und auf seine am 26. November gestellte Anfrage von der DOHL. die Zusicherung erhalten, der Oberbefehlshaber Ost. sei zum Verhandeln ermächtigt1). Auf diese Zusage richteten Lenin und Trotzki am 28. November einen überschwenglichen Rundspruch ,,An die Völker der kriegführenden Länder“ und legten einerseits den Regierungen des Vielverbandes, anderseits den Mittelmächten samt ihren Verbündeten die Frage vor, ob sie sich auf Grund der Formel „Kein gewaltsamer Landerwerb, keine Entschädigungen, Wahrung des nationalen Selbstbestimmungsrechtes“ am 2. Dezember an den Beratungstisch setzen wollten, um das Blutvergießen zu beenden und einen neuen Winterfeldzug zu vermeiden. Mit einem Seitenhieb auf die Ententestaaten wurden die Völkermassen aufgerufen, der berufsmäßigen Diplomatie nicht zu erlauben, die große Friedensmöglichkeit, die durch die russische Revolution eröffnet worden sei, fallen zu lassen. Dieses neuerliche Anbot der Russen, das den Ton auf einen allgemeinen Friedensschluß legte, löste eine Antwort des öst.-ung. Außenamtes aus2). Am 29. November, spät abends, erhielt der Generalstabschef, GdI. Arz, vom Ballhausplatz eine Depesche, die nach Zarskoje Selo zu funken war. Darin erklärte
x) Nowak, Generalmajor Hoffmann, II, 189f.
2) Glaise-Horstenau, Die Katastrophe, 135.
der k.u.k. Minister des Äußeren, Graf Czernin, die Regierung Österreich-Ungarns sehe in den ihr zugekommenen Vorschlägen geeignete Grundlagen, um Verhandlungen über einen Waffenstillstand und einen Friedensvertrag einzuleiten; sie sei bereit, zur anberaumten Zeit ihre Vertreter zu entsenden. Am 30. bestätigte Trotzki den Empfang der Nachricht.
An den Fronten war das Verhalten des Feindes um die Monatswende November-Dezember sehr verschieden. Die Rumänen blieben nach wie vor streng feindselig gestimmt. Wenn russische Verbände sich noch ähnlich verhielten, so waren sie offenbar dem bolschewikischen Einfluß noch nicht ganz erlegen, und es vermochten sich dort dem Ententebündnis treue Führer noch einigermaßen durchzusetzen. Die im Verbände der Rumänischen Front unter Gen. Schtscherbatschew stehenden Russenarmeen 6, 4 und 9 zeigten sich einer Waffenruhe nicht geneigt, nur mit dem an das XI. angrenzenden XXXIII. Korps der 8. Russenarmee konnte die Armee Křitek am 2. Dezember zu einer Übereinkunft gelangen. Die alten Kampfgefilde, so das Ojtozgebiet bei der 1. Armee oder die Mitte der 7. Armee widerhallten zeitweise noch immer vom Geschützdonner. Bei der Heeresgruppe Böhm-Ermolli ging gerade in diesen Tagen auf etliche Abschnitte ein lebhafteres Störungsfeuer nieder, in der Luft tummelten sich kampfwillige Flieger. Die Heeresgruppe Linsingen schloß hingegen am 1. Dezember in Kowel mit der Besonderen Armee eine Waffenruhe, bei den Heeresgruppen Woyrsch und Eichhorn waren Teilabkommen gelungen und weitere Abmachungen im Zuge. Aber auch trotz unterschriebener Verträge waren blutige Zwischenfälle nicht ganz zu vermeiden; denn der seit dreieinhalb Jahren entfesselte Kriegsbrand war nicht mit einem Guß zu löschen. Schließlich verkündete der Kriegsminister Krylenko durch Rundspruch allen russischen Fronten, daß im Einvernehmen mit dem deutschen Oberbefehlshaber im Osten die nächste Zusammenkunft der beiderseitigen Bevollmächtigten am 2. Dezember stattfinden werde; überall sei das Feuer einzustellen. Wer diesen Befehl unterdrücke oder dagegen handle, verfalle dem Standrecht. Auch die Mittelmächte sorgten dafür, diese Nachricht sowohl unter ihren eigenen Truppen als auch unter den Russen zu verbreiten.
Am 2. Dezember überschritten die Unterhändler der russischen Räterepublik bei Dünaburg die deutschen Linien und begaben sich in das Hauptquartier des GFM. Prinz Leopold von Bayern nach Brest-Litowsk.
Die Waffen Stillstands Verhandlungen Der Vertrag von Brest-Litowsk
Die Vertreter der Mittelmächte hatten sich zur Vorberatung schon einige Tage vorher in Brest-Litowsk eingefunden. Die deutsche Kommission wurde aus dem Stabe des Oberkommandos Ost und einem Abgesandten des Berliner Außenamtes gebildet; für Österreich-Ungarn waren Obstlt. Pokorný, Mjr. Freih. v. Mirbach, ferner als Delegierter des Ballhausplatzes Legationssekretär Graf Csáky erschienen. Die Türkei vertrat GdK. Zeki Pascha, Bulgarien Obst. Gantscheff. Am 3. Dezember trafen die Bevollmächtigten des Rates der Volkskommissare, geführt von Joffe und Kamenew, ein. Die russische Abordnung zählte acht stimmberechtigte Mitglieder, darunter einen Unteroffizier, Matrosen, Arbeiter, Bauern und eine Frau; als militärische Fachberater hatten die Russen einen Admiral und eine Anzahl Offiziere mitgebracht. Nachmittags eröffnete Prinz Leopold die Versammlung, weiterhin führte sein Generalstabschef, GM. Hoffmann, den Vorsitz.
Die Mittelmächte hatten anfänglich gehofft, für die gesamte Ostfront mit Rußland und Rumänien ein Abkommen treffen zu können. Joffe leitete die Aussprache wieder mit der Aufforderung ein, über einen Waffenstillstand ehestens zu einem demokratischen Frieden zu gelangen, mußte aber zugestehen, daß er von den bisherigen Bundesgenossen Rußlands keine Vollmacht hatte, auch in ihrem Namen zu sprechen. Die Beratung wurde daher auf die nächstliegende Aufgabe beschränkt, einen Sonderwaffenstillstand mit Rußland abzuschließen. Am 5. Dezember erklärte Joffe, er müsse vor der endgültigen Fertigung des Vertrages noch eine Rücksprache in Petersburg pflegen. Als vorläufiges Ergebnis wurde jedoch ,,zur Erleichterung der schwebenden Waffenstillstandsverhandlungen“ zwischen dem Vierbund und Rußland eine zehntägige Waffenruhe, beginnend am 7. Dezember um 12h mittags, kündbar mit dreitägiger Frist, vereinbart und unterzeichnet1). Die Waffenruhe erstreckte sich auf alle Land- und Luftstreitkräfte zwischen dem Schwarzen Meere und der Ostsee sowie auf dem türkisch-russischen Kriegsschauplatz in Asien. Divisionsstarke oder größere Truppenverbände während dieser Zeit zu verschieben war nur zulässig, wenn der Befehl hiezu bis zum 5. Dezember schon erlassen war. Die neue Übereinkunft setzte die Sonderabkommen einzelner Befehlstellen außer Kraft.
vj Vgl. Anhang Nr. 1.
Während der auf eine Woche anberaumten Verhandlungspause versuchte Trotzki, der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, vergeblich, die alliierten Mächte zur Teilnahme zu bewegen. Am 12. Dezember kehrten die Russen nach Brest-Litowsk zurück, und am 15. spät abends, wurde statt des Übereinkommens über die Waffenruhe ein ausführlicherer, in deutscher und russischer Sprache ausgefertigter Vertrag unterschrieben1). Der Waffenstillstand war auf vier Wochen, vom 17. Dezember, 12h mittags, bis zum 14. Jänner 1918, befristet und konnte frühestens nach drei Wochen mit siebentägiger Frist gekündigt werden; ohne Kündigung dauerte die Gültigkeit fort. Während der Laufzeit waren Umgruppierungen für eine Offensive untersagt, desgleichen operative, am 15. Dezember noch nicht eingeleitete Truppenverscftiebungen. Der Vertrag bezog sich auch auf die See- und die zugehörigen Luftstreitkräfte, schrieb das Einrichten eines geregelten Verkehrs zwischen den Fronten vor und hob alle bisherigen Abkommen auf. Die Unterzeichner verpflichteten sich, unmittelbar anschließend in Friedensbesprechungen einzutreten. Ein Zusatz betraf den Austausch festgehaltener Zivilpersonen und von Invaliden, bessere Vorsorgen für die Kriegsgefangenen und endlich das Anbahnen kultureller und wirtschaftlicher Beziehungen. Zur Regelung dieser Fragen sollte eine von den beteiligten Staaten beschickte Kommission in Petersburg zusammentreten. Auf die Bedingungen, die sich auf Kräftegruppierung und Abziehen von Truppen bezogen, hatten besonders die militärischen Vertreter der Russen, teils wegen ihres Verhältnisses zu den Westmächten, teils aus einem kaum verhehlten Mißtrauen gegen die zwei Kaiserreiche großes Gewicht gelegt. Eine ukrainische Sondermission, die sich an dem Abschluß hatte beteiligen wollen, traf zu spät, erst nach der Ausfertigung, ein.
Über den Friedensschluß ins Reine zu kommen, war Sache der Staatslenker und Regierungen; Außenminister oder hohe Diplomaten, begleitet von einem Stabe verschiedener Fachberater, machten sich nach Brest-Litowsk auf den Weg.
Der Vertrag von Focsani
Der russische Oberbefehlshaber der Rumänischen Front, Gen. Schtscherbatschew, hatte die Regierung Lenin—Trotzki nicht anerkannt. An der Seite des Königs von Rumänien, der über ein festgefügtes Heer
!) Vgl. Anhang Nr. 3.
gebot, konnte sich der General eine selbständigere Haltung erlauben; auch die Führer der 4. und der 6. Russenarmee — die Generale Ragosa und Zurikow — bekleideten anfangs Dezember noch ihre Posten, während an anderen Fronten die Befehlshaber im Revolutionstrubel schon wiederholt gewechselt worden waren. Hier tief im Süden, weit entfernt von der russischen Hauptstadt, hatte auch der bolschewikische Einfluß die Soldatenkomitees noch nicht überwältigt. Als aber in Brest-Litowsk die Verhandlungen eröffnet wurden, versagte auch an der Rumänischen Front die schwache, unterwühlte Manneszucht der Russen und drohte in offene Meuterei gegen die Offiziere umzuschlagen. Am
2. Dezember herrschte in Jassy Panikstimmung1). Noch versuchten die Vertreter der Entente, vom russischen Oberkommandierenden .eine entschlossene Stellungnahme zu ihren Gunsten zu erreichen und versprachen ihre Beihilfe. Am 3. Dezember mußte der General dem König und seiner Regierung erklären, er sei der Truppen nicht mehr Herr2). Um nicht Befehle von Leuten, denen Schtscherbatschew hiezu die Berechtigung absprach, befolgen zu müssen, blieb ihm nur der Ausweg, selbst dem Gegner einen Waffenstillstand anzutragen. Der Entschluß versetzte Rumänien, das sich nicht besiegt fühlte, in eine Zwangslage. Für sich allein vermochte das Königreich, dessen Armeen zwischen jene des kriegsunwilligen Bundesgenossen eingekeilt waren, nicht weiterzukämpfen. Ein Kronrat, dem auch die Armeeführer beiwohnten, mußte am 4. Dezember zu Jassy den unvermeidbaren Schritt genehmigen, die Waffen niederzulegen. Man entschied sich für einen rein militärischen Stillstand, der der Außenpolitik nicht vorgreifen sollte. Besonders der temperamentvollen Königin Maria wollte der Gedanke, der Sache der alliierten Mächte plötzlich abtrünnig zu werden, ganz unfaßbar erscheinen. Aber auch die ausländischen Berater mußten jetzt die Not des Landes einsehen und jeden ferneren Widerstand als unmöglich erklären. König Ferdinand übertrug den Oberbefehl über seine Heeresmacht dem Gen. Presan.
Am 4. Dezember um lh55 nachm. überreichten Parlamentäre des
XXIV. Russenkorps beim Stabe der k.u.k. 7. ID. im Trotusuabschnitt ein französisches Schreiben des Gen. Schtscherbatschew und baten, den Inhalt an GO. Erzherzog Joseph und GFM. Mackensen zu drahten. Der Russe schlug Waffenstillstandsverhandlungen für den Bereich der
*) Marie, Queen of Roumania, The story of my life (London 1935). III, 285 ff.
2) Kiritzesco, 376ff.
Rumänischen Front vor und erbot sich, seine Unterhändler an einem zu bestimmenden Tage nach Focsani zu senden :). Der Erzherzog antwortete zunächst mit einer allgemein gehaltenen, schriftlichen Zusage und holte Weisungen aus Baden ein. GdI. Arz entschied, die Verhandlungen seien durch eine Kommission, gemeinsam mit Mackensen, zu führen. Als Vertreter der öst.-ung. Monarchie wurden der Kommandant der 145. IBrig., GM. Hranilovic, ferner Obstlt. Ritt. v. Förster-Streffleur und Mjr. Ritt. v. Hempel bestimmt. Flierauf verständigte Erzherzog Joseph am 5. Dezember wieder schriftlich den Gen. Schtscherbatschew, der Beginn der Besprechungen zu Focsani sei mit GFM. Mackensen zu vereinbaren.
Nunmehr war auch mit Angeboten rumänischer Führer zu rechnen; die Antworten behielt sich das Heeresfrontkommando vor. In der Tat überbrachten am 5. Dezember vor der k.u.k. 1. Armee Parlamentäre der 1., der 6. und der 8. Rumänendivision gleichlautende Zuschriften, daß ihr Kommandant dem Beispiel der Russen, mit denen er in gleicher Front stehe, zu folgen entschlossen sei; die Feindseligkeiten würden auf rumänischer Seite von 8hvorm. an eingestellt. Ferner wurde vorgeschlagen, eine Zusammenkunft von Abgesandten auszumachen und eine Verbrüderung der Truppen zu verhindern. Ebensolche Anträge stellten die Rumänen auch den Deutschen an der Serethfront. Das 1. Armeekmdo. erhielt den Auftrag, die Rumänen auf den Ausgang der Beratungen von Focsani zu verweisen. Eine örtliche Waffenruhe könne unterdessen mit den rumänischen Divisionen eingegangen werden; solche Abkommen wurden auch geschlossen.
GFM. Mackensen übertrug den Vorsitz in Focsani dem Führer des I. RKorps, GLt. Morgen 2); namens der Türkei erschien Mjr. Nahsim Bey, für Bulgarien Obstlt. Popoff. Am 7. Dezember mittags kamen die Unterhändler des Feindes bei Märäsesti durch die deutschen Linien. An der Spitze der russischen Abordnung, bestehend aus Offizieren — davon zwei für die Ukraine — und Mannschaftsvertretern, stand der Führer der 9. Armee, Gen. Keltschewski; das rumänische Hauptquartier vertrat der Vizegeneralstabschef, Gen. Lupescu, mit einigen Begleitern. Inzwischen war die in Brest-Litowsk abgeschlossene, vorläufige Waffenruhe, die sich nach ihrem Wortlaut auf die gesamte Ostfront bis zum Schwarzen Meere erstreckte (S. 733), bereits gültig geworden. In Focsani erklärten jedoch die Abgesandten beider Feindheere, das Abkommen von
x) Erzherzog Joseph, V, 726ff.
2) Morgen, 126 ff.
Brest-Litowsk nicht zu kennen. Die Rumänen sahen den Kreis um Lenin überhaupt nicht als gesetzliche, zu einem Vertragsabschlüsse berechtigte Regierung an, die Russen, unter denen wohl Sozialisten, aber sehr wenig Anhänger der Bolschewiken waren, dachten kaum anders. Beim Erörtern, in welcher Höhe Truppenabgaben von der Front während des Stillstandes zulässig sein sollten, stießen die beiderseitigen Ansichten hart aufeinander. Die Feindvertreter, unter denen die Rumänen streng für die Westmächte eingestellt, die Russen zwar entgegenkommender, aber augenscheinlich doch bedacht waren, die Entente nicht zu verstimmen, wollten höchstens zwei Divisionen auf einen anderen Kriegsschauplatz verschieben lassen. Die Mittelmächte beharrten hingegen auf der in Brest-Litowsk bereits bewilligten Formel, alle am 5. schon anbefohlenen Truppenbewegungen durchführen zu dürfen. Vorübergehend wurde die Aussprache abgebrochen und die Delegierten des Gen. Schtscherbatschew kehrten nach Märäsesti zurück. Am 9. Dezember einigte man sich endlich, und um 10h 30 abends unterfertigten alle Bevollmächtigten das in französischer Sprache abgefaßte Schriftstück1).
Die Vertragsunterzeichner schlossen einen „provisorischen Waffenstillstand“, bis eine verfassunggebende Versammlung in Rußland über Krieg und Frieden entschieden haben würde. Die Kündigungsfrist betrug 72 Stunden. Der Vertrag trat sofort in Kraft und erstreckte sich auf die Land-, Luft- und Flußstreitkräfte zwischen dem Dniester und der Donaumündung; er verlor seine Geltung, falls ein Waffenstillstand ausdrücklich für die ganze Front zwischen Ostsee und Schwarzem Meere abgeschlossen werden sollte. Bis zum 5. Dezember verfügte Truppenbewegungen wurden erlaubt. Das Betreten der neutralen Zone zwischen den beiderseitigen Drahthindernissen war verboten, Überschreiter dieser Zone waren als kriegsgefangen anzusehen. Für diese strengen Bestimmungen, die jeden Verkehr unter den gegnerischen Truppen ausschalten sollten, waren die Rumänen eingetreten. Die Russen hatten daran kein Interesse, sondern eher am Gegenteil; sie gestanden sogar ein, daß ihre Befehlsstellen nicht mehr die Macht besäßen, ihr Leute zum genauen Befolgen solcher Befehle zu verhalten. Die Neutralität der Küste zwischen den Donauarmen, die Schiffahrt auf dem Stromunterlauf und auf dem Schwarzen Meere sollte eine gemischte Sonderkommission mit dem Sitz in Odessa regeln. Schon nach wenigen Tagen schlug Gen. Schtscherbatschew vor, diese Zusammenkunft wegen ungeklärter Verhältnisse, die in Odessa herrschten, in Focsani zu eröffnen.
rj Vgl. Anhang Nr. 2.
Nach dem Wortlaut wäre der Vertrag von Focsani am 15. Dezember durch den ihm folgenden von Brest-Litowsk, der sich ausdrücklich auf alle Russenfronten bezog, schon aufgehoben worden. Dessen Rechtskraft lehnte aber Schtscherbatschew, wie er am 23. Dezember dem GFM. Mackensen mitteilte, ab, da in Brest-Litowsk ohne Einverständnis und ohne Teilnahme des rumänischen Oberkommandos verhandelt worden sei; für die zwischen dem Dniester und dem Schwarzen Meere stehenden Russen wie für die Rumänen gelte nur das Abkommen von Focsani. Die öst.-ung. und die deutsche Heeresleitung konnten diese Auffassung zwar den Rumänen zubilligen, hinsichtlich der Russen sollte die Frage in Brest-Litowsk geklärt werden.
Zwischen Krieg und Frieden (Mitte November bis Ende Dezember)
Hiezu Beilage 34
Während das Hauptbestreben der Mittelmächte dahin zielte, den Krieg gegen Rußland beizulegen, wurden die von beiden Heeresleitungen angeordneten Truppenabsendungen und der dadurch bedingte Wechsel in der Besetzung der Ostfront fortgesetzt. Rücksichten auf den Feind konnten nicht mehr hinderlich wirken, den raschen Ablauf hemmte vielmehr der Zustand der Bahnen. Denn der Ausbau und die Leistungsfähigkeit der in Siebenbürgen und in der Bukowina (S. 396) endenden Strecken hatten noch nicht das wünschenswerte Maß erreicht. Der mehrjährige Krieg hatte Güte und Zahl des Fahrparkes stark herabgemindert; außerdem war zurzeit die große Offensive gegen Italien im Gange.
Die Heeresfront Erzherzog Joseph gab zunächst Mitte November die bayr. KD. an die Heeresgruppe Mackensen ab. Um die Ablösungen zu erleichtern (S. 727), wies GdI. Arz vom südwestlichen Kriegstheater noch die 187. LstlBrig. und das Gruppenkmdo. Kosak (S. 675 und 670), ferner das XII. Korpskmdo. zu, das von der Heeresgruppe Woyrsch aus dem Raum von Baranowicze herangeholt wurde. Gleichzeitig aber wurde die Absicht angedeutet, der Heeresfront weitere Kräfte zu entziehen, falls die Streitmacht der Russen weiterhin abgebaut werde. Diese lösten, wie schon seit längerem festgestellt wurde, die im Frühjahr neuerrichteten Divisionen wieder auf; zudem entschwanden den Kampftruppen mit der sinkenden Manneszucht zahlreiche Fahnenflüchtige. Bis Ende November war aus der k.u.k. 1.Armee die deutsche 225. ID. und der Stab des XXIV. RKorps (GdI. Gerok) nach dem Westen gefahren. Das öst.-ung. VIII. Korps setzte sich nunmehr aus der 37. HID.. der 53. ID. (früher 71., S. 619), und der 39. HID. zusammen; das VI. Korps umfaßte die 3. KD., die 70. HID. und die k. u. 28. LstGb-Brigade. Bei der 7. Armee gliederte sich die Gruppe Habermann (XI. Korps) in die Gruppe Herberstein (S. 727), die 63. ID., die 51. HID. und die 11. Honvédkavalleriedivision. Aus dem Karpathenkorps war die deutsche l.ID. geschieden, die 4. ErsD. tauschte mit der 74. HID.; die 9. KD., die 31. ID. und die 43. SchD., zu der aus Wolhynien noch das SchR. 16 der 46. SchD. rollte, schützten die Front. Im Bereich der
3. Armee, bei der Gruppe Litzmann, waren die 2. KD. und die Polen eingesetzt worden. Das AOK. machte jedoch aufmerksam, die polnische Infanterie nicht in der ersten Linie zu verwenden, da die Gefahr einer politischen Beeinflussung durch die Russen bestand. Die 16. RD. fuhr nach Westen, die 83. ID., die 15. bayr. RIBrig. nebst zwei deutschen Landsturminfanterieregimentem waren dem Oberkommando Ost zu überweisen.
Bereits aus den ersten Besprechungen zu Brest-Litowsk hatten die Vertreter der Mittelmächte ersehen, daß der Feind auch während eines Waffenstillstandes im Osten möglichst viel Kräfte der Gegner binden wolle. Beide Heeresleitungen beeilten sich daher, noch vor Abschluß des Vertrages durch Erlassen entsprechender Befehle die erwünschten Verbände verfügbar zu machen. Das k.u.k. AOK. forderte von der Heeresfront Erzherzog Joseph, die 30., die 59. ID. und die 70. HID. aus der Front zu ziehen; das Oberkommando Ost verlangte von der Heeresgruppe Böhm-Ermolli drei deutsche Divisionen, weitere sollten folgen. So kam es im Dezember an der ganzen Front südlich vom Pripiatj zu großen Veränderungen sowohl bei den Stäben und deren Befehlsbereichen wie bei den Besetzungstruppen. Hatte man bisher noch grundsätzlich schlagkräftige Verbände gegen andere, wenn auch nicht ganz gleichwertige, ausgetauscht, so nahm man jetzt, da die Russen offenkundig auf einen Frieden hinarbeiteten, auch eine Schwächung der Front in Kauf, um durch Strecken der Abschnitte Truppen auszusparen.
Schon am 2. Dezember war der Generalstabschef der Heeresfront Erzherzog Joseph, der GM. Seeckt, abberufen worden, um einen gleichen Posten im ottomanischen Heere anzutreten; zum Nachfolger ernannte Kaiser Karl den Kommandanten der k.u.k. 32. ID., FML. Freih. v. Willerding. Nachdem die deutsche 4. ErsD. von der 7. Armee abgerollt war, folgte auch der Stab des Karpathenkorps mit GLt. Conta nach. Bei der 3. Armee wurde GdI. Litzmann (GenKmdo. des XXXX. RKorps) durch das Gruppenkmdo. FML. Kosak ersetzt (S. 738). Mitte Dezember erhielt die 3. Armee den Auftrag, allmählich die deutschen Verbände der Südarmee abzulösen. Hiezu wurden die 30. und die 59. ID. von der 7. Armee nach Norden in Marsch gesetzt und das XII. Korpskmdo., FZM. Braun (S. 738) zugewiesen. Die aus dem früheren Abschnitt des Korps stammende einzige Kampftruppe, das IR. 18, wurde gleichfalls nach Galizien gefahren und trat schließlich zur 30. Division. Die 53. und die 15. RD., ferner das Generalkmdo. des
XXV. RKorps rollten von der Südarmee ab. Später sollte dann das
3. Armeekmdo. daran gehen, durch das XIII. Korps bei der 2. Armee deutsche Divisionen aus dem Abschnitt Złoczów zu lösen. Die dort freigemachte bayr. 14. ID. ging ohne Ersatz ab, desgleichen von der Heeresgruppe Linsingen die 42. und die 108. ID. der Deutschen. Andere warteten hier wie bei Böhm-Ermolli auf das Einladen. Die eingeleiteten umfassenden Truppenbewegungen waren Ende Dezember noch lange nicht beendet; die Kräfteverteilung bei Jahresschluß 1917 ist der Skizze 2 der Beilage 34 zu entnehmen. Die angebahnte Neugliederung der öst.-ung. Divisionen (S. 625) bedingte zudem einen vielfachen Wechsel von Regimentern, Bataillonen und Artillerie verbänden.
Während des ganzen Monats Dezember bereitete den öst.-ung. Befehlsstellen das Ernähren von Mann und Pferd große Sorgen. Die Zufuhr von Lebens- und Futtermitteln aus dem Hinterland stockte oder setzte tageweise ganz aus. An Mehl trat ein empfindlicher Mangel ein. Die Verpflegsgebühr mußte vermindert werden, zahlreiche Pferde standen um. Das AOK. räumte den Lebensmittelzügen den Vorrang vor allen anderen Transporten ein; die Einflußnahme auf die Zentralbehörden des Reiches bot jedoch weder rasche noch fühlbare Abhilfe. Zu dem namentlich vom 1. Armeekmdo. in Siebenbürgen vorgeschlagenen äußersten Mittel, im eigenen Lande Beitreibungen durchzuführen, vermochte sich GdI. Arz nicht zu entschließen. Wie sich die Lage im Innern der Monarchie, die nunmehr über drei Jahre die Lasten des Krieges zu tragen hatte, und wie sich die Stimmung mancher Volkskreise verschlechterten, kam wohl auch darin zum Ausdruck, daß die Heeresfront Erzherzog Joseph am Jahresende angewiesen wurde, Feldtruppen zum Aufrechterhalten der Ordnung in Industriestädten auszuwählen. *
Als der Kriegslärm an den Fronten verhallt war, fanden sich vor unseren Linien bald Angehörige des öst.-ung. und des deutschen Heeres ein, die aus russischer Gefangenschaft entwichen waren. Für die Aufnahme solcher „Heimkehrer“ mußte besonders vorgesorgt werden. Es handelte sich nicht nur darum, dem Einschleppen von Seuchen vorzubeugen; die größere Gefahr lag auf geistigem und moralischem Gebiete. Diese bisher den wechselvollsten Schicksalen unterworfenen Leute konnten, wenn sie wieder in die Reihen ihrer einstigen Kameraden eintraten, hier sehr leicht die in Rußland aufgesogenen Gedanken ausstreuen und bei den Mittelmächten das Heeresgefüge und den Kampfwillen untergraben. Es war anzunehmen, daß die Russen die Rückkehr solcher Gefangener als Verfechter der neuen Lehren sogar förderten. Die Heimkehrer waren von der Truppe abzusondem, nach ihrer Gesinnung auszuholen, über die Kriegslage zu unterrichten und hierauf zu den Ersatzkörpem heimzusenden.
Anfangs Dezember entschied sich in dramatischer Weise das Geschick der russischen Heeresleitung, der Stawka1). Der Verlauf der in Brest-Litowsk geführten Verhandlungen wurde durch Funkspruch allgemein im Reiche und an der Front kundgemacht. Diesen Verlautbarungen konnte das Lager des Gen. Duchonin nichts entgegensetzen, das den Wünschen des Volkes und des Heeres in höherem Maße entsprochen hätte. Die Stawka verstummte und damit war das Los des gewesenen Oberbefehlshabers und seiner Anhänger besiegelt. Fähnrich Krylenko kam mit einer Matroseneskorte nach Mohilew und besetzte die Stawka. Duchonin, dem gesicherte Fahrt nach Petersburg zugesagt worden war, wurde von einer verhetzten Soldatenschar aus dem Zuge geholt und grausam ermordet2). Die ausländischen Militärbevollmächtigten hatten sich beim Nahen Krylenkos nach Kiew in Sicherheit begeben. Gen. Komilow und andere mit ihm Verhaftete, die bei Mohilew untergebracht waren, konnten aus dem Gewahrsam entweichen. Die zentrale, regelmäßige Geschäftsführung durch die Stawka hörte auf. Da die Verpflegung des Feldheeres schon seit langem schwierig war, hatte der Kriegsminister bereits Ende Oktober — der Heeresverband umfaßte damals insgesamt noch rund zehn Millionen Mami — eine Stan des Verringerung vorgeschlagen 3). Die älteren Mannschaf tsjahrgänge wurden nach und nach entlassen.
Nach dem Abschluß des Waffenstillstandes ging das Heer seinem
yj Spannocchi, 195ff.
2) L u k o m s k*i, I, 250.
3) Knox, II, 697.
endgültigen Zerfall entgegen1). Die Entlassungen, die Ankündigung der bevorstehenden Demobilisierung erweckten in allen Soldaten den sehnlichsten Wunsch, in die Heimat zurückzukehren. Regimenter und höhere Verbände weigerten sich, vorne befindliche Truppen abzulösen, manche Einheiten verließen eigenmächtig die Front. Stäbe und Anstalten konnten nicht mehr arbeiten, weil ihnen die Leute entliefen. Vor dem Treiben der radikalen Soldatenkomitees begannen hohe und niedere Offiziere nach dem Süden und Südosten des Reiches zu flüchten. Dort sowie in Sibirien schritten einzelne Generale daran, gleichgesinnte Anhänger um sich zu scharen und Freiwilligenarmeen zu bilden, um die Petersburger Machthaber zu bekämpfen.
Auch auf die Rumänische Front griff die bolschewikische Zersetzung über. Gen. Ragosa mußte die Führung der 4. Armee niederlegen. In einem Russenlager bei Jassy arbeitete ein Verschwörerherd auf den Sturz des rumänischen Königtums hin; dem General Schtscherbatschew drohten Haft und Tod. Gemäß einem Ministerratsbeschluß wurde der Aufruhr am 22. Dezember von rumänischen Truppen niedergeschlagen; die Stadt Jassy und Gen. Schtscherbatschew wurden befreit2). Inzwischen hatte sich die Ukraine als selbständiger Staat erklärt, der sich den Volkskommissären Rußlands nicht unterordnete. Schtscherbatschew war mit der ukrainischen Regierung in Verbindung getreten und erhielt auch die Südwestfront (S. 720) unterstellt3). Sein ganzer Befehlsbereich galt als eine ukrainische Front. Das Umwandeln der liier stehenden Truppen in nationale, rein ukrainische wurde fortgesetzt; die großrussischen Verbände sollten ausgeschieden werden.
Aber auch in Rumänien wollten viele russische Soldaten nach dem Waffenstillstand nicht mehr vorne an der Front bleiben, sondern heimwärts ziehen. Zügellose Scharen unter selbstgewählten Führern drohten plündernd das Land zu überschwemmen. Das rumänische Oberkommando traf Maßnahmen, um mit 13 Divisionen und Teilen der Kavallerie in gedehnter Aufstellung an Stelle der unverläßlichen Russen die Gebietsgrenzen zu schützen und mit den restlichen Truppen die Sicherheit im Innern gegen die früheren Kampfgefährten zu wahren. So geriet ein Großteil der russischen und rumänischen Streitkräfte in der Moldau in Bewegung. Was da trotz des Waffenstillstandes beim Feinde
Spannocchi, 195 ff. und Beilage 6. — Vgl. auch Kakurin.
2) K i r i t 7, e s c o, 379 ff.
3) Wahl, Zur Geschichte der weißen Bewegung (Die Tätigkeit des Generaladjutanten Schtscherbatschew) [in russischer Sprache, Reval 1935], 21 ff.
vorging, war von den Führern der Verbündeten nicht gleich zu durchschauen. Am 31. Dezember meldete die k.u.k. 1. Armee, vor dem VI. und dem IX. Korps seien die Stellungen der 4. Russenarmee größtenteils geräumt; in den verlassenen Gräben nördlich des Csobánostales tauchten nur vereinzelte Rumänenposten auf. Die DOHL. wurde gegen Schtscherbatschew argwöhnisch und gab der öst.-ung. Heeresleitung ihre Bedenken bekannt. Ein Verschieben starker, großrussischer Verbände von der ukrainischen Front nach Norden würde gegen den Waffenstillstandsvertrag verstoßen. Mit Rußland einerseits Frieden zu schließen, während sich Schtscherbatschew anderseits auf der ukrainischen Front mit Hilfe der Entente bis zum Frühjahr zu einem ernsten Gegner entwickeln könne, würde für die Mittelmächte eine ganz unmögliche Lage ergeben. Der Russen general könne dann nach Gutdünken den Frieden anerkennen oder nicht; jedenfalls wären erhebliche Kräfte gebunden. Sehe man im Jänner 1918 noch nicht klar, so wäre der Vertrag von Focsani zu kündigen und zu umfassenden Gegenmaßregeln zu schreiten.
Wie sich bald herausstellte, waren diese Besorgnisse unbegründet. Das Heer, das seit seiner Schöpfung durch Peter den Großen ein europäischer Machtfaktor gewesen war, und dem kein Gegner die Anerkennung versagen konnte, war 1917 zerbrochen. Das Gesamtbild, das sich den Mittelmächten vom einstigen gewaltigen Zarenreiche darbot, blieb Wirrnis, Gärung und Zerfall.
Die Westfront im letzten Tahresdrittel 1917
Hiezu Beilagen 1 und 36
Nach den Meutereien im französischen Heere im Frühjahr 1917, die zwar mit drakonischer Strenge unterdrückt worden waren, besaß Frankreich auch im späteren Verlaufe dieses Jahres nicht die Fähigkeit, große Angriffshandlungen durchzuführen. Seine Heeresleitung stellte sich daher auf das Zuwarten ein; sie wartete auf die amerikanische Hilfe und auf die Masseneinstellung der Tanks. Die Engländer wieder, die durch den Krieg der deutschen Tauchboote empfindlich geschädigt wurden, setzten außer den noch zu erörternden maritimen Gegenmaßnahmen auch zu Lande alle Kräfte dazu ein, um den Deutschen deren an der belgischen Küste gelegenen U-Bootstützpunkte zu entreißen. Dies führte zur hunderttägigen Schlacht in Flandern, deren dritte Phase in der zweiten Septemberhälfte begann. Um aber auch weiter im Süden die Deutschen unter Druck zu stellen, beschloß die französische Heeresleitung, wenigstens einige sehr gründlich vorbereitete örtliche Unternehmen ausführen zu lassen.
Das erste wurde bei Verdun durchgeführt, wo die Franzosen nach achttägigem Vernichtungsfeuer am 20. August zu beiden Seiten der Maas etwa 4 km weit vorbrachen und den Deutschen auch den letzten Rest ihrer im Frühjahr 1916 gemachten Eroberungen entrissen. Es währte bis Anfang Oktober, ehe der Kampf an der Maas verstummte. Hiebei waren es weniger die verhältnismäßig geringen Geländeeinbußen als jene an Mann und Gerät, die die Deutschen empfindlich trafen, da zur gleichen Zeit ihre 4. Armee bei Ypern die außerordentlich kräftezehrende Dauerschlacht zu führen hatte. Im August zählte man hier sechs, im September vier und im Oktober wieder sechs Großkampftage1).
Bald nach dem Abflauen der Kämpfe bei Verdun traf die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz ein zweites Mißgeschick. Sie wurde am
23. Oktober am Bruchpunkt der Front nordöstlich von Soissons, an der sogenannten „Laffaux-Ecke“, angefallen und eingedrückt. Als Folge ergab sich die Nötigung, auch den bisher standhaft verteidigten Chemin des dames-Rücken aufzugeben. Wiederum waren es vornehmlich die Verluste an Streitern und Kampfgerät, die schmerzlich empfunden wurden; am ersten Schlachttag waren 8000 Deutsche in französische Gefangenschaft geraten. Erst anfangs November kam die Front hier zur Ruhe.
Fast unmittelbar darauf verbreiterte sich die Ypemschlacht nach Süden, da die Engländer jetzt auch gegen den rechten Flügel der deutschen 6. Armee angriffen. Die Kräfte der Briten und Belgier erlahmten jedoch, ehe sie ihr Ziel, die Vertreibung der Deutschen aus Flandern, zu erreichen vermochten. Immerhin war die Spannung an der deutschen Front so groß geworden, daß die DOHL. im Oktober zweimal daran dachte, von der italienischen Front deutsche Kräfte abzuziehen (S. 504 und 600). Der rasche, durchschlagende Erfolg, der am Isonzo errungen wurde, ermöglichte es dann, wenigstens schwere Artillerie und Minenwerfer, die bei der Verfolgung zunächst nicht benötigt wurden, eiligst nach Frankreich zu führen.
Um in Flandern bestehen zu können, waren die übrigen deutschen Frontabschnitte aufs äußerste geschwächt worden. Das war den Engländern nicht entgangen. Sie beschlossen, dies auszunützen und bei dem überraschend auszuführenden Angriff Tanks, dieses bisnun neue Kampf-
x) Reichskriegsminist erium, Gefechtskalender des Deutschen Heeres im Weltkriege 1914/1918 (Berlin 1935), 10.
mittel, in Massen einzusetzen. Als Angriffspunkt wurde der Raum bei Cambrai gewählt und die Vorbereitungen wurden so vorsichtig getroffen, daß die Geheimhaltung vollkommen gelang.
Der vom englischen Tankkorps (378 Kampf- und 98 Gerätewagen) und sechs Infanteriedivisionen am 20. November ausgeführte Angriff traf die deutsche 2. Armee im wesentlichen unvorbereitet. Ihre Front wurde durchbrochen; drei englische Kavallerie di Visionen näherten sich bereits zur Verfolgung, und auch die benachbarten Franzosen zogen zum gleichen Zweck bei Péronne ansehnliche Kräfte zusammen. Doch die über ihren Erfolg selbst überraschten Engländer verstanden ihn nicht auszunützen. Dies gab den Deutschen Zeit, ihre Front zu festigen und einen Gegenangriff vorzubereiten, den sie am 30. November unternahmen. Bis zum 5. Dezember entrissen sie den Engländern den größten Teil des verlorenen Bodens und führten 9000 Mann als Gefangene und 150 Geschütze als Beute weg.
Der Masseneinsatz von Tanks war das wichtigste Ereignis an der deutschen Front. Die DOHL. begann nun gleichfalls, die Erzeugung von Kampfwagen in die Wege zu leiten. Wegen Überlastung der deutschen Industrie und wegen des Rohstoffmangels war der Vorsprung der Feinde aber nicht mehr einzuholen. Bis Anfang 1918 konnte Deutschland nur 75 Beutetanks und 15 eigene Kampfwagen in Verwendung nehmen1). .
Bis zum Ende des Jahres 1917 vermochte sich die deutsche Westfront — von einigen Einbeulungen abgesehen — erfolgreich zu behaupten. Hiebei hatte es sich aber gezeigt, daß das Halten in reiner Abwehr bei dem ungeheuren Materialaufwand der Feinde nicht mehr gesichert war. Die Raumeinbußen bei Verdun, bei Ypern, bei Laffaux und bei Cambrai waren mit Verlusten an Streitern und Geschützen verbunden, die weit größer waren als bei einem gutgeführten eigenen Angriff. Auch war die Disziplin nach der mehr als dreijährigen Dauer des Krieges zweifellos bereits gelockert. Traten deutsche Truppen aber zu einem Angriff an, wie bei Złoczów, bei Tolmein oder beim Gegenangriff bei Cambrai, dann zeigten sie sich den Feinden noch immer überlegen. Deshalb war auch im Heere die Erkenntnis allgemein, daß nur ein Angriff zu Lande den Krieg siegreich beenden könne2).
Im Gegensatz zu der erfolgreichen strategischen Verteidigung, auf die das Verhalten des deutschen Westheeres im Jahre 1917 abgestimmt
Kuhl, II, 235.
2) Ludendorff, 434.
war, wurden die Erwartungen Deutschlands auf den uneingeschränkten U-Bootkrieg nicht erfüllt. Wohl wurden von Mai bis August — gleich wie in den drei vorangegangenen Monaten (S. 130) — wieder monatlich 800.000 bis 1,000.000 und vom September bis Dezember im Monat 600.000 bis 700.000 Tonnen feindlichen Schiffsraumes versenkt. Es wurden somit im Jahre 1917 der feindliche und der neutrale Schiffspark durch U-Boote um 7.5 Millionen Tonnen und durch Minen um 1.5 Millionen Tonnen vermindert. Die Voraussage des deutschen Admiralstabes, daß der Tauchbootkrieg England schon nach fünf Monaten zum Frieden zwingen werde, erfüllte sich jedoch nicht1).
In den ersten Monaten hatte es allerdings so geschienen, als ob es möglich werden könnte, Großbritannien niederzuzwingen. Der Admiral Jellicoe spricht in seinem Buch direkt von den „schwarzen Tagen des uneingeschränkten U-Bootkrieges“ und bezeichnet die damalige Lage Englands als äußerst kritisch, als „die schlimmste in der englischen Geschichte“. Und der englische Minister Churchill erklärt in seinen Denkwürdigkeiten: „Das U-Boot untergrub nicht nur äußerst rasch das Leben auf den britischen Inseln, sondern auch die Grundlagen der Kräfte der Alliierten. Die Gefahr eines Zusammenbruches im Jahre 1918 stand schwarz und drohend am Horizont2).“ Dennoch glückte es England, dank der gesteigerten Abwehrmittel, seiner unerschöpflichen Hilfsquellen und der großen organisatorischen Tatkraft der Vereinigten Staaten von Amerika, der Gefahr Herr zu werden.
England baute neue Schiffe mit einer Gesamttonnage von etwa 2 Millionen Tonnen, womit allerdings kaum ein Viertel des Gesamtverlustes von 9 Millionen Tonnen wettgemacht war. Es beschlagnahmte aber auch rücksichtslos alle Schiffe der Neutralen, deren es habhaft werden konnte. Es organisierte großzügig die Bekämpfung der U-Boote und der Minengefahr durch Schiffe und Flugzeuge. Mindestens 200.000 Mann waren hiefür eingestellt; mit dem Minensuchen beschäftigten sich allein 3200 englische Fahrzeuge mit 25.000 Mann Besatzung. Zum besseren Schutz der Transporte wurden diese in Geleitzügen zusammengezogen, die durch leichte Seestreitkräfte gesichert waren und den deutschen U-Booten das Herankommen an die Transportdampfer erschwerten. Durch alle diese mit größter Tatkraft durchgeführten Maßnahmen gelang es England, den nahen Sieg der U-Boote abzuwenden. Daß aber auch die den Feinden bekanntgewordenen innerpolitischen
1) Kuhl, II, 156.
2) Churchill, Die Weltkrisis 1916—1918 (Wien 1928), II, 80.
Schwierigkeiten der Mittelmächte, die teils schon ausgeführt wurden (S. 419 f.), teils noch zu erörtern sein werden, den Willen Englands zum Durchhalten verstärkt und dadurch die U-Bootwaffe stumpf gemacht haben, soll nicht verschwiegen werden.
Weitab von den Schlachtfeldern Europas und Vorderasiens wurde 1917 auch in Ostafrika gekämpft. Die unter Befehl des preuß. GM. v. Lettow-Vorbeck stehende, noch immer unbezwungene Schutztruppe Deutsch-Ostafrikas mußte wegen der allseitigen Umstellung durch vielfach überlegene Kräfte des Feindes ihr Land räumen. Sie brach in der Stärke von 300 Weißen und 1700 Einheimischen Ende November auf portugiesisches Gebiet durch, erstürmte eine Grenzfeste, rüstete sich mit den Waffen des Feindes aus und schickte sich dann zur Rückkehr nach Deutsch-Ostafrika an.
Der Orient im zweiten Halbjahr 1917
Hiezu Beilage 35 Die Begebenheiten in Albanien und in Mazedonien
Bis Mitte August 1917 begnügten sich die dem k.u.k. XIX. Korps gegenüberstehenden Feinde mit unbedeutenden örtlichen Vorstößen, die zumeist schon von unseren Sicherungen leicht abgewehrt werden konnten. So scheiterten unter anderen am 16. Juli ein Angriff mehrerer italienischer Kompagnien westlich von Viržeža im Quellgebiete der Tomorica, am 3. August ein italienischer Übergangsversuch über die untere Vojusa und der Vorstoß einer französischen Abteilung aller Waffen am Devoli südlich von Kučaka. Am 7. August warfen bosnische Jäger und Albanerabteilungen ein über die Vojusa bis zum Ort Toči (nordwestlich von Tepelini) vorgedrungenes italienisches Bataillon über den Fluß zurück.
Der wachsenden Bedeutung, die der Feind dem albanischen Kampfraume beimaß, wurde auch von der k.u.k. Heeresleitung in den Mitte Juni an das XIX. Korpskmdo. erteilten Weisungen Rechnung getragen. Nach diesen war geplant, sobald öst.-ung. und deutsche Verstärkungen bereitstünden, die Straße Biklišta—Korea—Herseg zu gewinnen. Auch ein Angriff auf Valona wurde erwogen. Nach einigen Wochen, als mit Rücksicht auf die Gesamtlage von einer Verstärkung der albanischen Front Abstand genommen werden mußte, begnügte man sich in Baden jedoch damit, dem XIX. Korps aufzutragen, die Stellungen an der Vojusa in nachhaltigster Verteidigung festzuhalten. Das Korps hatte hiezu eine möglichst starke Artillerie in die Front einzusetzen und die noch nördlich vom Semeni stehenden Kampftruppen vorzuziehen. Der Küstenschutz sollte lediglich die Umschlagplätze S. Giovanni di Medua und Durazzo sowie die nördlich von Kavaja knapp an der Küste führenden Nachschublinien decken. In den übrigen Küstenabschnitten waren nur Beobachtungsabteilungen zurückzulassen, zum Schutze der Rochadelinie im Skumbitale südlich des Flusses neue Stellungen zu erkunden und stützpunktartig auszubauen.
Obwohl die Feinde auch nach der Verlegung zweier englischen Divisionen von Mazedonien nach Palästina den Truppen des Vierbundes auf dem Balkan noch immer überlegen waren, zögerte Gen. Sarrail aus Ungewißheit darüber, wo die Mittelmächte ihre in Rußland freiwerdenden Kräfte zum Einsatz bringen würden, zu einem entscheidenden Schlag auszuholen. Die Kampfmüdigkeit seiner Truppen1) lähmte den Willen des Führers. Selbst dann, als die Schlachten bei Focsani und am Unterlauf des Sereth das in Mazedonien stehende Heer der Entente im August zu erhöhter Tätigkeit hätten anspornen müssen, blieb seine Aufgabe: „den Feind bei einem möglichst geringen Einsatz an Infanterie und tunlichster Ausnützung der Artillerie durch örtliche Angriffe festzuhalten2).“ Nur im Südosten Albaniens steigerten sich die vom Gen. Sarrail anbefohlenen Handstreiche, Artilleriefeuerüberfälle und Fliegerangriffe zu einer größeren Kampfhandlung, als am
19. August zwei französische Kolonnen mit Artillerie unsere Freischaren südwestlich von Moskopolje zurückdrückten. Hiedurch erweiterte der Feind auch den Bereitstellungsraum für eine bei Korea sich sammelnde französische Angriffsgruppe, die westlich des Ohridasees vorzustoßen hatte.
Dem XIX. Korpskmdo. waren die Angriffsvorbereitungen des Feindes nicht verborgen geblieben; es fehlte jedoch an frischen Kräften, um dem offenbar gegen die inneren Flügel des Korps Trollmann und der Heeresgruppe Scholtz geplanten französischen Vorstoß erfolgversprechend entgegentreten zu können. Lediglich zwei Landsturmbataillone und drei Gebirgsbatterien konnten freigemacht und in Elbasan zur Verfügung der Gruppe 1/XIX des FML. Gerhauser bereitgestellt werden;
1) Herbillon, Du général en chef au gouvernement sous les commandements des gén. Nivelle et Pétain (Paris 1930), 143.
2) L a r c h e r, 209.
eine weittragende Kanonenbatterie wurde von Ohrida nach Pogradec vorgesandt. Die Heeresgruppe Scholtz versprach Unterstützung durch eine über den See heranzuführende Abteilung (drei Radfahrerkompagnien, zwei Schwadronen und zwei Geschütze) und befahl dem deutschen Obst. v. Reuter, dem nunmehr die in der Seenenge stehenden Truppen unterstellt waren, sich für einen Angriff gegen die ihm gegenüberstehenden Russen bereitzuhalten.
Tatsächlich beabsichtigte die französische Orientarmee, das ganze Gelände zwischen dem Malik- und dem Prespasee, einschließlich der Enge von Pogradec und der Höhen westlich und nordwestlich davon (Kamiarücken und Mokra planina), in Besitz zu nehmen, um dadurch einerseits das XIX. Korps von der deutsch-bulgarischen Front zu trennen, anderseits aber den Zusammenhang zwischen den französischen und italienischen Heeresflügeln zu festigen. Hiezu sollte eine unter dem Gen. Jacquemot aus französischer Infanterie, aus Spahis und aus Senegalesen zusammengesetzte Division die an der Čerava und südlich bis zur Höhe Gradište stehenden gegnerischen Truppen festhalten und mit der im Waldgelände zwischen dem Devoli und Moskopolje bereitgestellten Hauptstoßgruppe über die Kamia und die Mokra planina durchbrechen1). Demgegenüber hatte die k.u.k. 20. GbBrig., die seit August 1917 vom Obst. Edl. v. Lerch geführt wurde, den Auftrag, im Falle eines erzwungenen Rückzuges eine von Pogradec über den Kamiarücken verlaufende Stellung zu halten und die dem Korps vom k.u.k. AOK. vielleicht dann doch zugewiesenen Verstärkungen abzuwarten.
Vor dem am 7. September einsetzenden Vernichtungsfeuer leichter und mittlerer Artillerie der Franzosen wichen die bis Placa vorgeschobenen Freischaren auf die Hauptstellung an der Čerava zurück. Die um Korea versammelten französischen Angriffstruppen, die in Nachtmärschen herangeführt worden waren, drangen am 8. September in den Morgenstunden mit ihrem westlichen Angriffsflügel beiderseits von Tresova überraschend über den Devoli vor und erreichten am selben Tage noch die Höhen zwischen Strekanj und Babien. Hingegen stürmten die Franzosen vergeblich gegen die Gradistehöhe an. Erst nachts wichen die dort haltenden, im Westen bereits umfaßten öst.-ung. Grenzjäger gegen die Höhe Kozel zurück.
Bis zum Abend des folgenden Tages erkämpften sich die Spahis den Südwestteil der Kamiahöhe, während die französische Infanterie weiter nach Norden und Nordosten vorstieß und den zähen Verteidiger
*) D e y g a s, 147, 148.
am Flusse Čerava, drei Bataillone der 20. GbBrig., nötigte, die Stellung zu räumen. Die bei Grabovica (südlich des Ceravaknies) bis zum letzten Augenblick wiederholt geführten Gegenangriffe, die Bemühungen des Obst. Lerch, mit Unterstützung deutscher Radfahrer dem westlich davon vordringenden Gegner in einer Rückhaltstellung zwischen Preništi und Čaušli Halt zu gebieten, und nicht zuletzt das aufopferungsvolle Ausharren der öst.-ung. Gebirgsbatterien erleichterten es der Brigade, die vom XIX. Korpskmdo. befohlene Linie zwischen der Ruinenhöhe am Ohridasee und dem Nordostteil der Kamia zu beziehen. Überdies wurde eine kleine Reserve, bestehend aus dem vom Obst. Reuter beigestellten deutschen Detachement und zwei öst.-ung. technischen Kompagnien nördlich von Pogradec bereitgestellt.
Das der Brigade Lerch neuerlich aufgetragene Festhalten der wichtigen Enge bei Pogradec schien um so sicherer gewährleistet zu sein, als es der Kamiabesatzung (eineinhalb Bataillone), unterstützt durch deutsche Radfahrer, am 10. September gelang, den westlich umfassenden Angriff dreier französischer Bataillone abzuschlagen. Da gab eine bulgarische Kompagnie auf der Ruinenhöhe diesen wichtigen Punkt preis; die rasch herbeigeholte Reserve vermochte die Höhe zwar im Laufe der Nacht wiederzugewinnen, unterlag aber am Morgen des folgenden Tages der feindlichen Übermacht.
Durch das deutsche Detachement, eine öst.-ung. Pionierkompagnie und zwei öst.-ung. Gebirgsbatterien am Wege längs des Sees und durch Nachhuten auf der Mokra planina gedeckt, ging die Brigade Lerch bis auf die Höhen südöstlich von Radokal in eine dort im Frühjahr 1917 vorbereitete Stellung zurück. Nachhuten setzten sich nördlich von Udu-nište und auf der Höhe A 17Ö4 fest. Am 12. September früh führte Obst. Lerch seine Truppen in die Linie der Nachhuten vor, ohne vom Feind daran gehindert zu werden.
Dieser nützte wider Erwarten seinen Erfolg durch einen entscheidungsuchenden Vorstoß über Lin gegen die Straße Struga—Elbasan nicht aus, sondern zog die zusammengesetzte Division, einem Einspruch des um seine Vormachtstellung in Albanien bangenden Italiens nachgebend, nach Florina zurück. Nur zwei französische Regimenter deckten auch weiterhin den Raum um Pogradec. Die Gegnerschaft der Feinde kam der 20. GbBrig. bei der Festigung ihrer Lage sehr zustatten. Die Italiener hatten das Vorgehen ihres Verbündeten bisher nur durch eine Beschießung des Klosters Pojani von der See her und der anschließenden öst.-ung. Vojusastellung durch Artillerie sowie durch kleinere, über den Osum bei Čerevoda geführte Vorstöße unterstützt. Nun bekam der Ostflügel der Brigade Lerch noch durch ein neueingetroffenes deutsches Bataillon erhöhte Widerstandskraft. Am 13. September trat die Brigade in den Verband der neugebildeten Ohridadivision des preuß. GM. Pos-seldt, dem als zweite Dispositionseinheit die Gruppe Obst. Reuter östlich des Ohridasees unterstand.
Obst. Lerch glaubte, die ihm übertragene Doppelaufgabe, Sperrung der im Skumbitale gegen Elbasan führenden Wege und Schutz des rechten Flügels der Heeresgruppe Scholtz vor etwa gegen den Raum Struga—Ohrida gerichteten feindlichen Vorstößen, am besten durch ein verläßliches Festhalten der derzeit besetzten Stellung zu erfüllen. GM. Posseldt verstärkte die Brigade noch durch ein sächsisches Jäger- und ein bulgarisches Infanteriebataillon und stimmte der vom Obst. Lerch angeordneten Vorverlegung der Verteidigung in die Linie beiderseits der Höhe -<{>- 1704 zu.
Diese Vorbeugungsmaßnahmen waren sehr berechtigt; hatte doch Gen. Sarrail aus Paris, wohin die Kunde über den italienischen, die gemeinsame Sache schädigenden Einspruch gelangt war, die Weisung erhalten, die so erfolgreich begonnene und vorzeitig abgebrochene Offensive westlich des Ohridasees ehestens wieder aufzunehmen. Die nun zum zweiten Male in beschwerlichen Nachtmärschen aus Florina herangeführten französischen Regimenter stießen aber nunmehr auf eine gefestigte Front. Ein Einbruch, der ihnen am 21. September bei Golik glückte, wurde durch einen Gegenstoß der Bataillone 1/98 und IV SchR. 23 wettgemacht, und tags darauf wurde auch noch die Höhe Krčova — auf französischen Karten als Fort Douaumont bezeichnet — durch planmäßigen Angriff genommen. Weiter östlich, bis zur Höhe -<!>- 1704, blieben alle ihre Anstürme ohne Erfolg.
Die Möglichkeit einer Ausbreitung der feindlichen Angriffe gegen Westen hatte das XIX. Korpskmdo. veranlaßt, drei Bataillone der 211. LstlBrig. über Durazzo heranzuholen und überdies der 47. ID. vier Gebirgsbatterien zu unterstellen. Das AOK. sah sich nun doch genötigt, aus Bosnien, Serbien und Montenegro, trotz der in den zwei letztgenannten Ländern noch immer gärenden Volksbewegung, insgesamt vier Bataillone und zwei Gebirgsbatterien dem XIX. Korps zuzuweisen.
Dieser Kraftzuschuß gestattete es dem Korps, die zwischen der
20. GbBrig. und dem Ostflügel der Gruppe I XIX des FML. Gerhauser noch immer bestehende Lücke zu schließen. Auch südlich davon besserte sich in der letzten Septemberwoche die Lage. Freischaren drangen wieder bis auf die Höhen Krasta und Mali Korona vor und wiesen dort französische Angriffe ab, und auch im Kampfe um die Devolibrücke bei Kučaka behaupteten sich die eigenen Truppen.
Trotz dieser günstigen Entwicklung im Albanerabschnitte konnte das Korps dem Ersuchen der Heeresgruppe Scholtz, den von ihr beabsichtigten Angriff der 20. GbBrig. zur Wiedergewinnung des Raumes Pogradec durch die Überlassung zweier Batterien und durch Entlastungsstöße aus dem Raum Kučaka—Kraševo zu unterstützen, nicht nachkommen, da auf Grund eingelangter Nachrichten mit einer größeren italienischen Unternehmung gegen Berat gerechnet werden mußte. Die Möglichkeit feindlicher Landungsversuche in der Adria zwangen zu gemeinsam mit dem Flottenkommando eingeleiteten Abwehrmaßnahmen. Das Korpskommando mußte deshalb im Gegensätze zu der Forderung der Heeresgruppe trachten, wenigstens die in den letzten Kämpfen am schwersten mitgenommenen Teile der 20. GbBrig. (drei Bataillone) freizubekommen, um sie bei Berat und Ljušna aufzufüllen und als Korpsreserve für eine neue Verwendung bereitzustellen. Auf die von den Militärgeneralgouvernements Serbien und Montenegro übernommenen Einheiten war ja nicht lange mehr zu rechnen, da dort nach dem Abzug der Truppen die Aufstände und Raubüberfälle alsbald wieder auflebten.
Am 20. und 21. Oktober versuchte die kombinierte französische Division noch einmal, westlich des Ohridasees durchzubrechen. Am ersten Angriffstage scheiterte ihr Umgehungsversuch im Skumbitale an dem Widerstand der Grenzjäger und an dem Gegenstoß des sächsischen Jägerbataillons. Der am zweiten Angriffstage vom Seeufer bis zum Skumbi einsetzende Hauptangriff blieb nördlich von Udunište im Feuer preußischer Gardeschützen liegen, zerbrach auf der Höhe -<^ 1704 unter dem Gegenangriff eines bulgarischen Infanterieregiments und prallte westlich davon an den von Teilen der 20. GbBrig. verteidigten Stellungen ab. Damit war die französische Angriffskraft erschöpft.
Die Mitte November erfolgte Zurücknahme des französischen Westflügels in den Raum südösdich der Höhe Gora Top A 1728 glaubte die Ohridadivision zu einer Vorrückung bis zur Linie A2150—Pogradec ausnützen zu können. Teile der Gruppe I/XIX hatten sich dieser Bewegung bis in die Gegend Höhe 2150—Kučaka anzuschließen. Der
Vormarsch kam jedoch bald an der starken Stellung, die der Feind für die schlechte Jahreszeit im Quellgebiet des Skumbi vorbereitet hatte, zum Stehen.69 Auch stellten sich jetzt bei der Gruppe I XIX Verpflegs-
Schwierigkeiten ein; auf den Bergen lag bereits Schnee und in den Niederungen hatte der Regen die Flüsse zum Austreten gebracht.
Bis zum Jahresende schied die 20. GbBrig. bis auf zwei Bataillone aus der Ohridadivision, die seit dem 30. Oktober der bulgarische GLt. Kantardjeff führte, wieder aus und übernahm mit zwei Bataillonen und den Albanerfreischaren den Devoliabschnitt. Hier wies sie am 28. und am 29. November im winterlichen Hochgebirge feindliche, gegen ihren Südflügel gerichtete Vorstöße ab. Im Dezember wurde die Brigade sodann bei Kavaja neu formiert.
Das XIX. Korps hatte am 18. Oktober seinen Kommandanten, GdI. Trollmann, durch Krankheit verloren. Sein Nachfolger, GdI. Koennen-Horák, sah einer schweren Zeit entgegen. Der Nachschub auf dem Seewege wurde unsicher, der Ausbau der Landverbindungen ging nur schleppend vorwärts, die Hilfsmittel des Landes waren erschöpft, die feindselige Stimmung der albanischen Bevölkerung, von feindlichen Emissären beeinflußt, nahm zu. Alle Anzeichen sprachen für umfassende Angriffsvorbereitungen des Feindes.
An der mazedonischen Front hatten im Frühjahr 1917 Franzosen, Serben und Engländer unter schweren Verlusten die bulgarischen Stellungen nördlich von Monastir, im Cernabogen und westlich des Dojran-sees Tage hindurch vergeblich berannt. Weiterhin ereignete sich hier bis zum Ende des Jahres 1917 keine größere Kampfhandlung mehr. Hüben wie drüben wurde an der Ausgestaltung der Stellungen gearbeitet. Nur fallweise Kanonaden, die in der Gegend von Monastir besonders heftig waren, dann Handstreiche, meist im englischen Frontbereich, unterbrachen die Einförmigkeit des Grabenkrieges1). Die erfolgreiche Abwehr der Angriffe des Ententeheeres hatte den Geist der bulgarischen Truppen stark gehoben und das Vertrauen in die deutsche Führung und in das Zusammenwirken bulgarischer und deutscher Truppen, die an den Brennpunkten der Kämpfe Bestes geleistet hatten, besonders gefördert2). Aber auch im zweiten Halbjahr 1917 erwies sich das bulgarische Heer in der Verteidigung als durchaus verläßlich. Es band eine gewaltige Streitmacht der Feinde, sechs Infanteriedivisionen und eine Kavalleriedivision der Serben, acht französische, vier englische, eine russische, eine italienische und drei venizelistische Infanteriedivisionen, somit insgesamt 24 Divisionen.
Im Ententelager hingegen begann durch die Mißerfolge in den Frühjahrskämpfen unter den Truppen eine gewisse Kampfunlust um sich zu greifen. Vor allem unter den Serben, die in den letzten Kämpfen schwer gelitten hatten und sich durch den im Spätherbst erfolgten Ausfall Rußlands besonders betroffen fühlten. Zersetzungserscheinungen, ähnlich jenen in Rußland, begannen sich auch bei den in Mazedonien stehenden russischen Truppen zu zeigen. Auch wollten sich die Hoffnungen, die man auf die militärische Hilfe Griechenlands gesetzt hatte, nicht recht erfüllen. Bis Ende Dezember 1917 waren nur drei griechische Divisionen (Stand 37.000 Mann) ohne sonderlichen Kampfwert und ohne Artillerie in die Front getreten. Eine allgemeine Mobilisierung in Alt-Griechenland x) konnte aus innerpolitischen Gründen erst für den Februar 1918 in Aussicht genommen werden. London dachte im stillen an die Abberufung englischer Truppen von der Salonikifront; Italien wieder drängte auf Verlegung seiner 35., in der Mitte des Ententeheeres stehenden Division an den äußersten linken Flügel gegen Albanien zu. Frankreich selbst, ansonsten Bannerträger des Feindbundes in Mazedonien, konnte neben den starken Truppenabgaben, die es wegen der Niederlage des italienischen Heeres im Spätherbste 1917 für Italien leisten mußte, keinen Mann für Saloniki erübrigen. Daher konnte die französische Heeresleitung an eine Offensive der buntscheckigen Orientarmee nicht denken. Gen. Guillaumat, der am 16. Dezember dem Gen. Sarrail im Kommando folgte, erhielt deshalb auch den Auftrag, die Front von der Struma bis zu den albanischen Seen bloß zu halten und die Zugänge nach Griechenland, vor allem östlich des Pindosgebirges, zu sperren2).
Da auch die DOHL. und die bulgarische Heeresleitung die Aufgabe der bulgarischen Südfront in der Behauptung des eroberten Gebietes sahen, war der Zeitpunkt für große Kampfhandlungen an der mazedonischen Front vorerst nicht abzusehen.
Die Türkei im zweiten Halbjahr 1917
Hiezu Nebenskizze auf Beilage 35 Von den Mächten des Vierbundes schnitt die Türkei im Jahre 1917 vergleichsweise am schlechtesten ab. Ihr Heer hatte manches Miß!) Franz. Gstb. W., VIII, 551.
2) Franz. Gstb. W., VIII, Annexes. 441.
geschick über sich ergehen lassen müssen. Allerdings darf nicht vergessen werden, daß die Türkei schon seit 1911 Krieg führte, daß die' Hilfsmittel des Landes erschöpft waren und daß der Nachschub zu den verschiedenen, weit entfernten Frontabschnitten wegen der höchst mangelhaften Verkehrseinrichtungen sehr schwierig war.
Von den türkischen Armeen stand wie bisher die 1. bei Konstantinopel, die 2. und die 3. im armenischen Hochland, die 4. in Syrien, die 5. an den Dardanellen und die 6. im Irak. Drei Korps fochten in den Reihen der Verbündeten, das VI. bei Braila, das XV. bis in den Sommer hinein in Ostgalizien und das XX. bis zum Mai an der Struma. Zwei Räume waren es vornehmlich, die die Türkei jetzt zu verteidigen hatte: der Irak und Palästina. Dagegen drohte ihr an den Meerengen und infolge des Niederganges des russischen Heeres auch in Armenien weniger Gefahr.
Als der mit der Rückeroberung von Bagdad beauftragte GdI. Falkenhayn sich im Frühsommer anschickte, das ,,Yildirim“-Unternehmen (S. 235) einzuleiten, traf er allerorts auf passiven Widerstand und konnte es nicht in Schwung bringen. Schon Ende August mußte er den Plan, die alte Kalifenstadt den Engländern zu entreißen, fallen lassen1).
Unterdessen zogen düstere Wolken in Palästina auf. Hier rüstete der neue Befehlshaber der englischen Armee, Gen. Allenby, zu einem planmäßigen Angriff; er vermochte sieben Divisionen und etliche selbständige Brigaden, im ganzen etwa 200.000 Mann, aufzubieten. Falkenhayn, dem nunmehr die Streitkräfte in Syrien unterstellt worden waren, beantragte, der hier aufsteigenden Gefahr durch einen Angriff auf dem Ostflügel der Palästinafront zuvorzukommen und lenkte die ursprünglich für den Irak bestimmt gewesene 7. Armee und das deutsche Asienkorps dorthin.
Ehe diese auf den über das Taurus- und Amanusgebirge noch immer nicht geschlossenen Bahnen eingetroffen waren, schritt Allenby zum Angriff. In der dritten Schlacht bei Gaza, in der die zwei öst.-ung. Gebirgsbatterien und die neu hinzugekommene 10.4 cm-Kanonen-batterie 20 wieder Proben außerordentlichen Mutes abgaben2), wurden die Türken am 7. November nach Norden zurückgeworfen. In der Verfolgung nahmen die Engländer zehn Tage später Jaffa und eroberten am 9. Dezember Jerusalem. Das war ein neuer schwerer Schlag,
r) Zwehl, 286.
2) Adam, Die österreichisch-ungarische Artillerie in der Türkei (Schwarte V,
der ebenso wie der Verlust von Mekka im Jahre 1916 und jener von Bagdad im März 1917 das Ansehen der Türkei und des Sultans in der mohammedanischen Welt sehr stark schädigte. Die winterliche Regenzeit machte nun dem für die Osmanen schon recht aussichtslos gewordenen Ringen ein zeitweiliges Ende. Dschemal Pascha, der Kommandant der türkischen 4. Armee, wurde abberufen. Die Reste dieser Armee vereinigte der zum Armeeführer ernannte bisherige Generalstabschef Freih. v. Kreß Pascha in einer neugebildeten 8. Armee.
Hielt die Türkei auch noch treu zu ihren Verbündeten, so war ihre Kampfkraft, da viele ihrer Divisionen wegen der zahlreichen Desertionen nur mehr auf dem Papier bestanden, doch schon recht gering geworden. Immerhin band sie zu Ende des Jahres 1917 in Palästina mehr als sieben britische und im Irak zwei englische und einige indische Divisionen, die auf dem Hauptkriegsschauplatz in Frankreich ausfielen.
Rückblick auf das Kriegsjahr 1917
Auf dem Gebiete der Kriegführung im engeren Sinne hatten die Mittelmächte das Jahr 1917, das vierte Kalenderjahr des großen Weltringens, im Buche des Schicksals mit einem starken Haben abgeschlossen.
Wohl hatte schon das Krisenjahr 1916 nach Wochen und Monaten atembeklemmender Spannung am Schlüsse einen weit sichtbaren Erfolg gebracht, die Niederwerfung Rumäniens, das mit der stolzen Hoffnung ins Feld gezogen war, dem Gegner bloß mehr den Todesstoß geben zu müssen, und das nun mehr als die Hälfte des Landes samt der Hauptstadt einem siegreichen Eroberer unterworfen sah. Dennoch waren die Heere der Mittelmächte aus dem gewaltigen Ringen im Westen, Südwesten und Osten ermattet und stark ausgeblutet hervorgegangen. Und als FM. Conrad, unermüdlich im Planen und Handeln, trotzdem wenige Wochen vor seinem Rücktritt den Bundesgenossen zu einem gemeinsamen Frühjahrsfeldzug gegen Italien einlud, stieß er auf kaum verkennbare Ablehnung. Die Deutsche Heeresleitung, nunmehr in Hindenburg und Ludendorff verkörpert, gedachte vorerst, in entsagungsvoller Abwehr Kräfte für spätere Kämpfe zu sammeln und dazu auch stärker, als es bisher geschehen war, aus den Tiefen der Nation zu schöpfen. Inzwischen sollte allerdings auf hoher See und in den Gewässern um England die U-Bootwaffe zu dem ihr seit langem vorenthaltenen Rechte kommen und durch die Niederzwingung Albions die feindliche Front an ihrer stärksten und zähesten Stelle treffen. Am 9. Jänner 1917, nachdem an dem Scheitern des Friedensschrittes vom 12. Dezember des Vorjahres nicht mehr zu zweifeln war, wurde auf Schloß Pleß in Preußisch-Schle-sien der bedeutungsvolle Entschluß gefaßt und wenige Tage später, noch ehe Österreich-Ungarn nur widerwillig seine Zustimmung gab, steuerten die deutschen Tauchboote in das geheimnisvolle Element hinaus.
Inzwischen hatte die Entente aus ihrer strategischen Rüstkammer noch einmal den wohlbekannten Plan für einen Generalangriff an allen Fronten hervorgezogen. Im Sommer 1916, durch die gleichzeitigen Kämpfe an der Somme, am Isonzo, in Wolhynien und in Ostgalizien, war es zum erstenmal seit Kriegsausbruch geglückt, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen. Nun sollte er, im Frühjahr oder Sommer 1917, neuerlich zur endgiltigen Niederwerfung der Gegner verwirklicht werden.
Da brach durch die erste Revolution in Rußland ein mächtiger Stein aus dem stolzen Bauwerk des Vielverbandes. Als der Frühling ins Land zog, da ließ das russische Heer, während die Fahne des Zaren niedergeholt wurde, auch die Waffen sinken, und es war schwer vorauszusagen, ob es diese je wieder erheben mochte. Auch Italien zog den Angriff hinaus; allgemeine Müdigkeit paarte sich mit der Sorge ob eines gemeinsamen Vorstoßes der Mittelmächte, wie ihn Conrad ja in der Tat vorgeschlagen hatte. Nur die französischen und die britischen Streitkräfte schickten sich entschlossen zum Sturme an; ihre Angriffssäulen stießen aber beim ersten Vorfühlen ins Leere. Hindenburg hatte den weit vorragenden Stellungsbogen von Arras und Soissons in aller Heimlichkeit preisgegeben, seine Kämpfer in die Sehne des Bogens zurückgenommen und das Zwischenland in eine Wüstenei verwandeln lassen. Das Ersparnis an Kräften war bemerkenswert und kam den weiteren Kämpfen des Jahres reichlich zugute. Die Alliierten aber mußten ihren Angriff neu aufbauen. Mit einer Verspätung von vier Wochen kam es im Artois und in der Champagne zu überaus harten Kämpfen, die dem Verteidiger gewiß viel Blut kosteten, die französische Armee aber fast ins Mark trafen. Entmutigung bemächtigte sich der Streiter der Republik, der Geist der Empörung ging durch ihre Reihen und ergriff auch beträchtliche Teile des arbeitenden Volkes. Ein Vorstoß der Mittelmächte an der französischen oder an der italienischen Front hätte in diesen Wochen zu unabsehbaren Folgen führen können. Er unterblieb jedoch, da die DOHL. nicht über entsprechende Nachrichten verfügte und wohl auch die zur Hand befindlichen Reserven nicht für genügend stark hielt. Freilich ging damit vielleicht auch der letzte Augenblick, der den Mittelmächten noch einen Entscheidungssieg auf dem Schlachtfelde verheißen hätte, ungenützt vorüber.
Schon waren die großen Angriffsschlachten im Westen im Verebben, da stürzten die Italiener, nunmehr ihrer Sorgen wegen eines Angriffes der Verbündeten überhoben, in der zweiten Hälfte Mai zum zehntenmal am Isonzo zum Sturme vor. Nördlich von Görz fiel der Kuk in die Hände der Angreifer. Auf der Karsthochfläche hielt ein anfangs Juli losbrechender Gegenangriff des Verteidigers den Feind noch von dem Hermadarücken fern, der lang hingestreckt wie ein ruhender Löwe die Straße nach dem „unerlösten“ Triest bewachte.
Und wieder einige Wochen später, am l.Juli, raffte sich der Russe auf den Schlachtfeldern Ostgaliziens noch einmal zum Kampfe auf. Hatte vor Jahresfrist noch der Zar, unterstützt von seinen Popen, den Muschik zu todesverachtenden Stürmen angespornt, so war es jetzt der von der Revolution emporgetragene Kriegsdiktator Kerenski, der, allerdings nur für einen Teil der Armee, Gleiches vollbrachte. Die Erfolge, die dabei errungen wurden, waren, zumal südlich vom Dniester, nicht zu unterschätzen. Aber alsbald fielen ihnen die Mittelmächte mit einem Gegenstoß in die schon überaus brüchig gewordene Klinge. Der Russe flüchtete hinter die Grenzen seines Landes zurück — ein Bild heilloser Verwirrung, aber auf heimischer Erde zunächst doch noch stark genug, den Schwung des nachdrängenden Gegners zu bannen. Ebenso wehrten die Rumänen bei Märäsesti einen Angriff Mackensens ab; der Hoffnung, die Front durch die Gewinnung der Pruthlinie abzukürzen und zu entlasten, mußten die Mittelmächte entsagen. Dafür winkte im Norden der 1200 km langen Front noch kriegerischer Lohn. Riga, die Hochburg des baltischen Deutschtums, wurde von den Divisionen Otto von Belows genommen, und auf den Moonsundinseln stiegen gleichfalls deutsche Kämpfer ans Land. Hinter den schütteren Reihen der Russen, die kampfmüde ihre Gewehre in den Graben lehnten, erhob der Umsturz zum zweitenmal sein Haupt. Lenin und Trotzki, im Frühjahr in plombierten Wagen durch Deutschland gebracht, rissen die Herrschaft an sich, und vom Moskauer Kreml aus blickte alsbald statt des doppelköpfigen Zarenadlers der Sowjetstern ins Grau der russischen Landschaft.
. Auf dem Balkan war dem Orientheere des Gen. Sarrail weder im Frühjahr noch im Herbst größerer Erfolg beschieden, obgleich es durch den erzwungenen Übertritt Griechenlands zur Entente Rückenfreiheit erlangt hatte. Erheblich mehr Glück hatten die Briten auf der asiatischen Kampfbühne. Der Einnahme der Kalifenstadt Bagdad im März folgte im Dezember die von Jerusalem, das in den viertausend Jahren seiner Geschichte zum 37. Male einen Eroberer in seinen Mauern sah. Durch den Verlust dieser heiligen Stätten wurde das Vertrauen der Welt des Islams in den Führerberuf des Ottomanentums vollends erschüttert.
In Frankreich hatte das scharfe Durchgreifen des Kriegsministers Painlevé sowie der Generale Foch und Pétain die Armee von dem Abgrund, an dem sie taumelte, zurückgerissen. Zu größeren Kriegshandlungen vermochte sich jedoch die französische Heeresleitung aus eigener Kraft noch nicht zu entschließen. Erst sollte das Eintreffen der Amerikaner abgewartet werden, als deren Sendbote Gen. Pershing in Paris erschienen war. Der uneingeschränkte U-Bootkrieg hatte Wilson den Anlaß zum Bruche mit Deutschland geboten, zu dem es unter dem Drucke des amerikanischen Kapitals wohl auch sonst, allerdings verspätet, doch gekommen wäre. Die Westmächte und ihre Alliierten konnten es als besonderes Glück begrüßen, daß an Stelle des erlahmenden russischen Reiches in einer wohl noch ziemlich weit gesteckten, aber sicheren Frist ein neuer, aus den Menschenmassen und den Reichtümern eines Hundertmillionenvolkes schöpfender Bundesgenosse in die Front einrücken werde.
Frankreich war entschlossen, sich auf diese große Stunde in der Abwehr vorzubereiten. Dem britischen Generalstab sagte jedoch ein Programm geduldigen Zuwartens nicht zu. Die U-Bootsgefahr, die trotz der angesetzten Abwehrmittel noch immer schwer auf Volk und Heer lastete, und die unvergleichliche Zähigkeit, mit der die deutschen Armeen Ze-brügge deckten, bestärkten England noch in der Erkenntnis, daß es ums Ganze ging. Und wie ernst es den Briten nunmehr mit ihrem Opferwillen war, das bewiesen sie alsbald in der Flandernschlacht, diesem ersten großen Waffengang, den sie ohne Schulteranlehnung an mitstürmende Alliierte antraten. Aber die Widerstandskraft des Verteidigers ließ auch jetzt noch nicht mit sich spotten. Als nach mehr als vier Monate währendem Ringen die Schlacht verebbte, lag Zebrügge noch weit hinter der in unerschütterlicher Geschlossenheit verharrenden deutschen Front! Freilich steigerten gerade solch schmerzliche Erfahrungen bei den Briten und ihrem Führer Lloyd-George die Entschlossenheit, bis zum Ende durchzuhalten, und Mitte November trat dem britischen Premier auf französischem Boden in dem neuen Ministerpräsidenten Clemenceau ein ebenso zäher wie grimmiger Mitstreiter zur Seite.
Nachdem die Verhandlungen über einen Einsatz stärkerer Ententestreitkräfte auf italienischem Boden fürs erste ergebnislos verlaufen waren, wagte Cadorna im August noch einmal aus eigener Kraft einen
Angriff gegen Österreich-Ungarns Wall am Isonzo. Er trieb auf der Hochfläche von Bainsizza-Heiligengeist einen bedenklichen Keil in die Linien des Gegners. Auch die Straße nach Triest war am Fuße der Hermada neuerlich von einem heißen Ringen umbrandet. Die Gefahren, die da für das Abwehrgebäude nicht nur des Habsburgerreiches, sondern des ganzen Vierbundes heraufzogen, bewogen die öst.-ung. Heeresleitung noch während der elften Schlacht, an den deutschen Verbündeten mit der Anregung zu einem gemeinsamen Entlastungsstoß aus dem Raum von Tolmein heranzutreten.
Die Bündniskriegführung stand im Lager der Mittelmächte, trotz der eben in Ostgalizien erfochtenen gemeinsamen Erfolge, nicht mehr auf so festen Füßen wie — bei allen Gegensätzlichkeiten zwischen den Generalstabschefs — in den Jahren zuvor. Die Politik drängte sich zwischen die Bedürfnisse rein militärischer Zielsetzung. Dies erwies sich auch bei der Vorbereitung des Isonzosieges. Die Friedenspolitik Österreich-Ungarns war die ganzen Monate über von dem Gedanken getragen, daß der Weg zu einem allgemeinen Frieden nur über eine Brücke zwischen der Donaumonarchie und Frankreich zu finden sein werde. Kaiser Karl besorgte auf Grund von Nachrichten, die ihm zugekommen waren, daß ein unmittelbares Aufeinanderprallen französischer und öst.-ung. Heeresteile einer solchen Entwicklung schaden könnte, und war schon aus diesem Grunde dem Auftreten deutscher Divisionen am Isonzo abgeneigt, weil ihr Erscheinen aller Wahrscheinlichkeit nach auch französische Streitkräfte nach Oberitalien rufen mochte. Andererseits mag man in reichsdeutschen Kreisen nicht durchwegs jene Auffassung abgelehnt haben, die in der Kriegsliteratur anzutreffen istx): daß Deutschland, wenn es ein Abspringen Österreich-Ungams zuverlässig verhindern wollte, es „weder zum Siege noch zur Niederlage Italiens kommen“ lassen dürfe. Jedenfalls betrachtete man im deutschen Hauptquartier das italienische Kriegstheater nach wie vor als einen Nebenschauplatz, und es war zweifellos das Verdienst des GdI. Arz und seines Stellvertreters, GM. Waldstätten, daß die beiderseitigen Hemmnisse wider den Einsatz deutscher Heeresteile am Isonzo überwunden wurden, und daß es so zu dem großen Siegeszug in Venetien kommen konnte, der gleich in seinem Beginn den der Kriegshandlung fürs erste gesetzten, engen Rahmen sprengen sollte.
Vier große Ausfälle hatten auf diese Weise die Mittelmächte als Verteidiger einer gewaltigen, von allen Seiten eingeschlossenen Festung
!) Fester, 186.
im Jahre 1917 unternommen: einen in Ostgalizien, einen in Rumänien, einen an der Ostsee und den letzten in Oberitalien, der die Ausfallstruppen vom Isonzo und aus den Kärntner Gebirgen auf 100 und 150 km vorwärts führte. Aber den Belagerungsgürtel entzwei zu reißen, blieb den Heeren der Mittelmächte versagt und auch die U-Boote, die als Entsatztruppe im Rücken der Belagerer angesetzt waren, hatten die Hoffnungen, die man ihrem Wirken entgegenbrachte, nicht erfüllt. Waren im zweiten Viertel des Kriegsjahres 1917 noch 2,976.000 t versenkt worden, so sank diese Zahl in den folgenden Vierteljahren auf 2,491.000 und auf 1,983.000 herab1). Die U-Bootgefahr konnte von England im Herbst als abgewendet betrachtet werden. Aber diese Enttäuschung mochte bei den Mittelmächten zunächst noch nicht allzu schwer wiegen gegenüber den Vorteilen, die das Ausscheiden Rußlands aus der Kampffront verhieß. Der endgiltige Zusammenbruch des russischen Heeres, der nach dem Scheitern der „Kerenski-Offensive“ nicht mehr aufzuhalten war, hatte den Kaisermächten den Rücken schon während des italienischen Feldzuges freigehalten. Diese Rückenfreiheit blieb auch für das kommende Frühjahr aufrecht und behielt so lange ihren Wert, bis entsprechend starke amerikanische Kräfte an der Westfront auftauchen konnten.
Gegenüber diesem sonach noch immer recht günstigen militärischen Bilde stach allerdings die politische Lage der Mittelmächte und ihrer Verbündeten nicht unerheblich ab. Die über sie verhängte Hungerblockade und die Abschnürung von allen Rohstoffquellen der Welt ließen es allgemach an der unvermeidlichen Wirkung nicht fehlen. Der vom Vielverband entfachte Ideenkampf fand überall aufnahmsbereiten Boden. Deutschlands Volkskörper war schon von bedenklichen sozialen Fiebern befallen, im habsburgisehen Reiche kamen noch nationale Beben hinzu, die nicht mehr bloß unterirdisch fühlbar waren. Am 12. Dezember 1916 hatten die Regierungen der Mittelmächte den ersten offiziellen Friedensschritt des Weltkrieges getan. Das Scheitern dieses Schrittes hatte den jungen Kaiser und seinen Außenminister Czernin nicht vor der Aufnahme weiterer Friedensfühler zurückschrecken lassen. Über die Möglichkeiten eines Sonderfriedens für Österreich-Ungarn ist das Nötigste gesagt worden (S. 417 ff.). Wie es um die Frage eines allgemeinen Friedens stand, ging aus den verschiedenen Ententekundgebungen im Sommer und im Herbst 1917 hervor. Italien zeigte sich in keiner Weise geneigt, von
1) Nach britischen Angaben lauten diese Zahlen: 2,225.000, 1,500.000 und
1,125.000. Vgl. Montgelas in der Propyläen-Weltgeschichte, X, 432.
den im Londoner Vertrag von 1915 anerkannten „Aspirationen“ in irgendetwas nachzugeben. Frankreich blieb in der Frage der „Desannexion“ Elsaß-Lothringens unerbittlich und dachte überdies an die Gewinnung des Saarbeckens und an die Errichtung eines neutralisierten linksrheinischen Pufferstaates. Albion bestätigte nicht bloß die Rechte Frankreichs auf die Reichslande und forderte nicht nur die bedingungslose Räumung Belgiens, sondern es machte vor dem Letzten nicht Halt: es war entschlossen, den Krieg bis zur völligen Entmachtung Deutschlands durchzukämpfen.
So waren denn, wenn der Winter nicht noch eine Überraschung nach der Richtung des Friedens brachte, im Spätherbst die Lose ausgeworfen. Beide Mächtegruppen hatten sich im Kriegsjahre 1917 — die des Vielverbandes nach dem Scheitern der Frühjahrsoffensive in Frankreich — auf das Zu warten eingestellt. Damit war es für 1918 vorüber. Die Mittelmächte mußten nach dem Scheitern des U-Bootkrieges nun doch wieder entschlossen daran gehen, noch einmal die Entscheidung mit dem Schwerte zu suchen. Der Niederbruch Rußlands bot gewiß aussichtsvolle Möglichkeiten. Die Zeit war allerdings begrenzt. Erschien der Amerikaner mit starken Kräften auf der französischen Walstatt, ehe die Mittelmächte ein entscheidendes Ergebnis erkämpft hatten, dann neigte sich die Waagschale endgiltig auf die Seite der Entente, die ihrerseits die Rechnung denn auch nach dieser Erkenntnis einstellte: Halten um jeden Preis bis zum Eintreffen der neuen Mitstreiter vom anderen Ufer des Atlantik! Der Weg war beiden Teilen unentrinnbar vorgezeichnet.
Nr. 1
Der Waffenruhevertrag von Brest-Litowsk, 5. Dezember 1917 l)
Zwischen den bevollmächtigten Vertretern der Obersten Heeresleitungen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, Bulgariens und der Türkei einerseits und Rußlands andererseits wird zur Erleichterung der schwebenden Waffenstillstands-Verhandlungen folgende Waffenruhe abgeschlossen:
1. Die Waffenruhe beginnt am 7. Dezember 1917, 12,00 Uhr mittags, und dauert bis 17. Dezember 1917, 12,00 Uhr mittags.
Beide Parteien sind berechtigt, die Waffenruhe mit dreitägiger Frist zu kündigen.
2. Die Waffenruhe erstreckt sich auf alle Land- und Luftstreitkräfte der genannten Heere zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee, sowie auf den türkisch-russischen Kriegsschauplätzen in Asien. Auf den Inseln am Moon-Sund sind die deutschen Landstreitkräfte in die Waffenruhe eingeschlossen. Die Luftstreitkräftc am Meer haben Handlungsfreiheit, jedoch nur über See; sie dürfen in feindlichem Besitz befindliches Landgebiet nicht überfliegen.
Das Beschießen von Küstenpunkten durch Seestreitkräfte ist verboten.
3. Als Demarkationslinie an der europäischen Front gelten die beiderseitigen vordersten Hindernisse der eigenen Stellungen. Dort, wo keine geschlossenen Stellungen bestehen, gilt beiderseitig als Demarkationslinie die Gerade zwischen den vordersten besetzten Punkten. Der Zwischenraum zwischen den beiden Linien gilt als neutral.
Auf den asiatischen Kriegsschauplätzen wird die Demarkationslinie nach Vereinbarung der beiderseitigen Höchstkommandierenden bestimmt.
4. Alle Parteien verpflichten sich, dafür Sorge zu tragen, daß ein ausdrücklicher Befehl für ihre Truppen erlassen wird, die Demarkationslinie nicht zu überschreiten.
5. Während der Waffenruhe dürfen nur solche Truppenverschiebungen von Divisionsstärke und mehr stattfinden, die bis 5. XII. 17 einschließlich schon befohlen waren.
6. Alle Sonderverträge einzelner Kommandostellen über Waffenruhe werden hierdurch außer Kraft gesetzt.
Ausgefertigt und unterschrieben in fünf Exemplaren.
Brest-Litowsk, den 5. Dezember 1917 (22.11.).
"Folgen der russische Text und die Unterschriften.)
J) AOK., Op. geheim Nr. 537 vom 8. Dezember 1917.
Nr. 2
Der Waffenstillstandsvertrag von Focsani, 9. Dezember 19172)
Au jour d’hui le 26 novbre/9 décbre 1917 23h30heure de Petrograd
10h30heure de l’Europe orientale.
Conditions de l’armistice entre les armées Russes et Roumaines du front Roumain ďune part et les armées Allemandes, Austro-Hongroises, Bulgares et Turques opérant sur le méme front ďautre part.
§ 1. Est conclu entre les armées Russes du front Roumain opérant sur le front entre le Dniestr et l’embouchure du Danube inclusivement, sous le commande-ment du général Stcherbatcheff ďune part et les armées Allemandes, Austro-Hongroises, Bulgares et Turques disposées sur le méme front sous le commandement de l’Archiduc Joseph et du Feldmarschall v. Mackensen ďautre part, l’accord suivant concernant l’armistice provisoire jusau’au moment ou la question de la guerre ou de la paix sera decidée par 1’Assemblé Constituante de toute la Russie.
Les Armées Roumaines opérant sous les ordres du général Presan et faisant partie du front Roumain concluent de méme cet accord pour le temps que durera l’armistice des armées Russes du front Roumain.
§ 2. Les deux partis sont réciproquement obligés ä annoncer la reprise des
hostilités 72 heures avant leur commencement.
Le present accord est rompu automatiquement dans le cas d’une offensive des forces Allemandes, Austro-Hongroises, Bulgares ou Turques sur un secteur quelconque de tout le front entre la Mer Baltique et lembouchure du Danube incl. méme en dehors du front Roumain. ou bien dans le cas de reprise des hostilités par les armées Russes ou Roumaines; méme en ce cas la parti adversaire doit étre prévenu 72 heures ďavance.
§ 3. Toutes les hostilités sur le front susdit au § 1 cessent immediatement aprěs que ťaccord présent entrera en vigueur.
§ 4. Les opérations aériennes cessent reciproquément non seulement au dessus des lignes ennemies mais méme au dessus ďune zone de 10 kilometre en profondeur mesurés des tranchées de premiére ligne des contractants respectifs. L’activite des aérostats cesse en méme temps tout a fait.
§ 5. Est inadmissible tout envoi de patrouilles et mime ďéclaireurs isolés au dela de la propre ligne avancée de fils de fer.
§ 6. II est défendu aux avant-postes des deux partis de dépasser la propre ligne avancée de fils de fer.
§ 7. Les deux partis s’engagent ä ne pas exécuter de travaux de préparation
d’offensive et aussi de travaux ayant pour but le renforcement et le dcveloppement
d.es positions. Seront admis seulement les travaux ayant pour but l’entretien des positions, l’amelioration de 1’état materiel des troupes (ravitaillement, Situation sanitaire) et les constructions de baraquement.
-j AOK., Op. geheim Nr. 597 vom 21. Dezember 1918. Schreibweise genau nach dem Originalakt.
§ S. Du moment que la convention est entrée en vigueur les deux partis
s'obligent de ne plus donner des ordres pour les transports opératifs, de mouvements,
de regroupements et aussi de ne pas exécuter les transports et les regroupements pour lequels les ordres avaient été donnés aprěs le 5. décembre n. st. (inclus).
Pendant toute la durée de l’armistice sont permis la relěve habituelle des unités dans le rayon du corps ďarmée, ainsi que les mouvements des troupes dans la zone des armées ayant pour but l’amelioration des cantonnement et l’approvi-
sionnement des troupes.
11 n'est pas permis de remplacer des troupes retirées de leur zone du corps ďarmée que tout au plus par des troupes de la merne force et prise seulement du front dit au § 1.
§ 9. L'affaiblissement par le prelevement individuel ou collectif sur les unités disposées actuellement sur le front dans le but de renforcer les autres
fronts est interdit.
§ 10. La zone neutre pour le temps de l’armistice s’etendra entre les lignes de fils de fer le plus avancées des deux partis. En cas d’absence ďobstacles artificiels la zone est comprise entre les tranchées les plus avancées ou une ligne droite
imaginaire d'une tranchée ä l’autre et indiquée par des placards.
Dans la region du Delta du Danube la zone neutre est le bras St. Georg*e.
§ 11. L’entree dans la zone neutre est défendue; mais les personnes qui
s’y meuvent pendant la journée et sans armes ne seront pas traitées par des moyens violents.
§ 12. Toute personne appartenant aux partis contractants qui dépasse la zone neutre est considérée comme prisonnier70).
§ 13. II est défendu de vendre, de céder ou de consommer des boissons
alcooliques dans la zone neutre.
§ 14. Les malentendus qui pourraient surgir pendant la durée de cet accord
seront tranchés par les délégués des deux cötes. — L’endroit et le temps de la
réunion des délégués seront désignés dans chaque cas particulier par l’entremise de parlementaires.
§ 15. Les deux partis auront le droit de faire des propositions comple-mentaires pour la modification des stipulations de la presente convention. C’est pourquoi sera convoquée une commission ayant les mcmes pleine-pouvoirs que
la presente.
§ 16. Cet armistice se refert aussi ä la flotille fluviale militaire des deux partis.
§ 17. Le présent accord entre en vigueur du moment de sa signatuře.
§ 18. Cet armistice perd sa valeur aussitót qu’un armistice comprenant expressément le front total entre la Mer Baltique et la Mer Noire sera conclu entre les commandements supremes des Puissances Centrales alliées d’une part et le commandement supreme Russe et le commandement supremę Roumain d'accord d’autre part.
§ 19. On remettra ä chacun des partis par l’entremise des délégués un exemplaire de cet accord signé ct rédigé en franęais.
Les soussignées expriment leur désir que: la question de la neutralisation de la cöte entre les embouchures extremes du Danube et la navigation sur la Mer Noire et sur tous les bras du Danube jusqu’ä Galati soient discutées et établies par une commission mixte speciále.
(Folgen die Unterschriften.)
Nr. 3
Der Waffenstillstandsvertrag von Brest-Litowsk, 15. Dezembre 19171)
Zwischen den bevollmächtigten Vertretern der Obersten Heeresleitungen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, Bulgariens und der Türkei einerseits, Rußlands andererseits wird zur Herbeiführung eines dauerhaften, für alle Teile ehrenvollen Friedens folgender Waffenstillstand abgeschlossen:
I. Der Waffenstillstand beginnt am 17. Dezember 1917, 12 Uhr mittags (4. Dez.
1917, 14 Uhr russ. Zeit) und dauert bis 14. Januar 1918, 12 Uhr mittags (1. Januar
1918, 14 Uhr russ. Zeit).. Die vertragschließenden Parteien sind berechtigt, den Waffenstillstand am 21. Tage mit 7tägiger Frist zu kündigen; erfolgt dies nicht, so dauert der Waffenstillstand automatisch weiter, bis eine der Parteien ihn mit 7tägiger Frist kündigt.
II. Der Waffenstillstand erstreckt sich auf alle Land- und Luftstreitkräfte der genannten Mächte auf der Landfront zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Auf den russisch-türkischen Kriegsschauplätzen in Asien tritt der Waffenstillstand gleichzeitig ein.
Die Vertragschließenden verpflichten sich, während des Waffenstillstandes die Anzahl der an den genannten Fronten und auf den Inseln des Moonsundes befindlichen Truppenverbände — auch hinsichtlich ihrer Gliederung und ihres Etats — nicht zu verstärken und an diesen Fronten keine Umgruppierungen zur Vorbereitung einer Offensive vorzunehmen.
Ferner verpflichten sich die Vertragschließenden, bis zum 14. Januar 1918 (1. Januar 1918 russ. Zeit) von der Front zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee keine operativen Truppenverschiebungen durchzuführen, es sei denn, daß die Verschiebungen im Augenblick der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertragei schon eingeleitet sind.
Endlich verpflichten sich die Vertragschließenden, in den Häfen der Ostsee östlich des 15. Längengrades Ost von Greenwich und in den Häfen des Schwarzen Meeres während der Dauer des Waffenstillstands keine Truppen zusammenzuziehen
!) AOK., Op. geheim Nr. 677 vom 23. Dezember 1917. — Auch gedruckt bei N i e m e y e r, Die völkerrechtlichen Urkunden des Weltkrieges, VI, 699 ff. ^Jahrbuch des Völkerrechts, VIII, München und Leipzig, 1922).
III. Als Demarkationslinien an der europäischen Front gelten die beiderseitigen vordersten Hindernisse der eigenen Stellungen. Diese Linien dürfen nur unter den Bedingungen der Ziffer IV überschritten werden.
Dort, wo keine geschlossenen Stellungen bestehen, gilt beiderseits als Demarkationslinie die Gerade zwischen den vordersten besetzten Punkten. Der Zwischenraum zwischen den beiden Linien gilt als neutral. Ebenso sind schiffbare Flüsse, die die beiderseitigen Stellungen trennen, neutral und unbefahrbar, es sei denn, daß es sich um vereinbarte Handelsschiffahrt handelt. In den Abschnitten, wo die Stellungen weit auseinander liegen, sind alsbald durch die Waffenstillstandskommissionen (Ziff. VII) Demarkationslinien festzulegen und kenntlich zu machen.
Auf den russisch-türkischen Kriegsschauplätzen in Asien sind die Demarkationslinien sowie der Verkehr über dieselben (Ziff. IV) nach Vereinbarung der beiderseitigen Höchstkommandierenden zu bestimmen.
IV. Zur Entwickelung und Befestigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Völkern der vertragschließenden Parteien wird ein organisierter Verkehr der Truppen unter folgenden Bedingungen gestattet:
1. Der Verkehr ist erlaubt für Parlamentäre, für die Mitglieder der Waffenstillstandskommissionen (Ziff. VII) und deren Vertreter. Sie alle müssen dazu Ausweise von mindestens einem Korpskommando, bzw. Korpskomitee besitzen.
2. In jedem Abschnitt einer russischen Division kann an etwa 2 bis 3 Stellen organisierter Verkehr stattfinden.
Hierzu sind im Einvernehmen der sich gegenüberstehenden Divisionen Verkehrsstellen in der neutralen Zone zwischen den Demarkationslinien einzurichten und durch weiße Flaggen zu bezeichnen. Der Verkehr ist nur bei Tage von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zulässig.
An den Verkehrsstellen dürfen sich gleichzeitig höchstens 25 Angehörige jeder Partei ohne Waffen aufhalten. Der Austausch von Nachrichten und Zeitungen ist gestattet. Offene Briefe können zur Beförderung übergeben werden. Der Verkauf und Austausch von Waren des täglichen Gebrauchs an den Verkehrsstellen ist erlaubt.
3. Die Beerdigung Gefallener in der neutralen Zone ist erlaubt. Die näheren Bestimmungen sind jedesmal durch die beiderseitigen Divisionen oder höheren Dienststellen zu vereinbaren.
4. Ueber die Rückkehr entlassener Heeresangehöriger des einen Landes, die jenseits der Demarkationslinie des anderen Landes beheimatet sind, kann erst bei den Friedensverhandlungen entschieden werden. Hierzu rechnen auch die Angehörigen polnischer Truppenteile.
5. Alle Personen, die — entgegen den vorstehenden Vereinbarungen 1 bis 4 — die Demarkationslinie der Gegenpartei überschreiten, werden festgehalten und erst bei Friedensschluß oder Kündigung des Waffenstillstands zurückgegeben.
Die vertragschließenden Parteien verpflichten sich, ihre Truppen durch strengen Befehl und eingehende Belehrung auf Einhalten der Verkehrsbedingungen und die Folgen von Ueberschreitungen hinzuweisen.
V. Für den Seekrieg wird folgendes festgelegt:
1. Der Waffenstillstand erstreckt sich auf das ganze Schwarze Meer und auf die Ostsee östlich des 15. Längengrades Ost von Greenwich, und zwar auf alle dort befindlichen See- und Luftstreitkräfte, der vertragschließenden Parteien.
Für die Frage des Waffenstillstandes im Weißen Meer und in den russischen Küstengewässern des Nördlichen Eismeeres wird von der deutschen und russischen Seekriegsleitung in gegenseitigem Einvernehmen eine besondere Vereinbarung getroffen werden. Gegenseitige Angriffe auf Handels- und Kriegsschiffe in den genannten Gewässern sollen nach Möglichkeit schon jetzt unterbleiben.
In jene besondere Vereinbarung sollen auch Bestimmungen aufgenommen werden, um nach Möglichkeit zu verhindern, daß Seestreitkräfte der vertragschließenden Parteien sich auf anderen Meeren bekämpfen.
2. Angriffe von See aus und aus der Luft auf Häfen und Küsten der anderen vertragschließenden Partei werden auf allen Meeren beiderseits unterbleiben. Auch ist das Anlaufen der von der einen Partei besetzten Häfen und Küsten durch die Seestreitkräfte der anderen Partei verboten.
3. Das Ueberfliegen der Häfen und Küsten der anderen vertragschließenden Partei sowie der Demarkationslinien ist auf allen Meeren untersagt.
4. Die Demarkationslinien verlaufen:
a) Im Schwarzen Meer: von Olinka-Leuchtturm (St. Georgsmündung) — Kap Jeros (Trapezunt),
b) in der Ostsee: von Rogekül-—Westküste Worms—Bogskär—Svenska-Högarne.
Die nähere Festsetzung der Linie zwischen Worms und Bogskär wird der
Waffenstillstandskommission der Ostsee (Ziffer VII, 1) übertragen mit der Maßgabe, daß den russischen Seestreitkräften bei allen Wetter- und Eisverhältnissen eine freie Fahrt nach der Aalandsee gewährleistet ist.
Die russischen Seestreitkräfte werden die Demarkationslinien nicht nach Süden, die Seestreitkräfte der vier verbündeten Mächte nicht nach Norden überschreiten.
Die russische Regierung übernimmt die Gewähr dafür, daß Seestreitkräfte der Entente, die sich bei Beginn des Waffenstillstands nördlich der Demarkationslinien befinden oder später dorthin gelangen, sich ebenso verhalten wie die russischen Seestreitkräfte. _
5. Der Handel und die Handelsschiffahrt in den in Ziffer 1, Abs. 1, bezeichneten Seegebieten sind frei. Die Festlegung aller Bestimmungen für den Handel sowie die Bekanntgabe der gefahrlosen Wege für die Handelsschiffe wird den Waffenstillstandskommissionen des Schwarzen Meeres und der Ostsee (Ziffer VII, 1 und 7) übertragen,
6. Die vertragschließenden Parteien verpflichten sich, während des Waffenstillstandes im Schwarzen Meer und in der Ostsee keine Vorbereitungen zu Angriffsoperationen zur See gegeneinander vorzunehmen.
VI. Um Unruhe und Zwischenfälle an der Front zu vermeiden, dürfen
Uebungen mit Infanterie-Wirkung nicht näher als 5 km, mit Artillerie-Wirkung nicht näher als 15 km hinter den Fronten vorgenommen werden.
Der Landminenkrieg wird vollständig eingestellt.
Luftstreitkräfte und Fesselballons müssen sich außerhalb einer 10 km breiten
Luftzone hinter der eigenen Demarkationslinie halten.
Arbeiten an den Stellungen hinter den vordersten Drahthindernissen sind
erlaubt, jedoch nicht solche, die der Vorbereitung von Angriffen dienen können.
VII. Mit Beginn des Waffenstillstands treten die nachstehenden „Waffenstillstandskommissionen“ (Vertreter jedes an dem betreffenden Frontstück beteiligten
Staates) zusammen, denen alle militärischen Fragen für die Ausführung der Waffenstillstandsbestimmungen in den betreffenden Bereichen zuzuführen sind:
1. Riga für die Ostsee,
2. Dünaburg für die Front von der Ostsee bis zur Disna,
3. Brest-Litowsk für die Front von der Disna bis zum Pripet,
4. Berditschew für die Front vom Pripet bis zum Dnjester,
5 Koloszvar I ^ ^ ^ront vom Dnjester bis zum Schwarzen Meer. Grenz-
6 Focsani I Bestimmung zwischen beiden Kommissionen 5 und 6 im gegen-
J seitigen Einvernehmen,
7. Odessa für das Schwarze Meer.
Diesen Kommissionen werden unmittelbare und unkontrollierte Fernschreibeleitungen in die Heimatländer ihrer Mitglieder zur Verfügung gestellt. Die Leitungen werden im eigenen Lande bis zur Mitte zwischen den Demarkationslinien von den betreffenden Heeresleitungen gebaut.
Auch auf den russisch-türkischen Kriegsschauplätzen in Asien werden derartige Kommissionen eingerichtet nach Vereinbarung der beiderseitigen Höchstkommandierenden.
VIII. Der Vertrag über Waffenruhe vom 5. Dezember (22. Nov.) 1917 und alle bisher für einzelne Frontstücke abgeschlossenen Vereinbarungen über Waffenruhe oder Waffenstillstand werden durch diesen Waffenstillstandsvertrag außer Kraft gesetzt.
IX. Die vertragschließenden Parteien werden im unmittelbaren Anschluß an die Unterzeichnung dieses Waffenstillstandsvertrages in Friedensverhandlungen eintreten.
X. Ausgehend von dem Grundsätze der Freiheit, Unabhängigkeit und territorialen Unversehrtheit des neutralen persischen Reiches sind die türkische und die russische Oberste Heeresleitung bereit, ihre Truppen aus Persien zurückzuziehen. Sie werden alsbald mit der persischen Regierung in Verbindung treten, um die Einzelheiten der Räumung und die zur Sicherstellung jenes Grundsatzes sonst noch erforderlichen Maßnahmen zu regeln.
XI. Jede vertragschließende Partei erhält eine Ausfertigung dieser Vereinbarung in deutscher und russischer Sprache, die von den bevollmächtigten Vertretern unterzeichnet ist.
Brest-Litowsk, den 15. Dezember 1917 ^2. Dez. 1917 russ. Stils)
(Folgen die Unterschriften und der russische Text.)
Zusatz zum Waffenstillstandsvertrag
Zur Ergänzung und zum weiteren Ausbau des Abkommens über den Waffenstillstand sind die vertragschließenden Parteien übereingekommen, schnellstens die Regelung des Austauschs von Zivilgefangenen und dienstuntauglichen Kriegsgefangenen unmittelbar durch die Front in Angriff zu nehmen. Hierbei soll die Frage der Heimschaffung der im Laufe des Krieges zurückgehaltenen Frauen und Kinder unter 14 Jahren in erster Linie berücksichtigt werden.
Die vertragschließenden Parteien werden sofort für tunlichste Verbesserung der Lage der beiderseitigen Kriegsgefangenen Sorge tragen. Dies soll eine der vornehmsten Aufgaben der beteiligten Regierungen sein.
Um die Friedensverhandlungen zu fördern und die der Zivilisation durch
den Krieg geschlagenen Wunden so schnell wie möglich zu heilen, sollen Maßnahmen
zur Wiederherstellung der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den vertragschließenden Parteien getroffen werden. Diesem Zweck soll u. a. dienen: die Wiederaufnahme des Post- und Handelsverkehrs, der Versand von
Büchern und Zeitungen und dergleichen innerhalb der durch den Waffenstillstand gezogenen Grenzen.
Zur Regelung der Einzelheiten wird eine gemischte Kommission von Vertretern sämtlicher Beteiligten demnächst in Petersburg zusammentreten.
Brest-Litowsk, den 15. Dezember 1917.
Grundsätzlich genehmigt und unter Vorbehalt der endgültigen Formulierung
unterzeichnet:
(Folgen die Unterschriften der Vertreter des Vierbundes und der russische Text mit den Unterschriften der russischen Vertreter.)
PERSONENVERZEICHNIS
UND
VERZEICHNIS DER ÖST.-UNG. UND DER VERBÜNDETEN TRUPPENVERBÄNDE
|
Abele v. und zu Lilienberg Albert Freih.. GM. 266, 270, 400 Albori Eduard Freih. v., Obst. 141 Albrecht Erzherzog, FM. 592 Albricci nob. Alberico, ital. Gen. 427 Alexander König der Hellenen 234, 416 Alexandra Feodorowna Kaiserin von Rußland Alexej Nikolajewitsch Großfürst-Thronfolger von Rußland 91, 92 Alexejew Michael Wassil- jewitsch, russ. GdI. 12, 13, 14, 91, 92, 93, 94, 101, 102, 103, 216, 218, 220, 222, 223, 719, 720 Allenby E. H. H., brit. Gen. 754 Aosta Vittorio Emanuele Filiberto di Savoia, du-ca di, ital. GLt. 134, 149, 152, 153, 160, 163, 176, 441, 468, 469, 549, 557, 565, 572, 576, 581 Apór de Al-Torja Samuel Freih., FML. 317, 319 Armand Abel Gf., franz. Mjr. 422, 423 Arz von Straußenburg Artur, GdI. 40, 70, 78, 79, 111, Freih. 214, 215, 221, 283, 293, 341, 343, 355, 359, 392, 397, 405, 456, 457, 458, 463, 468, 494, 497, 505, 511, 573, 574, 577, 600, 601, 602, 615, 641, 676, 704, 705, 710, 724, 730, 735, 737, 739, 759 Aust Adolf v., GM. 264, 266, 267, 268, 270, 273, 274, 277, 280, 396 |
Averescu Alexandru, rum. DivGen. 339, 341, 348, 349, 350, 351, 353, 355, 404, 411 Babić Otmar, Obst. 123 Badoglio Pietro, ital. GLt. 140, 145 Balujew Peter Semiono-witsch, russ. GdI. 303, 308, 311, 320, 720 Le Beau Aurel v., FML. 456 Behr Karl v., preuß. GLt. 347, 366 Bekić v. Bovic Theodor, FML. 234 Below Ernst v., preuß. GM. 530 Below Otto v., preuß. GdI. 497, 499, 500, 505, 520, 521, 533, 541, 545, 550, 558, 563, 567, 569, 573, 574, 578, 579, 580, 583, 584, 585, 586, 588, 591, 592, 593, 596, 599, 603, 606, 615, 616, 622, 623, 625, 667, 668, 673, 674, 676, 677, 6S0, 682, 688, 690, 693, 698, 701, 702, 703, 704, 705, 757 Beineckendorff, s. Hinden-burg Benedikt XV., Papst 423 Benigni in Müldenberg Siegmund Ritt, v., FZM. Benke v. Tardoskedd Adalbert, GM. 327, 396 |
Bernhard! Friedrich v., preuß. GdK. 86, 87, 284, 401 Bernstorff Johann Heinrich Gf. v., deutscher Botschafter in Washington 7 Berrer Albert v., württ. GLt. 293, 295, 296, 297, 298, 299, 301, 304, 308, 309, 497, 523, 530, 540, 541, 543, 550, 553, 563, 569, 570 Bertalan Árpád, Lt. 532 Berthelot Henri Mathias, franz. Gen. 340 Beseler Hans v., preuß. GdI. 724 Bethmann - Hollweg Theobald v., Dr., deutscher Reichskanzler 6, 7, 99, 100, 221, 418, 423 Bjelkowitsch Leonid Niko-lajewitsch, russ. Gen. 223, 244, 253, 302 Boeß Bernhard, preuß. GLt. 318 Böhm-Ermolli Eduard v., GO. 83, 226, 227, 229, Freih. v. 400, 406, 407, 725, 727, 731, 738, 739 Bolfras Artur Freih. v., GO. 69 Böltz Eduard Edl. v., FML. |
sterpräsident 18, 714 Bothmer Felix Gf. v., bayr. GdI. 34, 228, 229, 238, 240, 241, 242, 243, 246, 256, 257, 258, 260, 269, 271, 275, 276, 280, 292, 297, 298, 299, 300, 302, 305, 306, 307, 310, 311, 312, 313, 314, 316, 321, 330, 331, 332, 333, 334, 335 Böttner Karl, Obst. 124 Bratianu Jonel, rum. Ministerpräsident 14, 361 Braun Rudolf, FZM. 739 Breit v. Doberdo Toseph, GM. 96 Briand Aristide, franz. Ministerpräsident 120, 121 Brunswik de Korompa Adolf, GM. 342, FML. 369, 370, 372, 384, 390 Brussilow Alexej Alexan-drowitsch, russ. GdK. 13, 14, 29, 31, 46, 65, 305, 319, 320 Buchanan Sir Georges William, engl. Botschafter in Petersburg 90, 219, 227, 717 Budiner Raimund v., Obst. 531 ' Burián v. Rajecz Stephan Baron, Minister d. Äußeren 421 Cadorna Luigi conte. ital. GLt. 16, 17, 18, 118, 119, 128, 152, 153, 176, 180. 185. 209, 424, 426, |
Capello Luigi, ital. GLt. 133, 135, 137, 139, 140, Caracciolo Mario, ital. Gen. 699 Carol Kronprinz von Rumänien 14 Castelnau, s. Curiěres Caviglia Enrico, ital. Gen. 439, 453, 461, 462, 613 Churchill Winston, engl. Staatsmann 745 Chwostek Ottokar, Obst. 167, 169 Clam-Gallas Franz, Gf., österr. Ministerpräsident 7 Clemenceau George, franz. Ministerpräsident 419, 758 Colerus v. Geldern Wendelin, Obst. 464 Como Dagna Sabina Angelo, ital. Gen. 209 Conrad v. Hötzendorf Franz Freih., FM. 3, 4, 5, 6, 7, 9, 10, 17, 23, 24, 25, 28, 68, 69, 70, 71, 72, 79, 104, 105, 756 |
Conta Richard v., preuß. GLt. 317, 326, 327, 350, 395, 398, 723, 727, 739 Covin Lorenz, Obst. 634 Cramon August v., preuß. GM. 72, 130, 494 Cristescu Constantin, rum. Gen. 341, 347, 361, 362, 368, 369, 370, 371, 372 Csáky v. Körosszegh u. Adorján Emmerich, Gf., Legationssekretär l.Kat. 732 Csanády v. Békés Friedrich, GdI. 272, 281, 342, 400 Csicserics v. Bacsány Maximilian, FML. 262, 441, 476, 478 Curiěres de Castelnau No-el-Marie-Joseph, franz. DivGen. 14 Czernin v. Chudenitz Ottokar Gf., Minister des Äußern 7, 99, 221, 421, 422, 423, 730, 760 Dáni v. Gyarmata Adalbert, GM. 146 Decken Friedrich v. der, preuß. GM. 250 Denikin Anton Iwano-witsch 223, 285, 286, 306, 320, 719 Diaz Armando, ital. GLt. 644, 645 Dimitriew Radko, russ. GdI. 87. Dragomirow Abram Mi-chailowitsch, russ. GdK. 220, 222, 223 Dscbemal Pascha Mer-sinli, türk. DivGen. 755 Duchěne Denis Auguste, franz. Gen. 603 Duchonin Nikolai Nikola-jewitsch, russ. Gen. 720, 728, 729, 734, 740 Duval de Dampierre Quirin Freih. v., Obst. 396 Eben Johannes v., preuß. GdI. 85, 341, 342, 347, 349, 353, 354, 356, 357, | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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359, 360, 362, 365, 366, 367, 368, 369, 371, 372, 382, 383, 384, 386, 388, 390, 391, 392, 394 Eckhardt v. Eckhardtsburg Friedrich, GM. 124 Eichhorn Hermann v., preuß. GO. 305, 309, 731 Einem William v., Obst. 10 ' Eisner-Bubna Wilhelm, Obst. 71 Eitel Friedrich Prinz v. Preußen, preuß. Obst. 308 Enver Pascha, türk. Vizegeneralissimus 235 Erd'eli Iwan Georgewitsch, russ. Gen. 223, 244, 247, 297, 303 Eszterházy zu Galántha Moritz Gf., ung. Ministerpräsident 421 Etna Donato, ital. GLt. 547, 565, 570, 571, 575, 608 Eugen Erzherzog, FM. 6, 69, 105, 108, 138, 171, 708, 709 Ewert Alexej Jermolaje-witsch, russ. GdI. 13, F Fabini Ludwig v., FML. 136, 141, 145, 153, 154, Falkenhayn Erich v., preuß. GdI. 40, 235, 341, 754 Falkenhayn Eugen v., preuß. GdK. 85 Fässer Edl. v. Lesachthal Joseph, Obst. 566, 593, 594, 635, 636, 637 Felix Adalbert v., GM. 262, 315, 319 _ Ferdinand I. König der Bulgaren 641 |
Ferdinand König von Rumänien 92, 101, 339, Fernengel Johann, FML. 464, 727 Ferrero Giacinto, ital. Gen. 547, 565, 570, 571, 572, 575, 576, 581, 582 Fischer v. See Hugo, Obst. 172, 173 Foch Ferdinand, franz.Gen. 119, 122, 425, 426, 427, Förster-Streffleur Felix Ritt, v., Obstlt. 735 Fortmüller August, sächs. GM. 257 Franek Friedrich, Oblt. 448 FJI, 592 Friedrich Erzherzog, FM. 68 Friedrich Wilhelm Kronprinz dies Deutschen Reiches und Kronprinz von Preußen, GdI. 129, 423, 743 Gallwitz gen. Dreyling Kurt v., preuß. GM. 342, 347, 352, 354, 374 Gantscheff Peter, bulg. Obst. 732 Georg Kronprinz von Griechenland, Herzog von Sparta 234 Georgi Friedrich Freih. v., GO. 252 Georgi Viktor, preuß. GM. 268 Geřabek Karl. GM. 528, 552 Gerhauser Siegmund v., FML. 125, 233, 747, 750 Gerok Friedrich v., württ. GdI. 76, 77, 78, 79, 80, 282, 284, 318, 340, 342, |
738 Glaise v. Horstenau Edmund, Hptm. 100 Goiginger Heinrich, FML. 631 Goiginger Ludwig, FML. Goldbach Edl. v. Sulit-taborn Anton, FML. 375, 376, 377, 379, 380, Gołogórski Emil Ritt, v., FML. 164 Gombos Michael, Obst. 268, 271 Göttlicher Karl, GM. 173 Grallert v. Cebrów Konrad, GM. 327, 396 Grigorescu Eremia, rum. Gen. 372, 373, 384. 385, 386, 390, 394 Großmann Edl. v. Polazzo-Redipuglia Franz, GM. 443, 450 Gruber Richard Ritt, v., GM. 169, 180 Guillaumat Marie Louis Adolphe, franz. Gen. 753 ^ Guilleaume Árpád, Obst. 379 Günste Karl, Obst. 650 Gurko Wassili Josipho-witsch, russ. Gen. 12, 13, 14, 91, 92, 101, 103, 218, 223 Gutor Alexej Ewgenie-witsch, russ. GdI. 223, 224, 236, 251, 279, 281, 282, 294, 298, 303 Gutschkow Alexander Iwa-nowitsch, russ. Staatsmann 90, 92, 94, 101, 216, 217, 218, 219, 222 Haas Karl, GM. 440, 464 Háber Johann. GM. 354, 358, 364, 384, 385 |
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Habermann Hugo Edl. v. FML. 79, SO, 82, 317, 398, FZM. 727, 738 Hadfy v. Livno Emmerich, FML. 83. 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268, 270, 272, 342, GdI. 376, 379 Haig Sir Douglas, brit. FM. 11, 216, 425 Hauer Leopold Freih. v., GdK. 97, 98, 283, GO. 511, 512, 724, 726 Haus Anton, Großadmiral 7 Hazai Samuel Freih. v., GO. 72, 86 Heineccius Konstanz v., preuß. GLt. 299, 312, 330, 332 Hellebronth v. Tiszabeö Gustav. Obst. 531 Hempel Johann Ritt, v., Mjr. 735 Henneberg Joseph Freih. v., GM. 117 Henriquez Johann Ritt, v., GdI. 283, 441, 463, 475, 533, 545, 550, 563, 580 Herberstein Herbert Gf., FML. 398, 727, 738 Hindenburg Paul v. Benek-kendorff u. v., preuß. GFM. 6, 8, 10, 17, 32, 756 Hinke Alfred Edl. v., FML. 79, 80 Hodula Karl, Obst. 375, 376 Hoen Maximilian Ritt, v., GM. 71 Hofacker Eberhard v., württ. GLt. 543, 570, 574, 578, 579, 582, 585, 586, 587, 591, 598, 605, 607. 608, 609, 617, 623, 625, 667, 668, 702, 703, 705 Höfer Anton, Obst. 71 Hoffmann Max, preuß. Obst. 130, GM. 732 Hoffmann Gyuro, Oblt. i. d. R. 437 Hofmann Peter. FML. 84, 242, 243, 245, 299 Hohenberger Georg, Obst., 631 |
Holtzendorff Henning v., deutsch. Admiral 6, 7 Hordt Theodor v., FML. 108, 283, GdI. 463, 566, 593, 594, 609, 616, 621, 622,' 638, 639, 671 Horsetzky Edl. v. Hornthal Ernst, FML. 309, 317, 319, 327, 329, 395, 397, 405 Horthy de Nagybanya Nikolaus, LschKapt. 183 Hranilovic-Czvetasin lOskar v., Obst. 71, GM. 735 Hrozný Edl. v. Bojemil Joseph, GM. 141, 464, 467, 474, 479, 543 Iskrić Johann, Hptm. 444 Jacobi Albano v., preuß. GdI. 98 Jacquemot Charles Auguste Jules, franz. GM. 748 Janečka Joseph, Obst. 136, 178, Freih. v. 476 Jármy v. Nagyszolnok Andor, Obstlt. 127, 128 Jehlin Maximilian, bayr. GM. 275, 277, 278 Jellicoe John Rushwort, viscount of Scapa, brit. Admiral 745 Jesser Moritz, FML. 317, 395 Joffe Adolf, russ. Staatsmann 732 Joffre Joseph, franz. Gen. 11, 12 Tóny de Tamnik Ladislaus, GM. 326, 396 Joseph Erzherzog, GO. 43, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 100, 107, 214, 220, |
Judenitsch Nikolai Nikolajewitsch, russ. Gen. 92 Kaiser Julius, GdI. 408, 523, 544, 555, 570, 583, 584, 588, 702 Kaledin Alexej Maximilowitsch, russ. GdK. 82, 92, 223 Kaiser Edl. v. Maasfeld Franz, FML. 366, 383, 388, 393 Kaltenborn Adalbert v., GM. 163, 262, 273, 280, 321, 322 Kamenew (Rosenfeld) Lev Borissowitsch, russischer Staatsmann 732 Kantardjeff Todor, bulg. GLt. 752 Karl I. (IV.) 7, 9, 68, 69, 70, 71, 72, 79, 99, 100, 105, 116, 130, 157, 188, 252, 394, 415, 417, 419, 420, 421, 422, 456, 495, 497, 498, 511, 573, 577, 592, 602, 615, 641, 672, 676, 678, 679, 681, 704, 705, 709, 710, 738, 759, 760 Karl Erzherzog, Generalissimus 592 Kathen Hugo v., preuß. GdI. 292, 295, 296, 297, 299, 304, 308 Keller Adolf Gf. v., preuß. Obst. 384, 387, 393 Keltschewski Anatoli Igna-tewitsch, russ. Gen. 735 Kerenski Alexander Feo-dorowitsch, russ. Staatsmann 90, 219, 222, 223, 224, 225, 227, 230, 238, 247, 272, 285, 289, 302, 303, 320, 346, 347, 353, 406, 409, 411, 415, 717, 718, 719, 720, 721, 727, 728, 757, 760 Kirchbach auf Lauterbach Karl Freih. v., GO. 86 Klembowski Wladislaw Napoleonowitsch, russ. Gen. 92, 285, 286, 718, 719 Kletter Ernst, FML. 240, 243, 245, 251, Edl. v. Gromnik 650, 651, 652, |
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654, 655, 656, 657, 670, 671, 672, 680, 681, 685, 686, 687, 688, 697, 726 Koennen-Horák Edl. v. Höhenkampf Ludwig, GdI. 335, 752 Koerber Ernest v., österr. Staatsmann 7 Konopickv Theodor, GM. 108, 625 Konstantin I. König der Hellenen 234, 416 Körner Edl. v. Siegringen Theodor, Obst. 136, 463 Kornilow Labr Jegoro-witsch, russ. Gen. 223, 261, 264, 270, 272, 273, Korzer Karl, GM. 633 Kosak Ferdinand, FML. Kosch Robert, preuß. GdI. 341, 342, 347, 373 Koschak Wilhelm, Obst. 528, 552 Kosel Edl. v. Val d’Assa Anton, Obst. 157 Kouff Robert, Obst. 141, 157 Kövess v. Kövesshaza Hermann, GO. 80, 81, 283, Krafft v. Dellmensingen Konrad, bayr. GLt. 23, 76, 496, 497, 499, 520, Králiček Rudolf, GdI. 108, 136, 146, 147 Kramař Karl, Dr., tschech. Politiker 420 Krammer v. Marchau Gustav, Obst. 634 Krasel Edl. v. Morwit-zer Felician, GM. 347 Kratky Karl, GM. 146, 173, 459, FML. 672, 684 |
Kratochwil v. Szentkereszt-hegy Karl, Obst. 508 Krauss Alfred, FML. 70, 108, 283, 317, 318, 324, 325, 326, 327, 329, 330, 345, 350, 355, GdI. 395, 397, 398, 399, 406, 408, 498, 499, 503, 504, 512, 519, 520, 521, 522, 523, 524, 525, 528, 536, 538, 539, 541, 542, 545, 551, 552, 558, 563, 567, 568, 574, 579, 590, 593, 594, 595, 597, 602, 605, 606, 607, 608, 615, 616, 620, 621, 623, 624, 625, 640, 641, 642, 644, 653, 657, 658, 659, 661, 662, 663, 664, 665, 666, 669, 670, 671, 673, 675, 676, 689, 690, 691, 692, 693, 694, 696, 698, 703, 707, 723 Krautwald v. Annau Joseph Ritt., GdI. 193, 197, 204, 632, 651 Kreß v. Kressenstein Friedrich Freih., türk. Gen. 755 Křitek Karl, GO. 86, 272, 277, 278, 279, 309, 315, 321, 323, 328, 399, 400, 406, 722, 723, 731 Krobatin Alexander Freih. v., GO. 71, 108, 210, 513, 558, 566, 593, 609, FM. 641, 642 Krug v. Nidda Hans, sächs. GdK. 332 Krylenko Nikolai Wassi-liewitsch, russ. Kriegsminister 729, 730, 731, 740 Kühlmann Richard v., deutscher Staatssekretär d. Äußeren 423 Lähne Michael, Obst. 727 Lawrowski Edl. v. Plöcken Marcel, FML. 566, 593, 637, 642, 674 Laxa Wladimir, Obst. 141, 474 Leiter Edl. v. Łososina Anton, GM. 79 Lenin (Uljanow Wladimir Iljitsch) russ. Staatsmann 720, 728, 729, 730, 733, 736, 757 |
Leopold Prinz v. Bayern, GFM. 32, 82, 99, 100, 107, 130, 214, 216, 220, 228, 229, 230, 240, 241, 243, 251, 270, 271, 272, 276, 278, 282, 289, 290, 291, 292, 293, 298, 300, 301, 302, 310, 315, 327, 333, 335, 343, 400, 405, 406, 408, 415, 721, 726, 729, 730, 731, 732 Lequis Arnold, preuß. GM. 528, 542 Lerch Theodor Edl. v., Obst. 748, 749, 750 Lercher Johann, Obst. 634, 639 Lesch Leonid Wilhelmo-witsch, russ. GdI. 98, 99, 104 Letschitzki Platon Alexe-jewitsch, russ. GdI. 77, 79, 87, 92 Lettow - Vorbeck Paul v., preuß. GM. 746 Lewandowski Anton Edl. v., Obst. 141 Lieb Joseph, GM. 78, 405 Linsingen Alexander v., preuß. GdI. mit dem Range eines GO. 36, 43, 78, 85, 86, 96, 97, 284, 293, 355, 391, 400, 401, 408, 724, 725, 726, 727, 731, 739 Lipošcak Anton, FML. 342, 350, 380, 391, 722 Lischka Emil, FML. 168 Litzmann Karl, preuß. GdI. 79, 95, 272, 277, 281, 282, 309, 310, 311, 315, 316, 321, 322, 323, 342, 400, 406, 727, 730, 738, 739 Lloyd-George David, brit. Staatsmann 16, 17, 18, 19, 120, 419, 421, 424, 425, 426, 427, 428, 758 Lobkowitz Prinz v. Ferdinand, GM. 69 Lörinczy Béla, Obst. 377, 379 |
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Lukas Karl, GdI. 86, 155, 158, 171, 175, 440,, 450, 452, 453, 459, 460, 461, 467, 544, 571 Lukomski Alexander Ser-gjejewitsch, russ. GLt. 92, 718, 719 Lunzer Edl. v. Lindhausen Rudolf, Obst. 165 Lupescu Alexandra, rum. Gen. 735 Lütgendorf Kasimir Freih. v., FML. 79, 350, 352 Luxardo Eugen Edl. v., GM. 317, 405 _ Lwow Georgij Jewgenie-witsch Fürst, russ. Ministerpräsident 92, 247, 303 Mackensen August v., preuß. GFM. 43. 75, 76, 81, 100, 107, 214, 220, 406, 408, 411, 412, 458, 722, 723, 734, 735, 737, 757 Maendl Edl. v. Bughardt Maximilian, Obst. 633 Mambretti Ettore, ital. GLt. 185 Marenzi v. Tagliuno u. Talgate, Markgf. v. Val Oliola, Freih. v. Marenz-feldt v. Scheneck Gabriel Gf.. GM. 76, 404, FML. 722 Maria Königin v. Rumänien 734 Marterer Ferdinand Ritt, v., FML. 69 Martiny v. Malastów Hugo, GdI. 463 Marx Karl Heinrich, Sozialist 417 Masaryk Thomas Garri-gue, tschech. Politiker 421 Mecenseffy Artur Edl. v., FML. 196, 204 Melior Theodor, preuß. GLt. 301 |
Merten Eduard Edl. v., GM. 662, 664, 666 Metzger Joseph, FML. 5, 70, 71, 455, 531, 532, 541 Michael Alexandrowitsch Großfürst v. Rußland 91, 92 Michaelis Georg, deutscher Reichskanzler 418, 423 Mihaljevic Michael, GM. 263, 278, 322, 400 Miljukow Paul Nikolaje-witsch, russ. Politiker 90, 92, 95, 217 Milne Georges F., brit. GLt. 19 Mirbach Franz Freih. v., Mjr. 732 Mollinary Edl. v. Sękowa Eduard, Obst 537 Molnár v. Péterfalva De-siderius, FML. 303, 331 Montuori Luca, ital. Gen. 515, 535, 546, 549, 551, 565, 571, 572, 575 Morgen Kurt v., preuß. GLt. 347, 366, 367, 368, 369, 371, 372, 387, 390, 735 Mostböck Joseph, Obst. 642 Mülller Richard, GM. 108, 508, 682 Müller Rudolf, GM. 525, 527, 537, 568, 621, 637, 638, 639, 658, 661 Naey Paul Edl. v., GM. 319, 395 Nahsim Bey Mehmed, türk. Obstlt. 735 Nerjezow Stepan Michai-loff, bulg. Gen. 347 Nicolis di Robilant Mario, ital. GLt. 626, 627, 628 . . Nikolai Nikolajewitsch Großfürst v. Rußland 92, 93 Nikolaus II. 13, 14, 30, 90. 91, 92, 93, 95, 346, 757 Nivelle Robert George, franz. Gen. 12, 16, 17, 18, 25, 118, 119, 120, 121, 122, 129 |
Nöhring Maximilian. GM. 266, 278 Novak v. Arienti Guido, GM. 141, 146 Nostitz Veit v., preuß. GM. 350, 354, 384, 390 Orlando Vittorio Emanuele, ital. Ministerpräsident 613, 644, 645, 714 Paar Eduard Gf.. GO. 69 Paić Joseph Ritt, v., Obst. 631 Painlevé Paul, franz. Staatsmann 119, 121, 232, 428, 758 Palitzyn Fedor Fedoro-witsch, russ. Gen. 11 Papp Daniel, Obst. 79, 80 Paschen Konrad, preuß. GM. 80, 81 Pasetti-Friedenburg Florian Freih. v., Obstlt. 526 Pašič Nikola. serb. Ministerpräsident 420 Peccori-Giraldi Guglielmo conte, nob. e patr. di Firenze, ital. GLt. 627, 647 Pershing John Joseph, amerik. Gen. 417, 758 Pertew Pascha, türk. Gen. 72 Pétain Henri-Philippe, franz. Gen. 122, 232, 426, 428, 758 Peter I. Kaiser von Rußland 742 Peter Ferdinand Erzherzog, GdI. 108, 512, 670 Petitti di Roreto conte Alfonso, ital. GLt. 565, 570, 571, 575 Pfeffer Rudolf, FML. 689, 692 Pflanzer-Baltin Karl Freih. v., GO. 71 Pflug Ottokar, Obst. 57 Piacentini Settimio, ital. GLt. 134 Pichler Kletus, FML. 319, 395 |
|
Piłsudski Joseph, poln. Gen. 724 Pitreich Anton Ritt, v., GM. 152, 174, 456, 574 Podhoránszky Eugen v., FML. 532 Poincáré Raymond, Präsident der franz. Republik 121 Pokorný Hermann, Obstlt. 732 Pollet Edl. v. Polltheim Johann, GM. 358 Pomiankowski Joseph, GM. 72 Popoff Theodor, bulg. Obstlt. 735 Popovits Konstantin, Mir. 449 Popper Emil, Lt. i. d. R. 260 Porro nob. dei conti di Santa Maria della Bicoc-ca Carlo, ital. GLt. 11, 613 Posseldt Edgar, preuß. GM. 750 Presan Konstantin, rum. DivGen. 219, 339, 373, 386, 734 Prey Siegmund, Obst. 146 Puchalski Stanislaus v., GM. 81, 476 R Radetzky v. Radetz Joseph, Gf., FM. 592 Ragosa Alexander, russ. Gen. 347, 355, 361, 362, 369, 370, 372, 373, 377, 383, 402, 404, 734, 741 Rasputin Georgij Jefimo-witsch, russ. Mönch 90 Rath Paul, Obst. 352, 363 Redlich v. Regensbruck Otto, Obstlt. 321 Regner v. Bleyleben Paul Freih. v., Obst. 379 Rennel Rodd Sir. J., brit. Botschafter in Rom 425 Reuter Alexander v., preuß. Obst. 748. 749, 750 ' |
Revertera di Salandra Nikolaus Gf., öst.-ung. Diplomat 422, 423 Rhemen zu Barensfeld Adolf Freih. v., GdI. 127 Ribot Alexandre, franz. Staatsmann 121, 428 Ricci Armani nob. di Firenze di Pontremoli Ar-mano, ital. GLt. 650 Riemann Julius, preuß. GdI. 86 Robertson Sir William, brit. Gen. 11, 119, 425, 426, 427, 428, 603, 613, 614 Robilant, s. NicoLis Rodsjanko Michael Wla-dimirowitsch, Präsident der Duma 90, 91, 92, 93 Rohr Franz, GO. 79, 105, Freih. v. Denta 342, 348, 350, 352, 355, 357, 359, 364, 366, 367, 375, 393, 396, 402, 403, 722 Romer Johann Ritt, v., Obst. 206, GM. 685 Ronge Maximilian, Obstlt. 71 Roth Ritt. v. Limanowa-Łapanów Joseph, GdI. 197, 626, 630, 632 Ruiz de Roxas Eugen Chev., FML. 77, 282, 344, 349, 350, 351, 352, 353, 354, 355, 357 Rußki Nikolaj Wladimiro-witsch, russ. GdI. 13, 14, 88, 91, 92, 94, 101, 102, 103, 218, 222, 223 S Sacharow Wladimir Vikto-rowitsch, russ. GdK. 92, 101, 339, 340 Salih Butka, alb. Bandenführer 123, 124 Salis - Samaden Heinrich Freih. v., Obst. 463 Sallagar Hermann, GM. 317 Sarrail Maurice, franz. Gen. 19, 123, 125, 126, 128, 747, 750, 753, 757 Sawoff Sawa, bulg. Gen. 373, 384 |
Schaer Georg, preuß. GM. 76, 341, 347 Schamschula Rudolf, FML 163, 476, 478 Schamschula Rudolf, GM 709 Schariczer v. Rény Georg, FML. 112, 136, 161, 163, 168, Freih. 441 Schäffer-Boyadel Reinhard Freih. v., preuß. GdI. 87, 96, 286 Schenk Alfred Edl. v., FML. 136, 161, 165, 167, 168, 169, 177, 262, 274, 275, 476 Scheuchenstuel Viktor v., FZM. 79, GO. Gf. 630, 632, 649, 651, 652, 656, 679, 681, 682, 684, 687 Scheucher v. Presserhof Friedrich, Obst. 158 Schilhawsky v. Bahnbrück Joseph Ritt., GM. 654 Schilhawsky v. Bahnbrück Sigismund Ritt., Mjr. 497 Schmettow Eberhard Gf. v., preuß. GLt. 76 Schmid Edl. v. Bonetti Hugo, GM. 164 Schneider Edl. v. MannsAu Joseph, FML. 162, 164, 168, 169, 170, 177, 178, 179, 448, 476, 477, 478, 555 Schneller Karl, Obstlt. 5, 9 Scholtz Friedrich v., preuß. GdA. 87, 126, 747, 748, 750, 751 Schönauer Wenzel, GM. 150 Schönburg-Hartenstein Alois Fürst, GdK. 69, 197, 463, 472, 474, 475, 482, 485 Schönner Edl. v. Schöndorn Odilo, Obstlt. 199, 650 Schotsch Hugo, Obst. 650, * 655, 656 Schtscherbatschew Dimitrij Gregoriewitsch, russ. GdI. 83. 218, 223, 339, 348, 372, 373, 720, 731, 733, 734, 735, 736, 737, 741, 742 |
|
Schwarzenberg Felix Prinz zu, GM. 178, 527, 659, 661, 666, 695, 705 Schwer Edl. v. Schwerter egg Otto, GM. 326, 329, 396, 39S Scotti Karl. FML. 105, 108, 136, 439, 459, 460, 703, 705 Seeckt Hans v., preuß. GM. 724, 738 Segato Luigi, ital. GLt. u. Kriegshistoriker 613 Seliwatschew Wladimir Iwanowitsch, russ. Gen. 320 Severus Edl. v. Laubenfeld u. Ciminago Viktor, GM. 245, 299, 336 Seydel Paul, preuß. GM. 345, 365, 375, 376, 377, 379, 388, 389, 391 Sevdl Eugen, Obstlt. 202 Sieger Ludwig, preuß. GLt. 273, 274, 275, 277, 321, 400 Sixtus Prinz v. BourbonParma 422. 423, 425 Sloninka v. Hołudów Adolf, Obst. 204, 536, 638 Smuts Jan Christian, Burengen. 421 Sokolow N., sozialistischer Dumaabgeordneter 91 Sonnewend Gustav. Hptm. 178 Sonnino Sidney Baron, ital. Minister für ausw. Angelegenheiten 427 Sontag Leo, preuß. GLt. 76, 366, 370, 371, 373, 383 Soretić Theodor Ritt, v., GM. 577, 727 Sorsich v. Severin Béla, FML. 77, 78, 79, 378, 379, 380, 388, 389 Spaics v. Mitrovicza Alexander, Obst. 124 |
Spiess v. Braccioforte Silvio, Obst. 264, 268, 526, 527, 539, 568 Sprecher v. Bernegg Th., Gstbschef der Schweiz. Armee 10 Stein Hermann Freih. v., bayr. GLt. 497, 522, 523, 524, 526, 528, 530, 667, 703 Steinhart Franz Edl. v., FML. 633, 634 Stöger-Steiner Edl. v. Steinstätten, Rudolf, GdI. 71, 108 Stöhr Karl v., GM. 589 Straub Johann, GM. 643 Ströher Vinzenz, GM. 150, 545 _ Stumpff Max Emil, preuß. GLt. 262, 268, 269, 270, 271, 272, 273 Stürmer Boris Wladimiro-witsch, russ. Ministerpräsident 89, 90 Sunkel Edwin, preuß. GLt. 77 Szende v. Fülekkelecseny Franz, GM. 147 Szilley Béla v., Mjr. 686 Szurmay Alexander, FML. 72, 86 Tantiloff Iwan, bulg. Obst. Tassoni Giulio, ital. GLt. Tersztyánszky v. Nádas Karl, GO. 86, 238, 261, 262, 263, 264, 267, 268, 269, 270, 272, 273, 300 Thierry Camille, preuß. Obst. 123. 124, 125 Thomas Albert, franz. Rüstungsminister 219 Tisza v. Borosjenö et Szeged Stephan Gf., ung. Ministerpräsident 7, 71, 72, 419, 421 Tlaskal Edl. v. Hochwall Ludwig, Obst. 528 Trollmann Ignaz, GdI. 123, Freih. v. 747, 752 |
Trotzki (Bronstein) Leo, russ. Staatsmann 721, 728, 729, 730, 731, 733, 757 Trumbić Anton Dr., süd-slaw. Politiker 420 Tscheremisow Wladimir Andrejewitsch, russ. Gen. 265, 268, 270, 272, 303, 320, 321, 322, 720 Tutschek Ludwig Ritt, v., bayr. GM. 529, 553, 673, 674, 693, 694, 695 9 Unschuld Ritt. v. Melas-feld Felix, GM. 254, 299, 332 Urb arz Adolf, FML. 173, 450, 452, 464, 556, 589, 610 Valentini Konstantin, Mjr. 686 Venizelos Eleutherios, griech. Ministerpräsident 234, 416 Véver Richard Freih. v., Obst. 452 Vidalě v. San Martino Julius, GM. 652, 685 Vidossich Rudolf, Obst. 195, 197, 650, 681, 688, 697 Viktor Emanuel III. 456, 534, 644, 645 Vojaček Gottlieb, Hptm. 281 Waldstätten Alfred Freih. v., Obst. 70, 71, GM. 496, 497, 505, 614, 705, 759 Waňek Karl, Obst. 375, 376, 377, 379 Watterich v. Watterichs-burg Albert, Obst. 642 Wasserthal Ritt. v. Zuccari Konstantin, GM. 642 Wedel Hasso v., preuß. GM. 543, 575, 689, 692, 693 Weiss-Tihanyi v. Main-prugg Franz Ritt., GM. 122 |
|
Wekerle Alexander, ung. Ministerpräsident 421 Wenninger Karl Ritt, v., bayr. GLt. 368, 370, 373, 374, 387, 393 Wieden Edl. v. Alpenbach Eduard, Obst. 172 Wieden Edl. v. Alpenbach Heinrich, GM. 525, 527, 537, 551, 552, 567, 568, 593, 594, 595, 658,-659, 661, 662, 664, 666, 673, 674, 675 Wierónski Stanislaus, Hptm. 169 Wilhelm II. 289, 309, 496, 497, 641 Wilhelmi Karl, preuß. GLt. 293, 296, 297, 299, 301, 302, 304, 305, 306, 307 Willerding Rudolf Ritt, v., FML. 247, 335, Freih. v. 738 Wilson Henri H., brit. Gen. 645, 660 |
Wilson Thomas Woodrow, Präsident der Vereinigten Staaten v. Amerika, 7, 8, 415, 417, 758 Winckler Arnold v., preuß. GdI. 229, 239, 247, 250, 251, 290, 298, 300, 302, 304 Windisch Alois, Oblt. 686 Wodtke Georg v., preuß. Obst. 538, 661, 663, 665 Wolodtschenko Nikolai Ge-rasimowitsch, russ. Gen. 320, 720 Woyna Wilhelm v., preuß. GM. 376, 393, 403, 722 Woyrsch Remus v., preuß. GO. 87, 215, 283, 727, 731, 737 Wrangel Nikolaus Alex-androwitsch Baron, russ. Gen. 331, 332 Wurm Wenzel, FZM. 108, 592 |
Wuthenau Hohenthurm Karl Gf. v., sächs. Obst. z Zedtwitz Franz Gf., Obst. 663 Zeidler Erwin v., FML. 138, 146, 172, Freih. v. 572 Zeidler-Daublebsky Freih. v. Sterneck Egon, Obst. 69 Zeki Pascha, türk. GdK. 732 Zeynek Theodor Ritt, v., Obst. 71 Zimmermann Artur, deutscher Unterstaatssekretär 7 Zita Kaiserin u. Königin 422 Zurikow Athanasius An-drejewitsch, russ. Gen. 347, 373, 734 |
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XV. 108, |
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III. (Eisernes) 24. |
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V. 84, |
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|
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XIII. |
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|
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|
XVIII. |
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|
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|
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652, |
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|
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|
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|
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|
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|
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|
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|
XXIII |
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|
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|
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667 | ||||
|
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455, |
456, |
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|
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465, |
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|
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|
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624 | |||||||
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609, |
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639, |
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|
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662, |
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366, |
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|
638. |
639, |
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673, |
675, |
676, |
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16. 136, 142, |
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151, | ||||
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267, |
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|
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532, |
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|
535, |
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563, |
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344, |
435 | ||||||
|
17. 150, 151, 161, 163, 168, 178, 441, 446, 448, 449, 545, 556, 557, 572, 585, 599, 610, 619, 667 18. 190, 192, 193, 194, 195, 196, 203, 204, 208, 509, 626, 639, 652, 653,' 655, 656, 657, 666, 671, 672, 684, 685, 686, 687, 688, 697 19. 237, 238, 239, 240, 244, 245, 246, 247a 248, 249, 250, 251, 293, 301, 334, 335, 401, 443, 463, 475, 479, 495, 498, 509, 630, 632, 650, 671, 672 20. H. 85, 391, 408, 482, 495, 497, 505, 507, 508, 533, 545, 556, 584, 599, 610, 615, 619, 625 21. Sch. 83, 160, 175, 216, 435, 438, 440, 454, 458, 464, 507, 508, 558, 564, 601, 631, 632, 650, 651, 655, 656, 671, 672, 688, 706 22. Sch. 191, 194, 195, 197, 498, 522, 525, 526, 527, 536, 537, 552, 568, 594, 595, 602, 606, 607, 608, 616, 617, 621, 622, 623, 637, 638, 639, 658, 659, 663, 673, 674, 689, 690, 696, 698 24. 79, 95, 143, 155, 158, 172, 173, 174, 175, 216, 435, 440, 443, 450, 452, 454, 458, 508, 533, 544, 545, 556, 571, 577, 584, 586, 589, 609, 610, 618, 619, 624, 675, 678 25. 108, 238 26. Sch. 87, 97 27. 238 28. 114, 150, 152, 161, 162, 164, 167, 168, 169, 170, 175, 178, 179, 441, 442, 446, 447, 448, 460, 476, 478, 506, 523, 534, 544, 555, 556, 558, 570, 577, 583, 584, 588, 609, 610, 617, 619, 623, 624, 698 |
30. 317, 321, 394, 395, 399, 738, 739 31. 78, 79, 84, 346, 352, 358, 386, 391, 396, 398, 399, 405, 408, 723, 738 32. 238, 244, 247, 248, 249, 250, 251, 293, 301, 334, 335, 408, 738 33. 84, 229, 238, 239, 240, 289, 292, 293, 295, 296, 300, 301, 304, 335, 408, 458, 498, 500, 507, 524, 541, 558, 563, 573, 576, 579, 598, 607, 623, 675, 690, 726 34. 82, 317, 321, 394, 395, 399, 405, 406 35. 87, 143, 161, 166, 170, 175, 177, 178, 180, 216, 4.35, 441, 442, 446, 447, 460, 463, 476, 478, 506, 523, 532, 533, 544^ 545, 555, 556, 571, 577, 584, 586, 589, 598, 617, 619, 624, 670, 675, 689 36. 83, 238, 262, 266, 267, 271, 272, 273, 274, 275, 278, 279, 281, 323, 400 37. H. 78, 79, 280, 345, 350, 354, 355, 358, 364, 365, 375, 376, 380, 382, 384, 385, 389, 392, 393, 404, 722, 738 38. H. 84, 238, 269, 271, 303, 305, 307, 314, 316, 331, 332, 334 39. H. 79, 95, 96, 386, 392 738 40. H.’ 283, 309, 317, 319, 326, 329, 395, 399, 723, 724, 728 41. H. 106, 107, 113, 150, 161, 162, 163, 441, 447, 463, 476, 477, 572, 585, 590, 599, 610, 618, 624, 667, 668, 699, 705 42. H. 83, 238, 262, 263, 264, 275, 276, 278, 279, 322, 400 43. Sch. 136, 142, 143, 147, 148, 154, 175, 440, 450, 454, 459, 464, 466, 470, 471, 480, 508, 544, 545, 556, 580, 584, 713, 727, 738 44. Sch. 150, 151, 161, 168, 441, 446, 449, 557, 572, 577, 585, 589, 599, 610, 618, 619, 624, 667, 705 45.Sch. 87 |
46. Sch. 458, 738 667 634, 650, 655 50. 498, 516, 522, 528, 529, 51. H. 79, 317, 327, 329, 392, 396, 727, 738 53. 394, 401, 463, 475, 480, 299, 302, 305, 307, 308, 312, 313, 314, 330, 332, 334, Sch. 726 55.84,238,239,241,242,254, 255, 257, 299, 302, 313, 314, 332, 334, 498, 512, 520, 522, 526, 527, 536, 539, 552, 553, 558, 568, 595, 597, 605, 606, 607, 608, 611, 616, 617, 620, 623, 625, 638, 657, 658, 659, 661, 662, 663, 664, 674, 690, 692, 695, 698, 705, 725 56. Sch. 670 57. 136, 141, 143, 146, 158, 175, 440, 449, 454, 464, 466, 479, 482, 505, 506, 523, 531, 532, 534, 540, 541, 543, 544, 555, 556, 570, 577, 584, 588, 609, 619, 623, 624 58. 146, 147, 148, 172,449, 479, 507, 557, 571, 572, 577, 585, 589, 599, 610, 619, 667 59. 82, 96, 283, 309, 317, 318, 319, 326, 329, 395, 396, 398, 724, 738, 739 60. 523. 532, 544, 555, 556, 571, 577, 583, 584, |
|
5S6, |
5S7, |
588, |
589, |
598, |
357, |
358, 360, |
363, |
364, |
47. 172, 464, 467 | |||
|
599, |
617, |
619, |
624, |
670, |
382, |
384, 386, |
396 |
48. 173 | ||||
|
690. |
692, |
693, |
698, |
703 |
2. 23É |
, 262, 263 |
, 266 |
269, |
55. 164, 165, |
166, |
169 | |
|
61. H. |
79 |
270, |
272, 273, |
275, |
278, |
56. 164, 165, |
166, |
169 | ||||
|
62. 136, 1 |
38, |
141, |
143, |
281', |
309, 322, |
326, |
400, |
59. 148, 154, |
156, |
157, | ||
|
15S. |
175, |
216, |
342, |
354, |
406, |
724. 727, |
738 |
172, 173, |
175 | |||
|
368, |
369, |
370, |
371, |
372, |
3. 78, |
79, 346, |
366, |
396, |
60. 158, 166, |
168, |
170, | |
|
373, |
374, |
384, |
3S7, |
390, |
722, |
738 |
533 | |||||
|
435, |
510 |
4. 238 |
64. 249, 335 | |||||||||
|
63. 507, 577, |
585, |
599, |
5. H. |
80, 317, |
319, |
326, |
73. H. 78, |
374, |
375, |
376, | ||
|
610, |
619, |
738 |
329, |
396, 398, |
727 |
377, 378, |
379, |
380, |
381, | |||
|
64. H. |
619. |
624 |
6. 81, |
317, 319, |
326, |
329, |
387, 389 | |||||
|
70. H. |
77, |
345, |
349, |
358, |
396, |
398, 727 |
74. H. 354, |
364, |
384, |
385 | ||
|
365, |
374, |
375, |
376, |
378, |
7. 76, |
284, 318, |
345, |
350, |
81. H. 85, |
508 | ||
|
379, |
380, |
381, |
382, |
384, |
352, |
355, 365, |
374 (Fuß- |
86.Sch. 14i |
, 175 | |||
|
3S8, |
389, |
393, |
404, |
722, |
regiment), 379 |
(Fußregi- |
96.633, 63; |
, 671 | ||||
|
738 |
ment), 393 (Fußregimen |
98. KSch. 204, |
509, |
526, | ||||||||
|
71. 77, |
345, |
349, |
358, |
365, |
ter), |
402, 404 |
, 722 |
536, 537, |
552, |
568, |
621, | |
|
374, |
375, |
376, |
377, |
378, |
8. 79, |
284, 317, |
318, |
345, |
625, 637, |
658, |
661, |
662, |
|
379, |
380, |
381, |
382, |
387, |
352, |
354, 355, |
365, |
374 |
666, 673, |
674 | ||
|
388, |
389, |
391, |
392, |
403, |
(Fußregiment), |
382, |
387 |
121. 141, 144, |
145, |
146, | ||
|
404, |
619, |
738 |
(Fußregiment), |
403, |
404, |
154, 157 | ||||||
|
72. 79 |
722 |
129. 299 | ||||||||||
|
73. 76, |
191, |
203, |
204, |
216, |
9. 97, |
511, 724, |
725, |
726, |
141. 50 | |||
|
355, |
435, |
441, |
443, |
447, |
727, |
738 |
142. 50, 374, |
375, |
376, | |||
|
452. |
453, |
454, |
455, |
458, |
10. 78 |
79, 342 |
, 350 |
377, 379, |
387, |
389 | ||
|
460. |
464, |
465, |
467, |
482, |
ll.H. |
317, 319, |
326, |
329, |
143. 50 | |||
|
506 |
346, |
396, 398, |
738 |
144. 50, 76 | ||||||||
|
74. H. |
317, |
327, |
329, |
392, |
12. rtSch. 230, |
238, |
*251, |
145. 50, 341, |
373, |
458, | ||
|
396. |
738 |
408 |
735 | |||||||||
|
92. 108, 341, 347, 366, 384, 394 93. 108, 490, 498 |
354, |
IV.: K r i e -, ! |
u. k. I n £ a n z. k. Schütz |
t e -e n -, |
179. 634, 680, 681 180. 197 181. 207, 650, 681, |
684, | ||||||
|
94. 108, 498, 593, 609, 616, 637, 638, 639, |
512, 635, 642, |
566, 636, 671,, |
k. u. t e r i e b i r |
nonve und k, gsbr ig |
a i n i u. k. ade |
a n-Gen |
687, 697 207. H. 374, 389 |
378, |
379, |
380, | ||
|
674, |
689, |
691, |
692, |
693, |
5. 141, 146, |
159, |
471, |
216. 526, 527, |
536, |
538, | ||
|
694, |
708, |
713 |
609 |
539, 552, |
567, |
568, |
608, | |||||
|
106. Lst. 85, |
108, |
136, |
138, |
U. 650 |
616, 658, |
662, |
664 | |||||
|
139, |
141, |
142, |
143, |
146, |
12. 197 |
, 203, 650, 697 |
217. 527, 536, |
537, |
594. | |||
|
156, |
157, |
158, |
172, |
175, |
16. 317 |
321 |
609, 616, |
622, |
658, |
662, | ||
|
440, |
451, |
454, |
459, |
464, |
17. 161 |
, 165, |
166, |
167, |
664 | |||
|
475, |
479, |
482, |
507, |
551, |
169, |
534 |
1- KJ. 197, |
650, |
655, |
656 | ||
|
558, |
564, |
601, |
631, |
632, |
18. 141 |
, 466, |
467, |
471, |
2. KJ. 197 | |||
|
650. |
67 lj |
672, |
680, |
681. |
474, |
475, 479 |
l.Gb. 639, |
653, |
656, |
657, | ||
|
706 |
20. 165 |
666, 707 | ||||||||||
|
155. (später |
H.) |
726 |
23. 79 |
2. Gb. 435, |
464, |
5S4, |
693, | |||||
|
Gruppe I /XIX (Gerhauser) |
24. 79, |
81, 136 |
694 | |||||||||
|
125. |
747, |
750, |
751 |
25. Sch. |
366 |
3. Gb. 438, |
528, |
539, |
542, | |||
|
Grupp< |
Erzherzog |
Peter |
26. Sch. |
87, 109, |
188, |
215 |
553, 597, |
598, |
620, |
623, | ||
|
Ferdinanc |
670 |
31. 264 |
267 |
625 | ||||||||
|
37. 681 |
, 684, 687, 68 |
4. Gb. 146 | ||||||||||
|
III: K |
. u. |
c. K |
a v a |
le- |
38. 246,606,661 |
662, |
663 |
5. Gb. 146 | ||||
|
r ie -, |
k. k. |
Sch |
1 ü t z |
e n - |
39. H. 482 |
7. Gb. 531. |
532, |
541, |
583, | |||
|
und |
k. u |
. H |
o n v |
é d - |
41. Sch. |
440, 452, |
454 |
584, 587 | ||||
|
k a v a |
Iler |
i e - |
D i v |
1 s i - |
42. Sch. |
440, 443, |
450 |
8. Gb. 77, |
348, |
349, |
352, | |
|
o |
n e n |
43.Sch. |
197, |
201, |
509, |
353, 354, |
356, |
357, |
358, | |||
|
1. 77, |
344, |
345, |
348, |
349, |
537, |
552, 621, |
637, |
638, |
363, 364, |
365, |
378, |
381, |
|
351, |
353, |
354, |
355, |
356, |
639, |
658, 661 |
382, 3S4 | |||||
|
9. Gb. 634, 635, 636, 639, 652, 653, 656, 657, 659, 662, 666, 697, 707 10. Gb. 464, 583, 584, 587, 693, 694 11. Gb. 166, 171, 173, 177, 667 12. Gb. 166, 169, 170, 172, 177, 178, 179, 180 13. Gb. 631, 681 14. Gb. 122 15. Gb. 528, 539, 542, 552, 597, 620, 623, 625 20. Gb. 123, 124, 748, 749, 750, 751, 752 694 29. Gb. 566, 594, 609, 616, 639, 671 56. Gb. 634, 681 57. Gb. 117, 593, 642, 674 58. Gb. 197 59. Gb. 108, 512, 526, 527, 539, 552, 567, 594, 609, 616, 621, 638, 639, 671 Gruppe Fässer 566, 593, 594, 635, 636, 637 Brig. Hohenberger 631 Brig. Papp 79, 80 Gruppe Schotsch 650, 655, 656 Gruppe (Brig.) Vidossich 195, 197, 650, 681, 688, 697 Gruppe 1/47 (Spaics) 124 V: K. k. und k. u. La nd-sturminf anterie-(Gebirgs-) Brigaden K.k. 1. 84, 147, 445, 507, 610, 619 K. u. 16. 79, 342, 391, 404, K.k. 22. Gb. 438, 439, 464 K. k. 24. Gb. 138, 145, 146 K. u. 28. Gb. 648, 657, 727, 738 K.k. 110. 143, 145, 654 K.k.111. 157 K. k. 187. 507, 610, 675, 713, 737 K. k. 205. 141, 145, 146 K.u. 211. 123, 124, 234, 750 |
VI: Kavalleriebri gaden 7. 358 11. 76 20. 76, 378, 380, 389 Reiterbrig. d. 2. KD. 83 Reiterbrig. d. 5. HKD. 79, 81 Reiterbrig. d. 10. KD. 78 VII: Feldartilleriebrigaden 19. 334 24. 173 R. 94. 394, 642 R. 106. 155, 158, 159, 172 Schießschul 503 VIII: K. u. k., k. k. u n d k. u. Fußtruppen IR. 1. 264, 276, 278 IR. 2. 163, 264, 267 II. Baon. 2. 164 III. Baon. 2. 168 IV. Baon. 2. 164 I. Baon. 3. 179 IR. 5. 265, 274, 444 IR. 7. 210, 498, 527, 693, 694, 695 III. Baon. 7. 553 IV. Baon. 7. 527 V. Baon. 7. 621, 642 IR. 8. 692, 693 IV. Baon. 8. 692 IR. 9. 173, 444 IR. 10. 444, 464 IR. 11. 170, 460 II. Baon. 11. 165 IR 12 85 IV. Baon. 12. 634, 685, 697 IR. 14. 475, 482, 483, 490, 505, 509, 537, 538, 551„ 674 I. Baon. 14. 197, 199, 200, 201, 203, 204, 537 II. Baon. 14. 196, 197, 199 III. Baon. 14. 197, 198, 200, 201, 551 IV. Baon. 14. 196, 197., 198, 202 X. Baon. 14. 116, 196, 203, 204, 205, 207, 650, 685,, 686 IR. 15. 165, 478 |
I. Baon. 15. 373 III. Baon. 15. 165 IR. 16. 281 IR. 17. 650, 697 IR. 18. 727, 739 II. Baon. 18. 608, 623 III. Baon. 18. 642 IR. 19. 240, 295 II. Baon. 20. 464 IV. Baon. 20. 435, 473 IR. 21. 163, 165, 168 I. Baon. 21. 435, 458 IR. 22. 143 I. Baon. 22. 650 II. Baon. 22, 449 IV. Baon. 22. 650 V. Baon, 22. 650 IR. 23. 334 IR. 24. 114, 156, 173, 471, 480 IV. Baon. 24. 352, 353 IR. 27. 195, 650, 656, 697 I. Baon. 27. 697 III. Baon. 27. 657 IV. Baon. 27. 197, 650 IR. 28. 146, 170, 178, 179, 210, 619, 623 IR. 30. 178, 533 IR. 31. 164, 165, 269, 270, 273, 274 IR. 32. 321 II. Baon. 34. 473 IR. 35. 248, 251, 252, 650, 656 III. Baon. 35. 363, 365 IR. 37. 162, 163, 164, 165, 166, 167, 178 IV. Baon. 37. 685 RBaon. 37. 116, 194, 656 IR. 38. 162, 163 I. Baon. 38. 164, 165 IV. Baon. 38. 165 IR. 39. 150, 178, 449, 572 IV. Baon. 39, 449 IR. 41. 114, 156, 157, 158 173, 450, 460 IR. 44. 723 II. Baon. 44. 352 IR. 45. 173, 444, 452, 464, 610 IR. 46. 449 IR. 47. 170, 460, 477 II. Baon. 47. 478 IV. Baon. 47. 165 V. Baon, 47. 436, 443, 455, 464, 467 IR. 48. 624 IR. 49. 689, 692, 693 III. Baon. 49. 631 |
|
IR. 50. 463, 467, 475, 479, 480, 488, 509 I. Baon. 50. 473 II. Baon. 50. 473 III. Baon. 50. 473 IR. 51. 478, 533 I. Baon. 51. 178, 650, 697 II. Baon. 51. 436 II. Baon. 52. 143, 144, 155, 156 IR. 53. 272, 273, 274, 444 IR. 55. 165 III. Baon. 55. 464 III. Baon. 56. 81 IR. 57. 80, 190, 204, 436, 460, 464, 470 II. Baon. 57. 206 III. Baon. 57. 190, 205, 206, 210, 436 IR. 59. 509, 539, 567, 662, 664 II. Baon. 59. 621, 659,662 III. Baon. 59. 194, 196, 197, 198, 631 X. Baon. 59. 650, 697 IR. 60. 266 I. Baon. 60. 265 IR. 62. 478, 533 I. Baon. 62. 164, 269 IR. 63. 87, 96, 178, 448, 488. 533 I. Baon. 63. 443. 455, 464, 506 ' IR. 64. 171, 175, 190, 443, 455, 464, 506, 533 I. Baon. 64. 488 III. Baon. 64. 164 IV. Baon. 64. 115 IR. 65. 264, 265, 268 IR. 66. 265 II. Baon. 66. 444, 464 I. Baon. 68. 163 I. Baon. 69. 358, 363, 381 III. Baon. 69. 471 IR. 70. 334 IR. 71. 114, 148 IR. 72. 178 IR. 73. 171, 175, 177, 180, 190 III. Baon. 73. 634 III. Baon. 74. 631 IR. 75. 249, 251, 252, 650 IR. 76. 148 III. Baon. 76. 391 IR. 77. 173, 440, 444, 464, 611 IV. Baon. 77. 168 IR. 78. 513 IR. 79. 172 |
I. Baon. 79. 173 IR. 80. 114, 534 IV. Baon. 80. 114 IR. 81. 243, 245, 509, 650, 685, 686 III. Baon. 81. 245 IR. 82. 352, 356, 363, 365, 391, 403, 404 II. Baon. 82. 374 IR. 83. 85, 260 IV. Baon. 84. 634, 635, 685, 687, 697 ' III. Baon. 85. 114, 146 IR. 86. 114, 249, 444 IR. 87. 114, 144, 466, 473, 474, 479 I. Baon. 87. 449, 475 IV. Baon. 87. 634, 685, 697 IR. 88. 245, 246, 691, 692. 693, 726 ' I. Baon. 90. 435 IR. 91. 114, 170, 178 I. Baon. 91. 167 IR. 92, 668 II. Baon. 92. 631 I. Baon. 93. 455 IR. 94. 86 IR. 96. 146, 172, 210, 470, 557 IR. 98. 163 I. Baon. 98. 750 IV. Baon. 98. 163, 165 IR. 99. 691, 692 IR. 100. 80 II. Baon. 100. 115, 455 II. Baon. 101. 391 IR. 102. 107, 127, 128 I. Baon. 102. 650, 697 I. Baon. 104. 636 III. Baon. 104. 636 V. Baon. 104. 609 VI. Baon. 104. 609 VII. Baon. 104. 513, 609 VIII. Baon. 104. 636 IR. 105. 50 IR. 106. 50 IR. 107. 50 IR. 108. 50 • IR. 109. 50 Sturmbaon. d. 4. ID. 691 Sturmbaon. d. 49. ID. 634 Sturmbaon. d. 54. ID. 245 Sturmbaon. d. 94. ID. 642 Sturmbaon. d. 11. Armee. 204 Sturmbaon. d. Heeresfront Erzherzog Joseph 318, 352, 357, 363, 374 |
Sturmbaon. d. 3. Armee 269, 270, 273, 274, 278 Komb. IBaon. 650 Hochgbkomp. 22. 697 KJR. 1. 650 KJR. 2. 650, 657 I. Baon. KJR. 2. 631 II. Baon. KJR. 2. 631 VI. Baon. KJR. 2. 642, 692, KJR. 3. 509, 538, 567, 594 I. Baon. KJR. 3. 536, 537, 538, 552 II. Baon. KJR. 3. 538. 552, III. Baon. KJR. 3. 631 IV. Baon. KJR. 3. 538 I. Baon. KJR. 4. 509, 621, 662, 664 II. Baon. KJR. 4. 197. 199 200 KJBaon. Südtirol 374, 394 FJB. 2. 146, 470 FJB. 7. 194, 195, 197, 200, 201, 202, 204, 205, 650, 685 FJB. 8. 512, 566, 635, 642 FJB. 9. 144, 462, 466 FJB. 11. 557 FJB. 12. 435, 466, FJB. 17. 108 FJB. 20. 194, 196, 197, 210, 650, 697 FJB. 21. 179, 455 FJB. 22. 653, 656, 685, 686 FJB. 23. 190, 197, 202, 436 FJB. 25. 108 FJB. 30. 116, 567, 642 FJB. 31. 107 Korrub. FJB. 642 RdfBaon. Schönner 199, 650 bh. IR. 1. 245, 542 III. Baon. bh. IR. 1. 466 V. Baon. bh. IR. 1. 509, 650 bh. IR. 2. 498, 509, 661 III. Baon. bh. IR. 3. 167 bh. IR. 4. 210, 520, 694 I. Baon. bh. IR. 4. 674 III. Baon. bh. IR. 4. 631 IV. Baon. bh. IR. 4. 595, 596, 605, 606 VI. Baon. bh. IR. 4. 436, 464 bh. IR.5. 50, 374, 376, 391, 393, 404 bh. FJB. 3. 532 bh. FJB. 4. 458 bh. FJB. 6. 179 bh. FJB. 8. 435 GrzJB. III. 127 |
%
|
SchR. 1. 374, 388 SchR. 3. 195, 509, 526, 659, 661, 662, 664, 673, 674 I. Baon. SchR. 3. 664 II. Baon. SchR. 5. 634 SchR. 6. 451, 454 SchR. 7. 451 SchR. 8. 440, 444, 465 I. Baon. SchR. 10. 98 SchR. 14. 188, 463, 489 SchR. 16. 738 SchR. 20. 114, 172, 450 SchR. 21. 619 SchR. 22. 172, 460, 545 SchR. 23. 114, 146, 147, 148 IV. Baon. SchR. 23. 750 SchR. 24. 374, 388 SchR. 25. 188, 463, 475, 489 SchR. 26. 195, 509, 526, 638, 658, 662, 664, 674 SchR. 28. 440, 444, 465 II. Baon. SchR. 28. 440 SchR. 29. 334 SchR. 30. 726 SchR. 36. 436, 443, 450, 464, 656, 685 II. Baon. SchR. 36. 190 SchR. 37. 138, 145, 154, 439, 444, 455, 464 [. Baon. SchR. 37. 467 IV. Baon. SchR. 37. 114 KSchR. I. 509, 536, 674 I.Baon. KSchR. I. 204, 205 II. Baon. KSchR. I. 198 III. Baon. KSchR. I. 198 IV. Baon. KSchR. I. 650, 688 KSchR. II. 509 II. Baon. KSchR. II. 631 KSchR. III. 634, 653, 685, I. Baon,. KSch. III. 634 II. Baon, KSchR. III. 686 GbSchR. 1. 150, 667 GbSc’nR. 2. 446, 475, 479, 667 HIR. 1. 482 I. Baon. HIR. 11. 386, 388, 393 III. Baon. HIR. 13. 357 HIR. 14. 365 IHR. 15. 380, 381, 387. 404 IHR. 17. 482 |
HIR. 18. 358, 374, 379, 380, 381 HIR. 28. 83 I. Baon. HIR. 31. 256 HIR. 32. 114 HIR. 33. 50, 374, 381 II. Baon. HIR. 33. 374 HIR. 308. 255, 256 HIR. 309. 255, 256 HIR. 313. 365, 374, 379, 380, 388 HIR. 314. 374, 379 III. Baon. HIR. 314. 381 HIR. 315. 374 III. Baon. HIR. 315. 381 I.Baon. HIR. 316. 609 K.k. LstIR. 1. 84, 107, 146, 147 K. k. LstlR. 2. 114, 146, 147, 470 I. Baon. LstlR. 2. 479 K.k. LstlR. 6. 146, 154, 474, 479 K.k. LstlR. 11. 141, 145 K. k. LstlR. 25. 451, 460, 479 692 III. Baon. LstlR. 26. 159 K.k. LstlR. 27. 141, 145 K.k. LstlR. 31. 145, 479 K.k. LstlR. 32. 156, 444, 480 IV. Baon. k. k. LstlR. 39. 114, 149, 172, 178 K.k. LstlR. 51. 470 III. Baon. k. k. LstlR. 409. 145 K. k. LstlBaon. 10. 642 K. k. LstlBaon. 40. 156 K. k. LstlBaon. 42. 146 K. k. LstlBaon. 44. 394 K. k. LstlBaon. 160. 634 K. k. LstlBaon. 161. 634 K. k. LstlBaon. 164. 656, 685 K. k. LstlBaon. 168. 634 K.k. LstlBaon. 171. 634 K. k. LstlBaon. 172. 650 K. k. LstlBaon. II. 634 K.k. LstlBaon. III. 634 K. u. LstlR. 1. 394 I. Baon. k. u. LstlR. 2. 466 V. Baon. k. u. LstlR. 4. 439, 444 VI. Baon. k. u. LstlR. 4.144 K. u. LstlR. 6. 480, 482 K. u. LstlR. 17. 391, 393 |
II. Baon. k. u. LstlR. 17.404 IX. Baon. k. u. LstlR. 19. 439, 444, 464 III. Baon. k. u. LstlR. 25. 143 IX: K. u. k., k. k. und k. u. Kavallerie DR. 2. 403 DR. 7. 618 DR. 11. 396 DR. 12. 389 DR. 14. 374, 377, 387, 403 HR. 2. 364 HR. 5. 364 HR. 7. 364 HR. 8. 396 HR. 12. 364 HR. 14. 353, 364 HR. 15. 686 . UR.2. 379 UR. 11. 403 UR. 12. 387, 403 X: K. u. k. A r t i 11 e r i e FKnR.4. 532 GbAR. 3. 642 1.HbBt. GbAR. 4. 235, 754 GbAR. 5. 642 2. HbBt. GbAR. 6. 235, 754 GbAR. 17. 642 GbAR. 203. 642 10.4 cm-KnBt. 20. 754 Sonstige Frvv. SchBaon. Marburg IV. 170, 176, 178, 183 Militär-Gemeralgouv. Belgrad 107, 127, 751 Militär-Generalgouv. Montenegro 751 Oberösterreichisches Frw. SchR. 656, 685, 687 Pionier Komp. 2/2. 727 Polnische Legion (Hilfskorps) 51, 109, 724, 725, 738 Siebenbürger. FrwBaon. 50 StSchAbtlg. ZiUerlhal 195 Ukrainische Legion 245 Donauflottille 76 Schlachtschiff ,,Budapest“ 642, 669 Schlachtschiff ,,\Vien“ 642, 669, 700 Kreuzer „Aspern“ 642 Kreuzer „Admiral Spaun“ 590, 642 |
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I: Armeekorps I. 229 VI. 86, 401 VIII. 86, 284, 401 Alpenkorps 76, 111, 215, 362, 365, 366, 369, 370, 371, 373, 374, 383, 384, 385, 387, 392, 393, 408, 498, 500, 501, 504, 509, 511, 516, 522, 528, 529, 530, 540, 542, 543, 553, 569, 574, 596, 605, 607, 608, 617, 620, 623, 625, 642, 673, 678, 689, 693 Asienkorps 235, 754 Beskidenkorps 291, 293, 297, 298, 299, 301, 302, 304, 305, 306, 307, 311, 312, 313, 314, 330, 331, 332, 333, 334, 335, 725 Karpathenkorps 81, 82, 283, 317, 318, 324, 325, 326, 327, 328, 350, 352, 395, 397, 398, 408, 642, 723, 738, 739 Gruppe Behr 347 Korps Berrer 293, 295. 296, 297, 298, 299, 301, 304, 309 Gruppe Berrer (Hofacker) Gruppe Eben 85 Gruppe Gallwitz 342, 347, 352, 354 Gruppe Gerok 76, 77, 78,79, 80, 282, 284, 318, 340, Gruppe (Korps) Krafft 28, 76 Gruppe Schaer 76, 347 Gruppe Sontag 76 |
597, 598, 605, 607, 608, ! 703, 705 Gruppe Sunkel 77 Gruppe Wilhelmi 293, 296, 297, 298, 299, 301, 302, I. R. 342, 347, 354, 366, 394, 735 XII. R. 401 XXII. R. 85, 284, 408 XXIII. R. 290, 292, 295, 296, 297, 298, 299, 301, 304, 308,, 336 XXIV. R. 79, 738 XXV. R. 82, 229, 241, 243, XXVII. R. 84, 303, 305, 307, 308, 312, 313, 314, 725 XXXX. R. 79, 272, 739 KavKorps Schmettow 76 II: Infanterie-, Kavalleriedivisionen 336 5.1. 290, 296, 301, 309, 573, 575, 576, 579, 582, ! 583, 584, 585, 586, 587, i 588, 592, 598, 599, 607, j 623, 675, 678, 689, 690, |
691, 692, 693 6.1. 290, 292, 295, 296, 301, 304, 308, 309, 314, 726 12.1. 498, 500, 504, 516, 522, 528, 529, 533, 534, 539, 540, 542, 543, 553, 569, 574, 595, 596, 597, 605, 606, 607, 608, 617, 620, 623, 625, 663, 668, 678 15.1. 86, 215, 216 16.1. 86, 216 20.1. 276, 277, 278, 281, 290, 291, 298, 309, 311, 320, 330, 335, 401 22.1. 85, 284, 292, 293, 295, 296, 301, 309, 314, 726 26. (l.württ.) I. 498, 500, 504, 523, 531, 540, 543, 553, 554, 569, 570, 575, 576, 579, 582, 586, 587, 592, 598, 607, 608, 617, 620, 623, 625, 678, 703 28.1. 504 42.1. 290, 292, 293, 298, 302, 304, 308, 314, 401, 727, 739 83.1. 230, 238, 262, 263, 264, 267, 268, 269, 273, 275, 277, 300, 303, 305, 309, 315, 316, 322, 406, 7'3Q 86. I. 97, 216 89.1. 366, 368, 372 290, 293, 298, 300, 301, 247, 250, 251, 260, 293, 297, 301, 306, 313, 331, 334 107.1. 284, 727 108.1. 254, 284, 739 109.1. 76, 341, 347, 384, 390 115.1. 342, 347, 366, 370. 371, 372, 373, 388, 393 117. I. 81, 283, 284, 317, 318, 344, 345, 352, 355, 358, 365, 374, 375, 376, 377, 378, 379, 380, 381, |
|
623, 625, 642, 658, 659, 661, 663, 664, 665, 673, 675, 678, 690, 693, 694 4. Ers.216, 228, 238, 240, 256, 258, 259, 260, 302. 305, 307, 308, 330, 332. 335, 405, 723, 738 10. Ers. 725 10. bayr. ]. 78, 84, 215, 216 11. bayr. I. 76 12. bayr. I. 366, 370, 371, 372, 388 14. bayr. I. 408, 726, 739 bayr. Ers. 408, 726 6. R. 408 15. R. 229, 238, 241, 243, 254, 257, 297, 314, 331, 334, 335, 725, 739 16. R. 271, 272, 273, 274, 275, 277, 281, 290, 291. 292, 309, 315, 316, 321, 322, 400, 406, 738 24. (sächs.) R. 216, 229, 238, 239, 241, 242, 243, 254, 255, 256, 257, 259, 260, 271, 280, 303, 305, 307, 314, 332, 334, 725 33. R. 408, 726 36. R. 83, 84, 215, 216 48. R. 83, 215 • 53. R. 84. 238, 260, 280, 303, 305, 307, 332, 334 75. R. 84, 216, 229, 238. 241, 253, 260, 271, 280, 300, 305, 309, 332 76. R. 81, 342, 347, 357, 366, 388 8. bayr. R. 79, 96, 260, 271, 272, 273, 275, 277, 278, 281, 284, 290, 291, 309, 315, 316, 321, 322, 323, 342, 343, 400, 405, 504, 723 1. L. 97, 98 7. L. 215 10. L. 86 12. L. 216. 238, 296 15. L. 85. 238 22. L. 208 45. (sächs.) L. 87, 216 47. L. 216 Ohrida Div. 750, 752 2. K. 408 Bayr. K. 97, 99, 276, 277, 278, 281, 290, 291, 309, 310, 315, 323, 405, 408, 723, 724, 737 |
III: Infanterie-, Kavalleriebrigaden 172.1. 98 48. R. 272, 273 15. bayr. R. 77, 374, 393, 724, 738 Preuß. Leibhus. 229, 289, 291, 293, 298, 301, 305, 306, 307, 308, 311, 312, 313, 330, 333, 335 I.K. 723 IV: Infanterie-, Kavallerieregimenter preuß. GGrenR. 2. 295 GrenR. 3. 318, 350, 355, 365, 387, 398, 399 LeibGrenR. 8. 691 IR. 42. 347 IR. 144. 246, 249 IR. 157. 81. 344, 345, 386 IR. 173. 246 IR. 329. 263, 264, 274 IR. 330. 263, 264, 265 273, 274 IR. 331. 264, 266, 268, 270 II. Baon. 331. 265 II. Baon. 373. 386 IR. 473. 246 29. ErsR. 247, 250 RIR. 11. 284, 355, 365, 374 RIR. 18. 365 RIR. 22. 317, 318, 345, 352, 355, 380 RIR. 104. 271 RIR. 106. 86 RIR. 233. 85 RIR. 250. 271 I. Baon. bayr. RIR. 11.374 II. Baon. bayr. RIR. 11. 374 bayr. RIR. 18. 77, 374 L1R. 32. 240 LIR. 429. 86 LstlR. 34. 273 LstlR. 36. 365, 374, 393, 402 preuß. Garde-Schützen-Baon. 751 württ. GbBaon. 365, 374, 379. 392, 393, 408, 616, 621, 637, 638, 665. 673, 674 V: Technische Truppen Pionierbaon. 35. 525 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Verzeichnis der bulgarischen Truppenverbände
Komb. ID. 76, 347, 373
Verzeichnis der türkischen Truppenverbände
|
VI. Korps. 342, 754 XV. Korps. 83, 84, 754 XX. Korps. 754 19. ID. 83. 229 |
20. ID. 83, 241, 253, 257, 302, 305, 308, 313, 330, 332, 335 |
Ergänzungen und Berichtigungen zu den ersten s e ch s Bänden
II. Band: Im Druckfehlerverzeichnis ist noch aufzunehmen:
Seite 642, Anmerkung 2), 3. Zeile von oben 3/10 statt 3/9
„ 811, rechte Kolonne, 6. ,, „ „ 3/10 „ 3/9
III. Band: Seite 150, Anmerkung1), soll es lauten: Die II. Abteilung des selbständigen
Artillerieregimentes statt das selbständige Artillerieregiment.
IV. Band: Im Druckfehlerverzeichnis ist noch aufzunehmen:
Seite 406, 18. Zeile von oben zuzufügen statt zuzuführen „ 450, 17. „ „ „ 24. ID. statt 24. HID.
,, 463, 11. ,, „ „ Gnilovody statt Gnilawody
18. „ „ „ Kurdwanówka statt Kurdanowka
V. Band: Im Druckfehlerverzeichnis ist noch aufzunehmen:
Seite 178, 11. Zeile von unten Schtscherbatschew statt Schtscherbatchew „ 3, 15. „ ,, ,, soll es lauten Arsiero statt Asiago
,, 201. Zu dem Personenwechsel beim Stabe der 3. Armee ist festzustellen, daß dieser nur durch die Erkrankung des Generalstabschefs notwendig wurde und in keinem Zusammenhang mit den Geschehnissen an der Front stand.
,, 389, 18. Zeile von unten soll es lauten September statt August „ 552, 15. „ ,, ,, ist bei dem Worte „fertiggestellt“ als An
merkung3) einzusehalten: .Das Brückenbataillon des österreichischen Bundesheeres als Nachfolgetruppenkörper der k.u.k. Brückenbataillone feiert den 25. Juli als Gedenktag.
„ , 649, 8. Zeile von unten ist bei dem Worte „Linie“ als Anmerkung 2) einzuschalten: Zum Gedenken an die hervorragenden Leistungen der Verbindungstruppen bei der Isonzoverteidigung feiert die Telegraphentruppe des österreichischen Bundesheeres den S. Oktober als Gedenktag.
,, 660, 1. Zeile von oben soll lauten: „Südlich von Lokvica gewann der rechte Flügel der 28. ID. Raum in der Richtung seiner . . statt „Nördlich von Lokvica erreichte das IR. 87 seine . .
17. Zeile von oben ist nach .,westlich“ einzuschalten „und süd
westlich“.
18. Zeile von oben ist nach der ersten Klammer einzuschalten
„IR. 87“.
19. und 20. Zeile von oben soll es lauten: . . . „von Lokvica konn
ten die vormittags erzielten Fortschritte mit Mühe behauptet werden“ statt . . . „davon mußte aber das IR. 87 die kaum wiedergewonnene Stellung neuerlich aufgeben“. ,, 683, Anmerkung1) sind die Infantericregimenter 11 und 47 zu vertauschen.
Beilage 3: Die Vorstellung zwischen den Höhen Jaworczek und Lipnik (südöstlich von Flitsch) ist blau statt rot einzuzeichnen.
„ 7, Seite 50, 10. Zeile von unten Gen. statt GM.
VI. Band: Seite 260, 17. Zeile von oben ist bei dem Worte „Schlage“ als Anmerkung3) beizusetzen: „Das k.u.k. IR. 83 zeichnete sich in diesen Kämpfen besonders aus. Sein Nachfolgetruppenkörper im österreichischen Bundesheer, das burgenländische Feldjägerbaon. Nr. 2, feiert daher den 6. Juli als Gedenktag.“
„ 317, sind in der Zeile 14 von unten das Wort „Beide“, ferner die Zeilen 13 und 12 von unten zu streichen und es ist dafür zu setzen: „Die 34. ID. stieg darauf in drei Kolonnen aus dem oberen Pruthtal in nordöstlicher Richtung über das Gebirge und drang über Zabie und Kosmacz in das Pistyńkatal ein. Die 30. ID. stieß indes über Tatarów—Mikuliczyn—Berezów auf Pistyń vor.“ Dementsprechend sind auch die Bewegungslinien der 34. und der 30. ID. in der Beilage 17 zu berichtigen. Von Kuty nahm die 30. ID. den Weg über Lukawetz—Storożynetz.
,, 10, 13. Zeile von unten Generalstabschef der Schweizer Armee statt
Schweizer Oberbefehlshaber.
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13. „ „ „ GbSchR. statt GSchR. „ 752, 11. „ „ oben Freih. v. Trollmann statt Trollmann Beilage23. Seite 8, 23. Zeile von unten 104 statt 204 „ 19, 20. „ „ oben XVIII statt XXVIII | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Hindenburg, Aus meinem Leben (Leipzig 1920), 225 ff.
) Das mobilisierte Schweizer Heer zählte 6 Infanteriedivisionen zu je 3 Brigaden, 4 Kavalleriebrigaden, 6 Landwehrbrigaden, Festungsbesatzungen und Armeetruppen, insgesamt 257 Bataillone, 14 Radfahxkompagnien, 80 Eskadronen, 105 Batterien und 15 Geniebataillone [Bordeaux, La Suisse dans la guerre mondiale 1914—1919,, "Paris 193ť, 31].
Palat, L’annee d’angoisse 1917 ''Paris 1927), 15 ff.
, K n o x, With the Russian Army 1914—1917 (New York 1921), IT, 532 f.
/ Zajontschko wskij, Der Feldzug des Jahres 1917 (in russischer
) Vgl. Bd. IV, 87. Im Jahre 1916 betrugen die blutigen Verluste im Nordosten 27.2 v. H., im Südwesten 32.5 v. H., die Abgänge an Gefangenen jedoch im Nordosten
35.4 v. H. und im Südwesten 18.0 v. H. der Gesamtverluste der betreffenden Front.
) Sie betrugen im Juni, dem Monate mit der größten Gefangenenziffer des ganzen Krieges, auf dem russischen Kriegsschauplätze nicht weniger als 58 v. H. der gesamten Abgänge.
/ Uber die beabsichtigte Gliederung der öst.-ung. Wehrmacht nach den damaligen Ausbauplänen des AOK. siehe Beilage 2, Tabelle 2.
, Vgl. Bd. IV, Beilage 4, Tabelle 5.
'■>j Die Regimenter 108 und 109 wurden um die Jahreswende 1916/17 wieder aufgelöst.
ht Beispielsweise erhielten die neuen Honvédinfanterieregimenter meist Nummern über 300, weil künftig die gemeinsamen Heeresregimenter von 1, die k. k. Schützenregimenter von 200 und die k. u. Honvédinfanterieregimenter von 300 an aufwärts bezeichnet werden sollten.
J Die Anzahl der Schwadronen war sowohl bei den Reiter- als auch bei den Schützendivisionen verschieden and wechselnd. In der Gesamtzahl der Reiterschwadronen änderte sich jedoch durch die neue Gliederung zunächst noch nichts gegenüber dem Stande vom Mai 1916.
Durchwegs abgelehnt wurde die ursprünglich gewählte Fortbringung auf Karren mit Hundezug; sie bewährte sich nirgends, am schlechtesten im Gebirge. Später richtete man die Infanteriegeschützabteilungen so ein, daß das Material entweder von Männern oder von Tragtieren getragen wurde.
j Im Juni erreichte die Zahl unbrauchbarer Geschütze eine solche Höhe, daß vorübergehend alle Neuaufstellungen und Umbewaffnungen eingestellt werden mußten, um die Ersätze leisten zu können.
j Die 8 cm-Feldkanone M 5 8 war zwar ein modernes Geschütz, ihre Leistung entsprach aber doch — besonders hinsichtlich der Schußweite — nicht den steigenden Anforderungen. Die Einführung einer neuen Feldkanone war im Jahra 1916 noch nicht spruchreif, wurde aber in das große, auf weite Sicht berechnete Bestellprogramm des AOK. schon einbezogen.
j Die Flakbt. wurden aus den bis Ende 1916 an die Front gelangten etwa 60 Flakzügen gebildet. Nur einige Züge aus russischen Geschützen sowie die auf Kraftwagen montierten Flakbatterien blieben selbständig zur Verfügung der Armeekommandos.
j Über die Vorgänge beim Sturz Conrads vgl. vor allem C r a m o n, Bundesgenosse, 98 ff. — Nowak, Der Weg zur Katastrophe (Quellenmäßig belegte Ausgabe, Berlin 1926,, 203 ff. — W e r k m a n n, 89 ff.; dazu von Zeitungsaufsätzen: Glaise-Horstenau, FM. Conrad ^Neues Wiener Tagblatt vom 11. November 1924,.
“ j Arz, Zur Geschichte des Großen Krieges 1914—1918 (Wien, 1924 , 123 ff.
j Arz, 151 f.
j Ebenso wie Kaiser Karl (vgl. W e r k m a n n, Deutschland als Verbündeter, 109 f., hatte auch GdI. Ludendorff wegen der etwaiger Rückwirkung auf die eigenen Truppen gegen die Frontpropaganda anfangs ernste Bedenken (Mitteilung an den damaligen Gstbshptm. v. Glalsej.
j Cramon. Unser österreichisch-ungarischer Bundesgenosse im Weltkriege,.
2. Auflage ^Berlin 1922;, 118.
; K u h 1, Weltkrieg, II, 155.
-j Nicht mitinbegriffen sind eine stattliche Reihe von Territorialrnilizbataillonen und zahlreiche Marschbataillone. Die Mehrzahl der Infanteriebataillone zählte zu dieser Zeit drei Infanterie- und eine Maschinengewehrkompagnie, diese zu sechs Gewehren.
, Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 342.
y Brigate di Fanteria, VI, 203 ff.
z'j Mit ..Caproni“, dem Namen eines besonderen Doppeldeckers, wurden von unseren Truppen schlechthin alle italienischen Flugzeuge bezeichnet.
J Es gingen ab: IR. 73 (3), 64 (3), FJB. 23, IBaone. 111/57, II/SchR. 36.
) Es waren dies die Ende April aus Tirol abgegebenen Truppen; nur gelangte statt des IR. 73 das IR. 57 zur Heeresgruppe Conrad.
) Como Dagna Sabina, 88 f.
) Den Wert des Stellungsausbaues zeigen die verhältnismäßig erträglichen Verluste dieses Bataillons trotz Ausharrens in Stellungen, die zum Teil (auf dem Nordflügel, völlig flankiert und vom Feinde auf nahe Entfernung überhöht waren. Das FJB. 7 verlor vom 10. bis zum 26. Juni insgesamt 9 Offiziere und 340 Mann, darunter 55 Tote, trotzdem es alle Kämpfe ohne Ablösung mitmachte. Diese Zahlen beweisen die Richtigkeit des Erfahrungssatzes: „Ströme von Schweiß ersparen Ströme von Blut“.
) Obstlt. Eugen Seydl, Kommandant des FJB. 7, erhielt für diese Waffentat das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens.
Obst. a. D. K i s zl i ng verfaßten, sehr ausführlichen Studie, Der Sommerfeldzug 1917 in Ostgalizien, verwertet.
, Schwarte, Der große Krieg 1914—1918, III, 310 f. — Ludendorff, 346. — S t r u b e, Die Abwehrschlacht bei Krewo-Smorgon vom 19. bis 26. Juli 1917. ^Wissen und Wehr, Berlin, Jhrg. 1934, 11. Heft.)
-j, Z a j o n t s c h.k o w s k i j, Feldzug 1917, 77 f. ■ c
) Kiritzesco, 305 ff • - Winogradsky, 334 ff. — D a b i j a, IV, 19 ff.
~ j Kiritzesco, 281 ff. — Winogradsky, 279 ff., 309 ff., 328 ff. — B u j a c, Campagnes de l’armce roumaine (Paris 1933), 100 ff. — Pétain, Le drama roumain Paris 1932;, 140 ff.
j Scarisoreanu, Fragmente din razboiul 1916—1918, 2. Auflage (Tiparul Cavalirei, 1934y. 223 ff.
-) Die Geschichte des k.u.k. Székler Infanterieregiments Nr. 82, 1883—1919 vin ungar. Sprache, Budapest 1931), 237 ff. — Kiszling, Die Verteidigung der Höhe Magura Casinului (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1927), 554 ff.
j Die deutsche 218. ID. und die k.u.k. 1. KD. hatten schwer gelitten. 43 Geschütze und sonstiges Kriegsgerät waren dem Feind als Beute zugefallen; rumänische und russische Quellen verzeichnen über 3000 Gefangene. Die 2. Rumänenarmee hatte nach Stoenescu, 175, gegen 7000 Mann eingebüßt.
Vgl. u. a. Werkmann, 170 ff. P o 1 z e r - II o d i t z, Kaiser Karl (Wien 1929 , 302 ff. — Fester, Die Politik Kaiser Karls und der Wendepunkt des Weltkrieges München 1925 , 46 ff. und die in diesem Werke auf S. X bis XV angeführte Literatur.
Robertson, 433 f. Ca LI well, Die Tagebücher des Feldmarschalls Sir Henry Wilson (in deutscher Sprache, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1930 , 221. - -Churchill, II, 49 ff.
) Foch, Mémoires pour servir a l'histoire de la guerre de 1914 1918
vParis 1931', II, XXIX ff.
/ Lloyd-George, 557 f.
- Alberti, 81 ff. - Lloyd-George, 558. Cadorna berichtet in ..La guerra“, Neudruck 1934, 386, die Alliierten hätten von ihm bei diesen Besprechungen je eine Offensive im August und im Oktober gefordert.
) Gen. Capello schreibt in Note di Guerra, II, 63: „Es war für uns ein Glück, daß der Gegner sich mit der Wiederbesetzung der verlorenen Stellungen begnügte. Wenn der Angriff weiter fortgeführt worden wäre, hätten die Österreicher gewiß den Isonzo erreicht!“
) Außer den auf dem Lande bei der Sdobbamündung aufgestellten schweren Geschützen wirkten am Südflügel des Schlachtfeldes etliche 381 mm-Marinegeschütze mit, die auf Plätten und Schleppschiffeneingebaut waren; ferner vier 305 mm-Schiffs-geschütze zweier englischer Monitoren.
/ Capello, Note di guerra, II, 132.
, Nach Weber, Isonzo 1917 ^Klagenfurt), 90. — Eine gut bebilderte Darstellung bringt auch Hübner, Die elfte Schlacht am Isonzo. 17. August bis 8. September (Wien-Leipzigs.
) Cadorna, La guerra, Neudruck 1934, 423.
) Es kamen die 4. und die 29. ID. aus Wolhynien, die 33. und die deutsche 5. ID. aus Ostgalizien, die 200. aus der Bukowina, die 117. aus Südostsiebenbürgen, das Alpenkorps aus Rumänien, schließlich die 12. und die 26. ID. der Deutschen vom westlichen Kriegsschauplätze.
) C a b i a t i, Ottobre 1917, 47.
) Capello, Per la veritä, 251 f. — Heydendorff, Cadorna - Capello. Die italienische Führung vor der Schlacht bei Karfreit (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1933. S54 ff.).
) Das Kärntner Infanterieregiment Nr. 7 (früher Alpenjägerregiment Nr. 11) des österreichischen Bundesheeres, als Nachfolgetruppenkörper des ehemaligen k.u.k. IR. 7, feiert in Erinnerung an das besonders tapfere Verhalten der ,,Khevenhüller“ bei Flitsch den 24. Oktober als Gedenktag.
j S c h e m f i 1, KJR. 3 im Weltkrieg, 480. — Derselbe, Der Fall des Montemaggiore bei der Herbstoffensive 1917 gegen Italien (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1934, 518 ff.).
) P f 1 i e g e r, Holsteinisches Feldartillerie-Rgmt. Nr. 24 Oldenburg 1922 , 167.
j Bericht der Untersuchungskommission, I, 168 ff.
V i g a n ö, La nostra guerra (Florenz, 1920). 341. —• Bericht der Untersuchungskommission, I, 174 und II, 472.
Krafft, II, 179.
) Darunter zwölf Landsturmbataillone sowie fünf aus Trachomkranken formierte Infanteriebataillone, die nur in abgesonderten Abschnitten verwendbar waren.
) Davon 3 i/o Bataillone Landsturm und Freiwillige Schützen.
Mit 6000, bzw. 5200 Feuergewehren; Kriegsgliederung der beiden Divisionen siehe Beilage 23, S. 7 und 8.
2) 52. ID.: FML. Heinrich Goiginger. 13. GbBrig.: Obst. Ritt. v. Paić. IBaone. 111/49, 111/59, 111/74, 11/92, II/KSchR. II; Brig. Obst. Hohenberger: IBaone. I und
II/KJR. 2, III/KJR. 3, III/bh. 4.
j Wiederum lieferte der bewährte Abhorchdienst der öst.-ung. Führung wertvolle Angaben. Ihnen war zu entnehmen, daß alle italienischen Funkstationen in den Bereichen des I. und des IX. Korps sowie der 56. ID. am 2. November abgebaut werden sollten.
) In diesen für die eigenen Truppen ziemlich verlustreichen Nachtkämpfen wurden 28 Offiziere und 1258 Mann an Gefangenen eingebracht.
) Krafft, II.
) Assuą 60.
Krafft, II, 227 ff.
2) Diese Frage ist nach dem Kriege lebhaft erörtert worden. Siehe hierüber: Krauss, Ursachen, 238 ff. — Krafft, II, 206 ff. und 262 ff. — Rudolf Müller, Richard Müller, Wieden und Schwarzenberg, Bei Flitsch und am Grappa (Wien 1927), 14 ff. — Handel-Mazzetti, Die erste Verteidigung des Grappa im November 1917 (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1927, 515 ff.). — S t e i n i t z, Über die Kämpfe im Grappamassiv (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1927, 505 ff.). — Schrenz e 1, Unsere letzte Chance im Weltkriege (Mil. wiss. Mitt., Wien, Jhrg. 1932, 268 ff.).
■— A s s u m, 43 ff. — C a b i a t i, La riscossa 55, 101 ff. — Caviglia, Le tre battaglie des Piave, 28 ff.
) Buchanan, Meine Mission in Rußland (Berlin 1926), 216ff.
) Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin, 180ff.
) Spannocchi, 168ff.
*) Martinów, Kornilow, 63 ff. — Kerenski, Erinnerungen (Dresden 1928), 382 ff.
) Spannocchi, 178f.
) Korostowetz, Lenin im Hause der Väter (Berlin 192S), 258ff.
) Kiritzesco, 384ff.
) Smilg-Benario, Von Kerenski zu Lenin, 238ff.
5) Ebenda, 228 ff.
Mini stěre de la guerre, Les armées. franęaises dans la grande guerre ^Paris 1923), künftig zitiert „Franz. Gstb. W.“, VIII, 563. — N é d e f f, Les opéra-tions en Macédoine. L’epopee de Doiran, 1915—1918 (Sofia 1927), 109.
2) K i r c h, Krieg und Verwaltung in Serbien und Mazedonien 1916—1918 (Stuttgart 1928), 7. "
/ Handschriftlich ergänzt: de guerre.